Ärztlicher Ratgeber für Ostafrika und Tropische Malariagegenden. Ärztlicher Ratgeher für Ostafrika und Tropische Malariagegenden von Dr. med. Paul Kohl stock, •»t 7 Stabsarzt am medicinisch-chirurgischen Friedrich Wilhelms Institut zu Berlin. Berlin 1891. Verlag von Hermann Peters, Inhaber; Paul Leist. ’t Hofbuchhändler Sr. Majestät des Kaisers und Königs. Charlottenstrasse 61. Alle Rechte Vorbehalten. Nachdruck verboten. Gewidmet dem Andenken des verewigten ersten Chefarztes der deutschen Schutztruppe für Ostafrika Stabsarztes Dr. Schmelzkopf, der in aufopfernder Kameradschaft seinen Tod fand im indischen Ocean vor Dar-es-Salaam am 20. Juli 1889. Inhalts-Y erzeiehnis. Einleitung I—l 21—12 Allgemeine Ratschläge für Aufenthalt, Lebensweise und Thätigkeit in Ostafrika. I. Teil. I. Teil. 1. Kapitel. Erfordernisse in gesundheitlicher Hinsicht für Aufenthalt und Thätigkeit in Ostafrika 13— 19 2. Kapitel. Vorbereitung zur Reise nach Ost- afrika 20-27 3. Kapitel. Verhalten auf der Reise nach Ost- afrika 27—35 4. Kapitel. Einfluss des ostafrikanischen Klimas auf den Organismus des Europäers . . . 36 39 5. Kapitel. Hygienische Vorschriften für die Ansiedelung in Ostafrika 39—45 6. Kapitel. Ernährung in Ostafrika .... 46— 59 7. Kapitel. Lebensweise in Ostafrika . . . 60— 70 8. Kapitel. Umgang mit der Bevölkerung in Ostafrika 71— 83 9. Kapitel. Umgangssprache in Ostafrika . . 83— 84 10. Kapitel. Verhaltungsmassregeln für die Heimkehr 85— 86 Verhaltungsmassregeln für einzelne Erkrankungen, Ver- wundungen und plötzliche Unglücksfälle bei Mangel, bezw. bis zur Ankunft ärztlicher Hülfe. IL Teil. 1. Kapitel. Bau des menschlichen Körpers . 87— 97 2. Kapitel. Fieber 97—103 3. Kapitel. Die Malaria-Erkrankungen . . . 104—142 4. Kapitel. Dysenterie. Ruhr 142—152 5. Kapitel. Verhaltungsmassregeln bei Er- krankungen, Verwundungen und plötzlichen Unglücksfällen bei Mangel ärztlicher Hülfe, bezw. bis zur Ankunft derselben . . . . 152—282 Zusammenstellung der für den Gebrauch in Ostafrika und 111. Teil. tropischen Malaria-Gegenden notwendigen Arzneien, Verband- Mittel, Instrumente und anderen Gebrauchsgegenstände zur Kranken- und Verwundeten-Pflege 1. Kapitel. Die für den Gebrauch in Ostafrika und tropischen Malaria-Gegenden in Betracht kommenden Arzneiformen und Arzneimittel- behälter 283—298 2. Kapitel. Alphabetisches und tabellarisches Verzeichnis der für Ostafrika und tropische Malaria-Gegenden in Betracht kommenden Arzneien, Verbandmittel, Instrumente und anderen Gebrauchsgegenstände zur Kranken- und Verwundeten-Pfiege 299—335 A. Arzneimittel 299 325 B. Instrumente und Gebrauchsgegenstände zur Kranken- und Verwundeten-Pflege 325 329 C. Verbandstoffe und Mittel 329—330 D. Gebrauchsgegenstände zur Arzneimittel- Bereitung und Zurichtung zum Ein- nehmen (Dispensation) 330 E. Alphabetisches Verzeichnis der deutschen und populären Namen der für Ostafrika und tropische Malaria-Gegenden in Betracht kommenden Arzneimittel etc. Mit jedesmaligem Zusatz der latei- nischen bezw. wissenschaftlichen Be- zeichnung 331—334 F. Inhaltsangabe einer Taschenapotheke für Ostafrika und tropische Malaria- Gegenden 334—335 Einleitung*. Die erste Anregung zu dem vorliegenden Buche erhielt der Verfasser im Jahre 1889. Als im Februar dieses Jahres der Stamm der deutschen Schutztruppe für Ost- afrika in Berlin gebildet wurde, trat Verfasser als Assistenzarzt des ersten Chefarztes derselben, des ver- ewigten Stabsarztes Dr. Schmelzkopf, in dieselbe ein. Da der letztere bereits nach kurzer Zeit nach Kairo vorausging, um bei der Anwerbung schwarzer Soldaten mit thätig zu sein, wurde dem Verfasser unter anderen sanitätsdienstlichen Funktionen die Leitung der Ver- sorgung der Truppe mit Arzneien und Verbandstoffen übertragen. Da die Thätigkeit der Truppe voraussichtlich eine auch räumlich sehr ausgedehnte werden musste, war bei der verhältnismässig geringen Anzahl von Sanitätspersonal dasselbe umfasste 2 Ärzte und 5 Lazarethgehilfen einer zweckmässigen Selbsthilfe bei Erkrankungen, Verwundungen und plötzlichen Unglücks- fällen bis zur Ankunft sachverständiger Behandlung Rechnung zu tragen. Daneben sollten aber auch für solche Truppenverbände und militärische Stationen, die nicht dauernd einen Arzt zur Verfügung hatten, sondern nur in grösseren Zwischenräumen von einem Arzte be- 1 2 sucht wurden, Arznei- und Verband mittel-Vorräte ge- schaffen werden; diese mussten einerseits geeignet sein, dem für die erste Hilfe bei den wichtigsten Erkrankungen vorgebildeten Laien eine zweckmässige und ausreichende Handhabe zu gewähren, ohne dabei die zum Gebrauch stehenden Hilfsmittel in seiner Hand statt hilfebringend, gefahrbringend werden zu lassen. Auf der anderen Seite mussten dieselben in genügender Anzahl für die betreffende Truppen- oder Stations-Besatzungsstärke auch alle Arznei- und Verbandsmittel besitzen, die nur für den Gebrauch nach ärztlicher Verordnung, oder in des Arztes Hand berechnet für den herbeigerufenen, oder auf regelmässigem Besuche eintreffenden Arzt zu erfolg- reicher Behandlung notwendig waren. Nach diesen Grundsätzen wurden die ersten 6 Stations- und Expeditions-Apotheken für die ostafrikanische Schutz- truppe mit ihren Reserve-Behältern, zuerst nach englischem Muster, zusammengestellt. Der Arznei- und Verband- mittel-Etat derselben war ungefähr in den gleichen Grenzen gehalten, wie ihn das im 111. Teil dieses Buches aufgeführte Verzeichnis als notwendig, beziehungsweise ausreichend für den Gebrauch in Ostafrika und tropischen Malaria-Gegenden angiebt. Die Unterscheidung der Mittel in solche, die bei Mangel ärztlicher Hilfe auch von Laien gebraucht, und solche, die nur von der Hand des Arztes gegeben werden durften, geschah gleichfalls in ähnlicher "Weise, wie sie das obengenannte Verzeichnis erkennen lässt. Diese Einrichtung bewährte sich so, dass gegenüber früheren in Ostafrika durch falschen Arzneigebrauch von Laien veranlassten Unglücksfällen nunmehr kein einziger Un- 3 Glücksfall durch die Wirkung eines falsch angewandten giftigen Mittels sich ereignete. Es gilt das besonders für die Zeit, wo nach dem plötzlichen Tode des ersten Chefarztes der ostafrikanischen Sclmtztruppe Verfasser als Nachfolger desselben zunächst der einzige Arzt der Truppe war, und somit der grösste Teil der letzteren unter ungünstigen Gesundheitsverhältnissen auf eigene Hilfe sich angewiesen sah. Nach Einrichtung der Arznei- und Verbandmittel- Behälter fiel Verfasser die Aufgabe zu, an der Hand derselben schon auf der Reise von Hamburg nach Ost- afrika auf dem Schiffe Martha (27. 3. 1889—3. 5. 1889) die mit ihm reisenden Offiziere und Unteroffiziere in der ersten Hilfe bei Erkrankungen, Verwundungen und plötz- lichen Unglücksfällen vor Ankunft oder bei Mangel ärzt- licher Hilfe zu unterweisen und zugleich für Aufenthalt und Thätigkeit in Ostatrika denselben in systematisch angeordneten Vorträgen hygienische Ratschläge zu er- teilen. Nach einmonatlichem Aufenthalt in Ostafrika begann Verfasser mit dem ersten Chefarzt der Schutz- truppe eine Instruktion auszuarbeiten, welche allgemeine Gesundheitsvorschriften und Verhaltungsmassregeln für die obengenannten besonderen Fälle enthielt. Die letzteren bestanden in einem alphabetisch geordneten Krankheits- verzeichnis. Nach dem Tode seines Chefs und Vor- gängers führte Verfasser dieselbe weiter aus und liess sie auf allen Stationen und Schiffen der Schutztruppe den daselbstbefindlichen Apotheken beifügen. Die anfangsinden engsten Grenzen gehaltenen Vorschriften weiterznführen, wurde Verfasser durch seine umfangreiche Thätigkeit als Chefarzt der Truppe verhindert. Dieselbe bestand, 4 nachdem er 2 Assistenzärzte als Hilfe erhalten hatte, in erster Linie, in der Regelung des Sanitätswesens der Schutztruppe und Festsetzung der Grundlage fürdieLeitung desselben. Diese Grundlagen nach der Umwandlung der ost- afrikanischen Schutztruppe in eine kaiserliche Truppe von neuem unter seiner Mitarbeiterschaft von der nun- mehrigen leitenden Sanitätsbehörde der Truppe ver- wertet zu finden, hat dem Verfasser besondere Freude bereitet. In Folge der Anstrengungen, die die aussergewöhn- licheu Dienstverhältnisse erforderten, erkrankt, musste Verfasser, als er die Regelung des Sanitätswesens der ostafrikanischen Schutztruppe in den Grundformen ab- geschlossen hatte, das Feld seiner Thätigkeit verlassen. Nach Deutschland zurückgekehrt, wurde er nach seinem Wiedereintritt in die Armee und Beförderung in seine jetzige Stellung am 1. April 1890 mit der Wahrnehmung des ärztlichen Dienstes in Berlin für die ostafrikanische Schutztruppe und die deutschen Schutzgebiete in West- afrika und Südwestafrika von der Kolonial-Abteilung des Kaiserlichen Auswärtigen Amtes betraut. In dieser Stellung hatte Verfasser zunächst Veranlassung, die Arzneimittel- und Verbandmittelbehälter der ostafrika- nischen Schutztruppe mit Verlassen der zuerst gewählten englischen Muster, welche im Laufe der Zeit sich nach vielen Richtungen hin als unzweckmässig erwiesen hatten, in eine vollständig neue Form urazugestalten, sowie neue kleine Arzneimittelbehälter, deren Bedürfnis ein drin- gendes geworden war, zu schaffen. Wenn dieselben sich in jeder Beziehung nach dem Urteile der sachverstän- digen und massgebenden Behörden nicht nur in Ostafrika, sondern auch in den anderen deutschen Schutzgebieten bewährt haben, so muss Verfasser das Verdienst dafür der durchaus zweckmässigen und praktischen Ausführung seiner Angaben durch den Besitzer von Dr. KadesOranien- Apotheke in Berlin, Herrn F. Lutze, welcher, mit den betreffenden Lieferungen betraut, in erfolgreicher Weise den an ihn gestellten Anforderungen Rechnung getragen hat, aus vollster Überzeugung beimessen. Die neue Thätigkeit bei dem Auswärtigen Amte gab Verfasser Gelegenheit, nicht nur mit den gesundheitlichen Verhältnissen Ostafrikas durch den Verkehr mit den in Berlin anwesenden, leitenden Personen der ostafrikanischen Schutztruppe, sowie Behandlung der hier weilenden Kranken derselben in unausgesetzter Verbindung vertraut zu bleiben, sondern auch seine in Ostafrika gewonnenen Kenntnisse und Erfahrungen zu erweitern. Die Aufzeich- nung derselben, welche er bei seinem Eintritt in die ost- afrikanische Schutztruppe im Jahre 1889 begonnen und seitdem ununterbrochen fortgeführt hat, in Form eines ärztlichen Ratgebers herauszugeben, entschloss sich Ver- fasser, auf die wiederholt an ihn ergangenen Aufforde- rungen sowohl einzelner massgebenden, mit den ostafri- kanischen Verhältnissen genau vertrauten Personen, wie derjenigen Kreise, die der Krankenpflege in unseren Kolonien in Deutschland und namentlich in Berlin ein werkthätiges und segensreiches Interesse entgegenbringen und denen mit Rat und That nach Kräften dienen zu dürfen, Verfasser eine Ehre und Freude ist. Wenn die praktische Thätigkeit des Verfassers in Ostafrika unter den anfangs ungünstigen klimatischen und hygienischen Verhältnissen einer Kriegstruppe nur die 6 Zusammenstellung eines ärztlichen Ratgebers für Ost- afrika zu rechtfertigen schien, so gewann derselbe das Rechtsbewusslsein, denselben auch für andere tropische Malaria-Gegenden gelten zu lassen, aus dem zweijährigen Verkehr mit sachverständigen und massgebenden Per- sonen, die in Westafrika und Neu-Guinea längere Er- fahrungen gesammelt hatten und seine in Ostafrika ge- wonnenen Kenntnisse in jeder Beziehung bestätigten und erweiterten. Was den Standpunkt betrifft, den Verfasser in dem vorliegenden Buche vertritt, so erklärt derselbe, dass er von Anfang seiner Thätigkeit im kolonialen Dienste an unausgesetzt die Notwendigkeit betont hat, jeder auch noch so kleinen Expedition, Station oder Niederlassung einen Arzt beizugeben. Dass Arzte auch andere Waffen und Geräte als die der Heilkunde zu handhaben wissen, das haben die Kämpfe in Ostafrika wiederholt bewiesen. Der Arzt darf namentlich in einem ungünstige hygienische Verhältnisse und häufige Gefahren plötzlicher lebens- gefährlicher Erkrankung bietenden Klima niemals als eine Luxusperson, deren Hülfe man in den meisten Fällen entbehren kann, angesehen werden, sondern muss auch stets neben seiner Verwendbarkeit gleich den übrigen Mitgliedern einer Expedition oder Station durch seine spezielle Fachkenntnis die erste Bedingung für den Erfolg eines Unternehmens, nämlich die Gesundheit und Dienstfähigkeit der Leiter und Teilhaber desselben in seiner Gesundheit erhaltenden und Krankheit heilenden Thätigkeit in allen Situationen gewährleisten. Die Trennung von Expeditionen und Verteilung der europäischen Mit- glieder auf kleinere Trupps ist natürlich ebenso oft auf 7 dem Marsche selbst durch die Verhältnisse geboten wie bei der Anlage von Stationen. In diesen Fällen muss das leitende Prinzip für die Wahl des Aufenthalt- Platzes für den Arzt wohl das sein, dass derselbe sich dort befindet, wo die meisten Menschen auf dem Marsche oder auf der Station vereinigt sind, oder, dass er bei Teilung der Expeditions- oder Ansiedlungstruppe in mehr als zwei Teile au einem Platze stationiert ist, der von allen übrigen in möglichst gleicher Entfernung liegt. Dieses Prinzip glaubte Verfasser mit Recht seinem Ratgeber zu Grunde legen zu dürfen, da gerade in der neuesten Zeit unserer kolonialen Entwicklung dasselbe durch reichliche Entsendung von Ärzten in die deutschen Schutzgebiete verwirklicht worden ist, sodass ärztliche Hilfe stets in absehbarer Zeit und in den meisten Fällen in Tagen für die einzelnen Niederlassungen und Stationen zu erreichen ist. Ausserdem aber durch ambulante Thätig- keit des Arztes auf einem ihm bestimmten Bezirk in möglichst kurzen Zwischenräumen auch an den Orten, wo nicht ständige ärztliche Hilfe vorhanden sein kann, der Sanitätsdienst nach Kräften gewahrt wird. Eine zweite Voraussetzung ist die, dass an den Plätzen, wo kein Arzt sich befindet, mindestens ein in der Krauken- und Verwuudeten-Pflege praktisch ausgebildeter und ge- prüfter Europäer stationiert ist, der einerseits die Not- wendigkeit ärztlicher Hilfe richtig erkennt, andererseits bis zum Eintreffen derselben eine zweckmässige Aus- führung der in dem vorliegenden Buche gegebenen Rat- schläge und Vorschriften sicherstellt. Denn die Heilkunde ist, wie keine andere, eine praktische Wissenschaft, die sich nicht allein aus Büchern lernen lässt; das Buch soll 8 in erster Linie das angeben, was in dem einzelnen Falle zu tlmn ist, wie dasselbe zu geschehen hat, muss zuerst praktisch gelernt und geübt werden, sodass die im Buche gegebenen Anleitungen nur Erinnerungen an das Gelernte zu sein brauchen. Auch diese Voraussetzung kann Ver- fasser getrost als erfüllt ansehen durch die von den schönsten Erfolgen gekrönte Bewegung, die alle Schichten und Stände unseres deutschen Volkes ergriffen hat. Die Genossenschaft freiwilliger Krankenpflege im Kriege hat dem Verfasser selbst in schwerer Zeit nach Ostafrika Helfer gesandt, deren Thätigkeit er in stetiger, dankbarer und anerkennender Erinnerung halten wird. Wer nur einen kleinen Teil Zeit seiner Vorbereitung zu Aufent- halt und Thätigkeit in unseren Schutzgebieten in fernen Landen der praktischen Erlernung dessen, wras zur zweck- mässigen ersten Hilfe bei Erkrankungen, Verwundungen und Unglücksfällen erforderlich ist, widmet, der wird, auch wenn er darum seine Vorbereitungszeit verlängern muss, tausendfach durch die Früchte dieser Arbeit für sich und seine Mitmenschen, Weisse wie Schwärze, ent- schädigt werden, und jeder Stunde dankbar gedenken, die ihn neben seiner Berufstätigkeit befähigte, werk- tätig teilzunehmen an der schönsten und dankbarsten Arbeit, die Leiden der Kranken und Verwendeten lindern zu helfen. Einen besonderen kulturellen Wert gewinnt diese Arbeit noch dadurch, dass die Bevölkerung des schwarzen Erdteils in die Hilfe der Europäer und nament- lich der Deutschen bei Krankheiten und körperlichen Leiden ohne Unterschied das grösste Vertrauen setzt, dieselbe stets und überall aufsucht und mit grösster Dank- barkeit sich angedeihen lässt eine Thatsache, auf die 9 ich im vorliegenden Buche noch näher eingegangen bin. Wenn Verfasser bei Besprechung der einzelnen Erkrankungen nicht speziell die Krankheiten des weib- lichen Geschlechts, sowie des kindlichen Alters erwähnt hat, so liegt der Grund hierfür darin, dass die jetzigen hygienischen und kulturellen Verhältnisse in unseren afrikanischen Schutzgebieten noch nicht als geeignet zu Aufenthalt von Frauen und Kindern angesehen werden können, auch später als Aufenthaltsort derselben wohl ausnahmslos grössere Plätze mit vorgeschrittener Kultur und Civilisation, wo ärztliche Hilfe stets in nächster Nähe ist, gewählt werden müssen. In der Zusammen- stellung der Aizneimittel jedoch hat Verfasser sowohl durch Hinzufügung besonders für Frauen und Kinder geeigneter und durch den Arzt anzuwendender Mittel wie in der Angabe der Dosirung derselben für Kinder bereits der etwaigen späteren Anwesenheit von Frauen und Kindern Rechnung getragen, auch behält sich derselbe vor, in späterer Zeit bei eintretendem Bedürfnis die Erkrankungen von Frauen und Kindern im tropischen Klima in einer besonderen Arbeit abzuhandeln. Was die Anordnung des in drei Teilen vorliegenden Buches betrifft, so war das leitende Prinzip des Verfassers für dieselbe, im ersten Teile die Grundsätze und hygie- nischen Lebensregeln niederzulegen, die einerseits die Verhütung von Erkrankungen in Ostafrika und tropischen Malaria-Gegenden in erster Linie bedingen, andererseits dem gesunden menschlichen Organismus die grösst- mögliche Widerstandsfähigkeit gegen das tropische Klima und dessen Gefahren und Krankheiten sichern. Verfasser glaubte am zweckmässigsten vorzugehen, wenn er gleichsam im Geiste denjenigen, der seine Kräfte der Thätigkeit in unseren Kolonien und Schutzgebieten zu widmen sich entschlossen hat, von dem Augenblick des gefassten Entschlusses an begleitet und als typisch für Vorbereitung, Reise und Aufenthalt in tropischen Malaria-Gegenden die für Ostafrika, das im Vordergrund des kolonialen Inter- esses stehende Land, geltenden hygienischen Verhältnisse hinstellt. Die über die Grenze des Buches hinausgehenden, nur speziell für Deutsch-Ostafrika einschlägigen Kapitel glaubte Verfasser der grossen Anzahl der nach Ostafrika gehenden Deutschen nicht vorenthalten zu dürfen. Der zweite Teil des vorliegenden Buches bietet vor dem alphabetisch geordneten Verzeichnis von Erkran- kungen, Verwundungen und plötzlichen Unglücksfällen eine kurze Besprechung des menschlichen Körpers, sowie der gerade für die Erkrankungen in Ostafrika und tropischen Malaria-Gegenden in erster Linie in Betracht kommenden Krankheitssymptome, des Fiebers. Aus dem alphabetisch geordneten Krankheitsverzeichnis hat Ver- fasser die verbreitetsten und bedeutungsvollsten Krank- heiten unserer deutschen Schutzgebiete, die Malaria-Er- krankungen und die Dysenterie herausgenommen und wegen ihrer Wichtigkeit und ihres Zusammenhangs mit den übrigen daselbst vorkommenden Erkrankungen einer besonders eingehenden Betrachtung unterzogen. Den Pocken glaubte er, Dank der guten, auch in Ostafrika von ihm selbst gemachten Erfahrungen über den sicheren Erfolg der Schutzpocken-Impfung, aus vollster Über- zeugung eine gleich wichtige Stelle nicht einräumen zu brauchen. Die nähere Begründung dafür findet sich im zweiten Teil des Buches bei der Besprechung- der Pocken. Die alphabetische Anordnung- der in Frag-e kommenden Krankheiten hat Verfasser nach dem Muster des ärzt- lichen Ratgebers für Seeleute, Kolonisten und Reisende in südlichen Gegenden vom Oberstabsarzt Dr. Falkenstein, einem Buche, dem er bereits vor seiner Ausreise nach Ostafrika reiche Belehrung und Anregung verdankt hat, getroffen. Was die Krankheitsbezeichnungen betrifft, so mussten natürlich die für den Laien hervortretendeu Krankheitssymptorae, namentlich die bedrohlichen Krank- heitserscheinungen in erster Linie Berücksichtigung er- fahren, die Erwähnung der Krankheiten selbst, deren Erkenntnis auch dem Arzte in manchen Fällen Schwierig- keiten machen kann, geschah vorwiegend bei solchen Erkrankungen, die durch ihre Symptome auch schon den Laien und namentlich den im Krankendienste praktisch vorgebildeten Laien für die erste Hilfe wichtige Anhalts- punkte gaben. Vor allem sollte dabei jedem unnötigen, ja schädlichen Zuviel in der ersten Behandlung vorgebeugt und die Erkenntnis der Notwendigkeit ärztlicher Hilfe nach Möglichkeit herbeigeführt werden. Die Erwähnung ein- schlägiger, auch für den Gebrauch durch die Laien statt- hafter Arzneimittel geschah durch Beifügung der latei- nischen Bezeichnung des Mittels, dessen Anwendung in dem alphabetisch geordneten Arzneimittel-Verzeichnisse des ITT Teiles zu ersehen ist; eine für den besonderen Fall gebotene spezielle Art der Anwendung des Mittels findet sich ausserdem bei den entsprechenden Erkrankungen gleich an Ort und Stelle des 11. Theiles. Die Anweisungen für den Gebrauch der einzelnen Arznei- und Verbandmittel überhaupt, so wie die sonst für die Kranken- und Verwundetenpflege in Betracht kommenden Gebrauchsgegenstände sind im 111. Teil ent- halten. Dabei ist besonders die Scheidung der auch für den Laien zu gebrauchenden und der nur in der Hand des Arztes verwendbaren Mittel, Instrumente und Gerät- schaften zum Krankendienst innegehalten und betont worden. Verfasser verspricht sich die beste Nutzbarmachung seines Buches von einer eingehenden ernsten Lektüre desselben, der sich nach Aneignung der für Ostafrika und tropische Malaria-Gegenden vom Verfasser geltend gemachten hygienischen Grundsätze und ärztlichen Rat- schläge eine Benutzung desselben im einzelnen Kalle er- schliesst. Die sowohl im I. Teil wie im 11. Teil zu findenden Wiederholungen und Hinweise auf frühere Stellen des Buches tragen dieser letzten Benntzungsart Rechnung, um in jedem Falle eine möglichst vollständige Anleitung zur ersten Hilfe vor Ankunft oder bei Mangel ärztlicher Behandlung zu geben. Im Vertrauen auf das in zwei Jahren in Ostafrika bewährte Prinzip, auch den Laien nach Möglichkeit zu helfendem Eingreifen bei Erkrankungen, Verwundungen und Unglücksfällen Gelegenheit und Anleitung zu geben, mit gleichzeitiger Gewährung der dazu erforderlichen und ausreichenden Arzneimittel in praktischer Form, giebt Verfasser seinen Ratgeber für Ostafrika und tropische Malaria-Gegenden heraus mit dem Wunsche und der Hoffnung, dass derselbe denen, die dem Dienste für unser deutsches Vaterland in unseren Kolonien und Schutzgebieten ihr Leben weihen, von Nutz und Frommen sein möge. 1. Teil. Allgemeine Ratschläge für Aufenthalt, Lebensweise und Thätigkeit ln Ostafrika. Erstes Kapitel Erfordernisse in gesundheitlicher Hinsicht für Aufenthalt und Thätigkeit in Ostafrika. Die für Aufenthalt und Thätigkeit in Ostafrika mass- gebenden Grundsätze und erforderlichen körperlichen Eigenschaften sind folgende: Abstammung aus völlig gesunder Familie, in welcher keine erblichen Krankheiten vorgekommen, oder noch vor- handen sind. Zu diesen gehören in erster Linie erbliche Lungenkrankheiten, Tuberkulose und Skrophulose, erb- liche Veranlagung zu Geisteskrankheiten, Krankheiten des Gehirns, Rückenmarks und Nervensystems. Freisein von allen organischen Fehlern, mögen die- selben angeboren oder durch Krankheit erworben sein. Die Hauptbedeutung unter diesen ist den Herzfehlern beizumessen. Die, besonders durch das Malaria-Fieber be- dingten, erhöhten Anforderungen an die Herzthätigkeit verlangen ein durch und durch gesundes, kräftig und regelmässig arbeitendes Herz. Klappenfehler des Herzens, mögen sie angeboren, oder Folge-Erkrankungen eines über- standeneu Gelenkrheumatismus sein, machen direkt un- tauglich zum Dienst in den Tropen. Dasselbe gilt von Fettherz, d. h. von einem Herzen, dessen Muskulatur in- folge allgemeiner Fettleibigkeit oder durch längere Zeit 14 fortgesetzten übermässigen Bier- beziehungsweise Alkohol- Genuss fett durchwachsen und dadurch in seiner Arbeits- kraft geschwächt ist. Abgesehen von diesen die Tropen- diensttauglichkeit direkt ausschliessenden krankhaften Veränderungen des Herzens ist es die Hauptaufgabe einer ärztlichen Untersuchung auf körperliche Tropendienst- fähigkeit, den Schwerpunkt nicht nur auf die Gesundheit, sondern auch namentlich auf die kräftige Entwicklung und regelmässige Arbeit des Herzens zu legen; denn es giebt sehr kräftig und widerstandsfähig erscheinende Menschen, die ein im Verhältnis zu ihrer Körperkraft nicht gleich kräftig entwickeltes Herz haben. Dieselben ertragen zwar grössere körperliche Anstrengungen unter den klimatischen Verhältnissen, in denen sie sich ent- wickelt haben, sind aber trotzdem den an ihr Herz durch die Akklimatisation, das Klima und Malaria-Fieber ge- gestellten Anforderungen nicht gewachsen. Als Beweis hierfür möge angeführt werden, dass die beiden ersten durch Malaria-Fieber herbeigeführten Todesfälle in der deutschen Schutztruppe für Ostafrika zwei Erkrankte be- trafen, welche ein zwar gesundes, aber im Verhältnis zu den übrigen Körperorganen schwach entwickeltes und schwach arbeitendes Herz besassen. Erbliche Veran- lagung, sowie Neigung zu Blutstockungen in den inneren Körperorganen namentlich im Gehirn, in der Lunge und im Herzen sind durchaus bedenklich für den Aufenthalt in den Tropen, Dass die Lungen für den Dienst in Ostafrika namentlich frei von jeder erblichen Krankheits- anlage und mit einer gesunden ausgiebigen Atmungs- thätigkeit ausgestattet sein müssen, ist eine Thatsache, die bisher vielfach gegenteilig beurteilt worden ist. In der That stellt aber der dauernd grosse Feuchtig- keitsgehalt der Luft bei der tropischen Temperatur er- höhte Anforderungen an die Kraft und Thätigkeit der Lungen und bringt somit krankhafte Veranlagung zu baldigem Krankheitsausbruch. Ein nicht geringer Bruch- teil der in der eisten Zeit wegen Krankheit in die Heimat entlassenen Europäer der eben genannten Truppe ist infolge vorhandener Krankheitsanlage durch Er- krankung der Lunge zum Verlassen des ostafrikanischen Klimas gezwungen worden. Jede Tropengegend mit oben angedeuteten meteorologischen Verhältnissen bietet natur- gemäss dieselben Bedingungen für die Lungen. Einen ungefähren Begriff von dem Einfluss der genannten Luft- beschaffenheit auf die Atmungswerkzeuge kann sich jeder machen, der sich das Gefühl der beklommenen Atmung bei schwülem Wetter in unserem Himmelsstrich in das Gedächtnis ruft. Nächst kräftigem Herz und gesunder Lunge verlangt das Leben im Tropenklima einen normal arbeitenden Verdauungsapparat. Wer an Magenerkrankungen, an akuten oder chronischen Katarrhen des Magens, wer an Verdauungsstörungen, mögen dieselben sich nun in Neigung zu Verstopfung oder zu Durchfällen äussern, gelitten hat, oder gar noch leidet, der bleibe dem Aufent- halt in den Tropen fern. Dasselbe gilt für alle Störungen in der Thätigkeit der Leber, in der Bereitung und Ab- sonderung der Galle, wie überstandene Gelbsucht oder Gallensteinbildungen. Es steht fest, dass in den Tropen schon unter gewöhnlichen Verhältnissen, namentlich in der Akklimatisationszeit, die Gallenbereitung oft eine vermehrte, der Gallenabfluss dagegen ein beschränkter ist. In ausserordentlich erhöhtem Maasse ist diese Störung bei dem Malaria-Fieber vorhanden. Daher die Übelkeit, das häufige Erbrechen, welches bei manchen Fieber- erkrankuugen ganz ausserordentliche Mengen Galle ent- leert. Der Stuhlgang ist bei den meisten Europäern den Störungen durch Verstopfung, wie sich das auch aus dem verminderten Gallenabfluss erklärt, unterworfen. Im allgemeinen habe ich noch keinen in den Tropen Afrikas gewesenen Menschen gesprochen, der nicht dort, wenn auch nur vorübergehend, unter Verstopfung gelitten hätte; ich füge hinzu, dass ein grosser Teil der Malaria- Fieber, namentlich bei Ersterkrankungen, durch hart- näckige Verstopfung eingeleitet wird. Während bei ge- sunden Menschen mit normaler Verdauung die auftreten- den Verstopfungen sich allein durch angemessene Diät und Lebensweise leicht heben lassen, geben dieselben andernfalls immer wieder und wieder Veranlassung zu Beschwerden und Störungen, die auch jeden Malaria anfall komplizieren. Eine Schwächung des Verdauungs- apparates durch wiederholte und stärker werdende Abführ- mittel, sowie leichtere Neigung zu neuen Magen-, Darm- Erkrankungen ist die Folge. Die Leber ist vielfach Anschoppungen ausgesetzt, welche sich in schmerzhaften Schwellungen derselben äussern. Dieselben schwinden bei gesunden Menschen durch geeignete Behandlung und Lebensweise meist schnell und folgenlos. Eine durch allgemeine Fettleibigkeit oder übermässigen Alkohol- genuss in nicht normalem Zustande befindliche Leber überwindet dagegen derartige Schwellungen schwer und ist bei einer solchen die Gefahr des Auftretens von Leberabscessen eine durch Thatsachen erwiesene. Ein Organ, das namentlich in der Regenzeit durch Erkältung Erkrankungen ausgesetzt ist, ist die Harn- blase. Früher überstandene Blasenkatarrhe müssen des- halb gründlich und ohne Folge-Erscheinungen beseitigt sein, ferner muss durch ein mindestens zweijähriges, an- dauerndes Gesundsein die Gefahr eines Rückfalles aus- geschlossen sein. Yon geschlechtlichen Erkrankungen giebt nicht voll- ständig geheilte, konstitutionelle Syphilis zu schweren, die Gesundheit dauernd ernst gefährdenden Rückfällen Anlass. Was die Hautbeschaffenheit betrifft, so bleibe jeder, der zu Hautausschlägen oder Geschwüren, auch bei nicht skrophulöser Anlage, neigt, besser den Tropen fern. Sonst als nicht schwer zu betrachtende Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes, wie „roter Hund“ und „Mangobeulen“, würden für ihn wiederholt quälende und ihn dem Dienst entziehende Erkrankungen zur Folge haben. Starke Schweissfüsse geben gleichfalls zu sehr heftigen Beschwerden Anlass. Yon den oben nicht erwähnten Erkrankungen schliesst überstandener Gelenkrheumatismus, auch wenn keine Folge-Erkrankung des Herzens zurückgeblieben ist, wegen der in den Tropen, namentlich in der Regenzeit, be- sonders erhöhten Gefahr von Rückfällen, die körperliche Tropen-Dienstfähigkeit ganz aus; auch häufige Anfälle von Muskelrheumatismus lassen den davon befallenen Körper wenig für die Tropen geeignet erscheinen. Bezüglich der Gemütsanlage sind leicht reizbare und nervös erregbare Menschen wegen des besonders im Anfang des Tropenaufenthalts direkt auf Gemüt und Nervensystem erregend wirkenden Klimas nicht zu Thätig- keit und Dienst in demselben zu empfehlen, ebensowenig aber auch solche, die zu melancholischen und hypochon- drischen Ideen veranlagt sind. Das Heimweh, ein in Ostafrika beispielsweise recht bekanntes, wenn auch weniger oft zugegebenes Leiden, würde die letzteren, namentlich, wenn es sich als Genosse (wie es dies sehr oft thut) zum Malariafieber gesellt, sehr fest packen und die Freudigkeit und Lust und Liebe zu Dienst und Arbeit dauernd nachteilig beeinflussen. Der beste Bundesgenosse eines gesunden Körpers ist gerade für den Dienst in unseren Schutzgebieten in Afrika ein frischer, froher Sinn, der die Neigung hat, auch den unangenehmsten Dingen eine gute Seite noch abzugewinnen, und mit Leichtlebigkeit und fröhlichem Gottvertrauen auch einmal schwerere Zeiten erträgt in der freudigen Zuversicht, dass wieder bessere kommen werden. Das beste und geeignetste Lebensalter für Aufent- halt und Thätigkeit zum Dienst in den Tropen liegt in den Grenzen zwischen 21 und 35 Jahren. Die untere Grenze muss jedenfalls das Alter sein, in dem der Körper schon die Entwickelung seiner sämtlichen äusseren und inneren Organe ganz und gleichmässig vollendet hat. Das ist vor allem wichtig wegen der Blutbeschaffenheit. Alle mit der Entwickelungsperiode verbundenen Ver- änderungen derselben mit ihren Folgen, wie Blutarmut, Bleichsucht, machen für den Tropen dienst durchaus un- tauglich. Denn der grösstnachteilige Einfluss des Tropen- klimas schon für einen gesunden Menschen mit normaler Blnt-Menge und -Beschaffenheit liegt in der Verschlechte- rung derselben. Ein gesunder Mensch erträgt die letztere geraume Zeit und erholt sich auch nach längerem Tropen- Aufenthalt durch Urlaub und Klimawechsel von derselben, ein Bleichsüchtiger und Blutarmer nicht. Die Körpergrösse spielt keine entscheidende Rolle, allein massgebend ist das richtige Verhältnis zwischen Körperlänge und Entwickelung der äusseren und inneren Organe. Haar und Hautfarbe dürfen gleichfalls als unter- schiedslos für die körperliche Tauglichkeit angesehen werden. Ein blonder Mensch, dessen Gesichtsfarbe ein frisches, gesundes Rot zeigt, ist bei Zutreffen aller übrigen, oben genannten Bedingungen ebenso tauglich, wie ein dunkel- haariger, der blasser ist, aber dabei doch gesund und kräftig aussieht; man darf die Gesichtsfarbe allein nie- mals für Blutmenge und Blutbeschaffenheit verantwortlich machen. In Zusammenfassung • vorstehender Ausführungen dürfte somit durchschnittlich als bestgeeignet für Leben und Thätigkeit in Ostafrika erscheinen: ein mittel- grosser, etwa 24 Jahre alter Mann, mit gesunder Ge- sichtsfarbe, kräftigem Knochenbau, gut entwickelter und sowohl durch den Militärdienst als auch durch Übung und Beruf gefestigter, straffer Muskulatur und normalem Fettpolster, der frei von jeder Krankheitsanlage, gesunde, durch keine eingreifende Erkrankung angegriffene äussere und innere Körperorgane, vor allem aber ein gesundes, kräftig arbeitendes Herz und gesunde, ausgiebig atmende Lungen besitzt und sich bei stets gutem Appetit und regelmässiger, normaler Verdauung einer heiteren und ruhigen Gemütsverfassung, gepaart mit energischem Cha- rakter, erfreut. Zweites Kapitel. Vorbereitung zur Reise nach Ostafrika. Lebensweise. Besondere Massnahmen. Ausrüstung. Abreisezeit. Lebensweise. Eine besondere Lebensweise und Diät sind für den in der gemässigten Zone lebenden Europäer längere Zeit vor der Abreise nach Afrika nicht geboten. Man bleibe bei den bisherigen Lebensgewohnheiten und vermeide nur alle Excesse in der Lebensweise, die den Körper schwächen und die Gesundheit schädigen. Regel- mässiges, kräftiges Essen verbunden mit dem Genuss des gewohnheitsmässigen Getränkes, Wein oder Bier in massiger Menge, und gute Körperbewegung geben für einen gesunden Körper ausreichend günstige Vor- bedingungen für den späteren Aufenthalt in den Tropen. Besonderes Gewicht ist zu legen auf täglichen regel- mässigen Stuhlgang. Störungen desselben bekämpfe man nicht gleich mit Abführmitteln, sondern suche durch Genuss von rohem oder gekochtem Obst bei den Mahl- zeiten auf die Verdauung fördernd zu wirken. Mässige Bewegung nach den Mahlzeiten ist gleichfalls anzuraten. Dringend warne ich, sich kurz vor der Abreise der Ge- fahr geschlechtlicher Ansteckung auszusetzen. Eine frische syphilitische Erkrankung, die auf der Reise oder im Beginn des Tropenaufenthalts zum Ausbruch kommt, raubt von vornherein dem Körper jede Fähigkeit zu Existenz und Arbeit in den Tropen. Der Nachtschlaf betrage nicht unter 7 Stunden, etwaige Gewohnheit, bei Tage zu schlafen, suche man auch schon in der Heimat abzulegen. Ausser Beobachtung dieser allgemeinen Ge- sundheitsregeln sind zwei noch besondere Massnahmen vor der Abreise entschieden notwendig. Besondere Massnahmen. Söhutzpocken - Impfung, wenn die letzte Impfung vor mehr als 6 Jahren vor- genommen ist. Eine sorgfältige Revision der Zähne durch einen Zahnarzt (Plombieren, Ausziehen erkrankter Zähne). Eine regelmässige, morgens und abends vorgenommene Reinigung der Mundhöhle und der Zähne (der ersteren auch womöglich nach jeder Mahlzeit) werden jetzt schon zur Regel. Zur Herstellung von Mundwasser empfiehlt sich am meisten Tinctura Myrrhee 30 Tropfen auf ein Glas Wasser oder Kali hypermanganicum, 1 Kristall auf 1 Glas Wasser, zur Zahnreinigung die im 111. Teil angegebene Pasta dentifrica. Ausrüstung. Als Prinzip derselben gilt, sich mit möglichst wenig Gepäck zu beschweren. An Wäsche nehme man zum gewöhnlichen Gebrauch kein Leinen, dagegen in erster Linie Baumwolle. Rohe Seide oder Jägersche Wollwäsche sind nur für denjenigen, der sich durch längeres Tragen an dieselben gewöhnt hat, zum dauernden Gebrauch zu empfehlen. Danach besteht an warmen trocknen Tagen die tägliche Leibwäsche am besten aus einem baumwollenen Hemd, ebensolchen TJnterbeinkleidern und Strümpfen. Zur Reserve nament- lich für feuchte, kalte Tage und noch mehr Nächte, be- sonders auf Expeditionen, ist Flanell- und Wollwäsche angebracht. Zum gewöhnlichen Gebrauch ist letztere dagegen für jeden nicht daran Gewöhnten zu warm und erhöht die ohnehin gesteigerte Reizbarkeit der Haut, Audi in den obengenannten Ausnahmefällen wird die Haut durch, die unmittelbar anliegende Wolle zu sehr gereizt; zeigt sich roter Hund oder Neigung zu Wund- werden und Geschwüren, so ziehe man unter die Woll- wäsche baumwollene. Auf Expeditionen trage man lange bis zum Knie reichende, weiche baumwollene Strümpfe. Dieselben müssen durch Tragbänder gut be- festigt sein und dürfen am Euss namentlich an der Eerse keine Falten schlagen. Wollene Strümpfe sind auf Ex- peditionen nicht zu empfehlen, da sie erfahrungsgemäss auf denselben schlecht gewaschen werden und dadurch ein- laufen. Lange baumwollene Strümpfe sind übrigens zur Zeit nicht in Ostafrika zu haben, deshalb sehe man sich in der Heimat mit einer ausreichenden Menge derselben vor. Für die Nachtruhe ist ein aus Jacke und Beinkleid bestehender Schlafanzug praktisch. Derselbe ist auch sonst als Morgen- und Hauskleid empfehlenswert. Ein unentbehrliches Kleidungsstück für jeden Tropenreisenden ist die wollene Leibbinde. Dieselbe ist bei jeder Ver- dauungsstörung sofort anzulegen. An Schuhwerk ge- nügen für den ersten Gebrauch zwei Paar naturlederne Schnürstiefel, ein Paar Segeltuchschuhe und ein Paar Schnürschuhe aus wasserdichtem Leinen. Dieselben müssen breite, niedrige Absätze haben und dabei be- quem dem ganzen Fusse ansitzen. Zu weite oder zu enge Stiefel werden für den Träger eine Plage, Man nehme keine Stiefel mit, von deren obengenannten Eigen- schaften man sich nicht überzeugt hat. Die Reinigung der Stiefel muss stets eine sehr sorgfältige sein, nament- lich muss das Leder durch geeignete Stiefelschmiere (Vaselin) stets weich und geschmeidig gehalten werden. Als Morgenschuhe werden bisher benutzte Leder- scbuhe, wenn noch in gutem Zustande, auch weiter sich bewähren. Zum Schutze der Unterschenkel auf Märschen dienen naturlederne Gamaschen. Hohe Schaftstiefel eignen sich nur zum Reiten und sind für diesen Zweck, als allgemein getragen, entschieden zu empfehlen. Von Oberkleidern nehme man 3 weisse baumwollene und 2 gelbe Kakeyanzüge mit. Letztere sind in erster Linie für Arbeitsthätigkeit und Expeditionen sehr praktisch. Die Ergänzung genannter Kleidungsstücke ist an den grösseren Küstenplätzen Ostafrikas leicht und billig möglich. Betreffs europäischer Kleidung genügt ein Reise- und ein schwarzer Gesellschaftsanzug, sofern letzterer nicht durch Uniform gegeben ist. Als Kopf- bedeckung dient der Tropenhelm mit weissem oder gelbem Überzug mit grossem Stirn- und Kackenschirm. Ein Kackenschleier ist im allgemeinen nicht zu empfehlen, da er, um gehörig gegen die Sonne zu schützen, sehr dicht sein muss und dadurch auf die Dauer zu warm wird. Derselbe bringt höchstens, wenn Wind weht, Kühlung. An Ort und Stelle sind übrigens die verschiedensten praktischen Formen dieser Kopfbedeckung zu haben. Mau achte beim Kaufen derselben neben der hellen Farbe vor allem auf eine genügende Dicke des Tropen- helmes. Ein dünner Tropenhelm gewährt gar keinen Schutz vor den Strahlen der Tropensonne. Für die Zeit vor und nach Sonnenuntergang sind leichte weiche Filzhüte die beste Kopfbedeckung. Als Decken für Reise und Expeditionen sind eine Decke aus roher Seide sowie ein bis zwei Kameelhaardecken am meisten zu empfehlen. Bei Wahl der bunten seidenen Decke achte man darauf, ob die Farben derselben echt sind. Eine abfärbende Decke ist ein höchst ärgerliches Ausstattungs- stück. Zur Kopfunterlage eignet sich am besten ein zusammenlegbares Gummi-Luftkissen. Als Schutz gegen den Tropenregen sind wasserdichte Regenmäntel nicht zu empfehlen. Dieselben werden nach kurzer Zeit zu warm und hindern die Haut- ausdünstung. Ein wasserdichter Überzug über den Tropenhelm und ein sogenannter Poncho, die Arme frei- lassender wasserdichter Überwurf, leistet auf Expeditionen, ein genügend grosser Regenschirm auf der Station die besten Diensten dem, der sich gegen den Tropenregen schützen will. Da die Regengüsse ausserhalb der Regenzeit meistens kräftige aber nur kurzdauernde Regenschauer sind (diese können ja nur für Expeditionen in Betracht kommen), so wird der Poncho, der gegen dieselben schnell übergeworfen, lose über dem Körper hängt, nicht zu warm, zumal da er auch Raum für die Haut- ausdünstung giebt. Als Reisekoffer bewähren sich am meisten die wasserdicht verschliessbaren Blechkoffer, welche mit Füllung eine Trägerlast ausmachen. Zur täglichen Wäsche empfehle ich einen Badeschwamm und eine zusammenlegbare Gummibadewanne, in der man stehend den ganzen Körper mit dem genannten Schwamm bequem abspüleu und abwaschen kann. Empfehlenswert ist ausserdem für den Hausgebrauch ein an seinem Boden mit verschliessbarer Brause versehener Eimer, der mit einer festen Schnur an einem Haken in der Zimmerdecke sich aufhängen und auf- und niederzieheu lässt. In der uutergestellten Wanne stehend kann man bequem durch Zug an der die oben genannte Brause öffnenden und schliessenden Schnur ein Douchebad nehmen. Die übrigen Ausrüstungsgegenstände habe ich in der folgenden Liste für eine erste Ausrüstung aufgeführt und bedürfen die- selben keiner weiteren Erklärung. 1 Essbesteck. 1 grosse Feldflasche von Kupfer. 1 kleine Taschen-Feldflasche. 1 Jagdmesser mit 2 Scheiden, 1 Taschenmesser mit Korkzieher. Taschentücher. Handtücher, Frottir-Tücher, Badelaken. Tasche für Toilettengeräte. Toilettenseife. Heisemütze. Armee-Doppelfernro hr. Kompass. Perthes Taschenatlas. Notizbücher mit Bleistift, wasserdichte Lagerdecke. Feldbett (zum Aufstellen und Aufhängen eingerichtet, auch als Krankentrage ver- wendbar, dazu Sonnensegel.) 3 Bettlaken. 3 Kopfkissenüberzüge. 2 Moskitonetze. wasserdichter, verschliessbarer Sack. Petroleumlampe (auch in Deutsch-Ostafrika zu erhalten) Sturmlaterne. Lichte. Leuchter. 26 Zusammenlegbarer Lehnstuhl mit Riemen. Generalkarte von Afrika. Karte von Ostafrika. Kochgeräte. Zelt für Expeditionen. AVasserkloset zum Gebrauch auf Stationen. Klosetstuhl für Expeditionen. Pneumatische Handeismaschinc. Der Arznei- und Verbandmittelbedarf für etwaige Erkrankungsfälle zur ersten Selbsthülfe auf der Reise, sowie an Ort und Stelle bis zum Eintreffen notwendig werdenden ärztlichen Beistandes ist von mir in mehreren kleineren und grösseren Apotheken (Taschen- Reise - Stations-Schiffsapotheken) zusammengestellt, von denen bereits sämtliche Formen zum Teil in Ost- und AVest- aftika in Gebrauch sind. Dieselben enthalten die nötigsten Arzneien sowie chirurgische Instrumente und Verband- material mit Gebrauchsanweisungen. Bezüglich näheren Aufschlusses über erste Hilfe für sich selbst und andere bei Erkrankungen und Unglücksfällen siehe Teil II.*) Abreisezeit. Als Abreisezeit ist für den, welcher sich dieselbe wählen kann, am meisten der Monat Mai und Juni zu empfehlen. AVer Anfang Mai oder Juni die Reise nach Ostafrika antritt, kommt Anfang oder Mitte Juni oder Juli in Ostafrika an. Der Übergang aus dem heimatlichen Klima in das tropische ist in der genannten *) Anmerkung. Alle vorstehend empfohlenen und aufgeführten Ausrüstungsstücke werden von dem deutschen Offizier-Verein geliefert und finden sich in den Räumen desselben zur Besichtigung ausgestellt. Zeit für den Beginn der Akklimatisation der beste, der Juni und auch noch der Juli sind in Ostafrika die ersten Monate der kühlen Jahreszeit. Die grosse Regenperiode ist nicht nur vor Beginn derselben abgelaufen, sondern auch die nachfolgende, für Erkrankung an Malaria-Fieber besonders günstige Auftrocknung des durch den Dauer- regen durchnässten Bodens zumeist beendet. Die Tempe- ratur hält sich im Durchschnitt noch auf der heimatlichen Gradzahl, um allmählich erst wieder anzusteigen (ver- gleiche Kapitel IV). Bei Wahl der oben angegebenen Zeit trifft der Reisende allerdings im Roten Meere sehr grosse Hitze an, da die kühle Zeit in demselben in die Monate De- zember, Januar, Februar fällt. xAllein es erscheint rat- samer, die höchstens 5 Tage währende heisse Fahrt durch dasselbe auszuhalten, um bei günstiger Zeit in Ostafrika anzukommen, als bei Wahl der genannten kühlen Monate zur heissen Zeit oder Regenzeit dort einzutreffen. Drittes Kapitel. Verhalten auf der Reise nach Ostafrika. Abfahrtshäfen. Gepäck. Verhalten vor der Abfahrt. Lebensweise an Bord. Seekrankheit. Aden. Indischer Ozean. Ernährung. Diät. Abfahrtshäfen. Die Reise wird, wie bekannt, bis auf den kurzen Landweg zum Hafenplatz, zur See zurück- gelegt. Sie beträgt, falls mau von einem Mittelmeerhafen an Bord geht, von Deutschland aus durchschnittlich 21 bis 22 Tage, von denen 3 Tage auf die Landreise ge- rechnet werden. Wird jedoch ein deutscher Hafen (Ham- burg) als Abfahrtspunkt gewählt, so dauert dieselbe ca. 31 bis 32 Tage. Es empfiehlt sich indessen, von einem Mittelmeerhafen, Marseille, Neapel, Brindisi, an Bord zu gehen. Wählt man die am 12. jeden Monats von Mar- seille auslaufenden Dampfer der Messageries maritimes, so nimmt man am zweckmässigsten sein ganzes Gepäck mit sich. Bei Vorzug der letztgenannten beiden Häfen Neapel oder Brindisi, welche von den Schiffen der „Deutsch-Ostafrika-Linie“ (Hamburg Ostafrika) an- gelaufen werden der letztere ist auch zugleich Ab- fahrtshafen der Schiffe der British India-Line —, sendet der Reisende zweckmässig sein grösseres Gepäck, welches er auf der Beise voraussichtlich nicht gebraucht, 4 Tage vor dem Abfahrtstermin genannter Schiffe von Hamburg' mit Seeversicherung an die Firma Woermann & Co. in Hamburg. Seine für die Reise notwendigen Kleidungs- stücke und Utensilien führt er dagegen in einem Koffer mit sich. Verhalten vor der Abfahrt. Vor dem Verlassen des Hafens bitte ich nochmals, meine schon einmal oben ausgesprochene Warnung vor geschlechtlichen Excessen beherzigen zu wollen. Wer sich dennoch in Gefahr ge- schlechtlicher Ansteckung begiebt, den verweise ich auf Teil II „Ansteckung“, Geschlechtsgenuss, Geschlechts- krankheiten. Die Seereise selbst bringt jedem, der die- selbe noch nicht kennt, zunächst, abgesehen von der See- krankheit, auch schon vor Eintritt in die Tropen ver- änderte Lebensbedingungen für den Körper. Auf der einen Seite wirkt die reine, frische Seeluft sowohl auf Atmungs- und Blutorgane, wie auf den Appetit wohl- thuend und fördernd ein. Auf der anderen Seite jedoch entsteht in erster Linie durch die mangelnde Körper- bewegung Störung im Verdauungsgeschäft. Dieselbe äussert sich besonders durch Stuhlverstopfung. Deswegen suche man sich regelmässig Körperbewegung, namentlich in Verbindung mit der regelmässigen Einnahme der Mahl- zeiten zu verschaffen. Danach empfiehlt sich ungefähr folgende Tageseinteilung: Lebensweise an Bord. Aufstehen nicht nach 7 Ehr morgens; Vollbad je nach der Lufttemperatur kalt oder warm. Die in den Baderäumen angebrachten Seewasser- brausen geben eine erfrischende und kräftigende Körper- douche. Dabei ist jedoch der mit einer Badekappe be- deckte Kopf nur zu Beginn des Bades unter die Brause zu bringen. Letztere lässt mau hauptsächlich auf die Brust und mehr noch auf den Kücken einwirken. Die Dauer des Bades darf 10 Minuten nicht übersteigen. Nach demselben trockne man den Körper mit einem Frottir-Badelaken, indem man zuerst die Küsse, dann den übrigen Körper, zuletzt den Kopf abtrocknet. Brust und Kücken ist dabei kräftig zu reiben. Zeigt sich, dass die Harrt, namentlich bei Einfahrt in das Rote Meer, zu empfindlich gegen das Seewasser wird (Hautausschläge, roter Hund), so wasche man jeden Morgen den ganzen Körper mit Süsswasser. An das Bad schliesst sich ein kurzer Spaziergang an Deck von s—lo Minuten, dem- selben folgt das erste Frühstück. Getränk: Kaffee, Thee oder Cacao. Letzterer bei Neigung zu Stuhlverstopfung nicht ratsam. Zu den genannten Getränken ge- niesse man als erste Speise Zwieback und gehörig durch- gebackenes Weissbrot mit Fruchtgelee, dann Butter- brot und kaltes Fleisch, auch zwei gekochte Eier sind zu empfehlen. Ist Unregelmässigkeit im Stuhlgang ein- getreten, so weise ich auch hier nochmals auf den Ge- nuss von Früchten vor dem Frühstück hin. An das reichliche erste Frühstück reiht sich ein Spaziergang au Deck, der nicht unter einer halben Stunde währen darf. Die Zeit bis zum zweiten Frühstück (12 Uhr) widme man der Arbeit, Lektüre oder Unterhaltung, um V 2 Stunde vor demselben wiederum einen Spaziergang anzutreten. Nach der Mahlzeit kurze Buhe an Deck, aber nicht Schlafen. Die Zeit bis zum Mittagessen (6 Uhr) füllt sich bei mangelnder Arbeit angenehm durch gemein- schaftliche Spiele, zu denen mannigfaltiges Material sich an Bord befindet, aus. Die letzte halbe Stunde vor der Hauptmahlzeit dient der Toilette zu derselben. Nacli der Mahlzeit wiederum kurze Buhe. Den Schluss des Tages bildet gewöhnlich die Teilnahme an der durch längere Seefahrt gebotenen Geselligkeit. Ehe der Reisende (gegen 10 oder 11 Uhr) das Nachtlager aufsucht, empfehle ich ihm besonders bei schönem Mond und Sternenhimmel einen kurzen Schluss- spaziergang. Was die Nachtruhe selbst anbetrifft, so ist Schlafen an Deck nicht ratsam. Unerwartete Abkühlung, Nebel und plötzliche Begengüsse geben Veranlassung zu Erkältungen. Der frühzeitige Beginn des Tagesdienstes an Bord raubt dem, der erst spät eingeschlafen, einen Teil seiner notwendigen Buhe. Letztere Erinnerungen gelten namentlich für den Eintritt in das subtropische 31 und tropische Klima, bei dem schon oft die Anzeichen mangelhaften Nachtschlafes sich bemerkbar machen. AVas das Tabackranchen anbetrifft, so möge das viele Rauchen schwerer Cigarren schon frühzeitig eine Einschränkung erfahren und im allgemeinen eine kräf- tige Cigarre nur im Anschluss an das Mittagessen ge- raucht werden. Morgens und abends ziehe man leichtere Cigarren vor, niemals rauche man nüchtern, d. h. ohne etwas genossen zu haben des Morgens. Stellt sich Herz- klopfen nach kräftigen Cigarren ein, was ich in den Tropen häufig beobachtet habe, so wähle mau leichte, trockene Cigarren. Diese sind in Ost- und Westafrika schwer und teuer zu bekommen. Es ist deshalb angebracht, gleich aus der Heimat einen nicht zu geringen Bedarf von Cigarren verschiedener Stärke in verlöteten Kisten (Holzkisten zu 100 Cigarren zusammen verlötet) mit- zunehmen und sich gleich für etwaige Nachsendungen in derselben Verpackung zu sichern. Der Cigarettenrauclier findet allerdings auf der Reise in Port-Said gutes Rauch- werk, mit dem er nicht versäume, sich zu versehen. Seekrankheit. Ein gefürchteter Begleiter aller See- reisenden ist die Seekrankheit. Nur wenige Glück- liche bleiben von derselben ganz verschont. Ein geringer Teil bekommt sie schon kurze Zeit nach dem Betreten des Schiffes dehn Beginn der geringsten Schwankungen desselben, um sie vor Beendigung der Fahrt nicht wieder los zu werden. Die Durchschnittszahl verfällt ihr nur bei heftigeren Schiffsbewegungen. Ein guter Teil, nament- lich des männlichen Geschlechts, überwindet sie, jedenfalls bis auf leichte und erträgliche Beschwerden. Das AVesen der Seekrankheit beruht auf Störungen des regelmässigen Blutkreislaufes im Körper durch die Schwankungen des bald sich um seine Längsachse, bald um seine Querachse bewegenden Schilfes, welches der Seemann „Stampfen“, bezw. „Schlingern“ nennt. Die hauptsächlichsten Beschwerden zeigen sich neben dem allgemeinen Schwindelgefühl und Kopfschmerz in Übelkeit und Erbrechen. Ein spezifisches Mittel gegen die Seekrankheit giebt es nicht. Alle angepriesenen Arzneien dürfen keinen allgemeinen Wert beanspruchen, wohl aber kann jeder, von einigen ganz hilflosen Un- glücklichen abgesehen, durch sein eigenes Verhalten dazu beitragen, des Übels Herr zu werden. Zu diesem Zwecke richte er sich im grossen und ganzen nach folgenden Vorschriften: Man trete niemals mit nüch- ternem Magen die Seereise an, sondern nehme im Gegen- teil, je nach der Tageszeit, entweder kurz vor oder kurz nach dem Betreten des Schiffes eine gebratene Fleisch- speise, am besten ein gutes Beefsteak, mit einem Glas guten Kot- oder Portwein oder gar Sekt zu sich. Prinzipiell wähle man zum Tagesaufenthalt das Deck und meide nach Möglichkeit die Kajüte. Gerade bei dem ersten Unwohlsein verharre man mutig an Deck und bleibe möglichst in der Mitte des Schiffes, den Blick nach dem Horizont gerichtet. Ein etwa dem Neptun gebrachtes erstes Opfer darf niemand vor dem Genuss der Mahlzeiten zurück? chiecken. Man überwinde nach Möglichkeit sein Übelbefinden und biete dem Magen leichtgewürzte Speisen mit Wein. Fasten hilft jedenfalls nicht gegen die Seekrankheit. Bewegung an Deck mit gespreizten Beinen und etwas nach hinten übergelegtem Oberkörper ist besonders bei guter Brise von wohl- / thätiger Wirkung. Wer seines Unwohlseins und seiner Übelkeit so nicht Herr zu werden glaubt, der lege sich mittschiffs mit möglichst horizontal gestrecktem Körper hin, versuche jedoch, sobald ihm besser geworden ist, sich immer wieder Bewegung zu machen. Ein kleiner Wink für den, der dem Meeresgotte opfert, möge der sein, sich stets mit dem Winde, auf der Leeseite des Schiffes über Bord zu beugen. Bei unstillbarem Er- brechen habe ich oft Aufhören desselben nach Einnehmen von I—2 Tropfen reiner Jodtinktur, in ein halbes Glas Wasser geträufelt und gut aufgelöst, beobachtet. Das beste Mittel bleibt jedenfalls neben Befolgung der vorher gegebenen Winke, die eigene Energie, um auch bei schwererer Erkrankung sich auf ein erträgliches Mass des Befindens zu bringen. Das rote Meer. Den ersten Vorgeschmack tropischer Temperatur bekommt der Eeisende auf dem Wege nach Ostafrika nach Einfahrt in das rote Meer. Den grössten Teil des Jahres über herrscht in demselben eine Durchschnittstemperatur von 24° (Beaumur). Die Hitze wirkt um so bedrückender, als fast durchweg in demselben zugleich jegliche Windbewegung fehlt. Die letztere beginnt gewöhnlich erst wieder kurz vor der Aus- fahrt durch die Strasse von Bab-el-mandeb. Im roten Meer wird der Beisende zuerst seine Tropenkleidung an- legen. Dabei mache er schon jetzt zur Begel, niemals an Deck, wenn dasselbe auch teilweise durch das Sonnen- segel gegen die Sonnenstrahlen Schutz bietet, ohne hin- reichend schützende Kopfbedeckung sich aufzuhalten. Dasselbe gilt gleich nach Verlassen des roten Meeres auch besonders für die, welche in Aden an Land gehen. Aden. Indischer Ozean. Der Rest der Reise im indischen Ozean wirkt nach der Durchfahrt des roten Meeres und dem Besuch des heissen Adens durch die frische Seebrise von neuem belebend. Vorsicht bezüglich der Kleidung ist namentlich für die Abkühlung der Temperatur in den Abendstunden dringend ratsam. Wer im roten Meer es gar nicht mehr des Nachts in der Kajüte hat aushalten können, der kehre daher jedenfalls jetzt wieder dorthin zurück. Ernährung. Diät. Was die Nahrung und Verdauung derselben schon vor Einfahrt in den Suezkanal anbetrifft, so glaube man nicht mit dem Eintritt in das tropische Klima eine besondere, von der in der Heimat gewohnten Lebensweise abweichende Diät einschlagen zu müssen. Man vermeide nur zu fette Speisen, ziehe magere Fleisch- diät vor und unterstütze anregend die Verdauungsthätig- keit durch leichte Gewürze, wozu die Schiffstafel ja reich- lich, wie beispielsweise durch mannichfaltige mit Curry- Pulver zubereitete Gerichte Gelegenheit bietet. Die gerade jetzt stärker in den Vordergrund tretende Neigung zu Verstopfung suche man in der oben schon angegebenen Weise durch Genuss von Früchten (man darf ruhig 2 Apfelsinen geniessen) auf nüchternen Magen, mit nach- folgender Bewegung an Deck zu bekämpfen. Erst wenn dieselbe nach diesem Verfahren nicht weicht, so greife man zu Abführmitteln. Als das angenehmste und die Verdauungsorgane am wenigsten schwächende darf das deutsche Fruchtsalz, von dem der Reisekoffer 2 Flaschen enthalte, bezeichnet werden. Ein Theelöffel desselben auf V 4 Liter Wasser gleich nach dem Umrühren und Auf- brausen der Flüssigkeit, des Morgens auf nüchternen Magen getrunken, wirkt besonders bei nachfolgender Körperbewegung lange Zeit in derselben Dosis. Man steigere dieselbe erst, wenn die Wirkung mehrere Tage hindurch auch bei reichlichem Früchtegenuss während der Mahlzeiten geringer wird oder ganz ausbleibt. Mit Fruchtsaft im Wasser vermischt, liefert das Salz eine angenehme und erfrischende Brauselimonade. Die im Beginn der Seefahrt durch die Schiffs- bewegungen und die Seekrankheit bedingte nächtliche Schlaflosigkeit weicht nach Gewöhnung an den neuen Aufenthaltsort, um bei Eintritt in tropische Gegend und Temperatur bei manchem sich wieder einzustellen. Die- selbe ist zunächst durch kalte Abreibungen des Körpers , besonders des Rückens und im Anschluss daran durch reichliche Bewegung bis zu grosser Ermüdung vor dem Schlafengehen zu bekämpfen. Erst wenn diese voll- ständig erfolglos ist, nehme man ein Schlafmittel, niemals aber, das sei hiermit das erste Mal betont, das gerade in den Tropen besonders gefährliche Schmerzlinderungs- und Betäubungsmittel, das Morphium. Das Mittel, welches einen dem natürlichen am meisten ähnlichen Schlaf be- wirkt und keinerlei unangenehme oder schädliche Neben- wirkung ausübt, ist das Sulfonal 1 Tablette 1 gr zwei Stunden vor der beabsichtigten Nachtruhe genommen. 36 Viertes Kapitel. Einfluss des ostafrikanischen Klimas auf den Organismus des Europäers. Klimatische Verhältnisse Ostafrikas. Einfluss des ost- afrikanischen Klimas. Malaria-Erkrankungen, Klimatische Verhältnisse Ostafrikas. Das deutsch- ostafrikanische Küstengebiet liegt zwischen dem 4. und 11. Grad südlicher Breite. Wenn das Klima der Küsten- gebiete hier als das massgebende angesehen wird, so liegt der Grund dafür in den hygienischen Verhältnissen desselben im Vergleich zum Binnenlande. Denn gerade die Küste stellt gleich dem auf ihr zuerst den Boden Ostafrikas betretenden Europäer alle klimatischen Feinde, sowohl bezüglich der Temperatur- wie der Krankheits- verhältnisse entgegen, wie sie im Innern nicht schlimmer, eher bei dem ansteigenden Boden weniger gefährlich gefunden werden. Die Jahreszeiten Ostafrikas werden durch zwei in regelmässigem Wechsel wehende Winde, den schwächeren Nordost-Monsun und stärkeren Südwest- Monsun beherrscht und geschieden. Die Zeit des Nordost- Monsun ist die trockene und heisse Jahreszeit, sie er- streckt sich vom November bis zum März, die des Südwest-Monsun ist die kältere, feuchte Jahreszeit vom April bis zum Oktober. Die Trennung beider Jahres- zeiten geschieht durch die grosse, vom Ende des März bis zur ersten Hälfte des Mai sich erstreckende und die kleine in den Oktober fallende Regenzeit. Von der kalten grossen Regenzeit steigt die Temperatur all- malig, zuerst sehr langsam und im Steigen durch die kleine Regenzeit aufgehalten an. Die heisseste Periode fällt in die Zeit von der zweiten Hälfte des Dezember bis zum Ende des März. Die mittlere Temperatur an der Küste beträgt 23 2s° R. Die Temperaturschwankuugen der einzelnen Jahreszeiten sind nur geringe und be- tragen durchschnittlich nicht mehr wie 3—4°. Ebenso beläuft sich die tägliche Abkühlung in der Regel nicht auf mehr. Einfluss des ostafrikanischen Klimas. Die nachteilige Einwirkung des ostafrikanischen Klimas beruht erstens auf der geringen Abkühlung und dem hohen Feuchtigkeits- gehalt der Luft Der Einfluss desselben lässt sich folgendermassen zusammenfassen. Infolge des hohen Dunstdrucks der feuchten und sauerstoffarmen Luft ist die Sauerstoffzufuhr zu den Lungen und dem Blute eine verringerte, die Blutbeschaffenheit wird verschlechtert, es entwickelt sich Blutarmut. Andererseits wird die Abkühlung des Körpers durch Wasserabgabe seitens der Limgen und der Haut- verdunstung des reichlich abgesonderten Schweisses in- folge des hohen Wassergehaltes der Luft beeinträchtigt. Es entsteht Wärmestauung sowie eine Vermehrung des Wassergehalts des Blutes, besonders bei gleichzeitigem, reichlichem Trinken; letzteres, bedingt durch die ge- steigerte Schweissabsonderung und das daraus entstehende vermehrte Durstgefühl, steigert den Druck in der grossen Leberblutader (Pfortader) und bewirkt so eine Blutüber- füllung der Leber. Ebenso wird durch die viele Plüssig- keitszufuhr die Yerdauungsthätigkeit des Magens ab- gestumpft. Die Folgen der klimatischen Einwirkung des ostafrika- nischen Klimas auf den Organismus des aus anderer Zone stammenden Europäers äussern sich somit zunächst in be- schleunigter Atmungs- und Herzarbeit, in erhöhter Haut-, verminderter Nierenthätigkeit (Schweiss vermehrt, Urin verringert und konzentrierter). Der Magen ferner neigt zu Verdauungsstörungen (Appetitlosigkeit, Übelkeit, auch Sod- brennen), dabei ist dieDarmthätigkeit in der Minderzahl der Fälle gesteigert (Durchfall), in der Mehrzahl verringert und träge (Verstopfung). Die gesteigerte Leberthätigkeit hat eine vermehrte Gallenabsonderung zur Folge. Die Blutbeschaffenheit verschlechtert sich, es entwickelt sich Blutarmut. Schliesslich macht sich bei den meisten Menschen gerade zu Anfang ihres Aufenthaltes eine ge- steigerte Erregbarkeit des Nervensystems geltend. Die- selbe äussert sich beispielsweise in grosser Erregtheit bei ganz geringen Anlässen bei dem einen, in einer Neigung, selbst unbedeutende Dinge sehr schwer und ernst zu nehmen bei dem andern. Durch diese Beeinflussung der Organe des mensch- lichen Körpers wird die Disposition zu den beiden Haupt- krankheiten Ostafrikas, dem Malaria-Fieber und der Dysenterie (Kuhr) erhöht. Was nun das Akklimatisations- vermögen des Europäers diesen hygienischen Verhältnissen Ostafrikas gegenüber anbelangt, so besitzt derselbe nicht die Fähigkeit zu dauerndem Aufenthalte daselbst ohne Verminderung seiner Arbeitskraft und Verschlechterung seines Gesundheits- und Kräftezustandes. Seine Widerstandsfähigkeit nimmt direkt proportional zur Länge des Aufenthalts im Klima ab. Malaria-Erkrankungen. Der Grund dafür liegt 39 weniger in den Temperaturverhältnissen und der Luft- beschaffenheit, als in den Malaria-Erkrankungen. Nach kürzerer oder längerer Zeit ist bis jetzt jeder, der grössere Strecken Ostafrikas bereist hat, von den- selben befallen worden. ln ihnen ist der Hauptfeind der Gesundheit, Körper- kraft und ausdauernder Arbeitsthätigkeit bisher zu suchen gewesen. Allein zwei Waffen, abgesehen von Arzneimitteln, werden schon jetzt erfolgreich gegen sie geführt. Das ist die hygienische Verbesserung der Boden- und Woh- nungsverhältnisse und eine sachgemässe Lebensweise. Die Eorschungsreisenden, die wissenschaftlichen und mili- tärischen Expeditionen werden wohl stets mit ihnen zu rechnen haben. Der in den Hauptplätzen der Verwaltung, des Handels und Verkehrs thätige Beamte und Kolonist aber wird in nicht allzu ferner Zeit die Gewähr jahre- langer, fruchtbringender Arbeit durch das schnelle Auf- blühen deutscher Kultur gerade in hygienischer Be- ziehung und sachgemässer Lebensweise finden. Fünftes Kapitel. Hygienische Vorschriften für die Ansiedelung in Ostafrika. Wahl des Ansiedelungs-Platzes. Baumaterial. Bauart. Panka. Aborte. Wahl des Ansiedelungs-Platzes. Bei Auswahl des Wohnortes sind feuchte Ebenen und Sumpfgegenden zu meiden. Zn Wohnplätzen eignen sich am besten Höhen, auf denen die Temperatur und der Feuchtigkeitsgehalt der Luft verringert, die Windwirkung verstärkt und somit die Ventilation verbessert ist. Höhen mit geneigten Abhängen und undurchlässigen Bodenschichten sind die zur Niederlassung geeignetesten, da auf diesen der Wasser- abfluss leicht und somit Stagnieren des Wassers und Sumpfbildung ausgeschlossen ist. Deshalb wähle man, wenn möglich, nicht als Untergrund der Wohnstätte Boden von Kalk, Lehm oder Thon, sondern ziehe Granit und Gneis vor. Von den letztgenannten Steinarten ist die erstere seltener, die letztere häufig in Deutsch-Ost- afrika, namentlich im Küstengebiet anzutreffen. Reiner, trockner Sandboden, namentlich mit Flächenneigung, darf ebenfalls als guter Baugrund angesehen werden. Der Platz um das Wohnhaus selbst muss freigelegt werden. Bäume und Strauchwerk in der nächsten Umgebung sind auszurotten. Befinden sich jedoch Sümpfe in der Nähe, so lasse man gegen den Wind, der über dieselben ge- strichen ist, eine Baumwand stehen, oder schütze bei Mangel an Bäumen und Sträuchern die Häuser durch Neuaupflanzung, natürlich immer mit Berücksichtigung des um dieselben herum notwendigen freien Platzes. Der gewonnene Raum ist zunächst zu drainieren und zu kanalisieren zum besseren Abfluss der flüssigen Abfall- stoffe sowie des Wassers in der Regenzeit. Das Haus selbst umgiebt am geeignetetsten ein gepflasterter Hof, an welchen sich Gemüse- und Pflanzengärten (Eucalyptus, Sonnenblumenanpflanzungen) schliesseu. Was die Natur der Sümpfe selbst anbetrifft, so zeigen dieselben zunächst keinen Wasserspiegel, sondern bilden eine schlammige 41 Oberfläche, unter welcher der Morast sich mehr oder weniger tief bis zu festerem Grunde erstreckt. In den Regenperioden bilden sich in ihnen naturgemäss grössere Wasseransammlungen, welche in den trockenen Jahres- zeiten zum Teil schwinden. Das einzige Mittel, diese Sümpfe dauernd unschädlich zu machen und die aus ihnen aufsteigende Malaria zu vernichten, ist Trocken- legen durch Drainage und Aufschüttung. Baumaterial. Bauart. Von einheimischem Bau- material eignet sich am meisten Mangroweholz und Gneis oder Korallenfels, als Bindemittel Korallenkalk. Aus dem Mangroweholz werden die sehr festen Buritis, Bau- pfähle und Balken, gewonnen. Das Fundament muss trocken liegen, darf auch niemals bei der Regenzeit im Niveau des Grundwassers stehen. Bei feuchtem Grund und Boden baue man auf Pfählen, Steinpfeilern oder nehme zur Grundlage ein Betonschicht (bestehend aus kleinen Steinen in Gement gebettet). Die Fussböden müssen von Stein oder Gement, die Wände möglichst dick, wenn möglich doppelt, mit zwischenliegender Luftschicht sein. Die Zimmer lege man geräumig und hoch mit guter Ventilation durch Fenster und Thüren an. Die Dächer seien flach und mit Abzugsrinnen versehen. Das Gerüst sei aus festem Holz, auf dem Steine durch Gement oder Korallenkalk verbunden ruhen. Die nach diesen Grundsätzen in Deutsch-Ostafrika gebauten erfahrungs- gemäss bewährten Häuser sind folgendermassen konstruiert. Das Fundament bilden in seiner untersten Schicht Stein- pfeiler aus Korallen. In dieselben sind eiserne Pfeiler eingelassen, kombinierte Steineisen-Pfeiler, welche zum Schutz gegen die Insekten mit Theer bestrichen sind, oder ungefähr in der Mitte ihrer Länge wassergefüllte Pfannen tragen. Statt der Eisenpfeiler werden auch Pfeiler ganz aus Stein gebaut. Auf diesen Pfeilern ruht das in Fussböden, Wänden, Decken und Dach aus Eisenschienen und Beton bestehende Haus. Dasselbe wird in der Weise gebaut, dass nach Aufstellung des Schienengerüstes die Zwischenräume desselben auf Holz- unterlagen mit Betonmasse ausgefüllt werden. Das Holz- gerüst wird nach Erhärten der letzteren entfernt. Thüren und Fenster bestehen aus dem gewöhnlichen Material, (Holz, Eisen, Glas) und sind mit Ventilations- und Schutz- Vorrichtungen versehen. Neben den aus genanntem Material gebauten Häusern sind vom hygienischen Stand- punkte in gleicher Weise zu empfehlen die aus Metall- gerippe mit Cementumhüllung und Hartgipsplatten kombi- nierten, nach dem System der Aktiengesellschaft für Monier- bauten hergestellteu Häuser. Die aus genanntem Material bestehenden Fussböden, sowohl die Gement-, wie die Hartgipsdielen sind völlig dicht gegen Grundwasser und lassen weder das zu ihrer Peinigung verwandte Wasser durch, noch saugen sie dasselbe an; dadurch wird ein vollständiger Abfluss des Spülwassers und somit schnelle Wiederherstellung eines trockenen Fussbodens möglich. Nach demselben System werden Zimmerdecken, sowie wärme- und regendichte Wände und Dächer hergestellt. Die Aussenwand besteht nach demselben aus dem Gement tragenden Eisenfachwerk, die Innenwand aus Hartgips- platten, die letztere ist durch eine Luftschicht von der erstereu getrennt. Die in grösseren Zwischenräumen von einander stehenden Verbindungpfeiler bestehen gleich- falls aus Hartgipsplatten. Die Fugen der Fussböden und Deckenfüllungen, die Aufnahme- und Brutstätten der Krankheit erregenden und übertragenden Pilze kommen ganz in Fortfall. Aus diesem Material ge- baute Häuser sind empfehlenswert durch ihre verhältnis- mässige Billigkeit und leichte Transportfähigkeit, ihre grosse Dauerhaftigkeit und ausserordentliche Wider- standsfähigkeit gegen Feuer, Wasser sowie jede mecha- nische Gewalt. Besonders bemerkenswert ist, dass das von Gement umhüllte Eisen niemals rostet. Dabei sind die Häuser schnell gebaut und durch schnelle Erhärtung und Trocknung des Baumaterials in kurzer Zeit nach dem Aufbau bewohnbar. Thüren und Fenster bestehen aus demselben Material wie bei den Betonbauten. Panka. Eine einfache, praktische und angenehme Tentilalionsvorrichtung in Tropenländern ist die Panka. Dieselbe besteht in Ostafrika z. B. gewöhnlich aus einem leichten Holzrahmen, in dem ein Stück dünnes Zeug ausgespannt und befestigt ist. Die Panka ist in Ringen beweglich an der Zimmerdecke angebracht und gewährt, mit einer nach einer Zimmerecke oder in einen Neben- raum geführten Leine von einem Diener in gleichmässig schwingende Bewegung gesetzt, namentlich bei der Mahl- zeit angenehmen kühlen Luftzug. In grösseren Räumen werden mehrere parallel aufgehängte und durch Leinen mit einander verbundene Pankas angebracht. Aborte. Was die Frage der Aborte betrifft, so hat sich an den Küstenplätzen, beziehungsweise an allen anderen Orten, wro durchlässiger Sandboden ist, die An- lage von Senkgruben (welche sich auch in allen Araber- häusern finden) bewährt. Die allmälige und ununter- 44 brochene Aufsaugung der menschlichen Ab fall Stoffe durch den Sandboden muss natürlich durch ausreichende Wasser- zufuhr unterstützt werden. Die letztere lässt sich am zweckmässigsteu durch Wasserklosets, die ich bereits in dem ersten von mir in Bagamogo eingerichteten Lazareth aufstellen liess, erreichen. Die Anbringung derselben kann in jedem beliebigen Stockwerke eines Hauses über dem zur Senkgrube führenden Kohr, oder auf dem Hof über derselben geschehen. Die genügende Menge Spül- wasser wird täglich einem zu dem Wasserkloset gehörigen und mit ihm durch Bleirohr verbundenen Wasserbehälter, der an der Wand des Abortes oberhalb des Klosets an- gebracht ist, zugeführt. Die Vorrichtung zum Wasser- spülen ist die bekannte. Die Wassermenge lässt sich natürlich im Bedarfsfälle, z. B. bei einer ansteckungs- verdächtigen Darmerkrankung eines Hausmitgliedes durch Zusatz von geeigneten Mitteln (siehe 11. Theil Acidum carbol. Kreolin) zu einer Desinfektionsflüssigkeit um- wandeln. Über das weitere Verhalten bei Darmerkran- kungen zur Verhütung von Ansteckungen, (siehe Teil 11, Ansteckung, Darmerkrankungen, Dysenterie). Wenn auch schon das Senkgruben System unter den oben an- gegebenen Verhältnissen als ein vom hygienischen Stand- punkte hinreichend sicheres angesehen werden kann, so lässt sich noch mehr für alle Plätze, die am Meere oder an Flüssen mit hinreichender Strömung liegen, die Kanali- sationsanlage empfehlen. Bei derselben verdienen zur Vermeidung jeder Stockung und Verstopfung zwei Ge- Sichtspunkte in erster Linie Berücksichtigung, erstens allmäliges Abfallen des Kanalgrundes nach der Ab- flussstätte dem Meere oder dem stromabwärts vom Wohnort gelegenen Musslaufe, zweitens Vermeidung jedes Winkels, jeder Knickung der Abzugskanäle. Die letzteren müssen beständig bergab führend, wenn sie nicht geradlinig geführt werden können, jede Bichtucgs- änderuug im Bogen überwinden. Wo die genannten Anlagen nicht ausführbar sind, müssen Aborte angelegt werden, die transportable Gfefässe zum Fortschaffen der Stuhlentleerung in angemessene Entfernung vom Wohn- platze ermöglichen. Die peinlichste Reinigung, wenn möglich, tägliche Desinfektion dieser Aborte muss eine der Hauptaufgaben der Haushygiene sein. Die Wasser- klosetanlage lässt sich übrigens auch bei genügend grossen Unterstellgefässen bei diesem (Tonnen-) System anbringen. Bei Vermeidung von Spülwasservergeudung und häufigerer Entleerung der Aborte ist dieselbe entschieden auch hier zweckmässig. Wo für die Schwarzen des Hausstandes oder der Station derartige Anlagen noch nicht ausführbar sind, muss für dieselben in angemessener Entfernung der Station eine Senkgrube ausgeschachtet werden, welche unter gewöhnlichen Verhältnissen mindestens zweimal wöchentlich in der Weise desinfiziert wird, dass auf eine Schicht Stuhlentleerungen eine dieselbe bedeckende Schicht Chlorkalk gebracht wird (siehe Teil 11. Ansteckung, Darm-Erkrankungen, Dysenterie). Die genannte Senkgrube muss bei Androhung strenger Strafe und unter ausnahmsloser Verhängung derselben im Übertretungsfalle jeder Schwarze ausnahmslos als Abort benutzen. Sechstes Kapitel. Ernährung in Ostafrika. Trinkwasser. Verhalten in Bezug auf das Trinken. Essen. Fleisch. Eier. Hülsenfrüchte. Gemüse. Genussmittel. Gebäck. Butter, Honig. Früchte. Gewürze. Trinkwasser. Als Trinkwasser wähle man vorzugs- weise Quellwasser oder durch Bohrung in Fels oder Sand gewonnenes Wasser. Solches aus stehenden Gewässern oder Sümpfen geniesse man nur, nachdem es vorher eine halbe Stunde lang abgekocht worden ist und durch Zu- satz von Rum, Essig oder Zitronensäure (siehe 111. Teil Acid. citric.-Tabletten) schmackhaft gemacht worden ist. Nur Wasser, welches die angegebene Zeit hindurch ge- kocht hat, und natürlich destilliertes Wasser, ist voll- ständig frei von Krankheitskeimen. Für Stationen, wo die Mittel und Möglichkeit, einen Destillierapparat zu halten, vorhanden sind, ist ein Destillierapparat zweck- entsprechend, welcher eine grösstmögliche Ausbeute mit Ersparnis von Feuerungsmaterial und Wasser gestattet. Der für diesen Zweck brauchbarste und zugleich dauerhafteste Apparat ist der Destillierapparat mit kon- stantem Wasserstand in eisernem Ofen, eingerichtet für continuieiiichen Betrieb. Das in einer kupfernen, 100 Liter Wasser haltenden Blase zu Dampf erhitzte Wasser steigt in das Übergangsrohr, aus demselben in die durch das mit kaltem Wasser gefüllte Kühlfass gehende Kühl- schlange; in derselben wieder verdichtet, fliesst es nun- mehr destilliert aus dem Abfluss aus. Durch die Tem- peratur des Wassers in der Kühlschlange wird die, die- selbe umgebende obere Wasserschicht des Kühlfasses erwärmt. Dieselbe fliesst durch ein Yerbindungsrohr, welches eine sehr einfache Vorrichtung zur Erhaltung und Regulierung des konstanten Niveaus der Wasser- menge in Kühlfass und Kupferblase hat, in die letztere. Der im Kühlfass entstandene Wasserverlust wird durch von aussen neu in das Kühlfass aus einem Wasser- behälter geleitetes Wasser ersetzt. Durch die Anwen- dung des erwärmten Kühlwassers wird AVasser und Feuerungsmaterial erspart, sowie ein continuierlicher Betrieb des Apparates ermöglicht.*) Einfacher ist natürlich die Methode, jeden Morgen die für den täglichen Gebrauch bestimmte AVassermenge abzukochen und in fest verschlossenem Gefäss aufzu- bewahren. Für Expeditionen ist, wenn ein guter Wasser- platz am Marschziel, beziehungsweise Ruheplatz nicht in Aussicht ist, nach Möglichkeit Getränk mitzunehmen, sodass jeder so lange damit versehen ist, bis das sofort nach dem Halt geschöpfte und zum Kochen aufgesetzte Wasser genussfähig gemacht worden ist. Vor der Nacht- ruhe auf dem Halteplatz muss ausserdem eine genügende Menge Wasser durch den stets mitzunehmenden Koch für den nächsten Morgen und den nächsten Marsch ab- gekocht und in der Nacht verschlossen auf bewahrt werden. Ist Zeit und Möglichkeit zum Abkochen des AYassers nicht vorhanden, so muss man sich mit dem Filtrieren des Wassers begnügen. AYas die Funktions- *) Anmerkung. Derartige Apparate werden in der Fabrik von A. Lentz, Berlin, Spandauerstrasse 36/37, an- gefertigt. fähigkeit der für den Gebrauch in Ostafrika in Betracht kommenden Filter betrifft, so ist es bis jetzt noch nicht gelungen, einen Filter herznstellen, der namentlich zur Benutzung auf Märschen bestimmt, längere Zeit völlig krankheitskeimfreies Wasser zu liefern im Stande ist. Dagegen giebt es Filter, welche im Stande sind, Wasser von darin befindlichen Schmutzteilen zu befreien und dasselbe durch Absorbierung der Zersetzungsprodukte von in Fäulnis übergegangenen Substanzen zu reinigen und genussfäbiger zu machen. Stinkendes Wasser, so- wie Wasser, welches durch fein suspendierten Thon oder Erdteile getrübt ist, geruchlos zu machen und zu klären, wird man oft auch durch mehrmaliges Filtrieren nicht im Stande sein. Es möge an dieser Stelle die Fähigkeit der Zitronensäure, durch Thon getrübtes Wasser zu klären, Erwähnung finden (siehe Teil 11. Acid. citricum). Eine vielfach zur Wasserverbesserung angewandte Methode st ferner die von Hager angegebene. Durch diese wird jedenfalls eine chemische Reinigung des zum Trinken bestimmten Wassers und Befreiung desselben von übelem, durch Schwefelwasserstoff, Ammoniak und salpetrige Säuren bedingten Geruch und Geschmack, wo der Filter allein sich ohnmächtig erweist, erzielt. Dieselbe setzt sich zusammen aus einer durch Chemikalien und Fil- tration bestehenden Behandlung des Wassers. Ein dazu praktischer Behälter für Expeditionen ist aus Eisenblech und mit einem wasserdichten Überzug versehen, an einem Riemen um die Schulter gehängt, tragbar-, er enthält neben einem mit Saugschlauch versehenen Kohlefilter zwei Flaschen mit Tabletten aus schwefelsaurer Thon- erde und übermangansaurem Kali, sowie zwei zu der Lösung- dieser Tabletten erforderliche Flaschen, Bevor man den Filterblock in ein mit dem aufgefangenen Wasser gefülltes Gefäss legt und durch das Schlauch- mundstück das Wasser ansaugt, verfährt man in folgen- der Weise: Es werden ca. 50 Liter des Wassers zuerst mit der in beigegebener Flasche bewerkstelligten Lösung einer weissen Tablette (aus schwefelsaurer Thonerde) versetzt, worauf nach erfolgtem Umrühren der Zusatz der in der beigegebeuen zweiten Flasche bewerkstelligten Lösung einer roten Tablette erfolgt. Nach nochmaliger gründ- licher Durchmischung lässt man mehrere Stunden ab- setzen und filtriert in der unten angegebenen Weise durch den Kohlefilter. Geringere Quantitäten Wasser werden in dem entsprechenden Verhältnis mit der ungefähren Hälfte, einem Drittel, einem Viertel der Lösungen ver- setzt. (Beim sofortigen Gebrauch kleiner Quantitäten Wasser muss man sich auf die alleinige Anwendung des Filters beschränken.) Man lege den Filter in den mit unreinem Wasser gefüllten Sturzdeckel der Büchse, sauge am Mundstück des Schlauches die Luft aus, bis das Wasser zum Munde kommt, lasse den Schlauch über den Hand der Büchse herabhängen und fange sodann das in ununterbrochenem Strahle ab fliessende Wasser auf. Nach dem Gebrauche blase man durch den Schlauch Luft in den Filter, damit das noch in der Kohlenwand befind- liche Wasser an die Oberfläche tritt, wodurch die Poren desselben gereinigt werden. Wenn Zeit und Gelegenheit vorhanden, lege mau den Filter an einen warmen Ort und kratze nach dem Trocknen die darauf haftenden Schmutzteile mit einem Messer sauber ab. Von den Filtern, die für Ostafrika den vorher erwähnten beschränkten Anforderungen ge- nügen, sind die Bühringschen Kohlefilter, sowie die Maignenschen Filter wohl als die zweckmässigsten an- zusehen. Die Versuche, einen längere Zeit funktions- fähigen Marschfilter herzustellen, der ein in jeder Be- ziehung genussfähiges Wasser liefert, bieten übrigens zur Zeit entschiedene Aussicht auf Erfolg. Gleich an die Erwähnung des Trinkwassers möge die Besprechung der Grundsätze für das Trinken über- haupt in den Tropen sich anschliessen. Verhalten in Bezug auf das Trinken. Es ist von vielen in den Tropen die Beobachtung gemacht worden, dass, wenn sie am Morgen vor längerer Thätigkeit oder Bewegung eine Frühmahlzeit mit reichlichem Getränk, Kaffee oder Thee, eingenommen hatten, der Körper lange Zeit ohne Getränk auszuharren und zu arbeiten vermochte. Man folge dem Beispiel dieser und nehme erst bei erhöhtem Durstgefühl bei der Arbeit und auf Märschen besser öfter kleinere Mengen Flüssigkeit zur Befriedigung desselben, als auf einmal grosse Quantitäten. Das beste erquickende und anregende Getränk ist kalter, nicht zu starker Kaffee oder Thee. In Gegenden, wo die Kokospalme wächst, liefern die Früchte derselben einen erfrischenden und wohlschmeckenden Labetrunk. Die verstopfende Wirkung der Kokosmilch habe ich nie empfunden. Als tägliches Tafelgetränk empfiehlt sich bei normalem Stuhlgang am meisten Botwein, bei be- stehender Verstopfung oder Neigung zu derselben leichter Mosel- oder anderer Weisswein, beide zur Hälfte mit Kohlensäure-haltigem Wasser verdünnt. Dabei ist nicht 51 ausgeschlossen, dass besonders nach grösserer Anstrengung oder sonstiger Veranlassung zur Hebung der Kräfte ein Glas unvermischten Weines wohl zu empfehlen und dien- lich ist. Champagner gewährt dagegen mit Mineral- wasser verdünnt, völlig den gleichen Genuss wie unver- dünnt in der Heimat, Die belebende und wohlthuend erregende, die Verdauung fördernde Wirkung desselben erleidet bei der grösseren Reaktion des Körpers gegen alkoholhaltige Getränke durch die Verdünnung keinerlei Abbruch; sie tritt im Gegenteil allmählicher, nachhaltiger ein, ohne ein Überraass und dessen Holgen zu erreichen. Das für die Tropen stark eingebrante Bier ist nur in massiger Menge dem, welcher in der Heimat dauernd an dasselbe gewöhnt war, zu empfehlen und sein Genuss auf die Abendstunden za verlegen. Ara Vormittag ge- nossen, macht es den Körper müde und schwerfällig. ■Zum Abendtrnnk weckt der schäumende Bierkrug, wenn auch die erfrischende Kühle fehlt, im Kameradenkreise angenehm die Erinnerungen an die Heimat und wirkt, oft schon in geringer Menge genossen, fördernd auf den Nachtschlaf, giebt, wie man zu sagen pflegt, dem Körper die nötige Bettschwere; eine bei der leider in den Tropen häufigen Schlaflosigkeit nicht zu unterschätzende Eigen- schaft. Durch ein Quantum, das zwei Eiaschen übersteigt, dieselbe zu erproben, ist jedoch nicht ratsam. Konzentrierte alkoholische Getränke sind für den gesunden Menschen in den Tropen völlig überflüssig und öfter genossen, direkt schädlich. Auf Märschen an heissen Tagen sind sie ganz zu meiden. Bei starker Durchnässung und dadurch hervorgerufenem Frösteln liefert ein Schluck Rotwein oder Sherry viel bessere Dienste als Branntwein. Man nehme unter den eben- erwähnten Verhältnissen einen Schluck von dem letzteren (nur guten Cognac), beim Fehlen der ersten Getränke, wenn irgend möglich, in Wasser, Kaffee oder Thee. Was den regelmässigen Genuss von Kaffee am Morgen und nach dem Mittagessen im Anschluss au die Gewohnheit in der Heimat betrifft, so ist eine Be- schränkung dieses am Morgen belebenden und nach der Hauptmahlzeit die Verdauung anregenden Getränkes nur dann geboten, wenn sich nach seinem Genuss Herz- klopfen und Beklemmungsgefühl in der Herzgegend eiu- stellen. In diesem Falle trinke man zunächst den Kaffee weniger stark, wie bisher gewohnt, ersetze namentlich nach dem Essen den nach arabischer Art zubereiteten Kaffee durch solchen, der auf europäische Art gekocht ist, Bleiben die genannten Beschwerden trotzdem nicht aus, so trinke man des Morgens Thee. Derselbe ist auch als Schlussgetränk nach der Abendmahlzeit vielfach in den Tropen beliebt. Man hüte sich aber auch bei seinem Genuss, namentlich des Abends, den Thee zulange ziehen zu lassen. Ein drittes Getränk, besonders für das erste Frühstück geeignet, ist Cacao. Derselbe ist für den, welchem die beiden ersten nicht Zusagen, auch schon durch seinen bekannten Nährwert zu empfehlen. Den- selben anszusetzen ist nur daun geraten, wenn nach seinem Genuss sich Verstopfung bemerkbar macht. Ein angemessener Wechsel der drei genannten Genussmittel beziehungsweise Verdünnung derselben richte sich nach den vorhergenannten Erscheinungen des Allgemeinbefindens. Essen. Fleisch. Bezüglich des Genusses fester Speisen gilt als erster Grundsatz, wie auch schon früher mehrfach hervorgehoben ist, den in der Heimat zuträglichen Ge- wohnheiten nach Möglichkeit treu zu bleiben. In erster Linie darf der an Fleischgenuss Gewöhnte denselben, namentlich in der ersten Zeit seines Tropenaufenthalts, nicht beschränken, wenn nicht absolute Abneigung oder Erkrankung dazu zwingt. Erst bei längerem, über mehrere Jahre währendem Tropenaufenthalt darf die reichlich vorhandene vegetabilische Nahrung durch all- mähliche Gewöhnung mehr in den Vordergrund der täg- lichen Ernährung treten. Dabei muss jedoch stets dem persönlichen Empfinden und Wohlbefinden Rechnung ge- tragen werden. Zu vermeiden sind strengstens fette Eleischspeisen, sowie überhaupt die Fette in fester und flüssiger Form einzuschränken. Es ist dagegen, wenn irgend möglich, zweimal täglich, zum zweiten Frühstück und zur Hauptmahlzeit, frisches mageres Fleisch, am besten gebraten, zu gemessen, auch soll bei keiner Haupt- mahlzeit eine kräftige Fleischbrühe, der nicht ihr Haupt- nährbestandteil, das Eiweis, durch Abschöpfen entzogen ist, fehlen. Zusätze von Fleisch - Extrakt zu derselben sind anzuraten. Vorgenannte Fleischnahrung, namentlich die obenerwähnte Fleischbrühe, verbunden mit dem Ge- nuss guten Rotweins, ist das beste diätetische Mittel für den Rekonvalescenten vom Malaria-Fieber, die ange- griffene Körperkraft wieder herzustellen. Bei auftreten- der Abneigung gegen Fleischbrühe, welche in der ge- wöhnlichen Weise zubereitet ist, ersetze man dieselbe durch ein Fleischextrakt, welches auf folgende Weise hergestellt wird: Man schneidet gutes mageres Rindfleisch in würfel- förmige Stöcke und füllt von denselben in eine weit- halsige Flasche, soviele nur hineingehen, dann korkt man die Flasche fest zu und setzt dieselbe in heisses Wasser, das allmählich zum Kochen gebracht und dann längere Zeit in gleicher Temperatur unter dem Siedepunkt gehalten wird. Der auf diese Weise aus den Fleisch- stücken nach 2—3 Stunden gewonnene Saft, dessen Menge noch durch Auspressen derselben vermehrt wird, ist sehr kräftig, nahrhaft und wohlschmeckend. Selbst bei grosser Appetitlosigkeit nach überstandeuem Fieberanfall wird derselbe vom Magen aufgenommen. Durch solchen Fleisch- saft, der esslöffelweise halbstündlich bis stündlich 2 bis 3 Esslöffel, gefolgt von einem Schluck guten Rotwein in der Zeit von 10—12, von 2—4 und von 6—B Uhr am Tage genossen wird, können auch bei grosser Schwäche und sehr geringem Appetit die Kräfte erfolg- reich gehoben werden. Hinsichtlich der Fleischart ist die Wahl zwischen Kalb- und Rindfleisch, Ziegen- und Hammelfleisch und Geflügel vorhanden; dazu kommt für den Jäger die Jagdbeüte, von der das Fleisch junger Büffel das schmack- hafteste ist. Vorsicht ist anzuraten bezüglich des Schwarz- wildes, da dessen Fleisch vielfach finnig ist. Hierbei sei gleich vor dem Genuss rohen Fleisches gewarnt, dessen Genuss mit der Erkrankung durch Eingeweidewürmer gebüsst wird. Mit dem Genuss von Fleisch ist derjenige von Fischen, wo irgend Möglichkeit dazu vorhanden, in angemessenen Wechsel zu bringen. Das Meer, wie die Flüsse Ostafrikas, sind reich an grossen Fischen, die sich ganz nach europäischer Art zubereiten lassen. Die Genussfähigkeit des Fleisches nach dem Töten des betreffenden Tieres überdauert in der Regenzeit durchschnittlich nicht einen, in der trockenen Zeit nicht 2 Tage. Es empfiehlt sich daher am meisten, ein Stück, wenn möglich ganz, auf zwei Tage zu verteilen und je nach Forderung der Jahreszeit die zuletzt zum Genuss bestimmten Teile in Essig einzusäueru. Das gilt in erster Linie für Rind- und Hammelfleisch; Ziegenfleisch säuert man wegen seines süsslichen Geschmacks gern auch schon frisch an. Ein Ziegen-Sauerbraten ist wohl- schmeckend, selbst für verwohnte Gaumen. Das frisch- geschlachtete Rindfleisch ist ausserordentlich zähe und lässt sich oft seihst durch energisches langes Klopfen nicht erweichen. Es empfiehlt sich hierfür am ersten Tage nach dem Schlachten, dasselbe zu hacken und als gehacktes Beefsteak oder sogenannten falschen (pol- nischen) Hasen (gehackt mit Currypulver) zu gemessen und es erst am zweiten Tage, wenn es mürber geworden ist, in grossen Stücken zu braten, man versäume aber an keinem Tage, schon morgens für die Hauptmahlzeit ein tüchtiges Stück mit Knochen in Wasser zur Brühe auf das Feuer zu setzen. Auf längere Zeit, d. h. für mehrere Wochen, lässt sich Fleisch konservieren, wenn es tüchtig mit Pfeffer bestreut wird, um die Insekten fern zu halten und dann mehrere (3—4) Tage dem Luftzug ausgesetzt wird. Vor dem Genuss ist dasselbe tüchtig zu wässern, um den Pfeffergeschmack zu vertreiben. Ausgewässert lässt es sich auf jede Weise zubereiten und ist schmack- haft und gut verdaulich. Eine gleichfalls bewährte Kon- servierungsmethode des Fleisches für mehrere Tage be- steht in tüchtigem Einreiben desselben mit Salicylsäure- oder Borsäure - Pulver. Nach dieser Behandlung in den Luftzug, vor der Sonne geschützt, aufgehängt, muss es vor dem Genuss tüchtig und wiederholt ausgewaschen werden. Eier. Neben dem Fleisch und Fisch liefern Eier, Reis und Gemüse die Bestandteile des täglichen Küchen- zettels. Eier, welche die Eingeborenen zum Teil als Exkremente der Hühner verabscheuen, sind meist leicht und billig zu haben und somit zu den mannichfaltigsten, nach heimischer Weise zubereiteten Speisen zu verwerten. Beim Eierkauf überzeuge man sich jedesmal durch die Wasserprobe, (frische Eier stehen in demselben aufrecht, angebrütete und faule liegen), ob dieselben frisch sind; denn die Eingeborenen bringen sehr häufig die Eier erst, wenn sie mehrere Tage gelegen haben. Hülsenfrüchte. Gemüse. Von den Hülsenfrüchten gebührt dem nahrhaften und leicht verdaulichen Reis die erste Stelle. Durch die sehr vielgestaltige Zube- reitungsweise desselben kann täglich eine Reisspeise auf dem Küchenzettel stehen, ohne dass sein Genuss Über- druss erregt. Von den übrigen Früchten des Feldes liefern die einheimischen Bohnen, der Schirokko, (ähnlich unserer Erbse) der Mais, das Mtama, der Maniok, der Mhogo wohlschmeckende und gut verdauliche Speisen. Yom Maniok finden sich zwei Arten in Ostafrika; der bittere aus Südamerika eingeführte enthält einen Gift- stoff und ist deshalb vor seinem Genuss in gekochtem Zustande tüchtig auszulaugen und dann zu trocknen. Der süsse, einheimische Maniok ist roh und gekocht ge- niessbar, man hüte sicli jedoch, ihn roh in grösserer Menge zu gemessen, da er dann schwer verdaulich ist. Aus dem Mais und ebenso aus Mtama, Mhogo wird das Ugalli, ein schmackhafter und leicht verdaulicher Brei, bereitet. Hinsichtlich der leichten Verdaulichkeit steht das nahrhafte Arrow-root obenan, ein Stärkemehl, das aus der namentlich an der Küste bei den Eingeborenen bekannten, wenn auch nicht sehr häufig vorkommenden Pflanze Uanga durch Ausschlemraen gewonnen wird. Einen beliebten Zusatz zu Suppe und Braten geben die reichlich vorhandenen Tomaten. Auch als Salat zube- reitet sind dieselben sehr schmackhaft. Zur Bereitung des letzteren eignen sich gleichfalls die einheimischen Gurken, sowie der sogenannte Palmenkohl. Derselbe wird aus der Keimknospe der Kokospalme gewonnen und liefert fein zerschnitten, mit Essig und Öl, Pfeffer und Salz zubereitet, einen schmackhaften, die Verdauung anregenden Salat. Man sorge nach Gewinnung von Palmenkohl für eine möglichst umfangreiche Verteilung am Tage seiner Ernte, da er am zweiten Tage bereits schwarz und ungeniessbar wird. Von einheimischen Ge- müsen seien noch das unserem Spinat verwandte, gleich demselben schmeckende und zubereitete Mschi-Dscha, sowie die zu Gemüse zu kochenden Kürbisblätter und der Lattich erwähnt. Einen Ersatz für die importierte europäische Kartoffel liefert die einheimische süsse Kar- toffel, die Batate. Dieselbe wird geröstet oder als Püree zubereitet genossen; sie ist, wenn auch nicht schwer ver- daulich, so doch nicht sehr widerstandsfähigen Magen auf längere Zeit nicht sehr zuträglich. Die europäische Kartoffel wird für die erste Zeit wohl noch einen grossen Importartikel abgeben. Die Versuche, sie anzubauen, sind zwar nicht fehlgeschlagen, Jedoch schiesst die ge- pflanzte Kartoffel sehr stark ins Kraut und liefert nur kleine wässrige Früchte. Besser gedeihen in erster Linie Kohlrabi, dann Retlig, Radieschen, rote Rühen, Karotten. Diese erreichen dieselbe Schmackhaftigkeit wie in der Heimat. Ferner wird Weisskohl und Rot- kohl gleichfalls mit gutem Erfolg angepflanzt. Das öfter beobachtete Indaskrautschiessen derselben wird durch richtige Behandlung und gute Düngung vermieden. Nur der Blumenkohl schiesst immer ins Kraut. Auch Sauer- kohl lässt sich in Zwischenräumen von 14 Tagen erneuert (eine grössere Zeitdauer überschreitet seine Genussfähig- keit nicht) gut zubereiten. Von gutgedeihenden Salaten sind Endiviensalat und Kopfsalat (letzterer ausgezeichnet) dazu noch schliesslich die Petersilie nennenswert. Genussmittel. Gebäck. Butter. Honig. Von andern Genussmitteln sind Kaffee, Cacao, Vanille, Tabak zu er- wähnen. Nicht angehaut wird dagegen Getreide. Das für den mannichfachen Bedarf und namentlich zum Brothacken gebrauchte Mehl wird vielmehr aus Indien in Fässern eingeführt. Dasselbe lieferte die verschiedensten Arten feinen und groben Gebäcks. Im Anschluss an das letztere sei die Butter erwähnt. Die zu ihrer Bereitung not- wendige Milch wird von den einheimischen Kühen in geringerer Menge als von den unsrigen geliefert. Die- selbe dickt leicht ein, säuert dagegen schwer und schlecht. Die aus ihr gewonnene Butter ist nach europäischer Zu- bereitung der unseren gleich. Die dagegen von den Ein- geborenen hergestellte Butter, samli, ist nur zum Braten, Kochen und Backen verwendbar. Neben der Butter wird zum Frühstück der wohlschmeckende einheimische Honig auf Brot gestrichen. Derselbe wird auch gern mit Reis genossen. Früchte. Unter den roll geniessbaren Früchten sind -die beliebtesten und zumeist auf jeder Tafel anzutreffenden: ■die Bananen, die Orangen, die saftigen und süssen, in ihrem Äussern grossen Eierpflanmen ähnlichen Mangos, die Ananas. Nächst diesen zu nennen sind die Mustafeli, grünen Himbeeren ähnliche süsse Früchte mit schwarzen Kernen, die Mapela, von der Gestalt unserer Birne, besonders gekocht als Kompot sehr schmackhaft, ferner die Granat- äpfel, die bis Kindskopf grosse birnenförmige Papaia- frucht mit melonenähnlichem Fleisch, die Stinkfrucht mit ihrem käseähnlichen Gerüche und sehr süssem Ge- schmack, die Kürbis- und Wassermelonen. Sorgfältig geschält gewähren sie namentlich am Morgen und Vor- mittag ein erfrischendes und verdauungförderndes Genuss- mittel. Besondere Beachtung von den vorhererwähnten Früchten verdienen die Bananen. Dieselben werden reif zu allen Mahlzeiten roh genossen und lassen sich ausser- dem sowohl reif, wie unreif in der verschiedensten Zu- bereitung essen (namentlich gebacken); sie dürfen nicht als leicht verdaulich angesehen werden, da sie nicht selten Verstopfung verursachen; ihr Genuss ist in der ersten Tageszeit, bis zum zweiten Frühstück einschliess- lich, zuträglicher als am Abend. Gewürze. Zu den von der Heimat her gewohnten Gewürzen tritt für den Deutschen das in vielfacher Form als schmackhafter Speisenzusatz verwendbare Currypulver, das der Reisende schon auf der Fahrt nach Ostafrika auf dem Schiffe, wie erwähnt, kennen lernt. Ein mässiges Würzen der Speisen ist als auf die in den Tropen trägere Verdauung anregend und fördernd wirkend entschieden ■anzuraten. 60 Siebentes Kapite . Lebensweise in Ostafrika. Lebensweise auf der Station. Tagesbeginn. Bäder. Erstes Frühstück. Stuhlverstopfung. Thätigkeit in der ersten Tageshälfte. Zweites Frühstück. Thätigkeit in der zweiten Tageshälfte. Hauptmahlzeit, Tagesschluss. Nacht- ruhe. Moskitos. Verhalten auf Expeditionen. Wahl der Zeit für Expeditionen. Ausrüstung. Körperliches Ver- halten vor dem Aufbruch. Mundvorräte. Lagergeräte für Gebrauch am Lagerplatz. Marschzeit. Lagerplatz. Trink- wasser. Verhalten beim Lagern. Nachtlager. Latrinen. Lagerstätte des Dieners. Nachtmärsche. Lebensweise auf der Station. Die Lebensweise richtet sich naturgemäss nach den äusseren Lebens- bedingungen und teilen sich die Vorschriften für die- selben erstens in solche für Aufenthalt und regelmässige tägliche Thätigkeit an einem Platz beziehungsweise in Dauer-Stationen oder Städten und zweitens in solche für das Verhalten auf Reisen und Expeditionen. Die Tages- einteilung für das Leben auf einer Station geschieht am zweckmässigsten auf folgende Weise: Tagesbeginn. Bäder. Aufstehen vor Tagesanbruch morgens 5V2 Uhr. Morgenwäsche in Form einer Douche oder eines Brausebades nach den auf SS. 24. 29 gegebenen Verhaltungsmassregeln. Auf den Stationen der Küste befinden sich dazu zweckmässig eingerichtete Baderäurae. In Ermangelung des genannten Morgenbades ist kalte Wäsche und Abreibung namentlich des Rückens mit Schwamm und Frottierhandtuch vorzunehmen. Bäder im Freien sind in den Tropen nicht zu empfehlen. Bei den Bädern in Süsswasser, welche am Tage genommen werden, ist der unbedeckte oder nur wenig geschützte Kopf der unmittelbaren Einwirkung der Sonnenstrahlen ausgesetzt. Bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang genommene Bäder wirken durch die um diese Zeit aus dem Wasser aufsteigenden Nebel gesundheitsgefährdend. Bei Seebädern kommt zu den vorhergehenden Nach- teilen noch der die ohnehin empfindlichere Haut reizende Salzgehalt des Wassers. Seebäder haben ausserdem viel- fach Nervenaufregung und Schlaflosigkeit zur Folge, dazu kommen die durch Krokodile beziehungsweise Hai- fische verursachten Gefahren, Erfahrungstatsache ist ausserdem, dass die ge- nannten Bäder oder Abwaschungen im geschlossenen Raume, welche gleich nach dem Verlassen des Lagers ohne grosse Vorbereitungen genommen werden können, sehr wohlthuend und fördernd auf den Gesundheits- zustand wirken. Derjenige, welchen Douche- oder Brausebäder auf die Dauer zu sehr angreifen und ermüden, setze an ihre Stelle leichte Abspülungen (durch Ausdrücken eines grossen Badeschwammes von oben über den Körper herunter) mit nachfolgender Abreibung oder leichter Massage des Körpers. Letztere wird in Ostafrika von den Schwarzen vielfach ausgeübt und hat, richtig an- gewandt, einen entschieden wohltätigen und günstigen Einfluss auf den Körper. An das Bad schliesst sich nach vollendeter Toilette zweckmässig eine Promenade von 10 Minuten vor dem ersten Frühstück. Erstes Frühstück. Die, Zusammensetzung desselben ist bei der Seereise und den Nahrungsmitteln schon be- sprochen und sei hier nur kurz wiederholt: Getränk: Milch, Kaffee, Thee oder Cacao, dazu als erstes Gebäck, wenn irgend möglich, scharf geröstete Zwiebäcke oder Semmel, in Ermangelung derselben Schiffszwieback, Cakes oder Hartbrot. Diese erste Nahrungszufuhr ist für den nüchternen Magen die gesündeste. An dieselbe schliesst sich als Beigabe zum Morgen- getränk Weissbrot mit kaltem geräucherten oder ge- bratenen Fleisch und weich gekochte Eier. Zu warnen ist vor weichem' frischen, noch mehr vor nicht durch- gebackenem Brot. Wer Butter entbehren kann, ver- zichte des Morgens auf dieselbe oder streiche sie nur in kleiner Menge auf das Brot, wenn er auf Konserven- butter angewiesen ist. Dieselbe bekommt des Morgens nicht jedem Magen gut. Gegen gute, frische Butter, wo solche zu haben ist, ist nichts einzuwenden. Den Schluss des Frühstücks bilden Früchte, Apfelsinen, Mangos, Bananen. Stuhlverstopfung. Bei Stuhlverstopfung sind Bananen zu meiden, dagegen vor dem Frühstück zwischen Bad und Morgenpromenade Apfelsinen bis zu 3 Stück zu ge- messen, wenn erfahrungsgemäss bei Genuss einer ge- ringeren Anzahl vorher keine abführende Wirkung ein- getreten ist. Thätigkeit in der ersten Tageshälfte. An das Früh- stück schliesst sich die bis 11 Uhr währende Berufs- thätigkeit. Von 11 bis 3 Uhr ist Ruhezeit. Dieselbe wird, je nachdem es die vorhergegangene Arbeit er- fordert, mit Körperreinigung, Wechsel der Wäsche nach vorherigem starken Schwitzen, der Kleidung und Wäsche nach starker Durchnässung begonnen. Hat der Dienst rege Bewegung im Freien gebracht, so ist vor dem zweiten Frühstück kurze Ruhe angezeigt, die mit Lesen oder Erledigung persönlicher Angelegen- heiten ausgefüllt wird. Nach Bureauarbeit schicke man der genannten Mahlzeit einen kurzen Spaziergang voraus, treibe kurze leichte Gymnastik (Hanteln) oder beteilige sich an einem körperlichen Spiel, (Lawn-Tennis). Zweites Frühstück. Das zweite Frühstück in der Zeit zwischen 12 und 12V2 Uhr eingenommen, besteht aus einem Vorgericht (Gemüse mit kaltem ge- räuchertem Fleisch, Konserven, Huhn mit Reis, Fisch- Curry, Eier-Curry), einem Fleischgericht und Früchten, Getränk nach Wahl mit Berücksichtigung des augen- blicklichen Körperzustandes (siehe S. 50. 51). Die Zeit bis zur Wiederaufnahme der Arbeit um 3 Uhr sei der Ruhe und Erholung gewidmet und zwar am zweckmässigsten in sonnengeschütztem kühlem oder ventiliertem Raume. Schlafen in dieser Zeit ist nicht ratsam, es erfrischt nicht, sondern erzeugt Eingenommenheit des Kopfes und Schwer- fälligkeit des Körpers. Eine Tasse Kaffee ist nach Wahl nach dem Frühstück oder vor Beginn des Nach- mittagsdienstes empfehlenswert, letzterer umfasst die Zeit von 3 bis 51/ s oder 6 Uhr. Thätigkeit in der zweiten Tages- hälfte. An denselben schliesst sich zwischen 6 und 7 Uhr die Hauptmahlzeit. Für die unmittelbare Zeit vor der- selben gelten dieselben Vorbereitungen wie zum zweiten Frühstück. In dieser Zeit sind Bewegung und kurz dauernde körperliche Spiele im Freien (wie oben) nament- lieh nach vorhergegangener Arbeit im Sitzen anzuraten. Die Hauptmahlzeit besteht zweckmässig aus Suppe (Fleischbrühe), Vorgericht, Braten, Reisspeise, Früchten; Getränke nach Wahl wie zum Frühstück. Nach der Hauptmahlzeit geselliges Zusammensein, Je nach der Witterung in geschlossenen Räumen oder im Freien. Dem Aufenthalt im Freien trage man auch bei nur ge- ringer Temperaturabkühlung durch Anlegen wärmerer Kleidung Rechnung. Ist die Abendluft trocken und nebelfrei, so bildet das Verweilen auf der Veranda oder dem platten Hausdach unter dem schönen Tropenhimmel beim heimischen Glase Bier einen reizvollen und der Gesundheit nicht unzuträglichen Tagesabschluss. Zu warnen ist vor dem Aufenthalt nach Sonnenuntergang an niedriggelegenen Plätzen, die vom Sumpf umgeben sind, oder die unter Wind, der über nahe gelegene Sümpfe streicht, stehen. Hinsichtlich des Rauchens ver- weise ich auf die früheren auf Seite 31 gegebenen Ver- haltungsmassregeln. Tagesschluss. Nachtruhe. Die Zeit zum Schlafen- gehen liegt zwischen 9 und 10 Uhr. Die normale Zeit für die Nachtruhe erstreckt sich von OVa Uhr abends bis 5V2 Uhr morgens. 8 Stunden Schlaf in 24 Stunden genügen bei nor- malen Gesundheitsverhältnissen und vorher beschriebener Lebensweise zur Ruhe des Körpers nach gethancr Arbeit und zur Kräftigung desselben zu neuer Thätigkeit voll- kommen. Zu lange namentlich nach Sonnenaufgang aus- gedehnter Schlaf wirkt wie der Schlaf am Tage un- günstig auf den Körper ein. Der Schlafraum hat stets in den obersten Stockwerken des Wohnhauses zu liegen, Muss trocken und gut ventiliert sein. Die Fenster sind am zweckmässigsten für die Nacht geschlossen, dagegen regulierbare Yentilationsöffnungen in der Nähe der Zimmerdecke bei gutem Wetter offen zu halten. Schwere Vorhänge, grosse Fussteppiche und Matten sollen in einem gesunden Schlafraum fehlen, wenn sie nicht täglich zweimal entfernt und sorgfältig ausgeklopft und gereinigt werden können. Moskitos. Das mit Moskitonetz versehene Nachtlager steht am zweckmässigsten frei im Zimmer, nur mit dem Kopfende an eine stets trockene Wand gelehnt. Als Unterlage dienen Matratzen oder mit Bettlaken belegte wollene Decken und ein hartes Kopfkissen. Zum Zu- decken je nach der Temperatur eine seidene Decke oder eine bis zwei wollene Decken, letztere auch schon hei mässiger Abkühlung sehr angenehm. Will man ganz sicher vor Moskitostichen sein, so schlage man die unteren Enden des Moskitonetzes, nachdem man sich überzeugt, dass au der Innenseite desselben keine Moskitos be- findlich, an allen vier Seiten des Lagers zwischen Bett und Bettunterlage fest ein oder beschwere die auf den Fussboden reichenden Enden mit Steinen. Für warme Nächte ist ein dünnes baunwollenes Hemd, für kühle der Schlafanzug anzuraten. In letzteren ist namentlich der Leib bedeckt und warm zu halten. Verhalten auf Expeditionen. Wahl der Zeit für Expeditionen. Die günstigste Zeit für Expeditionen ist natürlich die trockene und noch mehr die kühle Jahres- zeit. In der Regenzeit dagegen ist grundsätzlich jede Expedition zu unterlassen. Längere Expeditionen sind in derselben stets an geeigneten Plätzen zu unterbrechen. Ausrüstung. Als Kleidung wähle man Anzüge aus Kakey, sowie solche aus wärmeren Stoffen (für etwa notwendige Nachtmärsche n. s. w.) Schuhe, Stiefel, baum- wollene und wollene “Wasche, Unterkleider, Leibbinden je nach der Länge der Expedition in genügender Zahl. Die Wäsche und die Unterkleider sind bei Kühe sofort nach heftigem Schwitzen auf dem Marsche zu wechseln, nachdem vorher der Körper getrocknet und dann, wenn möglich nass abgerieben und frottiert worden ist; nach Durchnässuug ziehe man ausserdem wollene Wäsche über die baumwollene. Körperliches Verhalten vor dem Aufbruch. Zwei Tage vor Aufbruch zu einer solchen Expedition vermeide man jede Überanstrengung bei Vorbereitungen, ebenso, namentlich am letzten Vorabend übermässigen Weiu- oder Biergenuss. Jeder, der die trockene Kehle am Morgen nach einem solchen kennt, wird sich hüten das Flüssig- keitsbedürfnis des Körpers auf anstrengenden, heissen Märschen durch vorhergehenden Alkoholgenuss zu steigern. Je nach der Aufbruchszeit wähle man den für 7 ständigen Schlaf nötigen Zeitpunkt zum Beginn der Nachtruhe. Am Morgen des Aufbruches richte man sich mit der gewohnten Toilette, Packen des Koffers, Versorgung mit Getränk und Nahrung für den Marsch so ein, dass man eine halbe Stunde vor Aufbruch zu demselben voll- ständig fertig ist. Mundvorräte. Das Frühstück sei, wenn Zeit dazu vorhanden ist, reichlich, namentlich auch das gewohnte Morgengetränk (siehe Kapitel VII, Trinken). An Vorrat versehe man sich mit Kaffee, Thee, Cacao, Chokolade (letztere auch auf dem Marsche gegen Durstgefühl zum Essen empfehlenswert), kondensierte Milch. Von Fleischwaren nehme man gut geräucherte Wurst, ferner Schinken und Cornedbeef zum Frühstück mit; zum Mittagessen kann man stets auf frisches Fleisch rechnen. Ferner sind die getrockneten Gemüse, Currypulver, Zwieback, Cakes, Hartbrot nicht zu vergessen. Lagergeräte für Gebrauch am Lagerplatz sind Spaten, Picken, Zelt, Kochgerät, Feldbett; die übrigen zum per- sönlichen Gebrauch bestimmten Gegenstände bedürfen keiner weiteren Erwähnung. Doch ist daran zu erinnern, dass, wenn die Wasserverhältnisse der zu passierenden Gegenden ungünstig oder unbekannt sind, neben den bei grösserer Zahl der Reisenden allgemein mitgeführten Getränken von jedem für sich persönlich möglichst viel Kaffee oder Thee mitzunehmen ist. Eine kleine Feldflasche mit genanntem Getränk trägt man zweckmässig selbst, eine zweite, besonders gut verschlossene, der Diener. Marschzeit. Für die Wahl der Marschzeit ist Ver- meidung der grössten Tageshitze Prinzip, die Zeit von 10V2—3 Uhr Mittags muss Ruhezeit sein. Die Marsch- dauer richtet sich nach den Reisezielen, soll aber im allgemeinen 5 Stunden für den Tag nicht übersteigen. Lagerplatz. Bei Wahl der Lagerplätze sind nach Möglichkeit die im Kapitel V angegebenen Weisungen bezüglich Bodenbeschaffenheit und Mähe von Trinkwasser zu berücksichtigen. Die Lagerstätte muss von einem Europäer ausgesucht werden. Trinkwasser. Sofort nach Ankunft auf demselben ist Wasser zu holen und abzukochen. Auf die Enthaltung des Genusses nicht abgekochten Wassers, das aus Sümpfen, 5* übelriechenden und stagnierenden Gewässern und Fluss- läufen geschöpft wird, sei hierbei nochmals dringend hin- gewiesen. Verhalten beim Lagern. Bei Lagern am Tage ist im Freien, auch bei schattigen Baumplätzen, vor dem Entblössen des Kopfes nochmals zu warnen. Der ab- gesetzte Korkhelm ist sofort mit dem breitrandigen, weichen Filzhute zu vertauschen. Auf feuchtem Boden lagere mau sich niemals ohne Unterlage, sondern bediene sich der wasserdichten Lagerdecke oder des Feldbettes. Für die Nachtruhe gelten folgende Massnahmen: Nachtlager. In trockenen und sehr warmen Nächten auf einem trockenen, von sumpfigem Untergrund und sumpfiger Umgebung freien Lagerplatz stelle man sein Feldbett (beziehungsweise hänge es als Hängebett) an einem geeigneten Platze auf und lasse Kleidung und Gepäck daneben beziehungsweise darunter legen. Stets sei die wasserdichte Lagerdecke unter dem Nachtlager ausgebreitet. Nur unter diesen Wetter- und Boden- bedingungen ist Schlaf im Freien statthaft, in allen anderen Fällen, bei kühlen oder feuchten Nächten, be- diene man sich des Zeltes, da eine trockene, saubere und geeignete Eingeborenen-Hütte wohl fast nie zu Ge- bote steht. Die Wahl des Platzes und Aufstellung desselben geschehe nach den im Kapitel V für Wohnungen angegebenen Grundsätzen. Den Boden des Zeltes bedeckt wiederum die wasser- dichte Lagerdecke. Ist die Nähe eines Sumpfes unver- meidlich, so sind zwischen demselben und dem Lagerplatz angezündete Feuer zweckmässig. Dabei ist immer, wie hier nochmals erwähnt sei, festzuhalten, dass die Lager- Plätze nie in der Richtung des über den Sumpf streichenden Windes liegen sollen. Latrinen bezw. dem gleichen Zwecke dienende Plätze müssen mindestens 50 m vom Lager entfernt hinter Strauch- und Buschwerk sich befinden und dürfen niemals in der Nähe des zum Genuss bestimmten Wassers liegen. Unter Wind dieselben anzulegen, hat wenigstens in den Küstengebieten keinen grossen Zweck, da der Wind fast stets gegen Abend umspringt. Dasselbe gilt für die Anlage der Kochfeuer. Für die Nachtruhe sei nochmals an Schutz des Körpers und warme Bedeckung des Leibes bei Ab- kühlung der Temperatur erinnert. Lagerstätte des Dieners. Die Lagerstätte des Dieneis muss sich dicht bei dem Gepäck beziehungsweise in un- mittelbarer Nähe des Zeltes befinden. Derselbe muss IV2 Stunden vor dem Aufbruche am nächsten Tage sich erheben und die Morgentoilette, sowie die am Abend vorher bestimmte Reisekleidung und Ausrüstung zurecht legen, namentlich sich von der Beschaffenheit der Fuss- bekleidung überzeugen, dieselbe reinigen und einschmieren. Eine halbe Stunde später erhebt sich der Reisende selbst und vollendet alle Vorbereitungen zum Marsch, so dass er eine halbe Stunde vor Aufbruch völlig gerüstet ist. Regelmässige Stuhlentleerung, möglichst ausgiebige Wäsche des Oberkörpers mit Beachtung der hierfür ira Anfang des Kapitels gegebenen Regeln, Waschen und Revidieren der Füsse, (Reinigen und Verbinden kleiner Hautwunden, siehe 11. Teil Wund-laufen, -reiten,) bei Berittenen des Gesässes, sowie der Beine) und nach dem Ankleiden reichliches Frühstück dürfen an keinem Morgen fehlen. Die Aufbruchszeit richtet sich nach der Marschdauer, soll aber wenn möglich niemals nach Sonnenaufgang be- ziehungsweise Tagesanbruch angesetzt werden. Nachtmär sehe. Was die Nachtmärsche anbetrifft, so wird man dieselben nur in mondhellen Nächten an- treten. Nur im äussersten Notfall marschiere man in dunklen Nächten, da die Marschordnung in denselben nur mit grösster Mühe aufrecht zu erhalten ist. Märsche bei hellem Mondschein sind zu empfehlen, wenn die zurückzulegende Strecke über Steppen führt, auf denen am Tage die Marschierenden lange Zeit un- unterbrochen den sengenden Sonnenstrahlen ungeschützt ausgesetzt sind. Eine zweite Veranlassung für Märsche in hellen Nächten liegt in grosser Entfernung des nächsten Trinkwasserplatzes. Ist derselbe beispielsweise 10 Stunden Marsch entfernt, so ist die bestgeeignete Aufbruchszeit nachmittags 4 Uhr. Der erste Marsch- abschnitt dauere bis 1.1 Uhr, daran schliesse sich Ruhe von 11—6 Uhr morgens. Der Rest von 3 Stunden ist dann um 9 Uhr morgens zurückgelegt. Bei dieser Zeit- einteilung wird die heisseste Zeit und somit die Haupt- ursache von Durst und Ermüdung am besten vermieden. 71 Achtes Kapitel Umgang mit der Bevölkerung Ostafrikas. Volkselemente. Araber. Beludscben. Inder. Goanesen. Sudanesen. Sulus. Somalis. Eingeborene. Behandlung der schwarzen Untergebenen. Diener. Weibliche Bevölkerung. Volkselemente. Die Volkselemente, mit denen der Europäer an der Küste in Berührung kommt, setzen sich ausser den eingeborenen Schwarzen aus den Arabern, Indern, Beludscben und Goanesen Ostafrikas zusammen. Buhe, Vorsicht und Energie in allen Situationen sind die in erster Linie für den Verkehr mit denselben not- wendigen Eigenschaften. Araber. Die aus Südarabien stammenden Araber Ostafrikas, gemeinhin Maskataraber genannt, sind zum Teil Vollblutaraber, zum Teil bereits aus Mischung zwischen reinen Arabern und Eingeborenen hervorgegangen. Die äusserlich im gewöhnlichen Verkehr auffallende Haupt- eigenschaft, namentlich des älteren Arabers, mag derselbe reich oder arm sein, ist eine sichtlich zur Schau getragene ruhige Würde, verbunden mit gemessener Höflichkeit, die gerade den Europäer sympathisch berührt, ja, bei den älteren Arabern etwas Imponierendes haben kann Dass unter dieser Achtung gebietenden Hülle grösste Schlauheit bezüglich des persönlichen Vorteils, ja auch Bänkesucht, Lug und Trug sich verbergen, darf dem ungläubigen Christen, dem gegenüber dem gläubigen Muhamedaner jedes Mittel erlaubt ist, nicht Wunder nehmen. Trotzdem bietet sich nicht selten dem Europäer Gelegenheit, auch wirklich vornehme Denkungsweise, sympathische Charaktereigenschaften kennen zu lernen. Dahin gehört ein hohes, persönliches Ehrgefühl, eine Anerkennung und Würdigung der Verdienste desjenigen, in dem er seinen Gegner, seinen Verdränger und Be- sieger voraussieht. Ein Herzenszug, der mich als Arzt häufig ausserordentlich sympathisch berührt hat, war eine grosse und dauernde Dankbarkeit selbst für die kleinste gewährte ärztliche Hilfe. Ein Beispiel derselben an dieser Stelle zu erwähnen, sei mir gestattet. Als ich Stations- arzt von Pangani war, kam eines Tages ein arabischer Eischer mit dichtverbundenem Kopf zu mir und bat mich, ihn von seinen furchtbaren Zahnschmerzen zu befreien; ich zog ihm den mir angegebenen Attentäter aus. Der Araber sprang freudig erleichtert auf, setzte sich aber sehr schnell wieder nieder, fasste in den Mund nach dem ebenfalls erkrankten Nachbar des entfernten Zahnes und bat mich mit den Worten; „ingine bana doctori“ (Noch einen, Herr Doktor), auch diesen zu entfernen. Nachdem das gleichfalls geschehen war, erhob sich mein Patient mit grosser Würde und verabschiedete sich mit den unter arabischem Gruss pathetisch gesprochenen Worten: „assente bana“ (Danke, Herr). Nach zwei Stunden kehrte er mit einem sehr grossen Eisch, den er inzwischen gefangen hatte, zurück und überreichte mir denselben als Dankes- geschenk ; ich nahm dasselbe als Messvorstand sehr gern an und knüpfte die Bitte daran, mir jeden Tag, natür- lich gegen Bezahlung, einen Fisch für unsere Tafel zu liefern. Dieser Bitte wurde nicht nur pünktlichst Folge geleistet, sondern der mit den Verhältnissen in und um Pangani sehr vertraute Mann leistete uns auch sonst in vielen Beziehungen wesentliche Dienste. So oft ich, von Pangani versetzt, später vorübergehend dorthin kam, wurde ich nach kurzer Zeit sicher von meinem alten Patienten aufgesucht und begrüsst. Wie sehr der Araber auch die kleinste ihm erwiesene Wohlthat in dankbarem Andenken bewahrt, so wenig vergisst er eine Ungerechtig- keit und Beleidigung oder gar einen Schlag. Ich habe einmal, als ich in einem Euderboot vom Dampfer an Land gesetzt wurde, einem vor mir sitzenden arabischen Matrosen, der lange Zeit das Euder unthätig über Wasser hielt, ungeduldig einen leichten Schlag zur Ermunterung auf die Schulter gegeben. Ein sehr böser Blick und Nichtbefolgung meiner Ermahnung war trotz begütigen- der Worte und Geberden die Folge. Der Manu, der mich früher stets freundlich begrüsst hatte, sah mich von dem Moment bei jeder Begegnung mit finsterem, ja feindlichem Blick von der Seite an. Die beiden kleinen Beispiele mögen zur Erläuterung des Vorhergehenden dienen. Man begegne im Verkehr dem Araber stets mit grösster Euhe, äusserlicher Achtung, auch wenn man noch so sehr innerlich erregt ist, beobachte ihn ebenso vorsichtig, wie er es unausgesetzt umgekehrt thut, vermeide jede, auch die geringste Beleidigung und rühre ihn nie- mals auch nur mit dem kleinsten Schlage an. Beludschen. Eine weniger achtungsvolle, aber ebenso vorsichtige Behandlung verdienen die Beludschen, deren schon wenig Sympathie- und vertrauenerweckendes Wesen verrät, dass sie nur die schlechten Eigenschaften des Arabers besitzen. Inder. Für den Handelsverkehr beobachte man dem geschmeidigen, stets höflichen, stets auf seinen Geschäfts- vorteil bedachten Inder, dem Kaufmann en gros & en detail, namentlich dem Händler gegenüber von vornherein die grösste Vorsicht. Gerade bei den ersten Einkäufen lasse man sich von Sachverständigen unterstützen, will man das oft nicht kleine Lehrgeld sparen. Je beharr- licher der indische Händler auf seinem geforderten Preise beharrt, um so energischer drücke man denselben bis zu dem, welchen man geben will, herunter. Man lasse ruhig den Händler, der in das Haus gekommen, seine Waren, falls der Preis zu hoch erscheint, alle wieder zusammen packen und ihn unmutig und scheinbar sehr betrübt abziehen. Am nächsten Tage erscheint er sicher wieder und ver- kauft sie freundlich lächelnd zu dem zuvor bedungenen Preise; er macht doch sein Geschäft dabei. Goanesen. Für die persönlichen Bedürfnisse des Europäers sorgt der Goanese, der zum grössten Teil als Mischling von Portugiesen und Indern aus Goa ein- gewandert ist; reine Portugiesen sind wohl verschwindend wenige unter den Goanesen zu finden. Dieselben stellen namentlich au den Küstenplätzen die Wäscher, Köche, Schneider, Schuster, Kaufleute für europäische Bedarfs- artikel. Eine nicht gerade grosse Zuverlässigkeit und Schnelligkeit in Ausführung von Aufträgen, zu der eine nicht geringe Neigung zum Becher hinzukommt, giebt Ver- anlassung, beständig zu ermahnen und sich nie auf die noch so bestimmt versprochene Ablieferungsfrist zu ver- lassen. Die Arbeit der Goanesen ist im übrigen, was Kleidung, Schuh werk und Wäsche betrifft, keineswegs als schlecht zu bezeichnen. Aussehen und Haltbarkeit entsprechen durchaus bei nicht zu hohen Preisen euro- 75 päisclien Anforderungen. Auch die Kunst der ghane- sischen Köche trägt vielfach über das Gewöhnliche gehenden Ansprüchen vollkommen Rechnung, so lange der Kochkttnstler nüchtern ist. Gerade dieser verlangt besondere Beobachtung wegen der vorher erwähnten Neigung zum Alkohol. Von den übrigen nicht eingeborenen Vertretern der schwarzen Nation in Deutsch-Ostafrika sind, ehe ich zu den Eingeborenen selbst übergehe, die deutschen schwarzen Soldaten zu nennen, die Sudanesen, Sulus, Somalis (die Asikaris sind Eingeborene). Sudanesen. Der Sudanese mit seinem stattlichen, kräftigen und gut gebauten Körper ist durchaus Soldat, in dem der Geist deutscher, im Eeuer des Gefechts fest geschmiedeter Disziplin und Zuverlässigkeit eingewurzelt ist. Sein im Anfang etwas stupides und verschlossenes ich möchte sagen mechanisches Wesen, gewinnt bald bei ruhiger, freundlicher Behandlung an Vertrauen im Verkehr und weckt dauernde Sympathie. Sulus. Von Anfang an gefälliger erscheint der Sulu mit seinem offenen und kindlich zutraulichen Wesen; wenn derselbe in diesen Eigenschaften dem Sudanesen über ist ist er ihm in der Zuverlässigkeit unterlegen. Er will vorsichtig behandelt sein und muss stets das Gefühl haben, dass der Europäer weiss, zur rechten Zeit den Daumen darauf zu drücken. Somalis. Von Somalis ist nur eine geringe Zahl in Deutsch-Ostafrika vertreten, dieselben haben sich gleich im Beginn der deutschen Aktion daselbst in erster Linie als äusserst wenig widerstandsfähig gegen das Klima gezeigt. Als anspruchsvolle, misstrauische und dabei fana- tische Muhamedaner sind die schönen, schlankgewachsenen Menschen mit den regelmässig europäisch geschnittenen Gesichtern zu betrachten und deshalb mit der grössten Vorsicht und Reserve zu behandeln. Bei der geringsten Gelegenheit auf der einen Seite verletzt, auf der anderen Seite anmassend, verlieren sie bald die Zuneigung, die ihr Äusseres zuerst erweckt. Eingeborene. Wenn ich nun zu den Eingeborenen Deutsch-Ostafrikas selbst komme, so muss ich mich von vornherein dagegen verwahren, ein für alle die ver- schiedenen Stämme, welche dieses Gebiet und seine Machbargebiete bevölkern, umfassendes Urteil abgeben zu wollen. Wie jeder Mensch ein Kind seines Landes ist und sich in seinem äusseren und inneren Wesen nach den ihn umgebenden Verhältnissen und Lebensbedingungen formt, so sind auch die‘Eingeborenen unseres neu er- worbenen Gebietes verschieden. Die Bewohner Usaramos, des Landes, das am meisten durch den Aufstand und die Greuel der Banden Buschiris zu leiden gehabt hat, sind auf den ersten Blick verschieden mit ihrem scheu zurückhaltenden, furchtsamen Wesen, von den dem Europäer mit einem gewissen Selbstbewusstsein gegen- übertretenden Waseguah, den im deutschen Schutze sich sicher und geborgen fühlenden Waniamuesi, welche sogleich mit offenem Vertrauen den deutschen Unter- drückern des Aufstandes sich näherten und mit ihnen verkehrten. Der ganze Charakter des Schwarzen Ost- afrikas trägt noch den Stempel der Unruhe, des Un- fertigen. Bedingt ist dieser durch die dauernd ruhelosen Verhältnisse, denen er gerade in der letzten Zeit unter- worfen ist. Die Bewohner unserer Länder befanden sich vor der Besitzergreifung1 unter den Stürmen einer fast ununterbrochenen von Süden nach Norden vordringenden Völkerwanderung, einer fortdauernden Unsicherheit in der eigenen Heimat; sie schwebten in der steten Gefahr gefangen, ausgeraubt, vertrieben, hingemordet zu werden. Ein grosser Teil durchlebte die Schrecknisse des Sklaven- fangs und Transportes, um am Ziele seiner Wanderung d. h. an den endgültigen Herren verkauft, ein arbeitsames, aber dabei gleichmässig ruhiges und sorgenloses Leben unter der jedenfalls im Vergleich zu ihren früheren Lebens- yerhältnisseu humanen Behandlung der Araber hin- zubringen. Jetzt dringt mit Macht deutsche Kultur auf sie ein, die sie zum nutzbringenden Arbeiter unseres Landes erziehen soll. Anspruchslos in äusseren Bedürf- nissen, auf einer kindlichen Stufe des Geistes und Ge- fühlslebens, mit einem nicht geringen Grade von Lang- samkeit und Trägheit behaftet, timt der Schwarze nur das, was zu seiner Existenz, zu seines Leibes Nahrung und Notdurft erforderlich ist, oder was er unbedingt thun muss. Zwei Redensarten charakterisieren seine Henk- und Handelsweise recht treffend. Jede nicht ganz bestimmte Aufforderung zu irgend einer Arbeit erwidert er entweder mit einem: imschalla kescho, so Gott will morgen, oder ni ta fania schauri, ich werde mit mir erst zu Rate gehen. Die in diesen Worten ausgesprochene Langsamkeit des Entschlusses und Trägheit des Handelns legt den Europäern, namentlich im Anfang des Verkehrs, oft harte Geduldsproben auf. Dem gegenüber hilft nur ein ruhiges, aber festes und energisches Auftreten. Wer erregt wird, sich zu Schimpfworten, ja Schlägen leicht verleiten lässt, wird nie mit seinen schwarzen Dienern, Arbeitern und Untergebenen viel erreichen. Der Euro- päer imponiert durchaus nicht von vornherein dem Schwarzen in dem Grade, wie vielfach angenommen wird. Der Letztere hat das instinktive Gefühl, dass der msungu (Europäer) ein über ihm stehendes Wesen ist, ohne sich vor ihm zu fürchten und begreift auf der anderen Seite nicht, was den aus uleia (dem Lande der Wunder) kommenden Eindringling, dem es doch nach seinem ganzen Aussehen und Auftreten daselbst gewiss recht gut ging, nach Afrika zieht, wo er allein schon durch das schlimme horaa (Fieber) in seiner Arbeit und Gesundheit gestört wird. Jede Heftigkeit, jedes Schimpfwort wird im Moment ihn vielleicht erschrecken, im Grunde genommen denkt er, wie man häufig aus seinen Gesichtszügen lesen kann, warum regt sich denn der mbana (Herr) so auf! Jeder Schlag wird ihn für den Augenblick schmerzen, wenn auch infolge seiner schon geringen Schmerzempfindlichkeit weit weniger, als der Schlagende glaubt; lo leicht wird er aber eine Züchtigung nicht vergessen und sicher nicht, wenn er sie Unrechter Weise erhalten zu haben glaubt. Das Gefühl für Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit der Behandlung ist bei ihm ein entschieden ausgeprägtes. Eine ihm gerecht zudiktierte Strafe wird er ruhig hinnehmen und für die Zukunft wohlweislich sich danach richten, für jede Ungerechtigkeit aber wiederum sich in seiner Weise rächen. Die Zuverlässigkeit des Schwarzen darf im allgemeinen nicht zu hoch angeschlagen werden und Mein und Dein sind nicht selten für ihn schwer auseinander zu haltende Begriffe. Jedenfalls wird dieselbe durch das stets wachgehaltene Bewusstsein eines auf- merksamen und offenen Auges seines Herrn geregelt, be- 79 ziehungsweise gebessert. Das Gefühl der Kontrole seiner Arbeit und der ihm anvertrauten Dinge darf ihn bei wohlwollender und gerechter Behandlung, die im ge- nügenden Falle keine Strenge scheut, namentlich in der ersten Zeit seines Dienstes keinen Augenblick verlassen. Welche Früchte die sachgemässe Erziehung der ein- geborenen Untergebenen zu erzielen vermag, dafür dient als Beweis die Erwähnung der Zuverlässigkeit in längerem Dienste erprobter schwarzer Boten, die die ihnen an- vertrauten Briefe nur mit Verlust ihres Lebens aus der Hand lassen. Das Gefühl der Dankbarkeit lernt der Europäer am meisten beim Schwarzen kennen, wenn er seinem grossen Bedürfniss nach Daua, Medizin für alle ihn angehenden Verhältnisse, willfahrt. Für seine Person trägt der Schwarze dieselbe gern in Form von schützenden Amuletts, er weiss aber auch, dass der Europäer für seines Leibes Krankheiten und Gebrechen heilende Medizin besitzt, wenn er auch bisweilen im Vertrauen auf die Heilkraft derselben etwas weitgeht, So kam eines Tages einer unserer eingeborenen Soldaten mit der bekannten Bitte: mbana natakka Dana (Herr, ich will Medizin) zu mir. Auf meine Frage, wofür? erhielt ich die Aus- kunft, dass er sie zur Wiederherherstellung seines ge- störten häuslichen Friedens wünsche; aus seinen Schil- derungen schien hervorzugehen, dass er bei dem häus- lichen Kampfe wohl keine sehr siegreiche Rolle gespielt. Die Verhaltungsmassregeln, nur immer hübsch ruhig zu sein, wenn seine Frau schelte und zur Beruhigung einige Aloepillen für beide Teile brachten mir schon am nächsten Tage das versöhnte Ehepaar, welches sich von auf- richtiger Dankbarkeit für die ableitende erfolgreiche Dana bewegt zeigte, zugleich aber für etwaige zu- künftige Ereignisse noch um einige Pillen bat. Wenn diese kleine Episode mir stets eine scherzhafte Erinnerung erweckt, so habe ich auf der anderen Seite zu meiner Freude von dem guten, Dankbarkeit und Vertrauen er- weckenden Einfluss, der seiner Zeit von mir auf den Küsteuplätzen Deutsch-Ostafrikas errichteten und seitdem fortgeführten Polikliniken gehört, in denen den Ein- geborenen unentgeltlich ärztliche Behandlung und Arznei gewährt wird. Behandlung der schwarzen Untergebenen. Aus der Schilderung der für den persönlichen Verkehr namentlich hervortretenden Eigenschaften der Schwarzen Ostafrikas ergiebt sich, dass Ruhe, Energie und ein wachsames Auge die hauptsächlichsten Erziehungs-Eigenschaften des Europäers für den Schwarzen sein müssen. Strenge, aber gerechte Strafe für jedes Vergehen, wenn es notwendig erscheint, Züchtigung auf gesetzlichem Wege und wohl- wollende Anerkennung guter Leistungen mögen dabei die Grenzpfähle der Behandlung sein. Diener. Als persönliche Diener wähle man kräftige, gut gewachsene Knaben. Das geeignetste Lebensalter für diesen Dienst liegt zwischen dem 10. bis 14. Jahre. In demselben sind die Knaben für leichte Arbeit kräftig genug, noch erziehungsfähig und halten sich im all- gemeinen noch vom weiblichen Geschlechte fern. Mit dem 14. Jahre hört letztgenannter, für die Brauchbarkeit eines Dieners nicht zu unterschätzende Vorzug gewöhn- lich auf. Bei der Wahl überzeuge man sich, dass die Knaben gesund, vor allen Dingen frei von ansteckenden Krankheiten, Hautausschlägen etc. und sauber sind. Wenn die Sauberkeit des Negers auch nicht unseren zivilisierten Begriffen entspricht, so ist es durchaus keine schwere Aufgabe, ihn in Kürze sowohl zu persönlicher Sauberkeit als auch zu reinlicher, sorgfältiger Behandlung der ihm anvertrauten Gegenstände der Kleidung und des Haus- halts zu erziehen und anzuhalten. Wer nur einige Male vor Aufbruch zum Reisen das Einpacken der Reise- effekten aufmerksam überwacht und bestimmt hat, wird bei jeder späteren Revision bei einem gut erzogenen Diener selten Vergesslichkeiten entdecken. Wie hierbei, so lasse man sich auch in den kleinsten Dingen der per- sönlichen Bedienung zu Anfang die persönliche Anleitung, wenn sie auch bisweilen viel.Geduld erfordert, nicht ver- driessen und revidiere später täglich einen oder den anderen Teil des Haushaltes. Die Freude an der ruhigen und geräuschlosen Thätigkeit der gelehrigen Knaben lohnt allein schon die Arbeit. Mühevoll ist die Kultur- arbeit bei unseren Schwarzen in kleinen wie in grossen Verhältnissen, aber der Boden ist, wenn auch von Anfang au nicht sehr ergiebig, so doch gut und ertragsfähig. Wird auch langsam die Arbeit fortschreiten, die Ernte wird nicht ausbleiben. Weibliche Bevölkerung. Was die weibliche Be- völkerung Deutsch-Ostafrikas betrifft, so sind die oben allgemein geschilderten Charaktereigenschaften der ost- afrikanischen Neger ebenso bei dem männlichen wie bei dem weiblichen Teil vertreten. Dieselben treten für die Arbeit nicht so bei den Weibern in den Vordergrund, da nur der kleinere Teil, die häusliche Arbeit, weniger häutig die Feldarbeit, von diesen gethan wird. Eine besonders von Weibern verrichtete Arbeit ist das Wassertragen. Das Wasser wird von den Wasserträge- rinnen von den betreffenden Wassergräben, Brunnen, Cisternen oder Bächen für den gewöhnlichen Gebrauch namentlich abends geschöpft und auf dem Kopf in Thon- gefässen oder anderen Behältern transportiert. Bezüglich der Moral der Negerinnen besteht eine scharfe Grenze zwischen den ledigen Mädchen und den verheirateten Frauen. Während die eheliche Treue der letzteren unter strenger Bewachung des Ehegemabls steht, sind die Moralbegriffe der unverheirateten Weiber nach unseren Anschauungen sehr freie. Diese Thatsache liegt in dem sozusagen auch noch moralisch unreifen Kulturzustande der Schwarzen begründet, wenn gleich ein natürliches Schamgefühl durchaus nicht ausgeschlossen ist. Auch Sinnlichkeit ist durchaus nicht eine häufig anzutreffende Eigenschaft der Negerinnen. Dieselbe unterliegt vielmehr oft der schon vorher erwähnten Eigenschaft der ostafri- kanischen Bevölkerung, ihrem Phlegma. Die Richtschnur für den Verkehr mit dem schwarzen weiblichen Geschlecht möge jeder nach seinem eigenen moralischen Gewissen bemessen, und möge jesjer die Achtung, die er in der Heimat demselben in Wort und That gezollt hat, in Ostafrika eingedenk seiner Mit- arbeiterschaft an der allgemeinen Kulturaufgabe auf der- selben Stufe stehen lassen. Trotz ihrer noch tief stehenden Moral hat die Negerin ein ausgeprägtes, instinktartiges Gefühl für die Schonung und Achtung, die ihr als Weib gezollt wird, und wird dieselbe in jedem Falle durch bleibende Dank- barkeit sicher entgelten. Bezüglich der Beurteilung des Geschlechtsgenusses in den Tropen vom hygienischen Standpunkte verweise ich auf Teil 11. Geschlechtsgenuss, Geschlechtskrankheiten. Neuntes Kapitel. Umgangssprache in Ostafrika. Die Verkehrssprache der Schwarzen in Deutsch- Ostafrika ist die Suaheli - Sprache, Kisuaheli. Dieselbe wird in den ganzen Küstengebieten sowohl von den Einge- borenen wie den Arabern, Indern undGoanesen gesprochen. Verstanden wird sie von der grossen Karawanenstrasse bis zu den grossen Seen hin, wenn auch in Usagara und Ugogo schon vielleicht nur von einem kleinen Teil der Bevölkerung. Im Norden des Gebietes versteht auch noch an den Grenzen immerhin eine leidliche Anzahl Kisuaheli; im Süden dagegen hört nach drei Tagereisen in das Innere das Sprachverständnis dafür auf. In den genannten Gebieten, wo nicht Kisuaheli gesprochen, aber verstanden wird, herrschen stammver- wandte Sprachen, jenseits derselben aber völlig von dem- selben verschiedene Sprachen. Für die Erlernung der wohlklingenden, vokalreichen Sprache ist bekanntlich in dem orientalischen Seminar zu Berlin Gelegenheit zum Vorstudium gegeben. Unterstützt wird dasselbe durch das deutsche Hilfs- buch von G. A. Büttner und die französische, von der französischen Mission in Bagamoyo herausgegebene Gram- matik. Hoffentlich schliesst sich diesen beiden bald ein drittes, von dem trefflichen Kenner der Suaheli-Sprache, Herrn von St. Paul-Illaire, verfasstes und für den Sprachverkehr bestimmtes ünterrichtsbuch an, nachdem eine wissenschaftliche Abhandlung über Kisuaheli von demselben bereits erschienen ist. Wenn auch ein Beherrschen der in Wort und Satz- gefüge durchaus nicht einfachen Sprache entschieden schwer zu erreichen ist, so lassen sich die für den ge- wöhnlichen Verkehr notwendigen Redewendungen doch schnell und leicht durch den Umgang mit den Ein- geborenen erlernen, namentlich für den, der ihre gram- matikalischen Grundbegriffe sich zuerst angeeignet hat. Den Wortschatz kann sich jeder schon dadurch ganz praktisch erwerben und bereichern, dass er sich von seinem Diener alle Gegenstände, die derselbe bringt oder zur Bedienung gebraucht, wiederholt nennen lässt und diesem dafür die deutsche Bezeichnung sagt. Dies Ver- fahren ist für beide Teile lehrreich und bietet auch durch das Bestreben jedes einigermassen gelehrigen Dieners, sich deutsche Ausdrücke und Redeweise anzueignen, oft eine angenehme und interessante Zugabe zu den kleinen Geschäften des täglichen Lebens. Zehntes Kapitel. Verhaltungsmassregeln für die Heimkehr. Jahreszeit. Erster Aufenthaltsort. Lebensweise. Jahreszeit. Die Zeit zur Heimkehr, möge dieselbe für die Dauer oder nur für Urlaub berechnet sein, wird am zweckmässigsten so gewählt, dass der Heimkehrende im Frühjahr oder im Sommer in der deutschen Heimat eintrifft. Man vermeide die Temperaturunterschiede, die der heimatliche Spätherbst oder Winter dem an tropisches Klima gewöhnten Körper bringt. Derselbe, schon gegen geringe Temperaturerniedrigungen empfindlich geworden, neigt auch, wenn er vom Malaria-Fieber verschont ge- blieben ist, in erster Linie zu Erkältungs- Krankheiten. Entschieden anzuraten ist jedem aus den Tropen Heim- gekehrten bei warmem, schönem Wetter ein mindestens dreiwöchentlicher Aufenthalt in Gebirgsklima. Die durch längeres Tropenleben auch ohne Malaria-Erkrankung ver- schlechterte Blutbeschaffenheit wird am besten durch sauerstoffreiche, reine Bergluft wieder gebessert. Die angegriffene Herzthätigkeit wird durch systematisch, zeitlich und örtlich ansteigende Bewegung in den Bergen wieder gekräftigt. Man beginne mit Spaziergängen von einer halben Stunde Dauer mit nur mässiger Steigung in langsamem Tempo, das man ja beim Gehen und Marschieren in den Tropen auch bei grösster Schnell- Bissigkeit bald genug üben und lieben lernt und lege jeden Tag zu. Die Ermüdung in den ersten Tagen sei das Zeichen zur Umkehr und Ruhe. Die letztere darf auch nicht der leiseste Gedanke an alles, was Dienst und Geschäft heisst, stören. Dabei regelmässige, kräftige Nahrung und gute Nachtruhe, Sorge für tägliche Körper- pflege nach tropengewohnter Weise (Bäder, Abreibungen) werden in kurzer Zeit erkennen lassen, dass man wieder ganz der Alte geworden ist und mit alten Kräften seine Arbeit und Thätigkeit in der Heimat wieder aufnehmen kann. Ein vorübergehender Aufenthalt in der Heimat nach zweijähriger Thätigkeit in Ostafrika darf, wenn er wirklich Erholung und Kräftigung zu neuer Arbeit da- selbst bringen soll, nicht geringere Zeit als 6 Monate dauern. 11. Teil. Verhaltungsmassregeln für einzelne Er- krankungen, Verwundungen und plötzliche ünglücksfälle hei Mangel, beziehungsweise bis zur Ankunft ärztlicher Hilfe. Erstes Kapitel. Bau des menschlichen Körpers. Der Laie muss, um bei Erkrankungen, Verwundungen oder plötzlichen Unglücksfällen zweckentsprechende Hilfe bis zur Ankunft eines Arztes leisten zu können, eine übersichtliche Kenntnis vom Bau des menschlichen Körpers besitzen. Eine kurze Beschreibung desselben sei darum den anleitenden .Ratschlägen des zweiten Teiles voraus- geschickt. Einteilung. Bestandteile. Einteilung. Am menschlichen Körper werden äusser- lich drei Teile unterschieden: der Kopf, der Rumpf und die Gliedmassen. Der Kopf besteht aus dem Schädel und dem Gesicht. Der Schädel umschliesst das Gehirn in der Schädelhöhle und ist normaler Weise mit Haaren bedeckt. Zwischen der vorderen Haargrenze und den Augen liegt die Stirn; von der Stirn nach hinten sich erstreckend die Scheitelgegend und das Hinterhaupt, zu beiden Seiten der Scheitelgegend liegen die Schläfen. Am Gesicht unterscheidet man die beiden Augen (ge- nauere Beschreibung bei Augenkrankheiten), die Nase, den Mund mit den Lippen, das Kinn, die Backen und die Ohren. Der Rumpf wird eingeteilt in den Hals, die Brust, den Bauch und das Becken. Im Halse befinden sich die mit dem Kehlkopf beginnende Luftröhre, zu beiden Seiten derselben die grossen Halsschlagadern, hinter ihr die Speiseröhre, hinter dieser die Halswirbelsäule, der erste Teil des Rückgrats, welches die hintere knöcherne Stütze des Rumpfes bildet. Das Rückgrat oder die Wirbelsäule umschliesst einen mit der Schädelhöhle verbundenen Kanal, in dem das Rückenmark verläuft. Die hintere Seite des Halses heisst das Genick oder der Nacken. Die Brust besteht aus dem Brustkörbe, welcher die Brusthöhle umschliesst. Der Brustkorb wird gebildet aus der Brustwirbelsäule (hintere Wand), den 12 Rippen zu jeder Seite (Seitenwände) und dem Brustbein (vordere Wand). Der obere Teil des Brustkorbes weist vorn zu jeder Seite des Brustbeins die Schlüsselbeine, hinten zu jeder Seite der Brustwirbelsäule die Schulterblätter auf. Bekleidet ist der knöcherne Brustkorb mit Haut, Fett, Muskeln. Die hintere Seite der Brust heisst der Rücken. In der Brusthöhle liegen die beiden Lungen und das Herz. Die rechte Lunge hat 3, die linke 2 Lungen- lappen. Die oberen Lappen jeder Lunge endigen in die Lungenspitzen, welche hinter und über den Schlüssel- beinen liegen. Das Herz, von kegelförmiger Gestalt, liegt in der linken Biusthälfte zwischen beiden Lungen. Die Herzthätigkeit wird an der nach unten gekehrten Herz- spitze dicht unter der linken Brustwarze am deutlichsten gefühlt. Man unterscheidet an der vorderen Brustseite in der Mitte von oben nach unten: die Kehlgrube, die Brustbeingegend, die Herzgrube oder Magengrube. Zu beiden Seiten der Kehlgrube liegen über und unter den Schlüsselbeinen die Schlüsselbeingruben. Auf der linken vorderen Brustseite liegt von der Brustwarze, wo die Herzthätigkeit gefühlt wird, ungefähr handbreit nach oben und der Mitte zu, die Herzgegend. Auf der hintern Brustseite, dem Rücken, ist die Schulterblattgegend zwischen beiden Schulterblättern zu merken. Der Bauch hat grösstenteils nur eine schmale knöcherne Rückwand, den untern Teil der Rückenwirbel- säule. Die Seitenwände und die vordere Wand desselben werden, bis auf den obern von Rippen bedeckten Teil, von Weichteilen, Haut, Fett, Muskeln gebildet. Die Bauchhöhle, welche durch das Zwerchfell von der Brust- höhle geschieden ist, birgt in ihrem linken oberen Teile den Magen, nur ein kleiner Teil des Magens liegt rechts von einer in der Längsachse des Körpers durch die Mitte des Bauchs gedachten Linie. Die untere Grenze des Magens liegt normal 2 bis 3 Qnerfinger breit über dem Nabel. Links vom Magen hinter den untersten Kippen liegt die Milz; hinter dem Magen liegt die Bauch- speicheldrüse. Im rechten obern Teile der Bauchhöhle liegt die grösstenteils von den untersten Rippen bedeckte Leber mit der Gallenblase. Der unter den genannten Organen liegende Teil der Bauchhöhle wird von den an den Magen sich anschliessenden Därmen zum grössten Teile ausgefüllt. Direkt an den Magen setzt sich der Zwölffingerdarm an, in den die Galle durch den Gallen- gang aus der Gallenblase und Leber geleitet wird, dann folgt der Dünndarm und der Dickdarm. Das Ende der Därme, der Mastdarm, liegt in der Beckenhöhle. Die Endöffnung heisst die Aftermündung. Das Übergangs- stück vom Dünndarm in den Dickdarm heisst Blinddarm und liegt in der rechten unteren Bauchgegend, der rechten Weichengegend. Im hinteren unteren Teile der Bauchhöhle liegen zu beiden Seiten der Wirbelsäule unterhalb der letzten Rippen die Nieren; die linke Niere grenzt oben an die Milz, die rechte an die Leber. Man teilt den Bauch von oben nach unten in drei Gegenden ein; die obere Bauchgegend, die Nabelgegend, die untere Bauchgegend oder den Unter- leib und die Schamgegend. Die seitliche Gegend des Bauches von der untersten Rippe bis zur Hüftgegend (siehe unten) nennt man die Weichen. Die Gegend über den Nieren heisst die Lenden- oder Nierengegend. Das Becken hat eine feste knöcherne Hinterwand, das Kreuzbein mit dem Steissbein. Die Seitenwände bilden die Hüftknochen, (Darmbein und Sitzbein), die vordere Wand die beiden in der Mitte sich vereinigenden Schambeine. Die starken platten Beckenknochen um- schliessen die mit der Bauchhöhle zusammenhängende Beckenhöhle. Dieselbe enthält (beim Mann) in ihrem vorderen Teile die Harnblase, in dem hinteren Teile, wie oben schon erwähnt, den Mastdarm mit der Aftermündung. Die Gegend des Beckens, die Beckengegend, teilt sich in die beiden seitlich gelegenen Hüftgegenden und das 91 an der hintern Seite gelegene Kreuz; zu beiden Seiten desselben liegen die Hinterbacken. Von den Gliedmassen teilt man die oberen, die durch das Schultergelenk mit dem Rumpf verbundenen Arme, in Oberarm, Vorderarm und Hand. Im Schultergelenk berühren sich Schlüsselbein, Schulterblatt und Oberarm. Die Gegend desselben heisst die Schulter. Der Oberarm hat einen starken röhrenförmigen Knochen und ist durch das Ellenbogengelenk, dessen Gegend die Ellenbeuge heisst, mit dem Vorderarm beweglich verbunden. Der Vorderarm besteht aus zwei nebeneinander liegenden Knochen, der Speiche und der Spindel. Die erstere liegt an der Daumenseite, die letztere an der Kleinfingerseite des Vorderarmes. Die Hand, durch das Handgelenk mit dem Vorderarm verbunden, wird aus vielen kleinen Knochen zusammengesetzt und wird eingeteilt in die Handwurzel, die Mittelhand mit dem Handteller und dem Handrücken. Die Gegend des Handtellers, an welche sich der Daumen ansetzt, nennt man die Maus. Auf den Beinen ruht der Rumpf mit dem Becken im Hüftengelenk. Der Oberschenkelknochen (ein sehr starker röhrenförmiger Knochen) bewegt sich mit seinem oberen Ende, dem Oberschcnkelkopfe, 'in der Pfanne des Hüftgelenks Die Verbindung zwischen Oberschenkel und Unterschenkel wird durch das Kniegelenk gegeben. Dasselbe wird an seiner vordem Seite durch einen kleineren platten Knochen, die Kniescheibe, geschützt. Die Gegend des Kniegelenks heisst das Knie, seine hintere Seite die Kniekehle. Der Unterschenkel besteht wie der Vorderarm aus zwei Knochen, dem stärkeren Schienbein und dem schwächeren Wadenbein. Das erstere liegt an der Seite der grossen, das letztere an der Seite der kleinen Zehe. Das untere kugelig unter den Weichteilen hervortretende Ende des Schienbeins und Wadenbeins nennt man inneren beziehungsweise äusseren Knöchel. Die scharfe Kante des Schienbeins ist vorn in der Längsrichtung des Unter- schenkels durchzufühlen. Der im Eussgelenk bewegliche Euss besteht wie die Hand aus mehreren kleinen Knochen und wird eingeteilt in die Eusswurzel, den Mittelfuss und die Zehen. Der obere Teil des Eusses heisst der Eussrücken, die untere Fläche die Fusssohle, der hintere vorspringende Teil des Eusses heisst die Ferse, der vor dem Ansatz der grossen Zehe an der Fusssohle und Innenseite des Fnsses liegende Teil, der Ballen. Bestandteile. Die Bestandteile des Körpers sind Knochen und Weichteile. Die Knochen bilden das Knochengerüst, die Stütze des ganzen Körpers. Die- selben teilen sich in platte und Köhren-Knochen und sind alle mit einer Haut bekleidet, der Knochenhaut, die grossen Knochen enthalten Knochenmark. Das Knochengerüst des menschlichen Körpers wird umkleidet beziehungsweise die oben beschriebenen Körperhöhlen werden ausgefüllt von Haut, Fett, Muskeln, Blutgefässen, Nerven und Eingeweiden Die Haut bildet die äussere Bedeckung des Körpers und ist bei dem einen mehr, bei dem andern weniger reichlich mit Haaren besetzt. Auf dem Kopf, beim Mann auch im Gesicht, an den Bartstellen, an der Schamgegend, in der Achselhöhle sind die Haare be- sonders dicht gewachsen, au andern Stellen, z. B. an Handteller und Fusssohlen fehlen sie. Die Nägel an der Eiickseite der äussersten Fiuger- nnd Zehenglieder geben diesen besondere Festigkeit. Die Haut, welche viele innere Organe, so den Ver- daunngsapparat von der Mundhöhle bis zum After um- kleidet, heisst Schleimhaut, weil sie mit zahlreichen schleim absondernden Drüsen besetzt ist. Das Fett liegt in dem die einzelnen Teile im Innern des Körpers verbindenden Gewebe, dem Bindegewebe, und dient zur Warmhaltung und Bandung des Körpers, sowie zum Schutz innerer Organe. Die Muskeln vermitteln die Bewegung der einzelnen Körperorgane; sie bilden in Bündeln angeordnet als mehr oder weniger feste elastische rote Masse das Fleisch des Körpers. Die Nerven, weisse, feste Stränge, entspringen aus dem Gehirn und Bückenmark und teilen sich in Em- pfindlings- und Bewegungsnerven. Die Organe, welche die Eindrücke der Aussenwelt auf die ersteren übertragen, sind die des Gefühls, Gesichts, Geruchs, Gehörs, Ge- schmacks. In den Blutgefässen kreist das Blut im Körper. Der Mittelpunkt dieses Blutkreislaufs ist das Herz. Das Herz liegt, wie oben angegeben, in der linken Brust- hälfte. Dasselbe ist ein kegelförmiger Hohlmuskel und hat ungefähr die der Faust eines Menschen entsprechende Grösse. Man unterscheidet am Herzen eine rechte und eine linke Herzhälfte, welche durch eine Scheidewand von einander getrennt sind. Jede Hälfte hat einen Vor- hof und eine Kammer. Durch seine Thätigkeit (Zu- sammenzichung und Ausdehnung) bewirkt das Herz den Kreislauf des Blutes im Körper durch die Schlagadern und Blutadern in folgender Weise; Aus der linken Herz- kammer wird das Blut in die Hauptschlagader des Körpers getrieben, von derselben gelangt es bis durch die kleinsten Schlagader-Verzweigungen in alle Teile, in alle Gewebe des Körpers. Nach Versorgung und Ernährung dieser wird das Blut von den feinsten Verzweigungen der Blut- adern, welche mit denen der Schlagadern durch ein so- genanntes Haargefässnetz in Verbindung stehen, ange- saugt. Die Blutadern vereinigen sich zu immer grösseren Stämmen, deren Hauptendigungen, die beiden grossen Hohl-Blutadern, das Blut in die rechte Vorkammer des Herzens leiten. Von dieser gelangt es in die rechte Herzkammer, um durch die Lungenschlagader in die Lunge getrieben zu werden. In den Lungen scheidet das Blut die durch die bei der Ernährung der Körper- gewebe stattfindenden Verbrennungsprozesse erzeugte Kohlensäure aus und wird dafür mit neuem, durch die Lunge eingeatmetem Sauerstoff gespeist, um darauf durch die Lungenblutadern in die linke Vorkammer, von dort in die linke Herzkammer zu neuem Kreislauf zu gelangen. Durch die Thätigkeit des Herzens, welche sich in dem Herzschlag (siehe oben), äusserlich wahrnehmen lässt, wird das Blut stossweise in die Schlagadern getrieben. Dadurch werden dieselben gleichmässig erweitert und zusammengezogen. Diese Erweiterung und Zusammen- ziehung, welche bei gesunden Menschen 72—75 mal durch- schnittlich in der Minute geschieht, ist bei oberflächlicher liegenden Schlagadern als Puls durch den aufgelegten Finger fühlbar. In den Blutadern fliesst das Blnt da- gegen in ruhigem Strome dahin. Der Unterschied der Blutfarhe zwischen Scldagadern und Blutadern wird bei Blutungen erkennbar (siehe Kap. V Blutungen). Das Blut selbst besteht aus flüssigen und festen Bestandteilen, dem Blutwasser, den roten und weissen Blutkörperchen (siehe Kapitel III) und dem Blutfaserstoff. Ausser den Blutgefässen besitzt der Körper noch Saugadern, Lymphgefässe, welche aus dem Körper Flüssig- keit, so auch die Nahruugsflüssigkeiten aus dem Darm durch feinste Verästelungen aufsaugen und in die Blut- adern führen. In das Gefässuetz der Saugadern sind die Lymphdrüsen eingeschaltet. Durch die Yerdauungs- werkzeuge wird die zur Ernährung des menschlichen Körpers notwendige Speise demselben zugeführt. Durch den Mund aufgenommen, zerkleinert und erweicht, gelangt die Nahrung durch die Speiseröhre in den Magen. Hier wird sie durch Verdauungssäfte in einen Speisebrei um- gewandelt. Der letztere gelangt nach vollendeter Magen- verdauung in den Zwölffingerdarm und wird hier durch Zufluss der in der Leber bereiteten, in der Gallenblase aufgespeicherten Galle und des Saftes der Bauchspeichel- drüse in seinen bisher noch unveränderten Bestandteilen endgültig verarbeitet und gesichtet. Die zur Ernährung gebrauchten Bestandteile werden durch die feinsten Saugader-Verzweigungen angesaugt, die unverdaulichen Beste durch die Darmbewegung, zu deren Anregung auch die Galle und der Bauchspeicheldrüsensaft dient, ausgeschieden; ihre Entleerung erfolgt durch den After. Von den mit zur Verdauung dienenden Organen ist der Mund allein dem Auge zugänglich. Bei geöffneten Lippen bemerkt man in demselben hinter den Zähnen die im Grunde des Mundes liegende Zunge, die im ge- sunden Zustand feucht ist und wie die ganze, die Mund- höhle auskleidende Schleimhaut frischrot aussieht. Die obere Wand der Mundhöhle bildet der harte und der sich daran nach hinten schliessende weiche Gaumen. Yon der Mitte des letzteren hängt das Zäpfchen herab. Seitlich von demselben liegen zwischen den vorderen und hinteren Gaumenbögen die Mandeln. An die Mundhöhle schliesst sich die Rachenhöhle, der Rachen, welcher sich in die Speiseröhre fortsetzt. Die Harnwerkzeuge dienen zur Absonderung des Urins aus dem Blute und zu seiner Ausscheidung aus dem Körper. Die erste Arbeit thun die Nieren, die letztere die den Urin aus den Nieren in die Harnblase führenden Harnleiter. Ist dieselbe gefüllt, so entsteht Harndrang. Derselbe veranlasst die Entleerung des Harns durch die Harnröhre. Die Harnröhre führt aus der Harnblasse durch das männliche Glied. Am Beginn der Harnröhre und zwar zum grössten Teile hinter derselben liegt die platte Vor- steherdrüse. Die Mündung der Harnröhre liegt in der Eichel, welche von der Vorhaut umgeben ist. Im Hodensack liegen die beiden Hoden, die Samen bereitenden Drüsen, aus denselben führen die Samen- stränge zu den zu beiden Seiten der Vorsteherdrüse liegenden Samenbläschen, die wieder mit der letzteren in Verbindung stehen. Die Samenstränge sind von einem dichten Adergeflecht umgeben. Die Gegend zwischen dem Ansatz des Hodensacks und der Aftermündung heisst der Damm. Zum Schluss zu erwähnen sind noch die in der Leistenbeuge, der Furche zwischen Schamgegend und Oberschenkelansatz, liegenden, bei Gesunden wenig durch- fühlbaren Lymphdrüsen. Dieselben gewinnen namentlich bei allen Erkrankungen der Geschlechtsorgane eine be- sondere Bedeutung. Zweites Kapitel. Fieber. Zum Verständnisse und zur richtigen Beobachtung einer grossen Reihe von Krankheiten und namentlich der häufigsten und bedeutungsvollsten Erkrankungen Ost- afrikas und tropischer Gegenden, der Malaria-Erkran- kungen, ist die Erkenntnis eines der wichtigsten Krank- heitssymptome, des Fiebers, in erster Linie notwendig. Die Besprechung desselben mit besonderer Berücksichtigung der Malaria-Erkrankungen sei deshalb unmittelbar vor die Abhandlung der letzteren gesetzt. Fieber ist keine selbständige Krankheit, wenn man. auch beispielsweise das Malaria-Fieber kurzweg als Fieber bezeichnet, sondern ein sehr wichtiges Krankheitssymptom. Dasselbe kennzeichnet sich durch Erhöhung der Körper- temperatur und Steigerung der Pulszahl, Beschleunigung der Herzthätigkeit. Es ist von grosser Wichtigkeit, bei jeder Erkrankung von vornherein die Körpertemperatur zu messen und dadurch zu konstatieren, ob Fieber vor- handen ist oder nicht, eine schwere oder leichte Erkrankung vorliegt. Erkrankungen, die von Fieber begleitet sind, sind in der Regel als schwerere zu betrachten, wie solche, die lieberlos verlaufen. Ergiebt die Messung der Körperwärme das Vorhandensein von Fieber, so ist der Grad desselben zu notieren und der weitere Fieberverlauf durch 2 stündliche Wiederholung der Messung zu beob- achten und zu kontrolieren. Die Körpertemperatur wird in der Weise gemessen, dass ein in 100 Grade nach Celsius eingeteiltes Thermometer in den Mund, in die Achselhöhle oder in den After eingelegt wird. Die am meisten gewählte Körperstelle ist die Achselhöhle. In dieselbe wird das Thermometer so eingeschoben, dass das Quecksilberbassin vollständig und fest von Fleisch ohne dazwischenliegende Kleidung eingeschlossen ist. Dabei wird zum möglichst vollständigen Abschluss der Achselhöhle der Oberarm bei erhobenem und vorn auf der Brust gelegtem Vorderarm fest au die Seitenwand des Brustkorbes angedrückt. In der Mundhöhle ruht es bei festgeschlossenen Lippen auf dem hinteren Teile der Zunge. In den After pflegt man hauptsächlich bei Kindern das Thermometer einzuführen, oder bei be- sinnungslosen Kranken, welche es im Munde oder in der Achselhöhle nicht festhalten können. Das Thermometer muss so lange an einer der genannten Stellen liegen bleiben, bis es nicht mehr steigt. Diese Zeit beträgt im Munde und im After durchschnittlich 10 Minuten, in der Achsel- höhle aber 20 Minuten. Eine wirklich genaue Angabe der Körpertemperatur erhält man, wenn man das anfangs schnelle, später lang- samere Steigen der Quecksilbersäule des Thermometers, während es in der Achselhöhle beispielsweise liegt, genau beobachtet. Steigt die Quecksilbersäule innerhalb 5 Minuten nicht mehr, so hat sie ihre grösste Höhe erreicht, das Thermometer zeigt die vorhandene Körpertemperatur richtig an. Die Gradeinteilung der für Ostafrika in Gebrauch kommenden Thermometer muss in den Grenzen von 34°—50° C. liegen. Die Thermometer müssen stets in einem festen Futteral, am besten Metall-, Nickel-, vor Nässe und Sonnenhitze geschützt aufbewahrt und transportiert werden. (Siehe auch Gebrauchsanweisung Teil III.) Für den Gebrauch kommen neben den gewöhnlichen Krankenthermometern, als besondersbequera, die Maximum- thermometer in Betracht. Während bei den erstereu die Quecksilbersäule sofort nach dem Herausnehmen des Thermometers aus einer der genannten Körperhöhlen naturgemäss heruntersinkt, die Temperatur also von dem in der Körperhöhle liegenden Thermometer abgelesen werden muss, bleibt beim Maximumthermometer die richtige Temparaturangabe auch nach der Herausnahme des Thermometers bestehen. Das Maximumthermometer ist so eingerichtet, dass in dem obersten Theil der Queck- silbersäule ein Luftbläschen eingeschaltet ist. Sinkt nun nach Herausnahme des Thermometers die erstere in- folge der Erniediigung der umgebenden Temperatur, so bleibt das Lnftbläschen und das darüber befindliche Stück der Quecksilbersäule haften und zeigt mit seinem oberen Ende so die in der Körperhöhle höchst erreichte Temperatur an. Nach Ablesen derselben fasse man das Thermometer an seinem oberen Ende, das Bassin nach unten gerichtet, mit der vollen Faust und schwinge es ein- bis zweimal kräftig von vorn oben nach hinten unten in der Luft. Dadurch wird das losgelöste Bläschen und Stück der Quecksilbersäule wieder an die übrige Quecksilber- sänle herangebracht. Bei Anschaffung von Thermometern lasse man sich die geschilderte Bewegung vom Verkäufer vormachen und zeigen Ist die den Kranken umgebende Lufttemperatur höher als die Körpertemperatur, was durchschnittlich selten in Ostafrika vorkommt, so ist nach genauer Feststellung der Lufttemperatur ein ge- wöhnliches Thermometer kein Maximumthermo- meter in den After einzuführen und nach 20—25 Mi- nuten an dem daselbst festliegenden Thermometer nach dem Fallen der Quecksilbersäule die Temperatur abzulesen. Gleichzeitig mit der Messung der Körpertemperatur ist die Kontrole der HerzthätigkGt im Fieber von Wichtigkeit. Dieselbe geschieht durch das Fühlen des Pulses an der Handflächenscite des Vorderarms zwei Finger breit über dem Handgelenk an dem an der Daumenseite gelegenen Vorderarmknochen (Speiche). Indem man an dieser Stelle den Zeigefinger und Mittelfinger auf die pulsierende Speichenschlagader legt, zählt man mit der Uhr in der Hand die Zahl der Puls- schläge in der Minute. Sind die Hände verbunden, so fühlt man den Puls an einer der beiden Schläfen, zwei Finger breit über der Ohröffnung an der voi deren Haar- grenze in derselben Weise. Die normale Pulszahl in dieser Zeit beträgt im Durchschnitt 76—80, entsprechend der normalen Körpertemperatur, welche in den Grenzen zwischen 36,5 und 37,5° C. liegt. Zugleich mit dem Sinken und Steigen der Körpertemperatur erniedrigt und erhöht sich auch die Pulszahl. Einen Schluss aus der Beschaffenheit des Pulses ob derselbe kräftig oder schwach ist auf die Kraft der Herzarbeit zu ziehen, ist man nur nach Anweisung und längerer Übung im- stände. Yon Wichtigkeit ist auch, die Regelmässigkeit der Aufeinanderfolge der Pulsschläge zu beobachten; ein unregelmässiger, bald schneller, bald langsamer, bald kräftig, bald schwach arbeitender Puls ist stets ein be- denkliches Zeichen, noch mehr ein sehr schneller und schwacher Puls, dessen Zahl, siehe unten,, nicht im Ver- hältnis zur Temperatur des Kranken steht. Eine die Beschleunigung der Herzthätigkeit kenn- zeichnende Vermehrung der Pulsschläge kommt übrigens auch bei Gesunden, infolge von Anstrengungen, Speisen- uud namentlich Weingenuss, und Gemütserregungen, Schreck, Ärger, Erwartung, vor. Die menschliche Temperatur ist im tropischen Klima im allgemeinen ein wenig erhöht, sie ist morgens am niedrigsten: 36,5—37,2, steigt vorübergehend bis zu 37,8 nach reichlichen Mahlzeiten und ist abends am höchsten: 37,4—37,7° C. Durchschnittlich bezeichnet man Temperaturen unter 36,0 als unternormale Tempe- raturen. Dieselben begleitet ein Puls in den Grenzen von 66—70 Schlägen in der Minute. Auf die Erhöhung der Körpertemperatur um 1° kommt ungefähr die Ver- mehrung der Pulszahl um B—lo Schläge. Die Fieber- temperaturen sind folgende: erste Tageshälfte zweite Tageshälfte Leichtes Fieber . . . 38,0—38,5° Massiges Fieber . . . 38,5—39,0° 38,5—39,5° Hohes Fieber .... 39,0—39,5° 39,5—40,5° Sehr hohes Fieber . . 40,0—41,0° 40,5—41,5° Unbedingtes lebensgefähr- liches Fieber . . . 42,00 Temperatur: 102 Die Temperatur ist wie unter normalen Verhält- nissen, so auch im Fieber täglichen Schwankungen unter- worfen; am Morgen sinkt die Temperatur und steigt des Abends wieder an. Beträgt der Unterschied zwischen Morgen- und Abendtemperatur nur bis zu 1 so spricht man von kontinuierlichem Fieber; beträgt der- selbe mehr als I°, so spricht man von einem re- mittierenden Fieber. Fieber, bei denen die Temperatur- steigerung nur wenige Stunden, bis eine Tageshälfte an- hält, während in der übrigen Zeit der Kranke fieberfrei ist, nennt man intermittierende oder Wechselfieber, Fieber- form der Malaria-Erkrankungen. - Je nachdem diese Temperatursteigerungen täglich oder jeden 3. oder 4. Tag u. s. w. Regelmässig wiederkehren und einen bestimmt ausgesprochenen Typus zeigen, spricht man von täglichen, 3tägigen, 4tägigen u s. w. typischen Wechselfiebern. Kehrt die Temperatursteigerung in unregelmässigen Zwischenräumen mit wechselnder Dauer, Stärke und Be- schaffenheit des Fiebers wieder, so gebraucht man die Bezeichnung atypische Wechselfieber. In dem Verlauf des eigentlichen Fieberanfalls selbst unterscheidet man die Zeit des Ansteigens der Tempe- ratur, die Zeit der Fieberhöhe und schliesslich die Zeit, des Temperaturabfalls. Die Temperatur steigt entweder mit dem Beginn des Fiebers allmählich oder sehr schnell an und wird in dem letzten Falle sehr häufig, so nament- lich beim Wechselfieber die Temperatursteigerung durch einen Schüttelfrost eingeleitet, der wenige Minuten lang bis zu V 2 Stunde und darüber dauern kann. Im Schüttel- frost hat der Kranke ein intensives Kältegefühl, während sein Körper unter Zittern und Zähneklappen hin- und hergeschüttelt wird- Dem Schüttelfrost folgt ein aus- gesprochenes Hitzegefühl, das auf der Höhe des Fiebers anhält. Der Temperaturabfall erfolgt entweder schnell nnter reichlichem Schweissausbruch oder allmählich. Die erste Art des Fieberabfalls ist die gewöhnliche beim Malaria-Fieber. Die Steigerung der Bluttemperatur auf der Höhe des Fiebers ist bei schweren Fieberformen (siehe unter Malaria-Erkrankungen) von Einfluss auf das Bewusstsein des Kranken und erzeugt bei demselben Benommenheit und Bewusstlosigkeit. Dieselbe äussert sich entweder in apathischer Ruhe oder grosser Unruhe und Delirium. Über die Behandlung dieser Symptome, wie des Fiebers überhaupt durch den Laien giebt die folgende Betrachtung der Malaria-Erkrankungen Aufschluss. Drittes Kapitel. Die Malaria-Erkrankungen. Name. Malaria-Quellen. Klimatische Ursachen und Be- dingungen als Grundlage. Krankheitserregender Mikro- parasit. Prädisponierende Gelegenheitsursachen. Wechsel- beziehungen der Malaria-Erkrankungen zu anderen Krank- heiten. Entwickelungszeit der Krankheitserreger von der Infektion bis zumKrankheitsaushruch. Vorläufersymptome. Formen der ostafrikanischen Malaria - Erkrankungen. Schwerer Verlauf der beiden ersten Formen. Heilausichten der einzelnen Formen. Prophylaktische Behandlung der Malaria-Erkrankungen. Behandlung der Malaria-Fieber- Anfälle. Behandlung nach dem Anfall. Verlassen der Malaria-Gegend. Behandlung der chronischen IV. Form. Verhalten des menschlichen Organismus dem Chinin gegen- über. Nebenwirkungen des Chinins. Zusammenfassende Schlussübersicht der Behandlung der Malaria-Erkrankungen. Name. Die Malaria-Erkrankungen gehören zu der Gruppe von Krankheiten, welche durch Ansteckung in den menschlichen Körper gelangen. Der Name Malaria, schlechte Luft, zeigt als Träger des Krankheitsgiftes die den Menschen umgebende Atmosphäre. Malaria-Quellen. Diese Malaria, schlechte Luft, lagert in erster Linie über Sumpfgegenden, besonders über den Sümpfen, die wie die ostafrikanischen (siehe Teil I, SS. 40. 41) keinen eigentlichen Wasserspiegel be- sitzen, sondern deren schlammigen Boden den grössten Teil des Jahres hindurch nur eine dünne Wasserschicht be- deckt. Eine gleiche Malaria-Quelle bieten Flussniede- rungen, sumpfige Flussufer, Flussmündungen mit Brack- 105 •Wasser, einem Gemisch aus dem Süsswasser eines Flusses und dem Salzwasser des Meeres. Das Brackwasser findet •sich auch in Küstensümpfen, die zum Teil vom Meere gespeist werden. Auch das Salz wasser des Meeres allein kann zum Vermittler der Erkrankung werden, wenn es zur Zeit der Ebbe einen Grund frei lässt, der die Heim- stätte verwesender Organismen bildet. Klimatische Ursachen und Bedingungen als Grund- lage. Neben dieser Bodenbeschaffenheit sind für die Ent- stehung, Häufigkeit und Intensität der Malaria-Erkran- kungen die hohe Temperatur, der grosse Feuchtigkeits- gehalt der Luft, sowie die Niederschläge derselben bestimmend. In feuchten Jahren ist die Zahl der Er- krankungen grösser als in trockenen. Die für Malaria- Erkrankungen günstigste Zeit ist (siehe auch Teil I SS. 26. 27) die Jahresperiode, welche sich unmittelbar an die kleine und namentlich die grosse Regenzeit an- schliesst. Durch das Auftrocknen des vorher mit Wasser bedeckten Sumpfes oder vom Wasser durchtränkten Bodens steigt die Zahl der Erkrankungen erheblich an. Ebenso kann jede Bodenbewegung, jede Auflockerung der Erde bei Pflanzungen, Bauten als Gelegenheitsursache zur Erkrankung der damit Beschäftigten angesehen werden. Diesen Ausführungen gegenüber steht die Beobach- tung, dass es Gegenden giebt, die trotz Vorhandenseins der eben geschilderten Bedingungen zur Erzeugung der Malaria-Erkranknngen von denselben frei sind. Die Er- klärung dafür liegt in dem Fehlen des Malaria-Giftes an diesen Orten und den zu seiner Entwicklung und Ein- wanderung in den menschlichen Organismus gegebenen Gelegenheitsursachen. Krankheitserregender Mikroparasit. Wenn es auch noch nicht gelungen ist, den Träger des Giftes der Malaria-Erkrankungen frei, d. h. Ausserhalb des mensch- lichen Organismus zu finden und -wissenschaftlich zu züchten, so ist er doch in seiner im Blute vorhandenen Entwicklungsform jedes an Malaria - Fieber Erkrankten durch mikroskopische Untersuchung nachgewiesen worden; er stellt sich dar als eiu der niedrigsten Tierstufe an- gehörender, zur Klasse der Ehizopoden (Wurzelfüssler) zählender, nur mikroskopisch sichtbarer Parasit, der seinen Nährboden in den zelligen Elementen des Blutes und zwar in den roten Blutkörperchen hat und sich durch Teilung und Sporenbildung fortpflanzt. Bei der mikroskopischen Untersuchung des Blutes zeigt er sich je nach seinem Entwicklungsstadium als rundlicher, Fort- sätze ausstreckender oder unregelmässig geformter Körper, der sich hauptsächlich in den roten Blutkörperchen, aber auch in der Blutflüssigkeit bald schneller, bald langsamer bewegt. Wie ein zweiter Name unserer Erkrankung „Wechsel- fieber“ besagt, tritt dieselbe im Wechsel mit fieberfreiem Zustande, d. h. in einzelnen mit mehr oder weniger hoher Steigerung der Körpertemperatur einhergehenden Anfällen auf, in deren Zwischenpausen der Erkrankte bei normaler Körpertemperatur scheinbar gesund ist. Diese Anfälle werden durch die Entwickelung der Malaria-Parasiten im Blute ausgelöst. Die mikroskopischen Blutunter- suchungen zeigen vor, in und nach dem Fieberanfall bestimmte Entwickelungsformen. Die, in welcher Form ist noch unbekannt, in den Organismus gelangten Malaria- Fieber-Parasiten wachsen in einer bestimmten Zeit in den roten Blutkörperchen als ihrem Nährboden bis zu einer bestimmten Grösse und Form' an. Mit dem Aus- keimen dieser Form, ihrem Zerfall, „in eine Anzahl kleiner runder oder ovaler Körperchen“*) beginnt der Fieberanfall. Im Verlauf desselben werden diese Keime, Sporen genannt, frei, um sich nach Abfall des Fiebers nach kürzerer oder längerer Zeit wieder zu einer neuen, Fieberanfall hervorrufenden Form zu entwickeln. Die Form und Entwicklungsdauer der Parasiten bedingt den Typus des Fiebers (siehe Kapitel II). Dieser Typus fehlt den Malaria-Fieber-Erkrankungen in Ostafrika in einer grossen Anzahl von Erkrankungen, welche in unregel- mässigen Zwischenräumen in verschiedener undunberechen- barer Form wiederkehren. Ob hierfür besondere Formen der Malaria-Fieber- Parasiten oder äussere und innere individuelle Einflüsse bei den einzelnen Kranken, die eine bald schnellere, bald langsamere Entwickelung des Parasiten im Blute bedingen, verantwortlich zu machen sind, ist noch un- entschieden. Jedenfalls habe ich häufig bei vorher regelmässigem Fiebertypus infolge von Anstrengungen, äusseren Schädlichkeiten, körperlichen Exzessen und Ge- mütsbewegungen ausserhalb der Zeit Fieberanfälle auf- treten sehen, deren Verlauf auch entsprechend der Be- deutung der Gelegenheitsursache leichter oder schwerer war (siehe auch unten). Die Entwickelung der Parasiten im Blute ist als ein Kampf derselben mit den Elementen des letzteren *) Anmerkung. Dr. Friedrich Plehn, ätiologische und klinische Malaria-Studien. 108 aufzufassen, bei dem ein Teil der Parasiten zu Grunde geht, der übrig bleibende Teil aber noch einen neuen Pieberanfall auszulösen imstande ist. Der letztere ist jedenfalls durch chemische an die Entwickelung der Para- siten im Blute und ihre Ausscheidungen geknüpfte Pro- zesse bedingt. Durch diese letzteren wird gleichfalls ein grosser Teil der Parasiten, ehe er sich zur Sporenbildung ent- wickelt hat, zerstört. Deshalb ist wohl anzunehmen, dass ein kräftiger, widerstandsfähiger, blutreicher Organis- mus, der Neu-Infektion durch Verlassen des klimatischen Krankheitsherdes entrückt, die erneuten Angriffe der noch im Körper vorhandenen Parasiten siegreich zurück- schlägt, dadurch, dass sowohl in der fieberfreien Zeit, wie namentlich im Anfall allmählich die Zahl der Parasiten verringert wird, bis die letzten aus den Sporen hervorgegangenen Formen, ehe sie zu neuer Sporenbildung kommen können, vernichtet sind. In diesem Kampfe ist, Gott sei Dank, in den bei weitem häufigsten Fällen der menschliche Organismus der Sieger. Der Tod im Fieber- anfall erfolgt erstens, wenn die Elemente des Blutes und der Körpersäfte durch frühere Anfälle bereits so geschwächt sind, dass sie in demselben durch die neue zerstörende Wirkung des Kampfes mit dem Parasiten soweit zu Grunde gehen, dass sie die Lebensfähigkeit des Körpers nicht mehr erhalten können. Die zweite Form der tötlich verlaufenden Fieber- formen ist die, dass ein bisher gesunder und kräftiger Körper, der noch nicht durch Exzesse, schwere Krank- heiten und namentlich Malaria-Erkrankungen geschwächt ist, in kürzester Zeit einem Fieberanfall erliegt. Diese schweren, perniciösen Fieber sind, wie wohl mit Sicher- heit anzunehmen ist, an bestimmte Brutstätten des Malaria- Giftes und seiner Träger gebunden. Dieser Annahme entspricht die häufig beobachtete Thatsache, dass auf Expeditionen ein Teil der bisher gesund gewesenen Teil- nehmer an perniciösem Fieber erkrankte und zu Grunde ging, der andere verschont blieb. Der erstere Teil hatte an einem Sumpf gelagert, der andere nur eine kurze Strecke davon, die nicht unter dem Winde der erstge- nannten Stelle lag, seinen Lagerplatz aufgeschlagen. So giebt es im ganzen äquatorialen Afrika bestimmte, zum Teil nur wenig ausgedehnte Stellen, die als Brutstätte des perniciösen Fiebers sich erwiesen haben gegenüber andern, wo die durchschnittlich beobachteten Fieber Vor- kommen. Ob an diesen Plätzen die grosse Menge und Konzentration oder eine besondere Form der Malaria- Parasiten die für den verderblichen Verlauf massgebende ist, kann zur Zeit wohl noch nicht mit Bestimmtheit entschieden werden und muss noch im Bereich der Hy- pothese bleiben. Gegenüber dem schweren Verlauf des Malaria- Fiebers, der sich durch eine schnelle tätliche Zerstörung des menschlichen Organismus charakterisiert, steht das allmählich durch die Malaria - Erkrankung hervor- gebrachte Siechtum. Bei demselben beobachtet man be- sondere Entwickelungsformen von Malaria-Parasiten im Blute neben den sonstigen krankhaften Veränderungen des Blutes. Das Zustandekommen dieser Sekundärformen ist wohl hauptsächlich, wie ich aus selbsteigener Er- fahrung anzunehmen mich berechtigt glaube, bei den von vornherein zu chronischem Verlauf neigenden Malaria- Erkrankungen, die einen bestimmten Typus nicht er- kennen lassen, zu beobachten; ich habe diese Formen namentlich bei solchen Personen gesehen, bei denen die Malaria-Erkrankung von Anfang an ohne oder nur mit geringen Temperatursteigerungen auftrat. Der allgemeine Kräfteznstand war dabei nicht so angegriffen, dass die Erkrankten das Bett hüten mussten, sondern stand nur unter dem Einflüsse eines schweren Unwohlseins mit Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit und Appetit- losigkeit. Dabei betrafen diese Fälle meistens sehr ener- gische, mit einem hohen Grad von Selbstüberwindung ausgestattete Menschen. Bei denselben mag es in einer besonderen individuellen Disposition liegen kommt das Fieber von vornherein nicht recht zum Aus- bruch; der oben geschilderte, namentlich auf der Höhe des Fiebers geschilderte Kampf und die in ihm erfolgende teilweise Zerstörung, teilweise Weiterentwickelung und Keimung der Parasiten kommt nicht recht zu Stande, es entwickeln sich besondere Dauer-Formen derselben, die entweder garnicht oder nach Klimawechsel nur langsam mit der allgemeinen Aufbesserung der Körper- säfte und namentlich des Blutes verschwinden. Das Verschwinden erfolgt häufig gegenüber dem früheren atypischen Verlauf des Fiebers unter sich regel- mässig einstellenden, immer schwächer werdenden Fieber- anfällen, die die typische Form der Parasiten im Blute darbieten. Das Auftreten dieser Anfälle darf als ein Zeichen der beginnenden Genesung angesehen werden. Aus dem Vorhergesagten geht hervor, dass in der mikro- skopischen Blutuntersuchung und der dadurch ermög- lichten Kenntnis der verschiedenen, den einzelnen Krank- 111 heitsstadieu entsprechenden Parasitenformen ein ausser- ordentliches Hilfsmittel für die Erkenntnis der Krank- heit selbst und namentlich auch für. die Verhütung des Ansbruches eines Fieberanfalles nach Auffinden der dem Anfall vorangehenden Parasitenformen gegeben ist. Die Natur des Hauptmittels gegen die Malaria-Erkran- kungen, des Chinins, welches nur in der fieberfreien Zeit: d. h. vor, beziehungsweise nach einem Fieberanfall ge- geben, wirksam ist, lässt gerade das letztgenannte Re- sultat der Entdeckung der Parasiten mit grosser Freude begrüssen. Auf Grund seiner mikroskopischen Unter- suchung wird der geübte Arzt imstande sein, bei jedem Unwohlsein, dessen Symptome dem Malaria-Fieberanfall gleichen oder ähnlich sind, zu konstatieren, ob ein Fieber- anfall zu erwarten ist oder nicht. Ebenso kann er die Vernichtung der nach einem Pieberanfall neu zur Ent- wickelung gekommenen Parasiten (der aus den Sporen hervorgegangenen amöboiden Formen) durch das Chinin, ehe sie zu der einen neuen Fieberanfall auslösenden Form ausgewachsen sind, kontrolieren. Das Chinin wird jeden Tag (morgens) nach dem Fieberanfall in Dosis von 1 Gramm so lange gegeben, als sich die oben- erwähnten Parasiten noch durch das Mikroskop im Blute nachweisen lassen. Dadurch wird der Arzt auf der einen Seite einen Fieberanfall rechtzeitig zu verhüten oder ab- zuschwächen imstande sein, auf der anderen Seite seinen Patienten vor jedem überflüssigen Chiningebrauch, der leider in Malaria-Gegenden nur allzu häufig verkommt, bewahren. Ich selbst bin in neuerer Zeit verschiedene Male in dieser Lage gewesen, habe auch Zweifel über die Richtigkeit der Angabe von Patienten, dass sic wenige Stunden vor der Untersuchung durch mich einen Fieber- anfall überstanden hätten, durch die Untersuchung ge- hoben. Letztere Thatsache ist entschieden von Wichtig- keit zur Beurteilung der Erkrankung von Personen, welche, aus Malaria-Gegenden zurückgekehrt, in malaria- freiem Klima von dem Malaria-Fieber äusserlich ähn- lichen Zuständen befallen werden. Der Nachweis der Para- siten im Blute wird die Krankheit als eine Folge der In- fektion im Malaria-Klima erweisen und in jeder Beziehung danach beurteilen lassen. Ich habe bei mir selbst diese Er- fahrung gemacht, als ich mein Blut mehrere Stunden nach einem ohne Fiebererhöhung einhergegangenen, scheinbar nur starken Unwohlsein untersuchte und zu meiner geringen Freude die für die Zeit nach dem Anfall charakteristische Form der Malaria-Parasiten endeckte. Soviel über den Stand unserer heutigen Kenntnis von der Natur des Malaria-Krankheitserregers. Möge die Zukunft die Richtigkeit der Forschungen über den- selben weiter beweisen und die Hoffnung auf neue Re- sultate derselben erfüllen. Dahin gehört die Erkenntnis der Bedeutung der bei der Blutbereitung mitwirkenden Organe, namentlich der Milz, für die Entwickelung und das Wiedererscheinen der Malaria - Parasiten im Blute, in Fällen, wo längere Zeit dasselbe von ihnen frei ge- wesen ist und keine Neu-Infektion stattgefunden hat. Nach Betrachtung der ursächlichen hygienischen Bodenverhältnisse sowie des Erregers der Malaria-Er- krankungen wenden wir uns zur Besprechung der im menschlichen Organismus bestehenden oder durch Ge- 113 legenheitsursache gegebenen, prädisponierenden Momente zur Entstellung und zum Ausbruch der Krankheit. Prädisponierende Gelegeuheitsursaclien. Bezüglich der Beschaffenheit der Körperorgane, welche eine Malaria- Infektion begünstigt und einen schweren und längeren Verlauf, beziehungsweise eine nachhaltige Schwächung und Schädigung des Körpers bedingt, verweise ich auf Teil I Kapitel I und wende mich an dieser Stelle speziell zu den prädisponierenden Gelegenheitsursachen. Dahin ge- hören in erster Linie Schwächung des Körpers durch mangelhafte und unregelmässige Ernährung mit Speise und Getränk (schlechtes Fleisch, schlechtes Wasser, Sumpfwasser), Mangel der nötigen Ruhe, des nötigen Nachtschlafes (siehe Teil I Kapitel VII); ferner jede geistig und körperlich ermüdende und die Körperkraft erschöpfende Anstrengung, dazu gehört auch anhaltende Thätigkeit (Marschieren oder Arbeit) in der Tropen- sonne, jedes Unwohlsein, jeder Exzess in baccho seu venere, im Trunk oder in geschlechtlicher Beziehung. Wer am Tage nach einem reichlichen Trunk den Zu- stand durchgemacht hat, in dem man nicht weiss, wann der Kater aufhört und das Fieber anfängt, wird mich verstehen. Eine noch viel zu wenig geschätzte Ge- legenheitsursache, die ich sehr häufig beobachtet habe, geben Gemütsbewegungen, Schreck, Trauer und namentlich Ärger, zu denen der Mensch in den Tropen viel mehr wie in der Heimat (siehe Teil I Kapitel I) neigt. Aus den allgemeinen Gesundheitsvorschriften des I. Teils rekapituliere ich ferner Wohnen und Schlafen in dicht über der Erde gelegenen Wohnräumen, Erd- geschossen. Auch Wohnräume, die dicht von hohen Bäumen, welche die Sonnenstrahlen und ihre austrocknende Wirkung fernhalten, umgehen sind, begünstigen die Ent- stehung des Fiebers (siehe Teil I Kapitel V). Ferner Feuchtigkeit, namentlich der Schlafzimmer, bedingt durch häufige Reinigung derselben mit Wasser und langsame, mangelhafte Austrocknung, feuchte Bettwäsche. Von Schädlichkeiten ausserhalb des Hauses erwähne ich Aufenthalt und Bewegung im Freien (Sitzen, Spazieren- gehen, Baden! Wasserfahren) zur Zeit der Früh- und Abendnebel, vor Sonnenaufgang und kurz nach Sonnen- untergang an feuchten Tagen, auf feuchter Erde, dicht an oder über Sümpfen, stehenden Gewässern (siehe Teil ! Kapitel VII). Neben dem Einfluss der Feuchtigkeit kommt hierbei auch die Abkühlung der Luft und des Körpers in Betracht, und ist in der That die feuchte Ab- kühlung schädlicher als die trockene. Eine Haupt-Gelegenheitsursache der Malaria-Er- krankung, die schon früher wiederholt angedeutet ist, liegt in dem Charakter der Krankheit selbst. Das ein- oder mehrmalige Überstellen derselben giebt auf Grund der vorgenannten den Körper treffenden äusseren Be- dingungen sowohl zu Rückfällen, wie zu Neu-Infektion, zu neuer Erkrankung Prädisposition. Der Grund für den Rückfall liegt, wenn ich meiner Annahme diesen Aus- druck verleihen darf, in dem Wiedererwachen der im Blute und den blutbereitenden Organen noch vorhandenen schlummernden Krankheitserreger neben der allgemeinen Verschlechterung des Blutes durch die früheren Anfälle; die Ursache für die Neu-Erkrankung ist dagegen allein in der Neu-Infektion und der durch allgemeine Schwächung des Körpers durch frühere Fieberanfälle erleichterten Empfänglichkeit des Organismus gegeben. Das längere Zeit anhaltende Yerstecktbleiben und damit abwechselnde Wiederaufflackern der Malariakeime im Blute (ohne Neu-Infektion) kann unter Umständen (siehe Fieherformen, Behandlung) durch Jahre hindurch dauern, auch wenn der Patient in dieser Zeit in völlig malaria- freiem Klima sich aufhält. Eine zweite, aus dem Vorhergesagten sich ergebende Folge ist die, dass der aus fieberfreiem Klima in Malaria- Gegenden übergesiedelte Mensch, mag er Europäer oder Nicht-Europäer, Vertreter der weissen oder dunklen Rasse sein, sich niemals der Malaria akklimatisiert, nie- mals durch das ein- oder mehrmalige Überstehen der durch die Keime derselben erregten Krankheit gegen diese gefeit wird; es nimmt im Gegenteil direkt proportional zur Länge des Aufenthalts im Malaria-Klima die Wider- standsfähigkeit gegen dasselbe, gegen die Infektion wie gegen die Überwindung der Malaria-Erkrankung im Körper selbst ab; ich füge an dieser Stelle hinzu, dass selbst die Eingeborenen durchaus nicht als geschützt gegen das Malaria-Fieber zu betrachten sind, wenn sie auch im allgemeinen leichter erkranken und häufig mehr das Bild chronischer Malaria-Erkrankung bieten. Dabei fallen sie jedoch ebenso wie die Fremden den schweren und perniziösen Formen zum Opfer. Wechselbeziehungen der Malaria - Erkrankungen zu anderen Krankheiten. Ich darf die Bemerkungen über die Gelegenheitsursachen der Malaria-Erkrankungen nicht zu Ende bringen, ohne der Wechselbeziehungen derselben zu anderen Infektionskrankheiten zu gedenken; als von mir beobachtete Beispiele derselben seien erwähnt Dy- senterie, Pocken (leichte Form), Wund-Infektionsfieber, Luugenkatarrli, Lungenentzündung, Rheumatismus, kon- stitutionelle Syphilis. Auf der einen Seite schliesst sich Malaria-Neu- und Rückerkrankung gern an eine über- standene andere Infektionskrankheit an, auf der andern prädisponiert sie den durch Fieberanfälle geschwächten Körper zur Aufnahme anderer Krankheitsgifte. Am ausgesprochensten habe ich das Hinzutreten der Malaria-Erkrankung bei Wundfieber an zwei Fällen von schwerer Schussverletzung bei europäischen Unteroffizieren in dem seiner Zeit unter meiner Leitung stehenden Gar- nison-Lazareth in Bagamoyo beobachtet. Als die das Fieber bedingende Eiterung der Wunden geschwunden war, die Wunden ausgesprochene Neigung zur Heilung zeigten, stellte sich in beiden Fällen nach einer fieberfreien Zeit von iVaTag abendliche Temperatur- steigerung ohne besonders auffällige Vorläufersymptome ein. Da der 2 Tage vorher angelegte Dauerverband gut lag, die Wunde nicht schmerzte, gab ich zunächst 1 Gramm Chinin in der Erwägung, dass nach meiner früheren Erfahrung bei den Patienten das durch die Wunde ver- ursachte Fieber durch Chinin-Gaben zeitweilig herunter- gedrückt wurde (es folgte in diesen Fällen bei Wieder- ansteigen der Temperatur Verbandwechsel). Die Tem- peratur fiel nicht nur, sondern stieg vielmehr, um erst nach Antipyrin-Gabe zu fallen. Da das Chinin wohl bei anderen fieberhaften Krankheiten, niemals aber beim Malaria-Fieber Temperaturabfall bewirkt, sondern bei dem letzteren nur in der fieberfreien Zeit gegeben sich wirksam erweist, schloss ich, und wie ich am nächsten Tage sah, mit Recht, dass Malaria-Fieber sich dem bestehenden Leiden zugesellt habe. Der nächste Morgen war fieberfrei (ich gab kein Chinin), der Abend zeigte einen neuen Fieberanfall. Der dritte Anfall am nächsten Tage wurde durch Vorhergabe von Chinin verhindert. Wäre ich die Blutuntersuchung damals auszuführen imstande gewesen, so hätte ich dem Patienten und mir Zeit und Chinin erspart und mit einem Tröpfchen seines Blutes uns beiden zeitiger geholfen. Möge mir dies längere, den Rahmen meiner Arbeit überschreitende Verweilen bei meiner persönlichen Er- fahrung in diesem speziellen Falle mit der mir wertvoll erscheinenden Erinnerung von meinen Lesern giftigst ver- ziehen werden- Dass auch zu gleicher Zeit neben den Malaria - Erkrankungen schwere Allgemein- oder Lokal-Erkran- kungen des Organismus bestehen und zu schwerem Krank- heitsverlauf führen können, darf als ebenso zweifellos angesehen werden, wie die Richtigkeit der Annahme, dass unter der Firma Malaria-Fieber bis jetzt vielfach noch andere schwerere Tropen-Erkrankungen verborgen ge- blieben sind; den Wert der Blutuntersuchung für diese letzteren Fälle erlaube ich mir an dieser Stelle nochmals zu erwähnen. Entwickelungszeit der Krankheitserreger von der Infektion bis zum Krankheitsausbruch. Was die Zeit- dauer der Entwickelung der Malaria-Krankheitserreger von ihrem Eindringen in den Körper bis zum Fieber- ausbruch anbetrifft, so liegen die äussersten Grenzen dieser Zeit zwischen wenigen Stunden und 20—21 Tagen nach der Infektion, die mittlere Zeit beträgt 6—14 Tage, die von mir zumeist in Ostafrika beobachtete Zeitdauer betrug 12 Tage. Vorläufers ymptome. Die Symptome, welche dem Ausbruch der Erkrankung voraufgehen, die Vorläufer- symptome, sind neben dem Oefühl allgemeinen Unwohl- seins hauptsächlich folgende: Schmerzen in der Stirn- und Augengegend, Schwindelgefühl und Benommenheit des Kopfes, gepaart mit Verstimmung und geistiger Ab- geschlagenheit. Unvermögen zu auch nur geringen Körperanstrengungen, Schlaflosigkeit und durch den ganzen Körper ziehende Schmerzen. Die letzteren er- scheinen besonders heftig im Kreuz, in den Armen und Beinen, namentlich in den Knieen, Die Beine werden schwer. Von Seiten des Yerdauungsapparates stellt sich schlechter Geschmack, Trockenheit des Mundes, Wider- willen gegen Fleischspeisen, Übelkeit ein. Dabei besteht Gefühl von Druck und Völle in der Magengegend und in der Lebergegend, oft auch schon in der linken Seite, in der der Milzgegend. Der Stuhlgang ist entweder verstopft (wie ich in den meisten Fällen beobachtet habe), oder es stellt sich Durchfall ein. Die Uriuentleerung wird spärlich; der Urin dunkel und trübe. Die Haut wird trocken und heiss, häufig zeigt sich eine gelbliche Färbung derselben, die bei der allgemeinen Dunkelfärbung der Haut, am besten im Weissen der Augen, der Augen- bindehaut in die Erscheinung tritt; es stellt sich Frösteln ein, die Zahl der Pulsschläge vermehrt sich, indem der Puls dabei oft schwächer wird. Schliesslich setzt die Krankheit mit hohem Fieber ein, das meistens mit einem Schüttelfrost eingeleitet wird. Die vorgenannten Symp- tome sind bald stärker, bald schwächer ausgesprochen und je nach der Individualität der Kranken bald mehr auf dem Gebiete der Nerven, des Blutkreislaufes oder Ver- daunngss3rstems hervortretend. Die Achillesferse eines jeden wird wie im Yorläuferstadium, so im Fieber be- sonders schwer getroffen. Ein besonders charakteristisches Allgemein-Symptom, das ich in keinem der von mir beob- achteten Malaria-Fieberfälle vermisst habe, ist neben dem Kopfschmerz der Gliederschmerz, namentlich jener dumpfe, ziehende Schmerz in den Knieen; auch möchte ich die eigentümliche, seelische Verstimmung, die in dem Wunsche gipfelt, dass einem möglichst keiner zu nahe kommt, als besonders charakteristisch bezeichnen. Die Zeit vom Eintreten der Yorläufersymptome bis zum Ausbruch des Fieberanfalls überschreitet in der Regel nicht die Dauer von B—lo Stunden, ist vielmehr in der überwiegenden Zahl der Fälle kürzer bemessen. Alle die vorgenannten Symptome können, namentlich bei Menschen, die sich wenig selbst in ihrem Befinden beachten und beobachten, so gering ausgesprochen sein, dass das Fieber scheinbar ganz unvorbereitet und plötzlich eiusetzt. Formen der ostafrikanischeu Malaria-Erkrankungen. Was den Charakter des ostafrikanischen Malaria-Fiebers selbst betrifft, so möchte ich hauptsächlich fünf Formen unterscheiden. Dieselben treten vornehmlich bei der Ersterkrankung zu Tage. I. Ersterkrankung mit kontinuierlichem Fieber: Nach einem individuell mehr oder weniger langen oder aus- gesprochenen Yorläuferstadium setzt die Erkrankung mit oder ohne Schüttelfrost mit hohem Fieber ein. Das- selbe dauert ohne wesentliche Temperaturschwankungen 1— 7 Tage (längste von mir beobachtete Zeitdauer). Symptome: Benommenheit geringen oder höheren Grades, Kopf-, Knieschrnerzen, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit, mehr oder weniger häufiges Erbrechen von Speise und Galle. Stuhlgang bald verstopft, bald diarrho- isch, bis zu ruhrartigen Stühlen. Urin spärlich, dunkel- färben; Schmerzhaftigkeit der Leber- und Milzgegend (als Symptom der Anschwellung der betreffenden Organe), bald geringer, bald stärker ausgesprochen, bald bei dem einen oder andern Organ ganz fehlend. Die Milzschwellung gehört für den Arzt zu den Hauptsymptomen des Malaria- Eiebers: ich habe dieselbe in vielen Fällen ostafrikanischer Malaria sehr wenig ausgedehnt gefunden. Nach der in oben geschilderten Grenzen liegenden Zeitdauer tritt ruhiger, langer Schlaf ein, Aus demselben erwacht der Patient klar, fieberfrei unter dem Gefühl grösster Schwäche An diesen ersten Anfall schliessen sich nun in einer Zeit von 2—14 Tagen durchschnittlich Rückfälle. Die Dauer des neuen Fieberanfalls schwankt im allgemeinen, zwischen wenigen Stunden und einem Tage, zeigt jedoch häufig keinen ausgesprochenen Typus ebenso wie die Zeit der Wiederkehr. Bald erfolgt ein täglich wieder- kehrendsr, mehrere Stunden anhaltender Eieberanfall mit dazwischen liegender, fieberfreier Zeit, bald kehren die Anfälle erst jeden 3. oder 4. bis 12., ja bis 14. Tag wieder. Neben regelmässigen Zeitintervallen kommen jedoch, wie gesagt, Rückfälle vor, die das erste Mal beispielsweise nach 6 Tagen, darauf sich nach 4 Tagen, dann wieder nach 12 Tagen wiederholten. Dass hierbei besondere Gelegenheitsursachen, wie sie orher erwähnt worden sind, für den Fieberausbruch und seine unregelmässige Wiederkehr, eine gewiss be- deutsame Rolle spielen, ist wohl sicher anzunehmen. Dafür spricht auch nach öfterer Beobachtung, dass die- jenigen, die nach dem ersten Anfall in möglichster Ruhe und unter möglichst günstigen hygienischen Verhältnissen lebten, den regelmässigsten Wechselfieber-Typus boten, während ich oft genug eine unregelmässige Wiederkehr nach Gelegenheitsursachen gesehen habe. Ich glaube in diesen, die in Deutsch-Ostafrika unter den bisherigen Verhältnissen überreich geboten wurden, einen nicht unwesentlichen Faktor für jene Unregelmässigkeit zu sehen, welche durch eine verschiedene Entwickelungs- dauer der Krankheitserreger von einem Anfall bis zur Erreichung des folgenden bedingt wird. Dazu kommt noch die Möglichkeit der Verwischung des Typus der Erkrankung durch bald hier, bald dort ge- gebene Neu-Infektion. Jedenfalls wird endgültiger Auf- schluss hierüber erst von sorgfältigen Untersuchungen über die Krankheitserreger und die Bedeutung ihrer Formen und Arten an Ort und Stelle zu erwarten sein. 11. Die zweite Form der Ersterkrankung bietet das Bild eines 3—B Tage währenden Fiebers mit Temperatur- abfällen von mehr als einem Grade, die jedoch niemals die normale Körpertemperatur erreichen (remittierendes Fieber). Der Ablauf desselben kennzeichnet sich durch ein Sinken der Temperatur zur Norm unter denselben Er- scheinungen, wie bei der vorherbeschriebenen Form. Auch an diese Ersterkrankungen schliessen sich teils regel- mässige, teils unregelmässig wiederkehrende Rückfälle an. Schwerer Verlauf der beiden ersten Formen. Bei beiden Formen können die bei Schilderung des Vorläufer- Stadiums aufgeführten, gleichsam in diesem sich vor- bereitenden Kraukheitssymptome in verschiedener Heftig- keit auftreten, die sich bis zu tötlichem Ausgang steigern kann von leichter Benommenheit bis zu tiefer Be- wusstlosigkeit, Gliederzuckungen, Krämpfen und Läh- mungen ; von mässiger Übelkeit mit zeitweiligem Erbrechen bis zu unstillbarem Gallenbrechen; von geringer Gelbsucht bis zu gelbgrünlicher Verfärbung der Haut, von leichtem Durchfall bis zu fast ununterbrochen mit Schleim und Blut vermischten Stuhlentleerungen. Der tätliche Aus- gang liegt in den schwer verlaufenden Fällen dieser beiden Malaria-Eieberformen häufig entweder in der ganzen weniger widerstandsfähigen Konstitution der betreffenden Kranken, oder in der durch frühere Lebensweise oder Er- krankung gegebenen, besonders geringen Widerstands- fähigkeit einzelner Organe, wie des Blutes, des Herzens, des Verdauungsapparates begründet. Davon zu unter- scheiden dürften wohl die schon vorher mehrfach er- wähnten perniziösen Fieber, unsere 111. Form, sein. 111. Oft nach geringen Vorläufersymptoraen setzen die- selben gleich mit tiefer Benommenheit des Patienten ein; es entwickelt sich ein schneller Verfall der Körperkräfte, die Haut färbt sich bläulich oder grünlich gelb; in der Bewusstlosigkeit erfolgt heftiges Würgen, das sich nur spärlich in Erbrechen löst; es erfolgen blutige Urin- und Stuhlentleei ungen; in 24—48 Stunden erfolgt, ohne dass es gelungen wäre, den Patienten aus seiner Bewusstlosig- keit zu erwecken, unter Krämpfen und Zuckungen der Tod. Der Umstand, dass diese Form in kürzester Frist auch vorher gesunde, kräftige Männer dahinrafft, darf sie wohl, wie auch hier nochmals bemerkt sei, von dem durch individuelle Disposition der Kranken bedingten schweren Verlauf der beiden ersten Formen unterschieden lassen. Die rapide Zerstörung der Blutelemente, welche wohl durch eine besondere Form-Entwickelung der Malaria-Parasiten hervorgebracht wird (siehe oben), dürfte die Ursache des schweren, tötlichen Verlaufs sein. IV. Dieser akuten, schweren Form mit ihren stür- mischen Symptomen steht die, wie oben erwähnt, von vornherein zum chronischen Verlauf neigende, zum Siech- tum führende Malaria-Erkrankung gegenüber. Dieselbe charakterisiert sich dadurch, dass der Kranke in seinem subjektiven Befinden nicht über die mehr oder weniger zahl- reich ausgesprochenen Verlauferymptome hinauskommt; er hat das Gefühl eines schweren Unwohlseins. Kopf- und Gliederschmerz, Appetitlosigkeit, Verstopfung oder Durchfall, allgemeine Mattigkeit und Abgeschlagenheit lassen ihn oft den Ausbruch des Fiebers vermuten, aber es kommt nicht dazu; ich habe wiederholt keine oder nur ganz geringe Temperatursteigerungen, die 39° C. nicht erreichten, dabei konstatiert. Dieser Zustand dauert von wenigen Stunden bis zu einigen Tagen, um in un- regelmässigen Zwischenräumen wiederzukehren. Dass es sich bei den eiben thatsächlich nm Malaria-Erkrankung handelt, habe ich in neuester Zeit auch durch das Vor- handensein der charakteristischen Malaria-Parasiten im Blute konstatieren können. Die grösste Gefahr dieser Erkraukungsform liegt darin, dass. der Kranke nicht durch sie unbedingt an das Bett gefesselt wird, sondern mit einiger Energie seinen, auch anstrengenden Berufs- geschäften nachzugehen imstande ist. Durch die an Stelle der notwendigen Ruhe tretende Bewegung und Thätig- keit, ja Anstrengungen des in der That schwer kranken Organismus wird in kurzer Zeit eine solche Schwächung desselben herbeigeführt, dass sich die Gesundheit dauernd immer mehr untergrabende, ja das Leben ernst gefähr- dende Folgezustände entwickeln. Wie weit hier Individualität der Kranken, die mir auch hierbei von grossem Einfluss zu sein scheint, oder eine besondere Form der Krankheitserreger in Betracht kommt, ist wohl noch nicht entschieden. Y. Im Gegensatz zu diesen schweren Formen bietet das tröstlichste Bild diejenige Erkrankung, der Malaria- Anfall, welcher nach ausgesprochenem charakteristischen Unwohlsein mit einem tüchtigen Schüttelfrost einsetzt und unter Ansteigen bis zu sehr hoher Temperatur mit ausgesprochenen Symptomen Benommenheit, Kopf- schmerzen, Übelkeit, Erbrechen einen mehrstündigen Verlauf zeigt, um dann mit dem Sinken der Temperatur zur Korm unter Schweissausbrnch zu endigen. Schon am nächsten Tage, oder nach zwei bis drei Tagen, zeigt sich ein Rückfall, ein täglich oder jeden dritten oder vierten Tag auftretendes Wechselfieber. In kurzer Zeit wird so der bestimmte Fiebertypus bekannt und der Patient in die Lage gesetzt, rechtzeitig von seinem Feinde befreit zu werden. Dazu kommt, dass diese Formen, durch das Hauptfiebermittel, das Chinin, am leichtesten und sichersten mit Vernichtung ihrer Krankheitserreger geheilt werden. Jedes Tropenfieber, das früher einen anderen Verlauf, wie oben geschildert, zeigte, giebt durch Auftreten der regelmässigen Fieberanfälle der gegründetsten Hoffnung auf baldige Genesung Raum. Was nun die Häufigkeit des Vorkommens der vor- her geschilderten Fieberformen in Ostafrika betrifft, so begann die bei weitem grösste Zahl der von mir beob- achteten Ersterkrankungen 6—12 Tage nach der In- fektion nach eintägigem Vorläuferstadium, das durch Kopf-, Gliederschmerz, Übelkeit, Verstopfung namentlich gekennzeichnet war. Der Fieberausbruch erfolgte mit oder ohne Frost gleich mit hoher Temperatursteigerung. Das Fieber verlief in 2—B Tagen unter der ersten oder zweiten (oben geschilderten) Fieberform mit Benommen- heit, Kopfschmerz, Übelkeit, Erbrechen, mehr oder weniger grosser Schwäche; nach Ablauf der ersten Er- krankung bildet sich in einem grossen Teil der Fälle nur anfangs regelmässiger Typus (täglich bis zwölftägig) aus. Derselbe wurde in der Folgezeit häufig durch aussergewöhnliche Einflüsse (grosse Strapazen, Ernäh- rungsstörungen) verwischt. Heilaussichten der einzelnen Formen. Eine An- fangs-Erkrankung mit den oben genannten ausge- sprochenen Symptomen von Seiten der Temperatur, des Nervensystems (Benommenheit), des Verdauungs- apparates (Gelbsucht, Gallenüberfluss, Gallen-Erbrechen), die auf der blutzerstörenden Wirkung der Malaria-Para- siten beruhen, tritt in der Kegel nur bei einem ge- sunden, kräftigen Menschen mit normaler Blutmischung und kräftigem Herz- und normalen Yerdauungsorganen ein; sie bietet im allgemeinen eine normale Lebens- weise und Vermeidung aller Schädlichkeiten, Excesse, Strapazen etc. vorausgesetzt eine günstige Aussicht für den ferneren Verlauf, die Ausbildung eines regel- mässigen Wechselfiebers. Patienten mit schlechter Blut- mischüng, schwachem oder gar krankem Herzen (siehe Teil I. Kap. 1.) können schon durch diese ersten Anfälle ernst gefährdet, ja durch Herzschwäche getötet werden, wenn auch ich im allgemeinen den Grundsatz festhalte, dass der erste Fieberanfall in der Regel nicht tötlich ist. Die perniziöse Natur des Fiebers liegt einerseits in der Individualität des davon Befallenen, seiner Reaktion auf das Krankheitsgift, der geringen Widerstandsfähig- keit besonders eines oder des anderen Körperorganes, gepaart mit äusseren ungünstigen Verhältnissen, anderer- seits in der Natur des Krankheitserregers (Menge und Form) und seiner Hilfstruppen. Zu den letzteren rechne ich die Einatmung der aus den sicher als Infektions- stätte des Fieberanfalls nachgewiesenen Orten ausströmen- den Miasmen und Gase, Ammoniak und namentlich Schwefelwasserstoff. Dass das perniziöse Fieber, auch wenn es von An- fang an mit den allerschwersten Symptomen: tiefer Be- nommenheit, Delirien, dauernd kleinem, sehr schnellen Puls, Gelbsucht, Gallenbrechen, blutigem Urin verläuft, nicht unbedingt tötlich ist, habe ich in mehreren Fällen erfahren; noch vor kurzer Zeit habe ich zwei Herren, die bei ihrer Erkrankung in Ostafrika einfach aufgegeben waren, gesund und ohne jedes Krankheitszeichen bei sehr gutem Kräftezustande hier in Deutschland begrüsst; sie hatten seit ihrem perniziösen Anfall keinen Fieberanfall (der eine IV2 Jahr, der zweite it2 Jahr lang) mehr gehabt, trotzdem sie durchaus nicht frei von Strapazen und Gelegenheitsursacheu zur Wiedererkrankung gewesen waren. Der schwere Anfall . hatte sie augenscheinlich gefeit. ’ !! : . v J Mit dieser tröstlichen Thatsache will ich die Cha- rakteristik der Malaria-Erkrankungsformen in Ostafrika beschliessen, um mich nunmehr den Verhaltungsmass- regeln, soweit sie für den Nichtarzt in Betracht kommen, znzu wenden. Prophylactische Behandlung der Malaria-Erkran- kungen. Was die Prophylaxis der Malaria-Erkrankungen, den vorsorglichen Schutz des Körpers gegen diese, betrifft, so stelle ich als erste Regel für dieselbe die genaueste Befolgung aller im ersten Teil gegebenen Ver- haltungsmassregeln hin, von dem Tage an, wo der Ent- schluss gefasst ist, nach Ostafrika zu gehen. Die Arzneimittel, die, auch schon längere Zeit vor- hergegeben, als prophylaktische gegen das Malaria-Fieber in erster Linie empfohlen werden, sind das Chinin, das Hauptmittel gegen diese Krankheit, und das Arsenik. Das letztere habe ich in einer, 4 Wochen vor Ankunft in Ostafrika beginnenden Kur bei 60 gesunden, bisher noch nicht an Malaria-Fieber erkrankt gewesenen Per- sonen, unter denen ich mich selbst befand, angewandt: es gelang mir jedoch nicht, infolge ungünstiger äusserer Verhältnisse auf der Reise und einer durch dieselben be- dingten nachteiligen Beeinflussung des allgemeinen Ge- sundheitszustandes, dieselbe systematisch bei allen durch- znführen; nur einer von uns ist soweit vom Malaria- Fieber verschont geblieben, dass er nur leichte, Malaria • Fieber ähnliche Zustände gehabt und nach 2 Jahren gesund zurückgekehrt ist; es lagen bei demselben be- sondere günstige individuelle und äussere Bedingungen vor, auf die hier näher einzugehen zu weit führen würde. Alle übrigen sind an den verschiedensten Formen von Malaria-Fieber erkrankt; einer, der besonders regelmässig die Kur durcligefülirt batte, starb C Wochen nach An- kunft inßagamoyo an einer perniziös verlaufenden Malaria- erkrankung (derselbe hatte bereits vor einem Jahre in Westafrika Malaria-Fieber überstanden). Da die Resultate der prophylaktischen Arsenik-Kur unsicher sind, bin ich im allgemeinen nicht füs die An- wendung derselben für Personen, die dauernd im Fieber- klima zu leben beabsichtigen, oder in unvorhergesehenen Zwischenräumen wiederholten Erkrankungsgelegenheiten ausgesetzt sind. Der unsichere Schutz steht nicht im gleichen Werte mit der Gefahr der namentlich durch lange Gebrauchsdauer gesetzten Nebenwirkungen des Mittels. Dasselbe gilt vom Chinin. Eine, längere Zeit vor Ankunft in Ostafrika begonnene, prophylaktische Chinin-Kur schädigt eher den Körper, als dass sie ihn sichert, und stumpft ihn ausserdem gegen die spätere, im Einzelfalle direkt notwendig werdende Chinin-Ein- nahme ab, setzt die Wirksamkeit des Chinins herab. Wer nach Ostafrika geht, beschränke sich auf die Innehaltung der im Teil I gegebenen Yerhaltungsraass- regeln und trete mutig, ohne sich ängstlich schon lange vorher innerlich mit Arzneien zu panzern, den Einflüssen des Malaria-Klimas entgegen mit dem Bewusstsein, dass der erste Pieberanfall in den seltensten Fällen tätlich ist. Art, Dauer, Überstehen und Folgezustände dieses geben die Richtschnur für das weitere Verhalten. Dabei ist eine für einzelne Fälle geübte Prophylaxis neben richtiger Lebensweise durchaus angebracht. Steht eine aussergewöhnliche Anstrengung des Körpers bevor und ist derselbe dabei vermeint dem Einflüsse des 129 (Malaria- Klimas ausgesetzt, so greife man zum Chinin. Das gilt in erster Linie vor jeder Eeise, jeder Expedi- tion, jedem Jagdausflug, wenn dieselben durch Malaria- Gegenden und namentlich in besonders durch schwere Malaria-Erkrankungen bekannte Landstriche führen. Ich rate am Abend des Tages vor dem Aufbruch 1,0 Chinin (2 Tabletten) zu nehmen; auf der Expedition selbst nehme man einen Tag um den andern 8 mal täglich 1 Tablette ä 0,1 Gramm neben Beobachtung der sonstigen bekannten Yerhaltnngsmassregeln und sorge für regelmässigen und normalen Stuhlgang. Mach dem Passieren der Eiebergegend nehme man wie am Tage vor Aufbruch 2 Tabletten ä 0,5 Chinin. Dies geschehe, mag man zurückgekehrt sein, oder in fieberfreie, gesunde Landstriche (trockene Steppen, Höhen- züge und in die allmälig von der ostafrikanischen Küste ansteigenden Hinterlande derselben) kommen. Darauf ist der Chinin-Gebrauch auszusetzen. Das Signal für den Wiederbeginn ist erst bei neuer Gelegenheit zur Infektion gegeben oder bei ausgesprochenen Vorläufer-Symptomen eines Malaria-Fieberanfalls. (Das Ideal der Sicherstellung der Symptome als charakteristische Vorläufer des Fieber- anfalles durch die Blutuntersuchung seitens des bei jeder grosseren Expedition unbedingt notwendigen Arztes sei hierbei nochmals erwähnt). Wer einige Tage Neigung zu Stuhlverstopfung mit Kopfschmerz und Gefühl von Völle im Leibe, die sich gegen geeignete Diät (siehe Teil I Kapitel II und VI), ja gegen die gewöhnlichen Abführ- mittel hartnäckig erwiesen hat, beobachtet, der nehme sofort 1 Tablette Calomel 0,3 (wenn nach 3 Stunden keine Wirkung1 eine zweite, erforderlichenfalls nach 2 Stunden eine dritte mehr nicht). Stellen sich nach erfolgter Stuhlentleerung die früher erwähnten Hauptsymptome des Yorläuferstadiums, nament- lich die Gliederschmerzen und Knieschmerzen ein, so stelle man sofort jede Thätigkeit ein, lege sich zur Euhe und nehme 1 Gramm = 2 Tabletten ä 0,5 Chinin; zwei Stunden nach der ersten Gabe noch eine Tablette 0,5. Leitet sich das Fieber mit Durchfällen ein, so empfehle ich bei häufigen, dünnen und dabei spärlichen Stühlen als erstes Mittel Calomel (wie oben bis zu 2 Tabletten), wonach sich reichliche Stuhlentleerungen einstellen, welche den häufigen Durchfall heben. Darauf nehme man Chinin wie obem Treten bei bestehender Verstopfung zugleich die Vorläufersymptome sehr heftig auf, so muss die erstere durch Eingiessung oder Glycerinklystier von sachverständiger Hand schnell gehoben und zugleich Chinin genommen werden. Bei bestehender Übelkeit und der Gefahr, dass das gegebene Chinin erbrochen wird, empfiehlt sich, 20 Minuten vor der ersten Dosis Chinin 15 Tropfen Tinctura anticholerica vorauszuschicken. Wird das Chinin durch den Mund und Magen nicht aufgenommen oder wegen heftiger Übelkeit erbrochen, so bieten sich drei andere Wege, dasselbe in den Körper gelangen zu lassen: 1. In Form des Clysmas, in den Mastdarm ein- gebracht, in Dosen von 0,2 bis 0,6. 2. In Form der subkutanen Injektion unter die Haut gespritzt, in Gaben zu 0,25, Diese Form der Chinin-Gaben darf nur von geübter, durch praktische Erfahrung im Krankendienst zuver- lässiger Hand nach ärztlicher Anordnung geschehen und kann ich deshalb in meinen Vorschriften für den Nicht- arzt nicht näher darauf eingehen. Die dritte Form, die Einspritzung des Mittels direkt in das Blut, in einer filtrierten Lösung von 1,0 Chini- num muriaticum und 0,75 Kochsalz in 10,0 Wasser ge- löst, ist nur Sache des geübten Arztes; ich gehe des- halb auch nicht näher auf dieselbe ein, wollte sie mü- der Vollständigkeit halber erwähnt haben. Derartige Einspritzungen können in der Hand des Arztes, auch wenn er bei schwerem Fieber nur noch kurze Zeit vor dem Ausbruch des Anfalls bei dem Kranken eintrifft, eine entscheidende, ja rettende Wirkung des Chinins bringen. Ein Trost für die schweren Pieberfälle, ein neuer schwerwiegender Grund, dass auf keiner Station und keiner Expedition ein Arzt fehlen darf. Behandlung der Malaria-Eieber-Anfälle, Für den Ausbruch des Anfalls sind im Froststadium, namentlich bei längerer Dauer desselben, wo es möglich ist, heisse Bäder bis zu 40° C. zu empfehlen. Dieselben werden mit eintretendem Hitzegefühl und steigender Temperatur abgekühlt, so lange dem Patienten angenehm, indem zu- gleich bei Benommenheit leichte Übergiessungen des Kopfes gemacht werden. Nächst dem heissen Bade, oder wo dasselbe nicht möglich ist, empfiehlt sich Einschlagen des im Froststadium befindlichen Patienten in trockene warme Tücher oder in nasse Tücher mit sofortigem kräftigem Frottieren des Körpers. Diese Vornahmen dürfen nur durch geübte zuverlässige Personen geschehen. Dabei darf niemals als Hauptaugenmerk von Anfang an sorgfältige Überwachung und Erhaltung des Kräfte- Zustandes vergessen werden, es ist die Herzthätigkeit in erster Linie sorgfältig durch häufige Pulsunter- suchung (siehe Kapitel II) zu kontrollieren und bei jedem Schwächerwerden durch Wein zu heben. Wo Bäder nicht möglich sind, oder nicht eine ganz sichere •Garantie für richtige Anwendung gegeben ist. lasse man die Hauptaufgabe der Behandlung die Aufrechterhaltung der Kräfte durch leichte, flüssige, kräftige Nahrung, Fleischbrühe mit Ei, Fleischthee, Rotwein, Sherry sein. Ich habe, wo jede andere Nahrung verweigert oder er- brochen wurde, halbstündlich I—2 Esslöffel Fleischthee mit sehr gutem Erfolg Tage hindurch gegeben und empfehle denselben dringend auch hier (siehe auch Teil I, Kapitel YI). Das Herunterdrücken bedenklich hoher •Temperaturen durch Antipyrin (1,0 = 2 Tabletten auf einmal zu nehmen, xh Glas Rotwein oder Sherry nach- zutrinken), überlasse man dem Arzt, zumal da die Herz- thätigkeit individuell verschieden durch das Mittel beeinflusst wird. Reichen diese dem Magen gegebenen Stärkungsmittel, Kaffee, Thee, Portwein, Sherry, Sekt, nicht mehr aus, oder werden dieselben nicht mehr auf- genommen oder erbrochen, so geht der Arzt zu Ein- spritzungen von Acidum benzoicum cum camphora et aethere über. Benommenheit des Kopfes und Unruhe lindere mau durch kühlende Kompressen oder Umschläge mit nassen, kalten Tüchern, oder, wo es zu bekommen, mit künstlichem Eis in Kautschukblase, endlich durch Vollbäder von 22—26° C. mit l&ichten und vorsichtigen kalten Übergiessungen des Kopfes. Auch Waschungen des Körpers mit Essigwasser sind zu empfehlen. Bei heftigem Erbrechen gebe man kühlende Getränke (Acidum 133 citricum) Eisstückchen, bei starken Würgebewegungen ohne Erbrechen wannen Thee oder Radix Ipecacuanhae um ■ eine Entleerung grösserer Mengen herbeizuführen, Ebenso verfahre man bei unstillbarem Gallenbrechen, um eine einmalige reichliche Gallentleerung zu erzwingen, und so dem wiederholten Brechreiz zu steuern. Ans diesen Yerhaltungsmassregeln im Pieberfall sei für den Laien als Resultat die Lehre gezogen: Man versäume bei keinem Fieberanfall, mag man selbst oder einer der Kameraden betroffen sein, sofort den Arzt zu rufen und beschränke sich bis zu seiner Ankunft auf die oben an- gegebenen Erleichterungsmittel, je nach den einzelnen Symptomen mit dem Hauptaugenmerk um dies noch- mals zu betonen die Kräfte aufrechtznerhalten. Stellt sich mit dem Tempeyaturabfall das Schweiss- stadium ein, so gebe man bei schwachem Puls Wein in massiger Menge, trockene nach erfolgtem Schweissausbruch unter tüchtigem Reiben den Körper ab uud bekleide ihn dann mit reiner Wäsche. Behandlung nach dem Anfall. Die Nahrungsauf- nahme sei kräftig und leicht verdaulich. Bei geringem Appetit beschränke man sich auf Fleischbrühe; wird diese nicht genommen, auf Fleischthee (siehe oben); von festerer Nahrung, die gut vertragen wird, empfehle ich Kakes bestrichen mit Kemmerichschem Fleischpepton- Extrakt. Ich kann an dieser Stelle nicht unterlassen, die gute Verwendbarkeit und Brauchbarkeit der Kemme- richschen Pepton-Präparate rühmend hervorzuheben. Ich habe dieselben nach sehr schweren Malaria-Erkrankungen, wo alle anderen leichten Nährmittel nicht angenommen wurden, mit sehr gutem Erfolge gebraucht und mich wiederholt von ihrer Schmackhaftigkeit wie leichten Ver- daulichkeit und ihrem Nährwert überzeugt. Gewiss eine vortreffliche Eigenschaft bei einer Erkrankung, die eine hochgradige Verschlechterung des Blutes, Schwächung des Körpers mit darniederliegender Verdauungsthätigkeit zur Folge hat. Auch in den Fällen, wo sich nach dem Fieber starker Appetit, der sich bis zu Heisshunger steigern kann, einstellt, gebe man zuerst in kleinen Zwischen- räumen (alle Stunde) kleine Mengen leicht verdaulicher Fleischnahrung in flüssiger oder Extrakt-Form und gehe erst allmälig zu festeren Speisen (frischem, gebratenen Fleisch) über. Die körperliche Kühe richtet sich nach der Schwere des Anfalls, darf aber auch bei leichten Anfällen‘nicht unter die Dauer eines Tages sich erstrecken. Chinin nehme man 3 Stunden nach dem Temperatur- abfall in einer Gabe von 2 Tabletten ä 0,5. An jedem Morgen der 4 nächsten Tage sind gleichfalls nüchtern 2 Tabletten ä 0,5 Chinin zu nehmen, dann ist auszusetzen, bis sich Vorläuferstadien eines neuen Anfalles zeigen. Diese wiederholte Gabe nach dem Fieberanfall hat sich bei mikroskopischer Blutbeobachtung im allgemeinen als notwendig, beziehungsweise ausreichend gezeigt, um die früher besprochenen Parasiten im Blute zu vernichten. Bei dem neuen Anfall verfahre man wieder nach den oben gegebenen Vorschriften. Wird das Mittel durch den Magen nicht vertragen, so muss es mit ärztlicher Hilfe auf den oben angegebenen anderen Wegen in den Körper eingeführt werden. Die Dauer des Chinin-Gebrauchs wird der Arzt nach dem durch Blutuntersuchung kon- statierten Vorhandensein der durch Chinin zerstörbaren Parasitenforraen bemessen. Als Hauptverhaltungsmassregel für die Zeit nach überstandenem Fieber gilt Fernbleiben von allem Dienst, jeder geistigen und körperlichen Anstrengung, Ruhe und kräftigende Pflege in guter, von Fieberkeimen freier Luft bis der Körper sich völlig zu altem Kräftezustand erholt hat. Jeder zu frühe Wiederbeginn der Arbeit rächt sich beim nächsten Fieberanfall und schädigt überhaupt auch nachhaltig die Gesundheit. Über Verhalten und Arzneien bei Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit, Nervosität, Herz- beschwerden siehe alphabetisches Krankheits-Verzeichniss. "Verlassen der Malaria-Gegend. Erhebliche Entkräf- tung nach schweren oder schnell aufeinanderfolgenden Fieberaufällen bedingt Luftveränderung, Übersiedelung in fieberfreies, trockenes Klima mit sauerstoffreicher Luft. So lange in Ostafrika gesundes Höhenklima von der Küste aus noch schwer und langsam erreichbar ist, giebt längere Seefahrt die besten Erholungsbedingungen durch die reine sauerstoffreiche, kräftigende Seeluft. Ich habe seiner Zeit auf meinen Inspektionsreisen von Sansibar nach den einzelnen Küstenplätzen sehr gute Erfolge davon gesehen, dass ich alle durch Fieber erheblich ge- schwächten Angehörigen der Schutztruppe an Bord nahm und sie 4—5 Tage auf dem Schiff verweilen liess, um sie dann, nach Sansibar zurückgekehrt, nach kurzem oder längerem Aufenthalt daselbst in ihre Stationen zurückkehren zu lassen. Zeigt sich der Klimawechsel innerhalb . des ostafrikanischeu Klimas ohne Erfolg, schwächt sich weder Dauer noch Intensität der Fieber- Anfälle ab, stellen sich Folgezustände, grosse Blut- armut, chronische Herzbeschwerden, Verdauungsstörungen, schmerzhafte Leber- und Milzschwellung ein, so muss der Kranke in die Heimat zurückkehren. Schon die lange Seereise wird die gesunkenen Lebenshoffnungen wieder beleben und die einzelnen Beschwerden lindern. Je nach der Jahreszeit die günstigste ist (siehe Teil I Kapitel X) der Frühling wähle man als ersten Aufenthalt Höhenklima in Italien, Tirol oder der Schweiz. Denn in erster Linie kommt es für den Malaria-Rekou- valescenten darauf an, seine Blutbeschaffenheit zu ver- bessern und seine angegriffene Herzthätigkeit zu kräftigen. Zum Zwecke der Regelung der Lebensweise und des diätetischen Verhaltens begebe man sich sofort in ärzt- liche Behandlung und Beobachtung. Derselben unterliegt auch die Behandlung der neben den erstgenannten be- sonders hervortretenden Erkrankungen einzelner Organe. Etwraige Fieberanfälle in der Heimat und ich habe bei den meisten aus Ostafrika Heimkehrenden dieselben beobachtet werden in dem vorgeschlagenen Klima unter geeigneter Lebensweise und Behandlung am schnellsten und sichersten zur Heilung gelangen. Die Zeitdauer dieses der Ruhe, Erholung und Genesung ge- widmeten Aufenthaltes bemisst sich naturgeraäss nach der Wiederkehr der völligen Gesundheit, soll aber nie- mals unter einem Monat währen. Ruhige, gleichmässige Lebensweise mit Vermeidung jeder Anstrengung des Körpers und Geistes und jeder Gemütserregung auf der einen Seite, jedes Excesses auf der anderen Seite sei daran anschliessend die Devise für ein halbes Jahr. Wer in dieser Zeit sich völlig erholt hat, so dass er wieder ganz der Alte ist, der gehe getrost von neuem an den Beruf seines Lebens in der Heimat oder dem Auslande. Die Garantie für seine weitere Fähigkeit zu Aufenthalt und Thätigkeit in Ostafrika lasse er sich, ehe er zurückkehrt, durch eine sorgfältige ärztliche Untersuchung seiner Körperorgane, namentlich der Yer- dauungsorgane, des Herzens und des Blutes geben. Behandlung der chronischen IY. Form. Ehe ich meine Ausführungen über das Malaria-Fieber abschliesse, muss ich nochmals aus der Heimat nach Ostafrika zu jener Form, die ich vorhin an vierter Stelle genannt habe, zurückkehren. Wie oben schon angedeutet, liegt die grösste Ge- fahr dieser meistens täglich auftretenden und nach jeder Gelegenheitsursache sich verstärkenden Anfälle in ihrer Neigung, zu chronischen Malaria-Leiden, zum Siechtum zu führen. Begünstigt wird diese Gefahr durch die scheinbar leichte Form, welche den Kranken nicht un- bedingt an das Bett fesselt. Dringend rate ich bei den ersten Symptomen dieser Erkrankungsform sofort den Dienst eiuzustellen und so lange zu ruhen, bis das letzte Gefühl von Unwohlsein geschwunden ist. 2—3 Stunden nach dem Schwinden desselben empfehle ich eine Gabe Chinin von'o,2, also eine kleinere Quantität als bei den übrigen Erkrankungsformen. Das Einnehmen dieser Chiuingabe an jedem Morgen muss fortgesetzt werden bis zum Schwinden jener Malaria-Zustände. Die kleine Dosis des Mittels ist nicht nur ausreichend und wirksam für dieselben, sie ist auch deswegen angezeigt, weil grössere Dosen in diesen Fällen meist nicht vertragen werden. Weicht die Erkrankung nicht dieser Behand- lung, gepaart mit Ruhe und zweckmässiger Lebensweise, so muss der Patient das Feld räumen, ehe sich dieselbe zu immer hochgradiger werdenden Schwächezuständen steigert und schwere Veränderungen des Blutes sowie Erkrankung des Herzens setzt. Verhalten des menschlichen Organismus dem Chinin gegenüber. Nebenwirkungen des Chinins. Ein anderer Grund, Malaria-Gegenden zu verlassen, der nicht direkt in der Form der Malaria-Erkrankung begründet liegt, wird dadurch gegeben, dass das Chinin überhaupt nicht vertragen wird. Schädliche Nebenwirkungen des Chinins entstehen entweder durch zu häufigen Gebrauch grosser Chinin- mengen oder von vornherein auch schon nach geringen Gaben infolge individueller Unverträglichkeit (Idiosyn- krasie) des Organismus mit dem Mittel. Bei wem das letztere der Fall ist, der wende sofort jedem Malaria- Klima den Kücken; er ist auf der einen Seite ohne Schutz gegen das Fieber, wenn er das Mittel nicht nimmt, auf der anderen Seite, wenn er es nimmt, gerät er in Zustände, die denen der Malaria Vorläufersymptome sehr ähnlich sind. Dieselben können ihn in den Glauben setzen, dass das Mittel noch nicht genügend gewirkt habe und veranlassen ihn, immer grössere Dosen zu nehmen und so seinen Zustand zu verschlimmern. Eben- dieselben Zustände, wie bei dieser Idiosynkrasie, stellen sich nach einmaligen zu grossen Dosen oder durch wieder- holte Anwendung im Körper zu sehr angehäuften Chinin- mengen ein. Diese Zustände hören, wie ich wiederholt beobachtet habe, nicht eher auf, als der Chinin-Gebrauch herabgesetzt oder ganz eingestellt wird. Deswegen rate ich dringend jedem, der von einer Chinindosis eine der nachstehend aufgeführten Beschwerden empfindet, zunächst auf die Hälfte der Einzelgabe herunterzugehen und als Prinzip seiner Einnahme dieses Mittels in Einzeldosis und Wiederholung die der Indi- vidualität seines Körpers angepasste Anwendung des Mittels zu wählen. Wie kein Organismus dem anderen gleicht, so verhält sich auch jeder anders in seiner Reaktion auf Arzneimittel. Deswegen muss gerade in dem Ge- brauche dieser mehr wie auf jedem anderen Gebiete individualisiert werden. Der Zeitpunkt, in dem selbst geringe und dabei gegen das Fieber wirksame Dosen Chinin nicht mehr vom Körper vertragen werden, ist der Termin zur Abreise aus Ostafrika. Die am häufigsten vorkommenden Nebenwirkungen des Chinins sind folgende: Heftiges Ohrensausen, Kopf- schmerz, dumpfes, betäubendes Gefühl im Kopfe, Schwindel, allgemeine Unruhe, Angstgefühl in der Herzgegend; ferner Schwächung der Herzthätigkeit, Blässe und Kälte des Gesichts und der Haut am übrigen Körper. Die Haut selbst kann verschiedenartige, juckende Haut- ausschläge infolge des Chiningebrauches erleiden. Die- selben stellen sich unter anderen Nebenwirkungen des Mittels, bei denen diejenigen von Seiten des Herzens und des Magens (siehe unten) die Hauptrolle spielen, ein und treten als fleckige oder ausgedehnte Rötungen (letztere ähnlich dem Scharlachfieber-Ausschlag) auf, oder bieten das Bild eines Ausschlages, der mit Bläschenbildung be- ginnt und nach Schwinden derselben in Krustenbildung übergeht. Ich habe diese Ausschläge seltener als die übrigen Erscheinungen beobachtet, erinnere mich aber speziell einer Hauterkrankung, die mir auf den ersten Blick einen Scharlachfieber-Ausschlag vortäuschte. Das Fehlen der übrigen Symptome, namentlich des Fiebers und der Mandelentzündung, sowie der charakteristischen Entwickelung- dieser Krankheit Hessen meine Anfangs- diagnose verschweigen und führte mich meine Frage nach der Menge des eingenommenen Chinins, die in diesem Falle recht beträchtlich war, auf den richtigen Weg der Erkenntnis und Behandlung der Erkrankung. Dieselbe bestand in dem Aussetzen des Mittels und hatte unverzüglichen Heilerfolg. Ich kann mich auch nicht des Verdachtes erwehren, dass das Chinin in manchen Fällen mit von Einfluss auf Form und Bauer der be- kannten Hautkrankheit der Tropen, des „roten Hundes“ (siehe Kapitel V), ist. Von Seiten der Augen und Ohren habe ich Seh- störungen, Verringerung des Sehvermögens, Schwach- sichtigkeit, von Seiten des Ohres (neben dem häufigsten Symptom, Ohrensausen) Schwerhörigkeit bis zur Taubheit beobachtet. Die Yerdauungswerkzeuge zeigen ihre Erkrankung in Durchfällen, Magenkatarrhen Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit. Blut-Urin sowie Blutspeien, das gleichfalls nach Chinin-Gebrauch beobachtet ist, habe ich nie gesehen. Die Behandlung dieser Nebenerscheinungen richtet sich nach ihrer Schwere und ist Sache des Arztes. Die häufigsten der oben beschriebenen Erscheinungen sind die von Seiten des Ohres und des Yerdauungs- apparates. Alle die genannten Symptome schwinden meistens mit dem Aussetzen des Mittels; beim Magen durch die Wahl eines anderen Weges zur Einführung des Mittels in den Körper und bedürfen weiter keiner Behandlung als Ruhe und leichter Diät. Für die Regelung des weiteren Chinin-Gebrauchs suche man baldmöglichst den Rat des Arztes und verfahre bis zu seinem Eintreffen, wie oben angegeben.' Zusammenfassende Schlussübersicht der Behandlung der Malaria-Erkrankungen. Wenn ich meine vorherigen Ausführungen über das Verhalten bei Malaria-Erkran- kungen in Ostafrika und tropischen Malaria-Gegenden am Schlüsse noch einmal kurz zusammenfasse, so hat die Prophylaxis bei einem gesunden kräftigen Menschen im allgemeinen nur in regelmässiger, normaler Lebens- weise nach den oben gegebenen Verbaltungsmassregelu zu bestehen. Für Gelegenheitsursachen der Erkrankung kommt dazu ein mässiger der Individualität angepasster prophylaktischer Chiningebrauch. Bei Eintreten der ersten sicheren Vorläufersymptome, die hauptsächlich bei den Rückfällen als solche von dem einzelnen nach ihrer Individualität ausgesprochen erkannt werden, ist so- fortiges Aufhören der Berufsthätigkeit und Aufenthalt in einer von Malariakeimen freien Luft geboten. Dazu kommt nach Regelung des Stuhlgangs ein möglichst frühzeitiger, an die ersten Symptome sich anschliessender Chiningebrauch. Dabei suche man aber bei jedem Fieber- anfall, wenn irgend möglich, Rat und Hilfe des Arztes, da die tropischen Malaria-Erkrankungen durch ihre Natur und die durch das Tropenklima bedingten Einflüsse unberechenbar sind. Im Fieberänfall selbst lasse man das Prinzip der Behandlung neben Ruhe und Fernhalten aller Schädlichkeiten Aufrechterhaltung der Kräfte sein. Von einzelnen Organen aus besonders hervortretende Krankheitssymptome erfahren entsprechende Berück- sichtigung nach den oben gegebenen Yerhaltungsmass- regeln. Jeder auch noch so wenig ausgesprochene, noch so leicht erscheinende Fieberanfall bedingt das gleiche Verhalten, wie der schwere Anfall. Nach dem Anfall werde der Körper durch Ruhe, gute Luft (Klima Ver- änderung), kräftigende, leichte Diät so lange behandelt, bis der alte Kräfte- und Gesundheitszustand völlig wieder- hergestellt ist. Der Chinin-Gebrauch nach dem Anfall richte sich mit Berücksichtigung der oben gegebenen Regeln nach der Individualität und werde jeder Neben- wirkung des Mittels Rechnung getragen. Ein Fieber, welches dem in Ostafrika und tropischen Malaria-Gegen- den eingeschlagenen Verfahren und den dort gegen das- selbe gegebenen Mitteln nicht weicht, giebt das Signal zum Verlassen des Klimas. Viertes Kapitel. Dysenterie. Ruhr. Name. Krankheits-Quellen Art des Auftretens der Krankheit. Gelegenheitsursachen, Vorläufersymptome. Äushruch der Krankheit. Hauptkrankheitssymptome. Stuhl- entleerung. Allgemeine Krankheitserscheinungen. Be- handlung. Hygienische Massnahmen. Name. Die grosse Zahl der heftigen Darm-Catarrhe, deren Hauptsymptom der Durchfall ist, wird in Ost- afrika im gewöhnlichen Sprachgebrauch als Dysenterie bezeichnet. Diese Benennung gebührt jedoch nur einer bestimmten Krankheitsform, wenn auch die genannten Durchfälle in wechselseitigem, ursächlichem Verhältnis zu ihr stehen. Die ostafrikanische Dysenterie wird durch ein in seiner Natur nach unbekanntes Krankheitsgift im menschlichen Körper erzeugt. Dasselbe äussert seine Wirkung nach Infektion des ganzen Körpers in erster Linie im Darrakanal. Krankheits-Duellen. Die Brutstätte des Giftes ist hauptsächlich, wie bei den Malaria-Erkrankungen, in sumpfigen Gegenden und an Orten, wo organische Sub- stanzen in Fäulnis und Verwesung übergehen und Luft oder Wasser mit den Produkten derselben durchsetzen, zu suchen. Als zweite Quelle müssen die Darm-Ent- leerungen Ruhrkranker angesehen und demgemäss be- handelt werden. Die Wege, auf denen das Gift in den Körper gelangen kann, sind die Atmungsorgane (Ein- atmung der das Gift enthaltenden Luft) und die Ver- dauungsorgane (Trinkwasser). Art des Auftretens der Krankheit. Dass die Ruhr, und namentlich die schwere Form, wie die oben be- schriebene Form des perniziösen Malaria-Fiebers, an be- stimmten Orten und zu bestimmten Zeiten besondeis heftig auftritt, ist eine erwiesene Thatsache. Die in Ostafrika herrschende Ruhr tritt sowohl in Einzel-Er- krankungen, sporadisch, sowie in Massen-Erkrankungen, epidemisch, auf. Grelegenheitsursachen. Die Gelegenheitsursachen der Ruhr sind Erkältungen, Durchnässungen, Genuss schlechten Wassers, unreifer Früchte, zu starker Gewürze, dauernde Leibesverstopfung, kurz, alle Veranlassungen, die den Darm reizen, Darmcatarrhe her vorrufen, am meisten aber die letzteren selbst. Je länger jemand an Durchfällen leidet, je häufiger er von denselben befallen wird, um so empfänglicher wird er für das Euhrgift. Schwächliche, blutarme, durch Strapazen, schlechte Ernährung und Krankheit, namentlich Malaria-Fieber, herunter ge- kommene Personen, ferner Trinker, erkranken leichter als gesunde, kräftige, regelmässig lebende Menschen. Yorläufersymptome. Die Krankheit wird meistens entweder durch längere Verstopfung oder mit Durch- fällen eingeleitet. Die letzteren können mehrere Tage lang nur in häufigen, bräunlichen Darmentleerungen be- stehen. Dabei besteht meistens Appetitlosigkeit und Übelkeit. Diese Zustände zwingen jedoch den Kranken nicht unmittelbar zur Aufgabe seiner Thätigkeit. Ausbruch der Krankheit. Zwei oder drei Tage nach diesen Vorläufersymptomen entsteht jedoch mit oder ohne Schüttelfrost und Fieber, besonders in der Nacht, hef- tiger Leibschmerz und Stuhldrang. Eine Stnhlent- leerung bringt keine Befriedigung desselben. Derselbe dauert vielmehr fort, so dass der Kranke in 24 Stunden oft 20—30 Mal zu Stuhl gehen muss. Hauptkrankheitssymptome. Stuhlentleerung. Die Stuhlentleerung ist zunächst noch leicht bräunlich ge- färbt, zeigt aber schon Beimischungen von Schleim und Blut. Bald wird nur blutiger Schleim, abwechselnd mit reinem Blut, entleert. Bei leichtem Verlauf dauert diese Beschaffenheit der Darmentleerungen 3—5 Tage, dann wird der Stnhldrang und die Stuhlentleerung seltener, es treten breiige Stühle, mit schleimigen gemischt oder abwechselnd, auf; allmälig verschwinden die letzteren, in B—-14 Tagen, ganz, bis nach 2-3 'Wochen normaler 145 Stuhlgang- erfolgt. In schweren Fällen dagegen werden bald aus den schleimig-blutigen Stuhlgängen Stühlen!- leerungen, die ans Blut, Schleim und Eiter bestehen» zuletzt faulig werden und einen furchtbaren Geruch ver- breiten. Zuletzt erfolgen unwillkürliche Stuhlentleerungen, bis der Tod nach völliger Kräfteerschöpfung eiutritt. Geht die Krankheit in das chronische Stadium über, so zeigt sich nach anscheinender Besserung des Stuhlgangs, nach dünnen, aber normal aussehenden Stühlen häufig Yerstopfung. Nach durchschnittlich eintägiger Dauer der- selben erfolgt ein festerer Stuhl, der jedoch schleimige und blutige Beimengungen zeigt, oder es tritt ohne Ver- stopfung wieder ein solcher auf. Die plötzlich eintretende Verstopfung mit ihrer genannten üblen Folge ist von mir sehr häufig beobachtet worden. Die Patienten waren sehr erfreut, dass das unleidliche Znstuhlegehen nun endlich aufgehört habe, wurden dann ebenso wieder traurig, wenn nach verordnetem neuen Abführmittel die alte Häufigkeit und Beschaffenheit des Stuhlganges sich wieder einstellte. Die chronische Form der Buhr- erkrankungen charakterisiert sich somit in abwechselnd mit normal scheinendem Stuhle auftretenden Ausschei- dungen von Schleim, Eiter, Blut. Die Dauer derselben kann sich auf Monate und Jahre erstrecken, bis entweder durch energische, langdauernde Kur und ärztliche Über- wachung, sowie dauernd vorsichtige Diät und Lebens- weise bei sehr kräftig veranlagten Patienten Heilung, oder bei weniger widerstandsfähigen Katuren nach fort- schreitendem Siechtum der Tod erfolgt. Allgemeine Krankheitserscheinungen. Die die oben geschilderten Symptome bietende, lokale Erkrankung verursacht folgende Allgemeinerscheinungen: Kurze Zeit nach Kranldieitsausbruch entwickelt sich infolge des Säfteverlustes durch die Stuhlentleerungen häufig mit mässigem, abends ansteigendem Fieber Entkräftung des Körpers mit Gefühl von Schwindel und Ohnmacht, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen auf der einen, brennendem Durst auf der anderen Seite Die Haut, namentlich des Gesichtes, ist gelblich blass, der Leib massig aufgetrieben. Der Kräfteverfall wird in schweren Fällen mit fortschreitendem Krankheitsprozess im Darm täglich stärker, es stellt sich Atemnot und Herzensangst ein, mit zunehmender Herzschwäche tritt unter übel- riechenden Schweissen der Tod ein. In den leichten, beziehungsweise günstig verlaufen- den und in Genesung übergehenden Fällen erfolgt nach anfänglich schneller Kräfteabnahme eine langsame Wieder- herstellung derselben. Zum Schluss der Betrachtung des Krankheitsverlaufs füge ich hinzu, dass die tötlich verlaufenden Fälle von Ruhr in Ostafrika selten sind und hauptsächlich durch Mangel an genügender Behandlung und Pflege, sowie durch oben geschilderte, im Patienten liegende Prä- disposition bedingt werden. Behandlung. Hygienische Massnahmen. Der beste Schutz gegen Erkrankung an Ruhr ist naturgemäss der, Gegenden, in denen erfahrungsgemäss die Ruhr und namentlich die schwere Ruhr einheimisch ist, zu meiden. Müssen dieselben unbedingt berührt oder auf Expeditionen passiert werden, so geschehe dies niemals zu Jahres- zeiten, die die Erkrankungsgefahr besonders bieten (Regenzeit und die sich daran anschliessende Auf- trocknnngsperiode). Bei nachgewiesen vorgekominener Ruhrerkrankung an einem Platze, beziehungsweise in Ruhrgegenden immer, muss die Lebensweise und Diät eine besonders geregelte und, wenn irgend möglich, täglich ärztlich überwachte sein. Alle Ursachen zu Erkältungen, namentlich des Unterleibes, sind zu vermeiden, deshalb ist Temperatur- abkühlungen durch wärmere Bekleidung, namentlich des Leibes und der Beine, Rechnung zu tragen, ebenso nach starkem Schweiss und Durchnässungen bald möglichst die Kleidung zu wechseln und vor Anlage trockener Kleider der Körper und namentlich der Leib tüchtig abzureiben; zum Nachtlager sind trockene Unterkunfts- räurae, sowie namentlich trockene Lagerstellen zu wählen (im wasserdichten Zelt, dessen Boden die wasserdichte Lagerdecke bedeckt, die Feldbettstelle). Bei feuchtem Wetter oder auf durchfeuchtetem Lagerplatz sind gleich nach der Lagerung an angemessenen Plätzen und in an- gemessener Entfernung von einander Lagerfeuer anzu- zünden. Dieselben sind während der ganzen Lagerzeit zu unterhalten. Jede Verstopfung des Darmkanals, wie jeder Durchfall, ist durch entsprechende Diät zu ver- meiden und dabei der Individualität und eigenen Er- fahrung in Betreff der leichtverdaulichsten Speisen Rech- nung zu tragen. Man meide stopfende Speisen, Fette, blähende Gemüse, unreife Früchte, starke Gewürze (siehe Teil I, Kapitel VI) und geniesse die am besten und leichtesten auf regelmässige Verdauung wirkenden Ge- tränke. Bezüglich des Wassergenusses verweise ich auf strengste Befolgung der (Teil I, Kapitel YI) gegebenen Vorschriften. Es darf nur destilliertes oder abgekochtes Wasser getrunken werden. Frisch geschöpftes Wasser, mag es filtriert oder mit Essig oder Bum versetzt sein, ist stets in Ruhrgegenden als besonders gesundheits- gefährlich anzusehen; der Genuss desselben ist deshalb für Europäer wie für Schwarze strengstens zu untersagen. Jede Verstopfung werde, wenn nicht durch Diät möglich, durch ein leichtes Abführmittel (Ricinus-01, deutsches Eruchtsalz) gehoben Jeder Fall von Diarrhöe bei Euro- päern und Schwarzen ist unverzüglich zu melden; jeder dünne Stuhlgang sofort zu desinfizieren (jeder Stuhlgang wird mit einer gleichen Menge einer fünfprozentigen Carbolsäure- oder Creolinlösung, oder einer Sublimat- lösung [l,O : 1000,0] vermischt und verrührt). Die Ausleerungen der Kranken müssen ferner von vorn- herein an einen von dem für Gesunde bestimmten Ab- ort gesonderten Platz in angemessener Entfernung von der Wohnung, Station oder Lagerstelle, an Elussufern stromabwärts, gebracht werden; auf demselben befinden sich Vorrichtungen zur augenblicklichen Desinfektion jedes Stuhlgangs. Allabendlich sind diese Plätze von zuverlässigen Personen zu revidieren und erforderlichen Falls nochmals zu desinfizieren. Die an Diarrhöe Er- krankten sind zunächst zur Beobachtung in das Bett, beziehungsweise auf ihre Lagerstelle zu bringen und in strengster Bettruhe zu halten; die mit Stuhlentleerungen beschmutzten Betten, Wäschestücke, Becken, die Räume, in denen die Kranken sich befinden, müssen gleichfalls desinfiziert werden (Besprengung des Fussbodens mit Carbol-, Creolinlösung, Desinfektion der Luft mit dem Sprüh-Apparat). Im Bett, muss der Kranke gleichmässig warm gehalten werden; um den Leib ist die wollene Leibbinde zu legen. Die Aftergegend des Kranken ist nach jedem Stuhlgang mit einer Creolinlösung zu waschen; ausserdem sind täglich durch Waschen mit Essigwasser and bei entzündlicher Rötung durch Bestreichen mit Vaselin-Lanolin die auf liegenden Stellen des Rückens vor dem Wnndwerden und Durchliegen zu schützen. Ans der Diät sind sofort feste Eleischnahrung, Kartoffeln nnd Gemüse zu streichen, statt dessen ist nur flüssige Diät zu geben. Die Ernährung hat zweistündlich (aus- genommen natürlich Schlafzeit des Kranken) zu erfolgen nnd sind stets nur geringe Mengen (nicht über einen Tassenkopf esslöffelweise) auf einmal zu verabreichen. Die flüssige Nahrung sei stets lauwarm, enthalte ausser der zur Schmackhaftigkeit nötigen Salzmenge keinerlei Gewürz und bestehe aus Fleischbrühe mit Ei, Fleisch- thee, Arrow-root (siehe Teil I. Kapitel VI), Kemmerich- schen Eleischpeptonpräparaten, Milch, Eigelb mit Milch nnd Zucker abgerührt. Von diesen sind die zu wählen, welche den Kranken am besten Zusagen; was Widerwillen oder Übelkeit erregt, ist sofort auszusetzen; ich habe stets die besten Erfahrungen mit Eleischsaft und den Kemmerichschen Präparaten, die nie ein Kranker mir zurückgewiesen hat, gemacht. Stellt sich Erbrechen ein, 80 ist ausschliesslich Reiswasser und Haferschleim bis znm Auf hören desselben zu gemessen. Wein ist im all- gemeinen zu vermeiden. Bei brennendem Durst und grosser Schwäche ist jedoch derselbe nicht nur gestattet, sondern zur Hebung der Kräfte sogar dringend notwendig. Man giebt ihn am besten angewärmt in Form von Wein- Suppe oder Glühwein (Rotwein, mit Wasser, Zucker und geringem Zusatz von Arrak). Bei eintretender Genesung ist die flüssige Ernährung so lange fortzusetzen, bis die Stuhlgänge völlig normal geworden sind. Dann ist die feste Diät mit festem, magerem Eleisch, leichten Eierspeisen, Mehlspeisen zu beginnen, Kartoffeln sind erst nach achttägigem normalen Stuhlgang erlaubt. Von Arzneimitteln sind bei Beginn der Erkrankung mit Durchfällen alle stopfenden Mittel zu meiden; mau nehme am ersten Tage dreimal täglich 1 Tablette Calomel (0,3), am nächsten Tage ist kein Abführmittel zu nehmen, sondern nur Diät nach den obigen Vorschriften zu halten Werden die einzelnen Ausleerungen reichlicher, lässt der schmerzhafte Stuhldrang nach, so nehme man am Morgen des dritten Tages einen Löffel Ricinus-Öl, dessen Ein- nahme je nach Beschaffenheit des Stuhlganges (wenn der- selbe wieder häufiger, mit Stuhldrang und nur in ge- ringer Menge erfolgt) bis zu dreimal täglich wiederholt wird. Sind drei Tage hintereinander reichliche Stuhlent- leernngen erfolgt, ist die Beschaffenheit des Stuhlganges besser geworden, hat Schleim- und Blutgehalt abgenommen, so ist am Abend des dritten Tages 1 Tablette Pulvis Doweri zu nehmen. Erfolgt am nächsten Morgen kein Stuhl, so ist derselbe durch Ricinus-Öl herbeizuführen; ich warne davor, ein Nichterfolgen des Stuhles, an welchem Kraukheitstage es auch sei, als ein Zeichen der Genesung anzusehen. Die Heilung zeigt sich nicht in dem Auf hören des Stuhlganges, sondern in dem Ein- treten einer normalen, ein- bis zweimal am Tage erfol- genden Stuhlentleerung. Wird beim Beginn der Krankheit der charakte- ristische Durchfall von häufigem Erbrechen begleitet, so ist durch Radix Ipecacuanhae eine einmalige reichliche Entleerung des Mageninhaltes herbeizuführen. Dauert dasselbe trotzdem noch länger an, so ist nach zwei Stunden noch eine Tablette zu nehmen. Über die spezifische Wirkung der Radix Ipecacuanhae auf den erkrankten Darm habe ich keine hinreichend sicheren Erfahrungen gesammelt, um sie gegenüber der Methode der Gabe von Abführmitteln empfehlen zu können. Ich gab bei beginnender Dysenterie ohne Er- brechen zunächst 1 Tablette Opium = 0,006 und eine halbe Stunde später 1 Tablette Radix Ipecacuanhae, bei Schwarzen das Doppelte, und liess dann 6 Stunden laug bei sehr warm gehaltenem Leib fasten. Die Arznei wurde bei diesem Verfahren in keinem Falle erbrochen, auch nahmen die Erkrankungen bei den ausgewählt kräftigen Patienten in der Mehrzahl der Fälle einen günstigen Verlauf. Ich halte jedoch bei diesem Verfahren vielmehr als bei der Methode mit Abführmitteln die Anwesenheit, Beobachtung und Kontrole des Arztes für notwendig und gebe deshalb der erstbesprochenen Behandlung hier den Vorzug. Aus demselben Grunde kann ich die Anwendung von Klystieren aus trauriger Erfahrung nur nach Ver- ordnung des Arztes durch geübte Hand billigen. Bei Fällen, die von Anfang an unter dem Bilde einer schweren Erkrankung mit schnellem Kräfteverfall ver- laufen, gebe man morgens 1 Esslöffel 01. Ricini und be- schränke sich im übrigen darauf, den Kräftezustand zu bessern durch flüssige, kräftige Nahrung, warmen Wein (siehe oben) in häufig wiederholten kleinen Gaben. Als Nachkur ist jedem Rekonvaleszenten von ernster Ruhrerkrankung neben leicht verdaulicher, kräftiger Diät und peinlichstem Vermeiden jeder Verstopfung, jedes Diätfehlers für die Zukunft die Übersiedelung in ge- sundes, trockenes Klima bis zur völligen Wiederherstellung des alten Kräftezustandes dringend anzuraten. Fünftes Kapitel. Verhaltungsmassregeln bei Erkrankungen, Ver- wundungen und plötzlichen Unglücksfällen bei Mangel ärztlicher Hilfe, beziehungsweise bis zur Ankunft derselben. Für die Auswahl der nachstehend aufgeführten Er- krankungen sind in erster Linie alle die Krankheits- fälle massgebend gewesen, die Verfasser selbst in Ost- afrika beobachtet hat und deren Vorkommen auch in anderen tropischen Malaria-Gegenden feststeht, sowie die übrigen überhaupt für die erfolgreiche erste Hilfe des Laien in Frage kommenden Fälle und schliesslich die auch in anderen ausser den genannten tropischen und subtropischen Gegenden verkommenden wichtigsten Er- krankungen. Diese letzteren haben, auch wenn sie wegen ihres seltenen Vorkommens bei Europäern von geringerem Interesse für diese sind, in der Beschreibung ihrer Symptome, ihres Verlaufs und ihrer Behandlung bei den Eingeborenen, soweit sie für den Laien von Interesse und Nutzen ist, hauptsächlich aus dem Grunde Erwähnung gefunden, um den Europäer zu zweckmässiger Hilfe und geeignetem Vorgehen bei denselben nach Mög- lichkeit zu befähigen. Als besonders für Ostafrika von Interesse sind die dort von den Eingeborenen für die wichtigsten und häufigsten Krankheiten gebrauchten Be- zeichnungen in der Suaheli-Sprache dem deutsch- oder allgemein - wissenschaftlichen Namen mit dem Zusatz kisuaheli d. h in der Suaheli-Sprache lautend beigefügt. Die einzelnen Erkrankungen sind alphabetisch ge- ordnet. A. Ameisen, siehe Insektenstiche. Ansteckung. Übertragung einer Krankheit auf den menschlichen Körper durch ein Krankheitsgift. Die Ansteckung kommt zu Stande: 1. Durch Berührung mit anderen Menschen (oder mit Tieren) und deren Absonderungen, welche au über- tragbaren Krankheiten, z. B. an ansteckenden Hautkrankheiten (Krätze) oder venerischen und syphilitischen Erkrankungen, oder Eiter absondern- den Wunden leiden; 2. durch Einatmen von Luft oder Genuss von Wasser, welche Krankheitsgift enthalten (z. B. Malaria-, Ruhr-, Pocken-, T3^phus-Gift); 3. durch Genuss von Fleisch kranker Tiere (Trichinen- krankheit, Milzbrand) oder Berührung der Ge- schwüre derselben mit wunden Hautstellen (Milz- brand). Die Übertragung des Krankheitsgiftes geschieht durch Krankheitsträger, die teils dem Tierreiche, teils dem Pflanzenreiche angehören, teils mit blossem Auge noch sichtbar, teils (und zwar in der Mehrzahl) Hin- durch mikroskopische Untersuchung nachweisbar sind. Dieselben werden in den Körper aufgenommen durch die Atmungsorgane, den Yerdauungsapparat, durch die unverletzte Haut und durch Hautwunden. Von den durch Ansteckung entstehenden Krank- heiten in Deutsch-Ostafrika sind die Malaria-Erkrankungen und die Ruhr bereits besprochen worden. Die ausserdem hauptsächlich in Betracht kommenden, die Pocken, die venerischen und syphilitischen Krankheiten, die Krätze, die Wundkrankheiten, schliesslich die unter 3 aufgeführte Gruppe werden weiter unten ihren Platz finden. Allgemein ist als Grundsatz festzuhalten, dass der sicherste Schutz vor Ansteckung durch sorgfältige Ver- meidung und Verhütung jeder Ansteckungsgefahr gegeben wird. So wird der Yerdauungsapparat nur dadurch ge- nügend bewahrt, dass Fleisch von krankem oder krank- heitsverdächtigem Vieh nicht genossen wird und zweitens rohes Fleisch, d. h. Fleisch, welches nicht genügend durchgebraten, durchgekocht oder gepökelt ist, als Speise ein- für allemal verboten ist. Über die Behand- lung des Wassers und seine Befreiung von Ansteckungs- stoffen durch Destillieren und Kochen ist schon aus- führlich gesprochen (Teil I Kapitel YD. Desinfektion. Der Schutz der Atmungsorgane, der unverletzten Haut, wie der durch Hautwunden blos- gelegten Körpersäfte vor Ansteckung und Infektion ge- schieht durch geeignete Mittel, Desinfektionsmittel. Die- selben schützen entweder den Körper dadurch, dass sie die Krankheit übertragenden Organismen töten, ehe sie in den menschlichen Körper gelangen, oder dass sie, rechtzeitig angewendet, die schon in den Körper ge- drungenen Infektionsträger vernichten und so ihre ver- derbliche Wirkung verhüten. Der Schutz der Atmungsorgane durch Desinfektion der den Menschen umgebenden Luft wird erstens da- durch gesichert, dass die Infektionsträger vernichtet werden, ehe sie aus ihren Brutstätten in die Luft ge- tragen (Desinfektion des Stuhlgangs bei Ruhr) oder dass die Luft selbst durch Sprühapparat desinfiziert wird. Das letzte Verfahren lässt sich im allgemeinen jedoch mit Gewährleistung sicheren Erfolges nur in geschlossenen Räumen anwenden. Am wirksamsten kommen die Des- infektionsmittel im Verein mit den desinfizierenden antiseptischen Verbänden bei der 'Wundbehandlung zur Anwendung (siehe diese). Über Schutz vor geschlecht- licher Ansteckung durch Geschlechtskrankheiten siehe diese. Die hauptsächlich in Betracht kommenden Desinfek- tionsmittel sind: Argentum nitricura, Acidum boricum, carbolicura, salicylicum, Bismuthum snbnitrium, Creolinum, Jodoform, Kalium chloricum, Kalium permanganicum, Liquor Amraonii caustici, Spiritus, Sublimat. Die spezielle Anwendung und Anwendungsform dieser Mittel findet ihre Erörterung bei den einzelnen Krank- heiten (Wunden), sowie im alphabetischen Arzneimittel- verzeichnis. Dabei sei zum Schluss bemerkt, dass, wenn diese Mittel nicht zur Stelle sind, ein einfaches und sicheres Verfahren, um Wäsche, Yerbandmittel, Instrumente von krankheiterregeuden Ansteckungsstoffen zu befreien, Feuer und Wasserdampf ist. Ein metallenes Instrument, das nicht auf andere Weise desinfiziert werden kann, wird vor dem Gebrauch zwei- bis dreimal langsam durch eine Flamme gezogen oder in heissen Wasserdampf, in kochendes Wasser gehalten. Mit Ansteckungsstoffen ver- unreinigte Wäschestücke werden, wo entsprechende Ein- richtungen vorhanden sind, dadurch desinfiziert, dass sie mehrere Stunden lang strömendem Wasserdampf aus- gesetzt werden. Appetitlosigkeit Bei Verstopfung: Abführmittel (01. Eicini 1 Esslöffel, Calomel 1 Tablette); nach erfolgtem Stuhlgang Salzsäure: Acid. mur. 4mal täglich 10 Tropfen in V 2 Glas Zuckerwasser aufgelöst trinken. Bei saurem Aufstosseu keine Salzsäure nehmen, dafür Natrium bi- carbouicum 3 mal täglich 1 Messerspitze. Leichte Diät Fleischbrühe, Fleischthee, Eier Vermeidung fetter und schwer verdaulicher Speisen (fettes Fleisch, fettes Gemüse). Asthma. Wer erfahrungsgemäss an Anfällen von Atemnot, die ihren Ursprung in den Luftwegen haben, leidet, lasse bei Auftreten derselben, da sie in ihrem Verlauf unberechenbar sind, sofort ärztliche Hilfe herbei- holen, bis dahin sorge man für möglichst gute, trockene Luft, Bettruhe mit erhöhtem Oberkörper (Aufrechtsitzen), Senfpflaster auf die Brust, warme Fussbäder. Rauchen einer Strammonium-Cig’arette, Bromkali, Amylum nitro- sum ist nur nacli ärztlicher Anordnung1 anzuwenden. Augenkrankheiten. Es ist bei allen Augenkrank- heiten sofortige ärztliche Hilfe notwendig, da schwere und dringende Gefahren, die den baldigen Verlust der Augen bringen können, sich häufig unter scheinbar harmlosen Krankheitssyraptomen verbergen. Der erste Grundsatz bei jeder Augenerkrankung ist unbedingte Schonung und Bewahrung der Augen vor allen Schäd- lichkeiten. Die nachstehend aufgeführten Krankheits- formen sind in vielen Fällen nicht selbständige Krank- heiten, sondern bilden Teilerscheinnngen schwerer, dem Laien verborgener innerer Augenleiden. Die für den- selben in Betracht kommenden Teile des Auges sind; die die Augenlidspalte umgebenden beziehungsweise schliessenden Augenlider; die Augenbindehaut, welche die Innenwand der Augenlider bekleidet und auf dem Augapfel als das Weisse im Auge sichtbar ist; dieselbe schliesst die durchsichtige Hornhaut ein. Hinter der letzteren ist die Regenbogenhaut, welche dem Auge die Farbe giebt, sichtbar. Die Regenbogenhaut nmschliesst das gleichmässig runde Sehloch, die Pupille, welche sich bei jedem Lichtwechsel verengert oder erweitert Ver- engerung bei Übergang von Dunkelheit in helles Licht, Erweiterung im umgekehrten Falle. 1. Augenlidrand entzündung ist gewöhnlich ein langwieriges Leiden. (Symptome: Augenlider gerötet, ge ■ schwollen, wund, mit Borken bedeckt.) Baldmöglichste ärzt- liche Hilfe, bis dahin allgemeine Behandlung: Dienstaus- setzen, Sorge für Stuhlgang, Zimmeraufenthalt, vor Staub in Acht nehmen; örtliche Behandlung: Nichtreiben an den Augenlidern, Borkeuabweichen mit lauwarmem Wasser und Seife, Umschläge mit Bleiwasser (Tabletten Plumbi suba- cetici), später 1 mal täglich mit üngentum Zinci einreiben. 2. Augenbindehautentzündung. Symptome: Augenbindehaut (das Weisse im Auge) entzündlich gerötet, Augenlider geschwollen, Augen morgens verklebt, Licht- scheu, Thränenträufeln. Baldmöglichst ärztliche Hilfe, bis dahin wie heil., ausserdem Aufenthalt im dunkeln Zimmer; vor Staub, grellem Licht und Zug in Acht nehmen! Wenn die Entzündung nachgelassen hat, Zincura sul- furicum 2 mal täglich mit einer Pipette einträufefn, nach jedem Einträufeln eine halbe Stunde lang mit kalten Umschlägen die Augen kühlen. Schutzbrille längere Zeit nach der Behandlung noch tragen. Bleiwasserumschläge sind ohne ärztliche Anordnung von dem Laien nicht hei Augenentzündungen anzuwenden, es können bei den letzteren dem Laien verborgene Substanz- verluste oder Geschwüre auf der Hornhaut bestehen, in welche das Blei sich niederschlägt. Dadurch aber werden Trübungen der durchsichtigen Hornhaut verursacht. 3. Hornhautentzündungen sind für den Laien häufig erst erkennbar, wenn sich zu den Symptomen einer Bindehautentzündung Trübungen, Eiecke, Geschwüre auf der durchsichtigen Hornhaut zeigen. Behandlung bis zur Ankunft des Arztes: Sorge für reichlichen Stuhlgang, Buhe, Umschläge mit vorher abgekochtem, lauwarmem Wasser; Mittel, die nur nach ärztlicher Ver- ordnung zu gebrauchen sind, sind Calomel, Atropinum sulfuricum. 4. Regenbogenhautentzündung, Symptome: Rötung der Augeubindehaut, Trübung der Hornhaut, Ver- färbung der Regenbogenhaut (blaue Regenbogenhaut wird grünlich, braune und graue gelblich, Verzerrung der in normalem Zustand runden Pupille). Behandlung wie bei Hornhautentzündung; Atropin nur nach ärztlicher Verordnung. 5. Augentripper. Eitrige Entzündung des Auges durch Ansteckung mit Trippergift. Dieselbe kann in kürzester Zeit zur völligen Zerstörung des Auges führen; sie zeigt sich hauptsächlich in sehr heftiger, schmerzhafter Schwellung der Augenlider mit folgendem starken Eiter- ausfluss aus der Lidspalte. Vermeidung der Erkrankung durch sofortiges Waschen und Desinfizieren der mit Tripper- gift in Berührung gekommenen Hände (siehe Tripper). Schnellste ärztliche Hilfe. Hach erfolgter An- steckung eines Auges sofortiger Schutzverband des an- deren Auges mit Salicylwatte und Tuch oder Binde, Umschläge auf das erkrankte Auge mit Kompressen von Kali permanganicicum-Lösung, die, wenn möglich, in Eis- wasser abgekühlt sind. Behandlung nach Abnahme der Schwellung mit Argentum nitricum-Lösung nur nach ärzt- licher Verordnung und unter ärztlicher Beobachtung. 6. Verletzungen des Auges. Schnellste ärztliche Hilfe, bis dahin Schutzverband des Auges mit Verbandwatte und Tuch oder Binde, bei heftigen Schmerzen und starker Entzündung hydropathischer Verband mit Acidum boricum- Lösung; strengste Bettruhe mit hochgelegtem Kopf bis zur Ankunft des Arztes. Aussatz. Lepra. Die im Mittelalter bis zum Schluss des 16, Jahrhunderts in grossen Epidemien Europa heim- 160 suchende Krankheit kommt jetzt fast nur noch daselbst in Einzelerkrankungen vor, während die Heimat des Aussatzes Egypten, ferner Kleinasien und auch Ostafrika an vielen Orten noch eine ganze Anzahl Kranker auf* weist. Die durch einen spezifischen Krankheitspilz, den Leprabacillus, charakterisierte Erkrankung wird heutigen Tages im allgemeinen nicht als eine ansteckende und für den Europäer besonders in Betracht kommende auf- gefasst. Da aber der Beisende in Ostafrika dieselbe häufig unter den Eingeborenen antrifft, sei sie in ihren drei Hauptformen, in denen sie sich unter diesen findet, kurz gekennzeichnet. Die erste Form, der weisse Aussatz (kisuaheli: balanga) —es giebt neben dieser, beziehungs- weise als Vorstufe derselben einen dunklen, schwarzen Aussatz zeigt auf dem Körper verbreitet glatte, glän- zend weisse Flecke; die zweite Form (kisuaheli; ukoma) kennzeichnet sich in einer im Gesicht und auf den Armen und Beinen zuerst auftretenden, später über den ganze n Körper sich verbreitenden Bildung von Knoten und Beulen, welche entweder in Monaten bis Jahren sich zurückbilden oder in stark eiternde Geschwüre zerfallen- Die dritte nervöse Form bietet schwere Störungen im Gebiete der Gefühlsnerven. Heftige, durch den ganzen Körper blitzartig schiessende und stechende Schmerzen, welche oft die geringste Bewegung verhindern, gehen nach kürzerer oder längerer Zeit in allgemeineEmpfindungs- losigkeit, ein auch die beiden früheren Formen häufig begleitendes Symptom, über. Im weiteren Verlauf tritt ein Bläschenausschlag auf, der sich oft unter Fieber sehr schnell ausbreitet. Aus den platzenden und zerfallenden Bläschen entwickeln sich Geschwüre, die unter immer fortschreitender Empfindungslosigkeit sich in die Fläche und Tiefe ansdehnen und zur Ablösung von Fingern und Zehen, ja ganzer Körperteile führen (Bezeichnung dieses Stadiums kisuaheli: jethamar). Die Krankheit hat einen langen, meist durch Jahre sich hinziehenden Verlauf, wenn nicht durch inzwischen eintretende andere tödliche Erkrankung dem Leben des unglücklichen Kranken plötzlich ein Ende gemacht wird. Vorzugsweise werden Männer von ihr befallen, das Alter, in dem sie beginnt, liegt zwischen 10 und 30 Jahren. Die Behandlung der Unglücklichen ist, allgemein auch in Ostafrika, so bei- spielsweise in Bagamoyo die, dass dieselben besondere, von denen der übrigen Ortseinwohner getrennte Wohn- plätze in möglichst guter, gesunder Gegend angewiesen erhalten und durch gute, kräftige Nahrung eine Besserung ihres Leidens, die sogar in einzelnen Fällen in Heilung übergehen kann, erfahren. Die Aussatzknoten bepinsele man mit Jodtinktur, die Geschwüre verbinde man mit Unguentum irritans oder Zinksalbe; gegen die Schmerzen ist Pulvis Doweri, Aqua amygdalarum cum Morphio u. a. anzuwenden. Man wird bei jeder Niederlassung gut thun, sowohl im hygienischen wie allgemein kulturellen Interesse, die aussatzkranken Eingeborenen in der oben angegebenen Weise zu isolieren, ihnen Aufsicht, gute Pflege und Be- handlung angedeihen zu lassen. Bandwurmkrankheit. Dieselbe entsteht dadurch, dass mit roher Fleischnahrung (hauptsächlich von Schweinefleisch und Eindfleisch) Bandwürmer in die Eingeweide gelangen. B. Die Bandwurmkrankheit ist in Ostafrika sehr ver- breitet und verdankt ihre Entstehung dem häufigen Genuss namentlich von rohem Rindfleisch, beefsteak ä ]a tartare. Vor demselben kann nicht eindringlich genug gewarnt werden; es ist nur der Genuss von Eleisch ge- stattet, das entweder völlig durchgekocht oder durch- gebraten (siehe Ansteckung), oder gehörig gepökelt ist. Krankheitssymptome: Während die allgemeinen Krankheitssymptome, Übelkeit mit abwechselndem Heiss- hunger, Kolikschmerzen, Verstopfung abwechselnd mit Durchfall, nicht unbedingt sicher für das Vorhanden- sein von Bandwürmern sprechen, giebt der Abgang von Bandwurmgliedern mit dem Stuhlgang ein untrügliches Anzeichen dafür.. Es ist deshalb bei Auftreten der erst- genannten Krankheitszeichen der Stuhlgang jedesmal sorgfältig auf das Vorhandensein von bandartigen Wurm- gliedern zu untersuchen. Das Auffinden derselben giebt Veranlassung zur sofortigen Einleitung der Bandwurm- kur. Dieselbe ist nur als geglückt anzusehen, wenn der Kopf des Bandwurms mit abgegangen ist. Da die Er- kennung des Kopfes nur durch Sachverständige möglich ist, ausserdem die Kur den Körper stark angreift, so darf dieselbe nur unter ärztlicher Beobachtung vor- geuommen werden. Die zur Verwendung kommenden wirksamen Mittel sind Extracturn filicis aethereum und Kosa et Kamala. Die Kur wird so eingeleitet, dass der Kranke einen Tag vor Anwendung des Mittels nur dünne Wassersuppe oder Fleischbrühe geniesst. Am Abend dieses Tages ist eine stark gezwiebelte und gesalzene Speise, wenn möglich kräftig gewürzte eingemachte Fische (Häringe, Anchovis), zu gemessen. Am nächsten Morgen ist eine Tasse schwarzen, bitteren, starken Kaffees zu trinken. Eine halbe Stunde darauf wird das Band- Wurmmittel genommen. Wenn 2 Stunden nach Aufnahme des Mittels noch keine Darmentleerung erfolgt ist, hat der Kranke 2 Löffel Oleum Eicini zu nehmen. Das Gefäss, in das der Stuhlgang entleert wird, ist bis zur Hälfte mit lau- warmem Wasser zu füllen. Die Untersuchung des ab- gegangenen Bandwurms auf Vorhandensein des Kopfes erfolgt durch einen Sachverständigen. Nach Beendigung der Kur hat der von seinem Übel befreite Patient einen Tag lang den angegriffenen Körper zu ruhen und nur leicht verdauliche kräftige Diät (Fleischbrühe, Eeis, Eotwein) zu geniessen. Beriberi ist eine durch Störungen des Blutgefäss- systems und des Nervensystems bedingte Erkrankung, welche vorzugsweise in den Küstenstrichen Ostasiens in Vorder-Hinter-Indien, an der Ostküste von China, der Küste Japans, zuweilen auf Schiffen, im Boten Meer, ferner in Brasilien vorkommt, in Ostafrika dagegen selten beobachtet worden ist. Die Krankheit tritt besonders verbreitet in feuchten Jahresperioden, die zugleich grosse Temperaturschwan- kungen bieten, auf und befällt vorzugsweise Menschen, die unter dauernd schlechten hygienischen Verhältnissen ununterbrochen eine einförmige und dabei mangelhafte Nahrung, als Hauptnahrung Eeis in stets gleicher Form, geniessen. Europäer werden deshalb gegenüber den Ein- geborenen der genannten Länder sehr selten von der Krankheit befallen. Die zumeist auftretende Krankheitsform charakteri- siert sich nach wochen- bis monatelang dauerndem Vor- läuferstadium mit allgemeiner Schwäche des Körpers, Niedergeschlagenheit des Gemüts durch folgende Symp- tome; Die Kranken klagen zuerst über leichte Ermüdung beim Gehen, sie heben dabei die Beine mit stark ge- ktümmten Knieen mit einem Buck in die Höhe, halten sie eine Zeit lang gehoben und setzen sie dann ebenso ruckweise wieder nieder. Nach B—lo8—10 Tagen sind sie nicht mehr im Stande, die Muskelanstrengungen, die ihnen das Gehen verursacht, weiter zu ertragen, und legen sich auf das Krankenbett. Auf demselben stellt sich bald infolge Störung in der Blutmischung und im Blutkreislauf beängstigendes Herzklopfen mit starker Pulsvermehrung (bis zu 120 Schlägen in der Minute) ohne Temperatursteigerung ein. Die Folge des gestörten und geschwächten Blutkreislaufs ist abnorme Verringe- rung der Harnausscheidung auf der einen Seite, Wasser- sucht an den Extremitäten, dem Kopf und Bumpf auf der anderen Seite. Unter geistiger Abgestumpftheit, Schlaflosigkeit, Schwindelgefühl und zahlreichen anderen nervösen Symp- tomen geht der allgemeine Ernährungszustand bei ver- ringertem Appetit und geschwächter Verdauung auf- fallend zurück. Unter diesen Symptomen kann die Krankheit, ab- gesehen von den plötzlich, namentlich kräftige Männer treffenden und unte'r rapider Entwickelung der oben ge- nannten Symptome in 24 Stunden tödlich endenden Krankheitsformen, wochen- bis jahrelang dauern. Der mittlere Verlauf beträgt 7 8 Wochen. Die Rekon- valeszenz leitet sich durch Nachlassen der Störungen in der Herzthätigkeit, der wassersüchtigen Schwellungen und durch Vermehrung der Urinausscheidung ein; der tödliche Ausgang dagegen ist bei Stärkerwerden der ge- nannten Symptome zu fürchten, namentlich ist Stillstand in der Urinentleerung als ein höchst bedrohliches Zeichen anzusehen. Ein ausser der genannten Form vorkommender leichter Grad von Beriberi prägt sich in mässiger Blut- armut, Herzklopfen, Neigung zu Hautschwellungen nach Anstrengungen und schneller Ermüdung beim Gehen mit Gefühl von Taubheit in den Beinen und erschwertem Gange aus. Hie Hauer dieser Form beläuft sich auf s—B Wochen. Hie Behandlung der Krankheit bis zur Erlangung ärztlicher Hilfe wird sich im Anfang beschränken auf schnellste Übersiedelung des Kranken in trockenes Klima mit sauerstoffreicher Luft, auf Lagerung desselben in einem möglichst gut ventilierten, trockenen Raume, Dar- reichung leicht verdaulicher Hiät (Fleischbrühe, Fleisch- thee, Milch, Kemmerichsche Peptone), Sorge für Schlaf (1 Tablette Sulfonal). Stellen sich wassersüchtige Schwellungen und nervöse Symptome ein, so lagere man den Kranken häutiger um, gebe eine Tablette Calomel 0,3 in 3 Teile geteilt, dreimal täglich (drei Tage lang dann aussetzen). Bei starker Stuhlverstopfung ist eine Darmeingiessung oder Glycerin - Klystier durch sach- kundige Hand angezeigt. Neben der bisherigen Hiät sind häufiger kleine Gaben Sherry oder Portwein zu reichen. Auf diese Behandlung muss sich der Laie auch beschränken* wenn die Krankheitssymptome bedrohlich zunehmen. Tritt dagegen Besserung ein, so gebe man Tinctura stomacbalis, leite leicht verdauliche, kräftige Diät mit gutem Wein (wie bei Rekonvaleszenten von Dysenterie) ein und sorge für gleichmässige Erwärmung des Körpers, guten Schlaf und regelmässigen Stuhlgang (01. Ricini, deutsches Fruchtsalz). Nach weiterer Kräftezunahme ist hei häufig gereichter, kräftiger Nahrung körperliche Be- wegung und Übung in guter, reiner und trockener Luft täglich vorzunehmen. Bewusstlosigkeit. Unter Bewusstlosigkeit versteht man den Zustand, in dem die Besinnung, das Gefühl und die Bewegungsfähigkeit aufgehoben erscheint. Steigert sich diese Bewusstlosigkeit in dem Grade, dass Atmung und Herzthätigkeit scheinbar erloschen ist, so wird sie Scheintod genannt. In den Zustand von Bewusstlosigkeit kann ein Mensch durch verschiedene Ursachen geraten. Wir unterscheiden zunächst die einfache Ohnmacht. Die- selbe wird hervorgerufen entweder durch Blutüberfüllung oder durch Blutleere des Gehirns. Ohnmacht durch Blutüberfüllung des Gehirns tritt ein namentlich bei vollblütigen, an Kongestionen nach dem Kopf leidenden Menschen bei grosser Anstrengung, Erhitzung (Hitzschlag), Aufregung, Excessen im Trinken. Wird infolge krankhafter Veränderung der Blutgefässe durch die Blutüberfüllung eines derselben gesprengt, so spricht man von einem Schlaganfall. Ohnmacht durch Blutleere des Gehirns wrird herbei- geführt (besonders bei wrenig kräftigen Personen) durch grosse Anstrengung, Entbehrung, Hunger, Durst, starken Blutverlust. Ein bewusstlos aufgefundener Mensch mit blassem Gesicht hat eine durch Blutleere des Gehirns 167 hervorgerufene Ohnmacht erlitten. Ein solcher mit hoch- gerötetera Gesicht kann bewusstlos geworden sein durch Hitzschlag, Trunkenheit, Schlaganfall, epileptischen Krampfanfall (siehe diesen). Ist ein Mensch bewusstlos mngesunken, so wird er nach sofortiger Lösung der ihn beengenden Kleidungs- stücke, bei strahlender Tropensonne, an einen möglichst schattigen Ort gebracht, in bewohnten Gegenden in einen bedeckten, aber dabei luftigen Kaum (Fenster und Thüren auf), auf Expeditionen unter einen völlig schattigen Baum, oder, wo solche Bäume nicht vorhanden, unter das Sonnensegel der schleunigst aufgeschlagenen Feldbettstelle —, oder es wird ein Schirm, wenn ein solcher vorhanden, aufgespannt über dem Kopfe des Bewusst- losen aufgestellt. Der Kopf ist nur dauernd zu ent- blössen, wenn kein Sonnenstrahl denselben trifft; in jedem anderen Falle ist der Tropenhelm nur zu lüften und ein angefeuchtetes Tuch auf den Kopf zu legen. Ist der Kopf gerötet, so muss derselbe hoch ge- lagert werden, ist er dagegen blass, so muss er tief liegen. Dann ist Kopf, dieser besonders energisch in ersterem Falle, und Brust mit kaltem Wasser zu be- sprengen, unter die Nase wird eine Flasche mit Salmiak- geist gehalten. Kehrt das Bewusstsein wieder, so gebe man erfrischendes Getränk, kalten Kaffee, Tabletten von acidum citricum mixtum, Cola-Tabletten, Spiritus aethereus. Wenn Atmung und Herzthätigkeit neben völliger Empfindungs- und Bewegungslosigkeit scheinbar gleich- falls ganz aufgehört hat, Scheintod eingetreten ist, muss die künstliche Atmung vorgenommen werden. Die künstliche Atmung ahmt die natürliche Ein- Atmung und Ausatmung’ nach und wird in folgender Weise, am besten von zwei Männern, ausgefülirt. Der Scheintote wird platt auf eine untergelegte Decke mit leicht durch untergeschobenes Polster (Kleidungs-Gepäck- stücke) erhöhtem Oberkörper auf den Kücken gelegt. Dann wird die Zunge aus dem Munde herausgezogen und festgehalten, oder, wenn nur ein Mann zur Hilfe da ist, mit einem Tuch am Unterkiefer festgebunden. Der die künstliche Atmung Ausführende kniet darauf zu Häupten des Bewusstlosen, fasst die Arme desselben ober- halb der beiden Ellenbogen und führt sie langsam an beiden Seiten des Kopfes in die Höhe (Einatmung), zählflang- sam bis drei und führt sie darauf an beide Seiten des Brustkorbes zurück, indem er sie fest an denselben an- drückt (Ausatmung). Diese Bewegungen führt er ab- wechselnd so lange aus, bis entweder die natürliche Atmung wiederkehrt, oder ärztliche Hilfe zur Stelle ist und ent- weder bei noch vorhandenem Leben die bisher erfolglose Arbeit fortsetzt oder den eingetretenen Tod konstatiert. Untrügliche Kennzeichen des wirklichen Todes giebt nur die in den Tropen sehr schnell eintretende Ver- wesung: grünliche Verfärbung der Haut, Auftreibung des Leibes, Ausfluss stinkender Flüssigkeiten aus Hase und Mund. Dabei ist zu bemerken, dass bei Verwun- dungen und Verletzungen durch die umfangreiche Ver- letzung lebenswichtiger Organe (Kopf, Brust, Bauchhöhle, Verlust ganzer Glieder mit schnellem, sehr grossem Blut- verlust) der Tod als wahrscheinlich angenommen werden kann. Während der künstlichen Atmung sind Hände und Arme, Füsse und Beine kräftig zu reiben, um das Blut wieder in Bewegung- zu bringen, Senfpflaster auf die Brust und namentlich die linke Brustseite (Herzgegend) zu legen. Ist nur ein Helfer zur Stelle, so muss er das Reiben der Extremitäten nach erfolgreicher künstlicher Atmung vornehmen. Kehrt die natürliche Atmung bei erfolgreicher, künstlicher Atmung wieder, so ist die letztere trotzdem so lange fortzusetzen, bis die natürlichen Atemzüge ruhig, tief und regelmässig geworden sind. Hie künstliche Atmung ist niemals bei den ersten Atemzügen, die schnappend sind, zu beendigen. Nach Wiederkehr der natürlichen Atmung halte man bei noch nicht völlig zurückgekehrtem Bewusstsein Salmiakgeist unter die Nase und gebe, sobald der Verunglückte schlucken kann, erfrischende und belebende Getränke, Spiritus aethereus. Die Neigung des zum Leben AVieder- erwachten zum Einschlafen muss in den ersten Stunden nach Wiederkehr des Bewusstseins bekämpft werden, auch ist bei später sich einstellendem Schlaf die Atmung zu überwachen. Wenn diese sehr unregelmässig und ober- flächlich wird, muss der Patient geweckt werden und Reiz- mittel erhalten (siehe oben). AVacht ein Mensch, der mit hochrotem Gesicht plötzlich bewusstlos geworden, mit verzogenem Munde, Störungen seines Sprachvermögens und der Bewegungs- fähigkeit der Glieder einer Körperseite auf, so hat er (siehe oben) einen Schlaganfall erlitten. Ein solcher Schlaganfall befällt nicht gesunde, im kräftigen Mannes- alter stehende Leute, sondern ist stets ein Zeichen von Erkrankung der Blutgefässe oder des Gehirns (Gehirn- syphilis). Kranken, die einen Schlaganfall erlitten haben, 170 Muss ohne Aufenthalt ärztliche Hilfe zu Teil werden. Bis dahin ist Fernhaltung' jeder Aufregung, strengste Kühe, Kühlung des Kopfes, Vermeidung alkoholhaltiger Getränke, leichte, flüssige Diät, Sorge für reichlichen Stuhlgang geboten. Bei nachgewiesener früherer syphi- litischer Erkrankung kann schon vor Ankunft des Arztes eine Schmierkur begonnen werden (siehe Geschlechts- erkrankungen). Ausser den vorhergenannten Ursachen können Be- wusstlosigkeit und Scheintod herbeiführen: Sturz in das Wasser Ertrinken —, Erhängen, Erwürgen, Ersticken, Blitzschlag, Verschüttetwerden. Ertrinken. Ist jemand scheintot aus dem Wasser gezogen, so wird er nach Lösung aller beengenden Kleidungsstücke zuerst auf den Bauch gelegt, indem der letztere durch untergelegte Kleidungsstücke hoch gelagert, der Kopf aber tief gelegt wird, um das in die Luftwege und den Magen gedrungene Wasser wieder ausfliessen zu lassen; nach Keinigung der Öffnungen des Gesichts, des Mundes, der Nase, Ohren, von Schlamm wird der Schein- tote auf den Kücken gelegt und, wie oben angegeben, mit demselben die künstliche Atmung eingeleitet. Dabei wird die Haut mit Tüchern tüchtig trocken gerieben. Erhängte sind sofort, indem der Körper durch Fest- halten vor Fall bewahrt wird, ahzuschneiden. Nach Lösung des Strickes ist die künstliche Atmung einzu- leiteu. Bei Erwürgten ist nach Lösung eines etwa noch um den Hals befindlichen Strickes ebenso zu ver- fahren. Erstickung kann veranlasst werden durch Einatmung giftiger Gase (Kohlenoxydgas, Sumpfgas, Schwefelwasser- 171 Stoff) oder durch Einkeilung zu grosserßissen in der Speise- röhre. Verfahren bei Erstickung durch giftige Gfase: Liegt der Verunglückte in einem geschlossenen, mit dem Gase erfüllten Baum, so ist durch schnelles Offnen aller Fenster, Thüren, Ventilationsklappeu das- selbe ausströmen zu lassen, damit der Retter nicht selbst in Erstickungsgefahr gerät. Dann trage der letztere den Verunglückten schnell heraus und leite die künstliche Atmung ein. Ist jemand in eine mit giftigen Gasen erfüllte Grube oder in einen Sumpf gefallen, so werfe der Retter, ehe er hinuntersteigt oder hineingeht, erst schnell brennendes Stroh oder dürres Reisig zur Vertreibung des Gases hinein; er selbst binde sich einen festen Strick um den Leib, den mehrere Kameraden zum etwaigen schnellen Heraufziehen halten, sowie eine Signalschnur um die Hand, deren anderes Ende gleichfalls ein Kamerad hält; vor den Mund binde er sich ein mit Essigwasser an- gefeuchtetes Tuch. Mit dem Geretteten ist nach sorg- fältiger Reinigung wie vorher zu verfahren. Menschen, denen ein Bissen im Schlunde stecken- geblieben ist, schlage man, indem man sie mit der Brust- seite gegen die Wand oder einen Baum stellt, kräftig mit der Faust zwischen die Schulterblätter, oder suche ihnen, wenn der Bissen noch hoch sitzt, denselben mit dem Zeigefinger herunterzustossen. Hat beides keinen Erfolg, so ist nur durch den Arzt Rettung möglich. Beim Ausgraben Verschütteter muss neue Ver- schüttung durch Nachsturz verhütet werden. Die V er- schüttefen sind sehr vorsichtig zu befreien, um etwaige Arerletzungeu, Quetschungen, Knochenbrüche zu schonen. 172 Nach Rettung und Reinigung der Gesichtsöffnungen. Wiederbelebungeverfahren, wie oben. Vom Blitz Getroffenen sind bei Verbrennungen des Körpers vorsichtig durch Aufschneiden die Kleidungs- stücke zu entfernen, nicht abzureissen; Verfahren gegen die Bewusstlosigkeit wie oben, gegen Wunden, siehe Ver- brennung. Bisswunden, siehe Hundswut, Schlangenbiss, Wunden. Bläschenausschlag, siehe Lippenausschlag, Gürtel- rose, Geschlechtskrankheiten. Blasencatarrh, Blasenkrampf, siehe Seite 183 f. Bleichsucht. Hauptsächlich auf Mangel an Blut- farbstoff beruhende Bluterkrankung, welche jugendliche Personen, namentlich in der Zeit der Reifeentwickelung des Körpers, befällt. Dieselbe äussert sich in Blässe des Gesichts und der Haut am übrigen Körper, Herzklopfen, Verdauungsstörungen, allgemeinem Schwächegefühl. An Bleichsucht leidende Individuen sind körperlich untauglich für Aufenthalt und Thätigkeit in Ostafrika (siehe Teil I. Kap. I). Blutarmut. Folgeerkrankung des Blutes bei und nach schweren Allgemeinerkrankungen des Körpers, wie Malaria-Krankheiten, Dysenterie; auch ohne diese tritt nach längerem, zweijährigen Tropenaufenthalt eine mehr oder weniger ausgesprochene Blutarmut auf. Die Symptome sind dieselben wie bei der Bleich- sucht, allgemeine Körperschwäche, Verdauungstörung, Appetitlosigkeit, Verstopfung, Unfähigkeit, auch nur raässige Anstrengungen zu ertragen, leichte Ermüdung und Herzklopfen bei denselben. Das letztere tritt auch bei der geringsten Gemütsbewegung ein. 173 Behandlung: Zuerst Regelung der Verdauung (siehe Teil I. Kap. 111. Ernährung, Diät Seite 34 f.), bei Appetit- losigkeit Acidum muriaticum, leichte, kräftige Diät, frisches Fleisch, Fleischthee, Fleischbrühe, Eier, Kemme- richsche Peptone, guter Rotwein. Zweistündliche Mahl- zeiten von 6 Uhr morgens an, nach dem Grundsatz, die Yerdauungsthätigkeit lieber in anhaltender, mässiger Thätigkeit zu halten, als mit grossen Pausen auf einmal durch reichliche Speiseuzufuhr anzustrengen. Erstes Früh- stück 6 Uhr (nach Teil I. Kap. 111. Lebensweise au Bord Seite 29 f.), 8 Uhr und 10 Uhr kleiner Imbiss: Brot mit kaltem Fleisch, 1 Ei, dazu ein halbes Glas Rotwein. 12 Uhr Fleischbrühe mit Ei, warmes Fleisch- gericht, kleines Beefsteak etc., Rotwein. 3 Uhr Tasse Thee mit Cakes oder Jam-Brötchen, belegtem Brötchen. 6 Uhr Hauptmahlzeit von 3 Gängen, Suppe, Zwischen- speise: Fisch, leichtes Gemüse, Reis, Fleischspeise, Früchte. 9 Uhr Thee mit leichtem Gebäck, kaltem Fleisch. Bei Neigung zu Herzklopfen: morgens nach dem Bade und abends vor dem Schlafengehen Frottieren und Massieren des Rückens, langsame Bewegungen in frischer Luft; bei hochgradiger Blutarmut: Klimawechsel. Aufent- halt und Bewegung im Gebirgsklima (siehe Malaria-Er- krankungen Seite 135 f.). Blutiger Urin, siehe Nierenerkrankungen, Urin. Blutungen: 1. Äussere: Schlagaderblutungen, Blutader- blutungen. Ursachen; äussere Verletzungen und Ver- wundungen des Körpers. Geringe Blutungen stehen nach kurzer Zeit von selbst, dessenungeachtet muss jede ver- letzte Körperstelle sofort bedeckt werden (siehe Wundbe- handlung). Starke Blutungen sind nach sofortiger Be- deckung der Wunden verschieden zu behandeln, je nachdem die Blutung aus einer Schlagader oder aus einer Blutader stammt. Bei einer Sclilagaderblutung spritzt hellrotes Blut •stossweise aus der Wunde heraus. Da das Blut aus den Schlagadern vom Herzen zur Wunde fliesst, wird die Schlagaderblutung einer Wunde dadurch gestillt, dass die zur Wunde zuführende Schlagader zwischen Herz und Wunde zusammengedrückt, gegen einen Knochen gedrückt wird. Schlagaderblutungen, die am Arm unter- halb der Mitte des Oberarmes erfolgen, werden gestillt dadurch, dass nach Entblössen und Hochheben des Armes mit den drei Mittelfingern der rechten Hand auf die Mitte der Innenseite des Oberarms, wo sich bei den meisten Menschen (sehr fettreiche Personen ausgenommen) eine sichtbare Längsfurche befindet, nach dem Knochen zngedrückt wird. Auf dieselbe Stelle wird auch die Pelotte der Aderpresse (siehe Teil 111. diese) mit untergelegter Kompresse gebracht. Die Lederplatte mit der Schnalle kommt dagegen auf die entsprechende Stelle an der Aussenseite des Armes. Nach Festziehen der Schnalle steht bei richtiger Lage der Pelotte die Blutung. Ist die Aderpresse nicht vorhanden, so kann man den hoch- gehobenen Arm oberhalb der Schlagaderblutung mit dem Esmarchschen Hosenträger oder Kompressions-Schlauch, die beim Anlegen fest ausgezogen werden, soweit sie sich dehnen, abschnüren, oder den Oberarm gegen die Brust festbinden, nachdem man ein rundes Stück Holz zwischen Brust und Oberarm gelegt hat. Der nach diesen ver- schiedenen Methoden ausgeführte Schlagaderverschluss darf nicht über 1 2. Stunde währen, sondern muss bei stets hochgebundenem Vorderarm von Zeit zu Zeit ge- lockert werden, da sonst der Arm durch den dauernden Abschluss der Blutzufuhr abstirbt und kalter Brand ent- steht. Während auch mittlere Schlagaderblutungen nach vorsorglicher Kompression, wie oben angedeutet, von selbst bei gut angelegtem Druckverband und hochge- lagertem Gliede stehen, ist bei Verletzungen grösserer Schlagadern die endgültige Blutstillung nur durch Unter- binden der Schlagader in der Wunde selbst zu erreichen. Dieselbe darf nur vom Arzt vorgenommen werden. Des- halb ist bei jeder grösseren Schlagaderblutung, die durch grossen Blutverlust in kurzer Zeit das Leben ernst ge- fährdet, ärztliche Hilfe unumgänglich notwendig. Bei Schlagaderverletzung oberhalb der Mitte des Oberarmes drückt man die zuführende Schlagader zu- sammen, indem man dicht über und hinter der Mitte des Schlüsselbeins mit dem Daumen nach unten und vorn drückt. Bei Schlagaderverletzungen des Kopfes und Halses, der Brust, des Bauches und des Rückens muss man sich damit begnügen, dass man den mit einer anti- septischen Yerbandkompresse umwickelten Dinger direkt auf die blutende Ader drückt und dann einen antisep- tischen Druckverband anlegt (siehe Wundbehandlung, fester Verband). Während Schlagaderverletzungen des Kopfes unter einem antiseptischen Druckverband stehen können, sind solche am Halse in kürzester Zeit unbedingt lebensgefährlich und erfordern augenblickliche ärztliche Hilfe. Schlagaderblutungen an den Beinen werden nach Bedeckung der Wunde dadurch zuerst gestillt, dass die Schlagader des Beines in der Mitte der Schenkelbeuge gegen den hinter ihr liegenden Knochen gedrückt und darauf der ahschnürende Hosenträger oder Schlauch bei hochgehobenem Bein oberhalb der Wunde wie am Arm angelegt wird. Die Aderpresse wird am Bein so an- gebracht, dass die Pelotte zwei Finger breit über der Mitte der Innenseite des Oberschenkels aufgedrückt und die Presse dann wie am Arm befestigt wird. Blutaderblutungen. Bei Verletzung einer Blutader tropft oder fliesst aus der Wunde dunkelrotes Blut. Derartige Blutungen stehen nach Lösung etwa beengen- der Kleidungsstücke nach Anlegung eines einfachen anti- septischen Druckverbandes. Bei Blutaderblutungen an den Gliedmassen wie am Kopf sind stets zweckmässig die betreffenden Körperteile hochzuhalten und hochzu- lagern. Bei grossen Wunden sind stets sowohl Schlagadern wie Blutadern verletzt; es ist dabei naturgemäss die Schlagaderblutung als die gefährlichere in erster Linie zu berücksichtigen und zu behandeln und die Wunde ausserdem sofort durch Druckverband zu schliessen. 11. Innere Blutungen. 1. Darmblutungen werden durch Gefässverletzungen im Darm verursacht bei inneren Hämorrhoiden oder bei Darmgeschwüren (siehe Dysenterie, Typhus). Aus dem After entleerte Blutungen stammen aus dem Darm, wenn hellrotes Blut dem braunen Stuhlgang beigemischt ist, aus dem Magen, wenn das Blut mit dem Stuhlgang ver- mischt den letzten schwarz, theerartig färbt. In letztem Falle Behandlung für Magenblutung. Darmblutungen erfordern, sobald sie ernstlich oder häufig auftreten, dringend ärztliche Hilfe. Behandlung bis zur Ankunft derselben strengste Bettruhe: Kompressen auf den Leib wie bei Magen- blutungen, keine Klystiere; bei heftigen Blutungen und voraussichtlich spät eintreffender ärztlicher Hilfe Acidum tannicum cum opio. 2. Hämorrhoidalblutungen, äussere. Dieselben ent- stehen durch Platzen von Hämorrhoidalknoten an der Aftermündung. Behandlung: Verhütung von Blutungen bei be- stehenden Hämorrhoiden: reichliche Körperbewegung, Vermeidung schweren Weines und Bieres, schwer ver- daulicher Speisen. Sorge für regelmässigen, täglichen, weichen Stuhlgang (siehe Teil I. Seite 34, Früchte, milde Abführmittel, deutsches Fruchtsalz, Oleum Ricini), täg- liches, kaltes Abwaschen der Aftergegend, darauf Be- streichen mit Vaselin-Lanolin. Das letztere Verfahren genügt auch bei massigen, schnell aufhörenden Blutungen. Bei stärkeren und wiederholten Blutungen ist ärztliche Hilfe erforderlich, bis dahin Ruhe, kalte Umschläge auf die Aftergegend. 3. Lungenblutung. Symptome: Hellrotes, schaumiges Blut wird ausgehustet. Husten, Brustschmerzen, Hitze- gefühl in der Brust oft vor der Blutung. Eine Lungen- blutung ist stets ein Zeichen schwerer Lungenkrankheit, ist als lebensgefährliche Erkrankung anzusehen und bean- sprucht möglichst schnelle ärztliche Hilfe. Bis zu Ankunft derselben ist strengste, ruhige Rückenlage mit erhöhtem Oberkörper im Bett zu beobachten. Wo Eis vorhanden, ist eine Eisblase auf die Brust zu legen, Eis- stücke sind im Mund zergehen zu lassen. Getränk; küh- lende Limonade (Tablette acidum citricum mixtum). Wein und Bier ist zu meiden. Diät: leicht flüssige (Fleischbrühe, Beis, Mehlsuppe, Eiersuppen) abgekühlt zu reichen. Arznei: Plumbum aceticura cum opio, dreistündlich 1 Tablette, nicht länger wie einen Tag zu geben, dann einen Tag aussetzen. Auch wenn die Blutung bald steht, ist möglichst schnelle ärztliche Untersuchung zur Fest- stellung der zu Grunde liegenden Erkrankung notwendig. 4. Magenblutuug. Symptome: Dunkelrotes, schwärz- liches und mit Speiseteilen vermischtes Blut wird aus- gebrochen. Schmerzen in der Magengegend vor und bei der Blutung. Eine Magenblutung ist stets ein gefährliches Symp- tom schwerer Magenerkrankung und beansprucht mög- lichst schnelle ärztliche Hilfe; Behandlung bis zum Ein- treffen derselben: strengste Bettruhe, wo Eis, Eisblase auf die Magengegend; Eisstückchen schlucken, einen Tag fasten. Arznei am ersten Tage Plumb. acet. cum opio, dreistündlich 1 Tablette, nicht länger als einen Tag. Wenn die Blutung steht, darf genossen werden: am zweiten Tage gekühlte Milchsuppe, zweistündlich 2 Löffel (nicht mehr auf einmal!), nach drei Tagen lauwarme Fleischbrühe, Fleischthee, nach sechs Tagen weiche Eier; später sind alle Speisen ganz fein zu kauen und nur mit grosser Menge Flüssigkeit, Milch, Rotwein mit Wasser (nicht uuvermischtem Wein) herunterzuspülen; keine scharfen Gewürze! Stuhlverstopfung nicht durch inner- liche Abführmittel heben, sondern durch Darmeingiessung oder Klystier (Glycerin) von sachverständiger Hand. Bei jeder neu auftretenden Blutung- ist natürlich von neuem, wie im Anfang- angeordnet, zu verfahren. Brüche; Dieselben kommen selten am Rumpf (Schlüsselbeinbrüche, Rippenbrüche), hauptsächlich an den Beinen vor. 1. Knochenbrüche. a) einfache Knochenbrüche: Bruch des Knochens ohne Verletzung der denselben umgebenden Weichteile. Kennzeichen: heftiger Schmerz an der Bruchstelle, besonders bei Berührung und Bewegungsversuchen, Schwellung der den gebrochenen Knochen umgebenden Weichteile, unnatürliche Beweglichkeit des Gliedes an der Bruchstelle. b) komplizierte Knochenbrüche. Bei diesen treten zu den erstgenannten Kennzeichen noch Verletzungen der Weichteile, offene Wunden hinzu (so bei allen Schuss- verletzungen mit Knochenbruch). Behandlung: Knochenbrüche verlangen unbedingt schnelle ärztliche Behandlung. Bis zur Ankunft des Arztes muss das gebrochene Glied ruhig, hoch und weich gelagert und in eine Stellung gebracht werden, bei der der Verletzte gar keine oder möglichst wenig Schmerzen hat. Man unterlasse jede Zerrung und Drehung an den Bruchenden, da man durch dieselben dem Verwundeten Schmerzen macht und schadet. Beim Aufheben ist das verletzte Glied oberhalb und unterhalb der Bruchstelle mit beiden Händen von unten her behutsam anzufassen, so dass es fest auf denselben ruht. Muss der Verletzte transportiert werden, so ist das gebrochene Glied zu schienen. Dazu gehören mindestens zwei Mann; der erste hebt und hält das gebrochene Glied, wie oben an- gegeben, der zweite legt die zum Ersatz der verlorenen Festigkeit des Gliedes dienenden Schienen mit Binden oder Tüchern an, nachdem er sie vorher gepolstert hat. Als Schienen sind zu benutzen Schusterspan, Baumrinde, flache feste Holzstäbe, Pappscheiben, Seitengewehre; als Polsterung dient Watte, Werg, Moos, Heu. Jedes Glied muss sowohl an der Aussenseite wie an der Innen- seite geschient werden. Ist der Knochenbruch ein kom- plizierter, so muss die Wunde mit einem antiseptischen Verband (siehe Wundbehandlung) versehen werden. Blutungen behandele man wie auf Seite 173 ff. angegeben. Bei Beinbrüchen wird nach Schienung des Bruches der Verletzte behutsam von drei Mann in der Weise auf eine Trage (hergerichtete Feldbettstelle, Kitanda, ein- heimische Bettstelle —) gehoben, dass ein Helfer ihn unter den Schultern fasst und den Kopf des Verwundeten an seiner Brust ruhen lässt, der zweite mit beiden Händen unter das Gesäss greift, der dritte die Beine von unten her mit beiden Händen fasst. Danach wird der A7er- letzte behutsam und gleichmässig aufgehoben auf das Kommando des am Kopfe Stehenden: „Hebt auf!“ und ebenso auf das Kommando: „Legt nieder!“ auf die Trage gelegt. Auf derselben lagere man das gebrochene Glied durch untergelegte Kleidungsstücke und weiche Gepäckstücke hocji und stütze es ausserdem durch eben- solche an beiden Seiten, so dass es auf dem Transport ganz ruhig liegt. Eine gute Stütze für das gebrochene Glied erhält man, indem man es an dem gesunden Bein mit Tüchern oder Binden befestigt. Beim Transport trage man das Kopfende voran und gehe behutsam und nicht im Gleichschritt, um die Schwankung der Trage 181 zu vermeiden, setze gleichmässig und ruhig beim Aus- ruhen nieder und hebe ebenso wieder auf. Beim Tragen von Verwundeten Abhänge hinauf und hinab achte man darauf, dass erstens der Kopf, nicht das Gesicht, stets der Höhe zugewendet ist, der Verwundete stets der Höhe den Rücken dreht. Zweitens muss der Verwundete mög- lichst in waagerechter Lage transportiert werden. Geht es steile Abhänge hinauf oder herunter, so müssen die an den tiefer gelegenen Stellen Gehenden die Trage auf die Schulter nehmen. Verwendete mit Knochenbrüchen eines Armes können, nachdem der Bruch geschient und der Arm in ein dreieckiges Tuch (Esmarchsch.es Tuch, siehe Ab- bildungen desselben) gelegt ist, gehen. Sind sie sein- geschwächt (z. B. durch Blutverlust bei komplizierten Brüchen), so müssen sie natürlich getragen werden. 2. Krampfaderbrüche des Hodensackes sind nur durch den Arzt zu konstatieren. Wer nach ärztlichem Urteil daran leidet, versäume nie, für täglichen Stuhlgang zu sorgen und trage stets ein Suspensorium. 3. Leistenbrüche, äussere, innere und Kabelbrüche sind nur durch den Arzt zu konstatieren. Wer nach ärztlichem Urteil daran leidet, trage stets ein gut sitzen- des Bruchband, vermeide schwere Körperaustrengungen, Heben sehr schwerer Gegenstände, schnelles Bücken und Wiederaufrichten, suche bei heftigem Husten Bettruhe und baldige Linderung desselben. Erzeugt ein Bruch- band schmerzhaften Druck, so muss es loser gestellt und mit Watte ausgepolstert w-erden, wrenn dies Verfahren nicht hilft, ersetze man das unbrauchbare Bruchband baldmöglichst durch ein neues. Ist durch die Pelotte des Bruchbands die Haut wund gescheuert, so lege man dasselbe ab und bringe unter Bettruhe die Hautwunde wieder zur Heilung (siehe Wundbehandlung). Brustschmerzen. Dieselben können rheumatisch sein und im Huskelfleisch sitzen, dabei bestehen gewöhn- lich keine Atembeschwerden, dagegen oft rheumatische Schmerzen in übrigen Körpergegenden, Armen, Beinen. Zweitens können Nervenschmerzen in der Brust auf- treten, dieselben durchschiessen blitzartig die Brust von der Wirbelsäule nach vorn, kein Husten, keine Atemnot, Drittens entstehen Schmerzen und Stiche in der Brust bei Erkrankungen, Entzündungen der Luftwege, der Lungen (siehe diese) und des Brustfells. Die Brust- fellentzündung beginnt häufig mit Eieber, kennzeichnet sich namentlich durch heftige Seitenstiche, welche beim Einatmen verstärkt auftreten und nur oberflächliche Atembewegungen gestatten. Dabei besteht Atemnot und häufig trockener Husten. Natur und Sitz einer Brustfellentzündung zu er- kennen, ist nur dem Arzt möglich. Der Laie begnüge sich bis zum Eintreffen ärztlicher Hilfe damit, strengste Bettruhe mit erhöhtem Oberkörper zu halten, Umschläge mit Eiswasser oder hydropathische Umschläge auf die Stelle, wo sich die Stiche fühlbar machen, zu legen. Innerlich nehme man Calorael 3 mal täglich 1 Tablette den ersten Tag. Haben die Stiche nachgelassen, so pinsele man die schmerzhafte Stelle mit Jodtinktur ein. Bubo siehe Lymph-Drüsenschwellung. c. 1. Blasencatarrh. Ursachen: Erkältung, Tripper. Symptome: Schmerzen, die von der Blasengegend (be- haarten Schamgegend) in die Harnröhre ausstrahlen; Schmerzen am Damm zwischen Hodensack und After- miindung. Treten diese Schmerzen sehr heftig anfalls- weise auf, so spricht man von Blasenkrarapf. Oatarrhe. Blasenkrampf kann sowohl ein Symptom von Blasen- katarrh sein, als durch andere Reizungen der Blase be- dingt werden, wie schlechtes Bier, ferner durch Erkäl- tungen, infolge nasser Eiisse oder Durchnässung des Ge- sässes auf kaltem und feuchtem Sitz oder Lager. Der aus letzteren Ursachen entstehende Blasenkrampf, auch schneidendes Wasser genannt, welchen ich sehr häufig in Ostafrika beobachtet habe, geht meist nach mehreren Stunden vorüber. Ein sehr gutes Zeichen, das dieses schnelle Yorübergehen verspricht, ist die helle und klare Beschaffenheit des unter fortwährendem Harndrang tropfenweise und unter starken Schmerzen entleerten Urins. Man achte daher stets bei Auftreten der oben- genannten Symptome auf die Farbe und sonstige Be- schaffenheit des Urins. Ist derselbe trübe, blutig ge- rötet, so ist man berechtigt, das Vorhandensein eines Blasenkatarrhs anzunehmen. Das Andanern der erstge- nannten Beschwerden wird diese Annahme rechtfertigen. Behandlung bei vorübergehendem Blasenkrampf ohne Folgeerscheinungen. Verhütung desselben geschieht bei Leuten, die notorisch leicht au demselben erkranken, naturgemäss durch Vermeidung der obengenannten Schädlichkeiten, durch stetes Trocken- und Warmhalten 184 des Unterleibes und durch Sorge für stets regelmässigen Stuhlgang. Bei heftigem Blaseukrampf ist reichlicher Genuss wannen, reizlosen Getränkes, heisser Milch, dünnen Kaffees mit Milch, warmen .Rotweins zu empfehlen. Bei laug dauernden Schmerzen und Harndrang ist, wo Möglichkeit vorhanden, ein warmes Sitzbad angebracht; anderenfalls mache man feuchte oder trockene warme Umschläge auf die Blasengegend oder massiere dieselbe leicht mit Vaselin-Lanolin. Arznei: aqua amygdalarum cum morphio einmal 15 Tropfen. Behandlung des Blasencatarrhs: Sofortige Bettruhe. Bei Tripper, Spritzen sofort aussetzen. Vermeiden aller gewürzten Speisen, aller alkoholhaltigen Getränke, Wein, Bier. Der Patient lebe einige Tage hauptsächlich von Milch und Milchreis, geniesse die erstere in reich- lichen Mengen (Salol nur nach ärztlicher Verordnung). Bei heftigen Schmerzen nehme er warme Sitzbäder oder mache warme Umschläge auf die Blasengegend. Sorge iür reichlichen Stuhlgang. Auch wenn die Beschwerden gehoben sind, sind längere Zeit Bier, Wein (ausser Rot- wein mit Sauerbrunnen) und gewürzte Speisen zu meiden, ebenso ist jede Erkältung des Unterleibes in Zukunft zu verhüten, da Blaseukatarrh gern rückfällig wird (Unter- leib stets warm halten, wollene Leibbinde tragen). 2. Darmcatarrh, Durchfall, ist ein häufiges Leiden in Ostafrika. Symptome: Häufige dünne und meistens nur geringe Stuhlentleerung. Damit verbunden vielfach Leib- schmerz. Behandlung: Jedem in den Tropen auf- tretenden Durchfall werde sofort die sorgfältigste Beach- tung geschenkt, da derselbe sehr leicht auf der einen Seite eine Ruhrerkrankung einleiten kann (siehe Dysenterie, Ruhr); auf der anderen Seite macht er, namentlich bei längerem Bestehen den Körper zur Aufnahme anderer Krankheiten, namentlich des Malaria-Fiebers und der Ruhr, besonders geneigt. Dazu kommt, dass ein im Anfang wenig beachteter Durchfall, der sich ja in Deutschland wohl auch ohne be- sondere Behandlung bald verlieren kann, in den Tropen sehr leicht chronisch wird und mit vorübergehender Besserung monate-, ja jahrelang seinen schädlichen und schwächenden Einfluss auf den Körper auszuüben vermag. Deshalb lege man sofort nach Auftreten häufiger dünner Stuhlentleerungen die wollene Leibbinde an und schlage eine leichtverdauliche Diät ein (siehe Ruhr Seite 149 f.). Jeder Stuhlgang muss genau beobachtet werden; enthält er Blut und Schleim, so muss nach den auf Seite 148 gegebenen Yerhaltungsmassregeln verfahren werden. Das erste Mittel bei jedem Durchfall muss ein Abführmittel sein, am besten Calomel 3 mal 1 Tablette einen Tag lang. Mit Eintritt reichlicher Stuhlentleerung hört in den meisten Fällen der Durchfall auf. Folgen trotz der- selben unter Leibschmerzen noch dünne Stühle, so nehme man 2 mal in 3 Stunden 15 Tropfen tinctura anti- cholerica. Auch nach Aufhören des Durchfalls halte man noch einige Tage Diät, trinke guten milden Rot- wein und vermeide, alle den Darm reizenden Stoffe in die Nahrung aufzunehmen. Die Leibbinde muss noch einige Zeit getragen und bei jeder drohenden Abkühlung des Leibes wieder angelegt werden. 3. Kehlkopf-, Luftröhrencatarrh. Symptome: Schmer- zen im Halse, namentlich beim Sprechen —, Heiserkeit, Husten, in manchen Fällen Fieber. Behandlung: Tem- peraturmessen, Nichtrauchen, wenig und leise sprechen, Einatmen von scharfem Luftzug und Staub vermeiden. Sorge für reichlichen Stuhlgang. Morgens und abends 1 grosses Glas heisse Milch mit Sauerbrunnen trinken, hydropathischen Umschlag um den Hals legen. Bei Husten 2stündlich 1 Tablette Ammonium chloratum oder liquor Ammonii anisatus cum tinctura opii benzoica. 4. Magencatarrh. Symptome: Appetitlosigkeit, Übelkeit, dumpfer Schmerz in der Magengegend, weiss- belegte Zunge, häufig Fieber. Behandlung. Bei starker Übelkeit 1 Tablette Radix Ipecacuanhae. Nach erfolgtem Erbrechen, wenn noch übler Geschmack und Appetitlosigkeit besteht, Acidum muriat.-Lösung 2stündlich 1 Esslöffel, bei saurem Auf- stossen kein Acidum muriaticum einnehmen, statt dessen Natron bicarbonicum 3 mal täglich 1 Messerspitze (1 Schluck Wasser nach trinken) 2 Tage laug. Leichte flüssige Fleischdiät, Rotwein; bei gleichzeitiger Ver- stopfung Calomel 1 Tablette, wenn nach 3 Stunden noch kein Stuhl erfolgt ist, eine zweite. Nach reichlicher Stuhlentleerung Tinctura stomachalis 3 mal täglich 15 Tropfen. Leibbinde tragen. 5. Rachencatarrli. Schmerzen in der Rachengegend, besonders beim Schlucken, Rachengegend gerötet, Mandeln gerötet, geschwollen ohne weissen Belag Behandlung: Nichtrauchen, Speisen und Getränke lauwarm gemessen, hydropathischen Umschlag um den Hals legen. Gurgeln mit Tinctura Myrrhae (20 Tropfen auf 1 Glas "Wasser, umgerührt) stündlich oder mit 3 Tabletten Kali chloricum ebenso aufgelöst. Bei Verstopfung Abführmittel, Calomel. Cholera. Die Heimat der Cholera, der echten asia- tischen Cholera, ist Vorderindien. Von dort hat sie, namentlich in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts, völkerverheerende Wanderzüge nach Afrika und Europa angetreten. Die Ausbreitung der Seuche ist in letzter Zeit, namentlich in zivilisierten Ländern, durch die ver- besserten hygienischen Verhältnisse derselben, eine ge- ringere geworden. Die Krankheit wird durch einen be- stimmten Infektionskörper, den Cholera-Bacillus, in den Darmausleerungen Cholera-Kranker verbreitet. Symptome: Das charakteristischste Zeichen der Cholera sind die Cholera-Durchfälle, welche, sehr reichlich und dünn, nur im Anfang der Erkrankung Stuhlgang-ähnliche Beschaffenheit haben, später aber vollständig Reiswasser- ähnlich und geruchlos werden. Zu denselben gesellt sich Erbrechen, das gleichfalls bald die Beschaffenheit der Stuhlgänge annimmt. Unter häufigem Erbrechen und Durchfall, dagegen völlig eingestellter Urinentleerung verfällt der stets bei Bewusstsein bleibende Kranke sehr schnell. Angst, Unruhe, quälende Leibschmerzen, Waden- krämpfe, bläulichgelbe, kühle, mit klebrigem Schweiss bedeckte Haut sind die weiteren Symptome der in kürzester Zeit, oft in wenigen Stunden zum Tode füh- renden Krankheit Genesungsfälle sind selten. Behandlung: Die Massregeln zur Verhütung der Ansteckung sind dieselben, wie die bei Dysenterie an- gegebenen (siehe diese). Die Behandlung der Krankheit selbst bis zur Ankunft schleunigst herbeigerufener ärzt- licher Hilfe besteht hauptsächlish in Erhaltung der Kräfte durch Wein (Sherry, Portwein, schweren Rotwein), Fleischthee. Linderung des Erbrechens durch Eisstück- chen, wo Eis vorhanden, ferner durch starken Kaffee, Tabletten acidum citricum mixtum. Verminderung des 188 Durchfalls durch Tinctura anticholerica, Erwärmung des Körpers durch warme Decken, Steine, Frottieren, Ein- reibungen mit Branntwein. Die letzteren sind auch gegen die Wadenkrämpfe anzuwenden. Besserung ist anzunehmen, wenn die Haut wärmer, die Herzthätigkeit kräftiger wird, der Stuhlgang sich färbt, die Urinent- leerung sich wiederein stellt. Behandlung bei Besserung: Leicht verdauliche, kräf- tige Diät. Wein. Colik. Unter Colik versteht man heftige, von der Kabelgegeud ausstrahlende, schneidende Leibschmerzen, ohne dass dabei Erscheinungen von Organ-Erkrankungen, wie Fieber, Erbrechen, belegte Zunge, Durchfälle, be- stehen. Dagegen ist zumeist Stuhlverstopfung vorhanden und der Leib häutig stark durch Darmgase aufgetrieben. Colik kann entstehen nach schlechtem Bier, un- reifem Obst, blähenden Speisen, nach stark wirkenden Abführmitteln, durch Eingeweidewürmer, bei Stuhlver- stopfung, ferner durch Erkältung, Bleivergiftung (siehe Vergiftungen), schliesslich durch Gremütserregungen, namentlich Ärger. Behandlung: Einreiben der schmerzhaften Leib- gegend mit Spiritus, Massage; hydropathische Umschläge, darüber die wollene Leibbinde. Innerlich: Tinctura Va- leriana, Flores Chamomillae, Pulvis Doweri, Aqua amyg- dalarum cum morphio 10 Tropfen. Sind die Schmerzen (häutig nach Abgang von Blähungen) beseitigt, so ist bei bestehender Stuhlverstopfung Oleum Ricini, deutsches Fruchtsalz oder Calomel zu nehmen und in Zukunft stets für regelmässigen Stuhlgang zu sorgen (S. 34). Gelegen- heitsursachen sind zu meiden. D. Darmcatarrh, siehe Catarrh. Denguefieber. Dasselbe ist eine in Deutsch-Ostafrika unbekannte, dagegen für den über Ägypten, namentlich über Cairo, Reisenden in Betracht kommende fieberhafte Erkrankung. Dieselbe entsteht mit Fieber, Kopf-, Magen- nnd Gliederschmerzen, starker Hautrötung. Dazu gesellt sich häufig Mandelentzündung. 2—3 Tage nach Krank- heitsausbruch zeigt die Haut eine fleckige Rötung, die wieder nach 4—5 Tagen unter Rückgang der übrigen Krankheitserscheinungen verschwindet. Der Krankheits- verlauf ist meistens leicht und in Heilung übergehend. Bettruhe, kühlende Getränke, leichte Diät und Sorge für Stuhlgang bilden die Behandlung. Diphterie gewöhnlich Diphteritis genannt ist eine schwere, durch Ansteckung entstehende allgemeine Erkrankung des Körpers. Die Hauptsymptome derselben zeigen sich in einem schmutzig grauen Belage auf den Mandeln. Der Kranke ist sehr schwach und hinfällig, klagt über Schmerzen im Halse, namentlich beim Schlucken. Jedem derartig Klagenden muss in den Hals gesehen werden, indem man die ira Munde liegende Zunge des- selben mit einem Löffelstiel oder Spatel hernnterdrückt und Licht in den Hals fallen lässt; man nehme beim Hineinsehen den eigenen Kopf etwas zur Seite und wende sich bei jedem Hustenstoss des Kranken sofort ab; zeigt sich der beschriebene Belag, so ist unverzüglich ärztliche Hilfe notwendig. Behandlung bis dahin: Isolirung des Kranken. Viermal täglich Desinfektion des Krankenzimmers und des Krankenbettes, (Bettdecke) mit dem Sprühapparat (Acidum carbolicum), Speiglas, dessen Boden s°/o Carbolsäure- lösung oder Voo Sublimatlösung bedeckt. Behandlung des Kranken selbst: Bettruhe, Kali chloricum 4 Ta- bletten auf 200 Gramm Wasser, alle 10 Minuten dreimal hintereinander zu gurgeln nichts herunterschlucken! Sorge für Stuhlgang, hydropathischer Umschlag um den Hals. Bei Herzschwäche, kleinem Puls Wein (Sherry, Portwein) in kleinen Mengen häufig. Drüsenschwellung, siehe Lymphdrüsenschwelluug. Dysenterie, siehe Kapitel II dieses Teiles. E. Eicheltripper. Eiterabsonderude Entzündung zwischen Vorhaut und Eichel des männlichen Gliedes ohne vorauf - gegangene Ansteckung. Dieselbe ist bei gleichzeitig vor- handener Phiraosis von ansteckenden Geschlechtskrank- heiten nicht zu unterscheiden (siehe Geschlechtskrank- heiten, ebendaselbst auch Verhütung des Eicheltrippers). Behandlung Lauwarme Bäder des Gliedes, dreimal am Tage, später Bleiwasserumschläge, Vaselin-Lanolin. Eiugewachsene Nägel kommen namentlich durch fehlerhaftes Beschneiden der Eussnägel zu Stande. Der in das Fleisch des Nagelfalzes eingedrungene scharfe Nagelrand erzeugt Schmerzen, namentlich beim Gehen, Entzündung und schmerzhafte Verdickung der Nagelwände. Behandlung: Man verhütet das Einwachsen der Nägel dadurch, dass man stets dieselben über dem Fleische stehen lässt und ausserdem stets bequeme, nicht vorn spitz zulaufende Schuhe und Stiefel trägt. Den ein- gewachsenen Nagel selbst beseitigt man, indem man mit einer scharfen, desinfizierten Scheere, deren eine Schneide 191 unter den Nagelrand eingeschoben wird, denselben ab- trägt und die Wunde antiseptisch (siehe Wundbehand- lung) verbindet. Die kleine Operation ist, wenn sie nicht von geübter Hand ausgeführt wird, sehr schmerzhaft, man’ suche deshalb bis zur Erlangung sachkundiger Hilfe, die Beschwerden durch möglichst bequemes Schuh werk und Ruhe zu mildern. Elephantiasis (Arabum). Unter dieser auch in Ost- afrika nicht selten unter den Einwohnern (Arabern und Negern) vorkommenden und auffallenden Krankheit ver- steht man eine infolge Blutkreislaufsstörungen auftretende Verdickung und Yolumszuuahme der Haut und des Unter- hautgewebes. Dieselbe findet sich hauptsächlich an den Füssen (arabisch dal-fil, Elephantenfuss; Kisuaheli: Tende) und Unterschenkeln und an den männlichen wie weib- lichen Geschlechtsteilen; seltener zeigen andere Körper- stellen die Erkrankung. Die Krankheit verläuft im allgemeinen schmerzlos und verursacht hauptsächlich Beschwerden dadurch, dass durch die kolossale Yolumszunahme und Verdickung der betroffenen Glieder (Füsse, Unterschenkel, Hodensack u s. w.) die Bewegungsfähigkeit und Gebrauchsfähigkeit ausserordentlich behindert wird. Auf die äusseren Einzelerscheinungen der durch das eben geschilderte Hauptsymptom sofort auffallenden Krankheit, die unter Europäern nur höchst selten beob- achtet wird, näher einzugehen, würde zu weit führen. Von Behandlung durch den Nichtarzt kann nur bei Elephantiasis der Unterschenkel und Füsse die Rede sein. Auftretende entzündliche, schmerzhafte Schwellungen, Hautausschläge, Geschwüre werden durch Ruhe, Hoch- Lagerung der Beine, Einreibungen mit grauer Salbe, hy-dropathische Einschläge, ferner bei der letztgenannten Affektion durch die unter Geschwüre und Hautkrank- heiten angegebenen Mittel behandelt. Die dadurch herbeigeführte Milderung von Be- schwerden wird stets aufrichtigen Dank der behandelten Eingeborenen zur Folge haben. Die Elephantiasis der Geschlechtsteile Ft nur von ärztlicher Hand durch Ope- ration zu beseitigen. Erhängen, Ersticken, Ertrinken, siehe Bewusst losigkeit. Erbrechen, siehe Teil I. S. 38, S. 133 f F. Fieber, siehe Kapitel II dieses Teiles. Filzläuse. Tierische Parasiten, welche, namentlich durch Beischlaf, von einem Menschen auf den anderen übertragen werden. Dieselben setzen sich vorwiegend an der behaarten Schamgegend fest, wandern aber auch in die Haare der Achselhöhle, des Bartes und der Augenbrauen über; sie verursachen, indem sie sich in das Fleisch einfressen, ein höchst lästiges Jucken. Das dadurch bedingte Kratzen erzeugt Wundsein und Ge- schwüre der Haut. Man vernichtet die Filzläuse dadurch, dass man die ganze behaarte Gegend energisch abends mit grauer Salbe l—2 Fingerspitzen voll einreibt, die,in die Haut eingeriebene Salbe die Nacht über ein- wirken lässt. Ara nächsten Morgen wischt man sie mit lauwarmem Wasser und Seife sorgfältig ab. Bei Mangel grauer Salbe ist wiederholtes abendliches Abwraschen mit Sublimatlösung (siehe Arzneimittelverzeiclmiss Sublimat) zu empfehlen. Flechten. Nässende Hautflechten können in heissem, feuchtem Klima an allen Hautstellen entstehen. Beginn mit Bläschen-, Pustelbildung auf umschrieben geröteten Hautstellen, Übergang in Geschwürs- und Krustenbilduug. Dieselben erzeugen Jucken und Brennen und sind ein lästiges, langdauerndes Übel. Behandlung: innerlich Sorge für reichlichen Stuhlgang (Calomel); äusserlich, im Anfang gegen das heftige Jucken Umschläge mit Bleiwasser (siehe Plumbum subacetic. 1 Tablette), Bor- säure (Acidum boricum), Acidum salicylicum; später zum Austrocknen; Zincum oxydatum mit Amylum; bei Ge- schwüren Unguentum irritans. Furunkel. Umschriebene über die Haut sich kugelig oder kegelförmig emporwölbende Entzündung, welche von dem Unterhautgewebe ausgeht. Dieselbe entsteht mit Vorliebe im Nacken und auf dem Bücken, ist schmerzhaft und geht bald nach ihrem Entstehen in Eiterung über. Die letztere kennzeichnet sich dadurch, dass auf der Kuppe der roten Geschwulst sich ein gelb- licher Punkt bildet. Furunkel müssen möglichst bald von sachverständiger Hand durch einen Schnitt geöffnet und dann mit hydropathisch-antiseptischem Verband (siehe Seite 215 und Teil 111 Kap. HB.) versehen werden. Ist dieselbe nicht zur Stelle, so verbinde man die Furunkel gleich mit diesem oder antiseptischem, künstlichem Brei- umschlag (siehe Teil 111 Kap. IIB). Der sich aus der gelben, sich öffnenden Kuppe entleerende Eiter muss täglich mit antiseptischem Verbandmaterial (Verbandwatte, Verbandgaze) abgewischt werden. Darauf wird die Wund- IS 194 höhle mit antiseptischer Lösung ausgespült und ein neuer hydropathisch-antiseptischer Verband aufgelegt. Hat die Eiterung aufgehört, so ist die Fleischwärzchen zeigende Wundfläche täglich mit Unguentum irritans zu verbinden. Innerlich gebe man im Anfang zur Herbeiführung reich- lichen Stuhlgangs Calorael 1 mal täglich 1 Tablette. Die 3langobeulen, ein in Ostafrika häufiges Leiden, sind in grösserer Zahl auf dem Körper auftretende Furunkel. Die Verhütung der Krankheit geschieht am besten durch sorgfältige Hautpflege und sachgemässe Lebensweise (siehe Teil I Kapitel 111 und Kapitel VII. Behandlung wie bei Furunkeln. Fussschweiss siehe Wundlaufen. G. Gallenfieber siehe Malaria-Erkrankungen. Gallensteinkolik. Plötzlich auftretende, heftige, zu- sammenziehende Schmerzen in der Lebergegend, die von derselben nach oben und unten ausstrahlen. Dabei be- steht meistens heftiges Erbrechen und Stuhlverstopfung, gegen Ende des Anfalls leichte Gelbsucht. Der Anfall kann einige Stunden, ja mit geringen Unterbrechungen einige Tage dauern. Dann tritt wieder völliges Wohl- befinden ein. Da die Anfälle sich jedoch in unberechen- barer Weise wiederholen und zu tötlichem Ausgang führen können, so muss der an denselben Leidende un- bedingt baldigst Ostafrika verlassen und in die Heimat zurückkehren, um dort einer Kur sich zu unterziehen. Die Gallensteinkolik entsteht dadurch, dass sich Gallensteine in die Gallengänge einklemmen. Gehen die Steine schliesslich durch den Gallengang durch, so erfolgt Ge- nesung, durchbohren sie denselben, so tötlicher Ausgang. Behandlung: Gegen die heftigen Schmerzen warme Bäder oder warme Umschläge auf die Lebergegend. Aqua amygdalarum cum morphio 10 Tropfen, Pulv. Doweri 2stündlich 1 Tablette, gegen Erbrechen, wo Eis vorhanden, Eispillen; auch Eisumschläge, wenn die warmen Umschläge sich als erfolglos erwiesen haben. Bei grossei* Schwäche Wein, spiritus aethereus 10—20 Tropfen. Ein- wickelung der Arme und Beine in warme Tücher. Schleu- nige ärztliche Hilfe. Gelbes Fieber. Die Heimat des gelben Fiebers ist Amerika (die westindischen Inseln, Venezuela, Neu- Granada, Mexiko, die Ostküste der Vereinigten Staaten). In Afrika ist der nördliche Teil der Westküste durch wiederholt vorkonfmende Fälle von gelbem Fieber be- kannt. Dagegen sind die deutschen Interessensphären in Ost- und Westafrika als im allgemeinen frei vom gelben Fieber zu betrachten. Der Name gelbes Fieber wird daselbst neben der Bezeichnung Gallenfieber für die schweren perniziösen Formen von Malaria-Erkrankung gebraucht undhatnichts mit dem wirklichen amerikanischen Gelbfieber gemein. Das gelbe Fieber kommt, wo es heimisch ist, haupt- sächlich in heissen Sommermonaten an Flussmündungen in einzelnen Fällen und Massenerkrankungen vor, um mit Eintritt kälterer Temperatur wieder zu schwinden. Verschleppt wird es durch Schiffsverkehr. Symptome: Die Krankheit verläuft in 3 Stadien und entsteht meistens ohne jedes Vorläufersymptom. plötzlich unter schwerem Krankheitsgefühl des Befallenen mit Schüttelfrost und folgendem hohem Fieber. Weitere Symptome sind; Angst, Unruhe, Kopf- und Glieder- schmerzen, Erbrechen je,der Nahrung, zuweilen schon jetzt Blutbrechen, Urin spärlich, Stuhl angehalten. Be- sonders charakteristisch: eigentümlicher Glanz der Augen bei gelbgefärbter Augeubindehaut, stierer Blick. Nachdem das Fieber 3 Tage angehalten hat (I. Stadium), tritt am 4, Tage unter Temperaturabfall, jedoch nicht bis zu nor- maler Temperatur, leidliches Wohlbefinden bis auf Magen- schmerz und fortdauerndes, wenn auch gelindertes Er- brechen ein. Diese Besserung ist entweder der Beginn der Genesung oder bildet das 11. Stadium, das nach spätestens H Tagen zum 111. Stadium überleitet. Dasselbe beginnt mit hoher Temperatursteigerung, die entweder, bei ein- tretender Genesung, schnell abfällt find zur Norm sinkt oder bis kurze Zeit vor dem Tode, wo sie um I—2° sinkt, auf ihrer Höhe sich erhält. Symptome des 111. Stadiums: Auffallende Apathie bei rapidem Kräfteverfall (Herz- thätigkeit sehr schwach), aber bei ungetrübtem Bewusst- sein bis wenige Stunden vor dem Tode, den tiefe Be- wusstlosigkeit einleitet; Verfärbung der Haut bis zu Mahagoni-Farbe. Blutungen aus der Nase, dem Magen, •den Luftwegen, den Geschlechtsteilen, Hautblutungen. In den Vordergrund treten die unter heftigsten Magen- schmerzen erfolgenden Magenblutungen, das schwarze Erbrechen. Die im I. Stadium erwähnte Urinverhaltung kann sich auch im 111. Stadium als besonders quälend wieder einstellen. Tritt nicht der Tod nach kurzer Bewusstlosigkeit •ein, so geht die Krankheit unter häufigen Schweissen, unter allmählichem Nachlassen der vorhergenanuten Symptome in Genesung über, lässt jedoch noch lang an- dauernde grosse Schwäche zurück. Behandlung: Die Verhütung der Verschleppung des gelben Fiebers geschieht durch sanitätspolizeiliche Mass- regeln (Quarantäne, Desinfektion). Die Weiterverbreitung der Krankheit auf Schiffen kann nur durch sorgfältige Desinfektion des ganzen Schiffes gehindert werden. Das- selbe muss ausserdem so schnell wie möglich den nächsten Hafen zu erreichen suchen und nach strenger Quarantäne von 10—14 Tagen und Desinfektion die gesund ge- bliebenen Passagiere ausschiffen. Hat das Schiff auf der Reise einen Hafen angelaufen, in dem gelbes Fieber herrschte, ohne dass auf der Weiterfahrt von demselben sich Fälle der Krankheit gezeigt haben, so genügt bei völliger Desinfektion des Schiffes eine 6 tägige Quaran- täne. Die Bewahrung des Einzelnen vor Ansteckung auf dem Lande wird durch Verlassen der Fiebergegend gesichert. Die Behandlung der Krankheit selbst richtet sich für den Laien bis zur Ankunft ärztlicher Hilfe nach den einzelnen Symptomen und ist dieselbe wie bei per- niziöser Malaria-Erkrankung. Es besteht nur der Unter- schied, dass bei dem gelben Fieber das Chinin keinerlei spezifische Wirkung wie beim Malaria-Fieber hat, auch ein anderes spezifisches Mittel für das gelbe Fieber nicht existiert. Gelbsucht: Gelbfärbung der Haut und der Augen- bindehäute (des Weissen im Auge) durch Übertritt von Galle in das Blut. Die Gelbsucht ist ein Symptom von Er- krankung der Leber und der Gallenwege. Dieselbe kann die verschiedensten Ursachen haben, verschiedenartigster Natur sein. Deshalb ist in jedem Falle von Gelbsucht baldigste ärztliche Untersuchung anzuraten. In Ostafrika tritt eine Vermehrung der Gallenbereitung (siehe Teil I SS. 15. 38) mit verminderter Gallenabfuhr und infolge davon Gelbsucht sehr häufig auf. Die Gelbsucht als Teilerscheinung beim Malaria-Fieber ist bei Besprechung dieses erörtert. 1. Die mildeste Form von Gelbsucht ist die durch einen meist auf Erkältung beruhenden Katarrh der Gallenwege verursachte. Hautjucken, Appetitlosigkeit, Schmerzen in der Lebergegend (Gegend auf und unter den letzten Rippen der rechten Seite), Gefühl von Druck und Völle in der Magengegend, weisslich belegte Zunge, harter, graugefärbter, thonfarbener Stuhlgang oder gänzliche Stuhlverstopfung, Widerwillen gegen Fleisch, bierbraune Färbung des Urins sind die begleitenden Symptome der Gelbfärbung der Haut. Leichtes Fieber ist dabei häufig vorhanden, kann aber auch fehlen. Die Gelbfärbung tritt zuerst in der Augenbindehaut auf, befällt auch das Zahn- fleisch. Diese Hautpartien sind für die Erkennung der Gelbsucht sehr wichtig, da die durch die Tropensonne gefärbte äussere Haut oft nicht leicht dieselbe er- kennen lässt. Behandlung: Bettruhe, leichte flüssige Diät (siehe Ruhr Seite 149), kein Bier, kein Wein. Sofortiges An- legen der Leibbinde. Am ersten Tag Calomel 2 mal täglich 1 Tablette, die folgenden Tage, wenn kein Stuhl- gang von selbst erfolgt, morgens Oleum Ricini. Gegen das Hautjucken sind Waschungen mit Essigwasser oder, wo Gelegenheit dazu geboten, ein lauwarmes Bad zu em- pfehlen. Gegen Schmerzen in der Lebergegend ist strenge Bettruhe, hydropathischer Umschlag auf die- selbe, Einpinseln derselben mit Jodtinktur anzuraten. Sobald der Stuhlgang beginnt, weich zu werden, sich wieder braun zu färben, ist Besserung eingetreten. Kommt dazu tägliche Stuhlentleerung und Wiederkehr des Appetits, Abnahme der Übelkeit, lassen die Schmerzen in der Lebergegend nach, so ist baldige Genesung zu erwarten. Die Gelbfärbung der Haut bleibt noch lange, bis 4 Wochen, auch wenn der Patient sich völlig wieder wohl fühlt, bestehen. Sorge für täglichen Stuhlgang (leichte Abführmittel, Eruchtsalz, Eicinusöl) und vor- sichtige Diät, Vermeiden von Diätfehlern im Essen und namentlich im Trinken sind auch noch nach Schwinden aller Beschwerden dringend für längere Zeit anzuraten. 2. Tritt Gelbfärbung der Haut mit sehr heftigen Schmerzen in der Lebergegend auf, die von derselben in die rechte Brustseite nach oben in den rechten Arm ausstrahlen. Der Stuhlgang ist dabei hart, aber braun gefärbt. Ausserdem besteht häufig Fieber, sowie die unter 1 genannten übrigen Symptome von Seiten des Magens. Die Krankheitsursache ist in diesem Falle in vermehrter Gallenbereitung bei normalem Gallenabfluss zu suchen. Behandlung wie bei 1. Abführmittel: Anfangs Calomel, später mildere Mittel. Gelbsucht, die aus anderen Ursachen als den an- gegebenen entsteht, hat meistens längere Dauer und beruht auf schweren Lebererkrankungen, die für den Laien nicht zu erkennen sind. Gelenkerkrankungen. Entzündung eines Gelenks durch äussere Ursache Schlag, Stoss, Fall, Quetschung, Übermässige Anstrengung beim Marschieren, Durchnässung äussert sich in schmerzhafter Rötung und Schwellung desselben. Die Schmerzhaftigkeit wird bei jeder Be- wegung erhöht, die Bewegungsfähigkeit- sehr behindert, häufig ganz aufgehoben. Behandlung: Baldigste ärztliche Hilfe, bis dahin strengste Ruhe des Gelenks, Bettruhe; wo Eis vorhanden, Eisblase, sonst hydropathische Umschläge. Wenn die Rötung geschwunden, eine noch schmerzhafte Schwellung vorhanden ist, ist das Gelenk von sachverständiger Hand zu massieren oder bei Fehlen derselben mit grauer Salbe einzureiben oder mit Tinctura jodi einzupinseln und fest zu umwickeln; die Einpinselung ist, wenn die Schwellung nicht nachlässt, den 3. Tag zu wiederholen, jedoch auszusetzen, -wenn die Haut wund wird. Die wunde Haut ist mit Vaselin-Lanolin einzureiben, mit Salicylwatte zu bedecken, darauf ist das Gelenk ein- znwickeln und weiter ruhig zu legen. Gelenkrheumatismus. Der Gelenkrheumatismus ist eine in Ostafrika ziemlich häufig vorkommende Er- krankung. Dieselbe neigt zu Rückfällen (siehe Teil I Kapitel I Seite 17) und gewinnt eine besondere Be- deutung durch die zu den Gelenkerkrankungen in vielen Fällen sich hinzugesellende Erkrankung des Herzens. Gelenkentzündung durch Wunden siehe bei Wunden. Der akute fieberhafte Gelenkrheumatismus beginnt unter hohem Fieber mit schmerzhafter entzündlicher Anschwellung mehrerer Gelenke.. Es schwellen entweder zu gleicher Zeit mehrere Gelenke an, oder zuerst eins oder zwei, dann mehrere. Die am häufigsten befallenen Gelenke sind die der Arme und Beine, Hände und Füsse, dann die der Wirbelsäule, Der Kranke ist wenig- oder garnicht im Stande, die Gelenke zu bewegen, jeder Ver- such erzeugt die grössten Schmerzen. Die Krankheit hat unter unregelmässigem Fieber einen langsamen Ver- lauf und Wechsel zwischen Besserung und Verschlimme- rung; ihre Hauptgefahr liegt in der Miterkrankung des Herzens, welche dauernde Herzfehler zur Folge haben kann. Es ist deshalb bei jeder fieberhaften Anschwellung mehrerer Gelenke baldmöglichst ärztliche Hilfe zu suchen. Auch bei anfänglichem Mangel derselben in scheinbar leichtem und günstigem Verlauf der Krankheit ohne die Möglichkeit ärztlicher Hilfe säume man nie- mals, sobald man einen Arzt tretfen oder erreichen kann, durch denselben sein Herz untersuchen zu lassen. Die Behandlung des Gelenkrheumatismus bei Mangel beziehungsweise bis zum Eintreffen ärztlicher Hilfe ist folgende: Bettruhe sofort bei eintretender Schwellung eines oder mehrerer Gelenke. Einpinselung der Gelenke mit Tinctura jodi und TJmwickelung mit Flanellbinden. Zweistündliches Messen der Temperatur. Leichte Diät, Fleischbrühe, Suppen, Fleischthee. Getränk: Limonade, Rotwein mit Sauerbrunnen. Sorge für regelmässigen Stuhlgang. Arznei: Salol, zweistündlich 1 Tablette. Tritt starker Schweiss ein, so muss während des Schwitzens der Kranke sorgfältig zugedeckt werden, nach vollendetem Schweiss- ausbruch vorsichtig mit Schonung der geschwollenen Gelenke abgetrocknet und mit neuer Wäsche versehen werden. Während des Salolgebrauchs ist mehrmals am Tage Wein (Rotwein) zu geben in kleiner Menge. Salol ist auszusetzen, wenn unter reichlichem Schweiss- Ausbruch die sclimerzhafte Gelenkschwellung abnimmt, oder aber auch, wenn grosse Schwäche sich einstellt (der Puls schwach wird); im letzteren Falle ist Kaffee, Wein (Potwein) öfters in kleinen Mengen, Kola-Tabletten, stündlich 1 Tablette zu geben, bis der Patient sich völlig erholt hat (Puls kräftig und regelmässig geworden ist). Darauf beginne man bei noch vorhandener starker schmerz- hafter Schwellung wieder mit Salol, dreimal täglich 1 Tablette. Treten die beiden genannten Fälle nicht ein, so gebe man niemals länger als 2 Tage hinterein- ander zweistündlich 1 Tablette Salol, setze den 3. Tag aus und beginne, wenn noch keine merkliche Besserung, am 4. Tage mit dreistündlichem Eingeben einer Tablette. Ist kein Salol vorhanden, so sind warme Bäder, 30—34° C., wo Gelegenheit dazu, mit nachfolgender Einwickelung zum Schwitzen anzuraten. Nach dem Schwitzen ist, wie oben, ein Schluck Kaffee oder Wein, I—2 Kola- Tabletten zu nehmen, oder vielmehr zu geben. Stellen sich Beschwerden von Seiten des Herzens, Gefühl von Beklemmung in der linken Brustseite, Herz- klopfen, Atembeschwerden ein, so ist, wo Eis vorhanden, Eisblase auf die Herzgegend zu legen, sonst sind kühlende Kompressen aufzulegen, oder hydropathische Umschläge zu machen. Gegen heftiges Herzklopfen ist ein bis zweimal täglich 2 Tabletten Strophantus zu nehmen. Nach Ablauf der Erkrankung, dem Aufhören aller Beschwerden, muss sorgfältig jede Gelegenheit zu Er- kältungen, namentlich Durchnässungen, vermieden werden. Jede infolge des Gelenkrheumatismus entstandene, dauernde Herzerkrankung (Herzklappenfehler) bedingt Verlassen Ostafrikas, weil dieselbe, besonders bei Malaria-Erkran- kung (siehe Teil I. Kap. I. Seite 13) das Leben ernst gefährdet. Gerstenkorn, kleiner Furunkel (siehe Furunkel) an den Augenlidern, kommt hauptsächlich am oberen Augen- lide vor. Behandlung: Umschläge mit Bleiwasser, hydro- pathische Umschläge; zeigt sich auf der Höhe der Ge- schwulst eine gelbe Kuppe, so ist dieselbe leicht aufzu- drücken, der Eiter 'zu entleeren. Darauf sind hydro- pathische Umschläge mit Acidum boricum-Lösung zu machen, bis die Eiterung, beziehungsweise Absonderung aus der Wundfläche aufhört. In letzterem Falle pulvert man etwas Jodoform auf die Wunde oder pinselt ein wenig Collodium auf. Geschlechtsgenuss. Wer den Geschlechtsgenuss nicht entbehren kann, der bewahre sich jedenfalls vor Aus- schweifungen und schütze sich namentlich vor der (siehe unten) Gefahr der Ansteckung durch die schweren vene- rischen und syphilitischen Erkrankungen, die in Ost- afrika nur noch zu sehr verbreitet sind. Dieselben sind in den Fällen, wo es sich um syphilitische Erkrankung handelt, in Ostafrika bei den Europäern unheilbar, während diese letzteren bei den eingeborenen Schwarzen einen günstigen Heilverlauf auch ohne Behandlung haben. Geschlechtskrankheiten. Dieselben werden durch An- steckung, durch Küsse und Beischlaf von einer Person auf die andere übertragen; sie gliedern sich in rein örtliche, venerische Erkrankungen Tripper, weicher Schanker und Durchseuchungen des ganzen Organismus mit syphi- litischem Krankheitsgift konstitutionelle Syphilis Ehe ich auf die einzelnen Erkrankungen näher eingehe, gebe ich jedem, der sich der Gefahr geschlechtlicher An- steckung aussetzt, folgenden Hat, um sich wenigstens einigermassen zu schützen: 1. Jeder, der eine Phimosis, d. h. eine Vorhaut, welche sich nicht von der Eichel zurückziehen lässt, be- sitzt, lasse sich dieselbe operieren. Die Operation ist geringfügig, der Heilverlauf der Operationswunde schnell. Wer der Operation nicht bedarf, gewöhne sich, die Eichel von der Vorhaut möglichst frei zu tragen, und bade min- destens zweimal (morgens und abends), jeden Tag be- sonders sorgfältig die Geschlechtsteile mit Wasser und Seife und spüle mit kaltem Wasser nach, namentlich aber die Gegend der Eichel und Innenseite der Vor- haut, sodass jede Ansammlung des Sekrets der dort be- findlichen Drüsen und Heizung durch dasselbe vermieden wird. Dadurch wird die Haut von Vorhaut und Eichel fester und weniger fähig zur Aufnahme von Krank- heitsgift. 2. Er vollziehe niemals den Beischlaf, wenn er eine auch nur kleine Wunde an den Lippen oder an den Geschlechtsteilen hat, da durch Wunden Krankheitsgift am leichtesten aufgenommen wird. 3. Er lasse sich niemals auf die Augen oder den Mund oder auf wunde Hautstellen küssen, da durch Ge- schwüre geschlechtskranker Personen an den Lippen das Krankheitsgift übertragen wird. 4. Er uriniere sofort nach vollzogenem Beischlaf (deshalb, wenn möglich, nicht vor demselben). 5. Er wasche darauf die Geschlechtsteile mit reinem Wasser und Seife und spüle sie dann sorgfältig mit einer Sublimatlösung, welche er sich aus mitgenommener Su- blimattablette (siehe diese) und reinem Wasser bereitet ha Die einzelnen Erkrankungen: 1. Tripper. Der Tripper ist ein in Ostafrika unter der schwarzen Bevölkerung sehr verbreitetes Übel, sein Sitz ist beim Mann die Harnröhre. Symptome: Wenige Stunden bis 8 Tage nach der Ansteckung tritt nach vorhergehendem Jucken und Brennen, das sich beim Urinlassen zu brennendem Schmerz steigert, Ausfluss aus der Harnröhre auf. Derselbe ist zuerst glasig, hell, klebrig, wird bald eitrig; in der Nacht stellen sich schmerzhafte Erektionen der Glieder ein. Behandlung; 1. Man wasche sich jedesmal, wenn man mit den Händen das erkrankte Glied oder Tripper- sekret berührt hat, dieselben sorgfältig und desinfiziere sie mit Sublimat, vermeide überhaupt stets von vorn- herein, seine Augen mit den Händen zu berühren. Die Infektion der Augen mit Trippergift bringt eine die höchste Erblindungsgefahr setzende eitrige Augenentzün- dung hervor (siehe Augenerkrankungen). 2. Man lege sofort ein Suspensorium an, gehe wenig und langsam; laufen, reiten, springen, tanzen ist verpönt, um Gefahr einer Hodenentzündung oder Lcistendrüsen- schwellung zu vermeiden. 3. Wein und Bier, Eette und alle scharfen Gewürze werden ausgesetzt; Getränk: Milch und Rotwein mit Sauerbrunnen. 4. Sorge für täglichen, reichlichen Stuhlgang. Bei gutem Magen von Anfang an, sofort nach Auftreten des Ausflusses Oleum Santali, täglich dreimal 2 Kapseln. Nach 2 Tagen beginne man mit den Einspritzungen dreimal täglich 1 Spritze Zincum sulfuricum oder Sulfo carbolicum, langsam in die Harnröhre eingespritzt, nachdem jedesmal vorher Urin gelassen worden ist die eingespritzte Flüssigkeit ist 4—5 Minuten in der Harnröhre zu lassen. Diese Behandlung ist so lange fortzusetzen, als noch Ausfluss vorhanden ist, selbst wenn derselbe sich bis auf einen morgens auf Druck entleerten Tropfen ver- ringert hat. Die Einspritzung ist auszusetzen während der Er- krankung, wenn sich Blasenkatarrh oder Hoden- entzündung einstellt. Blasencatarrh (siehe Seite 188 f.). Hodenentzündung, schmerzhafte, entzündliche An- schwellung eines Hodens (am häufigsten des linken). Behandlung; Sorge für reichlichen Stuhlgang (Ca- lomel), unbedingte Bettruhe; der Hodensack wird auf ein straif über beide Oberschenkel gespanntes Tuch (Handtuch) gelegt, dann wird auf denselben, wo Eis, Eisblase gelegt, sonst werden kühlende Kompressen oder hydropathische Umschläge (siehe Teil III) ge- macht ; ärztliche Hilfe ist baldmöglichst notwendig zur weiteren Behandlung (nach Aufhören der entzündlichen Erscheinungen, Nachlass der Schmerzen, Auf hören der Rötung: Heftpflasterverband). Suspensorium muss auch nach der Erkrankung stets getragen werden, da dieselbe sehr zu Rückfällen neigt. Leistendrüsenschwellungen bei Tripper. Behand- lung: Bettruhe, Abführmittel und tägliches zweimaliges Einreiben mit grauer Salbe. Feigwarzen. Eine durch Reiz des Trippersekrets auf Eichel und Vorhaut bei mangelhafter Reinlichkeit bedingte Folgeerkrankung des Trippers sind die Feig- Warzen, Wucherungen, die von der Grösse eines Hirse- korns bis zu blumenkohlartigen Gewächsen sich ver- grössern und verbreiten können. Die Entstehung der- selben wird am sichersten durch grösste Reinlichkeit verhütet. Die ersten sich zeigenden Feigwarzen sind mit dem Argentum nitricum-Stift wiederholt zu ätzen, bis sie ganz verschwunden sind. Schanker entsteht auf der unverletzten Haut der Geschlechtsteile (Eichel, Vorhaut, Harnröhrenmündung) und namentlich an Hautwunden (so auch an der Lippe) durch direkte Übertragung des Krankheitsgiftes. Man unterscheidet weichen und harten Schanker. Der erstere ist eine rein örtliche Erkrankung und entsteht durch- schnittlich 4—5 Tage nach stattgehabtem unreinem Bei- schlaf in der Weise, dass sich unter heftigem Jucken und Stechen ein, sehr häufig mehrere Geschwüre ent- wickeln, Dieselben haben einen speckigen Grund, weiche Ränder und fressen schnell in die Breite und Tiefe um sich. Dabei entwickelt sich sehr oft, namentlich bei vieler Bewegung der Erkrankten, eine schmerzhafte, haselnuss- bis taubeneigrosse Anschwellung der Drüsen in einer oder beiden Leistenbeugen (Leistenbubonen), die zur Vereiterung neigt. Der harte Schanker, das erste Zeichen der konstitu- tionellen Syphilis, zeigt sich erst 3 6 Wochen nach der Ansteckung und erscheint zuerst als ein (im Gegensatz zu den meist in der Mehrzahl vorhandenen Geschwüren bei weichem Schanker) hartes, schmerzloses Knötchen. Dasselbe zerfällt bald in ein Geschwür mit speckigem Grunde und harten, schwieligen Rändern; über kurz oder lang, bis 6 Wochen nach der Ansteckung, folgen schmerz- lose Drüsenschwellungen in der Leistenbeuge; die ge- schwollenen Drüsen sind einzeln, selten bis Haselnuss- grösse geschwollen, zu fühlen, sie schmerzen den Kranken nicht, sondern machen nur, namentlich beim Gehen, ein Gefühl von Druck. Gleichzeitig oder wenig später, bis zu 8 Wochen nach der Ansteckung, zeigen sich überall, im Nacken, in der Ellenbeuge Drüsenschwellungen; auf der Brust, dem Bücken und den Armen, auch auf der Stirn an der Haargrenze treten kupferrote, nicht juckende Flecke auf, die sich auf den ganzen Körper verbreiten. Im Bachen tritt unter Schmerzen beim Sprechen und Schlucken Schwellung der Mandeln ein; auf denselben, wie auch an anderen Stellen des Mundes und Bachens, wird ein weisslicher, sich allmälig ausdehnender Belag sichtbar. Im weiteren Verlauf der Krankheit entwickeln sich am After, am Hodensack, an der Innenseite der Oberschenkel breite Geschwüre (breite Condylome). Auch die übrige Haut kann von zahlreichen Ge- schwürsbildungen besetzt werden. An den Augen kann sich Regenbogenhautentzündung (siehe Augenerkran- kungen) entwickeln. Wird der Krankheit durch ener- gische Behandlung nicht Einhalt gethan, so werden innere Organe von ihr befallen, Gehirn, Herz, Lunge, Leber. Was nun die Zeitdauer zwischen Ansteckung durch Beischlaf und Erkrankung betrifft, so ist dabei zu be- merken, dass bei Leuten, die häufiger mit verschiedenen weiblichen Personen den Beischlaf ausüben, die für ört- liche Erkrankung und konstitutionelle Syphilis angegebenen Zeitgrenzen sehr oft keinen Schluss auf den Charakter der Erkrankung gestatten; ein genauer Anhaltspunkt Hesse sich nur durch Feststellung und Untersuchung der in Frage kommenden Frauenzimmer gewinnen. Dazu kommt nun noch, dass sich häufig an den Geschlechts- teilen Geschwüre zeigen, die nicht durch geschlechtliche Ansteckung entstanden sind. Wer in den letzten 2 bis 3 Monaten vor ihrer Entdeckung sich nicht der Gefahr geschlechtlicher Ansteckung ausgesetzt hat, kann mit Sicherheit diese Geschwüre für harmlos halten. Es sei hier gleich eine auch besonders häufig von mir in den Tropen beobachtete Erkrankung, der sogenannte Herpes* Bläschenausschlag an der Vorhaut, erwähnt, der auch an anderen Körperstellen, namentlich an den Lippen (siehe Lippenausschlag), vorkommt: Unter meistens ziemlich starkem Jucken bilden sich auf geröteter Haut in Gruppen mehrere kleine, weiss- liche Bläschen. Dieselben wachsen bis zu Hirsekorngrösse und darüber an, platzen dann auf und lassen nach Entlee- rung eines wässerigen Inhaltes eine absondernde Hautfläche zurück. Diese kann bei mangelnder Berücksichtigung Reinlichkeit sehr leicht geschwürig werden, Eiter absondern und somit den Verdacht eines durch Ansteckung erworbenen Geschwürs hervorrufen. Behandlung: Den durch das heftige Jucken des Bläschenausschlages gesetzten Reizzustand mildere man durch wiederholte Waschung mit reinem, kaltem Wasser oder Bleiwasser (siehe plumb. subacet.-Tabletten). Sind die Bläschen zerplatzt, so wasche man die entstandenen Wundstellen mit einer schwachen Sublimatlösung (1 Ta- blette ä 0,5 auf 1 Liter Wasser, trockene sorgfältig ab und streue etwas gepulverte Borsäure (acid. bor.) oder Jodo- form auf. Zeigen die wunden Stellen am nächsten Tage roten Grund, so lege man nach Waschung etwas Vaselin- Lanolin oder Unguentum Zinci auf. Andererseits können an der Vorhaut, namentlich an der der Eichel zugekehrten Innenseite derselben durch Heizung des von daselbst befindlichen Drüsen, in den Tropen besonders reichlichen Sekrets, Wunden und Ge- schwüre entstehen, ohne dass ein Bläscheuausschlag vor- aufgegangen ist. Die mangelnde Neigung, in Fläche und Tiefe weiter zu fressen, sowie schnelle Heilung bei ge- eigneter Behandlung lassen dieselben als harmlos er- kennen. Den geeignetsten Schutz vor Entstehung dieser harm- losen Geschwüre gewährt die, vorher (Seite 204) näher ausgeführte, tägliche Reinlichkeit Behandlung: Die Unterscheidung der vorstehend aufgeiührten Erkrankungen des Geschlechtsapparates an ihren Unter scheidungsmerkmalen ist für den Laien (wenn er nicht gerade die vorher angegebene Zeit hindurch sich gänzlich des Geschlechtsgenusses enthalten hat) in den meisten Fällen sehr schwierig. Deshalb ist bei jeder geschwungen Erkrankung an den Geschlechtsteilen unbedingt baldigstmögliche ärzt- liche Untersuchung und längere Beobachtung notwendig, da nur bei der letzteren der Arzt allein entscheiden kann, ob es sich nur unrein harmloses Geschwür, oder um eine, durch geschlechtliche Ansteckung entstandene nur öitliche Erkrankung, oder um konstitutionelle Syphilis handelt, namentlich wenn bei enger Vorhaut, welche sich nicht über die Eichel zurückziehen lässt, das Geschwür dem Beschauer nicht sichtbar wird, durch Eiterung, Stechen und Brennen sich nur vermuten oder durch die Oberhaut durchfühlen lässt (siehe Phimosis Seite 201). Die Unterscheidung der Erkrankung bedingt die Be- handlung und ist eine äusserst wichtige Frage für das ganze spätere Leben des Erkrankten. Bis zur Ankunft des Arztes, wenn dieselbe an dem- selben oder au dem nächsten Tage zu erwarten ist, wasche man zunächst Geschwüre an den Geschlechts- teilen mit Sublimatlösung (siehe Sublimattabletten) sorg- fältig aus, trockne sie dann mit Sublimatwatte ab, be- streue sie mit Jodoform und lege ein wenig Watte auf die Jodoformschicht. Suspensorium ist sofort anzulegen, für reichlichen Stuhlgang zu sorgen. Ist die Ankunft des Arztes erst in längerer Zeit zu erwarten und reinigt sich das Geschwür nicht, sondern zeigt unter heftigem Jucken und Stechen weitere Ausdehnung in Fläche und Tiefe, so ätze man tief in die Geschwüre mit einem zu- gespitzten Argentum nitricum-Stift hinein, berühre aber mit demselben nur die wirklich geschwürige Fläche, schone die Umgebung derselben. Darauf sind unbedingte Bettruhe und 1 lleiwasserumschläge (siehe Tabletten plum- bum subaceticum) für 18 Stunden notwendig, vcer nach dem Ätzen mit dem Argentum nitricum-Stift gleich hernni- läuft, setzt sich der direktesten Gefahr der Vereiterung schnell weiter fortschreitender Leistendrüsenschwellung (Leistenbubo) aus. Hat sich der Ätzschorf losgestossen und zeigen sich frische, rote Eleischwärzchen, flachen sich die Geschwürsränder ab, so lege man in den ersten Tagen, wie vorher angegeben, Jodoform und Watte, später Läppchen mit unguentum mutans auf, bleibt die Geschwürsfläche speckig und schmutzig graugelb gefärbt, so muss, wie vorher, noch einmal geätzt werden. Zeigt 212 das Geschwür unter dieser Behandlung keine Neigung zur Heilung, so ist dasselbe mit grösster Wahrschein- lichkeit nicht als ein rein örtliches zu betrachten, sondern ein Symptom allgemeiner syphilitischer Erkrankung. Ehe ich zur Besprechung derselben übergehe, will ich die in Ostafrika sehr häufig verkommende, äusserst gefährliche, Schankerform, den phagedänischen, fressenden Schanker be- sprechen. Derselbe zeichnet sich durch sein ausserordent- lich schnelles Umsichgreifen vor dem einfachen, weichen Schanker aus. In kürzester Zeit frisst er um sich und verursacht dadurch eine schnelle Zerstörung des Gliedes. Ist es unmöglich, die schnell und dringend erforderliche ärztliche Hilfe bald zu erlangen, so ätze man bei strengster Bettruhe energisch und tief die ganze Geschwürsfläche, die Ränder einbegriffen, mit dem Argentum nitricum- Stift einmal täglich und mache darauf Bleiwasser-Um- schläge. Der fressende Schanker ist in Ostafrika ein Symptom der allgemeinen konstitutionellen Syphilis, wäh- rend er sonst im allgemeinen als eine örtliche Erkran- kung gilt. Wer in kürzerer oder längerer Zeit (Zeitgrenzen siehe oben) nach Entdeckung eines Geschwüres an den Geschlechtsteilen, mag er dasselbe nun für einen weichen oder harten Shanker gehalten haben, Erscheinungen von konstitutioneller Syphilis zu dem nicht auf örtliche Be- handlung heilenden Geschwür (in erster Linie die oben beschriebenen, nicht schmerzhaften Drüsenschwellungen) beobachtet, der suche, wenn es ihm nicht schon vorher möglich gewesen ist, so schnell wie möglich in ärztliche Behandlung zu kommen. Denn so ausserordentlich günstig, schnell und prompt die Heilung der Syphilis bei ener- gischer. sorgfältiger und sachverständiger Behandlung fortschreitet, so sehr kann durch Vernachlässigung un- heilbarer Schaden gestiftet werden. Bis zur Erreichung der ärztlichen Untersuchung und Hilfe behandele man die örtliche Erkrankung durch täglich viermalige Waschung mit Snblimatlösung (1 Tablette auf V 2 Liter Wasser), indem man das Geschwür tüchtig mit einem in die Lösung getauchten Wattebausch austupft, und lege in der Zwischen- zeit Jodoform und Watte (siehe oben) auf. Hie auf Seite 208 erwähnten breiten Kondylomen erfahren dieselbe Behandlung. Die Kur der Allgemein-Erkrankung wird derart begonnen, dass nach einander linker Oberschenkel, rechter Unterschenkel, rechter Oberschenkel, linker Unter- schenkel und daun in derselben Weise die Arme mit grauer Salbe, so lange Vorrat vorhanden ist, eingerieben werden. Die Einreibung geschieht abends in der Weise, dass eine abgemessene Menge der Salbe (siehe Unguentum hydrargyri cinercum) auf den ganzen Teil der Extremität verrieben wird, bis die Salbe vollständig in die Haut hineingerieben ist. Am nächsten Morgen nehme man die gewöhnliche Reinigung mit AVasser und Seife vor. Da durch die Einreibungen bei mangelhafter Mund- pflege das Zahnfleisch aufgelockert, wund und geschwürig werden kann, so spüle man mindestens jede Stunde drei- mal hintereinander den Mund mit Kali hypermanganicum- Lösung oder Tinctura-Myrrhae-Lösung aus. Wird trotz- dem das Zahnfleisch (am liebsten an schadhaften Zähnen) wund und geschwürig, so muss die Kur eine Zeitlang ausgesetzt werden, bis dasselbe wieder in normalem Zu- stande ist. Innerlich nehme man neben der Schmierkur Hydrargyrum jodatum dreimal täglich 2 Pillen; man gebrauche dieselben auch weiter, wenn die Einreibungen durch Verbrauch der grauen Salbe eingestellt werden müssen. Die Dauer der Kur richtet sich natürlich nach dem Schwinden der Krankheitssymptome. Die Lebensweise bei dieser den Körper, namentlich in den Tropen, angreifenden Kur muss bei Vermeidung aller Anstrengungen des Körpers eine ruhige, die Kräfte möglichst schonende sein und bedingt vollständige Kühe von aller dienstlichen Thätigkeit. Die Diät bestehe in leicht verdaulicher Nahrung mit Vermeidung aller fetten Speisen. Getränke: Rotwein mit Wasser-, feste Nahrung: Fleischbrühe, Fleischthee, mageres gebratenes Fleisch, Kemmerichsche Peptone, viel Reis, leicht ver- dauliche Gemüse. Sorge für täglichen Stuhlgang durch Calomel. Treten heftige Durchfälle ein, so ist die Kur bis zum Auf hören derselben zu unterbrechen. Die Durch- fälle selbst sind, wenn sie nach 2 Tagen nicht aufhören, mit Pulvis Doweri, morgens und abends 1 Tablette, zu behandeln. Dabei stelle ich aber, im Hinweis auf das früher Ge- sagte, die kategorische Forderung, dass niemand sich durch einen anfangs günstigen Verlauf seiner Selbstkur von dem schleunigen Aufsuchen ärztlicher Hilfe abhalten lasse, wenn er sich nicht der Gefahr späteren Siechtums aussetzen will. Nochmals betone ich dabei, dass die Syphilis, und gerade die in Ostafrika von Europäern er- worbene, als in Ostafrika nicht heilbar anzusehen ist und deshalb baldigstes Verlassen des für die Heilung un- günstigen Klimas dringend geboten ist. Geschwüre. Unter Geschwüren versteht man eiter- absondernde Wunden. Dieselben entstehen aus den mannigfaltigsten Ursachen infolge mangelhafter Beach- tung und durch Verunreinigung von Hautwunden, ferner nach Aufbruch von Furunkeln, in Vereiterung über- gegangenen Drüsenschwellungen, schliesslich durch ge- schlechtliche Ansteckung. Behandlung: Geschwüre werden, so lange sie Eiter absondern, täglich einmal mit Sublimatlösung (1 Tablette Sublimat auf 1 Liter abgekochten Wassers) abgespült. Bei Geschwüren, die sehr in die Fläche und namentlich in die Tiefe ausgebreitet sind, geschieht dies durch sorg- fältige Ausspülung mit dem Irrigator, Dadurch geschieht Entfernung des Eiters und Zerstörung der eitererregenden Stoffe (Bakterien). Der Verband geschieht bei stark eiternden, missfarbigen Geschwüren, deren Umgebung heftige Entzündung (schmerzhafte Bötung und Schwellung) zeigt, in der Weise, dass nach sorgfältiger Ausspülung des Geschwürsgrundes eine in Sublimatlösung getauchte Mullkorapresse auf die Geschwürsfläche gelegt wird, darüber kommt eine Schicht Sublimatwatte. Die letztere bedeckt vollständig, sodass kein Teilchen derselben und der feuchten Kompresse hervorsieht, ein Stück in Subli- matlösung getauchten, wasserdichten Verbandstoffes. Den Schluss bildet noch eine Wattenlage; dieser hydropathisch antiseptische Verband wird mit einer Binde befestigt.. Die Behandlung, mit täglichem Verbandwechsel, wird so lange fortgesetzt, bis die Eiterung nachlässt, sich frisch aussehende Fleischwärzchen zu bilden anfangen. Nunmehr ist ein trockener Verband nach Ausspülung mit Sublimatlösuug und Austrocknung mit Sublimatwatte am Platze. Die Wunde wird mit Jodoform bestreut; auf das Jodoform wird eine Lage Verbandwatte gelegt; der Verband wird mit einer Binde befestigt. Hat die Eiterung ganz aufgehört, so folgt der Salbenverband. Ein Stück Verbandwatte, mit Unguentum irritans bestrichen, wird auf die Wundfläche gelegt, mit Binde oder Heftpflaster befestigt. Verbandwechsel bis zur Ver- narbung täglich. Bei jedem Verbandwechsel muss mit desinfizierten Händen und Verbandmaterial die Salbe vom vorigen Verbände sorgfältig abgewischt und dann erst neue Salbe aufgelegt werden. Kleinere, wenig eiterabsondernde Geschwüre werden behandelt, indem sie mit Sublimatlösung abgespült, dann abgetrocknet und, so lange sie eitern, mit Jodoform (wie oben), später mit Unguentum irritans verbunden werden. Geschwüre nach Guinea-Wurm, siehe diesen. Geschwüre nach Insektenstichen, siehe diese. Gürtelrose. In Form eines Gürtels angeordnete Wasserbläschen auf entzündlich gerötetem Grunde. Die- selben können am Rumpf, Kopf, auch an den Extremi- täten auftreten und bilden die Erscheinung einer sehr schmerzhaften Erkrankung, welche, häufig mit Fieber eingeleitet, durchschnittlich 14 Tage dauert und von selbst wieder in Heilung übergeht; sie wird als eine nervöse Erkrankung betrachtet. Gonorrhöe, siehe Tripper. Behandlung: Bleiwasserumschläge (siehe Tabletten plumbura subaceticum) auf die schmerzhafte Stelle oder Einpudern derselben mit Zincum oxydatum Streupulver oder Zinksalbe. Gegen heftige Schmerzen, welche die Nachtruhe rauben, nehme man Sulfonal oder Pulvis Doweri 1 Tablette oder aqua amygdalarum cum morphio. Guinea-Wurm. Derselbe gelangt, wie wohl anzu- nehmen ist, durch das Trinkwasser in den Körper und erregt die erste Entzündungserscheinung, wenn er unter die Haut, am häufigsten an den Unterschenkeln und Füssen, in das Unterhautgewebe gelangt ist. Die Haut wird entsprechend der Gestalt nnd Länge des unter ihr befindlichen Wurmes in geschlängelter geröteter Linie emporgewölbt, welche starkes Jucken, oft heftigen Schmerz verursacht. Der Wurm kann eine Länge bis zn 20 cm und mehr erreichen. Ich habe denselben nur selten und zwar vor- wiegend bei Schwarzen beobachtet (der längste von mir einem Sudanesen in Tanga entfernte Wurm war 11 cm lang). Nachdem der Wurm sich langsam wachsend eine Zeit lang unter der Haut fortbewegt hat, bildet sich ein Geschwür, aus dem ein gelblich weisses Stück des Wurmes hervorsieht. Behandlung: So lange der Wurm sich unter der Haut befindet, kann man ihn durch energisches Einreiben der markierenden Hantlinie mit grauer Salbe zum Ab- sterben bringen. Die Einreibungen müssen so lange fortgesetzt werden, bis sich an einer Stelle jener Linie ein Geschwür bildet; ans diesem kann man den toten Wurm leicht herausziehen, indem man ihn mit einer Pincette fasst und sehr langsam und vorsichtig heraus- zieht. Die Wunde ist nach den für Geschwüre vorher gegebenen Vorschriften zu behandeln. Hat der Wurm sich durch die Haut gebohrt und ein Geschwür verursacht, so fasst man ihn langsam und vorsichtig mit desinfizierten Fingern oder einer desinfi- zierten Pincette und bindet das herausgezogene Ende an ein gleichfalls desinfiziertes rundes Holzstäbchen. Darauf wickelt man mit leichten und sanften Umdrehungen den Wurm auf. Jedes zu starke Zerren des Wurms zerreisst ihn, lässt die in ihm befindlichen jungen Würmer in die Wunde gelangen und dort sehr schwer heilbare, schmerz- hafte Eiterungen verursachen. Nach Entfernung des Wurmes erfolgt die Behandlung des Geschwüres nach den unter Geschwüren gegebenen Vorschriften. Hämorrhoiden. Blutaderknoten am After, welche Schmerz beim Stuhlgang verursachen und Blutungen herbeiführen können. H. Behandlung: Sorge für leichten Stuhlgang (siehe Seite 34). Bei Schmerzen Bestreichen der Aftergegend mit Vaselin-Lanolin. (Hämorrhoidal-Blutungen siehe Seite 177.) Hautkrankheiten. Sonnenbrand der Haut. Heftiges Brennen, Röte der Haut durch Einwirkung der Tropensonne. Der Sonnenbrand kann so stark werden, dass sich die oberflächlichsten Hautschichten in Fetzen ablösen. Behandlung: Einreiben der leidenden Stellen mit Vaselin-Lanolin. Flechten, Nesselansschlag, Nesselsucht, Roter Hund, siehe diesen. Heiserkeit, siehe Kehlkopfcatarrh Seite 185. Hexenschuss. Heftige Schmerzen im Lücken, im Kreuz, die bei jeder geringsten Bewegung so stark auftreten, dass sie die Weiterausführung derselben un- möglich machen können. Behandlung: Abführmittel. Massage des Rückens von sachkundiger Hand , sonst Einreibungen mit Linimentum-Opodeldoc, Chloroformöl (siehe Chloroform). Auflegen von Senfpflaster. 219 Herzklopfen kann bei gesunden Menschen bei An- strengungen oder Gemütsbewegungen Vorkommen und ist schnell vorübergehend ohne Bedeutung. Tritt es dagegen auch ohne diese Veranlassung wiederholt auf, so ist es ein Zeichen von Erkrankung des Herzens oder des Blutes, Blutarmut nach Malaria- Erkrankungen (siehe diese), oder von Nervosität. Genaue Aufklärung darüber giebt nur die ärztliche Untersuchung. Behandlung: Wer an Herzklopfen leidet, vermeide bei leicht verdaulicher Diät und Enthaltsamkeit von schwerem Bier und unvermischtem Wein jede An- strengung und Aufregung und sorge für täglichen Stuhl- gang (siehe Seite 34). Gegen das Herzklopfen selbst sind kalte oder hydropathische Umschläge oder Senfpflaster auf die Herzgegend, sowie, wenn dasselbe sehr hartnäckig ist, Tinctura strophanti zu empfehlen. Hitzschlag. Derselbe kommt in Ostafrika bei an- gestrengter Arbeit, anstrengenden Märschen häufig vor, sowohl bei Sonnenschein wie bei bedecktem Himmel. Seine Ursachen liegen darin begründet, dass bei hoher Lufttemperatur und zugleich hohem Feuchtigkeitsgehalt der Luft das Blut durch reichliche Wasserabgabe in- folge starken Schwitzens eingedickt wird. Dabei ist die Verdunstung des Schweisses und somit die Abkühlung des Körpers durch die Haut infolge des hohen Feuchtig- keitsgehalts der Luft (siehe Seite 37) behindert. Die Eindickung des Blutes und Stockung des Blutkreislaufs verbunden mit der fehlenden Abkühlung und Über- hitzung des Körpers durch den Schweiss erzeugt den Hitzschlag. Dem eigentlichen Hitzschlage gehen folgende Vor- Läufersymptome voraus: Sehr starkes Schwitzen, Herz- klopfen, Beklemmungsgefühl auf der Brust, Atem- beschwerdeu, Ohnmachtsanwandlungen. Setzt der davon Betrotfene nicht Marsch und Thätigkeit ans, begiebt sich in den Schatten, lüftet die Kleider und trinkt schluck- weise Wasser, kalten Kaffee oder Thee, so stürzt er nach nicht langer Zeit plötzlich mit hochrotem Gesicht bewusstlos zusammen. Atmung und Herzthätigkeit werden schwächer und schwächer, schliesslich kaum sicht- und fühlbar; der vom Hitzschlag Getroffene gerät in einen Zustand, der als Scheintod bezeichnet wird. Behandlung: Verhütung des Hitzschlages wird am besten durch genaues Befolgen der in Teil I Kapitel VII gegebenen Vorschriften für Verhalten vor und auf Expeditionen gewährleistet. Hierbei betone ich noch- mals die grosse Gefährlichkeit von übermässigem Trinken alkoholhaltiger Getränke am Abend vor dem Marsche. Der Brand am nächsten Morgen infolge eines solchen Excesses ist ein Zeichen der stattgehabten wasser- entziehenden Wirkung des Alkohols. Das Blut eines Menschen, dem schon vorher auf solche Weise Flüssig- keit entzogen worden ist, wird natürlich schneller durch den vorher beschriebenen Vorgang eingedickt als das eines vernünftigen Menschen. Stellen sich die oben genannten Vorboten des Hitzschlages ein, so muss der davon Befallene unver- züglich in der eben daselbst vorgescbriebenen Weise sich erholen. Dabei betone ich, dass er bei Sonnen- schein niemals, auch wrenn er sich unter einen schattigen Baum gesetzt oder gelagert hat, den Tropenhelm dauernd ablegt, sondern nur denselben wiederholt lüftet und 221 frische grüne Blätter oder ein angefenclitetes Tuöh in denselben legt. Seine Erholungsruhe darf er nicht eher unterbrechen, als bis Atmung und Herzthätigkeit völlig ruhig und gleichrnässig geworden sind und der Kräftezustand völlig wieder hergestellt ist. Ist jemand vom Blitzschläge getroffen bewusstlos umgesunken, so muss er schleunigst an einen schattigen Ort auf ein mitgenommenes Feldbett mit Sonnensegel (siehe Seite 25 Feldbett) gebracht, und darauf nach Lösung aller beengenden Kleidungsstücke mit erhöhtem Oberkörper gelagert werden. Ärztliche Hilfe ist bald- möglichst herbeizuholen. Inzwischen ist Kopf und Brust mit Wasser reichlich zu besprengen und fortdauernd mit einem Fächer frische Luft zuzufächeln, Hände und Füsse sind dabei zu reiben. Hat die Atmung dem Anscheine nach aufgehört, so ist die künstliche Atmung einzuleiten und so lange fortzusetzen, bis die natürliche wiederkehrt (siehe Bewusstlosigkeit). Die Herzthätigkeit ist, wenn sachverständige Hand zur Stelle, durch Einspritzung von Camphor- und Benzoe-Lösung unter die Haut an- zuregen (siehe Acidum benzoicum cum camphora et aethere, Subcutan - Spritzen). Ist Atmung und Herzthätigkeit wieder erwacht, das Bewusstsein zurückgekehrt, so lasse man den Kranken häufig Salmiakgeist mit der Nase ein- atmen, lege ihm Senfpflaster auf die Brust. Schlaf muss in den nächsten 3 Stunden verhindert werden, da der- selbe leicht in den ewigen übergehen kann; bei später sich einstellendem Schlaf ist die Atmung und Herz- thätigkeit genau zu überwachen. Sowie dieselbe ober- flächlich oder schwach, der Puls klein wird, ist der Kranke zu wecken und wach zu halten (Unterhaltung, Riechen au Salmiakgeist). Der Kranke muss, nachdem er vom Hitzschlag genesen, mindestens 6 Tage völlige Ruhe haben. Das weitere Verhalten richtet sich nach seinem Kräftezustande. Hodenentzündung. Schmerzhafte entzündliche An- schwellung eines oder beider Hoden. Ursachen: Stoss, Quetschung, sonstige Verletzung, Ziegenpeter, Tripper. Behandlung siehe unter Tripper Seite 206. Hühneraugen entstehen durch Druck schlecht sitzen- der Uussbekleidung. Die Verhütung derselben geschieht daher am sichersten durch gutes, bequemes Schuhwerk (siehe Seite 22). Die Behandlung der Hühneraugen ge- schieht am zweckmässigsten durch Aufweichen der Horn- schwiele in lauwarmem Seifenbad und darauf folgende Entfernung derselben mit dem reinen und desinfizierten Fingernagel. Abschneiden derselben mit scharfem Messer vertraue man nur geübter Hand an, da zu tiefes Schneiden heftig blutende, oft schwer heilende Wunden verursacht. Hühneraugenringe (siehe Teil III) trage man bis zur end- gültigen Beseitigung auf die oben angegebene Weise. Humlswut, Tollwut. Wird durch den Biss toller Hunde oder anderer toller Tiere auf den Menschen über- tragen. Dieselben zeigen eine eigentümliche Unruhe, laufen mit nachschleppenden Hinterläufen, schnappen nach jedem, der ihnen zu nahe kommt, um ihn zu heissen, der Geifer läuft ihnen aus dem Maule, von Zeit zu Zeit stossen sie ein eigentümliches rauhes Geheul aus, ihre Speise, namentlich Wasser, nehmen sie nicht, fressen dagegen unverdauliche Dinge. Der gebissene Mensch zeigt nach kürzerer oder längerer Zeit nach voran- gegangenem Angstgefühl hauptsächlich bei jedem Versuch zu trinken die heftigsten krampfhaften Würgebewegungen. Im Anschluss daran stellt sich Wasserscheu ein, die sogar so stark wird, dass der Kranke seinen eigenen Speichel fortwährend ausspeit. Bald darauf stellen sich unter Ausbruch der Tobsucht Erstickungsanfälle ein, unter denen er nach einigen Tagen zu Grunde geht. Behandlung: Nach jedem Biss eines tollwut- verdächtigen Tieres schnellste ärztliche Hilfe; inzwischen ist die Wunde so schnell wie möglich mit glühendem Eisen, glühender Kohle, Höllensteinstift tief und wieder- holt auszubrennen oder von sachverständiger Hand rings herum auszuschneiden. Das grosse Angstgefühl, die grosse Unruhe mildere man durch wiederholte Gaben Aqua amygdalarum cum Morphio, I—2 Tabletten ChloraL hydrat. Husten, siehe Kehlkopfcatarrh Seite 185 und Lungenentzündung. Starker wiederholt auftretender Hustenreiz ohne Halsschmerzen. Atembeschwerden, Brustschmerzen, Aus- wurf werden bekämpft durch weniges Sprechen, Aus- setzen des Rauchens. Arznei: Aqua amygdalarum cum morphio 3—4 mal täglich 5 Tropfen. Pulvis Doweri morgens und abends 1 Tablette. I. Impfung, siehe Seite 21 und Pocken. Influenza, Grippe. Epidemisch und auch in Einzel- fällen auftretende Krankheit, deren Krankheitserreger durch die eingeatmete Luft in den menschlichen Orga- nismus gelangen. Dieselbe ist in Ostafrika zum letzten Mal vor einem Jahre epidemisch aufgetreten. Die Krankheit tritt plötzlich unter Schüttelfrost mit nachfolgendem Fieber auf und äussert sich nament- lich in einem heftigen Katarrh der Atmungsorgane Schnupfen, Halsschmerzen, Luftröhrenkatarrh, Husten der unter allgemeiner grosser Abgeschlagenheit, Unruhe, Schlaflosigkeit, Stirnschmerz, Gliederschmerzen und Störung der Yerdauungsthätigkeit, Appetitlosigkeit, Magenschmerz, Durchfall verläuft. Dauer der Krank- heit 2—6 Wochen. Ausgang bei kräftigen, widerstands- fähigen Personen meist in Heilung; tötlicher Ausgang bei schwächlichen Personen und bei mangelnder Schonung und Pflege durch schwere Lungenerkrankung. Nach Ge- nesung noch lange grosse Mattigkeit, Kopf und Glieder- schmerzen. Neigung zu Rückfällen. Der gefährlichste Rückfall wird bei zu früher Aufnahme der Berufs- thätigkeit durch Erkältung gesetzt: Lungenentzündung mit schwerem Verlauf. Dieselbe ist um so bedenklicher, als der Körper durch die kürzlich vorangegangene Erst- erkrankung noch sehr geschwächt ist. Behandlung: Ruhe in guter, trockener Luft, kühlendes Getränk (Acidum citrium mixtum), leichte Diät (Fleischbrühe, Fleischthee, Kemmerichsche Peptone, Reis). Bei hohem Fieber, heftigem Luftröhrenkatarrh, grosser Abgeschlagenheit baldmöglichst ärztliche Hilfe. Gegen den Kopfschmerz: Kalte Umschläge auf den Kopf (kühlende Kompressen, siehe Teil III), 1 Tablette Phenacetin; nicht mehr wie zwei Tabletten ohne ärzt- liche Verordnung am Tage. Antipyriu nur nach ärzt- licher Verordnung. Gegen den Husten 2 stündlich 1 Tablette Ammonium chloratum. Gegen die Schwäche Wein (Rotwein, Portwein) häufiger in kleinen Mengen (2stündlich 1 Schluck = 1 Esslöffel voll). Gegen Leib- schmerz Pulvis Doweri. Gegen Schlaflosigkeit Sulfonal 1 Tablette. Insekten, Insektenstiche. Der grössten Gefahr der Stiche durch Insekten, von denen die Moskitos, unseren Mücken und sogenannten Schnaken oder Gnitzen ähn- liche Flügelträger, in erster Linie in Betracht kommen, ist der Mensch in der Nachtruhe ausgesetzt. Den besten Schutz gegen dieselben gewährt das Moskitonetz. Eine zweite grosse Plage bilden die Wanzen, die in Ostafrika ihre europäischen Mitschuldigen bedeutend an Grösse überragen. Zu ihrer Vernichtung sind sehr grosse Mengen Insektenpulver nötig, ferner ist zu diesem Zweck Einstreuen der betreffenden Möbel, Bettstellen mit Naphthalin oder Waschen mit Petroleum zu erwähnen. Insektenstiche betupfe man mit Salmiak. Durch den Stich hervorgerufene entzündlich gerötete, stark juckende Beulen kratze man nicht auf, da dadurch leicht Blutvergiftung hervorgerufen wird, sondern wasche die- selben mit Essigwasser oder bedecke sie bei eintretender Entzündung mit einem antiseptisch-hydropathischen Ver- band (siehe Seite 215), zeige sie daun baldmöglichst dem Arzt. Von Skorpionen herrührende Wunden sind im all- gemeinen nicht so lebensgefährlich, wie vielfach an- genommen wird. Dieselben sind sofort mit Salmiakgeist (liquor Ammonii caustici) zu betupfen oder mit dem Argentum nitricum-Stift zu ätzen, bei starker entzünd- licher Röte und Schwellung der Umgebung hydropathisch- antiseptischer Verband wie vorher, baldige ärztliche Hilfe. Sandflöhe. Der Sandfloh, in trockenen Sand- gegeuden anzutreffen, bohrt sich unter heftigem Jucken in die Flaut und zeigt sich zuerst an der juckenden geröteten Stelle als schwarzer Punkt. Wird er in diesem Stadium nicht entfernt, so schwillt die Stelle zu einem weissen Bläschen unter der Haut an und verursacht später bösartige Geschwüre. Deshalb entferne man denselben sofort in seinem ersten Stadium, indem man ihn mit einer desinfizierten Nadel oder kleinen Lanzette aussticht, die entstandene Wunde mit dem Argentum nitricum-Stift be- tupft und mit einem Stückchen Verbandwatte und Heft- pflaster verschliesst. Gräbt man das zur weissen Blase ausgebildete Insekt aus der Haut, so verbrenne man die Blase sofort in einer Flamme (am angezündeten Streich- holz). Die Wunde ist wie oben zu behandeln, ist sie grösser und heilt schlecht, so verfahre man wie bei Ge- schwüren (siehe diese). Ameisen, Termiten. Ausser der speziell unter dem Namen Termiten bekannten Gattung, die ihre zer- störende Arbeit gegen alles, was Holz heisst, richtet, kommen die den Menschen durch Biss belästigenden Ameisen in Betracht. Dahin gehören unter der grossen Zahl verschiedener Ameisenarten die grossen dunkel- braunen Ameisen (Kisuaheli: siafu), welche des Nachts in grossen Zügen dahinwandern, über den schlafenden Menschen fortziehen und ihn, wenn er sich bewegt, beissen. Eine kleinere hellbraune Art, Blattameisen, welche sich in Büschen Nester aus Blättern baut, hat in der Suaheli- sprache den Namen raadji moto, heisses Wasser, weil ihr Biss wie heisses Wasser brennt. Schliesslich sei noch eine „njemwura“ genannte Gattung erwähnt, die sich ans Lehm Wohnstätten in Kugelform baut. Die besten Schutzmittel gegen alle Ameisen, wie kriechenden Insekten überhaupt sind Asche, Naphtalin und Wasser. Wer vor dem Schlafen die Misse seiner Feldbettstelle oder Kitanda dicht mit Asche umgiebt, oder rings herum mit Naphthalin bestreut, wird vor den lästigen obengenannten Besuchern in seiner Nachtruhe sicher sein, ebenso, wer die Füsse der Bettstelle in kleine mit Wasser gefüllte Gefässe (ausgeleerte Konserven- büchsen) stellt. Hundertfuss. Scolopendra. Derselbe gehört zur Klasse der Krusten tiere (Ringelkrebse); er zeigteinen band- förmigen, mit Ringeln versehenen Leib von gelblicher Farbe mit 21 Paar Füssen. Der Hundertfuss kann eine Länge bis zu 18—22 cm. erreichen; seine Bewegungen sind schlängelnd, blitzschnell, er beisst mit seinen, einen giftigen Saft enthaltenden Fresszangen nur, wenu er durch Be- rührung, Fusstritt oder Druck eines Körperteiles aus seinem Lager (namentlich unter faulendem Holz), auf- gestört wird. Sein Biss kann mitunter sehr schmerzhafte, entzündliche, wenn auch nicht direkt lebensgefährliche,. Schwellungen erzeugen. Da er sich auch Lager und Betten als Ruhestelle aussucht, ist es geraten, namentlich auf Expeditionen, die Lagerstätte sorgfältig zu unter- suchen (siehe Schlangenbisse). Die durch den Ilundert- fuss erzeugten Verletzungen erheischen schleunigst die- selbe Behandlung wie die Insektenstiche. Zu unterscheiden von dem Hundertfuss ist der sehr harmlose Tausendfuss. Denselben trifft man entweder 228 zusammengerollt auf Blättern oder unter Steinen liegend an, oder man sieht ihn mit seinen 70—90 Fusspaaren langsam über die Erde dahinkriechen, ohne dass er je einem Menschen Schaden zufügt. Der Tausendfuss hat einen walzenförmigen Eingelleib von graubrauner Farbe bis zu 4 cm. Länge. Die Hundszecke, auch Holzbock genannt, saugt sich mit ihrem Säugrüssel ausser an Hunden und anderen Tieren, auch an Menschen fest und kann fest gesogen von ihrer ursprünglichen Hanfkorn - Grösse bis zum Umfang einer Haselnuss anwachsen. Um sie zu vernichten, ziehe man sie sehr langsam und vorsichtig aus, da bei unvorsichtigem Herausziehen ihr Leib zer- reisst und der im Körper zurückbleibende Säugrüssel Entzündung verursacht. Besser tötet man sie durch einen aufgeträufelten Tropfen Öl, am besten Oleum Terebinthinae. K. Klimatische Bubonen Bezeichnung für Bubo Kisua- heli tumbasi, pluralis matumbasi; Leistendrüsenschwellung mit Fieber: mtoki sind eine in Ostafrika nicht selten, besonders nach anstrengenden Märschen, auftretende Er- krankung. Dieselbe äussert sich in einer mehr oder weniger schmerzhaften Anschwellung der Leistendrüsen, die nicht selten Neigung in Vereiterung der Drüsen über- z«gehen hat. Wer an Leistendrüsenschwellung erkrankt, der überzeuge sich genau, ob dieselbe wirklich eine rein klimatische, von selbst entstandene Erkrankung ist, oder Kehlkopfcatarrh, siehe Catarrh. ob sie nicht eine Folgeerscheinung anderer Krankheiten bildet. Solche sind Wunden an den Füssen oder Beinen oder Geschlechtskrankheiten. Behandlung; siehe Lymphdrüsenschwellnngen. Knochenbrüche, siehe Brüche. Knochenhautentzündung. Dieselbe entsteht besonders leicht an oberflächlich liegenden Knochen, z. B. am Schienbein, am häufigsten durch Schlag und Stoss, Quetschungen. Die Knochenhautentzündung kann als solche nur vom Arzt erkannt werden. Jedenfalls timt man bei obengenannten Gelegenheitsursachen gut, bei absoluter Buhe des betreffenden Körperteiles, kühlende Umschläge (Eisblase, Eiswasserumschläge, wo Eis vor- handen) Bleiwasserumschläge (siehe Tabletten plumb. subacet.) zu machen. Sind die äussere Haut und die Weichteile nicht entzündlich gerötet und geschwollen, so sind Einpinselungen mit Jodtinktur Einreibung mit grauer Saite (Unguent. hvdrarg. ein.) zu raten. Kolik siehe Colik. Kopfschmerzen können durch die verschieden- artigsten Ursachen bedingt sein und bilden das häufigste Begleitsymptom bei fieberhaften Erkrankungen (Malaria- Fieber). Besteht bei Kopfschmerz mit gerötetem Kopf Stuhl- verstopfung, so ist durch Calomel für reichlichen Stuhl- gang zu sorgen, auf den hochgelagerten Kopf sind kühlende Umschläge (kühlende Kompressen) zu legen. Ist Stuhlgang vorhanden und reichen kühlende Um- schläge nicht aus, so nehme man Phenacetin 2 Tabletten in 1 Stunde, je eine am Anfang undEndederselben (nichtmehr!) oder 2 Tabletten Antipyrin auf einmal (V 2 Glas Rotwein hinterher zu trinken). Die Mittel sind sowohl bei doppel- seitigem (den ganzen Kopf einnehmendem), wie halbseitigem Kopfschmerz (Migräne) zu empfehlen. Der letztere tritt in Zwischenräumen auf und dauert 3 Stunden bis I Tag oder mehrere Tage. Gelegenheitsursachen: Excesse in der Lebensweise, Strapazen, Arger. Neben den oben erwähnten Mitteln ist Kühe anzuraten. Wer an Migräne leidet, soll nicht nach Ostafrika gehen. Krätze. Dieselbe ist eine ansteckende Hautkrank- heit und wird durch einen tierischen Parasiten, die Krätzmilbe, bei direkter Berührung von einem Menschen auf den anderen übertragen. Die Krätzmilbe bohlt sich unter die Haut und kriecht in Gängen, die sich in der Haut als leicht erhabene rote Streifen kennzeichnen, fort. Die Gänge endigen mit einer Erhöhung, unter der die Krätzmilbe sitzt und aus der sie mit einer des- infizierten Nadel herausgezogen werden kann. Die Lieblingsstellen der Krätzmilbe sind die Hautpartien zwischen den Pingerwurzeln, an der Ellenbeuge, in der vorderen Gegend der Achselhöhle. Die Krätze erzeugt heftiges Jucken, das besonders durch Bettwärme er- höht wird. Behandlung; Verhütung der Ansteckung durch vorsichtiges Fernhalten von Krätzkranken, Nach er- folgter Ansteckung warmes Bad, gleich nach demselben Einreiben der Gänge zeigenden und juckenden Haut- stellen mit Perubalsam (Baisamum peruvian.). Derselbe muss 2 Abende hintereinander kräftig in die Haut ein- gerieben werden. Am 4. Tage wird nach nochmaligem warmen Bade die Wäsche gewechselt. Damit ist die Kur in den meisten Fällen mit Abtötung der Krätz- 231 rnilben durch den Perubalsam als beendet zu betrachten. Treten ausnahmsweise nach einigen Tagen wieder Er- scheinungen auf, so muss dieselbe von neuem begonnen werden. Bei vernachlässigter Krätze entstehen Krätz- geschwüre. Dieselben erfordern nach durchgeführter Krätzekur die bei Geschwüren angegebene Behandlung. Krämpfe stellen sich in ■ verschiedener Eorm bei vielen schweren Erkrankungen ein und sind bei diesen erwähnt. Ausser diesen kommen hauptsächlich 2 Krampf- arten, hysterische und epileptische, vor. Während von den ersteren fast ausschliesslich das weibliche Geschlecht befallen wird, kommen epileptische Krämpfe unter- schiedslos bei beiden Geschlechtern vor. Dieselben sind erblich und zeigen sich zuerst gewöhnlich schon vor dem 20 Jahre. Wer an Epilepsie leidet, darf nicht in die Tropen gehen. Dieselben bieten für derartige Kranke besonders reichliche Gelegenheitsursachen zu Krampfanfällen und der sich aus der Epilepsie ent- wickelnden Geistesstörung. Die epileptischen Anfälle be- ginnen mit starker Gemütsverstimmung, Kopfschmerz, Schwindel, Druck in der Magengegend, Gliederschmerzen. Der Anfall tritt gewöhnlich ein, indem der Kranke mit einem Schrei bewusstlos hinstürzt. Zuerst liegt er starr da mit blaurotem Gesicht, starr geöffneten Augen, Schaum vor dem Munde, der oft blutig infolge Zungenbisses ge- färbt ist; darauf stellen sich die heftigsten Zuckungen ein, durch die der Kranke hin- und hergeschleudert wird und sieh schwere Verletzungen zuziehen kann. Mit Ende des Anfalls wacht entweder- der Kranke mit dem Gefühl grösster Abgeschlagenheit ohne die geringste Er- innerung des Yorargegangenen auf oder verfällt sofort mit erschlafftem Körper in tiefen Schlaf, aus dem er erst nach mehreren Stunden abgeschlagen und matt er- wacht. An die Anfälle kann sich zur Tobsucht aus- artende Geistesstörung schliessen. Epileptische müssen daher nach dem Anfall in Beobachtung behalten werden. Behandlung: Im Anfall sorge man nur, dass der Kranke so liegt, dass er sich durch die Krampf- bewegungen nicht verletzt; er werde auf weiche Unter- lage gebettet, alle harten Gegenstände werden aus seiner Nähe entfernt. Im übrigen rühre man den Kranken im Anfalle nicht an, jedes Festhalten verschlimmert den letzteren. Nach dem Anfall reiche man ihm kühlendes Ge- tränk. Das bei Epilepsie angewendete Mittel, Kali bromatum, 4mal täglich 1 Tablette in abgekochtem Wasser gelöst, ist nur nach ärztlicher Verordnung zu geben. Krampfadern sind erweiterte Blutadern. Dieselben kommen hauptsächlich an den Beinen vor und treten namentlich nach längerem Gehen an denselben stark gefüllt heraus. Dieselben können heftige Blutungen (Behandlung siehe diese), sowie Entstehung hartnäckiger Unterschenkelgeschwüre veranlassen. Deswegen ist es ratsam, auch bei niederen Graden derselben die Unter- schenkel von unten auf kunstgerecht umwickelt beim Gehen zu tragen. L, Leberschmerzen. Leberschmerzen sind in den Tropen sehr häufig. Treten dieselben nicht als Begleiterscheinungen des Malaria-Fiebers oder ohne ausgeprägte Gelbsucht (siehe Malaria-Erkrankung, Gelbsucht) auf, so sind sie durch Blutüberfüllung der Leber, durch Leber- anschoppungen bedingt. Diese sehr oft vorkommende, als dicke Leber bezeichnete Störung charakterisiert sich durch das Gefühl von Volle in der Lebergegend und Schmerzen, die von der Gegend der rechts liegenden unteren Bippen und der sich weiter unten unmittelbar anschliessenden Bauchpartie nach oben in die rechte Brustseite und den rechten Oberarm ausstrahlen. Die- selben werden durch Druck auf die beschriebene Lebergegend noch verstärkt. Fieber besteht bei dieser Erkrankung gewöhnlich nicht. Die in die genannte Gegend von unten nach oben ausstrahlenden Schmerzen sind für die Leberanschoppung sehr bezeichnend. Es ist auf dieselben umsomehr zu achten, als Schmerzen unter dem rechten Rippenbogen auch von den unter der Leber liegenden Darmpartien, z. B. bei Stuhlverhaltung, ausgehen können. Diese Schmerzen strahlen nicht in der beschriebenen Weise nach oben aus. Die Ursachen der Leberanschoppung liegen in reichlichem Alkohol- genuss, fettreicher, stark gewürzter Nahrung bei mangeln- der Bewegung. Die Verhütung derselben geschieht am sichersten durch Befolgung der (Teil I Kapitel VI und VIII) gegebenen Vorschriften über Lebensweise und Diät. Behandlung: Wenn möglich, ärztliche Hilfe, da jede Lebererkrankung in den Tropen sachgemässe, schnelle und energische Abhilfe erfordert Nicht ge- nügend beachtet, kann die einfache Blutüberfüllung der Leber zu Leberentzündung und Abscessbildung, einer lebensgefährlichen Krankheit, führen. Der Laie bewirkt am besten eine Linderung seiner Beschwerden durch ruhige Bettlage, leichte, reizlose Diät (Fleischbrühe, Reis, leichte Gemüse, Obst), Ver- meiden fetter Speisen, alkoholhaltiger Getränke (Bier, unvermischter Wein), Sorge für reichlichen Stuhl durch Calomel. Auf die Lehergegend werden von sachver- ständiger Hand gesetzte Schröpfköpfe mit nachfolgendem hydropathischem Umschlag, oder Einreibung mit grauer Salbe 1 mal täglich (sehr bekanntes und bewährtes Mittel in Ostafrika), oder Einpinselung mit Tinctura jodi einen Tag um den andern, schliesslich Auflegen von Senf- pflaster (charta Sinapis) von guter Wirkung sein. Ist durch zu starkes Einreiben oder Einpinseln die Haut wund geworden, so lege man einen antiseptisch-hydro- pathischen Umschlag (siehe S. 215) auf und reibe nach Schwinden der Leberbeschwerden die noch wunde Haut mit Vaselin-Lanolin ein. Leberwürmer können in ihren Symptomen nur durch den Arzt erkannt werden. Die Gefahr der Erkrankung an denselben wird durch das Hineingelangen von Hunde- würmern in den menschlichen Körper gesetzt. Wer sich dieser höchst gefährlichen, schweren Erkrankung nicht aussetzen will, der lasse sich niemals von Hunden, namentlich im Gesicht, lecken. Hände, die von Hunden beleckt worden sind, müssen möglichst bald sorgfältig gereinigt werden und dürfen vor der Reinigung nicht mit Speise, Cigarren in Berührung kommen oder an den Mund geführt werden. Andere Lebererkrankungen, siebe Gelbsucht. Leibschmerzen werden durch Magencatarrh, Ver- stopfung, Darmcatarrh, Colik verursacht, (siehe diese Krankheiten.) Leistenbrüche, siehe Brüche. Leisten-Bubo, Drüsenschwellung, siehe Klimatische Bubonen, Lymphdrüsenschwellung. Lippenausschlag. Derselbe besteht aus gruppen- weise ungeordneten wasserhellen Bläschen auf und an den Lippen auf gerötetem Grunde, welche sehr starkes Jucken verursachen und kommt bei Malaria-Bieber und Lungenentzündung vor; er entsteht auch sonst von selbst nach Genuss sehr fetter Speisen und bei Stuhlverstopfung. Der gleiche Ausschlag kommt auch an den Geschlechts- teilen (siehe Seite 209) vor. Die Bläschen platzen oder trocknen gewöhnlich, wenn nicht gekratzt, bald ein. Behandlung: Nicht aufkratzen, da sonst Blut- vergiftung entstehen kann. Sorge für Stuhlgang, Calomel. Bestreichen der Lippe mit Vaselin-Lanolin. Lungenentzündung. Eine Entzündung der Lunge ist in ihrem Charakter und Sitz nur durch den Arzt zu erkennen. Es giebt verschiedene Arten von Lungen- entzündung. Der Laie kann mit einiger Sicherheit auf eine Entzündung der Lunge schliessen, wenn ein bisher gesunder Mensch plötzlich mit hohem Eieber an heftigen Stichen in der Brust, oder vielmehr der Vorder- und Rückseite des Brustkorbes, namentlich auf der hinteren unteren linken oder rechten Seite desselben, Seitenstechen, Atemnot, Husten und Auswurf erkrankt. Der letztere wird mit Mühe ausgehustet, ist von zäher Beschaffenheit und sieht rotbraun, rostfarben aus. Die Krankheit ver- läuft im allgemeinen bei kräftigen Menschen unter ärzt- licher Behandlung unter 6—lo tägigem Fieber günstig, ist aber stets als eine gefährliche Erkrankung von dem Luftröhrencatarrh, siehe Catarrh. Laien anzuselien, die ilm veranlasst, schleunigst ärztliche Hilfe herbeizuholen. Dasselbe gilt von allen fieberhaften Erkrankungen, die mit Husten, Auswurf und Brust- schmerzen einhergehen. Die eben beschriebene Art der Lungenentzündung stellt die besonders mit dem Namen Lungenentzündung belegte fieberhafte Erkrankung der Lunge dar, welche durch einen bestimmten Krankheits- erreger hervorgerufen wird. Behandlung bis zur Ankunft des Arztes; Strengste Bettruhe bei erhöhtem Oberkörper in gut gelüftetem trockenem Zimmer, 2stündlich hydropathischer Umschlag auf die schmerzhafte Stelle des Brustkorbes. Kühlendes Getränk, Limonade (Tabletten acidum citricum mixtum). Auf den Kräftezustand, Puls aufpassen! Bei Schwäche Wein, 2stündlich 1 Schluck, Colatabletten; klüftige flüssige Eleischdiät (Fleischbrühe, Eleischthee, Kemmerichsche Fleischpeptone); bei starkem Herzklopfen 3 Granules tinctura Strophanti (nicht mehr!) gegen heftigen quälen- den Husten mit schwer löslichem Auswurf Tabletten von Ammonium chloratum (2 stündlich 1 Tablette), liquor aramonii anisatns cum tinctura opii benzoica. Lungencatarrh. Die Entscheidung, ob ein in Husten Brustschmerzen und Auswurf sich äussernder Catarrh in den grösseren Luftwegen, den Luftröhrenverzweignngen oder in der Lunge selbst seinen Sitz hat, ist im all- gemeinen für den Laien nicht möglich und nur durch ärztliche Untersuchung zu treffen. Doch giebt der Um- stand, dass der Erkrankte in seiner Familie chronische Lungenkrankheiten, Lungenschwindsucht, Skrophulose aufzuweisen hat, von Anfang an zu dem Verdacht Be- rechtigung, dass sein Catarrh Symptom einer ernsten Ltmgenerkrankung ist. Längere mit sichtlicher Kräfte- abnahrae einhergehende Dauer und Heftigerwerden des- selben erheben diesen Verdacht zur Gewissheit und bedingen schleuniges Verlassen des ostafrikanischen und Malaria-Klimas. Jedenfalls ist bei jeder Erkrankung der Atmungs- organe mit den oben genannten Symptomen baldigste ärztliche Untersuchung zur Feststellung des Krankheits- herdes erste Bedingung. Bis dahin ist die Behandlung die bei Lungenentzündung, Luftröhrencatarrh (siehe (Catanh) angegebene. Die Kräfte sind durch Ruhe, gute Ernährung und Wein aufrechtzuerhalten. Lymphdrüsenschwellung. Dieselbe tritt entweder bei Allgemeinerkrankungen, z. B. konstitutioneller Syphilis (siehe Geschlechtskrankheiten), im ganzen Körper, oder an einzelnen Stellen hei Erkrankungen anderer den Drüsen benachbarter Organe auf; so am Halse, im Nacken, bei Mandelentzündung, Rachencatarrh; bei durch Ansteckung erkrankten oder bei vergifteten Wunden an den Füssen oder Beinen, bei Erkrankung der Geschlechts- teile, in der Leistengegend; Leistenbubonen bei durch Ansteckung erkrankten Wunden, an den Händen oder Armen, in der Achselhöhle Achselbubonen. Die letztgenannten Drüsenanschwellungen sind stark schmerzhaft, die geschwollenen Drüsen bilden gewöhnlich, zu mehreren vereint, eine unter der Haut deutlich fühl- bare rundliche Geschwulst. Dieselbe, anfänglich hart, geht durch Vernachlässigung in Eiterung über und muss dann von sachkundiger Hand mit dem Messer geöffnet werden, um darauf die antiseptische Behandlung einer eiternden Wunde zu erfahren (siehe Geschwüre, Wundbehandlung). Das geeignetste Verhalten, um eine solche Vereiterung hei Drüsenschwellungen zu verhindern, ist strengste Ruhe des in Frage kommenden Körperteiles neben der Be- handlung der ursächlichen Erkrankung. (Antiseptischer Verband verunreinigter Wunden, siehe Geschwüre; Be- handlung von Krankheiten der Geschlechtsteile, siehe Geschlechtskrankheiten). Bei Achselbubo muss der Arm in einem um die Schulter befestigten Tuch (Mitelle) ruhig gestellt getragen werden; die Drüsenschwellung ist mit grauer Salbe morgens und abends einzureiben. Bei Leistenbubo ist unbedingte Bettruhe neben der eben genannten Einreibung dringend notwendig. Innerlich werden zweckmässige Abführmittel (Calomel täglich 1— 2 Tabletten) gegeben. Diät: leicht flüssig, Vermeiden von Bier und un- vermischtem Wein. M. Magenkrampf. Anfallsweise auftretende, heftige nervöse Schmerzen in der Magengegend, die einige Minuten bis mehrere Stunden andauern können und ge- wöhnlich durch Druck auf die Magengegend ver- mindert werden. Dabei bestehen keinerlei andere Zeichen von Magencatarrh wie belegte Zunge, Appetitlosigkeit, Übelkeit, (Unterschied von Magencatarrh!). Behandlung: Im Anfall (Bismutlmm subnitricum cum morphio 1 2Tabletten), aqua amygdal. cum morphio; nach dem Anfall, wenn Verstopfung vorhanden Calomel 1 Tablette. Diät leicht verdaulich (blähende Gemüse vermeiden). Leibbinde tragen, Füsse stets trocken und warm halten. Magencatarrh, siehe Catarrh. Magengeschwür, siehe Blutung Magenblutnng, Darmblutung. Malaria-Erkrankungen, siehe Kapitel 11. Mandelentzündung. Symptome; Schmerzen in der Gegend der Mandeln. Dieselben verstärken sich beim Schlucken; letzteres ist durch die starke Schwellung der Mandeln häufig sehr erschwert. Dabei oft hohes Fieber, Kopfweh, Stuhlverstopfung. Behandlung: Dem Kranken die Zunge mit einem Löffel oder Spatel herunterdrücken und ihm in den Kachen sehen. Die Rachengegend und die Mandeln zeigen sich gerötet und geschwollen. Auf den letzteren häufig Belag. Zu unterscheiden, ob dieser gutartig (weiss) oder bösartig (schmutzig graue Farbe) ist für den Laien in den meisten Fällen nicht möglich (siehe Diphterie, Allgemeinbefinden dabei). Deshalb suche er bei Mandelentzündungen mit Belag baldmöglichst ärzt- liche Hilfe. Bis zum Eintreffen derselben oder wenn kein Belag vorhanden, werde verfahren wie beim Rachen- catarrh, siehe diesen Seite 186, Mangoheulen, siehe Furunkel. Migräne, siehe Kopfschmerz. Milzbrand. Derselbe wird von Tieren, namentlich Schafen und Rindern, durch einen spezifischen Krank- heitsträger, den Milzbrandbacillus, auf den Menschen übertragen. Gelangen die letzteren in Hautwunden, so entsteht eine bösartige Hautentzündung. Dieselbe be- ginnt meist unter Stechen und Jucken als kleines Knöt- eben mit einem schwarzen Punkte in der Mitte, bald ent- wickelt sieb auf dem Knötchen eine Blase, nach deren Auf kratzen eine brandige, gesebwürige Wunde entsteht. Im weiteren Verlauf nimmt nun diese tellerförmig ein- gesunkene Wunde, indem sie sich in die Fläche aus- breitet, unter hohem, mit Bewusstlosigkeit verbundenem Fieber zu. Die Krankheit endet gewöhnlich tötlich in 8— 14 Tagen. Nach Genuss miizbrandkranken Fleisches entwickelt sich in kurzer Zeit unter heftigen Yerdauungsbeschwerden, (Leibschraerzen, Erbrechen) hohes Fieber mit Delirium und tötlichem Ausgang. Behandlung: Schutz vor der Erkrankung bietet nur die Vermeidung jeder Berührung mit milzbrand- kranken Tieren; jedes erlegte Wild und getötete Schlacht- tier muss genau untersucht werden, ob es gesund ge- wesen ist, vor allen Dingen, ob es keine Milzbrandbeulen aufweist. Bei Tierseuchen, wie sie in Ostafrika zeitweise unter Büffeln und zahmen Eiuderheerden beobachtet sind, ist, wenn die kranken oder gefallenen Tiere Milzbrand- beuleu aufweisen, bei Expeditionen schleunigst die ver- seuchte Gegend zu verlassen, unter Vermeidung jeglicher Beiührung mit dem kranken oder verendeten Vieh. Menschen, die Wunden haben, müssen sorgfältigst ge- schlossene Verbände tragen. Bricht auf einer Station eine Seuche aus, so ist das erkrankte Vieh sofort zu töten und an entfernten Stellen tief zu veigraben, Über die Cadaver ist Chlorkalk zu schütten. Die damit betrauten Menschen dürfen keinerlei Wunden am Körper haben. Nach Infektion mit Milzbrandgift ist bis zum Ein- 241 treffen schleunigst geholter ärztlicher Hilfe, wie bei ver- gifteten Wunden äusserlich zu verfahren. (Ausschneiden und Ausbrennen des Geschwürs.) Innerlich gebe mau einen Tag lang dreimal 1 Tablette Calomel 0,3. Milzschmerzen. Die Milz befindet sich in der linken Seite des Leibes hinter den untersten Hippen, Dieselbe schwillt bei vielen Krankheiten, besonders stark bei Malaria-Erkrankung, an und erzeugt dadurch Schmerzen. Die Milzschwellung kann mit Aufhören der Malaria- Fieberanfälle zurückgehen, jedoch auch noch lange nach denselben in Eolgezuständen von Malaria - Fieber be- stehen und, namentlich bei Bewegung, Verstopfung, schmerzhaft sein. Gegen heftige Schmerzen sind hydro- pathische Umschläge, Douchen auf die Milzgegend und Sorge für Stuhlgang anzuraten. Endgültig vergeht die Milzschwel hing erst nach völligem Schwinden der letzten Reste von Malaria-Erkrankungen auf geeignete Behand- lung dieser (siehe Malaria-Erkrankungen). t Mumterkrankungeuj siehe Rachencatarrh, S. 186, Mandelentzündung S 239, Skorbut S. 257, Zahnschmerz S. 281. Bei Entzündungen der Schleimhaut des Mundes ist die letztere gerötet, geschwollen, kann Bläschen oder wunde Stellen zeigen. Mundentzündung kann sehr schmerz- haft werden und den Speisegenuss zu einer Plage machen. Die Verhütung derselben geschieht am besten durch sorg- fältige Pflege der Mundhöhle und der Zähne, siehe Teil I. Seite 21. Die am häufigsten in Ostafrika vorkommende Mundkrankheit ist Skorbut (siehe diesen). Behandlung, siehe Rachencatarrh und Skorbut, Muskelrheumatismus. Ziehende, reissende Schmerzen in den Gliedern, im Muskelfleisch ausserhalb der Ge- lenkgegenden. Dieselben kommen in Ostafrika infolge der häufigen Gelegenheitsursachen, Durchnässungen, Er- kältungen sehr zahlreich vor und sind für den Laien oft schwer von den Gliederschmerzen bei Malaria-Fieber zu unterscheiden. Über die Behandlung, Einreibung, Schröpfköpfe, Senfpflaster, Massage, siehe Hexenschuss. N. Nasenbluten. Dasselbe kommt nicht selten hei Ma- laria-Erkrankung, ferner bei Skorbut vor. Bei sonst un- gestörter Gesundheit ist Nasenbluten ein Zeichen von Blutüberfüllung des Kopfes bei gestörtem Blutkreislauf und häufig eine Selbsthilfe des Organismus. Ist Nasen- bluten sehr stark, so ziehe man kaltes, reines Wasser, dem man etwas Essig zusetzt, in die Nase und mache kalte Umschläge auf die Stirn. Steht die Blutung noch nicht, so stopfe man in die Nasenöffnung blutstillende Yerbandwatte (innerlich Fruchtsalz). Ein auch in Ost- afrika bekanntes Volksmittel besteht im Hochheben des der blutenden Nasenöffnung entsprechenden Armes und Zuhalten der letzteren. Häufiges erschöpfendes Nasen- bluten erfordert ärztliche Hilfe. Nervenschmerzen. Heftige, dem Verlauf eines Nerven entsprechende Schmerzen, eine sehr lästige Begleit- und Folge-Erscheinung der Malaria-Erkrankungen. Dieselben treten besonders häufig in der Augengegend zu einer oder beiden Seiten der Nasenwurzel (Nasenansatz) auf und bilden häufig einen Teil der Yorläufersymptome von Malaria-Fieberanfällen. Behandlung: Bei Malaria-Kranken, Chinin 2 Ta- bletten auf einmal. Ist Chinin wirkungslos, so wende man die bei Kopfschmerz angegebenen Mittel an. Nesselfieber, Nesselsucht. Bildung von roten, sehr heftig juckenden, erhabenen Flecken auf der Haut (sehr häufig unter leichtem Fieber und Erscheinungen von Magencatarrh). Dieselben haben dasselbe Aussehen, als wenn sie durch Berührung mit Brennnesseln hervor- gebracht wären. Nesselsucht dauert wenige Stunden bis einige Wochen mit zwischenliegender Besserung. Ursachen, äussere: Brennnesseln, Insektenstiche; innere, nur bei besonders dazu veranlagten Menschen: Genuss von Krebsen, Muscheln, Erdbeeren; Magencatarrh, Malaria-Fieber. Behandlung: Bei Insektenstichen, siehe diese, sonst Waschen mit Essigwasser, Bleiwasser (Tablette plumblum subaceticnm); innerlich Fruchtsalz. Bei chro- nischer Nesselsucht: Arsenik nur nach ärztlicher Ver- ordnung. Nierenkrankheiten treten in den verschiedensten Formen mit akutem (schnellem, fieberhaftem) und mit chronischem (langsamem, nicht fieberhaftem) Verlauf auf und sind für den Laien als solche nicht erkennbar. Es seien deshalb hier nur die wichtigsten, am meisten auf- fälligen Symptome von Nierenerkrankungen erwähnt, die den Laien zur Einholung baldigsten ärztlichen Rates und ärztlicher Untersuchung und Behandlung veranlassen müssen. Am wenigsten schwierig ist für den Laien die akute (plötzlich mit Fieber auftretende) Nierenentzündung aus den sie begleitenden Symptomen zu vermuten. Symptome: Fieber, Schmerzen in der Gegend des Kreuzes zu einer oder beiden Seiten der Wirbelsäule. Die Urinentleerung wird plötzlich spärlich, der Urin ist braunrot, blutig gefärbt, zugleich mit dieser auffälligen Urinbeschaffenheit zeigt sich Schwellung des Gesichts, namentlich der Wangen unter den Augen; unmittelbar anschliessend an die Gesichtsschwellung entsteht Schwellung der Füsse und Unterschenkel. Diese Zeichen der ört- lichen Erkrankung sind begleitet von Kopfschmerz, in schweren Fällen von Übelkeit, Erbrechen, Krämpfen. Ursachen: Erkältungen, Vergiftungen, z. B. durch Kali chloricum! (Sublimat, Arsenik); ferner tritt Nieren- entzündung bei Malaria-Fieber, als Folge-Erkrankung von Scharlach und Pocken auf. Behandlung: Schnellste ärztliche Hilfe. Bis dahin unbedingte Bettruhe. Die Nahrung sei nur flüssig und bestehe bei gesunden, kräftigen Menschen nur aus reich- lich und oft gereichter Milch, Milchsuppen, Wassersuppen, um, ohne die Nieren zu reizen, die Urinmenge zu ver- mehren ; (bei Schwäche Fleischbrühe mit Ei, Fleischthee, von Wein nur Rotwein, mit Wasser, Selterswasser, Sauer- brunnen verdünnt), keine Gewürze! Getränke: reich- lich Limonaden (Tabletten acid. citricum mixtum), Sauer- brunnen, (Kali aceticum nur nach ärztlicher Ver- ordnung). Arzneien: Sorge für reichlichen Stuhlgang, Calo- mel dreistündlich V 2 Tablette den ersten Tag; wenn noch kein Arzt gekommen, vierstündlich den zweiten Tag. Am dritten Tag aussetzen, wenn die Urinmenge reichlicher, Farbe des Urins heller, Stuhlgang ausgiebig wird. Wiederbeginnen, wenn Stuhl nicht reichlich, Urinraenge wieder abnimmt. (Kali aceticnm nur nach ärztlicher Verordnung.) Bei starker Schwellung der Haut (nur bei gutem Kräftezustand) warme Bäder (Dauer 20 Minuten) 30 bis 32° C. mit nachfolgendem Schwitzen (durch festes Ein- packen in wollene Decken), Dauer 30—40 Minuten. Nach reichlichem Schweissausbruch tüchtiges Trocken-Reiben, Erottieren der Haut. Bei Benommenbeit, Krämpfen, vorsichtig kalte Über- giessungen (von Kopf und Rücken) im warmen Bade. Kalte Umschläge, kühlende Compressen, wo Eis, Eisblase auf den Kopf. Ist nach Aufhören aller Beschwerden, völligem und dauerndem Schwinden der Schwellung, Wiedereintreten normaler Menge und Färbung des Urins Besserung ein- getreten, so muss noch lange vorsichtige Diät (Vermeiden von scharfen Gewürzen, Bier und unverdünntem Wein) gehalten, auch jede Erkältung vermieden werden, da Rückfälle sehr häufig sind. Bei jeder Gelegenheit kon- trollierende Untersuchung des Urins durch den Arzt. Die übrigen, in anderer Form auftretenden Nieren- erkrankungen äussern sich unter den verschiedensten Symptomen: Schmerzen in der Nierengegend (siehe oben), häufiger Drang zum Urinlassen namentlich des Nachts, Kopfschmerz bis zur Benommenheit, Sehstörungen, bald spärlicher, trüber Urin, bald reichlicher, sehr blasser Urin, Schwellung der Füsse und des Gesichts, später auch der übrigen Körpergegend, sind Erscheinungen, die jeden davon Betroffenen mit sofortiger Einhaltung vor- sichtiger Diät und Lebensweise (siehe oben) auf direk- testem und schnellstem Wege zum Arzt führen müssen. 0. Ohnmacht, siehe Bewusstlosigkeit. S. 166 f. Ohrenerkrankungen. Die Natur der meisten Ohren- krankheiten ist nur durch den Arzt festzustellen. Das häufigste Symptom von Entzündungen des Gehörganges ist Ohrenschmerz, Ausfluss aus der Öffnung des Gehör- ganges, Schwerhörigkeit. Schwerhörigkeit und Ohrenschmerz hat als sehr häufige Ursache in das Ohr hineingelangte Fremd- körper oder verhärtetes Ohrenschmalz. Erstere dürfen nur von sachverständiger Hand entfernt werden. Von einem Unkundigen werden dieselben gewöhnlich nur tiefer in den Gehörgang hineiugebracht und dadurch Schmerzen und Gefahren für den Betroffenen nur vergrössert Sieht man daher bei Klagen über Schwerhörigkeit und Ohren- schmerz, indem man Licht in die Ohröffnung fallen lässt, denselben verlegt, so spritze man langsam und vor- sichtig lauwarmes Wasser, bei in AVasser aufquellenden Gegenständen (Erbsen!) Öl in das Ohr und verschliesse die äussere Gehöröffnung mit einem mit Vaselin-Lanolin bestrichenen Wattepfropf. Derselbe muss die Ohröffnung fest ausfüllen und aus derselben noch etwas herausragen, damit er nicht tiefer in den Gehörgang hineingerät. Ein Fremdkörper, der im Ohr sitzt und sich bald mit einer Umhüllung von verhärtetem Ohrenschmalz umgiebt, wird dadurch gelockert, ein nur aus verhärtetem Ohrenschmalz bestehender Pfropf erweicht. Ist der Gehörgang frei, zeigt aber Entzündung und Eiterausfluss, so spritze man vorsichtig und langsam (je nach Stärke des Ausflusses) zwei- bis viermal täglich das Ohr mit lauwarmer Bor- Säurelösung aus (siehe Acidum boricum) und verschliesse in der Zwischenzeit die Ohröffnung mit einem mit Ya- selin-Lanolin bestrichenen AYattepfropf. Bei lieftigen Schmerzen lege man eine spanische Fliege hinter das Ohr (Emplastrum cantharidatum). Jede Ohrerkrankung muss baldigstmöglich dem Arzt gezeigt werden. p. Pest. Diese in früheren Jahrhunderten Yolke|: ver- heerende, als schwarzer Tod gefürchtete Seuche ist in neuerer Zeit, nachdem sie sich allerdings im Jahre 1879 noch einmal in Astrachan gezeigt hatte, mehr und mehr auf ihre Heimat Egypten und AYestasien wieder be- schränkt worden. Die Krankheit hat verschiedenen Yerlauf. In schweren Fällen endet sie unter hohem Fieber mit Be- wusstlosigkeit in 2—4 Tagen tödlich. Bei diesen tritt das Hauptsymptom, welchem die Pest die Bezeichnung Beulenpest verdankt, die Schwellung der Lymphdrüsen des Körpers nur sehr wenig ausgeprägt in die Er- scheinung. In den leichtesten Fällen wiederum kommt es nur zur Bildung von Drüsenschwellungen, Bubonen, namentlich in der Leistengegend, der Achselhöhle und am Halse. Der durchschnittliche Krankheitsverlauf be- ginnt nach voraufgegangenem Kopfschmerz, Schwindel, Übelkeit, mit hohem Fieber, Benommenheit. Daran schliessen sich Blutungen in die Haut, Blutbrechen, namentlich häufig Bluthusten und Drüsenschwelluugen. Die entstandenen Bubonen gehen gewöhnlich schnell in Vereiterung über. Die Krankheit verläuft in den meisten Fällen in 4 6 Tagen tötlich. Behandlung: Sicherheit vor Einschleppung der Seuche kann nur durch die sorgfältigste und strengste Absperrung der Seuchenherde und durch grösste Rein- lichkeit in "Wohnstätten, an Kleidung und Körper ge- währleistet werden. Die Behandlung der Krankheit selbst beschränkt sich auf die lokale Behandlung der Drüsenschwellungen (siehe diese) und ist im übrigen, wie beim Typhus, auf Überwachung und Stärkung der Herzthätigkeit durch "Wein und erregende Mittel gerichtet. Pocken. (Kisuaheli; ndüi.) Die Pocken, welche früher in grossen Epidemien unzählige Menschen dahinrafften, be- schränken sich jetzt infolge der Schutzpocken-Impfuug in Europa auf vereinzelte Erkrankungen. Ira Orient und so auch in Ost afrikakommen sie jedoch noch in Epidemien vor. Der vor seiner Ausreise Geimpfte (siehe Theil I Seite 21) wird jedoch nicht, oder schlimmstenfalls nur von einer leichten ungefährlichen Form der Krankheit befallen werden. So blieb auf einem Schiff, mit dem ich auf beschränktestem Kaum, mit 100 Europäern und 650 Schwarzen, Männern, Weibern und Kindern, nach Ost- afrika fuhr, bei Ausbruch einer Pockenerkrankung die- selbe auf drei Kinder und einen Erwachsenen (Schwarzen) beschränkt, da alle übrigen Schiffspassagiere (Europäer und Schwarze) geimpft waren; gewiss ein neuer glänzender Beweis für den Schutz der Impfung. Diesen Schutz er- reicht jeder Europäer in Ostafrika für sich und seine Umgebung in einfachster Weise, indem er sich und sein ganzes Personal (schwarze Dienerschaft), Weiber und Kinder desselben impfen lässt; eine Massregel, die bereits in Ostafrika die verbreitetste Ausführung neuerdings gefunden hat. Da die Krankheit häufig, wenn auch nur vereinzelt bei der schwarzen nicht geimpften Bevölkerung Ostafrikas, vorkommt, sei ihr Verlauf kurz beschrieben. Die Pocken werden eingeleitet mit schwerem Krankheitsgefühl, ziehenden Schmerzen im Kopf, Kreuz und allen Gliedern, Gefühl von Schwindel und Benommenheit. 2 bis 3 Tage darauf bricht unter hohem Bieber mit oder ohne ein- leitendem Schüttelfrost der Pockenausschlag aus. Meistens im Gesicht zuerst treten erhabene rote Flecke auf, aus welchen sich in kurzer Zeit, eine Delle zeigende Blasen, Pockenpusteln, entwickeln. Dieselben verbreiten sich schnell über Hals, Kumpf und Gliedmassen, befallen ausserdem die Augen, das Mundinnere und den Kehlkopf. Am 10. Tage nach dem Ausbruch der Pocken beginnt mit Fieberabfall die Eintrocknung der Pusteln; nach Beendigung derselben, in 2—4 Wochen, bleiben, nach den schweren Pocken, die charakteristischen Pockennarben zurück. Die oben erwähnte mildere Form der Pocken verläuft in kurzer Zeit, Ausschlag und Fieber dauern nur 6 Tage durchschnittlich, unter leichten Symptomen. Die Gefahr bei den echten, schweren Pocken liegt in der schweren Miterkrankung des Kopfes, der Augen, des Halses, der Lunge und der Nieren, welche teils während der eigentlichen Ausschlagskrankheit, teils nach ihr das Leben ernst bedrohen. Behandlung: Strengste Absonderung der Kranken; (dieselben in einem oder mehreren isoliert liegenden Gebäuden oder Hütten unterbringen!) Die Kranken werden bis zur Ankunft sofort herbeigeholter ärztlicher Hilfe in einem kühlen, dnnkelen, desinfizierten (siehe An- steckung, Desinfektion) Räume gebettet, erhalten kühlendes Getränk, Limonade (Tabl. acid. citric. mixt.) bei Be- nommenheit kalte Umschläge auf den Kopf, leichte flüssige Diät (Suppen, Fleischbrühe, Fleischthee, Kemme- richsche Peptone), bei Schwäche Wein, besonders in der Reconvalescenz. Dabei Sorge für reichlichen Stuhlgang (Calomel). Bei stark gespannter Haut Bestreichen der- selben mit Vaselin-Lanolin. Behandlung der Begleiterkrankungeu siehe bei diesen. (Quetschungen, siehe Quetschwunden. Seite 273. ß. Rheumatismus, siehe Gelenkrheumatismus, Muskel- rheumatismus, Hexenschuss. SS. 200. 218. 241. Ringwurm ist eine ansteckende Hautkrankheit, welche durch einen spezifischen Krankheitsträger, den fadenförmigen Ringwurm- oder Herpes tonsurans-Pilz von einem Menschen auf den andern und bei demselben Menschen von einer Körperstelle auf die andere über- tragen wird. Der genannte in die Haut gedrungene Pilz erzeugt unter Jucken kleine ringförmig angeordnete Bläschen, die nach kurzer Zeit eintrocknen und mit oder ohne Schuppen bedeckte Flecke zurücklassen, um diese herum bilden sich wiederum ringförmig neue Bläschen. Die Krankheit kann auch gleich mit Bildung kleiner roter Flecken beginnen, die allmälig in ihrem Um- fange sich vergrössern und bis zu der Grösse eines 251 Fünfzigpfennigstückes anwachsen können. Während der Mittelpunkt derselben abblasst, oft mit Schuppen bedeckt ist, erscheint der äussere Umfang- stärker gerötet und er- haben. Aus dieser letzteren Form gehen namentlich auf den behaarten Körperstellen (behaarte Kopfhaut, Barthaare) bis Fünfmarkstück grosse, heftig juckende, rote, mit weissen Schuppen bedeckte Flecke hervor; auf denselben brechen die Haare zuerst ab und fallen später ganz aus, um je nach vorhandener oder nicht erfolgter Zerstörung der Haarwurzeln wieder zu wachsen oder eine kahle Stelle zurückzulassen. Durch Kratzen der juckenden Stelle gelangt der Pilz unter die Nägel und erzeugt unter Jucken hier kleine wreissliche Höcker, die den Nagel verunstalten und die Nagelsubstanz verdicken und zersplittern. Derselbe Pilz erzeugt an den Hinterbacken, au der Innenseite der Oberschenkel, in der Gegend des Hoden- sackes unter sehr heftigem Jucken ähnliche Erscheinungen, wie die oben zuerst genannten. Behandlung: Die sicherste Verhinderung der An- steckung mit der oft sehr langwierigen Krankheit wird natürlich durch Vermeidung jeder Berührung mit Ring- wurm-Kranken gegeben. Namentlich sei man stets auf strengste Eigenbenutzung aller Toilette-Gegenstände, be- sonders der Haarkämme und -Bürsten bedacht; man ver- leihe nie die eigenen, leihe nie diejenigen anderer, lasse die Gegenstände nie von der Dienerschaft berühren und bestrafe von vornherein streng jeden Versuch, sie zu benutzen. Die Krankheit selbst wird in der Weise behandelt, dass die erkrankten Hautstellen mit Seife (am besten Sublimatseife, Theerseife, grüne Seife) tüchtig eingeseift und dann mit einer Sublimatlösung (1,0 : 1000,0) ebenso längere Zeit (5—10 Minuten lang) abgespült werden. Darauf werden dieselben mit unguentum praecipitatum album bestrichen. Betrifft der Ringwurm behaarte Körperstellen, so schneide man die Haare mit einer in 5 prozentiger Karbolsäurelösung desinfizierten Scheere dicht über den erkrankten Hautpartien ab und ziehe die erkrankten, durch ihr stumpfes, glanzloses Aussehen auffallenden, Haare mit einer ebenso desinfizierten Pinzette aus. Darauf ist in derselben Weise, wie oben angegeben, zu verfahren. Bei Ringwurm an den Nägeln schneide man die letzteren kurz ab, seife die Finger namentlich an den Nagelgliedern mit einer Nagelbürste wiederholt ein und bürste die Fingerkuppen und Nägel darauf mit der letzteren, nachdem sie in Sublirnatlösung (1,0 : 1000,0) getaucht ist, wiederholt längere Zeit. Die an den Oberschenkeln und den benachbarten Körperteilen beschriebene Erkrankung erfährt die erst angegebene Behandlung. Sitzt dieselbe in der Gegend des Hodensackes, so ist ein Suspensorium zu tragen. Roter Hund. Eine in Ostafrika, wie in den Tropen überhaupt, sehr häufige und gefürchtete Plage. Der rote Hund ist eine durch Hautreiz verursachte, unter- schiedslos in feuchter und trockener Jahreszeit auftretende, Hautkrankheit. Die feuchte und schweissbedeckte Haut, welche durch die scheuernden und reibenden Kleidungs- stücke (namentlich an den Stellen, wo dieselben fest an- liegen, Leibgurt, Tragbändern), gereizt wird, zeigt eine von einer Stelle des Körpers, Lendengegend, Brust, Oberarm ausgehende, mit erhabenen Pünktchen besäte Rötung, welche ein manchmal fast unerträgliches Jucken verursacht. Dasselbe wird besonders stark beim Bücken, Husten, Messen, beim Gemessen warmer Speisen, bei Bettruhe. Die vielfach verbreitete Ansicht, dass Malaria- Erkrankung und roter Hund sich ausschliessen, d. h. Dass jemand, der mit rotem Hund behaftet ist, kein Malaria- Fieber bekommt, dagegen nach Aufhören desselben um so leichter von der letztgenannten Erkrankung befallen wird, habe ich nicht durchweg bestätigt gefunden. Da- gegen habe ich bei übermässigem Chiuingebrauch in einzelnen Fällen (siehe Malaria-Erkrankungen S. 140.) eine dem roten Hund und seinen Beschwerden täuschend ähnliche Hauterkrankung gesehen. Dieselbe verlor sich mit dem Aussetzen des täglich überreichlich genommenen Chinins. Dem roten Hund wird am besten vorgebeugt durch sorgfältige tägliche Hautpflege (siehe Teil I, Kapitel 111. VII.), sofortigen Wechsel der Wäsche und Kleidung nach heftigem Schwitzen und nach Durchnässung. Wollene Leibwäsche ist durch leichte baumwollene Wäsche zu ersetzen (siehe Theil I Kapitel II Seite 21. 22). Bei heftigem Jucken kratze man die Haut nicht wund, da durch Verunreinigung der wunden Hautstellen lästige und schädliche, schwer heilende Geschwüre entstehen (siehe Geschwüre). Gegen übermässiges Jucken habe ich von W7aschungen mit Essigwasser stets die beste Abhilfe beobachtet. Im übrigen wirkte Bestreuen mit Zinkoxyd. (Zincum oxydatum cum amylo) Salicylstreu- pulver (Talcura salicylatum) reiz- und schmerzlindernd. Leichte Wasserabspülungen des ganzen Körpers mit nachfolgender Ruhe in gut durch Lanka ventilierten, luftigen Zimmern sind bei ausgedehntem roten Hund gleichfalls ein empfehlenswertes Linderungsverfahren. Rotz ist eine ansteckende, namentlich bei Pferden vorkommende Krankheit, die durch einen spezifischen Krankheitsträger, den Rotzbacillus, auch auf den Menschen übertragen werden kann. Dieselbe äussert sich namentlich durch bald in Geschwüre zerfallende Knoten in der Haut, dem Muskelfleisch, der Nase und den Lungen, die sich unter hohem Fieber entwickeln. Folgeerscheinungen sind heftige Schmerzen in den Gliedern, Athemnot, Husten und starker Ausfluss aus der Nase. Die Hotzbacillen haben ihren Sitz in Fleisch, Blut, Rotzknoten und Geschwüren von rotzkranken Pferden; besonders leicht wrerden dieselben durch den Nasenschleim aber auch durch Schweiss und TJrin derselben übertragen und erzeugen an den Augen, in der Nase und im Munde, sowie auf wunden Hautstellen die An- steckung, welche in 4—5 Tagen zum Aushruch der Krankheit führt. Behandlung: Die Krankheit wird am sichersten verhütet, wenn man die Nähe rotzkranker Pferde meidet; ist man gezwungen, mit ihnen sich zu beschäftigen, so hüte man sich vor jeder, auch der kleinsten Verletzung, lasse sich nie von den kranken Tieren anschnaufen. Glaubt man vermittelst einer Wunde sich angesteckt zu haben, so schneide man dieselbe aus und brenne sie wie bei vergifteten Wunden angegeben. In die Nase spritze man 2—3 prozentige Karbollösungen. Innerlich nehme man Calomel 2mal 1 Tablette einen Tag lang, später nur, wenn nicht von selbst reichlich Stuhlgang erfolgt, und erhalte die Kräfte durch leicht verdauliche und dabei kräftige Diät (Fleischbrühe, Fleischthee), sowie Wein aufrecht. Der Verlauf der Krankheit ist meist nin schwerer und tötlich endender. Ruhr, siehe Teil II Kapitel 11. s. Sandflöhe, siehe Insektenstiche. S. 226. Scheintod, siehe Bewusstlosigkeit. S. 166 f. Schlaflosigkeit, siehe Teil I Kapitel 111 Seite 35. Arzneimittel: Sulfonal., Chloralhydrat, Kali bromatum. Schlangenbisse. Zu den meistens in Ostafrika ver- kommenden Giftschlangen gehört die Puffotter, eine kurze dicke Schlange mit spitzem Kopf und Schwänzende. Die Gefahr, von giftigen Schlangen gebissen zu werden, ist daselbst nicht so häufig, als allgemein angenommen wird, da die Schlangen viel häufiger den Menschen fliehen, statt ihn anzugreifen und zu heissen. Hauptsäch- lich, wenn sie plötzlich aufgestört, berührt oder ge- treten werden, fahren sie erschreckt in die Höhe, heissen zu und verschwinden dann blitzschnell. Die Gefahr, im Hause, namentlich in der Nacht, von Schlangen gebissen zu werden ist besonders in der Regenzeit vorhanden, in der die -Schlangen vor dem strömenden Kegen unter Dach und Fach Schutz suchen. Man untersuche deshalb in Gegenden, wo erfahrungsgemäss giftige Schlangen Vor- kommen, nach schwerem Regen vor dem Schlafengehen Betten und alle Ecken des Schlafrauraes mit dem Lichte, um sich nicht eben unversehens auf eine ruhende Schlange zu legen und diese Ruhestörung durch einen folgenschweren Biss vergelten zu lassen. Ist man von einer Giftschlange gebissen, so schnüre man, wenn sich die Bisswunde an den Gliedmassen be- findet, sofort das Glied oberhalb der Wunde mit einem elastischen Schlauch oder Hosenträger, Aderpresse, oder Tuch energisch ab. Darauf ist mit einer desinfizierten Lanzette ein zwei Centimeter langer, tiefer Schnitt in der Längsrichtung des Gliedes zu machen, da die Schlangen- bisswunden ziemlich tief sind und dabei an der Oberfläche meist verschwindend klein erscheinen. In die erweiterte Wunde ist nach Abtupfen des Blutes liquor Ammonii caustici zu träufeln, oder dieselbe ist mit einem zu- gespitzten Argentum nitricum-Stift tief auszuätzen, oder mit glühender Kohle, brennender Cigarre auszubrennen. Die Abschnürung kann, wenn bei sofortiger Anlegung derselben und Ätzung der Wunde in oben angegebener Weise nach 30 Minuten keine allgemeinen Vergiftungs- crscheinungen, Bewusstlosigkeit, Herzschwäche, eintreten, gelöst werden. Anderenfalls lockere mau sie erst dann, wenn der abgeschnürte Teil des Gliedes kalt und blau wird, ahstirht. Von sachverständiger Hand sind Einspritzungen von liquor Ammonii caustici, 3 prozentiger Karbolsäurelösung, oder Kali hypermanganicum- Lösung mit der Subcutan- spritze an drei bis vier Stellen in der Umgehung der Bisswunde, je eine halbe Spritze auf eine Stelle zu machen. Das bekannte Aussaugen der Wunde ist nur von Leuten, die auch nicht die geringste Verletzung an den Lippen oder im Munde haben, vorzunehmeu. Denn wenn 257 auch das auf die unverletzte Schleimhaut des Mundes gelangte, sofort ausgespieene Gift dem Organismus nicht schadet, so setzt es doch bei geringster Verletzung durch Hineingelangen in den Blutkreislauf grösste Lebensgefahr. Ist bei konstatiertem giftigem Schlangenbiss sofortige Hilfe versäumt worden, oder treten gar schon Er- scheinungen allgemeiner Blutvergiftung, wie Schwächer- werden der Herzthätigkeit, leichte Benommenheit, Ohn- machtsgefühl auf, so ist Alkohol bis zum Eintreten von Betrunkenheit eiuzugeben (Cognac, schwerer Wein). Derselbe ist ein bei kräftiger Konstitution vielfach be- währtes, durch die Desinfektion d:sßlutes wirksam es Mittel. Schluckauf entsteht nach Trinken von sehr kaltem oder sehr heissem Getränk (kalter Sekt, kaltes Bier Glühwein). Behandlung: Bei länger dauerndem, lästigem Schluckaufßeiben der Magengegend, Anlegen der wollenen Leibbinde. Innerlich 1 Tablette Pulvis Doveri, oder 1 Ta- blette BLmuthum cum raorphio oder s—B5—8 Tropfen aqua amygdalarum cum morphio. Schnittwunden, siehe Wunden. S. 273 ff. Schwelssfüsse, siehe Wundlaufen. S. 280. Skorbut. Die Ursache desselben liegt in längerer Ernährung durch Konservenfleisch, Salzfleisch (besonders früher häufig auf Schiffen), Mangel an frischem Fleisch, Brot und Gemüse. Die Krankheit äussert sich unter allgemeinem Krankheitsgefühl durch Auftreten von Blut- austritten unter der Haut, die sich als rötliche und gelbe Flecke zeigen, und namentlich in Erkrankung des Zahnfleisches. Nachdem dasselbe zuerst schon beim Kauen schmerzhaft gewesen, schwillt es an, wulstet sich bläulich um die Zähne herum und fängt au, leicht bei der geringsten Berührung, namentlich an kranken Zähnen, zu bluten. Im weiteren Verlauf der Krankheit, können sich Blutungen aus der Nase, der Luftröhre, dem Magen, der Blase und den Mieren einstellen. Behandlung: Die beste Verhütung des Skorbuts wird durch frisches Fleisch und Gemüse, gutes Trink- wasser (siehe Teil I Kapitel VI), sorgfältige Pflege der Zähne (siehe Teil I Kapitel I, Revision der Zähne vor der Ausreise S. 21) gegeben. Ist infolge der obengenannten Ursachen der Skorbut zum Ausbruch gekommen, so geniesse der Kranke frische, säuerliche Früchte, Orangen, Citronen, Limonen, Rettige, Meerrettig, Sauerkohl, Salate bei Mahlzeiten. Diese letzteren bestehen aus frischem Fleisch, frischem Ge- müse, Eiern, Milch. Getränk sei neben reichlichen Limo- naden von Citronen, Limonen, guter Rotwein. Die im ersten Stadium der Krankheit unangenehmste und schmerzhafteste Munderkrankung bekämpfe man mit Acid. citric. mixtum-Tabletten (stündlich I—21—2 Tabletten im Munde zergehen lassen). Alle halbe Stunde ist mit Tinctura Myrrhae oder Kali hypermanganum Lösung tüchtig zu gurgeln. Die Mittel gegen Magenblutung und andere Blutungen siehe bei Blutungen. Bei blutigem Urin nehme man Acidum tannicura cum opio 3 stündlich 1 Tablette (nicht länger wie 2 Tage hindurch). Sodbrennen. Brennendes vom Magen aufsteigendes Gefühl mit saurem Aufstossen, Zeichen von krankhafter Magensäure. Eine Messerspitze Katron bicarbonicum genügt ge- wohnlich, um unter erleichterndem Aufstossen vom Sod- brennen befreit zu werden. Stichwunden, siehe Wunden. S. 274 ff. Syphilis, siehe Geschlechtserkrankungen S. 203 ff. T. Termiten, siehe Insekten. Seite 226 f. Trichinenkrankheit. Dieselbe entsteht durch Genuss von triebinenhaltigem Schweinefleisch. Die Wildschweine Ostafrikas stehen in dem Ruf, dass ihr Fleisch trichinös ist. Die Bewahrung vor der Erkrankung geschieht am sichersten durch Enthaltung des Genusses von Schweine- fleisch; ist man auf dasselbe angewiesen, so koche man es tüchtig, mindestens 30 Minuten in Siedehitze. Die Trichinenkrankheit entsteht, indem die Trichine aus dem genossenen Schweinefleisch in den menschlichen Dann und von da in das Muskelfieisch gelangt. Symptome: Hohes Fieber, starke Schweisse, Appetitlosigkeit, Verstopfung oder Durchfall, Schwellung des Gesichts, besonders der Augenlider, quälende Schmerzen in dem Muskelfleisch, namentlich der Arme und Beine, Gelenke stets schmerzfrei. Dazu kommen Schlingbeschwerden und Atemnot. Verlauf gewöhnlich in mehreren Wochen unter Abnahme der Beschwerden in Heilung, selten unter Kräfteverfall in Tod. Behandlung: Ist gleich nach dem Genuss von Schweinefleisch dasselbe als trichinös erkannt, so gebe man Brechmittel, Bad. Ipec. 2 Tabletten, nach Wirkung Calomcl 3 stündlich V 2 Tablette einen Tag lang. Sind dagegen einige Tage verstrichen, so muss man sich be- schränken, etwaige Verstopfung zu heben, die schmerz haften Glieder mit Chloroform und Öl (zu gleichen Teilen gemischt) einzureiben, kräftige Diät zu geben; gegen Schlaflosigkeit Sulfonal 1— 2 Tabletten. Typhus heisst im eigentlichen Sinne des Wortes eine Krankheit, die mit Benommenheit des von ihr Be- fallenen verläuft; so spricht man von typhösem Maleria- Fieber. Die allgemein als Typhus bezeichnete Erkran- kung ist der Unterleibstyphus, neben dem Flecktyphus und Bückfalltyphus diese besonderen Benennungen tragen. Typhöse Malaria-Erkrankungen können in ihrem ganzen Verlauf einen Unterleibstyphus Vortäuschen; ich habe einen wirklichen Unterleibstyphus in Ostafrika nur in einem Falle bei einem schwarzen Soldaten (Sudanesen) beobachtet. Tripper, siehe Geschlechtserkrankungen. S. 203 ff. Der Unterleibstyphus ist eine ansteckende Krank- heit. Das Kraukheitsgift ward durch die Typhusbacillen, die durch die Stuhlentleerungen Typhuskranker frei werden, auf dem Wege der Luft (durch Einatmung), oder im Trinkwasser übertragen. Die Krankheit beginnt nach voraugegangenem Schwächegefühl, Appetitlosigkeit und Kopfschmerz mit allmählich (in der ersten Woche) an- steigendem Fieber. In einem Teil der Fälle besteht zu Anfang Stuhlverstopfung mit nachfolgendem Durch- fall, im anderen erfolgen von Anfang an dünne Stühle, die in ihrer Beschaffenheit und ihrem Aussehen nach grosse Ähnlichkeit mit Erbsenbrühe haben. Dieselben sind Aus- scheidungen aus dem Hauptkrankheitsherde, dem Darm, auf dem sich imKrankheitsverlauf Geschwüre entwickeln. Der Urin ist spärlich, dunkel-gefärbt. Die rechte untere Gegend des Leibes, der in den meisten Fällen rosenrote 261 Flecke aufweist, ist schmerzhaft. Der Schmerz wird durch Druck noch vermehrt. Lippen und Zunge sind trocken, rissig. In vielen Fällen besteht Husten und Auswurf. Der Kranke ist benommen. Das Fieber ist in der 2. Woche hoch mit nur geringer Temperatur- abnahme am Morgen. Bei günstigem Verlauf wird diese später grösser; es zeigen sich auch allmählich ver- ringerte Temperaturen am Abend, bis dieselben unter Besserung des Allgemeinbefindens, Klärung des Bewusst- seins ganz normal werden und damit unter grossem Schwächegefühl der langsame, noch immer gefahrvolle Weg der Genesung beginnt. Bei tätlichem Verlauf er- folgt durch anhaltend hohes Fieber oder häufige starke Darmblutungen, in Folge von Herzschwäche der Tod. Behandlung: Die Verhütung der Krankheit ge- schieht am geeignetsten dadurch, dass in Gegenden, wo Typhus herrscht, vorsichtige Diät und Lebensweise ge- halten wird (vergleiche Dysenterie), Trinkwasser nur abgekocht getrunken wird (siehe Teil I Kapitel VI). Die Stuhleutleerungen von Kranken oder die mit den- selben beschmutzte Wäsche müssen als Krankheitsherde sorgfältig desinfiziert werden (siehe Kuhr S. 148). Der Kranke selbst werde bis zum Eintreffen des sofort herbeigeholten Arztes in strengster Bettruhe in gut ventiliertem und desinfiziertem Zimmer (Panka, Sprühapparat) gehalten. Das Lager sei stets glatt, ohne Falten, damit der Kranke sich nicht durchliegt. Die auf- liegenden Körperstellen, Gesäss, Hacken, sind der Gefahr des Wundwerdens ausgesetzt, deswegen müssen dieselben täglich kalt abgewaschen und darauf mit Vaselin-Lanolin eingerieben werden. Diät wie bei Kuhr, siehe S. 149 f. Gegen Benommenheit: kalte Umschläge auf den Kopf, wo Eis ist, Eisblase. »Sorgfältige Desinfektion des Stuhl- gangs, der mit Stuhlgang verunreinigten Bettwäsche. Hauptaugenmerk für den Laien Aufrechterhaltung der Kräfte (siehe S. 132 f. 141). Bei anfänglicher Stuhlver- stopfung Calomel 3 stündlich 1h Tablette, nur am ersten Tage. Kühle Bäder von Zimmertemperatur oder Ein- wickelung in nasse Tücher sind nur von sachverständiger Hand bei hohem Fieber (Temperatur 2stündlich messen!) mit grosser Benommenheit anzuwenden. Nach jedem Bad ist guter, kräftiger Rotwein zu geben. Bei blutigem Stuhl, Darmblutung: Bismuthum subnitricum 3mal täg- lich 1 Messerspitze. Bei grosser Schwäche, wo Wein nicht ausreicht Acidum benzoicum cum camphora et aethere nur von sachverständiger Hand unter die Haut gespritzt. Diät: Flüssige, doch kräftige Eleischdiät (Fleisch- brühe mit Ei, Reisspeise, Fleischthee, Kemmerichsche Peptone; Getränk guter Rotwein) bis zu völligem Wohlbefinden (in günstigen Fällen 5—6 Wochen nach Krankheitsbeginn), und völlig normalem Stuhlgang Diät- fehler vor völliger Genesung führen gefährliche Rückfälle, ja den Tod herbei. u. Überbein. Kleine bis zur Wallnussgrösse wachsende Geschwülste auf der Rückenseite der Hand und in der Eussgelenkgegend, welche, von den Sehnenscheiden aus- gehend, sich langsam entwickeln und im allgemeinen nur bei Druck Beschwerden machen. Die Beseitigung1 ist oft sehr schwierig und möge hei der gewöhnlich nicht vorhandenen Dringlichkeit sach- kundiger Hand überlassen bleiben. Sehr kräftige Menschen vermögen durch energischen, festen Druck mit beiden Daumen, von oben nach unten, Überbeine zur Zerteilung zu bringen. Mit scharfen Instrumenten bleibe jeder den Überbeinen fern. Übelkeit, siehe Seekrankheit Teil I S. 32 f. und Erbrechen. S. 133 f. Urin. Der Urin ist bei gesunden Menschen klar, von gelber Farbe-, je geringer die Urinmenge, um so dunkler und trüber ist der Urin. So ist bei Fieber der Urin dunkel gefärbt, sparsam, trübe; rote blutige Fär- bung wird durch beigemengtes Blut verursacht. Bier- braune Färbung mit gelbem Schüttelschaum bei Gelb- sucht, Gallenfieber. Blutbeimengungen des Urins können aus der Harnröhre, der Blase, oder den Nieren stammen und sind nur durch den Arzt von einander zu unter- scheiden; sie erfordern zunächst strengste Bettruhe, Ver- meiden aller alkoholhalligen Getränke und scharfen Ge- würze. Flüssige Diät (viel Milch! Milchsuppe, Fleisch- brühen), bei reichlichen Blutungen bis zum Eintreffen des Arztes Acidum tannicum cum opio 3 stündlich 1 Pulver (nicht länger wie 2 Tage hintereinander, dann 1 Tag aussetzen); im übrigen siehe Blasencatarrh, Nieren- krankheiten. S. 183. S. 243 f. Andauernd übermässige, auffallend reichliche Absonderung von Urin, zu unterscheiden von schnell vorübergehender reichlicher Harnausscheidung nach reich- lichem Trinken, kann ein Zeichen chronischer Nieren- krankheit oder von Harnruhr oder Zuckerkrankheit sein. Genauen Aufschluss darüber giebt nur die von Sach- verständigen augestellte Urinuntersuchung. I)ie Zucker- ruhr, Zuckerkrankheit beruht auf einer wahrschein- lich nervösen Erkrankung des Körpers, für die man die verschiedenartigsten Gelegenheitsursachen, Erkältung, Gemütserregung u. s. w. angiebt. Meistens kann keine bestimmte Ursache von dem Erkrankten angegeben werden. Die Krankheit macht sich zuerst offenbar durch die dauernd reichlich entleerten Urinmengen und grossen Durst mit Sprödigkeit und Trockenheit der Haut und des Mundes; dazu kommt bei grosser Mattigkeit grosse Esslust, die sich bis zur Fressgier steigern kann. Unter all- mählich fortschreitender Magerkeit, Bildung von Furunkeln, Verdauungsstörung tritt schliesslich erst nach einer Reihe von Jahren durch Herzschwäche der Tod ein. Das Vor- handensein der Zuckerkrankheit kann nur der Arzt da- durch, dass er durch wiederholte Untersuchungen die Anwesenheit von Zucker im Urin nachweist, erkennen. Wer nachgewiesenermassen an Zuckerkrankheit leidet, muss die Tropen meiden und sich sachgemässer Diät und Kur unter ärztlicher Behandlung unterziehen. Y. Verbrennungen. Man unterscheidet 3 Grade von Verbrennungen. Bei Verbrennungen 1. Grades ist der durch Feuer, heisse Gegenstände, Flüssigkeiten, Dämpfe oder ätzende Gifte getroffene Körperteil gerötet; bei einer Verbrennung 2. Grades gesellen sich zu der Rötung Blasen. -Bei beiden Graden sind die verbrannten Stellen ausserordentlich schmerzhaft. Bei einer Verbrennung 3. Grades zeigen die Haut und die darunter liegenden Weichteile Brandwunden, die selbst schmerzlos sind bei grosser Schmerzhaftigkeit der Umgebung. Behandlung: Bei Verbrennung 1. Grades giesse man Wasser (kohlensäurehaltiges Wasser, Sauerbrunnen, auf die verbrannte Stelle, oder lege Kaltwasserumschläge oder BleiwasseiUmschläge (Tablette plumb. subacet.) oder Lappen mit Ol oder Vaselin-Lanolin auf. Bei Verbrennung 2. Grades schneide man vorsichtig etwaige auf der verbrannten Stelle sitzende Fetzen von Kleidungsstücken ab, steche die Brandblasen mit desinfizierter Nadel, parallel der Haut am Grunde der Blase einstechend, auf und mache Umschläge mit kaltem Wasser, Bleiwasser, Essigwasser, frischen, saftigen Blättern; Verband mit Vaselin-Lanolin und Verband- watte. Bei dem 3. Grade der Verbrennung entferne man die Kleidungsstücke wie bei 2, mache, so lauge heftige Entzündung vorhanden, Bleiwasserumschläge, später anti- septische -hydropathische Umschläge; bei Nachlass der Entzündung zur Heilung der geschwürigen Wunde Ver- band mit Unguentum irritans. Bei ausgedehnten Ver- brennungen des ganzen Körpers sind lauwarme Bäder mit Zusatz von Acidum salicylicum (1,0: 1000,0) an- gezeigt. Gegen heftige Schmerzen innerlich aqua amyg- dalarum cum morphio. Bei Verbrennung mit ätzenden Säuren spüle man die Wunde mit verdünnter Milch, Kalkwasser, Soda- oder Seifenwasser soigfältig ab; bei Verbrennung mit Laugen (ungelöschtem Kalk) wende man zum Abspülen Essigwasser oder stark mit Wasser verdünnte Salzsäure an. Nach reichlichem Nachspülen mit Wasser werden die Brandstellen, wie oben angegeben,, mit Ol u. s. w. verbunden. Bei Verbrennungen des Mundes durch zu heisse Speisen ist reichliches, kühlendes Getränk, kalter, stark verdünnter Kaffee, zu trinken, bei Verbrennung durch ätzende Säuren, siehe Vergiftungen. Vergiftungen. Die Vergiftungen sind zu unter- scheiden in solche, die durch ätzende und in solche, die durch betäubende Gifte hervorgerufen werden. Die ätzenden Gifte teilen sich in Säuren und Alkalien (Laugen). Bei jeder Vergiftung ist baldmöglichste ärzt- liche Hilfe notwendig. Die ätzenden Gifte erzeugen heftige Schmerzen im Verdauungskanal, Mund, Speiseröhre, Magen durch die Anätzung der Wände derselben und Erbrechen. Die Mittel gegen diese Gifte müssen solche sein, welche die ätzende Wirkung derselben nach Möglichkeit abschwächen und aufheben und zweitens das Gift durch Erbrechen wieder auch möglichst schnell aus dem Körper bringen. Bei Vergiftung durch ätzende Säuren, Oleum (Schwefel- säure) , Carbolsäure , Zuckersäure, Salpetersäure, reiche man Magnesia usta, Soda, Pottasche in Wasser oder schleimigem Getränk aufgelöst. Bei Vergiftung durch Laugen (Kali-Natron-Lauge) ist dagegen Essigwasser, Citronenlimonade (Tabletten Acid. citric. mixt.), Orangen-, Liraonensaft in viel Wasser ausgedrückt, zu trinken. Darauf lasse man in beiden Fällen viel Milch, Eiweiss in Wasser abgerührt, Reismehl-, Salep-Wasser oder Speiseöl, Provenceröl trinken. Wo Eis ist, gebe man Eisstückchen, um sie gegen die Schmerzen im Munde zergehen zn lassen. Zum Schluss ist Brechreiz zu erregen durch Kitzeln des Gaumens und der hinteren Rachenwand mit einem Stroh- halm oder einem Federbart oder durch Trinken von V 2 Liter lauwarmem Wasser, endlich durch Brechmittel (2 Tabletten Ipecacuanhae Radix.) Besonders zu erwähnende Gifte sind noch: Argentum nitricum, Höllenstein; Gegenmittel; Kochsalzwasser, Milch, Eiweisswasser. Phosphor: Gegenmittel: Ol.Terebinthiae 50Tropfen in Salep-Aufguss; keine Fette, Öle geben! Sublimat (Quecksilber) erregt heftige Entzündung des Mundes, der Speiseröhre und des Magens, sowie starke Durchfälle, wenn es in grösserer Menge in kurzer Zeit genommen wurde. Behandlung der Erkrankung des Mundes siehe Munderkrankungen, Innerlich gebe man viel Milch, schlei- miges Getränk, Salepabkochungen, Eierspeisen. Gegen Durchfall Pulvis Doweri I—2 mal täglich. Betäubende Gifte rufen Bewusstlosigkeit, schein- baren StilLtand der Atmung und Herzthätigkeit hervor. Alkohol. Behandlung: Kalte Übergiessungen; wo Eis, Eis auf den Kopf. Hände und Füsse in Leisses Wasser bringen. Senfpflaster auf die Brust und Magen- gegend, an Salmiakgeist riechen lassen. Künstliche Atmung (Seite 167). Bei wiederkehrendem Bewusstsein starker Kaffee. Die in erster Linie in Betracht kommenden sind: Blausäure, Cyankali. Frische Luft. Kalte Übergiessungen, wo Eis, Eis auf den Kopf. Künstliche Atmung (S. 167) Bei vorhandener Fähigkeit zu schlucken Ipecac. Radix 2 Tabletten; von sachkundiger Hand Acidum benzoicum cum camphora et aetbere 1— 2 Spritzen unter die Haut gespritzt. Senfpflaster auf die Brust. Chloralhydrat. Frische Luft, Senfpflaster auf die Brust, künstliche Atmung (Seite 167). Chloroform, wie vorher. Cocain. A mylum nitrosum. Pfeilgift. Behandlung wie bei Blausäure: Starker Kaffee, Acidum benz. cum camph. et aeth. (Strychnin- Injektion nur durch den Arzt). Morphium, Opium, Behandlung wie bei Alkohol. Giftige Pilze. Calomel 1 Tablette. Kalte Über- giessungen, wo Eis, Eis auf den Kopf. Senfpflaster auf die Herzgegend. Acidum benz. cum camph. et aeth. wie bei Blausäure. (Strychnin-Injektion nur durch den Arzt!) Bleivergiftung, Bleikolik entsteht nach Aufnahme von Blei in die Säfte und Gewebe des Organismus (z. B. nach Genuss von Wasser, Wein oder festen Speisen, in welchen Blei enthalten ist, ferner bei Arbeitern, die mit Blei und Bleiverbindungen (Bleiweiss) zu thun haben, z. B. Malern. Dieselbe äussert sich in heftigen, anfalls- weise auftretenden Leibschmerzen, welche von der Nabel- gegend ausstrahleu, und Stuhlverstopfung. Bei häufiger auftretenden Bleikoliken kann sich zugleich mit den ebengenannten Erscheinungen, Abmagerung, Gelbfärbung des Gesichts und ein schiefriggrauer Saum am Bande des Zahnfleisches einstellen. Behandlung; Zuerst ist nach der Quelle der Blei- kolik zn forschen, namentlich auch Wasser-, Wein- und Lebensmittel-Behälter auf Vorhandensein von Blei zu prüfen. Die gefundene Krankheitsursache ist natürlich sofort und in Zukunft zu meiden. 269 Die Verstopfung- werde durch milde Abführmittel, Oleum-Ricini 2 stündlich 1 Esslöffel gehoben. Gegen die heftigen Schmerzen ist aqua amygdalarum cum morphio zu nehmen. Ferner sind Einreibungen mit Chloroform und Öl oder hydropathische Umschläge zu empfehlen. Die Diät muss bis zum Aufhören aller Beschwerden flüssig sein (Milch, Fleischbrühe, Fleischthee, Reis). Gegen Erkrankung des Zahnfleisches sind die bei Mund- erkrankungen erwähnten Mittel anzuwenden. Diese und die übrigen vorhergenaunten Krankheitserscheinungen er- fordern bald möglichst ärztliche Behandlung, um ein Weitergreifen der Erkrankung zu verhüten. Verrenkungen. Eine Verrenkung kommt durch Fall, Sprung oder Stoss in der Weise zu Stande, dass von zwei in einem Gelenk mit einander verbundenen, zu- und voneinander beweglichen Knochen einer dauernd aus seiner natürlichen Lage und Verbindung gerissen wird. Man unterscheidet vollkommene oder unvollkommene Ver- renkungen. je nachdem ein Knochen vollständig aus der Gelenkhöhle entwichen ist oder nicht. Äussere Kennzeichen einer Verrenkung: Zur besseren Erkennung derselben vergleiche man stets das kranke Gelenk mit dem entsprechenden gesunden. Das Gelenk, in dem die Verrenkung stattgefunden hat, hat eine oft schon von aussen erkennbare veränderte Form (ver- gleichen!); die Gelenkgegend ist schmerzhaft, entzündlich gerötet oder blutunterlaufen, an einer Stelle geschwollen, an der anderen vertieft. Das Gelenk kann unter grossen Schmerzen nur mit Mühe beschränkt oder garnicht be- wegt werden. Das verrenkte Glied (stets das weiter vom Rumpfe, von der Brust aus gerechnet, entfernter liegende) hat eine unnatürliche Lage, ist verlängert oder verkürzt, je nachdem die Verrenkung nach oben oder unten geschehen ist. Grad und Richtung einer Verrenkung richtig zu erkennen, ist oft selbst für den Arzt wegen der häufig sehr starken Schwellung der Weichteile sehr schwierig, für den ungeübten Laien nicht möglich. Ebenso erfordert die Wiedereinrenkung derselben genaue anatomische und chirurgische Kenntnisse, Bei Mangel derselben schadet nur jeder Einreukungsversuch. Der Laie begnüge sich daher damit, so schnell als möglich zu sachkundiger ärztlicher Hilfe zu gelangen und bis dahin bei einer Ver- renkung auf die Gegend des betreffenden Gelenks kühlende Umschläge zu machen, (wo Eis, Eisblase) und dem aus- gerenkten Gliede die Lage und Stellung zu geben, in der der Verletzte möglichst wenig Schmerzen hat. Bei einer Verrenkung in den Gelenken des Armes werde der selbe in ein dreieckiges Tuch gelegt; bei einer solchen in den Gelenken der Beine werde dasselbe weich ge- stützt und etwas hoch gelagert, um den Blutzufluss zu der verletzten Stelle abzuschwächen. Ruhe für das ver- letzte Gelenk ist die beste Behandlung bis zum Ein- treffen sachverständiger Hilfe. Während durch die letztere auch noch längere Zeit nach geschehenem Unfall Heilung geschieht, wird bei unzweckmässigen Einrenkungsversuchen von unkundiger Hand nur eine Schädigung geschaffen. Verstauchung. Bei der Verstauchung eines Gelenks (durch Sprung, Fall, Stoss, Schlag) kommt eine Quetschung der im Gelenk liegenden Knochenenden, sowie Zerrung, ja Zerreissung der Gelenkbänder zu Stande. Dieselbe üussert sich in schmerzhafter, entzündlicher, geröteter oder blutunterlaufener Schwellung der Gelenkgegend; die Bewegung des Gelenks ist dabei entweder gar nicht oder nur unter den grössten Schmerzen möglich. Behandlung; Buhe des verstauchten Gelenks; Hochlagerung, Stützung, weiche Unterlage, kalte Um- schläge, (wo Eis ist, Eisblase); später, nach Abnahme der entzündlichen Erscheinungen, der entzündlichen Böte, Massage von sachkundiger Hand, Einreibung mit grauer Salbe, Einpinselung mit Tinctura jodi. Die sorgfältigste Buhe des verstauchten Gelenks muss unbedingt so lange dauern, bis dasselbe völlig abgeschwollen und ausgiebig nach allen Bichtungen ohne Schmerzen beweglich ist. Jeder vorherige Gebrauch des Gelenks bedingt neue Schwellung und kann dauernden Schaden bringen. w. Wassersucht. Dieselbe entsteht durch Wasseraustritt aus den Blutgefässen in die Körpergewebe und ist ein Krankheitssymptom bei Herz-, Nieren- und Leber-Krank- heiten. Ferner kommt dieselbe bei schwerer Malaria- Erkrankung und anderen schweren chronischen Krank- heiten vor, (siehe die einzelnen Erkrankungen). Mit Besserung der ursächlichen Erkrankung geht auch die Wassersucht zurück. Behandlung bis zum Eintreffen schleunigst herbei- geholter ärztlicher Hilfe: Bettruhe; bei Schwellung der Füsse und Unterschenkel: Einwickelung und Hochlagerung derselben; bei Bauchwassersucht: sitzende Bettlagerung zur Erleichterung der Atmung. Wildes Fleisch nennt man (oft missfarbige) Wuche- rungen von Fleischwärzchen aus vernachlässigten Wunden. Behandlung: Ragen dieselben über die Wundfläche hervor, so sind sie mit dem Argentum nitricum-Stift zu ätzen und mit Unguentum irritans täglich zu verbinden (siehe Geschwüre). Windpocken sind eine leichte, oft epidemisch auf- tretende Hautkrankheit, die wohl von wirklichen Pocken zu unterscheiden ist. Dieselbe äussert sich in Ausbruch von hellen Bläschen auf der Stirn, später am Halse, die schon nach 24—36 Stunden eintrocknen, und ist nach Wiederauftreten neuer Bläschen in den nächsten Tagen und schnellem Eintrocknen derselben gewöhnlich beendet, ohne Narben zurückzulassen. Leichtes Eieber begleitet zuweilen die ungefährliche Erkrankung, die nur kräftige Diät, keine besondere Behandlung erfordert. Würmer, siehe Bandwurm, Guinea-Wurm,Ringwurm, Trichine. SS. 161. 216. 250. 259. Wunden. Man unterscheidet die Wunden, je nach der Gefahr, die sie für den Verwundeten bringen, in leichte und schwere Wunden, je nach ihrer Veranlassung in Hieb - wunden, Risswunden, Quetschwunden, Schnittwunden, Schusswunden, Stichwunden. Leichte Wunden sind solche, die nur geringe Ausdehnung in Fläche und Tiefe haben, nicht stark bluten und kein lebenswichtiges Körperorgan getroffen haben. Schwere Wunden sind solche, die durch starke Blutung (siehe S. 173 f.), Verletzung von Organen, die für Bewegung und Lebensfähigkeit wichtig sind (z. B. Knochen, Sinnesorgane, Eingeweide), das Leben gefährden Wolf, siehe Wundlaufen. S. 280. oder in ihren Folgen Gesundheit und Dienstfähigkeit dauernd schädigen. Bisswunden zeigen meist nur eine geringe Wund- fläche mit gewulstetem, bläulich rotem Bande und ge- ringer Blutung. Dieselben heilen langsam und schwer und bringen Lebensgefahr durch Blutvergiftung (Schlangen- bisse, Hundswut). Abgesehen von der besonderen Be- handlung in den früher beschriebenen Fällen, fahre man über jede Bisswunde mit dem Argentum nitricum-Stift und verbinde sie dann mit antiseptischen Verbänden (siehe Wundbehandlung). Hieb- und Schnittwunden werden durch scharfe Waffen, Instrumente und Gegenstände verursacht. Die- selben zeigen eine mehr oder weniger klaffende Wund- fläche und meistens starke Blutung. Quetschwunden werden durch Verletzung mic stumpfen Waffen (Gewehrkolben, Keulen, Knütteln, Steinen) oder durch Fall auf harten Grund verursacht. Dieselben zeigen eine unregelmässige, wenig blutende Wundfläche mit gewulsteten Bändern, geschwollener und blutunterlaufener Umgebung; je nach der einwirkenden. Gewalt können sie mit tiefer greifender Zerstörung der Weichteile und Knochen verbunden sein. Ist die Haut durch die oben genannten Schädlichkeiten nicht getrennt, so spricht man von einer Quetschung. Dieselbe ist mit Buhe, kalten oder hydropathischen Umschlägen oder solchen mit Tinctura Arnicae (wo Eis ist, Eisumschläge) zu behandeln. Bei sehr erheblicher Quetschung mit Ver- letzung tiefer gelegener Körperorgane ist ärztliche Hilfe; schleunigst nötig. Risswunden sind meist lang, oberflächlich, haben unregelmässig gezackte Bänder und bluten oft stark; sie werden durch schnell die Haut entlang fahrende, diese aufreissende Gegenstände (wie Nadeln, Glassplitter, Holz- splitter) verursacht. Schusswunden werden durch Geschosse aus Klein- gewehren und Geschützen erzeugt. Haben die Geschosse den Körper nur oberflächlich in ihrem Fluge gestreift, so ist durch dieselben ein Streifschuss hervorgebracht. Haben sie die Körperoberfläche getroffen, ohne einzu- dringen (matte Kugel, auf metallene Gegenstände in der Kleidung oder Ausrüstung schlagende Kugel), so entsteht ein Prellschuss. Je nach der Kraft und Grösse des aufschlagenden Geschosses kann durch einen Prellschuss nur eine Quetschung oder tiefgreifende Zerreissung von Weichteilen und Knochen gesetzt werden. Ist ein Geschoss in den Körper eingedrungen, so bleibt es, abhängig von seiner Flugkraft oder dem sich ihm im Körper bietenden Widerstand, entweder in dem- selben stecken (blinder Wundkanal), oder es verlässt den Körper wieder, erzeugt also nur eine Öffnung (Einschuss) oder noch eine zweite Ausschussöffnung. Die Bedeutung und Gefahr einer Schusswunde richtet sich nach Art des Geschosses und der von demselben abgerissenen Stücke der Kleidung und Ausrüstung sowie nach den getroffenen Körperorganen und Körpergegenden (siehe leichte und schwere Wunden). Schusswunden schmerzen und bluten zuerst wenig, oft garnicht. Stichwunden werden durch Nadeln, Splitter, Pfeile, Speere hervorgebracht, zeigen meist nur eine kleine Wundöffnung, bluten im allgemeinen wenig, sind aber, weil sie in die Tiefe gehen, namentlich an Kopf, Kumpf, Brust und Bauch gefährlich. Die Gefahr wird erhöht durch in der Wunde gebliebene Teile der Wunderreger (Nadel , Pfeilspitze, Splitter). Wundbehandlung. Die Hauptaufgabe der Wund- behandlung ist, eine schnelle und ungestörte Wiederver- einigung der durch die Wunde getrennten Teile des Körpers zu erzielen. Zur Erfüllung dieser Aufgabe sind in erster Linie von Beginn jeder Wundbehandlung an drei Gesichtspunkte festzuhalten: 1. Genaue und sorgfältige Blutstillung, 2. Schutz der Wunde vor Fäulnis und Entzündung 3. Kühe des verwundeten Teiles. erregenden Stoffen (Infektionsstoffen), Indem ich betreffs der Blutstillung auf den Abschnitt Blutung verweise, gehe ich gleich auf die zweite Auf- gabe der Wundbehandlung über. Der Schutz der Wunde vor Verunreinigung, An- steckung und Erkrankung wird durch die antiseptische (fäulniswidrige), Ansteckung verhütende Wundbehandlung gegeben. Die eine Wunde umgebende Luft, sowie alle mit ihr in Berührung kommenden Dinge Wasser, Kleidungsstücke, untersuchende Hände, Instrumente, Ver- bandgegenstände verunreinigen die Wunde und können durch Ansteckung gefährliche Erkrankung der Wunde setzen, wenn sie nicht desinfiziert, d. h. von Ansteckungs- stoffeu befreit sind. Erster antiseptischer Verband bei frischen Wunden. Die erste Bedingung bei Behandlung einer frischen Wunde ist die, dieselbe niemals ohne weiteres mit den Fingern zu berühren, sie so schnell wie möglich und IS* zwar durch einen antiseptischen Verband vor Ansteckung zu, schützen, ausgenommen vergiftete Wunden! (siehe Schlangenbiss, Insektenstiche, Bisswunden, Hundswut.) Dies geschieht in folgender Weise: Zuerst wird die ganze Wundöffnung, beziehungs- weise Wundfläche, mit Jodoform in gleichmässiger Lage bestreut; auf der Wunde befindlicher Blutschorf darf nicht entfernt werden! Darauf wird auf dieselbe eine antiseptische Compresse gelegt, d. h. eine Com- presse, die mit einem Stoff getränkt, imprägniert ist, der alle ansteckenden Krankheitserreger von einer Wunde fernhält, beziehungsweise dieselben vernichtet, wenn sie in eine Wunde gelangt sind. Solche Compressen be- stehen aus Carbol-, Jodoform-, Sublimatgaze. Die Com- presse selbst muss so gross sein, dass sie nicht nur die AVunde, sondern auch ihre Umgebung nach allen Dich- tungen hin auf mindestens 2 Centimeter in der Fläche bedeckt. Zweitens darf die Compresse niemals mit den Händen an der Stelle und Fläche berührt werden, die auf die Wunde selbst kommt. Dabei ist zu erinnern, dass bei Schusswunden stets genau zu untersuchen ist, ob nur eine oder ob zwei Wundöffnungen vorhanden sind. In letzterem Falle müssen natürlich beide ver- bunden werden. Als zweite Lage kommt auf die AVunde eine dreidoppelte Lage Verbandwatte, welche die dar- unter liegende Compresse an allen Seiten überdeckt und überragt. Den Schluss bildet ein die vorherigen auf- gelegten Verbandstücke völlig bedeckendes Stück wasser- dichten Verbandstoffs. Derselbe wird mit einer Binde oder einem Verbandtuch so befestigt, dass die Wunde berall fest abgeschlossen ist. Heftige Blutungen erhalten die erste Blutstillung nach den unter äussere Blutung gegebenen Vorschriften. Gleichzeitige Verletzungen von Knochen und Ge- lenken werden nach den unter Knochenbrüche (Brüche) und Verrenkungen, Verstauchungen aufgestellten Grund- sätzen behandelt. Autiseptischer Verband bei verunreinigten Wunden. Von Anfang an verunreinigte oder eiternde Wunden und ihre Umgebung werden, wo hinreichend Zeit dazu vorhanden ist, nach Aufstreifen der Eock- und Hemdärmel des Helfers bis zum Ellenbogen, nach sorg- fältiger Reinigung und Desinfektion der mit der Wunde in Berührung kommenden Hände durch Waschen mit Wasser und Seife, (Bürsten und Reinigung der Finger- nägel!) und antiseptischer Lösung, mit antiseptischer Lösung sorgfältig ausgespült. Solche antiseptische Lösungen werden durch Auflösung von Sublimat, Acidum carbolicura, Acidumboricnm, Acidum salicylicumin Wasser, am besten in abgekochtem Wasser hergestellt. Nach sorgfältiger Ausspülung mit dem Irrigator wird die Wunde entweder, wie vorher beschrieben, mit Jodoform und nachfolgendem Verband geschlossen, oder sie erhält einen feuchten Verband, antiseptischen hydropatischeu Verband. Zu dem Zwecke wird die zuerst aufzulegende Corapresse in eine antiseptische Lösung getaucht, mit derselben getränkt. Darauf kommt eine Lage Verbandwatte und schliesslich, wie oben be- schrieben, der wasserdichte Verbandstoff. Dieser Ver- band wird ausschliesslich bei Wunden angelegt, die von vornherein sehr schmerzhaft sind und stark entzündlich gerötete Umgebung zeigen. Schmerz unft Entzündung lindernd wirkt dabei die durch den luftdichten Ver- schluss mittelst des wasserdichten Verbandstoffes erzeugte feuchte Wärme. Ein solcher Verband wird stets bei Bisswunden nach vorhergehender sachgemässer Behand- lung (siehe oben), ferner bei Quetschwunden und grosseren Bisswunden anzulegen sein. Derselbe bleibt niemals, wenn möglich, länger wie einen Tag liegen und wird dann unter genauer Beobachtung der angegebenen Vor- sichtsmassregeln, stets in derselben Weise wieder an- gelegt. Ein trockner Verband folgt erst, wenn Schmerz und Entzündung geschwunden sind. Im allgemeinen bleibt jeder Verband, auch wenn er von vornherein ein trockner ist, nur so lange liegen, bis er entweder blutdurchtränkt ist, oder Schmerzen in der Wunde auftreten, oder Unbehagen und Fieber sich ein- stellen. Die Wundbehandlung des Laien darf nur bei kleinen und unbedeutenden Wunden eine selbständige bleiben. Grössere oder stark blutende, lebenswichtige Organe berührende Wunden müssen baldigstmöglich sach- verständiger Behandlung durch den Arzt (Blutstillung in der Wunde, Entfernung von Knochensplittern, Fremd- körpern, Geschossen) anvertraut werden. Niemals darf der Laie eine genaue Untersuchung von Wunden mit Instrumenten oder Entfernung von Knochensplittern oder tiefliegenden, festsitzeuden Fremdkörpern aus den- selben vornehmen. Ebenso richtet sich die weitere Pflege einer solchen Wunde genau nach den Vorschriften des Arztes mit genauster Berücksichtigung der vorher gegebenen Hegeln und Sgrge für gutes Lager in luftigem, gut ven- tiliertem Baum. Sachgemässe Ernährung durch leicht verdauliche Diät, Vermeiden von Bier, nnvermischtem Wein, (besonders bei Kopfwunden), Regelung- des täg- lichen Stuhlgangs und tägliche Messung der Körper- temperatur sind die weiteren wichtigen Massnahmen. Wundfleber. Bei grösseren Wunden kann bald nach der Verwundung eine leichte Temperatursteigerung, ver- bunden mit leichtem Unwohlsein auftreteu. Setzt die Temperatursteigeruug aber mit Schüttelfrost ein, über- steigt 39,0° C. (siehe Fieber) und hält länger als einen Tag an, so ist sie ein Zeichen, dass die Wunde infolge von Ansteckung, Infektion erkrankt ist. Wundkranklieiten. Die häufigste Wnnderkrankung ist die Eiterung, hervorgerufen durch in die Wunde ge- langte Infektionsstotfe. Behandlung: Wenn schnell herbeigeholte Hilfe nicht innerhalb 2 Stunden zur Stelle; Verbandwechsel und antiseptische Ausspülung (wie oben angegeben). Wundrose ist eine durch einen bestimmten Infektions- stoff erzeugte Wundkrankheit, dieselbe entsteht unter Kopf- schmerz und hohem Fieber und kennzeichnet sich dadurch, dass unter heftigem Brennen die Umgebung der Wunde eine glänzend rote Färbung gewinnt, zuweilen auf diesem so gefärbten Grunde Blasen sich erheben. Die Wundrose kann von kleinen vorher garnicht bemerkten Wunden durch Ansteckung derselben ausgehen und kriecht all- mählich über die Oberfläche eines Körperteiles nach allen Richtungen hin fort. So gehen Kopf- und Gesichtsrose stets von kleineren und grösseren Wunden (wund ge- scheuerten Hautstellen z, B. an der Käse) aus. Behandlung: Bei Zusammenliegen mehrerer Ver- wundeter in einem Raume sofortige Absonderung, Isolierung der Eosekranken, sorgfältige Desinfektion des bisher benutzten und auch des neu gewählten Eaumes, während und nach Aufenthalt der Kranken darin. Bei grösseren Wunden ist zweimal täglicher Verbandwechsel mit antiseptischer Ausspülung und Anlage antiseptischen- hydropathischen Verbandes vorzunehmen. Bei kleinen Wunden ist ein mehrmals täglich gewechselter antisep- tischer-hydropathischer Verband allein ausreichend. Bei Gesichts- und Kopf-Eose sind kühle Umschläge, 'wo Eis ist, Eisblase aufzulegen. Innerlich gebe man kühlende Getränke (Sauerbrunnen, Tabletten Acidum citricum mixtum), leichte Diät, bei Schwäche Wein; sorge für täglichen Stuhlgang (Fruchtsalz, Calomel). Wundlaufen, Wundreiten, Wundsclieuern kommt durch Reizung der Haut an den Füssen, zwischen den Hinterbacken, in der Leistengegend, an den Innenflächen der Ober- und Unterschenkel, in der Achselhöhle, nament- lich durch Schweiss und mangelhafte Eeinigung der Haut zu Stande. Besonders neigen dazu Menschen, die ein sehr reichliches Fettpolster haben und solche, die sehr stark schwitzen. Am besten verhütet wird dieses lästige und oft sehr schmerzhafte Leiden durch sorgfältige Hautpflege (siehe Teil IS. '29.61.66.69). Wer an Schwei ss- füssen leidet, muss täglich diePüsse dreimal in Wasser von Lufttemperatur waschen, daun dieselben tüchtig trocken reiben und nach jeder Waschung mit Salicyltalg (Talcum salicylatum) einstreuen oder Pasta salicylata Lassar, Va- selin-Lanolin einzureiben. Über Schuhwerk siehe Teil I Seite 22 f. Ist die Haut wund, so wasche man sie täglich mit Salicylsäure-Lösung (Acidum salicylicum) ab und reibe sie darauf mit Salicyltalg (Talcum salicylatum) 281 oder Pasta salicylata Lassar oder Vaselin-Lanolin ein. Grössere Hautwunden sind mit Ruhe, Verband (siehe Wunden, Geschwüre) zu behandeln. Zahnschmerzen. Dieselben gehen meistens von einem erkrankten Zahn aus, können aber auch rheumatischer Natur sein. z. Behandlung: Das beste Mittel zur Verhütung der aus erstgenannter Ursache entstehenden Schmerzen ist sorgfältige Pflege der Zähne, nachdem alle kranken Zähne vor Ausreise in die Tropen entweder plombiert oder ausgezogen sind (siehe Teil I Seite 21). Das sicherste Mittel gegen den Zahnschmerz selbst ist bei bereits durch und durch kranken Zähnen, wenn es nicht schon, wie gesagt, geschehen ist, natürlich die Entfernung der Missethäter von sachkundiger Hand mit sorgfältiger Nachspülung des Mundes mit Tinclura Myrhae- oder Kali hypermanganicum-Lösung. Bei jedem andern Zahnschmerz habe ich von den unzähligen Mitteln stets noch die vorsichtige Bepinselung des Zahnfleisches über den erkrankten Zähnen mit Tinc- tura jodi als das erfolgreichste angeordnet und kann dasselbe mit gutem Gewissen empfehlen. Mit dem in die Tinktur getauchten und dann ausgedrückten Pinsel wird das Zahnfleisch, indem die Zunge, die Lippen oder Wangen durch Verbandwatte-Bäuschchen geschützt werden, aussen und innen, d. h. an der den Lippen und Wangen, sowie der nach dem Mundinnern zu gelegenen Seite ein- gepinselt. Beim Einpinseln vermeide man, zu schlucken, damit keine Jodtinktur in den Magen kommt, spüle auch einen Moment nach dem Einpinsein den Mund mit reineim Wasser aus. In das den erkrankten Zähnen ent- sprechende Ohr empfiehlt es sich, einen Wattpfropf (mit einem Tropfen Chloroform angefeuchtet) zu stecken. Ziegenpeter. Entzündung der dicht an den Ohren liegenden Ohrspeicheldrüse mit gleichzeitiger Mandel- entzündung. Dieselbe kann mit Entzündung des Hodens derselben Seite verbunden sein und tritt zuweilen epi- demisch auf (ich habe in Ostafrika bei drei schwarzen Soldaten, Sudanesen, Ziegenpeter beobachtet). Die ent- zündete Drüse präsentiert sich als rundliche vor dem Ohr liegende schmerzhafte Geschwulst. Diese geht gewöhnlich nach 8 Tagen zurück. Ausgänge in Vereiterung sind selten. Behandlung: Flüssige Diät, Abführmittel (Frucht- salz, Calomel), Einreiben der Geschwulst mit Vaselin- Lanolin, leichter Tuchverband mit Watte. Wächst die Geschwulst, wird weich und schwappend, so muss sie vom Arzt geöffnet und nach Eröffnung und Eiter- entleerung wie eine eiternde Wunde (siehe Wunden) be-; handelt werden. Geht sie in Verhärtung über, so ist Einpinselung mit Tinctura jodi wiederholt vorzunehmen.. lE. Teil. Zusammenstellung der für den Gebrauch in Ostafrika und tropischen Malaria- Gegenden notwendigen Arzneien, Verband- mittel, Instrumente und anderen Gebrauchs- gegenstände zur Kranken- und Ver- wundeten-Pflege. Erstes Kapitel. Die für den Gebrauch in Ostafrika und tropischen Malaria-Gegenden in Betracht kommenden Arznei- formen und Arzneimittelbehälter. Mit zu Grundelegung des im 11. Teile gegebenen Verzeichnisses der in Ostafrika und tropischen Malaria- Gegenden hauptsächlich in Betracht kommenden Krank- heiten habe ich im Anschluss au meine Thätigkeit bei dem Kaiserlichen Auswärtigen Amte in der Arzneimittel- Versorgung der deutschen Schutzgebiete in Ostafrika, Westafrika und Stidwestafrika mir zur Aufgabe gemacht, für den praktischen Gebrauch eine Reihe von Arzneimittel- Zusammenstellungen (Tropen-Apotheken) zu schaffen. Der Standpunkt, auf welchem ich bei Zusammenstellung derselben gestanden habe, ist der, dass ich bei dem Mangel an Bezugsquellen für Arzneien einem ein- tretenden Bedürfnis nach einem wirksamen Mittel für alle Fälle Rechnung tragen zu müssen glaubte. Lediglich aus diesem Grunde enthalten die von mir zu- sammengestellten grösseren Tropen-Apotheken teilweise Mittel, deren Anwendung nur durch den Arzt zu er- folgen hat. Diese Mittel sind ausdrücklich in dem Arzneimittelverzeichnis unter der Rubrik: Anwendung durch die beigefügte Notiz: „Nur vom Arzte zu ge- brauchen, oder nur nach ärztlicher Verordnung zu ge- brauchen“ u. s. w. Ausserdem noch durch den Zusatz: „Vorsicht“ gekennzeichnet. Was den Umfang der ein- zelnen Apotheken und die Mengen der darin enthaltenen Arzneien, Verbandraittel und Geräte betrifft, so musste die Begrenzung derselben sich nach verschiedenen Ver- hältnissen richten. Diesen war bei Zusammenstellung der Apotheken Rechnung zu tragen, je nachdem der auf den Gebrauch derselben Angewiesene sich in der Nähe civilisierter Orte an der Küste und den grossen Ver- kehrsstrassen, von wo er seinen Arzneimittelbedarf in nicht allzu langer Zeit ergänzen kann, aufhält, oder aber allein, oder in Begleitung anderer, kleinere oder grössere Reisen unternimmt, die ihn monatelang von jeder Kultur entfernt halten. Nach meiner Rückkehr aus Ostafrika sind im Laufe der Zeit in Bezug auf Zusammenstellung von Tropen-Apotheken in verschiedenstem Umfange und den verschiedensten Verhältnissen angepasst, so zahlreiche Anforderungen an mich gestellt worden, dass es aus den oben angeführten Gründen anfangs sehr schwierig war, für jeden Fall das Richtige zu treffen. Im Laufe der Zeit aber habe ich dadurch Gelegenheit gehabt, eine Reihe von Tropen-Apotheken der verschiedensten Grössen und den verschiedensten Zwecken entsprechend, zusammen- zustellen. Aus der Reihe dieser habe ich auf Grund der mit ihnen in Bezug auf Zweckmässigkeit und Haltbarkeit gemachten guten Erfahrungen in Anbetracht des wachsen- den Bedürfnisses eine Anzahl gewissermassen als Typen so ausgewählt, dass es nicht mehr schwer werden dürfte, aus dieser Reihe die für die jedesmaligen Verhältnisse passenden Apotheken, zumal bei zweckmässiger Com- bination der einen mit der anderen, zu wählen. Diese Tropen-Apotheken sind nach meinen speziellen Angaben von Dr. Kade’s Oranienapotheke, Berlin am Oranien- platz (Inhaber F. Lutze), unter bestimmten Bezeich- nungen zusammengesetzt und stehen sowohl in genannter Apotheke wie auch im Geschäftshause des Deutschen Offizier-Vereins zu Berlin zur Ansicht aus. Zur ober- flächlichen Orientierung lasse ich eine kurze Übersicht derselben folgen; No. I. Taschen-Apotheke, 2 Segeltuch-Taschen für den Gebrauch einer Person auf der Station und auf der Reise. No, 11. Umhänge-Tasche (auch als Tornister zu tragen) als Ergänzung zu I auf kleineren Reisen. No. 111. Tornister (auch als Umhängetasche zu tragen) zum Gebrauch auf grösseren Expeditionen ins Innere. Derselbe setzt entweder eine Arzneimittel-Reserve am Endziel der Reise oder aber das Mitführen einer grösseren 286 Reise-Apotheke (No. YIII, IX, X) auf der Expedition voraus. No. IV. Hand-Apotheke I. .Kleine Apotheke an Stelle von I und II oder als Ergänzung- derselben für eine Person. Dieselbe lässt sich anderen Bedarfsgegen- ständen im Koifer beipacken. No. Y. Hand-Apotheke 11. Kleine Apotheke an Stelle von 111, auch für kleinere Reisen zweier Per- sonen. (Ebenfalls anderen Bedarfsgegenständen beizu- packen.) No. VI. Koffer-Apotheke I. Einsatz zu dem von Herrn Major von Wissmann zusammengestellten Offizier-Koffer, welcher neben der Apotheke noch drei andere Behälter (Patronen, Schreibzeug, Cigarren) ent- hält. Dieselbe passt auch in die allgemein üblichen Tropen-Koffer und ist für 3—4 Personen ausreichend. No. VII. Koffer-Apotheke 11. In den Tropen- Koffer passend. Apotheke für I—3 Personen für eine längere Reise und längeren Aufenthalt im Innern be- rechnet. No. VIII. Reise-Apotheke I. Selbständiger kleiner Koffer für kleine Expeditionen. No. IX. Reise-Apotheke 11. Selbständiger grosser Koffer für grössere Expeditionen nach dem Innern. No. X. Grosse Expeditions-Apotheke. Zwei Koffer für grosse Expeditionen nach dem Innern. Etwaige Trennung der Expedition vorgesehen. Am Endziel der Reise auch als Stations-Apotheke zu benutzen. No. XI. Apotheke für kleinere Stationen. Zwei grosse und ein Reserve-Koffer. No. XII. Apotheke für grosse Stationen. Drei grosse und ein Eeserve-Koffer. Wie schon erwähnt, dürfte die Auswahl der Apo- theken für den betreifenden Fall, zumal, wenn man die- selben vor sich hat, nicht schwer fallen. Dabei will ich nicht unterlassen, ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass es durch die Verkehrs-Verhältnisse in Afrika bedingt ist und für grössere Reisen durchaus notwendig erscheint, für die gewählte Apotheke stets eine entsprechende Re- serve mitzunehmen, sodass, wenn eine Apotheke verloren geht, stets noch eine zweite vorhanden ist. Unter keinen Umständen versäume man jedenfalls, die hauptsächlichsten Mittel, in kleineren oder grösseren Quantitäten verteilt, doppelt oder dreifach mitzunehmen und dieselben, in ver- schiedenen Gepäckstücken verteilt, unterzubringen. Diese Yorsichtsmassregel verdient stets die grösste Beachtung, sobald man von der Küste nach dem Innern vordringt. Die von mir angegebene Expeditions-Apotheke ist nach den vorher ausgeführten Gesichtspunkten zusammengestellt und besteht aus zwei Koffern, von denen der eine eine umfangreiche Reserve für die wichtigsten und am meisten in Gebrauch kommenden Arzneien bildet, aber auch in hinreichender Menge daneben die übrigen wesentlichen Medikamente enthält, sodass jeder Koffer für sich auch als selbständige Apotheke betrachtet werden kann. Diese Einrichtung gewährt nicht nur einigerraassen Sicherheit bei etwaiger Trennung der Expedition, sondern bietet auch Ersatz bei Verlust eines der Koffer. Aber auch bei dieser Zusammenstellung kann nicht dringend genug empfohlen werden, in allen anderen Koffern die wich- tigsten Arzneimittel (Chinin, Antipyrin u. s. w.) in aus- reichender Menge als Reserve nnterzubringen. Ich er- innere mich hei diesem Ratschlage an eine Äusserung Livingstones, welche er an einer Stelle seiner Reise- beschreibuugen aufgezeichnet hat, des Inhalts, dass ihm zu Mute war, als ob er sein Todesurteil empfinge, als ihm die Nachricht überbracht wurde, dass sein Koffer mit den gesamten Chinin-Vorräten verloren wäre. AVas die Form und Ausstattung der von mir oben aufgeführten Apotheken, sowie die Auswahl der in den- selben enthaltenen Arzneimittel betrifft, so ist dabei den verschiedenen Yerkehrsverhältnissen, wie den klimatischen Einflüssen Rechnung getragen. Die Arznei-Behältnisse sind durchweg wasserdichte Segeltuch-Taschen oder Eisen- koffer. Von letzteren sind diejenigen, welche als selbst- ständige Transportstücke und Trägerlasteu gelten, mit Gummidichtungen versehen, welche bei den in den Tropeu- Koffern mitzuführenden, kleineren Bisenkoffern als nicht unbedingt notwendig in AVegfall gekommen sind. Die Arznei-Gefässe sind teils Blechbüchsen, mit einem vor Rost schützenden Lack überzogen, deren AVrschluss mittelst eines Deckels mit Schraubengewiude bewirkt wird, teils Glasgefässe mit eiugeschliffenen Glasstopfen, welche der guten Öffnung der Flaschen wegen mit Vaselin zu bestreichen sind, teilweise solche mit Metallver- schraubung. Der luftdichte Verschluss der Verschrau- bungen ist durch eingelegte Kork- oder Gummischeiben erhöht; es kann nicht diingend genug empfohlen werden, die Deckel der Büchsen stets so fest aufzuschrauben, dass auch wirklich durch den Druck der Kork- resp. Gummieinlage der beabsichtigte Luftabschluss erzielt wird. Neuerdings bin ich mit Versuchen beschäftigt, welche dahin zielen, die Blechgefässe durch solche aus lackierter Papiermasse zu ersetzen und die Haltbarkeit der Blechbüchsen durch einen Überzug der Innen Wandungen noch widerstandsfähiger gegen die Einflüsse der Feuchtig- keit, beziehungsweise auch der in ihnen enthaltenen Arzneimittel zu machen, da der durchgängigen Ver- wendung von Glasgefässen deren verhältnismässig grosses Gewicht hindernd im Wege steht. Die Signaturen der Gefässe (Bezeichnungen der in denselben enthaltenen Arzneien) sind entweder in 01- schrift oder Papier ausgeführt, welche letztere, durch einen geeigneten Klebstoff auf den Gefässen befestigt und mit einem für diese Zwecke brauchbaren Lack über- zogen, bei einigermassen sorgfältiger Behandlung der Apotheke sich bisher stets sehr gut bewährt haben. Die Arzneibehälter tragen die Bezeichnung ihres Inhalts doppelt, einmal als Schild an einer Seite, das andere Mal auf dem Verschluss des Gefässes. Die Namen der Arzneimittel sind in lateinischer Sprache und bei Mitteln, welche treffende deutsche Benennungen haben, auch mit diesen auf den Signaturen angebracht. Ausserdem ent- halten die letzteren die Dosis der vorhandenen Arznei- form und für die Anwendung und Aufbewahrung der einzelnen Arzneimittel notwendige und beachtenswerte AVinke, wie ausser den oben erwähnten z. B.: „Nur genau nach Vorschrift anzuwenden“, „Stets gut ver- schlossen aufzubewahren“, „Feuergefährlich“ u. s. w. Durch Signaturen in roter Farbe besonders ins Auge fallend gekennzeichnet sind ausserdem noch diejenigen, deren Anwendung in keinem Falle unverdünnt, also ohne besondere, genau nach Vorschrift auszuführende Zu- bereitung statthaft ist, oder solche, die nur äusserlich anzuwenden sind. Bei solchen, die falsch, d. h. nicht genau mit Beachtung aller Vorschriften angewandt, ge- sundheitsschädliche Wirkungen haben, findet sich auf der Signatur der Vermerk: „Nur genau nach Vorschrift zu gebrauchen“. Von einer Anweisung aber, in welchen Erkrankungsfällen und in welcher Dosis die einzelnen Arzneimittel zur Anwendung kommen, ist auf der Signatur Abstand genommen worden. Die Anwendung der Arz- neien in den von mir zusammengestellteu Tropen-Apo- theken soll durch Laien nur nach genauer Orientierung an der Hand des vorliegenden Ratgebers geschehen. Durch diese Anordnungen wird nach meiner Überzeugung am besten einem etwaigen fehlerhaften, ja schädlichen Arzneigebrauch gesteuert, sowie daraus entspringenden Schädlichkeiten oder gar Lebensgefahren nach Möglich- keit vorgebeugt. Zu dem Ende habe ich dem I. und 11. Teil meines Buches ein Arzneimittel-Verzeichnis folgen lassen. Diesem ist der Inhalt der grössten von mir zusammengestellten Tropen-Apotheken für eine grosse Station zu Grunde gelegt. Im 11. Teil, auch an einigen Stellen des I. Teiles, ist auf die in dem Arzneimittel- Verzeichnis zwecks leichter und schneller Auffindung alphabetisch nach ihren wissenschaftlichen Namen geord- neter Medikamente verwiesen. Ausser der alphabetischen Anordnung nach der wissenschaftlichen Bezeichnung findet sich unter E. ein alphabetisches Verzeichnis der popu- lären Arzneimittelnamen, deren jedem der wissenschaft- liche Name beigefügt ist. In erstgenanntem Verzeichnis findet man neben einigen, das Mittel und dessen An- wendung betreffenden Notizen, in der letzten Rubrik die 291 Signatur des Mittels, unter welcher dasselbe in den Arzneibehältern vorhanden ist. Aus dem alphabetisch geordneten Inhalts-Verzeichnis der zur Verfügung stehen- den Apotheke ist dann das Vorhandensein des gesuchten Mittels in derselben zu ersehen. In der Apotheke seihst wiederum sind die in den Blechbüchsen und die in den Glasgefässen enthaltenen Mittel getrennt alphabetisch geordnet. Naturgemäss können die kleineren Zusammen- stellungen nicht sämtliche Mittel der grössten Tropen- Apotheke enthalten, es sind aber auch schon bei den kleineren Apotheken möglichst alle Vorkommnisse be- rücksichtigt, so dass an der Hand des Krankheitsver- zeichnisses in den meisten Fällen und vor allen Dingen bei allen ernsteren, sowie häufig vorkommenden Er- krankungen, Verwundungen und Unglücksfällen ein zweck- entsprechendes Mittel zu finden ist. Für den möglichst leichten und angenehmen Gebrauch der in den Tropen- Apotheken enthaltenen Arzneien ist nach Möglichkeit eine Form der letzteren gewählt, welche eine dem Ein- nehmen voraufgehende Dosierung und Abwägung des in Frage kommenden Mittels vollkommen entbehrlich macht. Diejenigen Mittel, bei welchen es darauf ankommt, dass sie nur in bestimmter Menge zur Anwendung kommen, sind schon in entsprechende Quantitäten abgeteilt vor- handen; sie sind durch die Arzneiform, in welcher sie sich in der Apotheke befinden, genau dosiert, so dass nur diejenigen Arzneimittel, bei welchen eine genaue Dosis weniger ins Gewicht fällt und welche theelöffel- weise oder esslöffelweise zur Anwendung kommen, in Pulverform oder in Flüssigkeit sich vorfinden. Zur be- quemen Dosierung der letzteren, wenn die Dosis in Ge- stalt von Tropfen ebenfalls eine genauere Beachtung ver- dient, befinden sich in den Apotheken Tropfflaschen; für solche, welche grammweise eingenommen werden sollen, oder von denen eine bestimmte Quantität mit "Wasser zum innerlichen oder äusserlichen Gebrauch ver- dünnt werden soll, sind Mess-Cylinder bestimmt. Die an diesen angebrachten Teilstriche deuten, die kleineren V 2 Kubikcentimeter (V 2 ccm) V 2 Gramm (0,5) Inhalt, die grösseren 1 Kubikcentimeter (1 ccm) = 1 Gramm (1,0) Inhalt an. Bei grösseren Inhaltsabschnitten ist der- selbe in Zahlen neben dem Strich (z. B. 5 = 5 ccm) ein- gezeichnet. Für eine etwaige theelöffelweise oder ess- löffelweise Anwendung von Flüssigkeiten dienen nach diesen Massen eingeteilte Einnehmegläser. Als Haupt- form für pulverförmige Medikamente, welche in be- stimmter Dosis zur Anwendung gelangen sollen, ist die der comprimierten Tabletten gewählt. Auf meine Ver- anlassung hat seinerzeit diese Arzneiform bei den Arznei- mittel-Ausrüstungen der deutschen Schutztruppe für Ost- afrika in weitgehendster Weise Verwendung gefunden und hat sich dieselbe nach jeder Richtung hin so gut bewährt, dass ich aus voller Überzeugung die allgemeine Anwendung derselben für die Tropen empfehlen kann. Die comprimierten Tabletten vereinigen in sich die Vor- züge genauer Dosierung und somit bequemer und dabei richtiger Art des Einnehmens. Dazu kommt ihre Billig- keit gegenüber dispensierten Pulvern und schliesslich, als noch besonders ins Gewicht fallender Vorzug, ihre für das Mitführen grösserer Mengen von Arzneimitteln in dem denkbar kleinsten Raum geeignetste und halt- barste Form. Der Gebrauch der comprimierten Tabletten ist, je nach dem Zweck, welchen sie erfüllen sollen, ein verschiedener, ihre Hauptbestimmung ist, wie gesagt, das möglichst bequeme Einnehmen von Arzneimitteln. Dasselbe geschieht in der Weise, dass man die Tablette in den Mund nimmt, mit einem kurzen Biss zerteilt und die Trümmer derselben schnell mit Wasser hinunterspült. (Die Tablette soll nicht, wie sie ist, unzerteilt herunter- geschluckt werden.) Dadurch wird das Arzneimittel schnell und möglichst vollständig in den Magen befördert und der etwaige unangenehme Geschmack (wie z. B. beim Chinin) vermieden. Eine andere Gebrauchsart der com- primierten Tabletten ist die, sie langsam im Munde zer- gehen zu lassen, um entweder eine längere Berührung mit den Schleimhäuten des Mundes oder der oberen Luft- wege bei Reizzuständen derselben zu erzielen (Kali chloricum, Ammonium rauriaticum cum succo liquiritiae) oder sie erfrischend wirken zu lassen (durstlöschende Tabletten). Alsdann aber kommt diese Arzneiform auch zur Anwendung bei der innerlichen Anwendung von Medikamenten, welche infolge ihrer ätzenden Eigen- schaften als reine Substanzen nur in Lösung zur An- wendung kommen dürfen und zwar, um die Herstellung einer Lösung des Medikaments von bestimmter Stärke in AVasser ohne Hilfe der Wage zu ermöglichen (Chloral- hydrat, Kalium jodatum, Kalium bromatum). Es ist mittelst der comprimierten Tabletten leicht, Mixturen mit richtigem Arzneigehalt für längeren Gebrauch her- zustellen, oder aber auch nur die einmal erforderliche Dosis eines Medikaments, in Wasser gelöst, einzunehmen. Analog dem Gebrauch dieser Tabletten, welche allein in Lösung zur innerlichen Anwendung kommen, ist der der Tabletten, welche nur zur Herstellung von Lösungen zur äusserlichen Anwendung, zur Herstellung von Verband- wässern (Sublimat-, Bleiessig-Lösung) bestimmt sind. So wird beispielsweise eine antiseptische Sublimatlösnng von 1,0 : 1000,0, d. h. von 1 Gramm Sublimat, aufgelöst in 1000 Gramm Wasser, so hergestellt, dass 2 Tabletten zu 0,5 (Gramm) Sublimat einfach in einer am besten vorher abgekochten Wassermenge von I Liter (Inhalt des Irrigators, siehe unten) aufgelöst werden. Im An- schluss hieran will ich gleich, auf den Gebrauch der Mess-Cylinder zurückgreifend, hinzufügen, dass man, ähnlich der eben genannten antiseptischen Lösung, bei- spielsweise eine 2prozentige Karbolsäurelösung bereitet, indem man 5 ccm Acidi carbolici liquefacti in V-t Liter = 250 Gramm Wasser, im Irrigator abgemessen, hinein- giesst und durch Umrühren mit einem reinen, desinfi- zierten Gerät (Löffel) anflöst. Die Lösung ist fertig, wenn sie sich klar, ohne Bodensatz, präsentiert. Kleinere Lösungen werden dementsprechend, am besten mit Arznei- flaschen zu 100, bezw. 200 Gramm Inhalt und Mess- Cylindern, hergestellt. Die Verwendung der corapri- mierten Tabletten zur Herstellung von Arzneilösungen, die unter die Haut gespritzt werden, Subcutan-Injectionen, darf ausschliesslich nur in der Hand des Arztes liegen und sei lediglich der Vollständigkeit halber erwähnt. Zur genannten Benutzung wird, um die Gebrauchs- weise anzudeuten, eine Tablette mit einem Tropfen destillierten oder eine halbe Stunde lang abgekochten Wassers befeuchtet, auf einem sorgfältig desinfizierten ührglas mit einem Finger der gleichfalls desinfizierten Hand zerdrückt, mit wenig Wasser in die Subcutan- Spritze (siehe unten) gespült und durch Umschütteln der Flüssigkeit in derselben die vollständige Lösung der Tablette in der Spritze bewirkt. Schliesslich seien die in den von mir zusammengestellten Apotheken in com- primierter Form enthaltenen Thees erwähnt. Diese Tabletten, der besseren Haltbarkeit der aromatischen Bestandteile der Thees wegen in Stanniol gefüllt, reprä- sentieren die Dosis für 2 Tassen Thee. Sie sind in der Hatte mit einem Einschnitt versehen, welche das be- bueme Durchbrechen und Teilen gestattet. Für die Halt- barkeit und Dauerhaftigkeit und zugleich dauernde Wirk- samkeit der in Form der comprimierten Tabletten dar- gestellten Arzneien diene beweisend die Thatsache, dass icli von den von mir im März 1889 nach Ostafrika mit- genommenen Tabletten (Chinin, Antipyrin, Calorael, Ipecacuanha u. s. w.) noch heute einen Teil besitze, der sowohl seine unveränderte Gestalt wie seine völlige Wirksamkeit behalten hat, und hatte ich mir, wie ich hinzufügend bemerken will, eine Anzahl Tabletten von vornherein des Versuches halber aufgehoben, dieselben auf allen meinen Touren in eine meiner Taschenapo- theken im Koffer mitgeführt, also durchaus nicht ge- schont. Die dauerhafte Wirksamkeit der betreffenden Mittel habe ich an mir selbst noch vor kurzer Zeit an Antipyrin, Calomel und Chinin erprobt. Was die Löslichkeit der comprimierten Tabletten in den Körpersäften, namentlich den Yerdauungssäften anbelangt, so habe ich bei sorgfältiger Beobachtung nur bei 6 Patienten Europäern in Ostafrika Ta- bletten von radix Ipecacuanhae ungelöst wieder aus- brechen sehen; die betreffenden Patienten hatten aber die Tabletten, ohne sie durch Biss zerteilt zu haben, heruntergeschluckt und litten ausserdem auch schon vor ihrer Erkrankung (es handelte sich um Malaria-Fieber) an einem schwachen Magen. Die Wirkung des Mittels war im übrigen trotzdem völlig ausreichend, da reichlich Mageninhalt und Galle mit den Stücken der Tablette ent- leert wurde. Durch den Darm habe ich niemals un- gelöste Tabletten trotz wiederholter Beobachtung abgehen sehen. Die neuerdings hergestellten Tabletten werden auch in Fällen, wie die eben angeführten, stets sofort gelöst werden, da sie durchweg die Auflösung befördernde Quellmittel enthalten. Sowohl die mannigfache Art der Verwendung, wie auch die angeführten Vorteile sind es, welche die Arzneiform der comprimierten Tabletten für die Tropen-Apotheken als die zweckmässigste erweisen und auch bei grösseren Lazarethen und Krankenhäusern den Mangel an pharmaceutisch gebildetem Personal durchaus nicht empfinden lassen, so dass die Arznei- mittelausgabe in denselben unter der Aufsicht eines Arztes durch einen Lazarethgehülfen oder eine in der Krankenpflege ausgebildete Schwester sich leicht und sicher vollziehen lässt. Ausser den comprimierten Ta- bletten sind in den von mir zusammengestellten Tropen- Apotheken noch folgende für die Zwecke in Afrika be- sonders praktische Arzneiformen, welche dieselben Vor- züge, wie die ebengenannten Tabletten unter meiner An- wendung und Beobachtung in Ostafrika bewährt haben, vertreten; Dragierte Pillen, Gelatinekapseln, sterilisierte Subcutan-Injectionen und Granules. Über die Anwendung der beiden ersteren brauche ich an dieser Stelle wohl nichts weiter hinzufügen. Dieselben ermöglichen das Einnehmen schlecht schmeckender, fester und flüssiger genau dosierter Medikamente mit etwas Wasser ohne irgend eine Geschmacksempfindung hervorzurufen und sind in den Tropen durchaus haltbar. In Bezug auf die sterilisierten Subcutan-Injectionen muss ich noch er- wähnen, dass dieselben aus kleinen zu einer Spitze aus- gezogenen und an dieser zugeschmolzenen Röhrchen be- stehen , welche in einem Cubikcentimeter Flüssigkeit die auf der Signatur des Gläschens angegebene Menge des Arzneistoffes enthalten. Die Röhrchen sind nach dem Sterilisieren zugeschmolzeu und die darin befindlichen Injectioneu dauernd haltbar. Es ist leicht, die Spitze des Röhrchens abzubrechen und den Inhalt in die Sub- cutau-Spritze zu leeren, zumal wenn man den Hals des Gläschens zwischen zwei Fingern der linken Hand hält, die desinfizierte Canüle der Spritze in diesen nach unten gerichteten verengerten Teil des Gläschens bringt und nun durch allmähliches Zurückziehen des Stempels die Flüssigkeit in die Spritze saugt. Die Arzneiform der Granules ist nur für zwei unentbehrliche, sehr stark wirkende Mittel zur Anwendung gebracht, welche sonst gewöhnlich als Flüssigkeit in Tropfenzahl genommen werden sollen: Fowlersche Arsenlösung und Strophantus- Tinktur. Die Stückzahl der Granules vertritt hier die Zahl der Tropfen und dürfte nach ärztlicher Verordnung das Abzählen der Kügelchen bequemer und die Anwendung derselben aus naheliegenden Gründen gefahrloser sein, als wenn diese beiden stark wirkenden Medikamente in Form von Flüssigkeiten in den Ausrüstungen vorhanden wären. Auf eine weitere Besprechung der Verwendung der in den in Rede stehenden Tropen-Apotheken ent- haltenen Arzneimittel, wie z. B. der Bereitung von Salben n. s. w., will ich an dieser Stelle nicht eingehen, weil dadurch, wenn die Herstellung derselben auch sein- einfach ist, der Rahmen dieses Buches überschritten würde und, wie gesagt, die grösseren von mir zusammen- gestellten Apotheken, welche ihrem Inhalte nach eventuell derartige Ansprüche bei ihrer Benutzung stellen, die Anwesenheit eines Arztes oder mindestens eines ge- schulten Hilfspersonals voraussetzen. Ich will aber zum Schluss nicht unterlassen, angesichts der Thatsache, dass die oben angeführten Arzneiformel! und Arzneibehälter sich in unsern deutschen Schutzgebieten in Afrika bis jetzt dauernd bewährt haben, meiner Befriedigung und An- erkennung darüber Ausdruck zu geben, dass es unserer deutschen Pharmacie in verhältnismässig kurzer Zeit gelungen ist, nicht nur die für unsere Kolonien ge- brauchten Arzneipräparate in teilweise ganz neuen und in jeder Beziehung brauchbaren Formen herzustellen, sondern auch den plötzlich und unerwartet auftretenden grösseren Bedarf nach allen Richtungen hin prompt zu decken, und dass die fabrikraässige Herstellung der für die Tropen gebrauchten Arzneiformen und damit ver- bunden die Lieferung aller ins medizinische Gebiet schlagender Bedürfnisse für unsere Kolonien als Spezia- lität eines renommierten Geschäftes wesentlich dazu bei- getragen hat, deren Bezug zu erleichtern und last not least auch wesentlich zu verbilligen. Zweites Kapitel. Alphabetisches und tabellarisches Verzeichnis der für Ostafrika und tropische Malaria-Gegenden in Betracht kommenden Arzneien, Verbandmittel, Instrumente und anderen Gebrauchsgegenstände zur Kranken- und Verwundeten-Pflege. A. Arzneimittel. Vor bemerk: Die Teilung und Dosierung der einzelnen Arzneimittel ist nach dem Dezimalsystem erfolgt: I.o=l Gramm. 0,1 = 1 Decigramm. 0,01 = 1 Centigramm. 0,001 = 1 Milligramm. Ist bei Lösungsangabe eines Mittels die lösende Flüssig- keit nicht angegeben, so ist diese stets Wasser. Acidi tan- nici 1,0: 100,0 bedeutet 1 Gramm acidi tannici zu lösen oder gelöst in 100 Gramm Wasser. Ebenso ist bei prozen- tigen Lösungen Wasser die lösende Flüssigkeit. Abkürzungen: Tabl. Tabletten, plv. Pulver, Inject. =- Injection -= Einspritzung, compr. comprimiert. Yerbandformen, die in Teil II erwähnt und angeraten sind, wie hydropathische Umschläge, autiseptische hydro- pathische Verbände, kühlende Compressen, finden sich unter B. und C. im folgenden Verzeichnis. Am Schluss desselben unter E. ist eine alphabetische Tabelle der deutschen und populären Bezeichnungen der im vorliegenden Buche in Be- tracht kommenden Arzneimittel angeschlossen. Jedem deutschen und populären Namen ist die entsprechende unter A. mit Anwendung des betreffenden Mittels u. s. wr. zu findende lateinische, beziehungsweise wissenschaftliche Benennung beigefügt. Acidum benzoicum cum camphora et aethere. Kamp her - Benzoesäure - Äther. Anwendung: Erregende Injection bei Herzschwäche I—2 ccm = dem Inhalt von I—2 Röhrchen unter die Haut zu spritzen. Form: Injection. Dosis: 0,01 : 1,0. Signatur: Acid. bcnzoic. camphor ää: 0,01: aether 1,0. Acidum boricum. Borsäure. Anwendung: Rein zu trocknen Verbänden als Streu- pulver, 2proz. Lösung als Verbandwasser, Einspritzung in die Harnröhre und Mundwasser; sproz. mit Vaselin zu Heil salben. Als Schnupfpulver bei starkem Schnupfen. Mildes antiseptisches Mittel ohne Nebenwirkungen. Form: plv. Dosis: rein. Signatur: Acid. boricum plv. Acidum carbolicum. Karbolsäure. Anwendung; Tn 1, 2 und 3proz. Lösung zu Verbänden, in sproz. Lösung zur Desinfizierung der Luft mittelst Sprüh- Apparat. In öproz. Lösung zur Desinfizierung von In- strumenten. Starkes antiseptisches Mittel. Form: Flüssigkeit. Dosis: rein, Signatur: Acid. carbolic. liquefact. Vorsicht! Acidum chromicum. Chromsäure. Anwendung: Ätzmittel für Warzen und Wucherungen; nur zu Händen des Arztes. Form: Flüssigkeit. Dosis: 1 -4- 1. Signatur: Acid. chromicum solutum. Vorsicht! Acidum citricum. Citronensäure. Anwendung: Erfrischende Tabletten, eine Tabl. in einem Glase Zuckerwasser gelöst, bei fieberhaften Krank- heiten. Form: tabl. Dosis: 0,3. Signatur; Acid. citricum compr. 0,3. Citronen-Limonade-Tabletten. Acidum citricum mixtum. Anwendung: Durstlöschende Tabletten; eine Tablette ira Munde zergehen zu lassen. Auf Märschen. Form: tabl. Dosis; 0,5. Signatur: Acid. citricum mixt, compr. 0,5. Acidum muriaticum dilutum. Verdünnte Salzsäure. Anwendung: Bei fieberhaften Krankheiten und Magen- verstimmungen; nur mit Wasser verdünnt anzuwenden. (2,0 : 200,0) 2 ccm auf 200 ccm Wasser. Zweistündlich einen Esslöffel. Form: Flüssigkeit. Dosis: 1 + 1. Signatur: Acid. muriatic. dilut. 1+ 1. Vorsicht! Anwendung; Fäulniswidriges und desinfizierendes Mittel in Lösung 1,0 : 1000,0. Form: tabl. Dosis: 0,5. Signatur: Acid. salicylic. compr. 0,5. Acidum salicylicum. Salicylsäure. Acidum tannicum. Gerbsäure, Tannin. Anwendung: Rein als blutstillendes Mittel, gelöst: 1,0 : 100,0 gegen Tripper und weissen Fluss; gelöst 1,0 : 10,0 zum Pinseln des Kehlkopfs und zum Gurgeln bei Halsent- zündungen nur nach ärztlicher Verordnung. Form: plv. Dosis: rein. Signatur: Acid. tannic. plv. Acidum tannicum cum opio. Tannin mit Opium. Anwendung: Bei Diarrhöen und inneren Blutungen dreimal täglich 1 Tablette. Form: tabl. Dosis: 0,06 + 0,02. Signatur: Acid. tannic. c. opio compr. 0,06 + 0,02. Vorsicht! Aether siehe Acidum benzoicum cum camphora et aethere. Aether aceticus. Essigäther. Anwendung: Erfrischendes Riechmittel bei Kopf- schmerz und Ohnmacht, tropfenweise auf Zucker innerlich. Auch zum Bestreichen der Stirn anzuwenden. Form: Flüssigkeit. Dosis: rein. Signatur: Aether aceticus. Anwendung: Starkes Abführmittel nur fürSchwarze, nach Bedarf 1 - 3 Pillen. Aloe. Aloe. Form: Pillen. Dosis: 0,1. Signatur: Pilul. aloes 0,1. Alumen. Alaun. Anwendung; Zusammenziehendes Mittel, rein als blut- stillendes Mittel, als Streupulver; gelöst in Wasser 2,0 : 100,0 als Injection bei weissem Fluss. Als Gurgelwasser bei Halsentzündung in derselben Lösung. Form: plv. Dosis: rein. Signatur: Alumen plv. Ammonium chloratum cum succo liquiritiae. Salmiak mit Lakritzen Anwendung: Lösendes Hustenmittel, 1 Tablette im Munde zergehen zu lassen. Form: tabl. Dosis: 0,25-f 0,25. Signatur: Ammon, chlorat. c. succ. liquirit. comp. 0,25 + 0,25. Amylum nitrosum. Amylnitrit. Anwendung: Bei Asthma und Krampfanfällen. Den Inhalt des Röhrchens auf ein Tuch gebracht, 2—3 Sekunden (nicht länger) einatmen; nur nach ärztlicher Verordnung. Form: Röhrchen. Dosis; 3 Tropfen. Signatur: Amylum nitrosum. Vorsicht! Amylum cum zinco oxydato siehe Zincum oxy- datum cum amylo. Animale Lymphe siehe Lymphe-animale. Antifebrinum. Antifehrin. Anwendung: Temperatur herabsetzendes Mittel bei fieberhaften Krankheiten, ausserdem Mittel gegen neural- gische Schmerzen; nur nach ärztlicher Verordnung zu ge- brauchen. Form: tabl. Dosis: 0,5. Signatur: Antifebrin compr. 0,5. Vorsicht! Anwendung: Temperatur herabsetzendes Mittel bei Malaria- und anderen fieberhaften Krankheiten, bei akutem Gelenkrheumatismus; gegen Kopfschmerz, Migräne und Neuralgien; 2 Tablettennur nach ärztlicher Verordnung. Form:tabl. Dosis: 0,5. Signatur: Antipyrin compr. 0,5. Vorsicht! Anti py rin um. Antipyrin. Apomorphinum. Apomorphin. Anwendung: Innerlich als Hustenmittel 4 Tabl. in 200 ccm Wasser unter Zusatz von 0,5 ccm verdünnter Salz- säure gelöst zweistündl. einen Esslöffel nur nach ärztlicher Verordnung. Form: tabl. Dosis: 0,01. Signatur: Apomorphin, compr. 0,01. Vorsicht! Apomorphinum. Apomorphin. Anwendung: Nur zu Händen des Arztes. Form: Inject. Dosis: 0,01. Signatur: Apomorphin, mur. 0,01. Vorsicht! Aqua amygdalarum cum morphio muriatico. Bittermandelwasser mit Morphium. Anwendung: Als Hustenmittel dreistündlich 5 Tropfen auf Zucker und als schmerzstillendes Mittel bei schmerz- haften Krankheiten, z. B. Magenschmerzen, Magenkrampf, Bleicolik 10—15 Tropfen zu nehmen. Form: Flüssigkeit. Dosis: 100:1. Signatur: Aqua amygdalar. c. morph. mur. 100 +l. Vorsicht! Argentum nitricum solutum. Höllenstein-Lösung. Anwendung: Zum Bepinseln bei Verbrennungen und Schanker. Form: Flüssigkeit. Dosis: 10+ 1. Signatur: Argent. nitric. solut. 10+1. Argentum nitricum pulveratum. Höllensteinpulver. Anwendung: Zur Herstellung von Höllenstein-Lösung und mit Vaselin 1,0: 100,0 gemischt als Heilsalbe, bei Ver- brennungen und alten Wunden. Form: plo. Dosis: rein. Signatur: Argent. nitric. plv. Vorsicht! Argentum nitricum cum kaiio nitrico. Höllensteinstift. Ätzstift. Anwendung: Ätzmittel bei Warzen, wildem Fleisch, Feigwarzen, schlecht heilenden Geschwüren etc. Form: Ätzstilt. Dosis: 2 + 1. Signatur: Argent. nitric. c. kal. nitric. 2+l. Anwendung: Bei Augenkrankheiten in die Lidspalte zu bringen; nur nach ärztlicher Verordnung. Form: Rondelles. Dosis: Ir 1/25mgr. Signatur: Atropin, gelatin. Vorsicht! Atropinum sulphuricum. Atropin. Balsamum Copaivae cum extraclo Cubebarum. Copaivabalsam mit Cubebenextrakt. Anwendung: Gegen Tripper, wenn die entzündlichen Krankheitserscheinungen vorüber sind, dreimal täglich 1-2 Kapseln, nur nach ärztlicher Verordnung. Form: Kapseln. Dosis: ää 0,25. Signatur: Capsul. Copaiv. c. extract cubebar. ää 0,25. Anwendung: Als Krätzmittel mit Vaselin-Lanolin zu gleichen Teilen gemischt. Form: Flüssigkeit. Dosis: rein. Signatur: Bals. Peruvian. Balsamum Peruvianum. Perubalsam Bismuthum subnitricum. Wismutb. Anwendung: Als Streupulver bei frischen Wunden zur Schorfbildung. 2,0: 100,0 als Tripper-Injection. Innerlich gegen Darmblutungen dreimal täglich. 1 Messerspitze nur nach ärztlicher Verordnung. Form: plv. Dosis: rein. Signatur: Bismuth. sub- nitric. Bismuthum subnitricum cum morphio. Anwendung: Schmerzstillendes Mittel bei Magen- krampf, Magenschmerzen und Colik. Form: tabl. Dosis: 0,8 + 0,006. Signatur; Bismuth. subnitric. c. morph. 0,3 + 0,006. Vorsicht! Wismutb mit Morphium. Borax. Boraxpulver. Anwendung: Antiseptisches und desinfizierendes Mittel für die Kinderpraxis an Stelle von Kali chloricum 1,0: 10,0 zu Pinselungen, 5,0: 100,0 zum Gurgeln und Einatmen. Form plv. Dosis: rein. Signatur: Boraxpulver. Bouillonkapsein. Bouillonkapseln. Anwendung: Zur sofortigen Herstellung von Bouillon I—2 Kapseln in einer Tasse heissen Wassers gelöst. Signatur: Bouillonkapseln. Anwendung: Als antiseptisches und reizendes Mittel bei schlaffen Geschwüren, jauchiger Eiterung, brandigen Processen rein aufgestreut. In Spiritus gelöst 1,0:7,0 als Einreibung bei Rheumatismus etc. Zum Fernhalten von Insekten von Kleidungsstücken, ausgestopften Tieren in Substanz eingestreut. Form: plv. Dosis: rein, Signatur: Camphorpulver. Camphora. Campher. Camphora cum acido benzoico et aethere, siehe Acidum benzoicum cum camphora et aethere. Calomelanum. Calomel. Anwendung: Zum Aufstreuen auf syphilitische Ge- schwüre. Als Augenstreupulver bei Hornhauterkrankungen; nur nach ärztlicher Verordnung. Form: plv. Dosis: rein. Signatur: Calomel. Vor' sicht! Anwendung: Als Abführmittel bei Verstopfung, Durch- fall, Dysenterie; beim Gebrauch häufig Gurgeln mit Tino- tura Myrrhae, Kali hypermangapicum. Form: tabl, Dosis: 0,3. Signatur: Calomel. compr. 0,3. Calomelanum. Calomel. Calomelanum. Calomel. Anwendung: Als Mittel gegen Durchfall und Syphilis der Kinder nur nach ärztlicher Verordnung. 306 Form: tabl. Dosis: 0,01. Signatur: Caiomel. compr. 0,03. Charta Sinapis. Senfpapier. Anwendung: Mit Wasser angefeuchtet als haut- reizendes und ahleitendes Mittel. Auf der betr. Stelle bis zum Eintreten eines heftigen Brennens und starker Rötung liegen zu lassen. Form: Papier. Signatur: Charta Sinapis. Anwendung: Zur subcutanen Injection bei Malaria- Fieber zu Händen des Arztes. Chininum bimuriaticum carbamidatum. Form: Ipiekt. Dosis: 0,25. Signatur: Chin. bi- muriat. carbamid. 0,25. Chininum ferro-citricum. Chinm-Eisencitrat. Anwendung: Bei Bleichsucht, Blutarmut in der Re- ■convalescenz nach erschöpfenden Krankheiten, namentlich nach Malaria-Fieber, dreimal täglich 3 Pillen. Form: Dragees. Dosis: 0,05. Signatur: Chin, ferro- citric. compr. 0,05. Chininum muriaticum. Salzsaures Chinin. Anwendung: Bei Malaria Erkrankungen in der fieber- freien Zeit. Form: tabl. Dosis: 0,5. Signatur: Chinin, muriat. «compr. 0,5. Chininum muriaticum. Salzsaures Chinin. Anwendung: Bei chronischen Malaria-Erkrankungen 1— 2 Tabl. morgens. Form: tabl. Dosis: 0,1. Signatur: Chin. muriat. 0,1, Chloraium hydratum. Chloralhydrat. Anwendung: Als Schlafmittel bei Delirium und Geistes- krankheiten. 2—3 Tabletten in Wasser gelöst auf einmal nur nach ärztlicher Verordnung zu nehmen. Form: tabl. Dosis: 0,5. Signatur: Chloralhydrat. »compr. 0,5. Vorsicht! Anwendung: Mit Opodeldoc oder Provenceröl zu gleichen Teilen gemischt zum Einreiben bei Neuralgie, rheumatischen Schmerzen u. s. w. Auf Watte in den hohlen Zahn gebracht als Zahnschmerzmittel, Als Betäubungs- mittel nur in der Hand des Arztes. Chloroformium. Chloroform. Form: Flüssigkeit. Dosis: rein. Signatur: Chloro- form. Vorsicht! Cocainum muriaticum. Cocain. Anwendung: Innerlich nur nach ärztlicher Verordnung. Form: tabl. Dosis; 0,03. Signatur: Cocain, muriat. compr. 0,03. Anwendung: Als schmerzstillende subcutane Injection nur zu Händen des Arztes. Cocainum muriaticum. Cocain. Form: Injekt. Dosis: 0,03. Signatur: Cocain muriat. 0,03. Anwendung: Als Deckmittel bei Verletzungen und Entzündungen (Rose). Form: Flüssigkeit. Dosis: rein. Signatur: Collo- dium. Collodium. Collodium Anwendung: Antiseptisches Mittel. Ebenso wie Carbol- säure anzuwenden. Zur Desinfektion von Stuhlgängen, mit dem jedesmaligen Stuhlgang eine gleiche Menge einer sproz. Lösung zu verrühren Form: Flüssigkeit. Dosis; rein. Signatur: Creolin. Creolinum. Kreolin. Cuprum sulfuricum. Kupfervitriol. Anwendung: In Substanz als Ätzmittel bei Granu- lationen der Augenbindehaut und Geschwüren mit unreinem Grunde. InLösung 1.0:100,0 als Verbandwasser bei Schanker; als Brechmittel bei Kindern, alle 10 Minuten 1 Esslöffel voll, bis Erbrechen erfolgt; nur zu Händen des Arztes. Form: Krystalle. Signatur: Cupr. sulfur. Vorsicht! 308 Elixir aurantiorum compositum cum tinctura rhei vinosa et tinctura Strychni. Magentropfen. Anwendung: Als Magenmittel bei Appetitlosigkeit und Verdauungsschwäche, bei Darmkrankheiten u. s. w. Dreimal täglich 10 -15 Tropfen. Form: Flüssigkeit. Signatur: Tinctura stomachal. compos. Emplastrum adhaesivum americanum. Heftpflaster, amerikanisch. Anwendung: Als Deckmittel bei Verwundung, zur Vereinigung von Wundrändern, zu Druckverbänden, Befesti- gung von Verbandstücken erwärmt aufzulegen. Signatur: Emplastr. adhaesiv. americ. Emplastrum adhaesivum germanicum. Heftpflaster, deutsch. Anwendung: Wie vorher. Signatur: Emplastr. adhaesiv. germ. Emplastrum animale. Goldschlägerhäutchen. Anwendung: Als Deckmittel bei kleinen Verletzungen, Hautabschürfungen, Schnittwunden u. s. w. Signatur: Emplastr. animale. Emplastrum cantharidatum. Spanisch-Fliegenpflaster. Anwendung: Als blasenziehendes Pflaster bei inner- lichen Entzündungen u. s. w., nur nach ärztlicher Ver- ordnung erwärmt aufzukleben. Nach zwölfstündigem Liegen- lassen die entstandene Blase an einer Seite vorsichtig mit desinfizierter Nadel zu öffnen; nach Entfernung des Wassers Auflegen von Vaselin-Lanolin. Signatur: Emplastr. cantharidat. Vorsicht! Emplastrum cantharidatum perpetuum. Immerwährendes Spanisch-Fliegenpflaster. Anwendung: Erwärmt hinter das Ohr gelegt als Ab- leitung bei rheumatischen Zahnschmerzen, Ohrenentzün- düngen, anhaltendem Kopfschmerz zu tragen, bis das Pflaster abfällt Signatur: Emplastr. cantharid. perpet. Emplastrum plumbi compositum. Zugpflaster. Anwendung: Als reizendes, zusammenziehendes Mittel bei Furunkeln, Abscessen, Geschwüren etc. Signatur: Emplastr. plumbi comp. Eserinum. Eserin. Anwendung: Nur in der Augenheilkunde vom Arzte zu gebrauchen. Form: Rondelles. Dosis: 1 R. = V 26 mgr. Signa- tur: Eserin, gelat. Extractum Cubebarum cum Baisamo Copaivae siehe Bals. Copaiv. c. extr. cubebar. Extractum filicis aethereum. Farnkraut-Extrakt. Anwendung: Bandwurmmittel, in 2 Portionen 12 Kapseln zu nehmen, hinterher Oleum Ricini als Abführmittel, Kinder die Hälfte, bei eintretender Übelkeit Limonade, Form: Kapseln. Dosis: 0,5. Signatur: Capsul. c. extract. filicis 0,5. Extractum hyoscyami siehe Stibium sulphuratum aurantiacum cum extracto hyoscyami. Extractrum Rhei compositum. Zusammengesetztes Rhabarber-Extrakt. Anwendung; Abführmittel, 2-3 Pillen auf einmalzu nehmen. Form: Dragees. Dosis: 0,1. Signatur: Pilul. extract. rhei compr. Extractum secalis cornuti. Mutterkorn-Extrakt. Anwendung: Nur nach ärztlicher Verordnung in der Geburtshilfe u. s. w. Form: Dragees. Dosis: 0,1. Signatur: Pilul. extr. secal. corn. Vorsicht! Exfracium secalis cornuti. Mutterkorn-Extrakt. Anwendung: Als blutstillendes Mittel bei Blutung innerer Organe, Magen- und Darmblutungen, 1 Spritze voll subcutan nur zu Händen des Arztes. Form: Inject. Dosis: 0,1. Signatur: Extract. se- calis cornut. 0,1. Vorsicht! Anwendung: Bei Bleichsucht und Syphilis dreimal täglich 1— 2 Pillen nach ärztlicher Verordnung. Form: Dragees. Dosis: 0.1. Signatur: Pilul. ferri jodat. 0,1. Vorsicht! Ferrum jodatum. Jodeisen. Anwendung: Leicht verdauliches Eisenmittel bei Bleichsucht, Blutarmut, dreimal täglich 2 Pillen. Beim Ge- brauch keine Säuren und keine säurehaltigen Speisen ge- messen! Ferrum lactls. Milchsaures Eisen. Form: Dragees. Dosis: 0,05. Signatur: Pilul. ferri lactic. 0,05. Anwendung: Als blähungtreibendes Mittel bei Kolik, Diarrhöen, namentlich bei kleinen Kindern, 1/2 Tabl. auf eine Tasse Wasser zu Thee. Flores Chamomillae. Chamillen. Form; Tabl. Dosis: 5,0. Signatur: Flores Chamo- millae compr. 5,0. Flores Sambuci. Fliederthee. Anwendung: Schweisstreibendes Mittel bei Erkältungs- krankheiten, 1/2 Tabl. auf 1 Tasse Wasser. Form: tabl. Dosis: 50. Signatur: Flor. Sambuci compr. 5,0. Folia menthae piperitae. Pfefferminzthee. Anwendung: Bei Diarrhöen, Cholera u. s. w. mit Opium, Pulvis Doweri, Choleratropfen etc. x/2 Tabl. auf eine Tasse heissen Wassers als Thee. Form: tabl. Dosis: 5,0. Signatur; Fol. menth. pip. compr. 5,0, Anwendung: Bei Blasenkatarrh dreistündlich eine halbe Tasse voll warm zu trinken. 1/2 Tabl. auf I Tasse Wasser. Folia uvae ursl. Bärtraubenblätter. Form: tabl. Dosis: 5,0- Signatur: Fol. uvi ursi compr. 5,0. Glycerinum. Glycerin. Anwendung: Mit Wasser verrieben als reizmilderndes Mittel bei spröder Haut, Hautausschlägen, Flechten. Als erweichendes Mittel bei erhärtetem Ohrenschmalz einzu- träufeln. Zu abführenden Klystieren 2,0 mittelst einer kleinen Zinnspritze nur von sachkundiger Hand zu geben, wenn alle anderen Mittel erfolglos. Form; Flüssigkeit. Dosis: rein. Signatur: Glycerin. Anwendung: Als Streupulver bei Blutungen, als reiz- mildernder Zusatz bei Tripper. Injectiou nach ärztlicher Verordnung. Als Klebmittel. Form; plv. Dosis: rein. Signatur: Gummi arabicum. Gummi arabicum. Gummi arabicum, Anwendung: Bei Syphilis dreimal täglich 2—B Pillen auf ärztliche Verordnung. Form: Dragees. Dosis: 0,01. Signatur; Pilul. Hy- drarg. jodat. Vorsicht! Hydrargyrum jodatum. Quecksilber]odür. Hydrargyrum oxydatum rubrum Rotes Quecksilber-Oxyd, Anwendung: Bei syphilitischen Geschwüren als Streu- pulver oder in Form von Salbe mit Vaselin 1,U:10,0; als Augensalbe 1,0 :50,0 nach ärztlicher Verordnung. Form: plv. Dosis: rein. Signatur: Hydrarg. oxy- dat. Gift! Vorsicht! Jodoformium. Jodoform. Anwendung; Zur Wundbehandlung; als Streupulver rein aufzustreuen bei frischen Wunden, bei Schanker- Geschwüren, hartnäckigen Fussgeschwüren und jauchigen Eiterungen. Form: plv. Dosis: rein. Signatur: Jodoform. Vorsicht! Kalium aceticum. Essigsaures Kali. Anwendung; Als harntreibendes Mittel bei Wassersucht. 10,0 : 200,0. Zweistündlich 1 Esslöffel nur nach ärztlicher Verordnung. Form: plv. Dosis: rein. Signatur: Kali aceticum. Kalium chloricum Chlorsaures Kali. Anwendung: Bei übelriechendem Atem, Hals- und Muudkrankheiten, Heiserkeit, Halsentzündung. Bei Queck- silbergebrauch täglich 2-3 Tabletten im Munde zer- gehen lassen, ohne dabei zu schlucken! Nach jedes- maliger Auflösung der Tablette den Mund tüchtig mit reinem Wasser (1 Glas voll) ausspülen. Form: tabl. Dosis: 0,25. Signatur: Kali chloricum 0,25. Vorsicht! Kalium nitricum. Salpetersaures Kali. Anwendung: Als harntreibendes Mittel nur nach ärztlicher Verordnung. Bei Asthma (Asthma-Papier). Form: plv. Dosis: rein. Signatur; Kali nitricum plv. Vorsicht! Anwendung; Bei Epilepsie, Asthma, Keuchhusten zu 0,5 drei bis viermal täglich in It2 Glas Wasser aufgelöst nach ärztlicher Verordnung. Als Beruhigungs- und Schlaf- mittel bei Nervosität und Schlaflosigkeit nur nach ärztlicher Verordnung. Form: tabl. Dosis: 0,5. Signatur: Kalium bro- matum compr. 0,5. Vorsicht! Kalium bromatum. Bromkali. Kalium jodatum. Jodkali Anwendung: Innerlich gegen Syphilis nur nach ärzt- licher Verordnung. Neben Quecksilber-Kuren dreimal täglich 1 Tablette in Wasser gelöst. Mit Vaselin gemischt 1,0: 10,0 als verteilende Salbe auf Drüsen und Geschwülste. Form: tabl. Dosis: 0,5. Signatar: Kalium jodat. compr. 0,5. Vorsicht! Kalium hypermanganicum. Übermangansaures Kali. Anwendung: Einige Krystalle in Wasser gelöst als üblen Geruch vertreibendes Mundwasser. Tripper-Injektion. Gegen Schlangenbiss snbkut. Injektion von 1U Spritze 1 proz. Lösung au verschiedenen Stellen der Umgebung der Bisswunde. Form: Kryst. Dosis: rein. Signatur: Kalium hyper- mangan. Kamala et Koso, siehe Koso et Kamala. Anwendung: Anregendes Mittel bei Anstrengung, grossen Strapazen, auf Märschen. Gegen Kopfschmerz nament- lich nach reichlichem Alkoholgenuss mehrmals eine Pastille. Form: tabl. Dosis: 0,5. Signatur: Kolapasta compr. 0,5. Kola, Kolaschokolado, Koso et Kamala. Kousso und Kamala. Anwendung; Bandwurmmittel, morgens nüchtern 10 Stück, nach 1/2 Stunde wieder 10 Stück in Oblaten zu nehmen. Gegen auftretende Übelkeit Citronenlimonade. Abführmittel dabei nicht notwendig. Form: tabl. Dosis: 1,0 -f- 0,5. Signatur: Koso et Kamala compr. 1 + 0,5. Kreosotum. Kreosot. Anwendung: Bei tuberkulöser Lungen-Erkrankung nach ärztlicher Verordnung. Form: dragees, Dosis: 0,05. Signatur: Pilul. Kreo- soti. Vorsicht! Lanolinum-Vaselinum, siehe Vaselinum-Lanolinum. ünimentum Opodeldoc. Opodeldoc. Anwendung: Einreibung bei Hexenschuss, Muskel- Rheumatismus. Form: Flüssigkeit. Dosis: rein. Signatur: Lini- mentum Opodeldoc. Liquor Ammonii anisatus cum tinctura opii benzoica. Anis-Ammoniak mit benzoesäurehaltiger Opium- tinktur. Anwendung; Als Hustenmittel bei Luftröhrenkatarrh von Kindern uud älteren Leuten 1 Theelöffel mit 10 Thee- löffel Zuckerwasser gemischt zweistündlich I Theelöffel. Form: Flüssigkeit Dosis: 14 1. Signatur: Liq. ammonii anisat. c. Tinct. opii benzoica 1 -fl. Liquor Ammonii caustici. Salmiakgeist. Anwendung: Als Riechmittel bei Bewusstlosigkeit,. Ohnmächten und Kopfschmerz. Zu Einreibungen bei rheu- matischen Leiden. Zu Waschungen und Umschlägen bei Insektenstichen. Zum Einträufeln in vergiftete Wunden. Form: Flüssigkeit. Dosis: rein. Signatur: Liquor ammonii caustici. Vorsicht! Liquor Ammonii caustici. Salmiakgeist. Anwendung: Zur subcutanen Injection 1/s Spritze voll an mehreren Stellen der Umgebung vergüteter Wunden (Schlangenbiss) nur von sachkundiger Hand anzuwenden. Form: Injekt. Dosis: 5 ccm. Signatur: Liquor Ammonii caustici 5 ccm. Liquor ferri sesquichlorati. EisenchloricL Anwendung: Äusserlich mittelst Compressen und Tampons verdünnt angewandt zur Blutstillung. Innerlich nur nach ärztlicher Verordnung. Form: Flüssigkeit. Dosis: rein. Signatur: Liquor ferri sesquichlorati. Vorsicht! Liquor Kalii arsenicosi. Fowlcrsche Lösung. Anwendung: Nur nach ärztlicher Verordnung. Form: Granules. Dosis: gtt. 1, Signatur: Granul. Kali arsenicos. ä 1 gtt. Vorsicht! Lymphe animale. Schutzpockenlymphe. Anwendung: Zu Händen des Arztes, Form: Röhrchen. Dosis; rein. Signatur: Animale Lymphe. Vorsicht! Magnesia sulphurica. Bittersalz. Anwendung: Ein Theelöffel in 1 Glas Wasser gelöst als Abführmittel bei Verstopfung kräftiger Personen. Form: plv. Dosis: rein. Signatur: Magnesia sul- phur. sicc. Magnesia usta. Gebrannte Magnesia. Anwendung: Gegen Vergiftung mit ätzenden Säuren dreistündlich 1 Tablette einen Tag lang oder 5,0:150,0 dreistündlich 1 Esslöffel; vor dem Einnehmen umzuschütteln. Form: tabl. Dosis: 0,5. Signatur: Magnesia usta. Mentholum. Menthol Anwendung; Zum Bestreichen der Stirn bei Kopf- schmerz, Migräne. Form: Stift. Dosis: rein. Signatur: Mentholstift. Morphinum muriaiieum, siehe Aqua amygdalarum cum Morphino muriatico. Morphinum muriaticum cum Bismutho, siehe Bis- muthum cum Morphino muriatico. Morphinum muriaticum. Morphium. Anwendung! Als subcutane Injection zur Schmerz- linderung örtlicher und allgemeiner Leiden zu Händen des Arztes. Form: Injection. Dosis: 0,01. Signatur: Morph, müriatic. 0,01. Vorsicht! Anwendung: Zum Schutz gegen Insekten und zum Konservieren nicht gebrauchter Kleidungsstücke, von Vogel- bälgen etc.- Innerlich nur nach ärztlicher Verordnung. Ausser- lich bei Krätze 1,0 : 10,0 Vaselin. Form: Krystalle. Dosis: rein. Signatur; Naphtalin. Naphtalinum. Naphtalin. Natrium bicarbonicum. Anwendung: Bei Magenverstimmungen, saurem Auf- stossen, Sodbrennen u. s. w. 112 TheelöfFel voll zu nehmen. Zur Herstellung von Brausepulver werden 3 Tabl. acidum citricum 0,3 in 112 Glase Wasser gelöst, 1/2TheelöfFel vollNatron zugesetzt, umgerührt und während des Brausens getrunken. Form: plv. Dosis: rein. Signatur; Natrum bi- carbonic. Doppeltkoblensaures Natron Natrium salicylicum. Salicylsaures Natrum. Anwendung: Bei Gelenkrheumatismus zweistündlich 2 Tabletten. Nur nach ärztlicher Verordnung und unter ärztlicher Aufsicht. Siehe Salol. Form: tabl. Dosis: 0,5. Signatur: Natr. salicyl. compr. 0,5. Vorsicht! Anwendung: Nach dem Eintauchen in Wasser zum Einhüllen schlecht schmeckender Pulver für Personen, die Pillen und Tabletten nicht schlucken können. Oblaten. Oblaten. Signatur: Oblaten. Anwendung: Als erregende Injection wie Acidum benzoicum cum camphora et aethere. Form: Injekt. Dosis: 1 ccm. Signatur: 01. cam- phorat. Oleum camphoratum. Kampheröl. Anwendung: Zur Herstellung von Einreibungen mit Chloroform und anderen Mitteln. Oleum olivarum provinciale. Provenceröl. Form: Flüssigkeit. Dosis; rein. Signatur: 01. olivar. prov. Anwendung: Abführmittel bei Ruhr. 1— 2 Esslöffel voll, ev. mit Zucker zu Brei gemischt mit Oblaten oder in Kaffee, Portwein zu nehmen. Form: Flüssigkeit. Dosis; rein. Signatur: 01.Ricini. Oleum Ricini. Ricinusöl. Oleum Santali. Sandelöl. Anwendung: Bei akutem Tripper dreimal täglich I—2 Kapseln Form: caps. Dosis: 0,5. Signatur: Capsul. c. 01. Santal. 0,5. Oleum Terebinthinae. Terpenthinöl. Anwendung: Als Einreibung bei rheumatischen Leiden mit Liq. ammon. caust. Innerlich und als Inhalation bei Lungenkrankheiten, Diphterie nur nach ärztlicher Ver- ordnung. Form: Flüssigk. Dosis: rein, Signatur: 01. Tere- binth. Vorsicht! Opium pulveratum. Opium. Anwendung; Nur nach ärztlicher Verordnung. Form: tabl. Dosis: 0,005. Signatur: Opium plv. compr. 0,005. Vorsicht! Opium cum acido tannico siehe Acidum tannicum cum opid. Opium cum plumbo acetico siehe Plumbum aceti- cum cum opio. Pasta dentifrica. Zahnpasta. Anwendung: Zur Reinigung der Zähne. Form: Paste. Signatur: Pasta dentifric, Pasta salicylata Lassar. Salicyl-Pasta. Anwendung: Bei Wundlaufen, Wundreiten, Wund- scheuern der Haut, ferner bei Flechten und anderen Haut- ausschlägen. Form: Salbe. Signatur: Pasta salicylat. Lassar. Phenacetinum. Phenacetin. Anwendung: Bei nervösem Kopfschmerz und Migräne I—2 Tabl. zu nehmen, niemals mehr an einem Tage. Form: tabl. Dosis: 0,5. Signatur: Phenacetin compr. 0,5. Vorsicht! Pilocarpinum. Pilocarpin. Anwendung: Nur zu Händen des Arztes. Form: Inject. Dosis: 0,01. Signatur: Pilocarpin. 0,01. Vorsicht! Plumbum aceticum cum opio. Blei mit Opium. Anwendung: Bei innerlichen Blutungen nur nach ärzt- licher Verordnung Sstündl. 1 Tablette. Form: tabl. Dosis: 0,04-4- 0,01. Signatur: Plumb. acetic. c. opio compr. 0,04 -+- 0,01. Vorsicht! Anwendung: 1 Tablette, in 'is L. Wasser gelöst, giebt Bleiwasser, zu kühlenden Umschlägen. Form: tabl. Dosis; 2,5. Signatur: Plumb. subacet. compr. 2,5. Plumbum subaceticum. Bleiessig. Pulvis aerophorus laxans divisus. Abführendes Brausepulver. Anwendung: Als mildwirkendes, niederschlagendes Abführmittel. Der Inhalt des blauen Päckchens in 1 Glase Wasser gelöst, darauf das weisse zugeschüttet. Die Brause- mischung nach Umrühren zu trinken. Form; plv. geteilt. Dosis: blau und weiss. Signa- tur: Pulv. aerophorus laxans. Pulvis aerophorus laxans mixtus. Deutsches Fruchtsalz. Anwendung: Morgens 1— 2 Kaffeelöffel in .1 Glas reinen Wassers oder Himbeerwassers aufgelöst nüchtern zu trinken. Form: plv. Dosis: rein. Signatur: Pulv. aeropho- rus mixt. Pulvis contra exsecta. Insekten-Pulver. Anwendung: Als Streupulver mittelst Spritze gegen Insekten anzuwenden. Form: plv. Dosis: rein. Signatur: Pulvis contra insecta. 319 Anwendung: Beruhigendes, schmerz- und krampf- stillendes Mittel. Bei Diarrhöen, zwei- bis dreimal täglich 1 Tablette Bei Husten morgens und abends 1 Tabl. Form; tabl. Dosis: 0,5. Signatur: Pulvis Doweri compr. 0,5. Pulvis Doweri. Dowersches Pulver. Pulvis Magnesiae cum Rheo. Kinderpulver. Anwendung: Bei Magensäure, Verdauungsstörungen, Verstopfungen kleiner Kinder ! Tabl. mit Wasser zu ver- rühren. Form: tabl. Dosis: 0,25. Signatur: Pulv. Magnes. c. Rheo. Anwendung: Brechmittel I—2 Tabl. auf einmal zu nehmen. Radix Ipecacuanhae. Brechwurzel. Form: tabl. Dosis: 0,5. Signatur: Rad. Ipeca- cuanhae compr, 0,5. Anwendung: Als Abführ- und Nährmittel für kleine Kinder. Saccharum lactis pulveratum. Milchzucker. Form; plv. Dosis: rein. Signatur: Sach. lact. plv. Sal Carolinense factitium. Künstliches Karlsbader Salz. Anwendung: Als Abführmittel I—2 Esslöffel in 1 Glas Wasser gelöst. Bei Magen- und Leberkrankheiten nach ärzt- licher Verordnung; ungefähr 6 gramm in 1 L. Wasser gelöst, entspricht dem Karlsbader Brunnen, Form: plv. Dosis: rein. Signatur: Sal. Carol. fact. Anwendung: Als Ernährungsmittel bei Darmkrank- heiten I—2 Esslöffel, mit Zucker gemischt und kaltem Wasser angerührt, wird durch Zusatz von heissem Wasser in einen Schleim verwandelt. Form: plv. Dosis: rein. Signatur: Salep. plv. Salep pulveratum. Salep. Salolum. Salol. Anwendung: Bei Gelenkrheumatismus und Blasen- katarrh zweistündl. 1 Tabl., nicht länger wie 2 Tage langr dann einen Tag aussetzen, nur nach ärztlicher Verordnung. Form; tabl. Dosis: 0,5. Signatur: Salol. Vorsicht! Santoninum. Santonin. Anwendung: Mittel gegen Spulwürmer, Erwachsene dreimal tägl. 2, Kinder dreimal lägt. 1, Kinder im Alter bis zu 6 Jahren zweimal tägl. morgens und abends 1/a Tabl. Hinterher Calomel 1 Tabl. öder 01. Ricini 1 Esslöffel als Abführmittel, für Kinder die für dieselben berechneten Calomel-Tabletten 0,01 zu gebrauchen. Form: tabl. Dosis: 0,05. Signatur: Santonin, compr. 0,05. Spiritus rectificatissimus. Spiritus. Anwendung: Zum Brennen z. B. bei Ansetzen von Schröfpköpfen. Form: Flüssigkeit. Dosis: rein. Signatur; Spiritus. Spiritus aethereus. Hoffmaimstropfen. Anwendung: Bei Körperschwäche nach Anstrengungen, Ohnmächten, Kolikschmerzerr 15-20 Tropfen auf Zucker oder in Rotwein, Wasser. Form: Flüssigkeit. Dosis: rein. Signatur: Spiritus aethereus. Spiritus Sinapis. Senfspiritus. Anwendung: Als Einreibung bei Gesichtsschmerzen und Zahnreissen, als Hautreiz an Stelle des Senfpapiers. 20—30 Tropfen auf Löschpapier gegossen, mit wasserdichtem Stoff bedeckt, aufzulegen. Form; Flüssigkeit, Dosis: rein. Signatur: Spir. Sinapis. Vorsicht! Stibium suifuratum aurantiacum cum extracto hyoscyami. Hustenpastillen. Anwendung: Zur Beseitigung starken Hustenreizes zweistündlich 1 Tablette, nicht länger als einen Tag nehmen. Form: tabl. Dosis: ää 0,03. Signatur: Stib. sul- furat. aur. c. extr. hyoscyam. ää 0,03. Stramonium-Cigaretten. S tramonium - Cigaretten. Anwendung: Bei asthmatischen Anfällen 3—4 Züge zu rauchen, bei Anfällen von Schwindel sofort das Bauchen aussetzen! Nur nach ärztlicher Verordnung. Signatur: Stramonium-Cigaretten. Vorsicht! Strychninum nitricum. Salpetersaures Strychnin. Anwendung: Nur zu Händen des Arztes. Form: Jnjekt. Dosis: 0,005. Signatur: Strychnin, nitric. Vorsicht! Anwendung: Starkes antiseptisches Mittel nur zur äusserlichen Anwendung! innerlich stark giftig! Zur Her- stellung von antiseptischen Lösungen und Verbänden 2 Tabl. in 1 Liter Wasser gelöst. Das Wasser am besten vorher abgekocht. Form: tabl. Dosis- 0,5. Signatur: Sublimat compr. 0,5. Gift! Vorsicht! Sublimat. Sublimat. Sublimat. Sublimat Anwendung: Zur Herstellung schwächerer antisep- tischer Lösungen oder kleinerer Mengen der oben bezeich- neten Lösungen. Form: tabl. Dosis: 0,1. Succus liquiritiae, siehe Ammonium muriaticum cum succo liquiritiae. Sulfonal. Sulfonal. Anwendung: Unschädliches Schlafmittel, abends 1 Tablette nach dem Abendessen zu nehmen. Form: tabl. Dosis: 1,0. Signatur: Sulfonal compr. 1,0. Talcum salicylatum. Salicyl-Streupulver. Anwendung: Als Streupulver beiFussschweiss, wunden Füssen, Stiefeldruck, Wundreiten, Wundscheuern u. s. w. Form: plv. Signatur: Talcum salicylat. Tartarus stibiatus. Brechweinstein. Anwendung: Nur zu Händen des Arztes. Form: plv. Dosis: rein. Signatur: Tartar, stibiat. Vorsicht! Anmendung: Bei Diarrhöen, Choleraanfällen ein bis zweimal am Tage 10 Tropfen in heissem Pfeffermünzthee, siehe Fol. Menthae piperitae. Form: Flüssigkeit. Signatur: Tinct. antichoierica. Tlnctura antichoierica. Clioleratropfen. Tinctura arnicae. Arnikatinktur. Anwendung: Mit Wasser oder Bleiwasser gemischt 30 ccm auf 1 Liter zu Umschlägen bei Quetschungen. Form: Flüssigkeit. Dosis: rein. Signatur: Tinct. arnicae. Tinctura aromatica amara. Aromatische Tropfen. Anwendung: Zur Anregung der Magenthätigkeit und Verdauuugsbeförderung dreimal täglich 20 —3O Tropfen in 1 Esslöffel voll Wasser oder auf Zucker. Als Zusatz zu Baldriantropfen u. s. w. Form: Flüssigkeit. Dosis: rein. Signatur: Tinct. aromatica amara. Tinctura Jodi. Jodtinktur. Anwendung: Als äusseres ableitendes Mittel mit dem Pinsel aufzutragen. Innerlich I—21—2 Tropfen in 1 Glas Wasser aufgelöst nur nach ärztlicher Verordnung. Form: Flüssigkeit. Dosis: rein. Signatur: Tinct. jodi. Vorsicht! Tinctura Myrrhae, Myrrhentinktur. Anwendung: Bei Krankheiten des Mundes und Zahn- fleisches mit Wasser verdünnt als Mundwasser 30 - TOTropfen auf 1 Glas Wasser. Zum Pinseln des blutenden Zahn- fleisches bei Skorbut (Scharbock). Form: Flüssigkeit. Dosis: rein. Signatur: Tinctura Myrrhae. Tinctura opii benzoica cum iiquore ammonii anisato, siehe Liquor Ammonii anisatus. Tinctura stomachalis composita, siehe Elixir aurantiorum compositum cum tinctura rhei vinosa et tinctura strychni. Tinctura strophanti. Strophantustinktur. Anwendung; Gegen Herzklopfen dreimal täglich 3 4 Stück zu nehmen; nur nach ärztlicher Verordnung. Form: Granules. Dosis: I gtt. Signatur: Tinctura strophanti. Vorsicht. Tinctura Rhei vinosa, siehe Elixir aurantiorum. Tinctura strychni, siehe Elixir aurantiorum. Tinctura valerianae aetherea. Ätherische Baldrian- tropfen. Anwendung: Bei Körperschwäche nach Anstrengungen wie Spiritus aethereus dreimal täglich 20 Tropfen in 1 Ess- löffel voll Wasser, auf Zucker; gegen Magenkrampf 2 Teile mit 1 Teil Choleratropfen ein bis mehrere Male am Tage 30 Tropfen in heissem Pfefferminzthee. Form: Flüssigkeit. Signatur: Tinct. valerianae aether. Unguentum irritans. Reizende Salbe. Anwendung: Als reizende und Heilung befördernde Salbe bei schlecht heilenden Wunden, Geschwüren u. s. w. Form: Salbe. Signatur; Unguentum irritans. Unguentum Hydrargyrl cinereum. Grane Quecksilbersalbe. Anwendung: Als verteilende Einreibung bei Drüsen- anschwellungen u. s. w. Bei konstitutioneller Syphilis zur Einreibungskur. Bei Ungeziefer zur Einreibung. Form: Salbe. Dosis; rein. Signatur: Ungt. Hy- drargyri einer. Unguentum praecipitatum album. Anwendung: Einreibung bei Hautkrankheiten. Ring- wurm. Weisse Präcipitatsalbe. Form: Salbe. Signatur: Ungt. praecipitat. alb. Unguentum Zinci. Zinksalbe. Anwendung: Als kühlende, austrocknendeund schmerz - lindernde Yerbandsalbe, auch als Augensalbe bei Lider- entzündungen. Form: Salbe. Signatur: Ungt. Ziuci. Anwendung: Als Grundlage zu Salben und Ein- reibungen; gegen spröde Haut, Sonnenbrand und roten Hund, als Massagemittel; zum Einfetten der Instrumente. Formt Salbe. Signatur: Vaselin-Lanolin. Vaselinum-Lanolinum. Vaselin-Lanolin. Zincum oxydatum. Zinkoxyd. Anwendung: Auf Wunden, Geschwüren, nassen Flechten, Absonderung beschränkend und austrocknend. Innerlich nur nach ärztlicher Verordnung bei Epilepsie und chronischen Durchfällen. Form: plv. Dosis;rein. Signatur: Zincum oxydatum. Anwendung: Trocknendes Streupulver für Flechten, Ausschläge und nässende Wunden. Streupulver gegen roten Hund und Wundsein kleiner Kinder. Zincum oxydatum cum amylo. Zinkpuder. Form: plv. Dosis: 1+ 1. Signatur: Zinc. oxydat. cum amylo. Zincum sulfo-carbolicum. Karbol-schwefolsaures Zinkoxyd. Anwendung: Injection bei Tripper 0,5:100,0. Form; tabl. Dosis: 0,3. Signatur: Zinc. sulfo- carbolic. Zincum sulfuricum. Zinkvitriol. Anwendung: Zu Augenwässern 0,1:30 0; gegen Tripper und weissen Fluss: Injection 0,3 : 100,0. Form: Krystalle. Dosis: rein. Signatur: Zincum sulfuricum. B. Instrumente und Gebrauchsgegenstände zur Kranken- und Verwundetenpflege. Vorbemerk: Die Instrumente, Verbandmittel und Gebrauchsgegenstände zur Kranken- und Verwundetenpflege, welche keine besondere Erläuterung erfahren, haben ent- weder schon vorher im 1., 11. oder 111. Teil eine Beschreibung ihrer Anwendung gefunden, oder sie sind nur für den Ge- brauch durch den Arzt bestimmt oder bedürfen wegen der selbstverständlichen Einfachheit ihrer Benutzung keiner weiteren Erklärung. Die Erläuterungen sind stets (siehe Einleitung) als Erinnerung an eine durch praktische Übung erlernte Ge- brauchsweise aufzufassen. Abzwicker für Injections-Gläschen: Dienen zum be- quemen Abbrechen der Spitzen der zugeschraolzenen Röhr- chen, welche die Subcutan-Injection enthalten. Ansatzspitzen zum Irrigator von Gummi und Glas, von Bein und Hartgummi: Sind vor dem Gebrauch des Irrigators stets zu desinfizieren, bei Reinigung von Wunden mittelst desselben nicht mit den Wunden in Berührung zu bringen. Vor den Darmeingiessungen müssen sie nach Des- infection mit Vaselin Lanolin bestrichen werden. Augenschutzklappen: Dienen zur Befestigung von Com- pressen bei Augenerkrankungen. Breiumschläge, künstliche, werden nach Aufquellen in heissem Wasser (Temperatur 40° C.), in dem sie wenigstens 5 Minuten lang liegen müssen, mit wasserdichtem Stoff um- hüllt, aufgelegt. Brillen mit Reserve-Gläsern, zum Schutze der Augen gegen Sonne, Mond und Staub. Bruchbänder, einfach und doppelt. Bürste zum Händereinigen. Carlsbader Nadeln. Catgut. Chirurgische Nadeln. Chirurgisches Besteck, enthaltend: 1 Arterien-Klemme nach Peau, 2 Doppel-Bistouries, 1 Höllensteinhalter, 1 Ka- theter, männlich und weiblich, I Kornzange, 2 Lancetten, 1 scharfer Löffel nach Yolkmann, 1 anatomische Pincette, 1 Haken-Pincette, 1 Pflasterspatel, 1 Scalpell, 1 ge- bogene Scheere, 1 gerade Scheere, 1 Knie-Scheere, 1 Hohl- Sonde, 1 Myrrtenblatt-Sonde, 1 Öhr' Sonde, 1 Thermometer, 2 Unterbindungs-Pinceften. Compressionsschlauch nach Esmarch. Drainageschläuche. Einnehinegläser, sind abgeteilt in Theelöffel = 5 ccm. Eiterbecken. Filter mit Zubehör. Gummi-Unterlage. Gypsscheere. Halspinsel. Halsschwämme. Hühneraugenringe, angefeuchtet aufzukleben. Hydropathischer oder Priessnitzscher Umschlag. Be- steht aus einer Flanellbinde, welche an einer Stelle ein rechteckiges Stück wasseraufsaugenden Filzschwammes trägt, zwischen Filzschwamm und Flanellbinde ist ein den ersteren völlig überdeckendes Stück wasserdichten Stoffes befestigt. Nach Anfeuchten des Filzschwammes wird derselbe auf- gelegt und mit der an ihm haftenden Flanellbinde befestigt. In Ermangelung des fertigen hydropathischen Umschlages ist ein Stück reine Leinwand in Wasser zu tauchen, darauf leicht und völlig mit wasserdichtem Stoff über- deckt (so dass derselbe die unter ihm liegende Compresse an allen Seiten drei Finger breit überragt) aufzulegen und mit Binde oder Tuch zu befestigen. Antiseptischer hydropathischer Umschlag, beziehungs- weise Verband. Soll der hydropathische Umschlag zugleich antiseptisch sein, so wird Filzschwamm bezw. Leinwand mit antiseptischer Lösung (z. B. Acidi salicylici 3,0 ; 1000,0, Su- blimat 0.5 : 1000,0) befeuchtet (vergl. S. 277). Inhalationsmaske. Injectionsspritzen nach Prof. Lewin, für Injections kuren bei Syphilis. Irrigator, Complett, mit Reserveschlauch. Nach dem deutschen Militärmodell in platte Form umgearbeitet für den Gebrauch in Afrika, dient zur Reinigung und Desinfection von Wunden durch Ab- und Ausspülen mit antiseptischen Lösungen; ferner zu Darm-Eingiessungen (entleerenden, stopfenden, ernährenden) von sachverständiger Hand nach ärztlicher Verordnung. Insectenpulverspritze. Jodoformseide. Kühlende Compressen werden in Wasser getaucht, darauf in die beiliegende wasserdichte Umhüllung gesteckt, aufgelegt und mit den an derselben befindlichen Bändern befestigt. Jodoformstreubüchse. Leibbinden. Mutterrohre. Nagelreiniger. Pinsel. Pipetten dienen zum Einträufeln von Arznei-Lösungen in die Augen; die Pipette wird nach Zusammendrücken der Gummikappe mit der Glasspitze in die zur Anwendung kommende Flüssigkeit gebracht. Die letztere wird durch Nachlassen des Drucks eingesogen und durch neuen Druck in das abgezogene untere Augenlid vorsichtig ohne Be- rührung desselben mit der Pipette eingeträufelt. Pulvergläser. Schröpfapparat. Besteht aus Schröpfschnepper, Schröpf- köpfen und Schröpflampe. Anwendung nach ärztlicher Verordnung von sachkundiger Hand. Schröpfschnepper nur Schnallentourniquet. Aderpresse. für den Arzt zum blutigen Schröpfen. Dos trockene Schröpfen geschieht in der Weise, dass die Schröpfköpfe in reines, lauwarmes Wasser gelegt werden, dann jeder einzelne Schröpf kopf I—21—2 Sekunden über die Flamme der Schröpf- lampe gehalten und darauf schnell auf die vorher sorgfältig gereinigte Hautstelle aufgesetzt wird. Ein Schröpfkopt wird abgenommen, indem die Haut an einer Seite desselben mit dem Zeigefinger heruntergedrückt und so durch Eindringen von Luft zwischen Schröpf köpf und Haut der erstere zum Abfallen gebracht wird. Schusterspan-Schienen. Sicherheits-Nadeln, Siebdraht-Schienen. Spritzen von Glas, Spritzen von Zinn. Die Einspritzung mittelst derselben erfolgt in der Weise, dass nach Einfüllung (Einziehung) des verordneten bezw. erforderlichen Inhalts mit hoch gehaltener Spitze die mit eingezogene Luft zuerst sorgfältig ausgespritzt wird. Darauf wird die Spritze nach Bestreichen der Ansatzspitzc mit Vaselin-Lanolin vorsichtig eingeführt und der Inhalt langsam eingespritzt. (Glycerin- Einspritzung.) Sprüh-Apparat. Dient zur Desinfection der Luft durch Zerstäuben in ihm enthaltener antiseptischer Lösung (5 °lo Carbolsäure-Lösung). Stecknadeln. Subcutan-Spritzcn nach Overlach. Dienen zur Ein- spritzung von Arzneilösungen unter die Haut nur nach ärzt- licher Verordnung von sachkundiger Hand. Die Spritze ist vor dem Gebrauch sorgfältig durch Ausspritzen mit heissem Wasser und darauf Spiritus rectificatissimus zu desinfizieren. Die Ansatzspitze (Canüle) muss vor dem Gebrauch in 5 °/o Carbolsäure-Lösung gelegt und dann mit Verbandwatte sorg- fältig abgetrocknet werden. Nach Einziehen der Lösung in die Spritze (siehe Seite 297) ist die Ansatzspitze nach oben zu halten und sorgfältig alle mit eingezogene Luft auszuspritzen (bis die Lösung aus der Spritze herausspritzt). Die Einspritzung wird ausgeführt, indem am schräg ge- haltenen Vorderarm oder Oberschenkel an einer vorher sorgfältig gereinigten und desinfizierten Hautstelle eine Hautfalte mit Zeigefinger und Daumen der linken Hand er- hoben wird. In diese Hautfalte wird in der Richtung des Gliedes von oben nach unten parallel der Haut schnell die Ansatzspitze eingestossen und darauf langsam die Lösung eingespritzt. Nach der Einspritzung ziehe man die Ansatz- spitze schnell heraus, verschliesse die Einstichöffnung mit dem Finger und verstreiche leicht mit der anderen Hand •die eingespritzte Lösung unter der Haut. Sublimat-Seide. Sublimat-Seife. Thermometer. Einteilung in 100° nach Celsius; es sind von einer Person mindestens 2 Thermometer (eines als Reserve) mitzunehmen, ein gewöhnliches Thermometer und ein Maximum-Thermometer. Längere Zeit gebrauchte Ther- mometer sind auf ihre richtige Temperaturangabe mit Nor- malthermometer bei Gelegenheit zu vergleichen (Temperatur- messung siehe Seite 98 -100. Suspensorien. Trinkbecher. Tropfgläser. Uhrgläser. Zahnzangen. C. Verbandstoffe und -Mittel. Alte Leinwand. Armtücher (Mitellen). Binden: Cambric-Binden, Flanell-Binden, Gaze-Binden, Gyps-Binden, Leinen-Binden, Mull-Binden. Verband-Gazen; Hydrophile-Gazen, Carbol-Gazen, Jodo- form-Gazen, Sublimat-Gazen. In Stücken zu 4 m. Der Raumersparnis halber comprimiert, stets in reiner, wasser- dichter Umhüllung aufzubewahren. Esmarchsche Tücher, Dreieckige Tücher. Verband-Gyps. Verband-Päckchen nach Esmarch. Inhalt: 1 Cambric- Binde, 2 Mullcompressen, 2 versilberte Sicherheitsnadeln, 1 Streifen wasserdichten Stoffs, 1 dreieckiges Verbandtuch mit Abbildungen, welche die Art und Weise seines Gebrauchs für alle Körperteile veranschaulichen. Verband-Watten: Eisen-Watten, Sublimat-Watten. In Packeten zu 100 Gramm der Raumersparnis wegen com- primiert, stets in reiner, wasserdichter Umhüllung aufzu- bewahren. Wasserdichter Stoff. Dient zu hydropathischen Um- schlägen, Verbänden u s. w. D. Gehrauchsgegenstände zur Arzneimittel- Bereitung und Zurichtung zum Einnehmen (Dispensation). Bindfaden. Glascylinder zu 5, 10, 15 ccm, Gläser zu 100, 30, 10 ccm Inhalt. Dienen zum Abmessen und zur Herstellung von Arzneilösungen. Hornlöffel zu 2 Gramm Inhalt für Einreibungen mit grauer Salbe. Kartenblättcr, Korke, Löffel, Mörser und Pistill, Papierbeutel, Pergamentpapier, Pillenschacbteln, Pin- cette, Pulverschachteln, Salbenkruken, Schere, Schwamm, Signaturen, Spatel, Spirituslampe, Waage und Gewichte, Wachspapier. E. Alphabetisches Verzeichnis deutschen und populären Namen der für Ostafrika und tropische Malaria-Gegenden inßetrachtkommen- den Arzneimittel etc. mit jedesmaligem Zusatz der lateinischen bez. wissenschaftlichen Bezeichnung. der Aetzstift, Argentum nitricum cum kalio nitrico. Alaun, Alumen. Aloe, Aloe. Amylnitrit, Amylum nitrosum. Anis - Ammoniak mit benzoesäurehaltiger Opiumtinktur, Liquor Ammonii anisatus cum tinctura opii benzoica. Antifebrin, Antifebrinum. Antipyrin, Antipyrinum. Apomorphin, Apomorphinum. Arnikatinktur, Tinctura arnicae. Atropin, Atropinum sulfuricum. Baldriantropfen, ätheriscüe, Tinctura valerianae aetherea. Bärtraubenblätter, Folia uvae ursi. Bittermandelwasser mit Morphium, Aqua amygdalarum cum morphino muriatico. Bittersalz, Magnesia sulfurica. Blei mit Opium, Plumbum aceticum cum opio. Bleiessig, Plumbum subaceticum compressum. Boraxpulver, Borax. Borsäure, Acidum boricum. Bouillonkapseln. Brausepulver, abführendes, Pulvis aerophorus laxans. Brechwurzel, Radix ipecacuanhae. Brechweinstein, Tartarus stibiatus. Bromkali, Kalium bromatum. Calomel, Calomelanum, Campher, Camphora. Chamillen, Flores Chamomillae. Chinin-Eisencitrat, Chininum ferro citricum. Chinin, salzsaures, Chininum muriaticum. Chloralhydrat, Chloralum hydratum. Chloroform, Chloroformium. Choleratropfen, Tinctura anticholerica. Chromsäure, Acidum chromicum. Citronen-Limonade-Tabletten, Acidum citricum mixtum. Citronensäure, Acidum citricum. Cocain, Cocainum murialicum. Collodium, Collodium. Copaivabalsam mit Cubebenextrakt, Baisamum Copaivae cum extracto cubebarum. Dowersches Pulver, Pulvis Doweri. Bisenchlorid, Liquor ferri sesquichlorati. Eisen, milchsaures, Ferrum lacticum. Eserin, Eserinum. Essigäther, Aether aceticus. Farnkraut-Extrakt, Extractum filiciis aethereum. Fliederthee. Flores Sambuci. Fowlersche Lösung, Liquor kalii arsenicosi. Fruchtsalz, deutsches, Pulvis aerophorus laxans mixtus. Gerbsäure, Acidum tannicum. Glycerin, Glycerinum. Goldschlägerhäutchen, Emplastrum animale. Gummi, arabisches, Gummi arabicum Heftpflaster, amerikanisches, Emplastrum adhaesivum american. Heftpflaster, deutsches, Emplastrum adhaesivum german. Hoffmannstropfen, Spiritus aethereus. Höllenstein-Lösung, Argentum nitricum solutum. Höllenstein-Pulver, Argentum nitricum pulveratum. Höllenstein-Stilt, Argentum nitricum cum Kalio nitrico. Hustenpastillen, Ammonium chloratum cum succo liquiritac. Insektenpulver, Pulvis contra insecta. Jodeisen, Ferrum jodatum. Jodkali, Kalium jodatum. Jodoform, Jodoformium. Jodtinktur, Tinctura Jodi. Hali, chlorsaures, Kalium chloricum. Kali, essigsaures, Kalium aceticum. Kali, salpetersaures, Kalium nitricum. Kali, übermangansaures, Kalium hypermanganicum. Kampher-Benzoesäure-Äther, Acidum benzoicum cum cam- phora et aethere. Kampheröl, Oleum camphoratum. Karbolsäure, Acidum carbolicum. Karlsbader Salz, künstliches, Sal Carolinense factitium. Kinderpulver, Pulvis Magnesiae cum Rheo. Kola-Chokolade, Kola. Kreolin, Creolinum. Kreosot, Kreosotum. Kupfervitriol, Cuprum sulfuricum. Jflagen tropfen, Elixir aurantiorum compositum cum tinctura rhei vinosa et tinctura Strychni. Magnesia, gebrannte, Magnesia usta. Menthol, Mentholum. Milchzucker, Saccharum lactis pulveratum. Morphium, Morphinum muriaticum. Mutterkorn-Extrakt. Extractum secalis cornuti. Myrrhentinktur, Tinctura Myrrhae. Haphtalin, Naphtalinum Natron, doppeltkohlensaures, Natrium bicarbonicum. Natron, salicylsaures, Natrium salicylicum. Oblaten, Oblaten. Opium, Opium pulveratum. Opodeldok, Linimentum Opodeldoc. Perubalsam, Baisamum Peruvianum. Pfefferminzthee, Eolia menthae piperitae. Phenacetin, Phenacetinum. Pilocarpin, Pilocarpinum muriaticum. Präcipitatsalbe, weisse, Unguentum praecipitatum album. Provenceröl, Oleum olivarum provinciale. Quecksilberjodür, Hydrargyrum jodatum. Quecksilberoxyd, rotes, Hydrargum oxydatum rubrum. Khabarberextrakt, zusammengesetztes, Extractum Rhei compositum. Ricinusöl, Oleum Ricini. Salbe, reizende, Unguentum irritans. Salbe, graue Quecksilber-, Unguentum öydrargyri cinereum. Salep, Salep pulveratum. Salicyl-Pasta, Pasta salicylata Lassar. Salicylsäure, Acidum salicylicum. Salicylsäure-Streupulver, Talcura salicylatum. Salmiakgeist, Liquor ammonii caustici. Salmiak mit Lakritzen, Ammonium chloratum cum succo liquiritiae. Salol, Salol. Salzsäure, Acidum muriaticum. Sandelöl, Oleum Santali. Santonin. Santoninum. Schutzpocken-Lymphe, Lymphe animale. Senfpapier, Charta Sinapis. Spanisch-Fliegen-Pflaster, Emplastrum cantharidatum. Immerwährendes Spanisch-Fliegen-Pflaster, Emplastrum cau- tharidatum perpetuum. Spiritus, Spiritus rectificatissiraus. Stramonium-Cigaretten, Stramonium-Cigaretten. Strophantus-Tinktur, Tinctura Strophanti. Strychnin, salpetersaures, Strychninum nitricum. Sublimat, Sublimat. Sulfonal, Sulfonal. Tannin mit Opium, Acidum tannicum cum opio. Terpenthinöl, Oleum Terebinthine. Tropfen, aromatische Tinctura aromatica. Vaselin-Lanolin, Vaselinura-Lanolinum. IWismuth, Bismuthum subnitricum. Wismuth mit Morphium, Bismuthum subnitricum cum morphino. Äinkoxyd, Zincum oxydatum. Zinkoxyd, karbol-schwefelsaures, Zincum sulfo-carbolicum. Zinkpuder, Zincum oxydatum cum amylo. Zinksalbe, Unguentum Zinci. Zinkvitriol, Zincum sulfuricum. Zugpflaster, Emplastrum plumbi compositum. F. Zur Veranschaulichung der Art und Weise, in welcher nach dem vorstehenden Verzeichnis unter A- D die Zu- sammenstellung der einzelnen in Kapitel I aufgeführten Tropen-Apotheken stattgefunden hat, folgt zum Schluss die Inhaltsangabe der unter No.I angeführten Taschen-Apotheke, welche bei den Offizieren der Kaiserlichen Schutztruppe für Ostafrika bereits in Gebrauch ist. Taschen-Apotheke. Acid. citnc. mixt, compr. 0,5. Acid. tannic. c. Opio compr. 0,04 -j- 0,02. Vorsicht! Antipyrin compr. 0,5. Bismuth. subnitr. c. Morph, compr. 0,03 + 0,006. Vorsicht! ■Calomel compr. 0.3. Vorsicht! Chart. Sinapis. ■Chinin, muriat. compr. 0,5. Emplastr. animale. Kolapaste compr. 0,5. Liquor Ammonii caust. Natr, bicarb. Phenacetin compr. 0,5. Pulv. aerophor. Laxans divid. Pulv. Doweri compr. 0,5. Rad. Ipecacuanhae compr 0,5. Salol. compr. 0,5. Vorsicht! Spirit, aethereus. Sulfonal compr. 1,0. Tinct. stomachal. Verbandtasche dazu. Argentumstift. Bleiessigtabletten. Cambricbinden. Eisenchloridwatte. Esmarch-Tuch. Heftpflaster. Nähseide. Pincette. Ringbistouri. Schere. Sublimattabletten. Thermometer. Jodoform. \ Sicherheits-, vr , , l Carlsbader, Nadeln. , gcbogeno Steck- j nadeln. Tourniquet. V aseline-Lanolin. Verbandgaze. Verband watte. Wasserdichter Stoff. Alphabetisches Sachregister.*) Seite Abführmittel * . . 34. 129 Aufstossen, saures . . 156 Seite Aborte 43 Achseldrüsenschwellung 238 Aderpresse 174 Auge, Bau 157 Augenkrankheiteu . .157 Alkoholgenuss auf Mär- schen 66 Ausrüstungsgegenstände 25 Aussatz 159 Ameisen 226 Ansteckung bei Krank- heiten 153 Ausschlag nach Chinin 139 „ bei Pocken . 245 „ b. Ringwurm 250 „ b. Scharlach- fieber 140 Antiseptischer Verband 275 bis 278 Antiseptischer hydropa- tischer Verband 277. 327 Ausschlag bei Syphilis 208 „ an der Vor- haut (Herpes). . . 209 Antiseptische Lösungen 294 Anzug in den Tropen . 23 „ auf Expeditionen 66 Apfelsinen bei Stuhlver- stopfung 62 Baden • 60 Balanga(weisserAussatz) 160 Bananengenuss . . 59 Bandwurmkrankheit. .161 Batate 57 Apotheken für die Tropen 285 Appetitlosigkeit . . . 156 Baumaterial .... 41 Becken, knöchernes, des Menschen .... 90 Araber 71 Armbrüche 181 Beludschen 73 Arrow-root 57 Arzneimittelbehälter . 283 Arzneimittel in Tabletten 293 Beriberi 163 Betonbauten .... 41 Asthma 156 Atmung, künstliche bei Hitzschlag .... 221 Atmung, künstliche bei Scheintod .... 167 Bett, Einrichtung . . 65 Bewusstlosigkeit bei Fieber 103 Bewusstlosigkeit,Behdlg. 167 Biergenuss i. d. Tropen 51 Bisswunden . . . .273 *) Anmerkung. Die im 111. Teil alphabetisch auf- geführten Arzneien, Verbandmittel, Instrumente und andere Gebrauchsgegenstände zur Kranken- und Verwundeten-Pflege sind in das Sachregister nicht noch einmal aufgenommen. Blasenerkrankungen. . 17 Blasencatarrh . . . .188 Seite Cigarren, Verpackung . 31 Citronensäure z. Wasser- verbesserung ... 48 Seite: „ nach Tripper 206 Blasenkrampf .... 183 Currypulver (Gewürz) 55. 59. 67 Blattameisen .... 226 Bleichsucht 172 Bleikolik = Bleivergif- tung 268 Hal-fll (Elephantenfuss) 191 Dampferlinien nach Ost- afrika 28 Blitzschlag . . . . 172 Blut 95 Darm, Bau desselben . 90 Darmblutungen . . .176 Blutkreislauf .... 93 Blutarmut 172 Darmcatarrh . . . .184 „ b. Typhus 261 Blutungen 173 Borsäure, zur Fleisch- konservierung ... 55 Brand, kalter .... 175 Darmeingiessungon bei Beriberi 165 Branntweingenuss . . 251 Brausevorrichtungen . 24 Breiumschlag, künstlich. 325 Brotgenuss 62 Darmeingiessungen bei Ruhr 151 Daua (Medicin) . . . 79' Delirien bei Fieber . . 103 Denguen-Fieber . . . 189 Bruchband 181 Desinfection .... 154 b. Diphterie 189 b. Milzbrand 240 Bruch der Knochen . .179 Brustfellentzündung . . 182 Brustschmerzen . . . 182 bei Ruhr . 148 Bubonen, klimatische . 228 „ bei Pest , . 247 „ „ Schanker. 207 Butter, Genuss ... 62 Desinfektionsmittel . .155 der Aborte 44 Destillierapparate . . 46 Diät bei Bleichsucht . 178 Cacao als Getränk . . 52 „ „ Magenblutung. 178 „ „ Malaria-Erkran- kungen . . . 132 138 Caffee „ „ . . 52 Catarrhe 185 Diät bei Ruhr .... 149 u der Gallenwege 198 „ des Kehlkopfes 185 , „ Tripper , . . 205 Diener 80 Chokolade auf Märschen 66 Cholera 186 Diphteritis 189 Douchen ...... 20 Clystiere, siehe Darm- ergiessungen Durchfall 184 „ bei Chininge- brauch 140 Colik 188 Compressionsschlauch b. Blutungen .... 174 Durchfall bei Cholera . 186 „ „ Malaria- Erkrankungen . .122: Conservieren v. Fleisch 55 Durchfall bei Ruhr . . 144 338 Durchfall bei Typhus . 260 Durchliegen, Behandlg. 149 Durst beiZuckerkrankheit 264 Seite Fenster, Öffnen und Schliessen .... 65 Seite Dysenterie 142 Fieber 97 Fieber, Erklärung des- selben 108 JEichcltripper . . . .190 Eiergenuss 56 Fieberarten 102 Eier, Wasserprobe . . 56 Eingeborene, Ostafrikas 76 Einreibungen m. Brannt- wein b. Wadenkrampf 188 Einspritzung, subcutane 296. 328 Fieber bei Malaria-Er- krankungen . . .119 Fieber bei Wunden . , 279 Filaria sanguinis . . .216 Flechten der Haut . .193 Filzhut 23, 68 „ b. Tripper 205 Eis bei Fieber.... 132 Filzläuse...... 192 Fleischsorten .... 54 „ „ Lungenblutung 177 Eiterung von Wunden . 279 Elephantiasis Arabum . 191 Epilepsie 231 Fleisch, Conservieren desselben .... 55 Fleischextrakt, Fleisch- thee 53 Fleischpeptonextrakt (Kemmerich) . . .133 Erbrechen, Behandlung 132 Erbrechen bei Chinin- gebrauch . . . .140 Fleisch, Genuss ... 53 Erbrechen bei Gallen- steinkolik . . . .194 Fleisch, rohes, Genuss desselben . . 54. 162 Erbrechen bei Malaria- Erkrankungen . .122 Erbrechen bei Ruhr. . 146 Fleisch,wildes,b.Wunden 272 Fremdkörper im Ohr . 246 Erhängen ) Ertrinken \ Boh™dlung 170 Erwürgen ) Esmarchs Hosenträger: Anwendg.b.Blutungen 174 Esmarchs Tuch, An- wendung . . . .181 Essigwasser gegen In- sektenstiche . . . 225 Fruchtsalz, deutsches, als Abführmittel ... 34 Frühstück 62 „ auf Expeditionen 70 Furunkel 193 Fussbad bei Asthma . 157 Fussbehandlung auf Mär- schen 69 Fussbekleidung ... 22 Fussschweiss . . 17. 280 Eukalyptuspfianzungen . 40 Expeditionen: Anzug, Zeit, V erhalten für dieselben . . 65 Gallenfieber . . . .195 Gallensteinkolik . . .194 Gehör, Beeinträchtigung durch Chinin . . . 140 Gelbes Fieber .... 195 Feigwarzen .... 206 F eidbett 67 Gelbsucht bei Gallen- steinkolik .... 194 Seite Seite Herz, Bau desselben . 93 Gelbsucht bei Leber- erkrankungen . . .197 „ Lage desselben . 88 Gclenkerkrankungen . 199 Gelenkrheumatismus 17. 200 Herzerkrankungen bei Gelenkrheumatismus 200 Gemütskrankheiten nach Malaria-Fieber . . 18 Herzfehler 13 Herzklopfen .... 219 Gerstenkorn .... 203 Geschlechtsorgane des Mannes 96 Hexenschuss .... 218 Hiebwunden .... 273 Geschlechtsgenuss und -Krankheiten . . . 203 Hitzschlag, Verhütung . 220 „ Behandlung 220 Hodenentzündung. . . 222 GetränkaufExpeditionen 67 Gewürze 59 „ b. Tripper 206 Holzbock 228 Gliederschmerzen b. Ma- laria-Erkrankungen 119 Gliedmassen, Bau der- selben 91 Homa (Fieber) ... 78 Honig 58 Hühneraugen .... 222 Hundertfuss .... 227 Goanesen ..... 74 Gonorrhoe 205 Hundewurm .... 234 Hundswut 222 Granülesform d. Arznei- mittel 297 Hundszecke .... 228 Husten 185 Grippe 223 Guineawurm .... 216 Hydropath. Umschlag . 326 „ bei Influenza . 224 Gummibadewanne und Luftkissen .... 24 Hysterie 231 Impfung 21 Gürtelrose 216 Haferschleim bei Ruhr 149 Indier 74 Influenza 223 Hämorrhoiden . . . .218 Hämorrhoidalblutungen 177 Harnorgane 96 Injection, subcutane, bei Tripper . . . 296. 328 Häuserbau in Ostafrika 42 Insecten, Insectenstiche 205 Insectenpulver.... 225 Haut 92 Hautausschlag s. Ausschlag Hautschwellungb.Nieren- entzündung . . . 244 Hautverdickung b. Ele- phantiasis .... 191 Heimkehr 85 •Jethamar (Aussatz) . 161 Kaffee 50 Kakey-Anzügc .... 23 Kanalisations-System . 44 Katarrhe 183 „ der Gallenwege 198 „ des Kehlkopfes 185 Heiserkeit 185 Herpes 209 Kisuaheli (Suaheli- Sprache) . . 83 Grammatik d. Herpes tonsurans . . 250 Herpes Zoster. . . .216 franz. Mission 83 Seite Kisuaheli Ililfsbuchd.K.- Spr. v. G. A. Büttner. . . 83 Seite Latrinenanlage auf Expe- ditionen 69 „ Hilfsbuch von St.Paul-Illaire 84 Lawn-Tennis .... 63 Lebensalter, bestes, für die Tropen .... 18 Leber, Lage derselben . 89 Kitanda (Bettstelle) 180. 227 Klima in Ostafrika . . 36 Klystier s. Darmein- giessung . . 151. 165 Leberkrankheiten, Be- deutung 15 Leberabscess .... 233 Knochenbau d.Menschen 92 Leberschmerzen . . . 232 Knochenbrüche . . . 179 Knochenentzündung . . 229 Kochfeuer, Anlage des- selben 69 Leberwurm 234 Leibbinde, wollene . . 22 Leibschmerzen . .188. 234 Leistenbruch .... 181 Kohlenoxydgasvergiftung 170 Koffer 24 Leistenbubo 235 Leistendrüsenschwellung 235 „ nach Tripper 206 Kokos-Milch als Getränk 50 Kolik 188 Lepra (Aussatz) . . .159 Lippenausschlag . . . 235 Kompressionsschlauch b. Blutungen .... 174 Luftröhrenkatarrh . .185 Lungen, Bau und Lage 89 Kondylome, breite . .213 Kopfbedeckung ... 23 Lungenblutung. . . . 177 Lungencatarrh.... 236 Kopfrose 280 Kopfschmerzen . . . 229 Lungenentzündung . . 235 „ nach Influenza 224 Körperbau des Menschen 87 Krampfadern .... 232 nach Chinin . .139 Lymphdrüsenschwellung 237 Lymphgefässe u Drüsen 95 Krampfaderbruch d. Ho- densacks 181 Magen, Lage .... 89 Madjimoto (Ameisenart) 226 Krämpfe 231 Magenblutung . . . .176 Magenkatarrh .... 186 Krankheitserscheinun- gen, erste in Ostafrika 37 Krätze 230 Magengeschwür . . . 176 Magenkrampf .... 238 Kreuzschmerzen b. Nie- renerkrankungen . . 244 Kürbisblätter als Gemüse 57 Mahlzeiten 63 Malaria 104 Malaria-Erkrankungen . 138 Formen d. Krankheit 137 104-138 .Lagerdecke, wasser- dichte 68 Ursachend. „ 106—117 Vorläuferstadien . . 129 Lagerplatz, Wahl des- selben 67 Krankheitserscheinun- gen . . , ... 118 Malaria-Erkrankungen. Behandlung .... 127 Zeitaussichten . . .125 Seite Nachtlager (Bett)... 65 Seite Mandelentzündung . . 239 Mangobeulen . . . .194 Nachtmärsche .... 70 Nachtruhe auf Expedi- tionen 68 Mangos .59 Nägel, eingewachsenc . 190 Nasenbluten .... 242 Mangroveholz .... 41 Maniok 56 Ndiü (Pocken).... 248 Nerven 93 Mapela 59 Marscbzeit auf Expedi- tionen 67 Nervenschmerzen. . . 242 Nervosität ..... 17 Märsche, forcierte . . 70 Nesselfieber = Nessel- sucht 243 Maskat-Araber ... 71 Matum-basi (Bubonen) . 228 Maximal-Thermometer . 99 Nieren 90 Nierenerkrankungen. . 243 Mbana 78 Njemwura (Ameisenart) 226 Ohnmacht, Behandlung 166 Mehl, Import .... 58 Mhogo 56 Ohrenerkrankungen . . 246 Ohrensausen nach Chinin 139 Migräne 230 Milch, condensierte . . 67 Milz, Lage derselben . 241 Milzbrand 239 Orangen, Genuss ... 59 Panka 43 Papaiafrucht .... 59 Pest 247 Milzbrand-Ansteckung . 153 Milzschmerzen .... 241 Milzschwellung bei Ma- laria-Erkrankungen . 241 Moskitos 225 Phimosis 204 Pilze, giftige .... 268 Pocken ...... 248 Pockenimpfung . . . 21 Pocken, Windpocken . 272 Moskitonetz 65 Mschi-Dscha, Gemüse . 57 Msungu 78 Poncho wasserdichter Überwurf 24 Mtama 56 Prellschüsse .... 274 PriessnitzscherUmschlag 326 Mtoki (Bubonen) . . . 228 Mundhöhle, Pflege der- selben 21 Puffotter 255 Puls, Fühlen desselben . 100 Mundvorrat auf Expedi- tionen 66 Quarantäne bei gelbem Fieber 197 Muskeln, Bau .... 93 Quetschwunden . . . 273 Quetschungen .... 273 Muskelrheumatismus . 241 „ schmerzen bei Kachencatarrh . . .186 Rauchen in den Tropen 31 Mustafeli 59 Trichinenkrankheit . 259 Regenbogenhautentzün- dung 208 Regenmäntel .... 24 JVachtanzug 65 Seite Reinigungsartikel... 24 Reisedecken 23 Reisegepäck, Beförderung 28 Reisgenuss 56 Seite Schlangenbiss .... 255 Schluckauf 257 Schnittwunden . . . 273 Schröpfen 327 Rheumatismus: Gelenkrheumatismus . 200 Schusswunden .... 274 Schüttelfrost!). Fieber 23.102 Muskelrheumatismus. 241 Rindfleisch 55 Schwarzer Tod . . . <247 Schwefelwasserstoffver- giftung 171 Ringwurmkrankheit . . 250 Risswunden 274 Schweissfuss . . 17. 280 Rose des Kopfes . . . 280 Roter EI und 252 Schwerhörigkeit . . . 246 Scolopendrar . . . .227 Roter Hund nach Chinin 140 Rotzkrankheit .... 254 Ruhr 142 Scorbut 257 Scorpion 225 Auftreten derselben . 143 Formen 145 Seebäder 61 Seekrankheit .... 31 Symptome .... 144 Ursachen 143 Senkgrubensystem . . 43 Seitenstechen .... 235 Behandlung .... 147 Prophylaxe .... 147 Siafu (Ameisenart) . .226 Sittliche Zustände in Ost- Salicylsäure zum Con- servieren von Fleisch 55 Sodbrennen 258 Afrika 82 Samli (Butter) .... 58 Sandfloh 226 Somalis 75 Sonne, Schutz gegen die- selbe ...... 68 Schanker 267 „ phagedänischer 212 Scharlachausschlag , . 140 Scheintod 166 Sonnenbrand der Haut 218 Sprachen in Ostafrika . 83 Spritzen zur subcutanea lujection . . 296. 328 Sprühapparat .... 328 Schienen bei Knochen- brüchen 179 Stärkungsmittelb.Fieber 132 Schirokko 56 Schlafen am Tage . . 63 „ in der Nacht. 64 „ im Freien . . 68 Schlafanzug 22 Stichwunden .... 274 Stinkfrucht 59 Strammoniumcigarette bei Asthma. . . .157 Schlaflosigkeit.... 35 Schlafraum .... 65 Streifschüsse .... 274 Strümpfe 22 Schlaganfall, Ursachen . 166 „ Behandlg. 169 Schlagaderblutung, Be- handlung .... 174 Stuhlgang auf Märschen 129 bei Ruhr . . 144 Stuhlverhaltung bei Ba- nanengenuss ... 59 Seite Seite Übelkeit,sieheErbrechen 132 Stuhlverhaltung b. Gelb- sucht 198 „ siehe Seekrank- heit ........ 36 Stuhlverhaltung b.Malaria- Erkrankungen... 16 Stuhlverhaltung b.Typhus26o Stuhlverhaltung, Mittel gegen . . .34. 62. 156 Überbein 262 Ugalli (Mehl) .... 57 Ukoma (Aussatz) . . .160 Suaheli-Sprache s. Kisua- heli 83 Uleia (Europa).... 78 Umschlag, hydropathi- scher 326 Sudanesen . . - , . 75 Sulus 75 Umschlag, antiseptisch - hydropathischer . . 327 Sumpfgasvergiftung . . 170 Suspensoriumb. Krampf- adern d. Hodensacks 181 Untergebene, Behand- lung derselben ... 80 Suspensorium b. Tripper 205 Syphilis .... 17, 207 Unterleibstyphus . , . 260 Tausendfuss .... 227 Unterschenkelgeschwüre 232 Urin, normaler . . . 263 Urin bei Nierenentzün- dung 244 Temperatur in Ostafrika 37 „ des Körpers 101 „ Messung . 98 Tende (Elephantiasis) . 191 Termiten-Ameisen . . 226 Urlaub nach der Heimat 86 Ventilation 65 Theegenuss 52 Verband, antiseptischer 275 Verbrennung .... 264 Verdauung 15 Thee gegen Erbrechen. 133 Thee in Tablettenform 295 Thermometer . . 98. 329 Vergiftung 266 Verrenkung 269 Tod, schwarzer Pest 247 lod, Zeichen desselben 168 Tonnensystem .... 45 Verschüttung . . . .171 Verstopfung, siehe Stuhl- verhaltung. Vorhaut zu enge, siehe Phimosis. Trichinenkrankheit . . 259 Trinken in den Tropen 50 Trinkwasser .... 46 Wadenkrampf. . . . 188 „ auf Expedi- tionen . . 67 Waniamuesi 76 Wanzen 225 Tripper 205 „ Blasencatarrh bei demselben 185 Wasaromo 76 Watercloset 44 Tropenhelm .... 23 Tumbasi klimatische Bubonen .... 228 Typhus 260 Wäsche, Ausrüstung. . 21 baumwollene, wollene ... 21 Wechsel auf Ex- I anga (Pflanze) ... 57 Waseguah ..... 76 peditionen .... 66 Seite Seite Wasser, kochendes als Desinfektionsmittel . 156 Wunden 272 Wundbehandlung . . . 275 Wasserfilter 47 Wassersucht . . . .271 Wundfieber 279 Wundkrankheiten . . 279 Wasserversorgung auf Expeditionen ... 47 Wechselfieber . . 104. 124 Wundlaufen, -reiten -scheuern .... 280 Weibliche Bevölkerung Ostafrikas .. . . . 81 Wundrose 279 WundseindurchFilzläuse 192 Wein als Getränk . . 50 Würmer 272 Zahnfleisch, Pflege dess. 213 Zahnschmerzen . . . 281 Windpocken .... 272 W ohnort, Wahl desselben 39 Wohnungsverhältnisse . fl4 \Wolf=Wundlaufen . . 280 Zelt auf Expeditionen . 67 Ziegenpeter .... 282 Zuckerkrankheit . . .264 Berliner Buchlrttokerel-A.ctlen-Geselieoh*ft, Setcerianen-Sehsle de« Lette-Vereine Im Verlage der Königl. Hofbuchdruckerei Trowitzsch & Sohu in Frankfurt a. d. Oder ist soeben erschienen: Major von Wissmanns zweite Durchquerung Aequatorial-Afrikas. Mit 92 Abbildungen nach Zeichnungen Hellgrewes und Klein-Chevaliers und 4 Karten. Preis elegant gebunden 12 Mark. In schlichten, wahren Worten schildert der ebenso thatkräftige, wie bescheidene Mann seine gefahrvolle Reise von der Kongomündung bis zum Zambesi und predigt an- gesichts der Greuel der arabischen Sklavenjäger und Händler mit ergreifenden Worten den zivilisirten Nationen den Kreuzzug gegen die Pest Afrikas, das Arabertum. Das Militär-Wochenblatt sagt über das Werk am Schlüsse einer grösseren Besprechung: Wir empfehlen das Studium dieses interessanten Reisewerkes allen deutschen Kameraden, wreil sie in demselben erkennen, welche Erfahrungen unser Deutscher Afrikaner gesammelt hatte, bevor er von Seiner Majestät dem Kaiser zur Nieder- werfung des Aufstandes an der Ostküste berufen ward, zu- gleich um sich davon zu überzeugen, wie sehr der schlichte Vortrag der eigenen Erlebnisse Major von Wissmann vor- teilhaft von den Verfassern anderer afrikanischer Reise- werke auszeichnet. Die Ausstattung des vorliegenden Bandes mit Karten und Bildern ist eine vorzügliche und wahrhaft künstlerische. Die beiden Künstler sind bestrebt gewesen, über das Mass der gewöhnlichen Illustration hinaus Bilder von bleibendem Werthe zu schaffen .... Zu beziehen durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes oder direkt von der Verlagsbuchhandlung. Verlagsbuchhandlung von Max Hochsprung in Berlin W. Linkstrasse 7/8. Die Deutsche Marine u. Colonialtruppe In meinem Verlage ist erschienen: Leporello-Album in hocheleg. Einband, enthaltend 25 Tafeln in feinstem Farbendruck mit 104 Dar- stellungen in ganzer Figur und 12 Kriegsschiffen aller Gattungen. Preis M. 4, Das Deutsche Reichsheer. Leporello - Album gebunden, enthaltend auf 40 fein ausgeführten Bildertafeln in buntem Farbendrucke sämtliche deutschen Truppenteile in ihren charakteristischen Uniformen und Chargen, nebst Verzeichnis der Regimenter und selbständigen Bataillone des stehenden Heeres, mit Angabe der Armeecorps, zu welchen sie gehören und der Garnisonorte. Preis M. 4, Soldaten aller Staaten Europas Prächtig ausgestattetes Militäralbum. Dasselbe enthält auf 15 in Farbendruck ausgeführten Tafeln die Soldaten Deutschlands, Oesterreichs, Italiens, Frank- reichs, Englands, Russlands u. s. w. Preis 31. 3, Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Vom Verleger gegen Einsendung des Betrages überall- hin franco. Berlin W. Max Hocksprung Verlagsbuchhandlung. Verlag von Duncker & Humblot in Leipzig. In Vorbereitung befindet sich: Handbuch der Agrikultur der deutschen Kolonieen in Afrika. F. Wohltmann. Von 2 Theile. Früher sind erschienen: Die Leiden des Europäers im afrikanischen Tropen-Klima und die Mittel zu deren Abwehr. Ein Beitrag zur Förderung der deutschen Kolonisationsbestrebungen von Gustav Leipoldt. 1887. Preis 2 M. Kamerun. Skizzen und Betrachtungen von Max Büchner. 1887. Preis 5 M. V ölkerkunde. Oscar Peschei. von 6. Auflage von A. Kirchhoff. Preis 12 M.; geb. 14 M. Verlag von Robert Oppenheim (Gustav Schmidt) Berlin SW. Zu ermässigtem Preise sind durch alle Buchhandlungen sowie direkt vom Verleger zu beziehen nachstehende zwei hervorragende Werke: Anleitung zu wissenschaftlichen Beobachtungen auf Reisen in Einzel-Abhandlungen verfasst von P. Ascherson, A. Bastian, C. Borgen, 11. Bolau, 0. Drude, G. Fritsch, A. Gärtner, A. Gerstäcker, A. Günther, J. Hann, G. Hartlaub, it. Hartmann, P. Hoff mann, W. Jordan, 0. Krümmel, 1/. Lindeman , t>. Lorenz-Liburnau, v. Martens, A. Meitzen, K. Möbius, Gr. Neumayer, yl. 6W/i, F. v. Richthofen, H. Schubert, Gr. Schweinfurth, //. Steinthal, F. Tiefen, R. Virchow, F. IFm.s, H. Wild, L. Wittmack und herausgegeben von Dr. G. Neumayer, Director der deutschen Seewarte. Zweite völlig umgearb. und vermehrte Auflage in 2 (einzeln verkäuf- lichen) Bdn. Mit zahlreichen Holzstichen im Text und 2 Steindrucktafeln. Gr. S°. Ermässigter Preis: Geh. 20 Mark, Geb. 23 Mark (statt 34 bezw. 37 M ) Jeder Band ist auch einzeln zu haben zum Preise von M, 10 bezw. M. 11,50. Inhalt des I. Bandes: Geographische Ortsbestimmungen, Topo- graphische Aufnahmen, Geologie, Erdmagnetismus, Meteorologie, Astronomie, Hydrographie, Weltverkehr n. a. m. Inhalt des 11. Bandes: Landeskunde, Statistik, Heilkunde, Land- wirtschaft, Botanik, Anthropologie, Ethnographie, Linguistik, Zoologie, das Mikroskop u. der photographische Apparat u. a. m. Richthofen, Ferdinand, Freiherr von. Führer für For- schungsreisende. Anleitung zu Beobachtungen über Gegenstände der physischen Geographie und Geologie. Mit 111 Holzstichen im Text. Gr. B°. XII u. 745 S. Ermässigter Preis: Geh. 10 Mark, Geb. 11,50 Mark. Im Verlage von Hermann Peters, Inhaber Paul Leist, Hofbuchbändler Sr. Majestät des Kaisers und Königs, Berlin W. ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Im deutschen Goldlande Reisebilder ans dem südwestafrikaaiseben Schutzgebiete von Dr. Bernhard Schwarz. Mit einer Karte. Preis 3 Mark 60 Pf. Die „Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik“ schreibt zum Schluss eines längeren Berichts über dieses Werk: Die vorliegende Schilderung der Expedition liest sich sehr angenehm und bietet manche Belehrung. So ist von Weith die genaue Aufzählung aller im Damaraland gang- baren Handelsartikel, sehr interessant die Mittheilungen über die bunt gemischte Bevölkerung, die Hottentotten, Bergdamaras, Bastards und Europäer, die eingestreuten Bemerkungen über Klima, Pflanzen und Thierleben in dem wasserarmen, continentalen Gebiete. So ist das Buch in jeder Hinsicht empfehlenswert!!. Berliner Buchdruckerei-Actien-Gesellschaft Setzerinnen-Schule des Lette-Verein*