5b a u ö a r g f. S i n 3 u ü c r (ä f f i ß e r 9lttt|ßcficr für (Mcfnntic unli Äriintc. 23au, (Ttjätigteiten unb Sebürfnipe bes gefunben unb trauten menfd?* lifcfyen Körpers, mit befonberer Serüdfid?tigung ber Vergütung oon Krantfyeiten. ber Krantenpflege in ber Familie unb ber Selbftfyülfe bei Unglüdsfällen, Verlegungen unb Vergiftungen, im herein mit mehreren Geraten bargcftetttz mm 45* Finnin !Wit 500 £rt<iiuall)ol;?cf)itittcn, vielen tafeln unt> übet 400 IJieccpten. (X r ft c ?( u f l n q c. Pent [die 1? e rla<js = 2l nfta It, 9to. 8 Oft ©ritte Straße. Copyright, 1889, By H. TIMM, M. D. Vorwort. ©iefe« Sud) ift bem Sötte gewibniet. @« ift ein juverläffiger Sßt' ratßer in gefunben unb tränten ©agen unb ein gainilienbiid) im beften ©inne be« SJorte«. (*« geigt bem ©efunben, wie er fiel; gefunb erljalten tann, inbem erbie®efefje berDiatur befolgt, benen nufer Seib unterworfen ift. (£« jeigt bem Oranten, wie er ben ber ©efnubljeit auriicfer* langen tann. (*« geigt ben (Sltern erften«, baß fie nidjt allein um itjrer felbft willen auf iljre ©efimbljeit aeljteu miiffen, fonbern mit bem eigenen Körper and) ben iljrer jutiinftigen föiuber fdjäbigeu -nnb wie fie iljre $inber förpcrtid) nnb geiftig erließen miiffen, auf baß biefe ber= maleinft tüdjtige unb gliitflidje SDHtglieber ber nieiifdjlidjen ©efellfdjaft Werben. 15« foll biefe« Suct) 311m ©eilten anregeu, c« foll bie Äranftjeiten, ifjre (5utftel)uug nnb iljre 23erl)ütung al« etwa« 9iatiir(id)e« junt 5Ser= ftänbiiiß bringen, ba« allermeift von nuferem äßillen abhängig ift, e« fotl geigen, baß e« viel leidjter ift, Äranfljeiteu ju vergüten, al« 311 feilen, e« foll bartljun, wie weit ber Vaie fid) felbft Ijelfen unb wie er in anberen gälten ben 2Irjt tann, unb e« foll fcßließlid) and) ben ©efyeiim mittelfdjwinbel unterbrütfen Reifen. (5« ift biefe« 23ud) nidjt, wie anbere fog-eu. „populär-mebicinifdje $olt«bürf)er" in gewinnfüd)tiger Slbfidjt barauf beredjnet, ©dfrectbilber unheilbarer Reiben in ber SJorftellung be« £efer« Ijervorjurufen. (£« foll biefe« Sud) nid)t bie verabfd)euen«wertl)e Tleugierbe ©erjeuigen befrie* bigen, welche in ba« £)eiligtl)iim ber 3)?ebicin nur be«l)alb einjubriugen Verfließen, um ben ©dreier von ben gefdiled)tlid)en Vorgängen jit lüften. II 3n biefem Buche fitib alte fragen bezüglich be§ fejtuellen hebens unerör* tert geblieben, unb zwar nid)t nur, um baS Bud) non jener 9?eugierbe uiieutweil)t zu erhalten, fonbern and) baruni, baß e$ ein Familienbuch bleibt. ©er braucht nicht vor ber -Snigenb ängftlid) verborgen 311 werben; bie SDlutter tarnt itjn unbeforgt ihren Tiubern überlaffeu, bie Jungfrau hat bei feiner Seetüre nicht zu erröttjen. ©abei bietet biefeö Bud) feine Belehrungen in fo einfacher unb tlarer «Sprache mit fo zahlreichen vortrefflichen £>rigiiiall)olzfd)iiitteii, baß auch ©er fie verfielen tann, beut ein höherer BilbungSgrab verfugt blieb, ©abei bietet ber fid) felbft fdjließlid) zu einem fo mäßigen greife bar, baß and) ber Unbemittelte nicht zurüdfdjrecfen muß. ©iefeS Bud) ift in jeber Beziehung, wa§ e$ fein null: ein zuverläffiger Beratljer für 3ung unb 2llt unb ein Botts* unb Familienbuch im beften Sinne be§ BöorteS. ©er be$ Bßerteö ift folgenber: 3m erften Tapitel erfährt ber Sefer, wie fid) bie heutige Bßiffeufdjaft bie (Eutftel)uug ber SßSelt unb be£ üDlenfdjen beult. ©a§ zweite Tapitel fcßilbert ben Bau unb bie Ber- ridjtungen be§ gefuuben menfdjlidjen Törperö unb ba§ britte Tapitel be- fcpäftigt fid) mit ber ©efunbljeitSpflege. 3«t vierten Tapitel enblid) lammen bie Trautheiten be§ Bienfdjen unb bereu Teilung zur Befpredjung. Bei berfelbeu haben bie Trantenpflege unb bie allgemeinen Trautheiten befonbere Beriuffidjtigung erfahren. Boruehmlidj gilt bieö von ben 3«s fectionStrantheiten unb ben allgemeinen (SrnähriingSftörungen, bei iveldjen e$ hrtUPtföd)lich auf eine Vernünftige Trauteupflege beziv. SebenSiveife am fommt, unb von ben Bergiftnngen, UnglüctSfällen unb bei beiten ber ßaie bttrd) fofortigeS (Eingreifen mand)' ein, fonft bem ©obe ver* falleneS Seben zu retten vermag. Sind) auf bie Bereitung von Bergiftun- gen, u. f. w. ift eingeljenb fießt genommen worben. So haben z* B. fämmtlidje ©iftpflanzen unb bie ©iftfdjlangen eine ausführliche unb flar Befprechung gefuuben, wie fie einzig in ihrer SIrt bafteht. Speciell ber ©eutfchs3lmeritaner, ber erft in bie Bereinigten «Staaten ein* wauberte unb biefeS Sanb lernten lernen muß, finbet Sltleö zufawmenge* tragen, waö feinen Törper in ber neuen §eimatl) bebroßt. ©ie organifdjen Trautheiten tonnten biefe eingehenbe ©arfteltung nid)t finbeu (vgl. S. 657). ©afür beabfid)tigt ber Berfaffer, mit ber $eit III eine Dleifte von Heineren Schriften 311 veröffentlidien, von benen je eine« beit Trautheiten einer Organgruppe gelvibmet ift nnb im ©egenfafc jn biefem alles behanbelnben ben Xitel „Specialarjt" (für 38ruffc, HJlagem, Veber*, liieren-, §aut- nnb n. f. iv.) führen ivirb. 90?it ber £eit wirb babnrdjim Anfchluft an ben vorliegenben „§anS- ar,5t" nnb in ©emeinfchaft mit bemfelbeit eine im gleichen Sinne gehaltene 2?olfS'®efunbl)eitSbibliotl)ef entfielen, bie nicht mir $ebem (StivaS, fonbern Alles bringt. Xaft biefeS Unternehmen von Seiten beS bie nött)ige Unterftüfcnng finbet, nnb baft eS and) für bie Allgemeinheit bie Früchte tragen ivirb, bie ber Sßerfaffer anftrebt, ift ju hoffen. An $Dlühe nnb Arbeit Ijat e§ nicht gefehlt, nnb noch bleibt genug übrig. Anch biefe ivirb ber SBerfaffer frenbig auf fiel) nehmen in bem 23elvnjjtfein, bafj er ®nteS jn ftiften beabficljtigt nnb fein befteS können baran fetjt, biefeS 311 reichen. DJiöge ilpn ber Ijöchfte £ol)n nicht vorenthalten bleiben, bah einft Xanfenbe nnb Xanfenbe il)m bie ©efnnbheit, b. i. ein glüiflicheS Veben, verbauten. D2 e lu 9) ort, iin ä)?örj 1891. Ä>r. Uiimit, 91o. 8 dritte Strafte. Jiaptfcf. Matur uni» Mlcnfdi. füileitung. ©ie „erfte Urfadje" hn (Sinne ber $l)ilo[o!pl)ie, Sicligion unb 9Zaturtt>iffenfcbaft. SEeleoloßifcße unb meebanifebe SBeltanfcbauunfl. Slufflabe, SWetbobe unb ©rgebnih ber naturfoiffenfcbaftlicben gorfdmng. SBir wiffen aus Erfahrung, baß eine ftete SBechfelbejiehung jwifdjen Urfadje unb Sßirfung befteljt. 9iad) biefem ©efefce (ber Urfäd)lid)feit ober (Saufalität) fjat alles Sein ber Vergangenheit, (Gegenwart ober Brunft in etwas Slnberem feine Vorbebingung. 9tadj bemfelben ®efepe muhober and) einen „Anfang" gegeben haben, benn ohne benfelben, ohne eine „erfte Urfache", würbe überhaupt nidjts vorpanben fein. Um biefen Sföiberfprudj jwifdjen Erfahrung unb Ueberlegung ju be- feitigen, bleibt nichts übrig, als ein erfteS (StwaS vorauSjufepen, weldjeS bem (SaufalitätSgefepe nidjt unterworfen, b. h- ohne Anfang unb unverän* berlidj, mit einem Jßort unenblid) ift. Sief em „Singe an fid)", wie eS ber Äant genannt hat, muh aber eine $raft innewohnen, weldje es jur erften Urfad)e werben ließ; oljue bie Alraft würbe baS Vinbeglieb jwifdjen bem erften aller Singe unb bem ©efepe ber Urfädpidjfeit fehlen. Sap biefe ftraft gleichfalls ol)ne Anfang unb unveränberlid), ergiebt fiel) aus bem oben ©efagten. Bft man nun ber 3lnfid)t, bah bie (Snburfadje in ber Materie (bem Stoff) gefunben ift, bann fteljt man auf Seiten ber materialiftifdjen Vhilo' fopl)ie. (SS ift, woljlgemerft, bamit nid)t ber fittlidje Materialismus gemeint, ber in bem SÖapne lebt, bah »ber rein finnlidje ®enufj bem Menfdjen wahre Vefriebigung geben tonne, unb inbem er biefe in feiner $orm ber Sinnenluft finben tann, fid) fd)mad)tenb von einer jur anberen ftürjt"; ber angejogene Materialismus ift ber „naturwiffenfd)aftlid)e", beffen Spftem in ber Sd)luhfolgerung gipfelt, bah bie Materie ber Urquell aller Singe fein muh- Siefer Slnfidjt gegenüber behauptet ein grober Sheil ber heutigen Vhitofophen, bah bie Materie nid)t unvergänglich fein fönne; eS fei bieS aber ber galt mit jener Äraft, bie, ohne mit ber Materie verbunben unb ohne nuferem finnlidjen (Srfenntnihvermögen jugänglid) ju fein, bie über Beit unb Ort erhabene (5nburfad)e jeber (Spiftenjform fei. ©iefe 4 ft'raft wirb freilid) verfdjiebenartig gebeutet; fo erfennt, um ben bebeutenb- ften ber neuzeitlichen 'fSpitofophen Ijerborjuljeben, Schopenhauer in itjr einen einigen, unüeränberlidjen „SBeltwillen", bem atleö ©afein ent- fproffen ift. T?it folgen Slnfdjauungen entfagt man natürlich bem ©tauben an einen ©ott; fie taffen fid) nid)t vereinbaren mit ber £el)re, bap jebwebeS ©ing baS ©ebilbe eines willfürlid), wenn and) jwecfmäfjig tjanbetnben „SdjöpferS" ift. ©iefe 5(nfid)t von ber Gntftcljung ber SBelt, welche man bic teteologifdje, vitaliftifdje ober bualiftifdje nennt, ift auf ben ©tauben gegriinbet; fie ljat mit ber Sßiffenfdjaft nid)ts gemein, benn wo baS Sßiffen beginnt, hört ber ©taube auf. ©abei mup jebod) jugeftanben werben, bap, wie ja all' unfer SBiffen nirgenbS bis ju einer ©rtenntnife ber letzten ©rünbe vorbringt, and) bisher von feiner Seite ein auf finntidjer ©rfalj- rung berufjenber beweis erbracht worben ift, Welcher ben ©tauben an einen ©oft unbebingt auSfdjliefjt. ©a aber alle menfdjtidje ©rfenntnip urfprüng* lief) burd) finnlidje Erfahrung bebingt ift, fo ift ber ©taube an bie ©giftens eines nad) fittlidjen ©runbfäpen panbetnben l)öd)ften SßefenS ats beS Ur- quells alter ©inge fo lange berechtigt, als baS ©rfenntnifwermögen ber 9Jlenfd)en burd) bie Unjulänglidjfeit ber Sinne eingefdjränft ift. ©arauS ergiebt fid) von felbft bie Stellung, welche bie jumeift auf finnlidjer ©rfenntnip berul)enbe £öiffenfd)aft, bie 9iaturwiffenfd)aft, biefem hödjften unb fdjwierigften aller Probleme gegenüber einnimmt, ©ie Diaturwiffeufdjaft ftellt fid) gar nicht bie $rage, ob es einen ©ott, einen Schöpfer aller ©inge giebt, woher ber Stoff ftammt, unb warum er vor- hanben, weil fie weip, bap baS finnliche ©rfenntnipvermögen ber DJlenfdjen biefe Aufgabe bis nidjt unb niemals löfen fann. ©er D'taturforfdjer befdjeibet fid) mit bem, was er aus Slnfdjauung unb ©rfaljrung weip, unb fo beginnt feine Sßiffenfd)aft, im ©egenfap ju bem it)r bis ju einem gewiff en ©rabe verwanbten „naturwiffenfd)aftlid)en" SDlaterialiSmuS, mit ber Ma- terie als bem erften uns finnlid) ertennbaren Duell alles hebens, b. I). ohne Speculation über eine möglidje ©ntfieljung unb 53orbeftimmung beS Stoffes. ©ie Aufgabe ber 9iaturwiffenfd)aft ift aber: ju ergrünben, wie alle ©ebilbe ber ©rfdjeinungSwelt aus ber Materie hervorgegangen finb, baS Sßerhältnifi biefer ©ebilbe unter einanber unb ju bem Stoff fpftematifd) feftjuftellen unb fo bie ©efepe barjulegen, nad) weldjen fid) bie Sßelt im weiteften begriffe aus ber Wiaterie entwickelt bejw. haben foll. hierbei hat and) ber 9laturforfd)er ofoP^e/ Speculation ju trei- ben. iföenn vorher gefagt würbe, baff er „fid) mit bem, ivaS er aus Sln- fdjauung unb ©rfahrung weif), befdjeibet", fo war bamit nid)t gemeint, baf) ber ')iaturforfd)er überhaupt auf pl)ilofopl)ifd)e ©ebanfenarbeit gu ver)id)ten 5 hat. ßine ßrfcmituiß beS ßinzelnen, o()ne biefe auf bie Slftgeineinljeit beS BMffenS zu beziehen, ljat für bie BMffenfdjaft nur untergeorbneten SBertl). Sdion ber SluSbrucf, was er aus ßrfahrung weih, fehltest ein, bafs ber 9ta* turforfdjer bie 9?efultate feiner Bemühungen bentenb zu betradjten unb fid) barauS eine ßrfahrung ju hüben f)at. ©aS hefte Beifpiel in biefer Beziehung, bas l)icr gebracht werben mag, um als ßrflärung für bie 9Ke* thobe ber naturwiffenfdjaftlid)en Slrheit ju bienen, ift bie 2lrt unb Steife, wie unfer größter beutfdjer ©id)tcr ben Bwifdjentiefer beim 9)lenfd)cn ent* becfte. (Swetlje, ber fid) and) als 9caturforfdjer große Berbienfte erworben hat, tonnte nid)t begreifen, warum bei bem 9ftenfd)en ber Bwifdjentiefer fehlen follte. äftenfd) war, wie ©oetlje, feiner Beit vorauSeilenb, wußte, in allen übrigen Beziehungen nur ein l)od) cntwiefelteS Säugetier; warum follte er alfo beS BuufdjenfieferS, ber fid) bei allen anberen Säuge* tljieren nachweifen ließ, entbehren? ©iefe Ueberlegung ließ ©oetlje feine 9tul)e, unb immer neue, unermüblidje $or fdjungen patten fdjließlidj baS fflcfultat, baß er aud) am menfdjlidjen Sdjäbel ben Bwifdjenfiefer auffanb. ©er tftaturforfdjer füll alfo aud) fil)ilofoßl)ifd) arbeiten, ßr fall bor allen ©ingen bentenb bergleidjen; er foll aus zahlreichen einzelnen, beobachteten fallen Sdjlüffe ziehen (Snbuction), um aus bem auf biefe Steife gewönne* neu (wal)rfd)cinlid)en) ©efetj einen tRücffdjluh auf einen einzelnen -fyall ju Ziehen (©cbuction), genau fo wie (S5oetl)e in ber eben gefdjilberten Steife bezüglich beS mcnfd)lid)en 3wifd)enfieferS Verfahren ift. ©er 9?aturforfdjer barf aber niemals ben Boben ber finnlid)en ßrfaljrung berlaffen. ßr foll „fid, mit bem befd)eiben, was er auf Slnfd)auung unb ßrfaljruitg begrün* ben" fann unb baS (sjebiet beS Ueberfinnlidjen meiben. ©ie Summe ber naturwiffenfd)aftlid)en $orfd)ungen ift fd)ließlid) bie heute faft allgemein als rid)tig anertannte, fogen. med)anifd)e, einheitliche, caufale ober moniftifdje Slnfdjauung non ber ßntftel)ung ber SBelt, weldjer Zufolge alle Di'aturförßer nur nadj ewigen, unüeränberlidjen ©efefcen fid) üollziel)enbe Umwanblungen beS Stoffes (ber Biatcrie) finb. £b biefer felbft wieberum nur ber Ausfluß eines anberen ewigen SßefenS ift, „be* fcheibet fid)" bie 5iaturwiffenfd)aft, Weber zu bejahen nod) zu verneinen, ©iefe S'vage gehört nicht in il)r (Gebiet. 6 CgSaferie) itnb Straft. ©er ewige Sßedjfel trt her Statur, her Stoffwecfyfel im allgemeinen, „ßeBen" im Weiteren Sinne. Stoff unb straft ewig unb unjcrtrennlid), in SBabrljcit 6ineS. Sie Statur „fdjafft einig neue ©eftalten; ioaS ba ift, War nod; nie; wa§ war, toiumt nicht Wieber: Sille? ift neu unb bocfi Wieher ba? Sitte. . . . S? ift ein ewige? Seien, SSerben unb SBewegen in ihr, unb bod) rüdt fie nicht Weiter. Sie »erwanbelt ftch ewig, unb ift lein Moment ©tiUfteljen in ihr." ® o e t h e. (SS Ijerrfdjt überall in ber Dlatur ein beftänbiger SBedjfel, nirgenbs feljcn mir fie ruljen, ob mir bie (Srbe ober ben £)immel, ob mir uns felbft, bie £ljiere ober bie 'tßflanjen 311m Gegenftanb unferer 4öetrad)tung madjen, unb biefen SÖedjfel nennen mir ben Stoffmedjfel im allgemeinen, „Seben" im meiteren Sinne. Sind) ber Stein „lebt"; feine SJlaffe ift in fteter -SBe- megung unb Ummanblung begriffen. 3n ber (Srbe Sdjoofie ruljen feit Oaljrtaufenben ganje ''Pflanzenwelten unb tljierifdfe*) Generationen begraben, Derfteinert. ©er 33aum Don einft ift jur $ol)le gemorben, biefe förbern mir mieber an'S STageötidjt, um fie 311 Derbrennen, mobei fid) ber größte Xljeil berfelben (als 9iaud) refp. GaS) in bie Suft ergebt, um biefe naßrungSfäßig für unfere ju madfen. 5(uS letzterer sieljcn mieber SDienfdjen unb ©Ijiere Don Ijeute, birect ober in- birect, iljre fftaljrung. 9luS bem Don einft ift ein 4öeftanbtl)eil eines tl)icrifd)en SBefenS gemorben, baS über furj ober lang ebenfalls ber 2luf= löfung Derfallen mirb, unb beffen einzelne Stljeile bann mit anberer SDZa= terie neue SSerbinbungen eingeljen, neue 9laturförper bilben merben. ©aS* felbe Sd)aufpiel beS fteten SßJedffelS tonnen mir an uns felbft in rafdjer Slufeinanberfolge ber einzelnen Stabien Derfolgen. ©ie 'ißflanje, bie ber Vuft Äol)lenfiiure entnimmt, fdjeibet mieber Sauerftoff ab, meldjer burrf) bie ?(tl)mung in ben tljierifdjen (alfo and) ben menfdjlidjen) Körper nornmen mirb unb fid) bort fortmäljrenb mit beffen djemifdjen Grunbftoffen Dereinigt unb in $orm biefer ben Körper mieber Derläfjt. 3m mit biefem Sauerftoff*„$erbrennungSpro- ceß" Doltjielft fid) unaufl)örlid) im tl)ierifd)en Körper ber 2ßed)fel ber biefem $ugefül)rten fie merben geljen neue SSerbinbungen *) ©ciä ©iaenftöaftSfoort „tljierifcß" fehltest immer bag „menfrfiitdi" ein; tljierijdje (Generationen alfo folaje von Stljieren unb 2Jtenf$enz u. f. f. ©egenfatj: pfianjlicb, ter ißffanjcn. 7 ein, aus Weldjen ber Körper 9?aprung giefjt, unb fd)eiben bann wieber ber* änbert au#, um fidj fpäter aufjerpalb be# tpierifcpen Körper# mit anberen Stoffen gu neuen SBerbinbungen ju bereinigen. G# finbet ein ununter* brocpene# ©eben unb Empfangen ftatt jwifdjen ber unorganifdjen 9latur (©efteine refp. ©rbboben, Gaffer unb Suft) unb ber organifdjen unb £pierreicp), ein fortwäprenber $rei#lauf ber Materie burd) bie bret 9teicpe ber Statur: WUneral*, unb gpierreidj. £)abei gept aber nid)t ba# tleinfte £peilcpen ber Materie berloren; ba#felbe beränbert fid) nur für bie £>auer ber bon ipm eingegangenen SSerbinbung mit anberen Stofftpeilcpen, wirb aber mit §ülfe ber Gpemie ober bon ber Statur felbft wieber au# jener SBerbinbung gelöft, b. I). in feiner urfprüngli(pen Xöefcpaf* fenpeit wieberpergeftellt. £>arau# gewann bie SRaturwiffenfdjaft ba# „®e* fep bon berGrpaltung be# Stoffe#"; berfelbe fann Weber erzeugt nocp ber* nicptet, Weber oermeprt nocp berminbert werben, er ift ewig. fragen wir un# bann, warum bie Materie fid) fortwäprenb umwan* beit, mit anberen Porten, Welcpe# bie in ewiger (Spannung befinblidje STriebfeber be# „tfeben#" ift, fo beleprt un# bie 9?aturwiffenfcpaft weiter, bap bem Stoff eine Straft innewopnt, bie ipn swingt, fiep fortwäprenb um* jugeftalten. 4öei biefem nie ftotfenben gept bon ber Äraft, gletdjwie bon ber Materie, niept ba# ©eringfte berloren. SBenn wir j. -58. burd) djemifdje Ginwirfung eine SBerbinbung in ipre Urbeftanb* tpeile jerlegen, fo fommen biefe in jeber unoeränbert wieber aum SBorfcpein. X'arau# leitet fiep ein zweite# ©runbgefep ber 9?aturwif* fenftpaft ab, ba# bon ber „Srpaltung ber Äraft". ?Xud) biefe ift Weber ju erzeugen nocp jn berniepten, Weber ju bermepren nod) ju berminbern. Unb fepen wir genau ju, fo ergiebt fid), bap Straft unb Stoff in Sßaprpeit (Sine# finb. ßraft ift nur bie befonbere Xöejeidjnung be# an fiep fd)öpferifcpen SÖefen# ber URaterie. 53on un# getrennt gebadjt, um bie beiben Seiten ber Urmaterie bejeidjnen, finb straft unb Stoff in £ßaprpeit nid)t bon einanber ju löfen. 5Sobie Wterie, Stoff opne taft ift unmöglid). 8 Der her meiprfjfidjen (Srlicniitnilj. Tic llrftoffc unb itjrc Vcrbinbungcn. 9XIIe toennnüfyt fclbft Urftoffe, au§ folgen jufammengefe&t. ®a£ nifdje unb organifclie nietet) ber Statur, Slnorgane unb Crgantäntcn, ,,Seben" im engeren Sinne. Unorganifcße unb organifelje SJerbinbungen. SBei ber näcpften ft-rage, bie uns entgegentritt: „SßaS ift reine, unoer- fälfdjte Materie, was ift Urmaterie ?" mujj bie 'Jiaturwiffenfdjaft baS ®e- ftänbniß ablegen, baß fie felbft barüber nod) im Unftaren ift. tungen auf ben Derfdjiebenften (Gebieten ber genannten Sßiffenftijaft fpredjen bafiir, baß eS eine einzige Urmaterie giebt, unb es ift baS, befennt man fid) ju ber moniftifdjen 5lnfd)auung Don ber SÖeltentftehung, auch eine $orbe- rung üernünftigen OenfenS. Slber es ift nod) nidjt gelungen, biefe Urma= tcrie ju beftimmen. Unfer finnlidjeS (ErfenntnißDermögen reicht trop ber Dielen ißm ,u (Gebote fteljenben nicht hin, biefe Aufgabe ju be* wältigen. ViS heute t)at bie Siffenfcpaft nur Dermodjt, baS Material, aus welchem unfere (Erbe unb roaßrfdjeinlid) and) baS ganje Sßeltall befteßt, in einige fedjgig «Stoffe ju tljeilen, welche djemifcß, b. I). in anbere Stoffe nidjt weiter jerlegt werben tonnen. Oiefe Stoffe nennt man (Elemente, ein- fache Körper, Ur- ober ©runbftoffe. WS ihnen entfieljen alle anberen üia- turtörper. wenn alfo nidjt felbft (Elemente, finb oljne eine einzige Ausnahme nur aus üerfdjiebenartiger SSerbinbung ber (Elemente heruor- gegangen. 3e nach ber 23erfdjiebenl)eit biefer 23erbinbung entfteljen aber leblofe unb belebte körper. 2ßie bereits furj ermähnt, tljeitt fidj bie 9?atur in baS „unorganifche" unb baS „organifdje Üieidf. (ErftereS umfaßt bie unorga- nifchen, tobten ober leblofen Körper; eS finb bieS bie ßuft, baS Gaffer unb bie ©efteine, aus meldjen legieren burch Verwitterung ber (Erbboben ent- ftanben ift. Xiefen „9lnorganen", weldje feine (ErnährungSthätigfeit be- fißen, nod) irgenb eine SebenSthätigfeit ausüben, ftepen bie organifdjen, be- lebten VJefen gegenüber: Vflanjen, Thiere unb DJlenfdjen. T)iefe bilben bas unb Shierreich, baS „organifdje Dicicp." 2ßeil aber alle or= ganifdjen Sßefen, mit SluSnaljme ber fpäter £u befpredjenben niebrigften eine geringere ober größere üon „Crganen" h b. h- Don Äörpertljeilen, bereu jcber einzelne feinen eigenen Vau, feine eigene <yorni, feine beftimmte d)emifd)e unb feine, Don biefen abhängige, beftimmte Thätigfeit hat, fo nennt man bie belebten (organi- fdjen) üßefen allgemein „Organismen." Oenfeiben muffen wäljrenb ber ©auer ihrer fortwäljrenb foldje Stoffe angeführt werben, aus benen fid) iljr Körper, ber fid) in einer 9 ununterbrochenen djemifdjen Veränberung befinbet, ftetS neu aufbaut. Oiefer 9?eubi(bungSprocejj, ber Ijcmptfadjlidj auf ber Zuführung von Wäh- rung unb öuft unb bereu Vermertl)ung für ben Körper beruht, ift bie djaracteriftifdjfte ©genthümlidjfeit ber Organismen unb wirb „Stoffmedjfel" im engeren Sinne genannt, <Sr bebeutet ein fteteS Slbfterben unb 9?eu- bilben ber ber Organismen, unb fo tauge er mährt, „lebt" ber Organismus. Oiefer „Stoffwedjfel" ift „Seben" im engeren Sinne beS Portes, b. I). im ©egenfah ju jenem £eben im weiteren Sinne, weldjeS ben nie ftoctenben UmbilbungSprocejj beS gefammten Stoffes unb ben SluStaufdj ber Wlaterie bem unorganifdjen unb organifdjen 9teid) bejeidjnet. §ört ber Stoffmedjfel in einem Organismus auf, fo tritt ber Oob ein. Oer Organismus ftirbt unb löft fidj wieber in feine djemifchen Veftanbtheile, feine Urftoffe auf. VMe gejagt, finb alte Waturförper, wenn nidjt felbft (Elemente, aus foldjen jufammengefept, unb jwar machen biefe jufammengefepten Stoffe bie .'pauptmaffe altes Vefteljenben aus. Wüt Ausnahme Don Sauerftoff, Sticfftoff unb fommen bie Urftoffe nur feiten in reinem $u- ftanbe in ber Watur Dor, unb was fpeciell ben menfdjlictjen Körper anbe- trifft, fo finbet fid) in biefem außer Sauerftoff unb Sticfftoff, weldje burd) bie Sltljmung ber Sltmofpljäre entnommen werben, nur nod) SSafferftoff (als ®äl)rungSprobuct im Oarmcanal) Dor. Oie bei weitem meiften 9?aturförper finb alfo jufammengefepte Stoffe, b. h- burd) oerfdjiebenartige Verbinbung Don Urftoffen entftanben. £Bir unterfcheiben jwei Wirten foldjer Verbtnbungen: unorganifdjeunb organifdje. Unovganifdje Verbinbungen nennt man bie, aus Weldjen bie Körper beS unorganifdjen 91eid)eS (Öuft, V3affer unb ©efteine bejw. Grbboben) be- fielen. Organifdje Verbinbungen heißen aber biejenigen Verbinbungen, bie nur .in ben Organismen Dorfommen. V3ol)l ju merfen ift babei, baf? aud) unorganifdje Sßerbinbungen (j. 33. Salje) in Organismen anjutreffen finb, unb bajj organifdje SSerbinbungen aud) außerhalb eines Organismus, nämlid) tünftlid), erzeugt werben tonnen. 5(1S weitere Unterfd)iebe ber beiben SßerbinbungSarten mögen hier furg jufammengefteltt werben: Oie unorganifd)en finb fel)r einfadje unb beharrliche, bie organifdjen bagegen fepr Derwicfette, aber teidjt löslidje SBerbinbungen. Unorganifdje Stoffe finb unter gewöhnlichen 33ebingungen unüerbrennlidj, währenb bie organifd)en fämmtlid) üerbrennlidjer 9tatur finb. Unter Verbrennung ober Oppbation Derftept man aber bie Verbrü- hung beS Sauerftoffs mit anberen Stoffen, baper bie meiften unorganifdjen Verbinbungen „gefättigte" Sauerftoffoerbinbungen finb, b. 1). foldje, bie nid)t mehr Sauerftoff aufnehmen tonnen; in ben organifdjenStoffen feljlt bagegen ber Sauerftoff faft gänzlich ober ift nur in fo geringen Wiengen 10 Dorßanben, baß nod) meßt Don ißm jutreten ober gebunben werben fann. Oft bieS nicßt meßr möglidj, bann finbet eine votfftänbige Verbrennung ber organifcßen Verbinbung ftatt, unb biefe wieber in unorganifcße (Stoffe. OaS v*pauptfennjeicßen ber organifcßen Verbinbungen ift jebod), baß in feiner berfelben ber ä'oßlenftoff feßlt, ber 31t ber großen Sfteßqaßl aller übrigen Elemente eigentßümlidje unb complicirte djentifcße VerwanbtfdjaftS* bejießungen ßat. Vorjüglicß mit Vtafferftoff, Sauerftoff unb Stidftoff geßt ber Äoßlenftoff feßr Derwicfelte Verbinbungen ein, welcße fid) gewößn* lid) nur in Organismen bilben unb baßer organifcße Verbinbungen genannt werben. SBeil aber gerabe ber refp. beffen fid) in ben üerfdjiebenften Verßältniffen mit anberen (Elementen ju Derbinben, bie Urfadje aller (Eigentßümlidjfeiten ift, welcße unorganifdje Stoffe Don ben or* ganifcßen unterfdjeiben, fo ßat man festere and) genannt. 9?atürticß giebt eS fowoßl im unorganifdjen üleid) ber 9?atur als and) in ben Organismen außer biefen organifcßen and) unorganifdje $oß* lenftoffüerbinbungen, wie Äoßlenfäure, Ä'oßlenwafferftoffgaS, u. a. m. ©igcnfcßoftcn (fträftc) beö Stoffes. ©ie atomiftifeße SEIjcorte, 9Itome unb 2D?oIecüle. SScrivanbtfcbaft. 2ttonißC= ivtdjte ber (Elemente. Sftolecularfräfte unb SJfolccularbeivegunflen. ®ie tocrjd)iebenen ber Staturförper. Um ju Derfteßen, wie bie Derfdjiebenartigen Verbinbungen Don (5te= menten ju Dlaturförpern Dor fid) geßen, müffen wir uns nod) mit ber „Straft", bem „an fid) feßöpferifeßen Vkfen" ber Materie befannt madjen, b. ß. mit ben (Sigenfcßaften bcS Stoffes ber menfdjlicßen (Erfenntniß. Slucß ßier müffen wir baS ©eftänbniß DorauSfcßiden, baß unfer SBiffen Stüdwerf ift. Sind) ßier müffen wir mit einer einer 3)lutß- maßung beginnen, bie jebod), unb baS Derleißt ißrer großen Sßaßrfcßeinlid)' feit faft bie DJhußt ber ©ewißßeit, alle allgemeinen (Srfcßeinnngen ber Ücaturförper ju erflären Dermag: es ift bieS bie atomiftifdje Oßeorie. SelbftDerftänblicß befteßen alle Körper aus einer Vereinigung fleinfter Oßeile, bie fünftlicß (meeßanifeß) nid)t weiter ju finb. Oiefe Oßeildjen finb aber nod) in ©ebanfen ju tßcilen, fo baß ben fünftlid) fleim ften bie benfbar tleinften Oßeile, bie ?ltome genannt werben, gegenüber* fteßen. Oiefe burdjauS nid)t weiter tßeitbaren, unburdjbringlicßen Stoff* tßeildjen gießen fid) gegenfeitig burd) bie SlttractionS* ober SlnjießungSfraft an. SÖenn fie nun in biefer Ä'raft neben einanber gelagert finb, fo Derbleiben jwifd)en ißnen bodj nod) unermeßbar Heine Öüd'en, bie Don bem Sletßer ausgefüllt werben. ein ßödjft feiner, unfidjtbarer Stoff, ber im ganzen Weltraum Derbreitet unb, wie gefagt, mit allen Körpern 11 gemifdjt ift, beftept ebenfalls, wie bie SDSaterie, aus benfbar fleinften Tpcilen, b. I). Sltomen, weldje bie (Sigenfcpaft Ijaben, fiep üon einanber abjuftopen. Tie atomiftifdje Tljeorie beleprt uns alfo, bafj jeher Körper aus Sltomen beftept, bie alle üon einer feinen Sletperpülle umgeben finb. Tie Slnjie» pungSfraft ber ftofflidjen Sltome unb bie SlbftofjungSfraft ber Sietperatome erzeugen aber eine unaufpörlidje, für nufere Sinne natürlidj nidjt waljr» nepmbare Bewegung ber beiben Sltomarten. (Sin SItom fann für fidj allein nidjt beftepen. Tiadjbem eS aus einer Berbinbung auSgefdjieben, mufj es fofort eine anbere eingepen, unb jwar fo lange mit einem ober mehreren Sltomen gleirfjer ober üerfdjiebener Slrt, bis bie neue Berbinbung für fidj im freien ejnftiren fann. Soldje (Gruppen üon Sltomen peifjen nftolecüle. Sin SItom ift alfo baS benfbar flcinfte Stofftpeildjen, baS für fiep nidjt beftepen fann unb fidj beSljalb mit gleichen ober anberSartigen Sltomen ju SOSolecülen üerbinben mufj. Sltome wie DJlolecüle finb burdj medjanifdje Tpeilung nidjt üor Singen ju füljrcn. Tie fleinften auf biefe SBeife barjuftellenben Tljcile eines Körpers finb Bartifeldjen, mit weldjem tarnen man eine Slnjapl üon BMecüIen bejeidj» net, bie unter einanber fefter als mit anberen QJiolecülcn üerbunben finb. fUian nimmt nun an, bafj bie Sltome eines unb beffelben Slements gleidje ©röfje unb gleidjeS ©ewidjt paben, unb bie eigenartigen djemifdjen Sigenfdjaften eines jeben (Slements burdj eine Berfdjiebenpeit feiner Sltome üon benen aller anberen (Slemente bebingt finb. SS giebt bemnadj, abge» feljen üon ben Sietperatomen, fo üiele Sltomarten wie (Slemente, b. p. einige fedjjig, unb ein SItom ift alfo, um baS oben ®efagte treffenber auSjubrücfen, baS benfbar fleinfte Tpeildjen eines (SlementeS. SS folgt aus bem Borpergepenben weiter, bafj, wie jebeS Slement aus gleidjen Sltomen, jebe (unorganifdje ober organifdje) Berbinbung aus Slto» men üerfdjiebener (Slemente beftepen muff. Tiefe SSerbinbungen ber Sltome refp. (Slemente geljen aber nidjt in beliebiger, fonbern in gefepmiipiger Söeife üor fidj, bie ipre (Srflärung in ber djemifdjen (Sigentpümlicpfeit ber einzelnen Sltome finbet. (Sine Bereinigung üon üerfdjiebenen Urftoffen wirb erft ju einer djemifdjen Berbinbung, wenn aus biefer Bereinigung ein gleidjartigeS mit neuen, biefem eigentpümlidjen djemifdjen Kräften peroorgept. (SS bebarf alfo, um eine djemifdje Berbinbung ju bewirten, einer üermit= telnben „Äraft", einer djemifdjen (Sigentpümlidjfeit ber in SÖedjfelwirfung tretenben Sltome, unb biefe ®raft wirb djemifdje Berwanbtfcpaft ober Slffi- nität genannt. t}ebe Sltomart Ijat aber, ba fie üon allen anberen Sltom» arten üerfdjieben ift, eine iljr eigentpümlidjc Slffinität, unb barauS erflärt fidj audj, baff bie Slemente in ber mit ber fie unter einanber Berbinbungen eingeljen, üerfdjieben finb. So üerbinben fidj mandje Ur» 12 ftoffe, vor alten ber Sauerftoff unb näd)ft il)m ber Söafferftoff, feljr leidjt, unb non biefen jagt man, baß fie fel)t viel (djemifdje) Berwanbtfdjaft ober Slffinität fjaben. Slnbere Clemente bagegen üben eine fo geringe Slnjieljung auf einanber aus, baß fie nur auf fünftlidje, oft fepr fdjwierige SßSeife ver* bunben werben tonnen; von biefen Wirb gefagt, baß fie feljr wenig Slffini- tat ljaben. £)ie Clemente Verbinben fid) ferner immer nur in gewiff en, unabäm berlidjen ®ewid)tSVerl)ältniffen, b. t). bie in djemifdjen Berbinbungen ent' Ijaltenen Urftoffe fteßen ftetS in einem beftimmten Berpältniß ju ein* anber. £)ie baS Berßältniß bejeicfjnenben Saljlen nennt man bie Sltom* ober WUfdjungSgewidjte ber Clemente. £öei ber biefer $al)len ging man von bem tteinften Sltomgewidjt, bem beS SBafferftoffS, aus unb bejeidjnete biefeS als Cinßeit. darauf ermittelte man, wie Viele ®ewid)tS* tßeile von jebem anberen Clemente fid) mit ber Cinßeit verbinben, unb in* bem man bann jebem Clement als Sltomgewidjt biejenige $al)l beilegte, Weldje bie ©ewidjtStljeile angiebt, mit weldjen fid) ein Clement mit bem Sßafferftoff Verbinbet, erßielt man eine OJeiße vergleichbarer Saljlcn, bie nidjt nur baS WUfdjungSgewidjt eines jeben Clementes mit bem Sßaffer* ftoff, fonbern and) baS mit ben anberen dementen bejeidjnen. Berbinben fid) Clemente djemifd), fo Verfdjwinbcn, wie gefagt, il)re Ci* genfdjaften, unb nehmen aus bereu Bereinigung bie jufammengefeilten Stoffe iljrerfcits ganj neue unb iljnen eigentljümlidje Cigenfdjaften (Kräfte) an. £)iefe finb aber nur Vorljanben, fo lange ber Körper epiftirt. Soft fid) biefer in feine Clemente auf, fo erfdjeinen festere unver* änbert Wieber, b. I). Wie bie Materie, bie Urftoffe, finb and) bie an iljr Wirf* famcn Kräfte ewig unb unveränberlidj. Sn einer d)emifd)en Berbinbung finb bie fdjeinbar verfdjwunbenen Kräfte iljrer Urftoffe nur „latent", b. i. im verborgenen ober fdjlitmmernben £uftanbe. ■Die oben erwähnten jwifdjen ben Sltomen tßätigen Kräfte (Slnjieljung unb Slbftoßung) werben HJiolecularfräfte unb bie von biefen ßervorge* rufenen Bewegungen iDMecularbewegungen genannt. £)iefe unb bie d)emifd)en Cigenfdjaften beS Stoffes beftimmen bie 5Irt unb BSeife, wie fid) bie Ueinften Stofftßeildjcn sufammenfetjen, b. I). in weldjem 2IggregatS= ober iDidjtigteitSjuftanbe fid) Körper befinben. Sttan unterfdjeibet vier verfd)ie' bene SIrten von SlggregatSjuftänben. Sw feften SlggregatSjuftanb finb bie SJZolecularbewegungen im ®leid)gewid)t, unb in $olge beffen bie Körper feft unb ftarr; im fluffigen, tropfbaren ober tropfbar=flüffigen überwiegt bie SJiolecularabftoßung, unb finb bie Körper, wie 3. B. baS BSaffer, flüffig; im gaS- ober luftförmigen ift bie Slbftoßung nod) ftärfer, unb bie Körper finb lüft' ober gasförmig; ber vierte SlggregatSjuftanb enblid) ift ber feft= flüffige ober gequollene, welker baburd) ju Staube fommt, baß jwifdjen 13 bie SJiolecüle eines feften Körpers (in bie fogen. {ylüffigfeit einbringt. Sitte vier SIggregatSjuftänbe fommen in ben leben* bcn (organifcpen) 9?aturförpern vor; bei ben unbelebten (unorganifcpen) Körpern finben wir aber nur bie brei erftgenanten SlggregatSpftänbe. Ta* bei ift nodj ju bemerfen, bajj biefe TicptigfeitSgrabe ber Slnorgane von einem beftimmten Temperaturgrabe abhängig finb. 3eber unorganifdje Körper fann burcp (Srpöpung ober (Srniebrigung ber Temperatur in einen anberen Von jenen brei TidjtigfeitSjuftänben übergefüprt werben. TaS ©leicpe ift nicpt ber $all mit bem vierten bem feft*flüffigen ober gequollenen, ber fid) nur im lebenbigen Körper aller Organismen, ber Tpiere unb Sftenfdjen, vorfinbet. Tie Urfadje biefeS pöcpften unb complicirteften SlggregatSjuftanbeS liegt aber, Wie Wir fpäter beS 9?äperen fepen werben, in ben (pptjfifalifcpen unb cpemifcpen) (Sigenfctjaften eines einzigen ©runbftoffeS, beS $oplenftoffS. ber Elemente unb äjcrbinbungcn. Um bie verfepiebenen (Elemente für1, 311 bejeidjnen, bebient man ber SlnfangSbucpftaben iprer lateinifdjen Flamen; (Slemente mit gleichen SlnfangSbucpftaben werben burcp 3ufa£ eines weiteren unter* fdjieben. O (©jpgentum) bebeutet bemnad) ©auerftoff, C (Garbogenium) $oplenftoff, Ca Calcium unb CI ßplor. Tiefer SInfangSbudjftabe gilt in ber ßpemie aber nid)t bloS als «Seicpen für baS betreffenbe Element, fon* beim er bebeutet and) ein SItom beffelben. H fiept alfo als für ein SItom ober ein ©ewidjtstpeil Sßafferftoff (§pbrogenium), S für ein Sltom ober 32 (SfewidjtStpeile @d)Wefel (Sulppur), u. f. f. Sßill man meprere Sltome eines Elements bejeicpnen, fo pängt man bie be§üßtid)e 3apl an ben •Sudjftaben; Fl2 - jwei Sltome gluor, N5 = fünf Sltome ©tid'ftoff P8 = adpt SItome Sitte d)emifd)en SSerbinbungen laffen fid) auf biefe SBeife fur$ burcp eine formet auSbrüden. @tept vor biefer eine 3npC fo wirb bamit jeber Opeil ber formet multipti* cirt; 2 N H3 bßbeutet alfo jwei Sltome ©tictftoff verbunben mit 6 Sltomen SBafferftoff. 14 Ä)er $toff bes Körpers. (Elemente. Sßafferftoff, Sauer ft off, Stiifftoff, itoptenftoff, Scbtocfel, Sßßosfyljor, ßalctum, Natrium, ft'alium, (Splor, g-luor, SKagnefium, itiefelftoff, (gifen, SKangan. S)ie (Elemente ober Urftoffe werben in 9Ud)tmetalle (HRetalloibe) unb in (leidjte unb fdjroere) Metalle eingetpeilt. Sie alle ju befpredjen, würbe - für ben 3'Ded biefeS 53udjeS - ju Weit führen, ba eine nur geringe $apl non Urftoffen fid) in ben Organismen üorfinbet: 18 in ber 53flanjen* weit unb 16 in ber Spier* unb ÜDZenfkenwelt. Reiben SReicpen gemein* fcpaftlicp gepören an: 5ßafferftoff, «Sauerftoff, Stüfftoff, Scpwefel, 'ißpoSppor, (Ealcium, Natrium, Kalium, (Eplor, fEluor, QRagne* fium, ßiefelftoff, (Eifen unb SRangan. Tupfer finbet fid) nur im Spier* reid) Dor, unb jwar nur im 53lute einiger nieberer Spiere. 3m reicp fommen auper obigen 15 Urftoffen, Don benen (Ealcium, Natrium, Kalium unb QRagnefium leidjte, unb (Eifen unb WZangan fdjtoere SRetalle finb, nod) folgenbe (Elemente Dor: Slluminium, 53rom unb 30'5- 5S a f f e r ft o f f, 5ßafferftoffgaS, £)pbrium, §pbrogenium (b. p. 2Saf* fererjeuger); 5ltomgewicpt H=l. S)er 5ßafferftoff, ein luftförmiger, färb*, gerucp* unb gefcpmadlofer Urftoff, ber ju einer Derbidjtet werben fann, fommt (in größeren DRengen) nidjt frei in ber 'jRatur üor, fonbern faft immer nur mit anberen (Elementen ju flüffigen unb feften Körpern Der* bunben. Slufjer im SRineralreicp unb alö ein be§ SBafferS, ba$ alfo ein jufammengefepter Körper unb niept, wie man früper glaubte, ein (Element ift, finbet er fid) in faft alten pflanjlid)cn unb tpierifdjen 53er* binbungen. 3m freien 3uftan^e K*trb er im menfdjlidjen Körper im S)armcanal als ein 'ißrobuct ber ®äprung angetroffen. (Er ift bie leieptefte Don allen Suftarten, unb jwar üieqepnmal leidjter als bie atmofppärifdje lieber feine ißerbinbung mit bem ©tidftoff ju Slmmoniaf fiepe fpäter. ©auerftoff, (SauerftoffgaS, ©ppgeuium (b. i. (Säureerjeuger, wie er genannt Würbe, weil man früper annapm, bap er allein im «Staube fei, Säuren ju erzeugen); 2Itomgewid)t 0=16. S)er Sauerftoff ift ein gefepmaef*, gerud)* unb farblofed (unficptbareS) ®aS, baS bei einer gewiffen Äätte unb unter einem beftimmten 5ltmofppärenbrucf in eine glüffigfeit übergept. 5Begen feiner großen d)cmifd)en 53erwanbtfd)aft alten übrigen (Elementen (mit SluSnapme Don gluor) wirb ber Sauerftoff in fo Dielen anberen Körpern angetroffen, bap er mepr als ein drittel beS jum Slufbau 15 ber Grbe bienenbett Materials auSmacpt. (Sr wirb aucp „geuerluft, Ver- brennnngöunterpalter" genannt, weil er eS ift, ber ba§ $euer unterpält unb bie (Sigenfcpaft pat, brennbare Körper mit großer Sdjnelligteit uttb heftig- feit ju Derbrettnett, obwopl er felbft nid)t brennt. 2Bie bie Verbrennung ift and) bie Verwitterung eine VMrfung beö SauerftoffS, ber ebenfalls ein widjtiger $actor bei ber ©äprung, {yäulnifj unb Verwefung ift (f. organifdjer Subftanjen). (Sr peipt ferner „ÖebenSluft", weil tljn Spiere unb Sftenfcpen einatpmen muffen, füll ipr Seben fortbauern, ©er Sauer« ftoff fommt in freiem u. 21. Dor in ben Don ben beS (5rb- reidjS unb beS unb SpierförperS eingefdjloffenen Suftarten unb in ber Sltmofppäre, weldje ein „®emifcp" Don j Sauerftoff unb f Stick ftoff ift. (Spemifcp gebunben ift er ein beS SöafferS, beS feften (Srbreicpö (faft bie §älfte baoon) unb be§ Spier« unb V?enfd)entörperS (befonberS beS VluteS). Verbinbet fiep ber Sauerftoff mit einem anberen (Slemente, fo nennt man ba§ „oppbiren" ober eine „©ppbation"; baS (Srjeugnifj einer folöpen Verbinbung ift ein „©ppb" ober „oppbirter Körper." ©aS Oioften beS (SifenS an ber Vuft ift 3. £3. eine ©ppbation, DerrofteteS (Sifen aber (Sifenoppb. Sßeil jebe ©ppbation mit Sßärmeentwid'lung üerbunben, Wirb fie aud) „Verbrennung" genannt, fefbft wenn fie opne Sidjterjeugung Dor fiep gept. ©ie freigeworbene VMrme wirb um fo füplbarer, je fdjneller fid) eine Verbrennung Dolljiept. VMrb V. §olj burd) $euer Derbrannt, fo gept bas fcpnell Don ftatten unb bie entwictelte VSärme ift waprnepmbar, wogegen baS Verwefen beS §olje§, baS and) nur eine Verbrennung ift, langfam unb unmerflicp Dor fid) gept; in beiben fällen wirb aber bie gleiche 9J?enge VJärme entwickelt. - (Sin ©ppb ift entweber eine „Vafe", eine „(Säure" ober ein,, inbifferenteS" ©ppb. (Sine Vafe ift ein ©ppb, welcpeSin feiner Verbinbung mit SBaffer mit einer Säure (unter Vilbung Don Sßaffer) eine djemifepe Verbinbung eingept, bie man ©0(5 nennt. .Umgefeprt ift baSfenige ©ppb eine Säure, weldjeS in feiner Verbinbung mit Sßaffer mit einer Vafe ein Salj bilbet. (Sin „inbifferenteS" ©ppb befipt entweber ju Diel ober 3U wenig Sauerftoff, um fidj mit einer Säure birect ju einem Derbinben ju tonnen. V?ie fdjon angebeutet unb fpäter weiter erörtert werben wirb, ift ber Sauerftoff pödjft widftig für ben tpierifepen Körper, in beffenVtut erburtp baS (Sinatpmen atmofppärifdjer Suft gelangt. Sowopl an ber Dleubilbung wie an ber ,$erfeputtg organifeper Subftanjen ift er betpeiligt, unb bei ben burd) ipn ju Staube fommenben Verbrennungen entwickeln fid) biejenigen Kräfte, auf benen bie SebenStpätigfeiten berupen. ©ap aber ber für Spiere unb nftenfepen fo unentbeprlicpe Sauerftoffgepalt ber Suft nid)t erfepöpft wirb, bafür forgen bie Welcpe bie (üom tpierifdjen Körper auS- gcatpmete) Äoplenfäure aus ber £<uft aufnepmen unb unter (Sinwirfung 16 beS Sonnenlidjts in ißre 53eftanbtßeile, linb «Sauerftoff, 3er* legen, ©en Äoßlenftoff beßalten aber bie ißflanjen 3um 2lufbau ißreS Körpers 3urü<f, wäßrenb fie ben Sauerftoff wieber burd) bie auS- atßmen. 3m 53 lute feßeint ber «Sauerftoff in ©eftalt von ©jon vorßanben 3U fein; eS ift baS eine, and) in bet atmofpßärifdjen Suft (f. bart) vorfommenbe fogen. SKobification*) beS «Sauerftoffs, bie unter gewiffen 23erßältniffen aus legerem ßervorgeßt. Sticfftoff, SticfftoffgaS, 9iitrogenium (b. ß. Salpetereqeuger), 2130t, früßer and) ©ßierftoff ober 300tJen (b. ß. ©fjierftofferjeuger) ge= nannt, weil er bie ©runblage ber weiften tßierifeßen ©ubftanjen bilbet ©er Plante Sticfftoff ftammt baljer, weil er für fid) allein jebe flamme fo= Woßl wie baS Seben ber Hftenfdjen unb ©ßiere 3um ©löfcßen bringt ober erftieft. ©er Sticfftoff (2ltomgewicßt N=14) ift, wie ber Sauerftoff, ein luftförmigeS, färb', gerueß' unb gefcßmacflofeS ®aS, baS bei großer äälte unb unter feßr ßoßem ©ruef 3U einer comprimirt werben fann. © madjt f ber atmofpßärifcßen 8uft aus. ©roß feiner äußerft geringen 2lffinität ju ben anberen Urftoffen ift er ein wefentlicßer 53eftanbtßeil beS pflanjlidjen unb tßierifdjen Körpers, in weid)' legerem fid) ber, aus ber 2ltinofpl)äre aufgenommene (Stidftoff int 53lut unb in ber flüffigfeit gelöft üorfinbet. fid) bie pflanjlidjen ober tßierifdjen fticfftoffßaltigen «Stoffe ober geßen fie in ftäulniß über, fo bilbet fid) 2(nv ntoniaf, eine für baS Seben ber feßr wichtige 23erbinbung beS StitfftoffeS mit Sßafferftoff. Äoßlenftoff, (Sarbogenium (b. ß. Äoßlenerjeuger, weil er ber §auptbeftanbtßeil ber ®oßle ift), and) genannt, weil er bie ©runblage ber ift; 2ltomgewicßt C=12. ©er Äoßlenftoff, ein fefteS, gerud)= unb gefdjmacflofeS (Element, fommt in brei allotropifcßen Buftänben, als ©iamant, ©rapßif unb gewößnlicße Äoßle, vor. SDHt anberen (Elementen üerbunben, finbet er fidj fowoßl im tDiineralreid) als and) in allen tßierifeßen unb pflanjlidjen Subftanjen vor. ©er Äoßlenftoff ift baS eigentlidfe organifeße ©erneut, ba er in feiner or= ganifdjen ißerbinbung feßlt (f. fpäter). <Sd)wefel, Sulpßur; 2ltomgewicßt S=32. ©er Sdfwefel ift ein fefteS (Slement, baS bisweilen rein, meiftenS in Sßerbinbung mit anberen ©runbftoffen, befonberS Metallen, gefunben wirb unb in vier allotropifcßen vortommt. tßierifeßen unb pflanjlidien Körper trifft man es vorjugSWeife in ben fogen. eiweißartigen Subftanjen unb in ßornigen *) SD?anc£)e Ürßtoffe fommcn in verriebenen Bejüglufj Jpärte, $arBc, ®e~ Statt, u.a.m. vor, Weil, wie man annimmt, itjre Sltome unter Bestimmten Sinwirfungen iljre gegenfeitigeSage veränbern. Reißen ober äKobiftcntionen. 17 ©peilen, weldje beSpalb aud) beim faulen fünfen, ba fid) babei Sd) Wefel' wafferftoffgaS, eine non Sdjwefel mit Sßafferftoff, entnricfeft. I) o S p p o r, 2Itomgewid)t P=31, ift ein fefteS, fepr giftiges Element non iuadjSartigcr §ärte unb fcpwacpem, fnoblaucpartigem (Serud), baS in vier allotropifcpen vorfommt (Sr ojcpbirt fid) an ber Suft unter SRaudjentwidlung. ©iefe langfame (Sßerbampfung) verurfacpt im ©unfein ein etgentpümlicpeS Seudjtcn, welcpeS biefem Element feinen Flamen üerfdjafft pat. 3n ber Statur fommt ber 'ißpoSppor bemnad) nie frei vor; jumeift ift er mit Sauerftoff verbunben (al§ wirb aber aud) in biefer Sßerbinbung nid)t frei ange- troffen, fonbern ftets nur in ftorm von Saljen, j. 53. als ppoSpporfaurer $alf. Sefctere Sßerbinbung ift für ben tpierifcpen unb pflanjlicpen körper ungemein wicptig, benn fie pilft bie fefte (Srunblage biefer körper bilben; fo enthält baS Änocpengerüft eines erwadjfenen EDlenfcpen über ein ''ßfunb "'ßpoSppor. ©ie größte $ufupr von erpält ber tpierifdje Körper aus pflanjlidjer Staprung; bie iprerfeitS nepmen bie ppoSppor- fauren Salje aus ber Sldererbe, ber fie nie feplen, auf. Slufjer in ben finbet fid) 'ßpoSppor nodj in ben einzigartigen Subftanjen, in ber §irm unb Slerüenfubftanj, in bem gleifdje, in (Siern, §ülfenfrüd)ten unb (Setreibefamen. 53ei ber gäulniß tpierifcper Stoffe entwidelt fid) eine Sßerbinbung von Söafferftoff unb ein giftiges, äujjerft ftinfenbeS (SaS. (Salcium, Sltomgetvicpt Ca=40; 91a tri um, Sobium, 2ltomgc= lvid)t Na=23; Kalium, ätomgelvicpt K=39. (SS finb bieS brei metallifd)e (Slemente, iveldje nicpt frei in ber 91atur vorfommen. 9lud) ipre ©jrpbe, kalt ober föalferbe, Dlatron unb $ali, finb wegen iprer großen 5>erwanbtfd)aft ju ben Säuren immer nur als Salje anjutreffen (foplem faurer, fdjwefelfaurer unb ppoSpporfaurer $alf; Soba, kodffalj, ®lauber= falj; (ßottafd)e, Salpeter, u. a. m.) Sßon befonberer Sßicptigfeit für bie Organismen finb von biefen Sßerbinbungen ber foplenfaure unb ber ppoS= pporfaure $alf unb baS Äocpfalj. (Splor; 2ltomgewid)t Cl=35. ' ©aSfelbe ift ein gelbgrünlidjeS ®a3 von erftidenbem ®erud) unb reijenbem ®efd)matf, baS fid) burd) ©rud ober ©cmperaturermäßigung in eine verwanbeln läßt. 3;n freiem ,$uftanbe pöcpft gefäprlicp für bie SltpmungSorgane, bilbet eS in 53erbinbung mit anbercn (Elementen für ben tpierifcpen Körper pöcpft wertp« volle Stoffe: Sod)falj, (Splorfalf, Saljfäure, (Sploral unb (Sploroform. Siegen feiner jerftörenben SBirfung gegen unb ©pierftoffe wirb eS viel sum Vertilgen ber beim faulen biefer Stoffe entftepenben übel ried)cnben (Safe unb jur tranfmadjenber SluSbünftungSftoffe, b. p. jum ©eSinficiren, verwanbt. 18 $luor, 2Itomgen)itf)t F1=19, ift ein farblofe« ®a« Don eigenttjünp liefern ©erudj, ba« man in ber SQatur nie frei, fonbern meiftenö mit ßalcium ju gluftfpatp Derbunben antrifft. 211« folger tommt e«, jebod) nur in ge= ringer SDtenge, in ben unb bem Srfjmelje ber ,8ät)ne im tbierifdjen Körper Dor. SO? a g n e f i u m, 2ttomgenucfjt Mg=24, ift ein toeiefje«, filberglänjem be« SOtetall, ba« in 23erbinbungen mit Sauerftoff unb in ben unb im ©Ijierförper Dorfommt; al«©alterbe ober gebrannte SOtag- nefia bejm. al« ppospljorfaure SOtagnefia. ©er $ i e f e l ft o f f, Silicium; SItomgeloicfjt Si=26. ©er $iefelftoff tommt niemal« frei oor. SD?it Sauerftoff jur Äiefelfäure ober Äiefelerbe Derbunben, finben mir ipn al« foldje in ben Organismen; im tfyierifcfjen Körper, befonber« im Sölute, in ben paaren, 23ogelfebern, u. f. m. ©er Äiefelftoff maefjt näd)ft bem Sauerftoff bie §auptmaffe ber feften ßrb- rinbe au«. ßifen, 2ltomgemidjt Fe=56; SOZangan, 2Itomgemidjt Mn=55. ©a« berbreitetfte aller metallifdjen Elemente, ßifen, ift im tpierifdjen $ör= per, moljin e« burd) bie Stauung in großen SOZengen gelangt, befonber« miefjtig für bie ß§ ift ein mefentlidjer be« •231ute§, bejm. ber 53lutförperd)en. - SDZit bem (Sifen ift faft immer 2)?an= gan, ein bem erfteren äljnlidje« SOZetall, berbunben, unb finbet fid) SDZangan beSpalb im ©ljierförper Ipuptfadjlid) im 4Blute unb in ber ©alle. Unorganifdje SScrlnnbungcn. ©Baffer, Äobtenfäurc, ßol)lertoj$bga£z ßocfyfalj, foljlcnfaure« Patron, fotjtenfaure« Äali, unb fotjlcnfamcr ßalt unb Slmmoniafga«. - 3ltmofpl)ärüd)e ßuft. 3m unorganifdjen Oxeid), in ber Suft, bem 2Baffer unb ben ©efteinen refp. bem (Srbboben, finbet man natürlich bie ber unorganifdjen 23erbinbungen. ©iefe gelten aber and) in bie 3ufamTnenfe^un0 gani«men ein, unb finb ein für ©ljiere unb SD?enfd)en unentbelp lidje« SD?aterial. ©ie für ben menfdjlidjen Körper micfjtigften unorga* nifdjen 23erbinbungen finb folgenbe: ©a« 2ßaf f er. (5« beftetjt au« 1 SBafferftoff unb 8 @ewid)t«tl)eilen Sauerftoff, b. i. 2 Dfaumtljeilen Sßafferftoff unb 1 9?amm tl)eil Sauerftoff (f. 2Itomgemicf)te ber beiben ©erneute), ß« tommt in alten brei 2lggregat«juftänben ber SInorgane oor: im im feften (ßi« unb Sdjnee) unb im gasförmigen, in lepterem al« unfidft* bare« 2Bafferga« unb al« fidjtbarer Sßajferbunft (9?ebel unb SBolten). 211« SBafferga« ober Sßafferbunft ift e« überall im Suftfreife oorljanben, au« meldjem e« in $olge Don 2lbfül)lung al« Stegen, ©bau, @d)nec, u. f. id. 19 perabfällt, um auf ber Grbe bie Quellen, unb Dfteere ju näpren unb bie Organismen ju fälligen. 2>on biefen wieber Derbunftet, feprt eS in bie Suft gurüd, fo baff eS alfo einen ewigen Kreislauf burcpmadjt. OaS SBaffer ift ein toefentlicper -öeftanbtpeil, wie überpaupt Don ber ganzen Grbe, fo aucp Don ben organifcpen Körpern, in benen eS als DluflöfungS* mittel wirft unb baburcp Diel jur aller cpemifcpen Serbin- bungen beiträgt. GS ift für ben SebenSproceß ber Organismen ebenfo unentbeprlicp, wie Sauerftoff unb SSärme; beträgt bod) ber SBaffergepalt beS tpierifdjen Körpers gegen 58 in mancpen (Geweben fogar 70 'ißrocent, wäprenb mancpe bis ju 90 'ißrocent enthalten. OaS Sßaffer ift, wie gefagt, baS SluflöfungSmittel ber Stoffe in ben Or- ganismen; opne baffelbe finb aber nidjt nur bie cpemifcpen, fonbern and) bie pppftfalifdjen Vorgänge in ben Spieren unb Dftenfcpen unmög- lich. So ift and) ber feft-flüffige ober gequollene DlggregatSjuftanb beS lebenbigen Körpers aller Organismen Don bem Sßaffer abhängig. QaS Söaffer wirft ferner, burcp feine in ber <£)aut unb in ben Sungen erfolgenbe SSerbunftung, als DlbfüplungSmittel. SBegen feiner außerorbentlidjen fyäpigfeit, bie meiften feften unb luftförmigen Stoffe ju löfen, fommt eS in ber Dtatur nie rein Dor, fonbern ftets mit löslidjen Subftanjen gemtfcpt Sim reinften ift D?egen-, Scpnee- unb Giswaffer, baS fogen. Weidje SÖaffer; freilidj fann and) bieS burcp Slufnapme Don Staub unb ®afen fepr Derun- reinigt fein. Brunnen- ober Quellwaffer änbert fiep je nad) ber iöefcpaf- fenpeit beS 33obenS, aus bem eS fommt. Sim päufigften finb biefe Derfept mit foplenfaurem, ppoSpporfaurem unb fcpwefelfaurem Stalf unb Salf (befonberS reicplicp in bem „parten" Sßaffer Dorpanben), mit Sie= felerbe unb foplenfaurem Gifen. Dfttneralifcpe beS SßafferS paben großen fftäprwertp, pflanjlidje unb tpierifdje Stoffe in bemfelben finb jebod; fdjäblidj. Sinb größere Dftengen mineralifcper 5Beftanbtpeile im Ouellwaffer Dorpanben, fo nennen wir eS Dftineralwaffer (f. $oplen- fäure unb III. Stap. unter 9?aprungSmitteI). Gpemifd) reines SSaffer er= pält man burd) Qeftillation. Oie Äoplenfäure, and; „fijce £uft" genannt, ift eineSßerbinbung Don Äoplenftoff mit Sauerftoff. Sie ift anbertpalbmal fo fcpwer, wie bie atmofppärifdpe ßuft, weSpalb fie fiep, epe fie fidj mit biefer mifept, bem Grb- boben nape aufpält; eS gilt bieS jebod) nitfjt Don ben SSopnungen, weil bie Don bem menfdjlidjen Körper burcp bie 9tefpiration warm auSgefd/iebene Äoplenfäure, burd) ben Orud' ber umgebenben fütteren Suft, an bie Qede Derbrängt wirb. 3n Kellern, wo gäprcnbe Sßetne unb anbere folcpe Ge- tränfe liegen, wirb oftmals eine foldje Dftenge Don entwicfelt, baß bie atmofppärifdje ßuft ganj barauS Derbrängt Wirb, in fyolge beffen rafd) eintretenbe Dftenfcpen erftiden. Soldje UnglücfSfälle ereignen fid) 20 and) beim ©reiben ober Stepariren von Brunnen unb in Bergwerfen, in weldje fief) Stoßleufäure aus bem Srbreidje tjinabfenft. ©aS Betreten ge= fdjloffener fRäume, in benen niete QRenfdjen unb Jtjiere attjmeten, fann ebenfalls mit ©efa-ljr verbunben fein, benn Btenfd) unb ©tjier atljmen, nadjbem fie aus ber atmofpljärifdjen Luft Sauerftoff in fid) aufgenommen, (befonberS wäßrenb beS SBadjenS unb Arbeitens) $ol)lenfäure aus; and) bie Pflanzen, weldje bei Sonnenlidjt Äoßlenfäure Verzehren unb Sauer- ftoff, als Lebensluft für QRenfdjen unb Sl)iere, auSljaudjen, atljmen umge- feljrt Stoljlenfäure aus, wenn fie im ©unfein fteljen ober wäßrenb beS keimens unb Blü(jenS. 3m freien finbet fid) bie Stoljlenfäure in ber atmofpljärifdjen Luft, in ben 'ßoren beS (SrbreidjS unb im SBaffer vor; festeres erljält burd) biefe Säure ein größeres LöfungSVermögen, einen am geneljm erfrifdjenben ©efdjmad' unb, wenn fie in größeren Btengen vor= ßanben, eine perlenbe Sigenfcßaft (natürliche unb fünftlidjefVZineralroäffer). 3m menfdjlidjen Körper fommt freie im 4Blute unb in ben Zungen (als ein fdjäblidjer, auSzufdjeibenber Stoff) vor.- Sin $ o lj l e m o £ tj b g a S finb fdjon viele DJlenfdjen erftidt. (SS ift ein giftiges ®aS, baS fid) bitbet, wenn Ä'oßlenftoff bei unjureidjenbem Luftzutritt verbrennt, wenn Z. B. ein Ofen mit Brennmaterial überfüllt ift, ober beffen klappe zu frühzeitig, b. lj. vor Vollenbeter Verbrennung, gefdjloffen wirb. ©aS St o d) f a l z, eine Berbinbung von (Sljlor unb Natrium, ift einer ber widjtigften Stoffe für organifdje Körper, ba eS in allen Subftanzen ber Organismen vorfommt. ftür bie Ijohe Bebeutung beS Stodjfal'zeS für ben menfdjlidjen Körper, ber gegen ein Salz enthält unb im 3<*hre burdjfdjnittlidj 16 Vfunb verbraucht, fpridjt fdjon ber Umftanb, baß ber 3nftinct Sftenfdjen unb ©ljiere zum ©enuß beS treibt. Sßegen feiner fäulnißwibrigen (Sigenfdjaften wirb eS zum (Sonferviren refp. Sim falzen (Sinpöfeln) beS 3deifd)eS benutzt. ©aS fohlenfaurefltatron ober Soba, unb baS f o h l e u f a u r e ä ali finb zwei Salze, bie fid) befonberS im Blute vorfinben unb, wie eS fdjeint, nid)t nur beffen fonbern and) bie unb bie Berfeifung ber gette (f. ©rganifeße Berbinbungen) vermitteln; fie füllen ferner bazu beitragen, baß bie Siweißförper im Blute gelöft bleiben. ©er p I) o S p 1) o v f ci u r e unb ber t o 1) l e n f a u r e Ä a 1 f, zlr)ei Stalff atze, finb für ben tl)ierifd)en Störper von großer SBidjtigfeit, weil fie beffen Sfelet- unb Stüporgane bilben ßeffeu. Bh°^1hovfaurer Statt, ber fid) im menfd)lid)en Körper and) aus tohlenfaurem zu bilben fdjeint unb bort faft immer neben lepterem vorfommt, trägt außerbem zur aller übrigen feften unb flüffigen Äörperbeftanbtljeile bei. SluS fol)lenfaurem Stalf befteljen bie fogen. ©el)örfteind)en im inneren ©eljor- gange. 21 ©aS SImmoniafgaS ift ein bem Sltpmen fepr nad)tpeiligeS ®aS Don ftecpenbem ®erucp unb ©efdjmacf, baS aus ©tidftoff unb SÖafferftoff beftept unb fidj begierig im Gaffer zu jener auflöft, melcpe Slmmoniaf ober ©almiafgeift genannt wirb. 3n ber atmofppäri= fdjen Ouft ift ftets eine Heine äftenge öon (foplenfaurem) Slmmoniaf ent- halten. 3m menfdjlidjen Körper Wirb Slmmoniaf nebft Slmmoniaffalzen fpurenweife im $lute, in ber Derbraucpten (auSgeatpmeten) £uft unb in ben (Spcrementen (baper ber Slmmoniafgerucp in Slborten) gefunben. Sleufjerft wichtig ift Slmmoniaf für ben tpierifcpen Körper aber baburdj, baf? bie 'fpftanje mit £)ülfe beS im Slmmoniat (unb in ber ©alpeterfäure, einer ebenfalls unorganifdjen SBerbinbung) enthaltenen ©tidftoffs bie fticfftoff* Ijaltigen Giweipfubftanzen bereitet. ©ie atmofppärifcpe Suft, ein farblofeS, burtf)fid)tigeS, ge- fdjmad- unb gerudjlofeS, ftets gasförmig bleibenbeS, fepr elaftifcpeS ®aS, weldjeS früher ju ben (Elementen geredjnet mürbe, ift Weber ein folcpeS noch eine cpemifcpe IBerbinbung, fonbern nur ein (Gemenge ober ©emifdj*) aus 76,8 ©ewicptStpeilen ©ticfftoff unb 23,2 (Seiüidjtstp eilen ©auerftoff. ©ie §öpe ber ben (Srbball umgebenben Sltmofppäre ift nidjt befannt; bie betr. Angaben fdpoanfen zwifdjen 90 unb 375 Kilometer (ca. 56 bejm. 233 engt teilen). 3J?andje finb fogar ber Meinung, bap bie SItmofphäre grenzenlos, unb ber Sletper (f. (Seite 10) nur eine üerbünnte ber atmofphärifdjen Suft ift. Sluper Sticfftoff unb ©auerftoff ift in ber 2(tmofphäre ftets nodj äßaffer, tljeilS als unfidjtbareS SöaffergaS, tpeils als fidjtbarer SBafferbunft borhanben. ferner enthält fie geringe, nach Beit unb £)rt beränberliche SRengen Don Äohlenfäure, Slmmoniat unb einigen anberen ®afen. 2ludj fefte (Stoffe tonnen in ihr fdjmebenb üorfommen, mie mineralifdje, pflanslidje ober tfjierifche ©täubdjen ober Meinte Don nie- bereu Organismen £3acterien, 3nfufi°^th(er^en)z ümldje, mie mir fpäter fehen Werben, bie toefentlidje Urfadje ber Dcrfdjiebenen ®äh= rungen, ber SScrmefung unb $äulnifi organifdjer Körper ober and) gefäpr- lidje ÄrantheitSerreger finb. ©er midjtigere 33eftanbtl)eil ber atmofpbä' rifdjcn öuft ift für SÖ?enfd)en unb ©piere ber ©auerftoff, ber mittelft beS SlthmenS als £ebenSluft in ben tpierifdien Körper eingefüprt mirb. ©er gleichzeitig bapin gelangenbe ©ticfftoff betpeiligt fidj nicpt an ben (5rnäp= rungSDorgängen, fonbern bient nur als SSerbünnungSmittel beS ©auer- ftoffs, ber rein nadjtpeilig mirfen mürbe. SBie bereits bei ©auerftoff er- Wäpnt, ift eine Heine OJlenge biefeS (Elements in ber atmofppärifdjen Suft *) ©ernenne ober ©emifclj nennt man, junt Untcrfdjiebe von ber dfcmifcßcn 23ers binbuttfl, eine Sßcrmifcbunfl von Stoffen, bei ber feine djennfdfe ftattfinbet, unb bie ©igenfcfiaftcn ber Ä'örper biefelßen bleiben, fidf alfo nid)t ßu neuen bc§ au>3 ber SOtifdfung entftanbenen Ä'örperS verbinben. 22 als borpanben. ©ie bietfatf) verbreitete SInnapme aber, ba£ ein größerer ©jongepalt ber £uft auf bie ©efunbpeit beS •iVfenfdjen förbernb einwirfe, beruht burdjauS nidjt auf Seweifen. 2Infd)einenb pat baS ©jon ber Sltmofppäre nur beSpalb auf bie ©efunbpeit (Sinflup, weil eS bie übel riedjenben ®afe jerftört, welcpe fiep bei ber $äulnip tpierifcper unb pflanj- lidjer Körper entwideln. ©rganifepc Serbinbungen. (SHdpofflcfe unb organifdje 23eriinbungen. SDrganifcße gar&jloffe. Serfepung organifdicr ©ul'ftanjen. ©ie organifiipen Serbinbungen, and) $oplenftoffverbinbungen genannt, weil in feiner berfelben ber Äoplenftoff feplt, enthalten auper biefem Ur- ftoff jumeift nod) Stidftoff, Soafferftoff unb Sauerftoff; in geringer Stenge finben fiep barin bisweilen and) Scpwefel, unb ßifen. ©iefe fieben (Elemente finb baS Material für alle organifdjen Stoffe. ©er bei weitem Heinere ©peil ber organifdjen Serbinbungen beftept aus nur gwei von jenen fieben (Elementen, entweber aus Äoplenftoff unb SSafferftoff ober aus $oplenftoff unb Sauerftoff. ©er gröpte ©peil fept fid) aus mepr als jwei Urftoffen jufammen, unb biefe organifdjen Serbin® bungen verfallen in jwei ©ruppen, in ftidftofflofe unb ftitfftoffpaltige or= ganifcpe Serbinbungen. (Srftere beftepen nur aus Äoplenftoff, Sauerftoff unb SSafferftoff, in lepteren gefeilt fid) ju biefen brei Elementen nod) Stid= ftoff. Unter ben fticfftofflofen SSerbinbungen finb bie wicptigften bie lenwafferftofffubftanjen ober Äoplenppbrate (bie verfcpiebenen StärtemepU unb 3uderarten), bie $ette unb ©eie. 23on ben fticfftoffpaltigen finb vor allen bie (Siweipförper ju erwäpnen, welcpe ju ben verwicfeltften cpemifcpen Sßerbinbungen gepören unb bie Sräger beS SebenS in ben Organismen finb. ©ie (Siweipförper unb einige nod) pöper Serbin- bungen entpalten fämmtlidj, auper $oplenftoff, Stidftoff, Sßafferftoff unb Sauerftoff, nod) Scpwefel unb bisweilen and) 5ßpoSppor unb Gifen. 3m $olgenben geben wir eine turje Ueberficpt über bie für ben 9J?em fcpcn wicptigften organifdjen Serbinbungen: A Sttrfffofflofe orgattifcpc 23crbinbungen, 1. lenppbrate. S f l a n 3 e n 3 e 11 ft o f f, '»ßflanjenfafer ober (Sellulof e bilbet bie §aupt- maffe ber iprer unb Samen. Sftan unterfdjeibet ben Vegetabilifdjen (bie ober (Sellulofc), b. i. bie ur= fprünglicpe, bie bilbenbe Subftanj, unb bie eigentlicpe fubftanj, mit einer geringeren ober größeren DJlenge beS incruftirenbcn 23 Stoffs Signin (üon bem lateinifd)en lignum = §olj), meldjer fid) an bie (Sellulofe anlegt unb biefe überjiept (incruftirt, üerljoijt). ©ie junge, nid)t üollfommen auSgebilbete (lellulofe, j. 33. in jungen ©emüfen, bient ben SNenfdjen als Nahrungsmittel, möljrenb bie ältere üon ben menfd)lid)en SSerbauungSorganen nidjt gelöft merben fann, meSljalb fie jur (Ernährung beS SNenfdjen faft ganj untauglidj ift. 9Nit jebem pflanjlidjen NaljrungS* mittel neljmen mir jebod) and) eine DNenge üon legerer in uns auf, bie unüeränbert aus bem Körper mieber auSgefdjieben mirb. ©ie fafer ift audj megen ihrer 53ermerthung jur Bereitung ber ©efpinnfte (Seinmanb, 33aummolle), beS Rapiers unb üon Sd)iepbaummolle unb (5ol= lobium midjtig. ©ie Störte, baS Störte' ober Sapmel)l ober Slmplum, ift eine in ben meiften üorfommenbe, mehlige Subftanj, bie aus meijjen, glänjcnben, jmifdjen ben Ringern tnirfchenben Kömehen beftefjt ßn größerer DNenge fommt fie vor: in ben Samen ber (betreibe, befonberS beS SßeijenS (Sßeijenftörtemehl), in ben (NeiSftörfemehl), ben Kartoffeln (Kartoffelftärfemeljl), bem DNarf ber Sagopalme (Sago), ben Kaftanien, ben (Sidjeln unb ber (Arrow-root). ©ernennen mirb bie Störte burd) (Sinmeid)en ber betr. nadjbem bie= felbe vorher gemahlen ober gerieben morben, in SBaffer. 3n biefem fdjeibet fidj bann bie Störte als meiner 33obenfa£ ab, ber jebod) nod) burd) öfteres SBafdjen mehr gereinigt merben muß unb bann getrocfnet mirb. 3n fodjenbem äöaffer quillt bie Störte ju Kleifter auf. 53on bem Stärtegeljalt rührt aud) baS Slufquellen üieler mehliger Nahrungsmittel (§ülfenfrüd)te, NeiS, u. f. m.) fyr. SlngefeudjteteS Stärfemehl, baS unter ftetem Um* rühren mirb, bis eS troden ift, üermanbelt fid) in Krümeldjen, bie, mcnn mit fod)enben Söaffer übergoffen, auffdjmellen unb gallertartig merben unb unter bem Namen (unedjter) Sago in ben Raubet fommen. ©as Stärfemehl, baS in $orm üon 33rob unb Kartoffeln eines ber gebröud)* lidjften Nahrungsmittel ift, üerbient barum nod) befonbere 33ead)tung hier, meil eS leicfjt in ©eptrin unb gährungSfäl)igen Buder (©raubenjuder ober ©eptrofe) umgemanbelt merben fann, ber bei ©egenmart eines ©äl)rungS= erregerS (f. organifd)er Subftanjen) in Nlcohol unb Kohlenfäure jerfällt. @ine fold)e ©ä()rung fommt, mie beim Keimen ber Kartoffel unb beS ©etreibeS (Nlaljen), aud) im tl)ierifd)en (b. h- atfo audj menfd)lid)en) Körper mit §ülfe eines in bemfelben üorhanbenen, ©iaftafe genannten ©ährungSerregerS üor. ©abei mirb burd) bie ©iaftafe (beS SNunb- unb 33audjfpeid)elS) Störte, mie gefagt, in ©eptrin unb Xraubenjuder üer- manbelt, bie jum 2d) ehe uod) in baS 33lut gelangen, im ©armcanal in unb 33utterfäure umgemanbelt merben. ©er in baS 33lut ge* langenbe Buder mirb ju Kohlenfäure unb SBaffer üerbrannt unb burd) 24 Sunge unb §aut auSgefd)ieben. lieber Stärfebilbung in ber ißflanje f. ©rganifdje fyarbftoffe, (Shlorophpll.-® ummi unb f l an3 e n f d) l eim (ber letztere ber liebergang vom ®ummi jur Stärfe) gletdjen in ihrer Bu- vollftänbig ber (Starte unb werben, wie biefe, von bem 9Nenfd)en mit vielen pflanjlidjen Nahrungsmitteln genoffen. - ©aS (5511) c 0 g e n, eine jwifdfen Starte unb ©ejtrin ftepenbe Subftanj, finbet fid) in ber Seber ber Säugetpiere unb in ben DNuSfeln vor. ©er Buder, ein im ißflanjenreid) feljr verbreiteter Stoff, wirb im menfd)lid)en Körper tljeilS in Ntild)- unb Vutterfäure (im ©arme) umge- wanbeit, theilS, nadjbem er in baS Vlut aufgenommen, 311 $ol)lenfäure unb Wafferftoff ojtjbirt (f. Starte). (5S giebt Verfdjiebene Slrten von Buder, nämlid) eigentlidje Buderarten (Nolp, ©rauben-, Schleim* unb DNild)* jud'er) unb juderäljnlidje Stoffe. (Srftere finb gährungSfäpig, b. I). wenn eine Söfung bavon mit verfemt wirb, gehen fie in (bie fogen. Weinige) ©äprung über. Bu ben juderäpnlidjen Stoffen, bie nidjt gäl)* rungSfäpig finb, gehören ber SNuSfeljuder (im DNuStelfleifd), ®el)irn, in ber ßunge, Seber, SNilj unb in ben Nieren), baS ®lt)cirrl)icin (ber füße Stoff beS SüßpoljeS, aus Welchem ber ßacripen gewonnen wirb), ber ©idjeljuder (in ben (Sidjeln), u. a. m. Nohrjuder ift entweber weißer Buder ober (SanbiSjuder (große gelbliche ober braune Ärp* ftalle). (Sin ©heil beS NohrjuderS Verwanbelt fid) beim Slbbampfen in Sprup ober SNelaffe (W?olaffeö). ©raubenjuder, and) Starte' ober $ar* toffeljuder genannt, ift ein 4BeftanbtI)eil ber meiften ©bftforten, befonberS ber Weintrauben unb Slepfel. ©erfelbe l)at für uns eine befonbere Ve* beutung baburd), bajj ber 9)?enfd) bisweilen an einer, in iprer ©runburfadje nod) nidjt erfannten Ärantljeit (Buderparnrupr) leibet, bie fid) burd) unge- heuren ©urft, überreid)lid)en Urinabgang unb burd) (gepalt beS Urins an ©raubenjuder auSjeidjuet. SHildjjuder ift ein Wefentlid)er •iöeftanbthcil ber Säugetl)ier= unb W?enfd)enmild). 2. fy e 11 e. ©ie $ette finb fauerftoffarme, aber feljr fo1)lenftoff* unb waffer- ftoffreid)e Sßerbinbungen. Sie finben fid) fowopl in ben 'ißflanjett (befom berS im Samen), wie im Körper ber ©l)iere unb SRenfdjen. $ür biefe finb bie gette von großer unb verfepiebenartiger Wbeutung. So finb fie wid)- tige betören bei ber unb eine §auptquelle ber tfjierifdjen Sßärme, ba bei ber Verbrennung (©jpbation) ber fettigen Nahrungsmittel eine DNenge von üöärme frei wirb. SlnbererfeitS wirten bie $ette beS Körpers beffen SBärmeauSftrahlung entgegen, ba fie fd)led)te Wärmeleiter finb. 2llS ißolfter unb SluSfüllungSmaffen finb fie bem tl)ierifd)en Körper Von weiterem Werthvoll finb fdjließlid) bie $ette nod) wegen 25 iprer Sßerwenbung als Slrjneimittel (DticinuSöl, Cebertpran, u. a. m.), als ßeudjtmaterial unb jur §erftellung von Seife, ©eifarben, u. f. w. Ginge* tpeilt Werben bie $ette, bie bei gewöpnlid)er Temperatur entweber feft (Siinbstalg, u. f. w.), palbfeft (DJJenfdjenfett, butter, Scpweinefcpmalj, u. f. w.) ober fluffig (©eie) finb, in fluffige $ette ober fette ©eie unb in fefte $ette. Sille gettarten finb ein ©emenge von SBerbinbungen verfepiebener gettfäuren mit ©tpeerin. Sßon ben gettfäuren finb bie wid)tigften: bie a l m i t i n *, bie S t e a r i n * unb bie © l e i n * ober ©elfäure; ipre 23er* binbungen mit ©Ipcerin peifjen: Palmitin, Stearin unb ©lein. öeptereS perrfdjt in ben flüffigen gelten ober ©eien vor, wäprenb Palmitin unb Stearin bie §auptbeftanbtpeile ber feften fyette finb, wobei nodj ju bemer* len ift bafj baS $ett befto pärter ift, je mepr Stearin barin vorpanben. ©aS mit ber Slaprung eingefüprte fyett wirb im menfdjlidjen Sörper burd) bie ©alle unb ben in immer feinere Tröpfdjen ver* wanbeit, fo bajj eine manbelmildjäpnlidje fylüffigfeit (Gmulfion) entftept, bie in baS 53lut aufgenommen werben fann. Gin Tpeil ber fyette wirb and) burd) ben 23aud)fpeid)el in weldje fid) fpäter mit Sllfalien*) 51t Seifen üerbinben, unb in ©Ipcerin jerlegt. ©ie Seifen tonnen aber in ben Körper refp. ben ©arm aufgenommen werben, ba fie baS ben fetten abgepenbe Vermögen befipen, fid) mit SBaffer mifdjen. ©aS ©lijcerin ober ©elfüfj, weldjeS fid) mit ben gettfäuren 51t fetten üerbinbet, ift eine farblofe, fprupartige organifdje glüffigteit. ©ic- felbe gepört ju ber fogen. ©ruppe ber SUcopole,**) weldje ipren Flamen von ber großen Uebereinftimmung erpielt, bie fie in iprer djemifdjen 3ufammenfepung unb ipren Gigenfipaften mit bem Sllcopol pat. ©urep mit Salpeter* unb Sdjwefelfäure wirb baS ©Ipcerin in 9ti* troglpcerin übergefüprt, welcpeS beim Grpipen unb burd) Sd)lag peftig epplobirt. SluS Sßermifdjung beS SiitroglpcerinS unb Siefeierbe entftept ©pnamit.' 3. S t i cf ft off freie organifdje Säuren. ©ie SJZeprjapl ber ftidftofffreien organifdjen Säuren finbet fid) in ben Säften verfd)iebener wogegen nur wenige im lebenben tpic* rifdjen Sörper fertig gebilbet vorfommen; pier finb fie meiftenS ber 3erfe£ung. Gingetpeilt werben biefe Säuren in eigentliche (nidjt flüdjtige) unb flüdjtige fyettfäuren, SJZildjfäure, Sßeinfäuren, ©erbfäuren *) 9l(fa(icn finb flefoiffe metaHifdje (Elemente, toon benen im menfcplidjen Körper Natrium unb Kalium borfommen (f. ©eite 17). **) 3m menfcblidjen Körper fommt aufjer ©Ipcerin von ber Oruppe ber ülico- bole nod) ßl)olefterin vor. 26 unb antifeptifdje (fäulnifjwibrige) (Säuren. 23on ben erftgenannten Säu- ren mürben bie brei wid)tigften bei ben fetten ermähnt; ju ben flüchtigen ftettfäuren gehören bie (Shtoroform unb (S h l o r al- hl) brat, ferner bie Sutterfäure (fommt öor im £)arn, fauren Sdjweifj, SOiagenfaft unb SQhtSfelfaft ber £t)iere unb äftenfdjen) unb bie (S f f i g f ä u r e, bie fid) leicht mit 4Bafen öerbinbet unb Salje bilbet, öon benen bie Ijöd)ft giftigen (Srünfpan unb befannt finb. DJHt SBaffer öerbünnte Gffigfäure ift ber Gffig. 2)2itd)fäure fommt im tl)ieri= fd)en Körper als (Säl)rungSmild)fäure ber hohlem hpbrate) im SUlagenfaft unb anberen glüffigfeiten unb als (Stoffwed)felprobuct beS SKuSfelgewebeS) im OJiuSfelfafte öor. gelaun- tere SBeinfäuren finb bie SB e i n ft e i n f ä u r e, bejw. ber rohe Sßeinftein (fefct fid) in gäffern, in benen SBein üergäljrt, ab) unb ber gereinigte Sßeim ftein (Gremor tartari, aus bem rohen bereitet) unb bie Gitronenfäure, bie aud) in Grbbeeren, unb anberen $rüd)ten öorhanben ift. (Serbfäuren bienen, außer jum (Serben, als Slrjeneimittel, jur öon Stinte unb jum färben (fdjwarj, grau unb violett). Sie am häufigften angemenbeten fäulnißwibrigen Säuren, bie fid) im alltäglichen ßeben als SeSinfectionSmittel oon großemSinkenerweifen, finb bieGarbolfäure (SPhenplfäure) unb bie S a l i c p l f ä u r e. B Stirfftoffhaltigc organifcbe SJerbinbwngen* 1. Giweißftoffe, Sllbuminate. Sie Giweißförper, aud) Sßroteinftoffe genannt,finb, wie mir be= reits miffen, bie complicirteften organifdjen Sßerbinbungen öon $ol)lenftoff, SBafferftoff, Sauerftoff, Stid'ftoff unb Sdjwefel, woju manchmal Phosphor unb Gifen fommcn. Sie Giweißftoffe finb im unb im Sl)ierreich tl)eils gelöft, tljeils in ben üerfd)iebenften (Sraben beS feft-flüffigen Slggre- gatSjuftanbeS anjutreffen; im thierifdfen Körper finb fie fogar bie oorl)err- fd)enben SBeftaubtljeile, .meSljalb man fie aud) S3luh ober (SemebSbilbner nennt. Sa aber Shieren unb 9D?enfd)en bie g-äl)igfeit abgeht, aus unor- ganifdjen Stoffen organifd)e ju bilben, muffen beibe ihre (Simeißftoffe bem pflanzlichen öimeip mit ber Nahrung entnehmen; fleifdjfreffenbe SI)iere unb W?enfd)en tonnen bieS aud) inbirect burd) ben (Senujj öon B'leifd) tl)un. (Sebilbet werben bie (Siweipförper üon ber aus SImmoniat unb fal= peterfauren Saljen (f. £)rganifd)e (Shlorophpll), im tljierifchen Körper aber werben fie öon bem fauren SUJagenfaft in ber Sßärme langfam aufgelöft unb zerfallen fd)liefjlid) in SBaffer, Slmmoniat unb einige SBlineralfatje. SaS (5 i w e i jj, ber ober baS Sllbumin fommt im menfd)= lidjen Körper in gelöftem 3uftanbe im ®lute, im Speifefaft, in ber 27 Spmppe unb im ©afte beS gleifdjeS unb beS 33inbegeWebeS üor. Sn ber ©iebepipe gerinnt eS als weipe, flotfige SJhffe (geronnenes ©weip).-Tier gaferftoff, baS Fibrin, fepeibet fitf; aus bem S3lute unb anberen tpie- rifdjen glüffigfeiten in ©eftalt eines, aus Windig fleinen Hafern beftepenben ©erinnfelS aus, fobalb baS S3lut abftirbt. © ift eS and), welcper bewirft, bap baS 4ötut, weldjeS aus ber 5lber austritt ober in berfelben ftillftept, gerinnt, ©eine 33eftanbtpeile finb im S3lute beS lebenben Organismus als anbere ©weipförper (bie fibrinoplaftifcpe unb bie fibrinogene ©ub- ftanj) getrennt üorpanben.- ©er $äfeftoff, baS Grafem, finbet fid) im aufgelöften Suftanbe in ber SRilcp, üon Welcper er beim ©auerwerben als fefte ©ubftanj auSgefcpieben Wirb. -Sin ©egenfap 3 um ©weip gerinnt er in ber nur allmälig (auf ber fodjenben 3Rilcp ein §äutcpen bil- benb). Slugenblicflicp gerinnt er aber, wenn man ber erwärmten 9JHldj einige Tropfen ©äure ober etwas Saabmagen jufept. - ©aS £D£ p o f i n ober WtSfelfibrin ift baS ©erinnfel ber abgeftorbenen WhtSfeln. - ©aS © p n t o n i n ber Pusteln ift eine Sßerbinbung einer ©äure mit ©weip. - ©aS ©lobulin, unb baS $ r p ft a 11 i n finb wenig öerfdjiebene ©weipförper, welcpe im 423lute, ©peifefaft, in ber Ärp- ftalllinfe beS 9lugeS (Ärpftallin) unb im ©ter üorfommen. 2. 9?odj pöI)er, alS bie Griweijsftoffe, 3ufammengefe£te Körper. ©aS £>aemoglobulin, §aematoglobulin ober bie beSS3luteS ber Söirbeltpiere, ift ber ber rotpen S3lutförperd)ett, ber aus einem, ben im vori= gen 2Ibfdjnitt genannten ©lobulinen naljeftepenben (Siweipförper unb bem (eifenpaltigen) (f. ©rganifepe garbftoffe) beftept. - ©aS 33 i t e l' lin ift ein ppoSpporpaltiger Körper, ber fiep im GHbotter finbet. 33ei fei- ner bilben fiep (Siwcip unb Secitpin, welcp' festeres in üerwitfel- ten 3Serbinbungen in ber Dlerüenfubftanj unb im 35lute oorfommt. 3. Sllbuminoibe. SBäprenb bie ©weipförper im tpierifepen bejw. menfcplidjen Körper ben „regreffiüen" SluflöfungSprocep burdpnaepen, bilbet fid) eine befonbere ©ruppe üon organifepen ©toffen, bie ben ©wetpförpern djemifd) nape ftepen unb beSpalb Sllbuminoibe genannt werben. (SS finb bieS: ©er © dj l e i m ft 0 f f, baS DJiucin, fommt in ben Slbfonberungen ber ©djleimpäute üor. - SluS bem Q 0 r n ft 0 f f, bem Keratin, beftepen bie ber ©berpaut, 9iägel, §aare). - ©ie leim- gebenbe©ubftanj, ©Hagen, wirb burd) längeres Äodjen in £ßaffer, 28 als Seim, ®lutin ober Knochenleim, aus Knochen, Sehnen, Rauten unb Vinbegeweben gewonnen. - Oie cl) o n b r i g e n e S u b ft a n 3 wirb, wie bie leimgebenbe, burdj Kodfen in SBaffer in Seim verwanbelt unb gerinnt, wie jene, gallertartig. Oiefer von bem Knochenleim wenig verriebene Seim wirb Knorpelleim, (Shonbrin, genannt, weil er I)auptfäd;lid) aus Knor- pel gewonnen wirb. 4. nennt man bie wirffamen Vcftanbtpeile von folgen refp. 'jßflan* 3enftoffen unb von einigen animalijdjen (Stoffen, Welche Ijeftige Sßirfungen auf ben tl)ierifdjen Körper ausüben, Oiefe Stoffe erhielten beibe Ve3eid)- nungen, weil fie fid) wie Vafen verhalten (f. Sauerftoff) unb namentlich ben Sllfalien (f. gette) entfpredjen. Sie üben fämmtlid) einen mefjr ober Weniger großen (Sinfluß auf baS 9iervenft)ftem, bie WhiSfeln unb ben Vlufc fretSlauf aus, aus Welchem ®runbe and) mehrere Sllfaloibe als Slrjenei« mittel verwanbt werben, ©ewiffe biefer Verbinbungen, bie fid) im SLl)ee, Kaffee, in ber (Sljocolabe unb gleifdjbrühe vorfinben, finb bei mäßigem (Senuß unfd)äblid)e ober fogar nützliche (SrregungSmittel (f. ®enußmittel, III. Kap.). f l a n 31 i d) e 21H a 101 b e. Oie für ben£D?enfd)en widjtigften ba> von finb: ßljinin ober (Sindjonin (aus ber (Sl)iuariube; Slqenei gegen fieber, befonberS üßedjfelfieber). Morphin ober SWorplpum (aus Opium, bem eingetrodneten Wlild)faft ber nodj grünen IDiohnföpfe; eben- falls ein wirffameS SDJebicament, baS in größerer Oofis giftig wirft), ß a f f e 1 n, X l) e i n (im Kaffee, Oljee unb in ben -Vlättern ber Stechpalme von aus benen ber (Soca- ober W?ate-Oßee bereitet wirb); in ben (Sacaoboßnen finbet fid) baS, bicfennaße verwanbte Sl)eo = bromin. OaS Nicotin, ein töbtlidjeS®ift, in benblätternbeSRa- bats enthalten. S 01 an i n (in verfdjiebenen 9?ad)tfdjnttengcwäd)fen, be» fonberS in ben keimen ber Kartoffeln) ift giftig; (So ui in (imSdjierling) unb S t r l) cl) n i n (im Samen ber StrpdjnoSarten unb im gc= l)ören 3U ben töbtlidjften ®iften. Sßierifdje Slltaloibe. Sie beS im menfdjlicßen Organismus abgenutzten Sticfftoffs verläßt ben Körper mit bem §arn, unb 3War in $orm eines, § am ft 0 ff genannten Sllfaloibs. 3m lOcuS- felfleifd), ®eßirn, 53lut unb ebenfalls im §arn ift eine anbere tßierifdje (organifdje) 23afe enthalten, weldje Kreatin (fy(eifd)ftoff) genannt wirb unb, wie ber burd) Verbrennung (Oppbation) ber ftid'ftoffpal- tigen Körperbeftanbtheile entfteht. 9?eben Kreatin finbet fid) im §arn unb in geringerer iDfenge im baS K r e a t i n i u. Oie beiben letzt- genannten tl)ierifd)en Sllfaloibe unb 3Wei anbere, S a r f i n unb (Samin, 29 bringen in Sßerbinbung mit SNildjfäure, phoSphorfaurem ®ali, u. a. m. bie belebcnbe äßirfung ber hervor, fyaben aber and) anbererfeitS, wenn in größerer DNenge genoffen, Grmübung unb eine 23erminberung ber Nervenerregbarfeit jur $olge, bie fid) bei übermäßigen ©aben bis jur 23er' giftung fteigern fann (f. Nahrungsmittel, III. Äap.) 5. Stitf ftof fljaltige orgauifdje Säuren. Sie ein 23eftanbttjeil beS §arnS, ift, wie ber $arn= ftoff unb baS Kreatin, ein ber ftidrftoff haltigen ©ewebe, baS fid) bei ®id)tfranfen aud) im 23lute unb in ben ©idjtfnoten, außerbem in ben §arnfteinen unb (ßauptfächlid) bei gieberfranfen) im 23obenfa£ beS $arnS vorfinbet. ber ©alle finb bie Natronfalje jweier weiterer folger Säuren enthalten, nämlid) ber fdjwefelfreien © 11) c o d) o l - unb ber f d) w e f e l I) a 11 i g e n S a u r o dj o l f ä u r e. Sie finb vorjugS* weife bie d)emifd)en Stoffe, weldje bie ©alle unb biefer ihren bitteren ©efdjmacf geben. C ©rganiMje SaS £ h l o r o p I) h H °ber Blattgrün ift ber garbftoff, welcher bie grüne $arbe ber gefammten Pflanjenwelt, mit Ausnahme ber je, be= bingt. GS ift ftets an baS Protoplasma (ber Pflanjenjetle; f. unb ©ewebe b. m. $.) gebunben, fo baß alfo jeber fogen. ßl)lorophl)llförper aus minbeftenS jwei Stoffen befteljt, nämlich bem dhlorophpll unb Protoplasma. Siefe Äörperdjen ent' fteljen in ben jungen Pflanjenjellen meiftenS in ber $orm von mehr ober weniger abgerunbeten, grünen Äer« nen, bie fid) von ber übrigen farblofen protoplaSmamaffe beutlidj abgrenjen (f. 1). Später bilben fid) in ben urfpünglich gleichartigen Stärteförner, bie nad) unb nadj fo groß werben,baß fie ben ganjen Naum beS ChlorophljllförperS ausfüllen, unb baS Blattgrün nur nod) einen feinen Ueberjug auf ben Stärfeförnern barftellt. Siefer StärfebilbungS' proceß berußt barauf, baß baS Ghlorophpll ber pflanje, weid/ letztere be- tanntlid) gleich Sljieren unb Nlenfdjen £uft einathmet, bie in ber £uft enthaltene in Äohlenftoff unb 2Bafferftoff unb Fig. 1. GfiloroftCrtHförftcr Von bem flcmeincn ©reljntooä. 3n ben runben Sörpercfien finb ©tiirteförner cinflcfcl) loffen. 30 gleichseitig baS non ber '»ßflanjenwursel aufgenommene Btaffer in SBaffer* ftoff unb Sauerftoff SIuS biefen Elementen bilbet bie in ben (Shlorophpllförperdfen bann Störte, wobei fie ben überfcfjüffigen Sauer* ftoff, bie VebenSluft für Blenfdjen unb Xfjiere, auSatljmet. ©er 'ißrocefj geht aber nur bei Beleuchtung vor fiel). Sdjon jur (Erzeugung von Sljlos rophpllförpern bebürfen faft alle Bflanjen einer gewiffen Temperatur unb beS £id)teS. Bur Wenige (Koniferen unb Staue) bringen im ©unfein, bei höherer Temperatur, grüne @hlvrophplltörper hervor, in benen febod) immer bie Störte fehlt. Soll biefe gebilbet werben, mup bie alfo unbebingt £idjt haben. SÖie auf bie Umwanblung unorganifdfer Subftanjen in bie ftictftoff* freie Störte im fepeint baS (5l)loropl)pll and) von hoher Be* beutung für bie (Erzeugung ber fticfftoffljaltigen (Siweipftoffe. Beweis ba* für ift, bap bie djlorophpllfreien Bilje aus unorganifdjen Stoffen überhaupt nidjt organifche bilben fönnen, fonbern biefelben bem Boben, auf bem fie wadffen (faulenbe Stämme, abgefallene Baumblätter, ©ünger, u. f. w.), entnehmen müffen. 2ßeld)e Dlolle baS (Shlorophpll bei ber .ßufammenfetj* ung ber (Siweipftoffe fpielt, ift freilich nod) nicht fidjer feftgeftellt worben. Sßahrfdjeinlid) liefern bie chlorophpllhaltigen gelten ber Bfianje ftief* ftofffreien Äohlenhpbrate (Störte) unb Sette, weldje fid) bann mit ben von ber SBurjel her angeführten falpeterfauren Salden unb Slmoniaf (f. bort) ju (Siweipftoffen Verbinben. - Weitere organifdje Sarbftoffe finb: baS fdjon oben erwähnte Hämatin (im Blut), bie ®allenf arb ftof f e (Bili= rubin, BilifuScin, u. a. m.), bie § a r n f a r b ft o f f e unb baS Bl e l a n i n ober ber fdjwarje, eifenhaltige Scwbftoff (Pigment), welcher in ber fdpvaqen 2lugenl)aut, in ber §aut bunteifarbiger Bölter, an buntleren ber weipen Diaffe unb in ben paaren unb ber ßunge vortommt. ©ie lepts genannten brei Söibftoffarten flammen wahrfdjeinlid) ab. D- 3erfctjung organifdjer Subftanjcn. 3nt ©egenfap ju ben einfadjeren unorganifdjen Berbinbungen finb bie complicirten organifdjen leicht löSlid). 3hre 3erfe^un9/ in eren Ber* lauf vielfad)e, nutzbare (Dllcohol, (Sffig, Äoljle, Torf, u. f. w.) gebilbet werben, b. h- ehe bie vollftänbige Stuflöfung in Blaffer, hohlem fäure, Slmmoniaf unb Blineralfalje ju Staube tommt, auf üer® fd)iebene TBeife, unb jwar burd) ®äl)rung (hierher gehören and) Säulnifi unb Berwefung), burdj (Sinwirfung erhöhter Temperatur (Berbrennung unb troefene ©eftillation) unb burd) (Sinwirtung unorganifdjer Körper, ©ie für uns widjtigen .BerfepungSarten finb mehrere (Währungen unb bie Berbrennung unb troefene ©eftillation. 31 Sille 65 ä 1) r u n g e n werben burd) 65äl)rungSerreger (Fermente), unb £War, wie es fdjeint, jebe Slrt 65äl)rung burd) eine beftimmte $orm von Fermenten cingeleitct. Oiefe ©äljrungSerreger, von benen (befonberS ©djimmelpilje) unb fog. <Spaltpilje (Vibrionen, iBacterien unb üDlonaben) bie h<Wtfäd)lid)ften, finb Organismen von unenblidjer Klein- heit, weldje bie 65äl)rung baburd) Ijervorrufen, bah fie aus ber betreffenben organifdjen SSerbinbung Heine Stengen ber 65runbftoffe als Dlaljrung in fid) aufnehmen unb fo bie SSerbinbung -Q3ei manchen Währungen ift and) nod) bie SDlitwirfung beS ©auerftoffS notljwenbig, weSljalb man biefe OjpbationSgährungen nennt. Oie weinige, Sllcol)ot- ober geiftige 65äl)rung fommt nur bei 54- 59 65rab Fahrenheit*) unter 3ufafc von (§efe) in einer FlUffig- leit ju ©taube, in ber gäl^rungSfäljiger £uder (Oraubenjuder, Fruchtender, u. f. w.; f. ©. 24) enthalten ift. Slnftatt ber §efe fann in biefem ftalle and) atmofpljärifdje Suft ben 65äl)rungSproceh einleiten, weil fid) in ber Vuft neben anberen nieberen Organismen and) Keime ber §efe vorfinben. SluS biefem 65runbe geraden and) bie auSgeprehten ©äfte ber filmen grüdjte von felbft in ©äfjrung, weil fid) auf ben ©d)alen ber Früdjte §efefeime hotten, bie beim 'ißreffen mit in ben ©aft geraden. Stuf ber geiftigen 65äl)rung beruht bie §erftellung aller geiftigen 65etränfe (Sßein, iöier, u. f. W.) unb and) bie beS S3robeS. $n beffen Oeig perfekt nämlid) bie §efe (ber ©auerteig) ben fdjon vodjanbenen ober erft burd) Umwanb- lung ber ©tärfe erzeugten Buder in Sllcoljol unb Ko()lenfäure. Seigere, welche burd) ben Oeig nidjt entweihen fann, treibt biefen auf unb giebt iljm feine lodere S3efd)affenljeit. 3n ber §i(3e beS -iöadofenS entweihen aber Sllcoljot unb $ol)lenfäure, woburdj baS 53rob bann baS blafige SluSfeljen er Ijält. OaS ber weinigen ©äljrung ift ber 511 c o h o l, ben man je nach feinem SBaffergehalt abfoluten Sllcohol (100 'ißroc. Sllcohol), SBeingeift ober ©pirituS (85-60 Slic.) ober (50- 35 5ßroc. Slic.) nennt. Oer Sllcohol hot eine fo ftarfe Slnjiehung jum SBaffer, bah cv es fogar aus ber ßuft aufnimmt; er fdjüht barum organifdje ©toffe vor gäulnijj, inbem er ihnen alles SBaffer entzieht, unb wirb beS' halb vielfad) jum (Sonferviren fäulnihfäl)iger ©ubftanjen verwanbt. ®äl)rungSarten, bie nid)t feiten neben einanber vorfommen, be,$W. in einanber übergehen, finb bie f dj I e i m i g e ® ä l) r u n g 9iüben, u. f. w.), bie 991 i l d) f ä u r e g ä l) r u n g (j. S3. ©auerwerben ber DJiild)) unb bie S3 u 11 e r f ä u r e g ä I) r u n g. $ebe ber brei (Währungen l)ot aber ihre befonbere $efe. - Oie ($ f | i g f ä u r e g ä h r u n g beftel)t in ber Um= *) <si>. StfyeTmotneterjcala. 32 tanblung beS, in gegoßrenen glüffigfeiten, roie ©ein, Vier, u. a. m., ent- haltenen SllcoßolS in (Sffigfäure. Sie ift eine 0).'ßbationSgäßrung, benn außer ißrem Ferment (ber fogen. (Sffigmutter, Mycoderma aceti) bebarf es ju ißrem 3uftanbefommen nod) beS SauerftoffS ber ßuft. ©er, ber (Sffigmutter äljnlicf) mirfenbe Ä' a ß nt p i l j (Mycoderma vini refp. cere- visiae) bilbet bie fogen. Äaßmßaut auf gegoßrenen befonberS auf ©ein unb Vier (baßer ber Dcame vini refp. cerevisiae), menn biefe bei märmerer Temperatur fidj in offenen ober halbgefüllten be= finben, b. ß. er überträgt ben Sauerftoff ber ßuft auf ben SXlcoßol unb bie anberen ierbrennlicßen Subftanjen ber - ©ie f a u l i g e ® ä ß= rung ober gäulniß verfällt (nad) ißafteur) in jmet Slrten: bie fau = lige ©äßrung unb bie langfame Verbrennung (Ojßbation) ober V e r m e f u n g. (Srftere foll oßne Zutritt ber Cuft burd) Vibrionen 5U ©taube fommen, letztere bebarf außer ißrem Ferment, nämlid) Vac- terien (f. $ig. 2), nod) beS SauerftoffS. ©irb aber eine fäulnißfäßige glüffigfeit ber ßuft auSgefeßt, bann treten beibe gleicßjeitig ein, mobei bie Vibrionen bie eimeißßaltigen Stoffe in einfachere, aber immer nod) complicirte iermanbeln, meld)' letztere ion ben Vacterien burd) §er- beifüßrung ber Verbrennung in©affer, Slmmoniatunb Äoßlenfäure merben. Vei ber Vertiefung iegetabilifcßer Subftam jen tritt übrigens ber Sauerftoff bisweilen fo fdjnell unb ßeftig $u, baß eS 511 einer bebeutenben ©ärmeent= mictlung, mitunter fogar ju einer Selbftentjünbung fommt (bei feudjtem §eu unb 2)?eßl). ©er üble ®erud), ber fid) bei ber Verroefung entiuicfelt, rüßrt gum größten ©ßeil oon Sdjrt>efeln)afferftoff ßer, einer unorganifdjen Verbinbung, bie fid) (j. V. in ben (Houten) bei ber gäulniß fd)mefelßaltiger organifcßer Stoffe bilbet. $n ber V e r m o b e r u n g, b. i. ber nod) nid)t oollenbeten Vertiefung, begriff fen finb bie ber langfamen Verbrennung (Torf, ©amtm erbe ober £mmuS, u. f. tu;), fyäulniß unb Vertiefung finb eS aud), iueldje bie organifd)en Subftanjen beS menfd)lid)en VeibeS nad) bem Tobe in unor* ganifd)e (iorjüglid) Äoßlenfäure, ©affer unb Slmmoniat) iermanbeln. 3nbirecte ©äßrungcn merben folcße genannt, bie nid)t burd) lebenbe Organismen, fonbern burd) fticfftoffßaltige, lösliche, im Körper lebenber Organismen felbft entfteßenbe Subftanjen ßeriorgerufen merben. §ierßer geßören bie, Störte in umfeßenben fogen. ©iaftafen im 9)Junb- unb Vaucßfpeidjel unb in ber ßeber, ferner baS ebenfalls fdjon tiäßnte ierfeifenbe (emulgirenbe) Ferment im Vaud)fpeid)el unb baS eimeißummanbelnbe Ferment im DJZagenfaft (Vcpfin), Vaud)fpeicßel unb ©armfaft Fig. 2. SBacterien, 650 SDlal »eriiröfj-rt. 33 Tie organifcper Subftanjen burdj ©inwirfung erpöpter Temperatur (VJärme) erfolgt entweber burcp Verbrennung ober trocfeneTeftillation. Tie Verbrennung, welcpe, Wenn nod) nidjt Dollftänbig, Verfoplung peifit, fommt nur bei Zutritt atmofpfjcirifd)er Ruft unb jwar entweber unter VSärmeentwidlung allein ober unter gut- widlung Don VSärme unb Sicpt jugleid) ju Staube. Tie unorganifdjen Stoffe, weldje fidj pierbei entwideln, finb pauptfäcplid) Äoplenfäure unb Vkiffer, weldje in bie Suft entweidjen, wäprenb bie unüerbrennlidjen unor= ganifdjen Stoffe (als Slfdje) - Tie trod'ene Teftillation ift bie organifdjer Subftanjen burdj SBärme opne Zutritt ber atmo* fppärifdjen £uft, b. p. ofjne IWwirfung beS SauerftoffS. Turd) trod'ene Teftillation werben 3. V. gewonnen: £eud)tga3 unb Tfjeer (aus Stein' foljle), Paraffin, Solaröl unb (aus Torf unb Vraunfople), (Sffig- fäure refp. Tljeer unb aus biefem Äreofot (aus §olj), u. a. m. TaS (Eintreten Don ©Sprüngen fann Derljinbert werben: burdj Tobten ber fvermentfeime, inbent man bie betr. Stoffe poper Temperatur auSfept (meiftenS genügt bie Siebepipe beS VtafferS, nur baS Ferment ber SJHld) Derlangt eine pöpere Temperatur), ober burd) SInwenbung Don antifeptifcpeh Mitteln, wie Äodjfalj, ©arbol- unb Salicplfäure, Äreofot, Tannin, u. a. m.; ferner baburd), bap man organifd)eSubftansen auStrodnet (f.SIlcopol) ober gefrieren macpt, unter weldjen Vebingungen überpaupt fein Seben möglicp ift. 34 JDte itni> bes uieiptßfitßeit /wrpers. ©ie gelten. SBermeßrunfl unb ©ifferenjirung her gellen. ©etnebSBilbung. ©ie ®e* ivebe beS menfcßlidjen ÄörperS: S3inbegen>ebe, Änorpelgeinebe, Änotbengctoebe, SftuSfelgeinebe, 9?ervengeinebe, $autgen>ebe, ©rüfengetoebe. Sftacpbem Wir baS Material fennen gelernt paben, aus welcpem fid) bie Körper ber Organismen bezw. ber SD?enfcpen zufammenfepen, paßen wir uns jetjt mit ber SIrt unb Söeife befannt zu macpen, wie bie fepung ber Organismen aus biefem Material vor fitfj gept. 9lacp ber von Scpleiben (1838) für bie Pflanzen aufgeftellten unb ein 3apr fpäter von Scpwann auf ben tpierifepen Körper auSgebepnten „Bel5 lentpeorie" finb bie Körper aller Organismen ftetS aus ein unb berfclben elementaren ©runbform aufgebaut, welcpe „Belle" genannt wirb. $eber Organismus ift nacp biefer Xpeorie entweber eine einfacpe Belle ober eine ©emeinbe, ein Staat von Bellen, bie zwar eng mit einanber verbunben, bocp innerpalb beS pflanjlicpen ober tpieriftpen Körpers nocp ipre Sonber* epiftenz füpren. Oie Belle ift alfo immer ein Organismus für fiep, auep wenn fie mit -3preSgleid)en zu einem pöperen, pflanjlitpen ober tpierifepen, Organismus verbunben ift. 3ebe Belle, bie tpierifepe wie bie pflanjlicpe (f. gig. 3 unb Fig. 4), beftept erftenS aus bem Protoplasma*) ober piaSma. (SS ift bieS bie ber ßebenSftoff ober, wie man es auep genannt pat, bie „vor* ZugSWeife lebenbe Subftanz", aus welcper alle weiteren Gilbungen aller pflanjlicpen unb tpierifepen Körper als aus iprem Urmaterial pervorgepen. (SS beftept aus einem feft=flüffigen innerpalb beffen fiep £wpU räume bilben, unb fefte unb flüffige Stoffe als innere piaSmaprobucte ablagern tonnen (f. j. iö. Organifcpe $arbftoffe, (Sploropppll, unb $ig. 4). Oer jweite wefenU liepe einer Belle ift ber Bellfern ((Sptoblaft, 9lucleuS), ber halb in ber DJcitte, halb am $}tanb beS Pro* toplaSmaS eingebettet ift. Oer Bellfern, ebenfalls aus einer (Siweipverbinbung beftepenb, tann ruub (fugeiig), aber auep von länglicper, cplinbrifcper unb ftäbepenför* miger ©eftalt fein. (Sr ift cS, ber bie Hauptrolle bei ber Fortpflanzung ber Belle fpielt, wogegen zu bereu (Srnäprung bas proto* Fig. 3. £l)icrifcf)e Beden mit Betlljaut, $rotop[a§= ma, Bedtern itnb Sierntörperdjen. Fig. 4. 'ßflanjliitieBellen mit Belttjaut, ißrotopla§= ma, ßelltent, Serntör« perdjen unb Siacuoten ($ot)lräuinen). *) bcm (Sriecßifcßen entnommene SB ort bebeutet fovicl wie erfte, urfyrung= ließe SßilbunflSmaterie (protos = bet @rfte, plasso = uß Silbe). 35 plaSma bient. ift in bem Bellfern nod) ein $ernförperdjen (itlucleo* IuS) entpalten, in wetdjem fiep mitunter nocp ein weiteres ®örperd)en, $erm punft ober 9?ucleoIinuS, eingefcploffen üorfinbet. 23iete Bellen, befonberS bie pflanjlicpen, paben auperbem nocp eine, baS Protoplasma umpiiltenbe §aut (Bellpaut, Bellmembran), bie jebod) nur erft ein probuct beS ptaS- maS, entweber eine Sßerbicptung ber 2tupenftäd)e ober eine erftarrte 2lb- fonberung, ift. SBefentlidje $3eftanbtpeile ber Belle finb, Wie gefügt, nur baS Protoplasma unb ber Bellfern. 9J?it SluSnapme ber-fpäter ju befpredjenben Moneren (f. StammeS- gefcpicpte beS 9)?enfcpen) finb alte Organismen, fowopl Pflanzen wie Spiere unb DJZenfdjen, im beginn iprer (Stiftens nid)ts, ats ein feft-ftüffi- geS (Siweipflümpdjen mit einem $ern, eine einfache Belle. 3n biefer (Sijelte (f. $ig. 3), aus welcper fid) bie Orga- nismen burd) ben fogen. BerflüftungS- ober $ur(pungS5 procep perüorbilben, verfällt vorerft, nadjbem bie Belle befrucptet, ber $ern burd) ©elbfttpeitung in jwei $erne, um bereu feben fidj nad) unb nad) Protoplasma an- päuft, fo bap fid) fdjlieplid) in einer Belle (butter* gelle) jwei neue (Xodjteqellen) befinben (f. $ig. 5). O)iefe ©elbfttpeilung wieberpolt fid) unaufpörlicp, unb enblid) ift ein fugeli- ger Raufen oon Bels len entftanben (f. 6), aus bem fid) burcp Weitere unb üerfepiebenartige SluSbilbung (Oiffe- renjirung) ber Or- ganismus peroorbit bet*). 3m menfd)lid)en Körper fonbert fid) ber Bellenpaufen oorerft in brei <Sd)id)ten, baS obere, mittlere unb untere Keimblatt. OaS obere, bie Ein- lage für ®epirn unb wirb ju einem engen 9topr, baS untere, bie Einlage für bie Organe im ®efid)t, in ber unb bem ju einem weiten Diopr, wäprenb aus bem mittleren Keimblatt bie SÖanb beS Körpers (£)aut, DJluSfeln unb ßnodjen) entftept DJlit biefer ©onberung oon beginnt bie Oifferensirung ber Bdleninbioi- Fig. 5, (selbfttfietlung beS tfjiertfcfien ®i§. Fig. 6. ©eUfttlieilung be§ Gi§. *) 93ei Qetüiffcn n.ieberen Spieren unb Wanken tooHjieljt ftcb bie Vermehrung ber Jßeltcn auch auf als burch ben gurcfjung&jrocefj; inbeffen finbet überall eine yieubilbung von gellen nur mit <§ülfe bereits vorßanbener gellen ftatt, fo ba§ ber s$roceff ber Sermebrung iin foefentliajen berfelbe, unb nur bie Slrt ber eine rerfcljiebene ift. 36 Tafel I. Sifferensirte gellen be3 Körpers. 1. gelle mit bcrbtcftem SJlanbfaum.- 2. (Etjlinberjelle.-3. geltylättdjen au§ ber Wunbljöljlc.- 4. Dberfiautjellen. - 5. Scberjellen. - 6. fjlimmerjellen. - 7. ®latte-unb 8. qucrgeftreifte lD?u§telfaiern. - 9. SRerbenjclle. 37 bucn gu bcn gormclementen (33ldSd)en, unb Vldttdjen), aus meldjen bie ®emebe beS Körpers aufgebaut merben, b. I). bie gelten lagern fid) neben einanber, verfdpnclgen unter einanber ober meidjen burd) 2IuSfdjeibung einer fogen. «ßmifepen* ober ©runbfubftanj von einanber; fo entftepen bie Dtöprdjen 3. 33. aus ber urfprünglid) immer fugeiigen gelte baburep, bafs fid) gelten in einer Oxeilje neben einanber lagern, unb bafs bann bie an einanber ftoftenben fepminben, moburdj bie Kopien ber gellen 311 einem (Sanäld)cn gufammenflieften. £afel I geigt folcpe Verfcpiebenartig bifferenjirte gelten beS menfcplicpen Körpers. SBäprenb ber ©ifferenjirung ber gelten gu vermam beit fid) aud) ein Xpeil beS peripperifdfen in bie fogen. gell' ober 3ntercellularfubftang, melcpe bie gelten mepr ober meniger mit einer fiebrigen Scaffe umgiebt, beren 3mecf ift, bie gellen mit einanber 311 verfitten. £)iefe gmifepenmaffe ift neuartig von feinen §oplräumen burd)* jogen, in meldje bie gellen auSfenben, melcpe leptere nidjt nur einen Verfepr gmifepen bem gnpalte ber verfepiebenen gelten vermitteln, fonbern eS aud) ermöglichen, baft jebe gelte ipr gellenterritorium, b. p. bie fie umgebenbe 3lpifd)engellmaffe, mit Dlaprnng verficht. ge nad)bem fid) aber in biefer gellenvielpeit eine verfdjiebene Slngapl von bifferenjirten gellen (gormelementen) ein unb berfelben 9lrt in einer beftimmten Slnorbnung, bie nur burd) baä.SJHfroffop mahrnehmbar ift, 5m fammenlagert, bilben fid) bie verfd)iebenen ©ernebe bed menfd)lichen per§: 33inbe=, $nod)em, Knorpel*, 9J?uöfel', Servern, iQante unb £)rüfen= gemebe. 1. ®aö 33inbegemebe 3eWft0ft 33inbefubftanj) hat im mcnfd)lid)en Körper von allen ©emeben bie meitefte Verbreitung. «Seine finb runblidje, bünne, mellenförmig gebogene fyäferd)en, bie, burd) eine mafferljelle {yntercellularfubftanj mehr ober meniger feft Verbunben, ein gallertartiges, formlofeS ober ein tlcebe unb Valfen bilbenbeö feftereS, geformtes (IjautartigeS) ®emebe jufam- £ie SJZaffen biefeS (SfemebeS finb von einem Spftem feinfter Kanäle burdjjogen, bie innen mit einem garten .£)äutd)en ((Snbothel) auSgcfleibet finb. £)iefe (Sandle, Saftcanäle ober Spmphfpalten genannt, fiepen mit ben £i)mphs gefäpen in offener Verbinbung unb bilben fo in ber ©emebSmaffe offene Straften, burd) melcpe ein Stoff austauf d) gmifefjen bem ber einzelnen gelten ftattfinbet Fig. 7. glatte (oben) unb firobfötnige (unten) ibinbegewebsjcllen. 38 (f. oben). ©ie gellen beS BinbegeWebeS finb entweber WanbembeBtnbe* gewebSjellen (Spmppjellen), bie aus bem Blute unb bet Spmppe ftammen, ober fije (glatte unb grobförnige) gelten (f. $ig. 7). ©aS Binbegewebe ift bie ©runblage aller §äute, Sepnen unb Bänber unb beS Knorpel- unb KnodfengewebeS, baS ©eftell ber ©rüfen unb ber ©räger für ©efäpe, Bcerven, Fett unb bie ©rnäprungSflüffigfeit. (Sine elaftifcpe, alle auSfüllenbc unb jebe Sageveränberung ge- ftattenbe 9D?affe, bient baS Binbegewebe jur Berbinbung ber üerfifjiebenen Körperteile unb verleipt bem ganjen Körper §alt unb 3n djemifdjer Bejiepung gepört baS Binbegewebe ju ben ©iweipförpern, unb pat eS bie ©igentpiimlidjteit, bap es beim Kocpen in Seim (b. p. Kno* djenleim; f. «Seite 28) verwanbelt wirb. - Berfcpiebene Formen biefeS ©ewebeS finb: a) ©aS Fettgewebe ift baS Binbegewebe, in beffen räume Fett eingelagert ift, baS aus Heineren ober größeren üon runben ober ovalen 3e^en beftept (f. Fig- 8)- ©iefe Fottjellen finb bei fetten ißerfonen mit einem ©ropfen ober vielen ©röpften Fett angefüllt, wogegen fie bei mageren ißerfonen eine gallertartige ober wäfferige Flüffigfeit enthalten unb mepr ober weniger jufammengef allen finb. ©er fftupen beS Fettet refp. Fettgewebes für ben Körper ift ein groper; abge* fepen bavon, 'bafj baS Fettgewebe bie menfdjlidjen For* men abrunbet, fdpipt eS bie inneren Organe vor ©rud unb Stojj unb, als fcpledjter SÖärmeleiter, vor Wüplung. b) ©aS f e I) n i g e © e w e b e ift in Folge einer innigen Bereinigung ber BinbegewebSfafern eine fefte, aber weidje unb biegfame, nidjt elaftifdje, Weiplid)=graue Subftanj, weldje tpeilS als eine fd)ü£enbe §ülle (feljnige §aut) manche befonberS lodere Organe umgiebt, teils in ©eftalt von Strängen (Seljnen, Bänbern) jur feften Berbinbung von ©peilen bient. c) ©aS gallertartige ©ewebe ift von fcpleimäpnlidjerBe* fdjaffenpeit unb tommt bei erwadjfenen fDienfdjen nur im ©laSförper beS SlugeS vor. d) ©aS f e r ö f e © e w e b e beftept pauptfäd)lid) aus BinbegeWebe unb elaftifd;en Fefern, bie ju einem feften 9?epwerf verwebt finb, weldjeS als eine bünne weiplidje Membran Blafen unb Säde (j. B. -Jperjbeutcl, Brufß unb Baudjfcll) bilbet, bie in ben vcrfdjiebencn Atopien beS Körpers jwifdjen bereu BJänben unb ben ©ingeweiben, an beibe feft angepeftet, vorfommen. ©inerfeitS unterftüpen biefe Säde, vermöge iprer glatten Oberflädje, bie Beweglidjfcit ber betr. Organe unter einanber, am bererfcits verpinbcrn fie Reibung unb ©rud ber einjelnen ©peile. Fig. 8. gettgcweöe. 39 e) OaS fibröfe ® e w e b e (harte §irn- unb 9xüdenmarthaut, bie feften füllen ber Vieren, 9)Hlj, u. f. w., ber lieber5,ug ber Knorpel, Änodjen, u. a. m.) bilbet feft verwebte §äute mit wedjfelnber Wenge claftifdjer $afern. f) OaS etaftifdje (Gewebe, aus gafern gebilbet, ift eine fefte, aber fefjr elaftifdje Subftanj, tnelctje fetten in größerer Wenge, gewöhnlidj in bad Binbegewebe eingewebt, vorgefunben wirb. Wir bie Sßänbe ber unb Luftwege unb einige Bänber (beS ÄeljlfopfS) enthalten biefeS ®ewebe jiemlid) rein. Wit juneljmenbem Sitter vertiert es an (Stafti- cität unb wirb nidjt feiten brüdjig, weSljalb and) bei alten Leuten Ijäufig feinere ißulSabern jerreißen (baljer ber Sd)lagf(uß). 2. Ätiiorpctßcmctjc. OaS ift von befonberer Biegfamfeit, .ßäßigfeit unb geftigfeit. 2lls ©runblage beflißt eS, wie fdjon gefagt, ftüfeenbeS Binbege= webe, bad eine größere Berljärtung erfährt. Wan unterfdjeibet edjte, milchweiße, tjtyaline Knorpel (f. ftig. 9) unb gelbe, ßufer- ober bei erfteren finb bie ftets runblidjen Änor* geigelten in eine gleichmäßige, ungeformte Waffe, bei festeren in eine faferige Waffe eingelagert. Knorpel bient jum Slufbau beS ber Luftwege, ber 9?afe unb bed djreö, jur Gilbung ber glatten ber ©elenfenben unb jur SSerbinbung ber üerfd)iebenen<Steletftü(fe unter einanber. 9?acf) feinem SSorfont' men unterfcßeibet man baljer ben $nor* pel and) in ben ®elenftnorpel, ber bie ©elenfflädjcn ber Änodjen überjicljt, unb in ben membranartigen, ber bie Söanbungen von Diößren unb §öl)len erfjärtet unb verftärft, j. -03. bei bem unb ber ßuftrößre. Oer Ijljaline finorpel bilbet ben Ueberjug fämmtlidjer ©elenfenben ber Änodjen, mit Sludnaßme bed Ä'iefergelenfö, bad außer l)ljalinem and) gaferfnorpel Oie (Jintßeilungen bed Änor- pel§ nadj ber Structur unb bem 23orfommen beden fid) alfo nidjt. SSon ben übrigen S3inbefubftanj'®eiveben unterfdjeibet ficf) ber Ijtyaline Knorpel baburd), baß er feine Blutgefäße ber gelbe Knorpel hat bereu einige wenige. OarauS erflärt fid) verpältnißmäßig geringe (Energie, mit Welcher bie £ebenSerfdjeinungen innerhalb bed Knorpels verlaufen, deines- Wegs feplt aber ber Änorpelfubftanj ein Strom von (SrnährungSfaft. Oer Knorpel ift nämlidj von einer gefäßfül)renben §aut (ißerichonbrium) über- jogen, vou bereu ©efäßen bie 92ährflüffigfeit in ben Knorpel einbringt. Fig. 9. tptyalinet finotyc[; bie gelten finb in .giDifctjenfubftanä eingebettet. 40 ßpemiftp gepört aucp ber Knorpel ju ben Giweipförpern. 53eim gießt er ebenfalls Seim, jebocf) Änorpelleim ober Gponbrin (f. <S. 28). 3. .Qnorfjcngcwcbc. 50lan unterfcpeibet fefte (compacte) unb fcpwammige (fpongiöfe) .Qnocpenfubftanj. Grftere erfcpeint, wenn man fie mit unbewaffnetem Singe betrautet, als eine feft jufammenpängenbe, ganj folibe £D?affe. Unter bem 9)?ifroffop geigt fiep aber baS $nocpengemebe. ©aSfelbe beftept aus einer gefepiepteten (lamellöfen) ©runb- ober in welcper fid) Diele Heine, längliep runbe, abgeplattete 9?äume, ober Wfforpercpen genannt, befinben, bie fiep in fepr feine, ftraplig Deräftelte, pople SluSläufcr, Änoepen- ober Äalfcanälcpen, fortfepen. ®iefe SluSläufer ftepen in (offener) SBerbinbung mit einem Ganalfpftem WelcpeS bie ©runbfubftanj mit feinen Dtöprepen, ben fepen ®efäp= ober Sftarfcanäl- epen, burcpjiept unb burep in einanber übergepenbe Bweige Derbunben ift (f. $ig. 10). £)iefe Ganälepen beperbergen SRerüenfafern unb bie ernäp= renben beS Äno- cpenS unb miinben tpeils an ber änderen ©berflädje beö tpeils an ben 2ßän- ben ber SJtarfpöplen unb 90?arf- räume im Innern beS aus. $n jeber Änocpenpöple befinbet fiep eine Stnocpen$elle, eine länglicpe, jartmanbige Belle, melcpe bie Änocpenpöple mit einem jäpflüffigen Onpalt ganj auSfiillt unb bisweilen in bie DJlünbungen ber Ä'nocpencanälcpen fyortfäpe entfenbet (f. $ig. 11). 3m $nocpengen>ebe beftept bemnad) ein, bie ganje 2)?affe burcpjiepenbeS, jufammenpängenbeS ©pftem Don Süden unb Cianälcpen, baS bie Don ben ©efäfen gelie* ferte (SrnäprungSflüffigfeit burep bie $nocpen tranSportirt. ®aS (Scpicptenfpftem ber ©runbfubftanj ift aber, wie an einem Änocpenquerfcpnitt (f. $ig. 12) beutlicp ju fepen ift, ein boppelteS. (Sin STpeil biefer ©cpiipten umgiebt bie ein- feinen (Sanälcpen (Speciallamellen), ein an- Fig. io. ßnorfjenlänggfcfinitt. - a) §a»er?'fcße Ganäldjen.- b) ®runt>fub)tans mit eingelagerten Änoctjenljöljten. Fig. 11. in bie ©tunbmaffe (a) eingebettet, mit Sfnötfjenselie (b). 41 berer ©ßeil (®runb= ober (Sfenerallamellen) burdjfefjt bie ©icfe be§ Ä'nodjenS. ©ie fdjwammige giebt fidj burd) weite, mit bloßem 2luge beutlid) fidjtbare 3etfenräume jwifdjen Balten unb Blättdjen 31t er- tennen, weldje unter einanber 3ufammenf)ängen unb mit 3)?arf unb 4BIut= gefäßen erfüllt finb. ©iefeS bidjt üerfd)lungene 9?ep, in welchem bie Äuodjenbälfdjen unb bie fdjwammigen Änodjen burdjfepen, ift aber nidjt, wie man bis= Ijer annaljm, ein regel' lofeö ©urdjeinanber bon Blättdjen unb £wl)lräm men, fonbern ein medja- nifdj georbneteö ©efüge etaftifdjer Pfeiler unb (Sparren. jebem Änodjen ift biefe§ Ge- füge anberö angeorbnet, aber immer fo, baß bie, ba§ gadjwerf bilbem ben $nodjenfpangen ben 3ug= unb ©ru(frid)tungen entfpredjen, benen ber betreffenbe $nodjen bei ben normalen Bewegungen unb SlrbeitMeiftungen unfereS Körpers auSgefept ift. 2ßa$ bie djemifdje be§ ÄnodjengewebeS betrifft, fc ift eine organifdje unb eine unorganifdje (Subftanj (Srftere, Änodjenfnorpel genannt, giebt beim ®od)en, wie ba§ Binbegewebe, flnodjen leim; ber Änodjenlnorpel ift alfo Oon bem waljren Knorpel, ber bei gleidjei djemifdjer Beljanblung bejw. beim flodjen Änorpelleim giebt, ftrift 31 unterfdjeiben. ©ie unorganifdje (Subftanj ber Welche bei Ber brennung berfelben in ftarfer unb bei ber Berwefung unter Beibe* ljaltung ber Änod)enform alö oerfalfter ober calcinirter Änodjen allein 3urüctbleibt, befteljt im wefentlidjen au$ pljoöpljorfaurem Äalf (etwa 84 Brocent) mit wenig DJZagnefia unb tofylenfaurem Äalf; ein geringer STljeil beö Falles fdjeint and) an gluor unb ßljtor gebunben. ©er Knorpel bilbet etwa ein ©rittet, bie unorganifdje Sftaffe, bie Änodjem erbe genannt wirb, 3Wei ©rittet ber oon ber DJlenge ber erbigen Beftanbtljeile I)ängt bie §ärte, ©id)tigfeit unb geftigfeit be3 ÄnodjenS, Dom Knorpel feine geringe Biegfamfeit unb (Slafticität ab. (Sin W?ipDerl)ältnip jwifdjen beiben Materien ertljeilt bem Änodjen (Sigen* fdjaften, bie iljn für feine Beftimmung untauglidj madjen. (Sine größere Blenge Knorpel madjt ißn weid) unb biegfam, wie bieö bei ber fog. englü Fig. 12. ünodjenquerfctjnitt. - a) CLuericljnitte burcf) bie $aber§'fcfien Sanälrfjen, umgeben bon concentrifcf) gelagerten @pecialla= mellen. - b) gefcljicl)tete ©runblamellen. 42 fdjen Äranf'peit ($Rpad)itiS) ber $all ift, wäprenb zu viel Srbe eine größere Spröbigfeit unb leichtere Sörücpigfeit beS StnocpenS jur $olge pat. ©ie Urfadje eines foldjen SDiißverljältniffeS jnnfdjen Änocpenfnorpel unb Änodjenerbe liegt gewöhnlich in einer falfdjen Siaprung, welcpe ben Stoff* Wedjfel im Stnodjengemebe niept orbentlicp zu unterhalten Vermag. $n ber 3ugenb, in weldjer ber Knorpel in größerer Stenge vorpanben ift, finb bie 'Shtocpen and) leidjt Sßerfümmerungen auSgefefct, wogegen fie im Sliter, wo bie DJicnge ber Srbe größer ift, weit leiepter jerbredjen. - Slußer Knorpel unb Änodjenerbe entpält ber frifdje Stnodjen and) SEBaffer. ©aS St n 0 dj e n m a r f ift eine fettige Subftanz, weldje in ben langen 9iöprenfnocpen gelblidj, in ben fdpnammartigen Stnocpen bagegen mepr ober weniger rotp erfdjeint Unter bem SOHfroffop fepen wir in bem Stnodjem marf größere Vielfernige gelten, Heinere törnig erfdjeinenbe Heinere runblidje, pelle Bellen, 3e^en öon fternförmiger ©eftalt unb eigentlidje fyettzellcn; alle biefe .ßellformen werben zufammengepalten burd) ziemlid) Zartes, weitmafdjigeS SBinbcgewebe unb finb burdjtränft mit bem DJtart* fafte, weldjer ebenfalls jaßlreidje $ellen enthält. 4. 9)litsfelgcwcbe. ©aS •'DhiSfelgewebe ift ber ber -JftuSfeln, jener weichen, feudjten, blaßrötplidjen ober bunfelrotpen SKaffe, welche man im gewöhnlichen ßeben als bezeichnet SS wirb gebilbet üon con* tractilen (zufammenziepbaren) fyäferdjen, bie fiep ju feinen vereinigen; biefe lepteren treten ifjrerfeitS zu gröberen jufammen. $e nad) bem SluSfcpcn, weldjeS fie unter bem Släfroffop zeigen, unter* fdjeibet man aber bie als glatte ober quergeftreifte SDluSfeifafern. ® l a 11 e DJtuSfeifafern finb langgeftrecfte 3e^ert, Weldje einen zäp* flüffigen, contractilen ie e'nen ftäbepenförmigen Stern paben (f. $ig. 13). WUt ipren ßnben an einanber gereiht, gruppiren fie fidj zu Zimbeln, welcpe burd) lod'ereS Söinbegewebe zufam* mengeljalten werben. Sie finben fid) faft überall ba, wo un* willfürlidje SDluSfelzufammenziehung ftattfinbet, wie in ben HJluStelpäuten beS tagens, beS ©armcanalS, u. f. w.- SluS querge ft reiften DJiuSfelf af ern (9)hiSfelf äben, primitiv* bnnbeln) beftepen bagegen alle „willfürlidjen", b. I). nuferem Sßillen unterworfenen Pusteln unb einige wenige unwillfür* lid) arbeitenbe, von welchen baS §erz baS wieptigfte ift. ©ie SJhtSfeifafern ber willHtrlidjen 3RuSfeln (f. $ig. 14 unb 15) paben meift bie ganze Vänge beS WiuSfelS, bem fie zugepören, unb laufen an ipren Snben fpinbelformig in Sepnenfafern aus. Sie be* fiepen aus einer fepr bünnen, ftructurlofen (Sarcolemma), an bereu Fifj. 13. ®latte SWustelfafem. 43 innerer SIäd)e fidj jaljlreidfe ovale Seme (9NuSfclförperd)en, ©arcolemnv ferne) vorfinben, nnb einem ßalbflüffigen -Bnßalte, ber contractilen @ub- ftanj ober Steif dpnaffe. geltere jeigt eine ßängS= nnb eine Cuerftreifung nnb f'ann (aber nur burd) djemifdje ßinwirfung nnb nid)t im lebenben DNuSfel) in fange, feinfte (ßängS- fibrillen) nnb über cinanber liegenbe glatten (SNuStelfdjeiben ober ©isbiaflaften), Weld)e bie ganje Safer burd)fe£en, werben. ©er (baS £)eq) madjt außer ber fdjon erwähnten SluSnaßme, baß feine gafern quergeftreift finb, ob- wohl bad ein unwillfürlidfer NluSfel ift, nod) bie weitere SluSnaßme, baß feine Sofern in einanber übergefjen unb fo neuartig sufammenl) äugen (f. $ig. 16); bie anberen 2NuSfel= fafern Verläufen unverjweigt in £Öünbeln, weldje burd) lodereS vereinigt finb (f. $ig. 15). ©ie djemifdjen SBeftanbtljeife beS SNuSfelinßaltS finb ber nadj verfdjiebene ßiweißförper, wefdje in Diel Gaffer (baSfelbe mad)t ungefähr brei Sßiertef beS 9)tuSfefgewebeS aus) gelöft finb; biefe Vöfung (baS DJhtSfelplaSma) ift burdj ben 3)2uSfeffarbftoff bin) rotl) gefärbt, ©aju ge- feiten fid) als Wefentlidje -Q3e- ftanbtßcile nod) fticfftofftjaltige unb ftidftofffreie organifdje SJerbinbungen, wie baS l)od) Sette, ©ftjeogen unb Buder, ferner fol= d)er SSerbinbungen, unoer- brennlidje Slfdjebeftanbtßeife (befonbers pfjoSpßorfaureS Sa- li) unb ®afe (eauerftoff, we= nig ©tidftoff unb ljauptfäd)lid) Sofjlenfäure). Lieber bie djemifdjc Bu' fammenfefmng ber WhtSfelfubftanj ift nod) vieles unaufgeklärt. £mrd) baS SIbfterben refp. ©erinnung ber 9J?uSfclflüffigfeit (üergl. Xobtenftarre) Wirb ein (Siweißförper (£0h)ofin ober SDhiSfelfibrin) auSgefdjieben, wobei eine faure feit (WhtSfelferum) frei wirb, weld)e bie übrigen dltuS- felbeftanbtßeile enthält. 5. 9? erben gew ehe. ©aS Nervengewebe befteljt aus mifroffopifdjen (Elementen, bie einen tfjeitS faferigen, tljeilS 23au l)aben unb burd) eine gleichartige, tleb= Fig. 14. Fig. 15. Oucrflcftreifte SJJuäfeifafer. Fig. 16. Cuergeftreifte fütuSEeb fafern (a) mit gettscEtot imb SBinbegcWctie (b). §crämustclfafcrn. 44 rige 33inbefubftan$, ben Dierüenfitt (Neuroglia), unter einanber bereinigt finb. £ie f)?erDenfubftanj (flteurine) ift entweber Weiß über graurötplid), unb jroar madjen in ber erfteren bie Dlerüenfafern, unb in ber grauen bie Werbens eiten ben gniuptbeftanbtijeil aus. ©ie ffterDenfafern ober 9lerüenröfjren (f. $ig. IT) finb feine, loeitfje, runbe, wafferljelle Otöljren, bie Don einer jarten, gutartigen §ülle umfleibet finb. SSirect unter biefer fRerüenfaferfülle (f)leuri(emma) be= finbet fid) baS fReroenmarf (W?arf= fdjeibe), ineldjeS feinerfeits als eine Art (Sdjeibe einen tut Zentrum ber gafer üerlaufenben (Strang von freiS- ober banbförmigem £}uerfdjnitt, ben Ad)fencI)Iinber ober Adjfenfaben, umhüllt. £aS 9?eurilemma ift, wie bie Rillte ber 9J2u§feIfafer, eine elafti- fd)e fDlembran, in weldfe $erne ein- gebettet finb. £)affelbe f'ann, wie baS ölig-flüffige ffterüenmarf, gan$ fcljlen, oljne bem nodj übrig bleibenben, nur aus bem Adffencijlinber beftefjenben gäbdjen ben (Stjarafter einer wahren Dieroenfafer ju rauben. ©er Ad)fen- ctylinber barf bagegen nie fehlen; er ift ber mefenttidje ber ffleroenröfjre. (5r beftetjt auö einem •föünbel äufferft feiner $äbd>en (Sldjfenfibrißen), weldje in eine jartförnige (Subftanj eingebettet finb. ffterüenfafern, bie fein DJlarf enthalten, alfo nur aus fReurilemma unb Sldjfencblinber befteljen, blaffe, marflofe ober Dtemaffdje es giebt bereu Diel weniger als marfljaltige im menfd)lirf)en Körper, unb finben fie fid) in überwiegenber Slnsal)! nur in ben ®erud)Sneroen unb bem Sl)mpatI)icuS (f. Dleroenfpftem) mit feinen Ausbreitungen. 53ei anberen Dleroenfafern feljlt baS DJiart tljeihoeife. ©ie Dlerüenjellen (©anglienjellen), weldje ben §auptbcftanb- tfjeil ber grauen fKeroenfubftanj auSmatfjen unb unter fid) ober mit ben 9terüenfafern burd) eine oerfdjiebene An- jal)I oon fßrotoplaSmafort* fäpen, im 3llfciminen^anÖ fielen, finb bünnroanbige, juweilen and) membranlofe, meift ptattgebrüefte 3ellen mit einem fein* törnigen, feft-weicpen, farblofen ober brau- nen 3nl)alte, in meldjen ein bläSdjenartiger Äern eingebettet ift, ber ein ober mehrere Fig. 17. Slerüenfafern. 1 B'cei frifcfje Kerbenfafern; a StabenfaferljiHte - b eingelagcrte Seine -c 2id)ienct)linber; jn>ifdjen a nnbc baä burdj= ftdjtige Kerbenmarf. - 2 Sfterbenfafern mit geronnenem ; 3Icf)fencölinber nicfjt ficfjtbar. Fig. 18. SRervenjelle au§ bem atiictenmart. 45 birgt (f. $ig. 18 unb ©afel I, 9). ©ie $orm ber Nerven* jetten ift fepr verfcpieben; eS giebt runbe, ovale, ed'ige, birn* ober fpinbel* förmige. Sind) itjre ®röfte ift fepr verfdjieben; fie tann fo bebeutcnb wer* ben, baft man bie mit bloftem Sluge als einen ''ßunft ju erlernten vermag. (Spemifcpe beS Nervengewebes. ©aS Nervengewebe ift eine fepr eiweift* unb fettreiche, ppoSpljor* unb fdjwefelpaltige SNaffe. ©en gröftten ©heil (75-80 madjt baS Sßaffer aus, unb zwar ift bie graue ©ubftanj reidjer an SBaffer, atS bie weifte. ferner befiften bie Ner* venjetten mepr (Siweiftftoff, als bie Hafern. 3m Nervenmarte, baS ben eiweiftftoffigen (Splinber umgiebt, fanb man baS fett', ppoSpljor* unb ftitf* ftoffpaltige Vecitpin, baS fticfftoffpaltige (Serebrin, (Spolefterin unb Kreatin (f. Organifcpe Sßerbinbungen). ber ©obtenftarre finbet, wie beim DNuSfel, eine (Gerinnung ber Nervenfubftanj ftatt (f. $ig. 17,2). 6. paiitgcnjcbc. §äute (Membranen) finb bie im menfdjlidjen Körper vorfommenben, weidjen, biinnen unb mepr ober weniger gefäft* unb nervenreichen ©ewebe, wetcpe entweber Organe als fd)üfcenbe §ülle überziepen ober (Sandle unb Kopien auSfleiben. ©ie dufte bie allgemeine 33ebecfung ber ganzen dufteren Oberfläche beS Körpers, ift bie widjtigfte aller §äute, weil fie abgefeljen von bem (gcpup, welchen fie bem Körper gewährt, gleichzeitig ber @i(3 beS ©aft* unb ©emperaturfinneS unb einer, baS 33lut reinigenben SluSfdjeibttng ift. - @ d) l e i m h ä u t e peiften biefenigen §äute, weldje bie Kopien unb (Sandle auStleiben, bie an ber oberen Äörperfläcpe münben unb hier mit ber dufteren §aut in ununterbrochenem gufammenpange fiepen. - ©ie fdjon beibem$inbegewebeerwäpnten fommen inbenüberall verfcploffenen jwifcpen ben SBänben unb Organen biefer Kopien vor. (SS finb gröftere unb Heinere, eine geringe DNenge vonßpmppe entpaltenbe @äde, bie burd) fleinfte Oeffnungen mit ben ßpmppgefäften in 23erbinbung fiepen. - 3n ben Sßänben von §öplen unb (Sandten, bereu 3npalt fortbewegt wirb, wie j. im DNagen, finb SNuStelpdute vor* panben, weldje mittels iprer 3ufammenjiepungSfäpigfeit ben Naum ver* engern unb baburcp ben Onpalt fortbewegen.-Slnbere §äute finb bie eben* falls bei bem fdjon erwäpnten f e p n i g e n unb f i b r ö f e n § ä u t e. (Sowopl bie duftere £>aut, weldje im zweiten Kapitel eingepenber be* fprocpen Wirb, als aud) bie aus brei ©djicpten (Oberpäutd)en,@d)leimpaut* gewebe unb Unterfcpleimpautgewebe) beftepenben ©cpleimpäute unb bie feröfen £)äute paben an iprer freien Oberflädje einen biinnen Ueberjug, 46 weldjer bei ber äußeren £>aut GpibermiS ober Oberhaut, bei ber Sdjleim® haut (gpitljelium ober Oberhäutdjen, bei ben feröfen Rauten Oberhäutdjcn heißt. ©aS ®ewebe biefer äußerften §autfd)id)ten, baS fogen. Ober® I) a u t g e w e b e, bilbet gefäß® unb neroenlofe Membranen, weldje nur aus felbftftänbigen, oljne fidjtbare innig öerbunbenen gellen beftel)en. ©ie lederen fterben an ber Slußenflädje reidjlidj ab, bilben fid) aber ebenfo leid)t unb fdjnell wieber oon ber ©iefe ber Membran her. ©iefer tiefer liegenbe, weichere Oheil heißt bei ber äußeren §aut bie @d)leimfd)id)t; auf il)r liegt bie oberflächliche, fjcwte bie aus §ornplättd)en befteßt. 4öei bem Oberßäutd)en ber Sdjleimhaut ift biefe ®ewebsfd)idjt nid)t üerljornt, alfo weicher, als bei ber äußeren §aut. 3e nadjbem baS Oberljäutdjen ober (Spithelium aber aus ecfigen, runblidjen ober cplinbrifchen gellen jufammengefeßt ift, heißt eS einfadjeS ober ge® fd)id)teteS (f. $ig. 19 unb 20) ober Sptinbcrepithelium (f. gig. 21). Fig 19. Fig. 20. Fig. 21. Fig. 22. 5ln Wenigen Stellen beS Körpers (3. SB. ber Luftröhre) baS lium fogen. flimmernbe Söimpern nnb heißt beShalb glimmerepithelium (f. ftig. 22). 7. ©rüfcngcwebc. SBätjrenb beS Stoffwedjfels Werben aus bent 4Stute $lüffigfeiten auS= gefdjieben, bie entweber noch jn weiteren ju üerwenben ober üöllig unbrauchbar finb nnb in biefem $alle aus bem Organismus entfernt wer= ben muffen, nennt man SluSfdjeibuugen ober (Sjcremente im ®e- genfafj ju ben Slbfonberungen ober Secreten, b. h- ben Weldje fpäter ju beftimmten $wecfen (ber Verbauung ober oerwenbet werben. ©ie Organe, in welchen biefe auSgefdjie« ben werben, finb bie ©rufen, oon benen eS alfo, je nach ihrer pfjtjfiologifcfjen ©hätigfeit, brei Slrten giebt: SßerbauungSbrüfen, 53tut= nnb Spmphbrüfen unb SluSfcheibungSbrüfen. ©abei ift nod) ju bewerten, baff bie unb ßpmphbrüfen fein eigentliches, frei werbenbeS Secret liefern, fonbern nur bie burdj fie hinburd) tretenben (Out unb ßtjmphe) in be= ftimmter Sßeife djemifch unb beeinfluffen, unb ferner, baff fich unter benSluSfcheibungSbrüfen and) foldje befinben, weldje ein luftförmiges, (gafigeS) 'ißrobuct auSfdjeiben; es finb bieS bie ßunge unb bie Schweif britfen, unb jwar fdjeibet bie ßunge nur ®aS aus, wogegen bie 47 brüfen fonwljl tropfbare (Sdjiveiß) als aud) ©afe abfonbern. £er gorm nad) unterfdjeibet man fdjlaud)=, fnäuel' unb traubenförmige Prüfen (f. $ig. 23). £)ie erftgenannten finb entweber röhrenförmige, unüeräftelte ©djläudje mit einem Zugang (Wagen» unb ÜDarmbrü» fen) ober runblidje mit mehrfadjen Öffnungen nad) außen (Shjmphbrüfen). £>ie fnäuelförmi» gen Prüfen iveidjen non ben fdflaudj» förmigen baburd) ab, ba£ bas eine (innere) (Snbe beS @d)laudjeS ju einem Knäuel aufgenmnben ift. Sie traubenförmigen Prüfen finb aus mehreren Abteilungen ober vielen Süppchen (3. 33. bie ßeber) jufanv memgefept. £er 33efdjaffenl)eit nach bilben alle prüfen ein tveidfeS, aber oon einer feften §aut eingefd)loffeneS ®anjeS, baS aus einer großen Wenge fleinfter 33läsdjen ober ©djliindje jufammengefept ift. ®iefe 33täsd)en, burd) bereu $ornt unb Lagerung bie Prüfen iljre ©eftalt erhalten, finb ber ivefentlidje 33eftanbtheil jeber ©rüfe; in ihnen geljt bie Abfonberung vor fid). Wan nennt beShalb bie 33läsd;en bie „fecernirenben (abfonbernben) Elemente". £)er, für bie phpfiologifd)e Xhätigfeit ber prüfen ividjtigfte Xljeil ber 33läSd)en finb aber wieberum vielgeftaltige gellen, meldje bei ber ber fylüffigfeit bie größte 9tolle fpielen. Fig. 23, a) Sine fcf)taucO=, b) eine fnäitel= itnb c) eine traubenfönnige ®rüfe. 48 ©>te bes inenftfjltdjen Körpers. J)er Jieße«. ©ie ©rganifation be$ mcnfdjlidien ÄörpcrS. ©ie ßeBcnScrfdjcinungcn. ©er Stoffs ioedjfel unb ber Kreislauf beä Stoffeö, progreffhe unb rcgreffioe Stoffmetamorpljofe. ©ie Äoplenftofftljcoric. - ßnbosmofe, Kapillarität, Filtration, ülbforption, ©iffufion, cßemifcbc SBern>anbtfd)aft ber Stoffe, ,3ellentl)ätigteit,£)jpbation,KrIjaltung berÄraft. Organismen nannten wir alte belebten Körper Opiere unb SJZenfdjen), weil fiep bei ipnen - faft immer - eine aus Derfcpiebcnartigen Opeilen Don ganj beftimmtem 33au unb ganj be* ftimmter cpemifcper b. p. aus Organen, nacpweifen läpt. paben alle fjftenfcpen bie gleiche Slnjapl Don Organen, unb biefe bitben fid) aus ben im Dorpergepenben SIbfcpnitt befprodjenen „organifirten, organifdjen Subftanjen", ben (Geweben, inbem fiep meprere foldje Don Der* fepiebener ©tructur unb cpemifcper ju einem ©anjen Don beftimmter ©'eftalt unb eigentpümlicper Opätigfeit, b. i. eben ju einem Organ, Dereinigen. Oie Organifation beS menfdjlicpen Körpers ift alfo, mit wenigen gefagt, folgenbe: 3eber menfcplidje OrganiS* muS beftept aus einer beftimmten Don Organen, bie fid) aus Der* fdjiebenen ©eweben Ledere entftepen aus ben gormele* menten, welcpe fiep iprerfeitS burcp gellenbifferenjirung aus ben Derfcpiebe* neu äRutterjellen unb in lepter 3nftanj aus ber (Stelle perüorbilben. SBie fdjon turj erwäljnt, finb aber nidjt alle Sebewefen aus Organen jufammengefept. (*S giebt fogar Organismen, bie gar feine Organe be* fitzen. Oie Organismus für ßebewefen ift barum nidjt ganj jutreffenb, bejw. bie 3ufammenfepung aus Organen nidjt biefenige (Sigen* fdjaft, weldje bie ßebewefen fammt unb fonberS Don ben unorganifdjen 9iaturförpern unterfcpeibet OaS (Sparacteriftifdje für erftere finb Diel* mepr bie unter ben fog. ßebenSbebingungen (Öuft refp. ©auerftoff, SBaffer, Sßärme, Sidjt unb f. III. ®ap.) ju ©taube tommenben SebenSerfdjeinungen (Stoffmedjfel, SBadjStljum, Bewegung unb gortpflanjung). Oie pauptfädjlidjfte biefer (Srfdjeinungen ift aber ber (© t o f f w e dj f e l. Oie (Stiftens e^ncö ie^en Organismus ift Don Derljältnipmäpig furjer Oauer. biefer ßebenSbauer burdjläuft ber Organismus Der* fdjiebcne (SntwiiflungSftufen, SebenSabfipnitte ober Lebensalter; erentftept, wädjft, gelangt üieife unb gept, nadjbem er allmälig wicber an Sßoll* fommenpeit abgenommen, ju ®runbe. SßacpStpum, Bewegung unb Pflanzung fommen in gewiffen biefer LebenSftufen gar nidjt ober nur unDoll* 49 fommen ju Staube, ber Stofftvedhfel barf aber nie unterbrochen ober beeinträchtigt fein. 3ft bie£ ber $all, fo tritt ein; f)ört ber Stoffwedjfel ganz auf, fo enbet baS Seben, ber Organismus wirb jur Seicfje, in ber alsbalb bie organifdjer Materie zu unorganifd;er beginnt. Seben (im engeren Sinne) ift alfo im wefentlidjen ber Stoff* Wedjfel in ben Organismen, baS ununterbrochene gleidjjeitige Slbfterben unb 5Reubilben organifdjer refp. organifirter organifdjer Subftanjen in ben Pflanzen, Spieren unb W?enfdjen. (SS befteljt aber zwifdjen ben pflanzlichen Organismen einerfeits unb ben Shieren unb Hftenfdjen anbererfeits eine Verfdjiebenfjeit Ipnfidjtlid) ihres Verhaltens gegenüber bem Stoffmaterial ber unorganifdjen üftatur. ©em tljierifdjen Körper geljt befanntlidj bie gähigfeit ab, aus unorganifdjer 2)?aterie organifdje Stoffe zu bilben. ©arauS folgt, bah ben Stoffmedjfet zniM^en bem unorganifdjen Oteidj unb ben tljieri* fdjcn Organismen, foweit ber SidjverjüngungSprocep lepterer in Vetradjt iommt, vermittelt. Sie, bie Pflanze, ift bie SBerfftätte, in Welcher Unor- ganifdjeS in OrganifdjeS umgewanbclt wirb. ©iefe fog. progreffive Stoff* metamorpljofe ober organifdje Sljntljefe vollzieht fidj aber nur in Pflanzen, bie Shlorophpll (f. Organifdje ftarbftoffe) enthalten, unb zwar auf folgenbe Söeife: Unter SDiitwirfung beS SonnenlidjteS entziehen bie grünen (chloro* phpllhultigen) Pflanzen beftänbig ber £uft Äoljlenfäure, weldje burdf ben SltljmungSprocep ber ©Ijiere unb Sftenfdjen unb alle VerbrennungS* unb VerwefungSproceffe in bie Suft auSgeftrömt Ivar; fie zerlegen bann biefe Säure innerhalb ihres Organismus in $oljlenftoff unb Sauerftoff unb atljmen lepteren, bie SebenSluft für SSIjiere unb 2)?enfdjen, wieber aus. ©ie Pflanzen nehmen aber außer ber $oljlenfäure audj fortivährenb burd) Vlatt unb Sßurzel Gaffer, 9lmmoniaf unb SDHneralfalze auf unb bilben aus biefen unb bem (zurütfbehaltenen) jene hödjft venvidelten organifdjen Verbinbungcn, tveldje fpäter birect (Vflanjenfoft) ober inbirect (gdeifd)foft) bem thierifdjen Körper zugeführt werben, um iljm als 9iähr- fubftanzen zu bienen. ©ie organifdjen Stoffe, welche von ber Pflanze als Nahrung für ben thicrifdjcn Körper bereitet werben - gette unb (Siweifj* ftoffe - werben aber innerhalb beS tl)ierifd)cn Organismus von bem widjtigften ßebenSelement ber©h'ere unb3Jienfdjen, bem, von biefen birect aus ber Sltmofphäre entnommenen Sauerftoff einer langfamen Ver- brennung unterworfen unb fdjlicplid) in biefelben unorganifdjen Verbim bungen zerlegt, welche bie fünftlicfje Verbrennung unb ber VerwcfitngS- procef; ((Währung, f. organifdjer Subftanzen) liefern, b. h- iu Äohlenfäure, Vjaffcr, HJHneralfalze unb ftidftoffhaltige, halb in Slmmoniaf unb jerfallenbe VerbrennungSprobucte. ©iefe 50 ber Pon ber ''ßflanje gebilbeten organifdjen Stoffe innerhalb ber tljierijdjen Organismen nennt man bie regrejjioe Stoffmetamorpljoje. Sie liefert, wie wir jefjen, itjrerjeits wieber jene Stoffe, weldje bie 311m Slufbau ifyreS Körpers unb jum £eben braudjt. Oie Oljiere nnb SJfenjdjen einer jeits unb bie anberer jeits bertjalten fid) alfo, nochmals gejagt, ju bem Stoffmaterial ber unorgani* fdjen Di'atur wejentlidj öerfdjieben. Oie atljmet aus ber Suft Äoljlenfäure ein unb giebt an bie 2(tmojpl)äre Sauerftoff juri'uf; gugteid) fdjafft fie aus Unorganijdjem organijdje Subftanjen. Oiefe gelangen birect ober inbirect als 3?aljrung in ben tljierifdjen Körper, weldjer in fid) biefe organifdjen Oerbinbungen wieber jerlegt unb fie in ©eftalt ber urjprüng* lidjen Verbinbungen, weldje bie ber unorganifdjen 9latur entnahm, an biefe gurncfgiebt. Oie Verlegung ber organifdjen Verbinbungen im ttjierifdjen Körper gel)t aber burd) vor fid), b. I). burdj Ver- brennung ber Verbinbungen feitenS beS SauerftoffS, Weldjen bie auSatljmet, unb ber üon Ol)ier unb fDlenjdjen eingeatljmet wirb. Oer Sauerftoff Perbinbet fid) bei biefen Oji)bationSprocejjen mit Ä'ol)lenftoff unb wirb bann Pon Oberen unb W?enfdjenalS Äoljlenfäure wieber auSgeatljmet, unb bie Äol)lenfäure geljt bann wieber in ben über, u. f. f Oer ewige Kreislauf beS Stoffes burd) bie brei fReidje ber fJlatur Poll* jieljt fid) alfo in ber SSeife, bafj bem unorganifd)en fReidje Pon ber SQZaterial entnommen unb ju organifdjen Verbinbungen umgewanbelt Wirb, weld)e Pom tl)ierifd)en Körper wieber in unorganifdje Verbinbungen jerlegt unb als foldje an bie unorganifdje fftatur jurüctgegeben Werben*). Oanebcn finbct ein fortwäljrenber SluStaufd) oon $ol)Ienfäure unb Sauerftoff jwifdjen ber Ouft unb ben bejw. Oljieren unb 9D?enfd)en ftatt. 3m ju bem Seben im weiteren Sinne, bem ununterbrod)e= nen Stoffwedjfel in allen brei Oieidjen ber 9?atur, bejeidjneten wir ben Stoffwed)fel in ben Organismen als Seben 'm engeren Sinne. OiefeS verfällt nad) bem eben Oargelegtcn wieber in jwei 'ißljafen, bie progreffioe unb bie regreffioe Stoffmetamorpl)ofe, unb fo fönnen wir jefct baS für uns Wid)tigfte £eben, baS beS 9D?enfd)en, mit bem Stoffwed)fel in unfcrem Körper, b. Ij. mit ber regreffioen Stoffmetamorpl)ofe, ibcntificiren. . Oer Stoffwedjfel im tl)ierifd)en refp. menfdjlidjen £eibe unb burd) biefen audj alle anberen SebenSerfdjeinungen berufen, wie fdjon gejagt, auf ben VebenSbebingungen, auf ber 3ufu^r 9?al)rung, SBajjer unb Sauerftoff (Suft) unb bem Vorljanbenjein Pon £id)t unb SSärme. Stoff* *) SZatürlid) feljren otflanififie SuBfiatuen, toeldje nicßt in ff)ierifd)e Drflaniämen fltfctnflcn, aurf) nicht auf bem Umwege bunt) legiere, fonbern birect auS bem ißflanjenreicfj in baä SKineralreidj aurüct, inbem fie burd) gäulnijj, fünftlidje SSerbrennunci, u. f. w. (f• Strfefcunj or$anifd)er ©ubftanjcn) in ihre unorflanifcfyen Söeftanbtßeite Werben. 51 medjfel unb alle anberen 2ebenSerfdjeinungen finb ferner, nadj SInfidjt ber BJiffenfdjaft, nidjt ber 2luSfluß einer befonberen, außerhalb ber HJiaterie fteljenben „ßebenSfraft". Sie l>ßl)i)fiologie, biejenige BJiffenfdjaft, meldje fid) mit ber (Srforfdjung ber tfebenSerfdjeinungenbefdjäftigt, ift 311 ber ftreng moniftifdjen Ueberjengung gelangt, baß eS, um bie SebenSerfdjeinnngen ju erflären, feiner überfinnlidjen SebenSfraft bebarf; baf? vielmehr alle gebens* erfdjeinungen rein prfifalifdjdjemifdje Borgänge finb, bie ebenfo unmittel* bar von ber materiellen Befdjaffenljeit ber Organismen abhängig finb, mie alle pßpfifalifdjen unb djemifdjen Gigenfdjaften unorganifdjer Körper nur burd) bereu materielle ,3ufainmenfepung bebingt merben. derjenige ©runbftoff, ber bie eigenttjümlidje materielle 3ufammenfepung ber Orga* niSmen bebingt, ift aber ber Äotjlenftoff. Semnad) finb, mie bie fog. 01) l e n ft 0 f f 11) e 0 r i e" befagt, „lebiglidj bie eigentfjümlidjen, djemifdj* pljtjfifalifcfjen (Sigenfdjaften (Kräfte) beS ÄoßlenftoffS, unb namentlidj ber feft'flüffige Slggregatjuftanb unb bie leiste 3erfepbarteit ber Ijödjft eimeißartigen Äoplenftoffverbinbungen, biemedjanifdjen Urfadjen jener eigentümlichen BemegungSerfdjeinungen, burd) meldje fid) bie Organismen von ben SInorganen unterfdjeiben, unb bie man im enge- ren Sinne baS „gebe n" ju nennen pflegt?'*) Sie mid)tigften jener Borgänge (b. I). alfo djemifdjen unbpljpfifalifdjen (Kigenfdjaften beS Stoffes bejm. organifdjer Äofjlenftoffüerbinbungen), burd) weld)e bie ßebenSproceffe im2J?enfd)enförper juStaubefommen, finb aber: bie (SnboSmofe, bie (Kapillarität, bie Filtration, bie SIbforption, bie Siffu- fion, bie djemifebe Sßermanbtfdjaft ber Stoffe, bie 3ellentl)ätigfeit, fomiebie Ovation unb baS @efep ber (5rl)altung ber Äraft. Sie (SnboSmofe (=@intritt, and) (5poSmofe=5IuStritt ober nod) beffer SioSmofe==Surd)tritt genannt), auf meld)er 5. 53. baS Sluffaugen beS SpeifefafteS burd) bie 3ottcn ber Sarmfd)leiml)aut beruht, ift bie Ber- einigung jmeier Ftüffigteiten von verriebener Sid)te unb d)emifd)er 53e- fd)affenl)eit, meldje burd) eine Membran getrennt finb. Siefe Bereinigung gcl)t unabhängig vonjebem Srutfunterfdjiebe vor fid), oft fogarbem I)pbro- ftatifdjen Srurf**) entgegen, unb jmar berart, bajj ein SluStaufd) aller ober einzelner Beftanbtljeile ber ftattfinbet. 9iatür(id) fann bie (KnboSmofe, bei ber übrigens immer von ber bünneren O'Iüffigfeit eine größere DJienge auf bie Seite ber bidjteren tritt als umgefeßrt, nur ftatri finben, menn bie Sdjeibemanb (Membran) burd)bringlid) (porös) ift, unb außerbem bie Flüffigteiten d)emifd) vermanbt finb. *) «£>accfcl, 9?atürli(fie ©(f)öpfungSgcfd)id)te, XIII. **) ®er Iwbrof'tatifdje ift bcrjenige ©rucf, ben eine rubenbe SBafferfäule auf bie ©efäfjtoänbe auSübt. 52 ©ie Kapillarität ober = 9(njicpung iftneben ber KnboSmofe faft überall im menfdjlidjen Körper tpätig. Sie ift bieUrfadje, bap tropfbare F'lüffigfeiten in enge Oföpren, (Kapillaren, unb feine ©effnungen (53oren) einbringen unb bort bem (Sfefepe ber Scpwere entgegen emporfteigen; fie verleiht ben feften Subftanjen bie Fdpigfeit, Flüffigfeiten empfangen (man benfe an einen Scpwamm), unb veranlagt fo baS ©urdjtränfen aller organifcpen ®ewebe mit ernäprenber Flüffigfeit Dlatürlid) ift bie Kapillarität ebcnfo, wie bie KnboSmofe, an beftimmte 53e* bingungen gefnüpft, biein ber 93efcpaffenpeit ber Flüffigfeiten unb ber fRöpr* djen unb ''ßoren beftepen. Filtration ift baS ©urcptreten einer Flüffigfeit burdj bie nidjt intermoleculären, alfo gröberen eines ÄörperS unter bem Kinfluffe eines ©rucfeS. £Diit §ülfe ber fommen 3. 93. bie 2Xbfon= berungen beS 93luteS nad) 9iöpren unb £wplen pin ju Staube. © i f f u f i 0 n nennt man bie gegenseitige ©urepbringung non ®afcn unb Flüffigfeiten, opne bap babet eine cpemifdje 93erbinbung 311 Staube fommt; ein folcpeS ©emenge ift 3. 53., wie mir bereits wiffen, bie atmo* fppärifdje 8uft. KS giebt brei Slrten ber ©iffufion: ©iffufion von ®afen gegen ®afe, von Flüffigfeiten gegen Flüffigfeiten unb jwifdjen ®afen unb Flüffigfeiten. 91 b f 0 r p t i 0 n (93erfd)ludung ober Kinfaugung) ift ber Vorgang im tpierifepen Körper, bei weldjem fluffige Subftanjen in bie ®ewebc, vor* jugSweife aber in baS 93lut aufgenommen werben. ©ie d) e m i f dj e 93 e r w a n b t f d) a f t ber Stoffe unb bie gellen* t p ä t i g f e i t finb fdjon auSfüprlicp befprodjen worben, fo bafj pier nur nod) einiges über bie bereits meprfad) erwäpnte ©jpbation unb bieKrpaltung ber straft naepjutragen ift. © p p b a t i 0 n nennt man bie 93erbinbung beS SauerftoffS mit einem anberen Klemente refp. einer fauerfto ff freien ober fauerftoff armen 93er* binbung. ©abei wirb ber betr. Stoff, wenn er brennbar ift, von bem Sauerftoff unter glcicpjeitiger Söärmeentwidlung verbrannt, weSpalb man für ©ppbation amp 93erbrennung fagt, felbft wenn biefe opne Kr* jeugung von Sid)t vor fid) gept. 9llle Sebensvorgänge im menfdjlicpen Körper berupen auf ber ©ppbation ber Äörperbeftanbtpcile burdj ben, mit ber atpmofppärifdjen ßuft in ben Körper cingefüprten, b. i. eingeatpmeten Sauerftoff. ©urep ©ppbation wirb erftenS baS KrnäprungSmaterial, baS aus bem 93erbauungSapparat in baS 53lut übergetreten ift, jum 9lufbau beS Körpers gefepieft gemaept, unb zweitens baS im Körper abgenupte Material, bie fog. ®ewebSfd)laden ober KrmübungSftoffe, wieber aus bem Körper entfernt, inbem eS allmälig in anbere Stoffe jerlegt (verbrannt) wirb, bie jur 9luSfcpeibung aus bem Körper befäpigt finb. ©ie ©ppbation 53 ift brütens bie Quelle aller Bewegungen unb Äraftleiftungen beS Körpers, fowopl im Innern beffelben als aucf) nad) außen l)in, unb fdjließlid) ift fie eS and), welcpe bie jum Seben unb STfjätigfein unentbehrliche Sßärme (©gern ober animatifdje BJärme beS Ä'örperS) pervorbringt. Qiefe Söärmeerjeugung ift, wie oben fd)on angebeutet, mit jebem ber bret vorher genannten BerbrennungSproceffe im Körper verbunben. (Erhaltung b e r $ r a f t. $raft ift bie eines StörperS, auf einen anberen bewegenb einjuwirfen; Straft ift bie Urfache einer Bewegung. 3n ber 9?atur ift aber nirgenbs 9tnpe; überall in ipr finb alfo Kräfte tpätig, b. p. rufen Bewegungen pervor. (£S giebt jwei Slrten von Bewegungen: erftenS für uns nidjt wapr= nel)mbare-bie 3)lolecularbewegungen, b. p. bie von ben SJlolecularfräften hervorgerufenen, pin- unb Ijergetjenben (ScpwingungSbewegungen ber Sltome unb ihrer Sletperpüllen. 3:n iljnert finben wir ben ®runb für alle (Srfcpeinungen beS SebenS, ber 2Bärme, beS ßidjteS, ber Glectricität, u. a. m.; leptere finb nur Wbificationen von Btolecularbewegungen. ®ie zweite 2lrt ber Bewegungen finb biejenigen, weldje wir ertennen fönnen, bie Be= wegungen großer Waffen, bie fogen. „medjanifdjen, DJlaffem ober Blolarbe- wegungen"; aud) fie finb nur Blobificationen von Blolecularbewegungen. Qie SJMecularbeWegungen tonnen nämlid) in SJtaffenbewegungen umgefept werben, unb umgefeprt. <So tann 3. B. SÖärme (bie Bewegung ber Sltome unb iprer 2letperhüllen, alfo eine Btolecularbewegung) in 9J?af= fenbewegung, wie beim Arbeiten einer Qampfmafdjine, umgewanbelt werben, unb umgefeprt erzeugt baS Arbeiten einer W?afd)ine wieber BSärme. (Sbenfo tonnen bie verfdjiebenen DJlaffem unb Btolecutarbewegungen in einanber übergefüprt werben. Bei allen biefen Borgängen gept aber fein STf)eiI{f)en ber $raft verloren, benn bie Umfepung vollzieht fidj nad) be= ftimmten ©leidjgewidjtSjahlen (2lequivalenten), unb wo immer eine Äraft fdjeinbar verloren gept, verwanbelt fie fidj nur in „Spanntraft", b. p. bie in Bewegung befinblicpe Straft tritt in ben latenten ober rupenben $uftanb, aus welchem fie jeberjeit wieber in „lebenbige (in Bewegung befinblicpe) Äraft" umgefept werben tann. Qie $raft veränbert bemnad) immer nur ipre $orm, ift aber, wie bie Materie, ewig unb unvertilgbar, Weber ju ver= mepren nocp ju Verminbern. 91ad) bem von ber 2?aturwiffenfd)aft fo begrünbeten „®efep von ber (Srpaltung ber Äraft", baS fid) uns im Anfang bicfeS BudjeS fdjon als eine logifdje gorbcrung ergab, vollziehen fid) aud) alle BewegungSerfd)einungen unb St'raftleiftungen im menfcplicpeu Körper. Qie auf benfelben einwir* fenben Kräfte gehen in ihm nur in eine anbere fsorm über. 54 <S>famntes(je(djtdjte bes Sic ©ntaicflung be§ SBeltallS, ber beS SWenfdjen auS ber Urmaterie. .Qant'S foSmologifefje ®aett)eorie, Samarct'S ®cScenbenjtfyeorie, ©arwin'S (Selec* tionStljcorie. SBercrbung unb Slnvajjung, „Äampf um ba3 iSafein" urtb „stampf um bie 6()e". Strten* unb SiaffenbÜbung.-SSerföftnung non SBiffenfcfyaft unb ©taube. ©ie Siaturwiffenfdjaft lehrt uns, bah bie Materie unb bie an il)r wirf* famen Strafte ewig unb unzertrennlich finb, unb bah alles Oorl)anbene aus ber Materie, b. I). aus einer verfchiebenartigen SBerbinbung ber Orunbftoffe, nad) ewigen unb unabänberlirfjen 9tfaturgefehen hervorgegangen ift, welche in ben Straften ber Materie begrünbet finb. ©ie Slaturwiffenfdfaft fennt feine außerhalb ber Materie ftehenbe „fd)öpferifd)e" Straft. 23om Staub* punft biefer „medjanifdjen ober caufalen" 2Öeltanfd)auung aus giebt eS Weber eine Sd)öpfungSgefd)id)te beS SBeltallS nod) eine abfolute Sdjeibe* wanb zwifdjen anorganifdjer unb organifdjer Statur. Sludj ber hödjft orga* nifirte Organismus, ber £D?enfd), ift nach biefer Statnrauffaffung nur ein ber Gntwid'lung aus berfelben Urmaterie, aus ber fid) baS ganze Weltall gebilbet hat. Söei einer ©arftellung ber StammeSgefdjidjte t>eS Wten* fd)en wirb es beSljalb notljwenbig fein, and) bie (5ntwidlungSgefd)id)te beS ganzen Weltalls, wenigftenS in ihren allgemeinen ©runbzügen, barzulegen. 3m 3at)re 1755 fteltte Staut in feiner „Sillgemeinen 9taturgefd)id)te beS Rimmels" eine Oljeorie von ber (5nftel)ung beS SBeltgebäubeS auf, welche 41 3al)re nadjljer von bem franzöfifdjen DJtatl)ematifer £aplace neu gewonnen unb von biefem unb anberen (belehrten auSfüljrlidjer begrünbet würbe, ©iefe Stant*£aplace'fd)e „StoSmogenie" behauptet, bah t>aS ganze Weltall vor unvorbentlidjen $eiten ein ©unft=OI)aoS, ein ©urcheinanber gleidjartiger bunftförmiger DJtaffe war, in Welchem alle, heute auf ber ßrbe unb allen anberen Söelttljeiten in irgenb weldjer $orm ober iöefdjaffenheit fid) vorfinbenben Stoffe fd)on „im Äeime", b. !)• alö Urmaterie, vorljanben waren, ©iefe ©unftmaffe, weldje gleidjmähig baS ganze SSeltall erfüllte, bcfanb fid) in eines auperorbentlid) hol)eu ©emperaturgrabeS in äuperft bünnem, gaS* ober luftförmigem ©id)tigfeitSzuftanbc. ©urd) eine allgemeine ©rel)bewegung löfte fid) aus bem unenblidjen ©unft eine Sin* Zahl nod) gasförmiger, aber bereits mehr verbidjteter klaffen ab, bie auf bie nod) nid)t in Bewegung befinblidje ©unftmenge als SlnziehungSmittel* punfte wirften. So lid)tete fid) ber Urnebel, unb bilbeten fid) aus ber einen, Zufammenl)ängenben ©aSmaffe verfdfiebene, in ftetem 2>erbid)tungSproceh begriffene ©aSbälte. SßaS wir heute unfer Sonnenfpftem nennen, war vormals nichts als einer jener ungeheuren ©aSbälle, beffen ©l)e^e fi<h 55 fämmtlicp um bett Sonnenfern brepten, b. I). um bas gemeinsame Zentrum, baS fid) bort befanb, mo peute bie (Sonne ift. Sie urfprünglidje ©eftalt beS VatleS änberte fid) nad) unb nad), in $olge ber Rotationsbewegung, in bie einer abgeplatteten Äugel um. Sie rotirenben Speildfen berfeiben würben burd) bie Eentripetaltraft immer näper an ben ÜRittelpunft peran* gezogen, woburcp ber Vall fid) immer mepr Derbidjtete. ©teicpzeitig wirtte bie Eentrifugalfraft bapin ein, ba£ bie peripperifdfen Speildjen Weiter unb weiter Dom HRittelpunfte entfernt würben. Sobalb nun bie letztgenannte Äraft, am Slequatorialranbe beS ValleS, wo fie naturgemäß am ftärfften war, baS Uebergewidjt über bie Eentripetaltraft erlangte, löfte fid) von bem fid) brepenben 4öalte eine ringförmige äRaffe ab, bie fdjließlid) jerbarft unb fid) ju einer Äugel, b. I). zu einem Planeten, Derbicptete. Siefer brepte fid) einerfeits um feine eigene 2ld)fe, anbererfeitS befcprieb er um ben Eentral* törper eine burd) ben urfprünglicpen Sunftring üorgezeidjnete Vapn. So entftanben bie Planeten, auf gleiche VSeife löften fid) non biefen Ringe ab, weldje fid) zu SRonben Derbidjteten. Rad) ber Äant*Saplace'fd)en ÄoSmogenie, gegen bie fid) manche ge* wichtige Vebenten auf werf en taffen, ol)ne baß es freilid) gelungen wäre, biefe Speorie burd) eine beffere zu erfepen, ift alfo unfere Erbe aus einer bunftförmigen SRaffe perDorgegangen, bie fid) Don außen nad) innen immer mepr Derbicptete, bis fdjließlid) eine bünne, fefte Rinbe einen feurig*flüffi* gen Äern nmfdjloß. „Sie erfte ErftarrungSfrufte wirb bie (an ben abgeplattete) Erbfugel als eine glatte Scpale gleichmäßig überzogen haben. Valb würbe biefe aber uneben unb pöcferig. 3nbem nämlid) bei fortfdfrei* tenber Slbfüplung ber feurig*flüffige Äern fid) mepr unb mepr Derbidjtete unb sufammenjog, unb fo ber ganze ©rbburdjmeffer fid) üertleinerte, mußte bie bünne, ftarre Rinbe, Weldje ber Weicheren Äernmaffe nidjt nacpfolgen tonnte, über berfelben Dielfad) jufammenbred)en. würbe jwifd)en bei* ben ein leerer SRaum entftanben fein, wenn nid)t ber äußere $ltmofpf)ären* brmf bie jerbred)lid)e $Rinbe nad) innen hinein getrieben hätte. Slnbere Unebenheiten entftanben wal)rfd)einlid) baburd), baß an Derfdpebenen Stel* len bie abgetül)lte Qtfnbe burd) ben ©rftarrungöproceß felbft fid) jufammen* 30g unb Sprünge ober SRiffe befam. Ser feurig*flüffige Äern quoll Don neuem burd) biefe Sprünge herDor unb erftarrte abermals. So entftanben fd)on frühzeitig mancherlei Erhöhungen unb Vertiefungen, Welche bie erften ©runblagen ber Verge unb ber Später würben. „9?ad)bem bie Semperatur beS abgetüplten ErbballeS bis auf einen gewiffen ©rab gefunten war, erfolgte ein fepr wid)tiger neuer Vorgang, nämlid) bie erfte Entftepung beS VßafferS. SaS VJaffer war bisper nur in Sampfform in ber ben Erbball umgebenben Sltmofppäre Dorpanben ge* wefen. Offenbar tonnte baS VSaffer fid) erft ju tropfbar*flüffigem 3uftanbe 56 berbidjten, nadjbem bie Temperatur ber Sltmofpljäre bebeutenb gefunfcn war. Shm begann bie weitere Umbilbung ber Orbrinbe burd) bie straft beS SßSafferS. 3nbem baSfelbe beftänbig in $orm twn Stegen nieberfiel, hierbei bie (Erhöhungen ber (Erbrinbe abfpülte, bie Vertiefungen burd) ben abgefpülten Sdjlamm ausfüllte unb biefen fd)id)tenweife lagerte, bewirfte es bie außerorbentlid) widjtigen neptunifdjen Umbilbungen ber (Erbrinbe, welche feitbem fortbauerten."*) $ür bie moniftifdje SÖettanfdjauung ift bie (Entfteljung beS tropfbar* flüffigen SÖafferS nod) in anberer §infidjt von ber größten Vebeutung. Offenbar tonnten fid) auf ber (Erbe erft nad) Verbid)tung beS SBafferS $u tropfbarer $orm Organismen bilben, ba festere ohne SluSnaljme jum großen ober größten Ttjeil aus tropfbar*flüffigem Söaffer beftefjen, baS fid) in eigentl)ümlid)er SBeife mit anberen SJlaterien üerbinbet unb biefe in ben feft*flüffigen Slggregatjuftanb Stad) Slnfidjt ber SZaturwiffenfdjaft haben alfo bie irbifdjen Organismen nid)t üon jeljer ejiftirt, fonbern finb ju irgenb einer $eit, nad) Verbidjtung beS SöafferS gu tropfbar*flüffiger $orm, sum erften SJial entftanben, unb jwar aus unorganischer SStaterie. Oie (Entftehung ber erften Organismen wirb nun auf fotgenbe Sßeife erflärt. Söir erfuhren, baß baS (Sßaracteriftifdje ber Organismen, bie £ebenSerfdjeinungen, rein pl)i)fifalifd)*d)emifd)e Vorgänge finb, bie ißre Ur* fad)e in ber materiellen ber ßebewefen ßaben. Oer ©runbftoff, weldjer biefe bebingt, ift ber $ot)lenftoff, unb fo muffen wir laut ber „Äol)lenftofftl)eorie" alle SebenSerfcßeinungen in leister Sinie auf bie (Sigenfcßaften beS ÄoßlenftoffS juriitffußren. ©inen Oßeil ber Weldje fid) im tßierifdjen Körper üor* finben, tonnen wir aber auf fünftlidjem VSege ßerftellen, „fo baß alle 2IuS* fid)t üorljanben ift, aud) bie am meiften jufammengefelften unb jugleid) bie Wicßtigften bon allen, bie ßiweißoerbinbungen ober 'ißlaffonförper, früher ober fpäter tiinftlid) in unferen eßemifdfen SBertftätten ju erzeugen." Oa* burd) fei, fäßrt a. a. O. fort, bie tiefe $luft jwifdjen organifdjen unb unorganifd)en Körpern, bie man früher allgemein feftfpelt, befeitigt, unb bie S)töglid)feit erwiefen, baß fid) aus unorganifd)en Stoffen auf rein natürliche, nur burd) baS 3ufammentreffen ber betr. Stoffe bebingte Sßeife Vlaffon ober b. I). jene eiweißartige Äoßlenftoffüerbinbung gebilbet Ijabe, jene aus Weldjer alle Organismen ßerbor* geßen. $ür biefen, Urzeugung ober Slrcßigonie genannten VilbungSproceß ber erften Organismen aus unorganifdjer DJtaterie werben nod) mancherlei Sinologien jwifdjen unorganifdjen unb organifdjen Körpern angeführt, auf *) SZatürlidje <Sdjöpfunfl£ge[(f)idjte, XIII. 57 bie wir nid)t weiter einjugeßen brauchen. Sßoljl aber müffen wir uns l)ier nodj mit ben fd)on erwähnten 'fkotiften, SOloneren ober be= fdjäftigen, in weldjen bie Wurwiffenfcfjaft ißren widjtigften beweis für ben Vorgang ber Urzeugung fiel)t. Moneren finb in vollfommen auSgebilbetem $uftanbe nidjts weiter afö ein ftructurlofeS $lümpd)en einer eiweißartigen Ä'oßlenftoffoerbinbung. Oiefe $lümpd)en, bie I)öd)ftcnS bie ©roße eines StecfnabelfopfeS Ijaben, finb aber Sebewefen, „Or- ganiSmen ol)ne Organe"; unter bem WHfroffop tonnen wir alle LebenSerfdjeinuw gen an iljnen beobachten. <Sie bewegen fid)*), wobei fid) an iljrer Oberflädje firn gerartige fogen. Sdjeinfüße, bilben; fie finb für $)teije empfänglich unb ernähren fid;, inbem fie Heine $örperd)en, bie jur (5rnäl)rung tauglich finb, uad) unb nad) umfdjließen unb (burd) (SnboSmofe) verbauen; fie pflanjen fid) fort, inbem fie fid), fobalb fie burd) Slufnaljme frember (giweißmaterie eine gewiffe ®röße**) errcidjt tjaben, felbft feilen (f. fyig. 24). Oie SRoneren finb alfo Lebewefen. Oie ßntftel)ung eines erften Organismus aus unorganifdjem Stoffe, b. I). ber Vorgang ber Urzeugung ift nodj niemals beobachtet ober burd) d)cmifd)e ßjrperimente nadjgewiefen; er ift alfo nur eine, vom moniftifdjen Stanbguntte aus, notfjWenbige §l)potl)efe. ®leidjwof)l müffen wir juge- ben, baß bie ßntfteßung ber Wloneren burd) Urzeugung bentbar ift. Sein bem wir biefe niebrigften Organismen fennen gelernt tjaben, bie nur aus einer formlofen djemifdjen Sßerbinbung befteljen, wie wir fie äßnlid) in uw feren djemifdjen Laboratorien fünftlid) Ijerjuftellen vermögen, Ijat bie 2(w naljme einer Urzeugung viel an llnwaljrfdjeintidjfeit verloren. Oer naturwiffenfdjafttidje Zionismus gel)t nun weiter, inbem er be* Ijauptet, baß fid) aus ben Moneren, von benen wir Ijeute mehrere Wirten unb (Gattungen fennen, ober aus äßnlidjen, burd) Urzeugung aus anorga- Fig. 24. Sloneren unb it;re gortpftanjung. a) Sin SWoner, - b) betreibe tljeilt ftcb burd; felbfttbätige Sinjdjniintng in jtoei Hälften, c 1 unb c 2) ®ie beiben Hälften Ijaben firf) bon einanber getrennt unb finb ju felbftftänbigen SJtoneren geworben. *) 9?atürlicb ift bamit nur eine friedjenbe, fügen, amoeboibe SBetoegung gemeint, bie berart von ftatten gebt, bafj baS (Sdjleimflümjjcnen einen Streit feiner SKaffe (©d)ein = füfjje) öorfduebt unb benanbercn bann nadjjiebt. **) ©er Sbeilungttyrocefi e'n' 5D?oner, 2Imoebe, u. f. m. ju grofj gemor= ben finb, um ficö burct) bie abforbirenbe ©berftäcbe ißreS ju ernähren. 58 nifcper Materie entftanbenen Stebewefen alle, aud) bie volltommenften, Organismen entnncfeit paben. Oiefer ©runbgebanfe aller natürlichen ßrntwicflungStpeorien, von beut fiel) fdjon ©puren im Slltertpum vorfinben, würbe im Oapre 1801 junt erften DRale von bem franzöfifdjen Raturppilofoppen 3ean Samarcf mit aller | 53eftimmtpeit auSgefprocpen. $war finben wir bereits (5nbe vorigen 3apr* punberts in ©epriften von ©octpe, Äant u. a. eine Slnjal)! pöd)ft wichtiger ülusfprüdje zerftreut, weldje benfelben ©ebanfen beutlid) erfennen laffen; allein bie erfte jufammenljängenbe unb bis zu allen donfequenjen burepge* fitprte Oarftellung ber SlbftammungSlepre (OeScenbenztpeorie) verbauten wir Samartf, in beffen 1809 erfdjienenem ("Philosophie zoologique") jene Opeorie auSfüprtid) begrünbet würbe. (5S würbe zu weit führen, bie welche bie ßamarcffdje Opeorie f. 3t. gefunben pat, näher zu befpredjen; für biefen Umriß ber ®efcpid)te ber in ber Raturwiffenfdjaft jeUt gültigen natürlichen (5nt* widlungStpeorie genügt eS feftjuftellen, baß bie Eamarcf fdje ßepre jahrelang unbeadjtet blieb, tropbem fid) anbere ©eleprte gleichzeitig mit unb nad) ßamarct in äpnlicper SBeife für bie (Sinpeit ber anorganifepen unb organi* fepen Ratur auSfpradjen. Oer ®runb biefer auffälligen Ridjtbeadjtung lag in ber großen Autorität, weldje ein anberer franjöfifd)er Raturforfdjer, (Suvier, in ber erften biefeS 3aprpunbertS in ber Sföiffenfcpaft patte, duvier bepauptete aber im ©egenfah zu Vamarcf, baß bie ©efepiepte ber Grbe feit ber 3eit, feit weldjer lebenbe SBefen auf ber ßrbrinbe auftraten, in eine ülnjapl vollfommen getrennter ober jer' falle, unb bajj bie einzelnen 'f.krioben burep eigentpümlidje Umwälzungen unbetannter Statur, burep Revolutionen ober $ataflpSmen), von einanber gefepieben feien. 3ebe Revolution pätte junäepft bie voll* tommene 33ernid)tung ber bamalS lebenben Opier* unb Pflanzenwelt jur ftolge gepabt, unb nad) iprer SBeenbigung pätte eine vollftänbig neue, über* ftnnlicpe ©cpöpfung ber Organismen ftattgefunben. 3U tiefer „®ata* ftroppentpeorie" gelangte (Suvier burep feine paläontologifdjen b. p. Unterfudjungen über bie in ber (Srbe liegenben 23erfteinerungen von organifdjen Körpern. Oie (Srbrinbe beftept nämlid), wie wir bei jebem fenfredjten Ourdjfdjnitt berfelben fepen tonnen, aus Ver* fepiebenen, über einanber liegenben ©djidjten, weldje fid), wie Wir fdjonfurj erwäpnt, aus bem SÖaffer abgefept paben, unb zwar in beftimmter piftori* fdjer Reihenfolge. Oiefe ©cpid)tungSperioben, weltpe mit ben ßuvicr'fd)cn RevolutionSperioben zufammenfallen, finb burd) verfepiebene djaracterifirt. ßuvier glaubte nun irrtpümlidj, bap niemals ein unb biefelbe Opierart in zwei auf einanber folgenben ©cpidjtengruppen fid) vorfinbe, unb fo gelangte er zu ber SSorftellung, bajj eine Reipe von ganz verfd)iebe= 59 neu „ScpöpfungSperioben" auf einanber gefolgt fei. ©iefe tpeorie, obwopl fdjon feit 1830 burd) ben (Englänber Spell aus bem (gebiete ber (Geologie berbrängt, blieb boepnoep lange 3eit nadjper in berorganiftpen ERaturwiffenfdjaft in popem SInfepn. (ES ift ein feltfamer Bufall, baß genau ein palbeS 3aprpunbert nadj bem(Erfd)einen ber "Philosophie zoologique" unbfaft juberfelben $eit, als ber (geologe SouiS Slgaffij*) ben 23erfucp madjte, bie $ata* ftroppentpeorie neu ju begrünben, bie Samard'fcpe ©eScenbenjtpeorie eine auf (Erfaprung berupenbe, wiffenfcpaftlicpe 4BafiS erpielt. 3 war Patte Samarcf fdjon nadjgewiefen, bafs bie (Entwicklung ber pöcpften Organismen aus einer ober mehreren Stammformen auf jwei pppfiologifcpen ©runb' eigenfepaften jebeS Organismus berupen muffe, auf ber ftäpigfeit ber 33er= erbung unb ber ber Slnpaffung, allein eS blieb bem englifdjen SRaturforfcper (EparleS ©arwin borbepalten, bie SSSedjfelwirfung ber beiben organifdjen EBitbungStriebe, ber Werbung unb SInpaffung, §u begrünben, unb jwar burep bie ober SelectionStpeorie**). ©er englifdje 9?ationaloeconom EDMtpuS patte (Enbe hörigen 3apr= punberts ben (grunbfap aufgeftellt, baß ber Staat, im $ntereffe beS (Sanken, baS Söadjstpum ber iöebölterung gewaltfam befepränten muffe, bamit fie in ein Wpältniß ju ben (Epiftenjmitteln trete, ©arwin iuieS nun nadj, bap bie 9?atur felbfttpätig eine foldje unb jirar nidjt bloSben W?enfdjen, fonbern allen Organismen gegenüber auSübe. ©ie 3apl ber möglidjen organifepen bie gegeben ift burep bie .ßopl ber (Eier refp. Meinte, weldje bie Organismen erzeugen, fei biel gröper, als bie 3aPt ber 3nbibibuen, meltpe tpatfäcplicp auf ber (Erbe leben, ©ie bei weitem größte 3apl aller Meinte gept in ber früpeften SebenSgeit ju ®runbe unb nur berpältnißmäßig wenige, beborjugte gelangen baju, ipr ©efcplecpt fortjupflaujen. ©ie Urfadje biefer natürlitpen Wfcpränfung ber SSermeprung ber Organismen liegt in ben Sßecpfelbejiepungen, in Welcpen alle Organismen fidj ju iprer organifepen unb unorganiftpen Umgebung befinben. $eber Organismus tampft bon Anbeginn feiner an mit einer Slnjapl bon feinblüpen (Sinflüffen; er tämpft mit Spieren, Weldje bon ipm leben; er tampft mit anorganifepen (ginflüffen ber berfepiebenften Slrt, mit Temperatur, Witterung unb anberen Umftänben; er tämpft bor allen ©ingen mit ben ipm äpnlicpften, gleidjartigen Organismen um bie *) Slgaffij, ber Icfete bebcutenbe unb berühmteste Slnljängcr Gurter'ö, lebte längere $eit in ben 23 er. Staaten, wo er auch im Sabre 1873 geftorben i(t. ©as betr. 2ßerf er= Schien in 93oSton unter bem SEitel: "An Essay on Classification." **) iSt alfo ein (häufig borfommenber) Sjrrthum, bie gefammte ®ntibi(flungg= lehre als ©arwiniSmuS 31t bezeichnen. SO?it Siecht wirb nur bie fo ge= nannt, b. h« Jener SEIjeit ber SntWtcKungSlchre, welcher bem anberen, ber ßamarif'fcben ©cSccnbenjtbeorie, ein gunbament gegeben hot. 60 (Erlangung ber unentbeprlidjften (Eyiftenzmittel, weldje in ber Oeconomie ber Statur nirgenbs fo reicplicp vorpanben finb, baß fie für bie $apl ber möglichen genügen. ©iefer üon ©arwin „$ampf nm baS ©afein" genannte SBettfampf nm bie SebenSbebürfniffe finbet überall nnb jeberjeit bei benSJtenfdjen unb Spieren, wie bei ben Pflanzen ftatt. (Er bewirft, bap bie Organismen fid) ben Serpältniffen, in benen fie zum „Kampfe um baS ©afein" gezwungen finb, a n p a f f e n nnb fo vervollfommenen. Siatürlicp werben bie üeroofb fommnetften aus jenem Kampfe als Sieger pervorgepen, unb in biefem „Ueberleben ber ©eeignetften" (survival of the Attest), wie es Spencer genannt pat, geigt fid) bie oben erwähnte felbfttpätige Sefdjränfung ber Sermeprung ber Organismen feitenS ber Statur. ©ie „©eeignetften", unter benen ber „®ampf um baS ©afein" um unterbrochen fortbauert, paben nocp einen anberen ftampf unter fid) zu beftepen, bei bem, im Oegenfap pm Äampf um bie inbiüibuelle (giftens, nicpt bie Selbfterpaltung, fonbembie(5rpaltung berSlrt, bie Fortpflanzung, baS SJtotiü beS Kampfes ift. Sei biefem „Kampfe um bie (Epe", in bem wieberum bie üollfommenften Onbivibuen über ipre minber üollfommenen Stebenbupler fiegen, gefeilt fiep alfo bepufS Fortpflanzung baS jeweils voll* fommenfte 3nbivibuum zu bem ipm begeprenswertpen, alfo jebenfalls and) auf einer Stufe poper Sollfommenpeit ftepenben anberen (SfefdjlecptS. ©ie Summe ber elterlichen Vorzüge ü e r e r b t fid) aber auf ben Stad)- fommen. ©iefer verüollfommnet fiep feinerfeitS wieber im „Kampfe um baS ©afein" unb vererbt, falls er aus biefem Kampfe unb bem um bie (Epe als Sieger perüorgept, niept nur bie felbft erworbenen, fonbern auep bie von feinen (Eltern ererbten Vorzüge auf feine Stadjfommen. ©aß burcl) biefe Söecpfelwirfung üon Slnpaffung unb Vererbung im Saufe von Millionen von 3apren (unb mit foldjen müffen wir bei einer Seurtpeilung beS orga- nifdjen SilbungSproceffeS auf ber (Srbe redjnen!) ber pöcpften Sollfommenpeit pervorgebradjt werben fönnen, ift benfbar. SSie entftanben nun aber aus ber ober ben einfad)en Stammformen (Moneren) bie vcrfdjiebenen Wirten von Organismen? Ebenfalls burd) ben „stampf um baS ©afein." ©erfelbe entbrennt zwifepen je zwei OrganiS« men um fo peftiger, je näper fid) biefelben in jeber Seziepung fiepen, je gleichartiger fie finb. ©er ®runb ift leid)t erfieptlid): wäprenb gleicpartige Organismen um biefelben ©jiftenzmittel zu fämpfen paben, fönnen um gleicpartige, bereu (Srpaltung nid)t üon benfelben Sebingungen abpängig ift, fid) frieblidj neben einanber entwicfeln. ein unb berfeiben Stabt tann, um ein Seifpiel anzufüpren, eine beftimmte Slnjapl von §anb= Werfern nur leben, wenn biefelben üerfdjiebene (bewerbe treiben. Sille 61 organifdjen -Qmbibibuen paben beSpalb nidjt nur bie Steigung, fid) burdj Slnpaffung ju beroollfommnen, um in bem „Kampfe um baS Safein" fieg* reidp ju bleiben, fonbern and) bie, fid) burd) Slnpaffung anbere SebenSbe* bürfniffe ju fcpaffen, um jenem Kampfe auSjuweid)en. ßeptereS -Qteftreben pat eine SSeränberung ber Spätigfeit jur $olge unb biefe bewirft iprerfeits eine §eroorbilbung ungleidjartiger formen aus gleichartiger ©runblage, b. p. bie burd) Slnpaffung beränberte Spätigfeit wirft umbilbenb auf bie fyorm beS betr. Organismus jurücf. Oiefe beränberte gorm wirb burd) Vererbung auf bie 9iad)fommenfdjaft übertragen unb bon biefer weiter ber* änbert. Oap im fpäteren Verlauf ber Singe, nadjbem fid) aus ber Stamm* form meprere Slrten gebilbet, and) bie SSermifdjung berfdjiebener Slrtenjur Gilbung neuer wefentlidj beigetragen pat, fei nod) turj erwäfjnt Sie (5rbfid)feit, b. I). bie ber Vererbung, unb bie SSeränber* fidjfeit, b. p. bie fyäpigfeit ber. Slnpaffung, jwei pppfiologifcpe ©runbeigen* fdjaften beS Organismus, bie allen Spieren bejw. 2)tenfd)en unb ißflanjen gemeinfdjaftlid) finb, erflärenatfo nacpSarwin, wie bie ßntwicflung (53er* bollfommnung unb Sifferenjirung ber bor fid) gegangen ift. Sap biefe (Sntwicflung eine Stetpwenbigfeit war, ift in bem DJtipberpältnip jwifcpen gleichartigen Organismen unb ber geringen Wtenge ber für biefel* ben notpwenbigen (Syiftenjmittel, b. p. in bem baburdj bebingten „Kampfe um baS Safe in", begrünbet. Sie Gntwicflung aller Spier* unb ißflanjenarten fann aber bon ent* Weber einer einzigen ober bon • mepreren, pödjft einfadjen Stammformen ausgegangen fein. Sief er fdjeinbar bebeutenbe Oegenfap jwifdjen ber einftämmigen ober monopppletifdjen unb ber bielftämmigen ober polpppp* Ietifd)en SeScenbenjpppotpefe ift aber nur bon geringer 5Sid)tigfeit, benn es ift für bie SlbftammungSlepre als foftpe belanglos, ob fid) eine ober mcprere Stammformen aus unorganifdjer Materie gebilbet paben. SaS 2Bid)tige ift, bap jebe Stammform burd) Urzeugung entftanben ift, bap bie (Sinpeit ber anorganifdjeu unb organifcpen 9?atur nidjt in $rage geftellt ift. 9iad) Sarwin paben bie fieben Stämme beS SpierreidjS unb bie fed)S Stämme beS je eine gememfame Stammform, animale refp. begetabile WZoneren; jwifcpen beiben formen fiepen neutrale 9J?one* reu, aus benen bie fog. ißrotiften perborgegangen finb, b. p. Urwefen, wie bie nod) peute borfommenben Moneren, bon benen mannidjt weip, ob man fie jum ißflanjen* ober Spierreid) redjnen foll. Sille brei Slrten bon Stammformen entwicfelten fid) aber aus ardjigonen Moneren, burd) Ur* jeugung entftanbenen Sie lepte (Sonfequenj ber SeScenbenjtpeorie, bap fid) ber DJienfd), wie alle anberen organifdjen 5ßefen, burd) allmälige Umgeftaltung (in golge bon Slnpaffung unb Vererbung) aus früper oorpanbenen Organismen 62 unb burd) bie ganze Dleilje feiner tljierifdjen Sßorfatjren fjinburd) in fester 3nftanz aus ber arteigenen SJlonere bezm. aus anorganifdjer Materie ge® bilbet tjat, mürbe von ©armin erft im Öaljre 1871 gezogen, nadjbem fiel) fdjon vorher anbere ©elefjrte zu iljr befannt hatten. 2Bie biefe (Sntmidlung vor fid) gegangen fein foll, in feiner „(Sntmid:lungSgefd)id)te beS ■'Dtenfdjen" genealogifd) bargetljan. ©urdj Urzeu® gung entftanben fogen. Urcijtoben, ardjigone Wo® neren, gleidj ben heute nodj lebenben (f. ftig. 24). Sius biefen entftanben burd) Sßerbicfjtung ber in® nerften zu einem $ern, b. I). burd) ©ifferenzirung von centralem $ern unb peri® pljerifdjem Beüftoff, bie Urzeiten, mit $ern, aber ohne §ülle. SXetjnlidjje „einhellige Organismen" haben mir heute nod) in gemiffen z> 53. ben im ©üfjmaffer unb and) im Weere unb auf feuchter (Srbe lebenben Slmoeben (f. $ig. 25). ©ie tfjierifdje unb pflanzlidje (Si® gelle, b.Ij. ber (SlementarorganiSmuS, ans meldjem fid) alle heutigen animalen mie vegetabilen Or® ganiSmen burd) Gifurdjung unb fpätere ©ifferenzirung ber gellen hervor® bilben, ift meiter nidjtS als eine foldje Urgelbe, meldje in golge von SSerbidj® tung ber äußeren ''ßrotoplaSmafdjidjt von einer §ülle ober Wembran um® geben fein tann. ©urdj mieberfjolte Selbfltljeilung unb bleibenbe SSerei® nigung ber ©he^un9§Pro^ucte entftanben aus ben einhelligen Urtieren meljrhellige, meldje als 2lmoeben®®emeinben beheidjnet merben. Son l)ier an braudjen mir bie (5inhell)eiten beS §aedel'fdjen Stammbaumes beS 9)?enfd)en nidjt mehr hu verfolgen, ©urd) bie in von 3lnpaffung unb Vererbung ju ©taube fommenbe, immer meiter fortfdjreitenbe ©iffe® renjirung ber mehrzelligen thierifdjen Organismen entmidelten fid) im Saufe von 9DHllionen von fahren meljr unb mehr entmicfelte, immer höher organifirte Sebemefen, bis aus 2Renfd)enaffen Slffenmenfdjen unb 2)2enfd)en mürben.*) ©ie (intmidlung beS 9)2enfd)en, mie überhaupt aller nuferer unb sßflanhenarten, barf man fid) aber nidjt etma fo vorftellen, baß bie jept vorljanbenen formen birect aus einanber hervorgegangen feien. 9J?an mufe immer bie 5föed)felmirfung von ?(npaffung unb Vererbung im Singe beljal® Fif?. 25. ®ine frtetfjenbe Slmoebe; tm Sn= ttetn beS $rotobla§tna§ ließt ein gellfern mit Sterntörtercljen. *) 4?aecfei unterfdieibet 22 Slfjnenftufen be£ fWcnfdicn, bon bencn 14 ju bcn 2BirBet= tljieren unb 8 31t bcn ivirbellofen Süorfaljren bc£ 2D?cnfd)en gcfiören füllen. 9?adi ©ar= ttiin'3 Sßeredjnung muffen minbefteng 300,000,000 Saijre bcrftoffen fein, feit ftd) bie jcfet tebenben SKenfdjen refp. auf biefe Sßeife au§ ben ardjigonen Moneren ent= mictelt Ijaben. - Gin äßnlidier Stammbaum, von ben genannten Moneren ift aud) für ba<3 sßpanjenrcid) aufgefteüt nrnrben. 63 ten, immer bebenfen, baff biefelbe nidjt nur eine Veränberung ber 3nbivi= buen, fonbem and) eine Vervollfommnung berfelben jur $olge hat. Surd) biefe VJedjfelwirfung werben nidjt allein Slrten gefdjaffen, fonbern and) Sitten erhalten. So finb nufere £t)ier- unb Pflanjenarten (einfdjlieplid) beS SJtenfdjen) vervollfommnete (Snbglieber einzelner Slbjweigungen aus ben großen (SntWicflungSftämmen ber Vergangenheit, bie fid) burd) eine, Millionen Oatyre bauembe, langfame Slrbeit gebilbet haben. SOten (teile fid) einen ungeheuren Vaum vor. (Siner SBurjel, bem form- unb* ftructnr- lofen Protoplasma, entfproffen, tljeilt fid) ber Stamm, je mel)r er fid) oon ber Sßurjel weg in bie f öl)e erhebt, in mehr unb mehr Slefte, bie fid) ihrer- feits weiter verjweigen. Sie lebten unfere ©eneration, finb Weit von einanber getrennt; unb bod), verfolgen wir ben Verlauf ber $weige rüdwärtS, Wudjfen biefe allefammt inbirect auö einem Stamme, aus einer SBurjel hervor. 2luS einem Slffen fann fein •'Dtenfdj werben, aber beibe haben ihren gemeinfamenUrfprung in einem 2lft jenes Stamm- baumes, in einer auSgeftorbenen Slffenart ber alten Vtelt, ben fog. fdjwanj* lofen Sdjmalnafen, Welche vor Saufenben unb aber Saufenben von fahren in einem längft untergegangenen (Sontinent gehäuft haben follen. Siefer (Kontinent, welcher bemnad) aud) bie Url)eimatl) beS sHtenfd)en gewefen wäre, erftredte fid) von ben heutigen Sunba-3nfeln längs beS füblidjen SlfienS bis jur Dfttüfte von Slfrica. Stegen ber für ihn djaracteriftifdjen falb- affen ift er von bem (Snglänber Sclater Lemuria genannt worben. Ser 3eitpunft, wann bie W?enfd)Werbung beS SJtenfdjenaffen refp. Slffenmenfdjen ftattgefunben, läfjt fid) nur negativ beftimmen. Sa ber SJienfdj jur Unterclaffe ber „piacentaltl)iere" gehört, unb ba Von biefen Sl)ieren verfeinerte 9?efte nur in ben ©efteinen ber fogen. „tertiären" Periobe ber (Srbentwicflung gefunben werben, fo fann aud) baS Wtenfdjem gefd)led)t frül)eftenS innerhalb ber Sertiärjeit fid) aus ben vervollfommneten SDtenfdjenaffen gebilbet haben. Vom phpfiologifdjen Stanbpunft fann man aber bie Vermenfd)lid)ung ber SOZenfdjenaffen als mit ber @ntftel)ung einer geglieberten Spradje jufammenfallenb beftimmen. 2ßie bie erfte Urfpradje, aus welcher fid) alle übrigen entwicfelt hätten, gebilbet worben fei, fd)liejjt Sarwin aus ber „Steigung bei nuferen nädjften Verwanbten, ben Slffen, bei SSHcrocephalen, .ß'biotenunb bei ben barbarifd)enSDtenfd)enraffen, alles, was fie nur hören, nad)jual)men. Sa bie Slffen fidjer vieles von bem ver* ftehen, was von Wtenfdjen ju ihnen gefprocpen wirb, unb ba fie im Urju- ftanbe SBarnungSrufe bei (gefahren ihren ©enoffen jurufen, fo erfd)eint eS burdjauS nidjt unglaublich, bap irgenb ein ungewöhnlid) gefdjeibteS, affen- ähnlid)eS Sl)iet (Slffenmenfd)) barauf gefallen fein fönne, baS f eulen eines 9Mubtl)ierS nadjjuahmen, um baburd) feinen 2)litaffen bie Steturber ju erwartenben ®efal)r anjubeuten; unb bieS würbe ein erfter Sd)ritt jur 64 Vilbung einer ©pracße gemefen fein." SluS bermeßr unbmeßr gefteigerten Teuf* unb VorftellungStraft mucßs bann allmälig eine ganje Slnjaßl f oldjer Stufe ßerüor, meld)e fid) fpäter als beftimmte klänge mit beftimmten 3been Derbanben, unb mit ißnen entftanb fdjließlid) bie articulirte ©pracße, unb ber SJlenfcß mar ba, b. ß. nicßt meßr Slffe. (SS fall bamit natürlich nidit gefagt fein, baß fid) aus einem SIffenmenfdjen, ber fdjon aufrecht ging unb eine tljierifcfje £autfprad)e fjatte, plößlid) ein „erfter" ecßter SJtenfcß entmicfeft ßabe. Tie (Sntfteßung einer neuen 2lrt aus einer befteßenben erfolgt immer in ber SBeife, baß eine lange ®ette Don Dielen Derfcßiebenen 3nbiöibuen an bemlangfamenUmbtlbungSproceß beteiligt ift. (Sin „erfter SJtenfcß" ober ein „erfteS S)?enfeßenpaar" ßat niemals eyiftirt, fonbern nur eine lange Steiße Don menfdjenäßnlidjen (Sfefcßöpfen, meldje ben Uebergang Dom Slffenmenfcßen eeßten SJlenfdjen Dermittelten, inbem fie naeß unb nad) ißre Sautfpradje ju einer articulirten auSbilbeten. Tie leßtere, meldje bie £aute burd) Slbftraction ju SBorten umbilbet unb bie SBorte ju ©äßen Derbinbet, ift auSfcßließlidjeS (Sigentßum, alfo baS Dorjüglicßfte tanjeießen beS SJlenfcßen. SJtit ißrer (Sntfteßung marb ber SJtenfcß, unb mit ißrer fpäteren (Sntmidtung DerDollfommnete fid) berfelbe, benn ba bie ©pracße bie Sleußerung beS menfeßließen ©eifteSlebenS ift, fann bie VerDollfommnung ber erfteren nur bie $olge eines ßößer DerDoHfommneten ©eßirnS bejm. ©eifteSlebenS fein. Tie leßte $rage, bie mir ßier im ©inne ber Tefcenbenjtßeorie ju be* fpredjen ßaben, ift bie, ob baS S)tenfd)engefd)led)t einheitlichen ober Diels ßeitlidjen UrfprungS ift, ob fid) bie Derfcßiebenen Staffen aus einer ober meßreren ©tammformen entmicfelt ßaben. ©eit langer £eit fteßen fid) bejüglicß biefer fVrage jmei große Parteien gegenüber, bie SJtonopßßleten unb (Srftere beßaupten, baß bie Umbilbung menfeßenäßn* lidjer SIffen ju SJtenfdjcn nur einmal ftattgefunben ßat burd) Vermittlung ber 2lffenmenfd)en ober fprad)lofen Urmenfdjen, aus benen fid) bann bie Derfcßiebenen Staffen entmidelten. Tie neßmen bagegen an, baß fid) für jebe Stoffe befonbere Urmenfcßen aus menfcßenäßnlidjen Slffen bilbeten, b. ß. baß fid) ber SJtenfcßmerbungSproceß meßrmalS Dolljog. 3m ©runbe ift bie ebenfo müßig, mie bie Don ber einßeitlicßen ober Diel* ßeitlicßen Slbftammung aller Organismen. ®leid)Diet ob bie Derfcßiebenen SJlenfdjenraffen fiel) aus befonberen Slrten ober aus ein unb berfelben Slrt Don Urmenfcßen entmicfelt ßaben, fie ftammen nad) ber Tefcenbenjtßeorie boeß in leßter 11 berfelben längft auSgeftorbenen Affenart ber alten SBelt ab, Don ben fdjmanjlofen ©cßmalnafen. SBaS enblid) bie (Sintßeilung ber Derfcßiebenen SOtcnfd)enraffen anbe? trifft, fo ift bie befanntefte bie Don Vlumenbacß naeß ber Hautfarbe aufgeftellte. Stad) ißr tßeilt man baS SJtenfdjengefcßlecßt in 5 Staffen 65 ein, nämlidj in $aufafier (weip), Mongolen (gelb), 9Ietl)iopier (fdjwarj), Slmerifaner (3nbianer; rotp) unb fDZalapen (braun). ©iefe (Sintpeilung ift aber längft als unhaltbar berworfen worben. Später l)at man SRaffen nad) ber Sdjäbelform, bie Blumenbad) fd)on als ein wichtiges SRoment bei feiner ßlaffificirung ber menfdjlidjen Wen anfüprte, ferner nach geogra- ppifdjen unb natürlichen Berpältniffen unb nach ber Spradje unb ber Be- haarung unterfdjieben. 3n Bejug auf bie Sdjäbelform werben bie 3Rem fdjen in Sangtöpfe, SRittelföpfe unb Äuqföpfe eingekeilt, ©ie Sangtöpfe haben einen langen unb fdjmalen Sdjäbcl, beffen Sänge fid) jur Breite wie 100:14 unb weniger berpält. ©ie haben bagegen einen turjen unb breiten Sdjäbcl, beffen Sänge fiel) jur Breite Wie 100:19 unb mehr »erhält, unb Sangföpfen ftepen bie SRitteltöpfe. 3ebe biefer brei (Kruppen verfällt nod) in jwei SIbtpeilungen, in Sdjiefgäprter unb ©erabjäpuer; bei erfteren fpringen bie Stiefer ftarf aus bem ©efidjt perbor unb finb bie Borberjäpue f<W uad) born gerichtet, wogegen bei ben ®erabjäl)nern bie tiefer wenig borfpringenb finb unb bie Borberjäpne fenfredjt ftepen (f. II. Äap., nad) ber IRaffe). 9Zadj geograppifdjen unb natürlichen Berpältniffen hat ©Scar 'ißefdjel bie 9Rem fdjen in 1 fRaffen eingekeilt: 1) Sluftralier unb ©aSmanier, 2) unb 9Relanefier, 3) DJZongolen (WZongolen, SRalaijen unb unb Slmerifaner), 4) ©rawibaS (Urbewohner BorberinbienS), 5) Hottentotten unb Bufdjmänner, 6) 9Zeger unb 1) 9Rittellänber (fautafifepe fRaffe). 9iacp ber Spradje unb Bepaarung enblicp unterfepieben Haecfel unb $. WZüller 12 Slrten unb 36 fRaffen. ©ie Slrten unterfdjeiben fidj je nad) ber Befdjaffenpeit ber Haare gruppenweife unb jwar bie 4 nieberen Slrten mit wolligem Haar bon ben 8 pöperen mit fd)licptem Hnar- B?wll= paarigen verfallen bann wieber in Büfd)elpaarige unb Blieppaarige unb bie Sd)lid)tpaarigen in Straffpaarige unb Socfenpaarige; ju lepteren ge* pört bie faufafifdje fRaffe. ©iefe furje ©arftellung ber (5ntwi(flungS= lepre pat nur ben einen Bwecf, bem Sefer ju geigen, wie fid) bie peutige BHffenfcpaft bie (Sntftepung ber Üßelt unb iprer ©rganiSmen benft; fiepat nid)t ben irgenb ju ber ftreng moniftifepen Bleltam fdjauung $u befepren. Unb gerabe barum muß pier fd)lieplid) nodjmalS barauf pingewiefen werben, wie oiel in jener Sepre nid)t bewiefen ift. So ift, wie fepon gefagt, gegen bie „foSmologifdje ©aStpeorie" mandjeS anjufüpren, was bereu fRidjtigteit in fyrage ftellt. So pat ©arwin in fpäteren fahren felbft jugeftanben, bap feine SelectionStpeorie oonipm früper überfdjäpt worben fei, unb biefelbe nid)t pinreidje, bie tpeorie feft ju begrünben. So giebt Haecfel bei ber Befpred)ung ber „Ur- geugung" auSbrücflicp ju, bap biefelbe rein pppotpetifd) fei. Unb nod) für 66 Diele anbere Behauptungen mangeln bie auf finnlicfjer Erfahrung beruhen* ben Beweife. B>o biefe aber fehlen, ift ber Bweifel berechtigt, wie wir fdjon in ben einleitenben gefagt hoben. £)ie teleologifche Söeltanfdjauung fann aber Dielleicht mit ber monifti* fdjen Dereint werben, unb jwar fo, baß ber Sdjöpfer aller ©inge in feiner unergrünblidjen DorauSbeftimmt hätte, baß fid) alle Organismen aus ber Don iljm erfdjaffenen Urmaterie ober aus einigen wenigen organi- fdjen Urtppen, ©efdjöpfen feiner ©üte, entwicfeln füllen? Nehmen bocß noch heute manche ßerDorragenbe Diaturforfdjer an, baß bie Urzeugung nidjt ftattgefunben hot, baß Dielmeßr beSorganifdjen hebens Don allem Slnfang an in einer 2lrt Winjigfter Organismen im Weltall Dorhanben ge* Wefen feien. ©aS Wäre eine Berföljnuttg ber moniftifdjen unb ber teleolo* gifcljen Seltanfcfjauung, Don SSiffenfdjaft unb ©taube; eine Berföljuung, wie fie fid) in bem an Darwin gerichteten unb Don biefem theilroeife Der* öffentlidjten Briefe eines berühmten englifcfjen ©eiftlicßen auSfprid)t, ber ba fdjrieb, „er höbe allmälig einfeljen gelernt, baß eS eine ebenfo erhabene Borftellung Don ber ©otttjeit fei, ju glauben, baß fie nur einige wenige, ber Selbftentwidlung in anbere unb nothwenbige formen fähige Urtppen gefdjaffen, als baß fie immer wieber neue Sd)öpfungSacte nöthig geßabt habe, um bie Süden auSjufüllen, welche burd) bie SBirfung ißrer eigenen ©efepe entftanben feien." $eber hat hier für ficßfelbft ob er baS Nichtige gewählt, weiß sJiiemanb. Xtapifef. Anatomie uiiti JHjjjfioloijie b e § menfdjlidjen lörpers. 69 (SinCettitnjj. Ueherblicf über bie SInatomie unb ben Vau unb bie Verrichtungen beb menfehlichen Körpert. gaffen mir bie für unb midjtigften Stellen beb erften Äapitelb fuq jufammen, fo ergiebt fid) golgenbeb: £)er menfcplicpe Körper ift ftetb auf biefelbe SEÖeife aub bem gleiten Material aufgebaut. Septereb liefern bie ©runbftoffe: Sticfftoff, Söafferftoff, Äoplenftoff, Sauerftoff, Gal» cium, Scpmefel, Kalium, Diatrium, Gplor, gluor, SDlagnefium, Silicium, (Sifen unb Wangan. £>er Aufbau beb Äörperb gept aber - immer - bon jener, $elle genannten ©runbform aub, melcpe fid) burdj Speilung bermeprt unb babei berfcpiebentlicp beränbert. ©urd) £)ifferen» b. i. SSeränberung, bermanbeln fid) bie gellen in 33läbcpen, gäfer» epen, u. f. m., unb mm biefen gormelementen merben bie ©emebe gebilbet. SDleprere ©emebe bon üerfepiebenartiger Structur unb epemifeper 33efcpaf» fenpeit berbinben fiep ju Äörpertpeilen, bie Organe genannt merben, unb Don benen jeber feinen eigenartigen Wu unb feine eigentpümlicpe Xpätigfeit pat. 2(ub üerfdjiebenartigen Organen, bie fiep mieberum gruppenweife ju Spftemen ober Apparaten bereinigen, fept fiep fcplieplicp ber Körper jm fammen. Septerer fann alfo nad) Spftemen ober Apparaten eingetpeilt merben. (Sin Spftem umfaßt aber alle biejenigen Organe be$ Äörper§, meldje gleichen 33au unb gleidje Xpätigfeit paben; fo bilben fämmtlicpe Änodjen bad Snodjenfpftem, fämmtlicpe Pusteln ba§ HftuSfelfpftem, u. f. m. (Sin Apparat beftept bagegen auö einer Slnjapl bon Organen bon berfdjiebenem 23au unb berftpiebener Xpätigfeit, melcpe jufammen einer tung bienen. Solcper Apparate be§ menfcplicpen giebt e$ hier, nämlicp ben unb ben SßerftanbeS', ben ßrnäprungß' unb ben gortpflanjungSapparat**). (Sine britte (Sintpeitung beb menfd)- fiepen Äörperb pat unb ber Slugenfdjein geleprt; nacp ipr verfällt nufer Veib in Äopf, 9iumpf unb ©liebmaßen. 23ei ber Darlegung beb 33aueb unb ber SBerricptungen beb menfcplicpen Äörperb, meldjer biefeb Kapitel gemibmet ift, merben mir im allgemeinen jener „pppfiologifcpen" (Sintpeilung (nacp ben Apparaten, b. p. ben gemein» famen SSerricptungen bon Organgruppen) folgen; mir merben unb -nacp einer furzen Ucberficpt über bie Anatomie unb unb bab Sleußere *) Slnatomic ift bie SSBiffenfcfjaft, foelche unb bie einzelnen Vcftanbtheile eineS orqas nifeßen Körperb fermen lehrt, unb $l)tyfiologie bie Sßiffenfchaft, welche unb mit ben Vers rictyturtflen ber Körperteile unb mit ben ßrfcheinungen unb unter benen bie Verrichtungen vor [ich gehen, befannt macht. **) ©ah 23au unb Verrichtungen beb 9lpparateb in biefem Vuche feine Vefprcchung finben, erflärt (ich aub ben in ber Vorrebe bafür angegebenen Orünben. 70 beS menfcßlidjen Körpers- juerft mit bem unb Bewegungsapparat, fobann mit bem (SrnäljrungSapparat unb fdjließlid) mit bem BerftanbSap« parat zu befdfäftigen Ijaben. -gnnerfjalb biefer £)auptabtl)eilungen werben wir aber Derfd)iebentlid) aud) eine ber beiben anberen, obengenannten ©in« tßeilungen jur D'ädjtfdjnur neunten. W?ad)en wir uns nun Dorerft einmal oberflädjlidj mit bem Bau beS menfdjlidjen Körpers befannt. Sßir beginnen babei mit bem, was bem ganzen Körper £>alt giebt, mit bem Änoctjengerüft. OaSfclbe befteßt aus einer SDlenge oerfdjieben großer unb geformter $nod)en, Weldje tljeilS feft an einanber gefügt, tßeils beweglid) burd) ©elente mit einanber Derbunben finb. OiefeS tnödjerne ©erüft, an Weldjem wir brei Steile - ®opf, 9iumpf unb ©liebmaßen - unterfdjeiben, ift faft überall Don Baustein (gleifcß) bebedt, weldje burd) Sepnen an bie Slnodfen befeftigt finb. $opf unb stumpf bergen in ißrem Innern £wl)len, weldje entweber, wie bie Sd)äbelljöl)le, nur Don $nodjen ober Don Änodjen unb SJhtSfeln begrenzt werben. 3n biefen §öl)len lagern Derfcßiebenartig geformte Organe Don Derfdjiebenartiger Structur, weldje wir Dorläufig ©entralorgane nennen wollen, ©urd) biefeS fdjeinbar fo Derwirrte unb bod) planmäßig funftDolle ©efüge Don $nod)en, WiuSfeln unb ©entralorganen feljen wir eine SQZaffe Don «Strängen baumförmig ober neuartig Derlaufen. 4öei genauer tradjtung lernen wir biefe Stränge unterfdjeiben; bie einen, bie Heroen, finb folibe gäben, bie anberen, bie ©efäße, 9?öt)ren, in benen wir Derfd)ie- bene glüffigfeiten finben: Blut, Bjmplje ober Speifefaft. Oie Heroen laufen in leßter in bem, in ber Sdjäbelpößle liegenben ©eßirn zu« fammen, wäßrenb bie ©efäße iljren OJlittelpuntt, ißr ©entralorgan, in einem ber im gnnem beS Rumpfes liegenben Organe finben. OaS Qtumpfinnere tßeilt fid) aber, Don oben nad) unten, in bie Bruft«, Baud)« unb Beden« ßößle. ©ie beiben erftgenannten §öljlen, alfo bie obere unb mittlere, finb burd) eine muSfulöfe Sdjeibewaub (baS gwerdjfell) getrennt, weldje Don großen Blutgefäßen unb einer, Don oben fommenben 9?öl)re (Speiferößre) burd)brod)en wirb. Oiefe 9?öl)re münbet in ber Baud)l)ößle in einen bubels fadartigen Sd)laud) (Tragen), ber Wieber in eine Dielfad) gewunbene, ßier bidere, bort bünnere Dtößre übergeßt, weldje fd)ließlid) (am Slfter) offen nad) außen enbet. Oberhalb beS w Bruftl)öl)le, weldje im ©egenfap ju ben nur ßinten refp. feitlid) unb ljinten Don Änodjen begrenzten Baud)« unb Bedenl)öl)len nad) außen ßin auf allen Seiten Don ytnod)cn umfdjloffen ift, finben wir zwei weitere „(Sentralorgane": baS §erj unb bie £unge. zerfällt in zwei große Sappen, bie beiben Lungenflügel, weldje baS §erz unb bie Speiferößre umfd)ließen. Oie Lungenflügel fteßen burd) eine zweite, in ber oberen §älfte ber Bruftl)öl)le liegenbe Oiößre (Luftrößre) 71 in Verbinbung, unb jmar tljeilt fid) bie Luftröhre, furj elje fie bie Lungern flügel mit einanber verbinbet, in jmei Dlefte, von benen je einer in einen Lungenflügel übergeht. Luftröhre unb (Speiferöhre münben oben offen, in ber DJlunbl)öl)le. Oie Luftröhre verläuft aber unten in ben Lungenflügeln, iväljrenb bie hinter itjr liegenbe (Speiferöljre mit bem DJlagen unb ben ®e= bärmen einen langen unb unten offenen Odjlaud) bilbet. @eitlid) biefcö (SdjlaudjeS, in ber Vaud)* unb 53ecfenl)öl)Ie, liegen nod) mehrere anbere Organe; eS finb bieS: Leber, -Söaucfjfpetdjelbrüfe, Dlieren, SDcilj unb Vlafe. OaS@an$e ift von ber äußeren §autumfd)loffen, bie an ben, an ber Dlußen* flädje beS Körpers münbenben §öl)len unb Kanälen meid) mirb, b. 1j. in ®d)leiml)aut übergeht, meld)' letztere jene £)öl)len unb Kanäle innen aus* tleibet. Verfdjaffen mir uns nun and) eine turje Ueberfidjt über bie Ver* rid)tungen beS menfd)lid)en Körpers. SBir beginnen hierbei mit bem $raft- unb VemegungSapparat. £11 biefem Apparat, ber bie törperlidje Oljätig* feit vermittelt, gehören bie $nodjen, DJluSfeln unb Dlerüen. Oie Dlerüen, bereu (Sentralorgan baS ®el)irn ift, überbringen ben im ®el)irn erzeugten SBillenSbefeljl ben DJluSfeln, biefe jietyen fid) infolge beffen jufammenunb bemirfen baburdj hebelartige Vemegungen ber Änod)en. 3:m ©eljirn I)at aber nid)t nur ber SBille feinen fonbern and) baS (Smpfinben unb bie geiftige Ohätigfeit. Dlußer ben motorifcfyen, b. I). förperlidje Ol)ätigfeit vermittelnben Dierven giebt eSnod), abgefeljen von ben fpäter ermähnen* ben, bem „vegetativen" Dlervenfpftem angehörigen Dierven, fenfitiüe unb fcnforielle, b. I). ©efüljls* unb (SinneSnerven. Oiefe madjen nun mit bem @el)irn als ihrem (Sentralorgan benjenigen Oheil beS DlervenfpftemS aus, meldjen mir oben als ben VerftanbSapparat bejeidjnet haben. Oie übrigen Organe beS menfdjlidjen Körpers, bie mir fennen gelernt haben, mürben bemnad) jum (SrnährungSapparat gehören. Oie (Srnäh' rung beruht barauf, bafj bem Körper ©auerftoff unb Dlaprung, b. I). fold)e (Stoffe angeführt merben, aus benen fid) ber Körper fortmäl)renb erneuern fann. Oen (Sauerftoff nehmen mir burd) bie 5ltl)mung in bie Lungen auf, in mcldjen biefer ©runbftoff birect in baS L3lut übertritt. Letzteres ift ber Vermittler ber (Ernährung. Von feinem dentralorgan, bem §erjen, aus bringt eS in einem fortmäl)renben Kreislauf erft als arterielles Vlut (in ben VulSabern) nad) allen $örpertt)eilen vor, giebt an biefe Dlal)rung unb (Sauerftoff ab unb lehrt bann als bunfelrotl)eS, venöfeS Vlut (in ben Vlutabern) nach bem §erjen jurücf, um fid) bort ju verjüngen. Oiefer ftete DleubilbungSprocep mürbe aber unmöglich fein, menn bem Körper außer «Sauerftoff nid)t and) Dlaljrung angeführt mürbe, unb ba mir biefe nun nid)t birect, mie ben ©auerftoff, in bas Vlut bringen, nod) fold)e Dlal)rung §u uns nehmen fönnen, bie in einem beftimmten Organ birect 72 in baS Btut übertreten tonnte*), fo bebarf eS nid)t nur eines Organs, in welches bie Diaprung eingeführt wirb, fonbern and) eines Organs, in welchem bie Währung jur Aufnahme in baS 4Stut gefdjitft gemadjt wirb. kS ift bieS ber BerbauungSapparat. 3n biefem Wirb aus ber DZaprung ber Speifefaft jubereitet, weldjer in baS Blut übertritt unb biefem fort- wäljrenb Material liefert, feine Berlufte an GrnäljrungSftoffen ju erfepen. SluS bem Blute treten biefe Stoffe in ©eftalt von krnährungSflüffigfeit in bie ©ewebe über, unb jwar vollzieht fid) baS in ben kapillargefäßen, fein® ften Blutgefäßen, burd) bereu BJänbe bie ©rnätjrungSflüffigfeit burdjtritt. Oiefe kapillaren bilben 9iepe, meldje bie '»ßulSabern mit ben Blutabern verbinben, fo baß alfo baS ''ßulSaberblut, nadjbem eS (in ben kapillaren) krnäljrungSflüffigteit unb Sauerftoff an bie ©ewebe abgegeben l)at, in bie Blutabew übertreten fann, um fid) burd) biefe wieber in baS ju er- gießen. BJäprenb es krnäßrungSflüffigfeit unb Sauerftoff abgiebt, nimmt baS Blut aber gleichzeitig in ben kapillaren biejenigen Stoffe auf, weldje im Körper verbraucht worben finb. Oiefe „®ewebsfd)lacfen" giebt bann baS Blut auf feinem SRücfwege nad) bem £>erjen an gewiffe Organe ab, welche fie auSfdjeiben. 9J?an nennt bie Organe „3(iiSfdjeibungS= ober kntgiftungSorgane"; eS finb bie gunge, Weld)e bei ber Aufnahme von Sauerftoff gleichzeitig Äoljlenfäure unb Sßafferftoff abgiebt, bie geber, bie Vieren unb bie äußere §aut. §ügen wir nod) pinju, baß überfepüf fige, in bie ©ewebe übergetretene krnäprungSflüffigfeit als „gpmphe" aus ben ©eweben in beftimmten ©efäßen (gpmppgefäßen) jum §erjen jurüefge- bradjt wirb, unb baß alte krnäprungStpätigfeiten unter einem unwillfür- lidjen nervöfen 9ieij ftattfinben, ber vom vegetativen 9?ervenfi)ftem auS- geht, fo fennen wir jept, abgefeljen von biefem Dlervenfpftem, als Oßeile beS krnäl)rungSapparateS folgenbe Organe refp. Organgruppen: bie Blut- unb Ötjmphgefäße, ben BerbauungSapparat (Speiferößre, SOZagen, ©ebärme, u. a. m.), ben 2ltl)mungSapparat (Luftröhre unb Zungen), ben (bie Vieren nebft Blafe) unb bie äußere §aut. OaS Blut felbft ift aber ber SOZittelpuntt beSStoffwed)felS im lidjen Körper; nur burd) Bermittlung beS Blutes ift ©Währung möglich, ks bringt Material jum Neubau beS Körpers unb ju nad) ben ©eweben bejw. Organen unb befreit biefe gleichzeitig von ben ver= brauchten Stoffen, bereu Berbleiben im Körper biefen zerrütten würbe. OaS Blut ift ber eigentliche Ouell unfereS gebens, unb leideres alfo in erfter ginie bavon abhängig, baß bem Blute burd) 2ltl)mung unb Währung I)inreid)enb paffenbeS BerjüngungSmaterial zugeführt wirb. *) 9hir toenifle UlaljrunaSmittel, ivie SEBaffer, ©aljc unb 2llcof>olz iuerben birect in ba$ SBIut aufgefogen. 73 Ä>as jleitßere bes menfcßficßen itörpers. Gonftitution unb ©röfje, Umfang, ©icfe, ©eividit, gormüer= fcbiebenljciten, Symmetrie unb Proportionen bed menfdjlidjen Äörperd. Sille Organe unb Apparate bed menfdjlidjen Körperd bilben fid) unter normalen SSerhältniffen immer auf biefelbe SBeife, inbeffen ift ber ®rab ber Sludbilbung feiten ober wol)lnie berfelbe. £tei bem einen fUZenfcpen ift bad (Stefammtverhältniß feiner Organe refp. Apparate ein anbered, ald bei einem zweiten WZenfdjen. -3n jebem menfdjlidfen Organidmud macht fidj in $olge beffen ein, biefemeigenttfümlidfedSSorttuegen eined ober mehrerer Organebemerflid), woburdjer eine eigentümliche erhält, bie Gonftitution genannt wirb. ©iefelbe ift alfo, ald eine Slbweidjung von bem ®leid)gewid)t, in bem alle Körperteile ftehen füllten, eigentlich fdjon ein franfhafter jebenfalld mad)t fie und für gewiffe Kranf« peiten empfänglidjer, ald bied bei einer üolltommenen Harmonie aller unfe« rer Organe ber fyall fein würbe. fUZeift angeboren unb forterbenb, fann eine Gonftitution and) im fpäteren Seben burd) mandjerlei Ginflüffe (Klima, Sebendweife, u. a. m.) in höherem ober geringerem SDZaße gefdfaffen, oer- änbert ober getilgt werben. Oie äußeren Kennjeidjen ber Gonftitution bilben ben 3« gleicher SSeife, wie burd) bie Gonftitution, untcrfdjeiben fid) bie SDZenfdjen and) burd) bad T e m p e r a m e n t. fDlan bezeichnet bamit ben (Sfrab ber Grregung, in Weldjen Ginbrüde ber Slußenwelt ben (Steift eined SJZenften verfemen. Oo bejeidjueu wir ißerfonen, bie bei geringfügigen Slnläffen in Slufwallung geraten, ald Gholerif'cr (f. fyormve'rfdjiebenheiten). ©ad Temperament eined £DZenfd)en ift alfo bie il)m eigenthümlidje Dieij' barfeit feined (pfpdjifdjcn) Siervenfpftemd äußeren Ginbrüden gegenüber. Gonftitution unb Temperament ftehen in engfter SSerbinbung mit ein- anber. ©ad ©prüdjwort: Mens sana in sano corpore („Gin gefunbcr (Steift in einem gefunben Körper") zeigt, baßfcpon bie alten Körner wußten, weid)' großen Ginfluh ber Körper (bie Gonftitution) auf ben (Steift hat. Slber aud) bad Umgefel)rte ift ber fyall. Gin abnormed Verhalten bed Nerven- fpftemd ruft nothwenbig früher ober fpäter (Störungen in ber normalen Tl)ätigfeit ber vegetativen Spfteme hervor. Gonftitution unb Temperament ftehen im engften, fid) gegenfeitig bebingenben SSerhältnifz ZU einanber. Slußer Gonftitution unb Temperament bewirten nod) Sliter, (Stefdjledjt, 9?affe, Klima, Sebendweife unb mandje anbere inbivibuelle SSerhältniffe 33erfd)iebenheiten bed menfd)lid)en Körperd I)infid)tlid) ber ®röße, bed Um« fangd, bed ©ewidjtd unb ber fyorm. 74 Tie ® r ö ß e, £>öf)e, Vänge ober Statur beS menfchlidjen Körpers richtet fid) und) bet §öl)e beS &nod)engerüfts (Sfelets). ©in neugeboren ueS $inb ift burdjfdjnittlid) 20 3oll lang. 3m erften Lebensjahr wäcfjft eS gegen 6-7 3oll, big jum fiebenten 3&hre ungefähr 3 Boll per 3«hr< worauf eine SSerlangfamung beS 2ßad)SthumS eintritt. 3hr SNajtmum I erreicht bie ®röße in ber Beit jwifd)en beut 25. unb 30. Oatjre; fie beträgt bann burdjfdjnittlid) 3| 3Nal fo üiel, als bie beS Neugeborenen. DNit bem 50. 3aljre nimmt fie wieber ab. 2(ud) nad) ben Tageszeiten fdjwanft bie £wl)e. $n golge von ber weidjen S3anbfd)eiben ber SBirbelfäule ift nämlid) ber DNenfd), befonberS nad) parter Slrbeit, SlbenbS etwas Heiner als am SNorgen. £)infid)tlid) ber ®rößeüerfd)iebent)eit nad) bem ©efdjledjt ift als Turd)fd)nitt berechnet worben, baß bie grau 2| bis 6 Boll Heiner ift als ber SNann. Bnbeffen fjat biefe Slngabe aus jwet ©rünben wenig SSebeutung. (SrftenS ift bie Ningeoerfd)iebenl)eit bei SNännern eine üiel größere als bei grauen, unb zweitens ift hierbei bie Naffe ZU berücffidftigen; Naffen oon höherer Statur ljaben bei weitem Heinere grauen, wätjrenb bei Heineren 3Jienfd)enfd)lägen bie grau ziemlich bie ®röße beS NcanneS erreicht. Nad) bem $lima madjen fid) folgenbe §öl)eber= fdjiebcnl)eiten bemertbar: gemäßigten Bönen unb in feudjten ©egenben finb bie DNenfdjen größer, in heißen unb falten §immelsftrid)en Heiner. SluS ber befonberS Heinen Statur ber ©rönlänber, ßapplänber unb $amt* fdjabalen fdjeint fid) ju ergeben, baß Ijauptfädjlid) ein falteS Ä'Iima bem SBad)Stl)um ßinberlid) ift. So foll baS Sißadjfen and) im Sommer ein er= ßeblidjereS fein als im 2Binter. £)er Umfang, bie ©icfe unb bie Breite beS menfdjtidjen Körpers finb nad) donftitution unb Temperament (f. gormüerfdjiebem feiten), nad) Sliter, @efd)led)t, Naffe unb gamilienanlage, nad) bemüBoljU ftanbe (ber Naßrung) unb ber 23efdjäftigung üerfdjieben. Sie ridjten fid) nad) ber (Sntwicflung beS ÄnodjengerüfteS unb ber SNuSfeln unb nad) ber gettablagerung (namentlich unter ber §aut). fann tranfpaft werben unb üerleipt bann bem Körper ein fdjwammigeS, gebunfeneS SluS- feßen; baffelbe ift ber galt bei anberen abnormen Slblagerungen (oon SSaffer, S3lut, u. a. m.) im Körper. Nad) bem ®efd)led)t unterfcpeibet fid) befonberS bie Breite beS S3ecfcnS. Ter SNann pat breitere Sdjultern, als bie grau, bei weldjer bie größer ift unb gewöhnlich mit ber Schulterbreite übereinftimmt. Tas ® ew ich t beS menfd)lid)en Körpers ift oerfd)ieben: nad) Sliter, @efd)led)t, Statur, Umfang ((Sntwicflung ber Änocpen unb SNuSfeln) unb nad) TageS= unb BahreSjeiten. TaS (Sfewidjt eines neugeborenen ÄinbeS beträgt 6 bis 8 ''ßfunb; baS Äinb weiblichen ®efd)led)tS ift fd)on bei ber ®eburt leidjter als baS männlid)e. 3m erften Bahre nimmt baS Äinb 75 um 6, im um 4 Spfmtb 31t; bis jum T. ßupre wirb burdjfdjnittlidj ein ®ewid)t von 40 'ßfunb erreicht. (Stegen baS 12. 3af)r ift baS (Stewicpt ber K'inber beiberlei ©efchtecpts jiemlidj gleich, ba bann beim LNäbcpen bie Pubertät unb bamit eiue größere gettablagerung, als beim Knaben, ein- tritt; bei legerem finbet baS erft im folgenben 3apre ftatt. ©aS LNaju mum beS (StewicptS erreidjt ber 9Nann mit bem 40., bie grau aber erft mit bem 50. Lebensjahre. (Später nimmt baS Körpergewicht wieber ab, fo baß eS im Sliter etwa 12 bis 14 weniger beträgt, als baS DNapimum. ©aS normale ®ewid)t läßt fid) für einen gut gebauten Körper (bei voll* fommener Gntwidlung) nad) ber Statur annäpernb berechnen; eS foll für jeben halben ßoll ber Körperpöpe minbeftenS ein betragen. gormüerfdjieben peilen. ©ie äußere gorm beS menfdjlicpen Körpers geigt, abgefepen von ber Statur, bem Umfang, ber Breite unb ber ©iefe, noch mannigfache anbere SSerfdjiebenpeiten, bie wir unter ber L3e- jeidjnung „gormvcrfdjiebenpeiten" jufammenfaffen tonnen; biefelben riep* ten fid) nad) Sliter, (Stefdjlecpt, Temperament unb (xonftitution, Nation, Naffe, Lebensweife unb Defcpäftigungen ober werben burdj Kranfpeiten verurfaept.- gormverfepiebenp eiten nad) bem Sliter. S3ei Heinen Kinbern ift bie obere Körperhälfte ftärfer entwicfelt, als bie untere, am meiften ber Kopf, welcher beim Neugeborenen ein Viertel beS ganzen Körpers auSmadjt. Ser Numpf jeigt einen langen L3ruftfaften, weil bie Organe im ßnnern bcffelben fepon jiemlid) groß finb, unb wegen ber ftarf nad) vorn gefenften Nidjtung beS L3ecfenS erfdjeint ber 53aud) vergrößert, ©ie L3eine, welche bei ber (Steburt bie gleiche Länge wie bie Slrme haben, finb unverhältnismäßig furj. Ungefähr vom Lebensjahre an, b. I). naepbem beibe Körperhälften gleich lang geworben, beginnt fid) bereu 9Naß- verpältniß ju Verf epieben, bis fdjließlicp an (Srwacpfenen beiberlei (StefcplecptS bie unter bem Nabel liegenbe Körperpartie um $wei länger ift, als bie oberhalb liegenbe. Tic lanbläufige Slnfidjt, baß ber Nabel bie SNitte ber Körperhöhe- bejcidjne, ift alfo eine irrige. LNit bem SluSgleid) ber Unverhältnißmäßigfeit jwifchen jenen beiben großen Körperhälften fcfjreitet ein foldjer ber einzelnen Körperteile einher. 3m britten 3al)re bilbet ber Kopf ben fünften, beim erwadjfenen DNenfdjen nur nodj ben adjten Speit beS Körpers. §änbe unb güße, bie im SSerpältniß ju ben Slrmen unb deinen um fo größer finb, je jünger ber SNenfcp ift, bleiben in ber (Sntwicflung jurüd; ebenfo ber -SSrufttaften, u. a. m. Oer auSge- waepfene normale Körper jeigt uns bie fdjönen ißerpältniffe feiner einzelnen Tpeile, bie fpäter nodj befonberS befprodjen werben füllen. - g o rm v e r* f(hieb enpei ten nad) bem ®efd)led)t. ßm allgemeinen beftept bie SSerfdjiebenpeit ber männlichen unb weiblidjcn gorm barin, baß letztere eine größere Sßeid)peit unb ßartpeit ber feften Speile unb mepr gerunbete, 76 wellenförmig verlaufenbe Umriffe ber äußeren Tl)eile jeigt. ©aS hat feinen ©runb barin, baß bei ber grau Jein unb gettgewebe fiel) mehr entwicfeln al§ bei bent Spanne, unb baß festerer ftärfer entwirf eite Änodfen, Sehnen unb WtuSfeln hat, welche von ber Oberfläche beS Störpers fdjarf hervor- treten, gerner hat bie grau im jum SSlanne einen Heineren Stopf (wegen geringerer ©röße beS ©epirnS) unb, wie fepon ermähnt, einen fd)mäleren unb engeren Bruftfaften unb ein breiteres (eine viel größere §öl)le nmfcplieffenbeS) Beden. ©er ganje fogen. „Weibliche alfo fdjon, baß bie grau einen ganj anberen Beruf hat als ber Sftann, nämlid) ben, SJiutter ju fein, unb bafj fie Weniger Straft äußern fann. ©leicpwopl erträgt bie grau gewiffe Slnftrengungen, bie ihrem Bau ent* fpredjen, beffer als ber SJlann, unb ebenfo erfelj fie erlittene Berlufte (j. B. Blutverlufte) leichter. - g o r m v e r f d) i e b e n p e i t e n n a d) b e m Temperament unb b e r G o n ft i t u t i o n. ©aS feponturj erwähnte djolerifdje (feurige) Temperament verbinbet mit leidjter Grregbarfeit Stärfe unb Slnbauer ber Grregung. SSian finbet eS gewöhnlich bei robuften Gonftitutionen, Weld)e bei regem ©toffwecpfel große förderliche unb geiftige Straft haben. 2lm ausgeprägteren fommt bie Bereinigung beS cpolerifdjen Temperaments unb ber robuften Gonftitution in mittleren Jal)ren, beim männlichen ©efd)led)t unb in füblidjen Säubern, nationell bei ben Italie- nern unb (Spaniern vor. ©aS melandjolifcpe (fdjwermütpige) Tempera- ment ift fepwer erregbar, bie Grregung ift aber ftarf unb nadfpaltig. GS verbinbet fiel) in ber Siegel mit ber fogen. torpiben Gonftitution, Welche bei unvollfommener Blutbilbung unb Blutmauferung große geiftige unb ge- ringere förderliche Gntwidlung jeigt. ©iefeS Temperament fommt in ber Siegel in ber §älfte beS mittleren Lebensalters unb bei folgenbett Stationen vor: Gnglänbern, Orientalen unb Jnbiern. ©aSbem melancpo* lifdjen äl)nlid)e pplegmatifcpe (faltblütige) Temperament mit fdjwerer Gr* regbarfeit unb geringer, vorübergepenber Grregung jeigt geiftige unb för- derliche Trägheit. GS fommt meiftenS bei leufophlegmatifdjcn, Ipmphati- fd)en Gonftitutionen (fd)Wammiger, beleibter Körper, blaffe unb gebunfene §aut, langfamer Sltpem unb vor, b. I). int ©reifenalter, bei grauen, in falten unb feuchten ©egenben unb nationell bei ben §ollänbern. ©aS fanguinifdje (leichtblütige) Temperament enblid), baS mit leichter Grreg- barfeit ftarfe, aber nid)t anl)altenbe Grregung verbinbet, fommt bei ber fogen. floriben, erethifd)=fangiiinifd)en Gonftitution vor. ©er fd)lanfe St'ör- per mit fräftiger, aber mehr magerer SScuSfnlatur unb bünnen Stnod)en, ift meift in rafdjer, unftäter Bewegung. ©iefeS, nationell bei ben Baien unb granjofen vorfommenbe Temperament finbet fid) fonft l)auptfäd)lid) im SHnbeS-unbJünglingsalter unb in gemäßigtenGrbtl)ei(en.- fd)iebenl) eiten nad) ber St affe. Slbgefepen von bem 77 weldjen baS $lima auf (Eonftitution unb Temperament, unb fomit inbirect auf bie äußere gorm beS menfdjlidjen Körpers ljat, werben {yormDerfdjie- bereiten ber 9iaffe nodj burdj ber lepteren größere ober geringere geiftige (Entwid'lung bebingt. 9Jiit biefer fteljt bie (Entwicklung beS (SeljirnS unb burdj biefe bie SluSbilbung beS SdjäbelS im engften $e Derfdjiebencr bie geiftigen zweier Waffen finb, befto meljr Wer- ben bie formen iljrer Sdjäbel oon einanber abweidjen, unb jwar wirb bie 9iaffe, weldje größere geiftige Veranlagung befipt, einen Äopf ljaben, beffen Sdjäbel-(®efjirn-)tt)eil meljr unb beffen ©efidjtstljeil weniger auSgebilbet ift. Tie Stirn tritt meljr IjerDor, tiefer unb langen Weidjen meljr 3U- rücf, mit einem SBort ber ©efidjtswintel*) einer 9taffe ift befto größer, auf einer je Ijöljeren Stufe gciftiger Vefäljigung fie fteljt. - $ o r m D e r f dj i e= benß eiten n a dj gebens weife unb ©ewofjnlj eiten unb in § o l g e üon & r a n f Ij e i t e n. Tie $orm beS menfdjlidjen Körpers wirb mitunter burdj bie gebensweife (3. V. Diel lörperlidje Hebung, wie Turnen, u. f. w.) unb anbererfeitS burdj fdjäblidje ©ewoljnljeiten (3. V. Sdjieffipen ber ftinber) meljr ober weniger Deränbert. $m bamit ift and) bie VerufSbefdjäftigung, als auf bie üeränbernb einwiw feub, ju erwähnen; fo finben fidj bei Sdjmieben immer ftarf entwidelte Sinne, bei Tänzern meift ftarfe Sdjenfel unb Sßaben unb bei Slrbeitern, bie wäljrenb ber Tagesarbeit fteßen müffen, biefe Veine (Vlutaberfnoten, u. a. m.) So werben burdj ©ewoljnljeiten unb Vefdjäftigungen franfljafte jVormüerfdjiebenljeiten Derurfadjt; foldje Veränberungen fönnen aber and) bie golge Don Äranfljeiten fein, bie man fidj anberweitig jugejogen ljat, be- fonberS Don 9iljeumatidmuS unb Sungentranfl)eiten. Symmetrie beS menfdjlid)en Körpers. Vetradjten Wir ben menfdjlidjen Körper Don Dorn ober Don ljinten, fo erfdjeint berfelbe wie aus jwei gleidjen feitlidjen Hälften jufammengefept, b. Ij. aus einer redjten unb einer linfen, bie in ber Dritte beS Körpers jufammenftoßen. Tiefelbe feitlidje Symmetrie jei-gt fidj audj im beS menfdjlidjen DrganiS' muS. 3n beffen redjter unb linier §älfte liegen in gleidjer (Entfernung Don ber (fenfredjten) SJlittellinie fo jiemlidj biefelben Organe. Slußer *) ®er (juerft von 5ßctcr ßanipcr Gmbe vorigen SaljrljunbcrtS ciufflcftcllte) WinJet, bet bei ben DDcenfcßen etwa 65-85 ©rab beträgt, Wirb von gweißinien gebilbet, von Venen bie eine, an einem von ber ©eite gefeljenen ©djäbel, von bem l)crvorragenb= ften mittleren Steile ber ©tirne gcrabe über bie 9iafe abwärts big 31t bem fyervorragenb= ften mittleren, vor ben inneren ©cßneibe= gähnen liegenben fpunft be§ ©berfieferä gezogen ift, wäfjrcnb bie anbere am äußeren ©eßörflanfl anfängt unb längä beä 83oben$ ber Dtafenijöljle jur erften ßinie vorläuft. 78 biefen fog. paarigen Organen giebt es im menfcplicpen Körper einige „un- paarige", unb jivar entiveber foldje, bie in ber Mittellinie felbft liegen unb bann nodj baburdj eine geiviffe Symmetrie an ben Stag legen, bap fie aus jivei gleichen Hälften beftepen,- ober foldje, iveldje in ber Mittellinie ober nur in einer liegen, opne ©tjmmetrie in ipren Speilen 31t be- funben. Slbgefepen oon biefen unpaarigen Organen tvirb bie Uebereim ftimmung ber Äörperpälften, iveldje nidjt nur bie beS Körpers als eines ®anjen, fonbern audj baS ©leidjgeividjt jwifdjen ben Hälften be- bingt, bei ben meiften Menfdjen nodj baburdj, ivenn and) unbebeutenb, geftört, bap ber redjte 2(rm ftärfer entlvicf eit ift als ber linfe. 3n ber Stegei entfpringt nämlidj bie ben reepten Sinn verforgenbe redjte (gdjlüffelbeinpulS- aber näper am §erjen als bie linfe, meSpalb elftere Slrterie in $olge größeren OrucfeS aus) als bie linfe (Sdjlüffelbein- pulSaber erpält; ber redjte Sinn wirb baburdj reidjlidjer ernäprt, auf meljr gebraudjt unb ftärfer entivicfelt. 53ei mandjen, ben fog. ItnfS- Ijänbigen Menfcpen ift jenes anatomifepe Sßerpältnifj umgefeprt, inbem bie linfe (SdjlüffelbeinpulSaber näper am §erjen entfpringt, als bie redjte. Oie $olge bavon ift, bap bei foldjen Menfcpen (Ernäljrung, (Sfebraucp unb (Entivicflung beS linfen Sinnes vonviegen. Proportionen b e S m e n f dj l i dj e n Körpers. Mepr nodj als bie ©ijmmetrie, iveldje bie feitlidjen Hälften unb Organe unfereS Körpers geigen, forbern bie in Ijopem ®rabe Ijarmonifdjen SSerpältniffe ober Proportionen ber Äörpertpeile unfere 33elvunberung IjerauS. Um biefe Sßerpältniffe feftjuftellen, iväljlten bie Zünftler beS SlltertpumS als Map- einpeit ben $up, bie ber Steujeit bagegen meift bie ßopfpölje Stadj biefer Mapeinpeit finb bie Proportionen eines Mannes oon mittlerer ®röpe unb faufafifdjer fRaffe (nadj (Sdjabom bejw. Sranfe) bie folgcnben: beS Stumpfes wieberljolt fidj baS Map ber gefammten jtt 3 Mal 3=9 beS ganzen ÄopfeS vom (Sdjeitel bis jum Äinnranbe ift gleidj ber (Entfernung vom Sinnranbe bis jur gleidj ber (Entfernung von ber §erjgrube bis jum Stabei, gleidj ber (Entfernung vom Stabei bis jum unterften Stumpfenbe. Oie gletdje ©röpe, b. p. 3 Mal 3 $oll ober bie beträgt bie (Entfer- nung ber beiben 33ruftlvarjen von einanber unb bie gröpte Oicfe beS 53ruft= forbeS. 3öei gröpter fyingerfpreije fpannt bie ebenfalls 9 $oll. Oie hoppelte ®röpe, jtveimal bie alfo 18 30II, beträgt ber Slbftanb ber gröpten ©djulterbreite, vom äuperen Staube ber Oberarme aus ge= meffen, unb bie (Entfernung ber ©tanbflädje bis jum unteren Staube ber Änicfdjeibe. 10 mal 3=30 $oll beträgt bie gröpte Sänge beS pängenben Sinnes mit ber £)anb, unb mit biefer Sänge ftimmt vollfommen überein jener Opeil ber Sänge beS von bem untern Staube ber burdj bie 79 vorragung ber SipmuSfeln gebilbeten Wölbung an bis jum $ußbobcn. SaS ganje 93ein ift bei bem Grwadjfenen bagegen ftetS länger als ber Sinn. Sie ©efammtförperpöpe beträgt jiemlicp genau 7| Kopfpöpen=7| Mal 3 Mal 3==67| $011. Sie Klafterweite ber ausgebreiteten Slrme mißt (muß Sdjabow) etwa ebenfo viel wie bie ©efammtförperpöpe, was für ©rwadßfene aber nur feiten jutrifft; fie ift faft auSnapmSloS etwas größer als bie Körperpöpe. £u biefer ©eftalt gepört ein $uß von 10 bis 10| Boll Sänge; ebenfo lang ift ber 23orberarm vom ©llbogen bis jur §anb. SaS ©efidjt mißt 5 Boll, glcid) ber palben Sänge beS $ußeS, ber obere Kopfabfdjnitt mißt 4 $oll. Sie §anb mißt 7 3oll, ber Oberarm bie hoppelte §anblänge, alfo 14 Boll. - 93ei ber weiblidjen ©eftalt veränbern fidj bie Proportionen ber Sdfabow'fdjen Bbealfigur beS Mannes bapin ab, baß bie untere Partie beS SeibeS vom Diabei an länger, bie lüften relativ breiter unb bie -S3eine tiirjer finb. ©twaS verfdjieben von ben SSerßältnißwertljen Odjabow'S finb, wie aus ber folgenben Tabelle erfid;tlid), bie Mittelmaße ber Äörperproportio* neu, weldje 31. ©oulb wäßrenb beS ©eceffionSfriegeS burdj taufenbfadje Meffungcn an ©olbaten unb Matrofen ber 93er. «Staaten ermittelt pat. Sie Tabelle, weldje bie Maße in procenten ber ganzen Körpergröße an= giebt, ift um fo intereffanter, ba fie Slngepörige verfepiebener Waffen umfaßt. Proportionen bc§ 9Jlcnfrfjcnförpcr§ nad) ©oulb'S Meffungen wäprenb beS SeceffionSfriegeS. ©anje Körper* große = 100,00. Slnjatjl ber gemeffencn Tlänner. 2Beif;e ©olbaten 10,876 9)tatro= fen 1061 Sieger 2020 2)?u= lattcn 863 3>nbi= aner 517 3t ö rpcrmafje: Sänfte von Äopf unb Staden 14,81 15,28 14,55 14,33 13,99 Sänge beg Olumpfeg 38,93 27,71 37,22 36,98 37,35 39,38 Atnie£)ö()e 28,02 28,90 29,17 27,84 3tnie big ntm ©patt 18,55 19,48 19,57 19,15 18,79 ©elmiterbötje jur gitigerfpi&e 43,41 43,23 45,16 45,69 45,16 SDtitteUmie jur gingerfpijje = | Älaftcrmcite 52,18 51,29 54,08 54,06 54,49 Umfang bei Taille 46,85 46,17 45,79 46,13 50,68 Umfang ber lüften 55,00 52,95 53,66 53,52 57,12 Umfang ber 23 ruft 53,34 53,24 53,05 52,76 55,58 Sltßcmfpiel ber 23ruft 3,94 3,14 2,52 2,12 2,62 SIbftanb ben Singen 3,71 3,75 4,10 4,03 3,98 beg 23cdeng 17,75 17,61 16,54 17,02 18,90 Sänge beg gufjeg 14,98 15,31 16,01 15,77 14,84 ©'icte refp. §öt;e beg fyufjcg 3,83 4,42 4,04 4,18 3,94 80 Braft- unö Sciuciuiiigöiipparnl. ©a£ Änocßenfvftein. ©a3 SKuöfelfvftem. ©a§ Sferüenfvftem. Äraftleiftungen unb SSetoegungen. J>as (iS giebt im menfdjlidjen Körper 213 (ofjne bie 32 3äf)ne). ©iefelben werben hauptfädjlidj burd) „ftnodjenbänber" mit einanber ver- bunben unb bilben fo ein jufammenljängenbeS, bewegliches ®erüft beS Körpers, baS (Gerippe ober ©feiet*) genannt wirb. ©iefeS fnödjerne rüft, baS in bie brei ©peile: Äopf, Dtumpf unb ©liebmaßen verfällt, ift vorerft bie ®tü£e beS ganzen Körpers. ©obann bient eS jur ber Slkidjtpeile, befonberS ber aus biefem ©runbe and) ©feletmuSfeln ge= nannten willfürlidjen SRuSfeln. ©rittenS bilbet es fohlen, in weldien bie (Singeweibe gefdjüpt liegen. $ortn unb Sau ber einzelnen Änodjen finb üerfdjieben. SOlan unterfdjeibet: a) platte, flacfje ober breite (©djäbelbecfe, 53ruft* bein, ©djulterblätter unb §üftbein); b) furje ober bicfe Änodjen vonrunb- lidjer ober unregelmäßig üielecfiger ©eftalt (j. 53. £>anb unb fnochen); c) lange ober SRöhrenfnodjen (SIrm-, 53eim, nRittelhanb*, 2DHttelfuß=, Ringer* unb 5öaS ben üerfdjiebenen 53au anbetrifft, fo befteljen bie platten unb furjen Änodjen üorwiegenb aus fdjwammiger um weldje bie compacte eine mehr ober weniger bicfe SRinbe bilbet (f. $ig. 27.) 53ei ben Siöprcm fnod)en, bereu runblid)=cplinbrifd)eS ober meljr fantigeS äJlittelftücf Körper ober @djaft ge» nannt wirb, befteßt legerer aus einer, bie aRarfhöljle umfdjließenben SRöhre von coim pacter URaffe. 2ln ben beiben etwas bitteren, mitunter fugeiförmigen ©elenfenben bicfcr Änodjen nimmt bie ©icfe ber, bie äußere $ülle bilbenben Änodjenfubftanj mehr unb mehr ab, unb bie SSRarfhöhle wirb burdj fdjwammige erfefct (f. $ig. 28-30.). Fig. 27. be§ §anbge= lentb; oben bie Unterarm*, unten Bier ®tittelfianb=, in ber SUtitte bie Snnertjalb ber Weife bunctirten compacten ®nocl)en= maffe liegt bie fd)toarj bunctirte fdnuammige finoctjeniubitanj. Sie fctjmarjen ©tridje bejeidjuen bte ©clente. *) ©er Größte Änoeßen be£ ®erippe§ ift ba3 ©eßenfelßein, von befien grieeßifeßer skelos bag feinen Manien ©feiet crßalten ßat. 81 Sille $nod)en finb mit einer $aferf)aut, $ n o d) e n * ober V e i n lj a u t umfleibet. ©iefelbe ift bie Trägerin ber Sleroen unb Vlut* gefeite für ben Änodjcn. Bni^en unb Snodjen liegt nod) eine Bellenfdjidjt, Don Welcher hauptfädjlid) baS V>ad)Stl)um bejw. bie Steubilbung beS $nod)enS (bei Verlegungen) auSgel)t. ©ie Verbinbung ber$nod?en unter einanberfanneinebewegliche ober eine unbewegliche fein. Sefjtere fommt ju ©taube burd): Sialjt (©utur), Einteilung unb Vanb* unb Änorpelfuge (©ijmphhfe)- Dtaljtoerbinbung befteljt barin, baß Änodjen mit Baden unb Einfdjnitten ihrer Stäuber in einanber greifen. Von Einteilung fpridjt man, Wenn ein Knochen japfenförmig in einem anberen ftecft, wie 3. V. ber jweite $alS* wirbel im erften. Vei ber Vanb* unb Änorpelfuge werben Knochen burd) bajwifdfen liegenbe Vänber ober Änorpelfd)id)ten ftraff Bereinigt £)iefe Slrten ber (unbeweglichen) Verbinbung haben ben Bwecf, mehrere $nodien gleichfam ju einem umjugeftalten. Scaljt unb Einteilung erfüllen biefen Bwecf Bollftänbig, wogegen Vanb* unb $norpelfuge nod) eine gewiffe Ve* Weglidjfeit ermöglichen. ©ie beweglichen $nod)enBerbinbungen, bie ® e l e n f e, fommcn ba* burd) ju ©taube, baß bie Enbftücfe ber Änod)en mit Knorpel überzogen, alfo glatt, unb berart mit einanber burd) Änoaienbänber Berbunben finb, baf$ fid) bie glatten $läd)en an einanber be* wegen tonnen. Stad) bem ®rabe biefer Ve* Weglidfteit unterfdfeibet man Bier ®elenf* formen: a) ba§ ftraffe ®elenf; eö geftattet nur geringe Verfd)iebungen ber ii'nodjen gegen einanber, ba bereu ©elenfflädjen eben finb, V. bei ben $anb* unb fnodjen (f. fyig. 27); b) ba§ ©d)amier= ober Söinfelgelent, baö Vewegung unb ©trecfung (man beute an ein auf* unb ju* tlappenbeS ©afdjenmeffer) ermöglid)t(f. {yig. 28); c) baS Stoll5 ober ©rehgelenf, bei welchem fid) ber eine 5lnod)en um ben an* bereu in einem halben Greife brel)t; d) ba§ freie ober ba3 in Welchem bem tugeiförmigen ßnbe beS einen Änochenö (bem $opf) in einer entfpred)enben 2lu§höl)lung (Pfanne) be§ anberen Änod)enö eine ausgiebige Vewegung geftattet ift (f. $ig. 29 unb 30). Umfd)toffen werben bie ©elenfe üon einer, ©elenffaßfel genannten $aut, welche aus bem beS einen Knochens entfpringt unb über bie VerbinbungSftelle beiber $nod)en hittweg in baS beS anberen Fig. 28. SänflöburdjfdjnUt burtf) ba§ Änicfjetenf, a) cSctjen fctbein, b) @rf)ienbein, cj ®nie= fcfieibe, d) (Selentijöljte mit Stjnoöiab Ijaut. 82 Tafel II. f e l c t b e § 9)1 e n f d) e n. (SBorberanficfjt.) 83 Tafel III. @ f e (e t b e § 9J? e n f d) e n. OiücEenanficfjt.) 84 Äuodfenö übergeht, ©iefe (Selenffapfel bilbet alfo eine 2lrt §öl)le, in weldfer ba§ (Selent liegt, unb biefe ift in ihrem Innern nod) mit einer Fig. 29. Fig. 30. ßängSburcfifdjttitt betret) ba§ ©djuttergelcnf. a) Oberarmbein, b) (Schulterblatt, c) ©cblüffelbein, d) ein .Snocöenbanb, e) ein Kopf be§ äiueif öpfigen SXrmntuSfelS, f) ©ebne beffelben, g) Slrterie unb 9ter», bnrcf)frf)ttit= ten, h) obere§ ©nbe eine? abgefetjnittenen StrinniusfelS. ßängSburthfdjnitt burtf) ba§ a) be§ ©berfdjenlellttorfjenS, b) ©artnbetn (beS SecfenS), c) ©elentbanb, d) ©djambetn (beS SetfenS). bünnen binbegewebigen §aut, ber Spnoüialpaut, auSgefleibet, weldje itjrerfeits eine gelbliche, bie (Selenfflädfen fdjlüpfrig macfjenbe „(Selent' fdjmiere" (Spnoüia) abfonbert. -3'n ifjrer richtigen ?age werben bie Stnodjen bejw. (Selenfe erfjat ten: burdj bie Änod)em ober (Selenfbänber, burdj ben Suftbrud nnb burdj ben fogen. SJluSfeljug. £)ie (Selenfbänber finb turje, ftraffe nnb ftarfe 3ugbänber non Dorwiegenb aus elaftifdjem 33inbegewebe befteljenben $afern, meldje ber ©elenffapfet eingebettet ober anfgelagert finb. eie finben fid) übrigens nidjt bei alten ©elenfen. £)er JÖuftbrucf, b. 1j. ber £>ru(f ber 2ltmofpl)äre, prefjt bie ©elenfftädjen gegen einanber. (5r ift fo ftart, bafs er 5. 33. allein ben ©elenffopf be§ ©djenfelbeinS in ber lenfpfanne t)ält, felbft luenn bie um baS (Selent lagernben Einstein nnb baS $apfelbanb burdjfdjnitten wären*). ®er DJiuSfeljug enblid) ift biejenige Äraft, mit weldjer bie nm ein (Selent liegenben $leifd)maffen (Pusteln) bie (Selenfflädjen gegen einanber preffen. a) Hopfffclct. £)a§ beSmenfd}(id)en Kopfes, baS Äopfffelet ober ber @d)äbel im weiteren Sinne wirb, abgefeljen Don ben 6 (Sepörtnödjeldjen *) Seim (h'fteigen tplier Serge reicht a&cr ber ©ruif ber auf ben Sergen fetjr toer= bunnten ßuft allein nicht mehr au§, um ben@elenffopf in ber Sßfanne $ugalten, bie Pusteln mehr angcftrengt irerbcn müffen, alfo mehr ermüben, Wogegen bie Seines gungen auf betn in bei mitcomprimirter ßuftgefüllten $aucf»erglo(fe, b. i. bei größerem ßuftbruct, viel leichter finb. 85 unb ben 32 3öl)nen, bon 22 ®nod)en gebitbet, bon toeldjen nur einer (ber Untertiefer) mit bent übrigen bemeglid) berbunbenift; alte anbe* ren $opffnod)en berbinben fidj unbemegtid) (burdj 9iäpte) mit einanber. Sad $opfffetet verfällt in jmei Speilo, ben §irntl)eit (Sdjjäbelim engeren Sinne, §irnfd)ate ober <Sd)äbelfcrpfet) unb ben ®efid)tdtpeil. Sie ®renje jttrifdjen beiben ift äufjerlid) burdj bie SRafentourjel, bie oberen Räuber ber Äugenpötjlen (Augenbrauen), ben äußeren ®et)örgang unb ben hinter® (am oberen (Snbe ber Dtad'engrube) bejeidjnet. £)ie § i r n f d) a l e beftetyt aus 8 $nod)en, 4 paarigen unb 4 unpaarig gen. Sie (enteren, baS Stirnbein, bad Siebbein, bad Keilbein unb bad Fig. 31. Fig. 32. Stirnanfid)t be§ ScbäbelS. a) Untertiefer, b) Cbertiefer, c) Stafenbein, d)@cbiäfenbein, e) großer Süeilbeinfliigel, f) Scheitelbein, g) Stirnbein, h) Sluaenbiiljle, i) Scbläfengrube, k) Socßbogen, 1) yodjbein, m) aSarjentheii be§ Schläfenbeines. Stirnbein, non innen gefeljen. a) ftfjubpe, b) atugenljöljlenbecten be§ Stirnbeins. Hinterhauptsbein, bilben bie üorbere, untere unb tjintere SÖanb ber £)trn= fdjale. £)ie beiben Scheitelbeine unb bie beiben Schläfenbeine bilben bagegen (mit Xl)e^en beS $eilbeinö bejm. ben beiben „großen bie obere £ede unb bie Seitemuänbe ber Hirnfdjale.- ©ad Stirnbein (f. gig. 31 unb 32), am üorberften £heife beS SdjäbelS über bem ©efidjt liegenb, hat bie ©eftalt einer 9Jtufd)el, bereu einer £heil (Stirnbeinfchuppe) fenfredjt in bie §öhe fteigt, ivährenb ber anbere horizontal liegt unb bie Ted'e ber Slugenhöljlen bilbet, 2ßo bie Stirn* knöcherne StafenicheibciDanb, bon bet Unten Seite flefcljert. a) Stirnbein, b) Sftafenbein, c) Siebblatte be§ Siebbeins, d) fenfrectjte glatte beS Siebbeins, e) Keilbein, f) $flugfcharbein, g) ©aumenbein, h) Dbcrtieferbein. 86 beinfd)uppe in bcn anberen 5TI)ei£ umbiegen null, tvirb bie [)ol)l, inbcm fid) bereu innere glatte von ber äußeren trennt, ©aburd) entftefjen bie (alfo hinter bem 91afennmlft refp. ben Slugenbrauen liegenben) Stirnhöhlen (f. $ig. 39, h). £)er obere hintere SRaum beS Stirnbeins ift auSgejadt unb burd) bie $ranj= naht mit ben Sdjeitelbeinen unb ben großen Ringeln beS verbunben. Unten Ijängt baS Stirnbein jufammen*): erftenS mit bem Siebbein, beffen „Sieh glatte" fid) in einen engen Stuh fdmitt einfügt, ber zroifdjen bcn bciben Slugentjöljtentl)eilen beS Stirnbeins, von vorne nad) hinten geridjtet, bleibt (f. ©efid)tstl)cil); zweitens mit bem Keilbein, baS fid) an ben hinteren 9xanb ber 9(ugenl)öl)lentl)eile beS Stirnbeins (f. $ig. 33). - £>aS Keilbein (f. {yig. 34), ivegen feiner an bie ©eftalt einer fliegenben SBeSpe erinnern' ben $orm and) genannt, befteljt aus einem faft würfelförmigen, ljoljlen SDlitteltfjeil (Körper), welcher bie bilbet, bie, Ivie bie Stirnhöhlen, mit ben -Jlafenhöhlen fammenhängt. ißon biefem OJJittet theil gehen 3 'ißaar fyortfäpe aus, unb jtvar jivei bavon nad) rcdjts unb linfs annähernb horizontal: bie flcinen Äeil' beinflügel mehr nadj vorn unb bie großen mehrnad) hinten. Grftere legen fid) an ben hinteren 9?anb ber ?(ugenhöl)lentheile beS Stirnbeins an. £ie großen iveldje je 3 $läd)en befipen unb mit biefen nad) ber Sd)äbel', klugem unb Sd)(äfenl)öl)le hin feljen, verbinben baS Keilbein bagegen mit bcn Stirm, Sd)eitel', Schläfern unb 3°d)beinen. £)aS britte von gcl)t von bem unteren Umfange beS auS; eS finb bieS bie flügelförmigen ?yort= ober ©aumenflügel, bie fid) nad) vorn an bie ©aumeu' unb Cberfiefer- Fig. 34. SeiWcin, bon born unb bon unten gelegen. a) Körper, b) bie Heinen, c) bie großen Seilbeinflügel, d) bie ©aumenflügel. Fig. 35. §inter'f)cntptbein, Bon aufeen gcfetien. a) b) borijontoler Xbeii, c) ßinterfiauptfcfnippe, d) .fiinterfjnuptloif), e) ©runbtljeit, f) ©elentfortfcifte. *) SIBflcfeljcn von ben anflrpnjcnbcn Änodjen bcö ©efidjtStljeilg, ben Soc()=, Reifen-, Stljränen: unb Obcrfiefcrbctncn. 87 beine anlegen. Tie obere {yläclje beS Ä'eilbeinförperS tjat eine Vertiefung, ben fog. Türfenfattel (f. $ig. 39), in Welchem ber Hirnanl)ang liegt; bie borbere glädje grenzt an baS Siebbein unb baS 'ißflugfdfarbein, unb bie untere $läd)e hilft bie Tecfe beS Sd)lunbfopfeS bilben. - TaS Hinter« hauptSbein (f. $ig. 35) liegt am hinteren unb unteren £l)eil beS SdjäbelS unb Ijat bie ©eftalt einer fladjen kDcufdjel, bereu einer Tßeil, bie Hinter« Ijanptsfdjnppe, auf bem anberen, ber horizontal nad) born unb unten ab« biegt, faft fenfredft fteljt. Tie Hinterl)auptSfd)uppe ift an ihrem oberen unb fcitlidjen Dianbe auSgezacft unb bort burd) bie ßambbanal)t mit ben Scheitel« unb Sdjläfenbeinen berbunben. V3o bie Schuppe in ben horizontalen Tfjeil umbiegt, befinbet fid) ein §öder, ber HinterI)auptSl)ö(fer. Ter horizontale Tljeil ift bon einem baumenftarfen £od) burd)bol)rt, bitrd) welches baS 9?ücfenmarf in ben SBirbelcanal, bie VSirbelarterien aber bon außen in bie Sd)äbell)öl)le eintreten. 3U beiben «Seiten biefeS Cod)eS liegen bie beiben etwas auögel)öhltcn © elenff mittels bereu fid) ber ®opf auf bem erften Halswirbel nad) born unb hinten beugen unb ftrecten, n i d) t aber brehen fann. Vorn am Hinterl)auptslod) ber« binbet fid) baS Hinterhauptsbein (mit feinem ©runb« ober mit ber hinteren ftlädje beS Mbeinför* perS. - Von ben beiben paarigen @d)äbelfnod)en liegen bie «Scheitelbeine (f. $ig. 36) am mittleren, oberften unb feitlid)en Stylte beS SdjäbelS; es finb faft quabratifd)e $nod)enplak ten, Welche, nad) außen gebogen, an allen ihren Räubern auSgezacft finb. Unter einanber Werben fie burd) bie berbunben, weld)e gerabe bon born nad) hinten über baS Sdjäbel* bad) läuft, ferner Werben bie Sd)eitel= beine berbunben: born mit bem Stirm beinburd) bie Äranznal)t, feitlid) unten mit ben großen Mbeinflügeln unb ber Sd)läfenbeinfd)uppe burd) bie Sd)uppennal)t unb hinten mit ber Hinterl)auptSfd)uppe burd) bie banal)t. - Tie Schläfenbeine (f. 37) liegen an ber Seite beS SdjäbelS Fig 36. Sinfeä (Scheitelbein, bon außen gcfeßen. Fig. 37. Sin!e§ (Schläfenbein, öon außen gcfeßen. a) (Schuppentßeil, b) fjelfenbein mit bem äußeren ©eßörgange (c), d) SSarjentheil, e) ©riffelforb fafe. 88 jwifdjen bem Äeik, ®d)eitel- unb Hinterhauptsbein. $ebeS ber= feiten beftept aus brei berfdjiebenen, jebod) feft mit eincmber berfdpnolje* nen Steilen, nämlich aus beut gelfenbein, bem äßarjentheil unb bem ©d)uppentl)eil. ©rftereS berbirgt in feinem Innern bcn ©epörgang unb ift barum bet toicptigfte Sljeil. (SS Ijat bie ©eftalt einer breifettigen, mit ber ©pi£e nad) innen gelehrten 'ißpramibe, bie jimfdjen Hinterhaupts* unb Keilbein eingefdjoben ift. Son ben brei ©eitenflädjen biefer ißpramibe feljen jtoei nad) ber @d)äbell)öhle unb eine nad) außen unb unten; letztere Ijat einen gabelförmigen $ortfap, ben ©riff elf ortfatj, ber mehreren DJhtSfeln als Slnfappunf't bient. Sin ber nach aupen gerichteten ©runbflädje ber tritt ber ändere ©e* hörgang Ijerbor. ©aS Reifen* bein ift bau mehreren ßödjern für Slbern unb Serben burd)* brodjen. lieber ber ©runbflädfe ber erhebt fid) fenfredjt ber ®d)uppentheil bes @d)läfenbeineS. ©erfelbe hat eine hcdbfreisförmige glatte ©eftalt unb trägt nad) born ben Oodffortfafc, an ben fid) baS 3od)bein (f. ®efid)tstl)eit) an* fdjließt. SermittelS ber ©d)up* pennapt legt fid) ber ©djuppen* tpeil an baS ©cpeitelbein unb bcn großen Äeilbeinflügel an. hinter biefem Sfyeil, unb jtuar tiefer al£ berfelbe, liegt ber Sßarjentljeil. 91adj born ift biefer, ben man äußerlid) pinter ber Dpr- mufdjel füljlt, burd) eine ©rube bom $elfenbein gefdueben, ibäljrenb er mit bem Hinterhauptsbein burd) eine ber Sambbanapt in Serbin- bung ftept. ©ie $nod)en ber Hirnfdjale beftefjen aus jiuei iueldje burd) fd)tuammige (in biefem $al( ©iploe genannt) ber- bunben finb, biStueilen aber, nne bieS regelmäßig am @tirn= unb Keilbein gcfd)iel)t, aus einanber Weid)en unb fo Höl)len bilben (f. $ig. 39, g unb h). ferner ift über biefe ®nod)en im allgemeinen nod) ju bemerfen, ba$ bie fie berbinbenben 9?äl)te im früpeften nod) nid)t auSgebilbet finb. Sei iljrer erften Silbung ftellt bie Htrnfdjale eine Zapfet aus einer einzi- gen, ungetrennt jufammenhängenben bar, an meld)er fid) erft nad) unb nad) an oerfdpebenen ©teilen Änodjen bilben, lueld)e burd) Fig. 38. Seitenanfidjt be§ Schöbel?. a) (Sriffelfortfah be? 'Schläfenbein?, b) SBarjentheil be? Schläfenbein?, c) Hinterhauptsbein, d) ©ehörgang, e) Schuppentljeil be? Schläfenbein?, f) grofjerSleilbeinfliigel, g) Scheitelbein, h) Stirnbein, i) Dlafenbein, k) Soch'bein, 1) Qocbbogen, m) Oberfiefer, n) (Selenffortfaf beg Unterliefet?, o) Unterliefet. 89 tnorßelige Streifen Zusammenhängen. ©iefe Ginrichtung, welche fid) beim Keinen oorfinbet, hat ben Vinnen, baß bie Sdjäbeltapfel fid) mit bem Sßadjfen beS ®el)irnS erweitern fann. Sie ift ferner ber ®runb, tuarum bei mibernatürlidjer Vergrößerung (Ueberernährung) beS ®el)imS,bei traut- hafter Zunahme ber §imflüffigfeit (VSafferfopf) ober bei ©efdjtbüren ber Sdjäbel eine enorme ®röße erreichen fann. Steht anbererfeitS baS2öad)S- thum beS ©ehirnS ju früh füll, fo fdjließen fid) bie Drähte wegen beS man- gelnben £)ructS ju frühzeitig, unb ber 9D?enfdj bleibt mit feinem fleinen $opf (W?ifrocephcile) £eit feines Lebens blöbfinnig. GS geht barauS herbor, baß ®röße unb §orm beS ScßäbelS oom ®et)irn refp. oon beffen V3ad)S= tßum abhängig finb (f. S. 77). Fig. 39. Sentretfjter Scfiäbelburchkhnttt. a) Otafenbetrt, b) Sftafenfchetbetoanb, c) Stirnbein, d) Scheitelbein, e) Hinterhauptsbein, f) fcürtenfattel, g) Steilbeinhöhle, h) Stirnhöhle, i) Stafenftachel, k) harter (Saunten, I) untertiefer, m) HinterhauptShöcfer. Lim fpäteften tritt bie Verfnödjerung an bett SßSittfeln ber Sd)äbel- tnodjen ein. ©iefe fühlbar meidjen, nod) fnorpeligen Stellen am ®inbeS* fdjäbel (f. $ig. 40) heißen Fontanellen, bereu befanntefte, im gewöl)nlid)en Leben baS „Vlättd)en" genannte bie VorberhauptSfontanelle, born über ber SDcitte ber Stirn, ift. Sie fdjließt fid) gewöhnlich im Lebensjahre. $ur gleichen 3eit oerwäd)ft and) baS anfänglich aus beftetjenbe Stirnbein, inbeffen fdjtiefst fid) bei manchen QKenfdjen biefe „Stirnnaht" nie. 3m brüten Lebensjahre erhalten fobann bie Dlähte ihre jadige Ve- fd)affenl)eit; im 20. 3ahre fangen fie an ju oerfnödjern unb mit bem 40. 90 finb fie gewöljnltd) üerfdjwunben. 33eim erwadjfcnen Hftenfdjen ift ferner baS Keilbein mit feiner hinteren $örperflädje mit bem §interbauptS- bein (an beffen feft Derwadjfen, unb beibe $nod)en bitben jufammen baS (Grunbbein (f. Seite 87). ©er (GefidjtStl)eiI beS menfdjlidjen Sdjäbels wirb Don 14 $nod)en, ben (GefidjtSfnodjen, gebilbet, bie fid) an ben üorberen unteren Umfang ber §irnfd)ale an- legen, ©iefe Änodjen, Weldje mit UuSnatjme beS Unter* tieferS burd) 9?ätjte feft mit einanber Dereinigt finb, bil* ben ein (Gerüft, baS aus bret Steilen befielt: bem ©berfiefergerüft, ber (Grunbtage beS (GerudjSorganS unb bem Unterliefen ©aS ©berfiefergerüft ift aus givei feitlidjen bereu jebe als §auf>tftücf ein ©berfieferbein befitjt. ©iefer bereits beim Keinen ftinbe aus einem Stücf befte* Ijenbe ftnodjen entwitfelt fid), wie be* fanntlid) (Goett)e juerft natfjwieS (f. S. 5), aus jwei urfprünglitfj getrennten Änodjenftücten, bem ©berfieferbein, weldfeS Warfen unb- (Sctjäljne trägt, unb bem3wifd)enfieferbein, in welchem bie SBorberjäljne fteefen. 3eber ©ber= tieferfnodjen t)at eine §öl)le, bie ©ber- fieferl)öl)le ober §igf)mor7fd)e §öt)te (f. B'ig. 46), bie über bem fogen. klugem jaljne ((Jcfjaljne) iljre Sage l)at unb mitunter ber Sitj Don franfljaften ßdiiffigfeiten ober ®efd)Wülften wirb. Sin j.ebeS ©berfieferbein fid) ein em 3od)bein unb ein (Gaumenbein an. ©ie 9?afenbeine legen fid) an baS Stirnbein an unb bitben fo baS ©ad) ber 9lafe. ©ic 3od)beine finb bie Unterlage für bie f)erDorftel)enbften ©beite ber langen, ©ic (Gaumenbeine bitben im herein mit ben ©berfieferbeiuen ben barten (Gaumen, jene fnodjerne glatte, Fig. 40. «Scfiäbel eine® 3?euc«e6orenen. a)®rofee Fontanelle (,,®tcitt- ctjen"), b) flcine Fontanelle, c) «Stirnbein, dd) «Scheitelbeine, e) Hinterhauptsbein. Fig. 41. Snikljetne SRafenfcIjeiberoanb, bon bet linten (Seite gefeiert, a) Stirnbein, b) 9?afettbeitt, c) @iebblatte beS Siebbeins, d) (entrechte glatte bcö Siebbeins, e) Seilbein, f) ipfluflfcöarbcin, g) ©auntenbein, h) Dberfieferbetn. 91 Welche bie £)ecfe berSJhtnb* unb ben-SSobenber 9?afenl)öhle ausmacht*). - (fringefeilt in ben 9Jaum jtoifdjen ber Sdjäbelbafis unb bem Dbertiefer* gerüft, hinter unb unter ben Slafenbeinen, liegt bie fnödjerne ©runblage beS ®erud)SorganS. £>aS §auptftücf berfelben ift baS Siebbein, welches mit einem Heinen horizontalen Sheile, ber Siebplatte, ben 33oben ber Sd)abell)öl)le bilben l)ilft unb bafjer fdjon bei ber erwähnt würbe. Sin bie ber anberen, ber {entrechten glatte beS Sieb' beinS fdjliept ficfj nach hinten unb unten ein an; beibe z«* fammen bilben bie fnödjerne 9?afenfdjeibewanb (f. $ig. 41.) hierher ge* hören ferner nod) zwei Shränen* unb jtoei Sftufdjelbeine, bie fidf) jeher* feitS oereintgen, um bie innere 2ßanb beS ShränencanalS zu bilben. - Ser zweite unpaarige ©efidjtStnodjen (auper bem ''ßflugfdjarbein), ber Unter* tiefer, ift zugleid) ber einzige Sdjäbel* refp. ©efidjtsfnodjen, ber burdj (Mente mit bem Sdjäbel unb jumr mit ben Schläfenbeinen bereinigt ift. 9J?an unterfdjeibet an tljm einen Körper unb Zwei auffteigenbe Slefte (f. gig. 42). Ser Körper ift baS getrümmte Mittel* ftücf beS in beffen oberem 9?anb, jeber in einer eigenen, äuperlidj burdj eine geringe Sluftreibung fidjtbaren Slloeole, 16 Zöljne (bei bem ßrwadjfenen) fteefen. Sa« Äinn tritt alö SJlittelftücf be3 unteren Stanbeö beutlid) herOor« 5ln ben beiben hinteren @nben beS $örper§ fteigen (am Unterfiefernnnfel) bie Slefte in bie §öpe. £)er obere 9?anb jebe§ Slfteß ift halbmonbförmig au§gefdjnitten, iooburd) ein üorberer unb hinterer $ortfa£ entftehen. (öfterer, ber ift flach unb zuge* fpipt, tepterer, ber ®elenffortfah, trägt ein Äöpfdjen für baS Äiefcrgelenf. £)ie $äl)ne, meld)e nebft ben fpäter zu befpredjenben ®ehörfnöd)el* djen unb Zungenbein**) ebenfalls zu bem fnöchernen Äopfg'erüft gehören, bilben mit ben liefern bie paffioen Äauwerfzeuge, im ©egenfap zu ben actiüen, ben ÄaumuSteln. £)er frei in bie SJhmbhöhle ragenbe Sheil beS Zahnes heifät ®rone, auf biefe folgt, Dom Z«hnfleifd) bebeeft, ber in bie oben erwähnten Süden beS ÄieferS eingefeilte Sl)eil enblicp Fig. 42. Itnterfiefer. a) Sörpcr, b) SllDeolarranb, c,c) Stronen=, d,d) ©efenffortfah, e) Unterliefet* iuintet. *) Angeborener Mangel beg harten ©aumenä ioirb genannt. ®r ift gewöhnlich mit (Spaltung oer Oberlippe ($afenfcharte) oerbunben. **) S. SBerftanbeSapparat: §ören refp. Scßmecfcn. 92 Söurgel (f. ftig. 43). 3m ßnnern jebeS befinbet fid) eine £wljle, Weldje in bet ober ben auSmünbet. Xurdj btefe DJlünbungen an bcn Sßurgeln (3al)ncanäldjen) treten Serben unb ©efäße in ben 3aljn ein nnb Ijerauö. Xie 3cl wirb hurdf ba§ nerbem unb gefäßreidje Oewebe be$ 3afynfcime$ auSgefüllt. Xie §aupt- maffe ber feften ba§3a bein, Elfenbein ober Xentine, befteljt aus einer ftructurlofen, bon feinen, in bie 3aljnböl)le münbenben (Sanäldjen burcf)= gogenen 3ftaffe. 3In ber Ärone wirb e§ bon einer, bon if)m wcfentlid) berfdjiebe- neu Subftang, hem (Gmail) überfleibet. §ate unb SSurgel be§ 3aW$ einen Uebergug bon SBurgelrinbe (dement), weldjer ben 33au ber Änodjenfubftang geigt. 2Iudj baS 3aW'ein ift eine 2Irt Änodienfubftang (f. fyig. 44). - Xie bollftänhige -löegcdjnung be§ 9J?enfdjen befteljt au§ 32 3äljnen. Söonbiefen fielen 16 injebem tiefer, unb gwar 4 meißelförmig ge- fdjärfte Sdjneibe* ober 23orbergäljne, 1 tegelförmig ddgaljn auf jeher (Seite unb baneben jeberfeite 5 iöacfengdljne. geltere gerfallen iljrew feite wieher in 2 33adengäl)ne im enge- reu Sinne beö SÖorteS, mit je 1 ober 2 Gurgeln unb je 2 § ädern auf iprer $aufläd)e, unb in 3 DJialjl- ober Stocf- gäpne mit je 2 ober 3 Sßurgeln unb 4 bi$ 5 Rödern auf ifjrer Xie 3)2al)(gäljne liegen am Weiteften ljinten. Xie erften 3^)ne treten bei ben $inhern im fcdjften ober fieben- ten 9Jlonat auf. SlUmälig bredjen neue perbor, bte gegen Gnbe beö gweiten 3af)re$ ba3 fog. SOHlcßgebiß mit feinen 20 W?ild)gäpnen ift. Xiefe „ßiiljne bleiben bte gum fiebenten Veben§jal)re, um bann in berfelben golge, wie fie Ijerbortraten, wieber auögufatlen unb ben gum Xurdjbrudje im tiefer bereit liegenben, bleibenben 3^0ncn 3U Weidjen (f. fyig- 45). Xie $nodjen beö $opfffelete§ bilben mehrere £wljlen refp. ©ruben, bon benen folgenbe ate Verbergen ebelfter Organe bon leit finb: XieOdjabel* ober ®el)irnl)ö()le eineö mit ber Spille nad) born geteerten, unten eingebrüdten dte. Sie gerfällt in brei 9lb- fdjnitte, bie oorbere, mittlere unb Ijintere Sdjäbelgrube. drftere, weldje bie Sßorberlappen be$ ©roßßinte trägt, wirb gebilbet bon ben Slngenljößlem Fig. 43. StfiS"' " SS: jrotfcfien ßetben bet $ais. Fig. 44. <sdjneibe=, ®atfen= unb SKnijIsafm int $urcf)= idjnitt a) Grotte, b) öa£§, c) SButäel, d) HafinfcbnteiA, e) gabnbcin, f) Gement, g, Saljnijöljle, h) 3al)ncaniilcf)en. 93 tljeilen beS Stirnbeins, ber Siebplatte beS Siebbeins unb ben Heinen ÄeiH beinflügeln. Sie mittlere Sdjäbclgrube reicht twn biefen bis jum oberften Dtanbe ber unb wirb burd) ben „Sürfenfattel" in jwei §älften geteilt; in il)r liegen bie SJHttellappen beS Sie ljintere Sdjäbelgrube liegt Ijinter ber $elfenbeinpl)ramibe, wirb non bem Runter* pauptSbein unb bem unb $elfentl)eil beS Sd)läfenbeinS gebilbet unb nimmt baS Äleinpirn, fowie bas verlängerte Ddlarf auf. Ueber ben Fig. 45. unb bletbenbe bei einem Stube im 6. SebenSjaijr. a) obere, c) untere SJtitcbääbne, b) obere, d) untere bteibenbe gäbne. bret Steilen ber Sdjäbetljöfjle wölben fiel) baS Stirm, baS fointerljauptS- bein unb bie «Scheitelbeine (f. gtg. 39). - Sie beiben 2lugenl)öl)len finb, tief nad) hinten nnb einwärts fiel) ppramtbenförmig gestaltete Kopien jwifdjen bem Stirnbein, Keilbein, nnb ber oberen glädje beS DberfieferS. 2luS iljnen führen auf jeber Seite ein Sl)ränencanal in bie 91afenl)öljle unb eine Sepnerüenöffnung in bie Sd)äbelpöple.- Sie Sftafenfyöple, über ben beiben Dberfiefer- unb Gaumenbeinen, wirb burd) 94 bie 9?afenfdjeibewanb in jwei Hälften geteilt (f. $ig. 46).- ©ie 3)iunbpöl)le ift oben Dom I) arten ®aumen, an ben 'Seiten unb Dorn burdj bie tiefer nebft ben begrenzt; nadj ljinten, wo fie in bie Ü7afenl)öl)le über« gefjt, unb nadj unten ift fie offen. - Sie jwei Sdjlä« fengruben finb feitlidje, vertiefte, außen non ben (bie Don bem je eines Sdjlä« fenbeinS unb je einem 3odj« bein gebilbct werben) überbrüd'te Vertiefungen (f. $ig. 31 unb 38). - £)ie beiben äußeren ©eßörgänge liegen je einer in ber jebeS Schläfenbeins. b) Sa? IRitmpffMct. £)aS Wodjengerüft bes WmpfeS, baS fRumpfffelet (f. $ig. 47), befteßt aus 53 $nod)en. (SS ljat als ®runb« läge eine Dom Otücten fdjlangenför« mig fid) ßerabjiefjenbe unb mit einem (Sanale für baS üiücfenmarf unb bie Ursprünge ber 9?ü(fenmartSnerDen Derfeßene baS 9tüd> grat ober bie VJirbelfäule ift aus 26 .ftnodjen jufam« Don benen bie 24 oberen bie 2ßirbel, bie beiben unteren baS Äreuj« unb baS ©djiDansbein Ijeißen. .ßljrer Sage nad) werben bie 7 ober« ften VJirbel bie Halswirbel, bie 12 folgenben bie Vruft« ober fRücfen« wirbel unb bie 5 unteren bie Vaud)« ober Senbenwirbel genannt. fDJit ben 12 Vruftwirbeln fteßen auf je« ber Seite 12 Rippen in Verbinbung, unb biefe 24 Rippen bilben mit bem Vruftbein unb ben Vruftwirbeln ben Fig. 46. ©entrecfiter Siirtfjitfjnitt burcf) bie®runt>(agebe§®erutf)Sorgang unb baä Oberfiefergerüft. kk) Shtgenfjötjlenitnt) 11) Oberhefer= Ijöfjlen, basivtfefjen, burrfj i gettjeilt,biet>ie£= facf)au?gebucbtete51afenWe(cc.) Fig. 47. 23ÄSS? **n ber D6erarm' 95 53ruftfaften ober £Ijora£. ©aS 53ruftbein ift ein tanger unb brei- ter, aber bünner £nod)en, ber fid) oben jeberfeitS mit einem @d)lüffel- bein Derbinbet. ßS befteljt aus brei fnorpelig mit einanber Derbunbenen Slbfdpitten, bie wegen ber beS 53ruftbeinS mit einem altertljümtidjen tuqen @d) werte ®riff, klinge unb @pit?e genannt worben finb (f. $ig. 48). 2lm oberen breiteren Steile beS 53ruftbeinS, oben am ©riff, befinbet fid) ein etwas auSgefdjnittener 9ianb, Weldjer (am Körper aufjen beutlicfj fühlbar) Dorn bie untere beS §alfeS bilbct. Sßon jeher (Seite beS 53ruftbeinS (mit SluSnaljme ber ©pitje) lau- fen fnorpelige 53änber aus, Weldje 9tippentnorpet ge- nannt werben, unb Don benen fid) bie oberften 7 birect mit je einer 9iippe Derbinben. ©iefe oberen 7 9iippenpaare wer- ben bie „wahren 9iippen" genannt, im ©egenfajj 311 ben „falfdjen" 5 unteren paaren. $on letzteren fteljen nod) 3 'ißaare inbirect mit bem 53ruftbein burd) 9tippenfnorpel in 33erbinbung, wäfyrenb baS 11. unb 12. (alfo 4. unb 5. „falfdje") 9iippenpaar nur pinten (an ben entfpredjem ben 53ruftwirbeln) befeftigt finb, Dorn aber frei Derlaufen. ©er Umfang beS 53ruftfaftenS, in weid)' festerem baS §eq, bie Zungen unb bie großen @efäpe liegen, ift Don 53ebeutung, weil Don ber (SSröfje unb ber 53eweglid)teit beS 53ruftfaftenS baS beffere ober fd)led)tere Sßonftattengeljen beS SltljmungSproceffeS abljängig ift. ©iefer Umfang, ber 53ruftumfang, wirb am beften in ber §öl)e ber gemeffen; er beträgt minbe- ftenS bie §älfte, mitunter, b. I). bei befonberS gut gebauter 53ruft, wol)l and) § ber $örperlänge. Oft t)er nid)t normal (311 lang ober furj, fdjmal ober breit, flad) ober gewölbt gebaut) fo ljat man, befonberS bei Ambern, baljin 311 ftreben, bajj er bie gehörige 5IuSbel)nung erlangt, unb feine §öl)le, 3. 53. beim Sltljmen, orbentlid) erweitert unb Derengert werben fann. ©ieS fid) burd) 3Wetfmäfjige Bewegung ber 53ruft- unb SlrmmuSfeln (Xicfatpmen, ©urnen, u. a. m.), fowie burd) SBermeibung beengenber Fig. 48. SBruftbein mit ben SRipbenfttorpeln. a) ©riff, c) Gbifce, baälDtJd)en (b)biefllinge, ba§ lange SUiittelftücJ bei» Sruftbeinä. 96 Äleibungdftütf'e erreidjen. 53ei iveitgebieljener £ungenfd)tt)inbfud)t geigt fid) bet S3ruftfaften lang, ci)linbrifd) unb oben unter ben Sdjlüffelbeinen beutlid) vertieft; bei ivibernatürlid) audgebeljnten Zungen (Slftljma) erfdjeint er bagegen faßartig aufgetrieben. - DJiit bem lebten Cenbemvirbel Gereinigt fid) nad) unten gu bad aud 5 einzelnen, aber unter einanber verlvadjfenen ®nodjen ober falfdjen SBirbeln beftefjenbe „Ijeilige" ober ©adfelbe ift fdjaufei- förmig unb fteljt mit feinem unte- ren, feigen (Snbe mit bem @d)tvang=, Steif? ober in SSerbinbung, bad meiftend aud vier, mitunter aber and) aud fünf (geivöfjnlid) bei grauen) Vertun? merten, betveglid) mit einanber ver= bunbenen Wirbeln befteljt. Sin bad Äreugbein, bad auf jeher Seite an ben SSereinigungdfteHen ber falfdjen SSirbel vier (alfo über einanber liegenbe) ßödjer, bie ober Äreugbeinlödjer, geigt, fdjliefjt fid) redjtd unb lintd an ber fogen. ©armfreug- beinfuge je ein an. 53eibe 53edentnod)en ftofjen vorn an ber Sdjambeinfuge jufammen, unb inbem fie fo bad (hinten) in bie SJJitte neljmen unb fid) vorn mit einanber ver- binben, bilben fie eine, von einem fnödjernen Dring umge- bene £)öl)le, bad Wden (f. gig. 49). ©er Wdenfnodjen wirb feinerfeitd in brei Xljeile eingekeilt, bereu oberfter, fdjaufeiförmiger bad ©arm- bein I)eißt; vorn (in ber Dritte) bcfinbet fid) bad Sdjambein unb unten bad Sitzbein (mit bem Sdjambein unb Sitzbein eine ovale £)eff= nung, bad oberhalb bicfer ©effnung liegt auf ber rechten unb ber (inten Slußenfeite bed Werfend je eine 2ludl)öl)lung, bie pfanne, in tveldjer ber $opf bed ©berfd)enfelbeind burd) bad fogen. runbe ©elenfbanb bcfeftigt ift. ©ad iveiblidje Beeten (f. gig. 50) ift tveiter unb Fig. 49. m?ännrt(f>e§ Secfcn. a) Gißbein, b) $üftlod), c) Gcbambcinfnqe, d) ©elentpfanne (für ben Sopf be§ CbcrfcöenteitnocfjenS), e) Schambein, f) ®armbein, g) Sarmtreusbeinfuge, h) Äreujbein. Fig. 50. 2Beit>ltdje§ Setten. a) Gißbein, b) fireujOeitt, c) fiten,v beinlöcher, d) ©armfreujibeinnige, e) ®armbein, f) finochenhänbcr, g) Steißbein, h) ©elentpfanne, i)Sdjam= bein, k) Schambeinfuge. 97 titrier alg bag männlidje, unb ferne ©armbemfdjaufeln ließen flauer unb finb metjr auggebogen. (5g fteljt bag hn (Sinflang mit bem natürlichen Veruf ber $rau, bag ®efdjled)t ju erhalten. Verengerung ober 90?ißge= Jtaltung beg Vedeng, befonberg in feinem unteren Sßeile, bem fogen. Heb neu Vetfen, fann barum bei ©eburten von gefährlicher Sßicßtigfeit fein, ©egljalb muff aud) auf bie richtige SluSbitbung beg Vedeng bei jungen fDJäbdjen infofern Ve* badjt genommen werben, alg man burd) jwed* mäßige Vewegung mit ben Veinen bie Veden* Weite vergrößern fann. Sie ßäufigfte Urfadje ber Vedenverengerung ift bie (Snglifdje $ranf* ßeit ober fRßadjitig, aug welchem ©runbe bie* felbe fofort bei ißrem Auftreten gehörig beadjtet werben muß. Sie Söirbelfäule (f. gig. 51), bie ©runbbefte unfereg Körpers unb einzige Stille beg Äopfg, ift ein boppelt Sförmig gefrümm* ter $nod>enfd)aft, ber nad) unten allmälig an £)ide junimmt. ©iefe am Oiüden (mit ben ber Wirbel) burdjfüßlbare Änodjenfäule ift tro£ ifjrer feljr be* weglidj, benn fie fann gebogen, geftredt, feitlid) geneigt unb um ihre 2Id)fe gebreßt werben. ■Dag fommt baburdj ju Staube, baß fie aug 24*) Änodjen (Wirbeln) aufgebaut ift, weldje, obfdjon jiemlid) ftraff burd) Knorpel unb Vän* ber (fnorpelige Söirbelbanbfdjeiben) mit einan* ber verbunben, biete über einanber tiegenbe (Sfetenfe bilben; burd) biefe, fowie burd) bie (Stafticität ber Vanbfdjeiben ift eine große Ve* weglid)feit ber ganzen Säule ermöglidjt. S)ie* felbe wirb in vier Sßeile eingetßeilt, von benen ber §alg* unb ber Senbentßeil nad) vorn ge* wölbt, unb ber Vruft* unb ber Vedentßeil, Weld)e fid) an ber Vilbung ber großen Körper* l)öl)len (Vruft* bejw. Vaudjßößle) beteiligen, nadj vorn auggel)öl)lt finb. (5g folgt alfo auf jebe convexe Krümmung eine concave. iSiefe natürliche fdjlangenförmige Krümmung ber Fig. 51. SSirbetfünte. a-y bie einzelnen SBirbel mit ihren (ltnt§ beuttiif) tjer= öortrctenben) Dben Äopf, unten ®reuä= unb <Stetf;bein Jiunctirt. *) Äreujs itnb Steifibein. 98 SJirbelfäule ift ein ganj notl)WenbigeS (Srforberniff für bie Sragfraft ber Säule bei aufrechter Körperftellung unb bemnad) ein befonbereS Attribut beS menfdjlichen Körpers. ®inge bie SJirbelfäule burd) beffen Sftitte, unb wäre baS ®ewid)t ber an bie Säule angehefteten S3eid)tl)eile rings um fie gleid)mäfjig üertpeilt, fo wäre eine Krümmung berfelben unnötl)ig. £a fie aber an ber hinteren Seite beS Körpers liegt unb vorn einfeitig burdj bie Sruft* unb Saud)eingeweibe belaftet ift, fo finb bie Siegungen eine unerläfjlidje Sebingung ber Salance. So fehlen bie vier Krümmungen and) bei Heineren Kinbern, bie nod) nidjt aufrecht gehen unb auffipen tonnen. (Sinen weiteren ScweiS ber SSidjtigfeit ber Krümmungen für baS ®leid)gewid)t beS menfd)lid)en Körpers liefert bie fftatur inbirect baburd), bah fw< fobalb eine abnorme Krümmung ber Sßirbelfäule eintritt, woburd) baS ®leid)gewid)t geftört wirb, eine jweite neue Krümmung unb jwar ber benadjbarten fRütfgratSportion nad) ber entgegengcfepten Seite hin Fig. 52. Fig. 53. Stu Srufttoirtet. a) Somfort!afc, b) unte= rer ©elenffortfafc, c) 2BirbeItörper, d) Öuerfortfafc, ee) obere ©etenffortfatje, f) ©elentgritbe für ben Siopf ber Stippe. Sin Senbenioirfiel. a) SBirbelförper, b) oberer unb c) unterer fcbiefer fjortfafc, d) Sornfortfafc, e) Quer« fort?ab, f) unterer Qnuftfjennrirbelaugfcfjnitt. fdjafft, um bie Salance wieher herjuftellen. (Sine foldje jweite, jur erften abnormen ljinjutrctenbe Krümmung nad) ber entgegengefehten «Seite Ijin nennt man bie compenfirenbe (aubgleidjenbe). Sd)liefjlid) finb bie nor* malen Krümmungen (nad) hinten unb vorn) nod) von Sebeutung, weil burd) ihre febernbe Sßirtung jeher Don unten auf ben Körper auSgeübte ®to£ wie Sprung unb $all auf bie göfje, »bforbirt unb in feiner SMrfung auf baS ®e1jirn abgefd)Wäd)t wirb. - Son ben SBirbeln im allgemeinen läfjt fid) fagen, bafj jeher berfelben eine vorbere unb eine hintere Sogenhälfte hat; erftere bilbet einen cpltnbrifdjen Körper, letztere einen Sogen mit je fieben her ©elenfverbinbung unb bem Slnfape ber £D?uSfeln bienenben von benen, wie fdion lurj erwähnt, ber in ber Wiittellinie nad) hinten üertaufcnbe ©orm ober Stad)elfortfafc bcutlid) unter ber §aut be§ fRücfenö ju fühlen ift (f. $ig. 52 unb 53). Son biefem tppifdjen Saufd)ema ber SSirbel wcidjcn am meiften bie Halswirbel ab, 99 vorjüglid) ber erfte unb jweite, bie befonbere tarnen erhalten haben Fig. 54. Fig. 55. 5)er erfte Halswirbel (2ltla§), bon oben gefeljen. a) £otf) jur SSirbelarterie, b) Querfortfa?, c) ®elenf= grübe für baS Hinterhauptsbein, d) hinterer Sogen, e) HtüctenmarfScanal, f) borberer Sogen. ©er atveite §al§toirbel (@piftropljeit§), bon Dorn (jefefjen. a) SSirbetförber, b) Ö.uer- fortfa|, c) oberer ©elentfortfafc, fortfaj. unb jmar SltlaS ober Präger unb (gpiftropfyeitS ober ©reljer. ßrfterer, alfo ber oberfte §alsmirbel, gleicht faft einem 9ttnge, ber feinen tarnen ber ihm jm fommenben Aufgabe, ben ©djäbel ju tragen, öerbanft (f. gig. 54). ®er jmeite £>alsmir= bei, ©refjer, ljat anf ber Öberf'eite feinet Körpers einen meldjer ben feften 'jßuntt bietet, um melden bie ©reljung beS mit bem Äopfe üerbunbenen SltlaS ge- fdjieht (f. $ig. 55). ®ie nod) folgenben fünf laffen fid) üonben übrigen SSin beln leicfjt an Durchbohrungen unterfdjeiben, meldje fid) an ber 53afiS ber befinben unb jum Durdjgange ber Slrterien beftimmt finb (f. $ig 56). c) (Mlicbniafjenffelete. Sin ben ber ©liebmajjen jählen mir 132 Änodjen, non benen 68 auf bie oberen unb 64 auf bie unteren ©liebmajjen tommen. Oomoljl bie oberen als and) bie unteren ©liebmafjenftelete beftetyen aus je jmei feilen, nämlich aus ben eigentlichen ®liebmafjenfnod)en unb je einem Ä'nodjengürtel, ber bie erfteren, bie Slnm unb 23eintnod)en, mit bem 9?umpf= fielet oerbinbet. ©iefe ®ürtel, bie (Sdjultergürtel oben unb bie 33eden bereinigten unten, finb in ber SRumpfroanbung einge* fdjloffen unb tonnen baljer and) jum 9?umpfffelete gezogen merben; man aber iljre Aufgabe, bie Slnljeftung ber Slrme unb Söeine, in SBetradjt, fo finb fie ju ben ®liebmafjen ju rechnen. ©abaS Reefen aber nodj anbere 4Beftimmungen fjat, als bie ©elenfüerbinbung mit ben Cberfdjenfeln, 3. 53. jur 53ilbung ber 53aud)l)öl)le beantragen, fo mürbe baSfelbe fdjon bei bem JRumpfffelet befprodjcn. - ®ie Xräger ber Sinne, bie beiberfeitigen Fig. 56. Ein unterer Halswirbel, bon oben ge= feljen. a) Söirbelbogen, b) unterer, c) oberer ©elenffortfafc, d) Ganal für bie SSirbelarterie, e) EUterfortfafc, f) 8Bir= beltörper, g) SRütfentnartScanal, h) ©ornfortfafc. 100 Scljultergürtet, beftefjen aus je einem Scfjlüffelbein unb Schulterblatt. ErftereS, ein unter ber §aut bcutlidj fühlbarer, fdjwadj Sförmig gefrümnw ter Änodjen, ber an bem oberen Enbe beS 33ruftbeineS eingelenft ift, trägt am oberen unb hinteren Xfyeile beS 33ruftfaftenS baS Schulterblatt, einen fladjen, breiecfigen $nodjen. ©iefer bebecft ben fRücfen von ber jweiten bis jur fiebenten ober adjten SRippe unb ftept, nne mit bem Sdjlüffelbeine, and) mit bem Oberarme burdj ©elenfe in Sßerbinbung. $n {yolge feines verljältnißmäßig geringen mit bem fRumpfffelet ift baS Schulterblatt feljr beweglich unb fomit feljr geeignet, als SlnljeftungSpunft beS als ©reiforgan fungirenben SlrmeS ju bienen (f. ftig. 29, 47 unb 57). ©aS ©feiet ber oberen ®liebmaßen ober ber Sinne jer= fällt abgefeljen von bem Schultergürtel in ben Oberarm, ben Sßorber- ober Unterarm unb bie £mnb (mit Drittel' Ijanb unb Ringern). Oer Oberarm Ijnt nur einen ben Oberarmfnodjen, ber burdj feinen halb* fugeiförmigen $opf mit bem Schulterblatt unb burdj fein unteres, rottenartiges Enbe mit ben jwei SBorberarmfnodjen, Speidje unb Ellenbogenbein ober Ellenbein, in SBerbinbung fleht ©er Oberarm' fnodjen hilft bemnadj, baS Sldjfel' unb baS Ellern bogengelenf SBon ben beiben $or* berarmfnodjen liegt bie Speiche am äußeren iRanbe beS SßorberarmeS, in ber fRidjtung beS ©aumenS, unb baS Ellenbogenbein am innern fRanbe beS 23or= berarmeS, in ber fRidjtung beS fleinen Ringers. Speiche unb Ellenbogen, jwifchen benen ein ©refj' gelenf in ber SBeife befteht, baß fidj erftere in einem §albfreis um baS Ellenbogenbein beivegen fann, toobei bie §anb nad) innen umgeivenbet tvirb, ver= einigen fid) mit biefer an ihren unteren Enben burdj baS ©aS oberfte, im §anbgelenf mit ben iBorberarmfnodjen vereinigte Stncf ber $anb heißt ES tvirb aus ben ad)t fleinen, tvürfelähnlichen jufammenge= fcpt, weldje in jlvei fReihen georbnet finb; bie obere berfclbcn befteht aus ialjm, 9)?onb>> unb Erbfenbein, bie untere aus ©rapej*, ©rapejo'ib', unb (f. $ig. 58). ©ie jelfnodjen finb fonwl)l unter einanber wie mit ben 3)iittclhanbfnod)en, bereu eS fünf giebt, burdj ftraffe ©elcnfe verbunben, mit Ausnahme beS ©aumenS, ber fidj mit bem Srapej= Fig. 57. ®ie Sirmfnorfjen (be§ rechten Startes) a) Schulterblatt, b) «Scbtiltcrt)öf)c, c) Sfovf, d) Körper unb e) ©Ifenboflen* ©eien ff ort iah be§ Oberarm* InotbenS. f) ©Ilenbogenbein, g) (Speiche. 101 bein in einem freien ©elenfe vereinigt. 3m ®egenfa£ ju bem 3e^9 stiftel', 9ting= unb fleinen Ringer, bie je brei ©lieber tjaben, befipt ber Oaumen nur jwei ('ißljalangen). Sin bem ©elenfe, weldjeS bas erfte biefer beiben ©lieber mit bem WUttelßanbfnodjen bilbet, liegen (an ber §o()l()anbfläd)e) jwei fleine, erbfenförmige Änödjeldjen, fogen. ©efaim beine. Fig. 58. Fiff. 59. Srläcfjenburcfjfdjnitt bc§ $anbge- Icnts, Bon ber Snnenfeite gefehlt. Cben Sllenbogenbein unb ©petepe, unten (a 2 - ä 5) ätoeiter bis StIcin= ftnger= SRittetbanbfnocfjen, in ber äfiitte bie 4>anbtDuräeItno<fjen: b) SrapesPein, c)2Erapej)Olbbein, bane= ben fiopf= unb überXra= pejoib= unb Stopfbein ba§ Stafjnbein, Daneben 3Noub= unb qjpramibenbein; ba§ ©rbfenbein fcfjlt. d,d) Sänber, bie ©elente finb bureb fepioarje ©triebe marfirt. ©feiet Der liufcn §anb, von innen gefeljcn. OaS ©feiet ber unteren@liebmaßen ober ber teilte wirb eingekeilt in ©berfdjenfel, Unterfd)enfel unb $uß (mit gußwnrjel, fülitteU fuß unb Beljen). 2öie &er Oberarm Ijat ber Oberfdjenfel nur einen $nodjen, ben größten unb längften beS ganzen ©feletS, bas Oberfdjenfel- bein. OaSfelbe tjat an feinem oberen (Snbe einen fugeiigen ©elenffopf, ber ganj in ber Pfanne beS 33e(fenfno(f)enS fteeft unb fo baS (f. gig. 30 unb 47) mit bilbet. Unterhalb beS Kopfes ragen jwei ben OreßmuSfeln 511111 bienenbe (bie beiben SRollljügel) ßerauS. OaS untere, ftarf angefdjwollene ©nbe beS OberfdjenfelbeinS feist mit bem ©djienbeine unb ber $niefd)eibe baS jufammen, weldjeS in fei' nem Innern mit fowie mit mehreren ftarfen Söän* bern verfeljen ift. Oie ein liegt an ber SSorberfeite be£ unb legt fid) foinoßl an baö ©berfdjenfelbem als and] an baö ©djienbein an (f. fyig. 28). Oa§ beS Un- terfdjenfels befielt, wie ba§ beS Unterarms, aus jwei bem fdjon erwähnten ©djienbein unb bem SBabenbein; leptereS fteßt an Umfang unb ®röße fjinter erfterem bebeutenb surüd. OaS ©djienbein, baS am inneren 102 Fig. 60. Staube beö UnterfdjenfelS, in ber Dtidjtung ber großen 3eße, liegt unb mit einem jiemlid) fdjarfen Staube (ber Sdjienbeinleifte) vorn am Unterfdfenfel Ijeroorragt*), fann fid) nidjt, wie bie Speidje um baS (Sllenbogenbein, brrijen; es trägt, wie fdjon furj erwäljnt, allein jur Gilbung beS KniegetenfS bei. ©agegen bilbet e§ ge- meinfam mit bem Aßabenbein, baö am äußeren Oianbe beS UnterfdjenfelS, in ber Slidjtung ber Heinen feine Sage ßat, unb mit bem $uße baö $ußgelent (f. ■täfel III). ©idjt oberhalb beffelben finb beibe Unter* fdjenfelfnodjen etwas angefdjwollen (Knödjel); ber in* nere Knödjel gehört bem Sepien* beine, ber äußere bem SÖabenbeine an. ©er fyuß befteßt, wie bie §anb, aus brei Abteilungen, ber fyuß* wurjel, bem SJlittelfuß unb ben 3eßen. ©aS ©feiet ber erfteren wirb au$ fieben ftußwurjelfnodjen jufammengefeßt, bereu oberfter, baS Sprungbein, fidj mit ben beiben Um terfdjenfelfnodjen jum gußgelenf bereinigt. Unter bem Sprungbein liegt baS weldjeS bem ganzen Körper jum Stüßpunft bient unb mit ber gerfe ober £>acfe am ßinteren ©peile beS $uße$ ßeroow agt. An baS Sprung* unb Verfem bein legen ficß oom baö Äaßnbein, bie brei Keilbeine unb ba§ Aßürfel* bein an. Silit ben Keilbeinen finb ber erfte, zweite unb britte, mit bem Aöürfelbeine ber üierte unb fünfte SJlittelfußfnocßen oerbunben. Alle fünf SDlittelfußfnoten Werben, wie bie gußwurjel* tnodjen, burd) ftraffe Oelente feft jufammengetjalten, and) ber SJlittelfußfnod)en ber großen 3elje, weößalb biefe nid)t fo beweglid) ift wie ber Säumen, b. I). nid)t gegen bie anberen 3efy£U gefrijrt werben fann. Analog ber ©aumenbilbung ljat bie große nur Fig. 61. ©telet be3 linten guSeä, Von oben qefetjen. Sie SBeinfnodjen.- a) Cberfcfientelbein unb beffen Stopf (b), £>«(8 (c) großer Siollßügel (d) unb (Selenffnorren (e) f) Stniefcßeibe, g) Sdjtenbein, h) 333aben= Bein, i) äußerer, k) innerer Stnödjel. *) (Schienbein ift Ijicr nur ton ber <£>ciut bebcift, fo bcif; 3. 23. bei einem Stop ober (Sdjlag gegen biefen Stanb heftiger ©djmerj in ber <§aut (nidjt im Knochen) oerfpürt Wirb. 103 ©lieberfttodjen (ißljalangen), toäljrenb bie bier anberen Beiden entfpredjenb ben Ringern oljne ben Daumen brei ©lieber ljabcn. 2ln ber $ußfolj* lenflädje ber großen 3eße be= finben fiel) nod) brei (gefantbeine, jmei an bem ®e- lenfe bem SÜittelfuß- fnodjen unb bem erften ©liebe unb einer am@elenfe jlnifdjen bem erften unb feiten ©liebe. Fig. 62. (Senfrerfjter ©urcljfcfjnttt bitrcf) ben regten guß. Ä>fl5 ISitößcffpftem. Bei her Befdjreibung be§ 2Jht$felgewebeß (f. 42) erfuhren wir, baß beffen (Elemente {yafern finb, welche fid) in bid'eren unb biinneren ©nippen (Bünbeln unb Bünbeldjen) an einanber lagern unb fo ba§2)ius* fclgewebe bilben. Bßir unterfepieben jwei Slrten folcper $afern, glatte unb quergeftreifte. SluS elfteren fetten fid) bie u n w i 11 f ü r l i d) e n 2)1 u S * fein,aus blaßröthlidjem „fyleifdj", jufammen, b. p. jene 2)luSfeln,weldje bie unmillfürlicpen, üon unferem Villen alfo unabhängigen unb üom üege* tatiüen 2eben unjertrennlidjen Bewegungen beS ©armes, ber §aut, in ben Blutgefäßen, u. f. w. ausführen. SluS quergeftreiften fyafern beftepen bagegen bie fog. m i 11 f ü r l i d) e n 2)1 u S t e l n. ©iefe, meldje bas bunfel* rotlje, faftige unb etwa 45 ber gefammten 2)laffe beS ÄorperS auSmadjen, rufen bie millfürlidjen, bie üon unferem SBillen gängigen Bewegungen perüor. SllS eine Ausnahme üon biefer (Sintheilung ber 2JluSfeln nach ihrer ©tructur unb Beftimmung erfuhren wir, baß es einige wenige unwillfürlid) arbeitenbe 2)luSfeln, 3. B. ben giebt, bereu eine Duerftreifung geigen. Sille 2)luSfetn, efleidjüiel welcher ©tructur fie finb, haben bemnad) bie Beftimmung, Bewegungen perüorjurufen. 3m menfdjlidjen Körper foim men nun außer burd) 2J?uSfelfafern and) an ben Blut* unb Cpmphförper* eßen unb an einigen anberen Stellen burd) bas unaufhörlidje Sdjwingen 104 ber freien ßnben mifroffopifdj feiner Wimpern ober $limmerl)ärdfen (f. Tafel I, 6) Bewegungen, bie fog. 2ßimper= ober ju ©taube. 3n ber £>auptfadfe werben aber bie Bewegungen, wddje wir mit nuferem Körper vornehmen, ober bie innerhalb beffelben vor fidj gehen, von ben BiuSfeln bejw. BhtSfelfafern vollzogen. T)iefeS Bermögen ber HKuSfeln beruht auf ber Widjtigften (Sigenfdjaft itjreö ©ewebeS, auf beffen Sontractilität ober 3ufammenjief)ung§fäljigteit, in fyolge bereu fidj baS BiuSfelgcwebe unter gewiffen (Sinflüffen Vertüqt, um nadftjer wieber in feinen natürlichen 3uftanb gurüdjuteffren. 9lußer ber ßontractilität Ifat baS BiuSfelgeWebe nodf anbere, medfani- fdje ßigenfdjaften, bie ju feiner nötljig finb: T)te (Soljäfion, worunter ber SSiberftanb ju Verfielen ift, ben ein DJluSfel ber Zerrung bis jum fie nimmt bis jum fräftigen äJZanneSalter ju unb bann wieber ab. T)ie Tfeljnbarteit unb bie (Slafticität ber QKnSteln finb jiemlid) groß. ßrftere ift befonberS wichtig, weil bie äKuSfeln im lebenben Körper fo an ihre $nodfen befeftigt finb, baß fie ftetS etwas über iljre natürliche Vänge gebeljnt finb. T'arauS erwädfft ber Bortpeil, baß bei cintretenber 3ufammenjiel)ttng beS 90?uSfelS feine Straft unb 3eit für 9In- fpannung beS vorher fdjlaffen BhiSfelS verloren geht, fonbern baß bie Be- wegung fofort ju ©taube fommt. Beit ber (Slafticität, bie nidjt ju ver= wedjfein ift mit ber ßontractilität, in $olge bereu bie DJhtSfeln fidf (verfürjen), fpciter aber wieber verlängern, ift ebenfalls eine große SlrbeitSerfparung verbunben. Sßirb nämlid) bei ber dontraction eines DJhtSfelS ein anberer, weldfer bie entgegengefefjte Bewegung veran- laßt, ftarf gebeljnt, fo werben burdf beffen Glafticität, fobalb bie Gontraction beS erften WluSfelS aufhört, bie auS ihrer $RuIjelage gebradften Änodjcn oljne weiteren Äraftaufwanb wieber in bie urfprünglidje Vage verfemt; cS bebarf alfo baju feiner befonberen dontraction eines B?uSfelS. 3m lebenben Pustel, befonberS wenn er nidjt tlfätig ift, geigen fid) and) electrifdje (Srfdjeinungen, b. h- ber SJZuSfel ift beftänbig von einem electrifdjen ©trome, bem fog. fDtuSfelftrom, burdjfloffen. ©erfelbe erlifefjt erft allmälig mit bem STobe, nad) übermäßig ljohen vber niebrigen Tempe- raturen unb burdf bie (Sinwirfung gewiffer djemifdjer 9lgentien. ©efjtman ferner auf einen contralfirten Pustel ein ober fpannt man bei gut verftopften Clfren feine eigenen an, bann Ifört man ein bumpfeS Braufen, baS „SJiuSfelgeräufch" ober ben „SJhiSfelton"; biefeS *) ©iefe SßcWflunflcn Bcftcljcn in einem a&tvecbfelnben Umbieflen unb 2ßieberauf= richten ober in penbelartiflcn SBelvegungcn bcr Härchen. (Sie berufen auf ßictmng be§ pfrotoiplaömaS ber Wärmen, ivoburd) bicfe Pfiffige unb fcfte (Stoffe in einer bestimmten Stiel)tung, meift vom Jjnncrn bcS Äörperä nach aufjen, fortbetvegen fönnen, unb fommen vor auf bem Dberhäutdjen i>err3?afenfd)leiml)aut, ber ßuftröbre, u. a. m. 105 Traufen wirb burd) bie periobifdjen Vewegungen ber tleinften ©peile beS WluSfelS pervorgerufen. ©ie (Smpfinblicpfeit ber WluSfeln für medjanifdje Verlegungen (Stedjen, Scpneiben, Verbrennen) ift nicpt bebeutenb, wopl aber paben bie WluSteln ein feines ®efüpl für ben ®rab iprer (Srmübung bejw. Slnftrem gung, weSpalb man fie and) als ben Sinn jur VSarnepmung ber Scpwere (WluSfelgefüpl) unb beS SöiberftanbeS ber Körper (Äraftfinn) bejeidjnet (f. VerftanbeSapparat, $üplen). $ein WluSfel ift Don felbft tpätig, vielmepr muf er burd) gewiffe (Sin- flüffe ju feiner Bufammenjiepung erft angetrieben werben. $rüper napm man nun an, baß bieS nur mit £)ülfe beS WervenfpftemS gefcpäpe, es ift jebod) jept feftgeftellt, baß eS eine birecte WhiSfelerregbarteit giebt, b. p. WluStelreije, bie, birect auf ben WluSfel angewenbet, ben WluStel erregen, opne bie betr. Dlerüenenbigungen in Wlitleibenfdjaft ju jiepen. ©oldje WluStelreije, toelcpe, tpeils in fyolge trantpafter Verpältniffe tpeils tünftlidj angewenbet, auf ben WluStel erregenb Wirten, finb: (Slectrieität, cpemifdje 9teije (Wlineralfäuren, u. a. m.), tpermifdje 9?eije (Temperatur über 104° $apr.) unb mecpanifdje Dleije wie ©rutf, ©uetfcpung, u. f. w. 3n ber Siegel finbet aber bie Sleijung beS WluStelS vom Dlervenfpftem aus ftatt, unb jwar berart, baß ber bie (Sontraction erregenbe Sleij bei ben querge- ftreiften WluSfeln unfer burd) Dierven ju bem DJluSfel geleiteter ©Bitte ift, Wäprenb für bie glatten, unwilltürlidjen DDluSfeln ber Bnpalt ber (Sanäle unb £wl)len, weldje fie umfdjließen, als Dxeij auf bie betr. Dleiwen wirft, ©urd) biefe muSfelerregenben (Sinflüffe werben im DJluSfel rußenbe Spannfräfte in lebenbige Ärafte umgefetjt; bie WluSfelreije finb alfo fog. „auSlöfenbe Kräfte". @S folgt barauS and), baß im DJluSfel, um il)n in ©ßätigfeit ju üer- ©pannfräfte oorßanben fein müffen. je größerem DJlaße bieS ber fVall, befto größer ift bie ßeiftungSfäßigfeit beS DJluSfelS. ©iefe, refp. bie Wiengeber im WluSfel aufgefpeidjerten Spannträfte pängt aber ab: von bem Sauerftoffgeßalt unb ber (Srnäßrung beS WluSfelS, von ber Tempe- ratur, vom WluSfelftrom unb von bem ®rabe ber vorpergegangenen Tßätig- teit beS WluSfelS; war biefe eine angeftrengte, fo ift ber WluSfel „ermübet", b. I). feine SeiftungSfäßigfeit verminbert. Unb beSßalb bebürfen bie WluS- feln, um tüdjtige Äraft entwicfeln ju tonnen, vor allen ©ingen ber Bufutyr naljrpaften unb fauerftoffreid)en VluteS unb entfpredjenber Dtuße nad) jeber Slnftrengung. ©ie 9lul)e ift beSßalb unbebingt nötßig, weil ber WluSfel Beit braud)t, bie bei feiner Tßätigteit Subftanjen ju entfer- nen unb neue bafür ju bilben, b. p. fid) ju rcpariren; gleicßjeitig finb bie erlittenen Verlufte an Sauerftoff unb Verbrennungsmaterial ju erfepen. ©aS Reparatur material entnimmt ber WluSfel aber jumeift ben eiweiß* 106 ßaltigen 9?aßrung§ftoffen, Wäßrenb bie ober Äoßlenßpbrate (ßiweiß, gelte, Butfer), fo ju faßen, ba§ §equng$materiat liefern, burcß beten Verbrennung (burcß ben ber Sltmofpßäre entnomme- nen Sauerftoff) bie 2lrbeit$leiftung ber ju Staube fommt. ©er öielgebraud)te Vergleicß beS menfd)lid)cn Körpers mit einer ©ampfmafcßine ift and) ßier jutreffenb. ©ie wirb bnrd) geuer (Verbrennung oon u. f. w. unter Betritt non Sauerftoff) in ©ßätigteit verfemt, b. 1). SÖärme wirb in mecßanifcße Vewegung umgewanbelt; nadj ber ©ßätigfeit muß bie SOlaftßine aber von Sd)lacfen gereinigt unb reparirt werben, ßbcnfo berßält e§ fid) mit ber im ViuSfel; biefelbe ift eine fyotge ber Station (Sauerftoffoerbrennung) toßlenftoffßaltigen (SrnäßrungS* materiale, unb nad) ber ©ßätigfeit muß bem SRuSfel bie nötßige fRuße ge- geben werben, nid)t nur um ficß auö bem eiweißftoffßaltigen (Srnäßrungö- material ju repariren, fonbern and) um bie üerbraudjten Stoffe, bie Sdjlacfen genannt), auß ficß 31t entfernen, ©ie oben er- Wäßnte Verringerung ber Seiftungßfäßigfeit beß Vhißtelß, bie „ßrmübung", wirb nur baburcß ßenwr gerufen, baß fid) im Vhißfel refp. SRußfelfafte Berfeßungßprobucte (gleifcßmilcßfäure, faure Salje, Äoßlenfäure, u. a. m.) angeßäuft ßabcn, unb biefe Berfefeun9gPro^ucte ©ewebßfdjlacfen füßren barum and) ben Slawen „(Srmübungßftoffe". gaffen wir ermübete XRußfeln rußen, fo wäfcßt ber Vlutftrom biefe ©ewebßfcßlacfen auß unb gar halb finb bie Grrmübungßerf Meinungen üerfcßwunben. ©eßoben wirb bie geiftungßfäßigteit beß Vlußtelß burcß richtigen ®e- braucß mit abwedjfelnber fRuße. V>ir ßaben fcßon bei ben gormberfd)ie- benßeiten (f. S. 77) auf bie ftarfe 2lu$bilbung mancßer Pusteln burdj ge- woßnßeitSmäßigen ©ebraucß ßingewiefen. Slber aud) qualitativ) üermeßrt fid) bie Seiftungöfäßigteit ber IDiWeln burcß Uebung ober ©ewoßnßeit. SBilltürlicß ju gebraucßenbe SRuöfeln miiffen nämlid) immer erft ißre Sßä= tigfeit burcß öfter wieberßolteS BufammenS^e^en erlernen, weil baö ®e- ßirn nur admälig lernt, feinen SBillen feßr fdjnell auf benjenigen Dierüen ju lenfen, weldjer bie gewünfcßte Vewegung üeranlaßt. So fann ein flei* ne§ $inb erft nad) längerer Beit beftimmte ©egenftänbe ergreifen, mit ben Baßren wirb aber aus ißm in golge non Uebung nidjt nur einSRenfcß, ber $err feiner Vewegungen, fonbern aud) ein gefcßicfter Sd)Wimmer, ©änjer, ßlaüierfpieler, u. f. w. ift. ©ie golbene DJUttelftraße ift freilid) aud) in biefem gälte ber befte V>eg, benn wie burcß lang anßaltenbe Untßätigfeit bie Vhivfeln fcßlaff, mager unb anftatt fleifdjig nur fettig werben, fo tonnen fie aueß burcß Ueberanftrengung üorübergeßenb ober für immer gefd)Wäd)t unb fogar vollftänbig geläßmt werben. lieber bie Slrt unb V?eife, wie fid) bie VUiSfeifafern $u SJluöteln jufammenlegen, ift noeß furj ju bewerten, baß fid) bie glatten Vhiäfelfafern 107 ju Bünbeln vereinigen, weldje burd) lodereS Binbegewebe jufammenge' halten werben. tfeßtereS ift ber Träger jal)lreid)er ®efäße unb Nerven. Sind) bie QJhiSf eifafern ber willfürlid)en HJhtSfeln, alfo bie quergeftreiften, werben unter einanber burd) lodereS Binbegewebe $u Bünbeln vereinigt. Tiefe BinbegewebSmaffen (Sßeri- mpfium), welche fid) jwifdjen bie -Söünbel unb fyafern einfdjieben unb ben DftuSfel fo in längs ver* laufenbe $ädjer tljeilen, finb mit (SrnäljrungSflüffig' feit burdjtränft unb ftellenweife mit $ett burdjfept (f. $ig. 63). ferner finb fiez ebenfo wie bie fogen. 3JZuSfelfdjeiben, bie aus fibrillöfem Binbegewebe be- fielen, unb von benen eine je einen ÜKuStel umljüllt, bie Träger ber ernäljrenben (Gefäße unb hiervon, ©ruppenweife finb bie willfürlidjenQJhiSteln, mit benen wir und im $olgenben eingefyenber ju befdjäftigen haben, wäfyrenb bie unwilltürlidjen bei ben betr. Or- ganen bejw. Apparaten befprocpen werben, an ihrer Slußenflädje mit feften, fepnigen BinbegewebShäuten (gafcien, Sehnenhäuten, SDluSfelbinben) umsogen, weldje bie einzelnen fUluSfeln mit einanber ju größeren Bünbeln vereinigen. 5>te ober loillftürtidjen 9iur wenige ber willfürlidjen WZuSfeln fteljen nidjt mit Stnodjen im 3itfammenl)ang. Tie große WJehrjaljl bieferSJZuSfeln ift bagegen an $no* djen angeljeftct, unb beSßalb bejeidjnet man biefe WMjqaljl ober auch bie willkürlichen DJiuSfeln überhaupt mit bcm allgemeinen tarnen Skelet' muSfeln. Sin bie ju beWegenben Theile, bie refp. Knorpel, finb bie Pusteln entweber birect angeheftet ober inbirect burd) SSermitt* lung längs gefaferter iöinbegewebSmaffen, bie @ e h n e n ober $ l e d) f e n heißen. Tiefe ermöglichen einen größeren feitenS beS SQhtSfelS. Tie Äraft, welche ein foldjer auSjuüben vermag, ift nämlid) hauptfäd)lid) von ber 3al)t feiner Hafern abhängig. Ta alfo ju fräftigen Bewegungen viele $afern notl)Wenbig finb, am Snodjengerüft aber nidjt fo viel ift, baß fid) alle biefe Hafern birect anßeften fönnen, fo vereb nigen fid) bie meiften DJluSfelenben fo innig mit ben Sehnen, baß fie fid) in biefe fortjufepen fdjeinen. Ta aber bie Sehnen aus einem weit fefteren ®ewebe als bie Pusteln beftel)en unb ba* rum aud) weit bünner als bie SDIuSfeln fein fönnen, fo braud)en fie nur eine Heine Slnl)eftungSftelle ju ihrer Befeftigung. Turd) bie bünnen Fiff. 63. gcttburrfjroaifjfene fetfafern. - a) £Dht§fel= fojern, b) geltjetten. 108 Tafel IV. ©ie ©feletmuöfeln b e ö DJlenfdjen. (Sorberanfidjt) Stuf ber linten STörperljätfte finb bie oberflädjlicben SOfuStetn tljeiltveife abgetrogen. 109 Tafel V. £) t e ©feletmuöfeln b e § SDZenfdjen. (Stüctenanfidjt.) Stuf ber regten Sörperljälfte finb tote SRuSIetn tfjeiltvcife abgetragen. 110 Scpnen fann alfo bie ganje $raft bider SJtuSfelfaferbünbel gefummelt unb auf bie Stnocpen, weldje jur birecten Befeftigung ber Bünbel ju wenig Staunt bieten, übertragen werben. - B?o SKuSfeln unb Sepnen fiel) etwa reiben tonnen, finb fie burdj Sdjleimbeutel ober Scpleimfcpeiben, weldje mit ®e- lenffdjmiere gefüllt finb, von cinanber getrennt. Sin mandjen Stellen finben fiep and) jur Unterftüpung ber Bewegung noep gaferfnorpel unb Scfambeine, wie am ©aumen unb an ber großen gepe. SJtan unterfepeibet bie willtürlidjen SJtuSfeln, bereu eS am menfdjlidjen Körper über 300 giebt, nadj iprer unb nadj berSlrt ber Bewegungen, Weldje fie mit ben Slnadjen in ben ©elenfen ausfüljren. $prer $orm nadj finb bie wiltfürlidjen BtuSteln: a) länglidj runbe, langgeftredte unb biefe finben fidj Ijauptfädjlidj längs ber Stöprenfnodjen in ben Sinnen unb Beinen, fowie am Stüden; b) breite, platte ober weldje pauptfätplicp bie fladjen Stnodjen am Stumpfe bebeden; c) ringförmige ober SdjließmuSfeln, Weldje in ©eftalt eines StingeS verfepiebene Ceffnungen, wie SSiunb, Singe, u. a. m., umgeben unb biefe fdjließen tonnen. SJiit Stüdficpt auf bie in ben ©elenfen ju erjielenbe Bewegung tpeilt man bie SfeletmuSfeln ein: in Beuger unb bereu ©egner (Slntagoniften), bie Streder, in Slnjieljer, Weldje ein ©lieb ber Biittellinie beS ganjen Störs perS näpern, j. B. ben Slrm an ben Stumpf, unb bereu Slntagoniften, bie SIbjieper, unb enblidj in Stoller ober ©reljer, Weldje einen Speit entweber um feine eigene Sldjfe ober um einen anberen ©peil im §albtreife nadj außen ober innen, nadj vorwärts ober rücfwärtS perumbrepen, wie j. B. ben Äopf nacp redjtS unb linfS ober bie §anb ein* ober auswärts. ©aS mittlere, bidere Stüd beS DJhtSfelS peißt ber SStuStelbaudj, wäp? renb bie an ben feften angepeftete UrfprungSftelle unb bie mit bem beweglicpen Speile Verbunbene Slnfapftelle ber Stopf refp. Sdjwanj beS SJiuStclS genannt werben. SJtandje SJtuSfeln finb nun an mepreren Stellen angepeftet, unb unterfepeibet man foldje BtuSfeln fe nad) ber 3apl iprer Slnfap* bejw. UrfprungSftellen als jwei-, brei- ober vierföpfige. $eber willfürlicpe SJtuStel füprt außerbem feinen befonberen Stamen, ben er entweber feiner Spätigfeit, £age ober $orm Verbanft; fo giebt eS einen Stopfnider, einen Sippenpeber, einen breiten StüdenmuStel, einen Sdjläfe* unb einen BruftmuStel, u. f. w. Sie willfürlidjen BtuSteln finb am Stelet fepiepteniveife gelagert; an manepen Stellen liegen fie in brei unb nodj mepr Sdjicpten über cinanber. ipnen eingebettet finben wir größere Stämme unb Berjweigungen ber ©efäße unb Slervcn, Weldje baburep vor Berlepungen gefd)üßt finb; jugleicp werben aber and) bie ©efäße einem ©rüde von Seiten ber fid) ju- fammenjiepenben DJtuSfeln auSgefept, welcper ein wieptiger Factor für ben Bluttreislauf (ber Benen unb Vpmppgefäße) ift. ferner finb bie einjek 111 neu willfürlidfen MuSfeln, öon weldjen bie MuSfelleßre (Mpologie) Ijanbelt, jum allergrößten Sßeile, bem (Ebenmaß beS Körpers folgenb, paarig twrßanben; bie wenigen unpaarigen, Weldje in ber Mittellinie beS Körpers ißre Vage ßaben, finb aus jwei gleichen Hälften jufammengefept. Slnalog ber (Sintßeilung beS ©telets unterfdjeibet man bie ©feletmuS* lein als foldje beS Kopfes, beS Rumpfes unb ber ©liebmaßen. a) Sic ÄopfmnSfcln. Sie werben eingetßeilt in bie b e S <S d) ä b e l S unb b e S © e f i d) t S. Grftere bienen tßeils jur Bewegung ber (wie bie Stirn- unb tßeils gehören fie bem äußeren £)ßr unb einer berfelben, ber SdjläfenmuSfel, bem Untertiefer an. Sie ®e- fidjtSmuSfeln, Weldje meßr ober weniger in $ett eingeßiillt liegen, bienen befonberS jum Sdjließen unb Deffuen ber SinneSßößlen unb verfallen beSßalb in Uugeiv, Dßrem, 9?afen-, Ladern, Munb- unb StaumuSfeln. 3nnerßalb ber $lugenf)öt)le liegen bie MuSfeln beS Augapfels unb innew Ijalb ber Munbßößle bie beS ©aumenS. Sie fein, weldje fämmU lid) burd) einen 91er- üen,ben(mimifdjen) ©efidjtSnerüen (f. gig. 72), regiert werben unb burd) biefen mit bem ßirn in naßem fammenßange fteßen, bewirten, in- bem bei ißrer 3u- fammenjießung bie SBeidjtßeile beS ©e= fidjtS bewegt wew ben, baS Mienen- fpiel. SaSfelbe tommt bei etwas ftärferer ©eßirn- tßätigfeit als bewegung (f. 9?ew uenfpftem) ganj um willfiirlid) ju ©taube. SaS ©efidjt ift ber Spiegel beS©eifteS; jebe ©emntßSbewegung Fig. 64. ®ie ßopfmuSteln. - b) StirnmnSfel, c) (SäjlicßnuiSfel be§ SlugenlibS, d) £>eber be§ oberen SlugenlibS, e) Slitffieber be§ StafenflügelS (unb ber Cßerlippe), f) SRieberbrütfer ber Skafenfpiße, g) eigener $eber ber Dber= lippe, h) Heiner SoclpnuSfel, i) großer Sodjmuätef, k) «SdjlieBntnSfel be§ 2>iunbe§, 1) ber Unterlippe, m) Slieberaiefjer be§ SRunb« nnnfei§, n) ßaumuSfel, o) SaefenntuSfel, p) ©djiäfenmusfel, q) $inter= bauptSmuSfel, r) ®riffel=8ungenbeinmu§fel. - 3u ben§al§mu3teln ge= fjören: s-t) 3n.ici&aitct)ik}er u) SRippenljalter. - a) bejeicü3 net bie .ftopf [jaut. 112 fommt im (gefiepte jum SluSbrud, es fei benn, bcif? man fiel) bie fdjwierige gertigfeit ungeeignet pat, fein Wcienenfpiet ju „beperrfdfen". Äeprt biefeS in berfelben SBeife öfter Wieber, bann bleibt im®efid)t ein eigentpümltcper SluSbrud ober üorwaltenber (grunbjug, ben man WHene nennt. Oie wieptigften ÄopfmuSfeln finb: ber ©tirnmuSfel, ber HiuterpauptS' muSfel, ber ©cpließmuSfet ber Slugenliber, ber ber Slufpeber ber Oberlippe, ber Slufpeber ber SRunbwinfet, ber BadenmuSfel nnb ber ©cpließmuSfel beS HRunbeS; öon entfpringenben unb am Unterfiefer fiep anpeftenben ift außer bemfdjon erwäpm ten ©cpläfenmusfel nod) ber eigentliche ju erwäpnen (f. gig. 64). Oie Bunge, bie fpäter nod) eingepenb befproepen werben Wirb, beftept aus einem complicirten ©pftem von SRuSfeln, entfprecpenb ben viclfadjen Bewegungen, welcpe fie pat. b) Oie 9iumpfinu8fcfit. Oie fRumpfmuSfeln verfallen in bie beS §alfeS unb Badens, ber Bruft unb beS fRüdenS, beS BaudjeS unb BedenS. Bon ben HalSmuSfeln liegt birect unter ber §aut ber muSfel beS HalfeS, ein breiter, fepr bünner SRuSfel, Welcper unter ber Bruftpaut entfpringt unb fiep amUnterfieferranbefeftfept. Oer gept auf beiben ©eiten beS §alfeS vom Bruft* unb ©cplüffelbein nad) oben unb auswärts an baS ©djläfenbein (f. $ig. 66). ferner finb öon ben §alSmuSfeln, welcpe (nebft benen beS Badens) ben ganzen $opf be* wegen, Vorwärts unb feitwärts beugen, ftreden, brepen unb freifen, nod) bie üom $opfnider bebedten bret 9tippenpalter (f. gig. 64) perüorjupeben, Welcpe von ber erften unb jweiten fRippe ju ben Halswirbeln gepen; fie giepen beim tiefen (Sinatpmen bie oberften fRippen unb baS Bruftbein auf' WärtS. 2Inbere HalSmuSteln bienen baju, ben Unterfiefer perabjujiepen, b. p. ben SRunb ju öffnen. - Oie fRadenmuSfeln pabenauperbem Bwed, ben 3Topf nad) pinten ju fiepen, fo aufreept ju erpalten unb ipn ju brepen, tpeilweife ben weiteren, bie @d)ulter riicfmtnb aufwärts ju fiepen. 2)lan reepnet fie baper aud) ju ben fRüdenmuSf ein (f. $ig. 65). 2lm oberfläcplicpften öon biefen liegen jwei große WuSfeln, weldje bie übrigen bebeden; eS finb bieS ber ÄappenmuSfel unb ber breitefte fRüdenmuSfel. (Srfterer entfpringt von ber oberen Hälfte ber SBirbelfäule bis pinauf jum HinterpauptSbein unb fept fid) an baS ©cpulterblatt an; er pält unb brept baS ©cpulterblatt. ßepterer entfpringt von ber unteren §älfte ber SBirbet- fäule unb von bem pinteren Bedenranbe unb gept jum Oberarme; er jiept benfelben perab unb nad) pinten. Slußerbem bienen bie fRüdenmuS* fein, welcpe in fünf ©djidjten über einanber liegen, tpeils 311m 9lufred)ter- palten, ©treden unb ©eitwärtsbeugen ber BRrbelfäule (alfo beS ganzen 113 Stumpfes), tljeils jum Crim unb SluSatßmen. - £)ie 33ruftmuS fein (f. 66) bebetfen ben vorberen unb feit(id)en Umfang beS 33ruftfaftenS nnb taffen nur bie SJtitte beS 33ruftbeineS frei. Sie liegen fdjidjtemveife über einanber ober füllen bie Stimme jwifeßen ben Stip= pen aus. Oiefe üUiuSfeln bewegen tfjeils ben33ruft= faften (befonberS beim Crinatfjmen), tljeils bienen fie 5um bewegen (§erab* unb Slnjieljen) ber Sd)ul= ter unb beS SlrmeS. Slußer ben fdjon erwähnten von benen je einer am unteren Staube einer Stippe entfpringt unb am oberen Staube ber nädjft pöljeren Stippe enbet, finb bie widjtigften 33ruftmuS- fein: ber große 33ruft= muStel, iveldjer bie ganje vorbere 33ruft bebeeft unb jum Oberarm gel)t; ber Heine 33ruftmuStet, ber unter bem großen liegt unb fid) an baS blatt fjeftet; ber große fägeförmige SJluSfel, wel- cher bie ganje (Seitenfläche beS 33ruftforbeS ein- nimmt, unb ber Sd)lüffel= beinmuSfel, weldjer, ana= log ben muSfeln, vom ©cblüffel' Fig. 65. Stumpf unb ®liebmßßenmuSfeln. a) Stappenmugfet, b) breites fter atiictenmuäjel, c) großer StautenmuStet, d) Untergrätens muSIet, e) äußerer fcßiefer SBoucßmuSfel, f) breiectiger Slrm= muStel, g) tanger, h) äußerer Stopf unb i) ©eljne beä breiföpfi= gen StrmmuStelS, k) ShiorrenmuSfel, 1) tanger 8tüctn>ärt§= toenber, m) äußerer SHcumuStet, n) ©treefer be? Heinen f}in= gerS, o), p), q) gemeinfanter gingerftrecter, r) langer ülbsiefier be§ 5)aunten§, s) ©trectießne be§ ©aumen§, t) ©tredfeßne be3 Zeigefingers, u) großer unb v) mittlerer ©efäßmuSfet, w) ßalb= Mutiger ®tu§tet, x) frfjtanter ©cßenfetmuSfet, y) ßalbfcljniger 5Dtu§tet,z)ärt>eitöpfiger Beuger, 1) äußerer Unterfcijentelftrerfer, 2) ZroiningSmuStct ber SBabe, 3) StnicfeßlenmuSfet. 114 Bein jur elften 9vtppe tritt.- Sie Baudjmugfeln geljen vom unte- ren Steife beg Bruftlafteng big 311m Beden unb (Ijinten) 31t ben Venben- wirbeln tjerab. Siebilben eine tljeilg fleifdjige ttjeitg fefjnige BJanb, weldje bie Baudjljöljle vorn unb an ben Seiten einfdjließt, (f. jyig. 65, 66 unb Safet VI). Siefe »Stein ljaben bemgemäß außer bent Bwed, Bewegungen Ijerborjurufen, b. tj. beim Slugatßmen unb Bor- wärtg- unbSeitwärtgbeu- gen beg Oberforperg mit- juwirfen, nodj ben, bie in ber Baudjfjötjle liegenben Organe 311 ba biefe £wßle vorn unb feit= lid) nicfjt, wie bag bei ber Bruftßöljle ber $all ift, von fnödjernen Beanbun- geneingefdjloffenift. Sie Baudjmugfeln füllen fdjließlid) nodj bie in ber Baudjßöljle befinblidjen Organe in iljrer Sage fidjem unb fie bei iljren Bewegungen unter- inbem fie burdj itjre jene §öl)le beliebig ver- engern. (Sg leudjtet ein, bajj biefer-Jftugfelapparat bei ben vielen 2lnforbe* rungen, bie an ifjn geftellt werben, einer befonberen SInorbnung feiner Steile beburfte, burdj Weldje er Ijauptfädjlidj bie nötljige (jum ber Baudjljöljle) erljält. Oaljer befteljt bie Baudj- waub aug brei Whigfellagen mit fidj treujenber gaferridjtung. Siefe brei über einanber liegenben DJlugfeln (von aufjennadj innen: ber äußereunb ber Fig. 66. {Rumpf* unb SlrmmuSfeln. a) ©er am ©ruftbein unb b) ber am Sdjlüffelbein entfbrinqenbe S?opf be? JtopfnicierS, c) ®aW>en= muSfel, d) ber große ©ruftmuSfel, e) breiectiger SIrmmuSfel, f) Möeiföpfiqer SlrmmuSfet, g) breiiöpfiger StrectmuStei be§ 9lrme§, h) btabenariumusfei, i) innerer 9lrmmu§iel, k) langer SRiictwärtvioenber, 1) runber ®inioärt8breber, m) äußerer unb n) innerer ©ßeidjenmugEel, o, p, q) ber ßocljiiegenbe ginger» beuger, r) ©egenfteUer, s) Slbsieber, t) fürder ©enger unb u)8it= fieber be§ ©aumen§, v) ©eugefebnebeä Zeigefingers, w)uuöx) fRcgentvurmmuSfeln für SJiittebunb y) ©eugefebne, z) yibjieber be§ Keinen ginger?, 1) Ktrjer fiobibanbmuStel, 2) großer fägeförmiger SRuSfel, 3) äußerer fcßtefer ©aucßmugfel, 4) faferige Scheibe be§ geraben ©aucßmuStelg; öorn bie weiße ßinie. 115 innere frfjiefe nnb ber quere VaucßmuSfel) reidjen aber nidjt bis jur Mittel- linie beS VaudjeS, fonbern gelten jnvor in eine Seßnenßaut über, in weldjer ber vom Verfcn entfpringenbe nnb fid) am Vruftbein aufetgenbe gerabe VaudpnuSfel eingefdjloffen ift. bem redjten unb Unten geraben VautßmuStel liegt ein fefter Seßnenftreifen, bie Weiße Vaucßlinie. ©ie VaudpnuStelwanb ßat übrigens an brei Stellen Heine Oeffnungen, bie fid) erweitern unb bann ©ßeile von Vaudjeingeweiben (befonberS vom ©ünn- barm unb ßinbnrcßlaffen tonnen. ©iefeS von Einge- weiben wirb Vaucßbrud) genannt unb fommt in ber Seiften-, ScßenfeU unb fRabelgegenb, wo fid) jene Oeffnungen befinben, vor, wonadj bann bie Vrüdje nod) näßer als Seiften-, Scßentel- unb SQabetbrücße bejeidjnet wer- ben. - SllS Scßeibewanb jwifdjen Vruft- unb Vaucßßößle liegt ein hus- tet, welcßer bie wießtigfte Diolle beim Sltßmen fpielt unb jugleid) jur Ver- engerung refp. Entleerung ber Vaucßßößle bient; es iftbaS £10erd)feil, ©affelbe entfpringt am unteren 9? anbe beS VruftforbeS, alfo an Vruftbein, Rippen unb Vßirbelfäule. ©abei geßen bie einzelnen MuSfelbünbel ftraßlenförmig nadj innen unb treffen fid) in ber Mitte in einer Seßnem ßaut. Vei jeber Einatßmung jießt fid) baS 3werdjfell, bas alfo eine fid) in bie Vruftßößle wölbenbe kuppel bilbet, jufammen unb wirb flacßer; in golge bavon vergrößert fid) bie Vruftßößle, ein größeres Ouantum Suft bringt in bie frei auf bem rußenben Sungeu, biefeiben medjanifcß aufblafenb, ein, unb gleicßjeitig wirb baS Einbringen beS VluteS in bie größeren ©efäßftämme beförbert. Eine Erfcßlaffung beS be- Wirft bann burd) ben von unten fommenben ©rurf ber Eingeweibe bie Rebling beS 3wercßfellS, Verengerung ber Vruftßößle unb bamit baS 2luS= atßmen. ©aS 3werd)fell ift von ßöcßfter Vebeutung; Stillftanb beSfelben füßrt ebenfo rafd) ben ©ob ßerbei, wie Stillftanb beS §erjenS. - ©ie bienen jumeift jum Vewegen ber unteren Ejtremi« täten ober von ©ßeilen berfelben; es gilt bieS befonberS von ben ßinten am Veden liegenben unb baS bilbenben Strerfern unb Rollern beS £)berfd)entels (f. OJluSteln ber unteren ©liebmaßen). c) ©ic ®licbmaßenmu§feln Werben eingetßeilt in bie ber oberen unb ber unteren ©liebmaßen. - ©ie SJJuSfeln ber oberen ©liebmaßen, Weldje bie Scßulter-, Cber- arm-, Vorberarm- unb £>anbfnorf)en umßüllen (f. $ig. 67), werben in Uebereinftimmung bamit in bie ber ®d)ulter, beS Oberarms, beS Vorbei*- armS unb ber §anb eingetßeilt. ©ie erftgenannten erftrerfen fid) vom @d)ulterblatt ober Sd)lüffe(bein jum Oberarm unb bienen tßeils jum tßeils jum Ein- unb SluSWärtSrollen beSfelben. ©er baS Sd)uH terblatt beberfenbe ftarte ©elta- ober breierfige VluSfel, ber fid) bei Ver= 116 renfungen beS Oberarmes abgefladjt ober vertieft geigt, liegt jum Speil aud) über ben anberen fünf Sd)ultermuSfeln, bie, wie fcpon gefagt, eben* falls jum Oberarm gepen. Staffen MuSfeln finb entweber Beuger ober Streifer beS SSorberarmS; erftere, Weld)e an ber inneren (vorberen) beS Oberarms liegen, fdjwellen beim fräftigen beugen beS ßllenbo- gengelenfs beutlid) an, befonberS ber bid)t unter ber §aut liegenbe jwev topfige 2(rmmuSfel, weldjer mit jwei fepnigen köpfen am Schulterblatt unb am Oberarm entfpringt unb fiel) an ber Speid)e anheftet. Sein Slntagonift ift ber an ber hinteren Seite beS Oberarms liegenbe Sßorber* armftretfer, ber breiföpfige 2IrmmuSfel, ber fid) an bie (Slle anfept. 2lm SSorberarme liegen 19 MuSfeln, unb jwar 8 an ber inneren unb 11 an ber äußeren Seite. S)ie Meprjahl biefer MuSfeln entfpringt in ber Üläpe beS ©lenbogengelenfS unb geht am unteren Strittet beS Unterarmes in eine ober mehrere Sehnen über, weld)e baS §anbgelenf überfdjreiten unb fiep tpeils an bie §anbwurjel, tpeils an bie anfepen. 23on ben MuSfeln ber inneren Seite "brepen jwei ben 2(rm einwärts, bie übrigen beforgen bie Beugung ber §anb unb ber Ringer. Sin ber äußeren Seite Fig. 67. ©er linte 9Irm be§ ÜRenfcfjen. liegen bie ©tredmuSfeln unb pvei 2Iu$Wärt$brel)er. $n ber £)anb ent* fpringen nur fdjivadje Mitteln, befto fräftigere unb (Seinen verlaufen aber in iljr, um fid) als (Snbigungen ber SBorberarmmuöteln an bie Ringer ju Ijeften. @o finb eö naljeju 40 Muöfeln, roeld)e jum S8& wegen ber Ringer bienen unb bie SSielfeitigf'eit unb @id)erljeit ber wegungen ermöglidjen, weldje bie menfdjlidje §anb vermag. 3ebeö gingerglieb ljat einen eigenen 33eugemu$fel. kannten, 3c'9e; unb ß'leinfinger ljaben je jwei, 9?ing= unb Mittelfinger je einen Streifer. §er* ner Ijat jeber Ringer einen 3u3iet)er unb einen Slbjieljer (für bie ©eitenbe- wegungen). @d)lief;lid) ift nodj ber in ber §anb felbft entfpringenbe ®egem fteller beö ©aumenö ju erwähnen, welcher mit 3m unb unb Beuger be§ ©aumenS ben ©aumenballcn bilbet. ©urdj ben ©egenfteller, Weldjer ben ©aumen befähigt, fid) ben übrigen Ringern entgegenjuftellen, erlangt bie ganje §anb iljre befonbere Sßidjtigfeit al§ ©reifapparat. 117 Tafel VI. Saudp, ?ßccfen= ttnb ScinmuSfcln. a) ®roßcrfäge= förmiger ThiSfet, b) Smifdjenrippenmustet, c) querer Saucfjmuöfel, d,d) ©cfjneibermu§tel, e) geraber ©cßenlelmuöfcl, f) äußerer ttnb g) iunc= rer Unterfdßenfelftretfer, h) ©cßambcinmublel, i) langer ©cßenfelatuießer, k) feßlanfer ©cßenleb muö'el, ]) großer ©cßenfeljujicfier, m) ßalbßäuti« ger 89?u§fci, n) ©ßaniter ber breiten ©(ßcnfelbinbe, o) furser ©djenteljuäießer, p) großer ®efäßmuö= fei, q)unb r) breite ©cßenfelbinbe, s) jjlucitöpfiger SBeuger, t) Sroiningörnuötel ber SBabe, u) ©cßoilenmuöfcl, v) Slcbilleöfeßne, w) langer USabenbeüt' mubtel, x) gemetnfatner geßenftretfer, y) langer ©trecter ber großen z) borberer ©ebtenbein» muöfel, 1) turjer gemeinfamer Beljenftrecter, 2) Slbsießer ber großen Soße, 3) ©eßnc bcö langen 3Babenbeinmu§fel§,' 4) ©eßtte be§ gemeinfamen gcßenftrecterS, 118 ©ie fDZuSfeln ber unteren ©liebmaßen (f. gig. 65 unb ©afel VI) werben, nadj ißrer £age am ©feiet, eingekeilt in bie beS ©ber- fd)enfels, Unterfd)enfelS unb fyußeS; bisweilen werben ju biefen SJiuSfeln and) bie Wcfen- ober §üftmuSfeln gerechnet, bereu Wid)tigfte ber Cenben- barmbeinmuSfel unb ber große ©efäßmuSfel finb. ©ie (12) Dberfdjenfel- muSfeln bienen tßeils jum Sin- unb Slbjießen beS ©d)enfels, tßeils jum beugen unb ©treefen im Sin ber vorberen unb äußeren ©eite beS ©berfdjenfelS befinben fid) bie SQuSfeln jum ©treefen beS Unterfcßen- felS; fie ßeften fid) an bie Äniefdjeibe an. Slntagoniften, bie Beuger beS UnterfcßenfelS, liegen an ber ßinteren ©eite unb begrenzen mit ifjren ©eljnen feitlid) bie, große ©efäße unb ftarfe 9ierven bergenbe Äniefeljle. 51m Unterfcßenfel finben fid) gwifdjen ©djienbein unb SSabenbein brei MuSfeln unb an ber äußeren ©eite längs beS SBabenbeinS $Wei SDhiSfeln. Sin ber ßintcren ©eite liegen fed)S Pusteln, weldje üorfpringenbe IVlaffe, bie Sßaben, bilben. ©er ju oberft liegenbe jweiföpfige Sßabem muSfel Verläuft jufammen mit jwei barunter liegenben 9)?uSfeln in eine ftarfe, burd) bie §aut ßerüortretenbe $led)fe, bie SldjilleSfeljne*), welche fid) an'S gerfenbein unb ben fyuß ftredt. ©ie anberen brei, tiefer liegenben SBabenmuSfeln fdjiden ißre ©efjnen, ebenfo wie alle anberen er- wäßnten Unter- fd)enfelmuSfeln, ißeilSjubenguß' tßeils ju ben ßen. Sim fyuße liegen bie 9J?uS- fein analog ber Slnorbnung an bem Dtiicfen beS BmßeS fleine unb bünne ©tred- muSfeln ber ßen, wäßrenb fid) in ber fyußfoljle, von einer biefen unb feften ©eßnenßaut bebed't unb bie Beuger, SInjießer unb Slbjießer ber 3eßen vor- finben (f. fyig. 68). Fig. G8. (Senfredjter ©urtfjfrfjnitt bunt) ben rechten Önfe. *) (So benannt nadj bem altgriedjifcljen gelben 2ld)ineä, ber an ben folgen eineä SßfeilfajuffeS in bie gerfe ftarb. 119 3>as 5IIIe Verrichtungen unfereS Körpers ßetjen unter normalen Verhält* niffen erft bann vor ficf), menn auf bie Organe, meldje bie Verrichtungen ausführen, ein „nervöfer" Neiz auSgeübt mürbe, Ourdj einen foldjen Neiz, ber entmeber von uns millfürlid) gefdjaffen mirb ober oljne Vceinfluffung feitenS unfereS SBillenS in VJirffamfeit tritt, müffen nicht nur geiftige Jtjätigteit, miUtürlidje Vemegung unb (Empfinbung, fonbern and) bie vege- tativen ber (Ernährung, Vlut* unb ©aftbemegung, Abfonberung, u. a. m. eingebettet merben. Öiefe Neize geljen aber von einer befonberen Organgruppe aus, meldje baS Nervenfpftem genannt mirb. Oie Organe biefeS<©pftemS befteljen aus einer meifjen ober einer graurötplidjen (©ubftanz (Neurine), bereu mifroffopifdje (Elemente Hafern (Nervenfafern) ober gellen (Nerven* ober (Ganglienzellen) finb, meldje burdj eine fiebrige Vinbefubftanz (Neuroglia) unter einanbcr vereinigt finb. Oiefer „Nervenfitt" pat nidjt nur bie Aufgabe, bie (Elemente beS Nerven* gemebeS jufammenzuljalten, fonbern and) bie ber Leitung ber Vlut* unb Spmphgefäfje. Oie Nervenzellen bilben ben ber grauen, unb bie Nervenfafern bie £>auptmaffe ber meinen ©ubftanz (f. ©. 43). (Eingekeilt mirb baS Nervenfpftem in baS an im a l e unb bas v e g e* tative (©pftem. Veibe gmeige zerfallen in einen centralen unb einen peripperifdjen STfjeit. OaS animale ©pftem pat als (Eentrum ober DNittel* punft baS (Gehirn unb mirb beSpalb audj ft e m ge* nannt; eS vermittelt Sinnes- unb (GeifteStI)ätigfeit, (Empfinbung unb mill- fürlidje OaS vegetative ©pftem ljat zmei (Eentren, erftenS baS Nüd'enmarf unb jmeitenS fnotenartige Anhäufungen von Nervenge- mebe, bie, Nervenfnoten ober (Ganglien genannt, im Körper, befonberS in ber £3ruft- unb 33and)l)öl)Ie, zerftreut umherliegen. OaS vegetative ©pftem tljeilt fidj bemnad) meiter ein: in baS fpinale ober Nüct'enmarfS- n e r v e n f 1) ft e m, burd) meldjeS bie vermicfelteren unmiUfürlidjen Nege= tationSproceffe, mie Athmung, Verbauung, u. a. m., zu ©taube fommen, unb in baS vafomotorifdje (röhrenbemegenbe) ober (Gang- lien n e r v e n f p ft e m, meldjeS bie (Gefäße unb (Eingemeibe mit Nerven verforgt. £>iefe verfdjiebenen Abteilungen beS NervenfpftemS, meldje übrigens nicfjt fd)arf getrennt, fonbern burcp häufigen AuStaufd) von Nervenfafern verbunben unb theilmeife von einanber abhängig finb, haben, mie gefagt, je einen centralen unb peripherifdjen ©heit- Zentren ((Gehirn, Nütfenmarf unb (Ganglien) befteljen aus ber zellenreichen grauen unb aus meiner (faferiger) (©ubftanz. Oie peripherifdjen She^e &rei Nerven* fpfteme merben bagegen nur von Nervenfafern gebilbet, bie in ber grauen 120 Subftanj ber (Sentralorgane, von gellen aus, entfpringen unb fid) }u Zimbeln, b. p. Nerven, vereinigen. $eber Nerv beftept aus Heineren ober größeren von Nervenfafern, ivelcfje burd) Zellgewebe unter einanber vereinigt unb von einer gemeinfamen fepnigen Nervenfcpeibe (Perineurium) jufammengepalten werben, Oie Nervenfaferbünbel ober bie Nerven, bie vom ®epirn unb Nütfenmarf entfpringen, verbreiten fid) baumförmig, inbem fid) ber §auptftamm in Slefte, unb biefe fid) wieber in Heinere 3weifle unb Sleftcpen fpalten (f. Oafel VII.) Oie Nerven beS ®anglienfpftemS bilben bagegen ein neuartiges ®efled)t (f. $ig. 76). $n fämmtlicpen Nerven verlaufen bie Hafern opne Unterbredjung von iprem Urfprunge bis ju iprem (Snbe, b. I). fie gepen nicpt in einanber über; fonadj entfpridjt bem peripperifcpen (Snbe ber Nervenfafer nur eine einzige Stelle im (Sentralorgan. (SS giebt allerbingS and) Opeilungen von Nerven« fafern, bod) treten biefe immer erft unmittelbar vor ber NervenfaferenbU gung im peripperifdjen Organe auf. Oie pier berüprte ftrage, Ivie bie Nervenfafern peripperifcp werben, ift übrigens nod) nicpt vollftänbig gelöft. Spaltungen von fyafern fommen, wie gefügt, an ipren (Snben vor. So werben mancpe erft marfpaltige $a= fern fd)liep(id) ju marHofen (f. Nervengewebe), um fid) bann in immer feinere gäfercpen (SIcpfenfibrillen) aufjulöfen. bei ben Sinnesorganen, bei benen fid) and) befonbere Gnborgane an jeber $afer vorfinben, fommt eine foldje peripperifcpe Spaltung ber fafern refp. iprer Slcpfencplinber vor; wieber anbere fafern enbigen opne weitere Spaltung mit einer folbigen, frwpf« ober ftabförmigen Sßerbitfung beS 5ld)fencplinberS (f. g-ig. 77 unb SSerftanbeSapparat). Oie Structurelemente beS gefammten NervenfpftemS finb alfo: (Sem traltpeile, bie panptfädjlicp aus Nerven- ober beftepen; peri- pperifcpe (Snbigungen bejw. (Snborgane ber Nervenfafern, unb brittenS biefe felbft, weld)e bie Nerven unb Zentral- unb (Snborgane verbinben. 9Nan Vergleicpt baS Nervenfpftem paffenb mit einem Nep von Oelegrappenleitungen, Weldje ben ganzen Körper burcpjiepen unb halb ändere (Sinbrüd'e ber (SeutraHOelegrappenftation, b. p. bem betr. (Sentral- organ, übermitteln, halb von biefem 33efeple erpalten unb ber ober ben ben peripperifcpen (Snbigungen, julciten. Oer SBergleid) ift um fo treffenber, als bie Nerven in ber Öpat von electrifcpen Strömen burcpjogen werben. Oiefe electrifcpen (Srfcpeinungen, ber fog. „Nerven« ftrom", werben, ebenfo wie ber „DNuSfelftrom" bei ben SNuSfeln, nur wäp« renb beS hebens unb pauptfäd)lid) wäprenb ber Untpätigfeit ber Nerven beobad)tet. 5luS lepterem gept aber pervor, baff fid) bie Nerven von Oele« grappenbräpten baburd) unterfdjeiben, bap fie nid)t einfaepe VeitungSorgane („Oräpte"), fonbern felbft (SlectricitätSeqeuger ((Slectromotore) finb. 121 Tafel VII. ©eljtrn* unb 9fü cf en mar tönern en. a) ®rofb, b) Sleintjirn, c,c) SRüctenmart. 122 ©iefelbe 9?ervenfafer fann nicEjt neid) beiben 92idjtungen ßin leiten, fonbern nur non innen nad) außen (centrifugal) ober von außen nad) innen (centripetal); woßl aber tonnen in ein unb bemfelben 9?ervenfaferbünbel, in bemfelben 9?erven, centrifugal unb centripetal leitenbe 9lervenfafern bereinigt fein, ©ie erftgenannten fyafern ßeißen Bewegung«' ober m o t o r i f dj e 92 e r v e n f a f e r n, weil fie von bem betr. 9?ervenmittek punft nad) «Stellen unfereS Körpers verlaufen, wo fie 9)?uSfel3ufammcn- 3ießung unb baburd) Bewegungen veranlaffen tonnen. ©iefe Bewegungen finb willfürlicße, wenn bie (motorifdjen) 9?ervenfafern mit bem Siß beS Willens, bem ©eßirn, birect ober inbirect (burd) Vermittlung beS 92ücf- grats) in Serbinbung fteßen unb in ffolge biefeS UrfprungS im Staube finb, ben Befeßl beS SÖillenS ben (willfürltcßen) 9)?uSteln ju übermitteln; freiließ werben burd) bie genannten Pusteln and) unwitlfürlicße Bewegun- gen ßervorgerufen, wenn 3. B. bei ßßloroformirung, Betäubung burd) Sd)lag auf ben Äopf, u. a. m. ber SBille feine ®ewalt über bie im norma* len ißm untertänigen motorifdjen 9?ervenfafern verloren ßat. ©ie Bewegungen finb aber nur umviHtürlicße, Wenn jene 92ervenfafern nid)t baS ®eßirn, fonbern entweber nur baS 9Jücfenmarf*) ober ©anglien 3um 9)2ittelpunft ßaben; burd) foldje 9?ervcn Werben bie 3ufammen3ie= ßungen unwillfürlicßer 99?uSfeln ßervorgerufen. - ©ie anbere 2lrt von 92ervenfafern leitet nur von außen nad) innen (centripetal), b. ß. von ben verfdjiebenften Stellen unferS Körpers nad) einem ber 9?ervenmittelpunt'te. §aben foldje $afern ißren (centralen) Urfprung im ©eßirn, fo tonnen fie bie verfd)iebenartigften ßmpfinbungen vermitteln, ©iefe Hafern ßeißen be«ßalb and) (gmpfinbungö* ober fenfible 9flervenfafern. ©ie 9lrt ber (Smpfinbung ridjtet fid) aber nad) bem jeweiligen Bau ber (peripßerifdjen) (Snborgane ber (Smpfinbung«nerven. Steßen biefe 3. B. mit ben Sinnesorganen in Berbinbung, fo bringen fie im ®eßirn audj nur SinneSeinbrücfe, unb 3War je nad) bem betr. (Snborgan beftimmte Sinnet einbrücfe, 3um Bewußt)ein; fo überträgt ber ©eßörnerv nur ba« auf ba§ ©eßirn, was baS £)ßr ßört, b. ß. wobureß auf bie, im £)ßr liegenben (Snb= organe beS ©eßörnerven ein 92ei3 auSgeübt wirb. Steßen bie centripetal leitenben 9?erven nid)t mit bem ®eßirn, fonbern nur mit bem 9tücfenmart ober ben 9?ervenfnoten in fo fönnen fie and) feine (Smpfim bung 3um Bewußtfein bringen. Soldje 92ervenfafern feßeinen in ißren Zentren Bewegungsnerven ansuregen, baburd) aber beftimmte, 3um Seben unentbeßrlicße, unwillfürlitße Bewegungen, wie bie gen, 992agen' unb ©armbewegungen, baS Sltßmen, u. a. in., ßervor3urufen. *) ©. li. ol)ne baft bie betr. gafern mit bem iffiiHenäorgan burtf) Vermittlung bet? OtüctcnmartS in (inbirectem) [teilen. 123 Rian nennt biefe« Slnregen bon BeWegung«nerben in ben Rerbenmittel* punften burd) juleitenbe Rerben Ueberftraßlung ober hReflej: unb bie ba- burd) erzeugten Bewegungen Reflexbewegungen (f. weiter unten). Bein Rerb ift bon felbft tßätig; jeber Rerb muß bielmeßr ju feiner immer erft angetrieben werben. Ta« gefd)iel)t burd) einen fog. Rerbenreij, ber auf bie (Sigeufdjaft ber Rerben, burd) Reije in ben tätigen Buftanb übergefüljrt gu werben, auf bereu „(Srregbarfeit, (Sim pfinblidjfeit ober ©enfibilität", einwirft. Ratürlid) ift bon ber fammenfefcung be« Rerbengewebe« abhängig, bejw. wirb fie burd) anor- male ©inwirtungen, wie Branfßeiten, med)anifd)e unb djemifdje (Einflüffe unb fjofje Temperaturgrabe, bermeßrt ober berminbert ober gar bernid)tet; in festerem $alle, in weldjem ber Rerb bollftänbig unfähig jum STfjätigfein ift, fagt man, ber Rerb ift „geläpmt". $ft bie Reijbarfeit eine« Rerben- fpftem« bermeprt, fo mad)t auf biefe« berfelbe Reij metjr (Smbrucf, al« auf ein weniger reizbare« ©ijftem. Slußer ben naturgemäßen, bon ben (Srtb= Organen au«gel)enben Reifen (bon ben (Eentralorganen ber Sßille unb ber Reflex, öon ben peripßerifcßen Organen bie erregenben (Sinbrücfe ber Slußenwelt, fowie bie (Smpfinbung«einbrücfe in nuferem Innern) giebt e« nod) anbere, tßeilweife fd)on furj erwähnte Reije, welche bie Rerben in Tßätigfeit berfepen tonnen. (?« finb bie«: (Slectricität, d)emifd)e Ijößere Temperatur (eine foldje bon 93-113° ftaljr. wirft erregenb, eine pößere tobtet) unb medjanifdje Reije, wie Stoß, Trucf, @d)nitt, u. f. w. Sind) ÜBaffercntjießung (2lu«tro(fnen) wirft erregenb. Bei ber Erregung eine« Rerben burd) einen Reij wirb nun nid)t ber ganje Rerb auf einmal in tßätigen Buftanb fonbern letzterer wirb allmälig bon einem fünfte auf ben näd)ften unb fo fort bi« jum (5nbe be« Rerben ßin über- tragen. @o fommt eine Rad)rid)t bon ber großen fpäter (etwa um 1:30 ©ecunbe) im ®el)irn an, al« eine bom ©l)r ober ®efid)t. Tiefe ßeitung«gefd)Winbigteit ber (Erregung im Rerben, obwohl fdjneller al« bie im SRuötel, ift im Bergleid) juber gortpflanjungSgefdjwinbigteit bon ßidjt, (Slectricität unb ©d)a(l eine langfame; fie beträgt für bie Bewegung«nem ben unb waßrfdjeinlid) and) für bie (5mpfinbung«nerben nur gegen 28-33 $arb (=26-30 DReter) in ber ©ecunbe*). Sleßnlid) wie bei ben 2Ru«feln ift bei ben Rerben ba« $olgenbe ber galt: Bei ber Tobtenftarre tritt ©erinnung be« Rötjreninßalt« ein. Sin- *) ©ie verljälhufjmäßifle ßanflfamfeit her gortyfanjung ber Nervenerregung geht aug fotgenber SCaßcüe hervor, freiere bei ©u S5oi«=Nehmono über verriebene ©efdjttnnbigfeiten ber SBeivegung in einer ©ecunbe nad) SNetern (1 SKeter =39,37 .Soll) jufammengeftellt ljat: Slectricität 464 SNiUicnen - Sicht 300 SNiUionen - ©cfjall (int SBaffer) 1435 ober (in ber ßuft) 332 - ©ternfebnuppe 64,380-> ®rbe bei ihrer SBetvegung um bie ©onne 30,800 - it'anonenfugel 552 - 2Binb 1 big 20 - Slbter= ftlug 53 - ßoeomotive 37 - Nennpferbe unb Jjagbljunbe 25 - Nervenerregung 26 big 30 - SKugfeljufammenjiehung 0,8 big 1,2 Nieter in ber ©ecunbe. 124 Ijaltenbe Nüße berminbert bte (grregbarfeit beS Nerven juerft, unb finft biefe fdjtiefjlidj bis jum (Srlöfdjen, worauf fettige Entartung folgt. (®er= felbe Buftanb tritt ein, wenn ein Nerv nidjt meßr mit einem lebenben (Sentralorgan verbunben ift, alfo nidjt meßr tfjätig fein tann.) Slnßaltenbe £ßätigfeit verminbert jeitweife bie (Srregbarteit ((Srmübung) unb tann fie felbft für immer vernichten. £)em Nervengewebe müffen mit ber Naßrung bie $u feiner Neubilbung erforberlicßen djemifcßen Stoffe (befonberS ©weiß, ftette unb jugefüßrt werben. Soll bas Nervengewebe bejw. baS Nervenfpftem in gefunbem £uftanbe bleiben, fo muß ferner bei geeig= neter (Srnäßrung Xßätigfeit mit Nüße abwedjfeln, benn nur wäßrenb ber Nüße repariren fidj bie Organe beS menfcßltdjen Körpers! 3e öfter ein SNuSfel gebraudjt wirb unb nacß bem ©ebraudje bie erforberlidje Nüße ßat, befto ftärferunb gefdjicfter wirb berfelbe. £>aS ©leidje gilt für bie Nerven, bie ißre fyunctionen leidjter, fcßnetler unb vollfommener ju erfüllen lernen, Wenn (bei richtiger SlbwecßSlung jwifcßen Xßätigfeit unb Nüße) bie Neigungen ficß öfters wieberßolen. Sluf biefer öfteren SÖieberßolung mit ben geßörigen Nußepaufen berußt bie Uebung ber empfinbenben wie be- wegenben Nerven, b. ß. bie (Srjießung beS KinbeS refp. SNenfcßen, bie (Sr* Werbung von SinneSfcßärfe unb ©efcßitflicßfeiten unb bie SluSbilbung beS BerftanbeS. Nacß biefemÖefeße ber ©ewoßnßeit ober 2Iccommobation, nacß Weldjem alfo ebenfowoßl bie Leitung wie Ueberftraßlung von Neigungen im Nervenfpftem um fo leicßter vor fidj geßt, je öfter biefelbe fcßon ftattge- funben ßat, laffen ficß fcßließlicß aucß tünftlidje Nefleptßätigteiten erlangen, b. ß. bewußte SSßätigfeiten tönnen burcß öftere Sßieberßolungen ju unbe- wußten werben (Klavierfpiel, u. a. m.) Nacß einem anberen, fcßon erwäßnten ®efeß, bemfog. ®efeß ber ifo- lirten Leitung, ift jebe Nervenfafer in ißrem Berlaufe von ißrem Urfprung im ßentraltßeile an bis ju ißrer (Snbigung in bem betr. Organ von ben anberen $afern völlig abgefcßloffen unb tann ißre Xßätigfeit feiner anberen gafer mittßeilen. dagegen ift eine Uebertragung ber Jßätigteit von einer §afer auf bie anbere in ben Nervenmittelpunften (®eßirn, Nüctenmarf, Nervenfnoten) möglicß, unb jwar nacß bem ®efefc ber Ueberftraßlung, Sßmpatßie, Spnergie ober beS NeflepeS. (Sine folcße Uebertragung tann aber nacß vier Nicßtungen ßinftattfinben: erftenS von einer auf eine (SmpfinbungSfafer, unb werben bann „Neflepempfinbungen" ßer- Vorgerufen, wie j. ©eficßtSfcßmerjen einer 53ewegungSfafer auf eine anbere, woburdj „3Nit= ober affociirte 53e= Wegungen" veranlaßt werben. Unter biefe Bewegungen finb nidjt nur bie befcßleunigte §erjtßätigfeit unb baS vermeßrte SItßmen bei ftarfen Willfür= lidjen Körperbewegungen, fonbern and) bie Berlegenßeits* unb Slngewoßm ßeitsbewegungen (3. B. öffentlidjer Nebner) unb jene ungefcßicften, 125 flüffigen Bewegungen ju redjnen, weldje man päufig an'JRenfdjenbeobadj* ten tann, bie fid) eine BiuSfelfunftfertigfeit, wie $edjten, 3nftruments fpielen, §äfeln, u. f. w., einüben. X)ie britte Art ber tragung finbet bon einer ©mpfinbungS' auf eine BewegungSnerbenfafer, unb bie bierte 2Xrt bon einer (SmpfinbungSfafer auf eine anbere folcpe ftatt. 3m erfteren $alle werben wie bie unwillfürlidjen Bewegungen bon Bewußtlofen unb (Säuglingen, ScpmerjenSgeberben ber= felben, u. f. w., berurfadjt; unter biefe gehören aber and) baS liefen unb duften beim $ipel in ber 9iafe bejw. Vuftröpre, Krämpfe beim (Srblicfen bon Blut, erpöpte („§erjflopfen") bei Aufregungen, (Srbredjen beim Sepen ober Borftellen etelljafter ©egen- ftänbe, u. a. m. £)urd) Ueberftraplung bon einer ©mpfinbungSfafer auf eine anbere werben aber „HRitempfinbungen" perborgerufen, 31t Welcpen 3. B. (Sdjmerjen aller ober bieler gefunber Bäpne bei Scpmerjen eines einzigen trauten 3apneS), Scpaubern beim Anpören grau- figer Xpaten unb ber Scpmerj gepören, Welcpen Ceber- unb §eqtrante in ber Adjfel refp. im Arme berfpüren. Sdjließlid) ift nod) baS wichtige Oefetj ber excentrifdjen (Srfcpeinung ober peripperifcpen Energie ju erwäpnen, nad) weldjem bie (grfcpeinungen, welcpe burd) bie 9ieroentpätigfeit beranlaßt werben, - ß-mpfinbung unb Bewegung - immer nur am peripperifcpen ßnbe beS erregten Serben auftreten, gleicpbiel an Welcper Stelle feines BerlaufS ber 9ierb gereift worben fein mag. So „pören wir mit bem Dpr", b. p. wir berlegen bie ©npfinbung in bie peripperifcpen ßnbigungen beS ©epörnerben, wäprenb tpatfäcplicp ber fpecififdje ßrregungSjuftanb beS Serben (bas £wren) im ©epirne ftattfinbet. So paben wir and) im wo bie Vicptftraplen feine Erregung ber (Snborgane beS Sepnerben berurfacpen tonnen, im Auge ßicptempfinbung, Wenn ber Sepnerb an irgenb einer Stelle feines BerlaufS medjanifcp (j. B. burd) Blutbrmf) gereift Wirb. So empfinben wir im Diing- unb fleinen Ringer Scpmerj, Wenn wir uns an baS „9RäuScpen" beS ßllenbogenS ftoßen, weil in biefen Ringern ber @Uenbogennerb enbigt. £)er eigentlitpe ©rregungSjuftanb finbet immer nur central (in bem ®epirn, bem SRücfenmart ober ben (Ganglien) ftatt, unb jwar, was fpeciell ben Si(i ber bewußten ßrfdjeinungen anbetrifft, baS ©epirn - in ber grauen ©roßpirnrinbe. £)ier wirb ber B?ille erzeugt, ber peripperifd) jum AuSbrucf tommt unb pier wirb audj ber SReijjüftanb ber (Snborgane ber (SmpfinbungSfafern ju bewußten (Smpfinbungen berar- beitet. Auf bem ber excentrifdjen (Srfcpeinung berupt eS aucp, baß tfeute, benen ein ©lieb amputirt worben, nocp japrelang nacpper in bem betr. ©liebe, gleid) als ob baffelbe nocp oorpanben Wäre, Scpmeqen empfim ben unb mit bem ©liebe willtürlicpe Bewegungen macpen mödjten. 126 a) Taö animale aber ©aS animale ober gnrnnervenftjftem, baS alle mit SBillfür ober Be= wußtfein vor fidj gefyenben (Srfdfeinungen vermittelt, Ijat als Zentrum baS ©eljirn. 3)?it biefem benfen, füllen unb wollen mir unb burd) baSfelbe befifjen wir Bewußtfein unb finb im «Staube, (Smpfinbungen waßrjunet)- men unb willtürlidje Bewegungen ju veranlagen. 91ad) biefen Functionen tljeilt fid) baS §irnnervenft)ftem wieber in baS fenforiell-pfijdjifdje, von weldjem bie Sinnes* unb ©eifteSeinbrütfe abßängen, unb in baS fenfitiv* motorifdje, toeldjeS (Smpfinbung unb milltürlidje Bewegung vermittelt. - ©aS in ber ©djäbel* ßöljle, rings von fnödjer* neu SBänben gefdjiitjt, liegenbe ®el)irn (f. Fig. 69) ift eine länglid)* runbe, fjalbfugelige venntaffe, bie beim Spanne ber taufafifdjen SRaffe burdjfdjnittlidj 50 Unjen, bei ber Frau 4-5 Unjen Weniger wiegt, alfo ungefähr ben 36. £ljeil beS $örpergeroid)tS aus* madjt. 3wifd)en bem 20. unb 30. -S'aijre erreicht es fein IjödjfteS (Sfemidjt unb nad) bem 50. 3a1jre leibet eS eine nal)me, bie allmälig ju- nimmt, bis fie im f>ol)en Sliter gegen 10 beS urfprünglidjen ®e= widjtS beträgt, ©ie §irm maffe befteljt aus weißer unb grauer Stervenfub* ftanj, unb jwar [teilt erftere ben größten unb inneren £l)eit beS ®el)irnS bar, wäßrenb festere um biefe weiße DJSaffe eine Slrt grauer Sfinbe bilbet ober fie im Innern beS ©eßirnS l)ier unb ba burd)feijt. ©ie äußere ©berflädje beS ©eßirnS jeigt entweber fd)langenförmig fiel) winbenbe (bie ober Sdjidjtungen, Fig. 69. ©entrechtet ©urdjfänitt (von Vorn ncufj hinten) mitten burcb £>ats uni) fiopf. a) ßuftrötjre, b) ßetjitopf, c) tRüctenmart, d) ©cfjlunbtobf, e) ßungenbein, f) ®ef)ibectel, g) 8nnge, h) harter unb i) weicher ®aumeu, k) SRafenfcheiberoanb, 1) Stirnhöhle, m) Jteilbeinljöhle, n) .ftopftjaut, o) tnöcherner ©chäbet, p)ßirnait= bang, q) Salten, r) ©etvölbe, s) Slutleiter, t) Steinijirn (Öebens= bäum), u) bierte ®et)irnfammer, v) rechte ©rofebirnficmifvfiäre, w) OTarfbüget, x) ®arol§brücte, y) ber(ängerte§ 2Rarf, z) 9Jafen= rarfjenböble, 1) ßaljnfortiafc be3 arbeiten £a(3U)irbel§ (-T'retjers), 2) ®irbedörber. 127 jmifdjen benen fid) $urd)en ßinjießen (f. $ig. 70). Onnern beß ©e- tjirnß beftnben fid) hier §öl)len ober Sßentrifel unb eine Dftenge berfdjieben geftalteter unb je nad) itjrer ©eftalt benannter ©ebilbe. - HRan tljeilt baß ©eljirn in brei 21b* tljeilungen ein, baß große baß Heine unb baß Dftittel' geljirn. ®ie beiben erftge* nannten befteljen auß je gmei feitlidjen Hälften, bie burdj eine (beim ©roß* i)irn befonberß tiefe) Sängßfpalte getrennt finb. Älein- unb Dftittelßirn, bei toeldf festerem eine Trennung in jmei fpmme* trifdje burdj eine Sängßfurdje nur angebeutet ift, liegen in ber bom £)intcrl)auptßbein gebilbeten @d)ä- bei grübe unb finb Dom ©roßßirn bebedt. 5ln ber unteren $läd)e beß großen ©eßirnß, an beffen 4öafiß, unterfdjeibet man brei Sappen (f. {yig* 71.) ©er borbere Sappen wirb oom mittleren burdj eine getrennt, mäßrenb bie ©renje beß mittleren unb ßinteren Sappenß burcß ben borberen fRanb beß Äleinßirnß ge- bilbet mirb. 33or bem fog. halten, ber bie beiben ©roßljirnl)älften ober 4)emifpl)ären berbinbet, liegen jmei 97erbenftränge, foeldje fid) in ber ©eßnerbenfreujung begegnen. Um mittelbar ßinter biefer liegen ber „graue £mgel" mit bem „Xrid)ter", an welchem ber I)ängt, bie beiben „9J7arfl)ügel" unb bie „£)irnfdjenfel", meldje fid) auß ben ©roßßirnljälften in bie „33rü(fe" jufammenlaufenb er- Fig. 70. ©ctjirn int tprofil. a) ©roßfjirn, b) StCeinCjirn, c) bas öerlänqerte ÜJJart, d) Siaroläbriicte. Fig. 71. Slnfidjt ber SafiS be§ ®f6irn§. a) Seiner» (11. Saar), b) recfjte fileinbirnbälfte,c)3nngenfleiicbner» (12.Saar), d) ©efcfjmacfSner» (9. Saar), e) ©eijörner» (8. SJ3aai'), f) ®eficl)t§ner» (7. Saar), g) verlängertes DJlctrl, h) brcigctljeilter Ser» (5. Saar), i) 8toUmuS= feiner» (4. tgoar), k) äußerer SlngennutSfelncr» (6. Saar), 1) SarolSbrücte, m) rechter SorberlabVen beS ©ro&tjirnS, n) SWarfljüfjel, o )SeI)ner»entreusnng, p) ®erncl)§ncr» (1. Saar), q) ©ebner» (2. Saar), r) ge= meinfcljaftlicfjer SlugcnmuSfelner» (3. Saar), s) 2un= genmagenner» (lo. Saar), t) linte 128 ftreden. - ©aß Heine ©eljirn, beffen §emifppären an iprer ©berflädje ebenfalls Sßinbungen unb gurcpen jeigen, bie aber nidjt fo unfpmmetrifd) itnb unregelmäßig wie beim ©roßpirn finb, fonbern mepr parallel laufen, erfdjeint baburd) an feiner ©berflädje Wie auß lauter über einanber liegen* ben jufammengefept (f. $ig. 70). Sdjneibet man eß fenfredjt burd), fo bilbet bie graue Subftanj ber blätter mit ber inneren Weißen SfRarffubftanj eine baumförmige Slnorbnnng, ben fog. Sebenßbaum (f. $ig. 69.) Sßäprenb im großen ®epirn, baß, Wie fdjon fein SRame befagt, ben größten STtjeil ber Scpäbelpöple (befonberß Vorn nnb oben) einnimmt, brei (bie beiben feitlidjen nnb bie britte) liegen, finbet fid) bie vierte an ber unteren $läd)e beß in jwifdjen ipm unb bem SRittelpirn (f. §ig. 69). - ©aß DRittelpirn beftept auß ber „S3rüde" ober „5ßarolßbrüd'e", ben „$ierpügeln" unb ber beß Dlüden* marfß, bem verlängerten SRarfe, in Weldjem letzteren, im ©cgenfap ju ben übrigen ©epirntpeilen, bie äußere äRaffe weiß unb bie innere grau (wie im fRüdenmarf) ift. ©aß SRittelpirn nimmt ben unterften ©peil beß ®el)irnß ein. <5ß ift burd) bie Sßarolßbrücfe, welcpe mit ben ©roßpimpälften unb ben §emifppären beß Äleinpirnß jufammenpängt, baß SBerbinbungßglieb jwifcpen ben brei ©peilen beß ©epirnß unb burd) feinensweiten ©peil, baß verlängerte fRüdenmarf, baß SBerbinbungßglicb jwifdjen ®epirn unb fRüdenmarf. ©öie leptereß ift baß ganje ®epirn von brei jwiebelfdjalenartig über einanber liegenbett füllten eingefdjloffen. ©ie äußerfte, parte £>aut (dura mater) bient jugteid) an ber inneren $läd)e ber Scpäbelfnocpen alß (Sie bilbet jwifcpen ben beiben Hälften beß ©roßpirnß, biß auf ben halfen perab, eine fidjelförmige Sdjeibewanb, bie „Oroßpirnficpel", trennt ferner bie pinteren Sagen beß großen ®epirnß von bem barun* ter liegenben Heinen ®epirn burd) baß quer liegenbe unb er* ftred't fid) alß „Heiner Sid)elfortfap" and) jwifdjen bie beß Heinen ©epirnß. 2ln einigen «Stellen bilbet fie hoppelte blätter, wekpe länglidje, plattrunbe unb breieefige Süden jwifepen fid) taffen, in Weltpen bie Stämme ber S3lutabern gefdjüijt liegen, bie baß auß bem ®epirn ab= fließenbe S3lut aufnepmen unb auß ber Sfpäbelpöple peraußleiten. ©iefe mit ben S3lutabern peißen S3lutlciter (f. $ig. 69). ©ie mittlere §aut, eine, Spinnwebenpaut ober 9lrad)noi'bea genannte, jarte, feröfe SJlembran umfd)ließt ©epirn unb fRüdenmarf nidjt überall, fonbern läßt, iprem Flamen entfpredjenb, £wplräume übrig, in weldfen fid) eine ge* ringe DJlenge feröfer, ®el)irn unb fRüdenmarf alß Scpufc umgebenber glüffigfeit befinbet. ©ie innerfte, bie weid)e ©efäßpaut (pia mater) ift *) JJn bcnfelben Bcfinbct ftcß eine geringe Stenge glüffigfeit, bereu Sßermcljrung ben fog. SBaffertopf feebingt; f. Äopfffelet. 129 blutgefüfreidj, fdjiebt fiel) in alle Vertiefungen beS (SfeljirnS ein unb fenbet einen in bie britte §öljle unb von ba in bie beiben feitlidjen §ö!jlen. 2ßaS bie fyrage anbetrifft, ob bie einzelnen SHjeile beS ©eljirnS je einer befonberen Function vorftefjen, fo ift burdj bie einfdjlägigen Verfudje, bie fogen. VocalifirungSVerfudje, bis jept nur als fidjer erwiefen worben, baf bie ®rofl)irnl)emifpl)ären, unb zwar Vorzugsweife bie graue Ninben- fubftanz, ber @i£ beS BewufjtfeinS, ©enfenS, Fühlens unb SßollenS ift. ©aS Kleinhirn fdjeint fjauptfädjlidj bie Bewegungen zu reguliren, benn bei Verlegungen beSfelben tritt Unfidjerljeit ber Bewegungen (Unbeholfen- Ijeit, ©aumeln) ein. ©aS VerbinbungSglieb zwifdjen beut ©eljirn unb Nütfenmarf, baS verlängerte SNarf, fdjeint aber baS Zentrum für bie widj- tigften vegetativen tfebenSproceffe zu fein; mit (Sidjerljeit wiffen wir, bafj bon l)ier aus bie §erjtljätigteit regulirt wirb, unb bie rljijtljmifdjen Sltljem* bewegungen Ijerborgerufen refp. unterhalten werben. ©ie beiben ©rofljwnljemifphärett ergänzen fidj in ber Söeife, baf jebe bie 2:l)ätigfeit beiber übernehmen fann, was barauS hervorgeljt, baf bei (Srfranfung einer bie Intelligenz nidjt gefdjwädjt ju fein braucht. Sie fann eS freilich fein, unb plöplidj auftretenbe Verlegungen einer ©rofc hirnhemifpljäre rufen faft immer, unb jwar beftimmte unb localifirte Störungen hervor. inbeffen finb and) bann bie Functionen beS ®rofc IjirnS meiftenS nur zeitweilig aufgehoben ober geftört, unb feljren fie faft immer trop beS FortbefteljenS ber StörungSurfadje im ©eljirn nad) unb nadi) Jürüd', ein weiterer Beweis bafür, baf bie eine, noch gefunbe ®rofj- hirntjemifpljäre für bie erfranfte eintreten fann. ©iefe FunctionSftörungen treten jumeift getrennt auf, b. Ij. burdj Ver- legungen (3. B. Sdjlagfluf) ber rechten ©ropljirnljemifpljäre werben ßälj* mungen ber Unten Ijcrvorgebradjt unb umgefeljrt. 9Jcan er= flärt baS bamit, bap fid) bie Dlerbenfafern im ®el)irn freuten. @S ift aber nod) nidjt genau ermittelt, wo biefe Deutungen ftattfinben; fie fdjeinen nadj unb nach, unb zwar in ber SJiittellinie ju gefdjeljen. aJtcljrfache Äreutungen finben fidj fdjon in ber VarolSbrücfe unb im Verlängerten Btarfe. SllS baS im allgemeinen VMdjtigfte foWoljl für baS ©eljirn als and) bie anberen Zentren ift aber fefttuljalten, baf ber ber eigentlichen 9?erüentljätigfeit bie graue Subftant ober vielmehr jener tljeil berfelben ift, Welchen wir als Nervenzellen fennen gelernt haben, ©ie weife Subftant beS GieljirnS befteljt nur aus Fafern, weldje bie ®ang- lienzellen ber grauen DNaffe unter einanber verbinben ober mit Nüdem marfSnerven in Verbinbung fteljen ober aber Anfänge von NerVenfafern 130 finb, iueldje, in -Sünbel bereinigt, aus bem ®ef)irn auStreten unb ju be- ftimmten 2lrbeit§organen berlaufen. ■Der periptjerifdje £ljeil beS §irnnerbenft)fteniö beftefjt auö fotzen Zimbeln bon, im ®el)irn entfyringenben $afern, b. I). au§ jiuölf paarigen Serben, weldje tljeil§ gemifdjte mit unb (Smpfin- bungSfafern, tljeils folcfye finb, iueldje nur 53eibegung§- ober (Smpfinbungö- Fig. 72. £>6erftäcf)ticl)e Kerben (unb SMittgefäfee) be§©opfe3 uitb£>alfc§. a)@cbliiffe(beinnerb, b) oberfläcfj lieber fiiefcrnerb, c) ßinnnerb, d) Nervus infraorbitalis, e) Nervus supraorbitalis, f) ®eficf)t§nerö, g) großer ßinterßauptänerö, h) Heiner ftinterßaiiptSner», i) oberfläcfi trctje ©nlSnerben, k) äußere unb 1) innere fiopffdjlagaber, m) Üntertieferfpeicijelbrüfe, n) EXjrfpeidjelbriifcngang. fafern enthalten. Sitte biefe Nerven, von bencn bie, pöpere ©inneSivapr- nepmungen vermittelnben (®erud)S*, @ep-, ®epör- unb ©efdpnadSnerven) beim SBerftanbeSapparat näper befprocpen werben [ollen, fommen an bet 53afiS beS ©epirnS jum 23orfcpein (f. ftig. 71) unb verbreiten fid) von bort aus im unb am ®opfe unb §alfe, mit einer SluSnapme. Gin §irnnerven- 131 £aar, ber „Bagud ober ßerumfdjweifenbe ober öungenmagennerb" genannt, entfenbet feine Hafern in ben Diumpf ßinein. ©eine motorifcßen gafern treten jum $eßlfopfe, jur Suftrößre unb bereu $weigen, jur ©peiferößre unb jum Magen, unb feine fenfiblen $afern vermitteln bie ßmpfinbung im äußeren ©eßörgang, im ganjen DltßmungSapparat, am ©erjen unb im oberften ©tuet bed Berbauungdapparated (bis jum Magenausgange). DIußer biefen $afern befißt ber BaguS nod) §emmungSfafern für bie Bon ben jwölf ©eßirnnerbenpaaren finb anßerbem als feßr widjtig nod) ju erwäßnen: bad fünfte ber breigetßeilte Dierb, unb bad fiebente ber ®efid)tdnerb, bon welcßem fdjon bei ben ®e= ficßtdmudfeln bie Diebe war. ©er breigetßeilte Dierb Empfinbungd* unb Bewegungdfafern, bon benen bie erfteren bie Empfinbung faft am unb im ganjen bermittetn. 5lld Bewegungdnerb fteßt er bor aßen ©ingen bem bor. Dlußerbem erregt biefer Dierb nod) bie Dlbfonberung in ben ©ßränem, ©ßrfpeid)el= unb UnterfieferfpeidjeH brüfen. ©er (Sjefidjtsnerb ift ber Bewegungdnerb fämmtlicßer ®efid)td* muSfeln mit Dludnaßme ber Äaumudfeln, weldje befanntlid) bom breigetßeilten Dierben innerbirt, b.i. in 3ufammenjießung berfeßt werben, ©er ©efidjtdnerb erregt bad beränberlidje ©piel ber ©eficßtSmuSfeln; er ift, wie wir iljn fd)on an anberer ©teile genannt ßaben, ber „mimifdje Dierb". Mit feinen Berjweigungen bertßeilt er fid) überall auf ben ®e= fidjtSmuSfeln ju immer feineren Dierben (f. $ig. 72). Dlber and) im Sn* nern beS Kopfes berforgt biefer Dierb einen MuStel, nämlid) ben „©teig* bügelmuStel", einen ber Innern Heinen ©ßrenmudteln (f. §ören). -QDei einfeitiger Säßmung bed ©eficßtdnerben ift bad ©efidjt, unb jwar nad) ber gefunben ©eite ßin, berjerrt. b) ©äs fpinale ober Dli'ufcnmarfSnerbcnfßftcm. ©ie Hafern ber weißen berbreiten fid), wie gefagt, nur im ®eßirn unb berbinben bort bie ©anglienjellen, tßeilS treten fie in bie jwölf ber bom ©eßirn entfpringenben Dierben ein, tßeils fteßen fie burd) baS Diüdenmart mit beffen Dierben in SBerbinbung unb berlcißen biefen bie gäßigteit, ju empfinben unb willtürlicße Bewegungen ju er* jeugen. Man ßat aus biefem ®runbe baS DtüdenmartSnerbenfpftem aueß als einen ©ßeil beS animalen DierbenfpftemS angefeßen unb in biefem §alle baS gefammte Dierbenfpftem in ein cerebro-fpinaleS marfSnerbenfpftem) unb ein begetatibeS (baS fpmpatßifcße) eingetßeilt. 3«beffen ift es woßl rießtiger, bad DtücfenmarfSnerbenfpftem als einen ©ßeil beS begetatiben anjufeßen, ba bad Diüdenmart ßauptfäd)lid) Dieflepe berurfadßt. ©aneben bermittelt ed jene (Sinbrücfe (Erregungen) bon unb nad) bem §irn, infofern ed bie Seitungdbaßnen für alle willfür* 132 ließen Bewegungen beS DhtmpfeS unb bet (Sjtfremitäten, fowie für atte (gmpfinbungen in biefen Xßeilen nad) bem®eßirn ju entßält. ®iefe $irn= SRüdenmartSfafern jiefjen fiel) jum großen £ßeile aus ber einen §irnl)älfte in bie entgegengefeßte beS 9?üdenmarfS, Woburd) fie eine ber redjten unb linten bebingen. T'aS fflüdenmarf ift ein rnnblidjer,üorn unb hinten etwas abge* platteter, etwa tleinfingerbider Strang, ber (beim (Sr* wadjfenen) 14-16 lang ift (Sr tjat feine £age in ber SRüdgratSßößle ber SBirbelfäule unb ift, wie baS ®eßirn, in einen, üon brei Häuten gebilbeten Sad ein* gefdjloffen. (SS finb baS biefelben §äute, wie beim ®eßirn, nämlid) bie barte §irn* bejw. SRüdenmarfS* ßaut, bie Spinnwebenljaut unb bie weidje §irn* bejw. 9?üdenmarfSl)aut 3Rit feinem oberen, biden (Snbe fteljt es burd) baS üerlängerte 3Rarf mit bem großen unb Heinen ®eßirn in Berbinbitng; baS untere (Snbe geigt in ber ©egenb beS jweiten BaudjroirbetS eine ftumpfe Spitje („SRüdenmartSsapfen"), bie fief) in einen bünnen, bis jum (Snbe ber fRüdgratSßößle ßerablaufenben $aben, ben fog. iRüdenmarfSfaben, fortfeßt £urd) eine üorn unb eine hinten in ber 3Ritellinie (alfo üon oben nad) unten) fitf) ßerabgießenbe tiefe fturdje wirb baS 9xüden* marf in jwei feitlidje Hälften geteilt, bie burd) eine fdjmale Brüde jufammengel)alten werben (f. $ig. 74), unb üon benen jebe wieber burd) jwei feitlid) üerlaufenbe, feidjte fturdjen in brei Stränge getrennt wirb. ®egen baS untere (Snbe beS 9?üdenmartS üerfdjwinben alle biefe gurdjen nad) unb nad), fo baf? bie (Snbfpiße feine (Sinfdjnitte meßr hat $n ber ®egenb ber unteren Halswirbel l)at baS $Rüdenmart eine Slnfdjwellung, weld)e ber SluSgangSpunft ber Slrmnerüen ift; eine jweite Slnfd)Weitung fid) bidjt über bem 9?üden* marfSjapfen, unb biefe l)itft mit ben untern 9tüden* marfSnerüen ben fog. *ißferbefd)weif bilben (f. $ig. 73). - 3Bie fd)on im üerlängerten 3Rarf ift and) im bilden* mart bie 9?erüenmaffe anberS gelagert, als im ®ef)irn; bie weiße, faferige Subftanj liegt außen unb umßüllt als eine 2lrt Sdjale bie graue Sub* ftanj. Sluf bem Duerfcßnitt (f. ftig. 74.) geigt biefe annäßernb bie $orm eines lateinifdjen H ober jweierHalbmonbe, üon benen jeber ein üorbereS unb ein tjintereS Horn I)at. 3ni äRittelpuntt beS iRüdenmarfS bejw. ber grauen Subftanj beffelben finb biefe Halbmonbe burd) jene oben Fig T3. @ eljirn unb SRiicfenntarf mit ben 9lnfiifcen ber ütiictenmarBnerben; unten ber fcfjiueif". 133 ermähnte 53rütfe mit einanber berbunben. 3m Zentrum biefer iörücfeF meldje bie „graue (Sommiffur" genannt mirb, liegt mieberum ein ßanal („9?ütfenmartScanal"), ber baS ganje 9iücfenmarf burdjjieljt unb eine feßung ber bierten §irnfammer ift. ©er p e r i p Ij e r i f dj e © tj e i l beS bilden- martSnerbenfpftemS mirb bon 31 paarigen Serben gebilbet, bie nadj ben ©teilen, bon melden fie au$ ber Söirbelfäule perborfommen, §alS- (8), Än* ober 4Bruft-(12), ßenbem ober iöaudjmirbel-(5), Äreujbein-(5) unb ©teigbeinneroen (1) genannt werben. 3eber SRücfenmartSnerb entfpringt aus bem 9?üdenmarf mit jwei Üßurjeln, einer borbe= ren unb einer pinteren; beibe fepen fidj aus platten gaferbünbeln jufammen, meldje aus ben feitlidjen $urdjen ber SRütfenmarfSoberflädje perbortreten (f. gig. 75). ©ie borberen Sßurjeln enthalten nur 53emegungSfafern, bie pinteren, meldje bei allen 9?ücfenmartSneroen mit 2IuSnaIjme ber jmei obe- ren §alSnerben ftärfer finb als bie borberen SBurjeln, nur ßmpfiubiiugS- fafern. 3ebe ber ljinteren Sßurjeln fdjmillt, unb lodj, einem 9?erbenfnoten (©pinalganglion) an, meldjer aus Dlerbenjellen befteljt, bie maljrfdjeinlidj mit bcnjenigen fpmpatljifdjen sJterbenfafern fammenljängen, bie in bie 9lü(fenmarfSnerben übergeljen. ©leid) pinter jebem foldjen ©pinalganglion treten bie sJ?er- benmurjeln burdj bie mirbellödjer (Hoffnungen an ber ©eite beS 9?ücEgratS) aus ber 9?ü(fgratSl)öl)le Ijerbor unb gleidjjeitig fie $u einem gemetnfamen Berbern ftamm, ber alfo ein „gemifdjter" ift, b. Ij. motorifdje unb fenfible fafern enthält. £Jalb barauf fpalten fid) biefe (31paarigen) mieber in je einen borberen unb einen ljinteren Slft unb oerbreiten fidj bann am 9?umpf unb in ben (f. STafel VII). Fig. 74. C.uerburd)fcf)ttttt 9tücfen= marf§. 3tn Snnern ber irct&eit (Subftflnj, tueCcfje burct) btcüor- bere unb tjintere £äitq§furcfje beutücb flctrcnnt tft, ließt bie graue giibitans mit itjreit $ör= nertt unb bem 8tüctenmarf§ca= nal; teuerer ift a(§ Sßuntt in ber „grauen ©ommiffur" ficijtbar. Fig. 75. 83orbcranficfit eines SRücfeitmnrfftücfä mit ben SBurjeln ber SRiicfenmartSneröen. a) SHücfenmarE, b) Derbere unb b') Sintere «eröentoursel, c) ©»»inaifjanglion, d)9Eitcten= marESSnute (linfS abqefctjnitten, redjtS önrücfaefcb(aaeit), e) norbere SängSfutcße, 134 c) $(i§ fijtttjjafljtfdje ober ©(ntgltenncrbenfofhm. T)ie britte Slbtßeihmg bes gefammten 91erüenfßftemS, beren Function ßauptfädjlid) bie Beforgung ber rßßtßmifdjen beS ®arm= canals unb bet Blub unb ßßmpßgefäße ift, unb bie beSßatb and) üafomotorifdjeS (gefäßbewe* genbeS) 91eroenfßftem genannt wirb, ift ein 97e£ oorwiegenb aus marflofen gafern befte= Ijenber Heroen, wetdje mit einer SQlenge 91er- üentnoten ober ©anglien in Berbinbung fteßen; baßer ber 9?ame (Sfangliennerüenftyftem. ©eine britte Bejeidjnung, fijmpatßiftßeS ftem, erhielt biefeS ©ijftem aber baßer, bafc man früßer annaßm, baß burd) biefeS ©ßftem bie fogen. ©ßmpatßien üeranlaßt mürben. Ser Bfittetyunft biefeß ©ßftemS finb jwei nerüöfe Stränge, welcße im £>alfe unb in ber Bruft unb Baucßßößle ju beiben ©eiten beS 9?üdgratS (b. ß. auf jeber ©eite einer) üerlau- fen. SiefeS 9?eroencentrum, welcßeS ber ©pmpatßicuS,ber ©renjftrang, bie (Stang* lientette ober ber Shrotentßeil (beS fpmpatßi* fdjen genannt wirb, bejw. jeber feiner beiben Sßeile (©tränge) befteßt au§ einem üon oben nad) unten längs ber 2ßirbel= fäule üerlaufenben 9?ervenfaben, in roeldjen in 24 ober and) 25 9?erüenfno' ten eingefdjattet finb (f. $ig. 76). ent' fenben 91eroen ju ben (Gefäßen unb ben Öiüdem marfS' ober §irnneroen. 2lnf biefe Sßeife wirb ein inniger 3ufammenljang jwifdjen ben brei 91erüenft)ftemen üermittelt, ber oorneßmlid) in einer 9?egnlirung ber Bewegungen beS, eine gewiffe ©elbftftänbigfeit ©angliem neroenfßftemS feitenS beS cerebro-fpinalen ©ßftemS gu befteßen fdjeint. 9lu3 biefem innu gen 3ufciminenl)ang be§ fßmpattjifdjen 9?er= oenfßftemS mit bem ©efäßfßftem einerfeits unb bem ®eßirn= unb OJücfenmarfSnerüem fßftem anbererfeitS erflären fid) and) bie (5in- wirfungen, weld)e ßäufig oon ben beiben (eßt- genannten 9ierüenfl)ftemen aus auf bie ©efäße ftattfinben; ju foldjen SorberanfiÄt be§£?al§= unb SBrufttfie® bet SBirbelfäuIe mit bem littfen ©brnpatbicuSfirann. q)Cberftcr unb p) unterster $al3=(Werben=) knoten, a) SBruftfnoten, r) ffiingeweibenei:», s) 8Serbinbutta§fäben beä fympatijijcbciT werben mit SRücfenmarKnerben. Fig. 76. 135 Ueberftraplungen finb 3. £3. Blaß* unb fRotpwerben (Blutleere unb Blut* fülle ber §aut) bei ©emütpsbewegungen 31t redjnen. ©er p e r i p I) e r i f dj e ober „® e f l e dj 11p e i l" biefeS «SpftemS be* ftept aus vielen ne£*unb geftecptartig unter einanber vereinigten Rerven, bit mit ben ©pmpatpicuSfträngen verbunben finb, ben Blutgefäßen folgen uni bie (Singeweibe ber Bruft, beS BaudjeS unb beS BedenS mit Rervenfäben, von benen bie meiften and) nocp Rervenfnoten eingewebt enthalten, mm fpinnen. ©ie beiben größten biefer Rervengefledjte finb baS „£>erjgeftecpt". welcpeS vom Aortenbogen jur BafiS beS §erjenS gept unb fidj über baS §erjfleifd) ausbreitet, unb baS „Baucp* ober Sonnengeflecpt", weldjeS pinter bem DRagen um bie große (SingeweibepulSaber perum liegt unb Rlagen, Veber unb 9Rilj mit Rerven Verfiept. $n ben ©lieb- maßen verlaufen bie fpmpatpifdjen Rerven, unb jwar mit unb in ben ©cpeiben ber RüdenmarfSnerven, opne ©efledjte ju bilben. ©ie Aufgabe beS fpmpatpifdjen RervenfpftemS beftept, wie bereits ge* fagt, barin, bie unwilltürlicpen DRuSfeln (glatten Blust eifafern) mit Bier- ven ju verfepen, refp. ju ju veranlaffen. ©aS ge* fdjiept, inbem bie centripetalen Rervenfafern biefeS ©pftemS burdj Reflexe bie, bie centrifugalen Bewegungen pervorrufenben ftafern jur ©pätigfeit am regen, ©er Reij, wetdjer bie centripetalen ober empfinbenben Rervem fafern in ©pätigteit verfept, geljt aber von bem 3npalt jener Organe aus, weldje baS fpmpatpiföpe Rervenfpftem verforgt ((Singeweibe, Blut* unb ßpmpßgefäße, ab* unb auSfonbernbe Kanäle), ©ie verurfadjten Betvegum gen finb umvillfürlidje (automatifd)*reflectorifd)e), bie bis ju einem geiviffen ©rabe vom cerebro*fpinalen SRervenfpftem regulirt werben; fie beftepen in 3ufammenjiepungen von (glatten) fXRuStelfafern, weid/ letztere burdj biefe (Sontractionen bie von ißnen gebilbeten (Sandle unb fRöpren verengern unb baburd) ben iener Organe fortbewegen. 3Rit bem Aufpören beS nervöfen fReijeS läßt and) bie SRuSfeljufammenjiepung nadj, unb bie betr. Organe erweitern fid) wieber von felbft. Außer ben glatten äRuSfelfafern beperrfdjt baS fpmpatpifdje (Spftem aber and) einen quergeftreiften SRuStel, baS §erj, unb jwar mit bem oben erwäpnten §erjgefledjt. ©iefeS (Sentralorgan ber §erjbewegungen befijjt, wie alte 'Rervenfnoten, eine gewiffe Unabpängigfeit von ben großen Rer* vencentren, weSpalb aud) baS auSgefdjnittene £>erj feine Bewegungen nocp eine 3 ©aS ©angliennervenfpftem ruft aber nicpt nur bie rpptpmifdjen Bewegungen beS pervor, fonbern wirft and) um ter bem Einfluß beS jepnten (f. 131) auf biefe Be* Wegungen pemmenb ein. 136 itnb ®raft nannten mir im erften Kapitel bie gähigteit, auf einen Körper bewegenb einjuwirten. (Sine ift alfo Bewegung. B3ir unterfdjeiben bie Bewegungen beS menfdjlidjen Körpers in foldje, bie fiel) innerhalb beSf eiben, änfjerlidj unbemerfbar, abfpielen, unb in foldje, bie äujjerlidje Beränberungen am Organismus bewirten, alfo baS Ber= Ijältniü beS Organismus jur beränbern. Oie erftgenannten Bewegungen, bie bon nuferem Brillen unabhängige, „unwillfürlidje" finb, tann man nodj weiter eintljeilen, unb jwar in foldje, bie innerhalb eines ©ewebeS refp. ber ©ewebe ftattfinben, unb foldje, bie in Organen oor fidj gehen. Oie erfteren, j. B. ber Stoffwedjfel unb bie Bedentljätigfeit, haben il)re Urfache befanntlidj in rein djemifdjsphijfifalifdjen (Sigenfdjaften ($räf= ten) beS Wir tonnen biefe Bewegungen, bie ja fdjon genügenb befprodjen worben finb, Ijier übergehen, Weil fie nidjt ju ben Äraftleiftum gen im gewöhnlichen (Sinne gehören. Oie anberen unwilltürlidjen wegungen innerhalb nuferes Körpers (in Organen unb Organgruppen) werben Ijerborgebradjt burdj bie Bufammenjieljung glatter SDiuSfelfafern; ber neroöfe Dteij, welcher biefe (Sontractionen beranlafjt, geht bom ®ang* licn- unb OiücfenmarfSnerbenfpftem aus, unb jwar berart, bafj bie (Sandle unb göljlen, Welche bon glatten SJtuSf eifafern gebilbet werben mittels ihres BuhaltS einen 9teij auf (SmpfinbungSfafem ausüben, Welcher burch lieber ftrahlung auf BeWegungSfafern übertragen wirb. Oiejenigen Bewegungen enblid), Weldje bas Berfjältnijj beS Körpers jur 2lufjenwelt beränbern, fommen burdj baS Bufammenwirten von Änodjen, Pusteln, unb Serben juwege. (SS finb bieS bie willtürlidjen, von nuferem Söillen borgefdjriebenen SlrbeitSleiftungen beS Äraft* unb Bewegungsapparats. 3U biefem gehören alfo bie Änodjen, bie Wilttür* lidjen SJhiSfeln unb bie motorifdjen Sterben unb, als bereu (Sentrum, baS (Mjirn, benn ba biefeS allein ber Sils beS SßillenS ift, müffen alle Serben* fafern, welche willtürlidje Bewegungen beranlaffen, entweber birect ober inbirect, burch Bermittlung beS OxücfenmarfS, mit bem ©eljirn in Berbim bung ftehen. Bon biefem aus leitet bie (motorifdje) $afer ben Dieij nad) ihrer peripl)erifd)en (Snbigung am quergeftreiften SftuSfel, welcher bann als Boll* [treefer beS ihm bom ®el)irn aus jugefanbten Befehls beS SßillenS bie Bewegung ausführt, inbem er fid) jufammenjieht, wobei fid) feine Ouer* ftreifen einanber nähern (f. $ig. 7T). Oaburd) wirb, wie man fid) an ber eigenen bei träftiger Biegung beS Unterarms gegen ben Oberarm leidjt überjeugen tann, ber SJZuStel härter unb fürjer unb bewegt fo ben ober bie mit ihm berbunbenen Knochen in ihren (Menten. Oie &nod)en (teilen babei meiftenS einarmige gebet bar, Welche ihren Orehpuntt am 137 ®elenf ljaben, wäljrenb am anberen Änodjenenbe bie Saft wirft; jwifdjen tiefen beiben fünften greift mit bem einen Gnbe ber, mit bem anberen an einem ©tüijpunft befeftigte 9D?u$fet an (f. $ig. 78). ®ie Straft ($raft= ober SlrbeitSleiftung), welche burdj foldje aJluSfeljufammenjieljungen auS= geübt wirb, ift eine ungeljeure. ©o fann ein DJienfdj mit feinen beiben §änben eine Saft tragen, bie größer als bie feines Körpers ift, unb eine bop* pelt fo große jießen. ©teljt man auf ben Beljen, f° Wt ber SßabenmuSfel einer Saft baS G)Ieidjgewid)t, weldje ungefähr 200 SJial fo fdjwer als ber SftuSfel felbft ift. 2ftan Ijat ferner beredjnet, baß ein 3)lann, ber beim Ginrammen non in ben 23oben befdjäftigt ift, im Saufe eines XageS fo viel Straft entwidelt, baß man mit biefer 2000 Gentner 4 $uß fjodj Ijeben tonnte. SIber aud) mit ber Gontraction ber unwill- fürlidjen Pusteln ift eine be- beutenbe SlrbeitSleiftung Ver* buuben; fo ljat ©onberS 3. 23. feftgeftellt, baß bei einer ruhigen Ginatljmung abgefeljen von ber ©reljung ber Rippen, weldje bamit verbunben ift unb ebenfalls einen nidjt unbebeu- tenben Äraftaufwanb erforbert, ein ©ewidjt von etwa 85 geljoben werben muß (vergl. unter §erj). tiefes große SlrbeitSlei* ftungsvermögen nuferer SD?uS= fein Verbanfen wir aber nidjt nur ber Gontractilität ober $u* fammenjieljungSfäljigfeit, fonbem aud) ber Glafticität unb bem 3J?uSfel= tonuS*) berfelben. Seigerer gewäljrt ben 23ortljeil, baß bei eintretenber 9)2uSfelcontraction bie Bewegung fofort 3U ©taube fommt, oljne baß erft nodj Äraft unb 3eit auf bie Slnfpannung beS (oljne benSftuSfeltonuS) Ijer fdjlaffen 2)?uSfelS Venvenbet werben muffen, ©ie Äraft* ober SlrbeitS- erfparung, weldje mit ber Glafticität verbunben ift, befteljt aber barin, baß Fig. 77. 3>oet quergeftreifte 3Ru§teIfäben mit ben SRerbenenbi* gungen. a) unb b) Uioet SRerüenfafetit, beren Ueber= gang in bie beiben ©nbpiatten e) unb f) ficfjtbar ift, c) Steürilemma mit feinen Sternen d d), iibergeljenb in ba§ ©artolemma gg); hh) Stern ber SRuStelfafern. 3ln let?te= ren finb bie einzelnen CUierfdjeiben beutlidj ju erlernten. *) 2Bie fdjon Bei ber SBefprecliung bes 2D?u§feIfv>ftcniö gcfagt tourbe, Ijängen bie SOiuäteln wäljrenb be$ ber Stulje keineswegs fcfjlaff an ben Änodjen, fonbern befinben fiel) beftänbig in einem, 2)?uSfeltcnuS genannten SpannungSjuftanbe; fte finb nämlich fo an ifjre finorfien befeftigt, baff fie ettoaS über natürliche Sänge gebest finb. ©er fDJusfeltonuö, ber bei Äinbcrn, ©reifen unb fdjnjäcblicbcn gering, bei ivoljlgenäljrten unb fräfttgen aber bebeutenb ift (iveäbalb ftdf beren SWuS* fein prall anfüljlen'), fann burcfy metljobifcljen ©ebraucfj ber Pusteln, 3. 33. ©urnen, febr gekräftigt foerben. 138 jeher W?uSfel nad) einer StuSbefjnung üon fetbft ju feiner urfprimglidjen Sänge jurüdfef)rt. £Birb bemnad) j. 23. bei (Sontraction eines 23eugerS beffen (Stegner ober Slntagonift (ein Streif er) auSgebetjnt, fo bebarf eS, nadjbem bie ßontraction beS 23eugerß aufgetjört fjat, feiner jweiten (Son* traction (neuer StrbeitSteiftung), um ben Streifer in feine frühere Sage ju Derfelbe fetjrt in $otge feiner (Stafticität bon fetbft bortfjin juriicf unb babei and) bie bie bei ber Bewegung aus il)rer S'tutjelage gebracht worben waren, in iljre 9lul)e jurücf. Fig. 78. £et>eftDttfitncj be§ siDeiJöpfiflen SIrmmuStelS; berfelbe ift Itnt? aeftrecftintb redjt§ contraljtrt. a) Obers armbcin, b) Sorberarmfnoajen, c) jtoetföbfiflcr SlrmmuStel, d) beffen Urfbrung, e) beffen Slnfafcfeljne, f) Sreijbuntt beS Unterarms. Die Duetten bermenfifjttdjenSIrbeitSteiftungett, b. I). bie „auSlöfenben .Strafte", wetdje „<Spannfräfte" in „lebenbige Kräfte" umfetjen, finb aber Ijauptfädjlid) bie DypbationSproceffe. Der Sauerftoff befreit, inbem er ju ben (organifirten) organifdjen SSerbinbungen beS Körpers tritt, bie in biefen SSerbinbungen rutjenben Spannfräfte, unb jwar finb eS, wie wir fpäter nod) genauer fennen fernen werben, üornetjmtid) bie 23erbinbungen beS SauerftoffS mit ben ftiifftofftofen Stoffen ($of)lenf)pbraten unb fetten), weldje tebenbige Äraft erzeugen. 139 toiäl)rutt0sapparat. ßrnäbrunfl unb animale SBärme. 23lut, unb Speifefaft. ©aS ©er 23tutfreistauf unb feine Organe. ültfjmungSawarat. SJcrbauungiSapparat. ■garnapparat. Sleufjere §aut. frnäjmmg unb antntafe ginnte. 3n jebem Organismus Dolljiept fiel) fortwäprenb ein SÖedjfel ber ben Organismus jufammenfepenben Materie. ©iefer Sßed)fel, ber Stoff* rt>ecf)fel, ift bekanntlich bie widjtigfte ber gebenSerfcpeinungen; er ift gleid)* bebeutenb mit geben, unb bie pauptfäcplidjfte gebenSbebingung ift bemnad), ben Stoffwecpfel ju unterhalten. ©iefe 31t erfüllen, fiept in nuferer fDladjt, natürlich, bah unfer Körper ein normaler, gefunber ift. £ßir muffen 31t bem Zwecke unferen Organismus Dor Sd)äbigungen bewahren, wir müffen Spätigkeit mit 9xupe abwed)feln taffen, unb wir müffen - Dor alten ©ingen - bem Körper biejenigen Stoffe jnfüpren, burd) welche unb aus welchen er bie SBerlufte, bie er ununterbrochen burd) Slbnußung erleibet, erfei'en fann. Serben bem Körper biefe Stoffe Dorenthalten, bann ftirbt er, b.p. ber Stoffwecpfel härt auf. !®?it anberen Porten: ©aS geben ift in erfter ginie Don ber Bufupr Don Nahrung (einfdjließlid) Sßaffer) unb Sauerftoff abhängig, ©ie 3)?enge Don Nahrung unb Sauerftoff, bereu ein Körper bebarf, fdjwantt mit bem Stoffüerbraudj bcS lederen; je intenfioer bie gebenSbewegungen in einem Körper Dor fid) gehen, befto mehr 9?aprung unb Sauerftoff braucht er. ©ie SIrt ber 92aprung ift aber burd) bie (djemifdje) 3ufammerifetj.ung beS Körpers Dorgefdjrieben; berfelbe bebarf felbftDerftänblid) ju feiner 9?em bilbung ber Stoffe, aus welchen er befiehl (f. S. 14). ©en Sauerftoff athmen nur mit ber atmofpljärifchen guft ein. (Sr Derbinbet fid) in nuferem Körper im SltpmungSapparat refp. in beffen Widjtigftem Shcil, in ben gungen, mit ben rotljen 53luttorperd)en, b. I). er wirb Dom 33lute birect jenem, atmofphärifdje guft genannten ©ernifd) Don Sauerftoff unb Stidftoff entnommen, ©ie anberen (Elemente, aus benen fid) unfer Körper jufammenfeht, unb naturgemäß unfere Nahrung beftepen muß, müffen aber erft im Körper Derarbeitet werben, epe fie fönnen. gelterem gept bekanntlich bie ab, aus UnorganifdjemOrganifdjeS ju bilben; biefe befiljt nur bie unb beSpalb müffen wir bie Cap- rung, b. p. DJlateriat, aus Welchem unfer Körper fiep repariren kann, birect ober inbirect (§leifd)toft) bem in fVorm foldier 140 organifcpen Verbinbungen entnehmen, bie unfer Organismus für fid) ver* Wertpen tann. Oiefe, „Nahrungsmittel" genannten Verbinbungen müffen aber im Körper erft nocp eine Ummanblung erfahren; fie müffen bem 423£ute ähnlich, unb jroar üorerft im VerbauungSapparat zu „(Speifefaft" gemacht werben, Oiefer «Saft (auch kppluS genannt) geht aus bem Ver= bauungSapparat in beftimmte ©efäjje (kppluS* refp. Spmppgefäpe) über, in Welchen er bem Vlute immer ähnlicher gemacht unb gleichzeitig nach bem zu weiter beförbert wirb, um fcpliefjlicp in baSfelbe einjuftrömen. Nur wenige Nahrungsmittel, 3.V. SBaffer unb unorganifdje <Salze, entziehen fid) ber Verarbeitung in kpijluS unb treten, wie ber (Sauerftoff, birect in baS Vlut über; fie werben von ben Vlutgefäpen ber SNagen* unb Oarm* wanb aufgefogen. £)afj aber ber (Sauerftoff unb bie NahrungSftoffe in baS Vlut ge* fdjafft, bezw. bie (meiften) NahrungSftoffe bem Vlute erft ähnlich gemacht werben müffen, el;e fie bem Körper von Nupen fein tonnen, hat feinen ®runb barin, bap baS Vlut ber Vermittler beS (Stoffwecpfels ift. OaS Vlut befinbet fiep in einem ununterbrochenen Kreislauf burch ben Körper, unb ber DNittelpuntt biefeS Kreislaufes ift baS §erz. 3n biefeS gelangt, wie gefagt, vom VerbauungSapparat per kppluS, unb von ben Sungen her (Sauerftoff. ßm Kerzen nimmt bas Vlut beibe ((5ht)(u§ unb (Sauerftoff) in fid) auf unb bringt bann in ben als pellrotpeS, arterielles Vlut nach allen ®eweben beS Körpers vor. Oort löfen fiep bie VulSabern in immer feinere ©efäfte ober kapillaren) auf, burch bereu zarte Sßänbe halb ein enboSmotifcper Vertepr zunfepen bem Vlute unb ben kteweben eintritt. Vei biefem Vertepr giebt baS Vlut an leptere bie (Subftanzen ab, welche bie ®ewebe zum ßeben unb Xhätigfein gebrauchen, nämlich (Sauerftoff unb einen, „krnährungSflüffigfeit" genann* ten (Saft, ber fiep aus ber Vereinigung beS kppluS unb beS VluteS gebil- bet pat. Vei biefem enboSmotifcpen Vertepr in ben §aargefäften nimmt baS Vlut gleichzeitig aber auep jene (Stoffe in fiep auf, welcpe wäprenb ber ßebenSVorgänge in ben ©eweben abgenutzt (ojpbirt) würben. SNit biefen „©ewebsfcplacf'en" belabenunb arm an (Sauerftoff unb krnäprungSflüffig* feit tritt baS Vlut barauf ben Heimweg zum Kerzen an. ks geht, jept als bunfelrotpeS, VenöfeS Vlut, aus ben kapillaren in anbere, Vlutabern genannte ©efäjje über, welcpe eS zum §erzen führen. Slber epe eS bapin gelangt, übergiebt eS bie von ben kteweben erhaltenen ©ewebsfcplacfen an beftimmte Organe, bie fog. kntgiftungSorgane, welcpe bie SluSfcpeibung biefer (Stoffe, bereu Verbleiben im Körper fdjäbticp wäre, beforgen. 3um Kerzen zurücfgefeprt, erneuert baS Vlut feinen ®epalt an (Sauerftoff unb kppluS (krnäprungSflüffigfeit), um bann fofort wiebereinen neuen Kreis* lauf burch ben Körper (vom Kerzen burep bie VulSabern, kapillaren unb 141 53lutabern jum §erjen jurücf) ju beginnen. Oaß baS 33lut fid) fortmäß' renb im §erjen verjüngen fann, bafür mirb aber nießt nur unfererfeits bureß Bufußr von ©auerftoff unb 9?aßrung geforgt. Oer Körper felbft ift ftets barauf bebadjt, feine Slnfprüdje an bie Slußenmelt auf baS geringfte IDlaß ?,u befdjränfen, unb fo feßrt unter jenem automatifcß=reflectorifcßen 9ieij, ben mir bei fennen gelernt ßaben, alte ü b e r f d) ü f f i g e (SrnäßrungSflüffigfeit, meldje vom 33lut an bie ®emebe abgegeben tvorben mar, von felbft jurücf; biefe überfeßüffige UrnäßrungSflüffigfeit nennen mir Sßmpße unb bie ®e* fäße, in melcßen fie jum §erjen fließt, ©augabern ober ßßmpßgefäße. Oie ßier gefdjilberten Vorgänge bienen fämmtlid) ber (Srnäßrung beS Körpers; eS finb bie GrnäßrungStßätigfeiten beffeiben, ©ie voltjießen fid) in einer Slnjaßl von Organen unb Apparaten, bie ißrerfeitS mieber jufam= men ben „ßrnäßrungSapparat" bilben (f. ©. 72). SUS bie ©runbbebingungen eines ungeftörten ©toffmedjfelS in nnfe* rem Körper führten mir oben an, baß mir nuferen Organismus vor ©djä' bigungen 311 ßüten, eine vernünftige SlbmedjSlung von Oßätigfeit unb 9hiße innejußalten unb für ßinreießenbe Bufußr von ©auerftoff unb Dlaßrung (incl. SBaffer) 311 forgen patten. SÖir fennen aber von früßer per, außer ©auerftoff, Dlaßrung unb Gaffer, nod) jmei meitere 23ebingungen, an meldje baS Unfein beS 3Renfd)en unb bamit alfo and) ber ©toffmecßfel im menfd)lid)en Körper gefnüpft ift; eS finb bieS Sidßt unb Söärme. OaS S3orßanbenfein beS erfteren, meldjeS betanntlidj baS Vermögen bebingt, aus Unorganifd)emOrganifdjeS $u bilben, mar fd)on ftillfdjmeigenb vorauSgefeßt, als mir annaßmen, baß uns bie nötigen (organifd;en) 9ial}' rungSmittel ©ebote ftünben. ßeijtere, bie SBärme, ift aber nidjt nur aus äl)nlid)em ®runbe mie baS ßidjt eine inbirecte*), fonbern and) eine birecte ßebenSbebingung. Sille SebenSproceffe finb nämlid) von einem gemiffen SBärmegrabe in unferem Körper felbft abhängig. Oiefe animale ober (Sigenmärme beläuft fid) auf 96-99|° $af)r. 3ft fie l)öl)er, mie baS bei faft allen ljißigen ift**), fo geßen bie organifdjen Vorgänge juerft rafdjer von ftatten, bis fdjließlidj bie (Sie- mebe baburd) lebensunfähig merben; fintt bie (Sigentemperatur, mie baS bis ju 83° ber galt fein fann, nod) tiefer als bis auf ben angegebenen ®rab, fo mirb bie £ßätigfeit ber SDluSfeln unb 9?erVen vollftänbig aufge« ßoben. üöärme unb Äälte, fobalb fie eingemiffeS ®ebiet ber Jßermometer* *) gaft alle Sßflcinjcn benötigen jur 93ilbung ton Gt)Iorop()l)H (f. <S. 30) aud) einer geiviffen Stemperatur. **) ©iefe franfßafte Steigerung ber animalen SBärtne, bie big ju 107° gelten fann, unter 33efd)leunigung beg unb ber nennen Wir „fieber." 142 fcala üerlaffen, zerrütten bie ßebenSeigenfcßaften ber Organe unb führen fcßließlid) gum Öobe. ©S gel)t barauS ßerüor, »ie »icßtig bie ©rßaltung ber normalen Körpertemperatur, ber animalen Wärme, ift, mit anberen Worten, »iefeßr mir barauf ad)ten müffen, nuferem Körper bie gehörige Wärme ju erßal* ten. ©aju bieten fid) j»ei Wege, nämlicß bie Wärmeüerlufte, »elcße ber Körper fortmäßrenb erleibet, möglicßft ju befcßränfen unb biefe Verlufte nad) Kräften ju erfeßen. Wärmeüerlufte erleibet ber Körper aber baburd), baß er ftetS Wärme an ©egenftänbe feiner Umgebung, bie füßler finb als er, abgeben muß. Oiefe Abgabe gefcßießt: burd) «Straßlung üon ber freien Oberfläche aus, bie aus fdjmalen, fpißigen Oßeilen, »ie in allen anberen fällen, fo and) bejüglid) unfereS Körpers, am leicßteften ftattfinbet, »eSßalb 9?afenfpiße, Oßren, Ringer, überhaupt bie ©liebmaßen rafcßer unb leidjter erfalten, als ber 9?umpf; ferner üerliert ber Körper Wärme burd) Leitung an falte, bie Oberfläd)e berüßrenbe ©egenftänbe (Kleibung, falte Väber, u. a. m.), bureß Slufnaßme falter Suff unb Dlaßrung unb burd) Verbunftung üon bei- äußeren £>aut unb ben @d)leimßäuten. Oiefe Wärmeüerlufte finb ju erfeßen, unb jrnar aus ben, bem Körper ju ©ebote fteßenben Wärmequellen, bereu »icßtigfte bie innerhalb ber Or* gane oorgeßenben finb. ©iefe Verbrennungen in ben Körpergemeben finb benen im Ofen äßnlid). Seßterer üerlangt, »enn baS geuer in ißm orbentlid) brennen foll, $euerungSmaterial unb (Sauerftoff in einem beftimmten Verßältniß; baS ©leidje üerlangt ber menfeßlidje Or- ganismus, nämlicß eine beftimmte 9D?enge üon 91aßrung terial) unb ©auerftoff, bereu djemifdje ©in»irfung auf einanber bie Ver* brennungS- ober OjßbationSproceffe üerurfaeßt bejm. unterßält. Oiefe Verbrennungen finb aber bie auSgiebigfte Wärmequelle für ben tßierifdjen Organismus babureß, baß bureß fie bie in ben ©emeben aufgefpeießerten ©pannfräfte auSgelöft unb in lebenbige Kräfte umgefeßt merben, in (Sr= fdjeinungen üon DJlaffen- ober SOlolecularbemegungen, b. ß. in Vemegnng ober SlrbeitSleiftung unb in Wärme. Oiefer Vorgang berußt auf bem ©efeße üon ber ©rßaltung ber Kraft (f. @eite 53), nad) melcßem latente in lebenbige Kräfte, inäJZaffenbetvegungen unbumgefeßrt üer- manbelt »erben tonnen. Wärme (bie Vertagung ber Sltome unb ißrer Sletßerßüllen) entiüid'elt fid) im menfd)lid)en Körper alfo ßauptfäcßlicß bureß Umroanblung aus ben in ben Organen aufgefpeießerten (latenten) ©pannfräften, ioeldje burd) bie Verbrennungen auSgelöft »erben. Weitere Wärmequellen finb: SIrbeitSleiftungen beS Kraft* unb Ve»egungSappa* rats, ferner bie unmillfürlicßen Ve»egungen innerßalb beS Körpers (§erj* bemegung, Vemegungen beS VerbauungSapparatS, u. f. ».) unb bie (Slec* 143 tricitätSerfcßeinungen im WcuSfel unb 9?erDcnfpftem; and) biefe SBärmeer* berußt barauf, baß Waffen- in W?olecularbemegungen unb bereu ,,9Jiobificationen" in einanber Dermanbelt merben fönnen. Sßerfen mir einen fftücfblicf auf bie Urfadjen beö 23erlufte§ unb ®e- minnS an animaler äöärme, fo feßen mir, baß mir burd) Sdjuß Dor ®älte (SInlegen marmer Sleibung, Slufentßalt in SBoßnungen, u. a. m.) einem Verlieren Dorbeugen unb ferner eine SSermeßrung ber animalen SBärme ßauptfädjlid) burd) reidjlicfje Bufußr Don 91aßrung erzielen fönnen, leßtereS, meil burd) erl)öl)te (Srnäßrung aud) bie CjßbationSDorgänge im Körper, b. ß. bie ßauptfädjlicßfte Quelle ber ©igenmärme beleihen, gefteigert mer- ben. Sßir erfennen babei aud), baf? bie midjtigfte ßebenSbebingung, ber jumeift auf ber 3uiW bon 9?aßrung, Söaffer unb Sauerftoff berußenbe Stoffmed)fel, Don felbft bie Erfüllung ber anberen, ber normalen (Sigen- märme, bebingt. 2ßenn mir oben gefagt ßaben, baß bem Körper alö 9?aßrung foldje Stoffe jugefüßrt merben müffen, an§ meldjen er befteßt, unb baß mir biefe Stoffe birect ober inbirect bem ''ßflanjenreidj entneßmen müffen, fo mar babei DorauSgefeßt, baß ber ßefer Dom erften Kapitel ßer bie beiben großen (Gruppen jener Stoffe, bie (ftidftofflofen) Äoßlenßßbrate unb $ette, unb bie (fticfftoffßaltigen) (Simeißftoffe tennt. (5§ leuchtet ein, baß bem Körper, foll feine (Srnäßrung eine rießtige fein, Don jeber ®ruppe beftimmte Men- gen merben müffen, bie im SSerßältnifj ju ber ber einzelnen ©runbftoffe an ber be£ meufeßlidjen Organik muö fteßen. (5$ mödjte aber für bie (Sntmicflung animaler 2ßärme in nu- ferem Körper gleichgültig erfdjeinen, ob biefer meßr Äoßlenßßbrate ober meßr ©meifjftoffe erßält bejm. ojßbirt. Sem ift aber nid)t fo. ®er ber Derfdjiebenen SJlaßrungSftoffe für ben menfcßlitßen £)rga* niSmuö ift ebenfo mie ber 9täßrmertß ein Derfcßiebener. 3m allgemeinen läßt fid) fagen, baß bie Äoßlenßßbrate unb gette Dorneßmlidj ber Söärme® probuction unb Ä'raftleiftung beö unb bie ßimeißftoffe ßauptfäcß* lid) bem Organaufbau unb ber (Srßaltung be3 $örper$ bienen. Qamit ift aber, moßlgemerft, nid)i gemeint, baß nid)t and) bie ftiefftofffreien 9?aß= rungSmittel jum beitrügen, unb bie ftidftoffßaltigen bei ißrer Djßbation nid)t aud) Söärme unb lebenbige straft entmidelten. 144 itnb DaS Vlut ift bet Vermittler beS <StoffmecI)fel§. SUS folcper pat eS Sivei Aufgaben in unferem Körper: kS pat erftenS ben Organen Sauerftoff unb krnäprungSflüffigfeit, b. p. bie Stoffe ju bringen, an« benen jene fiep neu bilben unb $raft unb VJärme entwid'eln tonnen, unb es bat sWeitenS bie im Körper abgenutzten (verbrannten, ojrpbirten) Stoffe ben „(Snt= giftungSorganen" beljufs SluSfdjcibung ju übermitteln. Oie Dualität beS VluteS tjängt alfo bavon ab, ob ipm Sauerftoff unb sJtaprungSftoffe, unb Sinar in genügenber Stenge, vom SltpmungS* refp. Verbauungsapparat per sugefüprt werben, unb non ber Vefdjaffenpeit ber SluSfcpeibungSor* gane. Sinb biefe (Zungen, öeber, Vieren unb §aut) tränt, fo entartet baS Vlut, unb es bleibt s- V. £>arnfäure (bei ber ©icpt) im Vlut surüef, ober eS werben braudjbare 9?äprftoffe, wie kiweiß unb 3utfer bei ber sJiierenentsünbung refp. burdjgelaffen. Um feine beiben oben genannten Aufgaben orbentlid) erfüllen su tonnen, muß baS Vlut aber and) burdj ben 9J?ed)aniSmuS beS fersens mit §ütfe beS VlutfreiSlaufS nadj allen Dpeilen beS Körpers pin* unb non biefen surütfgebradjt, alfo in beftänbiger Vewegung erpalten Inerben, unb eS muß bie feinften Vlutgefäße (Haargefäße ober kapillaren) gepörig burdj* fließen. Der VlutfreiSlauf ift fein geringerer gactor für bas normale Von- ftattengepen beS Stoffwecpfels, als baS Vlut felbft refp. beffen Vefdjaffen* peit. Völliges 2lufpören beS VlutfreiSlaufS bebeutet Stillftepen beS Stoff* wecpfels (Dob), weil ben Organen, gans abgefepen non bereu gleichseitiger Ueberlabung mit ©ewebSfcplacfen, nidjt mepr bie Stoffe sugefüprt werben, bie fie sunt geben nnb Dpätigfein gebraudjen. (Sine tpeilweife Unter* bredjung ber Vlutcirculation siept ernftlidje Äranfpeit nad) fidj, benn wenn ber $utritt beS VluteS su einem nollftänbig gepemmt ift, ober aber baS Vlut in ben kapillaren fid) fo anpäuft, bap es ftod't, bann ftept and) ber Stoffwedjfel in ben betr. Organen ftill, unb biefe fterben ab unb gepen in über. 3Ran nennt foldje franfpaften ben „Vranb", unb swar entweber ben trocfenen, falten ober weißen Vranb, wenn fie bie $o(ge von Vlutmangel finb, ober ben feudjten, beißen ober fdjwarsen Vranb, wenn fie von Vlutftocfung perrüpren. Das Vlut barf aber and) nicpt su rafd) burcp bie kapillaren fließen. 3n biefen erfüllt baS Vlut feine hoppelte Aufgabe, inbem eS pier krnäprungSflüffigfeit unb Sauerftoff an bie ®ewebe abgiebt unb von lepteren gleidjseitig bie ®e* websfdjlad'en aufnimmt. VMirbe alfo baS Vlut su fcpnell burd) bie §aar* gefäße burcpftrömen, fo würbe eS nicpt bie nötpige $eit paben, ben 2luS* taufcp swifcpen neuem unb abgenuptem Material su vermitteln. a) SBhit 145 ©ie 53lutmenge bed Menfdjen fdjwanft beträdjtlid) nad) Sliter, Körper* bau unb Sebendweife. Wdj ben Don bem Mündjener ''ßljtjfiologen d. 53ifd)off an Hingerichteten Dorgenommenen 53eftimmungen ber bed erwadjfenen Manned beträgt biefe bei anfdjeinenb Dollfommener @e= funbljeit 7,7 ober 1:13 bed Körpergewidjtd. jüngere haben Derhältnißmäßig meljr 53lut ald ältere. 9xut)e bed Körperd, weldje begünftigt, Derminbert bie 53lutmenge, wogegen fie burdj ftärfere Slrbeitdleiftungen, baß aud) bie (Srnäßrung Derhältnißmäßig gefteigert ift, Dermeßrt wirb. Mit freiem Sluge betrachtet, erfdjeint bad 53lut, b. I). bad lebend* frifdje, wie ed in nuferen Slbern rollt, ald eine gleidjmäßige glüffigfeit Don entweber hellroter ober bunfelrother garbe; erftere finben wir, wie fdjon erwähnt, in ben Slrterien ober letztere in ben 53enen ober 53lut* abern. ©iefer garbenunterfdjieb ift auf benDerfd)iebenen®adgehalt beiber 53lutarten jurücfjuführen; bad hellrothe 4Blut enthält mehr ©auerftoff ald bad bunfle unb biefed mehr Koljlenfäure ald erftered. Sind) bie £empe* ratur bed 53tnted, bie bnrdjfdjnittlidj 97-100° galjr. beträgt, fdjwanft, unb zwar nidjt nur nach ben (Gefäßen felbft, in benen fiel) bad 4BIut befin* bet, fonbern and) nad) ber £age biefer @efäße im Körper. Slrterielled 531ut ift gewöhnlich um 2,5° wärmer ald Denöfed, unb bie 531utwärme ift nm fo höher, je tiefer ein ®efäß im Körper liegt; in ber Slorta fdjwanft fie ZWifdjen 99-105°. Mit bewaffnetem Singe, b. h- unter bem Mifroffop, fehen wir aber, baß bad 53lut feine homogene (gleichmäßige) glüffigfeit, fonbern aud zwei ganz Derfdjiebenen 53eftanbtheilen ift: nämlich aud einer gleidjförmigen farblofen ober fdjwachgelblichen glüffig» feit, bem fog. 531 u 11 i q u o r ober 531 u t p 1 a d m a, unb aud unzähligen, in biefer glüffigfeit fdjwimmenben, Heinen unb runblidjen „531 u t f ö r p e r* dj en", non benen ed farbige (rot!) e) unb farblofe (weiße) giebt (f. gig. 79 unb 80). ©ad bem ©ewidjte nad) mehr ald bie §älfte bed 53luted audjumadjen, benn in 100 23olumen 531ut ergaben fid) 64 SSol. *>ßladma unb 36 23ol. Körperchen. 23on letzteren fommt auf 350 rotße nur ein weißed, abgefeljen üon bem 53lute ber SJiiljoene, in welchem auf 70 rothe ein Weißed fommt. 53ei mandjen Kranfheiten öeränbert fidj jebodj biefed 53erl)ältniß ber 53lutförperdjen ju einanber bebentenb, befonberd bei ber fogen. Seufämie (SBeißblütigfeit), bei ber fdjon auf je 7-20 rothe ein Weißed 53lutförperchen trifft. 5ß3ie Hein unb zahlreich biefe Körperchen finb, geht faft über unfer SSorftellungdüermögen ßinaud; burdjfdjnittlid) hoben bie rotljen 53lutförperd)en einen ©urdpneffer Don 1:3500 3oll unb bie weißen einen foldjen Don 1:2500 $011. ßd ift beredjnet worben, baß auf einen ßubicmillimeter 53lut eined 3)2anned (1 Millimeter = 1:25 ßoll) fünf Millionen rotße Körperchen fommen; bie gleidje Menge grauenblut 146 foll burdjfcßnittlicß 500,000 rotße Äörperdjen weniger enthalten. Xer Slnatom Felder ßat ferner berechnet, baf? bie rotßen 33luttörperdjen eines Cannes mit jeßn ißfunb ®lut, in einer neben einanber auSgebrei* tet, einen fRaum üon 2816 0uabrat*3Reter, b. I). eine Quabratfläcße be* beden Würben, bereit (Seitenlange 80 Sdjritte beträgt! Oie 33lutflüffigfeit beS lebenSfrifcßen iöluteS, baS Blutplasma ober ber Blutliquor, in Welcßem bie Blutförperdjen feßwimmen, unb jwar bie feineren rotßen meiftenS in ber IDHtte räftßer, wäßrenb bie Weißen langfamer an ben Sßänben baßin* rollen (f. fyig. 79), ift eine faft färb* lofe ober fcßwacßgelblicße glüffigfeit, bie bent ©ewießte nadj gegen 90 Sßrocent Sßaffer entßält, in Weldjem fid) etwa 8 (Siweißförper (befonberS Albumin) gelöft befinben. Oiefe Giweißftoffe finb bie wichtig* ften Blutbeftanbtßeile jur Organ* ernäßrung; fie müffen immer in gleicher IVienge oorßanben fein unb in einem beftimmten Berßältniß jum SSaffergeßalt (ber Blutflüffigfeit) fteßen, anbernfalls baS (53lut ent* artet, ferner finben fidj in ber Blutflüffigfeit (außer jwei fpäter ju befpredjenben organifeßen Berbinbungen, ber fibrinogenen unb ber fibrino* plaftifcßen Subftanj) noeß: ®afe, geringe Mengen unorganifeßer Stoffe (befonberS Salje), je muß ber 97aßrung wedjfelnbe Beftanbtßeile, wie $ette, £uder, u. a. m., unb ©ewebsfeßladen. Oie geigen, einzeln unter bemSJZifro* (top betraeßtet, nidjt bie intenfiü rotße garbe beS Blutes, fonbern eine gelb* lidj* ober grünlid)*rotße Färbung. @rft wenn bie Äörpercßen in größerer £aßl bei unb über einanber liegen, entfteßt bie tief gefättigte garbe beS Blutes, unb fo oerbanft leßtereS feine Färbung nießt ben rotßen pereßen an unb für fieß, fonbern ber großen 9D?enge biefer Äörperdjen, welcße eS entßält. Xie rotßen -SBlutförpercßen ßaben bie fyorm runber Sdjeiben, bereu tellerartig eingebrüdt finb; oon ißrer fdpnalen Äante gefeßen, erfeßeinen fie bemnaeß als in ber SD?itte fdjmälere Stäbeßen (f. gig. 80, a unb b). Sie finb fdjwerer als bie -Sölutflüffigfeit, weSßalb fie fieß beim Stoden beS ober beim (gerinnen beS 23luteS fenfen unb bann gelbrollenäßnlicß an einanber legen. Sie finb ferner, wie bie Fig. 79. ®luttreiStauf unter bem SWifroffoV. Sn ber HRitte bie (buntlen) rotljen SUuttörbercfjen(9lcfjfenftrom), an ben SBänben be§ ®efäßeä bie (gelten) Weiten ßörVerdjen (SBanbnngSfiront). 147 weißen $örpercf)en, weid), biegfam unb elaftifd), um fid) burcl) bie feinften Haargefäße burd)3Wängen fönnen. 3m ®egenfa£ ju ben weißen Wut- törperdjen finb fie aber nidjt als gellen anjufeljen, fonbern als folibe ®e- bilbe, bie aus einer farblofen foliben ©runbfubftanj, «Stroma genannt, unb einer ßöfung oerfdjiebener d)emifd)er Stoffe, inSbefonbere beS Wut* farbftoffeS, befielen, welcpe baS Stroma burdfbringt. ©ie ®röße ber rotljen Wuttörperdjen*), weldje oben fdjon auf burdjfdjnittlid) 1:3500 3oll im ©urdjmeffer angegeben würbe, fdjwanft mit bem SBaffergeljalt beS WuteS; je meljr Söaffer bicfeS entljält, befto meljr fdjwellen bie an, b. I). befto mehr Söaffer nehmen fie in fid) auf. Wn ben djemifdjen Wftanbtljeilen ber rotljen 53luttörperdjen ift ber widjtigfte baS §aemo* globin (f. S. 27). ®aSfelbe ift ber Vermittler ber Sltljmung, fowoljl ber Fig. 80. Siuttörperrfjen, 500 SOJat vergrößert. a) SRotlje SBtuttörperdjen be§ SKenfcßen, b) biefelben geIbroUen= artig (im ruljetiben Stute) an einanber ttegenb, c) ttteifie Stuttörpercfjett be§ äRenfdjen, d) rott)e®(ut= Jörperdjen be§ (itepßiuiten, e) be§ StanteelS, f) ber Siege, g) ber Saube, h) einer <Sd)lange, i) eines SÜdjeS, k) be§ grofdjeS. Zungen* wie ber ©eWebSatljmung. Q& üerbinbet fiel) nämlidj in ben Zun- gen mit bem Sauer ft off ber atmofpljärifcfyen £uft unb bringt biefeS (Sie* ment, auf beffen (Gegenwart im Körper alle VerbrennungSproceffe beS* felben berufen, nad) ben ®eweben. ©ie Sauerftoffernäljrung nuferes ßeibeS wirb alfo Don ben rotljen Wutförperdjen beforgt, wäljrenb bie Ge- webe baS Material $n iprem Neubau (als (Srnäljrungöflüffigfeit) bem Wut* plaSma entgleisen. Sind) in letzterem finben wir allerbingS Sauerftoff, aber nur in geringer Sftenge unb nidjt djemifd) burcl) baS plaSma gebunben. *) ©. I). be§ SDJenfdfen. ©rofje unb gönn tiefer SMufförpcrdien finb nämlicf) Bei bcn 2ßirbelt$ieren rerfdneben, foivo()l im ©egenfatj SRenfcben a(ä aud) unter einan= ber. ©aburcf) ift man in ber Öagc, SttjierBlut vom SDJenicßenblut unb ba£ 39lut ver; fd)iebener giriere 3U unterfebeiben; erftereä ift 3. 39. von 2Birf)tigfeit, ivenn eS bei einem SJerbrecfyen gilt, bie §erfunft von 39lutfpuren ober =flecEen feftsuftellen; f. gig. 80, d-k. 148 ©ie weißen Blutförperd)en (f. gig. 80, c) finb membran* lofe Bellen mit $ern, bie größer, aber leicßterunb in biet geringerer Slnjaßl borßanben finb, als bie rotfjen Blutförperdjen. Spre gorm ift eine ber* fcßiebene; im ruljenben Buftanb ift fie fugeiig, im tebenben führen biefe Äörperdjen bagegen lebhafte Bewegungen aus, Welpe benfenigen ber SImoe* ben gleidjen unb baßer amoeboibe genannt werben. (Sßemifd) ftimmen fie mit bcn rotßen Blutförperdjen, bis auf ben mangelnben garbftoff (§ae* matin), überein unb ferner gleichen fie fowoßl djemifd) als aud) in ißren (Sigenfdjaften ben Bellen ber Vljmpße, weSßalb fie, wie biefe, and) Spmpl)* förperdjen genannt werben. Sie entflammen aus ben Vpmpßbrüfen unb gollifeln, aus ber DJiilj, bem Änodjenmarf unb jum flehten ©peil aud) aus ben, „offene Straßen" in ber BinbegeWebSmaffe bilbenben Saftcanälen (f. S. 37). 2Sie alle fetten, bermeßren fid) bie weißen Blutförperdjen nur burd) Bellentßeilung. ßängftenS eine Biertelftunbe, nadjbem es aus einer 2lber ausgetreten, gerinnt (coagulirt) baS Blut, inbem eS bon oben per unb feitlid) immer fefter (gallertartig) wirb, bis eS fcßließlidj nad) Berlauf bon 10-12 Stun* ben in einen fluffigen unb einen feften ©peil gefdjieben ift. (Srfterer, baS fogen. Blutwaffer ober Serum, entpält alle Beftanbtpeile beS 'fJlaS* maS bis auf bie fibrinogene unb fibrinoplaftifdje Subftanj (f. Seite 27), weldje beibe im lebenben Blutplasma getrennt aufgelöft finb, bei beffen (gerinnen aber fid) bon ber Blutflüffigfeit auSfcpeiben unb ju bem fogen. gibrin (gaferftoff) bereinigen. ©iefer gaferftoff, welcper bie Urfacpe ift, baß rupenbeS Blut gerinnt, unb bei Blutungen biefe peilen pilft, inbem fein (SJerinnfel bie geöffnete Slber berftopft, bilbet mit ben Blutförpercpen ben feften ©peil beS geronnenen Blutes, ben Blutfudjen ober baS Blut* ßoagulum. Wfan fann übrigens baS gibrin aus bem nod) nid)t geronnenen Blute baburd) auSfcßeiben, baß man letzteres mit einem Stäbepen peitfdjt; baS gibrin fept fid) bann in gorm bon weißen gafern an baS Stäbdjen an. ©aS übrig gebliebene, fogen. gefd)(agene ober befibrinirte Blut gerinnt nid)t meßr unb befteßt aus bem Serum unb ben Blutförpercßen. Berner* fenswertl) ift fdjließlid) nod), baß baS Blut bon Männern unb bad Blut* aberblut langfamer gerinnt als baS bon grauen unb baS b) Sie ßtjmplje. ©urd) bie 29änbe ber Haargefäße tritt fo biel (SrnäßrungSflüffigfeit in bie Organe über, baß fie bon ben ©eweben nid)t ganj berwertßet wer* ben fann. ©iefe überfdjüffige (SrnäßrungSflüffigfeit ift bie Vpmpße. CrS ift eine weiße, bem Blute unb Speifefaft feßr äfjnlidje glüffigfeit, bie fid) bon festerem burd) geringeren gettgeßalt unb bon bem Blute baburd) un* terfdjeibet, baß fie feinen rotßen garbftoff, wenig faferftoffbilbenbe ßiweiß* 149 fubftanjen unb größeren Sßaffergepalt pat. Sie beftept, wie bas 23lut, aus einem bem, bem Blutplasma äpnlicpen £ p m p p p l a S m a, unb aus fleinen 8 p m p 1) t ö r p e r cf) e n, welcpe, wie wir be* reits wiffen, mit ben weiften Blutförpercpen ibentifd) finb. Sie ©erinnung ber ßpmppe tritt in gleidjer Üßeife, wie bie beS Blutes, wenn aud) langfamer, ein. Sie Vpmppe finbet fiel) in faft allen ®e- weben unb wirb uon bort wieber in baS -33lut jurü(fgebrad)t, um jur 'jfteubilbung beSfelben ju bienen. -Sie Fortfcpaffung gefdjiept mit jpütfe ber feinen, flappenreidjen Spmppgefäfte ober Saugabern (f. $ig. 83), welcpe in ben @eweben mafepenförmige bil- ben, bie allmälig ju ©efäftftämmen jufammen- treten, bann eine ober meprere Vpmppbrüfen (f. $ig. 84 unb 85) burdffepen unb fid) fd)lieft- lid) in jwei oereinigen, in ben Wtfilcpbruftgang (f. gig. 81) unb ben redjten Saugaberftamm. (Erfterer, üon ber Siefe eines ©änfefiels, nimmt bie Saugabern ber ganjen unteren Äörperpälfte, ber ganjen linfen unb ber unteren reepten Bruftpälfte, beS linfen SIrmeS unb ber linfen $opf* unb §alspälfte auf. (Er entftept in ber bidft vor bem erften unb jweiten Senbenwirbel, läuft längs beS 9?ütfgratS bis pinauf unb ergiept fid) bann (auf ber linfen Seite) in bie 95ereinigungSftelle ber gemeinfd)aftlid)en ©rof- fclaber unb ber Sd)liiffelbeinblutaber, b. p. in bie fogen. „unbenannte SBene". Ser red)te Saugaberftamm, welcper fiirjer als ber 9J?ild)* bruftgang ift, nimmt alle ber Äörpertpeile auf, weldfe nidjt jum ©ebiet beS 3)fild)bruftgangS gepören; er öffnet fid) in ber red)ten Äörperpälfte an ber jur 90?ünbung beS W?ild)bruftgangeS correfponbirenben Stelle. Ser (Eintritt ber Vpmppe in bie Saug- abern berupt auf ben ©efepen ber (EnboSmofe unb Kapillarität, (jnnerpalb ber Saugabern gept bie Fortbewegung ber Vpmppe oor fid): mit §ülfe ber Bufammen* Fig. 81. unb SBrufttfjcil bei SBirbelfänle. ni) SJiilcbbruftgang, ]) Qlnfang unb n) (Jinmünbung beffelben in bie „unbenannte SJene". 150 jiepung ber muSfulöfen $ßanb ber «Saugabern, burd) bie SluSbepnung beS 53ruftfaftenS (Einatpmung) unb beS woburep bie ßpmppe in bie fBruftpöple unb ben pineingefogen wirb, unb burd) ben ©rud, welcpen bie 3ufawinenjiepung ber, bie ©augabern umgebenben SDhiSfeln auf erftere ausübt. 23e;$üglidj letzteren Vorganges ift nodj perüorjU' beben, baß bei bem Austritt ber Vpmpße aus bem DJiuSfelgewebe bie Sei)' nen unb gafeien ber ©feletmuSfeln in ßerüorragenber Söeife beteiligt finb. ©iefe ©eßnen befipen nämlid) äußerft feine ©effnungen, in weldfe burd) baS abwed)felnbe Slnfpannen unb Erfd)laffen ber @el)nen, b. p. bei jeher Bewegung, ßpmpße aus bem SQluStelgewebe eingepumpt wirb. 3n ben Sl)mpl)baßnen finb, wie bieS and) bei ben (Gefäßen ber $all ift, burd) weldje ber ©peifefaft bis jum SJlilcßbruftgang fortbewegt wirb, b. p. bei ben EppluSgefäßen, ßpmppbrüfen (f. fpäter) eingefdjaltet. Sluf iprem SSege jur Ergußftelle in baS 23lut wirb nun bie ßpmppe in biefen Prüfen jiemlid) üeränbert; fie nimmt pier ßpmppförpercpen auf unb er' fäprt and) cpemifd)e Umwanblungen, woburd) fie, je mepr fie fiep bem $erjen näpert, b. p. je mepr fie Spmppbrüfen paffirt, bem 23lute immer äpnlid)er wirb. c) ©er «Spctfefaft. (Speifefaft, EpplitS ober ©armlpmppe ift eine weiße, ftlüffigfeit, bie fid) Don ber £pmppe baburcp nnterfdjeibet, baß fie einen größeren gettgepalt pat, welcper fiep je nad) ber mepr ober weniger fett' reicpen 9?aprung bemißt, ©aper tommt eS and), baß ber ©peifefaft nad) fettfreier Dlaprung flar unb burepfidjtig, wie bie Spmppe, ift. ©iefe baS 33lut ernäprenbe, b. p. ipm beftänbig $ette, Eiweißförper, u. a. m. nen jm füprenbe glüffigteit wirb aus ber Verbauung ber aufgenommenen Wp= rungSmittel in ben Eingeweiben, fpeciell im ©ünnbarm, gebilbet unb er' gießt fid) in ben linfen £)auptftammbeS®augaberfpftemS, ben $lild)bruft' gang. Epe er in biefen eintritt, entpält er mitroffopifepe $örndjen (Epp' tuStörpercpen), bie fid), je mepr fid) ber burdj bie Eontractionen ber ©arm' jotten fortbewegte (Speifefaft bem W?ildjbruftgang (in ben EppluSgefäßen) näpert, in gellen umwanbeln, toelcpe bann in ber Spmppe unb bem als ßpmpp' refp. weiße jum 53orfcpein fommen. ßpmppe unb ©peifefaft finb fonad) bie Duellen für bie SSerjüngung bejw. Erneuerung beS Blutes. ©iefem giebt bie ßpmppe baS Buoiel ber f. 3t- auSgef epiebenen ErnäprangSflüffigfeit jurücf, wäprenb ber EppluS neues Material für bie Gilbung gefunben, naprungSfräftigen Blutes per* beifdjafft. 151 5>as ßtefäfilWnt. Sßie bttrd) baS SRervenfijftem, fo werben bie fänuntlicpen Tpeile beS ntenfdjlidjen Körpers nodj burcp ein 3weites Spftem ju einem gemeinfamen, einheitlichen Verhalten innerhalb ber ©rennen beS Organismus verinüpft, nämlicp burcp baS Blut* unb Bjmppgefäßfpftem. kin, in ben Functionen biefer Organfljfteme begrünbeter Unterfcpieb jwifcpen beiben tritt jebodj fofort entgegen. TaS 9?erüenfpftem ift, foweit eS geiftige Tpätigteit ober ,/willfürlicpe Bewegungen vermittelt, ber Untertpan unfereS B3illenS. 9?idjt fo baS ber krnäprung bienenbe ©efäßfpftein, baS, wie baS vegetative 5Hervenfpftem, nuferem Sßillen nicht geporcpt. Turdj baS unwillfürlicpe Arbeiten biefeS unb aller, ber krnäprung bienenben Spfteme bleibt ber SD?enfch mit ber Befdjäftigung mit ben rein vegetativen Borgängen innerhalb feines Körpers verfdjont. TaS ©efäßfpftem umfaßt bie SJZenge von fRöpren, weldje, bäum' ober neuartig in nuferem Körper verbreitet, Slbern ober ©efäße genannt werben. SOiefe führen entweber Blut in einem beftänbigen „Kreislauf" (beS 4BluteS) Vom nacp allen Tpeilen beS Körpers Ijin unb von bort nacp bem £)er$en jurücf (f. Fig. 87 unb Xafel VIII.) unb peißen bann Blutgefäße ober Slbern; ober fie fdjaffen Spmppe unb kpplus nadj bem §erjen unb werben bann Bjmpp* unb kppIuSgefäße ober Saugabern genannt. a) Tic Blutgefäße. Bon Blutgefäßen giebt eS brei Slrten: Sir ter i en, '»ßulS* ober Sdjlagabern, weldje baS Blut vom £>er$en nacp ben verfdjiebenen Körper* tpeilen leiten; bort gepen fie in Haargefäße ober kapillaren über, weldje wir fcpon als Bermittler ber krnäprung ber ®ewebe fennen gelernt paben. Tiefe Haargefäße verlaufen bann anbererfeitS wieber in Blut* abern ober B e n e n, b. p. folcpe Slbern, weldje baS (in ben Haargefäßen auSgenupte) Blut jum Her3en jurüdbeförbern. Sille brei Slrten von Blut* gefäßen gepen alfo, unb jwar unmerflicp, in einanber über, fo baß baS ganje Blutgefäßfpftem, obwopl in brei SIbtpeilungen jerfallenb, ein einpeitlidjeS ©anjeS bilbet. 9?ur an wenigen (Stellen beS Körpers (fog. fdjwellbaren ober cavernöfen (SJeweben) gepen 'ißulSabern birect, opne Bermittlung burcp kapillaren, in Benen über, aber immer tritt Blut aus bem ®efäß* fpftem in bie ®ewebe nur burcp bie kapillaren aus. Tie BSänbe ber BulS* unb Blutabern finb (natürlicp außer Wenn fie jerberften, jerfdjnitten ober jerriffen werben) für ganj unburdjgängig, fo baß baS Blut feiner fHäprbeftanbtpeile nidjt fcpon beraubt werben fann, elje eS in bie kapillaren einbringt. Taper fommt eS audj, baß bie BJänbe ber baS Blut nur leitenben Blutgefäße befonberer ©efäße (unb Nerven) ju iprer eigenen 152 krnäprung bebürfen. Sie finb beSpalb, wie anbere gefaßt unb nerven* reidje Speile beS Körpers, vielfadjen krtranfungenauSgefept. Hierper ge- boren 3. 53. baS befonberS bei alten vorTommenbe Hart* nnb Spröbewerben nnb baS Vlürbewerben bei fetten weldje $11- ftänbe leid)t jur Zerreißung ber ®efäße unb baburd) ju „Scplagflüffen" [ilpren Tonnen. £4e $ulS* unb Vlutabern finb faft übereinftimmenb gebaut. ®aS Arterien- wie Venengewebe beftept aus brei Häuten; außen befinbet fid) eine $aut aus Vinbe* unb elaftifdfem ©ewebe mit ber Vänge nad) gelager- ten glatten W?uSf eifafern, bie 9J?ittelfd)id)t finb glatte SDlnSfelfafern, bie ringförmig verlaufen, unb bie innere §ant beftept aus Oberpautgewebe, weldjeS bei größeren ©efäßen nod) mit einer binbegewebigen £ängSfd)id)t überzogen ift. £>ie Arterien, weldje einen ftärferen ®rud (ben Stoß beS §er$enS) auSjupalten paben, befipen eine bittere SBanb (mit vielem muSfulöfen unb elaftifdjen ®ewebe) als bie Venen, weSpalb fie and) bei ©urcpfdjneibungen unb Verlegungen, wobei bie bünmvanbi- gen Vlutabern von felbft jufam* menfatlen, offen ftepen bleiben. Viele ber Vlutabern paben, wie bie Saugabern, in iprem Innern $lap* pen, um ein 9iiicfwärtSfließen beS VluteS zu verpinbern (f. gig. 83). - £)ie Haargefäße ober kapillaren paben nur eine, feintörnige ober fein- jellige welcpe ber inneren, aus Oberpautgewebe beftepenben Haut ber unb Vlutabern entfpricpt. (SS finb neuartige Verzweigungen feinfter ®efäße, Weldje unmertlicp ben Uebergang öon Arterien gu Venen vermitteln, unb in benen ber (Stoffaustauf(p jwifcpen Vlut unb ®eweben ffattfinbet (f. $ig. 82). VSäprenb beS hebens unb im normalen .guftanbe ftepen bie beiben oben genannten vegetativen Spfteme in engem unb jwar berart, baß bie SBeite unb bamit ber Vlutftrom ber Vlutgefäße von ®efäß- nerven regulirt wirb, bie vom |pmpatpifd)en 9?ervenfpftem perfommen. £>iefe ©efäßnerven taffen fid) aber über baS ©angliennervenfpftem pinauS burd) baS 9tücfenmarf pinburcp nad) bem verlängerten iOZart verfolgen, in welcpem em ©efaßnervencentrum zu liegen fd)eint, baS fid) in beftänbiger, rpl)tpmifd)er, von bem Äoplenfäuregepalt beS VluteS abpängiger krregung befinbet. -ßm biefem „kentrum" vereinigen |id) aber and) 91ervenfäben Fig. 82. JnaatfleftiBnefc. a) 3lrterieHe3 unb b) Venöfc? ®e= füBitämmcfjen. 153 refp. 9?erDenfafern aug allen empfinblidjen Tljeilen beg Mrperg unb ben £>emifpl)ären beg großen Gfeljirng, bent Siße ber geiftigen Tljätigfeit. Öaraug erflärt fiel) ber reflectorifcpe Ginfluß, weldjer oom ©efäßnerüem centrum auf bie ©efäßwänbe bejw. ben auggeübt wirb. Ta= burd) erhalten arbeitenbe Organe, bie einer gefteigerten 33lut$ufuljr be= bürfen, biefelbe automatifd); baburd) wirb bei feelifdjen Aufregungen bie Sdjamrötlje ober bie kläffe beg Sdjredeng Ijeroorgerufen, unb baburd) Wirft fdjließlid) bie Temperatur auf bie ®efäße ein, inbem fie (Äälte) bie ®efäße Derengert ober (SBärme) erweitert. b) Sic ßljmpljgcfäfjc. Oie Spmpßgefäße ober Saugabern fdjeinen ißren Urfprung Don ben Saftcanäld)en im ju neßmen, fo baß biefe alg bie feinften Anfänge ber Spmpßcapillaren 311 betrachten wären. 3tjr 33au ift ber gleiche wie ber ber Sßenen, ißre Aßanbungen beftetjen aug brei Sd)id)ten, unb ßaben fie in iljrem Innern Mappen, um eine fRüdwärtgbeWegung ber ßpmplje (b. ß. Dom §erjen weg) unmöglich ju madjen (f. $ig. 83). Wan unterfdjeibet jwei Arten Don Saugabern: ßpmpßge* f ä ß e im engeren Sinne, weldje Gljplug unb Vpmpße fortleiten, unb Gl)l)Iuggefäße, weldje nur Speife* faft fortfdjaffen. geltere entfielen aug ben Oarmjotten unb miinben fdjließlid) in ben Wildjbruftgang ein. - An biefer Stelle finb and) nod) bie fogen. feröfen Sätfe (Spinnwebeljaut, 33ruft« unb Bauchfell unb §erjbeutel) $u erwäljnen, weldje große, mit angefüllte Spalt' räume finb, bie burd) Heine ©effnungen (Stomata) mit ben ßijmpljcapillaren ber benadjbarten ®ewebe in 23ew binbung fteljen. Auf iljrem Aßege jum §eqen wirb betanntlid) bie Spmpße (burd) Aufnahme üon ßijmpßtörpercfjen unb burd) djemifdje 33eeim fluffungen, weldje wefentlidj Don biefen Mwperdjen auggeßen) bem -iölutc immer äfjnlid)er gemadjt. Gg gefdjiept bieg ßauptfädjlid) in ben V1) m p l)= brüf en (f.$ig. 84 unb 85), bod) finben bie d)emifd)enGinwirfungen and) in ben Saugabern, unb jwar and) ljier feiteng ber Vpmpl)förperd)en ftatt, Weld)e Dom ßpmpljftrom aug ben Vpmpßbrüfen mitgenommen worben waren. 90?an unterfdjeibet jwei Arten foldjer Prüfen, bie aber im Gjrunbe gleiche Gonftruction unb 25errid)tung tjaben, nämltd) einfache unb jufam- mengefeßte £ijmpf)brüfen. Grftere, and) $ollifel genannt, liegen an ben Anfängen ber Vpmpfj- unb Gl)l)luggefäße. Gg finb fleinfte iölägdjen (Don ßöcßfteng 1:50 Xmrdjmeffer) mit einer feften faferigen §ülle Derfeßen, weldje ein Ijäutigeg Sßalfenneh en §ol)lraum beg $ollifelg entfenbet. Fig. 83. Sin ber ßänge nad) geöffnetes (Stücf Sljntvrjflcfäfe nut Drei Slawen; bießtjntpfje fann mir öon unten herauf, aber nidjt auf bem umgcteljrten SBege »erbringen. 154 Suburd) jerfäHt bie Orüfe innen in eine Slnjapl fleinfter Kammern, welcfje mit einanber in offener Berbinbung fiepen. Sille biefe Kammern unb fomit ber ganje §oplraum (Sllveole) beS gollitelS, weldjer fiep neid) außen in je ein ju= unb ein abfüfjrenbeS Cpmppgefäß öffnet, finb nun mit ßpmppjellen Ißpmppförpercpen) angefüllt, bie (Sanäle jwifdjen fiep laffen, wetepe von ber Cpmppe bei iprem £)urd)tritt burd) ben gollifel paffirt werben müffen. ©abei finbet, wie gejagt, nidjt nur eine cpemifdje (Sinwirfung feilens ber ßpmppjellen auf bie Vpmppe ftatt, fonbern letztere nimmt and) einige ber Srüfenjellen mit fid) fort, bie bann im freien ßpmppftrom al§ eigentliche öpmpplörperdjen umperfdjwimmen unb babei bie öpemiftpe STI)ätigfeit ber ßpmppjellen fort- fepen. ©ie mengefepteu £pmpp* briifen fommen im ganzen Körper Vor, befonberS an beiben ©eiten beS -JpalfeS, am hatten, in ber Skpfelpöple, in ber Äniefeple, im £)armgefröfe ber Seiften- gegenb unb an ben öungenwurjeln; fie liegen meift, in fettreiches Zellgewebe eingebettet, in (Gruppen bei einanber. ©ie haben im benfelben Bau wie bie $ollifel, unb jwar müffen wir uns babei eine foldje jufam- mengefepte ©rufe als eine ®ruppe von Vorteilen, von benen jeber je eine Sllveole ber §ollifel-®emeinbe bilbet. c) Sic Blutbrüfcn. 2Bir fennen jept bie ber Weißen Blut- ober Cpmpptörpercpen. SBie aber bilben fid) bie rotpen S3luttörperd)en? @S ift baS eine ber fragen, bie nod) auf eine befinitive Beantwortung hai'i'eu. grüper war man ber Slnficpt, baß ber §auptbilbungSperb ber rotpen Bluttörpercpen, b. p. bie ©tätten, an Welchen fiep weiße in rotpe umwanbeln, in ber ber Seber (f. BerbauungSapparat) unb einer Slnjapl brüfiger Organe 3U fudjen fei, bie man allgemein Blutbrüfen nannte. §eute wiffen wir nur baS (Sine mepr, baß man mandjen biefer Organe eine ju große Bebeutung für bie Bilbung rotper Bluttörperdjen jufeprieb, unb baß abgefepen von biefen Prüfen baS rotpe Änocpenmarf (f. ©. 42) eine Brutftättte rotper Bluttörpercpen ift. 3m rotpen Qftarf (unb im Wlarf- fafte) beS erwaepfenen BZenfdjen finb nämlich alle Zwifdjenftufen ber (Snt= Fig. 84. Fig. 85. (■Eine Sijntptibrüfe mit jtvei ju= unb einem abfiifjrenben Stjmblj- ftefäfe. S1,,nWtltüIe te 8ÄÄ?">StÄÄWSÄS sufiiijrenbc, t) unb g) abfüfrenbe sytnppoefäfic. 155 wicflung rotier Vlutförperdjen, Wie man fie ron bem Öeben beS Unge- borenen Ijer fennt, gefunben worben, finb aber alle 4B(utbrü[en ben ßpmphbrüfen ähnlich gebaut unb an ber Vilbung weißer Vlutförper* cpen beteiligt Sie 9JZ i 13, welche linfS unter bent in ber Vaudjhöple liegt, ßat eine orale ©eftalt (ähnlich ber einer Kaffeebohne) unb etwa bie ©roße einer Kinberfauft, bodj ift letztere je nadj bem £uftanbe ber Vaud)= eingeweibe wedjfelnb (f. $ig. 86). Ungefähr fedjs ©tunben nadj einer bollen ßat fie ihren größten Umfang erreicht; fieben ©tunben fpäter finben wir fie wieber in ihrer urfprünglidjen (tleinften) ©roße, b. I). bie ©roße ber W?ilj wedjfelt mit bereu Vlutgeljalt, unb biefer ift wäljrenb ber Verbauung größer als nadj berfelben. SlnbererfeitS fommen bei manchen QKilstrantheiten (2S?ed)fel= fieber, StypljuS, Söeißblütigf eit, u. a. m.) bebeutenbe Vergrößerungen ber Wilj öor. Siefe große ßlafticität terbantt bie äußerlich blau-röthlid) erfdjeinenbe unb ron einer feften §ülle umgebene fDUlj ihrer bunfelrothen, weiten unb fcßwammigen 3nnenfubftanj pulpe), bie ähnlich wie baS ©ewebe ber öpmphbrüfen gebaut ift. Sie fefte £mlle, welche außen noch rom Vaudjfell überzogen ift, fenbet nad) innen (wie bie ber ßpmphgefäße) eine große Slnjaljl ron gortfäpen, bie fidj reräfteln unb unter einanber jufammem hängen, Saburdj entfteljen unpäßliche offene §ohlräume, in welchen fid) Wieberum fcinfte jßweige ber Mparterie unb HJlilpüene, welche in (Sapil- larnefce übergehen, reräfteln. Siefe Vlutgefäße bilben bie ber Mspulpe. ihnen unb in ben oben genannten gwhlräumen finben wir Weiße, runblidje Körperchen, ober SKalpighi'fche Vläsdjen ober Körperdjen, bie, befonberS ben feinften anhängenb, bem Van unb bem Inhalt nach mit ben Spmphfollifeln übereinftimmen. Slußerbem enthalten bie äJUljhohlräume bie tljeils farblos finb unb bann ben ähneln, tljeils rotlje Färbung geigen; ron lep- teren weiß man nun nicht, ob fie in ber 9luflöfung ober in ber Vilbung begriffene Vluttörperdjen finb. 2ßie gefagt, ift nodj rieleS über bie Thätig' feit ber 9D?ilj im Untiaren; {.ebenfalls aber ift bie DJlilj, ba man fie bei Xl)ieren auSfrfjneiben fann, oljne bereu £eben 31t gefährben, nidjt ber wefenb lidje <$it3 ber Vilbung rotf)er Vlutförperdjen. - Sie Welche in ber oberen §älfte ber Vrufthöl)le ror bem liegt, ift Fig. 86. Sie SDlils. a) SWiljarterie, b) 3ftiljt>ene. 156 aus btut= unb Ipmpl) gefaßt) altigen Säppdjen jufammengefeßt, bie Don $ol- litet-VläSdjen gebilbet Werben. $l)re §auptbeftimmung ift Waljrfdjeinlid) bie Vluttörperdjenbilbung im ungeborenen SNenfdjen, benn nad) ber (Ge- burt bilbet fie fid) rafd) jurüd, b. I). fdjrumpft ein, um fpäter ganj ju ver- fdjwinben. - £)ie © d) i l b b r ü f e, weldje vorn am $alfe liegt unb bereu Vergrößerung Sfropf genannt wirb, fdjeint ebenfalls, wie bie StßpmuSbrüfe, für baS Seben beS (Srwadjfenen von feiner ober nur feljr geringer Vebeu- tung ju fein, ba fie, ofjne baS 2lllgemeinbefinben ju ftören, erfranfen ober aus bem Körper entfernt werben tann. Heber iljre Function ift fonft nidjts befannt. §ier finb and) nod) mehrere, einanber äßnlidje Organe anjufüßren, von benen man nidjt redjt weiß, was man mit ißnen anfangen foll. SNan Ijielt fie früher fälfdjlidj für Prüfen unb jwar Vlutbrüfen. (SS finb: ber (f gig. 69, p), bie (Sarotisbrüfe, weldje an ber XßeilungSftelle ber Äopffdjlagaber in bereu inneren unb äußeren Bweig liegt (f. $ig. 72, k unb 1), bie ©teißbeinbrüfe an ber ©piße beS (Steißbeins unb bie fjalbmonbförmigen, breifeitigenNebennieren, von benen je eine oben auf einer Niere anliegt. 9Nan vermutljet, baß bie letzt- genannten ber von bienen, was mit ber ßrfaßrung übereinftimmen würbe, baß ßntartung ber Nebennieren ber §aut eine bronceäßnlidje $arbe giebt, b. I). Urfadje ber fogen. Vronce- ober Slbbifon'* fdjen Ärantfjeit ift. Per '•Ulutlirebl'iutf uitö (eine Organe. Neben Vefdjaffenßeit unb SNenge beS WuteS ift betanntlidj ber Um- ftcmb eine (Steunbbebingung gefunben (Stoff wedjfels, baß baS Vlut orbent- lief) burdj bie kapillaren fließt, um krnäßrungSflüffigteit abgeben unb ®e- websfdjlacfen gufneßmen ju tonnen. ©aS borauS, baß baS Vlut (mit £mlfe beS VlutfreiSlaufS) nad) alten ©ßeilen beS Körpers unb bon bort wieber jurücf nad; bem kentrum beS Kreislaufs, bem §erjen, gefdjafft wirb. SNenge, Vefdjaffenljeit unb richtiges beS VluteS burdj bie kapillaren lammen alfo erft jur (Stellung, Wenn baS 4ölut burdj ben Kreis* lauf nad) ben kapillaren gefdjafft wirb, um bart mit ben (Ste weben in Ver* teljr ju treten. ©iefer befteljt aber, wie gefagt, nidjt nur in ber Abgabe bau krnäßrungSflüffigfeit an bie ®ewebe; er ift ein Wedjfelfeitiger, benn gleichzeitig mit bem kmpfangen bau NeubilbungSmaterial geben bie (Ste* webe an baS Vlut ißre abgenutzten Veftanbtßeile ab, tyeldje bom Vlute auf feinem Heimwege nad) bem beljufs SluSfdjeibung an bie „knt* 157 giftungSorgane" abjugeben finb. gcljt barauS ßeroor, Weid/ große 23ebeutung ber Kreislauf (ober bie (Sirculation beS23luteS) für ben Stoff* iuedjfel, b. i. baS Seben Ijat. 2)?it üietem Dtedjt ift er ge* rabeju als bie nudjtigfte iöebin= gung, als ber HJJittelpunft beS bilbenben gebens bejeidjnet worben. ©aS 23lut beS SRenfdjen befinbet fid) Don beffen ®eburt an in einem fortwäfjrenben, ftetS biefelbe Hiidjtimg beibe* paltenben Umlauf, ber Dom Herren feinen SluSgang nimmt, burd) bie (Stämme unb 23eräftelungen ber Slrterien nadj ben kapil- laren gef)t, wo baS 23lut, nad)- bent eS feine Stuf gaben erfüllt l)at, fofort in bie feinften 23 er* jweigungen ber SSenen (23lut* aberu) übertritt, bann in bie größeren 23lutabern fließt unb aus biefen fid) Wieber in baS $>ei3 ergießt. ©abei ljat baS 23lut jweimal baS §erj ju paffiren, weSpalb man ben Kreislauf beS 23luteS in jiuei 9lbtßeilungen, ben großen unb ben Keinen Kreislauf, fdjeibet. ?(uf $igur 87 bejeidjnet a, b bie redjte Hälfte beS £>er$enS. 33on I)ier fließt DenöfeS (bun* felrotpeS, foplenfäurereidjeS) 23 lut burdj bie ÖungenpulSaber (c) in bie Haargefäße (d) ber Zungen, Don Ido eS, nadjbem eS in pellrotpeS Derwanbelt, alfo fauerftoffreid) gemacht worben, burd) bie Dier Zungen* blutabern (e) in bie linfe (f,g) ftrömt. ©aS ift ber fog. f l e i n e Fig. 87. ©thema be§ Sluttreiölaufg. $a§ §erj ift born geöffnet; bie bunflen Stößren enthalten benöfeS, bie hellen arteru ette§ £3 lut, beffen ©trom bet beiben (Sefäßen ben Pfeilen folgt, a) fRedjte ®or- unb b) rechte Herjtammer, betbe in Serbinbung burd) bie 23orljofä=$batnmermünbung, c) £ttn= genbulöaber, mit je einem 3lft für bie redjte itnb linte fiunge, d) Haargefäße bcr fiungenblutbaßn, e) £ungen= blutaber (bon betten aber hier ©tuet in ben linten SSorljof einmünben; f. gig.89), f) littfe S3or= unb g) linte $erj= tammer, betbe in SBerbinbung bttrefj bie (linte) ®ortjofg= Sammermünbttng, h) Slorta (große fiörberpu(gaber), i) $ul§aber, k) obere (53(utaber), 1) SBogen unb m) abftcigenbeä ©tuet ber Slorta, s) untere $ol)labcr, t) ®aar= gefäße be§ großen ÄreiSlaufä. - Ißfortaberblutlauf: n) 53aucb=(£ingen>eibebulgabern. o) Haargefäße be§ Sartn= canalö, p) $fortaber, q) Haargefäße b'er ißfortaber in ber fieber, r) Seberblutabcrn. 158 Kreislauf, bie Heine ©lutbaßn ober ftungenblutbaßn (mit etwa | ber gefammten ©lutmenge.) Ter große KT eis lauf, bie große ©htt' baljn ober Körperblutbaßn (mit | ber ©lutmenge) beginnt von ber linfen Herjßälfte g) aus, inbem baS (nun ßellrotße) ©tut oon ßier aus in bie große KörperpulSaber ober Slorta (h) getrieben wirb, fid) bann burdj ben Körper vertßeitt unb fdjließlid) burcß bie Haargefäße in jwei große ©enen, bie Hoßlvenen, übergeßt. Tie obere biefer ©tutabern (k) füßrt baS ©tut ber oberen, über bem 3werdjfell gelegenen Körperßälfte jüm §erjen jurücf, wäßrenb burcß bie untere Hoßtaber (s) baS ©tut ber unter bem gelegenen Körpertßeile jum Herren 5(uS biefer Tarftellung beS ©lutumlaufS unb bem beigefügten Scßema beSfelben ift erficßtlid), baß n i d) t, wie wir bisßer anuaßmen, alle §aar* gefäße, fonbern nur bie beS großen Kreislaufs (SrnäßrungSjwecfen (bei gleichzeitiger Slufnaßme von ©ewebSfdjlacfen) bienen, unb baß im 3ufrtini menßang bamit nidjt alle ©ulSabern arterielles (ßellrotßeS, fauerftoffreicßeS) ©lut füßren. ©ei bem Heinen ©lutfreislauf feßen wir vielmeßr, baß bie aus ber redjten Herjfammer fommenbe venöfeS ©tut nad) ben Zungen bringt, baS bort von Koßlenfäure unb ©Jafferbampf gereinigt wirb unb fobann als arterielles, b. ß. ßellrotßeS ©lut burdj ©enen (Cungen* blutabern) nad) bem linfen ©orßof beS HerjenS jurütf fließt. Ter Heine ©lutfreistauf fteßt alfo jum großen, in einem entgegengefeßten©erßältniß. Sin ber fcßematifdjen Tarftellung ber $igur 87 fällt uns nocß eine zweite befonbere ©lutbaßn auf, welcße fid) unter ber linfen von bem niebergeßenben Stücf ber Slorta abjweigt unb fdjließlid) wieber an ber recßten Seite beS Körpers in bie untere Hoffer einmünbet. (SS ift bieS ber fogen. ©fortaberbluttauf. Sind) biefer ©lutlauf madjt eine SluSnaßme, unb jwar baburdj, baß er gwei (Sapiltarfßfteme ßat, erftenS eines (o), welcßeS bie brei ©ulSabern ber ©erbauungSorgane (n; bie große (Singeweibe* unb bie obere unb bie untere ©efrösarterie) mit brei ©lutaber* ftämmen Verbinbet, weldje brei-bie 9D?il,v, große SUfagen* unb (SfefröSblut* aber - halb barauf in eine einzige, ftarfe ©ene, bie ©fortaber (p), über* geßen. Tiefe tritt burd) bie ©forte ber Ceber in bie leßtere ein, bilbet bort abermals ein (Sapillarnefj (q), weldjeS bie 3e^elt ')ev e^er umfpinnt unb wieber in bie Seberblutabern (r) übergeßt, bie fließt baS ©fortaberblut nad) ber großen ©lutbaßn, unb jwar in bie untere gwßlaber, jurücfbringen. ©Mr ßaben uns nod) beim ©erbauungSapparat unb and) im IV. Kap. mit bem ©fortaberfßftem ju befcßäftigen, bod) fei über baS ©lut biefer ©aßn furz golgenbeS TaS ©fortaberblut burcßläuft, wie getagt, jwei Sapillarneße, nämlicß baS sJ?eß ber ©erbauungSorgane (UKageu, Tarmcanal unb ©aud)fpeid)elbrüfe nebft SJlilj) unb baS ber ©fortaber in ber £eber. ©eim (Eintreten in leßtere ift baS ©tut fd)led)ter als baS aller 159 Tafel VIII. ©er 4Ö [ u t ft r o in im aiJenfdjem Sie 9lbern ber linlen £>erj= hälfte, in benen (helle?) artert= eUc§ SBlut circulirt, finb ganj lueif; ciclaffen; bie bet rechten in benen (bunfle?) benöfeS 93lut ftrömt, finb fcl;raf= firt. A) ßinfe unb B) rechte Sorfamnter, C) linfe unb D) rechte Stammet, E) linfe, F) rechte ßnttcje, G) Stiere, H) £>arnblafe. - a) Slortenbogen, b) itiibenannte unb @chlüffel= beinarterie, c) .ftopffcl)lagabern, d) ülrmarterien, e) abfteigenbe Slorta, f) Stierenarterien, g) §üftpul§aber, h) <Schentelar= terie, i) Unterfchenlelarterien, k) Slrtericn beS gfufjeS. - 1) Obere §ohlbene, 2) <Schliiffel= beinbenen, 3) ©roffelbenen, 4) 'Xrntöenen, 5) untere £>ohlbene, 6) Stierenbene 7) $üftbenen, 8) ©chentelbenen, 9) Unterfchen® telbenen, 10) 83enen beS >Vufee§. 160 anberen Vlutabern, beim Verlafjen ber Seber jebodj bebeutenb gereinigt unb (vom £D?iljblute) an jüngeren Vluttörperdjen bereichert TaS fommt baper, baß bas in ber Seber jd)led)te Vejtanbtpeile, nnb jwar bejonberS alte Vlutförpercpen abgiebt, welcpe Stoffe (neben Vlutförperd)en pauptjädjlid) von ber Seber jur (Staltenbereitung vermenbet werben. Störungen beS burd) welcpe bie Vlutreinigung unb bie ©allenbilbung beeinträchtigt unb Slnpäufung jd)led)ten VlutS in ben Ver- bauungSorganen verurfadjt werben, jiepen allgemeine unb örtliche Ve« jdjwerben nad) jid). Cie Fortbewegung beS VluteS innerhalb beS ©efäßjpftemS fommt in erfter Sinie bnrd) ben SRedjaniSmuS beS §erjenS ju Staube. CiejeS jiept jid) rhßthmifch ju jammen, was gegen 70 3)lal in ber Minute gejdjiept unb an ber Slußenjeite beS ftörperS in ber ®egenb beS als §erjjcplag ober an ben „''ßulSabern" als „SßutS" gefühlt wirb. Curd) eine folcpe jammen jiepung ober Spjtole beSt'peijenS wirb ein STljeil von bejjen Vlnt- gehalt in bie Slrtcrien gepreßt*). Cie je werben burd) ben Vluteinfluß in bie Sänge unb Caere auSgebepnt (fie puljiren), unb ihr gejammter Vluh inpalt wirb um fo viel weiter vorgefdjoben, als ber Dtaum auSmadjt, mel- den baS bei ber Spjtole ausgetretene 4Blut im SlnfangStpeile ber (Slorta ober SungenpulSaber) einnimmt. V3enn bie 3ufamincn3iehunß beS bann nadjläßt, wobei jid) al jo baS §erj auSbepnt unb neues Vlut einjaugt, gießen jid) bie iprerjeitS jujammen unb jdjieben baS Vlut weiter in bie Arterien hinein. Sluj bieje Vkije, b. p. burd) bie abwedjjelnbe beS unb ber (Gefäße, wirb hnupt- jäd)lid) baS 33lut burd) ben Körper unb wieber 511m jurücfgetrieben. Slußerbcm wirb ber nod) beförbert burd) bie 9lthembewegun= gen (abwed)jelnbe Erweiterung unb Verengerung beS VrujtfajtenS) unb burd) SOhtSfeljujammensiehungen, weldje burd) ihren ©rucf auf bie, ben betr. SRuSfeln benad)barten Venen baS Vlut in biejen in ber 9tid)tung nad) bem £)er$en fortbewegen müjjen, ba bie klappen im inneren ber Venen (j. Fig. 83) ein 3(uSweid)en nad) ber entgegengejepten 9tid)tung verl)inbern. £)ie Caner eines VlutfreiSlaufS im mcnjd)lid)en Körper beträgt burd)jd)nittlid) 23 Secunben, jo baß ein Vlntförperd)en im Saufe eines CageS ungefähr 4000 2Jlal bie Dtunbe burd) ben Körper mad)t. ijt bie Sd)nelligfeit beS VlutjtromS je nad) Sliter, @ejd)led)t, Temperatur, Älima, Eonjtitution, SebenSweije, TageS' unb OapreSjeit, Sage unb Stel- lung beS 2)ienjd)en eine jepr verjd)iebene; jo ijt ber bei aufrcd)ter Stellung um 6-15 Sd)läge jdjneller. Sind) in ben vertriebenen ©rga- *) ©ie Jpcrjljößlen gießen floß niemals BiS jur ßeere jufammen. @ine<St)ftole, non bcnen baö §erj mäljrcnb 23 Secunben (fo lange bauert ein ÄreiSlauf) .27-28 macht, treibt gegen 6 Unjen SBlutauS bem §erjen. 161 neu unb ©efäfjcn ift bie Sdjnclligfeit ber 53lutbewegung eine verfdjiebene; fo läuft ba« 4Blut in ben Arterien biennal fdjneller al« in ben 23enen. 2lm langfamften burdjftrömt e« bie (kapillaren, wa« fidj leidjt au« ber verwideU ten SBeräftelung unb ber geringen SBeite biefer feinften Sölutgefäjje erflärt; b. I). ba« 4BIut ljat fjtcr einen weiteren 2ßeg (Umwege) al« in ben 5Ibern ju madjen unb berliert babei in ftolge ber vermehrten Reibung in ben engen (kapillarröhren an straft.- Sßie fdjon turj erwähnt, erfennen wir unter beut Sttifroffop ganj beutlidj, bafj ba« £3lut in ber Wlitte rafdjer ftrömt, wäfjrenb e« an ben ©efäjjwanbungen langfamer fliefjt. (£« ift bie« burdj bie Slbljaefion ju erflären, infofern jebe in einer $Röljre fliefjenbe glüffigfeit an ben Söänben langfamer ftrömt al« in ber S0?itte (Sldjfe). SJian ljat bemnadj ben Wutftrom in einen 2ldjfenftrom, ben mittleren, unb einen 5Banbung«ftrom eingetfjeilt (f. $ig. 79). 23on ben 4ölutfrei«lauf«organen (§eq unb ©efäfjen, b. I). Arterien, SBenen, (kapillaren) bilbet ba« §eq ba« Zentrum be« Kreislauf«. a) Tas ©a« §er$ (f. $ig. 88 unb $ig. 89) liegt in einem biinnljäutigen Sad, bem ober eingefdjloffen, in ber 53ruftf)öple jwifdjen ben beiben ßungen unb bidjt hinter bem 33ruftbein, unb jwar etwa« fd;räg,fo bap fein um terer fpiper Streit, bie in bie linfe pineinragt (f. XI). (5r ift ein mu«fm löfer Körper, ber bei Männern oon 10 -12, bei grauen oon 8-10 Unjen wiegt, beffen ®röpe ungefähr ber gauft feine« gleidjtommt, unb beffen ®ewebe, obwohl e« ju ben „unwillfürlidjen" Organen gehört, quergeftreifte Hafern geigt (f. (Seite 43). (£« wirb in eine redjte unb linfe Hälfte eingetfjeilt, von benen jebe wieber in eine SBorfammer ober einen SSorljof (oben) unb eine Kammer ober ein SSentritel (unten) verfällt (f. $ig. 89). ©ie beiben SSorfam- mern ljaben jebe ein fadförmige«, nadj vorn unb innen gefrümmte« Fig. 88. ftrontanftdjt be§ a) SRedjtc unb b) linle Kammer, c) rechte unb d)linfe®orfammcrfbie beiben „föersoljren"), e) £uncjeni>ul§aber, f) Slorta, g) obere C»oljlveite, h) Sranjarterie, i) ÄranjBene. 162 2lnl)äugfel, ba$ „§ergoßr". £)ie Kammern tjaben biet bittere fleifdjige SBänbe als bie Sßorfammern, weil biefe nur bie für bie §ergfammern finb. $n bie SSorfammern münben bie großen Slut- abern ein; in bie redjte bie bei« ben unb bie große §erg* ober $rangblutaber, in bie linfe bie vier ßungenblut- abern. 5luS jeber Sßortanrmer füßrt bnrd) bie ©uerfdfeibe- wanb eine ©effnung in bie berfelben Seite angeßörenbe Kammer; baS finb bie beiben 2luS jeber Kammer fütjrt aber eine ©effnung, weldje fid) ebenfalls in ber ©uerfcßeibe= wanb befinbet (nadj innen gu, gleid) neben ber ißorßof Spam- mer münbung), in einen großen Slrterienftamm, unb gwar füßrt bie ber redjten in bie ßungenpulSaber unb bie ber linfen §ergtammer in bie Slorta. Stile vier iPhinbungen in ber ©uerfdjeibewanb finb, um ein bittet fließen beS Blutes in bie Sßortammern bejm. Kammern oerßinbern, mit ßdutigen Etappen ober Ventilen üerfeßen, bie bei ben 5BorßofStammermün' bungen feget- ober finb, unb ljat bie linfe Etappe pvei unb bie redjte brei bei ben iveteße je brei Etap- pen tjaben, finb fie dagegen tafdjem ober tjatbmonbförmig (f. Big. 90). ®ebitbet werben bie Ventile burdj galten einer garten unb bünnen, baS gange innere beS bergens überfleibenben §aut (ßnbocarbium ober innere §erg= Fig. 89. Sdjemattftfjet SiingSftfjttitt burcf) ba§ $?crj. a) SRecfite uttb b) Ihtfe Sammet, c) rechte imb d) linfe 53ortammer, e) bte betben SJungenintlSabern, f) ülorta, g) bie betben $obl= men, h) bie bier2ungenblutabern,i) $erjwanb, k) $erj= fdietbewatib. Fig. 90. Safcljcnüentile an ber 9lorta. - 1) $atb geöffnet - 2) gefd)loffen. 163 haut) unter üon binbegemebigen unb elaftifdjen £mutfd)id)tcn unb ÜRuSfeifafern. SaS Schließen ber Klappen gebt in ber SÖeife nor fid), bag bas fiep ftauenbe bie Klappen aufbläpt unb bann üor ber SRünbung, an meldjer fie befeftigt finb, feft anprept. Sepr oft tommen pier frantpafte Dor, inbem bie ©effnungen mibernatürlid) ber= engert, ober bie Klappen jum Schließen berfelben unfähig finb. SD?an nennt biefe ober Klappenfehler. 3Ran tann biefe Kranftjeiten an ben beränberten §erjtöncn erfennen. ßegt man baS ©pr ober nod) beffer baS an bie Stelle, mo ber 31t fühlen ift, fo vernimmt man gmei bem Siftat einer Sßanbupr äpnlidje bon benen ber erfte ftärfer, bumpfer unb länger, ber jmeite titrier unb heller ift. 3ft bagegen eine ber oben ermähnten Kranfpeiten Dorpanben, bann hört man ftatt biefer Söne fdjnurrenbe ober fnarrenbe ®eräufd)e. Sie bon ben quergeftreiften, her' borgebradjte rhpthniifcpe beS bilbet nur einen Sl)eil ber gefammten (natürlich ebenfalls rphtpuiifcpen) ©iefe lägt fid) in brei Slbfdjnitte tpeilen: 1) §erjpaufe, mäprenb meldjer bie IDluSfeln aller Kammern erfcplafft finb; 2) (Sp= ftole) ber Sßortammern bei anbauernber (£rfd)laffung (Siaftole) ber §er$- fammern; 3) (Srfcplaffung ber Sßorfammern unb ber Kammern. ber letzteren preftt babei eine Quantität Sßlut in bie Arterien ein, unb jebe SBorfammer nimmt unterbeffen ein gteidje Httenge Blutes aus ben 23enen auf. - 2)?it ben meldje bas §erj bei feinen erleibet, finb and) ßageüeränberungen üerbunben, melcpe fid) in Drehungen um bie ßängS- unb ©ueraepfe tunb= geben. 53eibe $eränberungen bringen an ber iöruftmanb ben an ber linfen Seite (meift ber fünften unb fedjften Klippel beutlidj fühlbaren §eqpuls ober herüor. Sie 3ahl ber meldje um fo fräftiger unb beutlidjer mähr' nel)mbar finb, je größer unb biefmanbiger baS §erj ift, beläuft fid) bei Grmadjfenen auf 60-80, bei Kinbern auf 90-140 in ber Minute; in ber 9tegel tonunen auf einen Slthemjug Hier §erjfd)läge. SaS §erj jieht fid) alfo an einem Sage, ungefähr 95,000 9)?al unb in einem Oaljre gegen 35,000,000 D)2al jufammen. ©iefer unermüblidjen Sl)ätigfcit entfprid)t eine ungeheure Kraftentmidlung; bie Arbeit beS mürbe in einem Sage im Staube fein, über 170,000 3| $ug I)od) ju heben, ©iefe Kraft mirb im Körper burdj bie $ortbemegung beS 53luteS refp. innere fReibung in ben ©efäfjen berbraudjt unb fommt (nad) bem ©efepe *) ®ie bet SSorfainmern, iveldjc atfo bcr ©tyftole bcr §er3tam= mein vorauSgebt, tfl jcbocb fctum merflid). 164 bei (Erhaltung ber Straft) als SÖJärme wieber hn Körper jum SSorfdfein; fie ift eine wichtige Quelle ber animalifdjen (Eigenwärme. £ßie bie Xljätigfeit alter Slörpertl)eile, fo ftel)t and) bie beS §erjenS unter bem (Einfluffe beS tftenienfhftemS, unb jwar in erfter ötnie unter bem beS im felbft eingebetteten §erjgefled)ts beS ©anglienneroen- fpftemS. £)iefeS §erjgefled)t bilbet ein 9iervenfl)ftem in fid), beffen (Een- tralorgane Slnljäufungen von ©anglienjellen finb, bie in ber 9D?usteIfub- ftanj beS §erjenS liegen. SÖoburd) in biefen ©anglien bie (ErregungSjU' ftänbe hervorgerufen werben, ift nod) nidjt genau befannt, bod) nimmt man an, baß bieS burd) bie ununterbrochenen (ErnährungSVorgänge in ben ©anglien gefd)iel)t. ®er peripljerifdje Sljeil beS §erjgefled)ts befteljt aus Nerven mit VewegungS* unb (EmpfinbungSnervenfafern, iretdje Untere nad) ben (Ganglien hinleiten unb ljier reflectorifd) wirten, b. h- il)re Dteijung auf bie beivegenben Hafern übertragen, ferner fteljt baS $erj unter bem (Einfluß beS 9?ervuS Vagus, Welcher auf bie pemmenb ein* wirft unb biefelbe regulirt. £ßirb biefer 9?erv ober fein Zentrum (im ver* längerten DJtarf) gereijt, fo nimmt bie $al)l ber §erjfd)läge bebeutenb ab, ja bie §erjtl)ätigfeit fann ganj unterbrochen Werben. Slnbererfeits be* fdjleunigt baS £)urd)fd)neiben beS Vagus bie §erjfd)läge. £>ie VSiber* ftänbe, welche biefer ben von ben §erjganglien auSgc* henben refp. bie Ueberwinbung biefer §em= mungen burd) baö finb bie Urfadje, ba£ bie eine rhpthmifdje, burd) Momente ber 9tul)e unb (Srfdjlaffung unterbrochene ift. ©urd) Vermittlung beö ©pmpathicuS werben auch au§ ©eljirn unb 9tü(fen= marf 9tervenfafern nad) bem geleitet, unb erhöhen biefe bie Xhätigfeit ber §erjnerven, inbem fie bie in ben entftepenben Weisungen erhöhen. - 2luf alle biefe Nerven tönnen in ben ßentralorga* neu Weisungen unb and) von anberen Nerven ftattfinben, weshalb bie £häti0feit burd) Dieijungen von innerhalb wie außerhalb be$ Störperö bebeutenb beeinflußt, verminbert ober gefteigert werben fann. ®emütl)§erregung hat oft mitunter gar ben Xob, b. !)• ®tills ftanb ber jur {yolge, unb mit fieber ift j. V. immer eine Vefchleitnigung be£ §erjfchlag§ verbunben. b) Tie Jölutgcfäßc. ®ie @djlagabern ober Arterien bringen vom nad) ben ©eweben behufs (Ernährung berfelben hellrothe« (fauerftoffreid)eS) Vlut. 5ßie ber ganje VlutfreiSlauf beruht natürlid) and) bie Vlutbewe- gung in ben Arterien auf ber ©rucffraft be§ §erjen§ unb ber 3ufammen- jiel)barfeit unb ßlafticität ber £ie Arterien finb ftetö vollftänbig mit Vlut gefüllt, auf welches fie ununterbrochen mit ihren 165 elaftifd)»muStulöfen SBänben einen ©rud ausüben, welcher baS 33lut in einer fortwäprenben 33orwärtSbewegung erpält. Sßirb aber nun burd) eine neue ber Unten wieber 33lut in bie Slrterien getrieben, fo wirb natürlich) baS in biefen nod) enthaltene 33lut einen SBiberftanb leiften, ber bie SBänbe ber Slrterien jwingt, fid) in bie Sänge unb 33reite auSjubepnen. ©iefe Slusbepnung, welcpe rpljtpmifdj vor fid) geht, ift ber berfelbe wirb gleid)jeitig mit bem §erjfd)lag gefühlt, benn er pflanzt fiep fo rafd) fort, baß baS ganje Slrterienropr faft auf ein» mal auSgebepnt wirb. ©ie 3rt0t ber ''ßulSfcpläge ift nach Sonftitution, Sliter, ®efcpled)t, «Stimmung, Körperhaltung, TageSjeit, Temperatur, u. a. m. fepr verfepieben; er ift DNorgenS rafeper als SIbenbS, fteigt burd) Sßärme, Bewegung, burd) Slufftepen unb wäprenb ber SSerbauung, fällt aber in golge von Kälte, Dtupe refp. Siegen, u. a. m. Slud) bie Sltpmung pat großen ßinfluß auf bie Pulsfrequenz; mit bem ßinatpmen Verlangfamt fiep ber ''ßuls, mit ber SluSatpmung nimmt bie Pulsfrequenz ju. ©leid) nad) ber ©eburt ift bie PulSjapl beS Neugeborenen 150; fie fällt halb unb finft bis ungefäpr jum 25. -gapre, 31t welcher SebenSjeit ber DNenfcp burdpfcpnittlicp 71 PulSfd)läge in ber SNinute pat. 3m Sliter fteigt bie grequenj wieber, bis fie im 80. 3abre ungefäpr and) 80 <Sd)läge in ber Minute beträgt, ©ie PnlSjapl ber grauen unb Keiner ift größer als bie ber SNänner bejw. großer 3nbivibiieu. (Sine böpere ift aber burepaue nidpt immer ein 3e^en er $rQft uni) ©efunbpeit, fonbern gewöpnlid) baS ©egentpeil; ein ermübeteS §eq, beffen .Bufammenjiepungen ju fdjwad) finb, um auf ein SDZal gepörige SNengen 33lut in bie Slrterien pineinju» treiben, muß natürlicp rafeper arbeiten, um ben Körper mit ber nötpigen 33lutmenge juverfepen. W2it gieber ift 3. 33. immer eine rung verbunben, wogegen bei ©elbfucpt unb ©epirnertrantungen in ber Diegel eine SSerminberung ber ''ßulSjapl ju conftatiren ift. ©ewiffe ©ifte, bie wir im IV. Kap. nod) fennen lernen werben, vermepren entweber bie ober fepen fie perab. ©ie Slrterien, weldje meift tief im Körper liegen unb vielfad) Bweigc nacp örtlich benachbarten fdjjicfen*), paben fämmtlid) mit Sius» napme ber SungenputSaber ipren Stamm in ber Slorta, welcpe aus ber linlen entfpringt unb an berSlußenfläcpe jwifdjen ber Sungenfd)lagaber unb ber oberen £wplvene pervortritt (f. Tafel VIII unb gig. 88 unb 89). ©ie Slorta gept juerft aufwärts (auffteigenbe Slorta), *) Sie „artaftomofiren" mit einanber, fclion el>e fte ftd? in (SapiHaren auflßfen. ©a» burd? ift eä mögltdj, bafj, Wenn 3. 23. eine Arterie untcrbunbcn werben mufj, beren StertU torium von anberen Sßulßaberrt ernährt wirb, äftituntcr bilben fiel) auch folcße Seiten» Wefle neu; in febem Ralle entfielt ein fog. ,,6oUateraltreislauf", eine auf Um» Wegen, bie bie unterbrochene normale erfefet. 166 biegt fid) bann nad) linf« unb Ijinten bogenförmig (Aortenbogen), um hierauf abmärt« ju verlaufen (abfteigenbe Aorta). Au« ber auffteigenben Aorta entfpringen jmei Arterien, bie be«ßalb miditig finb, meil fie bie er* näljrenben ®efäße für ba§ §erj abgeben; e« finb bie« bie Kranzarterien (f. $ig. 88). Au« bem Sogen ber Aorta fommen: bie unbenannte Arterie, bie linfe Kopffdjlagaber unb bie @d)lüffelbeinpul«aber; erftere, bie unbe* nannte Arterie, tljeilt fid) halb nad)l)er in bie redjte Kopffdjlagaber unb bie redjte Sd)lüffelbeinpul«aber. Sie bciben Kopffdjlagabern verlaufen redjt« unb linf« Vorn am £>alfe bi« jum Keßlfopf, mo fie fid) je in einen äußeren unb inneren £mcig tßeilen (f. $ig. 72, k unb 1); biefe Arterien beforgen jufammen mit ben Sdjlüffelbeinarterien (einer redjten unb einer linfen) bie (krnäljrung be« Kopfe«. Sie letztgenannten'ißulSabertt entfenbennäm* lid) je fünf Aefte, von benen einer, bie SBirbelarterie, ®el)irn unb 9tütfen- marf berforgt; bie übrigen Bmeige verteilen fid) am 9iadcn unb in ber Sruft, mäljrenb ber Stamm (erft al« Adjfel* unb fpäter al« Armarterie) bie (krnäprung bc« Arme« übernimmt. - Sie abfteigenbe Aorta verläuft läng« ber SBirbelfäule unb Ijeißt in ber Sruft bie abfteigenbe Sruftaorta unb im Saud) bie Saudjaorta; in ber Sruft giebtbiefer Aortentßeil nur Heine ®efäße ab, in bem Saud) bagegen fomoßlpaarige (j. S. bie Vieren* artcrien) al« and) unpaarige größere (j. S. bie furje Saudjarterie, bereu Bmeige bie linfe obere fUtagenfranjarterie, bie Leberarterie unb bie fDiilj* arterie finb, ferner bie obere unb bie untere ®efrö«arterie, meldje mir fdjon vom per Tennen), (ktma beim fünften Lenbenmirbel mirb bie Aorta ju einem feinen ®efäßd)en, nadjbent fie redjt« unb linf« je eine große Arterie entfenbet ljat, meldje im Seifen juerft §üftpul«aber ßeißtunb fid) halb in bie Setfenpul«aber unb in bie Sdjenfelarterie tpeilt; bcibe Aefte jufammen verforgen ba« Seiten, bie Sdjenfelarterie aber, nadjbem fie ba« Seifen verlaffen, ba« redjte refp. linfe Sein allein, mobei fie fid) immer meßr fpaltet. - Sie Lungenpul«aber tljeilt fid) gleidj nad) iljrem Urfprung (fie fommt befanntlid) an« ber redjten in jmei Aefte, von benen je einer in einen Lungenflügel eintritt, unb jmarmit venöfem Slut, ba« in ber Lunge gereinigt mirb, um al« arterielle« burcß bie vier Lungenvenen nad) ber Hufen Sorfammcr jurüifjufeßren (f. oben). Sie Sen en ober Slutabern unterfdjeiben fid) ißrem Saue nad) von ben Arterien befanntlid) baburd), baß fie meniger mu«fulö«4räftig unb elaftifd) finb unb in iljrem Innern klappen ßaben, um ba« 9tüdfließen be« Slute« ju verßinbern. 3ßrer Aufgabe nad) finb fie von ben Sul«abern baburd) Verfdjieben, baß fie ba« von ben Arterien nad) ben (kapillaren ge- brad)te unb bort au«genupte unb mit ®emeb«fd)lacfen belabene Slut nad) bem jurüct refp. vorljer nad) ben (Sntgiftung«organen ju bringen ßaben. Al« einen meiteren Unterfdpeb lernten mir ebenfall« fd)on fennen, 167 baß bie Benen bunfelrotlje« (fohlenfäurereicpe«) Blut haben unb langfa* mer fließen, wäßrenb bie Slrterien Ijellrotße« (fauerftoffreiche«) Blut in kräftigen, rljijtfjmifdjen Bewegungen ben ©eweben jufiißren. ?(u« bem ©efagten getjt aber nicht nur hervor, baß beibe ©efäßarten üerfrfjieben finb, fonbern and), baß bie Berfdjiebenljeit ber Functionen eine vom Stoffwedjfel bebingte, unb baß ber üerfdjiebene Bau ber Arterien unb Benen im kin* Hang mit ben an bie ©efäße gestellten Folgerungen fteßt. Sind) bie Benen „anaftomofiren" unter einanber unb fdjicfen $weige (fogen. Ooppelvenen) an bie Oberfläche be« Körper«. 3m ©roßen unb ©anjen folgen fie aber bem Sauf ber Arterien. £ur Unterftüpung ber Blutbewegung in ben Benen, bie be«l)alb viel langfamer ift al« in ben Arterien, weil ber vom Herzen au«gel)enbe Orncf in ben kapillaren bebeutenb abgefdjwädjt worben ift, tragen außer ber Herztljätigfeit unb ben ber Blutaberwänbe beruht«* felbrucf bei Bewegungen unb ba« kinatljmen, b. I). krweitern be« Bruft* faften«, bei, burd) weid/ letztere« ba« Blut ber Benen (unb bie ßpmpße im 3)ii(d)bruftgange) in bie Bruftl)öl)le eingefogen wirb. Bei ben von oben fommenben Benen hilft and) bie Orucffraft be« Blute« mit, welche bei ben auffteigenben Blutabern auf bie Bewegung be« Blute« ßemmenb wirft unb fo an ben Beinen zu „Krampfabern" Beranlaffung giebt. Um ben venöfen Slbfluß von unten herauf zu erleichtern, tßut man be«ljalb gut, jebe« zu enge Schnüren ber ÜRagengegenb (Hofengurt, korfet) zu vermei* ben (befonber« wegen be« *ißfortaberblute«) unb erfranfte ©lieber Ijod) ju legen. Oer Berlauf ber Benen im Körper ift, obwohl fie viel zahlreicher al« bie Slrterien finb, ein fetjr einfacher. Sie entfpringen au« ben Haargefäß* nepen al« feine „anaftomofirenbe" 2leberd)en, bie nadj unb uad) zu größeren ©efäßen unb fdjließlid) in zwei größere (Stämme einmünben, in bie obere unb bie untere welche ba« venöfe Blut in bie rechte Bor* fammer ergießen. Ausgenommen von biefem Uebergang in bie finb nur bie vier ßungenblutabern (be« Heinen Krei«lauf«), welche (arte* riefle«) Blut au« ben Zungen nach (ber linfen Borfammer) zurücfbringen, unb bie ben Kranzarterien entfprechenben Kranzvenen, welche ba« Blut, welche« zur eigenen krnäßrung be« gebient pat, Zur rechten Borfammer zurüdfiibren. Oie k a p i (l a r e n ober Haargefäße finb feinfte ©efäße, weldje ben zwifcßen ben 2(rterien unb Benen herftellen (f. F'iO- 82). Oer Uebergang ber beiben ?lbern im kapillarnep ift jebod; ein fo unmerf* licper, baß fid) nidjt beftimmen läßt, wo bie Arterie enbet unb bie Bene iljren Anfang nimmt. Oie BJanbungen ber kapillaren, welche au« einer Zarten 3edevl)aut, ber birecten Fortfepung be« inneren ber 168 Arterien unb Benen, beftepen, werben Don feinften ©effnungen burdjboprt. ©er enbeSmotifdje Berfepr jwifdjen Blut unb (Geweben finbet aber nid)t burep biefe „Stomata", fonbern burd) bie auherorbentlid) burdjbring- lidjen SBänbe felbft ftatt. ©urep bie Stomata wirb in normalem £uftanb nur glüffigfeit üom Blut in bie Öpmppfpalten ober Saftcanäldjen „filtrirt", unb nur bei Trant'peiten (kntjünbungen) hat manSluSWanberungenrotper unb weißer Blutförperdjen burch bie Stomata in bie umgebenben ®ewebe beobachtet, in welchen bie Törperdjen bann als kiterförperdjen erfepeinen. ©er ©urepmeffer ber kapillaren ift ein fo geringer, bah e'n rotpeS Blutförperdjen, beffen ©urepmeffer befanntlid) auf 1:3500 berechnet würbe, gerabe nod) bureptreten fann; langfam unb hinter einanber paffiren bie Törpercpen biefe §oplwege, wobei fie ipre gorm oft nod) üeränbern, b. p. fiep ftreden muffen, um burcpjufdjlüpfen. ©abei finbet ber enboS- motifepe Sßerfepr ftatt: ©aS Blutplasma giebt ©rganbeftanbtpeile unb bas rotpe Blutförpercpen Sauerftoff an bas ®ewebe ab, wofür baS Blut Don biefem ©eWebSfcplacfen erpält. ©er Blutftrom barf bann nidjt ftoden; aber wir wiffen and), baft er langfam fein muß, bah baS Blut nid)t ju rafd) burd) bie kapillaren fliehen barf, wenn jener enboSmotifcpe Berfepr ein normaler, gefnnber fein folt. IDlan unterfd)eibet brei Wirten Don kapillaren: Törpercapillaren, bie oben befepriebenen, ferner ßungencapillaren, welcpe in ben Zungen Toplenfäure gegen Sauerftoff auStaufdjen unb Cebercapil = l a r e n ; bie lepteren, welcpe bie Blutreinigung in ber Seber Dermitteln, finb bie einzigen kapillaren, bie nid)t Arterien mit Benen, fonbern nur lefctere unter einanber unb jwar in ber ßeber Derbinben (f. S. 158). A>er miiiitunijsiippaiat. ©ie SItpmung beftept in ber Slufnapme beS atmofppärtfdjen Sauer- ftoffS in ben Törper bei gleichseitiger Abgabe bon Toplenfäure unbSBaffer- bampf, Welcpe bei ben ©jpbationSDorgängen im Törper frei würben. ©ie Sltpmung ift alfo ber ©peil beS Stof fwed)f eis, bei welchem gasartige Stoffe um gefegt werben. ©iefer SluStaufd) finbet burd) Berüprung beS Stoffwecpfelunter* palterS, beS Blutes, mit ber Suft ftatt. ©aS baS burd) bie Be= rüprung mit Sauerftoff gefertigt wirb, überbringt biefen ben ©eweben, welche ihn aufnehmen unb babei Toplenfäure abgeben*). wirb üom *) SDian Bcjcicfjnet biefen SSorflang mit bem Befonberen Flamen „innere" ober „®e= toetjgatpmuna" imSeflenfafe ju bei „äußeren Sltpmung." ßrftere bebeutet alfo ben gaö= artigen ©toffwecbfel in ben ©emeben unb ift nur eine golge ber eigentlichen Sltljmung, in bem üon ®afen steiften ßuft unb SÖlut beftel;t. 169 -Sötute nacß beffen VerüßrungSftellen mit bet Cuft gebracht unb wieber gegen Sauerftoff eingetaufdjt. So üollzießt fid) im Körper ein fort- wäßrenber V3ed)fel beS VlutgeßaltS an Sauerftoff unb Äoßlenfäure, ber Zum Sehen unbebingt notßwenbig ift, unb biefer Söedjfet ber „Vlutgafe" fommt burd) bie SltßmumJ ju Staube. ©ie SItßmung finbet ftatt: an ber Oberfläche ber äußeren Äörperßaut, bereu Scßweißbrüfen ber Sufi Zutritt jum Vlute geftatten, an ber inneren §aut beS VerbauungSroßrS, befonberS beS tagens, in welcßen mit ber 9?aßrung Suft ßinabgefdpudt wirb, unb ßauptfäcßlicß in ben Sungen. §aut- unb Vlagen- unb ©armatßmung, welche nur unbebeutenbe Mengen Sauerftoff in ben Körper fcßaffen, bagegen freiließ, bei ebenfalls geringer Slbgabe non Äoßlenfäure, beträchtliche Stengen VJaffer aus bem Körper beförbern, werben an anberer Stelle befprocßen werben, fo baß wir unS im ftolgenben nur mit ber 2Itßmung mittels ber Sungen zu befcßäftigen ßaben. ©er Apparat für bie Sungenatßmung befteßt aus ben Suftwegen (V?unb- unb Dlafenßößle, unb Suftrößre), bem Vruftfaften mit ben SltßmungSmuSfeln unb ben Suftbeßältern, in benen bie Sltßmung (alfo ber SluStaufcß von Sauerftoff gegen Ä'oßlenfäure unb Vkfferbampf) vor fid) geßt; biefe Veßälter finb bie mit ben Verzweigungen ber Suftrößre zu= fammenßängenben Sungen. Von ben Suftwegen neßmen 9J?unb- unb 9lafenßößle (f. Ver- bauungSapparat bejw. Diiedjen) bie atmofpßärifdfe Suft auf, um fie burd) ben fteßlfopf (f. Spratße) in bie Suftrößre (©racßea) eintreten zu laffen. ©iefe ift eine 4 bis 4| ,$oll lange, ungefäßr | 3oll im ©urd)- meffer biefe fRößre, welcße vorn von 16 bis 20 Cförmigen, mit ber convejen Seite nad) außen unb über einanber liegenben Änorpelringen gebilbet wirb. £we(f biefer (unb aller anberen) Suftrößrenfnorpel ift, burd) ißren VJiberftanb ein Scßließen ber Suftwege zu verßinbern. ©ie ßintere (platte) 2öanb wirb von faferigem (Gewebe, baS mit glatten SliuSfeifafern unter- mifdjt ift, gebilbet unb grenzt an bie Speiferößre. 3n ber Vruftßößle, woßin bie Suftrößre vom Äeßlfopf (äußerlid) am §alfe tßeilweife füßlbar) geßt, tßeilt fie fid), unb zwar vor bem britten Vruftwirbel, in bie beiben großen Suftrößrenäfte, welcße ebenfalls aus elaftifcßen fnorpeligen §alb= ringen mit platter aus faferigem (Gewebe befteßen. ©iefe Slefte, ber reeßte unb ber linfe VroncßuS, von benen erfterer fürzer unb ftär- ter ift unb einen meßr ßorijontalen Sauf verfolgt, als ber linfe, tßeilen fid) bann weiter, naeßbem fie in bie Sunge eingetreten: ber reeßte Vrond)uS in brei Slefte unb ber linfe VrondjuS, ber alfo enger, aber länger als ber redjte ift, in jwei Slefte (f. gig. 91). 3n ben Sungen Verzweigen fitß biefe ■Vroncßien in feinere Slefte, bie ftatt ber in ißren Vtanbungen 170 oblonge ßftorpelftücfe haben, bie fo eingelagert finb, baß fie bie jineige meßt bloö halbfreisförmig, fonbern von allen Seiten umgeben, ©iefe feineren ßufttvege veräfteln fieß immer meßr unb meßr, bis fie ju fog. reu bie leine in ißren SBanbungen meßt haben, Werben. 2ßie bie Sradjea finb bie SBrondjiett mit einer meinen, an glimmerjellen unb Scßleimbrüfen reichen Schleimhaut auSgetleibet. Seßtere Fig. 91. Sange, halb .djematifcf) mit ben ®rondjien unb halb natürlich. a) Sefjlfopf, b) Suftröhre, c)rcct>tcr unb d) lütter Sungenfliigel, e), f) unb g) bie brei Slefte beä rechten Sroiirfjuä, h) unb i) bie beiben Sappen be§ linten Sungenflüge(§, k) SungenbafiS. hält fdjäblidfe ber £uft, j.53. Staub, baburcß von bem (Sim bringen in bie tleinften Öuftbeljälter jurüd, ba£ fie biefelben auffängt; bie ftetS nad) außen gerichtete glimmerbeivegung fdjafft aber nidjt nur bie fdjäbtidjen fonbern aud) überflüffigen Schleim aus ben tagen, 3;n ben iBroncßien, in benen bie Vuft and) erwärmt wirb, refp. in bereu SÖanbungen finben fid) ferner elaftifcße tags* unb muStulofe (freiSrunb verlaufenbe) Ouerfafern, mittels bereu fid) bie Suftcanäle ver= 171 türmen unb verengern tonnen. Blut' unb Cßmpßgefäße nebft Tierven fcßließen fid) in ißrem Verlauf in ben Cungen an bie Veräftelungen ber Brondjien an. Oer B r u ft t a ft e n, Weldjer ben oberen Oßeil beS Rumpfes bilbet, wirb vorn betanntlidj von bem Bruftbein unb ben Oiippenfnorpeln, an ben ©eiten von je jwölf 9Cippen unb ßinten von ben jwölf Bruftlvirbeln jm fammengefeßt; alte biefe Knorpel unb werben außen von ben BruftmuSfeln unb einem Oßeil ber 9tüdenmuSteln bebedt. 9?acß unten ju wirb ber Bruftfaften vom .ßwerdjfell begrenzt; biefeS fcfjeibet bie „Bruft' ßößle" von ber Baudjßößle. Oie ßnnenflädje ber Bruftßößle ift mit einer biinnen §aut, Bruftfell ober Pleura, betleibet, bie am unb am $erjen angewacßfen ift unb auf bie Oberflädje ber Zungen überfd)lägt. 3n biefer luftbidjt verfcßloffenen Bruftßößle liegen nun bie Cuftbeßälter, bie beiben Cungen, eine auf ber recßten unb eine auf ber linten ©eite, fo baß fid) jwifdjen ißnen §eq, ©peiferößre unb Bruftaorta befinben (f. Oafel XI). Oie Cungen (ober Cungenflügel) finb äußerlicß jwei unregel' mäßig ßalbtegelförmige Körper, bie oben je eine abgerunbete ©piße, Cum genfpiße, ßaben, an ißrer unteren (Snbflädje (ber BafiS), mit welcher fie gleicßfam auf bem gewölbten $werd)fell fteßen, aber concav finb. SIn ber inneren $lädje ßat jebe Cunge eine Vertiefung (Cungenwurjel), an weldjer bie beiben Cuftrößrenäfte unb bie Nerven unb ®efäße ber Cungen eim bejlv. austreten. 9cur an biefen ©teilen, ben beiben Cungem wurzeln, finb bie Cungen mit anberen Organen feft verbunben, fo baß fie alfo, gleicßfam an ber Cuftrößre in ber Bruftßößle ßängenb, fid) frei bewegen tonnen, Oamit fie fid) aber bei ißren Bewegungen nid)t reiben unb entjünben tonnen, befinbet fid) jwifeßen bem auf ben Cungen liegenben unb bem an ber inneren ftlädje beS BrufttaftenS befolg- ten Oßeil („Blatt") beS BruftfellS, alfo in bem unten am &es feftigten ©ad, ber jwifdjen Bruftwanb unb Cungen eingefeßoben ift, eine von bem Bruftfell abgefonberte ftlüffigfeit, welcße bie beS ©adeS fdjlüpfrig erßält. 3Bie bie IVZeßqaßl berjenigen von ben paarigen Organen, weldje in ber recßten liegen, bie lintSfeitigen an ©röße übertrifft, fo and) bie redjte Cunge; fie ift größer, als bie linte, unb in Uebereinftimmung mit ber SXeftejaßl ißreS BroncßuS burd) tiefe (Sim fd)nitte in brei Cappen getßeilt. Oie linte Cunge (mit ißren BroncßuS' Sleften) ßat bagegen nur jwei Cappen. Verfolgen wir nun ben Cauf ber Cuftrößrenäfte unb 'äftdjen im 3m nern ber Cungen weiter, fo feßen wir, baß feßließließ bie feinften Ver= jweigungen, bie fog. capillaren Broncßien, in je eine ©nippe tleinftcr Bläsd)en (Cuftjellen, CungenbläSdjen ober 9llveolen) auslaufen (f. g-ig. 92). 3!tttterßalb biefer traubenförmigen ©ruppen, weldje alfo bie leßten 172 Gnbigungen ber in ber Sunge verzweigten 23rondjien ober Suftrößrenäfte bilben, ftel)en bie Sungenblädtßen in offener Sßerbinbung. 'Sie umfdjlicßen einen gemeinfamen, in bie betr. capillaren Suftröhrenäftdjen übergeßenben in welcßen fie ficß trichterförmig, b. I). nad) bem §oßlraum zu enger werbenb, öffnen. ©ie Sßanbungen ber 2llveolen enthalten zaßlreidje feinfte elaftifcße fVafern, weldje mit benen anberer Suftzellen oft „anaftomofiren" (fidj verzweigen), fo baß biefelbe fyafer jn jwei ober mehreren jener gellen gehören fann. £)iefe ihre Structur verleiht ben Suftblädcßen ihre große Sludbeßn- barfcit unb Glafticität, Weldje Gigenfdjaften bei ber Sludatßmung eine wichtige fRolle fpielen. ferner finben wir in ben Sßanbun- gen ber Suftzellen ein bentbar bidjtefted 9?eß von Gapillaren ber Sungenarterie, welche mit einem Sßeil ihrer Oberfläche unbebedt in bie Alveolen hineinragen (f. $ig. 93.) wir nun, baß bie Slnzaßl ber Sungenbläddjen tmMenfdjen auf 1800 Milli- onen unb ißre (Sefammtobcrflädje (bei einem ©urdjmeffer ber Wädcßen von je 1:70 bid 1:200 3dl) auf runb 2000 Quabratfuß berechnet worben ift, fo werben wir verfreßen, ein wie ungemein großer, leidjter unb rafeßer Gtadaudtaufcß (von Äoßlenfäure unb 3£afferbampf gegen Sauerftoff) in ben Sllveolen ftattfinben fann. äßalj- renb einer burdj- frßnittlid) 5-6 Unzen S3lut in bie Sungen unb werben bort über bie große -glädje ber Suftzellen audge= goffen. Oa aber in ber Minute wenigftenö 70 erfolgen, fo haben bie 5-6 Unzen nur 1:70 Minute 3£it, um mit ber Suft in Sßerteljr zu treten, eine $rift, bie hin- reidjt, bad faft vollftänbig mit ©auerftoff zu fättigen. Weniger Volk tommen ift bie Reinigung bed 33luted von von ber fiel) nod) ein Heiner -53rud)theil im arteriellen ®lute vorfinbet. 3ebe 2 u f t z e 11 e bilbet für fid) ein Säppdjen, jebe ®ruppe von ßuft- Zelten ein größered £ ä p p d) e n, unb and ber ®efammtzal)l biefer Heineren unb größeren Süppchen befteßen bie (fünf) Sappen ber beiben S u n g e n. Fig. 92. ßapiHare SBrondiicn unb 2ungen= MäSctjen. Fig. 93. Smtcnflädie eines 2ungenb(ä§cfjenS, 300 iWai bergröfjert. 1) ©renjcn slvifdjen jtt>ei benad)= barten 93lösten, 2) ßungencapillaren. 173 3ufammengehalten werben bie ßäppdjen von Weichem, btnbegewebigem 3wifd)engewebe, baS als eine untergeorbnete 2luSfiillungSmaffe für bie 3wifdjenräume jwifdjen ben bieten Öuftcanalverjweigungen unb Vuftjellen erfdjeint. ©aS Shmgengewebe (teilt (id) bemnad) als ein lodereS, ausbepm bares unb elaftifdjeS ®ewebe bar, in welchem übrigens außer Cuftjellen, Bronchien, Nerven, £ljmphbrü(en, Spmphgefäßen unb ben jur Berwanb- lung beS Blutes bienenben Blutgefäßen (bes Keinen Kreislaufs) nodj be- hufs Grnährung ber Vungen Blutgefäße (beS großen Kreislaufs) vorfommen. Betrachten Wir eine ßunge bon außen, fo feßen wir eine BZenge ecfiger gelber (f. $ig. 91). ßebeS berfelben ift bie 2lußenflädje berjenigen ©nip- pen bon Silbeoien, weldje an bie ©berflädje ber ßunge herantreten, ©ie ©renjen jwifdjen ben Reibern finb bei Neugeborenen hell, bei Grwadjfenen buufel. ©ie Urfadje biefer garbenüerfdjiebenheit liegt hauptfächlidj in ber mehr ober weniger großen SNeuge bon «Staub, bie eingeatljmet mürbe unb fiel) bann jmifeßen bie ßungenläppdjen eingelagert hat. 3e nad) berSNajfe biefer (abnormen) $arbftoffe fdjwanft bie Sungenfärbung jwifdjen Nofen* rotl) unb Blaufdjmarj. ©ie 211 h ui u n g (Nefpiration) verfällt in jwei Slbfcpnitte, in bie (5 i n* a t h ni u n g (Onfpiration) unb bie 21 u S a t h m u n g ©ie Ginatljmung befteht in ber Aufnahme neuer (fauerftoffreidjer) £uft in bie Sungen, bie 2luSathmung in ber 2luStreibung „verbrauchter" (Kohlenfäure unb Btafferbampf enthaltenber) ßuft. Beibe Borgänge finb mit Berne- gungen bcS BruftfaftenS unb bes, btefen nad) unten abfchließenben 3werdj* felis verbunben. ©iefen Bewegungen müffen bie Zungen folgen, ©ie Botmäßigfeit ber £uftbef)ätter unter ihre äußere Umgebung ift aber nid)t bie fyolge einer ftarren Berbinbung beiber benn, wie fdjon gefagt, hängen bie Sungen (an ber Luftröhre) frei in bie Brufthöple hinein. nß fie bie Bewegungen beS BruftfaftenS mitmad)en müffen, hat feinen ®runb bielmehr in ber 2IuSbel)nbarfeit unb Glafticität ber Zungen unb bem atmo= fphärifdjen ©rud'. So lange ber Organismus lebt, finb bie auSbehnbaren Zungen burd) ben ©rud ber 2ltmofpl)äre berart über iljre natürlidje ®röße aufgebläht, baß fie mit ihren 2lußenmänben ben Onnenmänben beS Bruft= raumS anliegen. BSirb nun (bei ber Ginathmung) bie Bruftljöhle medja- nifd) erweitert unb baburd) ber ©rud ber Brufthöhlenwanbung, ber bem atmofphärifdjen entgegenwirft, öerminbert, fo fteigert fid) auch raft beS letzteren ©rudeS unb bamit bie 2luSbehnung ber Zungen bis an bie er= weiterte SBanbung ber Bruftljöhle. Bßirb hieße (bei ber 2fuSathmung) wieber Keiner unb bamit ihr ©egenbrud wieber größer, fo verringert fiel) aud) bie Kraft beS atmofphärifdjen ©rucfeS, unb bie (elaftifcpen) Zungen befeßränfen fid) auf baS von ber verengerten Brufthößle vorgefdjriebene 2)iaß. ©er 2IthinungSproceß befteßt, fo jufagen, meinem ewigen Kampf 174 Siüifcfien bem Orucf ber ißruftwanbung unb bem ber atmofphärifd)en ßuft um bie gwhiräume ber tagen. Sßürbe eines XagcS ber Öuft 3. Jö. burd) eine ©tidjwunbe Bugang jwifd)en tagen unb -Söruftwanb verfdfafft unb baburd) ber normale einseitige ßuftbruct burd) taub, Rafe unb Cuftröljre aufgehoben, inbem iljm ein gleicher burd) bie wirb, bann würben bie ßungen auf ihre eigentliche ®röße jufammenfintcn, fiel) von ber iöruftwanb trennen unb nid)t mehr ben Sltljembewegungen berfelben folgen. Oie W)mung verfällt, wie gefagt, in (Sinatljmung unb 2luSatl)mung. £3ci erfterer erweitert fid) ber inbem bie in ber Ruhelage mit ihrer conbejen Seite etwas nad) unten gewenbeten Rippen auswärts ge= breht unb zugleich mit bem in bie §öl)e gezogen werben; biefeS §inaufjiehen erweitert ben oberen £3ruftabfd)nitt, weil bie unteren Rippen einen weiteren Umfang haben, als bie oberen. (Sin wichtiger Rae- tor bei ber (SinathmungSbewegung ift baS Broerdjfell, baS fid) im Ruhejm ftanbe tuppelförmig in bie 23ruftl)öl)le hineinwölbt, bei ber (Sinatl)mung aber in golge Bufammenjiehung feiner SRuSfelfafern abplattet unb fo nad) unten in ben 33aud)raum bringt, OeShalb hebt fid) beim (Sinatl)men auch bie Oberfläche beS Unterleibs nad) außen. 33eim gewöhnlichen (Sinatljmen arbeiten nur bie unb baS unb jwar überwiegt bei bem ruhigen (Sinatl)men ber grauen bie ber erfte- reu unb bei ben SRännern bie beS BwerchfellS, wonad) man biefe beiben (SinathmungSarten als „Rippenatl)men" (ber grauen) unb „iöaudjathmen" (ber DRänner) unterfdjeibet; bei fräftigerem 2ltl)inen wirten alle iöruft= muSteln, bei gewaltfamemaudjnodj bie £>als=, Raden-unb SlrmmuSteln mit. §ört bie ber iöruftmuSfeln unb beS BwerdjfellS auf, fo finten beibe (unb auch ber Unterleib) in ihre Ruhelage jurüd, wobei baS Bwerctjfell noch burd) ben ©egenbrud ber vorher von ihm eingejwäng* ten 33aud)eingeweibe unb ®afe unterftüpt wirb; bie bei ber (Sinatljmung ftart auSgebehnten tagenwanbungen üben gleid)jeitig in golge ihrer (Slafticität einen äl)nlid)en ©egenbrud gegen ben atmofpl)ärifd)en Orud aus (wie bie 33audjeingeweibe unb ®afe gegen baS Bwerctjfell), unb fo verengert fid) unter Bufammenwirfen aller biefer Umftänbe ber -iöruftraum unb treibt baburd) eine ber eingeathmeten gleid) große Cuftmenge aus. OaS ,3uSatl)men" ift (natürlid) unter normalen SSerhältniffen) ein rein paffiver Vorgang, ber jitf) vollzieht, wenn ber nervöfe (SinathmungSreij aufgel)ört hat. ?luf baS (Sinatl)meii, bas uid)t fo lange als baS 2liiSatl)meu bauert, folgt eine faum mertlid)e 'ißanfe; bagegen finbet vor jeber Bnfpü ration eine längere 'ißaufe ftatt. ®ewöl)nlid) erfolgen bie Slthembewegungen unwilltürlidj, obwohl wir fie and) willfürlid) anjureijen, in ihrer Reihenfolge unb STiefe abjuänbern 175 ober gar 31t unterbrechen vermögen. £e(jtereS ift aber nur auf eine ganj furje 3cit möglid); (el)r halb (teilt [(id) „9ltl)emnoth" ein unb jmingt uns 311 erneutem Sltljmcn. GS geljt barauS Ijemr, baß refp. ber „active" £Ijeil ber Sltljmung, bie im ©runbe ein, non nuferem Söillen unabhängiger, vegetativer ift, ber automati(d) von gemiffen hiervon emgeleitct mirb. Oicfe Dlerven finb baS jel)nte unb elfte £)irn* nervenpaar („Sungenmagennerv" unb „23einerv"), an bereu UrfprungS* (teile im verlängerten Dtücfenmarcf baS „5ltl)emccntrum" liegt. SSon ljier aus merben bie Sltpembemcgungcn aber nid)t nur automatifd) angeregt, (onbern aud), wie bie vom jepnten reflecto* rifdj regulirt, verlangfamt ober vermehrt unb veränbert. Oie leiste Urfadje beS 2ltl)menS (GinathmenS) ift aber ein d)emi(djer Vorgang, ber in bem Mangel an ©auerftoff im Sölute beruht, SDiefer Mangel refp. baS lieber* maß von Äoplenfäure im Sölut macht (id) automatifd) im Slthemcentrum bemerfbar, unb baburd) wirb ber nervöfe 9teij auf bie 2ltl)emnerven unb 'Uiußfeln hervorgerufen, hierfür (inb leicht ®eiveife ju erbringen. 2ßir tonnen bie SIthembewegungen unterbieten, inbem hur tünftlid) ©auerftoff in bie Zungen einblafen. SlnbererfeitS (eben mir, baß bei WiStelbemegung, fieber, Gntjünbungen, u. (. m., b. !)• (obalb (id) ber ©anerftoffverbraud) im Organismus (teigert, aud) gleichzeitig bas 2(tl)mcn von felbft befehlen* nigt*), bie (Sauerftoffjufuhr vermehrt wirb.-Gine 23erlepung beS 9ltl)cm* centrumS l)at fn(t augenblicflid)en Stob jur $olge. 9)?an nennt biefeS Gen* trum beSl)atb and) „SebenSfnoten" ober „CebenSpiuitt". SDurd) bie Slthembemegungen allein fonunt aber ber SluStau(d) von (Sauerftoff gegen Äol)len(äure unb 2ßa((erbampf, meld)en mir oben als baS 2Be(en ber 9(tl)mung bejeid)net haben, nid)t ju <2taube; ju biefer Grneuc* rung beS eaucrftoffgehaltS beS Blutes bebarf es nod) ber beS (fohlcnfäurehaltigen, Venöfen) 23luteS in bie Zungen, bamit biefeS hier baS (djäblidje OppbationSprobuct abgiebt unb bafür ben burd) bie 9ltl)em* bemegungen angeführten «Sauerftoff ber atmofpl)ärifd)en Suft eintaufdjt. ©iefeS 3uftrömen beS venöfen 23luteS in bie Cunge ift $olge beS 33lut* trcislaufs. 423ci ber 53e(d)reibung beSfelben erfuhren mir, bap er in jmei verfällt, in ben großen unb tleinen Kreislauf. SD2it bem großen Kreislauf mirb (auerftoffhaltigeS -SPliit vom §erjen nad) ben verfdjiebcnen Xheilen beS Körpers geführt, mo ipm ber ©auerftoff entzogen, unb Sohlen* (äure übergeben mirb. 23ei lepterem Vorgang, ben mir „©emebSathmung" nannten, mirb baS arterielle, Ijellrothe (fauerftoffhaltige) 4Slut in VenöfeS, bunfelrotheS (fohlenfäurehaltigeS) vermanbelt. OiefeS mirb bann in ben *) Slurf) ber 5ßulS fdilägt fchneHcr, aber au£ einem anberen Orunbe. $ulg= unb Sltljemfrequenj bebinqen (id) ([teigen unb fallen aiemlidj Weil beibe öon bem* [eiben Staven, bem ßnngenmagenncrüen „regulirt" werben. 176 Venen zum Kerzen zurücfgebradjt unb ergießt fiel) ljier in bie redjte Vor* lammet. ©amit ift ber große Kreislauf zurücf gelegt. Von ber regten Vorfammer beS @erzenS ftrömt baS Vlut weiter in bie rechte Kammer, Don ba in bie Cungenarterien nnb bann in bie Cungen, aus benen es in bie vier Cungenoenen übertritt, weldje in bie linfe Vorfammer einmünben. ©ort angetangt, hat eS ben Meinen Kreislauf Dollcnbet, ift wieber fauer* ftoffljaltig geworben unb beginnt als arterielles Vlut Don neuem ben grofjen Kreislauf (f. $ig. 87). ©ie eigentliche Sltljmung, bie birecte Verirrung beS VluteS mit bem Sauer fto ff ber atmofpijärifdjen Cuft unb beffen 9luS* taufdj gegen Kol)lenfäure unb VJafferbampf, finbet alfo nur burdj baS $u* fammenwirfen ber Sltljembewegungen unb beS VlutfreiSlaufeS, unb zwar wäljrenb beS Meinen Kreislaufes, ftatt. ©iefen ® a S a u S t a u f dj haben wir uns aber nidjt fo borjuftellen, als ob mit jeher 3nfpiration eine gewiffe iDlcnge Cuft eingefüljrt, biefer bann ber Sauerftoff entzogen unb bie Koljlenfäure beS VluteS übergeben, unb fdjließlidj mit ber (Sjfpiration wieber biefelbe, mit ber (Sinatljmung eingefogene Cuft ausgetrieben würbe. Weit ber SluSathmung weidjt nur bie gleich grofse, aber nicht biefelbe Cuftmenge, wie bei ber (5inatl)innng in bie Cungen einbrang, aus biefen heraus. ©er (SJaSauStaufd) in ben Cun- gen finbet ftatt, and) wenn wir bie Sltljembewegungen zeitweilig unter* brütfen. Gr geljt Dor fid), oljne birect Don ben Sltljembewegungen refp. ber Cuftzufuljr abhängig ju fein, unb zwar burch Vermittlung ber „Cungen* lüft". V3ie gefagt, ift bie Cunge Wäprenb beS CebenS nie leer. Sind) bei ber ftärlften, gewaltfamftcn 2luSatI)mung bleibt in ben Cungen eines gefunben SDlanneS mittlerer Statur nod) eine, 100 Gubiczoll betragenbe SKenge „rüdftänbiger Cuft". ©iefe Sftenge tann auf normale SBeife niemals ans ben Cungen entfernt werben. Vci einer gewöhnlichen SluSatpmung bleibt aber nodj eine ebeufo grojje DUengeCuft, wie bie ber „rüdftänbigen", in ben Cungen zurücf. ©iefeS weitere £mnbert ßubiczoll Cuft, baS „9?eferDe* ober (SrgänzungSluft" genannt wirb, mad)t mit bem erften $unbert ber „rücf* ftänbigen Cuft" bie fog. Cungenluft aus, b. f). biefenige Cuftmcnge, weldje unter gewöfynlidjen Vertyältniffen immer in ber Cunge oorljanben ift. ©iefe Cungenluft ift es nun, weldje ben ©aSauStaufd) Don Sauerftoff gegen Koljlenfäure unb Vtafferbampf birect bewerfftelligt. Sie nimmt festere aus bem Vinte auf unb giebt bafür an biefeS Sauerftoff ab. ©urd) bie Sltfjembewegungen wirb aber ber ©Ijeil ber Cungenluft, weldjer burd) bie Slufnaljme Don Koljlenfäure unb bie Abgabe Don Sauerftoff zur Unter* Haltung ber Sltljmung unbrauchbar geworben ift, burclj neue, fauerftoffreidje Cuft „©ie CebenSbebeutung ber ?Itl)embewegungen ift alfo," um SRanfe'S Sßorte zu gebrauchen, „barin zu fudjen, bap fie anstelle ber Cun* 177 genluft, bie fid) fdjon mit ber gasförmigen SluSfd)eibung beS Blutes be* laben l)at, unb in weldjer aus biefem ©runbe bie «Starte ber SiffufionS* borgänge eine geringere geworben ift, neue, beinafje foljlenfäurefreie atmo* fpfjärifdje ßuft jufüßrcn, mit weldjer ber ©aSüerfefjr ein entfpredjenb ftärferer fein fann". Sie ßungenluft ergänzt fid) fortwäljrenb aus ber atmofpljärifdjen, unb biefe ßrgänjung gefd)iel)t burdj bie Sltßembewegun- gcn. Sie Sltßmung felbft, ber SluStaufd) bau ©afen finbet aber jwifdjen Sungenluft unb Blut ftatt, unb jwar auf folgenbe Steife. Sie größte SNenge bcS SaucrftoffS berbinbet fid) mit bcn rotljen Blutförperdjen refp. bereu Hämoglobin (f. «S. 27), unb ein nur geringes Quantum tritt in baS Blutplasma über. Sie wirb bagegen, ba iljre Spannung in bem ßapillarenblut ber ßungenjellen größer ift als in ber ßungenluft, aus bem Blute in bie ßungenluft „auSgetrieben". Sie 3al)l unb Siefe ber Slthemjitge fdjwanft nad) Sliter, ©efdjledjt, SageSjcitcn, u. a. m. Sie grequenj ift am größten bei Neugeborenen (44 Sltljemjüge in ber SNinute), am geringften im mittleren Sliter, um mit bem ©reifenalter wieber etwas jujuneßmen (20-22 in ber SNinute). Nad) ©oulb ift bei ben erwadjfenen Norbamerifanern üerfdjiebener Nacen bie ber 9ltl)emjüge per SNinute 16. $n Sir auf l) eiten, wo ber Sauer* ftoffüerbraudj*) ein größerer ift, nimmt bie grequenj ju; aus gleidjem ©runbe ift baS ber galt bei ocgetatiüen (j. B. Berbauung) unb nod) meljr bei SNuSfeltljätigfeit. Surdjfdjnittlidj ift and) bie Sltßemfrequenj ber grauen größer als bie ber SNänner. Nod) meljr als bie grequenj fdjwanft bie Siefe ber Sltljemsüge; fie ift beim gewöljnlidjen Sltßmen fo gering, baß nur ein Heiner Sljeil ber in ber ßunge enthaltenen £uft erneuert wirb, b. ß. etwa 20 (Subicjoll. Surd) baS ftärffte @inatl)men tönnen außer biefen 20 3oll nod) ungefähr 110, alfo im ©anjen etwa 130 dubicjoll in bie Zungen auf genommen werben. Nedjnet man bie 100 ßubicjoll Neferüeluft, wcld)e bei ber ftärtften SluSatßmung auSgetrieben werben fönnen, fo l)at man bie „Sltßemgröße" ober „vitale dapacität" eines SNem fdjen, b. I). bie Vuftmenge, weldje nad) ber ftärtften ginatßmung auSgc* atljmet werben fann. Sie Sltßemgröße, weldje alfo im Surd)fcßnitt 230 (Subicgoll beträgt, ift in ber Negel bei grauen etwas geringer als bei SNännern. Ser Nl)l)tf)muS ber Sltßembewegungen wirb mitunter auf eigentljiim* lidje Steife öeränbert, unbüerbinben fid) bamit beftimmte ©eräufdje. Siefe mobificirten SItljembewegungen finb gewößnlid) bie golge ber Ueberftra!)* *) © erfelfce beredjnct fid> für einen gefunden (Srwadjfenen im 2J?ittcI auf 25 Hnjen per Sag; wäßrenb berfelBen geit Werben gegen 30 Unjen Äoljlenfäure abgegeben, ßtwa 14 gSrocent beä aufgenommenen ©auerftoffS erfdieinen in ber au&jeatljmeten nidjt wieher, weil fte im Crganiemuä anderweitig SScrWenbung finben. 178 lung von auf bie 2Itl)mungSnerven unb -muSfeln; eS finb alfo 9ie= flejbewegungen. hierher gehören als mobificirte (*inatl)mungSbewegum gen: ®äl)nen, Teudjen, Schlucken, Seufjen, u. a. nt., unb als veränberte SluSathmnngSbewegungen: £adjen, Söeinen, liefen, duften, QiäuSpern unb Sd)nardjen. ®äl)nen unb Seufjen tommen baburd) ju Staube, baß auf eine langfame, tiefe (Sinatljmung eine laute, in jebem ber beiben {yälle verfd)ie- ben tönenbe, turje 5IuSatI)mung folgt, Sdjludjjen befteßt in furj abgebroche- nen, fctjnell wieberljolten Ginatßmungen, welche hcntptfäd)lid) burd) träftige beS herüorgebradjt unb von tönenben Schwingungen ber Teßlfopfbänber begleitet werben. - graften fol- gen auf eine mehr ober weniger tiefe Ginatljmung bei verengerter Stimm* rt(jse turje tönenbe, träftige unb ftoßweife SluSathmungen. liefen ift eine tiefe ßinathmung mit traf tiger, furjer SluSathmung burd) bie 91afe (in $o(ge von Oieijung ber 9?afenfd)leiml)aut). Sadjen befteljt in fdjnell hinter einanber folgenben, furjen, ftoßweifen ?luSatl)mungen, welche mit, in ber Stimmrifce gebilbeten Sönen verbnnben finb. SÖeincn ift ein, burd) Gin* athmen unterbrochenes, ftoßweifeS SluSathmen mit nadjfolgenbem, tiefem Ginatßmen unb £l)tänenfluß. 53eim Sd)nard)cn wirb bas ©aumenfegel burd) ben SUßmnngSftrom in Vibration verfemt. £)urd) bie ber t*uft innerhalb ber SlthmungSorgane werben ebenfalls ®eräufd)e erzeugt, bie für ben 2lrjt von großer 53ebcutung finb, um Trautheiten ber Sunge ju erfennen. 53ei gefunben Sungen vernimmt man zweierlei foldje SlthmnngSgeräufdje, erftenS beim @in= unb SluSathmen in Tehlfopf unb Luftröhre ein teud)enbcS, baS fogen. bronchiale 9ltl)mungS- geräufd), unb am Gnbe beS (Sinatl)menS ein fanfteS fd)lürfenbeS ©eräufd), baS fog. 53eficulär- ober @d)ließlid) wäre hier nochmals auf bie SBidjtigfeit beS 9IthmenS für ben Treislauf ber Säfte im Törper hnijuweifcn. ©urd) baS Ginatl)men wirb nicht nur Vuft in bie Zungen gezogen, fonbern es werben and) in ben, in ben eintretenben ©efäßen $lut, ßljmphe unb ©peife- faft burd) eine 2lrt „©augbrud" vorwärts getrieben, weldfer auf bie ©efäße auSgeübt Wirb. ®urd) baS 5hiSatl)incn unb baS bamit verbunbene Verengern beS 33rufttaftenS wirb ein fernerer ©ruef auf jene (Gefäße auSgeübt, ber bie Säfte ebenfalls vorwärts treibt. 5?urd) träftige 2ltl)embewegungen förbern wir alfo nicht nur ben ?ltl)mungSproceß, ben 5luStaufd) Von Sauerftoff unb Tohlenfäure, fonbern audj ben Sauf beS WuteS, ber Spmpl)e unb beS SpcifefaftcS unb bamit ben gefammten Stoffwed)fel. 179 JDer ■gSerbtutiuttjsflypflraL Sille Stoffe, welche wir bem Körper 311 hoffen Erhaltung unb STl)ätig= fein 3ufüpren, tonnen biefem ©oppePpved nur burd) Vermittlung beS VluteS bienen; fie müffen im Körper vorerft bem Vlute einverleibt Werben, worauf fie von letzterem ben (Geweben überbracht werben, ©er einzige gasartige von biefen, bem Körper unentbehrlichen Stoffen, ber Sauerftoff, tritt birect in baS Vlut über. Er wirb ber atmofpl)ärifd)cn £uft entnom- men unb verbinbet fid) überall, wo biefe vom Vlute nur burd) eine feudjte getrennt ift, mit bem Vinte refp. ben rotpen Vlut* törperdjen; eS gefdjiept bieS befanntlicp jumeift in ben tagen, aber and) im SNagen unb in ben ©ebärmen unb an (Sine geringe Stenge ber anberen, b. p. feften unb flüffigen Stoffe, weldjer ber OrganiS* muS bebarf, gelangt ebenfalls birect inbaSVlut; foldje Stoffe, 3. V. SBaffer, unorganifdje Salje unb Sllcopol, werben, ohne eine Umwanblung burdjmacpen 3U müffen, von ben Vlut* unb Cpmppgefäpen ber Vlagen- unb ©armwanb aufgefogen. ©ie bei weitem größere 3ahl er feften unb flüffigen NaprungSftoffe muß aber erft aus ben Nahrungsmitteln, in fyorm welcher wir fie in ben Körper bringen, auSgefdpeben unb für bie Aufnahme in baS Vlut tauglid) gemacht werben. ©aS gefcpiept in befon* bereu Organen, Welche inSgefammt VcrbauungSapparat genannt werben, burd; bie Verbauung, ©iefe hat aber, füll nid)t eine Stocfung im Stoff* Wecpfel eintreten, and) bafür ju forgen, baß biejenigen Veftanbtpeile ber Nahrungsmittel, welche nicpt in baS Vlut gefcpafft, b. I). für ben Körper nidjt verwenbet würben, aus letzterem wieber entfernt werben, ©ie Ver* bauung ift alfo berjenige ©peil beS Stof f w eepf elS im Organismus refp. ber Ernährung, burd) w e l d) c n bie m e i ft e n feftenunbflüffigenNaprungSftoffe für ben Körper verwenb* bar, b. i. 3 u r 21 ufnapme in baS Vlut tauglid) gernad)t, u 11 b b i e b a 3 u n i d) t b r a u d) b a r e n ober n i d) t b e n u p t e n Stoffe, wetdje mit ben Nahrungsmitteln in ben Körper gebracht wür- ben, aus biefem wieber a u S g e f d) i e b e n Werben. ©er V e r b a u u n g S p r 0 c c f;, ber im ®an3en ungefähr 24-Stunben bauert, ift ein tljeilS d)emifd)er, tljeilS med)anifd)er. (5r fid), wie gefagt, im VerbauungSapparat unb 3erfällt in Vorverbauung, SNageiwer- bauung, ©ünnbarmverbauung unb ©idbarmverbauung. ©ie Vorverbau- ung, weldje ber Nahrungsaufnahme unmittelbar folgt, unb bie ©idbarmver- bauung finb wefentlid) medjanifepe VerbauungSacte; erftere beftel)t haupt* fäd)lid) in ber unb VJeiterbewegung ber Viffen unb leptere 3umeift in ber Entfernung nid)t braudjbarer (uiwerbau(id)er) ober niept benupter (unverbauter) NahrungSbcftanbtpeile. ©ie d)cmifd)e Umwanb« 180 liuifl bei Üialjrung in blutäljttlidje Stoffe (Speifefaft) geßt bagegen be= fonberö wätjrenb ber Waagen-unb ©ünnbarmverbauung vor fid). ©er Berbauungöapparat ift eine burdjfdjnittlidj ba« Sedj«* fadje ber Ä'örperlänge betragenbe SRötjre, mit welcher eine Slnjal)! ihr ju Seiten liegenber Organe in Berbinbung ftetjt. ©iefe SRötyre, weldje vorn am SDiunb beginnt unb hinten am Elfter enbigt, veränbert wäljrenb ihre« juerft geftretften, fpäter vielfad) verfdjlungenen Berlauf« mehrfach ihren ©urd)meffer; bevor fie iljre Sßinbungen antritt, erweitert fie fid) fogar 311 einem Sdjlaud), ber bie {yorm eine« ©ubelfatf« ljat ©iefe „Ber = bauungöröljre" (ober ber „Berbauung«canal") wirb von einem mu«- fulöfen Seeland) gebilbet, ber innen mit einer Schleimhaut au«gefleibet ift. ©ie sJJlu«felwanbung beftetjt faft ganj an« glatten, ber Sänge nad) nnb ringförmig gelagerten 9)lu«felfafern, weldje ju ihrer unwillfürlidjen Oljätigfeit von Dierven be« fijmpathifdjen Diervenfijftem« angeregt werben; nur an ben beiben Oeffnungen be« Berbauung«canal«, wo ber medjanifdje Berbauung«act überwiegt, nnb willfürlidje Bewegungen ftattjufinben haben, finben wir and) quergeftreifte, ringförmig verlaufenbe SD?u«felfafern. Oie Sdjleimfjaut, welche nod) von einem an ben üerfdjiebenen Stellen üer- fdjiebenartigem Oberljäutdjen betreibet wirb, ift ber Si(5 vieler feinfter Blutgefäße, mannigfacher ©rüfen unb ljat außerbem ftellenweife an ihrer Oberfläche fabenförmige 5(u«wüdjfe, bie fog. ©armsotten. ©entäß ben vier obengenanntenBerbauung«acten fann man ben Ber= bauung«apparat in ebenfo viele Slbfdjnitte eintljeilen, nämlidj in: 1) IDiunb» l)öl)le, Sdjlunbfopf unb Sdjlunb ober Speiferöljre, 2) DJtagen, 3 )©ünn- barm nebft ben in feiner 9?älje liegenben §ülf«organen (Seber, ©allem blafe unb Baudjfpeidjelbrüfe) unb 4) ©itfbarm. ©ie unter 1) genannten Organe liegen in ber oberen Sörperljälfte, oberhalb be« Zwerchfell«, we(= dje« von ber Speiferöljre, wo biefe in ben 3)?agen übergeht, burdjbrodjen wirb, ©ie anberen Berbauung«organe liegen unterhalb be« Zwerchfell«, in ber Baud)- unb ber Betfenhöhle, unb finb von bem Baud)fell umgeben. ©ie äft u n b 1) ö h l e (f. 94) ift bie britte unb unterfte ber brei großen fohlen be« stopfe« (Schäbel-, Hafern unb 3Kunbl)öl)le). Sie liegt unter ber 9?afenl)öhle unb wirb von biefer burd) ben ©aumen getrennt. Sie verfällt in bie Batfenl)öl)le unb bie eigentliche fD2unbl)öl)le unb ift vorn unb hinten, wo fie fid) in ben Sdjlunb offen, ©ie vorbere Oeffnung, ber Sftunb, ift burd) bie Sippen ©ie Batfenhöljle wirb von ber Znnenfeite ber Baden unb von bem Ober- unb Unterfiefer nebft ben Zöhnen ((• 91) begrenzt; fie ift alfo ein außerhalb ber Zäljne gelegener §ol)lraum, welcher (bei gefdjloffenem DKunbe) bie eigene lidje 'Uhmbhöhle l)nlbfrei«förmig vorn unb feitlid) einfdjließt. BMe biefe ift and) bie Batfenhöljle innen mit Sdjleimljaut überzogen, weldje eine 181 btrecte $ortfe$ung ber äußeren §aut ift. ©er Uebergang ber einen m bie anbere £>aut finbet am äußeren oberen SRanb ber Sippen ftatt; bie äußere §aut wirb babei jarter unb in ftolge größeren fReidjtpum« an (Ge- fäßen rotp. ©ie 90?unbfd)(eimpaut felbft, alfo bie innere ber gefammten DJhtnbpöple, entpält niete Rapiden (f. Sleußere $aut unb ©djmecfen), Träfen, Spmppgefäße unb fogen. iöalgbrüfen, b. p. Spmpp* brüfen ober $ollifel. 2luf ber Bnnenfeite jeber Sippe, in ber äJZitte oon oben nadj unten, üerbitft fid) bie ©djleimpaut $u einem gältdjen, bem „Sippenbänbcpen", weldje« bie Sippe mit bem Bupnfleifd) üerbinbet. ferner ift ber ©cpleimpautüberjug jeber 53ade, bem erften unb oberen gegenüber, oon einer feinen ©effnung, bem 2lu«füprung«gang je einer ©prfpeicpelbrüfe, burdjboprt (f. ftig. 72). SSon ben Sippen unb Warfen fcplägt fid) bie ©djleimpaut auf ben äußeren SRanb be« ©ber* unb Untertiefer« über unb bringt oon pier jwifdjen je jwei Bäpnen pinburd) in bie eigent* lidje SKunbpöple ein. 2öie gejagt, wirb biefe nacp ber fftafenpöple $u von bereu 53oben, beut (Saunten, begrenzt; pinten ift fie offen unb gept in ben ©djlttnb über unb unten wirb fie oon bem Unterfiefer unb ber Bim9e (ß ©djmecfen), welcpe jwifcpen ben beiben Unterfieferäften ein* gelagert ift, abgefdjloffen. ©er üorbere freie ©peil ber Bunge ift an feiner unteren ©eite burcp ein oon pinten nacp vorn üerlaufenbe« ©djleimpautfältdjen („Bungenbänbcpen'j an bem 33oben ber SDlunbpöple befeftigt. 2luf jeber ©eite biefer $atte geigen fid) wieber ©effnun* gen in ber SOhinbfdjleimpaut; e« finb bieö bie 2lu«füprung«gänge je einer recpten unb linfen Unterfiefer* unb Unterjungenbrüfe. ©er ©cpleimpaut* bejug be$ fnöcpernen (Säumen«, welcp' letzterer am ©djäbel bie (tuöcperne) ©cpeibewanb jwifdjen Olafen* unb SWunbpöple bilbet, fe(jt fid) in berWhtnb* pöple über ben pinteren fRanb be« fnöcpernen (Saunten« fort unb bilbet ben weidjen (Saunten, ben (Saumentwrpang ober ba« (Sauntenfegel. 3:n ber ÜJlitte be«felben ift ein länglidjer, ftumpfer Sßorfprung, ba« „Bäpfdjen". 3u jeber ©eite be« 3äpfd)en« tpeilt fid) ber (Saumenoorpang in jwei bogen* förmige Hälften, weld)e (Saumenbögen peißen; bie beiben twrberen 23ögen, bie „Bungengaumenbögen", jiepen fid) $u ben ©eitenwänben ber Bmi9e pin, wäprenb bie beiben pinteren bie „©cplunbgaumen* ober (Sau* menracpenbögen", in bie ©d)leimpaut be« @d)lunbe« übergepen. BlüWn je einem Bun9en9aumen# ©cplunbgaumenbogen liegt eine fogen. Fig. 94. Eie SRunbt)öfj(e. a) Cbertiefcr, h) Untertiefer, c) Raunten, d) 8äpf= eben, ee) ßungengauinenbögen, ff) Scblunbgauntenbogen, gg) *Dtan= beln, hj'ütadjenenge, i) Steijlbcctel, k)8unge. 182 „OJZanbel"; eS finb bieS aus je 10 bis 20 gollifeln Stympßbrüfen. Ser weidje (Sfaumen ift beWeglicß; er fann fidj nadj oben unb unten gießen unb fo einen SSerfcßluß ber Wunbßößle gegen bie 91afen= ßößle bitben, was nirfjt nur für bie Bewegung ber Speifen nacß beut Sdjlunb, alfo für bie Verbauung, fonbern and) für bie SItßmung unb Som bilbung beim Singen unb Spredjen von Sßidjtigteit ift. 3n ber Wtunbßößle' refp. bereu Sdjleimßaut liegen jwei Wirten von Srüfen, bie, tßeilweife fdjon erwäßnt, für ben SßerbauungSproceß von großer SÖMcßfigfeit finb, nömlicß bie Speidjel- unb bie Scßleimbrüfen. Speicßel* brüfen finb bie Dßrfpeiißel', bie Untertiefer- unb bie Unterjungenbrüfen; alle ßaben in bie ■Iftunbßößle münbenbe 9(uSfüßrungSgänge, burd) iveldje fie ißr Secret, ben Speidjel, entleeren. Ser wicßtigfte beS SpeidjelS ift bas fogen. ein jucferbilbenbeS Ferment, baS, befon- berS fdjnell bei Körpertemperatur, Störte refp. Kleifter (gequollene Störte) in Seytrin unb Sraubenjucter umwanbelt; außerbem entßält berSpeidjel nocß Scßleimftoff, Sßaffer, Salje, u. a. m. Sie Speidjelabfonberung, welcße pro Sag jwifcßen 1-4 fdjwanft, wirb von 2lbfonberungS- nervenfafern beS fünften (breigetßeilten) GtefidjtSnerven angeregt, Sirecte ober inbirecte (SReflej*), Dielungen biefer Nerven, wie Kaubewegungen, 9?ei}ung ber Scßleimßaut unb SJorftellungen von ©efdjmacfSempfinbungen, rufen Speidjelabfonberung ßervor; auf inbirecter Steigung berußt 3. 53. jene vermehrte Speidjelabfonberung, Weldje Wir gewößnlidj als „SBaffer im Wlunbe jufammenlaufen" Sie jweite 2(rt ber 2lbfonbe* rungSbrüfen ber äftunbßößle, bie Sdjleimbrüfen, liefern nur Sdjleim, welcßer fid) mit bem Speidjel $u bem fogen. DJiunbfaft vermifdjt. gelterer bient nidjt nur ba$u, einen „53iffen" einjuweießen unb ißn fdjlüpfrig jn madjen, fo baß er leidjt in ben Waagen ßinabgelangen fann, fonbern and) als SöfungSmittel für ungelöfte, aber löSlicße 5iaßrungSmittcl unb (in ftolge feines $u djemifdjen bie fpater nodj näßer befprodjen werben. 23on ber HJhmbßößle gelangen wir (naeß innen ju) in ben Sdjlunb- topf, unb jwar burd) eine Öffnung, weldje oben vom £äpf(ßen unb weidjen ©aurnen, feitlicß von ben ©aumenbögen unb unten von ber 3un; genwurjel begrenzt unb „9Jacßenenge" genannt wirb. Ser Sdjlunbfopf (f. $ig. 95) liegt ßinter ber Wiunbßößle unb bem Keßltopf, unter ber 9iafenßößle unb über bem Sdjlunb, beffen Eingangspforte er bilbet. Er vermittelt, gleidjfam wie ein 9)Mrftplaß, in ben von Verfdjiebenen Seiten ßer Straßen einmünben, einen SBerteßr jwifdjen ben genannten §ößlen (Olafen- unb 9)innbßößle) unb Eanalen (Sdjlunb unb Keßlfopf bc$w. rößre), ber von irgenb einer „Straße" nad) irgenb einer auberen ßin ftatt* ftnben fann. Slußer ben genannten befinben fidj aber oben im Sd)lunb= 183 topf (über bem weidjen ®aumen) nodj jwei weitere, Heine Ceffnungcn, weldje je in einen engen (Sanal führen, ber „(Suftadji'fdje trompete" Ijeipt (f. §ören). ®ie centrale Sage beS SdjlunbtopfS ermöglicht es nicht nur, bap wir j. 53. £abafSraudj burdj bie 9iafe wieber auSblafen ober burdj ledere ober ben lIQunb einjieljen nnb in bie Sungen fangen ober (in ben Blagen) öerfcplutfen tonnen; fie ift nidjt nur ber „Biarftplaty', auf wcldjem fidj bie SluSgänge non ber ©peiferöljre nnb ber Suftröljre per treujen, fo bah beim Berfdjlucfen Speife unb bei Sungenblutungen Blut burdj bie 9iafe ausgetrieben werben tann. ®ie centrale Sage beS SdjlunbfopfS i|t in ß-olge ber Berbinbung beS (enteren mit ber (Suftadji'fdjcn Xrompcte unb burdj biefe mit bem Dljr nodj in anberer Beziehung Don Bebeutung; fie ift bie Urfadje, bah bei Trautheiten beS SdjlunbfopfS (ober auch ber Bafenljöljle) baS £>hr in IVZitleibenfchaft gezogen wirb. ©er untere ©h beS Sdjlunb* topfs Derengert fidj allmälig (hinter ber Suftröhre) ju bem <S dj 1 u n b ober ber (Speiferöhre (CefopljaguS). (SS ift bicS eine fleifdjige Stöljre, bereu B3am bung jumeift aus glatten BluSteln be- fteljt, weldje ber Sänge nadj unb ring- förmig gelagert finb; nur am oberen (Snbe ber ©peiferöhre, wo willfürlidje (Sdjlud--) Bewegungen ftattfinben, ift bie BluStulatur eine quergeftreifte. B3ie ber Sdjlunbfopf ift and) ber Sdjlunb innen mit einer brüfenreidjen <Sd)leiin= haut auSgefleibet, weldje Sdjleim abfon- bert unb baburd) baS beS BiffenS erleichtert. Unten münbet ber (Sdjlunb, nadjbem er hinter bem $eqen Don oben nadj unten burdj bie Bruft Derlaufen ift unb fdjliefjlidj baS 3'uerdjfell burdjboljrt hat (f. $ig. 96), in ben Hftagen; biefe Ceffnung, ber „SD?unb" beS WiagenS genannt, ift ge- wöhnlich gefdjloffen, fo bah, wenn man auf bem Topfe fteljt, nichts burdj ben ©djlunb aus bem 9)?agen IjerauSfallen, unb man in biefer (Stellung auch Weber effen uodj trinten tann. Mitunter fommt es im (Sdjlnnb jn Siarbenbilbungen in Don Berbrennung (3. B. burdj Ijeihe Speifen) unb nadj 3lnäpung (burdj Sdjeibewaffer, 11. a. m.), woburdj Berengerung ber Speiferöljre herbeigeführt wirb; ber 9Ir$t behanbelt biefe burdj (Sinfüh* ren Don Sdjlunbfonben. 9codj gefäljrlidjer als biefe Berengerungen Fi«. 95. VänßSburdjfdjnitt burd) Stopf unb $a(§. a) <Sd)lunb, b) ßuftröfire, c) gungenbein, d) 2Runb, e) 9Jafenhöf)le, f) 2Wihtbl)öftle, g) Bunge, h) Sftünbuitq bet @uftad)i'fd)en Xrombcte, i) Sdjlunbtopf, k) ©amnenieflet ober nicirfier®aumen, 1)Steljlbedtct, m) Ein- gang jur fiuftrötjre. 184 finb ©efdjwülfte, bie fid) mandjmal (3. bei Vergiftungen) im ©djlunb bilben. £>er 20i a g e n, in ben, Wie gefagt, bon oben Ijer ber ©djlunb einmüm bet, unb jwar an einer meift gefdjloffenen ©effnung, bie W?agenmunb ober ßarbia genannt wirb, liegt bidjt unter bem 3tuerd)feH in ber oberen t)öl)le, jebod) meljr in ber linfen, als in ber redjten (von ber Seber einge* Fig. 96. ©er $?erbauung§afü)arat in öcr ®aucf)=uni)5Bectcn= tjötjLe. 23om Gchlunb ift baS unterfte @tüd unb von ber Seher, roeidje in bie $ölje gefchlagen ift, bie hintere (untere)fjläche su fcfjen. a) ©beifcröfjre, b) HivercfjfeU, c) SWagen, d) ÜJlagenmunb, e) ®linb= fad unb f) Pförtner beS S)Jagen§, g) 8'völffinger» barm mit ber Ginmün» bung bc§ SluSführungS» gange§ ber fieber, ©allen» blafe unb Saucfjfpeichel» briife, h) rechter unb i) linier Seberlappen, k) ©aüenblafe, 1) ©aften» gang, m) ©ünnbarm, n) beffen Uebergang in ben ©idbarm, o)®Itnbbarm, p) SBurmfortfafc, q) auf= fteigenber ©rimmbarm, r) rechte ®rimmbarm= trümmung, s) Quer» gritnmbarm, t) lütte ©rimmbarm trümmung, u) abfteigenber ®rimm= barm, v) SOlaftbarm, w) Jparnbfafe, x) Sauchfbei» cüelbrüfe, y) 2Jlils, z) linier Sungenflügel. nommenen) ©eite (f. [yig. 96). (£r ift ein bubelfacfartiges ©ebitbe, baS oben einen tarieren, auSgel)öt)lten unb unten einen längeren, auSgebaudj* ten 9?anb tjat; erfterer Ijeifft bie Heine, legerer bie Kurvatur. 53on bem SRagenmunb an, b. I). oon ber SBerbinbungSftelle jivifjfjen ©djlnnb unb S0?agen, jieljt fid) biefer erft nad) unten unb bann nad) redjts Ijinüber jn feinem (Snbe, wo er eine zweite, Pförtner ober *ßi)loruS genannte ©eff- 185 nung l)at, bie, wie ber 3J?agenmunb verfdjließbar, ben Waagen mit ben ®e- barmen (mit bem in Berbinbung feßt. $n ber eben ge- fcßilberten Sage, bei weldjer bie große (Suroatnr nad) unten, bie Heine (Kurvatur nad) oben fietjt, befinbet fid) berSJiagen aber nur in leerem 3m ftanbe; ift ober Wirb er gefüllt, fo breljt er fid), unb jwar je größer bie SRaljrungSjufuhr befto meljr, berart nad) oben, baß feine Heine Survatur fdjließlidj nad) Ijinten unb bie große nad) vorn fiept, unb baß feine frühere Borberflädje jur oberen unb feine frühere hintere $lädje jur unteren wirb, ©arum werben uns and) nach einer tüchtigen DJlaljljeit bie Kleiber „ju eng", b. Ij. ber Baud) fdjwillt in golge ber Drehbewegung an. Die große unb Heine ßurvatur laufen natürlich bei j e b e r Sagerung beS tagens am SDlagenmunb refp. am Pförtner jufammen. Die Stßeile beS tagens, weldje biefen beiben Deffnungen junäd)ft liegen, heißen Sftagenmunb* unb jwifd)en ißnen liegt ber größere unb tieffte £ljeil, ber DJhgengrunb ober DJtagenblinbfacf. Die SSanb beS tagens beftept aus brei Scpiipten, bereu äußerfte, binbegewebige von bem (fpäter nod) ju be- fpredjenben) Bauchfell gebilbet wirb*). Die äftittelfdjidjt, bie fog. SftuSfelfdjidjt, wirb iprerfeitS wieber aus brei Sagen glatter iDiuSfel- fafern jufammengefept, weldje nad) brei Dichtungen verlaufen, nämlid) ber Sänge nadj, ringförmig unb quer. Diefe 9DuStelfafern, weldje mit Der« venfafern beS „BauchgefledjtS" (f. ©anglienfpftem) unb folgen beSBaguS (10. $irnnervenpaar) in Berbinbung fiepen, ermöglichen nidjt nur bie Bewegungen beS tagens, fonbern madjen and) bie SJJagenwanb elaftifdj. 3n $olge festerer (Sigenfdjaft tann fiel) ber Stagen vergrößern unb ver- Heinern, unb jwar geljt bei ber Slufnaßme von Dlaljrung gleidjjeitig mit ber Sageveränberung and) eine ©rößeveränbernng beS tagens vor fid). £)er leere 20?agen ift alfo Heiner als ber mit 9ial)rung ungefüllte unb l)ängt in bie Baudjljößle ßinab; ber volle Klagen ift bagegen größer unb liegt quer im Baud). Bei gewiffen Unregelmäßigfeiten in ber Sebensweife unb bei beftimmten Ä'rantßeiten werben anormale Beränberungen ber ®röße beS tagens beobachtet; fo ift biefer bei Branntweintrintern über baS ge- wößnlidje DJlaß vertleinert, wäßrenb er bei übermäßig ftarfen (Sffern unb fel)t häuH9 bei Orrfinnigen eine ganj coloffale Bergrößerung erfahren Tann (f. SJJagenerweiterung, IV. ®ap.). £)aS innere beS HJZagenS (f. $ig. 97) wirb von einer gefäß= unb brüfenreid)en «Schleimhaut auSgetleibet, weld)e in ber ®egenb beS Pförtners, wo ber SDiagen enger wirb, mit 9?ing- muSfeln eine vorfpringenbe faulte, bie BförtnerHappe, bilbet. ©urd) biefe wirb ber 9)?agen wäßrenb ber Berbauung (nad) unten ju) vollftänbig ab- *) ©ag SBaucfvfeU ben SOfagen Jeborf) nicf>t flanj, fonbern läfjt einen fleincn Streit ter SDJafleninanb unbebeeft. 186 gcfcfjloffcn. Vei leerem Buftanbe be# Plagen#, b. 1). wenn berfelbe Hein (jufammengejogen) ift, ift bie Scßleimßaut, befonber# im tinfen, größeren Xßeil (Vlinbfatf), ftarf gerunjelt. Söirb ber IPlagen gefüllt, bann üer= feßwinben mit ber eintretenben Vergrößerung (unb Vagcüeränberung) be# Plagen# bie Sdjleimßautfalten unb beginnen bie ©rüfen ber Sdjleimßaut glüffigfeiten abjufonbern. Solcßer Plagenfecrete giebt e# jwei: ben (wie ber Speid)el) alfalifeßen Plagenfd)leim unb ben fauren Plagenfaft. (irfterer wirb üon einfadjen, fdjlaucßartigen ©rüfen, welcße fid) ßauptfäcß* lief) in ber ®egenb be# Pfört- ners üorfinben, abgefonbert (f. {yig. 98). ©iefer Plagern fcßleim, welcßcr bie Sd)(eim= ßaut übergießt, ßat ben Vwetf baS innere be# Plagen# feßlüpfrig gu madjen unb ben •Plagen baüor gu fdjüfcen, baß er fidj felbft »erbaut, b. ß. baß ber, Eiweiß ($leifd))auflöfenbe Plagenfaft feine SBirffamfeit gegen bie Plagenwaub felbft rießtet. Um bie# auf feben $atl gu üerßinbern, benn bie Scßleimabfonberung ift mit- unter eine ungenügenbe, firn bet außerbem fortwäßrenb BU5 fußr altalifcfjer Säfte feiten# be# Vlute# ftatt, burd) weldje bie jur Ver- bauung nötßige Säure neutralifirt (unwirffam gemadjt) wirb, ©er 9)la- genfaft wirb aber aon ben Vepfim ober Sabbrüfen abgefonbert, weldie, fentredjt in ber fteßenb, bereu größten unb wid|* tigften ©ßeil au#macßen unb fid) am jafjlreicßften in ber Vßanbung be# Vlinbfatf# üorfinben. ©iefe ©rüfen, jwifeßen benen fid) aueß Sßmpßbrüfen unb $ollifel üorfinben, finb cl)linbrifd)e Sd)läud)e, bie in ber Sdjleimßaut entweber unge- tßeilt »erlaufen ober fid) üeräfteln (f. $ig. 99), in beiben fällen aber (innen) meift folbig enben; ßat eine fold)e ©rüfemeßrere Verzweigungen, fo üereinigen fid) biefelben in ber Piäße ber Sd)leimßautoberfläd)e ju einem gemeinfamen, trid)terförmigen 91u#= füßrung#gang, wie foldjen and) bie einfaeßen Sabbrüfen ßaben. ©ie 3(b* fonberung be# SOlagenfafte# in ben Vabbrüfen gefeßießt (wie in allen ©rüfen) burd) Slbfonberung üon Bc^cn/ üon weld)en man jwei Wen finbet: bie Heineren „§auptje(len" unb bie größeren, fernßaltigen „Öab- Fiff. 97. £<i3 Sintere be§ OTacjenä urb nitnrenjenber SBerbauung8= orgatte. a) ©peifcrotjre, b) SKag'cnntunb ober äarbia, c) SDiaflengrunb ober ®linbfact, d) Pförtner ober SPi;loru8, e) Bioölffüigerbarm, f) ©ütntünbttng ber ffiautfiipetcbelbriife unb be8 6aaenOanfle§, g) Ueber0an9 in bett Sünnbartn. Fig. 98. (sinfarfje fcfilauctjartiae 2)rüic bcr OTaflenfdjlcini» Ijaut. 187 gellen". Aeufierlid) finb bie Sabbrüfen von umfpennen. ©ie d)emifd)en 23eftanbtl)eile beS (Secrets bet Sabbrüfen, beS SO?agenfaftS, finb Sßaffer, (Salje, freie (Saljfäure unb $wei Fermente. ©aS eine ber* feiben Ijeifst Sabferment nnb ift ein 9D?iIcf) coagulirenber Körper, b. p. eS macht bie W?ilct) int SJZagen gerinnen, baSanbere nennt man Sftagenfennent ober unb verwanbelt biefeS Ferment (f. 'S. 32) (Siroeifstörper unb leimgebenbe (Gewebe in fog. um, in leidjt ju kiweip* mobificationen. ©ie Umwanblnng vollzieht fidj aber nur, unb gwar unter Aufquellung ber kiweifcförper, bei einer genriffett Temperatur (Körper* temperatur) unb in faurer Söfung. ©ie kentralorgane ber AbfonberungS* nerven biefer ©rufen liegen, wie bie ber Bewegungsnerven beS 9J?agenS, in ber SDlagenwanb. Bon pier aus gept ber 9?eij aus, welcher bie Abfonbernng veranlagt. ©iefer 9?eij/ ber waprfdjeinlid) immer bnrd) 9?eflepe per* vorgerufen wirb, fann ein medjanifdjer (parte, fefte 9?aprungSmittel), ein cpemifcper (ktewüqe, Alco* pol) ober ein tpermifcper (falteS SBaffer) fein. ks fann aber and) vom cerebro*fpinalen 9?ervenfpftem aus eine Steigung biefer AbfonberungSorgane ftatt* finben. SJlan fjat 5. 23. an £>nnben, bereu äRagen* wanb man fünftlicp burdjboprte („SRagenfiftel"), unb bie man hungern lief;, beobachtet, bafj fdjon beim Anblid non 9?aprung reidjlidje Abfonbernng von äJZagenfaft eintrat. Bei leerem beS tagens ift bie Abfonbernng unterbrochen; bie $u* fammengefdjrumpfte (runzelige) 3}?agenwanb ift blaftrötfjlid) nnb nur mit (Sdjleim überzogen. $im bet nun eine Oieijung ber AbfonberungSneroen ber Sabbrüfen ftatt, fo wirb bie (Sdjleimljaut in $olge 23luterguffeS in bie kapillaren tjodjrotl) unb beräJiagenfaft fommt tropfen= weife aus ber SJlagenwanbung hervor. ©nrd) ben Pförtner gelangt man in ben © ünnbar m. ©erfelbeift bas widjtigfte 23erbanungSorgan, infofern fidj in ihm nid;t nur ein Theil beS medjanifdjen unb djemifdjen 23erbauungSacteS, fonbernaudjbie Auffam gnngbeS aus ber verbauten Nahrung jubereiteten «SpeifefafteS (khpluß) vollzieht, ©er ©ünnbarm, beffen Sänge jwifdjen 12 unb 20 $uf? fdjwantt, verfällt in brei ©he^e/ be*1 an ben SJZagen angrenjenben ben Seerbarm unb ben mit bem ©iefbarm jufammenhängenben Ärummbarm. ©er ober baS ©uobenum hat eine Sänge von 6 bis 12 3oll; man gab biefelbe früher allgemein als 12 ©aumen breit an, woher biefer ©heü beS ©ünnbarmS feinen tarnen h&t ße ift w bie hintere Fig. 99. ©ine (jufaminengcfeCtc) Sob= brüfe mit bem gemeinfamcn 2luSfübrung§gang (i)unbmcii= reren, SabjeUcn (2) ent!ja.ltcii= ben ©cbläudjen. 188 Vaüdjwanb feft angeljeftet, unb jwei ©rüfen, bie Seber unb bie Vaud)* fpeicfjelbrüfe, ergieften in il)n an einer gemeinfd)aftlid)en SinmünbungS* [teile il)re für bie Verbauung wichtigen Secrete: bie ©alle unb ben Vaud)* fpeidjel. ©a aber bie ©allenprobuction in ber Seber eine fortwäftrenbe ift, bie VerbauungStftätigfeit refp. bie SIbgabe von ©alle an ben ©arm je* bod) in 3wifd)enräumen erfolgt, fo finben wir aufter ber Seber unb ber Vaudjfpeidjelbrüfe neben bem nod) ein „9?efervoir", in Weldjem bie jeweilig überfdjüffige ©alle aufbewaljrt wirb; es ift bieS bie ©allenblafe. Sin ben weldjer von oben(vom V?agen)I)erab* tommt unb fid) babei nadj lints um ben Bopf ber Vaudjfpeidjelbrüfe biegt, fdjlieften fid) Seer* unb Brummbarm an. ©iefelben geljen oljne beftimmte ©renje in einanber über unb bilben ein allenthalben gleich weites 9toljr, baS in Söinbungen, fogen. ©armfdjlingen, in ber Vaud)l)öl)le liegt, ©iefe VJinbungen finb burd) eine grofte $alte beS Vaud)fellS, baS ©ünnbarmge* träfe, weldjeS von ber Hinteren Vaudpvanb auSgept unb fid) an ben ©arm ber ganzen Sänge nadj anlegt, bis ju einem gewiffen ©rabe in iftrer Sage befeftigt unb vor Verfd)iebungen inbeffen finb Seer* unb Brumm* barm trofj biefer Verbinbung mit ber Vaudpvanb nod) feftr beweglich, fo baft es mitunter burd) Sageveränberung biefer ©ünnbarmtljeile $u red)t ge* fäftrlidjen Branffteiten tommt (j. V. eingetlemmte Vrüdje unb ©armverfdjlingung). Sin feinem nute* ren Gnbe, b. 1j. ber UebergangSftelle in ben ©icf* barm, befinbet fid) eine flappenförmige {yalte, bie fogen. Vauftini'fd)e Blappe, burd) bereu ©djliefjen ein Dti'uftreten beS ©arminl)altS aus bem ©id* in ben ©ünnbarm verl)inbert wirb, ©ie SBanb beS ©ünnbarmS ift äljnlid) wie bie beS TlagenS aus brei ®d)id)ten ©ie äuperfte wirb vom S3aud)fell gebilbet, bie £OHttelfd)id)t beftel)t aus einer längs unb einer ringförmig angeorbneten ®d)id)t glatter SJZuStelfafern, unb bie innerfte ift eine brüfen* unb gefäftreidje ®d)leiml)aut, weldje von einem ßl)linberäelt*©berl)äutd)en bebectt wirb. Sin ©rufen ber ®d)leiml)aut unter* fdjeibet man Brunner'fd)e unb SieberfüZn'fdje ©riifen, Raufen unb gewöl)nlid)e Spmppbrüfen unb an ©efäfjen S3lut* unb ©peifefaft* gefäfje. ©ieS3runner,fdjen©rüfen (f. [yig. 100) finb traubenförmige ©rüfen, Weldje nur im ©uobenum vorfommen unb eine alfalifdje abfon* beim, von bereu 33ebeutung man nur weift, baft [ie feine grofte fein fann. ©ie widjtigften ©rüfen in ber ©ünnbarmfdjleimftaut finb vielmehr bie Siebertül)n'fd)en ©riifen, einfadje ftf)lautf)artige Vertiefungen, bie ben fd)laud)förmigen SJJagenbrüfen äftneln. Oftre 3nnenfläd)e ift mit gleichen ©plinberjellen wie bie ©berflädje ber <Sd)leimftant bebedt. ©iefe ©rüfen, Fig. 100. Sine SBnntner'fdje Srüfe. 189 bie fiel) aud) im ©iefbarm Dorfinben, fonbern eine fd)leimige, alfalifdje $lüffigfeit ab, ben ©armfaft. ©ie d)emifd)en Beftanbtheile biefeS Secrets finb noch nidjt ermittelt. ©ie Raufen ober Plaques fommen mir im unterften Jljeile beS ftrummbarmS Dor; eS finb Anhäufungen Don bereu Bau tljeilweife nod) nid)t erforfept ift. Aufeer biefen ©rüfen finben wir an ber ©ünnbarmfd)leiml)aut fog. „Bedjerjellen", b. h- Winjige £wl)lräume jwifdjen ben Eqlinberjellen, weld)e an ber ©armfaftabfonbe- rung beteiligt finb, unb fleine Erhebungen, weldje „©armjotten" genannt werben (f. ftig. 101). Seh- tere enthalten bie Anfänge ber EhtyluSgefäße, burd) Weldje bie IDMjrjahl ber im ©arme aufgenomme- neu fylüffigteiten reforbirt, b. lj- ta baS Blut aufgefogen wirb. 3m Innern ber Rotten, finben wir einen ober and) jwei centrale 9?äume, weldje Don glatten W?uSf eifafern unb BlutcapiHaren um- geben finb, unb biefe §ol)lräume finb bie lebten Ausläufer ber Aad) außen hin wirb bie B?uSfelfd)id)t Don einer Sage {entrecht ftehenber mit Derbicftem Dtanbfaum bebedt, weldje ber Sänge nad) Don '■ßorencanäldfen burdßogen werben (f. $ig. 102). Sefctere gehen in feine 9iöl)ren über, weldjc in ber 9AuSfelfd)id)t unb jwifdjen ben Blutcapib- laren ein enges bilben, unb bie Ausläu- fer biefeS münben fd)ließ(id) in ben centra- len §ol)lraum ber 3otte, ber an ber Stelle, wo bie er £cwmfd)leimhaut 311 einem wahren EljhluSgefäß wirb. 3n ben Rotten wie in ber ®armfd)leimhaut finben wir and) 91erDenfa- fern. T)iefe, bie ©armjotten unb ben ganzen ©arm ju Bewegungen Deranlaffenben fyafern ftammen entweber Don ©anglien ab, weldfe in ber ©armwanb eingebettet finb, ober Dom Sßm- patljicuS. ©ie Seb er (f. gig. 103) ift bie größte ©riife unfereS Körpers; fie ift 4-6 'ißfunb fdjwer, Don rothbrauner Färbung unb berbem ©efiige. Sie liegt in ber rechten Seite ber Baudjhöhle, erftretft fid) oben nad) linfs bis über bie W?ittellinie beS BaudjeS; mit ihrer oberen, gewölbten $läd)e fdjmiegt fie fid) an bie Unterfläd)e beS 3werd)fells an unb mit ihrer mehr ebenen, Fig. 101. ©armjottcn. Fig. 102. S5armüottc. a) CSt)HrtberäeII= fcf)id)t, b) SBlutcaviHaren, c) ®?u§telfafem, d) centraler §ot)lraum. 190 unteren yrlädje berührt refp. verbeut fie (f. gig. 96) einen Xgeil beS WZagenS unb (SfrimmbarmS, ben .ßwölffingerbarm unb bie rechte 9Ziere. Sleußerlid) ift bie Seber wie alle Organe ber Baud)höhle vom Bauchfell überzogen, weldjeS beim Uebergang von ber Seberoberfläd)e auf benachbarte Organe, inbem es galten fcfjlägt ober fid) Verboppelt, bie Bänber bilbet, burd) meldje bie Seber in ihrer Sage erhalten Wirb. Unter bem Bauchfell unb mit biefem eng verbunben finben wir ben eigene liehen Ueberjug ber Seber. ift eine faferige, an verfd)ie> benen ©teilen ber Se= ber verfdjieben biete SOZembran, weldje an ber „Ouerfurdje" als eine 3lrt ©d)id)t für bie bort in bie Seber ein- refp. auStretenben Blutgefäße, Nerven unb vereinigten ©allengänge in bie Seberfubftanj einbringt. Oiefe ©teile ber Ouerfurdje, wo alfo bie (Gefäße, u. f. w. auS'unb einmünben, heißt bie Seberpforte, unb von il)r hat bie hier widjtigfte Slber, bie ''ßforb aber, ihren tarnen. Slußer ber Ouerfurdje finben wir an ber unteren glädje nod) jwei weitere gurdjen, bie mit ber erftgenannten gurdje ein (lateinifdjeS) H bilben. Ourd) biefe brei gurdjen verfällt bie untere unb nad) hinten gewenbete Seberflädje in vier Slbtheilum gen ober Sappen. 9Zadj außen von ben beiben ©eitenfurdjen liegt je ber rechte (bei weitem größere) unb ber linfe (Heinere) Seberlappen; jwifdjen ben beiben SängSfurdjen finben wir vor ber Ouerfnrdje (nad) ber 33aud)be(fe 311) ben „viereefigen" unb hinter ber Ouerfurdje (nad) bem 9tütfen ju) ben „©piegeffdjen" Seberlappen (f. gig. 104). 3m vorberen 2lbfd)nitt ber redjten SängSfurdje liegt bie ©allenblafe. Oie Blutgefäße, welche in bie Seber eintreten, finb bie Seberarterie, weld)e aus ber großen, gemeinfd)aftlid)en ber Slorta, entfpringt, unb bie (f. ©. 158), welche aus ber Fig. 103. Obere (borbere) gtäcfje ber fieber, a) 3tetf)ter, b) Unter ßeberlapben, c) Slufbänflebanb, d) runbe§ SBanb, e) ®urdjfdjnitt burcf) bie £>oljlbene, f) OaUenblafe. Fig. 104. SBorberfeitc, Stcdjte Seite, 9?ccf)tcr Seberiappen. SBierectiger Seberlappen. Sinfe Seite, Sinter ßeberlnppen. ©pteflel'fcber fieber lappen. Scfjema ber gutcfiung an bet untc= ren (Hinteren) Släcfje ber Seber. SRücTfeite bc3 Körpers. 191 Bereinigung bet, aus gewiffen BerbauungSorganen (OTits, Baud)fpeid)eH brüfe unb ®armcanal) Ijeroortretenben Blutcapillaren entfielt. ®ie Ve= berarterie bient ber (Srnäljrung ber ßeber; fie löft fid) in legerer in ein feines §aargefäßnep auf, burdj beffen BJänbe aus bem arteriellen Blute biefer Aber (krnäljrungSflüffigfeit unb ©auerftoff abgegeben werben. T)ie Bfortaber füljrt bagegen ber ßeber D e n ö f e S -Blut ju, baS fie aus bem (Supillarnefc ber oben genannten BerbauungSorgane gefummelt ljat. ©iefe Blutaber ift befanntlid) baS einzige -Blutgefäß im Körper, baS jtoei* mal mit einem in Berbinbung fteljt. Berfolgen wir alfo nun nodjmals ben Berlauf ber Bfortaber, nad)bem fie fid) aus bem (kapil* ber SOlilj, ber Baud)fpeid)elbrüfe unb beS £)armcanals gebilbet Ijat, fo feljen wir fie als einen fleinfingerbiden ©efäßftamm fid) nad) red)tS unb aufwärts nad) ber Seber biegen unb nad) nur turpem Berlauf in biefe eintreten Oig.8T). 3n ber ßeber löft fie fid) wieber in (kapillaren auf, weldje fid) mit ben aus ber Ce- berarterie per- Dorgegangenen £jaargefäfcBer* Neigungen ju einem gemeinfa* men Haargefäß- nefj verbinben. ßeptereS fteljt wieber in Berbinbung mit ben feinften Ausläufern ber ab* füßrenben ®efäße ber ßeber, ber Veberuenen. £)iefeS anfdjeinenbe Tmrd)* einanbcr feinftcr Blutgefäße geigt aber eine beftimmte Crbnung. ©ie ßeberfubftanj verfällt in Heine fugeiige „ßeberläppdjen", weldje auf einem faft freiSrunbe geigen (f. $ig. 105). 3ebeS foldjeS Seberläppdjen wirb Don Aeftdjen ber Veberarterie unb urnfpom neu, weldje bann in baS innere beS £äppd)enS einbringen unb babei ana* ftomofiren, b. I). baS gemeinfame bilben. Bitten burd) baS Seberläppdjen verläuft aber je ein ßeberoenenaft, ber Don innen nad) außen ju Bweige abfenbet, welche mit ben (kapillaren ber Seberarterie unb ber 'ißfortaber in Berbinbung treten; ledere, weldje Don außen nad) innen Fig. 105. 2c6erläöVcf)en im ®urd)fd)iiitt. 1) Scbcrbcnenaft mit feinen SSerswetgunoeii (2) unb tßfortabe» unb Seberartericnäftdjen (3). 192 verlaufen, ergießen fo iljr venefe® Blut in ben £ebervenenaft, weldier e® Wegfüljrt. Sie Vebervenenäfte vereinigen [idj nad) unb nad) $u bi deren ©efäßen, ben eigentlichen Sebervenen, weldje tljeil® buraj jaljlreidje Heinere, tljeil® burd) zwei ober brei [tariere (Stämme iljr Blut in bie untere §ol)l* aber ergießen. Sßir haben alfo in ber ?eber refp. bereu ©efäßen breierlei Blut zu unterfdjeiben, ba® arterielle ber Veberarterie unb zwei venöfe Blut« arten; eine® berfelben tritt burd) bie in bie Seber ein, unb ba® anbere, ba® au® bem früher arteriellen, jept venö® geworbenen Blut ber Sebcrarterie (unb au® bem urfprünglid) venöfen 4ölut ber ent« [tauben ift, ergießt [idj burd) bie Vebervenen au® ber £eber in bie untere .'poljlaber. ßn bem feinen 9telj ber vergebenen kapillarfpfteme, Welche® wir in jebem ßeberläppdjen gleichartig vorfinben, [inb fleinfte £)ol)lräume, weldje von ben „Veberjellen" ([. Sig. 106) au®gefüllt werben. k® [inb bie® runblidje ober ovale gellen mit ober ohne Äern, weldje unb meift and) nodj Settfügeldjen enthalten. Siefe gellen [teljen iljrerfeit® mit weiteren [einften ©efäßen in Berbinbung, weldje jwü [djen ben Blutgefäßen verlaufen unb bie kapillaren ber ©allengefäße [inb. Sie £eber[ub[tanj befteljt bemnad) au® Ceberjellen, Blutgefäßen unb ®allencanäldjen, unb zwar bilben bie beiben letztgenannten Beftanbtljeile innerhalb eine® [eben ßeberläppdjenö brei verfdjiebene kapillarnepe: erftenö ba® gemein)ame ber unb ber Veberarte« rie, ba® ber „Vebervenen" unb britten® ba® ber ©allencanäldjen, weldje [idj am Dtanbe jebe® Veberläppdjen® [ammeln unb [djließlidj jum Vebergallengang vereinigen. Sie Aufgabe ber ßeber ift aber, jene, „©alle" genannte Slüffigfeit zu be« reiten, weldje, wie wir [päter nodj [eljen werben, für bie Berbauung be® gette® von großer B>idjtigfeit ift. ®ie[e® Secret ber Veber wirb nidjt, wie bei anberen prüfen, au® arteriellem, [onbern au® venöfem Blut (ber Bfortaber) gebilbet, unb baburdj erfüllt bie Seber gleichzeitig ben 3wed ber Blutreinigung. Sa® Bfortaberblut wirb in ber Seber feiner [djledjten Subftanzen beraubt, unb au® biefen vor allen Singen ©alle gebilbet. $u- gleidj entfteljt audj nodj ein anberer organifdjer Körper, ba® ©lijcogen, weldje® [päter in umgewanbelt unb al® [oldjer an ba® Blut, bem [eine Biibung®[ub[tansen entflammen, jurüdgegeben wirb. Sie Blut- reinigung in ber ßeber ift aber feljr waljrfdjeinlidj nodj mit einem britten, ßödjft wichtigen verbunben. SBir wiffen, baß in ber Seber be® un- geborenen SDlenfdjen bie [arblofen Bluttörperdjen, weldje von ber ÜJHlj nad) ber Seber gebracht würben, gefärbt werben. Semnadj [djeint bie £eber unb zwar nidjt nur im kntwidlung®ftabium be® menfdjlidjen Cr- gani®mu®', [onbern and) im erwadjfenen 3)i'enfdjen eine Brutftätte ber Fig. 106. fieberjcUen. 193 rotljen Vlutförpercpen 311 fein. 2luS bcr Vielfeitigfcit ber Functionen, meldje bie Heber ju erfüllen pat, gefjt aber peroor, bafj Störungen in ber Hebertpätigfeit, refp. in bem Vfortaberblutlanf, meldjer bie Heber mit bem ©egenftanb iljrer Tpätigfeit Derforgt, fernere Folgen nadj fidj jicpen. ?luf foldje Störungen finb V. bie Vierem unb UnterleibSfranfpeiten jurütfjufüpren. Tie ©allenblafe pat bie ©eftalt einer Virne unb liegt an ber unteren Fiödje beS recpten Heberlappens (f. Fig- 96, k)- IVian unter- fdjeibet an iljr ben am tiefften liegenben Tpeil, ber mitunter über ben Dorberen Heberranb peroorragt, als „®runb", ben mittleren STpeil als „Körper" unb ben meljr gefdjlängelten Tljcil, ber im ©allenblafengang enbigt, als „£jalS". mirb bie ©allenblafe Dom Vaudjfell über* jogen unb innen ift fie mit Sdjleimpaut auSgetleibet. 3n ipv wirb bie ©alle, meldje in ber Heber bünnflüffig ift, eingebicft, unb fommt eS babei mandjmal ju (franfpaftcn) 9tieberfdjlägen, bie jur Vilbung Don „©allen* fteinen" Veranlaffung geben. - Tie ©alle felbft ift aus jmei organifdjen Säuren (©lijcodjolfäure unb Taurodjolfäure, f. S. 29), Diel SBaffer, einem Sucferbilbenben Foment, brei ©allenfarbftoffen (Vilirubin, ViliDcrbin unb VilifuScin), unb (Spolefterin (f. S. 25, 2. Slum.) jufammengefept. Ter ©efdjmacf bcr ©alle ift ein intcnfiü bitterer, unb ipre Forbe gelb, grün, braun ober fdjmaqbraun; gelbe ©alle färbt fidj an ber Huft grün, Weil ber rotljgelbe Fwbftoff (Vilirubin) burdj b. i. burdj Ver* binbung mit bem Sauerftoff bcr atmofppärifdjen Huft, in ben grünen Farbftoff (Vilioerbin) übergept. - Tie Verbinbung ber Heber mit bem Tuobenutn refp. ber ©allenblafe mirb burd) „©allengänge" Ijergeftellt. Ter eine berfelben, ber „©alienblafengang", meldjer Don ber ©allenblafe nad) bem 3'oölffingerbarm $u füljrt, Dereinigt fid), etje er an ben Tarnt peram tritt, mit bem anbcren, bem, „Cebergang" genannten ©allenauSfüprungS= gang ber £eber, unb jmar $u bem „gemeinfd)aftlid)en ©allengang", meldjer fdjliefjlidj mit bem 3lnSfüljrungSgang ber 53audjfpeidjclbrüfe sufammen in ben 3mölffingerbarm einmünbet (f. Fig 96,1 unb F'ig- 97, f). Tie ©alle tann alfo Don ber Heber aus birect in baS Tuobenum entleert merben, unb Smar burdj ben Heber- unb ben gemeinfdjaftlidjen ©allengang, ober inbircct. dou ber ©allenblafe aus burdj ben ©altenblafengang unb ben gemeinfdjaft- lidjen ©allengang. 2luS ber Heber in bie ©allenblafe gelangt bie ©alle aber burdj ben Heber= unb ben ©alienblafengang, in meldjen fie in biefem Falle einftrömt. SBerftopfung refp. Verengerung ber ©allenmege, moburdj ber 9lbflujj ber ©alle geljinbert mirb, fönnen in Folge Don Stauungen in ber Heber ober Don ßatarrljen (Slnfdjmellungen ber Sdjleimljaut beS tagens, beS unb ber ©allenblafe unb ©allenmege) eim treten unb rufen „©elbfudjt" Ijeroor. Tie (Satarrlje treten in ber ©allen= 194 blafe unb ben ©allenwegen aber nie felbftftänbig auf, fonbern Werben burdj ;?lnfd)Wellungen ber Wiagenfd)leiml)aut, Weldje fid) auf baS ©uobenum fortpflanjen, ober burdj (Satarrtje veranlagt, weldje im 3'wölffingerbarm felbft entfielen. ©ie 33 a rt d) f p e i d) e l b r ü f e ober baS ift eine etwa 6 $oll lange, platte ©rufe, weldje wie bie Speidjelbrüfen aus traubenförmigen Väppdjen jufammengefept ift. Sie erftredt fid) ljinter bem SDlagen läng« ber pinteren 33aud)Wanb von ber IDZilj 311m ?ln ber 'JJlifj liegt ipr fdjmälereS (5nbe, weldjeS im©egenfap3u bem „Stopfe", bem ftärteren Gnbe am ber „Sdjwanj" ber ©riife genannt Wirb. ©urd) bie ©rufe verläuft vom Sdjwanj bis jum Stopfe ein ßanal, in weldjen bie traubenförmigen Säppdjen münben unb iljr Secret ergießen. ©icfeS ßödjft widjtige Secret ift wie bie beiben anberen 33erbauungS» fliiffigf eiten beS ©ünnbarmS (©armfaft unb ©alle) alfalifcf), unb beftept pauptfädjlid) aus brei Fermenten, Von benen eines $ette jerfeptunb emuU fionirt, baS anbere Starte in £uder umwanbelt unb baS britte (Siweifc torper unb leimgebenbe Subftanjen löft; ju festerem 'ißroceß bebarf ber 33aud)fpeid)el nidjt ber SDtitljilfe einer freien Säure, weldje betanntlidj ber 9J?agenfaft braudjt, um (Siweißförper ju löfen, b. i. in 311 verwarn befn. ©ie ?lbfonberung beS 33audjfpeicßelS finbet nur wäljrenb ber 33er» baitung ftatt, wobei bie Säppdjen benvon ipnen abgefonberten 33audj* fpeidjel in jenen ®ang ergießen, ber fid) burd) bie ganje Sänge ber 32)rüfe ljinjieljt. ©iefer ©ang vereinigt fid) außerhalb ber ©rufe mit bem ge» meinfd)aftlid)en ©aliengang unb münbet bann mit biefem jugleid) in ben Bwölffingerbarm (f. $ig. 97). ?ln ben ©iinnbarm fdjtießt fid) ber © i cf b a r m an (f. fyig. 96, n-v). ©ie ©renje jwifeßen beiben wirb burd) bie fdjon oben erwähnte 33aut)in© fdje Ä'tappe bejeidjnet; leptere verßinbert, baß aus bem ©iefbarm Speife- refte in ben ©ünnbarm juriidtreten. ©er ©idbarm verfällt in brei £l)eile, ben 33linb=, ©rimm- unb SWaftbarm. ©er 33linbbarm, welcher mit bem jufammenftößt, Ijat unterhalb ber (JinmünbungSftelle bes lepteren einen bünnen, ßoßlen weiter von feiner ©eftalt ben tarnen Sßurmfortfap erßalten ßat. gefte Körper (3. 33. ©bftterne), welcpe wir verfd)luden, fepen fid) mitunter in ber £>öl)le beS feft, woburd) beffen 3Öanb burd)boßrt unb 33aud)fellent3imbung veranlaßt werben tann. ©er ©rimmbarm winbet fid) um Seer* unb inbem er juerft nad) oben, bann quer über bie „©armfd)lingen" unb fd)ließ= lid) wieber [teil abwärts gel)t. 2ln feinem unteren (Snbe verbinbet er fid) burd) eine Sförmige Krümmung mit bem 3)iaftbarm. ©iefer, baS lepte Stüd ber 33erbauungSröl)re, verläuft bann jum Elfter, ber burd) einen 2)htSlel von ringförmig gelagerten, quergeftreiften UJiuStelfafern Will» 195 türfid) gefdjloffen werben fann. ©er ©idbarm befteljt wie ber ©ünnbarm aus brei ©d)id)ten, bereu äußerfte Vom Vaud)fell gebilbet wirb unb in Vaudjfellfalten übergeljt; bie 3Jlittelfd)id)t finb glatte SJluStelfafern (aus* genommen am Elfter, f. oben), unb bie 3nnenfd)id)t ift eine ©djleimßaut, in weldjer fid) neben gollifeln ßieberfüljn'fdje ©rüfen vorfinben. Slnbere ©rüfen unb bie ©armjotten fehlen. ©ie Vlutgefäße beS DJlaftbarmS füßren ben Dlamen weSljalb Erweiterungen biefer ilbern, weldje fid) in $olge von einftellen, £)ämorrf)oi* ben ober genannt werben. ©ie innere ftlädje ber -Söaudjljötyle unb alle in leßterer liegenben Or* gane finb mit einem meljr ober minber vollftänbigen verfeßen, ber fid) ftellenweife and) Organe fdjiebt unb „Dleße" barftellt, ober Organe an bie Vaucßwanb burd) „Etefröfe" ßeftet ober „Vänber" bilbet. ©iefer baS V a u d) f e 11, ift wie baS Vruftfeil ein feröfer ©ad, ber eine geringe SDlenge „Vaud)fe(lflüffigfeit" entßält; letztere, Weldfe burd) feinfte Oeffnungen im Vaud)fell mit ben ©augabern in Verbinbung fteßt, wirb barum als ßßmpße angefeßen. ©ie „Dleße" bilbet baS Vaud)fell, in* bem es eine Verlängerung jwifdjen Organe fdjiebt unb fo als ein bünner Vorßang auf einem Oßeil ber Organe liegt. DJlan unterfdjeibet ein „großes" 9leß, baS fid) vom unteren Dtanbe beS DJlagenS unb von bem quer burd) bie Vaucßßößle verlaufenben Oßeile beS ©rimmbarmS über bie anberen ©arme bis in baS Veden unb ein „tleineS" Dlefc, baS von bem oberen Glaube beS klagens nad) ber unteren fflädje ber Seber geßt. „Gtefröfe" unb „Vänber" entfielen bagegen burd) Verboppelungen beS Vaud)fellüber* ber Organe. Erftere verbinben bie ©arme (nut SluSnaßme beS 3wölffingerbarmS) mit ber ßinteren Vaudjwanb unb (entere gießen fid) von einem Organ ju einem anberen, beibe in iljrer gegenfeitigen Öage fidjernb. ©aS Vaucßfell, baS fid) übrigens leid)t (UnterleibSentjünbung) ober and) größere Dftengcn VDaffer in feiner £wßle aufnimmt (Vamßwaffer* fud)t) bietet alfo nid)t nur einen Ueberjug für bie Oberflädje ber Vaud)* l)öl)le unb ber in legerer liegenben Organe; eS befeftigt and) biefe Organe unter einanber unb an ber Vaudjwanb, oßne ißnen eine gewiffe Veweg* Iid)feit ju nehmen, bie es nod) burd) feine, Reibungen jwifdfen ben Orga* neu verljinbernbe (Sd)lüpfrigfeit unterftüfct. ©teilt man fid) bie Vaud)* l)öl)le als ein Rimmer bar, fo ift baS Vaud)fell bie Oapete, weld)e von ben SBänben fowofyl auf ©ede unb $ußboben, als and) auf bie Tlöbel übergeljt unb ferner jwifdjen bie lederen nod) Verlängerungen fd)iebt, bie bann 3Wifd)en ben betr. Döbeln (Organen) einen gemeinfamen brüten, nid)t feft aufliegenben £apeten*(Vaud)fell*)übei3ug bilben. ©ie med)anifd)e Verbauung beginnt fofort, nad)bem wir Sprung in ben DJlunb aufgenommen ljaben. ©er „Viffen" wirb jertaut, 196 inbem bie (vom 5. innervirten) ben Unter' tiefer aus feiner verfcßieben unb gegen ben ©berfiefer brücfen. ®leid)jeitig mit ber Verfeinerung beS BiffenS wirb biefer burcf) ben Spei* d)el eingeweidjt unb fdjlüpfrig gemadjt, unb bamit nimmt and) bie djemi* f d) e Berbauung ihren Anfang, inbem baS beS Speichels auf bie in bem Biffen enthaltene Störte einwirft, b. I). fie in ©ejtrin refp. 311 verwanbeln beginnt. Tiefer djemifdje Broceß bauert auf bem £ßege nad) bem Magen, im Sdjlunb, fort. Vn biefen gelangt ber Biffen burd) Schlurfen, b. I). burd) Schlingbewegungen, bereu nervöfeS Zentrum im verlängerten Mart liegt. Solche Bewegungen, bei bencu bie ßhoanen (hinteren Dlafenöffnungen) burd) Anlegen bes ©aumenfegels an bie hintere SRachenwanb, unb bie Stimmripe (©effnung bes $et)lfopfs refp. ber Vuftröhre) burd) Tiieberbrürfen beS $el)lberfels feitenS ber Vunge ge* fd)loffen werben, tonnen wir aber nur machen, wenn etwas hinter ben weidjen ®aumen gelangt, ©urd) bie Speiferöhre, an bereu oberem @nbe wir burd) Vnfammenjiehung ringförmig liegenber (quergeftreifter) MuSfeln bie BJeiterbeförberung von Speifen in ben Sdjlunb hinab ein* leiten, gelangt ber Biffen burd) ben Magenmunb in ben Magen. §ier bauert bie Umwanblung von Störte in Vucfer fort unb gleichzeitig beginnt unter (Sinwirfung beS fauren MagenfafteS, ber beim (Eintreten von Speife in ben Magen aus beffen SÖanb tropfenweife bie Umwanb* lung ber ßiweißförper in «»Peptone; bie (Siweißförper (einfdjließlid) ber leimgebenben ®ewebe) quellen babei auf unb werben berart veränbert, baß fie fpäter aufgefogen werben fönnen. ©aS Ferment, welches bie Repton* bilbung im Magen veranlaßt, ift aber betanntlid) baS beS Magen* fafteS. ©aSfelbe bebarf im ©egenfap $u ben, (Siweiß in um* wanbelnben Fermenten beS TarmfafteS unb ber Baudjfpcidjelbrüfe ju feiner BMrtfamfeit ber Beihilfe einer freien Säure. ©aS jweite Ferment beS SQZagenfafteS, baS Öabferment, macht fid) geltenb, wenn wir 9)?ild) genießen. Xaffelbe läßt ben ber 3)?ild), baS dafei'n, in ftlocfen unb Ballen gerinnen, weld)e lederen wie bie übrigen (Siweißftoffe unter ßinwirfung beS «ipepfinö bann in BePt°ne umgewanbelt werben, lieber bie Bewegungen, welche ber Sftagen wäljrettb ber Berbauung mad)t, finb wir nicht genau unterrichtet. 2ßir wiffen nicht, ob unb welche Be* wegungen ftattfinben, bamit ber Mageninhalt burd)fnetet wirb, unb alle feine Theile mit ber Magenwanb refp. bem Magenfaft in Berührung treten. So viel fteht aber feft, baß ber Magen, ber bei ber Berbauung um feinen Inhalt wahrfcßeinlid) feft jufammengejogen ift, nad) Beenbigung ber Berbauung in (reflectorifcße) Bewegungen gerät!), bie Wellen* ober wurmförmig verlaufen, inbem ein Tßcil ber Magenwanbung nad) bem anberen fid) jufammenjieht unb bann wieber erfcßlafft. ©urd) biefe „peri* 197 ftaltifdjen" Bewegungen wirb ber Wcagenin()a(t burd) bert Pförtner, bet wie ber SRagenmunb bei bet Berbauung gefdjloffen ift, in ben ©ünnbarm unb jwar üorgefdjoben. ©aS SRefultat ber SRagenüerbauung, baS bem übergeben Wirb, ift ber Speifebrei oberGppmuS. Gr entpält alle Beftanbtpeile ber Diaprung, weldje nidjt etwa, wie SBaffer, Sllcopol, n. a. m., fdjon ganj ober tljeilweife bon ben ©efäfjen ber Blagen* wanb anfgefogen worben finb, opne einer Umwanblung unterworfen worben ju fein. 3ni ©ünnbarm bolljiept fid) nun ber widjtigfte ©peil beS djemi* fdjen BerbauungSproceffeS, benn ber Speifebrei, wie er aus bem Blagen in ben ©arm gelangt, ift jwar medjanifd) jur Bollenbung ber Berbauung borbereitet, aber in djemifdjer nod) unverbaut. ©ie medjanifdje Berbauung im ©ünnbarm ift gleid) 91ull; nur bieperiftaltifdjenBeWegun* gen, Weldje ber ©ünnbarm bepnfs BJeiterbeförberung ber nod) nidjt ber* bauten ober unverbauten Speifen nad) bem ©icfbarm ju madjt, finbmedja* nifdje BerbauungSacte. ©agegen ift, wie gefagt, bie djemifdje Berbauung in biefem ©peil ber BerbauungSröpre bie Widjtigfte. §ier, im ©ünnbarm, wirb bie Umwanblung ber Starte in ©raubenjucfer (bnrcp ben Baudj* fpeidjel) bollenbet. ferner werben unter Ginwirfung bon Baudjfpeidjel nnb ©armfaft bie Giweifjtörper (aber opne Blitpülfe einer Säure nnb opne borperigeS 2lufque(Ien) ju Leptonen gelöft, foweit baS nod) nidjt ber $all war, unb alle Peptone werben fcpliefjlid) nod) weiter jerlegt, biö fie auffaugungSfäpig finb. Sdjliefjlid) wirb and) bie Berbauung beS fettes, bie im Blagen, aber nur mecpanifdj burd) glüffigmadjen beS fettes, vor* bereitet worben war, burd) ben 4öaud)fpeitfjel unb bie ©alle vollzogen; babei werben bie B'ette entweber in feinfte ©röpftpen, b. p. eine manbel* miltpäpnlidje $lüffigfeit (Gmulfion) umgewanbelt, als weldje fie bon ben ©armjotten anfgefogen werben tonnen, ober fie werben in ©Ipcerin unb in gettfäuren jerlegt (f. S. 25), weid)' leptere fidj bann mit ben freien Sllfalien ber ©ünnbarm*23erbauungSfäfte ju Seifen berbinben. Seifen finb aber betanntlid) in SBaffer löSlid) unb tonnen beSpalb and) im ©ünnbarm reforbirt werben, ©er 9?eft ber Dlaprung, weldje nidjt berbaut würbe ober werben tonnte, gelangt in $olge ber periftaltifdjen Bewegungen beS ©ünm barmS aus biefem in ben ©icfbarm. 2lud) pier, wo fiep betanntlid) eben* falls ©rüfen oorfinben, bauert bie djemifepe Berbanung nod) an, bod) ift biefelbe eine, im Berpältuifj ju ber beS SRagenS unb befonberö beS ©ünnbarmS geringe, wirb Sßaffer reforbirt, woburd) ber ©arminpalt eingebieft unb nacp unb uad) jum Äotp wirb. ber feinen üblen ©erud) bem $nbol, einem bei ber Verlegung ber Peptone gebilbeten Körper, unb fßrobucten ber oerbantt, wirb burd) periftaltifcpe Bewegungen beS ©icfbarmS an ben Elfter gebradjt, burd) welcpen er oon uns willtürlidj (gewöpnlidj in 24 Stunben einmal) 198 entleert wirb, ©eine erpält ber $otp burd) ©allenbeftanbtpeile, weSpalb er bei Verpinberter $ufupr von ©alle nad) bem ©uobenum (©elb- fud)t) ein weißes SluSfepen unb aus gleichem ©runbe eine parte, nidjt fieb- rige Befcpaffenpeit pat. ©ie Sluffaugung ber 9?aprung, b. I). beS aus bem ©peifebrei (KppmuS) jubereiteten ©peifefafteS (KppluS), gefd)iept burcp bie ©arm* jotten. ©iefelben fangen ben KppluS burd) ifjre Boren in ber ranbftänbi- gen 3ellenfd)icpt (f. ©. 189) in fid) auf unb brütfen ipn bann, inbem fie fiep burd) Kontraction iprer SDluSfeln verfingen, in ben Kentralraum, wel= d)en wir als Anfang eines KppluSgefäßeS fennen gelernt paben. Bon biefem Kentralraum bringt ber KppluS in bie KppluSgefäße, bann in ben yjiilcpbruftgang unb burd) biefen f djließlicp in baS §erj unb gelangt fo in ben Blutftrom, beffen fortwäprenbe Sßerlufte an KrnäprungSflüffigteit er in ©emeinfdjaft mit ber Cpmppe ju erfepen pat. 9?id)t von ben ©arm* Sotten, fonbern von ben ©efäßen ber 2D?agen* unb ©armwanb birect auf* gefogen werben aber befanntlid) alle jene 9JaprungSbeftanbtpeile, weld)e im BerbauungSapparat nidjt erft bem äpnlid) gemadjt werben brauepen. ©aS ©leidje gilt and) von einigen weldje im Ber* bauungSapparat erft umgewanbelt werben müffen unb bann nad) ben ®e* fepen ber Filtration, ©iffufion, Kapillarität unb KnboSmofe von ben Cpmpp* unb Haargefäßen reforbirt werben tonnen, Kin STpeil ber 91aprung Wirb fdjließlid) and) im ©iefbarm, wo bie ©armsotten feplen, burd) Follitel auf* gefogen. KS ift baS wid)tig, weil man in Fällen, wo 91aprungSsufupr unb Berbauung auf bem gewöpnlicpen $ßege unmöglicp finb, bem betr. ten burd) „näprenbe Älpftiere" 9?aprung in ben ©iefbarm bringen tann, wo biefe von ben Fvßiteln unb §aargefäf?en reforbirt wirb. KrnäprungS* tlpftieren ift aber ftets ein 9?einigungStlpftier (95° F.) vorauSsufd)iefen. BH gen* unb ©armatpmung. 3n ben Blagen unb ben ©ünnbarm gelangt mit ber Baprung eine geringe Blenge atmofppärifd)er Cuft. ©iefe tritt bort mit ben Haargefäßen in benfelben Berfepr, wie in ben Cungen mit ben Sungencapillaren, b. p. eS finbet ein SluStaufcp von ©auerftoff gegen Äoplenfäure unb SBafferbampf ftatt. ©aburd) entwicfeln fid) bie wtd)tigften a r m g a f e: $oplenfäure, ©tirfftoff unb 2ßafferftoff. Septerer unb bie $oplenfäure werben aber in nod) pöperem Wlaße burd) bie ©äprungsvorgänge im ©arm gebilbet. Ferner finben fiep im ©arm nod) Äoplenwafferftoffgafe, 2lmmoniat unb ©d)WefelwafferftoffgaS in Folge von Berfepung gewiffer 9iaprungSftoffe. $tan vermutpet, baß bie im 23erbauungSapparat gebilbeten ©afe, bereu pörbare Bewegungen wir als „knurren im Baudje" beseidjnen, in bie ©e- websfliiffigfeiten übergepen unb von bort in bie L'uft ber Cungen gelangen. Bei übermäßiger ©aSbilbung unb Oieforption berfelben in bie ©ewebS- 199 flüffigfeiten (bei cßronifcßen SNagem unb Oarmfrantßeiten) wäre bann in ber NeforptionbieUrfacße ber, mit jenen ßtanlßeiten berbunbenen nerböfen (Sßmptome ©cßwinbel) ju fucßen. J)er 2öie bte Zungen bet 3IuSfcpeibung bon gasförmigem Sßaffer unb $op- lenfäure, fo bient ber §arnapparat ber (Entfernung bon überfdpüffigem tropfbar-fluffigem unb feften, in SBaffer löslicpen 21uswurfftoffen aus bem Organismus. Oer gepört alfo ju ben „(Entgiftungs- organen". (Er beftept aus ben beiben filieren, in Welcpen bie Harnabfon- berung bor fiep gept, unb ben §arnwegen (Harnleiter, Harnblafe unb Harnröpre), weldje baS SluSfcpeibungSprobuct (ben Harn) aus bem Körper leiten. Oie beiben Vieren finb bopnenförmige, hier bis fecfjS Unjen fcpwere Orüfen, bie, in eine gettpülle („fJlierenfett") eingelagert, recpts bejw. lints bon ber SBirbelfäule in ber tfenbengegenb an ber pinteren SBanb ber Baucppöple liegen. $n $olge bon mecpanifcpen (Einwirkungen, woju 3. 23. baS übermäßige ©cpnüren bei grauen gepört, wirb bie normale Sage ber filieren juweilen beränbert, unb bejeicpnet man folcpe filieren als „SBanberuieren". Oie recpte filiere, welcpe wegen ber 2luSbepnung ber £eber gewöpnlicp etwas tiefer liegt als bie linfe, wirb born bom auf fteigenben, bie linfe filiere bom abfteigenben ©rimmbarm be- becft. film oberen fRanbe jeber feiere (egt fiep, nacp ber SBirbelfäule ju, eine fliehen* niere (f. 156) an. Oer concabe fRanb ber Bopnen ift nacp innen (alfo ebenfalls nacp ber SBirbelfäule ju), ber größere conbepe fRanb nacp außen ju gerietet. 2ln erfterem befinbet fid) eine ßängSferbe, welcpe ober 9?ierenpforte genannt wirb; eSiftbieS bie (EintrittSftelle ber Serben, Blutgefäße unb ber Hnrn= (eiter. $e einer ber lepteren füprt bon jeber 9?iere nacp unten jur Hantblafe. 2Iuf bem SängSfcpnitt einer feiere (f. $ig. 107) fepen wir, baß bereu 3nne= res tpeilS popl, tpeils fefte SJiaffe ift. Oer Hoplraum ift eine in bie filiere fiep er- Fig. 107. (Sentredjter Slurdjfdjnitt tmrcf) bie SJHere. a) (üerfcfjlunflene nälrfjen), b) Sliarffubftanj (qerabe berlau= fcnbe $arncanä[cfjen), c) Kteremcärjcfien, d) SRierenfelcT), e) bfierenbecten, f) ter, g) Slrrerie unb h) SBene ber biiere. 200 ftretfenbe gortfeßung be« Harnleiter«, weld)e „Nierenbecfen" heißt £)ie BJanb biefer nad) bent Nütfgrat ju (an ber Nierenpforte) gelegenen Hö^; tung int Innern ber Niere ift bort, wo fie bie ®renje jwifcßen bent raunt unb ber feften DNaffe bezeichnet, vielfach au«gebud)tet, unb jwar bilbet fie, inbent fie fdjlaudjartig in bie fefte SNaffe einbringt, eine Slnjal)! von röhrenförmigen Nebenhöhlen, Weld)e „Nierenteiche" genannt »erben. X)ie fefte DNaffe ber Nieren unterfdjeibet fid) fdfon burd) ihr 3lu«fehen in zwei verfdfiebene Subftanzen, in bie i ötl)lid) - braune unb förnige „Ninbenfubftanj" unb bie bunfelbraune unb geftreifte „Nfcirffubftanj". totere, bie nirgenb« bi« an ben äußeren Nanb ber Niere vorbringt, liegt in ber Ninbenfubftanj eingebettet; ivo beibe Subftanjen nad) außen zu an einanber flogen, befinbet fid) bie fogen. ®renzfd)id)t be« DNarfe« (f. ftig. 109). £)ie Ninbenfubftanj wirb von einer Unmenge verfdjlungener „Horm canäldjen" (gegen zwei DNillionen) gebilbet, welche innen mit gellen tleibet unb außen von Blutgefäßen umfponnen finb. SDiefe Sanälchen enbigen blinb mit gen Slnfdpvellungen („Willer'fdjen Äapfeln"*). Sluf ber, ber Harncanat Öffnung Seite biefer Äugeln münben in biefeje j»ei Blut- gefäße ein, von benen eine« Blut zu- führt, unb ba« anbere abführt. £)a« 3ufül)renbe ®efäß, eine ber vielen Beräftelungen ber, an ber Nieremvur* jel eintretenben Slrtertenzweige, tljeilt fid), nadjbem e« in bie SNüller'fdje Äapfel eingebrungen, in feinere Sleft d)en unb fd)ließ(id) in Sapillaren, welche fpäter wieber jufammenfließen unb juleht fid) gemeinfant in ba« auö- führenbe Cöefäßdjen ergießen, ba« bid)t neben bent jufiil)renben au« ber Äapfel au«tritt. Sille biefe ®efäße, tveldje, vielfad) unter einanber Verfehlungen, im ßnnern ber Äapfeln liegen, bilben jufammen ba« „Nierenforn" ober ben „iNalpighi'fdjen Änäuel". •Da« au«= führenbe ®efäß, weldje« von fleinerent £)urd)meffer al« ba« juführenbe ift, gleidjt feinem Bau nad) einer Bene, verläuft aber wie eine Slrterie, benn halb, nad)bem e« bie Äapfel verlaffen, löft e« fid) in ein auf, Fig. 108. tjarncanättfjen mit Slutgefäfeen unb iD?ü£Ier'= jefjen ßapfeln. a) OTüUcriaie ttavfel, b) teitbe§ unb c) abfütjrenbeS ®cfäfe bc§ mta(bi= atji'fctjen Stnäuel-3, d) e)®apiUa= rett (be§ abfüfjrenben (ilefäfseö). *) ©ie „OTüüer'fdjen kapfeln" führen and) ben Hainen „STOaipighi'fdje körpereigen". ©iefe ©ejeidinung ift jebod) nidjt ratfyfam, ba jmtfdjen bie üölutgefä&veräftelungen ber üDtilj eingelagerte Oebilbe ebenfalls ben „9RalptgI)i'idee körpereigen" tragen. 201 bas mit feinen ©efäßen bie §arncanäld)en umfpinnt. Tie kapillaren beS auSfüßrenben ©efäßeS Dereinigen fiel) fdjließlidj ju ben NierenDenen, meldje an ber Nierenmurjel neben ber kintrittsftelle ber arteriellen ®efäße aus treten. Tie Ninbenfubftanj befteßt alfo aus £>arncanäld)en unb jm unb abfüßrenben Blutgefäßen, meldje lederen in ben ßoßlfugelförmigen, blinben knbigungen ber £jarncanäldjen (SNüller'fdjen Äapfeln) in einanber übergepen (f. ß-ig. 108). Berfolgen mir nun ben Sauf eines folcßen kanäldjenS, fo feßen mir, baß eS üon feiner knbanfcßmellung (TOller'fdjen Zapfet) mit einem furjen, engen „£)alS" auSgeßt, fid) aber halb (ju einem Turcßmeffer Don 1:500 $oll) ermeitert unb bann in ber SNaffe ber anberen kanäldjen einen Dielfad) Derfcßlungenen BSeg Derfolgt, ber eS jm leßt jur ©renjfdjidjt beS SDlarfeS füßrt (f. 109). Bon ßier tritt baS kanäldjen ber Ninbem fubftanj als fogen. kanäldjen in bie 3Narffubftanj, inbem eS fid) mieber Derengert, ein, geßt eine fürjere ober längere Streife in gerabem Berlauf in ber Nidjtung naeß ber Nierenmurjet ju Dor, biegt mieber um unb feßrt, ebenfalls gerabe Derlaufenb, jur Ninbenfdjidjt jurücf. §ier geßen bie kanäldjen bann in ein Spftem breiter refp. abgefladjter, meiterer kanäldjen über, meldje jmi= feßen ben bogenförmig Derfcßlungenen, juerft ge- nannten knbeanäldjen meßr minfelig Derlaufen. Tiefe banbförmigen kanäldjen treten fdjließlidj ebenfalls in bie SNarffubftanj über, feßren aber nidjt mieber jur Ninbenfdjidjt jurücf, fonbern Der- einigen fid), inbem fie jiemlidj parallel mit ben kanäldjen Derlaufen unb nadj unb nadj immer meßr jufammenfließen, ju ben fogen. BellinVfcßen Nößren. Veßtere bilben mit ben kanäldjen bie ber ppnv mibenförmig jmifdjen bie Stinbenfubftanj eingelagerten tßeilungen. Tie BafiS biefer Bßramiben, Don benen eS 8 bis 15 in einer stiere giebt, ift nadj bem äußeren 9tanb ber stiere gerießtet. 2ln ber ßaben bie fegelformige gjeroorragungen, fogen. 9?ierenmärjdjen ober Nierenpapillen, an meldjen bie bort ftraßlenförmig jufammenlaufenben lebten Stämme Bellini'fdjer Nößren mit 10 bis 25 ©effnungen enbigen. Tie felbft laufen aber emjeln ober je jmei ober brei mit ißren BSärjdjen in einen „''Nierenfeld)" aus. ßn einem Fig. 109. S)urtf)fcf)nitt bnrcf) bie Vieren* fubftanj. a) SVtufler'frtje Itnpfcl, b) äBeginn ber £>arncanrild)en, c) ®renäict)icl)t beä SQarfeS, d) flerabe berlaufenbeS ßarncanäb d) e) Sellini'fd)c SRöljre. 202 foldjen fönnen fid? alfo jwifdjen 30 unb 75 Biünbungen Störten befinben. Sie 9finbenfd)id)t, rt>e(d)e nebft bem SRierenbeden äußerlich Don ber berben Sedhaut eingefd)loffen ift, entfenbet nad) innen ju in bie 3wifd)en* räume jwifchen bie 'ppramiben welche 4Bertin'fd)e (Säulen genannt Iwerben. 3n biefen finben fid) feine (£anäld)en* unb BlutgefäßDeqweigun* gen, wie in ber peripherifdjen Siinbenfd)id)t. Sie bienen jur Seitung refp. Umhüllung ber größeren Blutgefäße unb Sterüenftämme, welche, wie gefagt, an ber Siierenwurjel ein- bejw. auStreten. Tein Blutgefäß ber Stiere burd)brid)t nämlid) bie Seitenwänbe ber ; and) bie er* näljrenben (arteriellen) unb abfüljrenben (Denöfen) ®efäße ber SJtart* fubftanj burdjlaufen bie ganje Sänge ber Bertin'fdjen Säulen unb treten erft an ber BafiS ber ein bejw. aus. Sie Sieroen ber Stieren, bereu $afern ben Beräftelungen ber Stierenarterie folgen, ftammen Dom „Sonnengeflecht" beS fi)mpatl)ifd)en SteroenfpftemS ab. Sie weldje bas SlbfonberungSprobuct ber Stiere, ben Harn, aus bem Körper ju (eiten hoben, finb ber Harnleiter, bie §arn- blafe unb bie Harnröhre. Ser Harnleiter ift eine 9töf)re, bereu Söanbung aus brei häutigen Sdjidjten (BinbegewebS-, STuSfel* unb Sd)leimfd)id)t) befteht; er öffnet fid) oben trichterförmig in baS Stierenbeden. Bon hier geht er an ber hiuteren Baudjwanb in baS Beden hiuab, wo er mit feinem anberen (Snbe in bie Hornblafe münbet Siefe ift ein länglidj-runber Sad, welcher an ber tiefften Stelle ber Baucfjwanb jwifdjen biefer unb bem SJtaftbarm liegt (f. (fig. 96, w). Sie wirb Don brei Schichten gebil* bet, oon benen bie äußerfte, bas Bauchfell, nur einen SSfjeil ber Hornblafe überjieljt, unb jwar foweit letztere in bie Bauchhöhle hweinragt. Sie mittlere Sd)id)t befteht aus ber Sänge nad) Derlaufenben, willfürlidjen STuSfeln, burd) bereu wir ben Horn auSpreffen fönnen. Sin ber Stelle, wo bie, ben Hai'n birect aus Körper leitenbe Horm röhre in bie Blafe münbet, am fogen. Blafenhalfe, ift bie STuSfelfd)id)t aber ringförmig angeorbnet, fo baß burth ber ring* förmigen 9D?uSfelfafern ein üölliger Berfd)lufi ber Hontblafe ju Staube fommt. 2lud) biefe Baustein finb unferem Brillen unterbau, fo baß eS uns bei ber überaus großen SluSbehnbarfeit ber längs Derlaufenben BiuS* felfafern möglid) ift, eine bebeutenbe Stenge Horn in ber Harnblafe juntd* SiefeS Bermögen Derringert fid) im Sliter unb fann burd) Trautheiten gan$ aufgehoben werben. Sie innere Sd)id)t ber Hotnblafe ift eine Schleimhaut. Siefelbe legt fiel) nebft ber muStulöfen Blittelfd)id)t tlappenartig über bie Wlünbung beS Harnleiters, fo baß in biefen aus ber Blafe nid)ts jurüdtreten tann. 203 Sin ber §anb biefer Befdjreibung beS Baues beS wirb e§ ein CeidjteS fein, uns eine Borftellung von ber Slbfonberung unb Söegftaffung beS §arnS ju geben. £aS Blut, Welches neben tropfbar=flüffigem BJaffer (faft*) alle fpecififdjen Beftanbtfjeile beS §arnS fdjon gelöft enthält, eße eS in bie Vieren gelangt, tritt in biefe burdj bie Slrterie an ber 9iierenwurjel ein. 3n ben, in ben Bertin'fdjen Säulen liegenben, größeren arteriellen ©efäßen bringt eS bis jur ®renjftßid)t öor, wo bie Blutgefäße fiel) längs ber BafiS ber üerfeßiebenen aus* breiten unb Bweige nad) außen (in bie unb nad) innen (in bie Sftarffcßidjt) fenben. ßeptere ßaben, wie bie mit ißnen jufammen* ßängenben Benen, nidjtS mit ber §arnabfonberung ju tßun (f. oben), tonnen alfo ljier unberüdfiditigt gelaffen werben, £)ie in bie SRinbenfdjidjt einbringenben SIrterien münben julept in bie SJlüller'fdjen in bereu innerem fie fidj fnäuelartig ju kapillaren auflöfen. ©iefe fließen, nod) im £wßlraum ber tüpfeln, wieber jufammen unb üereinigen fiel) ju einem abfüßrenben ©efäßdjen, baS enger ift als bas jufüßrenbe unb bidjt neben biefem bem Blute ben Austritt aus ber älJüller'fdjen Zapfet geftattet. $n bem £wßlraum berfelben finbet nun burdj bie Sßanbungen beS kapillarenfnäuelS ßinburdj eine ftarte Filtration beS Blutes in bie Äapfeln ftatt. ©iefe Filtration beS Blutes ift beSßalb fo ftarf, weil fiel) festeres in bem ©efäßtnäuel ber TOIler'fdjen ftapfeln ftaut unb gleid> jeitig unter einem ßoßen ©ruef fteßt. ©aS erflärt fidj aber barauS, baß baS jufüßrenbe ©efäßdjen weiter, baS abfüßrenbe enger ift, unb baß letjte* reS halb nad) Berlaffen ber Zapfet ein jweiteS kapillarnep bilbet, b. ß. ber rafdjen Slbfüßrung beS Blutes ein weiteres §inberniß entgegenfept. ©ureß bie Filtration Wirb burdj bie jarten SBanbungen ber (Gefäße beS fdjen Knäuels £>arm abgefonbert, ber aus ben knbanfdjwellungen ber in biefe gelangt, tiefer §arn, ber alle Beftanbtßeile beS Blutes enthält, weldje in ben Mtter'fdjen tüpfeln burdj bie ©efäßwänbe filtrirt werben tonnten, ift nod) feßr bünn, Wafferreidj, wogegen baS Blut in bem beS abfüßrenben ©efäßeS, weil ißm Diel SBafferent* jogen würbe, bitfflüffig ift. Sßäßrenb nun ber bünne §arn in ben Der- fdjlungenen ber Dtinbenfdjidjt, weldje üon ben kapillaren beS abfüljrenben ©efäßdjenS bid)t umfponnen werben, üorbringt, finbet ein weiterer ftatt. £)urd) biefen wirb ber bünne §arn üerbidt, concentrirter, inbem er bem Blute mancherlei Stoffe nod) entließt unb gleichzeitig an baSfelbe, eS bamit üerbünnenb, SBaffer wieber abgiebt. £)iefe, burd) bie SBanbungen ber §arncanäldjen unb kapillaren ftattfinbem *) 9tur Jparnfarbftoffe unb $typurfäure (f. toerben, iuie eä fcßeint, inber 9?kre fclbft gebilbet. 204 benenboSmotifdjen Vorgänge, bie atfo gcwiffermaßen bie erfte Slbfonberung (in ben Elüller'fdjen Äapfcln) vcrvollftänbigen, hören natürlich auf, fobalb fid) kapillaren unb Harncanäldjen von einanber trennen, b. I). wenn leptere, befinitiv in bie Elartfubftanz übertretenb, zu Vellini'fdjen Eöhren werben, ©amit hört ber HarnbilbungSproceß auf. ©ie Vellini'fdjen 9töl)ren finb weiter uid)ts als SlbzugScanäle, weld)e ben fertigen Harn nad) bem Eieren» beeten leiten. ©ie ift eine ununterbrochene; fortwäljrenb tröpfelt atfo and) aus ben Elünbungen ber Veltini'fd)en Eöl)ren an ben Eieren» Wärzchen Harn in bie Eierenteldje, von benen aus er in baS Eierenbecfen unb fdjließlid) in ben Harnleiter gelangt, ber il)n tropfenweife nad) ber Harnblafe leitet. Hier wirb ber Harn gefammelt, unb von hier aus wirb er unter normalen Verl)ältniffen nach unferer SBillfür burd) bie Harnröhre hinburd) aus bem Körper entfernt. ©ie Elenge Ham (ober Urin), Welche ein gefunber erwadjfener Elenfd) im Sauf eines ©ageS auSfd)eibet, fdjwantt jwifd)en zwei unb vier Vfunb; bavon fommen ungefähr 1| Unjen auf fefte Harnbeftanbtl)eile. ©iefe Eingaben finb freilid) feljr Wenig beftimmte, benn nodj mehr als bie Harnmenge felbft fdjwantt je nad) ber Eaßrung ber ®el)alt beS Harns an feften Veftanbtljei» len (f. $ig. 110). ©ie größte Elenge ber lederen (60-80 Vro» cent) bilbet ber harnftoff, baS hauptfäd)lid)fte knbprobuct ber organifchen Verbrennung von ki» Weißftoffen. V3irb er, wie 3. V. bei ber ®id)t, in $olge geftörter Harnabfonberung im Vlute 311» rüdgehalten, fo tann bieS lief) ju einer töbtlidjen Vergiftung beS VluteS (Harnvergiftung, Urä» mie) führen. VJie ber Harnftoff wirten übrigens alle anberen im Harn enthaltenen VerbrennungSprobucte, wenn fie fid) im Vinte anhäufen, atfo nid)t mit bem Harn auSgefdjieben werben, giftig, ©en zweitgrößten Vrocentfap ber feften Harnbeftanbtheile bilbet bie Harnfäure, unb zwar in von harnfauren ©alzen. ©ie Harnfäure refp. bie harnfauren Salze tonnen, wenn fie in übergroßer Elenge im Harn enthalten finb, Veran» laffung zu ber fdpnerzhaften unb gefährlichen Steintrantljeit werben, ©iefe Sioffe werben in foldjen fällen nidjt fetten feft, fid) an ein $lümp» Fig. lio. SBeftcuibtljeile int frtftfjett, feiner reafltrenben Urin, a) Jparnfäure, b) ljarrifaureä SRatron, c) ojaljanrer Statt, d) Stjftin, e) $ippurfaure, f) STtjriofin, g) Sucht. 205 djen Sd)leim ober Wut an unb bilben fd)ließlid), inbem fie fiel) burd) fdfidjteniveifeS Slnlagern vergrößern, fteinige 2lnl)äufungen in ben Vieren« feld)en, bem fRiereubecfen unb ber §arnblafe; in ben beiben erfteren fällen fpridjt man von „9?ierenfteinen", im letzteren von „Wafenfteinen". ferner finben fid) im gefunben §arn nod): anbere ©£l)bationSprobucte, wie $rea* tin unb Creatinin, §ippurfäure, (Urobilin, Uroßämatin unb 3nbican), Slmmoniat, u. a. m.; SBaffer in großer 9)?enge, überfdjüffige anorganifdje Salje (befonberS $od)fal$) unb@afe (Stitfftoff, Äoßlenfäure unb Sauerftoff). ©djließlid) finb mit bem §arn and) nod) Sdjleim unb abgelöfte ©berl)auttl)eile ber vermifdjt, burd) bie ber Wenn er einige $eit fteßt, ■getrübt wirb. 4öei nod) längerem ©teljen, wobei ber vorfjer fauer reagirenbe £arn in ®äl)rung übergeljt unb alfalifd) wirb, bilbet fid) ein „§arnnieberfd)lag" ober „§arnfebiment", unb jwar ge= wöljnlid) auö fjarnfaurem 2Immo* niaf, ©ripelpljoSpßat unb pl)o§= pljorfaurem Äalt (f. $ig. 111). ©urd) gemiffe, fog. biuretifdje Drittel fann bie§arnabfonberung vermehrt werben. ©aSfelbe ift ber $all in {yolge von einer be- ftimmten Stelle ber vierten, unten am Äleinljirn liegenben §irnl)öl)le. Ueberßaupt befteljt jivifdjen 9?ervenfi)ftem unb §arnabfonberung ein enger ma§ and) barau§ I)ervorgcl)t, baß fid) bei 9iervenfranf= feiten unb fogar bei heftigen ®emütl)öbe)vegungen fd)on bie §arnabfonbe= rung veränbert. ©ie jivei befannteften unb gefäl)rlid)ften SSeränberungen ber normalen finb, wenn ber §arn viel ober (Ei- weiß (Oigl)t'fd)e 9Uerenfranfl)eit) enthält, ©ie 3u(ferl)arnrul)r Ijat iljren ■@runb barin, baß bie in ber Ceber berart befd)leunigt ift, baß ber 3u(fer im 4ötut nid)t meßr ojrpbirt werben tann unb bann mit bem $arn auSgefdjieben Wirb, ©ie 53rigl)ffd)e 9?ierenfranfl)eit beginnt mit einer frantfjaften 23eränberung refp. ber gellen)d)id)t, weld)e bie fftierencanäldjen innen auStleibet (f. IV. ®ap). Fier. 111 int alfalifcf) reaflirenben §atn. a) £r tp dpt) oSp fiat, b) pftoSpfjorfaurer 51'alE, c) Ijarnfaure§ Slmnioniat, d) tofjlenfanver Satt. 206 Ä>te äußere •Die äußere §aut, and) bloß £>aut genannt, welcher fdjon bei Vefpre« d)ung ber ®ewebe beß nienfdjlidjen Körpers alß ber widjtigften ber §äute Erwähnung gefdjal) (f. ©. 45), bilbet bie §ülle ber gefammten äußeren Oberflädje unfereß Äörperß. ©ie fefct fid) an ben ©teilen, Wo an ber äußeren Oberflädje £wl)len ober Kanäle beß S'örperß münben, in bie ©djleimhaut fort, weid)' letztere jene außtleibet. Sleußere £>aut unb ©djleimßant jufammen bebecten alfo alle ©heile beß Organiß« muß, weldje mit ber Außenwelt, birect ober inbirect, in 53erül)rung treten, ©ie übrigen §äute ober W?embrane-n liegen, von einer 53erührung mit ber atmofpßärifdjen ßuft abgefd)loffen, entweber in Roßten (53ruft- unb Vaud)« feil in ber Vruft- bejw. 53aud)höl)le) ober als mußtulöfe Schichten (9Jhtß« felßäute ber ©arme, ber53lafe, u. a. m.) in ben Sßanbungen von Organen, ©ie letztgenannten Membranen bienen meeßanifdjen fo verhütet Z. 53. baß 53ruftfell eine Reibung ber Zungen an benachbarten Organen, unb fo ermöglidjen bie 9J?ußtell)äute burd) iljre eine Verengerung von £>öl)len unb bamit eine Fortbewegung beß -Fnhaltß' berfeiben. Sind) bie ©djleimljaut unb bie äußere §aut haben medjanifdje 3wede. Vejüglid) ber ©d)leiml)aut finb biefelben: Vebectung ber Ober« flädfe ber nadj außen hin münbenben fohlen unb Kanäle unb Slbfonberung. von ©d)leim, welcher biefe Oberflädje feudjt unb fdjlüpfrig erhält. 5ln manchen ©teilen ift bie ©djleimljaut and) nod) mit Flimmerjellen befett, weldje bann, wie 53. in ben Luftwegen, baju bienen, übermäßig fonberten ©djleim unb fdjäblidje 53eftanbtl)eile ber eingeatljmeten 5uft auß bem Körper ju entfernen refp. von weiterem Vorbringen abjußalten. ©ie (©djleimljaut ift aber fürmandje Organe and) nod) von anberer 53ebeutung, alß von med)anifd)er; fo bewirten bie, von ber ©d)leiml)aut ber Verbau« ungßrötjre refp. von bereu ©rüfen abgefonberten ©ecrete bie d)emifd)e Verbauung, ©ie vielfeitigften Functionen von allen §äuten l)at aber bie äußere §aut ju erfüllen, unb jwar finb barunter foldje von allertjödffter 53ebeutung für ben ©toffwed)fel, b. i. baß Seben. 91lß med)anifd)en Bwed ber äußeren tonnen wir ben bezeichnen, ©d)ut3organ für bie inneren ©heile gegen äußere ßinwirfungen unb baburd) aud) ein Regulator ber animalifchen V3ärme ju fein. ©ie§aut ift ferner, wie fpäter nod) eingehenb befproeßen werben wirb, ein wid)tigeß ©inneß« organ. ©ie §aut ift fd)ließlid) and) ein „(Sntgiftungßorgan", wie fd)on bei ber Sltljmung erwähnt würbe, ©urd) biefe ihre pl)l)fiologifd)e ©l)ätig« feit, bereu Unterbrüdung, wie bie ber 5Itl)mung, töbtlid) wirft, wirb bie äußere §aut ju einem (Srnäl)rungßapparat, beffen Functionen von vitaler 53ebeutung finb. 207 ©ie äußere §aüt, bereu ©itfe, ©idjtljeit unb geinljeit (beS ©ewebeS) bei bcn einzelnen unb an ben verfdjiebenen Stellen beS Körpers verfdjieben ift, befteßt aus jtvei über einanber liegenben Sdjidjten, ber £) b e r lj a u t unb ber S e b e r I) a u t. gebe ber beiben tljeilt fidj wieber in jWei, in berfelben JSeife gelagerte Sdjidjten, unb jwar bie ©berljaut in bie .£) o r n f d) i d) t unb bie S dj l e i in f dj i d) t, unb bie Seberljaut in bie eigentliche Seberljaut unb bie $ e 111) a u t ober bas Unterbaut* fettgewebe (f. $ig. 1121 ©ie © b e r Ij a u t aber (SpibermiS befteljt aus unb ljat, wie gefagt, teil, bereu eine, bie bie äußer- fte Wbedung beS W' jperS ift. Sie wirb nur von gelten gebilbet unb ßat Weber ®efäße nod) Nerven. ©ie gellen ber Sdjleiinfdjidjt ober weldje bie in unregel- mäßigen berlaufenbe Seberljant an bereu Slußenflädje bebecft, finb Heine, runblidje ober länglidje ÄBläSdjen mit Äern, Weldje mit einer $lüf* figfeit angefüllt finb unb Ijeißen. ©iefe 23lä§djen werben, je meljr fie fid) ber näljern, platt unb ecfig unb bertrotfnen, b. ß. verlornen, bis fie fdjließlidj, in bie übertretenb, ju feinen, über einanber gefdjidjteten, trodenen Sdjüppdjen ober (§orn= .•plättdjen) werben, ©ie oberften biefer (an ber Slußenflädje ber ftoßen fid) fortwäljrenb ab. (Sö geljt baraus Ijenwr, baß bie beiben Sdjidjten ber ©berljaut wefenttidj gleidj, baß bie bie fidj ftetig vom Körper trennen, nur bie abgeftorbenen (vertrocfneten) finb, weldje burdj bie geltenvermeßrung in ber SdjleiiU' fdjidjt nad) außen verbrängt würben. 53on ber Sdjleimfdjidjt ift bie §aute färbe (ber ©eint) abhängig. Sie ift nämlidj ber Sip beS weldjer bie Hautfarbe beftimmt. ©erfelbe lagert fidj in ben (5pibermiS< Fig. 112. ©entrechtet Surcljfcbnitt burdj bie äußere Saut, a) unb b) Scfjleiinfcljtcljt ber Oberhaut, c) fVarbenfcbicht in ber Schteünfchictjt, d) ßeberljaut, e) XaftiDärjchen, f) itnterhautfettgeiuebe, g) (Srfjiüetß* brixfeit, h) ©djtoeifjcanal, i) ©dßlüeißboren, k) Snarbaiß, 1) S<uir, m) Saarteim, n) Saarjunebel, o) Saarumräet, p) Xalgbrufeu. 208 jeden um bereu ®ern. 3e mehr ftarbftoff borhanben unb je bunfier ber* fctbe ift, befto bunfler ift bie ©autfarbe, bie hauptfädjlidj nad) ber Otaffe, aber and) nad) Sliter, ®efd)led)t unb Nation jwifchen ©unfelfchwarj unb Jßeiß fdpoanft. ©ie letzte Urfadje ber berfrfjiebenen ©autfärbung ift aber nod) nidjt ermittelt, bod) nimmt man an, bafj bunflere ©autfarbe burd) er* Ipljte ©l)ätigfeit ber geber (mit vermehrter ©allenabfonberung) bei ge* rtugerer ©ypbation beS Blutes in ben Zungen veranlagt ift. ©ie geberhaut jerfällt in bie eigentliche geberljaut unb ba£ Unterhautfettgewebe. krftere tljeilt fid) wieber in bie (an bie ©djleimfdjidjt ber Oberhaut grenjenbe) äußere, Sßärjdjen* unb unb bie innere ober 9ie(Afd)id)t. ©ie eigentliche geberljaut, bie alfo, wie aus bem oben ©efagten folgt, bei ■'DZenfdjen bon berfdjiebener ©autfarbe baSfelbe, röthlidje SluSfeI)en jeigt, ift, wie bie ©berhaut, eine berbe, aber mehr elaftifdje ©aut, Weld)e aus B un& Binbegewebe gebilbet ift; legerem finb überall elaftifdje Hafern unb an manchen ©teilen glatte 3JiuSfelfafern beigemifdjt. ©iefeS ©ewebe ber eigentlichen Seberljaut, baS unten (in ber 9le£fd)id)t) loder ift unb bort ohne merflidjen Unterfdjieb in bie gettljaut übergeljt, oben (in ber SBärjd)enfd)id)tj aber fefter gewebt ift, enthält jal)(* reidje unb gpmphgefäße, gpmphräume, ©aarbälge, STalg= unb ©djweißbrüfen unb fo jaljlreidje Serben, baß fie baS empfinblidjfte ®e* bilbe beS Körpers ift. Oie Sterben treten in ber äußeren ©d)id)t, an ber ®renje berfelben nad) ber ©d)leimfd)id)t ju, in Wärjdjenförmige SluSläufer („Sterbenpapillen") ein, in welchen fid) bie „Oaftförperd)cn", bie knbappa* rate ber OaftgefühlSneroen befinben (f. BerftanbeSapparat, Rupien). 3n ber SBärjdjenfdjidjt finben fid) aber außer ben Sieroem and) nod) „®efäß= papillen", bie ähnlich wie erftere gebaut finb, aber feine 9ieroenenbigum gen, fonbern feinfte, unter einanber verfdjlungene SluSläufer bon fäßen, kapillaren, enthalten. - OaS Unterhautfettgewebe ober bie $ett' haut oerbinbet bie eigentliche Seberhaut mit ben unterliegenben $örper- theilen. ©ie beftel)t aus weichem mit mehr ober weniger fyettjellen; burd)fd)nittlid) ift fie 1:5 Boll bid. 23ei bie biet gettjellen in ber haben, fann fie eine Oide bon mehr als einem Boll erreichen, ferner enthält fie Blutgefäße, gpuiphgefäße, Serben unb eigenartige nerböfe knborgane. Sin einigen ©teilen ber 3. B. am kllenbogen unb Äinn, finben fid) fdjtießlid) and) nod) Blafd)enräume im (Gewebe („©autfdjleimbeutel"), Weldje mit einer gallertartigen Slüffig' feit angefüllt finb unb bie ©aut bor ftarfem Orud Bon ben beiben ©rüfenarten, welche in ber öeberl)aut liegen, finb bie ©algbrüfen (f. §ig. 112, p) entweber einfache ober jufammengefefcte, bie ©d)Weißbrüfen (g) nur einfache ©rüfen. ©ie ©algbrüfen finb längliche bint' refp. traubenförmige ©d)läud)e, welche meift in ber oberen ©d)id)tber 209 eigentlichen Seberfjaut liegen unb oon bort nad) ber getjen. häufig legen fie fid) an bie (fpäter ju befpredjenben) §aarbälge an ober münben in biefeiben ober mit ihnen an ber Oberfläche ber f)aut, weshalb man fie and) §aarbalgbrüfen nennt. Sie fonbern ben §auttalg (bie §aut« falbe ober §autfd)miere) ab, burd) welchen bie Oberhaut mit einem fetti« gen Ueberjug befleibet wirb. Oalgbrüfen finbcn fid) befonberS an be- haarten - Xie Sdjweißbrüfen finb immer einfache Xrüfen mit einem unteren (Snbe, baS meift in ber 'jftefjfdfidjt ber ßeberljaut liegt unb bie eigentliche Xrüfe ift, unb einem 9(uSfül)rungSgang, Welcher an ber §autoberfläd)e münbet. Xie eigentlidje Xrüfe, ber Xrüfenfnäuel, ift ein runblidjer Knäuel eines einzigen (langes, welcher fid) in, ben $luSfül)rungS« gang, ben Sdjweißcaital, Xiefer »erläuft, juerft gefdjlängelt, meift fenfred)t, mitunter aber and) in etwas fdjräger 9tid)tung burd) bie Seberl)aut; in ber (SpibermiS bringt er in jwei bis fed)S Sßinbungen forfjieherförmig jur äußeren f)aiitflädje Ijinburd) unb enbigt f)ier offen (Schweißporen). Sdjweißbrüfen fommen an allen Stellen ber §aut, aber in feljr üerfdjiebener 3(njal)l oor; bie meiften finben fid) an ber §ol)ll)anb unb ber $ußfol)le, bie wenigften am hatten. 3hre ®efammtjal)l ift auf runb 2j Millionen beredjnet worben. 5luf ®runb biefeS (Stempels würbe ber Sdjweißabfonberung ein glädjenraum t)on nal)eju 40,000 (Subic joll bienen, unb würben bie Knäuel (bei einem Xurdjmeffer oon 1:16 wenn aufgerollt unb neben einanber gelegt, - ol)ne bie Sdjweißcanäle - eine Sänge oon 2| engl. teilen haben! - (Sine befonbere 9lrt Sdjweißbrüfen finb bie im fnorpeligen Xl)eil beS ®e« Vorganges liegenbcn Cl)renfd)maljbrüfen. Xie Oberhaut befteljt, wie gefagt, aus §ornftoff unb unterliegt einem fteten, oon innen nad) außen üorfdjreitenben 53erl)ornungSproceß. 3n gleicher üßeife üerljält eS fid) mit ben Nägeln unb paaren, bie ähnliche ©ebilbe, fogen. „gwrngebilbe" ber §aut finb. Xie 9? ä g e l (f. $ig. 113 unb 114) finb fjarte, elaftifdje, feitlid) gewölbte glatten, Weldje bie äußerften (Snben ber unb 3el)engtieber an bereu 5lußenfcite bebeden, hinten unb auf beiben Seiten in §autfurd)en eingebettet liegen unb an ißren vorberen 9tän- bern frei finb. Xen ßinteren Xßeil beS Gagels, wo biefer am bünnften unb am tief« ften in ber §aut eingebettet ift, nennt man bie Sßurjel; fie reid)t bis jum äußeren Dtanb beS weißen „Wnbd)enS". 2luf ihn folgt nad) üorn ber „Körper" (foweit ber 9?agel auf ber £)aut, b. t). Seberßaut, liegt) unb bann ber freie fh'anb, wo ber klaget am bidften ift. Fig. 113. Surdjfdjnitt burd) ba§ erfte ftinger= glieb, a) .£>aut, b) 9tagel, c) 9laacl= bett, d) äJlubtel, e) Snodjen. 210 Sie von her 2ßuqel unb bem Körper bebetfte Ijcipt Nagelbett unb ber weldjer ben Nagel feittid? unb hinten einfcfyließt, Nagel« falz. Ser in biefem hinten gelegene Sl)eil beS Nagelbettes, an ben bie Sßnqel ftößt, ift ber Nagelfeim; fjier Wirb ber Nagel gebilbet, nnb bon fyier ans Wädjft er, vom Nagelfalz feittid) eingeengt, nad) born. bie Nägel nicht befdfnitten, fo wadjfen fie bis jn einer beftimmten ®rö§e (bis su zwei Boll), um bann mit ihrem 2öad)Stl)um innezuhalten unb fid) um ginger« refp. Beljenfpifcen ju friimmen. Ringer unb Bel)en erhalten aber burd) bie Nägel geftigfeit unb finb bie Nägel nod) Wichtig, weit ber bon ihnen auSgeljenbe ©cgenbruct bie Gmpfinblid)feit beim Saften erljöljt unb baS (Srgrei= fen Heiner ©egenftänbe erleidjtert. Sie Haare finb cplinbrifdje gäben bon §orm ftoff, meldje oben fpifc julaufen unb unten in eigenen fadartigen ©dfeiben ober in ber ftetfen. Sie Weldje in ber ßeberljaut en« bigen, haben unten eine gefäft« unb nerbenreidje, warzenförmige Gr« Ijöljung, Welche in bie §aarbalgfdjeibe fjineinragt (f. gig. 112, k-o). 2luf biefen fog. ober §aarteimen, bon Weldjen baS SßadjS« tljum ber Haare burd) fortmäljrenbe Gilbung neuer Bellen anSgeljt, bie Haarzwiebel ober ber Haarfnopf, eine 2lnfd)Wel(ung, weldfe unten aus« geljötjlt ift unb fid), Wie ber grud)tbed)er auf bie Gidjel, auf ben Haarfeine ftiilpt. Surd) bie in bem $eim wirb nun baS Haar im -Q3alg immer weiter borgefdjoben, bis eS an bie tritt unb ljier fo lang wädjft, bis bie §aarpapille baS §aar nid)t meljr tragen fann. SiefeS fällt bann aus unb an feiner ©teile mädjft in berfeiben Sßeife ein neues §aar aus ber alten Papille, aber nur bann, Wenn biefe unb gcfnnb finb. 93on oben nadj unten unterfdjeibet man am §aar ben ©djaft, b. i. ben Sl)ei(, weldjer frei aus ber Ijerüorragt, unb bie SBurjel (nebft Haarzwiebel), weldfe im §aarbalg fted't. 5Son aufien nad) innen befteljt bas Haar aus zwei nm einanber liegenben 9Jöl)renfd)id;teii, wcldje einen gemeinfamen $ern, bie SNarffubftanz, (f. $ig. 115). Siefe ift ein von reil)enweife an einanber gelagerten, runben Bellen gebilbeter ftaben in ber Niitte beS H<wrS; bie Bellen finb mit ß-liiffigteit unb tfuftbläSdjen gefüllt. Um biefen $aben legt fid) bie Ninbenfdjidjt, aus ftarren Hafern beftel)enb, weldje von verhornten Bellen gebilbet werben. 3n ber Ntnben« fubftanj liegt ber garbftoff beS §aareS, von bem man zwei Wirten unter« fdjeibet. Sie 9tinbenfcl)id)t wirb eingefdjloffen von bem „Cberl)äutd)cn", baS aus platten, edigen, über einanber liegenben Bellen befteljt unb einen, Fig. 114. ßrftc» gingerglieb, Von oben gefetjen, nach 9lb= löfuna bei atagelS. a) Stagetbett, b) „ffliönb= djen", c) Slagelfals, d) Sfagetfals jurüctgefdjla= gen, barunter ber9la= gelfeint fidjtbar. 211 mit ber SRinbenfubftanz feft üerbunbenen, bünnen unb burdjfidjtigen lieber' jug beS bilbet. ©ie §aarbälge Ijaben bret um einanber liegenbe ©djidjten, nonbenen bie äußerfte, auS33inbegewebSfafern beftepenbe, mit ber Seberljaut bereinigt ift; bie 9Jlittelfd)id)t ift muSfulöS, unb bie innere, bie ©laSljaut, eine gefaßt unb nerüenlofe burdjfidjtige Haut. 3toifdjen ber <$laSl)aut unb bem ©berljäutdjen liegt nod) bie „SBurjelfdjeibe", weldje wieberum aus jwei ©djidjten befteljt unb bie ©berljaut ber H?aarbalgfdjeibe bilbet. ©ie §aarbälge finb mit flafcpenförmigen (Sinftülpungen ber §aut $u bergleidjen, bereu Seberljaut refp. ©berljaiit bent unb ber SBurjelfdjeibe entfpredjen. Sßie baS SßadjS* tljum geljt and) bie (Jrnäprung beS §aareS bom 4öoben beS §aarbalgeS, ber Haarpa- pille, aus, inbem bon Ijier eine GrnäljrungS' flüffigfeit in baS Haar bringt, ©arauS folgt, Weid/ großen Einfluß baS 33efinben ber Haut auf baS 2öad)Stl)um unb bie (5r= paltung ber §aare Ijaben muß. - SJlit tiefer flüffigfeit ift nictjt baS natürliche gett ber §aare zuüerwedjfeln, Weldje biefeS bon ©algbrüfen erhalten, bereu fidj ge* wohnlich jwei in einen §aarbalg öffnen. An ber Außenfeite beSfelben fepen fidj glatte SftuSfelbänbdjen, §aarbalgmu§feln, an. Bieljen fidj biefe 3ufammen, b. I). berfürjen fie fidj, fo ridjtet fidj baS §aar in bie §ölje, - „bie Jpaare fiepen ju 23erge". £0?an unterfcpeibet am menfd)lid)en Körper mehrere Wirten bon paaren, Kopfhaare, Augenwimper', 9?afem, SBollpaare, u. a. m. SBollpaare finb bie feinen §ärd)en, bie fiep überall an ber Äörperoberflädje, b. I). an ben finben, bie wir fälfcplidj als unbehaart ju bezeichnen pflegen. ®ie meiften §aare fallen auf bem Wirbel wadjfen, näintidj (nad) einer 3äl)lung 2ßitljof'§) 293 auf | Cuabratjoll, bie wenigften auf ber Ober- flädje be§ ©djenfelö, nämlid) 13 per | duabratjoll. ©ie §aare ftepen einzeln ober in ©ruppen bis zu fünf, immer aber berlaufen fie zufanunen in fpmmetrifdjen Sinien („§aarftrönien ober Haarwirbeln"), ©ie CebenS- bauer eines §aareS beträgt beim Grwadjfencn burdjfdjnittlidj fünf $al)re, in weldjer baS Äopfljaar eine Sänge non meljr als (burdjfdjnittlidj) brei §uß erreidjt, wenneSnidjtabgefepnitten wirb; anbernfallSwäcßftbaS Haar Wie alte Horngebilbe immer Wieber nadj, unb Ijat man beredjnet, baß baS eines 60 $aljre alten Hftenfcßen, wenn bie abgefdjnittenen Stüde alle werben, eine Sänge oon ungefähr 20$uß erreidjen würbe, ©iefe $aljlen geben jebodj geringen Anwalt, nadj Art unb ©efdjledjt feljr oerfdjieben ift. ©agegen fann man immer Fig. 115. 2äng§bnrdjfcf)nitt bnrcfj ein £>anr. a) Sftarffubftani, b) 9tinbeni<f|icbt mit $ig= mentfleden, c) Oberöäutcfjen be§ £>aat3, d) äußere nnb e) innere @<5idjt ber Sßur= äelfd)eibe, f) SBanb be§ £aar6alg3. 212 beobachten, baf? bie §aare ein unb berfelben (Gruppe nie in berfelben 'ßeri* obe ihres B>ad)Stl)umS ftepen; baS eine ftel)t am Anfang, baS anbere in ber Glitte, ein britteö mehr am (Sube feines gebens, n. f. f. ©aburd) wirb verljinbert, baß bie £aare einer (Gruppe £U gleidjer $eit i!)r 2ßad)S* tpum beenben nnb ausfallen, Was fahle ©teilen an ber Kopfhaut Veran* taffen würbe. - ©ie §aare bienen, ba fie fdjled)te Sßärmeleiter finb, ber (Schaltung ber (Eigenwärme unb vermitteln burd) Uebertragung von Be* Wegungen auf bie Taftorgane beS bie (Empfinbung ber leife* ften Berührung. lieber ben befonberen Bwect ber 9?afenl)aare unb 2ßim* pern vergleidje man „9?ied)en" unb „©eßen". Bon ben oben fdjon furj genannten ber §aut bebarf ber, eine ©ed'e beS Körpers ju fein, feiner weiteren Befpredjung. (Erwähnt mag nur nod) werben, bah ber §aut als @djuty)rgan befonberS wid)* tig bie ©berßaut wegen ihrer Unburd)bringlid)feit für {ylüffigfeiten unb baS Unterhautfettgewebe feines, Stoß unb ©rucf fdjwädjenben gettpolfters halber finb. ©ie gleichen (Eigenfdjaften finb es, welchen bie äußere §aut ihre Bebeutung als SBärmeregulator verbanft, bod) tritt in ber Beziehung nod) ber 9ieid)tl)um an Blutgefäßen unb Dierven ber geberßaut ßinju. Steigt bie Körpertemperatur, Welche fid) befanntlid) auf 96-99|° $al)r. belaufen foll, über biefcS normale DJlaß hinaus, toaS burd) (Einwirfuug von innen (Steigerung ber CypbationSproccffe, 3. 23. bei fieber, ober er* höpte DJhiSfeltI)ätigfeit unb warme (Getränte) ober Von außen (§ipe) ge* fdjeßen fann, fo rufen bie Dierven reflcctorifd) eine (Erfdjlaffung ber DDiuS* felfafern ber geberljaut hervor; baburd) ift bem Blut (Gelegenheit gegeben, in bie feinen (Gefäße ber §aut einjuftrömen unb fid) naße ber Körper* oberflädje abjufüßlen. ©inft bie Körpertemperatur, refp. ift eine Beränbc* rung berfelben burd) niebrige Temperatur ber Umgebung 311 befürdjten, fo finbet baS Umgefeßrte ftatt. 3:n biefem $alle nid)t nur bie un* burd)bringlid)e Oberhaut unb baS gettpolfter beS Unterhautfettgewebes, fonbern and) ber Servern unb 23lutgefäßreid)tl)um ber geberl)aut ben Kör* per vor 2lbfül)lung. Unter (Sinwirfung ber Kälte jiehen fid) bie IDiuSfcl* fafern ber geberhaut automatifdpreflectorifd) jufammen, üben baburd) einen ©rud auf bie Blutgefäße aus unb preffen fo alles Blut aus biefen in bie inneren (Gefäße, wo eS gegen 2lbfül)lung gefidjert ift. finbet biefcS beS Blutes ju fdjnell unb ju ftarf ftatt, wenn man 5. B. eine §autfläd)e Slbfüljlung fo brängt baS Blut ju haftig nad) innen unb ruft ßongeftionen hervor, bie man als „(5r* tältungen" nur 31t oft fenncn lernt. Bei biefem Borgang ber 2lbtül)luug bilbet fid) aud) bie fog. (Gänfehaut, inbem fid) bie iDluSfelfafern ber §aut berart um bie ©algbrüfen jufammenjiehen, baßbiefe Wie Knötchen aus ber £)aut hervorragen, ©urd) bie Bermehrung beS BlutgeljaltS ber §aut 213 werben and; beren Sdjweißbrüfen ju lebhafterer Xljätigfeit angeregt unb fonbern bann (fidjtbaren) Sdjweiß ab. SBir haben bie §ant fd)on mehrfad) als eines ber „©ntgiftungS« organe" nuferes Ä'örperS erwähnt, bnrd) weldje legerer ber ©ewebs« fcplacfen unb überflüfftgen SBafferS entlebigt wirb. Unter biefen Organen nimmt bie §ant eine fjervorragenbe Stelle ein. Oie ßeber entgieljt bem 4ölute fdjlechte 4öeftanbtheile nnb bilbet barauS bie ©alle. Zungen finbet ein reger ©aSverteljr ftatt, bei welchem neben Sßafferbampf haupt« fädjlid) bie giftige ans bem Körper gefdjafft, b. h- gegen Sauerftoff eingetaufdjt wirb, ©ie Stieren fonbern SBaffer unb bie barin löslidjen ®ewebsfd)la(fen ab. ©ie £)aut fdjließlid) Ijut aber nicht nur bie Functionen ber ßungen, fonbern and) bie ber Stieren. 2öaS bie gemein« famen Functionen ber Zungen unb §aut anbetrifft, fo befteljen biefelben in ber Abgabe oon Äohlenfäure unb SBafferbampf an bie atmofphärifdje Vuft, von ber fie bafür Sauerftoff eintaufdjen. ©iefe gleidjen Functionen erfüllen ßungen unb §aut aber nidjt in gleicher SÖSeife. 3n erfteren wirb hauptfächlicf) Äohlenfäure gegen Sauerftoff ©ie äußere £>aut bagegen giebt nur wenig $ol)lenfäure ab unb nimmt nur eine geringe SJtenge Sauerftoff auf; von jcbem 100-300 SQlal weniger als bie Jungem ©ie §aut ift aber neben ben Stieren baS für bie Slbgabe von Sßaffer; ohne ficßtbare Sdjweißbilbung entfernt fie täglid) bis ju 25 Unjen äöaffer aus bem Körper. $n ben Sdjweißbrüfen, in Weldjen and; ber SluStaufch von Äohlenfäure gegen Sauerftoff in Folge enboSmotifdjen 33er« tchrS bnrd) bie 2Bänbe ber (kapillaren ftattfinbet, wirb unaufhörlich SBaffer« bampf auSgefdfieben, ber in ben SluSführungSgängen ber ©rüfen auffteigt unb, an ber ©berflädje ber §aut angelangt, fid) in fluffiger Form auf biefer ausbreitet, fie feudjt madjt unb fd)ließlid) verbunftet. ©iefe „infenfible 'ißerfpiration" (unfidjtbare Sdjweißbilbung) fann unter Umftänben beben« tenb vermehrt werben, nnb jwar, wie gefagt, bnrd) $ßärme ber Umgebung ober bnrd) (Erhöhung ber animalen SBärme ober - natürlidj •- bnrd) bei« beS jufammen. ®ann tritt fidjtbare ober Sdjweijsbilbung ein. ©er SBafferbampf verbidjtet fidj rafdjer unb quillt in ©eftalt Heiner Tröpfchen aus ben SluSführungSgängen ber Sdpveiffbrüfen, ben 'ßoren, hervor, ©er Sdjweip enthält aber auffer Sßaffer (über 90 Salden, u. a. m. and) ©ewebsfdjlacfen (§arnftoff), unb beSljalb Ipt bie §aut and) außer ber Sßafferabfonberung mit ben Vieren gemeinfame Function, ©urd) bie unfid)tbare unb noch im höherein ©rabe bnrd) bie fidjtbare Sdjweißbilbung werben ©ewebsfdjladen aus bem Körper entfernt, wie wir fie im Urin haben. Sind) im ©arm finbet betanntlich SluStaufch von 2Saf« ferbampf unb Äohlenfäure gegen Sauerftoff ftatt. ©abei werben bnrd) bie Sdjleimhaut beS ©armS ebenfalls ©ewebsfdjladen abgegeben, unb aucj 214 biefe (Sntlaftung beS TörperS bon abgenuhten Stoffen fann oermeljrt werben, inbem man bie ©hätigteit ber ©armfdjleimhaut burdj Abführmittel tmregt, wobei ferner nod) ber 'Jluhen erwädjft, ba£ Totljmaffen ans bem Törper entfernt werben, epe eine Auffaugung bon ©ährungSgiften ein* tritt, wie baS bei ju langem Verbleiben beS TotpeS im ©arm ber Fall fein Tann. VJir fepen alfo aus Allem, bah bie §aut pödjft wichtige Functionen, fowoljl bie ber Zungen, als and) bie ber liieren, hat. ©urcp baS ©arnieber* liegen ber (ber erhalten biele Trautheiten ihre töbtlidje ©efährlidjfeit, unb eS ift beSpalb angejeigt, bei irgenb welcher Stocfung in ber Abfonberung bon ®ewebsfd)lacfen für eine Vermehrung ber §autthätigteit 311 forgen. (SS gilt bieS bor allen ©ingen bei Vieren* Trautheiten. ©unflere Hautfarbe wirb, wie gefagt, waprf (peinlich baburcp berur* fadjt, bah bie ©pätigfeit ber Seber erhöht, refp.bie (Sfallenabfonberung ber* mehrt ift, wäprenb bie ©jpbation beS VlitteS in ben ßungen eine geringere ift. ©amit ftimmt überein, bah bie Vlutfülle in ber §aut bei buntlen Waffen eine gefteigerte unb bie Sßafferberbunftung eine ftärfere ift. ©ie geringere (SntgiftungStpätigfeit ber Zungen bunteifarbiger nftenfcpen wirb bem Anfcpein nach burd) erhöhte (SntgiftungStpätigteit ber Seber unb ber §aut compenfirt. And) bie Abgabe bon Fett unb rieepenben Stoffen fteigt mit ber Vtafferüerbunftung burd) bie £>aut, unb babon rührt es woljl foweit nidjt Unreinlichfeit unb riechenbe 9?ahrungSftoffe am ®erud) beS SdjWeiheS beteiligt finb, bah bunteifarbige Voller, befonberS gewiffe ''ftegerbölfer, einen eigenthümlidjen (Sferud) an fid) haben. Oft bod) and) bei weihen Waffen ber Sdjweihgerud) an benjenigen Stellen ein intenfibe* rer, wo bie Sdpoeihabfonberung, wie in ber Ad)felhöhle unb an ber Fuhs (ohle, eine ftärfere ift. 215 Uer|ta«i>cs»apparat. geizigen Functionen unb ba§ güßlen. Stiecßen unb ©cbmeden. §örcn. ©eben. - Stimme unb ®|)racbe. 0ei|ltgen gtintdfonen ititi» bas X>trn- 2Bir fjaben baS gefammte SRerüenfpftem f. 3t iu gefd)ieben, in baS üegetatioe unb baS animale Dlerbenfpftent. ©rftereS bermittelt bie unwillfürlid)en unb unbewußten ©ßätigfeiten, weldje im bejw. bom (SrnäßrungSapparat auSgefüßrt werben unb ber (Srßaltung beS Körpers bienen, ©aS animale ober gnrnnerbenfpftem Ijat bagegen als Functionen bie mit äßillfür unb $ewußtfein bor fid) geljenben ©l)ätig- feiten - ßmpfinben, 33ewußtfein unb ©enfen unb SÖollen - 51t heran' taffen refp. ©iefeS ljat als Zentrum bas ©epirn; leptereS ift alfo baS Organ, burd) weldjeS (Smpfinben, $ e w u ß t f e i n unb ©enfen unb 2B 011e n ju Stanbe fommen. 3ufammen bejeidjnet man jene Functionen beS §irnnerbenfpftem« als g e i ft i g e ©pätigfeiten, unb baS Vermögen, fie auSjuüben, nennen wir g e i ft i g e Fäpigfeiten. öS gept barauS perbor, baß wir biefe Fäpigfeiten bem Umftanb berbanfen, baß wir ein ©epirn befipen, unb baß jeber tpierifcpe Organismus, ber ein ©epirn pat, geiftig befäpigt ift. 9?un giebt es aber tpierifipe Organismen ber einfadjften Slrt, bereu organlofer Körper nur aus einer ungeformten '»ßrotoplaSmamaffe beftept, unb bie beSpalb and) fein ©epirn befipen, gleicpwopl aber für medjanifdje, djemifdje unb electrifcpe 9{eije empfänglid) finb, b. p. ©mpfinbung befum ben. Soldje ©piere, wie wir fie in bett Moneren unb 9lmoeben fennen gelernt ßabett (f. ©. 57 imb 62), müffett barum, tropbem fie feilt ®el)iru ßabett, bod), Wetttt and) ttur iit ber benfbar ttiebrigften Sßeife, geiftig tßätig feilt, ©er Sßiberfprud) jwifdjert ben beibett im SBorßergeßetibett ttett ©djlüffeit, baß ttämlid) geiftige ©ßätigfeit von bem S3orpattbettfeitt eines ©eßirttS abljäitgig ift, imb baß eS gleidjwoßl geiftig befähigte Orga* ttiSmett oljite ©eßirrt giebt, läßt fid) leidjt löfett; er ift nur eilt ftpeinbarer, beim ber djemifdjett Qualität uad) befipt jeb er tßierifcße Körper eiu l)irn. SBir Wiffeu bon ber (SntwidluttgSgefdjidjte I)er, baß alle Stufen beS tßierifdjen Dteidjs aus beuf eiben Stoff eit jufammengefept finb. Söenn es aud) einige niebere ©ljiere giebt, in bereit 53lut fid) nod) ein befonberer Stoff, Tupfer, vorfinbet, fo beweift baS mir, baß Tupfer fein notljWenbt* geS organifcßeS (Element ift. $eber tßierifdje Körper befteßt aus ben 216 gleidjen 15 ©runbftoffen Wie ber DNenfdj, unb bemnad) finb audj in bem niebrigften tßierifdjen Körper, ber organlofen protoplaSmamaffe, bie Por- bebingungen erfüllt, geiftig tljätig ju fein. Oie Perfdjiebenßeit ber geifti- gen Pefäßigung im tl)ierifd)en Dteid) ift nur eine $olge ber nietjr ober weniger Ijoljen (SntwicflungSftufe, auf weldjer bie ©lieber jenes D?eid)eS smgelangt finb. Sie jebeS anbere Organ ift and) baS ©eßirn burdj gellem iufferenjirung aus bem ungeformten Protoplasma Ijeroorgegangen unb bat fid) unter bem Pann ber ewig waltenben ©efeße ber Pererbung unb Slnpaffung vervollfommnet. So leljrt uns bie Siffenfcßaft; nad) ißr ßat nidjt nur baS Protoplasma and) ein (formlofeS, djemifdjeS) ©eljirn, fonbern finb and) bie ©eßirne aller tßierifcßen Organismen (b. I). einfdjließlid) beS DNen(d)en) ber djemifdjen 53efd;affenl)eit nad) gleid) unb nur Verfdjiebem artig organifirt. Oer SNenfdj ift alfo nid)t baS einzige, woljl aber baS am meiften geiftig begabte ©efdjöpf, unb jwar aus bem ©runbe, baß er als bie I)öd)fte ßntwicflungSftufe im tljierifcßen Dieid) baS I)öd)ft entwicfelte ©eßirn hat. Oiefer Porjug beS DNenfdjen vor ben Öfteren, bie ßöl)ere ßntwicflung feines ©eßirnS, geigt fid) barin, baß baS menfdjlidje ©eßirn baS fdjwerfte ift unb bie größte DJlenge grauer Subftanj enthält. DlllerbingS haben (£lepl)anten unb Salfifdje ein größeres abfoluteS unb einige Singvögel ein größeres relatives §irngewid)t als ber DNenfd), beffen ©el)irn im Öurd)* fcßnitt ben 36. Sljeil beS Körpergewichts beträgt. $ür biefe SluSnaßme von ber Diegel, baß ber geiftig am ßödjften begabte Organismus, ber meufdj* lid)e, jeben anberen in Pejug auf baS £)irngewidjt übertrifft, finben fid) aber (Klärungen, welche jene Diegel aufrecht erhalten. OaS §irngewid)t im $erl)ältniß jur gejammten ift bei ßlepßanten unb Söul* fifd)en Heiner als beim DJienfdjen, unb baS relativ größere §irngewid)t von Singvögeln l)at in ber außerorbentlidjen ßeid)tigt'eit beS übrigen Körpers jener Poget feinen ©runb. - ©er Unterfdjieb jwifdjen bem tßierifdjenunb menfd)lid)en ®el)irn liegt aber nod) meßr als in ber ©ewidjtSbifferenj barin, baß baS ©el)irn beS DJlenfcßen bie größte DJiaffe grauer Subftanj sntßält. Sir Tennen eine Weiße unb eine graue Diervenfubftanj; erftere befteßt aus Diervenfafern unb Dierventitt, letztere aus Diervcnjellen unb Diervenfitt. Dlervenfafern unb Diervenjellen finb bie wefentlid)en Elemente ber Diervenfubftanj, wogegen ber Dlervenfitt nur bie SSinbefubftanj, burd) weld)e jene Elemente jufammengeßalten werben, unb ber Xräger ber ©e- faße ift. $Bon ben Diervenfafern wiffen wir, baß fie weiter nidjts als „8eitungSbräl)te" finb, bie nad) ben DZervenmittelpunften ßin- ober von biefen wegleiten ober innerhalb ber Zentren DTervenjellen verbinben. 3n ben Servern ober ©anglienjelten allein finbet bie eigentliche D?erventl)ätigfeit jtatt. Nervenzellen trifft man jebod) nur in ber grauen Subftanz unb 217 biefe wieberum nur in ben 9tervcnmittelpuntten an. OarauS ergiebt fid), baß man nur bie 9Iervenmittelpunfte unb zwar allein bie graue Subftanz berfeiben als Sifc ber nervöfen Xljätigteit anzufehen hat; unb ba baS ®e« ljirn allein baS Organ ber geiftigen £hätigteiten ift, fo folgt barauS ferner, baß ein Organismus um fo mehr geiftig befähigt fein muß, je meljr graue 9tervenfubftanz fein ©eljirn enthält, unb baß, wie gefagt, baS menfdjlidje ®el)irn, ba eS mehr graue Subftanz als baS eines feben anberen tl)ieri« fdjen BJefenS ljat, am Ijödjften auSgebilbet ift. S02it Ausnahme beS verlängerten EOIartS liegt bie graue Subftanz beS ®el)irnS in ber fo angeorbnet, baß fie um bie weiße, aus 9tovenfafern zufammengefetjte „Hftarffubftanz" einen Ueberjug bilbet. 9?ur an wenigen Stellen ber Unterflädje beS ©eßirnS fehlt bie „graue ® e l) i r n r i n b e" unb nur an einigen Stellen finben wir im Onnerit beS (SeßirnS „(Sentralgrau", b. I). Anhäufungen grauer 9i'ervenfubftanz. öS ift nun erwiefen, baß baS (Sentralgrau im großen ®et)irn unb baS ©rau beS Mittel« unb äßnlidj wie bie graue 3D?affe ber beiben anberen 9?ervencentren (9tüdenmarf unb ©anglienfnoten), ber SUiittel« punft ber automatifd)=reflectorifd)en Borgänge finb. So werben bei Störungen im fleinen ©eljirn bie Bewegungen unfidjer, woraus hervor« geht, baß baS Heine ®el)irn baS Zentrum ber Bewegungen ift; fo ragen, wo bas (Sentralgrau im großen ©eljirn baS 9?inbengrau überwiegt, bie nieberen über bie höheren geiftigen Functionen hervor, unb fo enthält baS verlängerte 9)?art bie Sammelftellen für bie Bewegungsnerven beS unb ber Sungen. Oie höheren pft)d)ifd)en Functionen hoben nur ben einen Apparat, bie graue 9ti n b e ber © r o ß h i r n h e m i f p h ä r e n. (Sine Bermehrung biefer 9linbe ift alfo gleidjbebeutenb mit einer größeren Bollfommenl)eit beS ©el)irnS, zumal wenn gleichzeitig baS (Sentralgrau abnimmt. (Sine foldje Bermehrung fann aber nad) jwei 9iid)tungen hiu ftattfinben. Sie fann erftenS in einer Berbidung ber 9iinbe befteljen, bie jebod), ol)ne bie jur Leitung nötl)ige weiße Subftanj alljufeßr ju beeim trächtigen, bei ber Befdjränttheit ber Sdjäbelhöl)le eine nur verl)ältniß« mäßig geringe wäre; fie fann aber troh ber ©renjen, weldje bie ber Ausbreitung beS ©eßimS entgegenfeht, audj baburch vor fid) gehen, baß bie graue 9iinbe fid) furdjt unb in Falten legt unb baburch über eine vergrößerte ausbreitet. Beibe BermehrungSarten ber grauen @roßl)irnrinbe werben beobachtet unb beibe bebeuten, wie gefagt, eine Ber« meljrung ber geiftigen FätjUlfeiten; bie Faltung unb Furdjung ber grauen 9'tinbe ift aber bie wid)tigere Art, weil fie bie größere Bermehrung ber grauen 9tinbe bebingt. 3e zahlreicher unb tiefer bie Falteu unb Furchungen ber grauen ®roßl)irnrinbe finb, bcfto höher ift ein ®el)irn entwitfelt, beftomehr überwiegen bie nid)t automatifdjen Sl)eile bie oben genannten automatifd) 218 Wirfenben ©eljirnabfdjnitte. ©er SNenfdjendjaracter unfereS ©eljirnS be-' ruljt lebiglidj auf bet (tarieren SluSbilbung ber nidjt automatifdjen ©eljiim- partien, unb biefe Ijat, nochmals gefaßt, allein iljren ©runb in ben 2ßin = b u n g e n unb F u r dj un g e n beS ©eljirnS (ber grauen ©rohljirnrinbe), irie (ie fo zahlreich unb tief fein anbereS ©efjirn befipt. I ©iefe tiefen ©infdjnitte, welche wir am ©eljirn eines erwadjfenen 'DNenfdjen fefjen (f. Fijb 69), finben (idj am®ef)irn beS Neugeborenennodj nidjt fo ausgeprägt bor. 3 war zeidjnet fiel) leptcreS bor bem ©eljirn ber fjödjft fteljenben ©Ijiere, ber menfdjenäljnlidjen Slffen, fdjon baburdj aus, ba£ bie automatifdjen ©eljirntljeile fdjwädjer entwicfelt finb als bie nidjt automatifdjen, inbeffen muff baS ÄinbeSgeljirn erft nodj eine jahrelange ©ntwicflnng burdjmadjen, elje eS ben ©rab ber Vollfommenljeit erlangt. (SS ift baS berfelbe Vorgang, ben wir an allen anberen Organen beobadjten unb ben wir gemeiniglich SßadjStljum nennen. ©aS ©eljirn beS Neuge- borenen ift fettärmer unb wafferreidjer als baS beS ©rwadjfenen; eS ift eine weidje, gallertartige Nlaffe, bie (ich erft im 7. Lebensjahre (o weit ber» bollfommnet unb gefeftigt hat, bah baS Äinb ftärfere geiftige ©inbrücfe aushalten fann, ohne an (einem geiftigen Vermögen gefdjäbigt zu werben. (Später werben mit ber fortfdjreitenben Vermehrung unb $e(tigung beS ©eljirnS and) bie Sßinbungen unb Furchungen beSfelben zahlreicher unb tiefer. Ungefähr mit bem 25. Lebensjahr ift baS ©eljirn bollfommen auSgebilbet, um bann bis jum 50. 3aljre in biefem 3uftanb ber Neife zu bleiben, Worauf fidj allmälig eine ©ewidjtSabnaljme unb Veränberung beS ©efjirnS vollzieht, bie es bem ÄinbeSljirn Wieber ähnlich macht. ©ie normale ©ntwicflung beS ©eljirnS ift natürlich bon beffen ridjti- ger ©röfje unb unb ferner bon einer gehörigen ©rnälj' rung beSfelben bebingt. Slber nidjt genug, bah bem ©eljirn mit ber leib= liehen Nahrung bie Stoffe zugeführt werben, aus welchen eS befteljt; eS bebarf in noch biet höherem 2Nape ber geiftigen Nahrung. Sßir wiffen, bah unfere SNuSfeln burdj bernünftigen ©ebraudj erftarfen unb burdj aubauernbe Untljätigfeit entarten, ©benfo berljält eS (idj mit bem ©eljirn, nur mit bem Unterfdjiebe, bah festeres, (oll eS (idj bollfommen entwicfeln, noch meljr als bie SNuSfeln auf gehöriges ©hätigfein ange- wiefen ift. ©amit (oll nidjt gefügt fein, bah übermähige ©hätißfeit eine höhere SluSbilbung beS ©eljirnS zur Folge hat. ©S fann nidjt genug baoor gewarnt werben, an ein finblidjeS ©eljim zu frühzeitig grofje Aufgaben zu (teilen, wie baS gefdjieht, wenn man baS $inb allzu früh iu bie Sdjule fdjicft; eS fann auch hierbei nidjt genug betont werben, bah alle Organe nuferes Körpers (einfdjliehtidj beS ©eljirnS) ein Slbwechfeln bon ©hätiß' feit unb Nulje bedangen, bamit fie wäljrenb ber lederen bie beim ©hätiQ' fein erlittenen Verlufte erfepen fönnen. ©ah baS ©eljirn bor allen ©ingen 219 gehöriger Hebung (b. i. geiftiger Nahrung) ju feiner (Sntwidlung bebarf, beruht aber barauf, baf? baS, was wir gewöhnlid) „(35 e i ft" nennen, nichts anbereS als eine $ o l g e b e r Hebung b e S ® e lj i r n S ift. $eber -äftenfch erljält burd) Vererbung üon feinen ißorfafjren nur baS Vermögen, geiftig tfyätig jn fein, unb biefe«S Vermögen befteljt erftenS in ber $äl)igfeit, ju empfinben. (Sinbrüde ber Slufjenwelt unb foldje auSbem Innern unfereS Körpers wirfen burd) bie Sinnes* refp. (SmpfinbungSner* Den fofort auf baS ein unbrufen bort (Smpfinbugen Ijer* üor, Don benen fiel) baS ®inb aber nod) feine 9tect)enfd)aft abfegen fann. ©aS fann eS erft, wenn in ifjnt baS 23 e w u f? t f e i n gewedt ift, unb lep* tereS ift nur baburdj möglich, baf? biefelben (Sinbrüde wieberfjolt auf baS ©eljirn einwirfen unb bort fdjliefjlid) eine 23 o r ft e 11 u n g Don bem er* regenben (Siubrud fdjaffen. ©iefe 23orftellung wirb mit ber $eit eine bleibenbe. ©aS Äinb, baS bie Dergeblid) nadj bem SJlonbe ftredt, lernt nadj unb nach baS 23ergebliche feiner 23emül)ungen begreifen. weifä es ganj genau ben 23ereid) feiner Sinne ab Ober ein Heiner ©olpatfdj Derbrennt fid) am Ijeifien Ofen bie gingerdjen. ©er heftige Sdpnerj läfjt il)n in lautet Schreien auSbredjen jum 3eidjen, baf? er ben Schmer j fühlt; aber er weif? nidjt, Don wannen ber Sdjmeq fonimt, bis and) er fd)lief?lid) $euer unb Ofen refpectiren lernt, als „ein gebrannt' Äinb, welches baS geuer fdjeut". ©aS 23etouf?tfein, baf? fteuer brennt, ift erwacht, ju einer bleibenben SSorftellung, ju einem 23egriff geworben, ber beim (Srbliden ober kennen beS Ginen jugleid) ba§ Slnbere in bas (® e b ä d) t n i f?) jurüdruft. Oie begriffe mehren fid) fdjliefc lid), unb baS $inb lernt baö 23ert)ältnifj fennen, in weldjem mehrere 23e? griffe ju einanber fteljen, b. p. e§ lernt, fidj Urtljeile bilben. . Oamit beginnt jugleid) baS ©eufen, baS aber Dorläufig noch ein geS (wie bei ben 5?l)ierenj ift. ©ie Urtpeile, weldje biefem ©enfen ju ®runbe liegen, finb nur (SrfafjrungSurtljeile; ein trefflidjeS 23eifpiel !jier= für giebt ber (SrflärungSDerfud) über bie (Sntftelfung ber ©pradje. (Sin gefdjeibteS Olper pat bie ®efäl)rlid)feit eines anberen OtjiereS für fid) fennen gelernt. (SS bilbet fid) barauS baSUrtpeil, baf? biefeSOiaub- tfjier and) für (Seinesgleichen gefätjrlid) ift. (SS fennt felbft ferner ben Sdjreden, weldjen iljm baS Reuten jenes 9?aubtf)ierS einflöpt, unb $ieljt barauS inftinctmäfjig ben (Sdjlnf?, baf? and) Seinesgleichen burd) baS Renten erfdjredt werben, unb fdjliefjlid), fobalb es ein foldjeS 9?aubtfjier er- blidt, Oöne aus, welche bem Reuten feines geinbeS gleidjen ober ähnlidj finb, nur um feine «StammeSgenoffen Dor ber broljenben ($efapr ju warnen. ■- 3)?it bem öfteren ©enfen erwacht ber 23 e r ft a n b, b. h- baS Vermögen, richtig ju benfen. SSirb bieS 23ermögen ju einem in jeber 23e- jiehung bewußten, fo baf? man fid) bie Hrfadjen ber ©inge burd) Siad)benfen 220 tlar madjcn fann, ohne baß bie (Erfahrung bie Urfache vorher gelehrt hatte, bann ift bie l)öd)fte Vollfommenheit geiftiger $äl)igteit, bie Vernunft, erreicht. Sie ift Sllleingut beS 3Jlenfd)en unb hebt ißn über bie £l)iere. Slußer bem Vermögen, ju empfinben unb fiel) burd) wieberholten Nießbrauch biefeS (5rbtt)eilS geiftig auSjubilben, befiljt bet IDlenfd) Don ®e- bitrt an bie beS VegeßrenS unb SBollenS. ©iefe $äl)igteit muß ebenfo Wie bie beS (SmpfinbenS erft auSgebilbet, geläutert Werben, unbbiefe (Sntwitflung beS SB i II en S geht mit ber ber Vernunft §anb in §anb. 3m frühen $inbeSalter ift baS (Smpfinben ein unbewußtes unb baS Ve* geljren ein unvernünftiges. Sluf bie geringfte (Sinwirfung Von außen her ftellt fidj baS SBoIIen ein, ol)ne baß vorher eine Ueberlegung ftattgefunben I)at, ob bie Erfüllung beS SBoIIenS im Vereid) ber 9Nöglid)fcit liegt, unb ob ber SBunfdj ein berechtigter ift. ©er SluSbrud beS SBoIIenS, baS Raubein, ift in gleicher Söeife unvernünftig, (Srft mit ber 3eit, b. I). wenn Verftanb unb Vernunft auSgebilbet finb, lernt ber SBille fein Veftreben in (Sintlang ju ber Slußemvelt unb bem eigenen 3d) ju feigen, b. I). ju einem vernünftigen ju machen, unb baS ift um fo mehr ber galt, je mehr ein Nlenfd) geiftig entwicfelt ift. (Sin unvernünftiger Nienfd) wirb nicht nur falfd) urtpeilen, fonbern and) falfd) panbeln. ©er Vernünftige wirb aber einem SBtllenSimpulS in $olge einer (Sinwirfung auf fein ©emüttj nid)t oljne weiteres folgen, fonbern erft überlegen, ob feinSBollen refp. Raubein berechtigt unb jwed'entfpredjenb ift, b. p. er wirb erft bie Vernunft be- fragen. (SinDNenfch ift geiftig umfo vollfommener. je m e l) r bie Vernunft b e n SB i 11 e n b e f) e r r f d) t. SBir feljen alfo, um baS ©efagte fuq ju wieberljolen, bafj nur bie geiftigen ß-äl)igfeiten angeboren finb; biefe müffen auSgebilbet werben, unb je mehr baS ftattfanb, befto vernünftiger benft unb panbelt ber SOienfd). ber Äinbpcit ift bie !Xl)ätigfeit beS ®el)irnS nur eine centrU petale (empfinben) unb eine centrifugale (wollen); fpäter fommt bie cen- trale pinju. ©iefe Slction beS ®el)irnS fünbigt fiep juerft burd) baS Ve- wufstfein an unb ergebt fid) bann jum Verftanb unb fd)ließtid) jur Ver* nunft, jum vernünftigen ©enfen. geiftiger 9ceife tennjeid)net fid) aber baburd), baß bie centrale ©pätigfeit beS ®el)irnS bie vorwiegenbe ift, b. I). baS (Smpfinben unb SBollen ber Vernunft gel)ord)en. ©ie SluSbilbung beS finblidjen ©eifteS Ijängt in erfter ßinie von ben Umftänben ab, unter weld)en baS Äinb groß wirb, ©ie (Sinbrütfe, weldje auf baSfelbe einwirfen, jwingen biefem (Smpfinbung ab. SBoßer fall baS $inb nun lernen, bie ridjtige Vorftellung von bem (Sinbrud ju ge= Winnen, fid) ein rid)tigeS Urtpeil ju bilben ? ©aS $inb fann unmöglich bie ganje Summe ber geiftigen (Srrungenfchgften feiner Vorfahren felbft nod) einmal erfämpfen. Nehmen wir ein Veifpiel ju §ülfe. ßid)tftrahlen 221 treffen bie für biefelben empfinblid)en Gnborgane beS Sehnerven (im Singe), nnb biefer ?iert> trägt ben erhaltenen 9teiz anf bas ®el)irn über. §ier entftefyt eine öiifjteinpfinbung, bie je uad) ben Schwingungen beS Vieltes verfdjieben ift. ©iefe verfd)iebenen Gmpfinbungen haben mir willfürlid) mit verfd)iebenen 9?amen benannt, bie allgemein gültig finb. Blau, 91ott), ®rün, u. f. w. finb feine verfdjiebenen „Cidjtftoffe", fonbern mtr ver- fdjiebene ßid)tempfinbungen in unferem Gehirn, bie vcrfdjiebcue 91amen tragen, ©aS $inb muß nun mit biefen Bezeichnungen befaunt gemadjt werben, ober es wirb fie nie lernen. ©aS ©leidje gilt bezüglich ber Spradje überhaupt. Of)ne bajt ein Ä'inb fpredjen hört, wirb es nie fpredjen lernen, ©asfelbe läßt fid) fdjließlid) and) auf bie f i 111 i d) e (5 n t w i cf l u n g beS $inbeS auSbehnen. Sßächft ein 9J?enfd) nur unter ©hieren auf, f° nimmt er bereu SebenSWeife an, foweit bad im Ginflang mit feiner förperlidjen ©rganifation fteljt; er lernt nicht fpredjen, Bernunft bleibt iljm verfagt, unb er tann nie 91ed)t von Unrecht unterfdjeiben. GS geljt barauS heröor, einen weid)' großen Ginfluß bie Umgebung auf bie gefammte geiftige Gut- wicflung beS 9J2enfd)en fjat. ©aS Äinb muß zum 9)lenfd)en erft erzogen werben, ©ie geiftige, gefittete unb fittlidje §öl)e, bie ein HJlenfdj erreicht, verbanft er l)auptfäd)lid) ber G r z i e 1) u n g, bie er genoffen hat. - ©ie 91ervenfafern, welche ben peripherifdjen ©heil öeS i r n n e r v e n f i) ft e m S auSmad)en, zerfallen wie bie Rufern ber beiben anberen 9?erüenfl)fteme in GmpfinbungS- unb BeWegungSfafern. Grftere vermitteln bie centripetale, letztere bie centrifugale §irntl)ätigfeit, bie will' türlidjen Bewegungen. ©ie motorifdjen 9ierven würben fdjon befprodjen (f. S. 136), fo baß wir uns hiev nur mit ben GmpfinbungSfafern bes §irm nervenfpftemS 311 befdjäftigen haben, ©iefe Hafern finb allein im @tanbe, be- wußte Gmpfinbungen in uns hert)orzurufen, benn alle anberen Gnipfin- bungSfafern, wenn fie nid)t inbirect etwa mit bem ©eßint in Berbinbung ftehen, bienen nur bazu, in bem 9tüdenmarf ober ben ©anglienfnoten 9ie= fiepe hervorzurufen, burd) welche unwillfürliche W?uSfelfafern in Bewegung gefeilt werben (f. @. 122). ©ie fenfiblen ober GmpfinbungSfafern bes vermitteln aber entweber Gmpfinbungen von außerhalb nuferes Körpers ober von innerhalb beSfelben her. öm erfteren $alle rufen fie im ®el)irn ganz befonbere Ginbrücfe, wie beS .®d)alls, beS ßidjtS, u. a. m., hervor, wurzeln in beftimmten Organen, welche Sinnesorgane (£>hr, Singe, u. f. w.) genannt werben, unb heißen SinneS'ober fen = f 0 r i e 11 e 91 e r v e 11. anberen fyalle enbigen fie nid)t in „Sinnes- organen", fonbern burd)ziel)en einfach bie ®ewebe unfereS Körpers unb rufen burd) ihre Grregung baS „9(llgeineingefül)l" (Sdjmerz, ©urft, $ipel, 3uden, u. f. W.) hervor; fie nennt man G)efül)lS- ober fenfitive 91erven. Beibe Slrten 91crvenfafern laufen peripljerifd) in beftimmte 222 (Snborgane aus, in meldjen ber neroöfe 9ieij burd) bie verfdjiebenen (Sin* briiefe von innen ober außen per erzeugt, aber nid)t empfnnben mirb. ©aß mir bie (Smpfinbung (nacp bem ®efep ber ejeentrifepen (Srfcpeinung) in biefe (Snborgane verlegen, 3.53. baS §ören in baS ©pr, baS Diiedjen in bie 9?afe nnb baS ©epen in baS 5Iuge, berupt auf einer ©äufdjung (f. ©. 125). ©ie (SrregungS3uftänbe ber 9?er* von merben nur im ®epirn empfnnben unb an beftimm* ten ©teilen beSfelben. grüper napm man an, baß jebeö ©inneöorgan feine „fpecififdje Energie" pabe unb baß burd) bie Nerven berfelben bie betr. (Sinbriicfe (be§ ©djatlS, ßidjt§, u. f. m.) bem ®epirn „fertig" über* mittelt mürben, ©em ift aber nid)t fo, benn ipm miberfpridjt, ma§ mir bereits miffen, baß mir nämlid) and) im ©unfein Sidjtempfinbung paben, menn ber ©epnerv an irgenb einer ©teile feines Verlaufs jmifdjen bem (Zentral* unb bem (Snborgan, 3. 53. burd) 53lntbrucf, erregt mirb. DJlan ift gejmungen, bie verfdjiebenen ©inneSempfinbungen auf eine anbere „fpeci* fifdje (Snergie" als bie vermeintlidje ber Nerven surütfjufüpren, nämlid) auf bie beftimmter ©epirnpartien, von benen eine jebe nur gan3 beftimmte ©inneSempfinbungen maprnepmen fann. 3iid)t bas ©pr, nid)t ber ®epör* nerv, fonbern nur ber §örpirntpeil pört. ©aburdj erflären fid) and) alle bie fubjectiven (Smpfinbungen, bie im ®epirn entftepen, opne baß von außen per eine beS betr. ©inneSnerven ftattgefunben pat. ©abei ift aber fefaupalten, baß eine normale (Srregung eines fenforiellen Nerven (burd) ©djallmellen, rieepenbe Stoffe, u. f. m.) immer nur von beffen (Snborgan (®epör*, $iied)3ellen, u. f. m.) auSgepen fann. Müßten. Tag Ogcincingcfütjl. Ter Taft; unb ber Temperaturfinn. ©obalb ba§ ®leid)gemidjt ber Organe unfereö Körpers irgenbmie ge- ftört ift, empfinben mir ein Unbehagen, baS, ob eß fidj int gefammten Orga= niSntuS ober (nadj bem ®efep ber epeentrifdjen (Smpfinbung) örtlid) geltenb madjt, immer ein untrüglicpeö Beidjen ift, baß fiep im Körper ein abnormer Vorgang üolljiept Bft baS unbepaglicpe ®efüpl ein ftärfereS, fo nennen mir e§ ©cpmerj. Oer ©ip be$ ©cpmerjeö, b. I). bie ©teile, moljin mir ben im ®et)irn empfunbenen ©djmerj »erlegen, ift abernid)t notpmenbiger- meife and) ber ©i£ be§ „franfpaften" BuftanbeS. @o üerfpüren §erj-nnb ßebertrante päufig in ber SIdjfel ober in ber §anb anftatt im §erjen Ober- in ber £eber, unb §üftgelenttranfe im (gefunben) Snie anftatt im §üftge= lenf ©cpmeq. @8 finb baö SJlitempfinbungen (f. ©. 125), mobei ber 91 223 guftanb ber §erj*, Seher* ober §üftgelenf*GmpfinbungSnerben auf bie ber Sldjfel, ber £>anb ober beS BnieS übertragen wirb. 9lud) bie Störte beS SdjmerjeS ift niemals ein SRajiftab, nad) welchem man bie größere ober geringere ®efäl)r(idjfeit eines SeibenS ohne Weiteres beftimmen tonnte, beim fetjr gefährliche Brautzeiten finb oft fdjmer$IoS, Wäljrenb unbebeu* tenbe Sßeränberungen im Organismus, 3. 23. ein ljoljler heftig* ften Qualen berurfadjen tonnen. ©aS törperlidje Unbehagen, refp. ber Sdjmeq ift alfo feiten, jumal für benßaien, baS Spmptom einer beftiinm* ten Brant heit, ftcts aber ein ficljereS baß irgenb eine Branfljeit im Börper gegriffen ljat. ©iefeS „2ÖarnungSfignal"'ift mit ben Sllarmfignalen ber automatifdjen Apparate ber Gleftrotedjnif 311 ber* gleidjen. 23ei ber geringften Störung im Börper geht es bonfelbft ber Gentralftation beS BörperS, bem®el)irn, ju. GS wirb eine GmpfinbungSnerbenfafer gereift unb biefe übermittelt (centripetal) ben 9teij bem ®efül)lS* ccntrum, bem ®el)irn. So biet wiffen wir beftimmt. Südentjaft ift nufere Benntniß aber noch in ber automatifdjen Steigung ber betr. Serben refp. ihrer Gnborgane. 33on festeren tcnnen wir erft einen Oljeil, unb jwar folgcnbe: 1) ©ie ''ßacini'fdjen ober 23ater'fdjen Börper* djen (f. 116), obale ©ebilbe bon jwiebelfdjalen* artig um einanber licgenben 23inbegewebSfchid)ten, bie einen centralen, mit einer gleichartigen $lüffigfeit ange* füllten umfd)ließen, in welchem bie Sterben* fafer fnopf* ober gabelförmig enbigt. Soldje Börperdjen finben fiel) art bieten 9JiuSfeln unb ©elenfen, im Unter* hautjcllgewebe unb in ben SpmpathicuSgefledjten ber 23aud)höl)le. 2) 91eroenenbfolben, obale ober runbe, namentlich in ber Sdjleimhaut bor* tommenbe 23läsdjen, bie wie bie Börperdjen aus einer binbe* gewebigen §iille beftel)en unb einen weichen, gleidjartigeix Bern um* fdjlicpen, inweldjem bie Dleroenfafer fpip enbigt. 3) eS finb Bnöpfdjen, bie frei auf bem Gnbe feinfter Dierocnfafcrn fipen. 2Bie gefagt, wiffen wir noch nid)t, wie ber automatifdje 9teij auf biefe ober anbere, uns nod) unbefannte Gnborgane ber GmpfinbungSneroen* fafern ju Staube fommt. Bnbeffen tonnen wir ihn uns ähnlich wie ben borftellen, Weldjer bei ben begetatiben Vorgängen in nuferem Börper auf bie glatten IDluSfelfafern ausgeübt wirb (f. S. 135). Sicherlid) beftel)t 3Wifd)en ben „®emeingefül)len", b. I). jenen SöarnungSfignalen, wetdje bei ben geringften trantl)aften Buftänben bom Bonnern beS BörperS aus felbft* Fig. 116. Sin Verdjen. a) (Stiel, b) •fterbenfctfer im Stiel, c) äußere uni) d) innere Sdjicijt ber £>itllc, e) 9ierbenfn|eru. f) Snb= bersmeifliingen berfeb ben innerhalb beä 3n= nentolben§, 224 tfjätig gegeben werben, unb ben vegetativen D'leijen ein enger 3ufammem hang, benn ®emeingefül)le empfinben wir ja nur bei (Störungen ber vege* tativen ©ie nadjfolgenben -Söeifpiele werben baS erläutern. ©ie ßmpfinbung beS, im gewöhnlichen Veben junger genannten ©emeingefühlS, welches funbgiebt, baß ber Ä'örper baS -Sebürfnijj nach Nahrung fühlt, hat ihren <Sih im SRagen ober auch im ©arm. ©ie peri= pherifdjen (Snbigungen ber fenfiblen 91ervenfafern beiber Organe melben eben, bap, um einen lanbläufigen SluSbrucf ju gebrauchen, SRagen unb ©arm feit ju langer £eit nichts ju tl)un gehabt haben, um ben an fie ge* (teilten ?ln(prüdjen auf Lieferung von GrnährungSflüffigteit ju genügen, ©iefe nach bem ©eljirn wirb natürlich (nad) bem ©efep ber ej> centrifchen (Smpfinbung) an ber peripherifdjen (Snbigung ber betr. Servern fafern fühlbar, ©ie gmngerempfinbung hört aber auf, nad)bem Nahrung jugeführt unb bamit ber normale (SrnährungSVorgang wieber eingeleitet worben ift. - ©aS ©urftgefütjl ift eine (Smpfinbung ber hinteren Schlunbwanb, bie burd) (Sintrocfnung ber bortigen (Schleimhaut bejw. ber biefe verforgenben sRerven hervorgerufen wirb, ©iefe (Sintrocfnung macht fid) bemerkbar, fobalb ber Sßaffergeljalt beS Blutes ein ungenügenber ift. SBirb bem ©urftgefül)! Slbhülfe gefdjafft, b. I). SBaffer- menge zugeführt, bann hört and) ber (ejrcentrifd) empfunbene) ÖMz jener 'Rervenfafern auf, unb baS normale törperliche Sßohlbefinben (teilt fid) wieber ein. 3n ähnlicher Steife verhält es fid) mit bem ®efül)l ber (5 r m Übung. Unfere äRuSteln, bie gegen medjanifdje wie Stoß, Sdjneiben, Stechen, u. (. w., jiemlid) unempfinblid) finb, haben ein feines ©efüljl für ihre jeweilige 4Be(djaffenheit. Sobalb bie VeiftungSfraft eines DRuSfelS burch anhaltenbe Arbeit erfdjöpft ift, b. h- fobalb fid) im 3RuSfel @ewebs- fdjlacfen („(SrmübungSftoffe"; f. @. 106) angehäuft haben, wirb bieS von (gmpfinbungSnerven nach bem ®ehirn gemelbet. ($S ftellt (id) baS ©efütjl ber (Srmübung ein, unb biefeS ift alfo eine bem ®ehirn jugefanbte, in ben fenfitiven 9?ervenfafern beS epcentrifd) empfunbene bafs bie £eiftungSfähigfeit beS HRuStelS erfchöpft, baf? btefer Nahrung unb 9?ul)e jur SBerwertljung berfeiben bebarf. ©ie SDluSfeln haben ferner and) ein feines ©efüljl für ihre jeweilige Vage, unb biefe ßmpfinblidjfeit ber 2RuSfeln für iljre V3efd)affenl)eit unb Vage, bie uns wie ein eigener Sinn bient, hat man barum als „9RuSfe Ifinn" bezeichnet. @r ift es and), welcher uns über ben ®rab ber Slnftrengung belehrt, welcher erforberlid) ift, um einen uns geleifteten Sßiberftanb ju überwiuben. ßn biefem (ammenljange legen wir bem SRuSfelfinn nod) ben befonberen Hainen r a f t f i n n" bei. 23efonberS beim Spredjen unb Singen, b. h. bei ber unb ©onbilbung in ber SRunbhöhle unb im Äeljlfopf ift ber 225 $raftfinn wichtig, benn iljm verbauten nur bas ©efüljl ber jeweilig er« forberlicpen straft, nm bie ©pradjorgane in bie gewünfd)te Sage (ä)iustel« aufammenaieljung) ju verfemen. 23on biefen 3111 g e ni e i n g e f ü l) l e n ober 3lllgemeinempfinbungen finb wol)l au unterfdjeiben bie (Smpfinbungcn, welche wir and) als ©efüljls« empfinbungen $u bejeidjnen pflegen, bie aber in SÖaprljeit ©inneSwapr« nel)mungen finb: ©aft« unb ©emperaturempfinbungen. 53eibe finb ben Slllgemeinempfinbungen analog, befonberS bie ©emperaturempfinbungen, unb mit beiben mifdjen fid) ©emeingefüple feljr oft, aber finb fie verfdjieben, wie fie and) burd) verfdjiebcnartige nervöfe (Snborgane ver- mittelt Werben. ©er © a ft f i n n, welcher feinen ©i£ auf ber äußeren §aut unb an ber 3ungenfpi£e Ijat, wirb am Äopf burd) ftafern beS breigetpeilten (5. §irn«) Nerven unb am übrigen Körper Vorzugs« weife burd) ftafern ber hinteren Sßurjelnber 9tüdcn« martSnerven vermittelt, ©ie (Snborgane biefer ©aft« nerven finb bie 91ervenpapillen ber §aut mit ihren ©aftförperdjen (f. $ig. 117). Seigere, welche and) Wteifner'fdje ober Sßagner'fdje Äörperdjen genannt werben, finb ovale -33läsd)en, weldje mit ihrem läng« ften ©urdjmeffer fentredjt auf ber §aut ftepen (f. $ig. 112) unb faft ben ganj inneren SRaum ber pille einnehmen. $n baS innere ber ©aftförper« djen treten eine ober mehrere 9iervenfafern ein, bereu feinfte (Snbigungen nod) nid)t genau befannt finb. ©urdj Erregung biefer nervöfen ©nborgane wirb nun burd) bie oben genannten Serben im ®el)irn eine Slnjapl von ©mpfinbungen vermittelt, je nad) weldjen man ben ©aftfinn als e i g e n 11 i d) e n © a ft f i n n, als £> r t S f i n n ober als © r u d f i n n unterfdjei« bet. (Srfterer lehrt uns bie gorm unb bie ©eftalt ber ©berfläcpe eines von uns betafteten Körpers ertennen; ber OrtSfinn befähigt uns, ben Ort an« augeben, an weldjem unfere berührt würbe, unb ber ©rudfinn lel)rt bie ©röfe eines auf bie §aut auSgeübten ©rüdes 9)?it bem ©aftfinn, ber an ben verfdjiebenen ©teilen unfereS Körpers je nad) ber 3lnjal)l ber in ber §aut liegenben ©aftförperdjen verhieben unb an ben unb Innenflächen ber Ringer wegen ber bort relativ jal)l« reid)ften 9f?ervenpapillen am fdjärfften ift, wirb oft ber oben erwähnte HRuSfelfinn augleid) erregt; beibe ©inne fid) gegenfeitig. ©er © e m p e r a t u r f i n n, ber bie ©emperaturempfinbung vermit« telt, l)at feine (Snborgane ebenfalls in ber £>aut. ©iefe Organe finb uns Fig. 117. Davide ber $aut. a) 9tin» benfcfjW, b) £afttörper= cf>en mit queren Semen, c) (Eintritt beg 9icrt>enäfM)en5, d) Keröenfafern, bie ba§ äafttörpercljen umftnnnen, e) Snbiqung einer 3?eröen= fafer. 226 3War nod) nidjt befannt, bocp ift bie 9lotpwenbigfeit eines eigenen ©empe« raturfinneS mit befonberen (Snborganen baburdj bewiefen, bap ber ©aftfinn opue ben ©emperaturfinn geläpmt fein fann. ©ie (Smpfinblidjfeit ber £aut für ©emperaturreise ift an ben verfdjiebenen Stellen unfereS Äör« perS unb je nacp ber 53lutmenge ber §aut verfdjieben. 2(m empfinblicp« ften finb wir für ©emperaturrei3e an ber Bungenfpipe unb ben Slugenlibern unb bei 33lutarmutp ber £)aut; ber §aut vermiubert ba« gegen bie ©emperaturempfinblidjfett. ©emperaturuuterfdjiebe werben um fo ntcpr empfunben, je fcpneller fie auf einanber folgen unb je gröper bie bavon betroffenen finb, unb werben auf bie §aut an verfcpiebenen Stellen Verfcpiebene ©emperaturrei3e auSgeiibt, fo empfinbet mau ben Un« terfdjieb um fo beutlicper, je näper bie an einanber liegen. Wi anbauemben, peftigen ©emperaturreijen empfinben wir entweber §ifee« ober groftgefüpl. 33eibe ©efüple gepen aber fdjlieplicp bei nod) ftärferer 9iei3ung in ein unb baSfelbe ©efüpl, fdjmerjpafteS trennen, über. mtö ©er ®erud)S- unb ber (SefdjmadSfinn finb bie beiben fogen. djemifdjeu ©inne, weil fie uns über djemifcpe (Sigenfcpaften ber Körper belehren, unb iljre nervöfen (Snborgane normal nur burd) cpemifche fReije erregt werben. Slrißerbcm finben jwifdjen ipnen nod) mannigfache, weiter unten ju erwäh- nenbe Beziehungen ftatt, fo baß man biefe beiben ©inne im Bufammem hange ju befpredjen pflegt. Ter giicrfjappai-at ober baS 6) e r u dj S o r g a n Ijat feinen ©i(j in ber fRafe refp. ber oberen Diafenhöhle. ©ie Dlafe, an ber man eine äußere unb eine innere unter- fdjeibet, h«t «ber außer bem Bwecf, ben peripherifcpen Gnborganen beS (SerucpSnerven eine gefdjüpte SluSbreitungSflädje ju bieten, noch ben eines §ülfSorganS für ben SlthmmigS-, ben §ör- nnb ben ©pradjapparat. Be= jüglid) beS erftgenannten Apparates bient fie nid)t mir jur Aufnahme ber Öuft, fonbern and), nnb jwar in ©emeinfdjaft mit bem fRiedjapparat, jur Prüfung ber Suft, b. h- fie nimmt bie Öuft nid)t mir auf nnb wärmt unb reinigt fie (mittels ber fRafenpaare unb beS 9iafenfd)leimS), fonbern jeigt and) an, ba verunreinigte ßuft meiftenS riedjbare ©toffe enthält, wie j. B. (Safe, ob bie £uft fdjäblid) ift ober nidjt. ©ie äußere, im (Sefid)t pervorragcnbe 9Z a f e h«t oben (an ihrer BJurjel) ein fnödjerneS, von ben beiben 9iafenbeinen gebilbeteS unb unten 227 (an ißrer Spitje unb ben oeiben 9f?afenflügeln) ein fnorpelige? ®erüft Sie ift mit einer an Talgbrüfen reichen §aut überfleibet, Weldje an ben 9iafenlöd)ern in ba? innere ber 9tafe umfdjlägt unb bart allmälig in bie 9iafenfd)leim()aut übergeßt. Tie innere 91 af e ober bie 9?afenßöl)le ift ein unter ber Scßäbel« (jößle, jwifdjen ben beiben 9Iugent)öljlen unb über ber 99?unbl)öl)le gelegener Weldfer mit ben Roßten ber Stirn«, $ei(« unb Cberfieferbeine (f. S. 93), mit bem Tßränencanal (f. Sluge) unb mit ber (5uftad)i'fd)en Trompete (f. £>ßr) in SSerbinbung fteßt. Tiefe §ößle wirb burd) bie ,,9lafen« fdjeibemanb" in jwei üoltftänbig bon einanber gefonberte getrennt, non benen jebe eine Ceffnung nad) außen (9iafenlod)) unb eine foldje nad) innen, in ben Scßlunbfopf füßrenbe ßat; festere nennt man (Sßoane. Stuf biefe TÖeife ift eine (Sommunication jnufdjen ber atmofpljärifdjen ßuft unb ber fDZunbßößte, bem Äeßlfopf, ber Suft« unb ber Speiferößre burd) bie Tcafe mögtid). Tie 9lafenfd)eibewanb befteßt oben unb ßinten au? ber fenfredften glatte be? Siebbein? be$W. bem ''ßflugfdßarbein, ift alfo fnöcßern (f. $ig. 41); born unb unten ift fie fnorpelig unb wirb burd) ben ,,9?afenfd)eibewanb« Knorpel" gebitbet. Tie recßte unb linfe Slußenfeite biefer Scßeibewanb bitben bie beiben 3nnem wänbe ber 9tafenpöt)te-- I)ä(ften (f. fyig. 118). Ten« felben gegenüber liegen bie bon Sieb«, Tt)ranen«, Cberfiefer« unb ©aurnen« bcinen jufammengefepten 9Iupenlbttnbe ber beiben Hälften ber 91afenl)öl)(e. 9ln ben inneren, ber 9lafen« Ijöljle jugefeljrten $läd)en biefer Sluftenroänbe fef)en Wir brei über einanber liegenbe (eigenartige 2lu$wüd)fe („9?afenmufd)e(n"; f. ?vig. 119), weldje fid) nad) außen, unten unb innen frümmen unb baburd) jwifdjen fid) unb ben äußeren SBänben bitben, we(d)e 9?afengäuge genannt wer« ben. Tie feittid) burd) bie 9?afenfd)eibewanb in jwei getrennte 9iafenl)ößte wirb alfo burd) bie brei 9?afenmufd)eln in über einanber liegenbe §ö()(en gefd)ieben. Tie tnödjerue Unterlage ber beiben oberen 9?afen« mufdjeln finb Tßeile ber fen(red)ten glatte be$ Siebbein?; bie unterfte 9?afenmufd)el wirb bagegen von je einem befonberen Änod)en, bem 99tu« fd)elbein, gebilbet Fig. 118. Sie 9?aienf)öt)(e im fenfredjten Elnerbnrififctjnitt. i) SQaien= fcfietbemnnb; jn beiben ©eiten bie SJiafcnljöbleljiilftcn, in Weiche bie 9?afenmufcf)eln (a, b u. c) Ijineinrnqen. - d) harter ®nu= men, e) ßäpfcfjen, k,k) Slugenfiöljlen, 1,1) 228 X)ie ganje 9?afenl)öl)le, mit SluSnaljme bet ben 9?afenlöd)ern benad)« barten Partie, ift fammt iljren 9?ebenl)öl)len mit @d)leiml)aut überzogen, bodj ift biefe in ben Derfdjiebenen Steilen bet Diafe üerfdjiebenartig. 3n bem unteren STtjeit ber 9?afenl)öf)Ie ift fie rötßlid), mit einem flimmernben ©berljäntdjen betreibet unb reid) mit ©efitßls« nerüen, U)e(d)e Dom 5. gurnnerDen auSgefjen, unb mit Slutgefäßen u. ©djleimbrüfen auSge« ftattet, iueSljalb fie aud) oft ber ©tfc Don (gut« jünbuugen (edjuupfen unb 91afencatarrl), u. a. m.) ift. Sei ber leidjten Communica« tion mit ben 92eben« fjößlen pflanzen fid) ©ntjünbungen leidjt auf bie 9?ebenl)öljlen ober and) burd) bie Sljoauen auf ben föeßlfopf, bie Raubein, u. f. tt>. fort unb finb bann bei bem Denoicfel« ten Sau ber 97afenl)öl)le fdjmer an ber beS UebelS anjugreifen. ®iefe @d)leiml)aut bient bem SltfjmungSapparat unb ber nod) ju er« tDäßnenben )Jiafenfd)leim« ljaut als ©djufcorgan, in« bem fie fdjäblidje Seimen« gungen ber ßuft juriitf« piilt. £ie ©djleimljaut ber S'iebenljöljlen unter« fcfjeibet fid) Don berjenigeu ber unteren 9?afenl)öl)le I)auptfäd)lid) burd) beu faft gänjlidjen SKaugel an <Sd)leimbriifen. ®ie britte Slrt dou enblid) ift bie eigentliche «Sie befinbet fid) nur im oberen 2:ßeile ber (an ben beiben oberen 9?afenmufd)eln unb bem oberen Jljeil ber fdjeibeiuanb). ßs ift eine gelblidje £)aut, bie fein flimmernbeS ©berl)äut« d)en, ftatt beffen aber ein foldjeS ljat, bas aus einer biden unb babei garten Fig. 119. ßnöcfjcrne (Seitentoanb ber a) Obere, b) mittlere, c) untere (2Rufdjelbein), d) harter ©aumen, f) ÜRünbung ber Ohrtrompete. Fig. 120. Oeiteniüanb ber fQaferttjöljle. a), b), unb c) 9?afentnufr6etn, d) £bertiefer unb Ijarter (Saunten, e) toeicfjer (Saunten, f) fVhütbung ber Ctjrtrontyete, g) bte (Seflecfjte be§ SRiedjnerBen; jinifcfien a), c) unb h) 5. £>irnnerben, ber oberhalb f)tnbte!ftafen= Ijöljle eintritt. 229 Sdjidjt von Cberßautflellen befteßt. gwifdjen biefe gellen finb bie leßten Enbigungen beß ®erud)ßnerven, bie „fRiecßflellen", eingelagert. £)ie 9iied)flel(en (f. gig. 121) finb langgeftrecfte, flWifcßen Stüßflellen gelagerte gellen mit runbem $ern unb gebe von il)ncn ßat jwei einen etwaß bitteren, ber nad) oben flWifdjen bie ©ber* ßautflellen verläuft unb bort an ber äußerften ©berfläcße ber gellenfdjidjt, weldje bie 9iiedjfd)leimßaut überfleibet, quer abgeftußt enbigt, unb einen feineren, nad) unten geßenben gort* fafc, weldjer ein feinfteß 9cervenfäferdjen ift, baß bem 9tiedjnerven flugeßört. ©iefer, ber erfte (paarige) §irn* nerv tritt burdj feinfte'ßödjer ber bie Dlafenßößle oben begrenflenben, quer liegenben (Siebplatte beß Siebbeinß in bie 9tafenßößle ein, unb flwar füllt er jene ßöcßer voll* ftänbig auß, fo baß uidjt etwa, wie fluweilen angenom* men Wirb, eine glüffigfeit auß ber Sdjäbelßößle in bie 9?afenßößle ober umgefeßrt, 3. 23. Sdjnupftabaf in bie Sdjäbelßößle, einbringen fann. gn ber 9tafenßößle verbreitet fid) ber ©erudjßnerv, unb flwar, wie gefagt, nur an ber oberen fRafenfcßeibewanb unb ben beiben oberen 9?afenmufdjeln, flu einem ©efledjt immer feiner iverbenber gäfertßen, bie fdjließlid) in bie unteren gort* ber 9tiedjflellen übergeßen. Slußer biefen Nerven* fafern finben fid) in ber 9tiedjfd)leimßaut, bie and) alß „Scßneiber'fdje £>aut" bejeidjnet wirb, einige Sdjleim* brüfen, weldje bie 9tiedjfd)leimßaut feudjt erßalten. X>iefe geucßtigteitßabfonberung ift von größter 23ebeutung, benn bei trocfener 9?afe beflW. 9tiedjfdjleimßaut finbet feine ® e r u dj ß e m p f i n * bung ftatt. Um biefe ßervoqubringen, muffen ferner bie 9tied)ftoffe in ©aßform unb in einem beftänbigen Vuftftrom in bie 9lafe eingefüßrt iver* ben. fluffige Stoffe bewirten feinen ®erudj. füllen wir mit foldjen bie 9?afe an, maß beim g'lad)liegen auf bem 9tütfen gefd)el)en fann, fo erhalten wir feine ©erudjßempfinbung, fei ber Stoff fo ftarf riedjenb, wie er wolle. ®er bei bem Slnfüllen ber 91afe verfpürte ®erud) rüßrt von ber erften Er- regung beß ©erudjßnerven, b. I). von ber erften 23erül)rung ber mit ber 9tied)fd)leiml)aut, fjer. galten wir in einer übel riedjenben Um- gebung ben DJtunb jn, fo riedjen wir nid)tß. ©iefe wol)l fd)on von gebem gemachte Erfahrung unb jene anbere, baß wir um fo beffer riedjen, je fräftiger unb fdjneller Wir ben 9tied)ftoff burd) bie 9?afe fließen (b. i. fdjnüffeln), beftätigen, baß jum Dtiedjen ein beftänbiger Cuftftrom burdj bie 9tafe nötßig ift; unb barauß geljt Ijervor, baß bie Erregung beß ®e- rudjßnerven nur im erften Slugenbltcf ber 23erüßrung mit bem 9tied)ftoff Fig. 121. (Snbicjuncjen be§ 9? icct)= nerven, a) SRiedjjeUen, b) <5tüt jetten. 230 erfolgt. Gine bauernbe ®erud)Sempfinbung fann mir ju ©taube fommen, wenn immer neue beS in ber Stift auf baS $einfte vertpeilten WiedjftoffeS ber riedjenben Körper mit ber 9iied)fdjfeimpaut in eine erfte fommen, b. p. immer mefjr unb mepr von biefen an bie 9tiedjfd)feimpaut eingeatpmet Werben. Gine ©erudjSempfinbung fommt bemnadj baburd) juiuege, baß wir fRiecpftoff einatpmen, moburd) biefer mit ber 9tied)fd)feimf)aut in 53e= rüprung fommt unb auf bereu einen 9teij ausübt, weltper im ®ef)irn jum Söewußtfein gebracht, von nnS aber (nacp bem ber epeen- trifdjen Gmpfinbung) als ein beftimmter ®erud) in bie 9cafe verlegt wirb. Ter (Mcfrfjmnrfeinppnrnt ober ba-3 (55 cf d) m a cf § 0 r g a n pat feinen ®ip tu ber fDlunbpöpfe unb zwar in ber Bunge unb in bem vorbereit Tpeif beS weießen (Säumens; wie weit festerer mit (Sefdjmacf begabt ift, ftept freilidj nod) nid)t feft. T)ie Bunge (f. $ig. 122) ift aus vielen, in ben Verfd)iebenften9iid)tungen Vertaufenben fDluSfeifafern jufammen- tooburdj fie ityre große unb viel' fettige 53eivegfid)fcit erfjäft. T)icfe ift in ber fDfitte ber Sänge nad) burd) eine fjäutige Scßeibelvanb in jivei getrennt. $ßie affe anbe- ren Tfjeife ber SJlunbfjößfe wirb bie 3unge von ber 9)Zunbfd)feimf)aut über- zogen, weldje vorn, an ben Sippen, be= ginnt unb fiel) Ijinten in ben 5tel)lfopf unb bie ©peiferbpre ginab erftretft. fDZit iprem ßintereu, breiten Gnbe ift bie an ba§ Buugeubein (f. $ig. 69 unb 123) befeftigt. ©iefer mit bem in fofer SSerbinbung fte- ßenbe, auf unb abwärts bewegfidje bifbet einen bem Unterfiefer äfjnlidjen 5öogen, herein „Körper" ge= naniiteS SJlittelftüd fjat, von bem auf jeber ©eite ein ?(ft nad) aufwärts unb piuteu fteigt; eS finb baS bie beiben „großen Bnngenbcinpöruer". 2L'o biefe vom Körper abgepen, erpebt fid) auf jeber ©eite nod) ein „ffeineS Bungeubeinporn". Slußer ber Bunge bient Fig. 122. Obere gleiche berßimge. a) unb b) (Stimm' baitber, c) «Stimmrifce, d) itmllförmige, e)biUs förmige unb f) fabenförmige Bungenmärjcben. 231 bas Bungenbein nodj nieten £)alSmuSfeltt als SlnljeftungSpunft. Von ber Ijinteren unteren g-lädje ber Bunge geljt ein fdjmaleS (Sdjleimljautfältdjen („Bungenbänbdjen") nadj Horn zum Voben ber 3)hinbljöljle. Visweiten wirb bie Vewegtidjfeit ber Bunge baburdj geljinbert, baß biefeS Vänbdjen breiter unbfürjerift - einUebelftanb, bem burdj ©nrdjfdjneiben beS VänbdjeuS („Söfen" ber Bunge) leidjt abzuljelfen ift. Vetradjten wir nun bie fammetartige obere $lädje ber Bunge, fo finbenwirauf berfelben eine Unjaljl VJärzdjen, fügen. Bungenwärzdjen, weldje aus ber ©djleimljaut ber Bunge Ijcroorragen. Von biefen Sßärzdjen unterfdjeibet man brei Str t en: fabenförmige, pit}- förmige unb wallförmige. £)ie fabenförmigen VMzdjen finb über bie ganze Bungenoberflädje üertljeitt; bie pilzförmigen, weldje im ©egenfap ju ben erfteren oben ein etwas üerbitf- teS (Snbe ljaben, finben fidj üor allem an ber ©pifje unb ben Dtänbern ber Bunge, unb bie wallförmigen Sßärzdjen, bie größten unter ben brei Slrten, fteljen an bem Ijinteren (Snbe ber Bunge (ber Bungenwurzel) in einem IjalbfreiSförmigen Vogen, ber nadj ber zu offen ift, georbnet. £nefe walt' förmigen Sßärzdjen, üon benen jebe Bunge nur etwa 8 bis 12 tjat, liegen tiefer als bie anberen SÖärzdjen unb finb üon einem „®raben" unb einem „SSall" umgeben, woper fie iljren tarnen erhalten paben. 3n biefe Vertiefungen („®räben")/ weldje bie 2ßalk wärzdjen umgeben, münben bie (Snborgane beS ®efdjmadSner= üen, bie fog. @d)medbed)er ober ©efdjmadsfnospen (f. gig. 124). ©ie ©djmectbedjer (f. $ig. 125) befteljen aus langen, ben SRiecfjzellen äljnlidjen „©efdjmadS-" ober „Sdjmetfzcllen", weldje fidj wie bie Vtätter eines VlütljenfeldjeS zufammenlegen, fobafj fie einen §oljlraum umfdjliefjen. 9?adj außen ljin münben bie ©djmedbedjer frei, nadj innen ljin ftellen fidj bie gortfäpe ber ein- jelnen ©efdjmatfSzellen, äljnlidj wie bie ber Ofiedjzellen, als Fig. 123. Snngcnbctn. Fig. 124. ©enfrecfiter SDurdjfdjnitt burdj ein SßaHiDärädjen. a) D6erfläcf)ei>e3SBärärf)cn§, b)„®raben", c) ©cfjmectbecljer, d) SReröenfnfern, e)®tüfe, iveidjeburdjitireStbfonberung ben „®raben" fentfjt erhält. Fig. 125. @in ©cf)mecf=- bcdjer. 232 feinfte 9?ervenfäferdjen beS @efd)ma(fSnerven bar, weldje zwifcpen biefem unb ben ©dpnecfbedwrn bie für bie ©efdjmatfSempfinbung nötige Ber- binbung abgeben. UebrigenS finb foldje ©djmecfbedjer, welche bie ©eiten® flädjen ber B>allwärzd)en gürtelförmig 311 vielen £mnberten umziehen, and) an ber gegenüberliegenben ©eite beS „SßJallgrabenS", alfo nicht am BJall® tvärjdjen felbft, unb am weichen ©aumenunb an ben pilzförmigen Sßärj® djen gefunben worben. Niemals aber haben fabenförmige BJärzdfen && fd)matfSbed)er, weshalb man in biefen SBärjdjen £aftwärzd)en fiept, beim find) al§ STaftförper ljat bie Bunge zu fungiren*). - 2(n ber unteren fylädje ber Bunge finben fid) leine Särzdjen. - gut Bnnern ber Buuge ver® breiten fid) außer Blutgefäßen $afern von folgenben brei §irnnerven® paaren: bem 5. ober breigetljeilten Dlerv, welcher außer £aft® unb Slllge® meinempfinbungen vielleidjt noch ©efdjmacfSempfinbungen vermittelt, bem 9. ober Bungenfdjlunbfopfnerven (bem eigentlidjen ©efdjmacfSnerven) unb bem 12. ober Bungenfleifdjnerven, welcher Bewegungsnerv ber Bunge ift. Um nun in ben ßnborganen beS ©efdjmacfSnerven, ben @d)mecf® bedjern, eine Dieijung pervorjurufen, iveldje nad) bem ©eßirn übertragen unb bort als (tmÄnbegefüllter) ®ef djmacf zum Bewußtfein gebracht wirb, ift eS nötljig, baß bie zu fdjmetfenben ©toffe, bie ©efcfjmatfSobjecte, entweber fd)on aufgelöft finb, eße fie in ben 90?unb gebracht werben, ober fid) bort im ©peidjel ober ©djleim löfen. Slußer löslichen ©toffen erregt nur ber electrifdje ©trom (aus unbefannten ®rünben) bie ©efdjmadSner- »en unb erzeugt eine faure ®efd)ma(fSempfinbiing, wenn ber ©trom von ber Bungenwurjel jur Bungenfpipe gefjt, unb eine alfalifdje ©efdjmatfS' empfinbung, wenn ber ©trom in entgegengefepter 9tid)tung burd) bie Buuge verläuft. UnlöSlidje ©toffe fönnen nur ober Jemperaturempfinbum gen erregen. - (S5 e r u d) S - u 11 b ® e f d) m a cf S f i n n fteßen, wie gefagt, in innigen Beziehungen. Biele (Smpfinbungen, Welche wir burd) (Erregung ber ®e- jd)inad'Snerven hervorgerufen glauben, finb tßatfäd)lid) ®erud)Sempfinbun- gen, fo z- B. berfog. „aromatifdje ©efcßmad" (Bimmt, Bauille, u. a.m.), ber fofort verfcßwinbet, wenn man fid) bie 9?afe verftopft. (Sin weiteres, betanntereS Beifpiel bafür bietet ber @ebraud), fid) bei bem (5innel)men fd)led)t fdpnedenber DJlebicinen bie 9?afe zuzuhalten. ©0 wenig betannt ber ®runb btefer Beziehungen ber beiben ©inne zueinanber nod) ift, ftel)t bod) feft, baß bei Störung beS ®erud)SfinneS and) ber ®efd)macfsfinn be- einträd)tigt ift, unb zwar fann man in foldjen fallen nur füß, fauer, faQig *) Slufjerbcnt ift bie gütige ©pradttverfjeug, ba nur burcft toerfcfyiebcnarHge Stellung unb bei gütige getviffe Saute Ijervorjubringen finb, unb fdiltefilidi ift bic gunge Ja aud) in hervorragender SBetfe am SSerbauungSprottß beteiligt, tnbetn hanptfäd)lid) fte ben 23iffen auä ber S0?unb= in bie 9tad)enhöl)le beförbert. 233 unb bitter fdjmecfen, opne feinere Unterftpiebe jwifepen biefen bier ®e= ftpmadSqualitäten 31t empfinben. - Vlie ber ®erud)Sfinn ben „aromati* fepen ®efcpmact", fo rufen mitunter and) ber Xaftfinn unb bie, ®emeim gefüple oermittelnben Dlerbenfafern (Smpfinbungen peroor, welipe Wir fälfdjlicp für ©efdjmacföempfinbungen palten; bapingepörenber „fteepenbe" unb ber „jufammenjiepenbe ©efepmatf". - ©cplieplid) giebt es and) nod) „fubjectibe" ®efd)mätfe unb ®erüd)e, b. p. foldje, bie opne ein äupereS, baS nerböfe (Snborgan reijenbeS Object nur aus innern, im (Sepirn wirtenben Urfacpen perborgerufen würben. „fubjectioen" ©inneSWaprnepmungen, bon benen wir nod) anbere tennen lernen werben, bejeid)nen wir als „©inneStäufcpungen". Werfen wir in eine glatte Wafferftädje ein Steineßen, jo feßen Wir, baß von bent fünfte, an welcßem ber Stein baS Waffer traf, narfj allen Seiten ßin Wellenbewegungen auSgeßen. £)iefe Hebungen unb Senfum gen beS vorßer rußigen WafferfpiegelS entfteßen baburdj, baß bie, burd) ba§ be$ SteincßenS Verurfadßte (Srfdjütterung ber getroffenen Waffermenge auf bereu näcßfte Umgebung, von letzterer auf einen weiteren UmfreiS, von biefem wieber auf junädjft nacß außen ßin gelegene Waffer* tßeile, u. f. W. übertragen wirb. Wie bie urfäcßlicße (Srfdjütternng befteßt and) bie ber muß unb nadj in WHtleibenfcßaft gezogenen Waffertreife in jitternben (vibrirenben) Sdjwingungen tleinfter £ßeile. ®ie Wellenbe* wegung ift feine in ununterbrochenem Strom von innen natß außen ver* laufenbe OrtSbewegung ber getroffenen unb von biefen mitgeriffenen Waffertßeile, fonbern eine jitternbe Bewegung tleinfter (auf ißrer Stelle bleibenbcr) Xßeildjen, bie fid) ber Umgebung abfapweife nad) außen ßin mittßeilt. (Sine foldje urfäcßlidje (Srfdjütterung, in weldje, wie baS Waffer, alle elaftifdjen Körper verfemt werben tonnen, nennen wir S dj a 11. -Söefinbet fidj nun ber erfdßitterte Körper in einer Umgebung, auf bereu £ßeilcßen bie Scßwingungen be3 Scßallerjeugerö übertragen werben tonnen, fo tßcilen fid) bie jitternben Bewegungen be$ ber Umgebung mit, inbcm fie, wie gefagt, bie Sßeildjen ber teueren nad) unb nad) ebenfalls ju Sdjwingungen veranlaffen. £)iefe, ben Wellenringen an ber Oberfläd)e beS WafferS vergleichbaren Vibrationen ber Umgebung bes SdjallS, Weldje wie bie Wafferwellen eine gleichmäßig fdjwantenbe Rebling (Verbidhtnng) unb Senfung (Verbünnnng) ber Sßeildjen ber Umgebung 234 bebeuten, finb bie fogen. S dj a 11 ft r a I) l e n ober S cl) a 11 w e 11 e n, bie aus je einer 23erbid)tung unb einer SBerbimnung beftefjen unb einanber in, je nad) ber Grfdjütterung beS SdjallerjeugerS beftimmten 2tbftänben folgen. Uuf biefe Steife wirb jeber Sdjall von feinem 2luSgangSpunft aus weiter „geleitet", vorauSgefeht natürlid), bafj bie Umgebung „fdjallleitenb" ift, b. f). baf? iljre Jtjeildjeii burd) bie Schwingungen eines fdjallenben Körpers in vibrirenbe Bewegung verfemt werben tonnen. ©reffen nun Sdjallwellen nuferen (Gehörapparat, fo werben fie vorerft ju feinften Organen geleitet, weldje in 9)2itfd)Wingungen geraden unb burd) biefe einen fReij auf ben (Gehörnerven ausüben. gelterer übermittelt ben fReij bem (Gel)irn refp. gewiffen ©jeilen ber grauen (Grofjhirnrinbe, unb bort wirb bann eine „Sdjallempfinbung" peroorgebradjt, weldje wir nach bem (Gefeite ber ejrcentrifdjenßmpfinbung in ben Hörapparat verlegen, b. I). im Ol)r „hören". Um alfo eine Sdjallempfinbung 31t erzeugen, muffen Sdjallwellen ju beftimmten Organen beS Hörapparats geleitet werben, weldje bann burd) Erregung beS (Gehörnerven auf Partien ber grauen (Grofjhirnrinbe einen 9?ei$ ausüben, ©abei ift jebod) feftjupalten, bap biefer 9?eij nur bann als Örnpfinbung im menfd)lid)en ®el)irn jum fommt, wenn bie $al)l ber Schwingungen innerhalb gewif' fer ®ren$en bleibt. ®iefeSd)allempfiii' bungSgrenjen, Weldje bei mandjen ©Ijieren weiter ge= ftedt finb als beim 3)lenfd)en, finb 16 unb 38,000 ®d)Win- gungen in ber ©e= cunbe. liefere ©öne mit weniger als 16 Schwingungen in ber Secunbe, unb pöpere, mit mehr als 38,000 Sd)Wim gungen, werben von uns nidjt mehr ge- hört. ©aS Ohr, ber Hörapparat ober baS (Gehörorgan, ift ein auperorbentlid) fein conftruirter pl)hfifalifd)er Apparat, ber aus jwei Haupttheilen befteljt, nämlid) aus einem 2lpparat, welcher ber Sd)all= leitung bient, unb einem Apparat, wekper bie Sd)allempfinbung (bie (5rre* Fig. 126. ßniigSburcfjfctjnitt burcfj bctä ©eljörorgon. a) Dfjrmuftfjel, b) äußerer ®e= hörgang, o) XrontmeifeH, d) ©eljörtnörfjelrfjen, g) gSaufentjöfjle, k) Bogengänge, e) (Suftaclji'fdje ober 235 gung beS ©ehörnerüen unb ber centralen 9?erüenapparate beS ®et)ör- finneS) üeraniaßt. ©er (SdjallleitungSapparat wirb weiter in Xl)eile, baS äußere unb baS mittlere £)ljr, wäßrenb ber (SmpfinbungSappa* rat baS innere ©Ijr umfaßt. © a S äußere ©Ijr befteßt aus ber außen am Sfopf fid)tbareu ©hv* mufdjel, bem äußeren ©eßörgang unb bem Trommelfell. ©ie ©ßr= mufdjel ift ein im allgemeinen trichterförmiger Knorpel, ber üon wenigen bitnnen WSuSfeln unb ber äußeren £>aut überzogen ift. ßeßtere, welche reidjlid) mit Talg= unb (Sdjweißbrüfen üerfeßen ift, bilbet am unteren (5nbe ber 9D?ufdjel, inbem fie fidj üerboppelt, baS ©ßrläpprfjen. (je größer, tiefer eingebuchtet unb üom stopfe abfteljenber bie djrmufrfjel ift, befto geeigneter ift fie für iljre Aufgabe, bie nidjt nur im Sluffangen unb ber (Schallwellen, fonbern üoqüglid) and) barinbe* fteljt, uns über bie 9?id)' tung ju informiren, aus weldjer ber (Schall tommt ©er in ben $opf ßineinragenbe «Stiel beS ©l)rmufdjel= tridjterS bilbet ben äu= ßeren®el)örgang. ©er= felbe ift ein nach außen hin offener, innen ba= gegen üon bem mittler reu £)ßr burd) bas Trommelfell abgefdjie* bener, etwa einen 3oll langer ßanal, ber fidj (üon außen per) juerft nad) hinten unb aufwärts, fpäter aber nad) innen unb unten jießt. Sin ber Biegung biefeS üom ®e- hörgang betriebenen SBintelS wirb aus bem bis bahin fnorpeligen 9Mjr eine fnöd)erne 9föl)re. Q5on hier an liegt ber gefammte übrige Hörapparat eingebettet in jenem Tßeil beS tnödjernen ©djäbels, ben wir als ben wich* tigften beS <Sd)läfenbeinS, als baS ppramibenförmige tenncn gelernt haben (f. <S. 88). ©ie ben ©ehörgang auSfleibenbe Haut enthält außer Talg= unb (Sdjweißbrüfen ähnlich gebaute ©hrenfd)mahbrüfen, bereu Slbfonberung (©hrenfdjmalj) ®el)örgang unb Trommelfell gefd)meibig madjt unb gegen (äinbringlinge (3. -53. (Jnfecten) fdjüßt, unb ferner beS 10. Hiewierüen (23aguS), Weld)e bei Berührung ber Söanb beS ®el)ör- ganges Hüften ober gar (Srbredjen (burd) erregen tönnen. 53er= ftopfung beS ©ehörgangS, ber außer jur (Schallleitung noch bient, bas Fig. 127. Sie Stjeite be§ ®et)örorgan§ in ihrem 3ufatnmenhang. a) Cfir= mufchet, b) äufjerer ©ehörgang, c) Trommelfell, d), e),f) ®ebor= fnöchelchen (jammer, SlntboS, (Steigbügel), k) Sogengänge, q) Sdjnecte, r) Römers, s) Ohrtrompete. 236 Trommelfell gegen ©efaljren von außen 3U fdjüfcen, verringert natürlich bie bebeutenb, fjebt fie aber nicljt auf, ba and) bie Äopffnodjen, 3.33. beim §ören unter bem 3ßaffer, wie alle elaftifdjen Körper ben©djall leiten, ©er widjtigfte ©peil ben äußeren £)Ijre8 ift ban Trommel' ober ein aun brei ©djidjten befteljenben, elaftifdjen £)äutdjen, ban in einer elliptifdjen ßuge ben ßelfenbeinn, bem jog. Trommelfellringe, berart mittete 33inbegeweben eingefpannt ift, baß en eine von oben unb vorn nadj unten unb hinten geljenbe ©djeibewanb jivifdjen bem äußeren unb mittle- ren £>fjr bilbet. ©iefe Sßanb, bereu Innenfläche fdjon jum mittleren Cljr gehört, ift in ber DJHtte in ber Diidjtung von außen nadj innen nabel* förmig eingejogen (f. ßig. 129). SBie ber berühmte berliner nadjgeiviefen Ijat, ermöglidjt biefe (Sinbudjtung bem Trommel* feile, feiner Aufgabe ber ©djallleitung in viel größerem Umfange nadjju* tommen, ate wenn en glatt aungefpannt wäre. Diabeiförmig gefpannte ©äute fönneu nämlidj befonbern ftarf unb leidjt von v e r f dj i e b e n e n Tönen in SJlitfdjivingungen verfept werben, wogegen flach gefpannte §äute, 3. 33. ban Kalbfell ber Trommeln, wefentlidj nur für einen Ton abge* ftinunt finb. ©an mittlere © Ij r, ban DDlittetoljr, bie Trommel* ober Raufen* pöljle, ift ein unregelmäßig geftalteter, luftljaltiger, mit ©djleimtjaut aun* gefleibeter ber von bem äußeren ©Ijr burdj ban Trommelfell unb vom inneren ©Ijr burdj ban „ovale" unb ban „runbe ßenftcr" getrennt ift, burdj bie ßuftadjffdje Trompete ober ©fjrtrompete aber mit bem obe* reu Tljcile ben ©djlunbfopfen in SSerbinbung fteljt (f. ßig. 129). ©iefe SSerbinbung ber 8uft in ber mit ber äußeren Vuft*) Ijat ben für bie ©djwingungen ben Trommelfelln tjödjft widjtigen Suft* bruef auf beiben ©eiten ben Trommelfelln aunsugleidjeu. Dlußerbem bient bie ©Ijrtronipete ba3U, angefammelten ©djleim abfließen 311 laffen, unb vielleicht begünftigt fie audj bie 9iefonan3 (ban Wlittöncn einen mit bem in 33erüljrung fteljenben Körpern) in ber . . Äeljreu wir nun 311 ber ©teile, wo ber äußere ©eljörgang an ban DJJitteloljr ftößt, 3urürf, b. Ij. 311 bem Trommelfell, fo feljeu wir, baß3Wifdjen biefem refp. 3Wifdjen ber am meiften nadj innen aungebudjtetcu ©teile ben* feiben unb bem 3um innern Dljr füljrenben „ovalen ßenfter" brei ©ebilbe liegen, weldje je an bie ©eftalt einen jammern, Slmbofen unb ©teigbügete erinnern, ©iefe brei fog. ©eßörfnödjeldjen (jammer, Dlmbon unb ©teig* *) Son tiefer Serlnnbiing unb iljrer ßinwirfung auf ba§ Trommelfell fönnen mir un£ Ieid)t baburcf) überzeugen, baft mir bei gefdjloffenem 9D?unb unb gcfcbloffener Dlaje ßuft nacl) innen Sei (Schlingbewegungen erweitert frrfi bie SDeffnung biefer 1| big If Boll langen Otöljre, bie, wie ber äußere ©eljörgang, au§ einem fnöaiernen unb einem {nörgeligen Tbeile befteljt, von fclbft. 9(nbauernber Serfdjlufj ber Ohrtrompete bat Scbwerljörigfeit zur . 237 bügel; f. $ig. 128) bilben eine burd) ©elenfe, Bänber unb 9!J?uSteln be= Weglid) mit einanber Derbunbene Snodjenreifje, bereu erfteS ©lieb (jam- mer) auf ber einen Seite mit bem Trommelfell Derwadjfen unb auf ber anbe? reu mit bem £O?ittelglieb ber Sette (2lmboS) burd) ein ©elenf mit „Sperr' ääljnen", baS alfo nur eine befcfyränfte T)rel)uug berSnodjen geftattet, Der? bunben ift. 9?ad) unten refp. innen 311 ift ber SlmboS (an feinem bem „langen" $ortfa£) mit bem Sopfe beS Steigbügels in ©elentoerbin? bung, unb bie Steigplatte beS letztgenannten ©epörfnödjeldjenS legt fid) fd)ließlid) auf baS ooale fünfter refp. auf bie baSfelbe fdjliefcenbe DJiem? brau. 2Bie baS Trommelfell burd) einen befonberen fBluSfel (ben „Trommelfellfpanner") fann aud) biefe Membran burd) einen -DiuSfel (ben „SteigbügelmuStel"*) Derfd)ieben gefpannt werben; baS Trommelfell weidjt babei (bei größerer Spannung) meljr in baS 9ftittelotjr, bie SJiembran beS ooalen $en? fterS aber meljr in baS innere £)I)r, unb bamit werben jugleid) ber jammer unb ber Steigbügelnad) benbetr. 9iid)tnngen gezogen unb finbet fo eine Beränberung beS gegen? feitigen ßageDerljältniffeS ber ®el)örfnöd)el? d)en ftatt. T)er jammer ift aber außer mit bem Trommelfell nod) mit Snorfjenpunften ber *ßaufenl)öl)le oerbunben, unb jwar burd) elaftifdje Bänber. T)urd) biefe Banbmaffe fiub ben gemeinfamen, l)ebe(artigen Bewegungen ber ®el)örfnöd)eld)en ge? wiffe ©rennen gefegt; fie regulirt bie Bewegungen als bie 9(d)fe, um weldje bie Bewegungen auSgefüprt werben. IPian nennt biefe Banbmaffe beS? palb aud) „2ld)fenbanb". T)ie Sette ber ©el)örtnöd)eld)en, welche alfo baS äußere Ol)r mit bem inneren (baS Trommelfell mit bem ooalen genfter) Derbinbet, überträgt bie Schwingungen beS Trommelfells birect auf ben acuftifdjen (Snbappa? rat, unb jwar junädjft auf bie IPiembran, weldje baS oüale $enfter Der? fd)ließt. T>iefe wirb burd) eine (Srfd)ütterung beS Trommelfells fofort in Wätfd)wiiiguiigen unb jwar in Diel ftärfere als baS Trommelfell felbft. T)ie Membran beS ooalen $enfterS ift nämlid) jwanjig 9)ial Keiner als baS Trommelfell, unb ba ferner ber Slnfafctljeil beS Steigbügels (am ooalen genfter) ein unb ein l)alb SJial Heiner ift als ber beS Jammers (am Trommelfell), fo ergiebtfid), baß eine Schallwelle bie SRembran beS oüalen genfterS breißig 3)?al ftärfer erfdjüttern wirb als baS Trommelfell. Fig. 128. Sie brei Setjöi'fnödjeldjen. 1) §aiumer, 2) SlmboS, 3) Steigbügel. *) Ge ift ba£, nebenbei flefagt, bei fieinfte SKuSfel im menfcbliebcn Sterner; ber flx'öfite ift ber ,,<Scf)neibcrinu3fel"z f. Stafel VI, d. 238 ©a§ innere £)ßr ober ba« Sabßrintß (f. $ig. 129) ift ber ber acuftifdjen (gnborgane, alfo berjenige (wießtigfte) Xtjeit be§ rate«, weldjer bie Umwanblung ber ©djallbewegung in ©djallempfinbung »ermittelt. ©a«felbe liegt im innerften STOeit be« unb wirb in ein tnöeßerne« unb ein ßäutige« Sabßrintl) eingetßeilt, welcß' festere« in bem elfteren liegt. unb ßäutige« gabßrintß finb mit bem „ßabijrintßwaffer" gefüllt, weldje« bureß bie üon ben fcßallleitenben Organen jugefüßrten ©cßallbewegungen erfdjüttert Wirb unb fo bie, in ba« ßäutige ßabßrintß ßineinragenben (Snborgane be« reijt. ©a« „äußere Sabßrintßwaffer", b. ß. ba« be« fnöißernen Cabijrintß«, welcße« ben in leß= terem von bem ßäutigen Sabßrintß nidjt eingenommenen 9iaum au«füllt, tritt mit ben acuftifcßen (Snborganen nießt in birecte ba« finbet Fig. 129. ßängSbur^fcfjnitt burcf) ba§ ©efjörorgan. a) Dfjrtnufcfjel, b) äufjerer ©ebörgang, c) £rotnnteifen, d) ßantnter, e) 8ltnbo§, f) Steigbügel, g) h) oüateS JVenfter, i) SSorljof, k) ®ogengang, k') SlntbuHe beSfelben, 1) obaleS unb 1') runbe§ ©äctdjen, m) ®ori;of8treppe, n) @orti'fcf)e§ Örgait, o) Sßautentrebpe, p) runbeä genfter, q) Stfincrfe, r) £>örnerb (i') ®orfjof§uerü, q') ©cf)ncctcnnero), e) Dtjrtroinbete. nur feiten« be« „inneren ßabßrintßwaffer«", b. ß. beSjenigen, wetdje« ba§ ßäutige Vabßrintß auöfüllt, ftatt. (Sö geßt barau« ßertwr, baß ber eigent* ließe (ScßallempfinbungSapparat ba« ßäutige Sabßrintß, unb baß ba« fnö* rfjerne nur §ütf«apparat be« ßäutigen ift. £)a« fnöcßerne ßabßrintß ift ein üon fnöcßernen, mit übertlei* beten SBänben eingefdjloffener bei; wie gefagt, mit bem ßäuti* gen Vabßrintß unb äußeren ßabßrintßwaffer angefüllt ift. 53on ber tenßößle wirb e« burdj eine biinne fnödjerne 2ßanb gefdjieben, in weldjer 239 fidj jwei, burdj Membranen üerfdjloffene ©effnungen, bas ovale unb bas runbe ftenfter, befinben. ©ie §öljle beS inneren ©tjrs, weldjeS wegen feiner vielfad) üerfdjlungenen ®finge ben bauten Sabljrintlj erljalten Ijat, wirb in brei, mit einanber in offener Berbinbung ftefjenbe Slbfdjnitte ein* getljeilt: ben Borljof, bie Bogengänge unb bie (Sdjnede. £)er Borljof ift ber mittlere, jwifdjen ben Bogengängen unb ber Sdjnede gelegene £ljeil, in weldjen bie üon außen jugeleiteten Sdjallwellen burdj baS §äutdjen beS ooalen ftenfterS, baS an feiner anberen, nadj ber Botfenljöljle gewenbeten ©eite mit ber beS Steigbügels üerbunben ift, juerft gelangen, ©berljalb beS BorljofS liegen bie Bogengänge ober ljalbjirfelförmigen (Sa* näle. (SS finb bieS brei fnödjerne Kanäle üon etwas üerfdjiebener Sänge, weldje in brei Diidjtungen fenfredjt ju einanber fteljen unb mit iljren 2ln* fangS* unb (Snböffnungen in ben Borljof münben. £)ie SlnfangSöffnung, weldje auf bem BogengangSburdjfdjnitt üonftig. 129 Ijinter ber (Snböffnung liegt, erweitert fidj baudjig, unb wirb biefe Ijöljlenartig erweiterte Anfangs* münbung jebeS ber brei Bogengänge Ulmpulle genannt. $n iljrem weite* ren Berlauf verengern fid) bie ©äuge wieber unb münben fdjließlidj mit i w e i (Jnböffnungen in ben Borljof ein, ba ber „obere" unb ber „untere" Bogengang für j üor iljrem UluSlaufen in ben Borljof ju einer gemein* famen ©nbröljre üerfdjmeljen. - Unterhalb beS BorljofS liegt ber britte £(jeil beS (fuödjernen) SabijrintljS, bie, wegen iljrer an baS ©eljäufe einer ©artenfdjnede erinnernben $orm fo genannte „Sdjnede". £)aS innere ber fuödjernen Sdjnede jeigt aber einen, üon bem tljierifdjen Sdjneden* geljäufe üerfdjiebenen Bau; eS Ijat ftatt ber einen BJinbung ber lederen brei fpiralartig aufgewunbene ®änge, üon benen einer, bie Böufentreppe, bie untere Hälfte, unb bie beiben anberen, bie BortjofStreppe unb bie mittlere kreppe ober ber ©djnedengang*), jwei refp. ein drittel ber oberen Hälfte beS (SdjnetfengeljäufeS einneljmen (f. $ig. 130). Bon biefen brei ©äugen werben bie beiben oberen, bie BorljofStreppe unb ber (Sdjnetfencanal, Weldje jufammen bie obere £)älfte ber ©djnedenfpirale einneljmen, üon ber, bie untere §älfte bilbenben Bodentreppe burdj bie (Spiralplatte ber Sdjnedenfpinbel, weldje bie £ljeilung ber §öljle üon ber (Spinbel aus bis jur §älfte beforgt, unb burdj bie fogen. ©runbmembran getrennt; ledere fidj an ben äußeren Dianb ber (Spiralplatte an, geljt jur 3nnenfeite ber äußeren «Sdjned'enwanb über unb üerüollftänbigt fo bie Trennung ber beiben oberen ©äuge üon ber Botfentreppe. Sdjnecfencanal unb BorljofStreppe werben üon einanber burdj bie UJeißner'fdje Blembran gefdjieben. ©iefe geljt ebenfalls, wie bie ©runbmembran, üon bem äußeren 9ianbe ber Spiralplatte aus unb fpannt fidj bann in einem *) ©er (Sdjnctfenflanfl ijt auf 129 nidjt ficbtbar. 240 SBinfel jur ©rnnbmembran nadj oben auf bie Unnenfeite ber äußeren Sdjnecfenmanb über, ©er Stpnedencanal, melcper alfo von ber Vorpofstreppe nadj außen ju unb oberpalb ber Raufentreppe liegt, bitbet im ©urdjfcpnitt (f. $ig. 130) ein faft gleidjfdjenfligeS ©reietf, beffen beibe (Sdjenfel bie ©runbmembran unb bie SReißner'fdje SOlembran finb, unb beffen, etmaS gerunbete VafiS bie ber Slußenfeite ber (Sdjned'em manb ift.- Lepren mir nun jum Vorpof jurütf, fo fepen mir, baß nur bie Vorpofstreppe unb ber Sdjnecfencdnal in biefen einmünben; bie Raufern treppe ift bagegen vom Vorpof burcp ben Ausläufer ber (Spiralplatte, melier in bie (Sdjeibemanb jmifdjen Raufenpöple unb Sabprintp übergept, gefdjieben. Unb bodj ftepen Vorpof unb Raufentreppe in Verbinbung, unb jmar burcp Vermittlung ber VorpofStreppe; biefe unb bie Raufentreppe gepen nämlidj in ber Spipe ber Sdjnede in einanber über unb bilben fo einen einzigen §oplgang, ber aitö einer auffteigenben (Vor- pofStreppe) unb einer ab- fteigenben (Spirale (Raufen- treppe) beftept. ©iefe Ver- binbung ber festeren mit bem Vorpof ift ungemein micptig; fie ermöglicpt bie ®ellenbe- megitng beS SabprintproafferS. ©ie Raufentreppe münbet unten (an ber VafiS ber (Scpnetfenfpinbel) vor ber jmeiten jener ©effnungen, meldje fidj in ber fnödjernen (Scpeibemanb jmifdjen Raufen- pople unb Sabprintp befinben, vor bem runben fünfter. ©iefeS ift eben- falls von einem elaftifdjen (9?ebentrommelfell genannten) §äutd)en ver* fdjloffen. ,$mecf beS 9?ebentrommelfells ift aber, ben Vemegungen ber Wtabran beS ovalen genfterS, b. i. beS inneren ©rommelfellS, unb bamit and) beS eigentlidjen, äupereS unb mittleres ©pr fdjeibenben Trommelfells jn folgen, ©pne bie nJHtbemegung beS meldje burd) beffen (Slafticität unb bie offene Verbinbung von VorpofS* unb Raufen- treppe ermöglidjt mirb, fönnte bas Sabprintpmaffer vor einem nadj innen geridjteten ©rud ber Membran beS ovalen uidjt ausmeidjen, b. p. nicpt in Sßellenbemegung geratpen, unb alfo and) feinen Dteij auf bie (Jnborgane beS §örnerven ausüben. - 3m ®egenfa(j ju VorpofS- unb Raufentreppe läuft ber (Sdjnetfencanaf bfinb aus; man nennt biefeS (in ber Spipe ber «Scpnecfe gelegene) blinbe (5nbe Kig. 130. ©djematifcfjer fentrecfiter ©urdjfänitt burdj bie ©djnecte (»ergröfiert). a) S3orl)of§tre»be, b) ©djnectengang, c) $au= fent'rcvve, d) 9iei6ner'fd)e URemliran, e) ©runbmembran (auf ineldjer ba§ fiorti'fdje Organ liegt), f) ©pinbel ber ©tfinedc, g) SHtbbelbiinbfact. Sion unten tritt ber ©ebner» in bie ©pinbel ein, um fid) in biefer ju »erzeigen. 241 £)aS fjäutiße Sabprintß, bet eigentliche SdjallempfittbungSapparat, liegt im tnödjernen 2abt)i*intl) lofe befeftigt, fo baß gwifdjen feiner Slußen* fläd)e unb ber 3nnenwanb beS tnödjernen Öabprintljs noch Siaum für eine geringe SOtenge „äußeren" ßabprintljwafferS ift. ES befteljt aus brei, mit einanber in offener Berbinbung fteßenben Ereilen, wefcße bon einer garten §aut gebilbet werben nnb ßol)l finb, begw. „inneres" Sabprintßwaffer ent* galten. 3n biefen brei §oßlräumen, weldje im allgemeinen ben brei beS tnödjernen ßabprintljs entfpredjen, liegen bie Enborgane beS nnb werben, wenn bas SabprinHjwaffer burdj einbringenbe Schallwellen in Bewegung würbe, gereigt. Sille brei Xßeile beS häutigen SabprinH)S treten mit bem ®el)örnerben refp. Zweigen beSfelben in Berührung; ber ©eljörnerb, welcher ber ad)te ift nnb an ber hinteren, bem Heinen ®el)irn gugetehrten $läd)e beS bon ißm tunnelartig burdjboßrten gelfenbeinS an baS ßabprintl) herQutritt, tßeilt fid) nämlid), ehe er in letzteres einbringt, in gwei $weige (f. $ig. 129). Sille brei Xheile beS häutigen ßabprintljS enthalten and) acuftifcße Enborgane, bod) finb biefe iljrem Bau wie ihrer Function nad) bon zweierlei Slrt. - 3m Bor* ßof beS tnödjernen ßabprintßS liegen, als erfter SSheit beS häutigen Sabp* rintßS bie beiben BorßofSfäddjen, baS (größere) obale oben unb baS (Heinere) runbe unten. Sie fteßen bureß ein enges 9teßr, bie BorßofS* wafferleitung, in Berbinbung. Beibe erhalten Sterbengweige bon bem oberen Slft beS bem fog. BorßofSnerbcn. SBo biefe Sterben* gweige in bie Säddjen eintreten, berbidt fiel) bie innere SÖanbung ber leß* teren unb geigt eine weiße Färbung. ©iefelbe fommt baßer, baß an biefen Eintrittsftellen ber SJerbenfafern (ben fog. ©eßörfleden) gaßllofe, bon fdjleimiger SDteffe gufammengeßaltene, Wingig Heine Ärpftalle (©eßörftein* djen, ©eßörfanb ober ©tßolitßen) liegen, lieber ben Bwect ber ®el)ör* fteindjen herrfeßen nod) berfdjiebene Slnficßten; bie einen feßen fie für £)ämpfungSapparate an, bie anberen halten mit §elmßolßbafür, baßbiefer Ärpftallfcßleim, auf welchem fid) acuftifdfe (Snborgane (§örßärd)en) finben, eine Steigung ber Sterbenenben berurfadjen tonne. - £)aS obale 23orl)ofsfä(fd)en fteßt (nad) oben hin) mit bem 3l)e>f häutigen 2abl)rintßS in offener SSerbinbung, b. h- uiit ben häutigen Bogengängen, welche benen beS fnöcßernen SabprinthS ähnlich gebilbet finb unb wie biefe bei ihren SlnfangSmünbungen (in baS obale BorßofSfäd'ißen) flafcßenförmige Erweiterungen, Simpullen, ßaben. 3u biefen Simpullen, in weld)e je ein 3weig beS BorßofSnerben eintritt, finben fid) bie gleichen nerböfen Enbor* gane wie in ben BorßofSfätfchen, aber in größerer IDtenge als bort. Sie fißen auf je einem Ouerwulft, ber ßalbmonbförmig in bie £wßle ber Sim* pulle ßineinragt unb wie bie Berbidungen ber Sterbenfafer*EintrittSftellen innerhalb ber BorhofSfädcßen mit einer fdjleimigen ©tßolitßen*WSaffe be* 242 becft ift, aus ivetdjer bie ober §örljärdjen ßerüorragen. ©ie acuftifdjen (Snborgane beS BorljofSnerüen, weldje fid) in ben BorßofSfätfdjen nur an ben „©eßörfletfen" unb in ben Ijäutigen Bogengängen nur in ben Ampullen, an jenen Ouerleiften („®el)ör* leiften"), finben, geigen einen äljnlidjen Bau, wie bie fttiedj jeden (f. $ig. 131). (SS finb cplinbrifdje „£wrjellen", weldje jwifdjen fielen unb nad) oben unb unten ljaben. ©ie unteren benachbarter bitben, turj nadjbem fie aus ben teueren ausgetreten finb, ein feines aus bem fie fid) in ihrem weiteren Berlaufe wieber ablöfen, tiefer Vorbringen unb bann mit je einer 9iervenfafer verbinben. ©ie oberen welche an iljrer ?luS= trittsftelle aus ben bitter als bie unteren finb, gehen fdpießlich, nadjbem fie, wie bei ber ©erudjSfdjleimljant, eine elaftifdjdjäutige ©ecffdjidjt burdjbrodjen haben, in bie £wrftäbdjen aus, jene lebten acufti* fdjen (Snborgane beS Borhofsnerven, welche, wie wir wiffen, burdj SBellem bewegung beS ßabprintljwafferS in 9)Htbe= wegung geraden unb baburdj bie unteren ©ehörjellenfortfätje bejw. bie 9?ervenfafern erregen. - ©aS runbe BorpofSfätfdjen ftetjt nad) unten pin burdj einen feinen (Sanal*) mit bem britten ©Ijeil beS häutigen ßabp' rinttjS in Berbinbung, b. i. mit ber Ijäutigen Schnette. ©iefe beftefjt, im ©egenfaij jn ber tnödjernen Schnette, aus nur einem (Spiralgang, ber in bem Sdjnetfencanal liegt unb wie biefer im Äuppelblinbfatf blinb enbigt. $n biefent (einen) ßanal ber päutü gen Sdjnetfe liegt baS (Sorti'fdje Organ, unb jwar auf ber ©runbmembran, jenem fjäuti* gen ©Ijeilber ©djeibewanb, welcher üonbem äußeren Gnbe ber tnödjernen Spiralplatte nad) ber {Jnnenwanb ber Slußenfeite beS SdjnetfengeßäufeS übergeljt (f. ©afel IX). ©iefer äußere 9xanb ber Spiralplatte, oon weldjem and) bie OMßner'fdje SD?embran, bie Sdjeibewanb jwifdjen BorljofStreppe unb Sdjnetfencanal, auSgeljt, bient nod) einer britten, ber (Sorti'fdjen SRembran, als innerer Slnfabpuntt. ©ie (Sorti'fdje Biembran, and) ©etfmembran genannt, geljt non bem oberen (Snbe beS 9ianbcS ber Spiralplatte, bie ©runbinembrart bagegen von bem unteren (Snbe ab; beibelaufen bannsiemlid) parallelnadj Fig. 131. (Snbigungen be? ®ortjof§nerben. a.a) 9ier»enfafern, bei b) ein feinfteS gü brillennejj bilbenb, boniDefcijeinftaferrt in bie £>örjeaen (c,c) eintreten; d,d) *) Stuf 129 nidjt ftdjtbar. 243 Tafel IX. ©djematifdje SDurdjfcfnütte burcf) bieSrfjnecte (I) uttbbie breiSctjiiectenfpiralendlunblll); lunb II bergrößert, III (mit bcm ßorti'fcßen Crpati) fetjr ftart bergrößert. - a) SBorljofStrebbe, b) ©cßneclengang, c) d) SJteißner'idje SJtembran, e) ©runbmembran (mit bet häutigen ©biratylatte), f) ©binbel bet (Sdjnede (111. II) refp. beten tnöcßerne ©piralpiatte (III), g) <3cfjnecten= ner», h)8Sanb be§ <Srf)nectenqei)äufe§; 1) Eorti'fcfie ober2)ect[)aut, 2) innere4>aar($ör=)jeUe, 3) innerer unb 4) äußerer Pfeiler eines Eorti'fctjen SBogenS, 5)äußere$aar(§öt=)5ellen, 6) §enien'fcße@tiiß5eHen. 244 ber {Jnnenwanb beS SdjnedengeßäufeS (alfo nad) außen 31t) übet; fo baß jwifdjen ißnen ein weiterer Heiner Spiralgang bleibt, in wekßem baS (Sorti'fdje Organ auf ber ©runbmembran liegt. Seifere befteßt aus fein* ften, neben einanber parallel liegenben Stäbdjen. ?luf jebem foldjen Stäbdjen erßebt fid) fenfretßt, alfo mit ber Spiße nad) ber Gorti'fdjen Membran 31t, ein „(Sorti'fcßer 33ogen", ber and je einem auffteigenben (inneren) unb abfteigenben (äußeren) Sorti'fdjen Stäbdjen ober Pfeiler befteßt, bie oben, wo fie in einem äöinfel jufammentreffen, burdj eine Slrt (Selent berbunben finb. ©ie äußeren Stäbeßen fetten fid) mit berbidten (Snben an bie ©runbmembran, unb jwar an bereu Sftitte, an, fo baß bie ©runbmembran unb ein Gorti'fdjer 33ogen (im fentredjten ©ureßfeßnitt) ein ©reied bilben, beffen 33afiS bie innere Hälfte ber ©runbmembran, innerer Sdjenfel ber auffteigenbe (Sorti'fdje Pfeiler unb äußerer Sdjenfel ber abfteigenbe Qortffcße Pfeiler ift. Solcßer ©reiede reißen fid) ungefäßr 3000 büßt an einanber, fo baß innerßalb berfelben ein fünfter Sdjneden* ßoßlraum entfteßt, welcßer als SRefonanjboben für bie in ber ßäntigen Sdjnede umgefeßten Sdjaltbewegungen anjufeßen ift. sieben ben Sdjen* fein biefer ©reiede, nad) außen unb innen $u, liegen „£>aar* ober £wr* gellen", auf weldjen oben iöüfdjel bon fißen, wetdje in bie ©ed* ober (Sorti'ftße Membran einbringen, ©ie Bcißl bei* fteßt in einer 2lrt umgefeßrten SSerßältniffeS 31t ber£aß( ber (Sorti'fcßen Pfeiler. (5S giebt nämlicß üon ben §örjellen, weldje ben äußeren Gorti'fdjen Pfeilern anliegen, etwa hier 9J?al meßr, als von ben inneren bon benen nur je eine einem (Sorti'fcßen (inneren) Pfeiler anliegt, ©agegen fommen auf je brei ber letzteren jwei ber äußeren, ©ie weldje noeß von (§enfen'fcßen) Stüßjellen umgeben finb, fteßen nun in birecter Serbin* bung mit bem SIft beS .fjörnerben, weldjer fid) bon bem SBprßofSnerben ab* jweigt, b. i. mit bem Stßnedennerben. ©iefer tritt, naeßbem er in einem fnöcßernen ©unnel um bie (Scßnede berlaufen ift, am unteren (Snbe ber (Sdjnedenfpinbel in biefe ein unb berjweigt fid) bort in ber Spiralplatte, bie er mit feinften $afern bureßbrießt, um an bie gwrjellen beS ßorti'fdjen Organs ßeranjutreten. DJlan tann leßtereS, nm bie obige 53efcßreibung furj ju wieberßolen, mit einem (Slabier bergleüßen, beffen jener, im ©urdjfcßnitt breiedige ßoßlraum ift, ber unten bon ber inneren §älfte ber ©runbmembran unb an ben beiben Seiten bon benPfeilern ber (Sortffdjen £3ögen begrenzt wirb, ©ie Saften beS (SlabierS finb bie äuße* reu (5orti'fd)en Pfeiler, welcße wie Saiten über bem Ötefonanjboben mit ißrem oberen (5nbe an ben inneren 6orti'fd)cn Pfeilern unb mit ißremunte* reu (Snbe au ber (ÜJlitte ber) ©runbmembran berart lofe befeftigt finb, baß fie burd), in SBellenbewegung berfeßteS ßabprintßwaffer leid)t in 9D?it* fd)Wingung geratßen, bie fie auf ißre Umgebung übertragen. ©aburd)Wirb 245 ein Oteij auf bie §örjellen auSgeübt, Welcher vom Sdjnecfennerven nad) bem ®et)irn geleitet wirb. Ter SRefonanjboben bleibt im Verlaufe beS (Sorti'fdjen Organs aber nid)t ber gleidje. 2lm unteren (Snbe beS Sdjnecfem canals ift er Ijöljer unb fdjmäler, b. I). bilbet ein Treied. ge mehr fid) nun baS (Sorti'fdje Ogan feinem (Snbe im nähert, befto niebriger wirb baS Treied, um fid) ju verbreitern, bis fdjtieß= lid) aus bem Treied ein ftumpfwinfligeS wirb, beffen, bau ben (Sorti'fdjen Pfeilern eingefdjloffener, ftumpfer VSinfel bemnadj im $up' pelblinbfad am größten ift. gn Uebereinftimmung bamit wirb nid)t nur bie ©runbmembran nad) bem Äuppelblinbfad ju immer breiter, fonbern nepmen and) bie (Sorti'fdjen Pfeiler von unten nad) oben an Sänge ab. - Tringen nun «Sdjallwellen an unfer Opr, fo werben fie vom äußeren (Sfepörgang an baS Trommelfell geleitet unb von biefem burd) Vermittlung ber (Sfepörfnöcpelchentette auf bie Membran beS ovalen genfterS übertragen, weid)' letztere, inbem fie von ber gußplatte beS Steigbügels in baS Sabi)= rintp gebrüdt wirb, baS Sabtjrintpwaffer in Bewegung fept. Oaburdj werben bie acuftifdjen (Snborgane im päutigen Sabprintp erregt unb reijen ben §örnerven, weldjer ben Oieij nad) bem (Sepirn überträgt, woburdj bort eine Scpallempfinbung verurfadjt wirb. Tie ©djallempfinbungen finb aber verfdjiebener Slrt, je nad) ber 2Irt ber Sdjallbewegungen, burdj weld)e fie veranlaßt würben. Sinb bie ®d)Wingungen eines Körpers unb bie Sdjallwellen burd) eine einmalige ftarfe (5rfdjütterung f)ervorgerufen, fo empfinben wir einen „St n a 11". ginben bauernbe ßrfFütterungen ftatt, fo werben je nad) ber 2lrt ber baburd) veranlaßten Sdjallbewegungen „®eräufd)e" ober „Töne" jur (Smpfinbung gebracht, golgen bie Sdjallbewcgungen niefjt regelmäßig auf einanber, b. I). finb bie abwedjfelw ben Verbünnungen unb Verbidjtungen ber Sdjallwellen nidjt gleidjartig, fonbern verfdjieben unb regellos, fo empfinben Wir „®eräufd)e". «Sinb aber bie auf einanber folgenben Sd)allwellen gleichartig, b. p. gefdjepeu alle Verbünnungen unb Verbidjtungen beS fdjallleitenben StörperS nad) einer beftimmten, immer wieberfeprenben Storni, fo baß gleichartige «Sd)all= wellen in regelmäßigen auf einanber folgen, fo empfinben wir „Töne". (SS giebt aber einfadje unb jufammengefehte Töne. (Srftere werben erzeugt aus einfadjen, penbelartig ftattfinbenben SBSellenbewegum gen, leptere, bie jufammengefeßten Töne ober „klänge", beftepenauS einer mepr ober weniger großen Slnjapl von einfadjen Tönen von verfdjiebener §öl)e unb Stärfe*), bie gleid)jeitig mit einanber erflingen. @old)e Stlänge ♦) ©er ©on iß um fo ßößer, Je flröfjcr bie Slngaljl ber meldie ber tönenbe in ber ©ecunbe madrt; er ift um fo ftörfer, Je breiter ber 3iaum iß, innerhalb meicbeä ber ©tbaUerjeuger unb bie einzelnen ©heile be£ ©djallleiterö fdiimp gen, b. ß. je größer ber Umfang ber ©djallfcßmingungen ift. 246 (j. 53. bet menfdjlidjen (Stimme, beS SlavierS, ber Steige, u. a. m.) beftepen aus einem „Steunbton", bem tiefften unb meiftenS aud) ftärtften Sinjelton, unb aus ben „Obertönen". Die meifteu Däne finb klänge, b. p. ju* fammengefepte Däne. VJie verpaffen fid) aber bie acuftifdjen Snborgaue beS Hörapparats ju ben Verfdjiebenen Sdjallmellen ? Stenau ift baS nid)t ermittelt, jebocp wirb im allgemeinen angenommen, bap Steräufdje burdj bie Snborgaue beS VorljofSnerven unb Däne burdj baS Sorti'fdje Organ jur Smpfinbung ge- bradjt werben. Den Vorgang felbft, bei bem alfo Sdjallbewegung in Sdjallempfinbung umgefept wirb, tann man fid) bejüglid) ber Steräufcpe leidjt als Dieijung, von aufjen auf ein „fpecififdjeS" Snborgan über* tragen, vorftellen. Vermittelter ift bie Vermittlung ber Donempfinbung. Dem Slnfdjein nad) geljt biefe (nur ?) im Sorti'fcpen Organ vor fid). penbelartige, einfache Vtellenbemegungen ftatt, fo wirb ber Dpeil beS Sorti'* fdjen Organs, baS fiep betanntlid) von unten nad) oben verbreitert unb babei niebriger wirb, gereijt, beffen (äußere) Sorti'fdje Pfeiler nad) bem Stefep ber Sdjallbewegung überhaupt in QJlitfdjwingungen geratpen tonnen. SS wirb nur ein Dpeil beS Sorti'fcpen Organs gereijt, nur ein einfacher Don jur Smpfinbung gebradjt. ftinben bagegen jufammenge* fepte VSellenfdjmingungen ftatt, fo wirb baS Sorti'fdje Organ an fo Dielen Stellen ju gleicher $eit gereijt, wie verfdjiebene Slrten Don Sdjwingungen gefdjepen, refp. Dpeile beS Sorti'fcpen Organs in 2J?itfd)Wingungen verfept werben tonnen. SS werben an verfdjiebenen Dpeilen beS Sorti'ftpen Organs verfdjiebene 9?eije für je einen einfachen Don ju gleidjer £eit ausgeübt, unb biefe verfdjiebenen bringen im @epirn gleidjjeitig einen Älang jur Smpfinbung, ber aus fo Dielen einfadjen Dänen beftept, wie Derfcpie* bene Stellen beS Sorti'fcpen Organs gereijt würben. Vollftänbig erlebigt ift biefe $rage aber, wie gefagt, nocp nidjt. SDiögen wir and) mit Sfcdjtim Sorti'fcpen Organ baS Onftrument fepcn, baS uns bie aufjerorbentlicp feine Donunterfdjeibung ermöglidjt, welcpe ben W?enfcpen Dor allen anberen ®e* fdjöpfen auSjeidjnet, fo ftept bod) ber Vepauptung, bap es allein „Däne" ober WenigftenS „klänge" jur Smpfinbung ju bringen vermöge, bie Dpat* fadje gegenüber, bafj bie cntfdjieben „mnfitalifdjen" Singvögel fein Sorti'* fdjeS Organ, überpaupt feine eigentliche Scpnetfe befipen. ?luper burdj ben ©epörgang tonnen Sdjallwellen betanntlid) and) nod) burdj bie ©efidjtsfnodjen jum inneren ©epörgang geleitet werben. SS tonnen ferner im Ottttetn beS Hörapparats Srfcpütterungen, bie ju ben fog. entotifdjen ©epörswaprnepmungen Veranlaffung geben, ftattfinben. So wirb Oprenbraufen burep Suftfdjwingungen in ber Vanfenpöple (unb im änderen ©epörgang), flirren im Opr burd) 21m fdjlagen ber Sperrjäpne beS n Gnaden im Opr 247 burcß plöplidje ©effnung ber (Suftadji'fdjen ©rompete oeranlaßt, u. a. m. (5« tonnen aber aucß „fu b j e c t i o e" © e ß ö r « e m p f i n b u n g e n ftatt* ßaben, bie in mibernatürlidjen Vorgängen im Hörapparat ober im ©eßirn (Z- -S3. -Slutanbrang, (Sinmirfung oon ©iften unb Ärantßeiten, u. f. m.) ißren ©runb ßaben, fo baß biefe mibernatürlidjen Vorgänge eine anormale Steigung be« ©eßörnerüen ßerüorrufen. ber ßentralapparat tränt, fo oermag er biefe ©eßör«empfinbungen nidjt meßr al« „entotifdje" unb „fubjectioe" gu unterfdjeiben; baßer bie „Hallucinationen" ber ©eifte«* trauten, meldje biefe (Smpfinbungen nacß außen oerlegen. $cßeit. ©aS Sicht ift nicht, wie man früher annahm, eine TOaterie, meldje ber, in ununterbrochenem befinblidjen Sonne entftrömt, fonbern eine üorübergeljenbe (Srfdjeinung, melcpe auf SBellenbemegungen beS SletherS beruht, b. i. jenes äufjerft feinen unb elaftifdjen Stoffes, ber alte Äörper burdjbringt unb ben gangen Sßeltenraum erfüllt. Sidjt ift nur eine befonbere SdjmingungSart üon Slethertljeilchen, wetdje uns bie Körper fidjtbar macht. ©ie (Sigenthümlichteit biefer Sdpningungen beftept barin, baf? (entere fid) mellenförmig in geraber Sinie fortpflangen, aber fenfredjt auf biefer Sinie (Sid)tftrahl) erfolgen, unb gmar mit einer ©efdjminbigfeit üon 400 bis 800 Millionen Sdjmingungen in ber Secunbe. $ft bas ber Fall, fo ergeugen bie Sdjmmgungen in nuferem Singe einen Dieig ber Seh* nerüen'tSnborgane, meldjer üon bem Heroen nach bem ©eljirn geleitet mirb unb bort bie (Smpfinbung üon Sidjt peroorruft. ©aS Singe beS 3)?enfd)en befifct aber nicht bloS baS Sidjtmahrneh* mungSüermögen, fonft mürbe genügen, bafj baSfelbe nur aus einem für Sicht empfinblidjen, nerüöfen ßnborgan unb einer nach bem ©eljirn leitem ben Sterüenfafer befteljt. Unfer Sluge (unb baS ber höheren Shierc) hat aufgerbem bie Fähigfeit, ©eftalten unb Farben gu unterfdjeiben, unb bagu bebarf eS nidjt nur feines complicirten fonbern and) „fpecififdjer" $arbenempfinbungSorgane. ©iefe mannigfachen Functionen beS SlugeS, meldje mir inSgefammt als „Sehen" begeidjnen, merben befprodjen merben, nad)bem mir uns üorerft mit bem iöau beS SlugeS befannt gemacht haben. - ©er Sehapparat befteht aus bem eigentlidjen Sehorgan, ben beiben Singen ober Slugäpfeln, meldje in ben Slugenljöhlen liegen, unb aus einer Slngaljl üon SRebenorganen, melcpe gum (Sinhüllen refp. Schüßen unb gum ber Singen bienen. 248 ©er SI u g a p f e l pat bie $orm einer Äugel, an Welcher fidj vorn (nad) aupen bin) eine convepe SluSbudftung unb auf ber etwas abgeplatteten ©eite ein ftrangförmiger $ortfa£ befin* bet. ©urd)fd)neiben wir biefe Äugel (f. $ig. 132), fo fepen wir, baß fie einen Äern pat, Welcher von brei fdjalenartig über einanber lie* genben Rauten eingejcploffen wirb, ©einem 53au nadjfann man bentnadj ben Slugapfel in jwei ©peile in feinen Äern unb beffen häutige §ülle. ©er Sl u g e n f e r n ift burd)fid)tig unb wirb vontpeils gallertartigen, tpeils fluffigen (Sfebilben pergeftellt. ©aS größte berfelben ift ber ®laS* förper, welcher faft ben ge* fammten, von ben £)autfd)id)* teil gebilbeten §oplraum, abzüglich beS vorn am Sluge befinblidjen Äugel* abfd)nitteS, ausfüllt. ©iefer wafferpelle, glasartige Äörper, an wekpein man eine gefdjidjtete Sh'inbe unb einen fdjleimig* fluffigen, mepr gleichartigen Äern unterfdjeibet, pat vorn (nad) außen ju) eine tellerartige 53er* tiefung, in weldjer bie pintere $läcpe beS ©peilS beS SlugenfernS, ber ßinfe, liegt. - ©ie Sinfe (f. $ig. 133), Weldje mit beut ©laSförper eine Äugel barftellt, pat bie gönn eines runben, an feiner §mterfläd)e ftär* ter, als an feiner S>orberfläd)e, gewölbten 53rennglafeS. ©ie ift fepr elaftifdj unb bepn* bar, was, wie wir fpäter fepen werben, für baS ©epen auf verriebene (Entfernungen von gröp* ter 53ebeutiuig ift. ©ie ift in einer wafferpellen „tünfenfapfel" feft eingefdjloffenunb befteptauS einer faferigen klaffe, bereu (Eonfiftenj (heftig* feit) nad) bem 9)?ittelpunfte, bem fog. Sinfen* fern, pin junimmt. Sin iprer vorberen $läd)e fepen wir eine ©d)icpt burd)* fiditiger, runblid)*vielecfiger Bellen, aus benen fid) bie Vinfenfafern ent* Fig. 132. ©entredjtcr ©urdjfdjnitt bnrdj ben Slucjabfel. a) ©etinero, b) beffen ©djeibe, c) Weiße üluflenßaut, d) ©ornljaut, e) Söafferljant, f) Sinbeijaut, g) Stberljant, h) ftattentranj, i) Ciliarntu§tel, k) ©trabten beS ftaltentranjeS, 1) Sri§, m) i|3ubille, n) vorberennb o) hintere ülucjentaninter, p) 2infe, q) ©(aäförfer, r) ®ta§Ijt<iit ber Oietina, s) tit'f ©anal, t) SRetina, u) ©dilcnim'idjcr Canal. Fig. 133. £ängSburdjfcfjnitt burcf) bie Sinfe. 249 wideln follen. ©ie ßinfe, bereu djemifdje löeftanbtpeile eiweißartige Stoffe fiub, wirb im Sliter gewöpnlidj pärter, gelblid) uub trübe. ©ie traut« pafte ©rübung ber Sinfe, weldje von außen au ber grauen SSerfärbnng ber Pupille ju erfennen ift, wirb „grauer Staar" genannt. - Bum Slugenfern gepört ferner eine wäfferige $eucptigteit, ba« volltommen ftructurtofe Äammerwaffer ober Slugenwaffer. G« ift eine tlare, bituue (Spmppe), wetdje bie bei beu §autf(pid)ten be« Slugapfel« ju befcpreiben« beu Slugenfammern füllt. Uebermäßige 23ermeprung be« Slugenwaffer«, burcp bie eiu ju ftarter ©nut auf bie Sßänbe ber Kammern uub baburd) auf ba« ganje innere be« Slugapfel« au«geübt wirb, pat bie, „grüner Staar" genannte Äranfljeit jur $olge, bereu SBefen barin beftept, bafj burd) beu übergroßen ©rud be« Slugenwaffer« bie ©pätigfeit ber Sepner« venfafern bejw. «enborgane in ber Steppaut geläpmt wirb. - ©ie I)äutige §ülle be« Slugapfel«, Welcpe au beffen pin« terent von bem oben erwäpnten ftrangförmigen ftortfap burdjbrocpen wirb, beftept au« brei §äuten, oon benen j e b e an iprem üorberen (nad) außen ju gelegenen), Heineren SIbfcpnitt eine anbere Structur al« an iprem pinteren, größeren SIbfcpnitt jeigt, unb nur eine ben ganjen Slugentern nebft ben beiben anbereu, unter ipr liegenben Rauten untfdjließt. ©iefe äußerfte §aut, bie parte Slugenpaut, welcpe burd) ipre heftig« feit bie ©eftalt be« Slugapfel« beftimmt uub biefen gegen Gingriffe oon außen fdjüpt, verfällt in bie weiße Slugenpaut unb bie ©ie weiße Slugenpaut, ber größere, pintere SIbfcpnitt ber parten Slugenpaut, ift ein perlmutterweiße«, unburepfidjtige« ©entifcp oon löinbegewebe uub elafti« fd)eu $afern, ba« biegfam, aber faft unau«bepnbar ift. Slbgefepen von bent, für bie ganje parte Slugenpaut angegebenen Bwetf pat fie nod) ben befon« bereu, an iprer Slußenfeite ben lßewegnng«mu«feln be« Slugapfel« Slnfap« ftellen ju bieten, ©er üorbere, Heinere Slbfcpnitt ber parten Slugenpaut, ber ftärfer gewölbt ift, al« bie Weiße §aut, unb bie äußerfte §aut ber oon« üejen Slu«bud)tung be« Slugapfel« bilbet, ift bie Sie ift, ob« wopl burd)fid)tig, nid)t utinber feft al« bie weiße £)aut, von ber fie ja nur bie $ortfe£ung ift. Sie beftept au« brei Scpicpten, von benen bie äußere au« gebilbet wirb, bie mittlere ISinbegewebe ift, unb bie innere, bie fogen. SBafferpaut, ©e«cemet'fd)e ober ©eniour«'fd)e £)aut, feine Struetur jeigt; bie SBafferpaut wirb nad) bem Innern be« Singe« ju nod) von einem Gpitpel, einer Sd)id)t abgeplatteter Bellen, überfleibet ©ie gwrnpaut, welcpe aud) burep ipre ©lätte unb Älarpcit bem Singe ben fpiegelnben ©lanj verleipt, ift gewiffermaßen ba« genfter be« Singe«, welcpe« ben Sid)tftraplen in ba« Singe einjutreten erlaubt. 4Bei offenftepenbem Singe (f. ftig. 134) fiept man fie fiep wie eine kuppel über ber fd)Warjen Pupille unb ber farbigen, ringförmigen Siegcnbogenpaut wölben. - 3n bem fog. 250 t etn ötonbe bet §ornl)aut, Weldjer bcn Uebergang jur lueifjen 2lugenl)aut bilbet unb aufterbem mit bem SRanbe ber barunter liegenben berbunben ift, finbet fiel) ein ringförmiger ol)t= raum, ber „Sd)lemm'fd)e Gaiial", welcher bie SIbfonberung beS Singens mafferS regulirt. Xie zweite ober mittlere ber brei §autfd)id)ten be§ SlugeS bient bor* nel)m(id) ber (Ernährung, Bewegung unb SSerbunfelung be§ inneren Singet. •gl)1' gröfterer, Hinterer Slbfdjnitt ift bie ®efäftl)aut, 2lbert)aut oberfeftwarje Slugenljout, il)r fleinerer, borberer SIbfdjnitt bie (f. gig. 135). Xie ®efäftljaut legt fid) (hinten) an bie gnnenflädje ber Weiften Slugenhant an; Dorn, turj bebor, elje fie ben fRanb ber Hornhaut erreicht, berbiett fie fid) unb tljeilt fid) in jwei galtenfd)id)ten. Xie duftere berfelben, Weldfe alfo mit ihrer fläd)e an ber weiften Singens haut bleibt, berläuft ringför* mig unb bilbet ben Spanns ober diliarmuStel; bie ins nere Sd)id)t jeigt bagegen einen, ftral)lenförmig nach ber bers laufenben unb um bicfelbe concentrifd) gelagerten ßtanj bon 70 bis 80 galten, Welcher fid), wie mir fpäter nod) f elfen werben, auf ber fRüdfeite ber fRegenbogens haut Xiefe gortfäfce, weldfe einjeln ßiliarfortfähe unb jufammen galtentranj genannt werben, legen fid) mit bem angrenjenben Xl)eil ber innerften §autfd)id)t beS SlugeS, bem ßiliartheil ber 9tehhaut, an ben fRanb ber Cinfe unb holten biefe in ihrer Sage. SiliarmuSfel unb ßiliars bilben jufammen ben (Sitiars ober <Stral)lentörper ber Slberhaut, b. i. bereu nad) born gelegenen Xl)ßil. 3hrev Structur nad) beftel)t bie Slberhaut jumeifi aus 23lutgefäften, Welche nebft bunteibraunen garbs (Pigments)jellen unb einer geringeren SDienge farblofer 3e^en ö* e'n faferigeS ®ewebe eingebettet finb. Slufterbem enthält bie Slberl)aut in bimne £3ünbel georbnete glatte SDcuSfeifafern, welche mit ihrer im ßiliarmustel lagern, unb Serben (ßiliarnerben), weld)e bom britten unb fünften §irnnerbenpaar unb bom SpmpathicuS abftammen unb uns weit be§ „ftrangförmigen (beS Sehnerben nebft Scheibe) bon auften, nadjbem fie bie weifte Slugenljaut burd)bol)rt hoben, an bie Slbers haut unb fd)(ieftlid) an ben ßiliarmuSt'el herantreten (f. gig. 135). Xie Fig. 134. ®a8 lütte Sliiße. a) SBinbeljaut (ba? Sßeifje be§ Sluaeö), b) innerer Slugenwtntel mit bet ifjrätteitfantttfel, c) I;albntonb= förmige Saite, d) Sri?, e)$ubille,f)$ornijautfaU,g) äußerer Slitgenrointel, über iDelcfjem (Ijinter betn Slugenlib) bie Etjränenbrüfe itegt. 251 V3lntgefdfte ber Überbaut liegen aber ui jwet Sdfidjten über etnanber; bie duftere Sd)id)t fjat gröftere bie innere bagegen engmafcbige ®efäftne£e. iöeibe @d)id)ten finb nod) nad) ber weiften Slugenhaut bejw. nad) ber Re$jaut ju mit einer ,3ettt)aut betreibet, fo baft bie Slberl)aut bemuad) au§ vier Schichten ift, weldje bon auftcn (oou ber weiften Slugenftant au$) nad) innen fo auf einanber folgen: duftere B^Ü5 haut, Sd)id)t ber gröfteren iölutgefdfte, unb innere Bell* fd)id)t. «entere, weldie ben befonberen Ramen (9la3l)aut bat, ift (nad) innen jn alfo) mit einer weiteren Sd)id)t fo innig ber* bimben, baft man biefe „Pigment* frfjidjt" früher nod) jur überbaut red)* uete. ©iefelbe ge* hört aber jur Refj* baut unb Wirb fpd* ter mit biefer be* fprodjen werben. ©er borbere, flei* nere Slbfdjnitt ber mittleren §aut* fd)id)t be§ SlugeS beiftt bie Regenbö* genljaut ober Orte. Sie fdjlieftt ben, ihr bon ber Sibert) aut übrig gelaffenen ©h beö ?lugenfente nicht bollftänbig ein, foubern I)at in il)rem SRittelpuntt eine treterunbe ©effnung, bie änfterlid) ate eine fdfwarje ©d)cibe, Pupille ober @eblod) genannt, erfd)eint (f. gig. 134 unb 135). Um biefe «Scheibe legt fid) bie Regenbogenhaut ate ein banb* förmiger Ring, fo baft, wenn man bie äufterfte §autfd)id)t be$ Singet ab* löft, bie Pupille, bie Regenbogenhaut unb ber (angrenjenbe) @iliartl)eil ber Slberhant jufammen Wie eine jweite, nad) auften gewölbte Sdjeibe au$* fel)en, bereu fd)Warjeö Zentrum ba§ @el)lod), farbiger SRittelriug bie Regenbogenhaut unb peripherifdjer Ring ber (Siliartheil ift. Sin ihrem dufteren Raube, bem ßiliarranbe, wo bie Slberftaut in bie Regenbogenhaut übergel)t, ift wie wir fd)on wiffen, (am and) mit ber Hornhaut unb ber weiften Slngenhaut feft oerbunben. 3hr innerer Raub, ber Sßupillarranb, liegt auf ber dufteren SBölbung ber Vinfe feft auf. So Fig. 135. 9H>er= unb ateflcnboflenfiaut nadj Slblöfung bet tocifcen SXugcnßaiit. a) ©cfmerö, b) Sßupitle, c) SRegenbogenljaut, d)®iliarnerv, e) Slbcrnnut, f) SSenen bet Slberljaut, g) Weiße SlugenCjaut, h) Silianierven. 252 trennt bie Regenbogenhaut, beren ®ewebe bem ber 5lberl)aut ähnlich ift, ben vor ber ßinfe gelegenen £l)eil beS SlugenfernS in $wei Sljeile, bie vorbere unb bie hintere Slugentammer, mit Slugenwaffer angefüllt finb (f. gig. 132 n unb o). ©ie vorbere Slugentammer Wirb von ber $ornl)aut, ber Regenbogenhaut unb ber Sinfe, bie hintere Kammer von ber hinteren gleiche ber Regenbogenhaut, bem ßiliarförper bejw. bem 'ißetif* fdjen ßanal (f. Repljaut) unb ber Cinfe begrenzt. ®ie vorbere gläd)e ber Regenbogenhaut ift mit (Spitljel überfleibet, glatt unb verfdjiebenfarbig (blau, grau ober braun); bie, £raubenl)aut genannte hintere gläd)e ber 3riS ift bagegen faltig unb von einer fdjwaq gefärbt. £>ie galten ber £raubenhaut finb beS Slberhaut'galtenfranjeS, unb and) bie fdjwarje ber Sraubenljaut ift nur eine gortfepung eines anberen Slugentljeils, nämlid) ber <ißigmentfd)id)t beS Rephaut-ßiliar= tßeileS. Slußer biefer hinten anliegenben fßigmentfd)icht finben fid) hier, unb jwar im ©ewebe ber $ris, noch braune 'ißigmentjellen, bie, wenn fie ficß an ©teilen jufammenhäufen, bie fogen. Roftflecfe ber Regenbogen- haut verurfadjen. $e nad) ber SRenge ber jerftreut umherliegenben mentjellen richtet fid) aber bie garbe ber Slußenfläd)e ber Regenbogenhaut, ©inb gar feine im (Gewebe Vorlauben, fo fdjimmert bie mentfd)id)t ber STraubenhaut burd) baS ®eWebe unb bie Regenbogenhaut fießt blau aus. ©o tommt es and), bah, fi<h bw 'ißigmentjellen beS RegenbogengewebeS erft nad) ber ®eburt färben, alle Äinber mit blauen Singen geboren werben. 3ft bie 3al)l ber eine mäßige, bann erfd)eint bie 3riS blaugrau, grau ober graugrün, ift fie bagegen eine größere ober feßr erhebliche, bann fießt bie Regenbogenhaut hell- bejw. bunfelbraun aus. gel)lt bagegen, wie im Körper überhaupt, in ben Singen jeber garbftoff*), fo erfdjeinen Pupille unb Regenbogenhaut rotl). 5Bie bie Hornhaut baS genfter beS SlugeS genannt werben fann, fo fönnen wir bie Regenbogenhaut mit einer beS genfterS vergleichen, weldje baS ©el)lbd) beliebig vergrößern ober vertleinern fann. unb ftrahlenförmig liegt nämlid) in ber Regenbogenhaut je ein SRuSfel, von benen erfterer burd) feine bie Pupille verengert, lepte= rer bagegen auf gleiche SEßeife erweitert. £)ie gunctionen biefer, Verengerer be$w. genannten SRuSfeln bilben bie wid)- tigfte Slufgabe ber Regenbogenhaut, b. t. bie ber in bie Sinfe eintretenben 8id)tmenge. ®ie burd) ihre hintere 'ißigmentfchicht für *) 23ei Äanincfjen, SDiäufen unb 9?atten unb bei ben, SllbinoS genannten HDJenfcfycn, iueldje nicht, »nie man einft glaubte, einebefonbere90?enfchenraffe finb, fonbern unter allen Olaffen vorfommen. ©iefe Sllbinoö ober Äaferlafcn ljaben infolge ange= borener feinen bunflen garbftoff im ?lufle, $aar unb inber §aut, meöljalb fie §aare unb unb, Ivie gefagt, ©urd)fd)immernö ber Slutgefäfie im Innern beS 9lugeg) rotl) glänjcnbe Singen ljaben. 253 ftratjlen unburdjbringlidje Regenbogenhaut erweitert bie Pupille, wenn mehr Sid)t eintreten fort, unb verengert fie im entgegengefehten $alle. ©iefeS Reguliren ber Sichtmenge, baS and) bei ber Slccommobation ber Singen mitwirft, geht automatifd) entfpredfenb bem Sidjtbebürfnih vor fid), wovon wir uns teidjt überzeugen tonnen. wir unfer Singe in einem (Spiegel im gmlbbunfeln, fo ift bie Pupille weit; bringen wir bann ein Sicht nahe an baS Singe, fo bah basfelbe ftarf beleudjtet wirb, fo ver- engert fid) bie Pupille, in $olge reflectorifdjer Reizung beS Regenbogen* I)aut*RingmuSfelnerven, zufepenbs. ©ie britte unb innerfte beS Slugapfels, bie Rehhont ober Retina, ift bie widjtigfte, weil fie bie (Snborgane beS Sehnerven enthält, ©er Sehnerv tritt an bie hintere Seite beS SlugeS, unb jwar an bereu unteren ©I)e'C in ©eftalt beS oben ftrang* förmig genannten hercm- X)iefer gortfap beftel)t aus einer äußeren §ülle, welche ber weihen Slugenhaut gleichartig ift unb in biefe übergeht. $n biefer Sdjeibe liegt ber Sehnerv, weither, von ber weihen Slugenhaut alfo unbehinbert, in baS innere beS SlugeS eintritt, hier juerft bie Slberlput burdjbohrt unb fid) bann von feiner, in ben Slugentern etwas aufftülpenben (Eintritts* ftelle nach allen Seiten ausbreitet refp. ber Innenfläche ber Slberlfaut anlegt (f. $ig. 132). ©iefe beS Sei)* nerven ift bie Rehhaut ober Retina. Sßie jebe ber beiben anberen §autfd)ichten beS SlugeS zerfällt fie in einen gröberen, hinteren unb einen Heineren, vorberen Slbfd)nitt, weid/ lepteren wir fdjon als @iliartl)eil ber Reh* haut fennen gelernt haben, ©er hintere Slb* fdjnitt, Rehhaut ober Retina im engeren Sinne genannt, ift ber nervöfe Xheit ber Rehhaut, welcher bie ßnborgane beS Sei)* nerven enthält. Seinem S3au nad) befteljt biefer £heil onS zehn über einanber liegen* ben Sd)id)ten, bereu äufjerfte bie fdjon im 3ufammenhang mit ber Slberhaut erwähnte (f. $ig. 136, 10) ift. Sluf biefe folgen nad) innen zu neun anbere, in S3inbegewebsfubftanzen eingebettete Sd)id)ten, weldje eine verfd)iebenartige Structur Rervenzellen unb Körner) zeigen. öS Fig. 136. Srfjenm ber 9te$1joutfct)tcfjten. 1) @lctS= [jaut ober innere ®renäfcl)id)t, 2) ®eb= nervenfaferfct)icf)t, 3) ©angiienjelien* frf)icl)t, 4) innere granulirte @d)id)t, 5) innere ®örnerfdjicfit, 6) äußere granu= lirte @d)id)t, 7) ändere fiörnerfcf)irf)t, 8) äußere ®renäfcf)irf)t, 9) @täbcben= unb 3 apfenfcfjicf) t, 10) 254 genügt für nufere bie auf bie folgenbe Stäbdjem unb Bapfenfd)id)t unb bie innerfte, ben ©taSförper birect einfeptießenbe Sd)idjt ju befpreipen. £)ie (Slemente ber Stäbepen- unb finb, wie fdjon ber Slame befugt, Stäbepen unb B«Pfen. finb von pigmentirten Sepeiben umgeben unb beftepen beibe aus je einem inneren unb äußeren ©liebe, welcpe beutlid) von ehianber ju nnterfcpeiben finb (f. ftig. 136). 3m ju ben betr. ber cplinbrifepen Stäbepen finb bie 3nneng(ieber ber 3aPfen bider, bie Slußenglieber ba- gegen tüqer unb Sin bem nadj innen liegenben ©nbe iprer 3m nenglieber finb Stäbdjen unb Bapfen burd) nervöfe Rufern, bie bei ben Bapfen etwas bider finb als bei ben Stäbdjen, mit ben anberen Sdjiepten ber verbunben. £>urd) biefen Bufannnenpang wirb ber 9iei$, weldjer von, in baS Singe fallenben Sidjtftraplen in ben Stäbdjen unb Bapfen pervorgerufen wirb, auf bie Sepnervenfafern übertragen. 3» ben Slnßengliebern ber Stäbepen unb BaPfen pnben wir nämlid), obwopl ber Slnfdjein bagegen fpridjt, ba fie von ben Vidjtftraplen abgewenbet ftepen, bie eigentlichen lidjtempfinbenbcn ©nborgane ber Sepnerven ju fucpen. 3n ipnen, ben Slußengliebern bcr Stäbdjen unb lvirb bie Sietperbewegung (ßicpt) in ben Stfervenreij weldjer im ©epirn bie Vidjtempfinbung Ijervorruft. ©aS beivcift bie verfepiebene ßidjtempfiub* lidjfeit ber verfdjiebenen Stellen ber (eigentlichen) Slebpaut. Sin ber ©in* trittsftelle beS SepnerVen in baS 3miere beS SlngeS, b. p. an jener pügeU förmigen (Srpebung, von ber bie SluSbreitnng beS Sepnerven auSgept, feplen -S3. Stäbdjen unb BaPfen unb erregt beSpalb an bicfem, aus bem ©runbe fo genannten blinben B'led ßidjt leine ßidjtempfinbung; biefe fann normal (burd) von außen einfallenbeS, b. p. „objectiveS" Öid)t) nur burd) bie nervöfen (Snborgane, Stäbd)en unb BaPfeTV Verurfad)t iverben. ferner finb bie Seitenflädjen ber (eigentlidjen) je mepr fid) biefe bem ßiliartpeile näpert, befto weniger empfinblid) für ßidjt, weil bie B«pt ber Stäbdjen unb BnPfen im Wr* pältniß ju bereu Slnnäpern an ben ©iliartpeil abnimmt. @d)ließlicp ift nod) ber vom „blinben $led" etwas nadj außen (nacp ber Scpläfenfeite) gelegene „gelbe $(ed"*) ein beweis bafür, baß Stäbepen unb BaPfen c/ bie Cicptempfinbung vermittelnben nervöfen ©nborgaue finb. £)er „gelbe ftled" ift ber lid)tempfinblid)fte Xpeil ber ganzen iUeppaut, befonberS an feinem, ©entralgrube genannten, etwas verbünnten SJlittelpunft, Weil in feiner Sleppautpartie fid) bie größte SOSenge von Stäbepen unb Bapfen voi> finbet. daraus, baß in ber ©entralgrube nur BaPfen 3U fwben finb, unb *) ©crfelbe vcrbanft feinen tarnen einer gelblichen gärbung, tvclcfie burcl) eine ftarbftoff;ßinlagerung in feine 9?egl)autfd)icbtcn (mit bcr ®täbcfycn= unfc •3a|>fen- unb ber äußeren flßrncrfdjidjt) verurfacfyt ivirb. 255 er ft an ber Clrenje, alfo bem fdfon weniger lid)tempfinblid)en Xl)eile, beß „gelben glecfß" and) Stäbchen (jwifdjen ben Bapfen) fteljen, ergiebt fid) aber ferner, baß bie Bapfeit eine Ijöljere £id)tempfinblid)feit haben, alß bie Stäbchen, obwohl beibe auß berfelben hellen, weidjen unb jarten SD?affe be= ftepen unb, abgefefjen bon ihrer gönn, nur nod) l)infid)tlid) ber ©icf'e ihrer 9ierbenfafern eine 53erfd)iebenl)eit geigen. Slber nicht nur, baß bie Bapfen eine höhere £idjtempfinblid)feit alß bie Stäbdjen befifjen, fon- fern aud) baß ift, burd) anberweitige Unterfudjungen, alß fidjer nad)ge* wiefen, bah BaPfen befonberß ber garbenunterfdjeibung bienen, bie Stäbchen bagegen nur bie ßid)twahrnel)mung bermitteln. - ©er borbere, Heinere Slbfcpnitt ber ber Ciliartßeil berfelben, ber feine nerböfen Elemente mehr hat, wirb and) baß Slufhängebanb ber ßinfe, bie Binn'fdje Bonula ober baß Stral)lenblättd)en genannt. Seiferen tarnen hat er bon feinem Slußfehen erhalten; er wieberljolt nämlid) bie traufenförmige galtenbilbung beß Stral)lentranjeß ber Oberhaut, unter welchem er liegt, inbem er fid) beffen, bom Sinfenranb nad) hinten außftrahlenben Hebungen unb Senfungen genau anfdfmiegt. Sin bemfelben fünfte unb in berfelben SBeife, wie ber galtentranj bon bem hinteren ©heile ber Slberhaut, hebt fid) aud) ber Ciliartljeil ber 91ehhaut bon bem hinteren Slbfdjnitt ber haut ab, nämlid) mit einem 3ierlid)en„Bacfenranb" ober „Sägeraub". SBie bie eigentliche 9?e$h«ut ift ber Ciliartl)eil an ber (äußeren) spigmentfd)id)t mit ber Slberhaut unb an feiner -Bnnenflädje burd) bie „innere ®renjfd)id)t" (f. gig. 136, 1) mit bem ©laßtörper berbunben. ©iefe „innere ®renj= fd)id)t", welche man früher irrtl)ümlid)erweife alß eine, ben ©laßförper eim hüllenbe „©laßhaut" hinftedte unb bemnad) jum ©laßförper rechnete, ge- hört jur 9}e$jaut. Soweit fie eine Sdjidjt ber eigentlichen 9?e£l)aut bil- bet, liegt fie bem ©laßförper nur auf, alfo biß jum Bacfenranbe, ber@renje jwifd)en ber eigentlichen 91ehhaut unb bereu ßiliartljeil. Sßon biefer ®renj* fdjeibe an berwächft fie unb baburd) ber gefammte ßiliartheil ber mit bem ©laßförper, trennt fid) aber an beffen borberem Otanbe wieber bon bem ©laßförper, um fid) born an ben 9?anb ber Sinfe (unter bem galten- franj) ju legen. $ier enbigt fie unb mit ihr ber 9cehhaut<iliartl)eiL 3n bem ringförmigen §ol)lraum aber, weldjer jwifd)en ber hinteren fläche ber Sinfe, bem ©laßförper unb ber Bnnenfeite beß ®tral)lenblättd)enß baburd) entftel)t, baß fiel) born bom ©laßtörper trennt unb auf ben ßinfenranb übergeht, befinbet fid), wie im Sd)lcmnf fd)en Canal, Singern waffer; eß ift bieß ber fogen. Canal. - Crfrantung ber (ober beß Sehnerben ober ®ehhwntl)eilß) berurfad)tben„fd)warjenStaar". ©ie 9?ebenorgane beß S el) ap parat eß finb folcpe, welche jum bewegen beß Slugapfelß, unb foldje, welche jum Cint)üllen refp. Schüßen beffelben bienen. 256 ©er iSewegung§apparat beS SlugapfelS wirb Von fedjS in bet 9lugenl)öl)le liegenben SOZuSfeln gebilbet, welche fid) an bie Slußenflädje ber Weißen Slugenßaut anßeften. iSier biefer SJhtSfeln (ein oberer, unterer, innerer unb äußerer), welche bie „geraben" SlugenmuSfeln genannt wer® ben, breljen ben Slugapfel nad) oben, unten, Hnfö unb rechts. ©ie beiben anberen SlugenmuSfeln (ein oberer unb unterer), weldje man bie „fdjiefen" nennt, bringen rabförmige beS Slugapfels hervor. (Sine ge® naitere Trennung ber Functionen ber einzelnen SlugenmuSfeln ift in für® jen Porten nidjt 31t geben, ba faft ju jeher ber vielen verf (hiebenartigen Slugapfelbewegungen gwei ober mehrere jener SDSuSfeln in eigentßümlidjer Söeife gufammenwirfen. ber SlugenmuSfeln bejw. ber, biefelben beßerrfdjenben Serben, weid/ letztere vom britten, vierten unb fed)ften abftammen, beeinträchtigen bie iBeweglidjteit beS SlugapfelS, ein /eiben, bad unter ber Schielen allgemein befannt ift. S d) u (5 0 r g a n e ber Singen finb bie SIugenljöl)len, bie Slugenbrauen, bie Slugenliber mit ben SBimpern unb ben Slugenbutterbrüfen unb ber ©Ijränenapparat. ©ie Slugenhöljlen, in benen je ein Slugapfel, in Fett® polftern eingebettet, liegt, finb feitlid) von ber 91afenl)öl)le befinblidje §ölj® len. $ebe berfelben bilbet eine vieredige, hinten unb vorn offene mibe, bereu bie äußere ©effnung ift (f. Fig« 31 unb 118). ©ie Slugenbrauen verßinbem ben von ber Stirn ßerabfließenben Sdpveiß, in bie Slugenßößle gu fließen, ©ie Slugenliber (ein oberes unb ein unteres) finb gewiffermaßen zwei Falten ber äußeren $aut, von benen eine bis zur $älfte beS SlugeS herab®, bie anbere bis zu berfelben Stelle hinaufreicht, ©as äußere S3latt biefer Falten gleicht ber äußeren §aut, ihre Umfdjlag® ftclle ift ber ,,/ibranb", unb hier liegt im Innern ber /iber je ein Knorpel, weldjer Form unb F'eftigfeit berfelben bebingt. S3eibe /ibränber, weldje bie fogen. Slugenlibfpalte begrenzen, finb an ihren freien, nad) außen geriet)® teten Räubern jum Weiteren Schule beS SlugeS mit furjen, fteifen unb bogenförmig gefrümmten paaren befett, weldje fich im 3al)re ungefähr brei bis vier 2)?al erneuern, hinter biefen „SBimpern" befinben fid) bie SluS® fül)rungSgänge ber fogen. SReibom'fdjen ober 3Iugenbutter®©riifen, bereu es im oberen Vib 30 bis 40, im unteren burd)fd)nittlid) 10 weniger giebt. ©ie ©riifen fonbern eine, Slugenbutter genannte fettige FHiffigteit ab, weldje, inbeni fie bie Wimpern unb Vibränber einfettet, einem leid)ten (Entfließen ber ©hränen aus ben Singen vorbeugt. (Eine (Entjünbung einer folcßen ©riife nennt man „®erftenforn". Sleßnlidje (Sjebilbe aus jufam® mengelagerten Follifeln liegen unter ber auf bem Wben beS inneren SlugenwinfelS, unb jwar in ©eftalt eines rotßen §ügeld)enS, weldjeS als ©ßränenfarunfel wirb, ©ie 23inbel)aut ober (Eon® 257 junctiüa ift aber bie ber Slugenliber, bie fiel) aueß auf bie üorbere gläeße beS Slugapfels (f. $ig. 132 unb 134). ©aS „SBeiße" beS SlugeS, baS wir an einem normalen Singe non außen feßen, ift alfo nidjt bie Weiße Slugenßaut beS Slugapfels, fonbern jene Binbeßaut, welche üon ber Onnenfeite ber Slugenliber fid) auf bie Dberflädje beS SlugeS fdjlägt unb ßier am mit ber §ornßaut üerwäcßft. Oie Binbeßaut, weldje ißren fRamen erßielt, weil fie gleidjfam ben Slugapfel in ber Slugenßößle feftbim bet, entßält ®efäße, bie, wenn mit Blut überfüllt, beutlidj zu feßen finb. ®efd)(offen werben bie Slugenliber (refp. bie ßibfpalte) üon bem fogen. ©cßließmuSfel, ber längs beS ßibranbeS in ben Sibern eingebettet ift. tiefer Berfd)luß erfolgt aber willfürlid), um g. B. bem Singe zeitweilig {Ruße zu gönnen, ober in ftolge einer {Reizung beS inneren ober äußeren SlugeS reflectorifcß ober unwillfürlidj, wie jumeift; in letzterem galle nennt man bie Bewegungen ber ßiber Sibfdjlag. ©urdj benfelben wirb bie Ober® flädje beS SlugeS unb befonberS ber §ornßaut nidjt nur rein, fonbern and) feudjt erßalten. Oberhalb beS äußeren SlugenwinfelS befinbet fid) nämlid) eine Slrt ©peidjelbrüfe, bie £ßränenbrüfe, in Weldjer bie farblofe, faljig fdjmecfenbe £ßränenflüffigfeit zubereitet wirb (f. gtg. 134, g). SluS ber Twüfe tritt biefe glüffigfeit burd) eine Slnzaßl üon SluSfüßrungS- gängen (7 bis 10) unter bem oberen Slugenlibe fortwäßrenb in Heinen SRengen ßerüor unb wirb bann burd) ben ßibfdjlag quer über bas Singe nad) bem inneren Slugenwinfel gefpült, wo fie fid) in einer, „£ßränenfee" genannten Vertiefung fammelt. §ier wirb fie üon ben beiben „Xßränen- punften", üon benen einer am oberen unb einer am unteren Slugenlibranbe bid)t am inneren Slugenwinfel fteßt, eingefogen, um weiter burd) je ein oberes unb unteres feines £ßränencanäldjen nad) bem ütßränenfad unb üon ba burd) ben Oßränencanal in bie {Rafenljößle geleitet zu werben, ©iefe Verbinbung ber festeren mit bem Singe ift beSßalb fo wießtig, weil eine (Sntzünbung ((Satarrß) aus ber $Rafe baburdj leid)t auf baS Singe über- tragen wirb, was fdjließlidj zu einer ber langwierigen Slugenfranfßeiten, einer djronifdjen Verstopfung ber Stßränenwege (Xßränenfiftel), fütjren tann. ©ie Slbfonberung ber STßränenflüffigteit fann fid) in {folge üon {Reizungen ber Binbeßaut, unb {Rafenfcßleimßaut ober üon p|t)d)i- fd)en Sllterationen fo meßren, baß, wie z. B. beim SBeinen, bie Xßränen auf bem normalen SSege nidjt meßr abgefüßrt werben fönnen unb über bie ßibränber nad) außen fließen. - Sim inneren Slugenwinfel neben ber Äarunfel befinbet fid) nod) eine Heine ßalbmonbförmige ftalte, Weld)e für baS Singe feinen {Ruthen ßat. äRanerflärt fid) biefelbe als ein „rubimentäreS Organ", b. ß. ein üerfümmerteS Uebcrbleibfel eines britten SlugenlibS unferer „tßierifdjen" Borfaßren. (Sine foldje „9?idßaut" finbet fieß nod) ßeute feßr entwicfelt bei gewiffen Xßieren (f. ftig. 134, c.) 258 ©er anatomifdjen (Sintljeilung beS SeljapparateS, welcher wir bei ber vorftel)enben 53ef<hreibung beS SlugeS gefolgt finb, fann man eine phhfio* logifdje gegenüberftellen, b. I). eine folctje nad) ben Functionen, welche bie einzelnen ©heile ju erfüllen fjaben. ©anad) wäre ber Sehapparat jn in einen nervöfen (licfjtempfinblidfen), einen lidjtbrechenben nnb einen Schuh* nnb (Ernährungsapparat. Echterer würbe bie oben genannten Rebenorgane nnb bie Weiße Slugenpaut nnb bie Slbertjant umfaffen; ber lid)tempfinblidje Apparat wäre bie Rehhaut, nnb für ben lidjtbredjcnben Apparat blieben Hornhaut, Sinfe, Äammerwaffer nnb ©laSförper übrig, ©iefe pppfiologifdie ©rennung ift jebod) feine bnrdjgreifenbe. So gehört bie für bie Lichtbrechung I)öd)ft wichtige §ornpant, als bie äußere vorbere Rillte beS Slugapfels, entfliehen and) ju ben Sdjuhorganen; bie Slberhaut mit bem, bie LinfeverfdjiebenfrümmenbenSlccommobationSmuSfel nnb il)r Sborbertpeil, bie Regenbogenhaut, finb bei ber Lichtbrechung Ijödjft wichtige Factoren; n. a. m. pat bie phpfiologifcße (Sintpeilnng Diel für fid), weit man fiel) auf ©runb berfelben leicht eine Ueberfidjt über bie com* plicirten Functionen b e S Sehapparats nnb feiner ©heile er* werben fann. SBenn baS menfdjlidje Sehvermögen, fagten wir oben, auf bie Unter* fdjeibung von £>ell nnb ©unfel befdjräntt wäre, fo würbe es genügen, baß baS Sehorgan aus einem einfachen lidjtempfinblidjen, nervöfen (Enborgan nnb einer nad) bem ©el)irn leitenben Rervenfafer beftänbe. ©aS Sluge ber SRenfdjen (nnb baS ber höheren ©Ijiere) fann aber auch verfdjiebene Farben nnb ©eftalten unterfdjeiben, nnb baju bebarf eS feines hödjftfunft* vollen 53aueS. (ES ift mit einer ©unfelfammer (Camera obscura), einem jener innen gefdjwärjten Säften ju Vergleichen, Wie fie beim oto9ra reu gebraucht werben. Sin ber SSorberfeite biefer Säften ift eine aus* nnb einfdjiebbare Röhre angebracht, in Weldjer eine convej; gefdjliffcne ©las* linfe fentrecht befeftigtift; bie Rücfwanb ber Kammer bilbet eine matte ©laStafel. ©iefe unb in nodj höherem ©rabe bie verfd)iebbare Röhre nnb bie Vinfe finb baS Sßefentlidje beS SIpparatS. Rehmen wir nun an, baß ber haften in ber(fpäter jn befpredjenben) richtigen (Entfernung von einem leud)tenben ©egenftanb fteht, welchem bie Röhre jugefehrt ift, fo werben wir, wenn wir hinten auf bie ©laSWanb fepen, bort ein vollfommcn natür* lid) gefärbtes, aber fleineS unb umgefehrteS (auf bem ®opf fteljenbeS) beS betr. ©egenftanbeS finben. ©iefeS 53ilbd)en fommt burd) bie brei oben genannten wefentlidjen ©heile einer Camera obscura ju Staube. Um ben Vorgang ju verfielen, müffen wir nochmals auf bie 53er* b r e i t u n g b e S £ i d) t S jurücffommen. ©iefelbe gcl)t befanntlid) ftral)£ lenförmig vor fid). 3eber Vid)tftral)( ftellt eine gerabe Öinie bar, auf 259 Weldjer fid) Sletßertßeildjen fenfrecßt mit einer ©efdjwinbigfeit von 400 bis 800 Millionen ©djwingungen in ber ©ecunbe fdjwingen. 3ft bie ®e- feßwinbigfeiteine geringere ober größere, fo ßaben wir feine Sidjtempfinbung, b. ß. bie ©traßlen üben auf ©täbdjen unb Rapfen ber SReßßaut feinen Siciz au§. 23on einem in freiem 9?aum gebauten fünfte goßen nun foldje Sidjtftraßlen nadj affen ©eiten ßin aus. diejenige Slnzaßl von ©traßlen, wefdje nufer Singe trifft, bilbet aber jufammen ein fegelförmigeS Wnbel, hoffen ©piße im leudjtenben unb beffen WfiS baS Sleußere unfereS SlugeS refp. ber £ßeil beS SlugeS ift, weldjer Sidjtftraßlen burdjläßt, b. ß. bie Pupille. Wim Einbringen in baS Singe würben fidj nun bie Sidjt* ftraßlen nocß meßr ausbreiten, eS würbe fein 4Bifb von bem leudjtenben fünfte auf bem für Sidjt empfinblicßen SLIjeil beS SlugeS, ber Wßßaut, entfteßen, wenn nidjt ein Slpparat vorßanben wäre, weldjer bie fidj auS- breitenben ©traßlen fammelte unb fcßließlidj auf ber Wßßaut wieber vor* einigte, ©icfer ©ammelapparat ift in ber Camera obscura bie Sinfe. Eine Sinfe „bricßt" bie ©traßlen, b. ß. fie lenft biefefben von ißrem Sßege äb, um fdjließlidj affe auf fie (bie Sinfe) gefallenen ©traßlen wieber in einem fünfte, bem 53rennpunfte, pfammentreffen zu laffen. $n biefem Weunpuntt erfdjeint bann baS Wlb beS leudjtenben Körpers umgefeßrt. SRan fann fidj leidjt bavon überzeugen, wenn man mit £)ülfe eines nadj beiben ©eiten gefcßliffenen fogen. 53rennglafeS (Sinfe) baS Wb einer flamme auf einem ©djirm, $. 53. ber SSßanb, auffängt. 53ei einem foldjen SSerfudj wirb man and) bemerfen, baf? baS Wlbdjen nur bann beut- l-idj an ber Sßanb erfdjeint, wenn man baS WennglaS in eine beftimmte Entfernung von ber Sßaub bringt, wefdje bavon abßängt, wie ftarf bie Öinfe nadj außen gewölbt ift. 3e ftärfer bas ber $alf, befto näßer ßat man bie Sinfe an ben ©djirm zu ßalten, b. I). befto größer ift baS 53redjungSVer- mögen ber Öinfe, befto meßr werben bie auf bie ßinfe jerftreut fallenben £idjtftraßlen abgelenft, unb befto näßer liegt ber 53rennpunft, in weldjem bie ßidjtftraßlen ßinter berSinfe wieber jufammentreffen. ©er ßat beSßalb feine Sinfe in einer beweglidjen fRößre, burd) bereu SluS* refp. Einfcßieben er bie von einem ©egenftanb auSgeßenben unb auf bie Sinfe ber Eamera fallenben Vicßtftraßlen jeberjeit fo fammefn fann, baß ber 53rennpunft auf bie matte ©laStafel im ber Eamera fällt. Erfdjeint auf ber ©afel fein beutlidjeS Wb, bann liegt ber Wennpunft vor ober ßinter ber Xafel, b. ß. bie von ber Stufe • gefammelten ©traßlen treffen vor ober ßinter ber ©afel zufammen. festeren $alle fdjiebt er bie Diößre mit ber Sinfe ein, wobureß biefe von bem Efegenftanb weiter entfernt, unb ißr Wedjungsvermögen vermeßrt wirb; im erfteren jießt er bie 9iößre mit ber Sinfe weiter ßerauS, woburd) ber Slbftanb z'vi- (eßen bem ©egenftanb unb ber Sinfe verringert, unb bereu 53redjungSver= 260 mögen perabgefept wirb, ©erfelbe Vorgang bolljiept fid) aitdj in unferent Singe. gwrnpaut, Sinfe, Äammerwaffer unb ©laßförper, b. p. bet ß i d) t * bredjungßapparat, fammeln bie einfallenben Straplen unb bereit nigen fie wieber im SBrennpuntte, in Welchem bet leudjtenbe puntt umge* feprt erfdjeint. Eine ßid)tempfinbung wirb nur bon ben («Btäbdjen unb Rapfen ber Dleppautfdjidjt bermitteft. Sluf ledere mufj alfo ber «S3rennpunft falten, wenn wir eine ßidjtempfinbung paben fallen. Sßie aber nun, wenn ber bor ober pinter bie fj?e(5paut fällt ? ©er Cid)tempfinbungßappa= rat in nuferem Singe fann nidjt pin- unb pergefdjoben werben, um ipn in bie richtige Entfernung bom leudjtenben punft ju bringen, bamit baß -Söilbdjen auf bie Dleppaut fällt. fllun, ber ppotograpl) fönnte fiep and) opne jene bewegliche Diöpre bepelfen. Eine ßinfe bricht baß 2id)t um fo ftärfer, je conbejer fie gefdjliffen ift, unb umgetefjrt. SBürbe alfo ber Photograph eine Slnjapl berfdjieben gefdjliffener fünfen bereit palten unbr wenn bie ßinfe in ber fRöpre ju fdjwadj ift, eine ftärtere bafiir einfepen, bann brauchte er bie Oiöpre nidjt pin unb her ju fdjieben. Ober aber er tonnte and) hinter bie urfprünglidje Sinfe nod) eine ober mehrere fdjwädjere fünfen einfdjieben, bie bann alle jufammen wie eine einzige ftärter brecpenbe fünfe wirten würben. $n äpnlidjer SBeife berpält eß fid) mit bem bredjungßapparat unfereß Slugeß, unb tann fid) berfelbe betriebenen Entfernungen accommobiren. §ornpaut, Slugenwaffer, fünfe unb ©laßtörper finb hinter einanber liegenbe „förenngläfer", weldje gemeinfdjaftlidj wie ein brennglaß wirten, baß ftärfer licptbredjenb ift alß jebeß feiner Einjeltpeile. ©aß normale Sluge ift nun fo eingeridjtet, bafj ber brennpuntt unenblicp weit entfernter ©egenftänbe gerabe auf bie fällt. Um bon näher gelegenen ©egenftänben ein £öilb auf ber ju erhalten, mufj alfo ber bejw. hanptfädjlid) beffen wid)tigfter Sl)eit bw Sinfe, ftärfer gewölbt, b. I). baß 33red)ungßbermögen erl)öl)t werben. 2ßir tonnen bieß and), unb jwar willfürlid), tl)un mit £mlfe beß Eiliar-, @panm ober Slccommobationßmußtelß ber Slbeipaut, welcher bereu unb ber weiten Slugenpaut liegt. 31m ßinfenranbe finb befanntlid) ber Eiliarmußfel, ber unb baß Slufhängebanb ber Sinfe (oorberfter ber 97e£hnut) feft bereinigt. 3iet)t fid) nun ber Eiliarmußfel fammen, fo muffen gnltentrans unb Slufhängebanb ber Sinfe biefer && Wegung folgen, unb burch biefen bon allen «Seiten auf ben ßinfenranb auß= geübten ©rucf ber genannten, ringförmig bie ßinfe einfd)liejjenben ©peile wirb bie öinfe ftärter gewölbt; wirb aber aud) bon ben ftrapligen Hafern beß (Siliarmußfelß, bie im Strahlenfrans berlaufen, ber borbere ©peil ber Slberpaut unb ber barunter liegenben 9?epl)aut nad) born gezogen, 261 bamit bet ©laSförper gebrücft, unb biefer brängt babet bie ßinfe rtacp vorn. Sluf biefe Sßeife tonnen mir bie conveye SBölbung bet ßinfe, b. ß. beten Vredjungövermögen vergrößern unb mit nuferem normal auf bie $erne angepaßten VrecßungSapparat im Singe ben Vrennpunft naßer ©egen« ftänbe milltürlicß auf bie 9?e$)aut verlegen. S9?an nennt biefe Veränbe« rung beö SlugeS „21 c c o m m o b a t i o n" ober „21 n p a f f u n g" beS SlugeS (f. $ig. 137). SluS ber SOSuSfelanftrengung, melcße mit ber Slccommoba« tion verbunben ift, fönnen mir uns jeßt and) bie Ermübung ber Slugen er« flären, melcße mir nad) längerer Vetracßtung naßer ©egenftänbe verfpüren. §ört bie Eontraction beS EiliarmuStelS auf, bann teßren ßinfe unb ©las« törper gleichzeitig mit bem SOSuStel in bie 9?ußelage jurüct. ©aß fid) bie ßinfe mieber abfladjt, ßat aber einen jmeiten ©runb barin, baß biefelbe mäßrenb ber fRußelage vom ©traßlenbänbcßen nad) ßinten unb außen ge« jogen mirb. ©iefe auf bie ßinfe ausgeübte melcße mäßrenb ber Slccommobation burd) bie Eontraction beS EiliarmuStelS aufgeßoben mirb, madjt fid) geltenb, fobalb ber WiuSfel mieber erfcßlafft.- 23ei ber Slccom« mobation verengert fid) and) bie $u« pille, b. ß. ber vom ber Dfegenbogenßaut umfcßriebene mirb Heiner, ©urd) Verengerung ber Pupille, bie and) oßne Slccommobation beS Singet vor fid) geßen fann, inbem ficß ber 9?ingmuSfel ber $riS jufam« menjießt, mirb meniger ßicßt in baö Singe eingelaffen, benn in baffelbe tonnen nur burd) bie Pupille ßidjtftraßlen einbringen, ba bie pigmentirte SRegenbogenßaut unb bie meiße Slugenßaut unburcßbringlicß für foldje ©traßlen finb. 23ei (Erfdjlaffung ober Säßmung be§ 9iingmu§tel0*), b. ß. bei (grmeiterung ber Pupille, erßält bagegen meßr Sid)t (Eintritt in bas Singe. Sluf biefe SSeife mirb bie Sicßtmenge für ba§ Singe burd) bie 3ri$ unmilltürlid) regulirt. (*ine anbere Function ber fRegenbogenßaut ift bie, „9?anbftraßlen" von bem Einbringen in ba§ Singe abjußalten. @o(d)e (Straßlen mürben, menn ber nid)t von ber 3riö bebectt märe, burd) ben Dianb eintreten, fcßneller gebrocßen merben als bie burd) bie SOlitte ber £infe einfallenben ©traßlen unb fomit ftörenb mitten. ©er fernfte *ßunft, ben man feßen fann, b. ß. von melcßem baö 23i(b« eßen genau auf bie 9?e£ßaut fällt, ift ber $ e r n p u n f t, unb ber ■ nädjft Fig. 137. ®ur<fifdjnttt burcf) ben öorberen Slugenabfcfjititt mit ber für bie gerne (a) unb ber Slccommobation für bie 32äl)e (b). *) SJZancbe ®ifte, 3. 33. Sltropin, Bettürfen eine fotdje (Erweiterung her 33upiHer anbere ®ifte, ivie Cpium unb Sfticotin, ljabcn ba gegen eine 33crengerung jur golge. Chloroform, 2Iet£»er unb 9Ilcol)ol verengern gucrVt unb erweitern fpäter bie Pupille. (?3 ift bieä wiebttfl bei SBetfliftunflSfäUen, um bas betr. ®ift feftjufteUen. 262 liögettbe Eßunft, beffert (Entfernung fid) baS Singe nod) anpaffen fann, ßeißt bbr 9?al) epuntt. $ür normale Slugen ift ber gernpuntt unenblicß weit unb liegt ber 9?aßepunft ungefäßr 4-5 3oll Dor bem Singe, ©en Slbftanb jwifcßen beibeit fünften nennt man bie beutltcße S e ßweite ober bie Söeite beS beutlidjen SeßenS. (ES giebt aber ßäufig Slbweid)ungen Don ber normalen S3efd)affenßeit beS S3redjungS* unb SIccommobationSDermö* genS, unb bejeidjnet man biefe Wiäugel als Ueberfidjtigfeit unb SBeitficßtigteit. $ u r j f i d) t i g f e i t, weldje in ber 9tegel angeboren, aber and) burd) übermäßige Slnftrengung beS SlccommobationSapparateS erworben werben Tann, j. S3. burd) Sefen bei fcßledjter S3eleud)tung unb ju Heiner Sdjrift, ßat feinen ®runb barin, baß bie Slugenadjfe länger als beim normalen Sluge ift. ©er gernpuntt ift beSßalb Diel näßer, ba bie ?icßt* ftraßlen, bereu S3rennpuntt im normalen Singe in ber Sießßaut liegt, fdjon Dor ber 9?eßßaut beS ®uqfid)tigen Dereinigt werben. SIbjußelfen ift bem Hebel burd) ©ragen concaüer (ßoßl gefcßliffener) Slugengläfer, benn ba baS !urjfid)tige Singe gleid)fam 311 ftarl baS £icßt bricßt, fo braucßt eS eine concaüe Vinfe, weid)e bie ßidjtftraßlen in entgegengefeßter 9lid)tung als baS Sluge bridjt, fie jerftreut, ftatt fammelt. Ueberfidjtige, bereu Singe gleidjfam 31t fcßwacß bricßt, ßaben einen ju furjen Slugapfel, fo baß baS S3ilb beS betr. ®egenftanbeS ßinter bie Skßßaut fällt. §ier ßilft eine drille, b. I). baS S3redjungSDerntögen beS SlugeS wirb burd) SSorfeßen einer im gteidjen «Sinne wie baS Singe brecßenben (EonDej>(Sam* mel*)liufe gefteigert. Söeitfi djtig fei t nennt man aber baS UnDer* mögen, baS Sluge für naße ©egenftänbe ju accommobiren. ©iefeS Hebet, baS nicßt mit ber.Ueberfüßtigfeit ju Derwecßfeln ift, weil ber SBeitficßtige über eine beftimmte ®renje ßinaitS feßr woßl red)t bcutlid) feßen unb baS Singe accommobiren fann, wirb ebenfalls burd) ba§ ©ragen conDejrer lörillcn corrigirt. Sftan finbet es, ba baS SlccomobationSDermögen mit bem Sliter abnimmt, jumeift bei alten Leuten. ©urd) (E r r e g u u g b e S <S e ß n e r ü e n an irgenb einer Stelle feines Verlaufs t'ann befanntlicß int Seßßirntßeil eine Sidjtempfinbung ßerDor» gerufen werben, weil ber eigentliche fpecififcße (EmpfinbungSDorgang im ©eßirn refp. beffen oben genanntem ©ßeil Dor fid) geßt. Normal fann aber eine ßießtempfinbung nur Dom Singe aus erregt werben, unb gwar burd) ßicßtwellen, wekße in geraber Sinie unb auf biefer fenfreeßt mit einer ©efeßwinbigteit Don 400 bis 800 Millionen Sd)Wingungen per Secunbe fdjwingen. ©iefe ßid)tftraßlen bringen burd) bie Pupille in bas Singe ein, werben tßcils (Don bem fd)Warjen Pigment beS Sluginnern) auf* gefogen, tßeilS juri'ufgeworfen, unb tßeils erregen fie bie in ber Sleßßaut iiegenben (Enborgane • beS Seßnerüen. SÖie ber (SrregungSDorgang ftatt* finbet, ift nod) nidjt näßer betannt; wir wiffen nur, baß bie Sletßerfd)win* 263 gungen auf bie ©täbdjen unb Bapfen ber 9?eppaut erregenb einwirfen, unb baft biefe alfo bie eigentlidjen nervöfen Enborgane beS ©epnerven finb. Die Empfinbung, weldje bie ©täbcpen unb Bapfen im ©eppirntpeil per- vorrufen, ift aber nidjt bie gleicpe. Die ©täbdjen vermitteln nur £icpt- empfinbung, wogegen bie g a r b e n e m p f i n b l i d) f e i t beS SlugeS fpe- ciell ben jujufcpreiben ift; natürlicp befipen babei bie Bapfen mtdj Sidjtempfänglidjfeit, unb jwar eine pöpere unb feinere als bie ©täbcpen. 9?adj ber fogen. garbentpeorie nimmt man nun an, baft nid)t alle Bapfen für bie verriebenen garben gleid) empfinblid) finb. 23on ben fieben (Srunbfarben beS SonnenfpectrumS laffen fiep vier (Drange, (Selb, §ell- blau unb Dunfelblau) aus ben brei anberen (fh'otp, ®rün unb Violett) jufammenfepen. Sille anberen garben entftepen aber aus einer 23er- mifepung ber fieben (Srunbfarben, fo bafä nufere (fubjectiven) garbenem- pfinbungen fiep fämmtlicp auf bie brei (Srunbfarben fRotp, (Srün unb Violett jurücffüpren laffen. gür jebe biefer brei garben giebt es nun in ber 9?eppaut befonbere BaPfen; alle anberen garben werben burdj eine gleicpjeitige, aber ungleidj ftarfe Erregung ber brei Slrten von Bnpfen jur Empfinbung gebradjt. Die Dpeilung beS ©onnenlicpts, baS aus ben fieben (Srunbfarben beftept, refp. bie Färbung ber Körper, welcpe einen 9?eij auf bie Bapfen auSiibt, gept aber in folgenber Sßeife vor fiep. 3eber nidjt burd)- fieptige Körper wirft entweber alle ftarbeftraplen*) beS (Sonnenlidjts jurücf ober bepält einen ober meprere ober wirft feinen einzigen juriief. 3m erfteren gälte ift ber Körper weift, b. p. wir paben bei gleicpjeitiger (Simvirfung aller garbeftraplen in unferer Sfteppaut bie (Smpfinbung von SSeift. 3m jweiten gälte bepalten bie Körper alle garbeftraplen bis auf benjenigen, beffengarbe fie paben, unb bie (Sinwirfung biefeS jurüefgewor- fenen StraplS ruft bann in ber 9?eppaut refp. in ben betr. Bapfen ber- felben bie Empfinbung von ber garbe jenes ÄörpeS pervor. 3ft bie garbe niept rotp, grün ober violett, alfo eine ber anberen vier (Srunbfarben beS ©onnenfpectrumS, ober irgenb eine Wttfcpfarbe, bann werben jwei ober alle brei Bapfenarten in Erregung gefept; bie (Stärfung ber Erregung rie- tet fiep aber nadj ber Bufammenfepung ber jeweiligen garbe aus ben brei 9iotp, (Srün unb Violett. 3m britten gälte, wenn ein Kör- per ben ganzen (Sonnenftrapl bei fid) bepält, fann and) fein ßiept- ober gar- beneinbruef auf bie 9?eppaut ftattfinben, unb wir paben bie Empfinbung von ©epwarj. 3ft ein Körper aber burtpfieptig, fo ift er weift, wenn er ) ©tejenigen ©tragen beS ©onncnlicptg, beten Slctpertpeildien toeniaer ober mefjr *18 400 big 800 Millionen ©ifyvinflungen in bet ©ccunbe meinen, finb ttjermifdje, djemifetje ober elcctrifcße unb nidjt garbeftraplen, b. p. fie rufen feine gtreflun« in Stäb, tpen unb 3aVicn ber Dfefeijaut Ijerüor. 264 alle Sid)tftral)len burd) fid) bepält er bagegen eine ober mep* rere $arbeftral)len, bann ift er fo gefärbt, wie ber ober bie Don iljnt „Der* fd)lucften" Strahlen. - (ES fommt Dor, baß eine ber brei ,$apfenarten ber 9ie$)aut für immer ober jeitweilig arbeitsunfähig ift. ©iefe $ranfljeit nennt man garbenblinbljeit unb fpridjt man, je nadjbem ob bie für 9iotl), für ®rün ober für Violett empfinblicbjen 3aPfen entartet finb, Don 9iotl)*, (SJrün* ober SMolettblinbljeit; bie erftgenannte fommt am Ijäufigften Dor. nun Don einem leud)tenben Punfte aus Strahlen auf bie 'Jlehhaut geworfen, fo wirb in legerer nidjt nur Sid)t* ober auch Serben* empfinbung angeregt; bie burd) ben mieber gefammel* ten Strahlen geben im auf ber and) ein beutlidjeS, aber um gelehrtes iDeifceS-QMlb beS ©iefeS 4öitb wirb d)emifd), wie baS auf ber platte beS Photographen, auf ber 9lehhdut „fiyirt" unb bleibt auf biefer etwas länger haften, als ber (Ein* brucf bauert. ©aburd) erflären fid) bie „91achbilber" (ber feurige Äreis, ben wir beim Sdjwenfen einer $acfel feljen, ferner bie Sid)tlinie einer auf* fteigenben 9?afcte, bie $arbenmifdjung eines in Bewegung befinblidjen ß-arbenfreifels, u. a. m.) Sßenn aber baS 9tehhautbilbdjen nad) furjer 3eit Derfdjwinbet, nimmt bie an ber Stelle, wo baS W e i ß e 4Sitb war, wieber ihre natürlidje $arbe an, nämlich Purpurrotl). ©iefe $arbe fdjreibt man einem organifd)*d)emifd)en ftarbftoff, bem Sehpurpur, ju, ber fortwäljrenb neu gebilbet wirb, ©ie (Erzeugung beS 53ilbd)enS auf ber 'Jlephaut wirb bemnadj als ein rein djemifdjer Procefj erflärt, ber burd) (Sin* wirten ber Don einem leudjtenben Körper auSgeljenben Strahlen auf ben Sel)purpur ber 9lehhaut ju Staube fommt. ©ie 9lad)bilber mären barauf jurücfjuführen, bah er Iw bem Proceh Derbraudjte Sehpurpur nicht fofort er f eßt würbe. ©ah wir, tropbem baS 91ephautbilbd)en ein umgeteprteS ift, alle ®e* genftänbe aufrecht fei) en, beruht auf Angewöhnung. 2Bir legenbem Dertehrt gefeljenen S3itbe bie ridjtige Auffaffung unter, weil wir Don biefer burd) unfer ®efül)t belehrt finb, b. I). weil wir Don auf baran ge* wohnt finb, mit bem Sinne beS ®efid)tS unb ®efül)lS jugleid) ju beobadjten. ©aSfelbe gilt bejüglid) ber Sage unb ber gegenfeitigen (Entfernung Don ©egenftänben. ©perirte S3linbgeborene unb ®inber liefern ben S3e* weiS; fie müffen erft rid)tig fepen lernen, fid) burd) üon einem Ort jum anbern unb burd) SBetaften Don ®egenftänben eine 53orftellung Don ber Sage unb (Entfernung ber gefeljenen ©inge üerfdjaffen. Auf An* gewöljnung ift and) jurücfjuführen, bah m i t b e i b e n Augen bie Körper nur e i n f a cp w a h r n e 1) m e n. Auf ©ewopnung beruht ferner baS $ ö r p e r l i d) f e h e n Don ©egenftänben. hierbei halfen aber nod) bie S3eleud)tung beS Körpers unb ber Umftanb mit, baß jebeS ber beiben 265 Singen ben Körper Don einem verfdjitbenen ©tanbpnnft fiept, wobunp jwei verfdjiebene Dleppantbilbdjen entftepen, bie nur freilicp, wie gefugt, in $olge von ©ewöpnnng verfdjmeljen. Sepien biefe hoppelten Dleppaut* bilber, b. p. f e p e n mir nur mit einem Sl n g e, bann ftpeint alle« in einer Ebene jn liegen, nicpt förperlicp. 3Kit ber Beit laffen aber aucp in folcpem $alle Erfaprung unb SIngewöpnung jumeift baS 9?icptige erfennen. ®ie Entfernung vom Sluge lepren uns tpeils bie ®röße beS 9Zep- pautbilbeS, tpeitö ber DJlnStelfinn, benn je Weiter entfernt ein Etegenftanb ift, befto Heiner ift baS Bilb, unb je näper ein Körper, befto mepr muß fiep ber SlccommobationSmnSlel jufammenjiepen; pierbet pelfen aber aucp noep bie ©ewöpnung, wie baS bei ber gegenfeitigen Entfernung (f. oben) ber galt, ferner leptere felbft, b. p. bie Berfcpiebung jugleicp gefepener ®egem ftänbe unter einanber, unb bie, mit ber Entfernung abnepmenbe Sitptftärfe. ©ie ®röße ber ©egenftänbe fepäpen wir nacp ber ®röße beS Sieppaut- bilbeS unb bem ®rabe ber Slnftrengung ber BeWegungSmuSteln beS SlugeS refp. beS ÄopfeS. 3ft nämlicp ein Körper ju groß, als baß, j. -23. beim 9?apeftepen an einem popen ©ebäube, baS ganje Bilb auf ber Sleppant Blap patte, bann bewegen wir baS Singe unb eventuell and) ben Äopf, bis wir alle £peile beS ©egenftanbeS auf ber „ppotograppirt" paben. Bewegung von ©egenftänben fommt jum Bewußtfein, wenn bie SReppautbilber fiep bewegen, boep täufepen wir uns pier oft, unb jwar beim fcpnellen ftapren, inbem fid) anfepeinenb bie gefepenen ©egenftänbe fort= bewegen. ©ubjective ©eficptSempfinbungen fommen Wie alle anberen fubjectiven ©inneSempfinbungen burep anormale innere Cerarn laffungen ju ©taube; bapin gepört baS fdjon erwäpnte 23lip= ober Junten- fepen bei (Störungen ber 23lutcirculation. „E n t o p t i f d) e" ®efid)ts= e m p f i n b u n g e n finb aber, wie „Sliütfen" unb Rieden fepen, u. f. w., obfective Söaprnepmungen von ©egenftänben im eigenen Singe. SBirb baS Singe von außen grell beleuchtet, fo paben wir eine weitere entoptifd)e Empfinbitng; wir fepen bie fogen. Slberfigur, ein auf bie ©täbdjen- unb Bapfenfdfidjt geworfenes ©djatteubilb ber Blutgefäße ber 9ieppaut. stimme imb §piudje. Unter (Stimme verftept man bie ©efammtheit von Tönen, weldje ein thierifdjer Organismus beim Ourdjgange beS SlthemS burd) ben fteljl* topf erzeugen fann. (Sine Stimme alfo nur bie höheren Spiere, Weldje mit Wjlfopf unb SRefpirationSorganen verfeljen finb, unb je höher bicfe Organe anSgebilbet finb, befto vollfommener Wirb bie Stimme fein. 266 SDlan ift geneigt, and) in biefer 33ejief)ung bem 2J?enfd)en unbeanftan* bet ben erften im organifdjen 9teid) einjuräumen, aber, wie in mand/ anberen fällen, mit Unrecht. ©ie menfdjenäljnlidjen Riffen unb nodj mefjr bie (in 33rafilien) Ijabcn 3. 33. 9?efonanjorgaue, weldje baS ©efdjrei biefer Slffen ftunbenweit Ijörbar madjen. ©er SJtenfd) verfteljt Jnbeffen am beften, feine nnb biefem ge i ftig en Vermögen üerbanft er nidjt mir ben SBolfllaut nnb alle anberen SSorjüge feiner (Stimme, fonbern and) bie ißerwertljung berfclben jur Saut® f p r a d) e. -. ©er nt e n f d) l i d) e S t i m m a p p a r a t befteljt aus bem $el)lf'opf, bem 9ltl)mungSapparat nnb ben IPtunb-, 9tadjem nnb 9tafenl)öl)lcu. Gr gleidjt einer Orgel mit einer einzigen pfeife, bem Keljlfopf. ©ie Sungen, Weid)e in bem beweglidjen 33ruftfaften liegen, bilben mit festerem bie Üßinblabe ober ben 33lafebalg, aus Weldjem burd) baS Söinbroljr (bie Suftröljre) ber pfeife Suft jugefüljrt Wirb, ©iefe Suft entmeidjt nadjljer burd) baS 9lufaprol;r, b. i. burd) 9tadjen-, 3)2unb-uub91afeul)öl)len. 2ßäl)* renb aber ein ©rgeftvert jur Grjeugung üerfd)iebener ©onl)öl)en unb Klangfarben eine SRenge von pfeifen braudjt, genügt bie eine pfeife unfereS (Stimmapparats, um eine grofje 2lnjaf)l non ©önen Ijervor® jubringen. ©iefe eine pfeife, ber Kel)l- topf, ljat näuilid) jwei „mufifalifdfe 3utv gen", bie elaftifd) finb, unb bereu £age unb Sänge wir burd) willtürlidfe Pusteln berart üeränbern tönnen, bap fie nad) unferem ©Billen üerfdfieben gefpannt finb unb fo burd) Slnblafen von Suft in ver= fd)iebene (tönenbe) <Sd)Wingungen üerfetjt werben. ®leid)jeitig finb wir aber and) im Staube, bie Spannung ber „Stimmbänber", b. I). jener mufito lifdjen Bungen, nad) unferem Villen burd) baS Slnblafen felbft ju üeränbern, ben ftärfereS Slnblafen vermehrt bie Spannung unb fomit bie ©onljölje, Wäljrenb ber ©on bei fd)Wäd)erem Slnblafen finit. - ©er K e l) 110 p f ober baS Stirn m 0 r g a n liegt vorn in ber IViitte beS «fpalfeS, unter ber 3UW bem Bvngenbein (f. $ig. 138); nad) aufjen ju wirb er 311m ©peil von ber Sdjilbbrüfe bebeeft. Gr bilbet bieGim unb 9luSgangSpforte ber Suftröljre, burd) bereu 53erfd)luf? ber Suftvertepr Fig. 138. ßnnfl8burd)fd)nitt burdj ©eftdjt unb ßaß. a) Sdjluub, b) ßuftröfire, c) Buitfienbein, d) «wunböffituitfl, e) 9?afenb3i)ie, f) ®aumen ®ü!S ifUÖfeE k) 1) fietjlbectel, m) MW 267 ben tagen unb bet Slufjenwelt abgefcpnitten werben fann. (5r beftept aus einer Slnjapl non Knorpeln, welcpe tpeils ju ben edjten, tpeils ju ben gaferfnorpeln gehören (f. <S. 39). tiefes tnorpelige ®erüft, baS wie taub* unb 9?acpen* pöple unb bie Suftröpre innen mit einer Scpleim* paut auSgetleibet ift, wirb burcp SBänber ju* fammengep alten, bocp fo, baf§ fiep baS®anje unb bie einzelnen £peile berfepieben refp. gegen ein* anber bewegen tonnen. ®iefe werben oon einer Stenge Heiner, willtürlicper W?uSteln perborgebraept, welcpe mit Zweigen beS 10. in SBerbinbung ftepen. £)ie ©runblage beS ÄnorpelgerüfteS ift ber ober ©runbhrorpel. ©erfelbe pat bie gornt eines «Siegelringes, ber auf bem oberften $norpelring ber ßuftröpre befeftigt ift, unb jwar ift ber fcpmale 9leif beS 9HngeS nacp Dorn unb bie fenfreept auf* gerichtete glatte nacp pinten gewenbet. §ier, am pinteren §albringe, geigt ber fRingtnorpel an feinem oberen 9ianbe jwei conbeje ©elentfläcpen für eine SSerbinbung mit ben Unterfläcpen ber beiben ©iefjbecfentnorpel (f. gig 139 unb 140). £)er bierte Knorpel beS ÄeplfopfS, ber ©epilb* ober ©pannfnorpel, beftept aus jwei giemtiep biereefigen Änorpelplatten, welcpe bie borbere unb feitlicpe Söanbung beS $eplfopfs bilben pelfen, fepräg von pinten unb unten nacp oben verlaufen unb vorn in ber Wfätte jufammenftofjen. ©aS obere, etwas ein* gebrüctte (Snbe biefeS SSereinigungSpuntteS ber fpringt born, am §alfe beut* liep füplbar, perbor unb wirb gewöpnlicp als „9lbamSapfel" begeidjnet. ©iefer SSorfprung ift bei bem erwaepfenen tann ftärter als bei ber grau unb bem Äinbe, ba bereu relatib Heiner ift als ber beS tanneS. 9?atp pinten weiepen bie beiben glatten beS Scpilbfnorpels weit aus einanber, unb an iprem pinteren 9?anb berlängert fiep febe glatte (an ipren beiben (Selen) nacp oben unb unten in je ein oberes unb unteres „§orn". ©ie oberen §örner finb burep Räuber mit bem 3ungenbein unb bie unteren Körner mit Seitentpeilen beS DtingfnorpelS beweglich bereinigt. £3etracptet man einen Äeplfopf oon born (f. gig. 139), fo erfepeiut ber Fig. 139. ßeljltoipf (mit SWuSteln unb Säu- bern) Bon Born, a) SdjilbtnorBet, b) SRingfnorbet, c) ßuftrößre, f) Bungenbein, g) mittleres Sd)ilb= tttorbel=8mtgenbeinbanb, k) ?ln= fäfee abgetrennter Sebltobfmu3= teln. Fig. uo. ffic5(tovf awustein) von hinten, a) ©djilbtnorvel, b) Kiitflhtoruei, c) ®ieBbcctcn= u"te= 268 Sd)ilbtnorpel wie ein würfelig, über bem beS Dxingtnor« pels aufgeftellter Sipirm, weldjer bie pintere, fentredjte Spiatte be§ 9iing= tnorpels unb bie barauf liegenben ©ießbedenfnorpel verbedt (f. gig. 139 -141). Sille biefe Knorpel finb, wie gefagt, unter einanber beweglid) ver= bunben, bie größte Beweglidjfeit befipen aber bie fcpon oben erwäpnteu ©ießbedem ober Stelltnorpel. ©iefelben finb jwci Heine, breiedige Ä'norpelftüddjen, welcpe an ipren oberen Spipen je eine Krümmung nad) pinten zeigen; biefeö gebogene Änorpelftüddjen peißt bas „Santorini'fd)e §orn"*). X)ie ©ießbedentnorpel, welcpe alfo bie pintere Sßanb beö ßepH topfs bilben pelfen, tonnen in $olge iprer lofen ©elentverbinbung mit ber fentredjten glatte beS Ütingtnorpels einanber genäpert unb weit von einam ber entfernt werben; fie tonnen nad) vorn unb nad) fjinten gezogen unb fdrfießlidj and) um ipre Röpern (Väng3-)ad)fe nad) außen unb nad) innen gebrept werben. ©iefe außerorbentlicpe ift aber beSpalb von großer SSicptigteit, weil fid) an je einen ©ießbedenfnorpel ein Stimmbanb mit feinem pinte* reu (Silbe anpeftet, fo baß beibe Stimmbänber, Weldje mit ben vorberen (Snben an ber ßmnenflädje be§ SdjilbfnorpelS befeftigt finb, bie Bewegungen ber Stelltnorpel mitmadjen muffen. ©ie Stimmbänber 122 unb 142) finb bie widjtigften ©ebilbe be$ fie er- zeugen bie Stimme, b. p. ©öne, inbem fie burd) bie aus ber £unge ausgetriebene ßuft in Sdjwingungen verfemt werben. (SS finb glatte, ßäntige, elaftifdje Stränge, weldje mit Sd)leiml)aut überfleibet finb. Sie ziepen fiep von ben Stellfnorpeln, mit benen fie betanntlid) an ipren pinteren (Snben verbunben finb, wageredjt burd) bie Äeplfopfspbple pinüber ju ber bes SdjilbtnorpelS. ®abei laffen fie eine fdjmale Spalte jwifepen fid), bie Stimmripe. ©iefe Spalte pat eine breieefige ©eftalt; bie BafiS be§ ©reied'S wirb von bem ©peil beS oberen 9lanbeS beS DtingfnorpelS begrenzt, weldjer ben beiben Stelltnorpeln liegt, unb bie Sdjenfelfinb bie nad) innen gerid)teten Siänber ber beiben Stimmbänber. ©ie Stimmripe bient aber nid)t überall ber (Sr« Zeugung ber Stimme; nur ipr vorberer, engerer Slbfdjnitt, bie eigentliche Stimmripe, tput bieS, wäprenb ber Weitere, pintere, nad) ber BafiS beS ©reieds zu gelegene ©peil, bie Sltpemripe, bie Pforte für bie eim unb auS- tretenbe Sltpemlnft bilbet. ©berpalb biefer „eigentlidjen Stimmbänber" Fig. 141. XSetjtfoVf (mit ®ht3felit) Don Ijinten. d) Steljlbectet, e) ßuft= rötjre, n) Hinterer 9Hn0=®iefj= bectenmuStcl, o) querer, p) je ein fei)iefer ® iefibecfcitmuäiel. *) SJiitunter (aber feiten Bei Äautafiern') gefeiten fiel) baju noch jtoci weitere, Heine Änorpel, bie „SBrigfcerg'fdjen" ftnorpel (f. gig. 142). 269 befinden fidj jivei ähnlidje «Stränge, iveldje ebenfalls quer burdj bie £el)l' fopfshöl)le »erlaufen; eS finb bieS bie „falfdjen Stimmbänber" ober beffer bie „©afdjenbänber". ©iefe Stränge haben nämlidj nidjts mit ber Stimm- bilbung ju tljun; es finb nur SefeudjtungSapparate für bie eigentlichen Stimmbänber, bie bei ber Stimmerjeugung unbebingt fcudjt fein miiffen. ©er jur Slnfeudjtung nötljige Schleim fammelt fidj aber in jivei SluSbudjtuii' gen ber )veldje redjtS unb linfs in ©eftalt eines SadeS jwifdjen einem falfdjen (oben) unb einem Wahren (unten) Stimmbanb liegen, ©iefe SluSbudjtnngen tragen ben bauten „Stforgagni'fdje ©ruben" ober Slufjer jur 3lufbewal)rumg von Sdjleim bienen fie mit bem Wjlfopf im ganjen, mit ber Sruftl)öl)le unb mit ben 9Jhmb-, 9iadjem unb 9tafenl)öl)len als 9tefonanjl)öl)len. 9iur feiten treten bie Sftorgagni'fdjen ©ruben beim 2D?enfd)en außerhalb beS hervor. Sei ben menfdjenäljnlidjen Slffen unb nod) mehr bei benSrülk affen buchten fid) bie ©ruben aber ju mädjtigen Süden aus, weldje außerhalb beS ÄeljlfopfS jwifdjen Sdjilbfnorpel unb Zungenbein liegen unb oft bis jum Sdjlüffel- bein Verabreichen, ©ie ungeheuer ftarfe (Sntwidlung biefer 9?efonanj' organe ift eS bann audj, weldje, wie oben gefagt, baS ©efdjrei jener Slffen ju einem weithin hörbaren macht. 3unt Serfdjluß beS Äeljl- fopfS bient ein bimförmiges $nor- pelftnd, baS mit feinem breiteren (Snbe unterhalb beS Zungenbeins, mit feinem fdjmäleren (Snbe aber oben am Sdjilbfnorpel befeftigt ift (f. $ig. 138). ©iefer feljr elaftifdje Knorpel, ber fannburdj be.fonbere DJluSfeln perabgejogen unb burcl) bie Zungemvurjel Ijerabgebrüdt merben, fo bafj bann ber Äeljlfopf uad) oben ljin üerfdjloffen ift. ©aburd) ivirb ver* ljinbert, bafj beim Serfdjluden von Speifen, ©etränfen ober fremben ©egenftänben biefe in bie b. i. in bie „falfdje unb von ba in bie Suftröljre geratljen. ©ie WhiSteln, iveldje im unb am beS ÄeljlfopfS liegen, finb oljne SluSnaljme millfürlidje. Sie ermöglidjen, bafi ber ganje fopf feine Sage veränbert, unb bafj fid) bie ©heile beSfelben gegen einanber verfdjieben. Sin ber äufjeren Dberflädje beS fnorpeligen liegen folgenbe 9JhiSfelpaare, bereu Serlauf burdj ihren 9iamen angebeutet wirb: Fig. 142. (Singartfl jum Sbefjtfopf, öon oben gefeljen. a) ©cf) (e tm= Ijautüberjitg (baneben **) itttb *) eine ©rf)lctmf)artt= falte nnb =qrubc), b) Scfjfcimljautfalte an ber 8un= genwurje(,'c) (Sinfettfitttg ber ©djleimfjaut, d) ljintere Sßanb be§ ßeljlfobfeinflanflS, barüber bie brciectifle ©timtnrifje, e) linle? ©ti'inmbanb, f) ©inganfl jnr SJef)(tobfStafcI)e, gfXafcbenbanb, 1-4)23ölbnngbe3 ©cbleimCjautübersuflS: 1) über bem grofeen,$orn beS 3nngenbein§, 2) über bent oberen föorn be3 @ctjilb= fnoritelS, 3) über einem SßJriSberg'frfjen Knorpel nnb 4) über einem ©antorini'frftcn Knorpel. 270 ber ffting-SdjitbfnorpelmuSfel, bet Ijintere unb bet feitlidje 9iing-®ieß= becfenfnorpelmnStel unb ber quere unb ber fdjiefe ©ießbecfenfnorpelmuSfel. Sin ber inneren Oberfläche beS KepltopfgerüftS entfpringt Dorn an ber (hinteren) Oberfläche beS SdjilbfnorpelS rechts unb linfs je ein Stimm* banbmuStel, ber int Stimmbanbe üonbort nach hinten quer burdj beivKeljl* fopf üerläuft unb fiel) Ijinten am „Stimmbanbfortfak" beS ©ießbed'em fnorpels anfept. - Unter Stimme vergehen Wir befanntlich bie ©efammtljeit Von Dänen, welche ein tljierifdjer Organismus beim Durdjgange beS SltljemS burdj ben Keljlfopf erzeugen tann, unb jwar, inbem bie Stimmbänber in tönenbe Schwingungen verfemt werben. Dafi bieS gefdjieljt, baju muffen bie Stimmbänber feucht fein, eine gewiffe Spannung hoben unb von einem genügenb ftarten Suftftrom angeblafen werben. Diefer ßuftftrom foinmt jumeift üon ber ßunge her burdj bie ßuftröpre; aber and) ber „(EinathmungS* luftftrom" fann bie Stimmbänber in mufifalifcpe Sdjwingungen verfemen. Sinb jene, jur Hervorbringung eines Dones unerläßlidjen 33ebingungen nidjt erfüllt, bann werben pöcpftenS ©eräufdje erzeugt, b. p. bie Stimm* bänber geratpen überhaupt nidjt in Sdjwingungen, ober wenn folcpe per* vorgerufen werben, finb fie verfdjieben unb regellos (f. Hören). ©eratpen bie Stimmbänber in tönenbe Sdjwingungen, bann tpeilen fidj festere ber Suft im Keplfopfe unb ber ßuft unb ben Sßänben ber Luftwege oberpalb unb unterpalb ber Stimmritze mit. Daburcp (burdj bie Wfttfdjwingungen ber ßuft unb ber Sßänbe ber fRefonanjljöplen) erljält ber Stimmton einen befonberen SBieberpall (fRefonanj); es vermifdjen fidj mit bem ©runbtone Obertöne ju einem Klange. Die Klangfarbe eines in ber Stimmritze er* jeugten DoneS, ber Stimme, pängt alfo üon bem 3uftanbe ber fRefonanj* pöplen unb iprer SBanbungen ab. 3e größer bie Sdjwingungen ber Stimmbänber finb, befto größer ift audj bie Starte ober Kraft ber Stimme. Da aber bie ®röße ber Sdjwingung üon ber (Gewalt beS ßuftftromS bebingt ift, fo fepen wir baß bie Kraft beS Stimmtons im ®runbe üon bem ftärferen ober fcpwädjeren, anblafenben Suftftrom abpängt. ober Diefe ber Stimme ridjtet fidj nadj ber 3apl ber Sdjwingungen, weldje bie Stimmbänber in ber Se= cunbe madjen; je mepr Sdjwingungen, befto Ijöljer, unb je weniger Sdjwingungen befto tiefer ber Don. Die $apl ber Stimmbänber=Sdjwin- gungen änbert fiep aber mit ber Sänge unb bem ®rabe ber Spannung ber Stimmbänber, ber SBeite ber Stimmripe unb ber Stärfe beS anblafenben SuftftromS. -O'e türjer unb ftraffer bie Stimmbänber finb, befto fdjneller fdjwiugen fie, b. lj. befto pöper ift ber Don, unb umgefeprt ift berfelbe um fo tiefer, je länger unb fdjlaffer bie Stimmbänber finb, b. p. je langfamer fie fdjwiugen. Daljer fommt es audj, baß grauen unb Kinber, bereu 271 fießlföpfe Heiner, unb bereu Stimmbänber in $olge beffen türzer finb als bie ber SJiänner, eine ßößere Stimmlage ßaben al« leßtere. ■Daraus er* Härt fid) and) ber Stimmnwdjfel (baS-Ütutiren ober Staufern ber Stimme). £ur $eit ber Pubertät wirb baS SßacßStßum beS männlidjen $eßttopfs auf einmal fo verftärtt, baß burd) Verlängerung ber Stimmbänber, meldje baS außerorbentlicße VSacßStßum mit fiel) brad)te, ber Änabe bie ßoße Son* läge verliert unb eine tiefere, bollere «Stimme erßält. Veim weiblidjen ®efd)led)t ift ber (Eintritt ber @efd)lecßtSreife nidjt mit einem folcßen V3ad)Stßum ber Stimmbänber refp. beS vertnüpft, weSßalb bie Stimmverßältniffe ber Sftäbdjen fid) zu ber genannten £eit nidft fo auf* fallenb veränbern, wie bie ber Knaben. ©ie SBeite ber Stimmriße ift inbirect von Ginfluß auf bie Xiefe ober §öße ber (Stimme. V3ie oben ge- faßt, finb biefe nidjt nur bon ber Sänge unb (Spannung ber Stimmbän* ber, fonbern and) bon ber VJeite ber Stimmriße unb ber ®eWalt beS am blafeuben SuftftromS abßängig. Seßtere fann nun nidjt nur burd) ftärtereS SluS* ober Ginatßmen, fonbern aucß burd) Verengerung ber (Stimmritze er* ßößt werben. 3:e fdjmaler biefe (Spalte ift, befto meßr ift bie Gewalt beS SuftftromS gefteigert. ©a aber bon biefer außer ber §öße ober Siefe ber (Stimme aud) bereu Störte bebingt ift, fo folgt barauS, baß aud) bie Sßeite ber Stimmriße auf bie (Störte ber (Stimme bon Ginfluß ift. GS geßt aus Obigem aud) ßervor, baß ein Son bon einem Stimmbanb zweimal genom* men werben fann, entweber bei ftarfer (Spannung ber (Stimmbänber unb fd)Wad)em Suftftrom ober bei fd)Wad)er Spannung unb ftarfem Suftftrom, unb zwar wirb bie VJeite ber Stimmriße in beibcn gälten bie Störte beS SuftftromS mitbeeinfluffen. ©ie Sänge ber Stimmbänber bebingt befanntlicß bie inbioibuelle Stimmlage; je länger bie Stimmbänber (natürlich imrußenben finb, befto tiefer ift bie Stimme, innerhalb feines Stimmumfangs fann aber jeher DJlenfd) eine Slnjaßl von berfd)iebenen ©önen ßerüorbringen, unb jwar, mie fcßon gefagt, bei ftärferer Stimmbanbfpannung unb fdpvädjerem Suftftrom ober bei fd)Wäd)erer Spannung unb ftärterem Suftftrom unter gleichzeitiger Grweiterung ober Verengerung ber Stimmriße. We biefe Veränberungen ber Stimmbänber, b. ß. iljrer Sänge unb Sage, werben von ben Pusteln veranlaßt, weldje bie Änorpelftüde beS ÄeßlfopfeS verfd)ieben. fyigur 143 ftellt brei fdjematifdfe burd) bar: a unb b bezeichnen bie ©ießbecfenfnorpel, c ben Sd)i(bfnorpel, unb bie Sinien ztvifdjen a, b unb c bebeuten bie inneren Räuber ber Stimmbänber, b. h- begrenzen bie nad) Sage ber ©ießbedenfnorpel verfdfieben weite Stimmriße feitlid). 2Öir erfeßen aus ber Sißur, wenn wir ben Pfeilen folgen, weldje bie 3ugrid)tung ber verfd)iebenen ©ießbecfentnorpelmuSteln Zeigen, wie burd) bie Verfcßiebung bei genannten Änorpel bie Stimmbän= 272 ber in ihrer Sänge unb Sage veränbert werben tonnen. 3Rit ber Sängever* änberung ift eine 53erfcf)iebenl)eit ber Spannung unb mit ber Sageveränbe* rung eine Berfchiebenheit ber vertnüpft. ©ie jeweilige Sänge (Spannung) ber Stimmbänber unb bereu Sage (SBeite ber Stimm* hängt alfo, abgefeljen von ber Störte beScmblcifenbenSuftftromS, von ber Sage ber ©iepbeefenfnorpel ab. ©icfe richtet fiel) ihrerseits bcmcidj, ob unb wie ber StimmbanbmuSfel unb bie ©iefjbetfenfnorpelmuSfel in Be* wegung gefegt bejw. innervirt werben, ©abei ift aber nodj ju merfen, bap bie Spannung ber Stimmbänber auch &ei feftftehenben ©iefjbecfem tnorpeln vermehrt ober verminbert Werben tann, nämlid) burd; (hebel* förmige) Bewegungen beS Sdjilb* ober Spannfnorpels, an beffen innerer Oberfläche bie Stimmbänber mit ihrem vorberen (5nbe befeftigt finb. ©urdj biefe Bewegungen unb burd) bie ber oben genannten SRuSfeln unb burd) ben anblafenben Suftftrom werben - lebiglid) in ber Stimmritze - bie Sone ber mcnfd)lid)cn Stimme gebilbet. Fiff. 143. ©cljeinatifdjc §orijontalfcönitte burd) ben SM)ttopf. a,a) unb b,b) bie ©iefjbecfentitorpel in bcr= frfjtebener Sage, c) ber SdjilbinorpeL 2Iber nidijt nur Starte unb £)öl)e ber Stimme, fonbern miet) bereu Klangfarbe tonnen mir millfürlidj veränbern. ©ie Obertöne merben be= tanntlict) burd) WUtfdjmingungen ber ßuft unb SBanbungen ber orgaue Ijervorgerufen. 3e ttad) ber Stellung unb ber in Xljätigteit verfemten merben bemnad) and) bie Obertöne unb bamit bie Klangfarbe beS StimmtonS berfdjieben fein. 3n53ejug auf bie Klang* färbe unterfdjeibet man bie menfdjlidje Stimme als -giftet ober Kopf* ftimme unb als 23ruftftimme; bei erfterer fdjmingen vor allem bie Organe ber HRmib- unb 9tafenl)öl)le unb bie in ilfnen enthaltene Vuft mit, unb bei letzterer ift and) bie 53ruftmanbung unb ber von il)reingefd)loffene Luftraum in fdjmingenber 53emegung. ©er Umfang ber menfdjlidjen Stimme beträgt gegen 4Octaven. 23ei bem tiefften ©on madjen bieStimmbänbcr 80 Sdfmingungen per Secunbe (E), unb bei bem I)öd)ften©onfteigt bie .ßaljl berSdjmingungenim gleidjen 273 3eitraum auf 1024 (cra). 3h biefen Umfang tpeilen fid) bie (SinjeE ftimmen berart, ba£ febe etma 2| ©ctaven umfaßt. Bian unterfdjeibet bte (Sing*)Stimmen banad): in Baß (E bis f1), Xenor (c bis c11), 9llt (von f bis f11) unb Sopran (von c1 bis cnI). £)ie Biittellage jmifd)en Xenor unb Baß unb bie jmifdjcn Sopran unb 2llt bejeidjnet man nod) be- fonberS als Bariton unb Biejjofopran. ©ie Streife ber Tonleiter von c1 bis f1 fann von allen Stimmen gefungen merben. ©aS Singen, b. I). baS §ervorbringen mufifalifdjer, mol)Hautenber Xöne in beftimmter Reihenfolge, ift eine ber nieberen geiftigen £ljätigs feiten, ju benen Slllgemeinempfinbung unb millfürlidje Bemegnngen ju redjnen finb. Singen beftept in nidjtS meiter als in millfürlicpen Be- ilegungen ber KeplfopfmuSfeln bei gleidjjeitig fcpiväd)erem ober ftärferem millfürlicpem 2IuS= ober aud) (Sinatljmen. 2luS bem über bie SluSbilbung ber ß-äpigfeiten im allgemeinen ©efagten geljt hervor, baf? baS Singen ober menigftenS bie Xedjnif beS Singens allein Sadje ber Hebung ift. ?lucp ber BJopllaut ober Scpmelj ber Stimme beruht jum STheil auf Hebung, benn mir müffen erft lernen bie Stimmbänbcr nach nuferem SSillen in regelmäßige unb ejracte Sdjmingungen ju verfemen. Xpeilmeife hängt ber SBopllaut ber Stimme aber and) von anatomifcpen Berpältniffen ab, b. I). von bem Bau beS KeplfopfS unb ber Refonanjpöplen. Rauhheit unb Be- legtheit ber Stimihe rühren aber jumeiftbavon per, baß bie Stimmbänber nidjt in regelmäßige Sdpvingungen verfemt merben tonnen, meil Scpleim- flöcfdjen in ben Spalt ber Stimmte geratpen finb. - (Srftaunlid) ift bie Sidferpeit, mit meldjer geübte Sänger beftimmte £öne pervorbringen. (SS gefcpiept baS anfdjeinenb unmillfürlicp, unb bod) ift ber Borgang, mie gefagt, ein rein millfürltcper. (Srft burd) Hebung erlangen mir jene Sidjer- peit, inbem mir mie bei allen förperlicpen gertigfeiten, fo auch beim Singen uns burd) häufige BSieberpoIuiig beftimmter Bemegnngen biefe berart an- eignen, baß fie opne meiteren, befonberen BHtlenSeinfluß vor fid) gehen. Unterftüfct merben mir babei vom 3RuSfel= Äraftfinn (f. S. 224), ber gerabe bei ben ÄehlfopfmuSfeln fdjließlid) in einer B3eife auSgebilbet mirb, baß mir rein unmillfürlid) ben ®rab ber Slnftrengung (ber bemeffen, meldjer jur (Erzeugung eines ütoneS nötl)ig ift. (SS ift baS and) midjtig beim S p r e d) e n, inbeffen nur für bie 2ßill* fürlidjfeit ber Starte, §ölje unb Klangfarbe beS lauten Sprechens. ®ie mehr ober meniger fidjere Hervorbringung beftimmter Sprachlaute beruht vielmehr auf ber, burd) Hebung erlangten ®emalt über bie Bemegungen beS „SlnfafcrohrS" (Radjern unb 9Runbl)öl)le). £)ie Spr ad)e ift baS alleinige beS SRenfdfen. 9Rit ber Sprache marb ber Bienfd) (f. S. 63). darunter ift aber uid)t bie $äl)igs feit ber Slrticulation, baS Bermögen, BJorte auSjufpred)en, ju Verftepen; 274 bas befipen and) 53. bie Papageien. GS ift bamit bie articulirte Spradje gemeint, weldje aus Sauten (Stimmtönen) SBorte bilbet, biefe mit be* ftimmten Gegriffen üerbinbet unb juSäpen jufammenftellt. ©ie Spradje ift bie Blenderung beS 53erftanbeS nnb ber Vernunft. £)ie menfdjlidje Spradje ift nidjt notljwenbigerweife eine laute, pör* bare Spradje. Slndj bie ber Saubftummen unb bie Sdjrift* fpradje finb Spradje, b. Ij. Blenderungen beS menfdjlicpen ©eifteS. GS ift nidjt nötljig, bap ber SDJenfdj laut fpredjen faun, um überhaupt fpredjen 311 fönnen. X)aS Spredjüermögen ift eine geiftige bereu Sip (waprfdjeinlidj) in ber britten Stirnwinbung (jumeift ber linten ©rod* pirnpemifppäre) ju fudjen ift. SBirb biefeS Spradjcentrum bei einem SQZenfdjen, ber friiper laut fpredjen tonnte, geftört, fo verliert er nur bie $äpigfeit, pörbar 31t fpredjen, n i dj t aber bie, feine ©ebanfen burdj bie Beidjen* ober Sdjriftfpradje auSjubrücfen. Gin foldjeS Unvermögen, fidj pörbar verftänblidj ju madjen, nennt man Blppafie. ©aSfelbe beruljt audj mitunter (bei ben Saubftnmmen) nidjt auf einer (Störung beS Spradj* centrumS ober ber betr. Serben, fonbern auf ber DUdjtübung ber Spradj* Sie Saubftummen tonnen nidjt pörbar fpredjen, weil fie nidjt pören tonnen, b. p. weil fie burdj organifdje Kepler beS ©epörorganS ber* pinbert finb, bie Saute ber Spradje ju erlernen. GS ift beSpalb möglidj, burdj geeigneten Unterridjt (oljne 53enupung beS ©epörfinneS) bie Saub* ftummen eine pörbare Spradje ju lepren, bereu DJiobulation freilidj immer mangelpaft bleibt. Sie pörbare Spradje verfällt in bie ß-lüfterfpradje unb bie laute (Spradje. 53ei beiben fommt e§, wie gefügt, baraufan, bie£peile be§ Bln- faproljrS in foldje Sage ju bringen, bad fie unb bie bon iljnen eingefdjloffene Suft burdj Blnblafen eines SuftftromS in SdjWingungen geratljen. @0 ftellt ber DJiunb bei ber BluSfpradje bon a, gleidjbiel ob in ber ober lauten Spradje, einen born weit geöffneten bar, inbem fidj ber IPlunb weit öffnet, unb bie 3nn9e auf ben 53oben ber SJZunbpöljle nieberlegt; bei o unb u wirb bie 9D2unbpöple mittels ber Sippen berengert, unb bie gepoben; bei e unb i näpert fidj bie Bunge bem Ijarten ©aumen, unb bie SQunbpöple Ijat bie ©eftalt einer runben mit langem, nadj born liegenbem §alfe. Bleljntidje Stellungen nimmt bie Whmbpöljle bei ber BluSfpradje ber ©oppelbocale ober ©ipptpongen an, weldje (ä, ö, it, u. f. w.) aus SSermifcpung zweier (fdjnell auf einanber folgenben) locale entftanben finb. £)ie Gonfonanten unterfdjeibet man je nadj ber Stellung ber UJZunb' unb Oxadjenpöljle als Sippen*, Bungen* unb ©aumenbudjftaben; gu erfteren gepören 3. 53. p unb f, ben Bungen* budjftaben t unb baS englifdje th, $u ben ©aumenbudjftaben kunbeh. Sie finb nur ©eräufdje, bie bei ber BluSfpradje ber SSocale „mitlauten". 275 ©er einzige Unterfdneb jwifcßen ber unb ber tauten Spracße ift fdjließlid) ber, baß bei elfterer nur ©ßeile beS in nießt tönenbe Sdjwingungeu verfemt, b. i. ©eräufeße erzeugt werben, wäßrenb bei ber tauten Spradje ber SJZunbton bureß ben entfpredjenben Stimmton Verftärft wirb, b. ß. Onge ßervorgerufen werben. Äöei ber glüfterfprad)e bebiirfen wir außer bem anblafenben Suftftrom nur beS bei ber tauten Spracße bagegen beS ganzen Stimmapparats. $mmer werben aber bie beftimmten Saute nur burd) bie üerfdjiebenen Stellungen ber 3)(unb' unb ber SRadjenßößle gebitbet. ©ie 9?afenßößle ift bei ber Saut* bilbung infofern von befonberer Sßicßtigfeit, baß fie bei ber 2HiSfpradje von localen bureß Hebung beS ©aumenfegelS ßinten (an ben ßßoanen) ge* fdjloffen Werben muß; ift baS nid)t ber $all, wie baS willtürlicß ober bei geläßmtem ober befectem ©aumenfegel (©ipßtßeritiS) vorfommt, fo gerätß bie Suft ber Dlafcnßößle in Hftitfdjwingimgen, b. ß. bie SSocale erßalten beim 2IuSfpred)en einen nafaten SHang. ©ie 21 u § f p r a d) e ber $ i n b e r ift von ber ber (Srwadjfenen beS= ßalb Verfcßieben, Weit bie Spradjorgane beiber Verfcßieben finb. ©iefe Organe finb bei ben Obern nod) nidjt auSgebilbet (Heine ,3äßne, verßält* nißmäßig gu große 3un9c/ lange Sippen, u. a. m.) unb beSßalb and) nod) unfähig, ridjtig 2lel)ntid)e SJlänget, wie ber tinbtidje apparat Ijat, ftellen fidj im ©reifenalter ein, fo baß bie 21 u § f p r a d) e b e ö ©reifes fidj wieber ber be$ $inbe$ näljert. S3ei ber Sautbitbung unb (Spradje im ©reifenalter geigt fidj aber and) bie altgemeine 3KuSfetfd)Wäd;e beS ©reifes, ©ie Spradje (unb ber ©efang) beS ©reifes ift fdjwad) unb jitternb, weil eS ben ÄeßtfopfmuSfetn an ber nötigen Äraft fetjlt, um lange anbauernbe dontractionen auSjufütjren. ©aS Stottern, weites barauf berußt, baß bie SpradjWertjeuge nidjt in einer regelmäßigen fReißenfolge tßätig finb, ift woßl tjauptfädjlicß auf im nervöfen (centralen ober peripljerifdjen) Spracßfpftem 3m riitfjufidjren. 2ltS uädjfte Urfadje beS Stotterns wirb von maiußen eine feßlerßafte (oberftäcßlidje unb unregelmäßige) 21tljmung angefetjen. §ew tung beS Stotterns erforbert beSßatb metßobifdje 2Itßemübungen, burd) Weldje bie 2(tßmung normal gemadft wirb, unb ber Traufe lernt, mit feiner Diefpiration occonomifdjer umjugeljen. - S t amm ein, baS auf ber Um fidjerßeit berußt, bie S3ud)ftaben einzeln ade ridjtig auSjufpredjen, fommt von Ungewanbtßeit ober Unbeweglicßfeit ber 3uuÖe ßer« 276 Stnorbnunß unb bcr Organe in ben öerfdjiebenen ©egenben beS ßör)>cr3. Oie Anatomie, bie Sepre vom $au beS tpierifcpen (menfcplid)en) Körpers, verfällt in brei Opeile: erftenS bie befcpreibenbe (befcriptive) Slnatomie, welcpe bie einzelnen Organe beS gefunben Körpers opne Dtiict* fidjt auf bereu gegenfeitigeS SagerungSVerpältnip im Organismus fcpilbert; jweitenS bie angewanbte (topograppifdje) Anatomie, weldje bie Slnorbnung unb Sage ber (gefunben) Organe in ben üerfcpiebenen ©egenben beS Äör= perS barftellt, unb brittenS bie patpologifcpe Slnatomie, weldje uns mit bcr 53efcpaffenpeit ber Organe im trauten $uftanbe befannt madjt. Oie patl)o= logifcpen Sßeränberungen im Körper werben bei beffen Ärantpeiten (im IV. Kapitel) befprodfen werben. 4öei ber vorpergepenben iöefdjreibung beS gefunben menfdjlicpen Körpers ift bie Sage ber einzelnen Organe fdjon jum Opcil angegeben worben; inbeffen wirb eS fiep empfeplen, epe wir biefeS Kapitel befcpließen, baS über bie Vage ber Organe ©efagte turj jn Wieberpolen, unb jwar opne babei ben 23au ber Organe unb ipre pppfiolo* gifepe Opätigfeit 31t berütffieptigen. SEBir folgen babei ber (Sintpeilung beS Körpers nad) Äopf, 9?umpf unb ©liebmapen. Oer $opf ober baS £)aupt ift ber oberfte ber brei Opeile unfereS Körpers. (Seine runbltdje ©eftalt wirb von feinem tnödjernen ©erüft, bem Äopfffelet, beftimmt. Söie biefeS verfällt er in ben Sdjäbel unb baS ©efidjt. Oer <Sd)übel ift ber obere Opeil beS Kopfes. (Sr pat bie ftorm eines ©iS, beffen fpipeS, nad) vorn geteprteS (Snbe ben Stirntpeil bilbet. Oie ©renje beS letzteren nad) unten (bem ©efieptstpeil) ju wirb oon ben ?lugenbrauen unb oben non bem Äopfpaar bejeidjuet, mit welcpem ber übrige, nerven- unb gefäftreiepe beS Sdjäbels befept ift. ber §aut beS SdjäbelS unb beffen tnödjerner ©runblage, bem fnödjernen Scpäbel, liegen einige 3J?uSfel. OaS Sfelet beS SdjäbelS, oon beffen (£nt> witflung bie Scpäbelbilbung abpängt, birgt in feinem •S'nnern baS ©epirn, baS oon brei Rauten umpüllt ift. Oer üorbere Opeil ber ©djäbelpöple wirb von ben Vorberen Sappen ber beiben ©roppirnpemifppären ganj auS= gefüllt. 3m mittleren Opeil ber «Scpäbelpöple liegt oben ber mittlere Opeil beS ©roppirnS unb barunter baS 3)2ittell)irn, unb in ber pinteren Sd)äbel= pöple, bem Innern beS finben wir oben bie pinteren Sappen beS ©roppirnS unb von biefen bebeeft baS Äleinpirn (f. B'ig- 144). Oie tnödferne Äapfel beS Scpäbels wirb von 12 9?ervenpaaren burepbrodjen, weldje vom ©epirn auSgepen unb fid) (mit ?(uSnapmc eines beS 23aguS) am Äopfe verbreiten. 3n ber Jöanb ber Scpäbelfapfel finben 277 fiel) außerbem Keine ©effnungen für auß-- unb eintretenbe @efäße unb fer= ner eine große ©effnung unten an ber SBereinigungßftelle von Printer* ßauptßbein unb Keilbein. ©iefe ©effnung, baß §interßauptßlod), bilbet baß ©ßor, burdj weldjeß ®el)irn unb 9iiicfenmarf in SSerbinbung treten. Sim Sdjäbel unterfdjeibet man nod) oben ben Sdjeitel unb feittidj bie Sdjläfengegenb, jenen ©Ijeil jwifdjen ©ßr unb (Stirn, ber unten vom 3!odjbogcu begrenzt wirb, ©er tnödjerne Sdjäbel ift ßier am bünnften, wirb aber halb barauf nadj ßinten (bem ©ßr) 311 am bufften unb birgt an biefer Stelle baß ©eßörorgan in fid). ©aß ®efid)t, ber unterhalb ber Stirn lie- genbe SSorbertßeil beß ßopfeß, befteljt auß ver« fdjiebenen ©ßeilen, iveldje Singern, 9lafen-, Ladern, Sßangen-, 9J?nnb-, Äinn- unb Unterfiefergegenb ge- nannt werben, ©ie ©runblage beß ©efidjtß, ber ©efidj tßtljei (beß Äopf- ffeletß, bilbet üerfdjiebene in weldjen bie Organe beß ©efidjtß*, ©erudjß- unb ©efdjmatfß* finnß liegen. Sleußerlid) wirb baß®efidjtß[telet Don 9J?ußfeln bebeeft, weldje entweber 311m Spließen jener §öl)len ober 311m ober and) 3um Sßeränbern ber @efidjtß3üge benutzt werben, ben 2)iußteln beß ©efidjtß verbreiten fid) beß- ßalb außer (Smpfinbungßneroen 3al)lreid)e willfürlidje S3ewegnngßnert>en, weldje mit Slußnaljme berjenigen ber $aumußfeln fämmtlid) vom „®efid)tß- nerven" abftaminen. Slußer Nerven verlaufen im ®efid)t 3al)lreidje S3lut« gefäße. ©ie äußere S3ebed'ung beß ®efid)tß, bie ©efidjtßßaut, ßat wegen biefeß ®efäß= unb S3lutreid)tl)umß in ber langen- unb S3arfengegenb (unterhalb ber Singen unb feitlid) ber 9?afe) eine rotlje ©er einige Fig. 144. ©entrcdjter ©urcl)fd)nitt (von Vorn nctdj timten) mitten burdj •6a (§ unb ®ovf. a) Suftröljre, b) SteßltoVf, c) 9tücfcnmarf, d) ©cljlnubfobf, e) Bungeubein, f) SMjlbectel, g) ßitngc, h) harter unb i) tveictjer (Säumen, k) 9tafenfcf|eibetvanb, 1) Stirnhöhle, in) fiei(beint)öf)[e, n) Kopfhaut, o) tnöcfjerner Schübel, p) £>irnan= Ijanfl, q) Salten, r) (Semötbe, s) Slutleiter, t) Stleinljirn bäum), u) Vierte (Sebirntammer, v) rechte ©roßbirnbemifvbäre, w) Sftartfiügel, x) Sarotäbrücte, y) Verlängertes Start, z) 9lafeit= racficufiöljle, 1) Satjnfortfafc be§ jivetten $aISivtrbel8 CtreljerS), 2) SJirbeltörVcr. 278 Tafel X. §al§ unb 9t um Vf bet Sänge nacf) von vorn nadj hinten burdjfcljnUten, fo bafe bie Hute Äörperljälfte ju feljen ift. - 1) §intcrßnuvt§5ein, 2) Öbertiefer, 3) weicher ©aitmen, 4) Bäpfchen, 5) Bunge, 6)ßinn=Bungen= mubtel, 7) Untertiefer, 8) Stinn»Bun= genbeinmuStel, 9) SHefer» Bungen» bcinmuSfcl, 10) Bungenbein, 11) Sitot» gagiu'fctje ßcljlfopfbiafctje, 12) ©cljilb» tnorbel, 13) Stingtnorbel, 14) JBruft» Bungenbeinmustei, 15) Stactcnbanb, 16) bcr linle ©iefefannentnorpel, 17) Slehlbectel, 17*) linte gemcinfchoft» lidje ®roffelaber, 18) linier ßnftrötj» renaft, 19) ©peiferöhre, 20) SBruftbeln» ©ctjilbtnorpelmuStel, 21) SBruftbein (fjaiibgriff), 22) auffteigenbe Slorta, 23) rechte ßungenpulSaber, 24) SBruft» bein (SJtitteljtüct), 25) SBruftbein (©djtoertfortfai), 26) B'uerdjfeU, 27) unpaarige SBlutabcr, 28) linte SBor» tammer, 29) rechte SBortammer. 2Ran blictt Von beiben SJorfammern burcfj bie 53orl)ofStammer = ä)ittnbung ein ©tuet in bie bciju gehörige '$ers= tammer hinein unb überfie'ljt einen £I)eil bcr Älappeit. 3« ber Unten SBortammer feigen fiel) bie @intritt§= ftellen ber Unten ßungenblutcibern, in ber rechten SBortammcr bie Wtiinbung ber großen 30) ßinf'e Stieren biutetber, 31) rechte Stieren» VuiSaber, 32) SBaucfiibeicljelbrüfe, 33) SJiilSblutaber, 34) SJtagen, 35) obere ®etrö§blntaber, 36) obere ®etrö§Vui§» ober, 37)Btoölffingerbarm,38)®auctj» aorta, 38*) linte gemeinfcijaftliclje £iiftblittabcr, 39) ®rimmbarnt. I) Srfter ßatsmirbel, II) breiter ßal§= loirbel, III) fiebenterfSalsmirbel. IV) erfteriBruftmirbel, V) sioölfter ©ruft» wirbel, »VI) erfter ßenbenWirbel, VII) fünfter ßenbenWirbel, VIII) Sreuftbein, IX) B'vifcbcnwirbeltnor» bei. u) Sfüctenmart, v) ßuftröljre, w) ©ebilborüfe, x) ßeber. 279 Tafel XI. Hal§, SBruft* unb 93 unb bet obere 5T5e11 bet ® ectenböb le, Vorn geöffnet; in bet leßtcren finb bie SSerbauungöorgane entfernt, fo bafi bie Sfietle an ber hinteren i®aurf)t)öl)tenn>anb ficf)tbar finb. - a) £>al8, b) Schulter, c) SBanb be§ SBruftfaften?, d) BiDerchfeU, e) Saucßwanb, f) iBecfeu, g) ©djlfiffelbein, li) Srfjilbbrüfe unb ßeßlfopf, i) fiuftröljre, k) ©erj, 1) rechte nnb m) linfe SJor'ammer, n) Herzbeutel, o) linfe fiunge, nach außen gesogen, um bie ßungenrourjel Steigen, p) reepte fiunge, abgetragen, mit ben q) SRebenttieren, r) ©nbeber bnrcf>= nittenen Speiferößre, 's) (Rieten, bie rechte jum Sißeil abgetragen, t) Harnleiter, u) Wiaftbarm, v) 9Ichfelßößle, w) erfte (Rippe. 1) Hersfpiße, 2) rechte Herjfammcr; 3) linfe Herjfammer, 4) 4?erA=®lüt= uno ißuUabern, 5) obere £joljlaber, 6) große ßörperpulSabcr Olorta), 7) Sungenpulhaber, 8) rechte unb 9) linfe gemeinfdjaftliche ®roffelaber, 10) Scßlüffelbeinblutaber, 11) innere üitb nach außen baoon bie äußere ©roffelaber, 12) Hal§=®opfput8aber, 13) 9(chfclpul§aber, 14) £ungen=8lub unbißulSabern, 15) große SauchpulSaber (Sauchaorta), 16) untere Hofjlaber, 17) 18)SBecfen= olutaber, 19) SectenpuUaber, 20) Seberblutabern, an ber fieber abgefcfjmtten unb in bie untere 4?oljl= aber einmiinbettb. 280 ©peil beS tnödjernen ÄopfgeriifteS, weldjer mit ben anberen bewegtief) (burep (Selenfoerbinbung) jufammenpängt, ift ber Unterliefen ©ie narfj bemfelben benannte (Segenb beS (SefidjtS wirb Dorn bnrd) eine querlaufenbe 9iinne Don ber Unterlippe getrennt. Unter biefer Diinne liegt bie Äinngegenb, weldje feitlidj in bie Sßangen- unb 33atfengegenb übergept. ©idjt Dor bem Oljr (nnb ber ©prfpeicpelbrüfe) nnb unter ber Sdjläfengegenb liegt bie $aumuSfelgegenb. £egt man auf biefe bie ©anb, inbem man ben Unterliefet ab* nnb aufwärts bewegt, fo fann man fiiplen, wie fidj ber Untertiefer in feiner (Selentpfanne (unter bem pinteren (Snbe beS BodjbogenS am Sdjläfenbein) bewegt. ©er Diunipf ober Stamm, bie ©auptmaffe beS Körpers, verfällt in ben ©als, bie 4öruft ober ben Oberleib, ben £3aucp ober Unterleib unb in baS Werfen, ©ie pintere $lädje beS DiumpfeS peifjt Diiiden. ©ie fnödjerne (Srunblage beS DiumpfeS bilbet baS Diüct grat. ©aSfelbe beftept aus 24, burep Räuber mit einanber Derbunbenen SSirbeln (7 ©als*, 12 ®ruft* unb 5 unb bem $reu$* unb bem Steißbein. ©iefeS Diumpfge* ritft, baS in feinem Innern Don einem ßanal burdjboljrt ift unb barin baS, wie baS (Sepirn Don brei ©äuten umpiillte Diiicfenmarf birgt, ift Wellen* förmig gefrümmt. ©iefe boppelt Sförmige Krümmung, eine (Sigentljiim* lidjfeit ber menfdjlidjen Sfeletbilbung, ift unbebingt notpwenbig, um bie aufredjte ©altung beS menfdjlidjen Körpers 311 ermöglicpen, weil bie ©öir* belfäule nidjt mitten burep ben Diumpf Derläuft, foitbern in beffen pinterem ©peile liegt (f. S. 98). ©urdj feinen oberen, fdjmalen unb cplinbrifdjen ©peil, ben ©als, ift ber Diumpf mit bem Äopfe Derbunben. ©aS fnödjerne (Seriift beS ©alfeS ift aus ben oberften 7 (©alS*)2öirbe(n beS DiiidgratS fept. 9Iuf bem oberften biefer SÖirbel, bem SltlaS, fipt ber Stopf, ber fiep auf biefein Wirbel jeboep nur uad) Dorn unb pinten bewegen fann. ©ie ©repung beS Kopfes nad) beiben Seiten Dolljiept lepterer bagegen mit bem 5(tlaS auf bem ©alswirbel, welcper in ben Dting beS SltlaS einen Kwrtfap entfenbet. en ©nlswirbelu treten auf jeher Seite 8 ©alSneroen perüor, Don benen fiep bie oberen 4 '»ßaare am 3topf unb ©als unb bie unteren 4 'ißaare an ben Sinnen Derbreiten. SSor ben ©alswirbetn befinbet fid) bie Speiferöpre, unb baDor liegt bie Ruftröpre. 23eibe Diöpren münben oben in bie Diadjenpöple, weldje mit ber Dlafenpöple unb ber SDlunbpöple in SSerbinbung ftept. ©ie ©pore, weldje aus ber Diafenpöple in bie Diadjenpöple füpren, (bie pinteren ©effnungen ber beiben Dlafem pöplenpälften, b. p. bie Spoanen) tonnen bnrd) ©eraufjiepen beS (Säumen- fegels, unb ebenfofann bie HJiunbpöple burep ©erabjiepenbeSCSanmenfegelS unb (Srpeben ber Bunge gegen bie Diadjenpöple pin gefdjloffen werben, ©en Uebergang Don ber Diadjenpöple in bie Speiferöpre bilbet ber Scplunb- 281 topf; berfelbe ift nicpt ju verfdjließen. ©agegen fannber jwifdjen ber ßuftröpre unb ber SRadjem refp. 9Jafen- unb SJhtnbpöple burcp Verfdjließen ber Suftröpre burcp ben $eplbedel abgefcpnitten Werben. ßepte* rer liegt unterpalb ber 3ungentt)uqel unb legt fid) bei Verfdjluß ber 8ufb röpre auf beffen oberfteg Stüd, ben 3n biefem befinbet fid) bag Stimni'(®prad)')organ. Sleußerlicp vorn am §alfe beutlidj füplbar ift ber, „SIbamgapfel" genannte ©peil beg ©arunter liegt bie Sdjilbbrüfe, weldje fid) alfo vorn über einen ©peil beg Si'eplfopfg unb bag oberfte ©tüd ber ßuftröpre legt. DJlitunter reidjt bie ©cpilbbrüfe, beren abnorme Vergrößerung „ftropf" peißt, big 311m Vruftbein perab, b. p. big jur „ß'eplgrube", lueldje vorn bie ©renje jwifcpen §alg unb Vruft bejeicp- net. Von pier jiept fid) nad) außen unb oben (fcpräg nad) ber ©prengegenb) auf jeber Seite ein „Äopfnidemugfel", weldjer bei nicpt ju fetten hälfen (befonberg bei feitlidjen ©repungen beg alg ein fefter SÖulft per« vortritt. SInbem vorberen 9?anbe jebeg ber beiben Äopfnidemugfeln füplt man je eine (redjte refp. linfe) ((Sarotig), welcpe jum ftopfe auffteigt. Sieben biefen Arterien verlaufen Vlutabern (bie ©roffeU abern), iveldje bag Vlut aug Äopf unb £>alg jum §erjen jurüdfdjaffen, fernen unb ßpmppgefäße nebft ftpmppbrüfen. ©er pintere ©peil beg §alfeg, ber Sladen ober bag ©enid, fängt oben (an ber „Sladengrube") am §interpaupt an unb gept unten (an ben Sdjultern) in ben Siüdenüber. §ier liegen unter ber£)autmeprereSd)id)ten von „Sladenmugfeln", welcpe jum galten unb Vewegen beg Äopfeg, fowie jum Vewegen ber Sd)ul- tern unb Slrme bienen. ©ie Vruft ober ber ©berleib ift ber ©peil beg SRumpfeg, aug Welcpem ber £>alg pervorragt; feitlidj pängen an ipm bie 9lrme, unb unten gept er in ben Vaud) über, ©ie ®renje jlvifdjen £>alg unb Vruft wirb vorn vom Vruftbein unb von beiben Scplüffelbeinen bejeicpnet, von benen je eineg nad) recptg unb linfgnad) ber Sdjutter verläuft; biefe peftet fid) am äußeren ßnbe eineg jeben @d)lüffelbeing an unb bilbet bag Verbinbungg- glieb jwifcpen Vruft unb $lrm. Unten (gegen ben Vaud) ju) beutet fid) bie ®renje ber Vruft vorn in ber Dritte ber lepteren burdj bie „Viagem ober unb feitlid) burd) bie unteren 9?ippen an. ©ie ©runblage beg ©berleibg ift ber fnöcperne Vruftfaften, welcper pinten von ben 12 Vruftwirbeln, feitlid) von je 12 9iippen unb vorn vom Vruftbein gebilbet wirb. Sleußerlid) wirb bicfer fnödjerne haften, ber bie ©eftalt eineg feget« förmigen, oben engeren $affeg pat, von ben Vruft- unb 9?ücfenmugfeln bebedt, weldje fowopl Vewegungen ber Rippen, alg and) folri)e ber Sinne vermitteln. 3m 3nneru beg fnöcßernen Äafteng, in ber Vruftpöple, liegt in ber Viitte bag vom umpiillte £>erj. Von biefem gepen oben jwei große Slrtcricn (Slorta unb ßungenpulgaber) aug; baneben münbet 282 eine große 23ene, bie obere §oplaber, in baS §erj ein. ©ie anbere, untere tritt unten an bas £)erj peran unb nriinbet in bie pintere Mßanb be3 regten 23orpofS. Umfcploffen wirb baS §erj von ben beiben Lungen« flügeln, welcpe vom -Söruftfell umpüllt werben. LeptereS überfteibet and) bie beS 4öruftfaftenS. ©ie Lungenflügel pängen an ber Luft« . röpre, welcpe vom £>alfe pinter jenen oberen großen SIbern unb ■ perabfommt, frei in ber 33ruftpöpte, nnb jwar jeher ber (beiben) Lungen« finget an einem ber (beiben) ber Luftröpre, in welcpe biefe fiep tpeilt, epe fie in bie Lunge refp. bie Lungenflügel übergept. hinter ber Luftröpre liegt bie jweite von oben in bie perab üerlaufenbe 9löpre, bie Speiferöpre. ferner finben Wir pier bie ($ruft«)2lorta, bie „unpaarige" -8lutaber, Nerven (SSaguS unb SpmpatpicuS) unb ben, von unten perauffommenben Mcpbruftgang refp. benreepten Saugaberftamm. ©ie 33ruftpöple wirb von ber -Saucppöple burep baS muStulöfe gefepieben, welcpeS von aus« unb eintretenben (Gefäßen unb von ber (in bie bejw. ben 9)?agen füprenben) Speiferöpre burepbroepen wirb. ©er 33 auep ober Unterleib, b. i. ber jwifepen 33ruft unb iöecfen liegenbe Speit beS 9?umpfeS, fcpließt wie bie 33ruft eine §öple (bie33aucp« pople) ein, bereu Sßanbung aber im ©egenfap ju berjenigen ber 33ruft« pople meift fleifcpig ift unb von ben 33aucpmuSfeln gebilbet wirb. 91ur an ber oberen feitlicpen unb in ber WUtte ber pinteren 2ßanb beS Unter« leibs finben Wir Änocpentpeile, bie 5 lepten 9iippen refp. bie 5 33aucpwir« bei. 2llS 33aucp im engeren Sinne wirb bie vorbere unb feitlicpe $läcpe beS Unterleibs bejeiepnet, letztere nennt man allein auep 33aucpweicpen ober planten, unb bie 9iücfenfläcpe beS Unterleibs peißt Lenbem ober Vieren« gegenb. 3wr Innern ber 33aucppöple liegen japlreicpe, vom „33aucpfell" überfleibete unb eingepüllte unb tpeilweife auep von £)aucpfellfalten („®e= träfe") in iprer Lage feftgepaltene Organe, welcpe meift jitm SSerbanungS« apparat gepören. 3ur meprerer Organe in ber 23aucppöple bienen ferner 4fepnige Stränge.(„Räuber"), welcpe an ber inneren $läcpe jbeS Nabels angepeftet finb; baS eine „runbe Leberbanb" verläuft jur Leber, wäprenb bie brei anberen Räuber (ein mittleres unb jwei feitlicpe jur perabgepen. ©erjagen, in Welcpen oben bie Speiferöpre münbet, liegt biept unter bem an berlinfen Seite beS -SBaucpeS. 2(m ,,-23linbfacf", alfo lints, pängt bie SOUlj an. ber reepten Seite ber 33aucppöple liegt oben (unter bem bie Leber, bie über einen ©peil beS WcagenS überfeplägt. 3lpifd)en fragen unb Leber, in welcp' letztere bie von unten per venöfeS 4Blut fepafft, baS oben aus ber Leber in bie untere gwplaber tritt, liegt baS „tleine 9?e£". Unten gept ber Etagen in ben über. $n lepteren münben ber LluSfüprnngSgang ber ©allenblafe, welcpe ber unteren 283 (ßinteren) glödje ber £eber anliegt, ferner ber (birecte) ©allengang ber ßeber unb ber SluSfüßrungSgang ber Baud)fpeid)elbrüfe, weldje fid) um mittelbar tjinter bem SJtagen von ber Sftilj quer tjinüber jum 3wölffinger- barm erftredt. Stu biefen, an ber Hinteren Baucßwanb feft angeßefteten, oberften Oßeil beS OünnbarmS fd)ließen fidj bie beiben anberen Oünn- barmtßeile (Seer- unb Srummbarm) an. Oiefeiben liegen, vielfad) Ver- fügungen, im mittleren unb unteren £l)eil ber Baudjßößle unb ragen bis in bie Bedenljöljle hinein. 3n bem unteren, redjten Oßeil ber Baudjßöljle gefyt ber Oünnbarm in ben Oidbarm über, inbem er in bie Söanb beS OidbarmS (mit einer, burd) bie „Baul)ini'fd)e Slappe" üerfdjließbaren SJtünbung) einbringt. Oer erfte SSljeil beS OidbarmS ift ber Blinbbarm, Weldjer feinen Siamen baßer erhalten ljat, baß er auf ber einen ©eite mit einem biinnen $ortfa£ („3Burmfortfa|") blinb enbigt. Sluf ber anberen ©eite, ivo ber Srummbarm in ben Oidbarm münbet, fid) ber Blinb- barm in ben Oidbarmabfdjnitt, ben ©rimmbarm, fort. Seigerer verläuft juerft (redjts) aufwärts, bann quer (obenbidjt unter bem SJZagen) burd) bie Baudjßößle unb fd)ließlid) (linfs) abwärts. Sille biefe Oärme mit SluSnaßme beS 3wölffingerbarmS finb vom „großen Siety' überbedt unb mit ber Baudjwanb burd) bie fdjon oben erwähnten Baudjfellfalten verbunben. Slußerbem liegen nod) in ber Baudjßößle: bie beiben Stieren (in ber ßinteren Baudjßößle 311 ©eiten ber Senbenwirbel) mit je einer (oben auffißenben) Siebenniere unb ben nad) bertparnblafe ßerabgeßenben Harnleitern, bie Slorta mit ben Urfprüngen unb $weigen ber (SingeWeibe- arterien, jaßlreidje anbere Blutgefäße, Spmpßgefäße unb Spmpljbrüfeu, ber Anfang beS SJtildjbruftgangeS unb Sterven. •Das Beden, ber unterfte Oßeil beS Stumpfes, ßat eine tnödjerne ©runblage, weldje von bem Sreuj-, ©teiß=, ®iß= unb ©cßambein unb ben beiben Hüftbeinen jufammengefeßt wirb. OiefeS Snodjengerüft bilbet einen Sting, ber oben weiter ift (baS „große Beden") unb fid) nad) unten verengert (baS „Heine Beden"). Oie von ftarfen SJluSfeln umßüllie ©runblage umfdjließt alfo eine Hö¥ez roelclje in jwei £ßeile ju trennen ift; bie obere berfelben ift nur eine unmittelbare ber Baud)- f)öl)le. 3n Bedenl)ol)le liegen (außer STljeilen beS Seer= unb Stumm- barmS) Organe für bie flüffigen unb feften SlnSfdjeibungen beS SörperS (bie Harnblafe vorn unb ber SJlaftbarm ßinten) unb foldje beS (S5efcI)led)tS= apparats, ferner ©efäße unb SZerVenftämme, welrfje Slefte nad) ben Beinen entfenben. Oie Bedenfnodjen bienen and) nod) jur ®elenfverbinbung beS Stumpfes mit ben Beinen; nad) unten unb außen ßin befinbet fid) an jebem Hüftbein eine ©elenfpfanne, in weldje ber Sopf beS Dberfd)enfel- beinS ßineinragt. Oie ftarfen $leifd)fd)id)ten, weldje über bem tjinteren Oljeil beS fnödjernen BedenS liegen, nennt man ©efäßmuSfeln. 284 Oie oberen ©lieb maßen, bie Slrme, hängen an ber Sd)ul* ter ober Sldjfet, bereu tnödjerneS ©erüft Sd)lüffelbein unb Sdjulterblatt bilben, unb jwar befinbet fid) bie ©elenfgrube für ben $opf beS Oberarms am Schulterblatt. OaS vorn ©ruftbein fommenbe Sdjlüffelbem bient ba* 31t, baS Schulterblatt in ber nötßigen Entfernung vom ©rufttaften ,$u ßal* ten unb baburd) bem Slrme feine ©eweglid)feit $u fidjern. Unter bem „?Id)felgelent" befinbet fid) gwifcßen ftarfen SRuSfeln bie „Sldjfelßößle", in welcher neben einer großen ©lutaber, Sßmpßbrüfen unb ben fRerven beS SlrmeS bie ber ScßlüffelbeinpulSaber, bie „SldjfclpulSaber", liegt, weldjebenS(rmmit©lut verforgt. Oiefe §aupt*2lrmarterie läuft von ber Sldjfelßößle aus (als „SlrmpulSaber") an ber inneren Seite ber SlrmeS herab unb tßeilt fid), nacßbem fie in ber fDlitte ber Ellenbogenbeuge auf ben ©orberarm übergegangen ift, in eine „Ellenbogen*" unb eine „Speidjen* pulSaber", Welcße Unterarm, §anb unb Ringer 4Blut jufüßren. OaS fnödjerne ©erüft beS Oberarms ift baS Oberarmbein, bas oben mit bem Schulterblatt unb unten, am Ellenbogengelenf, mit ben $nod)en beS Un* terarmS in ©elenfverbinbung fteßt. Oie baS Oberarmbein einßüllenben SJluSfeln finb entweber ©enger ober Streder beS SlrmS; erftere liegen an ber vorberen unb inneren, letztere an ber hinteren unb äußeren Seite beS Oberarms. Oer ©orber* ober Unterarm ßat jwei Änocßen, welcße oben mit bem Oberarm unb unten mit ber §anbwurjel- unb jwar bieSpeidje an ber Oaumen* unb ber Ellenbogen au ber $leinfingerfeite - jufammen* hängen. Oie WluSfeln beS ©orberarmeS bienen $um Oreßen beS letzteren unb jum ©ewegcn ber §anb unb ber ginger. Oie §anb, bereu 3nnen* feite §oßlßanb unb Slußenfeite heißt, verfällt wie ißr fuöcßer* neS ©erüft in brei Slbtßeilungen, bie (8 Heine ßnodjen), an welche ber Unterarm ftößt, bie HRittelßanb mit je einem Änocßen für jeben ginger unb bie 5 ginger, non benen ber Oaumen nur ;pvei Änocßen (©lieber) hat, wäßrenb bie 4 anberen ginger je brei ©lieber bejft. befißen. Oie unteren ©liebmaßen, bie ©eine, auf benen ber Äör* per ftefjt unb fid) fortbewegt, befteßen wie bie Sinne aus je brei Oßeilen: Oberfcßenfel, Unterfd)enfel unb §uß. Erfterer, welcher vorn ©edeu bis jum ßnie reid)t, ftellt bie ©elentoerbinbiing mit bem fRumpf ßer; fein einziger Änocßen, baS Oberfcßenfelbein, ift oben mit bem §üftbein burcß ein ©elent berbunben. Oie ©lutjufußr nacß bem ©ein be* forgt bie Scßenfelarterie, welche fid) im©eden non ber (redjten refp. linten) abjweigt unb in ber SQJitte ber Scßentelbenge aus ber ©eden* ßößle in ben Oberfcßenfel übertritt. §ier verläuft fie juerft an ber vor* bereu gläcße, jießt fid) bann allmälig nad) ber Onnenfeite unb geßt fcßließ* ließ etwas oberhalb beS inneren ÄnorrenS beS OberfcßenfelS auf beffen 285 ßintere Seite über in bie Äniefel)le („®niefel)lenputSaber"). ?(m Unter# fd)enfel theilt fie fid) in brei riefte, bie „2Öabenfd)lagaber" unb bie „vorbere" unb bie „hintere Sd)ienbeinfd)lagaber". Oie beiben letzteren, von benen bie „vorbere" Slber jum Würfen, unb bie „hintere" jur Soljle beS $ußeS verläuft, verfel)en $uß unb «Sehen nut ©lut. Swifdjen ben $al)lreid)en ftarfen WluSfeln beS Oberfd)entelS, Weld)e jum ©ewegen beS Ober# unb ©engen beS UnterfcßenfelS bienen, verlaufen außerbem SBenen unb ftarfe Wervenftämme. Oer Unterfdjenfel hat jwei Knochen, bas Schienbein unb baS Sßabenbein, aber nur einer berfelben, baS Sd)ienbein, verbinbet fid) mit bem Oberfdjenfel (unb ber $niefd)eibe) jum Äniegelenf. $(n ber $u# fammenfetjung beS $ußge(enfs beteiligt fid) aber außer bem Sd)ienbein unb ber gußwurjel and) baS SBabenbein. SetjtereS verläuft in ber 9tid)tnng nad) ber fleinen $el)e, baS Schienbein bagegen nad) ber großen 3^)e $nod)en haben am gußgelenf je einen Knorren ber auf ber inneren Seite gehört alfo bem Sdjienbein unb ber auf ber äußeren Seite bem Sßabenbein an. Oie WluSfeln beS Unterfd)entelS finb ©enger unb Strecfer beS $ußeS unb ber 3efyen uui) ferner Oreßer beS ftußeS. Oie Strecfer beS iveldje beim ©eßen unb Oanjen I)auptfäd)lid) be# nüfct werben, liegen an ber hinteren Seite beS Unterfd)enfels unb bilben hier bie SBabe, weldje nad) unten in bie „5ld)itleSfel)ne" ausläuft. Vettere fid) an bie $erfe an. Oer guß, beffen obere g-läd)e unb untere glädje gußfoßle genannt wirb, jerfällt in bie gußwurjel (mit 7 tQiwd)en), ben Wiittelfuß mit je einem für jebe 3el)e unb bie 5 3el)eu; bie große $ehe hat nur jwei ©lieber Wäl)renb bie an# bereu 3e^)en &ei'en je brei befifsen. 3>er 'wtßptlhnus öer ©ie ßebenäalter. Sterben, 5£ob unb ßeictje. ©djlaf. T)ie felbftftänbige beS Sftenfcfjen beginnt mit bem erften ?ltl)emjug. SBorljer ift ber menfd)lid)e Ä'örper ein Sßeil beS mütterlichen Organismus, »veldjer aus feinem ®räfteüorratl) bem Ungeborenen bie ßebenSbebingungen gemährt. ©leid) nach ber ©eburt, mit bem erften 2ltl)em$ug, nimmt aber ber9)?enfd) ben unentbel)rlid)ften Stoff, ben Sauerftoff, aus ber atmofphärifdjen ßuft felbftftänbig auf, unb halb (teilt fid) and) ba§ nad) Nahrung ein. Slber nod) auf lange 3 hinaus fann baS Äinb nodj nid)t felbft für fich forgen, fonbern bebarf ber größten Schonung unb pflege feines CeibeS unb ©eifteS. tvenn man biefe bem $inbe angebeiljen läßt, entwidelt 286 fiep ans bem, feit bem erften Sltpemgug felbftftänbigen Organismus and) ein felbftftänbiger SJtenfcp, bei bem nad) fDiapgabe ber inbivibuellen Sßerpält* niffe bie pppfifepen unb intellectuellen Kräfte ben pödjften Buftanb ber SSollfommenpeit erreicht paben. Bft baS ber $all, bann ftetjt ber SDtenfcp im Benitt) beS Lebens, von wo er nacp unb nacp wieber perabfinft, bis er, törperlicp unb geiftig Wieber fdjwacp geworben, am Staube beS ®rabeS ftept. TaS menfdjlidje Leben verläuft alfo in auf- unb abfteigenber Linie, boep fo, baß gwifdjen bem £>eben unb ©inten ein langer Beitraum (ber Steife) liegt, wäprenb beffen baS Leben refp. bie Lebensvorgänge Weber eine Steigerung nod) eine Slbnapme geigen. Tie Steigerung jener pppfio* logifdjen Vorgänge ift an ben Beitraum beS „SluffteigenS" (ber Unreife) unb ipre Slbnapme an ben Beitraum beS „SinfenS" (beS helfens) ge= tnüpft. ®ar oft freilief) entwicfelt fidj ein Körper, ber vielleidjt fdjon ent- wicflungSunfäpig in bie Söelt trat, ober bem es in ber erften an ber nötpigen pflege feplte, nidjt gur -SSlütpe, unb gar oft madjt ein tüd'ifdjer Bufall nuferem Tafein ein ßnbe, epe bie Statur ipren Tribut forbert, b. 1). epe ber natürliche baS Slufpören beS StoffwecpfelS (ben Tob) perbeifüprt. Slber unter normalen SSerpältniffen verläuft baS menfdjlicpe Leben rpptpmifcp. (SS bauert etwa 70-80 3apre, unb gerfällt biefer raum, bie Lebensbauer, in brei gjauptabfdjnitte, welche wir bereits als bie (Spodjen ber Unreife ((Sntwicflung), ber Steife (SSollfommenpeit) unb beS SBeltenS (ber Slbnapme) tennen gelernt paben. biefer Slb- fdjnitte, bie nid)t fdjarf von einanber getrennt finb, fonbern allmälig in einanber übergepen, fepen wir bann ben Körper weiteren Sßeränberungen unterworfen, bie wieber an beftimmte Beräume in ben brei trmnptab* fdjnitten gebunben finb. Sille biefe LebenSepocpen, bie bei bem eingelnen SJtenfcpen nad) gewiffen (Temperament, (Sonftitution, SUima, u. f. W.) variiren unb and) nacp bem ©efcpledjt verfepieben finb, begeidjnen wir als ßebenSabfdjnitte, Lebensalter, LebenSppafen ober (SntWidlungS* ftufen. Ter Beitraum ber Unreife bauert von ber ®eburt bis gum Eintritt ber vollftänbigen (förperlicpen unb geiftigen) (Sntwidlung, b. p. etwa bis gum 20. LebenSjapre beim weiblicpen ©efcpledjt unb bis gum 24. Bapre beim männlidjen ®efdjledjt. (5r gerfällt in baS Sliter beS Steugeborenen (etwa bis gumSlblauf ber erftenLebenswocpe, bis gum Slbfallen beS StabelfdjnurrefteS), baS Säuglingsalter (bis gum (gntwöpnen von berSJlutterbruft), baS (eigentlicpe) $inbeSalter (bis gum Bopnwedjfel, b. p. gum 7. LebenSjapr), baS Bugenbalter (bis gum Eintritt ber SKannbarleit ober Pubertät, b. p. beim SJtäbdjen bis gum 14.unb beim Knaben bis gum 16. LebenSjapr) unb baS BünglingS* 287 refp. Oungfrauenalter (bis jur Beenbigung beS Sßad)Stl)umS, b. i. beim weiblidjen ®efd)led)t bis jum 20. unb beim mönnlidjen ®efd)led)t bis jum 24. ■S'atjre). © e r Zeitraum b e r 9i e i f e, baS Mannes* ober grauen* ober Mittelalter, weldjeS mit bem Slugeriblicfe beginnt, in weldjem ber Körper bie pöcpfte Stufe ber ipm möglichen ßntwitflung erlangt, b. i. nad) Beenbi* gung beS SBadjStljumS, reidjt bei ber grau (vom 20.) bis etwa jum 45. unb beim Manne (vom 24.) bis etwa jum 55. ÖebenSjaljre. (St verfällt in ein erfteS (bis jum 40. ßebenSjaljr) unb ein j weites Mannes- ober grauenalter. Slllju rafd) ift biefer $öl)epuntt überfdjritten; eS tritt ber $eit* raum b e S helfens ein. ©er Körper verliert allmälig bie Spann- traft ber SReife, bie ßebensvorgänge vollziehen fid) langfamer, bie MuSfeln werben fdjlaff, bie Bewegungen fdpverfälliger, unb ber ©eift Wirb träge. ©aS ©afein beS ©reifes ift fdjließlid) nurnod) ein vegetatives, wie baS beS Säuglings, unb enblid) naljt ber Sob, burd) Weldjen ber Körper ber Ma- terie juriicf gegeben wirb, von ber er entnommen würbe. Slußer biefem n a t u r l i d) e n S o b e (in golge von SllterSfd)wäd)e) tann, wie fdjon oben gefagt, ein tiufifdjer Zufall, b. i. ein unnatür* I i cp e r ©ob in golge von ober gewaltfamen äußeren ßinfliiffen nufer ßeben vorzeitig jum Slbfdjluß bringen. 3n ber Siegel Ijört bei beiben ©obeSarten, b. f). wenn ber ©ob naljt (beim Sterben), eine ber Ijauptfädjlidjften ßebenSverridjtungen - $erj*, tagen* unb ©epirntpätigfeit - juerft auf, unb bejeidpiet ntanben ©ob barnad) als einen burd) ©Ijnmadft (Slufljören ber fterjtßätigteit, Spn* cope) ober einen burd) Stirffluß (Slufljebung ber Vungentßätigteit, Gr* fticfung, Slfpl)l)pe) ober einen burd) Sdjlagfluß (Slufljören ber gnrntljätig* feit, §irnläljnumg, Slpoptepe). ©aS Slufljören ber SebenStljätigteiten madjt fid) äußerlid) metjr ober- weniger burd) bie Sterbeerfdjeinungen bemerfbar. ®ie frnl)efte berfeiben ift meiftenS ein unregelmäßiges, zeitweilig eintretenbeS Slnf= unb lieber- fdjwanfen beS ÄeljlfopfeS (SIbamSapfelS); mitunter melbet fiep biefer Bor- bote beS XobeS fd)on Sage vorder, ©ann folgen 3eid)en ber beginnenben unb vorfdjreitenben ßäfjmung beS Servern unb beS MuSfelfpftemS, nad) Weldier bie einzelnen Slpparate, unb jroar gewößnlidj in einer beftimmten 9?cil)enfolge, ißre Sljätigfeit einftellen. Sim fpäteften von ben geiftigen gnnctionen erlifdft in ber fRegel ber ©efyörfinn, weSljalb man an einem Sobenbette ftets in feinen Steuerungen Vorfid)tig fein follte. ©ie beute lid)ften Mertmale beS nafjenben SobeS prägen fid) im ®efid)t ans, unb Zwar fiept baS ®efid)t eines Sterbenben folgenbermaßen auS: ©ie 91afe ift bei eingefunfenen glügeln, bie leblofen Singen liegen popl, bie 288 ©pren finb falt unb eingefdjrumpft, bie Sdjtäfengegenb ift eingefallen, Vaden unb SQiunb finb fdjlaff (runzelig) unb lepterer babei Ijalt) geöffnet, baS $inn ift fpip unb bie GtefidjtSfarbe bleidj, bleifarbig ober fdjwärjlidj*). 91m übrigen Körper ntadjen fiel) folgenbe Sterbeerfcpeinungen auffällig: ©er Körper finit jufammen unb rutfdjt (auf feinem Sager) perab, bei <ßnlS wirb fdjwadj, bie Sltljmuug langfam unb müljevoll (ber Sterbenbe rödjelt, Sterberaffeln) unb bie Speiferöljre geläpmt, fo baß fefte (Stoffe barin fteefen bleiben, aber mit follernbem ®eräufdj in ben SJJagen rollen; and) bie DJcitSfeln an ben ©effnungen beS Körpers er= fdjlaffen, fo baß unwillfürlidje Entleerungen erfolgen. ES ftellen fidj „Sepnenpüpfen" unb Slnfdjwellung ber unteren Extremitäten (befonberS beS linten fyußeS) ein, bie unb ber erlöfdjen immer mepr, unb ben erfaltenben Diumpf überjieljt gewöljnlicp ein faltei*, fiebriger Sdjweiß. 3ulept erlöfdjen ber ©efidjts- unb ber Efeljörfinn unb halb pören Sltpmung unb VlutfreiSlauf gan$ auf. ©amit ift ber ©ob einge* treten, ©iefe Sterbeerfdjeinungen jeigen fidj fämmtlid) ober audj nur tljeilweife unb treten rafdjer ober langfamer auf unb jwar mepr ober Weniger beutlidj. Sinb fie alle ftarf ausgeprägt, fo nennt man baS „unter (fdjwerem) ©obeStampf (Agonie) fterben". ©ie Vejeidjnung ift jeboep fdjledjt gewäplt. © a S «Sterben i ft a b f o l u t f dj m e r 310 S, fofern ber ©ob nidjt burdj fdjmerjljafte Verletzungen (Vergiftungen, Verbrennung gen, u. a. m.) üerurfadjt ift. Unb and) bann erleidjtert eine wopltpätige ©pnmadjt gewöljnlidj bie lepten Slugenblitfe. ©ie gurdjt vor bem Sterben als einem qualvollen Dtingen jwifdjeu Seben unb ©ob i ft u 11 b e g r ii übet, ©ie D[gonie=Erfdjeinungen finb nur bie äußeren Wiert* male beS frieblidjen SluSgleidjS jwifdjen bem ©rganiSmuS unb jeinem lebenSlänglidjen (Gläubiger, ber Dlatur. Ein fidjereS £eidjen beS Eintritts beS ©obeS ift baS DIufpören ber Sinb mit §ü(fe beS (Stetpoffops) nidjt mepr Vernepmen, bann ift ber ©ob fidjer erfolgt. ©aS ©leidje ift ber $all, Wenn ein Körper nadj 2-3 Stuubcn (nadj bem ©obe) burdj Electricität nidjt mepr erregbar ift. Vei einem S dj e i n 10 b t e n bleibt bie electrifdje Erregbarfeit. Slnbere ©obeSjeidjen finb bie Seid)euer* f dj e i n u n g e n, bie ©obtenflede unb bie ©obtenftarre. ©ie © 0 b t e 11 * fl e cf e entfteljen burdj Einbringen beS VlutfarbftoffS (burdj bie ®efäß= wänbe) in bie ®ewebs= unb §autflüffigfeiten. ©ie §aut jeigt in ftolge beffen, befonberS an ben, auf ber Unterlage aufliegenben ober an folcpen Stellen, nadj benen fiep B'lüffigfeiten vermöge iljrer natürlidjen Sdjweve *) SJfan nennt baS Vlntlife eines Sterfcenben ,,$ippofratifdje3 ©cfidjt", Weil bet 23eflrünbcr ber 9J?ebicin, <§ivbofrateS, cs juerft treffenb flcfctjilbcrt bat. 289 ßittfenfen, außgebreitete grünliche ober blaurote $lecfe. ©ie © o b t e n * ft a r r e wirb burd) baß (gerinnen bet (Siweißförper beß SUiußtelröhrenin* paltß öeranlaßt. gerinnen bie (Siweißtörper ber flüffigteit.) Sie tritt gewöhnlich innerhalb 12 Stunben nadj erfolgtem ©obe ein unb bewirft, baß ber äRunb ber S3eid)e feft gefdjloffen, ber Warfen fteif unb ber Stumpf geftrecft ift; Slrmeunb 4öeine bagegen beugen fid) ünö bie ©aumcn fdjlagen fid) ein. Ungefähr 36-60 Stunben nadj bem ©obe hört bie ©obtenftarre wieber auf, b. I). mit beginnenber gäulniß (25er* wefung), Weil bie Welche fid) bei festerer bilben, eine £öfung ber, bei ber ©obtenftarre geronnenen (Siweißtörper Ijeroorrufen. SInbere finb nod): baß gebrochene, trocfene ?luge, bie aufß äußerfte erweiterte unb gegen £idjt unempfinblidje Pupille, baß 9Jid)t* fließen üon 23lut auß geöffneten Slbern unb baß 9lidjtburdjfdjcinen ber gegen £id)t gehaltenen Ringer. ©aß untrüglidjfte Reichen beß ©obeß ift aber baß (Eintreten ber $äulniß, baß übrigenß burd) antifeptifdje Mittel ober fdjnelleß (Sintrotf'nen üerhinbert werben fann ((Sinbalfamiren). fOcit bem beginn ber 25erwefung fängt and) bie Umwanblung beß ©rganißmuß in uuorga* nifdje «Stoffe (hauptfädjlidj 2öaffer, $ol)tenfäure unb Slmmoniaf) an. - S33ie baß geben beß menfdjlidjen ®efd)led)tß fpielt fid) and) baß geben beß einzelnen Sfteiifdjeu in rhi)tl)mifdj wieberfehrenben @rfd)einungen ab, unb bie houptfädjlidjfte berfelben ift ber 2ßed)fel jwifdjen 2ßad)en unb Schlafen. üöir würben bem Stoffwedjfel in nuferem Körper gar halb er* liegen, wenn ber letztere nicht regelmäßig - fobalb feine Kräfte erfdjöpft finb - im Sdjlaf bie nötljige Dtupe fänbe, fidj ju reftauriren. Ungefähr jwei ©rittet unfereß gebenß bringen wir im wadjen £uftanbe unb etwa ein ©rittet fdjlafenb ju. -3:ebeß Organ unfereß bebarf, wenn tljätig, erhöhter 25lut* Zufuhr; wirb j. £5. bie (SdjleimhautbeßüDtagenß burd) 9lal)rungßaufnahme gereift (ber SSerbauungßproceß eingeleitet), bann färbt fid) biefe üorljer blaßrötl)lid)e §aut in $olge bermehrter Slutjufuhr hochrotl) (f. 187). ©a nun aber bie 23lutcirculation im (gel)irn währenb beß 2Bad)enß eine regere ift alß währenb beß ©d)lafß, unb ba man letzteren willfürlich hel's üorgerufen hat, inbem man bie nadj bem (geljirn burd) 3u* fammenbrüden einer ober beiber oerminberte, fo fdjeint fid)er erwiefen ju fein, baß ber <S d) t a f eintritt, fobalb baß (gehirn auf* hört, thätig §u fein, ©aß ift aber ber fyall, wenn bie jum ©hätigfein untauglich würbe unb bie bei legerem oerbraudjten Stoffe burd) neue ju hat ©er @d)laf ift eine golge ber 3lnl)äufung von <5r* mübungßftoffen im ®el)irn. Ueber bie unmittelbare Urfache, weldje ben Sdjlaf herbeiführt, b. i. über bie feineren pljpfiologifdjen 25eränberungen in ber gurnfubftanj, welche 290 uns fdjlüfrig Werben laffen, ift wenig betannt. ©iefe Sßeränberungen äußern fid) in bem ®efüßl bet Sd)läfrigteit; EmpfinbungS«, Sinnes« nnb SOhiSfeltljätigfeit laffen nad), baS ®efüf)l ber SJiattigfeit nnb Slbfpannung, ©eljnen nnb ®äf)nen ftellen fid) ein. Oie Sinnesorgane beenben aber wie beim Sterben, fo and) beim Einfdjlafen nid)t gleidjjeitig iljre Xb)ätig= feit; ©efdjmacf, ®erud) nnb ®efid)t fdjwinben juerft, nnb and) beim Sdjlafen ift ber ®ef)örfinn ber letzte, Weldjer fid) jur begiebt. Oie HJZuSteln beS Körpers fdjlafen ebenfalls nid)t fämmtlid) ju berfelben 3eit ein, fonbern folgen einanber in beftimmter ; fo fdjlafen bie SJJuSfeln ber ©liebmaßen früher ein als bie beS DxücfenS. häufig ftellt baS ©eßirn im Sdjlafe feine Xpätigteit nidjt ganj ein. Oie Einbrüde, weldje biefe Opätigteit im Sdjlafe- Oräumen ober Or aum - Ijerüorrufen, tonnen wie bei ber ©etjirntßätigfeit im wadjen 3uftanbe äußere (wenn man j. 23. einen Sdjlafenben titelt) ober foldje auf baS üegetatioe Dlerüenfpftem fein, bie auf baS animale überftraßlen; meiftenS fdjafft fid) baS ©epirn aber biefe Einbrüde (23orftellungen) felbft nnb trägt fie auf bie Sinnesorgane über, wie bieS bei SinneStäufdjungen ober §allucinationen baS Wad)e ©epirn ebenfalls tfjut. SBäljrenb beS SdjlafeS, b. ß. wäljrenb baS ©etjirn rußt, nehmen bie begetatiüen im Körper ifyren Fortgang, bod) geljen biefelben lang« famer bor fid). 3m Sdjlafe fammelt nid)t nur baS ®el)irn, fonbern and) ber gefammte übrige Körper neue Sd)lafe gefd)iel)t eS I)aupt« fädjlid), baß bie fortwäljrenb oßne nufer .Butßun tßätigen Organe fid) „ab« fafcweife" auSrußen. 23ei mandjen wirb ber Patient bon abnorm tiefem Sdjlaf mit Unmöglidjteit beS nnb unwillfürlidjen Entleerungen be« fallen; man bejeidjnet bieS als Sdjlaffudjt ober Sopor. Eine anbcre ab- norme Sdjlafart, bei weldjer ber 23etreffenbe ßanbelt nnb fid) willfürlid) fortbewegt, nennt man Sd)lafwanbeln ober Somnambulismus. 3n eine abnorme 2lrt §albfd)laf berfallen manche leid)t erregbare neu, Wenn man fie glänjenbe ©egenftänbe fipiren läßt ober auf anbere SBeife ißre Sinne gleichmäßig nnb anbauernb beeinflußt. fd)laf wirb genannt. drittes Sefunöljcitsleljre. 293 fintfifuitg. ©ie Slufgabe ber öffentlichen unb privaten ©efunbljeitöleljre. inwiefern ein 3eber fein eigener Sir 3 t fein fann. ©ie GefunbheitSlel)re ober ift berjenige Bweig ber mebici- nifdjen Sföiffenfdjaft, welcher fiel) ber grage wibmet, wie man bie Gefunbljeit erhalten fann. Sie jerfällt in jwei Steile: bie öffentliche unb bie private @efunbl)eitslel)re. (Srftere ljat eS mit ben Gegenftänben ju tljun, weldje (Einfluß auf bie Gefunbbeit ber ganjen S3evölferung haben; fie fud)t be- fonberS ber (Sutftehung unb Ausbreitung von (geudjen (bnrd) 3mpfen, ©eSinfection, u. f. w.) vorjubeugen; fie forgt für (Erridjtung gefunber 2öohnl)äitfer, fie erftreeft fid) auf baS Sdjulwefen, inbem fie bie herum reifenbe 3ugenb vor Sd)äbcn ju bewahren trachtet, bie ißr aus bem (Sdjulbefud) erwadjfen tonnten, u. a. m. 3'hre SSorfdjriften 311 entwerfen unb jur Ausführung ju bringen, ift Aufgabe ber 23el)örben, unb fann beS- halb hier von einem weiteren (Eingehen auf bie Öffentliche abge- feljen werben. ■Dagegen hüben wir uns mit ber privaten GefnubheitSleßre näher jn befdjäftigen. 3m Gegenfaß ju ber öffentlichen beriietfidjtigt biefe nur ben einzelnen 9J?enfd)en unb jeigt biefem, wie er naturgemäß leben unb baburd) feine £ebenSbauer verlängern fann. - (ES ift nicht nur, wie eS auf ben erften lief fdjeint, eine ber ©elbfterßaltung, bie SSorfdjriften ber privaten ju befolgen; es ift and) eine ber (Erhaltung ber „Art", ©er um bie (Entnncfluug ber GefunbßeitSleßre ßoeßverbiente W?ünd)uer v. fagt in biefer §iufid)t furj unb treffenb: „©a fiel) ein £ßeil ber Gefnubßeit eben- fowoßl wie ein Xßeil ber Äranfl)eit von ben (Eltern auf bie Vererbt, fo erßellt von felbft ber SBertl) eines nad) ben ber gcorb- neten hebens nid)t bloS für baS 3nbwibuum, fonbern and) für feine 9lad)= fommen unb ganje Generationen, unb baburd) für bie allmälige SSerbeffe- rung ber 9taffe". 9lod) eine anbere 'ißflidjt legt bie private GefunbßeitSlehre bem 3nbi- üi-bnum, unb jwar (Eltern unb SJormünbern, auf. ©iefe hüben bafür 311 forgen, baß biejenigen, bereu Butunft ihnen anvertrant ift, unb bie nod) nid)t felbft beurteilen tonnen, was ihrem Körper vonftiußen ober «Schaben ift, im (Einflang mit ben (Srgebniffen ber I)ßgwinifd)en $orfd)itng erjagen Werben. 9hir unter fteter 9iücffid)tnal)me auf bie 2>orfd)riften ber funbl)eitslel)re tonnen bie Äinbcr ju förperlid) unb geiftig tüdjtigen Wlen- fdjen hei'üngebilbet werben. *) ©er Sünne ober ift abgeleitet von bem Sünnen ter altgriecfyiicfcen ®öttin her @efunbl)cit. 294 Gine nicfjt minber heilige Pflicht erwädjft fdjliehlid) bem SIrjte au« bet Grfenntnih beffen, was bie menfdjlidje ®efunbl)eit bebingt. SBetje ihm, wenn er feine Hauptaufgabe barin fudjt, Äranfljeiten ju heilen! SBaS Gltern unb 33ormünber bem flinbe firtb, baS fall ber 3lrjt bem ganzen SSolte fein. Gr foll Ärant(jeiten verhüten, inbem er auf bie ©efaljren auf- merffam macht, weldje nuferen Organismus bebrohen. GS ift bagegen eingewenbet worben, bafj ein foldjeS Unternehmen un« möglid) fei. 3eber 3)?enfd) fommt in verfdjiebenartiger Gntwicflung jur SBJelt, wäd)ft in verfdjiebenartigen SBertjältniffen auf unb hat ben um'S ®afein" in verfdjiebenartiger SEöeife ju beftehen. OarauS folgerte man, bafj es nicht möglid) fei, im allgemeinen Siegeln aufjuftellen, auf ®runb bereu jeher Ginjelne feine ©efunbljeit wahren fönne. tiefer Gin« wanb ift hinfällig, weil er von ber falfdjen SZorauSfehung auSgeI)t, bafj bem Laien bie SERebicin ein mit fieben (Siegeln verfdjloffeneS 33udj fein foll. SInftatt iljre SBiffenfdjaft mit einem geheimnisvollen ©unfel ju umgeben, füllen bie Slerjte ben Laien mit feinem Körper unb beffen natürlichen unb notlpvenbigen 93errid)tungen betannt madjen. £>at ber Saie biefen Ginblicf in ben wunberbaren 3J?edjaniSmuS beS eigenen Leibes gethan, bann werben iljm bie nothwenbigerweife allgemeinen Sßorfd)riften ber §pgieine ein Quell ber Belehrung in jeber Lebenslage fein. Qarin befteljt Ijauptfädjlid) ber holje Sßertl) populäwmebicinifdjer Schriften, Wie baS vorliegenbe L3ud) eine ift, bah jeber 2J?enfd) aus ihnen feinen Organismus unb beffen L3e« biirfniffe Ijinreidjenb tennen lernt, um auf ®runb allgemeiner hpgieinifdjer Slnweifungen ju wiffen, wie er ben eigenen Leib gefunb erhalten tann. GS foll bamit natürlich nicht bieebenfo wenig witzige als geiftreidje eines SdjriftftetlerS Wieberholt werben, ber ba fagte, bah es möglid) fein miiffe, bie Oauer unfereS Lebens bis in'S Unbegrenzte auSjubehnen, falls wir bie Gtefebe ber ©efunbljeit richtig verftänben unb ftrict anwenbeten. ,Qein irbifdjeS SBefen tann aus bem Dannfreife beS allgemeinen Stoff« wedjfelS heraustreten. So gut wie bie GintagSfliege muh and) ber lang« lebigfte Organismus bem Xobe verfallen - bavor fdjüfct iljn teine ®e« funöheitSlehre. Sollen wir aber beSljalb barauf verjid)ten, unfer Leben wenigftenS ju einem gefunben nnb möglid)ft lange währenben ju geftalten? 9J?it nidjten. Unb wie wir biefe, inben®renjen beS Grreid)baren liegenbe Aufgabe löfen tonnen, foll nid)t bloS „©eljeimnih" beS UrjteS fein, fonbern (Gemeingut beS SSolfeS werben. QiefeS $iel ju erreidjen, foll and) biefeS beitragen. 2(uS feinen brei erften Kapiteln tann ber Lefer bei einigem 91ad)benfen fid) felbft barüber Sluffdjtnp verfdjaffen, bap unb wie er feine Lebensweife ben L3ebürfniffen feines Körpers anjupaffen hat, um bie, ihm burd) feine organifdje bemeffene Spanne 3eit voll auszuleben. 295 ©aß eß Slußnaßmen giebt, b. ß. baß bie allgemeine 33eßauptung, ber W?enfcß fönne feine Cebenßbauer biß auf bie naturgemäß längfte ©auer außbeßnen, auf SBoraußfeßungen berußt, bie in Sßirflidjteit oft nidjt 311* treffen, weiß ber Sßerfaffer recßt woßl. 2ßie jeber Slrjt, ber einen großen ßat, fießt er tagtäglicß, baß ber menfcßlidje ©rganißmuß von jaßlreicßen ©efaßren bebroßt ift, bie 3U vermeiben vom menfdjlicßen SBillen nicßt abßängt. ®anj abgefeßen vonUnglücfßfällen, elementaren (Gewalten, u. a. m., benen ber W?enfcß jeben Slugenblicf ßiilfloß preißgegeben fein fann, finb bie unter benen mir ßeute ju leben gelungen finb, fo ßarte, baß man ßäufig feine ©efunbßeit auf'ß Spiel feßen muß, um nur fein ©afein fümmerlidj 311 friften. Stuf foltfje $älle nimmt aber and) bie 9Wfidjt, iubem fie ißre Regeln ben weniger bemittel* ten klaffen anpaßt unb ferner eine Slnjaßl fpecieller 23orfdjriften aufftellt, burdj bereu Befolgung man fid) menigftenß nacß Kräften vor ben §aupt* gefaßren 3U fdjüßen vermag, benen man fid), burd) ben 23eruf gejmungeu, außfeßen muß. Um fid) gefunb erßalten 31t tonnen, muß ber SJienfcß fd)ließlicß aber aud) Wirtlid) gefunb fein unb barf nicßt an einer „eingebilbeten" Äranfßeit leiben, ©er (Singelrte Weiß oft nid)t, baß bie ©efunbßeitßregeln für ißn gar nidjt gelten tonnen, Weil er, oßne eß 3U aßnen, traut ift. ©iefer ßat eine $ranfßeit ererbt unb jener ßat fie im Verlauf feineß früßeren Sebenß erworben, oßne baß fidj baß liebel bißßer füßlbar macßte. Slnbererfeitß üermutßet ber ßaie oft and) Äranfßeiten an fidj, bie in 2ßirflid)feit gar nidjt vorßanben finb, unb bereu SBorftellung 3U gefunbßeitßfd)äblid)em (Sjperimen- tiren mit allerlei Quatffatbereien, u. f. w. verleitet, $ür foldje (Sventualitäten, bie burcßauß nicßt bie Wbeutung ber ßßgieinifdjen Regeln für bie Slllgemeinßeit aufßeben, ift ber 2(rgt ba. ©erfelbe ßat, fo* halb man irgenb eine Ärantßeit befürcßtet, 311 entfdjeiben, ob unb weld)e ©efaßren bem 3'nbivibuum broßen, ob biefeß traut ift, ober nidjt. ßältniffen, bie eß verbieten, einen tücßtigen 3lr3t 3U fRatße 3113ießen, foll aber an Stelle beffen biefeß 23ucß refp. beffen vierteß Kapitel treten, unb 3War wirb ber Saie bie obigen fragen in ben meiften fällen felbft ent* fcßeiben unb bie geeigneten Maßregeln treffen fönnen, Wenner fid) mit bem 3nßalte aller Kapitel beß genau befannt mad)t. bann nocß Untlarßeit, unb gießt eß ber ßefer auß irgenb welcßer Urfadje vor, ben SSerfaffer 3U 9latße 3U 3ießen, bann foll er fid) getroft an biefen wenben. 3eb er Vefer mag verficßert fein, baß feine fragen reiflidj erwogen unb mit ben genaueften unb beften Slnweifungen beantwortet werben. 296 J)ie Jeßeiis- inti» bie 3>taf)Tunfl unb Söaffcr, ßuft, Sicht unb Söärme. -pflege bc3 SZtuteS unb pflege beä 5törver$. 2(uS ben beiben erften Kapiteln erfuhren Wir, bafj baS menfdjlidje £?eben in letzter 3nftanj Don gewiffen 23ebingungen abhängig ift, weldje V e b e n $ b e b t n g n n g e n genannt werben. Oie 23ebeutung biefer ®e* bingungen - 91 a l) r u n g unb 2ö a f f e r, 2 n f t, V i dj t unb 233 ä r in e - läßt fidj folgenbermafjen turj jufammenfaffen. Veben ift Stoffwedjfel. So lange biefer im Organismus ftattfinbet, lebt ber Menfd); l)ört ber Stoffwedjfel auf, bann tritt ber Oob ein. Oer Stoffwedjfel, b. I). baS £eben, befteljt aber in einem nnnnterbrodjenen 2lb* fterben unb 9?eubi(ben von Oljeildjen nnfereS Körpers. (5S tonnte nun fein, bap ber Stoffwedjfel ftattfänbe, oljne bap bem Körper neues Mate- rial jugefül)rt würbe, b. I). es tonnten fidj auf bem 353ege djemifdjer Um* wanblung ans ben abgenupten (Stoffen („®eivebsfd)lacten") ber verfdjieben* ften 2(rt immer wieber neue, für ben Körper verwertbare Stoffe bilben. 2(bgefel)en von feiner djemifdjen Unmöglirfjteit unb anberen bagegen fpredjenben ©rünben ift aber ein foldjer ''ßroeejj fdjon beSljalb ein Unbing, weil bas menfdjlidje £eben in auf* unb abfteigenber £inie verläuft. Oer Menfd) fommt nidjt in voller (Sntwicflung jur S3elt, fonbern erreicht erft nacl) gewiffer $eit ben 3uf &er möglichen 23ollfommenl)eit, um fpäter von biefer „£wlje beS VebenS" wieber perabjufinfen. OaS Veben jeigt anfjer bem fortwäprenben 2(bfterben unb 9lenbilben and) ein, in feinem Verlaufe berart wedjfelnbeS unb 2lbnel)men, bap in ber erften VebenSl)älfte bie unb in ber jweiten bie 9(bnat)me unfereS Äör* perS überwiegt. Sdjon barauS allein ergiebt fiel) bie 9iotl)Wenbigteit, baff bem Körper von aufjen Ijer Stoffe (9?al)rung unb Gaffer) jujufüljren, nnb anbere (verbraudjte) Stoffe aus bem Störper ju entfernen finb. 9iatürlid) müffen bie bem Körper jujufityrenbeii Stoffe foldje fein, aus weldjen fidj berfelbe iienbilben fann. Solcpe Stoffe finb bie fünfjeljn (Elemente, aus benen nufer Körper beftept (f. S. 14). Oa bem letzteren aber bie feit abgeljt, aus ben Elementen bejw. unorganifdjen Stoffen orgauifdje ju bilben, fo mnp (mit 9(uSnal)me weniger unorganifdjer 9?aljrungSftoffe) bas 'JJtaterial, aus weldjem fiep ber Körper aufbauen füll, biefem bereits affimi* lirt (in ß-orm organifdjer Sßerbinbungen) jugefüljrt werben. OiefeS organi* febe Material erljält ber Menfd) nur von ber 'ißflanje, entweber birect burd) vegetabilifdje ft'oft ober inbireet burd) ben ©ennfj von beim and) bas Ol)ier mufj feinen 23ebarf an organifdjer 9ial)rung ben ent* neljinen, baeS ebenfowenig wie ber Menfd) bie $äl)igfeit befifct, in feinem 297 Körper UnorganifdjeS in OrganifdjeS umjumanbeln. OaS geljt nur in ber ''ßflanje vor fiel) unb jmar nur unter ber (ginmirtung non gidjt unb Söärme, aus meldjem ®runbe allein fdjon biefe ju ben VebenSbebingungen geljören. ßidjt unb SBärme finb aber nodj in anberer -iöejieljung für ben Sitten- fdjen unentbeljrlidj. SUle Öebensvorgänge im Organismus unb alle Tljätigteiten besfelben nadj aufjen ljin berufen betanntlidj auf SSerbren- nungS<OjpbationS-)Sßroceffen. Tiefe befteljen barin, bafj fidj $örperbe= ftanbttjeile mit ©auerftoff verbinben, b. Ij. „verbrannt" merben (f. ©.15 unb 52). Ten nötljigen ©auerftoff entnehmen mir, inbem mir einattjmen, ber Öuft. (Taburdj ift bereu ©tellung als £ebenSbebingung nadjge- miefen.) 423ei ben organifdjen OpijbationSproceffen merben aber nidjt nur Wperbeftaubtljeile (ju „®emebSfdjlatfen") verbrannt, fonbern eS mirb and) erzeugt. TaS berfelben im Körper mürbe nidjt mipber fdjäblidj fein, als baS ber ©emebSfdjladen. SBie biefe mufj alfo bie $oplenfäure aus bem Körper entfernt iverben. TaS gefdjieljt burdj ben ©aSauStaufdj in ben tagen (unb ber §aut) bejm. burdj baS SluSatljmen. Oie an bie £uft mirb aber von ber Sßflanje, iveldje gleidj bem tljierifdjen Organismus atmofpljärifdje Suft einatpmet, aufgenommen unb in biefer von bem ßljloropljpll (f. ©. 29j mieber in Äoljlenftoff unb ©auerftoff Stuf gleiche Sßeife baS (Sljloropljpll baS von ber SBurjel ber aufgenommene SBaffer in SBafferftoff unb ©auerftoff. SluS biefen brei (Elementen bilbet bie Sßflanje bann nidjt nur jene oben ermähnten organifdjen DlaljrungSftoffe für ben tpierifdjen Körper, fonbern fie fdjeibet babei audj überfdjüffigen ©auerftoff auS/b. Ij. giebt biefen an bie $uft jurüd. Oie 'ißflanje „atljmet @auer= ftoff auS" unb erneuert baburdj fortmäljrenb ben für SJlenfdjenunbOljiere notpmenbigen ©eljalt ber atmofpljärifdjen ßuft an ©auerftoff. Unb mie bie Ummanblung beS Unorganifdjen in OrganifdjeS innerljalb bes nur unter (Sinmirfung von Sidjt unb Söärme vor fidj geljt, fo audj, unb jmar gleidjjeitig mit jener Ummanblung, bie von unb Sßaffer in Äoljlenftoff, SBafferftoff unb ©auerftoff. ?idjt unb Söärme finb audj beSljalb £ebenSbebingungen, meil von iljnen bie (Er- neuerung beS ©auerftoffgeljalts ber atmofpljärifdjen Cuft (burdj bie abljängig ift. ber SBärme als SebenSbebingung märe nodj ljinjujufügen, bajj alle VebenSVorgänge in nuferem Organismus von einem beftimmten Sßärmegrabe F.) abljängig finb. (Eine Ijöljere ober niebrigere Temperatur im Körper übt auf biefen einen nadjtljeiligen (Einfluß aus, ber bei längerer Oauer ben Tob perbeifüljrt. lieber baS Tßaffer als VebenSbebingung f. 9?aprungSmittel, Gaffer. 298 Um ein normales (g e f u n b e S) Seben ju führen, b. 1). baß ber (Stoffwedjfel orbentlid) von ftatten geljt, genügt aber nid)t allein, baß bie SebenSbebingungen erfüllt finb. V3ir müffen unferen Körper and) vor ©djäbigungen von außen bewahren, bürfen an feine Organe feine Slnforbe* rangen ftellen, weldje ber natürlichen Vefti.umung ber Organe bejw. Apparate wiberfpredjen, unb müffen fdjließlid) Ol)ätigfein mit ab* medjfeln laffen. Oer Vermittler beS @toffwed)fels ift baS-Vlut. 9?aßrung unb «Bauer* ftoff, iveldje wir burd) ßffen refp. Orinfen unb burd) Sltßmen in unferen Körper äufneßmen, müffen bort erft in bas Vlut übergeführt werben. überbringt beibe ben (Sfeweben, unb wäßrenb es an biefe unb Bauerftoff abgiebt, empfängt eS von ben ®eweben bie beim Seben unb Oßätigfein verbrauchten «Stoffe. Oiefe „®ewebsfd)lacfen" giebt baS Vlut, wäßrenb es nad) bem $erjen jurütfftrömt, befjufs SluSfdjeibung an bie (SntgiftungSorgane. 9?ad) biefem furjen 9iütfblicf auf bie Oßätigfeit beS Btoffwed)feloermittlerS, beS VluteS, fetjen Wir alfo fdjließlid), baß Veben unb (Sfefunbßeit juvörberft von ber Vefcßaffenljeit unb bem Kreislauf beS VluteS abhängig finb. Um ben Btoffwedjfel orbentlid) im ®ange 311 er* halten, haben wir bafür 311 forgen, baß baS Vlut burd) ßinreidjenbe 3uful)r von 9?aßrung (inet. SBaffer) unb ©auerftoff genügenbeS Material 31t fei* ner 91eubilbung erijält, unb ferner, baß baS Vlut in beftänbiger Ve)veguiig erhalten bleibt, bamit eS alle ®ert>ebe mit bem Organaufbau unb Oßätigfein erforberlidjen Material verfielt unb gleichzeitig von ben ®e* websfdjlatfen befreit. Slußerbem ßaben Wir, Wie gefagt, ben Körper vor Odjäbigungen von außen Ijer ju fdjüßen unb ißn mit Slnforberungen ju verfdjonen, weldje ber natürlichen Veftimmung feiner Organe juwlber* laufen unb bas 3)iaß feiner Kräfte überfteigen. Um e§ furj ju ivieber* ßolen, befteljen bemnad) bie Vebingungen, von benen bie ($e* funbheit unfereS Körpers abhängig ift, in einer geeig* neten pflege beS -53luteS unb beS Körpers. Erfüllen wir biefe „®efunbl)eitsbebingungen", fo bleibt ber Otoffwed)* fei ein normaler, unb ber Körper gefunb. §anbeln wir ben Vorfdjriften entgegen, fo wirb ber (Stoffwedjfel geftört, unb ber Körper franf. 299 pflege öcn Blutes. SßeiiBttbunfl beS 23Iutcö. SlabrunflSmittel. ©cnufimittel. 9?äljrt»ertlj unb Zubereitung ber Statjrungämittel. Sßflefle beS SStutfreiStaufö. "gleußiCbung i»e$ 'gäCutes. Slnpntng unb Saitcrftoff (8uft). ©ie teubilbung beS 53tuteö geßt Dor fit, inbem taljrung unb ©anerftoff in baS 4Stut aufgenommen, unb ©ewebsfdjlatfen aus bem 423Iute auSgeftieben werben. VeptereS ift Don beut beS •55(ut= freislaufs unb ber (SntgiftungSorgane abhängig, unb werben wir barum beffer biefen „regrefffoen" SLtjeil ber b. ß. bie Steinigung beS Blutes, bei ber „pflege ber (SntgiftungSorgane" befpredjen. - Unfere Slaßrung muß natürlich biejenigen (fünfen) ©runbftoffe enthalten, aus Welten unfer Körper pfammengefefct ift. deinen einji* gen biefer ©runbftoffe fönnen wir aber für fit allein in ben Körper eim fütjren, weil jeber berfeiben in biefem (reinen) $uftanbe untauglit ift, in baS -©lut aufgenommen werben, refp. DonbenSSerbauungSorganen für biefe Aufnahme nidjt tauglidj gemacht werben Tann. 2ßir finb baper bei ber ßrnäprung auf foldje (Stoffe angewiefen, weldje einen ober meprere biefer ©runbftoffe in einer für bie Verbauung refp. bie Aufnapme in baS •SÖIut geeigneten cßemifdjen SSerbinbung enthalten. ©ölte Stoffe finb bie „St a p r un g S ft o f f e"; es giebt bereu unorganifdje unb organifdje. Oie unorganifd)en StaprungSftof fe finb SBaffer unb Stine= ralfalje; fie werben nitt nur einzeln in ben Körper eingefüprt, fonbern finb and) faft immer (Saffer ftetS) in ben organifdjen StaprungSftoffen ent' palten unb werben mit biefen jugleicß genoffen. Oie organifdjen SiaprungSftoffe verfallen, analog ben brei großen (Gruppen ber orga= nifcpen SSerbinbungen, in brei Abtpeilungen: (fticfftoffpaltige) (Siweiß- ftoffe nnb (ftidftofflofe) unb gette (f. S. 22). Autß bw 92at)rungSftoffe (mit Ausnahme beS Gaffers) werben nur feiten rein bem Körper gugefüßrt; jumeift vermifcßen wir fie unter einam ber (4örob), ober wir genießen bem Xßier* ober entnommene SO?ifd)ungen Don 9?aljrungSftoffen (gleifd), ©ernüfe, u. f. w.), unb foldje Stiftungen Don *taprungSftoffen nennen wir „t aßr ungSmittel". T)er Aöertß eines taprungSmittelS für nuferen Körper ßängt in erfter Sinie baDon ab, in weiter Stenge unb Stiftung bie ©runbftoffe, weite ben menftliten Organismus jufammenfepen, in ißm enthalten finb; ein SiaßrungSmittel ift um fo „naßrpafter", je meljr Don jenen (Elementen, bem 300 ©ewidjt wie ber Slnjal)! nach, burd) ®enufj beS Nahrungsmittels in ben Körper eingeführt werben. Zweitens ift 31t berüctfidjtigen, ob ein Nahrungsmittel leidjt ober fdjwer in'S Blut gebracht (verbaut) werben tann. $e leidster baS ber $all, b. I). je weniger feitenS beS BerbauungSapparateS erforberlidj ift, um ein Nahrungsmittel bem Blute ähnlid) 31t madjen, befto „verbaulidjer", alfo wertvoller ift ein Nahrungs- mittel. ©ewiffe trantljafte (Erscheinungen (Sforbut) ben Beweis er® bracbt, bafj eS bem SNenfdjen fdjabet, wenn feine Äoft nidjt eine gewiffe Slbwedjfelung bietet. Slber and) fd)on auf fürjere £eit (elje fiel) nod) fdjäb® liehe folgen für ben Körper bemertbar machen) auf ein unb biefelbe Stoft angewiefen ju fein, ftört bie (Ernährung. (Stet unb ©iberwille gegen 31t häufig ober ju lange £eit genoffene Nahrungsmittel gehören 311 jenen automatifd) warnenben Signalen, bie, auf Neflejwirtnngen beruhenb, fdjon bei ber Befpredjung beS BerftanbeSapparateS erwähnt würben. Die Äoft muf? eine wedjfelnbe fein, weil baburch ein für bie Berbauung hödjft wichtiger Neij auf bie BerbaunngSnerüen auSgeübt wirb, Durch biefen Neij werben nicht nur bie Bewegungen beS SNagenS unb beS DarmcaualS geförbert, fonbern es wirb auch bie Slbfonberung ber BerbauungSfäfte vermehrt. SlnS allen biefen ©rünben vermifdjen wir NahrungSftoffe unb Nahrungsmittel gewöhnlid) 311 „Speifen", unb ju biefen pflegen wir nod) Subftanjen Welche ben ©efdjmacfSfinn in ftärferer SBeife 31t erregen unb fo birect jenen Neij auf bie BerbauungSnerven aus® juüben vermögen; foldje Subftanjen nennen wir „®ewürje". Sluper biefen wenben wir aber nod) gewiffe reijenbe ©etränfe (Dl)ee, Kaffee, u. f. w.) unb Spirituofen (©ein, Branntwein, Bier) unb ben Dabat an, nm nidjt nur bie BerbauungSnerven, fonbern bie Nerven überhaupt unb bie unb baburch ben BlutfreiSlauf anjuregen. Sille biefe nidjt jur eigentlidjen Nahrung gehörigen Neijmittel bejeidjnen wir mit bem Namen „®enußmittel", unb 3war finb, im ©egenfah ju ben ®e- Würden, bie erwähnten erregenbett ©etränfe unb ber Dabat bie „eigene liehen ©enupinittel". gür bie (Erhaltung unb Äraftleiftung beS Körpers haben fowopl bie eigentlichen ©enufhnittel als and) bie ©ewürje geringen ©ertl) (Nährwert!)), aber ift ihre Bebeutung für bie (Ernährung feine geringe, ba fie - bei mäßigem - einen vortl)eilhaften 9teij auf baS Nervenfpftem auSüben. ©ir wiffen alfo im allgemeinen, wie bie Nahrung, aus weldjer unfer Blut fid) fortwäljrenb erneuert, befdjaffen fein muff. Sie.foll nähr® haft fein, b. h- jene (Elemente, aus weldjen ber Körper beS Nienfdjen be® ftept, fämmtlid) unb jwar im ridjtigen 9Nengeverl)ältnip enthalten; fiefotl 301 leidjt verbaulid) fein, unb ferner folt burdj iljre Zubereitung unter Zu* Ijiilfenaßme von ©enufjmittetn ein beftimmter fReij auf ben ®efdpnacf£finn unb bie Serbauungönerven auögeübt werben. ©en Sauer ft off, weldjen wir aujjer ber 9?al)rnng in nuferen Körper einfüljren mitffen, baniit bie Vebenßvorgänge im Organismus ftattfinben tonnen (f. S. 52), entnehmen wir bnrd) bie Sltljmnng ber atmo* fpßärifdjen Suft, inbem wir an biefelbe gleidjjeitig Stoßlenfäure nnb Söafferbampf abgeben. ©ie gafige beö Blutes erßcifdjt alfo ba$ SBorljanbenfein guter, reiner Vuft unb normales fyunctiouiren ber Gut* giftungSorgane, Weldje bie beiben genannten gafigen OypbationSproceffe auSfdjeiben. ©ie Vuft, toeldje wir einatlpnen, folt, wie gefagt, eine gute unb reine fein, b. I). Sauerftoff, Söafferftoff unb Sticfftoff in ridjtigem niß unb genügenbem Hftafje enthalten. Gine gute £uft enthält 79 Sßolu- mina Sticfftoff unb 21 Volumina Sauerftoff. ©iefer GJeßalt an Sticf* ftoff ift jur 23erbünnung beS SauerftoffS nötljig, ber, in weniger verbünn* fern ober reinem in ben Körper eingefüßrt, biefem fdjäblidj fein würbe, ©ie geudjtigfeit ber Ihift, weldje fidj barnad) ridjtet, wie viel SBaffergaS unb Üßafferbunft in ber Vuft enthalten finb, ift beSljalb von größter $ebeutung, weil fid) bie SluSfdjeibung von SBafferbampf aus bem Körper je nad) bem Sßaffergeljalt ber £uft ridjtet. 3:e uießr SBaffer in ber Vuft vorljanben ift, befto weniger nimmt fie Sßaffer auf, befto geringer ift bie Sßerbunftung beS TöafferS aus nuferem Körper. ©er Sßaffergeljalt bebingt and) nodj Sdjwere unb ©idjtigfeit ber guft unb baburdj ben atmo* fppärifdjen ©ruct, ber baö Slttjinen, ben ©äfteumlauf, ba§ §ören nnb bie ®elentverbinbung unb bie fidjere £age innerer Organe vermittelt. ?lnbererfeit§ Ijäiigt bie $eud)tigteit ber ßuft von bereu (Strömung unb namentlid) von bereu Temperatur ab; eine wärmere Vuft nimmt me()r SBaffer in fid) auf alö eine falte, ©ie Temperatur bebingt alfo ebenfalls bie Sdjwere unb ©idjtigfeit unb baburd) ben Vuftbrmf unb ben Sauer- ftoffgepalt ber Vuft. 9?ein ift bie Vuft, wenn fie außer jenen brei Glementen feine anberen Stoffe, wie VeudjtgaS, Staub, 9tand), Gloafengafe, u. a. m., enthält, ©a aber bie Vuft in ber Tiälje nuferer Sßopnungen meift uidjt rein ift, fo folt man fiel) möglidjft viel im freien (auf bergen, im Sßalbe, am Straube) aufljalten. ?hn allenveiiig* ften barf ber Ougenb gute uub reine ?uft voreutpalten bleiben. SIMe groß ber Giufluß ber Vuft auf unfere ©efunbljeit ift, feljen wir an ben Vanbbe- woßnern unb an ben Grfolgen tlimatifdfer Kurorte. ©aS Ginatßmen guter unb reiner Vuft ift nidjt nur gefunbßeitsförbernb, foubern wirft and) oft in erftaunlidjer Steife Ijeileub. Weiteres über bie Vuft f. äßoljnung, ort unb $lima. 302 'glalmutgsiniftef. ®ie Nahrungsmittel beS tNenfdjen finb entweber animalifdje, b. I). bem entnommene, ober fie ftammen aus bem b. I). finb vegetabilifdje. £)ie f>auptfäd)lid)ften beiber Wirten finb: 9N i l d). DNan [teilt bie NHld) nidjt mit Unredjt über alle NaljrungS* mittel; itjr gebührt ber erfte ißlah fdjon beStjalb, weil fie bem VNenfcpen nach feinem Eintritt in baS Ceben auf eine ganje £eit als einzige Nahrung jugewiefen ift. SBätjrenb aber bie SNild) für ben (Säugling bie allein paffenbe Nahrung bilbet, mürbe für einen (Srmadjfenen bie auSfdjließlidje Ernährung mit 9Nild) eine überreiche fein. ©eSljalb foll nur in fällen, wo (Srmadjfene an Wutarmutl), fdjledjter Wfdjaffenheit beS WuteS ober ßungenaffectionen leiben, bie SNild) vorwiegenb ober anSfdjließlidj als Nahrung bienen. SKußer Sßaffer, WeldjeS ben .'panptbeftaubtheil ber SNild) auSmadjt, be* fteljt biefelbe nod) aus NHldjjucfer, (Süneifs, @afein (Ääfeftoff) unb ©aljen, unb biefe SNifdjung erhält ihre weij;e ftarbe von jal)lreid)en barin befinblidjen fetthaltigen Körper* djen f. $ig. 145). £)aS mehr ober weniger 23or* hanbenfein vonßafei'n unb Witter in ber SNild) beftimmt beren Napr* haftigleit unb zugleich ben ®rab ihrer SBerbaulidjfeit: SNilch mit viel •butter unb ift feljr nähr* haft, aber fdjwer Verbaulid), wo* gegen bei SNild) mit geringem Witter* unb baS umgekehrte SSerljältniß ftattl)at. £)ie SSerbaulicfjteit ber SNild) hängt jebod) noch von einem anberen Factor ab. £)ie SNild) gerinnt nämlich, fo* balb fie in ben SNagen gelangt, in (Sinwirfung beS fauren SNagen* fafteS. nadjbem nun babei baS ßafein ju einer fefteren ober mehr loderen SNaffe gerinnt, unb je fefter ober flüffiger bas ber butter wirb, bemißt fid) bie 5ßerbaulid)teit ber Niild), unb jmar ift bie SNild), beren (Safein loderer gerinnt, unb beren [}ett flüffiger bleibt, bie leichter Verbau* lid)e. ®er SSorjug gebührt in biefer Wjiehung ber (überhaupt weniger $äfeftoff entljaltenben) $rauen=(9Nutter*)milch (f. $ig. 146), ber bie (Sfelin* nenmilch am nädjften kommt. Sius bem ©efagten folgt ferner, baß and) ber 3ufia4ib beS üNagenfafteS für bie Verbauung ber SNitd) von großer Fig. 145. ßufjmtlcf) unter bem SDlifroftoV. 303 2ßid)tigfeit ift, benn ein wöfferiger (ungefunber) QJlagenfaft vermag bie ge< ronnenen Stütfe nidjt gehörig ju burd)bringen. Ont allgemeinen läßt fidj alfo fagen, baß bie W?ild) ein natjrljafteß, biet 48Int bilbenbeß 9tal)rungß« mittet ift, baß aber (befonberß bie nid)t leidjt jn verbauen unb für einen fdjwadjen SRagen barum nid)t ju empfehlen ift. Ommer ift eß angejeigt, bie 9D?ild) nur fdjludweife unb mit 3Brot ju genießen, öefctereß verljinbert bie Gilbung (baß (gerinnen) von großen Duarf«(©a=s fein«)ftücfen im DJiagen. Tie sJlal)rl)aftigfeit ber 9D?ild) Wirb Ijäufig burd) 53erfälfd)en be« beutenb verminbert. Tie 53er« fälfdjung gefdjieljt jumeift burd) Oufalj von 5Öaffer, unb um Tief« flüffigfeit folrfjer DJHld) wieber fjersuftellen, fefct man iljr bann nod) Störte, 2ftel)l, u. f. w. ju. Oft baß 5ßaffer, mit weldfem bie SDcilcf) gemifdjt wirb, fd)led)t, fo wirb bie SDlild) gerabeju fdjäblidj. 233i(t man fid) felbft von bem SBertf) ber SDiildj vergewiffern, fo adjte man barauf, ob ein Tropfen SJtild), auf einen Fingernagel ge« brad)t, feine Tropfenform bel)ölt, b. I). nidjt auß einanber läuft, ferner, ob bie DJtild) gelblid)« (nidjt blau«)wei§ ift, fid) ben Fingern fettig anfüljlt, milb unb füfj fdjmecft unb babei angenehm riedjt unb beim 53er« bampfen eine £>ant auf iljrer Dberflädje bilbet. ©ine gute SDlildj barf ferner Weber rotljeß ßafmußpapier bläuen, nod) blaueß in gleidjer Sßeife rötljen. ©ß ift ftetß ratljfam, bie SJlild) abjufodjen, um bamit and) foldfen (gefahren Weldje ber (gefunbpeit in Folge Von Äranfljeitß« leimen in ber SJtildj unb von Unreinlidjfeit ber JiDHldjgefäjje, u. a. m. broljen. Tie 9D?ild) ift ber gefäljrlidjfte unter nuferen gcaljrungßmitteln. So wirb befonberß bie 3ßerlfudjt (Tuberculofe) burd) bie £0?ild) auf ben 99?enfd)en übertragen, unb Tl)pl)uß unb Sdjarlad) finb häufig auf ben (genuf? von 9)?ild) jurüdjufüljreu, weldje von Äüljen ftammt, bie mit ben betr. Äranfljeitßfeimen inficirteß SBaffer geturnten fjaben (f. Sßoljnung). Sind) finb biefe üranfljeiten fdjon burd) SJlild), welche in einen Tijpljuß« ober Sd)arlad)trantensimmer geftanben l)at, verfdileppt worben. ®anj befonberß ift auf bie 53efd)affenl)eit ber DJtild) $u adjten, Weldje Äinbern bie SJtutter« refp. Slmmenmild) erfetjen foll. ?llle bie oben genann« ten (gefahren bebrotyen bie kleinen am meiften, ba bie 5Öiberftaubßfäpig« Fig. 146. aRuttcrmitcf) unter betn 'JJtitroftop. 304 feit beS Neugeborenen bie geringfte ift. Tropbemmuft ben Äinbern unter gewiffen Umftänben bie fofort entzogen werben (f. pflege beS ÄörperS im Säuglingsalter). ©enoffen wirb non ben 9Nenfdjen bie 9Nild) ber Verfd)iebenften, ®raS freffeuben Xpiere, wie eS gerabe ©ebraucp unb Serpältniffe mit fiep bringen; für uns fonnnt vor allem $upmildj, aber aud) Biegen* unb Sd)af* mild) in Setradjt. Trinft man rope fo fept man fid) nod) größerer ©efapr aus, als mit bem ®enuß von Äupmild) verbunben ift. Qa nämlidj baS futter ber Tpiere auf bie Qualität ber SNildj von beftim* menbem (Sinfluß ift, unb ba ferner bie Biegen giftige (Sdjierling, .'perbftjeitlofe) freffen tonnen, opne ju erfranfen, fo finbet man mampmal in ber SNildj völlig gefunber Biegen vegetabilifcpe ®ifte. -Q3ei ber Äup* mild) ift baS nidjt ber $all, ba jene fßflanjenftoffe, wie auf ben ■'Nenfdjen, and) auf bie $üpe giftig wirten. Sei längerem Stepen bilbet fid) auf ber SNild) Napm, unb jwar wirb bie Napmfdjicpt um fo biefer fein, je meljr Sutter bie SNild) entpält. 4ßei warmer Temperatur üerwanbelt fid) gleidjjeitig mit ber Napmbilbung ber 2)ii(d)juder unter bem (Sinflufj eines, „SNildjfäurepefe" genannten Ferments in Niildjfäure. Tarauf berupt baS Sauenverben unb ©erinnen ber SNilcp, wobei fid) bie SNolfen von bem Quart ober Ääfe (bem gerönne* neu ßäfeftoff unb (Siweifs) fdjeiben. Serpinbert wirb baS Sauerwerben ber SNild), opne bereu Sefipaffenpeit ober ©efdjmacf ju fcpäbigen, burep Bufajj von etwas boppeltfoplenfaurem Natron ober Sor* ober Salicpl* fäure. @ o n b e n f i r t e 9N i l d) wirb burd) BWP öon heißem Dtoprjuder unb Slbbampfen im luftleeren Naum aus ber ropen SNild) gewonnen. Tie conbenfirte SNild) pat, wo gute $upmild) nidjt betommen ift, letztere ju erfefceu; einer fdjledjten föuljmilcf) iftfie fid)er(id) vorjujiepen. butter. X)ie butter ift, wie gefagt, baS gett ber fNild), WeldjeS in biefer in $orm von Äügeldjen enthalten ift. Sie wirb als baS unter bem Namen butter befannte Nahrungsmittel aus ber SNild) gewonnen, inbem man nad) längerem Steifen ber SNild) an einem temperirten Qrte ben Nalpn abfdjöpft unb biefen, b. p. baS an bie Qber* flädje ber DNild) (feiner £eid)tigfeit wegen) getretene 9Nild)fett fdpüttelt ober rüprt, bis bie finb, unb ipr ftettgepatt fid) ju klumpen jufammenballt. ®ute butter entpält gegen 90 fßroc. ftett, unb baneben etwas b. p. bie beim Suttern übrig gebliebene ftlüffigteit, unb Niolte. Ääfe. Ääfe wirb burd) (Gerinnung ber SNild) gewonnen. (5r ent- hält pauptfäd)lid) (Siweiß, baneben Sutter unb anbere 9Nild)* ftoffe. Qbwopl ber }u ben concentrirteften NaprungSmitteln gepört, 305 ift er wegen feiner großen <Sdjwerberbaulid)feit nur in Heinen Mengen zu genießen. ßtwaS (befonberS alten) Ääfe nadj einer reid)lid)en fDMßljeit ZU effen, unterftüpt aber bie Verbauung. gl ei f d). ©aS gleifch (bie NiuSfelgewebe) berfdjiebener Xßiere bilbet baS ßauptfädjlidjfte Nahrungsmittel ber DNenfdjen. Ninb, $alb, (Schwein, and) woljl baS mannigfaches VSilbpret, Vögel, gifdje, weiterhin Ärebfe, Lüftern, Sdjneden, u. f. W., Wozu noch berfdjiebene Bnfec' ten tommen, wie fie in einer ®egenb gerabe heimifd) unb als NaßrungS* mittet gebräuchlich finb, liefern biefe animalifdje Nahrung, bie ben N?em fdjen fräftigt, in Dielen gälten feine ©efunbßeit bebingt unb iljn befähigt, fid) ben fcßwerften Arbeiten unb Slnftrengungen zu unterziehen, oßne Sd)aben an feinem tfeibe babonjutragen. ©ie gleifdjnaßrung foll burdjauS nid)t bie auSfcßließlicße fein; aber fie ift and) nid)t ganz 3U verwerfen, wie baS bie Vegetarianer tßun, benn ißr günftiger Einfluß auf biepßljfifcße unb geiftige ßntwidlung beS Nienfcßen ift burd) fein anbereS Nahrungsmittel ju erfepen. SßaS ben Nährwerth beS gleifdjeS im allgemeinen anbetrifft, fo fteßt berfelbe bem ber Niilcß wenig nadj. (5r hängt bon ben beiben wefenttidjen Veftanbtßeilen beS gleifdjeS, ben gleifdjfafern (9NuSfeifafern) unb bem gleifdjfafte, ab unb fcßwanft je nach ber Nlenge ber in biefen enthaltenen NaßrungSftoffe (befonberS Eiweiß unb gette). ©ie Verbaulicßfeit beS gleifdjeS ift bagegen ßauptfädjlicß burd) feinen gettgeßalt unb burd) bie ■Vefcßaffenßeit ber gleifdjfafern bebingt. Barte, weidje, wafferreidje gleifch* fafern, wie fie bie jungen SThierc aufweifen, finb leidjt oerbaulid), wäßrenb bie fefteren, wafferarmen, zieren (falfreidjeren) gafern alter ©ßiere fdjwerer zu üerbauen finb. ©ie gehörige Nlürbßeit wirb bem gleifd)e aber erft burd) bie Bubereitung berliehen, mag biefelbe im ober Waten, §aden ober Klopfen, u. f. w. beftel)en. gefter werben bagegen bie gleifd)- fafern burd) Näudjern unb (Sinpöteln, weshalb natürlich fo zubereitetes gleifd) größere Slnforberungen an bie Verbauung ftellt. Bur (Ernährung oon Traufen eignet fid) oorzugSWeife gebratenes gleifd), weil beimVraten bie Nährbeftanbtljeile beS gleifdjeS in biefem oerbleiben. ®efod)teS gleifd) ift abgefeßen babon, baß ißm NahrungSftoffe entzogen finb, nodj aus bem ©runbe für traute weniger zuträglich, weil eS burd) baS Äod)en fefter, alfo fd)Werer berbaulid) geworben ift. ©er g l e i f d) f a f t, wie wir ihn als g l e i f d) b r ü h e burd) beS gleifdjeS gewinnen, enthält in VJaffer gelöft: Veim, organifdje Vafen (Kreatin, Creatinin, u. f. W.), ©alze (befonberS $ali) unb etwas Buder unb gelt. (Siweißftoffe finben fid) nur in geringer SNenge in ber gleifd)brül)e, weit biefelben beim &od)en beS gleifdjeS gerinnen unb in letzterem zurüdbleiben. ©ie g(eifd)brül)e ift beSljalb fein wertljbolleS 306 9ZahrungSmittel, Wohl aber ein anregenbeS ©enußmittel, befonberS in gälten, in benen eS gilt, 9)?attigfeit nach Ärantljeiten zu heben, bie DZerüen ZU beleben unb bie •'Diagenüerbauung allmälig zu fräftigen. ES ift barum and) vor beni ©enuß von gleifchbrülje in größeren WZengen ju warnen, benn bie in bem gleifdjfaft enthaltenen Sllfaloibe wirten bann ermübenb ober auch gar vernidjtenb auf bie ein. $e Heiner baS zu fodjenbe gleiföh gefdjnitten, unb je langfamer es gefodjt wirb, befto größer ift ber Eiweißgeljalt ber gleifdjbrnhe. ©ie beS gleifdjeS er= möglidjt ein beffereS Einbringen beS SßafferS in baS gleifdjinnere, unb bei langfamerem $odjen gerinnt baS Eiweiß im gleifd) nid)t fofort, b. h- wirb in größerer Tlenge auSgefodjt, als wenn baS gleifch gleich in fodjenbeS SSaffer gelegt wirb. 9?eid)lid)er ®enuß von gleifdjfett erfdjwert bie Verbauung ungemein, mit magerem gleifd) unb mäßig genoffen, erhöht bas gett aber bie 9?ahrhaftigfeit beS gleifdjeS. $u beachten ift babei noch, baß bas gett um fo leichter verbaut wirb, je weicher unb fluffiger es ift. ©ie verfdjiebenengleifchf orten weifen, wie gefügt, nach ber 33efdjaffem Ijeit ihrer gafern unb nach ber meljr ober minber großen SDZenge ihrer 9lährbeftanbtheile einen Unterfdjieb iljreS 9ZährWertI)S auf. ©ie erfte Stelle nimmt baS DZinbfleifdj ein, baS alle Eigenfdjaften hat, welche ju einer guten Ernährung erforberlid) finb. ©en zweitgrößten 9läl)rwerth hat baS ©djaffleifd), baS fdjon fdjWerer zu verbauen ift, als 9Zinbfleifd). enthält faft biefelben nährenbett 23eftanbtl)eile wie Rammet« fleifd); nur fein gettgehalt ift ein geringerer. ©aS baS übrigens troh Verbots oft zu jung auf ben £D2artt gebracht wirb unb in biefem 3uftanbe fdjäblid) wirft, ift aber aus einem anberen ®runbe von weit geringerem 91äljrwerth als bie beiben erftgenannten gleifdjarten. ©aSfelbe fteljt nämlidj in bem ünbegrünbeten Dtufe, feljr leidjt ver= baulid) ju fein; es gehört vielmehr, wie Wir fpäter noch werben, ju ben fdjwer verbaulidjen gleifdjforten. ©aS ©leiclje gilt vom Sdjweine* fleifdj, baS feines zu reidjlidjen gettgehalteS wegen von Oranten, Ijaupt* fädjlid) aber von bie an ©tySpepfie leiben, vermieben werben füllte; fonft ift baSfelbe nahrhaft, erforbert aber ftets ein gutes ©urch- tochen, weil baS SBorljanbenfein von ©ridjinen im ©djweinefleifd) nie ganz unwahrfdjeinlid) ift. Seid)t verbaulid), weil verl)ältnißmäßig fettarm, unb babei nahrhaft ift baS Söilbpret. ©aS gleifcßbeS ©eflügelS, befonberS von Hühnern unb ©auben, ift reich an Eiweißftoffen unb, wenn nidjt zu alt, fel)r zart unb leidjt Verbaulid), ©ie Suppen von folgern gleifdj finb für Trante befonberS zwecfmäßig unb nahrhaft. Sdjwerer verbaulid) ift baS gleifd) von Enten unb ®änfen, unb nidjt feiten treten nad) zu reidjlidjem ®enuß von berartigem gleifdj iDZagenftörungen ein. 307 SJöenig (Simeiß, aber reicfytidj SBaffer enthält baS $leifd) ber $ if d) e, baS je nad) feinem größeren ober geringeren Fettgehalt eine ferner ober leidjt verbaulid)e Nahrung bilbet. ©ie 33efd)affenl)eit beS SßafferS trägt nidjt nur mefentlicf) ju bem ®efd)ma(f ber Fifcfje bei, fonbern es tonnen fogar aus bem ®enuß von F'ifrheit, bie in einem mit verberblidjen Stoffen burdjfefcten Sßaffer gefangen mürben, Nad)tl)eile für bie ©efunbljeit er« madjfen. (Sin guter unb gut jubereiteter Fifch ift aber ftets eine gefunbe unb fdpnaefhafte Speife, weshalb ber®enuß von Fifdjen neben Fleifd) unb 33rob mit Ned)t jur bevorzugten Nahrung aller Tlaffeu gehört. Nid)t fo feljr mie ber frifdje Fifd) empfiehlt fid) ber Fifd) in getroefnetem ober ein« gefallenem $uftanbe. Schwer verbaulief) ift baS Fleifd) ber Hummern, Trebfe unb anberer eßbaren Truftentl)iere, ebenfo baS Fleifd) ber (SlamS. ©agegen ift bie Aufter als eine nahrhafte unb leidjt verbaulidje Nahrung ju empfehlen. ©ie verfdjiebenartige Zubereitung berAuftern übtjebod) einen nid)t unbebeutenben (Sinfluß auf bereu 23erbaulid)teit aus (f. ©abelle unter Nährwerth ber Nahrungsmittel). ©er Nährwerth ber SBurft, meldjer fid) nad) bem beS betreffenben, jur SBurftbereitung vermenbeten FleifdjeS richtet, wirb oft burd) 23erfälfd)un« gen verringert ober ganz auf gehoben; fo erhält SBurft burd) Zufetjen von Anilinfarben eine fdjöne Färbung, nimmt aber baburd) aud) ®ift in fid) auf, baS ber ©efunbljeit fdjäblid) ift. ©aSfelbe ift ber galt, wenn verborbeneS Fleifd) jur Bereitung von durften, bereu fd)led)ten ©efdjmacf man I)äufig burd) Zufah von $noblaud) unb ftarfen ©emiirjen ju befeitigen fudjt, $er« menbnng finbet. Naßrljafte, b. h- (Simeiß« unb $ettbeftanbtljeile finben fid) and) in §erj, Veber, Nieren, ®el)irn, (Suter unb ©ebärmen. AIS ein gutes Nah« rungSmittel eignet fid) fdjließlid) and) baS 4ölut megen feines ®el)alteS an (Simeißftoffen. - ©er aus Änod)en, Knorpel unb ©epnen auSgetodjte Seim ergiebt beim (Srfalten eine gallertartige INaffe, bereu Zufa£ ju an« bereu Speifen ben Näl)rmertl) ber lederen erhöht. ©er ®enuß von rohem unb nid)t burd)getodjtem $leifd) (ober Söurft) muß vermiebeu merben, meil foldjeS ©rid)inen ober fd)äblid)e Stoffe, bie leid)t Trautheiten verurfad)en, enthalten tonnte. Allen biefen Sd)äblid)teiten mad)t ein gutes ©urd)tod)en beS $leifd)eS ein (Snbe unb verhütet fo Vielfad) große (gefahren, feines Sdjaben beS roljen gleifcßeS mad)t biefeS leidjter Verbaulid). Trautheiten veranlaßt ber ®enuß eines jeben gleifcpeS, baS von trauten ©lperen herrilhrt a*561' tu ver« borbenem (fauligem, übelriedjenbem) genoffen mirb. S3efonberS fei hmv nodpnals 23orfid)t I)infid)tlid) beS Sdpveiue« Fig. 147. ft(cifcl) mit (einflctap= feiten) OTiiäfeltridjt' neu in nntürlidjer ®rö6e. 308 fleifdjeS ungeraden, baS ©ridjinen ober ginnen (f. gig. 147-150) ent' halten tann. Nur burdj mifroffopU fdie Unterfudjung ift mit Sidjerljeit feftjuftellen, ob baS gleifdj gefunb ift ober nidjt. -Oft ber galt, fo barf baS gleifdj unter fei- nen Umftänben genoffen Werben, ober man feine ©efunbljeit (gefahren aus, bie nur ju fjäufig ben ©ob jur golge tjaben. SßenigftenS füllte baS ©djweinefleifdj nie rolj gegeffen, fonbern ftets gut getodjt werben, ba burdj baS Äodjen bie ©ridjinen unb ginnen getöbtet, alfo unfdjäb* lidj gemadjt werben. Sludj imNinb- fleifdj, wenngleidj feltener, finben fidj ginnen, bie wie bie ginnen beS SdjweinefleifdjeS, wenn fie burdj ben (genufj roljen ober nidjt gar gefodjten gleifdjeS in nuferen $ör* per gelangen, ljier ben 23anbwurm erzeugen. (g i. Unter ben Nahrungsmitteln, weldje bem Nlenfdjen ju (geböte fteljen, fpielen bie (gier ber 23ögel, befonberS (guten unb (gänfe, eine widjtige Nolle. Sie enthalten, als bie Meinte tljierifdjer Organismen, alle bie Stoffe, aus welchen 23lut unb (gewebe unfereS Körpers jufam- mengefefct finb, unb jwar finb bie 23eftanbtheile beS (giweijj: SEöaffer, 211* buminate, Salje, gette unb Kopien!)ijbrate (©raubenjucfer), unb bie beS (gigelbS: Söaffer, 2llbuminate, gette, Vitellin, Salje, unb ein gelber unb ein rotljer garbftoff. (£üe Sdjale beS (gis befteljt jumeift aus toljlenfaurem Ä'alt). ©ie (gier finb alfo fetjr naljrfjaft; jugleidj finb fie aber and), wobnrdj fid) iljr Sßertlj als Nahrungsmittel nodj Ijöljer ftellt, bei ridjtiger Zubereitung leidjt üerbaulidj. ©er ljolje Nätjrwertlj ber (gier wirb freilid) oielfadj übertrieben, j. 23. wenn man ben eines (SieS bem von einem gleifdj gleidjftellt, wie baS ber galt ju fein pflegt, ©fjatfadje ift nur, bafj ein (gi ungefäljr foviel Nährwerth hat ll1'e H Unjen gleifdj. (gine erwadjfeue würbe, um genügenb (giweifjftoff ju erhalten, täglidj 20 (gier genießen müffen. ©er Ijauptfädjlidje 23eftanbtljeil ber (gier als Nahrungsmittel ift baS (giweifj, bie 23erbaulid)teit ber (gier bemifjt fidj aber nadj ihrer jeweiligen Sluflöfung burdj ben NZagenfaft, bie um fo leidjter vor fidj geljt, je Heiner bie Stücfe in ben SNagen gelangen. ?luS biefem ®runbe ift ein weidjge* Fig. 149. ©ine tyiitne (SBlafen» wurm). 8KitSleltrid)incn in ßa'b tapfcln. (40 2)Zal Ber= flrö&ert.) Fig. 150. ?5innifle§ gieifdj. 309 fodjteS (Si einer fdjnelleren Verbauung unterworfen, al§ ein hartgefochteS; letztere liegen, wenn fie nidjt gehörig jerfaut finb, wie„Steine im Etagen* unb vermögen mancherlei VerbauungSftörungen Ijervorjurnfen. [für Trante eignen fiel) baljer am beften weidjgefodjte ober gefdjlagene (gequirlte) (Sier, weil biefelben {einerlei 23efdjwerben im (befolge haben. Tie (Sier follenftetsfrifch fern unb nicht ju lange aufbewahrt werben, ba fie leidjt in $äulniß übergehen. DJtan hnt $war burd) 23eftreidjen mit $alfwaffer ober Salicplfäure baS Slufbewaljren ber (Sier ju ermöglichen ge- fudjt, inbeffen haftet foldjen (Siern immer ein eigentljümlidjer ©efdjmacf am grifdje (Sier tonnen von fdjledjten (alten) (Siern auf mannigfache SBeife unterfdjieben werben, inbem man 3. Sß. baS (Si gegen baS Sidjt hält unb nadjfieljt, ob baS SBeifse beS (SiS noch h erfctjeint; ober man prüft mit ber Bunge bie Temperatur beS (SiS, baS an feiner Spitze {älter fein muß als am breiten (Snbe; u. a. m. Slußer ben Vogeleiern werben auch (Sier von Sdjilbfröten unb $ifdjen genoffen. Tie ber festeren (biogen) finb and) im gefallenen BUi ftanbe ((Saviar) eine beliebte Nahrung. (betreibe. Tie §auptbeftanbtl)eile ber ©etrcibearten ((Serealien), wie beS {Roggens, SßeijenS, ber ®erfte, von SRaiS unb {Reis, u. f. w. finb (Stärfemeljl, (Siweißtörper, Salje unb gette. Slber nidjt nur ihren 23e> ftanbtljeilen allein Verbauten bie ©etreibearten ihre fRaljrljaftigfeit; festere wirb and) burd) baS günftige äRengeverljältttiß biefer23eftanbtljeile bebingt. Von ben (Siweißftoffen Verbient ber Kleber befonberer (Srwähnung, ba er ber werthvollfte {RaljrungSftoff im (betreibe ift. T3iel Kleber enthält alles mit ber gebacfene 23rob, 3. 23. ber {ßumpernicfel, inbeffen beeilt- trädjtigt ein Uebermaß von Kleber bie Tarmthätigfeit (Verbauung). äRaljlen ber ©etreibetörner ergiebt baS föteljl, Welches nidjt feiten mit CtypS ober treibe verfälfd)t ober burd) geud)tigfeit verborben ift; in lepte- rem fyalle finbet man im 9JM)l häufig Silben ober Sßürmer. 9llS leidjt verbaulidjeS 23 r 0 b fteljt baS 2ßeipbrob an ber <Spi($e, cs folgt bann baS Dtoggenbrob unb fdjliefjlidj baS ©djwarjbrob. B'rifd) ge= bacfeneS 23rob, befonberS fRoggen- unb Sdjwarjbrob, wirb nidjt immer gut vertragen, ba ber SRagen baSfelbe nur fdjwer ju verarbeiten vermag, häufiger refp. übermäßiger ®enuß von Sdjwarjbrob ruft SSerftopfungen hervor; foldjeS 23rob geljt nämlidj im DJiagen leidjt in ©äljruiig über. Sille finb woljl naljrfjaft, tonnen aber tro(jbem (ju reidjlidjen $ett= jufaßeS wegen) fdjwer verbanlidj fein. fRafjrljaft, aber nidjt leidjt verbau- lidj ift audj baS beliebte "corn" (HRaiS), in Sßaffer abgcfodjl. SluS bem (betreibe tonnen mancherlei fdjäblidje Stoffe, wie SUtutter» torn, Voldjfamen, u. bgl. in baS TZeljl unb weiterhin in baS 23rob übertragen werben, Stoffe, weldje 311 Vergiftungen Slnlaß geben. Taljer müffen von 310 vornherein Vortehrungen getroffen werben, um etwaige giftige (Stoffe fdjon au§ bem (betreibe ju entfernen. ülf en fruchte. $aft au$ benfelben «Stoffen Wie bie (betreibe* arten beftehen bie £mlfenfrüd)te ober ßeguminofen. Sie enthalten viel Stärtemel)l unb (Siweiß. ßefctereS, ba$ im (betreibe Ijauptfädjlich burch ben Tieber vertreten ift, führt ben Diamen „ßegumin" (ßrbfenftoff). ©er Fettgehalt ber §ülfenfrüd)te ift ein geringer, wogegen <»ßhoöPhorfäui'e, Talt unb and) (Sifen in Verhältnißmäßig großer Quantität in ben (Srbfen, ßinfen unb Voßnen vorhanben finb. 2öie ba§ (betreibe bie ßegm minofen alfo einen großen SJäljrwerth, inbeffen reichen fie allein jur (Sr* näljrnng nicht aus unb erforbern ju biefem 3wed eine Verbinbung mit Fett. Vei ber Zubereitung ber §ülfenfrüd)te finb bereu Schalen ju jer* fprengen, bamit bie VerbauungSfäfte, weldje ben Sdjalen gegenüber um wirtfam finb, eine Verbauung ber ßeguminofen herbeiführen tonnen. ©en größten weil am leidjteften verbaulid), barum burd) ein Sieb gefdjlagene (Srbfen, Voßnen, u. f. W. Sdjlägt man bie §ülfenfrächte nidjt burch ein Sieb, b. ß. fonbert bie Schalen uidjt ab, fo muß man Wenig* ftenS jur Zubereitung ber Seguminofen weicßeS Vtaffer nehmen, wenn fie überhaupt weid) werben follen; weiter müffen fie 8-10 Stunben vor bem Todjen in taltem SBaffer eingeweidjt, unb muß baS ®arwerben burch einen Keinen Zufafc von Patron geförbert werben. 21m leicßteften ju verbauen finb bie jungen fie aber nidjt ben 9?äßrwertß wie foldje in reifem Zuftanbe. 3m hinter bilbcn getroduete (Srbfen, Vohnen unb Sinfen ein §auptnal)rungSmittel, bodj müffen bem (Stenuß beSfelben alle entfagen, bie an fdjledjter Verbauung unb Verftopfung, fer* ncr an Sungen* unb 9?ierentranfl)eiten ober an §ämorrßoiben leiben. ©emüfe. ©ie ©emiife, ju benen auch Sdjoten (grüne £)ülfem früdjte) ju rechnen finb, enthalten eine nur geringe 9lnjahl von 91al)rungö* ftoffen (wenig Fette unb (Siweißförper, organifdje Säuren, u. f. w. unb viel üöaffer). ©en relativ größten Nährwert!) bie rübenartigen ®e* müfe, wie gelbe unb Weiße 9tüben, Sellerie, u. a. m., unb bie jwiebelartü gen SBurjeln (ißreS OelgeßalteS wegen), ©ie Verfdjiebenen Äoljlarten Salate, (Starten unb Spargel werben bejüglid) ihrer 9i'ahrhaftigfeit meift überfdjäht, ba fie alö junges @emüfe nur eine leicfjt verbaulidje Nahrung oljne erljeblidjen 9?äl)rwerth unb in altem Zuftanbe fdjwer verbaulid) finb. Veicfjter ju verbauen finb (wegen ihres (StapaltS an SJlilchfäure) Sauerfraut unb Saljgurfen. ©urd) ben (Sfenuß einge* madjter ©einüfe werben mitunter Trautheiten verurfad)t, bie entweber auf Vergiftung ber (Stamüfe beim (5iumad)en felbft ober burd) baSSlufbewaßren berfelben in gefunbl)eitSfd)äblid)en Vüdjfen jurücfjuführen finb; fo ßat 311 man befonberS vorficptig grünen „Vieles" gegenüber 31t fein, bereu intern five ftarbe einen BufaV von Tupfer verrätp. (Ebenfo fei vor bem ®ennß beS KodpvafferS frifcper, grüner Vopnen gewarnt, baS päufig ©urdjfall erzeugt. ©ie Kartoffeln paben an unb für fiep einen geringen 'ftäprwertg, weil fie ju wenig (Eiweißgepalt befifcen; nur wenn fie mit naprpafteren (Stoffen jnfammen genoffen werben, finb fie eine jwetfmäßige ERaprung. Bpre finb Waffer unb Stärfemepl. ©er ©efunbpeit fcpäblid) fann ber ®enuß trauter ober nod) unreifer Kartoffeln werben; ledere finb nämlicp fdjwer 3U verbauen. $ r ü d) t e. Von geringem ift aud) bas ©bft, wiewopl ber ®enuß frifdjer $rüd)te iprer erfrifepenben unb füplenben Wirfung palber ober, bei größerer Hftenge, wegen iprer milb abfüprenben Wirfung 3U empfeplen ift. ©aS ©bft ift fepr wafferreid); baneben entpält es 311- meift fticfftofflofe 'jftaprungSftoffe (Bieter, (Starte, Säuren), ferner Salje unb eine geringe SJlenge (Eiweiß. ©er ERäprwertl) beS getrotfneten (©arr-) ©bfteS ift Wegen beS VerlnfteS an Waffergepalt ein größerer, als ber beS frifdjen ©bfteS. ©ie Welcpe burd) (Einfocpen beS frifdjen ©bfteS gewonnen werben, finb ebenfo wie bie verfepiebenen grüdjte wenU ger ipreS palber als wegen iprer erfrifdjenben unb füplenben Wirfung ju empfeplen, bod) ift pier Vorfiept geboten, ba folcpe Säfte, be* fonberS §imbeer= unb BopanniSbeerfaft, oft burd) giftige Stoffe, 3. $8. arfenifpaltigeS gmpfin, gefärbt werben. (Ebenfalls vorficptig muß man confervirten $rücpten gegenüber fein, WenigftenS fobalb fie in 33led)büd)fen eingemaept finb, benn bie Säuren ber $rücpte gepen mit bem 2)letall leidet ber (Sefunbpeit fdjäblicpe Sßerbinbungen ein. §infid)tlicp iprer SBerbaulicpfeit beftept ein großer Unterfdjieb jwifdjen ben einzelnen©bftarten; amleiepteften ju verbauen finb: Slepfel, 'ißfirfiepe, Weintrauben unb ©rangen. Scpließlid) ift an biefer Stelle and) vor bem 53erfd)Iucten ber £)bft* ferne 31t warnen, ba burd) baSfelbe nid)t feiten gefäprlicpe (Entjünbungen beS ©armS (befonberS im verurfaept werben. $ i 13 e. Was bie betrifft, fo paben faft alle, pauptfäd)lid) (EpampignonS, ©rüffeln unb äftorcpeln, einen beträcptlicpen 9?äprwertp, finb aber mepr ober minber fepwer Verbaulid). Vergiftungen liegen bei ben fepr nape, ba bie giftigen eßbaren an bei weitem überfteigen. ©eSpalb ift bei bem ®enuß von immer Vorfiept ge« ratpen. ©aS W a f f e r, bas fein SRaprungSmittel, fonbern ein 91aprungsftoff ift, fann unferem Körper burd) niepts anbereS werben. (ES ift für ipn unentbeprlid), unb 3War nieptnur beSpalb, weil ber menfcplicpe Körper 312 faft 31t brei Fünfteln aus SBaffer beftel)t; eS madjt and) bas fefte Grnäf)* rungSmaterial aufgefaugt 311 werben, ermöglicht ben Slutfreislauf, inbem eS bent Stute ben gehörigen verleiht, unb bilbet fdjliefjlid) einen wichtigen Sßärmeregulator, inbem burd) feine Serbunftung (in ben Stengen unb auf bet §aut) bem Körper fortwäljrenb SBärme ent- jagen wirb. 9luS lepterem ®runbe, b. t). weil Zungen unb §aut oljue Unterlaß SBaffer Derbunften, unb weil zugleid) burd) bie Stieren ftetig SBaffer auS- gefdjieben wirb, braudjt ber menfdjlidje Organismus and) fortwäljrenb einen (Jrfap beS SerlufteS an SBaffer. Qa aber bie auberweitigen Step* ruugSmittel nidjt eine foldje Stenge SBaffer enthalten, wie fie ber Körper bebarf, fo muß biefem burd) ben @enuß Don SBaffer ober wafferpaltigen ©etränfen bie feplenbe Quantität Steffer jugefiiljrt werben. Stit anberen Porten, ber Stenfcp ift ebenfo, wie auf baS (Sffen, auf baS Steinten einer beftimmten Stenge Steprung, b. i. SBafferS, angewiefen. SBaffer, unb jwar eine beftimmte Stenge baüon (minbeftenS 4 per Xag), ift hebens* bebingung. Sid)t weniger Widjtig als bie Quantität ift bie Qualität unfereS Steinf- wafferS. QaS befte unb gefünbefte ift {ebenfalls bas Quellwaffer. QaS- felbe rüprt von Sdjnee- ober Stegenwaffer per, baS fid) auf Sergen ober £wpen anfammelt unb fid) bann feinen Steg burd) Grbe unb ®eftein bergab bapnt. Qabei wirb eS gereinigt unb nimmt juglcid) einen £peil ber Siineralien in fid) auf, welche fid) in bem, Dom Steffer berührten (5rb- boben ober (Steftein üorfanben. £tem Quellwaffer faft ebenbürtig ift baS Srunnenwaffer. QaSfelbe cntpält Diel foplen- unb fdjwefelfauren $alt, unb jwar ift eS, je größer ber Äaltgepalt ift, um fo härter. Qie §ärte mad)t baS ÜBaffer aber jum $od)en (üergl. SSafd)en, $är* ben, u. f. w. ungeeignet, g-iir bie beiben letztgenannten 3'Detfe ift weidjeS Steffer ®d)nee- ober 9tegeuwaffer) beffer. Oft Dian aber beim $od)en auf feljr IjarteS Steffer angewiefen, fo füge man biefem etwas <Qoba ober boppeltfoplenfaureS Satron l)inju, woburd) ber $alf in bem Iad)cubeu SJaffer ftets in aufgelöftem $uftanbe erhalten unb Derl)inbert wirb, bah alf au ben im Xopfe befinblidjen ©egenftänben feftfept unb biefelben Derbidjtet. QaS Steinten Don (f. $ig. 152) Ijcit ju unterbleiben, weil eS burd) fd)äblid)e (organifcpe) Stoffe Derunreinigt ift. QaS Seewafjer ift feines ju groben Salzgehaltes wegen ungenießbar. Qurd) Siafd)inen fann baSfelbe aber, wie baS auf Sd)iffen gefdjieht, Don bem Salj befreit unb baburd) in trinfbareS Steffer umgewanbelt werben. 9iegcnwaffer wirb als Xrinfwaffer mir in ©egenben angewanbt, wo Sten- gel an anberem Staffer l)errfd)t. Sten fängt baSfelbe in Gifteruen auf, weldje ftets bebccft fein unb einer öfteren Steinigung unterzogen werben 313 füllen. ©aS 9{egenwaffer auf bem £anbe ift reiner an ©eljalt als baS- jenige in ber ©tabt, meld)' letzteres meljr ober weniger fdjweflige ©äure unb ©djwefelfäure enthält, weldje fid) burd) bie jal)lreid)en ©teintoljlen- feuer (von u. f. w.) entwitfeln. Sind) ©djnee bringt aus ber Vuft Ijerab, was biefelbe enthält; ©djneewaffer eignet fid) aber nod) wenU ger als fRegenwaffer jum ©rinfen. ©efdjmoljeneS Gis ridjtet fid) nad) ber 23efdjaffenl)eit beS SßafferS, bem eS entftammt. 3m allgemeinen ift als SRaßftab für bie ®üte beS GifeS bie ©iefe beS betr. MßafferS anjuneßmen. 3e tiefer bas letztere ift, befto weniger gefunbl)eitsfd)äblid)e (organifdje) ©toffe wirb baS auf feiner ©berflädje gebilbete Gis enthalten. SReljr ober weniger foldje ©toffe finben fid) aber in jebemGiS unb beSljalb ift vor bem Oeuuß von roljemGiS ober Gaf- fer von geftfymoljenem Gis ebenfo wie vor bem ©rinfen von ober von foldjem aus ®räben, ©eU djen, ©ümpfen, u. f. w. ju warnen. ©erartigeS Sßaffer enthält außer keimen von Gtngeweibewürmern (Gntojoen), weldje ben Sßiefen, ©ümpfen, n. a. m. entflammen, audj nod) viele ber ©efunbljeit nadjtljeilige, faulige ©toffe. 3m iRotljfall füllte man foldjeS Sßaffer immer erft burd) $od)en ober gil- triren ober burd) einen von Sllaun 311m ©rinten ge- eigneter madjen. SBaffer, weldjeS trinfbar unb ber ©efnnbljeit vorteilhaft fein foll, muß I)ell wie Ärijftall, flar, tohlenfäureljaltig, gerudjloS, von gutem ®e- fdjmacf, im ©ommer fälter unb im SSinter wärmer als bie ßuft fein, unb barf ber Gteljalt an Slmmoniat oberfalpeterfauren©aljen nur ein geringer fein. 3m Sommer, beffen reidjlidjeS Söaffertrinten jur $olge l)at, fügt man bem Söaffer gern nod) etwas Gitronenfäure, 9ium, Sßein, u. bgl. ßinjn, weil feiner unreine (organifdje) ©toffe in fid) birgt unb banadj fdjmedt. ©oldje ©toffe finben fid), wie man unter bem DJlifroffop beutlid) feljen fann, felbft nod) im reinften Söaffer in großer SRenge (f. $ig. 151 u. gig. 152), unb fie finb es, weldje ßäitfig ju Äraut- Ijeiten Sßeranlaffung geben. 9?ul)r, Unterleibstyphus, u. a. m. graffiren vorjugSweife nur in B'olge fdjledjten SBafferS*), weldjeS burd) feinen ®el)alt Fig. 151. Srunnertivaffer unter bem SJtitroftop. *) aScrftt. uSBotjnunfl". 314 an tleinften ober Xljieren, unb an Subftanjen von Stus* leerungen, n. f. w. fo verberbtidj wirft. Steines unb gutes £rinfwaffer hübet baS zwecfmäpigfte Vorbeugungsmittel gegen fold;e Äranffjeitenrefp. bereu epibemifdjeS Stuftreten, unb Wo immer Bweifel an ber Steinljeit beS SöafferS rege werben, ift letzteres burdj Äodjen, giltriren ober ÜDeftilliren von ben fdjäblidjen Stoffen ju befreien. £en faben ©efdjmacf, ben baS Söaffer burdj Stodjen unb giltriren (burdj Gntjieljung ber ßuft unb von Salzen) erljält, fann man nadj Steinigung beS SBafferS Wieber babnrdj aufbeben, bafj man biefeS in einem luftljaltigen ©efäg fdjüttelt rcfp. $oljtenfäure unb Salz Unorganifdje Stoffe im SBaffer finb meift ungefäljrlidj unb mitunter fogar, wie in ben SJiineralWäffern, wertljvolle, zuträglidje Veftanbtljeile. dagegen finb, wie gefagt, organifdje Stoffe im Mßaffer immer fdjäblidj. Von bem Vorljanbenfein biefer Stoffe fann man fidj übrigens leidjt überzeugen. Bit liefern Veljufe madjtman eineööfung von 8 ®ran übermanganfaurem in einer Unze beftillirten SBafferS. Von bie- fer rotljen Ööfung fept man zu einem ljatben 5ßint beS verbädjtigen SBaf* fers einen tropfen zu. -Bftnadj um gefäljr einer ljatben Stunbe bie röttjtidje Färbung beS SöafferS ver* fdjwunben, bann enttjält baSfelbe audj organifdje Veftanbtljeile. Tie 3ufut)r beS SBafferS gefdjietjt in ben Stabten meift burdj Siöljrem teitungen, bie von einem SBafferrefervoir auSgetjen unb bon bort Ijer ben SBafferbebarf ben Raufern jufüljren. Siötjren von 4B(ei finb nidjt immer gefatjrloS, weil baS burdjfliefcenbe SBaffer je nadj feiner 4öefdjaffenljeit meljr ober weniger -S3lei in ficfj aufnetjmen unb Vergiftungen Ijerbeifitljreu fann. T)aS (Srotomvaffer ber Stabt 91ew S)ort foll j. V. immer eine Spur von Vlei - wenn aucp nur in ganz geringer Quantität - mit fidj füljren, aus weldjem ©runbe man baS Sßaffer, weldjeS längere £eit in ben Stöljren geftanben ljat, abfliepen laffen unb erft baS nadjljerige jum Prin- ten, Äodjen u. bgl. benutzen foll. VefonberS gilt bas von SBaffer, baS leidjter als talteS SBaffer Viel in fidj aufnimmt; beSljalb wirb foldjeS, falls Vleiröljren bie Bufuljr beSfelben vermitteln (3. V. am Voiler), am beften gar nidjt jum Printen ober Äodjen verwenbet. SluS gleichem @rnnbe ift and) von ber Venupung von Siegenwaffer, baS ebenfalls feljr Fig. 152. gliiBioaffcr unter Bem URitroftop. 315 Ietd)t Dort 4B(ei Vergiftet wirb, 31t (ErnäßrungSjwerfen abjufeßen, wenn baS Vtaffer in Vleirößren jugefüßrt wirb. Sdjon oben würbe bemertt, baß baS Duellwaffer auf feinem 2Bege burd) bie (Erbe bielfad) Mineralien aufnimmt, weld)e üorjugSWeife im ®e- ftein enthalten finb. Durd; eine foldje Vermengung bon Duellwaffer unb Mineralien entfteßen bie fog. Mineralwäffer, weldje tljeilö als warme, tßeils als falte Duellen aus ber (Erbe ßervorfprubeln. (SS leudjtet ein, baß bie Mineralwäffer für biele tranfßafte 3uftänbe bon Dingen finb. Durcß ©enuß berfelben fönnen wir bem Körper in paffenber $orm Mine- ralien, V. $od)fal$, (Sifen, $alf, u. a. m., jufüßren, welcße einen ßeilen- ben (Einfluß auf bie betr. $ranfßeiten auSüben. $nbeffen muß mit bem Drinfen bon Mineralwäffern and) ftets eine paffenbe £ebensweife berbum ben werben, wenn elfteres bon Dingen fein foll. VMU man bie berfcßiebenen Mineralwäffer claffificiren, fo ergiebt fid) ißren Veftanbtßeilen gemäß folgenbe (Eintßeilung: 211 f a l i f d) e Sßäffer, mit meßr ober weniger Äoßlenfäure, förbern bie Verbauung unb Duellen in (Europa: 2lpollinariS, «SelterS, (EmS, Marienbab, Vidji), - Duelle in ben Ver. Staaten: Vlabon, 2lla. Duellen (oft niit $ufaß bon 3ob) regen bie Darmfcßleimßäute an unb förbern bie 2luSfcßeibungen ber 2ltßmungSor- gane. (Europa: VJieSbaben, VabemVaben, Äiffingen, ©oben, Salbungen. - Ver. Staaten: Saratoga, 9t. ?)., 2llbanl) 2lrtefian 2ßell, 9t. 2)-, (EßarleSton 2lrtefian SBell, S. (5. ©lauberfaljßaltige SSäfferwirtenabfüßrenb. (Europa: $ar(S- bab, unb Marienbab. Vitterwäffer (reicß an fcßwefelfauren Salden) finb ftarfe 2lb> füßrmittel. (Europa: (Epfom, $anoS, ''ßüllna, griebricßsßall, Mergentßeim. - Ver. Staaten: (Erab Drcßarb, §arrobsburg unb (Eftill Springs, fämmtlid) in gelegen, unb Vebforb, S d) w e f e l w ä f f e r werben ßauptfädjlid) gegen UnterleibSber- ftopfungen unb gegen Vlut- unb uerorbnet. (Europa: 2lad)en, Vaben b. VHen, Meßabia. - Ver. Staaten: Upper unb Sower Vlue Öitf, ßß., Sßaron unb (Eolumbia, 9t. ?)., 2Bßite unb 9)ellow Sulpßur, Va., Sait nnb 9?eb Sulpßur, 2B. Va. (Eifenßaltige Duellen, bie meßr ober weniger $oßlenfäure ent- ßalten ((Eifenfäuerlinge), fommen meift bei welcße an Vlutar- mutß unb V(eid)fud)t leiben, in 2lnwenbung. (Europa: Vßi'wont, Spaa, Driburg, ßippfpringe, granjenSbab, Marienbab, (Eßarlottenbrunn, 9iei- nerj, Sdjwalbad), (Eubooa. - Ver. Staaten: (Eooper'S VJell, Miff., Sdjooleß'S Mountain, 9t. ?)., Otawlei) Spring, Va. 316 $ alt haltige 5Bäffer werben befonberS gegen Rieren* unb 53la* fenleiben gebraucht. Kuropa: SÖilbungen, Kontrejüille. - 53er. Staaten: Sweet Springs, 53a., 33etljeSba, 5ßiSc., Katon RapibS, Rlid). äÖilbbäber (warme Quellen) erweifen fid) Vorzugsweife bei Rheumatismus unb ®id)t als wirffam. Kuropa: @aftein, ieplih, Scplangenbab, - 53er. Staaten: £wt Springs, Slrt., Springs, 53a., £)ot Springs, 2ßarm Springs, 53a., Sßarm Springs, R. K., 5ßafo RobleS §ot Springs, Kal. Sie tiinftlidje Bereitung ber SRineralwäffer, weich' ledere bei ridjti* ger Slnwenbung (Qiäthalten, u. f. w.) an Stelle ber natürlichen SBäffer treten tonnen, erftretft fiel) hauptfädjlid) auf bie fol)lenfauren SBäffer, Wie Soba, SelterSwaffer, u. a. 23ei SRagenfd;wäd)e bürfen berartige äöäffer nicht getrunfen werben. Kin ju reichlicher ®enufi von fol)lenfaurem 5ßaffer ift aud) bem ©efunben fd)äblid). £u bead)ten ift ber 53erfchluü ber glafdfen, in weldjen baS SRineralwaffer enthalten ift. SRineralwaffer, be* fonbers tohlenfäurel)altigeS, baS in $lafd)en mit einem 53erfd)luß von53lei Verlauft wirb, füllte lieber nid)t getrunfen werben, weil fid) bei Berührung beS 5BafferS (ber Äohlenfäure) mit bem 33lei leidjt giftige 53leifaQe im 5Saffer bilben. ©ewiiqc. 2Bir unterfdjeiben ©ewürje im weiteren unb engeren Sinne. ®e* Würje im weiteren (phpfiologifchen) Sinne finb alle Subftanjen, welche auf ben ©efcpmatfsfinn erregenb einwirten unb fo für bie Krnährung be$w. 53erbauung bienlid) finb, babei aber and) nod) einen gewiffen Räl)r* wertl) befifcen. ©ewürje im engeren (eigentlichen) Sinne finb nur (aus gewonnene, vegetabilifd)e) Reizmittel oljne irgenb welchen Rät)r* wertl). £aS $ o d) f a 13 (ober aud) bloS Salj) nimmt unter ben ©ewürjen eine 5luSnahmeftellung ein, weil eS bem Körper, in beffen fylüffigteiten unb ©eweben eS ausnahmslos vortommt, unentbel)rlid) ift. (5s gehört fonach nicht nur ju ben ©ewürjen, fonbern and) ju ben (unorganifdjen) RaprungSftoffen, bereu ber SRenfd) unbebingt bebarf, unb zwar um bie meiften organifdjen SebenSthätigfeiten (KnboSmofe, Kapillarität, gelten* bilbung, u. a. m.), auf Welchen bie Krnährung beruht, jn unterhalten. ©aS Salz bebingt ferner jumXheil bie Qünnflüffigfeit beS33luteS, es foll im 531ute bas ©elöftfein von Kiweifj unb Äafeftoff bewirten unb bie Sluf* 317 löfung ber 53(ntförperd)en verl)inbern. ©arauS ift bie grofte 5Bebeutung beS ®od)faljeS für ben ttjierifcfjen Organismus erfidjtlid), unb ba nun eine fortwäftrenbe AuSfdjeibung von $od)fatj ans bem Körper burdj bie .'paut (Sdpoeift), Nieren unb mittels ber (Sjcremente unb beS SdjleimS ftattfinbet, fo barf aud) bie 3uful)r öon in genügenber DNenge nidjt unterbrochen werben. - NeineS wirb nicht feud)t an ber £uft, fonbern bleibt trod'en. ©a foldjeS aber meift nidjt 311 haben ift, vielmehr für baSfelbe fünftlidjeS verlauft wirb, weid/ letzteres an ber Vuft (eicht feucht wirb, fo ift eS gerafften, Salj nie in metallenen ©efäften auf- jubewaftren. Tupfer, 23Iei, 3uit unb SNeffing opftbiren (bilben giftige SBerbinbungen), wenn fie mit feudjtem in fommen unb vergiften fo baS Salj. - Aufter bem Slodpalj nehmen wir notft anbere Salje ($ali=, Natron-, (Sftlor- unb pftoSpftorfaure SqJje) jugleicft mit bem ©rintwaffer unb ben tftierifdjen unb pflanzlichen NaftrungSmitteln in uns auf. ©er (£ f f i g, beffen Anwenbung fidj auf eine geringere 3al)l öon Speifen befcfträntt, madjt biefelben leidjt verbaulidj unb eignet fid) aufter- bem vortrefflich jur ßonfervirung von ba er baSfelbe vor bewahrt. Als Hausmittel finbet ber (Sffig vielfache Sßerwenbung, weil er ju ben ftärfenben DNitteln gehört unb fid) beSftalb bei Oftnmacftten, S?opf- fchmerjen, u. f. w. als jwecfmäftig erweift. Uebermäftiger ®enuft von (Sffig, 3. 23. bepufs Erzeugung einer „intereffanten" 23läffe unb eines weiften ©eintS, wirft ungemein nad)tl)eilig auf ben DJcagen unb ruft 33lut- armuth hervor. 3ur Aufbewahrung beS (SffigS nehme man ®laS* ober weil fiel) bie Säure mit NZetallen (£Mei, Tupfer) djemifd) ver* binbet unb fo jur Gilbung von giftigen Stoffen (Orünfpan, u. bgl.) 58er- anlaffung giebt. 9cäl)rftoffhaltig unb leicht verbaulidj ift ber 3ucfer (refp. £wnig unb Sprup), beffen tljeilweife Umwanblung juSJJild)- unb butterfäure im DNagen bie Verbauung eiweifthaltiger Stoffe förbert. Uebermäftiger GJe= nuft von $U(fer vermehrt aber bie Säurebilbung ju feftr, woburd) Störum gen in ber Verbauung herbeigefül)rt werben. ©ie eigentlichen ©ewürje, welche, wie gefagt, feinen Nährwerth haben, fonbern (burd) ihren Neij auf bie Nerven) nur einen förbernben ßinfluft auf ben 5ßerbauungSproceft auSüben refp. Speifen fdpnaefhaft madjen, rüftren von mit 58eftanbtl)eilen her. 3U liefen ©ewürjen gehören: Pfeffer, NluScatnuft(=blüthe), 3imwt, Ingwer, Net- ten, Vanille, üNajoran, ©hpmian, 5ßeterfilie, u. a.; weiterhin auch Senf, Nettig, 3wiebeln, u. f. w. 3m Uebermaft genoffen, affieiren biefe ©ewürje ben 5BerbauungSapparat unb wirten nachteilig auf 4ölut unb Nerven, befonberS in ber ßntgenb. 318 211S foldje „©enußmittel" lernten wir gewiffe (getränte unb ben ©abaf Tennen, weldje wir anwenben, um einen belebenben 9teij nidjt nur auf bie BerbauungSnerven, fonbern aucl) auf baS ganje Slervenfpftem auSjuüben, bie §erjtßätigfeit anjuregen unb ben BlutfreiSlauf ju förbern. ©iefe 9?eijmittel ganj ju verwerfen, ift tljöridjt. Sie erneuern nufere Spann- traft, geben frifdjen 2)lntl), fo ju fagen; aber freilid) barf biefer®enuß nie bie ©renjen ber IDiäßigfeit überfteigen unb nie ftattljaben, wenn ber $ör* per ipn.nidjt.ertragen fami, oßneSepaben ju erleiben. ©eSßalb füllten 9iidjterwad)fene unb Dtervenleibenbe nie ober mir feljr wenig von biefen ©enußmitteln ©ebraudj madjen, unb füllten von ben alcopolifdjen ®e- tränTen (Bier, Sßein, Branntwein) ber Ougenb IjödjftenS leidjteS Bier unb (eicpter jßßein anSnaljmSweife, ber OabafSgenuß aber nie erlaubt fein I ©er Sllcoßol, baS ber weinigen ®äßrung (f. S. 31), tommtin reinem 3uftanbe (abfoluter Sllcoßol) nidjt als ©enußmittel jur Berwenbung, vielmehr genießen wir iljn verbnnnt mit ben Spirituofenr bereu wefentlidjen Beftanbtßeil er bilbet. 3m allgemeinen ift vom 2llco* pol ju fagen, baf? er bei mäßigem ®enuß unb jwar inmöglidjft verbünnter B'orm ein woljltfjätigeS SReijmittel für bie Berbauung ift, inbem er ben Zufluß beS SD?agenfafteS vermehrt, (Senießt man aber ben Sllcoljol im Uebermaß unb in weniger verbünnter $orm, bann erfdjwert er nidjt nur bie Berbauung (burdj ®erinnenmadjen ber eiweißartigen 9?aßrungSftoffe)A fonbern er füljrt fogar ju Bewußtlofigfeit, weldje leidet (in von §erj(äpmung ober Sdjlagflujj) mit bem £obe enben fann. Sept man ben SJtipbraud) be$ SllcoljolS fort, fo füljrt ba$ jum djronifdjen 2)tagencatarrp unb fdjließlid) jur djronifdjen Sllcopolvergiftung (Säuferfranfpeit), bie eine Entartung faft aller Organe be$ Körpers perbeifüljrt. 2ln (Seift unb Körper gebrodjen, finft ber Örinfer nidjtnur pppfifd), fonbern and) mora* lifd) von Stufe ju Stufe, bis er julept einem fdjmäplidjen £obe verfällt. ©aS Bier, von bem eS befanntlid) verfdjiebene Sorten mit ver* fdpebenem Sllcopolgeljalt*) giebt, befipt einen nur geringen S'iäprwertp, förbert aber bei mäßigem ®enuß bie Berbauung unb wirft anregenb auf bie Dlerventßätigfeit unb bie ßirculation beS Blutes. 2(ußer Sllcoßol ent- hält bas Bier: ©ejtrin, Kopien-, (Sffig= unb fVJildjfäure, ferner Eiweiß, 3ucfer, Salje (befonberS pljoSpßorfaureS $ali), §opfenöl. - ©urdj verfdjiebene 3ufäpe, bie einesteils einen ober mehrere ber obigen Beftanbtljeile erfepen, anberntßeilS jur Berbefferung beS ®e= fdjmacfeS unb ber „fräftigen" BBirfung bienen füllen, verliert bas Biernocß (J-tguitfidjc (Mcnufpniffcf. *) ßeicfjte Siete (Staun-- unb Sßeifebier) 1-3 ißroc. 9tlcol)ol, batyrififje Siete 3-4 Stoc. 91. unb 9lle unb Rotter 7-8 Sßroc.91. 319 'bcn geringen StaßrungSWertß, ben eS an unb für fiel) ßat, unb wirft bann gerabeju gefunbßeitsfdjäblidj. ©er übermäßige ©enuß Don Bier reijt bie Siadjen* unb SJfagenfdjleimßäute, berurfaeßt Bläßfudjt unb anbereBer* bauungSftörungen unb Siierenfranfßeiten. ©er 2öein, aus ben Säften ber grüdjte (borjugSWeife ber ©rau* ben) gewonnen, wirft belebenb unb fräftigenb, regt bie Berbauung an unb förbert bie Sterbentßätigfeit unb bie Blutcirculation. Sieben Sllcoßol finb Höaffer, Säuren unb Salje bie ber berfdjiebenen B3eine, bereu Stärfe bon ißrem ineßr ober weniger großen Sllcoßolgeßalt abßängt. $ür ft raufe, bie fidj auf bent SBecje ber ©enefung befinben, ift ber SBein ein faft unentbeßrlidjeS SJZebicameut. ©egen ©iarrßoe erweift fidj ber SRotßwein feßr Wirtfant. 3mmer ßat man aber, befonberS wenn man Bkitt als Slrjneimittel berwenbet, genau barauf ju adjten, baß ber iföein nidjt berfälfdjt ift, wie baS fo ßäufig ber $all. - ©er nidjt aus ©rauben, foubern anberen ©bftforten bereitete SBein (Cider) ift ebenfalls ein empfeßlenSWertßeS ©enußmittel mit ben gleichen (Sigenfcßaften wie ber ©raubenwein, baß er nidjt in ju „jungem" Buftanbe unb natiirlidj nidjt übermäßig genoffen wirb. ©eftillation alcoßolifdjer ©etränfe erzeugt ben Branntwein, ju bem nidjt nur ßognac ober Branblj (auSBSein), BSßiSfij (au§ (betreibe, 2c), ©in (aus ©etreibe unb BJadjßolberbeeren), 9ium (ans Burferroßr), $irfcß* waffer (aus $irfdjfernen), u. f. w., foubern and) bie berfdjiebenen Piqueure, wie Kümmel, SlntS, Banille, u. a. nt. 311 redjnen finb. Biäßiger ©enuß bon Branntwein, befonberS nadj fdjwer berbaulidjer ober fetter Siaßrung, fdjabet nidjt, fo lange bie (Srnäßrung mit ber burdj ben Branntwein be- Wirften Stoffentjieljuug gleidjen Sdjritt Ijält. Sonft Wirft biefeS ©enuß- mittel wegen feines großen SllcoIjolgeßaltS erregenb auf bie SDfagen-, ©arm* unb Slerbentljätigfeit, unb baßer artet ber Branntweingenuß feljr leidjt aus unb fiißrt jur ©runffudjt. 3u ben eigentlidjen ©enußmitteln, weldje fein Sllcoßol enthalten, alfo nidjt „Spirituofen" finb, geßören außer ber fdjon befprodjenen ober Bouillon (f. SlaljrungSmittel, ft'affee, ©ßee, dacao refp.ßßo* colabe unb ©abaf. ©ie SBirfnng beS $ a f f e e S äußert fid) im allgemeinen burd) eine anbauernbe, belebenbe Erregung; inbeffen laffen fid; and) $älle bom ©e* gentßeil anfüßren, bie ißren ©runb waßrfdjeinlidj in einer eigentßümlidjen ©onftitution beS Betreffenben ßaben. ©en ßauptfäcßlidjften Beftanbtßeil beS Kaffees bilbet baS Saffein ober Goffein. ©emfelben berbanft ber Kaffee feine SBirfung. ©er Siäßrwertß beS Kaffees, felbft in Berbinbung mit PJiildj unb .Butfer, ift ein feßr geringer. 9US Heilmittel fommt aber ber Kaffee nidjt feiten gegen SJiagenframpf, ßrbredjen, SJiigräne unb Ber* 320 giftungen in 2tnwenbung. häufiger ®enuh non ftarfem Kaffee, beffen alte 9?ervenfranten unbebingt ju enthalten haben, ruft BerbauungSftörun* gen fjerüor, ba ber Kaffee bie Öftagen* unb ©armfdjleimhaut afficirt. ©ie verfdjiebenen Surrogate, weldje mau bem Kaffee wie 3.33. ßidjorie, bieueu mcift nur baju, bem Kaffee eine gute Farbe ju geben, tragen aber ju beffen Berbefferung nidjt bet. Für bie ©efunbljeit nadjtheilig finb bie 53erfälfd)ungen ber Kaffeebohnen, betten man mit ßifem, Kupferfaljen, u. f. w. eine gute Farbe ju verleihen fudjt. ©em ßaffein im Kaffee entfpridjt baS ©l)ei'n im S t) e e. ©ie 3Bir* tungen beS (enteren fommen benen beS Kaffees ziemlich gleich, mit bem llnterfdjiebe, baß bie Erregung nadj bem ®enuh bon ©hee nidjt wie beim Kaffee eine anbauernbe, fonbern leichter Vorübergefjenbe ift. Uebermäfjiger ($enufj bon Sljee greift nidjtsbeftoweniger bie Serben feljr ftart au, woge* gen Xljee, mäßig genoffen, erfrifdjt unb bie förbert ßacao unb Spocolabe. ©ie hauptfädjlidjen Beftanbtljeile ber ßacaoboljnen, weldje in gepulvertem mit ®ewürj unb $ucfer vermifdjt, bie ßpocotabe ergeben, finb baS Sljeobromin, Starte, Fett (Sa* caobutter) unb ©eptrin. ©aS Sbeobromin verleiht bem ßacao refp. ber ßljocolabe bie erregenbe ßigenfdjaft. 3preS unb Fettgehalts ljals ber finb ßacao unb ßhoc°tabe nahrhaft, bodj finb beibe nicht für jebermann leidjt verbautid); ber vom befreite, „entölte" ßacao ift beSljalb, als ©enußmittel, bem nicht entölten borjujiehen. Slt'eljr als alle anberen ©enujsmittel jufammen ift ber 5T a b a f ein notljwenbigeS - liebel, bem man freilich entfagen fann, ohne fiel) 3U fd)a= bcu, aber oljne jwiugenbe Urfadje nidjt entfagen mag. Sßenn ein paffio- nirter Taucher auf baS Slaudjen verjidjten muh, wirb er. fidjerlich nidjt tränt; wenn er fiel) felbft aber aus Unluft ben ®enuß einer ßigarre, u. f. tv. verfagt, fo ift bieS ein Reichen, bah ev tränt i ft. ®ie widjtigfte, erre= genbe Subftanj im Sabat ift baS Nicotin, ein ®ift, an baS fid) ber Körper allmälig gewöhnt. üDemnad) Verurfadjt hüufig ein übermähigeS Sabat- raudjen nidjt nur ßatarrhe in ben SIthmungSorganen, fonbern wirft weiter* hin and) nadjtljeilig auf bie Nerven, fdjwädjt bie WUtSfeln, veranlaßt £>erj* Hopfen, 11. a. m. Sdjnupf* unb Kautabaf Verminbern ben ®erud)S* refp. ©efchmacfsfinu. 33on Seeleuten wirb febodj ber Kautabaf als baS geeig* netfte Mittel jur Verhütung beS SforbutS angefel)eu. ©er ®enuß von Sdjnupf* refp. Kautabaf, weldjer in bleihaltigem Stauiol verpaeft war, fann ju Bleivergiftung führen. 321 1111Ö ber miffet. Oer Nüprwertp eines NaprungSmittelS ift von beS festeren (Sepalt an NaprungSftoffen unb bereu SSerbaulidjteit abpängig; in einem engen SSerpältniß ju ber SBerbaulicpteit ftept bie Zubereitung ber Speifen, fo baß and) biefe für ben Näprwertp von großer 55ebeutung ift. 2ÖaS ben (Sepalt ber Nahrungsmittel an ernäprenben (Stoffen anbei trifft, aus benen fitfj ber Körper neu aufbauen unb Kräfte entwitfeln fann, fo ift nicht nur barauf ju fepen, baß biefer (Sepalt ein möglich ft großer ift, fonbern auch barauf, baß bie fämmtlicpen (Srunbftoffe, aus benen unfer Organismus beftept, in einem richtigen Oerpältniß ju iprer refpectiven Oerwenbung im Körper eingeführt werben. Oie Aufgaben, Weldje bie einzelnen NaprungSftoffe im Körper ju erfüllen paben, finb fepr verfcpie* bene. (Sepirn unb Nerven entjiepen 3. 55. ber ErnäprungSflüffigfeit vor= jugSWeife anbere Subftanjen (Eiweiß, Gaffer) als bie Änocpen ($alt), u. f. f. 9Nit ber Nahrung muß alfo bem Körper fo viel von jebem einzelnen feiner (Srunbftoffe gegeben werben, wie alle Organe jufammen bon bem betr. (Srunbftoffe bebürfen. Es ift ferner ju berücffidjtigen, baß bie Nahrungsmittel außer ber Stuf gäbe, Material jur Erneuerung ber Or* gane ju liefern, noch bie hoben, lebenbige Kräfte (mecpanifcpe SIrbeitS* leiftung, animalifdje SBärme unb Electricität) ju erzeugen. Oiefe Kräfte finb pauptfädjlicp baS Nefultat ber Sauer ftoff=53erbrennung ber fticfftoff- freien Stoffe (Äoplenppbrate unb fyette). Eine fcparfe Trennung ber Nahrungsmittel, wie fie kiebig einft Vornapm, in foldje, welche jum Organaufbau, unb foldje, welche jur bienen, ift allerbingS nicht möglich, benn neben ben Eiweißftoffen beteiligen fiel) and), aber in untergeordneter Steife, bie Äoplenppbrate unb $ette am Organaufbau unb umgefeprt. Znbeffen fann man im allgemeinen bie 55ebeutung ber ftitfftoffpaltigen unb ber fticfftofflofen NaprungSftoffe für nuferen Körper bapin trennen, baß man ben erfteren als Hauptaufgabe bie Organbilbung unb ben lepteren bie Erjeugung lebenbiger Kräfte jufepreibt. Oie (ftitf* ftofflofen) unb finb am wenigften mit Sauerftoff ge* fättigt; fie entpalten von allen NaprungSftoffen bie größte Summe von verwenbbarer Spannfraft. ES ift alfo bei ber SBapl ber Naprung and; barauf ju fepen, baß in gleicher 5Beife pinreiepenb SNaterial für ben Organ- aufbau unb bie Erjeugung lebenbiger Äraft geliefert werbe. Oie mepr ober weniger leidjte Oerbaulidjteit eines NaprungSmittelS pängt vor allen Oingen bavon ab, in welcpem (Srabe baSfelbe ben 53er= bauungSfäften jugänglidj ift. Sept bie 53efcpaffenpeit (wie bas fVett) ober 322 bie $orm (geräuchertes ober eingepöfelteS $leifd)) eines Nahrungsmittels ben SSerbauungSfäften Sdpvierigfeiten entgegen, fo baß bie Säfte baS Nahrungsmittel fdjwer burd)bringen unb auflöfen tonnen, fo ift festeres fdjwer verbaulid). 21m leid)teften ju verbauen finb baßer von §aufe aus fluffige Nahrungsmittel, ferner Salze ober überhaupt Stoffe, weldje in 23erbinbung mit SBaffer unb ben Niagenfäften einer fdjnellen Sluflöfung unterliegen. SluS biefem ®runbe (ber fdjweren ober unmög® lidjen Sluflöfung wegen, f. ßellulofe) ift and) bie vegetabilifdje Nahrung burdjfdjnittlid) fdjwerer zu verbauen als bie animalifdje. ©ie SSerbaulid)® feit von Nahrungsmitteln hängt and) bavon ab, ob fie genügenb getaut werben. (SS ift flar, bafs ein großer, ungenügenb jerfauter Riffen nid)t fo leidet von ben SNagen® unb £)armfäften jerlegt werben fann, wie ein Keiner, gut getauter. £>abei ift noch zu beriid'fidjtigen, bafs bie NaßrungS® mittel, Welche Stärfemeßl enthalten, befonberS gut 31t tauen unb baburd) einjufpeicfjeln finb, weil ihre Verbauung fdjon in ber 3D?unbßößte mit bem (Sinfpeicßeln beginnen foll. Zubereitung ber Nahrung ift, wie gefagt, ebenfalls von großem Einfluß auf bereu 53erbaulicßfeit refp. Nährwert!). ®anj abgefeßen bavon, baß fein jerfleinerteS bem bie näßrenben 3. 53. burd) $ocßen nicht entzogen worben finb, von einem größeren Nährwert!) (befon® berS für Trante; f. S. 305) fein wirb, geht baS fcfjon aus bem über bie Slbwecßfelung ber Äoft unb bie Sßürzung ber Speifen ©efagten hervor. £)er Neij, ber burd) eine gut zubereitete, wecßfelnbe Nahrung auf bie 53er® bauungSnerven unb -bewegungen auSgeübt wirb, ift für ben Nährwerth ber Speifen bejw. Nahrungsmittel von 5Bid)tigfeit. £)ie Zubereitung ber Speifen hat aber wie baS $auen auch nod) einen mecßanifcßen Zu'ecf. £)ie Speifen follen bie Nahrungsmittel fdjon jerfleinert enthalten, bamit fie ben 53erbauungSfäften Zugang bieten. 53orzüglid) gilt baS ßinfid)tlid) ber §ülfenfrüd)te. SBerben bereu Schalen beim Wochen nid)t zertrümmert (ober werben biefelben nid)t jerfaut),fo hüben bie £)ülfenfrücßte überhaupt feinen Nährwert!), weil ihre Sdjalen für bie SSerbauungSfäfte unburd)® bringlicß finb. (SS erübrigt nod), auf eine ßßgieinifdje 53orfd)rift aufmerffam ju madjen, welche fid) aus ber SSerbauungSjeit ber verfd)iebenen NahrungS® mittel ergiebt. SNan foll nid)t effen, el)e baS vorher ©enoffene nidjt ver* baut ift, b. I). ber SNagen barf wäfjrenb ber Verbauung nicßt burd) Zuful)r neuer Speifen in feiner SIrbeit geftört werben. $ig. 153 zeigt uns Nah® rungSftoffe, wie fie im SNagen wäl)renb ber Verbauung ihrer Sluflöfung unb 53erwertl)ung für ben Körper entgegengehen. 2Sir fel)en DNuSfelfa® fern, bereu Ouerftreifung fdjon vernidjtet ift (a), unb DNuSfelfafern, bereu TäSbiatlaften (f. S. 43) nod) fid)tbar finb (b), n. a. m. Söürbe nun in 323 biefe, in ber begriffene Waffe neue 9toprung eingefüprt, fo würbe, wie leidet erfidjtlicp, bie Verbauung, b. p. bie Sßerwertpung unb bamit ber Dläprwertp ber fdjon palb jerfepten wie ber neu juge- führten sJlaprung erpeblid) beein* trädjtigt. Wan folt affo nie von neuem effen, et)e nidjt bie alte 9toprung im Wagen verbaut begw. in ben ©arm übergetreten ift. 9lber and) wenn ber Wagen fdjon entleert ift, fall man nod) eine 3eit lang warten, bamit nidjt, ba bie Verbauung im Wagen räfcper von ftatten gefjt als bie im ©arm, ein ju fdjneller 9?a(pfcpub non Speifebrei aus bem Wagen in ben ©arm bie völlige 9luS* nüpung ber Dlaprung im lepteren berpinbert. $e länger (natürlich nidjt ju lange) (Speifen im ©arm verbleiben, befto mepr werben fie auS- genupt, befto größer ift ipr (möglidjer) 92äprwertp. ©ie -Q3eftanbtl)eile einer normalen 9?aßrung, wie fie ein arbeitenber Wann ju fid) nepmen folt, laffen fid) per Sag auf 4 linken Giweiß, 2 U. $ett unb 18 U. Äoplenppbrate angeben, ©iefe Stoffe würben ungefäpr entpalten fein in: Fig. 153. Giemifrf)te Soft in ber Sttagenberbaunng begriffen. a) SJtuöfclfafern, beten ©.nerftreifung fdjbn vernichtet ift, b) iUtuätelfafern mit theillveifc n oct) erhaltenen £luet= ftreifen, c) Starte, d) getttiigelcfjen. (Stiocifj gett Kol)Ienl)t)brate 26 U. Srob . . 1,82 0,13 14,35 8 „ mäfjifl fettet 9tinbfleifcß . . . 1,68 0,45 ' - 2 „ Sutter . - 1,66 - 16 „ Kartoffeln . 0,32 - 3,30 3,82 2,24 17,65 ober: 26 U.Srob . . 1,82 0,13 14,35 8 „ $ammelfleifdj .... . . 1,36 0,48 - 1 „ (jum Äodjcn) . , . ♦ . - 0,99 - 4 „ 23ol)ncn ...... . . 0,92 0,08 2,14 4,10 1,68 16,49 J§öef)ä(t man im 9Inge, baft ein Äinb ober ein ®reiö weniger 9?al)rnng bebarf, al§ eine erwadjfene, arbeitenbe 'ßerfon, fo fann man fiel) an ber $anb ber gegebenen Balten unb ber folgenben Tabelle felbft eine normale 9ialjrung jufammenfteUen. 324 tnbcllc. NahrungSftoffgehalt unb SerbauungSsett ber ttnchtigften Nahrungsmittel. Sie Bahlen in ben mittleren Bier Kolumnen geben an, mie Biel bon bem betr. NaljruugSftoff in 100 Xhctlcn bcS jetoei= legen Nahrungsmittels (in ber erften Kolumne) enthalten ift. Sie Bahlen ber lebten Kolumne geben in ©tunben bie SBerbauungSjeit ber Nahrungsmittel an- Sftaljrunci§niittel (juerft aniinalifcße, bann begcta= bilifdje, beibe atfclja&etifcf) georbnet). s CJ tfo 11 = o :c § Strt bcr gnbereitung unb SBerbauungSsctt. Sluftern . . . . (roß . . . . . . 2.55 5,6 0,7 4,3 89,4 4 gebraten . . . . . 3.15 (gefoeßt . . . . . 3.30 58 utter 0,9 92,1 - 7,0 gefdjmoljei; . . . . 3.30 SButtermilcß . 3,4 1,0 5,0 90,3 roß .... . . . 1.45 f roß, gequirlt . . . . 1.30 6i roß, ganj . . . . . 2.00 14,1 10,9 - 73,9 -{ iveirf) gefodit . . . . 3.00 ßart gefoeßt . . . 3.30 gebraten . . . . 3.30 . . 14,5 9,0 - 72,9 J gefodjt . . (gebraten . . . . . 3.00 . . . 3.15 $üßnerfleifdj . . . ' gricaffee . . . . . 2.45 17,5 1,4 - 77,3 4 gefoeßt . . . . . 4.00 Käfe ..... ( gebraten . . . . . 4.00 43,0 7,0 - 40,0 roß . . . . . . 3.30 Kalbfleifcß .... 15,3 1,3 - 78,0 J gebraten . . 1 gefoeßt . . . . . 4.30 . . . 4.30 SKildj 4,1 3,9 4,2 87,1 J gefoeßt . . . | roß . . . . . . 2.00 . . . 2.15 ( beef-steak . . . 3.00 SJiinbfleifcf) .... 21,9 0,9 - 75,9 4 gefoeßt . . . . . 3.10 Sdjinfen .... ( gebraten . . . . . 4.00 30,0 32,0 - - geräneßert . . . 4.30 Scßtoeinefleifd) . . 14,0 17,0 - 64,0 j gefoeßt . . . (gebraten . . . . . 3.00 . . . 5.15 Stocffifd) .... 31,5 0,4 - 47,0 gefallen, gefoeßt . . . 2.00 SBilbpret .... 18,0 1,0 - 77,0 steak . . . . . . 1.35 Slepfcl ..... 0,3 14,9 84,5 roß . . . . 1.30-2.50 58irnen .... 0,3 - 19,2 80,0 roß . . . . 1.30-2.50 IBoßnen, Weiße . . 24,5 - 55,6 14,5 gefoeßt . . . . . . 3.45 ®rbfen .... 22,5 - 58,2 14,3 gefodjt . . . . . 3.45 ©erfte ..... 10,0 - 73,5 12,5 Suppe . . . . . . 1.30 Kartoffeln . . . 2,0 - 21,8 75,0 ( gebraten . . ) gefoeßt . . . . . . 2.30 . . . 3.30 Kohlrabi .... 1,3 - 9,5 87,0 gefoeßt . . . . . 2.30 ßinfen ..... 26,0 - 55,0 14,5 gefoeßt . . . . . . 3.45 Ttaig 11,0 7,0 67,6 13,5 grün, mit SSoßnen gefoeßt 3.45 Pflaumen .... 0,8 - 17,6 81,0 roß ... 1.30-2.50 Steig 7,5 - 78,1 13,5 gefodjt . . . . . . 1.00 Siiiben, gelbe (Ttößren) 1,5 - 12,3 85,0 gefodit . .- . . . . 3.15 " Weiße . . . 1,1 - 5,3 92,0 gefoeßt . . . . 3.30 Scßneibeboßnen . . 2,0 - 6,2 91,0 gefoeßt . . . . . 2.30 Sdbvarjbrob . . . 8,3 - 44,2 46,3 gebatfen . . . . . 3.45 Spinat .... 3,2 0,5 3,3 90,3 gefoeßt . . . . . . 2.00 SBeintrauben . . . 0,6 - 17,1 78,2 roß ... . 1.30-2.00 SBeifjbrob .... 9,6 - 60,1 28,6 gebacfcn . . . . . 3.30 SßeifjEraut .... 1,5 - 7,1 90,0 f roß . . . [ gefodjt . . . . . . 2.30 . . . 4.30 325 Slußer bem Lebensalter fommen nodj anbere Umftänbe in 23etradjt, weldje bei ber SluSwapl bet ®oft zu beadjteu finb, 3. 23. baS ®efd?Iecpt Tie mannigfadjen (greigniffe, welcpe in baS grauenleben eingreifett (Sdjwangerfdjaft, (Stillen, u. f. w.), forbern eine bem bett, Buftanb ange= paßte Tiaprung, b. p. befonberS Bufupr öon näprenben unb leidjtüerbam lidjen Speifen unb (wegen ber Dleizbarfeit ber Heroen) SSermeiben fpiri* tuöfer unb billiger (getränte. gelte 'ißerfonen erpeifdjen unbebingt eine anbere 92aprung wie magere, unb gefunbe eine anbere ®oft wie tränte; nicpt minber pat man bie 9capruug ben üerfdjiebenen 23efdjäftigumgen unb ben flimatifdjen 23erpältniffeu anzupaffen. Sind) nadj ben üerfdjiebenen Tageszeiten ift bie $oft eiuzuridjten. Tie widjtigfte 3D?aplzeit, baS 9D?ittageffen, bei bem ein (Srwacpfener (arbeitenber 3)i'aun) burdjfdjnittlidj 2 Unjen Eiweiß, 1,15 U. gett unb 5,50 U. genießen fall, pat natürlidj in befonberS naprpaften Speifen zubeftepen (Suppe, gleifcp, ©emiife). grüpftütf unb Slbenbeffen fallen bagegen eine leidjt verbaulidje unb reizbare $oft bieten; erftereS, weil eS für ben Klagen nidjt zuträglich ift, ipu fofort am borgen mit fdjweren Speifen zu belaften, baS letztere, weil fdjwer verbaulidje 9iaprung am Slbenb benSdjlaf zu ftören im Staube ift. SQiepr äftaljlzeiten als brei am Tage einzunepmen, ift fein 23ebürfniß, fonbern nur eine Slngewopnpeit, bie aber für ißerfonen, weldje in ber ©enefung begriffen finb ober an 23lutarmutp, u. f. w. leiben, üortljeit paft ift. Sind) bie Sßerljältniffe, in benen man lebt, fpredjen ein gewidjtigeS SBort bei ber SluSwapl ber mit. Ter Dleidje, ber fid) feinen Sßunfcp zn üerfagen braucpt, fann ben „oefonomifcpen SBertp" ber Speifen uuberücffidjtigt laffen; nidjt fo ber 2lrme ober weniger 23emittelte, ber fid) einzufdjränfen pat. W?an taufe aber nie fdjledjte S'iaprungSmittel, um ZU fparen. Lieber etwas mepr bezapleu unb etwas weniger taufen. Tie beffere Dualität erfept ben DuantitätSauSfall reidjlid). (Sbenfo berüd> fidjtige man baS, was fpäter über „®emifcpte Äoft" gefagt wirb. 511S 23eifpiele, wie ber oetonomifcpe üöertp ber Speifen auf ®runb ber 9läpr* wertptabelle zu berecpnen ift, geben wir pier meprere täglidje Nationen mitunbopne Tie Nationen opne $leifcp fdjließen allerbingS mepr ober weniger tpierifdje 9iaprung (9)2ild), Scpmalz, ®äfe) ein unb finb ge= fuub, jebocp ift ipre fortwäprenbe Slnwenbung nidjt zu empfeplen, ba baS ftleifcp auf bie Tauer burd) fein anbereS 9laprungSmittel erfept werben fann. 23ei ber ber Nationen würben bie TunpfcpiiittS- preife ber Stabt 9?ew 9)orf zu ®runbe gelegt. Tiefeiben gelten natiirlid? nid)t zu allen feiten unb nicpt überall unb zeißert beSpalb nur, wie mau bie 9iäprftoffe oou 9?aprungSnütteln berecpnen fann. 326 33 i 11 i g e t ä g l i dj e Nationen o tj n e $ l e i f dj. 3 2afjriing§ntitte£ G tiüctfe Uujcn ftett. Itnjen Sotjlenljpbvate Unjen Soften Gents 20 Unsen ®rob 1,40 0,10 11,04 5, 4 Gig. per $funb 2 // Steig 0,16 0,02 1,53 1, 8 Gtg. per $fb. 2 // .fSafermeljl 0,29 0,12 1,30 f, 5 Gtg. per Sßfb. 1 // @ct)mals - 0,99 - f, 10 Gtg. per S3fb. 24 // Kartoffeln 0,48 - 4,96 2, 80Gtg.per SSufftel. 4 X/ fetter Käfe 1,00 1,16 0,08 3, 12 Gtg. per ißfb. 1 $int ERilcö 0,54 0,57 0,76 3 ©a. 3,87 2,96 19,67 15| Gentg. 26 Unjen 29rob 1,82 0,13 14,35 61 4 // Sßobnen 0,92 0,08 2,14 Ü, 5 Gtg. per $fb. 2 // §afertnel)l 0,29 0,12 1,30 5 8 2 z> <S oftmals - 1,98 - 11 24 // Kartoffeln 0,48 - 4,96 2 1 // Buder - - 0,94 f, 10 Gtg. per 5]3fb. 1 Sßxnt SBildj 0,54 0,57 0,76 3 ©a. 4,05 2,88 24,45 15j Gentg. 26 Unsen SÖrob 1,82 0,13 14,35 61 2 // ÜFiacaroni 0,18 - 1,52 1|, 12 Gtg. per . 2 II Steig 0,16 0,02 1,53 1 4 u SBofjnen 0,92 0,08 2,14 11 1 ii ©oftmals - 0,99 - f 2 u fetter Käfe 0,50 0,58 0,04 11 1 SDtilcl) 0,54 0,57 0,76 3 ©a. 4,12 2,37 20,34 15g Gentg. billige t ä g l i d) e 9? ci t i o n e n m i t 51 e i f d). 26 Unsen SBrob 1,82 0,13 14,35 61 4 // ©petf 0,56 1,48 - 4, 16 Gtg. per 1 ii ©oftmals - 0,99 - I 4 ii 23oftnen 0,92 0,08 2,14 11 24 u Kartoffeln 0,48 - 4,96 2 ©a. 3,78 2,68 21,45 141 Gentg. 26 Unsen ®rob 1,82 0,12 14,35 61 8 u fetteg Stinbfleifcft 1,36 2,12 - 9, 18 Gtg. per 32 II Kartoffeln 0,64 - 6,62 25 2 II fetter Käfe 0,50 0,58 0,04 11 ©a. 4,32 2,82 21,01 19j Gentg. 26 Unsen fBrob 1,82 0,12 14,35 61 8 II §ammelfleifcft 1,36 0,48 - 9, 18 Gtg. per Sßfb. 32 II Kartoffeln 0,64 - 6,62 2! 2 II SSutter - 1,66 - 3J, 28 Gtg. per Sßfb. ©a. 3,82 2,26 20,97 21| Gentg. 327 (Störungen im Organismus, in ber Nahrung, finb Dielf ad) auf eine ju große ober ju geringe Bufuljr uon Nahrungsmitteln inbem eine 311 große Bufuljr ©rfranfungen beS NJagenS (•'Nagencatarrh, SNagenerroeiterung, u. f. in.) bewirft, wogegen bei 3U geringer NahrungS3ufuhr (SrnährungSftörungen im Vinte eintreten unb Vlutarmutf), Abmagerung, (Sntwärmung, u. a. m. verurfadjen. Weiterhin legt man nidjt feiten 3U wenig ®ewid)t barauf, baß bie Bufuljr non näßren- ben Stoffen in ber verljältnißmäßig bebingten VJeife gefdjieljt, inbem einige berfelben in ju großer, anbere hingegen in ju geringer Quantität bem Organismus einverleibt werben. Uebermäßiger ©enuß von $ett unb &oljlenl)i)braten erzeugt ftettfudjt, ©idjt geljt vielfach aus ju reidjlidjer gleifdjnaljrung hervor, unb bie Scrophulofe jeigt fiel) mit Vorliebe bei Äinbern, welche huuptfächlich Nahrungsmittel mit vielem Bucfer* unb Stärfemehlgehalt erhalten. $efte Speifen erforbern ftets Ijinreidjenben ®enuß von glüffigfeiten. Oer übermäßige ®enuß von Alcoljol ober alcoholifdjen getränten erzeugt aber ebenfo wie ber reijenber, ju ftarf ge- winkter Speifen VerbauungSftörungen unb cfjronifdje SNagenübel. (Snblidj giebt noch ber ®enuß 31t falter ober 311 heiler Speifen oftmals Anlaß 31t Affectionen ber 3äf)ne unb ber Sdjleimhäute beS VerbauungSapparateS. ® e m i f d) t e $ 0 ft. Uebermäßiger $leifdjgenuß, ber hier in Amerifa and) in ben weniger bemittelten klaffen häufig angetroffen wirb, ift, wie gefagt, fdjäblid), unb ebenfo wenig ift 3U empfehlen, fid) immer an Nation neu ohne gleifd) 3U halten. Oer normale Appetit, ber bei ber Auswahl ber Speifen fowofjl in Ve3ug auf bie Quantität als and) bie Qualität ber- felben unfer fidjerfter Rührer ift, weift uns auf eine gemifdjte, b. h- tljeilS thierifche, theilS pflan3lid)e Nahrung an - unb er rechtfertigt bamit auch baS in ihn gefegte Vertrauen. Oie Vegetarianer wollen ben Körper nur mit pflau3lidjen Stoffen ernähren, wobei freilid) nidjt unerwähnt bleiben barf, baß bie meiften Vege- tarianer, wenn and) fein $leifd), fo bodj tljierifdje Nahrung in $orm von (Siern, Md), $äfe, Vutter unb §onig genießen. Aber gefegt ben $all, man wollte animalifdjer Nahrung gans entfagen, würbe man bamit bem Körper ober fdjaben? (SrftereS fidjerlicf) nidjt, unb unfdjäblidj würbe eine rein vegetabilifche Äoft nur für gan3 fräftige Naturen fein. (SS ift möglich, alle thierifdjen NahrungSftoffe burd) vegetabilifdje 3U boch müffen letztere, bie ja fdjwer verbaulidjer finb, 3U biefem Veljufe in viel größerer SNenge eingeführt werben, weil fie an gewiffen NahrungS- ftoffen, befonberS (Siweiß, viel ärmer finb, als baS Oie auSfdjließ- liehe beläftigt alfo ben SNagen, inbem fie ihm eine -öNenge fdjwer- unb unverbaulicher Veftanbtheile aufbürbet, bie bei animalifdjer Äoft in viel reinerem unb leicht nerbaulidjeremBuftanbeeingeführtwerben 328 tonnten. 9Iel)nlid)e Nachteile würbe eine rein animalifrf)e Soft für unfere Ernährung Ijaben. «Sowohl bie rein pflanzliche, als and) bie rein tbierifcße Nahrung ift mit einer Verfdjwenbung non Nahrungsmaterial unb einem überflüffigen Slufwanb bon VerbauungSarbeit berfnüpft, ganz abgefehen bon ben fchäblidjen folgen, welche beibefür ben Sörperbirect haben (f. oben). Unfere Soft foll eine gemifd)te, eine tI)eilS tl)ierifd)e unb tljeilS pflanzliche fein, unb jioar fallen mir elfterer hauptfädjlid) baS Material zum Crganaufbau unb letzterer baS Material jur (Sntwictlung bon Sraft ent- nehmen, b. I). Eiweiß refp. Sohlenhpbrate. Unferen Vebarf an gett ent- ziehen wir jumeift ber animalifchen Nahrung DNilrf),-Vutfer, Säfe); wir tonnten il)n aber unbefdjabet and) borwiegenb aus ben pflanz- lidjen Nahrungsmitteln betten (Dlioen-, Nfohn-, £ein-, SNanbeloel, u. f. f.) <S d) ä b 1 i dj e S ® e f d) i r r. £)ie geneigte £eferin wirb jefjt ganz genau wiffen, wie fie ihre §auSgenoffen ju oerpflegen h«t, audj ohne baß wir uns auf weitere Slnweifungen in betreff ber Zubereitung ber ©peifen eintaffen. 9Nöglidjerweife, baß wir in biefer rein culiuarifdjen halb unfere Nieifterin fänben. deshalb wollen wir „S3hilofophen bleiben unb fdjweigen". Znbeffen fällt in unfer (gebiet nod) eine Südjenfrage, bie wir nid)t unberührt übergehen bürfen; eS ift bieS bie ftrage bon ®d)äb* lidjfeiten, bie mit ber Venupung bon mancherlei Sod)- refp. (Sßgefdjirr berfnüpft fein tonnen. ZrbeneS (gefdjirr bebarf einer guten (glafur, welche fein 4Blei abfom bert. Zur Sßrobe fodfe man in foldjem (gefcpirr, ehe es in (gebrauch genom= men wirb, Sßaffer unb (Sffig- kiefe 9Nifd)ung nad) bem Soeben eine fdjwaqe fyarbe, fo enthält bie (glafur SBlei. Gifen ohne fdjabet niemals, felbft wenn bie (glafur im Znnern beS £opfeS abgefprum gen ift, unb baS ßifen fiel) jeigt. (gefdjirre ober (gefäße bon Supfer (oft auch berjinnteS Supfer), Nleffing, 53lei unb Zinf geben am leidjteften ju Vergiftungen Slnlaß, wäljrenb Zinngefdjirr (natürlich opne Vleigeljalt, b. h- fein VJeißjinn) ohne (gefaljr gebrandet werben tann. £)aS Ghriftoflemetall (Neufilber ober SNeffing) ift, wenn bie Versilberung abgenufct ift, fd)äb= lidj, ebenfo baS GompofitiouSmetall, weldjeS Supfer enthält, färben, mit beuen Söaffereimer finb bielfad) gifthaltig, löfen fid)leid)t auf unb berbinben fid) mit bem im Gimer befinblichen SBaffer, beffen (genuß ober (gebraud) bon ben nad)tl)eiligften folgen begleitet fein tann. Zum ßonferbiren bon B'leifd), Früchten, u. f. w. gebraudje man (gefäße oon (Steingut ober beffer nod) bon (glas ober (f. (gemüfe unb $rüd)te). 329 bes Stauungen ober fonftige Störungen beS Blutkreislaufs tßeilen fidj allmälig bem gangen Körper mit unb vermögen bie Xßätigfeiten ber ein* gellten Organe gu ßemineii ober fogar gumgänglidjenStillftanb gu bringen. Hinreidjenbe Sßaffergnfußr beugt Blutftaunngen infofern vor, als baburd) baS Blut bünnflüffiger wirb unb beSßalb leicßter burd) bie Slbern „rollt", kräftiges Sltßmen unb genügenbe Bewegung tragen ebenfalls bagu bei, ben Blutkreislauf in Orbnung gu erßalten. Haupffädjlicß forge man aber bafür, baß b a S He r 3 n i d) t e r f r a n f t. ©aS §erj ift bie ber Blutcirculation, unb irgenb eine Störung ber Horgtßätigfeit gießt fcßlimme Folgen für ben Blutkreislauf nad) fiel). 9?ad) bem kann mau ben 3uftanb beS §ergenS leicßt beurteilen. Stellt fid) Herzklopfen ein, fo ift baS ein fidjereS 3eid)en, baß bie Functionen beS §ergenS nidjt normal verlaufen. OeSßalb Der* meibe man alles, was ßeftigeS §erjflopfen ßervorruft. SlnbauernbeS Herzklopfen veranlaßt nidjt feiten Herzvergrößerung, Wäßrenb tjeftige Hauterfaltungen vielfad) bie Urfadje von Hergentgünbung werben. Sie Herggufammengießung muß aud) burd) Slrmbewegungen unterftüßt werben, ba baS §erj oßne Anregung erfcßlaffen unb fo feinen Aufgaben ßinficßtlid) beS nicßt genügenb nacßfommen würbe. ift barauf gu acßten, baß bie Ougenb genügenb SBaffer trinlt. 3ft baS nidjt ber Fcdß fo verfümmert baS ©efäßfpftem unb bei bem ungenügenben 33lutanbrang nad) bem Hergen erfcßlafft biefeS. Um* gefcßrt - bei reidjlidjer Söaffergufußr in ber 3ugenb - wirb baS nodj feßr elaftifdje ©efäßfpftem erweitert, eS fließt viel 53lut gum Her3 baburd) wirb biefeS, wie jcbeS gu tücßtigem Arbeiten ßerangegogene Organ, für bie SebenSgeit gekräftigt. Saburcß, baß in ber 3ugenb bie ®efäße er* weitert werben, erwädjft bem Sliter mit bem birecten SSortßeil leidjterer nodj ber inbirecte, baß aud) bie (SntgiftungSorgane fdjnellcr unb leicßter bie ®ewebsfd)laden erßalten unb aus bem Körper entfernen. 2ßie baS Her5 Werben burd) reid)lid)eS SSaffertrinten (in ber Ougenb) and) bie (SntgiftungSorgane gekräftigt, inbem fie gu vermeßrter Sßätigfeit gegwungen werben. 330 bcs Mörpers. ®eiue6§:9?eubilburtfl unb SKauferunfl. Sßoljnung, Sßofynort, Älima, ßlcibung. pflege ber einzelnen Apparate beS ÄörperS. pflege beS ftörperä in ben berfdjiebe- nen ßebenSnltern• pflege beS ÄörperS in toerfdiiebenen 53eruf3arten. unb ©er @toffwed)fel in unterem Körper, bas 9?eubilben non Organbe* ftanbtheilen unb bas Käufern ber ®ewebe (9IuSfd)eiben von fd)lacfen) ift non brei Umftänben abhängig. (SrftenS muß bie gehörige SOienge gefunben Blutes im Körper vorpanben fein, bamit bie (Sfewebe ba$ ju ihrer 9ieubilbung nöthige 9)iaterial finben. muß ber $rei&> lauf beS iöluteS orbentlid) von ftatten geben, woburd) bie Organe jenes SQJaterial jugefüljrt erhalten unb bie ihnen entnommenen ©ewebs- fdjlacfen (nad) ben (SntgiftungSorganen) fortgefdjafft werben; in ben laren, wo ber SluStaufd) von (5rnäl)ruiigSflüffigteit gegen ®ewebsfd)latfen ftattfinbet, barf aber ber iölutlauf nidjt ju fdjnell fein, anbernfallS nidjt bie gehörige $eit <jn bem SluStaufd) von neuem gegen altes Material ge- geben ift. ©ritten« muß man Stljätigfein mit 9iul)e abwedjfeln laffen. ©ie beiben erftgenannten 23ebingungen fiub burdj eine geeignete pflege beS 33luteS unb beS 23luttreiSlaufS erfüllt. ©ie britte ber Sßedjfel jwifdjen 9tul)e unb Oljätigfeit be- fiel)! in einer gehörigen Schonung beS Körpers. SBir müffen biefem nad) $lnftrengungen irgenb iveldjer 9lrt „(SrholnngSpaufen" gönnen, beim bas (Srfefcen ber Sßerlufte, iveldje ber Körper beim ©hötigfein erlitten hnt, b. I). bie ©elvebSneubilbung, geht nur im .ßuftanbe ber 9iulje vor fid). Sind) biejenigen Organe, welche von nuferem SBillen unbeeinflußt arbeiten, be* bürfen ber 9iul)e unb verfcpaffen fid) biefe, inbem fie abfapweife auörul)cn. Uebermäßig angeftrengte ber Organe (befonberS beS ®el)irn« unb ber 9?erven), b. h- ohne biefen bie gehörige 9iul)e (Sdjlaf) 311 ihrer (gelbfterneuerung ju geben, führt $u ®d)Wäd)ung unb Zähmung ber Organe. Slber nod) au« einem ®runbe verlangt ber Organismus jene 5(bwed)felung jwifd)en Arbeit unb 9tul)en. Serben bie Organe niri)t angeftrengt, fo entarten fie; bie anbauernbeUnthätigfeit macht bieOrgane unfähig, ihren Functionen objuliegen. Für bie 9)?auferung ber @ewebe, b. h- bie Abgabe von ®eWcbS* fd)lacfeu an baS 4ölut refp. bie (SntgiftungSorgane ift natürlich außer ben beiben lebten ber brei Momente, weldje wir als widjtig für bie ©ewebS* 331 SReubilbung unb SOlauferung fenneu gelernt paben, nocp ein ©ritteS er* forberlidj: ein gefunber 3uftaub unb eine angemeffene pflege ber Organe, welcpe bie ©ewebsfdjlacfen aus bem Körper auSjufdjeiben paben, b. p. ber (SntgiftungSorgaue (f. pflege ber einzelnen Apparate beS Körpers). IKolhiort, /tfinta, ©er menfdjlidje Körper ift bor Sdjäbigungen bon per ju be* wahren. ©aS qefdjieljt Ijauptfädjlicfj burrf) nachftepenber ®e* funbljeitslehren in 39ejug auf SEßopnung, SEßopnort, $lima unb Äleibung. SBopnung. Um fid) fdjäblidjen (Sinflüffen bon Sßßinb unb SEßetter auf türjere über längere 3eit entjiepen ju tonnen, bebarf ber Dftenfd) gefdjloffener kannte, unb biefe bilben feine Sßopnung. (SS leudjtet ein, baß foldje SRäume, in bencn ber DJZenfdj feinem Berufe obliegt ober feine Sftußeftunben (fdjlafenb ober wacpenb) »erbringt, je nad) iprer 4Befcpaffenpeit eine günftige ober fcpledjte (Sinwirfung auf bie ©efunbpeit iprer Onfaffen ausüben Werben unb beSpalb beftimmten ppgieinifcpett Slnforberungen entfprecpen muffen. £ i cp t wirft auf alle organifcpen ®efd)öpfe belebenb - nicfjt nur auf bie '»ßflanjen, fonbern aucp auf bie Sftenfdjen, unb ba bie natürlicfje leucptung bon bem Urquell alles VidjteS, bem S o n n e n l i dj t, auSgept, foll man barauf fepen, bau legerem ber Bugang ™ bie SBopnung in aus* gebeljnter SEöeife geftattet fei. 3n febeS Rimmer foll möglicpftbiel Sonnen* Iid)t birect einfallen, unb beSpalb foll jebeS bis faft jur ©ecfe reidjenbe genfter Ijaben. gilt baS für Äranfenljäuferunb Sdfulen. 53ei intenfiber $i£e im Sommer ift eine WUlberung ber fengen* ben Sonnenftratjlen burd) Sdjliejjen ber unb ber fRouleauy geboten, bamit bie ■Temperatur im§aufenid)t ju fefjr gefteigert, b. i. fdjäblid) wirb, fobalb biefe ©efaljr befeitigt ift, muß man jebod) bie Sonnenftraljlen wieber einlaffen. Sßor allen Gingen foll baS Sßoljnjim* mer biel Sonnenlicht erhalten, refp. baS 3'ntmer, baS für grauen unb Äinber beftimmt ift, weldje bie meifte $eit im §aufe ju beibringen haben. Sille Biwmer überhaupt, Welche Sßohnjwed'en bienen, müffen fonnig (unb luftig) fein, unb in feinem beS §aufeS füllte man bie fünfter* laben, ober SRouleaup tagsüber gefdjloffen holten, es fei benn, wie gefügt, bap grope es aus anberer 9?üd'fid)t erforbert. (5s ift eine gefuubheitSfthäblidje Xhorheit, bie Rimmer ihrer belebenben natürlidjen 53e* leudjtung burch baS Sonnenlidjt ju berauben, blos um etwa bas S?er* 332 fd)iefeen von äftöbeln ober Teppidjen 311 Verpinbern. - Tie f ü n ft l i cp e 23elend)tung ber Sßopnräume pat nur 31m Slbenb« ober 9lad)t3eit, wenn eine natürliche auSgefd)loffen ift, für letztere eiujutreten. $ein anbe« rcS 2id)t vermag bie belebenbe SÖirfring beS SonnenlidjtS 31: erfepen, unb außerbem ift fünftlicpeS 2id)t bcm DJlenfcpen aus verfdjiebenen ©riinben gerabeju fcpäblid). (Sinmal entjieljt fold)eS £id)t ber 2uft in ben SBopn« raumen 311 viel Sauerftoff; nad) einer 23ered)nung £ange'S probucirt ein ©aSbrenner mit-einem Vidjt von ad)t $ei'3en Starte faft ebenfo viel $oplenfäure, mie fedjs äJZenfcpen, unb nad) SlnguS Sniitp unb §artlel) er« 3eugen eine gute £)el«„9D?oberator"«£ampe per Stuube mepr als einen halben (Snbicfuß unb eine im gleicpen Zeitraum gegen 3:10 (Subic« fuß Stoplenfänre! (Sin SKenfd) bagegen atpmet, mie "ißrof. be« reepnet pat, per Stuube nur 1:16-1:17 (Subicfnp Äoplenfänre aus. SÖeie bie von ipm entmidclten ©afe, benn baS fünftlidje £id)t er3eugt außer Äoplenfäure and) nod) anbere naeptpeilige ©afe, auf unfere inneren £>r« gane refp. baS 23lut fdjäblicp einmirfen, fo and) jenes £id)t felbft. (Sö fladert fortmäprenb unb ift beSpalb für bie Singen ungemein fd)äblidj, fd)mäd)t biefelben unb verminbert sulept bie Sepfraft. 23ei allen tünftlidjen 23elend)tungen barf mau nie bie gepörige 23orfid)t auper Sld)t taffen; Un« reinlid)feit unb fd)led)teS$unctionirenber verfdjiebenen Slpparate (ßampen, 9iöpren, m f. m.) paben fd)on mand)e§ 9)7enfd)enleben gefoftet. 23efonbere 23orfid)t fei beim Slbbrepen beS ®afeS anempfoplen; ift baSfelbe nid)t voll« ftänbig (ober mirb baS ®a§ vielleid)t gar auSgeblafen), bann entftrömt bem ®aSpapn £eud)tga$, beffen (Sinatpmnng 3U (Srftidung füprt. SD?acpt fiep im £)aufe ber geringfte ©aSgerud) bemertbar, fo beule man barau, bajj berfelbe aber nidjt bloS von offen gebliebenen ©aSbrennern unb fdjabljaften ®ummifd)läud)en ber (bemeglidjen) ©aSlampen perrüpren tann. Sille brennenben Stoffe finb fofort 3U entfernen, Tpürcn unb ß-enfter müffen geöffnet unb bie ber ÖeitnngSröpren gefcploffen merben, unb man vermcibe, irgenb meldjeS £id)t an3U3ünben. Taranf pat man fämmt« lid)e ©aSröpren 3U unterfud)en; finbet man bie Quelle ber SluSftrömung nid)t, fo über3euge.man fid), ob bie ©aSleituug luftbid)t fd)ließt, maS ber $all ift, menn alle (SMpäpne gefcploffen finb, unb ber ©aSmeffer unveränbert bleibt. Verläuft and) biefesJlad)forfcpungrefultatloS, bann ent« ftrömt baS ®aS fd)abpaften 9töpren, melcpe in ber 9läpe be§ Kaufes liegen. TaS märmere §an§ übt nämlid), befonberS im hinter, einen $ug auf baS in ben 23oben übergetretene ®aS aus. Tie befte fünftlid)e 23eleud)tnng ge« mäprt nod) baS electrifdje -Vicpt, bod) ift baSfelbe burd) 9)?ildjglaSglocfen absnfdjmäcpen, meil es opne foldje ©loden 3U intenfiv ift, unb 3ivar niept nur für bie Singen. SQian pat nämlid) an Leuten, meld)e bei ftarfem elec« trifepen 2idite 3U arbeiten patten, fonnenftidjartige $älle beobaeptet. 333 Von berfelben ober nod) größerer Vebeutung für bie ©efunbpeit als baS Vid)t ift bie £uft, unb beSljalb foll in nuferen Söopnräumen immer bie genügenbe 90?enge guter unb reiner Vuft (f. ®. 301) entpalten fein. ©aS Vorpanbenfein berfelben pängt (birect) babon ab, ob bie Rimmer pinreid)enb pod) unb geräumig finb, um eine genügenbe Cuftmenge in fid) aufjnnepmeit, unb ob für Entfernung ber berbraudjten Vuft ans bem mer burd) Ventilation geforgt ift. ©er, jeber 'ißerfon in einem §aufe ju= gemeffene fRaum füllte minbeftenS 500 Eubicfuß betragen, unb and) biefer §iaum entpält genügenbe ?uft für eine nur in bem ß-alle, baß ftete Erneuerung ber Vuft ftattfinbet. ©ie Ventilation beftept in bem Entfernen berbraudjter unb bem Einfüpren neuer, guter unb reiner Suft. Einen folcpen ßuftauStaufd) be« forgen fcpon bie VJänbe beS Kaufes, baß fie nictjt feudjt unb beSpalb bem ©urdjtritt ber Suft pinberlid) finb; fcpon aus biefem ®rtmbe, b. p. weil iljre SRauern nod) in feudjtem ,$uftanbe finb unb eine natürliche Ventilation auSfdjließen, ift baS Vewopnen neuer fünfer ber ©efunbpeit uad)tpeilig. ©fenlödjer refp. Cfenröpren, offene Kamine, pauptfädjlicp aber offene ftenftern unb Xpüren, befreien Weiterpin bie fRäume bon ben ausgeatpmeten gafigen ©ewebsfcpladen unb füpren ben Rimmern neue Vuft non außen per ju. Eine folcpe Ventilation (burd) ©offnen bon pu- ffern unb spüren) barf aber feinen gugwinb perborrufen, Weil biefer bie Veranlaffung ju mancpen Kranfpeiten ift. Slußer burd) baS SluSatpmen, b. p. baS SluSfdjeibcn gafiger ©ewebS- fdjladen aus nuferem Körper, wirb aber nod) burd) mandje anbere Unv ftänbe bie Cuft in nuferen Sßoljnungen berpeftet; pierper gepören fRarnp, Vampengafe (f. oben), ©ämpfe bom Äodjen, berroitterteS §olj, giftige ftarbe ber Xapeten unb bor allen ©ingen Unreinlidjfeit im §aufe. SllleS, was unbraucpbar geworben, wirb nur ju oft in ben Eden aufgeftapelt, bie ©peifeabfälle werben tagelang nod) im £>aufe aufbewaprt, epe man fie fortfcpafft, naffe SBäfdje Wirb im Rimmer getrodnet, ©efdjirr allerart ftept unfauber im perum, bie SlbleitungSröpren finb jeitweife gänjlid) berftopft ober bielfad) berartig angelegt, baß fid) bie wiberlidjften ©erücpe im §aufe berbreiten, u. f. W. ES ift alfo immer auf bie peinlidffte (Sauberfeit im £>aufe ju palten, bamit nidjt bie £uft mit feimen gefdjwängert wirb. 3n^rect ift bemnad) baS Vorpanbenfein guter unb reiner Vuft in unferen baburd) bebingt, baß man einer Ver= fdjlecpterung ber Vuft borbeugt. Verüprt würbe biefe fyrage fdjon oben bei ber fünftlicpen Veleucptung, unb wir werben auf fie and) nod) bei ber Vefprecpung ber beS SBopnorteS unb ber Körperpflege in ben berfdjiebenen VerufSarten jurüdsutommen paben, fo baß pier nur erübrigt, bie Vergiftung ber 511 befpredjen, bie uns bon f e p l e r p a f t e n 334 ® u h ft e i n e n u n b 21 b f l n h r ö I) r e n, befonberß ber ßlofetß (2lborte) broljt. g-igur 154 geigt unß ein geborfteneß 2lbfluproljr. (Sirt foldjeß •Werften wirb hattptfädjlidj burdj ©inten beß Untergrunbeß Ijerbeigefiiijrt. ©cljlimm, Wenn baß Otoljr unter bem §aufe felbft liegt; baß füllte nie ber $all fein. 2(uß bem fRoljr entftrömen giftige Waffen, bie ben 23oben mit fdjäblicljen ©ünften belaben, bie nadjljer, wie baß oben beim®aß gefdjitbert würbe, in baß §auß bringen, weil wärmer ift unb baburdj einen £ug auf bie im 23oben enthaltenen ©afe außiibt. 2lbflnpröljren füllten nie unterirbifdj angelegt Wer* ben; erftenß berften fie leid)ter unter ber ßrbe, unb gWeitenß wirb baburdj baß Ermitteln unb 9?epari* reu fdjabfjafter ©teilen in ber 2lbgugßleitung, b. h- baß 2lbfte((en ber ©efaljr, erfdjwert. (Sß empfiehlt fidj beßhalb, bie SRöljren (auß ©on ober beffer noch auß (Sifen) über ber (Erbe angulegen, unbmuffen bie Oxöljrcn mit (Sement feft an einanber gefügt fein. 2(ber and) ohne Werften ber 2lbgugßcanäle broljt nuferem ßeben beftänbige ©efaljr, wenn baß Dtöljrenfljftem ein falfdjeß ift. .$eber füllte fiel) einen twn bem ©ijftem machen laffen, bamit feine iDHetljer fidj üon bent Sßertlje beßfelben beim (Singieljen in baß §auß überzeugen tonnen. ©aburdj würbe and;, wenn irgenb ein ©efect im ©ijftem entfteljt, viel $eit erfpart werben, bie fonft auf baß Unterfudjen ber Leitung verwenbet werben mup. IWan achte barauf, bap bie ©upftcinröljre luftbidjt abgefdjloffen ift. ©aß gefdjieljt burdj ben fogen. ©ie röhre mup, wie alle anberen Slbjugßröljren, bidjt üor ihrer oberen (Sinmünbung, b. lj- hw fie mit ber atmofphärifdjen ßuft in SSerbinbung tritt, gebogen, unb baß „$nie" ftetßmit Gaffer gefüllt fein (f. fyig. 155). ©aburdj wirb erreidjt, bag bie Äüdje refp. bie SSoljnräume nidjt meljr mit ben ©djlenfen unb floaten, in welche bie ©upfteinröljren unterirbifrfj münben, in SSerbinbung fteljen, b. lj- bap ein SSerpeften beß burdj bie (Sloafengafe, weldje burdj eine ©upfteinröhre oljne Änie einftrömen, oerljinbert ift. Septereß, baß Änie, muh tief genug gebogen fein, bah Sßaffer bie Dcöljre luftbidjt gu oerfdjliehen vermag; anbernfallß (f. gig. 156) ift ber fehlerhaft, b. i. wehrt n i dj t bem (Sinbringen giftiger ©ünfte. -3m Käufern, in benen mehrere Familien woljnen, IjQt intr baoon ju überzeugen, ob bie Leitungen ber eigenen Sßoljnräume ridjtig finb, fonbern audj baoon, ob bie ftiöljren in ben anberen ©he^etl §aufeß Fig. 154. ®cbor|tene Slbäugäröljre. Fig. 155. StSafferbericfilrf; in ber ®ujsftein= röljre. 335 luftbicfjt verfchloffen finb. (Sin einziger fehlerhafter ©ufsftein vermag baS ganze §auS zu einer 9ZeftI)öl)le unb Sörutftätte von 23acterien zu machen! 2Bie bie ©ufffteine flehen and) bie ftabilen 2ßafd)ftänbe mit ben unterirbi- fdjen @d)(eufen unb (Stoafen ober gar fd)on über ber (Srbe mit ben Abzugs« röhren ber (SlofetS in Sßerbinbung. ©ie Stohren biefer ©taube muffen ebenfalls burch A3afferverfd)luh abgefperrt fein, unb ift letzteres (birecte 'SBerbinbung mit bem (Slofet) ber $all, fo ift befonberS barauf zu achten, baß bie Abzugsrohre bidjt unter ber SJtünbung in ben Söafchftanb, b. I). el)e bie Stöfjre in bie Ab« ZugSröhre beS (IlofetS übergeht, ein $nie hat, baS ftetS mit ASaffer gefüllt ift. $ig. 157 Veranfdjau« lidjt bas ®efagte. ©ben ift rechts baS ßlofet, linfS ber Sßafdjftanb; beibe finb burd) eine 2$anb getrennt, ©ie Abzugsrohre beS (SlofetS ift burd) Sßafferverfdjluß abge« fperrt. ©aburd) werben bie ®afe ber Ausleerungen jurücfgebrängt, unb entweichen baljer nid)t nur bie (Sloafengafe, fonbern and) bie ber (Sntleerun« gen burd) baS eine fehlerhafte (nid)t gebogene) Abzugsrohr beS Sßafd)« ftanbeS in bie Wohnung. §at bagegen bas 9tol)r beS Sßafd)ftanbeS, wie baS burd) bie richtige (ge= bogene), zweite Stöljre beS äßafd)ftanbeS auf unferem töilbe illuftrirt wirb, ein $uie, baS mit SBaffer angefüllt ift, fo tonnen bie ®afe ber floaten unb Ausleerun- gen Weber burd) baS Slo- fetnod) burd) ben ftanb nach oben entwei= d)en. SJleiftenS finbet man an ben 25afd)ftän- ben zwei Abzugsrohren, ©ie eine münbet unten in ber größten ©iefe beS Redens, bieanbere, weldie ein lieberfliehen beS AßafferS verl)inbern foll, oben am Staube beS WcfenS. •53eibe Stohren müffen ein Änie haben, benn wenn nur bie unten münbenbe Stöl)re ein ®nie entweichen bod) ®afe burd) bie anbere oben müm beube Stöljre (f. fyig. 158). (Sin Sßafferverfdjluh ber letzteren läßt fid) aber and) leicht ohne $nie zugleid) mit bem ber unteren Stöhre herftellen, inbem Fig. 156. geljlerljafter „SöaffcröerldjluB", Fig. 157. 336 inan bas obere 9?ol)r in bas untere oberhalb beffen Änie cinmünbcn teißt (f. $ig. 159). Sem Ucbelftanb, baß SBSaffer in bem $nie einer Oiößre, in weld)eS feiten Sßaffer gelangt, faulig nnb baburd) felbft jum ßranfl)eitSer* reger werben mödjte, ift leidfr baburd) abjuljelfen, baf$ man von $eit ju 3eit genügenb Gaffer in bie $Röljre laufen läßt, um baS alte SSaffer im $nie burd) frifcßeS 311 Verbrängen. 9lod) beffer ift es, unten am $nie einer einen, burd) eine Schraube Verfrßließbaren SIbfluß anju* bringen, ben man zeitweilig öffnet; nad) Entfernung beS alten üöafferS wirb bie 9iößre wieber gefdjloffenunb mit Söaffer gefüllt. Surcß einen foldjen Sdjraubenverfrßluß Tann man nämlid) bei etwaigen Störungen in ber Leitung ol)ne weiteres ermitteln, ob bie Stauung ober* ober unterhalb beS ÄnieS ftattßat. SDian muß ferner barauf feßen, baß bie SlbjugS* rößren beS Kaufes nid)t mit ©ußfteinen im £>ofe in offener Sßerbinbung freßen (f. ftig. 159). Saburcß fammeln fid) in bem ©ußftein nidjt nur faulige Stoffe an, bereu ®afe nad) oben in ben §of entweichen, nnb bie Vuft be§ §ofeS nnb be§ Kaufes üerpeften, fon* bern cS bringen and) giftige Olafe aus ben unterirbifdjen Straßenleitnngen herauf, falls bie nad) biefen füljrenbe ©ußfteinroßre feinen 5ßaf* ferverfdjluß l)at. Sie Slb* jngSröljren beS Kaufes füllen ununterbrochen burd) bte ©ußfteingrube verlaufen, unb außerbem muß, wie ge* fagt, ber lederen (befonbere) SlbjugSröhre ein $nie haben. ES ift audj barauf ju ad)ten, baß bie Sad)rinnen refp. *röl)ren nid)t mit ben SlbjugScanälen in SSerbinbung freßen. * Sie fd)led)ten ®afe, weldie in einem folcßen Oxoßr emporfteigen, falls eS von jenen Eanälen nid)t burd) einen 2Bafferverfd)luß luftbidfr getrennt ift, bringen in bie Wlanfarben Fig. 158. Fig. 159. 337 unb oon ba in baS ganze £>auS ein. 2luf ber Unioerfität Sambribge in (Snglanb würbe üor einigen O«ßven bie (Sntfteßung tßpßöfer fieber auf eine foldje Urfacße zurücfgefüßrt. Sind) auf baS fRacßbarßauS muß man feine Slufmerffamfeit lenten, um zu ermitteln, ob bort baS SlbzugSfßftem in Drbnung ift, bamit nidjt bon ber (Seite bie ©efunbßeit beS eigenen Kaufes burcß etwaige VerbinbungStßüren, ©acßrinnen, u. f. w. bebroßtift. On gälten, wo bie Ventilation burcß SRauern, Ofen, Barnin, u. f. w. unjureidjenb ift, unb baS trifft ßauptfäcßlicß bei ©ebäuben zu, in beiten biete Verfonen in einem Otaum jufammengepferdjt finb (Oabrifen, $afer* neu, ©efängniffen), madjt ficß gebieterifcß bie Dlotßwenbigfeit geltenb, auf fünftlicße 2ßeife Slbßilfe ju fcßaffen unb Ventilatoren, b. ß. Suftrößren av Zulegen, welcße fortwäßrenb bon außen ßer neue, reine Suft jufitfjren. 2Iucß hierbei ift zu berüdfidjtigen, baß fein Suftzug entfteßt. $ür fid) felbft tann man leidjt auf folgenbe Vkife f n n ft l i d) e Ventilation ßer- ftellen. 2Ran nagle ein 4 bis 8 Boll breites Vrett an bie untere Seifte ber unteren Oft biefe ßeruntergejogen (bas fünfter ge* fdjloffen), fo bleibt bodj nocß jwifcßen bcm oberen (Silbe ber unteren fünfter* ßälfte unb bem unteren (Snbe ber oberen genfterßälfte ein Dtaum frei. ■T'urd) biefen bringt fortwäßrenb Suft ein, bie nad) oben geßt unb ficß bon bort aus über baS ganze Biutmer Verbreitet. Um gleichzeitig eine 2lb= ZitgSrößre für bie fcßledjte Suft im Rimmer zu erßalten, empfießlt £r. $een folgenbeS Verfahren: Quer über bie untere Seifte ber unteren $enfterßälfte nagle man einen meßrere 3oll breiten Ütudjftreifen. Oe nacß bem VSetter öffne man nun baS fünfter meßr ober weniger, b. ß. fdjiebe bie untere Oenfterßälfte nacß oben, bocß fo, baß ber Xudjftreifen immer nocß ben (Spalt fünfter unb fyenfterbrett bebetfe. 2(uf biefe SBeife entfteßen zwei Suftwege im nämlicß einer unter ber nute« reu Seifte ber unteren $enfterßälfte unb ein anberer jwifdjen ber oberen unb unteren Seifte beiber Seigerer, welcßer aucß bei ber Venutiung beS VretteS entftanb, entfernt einen SSßeil ber üerbraucßten Suft. On engem Bufammenßange mit ber Ventilation fteßt bie Reizung beS §aufeS, benn abgefeßen batwn, baß wir nidjt nur ber fortwäßrenben 3u= fußr reiner, fonbern bei faltem V>etter aucß warmer Suft bebürfen, wirb bie Ventilation befanntlid) aucß tßeilweife fcßon burcß Defen refp. bereu SeitungSrößren bewertftelligt. V3ir wiffen, baß bie ©efunbßeit beS SJienfdjen twn einem beftimmten ®rab SB arme abßängig ift, weldje zumeift im Körper erzeugt wirb, aber burcß ©djupmittel oor größeren Verluften bewaßrt werben muß; foldje (Scßufcmittel finb bie SBoßnung unb Sleibung. 0« gefdjloffenen Räumen foll bie Temperatur 68° F. (16° fReaumur, 20° ßelfiuS) betragen; fie foll 338 nid)t niebriger fein, nm SßärmeDerluften (Srfältungen) Dorjubengen, ju* gleid) aber and) ben angegebenen ®rab nid)t überfteigen, ba übermäßige SBärme ber £uft ju Veranlaffung giebt. Sitte ©efen - $ol)len*, Barnin* unb - entfpredjen ben Stnforberungen, weldje man in Vejug auf SBärmeentwidlung an fie {teilt, aber nidjt alte ©efen forgen gleichzeitig für Ventilation. Sim beften finb in festerer Ve- Ziehung bie 3n geringerem ®rabe Dermitteln bie gewöbnlrdjcn (Sohlen*) ©efen bie Vuftreiniguiig, unb füllte jebeS Rimmer, baS mit einem foldfen ©fen geheijt Wirb, jwei flaminrobren haben, bie eine für Diaud) unb VerbrennungSgafe, bie anbere jur Stbleitung Derbraudjter refp. fd)Ied)ter Öuft aus bem Rimmer. ©ie Ventilationsröhre füllte bis jum Voben geben, fiel) aber nidjt in bemfelben, fonbern feitlich, unten an ber Söanb, öffnen. SÖirb nun burch baS $euer im Ofen beffen SlbjitgSröbre erwärmt, fo wirb burch biefe and) ber obere Obeil ber VeiitilationSröl)re Warm; eS entftel)t in letzterer baburd) ein $ug, ber aufwärts gebt unb bie fd)Ied)te Suft im Rimmer abjiel)t. Vei ber Luftheizung hat man befonbere Sorgfalt auf bie Ventilation ju Derwenben; biefe §eijungSart erforbert unbebingt eine befonbere VentitationS* röhre, um bie gimmerluft mit ber atmo- fphärifchen in Verbinbung ju fepen. $ig. 160 jeigt jwei ßuftheijungSöffnungen im Voben, unb jwar in jwei berfdjiebenen (Sden beS Rimmers. ©ie warme tfuft, bie Dom §eijungSapparat Don unten herauf fomint, folgt ben Pfeilen unb Der* breitet fid) Don feber ber beiben Seiten aus im Rimmer, um fpäter (wenn Der* brandet) oben burd) bie ©eefe abgeleitet ju werben. VJie fd)on bei ben VentilationSröbren ber Soblenöfen bemerft, iit eS jebod) beffer, ©effnun* gen ber Ventilation nidjt im Voben au* jubringen, fonbern feitlich unten an ben SBänben (f. $ig. 161). ©aburd) wirb oerbinbert, baß leicht Staub, StbfäUe, 11. f. w. in bie ©effnungen einbringen. 3ft bie ©effnung für bie Dom parat fommenbe ?uft feitlid) unten, fo fotl bie StbjugSöffnung oben ober unten in ber entgegengefepten SBanb fein, wie bie $igur 161 (redjts oben) jeigt. ©a* burd) wirb ber mögtichft rafdjen unb gleichmäßigen Verbreitung ber war* men Vuft im 3'nnuer Vorfchub geteiftet. ©aS über bie 3immerluft 16o. Fig. 161. 339 VHdjtige läßt fiep aus bem bisper ©efagten furj folgenbermaßen jufant* menfaffen: Sftan forge bafiir, baß ein §auS unb jebeS Rimmer beSfelben bie nötpige W?enge frifdjer Vuft entpält, unb baß biefe überall gleichmäßig verteilt ift; ferner l)cit man für 2Ibjug ber fdjledjten Öuft (Ventilation) unb nod) bafür 311 forgen, baß bie frifdje Öuft im VBinter erwärmt wirb, ©ie erwärmte Vuft barf aber nidjt ju troefen fein, fonft ruft fie fReijungen ber Sdjleimpaut beS SIthmungSapparatS unb in ber fyolge anbere Störun* gen im Körper hervor. ÜJlan treffe alfo Vorfeljrungen, baß bie Rimmer* lüft ben gehörigen $eudjtigfeitSgrab Ipt ®ei Suftljeijungen bewerf* ftelligt man baS, inbem man SÖaffer in ber Cuftfammer beS Apparats aufs ftellt. ES ift geratljen, unb bei ©fen* unb Äaminpeijung foll man immer barauf bebadjt fein, von $eit ju 3eit SßSaffer im Rimmer 311 verbampfen ober and) fortwäljrenb, inbem man auf bem warmen ©fen ein offenes, mit gefülltes ®efäß fiepen läßt. Wüt ber Äoplenofenheijung ift bie ©efapr Verbunben, baß aus bem ©fen Äoplenfäure unb Sdjwefel* unb in bas Rimmer ent* Weidjett. VefonberS gefährlich für unferen ©rganiSmuS ift baS Kopien* opljb, bem gegenüber man alfo, nod) baju, ba eS gerucploS ift, Ijaupt* fädjlicp auf ber §ut fein muß. W?an adjte barauf, baß ber ober baS WlarienglaS feiner ©püren feine Dtiffe pat, unb baß bie für bie VerbrennungSgafe nidjt verftopft ift; audj fiub bie klappen nidjt 311 früp 3U fdjließen, vorneljmlidj bor bem <Sdjlafengepen bei ©efen, bie in Sdjlafjimmcrn felbft ober mit foldjen in Verbinbung fiepen. Vci ab* gefperrtem 3ngang jum Barnin ftrömen bie ©fengafe in baS Rimmer. Vür paben fdjon oben bargelegt, einen wie fcpäblidjen Einfluß lecf ge* worbene ober feplerpafte SlbjugSröpren auf bie £?uft beS §aufeS unb bamit auf bie ©efunbpeit ber Vewoljner beSfelben ausüben, forge man bafür, baß bie SlbjugSröljren ber d 10 f e t S in orbentlidjem finb, benn in iljnen entwicfeln fidj am allererften, b. Ij. auep opne freie Verbinbung mit ben unterirbifdjen ©djleufen, giftige ®afe. 3n ©täbten, bie canalifirt finb unb feinen Mangel an SBaffer leiben, ift bie Anlegung von $BafferclofetS bepnfS bequemer unb unfdjäblidjer Entfernung ber menfdjlichen SluSleerungen am geeigneten, unb babei baS fogen. „eepa* ratfljftem" angewenbet worben. ©iefeS@Ijftemerforbert je jwei Dtöpren, bereu eine jur Ableitung beS SßafferS bient; bie anbere, nidjt aus einem c&tüpf unb nidjt winflig gebogen, fonbern ans f(einen 9töljren jufammen* gefept unb in fünfter Krümmung verlaufenb, fdjafft bie Ejrcremente fort unb fteljt mit Spülbehältern in Verbinbung, mittels bereu fie von 3eit ju 3eit rein gefpült werben fann. ©iefeS Separatfpftem ermöglicht größere fReinlidjfeit ber fRöpren unb fdjnellere Entfernung ber SluSleerungen, als ein Sljftem mit nur einer (großen) Diöljre für VBaffer unb Ejcremente. 340 Vei allen SafferclofetS, gleidjüiel WeldjeS ©tjftem angewenbet Würbe, ift barauf ju adjten, baß fie fiel) in einem abgefonberten Sljeil beS Kaufes befinben unb nidjt etwa gar in Sdjlaf« ober Sßoljnjimmern ober and) mit biefen ober einem berfelben in Verbinbung fteljen. Die Spül« beljälter bürfen nidjt mit bem Drinfwaffer in irgenb Weldje Verüfjrung treten, unb bie 9iöljren feine Biegungen im redjten Sßinfel bilben ober nadjljer gerabe verlaufen, fonbern fie müffen ganj allmälig gebogen unb babei nidjt ju weit fein, hinter bem Sßafferüerfdjluß muß eine Viegung fein. Slbgefeljen bavon, baß fid) oljne biefe Biegung bie Eloafenmaffe ftaut, wirb aud) ber Sßafferverfdjluß wertljloS, weil baS alte SBaffer im $nie ftagnirt unb nidjt burd) neues erfefct werben tann. Slnf ber Slb« bilbung (162) ift ber Söafferüerfdjluß in Örbnung, biefRößre aber nadjljer nidjt gebogen. Ä'ommt nun burd) bienadj oben geljenbe SlbjugSrößre neue 3ufuljr (Sßaffer unb Entleerungen), fo bleiben ledere nidjt nur im $nie liegen, weil ber anbere 5Tt)eil ber OJöljre ge- rabe verläuft, fonbern es ftaut fidj audj aus gleidjem ®runbe bas SßSaffer, unb wirb bie« feS, wenn fdjließlidj ber Drucf in ber fjorijon« tat liegenben SRöljre ein größerer wirb, in bem verticalen fRöfjrentljeil bis nadj oben fteigen unb überfließen. Sille Elofetrößren füllen aud) mit Ventilen verfeljen fein, bie außen angebracht finb, alfo unterfudjt wer« ben fönnen, oljne baß man ben Voben auf« jureißen braudjt. SBie bie Spülbeljälter (ollen audj bie SlbjugSröljren nidjt mit anbe« reu SRöIjren ober SBafferbetjältern in Verbinbung fteljen. Sdjließlid) finb baS Elofet felbft, befonberS wenn fid) in bemfeiben fein fünfter befinbet, unb bie SlbjugSrößre burd) ein fenfredjteS fRoßr ju ventiliren, baS fid) nadj außen, aber nidjt in berfRätje eines genfterS, fonbern oberljalbbeS ®adjeS öffnet. Sluf bem Sanbe, ober wo man feine (Sanalifation ljat, finb ßlofets mit troefener (Srbe (gefiebter Slfdje, troefener ©artenerbe ober einer SJiifdjung von | pulverifirtem Xljon unb | £eljm) einjuridjten. Unter bem bringe man einen haften an, ber mit galvanifirtem ßifen auSgefdjlagen ift. 9iadj jeber Entleerung werfe man auf biefelbe etwa 2 von ber betr. trotfenen Erbart. 3ft ber haften voll, fo wirb fein Onßalt auSgefdjüttet, unb ift berfelbe als ein trefflidjeS Düngemittel ju verwertljen. Um Verunreinigung ber Suft burd) Elemente, VerwefungS« ober OnfectionSftoffe ju verßinbern, giebt eS mehrere Spittel, bereu lidjfteS, wie fdjon obengefagt, peinliche (Sauberfeit ift. SllleS, was jur Ent« Fig. 162. SIbSitgSröfjre mit ricfitigcnt SBaffcrue» fcfjluß, abit ohne 53icgixna hinter bem SBcridjlufc. 341 widlung jener fleinften Organismen (55actericn, u. f. w.) führen tann, ift fofort aus bem §anfe ju entfernen. Zene Orte, wo biefe Stoffe auf* gehäuft werben ((SlofetS, Slbfallgruben), finb aber immer burdj Slnwenbung Don antifep tif djen ober nodj beffer Don beSinficirenben SJlit* tetn iljrer ©efäljrlidjfeit als Don Ä'ranfljeitSteimen ju berauben. Oie beiben genannten Wlittel finb nicht ju Derwedjfeln. Slntifeptifdje ober fäulnipwibrige werben biejenigen Stoffe genannt, welche bie Zerlegung ((Währung unb gäulnifj) organifdjer Körper berljinbern, wogegen man um ter OeSinfectionSmitteln bie Stoffe Derfteljt, welche bie ber be- reits eingetretenen gäulnifj unfdjäblid) madjen. Oa nun aber alle beSin* ficirenben Mittel and) antifeptifdj Wirten, fo tann man Don bem ©ebraudj fäulnifjwibriger Mittel ganj abfepen. Oie Zal)l ber OeSinfectionSmittel ift eine giemlid) grofje; $u ihnen gehören $euer, Oampf (unter Orucf), fiebenbeS @ljlorfalf, ßabarraque'S Söfung, Cuedfilberfublimat (boppeltdjlorfaureS Cuedfilber), trodene £u£e (230° F.), Sdjwefel* Oiojijb, ßarbolfäure unb ßöfungen Don unb ßl)lorjint. Oer SBerth biefer Mittel als Vertilger Don ift aber ein fetjr Derfdjiebener; nicht alle OeSinfectionSmittel madjen jebeS gäulnifjprobuct unfdjäblidj. ß-ür ben alltäglichen ®ebrandj (im £)aufe) empfehlen fidj am beften (Stjlorfalf unb Quedfilberfublimat. 23on erfterem madje man eine 2procentige ßöfung in 53 ei ber Zubereitung berfelben bleibt ein unlöslicher fReft jurüd, ben man burdj Slbgiefjen ober ftiltriren befeitigen tann; eS ift baS jebod) nidjt notljWenbig. 23on bem ©uedfilberfublimat genügt eine ßöfung Don 1:4000. Um biefe Söfung jebeqeit bequem her* ftellen ju fönnen, madje man fidj eine concentrirte Vöfung Don 4 Unjen Sublimat auf 1 (Gallone SEßaffer. Oa biefe £öfung aber fefjr giftig ift unb biefe Weber burd) @erud) noch Derrätf), fo empfiehlt es fid), um UnglüdSfälle ju Derhüten, ber ßöfung nod) 1 'ißfunb Oaburd) erhält bie Vöfung eine blaue Färbung, bie jeber- jeit auf il)re töbtlidje Sßirfuug aufmerffam macht. Statt mit $upferüitriol tann man and) mit Znbigo, Slnilinblau ober übermanganfaurem $ali fär- ben. Ourdj Zufafc Don SBaffer ju biefer Söfung Dermag man fid) jeber* jeit eine nad) belieben Derbünnte ßöfung (1:500-1:4000) herjuftellen, welche bann als OeSinfectionSmittel su Derwenben ift. ®ei bem ©ebraud) beSfelben ift jebod) ftets 9tüdfid)t barauf ju nehmen, bafs es fid) wenn es mit Zinf ober Tupfer in Berührung tornmt, unb baß tall=(befonberS $lei*)röhren halb morfd) werben, wenn man Quedfilber« fublimat burd) fie laufen läfst. foldjen gälten wenbe man bie @hlors taltlöfung an. -3jt bie Cuft mit Sacterien, u. f. w. gefdjwängert, fo ift baS Räuchern mit brennenbem Schwefel (Sd)wefel=Oiojtjb, fdjweflige Säure) ober ber Vuft bis ju möglidjft hohem @rabe angebradjt. 342 ©ie „Sdjwefelfäben" finb auf Sfjongefäfcen abjubrennen (f. IV. Tap., Tranfenpflege). £)aS Ueberfiebeln in ein neues foll erft bann gefd)ef)en, wenn jeglicpe geudjtigfeit barauS gefdjwunben, wenn Dor alten Gingen dauern unb Sßänbe Dollftänbig trocfen finb. (Eine feuchte SSoIjuung üermag bie Derfd)iebenartigfteii Trautheiten 31t Deranlaffen unb ift paupt- fäd)lid) bie Urfadje Don DtpeumatiSmuS unb (Eatarrpen. £)ie üble Slnge- Wopnpeit, in frifd) aufgewafdjenen Rimmern ober in foldjen, in benen Sßäfcpe jum Eröffnen aufgepängt ift, 3U Derweilen ober gar 311 fcplafen, riidjt fid) in ben meiften gälten burd) partnädige (Erfüllungen. ift baper immer ein geftridjener (gebühnter) $upboben, weil Don einem foldjen bie nad) bem DIufwafdjen fdjnell Derfd)Winbet 2$aS baS Segen Don £eppid)en anbetrifft, fo füllten biefelben in Derfcbiebenen, Heineren S'peilen gelegt werben; eS Wirb bamit eine öftere Dieinigung ber Seppidje erleichtert unb bem Slnfammeln Don Staub unb TrantpeitSfeimen in ben Seppidjen Dorgebeugt. ©er Tepricpt füllte Derbrannt Werben; baS ®leid)e füllte mit feften Tütpenabfällen, bie Dorper unter bem Tücpenofen in fladjen Pfannen ju trodnen finb, gefcpepen, falls bie Slbfälle nicht täglich Don Totpfärrnern abgeljolt werben. §öd)ft gefährlich finb Sapeten, welche giftige Stoffe enthalten, unb jwar finb baS DorjugSweife foldje Don grüner ober auch buntetrotper fyarbe, weil benfelben Slrfenif beigemifdjt ift, unb baS (Einatpmen beSfelben Vergiftungen bewirft. Diicpt fetten wirb, wenn faft alle 9)?utpmapungen über bie Urfadjen eines SeibenS erfd)öpft finb, ganj unb Dielleicht 31t fpät eine berartige Slrfenifoergiftung als Ver- anlaffung beS SiedjthumS conftatirt. Sind) ber ®runb unb Voben, auf bem ein §auS ftcl)t, ift in Vetrad;t 311 jieljen. einer größeren ober geringeren Siefe unter ber (Erbe be- finbet fid; nämlich r u n b w a f f e r." ©aSfelbe ift nach ber ©ertlichfeit unb Sd)Wanfungen unb rührt Don Dlegen ober Schnee her, weldje burdj Slnfammhiug einen „fteheuben See" in ber (Erbe bilben. Stöfit man beim Dladjgraben auf berartigeS ©runbwaffcr unb Derfudjt man, baSfelbe burd) 2luSfd)öpfen 311 beseitigen, fo erweift fid) baS als Derlorene W?ül)e, weil ein 3llPuÜ fofrwt wieber ftattfinbet. Unter foldjen Umftän- ben wirb ringsum ber Voben, ber in ber 9?äl)e beS ©ruubwafferS liegt, fend)t, oft fogar fumpfig, unb bie fid) barauS entwidelnben DluSbünftungen Derbreiten fid) in einem £>aufe, baS auf foldjem Voben aufgebaut ift, unb geben Slnlafe 311 epibemifdjen Trautheiten (Malaria, XpphuS) ber Haus- bewohner. ©ie gegen ©runbwaffer beftepen in Ableitung beSfelben (©rainage) ober barin, baf; man beim Vauen burd) ?luffd)ütten baS H«uS l)o<i) genug über bem ©runbwaffer erridjtet, um Voben unb Stauern Dor £)urd)näffung feitenS beS (ShmnbwaffcrS 3U bewahren. Sluper 343 bem festeren finbet fid) in ber Erbe ©iefen and) ® r u n b l u f t öor, bie päufig ebenfalls juni $'ranfpeitSerreger in Käufern Wirb, bie fcpledjt oenti* lirt finb, b. Ij. bie burdj ben Voben einbringenbe ©runbluft in fidj be* palten. $u berüdfidjtigen iff fdjliejjlicp nodj bie nädjfte Umgebung eines Kaufes, b. p. bie Entfernung anberer fünfer ober ber Sdjuppen, Ställe, u. f. w. non nuferem SSopnpaufe. 3'ebeS §auS füllte auf allen ©eiten frei ftepen, um ber Suft ungeljinberten Antritt ju geftatten. Unter allen Umftänben mufj aber jebeS §auS einen §of paben; fei berfelbe nocp fo flein, er ift bodj für bie Ventilation non größtem Vortljeil unb nerpinbert alljugroße gemljtigfeit. unb EtabliffementS, benen fcpäb- lidje Stoffe ober ©ünfte ent* ftrömen, müffen möglidjft weit entfernt liegen. Viep* ftälle unb ErbclofetS füllten Weber in ber Dcäpe beS §aufeS nod) in ber ber Vrunnen ober Eifternen ftepen, aus welcpen wir unfer ©rinfwaffer fcpöpfen; baS ©leicpe gilt non ®ruben, nadj weltpen nom §aufe ober non Ställen aus ober tpierifcpe 2lb* flüffe geleitet Werben, ©urdj bie poröfen dauern unb ben Untergrunb biefer ©enflöcper unb ber ©tälle unb ElofetS ficfert burd) ben Voben nacp unb nad) eine giftige 9J?affe nad) bem Vrunnen pinüber, weldje unfer ©rinfwaffer nergiftet unb baburep Epolera, 9?ernenfieber, u. a. m. nerur* fadjt (f. $ig. 163). Sind) wenn baS betr. SÖaffer nur jum ©raufen beS ViepS benupt wirb, pat baS ©cpäblicpfeiten für nufere ©efunbpeit im ®e* folge. $üpe 3. V., weldje inficirteS SBaffer trinfen, geben and) inficirte WUlcp, bereu ®enup in nuferem Körper bie betr. pernorruft. SJlacpt man Voben unb ©runbmauern ber ©tälle, ©enflöcper unb ElofetS nidjt burdj Eementirung ber wafferbiept, fo forge man wenig* ftenS bafür, bap wie gefagt, ber Vrunncn nidjt $u nape an jenen 3nfec* tionSperben liegt, unb bafj leptere Ijäufig gereinigt werben, ©er ©ebrauep, Erbclofets, fobalb fie ooll finb, mit ein paar ©djaufeln Erbe jujjubecfen, bann ein neues Elofet an anberer Stelle anjulegen unb mit biefem, wenn gefüllt, wieber fo wie mit bem erften jn oerfapren, ift pödjft fdjäblidj. Fig. 163. 533te SBrunnenmaffer bergiftet wirb. SinfS bie Senfgruhe, bon ber giftige Stoffe nad) bem SBntniten (red)t§)burd)fideru. Sicht unter bem Srbboben Die (hinter bem SBrunnen ber= laufenbe) ioeldje bom £>au[e ober Stall rta<f) ber Senfgrube gebt. 344 Oabnrd) bitten fid) im Saufe ber 3al)re in einem Orte Oußenbe von Auf* bewahrungSftellen von Unratl), b. I). Ouljenbe ber gefährlidjften Äranf* heitsfeimftätten. W i d) 13 u b i d) t e 23äume in ber Wälje beS §aufeS halten ©taub ab unb mäßigen bie ©onnenßiße; finb fie 31t bid)t, fo beeinträchtigen fie 311 fetjr baS Einbringen beS ©onnenlidjts in bie fünfer. SSoIjnort unb Älima. S01)n0rt unb Sage b e S Kaufes. AuSbemüberbaS®runb* waffer unb bie ©runbluft ©efagten geßt ßervor, baß eS burdjauS nicht gleichgültig ift, wo ein §auS liegt. 33or allem foll ein §auS, wie erwäßnt, nidjt in einer ®egenb mit fernstem ober gar moraftigem 23oben liegen, beffen AuSbünftungen in bie Käufer einbringen unb bereu Suft vergiften. Oie Sage mitten im SBalbe ift ebenfalls 3U feudjt, wenngleid) biefelbe wegen ber ftärfenben, fauerftoffreicßen Suft and) Sßortßeile bietet. Soßn* fitje an ©een ober kläffen finb wegen ber fdjäblicßen SWorgen* unb Abenb* nebel nicßt gefunb. @0 rein bie Suft and) auf bergen ift, fo bringt eine Sage beS Kaufes auf bennod) wegen 31t fdjnellen 2öed)felS ber Witterung mannigfache Etefaßren für bie ©efunbßeit mit fid). 53on ift and) bie Wicßtung, nad) welcßer eine SSoßnung gelegen. Am tüßlften erweift fid) natürlich bie Sage nad) Worben unb bietet biefe in $e3ug auf SitterungS* unb Sid)tverßältniffe eine größere ©leicßmäßigfeit bar als bie Widjtung nad) ©üben. Setjtere giebt, weil fonniger, woßl meßr Sffiärme, ljat aber ben Wadjtßeil, baß bie Temperatur - befonberS 3ur Wad)t3eit - einem fcßnellen Sßecßfel unterworfen ift, weSßalb man in biefem $alle geeignete nid)t verabfäumen barf. Oie öftlicfje Sage entfpridjt fo siemlicß ber nörblidjen, währenb bie* jenige nad) SBeften ungefähr ber füblidjen gleid)fommt. Oie ©immelSgegenb, bas $ l i m a, in weldjem wir anfäffig finb, ift von großem Einfluß auf nufer 9iur wenn ber Wienfd) feine SebenSweife, Wahrung, u. a. m. mit ben verfd)iebenen flimati* fd)en 53ert)ältniffen in Eintlang bringt, vermag er biefen auf bie Oauer 3U trogen. Oer Aufenthalt in ben Oropenlänbern bebingt vorerft eine wefent(id)e SSeränberung ber Ernährung. AH3U häufiger ®enuß von ftett unb ©pirituofen ift 311 vermeiben unb bnrd) unb SSaffertrinfen 31t erfefcen; nur gan3 allmälig barf ber Körper in biefem Älima an fd)werere Wahrung gewöhnt werben. Oie Reibung befteßt am beften aus baumwollenem ©toff, ferner aus einer leidjten bie gegen ben ©onnenbraub befonberS aber fei man auf SWarm* halten beS Unterleibs bebadjt, wegen beS häufigen Temperaturwed)felS 3ur Wad)t3eit, ber and) baS ©d)lafen im freien verbietet. 2Ber fid) in ben 345 Tropenlänbern ju afflimatifiren miinfdjt, [oll ftetö bem Börper möglichft Diel Sänne, fo)vof)I burd) bie 53efd)affenl)ett ber (leisten) Bleibung, als and) burd) 53äber ober Abwafd)ungen ju entziehen fudjen. Tie Soßnung, mit biden Sänben, um ber £)iße geringen Turdjlaß ju gewähren, barf nidjt in einer fumpfigen ®egenb ober in ber 9?äl)e fteßenber ©ewäffer liegen, ba bie bort fdjledjte Vuft Branfheiten aller Art hervorruft. Sd)roff fteljt bem Tropenflima baS 3J3 o l a r f l i m a, bie falte 3one, gegenüber: brei Viertel beS OaßreS fyerrfdjt eifiger Sinter, unb Sommer unb £>erbft finb nur von ganj furjer Tauer. Turdj bie reij* bare Sirfung ber Bülte entfloßen feljr leidjt ßrfranfungen ber Vuftwege, unb bie niebrige Temperatur verlangt einen ßößeren ®rab animalifdjer Sänne, welcher burd) paffenbe (biete) Bleibung unb reidjlicße Diaßrung (befonberS $ett) erzeugt werben muß. Tie 2)?itte jwifdjen bem tropifdjen unb bem 5ßolarflinta ßält bie g e* mäßigte 3 0 n e« Säßrenb baS Thermometer bei bem Tropenflima anßaltenb auf etwa 82Q F. (ca. 22° R. unb 28° C.) flößen bleibt unb im 3|3olarflima auf etwa -13° F. (-20° R.,-25° C.) fällt unb neun Monate ßinburd) auf biefem 3J3unft verharrt, erfährt bei bem gemäßigten Blima bie Särme eine allmälige Steigerung unb ebenfo ein allmäligeS fallen, wenn fid) ber Uebergang von einer 3aßreSjeit jur anberen vollzieht. UebrigenS ift eine große Sommerl)iße burdfauS nidjt auSgefdjloffen, unb nicht feiten and) in mamßen ©egenben ber gemäßigten 3one Weber* gang von Särme in Bülte ein überrafdfenb fdfneller. Tie gleidje (Entfernung jweier Orte vom Aequator bebingt nid)t, baß beibe baS gleiche Blima haben muffen. TaSfelbe ift nämlid) außer von ber geograpl)ifd)en Vage nod) von anberen Umftänben abhängig, bereu ßaiipt* fäd)lid)fte bie gwßenlage beS betr. TrteS unb beffen (Entfernung vom IPieere finb. 3e l)öl)er ein £)rt über bemWleereSfpiegel liegt, befto fälter baS Blima. 3n ber 9iäße beS DJieereS ift eS aber in wärmeren §immelS= ftridjen tüßler unb in tälteren Legionen wärmer; and) bie (Entfernung von •V3innenfeeen übt einen äßnlidjen (Einfluß aus. 3!n ben T e r. Staaten ßerrfdjt jum größten Tßeil ein gemäßigtes Blima, obwohl in TeyaS unb baS Thermometer oft bis ju 100° F. im Sdjatten unb nod) barüber fteigt. (Einen annäl)ernben haben and) fd)on 97ew V)ort, St. VouiS, SBafhington unb '•ßhita® belpl)ia erreid)t. 3n feinem Vanbe ift aber baS Blima einer größeren 23eränberlid)feit unterworfen als in ben 53er. Staaten, unb baju trägt bie fpftematifd) betriebene Ausrottung ber SÖälber nid)t wenig bei. Außer* orbentlid) heiß ift ber Sommer, äußerft falt ber Sßinter, unb einen Brüh* ling im wahren Sinne beS SBorteS giebt eS nid)t ober nur ganj furje 3eit. 3m allgemeinen taffen fid) bie 53er. Staaten nad) bem Blima in brei 346 eintljeilen, von benen fid) ber erfte (bet atlantifdje von ber ©fttüffe 311111 Slllegpanl) ©ebirge, ber jweite (ber mittlere 23e3.) von bem Slllegtjanp ©ebirge bis 311 ben 9iocfi) 991ountainS unb ber britte enblid) (ber 5J?acific*3Be3.) von ben 9iocfp 931. bis 31t ben Ufern beS (Stillen CceanS er* ftretft. Oie Sterblid)feitS*Tabelle erreicht bie l)öd)fte Biffer m em leren £3e3irt, fobann folgt ber atlantifdje unb als letzter ber "ißacific*23c* 3irf, in toeldjem vor allem bie feudjte unb sugleid) milbe Seeluft 3U einer gemäßigten Temperatur unb gefunben23efd)affen1jeitbeS Klimas beiträgt. BefonberS eignen fid) als Suftfnrorte, b. 1). 3111* Krljolung von Traufen unb 9ieconvaleScenten: im Sommer bie SlbironbacfS (91.9).) unb im hinter Süb*Karolina, Kolorabo unb Ijauptfädjlidj baS füblidje Kalifornien; unter ben Drtfdjaften beS teueren erfreuen fid) San Tiego unb Santa 23erna* bino iljrer gefunben Suft wegen eines befonberS guten 9iufeS. $m Som* nier bietet and) bie 91älje beS DceanS ©elegenfjeit, ben Körper burdj See* bäber 3U ftärfen unb ber tropifdjen §ipe in Stäbten burd) SluSflüge 311m 99ceereSftranbe 3U entgegen; ber Slufentfjalt in ber 9täl)e beS 9)ieereS ift ber ©efunbpeit überaus förberlid). Sim Straube muß aber bie äleibung wegen beS oft eintretenben TemperaturwedjfelS ftets eine mit 9iücffid)t barauf gewählte fein, unb barf man befonberS baS Tragen von wollenem Unterzeug nidjt Slngemeffene 9ial)rnng unb gleid)* mäßige SÖärme finb im Sommer bei einem Slufentljalt am Straube ober in einem fixieren Orte vornefjmlid) bei Keinen Äinbern in 23etrad)t 311 jieljen, weldje im Sommer leidjt Krfältungen auSgefept finb unb bann von bem 23red)burd)fall (summer complaint) befallen werben, ber all* jäprlid) viele Opfer forbert. Slußer ben 23er. Staaten gehört 311 bem 23ereidj beS gemäßigten Klimas u. a. faft baS ganje Kuropa, unter beffen Staaten Oeutfdjlanb in ß-olge beS allmäligen UebergangS ber einen in bie anbere bie größte ©leidjmäßigteit beS Klimas befipt. 23or allen anberen Säubern 3cidjnet fid) aber ber Silben KuropaS, namentlid) Italien, bitrdj fein Ijerr* lidieS älima aus. Kin wahrer Wallfahrtsort für Traufe aller 2(rt ift bie 9iiviera, jener am ®olf von ®enua, beffen Älima Taufenbe iljre Teilung verbauten. Kbenfo vorfidjtig wie beim Kinjiepen in ein neues §auS foll man beim lleberfiebeln in ein neues Sanb fein. 3ebcr 21 u S w a n b e r e r ljat fid) fdjon, ef)e er baS neue Sanb betritt, mit beffen Älima unb ber baburdj bebingten SebenSWeife befannt 311 madjen. Sin Ort unb Stelle angelangt, Ijat er aud) ber Sage unb Umgebung feines neuen SßofjnorteS 91ecpnung 311 tragen. 211S befte allgemeine 91egel läßt fid) in biefer 23e3icl)ung auf* ftellen, bafe man bie SebenSWeife ber refp. eingeborenen 23evölferung abop* tire. Onbeffen gepe man nidjt Ijaftig, fonbern allmälig 3U berfelben über, 347 falls nidjt etwa befonbere Umftänbe, 3. 23. bet örtlicpen Umgebung, eine fofortige Slenberung gewiffer ©ewopnpeitcn verlangen. DJian befolge in bem neuen Canbe bie (SefunbpeitSregeln, weld)e oben für beffen ®lima am gegeben mürben, unb beadjte babei, ob bie Umgebung beS §aufeS eine ge= funbe ift. 2öer fiep in einer $iebergegenb, bereu eS fo Diele in ben 23er. Staaten giebt, anfiebelt, fei befonberS auf feine ©efunbpeit bebacljt unb vermeibe eS vor allen ©ingen, am früpen borgen in ber nebligen Suft auSjugepen, opne wenigftenS eine ©affe $affe ju fiel) genommen ju paben. Sobann ift bie Reibung bem Älima anjupaffen. Sommt man in ein wärmeres Älima, fo nermeibe man ja, bie früpere bitfere Äleibung fofort gegen eine leiste einjntaufcpen. §auptfäd)lid) fcpäblicp ift baS unvermit- telte Oblegen ber Untertleiber, woburep ber Körper bei jebem plöplicpen 2ßitterungSwedjfel fcpnploS wirb; ein jäper Uebergang von 2ßärme ju Ä'älte finbet aber meift in warmen Äiimaten be,pv. ©egenben ftatt, jumal in ber 9?äpe von 2öaffer ober Sümpfen. (Sinen inbirecten Sdjup gegen fdjäblidje ßinwirtung beS neuen Klimas muß man bem Körper ebenfalls angebeipen laffen, unb beftept bcrfelbe vornepmlicp in ber 2luSwal)l einer geeigneten Diaprung. $e füblidjer bie neue §eimatp liegt, befto mepr entfage man ber gleifdjtoft unb patte fid) an vegetabilifepe SQaprung. ©er ©eutfdje, weldjer ftarf unb träftig pier lanbet unb bie fepönften rotpen 23acfen mit per überbringt, erfdjlafft unb Verliert bie blüpenbe ©efidjtSfarbe in ben 23er. Staaten gar fdjnell, unb jwar pauptfäcplicp baburdj, baß er ju ber pier gebräuchlichen übermäßigen gleifcpfoft übergept, epe er nod) im minbeften aftlimatifirt ift. 3n tiefer 23ejiepung foll ber Slnfömmling nidjt baS 23eifpiel ber 2lmerifaner befolgen. 3n peißen ift nod) ber ®enuß von Spirituofen $u ermäßigen; am beften pält man fid) von pipigen, alcopolifcpen ©etränfen gan$ fern. ©aS ©leidje gilt in 23ejug auf baS ©rinfen von (Siswaffer. Ätcibung. ©ie 2ßopnung fdjüpt nuferen Körper nur an £>rt unb Stelle vor fd)äblid)en (Sinflüffen von außen, bie Äleibung bagegen, wenn wir fie bem betr. Älima (f. bort) anpaffen, überall auf ber (Srbe. geeignete ßrnäp* rung unb Äleibung ermöglicpen bem Sftenfcpen, allen Älimaten ju tropen. 2lußer lepteren paben wir aber bei ber 2luSwal)l ber Äleibung nod) mancpeS 2lnbere ju berüeffieptigen. 3ßbe unb ©egenb, jebe 2llterSftufe unb jebeS ©efdjledjt, ber Körper in gefunbem ober trautem 3uftanb, bie mannigfaepett 2lrten von 23efcpäftigung, bie einzelnen ©peile unfereS perS, u. f. W., alle forbern eine ipnen angepaßte 23erfd)iebenpeit ber Reibung. 348 allgemeinen ift Don ber ftleibung ju fagen, baß fie Dor allen ©ingen itjre ivirfjtigfte Aufgabe 31t erfüllen tjat: ben ftörper gegen fd)äb* lidje (jinflüffe be« ftlima« ober ber ©itterung 31t fdfttßen. ©iefer Sd)uß befteßt aber nid)t nur in ber SIbweljr von ftälte unb 9?äffe, fonbern and) in ber fjäßigfeit, übermäßige ftorperwärme burd) fid) ßinburdftreten ju taffen, b. I). ba« 23erl)ältniß ber (Eigenwärme jur Temperatur ber Umgebung ju reguliren. ©ie ftleibung foll bei ftälte bid)t, aber nidjt ju bidjt fein, ba- mit bie £>aut nidjt Derwößnt wirb unb fid) leidjt erfältet; bei ©ärme foll bie ftleibung bie £>autau«bünftung burdjtreten taffen, bei naffem ©etter foll fie aber bie abljalten. Sdjließlid) foll bie ftleibung nie ein ©lieb unfere« ftörper« irgenbwie einjwängen. ©aß fie aud) ber Hftoral unb ber Sleftetßif entfpredjen foll, mag nebenbei bemerft werben. (Jin ©edjfel Derfdjieben bicfer ftleibung barf nie plößlid), fonbern nur atlmälig oorgenommen merben. ©er ft 0 p f ift Don 9iatur au« burdj feinen einigermaßen gegen bie (Einflüffe ber Temperatur gefdjüßt, muß aber einen weiteren Sdjuß gegen Sonnenßiße, ftälte unb SRäffe, eine fünftlidie ftopf- bebeduug ljaben. fyorm unb Material ber ftopfbebedung finb ftet« mit bem betreffenben ftlima unb ben ©itterung«Derßältniffen in (Jinflang ju bringen. On warmen Säubern ober bei allju großer £nße im Sommer, wann ber ftopf be«Sd)atten« bebarf, ift ein mit breitem SRanbe (Stroßßnt) bie befte ftopfbebecfnng. fJiljljüte eignen fid) am beften baju, ben ftopf gegen ftälte unb 9?äffe ju fdjüßen. ©0 ber natürliche Sdjutj be« ftopfe«, ba« $aar, feljlt, muß man, fall« fiel) be«l)alb gefunbßeit«fd)äblidje folgen bei bem betreffenben einftellen, auf irgenb eine ©eife (burd) ftäppdjen, u. brgt.) ben ftopf Dor fd)äblid)en (Jinflüffen Don außen lier ju bewahren fudjen. 3n falten Legionen ober im ©inter bieten außer ben fyiljljiiten and) Sdmtj gegen ftälte. ©em £>alfe foll man bie weitgeßenbfte geftattcn unb ißn nidjt burd) enge ftragen ober 23inben einswängen, auf baß bie 53lutcircm lation unb bamit bie (Jrnäßrung be« ftopfe« refp. ©el)irn« nid)t geftört wirb. 23on Ougenb auf foll man fid) ferner nid)t burd) ©ragen Don Sßawl« ober ©üdjern Derwößnen. Oft al,er Oemanb inbiefer Derwöpnt, fo foll man nur nad) unb nad) Slbßiilfe fdjaffen, ba burd) lid)e« ©eglaffen einer foldjen §ülte ernfte Derurfadjt werben. Sind) bie 53 r u ft barf feinerlei Einengung erfahren, um bem 9ltl)- mungöapparat freien Spielraum ju gewähren, ©eboten ift bei bem ftlima ber 23er. Staaten ba« ©ragen Don wollenen Unterpemben ba« ganje O;al)r ßinburd), weil ßäufiger plötftidjer ©itterung«wed)fel in jeher Oaßre«- jeit ftattfinbet. 23ei 'ßerfonen, welcße leibenb finb, ift ein foldjer Sdjutj burd) wollene Unterßemben (unb Unterbeinfleiber) um fo meßr unerläß* 349 lief), als burd) Erfüllungen bie betr. Ärantpeit bebeutenb berfdjliminert werben würbe. Einpreffen beS Unterleibs muß ftreng üermieben werben, unb maepen fiel) SlHe eines SSergepenS gegen fiel) felbft fcpulbig, weldje anftatt ber übliepen Träger fid) eines ©urteS 311111 galten ber S3einfleiber bebio nen ober enge EorfetS tragen ober bie Unterrodbänber ju feft binben. ©ie gußbefleibung foll niept ju Weit, aber nod) viel weniger ju eng fein, ©urd) bas mobifepe ©cpupwerf, wie es peutjutage faft überall getragen wirb, werben nidjt nur Unbequemlidjteiten ge- fdjaffen, weldje jebe OrtSbewegung jur Qual madjen, fonbern and) ber $uß unb baS S3ein gefdjäbigt. Tide fallen (f. $ig. 164), S3lafen unb SBunbfein, £)iipner* äugen, üerbrepte unb über einanber liegenbe 3epen, u. a. 111. finb bie folgen unbequemen ©djupwerfS. S3ei ber Slnfertigung beSfeiben ift vor allen ©ingen barauf Stüd- fidjt ju nepmen, bafj ber $uß beim ©teljen unb ®epen genügenb (Spielraum pat, um fid) ber auf ipn brüdenben Saft beS Körpers gemäß auSjubreiten. S3etradjtet man bie ©ople eines normalen $ußeS (f. $ig. 165), fo finbet man auf berfelben bie Sinie, auf welcper ber größte Tpeil ber rupt, inbem man burd) bie SRitte ber £epe nad) pinten (jur gerfe) eine Sinie jiept. ©roße £epe unb $erfe tragen (beim ©tepen) jugleid) bie Saft beS Körpers. SEßirb nun ber guß im ®epen erpoben, fo widelt er fiep üon biefer Sinie juerft mit ber fterfe unb julept mit ber großen nb. ©er Sd)upmad)er pat alfo bei ber §erftellung eines SdjupeS üornepmlicp barauf ju fepen, baß ber $uß beim Stepen unb ®epen fiep in ber, burd) jene Sinie ange* gebenen fRicptung auSbepnen refp. bewegen fann. ©aS gefefjiept aber jumeift niept, oiel= mepr nimmt ber ©epupmaeper faft immer eine Sinie mitten burd) bie $ußfople als na= türlidje SängSacpfe beS $ußeS an unb formt ben ©d)up auf beiben ©eiten' biefer SRittel* linie napeju gleidjmäßig (f. gig. 166). ©a= burd) wirb ber guß aus feiner natürlidjen Sage gejwängt unb mit ber $eit verunftaltet (f. $ig. 164). ©cpupwerf ift päufig and) bie Urfadje beS luftigen $ußfd)WeißeS. ©aS befte SRittet, biefen ju befeitigen, beftept bemnad) im Tragen paffenben ©djupwerfeS. 2ßer am fynßfd)Weiß leibet, foll ferner päufig bie ©trümpfe wecpfeln. ©aS Fig. 164. Fig. 165. Fig> 166- 350 ©ragen von ©ummiftiefeln jnm Sd)uß gegen 9?äffe foll möglidjft be* fdjränft werben, ba folcße «Stiefeln (bejw. Sdjuße), weil fie bie §autauS* biinftung nicht bnrcßlaffen, ein übermäßiges Sdjwißen ber güße Verein* laffen. 2ÖaS bie Strümpfe anbetrifft, fo trage man im Sommer bäum* wollene unb im hinter wollene Strümpfe. ißiele $ranf()eitSerfd)einungen beS weiblichen ®efd)led)t§ haben iljre Urfadje in ber Reibung ober, beffer gefaßt, in ber ßerrfdjenben £0iobe. ©iefeS (Sinfdjnüren unb (Sinpreffen, wie eS jur „Sßerfdjönerung" ber gorm beS Körpers vorgenommen wirb, bereitet ben SltljmungS* unb SßerbauungS* Organen unb fdjäbigt früher ober fpäter bie ©efunbljeit. jungen DJtäbdjen ift baS ©ragen eines engen (SorfetS ftrict ju unterfagen. ©aS fefte (ginfdjnüren in ber führt faft ftets ju SSerfrüppelungen ber 33ruft, Tlilj unb ßeber. (Sbenfo hat, wie gefagt, baS 511 enge 23inben ber Unterröcfe 31t unterbleiben. (Srfältungen werben in vielen gälten burd) 311 weites SluSfdjneibcn ber Kleiber hervorgerufen. $u allen biefen Mängeln ber OJZobetradjt fommt bann nodj bie enge unb bünne gußbe* tleibung, bie ben guß einjwängt (f. oben) unb bei feudjtem 33oben niefjt ben geringften Schuß bietet, ©ie Strumpfbänber müffen oberhalb ber Äniee getragen werben unb bürfen nidft ju ftraff anliegen, weil baburd) Störungen in ber ßirculation beS Blutes im £öein hervorgerufen unb nid)t feiten Sh'ampfabern unb läftige SBabenfrämpfe veranlaßt werben. Sdjließlid) ift nod) barauf ßinjuweifen, baß aud) bie garbe ber $lei* bung für unfer nidjt gleichgültig ift. Slbgefeßen batwn, baß manche Äleiberftoffe, befonberS bie leidjten für Sommer* unb 23allfleiber ber grauen, unb viele Strümpfe mit giftigen Stoffen (3. S. Slrfenif) ge* färbt finb, wirb bie Temperatur burd) bie garbe ber Meibung beeinflußt. Sßir wiffen, baß Sdjwarj alle Sonnenftrahlen auffaugt. (Sbenfo wirft SBeiß alle Sonnenftrahlen unb bamit aud) bie §ihe jurücf. ©a per, weldje Sidjt (unb ÜBärme) gut abforbiren, bicfelbe aud) gut auSftrah* len, fo ergiebt fid), baß eine weiße ober hellere vor einer fd)warjen ober bunfleren jwei SJorjüge hat; erftenS l)ält fie im üßinter bie Sßärme im Körper jurücf, inbem fie bereu 2luSftral)lung erfdjwert, unb fd)ü£t fie ben Körper im Sommer, inbem fie bie §ipe nicht fo leid)tburd)* bringen läßt. (Sine weiße Reibung ift im SBinter bie wärmfte unb im Sommer bie fül)lfte. SSon bem ©efagten fann man fid) leicht felbftüber* jeugen, wenn man bei Sonnenfd)ein ein Weißes urtb ein fcßwarjeS Stücf Tud) auf Sdjnee legt. Unter bem fd)Warjen Tud) wirb ber Sd)nee halb beträd)tlid) gefcßmoljen fein, wäßreiib er unter bem weißen Stücf Tud) erhalten bleibt. 351 ber einjetnen Apparate bes Körpers. Grafts unb BewcgungSapparat. 3um $raft* unb Bewegungsapparat gehören: bie ®nod)en, bie will* türlidjen BZuSfeln unb BewegungSnervenfafern unb baS Zentrum bel- iebteren, baS ®el)irn. Bon l)ier aus fenbet ber Dßille burd) bie Dierven* fafern feinen 4Befet)I nad) ben DJluSfeln, weldje fid) baraufhin jufa.nmen* jiehen unb fo bie in ben ©elenfen beweglichen Knochen hebelartig in Bewe- gung feben. Oie $raft* unb DlrbeitSleiftungen ber menfd)lid)en DDlafdjine bejw. bie bewußten Ohätigfeiten berfelben gehören ju ben (nieberen) geifti* gen Ohätigfeiten. Oemnad) wirb eS bei einer pflege beS Äraft* unb Bewegungsapparates juvörberft barauf anfommen, baS ®el)irn richtig 311 ernähren unb, ba alle Ol)ätigfeiten beffelben auf Uebung feiner beruhen, ben SBillen auSjubilben. Oie (Jrjießung muß baljin ftreben, baß bie centrifugale Dlction beS ®eI)irnS ber centralen untergeorbnet ift, baß ber BSille bem Berftanbe refp. ber Bernunft gehorcht. Oiefe (Srjießung ift nicht auf bie befdjränft, fonbern bauert im fpäteren Veben als Selbfterjiehung fort. <5in vernünftiger DJlenfd) befommt fid) unb bamit and) feine Bewe- gungen (fein Ol)un unb Waffen) immer mehr in bie (Gewalt. Oie geeignete Ernährung beS ®eI)irnS ift wie bie ber $nod)en, HJiuS* fein unb Dierven von ber ungeftörten Bufuljr einer genügenben DJlenge guten Blutes abhängig. OiefeS ßrnäßrungSmaterial wirb nur im ber Diulje verwenbet unb beSljalb muß - unb jwar vor allen anberen Organen - bem ®el)irn bie nötljige Diuße gegeben werben, fiel) nad) Slnftrengungen 311 erßolen. (5s muß bie 9M)e aberaudj mit Sßätigfeit abwecßfeln, benn abgefeßen bavon, baß erftere, wenn anbauernb, bie Organe beS unb Bewe- gungsapparats (unb ber anberen Dipparate) beS Körpers entarten läßt, ift bie DluSfüßrung fdjneller unb gefdjid'ter Bewegungen burd) Uebung bebingt. Dlur burd) öftere BJieberßolung bei gehörigen fRußepaufen erftarten bie WiuSteln unb werben bie Bewegungen fdjnelle unb gefeßidte. £)urd) ausgiebige Bewegungen unfereS Körpers werben and) bie in bemfelben ftattfinbenben vegetativen Bvoceffe geförbert. BlutfreiSlauf, überhaupt ber Umlauf ber «Säfte, Dlthmung, Berbauung, u. f. W. Werben fämmtlid) burd) beS Körpers unterftüßt. BefonberS Bel'; fonen mit fißenber ßebenSweife follten beffen eingebent fein unb von Jßeit ju 3eit ißre unterbrechen, um fid) Bewegung $u machen. Bon foldjen Bewegungen (Spazierengehen, Schwimmen, Dieiten, Schlittfd)uhlaufen, Diubern, turnen, u. a. m.) ift befonberS baS ledere - 352 ba§ Turnen - ju empfeßlen. Taju geßören and) bie gtjmnaftifcßen Hebungen, meld)e man für fid) allein im Rimmer madjen fann, wenn man burd) Serßältniffe verßinbert ift, an Turnübungen unter fadjmännifdjer Leitung tßeiljuneßmen. Rur muß man babei barauf acßten, baß bie Sim forberungen an ben $raft* unb SemegungSapparat nidjt von vornßerein ju f)od) geftellt merben. ftig. 167 unb $ig. 168 geben an, mie foldje Hebungen vorjuneßmen finb. $ig. 167 erläutert baSSlrmßeben feitmärts unb baö Slrmftoßen nad) außen. Sei erfterem finb bie Slrme in ber 9iutje= läge nad) unten geftrecft. Cßne fie im (Sllenbogengelenf ju biegen, fallen fie nun nad) beiben (Seiten unb über ben fo ßocß mie möglid) geßoben merben. DRan vermeibe babei jebe ftoßmeife ßrßebung ber Sinne unb ad)te barauf, baß, menn biefelben bi$ jur Sdjulterßöße erßoben, bie innere glädje ber offenen $änbe nad) unten, bei ber ßöcßften (Srßebung bagegen nad) vorn jeigt. Tie Ringer bürfen nie gefpreijt merben. 9Jiit ber £eit bringe man eö in biefer, befonberS für bie Sltßmung unb ben Umlauf ber Säfte ßöd)ft bienlidjen Hebung baßin, baß bie Slrme, menn fie auf ben ßöcßften 'ißunft erßoben finb, oßne jebe Unbequemlidjfcit beibe Seiten be§ berühren. Stuf berfelben ftigur (167) iftnod) eine jmeite Hebung angebeutet, ba§ Slrmftoßen nad) außen. Tabei merben vorerft bie Slrme feit* märt§ erßoben unb bie Unterarme berart gegen ben Körper gebo* gen, baß bie gefcßloffenen §änbe*) über ben 3ld)feln fdjmeben, unb jmar mit ben nad) oben. ÜJian mirft bann bie £)änbe gleicß* unb taftmäßig im Sogen nad) ausmärts unb mieber jurücf. gig. 168 üeranfd)aulid)t ba$ fRumpf* freifen; e§ ift bie-S eine (Sombi* nation be§ nad) vorn, jur Seite, nad) hinten unb mieber jur Seite. Sei biefer Hebung beuge man fid) erft nad) vorn, breße fid) bann, oßne fid) aufjurid)ten, nad) ßinten unb von bort über bie linfe §üfte mieber nad) vorn, baburcß einen möglid)ft großen ßteiölauf befcljreibenb. Fig. 167. 2lrmf)eben unb Slrmfto&en. ') ©aä ® bcr Jpänt-e flefdiebe berartifl, baf? baä 9?afleifllieb ber Räumen auf bcm 9?afld= unb SKittelfllieb be3 „3eifle= unb rufyt. 353 Tiefelbe Preisbewegung wieberßole man, oljne fiel) aufsuridjten, mehrmals ßinter einanber, wobei man and) abwedjfelnb ben Preis erft nad) linfs unb bann nad) red)tS unb umgefeljrt befeßreiben fann. $ür bas weiblidje ®e* fd)led)t refp. 3ugenbalter finb Turnübungen von befonberer 5ßid)tigteit; eö beugt 9?erventranfl)eiten vor unb ftäljlt bie SEßillenStraft. Sille Bewegungen unb and) ljier in erfter ßinie bie gpmnaftif eßen Hebungen finb and) bei gewiffen Pranfßeiten, wie Unterleibsleiben, Sun* gentranfljeiten, Blutlaufftörungen, von Bortßeil. pat man fid) erft (burdj ärjtlidje Unterfudjung) §u vergewiffern, ob ber Buftanb beS PörperS foldje Praftleiftungen erlaubt; fo eig* neu fid) $. B. für bie an BlutarmutI) leiben, niemals ftärfere Bewegungen. (Sbenfo wenig finb anftrengenbe Bewegungen bei fdjmaler Poft unb nad) fdjwerer Arbeit sweet* mäßig. Sftan ad)te ftets barauf, ob fid) bei biefen Hebungen turses Sltljmen, ftarfer (Scßweiß, Beflemmungen, Sdjwinbel, Popffcßmersen, u. f. w. einftellen, unb wenn bas ber $all ift, ßöre man mit ben Hebungen fofort auf. Bewegungen, welcße baS richtige W?aß überfeßreiten, füßren in ben meiften fällen ju <Sd)Wäd)esuftänben, Blutarmutß unb Bleidjfudjt, §ersfranfßeiten, befdpverlicßem SItßmen, Prüppelbilbungen, u. bgl. Bei allen Bewegungen muß bie Pleibung möglidjft bequem, bie Suft gut unb baS Sltfjmen träftig fein. Sille DJlugfeln finb in gleichem 9J?aße ßeransusießen, unb nie bürfen, wie gefagt, bie Bewegungen bis sur (Srfdjöpfung an* bauern. Ter Uebergang su ftärferen unb längeren Bewegungen fort allmälig vor fid) geßen. sJlad) ben Bewegungen fei man barauf bebadjt, fid) vor (Srtältungen unb in gehöriger Sßeife ber 9lul)e su pflegen. £u benpaffiven, b. ß. foldjen Bewegungen, weldje wir nidßt mit unfe* rem Körper felbft erseugen Seiten, ©djauteln, (Segeln), fann man and) ba§ kneten beö Körper«, bie fogen. Staffage, redjnen. TaSfelbe ift außerorbentlid) förberlid) für ben Blutfreislauf im gansen Körper ober in bem betr. Tßeil, welcher ber Blanipulation unterworfen wirb, unb ruft oeSljalb and) eine beffere ßrnäßrung ßervor. Sind) bei gewiffen franffjaf* ten (Steifigteit ber G5elenfe nad) d)ronifd)er @id)t unb fRßeuma* tiSmuS, (intsünbung ber Bruftbrüfen, u. f. w.) ift Staffage von großem Stufen. Fig. 168. »uwfireifen. 354 @rnä1jrung§n|j|jarat pflege beS SltljmungSapparatS. beS S3ruft» faftenS ift jeber (Siuflufs ju üermeiben, burd) welchen ber S3ruftfaften aus feiner normalen Sage gebracht ober an freier Bewegung geljinbert wirb: fefteS (Sinbinben (bei Sinbern), SluSbehnen ber 23ruft burd) fRiemen (am ftalt §ofenträger), beengen ber SBruft burd) fnappe SBeften, eng an» fdjließenbe (SorfetS, feft gebnnbene Unterroctbänber, u. f. w. (Sbenfo übt baS anbauernb gebücfte Sipen (ber Sdjulfinber (f. fpäter) unb bei ver» fdjiebenen £terufSarten) eine tjödjft ungünftige SBirfung auf ben -S3ruft» Taften refp. bie Slthmung aus. Sillen benen, bie fifjenb ihrer 4Befd)äftigung obliegen, fei bringenb eine jeitweife Unterbrechung ihrer SIrbeit nnb tiefes (Sim nnb SluSathmen angeratpen. SßaS ferner bie S3ruft irgenbwie aus» jubilben vermag (auSreidjenbe Bewegung im freien, Turnen, ©djwim» men, @d)littfd)ul)laufen u. bgl.), ift, wie überhaupt, fo befonberS für foldje £eute gefuub. Tie pflege ber SRuSfeln, Welche jum Sltljmen bienen unb von bereu (Slafticität bie SluSbeljuung beS S3ruftforbeS abhängt, erforbert geeignete (Srnäl)rung unb öftere SlthmungS-Uebungen (tiefes unb lang» fameS SluSathmen), weil fdjlaffe 3RuSfeln, Wie S3. bei bie an S3lutarmutl) leiben, SlthmungSbefdjwerben in hohem ®rabe herbeiführen. - ®efunbeS Sltfjmen beruht ferner auf einer normalen SSefdjaffenljeit ber Zungen. ©iefelben müffen fiel) in gehöriger SEßeite ausbehnen unb in paffenber Steife jufammenjiehen fönnen, unb barf ber 48lutlauf in ben Zungen feine Störungen erfahren. Sltljmung in freier unb gefunber Sßuft wirft ungemein wohltätig auf bie Zungen unb ftärft biefelben nadj jeber Dichtung Ipn* Uebermäfjig falte, heifte, trocfene, ftaubige unb verum reinigte ?uft unb ju fdjnelfer SBedjfel ber Temperatur üben bagegen einen nadjtheiligen (Sinfluh auf bie Zungen aus. TaS Sltljmen burd) bie 9?afe (befonberS im Sdjlaf) gleidjt ben Temperaturwedjfel in etwas aus unb verminbert bie ©efaljr, ben Zungen ju falte ober juljeipe £üift jujuführen; eS ift aujjerbem geeignet, bie SBirfung verunreinigter £uft abjufdjwächen, weil biefelbe in ber Slafe Tljeil gereinigt wirb. Sadjen, liefen unb gmften erweifen fiel) nidjt feiten als (Srleidjterung bei fdjwerem Sltljmen, unb finb bie beiben Septeren and) vielfad) eine Mahnung, geeignete Scpup» maßregeln gegen irgenb eine herannaljenbe SIthmungSftörung ju treffen. Ter S3lutanbrang 311 ben Zungen barf anbererfeits burd) übermäßige $ör» perbewegungeu ober burd) ben ®enuß hiyiger (getränte, u. f. w. nid)t über baS normale 2J?aß verftärft werben, weil baburd) einerfeits wibernatürlid) befd)leunigteS 3(tl)iuen unb ftarfeS anbererfeits (wegen ju großer leid)t (Srtältungen hervorgerufen werben, weldje bie Zungen meift heftig afficiren. ©urd) S3aben im freien ober and) falte 355 Abreibungen im fann man ben Körper gegen (Sinflüffe bon außen per ftäplen, bod) trope man Aöinb unb Vktter nicpt in unnötpiger unb um borfidjtiger SEßeife. (Srweift fiep baS als notpwenbig, fo muß bie Ve* fepaffenpeit ber Reibung (f. bort) eine entfpreepenbe fein. Sungenfranfe bebürfen ber größten Sdjonung unb miiffen unbebingt bon abpärtenben 'ßroceburen abfepen. pflege beS VerbauungSapparatS. ©er VerbauungS* apparat bedangt eine forgfältige pflege aller feiner ©peile. ©ie 93? unb* pople foll reingepalten werben, unb jwar niept nur beS ©efcpmacfS unb ber Verbauung palber, fonbern auep, um alle fcpäblicpen (Sinflüffe aus ber 9)?unbpöple fernjupalten unb fo (Sntjünbungen unb ©efcpwürSbilbungen ber Scpleimpant borjubeugen. Reinigung ber Bäpue berpinbert einzig unb allein baS Stoefen uub faulen berfelben. ©ie bon ber 9?aprung jurücfgebliebenen ©peilcpen miiffen - mit einer weiepen gapnbürfte - entfernt werben, um ipr Uebergepen in $äulniß ju berpüten, unb jwar bient baS Vürften mit in Söaffer aufgelöftem Voraj, übermanganfaurem Ä'ali ober auep mit Spiritus am beften bie gäpne 13011 alten Speife* reffen $u befreien. ©ar manepe ift burep Vernadjläffigung ber SDluubpflege berfdjulbet worben; ©ipptperie, Vräune, ja felbft ©ubercutofe finb päufig genug auf Ablagerung bon Vacterien (tpierifepen ÄranfpeitS* feinten) in ber 9)?unbpöple jurücfyufüpren. Mitunter maept fiep ein übler ©erud) aus bem 9)?unbe geltenb, ber ebenfalls golge einer unge* nügenben 9)?unbpflege ift unb bon ben in ober jwifdjen ben «Bäpnen fteefenben unb in ftäulniß übergegangenen Speifereften perrüprt VefonbereS ©ewidjt ift auf bie 9J?unbpfIege bei Säuglingen ju legen, welcpe bei Unreinlicpfeit im 9J?unbe leidjt an ben „Sdjwämmcpen" erfranfen. ©ie 3ull9e erpeifept bie gleidje pflege wie bie auf ipr angefammelte Sdjidjt, bon welcper ebenfalls nidjt feiten ein übler ®erud) auSgept, ift bon 3eit ju £eit burep fanfteS Abfragen (3. 53. mit einem SRefferrücfen) entfernen.- (Sntjünbungen, (Siterbilbungen unb felbft Verengerungen entftepen in ber <S p e i f e r ö p r e, wenn barin feft* fipenbe ©egenftänbe (©raten, u. bgl.), ju peiße 9?aprung ober gar äpenbe glüffigteiten eine reizbare VSirfung auf ben ©djtunb ausübten, ©ft ge* langen auep frembe Körper (3apnftocper u. bgl.) aus bem ©cplunbfopf in bie Vuftröpre unb bermögen, wenn nidjt ein balbigeS Entfernen berfelben burep Auspuffen ftattfinbet, ben ©ob nacp fid) ju fiepen. Vor allen foldjen ©efapren pat man fid) burd) ftete Vorfidjtigfeit ju fdjüpen. 20?an ad)te barauf, baß $inber nie aus Spielerei ober fcplecpter Angewopnpeit ftremb* törper in ben 3)lunb fteefen.- ©er 2)?agen barf, foll er feinen ftunc* tionen orbentlid) nadjfommen, wäprenb beS (SffenS in feiner VJeife irgenb Welcpe Veengungen erfapren. Aus biefem ©runbe muß bie 356 eine entfpredjenbe fein, unb finb enge Kleiber, it. f. w. möglicbft jn lodern ober überhaupt abjulegen. Uebermüpige Erweiterung beS tagens burd) jn groffe 9iahrungSjuful)r ruft 23erbauungSftörungen hervor, verl)inbert jugleicl) baS Uebertreten einer genügenben 9iüf)rftoffmenge in baS 53lut unb wirb fdjliefflid) Slulaff jur djronifdjen ÜJlagenerweiterung. £)er@enuff fd)arfer ©ewürje unb alcol)oll)altiger ©etrünte ift einjufdjrünfen, ebenfo ber ju Ijeiper ober ju tatter ©etrünfe, weit biefelben bie Sd)leiml)aut beS tagens angreifen unb mannigfache Wtfagenübel (Eatarrlj) verurfadjen. 3)tan foll aber nicht nur alte Sd)üblid)feiten vom 90?agen fern halten, fon* bern bemfelben and) jegtidje Unterftütjung (auSreidjenbe Bewegung, früf* tigeS 2ltl)meu, SBürme, u. f. w.) angebeiljen taffen unb baburd) ber Sßer* bauung ben beftmöglid)ften 53orfdjnb leiften. SSerfdjlud'en giftiger Sub* ftanjen, fpifciger ©egenftünbe u. bgt. wirft felbftverftünblid) tjödjft fd)üblidj auf ben Klagen, unb tonnen barauS beut gefammten Organismus bie übelften folgen erwadjfen.- ©iefelbe peinliche pflege erforbert and; ber £)ünnbarm, unb jwar um fo mehr, als fid) in iljm bie 53ilbung beS SpeifefafteS (Et)i)luS) vollzieht. Sie nreiften Erfrantungen, weldje ben Sünnbarm betreffen, haben iljre Urfadje in Erfüllung beS53aud)eS (53red)* burdjfalt, u. f. w.), WeSpalb man ftets für Erzeugung genügenber SBürme (Unterjeug, ßeibbinben) in ber ®egenb beS SünnbarmeS, weiterhin and) für gutes $unctioniren beSfelben (burd) £l)ätigfeit ber £3aud)muSteln, gute in ber u. f. w.) (Sorge tragen muff.-X)aS 23efin* ben beS ® i cf b a r m e S l)ängt tjauptfädjlid) oon ber Otegelmäffigfeit feiner Entleerung ab. Eingetretene SSerftopfungen werben burd) (warme) ftieream beften gehoben, ba braftifdje Stbfüljrmittel äftagen unb ©ünnbarm afficiren. 91id)t feiten wirb bie <Sd)leiinl)aut beS ©icfbarmeS nad)tl)eilig burd) Erfüllungen berührt, weldje ju 8eibfdjmerjen, ©urdjfall (Eatarrl)), u. bgt. SSeranlaffung geben. - Entjünbung beS SÖtinbbarmeS wirb jumeift burd) anbauernbe Sßerftopfung hevüorgerufen.- 3m üßurmfortfah ein* gettemmte Dbftferne (von SBeintrauben u. f. w.) haben oft bie nad)tl)eilig* ften folgen (23auchfettentjiinbung). - $rantl)afte Erscheinungen im DJiaftbarm finb hauptfäd)(id) bie §änwrrt)oiben, welche in 5'olge geftörten in ber unb bem 2)?aftbarm auftreten. Sie Sluffaugung ber 91 al)tun g in baS 53lut geht im ©ünnbarm üor fiel) unb ift eine birecte unb inbirecte. ©irect gelangen in baS 53lut (nach bem ber EnboSmofe) bie bemfelben unül)nlid)cn ftüffigeu Stoffe (j. 53. SBaffer unb ©atje) unb jwar burd) in bie refp. bie Seber. Eine wesentliche 53ebingung ber birecten Stuffaugung ift alfo ein normaler 53lutfreiSlauf in ber Unterftüht wirb biefer burd) angemeffene £l)Ätigfeit ber 53audj* unb ©armmuSfeln, gutes Slthmen, geeignete 9ial)rung unb geregelten Stuhl4 357 gang, ,ßugleicp verlangt baö '»ßfortaberblut jn feiner ©ünnflüffigfeit reidj* fiepen (Sjcnup von Sßaffer beim (äffen unb Verbauen. - Oie Subftanjeu, wekpe nidjt burep reforbirt werben, gelangen auf inbirectem SBege in baö S3lut, inbent fie (alö (äpptuö) von Spmppgefäpen aufgefaugt, von biefen bann weiter beförbert unb von bent •'DHldjbruftgang in bie liufe Scplüffelbeinblutaber ergoffen werben, ©eförbert wirb ber $lufj beö Speifefafteö junt 4ßlute burd) ©pätigfeit ber lB?uöfeln, befonberö ber S3auepmuöfulatur unb beö ,3wercpfellö, ©armtpätigfeit unb fräftigeö (äinatpmen. SQiepr ober minber grofce ober anbanernbe Uutpätig* feit ber genannten Organe wirft pemmenb auf ben Sauf beö Speifefafteö ein, unb ißerftopfung ober fpärlicpeö ©rinfen beim ©enufj ber Dtaprung beeinträchtigen bie ©ünnflüffigfeit beö (äppluö unb baburdj and) beffen Sauf. (Sine berartige Hemmung finbet nid)t fetten bei Heinen Äinbern ftatt, bei benen ber Eintritt beö Speifefafteö in baö 33fut burd) $n breiige ütaprung (ftatt DJiild), u. a. m.) gepinbert wirb, waö 4B(ut* armutp ober in weiterer felbft Sluöjeprung perbeifüprt. Oie pflege ber (äntgiftungöorgane (Sungen, Seber, 9tie« reu unb §aut) ift von befonberer $ßid)tigfeit, weif fid) in biefen Organen bie Reinigung beö S3luteö (ber „regreffive" ©peil ber S3lutneubifbung) vollzieht. Tiefe S3lutverjüngung, in golge Sluöfcpeibenö ber „®ewebö* fdjlacfen", tann nur bann normal von ftatten geben, wenn Sungen, Seber, Vieren unb £>aut gut functioniren unb bereu §aargefäpe bem ©unpflufc beö ißluteö refp. ber ®eWeböfcplacfen feinerlei in ben ÜBeg legen. - Oie Sungen befreien baö S3lut von unb Gaffer» bampf, bie beim 9luöatpmen auö bem Körper auögefdjteben werben. Oa= mit biefer ©aöauötaufcp unb SBafferbampf gegen ©auerftoff) ridjtig vor fiep gel)t, finb baö (Sinatpmen guter Suft unb normaler ber Sltpmungöorgaue (f. pflege beö Sltpmungöapparatö) nötpig. - ©er Seber fällt bie Reinigung beö anpeim, beffen auögefdjie* bene ©peile bei ber ©allenbereitung Oerweubung finben. ©er 9ieini- giingöprocep in ber Seber verlangt baper an erfter ©teile einen ungepemm- ten S5lutlauf ber (reidjlicpeö üßaffertrinfen $ur SBerbiinnung beö S3luteö) unb jweitenö ungepiuberten Spielraum für bie Seber felbft, weö* palb biefeö Organ feine S3eeiuträdjtigungen (burep enge Kleiber, gebütfteö ©ipeu, u. bgl.) erfapren barf. - 3ur Slbfouberung überfepüffigen SBafferö unb fefter,aber gelöfter ©eweböfcpladen bienen bie Vieren, weldje biefe Stoffe in fiep auö bem S3lute „abfiltriren" unb bann burep bie naep aupen laffeu. ©ewaltfame SSermeprung ber burd) parntreibeube iüiittel unb SQiebicamente (ißeterfilie, äßadjpolber, Sellerie, (äopaivabalfam, fpanifdje fliege, u. f. w.) übt ftetö auf bie Vieren eine fdjäblidje Sßirfung auö, wäprenb eine ißermepruug beö .'narneö (bepufö 358 görberung ber AuSfdjeibung bon ®ewebsfdjlacfen) bitrd) reidjlidjeS Aßaffer* trinfen feljr bienlidj ift. Eine berartige §arnberbünnung ift zugleich bei Ertrantungen beS baS geeignetfte SDcittet, eine Reizung bet erfranften SSljeite feitenS concentrirten, §arnS zu berljinbern. - ©ie burd) bie § aut, bie für ben Körper non aufjeror* bentlidjer ift, weil fie fidj foivotjl auf gafige, als and) auf fefte EJewebSfdjlacfen erftrecft (f. S. 213), befteljt in ber unfidjtbaren unb fiept* baren burd) bie Sporen. ©iefe müffen immer offen ge* galten, unb zu biefem $wecf bie Ablagerungen, bie fid) auf ber §autober* flädje burd) SBerbinbung bon ©alg, Sdjweifj unb Staub bilben, fortwälj* renb befeitigt werben, ©ie £aut bebarf einer ftetigen Reinigung burd) Sßafdjungen, 33äber, Abreibungen unb öfteren SBäfdjewedjfel. ©ie An* Wenbung bon Seife erleichtert baburdj, bafj fie ben auflöft, bie Entfernung beS (enteren. Sich ju Wafdjen refp. jn haben ift eines ber widj* tigften (Gebote ber ©efunbljeitspflege, unb foll baSfelbe nidjt nur bon er* wadjfenen befolgt, fonbernaudj bei SHnbern jeglichen Alters ftrict burdjgefüljrt werben. ©äglicpeS 23aben ber fleinen $inber (etwa bis jum 5. 3al)re) in warmem Sßaffer ift ber ©efunbljeit berfelben ungemein Außer lauwarmen Näbern (70-82° F.) finb träftigen beljufS and) ©ampfbäber feljr zu empfehlen; bagegen ift fdjwädje* reu ober gar tränten Sßerfonen bie 53enupung foldjer 4Bäber erft nadj ein* geholtem ärztlichen Rat!) geftattet. Sßafdjungen beS ganzen Körpers mit warmem Söaffer bie $äber unb follen, wenn man fid) nidjt haben tann, fo oft als möglich borgenommen werben. Abreibungen mit tüdjern regen bie an, förbern bie 23lutcirculation unb treten ÄBlutftauungen entgegen. Öieiue Aßäfdje ift gleidjfam eine Sßafdjung ber £>aut, infofern fie ben Schmuts bon ber §aut abljält, bie Abfonberung bon ber §aut aufnimmt unb fo bie festere trocfen hält, jugleidj aber audj ben bon aufjen her anbringenben Staub auffängt. Erfrantungen ber §aut entfteljen hnuptfädjlidj burd) Unreinlidjfeit, inbem ber Sdjmut? bie 'ißoren ber ©alg* unb Sdjweipbriifen fdjliefjt unb ber AuSbünftung mehr ober weniger ben 2öeg jur ©berflädje ber §aut abfperrt. $n foldjem $alle afficiren bie jurüdgeljaltenen AbfonberungSftoffe nebft ®e- websfdjlacfen, ©alg unb Sdjweip) bie §aut unb baS 53lut unb geben ju örtlidjen ober allgemeinen Erfrantungen Anlafj. - ©ie §aut bebarf and) fijftematifchen Abl)ärtenS, bamit fie ben SBitterungSeinfliiffen ju wiber* ftehen vermag unb nidjt Neigung zu Erfüllungen zeigt (Rheumatismus, Eatarrlje, u. f. w.). ©iefe Abhärtung foll, wie gefügt, eine fljftematifdje fein, b. f). baS (gewöhnen ber §aut an bie Äälte refp. Räffe foll nidjt auf einmal, fonbern nadj unb nadj erfolgen, unb ift aus biefem ®runbe bei SBafdjungen ober Näbern nur ganz allmälig zu einer niebrigeren ASaffer* 359 temperatur überjugepen. Bäber im freien (im Sommer) finb peilfam unb gefunb, unb eignen fiel) and) bortreffliep jur Slbpärtung ber £>aut, bod) ift ju bemerfen, baß bag übermäßig lange Berweilen im SBaffer bem Slllgemeinbefinben nidjt juträglidj ift. ftinber (big jit 5 $apren) muß man mit jenen Slbpärtunggwaftpungen berfeponen, ba ber jugenblidje Drganig* mug noep ju jart ift, um folcpen ßinflnffen gegenüber Staub ju palten; bagfelbe gilt bon blutarmen unb nerböfen benen nidjtg mepr alg teilte jum Sdjaben gereiept. Bon Bortpeil für bie ©efunbpeit, befonberg bie Blutcirculation, finb and) 9tegem ober Soudje'Bäber in $olge beg 9ieijeg, ben fie auf bie betr. Ä'örperftelle augüben. $ig. 169 jeigt, wie man fiep mit einem ®efäß, bag einen burcplöcper* ten Secfel pat, leidet im eigenen £>aufe 9tegenbäber berfdjaffen fann, unb wie man bei Slnwenbung auf ben $opf bag ®efäß ju palten pat. Sodj fei jur Bor* fiept ermapnt, ba ber folcper (falten) Bäber halb eine 9ieaction, b. I). Songeftion ber £>aut, jur $olge pat. 9tegenbäber auf ben ®opf berurfaepen außerbem gewöpnlidj Slugfallen ber §aare. - Sind) bie Reibung (f. fpäter) ift bon großer löebeutung für bie £>aut, unb ift eine leidjte Äleibung, wie falte löäber unb Sßafdjungen, ein wefentlicpeg Moment bei ber SIbljärtuug ber §aut. Sind) l)ier fjeißt eg aber: SSorfidjt! unb ljat man fidj befonberg bor einem fd)nel= len 2öed)fet jwifdjen bünner unb bid'cr Reibung ju f)üten. - Sie Slbfüljlung ber §aut nadj einem warmen 23abe muß, weil bie §aut bann feljr empfind lid) ift, eine bollftänbige fein; befonberg püte man fiep, fleine fo lange bereu §aut nodj niept böllig troefen, an bie ßnft ju bringen, 'ißlöplidje Slbfüplung ber fepwipenben §aut (Srinfen bon faltem SBaffer, glußbab bei §aut, u. bgl.) berurfaept meifteng bie peftigften (Srfältunggfranf- peilen; außerbem füprt bag 3ufaBune ber Blutgefäße, weldjeg burep bie (Sinwirfung ber Wte entftept, nid)t feiten ju Jungem blutungen unb Scplagfluß. SJhigfeltpätigfeit, befonberg Surnen, fräftigt bie §aut, förbert ben Vauf beg Bluteg in berfelben unb ftäplt bie §aut- Fig. 169. 360 fafern.- bie mit $iußfd)weiß bepaftet, vermögen biefem Hebet* ftanbe einzig unb allein burd) peiulid)e Steinlicpteit (päufigeS Sjßafctjen ber güße unb B?ed)feln ber Strümpfe) unb burd) ©ragen weiten Scpupwerfs abjupelfen. ©er üble ®erud) wirb am beften baburd) befeitigt, baß man „Schweißpulver" (3 ©peile Stärfe, 90 ©peile ©alt unb 7 ©peile Saliepl* fäure) in bie Strümpfe einftreut, ober baff man bie $üffe mit einer Salbe von Bleiglättenpflafter unb Seinöl (ju gleichen ©peilen) beftreidjt; and) baS (Einftreuen von ©annin, WekpeS fid) bei wunbgelaufenen $üßen ober bei vorpanbenen Blafen als fepr jwectmäßig erweift, ift jn empfeplen. ©iefelben Drittel fonunen gegen ben übten ©erucp beim Sdnvipen in ber Skpfelpöple in Slnwenbung.- Sille (Slbfcpürfungen, Skiffe, Schnitte, u. f. iv.) finb gegen baS (Einbringen fauliger ober giftiger Stoffe (bunte Strümpfe unb ßntfen) ju bewapren, weil in folcpem $alle leidjt Blutvergiftungen veranlaßt werben. pflege ber a a r e unb St ä g e l. Sßie bie £>aut finb aucp bie H a a r e ein Sdjuljmittel gegen (Einflüffe von außen per, bas man fid) unge* fdjäbigt ju erpalten beftrebt fein foll. ©ie pflege beftept paupt* fäcplicp in ber richtigen (Ernäprung berfelben unb Steinpalten ber Kopfpaut. ©ie Blutgefäße beS erforbern bepufS (Ernäprung ber £>aare eine genügeube Bufupr von gutem Blut, unb wirb beSpalb bie (Ernäprung eine mangelhafte fein, Wenn baS Blut überhaupt fcplecpt ift, ober ber Kör* per (3. B. in $olge von Kummer unb Sorgen) an Blutarmutp leibet, ober bie Bufuljr M Blutes nad) ben paaren in $olge von Kopfpautaffectionen ((Erfüllungen, Siervenleiben, u. a. m.) bepinbert ift. ©ie golge foldjer 3uftänbe finb bann ©rauwerben unb Berluft ber §aare. - ©em SluS* trodnen ber lepteren refp. einem ju fcpnellen Berbunften ber §aarflüffig* feiten beugt ber §auttalg vor, beffen §erauStreten auf bie Äopfpaut Weber Sdjmup nocp Sdmppenbilbungen pinbernb entgegentreten bürfen. Sius biefem ®runbe ift bie Steinigung ber eine wicptige Bebingung bei ber pflege ber §aare, unb jwar foll fie burd) öfteres Sßafdjen mit lauem SBaffer unter .gupülfenapme von Seife, (Eigelb ober einer bleiern abfocpung unb burd) ein ab unb ju grünblicpeS dämmen unb Bürften vor* genommen werben. ©aS Sßafcpen mit ju faltem ober ju peiffem SBaffer fdjabet ben (f. oben) unb ift beSpalb ju vermeiben. ©aS (Einfcpnüren wie es beim weiblitßen ©efcplecßte üblicpift, iftbem §aar niemals von Siupen, ebenfo wenig bie Bebecfung beSfelben jur 9tad)tjeit. ©aS (Einölen ber £)aare (mit Oliven* ober SD?anbelöl) barf nicpt übertrieben werben, unb bie verfd)iebenen „Klebmittel," 'ißomaben, u. f. w. follten überhaupt feine Slnwenbung finben.-Haarfärbemittel ver* urfacpen nid)t feiten Bergiftungen, befonberS Bleivergiftung. ©aS ben ber Haare mit Hvllenftein ift bagegen unfcpäblid). 361 ©ie Dlägel verlangen eine Ijäufige 9teinigung unb öfteres 2lbfd)iici» ben, weid)' letzteres ben9iagel immer nodj über bie Feiger» refp. Beßenfpifce ßervorfteßen (offen muß. ©ie £mut an ben 91agelwur3eln füll borfidjtig nadj unten jurüdgefdjoben werben. (Sine verbreitete Sliigewoßnßeit bei ßinbern, baS Slbbeißen ber Fingernägel, giebt ben Fingern nid)t mir ein IjäßlidjeS SluSfeljen, fonbern bielfad) and) 9lnlaß 311 Grtrantungen beS 91a» gelbetteS unb beS oberen FingergliebeS. BcrftanbcSapparaL ©er BerftanbeSapparat umfaßt baS animale 91ervenfijftem, beffen Biittelpuntt baS ®el)irn ift, unb beffen peripljerifdjer ©Ijeil bie (Sinnesor- gane unb biejenigen 91ervenfafern finb, weldje bewußte Gmpfinbung unb Willfürlidje Bewegung veranlaffen. ©ie ßödjften Functionen unfereS Körpers foimnen burd) biefen Apparat 3U (Staube, unb es ift baßer befon» berS widjtig, baß bem BerftanbeSapparat refp. bem animalen 91ervenfijftem bie geeignete pflege ju ©Ijeil wirb. Seßtere befteljt, wie bie pflege unfereS gejammten 91 e r V e n f Ij ft e m S, vorerft in ber ber genügenben 9)lenge gefunben Blutes. Fenier fallen auSreidjenbe Bewegungen unb gutes Sltljmen ben Blutlauf in ben 9ierven förbern, unb paffenbe Hautpflege, frifcpe unb reine ßuft unb ljin» reidjenbe 91ul)e bie 91erven fräftigen unb ftärfen. Äalte Bäber unb 9lbrei» bungen regen bie 91erven allerbingS an, wirten aber meift nadjtljeilig, wenn bie (Srnäljriing in feinem Berßältniß ju berartigen SlbljärtuugSmitteln fteljt. Für bie an Blagenfdjwädje, Blutarmutlj leiben, ober für foldje, bie eben von einer fdjweren Ärantljeit genefen, finb nur warme Bäber ftattßaft. ©ie 9?ervofität, ju bereu SluSbilbung eine mangelhafte l)ung md)t wenig beiträgt, ift burd) einfache, reijlofe, aber naßrßafte Äoft (Fernljalten von ©enußmitteln), burd) auSreidjenbe Bewegung unb t)in- lämglidje 9iul)e (<Sd)laf), burd) Bermeibung von geiftigen Slnftrengungen unb burd) (Srwed'ung ber SÖillenStraft ju betämpfen. 9ieisbare «Sinnes» einbrüde üben auf bie in ber (Sntwidlung begriffenen Äinber ben fd)äblid)» ften Ginfluß aus. ©eSljalb beßüte man biefelben fo viel als möglid) vor fdjledjter Seetüre, ©efdjlecßtSreijen, u. bgl., weil baburd) nidjt nur fdjwere 9lerventrantl)eiten verurfadjt werben, fonbern and) mir 311 oft ber vorbei» tige 9?uin eines jungen BlenfdjenlebenS Ijerbeigefüljrt wirb. ©aS ®e l) i rn bebarf ber Gntwidlung; bie geiftige «Stufe, weldje ein DJienfd) erreid)t, ift von bem GntwidlungSgrab beS (SfefjirnS bebingt. (Sm» pfinben, ©enfen unb BJollen leiten fid) aus bem ®el)irn l)er; bei ber ©eburt finb fie aber in bemfelben mir im $eime (als Fäßigfeiten) vorßanben, weldje burd) Hebung ber «Sinnesorgane erft auSgebilbet werben müffen. ©aß biefe Hebung eine vernünftige ift, bafür ljaben Gltern unb (Srjieper 3U 362 forgen. V?aS wir „(Seift" nennen, ift int (Srunbe nur ein 'ißrobuct ber Grzieljttng. (fftäljereS über bie pflege beS (SefjirnS refp. geiftigen Ver« mögens finbet ber Lefer beSpalb erft bei ber ©arlegung ber hpgieinifdjen Vorfdjriften für biejenigen Lebensalter, Weldje ber Erziehung nod) bebürf« tig finb.) ©er erwadjfene HKenfcf) Ijat aber bafür 311 forgen, baß neben Sdju£ gegen außen (Stoß, Schlag, galt, (Srfältung, u. f. w.) unb neben einer guten Ernährung beS (SeljirnS (reidjlidjen Bufufjr guten VluteS) 9iulje mit ©hätigfeit abwedjfelt. $'ein anbereS Organ Wirb burdj lieber« anftrengung fo fdjwer gefdjäbigt, wie gerabe baS (Seljirn. Oljue fRulje unb fjauptfädjlidj ohne Schlaf, in Welchem baS (Sefjirn befanntlid) feine ©Ijätig« feit eingeftellt f)at, würbe ber centrale VerftanbeSapparat gar halb bie zum ©tjätigfein verlieren. ©er S dj l a f verfdjafft beut (Seljirn bie Otuljepaufe, wäljrenb weldjer eS bie beim ©pätigfein erlittenen Verlufte erfefct, inbem eS fidj reftaurirt unb babei gleichzeitig bie Verbrauchten (optjbirten) Veftanbtljeile wegfdjafft. ©er Sdjlaf muh QIf° genügenb lange bauern, bamit bie Dteubilbung unb SDiauferung beS (SepirnS nidjt nur eine tpeilweife fei. Äinber braudjen mehr Sdjlaf (im Säuglingsalter bis zu 16 Stunben) als (Srwadjfene, betten burdjfdjnittlidj 7-8 Stunben Sdjlaf genügen, ©er Sdjlaf barf ferner nidjt unterbrochen werben. Vor bem Schlafengehen meibe man anftrengenbe Vefdjäftigungen, aufregenbe (Sefprädje, u. f. w., bamit baS (Seljirn nidjt audj noch wäljrenb beS Schlafes zu einer tpeilweifen ©pätig« feit gezwungen ift (©räumen). 2ludj ber Klagen füllte wäljrenb beS SdjlafeS fRulje haben, beSpalb effe man WenigftenS 3 Stunben Vor bem Scljlafengeljen. ©aS Sdjlafzimmer foll hinreichenb groß, trocfenunb gut ge« lüftet fein. $ür (Sefunbe ift baSSdjlafen int halten zu empfehlen, woge« gen bie fdjwädjlidj finb ober einen langfamen VlutfreiSlauf haben, bei füljler Witterung beffer in einem geheizten Rimmer fdjlafen. ©ie $enfter audj 97adjtS im Sdjlafzimmer offen zu laffen, fo lange eS bie Witterung irgenb zuläpt, ift gefunb, bodj barf baburdj feine Bugluft ent« fteljen, weldje baS 4Bett refp. ben Sdjläfer trifft. ©aS foll nidjt zu hart ober zu Weid) fein. 2lm beften befteljt eS aus 9eohs ljaarfopffiffen unb einer £3ettbe(fe, weldje bei faltem Sßetter warnt (fieber« bett) unb bei heißem SBetter nidjt zu bid (leidjte ©ecfe) fein foll. 23or bem Schlafengehen lege man aticlj bie llnterfleiber, weldje man am ©age ge« tragen, ab unb lege ein 9?adjtf(eib an, baS am beften aus bemfelben Stoff gemadjt ift, wie bie betr. llnterfleiber. barf ber 97adjtanzug n i dj t zu bicf fein, unb muß er bie burdjlaffen. ©ie Sinnesorgane, bie Vermittler ber SinneStljätigfeiten, auf bereu Hebung bie geiftige SluSbilbung beS IDtenfdjen beruht, verlangen außer paffenber unb Ijiureidjenber Ernährung, baß fie nidjt übermäßig 363 angeftrengt werben. Sie bebürfen ferner, wie alle anberen Organe ber SlbwedjSlung üon Ohtfje unb Xljätigfeit, benn burd) festere werben fie aus* gebilbet. metjr - bei gehöriger Srnährung unb Srljolung - ein Sinnesorgan geübt wirb, befto fcßärfer refp. feiner Wirb baS betr. Sinnes* üermögen. TaS 21 n g e ift ein $leinob, beffen SBerth Biele erft fdjäßen lernen, wenn fiel) burd) Bernad)läffigung beSfelben Sdjwädje beS SlugenlidjteS be* merfbar mad)t, ober gar ber Berluft ber Seßfraft brofjt. TaS Sluge er* ßeifeßt oon benx Slugenblide an, wo ber ■'Dlenfcß baS „gießt berSBelt erblidt", eine ftetige pflege. TaS neugeborene ftinb barf nur nad) unb naeß an baS gießt gewößnt werben, alle grellen gidjteinbrüde (Sonnen*, u. f. W.) finb für bie Slugen beS ÄinbeS üom Uebel, unb wirb babureß oielfacß ber ®runb jur gäßmung beS Seßnerüen bejw. jur 4ölinb* ßeit gelegt. gaueS, weicßeS SBaffer biene jum SluSWafcßen unb peinigen ber Singen beS Säuglings, bie guft im Rimmer fei rein unb bie Temperatur eine mittelmäßige. SllleS, was irgendwie Srfältung berurfadjt, ift bon bem Ä'inbe fernjußalten, weil eine folcße faft immer Sntjünbung ber Singen oerurfaeßt, unb Slugenentjünbungen füßren nidjt feiten Blinbßeit ßerbei. TaS Singe muß bei folgen Sntjünbungen in furjen gwifeßenräumen bon ber eitrigen befreit werben, um Siteranfammlungen oorjubeu* gen. Sluflegen bon Äaltwafferumfdjlägen ift oorjugsweife noeß neben ber Reinigung jweefmäßig. 423ei anbauernber Eiterung berfäume man nid)t, rechtzeitig einen SIrjt ju confultiren. Slucß in fpäteren ift baS Sluge gegen grelles gießt ju fo barf ber Sßecßfel jwifdjen Tun* felßeit unb gießt nießt auf baS Sluge einwirfen, unb ift bei Singen- entjünbung bie SBirfung beS gidjts (burd) einen Slugenfcßirm) abjufdjwä* djen. SBeiterßin füllen bie Slugen burd) feine nitfjt überan* ftrengt werben, unb ßaben beSßalb Eltern bie $inber in bem richtigen ®e* brand) ber Slugen ju unterweifen unb befonberS auf ben nadjtljeiligen (Sin* fluß beS «Sonnenlichts bei ben erwähnten SIrbeiten aufmerffam ju madjen. Sim ßäufigften batirt bie fpätere Sd)Wäd)e ber Slugen unb ber Seßfraft oon ber Sdjuljeit Ijer. TaS Äinb gewößnt fid) nur ju leidjt an baS ju naße 53etradjten ber 53ud)ftaben, unb eße fid) bie Slufmertfamfeit beS ßeßrerS ober ber Eltern auf biefen Uebelftanb ridjtet, fjat festerer feften ftuß gefaßt. Sin Srtennen beSfelben erforbert fofort ärjtlidje §ülfe, um burd) geeignete 53eßanblung bie vielleicht fdjon eingetretene SdjWädje ju tjeben ober einer brol)enben üorjubeugen. Tie SSorlagcn für ben Sdjreibunterridjt unb bie ju £efeübungenbeftimmten4Bü(f)er füllen genügenb große 53uchftaben hüben, unb baS Sd)uljimmer füll genügenb hell fein. 5Hie bürfen bie Slugen im (fd)Ied)te Beleuchtung, 3wielid)t) angeftrengt werben. Ten Slugen muß auch jeitweife Srholung 364 Slngewofjnljeiten nicfjt auSbleiben. (Srfältungen, weldje leidjt Sdjnupfen fjerbeifüfjren, muß nadj WSöglidjfeit vorgebeugt, uub barf beSßalb falte, fdjarfe Suft nidjt eingeatfjmet werben, weil baburd) eine Slfficirung ber Sdjleimtjaut ftattfinbet. Scljarfe SDtittef, wie man fie oft <$um Sluffdjnaufen in bie 92afe venvenbet, unb ftarfer Sdjnupftabaf üben nidjt minber einen nadjtljeiligen Einfluß auf bie ©erudjSnerven aus unb ßaben meiftenS ben gänjlidjen SSerluft beS ©erudjSfinneS jur $olge. $ür ben ©efdjmacf bilbet baS wefentlidjfte Organ bie Bunge, weldje bei ungeeigneter pflege ifjrer Sdjleimljaut unb ber, ben ©efdjmacf vermittelnben Serben biefeS Sinnes üerluftig geljen tann. Uebermäßig Tafte ober tjeiße Speifen, beijenbe Stoffe ober and) Unreinigfeit (f. pflege ber SOZunbßößfe) unb (Sntjünbungen ber Bunge, >>eren (SntfteßungSurfacpe meift in fdjarffantigen Bahnen ,}u fucfjen ift, vermögen ben ©efdjmacfSfinn abgufdjwädjen unb SBerluft beSfelben ju bewirfen. Slud) bie Sippen finb 311 pflegen, unb bebürfen biefe bei etwaigem SBunbfein (Sluffpringen, u. f. w.) eine geeignete pflege ((Sinreiben mit ©Ipcerin, (Solbcream, u. a. m.). Si£ beS Saft« unb Semper atu rfinnS ift bie §aut. Sie enthält eine 9)?enge von Saftwärjdjen, bereu größte Slnjatjl fiel) befannt« lidj in ben gingerfpifcen vorfinbet Sie Gilbung einer büfen Sdjidjt (ßarte §aut) an ber Spitze ber (finger benimmt beStjalb ben festeren metjr ober weniger bie Saftempfinbung. Ser Semperaturfinn geljt burd) ben (Sin= fluß von großer teilte ober §i£e verloren, weSfjalb biefe 31t meiben finb. (Sine geeignete pflege ber Dlägel unb $aut (f. S. 358) finb §auptbebin« gungen ber (Srljaltung beS Saft« unb beS SemperaturfinneS. Sie pflege beö Stimmorganö befteßt jumeift in ber pflege be§ ba biefer bie Stimme erzeugt. Sille fdjäblidjen (Simvir« fungen finb von ber Sdjleimpaut be§ fern ju ßalten, weit berar« tige ßinflüffe biefelbe reifen unb entjünben. ©ewürjreidje Sfaßrung, feßr alcofjolfjaltige ©etränfe, SJerfdjlucfen fpifeer ©egenftänbe unb vonSpeicßel, ber mit beijenben Stoffen (3. £3. Sabal) gemifdjt ift, u. f. w., finb beSßalb 511 vermeiben. 9?auße unb unreine (raud)«, ftaub« unb gashaltige) Suft wirft ungemein nadjtfjeilig auf ben Äeljlfopf unb ruft (Sntjünbungen ber Sd)leimljaut beS W)lfopf3 (ßatarrße) Ijervor. (Sin burd) 9?eben ober Singen angeftrengter $et)tfopf bebarf ftets ber größten Sdjonung unb muß, falls er falter Semperatur werben foll, burd) warme werben. Ser foll aber überhaupt nidjt burd) übermäßig lautes unb langbauernbeS Sprechen, Singen ober gar Sdjreien (befonberS ift barauf bei wotjl ju adjten) angeftrengt werben, weil in foldjen fällen eine fdjäblidje SBirfung auf bie Stimme nidjt auSbleibt; bie Nerven unb SJluSfeln ermatten, unb bie Stimme ver« 365 fiert ben fonoren unb wirb rauh fdjwadj (<Stimm»erftimmung, (Stimmbanblähmung). BMe ber £>alg, ift and) ber ganze Körper gegen (Erfältung zu fdjühen unb zu ftählen, um eine @d)äbigung ber (Stimme zu »ermeiben. hüte man fid) »or naffen güßen unb bem ®e= nuß zu toller ©dränte bei ftarter @rhi(3ung beg $örperg. i>c5 Körpers in ben neritßtebenen ©aS menfcplidje £eben läßt fidj befanrtt(icf) in brei große Slbfcpnitte eintpeilen, nämlicp in ben ber Unreife, ber Neife unb beS SöelfenS. 3n jebem biefer Slbfcfjnitte ift, wie fdjon bereu befagt, ber Körper ein anberer nnb verlangt beSpalb and) eine anbere (törperlicpe unb geiftige) pflege. Sim forgfältigften muß biefelbe natürlicp in bem Zeitraum ber Unreife fein: Körper unb @eift finb nocp nidjt entwicfelt unb weniger als im fpäteren Sliter gegen (Sinfliiffe »on außen wiberftanbSfäpig. ©er leib? lief) unb geiftig nocp unreife SNenfcp fann aber feinem Körper nidjt felbft bie gehörige pflege angebeipen laffen. ©aS ift @acpe berjenigen, bereu Obput ein $inb anüertraut ift, b. p. ber (Sltern unb S3ormiinber. gürfie gelten bie ®efunbpeitSlepren, nacp benen baS jugenblidje £eben 3U regeln, baS Äinb ju e r 3 i e p e n ift. Sils baS Sßicptigfte biefer ppgieinifcpen 53or? fdjriften füllten (Sltern refp. SBormünber immer im Singe bepalten, baß bie törperlicpe unb bie geiftige SluSbilbung in gleidjer SÖeife 31t beriuffidjti? gen finb, unb baß bie Slnforberungen an baS ßinb nur allmälig gefteigert werben bürfen. $alls ber jugenblidje Körper nidjt etwa von »ornperein in §olge eines ererbten ßeibenS mepr ober weniger entwid'lungSunfäpig ift, muß eine (Srjiepung, weldje ftets nacp jenen ©runbfäpen geleitet wirb, bie fdjönften grüdjte tragen. gür ben reifen unb welfenben 3)?enfcpen laffen fiep bie ppgieinifcpen 53orfdjriften furg in einer 9D?apnung wiebergeben: SDZan fei bei allem £pun unb Waffen barauf bebaept, ben an förperlicper unb geiftiger Ä'raft im Kampfe mit bem Seben unb bem napenben £obe fliigliep ju »er? tpeibigen I Ter Slbftpnitf ber Unreife. ©er Zeitraum ber Unreife bauert »on ber (Geburt an bis jum (Sin? tritt ber ©efdjlecptSreife, b. p. beim weiblidjen ©efdjledjt bis etwa jum 20. unb beim männlidjen ©efdjledjt bis jum 25. 3öpve. (Sr verfällt in baS Sliter beS Neugeborenen, baS beS (Säuglings, baS bas Ougenb? alter unb baS OünglingS? refp. 3ungfrauenalter. 366 © a S Sliter b e $ Neugeborenen umfaßtbieelfte5ß?oc£)e unfe* re$ VebenS. ES beginnt mit ber (Geburt; vorher ift ber SNenfd) nod) fein felbftftänbigeS Sßefen, fonbern ein beS mütterlidjen Organismus*). Nad) ber ®eburt ift baS Neugeborene von ber SNutter ivegjuneljmen, bamit biefe fid) etmaS burd) Sd)laf erhole. SNan bringe baS Tinb am beften in ein geniigenb temperirteS Nebenzimmer (ca. 68° F.) unb reinige vorerft Singen, Niunb unb baS innere beS £)l)r8 von Sdjleim unb zwar mit einem weid)en Sdjwamm ober Sud), weldfe in Warmes Söaffer getaucht mürben. Sobann reibe man baS Tinb, um bie „£>autfd)miere" zu entfer* neu, mit Eigelb, Sdjweinefett ober aud) Sßafeline ein unb mafdje ben Tör* per mit marmein Sßaffer (96° F.), wobei man aud) «Seife zu nehmen faun, ab. SNan forge bafür, baß bie Suft, meldje baS Neugeborene ein* atljmet, rein ift, bod) l)üte man fid), etwa ein fünfter zu öffnen, ohne baß baS Tinb gegen ben leifeften Luftzug ift. Nad) 5-15 Stunben (je nach bem 53efinben ber SNutter) lege man baS Tinb an bie mütterliche ■S3ruft unb laffe eS - nicht zu lauge - faugen. 3n ber erften gebens* Zeit ift baS Tinb ungefähr alle zwei Stunben zu nähren, and) beS Nad)tS. ©ie erfte SN i l <h einer SNutter nad) ber (Geburt wirb mit bem be* fonberen Namen „Eoloftrum" bezeichnet. Sie ift von ber fpäteren SNild), weldfe fiel) am zweiten ober britten Sage einftellt, Verfdjieben, nämlich eine biefe, gelbe, fette ß-liiffigfeit, meldje auf bie SßerbauungSorgane beS Neu* geborenen gelinbe abfül)renb wirft. ©aburd) mirb bie SluSfdjeibung beS beförbert, b. Ij. ber (fd)marzen) Äotljmaffe, meldje fid) im ©arm be§ $inbeS mäl)renb be$ grud)tleben§ angefammelt fjat. Sluf biefe Entleerungen in ben erften ift e$ zurntfzufüf)ren, bah Äinb, meld)eS bei ber (Geburt burd)fd)nittlid) 7 'ißfunb miegt, bis zum britten ober aud) vierten Sage etmaS an ©emidjt abnimmt (f. ©. 74). ©aS Neugeborene foll in einem meidjen unb marmen 53ett (mit maffer* bid)ter Unterlage) liegen; ba§ fei ein Nohhaarpolftcr, bie -S3ett* beefe rid)te fid) nad) ber 3al)re§zeit. ©aS liege nid)t zu bid)t über bem unb muß ftets troefen gehalten merben. 2ßie bie SinneSor* gane beS Neugeborenen überhaupt nid)t ftärfer gereizt merben bürfen, fo befonberS nid)t beffen Singen; baS ßinb foll vomöidjte abgemenbet liegen. Sßarme Äßäber von 95-99° F. unb etma fünf SNinuten ©auer finb öfter vorzunel)men, unb l)nuptfäd)lid) fei man barauf bebad)t, SNunb unb Singen,' meld)e leid)t von Trautheiten (Sd)mämmd)en, Slugenentzünbung) befallen merben, auf baS fauber zu ha^eu. gür bie Neinigung ber Singen benutze man ein befonbereS, meid)eS ®d)mämm(f)en ober Säppdjen *) Tie für ben ungebetenen 2J?enf<f)en gelten batjer ber SKuttcr. ©ie geneigte ßeferin finbet biefe Slnlneifungen in einem ©chriftdjen: ,,©er für grauen", ba§ in bemfelben 2SerIag Wie biefeä 33udj erfenienen ift. 367 Don glanell. Nacp bem Söabe lege man ba« Sinb wieber in fein S3ett. Umpertragen, Sßiegen unb Scpaufeln be§ Neugeborenen finb nicfjt lieb. feigen fi«P am Körper rotpe Stellen, wa« am epeften bort ber galt ift, wo Reibungen ftattfinben, bie £)aut galten feblägt, unb Urin unb Scpweiß bie £>aut reijen, fo tupfe man biefe Stellen (£>alS, ?.ld)fell)öple, ©efcplecptStpeile, Elfter unb Änieteple) fofort mit tattern Gaffer ab unb lege ein £äppcpen auf, welcpe« mit (Eolbcream, Cafeline, °^ev frifcp auSgelaffenem NinbStalg beftriepen würbe. SNit bem 6.-8. Stage fällt ber Neft ber Nabelfcpnur ab. Tiefen Abgang fuepe man nie (burd) Herren ober Sepnen) ju befcpleunigen, and) Dermeibe man jeben Srncf, ba be« Nabelftrange« oft töbtlidj verlaufen. Tritt eine folcpe ober eine (Entjünbung ober (Eiterung ber Nabelfdjnur ein, fopat man fofort einen 2Irjt ju rufen. SNit bem Abfallen ber Nabelfcpnur tritt ba« Nem geborene aber in ba« Säuglingsalter. SBäprenb beleihen, ba« etwa ba« erfte ßebenSjapr umfaßt, ift bie pflege im allgemeinen biefelbe, wie bie be« Neu« geborenen. SN an forge auf bie oben angegebene Sßeife für ftricte Nein« lidjfeit be« Körper«, reine unb warme Sufi, Scpup ber Sinnesorgane unb geeignete Naprung. ßeptere pat faft nur au« SNild) ju beftepen, unb jwar, wenn irgenb möglicp, au« grauenmild). 3 e b e SNutter follte,fofern e« i p r $ u ft a n b erlaubt, i p r $ i n b f e l b ft e r n ä p r e n. Cb ba« geratpen, ift nur Dom Slrjt jn entfepeiben. §at eine HNutter ju wenig SNildj, fo foll fie ba« Wenige bem $inbe geben unb ben Neft ber nötpigen Naprung au« ber glafdje reiepen. Reibet eine SNutter an einem epronifepen liebel, ober nimmt fie gewiffe SNebicinen ein, u. f. w., mit anberen Porten pält ber 2lrjt e« für beffer, baß bie SNutter niept felbft ernäprt, fo ift e« für ba« Äinb ba« SBortpeib paftefte, wenn man eine gefunbe 21 m m e engagirt. Sie 2Iu«wapl berfelben muß ebenfalls bem 2Irjte überlaffen bleiben. 3m allgemeinen läßt fid) in biefer nur fagen, baß auep bie 2lmme nid)t an djronifepen Uebeln (Scroppeln, Suberculofe, u. a. m.) leiben, ferner nid)t über ad)t SBocpen Dor ber SNutter entbunben worben fein barf, mit lepterer möglid)ft gleicpe« Sliter unb gleicpe (Sonftitution unb ein peitere«, rupige« Tempe- rament paben foll; auep ift barauf §u fepen, baß bie Slmme nicljt bem ®e* nuß oon Spirituofen ergeben ift. gür SNutter unb Slmme gilt in gleidjer SBeife, baß jebe (Erregung, and) eine plöplicpe (Scpretf, gurept), ju Dermei- ben ift; biefelbe pat unfepibar ipre Nüdwirfung auf bie SNild) unb madjt biefelbe mepr ober weniger gefunbpeitSfcpäblicp. Sie Naprung ber SNutter refp. 2lmme fei eine naprpafte unb leiept üerbauliepe (SNilcp, (Ei, gefepabte« gleifd) unb bnrdjgefdjlagene $ülfenfrüd)te), unb neben ber SNild) biene nur noep Söaffer ober pöcpften« ganj leidjte« 23ier jum ®e- 368 ©aS 9111er b e S Neugeborenen umfaßtbieelfteSBodfe unfe* reS VebenS. (ES beginnt mit ber @eburt; vorher ift ber SNenfd) noch fein felbftftänbigeS Sßefen, fonbern ein STl)eiI beS mütterlichen Organismus*). Naci) ber Geburt ift baS Neugeborene von ber SNutter Wegzunehmen, bamit biefe fid) etwas burd) Sdjlaf erhole. SNan bringe baS Tinb am beften in ein genügenb temperirteS Nebenzimmer (ca. 68° F.) unb reinige vorerft Singen, SNunb unb baS innere beS Ol)rS von Schleim unb zwar mit einem Weid)en Sdjwamm oberOud), Welche in Warmes Sßaffer getaucht würben, Sobann reibe man baS Tinb, um bie „£>autfd)miere" zu entfer* neu, mit (Eigelb, Sdjweinefett ober and) SSafeline ein unb wafd)e ben Tör* per mit warmem Sßaffer (96° F.), wobei man and) (Seife zu §ülfe nefjmen fauu, ab. SNan forge bafür, baß bie £uft, weldje baS Neugeborene ein* atpmet, rein ift, bod) l)üte man fid), etwa ein fünfter zu öffnen, ohne baß baS Tinb gegen ben leifeften Öuftjug gefdjüfct ift. Nad) 5-15 Stunben (je narb bem 93efinben ber SNutter) lege man baS Tinb an bie mütterliche Äöruft unb laffe eS - nid)t ju lange - fangen. 3n ber erften gebens* jeit ift baS Tinb ungefähr alle zwei Stauben zu nähren, and) beS Nad)tS. ©ie erfte SD? i l d) einer SNutter nad) ber (Geburt wirb mit bem be* fonberen Namen „(Eoloftrum" bezeichnet. Sie ift von ber fpäteren SNild), welcpe fiel) am ober britten Sage einftellt, verfdjieben, nämlich eine biefe, gelbe, fette ß-lüffigfeit, Welche auf bie SSerbauungSorgane beS Neu* geborenen gelinbe abfitl)renb wirft. ©aburd) wirb bie SluSfdjeibung beS „TinbSpedjS" beförbert, b. b- ber (ftpwarzen) Totpmaffe, welche fid) im ©arm beS TinbeS wäljrenb beS angefammelt hat. Sluf biefe (Entleerungen in ben erften SebenSftunben ift eS zuriiefzuführen, baß baS Tinb, welches bei ber ®eburt burd)fd)nittlid) 7 'tßfunb wiegt, bis zum britten ober and) vierten ©age etwas an @ewid)t abnimmt (f. S. 74). OaS Neugeborene foll in einem Weichen unb warmen 93ett (mit waffer* bidjter Unterlage) liegen; baS $opffiffen fei ein Noßbaarpolftcr, bie £3ett* beefe rid)te fiel) nad) ber 3al)reSzeit. OaS 93ctt liege nid)t zu bid)t über bem S3oben unb muß ftets trotten gehalten werben. 2ßie bie SinneSor* gane beS Neugeborenen überhaupt nicht ftärfer gereizt werben bürfen, fo befonberS nicht beffen Singen; baS Äinb foll vomS?id)te abgewenbet liegen. SBarme 93äber von 95-99° F. unb etwa fünf SDtiuuten ©auer finb öfter vorzunehmen, unb hauptfäd)lid) fei man barauf bebad)t, SNunb unb Singen, welche leid)t von Trautheiten (Sd)Wämmd)en, Slugenentzünbung) befallen werben, auf baS fauber zu hQftßu. $ür bie Neinigung ber Singen benutze man ein befonbereS, Weites Schwämmchen ober £äppd)en *) ©ie (ScfunbljeitSleljren für ben ungeborenen SWenfdjen gelten baljer ber SDtutter. ©ie geneigte ßeferin finbet biefe Slniveifungen in einem «Scbriftdien: „©er «Specicilarat für grauen7', ba$ in bemfelben 23erlag Wie btefeö 23ud) erfmienen ift. 369 üon Flanell. Nacß bem 53abe [ege man baS $inb mieber in fein 423ett. Umßertragen, liegen unb Scßaufeln beS Neugeborenen finb nitfjt juträg* ließ. feigen fieß am Körper rotße Stellen, mag am eßeften bort ber $all ift, mo Neibungen ftattfinben, bie galten fdilägt, unb Urin unb Sdjmeiß bie £>aut reijen, fo tupfe man biefe Stellen (£)alS, 2ld)felßößle, ©efißleditStßeile, Elfter unb fofort mit faltem Gaffer ab unb lege ein Väppcßen auf, meldjeS mit ßolbcream, 23afcline, ober frifd) auSgelaffenem Ninbstalg beftrießen mürbe. DNit bem 6.-8. Stage fällt ber Neft ber Nabelfcßnur ab. Tiefen Abgang fueße man nie (bureß Herren ober Teßnen) ju befdjleunigen, and) uermeibe man jeben Trutf, ba Blutungen beS NabelftrangeS oft töbtlid) verlaufen. Tritt eine folcße ober eine (Sntjünbung ober (Siterung ber Nabelfcßnur ein, fopat man fofort einen 2lrjt 311 rufen. 9Nit bem Abfallen ber Nabelfcßnur tritt baS Neu- geborene aber in baS (Säuglingsalter. SBäßrenb beSfelben, baS etma baS erfte SebenSjaßr umfaßt, ift bie pflege im allgemeinen biefelbe, mie bie beS Neu* geborenen. 9Nan forge auf bie oben angegebene Sßeife für ftricte Nein* ließfeit beS Körpers, reine unb marme Suft, Sdjuß ber Sinnesorgane unb geeignete Naßrung. ßeßtere fjat faft nur aus Nlild) ju befteßen, unb jmar, menn irgenb möglicß, aus 3 e b e SNutter füllte, fofern eS if)r 3ufta 11 erlaubt, i ß r ft i n b f e l b ft ernähren. Cb baS geratßen, ift nur Dom SIrjt 511 entfdjeiben. £>at eine DNutter ju menig SNilcß, fo foll fie baS Sßenige bem ft'inbe geben unb ben Neft ber nötßigen Naßrung aus ber $lafd)e reießen. Reibet eine SNutter an einem cßrontfdjen Hebel, ober nimmt fie gemiffe SNebicinen ein, u. f. m., mit anberen Porten l)ält ber Slrjt es für beffer, baß bie SNutter nießt felbft ernährt, fo ift eS für baS Äinb baS 3>ortpeil* paftefte, menn man eine gefunbe 21 m m e engagirt. Tie SluSmapl berfelben mup ebenfalls bem Slrjte überlaffen bleiben. 3m allgemeinen läpt fid) in biefer 33ejiepung nur fagen, baß aud) bie Slmmc nid)t an djronifdjen liebeln (Scropfjeln, Tuberculofe, u. a. m.) leiben, ferner nidjt über ad)t Sßodjen vor ber SNutter entbunben morben fein barf, mitlepterer möglidjft gleidjeS 2llter unb gleidje ßonftitution unb ein ßeitereS, rußiges Stempc* rament ßaben fall; aud) ift barauf 31t fepen, baß bie Slmme nidjt bem ®e* nuß oon Spirituofen ergeben ift. $ür INutter unb Slmme gilt in gleidjer 2öeife, baß jebe Erregung, aud) eine plößlidje (Sdjrecf, $urd)t), $u oermei* ben ift; biefelbe ßat unfehlbar ißre Nüdmirfung auf bie SNild) unb mad)t biefelbe mefjr ober meniger gefunbl)eitsfd)äblicß. Tie Naßrung berDNutter refp. 2Imme fei eine naßrßafte unb leießt oerbaulicße (DNilcß, (5i, gefcßabteS $leifd) unb burcßgefdjlagene unb neben ber NHld) biene nur noeß Gaffer ober ßöcßftenS ganj leidjtes 33ier jum ®e- 370 tränt. Slußer ©emütßSaffectionen finb Slnftrengungen, (grtältungen, u. f. ii). ju Dermeiben. SllleS, was ber SJZutter ober Slmme fcßäblicß ift, fdjabet aucß bem $inbe. Oft bie ßrnäßrung feitenS ber SJhttter auSgefcßloffen, unb verbieten eS bie Umftänbe, eine Sbrnne ju ßalten, fo ßat fünft ließe (Srnäß* rung mit Äußmilcß ftattjufinben. Seßtere muß ftetS eine ©empe* ratur Don 95Q F. ßaben unb außerbem Derbünnt werben, ferner muß ein alfalifctjeS HJlittel werben, ba bie $ußmilcß feiner reagirt. Wür- ben erften SebenSmonat beS empfießlt fidj folgenbe Oufammen* ftellung: eine Unje 9?aßm, eine ßalbeUnje Dftilcß, jwei Unjen unb eine ßalbe Unje SJHldjjuifer. 5lm (gnbe beS (erften) SDZonatS füllten biefe QJlaße Derboppelt unb bann bis jur (Sntwößnung beibeßalten werben, ©ie DJiilcßjuderlöfung wirb ßergeftellt, inbem man ju einem Gaffer 17| ©raeßmen £D?ilcßjucfer jufefct. ©a bie ßöfung aber leidet fauer wirb, fo bereite man lieber nur fleine DJZengen berfelben auf einmal. $alt* waffer, bas in ber Slpotßete tßeuer bejaßlt werben muß, ift ebenfalls müße* los ßerjuftellen. SDian nimmt ju bem 3wetf ein «Stüd: Äalf Don ber (Sröße einer Söallnuß, gießt barauf jwei Quart filtrirteS SBaffer unb läßt baS bann 24 ©tunben fteßen. 'Jlacß Verlauf biefer $eit fdjöpfe man baStlare SBaffer oben ab; eS ift „$alfwaffer". 53on anberer «Seite wirb empfoßlen bie $ußmilcß für (Säuglinge bis jur 3. $}od)e im Sßerßättniß Don 1 ju 3 mit SBaffer ju Derfefcen; Don ber 3. bis jur 6. SBodje ein ©ßeil Wild) auf jwei ©ßeile äßaffer, Don ber 6. SBodjebiSjum 3. SJJonat jwei ©ßeile QJZilcß auf brei ©ßeile äBaffer, im 3. üDhmat bis etwa jur §älfte beS 5. SJionatS ljalb DJlildj, ßalb Gaffer, unb bann brei üßeile Wiild) unb jwei ©ßeile SBaffer, im 6. ÜDlonat brei ©ßeile 9)?ild) unb ein ©peil Sßaffer unb fpäter je nadj bem SBadjStßum, ber (Sntwidlung unb ber Verbauung beS ÄinbeS immer weniger Söaffer. $u allen SDHfdmngen finb, um faure 9leaction ju ueutralifiren, jwei bis brei ©ßeelöffel Doll $altwaffer unb beßufs $örbe* rung ber Verbauung etwas <Salj ßinjujufügen. ©er befte SBegweifer, wie bie Hftilcf) ju mifdjen ift, bleibt aber (and) für bie Dor bem 6. SOlonat) bie Verbauung beS ß'inbeS. (Sntßält ber «Stußlgang, berßalbfeft unb Don ßellgelber garbe fein foll, ßalboerbaute SJHldjrefte, ober jeigt er eine anbere (jonfiftenj ober $arbe, als wie angegeben, fo muß, wenn man bereits ju uuDerbünnter 9J?ild) übergegangen war, bamit wieber aufgeßört werben, unb ift bie W2ildj abermals ju Derbünnen ober ber betr. DJHfdjung nod) meßr SÖaffer jujufeßen. $u beadjten ift, baß man bie WZild) immer Don ein unb berfelben, gefunben neßme, unb baß man fie, um ©äßrung ober Slufnaßme dou ÄraufßeitSfeimen ju Derßinbern, in füßler, reiner Suft (im (Sommer im ©Sfcßrant) aufbewaßre ober, falls ein folcßer nidjt üorßanben ift, abfodie. ?(n (Stelle ber tann conbenfirte 371 SOJild) treten, unb ift biefe mitSBaffer im folgenben SSerßältniß ju mifdjen: 1. 9ftonat ein Sßeelöffel voll auf 4-6 Unjen SBaffer nnb nadjßer unter Oufaß Don 1-2 Uujen 9iaßm biß ju 2 £ßeelöffel boll auf bie gleidje URenge SBaffer. (Sine ftärfere 9JJifd)img ift liegen ju großen Outferge* ßaltß nicßt ju geben, weßßalb mau biefe 9laßrung burd) eine anbere ju er* feßen ßat, falls baß $inb eine ftärfere 9?aßrung Verlangt; unb eine foldje muß eß erßalten, fobalb eß biefelbe vertragen fann. ©teilt fid) eine 93er* bauungßftörung ein, weldje erßeifdjt, baß bie fdjiver verbaulidje, weit int tüiageu in großen klumpen gerinnenbe $ußmilcß (f. ©. 302) zeitweilig außgefeßt wirb, fo ift Äinbern in ben erften Sebenßmonaten eine ÜJlifcßung von einem £ßeil Diaßin unb 5-6 ©ßeilenßeißem SBaffer ju geben; ältere $inber fönnen eine ftärfere Vöfung vertragen. Oft «Störung befeitigt, fo feßrt man jur alten ©rnäßrungßweife jurütf. Oft baß Reiben ein er* ßeblidjeß, fo feße man, biß baßfelbe geßoben, von jeglidjer SJHlcßnaßrung ab unb gebramße bafitr je nad) bem Ouftanb beß Sinbeß verblümte britßen (von £)üßner*, Rammet*, 9?inb* ober Äalbfleifdj). $itr Äinber über ad)t Monaten fann man ju biefen 93rüßen etwaß ©erftenwaffer ju* feßen. Mitunter ift leßtereß and) auftatt beß mit 93ortßeil anjinvenben, um bie ©erinnung beß (SafeTnß ju verßinbern. HJlan tßut 31t bem Owetfe einen Xßeelöffel voll Perlgraupen in ein pint falteß 9Baffer, todje bieß um ein ©rittet ein unb feiße beu Oieft burd). W?an erßält eine bünne g-lüffigfeit, weldje mir alß „©erftenwaffer" bejeicßnet ßaben, unb von biefer gieße man etwaß in bie HRildj. 93reiige 9?aßrung, 3. 93. (Sratferß ober Otviebacf unb SJiild), alß (Srfaß für bie SJfildjnaßrung ift ju meiben, ba fie ©urdjfall unb nod) «Sdjlimmereß jur fyolge ßat. ©ie ©augflafcße ift ftctß vollftänbig fauber 31t ßalten, ebenfo baß «Saugßütcßen. 93eibe füllen nad) bem ©ebraud) jebeßmal auf baß Peinticßfte gereinigt (mit ßeißem Gaffer außgemafdjen) unb bann in SBaffer gelegt merben, baß burd) Ou* faß von boppeltfoßlenfaurem Patron alfalifd) gematßt morben ift. ©a* burd) verßütet mau, baß in ©äßrung übergegangene Sttilcßrefte, meldje am ©augßütd)en ober in ber glafd)e ßaften geblieben Waren, in ben Klagen beß gelangen unb Äranfßeit verurfadjen. ©augflafcßen mit einem <$laßroßr, baß biß auf ben 93oben ber reidjt, unb mit langem ®um* mifd)laucß gebraudje man nid)t, weil fie ju fdjiver ju reinigen finb. ©ie heften «Saugflafdjen finb getoößnlicße pintftafdjen auß ßeitern ©laß, ba* mit man immer von außen feßen fann, ob bie fytafclje genügenb gereinigt ift. 2Iuf biefe glafctje wirb ein «Saugßütcßen aufgeftülpt, baß entweber von cßlinbrifdjer gorm ift ober bie ©eftalt eineß (umgefeßrten) Äegelß ßat (g-ig. 170 unb 171) unb von fcßwarjem ©uinmi fein muß. 9iad) bem ©ebraud) wirb baß ©augßütdjen erft von außen unb bann, nad)bem eß umgefcßlagen worben, von innen gereinigt unb fdjließlid), wie oben an* 372 gegeben, in (alfalifd) gemacßteS) SBaffer gelegt, Saugßütdjen von Wcißli* d)em (vulcani[irtein)®ummi [inb gefäßrlid), ba an ißncn Scßwefel unb ginfoypb ßeften tonnen. SÖäßrenb bei ben Siuberit, Weldje an ber 33ruft ernäßrt Werben, in beni erften ßal* ben 3aljre bie GrnäßrungSpaufen jwei Stunben bauern [ollen, ift $inbern, welcße mit ber $la[d)e großgejogen werben, nid)t öfter als alle 2| (bis jum 3. HJZonat) ober alle 3 Stunben (bis jum 6. WSonat) Staßrung ju geben, beim [olcße ®inber bebürfen einer längeren 53er* banungSjcit. Slllmälig verlängere man, nadjbem baS erfte VebcnSjaßr verfloffen, bie GrnäßrungSpaufen meßr unb meßr, nadjbem man ben Äinbern [d)on vor* I)er baS Srinfen jur Si'adjtjeit abgewößnt ßat. Slbgefeßen bavon, baß ber (Sebraud), bem $inbe fortwäßrenb bie 53ruft ju reidjen, ßödjft fdjäblid) ift, follte man bem Ä'inbe and) nidjt gleid) Staßrung geben, [obalb eS [djreit. Cft genügt eS, um baS Äinb ju beruhigen, baß man bemfelben einen Sd)lud lauwarmen 5Ba[[erS giebt, woburcß bie Ur[ad)e bcS SdjreienS (SluStrodnung ber Sdjlunbfopffdjleimßaut, £mr[t) geßoben wirb. £>aS 53erußigen ber Säuglinge mit £ulpen, (Summipfropfen ift [cßäblidj; eS verurfadjt Störungen in ber 53erbauung unb ift and) für bie geiftige (Snt* widlung beS ÄinbeS fdjäblid), meil leptereS burdj fortwäßrenbeS Gingeßcn auf [eine Söünfdje eigenwillig gemadjt Wirb (f. S. 377). HJlandje Äinber tonnen unverblümte SJtilcß [djon eßer vertragen (fdjon im 6. äRonat) als aubere Äinber, unb wieber anbere bebürfen meßr Diaßrung als anbere Säuglinge im gleidjen Sliter. 3m Sitter von unter 6 Sßocßen [ollte ein Äinb jebeSmal nidjt meßr als ($luib*)Unjen erhalten; im brüten SDSonat fteigt bie Station auf 3 Unjen unb bis jum 10. SJionat wirb [ie bis auf 4 ober aud) 5 Unjen ju erßößen [ein. (Segen baS ßnbe beS Säuglingsalters füßre man „gemifdjte $oft" ein, inbemman berSOtild), wekße aber aud) bann nocß bie §auptnaßrung bleiben [oll, etwas vegetabi* lifdje, aber nicßt gleifdjfoft beifügt. (Sntwößnen [oll man baS Äinb nur ganj allmälig, unb erft, wenn bie 3)iuttermildj fid) verfdjledjtert. 3e länger letztere bie §auptnaßrung bilbet, befto beffer für baS $inb. SBenn irgenb möglid), [oll man niemals im Sommer ober vor ober wäß* renb beS 3«ßoenS entwößnen. Stellen fid) nacß ber (Sutwößnimg Gr* brecßen, ©urcßfall ober Slbmagerung ein, [o muß baS Stillen wieber auf* genommen werben. $ür ältere Säuglinge fommen als Grfap für bie SDiild) ßäufig bie [ogen. Äinbermeßle in Slnwenbung. £)aS betanntefte berfelben ift baS Sleftle'fcße. Gin anbereS für bie SDluttermild) ift. bie Viebig'* [d)e „Suppe für Säuglinge". Sille biefe Surrogate ßaben vor ftärtemeßl* Fig. 170. Fig. 171, 373 ßaltigcr Diaßruitg ben einen Vorzug, baß bet iljrer Zubereitung bie (für ben (Säugling fdjmer Derbaulicße) «Stärfe in ©ejctrin unb Zucfer iimgeman« beit mirb, b. ß. in bie (Stoffe, melcße bei ber normalen Verbauung ber (Starte entfteßen. Saburd) mirb alfo ber SJZagen be« (Säugling« ber Ver- bauung ber (Störte entßoben. Slber troß biefe« Vorzug« tönnen jene (Surrogate bie SJiuttermild) niemals erfefcen. ßbenfo notßmenbig mie eine paffenbe Dlaßrung ift bem $inbe baS@im atßmen marmer, guter unb reiner Suft. ©aS foll marin (68° F.), ßell unb moßl gelüftet fein, unb bei gutem Vßetter füllte ber «Säugling täglid) an bie frifdje Suft gebracht merben. Zeber plöfclidje ßufb mecßfel ift aber 3U Dermeiben, meSßalb bie Äinber 3. V. gleidj nad) einem Vabc.nidjt ber freien ßuft auSjufeljen finb, unb ferner Ijat ba« Äinb bei ftarfem £ßinb ober naßfalter Witterung im §aufe ju Derbleiben. Zm Sßinter muß man burd) geeignete Äleibung einer (grtältung im freien oorbeugen. VefonberS ift barauf ju acßten, baß ber Seib (Veibbinbe) unb bie Veine marmgeßalten merben. Zm £>aufe foll bie Äleibung aber nidjt ebenfo marin, b. i. ju mann fein, meil bie Äinber baburd) Derjärtelt unb für (Srtältungen empfänglid) gemadjt merben. Zu Warnen ift and) Dor ben beliebten „furjen" meldje Veine unb Sinne bloß unb bei irgenb einer SßitterungSDeränberung laffen. Von großer Ve* beutung ift ba§ Vkdjfeln ber Äleibung für (Säuglinge. §aben biefe fid) naß gemadjt, fo ift fofort reine, trotfene Reibung (frifdje Sßinbel) 0113m legen. Verfäumt man ba«, fo gemößnt fid) ber (Säugling halb an bie Unreinlidjfeit, ganj abgefeßen Don bem «Sdjaben, meldje letztere bem Kör- per be« Ä'inbe« jufügt. Sie Reibung foll immer rein unb trocfen fein, unb babei barf fie niemals einen Sßeil be« Körper« eineiigen, nod) ba« Äinb an Vemegungen ßinbern. ©ie Seibbinbe (fylanellftreifen), bie and) im (Sommer nidjt ganj megjulaffen ift, 311 biefer aber nidjt fo biet ju fein (nur einmal um ben Vaud) ju reidjen) braudjt, ift beSljalb nid)t 311 feft anjulegcn. ®a« ©leidje gilt Don ber VJinbel, bie au« bem- fclben ®runbe and) uicßt Don ber Vruft bi« ju ben Unterfdjenteln reidjen füllte, mie bie« Dielfad) üblid) ift. £?ie befte SBinbel befteßt mie bie £eib* binbe au« einem breiten melcßer fdjmimmßofenäßulidj an- gelegt, b. ß. Dom Unterleib au« jmifdjen bie Veine gelegt mirb. Zur feftigung ber ßeibbinbe unb ber VJinbel gebramße man nur (SicßerßeitS* nabeln. SBie bei(5rmad)fenen foll and) beim $inbe ber $opf immer tüßl geßalten merben; im Zimmer fei berfelbe Sag unb 9?ad)t unbebectt, in ber freien Suft bagegen burcß eine ber angemeffene Vebecfung Um ba« Vloßliegen ber Äinber mäßrenb ber 9iad)t 311 Dermei- ben, empfießlt e« fidj, benfelben 9?ad)tfleiber au« 011311- 3ießen, melcße an £)änben unb güßen bid)t anfdjließen. Zn foldjeu 374 Kleibern bfeiben bie Ätnber warm genug, aitd) wenn fie bie S3ettbede abwerfen. Oim Oben pat man in ben erften SebenSmonaten beS ©äuglingS wie beim Oben beS Neugeborenen 311 üerfapren. TaS Ob foll nid)t länger als pöcpftenS fünf SNinuten bauern, unb baS TBaffer eine Temperatur von 95o F., unb baS Rimmer eine foldje von 68° F. paben. $iir ©äug* finge genügt täglid) ein S3ab, baS am beften SNorgenS gleid) nad) bem Trinfen unb nie bei Vollem SNag.en 311 geben ift. 3m Obe ober nod) beffer gleid) nad) bem 53abe reibe man baS $inb mit einem Flouelllappen ab, bod) barf auf bie Fontanellen, befonberS baS „Oättcpen" (f. ©. 89), fein Trud auSgeübt werben, Weil baburd) ber Outjufluft nad) biefen (nocp weicpen) ©teilen beS ©d)äbelS vermehrt würbe, unb baS 311 einer früpjeiti* gen 53erfnöd)erung beS ©djäbels refp. Ofcpräntung beS £)irnwacpStpumS füpren möd)te. Für bie Reinigung ber Singen ift, wie gefagt, ein befonberer ©cpwamm ober Sappen ju gebraudjen. SNit ber 3eit tann man allmälig bie Temperatur beS SBafferS (bis auf 90° F.) perabfefeen. 3ß füpler baS Söaffer, befto türjere 3eit foll baS Ob bauern. SefetereS tann nie burcp warme SIbwafcpungen erfefet werben, bod) finb biefeiben bei Äinbern an* gebracht, weldje nad) bem Oben aufgeregt unb fdjnupfig werben. 3'tt fold)en Fällen finb bie Ober ober SBafdjungen aud) feltener, etwa jwei* mal in ber SBodje, vorjunepmen. Nad) Oenbigung beS ObeS trodne man baS Äinb, pülle es in warme unb trodne Reibung, gebe ipm Nap* rung unb bepalte eS im Rimmer. SBenn möglid), ift baS Äinb von jwei 3U haben. Tie eine palte baS $inb (am $opf unb Nüden) lie* genb im SBaffer, bie anbere befpüle ober reibe baS ®inb mit Saffer ab. Ober von mepr als 95° F. (etwa bis 1009 ) erweifen fiep oft peilfam, wenn baS Uriniren beS ÄinbeS ftodt, b. I). innerpalb 24 ©tunben niept meprmals erfolgt. 3m Slnfd)lup pieran fei nocpmalS pervorgepoben, bap bie Tarmentleerungen beS ÄinbeS bie fieperften Oweife von beffen Ofinben finb. Tiefe (Entleerungen müffen wäprenb eines Tages (24 ©tunben) jwei* bis breimal ftattfinben, von pellgelber Fai'l)ß palb* fefter (Eonfiftenj fein unb bürfen feine palbverbauten ©peiferefte ent* palten. SNit ben förperlid)en Hebungen beS $inbeS beginne man nid)t jufrüp. 3n ben erften Nlonaten liege baS ®inb, folange es nid)t in feinem eigenen Öttd)en fd)läft, auf bem Ott ber (Eltern unb pabe fo viel Bewegung, als eS felbft wünfept. (ES ift babei nur bafür ©orge 3U tragen, bap baS $inb nidjt vom iöett perabfallen fann. ©päter (etwa vom 6. SNonat an) fepe man es auf einen Teppid) auf ben Oben, wo eS von felbft auffifeen unb, fiep an ©egenftänben aufridjtenb, ftepen lernen wirb. Niemals jwinge man baS $inb vorzeitig 311m ©ifeen ober ©tepen unb niemals jiepe man 375 es an einem Slrm vom 23oben auf (f. $ig. 172), fonbern faffe eS unter beibe SIdjfeltt. 23eim ©ragen beS $inbeS Wed) feie man non 3eit ju $eit mit ben Firmen, um fßäteren SNißbilbungen beS Körpers vorjubeugen. 23eim $aßren beS im freien fall baS $inb juerft liegen; im fpäte* ren Säuglingsalter fann baS $inb im SBagen fißen. ©abei ift immer für Sdjuß beS ßinbeS gegen unb bie blenbenben Sonnenftraßlen ju forgen. 3m Rimmer trage ober faßre man baS $inb nidjt, nocß weniger wiege ober fcßaufle man eS, um eS 311 beruhigen ober inSdjlaf ju bringen. Nian muß baS Äinb von vornßerein baran gewönnen, oßne irgenb ein foldjeS Hilfsmittel fofort einjufcßlafen, nadjbem es in fein 23ett gebracßt worben. 3n ben erften SNonaten fdjläft ber Säugling burdjfdjnittlidj 18 Stunben. (Sr wadjt bloß, wenn er 23ebürfniß nad) Naßrung füßlt Niit ber $eit tritt aber eine auffallenbe Sdjlafverminberung ein, weldje bem beginn ber Hinitßätigfeit jujufcßreiben ift. ©ie Suft im Scßlafjimmer fei warm unb möglidjft rein unb nidjt jugig. ©aS 4Bett fei wie bas beS Neugeborenen warm unb troden, unb werbe baS $inb, wie oben ange* geben, burd) $lanell*Nadjtßemben vor etwaigem 23loßliegen ©aS Slbfdjließen beS 23etteS bureß einen Vorßang ift nidjt gut, weil baburd) ber Suftjutritt beßinbert ift. Um eine Vlenbung ber 5Iugen ju verßüten, {teile man baS 53ett fo auf, baß ber ®opf beS ®inbeS vom Sidjte abgewen* bet ift. ©er Säugling foll ein 4öett für fidj ßaben; fdjläft er mit ber SNutter refp. ber Slmme jufammen, fo werben biefe nidjt nur in bem (ißnen fo nötßigen) Sdjlafe geftört, fonbern eS wirb and) bie Snft für baS Sinb burd) bie SluSbünftung ber SNutter bejw. SImme verfcßledjtert, unb außer* bem liegt bie ®efaßr naße, baß baS ®inb erbrücft wirb. (SS ift feßr wicß* tig, baS Äinb an Negelmäßigfeit imScßlafen 311 gewößnen. -Söei ©untel* werben ift eS fofort ju 23ett ju bringen. ©aS Sdjlafjimmer follte nie er* leudjtet fein, weil in bem $inbe baburcß ber ®runb baju gelegt wirb, baß eS fid) fpäter fürcßtet, in einem buutlen Rimmer ju fdjlafen. ©aS Seife* geßen unb glüftern im Scßlafjimmer ift meßt ratßfam; baS Äinb wirb ba* bureß verwößnt, unb fann eS reeßt woßl bei ftärferem ©eräufcß in feiner Näße fdjlafen. Natürlicß ift bamit nidjt gemeint, baS Äinb bureß übermäßi* gen Särm mutßwillig aus bem Sdjlafe ju weefen. 9Nit leßterem fei man feßr vorfießtig; eS gefeßeße nie faß, weil baburd) baS finblidje @eßirn ge* fdjäbigt wirb. $ur redjten 3eit wadjt ein $inb, befonberS wenn eS fdjon an Negelmäßigfeit gewößnt ift, von felbft auf. ®efd)ießt baS außer ber 3eit, fo ßat man eine Störung ju vermutßen, bie (j. 23. Naßliegen) fofort ju befeitigen ift. ©er ältere Säugling follte am ©age Vormittags unb NadjmittagS je gwei Stunben feßlafen, beun eS taugt nidjt, baS $inb ben ganzen ©ag über im Vettdjen ju taffen, ©leicßwoßl ift and) ßier barau 376 feftguljcilten, baß bie £D?ertge Sd)laf burd) baS -Vebürfniß beS SlinbeS be* ftimmt werben muß. §at ein $inb meßr Scßlaf am Sage nötßig, fo muß man ißm baS DNeßr gönnen. 3:m allgemeinen läßt fid) fagen, baß baS* jenige $inb am gefünbeften ober am beften gewößnt ift, welcßeS am Sage Vormittags uub NadjmittagS je jwei Stunben unb oon Slbenbs fedjs Ußr an bis 511m anberen DNorgen ununterbrodjen fdjläft, oßne baß man 311m (Sinfcßläf errt beS ÄiubeS irgenb welcße Mittel (Scßaufeln, SBiegen, §erum* tragen, Singen, 11. f. w.) anwenbet. Sie Slbnaßme beS ScßlafeS im Säuglingsalter, baß fie feine übermäßige ift, beutet, wie gefagt, baS beginnen ber geiftigen Sßätig* feit an. SaSfelbe offenbart fid) and) birect burd) Vollen, Vadjen, u. f. w. unb legt ben Eltern bie auf, üon nun an neben ber förperlicßen auf bie geiftige ©ntwidlung beS Ä'inbeS bebadjt 311 fein. Sa biefelbe auf (Sinbrüden ber Slußenwelt berußt, fo muffen abgefeßen non ber ridjti* gen (Srnäßrung beS ©eßirnS unb ber Sinnesorgane vor allen Singen letztere Organe, weldje ja bie (Sinwirfungen ber Slußenwelt bem ©eßirn übermitteln, geßörig gepflegt unb geübt werben. Vei ber ©eburt befipt ber DNenfd) nur geiftige $äßigfeiten; tßätigfeit ift nod) nidjt burd) StnneSeinbrüde geweift. Ser Neugeborene entbeßrt nod) jeber (Smpfinbung; fein Sdjreien unb feine finb rein automatifeß. ©rft langfam ftellt fid) baS Slllgemeingefüßl ein. SaSfelbe ift fofort unb am beften babureß $u pflegen, baß man baS an Neiulicßfeit gewößnt, b. ß. nid)t naßliegen läßt. Nlit bem Säugen ent* wicfelt fid) ber Saftfinn, aber nur an ben Sippen, welcße bie Vruft ber SNutter fueßen lernen. Sanacß ftellt fid) ber ©efießtsfinn ein. SaS juerft ftarreSIuge, befunbetnadj unb nadj feine Slufmerffamfeit ßellen ©egenftän* ben gegenüber. 3Nit ber £eit (etwa im SNonat) fdjweift eS uid)t meßr tßeilnaßmSloS umßer, fonbern beginnt auf ©egenftänben längere 3eit ßaften 31t bleiben. Sann fommt baS ©eßör nadj, beffen Organ 3uerft nur burd) ftarfen Sdjall erregt wirb. SaS $inb folgt fpäter nidjt nur mit ben Singen beftimmten ©egenftänben, fonbern wenbet fcßließlidj and) ben Äopf nadj ber 9iid)tung, woßer ein Sdjall fommt. Sind) ber ©efeßmadsfinn erwadjt altmälig. SaS Neugeborene fennt feine ©efcßmadSunterfcßiebe. (5S nimmt bittere Stoffe ebenfo leießt wie füße, unb eS bauert eine gan3e 3eit, eße bie 3un9e beS Säuglings ber füßen Nluttermilcß ©efeßmad ab* gewinnt. ftellen fid) ber ©erudjS* uub ber übrige Saftfinn (f. oben) ein. 9Nan erfießt barauS, wie ungeßeuer Wicßtig bie jeweiligen Sinnes* eiubrüde im Säuglingsalter für bie geiftige ©ntwidlung beS fpäteren WJenfdjen finb. Nur „burd) ber Sinne Pforten 3ießt ber ©eift (in ben 9Nenfd)en) ein", unb nur burd) geßörige pflege unb Uebung biefer Sinne im erßält ber DNeufd), was ißn über baS Sßier erßebt: Oer* 377 [taub unb Vernunft. ©ie pflege ber Sinne beftetjt barin, baß fdjäblidje Ginbrücfe mm ben Sinneßorganen abgetjalten Werben, bie Hebung ber Sinne aber barin, baß burd) allmäligeß (wieberfjolteß) §inweifen fettens ber Gltern auf beftimmte ©egenftänbe beS KinbeS Slufmerffamfeit geweift wirb. ©aburd) gefangen jene ©egenftänbe jum 33ewußtfein beS Kiubeß, unb barau fdjließt fid; bie weitere geiftige SluSbilbung, wie wir fie fdjon im II. Kapitel (f. S. 219) gefdjilbert ljaben. Slußer bem Vermögen ju eim pfinben fdjlummert im Kinbe aber and) bie centrifugale baß SEßollen. ©iefeS Vermögen muß gleidjfallß burd) bie Grjieljung außgebil- bet, geläutert werben, unb baß gefdjieljt in ber erften Sebenßjeit Ijauptfäd)» lidj baburd), baß man einem unvernünftigen 33egeljren beß KinbeS nidjt nadjgiebt. Silan barf ben Saunen eineß Kiubeß (Sdjreten, Strampeln mit ben ftüßen) nidjt weichen, inbem man ben Üßunfdj beß KinbeS, um biefeß ju beruhigen, erfüllt. ©aburd) werben £ro£ unb Gigenfinn unb unvernünftiges 33egeljren großgejogen. 3m allgemeinen gewinnt man burd) freunblidjeß Sßefen ben meiften Ginfluß auf ein Kinb, unb vermag fo beffen ©enten unb Raubein in bie ridjtigen 33aljnen ju lenfen, inbem man eß jugleid; burd) geeignete 33orbilber unb 33eifpiele jur Sladjaljmung ber letzteren anfpornt Gin richtig erjogeneß Kinb bebarf feiner tljätlidjen Züchtigung. 3Öo aber irgenb eine Unart fdjon eingeriffen ift unb freunb« lidjem nidjt Weidjen will, ba ift ein tüdjtiger Klapps (nur auf baß @efäß) baß befte unb einzige SJHttel, ber üblen ©ewoljnljeit ein Gnbe ju madjen. ©ie Gntfteljungßurfadjen ber vielen gefäljrlidjen Kranfljeiten beß Säuglingsalters finb jumeift nur Uuterlaffungßfünben ber Gltern in ber pflege ber mangelhafte Grnäprung, fdjledjte ßuft, ungenügenbe 4öefleibung, u. f. w. £ie folgen äufjern fid) fofort (Blutarmut!), Sungen- eutjünbung, SIredjburdjfalt) ober and) erft in fpäteren ©afür jengen j. 33. bie vielen feropljulöfen ®inber, benen bie Grnäl)rung mit ftol)lenl)l)braten (Kartoffeln, 33rob) fdjon im erften Sebenßjaljr ben Körper für immer vergiftet ljat. 3m Säuglingßalter pflegen fid) audj nod) aubere Seiben einjuftellen (Slußfdjlag, SÖunbfein, 23erftopfungen, u. f. w.), bie bei paffenber Sleljanblung (f. IV. Kap.) iubeffen leidjt ju Ijeben fiub. 33eim bebarf baß Kinb einer befonberß Sorgfältigen Wege, iubeffen wirb ber Slußbrud) ber erften in ber Siegel meljr gefürdjtet, alß nötljig ift. Slur feiten Veranlaßt baß ernftlidje Grfrantungen; biefelben (j. 33. 33redjburdjfall, Sungenentjünbung, u. f. w.) finb vielmehr meift bie golge fdjledjter Grnäljrung unb pflege, ©iemit bem 3«I)ven gewöljnlidj verbunbenen Kranfljeitßerfdjeinungenfinb folgeube: ©aß Kinb wirb bißweileu unruhig unb unwillig, fdjreit mitunter laut auf unb fdjretft im Sdjlafe jufammeu; baß galjitfleifd) wirb rotlj unb gefdjwollen, unb 378 mancfemal [teilen fid) in bet 9läfee beS SJZunbeS rotfee ober gar 9(nS= fdjläge ein. ©aS £inb, baS fid) vorfeer öfter in benSRunb griff unb gerne baS BaWeÜl'fe ftreidjen liefe, mag feine beS SJlunbeS leiben. Sind) baS Uriniren ift bei jafenenben Äinbern meift vermefert, unb in bemfelben SSerfeältnife ift baS Verlangen nad) Oetränf gefteigert. ®aS Bafenen ftellt fid) im lebten drittel beS Säuglingsalters ein unb verläuft gewöfenlicfe in ber Sieifeenfolge, bafe bie unteren Sdjneibejäfene ben Anfang macfeen; barauf folgen bie oberen Sd)neibejäfene, bann bie erften iöatfem Säfene unb fcfeliefelicfe bie (Stafette, bis bie tiefer 20 (9)lilcfe*)3äfeue ent* featten, womit bie erfte Bofenung üollenbet ift. SBenn oben gefagt würbe, bafe bie mit bem Bafenen Verbunbetten (Srfrantungen meift ungefäferlidj finb, fo feeifet baS aber burcfeauS nicfet, bafe man biefelben für unbebeutenb palten unb unbeachtet taffen foll. So tritt bei bem Büfetten mancfemal fieber mit Krämpfen ein. Septere finb barauf ju bejiefeen, bafe beim Bofenen bie 53Iutjufufer nad) bem tiefer refp. bem $opf vermefert ift, unb baburdj ein Dteij auf baS in lebfeaftem SßadjStfeum begriffene ©efeirn auSgeübt Wirb. Bur SIbfeülfe eignen fiel) tüfele Sßafdjungen unb Älpftiere. ferner em* pfiefelt es fid), ben jafenenben unfd)äblid)e ©egenftänbe jum ©araufbeifeen ((Stfenbeinringe, SSeilcfeenwurjel) jn geben, baS öfter mit faltem SSaffer ju betupfen unb bei peftigen ÄrantpeitSerftpei* nungen (ßonbulfionen) von einem Slrjte baS Bofenfleifdj an ber Stelle einfepneiben ju laffen, wo ber burd)bred)enbe B«fen mit bem ginger gefüfelt wirb. - (Siner befonberS forgfältigen pflege bebürfen bie Säuglinge aud) im ommer. $n ber feeifeen fottte man bie $inber, Wenn man fie nicfet aus ber Stabt ju entfernen vermag, wenigftenS fobiet wie möglicfe an bie frifefee Suft aufeerfealb ber Stabt bringen. - ©aS Bmpfcn ber Säuglinge ift niemals wäferenb beS (SmtWöfenenS ober BttfenenS- borjunefemen. Bn bem bem näd)ften, bom 1. bis jum T. ÖebenS' jafer reiefeettben 9Ibfcfenitte, macfeen bei riöfetiger (Sqiepung förperlidje unb geiftige (Sntwicflung beS fdjnelle ®aS Äinb lernt erft ben ©ebrauefe ber Bftfener Äauen, bie ®efeberfud)e werben fidjerer, unb baS Sailen gefet allmälig in Spredjen über. Sind) in biefer SebenS* periobe beftefet bie feauptfädjlid) in geeigneter (Srnäferuug unb -93e= fleibung beS Körpers, in ber Sorge für gute unb reine Suft, in gefeörigem 2ßed)fel jwifd)en 5Bad)en unb Sd)(afen unb in ber Hebung ber SinneSor* gane. Septere barf aber, wie aud) im Säuglingsalter, nie baS sJ)?afe ber Kräfte beS überfteigen. 2ln bie Stelle ber (Srnäferung mit 9)?ild) tritt nad) unb nad) eine fokfee mit Suppen refp. confiftenter Täferung, weldje SlnfangS in Weid)em gleifd) unb aus SlRilcfe unb äRefel gubereiteten Speifen beftefet, fdjliefelid) 379 aber mit her leichtverbaulidjen Nahrung ber ßrwadjfenen übereinftimmt. Selbftverftänblich ift nur eine reijlofe Koft für baS Kinb zn wählen, unb muß bie Verabreichung von Sdjwarzbrob unb Kartoffeln auf baS Sftini* mum befdjränft, unb ber (Genuß von zn tattern SßSaffer gänzlich auSge* fdjloffen fein. And) noch bebarf baS Kinb zu feiner Stärfung unb Kräftigung eines ruhigen unb ungeftörten SdjlafeS wäljrenb ber SageSzeit, unb forge man bafür, baß bie ßuft in bem Schlafzimmer rein unb mäßig warm ift. SBäßrenb es wacht, foll baS Kinb bie ßuft im freien fo viel als möglich genießen, unb nur bei taltem unb naffem Sßetter unbebingt im Rimmer behalten Werben, um Keudjhuften, Bräune unb fonftige tranthafte (Srfchei* nungen im AthmungSapparat zu verhüten. Baben unb VJafdjen finb zur notljwenbig; inbeffen barf Anwerbung bon fälterem SBaffer, ebenfo wie ber Aufenthalt beS KinbeS in tüljler ßuft, nur bann erfolgen, wenn baS Kinb allmälig baran gewöhnt worben ift. Sie Kleibung beS KinbeS hat fich ftreng nach ber 3'ahreSzeit zu rieh* ten. 3m Sommer foll fie bünn unb leicht, im hinter hinlänglich warm fein; ftets aber forge man bafür, baß bie (Stnwirfung eines Sem* peraturwedjfels ber (Gefunbheit beS KinbeS nicht znnt 9?adjtheil gereiche (furze Aermel, bloße Kniee, Seibbinbe, u. f. W.). lieber ber förderlichen (Sntwidlung beS KinbeS barf aber bie geiftige nicht Vergeffen werben. (Gerabe bie Erziehung in biefem ßebenSabfdjnitt legt baS zu guten ober fdjlechten (Sharactereigenfchaften beS fpäteren gebens. Olegelmäßigfeit, 91uhe unb Dleinlidjfeit beim (Sffen bil* ben $aupterforberniffe, um baS Kinb an ©rbnung zn gewöhnen. Ser Schlaf beS KinbeS bei Sage unb AbenbS muß an beftimmte Stunben ge* bunben fein, unb ift bie (Gewohnheit vieler Eltern, baS Kinb zn fpäter 9?ad)tzeit zn Bett zu bringen unb womöglich noch burd) allerlei SQanipula* tionen (liegen, Umhertragen, Singen) einzufdjläfern, gerabezu verwerf* lidj. 2J?an fei barauf bebaefjt, bie Sprache beS KinbeS auSzubilben, halte eS Weiterhin znr Sleinlidjfeit an unb lehre eS, fich in Beziehung barauf verftänblid) zn madjen. - $n ben Bewegungen taffe man bem Kinbe nach jeher 9?id)tung hin freie §anb unb fudje baSfelbe Zum 9?achahmen ber ihm gezeigten Bewegungen ju veranlaffen unb anzufpornen. (GeficßtS* unb (Gef)örSfinn müffen üerfdjärft, ber (GeruchSfinn verfeinert, ber (GefchmadSfinn, ohne baß er §ang znr 9?afchhaftigfeit unb federet bewirft, geläutert, unb ber Saftfinn znr @r* fennung gefährlicher u. bgl.) (Gegenftänbe unb zur Unterfcpeibung verfdjiebenartiger Körper erzogen werben. SaS (SmpfinbungSvermögen Wirb am beften burch gegebenes Beifpiel fjerangebilbet, unb werben auf biefe SBeife (Sfel, VJiberwille, u. a. m. bem Kinbe abgewohnt. Ungebühr* 380 lidjeS Bebauern Verweidjlidjt baS ©efüpl beö $inbeS, unb ift baljer 31t jeher 3eit ju vermeiben. ©aS Ä'inb füll jetjt geljordjen „lernen", unb wo gute SSorte nicpt auSreicpen, tritt bie Strenge in iljr QfJedjt. ©ie Unter* fdjeibung non ©utem unb Böfem wirb bem Äinbe nur burdj ©ewopnpeit anerzogen; jebeS Bergepen in biefer §inficpt bebarf einer unuadjfidjtlidjen Beftrafung. -Q3ei allen Hebungen ber Sinnesorgane (unb beS Berftan* beS) beadjte man aber audj, baß baS ©eljirn unb jene Organe ber Sdjo* nung bebürfen; alle 9teije, weldje franfpafte veranlaffen würben, finb fernzupalten (grelles Lidjt, fdjarfe ©ewürze, u. f. W.), unb 9xiilje unb ©pätigfein muffen mit einanber abwedjfeln, b. i. in einem beftimmten 53er* pältniß ftepen. - ©ie Bilbung beS BerftanbeS beruljt nidjt unwefentlidj auf ber Slnwenbung paffenben Spielzeugs. ©aS $inb prägt fiep $orm unb Flamen ber einzelnen ©egenftänbe, mit benen es fpielt, ein, lernt fiel) be* fdjäftigen unb Vergißt babei mandje Unarten, weldje fonft aus Langeweile Zum Borfdjein fommen würben. Oebodj barf man einem $inbe niemals Zu viel Spielzeug zu gleidjer 3eit geben, ©aburdj wirb nidjt nur baS BegeprungSVermögen beS ÄinbeS übermäßig gefteigert, fonbern audj Der* pinbert, baß baS Äinb beim Spielen fiep beftimmte Sadjen, bereu tarnen, n. f. w. feft einprägt. Bei ber Sluswapl beS Spielzeugs fepe man von ©egenftänben ab, weldje mit giftigen färben angeftridjen finb ober foldje entpalten (§olz* unb ©ummiwaaren, Bilberbüdjer, ©ufepfaften). ©aS $inb leeft nidjt nur oft am Spielzeug, fonbern beffen färben löfen fidj auclj burdj bie Söärme ber §anb ab unb bleiben an lepterer paften. Spiel* Zeug ans vulcanifirtem (mit beljanbeltem) ©ummi ift aus bem gleidjen ©runbe gefäprliep. 3m vierten LebenSjapre barf man allmälig unter Beibeljaltung ber bisperigen leidjt verbaulidjen unb reiglofen Slaljrung unb aller auberen oben erwäpnten Umftänbe, weldje bie pflege eines gefunben ÄinbeS be* bingt, zur 5Ibljärtung beS lepteren fepreiten, inbem 53äber unb SBafdjun* gen nadj unb nadj mit tälteremunb fdjließlidj mit faltem SBaffer Vorgenom* men werben, ©er Uebergang zu tälteren SSafdjungen barf aber, wie ge* fagt, nur langfam unb ftufenweife erfolgen, weil fonft 53lntarmutp ver* anlaßt werben tann. ©ie Bewegungen werben burdj paffenbe Hebung unb Leitung fidjerer unb gefdjitfter. 3m freien füpre man baS Äinb jept Zeitweilig an ber £>anb unb laffe eS felbft laufen, boep barf baS nidjt zu lange gefdjepen, nnb ift immer SRi'uffidjt barauf zu neljmen, baß ein Äinb mit einem (Srwadjfenen nidjt gleidjen Sdjritt palten tann. 2D?an gepe beSljalb nidjt zu rafdj nnb ziepe baS Äinb nadj fidj. Heber Wie ©offen, Straßenübergänge, u. f. w., weldje ber (Srwadjfene fpielenb überfdjreitet, zerre man baS Äinb nie (an einem Sinne) Ijinweg (f. ftig. 172); baburdj wirb, wie burdj baS 'jftadjziepen beS $inbeS ber ©runb zu 381 fpäteren äftifebilbungen beS Körpers gelegt. (Sntweber nepme man baS Äinb auf ben 5Irm nnb trage es über baS §inbernift weg ober tjebe es barüber, inbem man baS Äinb unter beibe Sinne faj?t. £mrd) Uebung nnb paffenbe Einleitung wirb ferner bie ©pradje fehlerfreier nnb umfaffem ber in SBörtern nnb SluSbrüden, baS ©ebädjtnift ftärler, baS Renten ent* widelt nnb ber SÖille fefter. .Beitig gewecfteS (Sl)rgefüi)l burdj fabeln Fig. 172. ober ßoben, burtf) -Woljnen ober 23eftrafen bilbet eine wefentlidje <Stü£e, bem Äinbe einen moralifdjen §alt 31t üerleifjen nnb iljm baS ©djledjte ju entfremben. 2ld)tung vor ben Eltern, (Sdjnml)aftigfeit, 9ieinlid)teit, ©rb* nung$' nnb SBcdjrfjeitSliebe bebiirfen ebenfalls ber anSgebefjnteften (Sr= auf biefelbeäßeife (burdj Xabeln, Voben, gutes u. f. io.), benn fie legen, wenn fäuuntlid) ober einzeln vernadjläffigt, meljr ober weni® 382 ger ben ®runb pu fpäteren Laftern. Ueberanftrengung in förderlicher ober geiftiger §infid)t wirft nacljtljeifig auf bie ©efunbpeit beS $inbeS. Un- unterbrochene Uebungen rufen nicht nur Ontereffelofigfeit bei ben Äinbern herüor, fonbern beeinfluffen auch baS 5Bad)Sthum unb bie normale (Snt* wicflung ber einzelnen 2ßie im ganpen Leben, fo bebarfber Körper and) in biefem LebenSabfdfnitt nad) Slnftrengung gehöriger 9tupe. ©aS 3ugenbalter (beim Knaben üom 7. bis etwa pum 16. unb beim IPläbdjen üom 7. bis pum 13. Lebensjahre, b. h- bei beiben ©efcpledj* tern üom Veginn ber pweiten $apnung bis pum Eintritt ber ift berjenige LebenSabfd)nitt, in welchem Körper unb ®eift t®epirn) an* fangen, ftärfere ßinbrücfe ohne ©djaben pu ertragen. 423ei bem rafcpen VtadjSthum biefeS Lebensalters liegt aber and) bie ©efapr nahe, baß bei unpureidjenber unb ungeeigneter Nahrung (pu üiel Äohlenhpbraten) unb übermäßiger förderlicher unb geiftiger Slnftrengung ber ®runb pu lebens* läitglidjen Leiben (befonberS Vlutarmutp unb gelegt wirb. ©ie ßrpiehung hat barum ihr Slugenmerf jefct in erfter Linie barauf pu richten, baß eine paffenbe (Srnäprung fid) mit förderlichen unb geiftigen Uebungen üerbinbet, unb baß biefe Slnforberungen an bie LeiftungSfäl)ig* feit beS jugenblidjen Körpers fid) nur allmälig fteigern unb nie baS SD2aß beS Vernünftigen überfteigen. Vei biefen Uebungen foll man nie an einer allgemeinen 91orm feftljalten, fonbern bie Slnforberungen immer nad) bem förperlidjen unb geiftigen Vermögen beS betr. $inbeS regeln. Slußer ber geniigenben DJlenge fräftiger Nahrung muß bem Körper in biefem Lebens* abfcpnitt auch burd) reid)lid)eS ©rinfen (Sßaffer, 3)?ild) ober pöcpftenS ganp leidjteS Vier) bie erforberlidje 9J?enge glüffigfeit pugefüprt werben. @S ift fcpon bei ber pflege beS VlutfreiSlaufS (f. <S. 329) betont worben, wie wichtig eS ift, baß bie genügenb VJaffer trinft, unb gilt baS nid)t nur für biefeS, fonbern auch für fpätere baS 3üng* lingS* refp. VefonberS bei ber ber 2)Jäbd)en üerfällt man immer unb immer wieber in ben alten Kepler, bie 9)?äbd)en 3U pimperlichem enthalten. VMe üiele $älle üon Vlutarmutl) nebft ipren anberweitigen folgen beim weiblichen ®efd)Ied)t würben uid)t eyiftiren, wenn man bie betr. grauen ober 3)läbd)en in ber Ougenb pum Sßaffertrinfen ermuntert patte! 91äd)ft fefter unb flüffiger Nahrung er* forbert ber Körper in biefem Sliter natürlich and) reine Luft. SBenn es bie VHtterung irgenb erlaubt, follte baS Äinb feine äftußeftunben im freien pubringen unb bort förderlichen Uebungen (©pielen, ®d)ltttfd)ul)lanfen, turnen, u. a. m.) obliegen, ©ie Reibung foll bei Knaben unb W?äbd)en unbeengenb unb nid)t auffallenb fein, befonberS aber einem Ä'inbe ent* fpred)en, um früppeitiger 9?eife unb Slltflugpeit üorpubeugen. ®ie §aut üerlangt ftete 9teinlid)feit. Vei ben Väbern fann man jept pu faltem 383 SBaffer übergepen, üorau$gefetjt, baß ba§ gefunb ift. Bei fdjluäcf)- lidjen Äinbern ift oon einem berartigen Slbpärtungöverfapren abjufepen. Bei alten Berfudjen, ben Körper abjupärten unb baburdj bor (Erfranfun- gen in biefem unb fpäteren Lebensaltern ju fdpipen, füll man aber ftetS borfidjtig unb, wie gefagt, nur allmälig, ftufenweife üorgepen. ©en (Sltern ftetjt nunmepr ber Leprer bei ber förperlicpen unb paupb fäcfjtid) bei ber geiftigen (Srjiepung jur Seite unb baut berfelbe, fo ju fagen, auf bem bon ben Eltern gelegten gunbament weiter, ©ie Scpuljinv mer bedangen pelle Beleuchtung, reine Luft unb gute Ventilation (aber feine Zugluft). ©ie Slnjapl ber Schüler barf nicpt eine jn große fein, weil fonft ber (Sonfum unb bie Bufupr guter Luft nicpt gleidjen Schritt palten, ©er Leprer pat ben Unterfcpieb jwifcpen fräftigen unb fcpwädferen Äinbern bei ben geteilten Slnforberungen wopl ju beadjten unb barauf ju fepen, baß bie Bewegungen ber Äinber im freien (Surnen, u. f. w.) in ridjti= gern SJlaße ftattfinben. Bon großer Sßieptigfeit ift fcpließlid) and), baß Bänfe unb ©ifcpe beS SdjutjimmerS ber @röße ber Äinber entfprecpen, unb baß legiere wäprenb beS Arbeitens eine gerabe Haltung einnepmen. Betbe Slrme müffen auf bem ©ifcp aufliegen, unb jwar bis jur SKitte beS BorberarmS, unb beibe Schultern füllen bie gleiche §öpe paben. ßs wirb pierauf Diel ju wenig ©ewicpt gelegt, unb ben Äinbern leiber ju oft geftattet, nur ben recpten Slrm (ju weit) auf ben ©ifd) ju legen unb ben linfen unter bem ©ifdj jn bepalten, ober lep' teren nur mit ber linfen £mnb ju berüpren (f. $ig. 173). ©urdj biefe Haltung fommt e§ mit ber feitlicpen (Sfoliofen, f. $ig. 174), bie ben Körper jeitlebenS entftellen. ©ie Bänfe beö SdjuljimmerS füllen aucp Lepnen paben, an welcpe fid) bie jurüif' legen fönnen, nacpbem bie 9?ütfenmu$fulatur burcp bas ermübet worben ift. ©er Leprer muß im- mer im Singe bepalten, baß bie Äinber nur eine gewiffe gerabe fönnen. Slacp Berlauf berfelben finft ber 9?umpf jufammen (friimmt fiep ber dürfen), unb fann biefe Haltung Fig. 173. Fis. 174. 384 (f. gig. 175), wenn auf bie Dauer geftattet, fef)r leidjt ju einer Winteligen ber Sßirbelfäule (23utfel, fülj* reu (f. $ig. 176). Natürlich haben andj bie (St* tern biefe Sßorfdjriften ju beamten unb ihre $in- ber immer jum Eterabeljalten beS Körpers ju em mahnen. leidet verfällt ein Äinb in eine gefrümmte (Stellung auf ben leljnenlofen 'ißianoftüljlen. (Stunbenlang muff ber jutünftige „üben", unb babei madjt fdjließlidj bie 9?atur itjre Sledjte geltenb. ■Das Äinb fann • fidj §ute£t nidjt mehr gerabe galten, unb wäprenb es unter Dualen eine im ®runbe unnüpe Äunft lernt, wirb ber Körper, baS füfS öeben Sßidjtigfte, fdjwer gefcfjäbigt (f. gig. 177). Eltern unb Mehrer haben ferner barauf ju adjten, baß bie $inber beim Arbeiten ben $opf in gehöriger Entfernung von ber Arbeit halten, anbernfallS Äurjfidjtigteit Veranlaßt Wirb. Um biefem fo weit verbreiteten Reiben (unb einer Ueberanftrengung beS jugenblidjen ®e= hirnS) voqubeugen, ift and), mie fdjon oben gefagt (f. <S. 364), barauf ju feljen, baß bie Äinber refp. bie Dftäbdjen nadj ben Sefe- unb Sdjreibübungen nid) t nodj feine §anbarbeiten oorjunehmen haben. 2ßaS bie geiftige SluSbilbung angeßt, muß ber Beßrer burd) richtiges heraufdjaulidfen, u. f. m. bie Äinber jum Deuten unb Urtpeilen anhalten. Das ©epirn erforn bert 9iul)e nad) ber Arbeit unb foll beShalb nidjt mit ju bieler Slrbeit außerhalb ber Sdjule belaftet werben; baS Äinb bebarf ber Erholung unbebingt in bemfelben SJcaße, wie eS angeftrengt wirb, ober es machen fidj früher ober fpäter 9?eijungen ober gar Sdjwä* cpungen beS ©eljirnS bemerfbar. SluS ähnlidjem ®runbe ift and) ber ju zeitige (Sdjulbefud) ber $inber verwerflich, benn nur mit Mhe vermö* gen (ju) junge Äinber mit älteren gleidjen Sdjritt im Vernen $u halten unb träufeln in ftolge beffen balb an Körper unb @eift. Äinber finb nidjt vor vollenbetem 6. 3:ahr in Sdjule ju fdjiden. Fig. ns. Fig. 176, Fig. 177. 385 ©aS Jünglings* unb Jungfrauen alter ift zugleid) baS Sliter bcr QRannbarteit, beffen Vollenbung bei erfterem ®efd)led)t mit bem 24. Jahr unb bei bem Weiblichen mit bem 20. Jaljr erfolgt. Vis zu bie* fer ßebenSperiobe mar bie Erziehung beiber ®efd)led)ter im Wef entliehen gleich; Don jetjt ab wirb biefelbe Derfdjieben unb erforbert baljer jebeS ®e* fd)led)t eine fpecielle Verüdfidjtigung. ©aS männliche ®efd)led)t, weldjeS in biefem ßebenßabfdjnitt allerlei Verführungen unb traumhaften ßinbilbungen (burd) Umgang, Seetüre, u. bgl.) ift, hot neben einer zwecfmäßigen (reijlofen) Ernährung and) für angemeffene unb fräftigenbe Vewegungen (Surnen, Sd)littfchul)= laufen, u. f. w.) beS TörperS (Sorge 31t tragen, um benfelben möglidjft ab* Zuhärten unb bie SRuSteln auSzubilben unb zu ftählen. Ju ftarfeS fRauchen, übermäßiger ©enuß Don Vier, u. f. w., ferner Mangel an Sdjlaf, befon* berS aber gefdjledjtlidje Vergehen unb SluSfdjweifungen fdjwädjen unb un* tergraben frühzeitig bie törperlidje unb geiftige ©efunbheit. - Jm Uebri* gen befteljen bie frautljaften Juftänbe beS Jünglingsalters nod) in (Sr* trantungen ber ßunge, Vruft unb beS Herzens, ferner in U. f. W. ©aS Eintreten beS Weiblichen ©efdjledjteS in baS Jungfrauenalter finbet unter befonberen Umftänben ftatt, unb ift bie zu frühe 9?eife auf feglidje Slrt unb Söeife (burd) Slrbeiten im Tarife, u. f. W.) Don bem jun* gen SRäbdjen fernzuhalten. ©ie (Sntwicflung beS TörperS, Welche je£t ungemein fdjnell Dor fid) gcljt, erforbert eine gute, nahrhafte unb zugleid) leicht Derbaulidje Toft. ©er ©enuß h^9er ©dränte (Taffee, Sl)ee, u. f. w.) ift möglidjft einzufdjränfcn, bagegen empfiehlt fiel) reidjlidje Jufuljr Don SRildj, unb hanptfädjlid) Don SBaffer (f. oben, Jugenbalter). (ginathmen Don reiner Suft unb gute Hautpflege förbern baS ©ebeiljen beS fungfräulU d)cn Körpers; bleid)füd)tige fDtäbdjen müffen freilich falte Väber, über* haupt alle (Sinmirtnngen Don $älte Dermeiben. (Sin Hauptgeiuidjt ift für baS iueiblidje ©efd)led)t in biefer SebenSperiobe auf bie Äleibung zu legen: £)ie mannigfachften Trautheiten beS weiblichen ©efdjledjfs Der* bauten ihren Urfprung thcils einer ungenügenben Vetleibung beS ©ber* törperS (Vruft), tljeils aber and) ber übertriebenen Einengung beS Tör* perS burd) einzelne TleibungSftücfe. ©aS bie Vruft unb ben Unterleib einzwängenbe (Sorfet afficirt bie Vruft, Zungen, $crz, SRilz, u. f. w. unb Deranlaßt Störungen biefer Organe. Sie Tleibung foll im allgemei* neu eine lofe fein unb babei bod) bem ganzen Törper zum gegen T'älte unb SQäffe bienen. Sanzen, Sd)littfd)ul)laufen, Surnen, furz alle Vewegungen gereidjen ber ©efunbljeit ber Jungfrau zum Vortl)eit, bod) ift etwaigen (Srfältungen nach biefen Vewegungen (houptfäd)lid) nad) bem Sauzcn) auf geeignete Sßeife Dorzubeugen. 9cotI)Weiibig ift auch l)iu* 386 reidjenbe Stupe für ben immerpin nod) nidjt ganj entmidelten Körper, unb bebürfen befonberS -SSleidjfüiptige genügenben SluSrupenS unb be§ ftärtenben SdjlafeS. ©er Slbfipnitt her Steife. SJtit bem Sliter ber Steife finb Körper unb ©eift beiber ©efdjlecpter auf bem ber Sntmicflung angelangt, ©er Körper geigt bie größte SBiberftanbSfäpigfeit gegen SJtüpen unb Slrbeiten, unb bie ©eifteö« tpätigteit befunbet fyrifepe unb Stegfamteit. $n ber jmeiten Hälfte biefer VebenSperiobe muß ba$ iöeftreben Dor« malten, bem Körper unb ben Organen fo lange mie möglicp bie bis bapin gemonnene Äraft ju bemapren, unb bie-3 gefd)iept einzig unb allein burep eine mäßige Sebensmeife, paffenbe unb pinreiepenbe 4öemegungen unb - Slrbeiten. ©ie gefäprlicpften mie SOtagem, Jungem, Unter« leibsleiben, ferner Steroenftörungen, ©efiplecptsfrantpeiten, u. f. m. fallen in biefe gebenSperiobe unb finb meift nur bie {yolgen einer um jmedmäßigen ßebensmeife, meld)' letztere jugleiip ben §ang jur lidjfeit, ber in biefem Sliter üorperrfdjt, unterftüpt unb Körper unb ©eift entnerot. ©er Sfljfdjnitt heg 23ßclfcn§. ©ie Slbnapme ber Kräfte ift baS eparacteriftifcpe SDterfmal beS ein« tretenben ©reifenalterS. ©ie bisper gefüprte ßebensmeife übt ben groß« ten (Einfluß auf ba§ früpere refp. fpätere (Eintreten biefeö SllterS auö. Um mäßigteit, SluSfcpmeifungen, übermäßiger ®enuß alcopolifdjer (getränte, ©emütpSaffectionen, Ontbinbungen, aufreibenbe $ranfpeiten, u. f. m. füpren bie Äräfteabnapme halb perbei unb matpen ben ÜDtenfdjen jum ®ret& SZacpmirlungen bleiben aud) niept aitSunb jeigen fiep im ©reifem alter al§ Sltpembefdjmerben, ©cpmäcpeberWluSfeln unb ber Sinne, u. bgl. ©ie Slufmertfamfeit beS 3)tenfd)en im ©reifenalter muß barauf gerieptet fein, bie uodj üorpanbenen Kräfte fo lange mie möglid) ju bemapren unb jmar burep eine naprpafte, leidjt üerbauliepe $oft (Sier, SKilcp, brüpe, traten, ©eflügel, Sluftern, u. a. m.), ferner burep marme -S3e« fleibung, marme 33äber unb genügenben @d)laf in gut gelüftetem 3immer. Slnftrengungen beS Körpers fomie beS ©eifteS finb im ©reifenalter ju üermeiben; ferner pat man fid) vor Slllem ju püten, maS ju Srfältungen, SJerbauuugöftörungen, u. f. m. Slnlaß geben tann. 387 bes Körpers in Dcrfrfiteöeiicn £)ie 23erl)ältmffe jwingen uns oft, ben ©efunbljeitSregeln juwiber ju leben. Am weiften trifft baS Ijinfidjttid) beS 33erufS ju. Sßohl feine einzige 33erufSart ift Dollfommen unfd)äb(id). 33ei jeher wirb Dorwiegenb ein einzelnes Crgan benupt, wäljrenb bie anberen beS Körpers in- ZWifdjen unflätig bleiben. ßeber 33eruf ift ferner mit einer mehr ober minber großen Ueberanftrengung Derfnüpft. $ür alle 33erufSarten gelten baljer zwei ©efunbheitsleljren: (SrftenS mufj bem Dorwiegenb tpätigen £)rgan fo Diel wie möglid) Schonung bei ber Arbeit unb nach berfelben ge- hörige 9?ul)e unb (grnäljrung ju ttjeit werben, unb zweitens ift bem Körper überhaupt nad) jeher Ueberanftrengung (bie nid)t zu üermeibcn war) bie nötpige SDlenge Nahrung unb 9?ul)e 311 feiner Üteftaurirung ju gönnen. 4öebarf man aber bei ber - unüermeiblidjen - Anftrengung etwa eines (grregungSmittelS, fo felje man Don bem ®enuß üon Spirituofen ab unb trinfe Kaffee ober £l)ee. ferner beachte man bei allen 33erufSarten, baß beengenbe KleibungSftüde wäl)renb ber Arbeit gelodert ober ganj abgelegt werben füllten. Arbeiter, bereu 33eruf mit anhaltenbem Sifcett ober (Stehen Derfnüpft ift, hoben fid) Wäljrenb ber Arbeit üon 3U au$' jumpen unb in biefen Raufen ihre Stellung ju Deränbern. £?urd) ju langes Stepen werben nämlich 33lutftodungen im Unterleib, Krampfabern, Plattfüße, 11. a. m. Derurfad)t, wogegen anpaltenbeS Silben zu 33lutftoduw gen in ber §ämorrpoiben unb felbft ßungenfranfpeiten führt. 4öefd)äftigungen, bie fortwäprenbeS Knieen bebingen, machen einen Sd)u£ ber Kniee (burd) gepolfterte 9linge ober Riffen; üergl. $ig. 179)nothwen- big, unb Arbeiter, Welche bei gebüdter Körperhaltung im «Stehen tljätig finb, müffen fid), was and) Don ben fnieenb befcpäftigten Arbeitern gilt, Don $eit ju $eit erheben unb tüchtig reden unb ftreden. 9?ad) 53eenbi= gung ber Arbeit nehme man natürlich erft redjt eine anbere, als bie burd) bie 53efd)äftigung erzwungene Körperftellung ein. £3ei g e i ft i g e r Arbeit bebarf in erfter ßinie baS ®eljirn einer fonberen pflege: gehöriger Ernährung unb 9?ulje. 2Ibgefel)en üon l)in- reidjenber Bufuhr foldjer Stoffe, aus weldjen fid) baS ®el)irn erneuert (eiweiß=unb fetthaltige Nahrung), hängt bie richtige Ernährung ber §irn- maffe aber auch baüon ab, bajj jene Stoffe bem ®el)irn ungel)inbert zuge= führt, unb baf? bie ®ewebsfd)laden aus bem ®el)irn entfernt werben; ber 4ölutfreiSlauf nad), in unb Don bem ®et)irn mufj alfoburdj nid)ts geftört jein, wie baSfo häufig 3. 33. burd) enge §embenfragen ber $al( ift. 9iad) einer beftimmten Arbeitszeit (jat baS ®e()irn 9hthe nöthig unb biefe finbet 388 es befonberS im Sdjlaf. 2Öie jebem ctnberen tljätig gewefenen Organ muß man alfo bem ®eßirn nacß ber Arbeit bie zu feiner (Srßolung nötljige fRuljepaufe gewähren, unb fällte jeher geiftig Befcßäftigte bon 24 Stunben minbeftenS 7-8 ununterbrochen fdjlafem Oie geiftige Arbeit felbft barf nid)t immer biefelbe fein, fonbern foll eine gewiffe Abwedjslung bieten, unb wäßrenb berfelben ift baS ©eljiim mit fReijungenburd) hifeige ©etränte, ©emütßSerregungen, u. f. w. zu berfdjonen. Oie $oft fei fräftig, aber leicßt berbaulicß, unb babei forgeman für gehörigen Stuhlgang. Oie Cuft beS Arbeitszimmers, an weldjeS ber geiftig Arbeitenbe gebannt ift, muß, ohne baß 3u9^uft entfteßt, rein unb füßl (68Q F.) erhalten werben, unb hat man bon Beit zu Beit träftig ein- unb auSzuatßmen. Oie §auttßätigfeit iftburcß Bäber unb Abreibungen rege zu erhalten. SBirb bie Arbeit am ßalteub ober fteljenb getljau, fo beachte man baS, Was oben über bie bei (bewerben nothwenbige Äörperftelluug refp. bereu zeitweilige Beräm berung gefagt würbe. Beim Sißen finb fRoljrftühle zu benufcen. Oie Büße finb burcß Oeppidje ober B'ilafcßuße warm zu heilten. 9?ad) getßaner Arbeit bewege man fiel) möglicßft biet im Breien (Spazierengehen, Ournen, Sdjlittfdjuhlaufen, Regeln, u. a. m.). Sßerben bei ber Arbeit bie Sinnesorgane borneßmltcß in Am fprudh genommen, fo ßat man natürlich ßauptfäcßlidj baS betr. Organ zu pflegen, b. ß. bemfelben nach ber Arbeit bie geßörige fRuße zu gönnen. Ußr= maeßer, ©rabeure, Setter, HRitroftopiter, Scßreiber, u. f. w., bie anßaltenb auf fleine ©egenftänbe zu feßenßaben, müffenbemnacßbaSüber bie pflege ber Aug en Angegebene (f. S. 363) ftrict befolgen. Sie miiffen ißren Augen öfter fRuße gönnen unb fie nießt noeß nacß ber Arbeit anftrengen. Sßäßrenb legerer muß bie Beleuchtung genügenb unb gleichmäßig hell, b. i. nicht grell ober zu buntel unb nicht flacfernb fein. Arbeiter, welche biet in grelles £id)t zu feljen ßaben, follten eine mit großen runben, graublauen ®läfern tragen. OaS @leid)e gilt bon Arbeitern, welche aus bunflen Räumen plößliclj in ßelteS OageSlicßt fommen (®rubem arbeiter, Bergleute); biefelben follten burd) bunfle bie (5im wirtung beS jähen Vidjtwecßfels fchwädjen. Oer ® e ß ö r f i n n tann ebenfowoßl bureß große Anforberungen an feine Sdjärfe unb geinßeit (bei Älabierftimmern, SRufiteru, u. a. m.), als aueß burdj anbauernbe heftige Scßalleinbrüde übermäßig angeftrengt Wer- ben. Bn beiben Bällen muß baS ®el)örorgan befonberS gepflegt werben (f. S. 364). Bei heftigen Sdjalleinbrüden, wie foldjen bie Artilleriften, Sdjmiebe, Socomotibführer, ORüller, u. f. w. auSgefeßt finb, tßut man gut, bie Sößallwirlung burd) Einlegen bon Baumwolle in ben äußeren ©eljörgang zu milbern. Bei heftigem Änall, z« B. wenn eine Kanone in ber 9?ähe abgefeßoffen wirb, öffne man and) noch ben Tcutib weit, bamit' 389 baS Trommelfell nid)t einfeitig bitrd) ben ©epörgang getroffen (31t Weit in baS SRittelopr pineingemölbt unb jerfprengt), fonbern and) burdj bie Guftadji'fdje Trompete pinburdj von ber '»ßaufenpöple aus vom Sd)all, alfo gleidjmäßig von innen nnb außen berüprt merbe. - 3n äpnlidjer Steife paben 'ißerfonen, iveldje bei iprem 4öeruf beit ® e r u d) S== ober ben @ e f d) m a cf S f i n n vorjugSmeife in Aufprud) nepmen, für eine gehörige 'ßflcge beS betr. Sinnesorgans (f. S. 365 unb 366) Sorge 311 tragen. 423ei angeftrengtem ©ebrauep be§ e p 1 f 0 p f S (Webner, Sänger, u. a. m.) ift baS Stimmorgan nicht nur nad) Kräften ju fdjonen, fonbern and) vor Äälte ((Einatpmen falter £uft, Trinfen falter ©etränfe), befonberS menn baS Organ eben er ft angeftrengt mürbe, ju fdjüpen. gleichfalls Vern meibe man p(öplid)en SBecpfel jmifdjen marmer unb falter £uft. -Q3ei raupem SBetter ober fcpneller Temperaturveränberung palte man ein Tud) vor SJiimb unb 9?afe. W?an püte fid) ferner vor 311 reicplicpem ®enuß fdjarf gemürjter Speifen ober fpirituöfer ©etränfe unb vor übermäßigem Dlaudjen, ba burep folcpe (Sjcceffe bie Stimme vollftänbig ruinirt Werben fann. Unter ben 4BerufSarten giebt es aber and) folcpe, meldje birect unb fortmäprenb einen gefunbpeitSfcpäblidjen Einfluß auSübenunb veranlaffen, bereu 3ufnmmenl)ang mit bem 4Beruf außer §rage ftept. Bn biefen gepören biejenigen, bei benen ber Arbeiter mit gifti- gen Stoffen ju pantiren ober in fdjledjter Cuft unb bei ungemöpnlicper Temperatur ju arbeiten pat. Tiefe Söefcpäftigungen erpeifepen befonbere 23orfid)tSmaßregeln feitenS ber 4öetpeiligten. 3n folcpen fällen achte man ftets barauf bie (Einmirfung ber fdjäblidjen Stoffe ober franf maepenben Umftänbe möglidjft abjufd)mäd)en, unb baS fann ber Arbeiter nur, menn er fid) mit ben Stoffen, bie er ju verarbeiten pat, refp. mit bereu ®efäpr* liepfeit für bie ©efunbpeit ober mit ben fcpäblicpen Umftänben genau be= fannt gemad)t pat. Eltern ober 23ormünber füllten aber bie SluSmapt eines Berufs von Seiten iprer Äinber refp. Sd)Upbefol)lenen menigftenS infomeit controliren, baß fie leptere, falls fie fränflid; ober für eine $ranf= peit befonberS veranlagt finb, bavon abpalten, einen ber betr. (Sonftitution gerabeju gefäprlidjen 4öeruf ju mäplen. So follte 3. £3. 9iiemanb, ber fd)minbfüdjtig bisponirt ift (f. (Einleitung IV. &ap.), baS ergreifen, meil ber feine Sfteplftaub, ben bie Dörfer einjuatpmen gejmum gen finb, ben Sungen pöcpft fd)äb(id) ift. Tie Arbeitgeber aber paben bie 53erpflid)tung, fofte eS, maS es molfe, 53erufSfd)äblicpfeiten von ipren Am geftellten abjupalten. Tie ©eminnfuept verleitet ja leiber nur ju oft ben Arbeitgeber, biefe ju vernaepläffigen unb - ju unterfepäpen. 2Bcr Arbeiter befepäftigt, follte nie vergeffen, baß baS (Kapital, melcpeS er auf fanitäre (Sinricptungen in feinem (ftabliffemcnt vermenbet, boppelt Binfen 390 trägt, ©er Arbeiter ift in einer gefunben $abrif nid)t nur leiftungSfälji« ger als in einer ungefnnben, fonbern lohnt and) burd) ©ewiffenljaftigfeit unb fyleip, Was fein Principal 311 feiner - beS SlrbeiterS - ®efunbpeit auSgiebt. Söer in ft a u b i g e r S u f t ju arbeiten l)atz beachte bor allen ©in« gen, bap ber Staub ben Sungen um fo gefährlicher wirb, je feiner unb härter er ift. fyortwäljrenbeS (Sinathmen bau Staub führt ju (Satarrl)en, (Snt« jünbung ber Sd)leiml)aut ber Luftwege unb fdjliefjlidj ju bösartigen Sun« genfrantljeiten. Metallarbeiter, ©iamantfdjleifer, 23ilb« unb Steinbauer, härter, u. a. nt. füllten alfo immer barauf adjten, bafj iljre SlthmungSor« gane bor bem Staub finb. Znbirect wirb baS erreicht, inbemman bie Suft im Slrbeitslocal fo rein wie möglich hält. SBo feine SSentilationS« borridjtungen borljanben finb, ift baS Socal bon $eit ju $eit gehörig ju lüften unb aufjerbem ju befprengen. ferner hat ber betr. Arbeiter öfter bie SBerf« ftätte ju berlaffen unb in frifdjer unb guter Suft fräftig ein« unb auSjuatljmen. (Sinen birecten Schuh gegen ben Staub gewährt baS ©ragen eines SRefpiratorS, Welcher Munb unb bebetft (f. $ig. 178). (Sinen foldjen fann fid) ber Slrbei« ter leicht felbft anfertigen, inbem er in ein ©eftell bon feinem, biegfamem ©raljt eine hoppelte Sage bon (Samelot (®e« webe bon ober bon ©Bolle, Ziegenhaar unb Seibe) legt unb bajwi« fdjen nodj eine Sage ©Ipcerinbaumwolle einfchiebt. ©er 9?efpirator fann and) wenn nicht bollftänbig, fo bod) tljeilweife baburch eifert Werben, bafj fiel) ber Arbeiter bor Munb unb Dlafe einen Schwamm ober ein Stücfdjen Such legt, ferner bermeibe man, wenn man in ftaubiger Suft ju arbeiten hat, bieleS Spredjen unb Singen unb tiefes (Sinathmen; man fpüle auch ben Munb beS ©efteren aus unb fudje einer Slugenentjiinbung baburch borjubeugen, bafj man entweber eine Sdjuhbrille trägt, ober bie Singen bis« weilen burd) 5Bafd)ungen mit lauem Sßaffer reinigt. (Sbenfo ift bie §ant bon Zeit ju Zeit ju wafd)en, weil fid) ber Staub in ben berfelben feftfeht. Zft bie Suft refp. ber Staub mit giftigen Stoffen berfeht, fo hat man aufter ben oben angegebenen SSerhaltungSmafjregeln gegen ben Staub bor allen ©ingen noch barauf ju ad)tcn, bajj bie giftigen Stoffe nid)t aud) burd) bie SBanb beS SSerbauungScanalS in ben Körper gelangen. Fiff. 178. 391 Arbeiter, bie mit giftigen Subftanzen zu tpun paben, füllten beSpalb immer vermeiben, im SIrbeitSlocal ipre 9Raplzeiten einzunepmen. Vor bem ßffen ift wenigftenS ber 3Runb auSzufpülen. Vei Vlei unb Vleipräparaten empfieplt eS fiel), Sabal 311 rampen ober ZU Janen nnb bie Einlage beS DtefpiratorS ober baS Sud) (SdjWämmcpen ober Seibenftiief) mit einer fepwaepen Scpwefelfäurelöfung ju tränten. $n gleicper SBeife verfäprt man gegen ©riinfpanftaub. Vei ©efapr ber Vergiftung burd) Slrfenif fpüle man fiep ben äRunb mit (Sifenoppbppbrat aus unb beneide fiep bamit auep ben Körper, foweit er ber Vergiftung preis* gegeben ift. Arbeiter, welcpe 'ßpoSpporbäinpfen auSgefept finb, füllten in furzen Slmmoniaf einatpmen. 3n allen (JtabliffementS, in benen fßpoSppor verarbeitet Wirb, ift eS beSpalb and) geratpen, zeit* weilig Slmmoniaf ju räuepern. ©er fßpoSpporvergiftung finb befonberS Arbeiter mit poplen Bäpnen auSgefept. Soldje Verfonen paben fid) jeben* falls päufig ben 9Runb (mit auSzufpülen. Vei Cuecffilber, bas fepon bei gewöpnlidjer Temperatur fcpäblicpe ©ämpfe entwicfelt, ift nod) größere Vorfiept als bei ben bisper genannten (giftigen) Stoffen zu entwicfeln. Slbgefepen von allen oben erwäpnten VorficptSmaßregeln pat ber Arbeiter, welcper ftetig mit ©ueeffilber zu tpun pat, gegen letzteres fiep birect nod) burd) Slnlegen von §anbfd)upen (aus Äautfcpuf, Tpierblafe ober SBadjStaffet) ju fdjüpen. gaffen fid) fteuerarbeiten, bei benen fid) entwirfeit, niept im freien verriepten, fo forge man außer für gute Ventilation beS betr. fRaumeS nod) bafür, baß bie glüpenben Kopien niemals offen baftepen, unb baff bie üefen ftarfen unb anpaltenben paben. Äoplenfäure, bie fiep in größerer fDienge befonberS in SBein* ober Vierfellern ober in Steinfoplen* ober Gloafengruben anpäuft, ift, wie wir fd)on vom erften Äapitel (f. S. 19) per wiffen, ein giftiges ®aS, baS fid) nad) bem guß* hoben ju fenft, weil es fepwerer ift als bie atmofppärifcpe £uft. V3o bie ®efapr nape liegt, baß bie £uft burd) Äoplenfäure vergiftet ift, pat man fid) alfo erftenS bavon jn überzeugen, ob vorpanben ift, unb gefdjiept baS, inbem man vor bem Eintritt in ben betr. fRaum mittelft einer (Stange ober eines Seils ein brennenbeS Sid)t bringt; brennt biefeS trübe ober löfd)t eS aus, fo ift in bem fRaum im Uebermaß vorpanben. Zweitens pat man bei biefen Vuftproben aber and) nod) fein Slugenmerf barauf ju riepten, baß baS £id)t in ber 9Jäpe beS (pell) brennt, weil, wie gefagt, bie Äoplenfäure fepwerer ift als bie atmo* fppärifcpe Vuft unb barum bie 8uft immer nod) in ber 9iäpe beS $uß* bobenS Äoplenfäure entpalten fann, and) wenn in ben oberen £uftfd)id)ten baS 2id)t brennen bleibt. Vei (Sloafengafen ift äpnlicp zu verfapren. Arbeiter, bie fid) in SIbzugScanäle ober Äotpgruben 311 begeben paben, 392 füllten fiel) immer erft, epe fie pinabfteigen, baüon überzeugen, ob bie ßuft in bem ßanal (bejm. ber ©rube) rein ift, inbent fie ein brennenbeS Cidjt pinabtaffen. ßöfept baS ßiept aus, ober brennt eS mit einem feurigen §ofe, fo ift oon einem §ineinfteigen in bie ©rube. abjufeljen unb bie ßuft erft burd) §ineinfd)ütten Don ßplorfalt ober (SifenDitriollöfung ju reinigen. 9)?an fei aber, um einer (Syplofion Dorzubeugen, ftets mit bem hinein* palten eines £icpteS in einen SIbzugScanal ober eine ®i'ube Dorficptig. Sim beften ift es, babei eine (©aüp'fdje) ©icperpeitSlampe zu üerwenben. $er* ner empfieljlt es fid), bie ©rube etwa 12 ©tunben Dor bem SluSleeren zu öffnen unb ipren 3npa(t bisweilen mit langen ©taugen umzurüpren. ©aburd) werben bie ßloat'engafe niept nur fdjueller entwidelt, fonbern and) in ber Suft Derbreitet, b. p. unfdjäblid) gemaöpt. 3eber Slrbeiter, ber in eine mit ßloatengafen gefepwängerte Cuft pinabfteigt, follte fid) aber für ben fyall ber (SrftictungSgefapr lieber ein Sau um ben £eib binben laffen unb, wenn unten in ber ©rube, baS ©efid)t fo Diel wie mögliep Don bem Unratp abpalten unb fid) Dor tiefem ©inatpmen püten. £ p i e r i f cp e © i f t e (Sßurm* unb befonberS im 9?afenauS* fluß ber SO?ilzbranbgift bei fßferben, SRinbüiep, ©epafen unb ©d)Weinen, Sßutpgift im ©peidjel refp. ©eifer toller §unbe, u. a. m.) bebropen niept nur biejenigen, Welcpe mit tränten Spieren zu tpun paben (Spierärzte, $leifcper, Slbbetfer, ©d)äfer unb fonbern and) weldje Don foldjen trauten Spieren ftammenbe Stoffe zu üerar* beiten paben (Äfepner, ©eifenfieber, ©erber, u. f.w.). 3)?an muß fid) Dor biefen äußerft gefäprlicpen ©iften zu fdjüpen fuepen, unb baS ift am beften möglidj, wenn man bie §änbe, befonberS wenn bie* feiben wunbe ©teilen paben, mit Äautfdjufpanbfcpupen überziept unb Don $eit zu 3eit mit tauftifepem Slmmoniat abwäfdjt unb mit ©el einreibt. Sie wunben ©teilen tann man and) burd) einen Ueberzug mit ßollobium fdjüfcen. SBer fid) bei feiner Slrbeit großer ober teilte, bem Luftzug ober ber Stäffe pat, fei immer barauf bebaept, fdjäblicpen ßinwirtun* gen Dorzubeugen. 3n großer § fepr unb Derliert baburd) Diel SBaffer aus bem tiefer SSerluft ift burd) reidjlidjeS Printen DonSßaffer, leidstem 33ier unb fäuerlicpen, aber niept fpirituöfen ©etränten ZU 3n ber £)ilje atpmet man and) weniger ©auerftoff ein, weil bie ßuft wegen ber SBärme auSgebepnt ift, unb beSpalb muß man, wenn man in großer §ipe zu arbeiten gezwungen ift, fid) öfters in tüplere (niept falte) Suft begeben unb biefelbe träftig ein* unb auSatpmen. sJlatürlid) muß man in ber tüpleren ßuft üorfieptig fein, baß man fid) niept erfüllet, unb ift barum bie wäprenb ber Slrbeit leiepte (am beften baumwollene) Äleibung gegen eine bieptere einzutaufepen, fobalb man baS Slrbeitslocal 393 verläßt. Ledere« felbft ift gut ju Ventiliren, bocf) barf baburch fein Luft* jug entftel)en. ©ie burd) viele« ©djwifcen rauf) werbenbe £>aut ift von $eit ju $eit mit $ett einjureiben. ÜDluß man fid) großer $älte ober 91 äffe bann hot man fiel) vor alten ©ingen burd) geeignete Reibung ju fdjüfcenunb bem Körper 9iahrung«ftoffe zuzuführen, weldje viel SLärine entwitfeln, b. I). fticfftofflofe. ©er natürliche $eruf be« w e i b l i d) e n (S e f dj l e d) t § ift ber, al« (Sattin unb SJlntter im §anfe zu fdjalten. $ür biefen -S3eruf muß ba« 9Jtäbdjen fdjon im elterlidjen §aufe (burd) bie Erziehung) vorbereitet wer* ben. öS ift aber manchem SJiäbdjen nid)t befdjieben, „im liebumwobenen £mu« über (Satten unb Äinber be« Trieben« ©oben aii«zuftreuen", unb am bererfeitö zwingen ärmliche SSerhältniffe nur ju oft baju, bie SJläbdjen fdjon in ber ber 3ahre, in ber fie eben ju ihrem natürlichen 33eruf vorbereitet werben follten, zum Erwerb be« Lebensunterhalt« mit Ijeranzu* Ziehen. E« ergiebt fid) barau« erften«, baß man bei ber Erziehung ber Stäbchen and) ben galt ber Nichtverßeirathung berfelben im Singe hoben muß, bamit bie Jungfrau fdjon ben SBerth ber Slrbeit fchäfcen lernt unb im fpäteren Leben au« eigener straft ju befteljen vermag; wenn möglich, follte jebe« 90?äbd)en in ber 3ugenb irgenb einen 23eruf erlernen, burd) ben fie fiel) fpäter ihren Lebensunterhalt felbft verbienen tann. Siu« bem oben (Sefagten ergiebt fiel; aber and), baß man, fo lange eö bie SSerljältniffe irgenb erlauben, in ber Slrbeit ber weiblichen nid)t eine Erwerbsquelle fud)en foll. ift barauf zu achten, baß bie (Se* fnnbheit ber 9Jläbd)en nidjt burd) ihren iöeruf gefdjäbigt wirb, unb baju ift bei ber geringen Bezahlung, weldje für weiblidje Slrbeit geleiftet wirb, gerabe red)t große (Sefapr vorl)anben. Näherinnen, ©tieferinnen, u. f. w. filmen ©ag au« Sag ein gebeugt über ihrer Slrbeit unb quälen fiel) ab, um ein paar deut« ju ver= bienen. @ie follten nie vergeffen, baß fie mitunter ber frifd)en Luft bürfen, ihren Körper zeitweilig gerabe holten unb tüchtig ftreefen unb ba= bei orbentlid) ernähren müffen unb ihre ermübeten Singen 311 fd)onen haben, fobalb fid) (Selegenl)eit bietet (f. oben). - L3efonber§ fd)äblidj ift ba« anl)altenbe Slrbeiten an ber 91 äljmaf d)ine, wenn leptere nid)t etwa burd)©ampf ober Electricität getrieben wirb. Eine Arbeiterin, welche fortwährenb ba« ber 91ähmafd)ine zu treten unb babei gebüdt jn filmen unb bie Singen anjuftrengen hot, bebarf unbebingt zeitweiliger Nnhe- paufen unb fräftiger Ernährung, ©en größeren Sl)eil be« 53erbienfte« für leptere unb eine gelegentliche SSergnügungSfahrt in'« $reie anSjuge» ben, ift viel vernünftiger, al« bie fauer erworbenen Eent« für unb ©anb auSjugeben. Ein vernünftiger SNann wirb immer barauf feljen, baß er ein frifd)e«, lebenbige« SNäbdjeit unb nid)t eine bleichfüchtige Jßierpuppe 394 gur $rau erljölt. ©ad f olfte fid) jebed 9J?äbd)en werfen, Glätterinnen, weldje ben ganjen Sag in ber über bad fjeiße 33ügeleifen gebeugt fteljen, paben ton ju £eit f'üljle ßuft ein* unb audjuatlpnen. 33l u* menmad) er innen unb heberträndle rinneu, wie überhaupt jebe Arbeiterin, Weldje mit giftigen Stoffen ju Ijcmtirenfjcit, füllten genau bie oben angege* Denen Sßorfidjtdmaßregeln gegen bie 53ergif* tungdgefaljr beadjten. © i e n ft m ä b dj e n, weldje viel tnieenb 31t arbeiten (aufwifdjen, fdjeuern) ljaben, füllten bad $nie immer burdj gepolfterte Dringe ober Riffen gegen Sdjäbigung anbcrnfalld badfelbe in $olge bed ©ruded mißgeftaltet wirb („§aud* mäbdjenfnie", f. $ig. 179). (gd würbe unmöglich fein, alte bie ®e* fäljrlidffeiteu, von welken ber Arbeitenbe be* broljt ift, unb bie bagegen anjufüfyren. And bem bidljer ©efagten geljt aber jur ®enüge tjerüor, weldje bie mit einem 33eruf verfnüpften £>auptfd)äblid)feiten finb, unb wie man biefelben iljrer ©efaljr für ßeib unb Seben entfleiben tann. 9J?an füll vor- allen Gingen immer barauf adjten, bafj auf eine gewiffe Arbeitdjeit genügenb Dtutje folgt, bafj bie Arbeit and) mit ber (Srnäprung in einem richtigen ftefjt, unb baß bad vorjugdweife in Anfprud) genommene Organ nidjt and) nod] nad) 33eenbigung ber Arbeit angeftrengt wirb. Fig. 179. Viertes /tüpitef. X» i e Brnnklicitcn des jllciifdjcn unö iljrc Teilung. 397 Einfettung. (gntftctjurtfl unb ßintljeilung ber ftranffetten. 5Raef>franffeiten unb (erfoorbene unb er5 erbte) ©ispofttionen. ©le (5l)e unb ihr ©inftufj auf bie Oefunbtjeit beS gefcf)Ierf)tS. ©aS (Srfcnnen ber $tranfl)cifen (©iagnofis) unb bie ÄranfßeitS- erf(i)cinungcn (Sumptome). ©ie SSebanblung unb Teilung ber ßranfljciteu. Statur unb Slrjt. £)aS V?efen ber ® e f u n b I) e i t ift baS ridjtige Vonftattengepen beS Stoff wedjfels. (Sine Störung beSfelben nennen Wir $ r a n f p e i1. teilte entftept von felbft, Vielmepr pat jebe ipre $ rauf' beit Surfacpe ober 91 oje, bie entweber eine äufjerlidje (Sdjnitt, Orurf, u. a. m.) ober eine int Körper felbft gefdjaffene fein tanu. Btt beiben ft-älten wirft bie ÄranfpeitSurfadje nidjt auf ben Organismus ober ganje Organe ober ®ewebe birect ein. Oer fdjäblidje Ginflufj ber 9ioje madjt fidj auf bie Beden geltenb. Bebe $ranf'peit gept urfpriinglidj von ben Bellen aus, inbeni biefe juerft von ber angegriffen werben. Oie Belle ift ber eigentliche §erb fowoljl beS gefunbett, als and) beS trauten hebens. Ourdj bie werben in ben Bellen unb burd) bereu Vermittlung in ben ftliiffigteiten unb (Geweben beS Körpers anatomifdje ober djemifdje Störungen ober foldjeberStructur unb VJtifdjung Ijervor* gerufen, weldje iprerfeits Slbweidjungen von ber normalen Sljätigfeit ber Bellen refp. ®ewebe ober g-liiffigfeiten jur Böige paben. ße nadjbemnun biefe Störungen unb Slbweidjungen bie Bellen ober ®ewebe eines einjel' neu ÄörpertpeilS betreffen ober fidj auf meljrere ®ewebe ober Organe ober ben gaujen Organismus erftrecfen, fpredjen wir Von örtlidjen ober von allgemeinen $ r a n t p e i t e n. Gine örtliche, b. p. eine foldje Weldje ein Organ ober einen Oljeil eines Organs befällt, braudjt nidjt örtlidj ju bleiben, fonbern Tann fidj weiter ausbreiten unb ju einer allgemeinen ober conftitutionellcn, b. p. einer folcpen Werben, bei Weldjer bie (normale) Vefdjaffenpeit meprerer ®ewebe ober Organe ober beS ganjen Organismus veränbert ift. SBirb 3. V. in eines bie Ojpbation beS BtttferS in ber Seber geftört, b. p. ber Buder innerljalb ber feber nidjt in ©Ipeogen umgewanbelt, bann päuft fidj berfelbe, ber unveränbert (als Oraiiben® juder) aus ber lieber in baS Vlut übergept, in lepterem in fdjäblidjer HJienge an unb wirb fdjltefjlidj burd) bie Vieren auSgefcpieben; aus bem urfpriinglidj örtlidjen (?eber=)Ceiben ift eine conftitutionelle (Buderparurnpr) geworben, ßbenfo verpält eS fidj mit ber (Sitcr* unb ber Btttidjevergiftung, bei weldjen Giter refp. faulige Stoffe, Weldje fidj bei örtlidjen in einem Organ beS Körpers gebilbct paben, in 398 baS Vlut übertreten. ßonftitntionelle Trautheiten fönneit aber aud) von vornherein allgemein fein. Vei fotchen (von §aufe aus) conftitntionellen Trautheiten ift ber Vermittler beS ®toffwed)fels, baS Vlut, ber iirfprüiig* tictje ®ifc beS VeibenS. ®aS Vlut entartet, nnb jivar ift bie Sllnveidfuiig von ber normalen Vefcljaffenheit beS VluteS nicht, Ivie bei ben juerft örtlichen ßeiben mit nacljfolgenber Vlutentmifdjnng (3ucferharnrul)r, n. f. w.), auf einen im Organismus vorher ftattgel)abten TrautljeitSproceß, fonbern auf Vernad)läffigung beS TörperS im allgemeinen (jumeift auf fehlerhafte (Ernährung) ober auf einen (von außen fommenben) TrantljeitS* erreger <So wirb j. V. baS Vlnt „eutmifdjt", wenn iljm bie etoffe, welche eS jn feinem richtigen Veftel)en braudjt, t()eilweife ober fämmtlich in wibernatnrlidjer Wienge ober mehr ober weniger vorenthalten werben. Ernähren wir ein Tiub mit einem von ftiirfehaltiger 9ial)riing, fo ftellt fiel) halb, befouberS wenn bie SB.ol)nung fd)(ed)t gelüftet nnb feucht ift, (gcropljulofe ein. SlnbererfeitS wirb baS ■Vlut entmifdjt, nnb eSfommt jn ber, «Storbut genannten allgemeinen (£];* näl)rnngSftöriing, wenn bem Vlut burd) anhaltenben ®enuß feljr falj* reidjer, b. i. blutfaljarmer Nahrung bie erforberlicpen Vlutfal.äe nicht ge* geben werben. Sille conftitntionellen, mit einer Entartung beS VluteS verfnüpfteu Reiben, gleidjviel ob fie juerft örtlich waren ober von §aufe ans allgemein finb («Sforbiit, i$cropl)ulofe, u. a. m.), werben Vliitentmifdpin gSfranfl)eiten ober OpScrafien genannt, fofern ber Tranfl)eitSerreger (im Vlut) nidjt von außen äuge* führt wirb, ©ber man fpridjt, anftatt vonOpScrafien, von Tad)epi en, wenn ber Verlauf ber Trautheit ein langwieriger (d)ronifcl)er; f. fpäter) ift. VBerben bie TraiifheitSfeime von außen in baS Vlut gebradjt, fo haben wir eS entweber mit V e r g i f t u n g e n (3 n t o $ i c a t i o n e n) ober mit 3 n f e c t i o u e n ju tl)iui. Unter 311 fe c t i o n S f ra u t b e i t e n verfteljt man eine 9Ceil)e von allgemeinen ©rfranfnugeii, bereu Urfadje mifroffopifd) fleiufte OrganiS* men finb, bie, in ben Törper eingeführt, baS betr. Veiben bervortufen. (Sin Xl)eil biefer TranfheitSerreger wirb von 'ißerfou ju über* tragen. 311 biefem 3alle heißt ber Teint ber Trautheit ßoutagium nnb bie Trautheit eine contagiöfe Trautheit. Vei anberen 3nfectionS* tranfl)eiten wirb ber Teint, ber bann als 9)?iaSina ober Wialaria bejeidpiet wirb, aus ber Umgebung entnommen; berart vernrfad)te Trautheiten heißen miaSmatifd)e ober 9Jhtlariafranf 1)eiteu. (5s ift aber and) möglich, baß ber.(Erreger einer 3nfectioiiSfrantl)eit von einem 9)ienfd)en ftammt imb burd) Vermittlung ber £uft, (5rbe, u. f. w. weiter verbreitet wirb; ift bieS b. I). ftammt ber TraiifheitSteim von einem trauten Organismus ab, ber ihn ber (Srbe, ber Vuft, u. f. w. übermittelt, meld/ 399 ledere iljn mieber auf ben ■'Dtenfrfjen übertragen (3. V. bei ßljolera), fo entftefjen m i a S m a t i f dj * c 0 n t a g i ö f e, b. lj. foldje Ijeiten, bereu tranfljeitsfeim moljl non einer (tränten) Ijerfommt, aber erft unter Vermittlung einer 3ivifdjeuftation (Cuft, (Srbe, SBaffer) auf eine anbere (gefunbe) fßerfon übertragen mirb. Sitte OnfectionS* franfljeiten nennt man aber audj ® ä lj r u n g § = ober z l) ui 01 i f dj e tranfljeiten, meil bie Staublungen, meldje ber tehu einer 3nfec* tionSfranffjeit burdjmadjt, ber (Sutmitflung ber ®äljrungSerreger (f. S. 31) fcljr äljulidj finb. Oiefe tranfljeitSfermente, meldje in bie tlaffe ber Spaltpilze (Vacterien, Vacillen) gehören, erzeugen bie tranfljeit, inbem fie in bie Vlutbaljn gelangen. ViS Ijat man aber nur eine verljält- nißmäßig geringe foltfjer mifroffopifdj fleinen Organismen uadjge= miefen, z« V. bie Cholera-, bie Xuberfel* unb bie SJJZilzbranbbacillen. Oie tranfljeiten merben ferner in i n n e r e t r a n f Ij e i t e n, b. lj- biejenigen, meldje burdj innere SOZittel geljeilt merben, unb in trauma- t i f dj e ober dj i r u r g i f dj e tranfljeiten eingekeilt; unter letzteren ver- fteljt man bie tranfljeiten, bie burdj eine Verlegung (trauma) entftanben finb, unb bereu Teilung äußere £)itfe unb medjanifdje (Jinmirtung erfor- bert. 3e nadj ber Slrt ber Verlegung tljeilt man bie djirurgifdjen tranfljeiten mieber in 3ufam,neu^rtn9^trenniln9en (tuodjenbrüdje unb SSunben), Ouetfdjuugen, (Jontufiouen (Verletzungen burdj Stoß ober Sdjlag), Ver- brennungen, 11. f. m. ein; ober man unterfdjeibet fie audj je nadj bem betroffenen Organ in tranfljeiten ber tnodjen, SDZuSfeln, beS topfs, ber Vruft, u. f. m. (Sbenfo tljeilt man bie inneren tranfljeiten in foldje ber VlutfreiSlaufS=, SltßmungS* unb Verbauungsorgane, ber Nerven, §aut, Sinnesorgane, u. f. m. 3uiue'ft befallen bie tranfljeiten (mit SluSnaljme ber immer nur einzelne sPerfonen, b. lj. treten ver- einzelt (fporabifdj) auf. "Jlur bie greifen Ijäufig meit um fidj, unb fommt es bann zu Seudjen ober Gpibemien; man be- Zeidjnet beSljalb foldje tranfljeiten andj als e p i b e m i f dj e t r a n f Ij e i - ten. §at eine tranfljeit aber in einer gemiffen ©egenb iljren Sip, über ben IjinanS fie fidj nie ober nur feiten verbreitet, mie z- V. baS SMjfel* fieber in Sumpfgegenben (f. oben), fo nennt man fie eine e n b e m i f dj e t r a n f lj e i t. 9?adj bem Verlauf ber tranfljeiten merben biefejben folgenbermaßeu unterfdjieben. Stritt eine tranfljeit fdjnell ein unb verläuft rafdj unb Ijaftig, fo Ijaben mir eS mit einer acuten t r a n f l) e i t zu tljun. Oen ©egenfafc bilbet eine langfam unb fdjleidjenb verlaufenbe, fogen. djronifdje tranfljeit. Oie acuten tranfljeiten nennt man moljl audj fieberljafte unb umgefeljrt, meil acute tranfljeiten meift mit fieber verbunben finb. 400 fieber ift feine Kranffjeit für fiel), fonbern mir eine Kranf'heitßer® fcheinnng (f. fpäter). Gß befteßt in einem abnorm gefteigerten Stoff® Wed)fel bei erhöhter Körpertemperatur. Setjtere ift baß wefentlidje 9J?erf® mal beß ft-ieberß. Slußerbem ift beim fieber baß Sltljmen befcljlennigt (über 20 9Dlal in ber SOiinute), ferner fcßlägt ber Bulß fdjnell (biß 311 100 Sdjlägen in ber Minute), unb eß geljt ber§i£e ein fyröfteln ober ftärfereß frieren (Sd)üttelfroft) Dorljer. Zuine'ft [teilt fid) mit bem fieber and) Surft, Sdpoeiß, Slppetitlofigfeit, Sdpnerjen (l)auptfäd)lid) im Kopfe), ®e® fiiljl non 3erfd)lagenfein nnb 9iiebergefd)lagenl)eit ein; oft ift and) ber Urin bnnfel gefärbt unb ljat einen Bobenfafi. Sie £nt<e (erl)öl)te Körpertcmpc® ratur) ift aber, wie gefagt, baß wefentlidfe W?erfmal beß g-ieberß, b. I). beß gefteigerten Stoffwechfelß refp. ber vermehrten Cjpbationßvorgäuge im Körper. $ebe Körpertemperatur, bie über baß normale Wtfayimuni (99|° F.) l)iiiaußgel;t, füllte jur Borfidjt mahnen, unb eß ift baper geratljen, bei allen Kranfljeiten bie Körpertemperatur in beftimmten Zeiträumen ju meffen. Bei fieberhaften Kranfheiten wenigftenß ift baß unbebingt notl)® Wenbig (f. Kranfenpflege), man bei biefen SDieffungen, baß bie Körpertemperatur nur wenig fdjwanft, fo nennt man baß fieber ein an® l) a 11 e n b e ß ober c 0 n t i n u i r I i d) e ß; jeigen fid) regelmäßige Sdjwan® fuugen ber Temperatur, wobei biefe früh am niebrigften unb ?Ibenbß am I)öd)ften ift, fo bejeid)net mau baß fieber alß nadjlaffenbeß ober r e m i 11 i r e n b e ß ; ift baß fieber auf beftimmte Zeiträume befdjränft, weldje non regelmäßig mieberfeßrenben, fieberfreien unterbrodjen Werben, fo heißt eß ein ober intermittirenb eß. Treten wäljrenb beß gieberß Störungen ber §irntl)ätigfeit auf (Ginge® nommenljeit unb Sd)merj im Kopf, @d)nnnbel, Sinneßtäufd)iingen, Sd)Werbefinnlid)feit, Zrrereben, lallenbe Sprad)e, u. a. m.), bann ift baß ß-ieber nervöß. ?(ber nid)t nur acute, fonbern and) d)ronifd)e Kranf® heilen föunen mit fieber uerbunben fein, unb bezeichnet man lang an® haltenbe fieber, wie fie meift bei d)ronifd)en Kranfheiten borfoinmen, unb bie mit ftarfer Cj:l)bation einl)ergel)en, alß ober Ze^re fieber. Slcute (refp. fieberhafte) Kranfheiten werben and) entjünb® l i d) e genannt, Weil häufig bei biefen Kranfheiten G 0 n g e ft i 0 n e n ober G n t z ü 11 b u n g e n (ebenfo wie fieber aber nur alß Kranfl)eitßerfd)einun® gen) borfommen. Gongeftion nennt man bie eineß Drganß in $olge bcrmel)rten iöei Gntjünbungen ift ber hintan® brang (bejw. bie Blutüberfüllung) nod) ftärfer, fo baß fid) baß Blut in ben feinen *ißulßaberäftd)en unb ben Gapillaren ftaut, unb bie ©efäßwänbe wibernatürlid) außgebel)nt werben. Sie entjünbete Stelle ift in ber Blntftauung heiß, gefdpoollen unb rotl) unb fdpnerjt, fallß fie Gmpfinbunge® 401 nerücn entljält. £>ört bie (Jntjünbiing halb wieber auf, bann üerfdjwim ben and) jene unb ber lauf üerläuft wieber in ber früheren (normalen) 5Beife. dauert bie (Snt- jünbung aber an, bann werben burd) ben £rucf ber 53lutau$ftrömung burd) bie ©efäßwänbe ÜTIjeile beö 53lutplaSmaS, rotlje 53lutförperd)enuiib ßaupb fädjlid) bie (an ben 5Bänben juriitfgeßaltenen, ranbftänbigen, f. S. 146) weißen 53lutförperdjen in bie (Sfewebe gepreßt (f. $ig. 180). Htfan nennt bicfe auSgewanberten (weißen) 53lutförperdjen (S ite rf ö r p e r d) en nnb bie ganje Sftaffe be§ au§ ben ®efäßen üerbrängten 53(ute§ 51u § g e ? f d) w i (51 e d ober (g £ f u b a t. wirb üon bem umliegenben (Ge- webe entweber wieber jertßeilt refp. aufgefogen, ober eS fommt jur 53er- eiterung (5lbfceßbilbung, 53er- fdjwärung) ober jur $orma= tion neuen 53inbegewebe$. 5Öenn wir und j. 59. einen (Splitter in'ö $leifdj ftedjen nnb benfelben nicßt wieber IjerauSjießen, fo entjünbet fid) bie betr. $örperftelle; fie wirb rotß nnb ßeiß nnb fdjwillt an, weit and ben 5lrterienjweigen glüffigfeit nebft 53lutförpcr- djen in baö umgebenbe webe Wirb. 5Birb baö nun nidjt Wieber reforbirt, bann liegen, Wie gefagt, jwei SJJöglidjfeiten be$ weiteren (SutjünbungSüer? laufö oor. (SntWeber bilbet fid) eine fefte, narbige SDlaffe nm ben Splitter, in weldjer ber letztere, wie in einer $apfel eingefdjloffen, unbefdjabet liegen bleiben fann, ober ber (fid) bilbenbe) (jiter jerweicßt nad) nnb nad) ba§ umlicgeube ®ewebe nnb bal)nt fid) unb bem Splitter einen 533eg nad) außen. 53ei bösartiger 53ereiterung (bei fel)lerl)after ßanblung) fann eS aber and) fd)ließ(id) jum „branbigen" Slbfterben (f. S. 144) be§ eiternben fommen. £>er (SntjünbungSjuftanb ift anbererfeitS (bei 53ilbuug üon neuem @eWebe) bie I)auptfäd)lid)fte Urfadje ber 5Öunbl)eiluug. 53eranlaßt werben (Sntjünbungen jumeift burd) äußere (Sinwirfungen; mitunter jeigt aber baS 53lut felbft Neigung ju Gntjüu* buugen (j. 53. beim acuten ©elenfrfjeumatiSmuS), unb ift bann bie Ur- fadje ber ©ntjünbungen in biefer 53efd)affent)eit beS 53luteS jufudien. Fig. iso. <£ntsünbete» ®ewebe. a) b) ranbftänbige, Weiße ttnb c) rotßeSBlutförßei-djen(9Id)feiiftront). Sie Weißen Sörner int ®eWebe finb anSgetDanberte Weiße ®(utterperdjen ((Siterförßerdjen). 402 (Sine wirb entweber üollftänbig gepeilt, ober fie niftet fid) bauernb in nuferem Körper ein, oljne jur birecten OobeSurfacpeju werben, ober fie füprt ben £ob perbei. 3m erftgenannten fyalle (ber öollfommenen Reifung ober ©enefung) werben bie frantpaften (anatomifdjen ober djemi* feiten) Sßeränberungen nebft ben functionellen (Störungen im Körper wie* ber befeitigt, nnb ber normale <Stoffwed)fel beginnt üon neuem, als ob er nie oorljer geftört worben wäre, ©iefer Uebergang bon $rantljeit ju ©e* funbljeit üolljiel)t fiel) aber nidjt mit einem DJiale. (Sr wirb Vermittelt burd) bie ber SReconvaleScenj, in Weldjer bie $rantl)eit jwar fd)on wieber befeitigt ift, in golge ber (Sinwirtung berfelben auf ben Körper fid) in biefem aber nod) eine meljr ober minber große ©djwädje nnb (Smpfinblidjfeit gegen äußere (Sinflüffe bemerfbar madjt. 3m Saufe ber ©enefung refp. wäljrenb ber 9leconüaleScenj tritt aber bisweilen eine $rantl)eit (j. -53. ■TljpljuS) nochmals auf, b. p. eS tommt ju einem 9Mttf* fall ober 9? e c i b i b. 3n bem oben juleßt erwähnten in Welchem eine Ärantljeit mit bem £obe, bem 3lufl)ören beS StoffwedjfelS, enbet, paben wir ju unter* fdjeiben, ob ber ©toffwedjfel nur in einem ober mehreren Organen ober im ga'njeu Körper unterbrochen wirb. SDlit bem Slnfhören beS gefammten <Stoffwed)felS ftirbt ber ganje Organismus, wirb jur geieße nnb löft fiep nad) nnb nad) wieber in feine unorganifdjen auf. 3ft ba* gegen ber Stoffwecpfel nur in einem Xßeile beS Körpers jum Stillftanb getommen, bann ftirbt nur ber betr. Sljeil ab, wirb branbig, ol)ue baß bei- übrige Körper burd) baS Slbfterben biefeS einen £l)ei(S in DJlitleibenfdjaft gejogen werben muß. häufig tritt aber ber brüte $all ein, baß nämlid) nur eine unüollftän* bige ©enefung ju Staube tommt, b. I). bie fid) in nuferem Körper feft, oßne jur birecten OobeSurfad)e jn werben. $öir ljaben babei jwei oerfdjiebene Wirten ber unvollftänbigen ©enefung ju unterfdjeiben. (Sntweber pat bie urfpriinglidje (nid)t ganj anSgeßeilte) eine anbere, fogen. 9?ad)trantl)eit jur fjolge ober fie Ijinterläßt nur eine eigentl)ümlid)e ®d)Wäd)ung beS Körpers, bie fid) in einer O i S p o f i t i o n ju anberen, neuen (Srtrantungen tunbgiebt. 9lad)franfl)eiten tonnen fowoljl örtliche als and) allgemeine fein, nnb tann fid) eine jebe berfelben ans einem örtlichen ober einem allgemeinen Veiben entwicfeln. (Sine 9(ngenfrantl)eit tann mit ®urjfid)tigteit nnb eine Ol)renfrantl)eit mit Sd)Werl)örigfeit iljren ?(bfd)Inß finben. (Sbenfo mag ein conftitutionelleS Seiben in eine örtlidfe 9?ad)frant(jeit übergeben; fo wirb j. 53. beim aenten ©elentrßeumatiSmuS Ijänfig ein erworben. (Sine örtlid)e 9iad)trantl)eit, gleidpiel ob fie aus einem örtli* d)en ober einem allgemeinen Veiben entftanben ift, nennen wir aber 403 einen „o r g a n i f dj e n ft c Ij 1 e r". Gin foldjer ift aber nidjt 31t üermedj* fein mit bem oben ermähnten partiellen (branbigen) Abfterben eines Tör- pertljeilS. Gin mit einem organifdjen fteljler behafteter Törpertljeit nimmt redjt moljl nodj am geben £l)eil; fein 3Bau unb feine ftunctionen meinen nur bis 31t einem gemiffen ®rabe 0011 bem Normalen ab. $11 einem „branbigen" Organ ift ber Stoffmedjfel aber gans unterbrochen, b. i. finben überhaupt feine gebenSüorgänge mehr ftatt. - Allgemeine 9?adjfranfheiten tonnen fiel) aber nidjt nur aus conftitutionellen, fonbern and) aus örtlichen Trantljeiten herleiten unb babei noch von organifdjen fteljlern begleitet fein. ©0 vermögen, mie mir oben fdjon bei ben OtjScra- fien befprodjen hoben, urfprünglidj locale Trantljeiten, 3.38. ber geber, nur 311 oft als 9?ad)franfljeiten ben gansen Organismus infDiitleibenfdjaft 311 sichen. Oie OiSpofition 3U anberen, neuen Grfranfungen, meldje mir als Smeite Art ber unüollftänbigen Gtenefung fennen gelernt haben, entmicfelt fiel) in ber Siegel, oljue bajj mir eine Ahnung bavon haben. Gr ft menn eine neue Grtranfung eintritt ober fiel) öfter mieberljolt, bestehen mir fie auf baS nrfprünglidje geiben unb erfennen ben gufammenljang smifdjen Urfadje unb ASirfung in jener OiSpofition. Gine 9?arf)franfheit fann natürlich ebenfo mie eine neu entftanbene Trautheit 311111 Oobe führen. Oie bieten SJienfdjenleben 3.38., meldje all- jährlich an guugenfdjminbfudjt 311 ®runbe gehen, legen berebteS ,fteugnijj bafür ab! Gine Sladjfranfljeit faun and) geheilt merben, mirb eS aber nur feiten. WiciftenS niften fiel) bie Siadjfranfljeiten unb bie OiSpofitionen auf gebenSjeit in unferem Törper ein. OaS foll nun aber n i dj t heißen, bafj Siadjfranfljcit unb OiSpofition in jebem Augenblicf nufer geben bebrohen. Trante, meldje an einem organifdjen fteljler ober einer allgemeinen S?adj* frantljeit leiben, ober 51t Grtrantungen bispouirt finb, fönnen redjt moljl alt merben, fofern fie ihre gebenSmeife nur immer mit Siüdfidjt auf ihren 3«ftanb einridjtcn! So hoben 3.38. mit einem organifdjen 3Beljaftete förperlidje nnb geiftige Anftrengungen unb erljipenbe (Speifen unb ©etränfe 31t mciben; fo verlangen 9iadjfranfheiten ber geber törper- licije 38emegungen unb geeignete Oiät, unb fo barf jemanb, ber 311 Gr- tältungen geneigt ift, fiep niemals bem $uge anSfepen, u. a. m. Oie Trautheiten finb entmeber er m 0 r b e n e ober ererbte (an- geborene). lieber bie Urfadjen ber ermorbenen Trantljeiten ift noch menig SidjereS ermittelt. 3ebe Trautheit hot befanntlid) iljre Urfadje, unb biefe mirft, mie ebenfalls jcljon gefagt, suerft auf bie 3elle ein. Aber jebe TrantljeitSurfadje pot nidjt immer biefelbe Qgirtung; Ourdjnäffung fann 3.38. bie üerfdjiebenften Trantljeiten sur ftolge hoben. W?it 3Be- ftimmtljeit fönnen mir nur fagen, bajj ber llmftanb, meldjer fdjeinbar bie 404 Äranfßeit Ijervorrief, in bcn weiften gälten nur bie (GelegenßeitS- urfadje war, b. I). nur bem 2(uSbrudj ber Äraufljeit SBeranlaffung gab, wäßrenb bie föranfljeit felbft im Körper fdjon vorbereitet geWefen ift (burd) fdjledjte (Srnäßrung, fdjledjte äöoßnung, übermäßige Slnftren« gung, u. f. w.). ©ie meiften erworbenen $ranfljeiten werben nidjt burd) einen jufälligen Umftanb ((GelegenljeitSurfatfje), fonbern burd) eine Anlage ober ©ispofition veranlaßt, bie von ber oben er« wäljnten ©ispofition, jener unvollftänbigen (Genefung, ivoljl 31t unter« fdjeiben ift. ift bie golge, unb erftere bie Urfadje einer urfprünglidjen, primären (Srtranfung. - ©ie Urfadjen ber angeborenen Ärantljeiten liegen Kar auf ber §anb. ©ie bcfrudjtete (Sijelle, aus Wei« djer fid) ber tljierifdje Organismus eutwitfelt, ift baS integriren« ber 53eftanbtßei(e beiber (Sltern, unb alle SSorjüge unb (Gebredjeit, Weldje bem Sßater ober ber SJiutter ober beiben angeboren, finb im Meinte in ber (Sijelle unb in ber golge in bem, aus biefer £elle entfteljenben ©prößling enthalten. $öenn alfo Sßater ober 3)?utter jur ber Bellbefrnctjtung mit irgenb einem Veiben beljaftet waren, bann muß fid) biefeS vererben. (SS ift aber burdjauS nidjt nötljig, baß fid) bie als foldje vererbt. 4öei ber Uebertragung auf bie 9?ad)fommenfdjaft fdjwädjt fid) fogar in bcn meiften gälten baS berart ab, baß bie betr. $ranfljeit in bcn 'iJJadjfommen nur nodj eine © i S p 0 f i t i 0 n ober 21 n l a g e ju veranlaßt. ©aS ift um fo fidjerer ber galt, je milber bie gönn ber eiter« lidjen ftraiitljeit (ober ©ispofition) war. (Gar viele finb auf foldje ererbte jtt« rütfjufüljren. SBon einer Dteilje von Ärantljeiten Wiffen wir fogar ganj beftimmt, baß fieinben meiften gälten auf Vererbung berußen unb ganje (Generationen Ijeimfudjen. ©er SßolfSmunb fagt: „(SS ftecft in ber ga« milie", unb leiber ßat er and) in biefer baS 9?idjtige getroffen. @0 unterfdjeibet man von berartigen erblidjen ©iSpofitionen bie rßeumatifdje, bie catarrbalifdje, bie fcropßulöfe, bie gidjtifdje, u. a. m. §at j. $. ber (Großvater ober ber 23ater an (Gidjt gelitten, fo muß ber 9iad)fomme immer gewärtig fein, von bemfelben ßeiben befallen ju werben; er ift jur (Gidjt bisponirt. ©aS (Gleidje gilt, wie gefagt, von bem fRßeumatiSmuS. von (Satarrßen, ©cropßeln, ©djwinbfudjt unb and) von gewiffen ©efdjledjtsfranfßeiteu. 20ian foll alfo nidjt um feiner felbft willen allein, fonbern audj mit §infid)t auf eventuelle 5Kad)fommen« fdjaft feine (Gefunbßeit ßüten, rcfp. Teilung ober Sinberung eines (erworbenen ober ererbten) SeibenS erftreben. (SS folgt barauS aber audj, baß man fid) bei ber ?IuSwaI)l eines (Gatten ober einer CebenSgefäßr« tin vor allen ©ingen von ©efunbljeitSrüdfidjten leiten laffen, uub nidjt, Wie bieS ja leiber nur ju oft gefdjieljt, bie (Sljefdjließung ju einer rein 405 gefd)äftlid)en Jran«action perabwürbigen follte. Gntweber ift ber Sßater ober bie SJlutter tränt unb überträgt ein erworbene« ober ererbte« Selben auf bie ftinber, ober gar finb beibe (Sltern tränt unb päufen bann ipre ge* meinfcpaftlidjen (Gebredjen in bem finblid)en ©rgani«mu« an, ber feiner* feit« biefe $ranfpeit ober £)i«pofition weiter vererbt, wenn e« ipm burd) eine ftrict geregelte SebenöWeife nid)t gelingen füllte, bie ober J)i«pofition in feinem Körper 311m (Srlöfdjen 311 bringen, ßn foldjem g-alle wirb, wie gefagt, bie föranfpeit, wenigften« al« $ranfl)eit«anlage, bi« in fpäte (Generationen 31t verfolgen fein. 2ßer alfo an einer fepweren föraufpeit leibet, follte überhaupt lieber nid)t peiratpen, unb wer ju einer $rantpeit bi«ponirt ift, follte nicht ver* geffen, baß bie ipm eigentpümlidje, wie jebe aubere ®ranfpeit«anlage eine« großen Jpeil« iprer $raft beraubt wirb, wenn man eine gefunbe ißerfon peiratpet. (Siu rüprenbe« S3eifpiel von freiwilligem 25erjid)t auf ba« pöcpfte Seben«gliicf (ber (Spe), ba« jugleid) erläutert, wie and) eine vernünftige „Oudjtwapl" jur SBerwifdjung erblid) fortlaufeuber viel bei* trägt, wirb au« bem Jorfe Jenna im fcpweijerifdjen Danton (Graubünben berichtet. Seit Oapren perrfepte unter ber bie Bluter* franfpeit, ein erbliche« Selben, ba« fid) burd) fpontane Blutungen ober eine franfpafte Steigung 311 lcben«gefäprlidjen Blutungen bei ber geringfteu SSerlepung äußert. JSou biefem Seibeu ift befannt (fo bunfel ba« 31'efen unb bie (Sntftepung biefer tranfpeit fonftnod) finb), baß weift nur Knaben biefe tranfpeit ererben, baß aber bie Vererbung pauptfädjlid) burd) ba« Weibliche (Gefcljtecpt erfolgt, beim man pat beobachtet, baß „Bluter", bie fid) mit Siidjtbluteriimen verpeiratpeten, in ber Siegel feine hinter ju 9iad)fommen paben, wäprenb bie Jödjter von Blutern, obwopl felbft von ber tranfpeit verfdjont, faft immer „blutenben Äinbern" ba« Seben gaben, and) wenn ber Sßater fein hinter war. So befdjloffen beim bie Öung* franen von Jenna eine« Jage« fammt unb fonber«, fid) nie ju Verpeiratpen, unb feit fid) bann bie vorpaubeneninännlid)en S3luter mit gefunben grauen verepelid)ten, blieb bie jene« Jorfe« Von ber genannten $ranf* peit, bie über ein fürd)terlid) gepauft patte, faft ganj ver* fdjout. 3nm völligen Crrlöfdjen gelangte bie tranfpeit freilid) nid)t, unb bie Anlage ju ber tranfpeit vererbte fid) jebenfall«, wenn and) unbemerfbar, Weiter. ber Sßapl eine« Seben«gefäprten laffe man alfo, nodjmal« gefagt, vor allen Jingen (Gefuubpeit«rücffid)teu beftinmieu. SJiau frage fid) 311* vörberft, ob man felbft, unb ob ber ober bie (Srforene gefunb ift. 33ernei* nenben galt« ift bi« 3ur (Genefnng 311 verfdjieben. Oft biefe eine unvollftänbige, b. p. pinterläßt fie eine Ji«pofition ober $raiifpeit«an* 406 läge, ober war fdion eine foldje (erworbene ober ererbte) vorpanben, bann überlege inan fiel), ob bie XiSpofition 311 peiratpen geftattet. ßn zweifel- haften Fällen ift unbebingt ein tüchtiger Slrjt ju 9?atpe ju ziepen. (Srfcpeint bie (Spefdjließung zuläffig, fo peiratpe man feine welche bie gleiche ÄranfpeitSanlage hat. Sind; baS peiratpen von S3lutsverwanbten hat ju unterbleiben, benn abgefepen von ben erblichen ©ebreepen ber betr. Familie, weldje babitrcp vereinigt werben, haben fiel) (Spen Jlvifdjen 53lutS* verwanbten, befonberS bie jwifd)en ®efd)Wifterfinbern, jwifdjen £>nfel unb Nidjte unb jwifdjen Xante unb Neffe, burd)fd)iiittlicp als nachteilig für baS leiblidje unb geiftige 2öol)l ber Nacpfommen erwiefen. ßinber, bie mit einer ererbten förantpeitSanlage jur SÜelt gefommen finb, müffen aber gleid) von ®eburt an mit befouberer Sorgfalt gehegt unb gepflegt werben, 1111b jwar nid)t nur um bie franfpafte Einlage im $inbe felbft, fonbern and) in beffen eventuellen Nadjfommen möglid)ft ju unterbrücfen. Bur Belehrung ber Familienmitglieder felbft unb beS SIrjteS lege man aber bei ber §eiratp ein „Stammbud)" an, in weldjeS man bie eigene XiSpofition unb bie ber ©attiu einträgt. 3n baSfelbe 2htd) finb and) alle ßtantpeitSfälle, bereu man fiel) aus bem Beben ber Voreltern erinnert, unb folcpe, weldje fiep fpäter in ber Familie ereignen, nebft bem Verlauf ber Äranfpeit (gepeilt ober niept vollftänbig gepeilt) einzutragen. @0 entftept mit ber $eit eine lücfenlofe Familien«®efuubpeitS* bejw. $rantenge« fd)id)te, aus welcher bie Familienmitglieber unb ber Slrjt wichtige Finger- zeige bejüglid) ber Feftftellung einer geeigneten Bebensweife ober einer etwaigen (aus ber FamilienbiSpofition entfpringenben) fepöpfen tonnen. lieber bie Urfadjen ererbter ®rantpeiten wäre nod) nadjzutragen, baß bie betr. Ärantpeit niept immer von ben Eltern perjuleiten ift. Sinb bie lederen gefunb, fo tann boep baS $inb bereits traut baS Vid)t ber SBelt er« Mieten, wenn bie ©ntwidlungsvorgänge beS Neugeborenen (im Nlutter« leibe) falfdje waren. (Sine fonft gefunbe SNutter tann and) ein trautes Ä'inb gebären, wenn fie gerabe wäprenb ber<Sd)Wangerfd)aftertrantt. 5llfo feib beputfam, 3pr werbenben DNütter !*) SB i e e r f e n n t man, b a jj man traut i ft ? 3vt allgemeinen lägt fid) fagen, bafj ®efunbpeit unb Üranfpeit fiel) burd) ©emeingefüple bemerfbar madjen, weldje als Söoplbepagen refp. Unbehagen ober «Scpmerj Zum SluSbruct tommen. ßepteve, baS Unbehagen unb ber Scpmerz, finb immer ein fidjereS Beidjen, baft fiel) in nuferem Körper ein trantpafter ''ßrocejj vollzieht. SBie aber bie Stärte biefer beiben (Smpfinbungen nie ein verläßlicher DNaßftab ift, iiad) weldjem wir opne weiteres bie ®efäpr« *) SiäljercS barüber f. ben im fltcüficn Verlage erfdücnenen „Svecialarjt für grauen." 407 licljteit eineß tfeibenß beftimmen fönnten, unb wie ber beß Sdjmerzeß nid)t zugleich ber Sifc ber betr. Srantljeit fein muff, fo ift baß allgemeine Wohlbehagen feine nnbebingte (Garantie bafür, bajf Wir vollftänbig gefnnb finb. 9?ur in feltenen gällen jeigt fiel) eine Sranfheit fd)on im erften (Stabium beß (Eiitfteljenß bnrcf) Störung beß allgemeinen förperlidjen Ste* Ijagenß an. Wir fönnen nnß alfo wol)l befinben unb habet bod) eine Sranfljeit - im Seime - in nnß herumtragen, b. I). wir merten jumeift nidjtß bavon, wenn ein frant'hafter in nnß feinen Anfang nimmt. ©aß erflärt fiel) barauß, baff nuferem ®emeingefitl)l gewiffe ©renjen gefept finb. ©aß= felbe ift nicht fein genug, um unß bie Vorgänge in ben gellen jur (Empfim bung ju bringen. (Erft wenn bie djemifdjen unb anatomifdfen (Störungen bie ®ewebe angegriffen Ijaben, (teilt fid) Unbehagen refp. Schmerz ein. 2(uß bem gleidjen ®runbe merten wir nidjtß bavon, wenn wir eine Srante beitßanlage erworben ober ererbt haben. (Sine ©ißpofition hat ihren Sit3 in ben gellen; fie ift eine vorübergeljenbe ober bauernbe, von ber normalen 4Befrf)affenl)eit abweidjenbe (Sigentl)ümlid)feit ber Bellen, ™ golge bereu ledere zeitweilig (biß zum (Eintritt ber „®elegenl)eitßurfadje") ober forte wäprenb für verfchiebene ober ganz beftimmte Srantljeiten empfänglich finb. So lange bie franfljaften Vorgänge im Sörper fid) auf bie Bellen be- fdjränten, befinbet fid) bie Sranfljeit im latenten ißuftanbe. 9?od) madjt fid) baß Reiben burdj feine S r an fheitßerfd) ein ungen ober S l) m p t o * m e äufferlid) bemerfbar ober fühlbar, b. I). bie Srantljeit fteljt im SSorberete tungßftabium („Bncnbationßzeit"). Sdjmerz unb Unbehagen, biefe auto- matifd)-reflectorifd)en „Warnungßfignale", weldje melben, baff in nuferem Sörper ein abnormer Vorgang ftattfinbet (f. <S. 223), finb aber in ber Siegel bie erften für ben ßaien bemerfbaren Srantheitßerfdjeinungen. 3U ihnen gefeiten fid) früher ober fpäter nod) anbere, objectiüe Symptome, welche fid) and) von anberen erfennen laffen unb in 3lbweid)itm gen von ben normalen phpfifalifdjen ober phpfiologifdjen (Eigenfd)aften ber betr. (Sewebe ober Organe ober beß gefammten ©rganißmuß befteljen. ©ie pl)i)fifalifd)en (Eigenfd)aften, Wie gorm, ®röffe, Gonfiftenj, garbe, u. a. m., ober bie phpfiologifdjen Ethnien, $erjtl)ätigfeit, Stuhlgang, u. f. w., zeigen fiel) auffallenb üeränbert, unb an ber £>anb ber fubjectiven Symptome (Unbehagen ober Sd)merj) unb ber pl)l)fifalifd)en unb functionellen Sranff)eitßjeid)en (einfd)lieff(id) beß gieberß) ober auf ®runb einzelner berfelben läfft fid) bie 3)Jel)rzal)( ber Srantljeiten erfennen. ßn mand)en gällen ift aber eine fichere © i a - g no f iß, b. i. geftftellung ber Srantljeit, überhaupt nicht möglich, unb in vielen gällen bebarf eß bazu nod) anberer - d)emifd)er unb mifroffopifdier 408 - 33eobadjtungen. Oie Gljemie liefert uns bie SDtittel, bie djemifdjen Störungen im Organismus feftjuftellen, unb unter bem SJiitroffop ver= mögen mir bie anatomifdjen 53eräiiberungen ju beftimmen. Oie djemifdjen unb mitroffopifdjen Unterfudjungen finb (neben ben unb Sempera* tnrmeffungen; f. Trantenpflege) bie juverläffigfte SDlettjobe, eine Trant* Ijeit ju erforfdjen. 3m ©egenfafc jur OiagnofiS, bem Urtljeil über baS Sefen einer Trautheit, nennt man baS Urtljeil über ben vermeintlidjen SluSgang einer Tranfljeit r 0 g n 0 f i S. 53on ber OiagnofiS unb ber weiteren Beobachtung beS Patienten l)ängt bie Beljanblung (Therapie) ab, b. I). bie Slrt unb Sßeife, mie man bie Trautheit betämpft. SöaS bie djirurgifdjen Trautheiten (ein* fdjliefjlidj ber Singen*, Ohren* unb TeljltopfStrantheiten unb (Geburten) an* betrifft, fo vermag ber Slrjt in ben meifteu fallen bie TrantljeitSurfache ju heben, bejm. Teilung ju verfdjaffen. Bei ben inneren Trautheiten be* fteljt bie Beljanblnmg aber Ijauptfädjlidj in ber Befeitigung von Schmerjen, Sdjlaflofigteit unb anberen läftigen TrantheitSerfdjeinungen unb in ber Slbljaltung weiterer Sdjäblidjteiten vom Tranten (geeignete Oiät unb pflege beS Patienten). Oie Teilung ber inneren Trautheiten hängt ba* gegen in erfter ßinie von ber Statur ab. Sdjon vor 2000 fahren fagte §ippotrateS: „Oie Statur ift cS, weldje bie Trautheiten heilt." Sind) heute nodj hat biefer SlnSfprudj aller gortfdjritte, weldje bie mebicinifdje SBiffenfdjaft gemacht hat, feine Berech* tigung. So tann ber Slrjt j. SB. bei Suiigeuentjüubung nichts weiter tljun, als feinen Patienten mäßig marine unb fendjte Vuft einathmen laffen unb baS fieber rebuciren. OaS übrige wirb von ber Statur beforgt, inbem biefe baS ßpfubat, meldjeS au§ ben ßungencapillaren in bie VungenbläSchen auSgefdjmipt worben mar unb hier gerann, mieber ju einer (eiterartigen) glüffigfeit ermeidjt, meldje bann auSgeljuftet ober aufgefogen mirb. $ei ber Öungenfdjminbfudjt ift redjt moljl Teilung möglid). Oer Slrjt tann biefelbe aber nur (burdj biätetifdje bejm. hhflieinifdje SSorfdjrif» ten) förbern, mäljrenb bie Teilung ganj unb gar von ber Statur abhängt, ßntmeber gebietet fie ber eiterartigen SSermüftung ber ßunge plöplid) unb unerwartet Einhalt, ober fie vei'hinbert baS weitere Umfichgreifen ber 53er* eiterung, inbem fie im Unitreife beS fdjwinbfüdjtigen SungentljeilS eine fefte, narbige SJtaffe bilbet, iveldje fiel) als unjerftörbare ®renje jlvifdfen bie tränte unb gefunbe ßungenpartie einlagert. Oiefe fefte SDtaffe entfteht (wie beim Splitter; f. (Sntjünbung) bnrd) SluSfdpviljung einer welche bie 53eranlaffung jur 53ilbung neuen 53inbegewebeS ift. So allgemein, wie bie ber Statur rühmte, tönnen wir baS aber freilich nicht mehr tljun. 5Bir miffen heute, bafj bei ber SStehrjaljl ber djirurgifdjen Tranfljeiten ärjtlidje Eingriffe erforberlidj finb, 409 unb baß oljrte eine geeignete Ärantenpflege niemals bei erpeblidjen ®ranf* Reiten eine vollftänbige ©enefung möglid) ift. Sßir wiffen ferner, baft and) bei inneren Äranfpeiten bie 91atur nicpt immer bie eingetretenen Störungen 31t befeitigen vermag, unb bafs ein tücptiger and) bei inneren ftrant* Reiten bnrd) Slrgeneien nidjt nur auf 91ebenerfcpeinungen, fonbern and) bi* rect auf bie Äranfpeit#urfad)e peilenb einwirfen Tann. Söir wiffen fd)lieft* lid) and), baft bie 9iatur einer ftranfpeit gegenüber immer madjtlo# ift, Wenn ber Körper gefdjwäcpt, bie Conftitution eine fcpwädjlicpe ift. Tie ® r u n b b e b i n g n n g b e r ® e n e f u n g i ft, baft bie 91 a t u r b e # Oranten genug SB i b e r ft a n b ö f ä l) i g f e i t be- f i (51, bie Angriffe ber $ r a n tp e i t a u § $ u t) a 11 e n. SBir Raben im Verlauf biefe# Slbfdjnitte# brei verfcpiebene $rant* Reit#anlagen Tennen gelernt. Tie eine bilbet fid) bnrd) S3ernad)läffigung be# Körper# nnb giebt unter einer ®elegenpett#urfad)e S3eran(affung ju einer ßrfrantung. Tie jweite ift bie $olge einer (nicRt vollftäubig gepeilten) Ärantpeit nnb bie britte wirb bnrd) Vererbung er* worben. Sitte biefe brei Ti#pofitionen fallen unter ben ber (5 o n ft i t u t i o n, weld)e, wie wir wiffen, „eine Slbweicpung von bem ®teid)gewid)t ift, in bem alte Ä'örpertpeile ftepen füllten" (f.S. 73). Tiefe 3lbweiri)nngen von bem normalen ®Ieid)gewid)t be# Körper# finb immer auf (bnrd) Veben#weife, $lima, u. f. w.) erworbene ober auf ererbte Ti#* pofitionen jurüdjufüpren. 3eber 9)lenfd) Rat wopl einmal feinen Körper „vernad)läffigt" ober eine trantpafte Slnlage von einer jurürfbe* palten ober irgenb eine franfpafte Sdjwäcpe au# ber Dteipe feiner S3or* fapren übernommen. $ein SJlenfd) ift bemnacp in jeber Söejiepung voll* tommen gefunb. (5# mag ba# übertrieben Hingen; aber e# ift bennod)wapr. 3m Saufe ber SSererbung bnrd) 3vRvRunberte fd)Wäd)en fid) bie Ttpofitionen ju einem unmerflicpen ®rabe ab, nnb wäprenb be§ Sebent beö einzelnen 99ienfd)en fann nidjt nur eine Tispofition refp. donftitution erworben ober verftärft, fonbern and) verminbert ober (leptereS freilid) feiten) ganj ge* tilgt werben. Tie meiften Ttpofitionen finb ipreö tranfpaften ßparac* teit fdion beraubt worben nnb geben fid) nur nod) im Temper a ment nnb gewiffen 3 & ' v f p n c r a f i e n funb. T)a$ Temperament eine# SWenfcpen iftbieipm (bem 9J?enfcpeu) eigen* tpümlicpe fReijbarteit feine# 9iervenfl)ftem# äufteren (Sinbrütfen gegen* über. (5# ift Har, baft eine ober Viel mit ber Stimmung be# 991enfd)en ju tpun pat. (Sin trauter ift miftgeftimmt, mürrifd). Sind) bie ?eben#weife nnb *verpaltniffe wirten bauernb auf bie Stimmung be# fülenfcpen, nnb fo lend)tet e# wopl ein, baft bie Tempera* mente urfprüngtid) au# erworbenen Ti#pofitionen (in von SSernad)* 410 läffigung beS TörperS, tlimatifdfen 23erhältniffen, 2ebenSWeife, tt. a.in.) entftanben unb fiel) wäl)renb bet langen Tette ber menfd)lid)en (5ntwicf= hing aus (Somplicationen neu erworbener unb ererbter TranfheitSanlagen weiter umbilbeten. TaS Temperament ift im @runbe nur eine 2leuße- rung ber Sonftitntion. 23ezeid)net man mit Temperament bie 9?eaction beS NeroenfpftemS auf äußere (Sinbrütfe, fo nennt man Obiofpiicrafien eine eigentljümlidje (Smpfänglidjf'eit beS TörperS für beftimmte äußere fReije unb (Sinflüffe mit Erzeugung beftimmter unb eigentümlicher (Srfdjeinumgen burd) bie- felben. Bn ben 3biofpncrafien gehören 3. 23. bie 2lnSfdjläge (Neffelfud)t), welche manche 2eute nad) bem ®enuß beftimmter Nahrungsmittel (Trebfe, (Srbbeeren, 11. a. in.) befummelt, ferner uiiüberwinblid)er SÖJiberwille gegen gewiffe Speifen unb Töne (Neiben non Sanb, baS ®eräufdj beS feft auf bie Sd)iefertafel gebrüdten unb bewegten Stiftes, u. a. 111.) Sind) bie Bbiofpncrafien finb fidferlid) folgen eigentümlicher TiSpofitionen, was fd)on barauS hen,orgel)t, baß mit bestimmten Trautheiten beftimmte Obiofpncrafien uerbunben ju fein pflegen (3. 23. mit ber Sd)Wangerfd)aft eigentümliche, fogen. „®elüfte" ber Schwangeren). 2(nS bem ©efagten geht hervor, baß für ben 2(r z t fein Umftanb im 2eben feines Patienten zu geringfügig ift, baß er ißn nidjt in ben Treis feiner 23ered)uuug zöge, unb baß er vor allen Tiugeit auf bie (Sonftitution eines Traufen Nüdfid)t nehmen muß, unb jwar fowoßl bei ber Tiagnofe, als and) bei ber 23ehanb(ung. ®ar mancher Slrjt begnügt fiel) bamit, fid) bie Bunge beS Patienten aujufehen unb ben zu fühlen. TaS ift nidjt ber red)te Niann, bem mau feinen Veib aiwertrauen füllte, ©in gewiffem hafter Slrjt erfunbigt fid) genau nach ber „$amiliengefd)id)te", nad) bem Vorleben unb ben 23erf)ältniffen (2ßof)nung, 23eruf, u. a. m.) feines Patienten uub biagnofticirt nirfjt bloß auf ®runb ber ©pmptome. SBiele Trautheiten haben biefelben <Spmptome, uub ein unb biefelbe Trautheit ruft oft ganj oerfd)iebene Tranfl)eitSerfd)einungen hevüor- n^eu Tingen bat aber ber wie gefügt, bie (Sonftitution feines Patienten 311 berücffictjtigen. Ter 2113t l)at ferner mit ber (Stimmung (refp. bem Temperament) beS Traufen ju rechnen. (5r hat gleid)wol)l beftimmt aufjntreten unb nie Unfd)(üffigfeit $u geigen. TaS SSertrauen beS Patienten wäre baburd) üerfdjeqt, unb gerabe biefeS ift ein höcbft wichtiger* Factor bei ber Teilung Don Tranfl)eiten. (Sin Patient, ber von ber ©ewiffenhaftigteit unb @e* fd)icflid)feit feines 2lrjteS überzeugt ift, lebt ber Hoffnung, baß er genefen wirb unb folgt willig ben ärztlichen 2lnorbiiungen. 2ehtereS ift nnbebingt nötlpg zur Teilung, unb bie Hoffnung förbert biefelbe be* beutenb. 411 SRan [oll aber and) nid)t gleid) baS Vertrauen 311 bem einen berlieren nnb fofort einen anberen 3U 9tatl)e jiefyen, wenn bie ©enefung fiel) ljinauSjietjt ober gar ganj ausbleibt. ©er tüdjtigfte Slrjt bermag ja betanntlid) oft nidjtnieljr, weitere ©djäblidjteiten abjuljalten. £)l)ne bie Unterftütjung ber 9?atur ift bie Tunft madjtloS. 2Bie fdjon in ber Einleitung jumbritten Tapitel tjerborgefjoben würbe, ift ber 5(rjt aber faft immer im ©taube, Trautheiten 3U bereiten. & r a n f- feiten bereuten i ft I e i dj t e r a (S T r a n f h e i t e n heilen, nnb barum foll ber Slrjt auch feine Hauptaufgabe barin fachen, Er- franfungen ju berhinbern. ©iefe Aufgabe erfüllt er, wenn er ben Vaien mit bem 53au nnb ben natürlichen ©hötigfeiten beS menfdjlidjen TörperS betannt macht, iljm bie (gefahren jeigt, welche unferen Organismus be- broljen, nnb ihm jugleid) ben SBeg angiebt, wie er biefe gefahren - burd) eine bernünftige £ebensweife - bermeiben fann. Erft in jweiter Vinie fteljt baS 33ehanbeln bon Trautheiten. hierbei hat ber 9Irjt borerft bar- nach 311 ftreben, bah bie Trautheit bollftänbig geheilt wirb, (gelingt baS nicht, bann muh ber 5Ii'3t wenigftenS bie, in Folge ber Trautheit ent- ftanbene ©ispofition möglidjft 3U unterbrücfen fudjen. ©aS ©leidje gilt bon ben ererbten unb and} bon jenen (burd) Sßernadjläffigung beS TörperS) erworbenen ©iSpofitionen, welche nur ber ®elegenheitSurfad)e harren, ©obatb eine ©ispofition bermutljet wirb ober conftatirt ift, muh gegen fie angetämpft werben. Eine ererbte TranfheitSanlage muh bon (Jugcnb auf unb eine burd) Sßerhältniffe, 23eruf, u. f. w. berurfadjte ©d)Wäd)uug beS TörperS fofort, nadjbem fie bemerft worben, 3ubefeitigen berfudjt wer- ben, gleichwie bie burd) Trautheit beranlahte ©ispofition 3U fdjwädjen ift, fobalb fie erfannt wirb. ©ie ©auer unb bamit and) bie ®ehanblung ber meiften Trautheiten ift auf eine beftimmte $eit befdjränft. 9iidjt fo ber Tampf gegen einige (chronifdje) Trautheiten, weldje fid) burd) baS ganse £eben gegen unb gegen ©iSpofitionen. Um biefe Trautheiten unb bie TrantheitSanlagen ihrer ©efährlidjfeit 3U berauben, muh wan feine SebenSweife immer mit SRiicffidjt auf baS betr. Reiben refp. bie Tranfl)eits= anlage einrichten unb eüentuell nod) burd) geeignete Slqeneien ben Törper in feinem gingen mit bem f)eimtüctifd)en ®egner unterfingen. Einer foldjen- gewiffenhaften-Sluffaffung ber Pflichten üerbanft biefeS 23nd) feine Entfteljung. Sius feinen beiben erften Tapiteln erficht ber Vefer, wie ber menfd)(id)e Törper 3ufammengefefct ift, unb weldje feine (natürlichen) Functionen finb. ©aS britte Tapitel 3eigt, wie ein ge« funber HJienfch oernünftig leben unb baburdj Trautheit bermeiben tann. ©iefeS, baS bierte Tapitel enblid) giebt ihm 9iatl), wie er ficf) an ber £Sanb 412 ber, aus ben anberen Kapiteln erworbenen $enntniffe felbft tjelfen fann, falls er erfrantt ober eine ©iSpofition erwirbt ober ererbt Ijat. Bum Sdjluffe bicfeS Kapitels bringt ber SSerfaffer bann nod) 9lnwei« fmigcn, wie matt fiel) eine £wnSapotI)efe gufammenftellen, bejw. eine von iljiii auSgeftattete efe benutzen fall. GS ift in fireifen viel bariiber geftritten Worben, ob man bem Saiett SDicbicamcnte jur eige« neu 2IuSWal)l überlaffcn foll. ©er Sßerfaffer ift ber 2lnfid)t, bajj bieS mir 311m Segen gereidjen fann. §aiiptfäd)lid) bei langwierigen Reiben, bei 9iad)franf()eiten nnb bei ©ispofitionen vermag ber Patient red)t woljl feinen richtig 311 biagnofticiren 1111b bie geeigneten SDiebicamente an$3ttWäf)len. GS ift babei natürlich bafj fid) ber Patient wcnigftenS mit bem 33au nnb ben Functionen beS menfcplidien fiörperS nnb bem Söefen unb ben Grfdjeinnngen feines Reibens befannt gcniad)t ljat. Unb baS vermag er bei jenen firantbeiten nnb ben ©ispofitionen aus ber Vectüre eines guten populärmicbicinifdjen 33ud)e$ red)t gut. 3n mandjen Fällen ift freilid) bie £>ülfe eines SlqteS nnbebingt notljwenbig. ©ann fann aber ber Sefer ans biefem 33ud)e WenigftenS bariiber fdjöpfen, was er bis jur ?lnfuuft ju tljun I)at, um bis baljin baS liebel nidjt fdjlimmer werben 31t taffen, ober ber ßefer fann, wenn er fid) über gewiffe fünfte nidjt flar wirb, fid) an ben SSerfaffer wenben, ber itjm ebenfo offen nnb gewiffenljaft antworten Wirb, wie er eS im allgemeinen in biefem £htd)e getljan I)at. Gine fixere ©iagnofis 311 madjen, ol)iie bafj man einen Traufen perfönlidj unterfudjt l)at, ift möglid), wenn ber Patient mir alle ilranfl)citSerfd)einnngen unb irgenbwie beinerfenswertljen Um= ftänbe aus feinem Vorleben nnb bem £eben feiner Voreltern getrenlid) fd)ilbert nnb bei mandjen Äranfljeiten Objecte für bie d)emifd)e unb mifro» ffopifdje Unterfudjung (3. 33. £>arn, eiterige ®ewebstt)eile, n. f. w.) mit« fenbet. ©es SSerfafferS 2Infidjt be3Üglid) ber FrQ9e/ h'ie feni eigener ?lr3t fein fann, wirb von mandjem feiner Gollegen angefod)ten, aber and) von vielen tiid)tigen ?Ier3ten geteilt. SDlit ruhiger 3nverfid)t überläfjt es ber 3>erfaffer bem publicum, fid) felbft über jene Fvage ein Urtljeil 3U bilben. ©ie SDlel)rl)eit wirb fidjer auf feiner Seite fein unb ben Segen für bie ?ll(gemeinl)cit ermeffen, ben biefeS 33nd) ftiften fann. SDiöge bemfelben beibeS - bie beS öaieiipiiblicmnS nnb bie ®e- legenljeit, GhiteS 311 ftiften - in weiteften Greifen 3U ttjeil werben. 413 J)ie ßänsftdje Xtraiilu'itpfl'eße. ©te Äranfciwftcge unb bie 23et)anblunfl toon Ärnnfheiten. ©er Äranfenlvärtcr unb ber Trante, ©aä Ä'rantenjtmmer. ©te ßranfenfoft. ©te hütWtfäd)lidjftcn ft'ranf= hcibScrfchetnunflcn. ©a5 von SOfcbtcinen unb bie d)irutflifcßett Stufgaben be§ Äranfentvärtcrä. Oie §auptbebingung ber ©enefung ift, baf$ bie Statur beS Traufen int Staube ift, bie Slugriffe ber Ärantfjeit auSjußaltcn. OaS mirb um fo eljer ber $a(( fein, je nieljr mir bie Statur in biefem Kampfe unterftüljcn, b. I). je meljr mir beut Körper eine feinem Reiben angepaßte pflege jntljcil merben taffen. (Sine geeignete ßrantenpftege ift - bei ben weiften Äranh feiten - baS üorjüglicpfte SJiittel, eine vollftänbige Reifung reu; fie ljilft ber Statur, bie Straufljeit ju befiegen. 53ier Momente finb eS, meldje man bei ber pflege eines trauten Kör- pers Ijauptfädjlid) im Singe beljalten muß: (SrftenS fjat man bcm ertranf* ten Organ befoubere Sdjonung ungebeten jn taffen; einen fdjledjten Süiagen fall man uidjtmit fdjmer verbaulidjen Speifen belaften unb eine tränte Vituge mit tatter ober unreiner Vnft verfdjonem ift bcm trauten Organismus überhaupt eine forgfältigere pflege mm Siötpen, als bem gefunben; ber traute ljat fidj ritljig 311 Verhalten unb alles Unge= moljute 311 vermeiben (feine SlbßärtungSepperimcnte, it. a. m.). OritteuS finb von bem Patienten alle fcpäblidjen (Sinflüffe abjuljalteit, unb jmar vor allen Oingen biejenigen, meldje bie $rantl)eit veranlaßt tjaben ober uodj unterhalten; fo barf ein trauter nidjt ber Zugluft, ber §i(5e ober (Se* mütljSbemegungen auSgefept merben, unb ift 3. S3. bet iveldje übermäßigem XabatSgemiß juvtfdjrciben finb, letzterem Vollftäubig 31t entfageu. Sdjließlidj müffeu bem Patienten aber and) bie SebenSbe* bürfuiffe in jmetfmäßiger Sßeife jngefiiljrt merben; baS Äranfenjimmer ift geljörig ju lüften, bie SlatjrungSmittel finb in geeigneter SBeife jujube* reiten, it. a. m. Serben alle aus bem ©efagten tjervorgetjenben SEorfdjriften für bie pflege eines trauten befolgt, bann tarnt bie Statur beS Patienten iljre ganje SKiberftaubSfäßigteit bem Stnfturm ber ß'ranttjeit unb es bebarf in vielen gälten feiner Slrjencimittel; es genügt bann eine rein b i ä t e t i f d) e 53 e I) a n b 111 n g ber Äranttjeit, bie eben in einer ge- eigneten Sßflege beS Oranten befteßt (f. ®. 408). Slber and) menn ber Slrjt äußere (djirurgifdje) (Eingriffe madjeii ober Strjeneien, b. I). innere •Mittel anmeubenmuß, bleibt eine paffenbe nodj bebingung ber ©enefung. *)ev biätetifdjen 53el)anbtung ber $rant* tjeit gefeilt fid) bann bie d) i r ur g i f d) e refp. m e b i c a m e n t ö f e, unb 414 in biefem gälte ßat bie ißr Slugenmert nid)t nur auf bie 2luSfiißrung ber biätetifdjen refp. ßl)gieinifd)en 33orfd)riften, fonbcrtt aud) barauf ju ridjten, baß bie Sßunbe bejw. operirte Stelle geßörig beßanbelt, ober bie betr. Slrjenei gemäß ber ärjtlidjen 2lnorbnung bargereidjt wirb. (Sine geeignete Ä'ranfenpflege ift alfo bei ben meiften $ranfßeiten bas vorjüglidjfte Mittel, ©euefung ßerbeijufüßren, unb bei allen Äranfßeiten eine wefentlidje 33ebingung ber Teilung. $ann ber Patient (j. 33. bet 9?ad)franfßeiten) fid) frei bewegen, fo bebarf eS ju feiner pflege feiner jweiten ''ßerfon. ©er Traufe vermag fid) felbft ju pflegen, iubem er ben 33erßaltiiugSVorfd)riften beS SlrjteS (refp. biefeS Kapitels) nadjlebt. 3ft jebod) baS Seiben ein fold)eS, baß ber Ä'ranfe, wie j. 33. bei allen verlaufenben außer Staube ift, feinem Körper bie jur ©enefung unbebingt notßwenbige pflege jutßeil werben ju laffen, bann muß bem Patienten biefe pflege von attberer Seite jufommen. 33efdjräufte 23erßältniffe macßen eS oft unmöglid), einen Traufen orbeutlicß im §aufe ju pflegen. 3n einem foldjengall ift eS immer beffer, ben Patienten nad) einem guten ju fdjaffen, jumal wenn bie Ärantßeit eine gefäßrlkße, rafdj Verlaufenbe ober anftecfenbe ift $ann man aber einem Traufen red)t woßl bie nötßige pflege ju §aufe ange- beißen laffen, oßne baß man beffen ßebcn ober baS ber gmuSgenoffen in ®efaßr bringt, bann beadjte mau bie fölgeuben ?lnmeifungen fo genau wie möglid). ©er ÄranfcnttJärter ßat vor allen ©ingen jivci (Sigenfdjaften ju be- fitzen, meldje in äßulidjer Sßeife and) vom Slrjte verlangt werben; er muß eine beftimmte Summe mebicinifdjer fein eigen nennen unb verfteßen, fid) baS Vertrauen beö Patienten ju erobern. ©er Äranfemvärter muß Stenutniß von bem 33au, bett natiirlid)en ©ßätigfeiteti unb ben 33ebürfniffen be§ menfd)lid)cn Körpers ßabeu. (Sr muß ferner von bett Äranfßeiten beö fD?enfd)en unb bereu 3Öirfungeu auf nu- feren Organismus fo viel verfteßen, baß er aus getviffen $rantßeitSer* fdjeinungen auf 53eräuberuugett in bem 33efinben beS Patienten fd)ließen fann. ©er 2lrjt, ber nur ju beftimmten 3eiten am Äranfenlager weilt, ift auf fold)e 33eobad)tungeu feiteuS beS angewiefen. 3e genauer unb gewiffenßafter biefe 33eobad)tungeu gemadjt werben, befto flarer ift baS 33ilb, welfßeS ber 9lrjt von ber betr. Ärantßeit gewinnt. (SS ift babei natnrlidj vorauSgefept, baß ?lrjt unb Ärantenwärter fid) in voller Harmonie befinben. 9?od) weniger als aus Unadjtfamteit barf ber aus böfem SBillen bem Slrjte irgenb eine 33eobacßtung vorentßalten. ©aS Vertrauen jwifcßen Slrjt unb muß ein gegeufeitigeS fein. $ein Slrjt barf einem härter, von beffen 415 feit unb ®ewiffenl)aftigfeit er nid)t überzeugt ift, bie pflege eines Traufen übertaffen, unb fein Äranfenwärter barf etwas belfer wiffen wollen, als ber Arjt. ©er Äranfeuwärter hat ben ärztlichen Anordnungen genau unb unweigerlich nadjjufommen. £)egt ein Äranfenwärter Zweifel an ber ©üdjtigfeit eines ArjteS, fo barf er feinen 53ebenfen unter feinen llmftäiv ben in (Gegenwart beS Patienten SBorte verleihen. ©aS (Sinjige, was er tljnn mag, ift, bie Angehörigen auf bie (vermeintlidfen) Mängel beS ArjteS aufmerffam jn madjen, unb jwar, nochmals gefagt, ohne baf? ber Traufe birect ober inbirect baoon etwas erfährt. Am beften fleibet ber Traufen* Wärter feine 53ebenfen in bie gorm einer, an bie Angehörigen ober $reunbe beS Traufen geridjteten Aufforderung, einen jweiten Arjt ju einer Corn fultation mit bem erften heranjujiehen. (Sin gewiffenpafter Arjt, ber fid) bei einer fdpveren Äranfl)eit feiner <Sad;e nidjt ganj fidjer ift, wirb baS übrigens von felbft tljun. ©abei fommt aber and) bem eine gewiffe ©elbftftänbig* feit ju. Zn Abwefenheit beS ArjteS hat ber ju beftimmen, unb er fann in einem Augenblide ber ®efal)r (in Abwefenheit beS ArjteS) red)t wol)l auf eigenes ßrmeffen hin eine 23erfd)limmerung ober gar ben (Eintritt beS ©obeS abhalten. 3um 53eifpiel: 53ei ben meiften Äranf= heiten, befonberS bei fieberhaften, finten unb ©emperatur bei ©ageS» anbrud). ©er Äranfenwärter muß bas wiffen, unb um bie angegebene Zeit auf feiner §nt fein; er barf bann Weber fcplafen, nod) fid) von einer incompetenten vertreten laffen, unb muß in beftimmten Zeiträumen ben SßnlS fühlen unb bie ©emperatur meffen. SSerlangfamt fid) ber unb finft bie ©emperatur merflid), bann broljt (befonberS Morgens, b. h- etwa bret «Stunben nad) Mitternacht) bie ®efal)r, baß ber Patient ftirbt. ©er Äranfenwärter h«t bann feinem Pflegling fofort ein (grregungSmittel einjuflößen (3. 53. etwas 53ranbp ober SBein), ol)ne eine äqtlid)e 53orfd)rift ®ar mand)eS Menfdjenleben, baS anbernfallS ju retten gewefen Wäre, ift fd)on verloren gegangen, weil ber betr. Äranfenwärter in ber (entfdjeibenben) Morgenftunbe gefdjlafen ober nicht gewußt hat, wie er bie feßwinbenben VebenSgeifter jur D'tüdfehr jwingen fann. (Sin foll alfo außer ben Äenntuiffen von bem 53au unb ben natürlichen ©hätigfeiten beS menfdjlidjen Körpers noch mit ben I)auptfäd)lid)ften befannt fein, unb jwar nid)t nur um bem Arjte über etwaige 53eränberungen im 53efinben beS Traufen 53erid)t ju erftatten, fonbern and) um felbft in fritifd)en Augem bliefen (in Abwefenheit beS ArjteS) eingreifen 311 fönnen. ©ie jur Äranfenpflege nötigen anatomifdjen unb phpfiologifdjen Äenntniffe hat ber 5efer fiel) aus ben beiben erften Kapiteln erworben; bie hauptfäd)Iid)ften $ranfl)eitSerfd)eiiuingen finbet er weiter 416 unten gefdjilbert. 5?er aufmerl'fame tfcfer biefe« 33ttdje« fann affo redft woljl, wenn er and) bie anberen in biefem Slbfdjnitt gegebenen Sliileitun» gen jur Äranfenpflege befolgt, an bie (Stelle eine« profeffionellen Äran» fenwärter« treten, ©leidjwofjl wirb e« fiel) empfeljlen, bet fdjweren beiten bie ©ienfte eine« gefdjulten Äranfenpfleger« in Slnfprudj ju neljmen, wenn ber Vefer nidjt feine ganje Beit bein Uranien wibmen tarnt. Gin Patient, ber an einem fdjweren Veiben barnieberliegt, füllte nidjt einen einigen Slugenblicf allein gelaffcn werben. £)ie jweite §aupteigenfdjaft, weldje Wir von einem ßranfenwärter forberten, ift, baß er fidj ba« Vertrauen be« Patienten ju erwerben Vermag. £cr letztere muß immer fowoljl vom ?(rjte, al« audj vom Äraiifeupflegcr ber ©ewißljeit leben, baß beibe fein 33cfte« Wollen unb iljre Slbfidjt audj burdjjnfü breit vermögen. Um fidj ba« Vertrauen eine« Traufen ju gewinnen, fei man vor allen Gingen in feinem £ljun unb Soffen ftet« beftimmt. ®er Patient barf niemals Uiifdjlüffigfeit bemerfen ober beit Äranfenwärter in einem widj» tigen ber nachgiebig finben. Oft fidj ber Traufen» Wärter über etwa« int Unflaren, fo barf er bett Slrjt nidjt in (Gegenwart be« Patienten um fk'atlj fragen, £)a§ ganje Sefen be« Äranfenwärter« muß in beut Patienten einen foldjen Ginbrucf Ijervorrufen, baß ber Traufe unwillfürlidj folgt. Oft bie Beit be« Ginnehmen« von Httebicin ober be« Gffen« gefommen, fo frage man j. 33. ben Patienten nidjt erft, ob iljm ba« Ginneljmen ober Gffen geneljin. 9)iit einigen freunblidjen, aber beftimm» 'ten Porten reiche man bie üDlebicin refp. ba« Gffen bar. Verlangt ber Patient irgenb einen 33efdjeib, fo antworte man ebenfalls beftimmt unb jwar ohne viele« Bögern, felbft auf bie ©efaljr ljin, eine Unrichtigfeit ju fagen. Veptere« ift fogar gerabeju geboten, fall« ein fdjwer Grfranfter 2lnff(ärung über fein 33efinben verlangt. 2J?an barf einem Oranten nie» mal« nu feiner ©enefung auffommen taffen. 5?er Traufe barf nie mit 91 e b e n beläftigt werben. £)ie 9?egel foll fein, bajj ber Äranfe ein Gkfprädj beginnt, unb ift bavon nur abjuweidjen, weint man eine auf ba« Söoljlbefinben be« Patienten n o t Ij w e n bi g e ftrage ju ftellen ljat, ober Wenn ber Patient Beidjen von 9iiebergefdjlagen» Ijeit ober Aufregung funbgiebt. fragen, wie j. 33., ob ber Patient woljl fiiljlt, ob er Sdjmerjen ljat, u. a. m., fiitb faft immer überflüffig unb unjuläffig, weil fie ben Oranten ftet« an feinen Buftanb erinnern ober in iljm gar Ginbilbungen Ijervorrufen. 3ludj vernteibe man, fidj ju erfunbigen, ob alte« nadj Sßiinfdj be« Patienten ift (j. 33. ob ba« Äopffiffen redjt liegt, ob bie 33ettbecfe warm genug, it. a. m.). SD?an paffe auf, madje alle« redjt unb erwede, wie gefagt, im Patienten bie Ueberjeu» gung, bafj feine pflege in feiner 33ejieljung beffer fein fönne. 9iiir in 417 bem $alle ftnb fragen, lute bie obigen, geftattet, baß ber Trante bie ©pracpe verloren ljat unb fiel) vergeblicp bemüpt, fiel) burd) 3eidjen vcr= ftänblicp ju maepen. SDian überlege bann (aber fcpnell), Was ber Söunfd) beS Oranten fein mödjte unb ftelle bie betr. ftrage fo, baß ber Traufe nur 3U nieten ober bie Slugeuliber jn feilten pat. £>er Traufe ift nie plöplid) anjttreben. SBie baS jögernbe, ruefweife ift and) baS leife ©preepen juni trauten nnftattpaft. Vepterer Wirb ba- burd) gejiuungen, fiel) beim §ören anjuftrengen. Sind) 31t einer anberen barf man im uid)t leife reben, Weil ber Patient nid)t umpin faitn, auf baS ©eflüfter aufjupaffen, unb baburep auf bie $ol* ter gefpannt luirb. J)aS gefd)iept and), wenn vor ber Xpüre beS Äranfem jimmerS, aber immer noep im gwrbereid) beS Traufen geflüftert luirb, ober luenn man feine (Stimme Verftellt, b. I). berfelben einen unnatürlidjen „3iitpunlid)en" $lang giebt. Ommer taffe matt feine natürlicpe, luenn and) raupe ©pradje pören. 53eim 33 0 r l e f e n, unb baS gefepepe nur auf Verlangen beS Patienten, lefe man Weber 31t laugfam, nod) 31t rafcp; auep übcrfdjlage man nicptS, nod) unterbredje mau fiep im 53orlefen, inbem man einzelne Stellen für fiep lieft. Xmrcp alles baS luirb bem Traufen baS 3ul)öreii 3ttr Qual. Dlatürlicp ift im and) überlautes ©preepen, wie feber Värm überpaupt 3U vermeiben. 53efonberS luirb ber Traufe burd) ©eräufdje erregt Werben, Von betten er Weif?, baß fie leid)t vermieben werben tonnten. @S ift bafür 311 forgen, baß feine £püre fnarrt, feitt Sioulcau pim unb perfeplägt, u. f. w. £)er Traufe füllte feinen härter immer vor Singen p a b e n. Spridjt lepterer mit beut Patienten, fo füll er niept ftepen ober nniperwanbelii, fo bafj ber Patient feine Singen ober ben $opf erpeben muf? ober mit ben Singen refp. bem $opf bem umpergepenben härter folgen muß. £)er SÖärter pat auf einem ©tupfe, mit bem®efid)t ttad)bem Äratifeiibctt 3iigeluenbet, 3U fipett, fo baß ipn ber Traufe müpeloS anfepen unb pörett faitn. ©id) auf baS 53ett 31t fepen ober an baSfelbe 31t leptten (ober and) 311 ftoßen) mag ber Traufe nidjt leiben. 5Bäprenb man mit biefem fpridjt, fipe man rupig unb uuterlaffe jebeS ©eberbenfpiel. 3ft ber Patient rupig, fo fepe mau fid) fo, baß mau bett Traufen immer beobad)* teit faitn, bod) fdjaue man nid)t unverwaubt nad) ipm pin. 53efonberS läftig ift eS bem Oranten, Wenn er beim Öffeu unitnterbrqdjen beobadjtet wirb. $ft ber härter nidit mit ber befd)äftigt, fo bleibe er - im ©epbereid) beS Traufen - rupig fipen unb nepme irgeub eine geräufcplofe Slrbeit Vor, bie feine Slufmerffamfeit jebod) niept berart in-Sim fprttcp nepmen barf, baß er ben Äranfen barüber vergißt, ©ebftgefpräcpe pat ber härter 31t unterlaffen. 418 £)iefe Vorfdjriften über ba3 Spredjen unb Auftreten im Traufen« jimmer gelten nicht bloß für ben $ranfenwärter, fonbern für jeben, ber mit bem Oranten in Verüßrung tritt. 2llle Vefudjer, imb foldje füllten nur mit (Srlaubniß beS Patienten Vorgelaffen Werben, ljaben fid? rußig auf einen Stußl 311 fefjen, unb jwar fo, baß ber Patient ißnen müße« los in'S (Sfeficßt fefjen unb gußören fann. Oebe unnütze Vemerfung unb VcileibSbeseugung, bas (Jrjäljlen von äßnlidjen ÄranfßeitSfällen unb bereu Verlauf, baS (Smpfeßlen eines Heilmittels, einer anberen Heilmetfjobe ober eines anberen ArjteS, baS TZittßeilen unangenehmer SZadjridjten, turj alles, was nur irgenbwie bie 9?uße beS Traufen ju ftören vermag (alfo and) überlautes Spredjen, Xljürenjufdjlagen, Umßerlaufen im Rimmer, lebhafte ®eberben unb ©efticulationen) ift ju unterlaffen. Oft ber Traufe nidjt ju fdjwadj, fo fei eS ißm erlaubt, irgenb eine leidjte Vefcßäftigung (Sefen, Sdjreiben, Oeidjnen, Heine .'panbar« beiten) voquneßmen. Seetüre unb Sdjriftftücf bürfen aber ben (Steift beS Patienten meßt angreifen, unb ift überhaupt mit ber Vefcßäftigung fofort aufjußören, Wenn fieß bie geringfte (Srmübung bemerfbar marijt. Vei ber Auswahl ber Vefdjäftigung für einen Traufen berüeffießtige man aber and), baß bie Vefdjäftigung bem VilbungSgrabe beS Patienten einigermaßen ent« fpreeßen unb möglicßft viel AbweößSlung bieten foll. (Jineii Traufen, ber im umhergehen fann, hQHe man beim Umherwanbein nie an, benn eS foftet ißm bie größte Anftrengung unb Ueberwinbung, fteßen 31t bleiben unb jujußören. £)ie $leibung eines folcßen Patienten fei Icidjt (Unterßemb, Hemb unb barüber eine Oatfe aus leichtem Stoff; für bie unteren (gjtre« mitäten Unterhofe unb ein leichtes 33einfleib). £}ie Reibung eines an'S S3ett gefeffclten Traufen beftelje in einem 3J?erinounterhemb unb barüber einem gewöljulidjen SeljtereS fann für Patienten mit fdpvadjer S3(utcirculation unb falten (Sjtremitäten and) aus Flanell gemadjt fein, bod) ift ein foldjeS täglich ju Wedffeln unb mehrere Stunben lang ju lüften. And) bie Unterwäfdje füllte jeben £ag erneuert werben. £aS Aus« unb Anfleiben beS Traufen wit ber größten 93orfid)t ju gefdjeßen, befonberS bei Verlegungen. Um eS für ben Mafien« ten möglidjft bequem ju madjen, empfiehlt eS fidj Unterjacfen ju gebraudjen, welche vorn von oben bis unten offen finb unb burd) eine Sdjuur ober ein Vanb jufammengehalten werben. £>er allerforgfaltigften Schonung beim Umfleiben bebürfen aber Patienten, weldje an einem leiben. ®anj abgefehen von ben Sdjmerjen, weldje foldje Traufe in fyolge unfanf« ter erleiben, ift fchon mancher einfadje ßnochenbrud) burd) rauhes Anfaffen 311 einem complicirten geworben. 419 ©ie § a u 11l) ä t i g t e i t mufs immer rege erßalten werben, unb ba- ju tragen meßr nodj als bas £Bed)fein ber 2Öäfd)e 4) ä b e r unb 21 b r e i * bungen bei. 9J2an unterfcljeibet Ijeifce (99£° F.), lauwarme (80-95° F.) unb falte 33äber (68-77° F.). Reifte unb falte 33äber bürfen nur auf ärgtlidje SSorfdjrift unb genau nadj berfelben (ljinfüßtlid) Temperatur unb Tauer) gegeben werben. Ein lauwarmes $ab verträgt faft jeber Patient. (SS fällte etwa || ©tunbe bauern. 2Birb ein Patient gebabet, fo füßre man ißn, nadjbem man ißn entfleibet unb in ein geßüllt, rafcß jur 3ft biefelbe weiter entfernt (nidjt im traufen- ober in bem benadjbarten Rimmer), fo lege man bem trauten außer bem nocß eine ©ecfe über. ©aS fann ber tränte im £3abe umbeßalten. ©obalb letzteres beenbet, ift bas Tucß fallen refp. in ber •23abewanne jurücf ju laffen unb bem Patienten fofort bie ©erfe umjn- legen. ©er Patient muß unter berfelben abgetrodnet unb bann fofort in'S 4öett jurüctgebracßt werben, wo er fid) erft eine Steile auSjurußen ljat, eße er wieber angejogen wirb, traute tinber, welcße ficß vielleidjt vor bem IBaben fürdjten, werben am beften gebabet, inbem man bie mit einem Seinen- ober ftlanelltucß bebecfte, mit SBaffer gefüllte SBanne neben baS ÄBett (teilt, baS tinb bann auf baS Tmß fe£t unb leptereS langfam in baS SBaffer läßt, talte Söäber, weldje ebenfo wie falte Uebergießungen bie übermäßig erßößte törpertemperatur ber giebertranfen ßerabjufeßen ver- mögen, bürfen, wie gefagt, nur auf 2lnorbnung beS SlrjteS vorgenommen werben, unb ift babei ftetS forgfam auf 'jßulS unb Eigenwärme beS trauten ©badjt ju geben. S3ei fieber finb and) (aber nur nadj ärjtlidjer 23or- fcßrift) fencßte Einpa (Jungen von 9?ußen. ©abei wirb ber Pa- tient in ein feucßteS Sktttmß gewictelt, baS Vorßer in falteS TÖaffer (etwa 70° F.) getamßt unb bann tüdjtig auSgerungen worben war. Um baS 4öetttud) wirb eine wollene ©etfe gewictelt, ans weldjer ber tränte nur mit bem topf ßerauSfießt. ©urd) foltße Einpatfungen, Wenn alle Viertel« ftunben erneuert, wirb bie (yiebertemperatnr erßebjid) rebncirt. Säßt man aber ben Patienten länger (mehrere ©tunben) in ber Umhüllung liegen, fo wirb baburd) ftarte ©dfweißbilbung pervorgerufen. 91acß ber Einpacfung ift ber Patient orbentlirf) abjureiben, bod) pat man and) ßier wie bei ben Näbern immer bafür ©orge ju tragen, baß ber traute fid) nidjt ertältet. ©aS Slbtrocfnen finbe ftetS unter einer ©etfe, weldje ben törper beS trauten umljüllt, ftatt. Einpatfungen werben ßänfig aneß nur örtlid) angewenbet, inbem man ein Organ, beffen Temperatur man Ijerabfetjen bejw. erljöljen Will, j. £>als, Unterleib ober tnie, in ein feudjteS ßeintud) einfdjlägt unb barum einen wafferbitßten ©toff witfelt. Keffer als biefe (örtlidjen) Einpacfum gen eignen fiep für bauernbe 2lnwenbung von Sßärme auf ein ertrantteS 420 Organ a r m w a f f e r a n f f d)l ä g e ober W a r m e 33 r e t u in f cf) l ä g e (aus unb ober ßeinfamenmeßl). 33ei manchen Veiben (tpejcenfdjuß, finb trodene warme Umfdjläge auf ben (raufen ßJörpertljeil (Kräuter* unb Äleienfäddjen) ober baS Auflegen von Söärmfteinen fjinreidjenb, bie traiitßaften .ßuftänbe refp. bie fdjeinungen (Sdjmerjen) $u befeitigen.-ß-ür ben $wed, aufOrgan an- paltenbe Stätte eiuwirfen $u laffen, finb ben feudjten (Sinpadungen baS Auf- legen eines(5iSbeutelS unb bie fogen.Irrigationen (Sin (Sisbeutel (f. $ig. 181) wirb aus $aiitfd)uf gemadjt, bod) fanu and) eine ScpweinSblafe ju einem foldjen venvenbet Werben. 3u biefen 33eutel wirb baS (SiS getßan, unb ber 33eutel bann oben feft jugebunben unb auf bie betr. (Stelle gelegt. Auf biefeSÖeife erhielt man eifige (fdjmerjenftillenbe unb entjünbungSwibrige) Stätte, olpie baß bereu Sßirfung burd) 9täffe beeinträdjtigt wirb. Unter Irrigation ober 33eriefelung verfteßt man aber bie Am wenbung von taltem 3Öaffer auf ein franfeS Organ (be- fonberS bei Ouetfcßwunben gut). Stuf letzteres, WelcßeS mit einem Seinwanbläppdfen bebeeft wirb, tropft aus einem, in mäßiger §öße über bem Stranfen angebradjten @efäß („33eriefelungSapparat", Spülfanne) fortwäljrenb falteS SBaffer. Oamit biefeS abfließen faun, oljue baS 33ett naß $u madjen, liegt ber traute Äörpertljeil in einer §ol)lrinue, an weldjer fid) ein, außerhalb beS 33etteS üerlaufenbeS Slb« gugSroßr befinbet. Sßirb ber Traufe burd) baS ununterbrodjene tropfen nervös, fo fanu man baS Gaffer aus bem 33eriefelungSapparat an einem loderen (biinnen Ood)t, u. f. W.) Ijerunterlaufen laffen. (Sine foldje Spül- tanne befinbet fid) and) an Ooud)e- ober SMljftierapparaten (f. ftig. 182). 2Ber im eines ber beiben letztgenannten Appa- rate ift, braud)t nur b*en ®umnüfd)laud) beSfelben unb baS Gaffer bann aus bem AbjugSroßr ber „Spültaune" tropfen ju laffen, inbem er bie IDtiim bung beS 9tol)rS mit einem pfropfen loder fd)ließt. - ft-ür Oampfbäber, titrti* f d) e unb i r i f d) * r ö m i f d) e 33äber finb fdfwerlid) SBorteßrungen in bem §aufe eines nuferer ßefer getroffen. Soldje 33äber tßnen twrtrefflidje Öienfte bei (Srfältungen, 9tI)eumatiSmuS unb finb aber nur mit (Srlaubniß ju neljmen, ba fie gefunbe 33ruft- unb §erj* organe erforbern. (Sin tßeilweifeS Oampfbab (für bie unteren (SytremU Fig. 181. ®i8ßcute(. Fig. 182. 421 täten) tarnt mim allerbingS in jebcnt §anfe Ijerftellen. Ter Patient mirb auf einen Ijöljerueu Stuljl gefegt unb um beibe bann eine Ted'e gefdjlagen, iveldje oben am §alfe beS Patienten bidjt anfdjließen muß. lieber biefe Tede tau-n man and) nodj eine smeite ober eine britte legen. Unter beit Stuljl [teilt man bann ein @efäß mit fjeißem SBaffer unb legt fdjließlidj in biefeS Ijeiße ober fDiauerftehie. Ter baburdj entmidelte Tampf fteigt an bem natften (b. I). vor bem $abe entfleibeten) Körper beS trauten empor. 4öei Slnmenbung eines foldjen 23abeS, meldje ebenfo wie bie Tauer beSfelben von einer ärstlidjen Slnorbnung abhängig ift, Ijat man barauf 2ldjt 3U geben, baß ber Tampf nidjt 3U Ijeiß, refp. bie $aut beS Patienten nidjt verbrüljt mirb. 9?adj £3eenbigung beS 23abeS ift ber Trante in bie nnterfte Ted'e emjufjnllen, in baS -Q3ett ju legen unb fo eine SBeile liegen 31t (affen. Um bie Sdjmeißabfonberung 31t erljoljen, fann man auf bie Sßettbede bejm. über ben Patienten nodj meljrere Teden legen. Ter Sdjlaf eines Oranten follte niemals unterbrodjen merben, ausgenommen menn ber Ärantenmärter bemerft, baß im feines (fdjlafenben) Patienten eine mertlidje S?erfdjlimmeruug eintritt. Cft er* eignet fidj baS, mie mir oben gefeljen Ijaben, inben früljenDJiorgenftunben. Sonft barf ber traute nie in feinem Sdjlafe geftört merben. (Siu trauter, ber ans bem Sdjlafe gelvedt mirb, fdjläft um fo fdjmerer miebcr ein, je fürder ber Sdjlummer mar, unb einem Patienten, ber feiner nädjtlidjen 9tulje entriffen mirb, fteljt faft jebeSmal eine fdjlaflofe 9?adjt bevor. ?lndj ber $r an f en mär ter beb ar f beS SdjlafS unb ber (Srljolung, menn er nidjt gan3 unfäljig merben foll, feinen Tbliegen* Ijeiten nadjjutonunen. (Sntfernt fid) ber Sßärter auf längere Taner von feinem Patienten (um 31t fdjlafen), unb bie befte $eit bafür ift ber 9ladj= mittag, fo ljat er @orge 31t tragen, baß fein (Stellvertreter genau meiß, maS er mäljrenb ber Slbmefenljeit beS SßärterS 3U tljun ljat. ßetjtexer follte ferner immer augeben, mo er in jebem Slugenblide ber Slbmefenljeit 311 finben ift. ®enn baS Üßetter es irgenb erlaubt, Ijat ber Ärantenmärter muß bem Sdjlafen unb vor feiner Otiidfeljr in t..S Äranfenjimmer einen Spa3iergang im freien 311 madjen. Tie $ 1 e i b u n g b e S $ r a n f e n m ä r t e r S fei aus einem Stoff, ber nidjt raufdjt, bamit bie Nerven beS & raufen nidjt gereist iverben; aus gleidjem @runbe barf baS Sdjuljlvert beS Wärters nidjt fnarren ober irgenbmie ©eräufdj verurfadjen. Ter Stoff ber muß aber audj leidjt 311 mafdjen fein; eS gilt bieS befonberS von ber foldjer meldje an OvfectionSfrautljeiten Veibenbe pflegen. Slnbernfalls, b. Ij. menn nidjt leidjt 311 mafdjen uub nidjt oft ge= mafdjen, mürben bie Kleiber eines foldjen Wärters ben betr. 422 ßeitSteim berfdjleppen. $eber Ärantenwärter fotlte audj ftetS einen tlini- fd)en Thermometer (f. fpäter), eine Ußr mit eineSdjeere, Stetfnabeln unb (für bie 9Zad)t) Streidjßöljer bei fid) tragen. T)aS tantenjimmer fei fo geräumig wiemöglidj unb fo gelegen, bafj bie Sonne in baöfetbe ljineinfdjeint. 9tod) meßr als auf einen gefunben 9)?enfd)en übt baS 8 i dj t auf einen Oranten eine belebenbe SBirtung aus. ?l(le Traufen ljaben baS Verlangen nadj gießt unb fernen fid) beSßalb in fdjlummerlofen Diäcßten nad) bem 9lnbrucß beS Tages. $u verbunfein ift baS Ärantenjimmer nur, wenn ßelleS £id)t bem Patienten fcßäbticß ift (9lugentrantßeiten, SDMfern). <$S ift aber bafür Sorge 311 tragen, baß baS ?id)t bem Patienten nidjt birect in baS Sluge fällt. S0?an ftelle barum baS 4öett beS Traufen fo, baß beS festeren $opf vom fünfter abgeivenbet ift. TaS Äranfenjimmer foll ferner in einem ftillen Tßeile beS Kaufes liegen (nidjt auf ber Straßenfeite). Tie guf t beS fei ftets rein unb gut. Um bieS ju erzielen, muß baS Beniner geßörig ventilirt fein ober von Be't orbentlid) gelüftet werben. (Sine gute SBentilationSVorridjtung für baS Ärantenjimmer ift bie von Tr. $een in 23orfd)lag gebradjte (f. S. 337). SÖirb ein Bimmer burd) Ceffnen ber $enfter gelüftet, fo entfernt man am beften ben Oranten aus bem Barner; ift baS nidjt möglid), fo betfe man ben Patienten bis auf ben föopf orbentlid) ju, fo lange bie fünfter offen fiub. Tamit ben Patienten ja fein Bugwinb trifft, ftelle man and) lieber uod) einen 53ettfd)irm jwifdjen fünfter unb 23ett. Ter Traufe ift erft wieber weiter aufjubecfen, nadjbem bie fünfter gefcßloffen worben, unb bie Temperatur beS ÄranfenjimmerS wieber bie erforberlidje £)öße erreidjt ßat. $n großen Stäbten, wo bie 9?ad)tluft Viel reiner ju fein pflegt als bie burd) 9?aud), ®afe, u. f. w. verunreinigte Tagesluft, tßut man beffer baran, bie Lüftung 9?ad)tS Vorjuneßmen. SIbjufeßen ift bavon jebocß in Sumpfgegenben, in benen bie WUaSmen befonberS leid)t mit ber 9?ad)tluft einbringen. Um verpeftete £uft ißreS üblen ®erucßS ju berauben, ftelle man im Äranfenjimmer offene ®efäße mit einer göfung von (51)1 orfalf unb Gaffer (1:25) auf. 9?äud)erungen (f. S. 341) fiub im 311 unterlaffen. Sie beläftigen ben Patienten unb mad)en bie ßuft im nur uod) fd)led)ter. ßbenfo fiub fie, um ÄranfljeitSteime in ber ßuft beS ÄrantenjimmerS ju jerftören, unnü£, weil fid) BnfectionS- ftoffe in einem b e w 0 ß n t e n 9?aum (alfo and) im Äranfenjimmer) nidjt burd) ®afe ober flüd)tige ©eSinfectionSftoffe jerftören taffen. Tamit fie wirffam Wären, müßten bie ®afe ober flüdjtigen Stoffe bis ju einem ®rabe concentrirt werben, ber baS Sltßmen im Binuuer gauj unmöglid) mad)en würbe, ©urd) 9?äud)ern (unb Slnwenbung von trodener SBärme) finb alfo nur u n b e w 01) n t e 9?äume von ÄranfßeitSfeimen ju befreien, 423 in biefem ftalle bie ßranfensimmer, nadjbem ber Patient barauS entfernt worben. £ie feften unb flüffigen SluSfrfjeibungen ber Patienten, befonberS trenn letztere an ßnfectioiiSfraiitheiten leiben, finb fofort 31t beSinf ici= r e n. W?an bebiene fiel) baju ebenfalls einer Ehlortaltlöfung (8 Unsen anf 1 Gallone SBaffer), weldje bar ber Entleerung in baS 9?adjtgefd)irr 311 fdjütten ift, unb erft wenn man bie Elemente in ber £öfung tüchtig 11111= gerührt unb minbeftenS eine halbe Stunbe fteljen gelaffen hat, finb bie SluSfdjeibungen in baS Elofet 311 gieren. £3ei anfteefenben Ärantljeiten muß man, wie gefagt, befonbere Slufnierffamteit auf bie £)eSinfection ber= wenben, unb erftreeft fid) letztere nidjt nur auf bie ßuft beS trautem Simmers unb bie Entleerungen beS Traufen, foubern auf alle Gegen= ftänbe, weldje mit bem Traufen in irgenb weldje tommen. Xüdjer, weldje 311m Slbwifdjen bon SluSfdjeibungen foldjer Patienten bc= nufct würben, finb am beften 31t verbrennen; ebenfo bie Xüdjer, Weldje 311m Slbwifdjen von aus fUiunb unb 9?afe ©ipljtljeritis* unb Sdjarladjfieberfranfer berwenbet würben. £afdjentüdjer, (Servietten, Veib= unb 53ettwäfdje aller Patienten, bie an leiben, finb, fobalb fie vom Traufen weggenommen werben, in ein ßeintudj, welches mit einer beSinficirenben Vöfung befeudjtet ift, einsufdjlagen, inbie= fern Xudj, luftbidjt abgefdjloffen, aus bem Ärantensimmer 3U tragen, unb fogleidj in fodjenbeS Gaffer 3U legem Cber man fann bie Sachen and) in eine Duetffilberfublimatlöfung (1 £ljeil auf 2000 STtjeile Sßaffer) ober in eine sweiprocentige Earbol= ober Eljlorfalflöfung werfen, unb muß fie vier Stunben bariii beiaffen, fitere Vöfung ljat allerbingS bie frfjlimme Eigenfdjaft, bie äßäfdje 3U bleidjen. ©berfleiber, weldje burd) EinWeidjen in todjenbeS Söaffer gefdjäbigt würben, finb burd; £)ampf (| Stunbe lang bei 212° F.) ober burdj trotfene SBärme (2 Stunbenbei 230° F.) 3U beS= inficiren. SInftetfenber Speidjel ift in biefelbe Eljlorfalflöfung wie bie für £)eSinfection ber Elemente empfohlene 311 entleeren. 3?er £eib beS Traufen unb ber jeher weldje mit legerem tljun h«t, ift von 3eit 3U $eit mit einer 3Weiprocentigen Earbollöfung abjuwafdjen. hoben, SBänbe unb alle ©egenftänbe im finb öfters mit einer beSinficirenben Söfung (2 Eljlortalf ober Earbolfäure) ab3it= wifdjen. Um bicS 3U bereinfadjen, refp. unb Staub nidjt fo viel Gelegenheit 3U geben, fiel) im empfiehlt eS fid) überhaupt, letzteres möglidjft einfad) 3U möbliren unb befonberS alle Utenfilien aus bemfelben fernsubalten, in Weldje bie unb Stanbpartiteldjen tief einbringen (Jeppidje, portieren, gepolfterte SO?öbel, u. f. w.). Solche Gegenftänbe finb, wenn fie in einem $ranten= jinimer geftanben haben, baburd) 311 beSiuficiren, bafj man fie brei bis vier 424 SSodjen ber Suft auSfept. Satrapen, auf weldjen an BnfectionStrant* peiten 3eibeube gelegen paben, finb bepufsDeSinfectionauf3utrennen; ber 3nl)alt wirb peißem 'Dampf ober trodener Sßärme auSgefept, wäprenb ber Ueberjug erft in Eplorfalflöfitug gelegt unb bann in todjenbem Söaffer ge* wafdjen wirb, ßeberne ©egenftänbe (Koffer, Stiefel, u. a. m.) finb 31t verbrennen ober wieberpolt mit einer beSinficirenben ßöfung abjnwafdjen. (Die ElofetS, in weldje bie Elemente von Patienten mit anftedenben Veiben geworfen werben, finb ebenfalls öfter 311 beSinficiren unb 3War mit ©uedfilberfublimatlöfung (1:2000); ber größeren Sidjerpeit palber ftreut man nadjper nodj pulverifirten Eplorfalf (1 Sßfuub auf 9 ®ips ober reinen, trodenen Sanb) auf ben Bnpalt beS ElofetS). Die Steinigung beS ftußbobenS im follte, um bas Slufwirbeln von Staub unb unb Unrupe 311 vermei* ben, mittels eines feudjten ßappenS vorgenommen werben, ber langfam pin- unb perge3ogen wirb. SBie aus bem über DeSinfection ©efagten per* vorgept, ift ftets auf größte Steinlicpteit im Ä'rauteu3immer 311 adjten. Die geeignete Temperatur ber Suft im (65° F.) ift immer beisubepalteu, unb follte beSpalb in jebem ein Tpermometer (aber nidjt beim ©fen ober am g-enfter im Buge) bangen, bamit man fidj jeber von ber Temperatur über3eugen fanu. 33efonberS'foll baS bie genannte Temperatur SRorgenS haben (alfo aucp Si'adjtS gepeilt fein), weil bie Eigenwärme beS SRenfdjen früpmorgeuS am niebrigften ift. BebeS follte beSpalb einen ©fen paben unb nicpt von ber Dampf' ober ßuftpeijung beS galten §anfeS abpängeu. 33or ben ©fen ift einScpirm 311 ftellen, bamit bie auSgeftraplte £)ipe nicpt ben Patienten birect trifft. 33ei vielen beiten (vorsüglid) bei Sungenfranfpeiten) ift eS and) angejeigt, im Oranten* 3immer einen 33 a r 0 m e t e r aufsupängen, um ben fteudjtigleitSgrab ber £uft 311 beftimmen. DaS 33 e 11 beS Traufen follte gepörig lang, ungefäpr breit unb 3iemlicp fein. fVeberbetten ober »polfter follte eS nidjt ent* palten, benn barin finft ber Körper tief ein unb wirb übermäßig erpipt, unb außerbem finb burcpgefdpvipte ober gar inficirte fcpwer 3U reinigen. DaS befte Äranlenlager ift eine Stoßpaarmatrape, barüber ein leinenes 33etttud) unb 311m Bubeden im Sommer eine baumwollene unb im hinter eine (ober and) 3Wei) wollene Dede. Die 33ettwäfdje follte jeben Tag erneuert werben; jebenfallS muß baS geföpepen, fobalb fie be* fcpmulAt ift. Unter bie 33edengegenb von Patienten, weldje umvillfiirlidje Entleerungen paben, lege man ein meprfad) gefaltetes 33etttud), fo baß baS 33ett von ben Entleerungen nidjt befd)mupt wirb. Siadj jeber (unwilltür* licpen) Entleerung ift biefeS Tucp unter bem Patienten voi'3U3iepen unb 425 burdj ein neues 31t erfefeen. ®ei S'nfectionStrantljeiten ift, wie fdjon oben gefaßt, baS beftfjmufcte ©ud; fofort ju beSinficirenrefp. in fodjenbeS Sßaffer ju legen. 4öei langwierigen ift jwifdjen Söetttudj unb 3fta* traf.se eine ©ummibetfe einjufdjieben, bainit bie DJlatrape ober SBerpeftung burdj ben Dom Oranten tommenben ©eritdj gefdjüpt wirb. Slnftatt ber ©ummibede tann and) eine Stepp* ober eine (boppelt gelegte) Wollene ©ecfe benutzt werben, bod) ift biefe, Wenn fdjmupig geworben, fofort burdj eine neue ju erfefcen. Sille -Qkttwäfdje, weldje nidjt täglidj gewafdjen werben tann, füllte wenigftenS täglid; gelüftet werben. ©aS ®afdjen beS 53ettjeugS ift aber, um eS nochmals pcrDorsuljeben, unnm* giinglid), fobalb baS Söettjeug ift. 233enn möglid), füllten im 3Wei neben einanber fteljen, baS eine für bie am ©age, baS anbere für ben ©ebraud) jur Shuljtjeit. ©aburd) Wirb baS Wjen im 53ett für ben Traufen nidjt nur erfrifdjenber, fonbern baS eine iöett wiiprcnb ber Iße* nupung beS anberen aud) gelüftet. ©a§ Umbetten beS Oranten füllte ftets Don jwei weldie ben Äranten babei Don ein unb berfelben ©eite anjufaffen Ijaben, Dorgenommen Werben; bie eine 'ißerfon legt iljreSlrmeunter bie ©djitlterii, bie anbere unter unb ©berfdjenfel beS Oranten. SJian tann reu and) umbetten, inbem man il)n mitfammt bem iöetttud; in bie £wl)e fjebt ober, wenn jwei gleid) ljolje neben einanber fteljen, mit bem ©ndj aus einem in baS anbere jiefjt. Fig. 183. ®r. SBrucfjbett. -3-n langwierigen Äranlpeiteii, bei benen fiel) ber Patient mir wenig bewegen fann ober (wie bei bei ben Bewegungen refp. beim Umbetten große Scpmerjen auSsuftepen pat, empfieplt fiep bie Slnfcpaffung eines (von ©r. Hamilton eiugefüprten) fog. „BruipbetteS". ©aSfelbe beftept aus einer gewöpnlicpeii Bettftelle, in Welcper eine Blatrape liegt. 426 ferner geßört baju ein ßölzerneS ©eftell, welcßeS aus vier Stangen befteßt, bie ein Stedjtecf bilben. lieber biefeS ©eftell ift Veinwanb ftraff auSge= fpannt. ©ie Seitenftangen beS ©efteHS liegen etwas weiter aus einanber, als bie Seitenwänbe ber Vettftelle, fo baß bie geimvanb, wenn baS (Eteftell auf baS Vett gelegt wirb, auf ber feft aufliegt. Slußerbem finb bie Seitenftangen etwas länger als bie Seitenwänbe beS VetteS, woburdj baS ©eftell ju einer Stagbaßre wirb, bie fiel) an ben vier vorfteßenben (En® ben ber Seitenftangen leießt (mitfammt bem Patienten) aufßeben unb naeß einem anberen Vett tragen läßt (f. $ig. 183). §at man nur ein Vett, fo fann man bie £ragbaßre, wäßrenb bie umgebreßt unb gelüftet wirb, auf vier Stüßle ober giften legen unb ben Patienten zeitweilig fo rußen laffen. 5?aS Vrutßbett bietet aber noeß einen anberen Vortßeil. Trante, welcße baS Vett überhaupt ober nur unter großen Sdfmerjen ver= laffen tonnen, finb im Vett abzuwarten. £)ie Äotß® refp. Urinentleerun® gen im Vett finb aber felbft nocl) mit Unbequemlidjfeiten refp. Scljmerjen verbunben. ■liefen Uebelftanb befeitigt baS Vett. üTie tfeinwanb beS ©eftells wirb (foweit bie punctirten, geraben Sinien nuferer $igur eS angeben, b. ß. in ber ®egenb, wo baS Vecfen beS trauten zu liegen tommt) boppelt gelegt unb längs ber punctirten ßinie feftgenäßt. ßn ber SJiitte biefer hoppelten ßeinwanblage befinbet fiel) ein treiSrunbeS Öocß (etwa 10 ßoll im ©urdjmeffer), beffen Stäuber ebenfalls genäßt ober gefteppt finb, fo baß fie nießt einreißen fonnen. güßlt nun ber Patient baS 39ebitrfniß ber (Entleerung, bann wirb baS ©eftell abgeßoben, auf zwei niebrige giften (mit bem refp. gußenbe) gelegt, unter baS Socß ein ®efäß geßalten, unb ber Trante vermag oßne 53efcßwerben genügen. man tein iBrucßbett zur Verfügung, fo füllte man für bie (Ent- leerungen foldjer Traufen, welcße fieß in $olge von Verlegungen ober Sdnvädje wenig ober gar nidjt bewegen tonnen, „Uringläfer" unb „Vett* fcßüffeln" anfeßaffen. (Ein Urin glas ober Urinßalter (f. $ig. 184) bient zur Slufnaßme ber flüffigen (Entleerungen beS tienten. GS fann aus @laS ober ge- branntem Xßon ßergeftellt fein, unb verbient erftereS SJtaterial ben Vor- zug, weil eS bureßfießtig ift unb fo leießter rein geßalten werben tann. £aS UringlaS ift vor ber Venufcung in warmes V?affer zu taueßen unb bann fdjnell abzutroefnen (eße eS erfüllet). Fig. 184. UringlaS. 427 V e 11 f dj ü f f e l n (für bie ©armentteerungen) füllten aus gebranm tem ©pon gemadjt fein. SGßie bie Uringläfer finb fie vor bent (Sebraudj ju erwärmen (burd) warmes Sßaffer) unb bann äußerlidj ju trodnen. Um Verunreinigung beS VettcS ju behüten, füllte man auf ben 9ianb einer Vettfd)üffel, bie bent Patienten untergefdjoben Wirb, ein (gewärmtes) ©ud) legen; baSfelbe wirb etwaige über bie ©d)üffel fließenbe (Elemente in fiel) auffaugen. Oft ber ©tuptgang bei ber porijontaten Sage beS Traufen erfdjwert, fo pebe man $opf unb Dtüden beS Patienten (burd) Unterfdjieben bon Riffen) podjunb jiefje bie Veine beS Vatienten an beffen Seib, jo bafj bie Äniee podj ftepen. Uringläfer unb Vettfdjüffetn finb nadj Venupung fofort aus bem Vett 311 entfernen, ju entleeren (außerpatb beS ÄranfenjimmerS) unb forgfältig ju reinigen. 9?ur in jwei fällen iftbabon abjuweidjen. (ErftenS, wenn ber Strjt ben ©tuplgang beS Traufen unterfuepen will, unb bann finb bie (Entleerungen außerpatb beS gut jugebedt aufeube* wapren, unb zweitens bei OnfectionStranfpeiten; bei biefen tjat män, wie fd)on oben gefagt, bie 2luSfd)eibungen beS Oranten ju beSinficiren ((Eptor* falt, (Earbolfäure) unb bann nodj etwa 30 Minuten ftepen ju taffen, epe man fie in baS (Elofet fdjüttet. $ann ein trauter auf ftepen unb einen sJ?ad)ttopf benupen, fo forge man bafür, baß ber ©opf ganj unb nießtriffig ift, unb ber Patient nidit feft auffipt. SlnbernfaltS tonnte ber Vfltient (burd) Vredjen beS ©opfeS) fdjwere Verlegungen bavontragen. 9iad)tftüt)te im Äranfenjimmer finb für Votienten, bie aufftepen tonnen, empfeplenSWertp, bod) finb biefelben ftets gut 31t beSinficiren unb ju lüften. ©er Sage eines Traufen in feinem Vett pat ber Oranten« Wärter große Slufmertfamteit ju fdjenten. Slbgefeljen baüon, baß 9tüden= unb ©eitenlage beSpalb öfter ju wedjfeln finb, weil fonft Vlutfentungen in bie Sunge ftattfinben fönnen, wirb burd) lang anljaltenbeS (Einneljmen ein unb berfelben Sage and) baS fogen. 2luf= ober ©urd)liegen (©ecubituS) üeranlaßt, jumal wenn baS Vett nid)t immer außerorbentlid) rein gepalten wirb. 9Ud)t bloß (EntleerungSftoffe, fonbern and) ©alj, Vrobtrumen, u. a. m., wenn im Vett vorßanben, üeranlaffen ©urdjliegen feßr leid)t, befonberS bei gefdjwädjten ftiebertranfen unb Vewußtlofen, Weld)e lange 3eit in berfelben Sage üerparren. ©eSpalb palte man baS Vett auf baS peinlidjfte rein, unb beuge man einer (Entjünbung ober @e* fd)WürSbilbung (b. i. bem ©urcpliegen) bei Oeiten and) baburdj oor, baß man 9?ücten, $reuj, ©djultern unb (Ellbogen beS Vntienten öfter unterfmpt unb mit tattern SBaffer wäfd)t unb barauf mit granjbranntwein ober einer 9Jiifd)ung oon 1 ©peil SItcopol unb 3-4 ©peilen VSaffer eim reibt. Vetttucp unb Kleiber beS Oranten finb ftraff ju fiepen, bamit bie= 428 felben feine galten fdjlagen unb baburdj sunt ©urdjliegen SSeranlaffung geben, feigen fidj aufgelegene wunbe Stellen ober ®efd)Würe, fo finb er* ftere fo oft wie möglich mit faltem Sßaffer abjutupfen unb mit einem ju bebeden. SetjtereS barf aber nicht anfleben unb muß öfter* neuert werben; eS beftefje aus einem Seinwanbläppchen, auf welches i'afe* line ober eine W?ifd)ung 31t gleidjen feilen üon (in heißem Sßaffer einge* Weidjter) £3robfrume, unb pul* üerifirter gwljfohle geftridjen würbe, ©efdjwü* rige Stellen finb mit Uompreffen, Welche in ein* procentigeS Sarbolwaffer getampt würben, 31t be* beeten. 423er Traufen mit aufgelegenen (gerötl)e* ten ober frfjon wunben) Stellen forge ipan ferner bafiir, baß letztere bon bem bisher auf fie auSge* übten ©rud berfdjont bleiben, unb baß bie Kräfte beS Patienten möglidjft gehoben werben. 3ft eine anbere Lagerung bes Traufen auSgefdjloffen, fo lege man unter bie betr. Stelle ein Suftfiffen aus weidjem (bulcanifirtem) ®ummt (f. $ig. 185 unb 186). Sold;e Riffen fjaben eine (mit einer Sdjraube üerfdjließbare) ©effnung, bitrcf) wrfdje in bie Riffen Suft eingeblafen Wirb, bis fie möglidjft auSgebefjnt finb. Slnftatt ber Suftfiffen fönnen and) Riffen aus Weidjem SDhtSlin, weldje mit Roßhaar ober auSgeftopft finb, als Unter* läge gebraucht werben, bod) finb bie ßuft* fiffen üorsujiehen, weil fie ftets elaftifd) bleiben unb leidjt ju reinigen finb. 4Bei warmem SBetter finb Roßhaar* fiffen anftatt $eberbetten als Unterlage für ben Äopf anjuwenben. ©ie SluSftattung beS aufenjimmerS foll, wie gefagt, eine möglidjft einfache fein, befonberS füllen aber „Staubfänger" (©ep* pidje, gepolfterte IVföbel, portieren, ©eden, u. f. w.) barauS entfernt wer* ben (befonberS bei fieber* unb 3nfectionöfranfheiten), weil fid) barin außer bem Staube and) ÄranfljeitSfeime 23ei manchen ßranf* heiten(anhaltenben fiebern unb nerüöfen ßeiben) ift aber ber ©ehörfinn fo fraufhaft erregt, baß man ben um ben Schall ber Fußtritte abjubämpfen, bebeden muß. 3n foldjen fällen beftelje ber ©eppid) aus an einanber gelegten Stüden, weldje fid) leidjt üon 3eit ju $eit aufheben unb beSinficiren (in focßenbem Sßaffer wafdien unb lüften) laffen. Fig. 185. fiitftfiffen. Fig. 186. Sufttiffen. 429 On jebem Trantenjimmer feilten fiel) 3wei Xifcße befinben, ein tleinerer, Welcher am Trautenbett für ißenuhung feitenS beS Traufen ftelj t, unb ein größerer, auf welchem bie 3m Trantenpflege nothwenbigen (ge- rätlje liegen. (SS ift äußerft prattifd), ben Heineren Sifd), auf weldjem ber Patient fein (getränt ((gerfteuwaffer, u. f. w.) flehen hat, fo baß man il)n Ijerauf- unb herunter« unb bie glatte beS STifd)d)enS gleichzeitig über baS 4öett fdjieben tann (f. gig. 187). iöefinbet fid) am Tnie non Xifd)bein unb £ifd)platte auch nod) ein bergelent, weldjeS ermöglicht, baß man bie £ifdjplatte fdjräg ftellen tann, fo erleichtert jenes £ifd)chen bem Patienten nicht nur baS (Srgreifen bon (gegenftänben, fonbern tann and) beliebig als Gßtifd) ober öefepult ber« wenbet werben. 3wei (nid)t gepolfterte) Stühle finb hinreidjenb für baS Tranten« jimmer. Vereine biene bem Trantenwärter unb'nebft bem etwaigem 33efudj als 3roei Stühle finb aber auch noch barum erforberlid), baß man ben Patienten wäljrenb beS 53ettmatf)enS ober -lüftens nebft ber Tragbahre (f. S. 425, $rud)bett) barauf legen tann. Oft ein Trauter (ober ein (geiiefenber ober ein Onüalibe) im Staube, baS 4Sett unb baS Tranfensimmer 3U berlaffen, ohne fid) 3U fdjaben, gleich« wohl aber nid)t fäl)ig, fid) felbft fortjubemegen, fo tann man fid), wie $ig. 188 geigt, leid)t einen £ r a g ft 11 h l felbft herftellen, in weld)em ber Trante umherjutrageu ift unb an irgenb einem beliebigen fünfte ju längerem Verweilen niebergefefct werben tann. £)aS einfache DJlöbliren beS ÄranfenjimmerS fdjließt aber nidjt aus, baß mau letzteres 3U einem für ben Oranten m ö g l i d) ft angenehmen Aufenthaltsort macht. (Sin trauter hängt natürlich mehr trüben als frem bigen (gebauten nach, unb bermag bie lederen nur fd)Wer ©amit er baS tljun tann, muß man ihm ju §ülfe tommen, unb baju bient uid)t nur eine viel Abwechslung unb Oerftreuung bietenbe -Sßefdjäftigung (f. oben), fonbern auch Anblicfoon Silbern, Blumen, u. f. w. Heroen unb Sinn eines trauten, ber immer nur bie fahlen 2ßänbe feines Oranten« jimmerS um fid) her fieht, haben Reiben ju erbulben, welche eine äußerft ungünftige 9?üctwirfung auf ben (genefungSproceß ausüben. OJlan hänge alfo an ben Söänben einige (boch nicht ju viele) hübfcfje auf; wie fyußboben, IVZöbel unb Sßänbe finb biefelben aber bon 3eit 311 3eit mit einem feuchten Sappen, ber bei aufteefenben Trautheiten auftatt mit Fig. 187. ÄrantentiftWn. 430 SBaffer mit einer (Splorfalf- ober ßarbolfäurelöfung nag gemadjt würbe, ab- juwifdjen. 33 lum en, fo lange fie noep frifcp finb, tönnen getroft in baS Äranfenjimmer geftellt werben, aber mufj man freitiep and) Ijier ein lieber® map meiben. 3ft baS Äranfenjimmer poep gelegen, unb bietet es von feinem fyenfter ans eine pübfdje 21 u S f i cp t, fo ftelle man baS fo, bajf ber Patient fiep an ber 2(uSfid;t erfreuen fann, opne vom ßuftjug getroffen ober vom Sidjt geblenbet ju werben, ©urep irgeub eine nidjt aufregenbe 2lbwecpSlung in bem monotonen (Einerlei beS wirb bie (Genefniig geförbert. eo aiigenepm bem Traufen baS Sidjt auep ift, barf baS wer boep jur 9?acptjeit nidjt ober wenigftenS nidjt ju pell beleuchtet wer- ben. 3ft ein 9? a cp 11 i cp t (j. bei ber ßinber) wünfd)enS= wertp, fo beftebt baSfelbe am beften in einer fleinen (Gasflamme, Weldje Fig. 188. nacp bem pin von einem @djirm (aus ginn ober be= fdjattet wirb. £>at man fein (GaS im §aufe, fo lege man einen £)ocpt in ©et (baS auf Sßaffer fdjwimmen fann) unb erpalte baS anjubrennenbe (Silbe beS ©odjteS an ber ©berftädje beS ©elS, inbem man es burdj einen Ä'orf jiept. ©iefeS Sidjt ift natürlicp ebenfalls burdj einen (Sdjirm ju beimpfen. 3m Äranfenjimmer fällten feine ©peifen g e f o dj t werben, fonbern fei nur (Gelegenpeit vorpanben, Sßaffer ju fodjen ober (Getränte warm ju madjen, refp. 311 erpalten. 2lm beften eignet fidj bajn eine (Gasflamme, über weldje ein ©raljtgeftell geftülpt Wirb, auf weldjeS baS betr. (Gefäjj ju ftepen fommt. 3m $al(e feine (Gasleitung im §aufe ift, laffe man fidj 431 eine 2(lcoßok(„(Etna"*)Vampe anfertigen, ©iefelbe befteßt aus einem Zinnernen Unterfeuer, in weldjem ein aus gleidjem Material verfertigtes, nad) unten ficß verjüngenbeS ®efäß fteßt, baS oben einen ©riff (am beften aus §olj) ßat. 3m Unterfeuer wirb SUcoßol gebrannt. 91 a d) b e r ® e n e f u n g beS Fronten ift baS Äranfenjimmer tüdjtig ZU reinigen unb lüften. 2öar bie Äraufßeit eine anftedenbe, foräucßereman vorerft baS (luftbidjt verfeßloffene) Rimmer mit Sdpvefel aus, unb neßme man baju 3 Vfunb Sdjwefel auf 1000 (Eubicfuß Luftraum. 9iacß Verlauf Don 12 bis 24 Stunben finb £ßüren unb genfter zu öffnen, unb ift für tige Ventilation beS Rimmers zu forgen. darauf finb VSänbe, gußboben, ©etfe, $enfter unb alle £D2öbet unb ©erätßfdjaften mit einer Sublimat* löfung (1 Xßeil Sublimat zu 1000 JXljeilen Vöaffer) ober zweiprocentigem (Earbolwaffer abzuwifcßen unb bann mit Sdjmierfeifenlauge abjufeifen. tapezierte Vßänbe finb mit tüdjern, weldje mit einer ber oben genannten beSinficirenben ßöfungen angefeudjtet würben, abzuwifcßen unb alsbann neu ju tapezieren. 9iad)ßer lüfte man baS Rimmer fleißig unb laffe eS, wenn möglid), einige VSocßen leer fteßen. ®ie Äranfcnfoft, wenn ber betr. Ärantßeit angepaßt, ift eines ber Wicßtigften görberungSmittel ber ©enefuug. Vei allen bereu Heilung nidjt burd) ober cßirurgifdje (Eingriffe beS SlrjteS bebingt ift, fpielt bie $oft in ber (biätetifcßen) Veßanblung eine Hauptrolle. grüßer war man ber Slnfidjt, baß man ben Vatienten bei allen ®rant* ßeitcn auf möglicßft fcßmale $oft fetten müffe. Oie brei Wicßtigften {yac* toren ber Heiltunft vergangener 3aßre waren Hunger, Slberlaffen unb SJlijturen ober Vätverdjen. ©lüdlidjerweife fteßt man ßeute auf einem anberen Stanbpunft. ®ie Slrjeneien behaupten ja immer nocß ißren wenngleid) man - mit 9tedjt - bereu Slnwenbung ju befdjränten fudjt. ■Dafür legt ber wiffenfdjaftlid) gebilbete 2Irjt nuferer $eit baS wid)t barauf, unter gleidjzeitigem Slbßalten (Einflüffe auf ben er- tranften Organismus ober Äörpertßeil bie Kräfte eines Vatienten ju er- ßalten unb etwaige Verlufte fo viel wie möglid) zu erfeßen (alfo nidjt jur SIber ju laffen unb leine „Hungercuren"). Söie alle anberen SebenSbe- bürfniffe ift bem trauten Körper and) bie 9laßrung in ßinreidjenber Stenge unb zivedmäßiger Sßeife zuzufüßren. 9)?agem unb ©armfrantßeiten unb nicßt minber bie meiften cßronifdjen Äranfßeiten, bei benen baS Vlut meßr ober weniger entartet ift, tönnen nie unb nimmermeßr oßne eine geeignete (ErnäßrungSWeife beS Vatienten geßeilt werben, unb bei allen Äranfßeiten überßaupt ift eine ricßtige (Ernäßrung eine wefentlidje Vebingung ber ®e- nefung. Söeltßer 2Irt bie 9?aßrung eines Oranten fein foll, läßt fid) im allge= meinen fcßwer augeben. Slrt unb aucß üDtfenge unb Verabreicßung ber 432 Nahrung rtrfjfeit fiel) nicljt nur nad) ben einzelnen Trautheiten, fonbernaudj nad) bem jeweiligen Zuftanb beS gedienten, ©enauere Slnweifungen über bie (5rnäl)rniig beS Tranten finbet ber Sefer barum aud) bei ben betreffen» ben Trautheiten. £aS im allgemeinen Sßidjtigfte über bie Tranfenloft unb ihre Zubereitung erhellt aber aus ftolgenbem: 23ei ber -Söeftimmung einer 9ial)rnng für einen Tranten muß man juerft überlegen, ob bie Tranfl)eit mit fieber verbunben ift ober nid)t. Zft baS ber fyall, fo beide man barau, baß fieber in einer übermäßigen <£r» ßößiiug ber (Eigenwärme unb jugleid) einer abnormen Sßermeßrung beS Stoffwed)felS befteljt; in golge legerer finbet ein befdjleuiiigter Eiweiß» umfap unb baburd) eine fdjnelle (Sonfumption beS TörperS ftatt. SDiit fieber ift aber faft immer and) 23erluft beS SlppetitS unb £)arnieberliegen ber Verbauung verbunben; bie SSerbauungSfäfte werben nidjt in gehöriger fDienge unb normaler W?ifd)ung abgefonbert. SeptereS verbietet eine reid)lid)e Zuful)r fdjwer verbaulidjer Nahrung. 9)ian glaube nidjt, baß man ben vermehrten (Eiweißumfap im Törper burd) erl)öl)te Zufuhr eiweiß» ßaltiger 'Jlaprung erfefcen tonne. (Siweißfubftanjen finb von ber fieber» biät (entjünbungSWibr igen ©i ät) auSjufipließen, Weil fie iiid)t leidjt verbaulid) finb unb beSpalb bie gefdjwädjten SSerbauungSorgane beS [yieberfraiiten nur beläftigen würben, ohne ju ernähren; außerbem ift bei fieber von (Jiweißftoffen nod) beSljalb abjufepen, Weil fie ben ftpoit er» pöpten Stoffumfafc im Törper uod) fteigern würben. Sind) bie fyette finb ftieberfranten vorjuentpalteu, weil ebenfalls fdjwer verbaulid). S3ei ber (Ernährung eines giebernben ift man alfo auf 9taprungSmittel angewiefen, weldje vorjugSweife Tol)lenl)l)braie enthalten, b. I). auf b u r d) g e f d) l a» g e n e Slbtocpungen von Cerealien (®erfte, @rieS, ©raupen, 9teiS, u. f. w.). ®old)e fdjleimige Suppen finb leidjt verbaulid); fie werben felbft ol)iie 9Jiitwirtung ber 53erbauungSfäfte im ®arnt (in g-olge ©äl)rung) gelöft unb bann in bas iölut (bie ßhpluSgcfäße) aufgeuommen. £)iefe Suppen finb aber and) barum nahrhaft, weil fie geringe SRengen von (Siweißftoffen enthalten?' ©urd)gefd)lagen müffen bie Cerealien refp. bie 2lbtod)ungen beSljalb werben, weil bie SBerbauungSfäfte ben hülfen ber ©etreibe» arten gegenüber unwirffam finb. £äe (Srnäl)ruug im fieber wirb ferner burd) Seim (f. S. 307) beförbert, weldjer jugleid) ben (Siweißumfap im Körper befdjräntt. ©ewonneu wirb ber Seim burd) Äod)eu von Äalb» ober 9finbfleifd) unb 9lber nur Heine Mengen foldjer Seim» brühen finb su verabreid)en unb jwar am beften mit ben ©etreibefuppen ober aud) mit 2ßeiu» ober $rud)tfaft»©eleeS vermifdjt. Septere (bie ©eleeS) finb jebod) ebenfo wie bnrchgefdjlagene ©bftfuppen, Weldje man einem l)in unb wieber geben barf, immer bann ju vermei» ben, wenn £)urd)fa(l vorhauben. DJiild) ift nur abgcfod)t unb bei £iarrl)oe 433 mit Zufafe bon etwas ®alfwaffer 31t geben. ©roßt übermäßige Sdjwädje, wie bas befauutlidj feljr Ijäufig in ben Wlorgenftunben iwrfommt, bann muß bie im (Srlöfdjen begriffene ©Ijätigfeit ber betr. Organe burdj ©arreidjen üon erregenben ©enußmitteln (fräftiger gleifdjbrülje, ©ein, Vranblj, ©Ijee, Kaffee) wieber angefaeßt werben. Vei bem geringen Elppetit unb ber fdjwadjen Verbauung eines barf man biefem bie Waljrung nie in größeren WJengen, fonbern immer nur in Heinen Portionen geben. ©aS gefdjelje aber möglidjft oft, b. Ij. fo lange WaßrungSjufuljr unb Ver- bauung gleidjen Sdjritt palten. (Sbcnfo üerabreidje man bem gieberfranfen ©etränfe, unb füllten festere f ü I) lenb fein (falteS ©affer ober SelterS- waffer, ©affer mit etwas ©ein ober Vranblj, Simonaben, u. a. m.; f. Äraufenrecepte 1-10). WJan fann bem and) ßisftücfdjen in ben Whmb geben, bodj bürfeu biefelben nidjt üerfdjlucft Werben. Wüt bem $ortfdjritt ber bejw. ©enefung werbe bie gieberbiät fräftiger (ftleifdjfaft, gefdjabteS ftleifdj, Weidje (Sier, leidjte WMjIfpeifen), bodj füll ber Uebergang ju ber kräftigeren (confiftenteren unb reidjlidjeren) Waljrung nur feljr allmälig ftattfinben. 3ft eine nidjt mit fieber üerbunben, fo muß man bie (£r* näljrung beS Patienten ber jeweiligen anpaffen, ©er an Wiagenfdjwädje leibet, barf nidjt mit fdjwer üerbaulirfjen Stoffen geplagt werben, ber an Zucferljarnruljr (Srfraufte muß natürlich mit Zud'erbilb- nern verfdjont werben, u. f. w. Ommer aber ift, Wie fdjon gejagt, bie ßrnäljrung beS Traufen fo eiujuridjten, baß bie Verdufte beS franken $ör* perS möglidjft erfept werben. Vei allen fieberfreien Patienten (unb OteconoaleScenten) ift barum eine ftärfere ©iät am weidje (Siweißftoffe unb in geeigneter Wienge unb Zubereitung bebiugt. ift außerorbentlidj Widjtig, benn ein fräftigeS WaprungS® mittel fann in ftolge falfdjer Zubereitung oollftänbig wertljloS werben, ©ilbpret, (beflügel, ftifdje unb Puffern, überhaupt unb baneben (5i, Wlildj unb leidjt verbaulidje Wlefjlfpeifeu feien bie £>auptbeftanbttjeile ber ftärfeuben Äranfenfoft. 3:m Einfang bcr*Äraufl)eit finb aber alle gleifdjforten nur leidjt gebraten unb fein gejdjabt 31t geben, bie (Sier finb ju quirlen ober nur ganj weidj ju fodjeu, bie Wütdj barf nur in fleinen Sdjlutfen jugleidj mit etwas Vrob, Semmel, u. f. w. unb bei ©iarrljöe mit etwas $alfwaffer verfemt genoffen werben, u. f. f. ©ie folgenben 91 e c e p t e für bie Zubereitung ber fönnen uatürlidj nur eine Einleitung geben, wie man bie Ijauptfädjliipften 9?alj- rungSmittel für Traufe ßerjuridjten ljat. Ein ber §anb berfelben unb beS bisljer über Ä'ranfeufoft ©efagten wirb eS bem Öefer aber ein 8eidjteS fein, fidj felbft eine größere Elnjaljl oon jufammenjuftelleu. ©eorbnet finb bie folgenben Dtecepte berart, baß juerft bie füßlenben unb 434 fcpleimigen ©etränfe unb Suppen für bann erregenbe nupmittel unb fcpliepticp leicpt verbaulicpe unb fräftige 9?aprungSmittel überhaupt fommen. Z a m a r i n »? n w a f f e r. $ocpe in brei SÖaffer glvei Uujen Xamarinben mit einem 9ßfunb auSgefteinter 9iofincn eine Stunbe lang, bann feipe burcp unb laffe ubtüplen. ® e t r ä n f e v o n 31 r r o w v o o t unb f cp w a r 3 e n 3 o p a n n i S- beeren, SRimm 3Wei grope Süffel voll eingemacpte fcpwarje BopanttiS* beeren, laffe fie eine palbe Stunbe langfam jugebetft focpen, bann feipe burcp unb fepe wieber an'S $euer. Oiüpre einen Stpeelüffel Slrrowroot mit faltem SÖaffer ab unb giepe unter beftänbigcm 9tüpreu ben focpenben Saft barüber unb laffe baS falt werben. 2ö e i n ft e i n - S i m o n a b e. 9iimm eine palbe Unje Sßeinfteinfäure (Cremor tartari), ben Saft einer ßitrone unb jluei Gßlüffel Brnfer, tpue alles in einen $rug unb giepe ein Quart foipenbeS Gaffer barüber, beete bann ju unb laffe falt werben. 31 p f e l W a f f e r. (Sin Slepfel in Viertel gefepnitten, wirb ge* fepmort unb mit einem palben Sßfunb braunem Buder in einen ®rug ge* tpan. Qarauf giepe eine (Stallone focpenbeS SBaffer unb laffe falt werben. Berftampfe bann bie 3lepfel, rüpre ben Saft burcp ein Sieb, fülle auf $lafcpen, wekpe man niept üerforft unb bewapre an einem füplen Ort auf. ® e r ü ft e t e S 33 r o b u n b 31 p f e l w a f f e r. Bu Obigem wirb epe baS foepenbe Söaffer barüber gegoffen wirb, ein Stücf langfam, faft fcpwarj gerüfteteS 33rob getpan. ® e r ft e n w affe r. SBafcpe jwei Unjen hi faltem 3Baf- fer unb feipe burcp, fepe bann an7S fyeuer mit einem $int falten SBaffer unb (affe eine SSiertelftunbe focpen. Seipe barauf wieber burcp unb gieße baS SBaffer fort. Oanu fept mau jwei Duart focpeubeS Gaffer pinju unb läßt e§ bis ju einem Quart etnfoepeu. OieS ©etränf faun peip ober falt gegeben, unb auep gefüßt ober (3. 33. mit Zitronen) gewürjt werben. 3:n lepterem $alle, wenn falt genoffeu, ein vorjüglicpeS füplenbeS ©etränf. 9i e i S w a f f e r. B Unjen fReiS, gut auSgewafcpen, unb brei 33iut Sßaffer laffe man 2| Stunbe in einem irbenen ober emaillirten Stopfe focpen, rüpre öfter um unb fcpäume ab. Qanu feipe burcp ein feines ©rapt- ober in einen $rug (aber nur ben fcpleimigen unb niept ben parten Stpeil) unb laffe falt werben. Datmeal = 3Saffer. Stpue einen gepäuften (Splöffel voll grobes Qatmeal (§afergrüpe) in einen $rug, gieße ein Sßint falteS Gaffer barüber unb rüpre eS gut um. Saffe alles fiepen, bis fiel) baS Oatmeal am 33oben beS Truges gefept pat. Qanu feipe burcp unb gebrauepe baS (gewonnene entweber als burftftillenbeS ©eträuf ober 311m Simonabemacpen. 435 © a g o. 3« einer emaillirten riipre brei viertel Spint falteS SBaffer, unb | Un$e ©ago, laffe eine Biertelftunbe langfam tocpen, fdjäume unb riipre öfter um. ®ieb einen ©effertlöffel gefiebten 3ucfer pinju. Bon Sffiein ober Branbp fann man, falls bem Patienten nidjt fdjäblicp, jwei bejw. einen £)effertlöffel voll pinjutpun. ©eröfteteS Brob nnb SBaffer. Diöfte eine ©cpnitte Brob fcpön braun, opne fie ju verbrennen, lege fie bann mit einer bünnen ©cpeibe Gitrone ober ein wenig üDäiSfatnuß in einen Ärug unb giefje ein Quart todjenbeS BJaffer barauf. QaS ®anje, wenn falt, feipe burcp. 9?imm ein Sßfunb mageres, feingefdjnitteneS $leifcp, jwei Gßlöffel falteS BJaffer, ein Wenig ©alj, tpue bieS jufammen in ein GinmacpeglaS, bebetfe leptereS mit einer Untertaffe unb ftelle eS in eine, ein wenig focpenbeS Bßaffer entpaltenbe $afferole. Qiefe fepe an'S Reiter, laffe jwei ©tunben fodjen, bann nimm baS ®laS perauS, britcfe baS $leifd) aus unb fdjöpfe, nacpbem ber gewonnene Gjtract erfaltet, baS $ett ab. i n b f l e i f d) - (5 £ t r a c t. Gin panbgroßeS ©ti'uf gutes ©teaf, um gefäpr einen palben 3oll bicf, wirb einige Slugenblitfe in eine feljr peiße Bratpfanne gelegt unb bann umgeWenbet. 3J?an laffe eS nicpt bräunen, fonbern nur burd) unb burd) peiß werben, unb brücfe fd)ließlicp ben ©aft mit einem Gitronenpreffer in eine peiße STaffe unb falje nad) Gfefcpmacf. Dtinbfleifcpbrüpe. Gin Sßfunb gaiß mageres üfinbfleifcp wirb in feine ©tncfe gefdjnitten unb mit einem palben ''ßint faltem äßaffer in ein GinmacpeglaS getpan, welcp' leptereS man jubedt unb eine ©tunbe auf bem $erb ftepen läßt. Qaun fepe baS ®laS in einen Stopf mit Sßaffer, fo baß biefeS mit bem be§ ®lafeS auf gleicher fteßt. ©epe beu Stopf auf ben §erb unb laffe fiepen (nicpt tocpen). QaS Sßaffer im @la§, baö verbunftet, ift burdj neues erfepen. 91adj früpeftenS brei ©tunben nimm baS ®(aS aus bem Stopfe, feipe ben beS ®lafeS burep unb würje nad) Belieben mit Pfeffer unb ©alj. (GS ift uidjt nötpig ben ganzen 3npalt beS ®lafeS auf einmal buiipjufeipen, b. p. wenn weni- ger ftleifcpbrüpe gebraudjt wirb, als im ®lafe ift, feipt man nur fo viel burd), wie man will, unb fept baS ®laS mit bem 9?eft wieber auf ben §erb; aber nidjt tocpen (affen, fonbern nur warm erpalten). § a m m e l f l e i f cp b r ü p e. Gin unb mageres (opne wirb in brei SßintS SBaffer langfam getocpt, bis baS ganj jart ift; bann falje unb fdjneibe etwas pinein. Söenu falt, fdjöpfe baS $ett ab. - 9J?it 9?eiS ober ®erfte, bie aber erft für fiep allein Weid) ju fodjen finb, giebt bie Brüpe eine vorjiiglidje © u p p e für Die- convaleScenten ab. 436 Kalb Sfußbrüße. 9iimm jwei Kalbsfüße, feingeßadt, tßue fie mit jwei Quart Gaffer, einer Sföurjel unb ein wenig 90?uSfatblütße unb ©alj in einen SLopf. Kod)e brei ©tunben, bis bie 23rüße 311 einem Quart jufammengefocßt ift, bann feiße burcß unb füge eine Stoffe guten 2ßein unb einen Xßeelöffel Voll Bnbian ober Qatmeal (Hafergrütze) ßinju. $ l e i f d) b r ü l) e mit Qatmeal (H u f e r m e ß l * 23 o u i 11 o n). 9?üßre jwei (Sßlöffel Qatmeal (Hafermeßl ober Hafergrütze) mit jwei löffeln voll faltem Gaffer, füge ein 'ißint fräftige, fod)enbe gleifdjbrüße ßinju, focße beibeS jufammen fünf bis fed)S Minuten unter ftetigem Um- rüßren unb bann feiße burd). Hüßner*©uppe. $erfd)ueibe ein junges Hußu, tßue uiit einem Quart SÖaffev in einen unb focße eS jwei ©tunben. Qann gieße bie 23rüße ab, laß' fie falt Werben unb fdjöpfe baS gett ab. ® e m ü f e - © u p p e (für Kranfe, benen tßierifdje Diaßrung ju unter* fagen ift). ,ßmei große, gefdjälte Kartoffeln werben nebft einer unb einem ßalben altem, jerfrümeltem 23rob in jwei Quart Gaffer auf ein eingefoeßt unb biefeS bann burdjgefeißt unb mit etwas geßad* ter ©alj unb vielleicßt and) Pfeffer gewinnt. Qann berfe man ju unb laffe falt werben; fann eventuell and) warm (aufgewärmt) gegeben werben. ß o rnine al*$rüß ftüdsfud) en. (Sin gefiebteS Corn* meal, unb jwei (Sßlöffel SBeijenmeßl, gut Vermifdjt, ein (Sßlöffel Bucfer, ein Stßeelöffel ©aQ, ein Stßeelöffel BakingSoda, jwei Stßeelöffel Cremor tartari, rüßre gut unb fdjnell bureßeinanber mit einem $int frifdjer SDiild), einem gefdjlagenen ßi unb einem eigroßen ©tüd 23utter. Stßue ben Steig in eine nidjt ju tiefe Pfanne unb laffe ißn jwanjig SDlinuten in einem ßeißen Qfen baden. 2öeißwein*2Ößep(*3ftolfe). ßin Weinglas Voll ©ßerrp mifdje mit einem ßalben 'ißint fodjenber SJiildj, feiße baS ®anje burd) ein feines ©ieb unb fiiße nad) ©efeßmad. ©eronneneS barf nidjt genoffen werben. 23ranbi)*3)Mfd)ung. 9iimm ad)t ßßlöffel 23ranbp (Cognac), ebenfoviel Biwmtwaffer, jwei (Sigelb unb einen geßäuften ßßlöffel Weißen Buder. 9tüßre (Sigelb unb Buder jufammen, bann füge Biuimtwaffer unb fdjließlid) ben 23ranbp ßinju unb rüßre baS ©anje gut burd) einanber. öS wirb in ©aben von jwei bis vier Eßlöffeln als ©tärfungS* unb 2ln* regungsmittel verabreicht. ß i e r w e i n. ©eßlage baS ©elbe von einem ober meßreren ßiern, mad)e ein ©las ober nad) belieben meßr ober Weißwein ßeiß, löfe barin ein ober jwei ©tüde Buder auf unb gieße bieS vorfid)tig unb ganj allmälig ju ben ßiern ßinju, unb jwar unter fortwäßrenbem 9?üßren nad) berfelben ©eite ßin. Hn^e ß'u anbereS ©efäß bereit unb gieße baS ©anje, 437 um eS fdjäumenb ju madjen, einige DJiale fdjnell von einem in bas anbere ©efäß. 3R i l dj * V i m o n a b e. (SedjS Uttjen ©tüdenjuder, in einem ißint fodjenben Sßaffer gelöft, werben mit einem viertel Quart ©itronenfaft, ebenfo viel ©Ijerrl) unb brei viertel ißint falter HJcild) gemifdjt. QaS ®anje ift burd) Flanell }u fieben. ® e 1 a t ine«iD?ild). $u einer viertel Unje ®elatine, in einem viertel ''ßint fodjenbem SBaffer gelöft, füge ein ißint tjeiße SOiildj unb nadj belieben einige Jropfen ©itrouenfaft ober ÜWanbeleffenj unb Buder. (S i unb 3)? i l dj. <Sdjlage ein frifdjeS ©i mit wenig <SaI$ unb giefje es unter forgfältig 9iül)reu in ein ißint fodjenbe iDiild). ju gemeßen. kalter 3J? i I d) - Z o a ft. Jrotfne unb bräune einige ©djnitten altes 33rob, ftoße fie in einem HKörfer fein, fülle eine @d)üffel bamit ljalb voll unb gieße falte Wiild) barüber. <ee£e nadj ©cfdjmad @alj ober Buder ju. SEßeiclje jwei ©ßlöffel 9?eiS ober @ago jpvei etunben laug in warmem Gaffer ein, gieße bann bas Gaffer ab, rüljre ben 9ieiS in ein 5ßint iDtild), füge etwas Buder unb bade eine ©tunbe. ®rieSbrei. 9tüljre jwei ©ßlöffel ®rieS in ein Quart Sßaffer, laffe eS fodjen, bis es bid geworben, bann tljue ein 'ißint üftildj unb ein wenig ealj ljinju. 9iad) fünfjeljn fOtinuteu weiteren $odjeuS fdjütte es in eine ©djüffel unb füße uad) ®efdjmad. Q a tm e a l b r e i. 9xüfjre ein paar ©ßlöffel Qatmeal in einem 'ißint fodjenben SBaffer ab, laffe bieS jeljn bis fünfjeljn Minuten gut todjen, falje bann unb gieße eS burd) ein Sieb. 3ft eS bem trauten erlaubt, füge ein wenig ißortwein unb Buder Ijinju. Xljue über 9?adjt eingeweidjteS §omini) mit 1| 'ßints üDiild) in eine ©djüffel unb bade 20 iDiinuten im Qfen. ® e b a d e n e S ft o r n b r o b. 91imm ein Quart frifdje Wtildj, eine 2djeetaffe voll SJfoIaffeS, einen 5:l)eelöffel in einer Jaffe iDtildj aufgelöfte @oba, ein 'ißint ßornmeal, eine Jaffe DJieljt unb ein wenig Saf}. ©djlage ben Jeig redjt loder, tljue in formen, bie mit butter auSgeftridjen wür- ben unb laffe jwei «Stunben baden. §eiß ju geben. 9)? 11 dj - ® u p p e. (Sinen großen, in taltem SBaffer abgerüljrten Pöffel Sftetjl rüljre in ein 'ißint fodjenbeS 3Baffer unb nadjbem bas fünfjeljn Minuten gefodjt ljat, eine Jaffe voll 9)?ild) unb ein wenig @alj tjinju; bann laffe nodjmalS auffodjen. J a p i o c a® e l e e. ©ine Jaffe befteS Japioca wirb in einem 5ßint taltem Gaffer eingeweidjt, in eine Äafferole mit einem "ißint ober meljr 438 SBaffer, bet Sdjale unb bem Saft einer (Sitrone, einer ©affe voll 3uder unb ein wenig getljan unb bis jum fodjen gerütjrt. ©ann fdjütte baS ©anje in eine $orm unb laffe falt werben. (9luf Wtnfdj fann and) ein ©las SBein Ijmjugefügt unb ftatt ©apioca and) Sago ober 2Irrowroot genommen werben). 53rob*@elee. 9töfte fünf Sdjnitten altes 53rob, von benen bie 9iinben abgefdjnitten würben, bellbraun, todje fie mit einigen Sdjeiben (Sitrone ju einem ©elee in jwei Quart todjenbem SÖaffer, feitje burdj unb füjje nadj ©efdjmad. 2ln Stelle ber (Sitrone fann and) etwas SBein gebraudjt werben, ben man mit bem 3uder ju gleicher 3eit tjinjufügt. Jtalt ju geben. 53iSquit unb SD?ildj. (Sin 2lrrowroot*53iSquit, gefloßen, rüljre in ein IjalbeS ober brei viertel SDtildj. Süß unb (nadj 53elieben) Ijeig ober falt ju genießen. Wtaisftärfe* Tübbing. ©Sier (Sfclöffel SOlaiSftärfe löfe in ein wenig falter SOtildj, todje brei Minuten unter beftänbigem Dtüljren in einem Quart SOlildj, nimm vom $euer, tljue einen (Sftlöffel voll 53utter ljinju unb laffe falt werben. Sdjlage vier (Sier, baS (Selbe unb SBeifje für fidj, füge 311 bem (Sigelb fedjS (Splöffel voll $uder, irgenb ein beliebiges SIroma (Vanille, (Sitrone) unb fdjliefjlidj baS (Siweifj 53errüljre baS ©an je gut mit ber abgetüljlten SDtaiSftärte, fülle in eine mit 53utter auSgeftridjene Sdjüffel unb laffe eS eine ljalbe Stunbe baden. $alt ju ferviren. Tübbing für ®inber. &?ütjre jwei ©effertlöffel OOteljl mit etwas falter SOiildj ab, fdjütte in ein falbes $int fodjenbe 9)?itdj unb rüljre fo lange nadj berfelben Seite, bis gut. £api oca = 90?ildj. Sine ljalbe Unje vom beften STapioca, 1| SßintS frifdje SJiildj, einen Qeffertlöffel voll gefiebten 3uder. Vaffe 2| Stunben unter Ijäufigen Umrüfjren langfam fodjen. 9t e i S = 3JI i l dj. (Sin (Splöffel vom beften 9teiS, | frifdje SOtildj, einen Qeffertlöffel gefiebten $uder. SBafdje ben 9teiS unb todje iljn Stunbe in ber Wtildj, bann rüljre burdj ein Sieb, füße unb laffe nodj we= nige Minuten fodjen. 9(albrülje. (Sin ljalbeS 'jßfunb 9lal, in tleine Stüde gefdjnitten, etwas eine Sdjeibe .ßwiebel unb einige todje lang* fam in brei 'ißintS SÖaffer, bis ber 2(al ju jertodjen anfängt. Qann fatje unb feilje burdj. Forellen ober 90tafreien 311 fodjen. (Sine Forelle ober 9)iafrele wirb in naljeju todjenbeS SBaffer getljan, unb ein (Sjjlöffel voll Salj ljinjugefügt. ©ann wirb rafdj aufgefodjt unbnadjljer nodj langfam fodjen gelaffen, bis gar. ((Sin einpfünbiger g-ifdj bebarf baju etwa 12- 439 15 Minuten). Söäßrenb beS KodjenS ift Dorficßtig ju fcßäumen. Söirb mit brauner butter feruirt. Slufterufuppe. (Sin Quart Sföaffer, ein 5ßint SRitcß unb 2 (Sß- löffel butter werben gefocßt. ©arin tßue ein Quart Sluftern unb laffe bis jum Sluffocßen fommen. Salj unb Pfeffer nacß belieben. Sluftern 31t focßen. ©ie Sluftern werben in ben (Dorßer gerei- nigten) Scßalen üier Minuten in SSaffer gefocßt unb bann mit f alter 4But= ter feroirt. Steinbutt ju focßen. ©er $ifd) wirb gewafcßen, mit einem (Sßlöffel Sals unb etwas (Sitronenfaft abgerieben unb eine Stunbe fteljen gelaffen. ©ann fcßütte ißn mit einem (Sßlöffel Sals unb einem Sßeinglas weißem (Sffig in Diel falteS Söaffer, fodje rafd) auf, jieße vom Reiter unb laffe langfam brobeln, bis gar. (Sin Heiner $ifd) brandjt baju ungefäßr jwanjig Minuten. SBäßrenb beSKodfenS ift gut 311 fdjäumen. S p i n a t == (S r e m e. ©aS (Selbe non acßt (Siern, tücßtig gefcßlagen, wirb gefüßt unb, nacßbem man brei wertet frifdje SDHld), ein 5J3int Saßne unb eine Stange sugetßan, gerüßrt. ©ann füge ein viertel sßint Spinatfaft ju unb laffe unter beftänbigem Umrüßren langfam fodjeu, bis biet. Kalt 31t ferüiren. S t a dj e l b e e r - (S r e m e. (Sin 'ißint Stacßelbeeren werben mit bem Saft einer Heinen (Sitrone, ber Hälfte ber Sdjale berfelben unb brei Dier* tel $funb Stüifenjncter 3U einer breiigen äRaffe gefocßt, unb biefe wirb bureß ein bureßgefeißt. ©ann füge ein Saßne ßinsu unb feßlage mit einem Scßaumbefen, bis eS biet wirb. Kartoffelmus (für 9JeconoaleScenten). (Sin mit ber Schale (weid)) gefodjte Kartoffeln werben gefdjält, gefloßen unb bann burd) ein feines Sieb gefdjlagen. SBenn falt, fdjütte nebft etwas Salj eine Heine Üßeetaffe frifdje 9)?ild) langfam unb unter beftänbigem Umrüljren 311. 9?adj= Ijer wieber ju erwärmen. 2 e i n f a m e n 11) e e. (Sine ganzer Veinfameit, eine Unje weißer Buder, eine ßalbe Unje Hier (Sßlöffel (Sitronenfaft. ©arauf gieße jwei 'ißints fodjenbeS Gaffer, laffe baS (Sanje vier Stunben an einem ßeißen Orte fteljen unb feiße bann bie glüffigteit ab. 9cid)t für Patienten, bereu SIrjenei 4Blei, (Sifen ober Kupfer enthält. (Summi arabicum = 2öaf fer. £l)ite in ein (SlaS eine feinen (Summi arabicum, jwei Unsen ein 9?iut SBaffer unb ftelle baS in einen Sopf mit fodjenbem SBaffer. fRüßre oon Be>t Bed, bis ber (Summt aufgelöft ift. (SS ift bieS, fo ßeiß wie möglicß genoffen, ein gutes (Seträuf jur 9lacßtseit für foldje, bie am £mften leiben. - Ober: ööfe eine Unje Dom beften (Summi arabicum in jwei 'ißints faltem Saffcr unb würje mit (Sitronenfcßale. 440 3 § l ü n b i f d) e § 9)? o o S. ($ür Sruftfranfe). (Sine Huje iSlänbi« fdjeS StooS wirb abgebrüpt unb bann mit 1 Quart SBaffer (etwa 3 ©tun« ben) auf 3 Taffen eingetodjt. Tann preffe (burcp Seinwanb ober $tanefi) burdj, füfje unb taffe - wenn gewünfdjt, mit frifdjer SUld) - trinten. Rolfen. (gür Sruftfrante). (Sin ©tüd trodener Äälbermagen wirb 12 ©tunben in tattern SBaffer eingeweidjt unb bann mit bem Sßaffer in 1| Quart taugfam fodfenbe Stild) gerüprt. TaS ®an$e ift auf fdpvadjem J-euer (etwa eine Siertelftunbe) ju todjen, bis bie Stbfonberung erfolgt, worauf man es burd) Öeinwanb burdjfeipt. 8 e i n f a m e n«S i m o u a b e. für 9iimm jwei (Sptöffel Seinfamen ju brei viertel warmem SÖaffer, taffe bieS eine ober jwei ©tunben ftepen, bann feipe burd) unb tpue nad) ©efcpmad (Sitronenfaft unb Zuder pinju. Tie befte Slrt ber Zubereitung beS $leif dje§ für Äranfe (abgefepeu von ftifdjen ober ©djaltpieren, wetdje nidjt ju braten, fonbern 311 todjeu ober beimpfen fiub; f. oben) ift bas 9töften (im "broiler") über offenem Reiter. sparte unb angebrannte Prüften fiub bem Oranten aber iiidjt mit vorjufepen, fonbern forgfältig abjufcpneiben, fo baf? ber Patient mir baS faftige innere beS $leifd)ftüdeS erpätt. 9iädjft biefer Zuberei« tungSart ift baS Saden im Qfen (in einer irbeneu Pfanne) 311 enipfepten. Unter reicplicpem $ett« ober Suttequfap in einer eifernen Pfanne im Qfen ober in irgenb einer Pfanne über offenem Reiter braten, ift nidjt jutäffig. TaS Tämpfeu beS $leifd)eS, wobei biefeS in Heine ©tüdcpen gefcpnitten unb in einen Topf mit wenig Slöaffer gelegt wirb, ift eine empfeptenSWertpe Zubereitungsart, unb jwar um fo mefjr, wenn ber betr. Topf nidjt birect auf baS geuer, fonbern in IjeifjeS SßJaffer gefept wirb (f. ©. 435, Diinb« fteifdjbrüpe). 9)lan pat aber beim Tämpfen immer barauf 311 adjten, bap baS SÖaffer, in wekpem baS liegt, nicpt in'S Äocpen gerätp, woburcp baS $leifcp part unb jäpe wirb. SBill man $leifcp tocpen, opne biefeS feiner näprenbeu Seftanbtpeile ju berauben, fo tpue man eS fofort in tocpenbeö SBaffer unb (affe ungefäpr 10 WUnnten (über bem Reiter) weiter tod)en. Tann jiepe vom offenen Reiter perunter unb (affe taugfam weiter brobcln, bis gar getocpt. Ta§ Tarreicpen ber 9?aprung gefcpepe bei allen trauten, befou« berS aber bei giebernben unb folcpen Patienten, bie an fdjledjter Serbau« ung leiben, in Heineren Stengen unb Zil1if^euri:iumen- größere Slapljeit, auf einmal gegeben, wirb nid)t nur nid)t verbaut, fonbern ruft bei bem Oranten aucp Abneigung gegen bas (Sffen unb Uebelteit ober wopl gar (Srbredjen pervor. (SS ift aber von groper £ßid)tigfeit, ben geringen Appetit, ben ein trauter pat, 311 erpalten. Sian füllte beSpalb and) einem Patienten immer etwas weniger geben, als er auf einmal $u effen vermag, 441 fo bap er feinem Slerger barüber Suft mad)t, baß er „$n wenig 31t effen be= tommt". <Sinb bie VerbauungSorgane auperorbentlid) gefd)Wäd)t, fo mup man bem Krauten benuod) eine beftimmte SJienge (paffenber) Nahrung jufüpren unb bieS, wie gefagt, in Heineren Wlengen unb 3wifd)enräiimen tfjnen. £>at ber 2lqt 3. 23. verorbnet, bap ber Kraute ade brei Stunben einen ©iffentopf voll glüffigfeit 3U fiel) nehmen foll, fo mup ber Krauten* Wärter, falls ber 3J?agen beS Patienten bie glüffigteit nidjt auf einmal an* nimmt, alle Stunben einen (Eplöffel ober nod) beffer alle Viertelftnnben einen Teelöffel bavon geben. (£0 vermögen and) bie meiften nod) fdpva* d)en Krauten nid)t vor 10 ober 11 Ut)r Vormittags fefte 9?aljrung 31t fiel) jn nehmen, felbft wenn fie vom junger bis 3U ber angegebenen 3eit ganj entfräftet werben. $n foldjen fällen ift bie ®efal)r beS SluShungernS leid)t babnrd) abjuwenben, bap man bem Vatienten ftünblid) ober halb« ftünblid) einen Söffet flüffiger Nahrung ((Eiermild), Suppe, Seimbrühe, u. f. w.) reid)t, bis er fefte (Speifen jn geniepen im Staube ift. 23ei gropen <Sd)Wäd)ejnftänben follte man bem Krauten and) jnr 91ad)t.5eit Währung geben. Sdjlaf ift einem Vatienten oft baS Ijanptfäd)« lidjfte 23ebürfnip, unb foll man barum einen Krauten nur in feltenen gälten aufweifen. Siegt aber bie ®efal)r nahe, bap bie Sdjwädje ben tränten Körper übermannt, wie bieS betani\tlid) öfter in ben frühen WZorgenftun* ben vortommt, bann ift ber Vatient unter allen Umftänben bem Sdjlafe ju entreißen unb 311 ernähren refp. mit einem erregenben ©enupmittel 311 be« leben. 23ei ben meiften Krantheiten fährt man am beften, Wenn man bem Vatienten fürs vor 23 e ginn ber Wad)trul)e nod) einmal Wahrung reid)t. 23ei ber Ernährung eines Oranten foll man niemals (Gewalt anwem ben. ©iefelbe ift and) überflüffig, wenn ber Ärantenwärter feinen fing ridjtig 311 beljanbeln verftept. ©er Trante mup an beftimmte (Sp3eiten gewöhnt werben, fo bap er beim§erannal)enberfelben baS 23ebürfnip nad) Nahrung fül)lt. 3ft gefommen, bann laffe man aber and) ben Oranten nid)t warten, anbernfalls (abgefeljen von ber burd) bie rung verurfadjten Erregung beS Oranten) legerem bie Suft 311m Qffen verloren gel)t. Verweigert ber Trante bie 9ial)rungSaufnaI)me, bann foll ber Ärantenwärter bem Vatienten gut 3ureben (aber nie (Gewalt gebrau- d)en) unb Vorhalten, bap er (ber ßrante) effenmup, Wenner genefen will. SlUeS anberen fRebenS mit bem Vatienten wäl)renb ber fUlahlseit hat fid) ber Äranfenwärter 311 enthalten; baS ®leid)e gilt von etwaigem Ve* fud). 21m wenigften barf man mit einem Oranten wäl)renb ber 9J?aI)t3eit über baS (Sffen felbft reben. ©aS gefd)epe gelegentlich vorher, inbemman fid) erfunbigt, wie ber Traufe baS (Effen 3ubereitet haben will; ob in Heine Stüde 3erfdjnitten, ob Kartoffeln ober Kartoffelmus, u. f. w. ©ie V3al)l ber 9ial)rung felbft barf jebod) bem Krauten niemals überlaffen werben, 442 fonbern hat biefelbe ber SIrjt 311 beftimmen. Onbeffen fann man Söünfdje beS tonten berüctfirfjtigen, jo lange biefelben nicfjt gegen bie biätetifdje •iöehanblung verfloßen. Soweit mit letzterer vereinbar, fotl bie tonten* toft and) möglichfte 2lbwed)Slung bieten, üöäljrenb ber Whdjljeit füll man ferner einem Patienten nidjt unvenvanbt jufdjauen. £)er tonte wirb mit bem (Sffen nm fo leichter fertig, je weniger er babei (burdj Dieben oberen* fdjauen) geftört ivirb. Oft bie DDialjlseit beenbet, fo entferne man etwaige Diefte berfelben unb alle Sifd)gerätf)e fofort aus bem tonfenjimmer. ®aS gefdjelje and) bann, Wenn ber Patient nur wenig genoffen Ijot. DJian beute nidjt, baß ber tonte von einem ©eridjt, baS man neben feinem 4öett fteljen läßt, fpäter von felbft jnlangen werbe. S)aS ift nur feiten ber $all; immer aber wirb baburd) bem Patienten bie bctr. Speife Verleibet. DJlan füll beSßalb aber nidjt gleich unberührte ober übrig gebliebene (Speifen wegwerfen. Mitunter trägt ber tonte nad) ber feftgefejjten SffenSjeit Verlangen nad) bem betr. ©eridjt. On foldjem $alle ift falls es warm 311 ge- nießen ift, anfjuwärmen, nnb jebe Speife, ob falt ober warm 311 genießen, auf einem frifdjen Seiler abermals fo 311 arrangiren, als ob fie bem tonten jum erften DJlal würbe. Um bie (Sßluft beS Patienten anjureijen, refp. nidjt 31t üerfdjeudjen (unb baS ift bekanntlich von großer SBidjtigfeit), füllten überhaupt alle DJialjljeiten fo appetitlich möglid) ferüirt werben. £)aS ©efdjirr ift außerorbentlid) rein 311 holten. £)ie Speifen finb außerbem, wiefdjon ge* fagt, möglidjft nad) bem beS Patienten ju arrangiren (Hein 31t fdjneiben, u. a. m.), weil ber tonte es nicht leiben mag, wenn er feine Diatjrung fiel) erft felbft in bie gewünfd)te $orm ju bringen I)ot. Sillen Oranten unb befonberS feljr gefd)Wäd)ten ift baS (Sinneljmeu ber W?ahljeiten fo bequem wie möglich ju madjen. Sdjwerfranten wirb baS (Sffen jur Saft, wenn fie babei fid) I)od) aufridjten unb gerabe holten müffen. Oft baS unumgänglich (bei fefter Nah- rung), fo lege man unter ben Dtütfen beS Patienten Riffen unb ftelle baS Gffen vor ihn auf einem fdjrägen 53rett ober befonberS einge= rid)tetem£ifd)d)en; vergl. Xeyt ju gig. 187). B'Iüffige Währung läßt fiel) leid)t reichen, ohne baß ber Trante fiel) babei hoch ober überhaupt aufjurichten hot. fD2an hierbei Soffen, bereu vorbere §älfte nebft bem Dftunbftücf bebeeft ift (f. $ig. 189). SluS foldjen Soffen tonn ber ohne I)od) aufgeridjtet ju werben, unb ohne baß etwas auS ber Saffe überfließt, trinfen. Schere barf freilich nidjt bis an Fig. 189. 443 ben 9?anb gefüllt werben. Ober man bebiene fiel) (im ftumpfen SBinfel) gebogener ©laSrößren, Welcße man in bie Xaffe ober ben Xopf, barin bie 9?aßrung enthalten ift, fledt, unb burdj weldje letztere Dom Traufen eilige- fogen wirb. Scßließlicß tann man aber and) lange ©ummiftßläitcße an- weuben, beren eines (Snbe in bie Oaffe (ben Oopf ober baS ©las) reidjt iijjb bort befeftigt ift, unb beren anbereS (5nbe bem Patienten in ben$?nnb geftedt wirb. ©S ift bieS bie für ben Traufen bequemfte 9(rt (flüffige) 9iaßrnng jit genießen (ober 511 trinfen), beim baS betr. ©efäß bleibt auf bem STifdje fteßen unb ber Patient braudjt fid) gar nidjt aufjurießten (f. Big. 190). ©egen ben ©ebraud) folcßer ©ummifdjläucße fprießt aber, baß biefelben (ebenfo wie bie langen Scßläucße ber Sangflafdjen; f. S. 371) fdjwer 311 reinigen finb. S3ei ber 53enußiing von ©ummifdiläudjen jur $raidenernäßrung adjte man alfo feßr barauf, baß bie Scßläiuße immer rein finb. $e enger bie festeren, befto größere (Sorgfalt ift gebo- ten, weil enge Sdjtäudje feßwerer ju reinigen finb a(S Weite. ®e- gen enge fRößren ift nod) ber Um- ftanb anjufüßren, baß fie fid) bei bidflüffiger Dlaßrung leidet Ver* ftopfen, woburdj ber Trante ju ftarfem Saugen veranlaßt unb augeftrengt wirb. Sim beften ver= Wenbet man bie Scßläucße nur bei feßweren unb nur jum Printen; wenn rein gehalten, finb fie bann aber ein ivertßvolIeS ©erätß im •Söewußtlofe unb belirirenbe Patienten finb natürlicß feßwerer ju er- näßren als Traufe, welcße im ißreS SiimeSoermögenS finb. 3:n foldjen fällen (ber ober beS ©elirirenS) fudje man juerft bie Slufmertfamfeit beS Äranfen möglidjft ju erregen, bann fe£e man ben Söffet (ober bie $ranfentaffe, f. Big. 189) an beS Patienten Sippen unb bringe fdjließlid), uadjbem man bie leßteren burd) fanfteS unb 9tücf- wärtsfdjieben jum Deffnen gebradjt, ben Söffet möglidjft weit in ben 2)iunb, worauf er langf am feines entleert Wirb. Patienten, weldje gauj unfähig finb, SRaßrung ju fid) ju neßmen, finb mit „ernaßren- ben $Ißftieren" auf lange 3eit ju erßalten (Vergl. S. 198). Soldje Ä(l)= ftiere, benen immer ein reinigenbeS Sßafferflpftier (von 95° F.) vorauSjiu fd)i(fen ift, müffen aber Stoffe in ben SRaftbarm einfüßren, Welcße nidjt erft verbaut ju werben braueßen, fonbern fofort reforbirt werben fönnen. HRan verwenbet beSßalb ju folcßen $Ü)ftieren entweber ganj fein gcßadteS ober gefcßabteS Diinbfleifd), welcßeS mit Sßaffer nnb fein geßadter unb Fig. 190. 444 forgfältig von $ett gereinigter Vaud)fpeid)elbrüfe (Von Schwein, $Rinb ober Schaf) 311 einem bieten Vrei angerührt würbe, ober fein gequirlte (Sier mit etwas SBaffer. 3m erfteren $alle wirb baS gleifd) burd) ben $ufah non Vaud)fpeid)elbrüfe jur Sluffaugung (im SOlaftbarm) gefdjidt gemacht, im letzteren $alle fe£t man aus bemfelben Orunbe ju (Si unb nadjbem biefe 9J?ifd)ung einen tjalben Sag im Keller geftanben hat, bann burdjgefeiljt unb wieber auf 95° F. erwärmt worben ift, etwas 9J2ild)fäure (unb vielleicht and) etwas getodjte Starte) Ijinju. Sßeibe äfTifdjungen finb fofort, nadjbem fie jubereitet worben, einjufprihen. Oe* gen (Srfd)öpfung unb Sd)Wäd)e eignen fid) SBeintlpftiere, am heften non gutem, füßem Ungarwein, ben man mit jwei- bis breimal fo viel biinner Stärteabtochung verfemt Ijat. ©ie Unfähigkeit beS Krauten, Nahrung ju fiel; ju nehmen, beftel)t aber nicht blofs in Vewußtlofigtcit ober mechani* fdjen (2lnfd)wellungen ober Verlegungen beS SdjlunbtopfeS, ber Speiferöljre ober beS SftagenmunbeS), fonbern and) in bem Unvermö* gen beS Patienten (refp. beS tagens beSfelben), Speife bei fiep ju behal- ten. Sind) in folgern $alle foll man (wenigftenS zeitweilig) ju (Srnäl)* rungStlpftieren feine Bufludjt nehmen, um bem SDZagen bie ipm nötljige Qiulje ju gönnen. Um (SiS ftüd'djen (jum Kühlen von Oetränfen ober in ben Wtfitnb Nehmen) im Kranfenjimmer ju erhalten, ohne baß fie fchmeljen, unb ber Kranfenwärter immer gezwungen ift, neue Stücfdjen abjufdjlagen, bri'ufe man ein $lanellläppd)en in ein ®laS hinein, fo baß mehrere (SiSftiide barin liegen tonnen (f. gig. 191). ©aS Väppdjen wirb außen am ®laS burdj einen Vinbfaben ober eine ®ummi= fcplinge befeftigt. ©edt man baS ®laS bann mit mehreren bidjt ju, fo er- halten fid) bie (SiSftüde im ©las refp. in ber ftunbenlang. SBaffer, wenn fid) foIcpeS im Olafe bis ju ber ftlanelleinlage angefammelt tpt/ ift natürlich abjugießen. Oft man gezwungen, im Äranf'enjimmer (SiS jn jertleinern, fo gefd)el)e bieS, inbem baS (5iS in ein (raußeS) §anbtud) eingewicfelt wirb, ©abureß wirb nid)t nur baS Uml)er« fplittern beS öifeS, fonbern auch unnötl)iger ßärm üermieben. ©ie hiiuptfärfjlichffcn Alrnnfl)citscrid)cinungcii, mit weldjen ein Äranfenwärter befanntfein muß, finb folgenbe: ©aS fieber. ©aSfelbe ift betanntlich eine welche funbgiebt, baß im Körper ein vermehrter Umfah von (Siweißfub® ftanjen ftattfinbet (f. S. 400). ©aS wid)tigfte beS Fiebers ift l)ol)ß Körpertemperatur. Fig. 191. 445 2Bir wiffen von früher fjer, ba£ biß normale Eigenwärme beS menfdj* ließen Körpers jwifeben 96-99£° F. fdjmanft; innerhalb biefer ©rennen fann bie Körpertemperatur [teigen ober fallen, oljne baß ein tranfljafter bie 23eranlaffung baju ift. ©o wiffen mir ja and), baß bie animale Sßärme nadj ber febeSmaligeu (mit 53eginn ber Verbauung) [teigt, ferner, baß bie Körpertemperatur 511 Ver- fdiiebeneu XageSjeiten variirt (ungefähr um 3 Uljr borgens am uiebrig« ften unb gegen 9 Ußr SJlorgenS ober jmifd)en4unb 6 llßr ÜcadjmittagS am hödjften ift), u. a.. m. £ie £)öl)e ber Eigenwärme ift fdjließlid) and) nad) bem Sliter verfdjieben, unb jwar beträgt fie bei benKinbern etwa 1° mehr als bei Ermadjfenen. Xrotj allebem Werben Wir finben, baß bie normale Körpertemperatur (eines gefunben Ermadjfenen) niefjt fo großen ©diwaiv hingen auSgefetK ift, wie bie oben angegebenen ©djranfen (96-99|° F.) julaffen, fonbern in ber Siegel etwas Weniger als 98£° F. beträgt. SluSbem ©efagten geht hervor, baß ein Slbweidjen von bem le£t= genannten Stemperaturgrabe, fo lange eS in ben vorher ermähnten (Sirenen (96-99|° F.) bleibt, nur auf Vorgänge im Körper ober 53eeinfluffungeu beSfelbeu von außen fdjließenläßt, weldje nid) t franfhaft finb, bejw. le ine 53eforgniß ju üerurfadjen brauchen, ©teigt aber bie Körpertemperatur über baS normale SJlajimum F.) hinaus, fo ift fie „fieberverbädjtig", unb eS ift immer geraden, falls 100° überfdjritten werben, einen Slrjtju Slathe ju gießen. Eine Körpertemperatur von 100.4° F. wirb gwar nod bei Kranfen beobachtet, weldje nicht an gieber leiben, inbeffeu if baS festere in ben meiften gälten vorljanben, fobalb bie Eigen* wärme mehr als 100° beträgt, ©ie gemöhulidje giebertempe* ratur (ohne baß ®efaljr für baS Ceben beS Patienten naße liegt), fdjmanft jmifdjen 100-105°. ©teigt fie barüber hinaus, fo ift baS Veben beS Kranfen bebroht, unb erreicht fie eine §öl)e von 108° ober 109°, bann fann man fidj auf baS Eintreten beS £obeS in verhältnißmäßig furjer £eit gefaßt madjen*). ©teigt bie (Sigemvärme über bie Siorm, fo wirb fie fomoljl vom Kranfen felbft, als and) von ber, auf bie §aut beSfelbeu ge- legten £>anb beS ober KranfenmärterS als £)i£e empfnnben. ©er ©emperatnrfinn giebt uns aber feinen Sluffdjluß über bie feineren ©cm= peraturnnterfdjiebe, unb außerbem täufdjt er oft; feuchte <f)aut eines fiebernben Kranfen fühlt fidj 3.53. oft füljl an, unb trotfene §aut männer, Fig. 192. *) ©a§ ©inten ber ©igenmärme (unb ein folcheä ift bet Krantheiten fchon big 3U 78.8° F. beobachtet Worben) ift nicht minber gefährlich unb beforgnifjerregenb. g-ällt bie Körpertemperatur unter bag normale SWinimum (96° F.), fo ift baö ein Reichen, baj) bie PebcmSoorgänge im Körper ftotfen. Slucf) bann ift foflleicß bcrlRath eineö SlrjteSeins juholcn. 446 als fie in Sßirflicpfeit ift. Um bie Körpertemperatur ju meffen, bebiene mau fiep beSpalb immer eines ©permometerS, unb jwar eines fogen. „flini* fepen ©permometerS" (f. $ig. 192). ©erfelbe unterfepeibet fiep oon einem gewöpnlifpen ©permometer baburep, bafj feine Scala nur bie ®rabe oon 90 bis 110 ober auep 112 umfafjt. (Stur fepr feiten fteigt bie Körpertem- peratur bis 110°, tnbeffen ift fepon eine - pöepfte - ©emperatur oon 111.2° F. beobaeptet worben.) ©er flinifepe ©permometer pat auep fein Wtetall* ober fonbern ift nur aus ®laS angefertigt, in melepeS bie ®rabe eingraoirt finb, unb jwar ift jeher ®rab felbft wieber bitrep Striepe in fünf gleiepe ©peile eingetpeilt. ©ie Striepe für bie ganjen ®rabe verlaufen über bie ganje Breite ber Scala, wäprenb bie ©peilftriepe ber einzelnen ®rabe nur bis jur Dritte ber Scala reiepen. ©aburep, bafj ber ©permometer nur auf eine fleine Slnjapl non ®raben befepriinft ift, bie Wieberum in (je fünf) fleine Slbtpeilungen getpeilt finb, unb baburep, bafj bie ©ueeffilberröpre im ©permometer äufjerft fein ift, werben außer* orbentliep genaue ©emperaturmeffungen ermöglicht. ©aS Ouecffilber im ©permometer ift aber feine fortlaufenbe Säule, fonbern wirb unterbroepem ©epnt fiep nun baS Duecffilber (in fyolge Giuwirfung non SBärme) im Knopf beS ©permometerS aus, fo wirb auep bie obere ©uecffilberfäule ftei* gen, niept aber wieber fallen, wenn baS Duecffilber im Knopf jurüefgept. ©aburep faun man bie ©emperaturpöpe and) bann noep non bem ©permo* meter ablefen, wenn letzterer fepon non ber Körperteile, bereu ©emperatur gemeffen worben war, entfernt worben ift. SßJeil aber bie obere Duetffil* berfäule bie eingenommene §öpe beibepält, muß man jebeSmal vor 2Bie= beS ©permometerS biefe (obere) ©ued'filberfäule burep ftarfeS Scpütteln auf baS normale ©emperaturminimum (96°) jnrücfbringen. ©ie ©emperatur ift in ber Slcpfelpöple, bie üorper troefen gerieben werben muß, in ber SOtunbpöpIe ober im Wtaftbarm ju meffen. ßegt man ben ©permometer in bie SIcpfelpöple, unb jwar fo mit bem Quecffilber* fnopf, baß ber übrige ©permometer mit ber Scala in bie $öpe ragt, fo brücfe man ben 2lrm feft an ben Stumpf, woburdj ber Quecffilberfuopf ganj in ber Sldjfelpöple (luftbidjt) abgefcploffen ift. SDcifjt man bie ©em- peratur in ber fDtunbpöple, fo lege man ben ©uecffilberfnopf unter bie £unge unb taffe ben SOhmb wäprenb ber HJleffung gefdjloffen palten. -Söeim Steffen in bem UKaftbarm fepiebe man nur ben ©uedfilberfnopf in ben ©arm. 2Irt ber ©emperaturmeffung empfieplt fid) befonberS bei Kinbern, bereu Stupelofigfeit baS SKeffen an ben beiben anberen Körper* fteHen oft unmöglicp maept. ©er ©permometer mufj 10 bis 15 Spinnten an refp. in bem betr. Körpertpeil liegen, ift er nie eper wegjunepmen, als bis bie obere ©uecffilberfäule 3 Minuten auf gleidjer §öpe geblieben ift. 447 Tie DNeffutigen bet Temperatur finb bei affen fdjweren TranfheitS- falten borjunehmen, unb beSpalb füllte jeber Tranfeupfleger (auch bernidjt profefftonelle) mit bem ©ebraud) beS flinifcpen Thermometers befaimt fein. 423ei Trautheiten ohne lieber genügt eS, bie Temperatur DNorgenS unb SIbenbs ju meffen. -SBei leidjteren fieberhaften Trautheiten fottte bie (Sigemoärme wenigftenS noch einmal im Saufe beS TageS (aber immer ju ein unb berfelben 3eit) borgenommen werben. S3ei Trautheiten mit hohem fieber, unb befonberS bei foldjen, bei benen bie £whe ber Tempe- ratur (baS fieber) beftiunnte 31nhaltspuntte jur (Srfennung ber Trautheit bejw. ipreS Verlaufs giebt, ober bie 33ehanblung bon ber Temperatur ab- hängig ift (j. 33. Taltwafferbeljanbluttg bei Unterleibstyphus; f. bort), fottte bie Temperatur alle jwei Stunben gemeffen, unb baS Nefuttat ber SJteffung fofort fdjriftlich aufgejeidjnet werben. häufig (nicht immer) geht bem fieber ein ©tabium ber Otte ober <S d) ü 11 e 1 f r o ft borher. Tabei machen fidj bemertbar: allgemei- nes Unbehagen, ©djwädje, 33läjje unb mehr ober weniger 3ufammenge- fchrumpftfein ber §aut unb Tälte an Sippen, Nafe, §änben unb $üfjen; mitunter and) (Schmerjen im Qiücfen unb in ben unteren (Sjtremitäten unb Uebelteit (refp. (Srbredjen nach turj borher erfolgter Nahrungsaufnahme). Weiteres f. StifectionStrantheiten, SNalaria. Ter u l S ift bie fühlbare SluSbehnung ber SBönbe ber Slrterien, in weid/ festere burd) bie Trudtraft beS §erjenS in rhythmifdjen gerieben 33lut getrieben wirb (f. S. 165). Ter erwadjfene SNann mittleren SllterS hat burdjfdjnittlid) 70 ''ßulSfcbläge in ber SNinute; bei grauen fann man 5 -10 ''ßulSfdjläge per SNinute mehr als Turdjfdjnitt annehmen, unb bei Tinbern unb ©reifen beträgt teuerer 90-110 refp. 75-80. Ter 'ßulS- fdjlag ift, wenn man alle biefe Sßerfdjiebenheiten nach Sitter unb ©efdjlecht unb anbere, weniger auffallenbe nad) (Sonftitution, $lima, TageSjeit, ßöw perhaltung, 33efd)äftigung, u. f. w. berücffidjtigt, ein wichtiges §ülfSmiU tel, Trautheiten ju ertennen. 23or allen Tingen fann man bom ißuls, ba jeber <ßulsfd)lag einer beS entfpritfjt, auf bie Tl)ätigteit beS festeren fdjliefjen; Steigerung ber'ißulSjahl (in ber Niinute) jeigt an, bajj bie §erjthätigteit erhöht ift (bei fieber, in $olge bon ?luf- regung, u. a. m.). Ter 'ßuls giebt ferner einen gewiffen Sluffchlufj über bie 33lutmenge im Törper; ein boller unb traf tiger befunbet ge- nügenbe unb ein bünner unb fdpoadjer 'ißuls ungenügenbe 33lutmenge. Sßie man aber aus oermehrter allein nicht fieber biagno* fticiren barf, weil bie (beim fieber gewöhnlich, aber nidjt immer) erhöhte oft and) mit anberen Trant'heitSjuftänben berbunben ift, fo barf man Weber aus bem ftärteren unb fdjwädjeren allein auf 33lutfülle refp. S3lutarmuth fdjliefjen; and) boltblütige 'ißerfoucii haben 448 bei mandjen Brautzeiten einen bünnen unb fdjwadjen Puls. (Sin feljr langfamer Sßut-g ift Symptom non ©epirnertranfungen, ©elbfucpt, ©pium* Vergiftung unb ©runtenljeit. 2(ußer ber 3a!jl unb ber Stätte bejw. Sdjwädje ber PulSfcpläge ift aud) nod) bie SRegelmäßigteit betreiben ju be* rücffidjtigen, Weil biefe unS über bie Üiegelmäfjigfeit ber auf* Härt. DlodjmalS fei I)ier barauf aufmertfam gemaept, baß ber Brauten* Wärter befonberS aut fräßen URorgen auf ben Puls feines Pfleglings ©badjt geben muß. SBerlangfamt fiel) ber PulSfdjlag auffallenb, fo ift (bttrdj (Sinflößeu erregenber ©enußmittel, wie Sßein, £3ranbp, ©pee ober Baffee) bie §erjtpätigfeit ju beleben. - Sind) über frantpafte $uftänbe ber ©efäße tonnen wir aus bem PulSfdjlag ißeleprung jiepen. ©er Puls ift leiefjt ju füplen an ber 3nnenf(äcpe beS 23orberarmS, an ben Scpläfen, an beiben Seiten beS §a!feS unb an anberen Börperftellen, an bereu ©berflädje größere Sdjlagabern verlaufen. ©ewöpnlid) wirb jur iöefüplung beS PulfeS bie Speidjeuarterie Weldje oberflädjlid) auf ber ©aumenfeite beS 23orberarmS an beffen 3nnen* fläepe unb jwar fingerbreit ober* palb beS §anbgelenfs liegt. 2Xuf biefe Stelle lege man $eige* unb 9Rittelfinger feft auf (f. $ig. 193) unb jäljle, Wie viel PulSfdjläge in ber SRinute erfolgen. (SS genügt bie betr. 3apl für 15 ober 30 Se* cunben feftjuftellen, worauf biefelbe mit vier refp. jwei ju multipliciren ift. 2Bie bie ©emperaturmeffungen, ift and) bas PulSfüplen (am beften ju gleicper $eit bainit) meprmalS täglidj vorjtmeZmen unb baS SRefultat aufjufdjreiben. ©ie 211Z mun g. (Sin gefunber SRenfd) mittleren SllterS atZmet 16 -18 9Ral in ber SRinute; in ber 3'ugenb unb im ©reifenalter ift bie 3aZt ber ültZemjüge per 3Rinute Zöl)er (f. S. 171). 3m ©urdjfdjnitt tann man bie 2ltZmung als befdjleunigt anneZnien, wenn fie mel)r als 20 9Ral in ber HRinute erfolgt, unb als verlangfamt, wenn fie unter 16 SRal fiuft. $efd)leunigung beS SltZmenS ift bei fieber unb anberen trantpaften 3Us ftänben, unb Verlang)aniung beS 2ltZmenS bei Sdjlaganfällen, ©piumver* giftung, ©runfenZeit, u. a. m. ©ie Slnjapl ber 2ltZemjüge füllte immer mit ber £wl)e ber ©empera* turunbber Sdjnelligfeit beS PulfeS jufammen feftgcftellt unb aufgejeidjnct werden. 9Ran madje fidj ju bem 3'oecfe eine ©abeile mit je einer (Solumne für ©emperatur, puls unb Sltljmung. Fig. 193. 449 Schweres 9ltl)men ift immer mit erheblicheren Brantl)eiten ber 2ltl)» mungSorgane (Bronchitis, Slftljma, Bungenentzünbung, u. f. w.) Derbun» ben. 4öei ber Buttgenfd)Winbfud)t wirb baS Slthmen mit bem govtfdjreiten beS BeibenS meljr unb mehr erfdjwert. mit §erjtrcmtljeiten ober „Sßafferanfammlung" im 9iumpfinnern leiben ebenfalls, befonberS bei refp. nad) förperlidfeu Bewegungen ober Slnftrengungen an Slthemnotl). SB aff erf ud)t. Unter Söafferfud)t üerftetjt man bie franlljafte SInfammlung einer wafferljellen, ber Bpmphe unb bem Blutplasma äl)tt» lidjen unb aus bem Blute auSgefdjiebenen in ben Höhlen ober ben ©eweben unfereS BörperS; im erfteren $a(le fpridjt man Don „freier Söafferfud)t", im letzteren bon „Debem". £)ie Sßafferfudjt ift aber feine ßranffyeit, fonbern nur eine Branfl)eitSerfd)eiuniig, unb jwar jumeift ein ©pmptom bon Beber» ober 91iereu(eibeit. Wladjt fid) bie Sßaffer» fudjt zuerft in ben $üßen bemertbar, bann wirb fie niafjrfdjeinlid) burd) Derurfadjt; bei Beberieiben jeigt fid) bie wafferfiiditige 2ln» fammlung meiftenS zuerft im Unterleib, unb bei Dlierentrantljeiten Wirb fid) bie SBafferfud)t in ben meiften fällen zuerft als ©ebunfenfein beS ®e» ficptS unb 2lnfd)Wellung ber Slugenliber geigen. Söafferfudjt ift alfo für ben SIrjt unb ben Brantenwärter ein wichtiges §ülfSmittelfür bieSUaguo» fticirung eines BeibenS refp. bie Beftimmung beS $rantl)eitsoerlanfs. SÖafferfudjt ftellt fid) and) oft nad) acuten Beiben (j. B. nad) Sd)ar(ad)» fieber) als Symptom einer 9iad)franfl)eit (in biefem $alle eines Vieren» leibenS) ein. ©ie Bunge bietet bei Dielen Brautzeiten ein eigentl)ümlid)eS SluS» feljen, baS auf bie betr. Brant'heiten fd)ließen läßt. Belegte Bunge finbet fid) bei feber SJJagenftörung unb faft immer bei fieber; ift letzteres fdfwer unb anljaltenb, fo Wirb bie 3uu9e ttnb ber Belag nimmt eine bräun» lid)e ober fcfjwärjlirfje garbe an. 3n fieberhaften Brautzeiten ift bie Bunge gewöljnli(f) and) trocfen, unb es ift ein günftigeS 3ei^ett, wenn bie Bunge nid)t nur wieber rein, fonbern and) feud)t wirb. Bei Beberieiben fiel)t bie Bun9e WftS gelblid) aus, unb ift bamit oft ein bitterer ®efd)macf im 9Buube (befonberS borgens beim SluffteZen) Derbnnben. Balte Bun9e unb falter 2ltl)em finb bei ber (5Z°lera Be'cl)en nal)enben £obeS. (Sine rotZ getüpfelte Bun9e („Himbeerzunge") finbet fid) bei mehreren Brant» Zeiten, befonberS aber bei @d)arlad)fieber. Belegte Bunge unb fanrer ®efd)mad im fDiunbe finb Beiden Don ©pSpepfie. ®ie Haut ift bei fieber faft immer heißunbtrocfen; ftabium gewiffer fieber unb wäßrenb ber fdjwerer Söed)fel» fieber ift bie H«ut ftellenweife ober über unb über tül)l. Bälte ber Haut ift and) bei (SZolera ein Borbote beS BobeS. Bläffe ber Haut (befonberS ber @d)leiml)änte: 9Bunb, Bippen, B«ZufIeifd)) ift ein Blut» 450 armutp (Anämie), unb finb bie baran Seibenben jugteicp fdjwadj, reijbar unb nervös unb außerdem nocp gewöpnlid) non neuralgifdjen ©djmerjen geplagt. SRötpe bet §aut unb §ervortreten ber oberflädjlicpen Slbern finb aber ©pmptome ber Blutüberfüllung, unb 9?ötpe ber §aut nebft §ipe, (Scpmerj unb Slnfdjwellimg giebt (Sntjtinbung funb. (vingcben bon IDlcbicinen unb bie rfjirurgifdjcn Vlufgnben bc$ Mranfeminirtcrö. (SS empfieplt fiel), für eventuelle gewiffe Slrjeneien, Verbanbjeug, u. a. m. immer ju paben ober fiep bie* felben bei eingetretener Ä'rantpeit anjufepaffen. ©ie Flamen biefer Slrje* neien unb Slmveifungen über ben ®ebraudj berfelben finbet ber ßefer am (Silbe beS VudjeS in einem befonberen SIbfcpnitte („Oie §auSapotpete"). (Sbenbafelbft wirb and) Slufflärung barüber gegeben, wie unb mann £>eil* pflanjen gefammelt werben füllten, wie biefelben jur Vereitung VonSlrje* neimitteln ju Verwenben finb, unb ju weldjen letztere verabreiept werben. Vei ben djirurgifepen $rantpeiten, bie in nuferem Vudje be* fprodjen werben müffen (Verlegungen, UnglüctSfällen), werben and) bie einzelnen funftgeredjten Verbänbe eingepenber bargelegt werben. §ier füll nur im allgemeinen erörtert werben, was man beim (Singeben einer (vom Slrjt Verordneten ober in biefem Vmpe empfoplenen) Slrjenei ju be* rücffidjtigen, unb wie man beim Slnlegen ber pauptfäcplid)ften Verbänbe, beim Von Vlutegeln, beim Sluflegen von 'ißflaftern, u. f. w. ju Verfallen pat. •Vei bem (S i n g e b e n von 90? e b i c i n e n ift Vor alten Oingen im* mer barauf ju adjten, bajj bie Vorfdjrift bejüglicp ber jebeSmaligen Oofis unb ber $eit, wann letztere gereidjt werben foll, eingepalten wirb. Viele Slrjeneien wirten niept nur auf ein unb benfelben Patienten ju Verfdjiebe* neu XageSjeiten (3)?orgen3 unb 2lbenb3, vor unb nad) bem (Sffen, u. f. w.), fonbern auep -faft immer- auf verfdjiebene Traufe verfd)ieben. Filter, @efd)led)t, (Sonftitution (erworbene unb ererbte £)i$pofitionen), Ä'lima, u. a. m. bebingen eine befonbere (Smpfänglidjteit ber einzelnen für j.ebe SIrjenei. ßmt ©urdjfcpnitt tann man annepmen, bap ein Ä'inb im Sliter von 1 3apr von ber £>ofi3 eines (5rwad)fenen (jwifdjen 20 unb 50 Oapren) ben 12. £peil brauept. 3;m jweiten £eben$japr fteigt bie ®ofi$ auf ben 8. Xpeil, im 3. $apr auf ben 6. Speil, im 6. 3apr auf ben 4. Xpeil, im 8. 3apr auf ben 3. £peil, im 12. 3apr auf bie §älfte unb im 16. $apr auf brei Viertel ber vollen £)ofiS. 9?ad) bem 50. SebenSjapr finb bie ®aben unter Umftäiiben wieber ju verringern. Vejüglid) beS ® e f d) l e d) 13 pat man auf bie eigentpümlidjen Vor* giinge im grauenlebeu 9iüdfid)t jit uepmen, unb jwar oft nid)t allein um ber Traufen willen, fonbern and) wegen beS ungeborenen SOlenfcpen, weldjer benfelben Ginfliiffen wie ber mütterlidje Organismus burd) Vermittlung 451 beS letzteren (bet größerer Empfänglidjfeit) auSgefe(?t ift. ©ewiffe SJiebi* einen bürfen ftillenben ober fcpwaiigeren grauen garnidjt gereicht werben, obwohl biefelben auberen, mit bemfelben Ceiben behafteten fonen üon größtem 9?u£en finb. Tie E o n ft i t u t i o n bejio. TiSpofitionen, Temperament unb $bio* fpnerafien haben großen Einfluß barauf, in welcher Steife eine SJlebicin einwirft. 3n $olge berfelben ift ein Patient nicht nur, wie wir in ber Einleitung 311 biefem Kapitel gefeljen hoben, für beftimmte Trautheiten, fonbern auch für gewiffe Sftebicinen empfänglidj. 9ladj biefer mehr ober weniger großen Empfinblidjfeit richtet fid) natürlich and) bie bem Patienten 31t oerabreidjenbe TofiS. ©urd) anhaltenbeS Einnehmen gewiffer Sli'3e* neien (3. 53. non Opium) wirb aber ein Trauter mehr unb mehr gegen bie betr. Sftebicin abgeftumpft. $n folgern $al(e muß bie SDofiö nach unb nach (natürlich nidjt bis 3U einem fdjäblidjen Uebermaß) erhöht werben. Slnbere 9D?ebicinen wirten bagegen beffer, wenn täglich nur eine unb bie* felbe, flehte ©ofiS gegeben, ober biefelbe nad) unb nad) Derringert wirb, lieber aubere Slqeneien Deränbern ihre Sßirtung jenad) bem Tlim a ; fo barf oon berfelben SJtebicin in tatter §immelSgegenb mehr gegeben werben, als in warmer. Sille biefe unb nodj weitere Siüdfidjten, weld)e beim SSerorbnen Don Sirseneien 31t beri'uffichtigen finb, muß ber Sli*3t im Singe behalten; aber and) ber Trantenwärter follte fie tennen, unb3War fdjon allem aus bem ®runbe, baß er bie aqllidjenSSorfchriften beim SSerab* reidjen ber 3J?ebicin genau befolgt. § l ü ffigeSKebicinen werben meift mit bem Vöffel eingegeben, ©erfelbe ift ftets rein 3U halten (wenn er nidjt gebraudjt wirb, inSSaffer3U fteefen). Er ift aber nidjt 3U benutzen, wenn bie Wiebicin (Stoffe enthält, welche mit bem Metall beS Löffels (djemifdje) 53erbinbungen eingehen. 3n foldjem ober beffer immer bebiene man fidj eines gläfernen WlaßeS, auf beffen Slußenfeite bie betr. Öofen eingraoirt finb (f. $ig. 194). fyür fleine Quantitäten (ftarfer SJiebicinen) giebt eS befonbere DJhnimalgläfer, auf bereu Slußenfläche bie Tropfen* 3al)l ber jeweiligen im ®lafe enthaltenen feit (meift Don fünf 311 fünf Tropfen) martirt ift. Sluf nuferem 53ilbe (f. $ig. 195) finb bie Tcullen ber 3ehner Weggelaffen, alfo 1=10 Tropfen, 2=20 Tropfen, u. f. f. 2)htß man bie Tropfen aus ber ab3ät)len, fo falte mau ein Stücf (nid)t geglätteten) Rapiers, wie foldjeS 3. 53. 3U111 giltriren Don feiten gebraucht wirb, 311 einem fdjmalen bredje biejen in ber W?itte unb ftetfe ben einen Scheutet beS (rechten) Sßinfels in bie 2J?ebicin* Fig. 194. 452 ftafcpe; bei fanftem steigen ber lepteren wirb bann bie am am bereu ©djenfel be§ gibibuS langfam perunterlaufen unb fcptieplicp baoon abtropfen (f. $ig. 196). ©ber man patte bie fcpräg, inbem man jugteicp an ben unteren 9?anb beS §atfeS ben pfropfen mit beffen oberen 9tanb brücft. ©urcp weiteres Zeigen ber gdafdje wirb bann nadj unb nacp bie betr. ©ropfeu- gapt über ben pfropfen abgegoffen. SJhmdje ftüffige 9J?ebicinen werben in ben Körper (unter bie §aut) eingefpript. fubcutanen „B'njec' Honen" bebient man fiep einer gläfernen ©pripe, auf bereu Slußenfeite bie ©ofen (refp. bie ©ropfen) burep ©tridje marfirt finb, unb an ber fiep oorn Fig. 195. Fig. 196. Fig. 197. eine hohle, grabet befinbet. geltere mirb unter bie $aut eingeführt unb bann bie gemünfdjte H)2enge ber Slrgenei bortfjin entleert, inbent man ben Kolben ber fo weit in biefelbe Ijineinftößt, bis er ben ©trid) ber betr. £ropfenjal)l erreicht (f. gig. 197). u l b e r i f i r t e SJlebicinen, bereu ©efdjmad nicht ju unangenehm ift, nimmt man ein, inbent man baö möglidjft weit hinten auf bie Bunge fdjüttet unb bann mit taltem SBaffer hinunterfpült. Bft ber ®e- fdjmad ein miberlicher, mie 3. -53. ber beö außerorbentlid) bitteren (Sljininö, fo fdjütte man baö Aulner entmeber in flehte Ä'apfeln auö ©elatine, mie foldje 31t bem befonberen Ijergeftellt merben (f. ftig. 198), ober man eine Oblate. Oie $apfeln finb, nadjbem fie mit bem Aulner angefüllt mürben, feft (mit ihrem ©edel) 31t oer- 'fließen, fauber 3U reiben, fo bafs außen nichts bont falber anflebt, unb bann mit etmaS faltem Sßaffer hhtuntersu® fdjlnden. ©ie Oblaten, bie auch fertig in ber Slpotljefe ju Ijaben finb ober, menn man fie fid) felbft anfertigt, runb fein unb einen ©urchmeffer bon 1| Boll haben füllten, merben auf ihrer nute* reu ©eite angefeudjtet, inbent man fie auf einen mit SBaffer gefüllten (5ß* löffel legt, ©ann fd)ütte baö Söaffer fort, brücte bie Oblate in ben Söffet, Fig. 198. 453 [treue barauf (auf bie obere, trocfene Seite ber Oblate) baß unb fdjlage fdjließlid) über leptereß ben Di'aub ber Oblate, Oiefen (mit bem 'jßulver angefüllten) Knäuel oerfdjlucf'e mit etwaß faltem SBaffer. - Mil- ieu, weldje ju fleht finb, alß baß fie oljue 33efdjmerbe fyiuuutergefdjlucft Werben tonnen, ftecfe man in eine weidje SD?affe (3. 33. in etwaß 33rob) unb fpüle biefe mit etwaß faltem SSaffer hinunter. ©arme 33r e iumf d) lä ge (auß Sßeijenfleie unb Hafergrütze ober Seinfameumel)!) werben befanntlid) jur (Erzeugung örtlicher Sßärme angewenbet (f. S. 420). Siu folger Umfdjlag follte immer etwaß größer fein alß bie Äörperftelle, auf weldje eingewirft werben foll. Oaß Stücf Veinwanb, auf weldjeß ber 33rei geftridjen wirb, ift aber, nadjbem bieß ge- fdjehen, an ben Seiten umjufdjlagen, bamit ber 33rei wäljrenb beß Sluflie* genß nidjt üon ber Stelle rutfdjt bejw. weggebrücft wirb (f. $ig. 199). 2luf ben 33rei felbft ift SBafeline 31t [treidjen ober etwaß Süll 31t legen, bamit er fidj nicht an bie Haut refp. bie Haare feh anlegt. Sßarme 33reiunv fdjläge finb ebeufo wie Sßarmw aff er- unb trocfene warme Umfdjlägefo Ijeifj wie möglidj (fo heiß, wie fie ber ®ranfenwärter auf ber 33acfe außljalten fanu) aufjulegen. Oie SBirfung non Sßarmwafferumfdjlägen fanu erhöht werben, inbem man auf letztere 1 biß 2 Sropfen Serpentin fprengt. Senfpflafter ljat man ungefähr 10-30 Minuten, b. I). biß ju lebhafter 9?öthung unb 33rennen ber Haut, nie aber biß jur33lafen- bilbung liegen ju laffen. Sie finb wie bie 33reiumfd)läge herjuridjten, mit ber einen Slußnaljme, bafj biefe 'ißflafter niemalß großer fein füllten, alß bie Stelle, auf weldje baß einwirfenfoll, bamit nicht bie Haut in größe- rem Umfange gereijt wirb, alß nothwenbig ift. 3ttg-ober 33lafen* p f l a ft e r finb auß bemfelben ®runbe bem franfen Äörpertheil anju- paffen. Oiefe feilten burchfdjnittlich 3 biß 4 Stunben liegen bleiben. SBährenb biefer $eit ift baß öfter behutfam auf- juheben, nm nadjjufehen, ob eß fdjon 33(äßd)en gezogen hat. 3h baß ber $all, bann nehme man baß ab unb lege, (fallß tüdjtige 33lafen gezogen werben folleu), an feiner Stelle einen warmen 33reiumfd)lag auf. Oie gezogene 33lafe ift an mehreren Stellen aufjufdjueiben, bie glüffigfeit fanft außjnbrütfen unb bann ein mit Oel ober 23afe(ine getränfteß Läppchen aufjulegen. man ein applicirt, ift bie Haut an ber betr. Stelle mit Seife abjuwafdjen. Um alle bie genannten an bem betr. Äörpertljeil feftjuhalten, wiifele man barüber breite J-lanellftreifen, bereu (Sube mit einer Sidjerheitßnabel ju befeftigeu ift. Oer Oruct ber 33inbeu auf bie Fig. 199. 454 barf aber nidjt ju ftarf fein, Oagegen follen (Sompreffen, (gewöl)u(id) mit faltem Gaffer angefendjtete) meljrfadj jufammengelegte Stücfe Seinwaub, Baumwolle, u. f. W., feft aufgelegt werben, benn fie ljaben ben Bwecf, £)rmf auf beftimmte (entjünbete) Körperteile aus* juüben. Soll auf ganje Organe ein anbauernber Orutf auSgeübt werben, fo gebrauche man ® u m m ibanbagen, weite bem betr. Körperteil genau angemeffen fein müffen. Oiefer Orucf wirb j. 53. bei „Slberfnoten" auf ben Um terftenfel (unb einen Oljeil beS ftußeS) gewenbet, um burcl) ipn bie Stotfung in ben 53lutabern beS UnterftenfelS möglidjft ju befeitigen (f. $ig. 200). SInftatt biefer „©ummiftrümpfe" fann man aud) fotcpe aus Flanell gebrauten, weldje auf ber einen «Seite beS 53eineS von unten nadj oben 3m fammengeftnürt werben. 2Bie wir bereits wiffen, glaubte bie ältere nilebicin baS §eil in fdpnaler Koft, möglidjft viel pulverten unb SWijturen unb in 53lutentjiel)umg gefunben ju Ijaben. 3u lepterem 3'vecf würbe tücptig jur 2Iber gelaffen ober gefrfjröpft, ober e§ würben Blutegel augefept. ift man aber nidjt nur vom SluSljungern be§ ten unb vom (übermäßigen) W?ebiciniren, fonbern and) vom 53lutentjießen juriufgefommen. 3n mandjeu fällen, in beiten es fid) um ßinberung von localen Sdjmerjen ober um 53efeitigung einer ört(idjen53lutaiifd)oppung ßanbelt, greift ber Slrjt aber aud) jept nod) jum Slberlaß, Blutegel ober Sdjröpffopf. ®aS Slberlaffen füllte nur vom 3(rjte vorgenommen werben. OaS von 531 u h egeln fann bem Kranfenwärter überlaffen wer= ben, unb ßat berfelbe babei ju beachten. Oie 53lutegel füllten, wenn möglid) immer frifd) aus ber Slpotßefe bezogen werben, unb jwar einer ober jwei mefjr, als man braudjt, jur Dteferve. 2Bill man nun einen 53lutegel aufepen, fo wafdje man juvor bie betr. Körperteile grimblid) mit warmem SBaffer ab, bamit baS entfernt wirb; an Fig. 200. Fig. 201. Slutcfjel. 455 bie fettig finb (3. 23. vorßer eingerieben Worben finb), ift ber 23lutegel oft garnicßt jum SInbeißen 311 bringen. 9?acß bem Slbwafcßen ber £>aut reinige man and) ben 231utegel von bem ißm anßaftenben Sdjleim unb feße ißn bann mit bemfpifcen @nbe (an iveldjem fieß ber Stopf befim bet; auf $ig. 201 oben) an. 233'ill man23lutegel im 9D?unbe ober ananbe- reu Wpertßeilen anfetjen, wo eS wünfeßenswertß ift, baß ber (5gel bie betr. Stelle nidjt verläßt, fo ftetfe man lederen in eine ®laSrößre ober Heine $lafd)e. ©iefelbe Wirb mit bem (Snbe, Wo ber Stopf beS 23lutegelS ift, refp. mit bem SMfe angelegt; letzterer bejw. bie 9iößre barf aber nidjt 311 eng fein, bamit fid) ber (Sgel voll fangen fann. Sept man meßrere 23lutegel an einem S?örpertßeil an, fo follteman fie, bamit fie an £)rt nnb Stelle verbleiben, mit einem ®lafe bebeden (f. $ig. 202). ®er Sölutegel foll fo lange fangen, bis er abfällt. Niemals reiße man ißn los. Sßill man ißn enh fernen, eße er abfällt, fo ftreue man ein paar Störnd)en Salj auf ißn, unb er wirb loSlaffen. Sftacßbem ber abgefallen, ift bie 9?acß= blutung baburd) 311 füllen, baß man auf bie «Stelle ein Stüd (bis 311m feften 2ln* fleben) aufbrüdt. £)amit genügenber ®egen* bruef vorßanben ift, wäßle man gleid) beim ?ln- fepen beS 23lutege(S (wenn möglicß) folcße Stellen, wo Stnodjen unter ber §aut liegen. Niemals finb beßaarte Stellen ju Wäßlen, weil ber 23lut- egel ba nießt anbeißen fann. £äßt fid) bie Sölutung nießt burd) £>rud allein füllen, fo ftreue man auf bie blutenbe Stelle etwas gepulverten SHaun unb briiefe bann barauf (mit bem ober and) einem Sein- wanbläppeßen ober OftuSlinftndcßen). SBill man 9?aeßblutung ßaben, fo lege man, naeßbem ber SBlutegel abgenommen worben, auf bie Stelle einen 23reiumfd)lag. (SS ift aber immer beffer, gleid) von vornßerein fo viele 23lutegel anjufepen, baß bie 9?acßblutung überflüffig ift. 90?an unterfd)eibet trocfeneS unb blutiges Sdjröpfen. 23ei erfterem wirb bie §aut nur gereift, inbembiefelbe in ben Sdjröpffopf ßineingejogen wirb; bei leßterem werben vor bem Slnfeßeu beS Sdjröpf* topfs feine (Sinfcßnitte in bie £)aut gemad)t, fo baß von bem Scßröpffopf aus biefen Scßnittwunben 23lut auSgefaugt wirb, ©inen troefenen Sdjröpf* topf fann m-an fid) leid)t felbft ober einem Patienten anlegen. 9)?an nimmt baju ein nid)t 31: großes SßafferglaS, in welcßeS etwas WeicßeS, mit 5Hco- ßol angefeud)teteS Rapier ober «iöaumwolljeug gelegt unb bann angebrannt Wirb. £)ann breße man baS ®laS r a f d) um unb ftülpe es auf bie betr. (f. gig. 203). £)aS Rapier refp. bie 23aumwolle wirb fdjnell verbräunt fein, oßne bie §aut weiter verleben; burd) bie flamme im Fip. 202. 456 Olafe wirb aber bie barin enthaltene Cuft berbünnt, fo baß bie §aut in baS (S5Iaö hineingesogen wirb unb fiel) rötljet. Ntan tann baS OlaS (je nach Ve« bürfniß) bis ju 30 Minuten aufliegen (affen, worauf es burd) Unterfdjie« ben eines Fingernagels (burd) Bulafjen atmojpl)ärijd)er Suft) abgelöft wirb. Söäljrenb burd) baS trotfene Sdjröpfen nur ein Neij auf bie £>aut auSge« übt wirb, ift baS blutige Stpröpfen, wie gejagt, eine Vlutentsiel)ung. 5Sie ber heutige 9lrjt über eine foldje bentt, würbe fdjon oben gejagt. (SS ift nur noch barauf aufmerffam 31t ntadjen, baß jebe 4ölutentjiel)ungSart (Slberlafjen, Vlutegelfepen unb Schröpfen) bei fd)Wäd)lid)en unb fdjweren Oranten) hoppelte Vorficht erforbert, unb baß man bei folcpen Patienten wieberljolt nachfepen muß, baß bie Vlutung beenbet ift, b. i. feinen all,3m großen Vlutberluft herbeiführt. $!l pftiere ober Vabements nennt man (Sinjpripungen von Flüjfigteiten in ben SNaftbarm, welche 311 berfepiebeuen borge« nommen Werben, ©er gewöpnlidjfte berjelben ift, (Stuhlentleerung her« beijuführen. $u biefem Vepufe wirb warmes SVafjer (95°-100° F.) bem man jur (Srpöpung ber VMrtung NicinuSöl, Seifenjdjaum, Salj ober (Sfjig beimifdjen tann. VSeil burep foldje Älpftiere aber niept nur im ©arm angefammelte, parte Äotpmajjen aufgeweicht werben, fon« bern and) bie ©armtpätigteit angeregt wirb, wenbet man biefe bei (Songeftiopxftänben eblerer Organe an, um eine Weitung burcl) ben ©arm jrt erzielen. 3ft bie Wpmafje im ©arm fepr hart, ober lagern barin Frembförper, ober liegt eine ©armberjdjlingung bor, fo applicirt man ebenfalls warmes SBaffer (mit Seife, u. f. w.), aber in größerer SNenge („SNonftretlpftiere"). 3ftbie Verabreichung bon Nahrungsmitteln burd) ben Nlunb unmöglich (in fyolge SNunbfperre, Sd)lunbberengerung, n. a. m.), ober wirb bie Nahrung jchlecpt ober garnidjt ertragen (wieber auSge« brodjen), fo führt man festere burd) „näljrenbe ein (f. S. 443). Vei gewifjen wenbet man and) „fdjmersftiltenbe Mpftiere" an, wenn es gilt, Sdjmerjen ju linbern; babei wirb baS Sßajjer mit jdjmerj« ftillenben Slrjeneien (Opium, (Shloralppbrat, u. a. m.) bermijdjt, ober es wirb warmer Tpee (Kamillen« ober Valbriantpee) eingejpript. 3n Fällen hartnrtdiger ©iarrpoe fommen „ftopfenbe $lpftiere" (bon SBaffer unb Starte) in SInwenbung. ©ie Apparate jur Verabreichung bon finb entweber ßlpftier« jpripen, Spülfannen mit langem Sdjlaudj, wie foldje and) bei ben 3'rviga« tionen berwenbet werben, ober jog. „Älpfopumpen". (SS ift immer ju bermeiben, baß bei bem ber Fläffigteit nid)t and) Vuft mit Fig. 203. 457 eingefpript wirb; beSljalb ift, nacpbem in bie ®li)ftierfpriije burch .ßurücf* Ziehen beS Stengels glüffigteit eingefogen worben ift, ber Stengel, el)e bie Sprite in ben ©arm eingeführt wirb, bei aufrecht gehaltener Sprite wieber etwas vorwärts z« fdjieben, bis glüffigteit aus ber Öffnung ber Sprite hervorquillt. 33 ei ber 33enu£ung von Spültannen (f. gig. 204) fülle man letztere mit ber betr. fepe fie fo l)od), wie ber Scplaud) eS erlaubt, über bem Patienten nieber unb führe bann bie Spitze beS ScplaudjS in ben Elfter ein. ©er ©rud ber genügt, biefe in ben ©arm hineinzutreiben. ©ie Älpfo- pumpen (f. $ig. 205) beftehen aus einem hoplen Äautfchutballen, an welchem fid) ein 3uf(ufä' unb ein Slbfluhfdjlaud) befinben. -S'eber biefer Sd)läud)e hat an feinem freien (Silbe einen, mit einem SBentil verfeljenen ?(nfah (aus Hartgummi). ©ie Stnfap* röhre beS 5lbfluhfd)laud)S, weldje in ben ©arm geftedt wirb, fann oben etwas verbidt fein; ber 3uf(uhfd)laud) wirb in biebetr. geftectt. Sßirb nun ber ßautfdjufball mit ber §anb jufammengebrüctt, fo entweicht bie barin enthaltene £uft, unb es wirb, wenn ber ©rud ber §aub aufhört, in ben luftleeren 9taum beS ÄautfdjutballS bie glüffigfeit eingefogen, inbem fid) baS Ventil am (Silbe beS öff? net. SBirb von neuem ber $aut» fdjutball gebrüdt, fo fdjliept fid) letzteres Ventil, unb bie in ber $li)= fopumpe enthaltene wirb in ben ©arm eingetrieben, inbem fid) baS SSentil am Slbfluhropr öffnet. 9cad) 2lufl)ören beS ©rudS fdjliept fiel) baSfelbe Wieber, fo bap aus bem ©arm nid)tS fann, unb gleichzeitig wirb burd) baS 3ufluprol)r abermals eingefogen. Sind) bei bem (gebrauch von Spültannen unb ßlpfopumpen ift barauf ju ad)ten, baft nidjt ßuft aus bem Onftrument in ben ©arm eingetrieben Wirb. $li)fopumpen finb 311 verwenben, Wenn man fid) felbft ein Älpftier applicirt ober eine beträd)tlid)e DJfenge ftlüffig* teit eiufpripen Will; für letzteren Ball bieten bie ben 5ßor* theil, bag iljre Spipe bepufS 9(eufiillung nid)t aus bem ©arm entfernt werben braud)t. 9lad) bem ©ebraudje finb alle Älpftierapparate forgfäk tig ju reinigen. Fig. 204. (Spintanne mit (Sdjlaudj. Fig. 205. 458 Sßill man ein verabreidjeu, fo taffe man ben Patienten fidj mit ljodj gezogenen Veinen auf bie linfe Seite legen. ©ann fiiljre man bie vorljer eimgeölte Spitze (ber Sprite, Spiiltannröljre ober ßlijfopumpe) nadj Ijinten unb obenan, ungefähr 1| 3oll meit, fanft unb langfam in ben ©arm ein unb brelje fdjließlidj bie Spitze ein menignadj linfs (gemäß bem Verlauf beS SJlaftbarmS). Sind) bie glüffigteit ift fanft unb langfam in ben ©arm ju bringen. ®ann ber Patient nidjt bie ganje vorgefdjriebene glüffigteit auf einmal aufneljmen refp. beljatten, fo Ijöre man mit bem (Sinfprifcen einige Slugenblicfe auf unb faljre bann mieber fort. Soll ein Älljftier (länger) im ©arm verbleiben, fo brütfe man mit einem marinen §anbtudj feft auf ben Elfter, nadjbem baS Älljftier gegeben morben. 3nm 4Öe be cf en von SBunb en vermenbet man (mit Salicijk ober Garbolfäure imprägnirte) SBunbmatte ober (mit antifeptifdjen glüffigfeiten angefeudjteteS) (SIj a r p i e. üDlit legerem Slamen bejeidjnet Fig. 206. inan bie burdj 1)011 Seinmanbftiicfdjen gemonnenen gäben. (SS ift aber nur reine Seinmanb unb ,pvar am heften alte, gebrauchte, aber f o r g f ä 11 i g r e i n g e m a f d) e n e ju benutzen, ©iefe gäben merben entmeber lofe jufammengeballt unb auf o b e r f l ä dj l i dj e Verlegungen gelegt, ober fie merben ber Sänge nadj jufammengelegt, in ber Dritte gefaltet unb bann in a u S g e Ij ö Ij 11 e ober tiefe SBunben berart gelegt, baß fie mit iljren (Silben aus ber SBunbe IjerauSragen unb leidjt erfaßt mer« ben tonnen. 3um Steinigen tiefer SBiinben unb ©efdjmiire ge= braudje man einen fügen. (Sljarpiepinfel (f. gig. 206). (Sinen foldjen ftellt man Ijer, iiibent man bie Seinmanbfäben jufammeiv legt, bann in ber iBiitte jufammeufaltet unb bort jmifdjen bie $äben ein §oljftäbd)en fted't, baö in ben gäben burdj berfelben feftgeljalten mirb. 3um Steinigen oberflädjlidjer SBunben ge* braudje man ßparpie« ober SBunbmatteballen, niemals aber einen Sdjmamm. ©roß ber größten Sorgfältigfeit beim Steinigen ber Sdjmämme, verbleibt im Innern berfelben bodj nodj etmaß Vlut refp. faulige SDtaffe, meldje beim nädjftmaligen ©ebraudj beS SdjmammeS bie SBuube vergiftet. 3um Verb inben einer SBuube, b. lj. bem funftgeredjten (Sinljüllen eines munben ÄörpertljeilS, gebraudjt man ein ober meljrere V e r b a n b ft ii d e, meldje, mcnn auf bie SBimbe gelegt, ben Verb a n b auSmadjen. ©aS Verbinben einer Sßunbe gefdjieljt aber nidjt nur, um biefe gegen Sdjäblidjteiten von außen (Stoß, ©rucf, (Sinbringen von mitroftopifdjen ober Staub, u. f. m.) ju fdjiißen, fonbern audj, um ben §ei(ungSproceß birect ju förbern (burdj Sluflegcn einer Salbe, 3Us fammenljalten ber SBunbränber, u. a. m.). $ebe SBunbe foll üerbunben dfiarpie» pinfel. 459 werben, unb befonberS ein Krankenwärter barf niemals mit einer offenen, unnerbunbenen Söunbe feinen obliegen. ©ie winjig kleinen Krankheitserreger, weldje in ber Suft unb vornehmlich in ber beS Kranken- zimmers enthalten finb, bringen in bie offenen SBunben ein unb gelangen Von ba in bie Blutbahn. ©ie BJunb räuber einer BSunbe finb, elje ber Berbanb aufgelegt wirb, einanber ju nähern unb in biefer Sage feftjuhalteu. ©aS gefchelje entweber mit ober burd) Anlegen einer „blutigen 9?al)t". ©aS $ e f t p f 1 a ft e r hQt keine Wirkung, fonbern bient, Wie baS englifdje nur jum Bebecken einer 2ßunbe, jur BefeftU gung eines BerbanbeS ober, wie gefagt, jur Bereinigung ber Sßunbränber. 3n letzterem 3we<f wirb es (als (Srfafc für eine blutige 9ial)t) gebraudjt, wenn eine frifdje Sdjuittwunbe vorliegt, bie vorauSfidjtlidj ohne (Sntjün® bitug, Schwellung ober (SU terung heilen wirb. Beim Anlegen beS §eftpflafterS »erfahre man auf folgenbe 2öeife. 9Jlan jerfdjneibe baS in fdjmale Streifen. 3eben biefer (Streifen erwärme man, bamit er beffer klebt, vor bem Sinkegen, inbem man ihn an einem Sicht ober warmen ©fen vorbeijieht. ©aS eine (Snbe beS Strei- fens wirb barauf, nadjbem bie Stelle ber SBunbe gewafdfen unb forgfältig wieber getrocknet worben ift, im redjten Kinkel jur BJuube auf ber einen Seite ber kelteren feftge- flebt; bann nähere man bie BJunbränber fo niet als möglich unb klebe baS anbere (Snbe beS Streifens, wobei man biefen ftraff über bie SBunbe jieljt, auf ber anberen Seite ber kelteren feft (f. gig. 207). (SS muffen über bie ganje Sänge ber BSunbe gelegt werben, unb je fdjmä* ler unb fie finb, befto fefter unb fidjerer ift bie Bereinigung ber 2ßunbe. 9Kan nennt biefe 2lrt beS SBunbüerfchluffeS „unblutige 92 a h t" im jur „blutigen 92 a h t". welche nur »om 2lrjt angelegt werben foll, befteht barin, baß burd) bie Bhmbränber mittels einer gebogenen 9?abel ein'Seibenfaben gejogen unb berfelbe bann feftgeknotet wirb, woburdj bie BSunbränber an einanber gebracht unb feftgel)alten wer® ben. 9?atürlich finb fo niele gäben burdjjujiehen unb jufammenjubinben, Fig. 207. Unblutige 460 b. I). fo viele „fabeln 31t legen", luie bie Sänge e« erforbert. 03eim Sdjüqen eines knoten«, nnb 3War nidjt nur beim Olnlegen einer blutigen 9ial)t, fonbern and) bei allen djirurgifdjen §anbgriffen, 3. -03. bem Unterbinben einer (jerriffenen ober jerfdmittenen) Olber bepuf« Stauung be« O3luterguffe«, ift forgfältig barauf ju achten, bafj ber knoten fpäter nidjt Wieber von felbft auf* gept. DJlan fnote ben gaben be«* palb immer fo, wie auf gigur 208 angegeben ift; babei gepen beibe (Snben be« gaben« über unb unter iljre Sdjlingen. galfdj (nidjt feft) ift bagegen ber knoten auf gigur 209; babei Verlaufen bie (Snben be« gaben« abwedjfelnb über unb unter bie Sdjlingen. Diadjbem ba« ober bie blutige Olatp gelegt worben, finb beibe mit ßparpie ober OSunbwatte ju bebecfen unb bann in ein Stüd Seinwanb ju püllen ober nod) beffer mit einem Seinwanbftreifen 311 um* wideln (f. fpäter), fo baß bie OBunbe gegen Stoß, Srucf, 11. f. w. vollftän* big gefdjüpt ift. ©efcpwüre, eiternbe SBunben, u. f. w. an ber Cberflädje be« Körper« finb in gleidjer OBeife 3U bepanbeln, nur baß man babei feine blutige a113ulege.11 pat. Oluf bie traute Stelle fommt pier 3unäd)ft eine Salbe, ein ober bgl. unb bann ber oorper angegebene 93er* banb. 2Kan fann and; eiternbe einfad) mit (treu3iveife) bebeden (f. gig. 210). $eigt nacp Olbnapme einer foldjen 93anbage ba« 03flafter eine fdjwärslidje gärbung, fo braudit man fid) beSljalb nid)t mit bem ©ebanten 3U quälen, baß bie OBunbe „branbig" geworben fei; bie fd)Wär3lid)e garbe tommt nur von ber 03erüI)rung be« Uiter« mit ber in ber $eft* pflaftermaffe entljalteuen 03leiglätte l)er. 9lad) bem Olbneßmen jener ober eine« §eft* pflafter« (f. oben) ift bie wunbe Stelle von ben an ißr fjaften gebliebenen §eftpf(aftertl)ei(d)en burd) betupfen mit Serpentin unb nadjßerige« Olbwafdjen mit Seifen* waffer 3U reinigen. 3>or Olnlegen eine« neuen §eft* pflafter« ift aber, Wie fdjon gejagt, bie §aut wieber trocten 3U reiben, anbernfall« ba« pflafter nidjt anflebt. ' Sie meiften SBunbverbänbe unb aud) anbere, fpäter 3U befpredjenbe OSerbänbe (3. 03. bei paben al« äußerlidje 03ebedung be« Fig. 208. Fig. 209. Fig. 210. 461 tränten Organs bie fogen. 9t o 11 b i n b e. ®iefelbe beftept in einem etwa 2| 3ol( breiten nnb 15-20 gufj langen Öeinwanbftreifen, ber fo nm ben erfranften $örpertl)eil gewidelt wirb, bafc er an biefen anfd)liept nnb babei fid) Weber verfdpeben nod) lodern tann. Zu beftimmten Zweiten, 53. ®ips= verbauten, werben and) ®aje-, glanell* ober Seibeftreifen verwanbt. ©iefer Seinwanbftreifen, ber Weber Saume nod) 9?äl)te paben barf, ift vor bem®ebraudj ju wafcpen, bamit er ®lätte nnb Steif- heit vertiert, nnb aufjurollen (f. giß. 211). gefcpiept, inbemman guerft baS nad) innen ju widelnbe (Silbe beS Streifens auf eine Vänge von ca. 3 £otl meprfadj nnb bann feft aufrollt. ®aburd) erpält man eine fefte 9tolle, Weld)e als 2ld)fe beS anberen, barum jn witfelnben Speils beS Veinwanbftrei- fenS bient. 53eim 5lufwideln, baS mit Sorgfalt nnb nidjt $u lofe ju ge- fcpepen pat, nepine man jene 2ld)fe jwifdjen Raunten nnb Zeigefinger ber redjten §anb nnb baS freie (Silbe beS Streifens jwifdjen Räumen nnb Zeigefinger ber linten §anb, nnb 3 war leptereS bidjt an ber 9(djfe fo, baf? feine ganje53reitejwifd)en ©aumen nnb Zeigefinger liegt, ©reljt man nun bie 9ld)fe (mit Daumen nnb Zeigefinger ber redjten £>anb) ftets von lints nad) red)tS, fo gleitet ber Streifen in ftraffer Spannung jwU fd)en bem kannten nnb Zeigefinger ber linten §anb ljinburd) nnb legt fid) feft nnb genau um bie Sldife (f. gig. 212). Zft bie 53inbe aufge- rollt, nnb wirb fie nid)t gleid) ver- Wenbet, fo ift baS freie (Snbe beS Streifens an ber 9tolle mit einer Stednabel ju befeftigen ober mit ein paar Stidjen feftjunäpen, bamit bie 53inbe nid)t wieber aufrollt ober lofe wirb. Soldje ju einer Diolle aufgewidelten Seinwanbftreifen nennt man „eintöpfige Dlollbinben". Fig. 211. atoiibmbe. Fig. 212. Fig. 213. 462 33etm Slnlegen ber 9toltbinbe nehme man ledere feft in bie ganb unb Witfele fie, nadjbem man ba§ (Snbe burd) meljrfarfjeö Umwicfeln an bem bett. $örpertl)eil befeftigt ljat, langfam ab, fo baß fie ftraff anliegt unb bod) feinen jn ftarfen ©rucf ausübt. 33eim 33anbagiren üon Sinnen ober deinen fjat man aber an ber betr. ganb ober bem ansufangen, bamit biefe burd) ben ®rncf ber 33anbage nicht anfdjwellen. 33ei ber ganb verfahre man, wie auf $igur 213 angegeben; beim gupewid'ele man ba§ freie (Snbe ber fRollbinbe um ben ®nöd)el (f. $ig. 214), gelje bann auf ben $nfj über unb teljre 3um 423ein (ba$ eigentlich nur ju banbagiren wäre) jurütf. $ebe folgenbe £our ber 53iube muh t>ie gälfte ber vorljergehenben bebed'en. ferner ift immer barauf 311 adjten, bafs beibe fRänber ber 33iube gleid) ftraff angejogen Wer- ben. Sobalb man aber non einem bünueren $ör- pertljeil auf einen bitteren (3. 33. Dom Knöchel auf bie SÖabe) übergebt, Wirb eö unmöglich fein, bie fRänber gleich ftraff anjusiehen, wenn man nur einfache ÄreUtouren legt; ber obere fRanb wirb feft (auf bergauf) unb ber untere fRanb lofe (auf ber öorhergel)enben £our) aufliegen (f. §ig. 215). Um bie§ 3U nermeiben unb bie 33inbe and) an fich üerbicfeft* ben gleichmäßig feft au3ulegen, madjt mau an folchen Stellen bei jeberTour einen fogen. Umfd)lag. IPam hält babei baS (5nbe ber leb- ten £our mit einem Ringer auf ber Unterlage feft, rollt bann (mit ber anberen gaub) ein Stücf von ber noch aufge- wicfelten 33inbe ab, breljt biefe um ihre S(d)fe unb vollenbet bie £our (f. ß-ig. 216 unb 217). Sluf biefe SBeife wirb fid) bie 33inbe ber Oberfläche be$ Körpers anpaffen, ohne irgenbwo h°ht liegen. 33ei Fi<r 2U Fig. 215. Fig. 216. 463 jeber £our ift ein Umfcl)lag 31t mctdjen, fo lange ber 2Irm refp. bß§ Vein fiep nerbieft. Vefcploffen Wirb bie Vanbage mit einigen einfachen ®rei§* touren, worauf man ba§ letzte (Btbe mit einer ©icperpeitsnabel an ben barunter liegenben £ouren befeftigt. nennt man eine 9toll- binbe, wenn biefelbe Don beiben (Silben per aufgewidelt Wirb, fo baff jwei Stollen entftepen, Welcpe fiel) in ber Glitte treffen. (Sine folcpe jweiföpfige Dtollbiiibe befinbet fiel) 3. -53. an ber fogen. TMBinbe (f. $ig. 218). ©iefelbe, bereit ftorm fepon burd) iljren Flamen angegeben wirb, fommt in ?luwenbung, wenn ein Verbaub in ber Vauclp ober Vedemgegenb ober jwifepen ben deinen feftgepalten Werben füll. @ie befteljt au$ einem nm ben ßeib geljenben (Siirtel (ber jweiföpfigen 9?o(lbiube) unb einer einfopfigen 9?ollbiube, welclje in ber DJi'itte ber anberen 4öinbe, fenfreept 31t biefer, mit einem (Snbe angeiiäljt ift. SBeitereS über 23erbäube finbet ber öefer bei „Ungli'ufsfälleu unb Verlegungen". - 2lm Scpluffe be§ VudjeS ift ferner eine Slnweifuug ge- geben, wie man fiel) eine jufammenftellen tann. Fig. 217. Fig. 218. T=35inbc. 464 gitfecttoitölhflitßlieifett. Unter biefer fafjt man eine Qteitje von conftitntioiielfen Seibeii giifammen, bereu von aitfjen in ben Körper refp. baS 33lut eingefiiljrt iverben (vgl. <S. 398). Oiefe $eime, bereu SBefen 311111 großen Oljeil nodj nidjt jnr (Srtenntniß getaugt ift, finb niifroffopifrf) tleinfte Söefen (®acterien, Bacillen), iveldje auf baS 4!?lut veräubernb einivirfen nnb in ber fyolge and) allgemeine ober örtlidje Ärant® IjeitSerfdjeinnngen inben ©eiveben Ijervorrufen. ($lje fidj aber ber (Siiiflnfj ber Meinte auf ben Körper bemertbar madjt, b. lj. elje bie frantljeit nadj erfolgter Slnftetfimg mit bem „ansbridjt", vergept immer eine geiviffe wb tiefe nennt man baS „Stabium ber Säten 3, bie latente tßeriobe ober baS -Smcuba® t i 011 S ft a b i n m." 2Bi.e fdjon früper getagt, unterfdjeibet man contagiöfe, niiaSmatifdj® contagiöfe nnb miaSmatifdje OnfectionStrantpeiten. Oie elfteren, bie contagiöfen, iverben birect nnb bie niiaSiiiatifcp®contagiöfen 3vfectiouS® franfpeiten inbirect von einem trauten IPienfdjen anfeinen gefunben über® tragen. Oie beiben letztgenannten Slrten ber 3nfectionStrantpeiten finb alfo a 11 ftecf enbe frantljeit en bie bann 311 ep ibemif epen ((Spibe® niien, Sendjen, SBoltSfeudjen) iverben, ivenn fie, ivie baS unter geiviffen SSorbebingnngen öfter ber galt ift, eine größere Slnjaljl von SOienfdjen er® greifen. Oie frantpeitsfeime ber niiaSiuatifdjen finb nidjt anftetfenb. entflammt nidjt einem leben® ben Organismus, fonbern ber Suft, bem (Srbboben, n. a. m. $inbet fiel) biefer (9)?iaSma) be3iv. bie bnrdj iljn Ijervorgernfene $11® fectionSfrantljeit beftänbig auf einem beftimmten ©ebiet vor ober feljrt bort immer ivieber, fo fpridjt man von einer einljeimifdjen ober- en b emif dj en r anfIje i t ((Snbemie, SanbeStrantljeit.) Oie £>anpt® fadje ber 23eljanblnng aller 3nfectionStranfljeiten ift eine vernünftige vQrantenpflege, nnb beljnfS Sßertjütnng ber ®eiterverbreitnng aller an® fteefenben Äranfljeiten ljat man forgfältig baranf 311 adjten, bajj bie in ben SlnSfdjeibnngen (bnrdj OeSinfection) vernidjtet, bie Oranten3immer bnrdj vorforglidjeS Slnfivifdjen mit einem naffen Sappen möglidjft rein gehalten iverben nnb überhaupt ber SBeiterverbreitnng ber $ranfljeitsfeime in jeher ®eife vorgebeugt ivirb. $11 biefem 53eljnfe follten andj iveldje au ben vorliegenben lei® benbe Patienten 311 pflegen ljaben, niemals Kleiber auS buiitlen, ivolleiien Stoffen tragen, beim biefe fdjeiuen, Ivie alle buiitlen, poröfen nnb raupen ©egenftänbe, bie am leidjteften aiif3iineljmen nnb bei fidj 3U beljalten. 465 ©ie SOTnfern ober SHorbiUcn (Measles) finb eine gerüöfjnticf) epibe« mifd) auftretenbe DnfectionSfranfpeit, weldje burd) ein nod) unbefannteS ßontagium pervorgerufen wirb. Letzteres ift inbem33lute, bett STljrätteix, bem SluSWurf unb ben SluSbünftungen t>on Surtgett unb §aut entsaften unb Wirb burd) 53erüprung mit bem Traufen ober burdj bie ßuft übertragen. Sim anftedenbften ift ber SluSfluß aus ber 9?afe, unb zwar inficirt berfelbe fdjon im OncubationSftabium. ©ie SOiafern üerfdjonen fein Lebensalter, befallen aber pauptfäcplidj SHnber. ©ie ber einzelnen SJlaferm epibemien ift eine fepr verfdjiebene. Diamentlid) finb bie in ber falten unb naffen -SttpreSzeit auftretenben ßpibemien ju fürdjten, ba bei biefen bie (Somplicationen in ben SltpmungSorganen päufiger unb peftiger finb. kleine Äinber unb alte Leute paben bie SD?afern mepr ju fürdjten, als bie fpätere ober 'ißerfonen mittleren Sliters. Symptome unb Verlauf. ©ie$eit greifdjen ber SInftedung unb bem SluSbrud) ber erften b. I). bie ßncubationS* ober latente 'ßeriobe, beträgt etwa 12 ©age. 21m Sd)luß berfeiben treten nad) unb nadj als Vorboten ber Äranfpeit auf: Äopf=, Olüden- unb ©lie« berfepmerzen, Wtfattigfeit unb Scpüttelfroft, gefolgt von fieber. tann äußerft Ijeftig, aber and) feljr leiept fein. Sel= ten vor unb meiftenS nad) Eintritt bcS $ieberS ftellen fid) bann weiter ein: (Satarrpalifcpe Spmp= tome ber 9lafe, beS £>alfeS unb ber Singen (Sdjitupfen, 9?afenbluten, trodener, rauper ften, ©pränen unb 9?ötpe ber Singen unb Licptfcpeu), rotpe Rieden am ©aumenfegcl unb mitunter (befonberS bei jaljneuben Säuglingen) audj nervöfe Grfdjeinungen (Krämpfe). £)er Patient ift meift appetitlos, unb fein Sdjlaf un- rul)ig. ©egen (5nbc beS 4. SageS (nadjbem jene Symptome fid) eingeftellt) madjt fid) ein ShtSfdjlag bemertbar, unb 3war 3 u c r ft a n © e f i d) t u n b Stirn (f. $ig. 219), bann an £>als, ÄBruft unb 9lüden unb an Sinnen unb deinen, ©ewöpnlid) verfdjlimmern fiep wäprenb beS 2luSfd)lag*3luSbrud)SftabiumS bie catarrpalifd)en SIffectio* neu. ®er ift befcpleunigt (oft bis ju 140 Sdjlägen in ber Minute), ber ©urft Ijeftig unb bie £>aut troden unb breniienb peip. ©er SluSfdjlag felbft erfepeint in $orm von linfemunb nagelgliebgrofjen rötplicpen, fdjarf= begrenzten Rieden ober Heineren rötplicpen bereu (Srpebung über bie £>aut mit ben ß-ingerfpipen bentlid) waprnepmbar ift. ©iefe Rieden ftepen in regelmäßigen Raufen btept bei einanber unb fließen auep pier unb ba jufammen, fo baß bie baburd) größere unregel< Fig. 219. ©er früIicfte2Ka|ernau§fcI)[an. 466 mäßig geftaltete Partien bilbet. Tie Rieden fjaben in ber SOlitte Heine (Papeln). 3111U"ci)en en einzelnen, burcp baS 3ufammenfließen ber fylecfe gebilbeten größeren hauptpartien, befinbet fid) naljejn normal gefärbte £>aut. Tie 9?ötße nimmt admälig eine bunflere $arbe an unb hinterläßt bann beim gingerbrncf einen gelblichen Sim 3. Tage beS SluSfdflagS Ijat bie ihren höhepunft erreicht. TagS barauf, b. I). ungefähr 4 Tage nad) feinem SluSbrud) (am 8. Tage ber Äranfßeit) er* blaßt ber SluSfdjlag mieber nnb verfdjwinbet in berfelben ©rbnung, wie er ausgebrochen War. TaS fieber nnb bie Slffection ber @d)leimt)aut mäßi* gen fiel) bann ebenfalls. ®leid)jeitig fdjuppt fid) bie Tberljaut in feinen, tleieartigen Sdjüppdjen ab, unb ift biefer SlbfcpuppungSproceß in 10-14 Tagen beenbet, worauf ber ft'ranfe als genefen 31t betrachten ift. Sim meiften jn fürchten ift bei ben HJlafern ber §injutritt einer Gomplication in ben SIthmungSorganen nnb jwar entweber einer ober Snn* genentjiinbung. geltere tritt befonberS oft im GruptionSftabirim ein; baS 2ltl)men wirb plöhlicp bebentenb befdjleunigt, ber traute püftelt häufig, ber $uls wirb fel)r frequent unb oft unjäljlbar, unb bie l)ol)en $iebertempe* raturen erfahren niept ben erwarteten Slacplaß, wie bei bem normalen 93er* lauf, 53ilbet fid) bei ber Sd)(eimpautaffection ber Luftwege (wie beim Group) ein hautäpnlicpeS ©erinnfel, bann verläuft bie gewöpn* lid) töbtlid). SDiit Gintritt ber Sungenentjiinbung verfepwinbet ber SIuS* fdjlag, was man im 93olfSmunbe ber SDiafern" nennt. 53ei ben Hafern jeigt fid) häufig and) Turcpfall. - Sille bie genannten Spmp* tome finb aber bei ben Verfd)iebenen$ranfpeitSfäl(en fepr verfdjieben. Ter SluSfdjlag ift ftärfer ober fdjwäcper, mehr ober weniger über ben Körper verbreitet, peller ober bunfler unb bauert längere ober fürjere 3eit. 3ft ber SluSfdjlag fepr bunfel, fo nennt man bie Äranfljeit wopl and) W?afern". Gatarrl) nnb fieber geigen bei ben einzelnen fällen nidjt min* ber große SSerfchiebenheit. 3ltmeift verläuft bie Trautheit günftig, bis* weilen führt fie aber and) rafd) 311m Tobe. Tie 53 eh an b lung ber S0?afern fei eine biätetifdje unb befchränfe fid) in ber §auptfad;e barauf, bem fßatienten 53ettrul)e, eine leidjte 9iahrung unb gegen bie fyieberhipe fühlenbe ©etränfe (f. $rantenfoft 1- 10) 31t Verfdjaffen. IPlan adjte ferner barauf, baß ber Trante Wegen ber Slffection ber 9ltl)mungSorgane Tag unb 9tad)t reine £uft (von etwa 65° F.) 311m SIthmen habe, unb baß ber entjünbeten klugen wegen baS Rimmer verbuntelt wirb, häufigeres ©effuen ber Vorhänge unb TI)üren ift 311 vermeiben, ba baS plöplidje von Vicpt fepr fd)äblid) für baS Singe beS Patienten werben tann. TaS Äranfenjimnier ift öfter 311 lüften, bod) ift babei baS ®efid)t beS Oranten 311m gegen etwaigen 3ug 31t bebeefen unb baS 53ettmit (Schirmen 311 umftellen. ®egen ben Turft (unb 467 baS ßieber) Verabreiche man, wie gefaßt, fiiljtenbe (Setränfe, unb gegen ben fdjleimige (Setränfe (Seiufamentpee, u. a. m.). 3ft ber gmften ftärfer, fo wenbe man baS erfte unten ftepenbe fRecept (5Ro. 1) an. Sßenn bie (Sntjünbung ber Luftwege pocpgrabig ift, fo pat man fie je nacp ber ßorm, in weldjer fie auftritt, wie Sungenentjüiibuiig, ©ipptperitis ober Group $u bepanbeln (f. fpäter). 53ei bösartigen HRafernfällen, bie ähnlich wie Unterleibstyphus ju bepanbeln finb, gebe man ftünblidj einen Sfpee- löffel voll SBpisfep ober 53ranby in einem Gfjlöffel voll (lauwarmem) 5Baffer ober SDcild). 3eigt fidj AuSfdjlag nur langfam ober „tritt er äiirücf", fo mufj man benfelben burcp warme 53äber ober @enf-ßufibäber befcpleunigeit, wieber hervorrufen. (Segen mäßige ©iarrpoe iftnidjts anjiiwenben; ift biefelbe heftiger, bann gebe man Ambern ftnnblidj einen ©peelöffel von SRecept 9io. 2 unb Grwadjfenen in gleichen 15-20 ©ropfen gecampperte ©piumtinctur Glijrir, Pare- goric). 93 ei Krämpfen, bie fid) befanntlicp mitunter im AitfangSfiabiiim bei Heineren Äinbern einftellen, finb Ijeiße 93äber, «genfpflafter (auf ßiiße unb Gjtremitäten) unb falte Umfdjläge auf ben ®opf anjuweu- ben, unb baneben ift ftünblicp ein Xheelöffet voll von fRecept 9lo. 3. - mit einem Gßlöffel voll 5ßaffer - 31t geben. 5Bäprenbber Abfdjuppung finb bie Traufen täglich lauwarm 311 haben. ©aS 93ett ober wenigftenS bas Rimmer barf and) bei günftigem Verlauf n i cp t u n t e r 14 © a g e n v e r l a f f e 11 werbe n. Als 9t a cp f r a n t p e i t e n ber URafern ftellen fid) leicht ein: Äeud)® puften, ßiingenentjünbung, ©ipptperitis unb AugeiibinbepauUGntjitnbuiig. 53 0 r f i cp t ö m a ß r e g e I n. ©aS befte SRittel, ein epibemifdjeS Auf- treten refp. Aiiftecfung anberer ben Traufen ju verhinbern, ift, letzteren 311 ifoliren unb baS ju beSinficiren (f. trautem pflege), ©er ©dptlbefml) ift ertranft gewefeuen Ä'inbern erft nach Verlauf von 6 SBodjen (nach Eintritt ber Äranfheit) wieber 31t geftatten. 9?eccpt 9?o. 1. ©almiat 30 ©ran, Safrijcnejtract | Unje unb ßendjeltoaffer 4 Unjen. 2(lle 4-5 Stunbcn einen STbeelöffel toll. 91 ccev t 91 0. 2. (flefcfjlenunte) Äreibe 30 ®ran. 3uifer unb aratu= fdjer ©uinrni je 2 ©raeßtnen unb .gitnmtaaffer unb Sßaffex je 4 Unjen, tüdjtifl menjureiben. ©tünbliä) ein Sjjlöffci boll. 9?e c e V t 9lo. 3. Sßroinnatriuin 1 SLfjeeXöffct Voll auf 3 ©fjlöffel voll SBaffcr. ©tünblid) ein Stl)eclöffcl voll mit einem (Sjjlöffel SBaffer. ©ie fRötljcln ober Olubcolcn (German Measles) finb eine ungefähr- lidje contagiöfe welche, wie ©djarlad) unb ORafern, epibemifch auftritt. @pmptonte 1111b 55erlauf. ©aS 55orftabinm ber Trautheit beträgt ungefähr 14 -tage, ©ie eigentliche Äranfpeit erfdjeint beiimunter- broepener Gpluft, mit SRübigfeit, fdjmerjpaften Gmpfinbungen in ben 468 ©liebem, @d)lingbefd)ioerbcn unb §alsfd)merjen, fliegeuber §ipe unb SBabentrampf. ©ie fRötpeln verlaufen opne gieber, pöcpftenS tritt eine Temperaturfteigerung um 5° F. ein, iveldje 2-3 Tage anpalten tarnt, ©ft geigen fid) jugleicp mit bem SluSbrud) ber juerft im ©efidit unb bann am übrigen Körper linfem bis pafelnußgroße rotpe gleden, bie getvöpnlid) glatt finb unb peftigeS Süden veranlagen. Sn ben meiftcn gälten [teilen fiel) biefe gleden jebod) erft gegen (Snbe beS erften Äranb peitStageS ein. bleiben bie Rieden einzeln ftepen, fo fjaben fie bie größte 2lepnlid)feit mit ben (niept fo bunfelrotpen) fDJafernfleden; fließen fie aber in einanber, fo färbt fid) bie ipnen liegenbe §aut rotp, unb ber SluSfcplag äpuelt bem beS @d)arlad)S. Smveilen erpeben fid) and) in ber IDcitte ber Rieden gruppemueife Heine unb -SBIäSdjen Von ber ©roße eines ©enftornS. ©er SlnSfdjlag fteptö bis 6 Tage in feiner 23lütpe unb verfdpoinbet gegen ben neunten Tag, an iveldjem bie opue jemals eine 91 ad)tränt peit ju pinterlaffen, mit einer leidjten 2lb* fd)uppung iprßnbe erreicht, ©er bei ben 9)lafern immer vorpanbene 23rond)ialcatarrl) feplt bei ben SRötpeln. 2ßaS bie anbelangt, fo ift ber Patient nur bis jum 53crfd)ivittben ber gleden bei geeigneter pflege unb 9?aprung im53ett refp. im Rimmer ju palten. ©er Sdjarlatp ober baS i$iparlotpfiebcr (Scarlet Fever) ift eine ber peimtüdifdjften bereu Sontagium, obivopl feinem Siefen nadj unbefanut, jebenfalls ju ben «Bpaltpiljen gepört unb ivapr* fdjeinlid) in ber unb ber SltpmungSluft unb vielleidjt and) im Urin beS Traufen enthalten ift. ©ie SBeiterverbreitung ber ßTant* peit erfolgt burd) birecte ®erüprung mit bem trauten ober burd) SJZittelS« perfonen ober ©egenftänbe, iveldje mit bem Oranten in 53erül)rung tom® men. ©er @d)arlad) tritt meift epibemifd) auf unb befällt vorjugStveife Äinber (am ßäufigften jnnfdjen bem 1. unb 4. -3al)r), jebod) ift fein hebens» alter vor il)m fid)er. grauen überftepen ipn getvöpnlid) leidjter als DJläm ner, inbeffen gilt baS nid)t von grauen, tveldje fdpvauger finb ober im 2öod)enbett liegen; für biefe ift ber <Sd)arlad) äußerft gefäprlidj. 3:n Siegel (aber uid)t immer) befällt ber @d)arlad) ben 2)lenfd)en nur einmal. ©pmptome unb Verlauf, ©er (Erfranfung gept ein bationSftabium von 4-7 ©agen voraus. 2(m (Sube beSfelben feigen fid) fieberpafte (grfdjeinungen (Sdjauer, gröfteln unb barauf folgenbe §ipe), ßingenommenpeit beS ÄopfeS, 9)?attigteit unb ©lieberfd)merjen. ©ie eigentlid)e $rantpeit beginnt mit jiemlid) ftarfem groftanfall, ivelcpem be- träd)tlid)e £)ipe folgt, ©ie Temperatur fteigt fdjnell auf 104-105° F. unb ber auf 120 <Sd)läge in ber Minute. ©Ieid)jeitig [teilen fid) ein: $op[fcpmer$, belegte .ßunge mit rotpen unb Qiänbern unb 469 rotfjer Spille („Himbeerzunge"), Slppetitlofigteit, Uebelfeit unb woljl and) (Erbrechen (grünlicher flRaffen); zuweilen fällt ber Patient in Telirien unb Ärämpfe, unb faft ausnahmslos (feiten vor unb meift) nach (Ein= tritt beS ftieberS eine (Entzünbuug beS HalfeS mit Diötlje beS SdflunbeS, Sdjwellung ber ÜRanbeln, Sd)lingbefd)Werben unb Sdjwellung fämmtli* djer tfpmphbrüfen beS Körpers. 2luf ber hüufig fdjon Vorher fdjivadj ge= rötheten unb fein punctirten Haut entfielen (zuer ft am Hälfe unb an ber 33 ruft; f. gig. 220) größere, flache, fd)arlad)rotl)e ftletfe, bie halb zufammenfließen unb eine auSgebehnte rotlje fläche bilben. palb ber nädjften 12 bis 48 Stunben Verbreitet fiep bie rotpe $läd)e über ben ganzen Körper, unb zwar, ohne (wie baS bei ben SRafern ber galt ift) normal gefärbte Hrtutpartien z'uifchen ben Rieden zurücfzulaffen. Tie fRöthe verfdjivinbet leidjt bureß ©ewößnlicß bleibt bie HQut bei bem SluSfdjlag glatt; bisweilen entließt aber um bie SRünbum gen ber eine Heine 2lnfd)Wellung, bie bem barüber ßinftreidfenben Ringer fühlbar ift (Scßarlad)friefel), ober eS erheben fiel) Heine 33läSd)en. Sßäßrenb ber Verbreitung beS SluS' fcßlagS fteigt bie Temperatur auf 105-108° F. Tie Haut ift ßeiß unb troefen, unb eS ftellt fiel) großer Turft ein; ber Urin fließt fpärlid) unb ift l)od)rotl) unb faft immer eiweißhaltig. Tie HalSeutzimbung fteigert fid), unb ber Traufe tann nur unter (Schmerzen fdjluden. SRitunter finb aud) Hüften, Schnupfen unb2lugentl)ränen, nie aber öicßtfcßeu (wie bei ben SRafern) borßanben. Ter 2luSfd)lag be= freßt mehrere Tage (gewöhnlich vom 2. giebertag bis zum 9. $rantßeits= tag), unb erreidfr bie Ärantßeit felbft ißren Hbßepuntt zumeift in ber 3eit vom 5. bis zum 9. Tage. Tie Temperatur fteigt womöglich nod) höher, unb bie Sd)lingbefd)Werben werben äußerft heftig. 5Rad) bem 9. ÄranH ßeitstag erblaßt ber SluSfcßlag (wirb blaß unb bräunlid)), unb bie Tempo* ratur fiutt allmälig (in 3 bis 8 Tagen) auf bie normale Höhe zurütf. Ter Urin vermehrt fid) wieber, bie werben geringer, unb eS Zeigen fid) burd) fRiffigwerben ber H°ut bie erften Spuren ber Slbfdjup* pung. Streid)t man mit bem Ringer über biefe fRiffe, fo bleiben Heine, Heienartige Sd)üppd)en baran hängen, unb fpäter löfen fich meiftenS ganze $eßen los, weldje fid) ber Trante von ben Hauben, $üßen, u. f. w. ab= Ziehen tann. TiefeS 2lbfd)Uppen ber Hflut bauert in ber 9?egel 1 bis 3 SBodjen, nach Welcher 3e't ber Patient als gefunb zu betrad)ten ift. - Ter Sd)arlad) verläuft jebod) nid)t immer fo regelmäßig unb häufig genug Fig. 220, ®cr erfte ©djarladjauSfcfjlßfl. 470 n i dj t mit ©enefung. Beber $all ift unberechenbar, unb wie ber fdjwcrfte in Teilung übergeljen fann, jo enbet ber leidjtefte Vielleicht unerwartet mit bem Tobe. B« feljr milber tritt ber ©djarladj gewöljiilidj bann auf, wenn bie £>alSentgünbung feljlt. (Sine feljr bösartige Abweichung von bem ge- wohnlichen Verlauf ift es aber, wenn ber AuSfdjlag feljlt. Bu biefem Salle finbet meift eine Affection ber Vieren ftatt, unb ftellt fidj (als ©ijmp* tom berfelben) oft Sßafferfudjt ein. (Sine anbere bösartige Abweichung ift ber fogen. 1tj p lj ä fe ® dj a r l a dj. ©er Patient wirb feljr 1)114= fällig unb fängt an gu beliriren; feljr halb ftellt fidj audj ein fdjlummer* füdjtiger Buftanb ein, in Weldjem ber Traufe mit halbgeöffneten Augen tljeilnahmSloS baliegt unb an iljn gerichtete fragen nicht mehr beant- wortet. 9DKt biefem Buftanb finb häufig audj Krämpfe verbunben. ©er ©urft wirb feljr groß, ber fteigt bis auf 160 ©djläge in ber Spinnte unb bie Temperatur geljt rapibe in bie §ölje. Mitunter tritt ber Tob fdjon ein, bevor ber AuSfdjlag gum AuSbrudj fommt, in anberen fällen geigen fiel) bie tijpljöfen (Srfdjeinungen erft nadj bem AuSbrudj beSfelben. ©er AuSfdjlag erfdjeint bann feljr langfam unb ift blafj, baS fieber wirb immer heftiger, bie Kräfte flirten mehr unb nieljr, eS ftellt fidj woljl auch ©iarrljöe ein, bie Rieden werben fdjliefjlidj bunfelblau (ein Beidjen von Berfepung beS Blutes), unb ber Tob erfolgt nadj 1 bis 3 Tagen. Sine weitere Abweidjnng von bem regelmäßigen Verlauf beS (SdjarladjfieberS ift ber fogen. b i p lj t lj e r i t i f dj e @ dj a r l a dj, ber ebenfalls leicht einen töbtlidjen Ausgang nimmt. ©r uuterfdjeibet fidj von bem gewöfjnlidjen Sdjarladj baburdj, baß bie §alSentgünbuiig bipljtljeritifdjer Art ift unb in •Q3ranb übergeht. Bu feljr bösartigen gälten füllt fidj bie Diadjenhöljle mit fdjleimig=jandjigen klaffen an, bie baS Atljmen unb ©djlingen feljr er* fdjweren, unb ber Tob erfolgt meift in 1 bis 2 Tagen. ©ie ber milberen formen beS ©djarladjS ift eine rein biätetifdje. ©er Patient hüte baS -SBett, bie Büumertemperatur be- trage gegen 60° F., unb bie gialjrung fei eine füljleubeunb leidjt verbaulidje (fyieberbiät); bei SDlagenbefdjwerben reiche man nidjt gu oft unb nur in Keinen ©ofeu 91aljrnng. 23iS gnr Abfdjuppung mag ber Patient täglich, borgens unb AbenbS, im SBaffer von 65-95° F. gebabet ober bamit ab= gewafdjen werben, ©egen baS Buden werbe bie £jaut öfter mit roljcm (ungefalgenem) @ped ober mit (Sacaobutter ober SSafeline abgerieben, wo- burdj mitunter audj ber beförbert wirb. -Q3ei Ijoljem fieber feien bie £3äber ober Abreibungen falte, ©egen bie §alSentgünbung Wenbe man eines ber ©nrgelwaffer (f. unten, üiecept 9io. 4) an. Bft *ue An- fdjwellung im £)alfe feljr grofj, fo wenbe man falte Umfdjläge an; broljt (Jrftidnng in $olge Anfdjwellung ber SJlanbeln, fo äije manbiefe mit §öl* 471 lenftein. ©ipl)tl)eritis* ober £pphuS*(Somplicationen finb wie bie betr. tantheiten felbft ju behanbeln. $ei großer Sdjwädje, wie foldje befon* berS beim tpphöfen Scßarlad) Dortommt, reidje man etwas iöranbi) ober Sßein. 3ft ber SluSfdjlag üerjögert, unb helfen bie Spedabreibuugen nicht, bann lege man Senfpflafter auf ober gebe warme Senfbäber. £ßie oben gefügt, liegt in foldjein $alle bie ®efal)r von Slffection ber Vieren refp. Sßafferfudjt naße. ©agegen gebe man je nadj bem Sliter 3-10 ®ran fol)lenfaureS Slmmoniat (in etwas SBaffer) alle 4-6 Stunben. Slber and) fdjon bei ganj leidjten Sdjarladjf allen fann SUerenentjünbung eintreten, unb beSljalb finb immer bie Urinentleerungen beS taufen 51t controlliren, um fofort eine erheblichereSSeränberung ber täglichen Urinmenge (infolge oon 9iieren*(Somp(ication) conftatiren 311 tonnen, Sdjwipen beS Patien- ten, woburd) beffen Urinabfonberung auf natürlidje SBeife üerrhigert wirb, ift beSljalb bei ber Slbfd)äpmig ber Urinmenge 31t berüdfidjtigen. ©er Patient barf baS 4öett nicht Dor 14 'Tagen unb baS Rimmer nidjt eher Der* taffen, als bis bie Slbfdjuppung Dollenbet ift, was in 4-öSBodjen gefd)iel)t. (SS fann nidjt itadjbrütflid) genug Dor bem 3U frühen Slufftetjen refp. SlnS* gehen gewarnt werben. SBäljrenb ber fReconüaleScenj gebe man träftige, nahrhafte $oft. ©ie eüentuellen 91 ad)trautheiten beS Scharlachs finb: Slbceffe im $als, am 9?acfen unb in ben ©hreü, ©elenfentjünbung, bösartige ©iarrljöe, (Sntjünbungen ber feröfen £Ocembrauen, Woüon bie gefährlidjften Hirnhaut*, -S3ruftfell* unb Samhfellentjünbung finb, unb 9lierenleiben nebft Sßafferfudjt. ©ie einige SSo r f id) tSm aßr e g el gegen SSerfdjleppitng beS Scharlachs - abgefeljen Don ben bei ber tantenpflege angegebenen ©eS* infectionSDorfchriften - ift, baß man Berührung mit bem tauten unb mit Slrtifeln, weldje Don biefem inficirt würben, ftrict Dermeibet. 9iur ber füllte im Ä'ranteiijimmer gebulbet werben, unb audj eine Berührung mit biefem ift, währeub er ben tauten pflegt, ju umgehen. ÜDiefe SSorfidjt man nidjt ju früh beifeite, benn bie tautheit ift währeub ihres bis ju 6 2Bod)en bauernben Verlaufs gleich anftedenb. SSor allen ©ingen finb Äinber Dor einer Onfection 31t hüten, benn biefelben finb für bie Trautheit nicht nur am empfänglichften, fonbern unterliegen berfelben aud) am leichteften. ©en größten Procentfap an ©obeSfällen in Don Scharlach liefern bie taber unter 14 3ahvett- fRecevt 'Ülo. 4 (©urflclwaffcv). 15-20 ®ran (J SUjeetöffcl boll) üßcrmangan= faureS Äali in 1 $int Sßaffer gelöft. - Ober: 1 ©radjme (etioa 1 SUjeelöffel boll)reine Sarl'oljäure in 1£ int beigem SBaffer gelöft. Äalt ju gebrauten. - Ober: 30 ®ran Sljeeloffel boll) djlorfaureä Ätali in 1 Sßint SBaffcr gelöft. 9?id)t bei Sinbern ju be-- ioenben, bie leid)t etioaS babon berfd)lutfen tonnten ! 472 ©ie edften dürfen ober Jölattern (Small-Pox) finb eine fepr an* fterfenbe unb barum meift epibemifd) auftretenbe BnfectioiiStrantpeit, meldje fein Lebensalter üerfd)ont nnb in allen üorfommt. ©er ÄrantljeitSfeim ber Rotten, ber bis auf feine Sßirfuug nod) uubefannt ift, wirb birect (burd) Berührung mit bem Oranten) ober inbirect (buraj u. f. W.) übertragen nnb ift in bem Onljalt beS bläSdjen* ober puftelartigen refp. in bem <Sd)orf beS (eingetrocfne* ten) 5luSfd)lagS, in ben nnb in ber auSgeatpmeten Luft ber Traufen enthalten. Ginmalige Grtranfung an ben 'üßotfen fdjütjt in ber fRegel auf Lebenszeit vor weiterer burd) baS 'ißotfengift. Symptome uub Verlauf. 9?ad) Verlauf beS BncubationS* ftabiumS, baS von 4 bis 14 ©agen bauern fann, {teilen fid) ein: Sdjüttel* froft mit barauf folgenbem fieber, ferner (Sdjwinbel, Unluft uub Sßerftim* mung, Gmpfinblid)teit gegen $älte, Slppetit* uub Sdjlaflofigfeit, weifj* gelblicher Delag ber Bunge, fauliger ®erud) beS Urins uub aus bem DJlunbe (nad) fdjimmeligem lörobe), mitunter Uebelfeit, Grbredjen uub ©elirien uub immer heftige, rpeumatismusäl)nlid)e $opf* nnb $reujfd)mer* jen, weid)' letztere bei bon fielen als baS djaracteriftifdjfte ©pmptom beS SßorläuferftabiumS angefetjen werben. Llud) ein vorüber* geheuter SluSfcplag, wie ber bei SD?afern ober Sdjarlad) macpt fid) ge* wöpulid) am Unterleib uub ber Bnneufeite ber ©berfcpenfel bemerfbar. ©aS continuirlidje, SlbenbS fid) fteigernbe $ie* ber ift gewöpnlid) mit ftarfem grofte unb be* beutenber $ipe oerbunben unb peilt etwa 3 ©age an, worauf es bebeutenb mupläfjt ober gaig auf* hört, uub unter jmfenber unb brennenber Gm* pfinbung pierft am ® efid) t unb $opf, befonberS an «Stirn unb Oberlippe (f. $ig. 221), ber eigentlid)e 'ißotfeiiauSfd)lag auSbrid)t. ©er* felbe breitet fid) fpäter über L3ruft unb 2lrme unb bann über 33aud) unb £3eine aus unb be* bectt nad) ungefähr 3 ©agen ben ganzen $ör* per. fieber* unb 9luSfd)lag*2luSbritd)Sftabium, bis p beffen erftem ©age einfdjliefjlict) bie $ranfheit noch nid)t anftectenb ift, bauern alfo je etwa 3 ©age. BueUt beftept ber 2luSfd)lag in rotpen, ruuben, tjirfe* forn* bis linfengroffen Rieden, weldje einen bunfleren in ber 9D?itte tjaben. ©ie fünfte treten innerhalb 24 «Stunben als bunfelrotpe d)en (Papeln) beutlid) füljlbar aus ber §aut fjerüor unb finb bann an il)rer Spitze buntler unb von einem rotten £wfe umgeben. ©agS barauf Wanbein fid) bie in L3läsd)en um, weldje mit einer pellen, ber Fig. 221. ®er er fte Sß octenauSfdjlng. 473 Spmplje iiljnlicfjen (Sßocfenlpmphe) ungefüllt finb. Oetst ift bie $raiifl)eit am anftecfenbften. S£)iefe SläSdjen werben bis jum 7. ober 8. Stage bet Äranfl)eit immer größer (bis jum Umfang einer Grbfe) unb finten babei in ber SRitte. ®leid)jeitig wirb i(jr trüber, bis er bi(f unb gelb (eiterig), refp. bie SläSdjen ju Sßufteln geworben; and) baS ift bis jum 7. ober 8. Stage ber Ä'ranftjeit gefdjetjen, unb tritt letztere bamit in baS Stabium ber Eiterung. SBäßrenb beSfelben, baS etwa 3 Stage bauert, erfdfeint baS fieber auf'S neue ober baS noch üortjanbene nimmt wieber au $eftigteit ju; biefeS jweite fieber wirb GiterungSfieber genannt unb bauert möglicherweife bis ju 8 £agen, b. I). bisweilen etwas länger als baS GiterungSftabium. Sßährenb beS (enteren werben bie Sßu* fteln praller unb gehen mitunter in einanber über, bie $aut ift auf'S äußerfte gefpannt unb gefdjwolten unb jucft Ijeftig, unb baS ©efidjt ift bis jur Untenntlidjfeit entftellt. Sei ungünstigem Serlauf ftellen fid) gewöhn- lich im jweiten ftieberftabium and) ßungen- ober ein. SiS ju bem 10. ÄranttjeitStage finb and) bie Sd)leimhäute (an ben Singen, in SQafe, SRunb, Oladjeu, Speiferöljre, ileljlfopf unb Luftröhre unb felbft im SRagen) von einem potf enähnlidfen SluSfdjlag befallen worben, ber fid) bei bem SluSbrud) beS SluSfdjlagS auf ber äußeren §aut als Gatarrl) ber Schleimhaut ber Slugenliber unb Rafe unb beS RadjenS unb $el)ltopfs anmelbete unb fchließlid) ju allen ober einzelnen berfolgenben Grfdjeinum gen führt: Slugenentjünbung mit gefdjwollenen Bibern, Rafeiwer- ftopfung unb Rafenbluten, duften, unb GrfticfungSjufällen, Sd)lingbefd)Werben, Speichelfluß, Grbredjen, Oßrenfluß unb Sd)Werl)örig* feit. Sim 11. ÄrantljeitStage planen ober trocfnen bie Släsdjen ein unb bilben erft einen bräunlidjen unb bann fdjwärjlidjen Sdjorf, welcher nad) unb nad) unter unerträglidjem 3uden abfällt. ®ie Umwanblung ber Änötd)en in Sßufteln unb baS Sßlaijen refp. (Sintrocfnen ber lederen er- folgt in berfelben Reihenfolge wie ber SluSfdjlag (oon oben nad) unten in 3 Stagen), ©ie lebten Sßufteln (an ben Seinen) werben alfo am 14. $ranfl)eitstage eintrocfnen. Sei ungünftigem Serlauf ber Trautheit, wobei ber 3nl)alt ber Sßufteln jauchig wirb, finb bie gewöl)iilid)eii Sorbeten beS StobeS: troefene 3uu0e, Sewußtlofigteit refp. SDetirium, heftige SDiarrl)öe unb Slutergüffe. S£)er STob tann and) währenb beS (SiterungSftabiumS in ftolge (Srfdjöpfung eintreten. 3n ber Regel bauert bie Äraufl)eit auSfdjließlid; beS OncubationS- ftabiumS 20 STage, b. h- bis jum 20. Stage ift gewöhnlich ber Schorf ber SläSdjcn abgefallen. GS hinterbleiben anfangs nod) erhabene unb bun- telrothe Sc'arben, weldje fdjließlid) einfinfen unb eine Weiße Färbung am nehmen. SefonberS entftellenb finb biefe Rarben, wenn bie Sßufteln wäl)= renb ber Trautheit jufammenfloffen. 474 Tie 53 e p a n b l u n g ber wöprenb beS erften ($ieber*)Sta* biuinS ber ßrantpeit ift eine rein biätetifdje. TaS fleißig ju lüftenbe Rimmer fei nidft ju warm (etwa 60° F.), unb and) ber Patient werbe füpl gepalten, nnb erpalte berfelbe tüplenbe ©etränfe unb leicpt verbaulicpe Speifen (IPiild), leicpte Suppen) jur 9taprung. Tiefer $oft tonnen im fpäte* reu Verlauf ber (nad) Slufpören beS Fiebers) nocp (Sier nut $leifd)brüpe pinjugefügt werben, ßeptere ober etwas 5ßeiu ift angejeigt, Wenn ©rfdjöpfung ber Kräfte bropt. ©egen bie taffe man mit einem ber auf Seite 471 (ütecept 9io. 4) angegebenen ©urgel* wäffer gurgeln, ©egen bie unb ben 2InSfcplag refp. beffen Outfen finb Ä'altwafferauffdjlägc (befonberS auf ©eficpt unb §änbe) anjuwenben; ju gleicpem 3wecf empfiehlt eSficp, bie 53läScpen (am 2. Tage ipreS 53eftepenS) mit einem fpipeu aufjuftedjen unb bann barauf ju legen. Tiefe 53orfcpriften finb nicpt nur wegen ßinberung ber unb beS $u(fenS, fonbern amp beS= palb widjtig, weil bei etwaigem Grapen ber SluSfdjlag an ber betr. Stelle um fo heftiger auftritt unb um fo eutftellenbere Warben piuterläßt. 5luS gleicpen ©riinben ift ber Sdjorf nicpt ju fragen, unb um fein Abfallen ju beförbern, ift er mit 53afeline ober fDianbelöl ju beftreidjen. Tßäprenb ber SIbfdjälungSjeit finb aucp warme 53äber bienlicp. 9? a d) f r an f p ei te n ber Joelen: 53linbpeit, Taubpeit, epronifepe Tiarrpöe unb gpmppbrüfenanfcpwellungen. Tie 53 o r f i cp t S m a ß r e g e l n , weldje gegen 53latternverfdj(eppung refp. sinfection anjuwenben finb, beftepen abgefepen non ben bei ber angegebenen in 3folirung beö Traufen, in fräftiger 9iaprung unb 23ermeibung von ©jeeffen unb in ber Impfung. Tie Ofolirung eines wirb faft überall von ben 53epörbeu jwangsweife vorgenommen. 3ft baS nidjt ber $all, fo palte man fiep vom Traufen unb unb ©egenftänben, bie mit biefem in 53erüprung fommen, fern. $alls baS nidjt ju vermeiben ift, fo betrete man baS nur mit einem Stefpirator (f. S. 390) vor SJlunb unb 9iafe, beffen 53anmwolleiulage uacp SSerlaffen beS Oranten* jimmerS fofort ju verbrennen ift, - unb nie mit leerem Waagen ober im 3uftanbe ber ©rfepöpfung ans irgenb einem ©runbe; man triufe wenigftenS ein ©las Sßein ober eine Taffe Tpee, wenn feit ber letzten Sftapljeit einige $eit vcrfloffen. Tie jweite 53orfid)tSnmßregel beftept in einer fortwäprenben vernünftigen 8ebenSweife. Sdjledjt genäprte, bem SllcopoliSmuS verfallene unb irgenbwie gefcpwäcpte teilte unb bie in fcplecpten SBopnungen panfen unb verborbene Suft einjuatpmen paben, finb für bie Rotten befonberS empfinbtiep unb erliegen benfelben am leidjteften. 475 Tie britte ber fjter ju erwöljnenben Vorsichtsmaßregeln gegen bte sßocfen beftetjt in ber Impfung (Vaccination), b. tj. bem Uebertragen tljierifdjer Sijmplje auf ben Wlenfdjen, um biefen gegen baS weniger empfänglidj ju madjen. Tie tfjierifdje Stjmpfje Wirb entweber Pütjen, welche an ben erfranft finb, ober äüljenunb Kälbern, welche Dorljer mit menfdjlidjer Sdjutjpocfenlpmplje geimpft worben waren, „abgeimpft". Ter fange £eit beftrittene Sßertlj beS BmpfenS ift fjeute außer $rage geftellt; inbeffen bie Impfung nidjt affe unb nicht für immer Dor SInftecfung mit ben Vlattern. Tiefelbe foff an jebemSäug* fing (aber nidjt wäßrenb beS ßmtwöljnenS ober .ßafjnenS unb nidjt in bei- heißen BaljreSjeit) Dorgenommen Werben. Beigen fidj feine ber BmpfungS* erfdjeinungeii, fo ift bie Impfung im 2. ober 3. Lebensjahre ju wieberho* len. 9?adj ungefähr 10 fahren fjat eine jweite Impfung unb bei jebeS* maligem SluSbrudj einer 'ßocfenepibemie eine weitere 'Sleuimpfung ftattju* finben, wenn man nidjt 1 ober 2 Baljre Dorljer erfolgreich geimpft Wor* ben ift. Tie Impfung älterer Äinber unb ßrwadjfener follte ebenfalls nidjt bei großer £n(je, ferner nidjt bei 9totlj(auf unb auch bann nidjt Dor* genommen werben, wenn (Spibemien Ijerrfdjen. Äinber finb nadj ber Impfung befonberS forgfältig ju pflegen unb rein 311 halten unb Dor 9t ei* bung ber Reibung unb Grapen 311 befdjüpeu. Ter Verlauf ber (■3'mpfungSerfdjeinungen) ift ge* wöhnlidj folgenber: 9?adjbem bie Ltjmphe mit einer Lancette auf ben 2lrm eingeimpft unb biefer nadj (Siutroefuung ber Vijmplje, ohne Derbunben 31t werben, wieber betreibet worben ift, entfteljt halb an ber betr. Stelle eine Stötljung, bie jebodj nadj finger Beit wieber Derfcfjwinbet. Sim 2. ober 3. Tage barauf rötljet fidj bie geimpfte Stelle abermals unb innerhalb Wei* terer 24 Stunbeu macht fidj in ber SJJitte ber Ompfftelle ein tleineS hartes, in ber §aut fipenbeS unb biefelbe überragenbeS bemertbar. Sim 5. bis 6. Tage erfdjeiut auf bem eine Heine, Weißliche Stelle, bie allmälig an Umfang gewinnt unb ju einem VläSdjen Wirb, baS wie bie ÜRenfdjeupocfen in ber 3)?itte eine Vertiefung unb um fich einen rotljen £>of ljat. Sim 7. bis 8. Tage erreicht baS Vläsdjen bie ®röße einer Sinfe unb jeigt fidj mit einer burdjfidjtigen fylüffigfeit gefüllt. Tie ent* jünblidje Slnfdjwellung in ber Umgebung ber nimmt ju, fo baß ein förmlidjer Sßall um biefelbe entfteljt, unb häufig ift audj leichtes fieber Dorljauben. Sim 9. unb 10. Tage erreidjen bie (SntjünbungSerfdjeinungen ihre £whe; es entfteht fogar oft fdjmeqljofte Slnfdjwellung ber Sldjfelbrü* fen. Ter Vläsdjeninhalt fängt nun an, fidj ju trüben unb eine eitrige Vefdjaffeuljeit ju befommen. Sim 11. unb 12. Tage nehmen biefe (5nt* jünbungSerfdjeinungen wieber ab. Tie Derliert ihr DolleS unb gefpannteS SluSfehen unb beginnt Don ber dritte aus ju Dertrocfnen. 3n 476 ben folgenben Sagen entfteßt an ißrer «Steife ein fefter, bunteibrauner, von einem rotßen £)ofe umgebener Sdjorf, weftßer uacß 1 bis 2 3Bod;en mit £)interlaffung einer eigentßümlicßen 9iarbe abfällt. S)iefelbe ift runb® ließ, fladj, ßaarloS, weiß unb meift an üerfcßiebenen Steifen punftirt. 9iacß ber erften $utpfung treten am 6. bis 12. Sage bisweilen and) rotße $lede an ©ruft unb 9tüden auf, bie jebocß von felbft wieber vergeßen. Mitunter haftet ber nidjt, unb zwar entweber Wegen mangelhafter ?luS= füßrung ber Impfling ober wegen Sluwenbung eines unwirffamen Stoffes ober enblicß wegen mangeluber (*mpfänglicßteit für baS biefem $a((e ift bie 3öieberßolung ber Impfung (Revaccination), wie oben angegeben, vorjuneßmen. 'Sie m o b i f i c i r t e n ober g e m i l b e r t e n V o d e n (Varioloid) fiub eine Slbart ber oben befcßriebenen edjten ''ßotfen, von benen biejenigen Qteimpfteu, bereu 3InftedungSfäßigleit burcß bie Impfung nur geminbert, aber nidjt ganz bernicßtet worben war, ober Beute befallen werben, welcße bie ecßten 'ißotfen entweber bereits überftanben ßaben, ober für biefelben wenig empfänglich finb. Sie verlaufen weit milber als bie ecßten S)aS fieber ift bei weitem nicßt fo ßeftig unb regelmäßig, ber 3luSfd)lag bricßt am ganzen Körper ziemlicß gleichzeitig ßervor, ift meift fcßon an einem Sage beenbet unb üerwanbelt fieß fdjneller in unb ©läs- djen, aber ni eß t in b. ß. in ©läsdjen, welcße mit eiteriger SDMffe gefüllt finb; and) feßlt baS (SiterungSfieber. Sie ©eßanblung biefer etwa jwei 3Bodjen bauernben ift biefelbe wie bie ber ecßten S)ie Sptß,s 23ßinbs ober üSßaffcrpotfen (aueß 33 ar ic eil en genannt; Chicken-Pox) finb eine faft auSfdjließlicß befallenbe unb von ber ecßten Sftenfcßenpode (unb ber ganz verfeßiebene SluSfcßlagSfrant* ßeit, welcße allerbingS milberen äßnelt, fieß von biefen aber fd)on babnreß unterf eßeibet, baß Ueberimpfen beS ©läScßeninßaltS n i eß t bie ecßten 33oden ßerüorbringt. S'ie SBinbpode feßüßt nidjt vor ber edjten Symptome unb 33 e r l a u f. S)em 3luSbrucß ber $rantßeit geßt ein taiim merflidjeS voraus. !SaS (intfteßen beS 3luSfd)lagS ift feiten mit einer Semperaturfteigerung verbunben. (SS ftellt fieß babei meift nur ein unbebeutenber ßatarrß ber 3(tßmungS= unb 33er= bauungSfcßleimßaut ein. S)er 3(uSbrud) beS 3luSfcßlagS üolljießt fieß oßne ©rennen unb kneten unb geßt von ben beßaarten unb biefen benaeßbarten Stellen beS $opfeS aus, von wo er fieß in turjer ben ganzen Körper verbreitet. Ster 3luSfcßlag befteßt juerft in rotßen Rieden, weldje fieß gewößnlicß halb in wafferßelle, feiten eine trübe glüffigteit entßaltenbe ©läScßen, zuweilen aber and) nur in umwanbeln. S)iefe ©läsdjen ßaben in ber SDcitte feine Vertiefung unb füllen beim (Sinftecßen ganzein- 2lm 4. ober 5. Sage werben fie gelblich nnb am 6. Sage troduen fie 311 477 brüuntid)en Prüften ein, wetdje feine ober nur ganj fdjwadje Warben jurücftaffen. $n ter 9ieget bauert bie 8 Sage. 9?id)t fetten bridjt aber ber Sluöfdjtag and) in 9iad)fd)üben aus, fo bafj man vertrorfnete 53tii§djen neben neu entftanbenen finbet; bie jieljt fid) bann mit* unter 10-14 Stage fjin. (Sine mebicamentöfe 23el)anblung ift iiu* nötljig. 9)?an beljatte ben Patienten nur einige Stage im Rimmer ober im J§23ett unb verabreiche itjm leidet üerbaulidje Äoft. £ie brei Ijauptfädjlidjften 9lu$f(t)lag§ficbcr - 9J?afern, ©diartad) unb Torfen - fiub in ber erften fetbft für Siebte fdjmer ju unter* fdjeiben. 2ln ber §anb nuferer -Slluftrationen, meldje l)ier beljufS ber Ueberfid)tlidjfeit miebertjolt werben mögen, madje man fid) beSfjalb immer juerft barüber ttar, wo unb Wann ber SluSfdjlag beginnt, unb bann adjte man and) genau auf bie weiteren, Ijier nodjmals tuq jufammengefajsten Unterfdjiebe in ben «Symptomen ber einzelnen ftJiafcrn. Scharlach. Sooden. 9?acß mäßigerem Sieber tritt bei erboster 5)3uWgahl unb vermehrter Hifee ber Haut ber 9luSfd)lag am vier* ten Stage guerft im @e* f id) t ein unb verbreitet fid) von ba langfam (in ca. 48 Stunben) über bcn übrigen ftörper. Erhübet halbmonb* förmige Siede, gwifd»enbenen gefunbe Haut ift, unb befteht 5 Stage, Worauf fid) bie Haut fleicnartig abfdulfert. 58e* legte Bunge, SRafencatarrl) unb Hüften, feiten HaWent* günbung. SRervöfe Spmp* tome (Srrereben, ©elirien, u. a. m.) feiten unb nidjt fchwer. ftein gweiteö Sieber= ftabium. Söei Sieber unb fehrfdinel* lern $ulg unb großer ber Haut tritt ber 9IuSfd)lag am gweiten Stage guerft am Hälfe unb an ber 95rußt ein, von wo er fid? fchneU auf ben übrigen Sßr* per verbreitet. Er bilbet gleichmäßige große gletfen (mit Erhöhungen ober 58laß* d?en), Weldje in einanber überlaufen. 97ad) 7 Stagen verfdjwinbet ber Sluöfchlag, unb bie Haut fdiält fid) voll* ftänbig ab. „Himbeerzunge", Halöentgünbung, feiten 9?a- fencatarrl) ober Hüften. Häufig fdjWere nervöfe Symptome. j?ein gWeitcS gieberftabium. Sehr Ijoljeg fieber, ftart flopfenber SßulS unb fttüden* fchmergen, Welche Symptome mit bem, am Enbe beS brit* ten ober Slnfangg bcö vierten Stageö, guerft an 8ip- pen unb Stirn auöbre* tfjenben SluSfddag gemäßigt werben, ©er Sluöfdjlag (gu = erft Knötchen, bann mit heb 1er Slüffigfeit gefüllte 58läS= d)cn unb fdiließlid) Eiter hab tenbe 5ßufteln) beginnt am ad)tcn Stage feineö 58eftehend eingutrodnen. 58elcgte (ge* fdrtvollene) Bunge, unb oft HaWentgünbung unb trode* ner Hüften. SZerVöfe Spmp-' tome häufig unbimmer gwei* te§ („Eiterung8"*)Steber. 478 'Ser Kciuf)ljuftcii obw Stirfljuften (Whooping-Cough) ift eine am ftecfenbe -3mfectionSfranfl)eit, weld)e vereinzelt nnb epibemifd) (letzteres am Ijäufigften (Snbe SBinter nnb im grüljjaljr nnb mitunter in SSerbinbung mit SJJafern* ober ®rippe*(Spibemien) auftritt. Kein Lebensalter ift vor biefer Kranfpeit fid)er, inbeffen befällt fie ben SDienfdjen gewöljnlid) nnr einmal nnb meiftenS nur Kinber im Sliter von 2 bis 8 $al)ren; befonberS fd)Wäd)lid)e Kinber nnb von biefen Wieber I)auptfäd)lid) SJJäbdien werben vom Keud)l)uften I)eimgefud)t. ©er Keim beSfelben finb (Spaltpilze, nnb werben biefe bürd) bie anSgeatpmete Luft nnb ben Sluswurf ber Kranfen weiterverbreitet; and) wenn biefer fdjon längft getrocfnct ift, finb nod) anftecfitngSfäljig. (Symptome nnb Verlauf. Stad) einer burd)fd)nittlid) 4 £age banernben ftellcn fid) (Symptome einer (Srfältnng ober Luftröljrenentzünbung ein: Sdjnupfen, 9iötl)ung ber Singen, trocfener §uften nnb fieber. ©iefeS erfte Stabium ber Kranfljeit, weldjeS baS catarrljalifdje genannt Wirb, bauert in ber 9tegel 1 bis 2 Sßodjen, Worauf baS fogen. frampfljafte Stabium beginnt. ©aSfelbe erhielt feinen Slameh von beit, bent Keud)l)uften eigentljümlidjen §nftenanfällen, weldje perio* bifrf) wieberfeljren. (Sin jeber foldjer Slnfall bauert etwa 1| bis 2 Sttiiiu* ten nnb befielt felbft wieber aus mehreren, fdjnell auf einanber folgenben gerieben. $ebe ber letzteren wirb burcl) ein langes, feudjenbeS (Sinatl)* men eingeleitet, auf WeldjeS mehrere (in ber Siegel 5 bis 6) frampfljafte §uftenftöf;e fo fdjnell folgen, bap eine (Sinatljmung bazwifdjen unmöglich ift. ©iefe tritt erft als fdjrillenbeS pfeifen ober teudjenbeS Stöhnen nad) ben ein, worauf eine neue 'ßeriobe beginnt, bis ber Slnfall Vorüber ift. dauert legerer lange, fo wirb baS ©efidjt beS ÄinbeS bläu* Itdprotf) ober blau (bafjet and) ber tarnen,, blauer bie Singen finb rott) ober mit 4ölut unterlaufen nnb §änbe unb fyüpe falt, es treten ®e* fidjtSzutfungen ein, unb bisweilen fommt eS zu Blutungen aus SJlunb nnb Stafe, zu @rbred)en eines zäl)en SdjleimS unb ber Statjrung unb zu un* willfürlidjen §arn* unb Stnljleiitleerungen ober wol)l gar zu Krämpfen unb L3rud)fd)äben. ©iefe treten von felbft ein ober Werben burd) ®emntI)Sbeweguiig (Ladjen, Söeinen, Slerger, ®d)red, u. f. w.) ober burcp falte unb unreine Luft ober-burd) Körperbewegung veranlagt, baS Kinb einen Slnfall nafjen, fo flammert eS fid) an ober (Segen* ftänbe an ober wirft fid) zu S3oben. Stad) bem Slnfall ift baS Kiub nur furze 3eit nod) fd)Wad) unb in ®d)Wei§ gebabet, bann aber anfdjeinenb wieber ganz unr wenn bie SlnfäUe, bie zuerft feltener finb, fid) aber in ben erften 14 £agen mehren, ftünblid) ober nod) häufiger auftreten, füljlt fid) baS Kinb and) in ben ,$wifd)enränmen fdjwad) unb flagt über Kopf* unb L3ruftfd)merzen. ®aS frampfpafte Stabinm, bei beffen (Sin* 479 treten baS gieber nadjläßt ober ganj aufljört, bauert minbeftenS 3 bis 4 Sßodjen unb geljt bann in baS brüte, fegen. fritifdje ober Sdjleimftabium über, Tiefer Uebergang bolljieljt fid) nur feiten plofjlidfunb in ber 9?egel allmälig. 3n biefent (brüten) Stabium berliert ber duften feinen frampf= Ijaften (Sljaracter ober beljält biefen bloS in golge ber im (Stabium erworbenen nerböfen (Störung; er wirb babei feudjt uub löfenb, unb eS wirb ein Weifjlidjer ober grüivgelblidjer «Sdjleim auSgeljuftet (refp. wirb berfelbe non ben Sinbern berfdjtuctt). Tiefe geljt nad) SBodjen in bie ©enefung über, Wenn fid) borljer nid)t (Somplicationen eingeftellt Ijaben (befonberS in ben SltlpnungSorganen). Zuweilen jeigt fiel) beim and) ein friefel- ober rötljelartiger Slusfdjlag. Tie 33 e I) a n b l u n g ift in ber §auptfadje eine biätetifdje; bie Tiät fei milb (©i, lOiilcp unb gleifdjfoft), baS Rimmer bei Tag unb gleidj' mäßig warm (etwa 65° F.) unb ftetS gut gelüftet. 33ei warmer SBitte* ritng faim baS ®inb au bie £uft gebracht Werben, bei fdjledjter, füljler Witterung bleibe eS im Rimmer. $ft gieber borl)anben, fo ift baS 33ett 3U l)üten. 33ei rauljem SBetter jiefje man bem $inb auf ben bloßen Ceib ein glanelljätfdjen an; bei wärmerem äöetter lege man ein foldjeS 3äd> djen nur beS SlbenbS, bebor baS $inb 311 33ett gebracht Wirb, an. Um nidjt ßerborjurufen, werbe baS $inb bor jeher (Erregung unb ßeftigen törperlidjen Bewegungen behütet, kleinenÄ'inbern, bieben ©djleim nidjt orbentlid) auöpuften, ober wenn biefer in großer SJlenge vor- panben ift, nidjt auögefpurft wirb ober Sltljembefdjwerben üerurfadft, gebe man jweü bis breimal am Stag einen Teelöffel boll 33red)nmräel<Ipe- ferner laffe man ben Patienten im trampfljaften Stabium hier* bis fedjSmal täglidj etwa eine I)albe (Stunbe lang feudjtwarme ßar= bolbämpfe einatljmem 9)?an neunte baju einen ober einen droupfeffel (f. Äranfljeiten ber SltljmungSorgane), in weldjen man 1' bis 2procentige (Sarbolfäurelöfung erwärmt ljat. Ober man pinfele bie §alsfd)leiml)aut täglid) 2=» bis 3mal mit ber in 9lecept 9ir. 5 angegebenen fylüffigfeit ein. ©ienlid) fiub ferner täglidje Slbwafdjungenber 33ruftmit fiil)lem SBaffer. 33ei einem £mftenanfall ridjte manbaS £inb fofortin bie £>öl)e, ljalte eS nad) born übergebeugt unb entferne ben jäfjen Sdjleim mit bem ginger ans bem 2)lunbe. 33ei Ijeftigen Unfällen madje man warme 33reiumfd)läge auf bie 33ruft unb laffe warme SBafferbämpfe eim atljmen. ©roljt (SrfticfungSgefat)r, fo ift mit Slmmoniat einjureiben unb ju bürften. OaS Anlegen einer £eibbinbe ober eines 33rud)banbeS bor eoentnellen 33rud)fdjäben. 3n ber 9i e c o n b a l e S c e n 3 beljüte man baS Äinb bor SBedjfel ber Temperatur; bor allen Gingen taffe man es uidjt ju frül) (bei füljlerer SBitterung) auSgepen. ÜÖill ber abfolut nidft weidjen, fo ift baS (Sinnige, was übrig bleibt, ben 2Bol)iiort ju 480 Wecpfeln unb baS $inb in manne unb reine Laub® refp. 33ergluft 311 bringen. %lacpfrantpeiten beS $eud)puftenS finb junteift Lnngenfranfc peilen, unb treten biefe gewöpnlid) nad) (Somplicationen ber SltpmungSor® gaue ein. $eplen biefe, fo wirb ber in ber SRegel vollftänbig gepeilt. 9?ur bei Äinbern im elften LebenSjapr verläuft ber $eucpl)uften opne SRebenfranfpeiten leicpt töbtlid). 5£)te S3orficptSmaßregeln gegen biefe beftepen in 3folirung ber Traufen unb Sßerpüten von (Satarrpen ber gefunbeu Äinber. ©teilt fiep bie gcringfte catarrpalifcpe Slffection ein, fo finb bie ß'inber mög* liepft rupig im gleichmäßig temperirten Rimmer zu palten. 9t e ce p t 9t 0. 5. 30 ®ran (| Sttjeelöffel boll) Sljinirt iverben in ein flcineS SZBafferfllasg boHSßaffer fiethan, unb bann 10 Stopfen berbünnte Sdnoefelfäurejuflcfetjt. 3um (Sinpinfeln big 3mal täfllicf>) mittels eincg Äameclgpaarpinfelg ober eincg ge= berbarteg. Oie SipptpcritiS (Oipptljerie) ober epibcmifdjc JRacpcnbräunc (Diphtheria) ift eine vereinzelt ober epibemifcp auftretenbe, miaSmatifd)® contagiöfe 3iifectionSfranfpeit, bie ju jeher $apreSzeit jebeS Lebensalter unb beibe ©efcplecpter befällt. Sim päufigften leiben baran Einher im Sliter von 2 bis 10 $apren. ©ie verfdjont and) feinen ©taub, wirb aber burep ppgteiuifcpe SSerpältniffe beeinflußt; fcplecpte LiaprungSmittel, Um reinlicpf eit, gerfepung organifdjer ©ubflanjen in SBopnungen unb Straßen, Ueberfüllung von Käufern mit 3D?enfcpen, u. f. w. bisponiren für biefe Äranfpeit. OaS ÄrantpeitSgift bcrfelben finb mifroffopifepe Organismen aus ber klaffe ber ©paltpilje. Oiefe merben burd) bett Sltpem unb Sius* nmrf ber Traufen, befonberS burep bie auSgepufteten SD?embranen unb branbigen ©ewebsftüde, Weiterverbreitet, unb jtvar fotvopl birect, als auep inbirect, 3. 33. burd) ©erätpe beS Ä'ranfenzimmerS, gepoU fterte SOSöbel, u. f. iv. Oie bringen burd) bie ©cpleiim paut (vorjüglid) ber Luftwege) in ben Körper ein. Sim empfänglid)fteu für baS finb catarrpalifdj gereifte ©cpleimpäute, weSpalb man bei Äiuberu, bereu ©cpleimpäute an unb für fid) weniger wiberftanbS* fäpig finb, jeben ßatarrp ber SIRunbs unb 9?ad)enpöple, zumal bei Oipptpe* ritiS=Spibemien, ernft nepmen muß. Oie Oipptperie tritt entweber felbft* ftänbig auf ober gefeilt fid) (als fecunbäreS Leiben) zu ©djarladj, WSafern, ®eud)puften, Rotten, OpppuS, u. a. m. © p m p 10 m e unb Verlauf. (SS giebt leid)te $älle von Oipl)* tperitiS, bei betten fid) zuerft Dttattigfeit, Slppetitlofigfeit, ß'opffcpmerz unb ©cplingbefcpwerben einftellcn; bamit ift fein ober nur geringes fieber Ver® bunben. ©iept man in ben SDhtnb beS Traufen, fo bemerft man auf ben SDlanbelu Heine ftlecfen, bie halb in meprere größere ober 481 einen großen giert sufanimenlaufen, bereit Ißelag fiel) nad) einigen ©agen abftößt unb bann ein oberflädjlidjef, rofarotl)e$ unb leidjt blutenbef ®e* fdjwür bloßlegt. ©iefef teilt bcilb unb unter beö 2Bol)lbe* finbenf ljat bie binnen lurjer 3eit bon felbft itjr (Snbe erreidft Sind) bie (daueren gälte tönnen mit ben genannten leidjten Symptomen beginnen. .ßumeift üerfdjlimniern fiel) jebod) biefe (Srfdjeinungen unb ge* feilen fid) baju nod) [tarier groft, teftigef gieber, feljr befdjlennigter *ßul$, giatfenfdfmerjen unb Slnfdjtvellung ber giacfeu* unb Untertieferbrüfen, unb mitunter and) (Srbredjen unb ©etirien. 2lnf ber ftarf gerotteten Sdjleim* taut bef 9?ad)enf unb ©aumenf ntadjen fid) einzelne weißlidpgraue gteefen bemerfbar (f. gig. 222), bie halb, wie bei ben leidjten ©ipt)* tteritif fällen, jufanv ntenfließen. gn biefen (fdpveren) gälten finb bie Sluflagerungen aber fd)mntig*grau, legen fpäter, nadjbem fie fid) abgeftoßen, mißfarbige, itbelriedjenbe ®e* fdpvitre bloß unb bet- itelt fid) oon ben 2D?am bellt auf baf $äpfd)en, ben weirijen ©attinen, bie unb täufig and) auf 9?afen- l)öl)le, $el)ttopf unb Suftröl)re an§. £)ie ®d)(ingbefd)Werbeti finb äußerft teftig, bie ®prad)e ift näfelnb ober bie Stimme gel)t ganj verloren, reid)= lidjer jäljer Sdjleim Wirb aufgeworfen, unb bie ?ltl)emgeräufd)e finb pfeifenb; ef tritt (Srfticfuiigfgefatr ein. £)ie9?atrung wirb burd) Tiuitb unb 9fafe wieber aufgebrod)en. 3ft bie 9tafe in sJJlitleibenfd)aft gezogen, fo jeigt fid) baf burd) gjafenblnten unb einen wiberlid) ftinfeuben Sluffluß auf ber gfafe. ©er (Eintritt bef g?afenblutenö bei gleichzeitiger Steige* rung bef gieberf (mit groftanfällen) ift gewötnlid) and) baf Spmptom, baß baf bipl)tl)rritifd)e ©ift in bie eingebrungen ift unb 33lut* Vergiftung verurfad)t tat. 423ei günftigem Verlauf teilen bie ®efd)Wiire allmälig ab, bei ungiinftigem Slnfgang erfolgt ber ©ob in golge allge* meiner @rfd)öpfung ober einer plö(3lid) eiugetretenen ©er Fig. 222. f.) £tp!)ttjcrifcf)e Sluflageruug auf ben SRanbcln. 482 Stob tann aber ancp oTjue biefe fcpon in einem fritperen ©tabium eintreten. 9Nit fdjweren ©ipptperitisfällen finb faft immer Nieren* unb verbunben; elfteres jeigt fid) burdj (Siweifzgepalt beS Urins. ©ie Vepanblung ber ©ipptperitis muff bem Sirrte überlaffen bleiben. Slbgefepen bavon, bafj ber ßaie ober auch ber Slrzt von vornherein nicht imterfdjeiben tann, ob ber galt ein leichter ober fdjwerer ift, giebt es fein fpecififcpeS Heilmittel gegen biefe gefährliche 3 ft ein Slrzt 11 i cp t zu befommen, fo forge man bafiir, bah öie Temperatur beS trauten* Zimmers minbeftenS 70° F. betrage, unb bie ßuft gut nnb rein fei. gür Ventilation ift burep Oeffnen eines genfterS im Nebenzimmer zu forgen; jeber ßuftzug ift bem trauten gefäprlid). ©em Septereu werben falte (in (SiSwaffer angefemptete nnb bann auSgerungene) Tiidjer auf ge- legt, nnb biefe, fobalb fie warm werben, erneuert (etwa alle 3 SNinuten). ©er Sßatient nehme ferner (SiSftüddjen in ben NUtub, gurgle möglicpft oft mit einem ber unter Necept No. 4 angegebenen ©urgelwäffer ober atpme ßarbolbämpfe ein (f. Steudjpuften). 9Nan madje bie ßarbollöfung in bie* fern g-alle aber ftärfer (2* ober 3procentig). 9Nit ben (5-iuathmungen, bie je nach ber ©djwere ber unb bem Sliter beS Patienten in 3wifd)enräumen von 1 bis 2 ©tiinben 5 bis 10 Niinitten lang vorzunep* men finb, ift aber fofort aufzuhören, fobalb ber Urin olivemgrün gefärbt wirb. Sin ©teile ber (Sarbolbämpfe laffeman bann ©atz- ober Vorfäure* bämpfe (4 ©peile Vorfäure auf 100 ©peile Sßaffer) einatpmen. ©ie ©iät fei nahrhaft (ftarfe ©uppen, SNilcppunfcp, u. f. w.), unb gegen HevZs fcpwäcpe verabreiche man etwa alle ©tunben Heine Quantitäten SBein, SBpiSfei) vbet' Vranbp. ©egen baS gieber bienen falte (Sinpadungen ober eventuell falte Väber. Vei ©djlingtäpmnng ift mittels NäprungSflpftieren ober ber ©djhmbfonbe zu ernähren. Vei vorauSfid)tlid)er (SrfticfungS- gefapr hat ber Slrzt ben Suftröhrenfdjnitt (Tradjeotomie; f. (Sroup) vorzm uepmen, unb zwar ift es beffer, wenn bamit nidjt z« lange gezögert wirb, weil biefe Operation um fo erfolgreidjer ift, je weniger noch ber fßatient an Kräften verloren pat. ©ie NeconvaleScenz ift eine ganz all- mälige unb bauert lange. ©ie Na djf rauf peilen ber ©ipptperie finb Slnämie (Vlntleere) unb Väpmungen ber ®aumen-, Nadjen- unb (baper bie näfelnbe, tonlofe ©praepe ber NeconvaleScenten), ber SlugenmuSfeln (©cpielen) unb ber Sinn- unb VeinmuSteln. ©ie Säpmungen Vergehen meiftenS mit ber $eit von felbft. ©egen bie Slnämie verfapre man, Wie bei biefer angegeben. ©ie V o r f i d) t S m a p r e g e l u gegen bie ©ipptperitiS finb im all* gemeinen fdjon bei ber Äranfenpflege angegeben worben, ©a bie ©ipp* tperie aber äuperft anfteefenb ift, unb ipr ©ift leicpt übertragen wirb unb 483 monatelang nad) ©enefung beS Traufen (im in golften möbeln, portieren, u. f. w.) wirffam bleibt, fo adjteman ftrict auf ©urd)* fiiprung jener 33orficptSmaßregeln. ©er Traufe werbe ftreng ifolirt unb nur vom Slrjt nnb befuept. -Q3ei beS SRadjenS beS Patienten finb bie Singen (beS SIrjteS ober föranfenpflegerS) burd) ©djupbritlen nnb HJlnnb nnb 9?afe burdj SBorpalten eines ©itdjeS jn fdjüpen. ©er SluSWurf nnb bie Seibwäfdje beS Traufen nnb bie SBett« wäfdje, wie nberpaupt alle ©erätpe nnb ©egenftäube, weldje mit bem Traufen nnb mit bem Äranfenwärter in 53erüprung fommen, finb ju beS= inficiren. 33ei ©ipptperitiS*(Spibemien füllte man and) ein befonbereS ©ewidjt barauf legen, baf? bie SRaprung eine fräftige, bie SBopnung rein, nnb ipre Sage gefunb fei, n. f. W; beim, Wie fdjon gefagt, wirb burd) fdjledjte ppgieinifcpe ©erpältniffe bie Gmpfänglidjfeitfür bie Slranfpeit ven meprt. ©a ferner and) eine burd) catarrpalifd)e Slffectio* neu gefdjaffen wirb, füllte man gegen f otepe fofort einfdjreiten nnb burd) Slb- piirtung (falteS Sßafdjen beS §alfeS, falteS ©urgeln, it. f. W.) bei feiten bie (Smpfiinglidjteit für catarrpalifcpe 3uftänbe möglicpft abfdpvädjen. ©ie ©ubcrfiilofc (Tuberculosis) ift eine anftetfenbe, fowopl acut, als aud) epronifd) auftretenbe -S'nfectionSfranfpeit, bei ber eS in ben ven f.-piebenften ©peilen beS Körpers (pauptfäcplid) in ber Snnge, bem ®el)l« fopf, ©armcanal imb ©epirn nnb ben §irul)äuten, Si)mpl)brüfen itub ®e- fd)led)tSorganen) jur Gilbung non („©überfein") fommt. ©iefe etwa pirfeforugrojjen Änötdjen treten entweber vereinzelt ober in ©nippen auf nnb beftepen aus fleiuen runblidjen gellen, Weldje concentrifd) um eine ober meprere größere liegen. SlnfangS finb fie bnrdjfdjeinenb grau, halb aber werben fie mildjig nnb bann gelblicp=weiß, wobei fie eintrod'nen nnb part nnb bröcfelig werben; fie „üerfäfen". 3n biefem tonnen bie ©überfein lange 3eit Verbleiben, ©ft erweidjen fie jebod) allmälig nnb Verwanbeln fid) in eine bitte, rapmäpnlidje fluffig5 feit, welcpe baS benadjbarte gefunbe ©ewebe in WHtleibenfd)aft jiept; eS entftepen tuberfulöfe ©e= fcpwüre nnb §öplen (Kavernen), ©er bie ©üben fulofe - pödjft waprfd)einlid) - veranlaffenbe $eim finb ftäbd)enförmige („©uberfelbacillen"; f. $ig. 223), bie fid) nidjt nur in ben ©überfein nnb tuberfulö* fen ®efd)Wiiren, an ben SBanbiingen ber Kavernen, in bem SluSwurf, bem ©peicpel nnb anberen SluSfdjeibungen beS (tuberfulöfen) äftenfepen, fonbern and) in ben perlfndjtiger, b. i. tuberfulöfer 9?inber von finben. $on einigen Slerjten wirb freilid) angenommen, baß biefe 4öa= Fig. 223. Subertelbacidcn. 484 eilten nidjt bie Urfacße, fottbern nur bie bejiu. ber ©über* tnlofe finb. 9luf bie (Symptome, ben 23 e r t a it f nnb bie 53 e h a n b l u n g bev ©ubertulofe, fomie auf bie SßorficßtSmaß regeln gegen beten SBeiterverbreitung merben mir bei ber tubertnlöfen ßrfranfung berßungen Zit fpredjen foinmen (f. ®. 698 u. ff.). §ier ju ermähnen ift nur noch, baß von manchen Trautheiten, mie 3. 53. von ber freffenben glecljte (®. 776), noeß nicht ermittelt mürbe, ob fie tubertnlöfen gljaracterS finb ober nießt, nnb baß bie Tocß'fcße 53eßanblnngSmetßobe mittelft Vympßinjection, fo vielverfprecßeub fie ift, noeß auf Jaßre ßinauS ein bleiben mirb. 9?äßereS barüber f. Vnngentubertnlofe auf <S. 703 nnb im „Spe- cialarzt für Sungenfrantßeiteu". ©er Unterleibs ober 9lbbominaltypßn§ (ober nervöfeS Sdjleinv nnb UuterleibSfieber ober gaftrifcß-nervöfeS fieber; Typhoid Fever) ift eine meit verbreitete, in allen SBelttßeilen, befouberS aber in ben gemäßigten Jonen vorfommenbe JitfectionSfranfßeit, meldje vom £aien (megen ißrer ferneren nervöfen Symptome nnb heftigen lieberer Meinungen) gemößn« lief) als „9? e r v e n f i e b e r" bezeichnet mirb. 2Begen ber gleichen Symp- tome, melcße mit zwei anberen, vom Unterleibstyphus jeboeß grunbver* fdjiebenen Tranfßeiten (ft-lecf- unb QUidfallStypßuS) verfnüpft finb, merben aber bie beiben lepgenannten Trautheiten ebenfalls fdjlecßtmeg 9?ervenfie* ber (ober auch ©ypßuS) genannt, ©iefe 53ermecßSlung breier verfeßiebe* ner Trautheiten fanb noch bis vor menigen Jaßrzeßnten and) in ärztlichen Treifen ftatt. heutzutage ift aber feftgeftellt, baß jebeS biefer brei „91er- venfieber" fein fpectfifcßeS TranfßeitSgift nnb überhaupt ein ganz au' bereS 2öefen als jebe ber beiben anberen Trautheiten hat. ©emeinfam finb ben brei XpphnSformen, mie gefagt, nur bie ferneren nervöfen <2pmp* tome nnb fieberhaften (Srfdjeinnngen. hervorgerufen mirb ber Unterleibstyphus bureß ein 99?iaSma, bas fieß bei ber Jerfeyung nnb $äulniß organifeßer ©toffe (ßanptfäcßlidj tßierifeßer nnb menfdjlidjer (Sycremente) entmicfelt. ©iefeS TranfßeitSgift mirb meift babureß auf ben SRenfdjen übertragen, baß eS bureß ben 53oben fiefert nnb baS ©rintmaffer vergiftet (f. $ig. 163). ©er TrantßeitSfeim mirb aber and) burd) bie Cuft übertragen; eS ift naeßgemiefen, baß Slrbeiter, melcße einen ©ungßaufen megzufdjaffen hatten, auf ben Monate vorher (Sjcremente von UnterleibStyphuSfranten geworfen morben maren, babei bureß (Sinatßmung beS SQiiaSmaS inficirt mürben. ©aS TranfßeitSgift tann aber aueß bureß ®enuß von £D?ilcl) ober gletfcß folcßer Tüße auf ben SOlenfcßen übertragen merben, melcße mit inficirtem üöaffer geträntt mor- ben finb. 'ißerfönlidje 53erührung mit einem UnterleibStyphuSfranten ftedt nid)t an. 9?ur bie (Sycremente beSfelben finb ©räger beS 99iiaSmaS, 485 unb muffen beShalb biefe unb alle non ihnen beflecften ©Bäfdjeftücfe unb ©erätlje fofort grünblidj beSinficirt werben (f. fpäter). ©er Unterleibs« typljuS verfdjont fein Lebensalter unb ©efdjledjt, inbeffen befällt er am meiften träftige Jünglinge unb Scanner unb nur feljr feiten fdjwaugere ober ftiltenbe grauen. (Sbenfo finb vor iljm mit einem djronifdjen Leiben 23eljaftete (3. 23. Lungen«, £>erzs, ®eifteS«unb ÄrebStrante) ziemlich fidjer. Sind) eine zweimalige (Srfrantung an biefer ©ypljuSform gehört zu ben Seltenheiten. ©er Unterleibstyphus tritt zu jeber BaljreSzeit auf; am päiifigften ift er aber (in ben mittleren Staaten 9iorbamerifa'S) im Octo« ber unb November. ©ie perfönlidjen 23erljältniffe finb infofern von (Sin« fluß, als bie (Siupfänglidjfeit für ben Unterleibstyphus burdj fdjledjte (£r« näljrung, übermäßige geiftige unb törperlidje Sluftrengungen unb auljal« teube beprimirenbe ©emüthSaffecte gesteigert zu werben fdjeint. Symptome unb Verlauf. ©aS BncubationSftabium fann fidj auf einen ©ag befdjränfen ober über 2ßodjen ausbeljnen. SBährenb beS« felben ftellen fich als Vorboten ber ein: Sdjwinbel, bumpfer Äopffdfmerz (befonberS in ber Stirngegenb), allgemeine ?Ibgefdjlageul)eit, Bieljen in ben ©liebem, gröfteln, Slppetitlofigfeit, Sljrentlingeu unb Sdjlaflofigteit, ober ber Sdjlaf ift unruhig unb nidjt erquitfenb; zuweilen tritt aud) 9?afenb(uten auf. ©leichzeitig ift ber Patient übellaunig unb »errichtet bie gewohnte 23efdjäftigung nur mit Unluft. 3u ungefähr 10 'jßrocent ber ©ypljuSfälle fehlen inbeffen biefe Symptome ber naljenben Äranfljeit gewöhnlidj. Lefctere beginnt, gleichviel ob fie fid) burdj jene (Sr« fdjeinungen anmelbete ober nidjt, gewöhnlich mit einem groftan« fall, ber | Stunbe bis 2 Stunben bauern tann; mitunter bleibt ber groft« anfall aus, ober er wieberljolt fid). ©er Patient ift fo matt unb fdjwadj, baß er gezwungen ift, fid) zu 53ett zu legen; ein 23erfudj, baSfelbe ZU Verlaffen, wirb fofort von einem Sdjwiubelanfall vereitelt, ©bwoljl baS 23ewußtfein nodj nicht gefdjwunben ift, madjen fid) bodj nadj unb und) bie fdjon erwähnten fdjwereu,uervöfenSymptomebemertbar. ©ergraute wirb immer verbroffener, verliert mehr unb mehr bie ©h für bie unb ©reiguiffe feiner Umgebung, ber Sdjlaf ift von fdjweren ©räumen mit lautem Sieben geftört, unb ber (in ber Stirn« gegenb) nimmt an z«. ©er in ben erfteu ©agen gewöljnlidj au« gehaltene Stuljl wirb breiig, bie rechte Seite beS Unterleibs ift etwas em« pfinblid) unb giebt bei ©rucf baS ©efüljl von ber Urin ift fpar« fam, bid unb rotß ober audj bunteibraun, bie trocfene Bunge Ijat einen weißlidjen 23elag, ber ©efdjmacf ift fabe unb pappig, ber Slppetit feljlt gänzlidj, wogegen ber ©urft ftart vermehrt ift, eS tritt Luftröljreneutzün« bung mit duften unb fdjleimigem üluswurf ein, unb bie ©emperatur fteigt bei gleichzeitiger Buualjme ber faft immer regelmäßig um einen 486 ®rab per ©ag. ®egen ßnbe ber erften ober wopl aucp erft im Slnfang ber jmeiten Söodje ift bie SDÜI3 angefcpwollen, unb madjen fid) auf bem (früher eingefunfenen, fept aufgebunfenen) Unterleib unb auf ber SSnift Keine rotlje fylede bemerfbar, bie bei leicptem ©rud verfdjwim ben, um fdjnell wiebersufepren. ber $ranfpeitswodje werben bie genannten Spmptome fdjwerer. ©er Patient ift jept faft voll« ftänbig tpeilnapmSloS unb mup gerüttelt werben, nm überhaupt eine tpeilweife ober ganj unverftänblidje Slntwort 311 geben. (Sr liegt regungslos unb opne mit palbgefcploffeuen, ftarren Singen ba, ober er ppantafirt lebhaft, madjt mit Rauben unb güfjen gungen unb verfudjt, baS £3ett 311 verlaffen. (©er Patient ift beSpalb ftets su bewadjen, weil es fcpon vorgefommen ift, bap ficpfoldje Traufe im ©elirium erhoben unb 311m Benfter pinanSftüqten.) ©er (Stuhlgang ift jept bünnflüffig unb von gelblicher Färbung (erbsfuppenartig) unb wirb vom 'Patienten wie ber Urin unwillfürlid) entleert; ober ber ©urdjfall wedjfelt mit SSerftopfung. ©em SRunbe entftrömt ein wibertidjer ®erud), bie Bunge M einen braunen, borfigen Sßelag, unb baS .ßaljnfleifd? erfcpeint mit einem bräunlidjen Sdjleim überzogen. ©aS Verlangen nacp ©etränfen vermag ber Sßatieut $war uidjt mepr ju äußern, pat aber nidjt aufgepört, beim fept man bem Traufen baS ®laS an bie Vippen, fo fängt er an, gie= rig 311 trinfen. ®egen (Silbe ber 3Weiten SBodje (etwa am 12. ©age) wirb im günftigen $alle baS fieber mäßiger unb bie Bunge troden, ber §arn fließt Wieber reidjlidjer, bie §aut bebedt @d)Weip, baS wirb flarer, unb ber 'Patient finit in erquidenbenSdjlaf. (SS iftbieSbaS Beidjen voranSfidjtlidjer ©enefung. uiignnftigften $alle tritt ber ©ob in fvolge (Srfdjöpfung ein. häufig gept aber bie Äranfpeit opne ein geS 3eid)en in bie britte Söodje über. •Q3ewuf;t(ofigteit unb ©elirien palten bei Vermeprter Äörperfdjwädje an, ber Patient finft perab, fo bafj er fortwäprenb wieber peraufgesogen werben mup, unb bie §arn- unb ©armentleerungen (erftere fepr fpärlidj unb leptere wopl gar palbftünb- lid)) finbeu fept uidjt nur unwillfürlid), fonbern oft and), opne bafj ber Traufe etwas bavon mertt, ftatt; bie Bunge ift fcpwar3 unb blutet, Ba^s fleifcp unb B'^)ne paben eine bräunlidje fRinbe, unb bie §aut ift peifj unb troden ober falt unb fiebrig, ©abei belirirt ber Patient fortwäprenb; er murmelt leife vor fiep pin, 3iidt bie Ringer frampfpaft 3ufammen unb be- wegt bie £)änbe nervös pin unb per. Bept napt bie ÄrifiS. ©ie §er3* tpätigfeit, bie faum mepr bemerfbar, fann bei ber geringften Slnftrengung (bei ©tuplentleerung-, Slnfridjten im 53ett, u. f. w.) aufpören. (Sin um günftiger Verlauf ber melbet fiep burep Verfall ber ®efid)tS3üge unb Bupfen ber §änbe am S3ett3eug an. Sßirb bie glüdlicp über« ftanben, fo fällt bie ©emperatur plöplicp, bie§aut bebedt fiep mit ©djweifj, 487 unb ber £>aru wirb reidjlid). bisweilen tritt bie 233enbuug jum -Q3efferen and) erft in ber 4. SBodje ein. 3n biefer macpt bie ©enefung weitere gort* fcpritte. ©ie Temperatur fteigt jwar SlbenbS immer nocp faft auf bie früpere §öpe, fällt aber im Saufe ber 9?acpt fo bebeutenb jurücf, bap fie gegen (Snbe ber 4. 2öocpe borgens Wieber normal ift. 2lu§ bem ©efagten gept pervor, bafs bie Krantpeit in wöcpentlidjen gerieben verläuft; biefelbeit finb beutlicp ju erfeunen, unb jwar paupt* fäcplid) an bem, für beit Unterleib$tt)ppu§ djaracteriftifcpen Verlauf ber Temperatur. Stellt fid) fcpon am 2. ober 3. eine Tempe* ratur oon 104° F. ein, ober wirb biefebiö(5nbe ber 1. erreidjt, bann ift mit Sicperpeit UnterleibötpppuS auSjufdjIiepen. 23ei biefem fteigt nämlirf) bie Körpertemperatur in ber 1. SÖodje (faft immer) berart, bap fie jeben Tag einen ®rab pöper ift als am vorpergepenben Tage, unb ba£ fie an jebem Tage jwifcpen Slbenb unb IDiorgen um einen ®rab jurütffintt (f. gig. 224). 3n '5er 2. SSodje bleibt bie Temperatur von Tag ju Tag auf gleidjer §öpe, fcpwantt aber uod) jwifcpen Slbeub unb Fig. 224. Sdjema be§ gteberberlauß bet bcmUnterletbSHjbljuS. borgen wie in ber 1. 5Bod)e. 3n ber 3. SBodjeift bie Temperatur napeju biefelbe wie in ber 2. SBodje, nur finft fie (bei günftigem Verlauf) am (Snbe ber SBodje borgens tiefer als biSper. ?lm 21. Tage ift baS gieber in ber Siegel „gebrocpen", unb finft bann bie Körperwärme, wie fcpon an- gegeben, in ber 4. SBodje auf bie normale §öpe juritcf, wobei fie jebodj SlbenbS immer nodj eine bebenflicpe, mit jebem Tag abnepmenbe §öpe er* reicpt. Tie Temperatur ber 2. SBodje ift audj für bie widjtig, benn aus ipr läpt fiel), je naepbem fie pöper ober niebriger ift, ber mepr ober weniger fepwere Verlauf ber Kranfpeit mit jiemlicper ©ewippeit be* ftimmen. lege man bem giebernad)lap in ber 2. SBocpe nidjt ju gropeS ©ewiept bei unb ebenfo fei man and) bei ben fcplimmften gälten nidjt 488 gleid) verjagt. ©er leid)tefte, anfdjeinenb gut verlanfeube g-alt eubet oft unerwartet mit bem Tobe, wäprenb ber fdpverfte galt in ©enefung über* gepcn fann. 9tapibeS (Steigen unb gatten ber Temperatur finb nur ©pmp* tome, bereu Stuftreten jum 4öefeiti* gen iprerUrfacpenmapnt. ©aSSin* ten ber Körperwärme ift oft and) ein ungünftigeS 3eid)en unb beutet auf ©efapr in golge von (Sntträf* tnng ober auf ©tutergiiffeim Tarnt pin. Um biefe fofort 511 conftati* ren, pat ber Krantenwärter and) immer barauf ju adjten, ob bem Stnpl SBlut beigemifd)t ift. Slußer ben ©armblntimgeii ftettt fiep päufig and) peftigeS, taum ju ftillenbeS 9?afenbluten ein. ©aS Töefen be§ UnterleibStpppiiS beftept pauptfädjlid) in einer (Sr* Iranfung beS ©ünnbarmS; er wirb baper and) ©armtpppnS genannt. ©a$ burep ben (SrnäprungScanal einwanbernbe Kraut* peitSgift fept fiel) im ©ännbarm feft (f. g-ig. 225) unb fiiprt eine Grtrantung ber Träfen perbei; biefe fdpvellen an, jerfalten fdjließlid) an iprer ©ber* ftäcpe unb bitben ©efepwüre, weldie (bei gängigem Verlauf) unter von Warben jupei* ten (f. gig. 226). 4Bei ungünftigem Verlauf fommt e§, wenn ber Patient niept ber (5rfd)öpfung £nm ©pfer fällt, 31t ben oben erwäpnten ©arm* blutnngen, inbem Heinere ®efäpe ber (entjünbe* ten) ©armfd)leimpaut jerreifjen, ober ju einem ©urd)brud) ber ©armwanb an ber Stelle eines tief greifenben ©efcpwärS; in folcpem gälte er* liegt ber Kraute halb (in golge UebertrittS von ©arminpalt in bie einer entjüiibnng. Sepr päufig fommt e§ bei biefer Kraut* peit, nad)bem fd)on alte fepweren (Srfcpeinungen verfd)Wnnben waren, ju 9tüctfällen (Qtecibiven), inbem fid) baS KranfpeitSgift nod)malS im ©arm ablagert. Sohpe 9teeibive finb bei ber großen (Srftpöpfung bc§ Patienten gefäprlid)er a(S bie erfte ßrtrantnng. 3uin^nterleibstpppnö gefeiten fiep oft Zungen*, 9iippenfett* unb ferner Kepltopfaffecti* onen unb ©prfpeici)elbrüfen*$ereiterung. ©urd)fd)nittlicp nimmt bie Fig. 225. Sarmfdileintljautftücl eines UnterleibStWljuStrans ten. a) Spitijelseileit, b) StrantijeitSteünc. Fig. 226. Sünnbarmftüct eines 'Xi)b'Öu§5 tränten, bcr Sänge nacft aufge= fcbnitten. SintS oben ein tief= getjenbeS offenes ßiefcfjioür, in ber SDtitte unten ein fold)cS mit Sctjorf bebcctt. 489 6 Söocpen, aber oft auöp rnepr in Slnfprttcp, epe man ben Mafien® ten al§ ©enefenben bejeicpnen fann. (Es giebt freilid) and) $älle, bei benen es gar nid)t ju fdjweren Symptomen fommt; biefe leiste $orm beS ©arm® tl)ppuS, weldje 21 bortiv® ober ambulanter © 1) p l) u S genannt wirb, bauert pöd)ftenS 2 B3od)en, unb braudjt ber Traufe babei gar nicpt baS Bett aufjufudjen. (Er füllte baS inbeffen immer tpun, um fiep nidjt bnrd) Bewegungen ober 2lnftrengung ber ©efapr eines ©urcpbrudjS ber (ent® jünbeten) ©armwanb anSjufepen. ©ie B e p a n b l n n g beS UnterleibStpppuS mufc eine pauptfäcplid) biätetifcpe fein; mit 2)?ebicinen ift wenig auSpridjten. ©ie 9?aprung fei möglidjft fräftig, leidjt üerbaulid) unb babei füpleiib (f. $ieberbiät, S. 432) unb muff p ä u f i g l ö f f e l w e i f e (and) bei 9iad)t unb immer opne ben Patienten aufjnridjteu) gereicht werben, and) wenn ber Appetit feplt. ©ar mancper Patient ift fdjon an (Entfräftung geftorben, weil bieS vernacpläffigt würbe, ©ie £uft fei rein unb füpl, unb bie £eib® unb Bettwäfcpe werbe oft gewedjfelt. Bor jebem (Sffen ober womöglid) nocp öfter ift ber DJiunb mit Borfäurelöfung (1 ©peil Säure auf 50 ©peile SBaffer) auSjnfpiilen. 3m füllten 2 Betten ober ein £)aniilton'fd)eS Brndjbett (f. S. 425) ftepen, bamit ber Patient umgebettet werben tann, opne äuge® ftrengt jn werben. Um leptereS jit vermeiben, barf ber Patient and) nie® malS 311m Stupl® ober Urittlaffeti aufftepen, fonbern finb UringlaS unb Bettfd)üffel $u gebraucpen. ©er Pfleger muff ferner barauf ad)ten, baff ber Traufe juweilen feine £age veränbert ober (fanft) anberS gelegt wirb, bamit feine Blntfenfungen ftattfinben, ober ber Traufe fid) aufliegt (f. S. 427). ©egen baS, bei biefer päufige ©urcpliegen ift ber Körper beS Traufen and) päuftg mit lauwarmem SEßaffer 311 reinigen; baSfelbe ge® fdjepe and) ans 9?einlid)feitSgrünben täglicp einmal ober immer fofort, wenn ber Patient fid) üerunreinigt pat. ©egen unb ©elirien lege man ©iS ((Eisbeutel) auf ben $opf. ©egen baS fieber finb Slbrei® bnngen mit lauem ober taltem Üöaffer, bem man etwas boppeltfoplen® fanreS $ali jugefept pat, anjuwenben; and) gebe man bem Patienten (Eis® ftikfdjen in ben SDhinb. ©ie Bepanblung beS UnterleibStpppuSfranten mit falten Bäbern fommt üielfad) in Slnwenbung, bocp wirb ipr SBertl) nod) non mamper Seite beftritten; fie füllte nur auf 2lnorbnung unb in ©egenwart eines SlrjteS ftattfinben. ©abei bringt man ben fm® tienten, fobalb beffen ©emperatnr auf 102° F. fteigt, in ein (b. I). in SBaffer bis au bie §üften fipenb). BJäpreub ber Patient bie $üpe in Bewegung pält, ober biefelben von einem ©ritten bewegt werben, fd)iitte man bem Traufen 5 bis 10 Minuten lang äßaffer über ben Veib, baS 311® erft biefelbe ©emperatnr wie baS Babewaffer (75-80° F.) pat unb allmä® tig um einige ©rabe füpler wirb. 9iad) bem Babe ift bie £>aut fofort bis 490 3um (grwärmen trocfen 3U reiben, unb vor unb itacp bem Sabe bem ten etwas fdjwerer 2ßein 311 reichen. (Sdjwäcplidjen, fepr gefdjwäcpten ober jugenblidjen Patienten applicire man aber ftatt ber falten Säber lieber falte (Sinpacfungen von ca. 10 Minuten ©auer (f. <S. 419). 3ft ber Ceib gebunfen, fo ift er SlbenbS unb borgens mit Terpentin abjureiben unb barauf mit einem (gtücf leiepten Flanell 3U bebeefen. ißei ©armblutun- gen lege man (SiS auf ben Unterleib. 4öei fallenber Temperatur uub bebroplicper ©cpwäcpe, wobei hierauf gewöpnlid) falt unb von fleh rigem (Sdjweiß bebeeft ift, gebe man, inbem man gleichzeitig bie unteren in warmen Flanell paeft, alte 10 Minuten einen Tpeeloffel Sranbp ober SBpiSfep, bis bie (Scpwädje gepoben ift, unb bie £>aut wieber trocfen unb warm wirb; fpäter finb biefe ©ofen palb* unb einftiinblicp unb feptießlid) alle 2 ©tunben 311 geben. Son Slrjeneien finb innerlich 011311- wenben: 4öei ftärferem ober ©iarrpöe gebe mau fdjleimige ®e= treinfe (SRecept Dir. 6). Sei partnäefiger ©iarrpöe gebe mau (Äinbern 5 Tropfen unb (Srwadjfenen bis 31t 20 Tropfen) gecampperte Dpinmtinctur in einem Tpee aus Srombeerwuqel ober §imbeerblättern, ober von unten angegebenen pulvern (9iecept 9?o. 7) nacp Sorfcprift mehrmals. 2Öäp- renb beS gieberS laffe man ben Patienten von folgenberSlifcpungtrinteu: (Sin Tpeeloffel voll boppeltfoplenfaureS Dlatron auf ein SßafferglaS Söaffer, ba3it etwas Sitronenfäure (bis eS nicht mepr brauft). -3m ber ©enefung Segriffene, bereu (Sßluft fepr gefteigert ift, paben fepr vorfieptig beim (Sffen 31t fein, ©ie 91aprungSmenge barf nidjt 3U groß unb bie $oft nodj eine ganse £eit lang nidjt feft fein, beun bie ©armgefepwüre peilen oft niept vor 2 Monaten, ©er 9?econvaleScent ge- nieße pauptfäcplid) $leifd)brüpe mit ©erftenmepl, (Sago unb weiepe (Sier. ©aS vornepmlidjfte ©eträuf fei wäprenb ber Äranf« p e i t unb ber ® e n e f u 11 g 9)1 i l d). Unter ben 91 a dj f r a n f p e i t e n beS UnterleibStpppuS finben fid) §autleiben (©efepwüre, gurunfel, §autjmfen, it. a. m.), Serluft ber §aare (bie bei jüngeren jebodj wieber waepfen), 91ervenftörum gen (Väpmungen, Neuralgie, Slinbpeit, Taubpeit, u. f. W.), wafferfüdj« fige 2Infdjwellungen unb 91acpfranfpeiten von foldjen Reiben, Wekpe fiep 311m ©armtpppuS gefeilten (djronifdje ßungenent3ünbung refp. Zungen- fdpvinbfmpt, u. a. m.). ©ie S 0 r f i d; t S m a ß r e g e l n beim UnterleibStpppuS beftepen in ber barin, baß man ben, bie entpalteuben (Stupl beS Patienten fofort beSinficirt. 2)?aii fdjütte fepon, epe man bem Traufen bie Settfdjüffel nnterfepiebt, in biefe etwas von einer ßplorfalk löfuug (8 litten ßplorfalf auf eine ®a((oue Sßaffer). ©ie finb in biefer tföfung tücptig um3uriipren unb, nad)bem fie etwa eine palbe 491 ©tunbe in ber $ettfd)üffel geftauben, in ben Slbort ju gießen, bet eben« falls $it beSinficireu ift (f. @. 424). Sim beften werben bie ©jcremente verbrannt, unb niemals f d) it 11 e man f i e a n e i n e r @ t e 1l e ans, von ber f i e b u r eß b e n -53 o b e n n a d) © r i n f w a f f e r « referVoirS b n r d) f i cf er n tonnen (f. @. 343). -S3ei ber Steint« gung befdjmußter SßJäfcIje fei man feßr vorfidjtig, nm ficß nidjt ju infi« ciren. ©ie SBäfdje ift fofort anSjnfodjen ober in einer 2procentigen (Sarbolfänrelöfnng ober in einer Qnecffilberfublimatlöfung (1 ©ßeil ©ub« limat auf 2000 ©ßeile SBaffer) 4 ©tunben lang einjuweidjen. SBer fid) burcß SluSfcßeibungen beS Traufen befdjmukt ßat, füllte feine §änbe fo« gleid) in einer ber beiben Vöfungen wafcßen. ©ie oben fcßon genannten (fcßlecßte ßßgieinifdje SSerßältniffe, n. a. m.) finb 31t vermeiben. 9t e c e p t 9? v. 6. 99t an fodje | ©radjme ©alepmurgel in 1 Sßint 2ß aff er ab, f eiße burd) unb mifdje bamit 1 Unje - Ober: 2| ©radjme arabifdfer ®unimi unb 1 Unje §ünbecrfaft treiben in 1 Sßint SBaffer aufgelöfl refp. gemifdft. 9? c ce V t 9t 0. 7. Magisterium Bismnthi (bafifd) falpetcrfaureS 2BiSmutl)üjt)b) 1 ©racfyme unb fdftvefclfaureS SJiorpljium 1 ®ran tuerben orbentlidj burd) einanber ge« mifdjt unb in 12 gleieße Stbeile (Pulver) eingekeilt. 9Kan gießt ein Nulter nad) ber Stoelten Entleerung; ftellt fid) eine neue ein, fo toieberßole man bie ©oftS (1 Sßulver). SKan.fann eventuell 4 Sßulver an einem Stage geben. ©er ober SluöfdjlagStßpßuS (and) e £ a n 11) e m a t i f dj e r ober genannt; Typhus Fever) ift eine welcße mit bem SlbbominalttypljnS große Sleßnlidjfeit ßat, von biefem aber ganj verfeßieben ift. 4Deibe ©ijpßnSformen verlaufen unter ljoßem fieber mit fdjiveren nervöfen «Symptomen unb beibe finb anftetfenb. ti)pl)uS ift baS aber in l)ö()erem ®rabe; er wirb ferner Viel mel)t als ber UnterleibStijpßnS burrf) ßpgieinifdje SSertjältniffe unb fdjledjte (Srniiljrung ßervorgerufen (baßer wirb er and) ungertppßuS genannt), unb fd)ließlid) ift er nidjt auf ein SJHaSma, fonbern auf ein ßontagium jurütf« jufüßren, baS ßauptfädjlicß bureß bie SluSatßmungSluft unb SluSbiinftun« gen, aber and) inbirect burd) SBäfdje unb Utenfilien beS ÄraufenjimmerS weiterverbreitet wirb. ©aS ßontagium ift um fo wirffamer, je meßr 9J?enfd)en in einem befeßränften Staum jufammengepferdjt finb (baßer and) ber Stame Kriegs«, ©djiffs«, ©efangniß.« ober Sa ja« r e t ß 11) p ß 11S). ©er befällt meßr SJfänner wie grauen unb jwar am ßäufigften in bem Sliter von 20 bis 40 ß m p 10 m e unb Verlauf. Slacß einem 3ncubationSftabium von etwa 10 ©agen, wäßrenb beffen fid) ßeftige «Scßmerjen in Äopf, Siatfen, Stütfen unb ©liebem, Uebelfeit, (Srbredjen, SDSattigfeit, <Sd)laf« lofigfeit unb ein bumpfes Traufen im $opf bemerfbar madjen, tritt ßefti« geS fieber ein, bem jnmeift ein ftroftanfall vorßergeßt. ©ie §aut ift rotß 492 unb peiß, bie Singen tpränen unb finb mit £3lut unterlaufen, her Patient pat heftige Scpmerzen im Kopf unb in ben ©liebem unb ©elenten, unb häufig gefeiten fiel) bazu uocl) Stuplverftopfung unb catarrpalifcpe Spmp« tonte. 3n evften SBocpe fteigt ber zuerft volle, nachher fepwaepe auf etwa 100 Schläge borgen« unb 125 Schläge Slbenb«; gleichzeitig er« pöpt fiel) bie Körpertemperatur auf 103-105° F. Sim 3. bi« 5. Kraut« peit«tage treten rotpe niafernäpnlicpe glecfe in ber Qberbaucp« gegeub auf, bie fiel) allmälig über ben ganzen Körper (mit 3lu«napme be« Kopfe«) Verbreiten. Tie Bunge ift erftweiß, bann gelb belegt unb fcpließ« lief; braun unb troefen. 3:n ber 2. SBocpe fteigen unb Temperatur noep höher, unb ber Kraute liegt jeljt tag«über apatpifcp unb bewußtlo« ba, wäprenb bie9iäcpte fcplaflo« finb; oberer belirirt peftig unb muß genau beobachtet werben, Ta« gieber läßt fpäter etwa« nach, ber fteigt aber uocl) (bi« auf 140 Schläge). G« machen fiel) Reichen von Bungenent« Zünbung bemerfbar, oft tritt Tiarrpöe ein, unb ber Urin ift trübe unb bunfel unb wirb imwilltürlich entleert, ober e« (teilt fiel) auch manchmal Harnverhaltung ein. ßn ber 3. SBocpe fepwinben biefe Spmptome. Tie Haut wirb feucht, bie $unge läng« ber Diänber rein unb ber *ißul« langfa« nier, bie Temperatur fällt, ber Urin vermehrt fiel) (hat aber einen reidpli« epen Stieberfcplag), unb bie Sieconva le«eenz beginnt. Tiefelbe bauert gewöhnlich einen SOlonat. Verläuft bie Krantpeit töbtlicp, wa« in ber 3. SBocpe unb unter 100 gälten 15 9ftal zu gefepepen pflegt, fo melbet fiel) ba« meift bitrcp vollftänbige Grfcpöpfung unb Betäubung an. Tie 53 e I) a n b l u n g be« glecftpppu« ift ziemlich biefelbe wie bie be« Unterleib«tl)pl)ii«: glüffige (gieber«)Tiät in tieineu Quantitäten unb furzen Buufcpenränmen, Gi«umfcpläge auf ben Kopf, falte 53äber unb Slb« reibungen, größte Dteinlicpteit unb frifepe ober in biefem galt fogar füple Snft; Wäprenb be« gieber« finb bie genfter im Kranfeuzimmer offen zu halten. Sinten bie Kräfte, fo finb päufig Heine Tofen von 53ranbl) ober Sl'hi«fep ober (bei rafepem Verfall) alle 4 Stunben2bi« 4 ®ranGampl)er (mit weitem vermifept) zu geben. SH« 91 a cl) f r a n f p e i t e n ftellen fiep oft Zungen« unb 53ruftfranf« peiten ein. Tie 53orficptömapregeln in 53ezug auf Te«infection ber Sßäfcpe uub ©erätpe be« Kranfeuzimmer« finb biefelben wie bei ber vor« pergepenben Ti)pl)U«form. Ter Kranfe ift ftreng zu ifoliren (am beften nacp einem Hofpital zu bringen), unb ba« betreten vonHäufern, in benen Kraute liegen, zu vermeiben. Solcpe Helfer füllten burep von aupen fenntlicl) fein. 53ei ber großen SlnftetfungSfäpigfeit be« glecftpppu«« gifte« füllten Slerzte unb Kranfenpfleger iprer felbft unb aube« rcr 'ißerfonen fepr vorfieptig fein. 493 ©er SRiitffnflöftjpljnö ober baS luicbcrfcfjrcnbe fieber (Relapsing Fever) ift eine feljr anfterfenbe, immer epibeinifd) auftretenbe BnfectionS* franfljeit, iveldje mir feiten über 50 (Jahre alte Jterfoneii befallt. 3Bie für ben madjen ungünftige Ijljßieinifdje 33erl)ältniffe unb fdjlecpte Grnäljrunß and) für biefe (typljofe) Kranfljeit feljr empfänglid). ©ie ©räßer beS KranfljeitSgifteS finb bünne, forfzieljerartig geivnnbene Spaltpilze (Spirillen), iveldje fiel) mäljrenb ber im 33lute ber Kraufen fiuben (f. $ig. 227). Symptome unb 33 er lauf. 9?adj einem BncubatioiiSftabium non 1 big 7 ©aßen tritt bie Kranfljeit oljne weitere 33orboteu ein; l)öcp- ftenS, bap fid) furz vorher Sdjüttelfroft ober Uebelfeit unb ßrbredjen ein* ftellen. ©aS fieber ift Von vornherein feljr ljod); bie Körpertemperatur beträgt am erften ©age ehva 102° F. borgens unb 104° SlbenbS. ©rotj* bem bleibt ber Patient faft immer (and) iväljreub beS ganzen KraufljeitS* Verlaufs) bei vollem 33emuf)tfein. ©er ift fdjnell unb fdjlvadj, unb bie Bimße, iveldje halb trotfen ivirb, biet beießt; eS ftellt fidj meift StuljF Verftopfuuß ein (feiten ©iarrljöe), bie §aut ivirb etmaS gelbfüdjtig, unb ber firante empfiubet große SKattigfeit, Kopffdjmerjen unb befonberS Ijef* tige IDiiiSfelfdjmerzen. 3n ben nädjften ©aßen fteigt baS fieber nodj um ca. 2 (Sfrabe (auf 104° refp. 106°), unb and) bie anbereu Symptome ver* fdjlimmern fid); babei ift bie tfeber leidjt eiitjünbet, unb bie linfe 23and> ßeßeub fdjmerzenb (letzteres in $olße 5lnfd)ivelluuß ber SJZilj, iveldje bei bem 9iüeffallgtl)pl)iiS eine fo bebeutenbe ©röfje erreicht, mie in feiner anbe* reu acuten Kranfljeit). 3n ber 3eit vom 5. bis 511m 9. ©aße Verfdjwin* ben biefe Symptome unter mädjtißem Sdjiveif; plöljlidj. ©emperatur unb 33nls fallen oft foßar unter baS Normale (95° bejlv. 60 Sdjläge). 3n 10 33roceut ber KraufheitSfälle tritt bamit ©enefmiß ein, bei 90 folgt aber nad) Verlauf von bnrdjfdjnittlid) 7 ©aßen ein 9tüdfal(, ber baS frühere Kranfl)eitSbilb bietet unb 3 bis 7 ©aße anl)ält. 9lad) Verlauf biefer Beit {affen bie ttjpljöfen (Srfdjeimingen wie baS erfte 9J?al plöplidj nad). ©amit beginnt zumeift bie (lange Boit in9hifprud) uehmeiibe) ®e* nefitng, bodj fönueii fid) foldje 9iücffälle nod) mehrmals nueberljoleu. ©ie 33ei)a 11 blitug Ijcit bei bem güuftigen Verlauf, iveldjeuber 9xiictfallStppl)uS geivöhulidj nimmt, eine rein biätetifdje (wie bie für ben Unterleibstyphus angegebene) 311 fein. (Stegen bie WhtSfelfchmerjen reibe man mit (Sploroforinfalbe ein, unb auf bie fdjmerjenbe äftilzgegenb lege man falte 3luffd)läge. ©ie 33 0 r f i dj t S m a f? regeln finb bei ber Kraufeupflege (f. S. 422 u. ff.) unb ben beiben anberen ©hpljuSformen zu finben. Fig. 227. a) ® (utföxpcrdjen, b) SpiriHeit. 494 SaS Scngncficbcr (aud) S a u b 1) = ober Spolfafteber; Dengue Fever, Break-Bone Fever) ift eine in Amerifa (vornehmlich im ©üben ber 55er. Staaten), in (Sljina, Cftinbien unb (Sgtjpten heimifdje 3nfectionS* franfljeit, bereu (nod) unbetannter) Äraiitljeitsfeim birect unb waljrfdjeiii- lid) and) inbirect (burd) Kleiber, u. f. w.) übertragen wirb. @S tritt ja alten 3aIjreSjeiten (meift epibemifd)) auf unb befällt alle Nationalitäten unb Qtaffen mit Ausnahme beS Negers gleidj leidjt. ©pmptome unb SB erlauf. Nad) fyröfteln bei gleichzeitigem ©dpnerj im unb 9tütfen unb im 9Nagen (teilen fid) fieber unb fdjmerjtjafteS Aiifd)Wellen ber (geteilte ein; (gefidjt unb §als rötljen fid) unb werben gebunfen. Ungefähr in einem halben Sag erreicht baS fieber feinen §öljepnntt (fdjon bis ju 108.8° F. beobachtet); ber fteigt bis jn 130 bis 140 unb bie Atl)inung bis ju 28 bis 30 Ntal in ber Nlinute. Nad) 2 bis 7 Sagen erfolgt bei reidjlidjem ©d)lveiß, Siarrl)öe ober Nafenbluten eine SNilberung ber ©pmptome. Nad) weiteren 24 bis 48 ©tnnben (teilt fid) wieber (weniger fdjWereS unb nicht anljaltenbeS) fieber ein, unb babei geigen fid) Ijellrotlje, ftarf jucfenbe gierte (eiitiveber örtlich ober über ben ganzen Körper verbreitet); mandjmal lehren aud) bie ©djmerjen unb Ausweitungen wieber, um bisweilen nod) Söodjen ober Ntonate lang (als N ad) t r a n 11) e i t) $u bleiben. SaS Nüctfallsftabium bauert bis ju 3 Sagen, worauf bie 9t e c o n V a l e S c e n 3 beginnt. SaS Senguefieber ift feine gefährliche $rantl)eit, verläuft aber gleidjlvoljl mit* unter (bei Äinbernin ftolge von nervöfen Affectionen) töbtlid). Sie 53 e h a n b l u n g ift hauptfädjlid) eine biätetifdje (53ettrnl)e, flüffige unb tüljlenbe ($ieber*)Siät, falte Abreibungen wäl)renb beS $ie* berS unb nid)t jn warmes 3ubecfen beS Traufen). 3m AnfangSftabium gebe man 53red)mittel (1 Sl)eelöffel voll gepulverte in einer Saffe warmem SÖaffer) ober falinifdje Abführmittel (f. NeceptNo. 8), ober man applicire Sie (djinerjenben (geteilte fiub mit warmem Cel ober ßl)(oroformfatbe einjitreiben unb in Sßatte einjubüllen. Sie 9t e c 011= valeScenj bauert lange unb erforbert nal)rl)afte unb 33erab- reid)img von Sßein. (gegen bie nadjbleibenben ©djmerjen gebe man täg® lid) breimal je 5 (grau 3obfali. SBorfidjtSmafjregeln. Ser Trante ift ju ifoliren, unb bie ß-iebergegenb 311 meiben. 9? e c e v t 97 0. 8. («Salinifcbe 2lBfül)rmittet). 1) ©crcinigtcS SBittcrfatg (Gp= 5 ©ractjincn unb toerbünnte (Sdjlvefelfaure 15 ©ran ivcrben mit 5 llnjcn Sßaffer gcmifcbt. ©aöon gieb 1 auf 1 ®taS SBaffer. - 2) 93 Patron 4 ©racßmen auf 5 Unjcn SBaffer unb 5 ©radjmcn - 3) 9Jocßetter ©alj 4 ©radjtnen, (Sennajtyrup 2 ©radunen unb 4 linken iraffcr. ©aöon 2ftünbltd) 1 (Sfjlöffel. - 4) SBeinfteinfaurcS Äali 4 ©radjmcn auf 4 Unjen SBaffer unb 2 ©radimcn (Sitronenfaftfyrup. 2ftünblid) 1 ©jjlöffel. 495 ©ie fßcft ($ e u l e n ®, Bubonen« ober o r i e n t a l i f d) e e ft; Plague) ift eilte fieberhafte 3iifectioußfranfl)eit, bie epibentifd) iit bem Worben Slfrica'ß (befonberß in (ggljpten in ben Wlonaten ©ecember biß 9Wärj), in bem fnböftlidjen Europa (ber ©ürfei unb bem füblicßen Wußlanb) nnb in MeimSlfien unb Sßerfien Dortommt. ©er (nod) mibe® tannte) entwickelt fiel) in faulenben organifd)eii ©ubftan- jen, namentlid) menfdjlidjen unb tfjierifdjen unb wirb nidjt allein bttrd) birecte Berührung, fonbern and) burd) ftleibungßftücfe, Sßäfdje unb betten Derfd)leppt. Symptome unb Verlauf. ©ie Ärantljeit beginnt mit gieber unb nerüöfen ©pmptomen, worauf fiel) (Sarbuntel (3ölntgefd)Würe) unb „sßeftbeulen" (Vl)mpl)brüfeiwereitermigeu, befonberß in ben Seidjen) gleid)® jeitig ober nad) einanber einftellen. ©iefelben gehen entweber in (Site® rung über, in welchem gälte baß Reiben fiel) beffert, ober fie finten jufam® men unb werben braubig. ©ie Trautheit bauert im ©urd)fd)nitt 5 biß 6 ©age. 3n feljr bösartigen gälten tommt eS aber oft gar nid)t jur (Snt® Wickelung Don (Sarbuntelii unb 423eulett, fonbern ber ©ob tritt in golge 33lutjerfe(5ung fd)on in 24 ©tunben ein. ©ie 33 e t) an blung ift eine rein biätetifdje. ©ie 23orfid)tß® maßregeln finb ftrengeß Ofoliren beß Oranten, peinliche Weiutidjfeit unb SBermeiben jeber Slußfdjweifitng. ©aß gelbe gieber (Yellow Fever) ift eine berjenigen Onfectionß® trantbeiten, Don benen eß nod) nnbeftinimt ift, ob fie contagiöfer ober miaßmatifdfer Watnr finb. gür letztere Einnahme fpridjt baß enbemifdje Sluftreten beß gelben gieberß (in, am 9D?eer ober glüffen niebrig getege® neu ©egenben ber weftinbifdjen Unfein unb beß tropifdjen Slmerita mit einer ©nrdjfdjnittßtemperatur Don 72° F.); babei fteljt aber feft, bah ber (nod) unbetannte) Äeim ber Trautheit burd) <Sdjiffe, Sßaaren, ßleibungß® ftütfe, u. f. w. nad) tül)teren Derfdjleppt werben tarnt, ©ie Trautheit tritt befonberß in Doltreidjen §afenftäbten epibemifd) auf unb befällt jumeift SBeifje, weldje nod) nicht ober (nad) längerem Slufeut® halt in gemäßigten ober falten nod) nicht wieberacclimatifirt finb unb eine bem fllima nid)t angepaßte Vebenßweife führen (übermäßiger gteifd)® unb 3llcol)olgeunß, u. a. m.). garbige, befonberß bie 9?eger, finb für bie Trautheit weniger empfänglich. @ewöl)ulid) fd)ü£t einmalige (Sr® Irantung Dor weiterer -gnfectiom Wüt bem (Sintreten fül)len SPetterß l)ört bie Trautheit Don felbft auf. ©pmp tonte unb Verlauf. Wad) einem 3ncubationßftabinm, baß Don 12 «Stunben biß ju 5 ©agen bauern tarnt, ftellen fiel) ©dinierjen in bem bem Wücten unb ben ©fiebern unb allgemeine WJattigfeit ein; biefe ©pmptome tonnen aber and) fehlen, ©ie ilraiifl)eit felbft be® 496 ginnt mit @d)üttelfroft uub fieber; bie Körpertemperatur fteigt auf etwa 102° F., unb Sltpmung unb 2>u(S finb befcpleunigt. ©abei ift baS ®efid)t gerötpet, unb prägt fid) auf ipm größte Slngft aus. 9iücfeu unb SEßaben fcpmerjen, unb ber (oft einfeitige) Kopffdjnieq ift außerorbentlid) peftig. ©ie Sdjleimpaut beS unb baS rötpen fid) unb fdjwellen an. ©ie Bunge ift ebenfalls etwas angefdjwollen unb pat einen gelbliepen 4öelag bei rotpen 9iänbern. Speifeii unb ©etränte Werben fofort wieber auSgebrocpeii, unb ber Seib ift gegen ©ruet fepr enipfinblidj unb meift ver« ftopft; feiten ift ©iarrpöe vorpanben. (Sntweber tritt §arnverpaltung ein, ober ber Urin ift fpärlicp unb trübe. 2lm 2. ober 3. ©age erreicht bie Kranfpeit ipreu §öpepunft. $aut unb Singen finb gelb, ber Stnljl ift tponfarbig, unb ber Urin enthält viel ©alle; baS fieber fteigt auf 105° F. unb eS ftellt fid) 9?afenbluten unb mitunter and) -Söluterbredjen ein. Sim 3. ober 4. ©age fdjwinben alle biefe Symptome niepr ober weniger. (SS beginnt bamit entweber bie ©enefung, ober bie Krautpeit tritt aus biefein Bwifcpenftabium in ipr 3. Stabium über. 3u biefemjeigen fid) alle <Si)inp« tome beS 1. StabiumS in Verftärttem SJiaße. ©ie gelbe Färbung gept in eine mapagonibraune über, baS fließt jept nicpt nur aus 9iafe unb DJiagen, fonberu bricpt and) aus ber Sdjleimpaut beS DJhtnbeS unb ge« fammten SSerbauungScanalS unb bisweilen and) aus ber ©berpaut pervor, bie verurfad)t große Scpmerjen, unb ber ©ob erfolgt in ben meiften fällen. SEßeubet fid) bie Kranfpeit jum Aöeffern, fo weidjen bie ©elbfudjterfdjeinungen, eS treten ftarte Sdjweiße ein, unb ber Kraute gept - fepr langfam - feiner ©enefung entgegen. ©ie 23epanblung beS gelben Fiebers ift eine biätetifdje unb er* forbert vor allen ©ingeu, baß man benPatienten bei Kräften erpält; baju empfieplt fid) (bei bem (Srbredjen) am beften Kaltwaffer unb 2)Uld). 3nt beginn ber Kranfpeit gebe man Slbfüprmittel (SRicinuSöl), unb bann (Spinin in großen ©oben 3mal ftünblid) ((Srwacpfene erpaltenje 10, K'inber über 8 3apren je 5 unb tleiuere Kinber je 2 ©ran fd)WefelfaureS(5pinin); nad) Verlauf von 3 (Stunben gebe mau biefe ©ofen in von 4 bis 6 Stunben, bis fid) 3eid)en ber (Spininvergiftung einftelieu (33enommenpeit unb fpannenbeS ©efüpl im Kopfe, als ob berfelbe berften wollte, Dprenfaufen). ©egen baS (Srbrecpen gieb (SiSpillen; ber Kraute ift öfter mit SBaffer, bem man etwas (Soba (1 ©peelöffel voll auf 1 jugefept pat, abjureiben, unb gegen baS 4öluterbred)en aus bem Waagen lege man (SiSbeutel auf bie 23aud)gegenb. 33ei ben lepten ©elbfieber« epibemien pat fiep attep baS unten (9iecept 9lo. 9) angegebene Mittel bewäprt. ©ie 25 o r f i d) t S m a ß r e g e l n (abgefepen von ben ©eSinfectionS« üorfepriften; f. Krantenpflege) finb oben fd)ou angebeutet worben: 2)?an 497 befleißige fiel) ber Qteinlicßfeit, lebe bem Älima angemeffen (effe nidjt ju niet gleifd) unb oermeibe geiftige (getränte unb ßjeeffe) unb ßalte fid) in guter 8uft auf. ©a« Scßlafen int freien, befonber« auf bem (Srbboben, ift gefaßt* ließ. (£« ift beobachtet worben, baß ßeute, welcße bei ©elbfieberepibemien in ben oberften Stoefwerfen ber fünfer woßnten refp. fdjliefen, am wenig* ften ber ?(ufteefung au«gefeßt waren. ©a ba« gelbe fieber nur in tief ge* legenen ©egenben üorfommt, fdjüßt ein Ueberfiebeln in Oerggegeuben fießer vor ißin. Oiecept 9?o. 9. Sn 4 ©raeßmen QBaffcr mtfdje 10 @rau boppeltfoljlenfaurcS Patron unb ®ran Sublimat (©uetffilberdjlorib). Sigfalt ju geben unb jivar bei Sage ftünblicß unb 9?acl)t3 alle 2 ©tunten. ©ie ofiotifeße ober cpibemiftße ('ßolcrn (Asiatic ober Epidemie Cholera) ift eine in ©ftinbien (refp. Bengalen) epibemifdpenbemifdje $n* fection«frantßeit, Welcße jnm erften OJiale im 3aßre 1832 in ben 23er. Staaten erfeßien. ©er mia«matifd)e $eim biefer furdjtbaren (Seuche, weldjer fiel) im ®ange«*©elta febenfall« bureß Berfefcung organifdjer «Stoffe bit* bet unb von ba weiter öerfdjleppt wirb, finb Oibrionen (f. S. 32), welcße üon ißrem (Sntbeefer, 'ißrof. Äod), wegen ißrer Äomma*äßnlidjen $orm Äommabacil* len genannt worben finb (f. $ig. 228). Sie fiuben fieß in ben (Entleerungen (unb Vielleicht aneß in bem (Srbrocßenen) ber (Eßolerafranfen, aber aueß in ben Stüßlen folcßer welcße nur an leichter (Eßolerabiarrßöe, ber fogen. ßßolerine, leiben, ©ie ßßolera ift eine fpecififcße Äranfßeit be§ tagens unb ©arm§, ßeröorgerufen burdj (Sin* Wirfung be§ ÄommabacilluS auf bie genannten Organe, ©a aber ber 23acillu$ fid), wie gefugt, and) bei ber (Sßolerine finbet, fo ergiebt fid), baß fein Oorlommen im SJiagen unb ©arm an unb für fiel) nießt (Sßolera oerurfad)t. ©ajugeßören nod) anbere $actoren, unb jwar fdjledjte £3efd)affenßeit beö HJJagenfafteö unb be£ $erbauungSapparat§ überßaupt. (Sin gefunber (faurer) SJZagenfaft üernidjtet ben Bacillus, unb einem oolltommen gefunben OerbauungSapparat, beffen Sdjleimßaut fid) in nor* malern befinbet, unb ber feine in 3crie^ull9 übergegangenen Speifen entßält, tann ber (SßolerabacilliiS nießts anßaben. ©arauö ergiebt fid) aueß weiter, baß ber 5lu8brnd) ber (Sßolera auf berfdjiebene Steife be* förbert wirb; erften« burd) SSerßältuiffe, Weld)e auf SKagenfaft unb Oer* bauungSapparat fcßäbigenb einwirfen, unb burd) Oerßiiltniffe, Weld)e bie OJeiterentwieflung refp. Oerbreitung be« (Sßoleragifte« begünfti* gen. $n ben erftgenannten Oerßältniffen, weldje jufammen bie meßt Fig. 228. GIjoIer(X=(®omnta=)Q3actlIen. 498 ober weniger große Smpfänglidjfeit eines W?enfcpen refp. VerbauungS« Apparats für bie Spolera bebingen, gepören fcplecpte 9?aprung, Siätfepler, vorangegangene Scpwäcpnng beS Körpers bnrcp ober große 2In« ftrengungen, übermäßiger Wcopolgennß unb g-nrcpt vor ber tantpeit, bnrcp wefcpe ein nervöfer ober ein Slbweicpen von ber bisperi« gen ?ebenSWeife bei SluSbrucp ber Spolera veranlaßt wirb. 3U *)en Ver« pältniffen, welcpe bie weitere Sntwitflung refp. Verbreitung beS Spolera« teimeS begünftigen, gepört vor allen Singen bie Vobenbefdjaffenpeit. Stepen bie fünfer auf felfigem ®runbe, fo tann Wopl bie Spolera pie nnb ba fporabifdj, aber niemals epibemifcp auftreten, wogegen auf femptem, mit organifcpen gäuliüßprobucten jerfeptem ®runb unb Voben bieSrant« beit in bösartiger fyorm nnb epibemifcp auftritt, Sdjmup unb feit finb ber VSeiterentwicflung unb Verbreitung beS Spolerabacillus am förberlicpftem Vollerer, wenn mit ben Stuplentleerungen beS Patienten anSgefcpieben nnb nicpt fofort beSinficirt, fhibet bie günftigfte Stätte, fid) weiter 3U entwickeln, refp. anftecf ungSfäpig ju erpalten, in feucpten Scpmup« anpäufungen. Von biefen bejw. ben Aborten ober bnrcp lecfe Staaten« ropren bringt er in ben feucpten Voben unb filtert bnrcp benfelben, bis er baSSrintwaffer, baS ©runbwaffer ober bie ®runbluft vergiftet. Ser ®enuß von Srintwaffer, WelcpeS bnrcp Spolerafeime verunreinigt würbe, ift eine ber gewöpnlitpen Slrten, wie baS ÄrantpeitSgift in nuferen Körper gelangt. Sie Spolerabacillen tonnen aber auep bnrcp bie Sltmofppäre verbreitet werben, in welclje fie birect von jenen Scpmupanpäufungen ober letten Sloatenröpren ober inbirect bnrcp ben Voben von bem inficirten ®runb« Waffer ober ber ©runbluft aus gelangen. Sie Verbreitung tann and) bnrcp ©egenftänbe, Weldje mit ben Sntleerungen (ober bem Srbrocpenen) ber Traufen in Verüprung tommen, ftattfinben, unb jwar ift ber Nomina« bacilluS and) bann itocp anftetfungSfäpig, wenn fein Sräger auf einem ber ©egenftänbe (V?äfcpe, Vettjeug, Seppidje, Vorpänge, Sifcpe, Vettfcpüffeln, Uringefäße, Sßgerätp, u. f. w.) fepon eingetrotfnet ift. Sie Söoeiterverbreitung bnrcp getroefuete Speile beS StuplS gefepiept fogar leiepter unb im größeren SDlaßftabe, ba baS ©etroefnete bei ber Verüprung unb fiep in anftetfungSfäpigen Sltomen in berSltmofppäre verbrei« tet. Sie SInftecfung mit Spolera tann aber auep noep auf aubere SBeife gefepepen; j. V. bnrcp Sriuten von SOtilcl), welcpe mit inficirtem SBaffer vermifdjt würbe, burep ©enuß von ober ®emüfe, auf weldje ber Spolerateim (j. V. bnrcp Onfecten) übertragen würbe, bnrcp Sffen von B'leifdj, WelcpeS inficirten ©djlacptpäufern entflammt, u. a. m. Sie Spolera ift alfo iiidjt von 311 anfteefenb, d)r $eim tarnt aber auf bie verfepiebenfte V?etfe verbreitet werben; nm anftetfeub 311 wirten, muß ber« felbe jeboep in ben VerbauungSapparat gelangen unb bort auf bie oben 499 erwähnten frantpaften Bnftänbe ftofjem, Einem gefunben 9J?agen mit normalem unb einem gefunben ©arm vermag, nodpnalS ge= fagt, ber Kommabacillus nid)ts anjuljaben. ©ie Eljolera wanbert mit unb gegen ben Söinb, fmijt alle aufunb verfdjout Weber ein Sliter, nod) ®efd)led)t, nod) einen Veruf; bei iljrem Vorbringen folgt fie aber ftets in auffalleuber SBeife ben VerfeljrSWegen (feeren, Kara- wanen, Eifenbaljneii, @d)iffen, u. f. w.). Einmalige Erfraiifuug an ber Eljolera nidjt vor einer weiteren Onfection. @ 1) m p t o m e unb Verlauf, ©ie Eljolera ftellt fid) ein, ober es geljt il)r (meiftenS) ein OucubationSftabium voraus, baS nur wenige ©tunben bauern ober fiel) über mehrere (l)öd)fteuS 5) ©age er* ftreefen fann. SBäljrenb biefeS StabiumS füljlt ber Patient ein allgemeines Unbeijagen, Ijat leisten, fdjmerjlofen ©urdjfall (Eljolerine), unb gefeiten fid) baju woljl and) Slppetitlofigfeit, Uebelfeit unb Veränberung ber ®e- fidjtSjüge. Wiattigfeit unb leidjte Ermübung bei VluSfeltl)ätigfeit nehmen meljr unb meljr 311, unb bann ftellen fid) auf einmal unb jwar gewölpdid) nad) WUtternadjt bie djaracteriftifdjeu reiswafferäl)iilid)en Entleerungen ber Eljolera ein. ©iefe faft flare, wafferäljulidje glüffigteit ift gallertartig unb etwas fiebrig, l)at einen wiberlidj füfjlidjen ©erudj unb enthält 3al)l* reidje burdjfdjehienbe Klümpdjen, weldje man beißidjt barinperumfdjwiim men unb fid) nad) unb nad) 311 Voben fieljt. ©er@tul)ljwang, wel- d)er biefer elften Entleerung beS fpecififdjen EljoleraftuijlS vorauSgel)t, ift feljr Ijeftig, fo bafj ber Patient baburd) aus bem @d)lafe aufgewedt wirb, fd)ne(l ans bem Vett fpringt unb taum nod) baS 9?ad)tgefd)irr ober irgeub ein ®efäp erreicht, um bem Vebürfniffe 31t genügen. 3ft baS gefdjeljen, fo legt fid) ber Kraute erleidjtert ju Vett unb verfällt halb in ©d)laf. ©erfelbe ift jebod) nid)t von langer ©auer. ©er Patient wirb unruhig, fpringt aus bem Vett unb fel)rt, ol)ne Erleidjterung gefunben 311 ljabeu, Woljl aber nod) meljr ermübet unb mit einem ®efül)l ber Uebelfeit baljin 3urücf. Seigeres füfjrt meiftenS halb 311 Grbredjen, wonadj fid) and) Krämpfe (befonberS in ben SBaben unb ben Vaud)muSfeln) einftellen. VJie bie @tnl)lentleerungen ift baS Erbrodjene fpäterfjin, nadfbem erft ber 3iifäl(ige 90?ageninl)alt unb bann ®d)leim unb ©alle erbrodfen würben, reiswaffer- äl)nlid)e glüffigteit. Sind) biefe (wie bie beS ®tul)ls) ftammt aus bem Vinte*). ES ift fidjer, baf? bei ber El)olera, fo bunfel biefe Kranfljeit fouft nod) ift, baS Vlut außerorbentlid) fdjnell einen großen ©Ijeil feines VJafferS 3iierft nad) bem ©üunbarm unb fpäter and) nad) bem Klagen unb bem ©iefbarm l)in verliert, ©nrd) biefe Sßafferent3iet)ung wirb natürlid) baS * ) 2ßie frfjon anqebcutet, nehmen viele beSfjalb aucfy an, bafjbaö Srbroiiene her ßtjolerafranfen ebenfalls (wie beren Stuljl) anftetfenb ift. 500 4öhit eingebitft, unb tann baSfelbe bann nur nocp müpfam bnrd) baS getrieben werben unb bie feineren Haargefäße burdjfließeii; bie -SKutcircu* lation wirb mepr unb mepr geftört, unb ber imSInfangSftabiuin ber Kranf*- peit gefteigerte 'ißulS immer langfamer unb fcpwäcper, bis er garnidjtmepr füplbar ift. 3'n ftolge ber SBafferentjiepung aus bem 4BIut unb ber (fiel) barauS ergebenben) SirculationSftöriing leibet and) bie SBärmeentwitflung beS Körpers. Bunge unb §aut füplen fiel) tüpl an, leptere wirb bleigrau unb feprumpft jufammen, Wie bei ber „@änfepaut", enblidjwirb fieruuje* lig (wie bie Haube ber SSafdjfraiien) unb verliert ipre Slafticität, unb bleibt bann, inbem man ein jwifdjen ben Ringern in eine $alte feplägt, leptere längere B<ut ftepen. ©ie fftägel Werben länger unb bläu* lid), unb wegen beS geftörten SölutumlaufS bei bepinberter Umwaublung beS venöfen (buntlen) Blutes in arterielles (pellrotpeS) innerhalb ber Sungen tritt bläuliepe Färbung (Spanofe) Verfcpiebener Stellen ein: Singen, Sippen, Bunge, Beuger unb Bepen. 3;n Wße Witeinbitfung fließt ber §arn fparfam ober gar nid)t mepr, unb bie §aut wirb trotfen; barauS (©rotfenpeit ber SKunbpöple, beS Keplfopfs unb ber Sungen) ergeben fid) großer ©urft bejw. raupe, peifere, fdjwacpe unb tlanglofe Stimme unb befcpwerlicpeS SItpmen mit beängftigenbem ©rutf auf ber 33ruft ©rop ber äußerlidfen Kälte flagt ber Patient über große innerlicpe unb Verlangt fortwäprenb nad) SBaffer, baS fofort wieber auSgebrocpen Wirb. SInber* weitige nervöfe Symptome finb bie große Unrupe beS Patienten, Sinnes* täufepungen, Unbefinnlicpteit, ©leicpgültigteit. 9?acp unb nad) verfallen bie ®efid)tsjüge beS Kranfen immer mepr, bie von bläulidjen Gingen um* gebenen Singen liegen tief, auS bem eingefallenen ®efid)t ragt bie Siafe fpipig pervor, bie bläuliepen Sippen finb trotfen unb mit jäpem Scpleim übertleibet. ©er fßuls ift jept unfüplbar, §aut, Bunge unb Sltpem falt, unb binnen tritt ber ©ob ein (f. S. 449). SBenbetfidj peit jum Keffern, fo gept fie aus bem bargeftellteu, erfteu, falten Stabium in baS zweite, baS SBärme*Stabium über, ©ie Körperwärme feprt jurütf, ber S?u(S wirb wieber füplbar, ßrbredjen unb ©urdjfall laffen nacp, Sd)Weiß bridjt aus, unb was am widjtigften ift, bie §arnverpaltung pört auf. 23on großer ift, baß bie §autwärme allmälig unb nid)t plöplicp ju* rücffeprt, b. p. baß ber Kraute nid)t mit einem SJJale in (pipe unb ftarfen Sdjweiß gerätp. ©er Eintritt beS SBärme*BeitranmS ift aber feine ®ewäpr ber ®ene f un g; and) tväprenb ber lepteren unb beS $öärme*Stabinm$ fann bie Spolera töbtlidp verlaufen, ©ie Beitbauer ber Kraufpeit ift fepr verfepieben; fie fann nur Stuuben, aber and) SBocpen betragen. ©ie -S3 e p a n b l u n g ber Spolera foll ftets bem Slrjte überlaffen unb niemals verzögert Werben. $errfd)t Spolera im Sanbe unb ift ärjtlicpe niept fofort ju befommen, fo lege man fid), fobalb fiep ©iarrpöe ein* 501 (teilt, auf ber Stelle ju $ett unb bleibe liegen, 9Jadj jeber Stuplent« leerung nepmen Erwadjfeue einen SSljeelöffel unb Äinber je nacp bem Sliter 5 bis 15 Dropfen gecampperte ©piumtinctur (Paregoric) ober von bem unten ftepenben SRecept (9?o. 10) ein. Sils ©etränf berabreidje mau bem ßranfen (äuerlidje Vhnonaben (am beften Eitronenlimonabe) ober (abge« fodjteS) Gaffer unb Effig. Das paregoric ober bieinOxecept 9io. 10 ange- gebene Slrjenei füllte ju Epolerajeiten in jebem §aufe borpanben fein (bergl. .'pauSapotpefe), beim eS ift äiifjerft widjtig, baf? irgenb weldje Symp- tome (befonberS Durcpfall) jufoldjen feiten fofort beacptet werben, refp. bie Diarrpöe fofort befeitigt wirb; babnrcp fannitt ben meiften fällen bie $ranfpeit aufgepalten, fdjon im Meinte erfticft werben. Oft Slrjt and) fpäter nidjt jubefommen, unb (teilen fiep bie reiSwa((eräpnlicpenEntleerun« geu ein, fo bleibt ber Patient natürlicp im 4öett liegen unb erpält and) jept nur fäuerlicpe ©etränfe (in Heineren SJiengen); babei laffe man ipn Eis« (tüeftpen berfdjlutfen unb alle 15 bis 20 Spinnten berbünnte (!) Scpwefelfäure in einem SßeinglaS (a b g e f o d) t e m) Söaffer einnepmeit. (■Die jebeSmalige DofiS ift: für Erwadjfene 20 Dropfen, für Äinber über 10 3«I)i'en 10 Dropfen unb für Sinber unter 10O«pren 5 Dropfen). Oft bie (berbünnte) Sdjwefelfänre nidjt jur §anb, fo gebe man alle 10 bis 15 Minuten 1 Dpeelöffel Effig. 3)Ht ber Scpwefelfäure refp. bem Effig ift fortjnfapren, bis ber Stuplgang aufpört, refp. ber (borper) alfaliuifdje UKagenfaft wieber fauer wirb. Stuf benVeib, ber in eine breite ß-lanelP binbe jn wicfeln ift, lege man warme Uinfcpläge ober and) Söärmflafdjen, unb bie ©lieber reibe man (anft mit Del ein. Der Patient berparre in porijontaler Vage unb berfudje, bem 53red)reij unb bem Stuljlgang ju wiberftefyen. Um ben Entleerungen entgegenjuwirfeu, füllte man and) unter ben Elfter ein jufammengefnäiilteS raufjeS §anbtud) legen. Die Diät beftefje in burdjgefdjlage-nen Slbfodjungen bon ©erfte, §afermeljl, 9teiS, ©raupen, u. (. w. ober in anberweitiger leidjt oerbaulidjer Oft baS falte Stabinm eingetreten, fo laffe man IjeifjeS Söaffer ober Dljee trinfen unb gebe, wenn ber 'ißulSfraftloferuub fdjwädjer wirb, Erregungs- mittel (l)albftünb(id) 1 ©las Eljampagner ober | bis 1 Dljeelöffel S3ranbp) ober in beufelben 3wi(d)enräumen ein bon 2 Teelöffeln SJiildj unb 1 Teelöffel Dritt (baS 2ßärme-Stabinni) ein, (o palte man and) jept, wie in bem falten Stabium, an ben oben angegebe- nen 'LÖiapregeln feft. 9?atürlidj gilt baS nidjt bon bem Darreidjett bon Effig ober Sdjwefelfäure unb ber in 9?ecept9?o. 10 berfdjriebenen Slrjeuei, womit eingepalten werben muff, wenn bie Diarrpöe aufpört. Ebenfo ift im SBärmeftabium baS Eingeben bon warmem Gaffer ober Tee unter« laffen, um nidjt plöplid) grofje §ipe unb ftarfen Sdjweip perborjurufen. Um bie §arnberpaltung ju befeitigen, reidje mau -Slier (felbftberftänblicp 502 nicpt im Uebermaß) ober alte 2 Stunben einen Speelöffel Salpeterätper* geift (Spiritus Aetheris nitrosi, Sweet Spirits of Nitre), unb babei lege man auf bie 9iierengegenb warme Umfdjtägeunb reibe biefelbe mit 5Bad)- polberbeeröt ober SerpentinfpirituS ein. ©egen Unruhe beS Patienten gebe man 30 ©ran in einem SÖeinglafe Sßaffer. treten §ipe nnb Sdpveiß ju rafd) ein, madje falte Umfdjläge auf ben Stopf unb gieb reidjlid) füplenbe ©etränfe. $eigt fid) wieber Surd)fall, fo verfahre nacp ütecept 9to. 11. ?US Stfaprung gebe man päufig (alte 20 Limiten) löffelweife gut gefallene fyeifce $leifd)brüpe nnb 3)tildj. SBäprenb ber 9teconvaleSceii3 ift genau barauf 3U adjten, baß ber Uebergang ju mepr unb fefterer 9taprung nur allmälig erfolgt. 53 o r f id)tsm aßr e g e ln. SDian brandjt bei 5IuSbrud) einer ©poleraepibemie nicpt 311 flüd)ten, beim eS ift fepr Wopl möglid) wäprenb einer ©pibemie frei auSjugepen, wenn man fid) nur vor allen gingen ben oben angegebenen, bem 5(uSbrud) ber Siranfpeit giinftigen ©inwirfungen entjiept. SJtild) unb alles jum Xrinfen beftimmte 5Baffer fiub abjutodjen, ober man löfcpe feinen Surft mit frifcp jubereitetem Sljee ober Staffee. SOtineralwaffer nnb guter 5Bein, wenn vor ber ©pibemie ober außer« palb beS ©ebiets berfelben auf fylafdjen gezogen, fiub geftattet (ber 5ö3ein natiirlid) nur in mäßiger 3D?euge). 5Ber an ©rregungSmittel gewöpnt ift, fdjränfe biefelben möglicpft ein unb trinfe am beften nur mäßige Stengen 53ranbp ober 5BpiSfep mit Soba« ober SelterSWaffer (f. vorper). Sind) im ©ffen fei man mäßig unb genieße bie (Speifen peiß; ber übrig gebliebene 9teft ber Speifen ift in bie (beSinficirte) Senfgrube 31t werfen ober, wenn baS bie 53erpältniffe nidjt erlauben, vor bem äöieberauftifcpen neu todjen. Sdjwer verbanlidje nnb auö nid)t ganj frifcpen ober gefunben 9caprungSmitteln bereitete Speifen fiub unter allen Umftänben 311 meiben. 9(uf ben ©enuß von Obft man am beften ganj. £D?an nepme nur ganj frifcße, gute unb leidjt verbaulidje 9taprungSmittel 311 fid). ®ie flleibung foll ber OapreSjeit angepaßt unb warm genug fein, um ben Störper vor bem gröfteln 311 Um ben Veib trage man eine breite $lanellbinbe, unb piite man fid), biefelbe einmal ober 311 friil)3eitig 20?an nepme von e'n lauwarmes 53ab. 2ßie Cpceffe im ©ffen unb Xrinfen vermeibe man and) übermäßige förperlid)e unb geiftige Slnftrengungen unb geiftige Aufregung unb ©ebrütftpeit; Sorgen, Kummer, ?lngft finb bei ber ©polera. Sie SSopnungen müffen in gutem fanitären 3ul'tanb fein, bie SlbjugS* ropren bürfen iüd)t letfen unb müffen 5Bafferverfd)(uß paben, in welcpen man, nadjbem man etwas pineingegoffen, ©arbolwaffer nacpfdjütten follte. Sie ©lofets unb Senfgruben finb 3U beSinficiren (f. S. 424). ?lud) barauf ift 31t fepen, baß biefe 23orfid)tSmaßregeln in 9iad)barpäufern 3ur SIuS« 503 führuitg tommen. (Erfrantt ein an ber (Spolera, fo finb bie (Entleerungen unb baö (Erbrochene fofort nach ber mit einer öprocentigen (Earbol- ober einer lOprocentigen (Etjlorjinftöfnug 311 beSiuficiren, bann 4 ©tunben jugebecft fiepen 311 taffen unb barauf erft in bcu (beShificirten) 2Ibort 511 fcpütten. £)ie ßeib* unb be$ Oranten ift fleißig 311 wedjfeln unb bie alte SBäfcpe fofort opne vieles ©dritteln (mit ber befdjmupten ©eite nacp innen 3ufammengewicfe(t) aus bem 311 bringen unb in 2procentige (Earbollöfung 311 taudjen unb bann tiidjtig 3U tocpen. £)a$ ift reinwupalten (öfter mit einer 2proeeiitigen (Earbollöfung anfsitwifcpen, unb jtuar and) äh'öbel unb 2ßänbe) unb gut 311 ventiliren. £)er trinte feine glüffigfeit, bie im Äranfettjimmer geftanben pat, nocp nepme er in festerem feine Nahrung 311 fid). (Er beachte ferner bie vorher aufgewühlten allge« meinen SßorfidjtSmafjregeln, effe unb fdjlafe 31t regelmäßigen ©tunben ge- nügenb unb wafcpe feine §änbe öfter, unb wwar immer f 0 g l e i cp, Wenn er im befcpmutAte ©egenftänbe ober ben Patienten ange- faßt l)at, mit einer 2procentigen (Earbollöfung. 31 ec ept 9to. 10. SOJifdie eineUnje aromatiicbetScpmefelfäuremit einer halben Un$e Saubanum (©piumtinctur) unb flieh bauen je nach Umftänben alle 2 big 3 ©tunben ober auch jebe ©tunbe ©rmachfenen 30 tropfen, Äinbcrn über 10 fahren 10 Streifen unb Äinbern unter 10 fahren 5 Strupfen in etiuag (ahflefoeptem) SBaffer. 9tecept 9io. 11. ©omer'fdjeg Pulver 20 ©ran unb bon ®otoinho=®jtractunb je 25 ©ran iuerben jufammenflemifipt unb in 10 ©ofen fletßeilt, uon benen man täfllidj 2-3mal eine flieht. ©ie OlofC, ber Olotljlauf ober bas (Erysipelas, St. Anthony's Fire) ift eine fieberhafte 3nfection§franfheit, bereu Äeime ober ©paltpilje) burd) einen £>autriß, eine fleine Sßunbe, ein ©efdjtuür, u. f. m. in bie ber §aut einbringen (f. gig. 229) unb üon ba in bie ©äftemaffe beö ganzen Körpers übertreten. X)ie tritt fpora= bifd) unb epibemifd) auf, legeres namentlidj in djirurgifdjeii ©pitälern („Sßunbrofe"), unb im Frühjahr unb $erbft wirb fie jugleidj mit ben um biefe £eit epibemifd) oorfommenben Zungen* ober häufig beobachtet. SDlandje befonberö grauen, hoben eine befom bere Neigung, an ber Olofe 31t er= trauten, unb werben nad) bewegungen, u. f. w. fofort wieber baoon befallen. 21m häufigften fommt bie Olofe im ®efid)t („®efidjt$rofe") unb am Äopfe vor. Fig. 229. a) 2)iu§telfafern, b) ßt)inpIjflefäBe, c) 9tott)(auf= Batterien. 504 Symptome unb 23erlauf. Tue 9cofe beginnt, wie gefagt, ge* wölptlid) non einer verlebten Stelle ber äußeren £>aut ober einer oberfläd)- lid) gelegenen Sdjleimpant (befonberS ber 9tafe) tjer. Unter allgemeinem Krantl)eitSgefül)l (Kopffdpnerjen, SRattigfeit, Tur ft, Venommenpeit) lieber (unb Sd)üttetfroft) unb VerbauiingSftörungen (9lppetitlofigfeit, Uebelfeit unb felbft Crbrecpen) wirb bie §aut plöplid) rott) unb glänjeub, fdjwillt an unb brennt. Tiefe Crfcpeinungen tonnen an einer Stelle ber £)aut bleiben („feftljaftenbe 9tofe") ober halb verfepwinben, um an einer anberen Stelle wieber anfjutampen („Sßanberrofe"); eö fann and) jur Vlafenbilbung („Vlafenrofe") ober ju branbigem ,3erfall mit tpppöfen Crfdjeiimngen („branbige 9lofe") fommeu. ben meiften fällen ver- läuft bie 9?ofe gutartig; in einigen Tagen ober and) wenigen (4-6) 2Bod)en läßt bie Cntjünbung unb Spannung ber §aut nad), letztere fdjält fiep ab, unb bie Temperatur gept auf bie normale £wpe juriief. 9<nr in fdjweren fällen unb für gefcpwädjte Conftitutionen ift bie 9tofe gefäprlidj. VefonberS ju fünpten finb bie „Kopfrofe", bei weldjer leidjt bie m W?itleibenfcpaft gezogen (entjünbet)-werben; in ber ftolge fallen bie föaare an§, boep wadjfen biefelben Wieber. $11 fürchten ift and) bie „9tofe ber 9leugeborenen", weldje fid) in ber 91äpe be$ 9labels ber Säuglinge entwicfelt unb von ba meiftenö fepr weit ausbreitet. hierbei erfolgt (wie bei ber Kopfrofe) ber Tob pänfig burd) Eitervergiftung beS VluteS ober burd) B'ortleitnng ber 9iofe auf innere Organe. V e p a n b l u ii g. $n ben meiften fällen genügt eS, ben Patienten im Rimmer (bei mäßiger Temperatur) ju bepalten unb bie entjünbete Stelle gegen Snftjng unb Verunreinigung ju gefdjießt burd) Auflegen einer bünnen Sage carbolifirter SBatte; eine jn biete Sage üermeprt bie §ipe unb ben Sdjmerj. Sinberimg ber Sdmierjen erreidjt man oft burd) Veftreuen refp. Veftreidjen ber entjünbeten Stelle mit Äartoffelmepl, 9J?anbeloel ober (Sltjcerin. fDlan tann auf bie Stelle and) ein Säppd)en legen, ba3 in folgenbe Söfuug getaudjt würbe: 1 Tpeelöffel Vleijucter unb 1 (Sßlöffet ©pinmtinctur (Sanbanum) auf 1 Vdit (weidjeö) SBaffer. (SntfteßenVlafen, fo werben biefelben mit einer fauber in Ciarbolwaffer ju reinigenben Stecfuabel aufgeftodjen, um bie {yliiffig- feit perauSjulaffen, worauf wieber Carbolwatte barnber gelegt wirb. T)abet fei bie Äoft leid)t unb naprpaft, unb ba§ ©etränt (gegen ba§ fieber) füpleiib. $n vielen fällen ift ein milbeö Slbfüprmittel (citronem faure SJtagnefia mefferfpipenweife ober je eine erbfengroße „blaue fßilte", auf weld)e nad) 6 Stnnben ein Seiblifcpulüer ober ein Cßlöffel fRicinuööl gegeben wirb). Steigt bie Körpertemperatur fepr pod), fo verabreiche man falte Slbreibungen ober Vei ®el)irnerfd)einitngen lege Eisbeutel auf ben Kopf unb gebe, falU ber Patient belirirt, 2* bis 3mal 505 täglich 30 Oran Vromnatrium in einem Ijalben Olafe Sßaffer. $ft bie Oefdpvnlft hart, fo finb warme, unb ift fie loder, falte Unifcfjtäge am (SiSumfchtäge füllten überhaupt angewenbet werben, fobalb bie Ontjünbung eine größere SluSbehnung erreicht, ferner gebe man bei ber Stofe alle 4 ©tunben 5-10 ©ropfen (Sifentinctur in einem Olafe guder* Waffer*) ober (bei ber „Oefid)tS=" nnb „VJanberrofe") 3mal täglich je 15 ©ran falicplfaureS Patron. üßirb bie 3nnge troden, fo verabreiche man alle 4 bis 6 ©tunben einen ©peelöffel V?l)isfep in DJtild). Vei fdjweren SIbfceffen, Ijeftigen ©ehiriierfdjeinnngen nnb branbigen VSunbflädjen füllte ein Slrjt jugejogen Werben. ©er cpibcillifrfje ©Cilitffrilinpf (Epidemie Cerebro-Spinal Menin- gitis, Spotted Fever) ift eine meiftenS epibemifd) auftretenbe tranfljeit, weldje in einer eiterigen Ontjünbung ber weichen ©ehiru' nnb StüdenmartShaut (Pia mater, f. ©. 128) befteßt. ©iefe Äranttjeit be» fällt faft auSfdjließlidj ftinber nnb jugenblidje nnb jwar meift männlidjen ©efchlecßts, I)errfd)t in gemäßigten Älimaten nnb tritt am Ijänfigften im Sinter nnb im grül)ling auf. ©urd) im (Srbboben, verborbene ober feuchte Vnft, fowie feudjte nnb überfüllte Sühnungen flehten ßiitftel)niig nnb Verbreitung ber Ärantpeit begünftigt ju werben. (Symptome nnb Verlauf, ©em Seiben gehen gewöhnlich ©djwinbel nnb unruhiger ©d)laf voraus, ©ie felbft beginnt mit @d)üttelfroft nnb fieber, ju beiten fid) halb eiiiwütßem ber Äopffd)merj gefeilt, ©arauf folgen (Srbredjett, ©dpnerj nnb ©teif» peit im ®enitf, ganj bebentenbe (Smpfinblidjfeit ber§aut, innerliche ?lngft, große Unruße unb ber Gptremitäten. ©er wirb ßart nnb verlangfamt fiel) feßr Ijäufig, baS ®efid)t nimmt eine bleidje garbe an, bie Pupille verengert unb erweitert fid) abwecßfelnb, unb baS Singe felbft wirb ftier unb glättjenb. ©ie ©emperatur ift erl)öl)t, aber fdjwanfenb, bie 3unge wirb riffig unb trotfen, eS tritt meift ©tul)lverftopfnng ein, unb häufig bilben fid) 9luSfd)läge auf ben Sippen, Vaden unb Slugenlibern ober beut ganzen Körper; biefe 3IuSfd)läge finb unregelmäßige rotlje fylede von ber ®röße eines ©tednabeltopfeS bis ju einem ©urdjmeffer von | $011 unb verfd)Wittben nid)t bei ©rnd. Valb ftellen fid) and) ©tarrfrämpfe ber 9iaden- unb fRüdenmuSteln ein, woburd) ber Äopf weit nach hinten gezogen wirb nnb faft in einen redjten SÖinfel jur VJirbelfäule gerätl) (f. B'ig. 230). Verläuft bie Trautheit töbtlid), Was feßr häufig unb befouberS bei Stinbern ber [yall ift, fo läßt bie nervöfe fReijbarleit nad), ber Patient *) ©urtf) eine ober einen «Strohhalm gu fangen, um bie ni(f)t gu Behäbigen. 506 Verfällt bei I)ol)em fieber unbnidjt mehr jäl)lbarem VulSfd)lag in-VeWujjt* lofigfeit, bie (Sntleerungen erfolgen unwillfürlid) unb fdjliefjlidj melbet fiel) ber ©ob burd) (Slieberjinfungen uub (SefidjtS* ober (balbfeitige) Säljmiing beS Körpers au. (Sel)t bie $ranfljeit in (Senefuug über, fo bauern bie nervöfe fReijbarteit unb bie (Smpfinblidjfeit ber £>aut au; Singe unb ©l)r finb gegen Vuft refp. (Seräufdje fel)r empfinbtid). Ungefähr am 6. ©age hört bas Erbrechen auf, unb unter langfainem 9?ad)Iaffen beS beginnt in 1 bis 2 SBodjen bie (Senefuug. ©iefelbe nimmt lange 3eit in Slnfprud). Fig. 230. ©ie Sö e 1) an b l u n g, welche, Wenn irgenb möglid), bem 5lrjte über* loffen werben follte, ift eine fpmptoniatifdje. ©egen ben Äopffdjmerj nnb (Steifheit nnb (Sd)inerj im Dt'ücfen lege man ©iSbeutel auf ben $opf (beffen .'paare bei beginn ber möglidjft fnrj 311 fdjneiben finb) nnb auf bie SEßirbelfäule; and) örtliche -SBlutentsiehnugen an ben «Sdjläfen, bem 9?a<fen nnb bem SRücfen (burdj Blutegel ober «Sdjröpfföpfe) finb an* gebradjt. ©egen ben SDhiSfelftarrframpf nnb bie (Sdjmerjen wenbet man fiibcutane 3Jiorphiumeinfpripungen (von je | ©ran etwa alte 2 «Stunben) an. ©ie ®oft mup fluffig fein nnb oft in Heinen ©ofcn gereicht werben; 311 trinfen gebe man frifdjeS Söaffer ober tüljlenbe ©etränfe (f. (S. 434). ©er ftranfe liege mit Ijodj gelagertem $opf rul)ig; er werbe fowoljl vor grellem tfidjte nnb ©eräufdjeu, als and) vor törperlidjer nnb geiftiger 2Iuf* regung gefdjüht. 2llS 9? a d) t r a 1111) e i t e n ftellen fiel) häufig Zähmungen, $linbl)eit, ©aubljeit nnb $opfwafferfud)t ein. ?(l§ SB 0 r f i d) t Sm a fj r e g e ln gegen biefe Trautheit faun nur baS SBermeiben jener Sßebingumgen angegeben werben, welche oben als ber (Sntftehuiig nnb SBerbreituug ber Trautheit günftig angeführt würben. 507 ©aS (.'peuaftljma ober SSoftod'fdjer (Satarrl); Hay-Fever) ift eine eigentßitmlidje, mit Sdjnupfen Derbunbene weldje auf baS (Sinatljmen Don SSliitljenftaub ober Samen gewiffer ©reifer ober SSlumen ift. ©iefer Staub (ober Santen) quillt innerhalb ber Luftwege auf unb Derurfarfjt eine anßaltenbe Dteijmig ber Sdjleimljäute, woburdj ein nieljrober minber heftiger datarrlj ber Singen-, S?afen* unb öuftröljrenfdjleimljaut Veranlaßt lüirb. ©aS baS befonberS in bett 23er. Staaten unb in ©nglanb Dorfommt, ift immer an beftimmte ©egenben gebnnben unb befällt mir SSerfonen, weldje baju bis* ponirt finb. 9?ad) ©r. WSorrill SBijman verfdjont biefe folgenbe ©egenben ber 23er. Staaten: bie ©ebiete ber SSljite, ftranconiaunb ©reen SDlountainS, baS Slbironbacfgebirge unb *plateau, bie ©egenb öftlidj Don ben 2BI)ite 2)iomitainS, baS Slllegljanljgebirge, baS 91eW 2)orf= unb ©ljio* Plateau, bie ©egenb ber großen Seen unb bie am oberen WSiffiffippi. Sie ©ispofition ift entweber eine erworbene ober ererbte unb beftefjt, ba bie $ranfljeit 31t ben nerDöfen 311 redjnen ift, in einer SIrt neroö* fei' (Smpfiubtidjfeit (3biofijncrafie; f. S. 409 u. f.) gegen gewiffe Slrten Don Samen unb SSlütljenftanb. ©icfe .ftbiofijncrafie ift aber nadj Sitter unb ©efdjledjt verfdjieben, benn baS §eufieber befällt jumeift mir Sßerfo* neu, Weldje baS 50. VebenSjatjr nodj nidjt erreicht ßaben, unb Don biefen wieber meljr bie Männer als bie ftrauen. ©iefe weldje Dom SD?ai bis jum S?oDember, am ßäufigften aber im ober ftrülj* fjerbft Dorfommt, tritt in jwei ftormen, ber catarrljalifdjen unb ber aftljma* tifdjem auf. ©ie ©auer ber beträgt burdjfdjnittlidj 6 SBodjen, mitunter aber and) mehrere 9D?onate. Symptome unb 2S e r l a 11 f. ©ie leidjtere ftorin, bie catarrßa* lifdje, beginnt mit $ipe(n in ber 9?afe, einem wäfferigen SluSfluß aus ber* felben, trampfbaftem liefen unb (bisweilen) Sfjränenfluß. 3m Weiteren SSerlauf fdjwillt bie sJ?afenfd)leimljaut berart an, baß bie 9?afenlöd)er gefdjloffen fein fönnen; gewöfjnlid) fcfjwinbet bie Sdpoeltung, mit bereu Eintritt ber in ber 9?afe aufljört, in ber 9?acfjt, um fid) am folgenben Sage wieber einjuftelleii. Sind) bie Slugenbinbeßaut fdjwillt au, wobei ber ©Ijränenfluß reidjlidjer wirb, unb bie Sdjleimßaut beS SUhtnbeS unb SdjlunbfopfeS ift entjünbet; biefe catarrßalifdje Slffection fann fiel) fogar bis auf bie Sdjleimljaut ber ßuftadji'fdjen ©rompete er* ftreden, woburdj letztere Derfdjloffen unb (Dorübergefjenb) ©aubßeit Derur* fadjt wirb, ©er SluSfluß aus ber 9?afe fann im weiteren ftortfdjritt beS Reibens blutig ober aud) eiterartig werben. - ©ie fdjwere, aftßmatifdje ftorm ift außerbem mit meßr ober weniger ßotjem ftieber unb mitunter mit Sdjnttelfroft Derbunben. ©er Patient fjuftet ober atfjmet ftfjwer ober leibet gar an Sltljemnotl), in Welchem ftalle ber SSulS jumeift feljr rafdj wirb. 508 ©ie &e[te weife beS £>eufieberS ift, ba gegen bie Äraiifljeit ein juverläffigeS Mittel nodj nidjt gefunben würbe, ben Aufenthaltsort mit einer heufieberfreien ©egenb ju vertaufdjen ober eine Seereife ju madjen, fobalb fiel; bie jeigt. ©er Patient erhalte nahrhafte Äoft, trage Flanell auf bem blofjen ßeib unb üermeibe baS (Sin= atljmen von Staub, Diaudj ober Diadjtluft. DDian forge ferner burdj ein milbeS Abführmittel (am beften citroneiifanreS SKagnefia, je eine SDfeffer* voll) für offenen Seib unb lege auf Diafe unb Äugen falte Auffdjläge von ©Baffer ober von SÖaffer unb ©Ijeelöffel auf 1 ©Baffer) auf; and) fdjüpeman bie Augen burdj farbige (blaue ober graue) ©läfer. (Stegen bie ift mit einem ber in Dtecept Dio. 4 angegeben neu ©Baffer ju gurgeln, ©ie Schwellung ber Dlafenfdjleimhaut ift burdj (Sinfdjneiben, Aepen ober Gauterifiren berfelben ober burdj Auffdjläge (tljeilweife ober vielleicht and) ganj) 311 befeitigen. Sonft werben als Drittel gegen baS §eufieber nodj empfohlen: gowler'fdje (Arfenifs)Söfung, 2-3 ©ropfen nadj jeber DJJahQeit, unb (§uphrafia=(Augeutrofh)©inctiir, 6-10 ©ropfen 3 bis 4 mal täglidj; biefe Drittel finb aber nicht bei Ambern anjuwenben. ©tei aftljmatifdjen ©tefdjwerben finb Stedjapfelblätter ober Rapier, Welches mit Salpeter getränt t würbe, ober eine Wiifdjung von 3 ©Ijeilen Stedjapfelblättern unb 1 ©heil Salpeter anjubrennen unb bie ©äinpfe ober manraudje (aber vorfidjtig unb wäljrenb eines Anfalles nidjt mehr als jwei) (SSpic45igaretten, weldje nadj ©r. Sßtjman folgenbermafjen Ijevgeftellt werben: 4| ©ran (getrocknete) ©ollfirfdjeii- blätter, je 2| ®ran Stedjapfet= unb | Oran SBaffer* fendjelblätter unb | ®ran Dpium werben jerftojjen unb bann in (Sigar* rettenpapier aufgerollt, lieber bie Auwenbung von Cljiviv f. weiter unten. o r f i dj t S m a jj r e g e l n. welche alljährlich von biefer befallen 311 werben pflegen, tljun am beften, fidj vor Eintritt ber erwarteten ßrfraidung in eine Ijeufieberfreie (Stegenb ju begeben ober eine Seereife anjutreten. Als weitere ä?orfidjtSmapregel für fo bisponirte foneu wirb von ©r. Sßljman empfohlen, minbeftenS 4 Aßodjen vor bem voraiiSfidjtlidjen (Eintritt beS VeibeuS mit bem (Sinneljmen von Cljinin (2-3 ®ran vor jeber DJialjljeit) 311 beginnen; ftellt fiel) bas§eufieber bodj Wieber ein, fo faljre mit biefen ©ofen wäljrenb ber fort. Auch für folclje 'ißerfoiien, weldje uodj nidjt vom befallen würben, ift es (nm eine ßnifection 311 vermeiben) am beften, ben DJlonaten DJtai bis Dlovember 311 meiben. ©ie ©rippe (epibemifdjeSCatarrljfieber ober Influenza) ift eine epibemifdj auftretenbe unb fidj fdjnell (mitunter in 24 Stunben über ganje Stäbte ober ©egenben) verbreitenbe OnfectionStranfljeit, bie jebenfalls auf ein, burdj bie Buft verfdjleppteS HKiaSma jurüdjufütjren ift. 509 ©ie beftept in einer (Srfrantnng ber SltpmnngS® unb meift and) ber 23er= bauungSorgane. © I) m p t o m e unb Verlauf. ©ie ©rippe beginnt mit ©drittel® froft unb fieber. ©aun [fetten fid) ein: ©djnupfeii, ©prä® neu ber mit £3tut unterlaufenen Singen, ©lieber® unb sJhufenfd)uier3, §eiferfeit, trotfener unb trampfpafter §u[ten, liefen, unrupiger ©d)(af unb felbft ©elirien. ©aneben fiubcn fid): Slppetitlofigteit, (Srbredjeu, be® legte Bunge, bie päufig trotfen uub riffig wirb, pappiger ©efdpnacf, ©urd)® falt unb ungemeine Slbgefdjlageiipeit in allen ©liebem. ©epr empfhtblicl) ift ber 'ßatieut gegen ©eräufd) unb £id)t. häufig treten and) 9tafeubluten, SItpembefdjwerben unb iöruftfcpmerjen ein. ©ie ©auer ber beträgt gewöpulicp 8 ©age, bod) nimmt ber Uebergaug jur ©euefung refp. letztere fetbft bei älteren uub fd)Wäd)lid)en 'ißerfoneii oft weit längere Beit in Slufprud) unb faunfid) 4 bis 6 2Bod)en piujiepeu. ©ie (an fid) nid)t ge® fäprlicpe) ©rippe enbigt meift unter reicplicpem SluSwurf, §arnnieber® ftplägenunb ©djweiß mit ©euefung. Bu biefem Seibeu gefeilt fid) aber bet d)rouifd)en $rantp eiten, befonberS bei §erj® unb ßungenleibenben, uub nameutlid) bei ©reifen Ieid)t eine catarrpalifdje Sungeuentjimbung mit iprer ganzen ©efapr. ©ie «epanblung ift in erfter Ciitie eine biätetifcpe. ©er Patient piite baS ©Jett, werbe (wegen ber £id)tfd)eu) Vor Sid)t unb geniefje, fo lauge baS fieber aupält, nur fluffige $oft 9?ad) Stuf® pören beS gieberS gebe man fd)Wad) burdjgebrateiieS fRinbfleifd), ©efliigel unb frifcpe ©ommergemüfe uub baju Heine SDlengen guten Söein. ferner verabretdje man warme $ußbäber, ©enfpflaftcr, ßinatpmiingeii von warmen SBaffer® ober (Iproc.) ßarbotwafferbämpfen; um bie §autau§® biinftuug ju üermepren, gebe mau warme ©eträufe uub alle 2 ©tuubeu einen ©effertlöffel Voll Von Stecept 9lo. 12. ©egen ©iarrpöe ift ge® campperte ©piumtinctur (alte 4 ©tunbeu Äiuberu etwa 5 ©ropfen uub Grwad)feneu 1 ©peelöffel voll) 31t geben, bis ber ©urcpfall befeitigt ift. ©egen Sltpembefd)werben reibe man über bie sJiafe dolbcream, ©Ipceriu ober Sßafeliue. -S3ei anpalteubem fieber empfieplt fid) Cpiuin (alle 5 (Stuuben 3-5 ©ran). ©efd)Wäd)te unb bejaprte Patienten erpalten öfters Heine ©ofen Sßein ober £3ranbp. Oft bei foldjen trauten ber duften peftig, fo muß biefer mit ©ofen vonDiecept 9io. 13 gemitbert werben. $11 Warnen ift, uub befouberS gilt bieS aus oben angefüprtem ©runbe für fd)Wad)e uub alte 'ßatieuten, vor 31t zeitigem SSerlaffeu beS fettes uub OimmerS. ÜJtau warte bis ber §uften gauj gewid)en ift, unb man fid) wieber ganj frei im Äopfe füplt, 53ei [yroftfdfaiiern, fDlattigfeit unb @d)W.iubel fitdje mau fofort baS 23ett wieber auf, ba Diüd'fätle gefäprlicp werben tonnen. 510 ©ie 9? a dj f r a n f lj c i t e n befteljen, wie fdjon gefaßt, in Jungem leiben. - AIS SB o r f i dj t S m a fj r e g e l ift 311 empfehlen, bafj man alte unb fdjwadje (befonberS fdjwinbfüdjtige) Sßerfoneu wäljreub einer (Epibemie im Beniner beljält. 9teccvt 91 0. 12. ©in Stßeelöffel voll Slmntoaiat toirb mit 8 ßfjlöffeln SBaffcr vermifdjt. ©avon gicb alle 2 ©tunbcn einen ©cfierttöffcl t>oH. 9tece V t 9to. 13. 30 ©ran Salmiatyulver, 3 ®raa dovefelfaurcS SKorpßium, 4 ©radjmen Slutmurjeltinchir, 4 ©radanen 23recbmurjelfbrup unb 1 Unje ßatrifeen= fßrup merben in 2 Hajen gencßelftaffer ßemifdjt. ©avon gebe man alle 3-6 ©tunben einen Stbeelöffel voll. ©ie 9luljr ober ©tjSenferic (Dysentery) befteljt in einer Art biphtlje* ritifdjer Affection ber ©idbarmfdjleiim nnb miusfelljaut. Sie tritt im Sommer unb £>erbft fporabifdj nnb epibemifdj unb and) (befonberS in tropifdjen ©egenben) enbemifdj auf, woraus Ijeroorgeljt, bafj baS -miaS= matifdje- anftedenb ift, unb gewiffe tellurifdjeSBerljältniffe (§ipe unb bie (Eiitfteljiing beS SDiiaSmaS begünftigen. Sefjte* reS ift urfprünglidj, wie es fdjeint, in fdjledjtem ©rintwaffer unb frf)led)ter Suft enthalten. AIS wirb eS mit ben Stuljlentleerum gen beS Patienten auSgefdjieben; nur biefe finb bei ber 9tuhr anftedenb. Aufjer ben genannten tellurifdjen (Einflüffen begünfti'gen nodj fdjledjte SRalj* rung unb biJOictnifcfje SBerhältniffe, (Erfüllungen, ©iätfetjler (namentlich ber ©enufj unreifen DbfteS) unb überhaupt alles, was ©armcatarrlje mit ©iarrljöe ober SBerftopfnng herüorjurufen im Staube ift, ben AuSbrudj ber Ärantljeit. ©iefelbe richtet beSljalb oft in ©arnifonen, ftelblagern, ©efiingniffen unb bei einer .fningcrSnotlj grofje SBerwüftungen an. Symptome unb SB er lauf. £ie 9iubr beginnt mit 9lbge= ffblagenbeit, Slppetitlofigteit, fieber (unb Sdjüttelfroft), unorbentlidjem Stuhlgang (meift ©iarrpöe) unb bie ihren Sip in ber linfen ®armbeingrube haben. £>ie Stublentleeruugen, bie anfänglich noch fotbig finb, nehmen halb eine eigentbümlidje fdjleimige Söefdjaffenheit an (bisweilen ift ber Sdjleim noch mit harten Äotbftüdd)cn untermifdjt) nnb gefdjeben nur in fleinen Stengen unb unter heftigem, Stuhl* jwang. ©ie Traufen finb oft genötl)igt, alle SBiertelftunben 31t Stuhle 311 gehen. ®a$u gefeiten fidj folgenbe Symptome ober einzelne berfelben: SBerfallen beS ®efid)tS, trodene, belegte Bunge, Auftreibung beS Bauches, trodene unb raupe £>aut, erhöhtes fieber, Unruhe, Sßhautafireu, ®e- wufjtlofigteit unb Krämpfe, ©er Stuhl beftel)t nur in eiterigem Sdjleim (weijje SRuhr) ober in Sdjleim unb S3lnt (rotlje SRuljv) ober in jauchiger Scaffe (branbige SRuljr), Ijat einen eigeiitljümlidjen, aafigen ®e= rudj nnb wirb mit ber Beit immer bünnflüffiger. Bebe Stuljlentleerung ift mit heftigen ©idbarmfrämpfen berbunben. Auf bein §öljepunft ber wirb and) bie (Entleerung beS jept bunteifarbigen unb fparfamen 511 UrinS (djmerjpaft. (ES (teilen (idj and) nod) Uebelfeit nnb (Erbrecpen ein, ber wirb(d)wad), nnb Tiarrpöe wed)felt mit Verftopfung ab, weid)' Untere bei ©trictur (Verengerung) beS TitfbarmS aiipaltenb feinfann. $n milberen fällen tritt burdjfdjnittlid) Dom 6. bis 8. Jage Vefferung ein, bereu erfte ©pmptome 9?ad)lafj beS ftieberS nnb eine Umwanblung ber gallertartigen (Entleerungen in totppaltige (inb. Tie ©enefnng erfolgt langfam nnb ift oft eine nnüollftänbige ober trügerifdje, benn in biefem ©tabium geljt bie $rantpeit leidjt in djronifdje 9i'upr über, nnb ftirbt ber Patient an biefer boep nod), ober er bat jahrelang ober für immer baran ju leiben. Verläuft bie ß'rantpeit töbtlid), fo melbet fid) bas ge« wöpnlicp burd) (Erfalten ber (Extremitäten, (Sdjlutfen nnb 9iad)lafj ber ©djmerjen an, worauf ber Patient ntepr nnb mepr bas Vewufjtfein ber« liert nnb fdjliefjltd) ftirbt. Tie Vepanblung erpeifdjt Vettrupe nnb flüffige, leid)t verbau« lidje 9?aprung (©uppenbiät), bamit niept and) ber Tiefbarm nod) jur Ver« bauung perangejogen wirb: warme 9J?ild), ber man $atfwaffer ober bei <5d)Wäd)ejuftänben etwas Vranbp beimifdjt, warme 2lbfod)ungen von ©erfte, $afer, ©ago, u. f. W., mit (Ei abgequirlte ß-leifd)brüpe ober $leifd)« extract (f. <S. 434 nnb 435), weidje (Eier nnb ©eleeS von Tapioca, @ago, u. a.m. (f. <5. 437). , Tie 91aprung i(t aber nur in fleinen Mengen (öfter) ju reichen. ?IlS ©etränf empfiehlt fid) nebenher^alfwaffermilcpambeften Söaffer nnb (Eiweiß (1 (Eiweiß wirb in einem tüdjtig gequirlt). Vei hopem fieber gebe man (EiSftüdrpen ober (Eiswaffel*. @inb im Ve« ginn ber nod) $otpma((en im Tarni angepäuft, fo müffen bie« (eiben burd) ein lauwarmes Sßaffertlpftier (etwa 1| 'ißintS VJaffer) ober aud) 9ticinuSoel (alle 3 ©tunben ein (Eßlöffel voll) ober burd) eines ber in 9iecept 91o. 8 angegebenen Slbfüprmittel entfernt werben, hierauf gebe mau gegen bie ©cpmerjpaftigteit nnb baS -Uebermafj ber (Entleerungen (natürlid) nur, (o lange biefe vorpanben finb) baS Mittel in 9i'ecept 9io. 14. ober warme ©tärfeflpftiere, weldjen man (auf 4 (Eßlöffel ©tärfeab« fodping) 10-15 tropfen Saubanum jngefept pat; ift ber SJZaftbarm afft« cirt nnb ber ©tupljwang unerträglid), bann (epe man aber lieber vonfol« djen ab. 2luf ben Vaud) finb warme Vreiumfd)läge ober mit ein paar tropfen Terpentinöl befpripte, tüd)tig auSgerungene SBarmWaffer« umfepläge ju legen. SBerben bie @d)merjen baburd) nid)t gelinbert, ober ift ber Seib anfjergewöpnlid) empfinblid) gegen Truef, (o fepe man ((Er« waepfenen 10-20 <Stücf) Vlutegel auf ben Unterleib. Vei pöperen ©raben ber 9?upr gebe man (tatt 9iecept 9?o. 14 (Ealomel mit Opium (f. 9?ecept 9to. 15). Tritt bei fortgefeptem ©ebrand) beS (Ealomel <Speid)el« fluB (Salivation) ein, (o ift bas ©pinnt allein, b. I). | ©ran Opium« tinctur in (d)(eimigem ©etränl ober in einem (d)Wad)en Slufgufj (Snfufutn; 512 f. £>anßapotßete) Don 53red)Wurjel ju geben. 53ei ßeftigem fßmptomati* fdjem (Erbrecßen Derabreicße man fleine Quantitäten Sobawaffer ober (alle 5-10 Minuten) (Eißpillen, auf welcße je 1 Stropfen Qpiumtinctur (£au* bamim) geträufelt mürbe. 53et djroniftßer 9?ußr finb, jumal wenn ber Stußljmang uadjgelaffen ßat, Älpftiere mit crßftallifirtem falpeterfanrem Silberojpb ober fcßwefelfaurent 3inf (oter Wegen beß großen Sdjabeuß, ben folcße $lpftiere anridjterttonnen, nur Dom Slrjte) 31t Derabreidjen ober, wenn bie (Entleerungen übermäßig unb mit 53lut Dermifdjt finb, bie oben genannten Älpftiere Don Störte unb Saitbanum 31t geben. (Erfolgt bie (Ertrantung in einer niebrig gelegenen, ßeißen ®egenb, fo bringe man ben Patienten fdjleunigft nacß einer tüßlen, ßodj gelegenen ®egenb. 5Bäß* renb ber 9teconDaleßcenj feße man fid) Dor, baßmannidjt 31t früß fefte unb fdjwer oerbaulidje Speifen ißt, unb trage man ftetß eine £cib= binbe auß fylanell. SDie 53 0 r f i d) t ö m a ß r e g e In gegen bie 5lnfte(fung mit ber 9tußr befteßen im 53ermeiben ber oben angegebenen Urfacßen unb ©elegenßeitß* urfadjen ber §itje, fcßlecßte 9?aßrung, ©iätfeßler, u. f. w.). $ßie bei ber (Eßolera (f. bort) finb bie Stußlentleerungen, bie 53ettfd)üffeln refp. Stopfe, bie (Elofetß, Veäfdje unb über* ßaitpf alle§, waß mit ben Stußlentleerungen beß tonten in Verüßrung tommt, fofort ju beßiuficiren, unb baß tontenjimmer ift täglich gut ju lüften (f. S. 422 u. ff.}, 9t ec e p t 9t 0. 14. fiocbe 1 Scruple (20 ©ran) in 1Sßtut SEßaffcr ab, feilje burdj unb mifcbe mit 20 ©ran Saubanum unb 3 ©rahmen SRoßntopffuru)). ©aoon flieb Srmadjfenen alle 1-2 Stunben einen Stöffel unb flinbern in berfetben 3eit einen Sbeelöffel toll. 9? eeept 9? 0. 15. 1 ®ran Galomet unb | @ran ©pium alle 2 Stunben (für ©rmaebfcnc). ©abei finb 9Ibenbß je 5-10 ®ran ©omer'fcbeß ipulner neben. (SBci eintretenbem <Speidjelftuf; ift baß Salome! fofort meßjulaffen; f. oben). ©ie SKaloriafieber (Malarial Fevers) finb rein miaßmatifdje, enbe* mifeße, bißiueilen epibemifd) anftretenbeOnfectionßfrantßeiten; ißr $rant* ßeitßteim (ein •UJiaßma ober eine Malaria) tann Weber birect (wie ein dontagium), nod) inbirect (wie baß ber miaßmatifcß*conta* giöfen burd) Vermittlung Don 5ßaffer, Suft, n. a. m.) Don einer 55ßrfon auf eine anbere übertragen, nod) tann eß burd) inficirte 'ißerfonen Derfcßleppt werben. SCaß SD?iaßma ber W?ala* riafieber wirb nidjt in einem angeftecttenQrganißmußreprobucirt, fonbern nur in beftimmten ©egenben erzeugt unb nur bort alß natürlichem Vrobuct auß ber Suft ober mit bem 5ßaffer ober ber 9?aßrung in ben menfdjlifßen Körper auf genommen. 5Ser alfo in einer fieberfreien ®egeub an 3)ialaria leibet, ßat fieß ben $eim ber früßer in einer geßolt, unb niemalß braueßt ein 9J?afariatrauter beforgt 3U fein, baß burd) ißn 513 S;emanb angeftecft, ober bie verfdjleppt wirb. £>a« Jöefcn be« 9}tia«ma« ber DJialariafieber ift nodj uubefannt. So viel ift aber fidjer, ba£ feine (Sntwicflmig burd) bie Vegetabilifdjer Subftanjen bei einem gewiffen SÖärme* unb bebingt wirb. Malaria* fieber fommen be«ßalb nie in ben falten 3ouen vor, fonbern finb auf ein ©ebiet, ba« vom 68° nörblicßer nnb 57° füblidjer Breite begrenzt wirb, befdßränft. Siu« gleidjem ®runbe ßerrfdjen Sttalariafieber feßr feiten in ©egenben, bie 2500 ftnß unb meßr über bem Wieereßfpiegel liegen, unb treten meiften« in 9?ieberungen auf, Weldje am SJieere unb au glüffen ge* legen finb, unb jwar mir in ben ßeißen Monaten, in benen in ben Sümpfen öegetabilifdje Subftanjen unter ber (Simvirfung ber Spanne unb Vnft in übergeßen. Sföirb ba« baburd) Verßinbert, baß bie 9iiebernngen refp. Sümpfe in $olge ju großer §iße au«trocfncn ober einen ßoßen SBafferftanb ßaben, weid/ letzterer bie 'ißflanjen bebetft nnb fo vor (Sin- wirfuug ber SBärme unb Vuft bewaßrt, bann entwickelt fid) and) fein 3)?ia«ma, unb bie in anberen (]aßren fid) regelmäßig einftellenben 9J?aIa* riafieber bleiben au«. £3efonber« ßeinigefudjt werben ©egenben, Weldje jäßrlidj überfdjwemmt werben nnb von biefen wieber ßauptfädjlidj bie wo Sümpfe in ber Dläße be« DJleere« liegen, unb burd) ba« Uebertreten be« H)?eerwaffer§ (bei ftarfem SBinbe ober ßoßer $lutß) eine ÜDZifdjung biefe« Saffer« mit bem Süßwaffer be« betr. Sumpfe« ftattfin- bet. X)a« erflärt fiel) baran«, baß burd) bie lleberfdjwemmungen viele vegetabilifdje Subftanjen Ijerbeigefdjleppt werben, unb baß Seewaffer- pflanjen im Süßwaffer refp. einer IDiifdjung foldjen Gaffer« mit See= waffer überhaupt uidjt geheißen ftmneii, alfo in biefer WHfdjnng abfterben unb verwefen niüffeu. £)ie £OiaIariafieber fommen and) in troefenen ©egenben vor, aber mir wenn bie •SBebingungen jur (5nt® Wid'lung be« 2)?alariagifte« baburd) gegeben finb, baß fid) unter bem trodc' neu, burd) bie Söärme riffig geworbenen (Srbboben viel ©runbwaffer refp. unterirbifdje Sümpfe befinben. ®ie IDialariafieber treten and) ßäiifig an foldjen auf, au weldjen lange fid) felbft überlaffener hobelt ju kanten (j. Sanal= unb $eftung«bauten) aufgeriffen, ober uncnltivirte« Vanb ober Sßalb urbar gemadjt wirb, weil and) bei biefen ©elegenljeitcn angeßäufte abgeftorbene SSegetabilien bloßgelegt unb ber (Sinwirfung von Sßärme unb Vnft, b. I). ber $erwefung, au«gefeßt werben. £)a« Malaria* gift, ba«, wie fdjon gefaßt, nidjt burd) verfdjleppt wirb, fann aber burd) bie ßuft bejw. ben Sßiitb (aber mir in befdjräiiftem 9)laße, etwa 5 Steilen weit) unb burd) $füffe, Weldje burd) DJlalariabiftriete fließen, nad) anberen ©egenben gebradjt werben. Slnbererfeit« bilben breite Gaffer- flädjen, unb Kälber ober fogar mir Steinmauern ©renjen, weldje ba« (fid) naße bem (Srbboben aufßaltenbe) DJialariagift nidjt überfteigen 514 tann. (SS Verfd)ont Weber eine Diaffe, nod) ein Sliter ober ©efcpledjt, wopt aber finb bie langjährigen non SRalariagegenben für baS ®ift Weniger empfänglich, als neu §erbeigefommene, weldje fiep nod) nicht atflimatifirt haben, ferner präbisponiren für bie Skalariafieber: Körper* fcpwäcpe nnb (Slnämie), geiftigeSlufregungenimb Ueberanftren* gung, (Srmübung nnb junger, wirb bie Dluftedung mit fDia* lariafiebern and) baburdj, bah man in feuchten, niebrig gelegenen ober jn fepr befepatteten Käufern woljnt, im freien, in feud)tem ober in (Srbgefdjoffen fdjläft, nach grober (Srpipung plötjlid) abgefül)lt wirb ober fid) fengenben ©onnenftraplen längere £eit auSfept. ©aS SRalariagift tann, gleichviel ob bie betr. fd)on einen burdjgemadjt hat ober nicht, geraume 3eit im Körper latent bleiben. ©arauS erflärt fid), bah teilte, Welche früher an einem SRalariafieber litten nnb bann nach einer fieberfreien ®egenb jogen, nod) in biefer nad) Oapren wieber Sin* fälle haben, nnb bah ßeute, weldjein einem fDialariabiftrict nicht vonbiefen fiebern peimgefnd)t würben, 311m an einem fDi'alariafieber ertranten tonnen, nad)bem fie in eine fieberfreie ©egenb verwogen. a) © a S e i n f a d) e, falte i n t e r m i 11 i r e n b e fieber ober 2Ö e d) f e l f i e b e r. (Simple Intermittent Fever, Ague, Chilis and Fever.) ©pmptome nnb Verlauf. ©iefeS SRalariafieber tann nach einem unbeftimmten OncubationSftabium bnrd) ein 6 bis 8 ©age anhalten* beS Sßorläuferftabium eingeleitet werben. SÖäprenb biefer fid) Patient matt nnb abgefdjlagen, er hat feinen Slppetit, einen bitteren ©efdjmacf im SfRunbe nnb (in ber ©tirngegenb), bie $unge ift in ber DJHtte gelblid) nnb an ben fRänbern weih belegt, ber Urin ift reid)lid) nnb pell nnb 9iad)tjeit ftellt fiel) reich5 lid)er ©d)weih ein. darauf beginnen bie o£i)Smen), weldje bnrd) fieberfreie 3ll1ifcI)enrännie (Slpprejrien) non be* ftimmter datier von einanber getrennt finb, b. !)• periobifd) wieberfepren, nnb in je brei «Stabien verlaufen. £)aS erfte berfelben ift (faft immer) baS fVroft ftabinm. ©er fßatient empfinbet mepr ober weniger heftiges ftroftgefüpl, verbnnben mit 3roftfd)auern, @d)üttelfroft ober fogar ttappern nnb 3>Uern beS ganzen Körpers. ift mit „®änfepaut" bebetft, §änbe nnb Flügel erftarren nnb werben blau, baS ®efid)t ift bleid) nnb eingefallen, bie Singen eingefiiiifen, nnb ber Urin reid)lid; nnb bunfel; bagu gefelleu fiep heftige rafd)er nnb harter S?ulS, fepr be= fd)leunigteS Sltpmen, geiftige Uurupe ober ©elirien nnb mitunter, wenn man furj vorher Slaprung ju fid) genommen patte, (5rbred)en. fDHhtman 515 tue Körperwärme beS Patienten (in ber 2ld)fel, bem SOhtiib ober bem Elfter), fo finbet man biefe trop bet an bet ©berfläd)e beSKör* tperS erhöht (fdjou fieberhaft). Stuf biefeS Stabium, welches einige 9J?inu= ten bis ju mehreren (etwa 3-4) Stuiiben bauern fann, folgt baS jweite, baS £) i h e ft a b i n m. TaSfelbe bauert von | bis 311 mehreren (2, aber and) 12) Stuiiben. '»ßulS uub Temperatur fteigeu, nadjbem bie fdjauer nadjgelaffen haben, unb ber Patient mehrmals bie fid) von beu ßjctremitäten aus auf ben 9iumpf erftrecten, gehabt hat. Tie £n£e ift enorm, and) bie §aut ift IjeiB wb rotl), baS®efid)t gliitl), bie Blutgefäße beSfelben uub am £)alfe fdjlagen heftig, ber $opffd)merj wirb uod) uuerträglidjer, ber Turft ift groß, ber Urin bunfel uub fepr fparfam, uub bie SIthmung fehr befd)leunigt; ber Patient ift aufgeregt uub belirirt oftmals. Tarauf folgt baS Sdjweifjfta bi um, bas von 1 bis 2 Stuiiben Währt. 9Jiit bem Siufen beS ß-ieberS bridjt Schweiß aus, unb juerft an ber Stirn unb in ben 2ld)fell)öl)ten. Unruhe unb Schmers (affen halb nad), uub ber Kraute verfällt in einen ruhigen Schlaf. $n tiefem Stabium fließt ber Urin wieber reidjlid) unb hat, wenn falt gewor« ben, einen siegelfarbigen 33obenfap (von harnfaiiren Salden). Tie einjek uen Stabien beS 2Öed)felfieberS treten jebod) iiid)t immer fo ausgeprägt auf. bisweilen fällt and) ein Stabium gauj aus, uub in feltenen fällen beobadjten bie Stabien uidjt bie angegebene Reihenfolge. So fann 3. 33. baS groftftabium ben fdjließen, anftatt ihn 31t eröffnen; bei Kinbern wirb ber bann manchmal burd) Krämpfe eingeleitet. 33ei bem Sßedjfelfieber fdpvillt ftetS bie DJiilj an, unb tanu biefelbe, wenn viele Unfälle ftattfinben, eine ganj enorme ©rüfte erreidjen unb in ber §o(ge and) behalten. 9lad) bem Sdpveißftabium erivadjt ber Traufe abge- •fel)en von einer hoepgrabigen W?attigfeit meifteuS jiemlid) wohl; mitunter freiliit, befouberS bei längerer Tauer ber $ranfl)eit, hat ber Patient auch in ben fieberfreien 3wifd)enräumen ein uubeftimmteS belegte 3unge, aufgetriebeueu £eib, unregelmäßigen Stuljlgaug unb gelbe unb ftellt fiel) jur leicpteS fieber ein. 3eptereS verfdjwiu- bet bei lauge auhalteubem £ßed)felfieber mandjmal aud) garuidjt mehr, fo baß baS Sedjfelfieber bann in baS remittirenbe fieber (f. weiter unten) übergeht. So lange baS aber nicht gefd)iel)t, b. h- fo lange bie Ärantljeit noch ein intermittireubeS fieber (Söedjfelfieber) ift, tritt, wie fdjou erwähnt unb ber 9?ame ber Trautheit befagt, nadjjebem $ieberanfall ein fieberfreier 3^'iil'hearaiim von beftimiuter Tauer ein. 3e nad) ber letzteren refp. bem 9tl)pthmuS, in welchem bie Sieberanfälle auf einauber folgen, unterfdjeibet man aber verfdjiebene formen beS 2Bed)felfieberS. Lepren bie Einfälle täglich wieber, fo nennt man baS fieber Cuotibiaiu fieber, lehren fie einen Tag um ben anberen wieber, Tertianfieber, unb 516 Wenn 2 fieberfreie Jage jlvijd)en ben Slufällen liegen, Quartanfieber; uiandje 9lnfälle lehren erft in fieben ober mehrmals fieben Jagen ivieber, unb bei manchen ß-ieberformen erfolgen je Unfälle täglich ober an bem betr. Jage, an meldjem bei ben anberen fiebern ber eine 2lnfall ivieber? jitfel)ren pflegt. 2(in Ijäufigften ift in ben 23er. Staaten bas Quotibian? fieber (mit einem Einfalt), ber fiel) gewöhnlich borgens einftellt, mäljrenb bie 93aroyl)Smeii ber Jertiam unb Quartanfieber burd)fd)nittlid) Mittags bejiv. 91acl)mittagS ober 2lbenbS ftattfinben. b) 'ißer 11 iciofe Sßedjfelfieber. (Pernicious Fevers.) QaS gelvöhulidje Sßedjfelfieber nimmt nur feiten einen üblen 2luS? gang, es fei beim bei ober fepr alten ober gefdjmäcljten $inber, iveldje jn Krämpfen geneigt finb, befommen häufig im $roftfta? biiim ober bei SBegfall beSfelben vor bem §i£eftabinm eine 2lrt epileptifdjen SlnfallS (f. oben), ber mitunter in eine allgemeine unb mit bem Jobe enbenbe übergeht, unb bei alten unb fehl' gefd)iväd)tcn -Snbivi? buen liegt immer bie (Sfefaljr ualje, bajj ber 9ieftiprer Kräfte bürd) ein ein? faches Sßedjfelfieber erfdjöpft ivirb. (SS giebt aber and) gefährliche („perni? ciofe") Sßedjfelfieber, bei benen bie StraiifheitSerfdjeimmgeii feljr intenfiv ober feljr anpaltenb finb, unb ju benen fiep and) ernfte (Somplicätionen anberer Qrganc gefeiten, unb foldje perniciofe Sßedjfelfieber hoben nidjt nur bei Ambern unb alten ober gefdjivädjtcn fonbern and) bei fonft fräftigen Sßerfonen oft einen töbtlidjcn SluSgang. £nerl)er gehören bie gälte, in iveldjen baS gieber nicht nad) 6-10, fonbern erft nad) 24 Stuubeu ober nod) fpäter aufhört, iinveld)en bieSJHh berartig anfchnullt, bap bereu Zapfet in ivetdjen ber fyroft eine folcpe §öl)c erreidjt, baf; ber 23lntnmlauf geftört ivirb, ober in iveld)en fiel) gefährliche (Sompli? cationen einftellen. finb: 23lutüberfüllungeii, 231utergüffe, Gut? unb 23erftopfungen ber £>aargefäfje mit biefe Complicationen rufen mannigfadje bösartige Symptome hel'öor, wie iväfferige JranSfiibationen im Qarmcanal (unb 23luteiiibicfiing, Ivie bei ber (Spolera), Qarmbliituiigen, 23rond)itiS, (Silveifc unb 231utl)arnen, in a. m. Qiefe (perniciofen) 2Jed;felfieber finb vorjugSiveife in ben Jropcn heimifd) unb fonimen in ben 23er. Staaten l)(mptföd)lid) in ben fnnipfigen SUieereSs unb beS SübeuS, aber and) im ganzen SDiif? fiffippitpale bis nad) St. VoniS hinauf vor. Sie haben Verfcbiebene 9iameu, je nad) beit ©egeuben, in meldjeu fie l)errfd)en (j. 23. SDiiffiffippi? fieber) ober nach 2lrt ber (Somplicatioueu (3. 23. Congestive Fever). 517 c) S a r v i r t e S B e d) f e 1 f i e b e r. (Dumb Ague). Turd) mit SNalaria werben mandjmal ftatt eines Bedjfel« fieberS Neuralgien ober feltener aubere Ä'rantljeitSerfdjeinungen (Säljmun« gen, Krämpfe, Debeme, pfpd)ifd)e Storungen, u. a. m.) Ijervorgerufen. /Tie Slnfälle biefer Symptome finb burdj regelmäßige Bntermiffionen von einanbcr getrennt, ineldje ben eines tppifdjen BedjfelfieberS entfpredjen, unb geben fid) burd) iljre regelmäßige Bieberfeßr nad) gefünbe« reu Btoifdjenräumen als Birtlingen beS DNalariafieberS ju ernennen. 9Nan nennt foldje anßergeivölpilidje folgen ber »ertappte ober larvirte Bedjfelfieber ober, wenn fie fid) neuralgifd) äußern, Woßlaud) periobifcße Neuralgien (Periodic Neuralgies). d) T a S r e m i 11 i r e n b e fieber. (Remittent Fever.) S 1) m p t o in e nnb Verlauf, Tiefe $orm SNalariafieber unter« fdjeibet fid), wie fdjon furj erwäßnt mürbe, Von bem Bedjfelfieber paupt« fäd)Iid) babttrd), baß baS fieber anljalteub ift. Slud) bei ben remittirenben ober nadjlaffenben fiebern [teilen fid) bie $ieberanfälle 311 beftimmteii Stunben, nnb jwartäglid), ein; nadjbem ber (eigeutlidje) SInfall vorüber ift, folgt aber feine 51pl)repie, fonbern baS fieber befteßt in fd)Wädjerer Beife fort, um TagS barauf fid) bei einem neuen Zufall mit notier Äraft Wieber einjiiffelleit. Tie fonftigen ÄrantßeitSerfdjeinungen beS remittirenben gieberS finb bie folgenben: tritt ber erfte fyieberanfalt plößlid) mit Sdjüttetfroft ein, wojit fid) Sdjmiubel, Slppetitlofigfeit, Uebelfeit 1111b Sd)Iaflofigteit unb faft immer and) ©iarrljöe unb gelblidje Färbung ber £>aut gefeiten. Nad) 4 bis 12 Stunben gerät!) ber Patient allmälig in Sdpneiß, unb bie Nemiffion tritt ein, b. I). baS fieber läßt nad). 3eber ber folgenben Unfälle fängt gemößnlid) oljne Sd)üttelfroft an unb bauert ebenfalls 4 bis 12 Stunben. £)ie ganje erftrecft fid) über 3 bis 10 £age, bie ®etbfud)t unb farblofe refp. tßoufarbige Fär- bung beS StidjlS l)ält aber mitunter nod) mod)enlang an; bisweilen gel)t bie Äranfljeit in intermittireiibeS fieber über. - (Sine fdnverere $orm beS remittirenben ift eS, wenn nad) Verlauf non wenigen Tagen bie Nemiffionen uid)t metjr beutlid) marfirt finb, fonbern baS fieber ununter« brodjen anliält. Ter traute üerfällt in Stupor unb Telirien, bie fd)Willt an, bie Bunge wirb trorfeu, unb baju gefeiten fid) gcwößnlid) ®elb« fud)terfdjeinniigen ober Krämpfe ober Spmptome von önngenentjünbung ober TpSenterie. Tie ßranfpeit bauert gewöljulid) 1 bis 2 Bodjen itnb enbet entweber mit Tob ober, inbem fid) wieber beutlid)e Ne« 518 miffionen unb Sdpveifce eiuftellen, mit ©enefung ober getjt in Sßedjfel* fieber über. - 9lod) fdpverer ift bad fogenannte gallige remittirenbe ober nadjlaffenbe fieber (Bilious Remittent Fever), bad bei 9J?alaria*@pibe* mien in tropifdfen ©egeuben mit ausgeprägter ©elbfudjt unb iölutfyarnen auftritt. (Sine aiibere feljr fd)Were Art biefed gieberd ift bad Tropenfieber, bad in verfd)iebenen ©egenben feined SßorfonimenS verfd)icben bejeidjuet wirb (ßljagred', kungle*, u. a. m.). Ter Patient geigt von beginn ber an tiefe unb Neigung ju collabiren (plöplid) ber ßntträftung $u unterliegen). Sind) bei biefer g-orm finb nur Anfangs unbeutlidje 9temiffionen ju bemerten, unb halb wirb bad fieber anpaltenb. Taju tommen in ben einzelnen fällen üerfdjiebenartige @r* näprungd« unb gunctionSftörungen. £D?ilg unb Ceber fdjwellen bebeutenb an unb werben Ijäufig entjünbet unb bereitem, in ben feröfeu Rauten unb bett Zungen bilben fid) entjünblicpe ßjfubate, auf ber äußeren $aut ent* fiepen (f. <S. 492) unb TecubituS (f. S. 427); viele traute werben gelbfüdjtig, bei anberen (teilen fid) 9iafenblnten, 53lutbred)en, ÄBliit- ober (Siweißparnen ober Harnverhaltung ein. ©ewopnlid) erfolgt ber Tob unter Krämpfen ober 23ewußtlofigfeit. e) Allgemeines a l a r i a f i e d) 11) u m. (Malarial Cachexia.) Allgemeines SOZalariafiecpthum tann fid) entwideln, ohne baß ein DJJalariafieber vorangegangen ift. 3n golge ber fcpwadjen 9Jfalaria*3n* fection ober geringeren (Smpfäiiglid)teit für bad Hftatariagift entfielt bann nur ein allgemeines ÄranfheitSgefüpl mit Appetitlofigteit, Uebelfeit, me* tallifdjem ©efdjmacf im Oiuiibe, belegter Bunge, (Sdjmerj unb Trud im Wiagen unb nervöfen ßrfdjeinungen, wie ®d)Winbel, 53eeinträd)tigung bed «Sehvermögens, trennen unb in Hauben unb $üfjen, Sd)merj im unteren Tl)eile beS 9tüdgratSunbben@d)ienbeinen, u. a. m. Ter Patient ift ftetd morofe, abgeftumpft gegen bie unfdjulbigften CebenSfreuben unb fraftloS unb vermutl)et fortwährenb bie Verfdjiebenften Ärantheiten als llrfad)en feined imerträglidjen Bnftaubed. Allgemeines $DJalariafied)tl)um fann aber and) als 9iad)frantheit einer acuten W?alariatrantl)eit folgen. Tie Symptome biefer $D?alaria*$ad)ejie finb biefelben wie bie ber erftge* nannten $orm beS Sied)thumS. And) in biefem $alle wirb bad Tafein bed Patienten fortwährenb burd) ein uiibeftimmteS ÄraiitheitSgefül)l ver* bittert, unb verniutl)et ber Trante (v -03. in B'olge ber SDiilj* unb Ceber* congeftionen) uniinterbrodjeii verfd)iebene (SQiilj* bejw. Ceber*)Ceiben, bie als foldje für ben Patienten uid)t eyiftiren, fonbern mir folgen bed 3ftala* riafied)thumd finb. 519 ©ie 53epanblung aller HJlalarialeiben (mit SluSnapme ber welcpe fiel) als 9iacpfranfpeit eingeftellt fjat; f. oben) ftimmt in ben wefentlicpften fünften überein: HMan pat wäprenb ber $ranfpeit alle 93orficptSmaßregeln (f. weiter unten) ju befolgen, Welcpe ben ©efunben vor n)?a(aria*3!ufection fepüpen fallen, unb in allen gälten giebt es nur eine juverläffige Slrjenei: Spinin. - Sßäprenb ber «Stabien beS ein* f a dj e n 2S e d) f e l f i e b e r S verfapre mau folgenbermaßen: 9iad)bem ber Patient nad) Eintritt beS ju Söett gebradjt worben, reibe mau ipn (im groftftabium) mit einem glanelllappen; bem Straiifen gegen ben groft große Mengen peiße ober erregenbe ©eträufe ju reidjen, l) i l f t n i cp t, ift alfo unnüp. Srregenbe ©eträufe unb bas Sluflegen von war* men Umfdjlägen ober ©eufpflaftern fiub nur augejeigt, wenn bie Strafte beS Patienten auffallenb nadjlaffen. . 3m tö i p e ft a b i u m paffen füpleS 53erpalten, leidjte -Söebetfnng, reidjlicpe 3UM)V falten ©etränfS (Sitronen* limouabe) in fleinen Portionen, falte ?lbwafd)ungen unb bei peftigen Sou* geftionen jum ©epirn SMtwaffer* unb @iSumfd)läge auf ben Stopf» 3m ® d) w e i ß ft a b i u m bepüte man ben Traufen nur vor Srfältuugen. Dtacp beenbetem @d)Weiß ift bie 2ßäfd)e mit Q>orfid)t ju Wecpfeln unb bie reine SBäfcpe gepörig ju burepwärmen, epe fie angelegt Wirb, ©ie eigentlidpe erfolgt jur 3eit ber SIpprejien mit Spiniu. © i e f e S n ü t nur, wenn e S in ben fieberfreien 3i f d) e n r ä u m e n in g r o ß e u © o f e n u n b j u e i n e r b e ft i m m t e n 3 e i t e i n g e * geben wirb. Srwacpfeue fällten 4 ©ofen bafifd) fcpwefelfaureSSpiuin (Chininum sulfuricum) von je 10 ©ran alle 6 Stunben (alfo 40 ©ran au einem ©age) nepmen unb eS fo einriepten, baß bie lepte ©ofis 4 bis 5 ©tunben vor Eintritt beS eingenommen wirb, ©iefe £3e* panblung ift pödjftenS 2 ©age pinter eiuanber beijubepalten, gewöpnlicp genügt aberfdjon eine volle ©ofis (4mal 10 ©ran an einem ©age), um eine SBieberfepr beS gieberS ju verpinbern. Serben biefe großen ©oben Spiniu nid)t gut vertragen, fo trinfe mau gleid) nadj jeber ©ofis etwas SBpiSfep, ober man nepme (bei (gcpwädje) eine Sßocpe lang täglid) nur 2mal 5 ©ran. St'inbern von 10 bis 15 Verabreicpe man an einem ©age in berfelben Sßeife, wie oben angegeben, 4 ©ofen von je 5 bis 6 ©rau ober, wenn biefe ©ofen niept vertragen werben, eine äßoepe lang täglid) 2maf je 2 bis 3 ©ran. kleineren Äinbern gebe man vor Eintritt beS gieberS eine ©ofis von 3 bis 4 ©ran ober 2 ©ofen von je 2 ©ran, unb jwar leptere berart, baß bie jweite ©ofis etwa 4 «Stunben nacp ber erften unb 2-3 «Stunben vor Eintritt beS eingenommen wirb. Sind) baS bem Spinin venvaubte (fcpwefelfaure) Sindjonin Wirb mit Srfolg angeweubet; bie ©ofis von biefem 2llfaloib ift aber um ben 4. ©peil größer als von bem entfpredjenben (fd)Wefe(faurem) Spiuin, alfo für einen Sr* 520 wadjfenen ftatt 40 ©ran 50 ©ran an einem Sage. Sffiäßrenb ber 3lpßrepie fann ber Sßatient frei ßerumgeßen, befolge aber genau bie unten angegebe* neu SßorfidjtSmaßregeln. SDie ©iät fei an ben Stagen beS Slnfalls eine leidjte, an ben fieberfreien Stagen aber (bei guter SBerbauung) eine träftige. Um ©rbredjen ju vermeiben, Ijüte man fid), htrje 3eit vor Eintritt beS SßarojpSmuS etwas 311 effen. - ©egen leidjteS r emittirenb es fieber verfahre man in äßnlidjer Sßeife ber SBorfidjtSmaß* regeln, ©iät, S'lbwafdjungenmitfaltem Söaffer bei ljoljem fieber unb Süar* reidjung von großen Stofen ßßiuin). - SLie SBeßaiiblung von perui ei* ofen 33edjfelfiebern unb bösartigen formen beS re* mittirenben fyieberS läßt fid) bei ben vielfadjen (Somplicationen unb ben vielen Sßarietäten beS Rebers allgemein nid)t angeben, ß-ür foldje SDlalarialeiben muß ber Slrjt befonbere SBorfdjriften geben, unb ift ber SBerfaffer baju bereit, wenn ein Sefer fid) aus irgenb einem ©runbe uid)t anberweitig ärjtlidjen SRatl) verfdfaffen fann ober will. SDaS©leid)e gilt l)infid)tlid) ber 9Jla(aria*Äad)epie, bie fid) aus einer SDZalariafiebererfran* hing entwirf eit l)at. ÖeßtereS Reiben ift, and) wenn nod) iiicljt (Somplicatiouen bebentlidjer Slrt fid) eingeftelltßaben, nid)t burd) (Sßiniit 311 Vertreiben; biefeS Specificum für alle anberen SDEalariafraufßeiten ift ber genannten Äadjejie gegenüber mad)tloS unb muß burd) anbere (barunter fepr ftarfe) Slrjeneien, wie .SBredjwurj, 3lrfeuif, §i)braftiS (canabifdje ©elbwurjel ober can. ©olbfiegel), u. a. m. erfept werben - aber nur vom Slrjt. $ebod) and) biefe Mittel ßelfen mandjmal nid)ts, unb ift bann eine Teilung ber Äadjepie refp. eine SBefferung nur burd) einen 33ed)fel beS SBoljnortS 311 erreichen. SDie SB or f id)ts maßregeln gegen SD?aIaria*3nfection (unb gegen SBerfdilimmerung ber Ärantßeit felbft) fiub folgenbe: SDian meibe vor allen Swingen 3)lalariafieber*©egeiiben. 3ft bas nid)t möglid), fo nelpiie man wäßrenb ber g-ieberjeit als SBorbeugungSmittel täglid) 2 ©ran ©l)inin ein unb wäljle eine l)öl)er gelegene, troefene, von ben Sümpfen möglicßft entfernte SEßotjnung. Seine Äleibnng regle mau nad) ber StageS* jeit, fd)ütje fid) vor ber tüßleii SIbenbluft ober am fräßen borgen burd) wärmere Kleiber unb laffe S)lad)ts nid)t (befonberSuid)tim bie genfter offen, ©rtältungen, STmrdfnäffungen, ©iätfeßler unb ©jeeffe fiub ftrict 3U vermeiben; ebeufo ber längere Slufentßalt in ber 9?äl)e ber Sümpfe, ber ©enuß von Cbft unb SDlitd), baS -SBaben im freien (befon* berS nad) Sonnenuntergang) unb ßauptfäd)lid) baS Scßlafen im freien. $ann man letzteres nid)t umgeßen, fo lege man fid) wenigftenS nid)t auf ben ©rbboben, fonberu fo ljod) wie möglid) über bemfelben, ba fid) baS SDlalariagift betauntlid), wenn nid)t burd) 2ßinb ober öuftjug aufgewirbelt, bem ©rbboben naße aufßält. Sßaffer aus Sumpfgegenben füllte nie ge* 521 tarnten Werben, unb überhaupt alles £rinfwaffer abgefod)t fein, gebeut Unwol)lfein ift fofort 9lufmerffamfeit zu fd)enfen. Wtan pflanze in ber Umgebung feiner Kalmus, Sonnenblumen ober (SncalpptnS« Väiime (ben in 9luftralien heiinifdjen Eucalyptus globulus), burd) welche baS SUtalariagift ber 9(tmofpl)äre abgefd)Wäd)t wirb, ©er Staat hat bafür ZU forgen, baf? bie Sümpfe ober 9liebernngen trocfen gelegt unb brainirt, bajj alljährlich überfdjwemmte 9tieberungen burd) ©ämme gefdiüpt Werben, u. a. m. $ür ben (5 i n w a n b e r e r ift es, wenn er baS Ueberfiebeln in eine 9J?alariagegenb nidjt Veruieiben fann, ferner fel)r wichtig, bah er bei feinem Eintreffen ol)ne Böflern bie VebenSweife ber Eingeborenen anninunt (f. S. 346 u. f.) ®ift peißt jeher «Stoff, welcher fdjon in Keinen ©ofen fdjäblidj anf ben gefitnben utenfdjlidjen Körper entwirft. VorauSgefept ift habet, baß biefe SBirfung nidjt bie $olge jufäHiger Umftänbe, 23. beS (£tinbeS*A 2llterS, nnb feine rein medjanifclje (wie bie @lafeS) ift. $e nad) ißrer §erfnnft nnterfdjeibct man bie ®ifte als organifdje ober unorganifdje refp. als tpierifcpe, pflanjlidje nnb mitte* ralif dje, W03U ttod) bie ®af e als eine befonbere5Ibtf)eilung fomnien. Wlandje ®ifte werben and) fiinftlid) Ijergeftellt. Nad) iljren Söirfiingen refp. bett ßrftfjeinnngen, tveldje fie an Vergifteten Ijervorrufen, tljeilt man bie ®ifte in äpenbe, betänbenbe nnb faulige ®ifte. ©ie äpenben, r e i 3 e n b e 11 ober i r r i t i r e n b e n (Stifte verleben ober jcrftöreii an ber VeriiprniigSftelle baS ®ewebe nnb erregen peftige Dieijung, fdjnelle (Snt* jitnbung nnb Vranb. ©ie betäubeüben, na rc01if djen, neu* rotifcpen ober Nervengifte tvirfen auf baS Nervenfpftem refp. ©peile beSfelbett, nnb jmar entmeber nnbernatiirlid) erregenb ober läl)* menb. Sie äußern ißre SBirfung im allgemeinen bnrd) 23rennen int £>alfe, llebelfeit, nnb (Srbredjen, Ijeftige Scpnniibel, «SinneStänfcßungen, Krämpfe, 11. a. m. nnb fitßren ben ©ob bnrd) £äl)tnuiig ober Sdjlagfluß Ijerbei. ©iefe ®ifte merben nodj weiter eilige* tljeilt: in ®el)irngif te, weldje bie ©ßätigfeit beS ©eßirnS Ijerab* fepen ober läljmen, in NüctenmartSgifte, Weldje, opne baS Ve* wußtfein ober bie (Smpfinbttng 311 afficiren, Krämpfe nnb ßäßmung l)er* verrufen, in ® e l) i r n r ü cf e n in a r f S * ober r e i 3 e 11 b n a r c 01 i f dj e ® i f t e, welifje reijenb nnb betäubenb 3ttgleid) mirfen, nnb in e r 3 * gifte, welche fpecififd) auf baS nnb feine Nerven mirfen. ©ie 522 fauligen, feptifcßen ober jijmotifcljen ©ifte verfallen in 2:1) i er* unb in 3 e r f e (5 u n g S g i f t c. ®>e i'iifen fänlniß* unb gäl)rungsäljnlid)e 5ßroceffe im Organismus fjemr unb führen jur fault* gen 3erfetjung beS BluteS. Oie „©ift w i r t n n g e u", 23 e r g i f t u it g e n ober 3 «t o p i * cati onen finb ferner örtliche (befonberS bie ber reijeubeu ©ifte) ober allgemeine; letztere finb entmeber von vornherein allgemeine, wobei fofort nad) (Einverleibung beS ©ifteS vom Blute aus eine allgemeine (Störung verurfadjt wirb, ober fie entwicfeln fid) ans urfprünglicl) örtlichen 23er* giftiingen. Oie 3nto£icationen gehören bemnadj nidjt fämmtlidj ju ben conftitutionellen Faulheiten, fonbern nmfaffen and) örtliche Faulheiten, weldje als foldje in Teilung übergehen - ober aber and) ju conftitutio* nellen Faulheiten werben - lönnen (vergl. S. 397 unb 398). Oie 23 e r g i f t u n g e n finb and) als acute unb dj r o n i f dj e ju unterfdjeiben. ©rftere entftehen meift bei ftarlen ©iften, großen 9)?en* gen unb birecter ©inwirlnng, unb treten babei bie 23eräuberungen im Fr* per in {yolge beS ©ifteS fofort ober feljr halb nad) Slufnaljme beS lepteren ein. Oie djronifdjen Vergiftungen unb ihre Stiftungen refp. Sljmptome lommen bagegen nur langfam, nad) häufig Wieberljolter (Einführung ge* ringerer ©iftmengen jit Staube. (El)ronifd)e Vergiftungen finben fid)beS* halb and) oft bei Arbeitern, weldje mit giftigen Stoffen ju Ijantiren haben, j. -V. Ouecffilbervergiftiing bei Spiegelarbeitern, Bleivergiftung bei 2lu* ftreidjern, o§Phori)ergiftnng in 3üv.bl)öljd)enfabrilen, u. a. m. 31t ben Ä Ö r p e r gelangen © i f t e entweber burdj bie unver* letzte §aut ober burdj ben VerbauungS* ober ben SlthmungSapparat ober burd) birecteS Ueberfül)ren in ben Blutftrom (burdj 2tunben ober fiibcu* taue 3vjeetionen; f. S. 452). Ourdj bie unverlepte £>aut bringen j. B. Opium* unb Bellabonnapräparate unb Oabal in baS Blut, wenn fie in übermäßiger SJlenge auf bie £>aut gebradjt werben, ©ifte, welche in ben SJZagen gelangen, werben bort in baS Blut aufgefogeu, oljne weiteren örtlidjen Sdjaben anjuridjten, ober fie werben reforbirtunb wirten jngleid) örtlidj, wie j. B. Sublimat unb Ojalfäure, ober fie richten überhaupt leinen Sdjaben au, b. lj- werben nidjt in baS Blut reforbirt unb wirten nidjt örtlidj (j. B. Kurare unb Sdjlangengift). Oie Sluffauguug gel)t um fo fdjiiellcr vor fid), je weniger im Klagen enthalten ift; nad) einer tüdjti* gen B?al)ljeit erfolgt alfo bie 9?eforption langfam. ®ifte, weldje burdj ben SltljmnngSapparat in ben Frper gelangen, treten fofort in ben Blut* treislauf über. OaS ©leidje ift mit foldjen ©iften ber weldje mit ber (Eirculation in unmittelbare Berührung (burdj 2Öunben ober fnbcntane 3njectionen) treten. Oabci ift freilich uodj fefljnljalten, baß, wie bte Slufualjme beS ©ifteS in baS Blut burdj bie unverletzte §aut, fo and) ber 523 „birecte" Uebertritt beS ©ifteS in baS £3£ut (burd) äßunben unb (Sim fprifcungen unter bie £>aut) „auf Umwegen", b. h* burd) Vermittlung ber Saugabern (Vpmphgefäße), erfolgen fann. Vergiftungen finb manchmal feljr leicht, mitunter aber aud) feljr fdjroer ju ertennen. (Sine acute Vergiftung muß man immer üermutl)en, wenn ein borljer ganz gefunber UJienfd) plöplid) (befouberS nad) ©eiinß einer Speife ober glüffigfeit) unter heftigen unb auffalleuben Symptomen erfrantt, unb eine djronifdje Vergiftung ift anzunehmen, wenn fid) bei Leuten, bie mit giftigen Stoffen 311 fdjaffen haben, beftimmte (Spmptome (weldje bei ben einzelnen ©iften angeführt werben) einftellen. $ebeS ©ift hat feine fpecififcße VMrfung. ©iefelbe (teilt fid) jebod) nur ein, wenn eine beftimmte äJienge beS ©ifteS, bie aber muh ber (Smpfängtidjteit, (Sonftitution ober bem Sliter ber betr. fdjwanten fann, in ben Körper aufgenommen wirb. (Sin ©ropfen oer- bünnte Vlaufäure wirft überhaupt nidjt fdjäblid). 2luf ©runb ber Ä'enut- niß oon biefen baS Seben nidjt gefährbenben ©ofen unb ben VMrtungen al§ „©egengifte" hat bie Sftebicin eine ganze 2)?enge oon ©iften ihrem 2lrjeneifd)at5 einoerleibt. ©iefe OJiebicamente finb mit ben betr. ©iften in ftofflidjer Vejiehung ibentifd), unb nur bie größere ober geringere ©ofiS mad)t einen biefer Stoffe jum ©ift ober jur SIrjenei (Opium, Morphium, Slrfenit, u. f. w.). ©ie VMrfung mancher ©ifte jeigt fid) aber and) bei größeren ©ofen nidjt, wenn bie betr. ißerfon fid), oon Heineren ©ofen ju größeren übergepenb, an baS betr. ©ift gewöhnt, b. I). feine (Smpfänglid)feit für baS ©ift abgefd)Wäd)t hat (Oabat- unb ©piumraudjer, Slrfenifeffer, 2Ilcol)oltrinter, u. f. w.). ©ie fpecififcße V3irfung eines ©ifteS ift mitunter ber eines anberen ©ifteS gerabe unb nennt man biefeS ©ift bann baS „® e g e n g i f t" beS anberen. Unter bem Manien „21 n t i b 0 t a" (©egen- mittel) oerftel)t man aber iiid)t nur bie ©egengifte, Weldje bie fdjon ge- äußerte fd)äblid)e VJirfung beftimmter ©ifte wieber aufjuheben oermögen, fonbern and) alle Subftanjen, welche gegen bie (Sinwirfung ber ©ifte ju oermögen. ©ie VSirfung biefer, nicht ju ben ©egengiften gel)ören- ben 2lntibota beruht in ben meiften fallen barauf, baß fie baS in ben $ör* per eingeführte ©ift burd) ihre Verührung d)emifd) inbem fie baS ©ift einfad) neutralifiren, wie bieS bie 9)?agnefia Säuren gegenüber tljut, ober baS ©ift in eine im Körper unlöSlidje unb barumum fd)äblid)e Verbinbung überführen, Wie 3. V. bie arfenige Säure burd) (Sifenojpb- ober 9J?agnefial)l)brat unwirffam gemacht wirb. Vei ber Vehanblung ber Vergiftungen ift bie erfte unb wid)s tigfte 2Iufgabe, baS ©ift möglidjft frühzeitig oon ber betr. ober aus bem Körper ju entfernen. 3ft baS ©ift in (enteren burd) eine VSmibe 524 eingebrungen (Sßutljgift, @d)langengift, tt. bgl.), fo umfdjnitrc man baS verlebte ©lieb oberhalb ber VJunbe mit elaftifdjen Vinben (f. UnglüctS* fülle unb Verlegungen, GSmardj'fdjeS Verfahren) unb erljalte jugleidjbie Vlntung burd) Ginfdjnitte in bie SBunbe, Gintaudjeix berfelben in warmes Söaffex unb (Sdjröpfföpfe, weil baburd) baS (Gift mandjmal medjanifd) mit bem auSfliejjenben Vinte IjeranSgefpült wirb, ferner feilte bie Vhtnbe burd) 2letjinittel (2le$fali, ©djeibewaffer, (Sdpvefelfiutre, raudjenbe @al* peterfäure, concentrirte Garbolfäure, Salmiafgeift) ober mit bem (Glüljeifen (im fftotljfalle mit einer brennenben Gigarre ober gliiljenben $ol)le ober burd) 2IuSbrennen mit <Sd)iefjpulver) jerftört ober, wenn man biefe Mittel nidjt jur £>anb ljat, mit bem (unverletzten) SJtunbe ober mittels Sdjröpf* topfen auSgefaugt unb fdjliefjlidj mit Saljwaffer, Gffig, ©eifenwaffer, Salmiatgeift ober nur Ijeipem VJaffer auSgeivafdjen werben. OftbaS (Gift burd) ben VerbaunngSapparat in ben Körper gelangt, fo fudje man, j. V. burd) ©arreidjen von Vredjmitteln, warmem SBaffer ober lauer 9J?ildj ober burd) $ipeln beS GtadjenS, Grbredjen ju erregen, ober man entleere ben Klagen mittels ber SQagenpumpe; gleidjjeitig gebe man eventuell audj 2lbfül)rmittel. darauf reidje man (Gegenmittel. lieber biefe- lägt fid) im allgemeinen fagen, bap bei DJlineralfäuren unb Metallen (mit SluS* iialjme von Antimon) Giweip angejeigt ift, wäljrenb bei Antimon unb ben meiften (Giftpflanzen (Gerbftoff (Wodjungen von Xannin, ©eiben* unb Gidjenrinbe, Kaffee, £ljee, Gljinarinbe) aitjitwenben ift. Vei broljenber @d)ivad)e gebe man GrregungSmittel, unb bei ftod'enber 2Itl)nuing unter* palte man biefe tünftlid) burd) metl)obifd)eS .gufammenbriicfen beS Vruft* faftenS. ?eptere§ ift neben ber fyiirforge für gute, reine 2uft and) bei ben Vergiftungen burd) fd)iiblid)e (GaSarten von großer V3id)tigteit. - ©ie-Ve* panblitng von d)ronifd)en Vergiftungen erforbert junäd)ft Vergütung weiterer ?lufnal)me beS betr. (Giftes in ben Organismus unb bann ®räfti* gang beS Körpers burd) leid)tverbaulid)e, naljrljafte Äoft, warme Väber, gute £uft unb fleißige Vewegung im freien. Sljicrifdjc (Gifte. Unter tl)ierifd)en (Giften verfielt man nid)t nur bie „STI)iergifte", b. I). jene (Gifte, weldje von gefunben lebenben £l)ieren (giftigen ©djlamgen, (Scorpionen, SBeSpen, u. f. w.) auf beuSDlenfdjen übertragen werben tön* neu, fonbern überhaupt alle (Gifte, weldje UrfprungS finb unb bem HJlenfdjen gefäl)rlid) werben mögen. GS gehören l)ierl)er alfo and) bie (Gifte, Weldje fid) bei gewiffen in SRenfdjen ober gieren (3. V. Oaudje*, 2Butlj* unb 9iopgift) ober bei ber Verwefung tljicrifdjer @toffe (öeidjen*, Sföurft*, Ääfegift, u. a. m.) entwitfeln. Seziere (Gifte nennt man unb biefe unb bie Sljiergifte finb, wie fdjon 525 oben gefügt, feptifcpe ober jlpnotifdje ©ifte, Weil fieim Vlut fäutniff* ober gäprungSäpnlid)e peiworrufen. 3n gleicher Steife wirten auf baS Ä!3lut unb finb beSpalb ebenfalls ju ben (aber uatürlicp nid)t ben tpierifdjen) ju jäljlen: Sd)WefelwafferftoffgaS nnb bie ans faulenben nnb üerwefenben organifdien Waffen fiep eutwicfelnben ©afe nnb ©ämpfe. Sftandje redjnen and) bie Meinte ber peiten pierper (üergt. S. 464). ©ie tfjierifdjen ©ifte bringen mciftenS burd) Sßunben in ben Körper ein; eine SluSnapme macpen baoon nur $äfe-, SBurft-, Scpinten-, $ifdp nnb SRufdjelgifte, weldje gewöpnlidj in ben VerbanungSapparat einüer* leibt Werben, ©egen letztere ©ifte wenbe man baper jnnädjft Slbfiipr* nnb Vrecpmittel an, wäprenb bei ben burd) Söunben eingebrungenen ©iften juerft bafür Sorge 311 tragen ift, baff fie nid)t in ben Vlutftrom gelangen, inbem man bas oerlepte ©lieb fofort feft umfdjnürt. ©aS gefdjepe mit einem elaftifdjen ©urt (§ofenträger, Strumpfbanb, u. f. w.) ober and), weint biefe nid)t jur Stelle finb, mit einem Stritt ober Sud), Weldje mit einem knebel (gwljftücf) feft jufammengebrept werben (f. UnglntfSfälle nnb Verlegungen). ©ann ift bie Sßunbe, wie oben fd)on allgemein angegeben würbe unb im fyolgenben nocp für jeben einzelnen fyall gejeigt wirb, ju be- panbeln. innere Mittel, b. p. (juberläffige) ©egenmittel refp. ©egem gifte gegen bie tpierifcpen ©ifte giebt eS nid)t. ©aS Vhitljgift, burd) beffen Uebertragung auf Sftenfdjen (nnb Spiere) bie SButptrantpeit, Sollwutp ober V5afferfd)eu (Ra- bies, Hydrophobia) verurfadjt wirb, ift ein, feinem SBefennad) nod) um befannteS, tpierifcpeS ©ift, baS peut3utage oielleid)t garnidjt mepr felbft entftept, fonbern nur burd) ben Vif) eines wutptranfen Spieres (ober mög- lidjerweife and) W?enfd)en) perborgebracpt wirb. Vielfad) wirb freilid) an- genommen, baff and) fetjt nocp baS VJutpgift fid) fpontan bilben faint, jebod) nur in Spieren, Weld)e 3ur Familie ber §unbe gepören (§unb, Sßolf, Sdjatal, ©aS ©ift, baS im Speidjel (©eifer) unb Vlnt wutp« trauter lUienfcpen unb Spiere enthalten ift, unb, um jur VJirfung 31t gelam gen, unter bie ©berpant gebracpt, b. p. in ben Vlutftrom aufgetiommen werben muff, bleibt and) nocp einige nadjbem es eingetrotfnet, ober baS wutpfranfe Spier geftorben ift, anftetfungSfäpig. (Sine Uebertragung beS ©ifteS tatin alfo ftattfinben: 1) burd) Viff eines wutpfranfen §unbeS, SSolfeS, u. f. w.; 2) burd) Viff einens mit ber SButpfranfpeit amgeftecften VJenfd)en ober SpiereS Vferb, (Sfel, QUtiboiep, SdjWein, Äanin- cpen, ©eflügel); ober 3) burd) Verüprung einer wunben §autftelle mit bem frifdjen ober nocp nicpt lange eiugetrocfneten VJiitpgift (3. V. burcp Velecftwerben feitenS eines wutpfranfen SpiereS ober burd) Veritpren eines mit VJutpgift befletften SleibungSftncfs ober ©erätpS). 9?ur oer= 526 pältnißmäßig wenige (T bis 8 ber 9J?enfdjen, weldje von wutp* tränten ©Ijieren gebiffen Werben, erfranfen an ber ©ollwutp. ©aSerflärt fiel) ans jwet (Srünben. (SrftenS fdjeinen viele SOienfdjen für baS (Siftnur in geringem (Srabe empfänglid) $u fein nnb jWeitenS fann baS (Sift, baS burep bie 3äpne in bie 23ißwunbe eingefüprt wirb, bei 23iffen brtrdj Kleiber, ©liefet, §anbfcpupe, u. a. m. oft in bie SBnnbe refp. ben 23lutftrom nidjt einbringen, Weil eS bnrd) bie Kleiber, u. f. w. von ben Bäpnen abgewifept wirb. SBie baS SBefen beS SButpgifteS ift and) baS ber Söutptrantpeit nidjt befannt. SBir wiffen nur, baß es eine immer töbtlidj verlaufenbe, bem Starrtrampf äljnlidje 9?ervenfranfpeit ift, unb baß iljr jebeS Sliter nnb (Sefdjledjt ju allen (alfo nidjt bloS im Sommer) nnb in allen Vänbern finb. Spmptome nnb 23 er lauf. ©er Krantljeit geljt ein .ßmmba* tionSftabium voraus, baS burdjfdjnittlicp nidjt länger als 2 Monate wäljrt, aber and) 9 ober 12 DJconate bauern fann. 3ft bie in eines 23iffeS erfolgt, fo peilt bie SBunbe Vorerft wie jebe anbere SBunbe, nnb pat bie 9?arbe fein befonbereS SluSfepen. (Segen (Snbe beS 3ncuba* tionSftabinmS ftellt fiep aber in ber SBunbe refp. Vtarbe peftigeS kneten nnb ein. 23alb barauf entjünbet fie fiep wieber, fdjmeqt nnb fonbert woljl and) einen mißfarbigen Stoff ab. jBZitunter erftreeft fiep ber Sdjmerj weit über baS (Sebiet ber 2Bunbe IjinauS nnb giept fiep 3. 23. von ber §anb nacp ber Scpulter ober vom Sdjenfel nadj bem guße pin. (Sleidj* zeitig ftellen fiep ein allgemeines KranfpeitSgefüljl (mit Kopffdjmerj nnb bisweilen gröfteln) unb podjgrabige Diervofität ein. (Erfolgte bie 3nfec* tion opne 23iß (burep 23erüpren mit Sßntpgift), fo fallen natürliep jene fpmptomatifepen (Srfepeinungen an ber Sßunbe ober Dcarbe fort, nnb finb baS $rantpeitSgefüpl nnb bie 9iervofität bie erften Vorboten. ®en Patienten verfolgen böfe träume, nnb £agS martern ipn llnrupe, Slugft nnb fureptbare, unbeftimmte (Smpfinbungen, als ob er jetjt feponbaS Taljen beS SobeS füple. (5r ift ernft nnb biifter nnb fuept einfame Stellen auf, wo er vor fiep pinbrütet; feiten, baß biefe Stimmung vor* übergepenb einer freunblicperen madjt. 3Sor allen Gingen ift aber ber Trante im SlnfangSftabium mürrifcp, übellaunig nnb jäpjornig. (Sr fann nidjt ben geringften 2Bibetfpruep vertragen, nnb verfemt ipn biefer fofort in bie größte Slnfregnng nnb SButp. 9?adj nnb nadj maepen fiep aitcp fdjmerjpafte nnb bamit tritt baS Reiben aus bem 53orläuferftabium in baS eigentlidje Sßutljftabium. ®ie Sdjmerjen im §alfe werben jeijt Krampfanfällen nnb biefen gefeiten fidj Sltljemfrämpfe. ©er Kraute pat baS (Sefüljl, als ob er er* würgt würbe ober erftiefen follte. (Sin foldjer Slufall bauert gewöpnlidj von 4 bis 4 Stunbe, worauf ein ber (Srfdjöpfung eintritt, 527 beut jebodj halb wieber einer jener Unfälle folgt. £ie Urfaepen beriesle* reu finb ebenfalls widjtige Spmptome. £)er SButpfrante vermag, obwopt er ftets von großem ©nrft gequält wirb, nidjt 31t trinlen ober überpaupt jn fcplmfen, weSpalb er and) fortwäprenb auSfpudt unb ben W?unb von bent bartn befinblicpen Scpteim 311 reinigen fud)t. Sdjon baS (Srblicfen einer glitffigfeit ober ber ©ebaute an Printen ober ber Slnblid eines glänjenben, an SBaffer erinnernben ©egenftanbeS vermag bie Unfälle per- voqnrufen. ©elingt es bem Patienten Wirtlid) ein paar tropfen mit ®ewa(t pinunterjufcpluden, bann ftellen fid) and) fofort Sticfpuften nnb frampfpafte ein. (Sine weitere widjtige, 31t jenen Krämpfen veranlaffenbe KrantpeitSerfcpeinung btefeS StabiumS ber Sollwutp ift eine außerorbentlidje Ueberreijtpeit gewiffer Servern ®ie (Smpfinblidjfeit ber ift fo groß, baß bergeringfte ßuftjug ober bie leifefte 53erüpr* ung ber §aut (3. 53. burdj fliegen) fdjon bie erwäpnten Krampfanfälle pervorrufen tonnen. 9?id)t minber finb bie ®epör= nnb ®erud)Snerven afficirt, beim ftärtere ©eräufcpe unb ©eriidje (3. 53. von SabafSraud)) Ver* mögen ebenfalls leidjt Krämpfe ju verurfadjeu. Sn Svlge (Songeftion nad) ben 53lntgefäßen beS SlugeS ift and) 9id)tfdjeu vorpanben. $u biefen Symptomen treten nod) öfters wieberteprenbe frampfpafte Sdjließungen beS KeplbecfelS, woburcp jene abgebrodjenen, gellenben Saute erzeugt werben, Weldje vom Saien als „53ellen" bejeidjuet werben, ferner tommen pierct ftetS (Srbredjen, päufigeS Uriniren, raupe, peifere Stimme nnb (faft immer) Mangel an Appetit nad) feften Speifen. 3n Solge ber §a(S' nnb 53ruftbetlemmung tlagt ber Kraute über Sltpemnotp nnb feufjt oft tief auf. (Sr befdjwert fid) über bie 5nft im 3immer nnb verlangt (wegen ber (Smpfinblicpteit gegen 5uft, ©eränfcpe nnb Stiftung) nad) einem buntlen, abgelegenen nnb verfdjloffenen 9taum. §ier verpält er fid) tpeils rupig, bnmpf vor fid) pinbrütenb nnb von fd)retflid)en Slpnnngen nnb Selbftmorbgebanten gepeinigt, tpeils gept er, wie im ©elirium, peftig ge= fticulirenb nnb mit fid) fprecpenb umper, tpeils verfällt er in 5ßutl) ober Xobfucpt. On felteneren fällen pat ber Kraute aber and) nod) oben, in benen er rupig imb peiter mit feiner Umgebung verteprt. £)iefe Intervalle finb freilid) nur von turjer ©auer; halb verfällt ber Patient wieber in WMampolie, 5Öutp ober Xobfudjt. (Sr ver* meint, ©eräufdje ju pören unb ©egenftäube gu fepen, ftößt Scpiiupfworte aus, wirft ©egenftänbe umper ober greift enblicp fid) ipm 9iapenbe tpätlid) an. 53erfolgungSWapu unb ein, biefem unb ber unfäglidjen 5lngft ent- fpredjenber, unwiberfteplicper 53efreiungStrieb veranlaffen ben Krauten namentlidj 311 Angriffen auf feinen SBärter, nm biefen 31t überwältigen unb bann entfliepen ju tonnen. £)abei fdjnappt ber 53ebauernSWertpe nad) ßuft, feufjt tief auf, fletfdjt mit ben 3äpnen, beißt nad) unb fid) 528 felbft. Bittest treten alte tiefe Grfdjeiiutngen häufiger unb ausgeprägter auf, unb eS ftellen fiel) nom Dxürfenmarf auSgel)enbe BähmungS3uftänbe ein. $aum bermag fiel) ber Trante nod) 31t erheben; gelingt es ihm auf« 3iiftel)eii, fo fdpnanft er nur wenige (Sdjritte umher, unb ©tul)l unb §arn werben unfreiwillig entleert. 3n ber Siegel erfolgt ber ©ob am 2. bis 4. ('mitunter aber and) erft am 6.) ©age, ,nad)bem bie erften ©pmptome ber Trautheit fiel) eingeftellt haben. Gntweber gcljt bem STobe ein mehrftiinbi« gor Zeitraum ber Stuße norßer, ober ber Traufe ftirbt in einem krampf« anfalle. ©ie Veljanblung ber Sßutpfranfpeit befdjräntt fid) baraitf, bie Beiben beS Patienten 31t linbern, unb baS geftfjiept bitrd) (Singeben refp. fiibciitane Ginfprißitngen non ©pium, H)lorpl)ium unb (Surare (amerif. Vfeilgift) ober bitrd) (Sinatpmenlaffen bon Sletßer ober Gßloroform, bis ber Traufe rußig wirb. (Segen ben großen ©urftinenbe man Äaltinaffer« flpftiere an. - V?ie gegen bie auSgebrocßene föranfßeit, fo giebt eS and) gegen bereu SluSbrucß fein ficßereS - inneres - Mittel. Sille ©eßeiim mittel, weldje non gewiffenlofen ©uacffalbern 31t biefem 3wetfc ange< priefen worben finb, haben nid)t ben geringften SBertß. Sind) bie oon manchen tüd)tigcn Sterben empfohlenen Slrjencien (3. 53. ©pißfletten« blätter, it. f. W.) haben fid; als erfolglos erwiefen. ©cm SluSbrucß ber fann man nur babureß borbeugen, baß man baS Ginbringen beS SöutßgifteS in bie Vlutbaßn berßinbert. ©aS ber« Icpte ©lieb ift fofort nad) ber •3'nfection oberhalb ber SBunbe (nad) bem (perlen 31t) feft 31t umfdjniiren (bergt. Verlegungen unb UnglütfSfälle). ©atm taffe man bie SÖunbe reidjlid) aitSbluten, inbent man bie fie um- gebeuben ©heile tüdjtig tnetet ober @d)röpftöpfe (f. ©. 455) barauffept; ferner wafdje man cljite Verfd)itb bie Sßunbe mit einer 20proc. Garbol- löfuug aus ober fdjneibe fie refp. bie Ginbritcfe ber ,8ähne beffer ganj aus ober jerftöre bie Söunbe mittels ©lüheifen, brennenber (Sigarre ober glühenber unb fie fd)ließ(id) mit Slehtali. 3ule£tift bieSBunbe mit einer ftarf reijeuben ©albe (Siecept Slo. 16) 3U üerbinben. ©iefe VorbcugungSmaßregeln finb immer fofort, nadfbem man inficirt worben, anjuwenbem ©aS SluSfaugcit einer, non einem wuthfranfen ©fjiere 311- gefügten SÖunbe untertaffe man lieber, ba bie ©efaljr 311 groß ift, baß ber ©augenbe bitrd) irgenb einen fleinen 9iiß an ben Bippen, ber 3nnge ober bem SJlunbe baS Söuthgift in fid) aufnimmt. - lieber baS im 3ahre 1884 non Verfahren 3ur Teilung refp. Verhütung ber Sönthfranfljeit finb heute, nad) 3'ahl'en, bie ?lnfid)ten ber Steifte nod) geteilt. ©aS Verfahren befteßt barin, baß bitrd) lieber« impfen auf ©ßicre gcfd)Wäd)teS unb bann Wiebcr abgeimpfteS SButßgift einem 2)icnfd)eii, ber non einem wuthfranfen ©l)iere gebiffen mürbe, ein« 529 geimpft wirb. Sie betr. 5J?erfon foll baburd) gegen bas bei bem fßiß ein* geführte Stßuttjgift unempfänglich gcmadft werben. Sie 53 orfid)tS maßregeln gegen 3nfection mit Sßutljgift ftimmen 311m Speil mit ben oben genannten 53orbeugungSmaßregeln gegen ben SluSbrucp ber Sßutpfranfheit überein. 3ft ntan von einem £f)iere gc* biffen worben, fo warte man nicljt erft ab, bis (burdj bie Section beS SpiereS) conftatirt worben ift, baß letzteres wutpfranf war. 3;ene SSor* beugungsmittel finb fofort anjuwenben, wenn ber geringfte 53erbad)t vor* liegt, baß baS betr. Spier wutpfranf war, unb jebe 33ißwunbe füllte über* paupt ftetS fogleid) mit 2letifali geäpt werben. Saß ein £ntnb an ber SButpfranfpeit leibet, erfennt man an folgenben ßrfdfeinumgen: 3 m Sin* fangSftabium ber Äranfpeit vcränbert auffallenb fein 33enepmen; er ift halb freunblicl), halb mürrifdj unb halb füll unb traurig, ßr wirb unruhig, wedjfelt in einem fort feine Sagerftelle unb fudjt, weil bie Slug* äpfelgefäße mit 53lut überfüllt finb, unb baS pelle Sidjt ipnen meße tljut, bunf'le auf. Sie Sidjtfdjeu giebt fiel) and) burd) 311 erfen* neu. SaS SBetße beS SlmgcS unb bie (trocfene) Bunge vötpen fiel). SaS üDZaitl ift geöffnet unb wegen ber großen §ipe in WSaul unb 9?adjen leeft ber §unb gern an falten ©egenftänben (Steinplatten, eifernen Oefen, u. f. w.) SaS ®efid)t judt nervös unb fortwäßrenb leeft ober fraßt ber §uub an einer Äörperftelle, an welcher man in ber 9?egel eine 9iarbe finbet. Dladj unb uacp verfällt ber $unb in SinneStäufcpungen. (£r fepuappt (in bie Suft) nad) vermeintlichen fliegen, bellt oljne ®runb, weil er ©eräufepe 31t hören vermeint, u. f. W. SaS Hellen felbft ift fepr djaracteriftifd). Sie Stimme ift raul) unb Ijeifer geworben, unb ftatt in einzelnen abgebrodjenen Sauten 31t bellen, giebt ber Wiitljfranfe £nuib nur einen furjen 9lnfdjlag, worauf er in ein furjeS, IjeifereS, raußeS ©eljeul auSbridjt. ©ie anfänglidje Unruhe beS £mnbe$ geljt in immer größere S3eißluft unb einen unwiberftehlidjen 53efreiungStrieb über. Ser ftärffte Stricf, bie feftefte £ctte wirb jerbiffen ober jerriffen, unb ftarfe unb hohe dauern werben vom tollen §uube jerftört ober überfprungen. Statt nad) ©egenftänben nur 311 fdjnappen, beißt ber §unb jept nach Slitern, wa§ ipm in ben 2öeg fommt, unb jwar in heimtücfifcher Sföeife, b. I). ohne baß er Vorher fnurrt; oft Webelt er fogar beim Meißen mit bemSdpveife. 3:n ben meifteu fällen faufen bie tollen £mnbe mit fo großer S3egierbe äöaffer ober irgenb eine glüffigfeit, baß fie 3. 33. ben eigenen Urin, fobalb fie benfelben entleert haben, auf ber Stelle wieber auflecfen; nur feiten 3eigt fiel) beim £mnbe bie bem wutpfraufen 3ftenfd)eit eigenthümlidjc Sßafferfdjeu. SaS Verlangen nad) fefter 9lahnniÖ ift auffallenb vermin* bert, unb wirb foldje aufgenommen, fo taffen bie .'punbe fie bod) wieber aus bem Sftaule fallen. Sagegen ha&en bie wutljfraufen Spiere faft 530 immer 53egierbe nad) ungenießbaren ober eilen (Stoffen Vumpen, Steinen, ißferbe* ober bein eigenen Äotß, u. f. w.). Jer £mnb magert ab, wirb ftruppig, ftreift, wenn er fid) enblicß befreit ßat, mit ge* fenttem 5topf unb eingejogenem Scßweif (f. $ig. 231) umßer, unb beißt auf Silles ein, was ißm in ben Sßeg tommt. §ält man ißm einen Stod: entgegen, fo beißt er fid) fo feft, baß er mit bem «Stocf in bie £>öße gezogen werben fann. Jie Heißluft ift jeßt jur SRaferei geworben, unb ber tolle §unb jerfleifcßt woßl and) ben eigenen Körper, allerbingS oßne etwas ju fußten, benn bei tollen £>unben ift eine fo große Unempfinblicßteit vor= Fig. 231. Sin an ber „rafenben (£oH=)2ßittlj" leibenber $unb. ßanben, baß fie bei 3üdjtigungen Weber {freien nod) ßeulen; mancße wutß* traute £>unbe ßaben fogar fcßon in glüßenbe ßifenftäbe gebiffen unb bie= felben feftgeßalten, trofcbem fie fid) furdjtbar berbrannten. 3 wirb ber £>unb wieber rußiger, baS SItßmen ift teudjenb unb befcßleunigt, bie borßer funfelnben Slugen finb glanjloS unb eingefunten, bie SRuSteltraft ift erfcßöpft, unb eS tritt Äreujläßmung beS §intertßeils ein, fo baß ber £>unb wie betrunten umßertaumelt unb fid) faum aufrecßt 31t erßalten ber- mag. 3n ber 9tegel am 6. bi§ 8. unb fpäteftenS am 12. Jage nad) beut (Eintreten ber erften ÄrantßeitSjeicßen erfolgt bann - immer - ber Job. SBeber SDSenfcßen nocß Jßiere tonnen bon biefer geßeilt werben. Jie foeben gefcßilberten (Symptome ber SSJutßtrantßeit beS §unbeS finb biejenigen ber „rafenben SButß". bisweilen äußert fid) bie Jollwutß beim £mnbe aber anberS, b. ß. als „ftille JÖutß". Jabei ift ber $unb Wäßrenb ber ganzen füll unb traurig; er jeigt teine Dfpferei, feine Heißluft u. f. w. 423ei ber füllen 2ßutß tritt aber halb eine Säßmung 531 beS UnterfieferS ein; festerer ßängtfcßlaff ßerab, unb aus bem Weit offen fteßenben -©Jaul ragt bie Rillige nad) unten unb fließen reicßlid) (5d)aum unb ©eifer (f. gig. 232). £ro£ ber Sieferläljmuug Dermögen (mit ber „füllen SButl)" behaftete) §unbe aber mit Slnftrengung aller ißrer Kräfte bod) nod) ju beißen. 2)?an fei beSßalb and) bei foldjen §uuben ftets auf ber §ut. 4öei ber „rafenben SButß" finb Äieferläßmung unb 9)htnbfd)äm men refp. ©eiferfluß nidjt üorßanben. ber STollwutß Derbädjtige $unb ift minbeftenS fofort gu ifoliren, unb jwar in einem feften, oben be= betften 9?aum. Oft bie Oollwutß augenfdjeinlid), bann muß ber £mnb ge= tobtet unb ber Gabaoer Derfd)arrt werben. On gleicher SßJeife Derfaßre man bei anberen Xßieren, weldje ©pmptome ber Oollwutß geigen ober Fig. 232. Sie Seitfien ber „ftiHen SButfj". Don einem wutljtranten £l)iere gebiffen worben finb. 20er einen wutlj* füdjtigen Wtotfdjen jn pflegen tjat, paffe ftets anf, baß er fid; nidjt inficirt, refp. nidjt Don bem trauten gebiffen wirb. 9to. 16. 1 ©radjme ivirb forg= faltig mit einer Unje Üerpcntinfaibe (Unguentum digestivum) vermengt. ßefetere ift ein ®emifif) Von Serpentin, SSaumöl, §onig nnb ettvaö ülloe. ©a§ SJliljbranbgift befteljt in mifroffopifdjen Organismen branbbacillen), weldje burd) ßinwanberung in baSS3lut bei bem 9?inbüielj, feltener bei ©djafen nnb <Sd)Weinen ben fogen. SDHljbranb (Morbus Carbuncularis, Charbon) ßerüorrufen. ©iefe Ärantljeit fann auf ben 9)?enfd)en übertragen werben: burd) einer wunben ©teile mit einem trauten Xljier refp. ben Wßiljbranbpnfteln, bitrcß ®enuß Don fyleifd) mißtrauter STljiere nnb burd) beflügelte Weldje baS @ift Don einem an ben deinen, u. f. w. mitnaljmen. 532 Symptome unb Verlauf. ©er Trautheit geht ein {}nciibi> tionßftabinin voranß, baß mir wenige Stmiben, aber and) biß 311 3 Jagen bauern fanu. 2Bäprcnb biefeß Stabiumß fängt bie iuficirte Stelle an 31t jueten mib 311 brennen, worauf fiel) halb eine miifdjriebcue, äußerft heftige Gntjünbung entwickelt, miß bereu DJiitte ein 231äßd)en mit klarer ober gelblidjer Jliiffigfcit hervorfprießt. ©ie Gntsinrbnng nimmt fdjnelt einen braubigen Ghoracter au; baß 23läßtf)en wirb 311m bräunlichen ober liviben {ytecf, mib eß entftel)t ein 23raiibfd)orf, ber von einem rotpen §ofe umge*- bcn ift, auf weid)' letzterem fiel) oft uod) ein Ä'ranj non 23ranbbläßd)en biU bet. Unter bem Srijorfe befinbet fid) in weiter 9(ußbcl)mmg eine öbema= töfe Infiltration beß 23iubegewebeß, unb allmälig entfteljt and) eine GnU gnnbmtg ber benachbarten ©urd) 'ißlaijeii ber cl)cn wirb bie bar in enthaltene 3:aud)e ergoffen, unb werben neue 231afen hervorgerufen. 9?ad)bem biefe Grfdjemungen 6 biß 8 Jage gebauert haben, entwickelt fid) in ber Siegel ein tl)pl)öfeß fieber mit ©iarrl)öe, unb ber Traufe gel)t fdjließlid) 311 ®rmibe. 3m günftigen fyalle floßt fid) ber 23ranbfd)orf unter Gitcrmig ab unb hinterläßt ein gutartigeß ®efd)Wür, Weldjeß mit einer berbfibröfen Siarbe heilt. 23ei ber 23 e 1) unb l u n g beß l)ot man vor allen ©Ingen, wie bei bcn anberen in biefem Kapitel erwähnten Krankheiten, baranf 311 fepeu, baß baß ©ift nid)t in bcn 23lutftrom (refp. bie Säfte* maffe) gelangt. 23erl)inbert wirb baß and) beim SJiiQbranb mir babnrd), baß man bie iuficirte Stelle fofort ober, wenn fiel) fdjon Wiiljpufteln ge-- bilbct hoben, jebe berfelben burd) Sütßbremicn ober Sieben (mit Slepfali} griinblid) jerftört unb barauf mit Umfd)lägeii von (Sarbolwaffcr ober (Sl)lor? taltauflöfimg bebccft. Gin (imicrcß) DJiittel gegen benSJiilsbranb ift nidjt bcfamit. 0 r f i d) t ßmapr c g c In. 9)?aii Ijiite fid) mit milsbraubigen Jhnn'cn ober Gabavern in 23criil)ruug 3U fommen. bie baß- nicht vermeiben fönneii, fällten tragen, bie größte 9ieiiilid)fcit beobad)ten, mit $ctt mib ©el beftreidjen mib biefe, wie anbere mibcbccfte öfter mit Ghlow ober Garbolroaffer reini* gern fid) an bcn ober Sömiben, fo finb biefe burd) §efipflafter ober burd) 23eftrcid)cn mit Gollobium vor bem Ginbrim gen beß GHfteß 31t 3n äpnlidjer Sßeife 311 ver- fahren, weldje mit Sioßhuareu, gellen ober Sd)Weinßborften, bie vonmilj' braubigen ftammen, 311 thmi hoben, beim bie SOHlsbraubbactericn erhalten fid) im eingetroefneten 23lut ober Giter nod)fel)r lange anftecfmigß= fäl)ig. ßn einem Socal, wo berartigeß Material verarbeitet wirb, barf nid)t gegeffen werben. Gbenfo ift ber (Sfcmiß mi(3branbigen J(eifd)eß 31t unterlaffen. ©urd) Äodjen beß $leifdjeß wirb bie 2Infte(fmigßgefal)r Ver- 533 ringert, aber in ber Siegel nidjt aufgehoben, weil baS gleifd) nieift nicht burd) unb burd) gelocht, alfo auch baS Äräutl)eitSgift im ßnnern beS gleifcpftiidcS nicht zerftört Wirb. (gs ift (nach Vud)iier, u. 21.) fehl' wahrscheinlich, bah Flau fiel) gegen bie SJliljbranbbacillen burcl) 3'inpfung (wie bei ben Sßocfen) fdjühen refp. unempfänglich machen fanii. ®aS 9ioi)s ober Vßimngift -Q3ei ben (ginljufern, namentlich bei (gfeln nnb SOlauItljieren, fommt eine anfteefenbe Sranfl)eit vor, Welche je nad) ben ßoealitäten, an Welchen fie fid) bemertbar madjt, verfdjie? ben genannt wirb. $ft fie auf bie Sd)leiml)äute (befonberS bie 9?afen? fdjleimhaut) befdjränft, fo helfet fie 9top, wogegen fie als Vhirm bezeichnet wirb, Wenn fie anbere (vornehmlich bie äußere £>aut) befällt. 2Bie bie Trautheit, gleichviel wo fie auSbridjt, biefelbe ift, fo ift and) il)r (Soutagiiiin, baS je nad) bem £)rt ber £raiifl)eitSerfcheinungen 9lolz? ober Sßurmgift genannt Wirb, in allen gälten baS gleiche, ®aS 2Befen biefeS (gontagiumS ift nod) unbefanut; mir bie SBirtungen beSfelben tennenwir, nnb jwar ruft eS Quoten vonStectnabelfopf? bis (grbfengröße hervor, Welche fpäter aufbredjen, in Vereiterung übergehen unb eine grünliche ober gelb? liehe, mit Vlut vermifdjte Sftaffe abfonbern. £)urdj letztere Wirb bieÄraut? Ijeit and) auf anbere (als bie oben genannten) £l)lere unb auf ■IDienfdjen übertragen, unb fdjeint baS 9cotZ' bezw. VJurmgift nid)t nur burd) wunbe fonbern and) burd) bie unverletzte (gpibermiS unb in golge von (ginatl)mung in ben menfd)lid)en Körper cinzubriiigcii. 2ludj bei bem 3)?eufd)en hQt Ärantl)eit je nad) ihrem Sife Verfcpiebene Dianien, b. I). 9iot3frantl)eit (Glanders) unb V3urmfraiit'l)eit (Farcy). S i) m p t o in e unb Verlauf. §at baS 9toljgift auf eine verlebte §autftelle eingewirlt, fo wirb bieVhmbe nach einem OncubationSftabium von etwa 24 @tiiiibeiifd)mcrzhnft. 3hre Umgebung nimmt einen rotl)' laufartigen ßhewneter an; rotl)e Streifen unb fnotige Stränge gehen von ber Vhtnbe nad) ben näd)ften ßpmphbrüfen, Welche ebenfalls fd)Wellen. Sdjliefpid) fdjwillt ber ganze ertranfte Äörpertljeil öbematös an, unb eS entfielen auf bcmfelben Vranbblafen unb „VSurmbeulen". $11 günftig vor? laufenben gälten bleibt eS bei ber örtlidjen 2Tffection, bie ßiitzünbiing inäfsigt fid), baS ®efd)Wür wirb rein, unb eS erfolgt Teilung, Wäbrenbim uiigünftigen gälte baS Siopgift fid) ber gefammten Vlut? unb Säftenuiffe mittljeilt. (gefolgt bie 2lnftecfung .nid)t burd) eine Verletzte z-V. in golge GiiiathmenS, fo bauert baS .giiciibatioiiSftabium länger unb nad) Verlauf beSfelben madjen fiel) biefelbcu Symptome bemertbar, weldje auf? treten, nad)bembaS burd) eingeführte Diolzgift inbaSVlut refp. bie Äörperfäfte übergegangen ift (f. oben), (gs ftellen fid) bann Sdjüttelfrofte unb gieber unb rl)cuinatifd)e Schmerzen in ben 9)?uSfeln 534 unb ©elenden ein unb entwideln fiel) fogen. an unb in ver# fdjiebeneu STßeiten beS Körpers, nämlicß auf ber äußeren §aut, auf ber Hafern, unb Suftrößrenfcßleimßattt, in ben Sungen, ben 2RuS« lein, n. f. w. Siegen biefe knoten oberflädjlid), fo breeßen fie halb auf unb geftalten fid) ju jadigen ©efdjwiiren mit faudjigem, übelriecßenbem SluS= fluß. ©ie 5?ranfßeit nimmt fdjließlid) einen tppßöfen ßßaracter an, bet Trante belirirt unb ift fdjlummerfücßtig, ber 'iJSiilö Wirb Hein unb frequent, es tritt Tüarrßöe ein, unb ber £ob erfolgt unter geWößnlicß nad) 2 bis 3 SBocßen. milberen fällen jießt fid) baS Seiben länger ßin. (Sine Teilung ber nad)bem baS in baS 93lut überge= treten, ift nod) niemals beobachtet worben. ®ie 93 eß anb lung ber fRoß- refp. SBurntfranfßeit dann nad) bem oben ©efagten nur barin befteßen, baß man einer allgemeinen -Stifection vorbeugt. ©aS ift mir möglich, wenn baS ©ift auf eine SBunbe einge* wirft ßat, unb ift biefe bann fofort auSjubrennen ober mit unb bann mit einem antifeptifdjen SSerbanbe ((Sarbolwaffer) ju be= beiden. SluSfaugen ber inficirten ©teile ift nicht geftattet. 3ft baS 4Blut vergiftet, refp. ftellen fid) tppßöfe (Srfdjeinungen ein, fo ift jebe 4öet)anb* lung vergeblid). ®ie 93 orf id) tSm a ßr eg ein gegen bie fRoß= refp. SßiirntfranH beit nad) gefreßener 3nfection finb bei ber 93eßaublung angegeben Worben. Um fid) vor einer SInftedung mit bem ©ifte ju fd)iiben, meibe man bie 3Beritl)rung rotjfranfer Stßiere ober SD?enfd)en. Xl)iere, Welcfje mit biefer $rantl)eit beljaftet finb, muffen fofort getöbtet unb bie Sabaver fogleid) verfd)arrt werben, ©ie ©tälle unb baS ®efd)irr (®eden, ©atteljeug, it. f. w.) finb barauf mit ©djivefel ju räudfern unb grünblid) (am beften mit 2proc. (Sarbolwaffer) ju reinigen; nod) fixerer ift eSbaS ©efdjirr ganj ju verbrennen, weld)e S0?enfd)en ju pflegen fjaben, follten unbebedte .Sjautftellen nad) jeber 93erüßrung mit bem Traufen mit @l)lor* ober ßarbolwaffer wafdjen. 9?od) fei barauf aufmerffam gemadjt, baß man and) bie 9iäl)e ropfranfer STßiere meiben muß, weil baS ©ift oft von ben gieren auSgefdpiaubt wirb unb fid) bann längere 3eitin ber Suft fd)Webenb erßält. T)aS bilbet fid) burd) von $äulnißerregern ber atmofpßärifdjen Suft (Vibrionen, 93acterien, u. f. W.; f. @. 32) ju um reinen Sßunben unb ®efd)Würen. Sille SBunben finb beSßalb feljr reinlid) jn ßalten*) unb antifeptifd) 311 beßanbeln. darunter Verfteßt mau baS von bem genialen engliftfjen Chirurgen Sifter eingefiißrte SSerfaßren ber *) ©«Bei bürfen feine (Schwämme benufet Werben, Weil biefe baS ®ift refp. Stier in fleh auffaugen unb Bemalten unb fo ßu einer anbertoeitigen SSeranlaffung geben fönnen. 535 Sßunbbepanblung, wober burd) äufferfte SReinlicpfeit unb Anwenbung faul* niffwibriger Mittel (Antifeptica: (Sarbol, Salpcil, u. a. m.; f. S. 33 unb 341) bie gciulniperreger ber atmofppärifcpen Suft üon ber Sßunbe fernge* palten ober wenigftenß unfd)äblicp gemacpt werben. ©efcpiept baß nid)t, fo bilbet fid), wie gefagt, unb burd) baß (Einbringen beßfelben in ben Körper bejw. bie Spmppgefäffe unb ben Vlutftrom tann eß fepr leiept ju einer töbtlidfen Vlutüergiftung burcl) baß tommen (Septicämie; über biefe unb bie f. unter SIBunbbepanblung, Un* glütfßfälle unb Verlegungen). ©aß ßeidjengift, baß fid) in fanlenben tpierifdjen ßeiepen bilbet, bringt entweber burd) Veriiprung wunber §antftellen mit einer folcpen Seidjc in ben menfcpliepen Körper ein ober wirb in biefen burd) Stidje üon 3nfecten, weldje baß ©ift auß einem (Eabaüer fogen, eingefiiprt. ©ringt biefeß ©ift in ben Körper ein, fo füprt eß junäd)ft örtlicpe (Entjiinbungßju* ftanbe ober and) fofort allgemeine Vlutüergiftung unb ben ©ob per* bei. Oft man mit ßeidjengift inficirt worben, fo ift bie betr. Stelle fofort mit (Sffigfänre, Salmiafgeift ober Kalilauge außjuwafcpen unb mit einem Umfd)lag mit 2proc. (Earbolwaffer 31t bebetfen unb baß ©lieb barauf l)od) 311 lagern unb 31t fdfonen. Vleibt ber Äranlpeitßprocep localifirt, fo muff ein SIrjt gerufen werben, ber ben ©ob üielleidjt nod) burd) Amputation (Abfd)neiben) beß ©liebeß abwenben tann. Auß ben Vorfidjtßmafwegeln, welcpe fid) auß bem oben ©efagten l)infid)t= lid) ber Verüprung üon ßeidjen üon felbft ergeben, fei nod) befonberß per* üorgepoben, baff unter ben Vegriff ber leideren aucl) fauligeß gleifd)(j.V. Söilbpret mit haut gout) fallt. 2)iit folcpen paben mitunter $leifcperunb Äöd)e ju tpun, unb muffen biefe barum red)t üorfitptig bei berVepanblung folcpen $leifcpeß fein, unb wenn fiewuiibe Stellen an Ringern unb Rauben paben, biefelben immer mit (Earbolüerbänben bebeeft palten ober anbern* falls fofort nad) Verüprung beß gleifcpeß, wie oben angegeben, ©aß Stplaiigcngift ift bei allen Scplangen bie gleiche, bünnflüffige, gelblicpe, etwaß fiebrige unb entweber gefepmadlofe ober fabe fdjmeefenbe glüffigfeit, bie opne 9lad)tpeil üerfeplueft*) ober auf bie - - §aut gebraept Werben tann; nur bann, wenn fie unmittelbar in beuVlut* ftrom gelangt, Wirft fie giftig, unb jwar, inbem fie baß Vlut jerfeljt. ©ie SBirfungßweife beß Sd)langcngifteß ift aber nod) unbefannt. £Bir wiffen niept, wie bie betr. Ouulmff im Vinte ju Staube fommt, unb and) ben blutjer Stoff im Sdjlangengift fennen wir niept. $n epemifdjer *) A. S- 3etcr 1,011 SJliffourt, SSreljnt u. 91. Bcftrcitcn ba$ unb bcljaußtcn, baf; ®djtangenflift, ivenn in bcn SRagen gebradjt, nod) auffallenbe SBirtungen (3. 33. (Stö- rungen ber ®el)irntl)ätigfeit) äußere. ©ie genannten gorfd)cr geben aber gleid)toof)l ju, baß burcl) SBerfd)lutfen non <Sdjlangengift ba§ ßebcn nidjt crnftlicl) gefäljrbet tverbe. 536 4öegiepimg ift vom Schlangengift bisher nur nacpgewiefen, baß es aus auf gelöften Wmminoiben ift, von benen eines giftig wirft, iinb baß es fiep als Säure verhält, ba es VafmitSpapier rötpet bläut. Tie verfcpieberiartige SBirfung biefeS äußerft heftigen ©ifteS, baS feine fcplimmen ©igenfdjaften nod) jahrelang bepält, naepbem eS eiugetroefnet, ßängt non ber ©röße ber betr. Schlange refp. ber üDZenge beS ©ifteS, non ber Tiefe, $apl unb Stelle ber Söunbe unb von ber Ontenfität beS ©ifteS ab. Septere ift vielfachem Söedjfel nach bein 33efinben ber Schlange, nach ber u. a. m. unterworfen, refp.angefammelt wirb biefeS ©ift in ben ©iftbrüfen ber Schlangen. ■S'ebe foldje Trüfe fonbert nur eine geringe SJJenge beS ©ifteS ab, 3. 33. bie einer 6 $uß langen Klapperfdjlange pödjftenS 4 bis 6 Tropfen; aber fcpoit ein Tpeil eines Tropfens genügt, um baS 33lut eines großen Säugetiers 31t veränbern. Tie ©iftbrüfen liegen auf jeber Seite beS Kopfes unter unb hinter ben klugen. 53on jeber Trüfe wirb baS ©ift burep einen ?(uSfüpriingSgang nacp bent Sßnrjellocp eines ©iftjapneS gebracht, weid/ leptererpopl ift unb oben eine feplipförmige ©effnung pat, burep welche baS ©ift nach bem Villen ber Sdjlange entleert wirb. Tie ©ift;äpne fipen immer am ©ber® tiefer, unb pat eine ©iftfcplange in ber Diegel je einen folcpen 3apn nilf jeber Seite beS ©berfieferS. Runter jebem ©iftsapn fiepen aber nod) meprere Welcpe in ber (Sutwieflnng begriffen finb. Verliert nun eine Schlange einen ©ifoapit, wie baS waprfdjeinlicp and) opne äußerliche Urfache alljährlich einmal ober öfter gefdjiept, fo tritt ber näcpft® folgenbe au bie Stelle beS verloren gegangenen ©iftjapneS. Ter ßefer glaube alfo ja nidjt, baß baS SluSbredjen refp. SluSfallen ber ©ift® jäpue einer ©iftfdjlange ipre ®efäprlid)teit nimmt. Symptome unb Verlauf. 9?adj einem Sdjlangenbiß em® pfinbet baS Opfer gewöpnlid) einen heftigen Scpmerj, juweilen aber aucp mir ein ®efüpl, als ob eS fiep geriet hätte. Tann ftellen fid) (Srmübung unb allgemeines Sinten ber Kräfte (befonberS beS ein unb ge® feilen fiep baju bisweilen llebelfeit unb Erbrechen, gelangte viel ober fepr intenfiveS ®ift in ben Körper, fo verläuft rafdj, eS fommt 311 feiner bebeutenben Schwellung beS gebiffenen ©liebes, unb ber Patient ftirbt in Wenigen (Vielleicht fdjon in 20) Minuten ober nacp ein paar Strtuben. Tritt ber Tob nidjt in fürjefter ein, bann geigen fiep $er3® unb ?(tpituingSftörrtngen in $olge ber (Sinwirfung beS ©ifteS auf bie Zentren ber §et-3® unb StthmnngSnerven, ferner beträchtliches Sinten ber Körperwärme, bläulidje ober gelbe Färbung ber §ant, unregelmäßiger 3?nlS, 9?afenbluten unb ©hnnictl^len ond) Krämpfe ober Telirien. 3n biefem (erften) Stabium erpolt fid) ber Patient mitunter gan3 plöp® lieb; ift baS niept ber galt unb bleibt er gleidjwopl am £eben, fo tritt er in 537 bas 3Weite Stabimn. OaSfelbe fennjeidjnet fidj burdj Veränberungenber Vlutbefdjaffenljeit unb eine allgemeine (Störung ber (SriiäljrumgSvorgäiige in fämmtlidjen ©eweben. OaS Vlut gerinnt fdjwer ober überhaupt nidjt meßt, unb gleichzeitig ift bie Strnctur ber Heinen Vlntgefäße berart Ver* änbert, baß burdj bereu SÖänbe baS (nidjt nießr geriimenbe) Vlut burdj* tritt unb fdjließlidj in baS ©ewebefaft aller Organe einbringt. OieSljmp* tome biefer Vorgänge variiren, je nadjbem baS ©eljirn, baS SRütfenmarf, bie ßungen, bie Veber ober bie Vieren am nieiften afficirt fiiib. Oie V?irf* famteit ber Sinne f'ann in einer V3eife beeinträchtigt fein, baß 3. V. voll* ftänbige Oaubljeit ober Vlinbfjeit eintritt; ober bie Atljmnng ift Ijödjlidjft erfdjwert, ober bie Sdjleimßäute beS AtljmnngS* ober VerbanungSapparatS bluten, ober bie Stuljl* ober Harnentleerungen finb blutig. Oertlidj - in ber 9iälje ber Vißwunbe - Ijat fidj mittlerweile eine große, fdjuier3* ljafte ©efdjivulft gebilbet, Weldje fidj and) auf benachbarte Organe er* ftretfen fann. Vei nugünftigetn Verlauf Verenbet ber Patient unter bumpfer Vewußtlofigfeit ober Krämpfen. Valb nadj bem Oobe gebt bie Veidje in fyäulniß über. Auf einen günftigen Verlauf faiui mau hoffen, wenn ber Oob uadj einigen Oagcn nidjt eintritt. Oie V e Ij a n b l u 11 g einer Vergiftung mit Sdjlaiigengift beginne fo* fort, nadjbem ber Viß erfolgt ift, bamit, baß baS verlebte ©lieb oberhalb ber Vißwunbe (nadj bem Herren 311) mit einem (womöglidj elaftifdjen) Vanb ober ©urt ober knebel (f. oben) fcft umfdjnürt werbe. Oie Vißftelle ift bann entweber gaii3 ober auf3ufd)neiben unb mit bem UJhtnbe an$3ufaiigen. £e£terer barf aber nidjt bie geringfte Verlegung (9lbfdjürfung ober Sßunbe) ljabeu, Weil ba§ ©ift fouft in bie Vljmpljgefiiße refp. ben Vlutftrom be§ Saugenben übertritt! V?irb baS ©ift nidjt au&= gefaugt, fo Ijalte mau, um ffarte Vlutung 311 veranlaffen, bie SBiiube in warmes SSaffer. 3!adj Or. £ßeir DJiitdjell von ißljilabelptjia, einer ber erften Autoritäten auf bem eiiifdjlägigen ©ebiet, ift e§ nuploS, bie Viß= wunbe weiter local 31t beljanbeln. mag e§ fidj immerljin eim pfeljleu, wenn bie SBnnbe nidjt auSgefaugt wirb, auf biefelbe ßljlorwaffcr ober übermanganfaureS $ali 311 legen, ober biefelbe burdj eines ber oben angegebenen Aepmittel 311 3erftören. OaS AuSfdjneiben ber V>unbe ift geboten, wenn fidj bie Vißwunbe an einer n i dj t nadj bem Heiden 31t ab* äubinbenben Äörperftelle (am ©efidjt ober am Diumpf) befinbet. Auf bie Viß* refp. «Sdjnittwimbe fepe man nadjljer Sdjröpfföpfe. Sobaun gebe man bem Patienten reidjlidj Alcoljol (AßljiSfep, Vranbij, u. f. w.), bis fidj ©rljöljung ber Herjtfjätigfeit eiuftellt, worauf ber ©urt ober baS Vanb, womit .baS Verwunbete ©lieb abgefdjnürt würbe, etwas gelodert wirb. Oaburdj erljält ein Vrudjtljeil beS im Körper 3urüdgebliebenen ©ifteS Zutritt in beit VlutfreiSlauf. Sobalb fidj wicber bemerfbar 538 niadft, jiclje man ben ®urt wieber feft an unb gebe abermals ?ll'col)of, ©iefeS Södern nnb Sßieberfeftbinben unter gleichzeitigem ©arreidjen non Sllcohol ift je nad) ber öfter zu nnebertjolen, beim auf biefe- SBeife fann baS (im Körper verbliebene) ©ift abfapiveife befämpft werben. SDian merfe fid) aber, bafs ber SIIcoljol fein (Segengift gegen baS Schlangen* gift ift. Vetrunfene Seute, wenn von einer giftigen Sdjlange gebiffen,. fterben oft. ©er Sllcoljol ift nur ein SDiittel, um baS gefdjwädjte Spftem refp. bie plöplich gefd)iväd)te ivätjrenb biefer Stö- rung aufredjt 511 erhalten. Ilm baS im Körper enthaltene ©ift ju jer? werben (Sljlor im fliiffigen (f. Diecept Dio. 17) ober in gönn von Inhalationen ober von foivie fubcutane 21min ouiaf-3njec= tionen empfohlen, aber, Ivie fdjon gefagt, feines biefer Drittel ift zuver* läffig. Diadj ©r. £D?itd)ell ift im zweiten Stabilem überhaupt nichts zu tljun, als bie Schmerzen zu linbern unb zu warten. Vei gimftigem Ver- lauf ber Trautheit geht ber ©enefung ein längeres Siechtum voraus. SDlitunter I)at ein Vergifteter SJZonate ober felbft 3at)re an ben golgen eines SdjlangenbiffeS zu leiben. 23 0 r f i dj t S m a fj r e g e l n. ©aS £>aupterforbernip, um fid) gegen Vergiftung burd) Schlangengift zu ift, baf) man fid) mit ben gifti* gen Schlangen feines SlufenthaltSorteS unb bereu (Semol)iil)eiten befanut macht, ©abei vergeffe man aber nie, baß bie äußerlich wahrnehmbaren Unterfdjiebe zivifcßen ben giftlofen unb ben giftigen Sdjlangen oft feljr ge* ringfügig, unb baß bie einzelnen (Sjemplare einer unb berfelben Sdjlan- geuart häufig ziemlich verfdjieben gefärbt unb gezeichnet finb. ©er (Sin* wanberer tljut gut baran, in ben erften fahren, bie er in feiner neuen £>eimath zubringt, b. I). fo lange er mit bereu ©iftfcßlangen nod) nicht ganz flenau befannt ift, jeber Sd)lange gegenüber vorfid)tig zu fein. ben V er. Staaten giebt es 10 Slrten von ©iftfdjlaugeii; 9 bavon finb Vipern, weldje zur gamilie ber ©rubenottern (Crotalidae) ge- hören, unb im allgemeinen baran fenntlich finb, baf; fid; an bem fel)r großen, breiecfigen, vom Seibe fiel) abhebenben $opfe jeberfeits ztvifdjen Singe unb 9iafenloch eine tiefe ®rube befinbet, unb bap ber Obertiefer auper ben beweglichen unb im SRuhezuftanb von einer Sdjleimhautfalte bebeeften ©iftzähnen unb ben bal)inter ftehenben feine anberen 3äl)ne hat. ©ie 10. 2lrt unferer ®iftfd)langen ift bie „'ißruntotter" aus ber gamilie ber ©iftnattern (Elapidae). ©ie Vipern ihrerfeitS werben wieber eingekeilt in unb ©reieefsföpfe. ©ie Ä l a p p e r f d) l a 11 g e n (Rattlesnakes) finb an ben klappern ober Diaffeln zu erfennen, Weldje fie am Gnbe ihres SdpvanjeS tragen, ©iefe Diaffeln beftepen aus mehreren (2 bis 20) in einanber fteefenben, horuartigen Äapfeln. 2Bie alle norbamerifanifdjen ©iftfdjlangen ge« 539 hären aucß bie lebenbige 3unge, inbem fie (im Sluguft) (Sier legen, bereu £)ülle bon ben jungen wenige Minuten ttacß ber ®e« burt gefprengt wirb. ©bwoßl fie fiel) jiemlid) ßurtig bewegen tonnen, finb bie träge unb langfame ©ßiere, welcße ben 9J?enfcßett nur in 3luSnaßmefällen unb Xßiere nur bann, wenn fie bereit jur 9?aß« rung bebiirfen, ungereimt anfallen. Seßt fiel) eine Mapperfcßlange jur Weßre, fo rollt fie fiel) borßer auf unb giebt mit ber klapper, weldje aus bem ft'näuel ßeroorfteßt (f. 233), ein WarnungSfignal, baS äßnlicß bem bon einem Sdjleifer ßerborgebradjten ©eräufd) ober bem Gaffeln ber Witfenfamen im (betreibe Hingt. 53on 23reßm unb anberen ftorfeßern wirb allerbingS behauptet, baß baS Gaffeln bisweilen unterbleibt; niemals aber wirb eine beißen, eße fie fiel) jufammengerollt ßat. •Die bewoßnen borjugSweife bürre, fanbige ober fteinige (Sinöben, welcße mit ©ebüfcß bewaeßfen finb unb bon bluffen, 33äcßen, Cuellwiefen unb frudjtbaren DUeberungen begrenjt werben. 2lm gefäßr« ließften, b. ß. am regften bejw. fampfluftigften ift biefe Scßlangenart im $rüßjaßr, wenn fie ißre Winterquartiere berläßt, unb im Sluguft unb in ber erften §älfte beS Septem« ber, b. ß. fttrj bor unb Wäßrenb ber §äutung. 3um Winteraufentßalt wäßlen bie $lapperfdjlan« gen am liebften einen troefenen, abgefdjloffenert 'ißlaß; bureß plößließe ßälte überrafeßt, werben bie Sdßlangen aber and) mandjmal gejwungen, ißr einftweiligeS SSerftecf jum Winterlager ju be« fo baß mau oft unter einjelnen Steinen im freien ß'lapperfcßlan« gen finbet, welcße ßier ben Winter berbringen wollen, ©ie betriebenen Slrten ber Älapperfcßlangen, weldfe in ben 23er. Staaten bortommen, finb: ©ie gemeine $1 ap perfd)lange (Banded Rattlesnake, Crotalus durissus) bon robiiftem Körper, ber oben afeßfarbig ober grau« braun mit unregelmäßigen feßwarjen Cnerbinben ift (f. ftig. 233). ©er Unterleib ift bon einer fcßmußig«rötßlid)en ober gelblicßdueißen Färbung, ünb mit fleinen feßwarjen fünften gejeießnet. ©iefe Sdjlange, weldje eine ®röße bon 5 ober 6 $uß erreießen faim, ift bon allen iUapperftßlan* gen am berbreitetften in ben 53er. Staaten; fiefinbet fieß bom ®olf bon W?epito bis ßinauf jum 46° (nörbl. Breite). $m ©ften, b. ß. auf ber Fig. 233. SlaWerfdjlange (Banded Rattlesnake). 540 atlantifdjen «Seite nuferes Kontinents, fommt fie aber nur bis zum Kßattu plaiu-See Dor. 9lad) ®eßer ift fie überall ba nid)t meßt* ßeimifcß, wo ber DJlaiSbau wegen öfterer Sommerfröfte aufßört. - ©ie größte ber norb- amerifanifdjen (Siiftfdjlangen ift bie fogen. „SBaffer^lapper = f d) 1 a 11 g e" (Water Rattle, Crotalus adamanteus), Weld)e itjren Flamen bavon erßalten ßat, baß fie fid) (an feudjten unb fdjattigen bläßen) ftets in ber 9iäße beS SBafferS aufßält. ©iefe Sd)lange, Welcße bis zu 8 B'iiß lang wirb unb niemals nörblid) von 9iortß Karolina ju finben ift, ßat oben eine bitnlelbraiine Färbung; auf bem 9tüden unb auf jeber Seite zeigen fid) regelmäßige, in einer ßinie jum Sdjwanz ßin Verlaufenbe glede (9ißomboTbe), von benen jeber von einem fdjiniißigdveißen 9hinbe einge- faßt ift. ©er Unterleib ift gelblidj-weiß. - SBeftlid) Von ben 9?odl) 9JJountainS, an ben Ufern beS Oregom unb I'onnnt eine Heinere, bunßfdpiittlid) 1| guß lange Älapperfcßlange, Crotalus Oregonus, vor, bie abgefeßen von ber klapper ßauptfäd)lid) an ber 3eid)ttung beS 9tüdeiiS ju erlernten ift. 2Inf bem 9tiiden beS afdjfarbigen ßeibeS jießen fid) nämlid) zwei weiße Linien vom Äopf ttad) bem Sdjmaiije im BicEzad berart ßin, baß baburcß auf bem 9tüden eine ßinter einanber verlaufenbe 9?eiße von bunflen trapezförmigen Rieden gebilbet wirb, welcße leßtere von jenen Linien, b. ß. von Weißen 9länbern eingefaßt finb. - 3n ben Snbftaaten (bis jum 35° nörbl. Breite) finbet fid) ferner eine Ground Rattlesnake (Crotalophorus miliarius) genannte $lapperfd)lange, Wefcße bis zu 2 friß lang wirb, ©iefe Solange wirb, obwoßl wegen ißrer ißr 53iß uid)t fo gefäßrlid) ift, wie ber ber größeren klapper* fdjlangen, ungemein gefürdjtet, weil fie im (Siegenfaß zu ben anbereit Sd)langen ißrer 9lrt mamßmal oßue angreift unb ßäufig gar fein ober nur ein feßr leifeS SBarnungSzeidjen mit ißrer klapper giebt. ©er Oberleib ber "Ground Rattlesnake" ift bitulelgrau. Sluf bem 9iüden verläuft vom $opf bis zum Scßwanze ein gelblidprotßeS ober rötßlidpbrauneS £3anb, in weldjeS fid) vieredige fdjwarze, gelb eingefaßte fyleden eiufd)ieben. 2(uf jeber Seite beS SeibeS finben fid) zwei über eim auber liegenbe 9?eißen fcßwarzer friede. ©aS Sd)Wauzeube ift unten fleifd)farbig unb mit bunfelgrauen fünften gezeidjnet. - 2(n ben (SJrenzen ber 9todß fDlountainS, naße ben Duellen beS HRiffouri, finbet inan eine Älapperfcßlange (Crotalus tergeminus), bereit Oberleib afi'ßfarbig unb mit brei 9teißen bunteibrauner glede gezeidjuet ift. 3eber ber leßteren ift von einem fdjwarzen 9tanbe umgeben, ©er Unterleib ift Weißlid) mit fd)Warzen Rieden, ©ie burcßfdjnittlicße ®röße biefer Sdjlange beträgt bis 3 $uß. - ©ie leßte unb nngefäßrliößfte 2lrt nuferer Älapperfdjlan- gen, bereit 3öiß nie töbtlicß ift, fommt in Oßio unb HRidjigan vor; man bezeidjnet fie bort mit bem 9i'aiuen "Massasaugua" (Crotalophorus 541 Kirtlandii). ©icfe etwa 2| bis 3 Solange ift fd)War3 mit bunfelbraunen Rieden. ©en Derwanbt finb bie ©reiedsföpfe (Tri- gonocephali). ©iefe Sdjlangen unterfdjeiben fiel) Don ben erftgeuaun- ten ©iftfdjlamgen fdjon baburdj ganj beutlid), baB fie feine klappern ljaben; il)r Sd)Wan3 »erläuft ftatt beffen in eine hornige Spi£e. ©ie 9ftof aff infd) lange (Trigonocephalus piscivorus; f. $ig. 234) im (Snglifdjen geWöl)nlid) Water Moccasin ober Cotton Mouth ge- nannt, ift eine 2 bis 3 $uf? lange Sdjlange mit bis 311m Sd)Wan3e bidem Seibe. ©er Oberleib ift oben braun, gel)t auf ben «Seiten in ein buntleS ©elbgrün über unb ljat febmarje, mitunter fdjwer 3U ertennenbe ©iter= binben. ©er Unterleib ift bleifarbig unb wirb nad) bem Sdjwanje ju fdjwarj. ©ie 9)lofaffinfd)lange, bereu 53if? l)öd)ft gefäljrlid) ift, tommtnnr füblid) Dom in 9Jortl) Carolina Dor; weftlid) wirb it)t ©er- biet von bem SDUffiffippb unb bem begrenzt. Siel)ält fiel) in feudjten, fumpfü gen ©egenben in ber 9?äf)e beS SöafferS ober in letzterem felbft auf; auf trodenem, bürrem ßanbe ober in Weiter ©ntfer- nting Dom Sßaffer begegnet man itjr nie. ©ie Sdjlange ift eine auf er ft gefdjidte Sdjwiim merin. 3m Sommer fannman fie häufig fiel) auf über bem Gaffer fjängeubem ©ejweige fonnen feljen, Don wo fie fid; bei bem leifeften ©eräufdj in baS SBaffer ftürjt unb baDonfdjwimmt. ©ie auferorbentlid) giftige 2ftotaffinfd)lange ift um fo mefjr 31t fürdjten, weil fie, oljue irgenb ein Söarnuuggjeidjen 3U geben, alles in itjre 9cäl)e Äoim menbe (and) DJlenfdjen) angreift, ©abei erljebt fie ben Äopf unb l)ült ben SRadjen einige Sefunben offen, elje fie 3iibeiBt. ©ie Copperhead-Sdjlange (Trigonocephalus contortrix; f. güg. 235) ift 2 bis 3 fyuB lang unb ljat einen gebrungenen, immerhin aber nod) fdjlanferen Seib als bie SJiofaffinfdjlange. ©erfelbe ift oben rehbraun, Wirb an ben Seiten geller unb ift mit einer SReilje Don taftanienbraunen Rieden befett, ©er Unterleib ift gelblid) unb ljat auf jeber Seite eine Dieilje Don bunflen Rieden, ©iefe Sdjlange fommt Don ben dienen glaube Staaten bis fjinab nad) gloriba unb Dom atlantifdjen ©cean bis 3U bem Fig. 234. *Dlo!affmfdjlange (Water Moecasin). 542 5llleghant)«®ebirge üor (f. bas fyolgenbe). Sie ßölt fid) an bnnflen nnb fdjattigen nnb bisweilen in liefen mit hohem ®rafe auf. 3m DJiiffiffippi'Xhale fd)eint bie Copperhead-Sci)lange jn fehlen; an ihrer Stelle finben wir aber bort eine britte Slrt ber XreiecfStöpfe, We(d)e "Highland Moccasin" (Trigonocephalus atro-fuscus) genannt wirb. (5S ift bieS eine feßr gefäl)rlid)e Sdjlange, benn fie greift, wie ihre SSerwanbten, ohne gereift ju werben, an. Xer Oberleib ift bnnfel mit bnnfelbrannen Rieden, nnb ber Unterleib weiß mit fd)Warjen Rieden. Xiefe Sd)(ange, Welche etwa bis 3 fyuß lang wirb, hält fid) immer nur auf trodenem ßanbe auf. Fig. 235. Oie (Elaps fulvius, Harlequin Snake), bie einzige ®iftfd)lange ber SSer. (Staaten, Weldje ju ben Gattern gehört, Ijat int ®e= ju ben int SBortjergeljenben gefd)ilberten Sdjlamgen Weber eine ®rube jwifdjen 9?afenlod) nnb Singe, nodj beweglid)e (üielmehr feft- fteljenbe) ©iftjäfyne. Oiefe Schlange hat einen finden $opf, ber fid) we« nig ober garnidjt üon bem übrigen Körper abhebt, nnb einen geftredten, rnnblidjen Seib nnb turjen Sdjwanj. Xie ©rnnbfarbe ift rott), nnb wirb biefe burd) (etwa 17) fdjwarje, gelb eingefaßte Diinge unterbrochen, fo baß ber SRumpf abwedjfelnb rottje nnb fRimge jeigt. Sim Schwanke fehlen bie rotljen Dxinge, nnb hat berfelbe ftatt beffen bei fdjwarjer ®runb- färbe gelbe 9cinge. Xie fßruntotter, weldje bis ju 4 $nß lang wirb, ift eine giftige, aber feine gefährliche Sdjlange, benn fie beißt nur feiten, and) wenn fie gereift wirb. Sie fonimt üon 9?ortl) ßarolina an in ben Süb* Copperhead-Sctjlange. 543 unb in ben weftlicpen (Staaten vor unb pält fiel; mit Vorliebe in Sweet Potato-$elbern auf. ©ie pauptfäcplicpften ©iftfdjlangen in anberen Säubern finb: bie in © e u t f cp I a n b, bie Sanbviper in U n g a r n, S ii b ö ft e r* reidj unb Italien, bie SRebifdje 23iper inSübtprol, bei ©rieft unb in Italien, bie unb verwanbte SBipern in 2Ifrifa, bie 23rillenfdjlange in 3nbien unb 2(frifa ((Sgppten), Seefdjlangen im inbifdjen Ccean, Älapperfdjlangen in Sübamerifa unb bie Sanjenfcplange auf ben Unfein St. S n c i a unb 3K a r t i n i q u e. 2>er* wanbte ber letzteren, äufjerft gefäprlidjen Sdjlauge finben fiep in pito unb (5 e n t r a l a m e r i f a. 2Ber in einer von ©iftfcplangen bewopnten ®egenb im freien ju tpun pat, trage gute?, ftarfe? ScpupWert unb weite 53einfleiber. (Sr vermeibe möglicpft bie Wo biefe fiep aufjupalten pflegen, unb beute an bie lUiertmale unb ©ewopnpeiten ber ®iftfd)langen. 31 ccep t 9?o. 17. 3 Unjcn ®l)lortoaffer finb mit 9 llnjen beftiHirtem SBaffer (unb eventuell noch mit 1 Unjc einfachem ©tjrup) ju mifcljen. ©avon flieb alle 2 ©tun- ben 1 Biö 2 voll. 23on ben Qlmppilrien paben $röte (Toad) unb Sala man ber (Salamander) in ber $interpaupt?gegenb ©rufen, au? benen fie einen Saft abfonbern, welcper auf Heinere warmblütige ©piere töbtlidj wirft, bei ben äRenfcpen aber unreine von felbft wieber vergepenbe rofenartige §autent* jünbung pervorruft. £u ben 2lmppibien refp. Sdjwanjlurdjen gepören and) brei SRolcparten, weldje von ben Negern für giftig angefepen werben; e? finb bie? ber jwei* unb ber breijepige 21 a l m o l d), ber u r dj e m m o l ep unb ber 21 r m m o l cp. ©ie 2lalmoldje (von ben Negern Sougo« fdjlangen, Congo Snakes, genannt) paben einen feprlang geftredten Selb, mit vier fepr turnen deinen, bereu in je 2 refp. 3 $epen getpeilt finb. Sie erreiepen eine Sänge von ungefäpr 3 $up, finb oben buutelgrau unb unten peller gefärbt unb bewopnen ftepenbe ©ewäffer unb Sümpfe in ben Sübftaaten (SübdSarolina, ©eorgia, Souifiana). ©er im korben 2Ime« rita'? peimifepe $urdjemnold) ift oben braun unb unten blapfleifdjfarbig. @r erreidjt eine Sänge von etwa 2 unb pat einen verpältnifmräpig fräftigen Seib, an bem fiep 4 $eine mit je 4 Bepen befinben. ©er an fumpfigen unb moraftigen'ißläpcnSüb'ßarolina'? vorfommenbe 2lrmmo(cp pat ebenfall? einen, bem be? 2(al? äpnlicpen Seib; an bemfelben befinben fiep aber nur 2 2lu? ber klaffe ber Spinnentpicre finb folgeube mit ©iftorganen ju erwäpnen: ©ie ftp war je Spinne (Black Spider) ift eine Keine Spinne, welcpe im korben ber SBer. Staaten peimifcp ift. Sie füprt ein Sßanberleben, pält fiep meift in alten Käufern unb §olj auf unb überfällt 544 ben W?enfd)en, wenn er fdfläft ober fiel) ganj rupig verpält. ©ie leifefte Bewegung fcpeud)t bie ©pinne bavon. ©er£3iß biefer ©pinne ift fcpmerj* paft unb ruft (Sntjünbung unb auep Slbfceffe pervor. iftod) gefäprlid)er als biefe ©pinne ift eine größere, int ©üboften ber 33er. ©taaten vor* tommenbe ©arantelfpinne (Tarantula). ©iefe ©pinnen lieben troefene, fonnige ©teilen unb rufen bürd) ipren -Q3iß (Sntpinbung, ®efcpwulft, Slbfceffe, ©djnterj unb allgemeine ®ranfpeitSerfd)einungen, wie ®opfc wep, (Srbrecpen, Rittern unb ©dpi) in* bei ober and) Betäubung, pervor. ■Die gefäprlidjfte („apulifepe") £a* rantelfpinne, weldje auf $igur 236 Wiebergegeben ift, finbet fid) aber glüdlicpenveife niept in ben 33er. ©taaten, fonbern in Italien, ©pa* nien unb Portugal. ©iefelbe ift repfarben, auf beut Hinterleib mit rötplid) eingefaßten Querftridjen unb am33aud)e mit einer fcpwarjjen HJHttelbinbe gejeidjnet. Um teilte, weldje von einer f otepen ©pinne ge* ftoepen mürben, ju peilen, fpielte man ipnen früper Tänje üor, worauf ber Traufe anfing 311 tauben, bis peftiger ©d) weiß auSbracp unb völlige (Srfcpöpfung ipn fdjließlid) ju 33oben warf. £>iefer leibenfdjaftlidje Xanj wirb „Tarantella" genannt. - $ubett ©pinnentpieren gepören auep bie © f o r p i o n e (Scorpions). Tie- felben leben in peißen Sänbern unb in ben wärmeren Tpeilen ber gemäßigten (Srbftrirfje (bis jum 45. ®rab nörbl. 33reite). ©ie palten fid) in faulem Holje, unter ©teineu, in •'Dhtuerlödjern unb äpnlid)en bunflen 33erfteden auf, bringen aber and) päufig, weil fie bie 333ärme lieben, in bie menfd)* Iid)en 3Bopnungen ein unb ver* frieren fid) pier in bie 33etten, Kleiber unb $ußbebetfung. ©ie ©for- pione greifen nid)t an, fonbern fteepen mit bem (am ©epwanjenbe befind liepen) ®iftftad)el nur, wenn ipnen ber SIRenfd) ju nape tommt. ©er in ben 33er. ©taaten (im ©üben unb ©üboften) peimifdje ©forpion ift Fig. 236. Slpultjdie Tarantel. Fig. 237. gelfenflorpion. 545 Hein, bünn, auf grau-gelbem ©runbe unb verhältnismäßig harmlos; fein (Stich ruft nur eine uicljt feljr fdjuiev($afte, vorübergehenbe (Sntyinbung Ijervor. SBeit gefährlicher finb anbere Sforpione, befonberS bet in SIfrita unb Slfien vortommenbe „gelfenfforpion" (f. $ig. 237), ber bis ju 6 $oll lang Wirb unb burd) feinen Stiel) außer örtli» djer (Sntjünbung and) Sähmung, lieber, Uebelfeit unb Dpnmadjt veram laßt. ©ie -öepanblung von Spinnenbiffen ift bei günftigeni Verlauf eine rein örtliche; bie SBunbe ift anSjufaugen ober mit Slepfali unb bann mit ©almiafgeiftumfrf)lägen ju bebeden. gilbet fid) ein Slbfceß, fo lege man auf biefen 33reiumfd)läge, bis er reif ift, worauf er mit einem (reinen) fdjarfen SQZeffer geöffnet wirb. Aöei anbanernber ßntjimbung unb SIbfceffen gebe man aber and) innerliche Mittel, nämlid) (Spiniii (3mal täglid) 1-2 ©ran) unb (SrregungSmittel (Epistel), 23ranbl), ©ein). £3ei einer bösartigen ober mehreren ©unben mit barauf folgenbem plöplidjen Äräfteverfall gebe man öfter Salmiafgeift innerlich unb jwar je 20-30 ©ropfen in einem ©einglafe ©affer. -Q3ei Storpionftidjen verfahre man ijuerft and) örtlich, wie oben angegeben, ßrjielt man bamit feinen Erfolg, fo ift bie Slöunbe aufjitfdjneiben, mit auSjuwafdjen unb bann, um ftärfere Blutung hervorjurufen, in warmes SBaffer ju halten. lieh wicfle man baS verlebte ©lieb in einen heilen 33reiumfd)lag. £)ane* ben gebe man (SrreguiigSmittel unb gegen etwaigen heftigen «Schmerj mehrmals tljeelöffelweife gecampherte Dpiumtinctur in je 2 (Sjjlöffeln SBaffer. Unter ben fogen. Sanfenbfüfrkrn giebt es in ben wärmeren Säubern mehrere Wirten, weldje ein ©ift abfonbern, baS auepbem kDlenfdjen gefäpr- lid) werben fann. 3u biefen Slrten gehören ber Scolopender gigantea Fig. 238. Saufenbfuß (Centiped). (in ©ftinbien), ber Scolopender morsitans (in Italien) unb ber in oen 53er. Staaten fjeinxifdje Scolopender (Centiped). 5ßie feine 53erwanbten festerer, weldjer eine ©röße von 6 bis 7 ,goll erreichen fann, einen fladjgebriitften Körper, beffen einzelne ßeibeSabfdjnitte je ein, weit barüber herauStretenbeS 53einpaar tragen (f. B'ig. 238). Triefe £1jiere galten ftd), wie bie Sforpione, in faulenbem alten unb Käufern, 546 unter «Steinen, u. f. w. auf. Mitunter werben fdjon baburdj, baft ber „ßeutipeb" über bie uubebedte £>ant läuft, auf biefer (Sntjiinbmigen (fdjmerj hafte Sdjrammen) Ijerborgerufen. ©urdj ben SBifj beS Xljiereö, b. I). wenn baS (Slift unter bie Dberljant einbringt, werben fdjmerjljafte (Sntjiinbung uub ®efdjwulft, gieber unb felbft ßonoulfionen unb ©elirien berurfadjt; in feltenen gällen fann and) ber Job werben, ©ie einer foldjen23ifjwunbe beginnt bamit, bap man letztere auffdjneibet unb mit bem (unbeliebten) 9D?unbe ober mittels Sdjröpfföpfen auSfaugt. ©ann lege man auf biefelbe eine HJlifdjung (ju gleidjen Jljeilen) bon 9(Icoljot unb §irfdjl)orugeift (Spirits of Harts- horn) unb gleichzeitig gebe man innerlich alle 2 Stimben 15 bis 20 Jropfen mit 5 bis 10 Jropfen ©piumtinctur bermifdjtin 4 (Stöffeln SBaffer. ?luf bie Sdjramme (f. oben) lege man ebenfalls 9llcotjol unb auf, ober man reibe bie betr. Stellen mit biefer W?ifdjung nur ein. ©ewiffe SMcctcn üerurfadjen burdjiljrenStidj Sdjmerjen unb(£nt* jünbungen, oljne bafj es gewöljnlid; ju weiteren Störungen fommt. §ier- Ijer gehören bie 90? 0 S q u i 10 S. ©er Stadjel berfelben (f. gig. 239) beftetjt aus 6 Stedjborften, weldje jufammen in bie §ant eingeftodjen werben, ©ie ■Söiiffelfliege (Black Fly, Punkey ober Midge) Ijauft in ben 2Bälbern ber nörblidjen Staaten unb auf ben $rai* rien beS Sßeftens, wo fie 311 mandjen ganj unerträglich wirb. Um fid) gegen ben Stiel) biefer 3nfecten ju reibe man bie unbe« bedien Stellen entweber mit einer SJJifdjung bon Speifeöl unb (mit Seifenwaffer wieber fdjett) ober mit einer SOlifdjung bon 1 Unje gett unb 1 ©radjme (Oil of Pennyroyal) ein. ©Ufd) bie Stidje ber dienen, 9ßeS = pen uub (f. fyig. 240) werben heftige Sdjmerjen, ßiitjünbung unb 9lnfd)Wellung ber* urfadjt. Stidje biefer Onfecten in ber beS SlugeS finb bentlidj fdjmerjhnft unb hoben mitunter eine aiiljaltenbe, empfinblidje (Sutjixnbung jur $olge. VebenSgefäljrlidj fönnen biefe Stidje werben, wenn biete auf einmal erfolgen, ober wenn fie DJhinb ober 9?adjen oer* leiden; in lepterem g-alle entfteljt plöfelidj eine entjünblidje Slnfdjwellung, Fig. 239. Stadjel t>e§ 2Jlo§quito. Fiß. 2io. $orniffe. 547 bie jnm (SrfticfungStobe führen tat. - Sille Stidje Don ßnfecten finb gefäljrlid), wenn letztere Dorljer auf fauleiiben tl)ierifd)en Stoffen faßen, unb Don biefen am Dtiiffel, an ben deinen, u. f. W. etwas Ijängen bleibt. 3Ran tljnt beSßalb gnt, irgenb einen Derbädjtigen 3nfecteiiftid) (and) ben Don gliegen) wie ben Don einem giftigen ju beßanbeln. Aöei einzelnen 3nfectenftidjen genügt in benmei» ften gälten irgenb eines ber gebräudjlidjen §anSmittel (Slnflegen Don Kotjlbtättern, gefdiabten roßen Kartoffeln, feudjter (Srbe, naffem Veßm, Kaltwaffer ober warmen Umfdjlägen ober Oft, wie baS mitunter Dorfommt, ber Stadjel juriitfgebtieben (f. gig. 241), fo muß biefer Dor Slnwenbung jener Mittel ßerauSgejogen werben, ''ßerfonen, bei welchen wegen großer (gmpfinblidjfeit gegen dienen», SBeSpen» unb £>orniffenftid)en (Sntjünbung, Slnfdjwettung nub @ dimer j außerorbentlidj finb, unb fid) gleidjjeitig gieber einftellt, follten bis jur ginberung ber Symptome Salmiatgeift ober foßlenfaureS Slmmoniaf (flüchtiges ipirfd)» ßorufatj, Sal Volatile) unb fpäter einen füßlenben Umfdjlag ober and) mir ein Koßlblatt auflegen. £)at man feines jener beiben Mittel jur $anb, fo neßme man ftatt ihrer etwas fernstes Salj. Sind) bei Stidjen im DRunb ober fRadjen ift natürlich, falls ber Stadjel jurücfgeblieben, biefer erft ßerauSjujießen. ®ann laffe man abwedjfelnb mit ßeißem Satj» unb ßffigwaffer gurgeln unb lege um ben £)als (oft ju erneuernbe) Um» fdjtäge Don Siidjern, weldje in tjeißeS Gaffer getankt unb bann auSgerungen würben. Väßt bie Slnfcßwellnng trotjbem nidjt halb nad), fo macße man in bie ©efdjwulfte ßinfdjnitte nub laffe weiter, wie oben angegeben, gurgeln. 3ft Oetnanb Don mehreren dienen, u. f. w. jugleid) geftodjen worben, fo gebe man ßalbftiiublid) (unter Umftänben fogar nod) in fitrjeren .ßwifdjenräunien) 20 bis 25 Xropfen Salmiafgeift in einem SSeinglafe SBaffer unb ftünblid) 20-30 tropfen gecampßerte ©piumtinctur ober 10-20 tropfen einfache Dpiumtinctur in etwas Sßaffer, bis ber Ijeftigfte Sdjmerj befeitigt ift. Stuf bie Stid)Wunben lege mauUmfdjläge DonSalmiafgeift ober einer Wlifdjung üou 1 Sßeelöffel Oeijutfer unb einer £affe faltem Sßaffer. -3(1 feines ber Mittel jur §anb, fo lege man feudjteS Salj, tölnifdjeS SBaffer ober (Sffigwaffer auf. 423ei beutlidjem Dladjlaffen ber Kräfte Derabreidje man bem Patienten Sßein, SßljiSfep ober iöraubi), bis ber wieber Doll unb regelmäßig wirb. 3n ben fpanifrfjen fliegen ift ein reijenbeS ®ift enthalten, bas, in golge mißbräudjlidjer mebicinifcber Slnwenbnng in großen £>ofen in ben Fig. 241. stauet berSBesve. 548 VerbaitungSapparat gebradjt, lebhafte @d)inerjeit in ben Sd)liiigorganen inib ber WZagengegenb, ferner Uebelfein, ßrbredjen (nid)t feiten mit Vlut bermifd)ter Sd)(eimntaffen), brennenbe Sd)tnerjen in ber §arnblafe unb Dliereiigegettb, 9?erbenftörutigen ($opffd)inerj, ®efid)tsjucfuiigen, Vetäm bung), u. a. m. berurfad)t. Vei einer foldjen Vergiftung errege man fo- fort ßrbredjen (ober wenbe bie SRagenpttmpe an), gebe fd)leimige tränte, Giweifjwaffer ober 9J?ild). ©elige Mittel biirfen nidjt angewanbt Werben, ba fie ben blafenjietjenben Stoff biefer £l)iere (bas (Santljaribin) auflöfen nnb fomit bie fcl)äblid)e Sirfnng ber fpanifdjen fliegen nur för* bern. Segen ber nadjtljeiligen Sirtung biefer ©fjiere (befonberS auf bie Vieren) fei man and) in ber äufjerlidjen Slttwenbutig betreiben üorfidjtig. Slelptlid) wie bie (Santtjariben wirft ber 9)2 ai wurm, ein ber früher ebenfalls als ?(rjeneimittel in Slnwenbung tarn. Vei Vergiftun* gen burd) biefeS tl)ierifdje ®ift Verfahre manebenfo wie bei ber Vergiftung burd) (Santhariben. Sie in fauligem (f. Leichengift) finben fid) niandjntal and) in anberen tljierifdjen 92al)ruiigSmitteln welche in ben VerbaitungSapparat gelangen nnb Vergiftungen hervorrufen. (SS finb bieS: ©as Surftgift 'unb baS Schinfcngift. (SrftereS entwicfelt fid) be« fonbcrS in fdjledjt gefod)ten nnb geräucherten Vlut- nnb Veberwürften nnb giebt fid) wie bas Sd)iiifengift burd) fdjarfen, ranzigen, faurett ober and) bitterlid)=fäuerlid)en ®efd)matf ju erlernten, ©ie Surft felbft ift weid), unb il)r l)at ein fd)mupig5graueS SluSfepen. ©ieSpmp tome einer berartigen Vergiftung treten langfam (nad) 12 bis 24 ©tunben) ein uub finb folgeube: SlllgemeineS Unbehagen, barauf Uebelfeit, ein @efü()l ber @d)Were im Klagen, (Srbrecljen nnb ©iarrl)öe. Mitunter geigen fid) pcriobifd) wieberfeljrenbe (Soliffdjmeqen, «Störungen beS SeljoermögenS, @d)lingbefd)Werben, 9KuSfelfd)Wäd)e nnb (Srfdjöpfung. Vei günftigem Verlauf erfolgt üollftänbige ©enefung, aber erft nad) langer DiecotwaleS- cenj. ©ie Veljanblung befteljt im Verabreichen bon Vred)' nnb Slbfiifjrmitteln (Vredjwurjel nnb SRicinuSöl) nnb ©erbftoff (f. 524). Vei großer Sdjwädje gebe man GrreguugSmittel. ©aS Ääfcgift entwicfelt fiel) als ein ©äljrungSprobuct in ranjigent ßäfe (l)auptfäd)lid) @d)mier- nnb §anbtäfe). (5S ruft folgeube <S l) m p« tonte herbor: <Sd)lunb* nnb 9Ragenfd)meqen, (Srbredjen, ©iarrl)öe, <Sd)lingbefd)Werbeti, <Sd)Winbel, $opffd)mer$, Grfel bor irgenb welcher 9ial)rung, Störung beS <Sel)berniögenS, 9RuSfelfd)Wäd)e, DI)itmad)t unb Krämpfe, ©ie Vei)anblung ift biefelbe wie beim Surftgift, b. I). baS ®ift muf? burd) Vred)- unb 2Ibfnl)nnittel fdjleunigft wieber aus beut SfRagen entfernt werben, worauf ©erbftoff unb ebentuell (SrregungSmittel $u geben finb. 549 ©aS unb baS Sföufcpclgift. £)aS finbet fid) be- fonberS in mancpen Stövarten, wenn eingefallen, unb baS SOlufdjelgift in Sluftern unb fDlufcpeln (pauptfädjlidj int Sommer in ber SOlieSmufdjel). 4Beibe (Gifte rufen biefelben Symptome mie baS Sßurftgift peröor. £)ie Vepaublnng ift ebenfalls biefelbe, mie bei bem letztgenannten (Gift. Siad) (Genuß von ftifdjen nnb Krebfen ftellen fiep maucpmal VerbauungSftck rungen nnb ein neffelfriefelartiger SluSfdjlag ein. dagegen gebe man von einer ßöfung von Patron nnb SBaffer (1 ©peelöffel Baking Soda auf 1 VJaffer) 31t trinten. - ferner ift baS gleifcp von folepen nm gefunb, melepe fepon in $äulniß iibergegangen finb, mäprenb ber Saiepzeit ge= fangen mürben, von bem SlaS miljbranbiger Xpiere fraßen ober in Gaffern gefangen nmrben, in benen gladjS nnb §anf geröftet nmrben, ober nad) benen Slrfeuif-, 23lei' ober Quedfilbergruben einen Slbfluß paben. Sind) nad) bem (Genuß folcper $ifdje gebe man, fobalb fiep VergiftungSfpmptome einftellen, 23redj* unb Slbfüprmittel. gjflanjlitße ®iftc. (Giftpflanzen merben biejenigen Pflanzen genannt, melepe in allen ober einzelnen giftige Stoffe entpalten. ©amit ift aber nid)t ge- fagt, baß ber (Genuß jeber (Giftpflanze and) fdjäbliep ift, beim mandje (Gift' pflanzen entpalten bie giftigen Subftanzen nur in fo geringer W?enge, baß mir fie als DlapruiigS* ober (Genußmittel vermenben (Kartoffeln, ©abat, 2Ropii, it. f. m.). Sßieber aubere (Giftpflanzen refp. bie giftigen Speile berfelben merben burep Koepen, Xrotfnen, u. f. m. von ben giftigen Stoffen befreit unb bann als 9?aprungSmittel benutzt, Z- 23. bie Sßurzel beS Strom ftabs, meldje außer bem (Gift, baS fiep in £roefiienS üerflücptigt, viel Stärfemepl entpält. Slußer ben (Giftpflanzen, meldje unter allen Umftäm ben in allen ipren ein töbtlicpeS (Gift entpalten, giebt eS alfo auep (Giftpflanzen, meldje 1) nur mit einzelnen Xpeilen (SSurzeln, blättern, Samen, u. f. m.) giftig mirten, mäprenb bie anberen £peile unfdjäblid) finb; 2) nidjt genügeub (Giftftoff entpalten, um Vergiftung zu Veranlaffeu, unb 3) iprer giftigen (Sigenfdjaften unter gemiffen Vebingnugen verluftig gepen. Ommer giftig mirten aber bie giftigen 23eftaubtpeile ber (Gifk pflanzen, vorauSgefept, baß fie in genügenber URenge bem menfdjlidjen Körper einverleibt merben. ©iefe giftigen 23eftanbtpeile, bie pflanzlidjen, Pflanzen* ober v e g e t a b i l i f cp e n (G i f t e taffen fid) aus vielen Pflanzen auf djemifdje SBeife rein barftellen. @S finb bei znplreidjen Pflanzen meift jeber (Gattung eigentpnmlidje Sllfaloibe (f. S. 28); in anberen Pflanzen finb eS flüeptige ©eie ober inbifferente Stoffe. Sie finb entmeber irritu renbe ober narcotifdje ober reizenb narcotifdje (Gifte unb merben päuftg 550 and) in geringeren (nidjt töbtlidj mirtenben) Sofen al« Slrjeneimittel Vermanbt. Sie ®ifte rufen im allgemeinen folgenbe Symptome Ijer« vor: Surft, Vrenuen im §alfe unb SDtfagen, Slufftoßen, Uebelfeit, Wtr« gen, (Srbredjen, Surdjfall, Sdjmiubel, Sim ue«täufdjungen, Vlinb« unb Saubljeit, Krämpfe unb Cljumadjt. Sa« ©efidjt ift gemöljnlidj gebunfen unb bläulidj«roth, bie Singen finb vorge« trieben unb bie Pupillen vergrößert ober Verfeinert, fdjlägt ftart, unb ba« Sltljmen ift langfam, müljfam unb fdjnardjenb. V?ie bei allen (giften, meldje burd) ben Verbauung«apparat einverleibt mürben, muß auch hier juerft burd) bie SJiagenpumpe ober Vrecpmittel (eventuell and) Slb« führmittel) fo viel mie möglich von bem @ifte mieber au«bem Körper ent« fernt merben. Sobann gebe mau fdjleimige ©etränfe ($ladj«famen, u. f. m.) unb barauf bei ber W?eprjaht biefer ®ifte ©erbftoff (f. S. 524) unb (SffigtUjftiere, inbem man zugleich (Sffigmafdjimgen vornimmt unb (bei Vetäubung) ba« ©efidjt mit faltem SBaffer befprifjt unb @i«unifdjläge auf ben $opf legt, ferner erhalte man bie Slthmung tünftlidj, inbem man ben Vruftforb metljobifdj eiubri'uft (f. Vehanblung von Sdjeintobten, Um glücf«fälle unb Verlegungen). 3ft ba« Vemußtfein tiodj nidjt gauj ge« fdjmunben, fo verhüte man ba« ©infdjlafen be« trauten, inbem man iljn, and) gegen feinen SBillen, menn iiötljig, ftunbenlang umherführt unb iljm von $eit ju ba« ®efid)t mit taltem Sßaffer befpript. Sie ©iftpflanjen Vertheilen fitf) auf 35 unb finb mit ber einen SluSnaljme ber ''ßilje, meldje ju ben „blüthenlofen''ßflansen'' (ft'rljptogamen) gehören, Vlütljeupflaujen (Vhunerogame). 1) Von ben Ißiljcn ober Schwämmen (Mushrooms) finb foldje nidjt genießbar, meldje alt unb morfdj finb ober einen miberlidjen ©erudj hüben, ober bereu $leifdj bei einem Sdjnitt in baSfelbe halb braun, grünlich, blau ober bläulidj mirb, ober foldje, meldje EDlildjfaft hüben. VJeitere Unter« fdjeibungömertmale ber eßbaren Vilje üon ben fdjäblidjen finb, baß le(jtere in Raufen au bunflen unb feudjten 'ißläljen madjfen, 3älje§, meidjeS unb mäfferigeS haben unb von einem bitteren, jufammenjieljenben, fdjar« fen ober faltigen ©efdjmacf finb, mogegen bie eßbaren Sdjmämme einzeln an trodenen, luftigen Vläpen fiepen, fefteS brötflige§ S'Ieifdj haben unb meber bitter nod) jufammenjiehenb, fdjarf ober faltig fdjmerfen. -Sn int« beftimmter 3e*t (etwa 2 bi« 12 Stunben) ttadj ®enuß giftiger *ißilje ftellen fidj al« Sljmp tome ber Vergiftung ein: großer Surft, Grapen im §alfe, Uebelfeit, (Srbredjen, Sdjmerj im DJiagen unb Seibe, Surdjfall ober 9D?attigfeit, Sdjmiubel, Bildungen, Vemußtlofigfeit ober felbft Starr« 551 frampf. 2ß?ei( bie Symptome päufig fpät eintreten, b. p. Weil bie Ver* bauung ber meift lange $eit in Slnfprud) nimmt, finb bet ber Ve* panblung außer Vredjmitteln (1-2 ©ran Vredjweiuftein ober 1 ©pee* löffel Vredpuurjel in einer ©affe warmem in turnen $wifdjenräm men, bis Erbred)en erfolgt) and) fölpftiere unb Slbfüprmittel (Diiciuuööl) angegeigt. ©arauf reibe man ben Traufen mit Effig ab, lege ipm peiße glafdjen ober (Senfteige auf ben Beib unb gebe ipm Kaffee ober ©pee nnb, wenn fiel) Scpwäcpe bemerfbar mad)t, belebenbe Mittel, wie ftarfen SBein ober (je 15 bis 20) Hoffmann'fcpe ©topfen (Sdjwefelätpergeift). ©aS nur im ol)iie ärjtlicpe Verorbnung anjuwenbenbe ©egengift ift Vellabonna (9tecept 91o. 18). Slccevt Dßo 18. 23ellabonnattnctur 5 BtS (Ijöcliftenö) lOSEropfcn alle 30 SWinu* ten, biä bte Sßupillen ftd) erweitern. (SS finb aber niemals mepr alS (pöcbftenS) 4 ®c= fen ju fleben, unb ift baS SKittcl opne ärgtliclje SBerorbnung nur anjuwenben, nadjbem alle anberen (Seflenmittel feplflefdjlagen ' $11 ben gepört and) baS SDinttcrforn (Ergot, Spurred Rye), ein (in ben Slepren) beS ©etreibeS, weldjer namentlidj ben loggen, aber and) ©erfte unb Hafer befällt. Er ftellt ein purpurrotpeS ober oioletUbrauneS, |-1 $oll lau* geS unb etwa | $oll bitfeS $orn bar, baS innen Weißlid)* Violett ober gelblidpweiß ift unb einen feparfen 9?acpgefcßmad: I)at (f. gig. 242). ES entpält brei Sllfaloibe (Ergotin, Se* calin unb (Stbolin), von benen erftereS al§ Heilmittel viel= fad) Slnwenbung finbet. Um eine acute Vergiftung jufiiljren, bebarf e§ einer großen ©ofiö. X*ie @ l) m p t o m e einer foldjen Vergiftung finb: @d)Winbel, ßolitfdimerjen unb Erweiterung ber Pupillen, ©ie V e l) a n b l u n g ftet)t im ©arreidjen eines VredjmittelS (1 Jfjeelöffel puloer in | warmem Sßaffer). 9?ad) einem naffen Sommer entwicfelt fiep baS sJD?utterforn aber in größerer SUienge, gerätl) in baS 20?eßl, unb burd) ben ®enuß non Vrob, baS aus berartigem W?el)l jubereitet würbe, wirb bann eine djronifdje SJlutterfonwergiftung, bie fogen. tronfljcit (Raphania, Ergotism) üerurfadjt. £)ie @ 1) m p= tome biefer Vergiftung finb folgenbe: ©urcßfälle mit päufigem Erbredjen, Eolitfdjmerjen unb Scßmerjenin ber Herzgrube, Sdjwinbel, Erweiterung ber Pupille unb Heißpunger. ©abei werben ginger unb $epeu pelzig (friebelig; baper ber 9iame ber ÄranU peit) ober felbft unempfinblidj. ©iefeS ©efitpl faun fid) fdjließtid) auf ganje ©liebmaßen ober einen ©peil beS Rumpfes auSbepnen, unb gefeiten fid) baju wopl and) noep 9?ü(fenfd)merjen, SDhtSteljucfungen ober Starr* Fig. 242. Moatjenäfire mit SÖtuttertorn. 552 trampf, Sepftörungen, 33erluft beS ©obfudit unb 33Iöb* füllt. Wiituuter toinnit es and) 311111 braitbigen Slbfterben einzelner Äör* pertpeile, wie Bepen, ßuff, §anb, Diafe, Oberlippe, u. a. in. $u bösartigen ßällen tritt ber ©ob uad) etwa 6 bis 10 Sßodjen ein. (Erfolgt Teilung, fo töniien (hi ßolge beS branbigen SIbfterbenS) 33erftümmelun* gen ober and) Sepftörungen, Säpmuiigen, (Epilepfie ober 33löbfinn sitriitf= bleiben. 33 ei ber 33 e I) a 11 b 1 n 11 g pat man vor allen ©ingen Weitere fuprbeS ©ifteS 31t verpinbern unb baS im Körper vorpanbene ©ift burdj fdpveifj* unb parntreibenbe SDiittel 311 entfernen, ßerner gebe man gegen baS laue 33äber unb gegen bie Sdtmerjen Opium ober W?orppi« umeinfpripuiigen. Söenn irgettb möglid), follte man ben Slrjt rufen; im* bebingt uotpwenbig ift baS, wenn Äörpertpeile braubig werben. 33or- fidjtSmafjregel it: ©urcp ©rodneu verliert bas äftutterforu fowopl im DJiepl als and) im 33rob viel von feiner ©iftigfeit. 33ei bem Auftreten ber Striebelfranfpeit vermeibe man alfo erfteuS, 33rob 511 effen, baS aus frifd) geerntetem $orn bejw. DJfepl gnbereitet würbe, unb zweitens, frifd) gehaltenes 33rob jtt effen. 2) Koniferen: ©er (yibcitbaiini ober bie (Eibe (Yew) ift ein im korben ber 33er. Staaten unb in (Eanaba vorfommenbeS ftraucpartigeS ®ewäd)S, baS als ßrüdjte rotpe 33eeren trägt. 3£aprfd)einlid) ift baS reijenb-uarcotifdje ©ift biefer ''ßflanje nur in bereu $weigen unb blättern unb uidjt aud), wie uocp vielfacp angenommen wirb, in beit ßriid)ten entpalten. ® 1) mp- tonte: (Erbredjen, <Sd)Winbel, (Erweiterung ber Pupille unb felbft (Eon* vitlfionen. 33 e p a n b 11111 g : 33red)mittel, ©erbftoff (©anninabfocpung, ftarfer fcpwarjer Kaffee ober £pee), (Effigwafd)ungeii, 33efpripungeit mit ialtem SSaffer unb eventuell tünftlidje Sltpmnng. ©er Sabclmiim (Savine), ein and) in Diorbamerifa peimifdjeS (Ep* preffengewädjS, eutpält ein fd)arf reijenbeS ©ift, baS in bem beriiprten ©ewebe eine peftige (Entjiinbung pervorruft unb (in größeren ©ofeit ein* genommen) pauptfäd)(id) auf bie 33erfenorgane einwirft. @ t) m p 10 m e: (Erbred)en, 33lutparnen unb (Eolit- unb 33 e* panblung: 33red)inittel unb „©emulcentia", b. p. erfdjlaffenbe, erwei* djenbe Wlittel, wie fd)leimige, fette, eiweifs* unb ftärfemeplpaltige Stoffe; ©piiim unb (ErrcgungSinittcl. 3) 35on ber ßamilie ber ©ramiiteen (©räfer) ift nur ber Tnuniellüld) (Daniel, Bearded Daniel) giftig. 2Bie eS fcpeint, ift baS ©ift nur im Samen entpalten, unb jwar vielleid)t als ein trantpafteS ©er Samen, weldjer germploS unb von fitplidjem ©efd)iuacf ift, 553 gerät!) mitunter jwifdjen bas (betreibe unb in $olge beffen and) in baS Vrob. 9?ad) ®enuß beS letzteren refp. biefeö ®ifteS [teilen fid) folgenbe Sljmp tonte ein: Sdjwinbel, Vetäubung, (Srbredjen unb Slbweidjen, Erweiterung ber Pupille, Störung beS Sehvermögens unb fjoctjgrabige Sd)Wäd)e. Ser Verlauf ber Vergiftung ift faft immer ein gutartiger. Vel)aubtung: 2lbfiil)rmittel (DäcinuSöl) unb gegen bie Sd)Wäd)e Er* regungsmittel (ftünblid) 1 Sßeelöffel Vßl)iStel) ober 15 Sropfen Salmiat- geift (rectifieirter §irfd)l)orngeift, Spirit of Hartshorn) in 3 Eßlöffeln Vöaffer. Sleußerlidj weube man heiße Umfdjläge (Flanell) an. 4) Von ber Familie ber S m i l a c e e n, 311 weldjer auch bie Saffa* parille gehört, ift giftig: Sie tncrbliittcrigc Einbeere (Paris quadrifolia, f. gig. 243) eine anSbanernbe welche in ganz Europa an feudjten unb fdjattigen Vläpen wädjft. Symptome: Sßürgen, Uebelfeit, Erbred)en, Vlagen* (djuierjen, Vetäubung. Vepanblung: Vredjmittel, fdjleimige ®e* tränte, ©erbftoff. 5) Von ben Sir ac een (Slrongewädjfen) finb ber Slronftab (ber „geflecfte" in Europa unb ber „breiblätterige" in Slmerita Ijeimifd)) unb baS Sumpf' ober Sdjlangenf'raut giftig: Ser breibliitterige Slronftab (Sradjenwuqel, Indian Turnip, Dragon Root; $ig. 244) ift eine ©iftpflanje, weldje überall in ben Ver. Staaten au feudjten, fdjattigen blaken iväcßft. SlnS ihrem tnollenförmi- gen SBnrjelftod fprießt im $rül)iabr ein Vlütljenfdjaft Ijeroor, an beffen eine einblätterige, oerfdjieben gefärbte Vlumenfdjeibe einen feulem förmigen Kolben umgiebt. Siefer ift grün, purpurrotl), fdjwaq ober öerfdjiebenfarbig. 9lad) bem Verblühen oerfdjwinben Vlumenfdjeibe unb Kolben, unb tritt an Stelle be$ lepteren bie grudjt, ein Vimbel erbfem großer, fdjarladjrotljer Veeren, Ijervor. Slußer bem Vlütljenfdfaft Ijat bie Vfinnje nod) gewöljnlid) einen ober jwei Stengel, weldje oben je ein pfeilfpißförmigeS Vlatt tragen. Sämmtlidje Sl)eile ber VPonje enthalten ein ®ift, ba$ fid) beim Srodnen ber halb üerflüd)tigt, weshalb and) in mandjen Räubern bie getrotfnete, viel Stärfemepl entbaP tenbe VSitrjel biefeö unb anbere 9lrongewäd)fe als 92aljrungSmittel verwem bet wirb. S l) m p 10 m e: Snrd) ben ®enuß irgenb eines SI)eileS ber frifdjen Sradjenwuqel wirb im Sftunbe ein heftiger, ftedjenber Sdjmeq, wie von vielen Siabelfpipen l)errül)tenb, Veranlaßt; gleichzeitig [teilt fid) SpeidjeP flnß ein, unb bleibt ber IPhtiib fpäter nod) längere $eit wunb. Vefom berS reijenb finb bie Veeren, weldje fogar Vlafen im Viunbe verurfadjen tonnen. Sinb Sl)eile ber verfd)lndt worben, was fiel) jebod) bei ber 554 Sd)itrfe biefeS (SifteS fdjmerlidj ereignen mirb, fo gefeiten fiel) 311 ben Srijmerjen im Sftunbe Aßürgen, (Srbrecljen, (Sotitfcljmerjen, Vangigfeit, Atßemnotl), Rittern, Betäubung nnb and) (Sonvulfioneu, djnmadjt, u. a. m. V e l) a n b l u n g: (Segen bie (Sdjmevjen im SDhmbe giebt man 2)?ild), nnb menn bas (Sift bem Verbauungsapparat eiuverleibt morbeu ift, fo ver* abreidjt man Vrecßmittel, fdjleimige (Setriinfe nnb Opium. Vei Vergiftungen mit bem (nidjt in Amerita vorfommenben) (Sumpf; ober Sdjlattgcufraut (Calla palustris) ftellen fid) bie gleichen Symptome, mie bei Vergiftung burd) ben Aronftab, ein. And) bie Veßanblnng ift bie gteidje. 6) (Soldjicaceen: Oie ober (Colchicum, Meadow-Saffron; f. $ig. 245) ift ein in HJHtteleuropa auf feudjten liefen gebeißenbeS 3miebe(gemärßS, beffen Vlütßeauf einem etrnal Suß ßoljeii Stengel fi(jt. Sie treibt im griipling Vlätter nnb blüljt im September nnb Octo» ber. S p mp t o m e: Uebelteit, (Srbredjen, SJZagenfdpnerjen, OeneSnniS (b. i. ein (Sefüßl von Spannung, krampf nnb fdpuerjpaftem Orangen in ber Aftergegenb), Oiarrßöe, Auftreibung beS VeibeS, großer Onrft, ©inten beS $ulfeS, Äälte ber (Sjtreinitäten, allgemeine nnb nervöfe (Srfdjeinungen (Stopffdjmerj, Oelirien unb Vetäubung). Ve» ßanblung: Vredjmittel beS 9tad)enS mit einem Seberbart, Vredjmeinftein in öfter 311 mieberljolenben Oofen von je 1-2 (Sran, •Vredjnmrjel in Oofen von je | Oßeelöffel in einer Oaffe marinem Sßaffer, Senfmeßl in Oofen von je 1 Oljeelöffel meiner Oaffe marinem VSaffer), fdjleimige (Setränfe, (Serbftoff, (Sffigmafdpmgen unb Vefpripen mit f'altem VSaffer, eventuell (Si3 auf ben $opf, (Srregungömittel Vranbp, Oropfen, dampßer). (Sriilicr ®crmer (Veratrum viride, Indian Poke, American Helle- bore; vergl. 9tannnculaceen) ift eine von (Sanaba bis Ijerab nad) (Sarolina auf fernstem Voben macljfenbe, vom 90?ai bis blüßenbe, 3 bis 6 ßmß l)ol)e mit ßellgriinen Vlätteru nnb grünlidpgelben Vlntl)en; letztere fteljen in DiiSpen jufammen, b. f). ber verjmeigt fid) in 9teben= ftiele (mit Vlütpen), meldje uid)t in gteid)er £ml)e enbigen. Alle SLtjeile ber bitter fdpiiedeiiben finb fefjr giftig. Symptome: ?ang- famer unb fanin fühlbarer $nls, große 2D?uSfelfd)mäd)e, feilte ber §aut, Sd)minbel, Seljftörungen unb mitunter Vemußtlofigfeit. V e* 1) a n b l it n g: Vredp unb bann (SrregungSmittel. Oer Patient muß unter allen Umftänben (and) beim Vredjen, mobei mau il)it in ein bredjen laffe) rußig auf bem dürfen, mit bem Äopf tiefer als mit ben Süßen, liegen bfeiben. Sails bie (SrregungSmittel mieber erbrodjen mer= 555 ® i f t p f l a u 3 e 11. Fig. 244. Fig. 243. SJierblätterige Einbeere, a) fjrudjt. Slionftab. a) SriidEjte, b) 93lüt!je oljne €5cf)ctbe. Fig. 245. Fig. 246. fjerbftseitlofe. a) Cuerfdjnitt bet grudjt, b) Wnt(5e,ittber2Jiitte bie SBlütfje. ©etbelbaff (Daphne Mezereum). a) griirfjt, b) Slütljen. 556 ben, finb biefelben in Älpftieren 311 geben. 2luf bie §erjgegenb unb bie (Extremitäten lege man fjeige glafdjen ober Umfdjläge. Sßeißcr Wenner ober lucifjc 9lic§Wurj (Veratrum album, White Hellebore) ift ber vorhergeljenben 'ißflanje täufdjenb ätjntid). VJädjftnidjt in 2lmerita, fonbern nur im continentalen (Europa, befonberö in ben 2llpen unb SBirb and) in ben Ver. Staaten jur Vertilgung von Sm fecten auf Sierpflanjen unb grüdjten (vornehmlich SopanniSbeeren) ge> braucht. ©eSpalb Wafdfe man grüdjte, Weldje in biefer Vejiepuug Den bädjtig finb, Dor bem (Effen ab. Symptome unb Veljanblung wie bei Veratrum viride. SababilbWcrmer (Cevadilla) ift eine in 3Rejifo peimifdje, 3 bis 4 $uß ljope Vflanje mit fdjmärjlidj'purpurrotljen Vlütheu. Symptome unb Vepanblung f. grüner ©eruier. 7) Von ben 21 r i ft 0 10 d) i a c e en (Ofterlujeigewädjfen) ift giftig: ©ie §afeltöurj (Asarum). 3Rit biefem Manien bejeidjnet man eine ''ßflanjengattuug, Don welcher bie canabifdje §afelwurj ober ber „wilbe Sngwer" (Wild Ginger) in SImerita Dorfommt. 2Birtt fdjwach (Erbrechen erregenb unb abfiiljrenb unb in großen ©ofen and) ljarntreibcnb. ©ie europäifdje ift ein ftärtereö, reijenbeS ©ift. V e h an b tun g: Vredjmittel unb fdjleimtge ©etränfe. 8) 3h ber Familie ber 21 r 10 c a r p e e n (Vrobfrudjtgewädjfe) gehört: ©er jatuiiiifdjc ©ift; ober llpaSbaum (Antiaris toxicaria), ein auf Sava, (EelebeS unb benachbarten SnfelnbeS iubifdjen 2lrdjipel§ wadjfenber Vaum, beffen fRinbe einen Ijödfft giftigen DJiildjfaft (baö 'ißfeilflift ber (Eingeborenen) liefert. Symptome: (Erbrechen, große Sdjivädje, um regelmäßiger 'ißulS, unfreilvillige (Entleerungen unb (Eonvulfionen. Sebe Veljanblung ift, ivenn eS nidjt gelingt, ba$ ©ift burd) (Erbredjen f 0 f 0 r t ivieber ju entfernen, wegen ber außerorbentlidjen (Eigenfdjaften f- 521) vergeblich. 9) Sn ber Familie ber (E a n n a b i n e e n (§anfgeiväd)fe) ift giftig: ©er inbifcfje £>anf (Indian Hemp), ber im nörblidjen ©h üon Snbien, im unb in heimifd), and) in anberen ©he^en 2Ifien§, in (Europa unb in ben Ver. Staaten (hauptfädjlidi im SBeften) cultivirt wirb. Sn feinen SBirtungen hat ber §anf 2lehnlid)teit mit bem Opium unb wie biefeS wirb er auch im Orient, unb jwar in Snbien unter bem Manien ©unjah unb in Arabien al$ $afdjifd), alö Veraufchungömittel verwanbt. 2llle ©l)eile ber Vftanje finb giftig, vornehmlich aber finb e$ bie blühenben (Enbjweige unb Spifcen. S p m p 10 m e: Sdjon ber ©uft 557 frifdjen $anfeSfollS?opffdjmerzen, ©djwinbel unb eine SlrtfRanfd) hervor* rufen, Znnerlicl) genommen verurfad)t er ferner ©d)läfrigfeit, nationen, Vetäubung unb GircnlationSftörungen. -03 e I) an blitng: Vredpnittel, ftarter fdpvarzer Stoffe, Gffigwafd)iingeii, falteS Vhiffer unb Gis (auf ®efid)t refp. Stopf), gjerumfüljren beS Stronten, tünftlidje Sltljinung. - ©ie folgen ber djronifdjen Vergiftung mit biefem Veram fdjungSmittel finb: Slfthmo, 9)tuSteIfd)Wäd)e, Slbmagerung, Vhil)iifinn unb frühzeitiger £ob. 3!n Vengalenfoll ein ©rittet ber ®eifteStrantl)eiten auf biefe Vergiftung zurüctznführen fein. VMe aber nufere 3Rol)npflaiize mir einen SDloljnfaft (Opium) liefert, ber feinen Vergleich mit bem beS orien* talifdjen 9Jtof)nS aushält, fo fteljt glüeflidjenveife and) ber omeritanifdje unb europäifdje Söanf in Vezug auf norcotifdje Gigenfdjoften weit unter bem £>anf beS Orients. 10) Z t) h111 ace en ober ©eibelbaftgewäd)fe finb ©träudjer ober Keine Vänme, welche tu Sluftrolien, ©üb*Slfrita, Guropa unb Slfien wilb wodjfen, aber and) in ben Ver. ©taaten unb anberen Säubern vortommen refp. cultioirt werben. Sille biefe ©ewädjfe enthalten in allen ©hotten unb befonberS in ber Dtinbe ein reizenbeS ©ift. Vetrügerifdje Vronntwein* unb Gffigfabritonten bebienen fiel) nidjt feiten beSfelben, nm ihren $a* brifaten ©djärfe zu Verleihen. ©er (gemeine) ©cibelboft ober StetferljnlS (Daphne Mezereum; f. $ig. 246), ber, in ©roßbritannien heimifdj, and) in nuferen ©arten ge- zogen Wirb, ift ein 3 bis 4 $uß Ijoljer Strand), ber je nad) ber Vtilbe beS StiimaS im Februar, SDtärz ober Slpril blafjrofa, ftarf bufteube Vlüthen trägt, weldje zu je Zweien ober breien zufammenftel)en. 9?ad) ben Vlüthen Wachfen erft bie etwa 2 Zolllangen, blafjgriiuen Vlättcr. ©ie oralen, rotpen finb leine Veeren, fonbern ©teiiifrüdjte. ©er ©emijj ber< felben ift ein beliebtes, aber l)öd)ft unfid)ereS Voltsmittel gegen V3ed)feD fieber unb V3afferfud)t. ©ie fRinbe ift bunteigrau unb läßt fiel) leicht Dom föolz abfdjälen. ßiue Slbart biefer Pflanze l)flt Weiße Vlüthen unb gelbe ß-rüd)te. §ierl)er gehört and) ber immergrüne ©eibelbaft ober S o r b e e r f e 11 e r I) a l S (Daphne laureola), ferner Daphne Gni- dium, it. o. m. ©ie frifdje 9Knbe, auf bie §aut gebracht, zieht Vlafen. Znuerlid) genommen ruft fie biefelben © i) m p t o m e, wie anbere äpenbe Pflanzengifte, hervor (9?acheiifd)inerzeii, Uebelteit, (?rbred)en, 5lbweid)en, 3Ragenfd)inerzen, u. a. in.). Vel) anblun g f. §erbftzeitlofe, ©. 554. 11) ß ompof i t en: ©er ©iftlottirf) (Lactuca virosa, Acrid Lettuce; f. $ig. 247) ift eine in Guropa I)eimifd)e Pflanze von 2 bis 4 gnß £>öl)e, bereu ©tamm 558 oben flehte Bweige abfenbet. Sie fyat zahlreiche fdjwefelgelbe 23lütl)en, roeldje in 9?iSpen georbnet finb. 2lnbere Sattidjarteu warfen in ben 23er. (Staaten, fo L. graminifolia (auf trocfenem 23oben oon S. ©arolina bis £ouifiana, 2 bis 4 $uß Ijocti), L. elongata (Trumpet Milkweed, auf feuchtem 23oben, Stamm bis zu 6 ftuß ljod)), u. f. w. Sie befauntefte Sattidjart ift aber ber überall wadjfenbe £ a 11 i dp ober © a r t e n f a l a t (Garden Lettuce) mit gelblidpgritneit 23lätteru unb hellgelben 23liitl)en. 2llle biefe Pflanzen enthalten in allen einen nareotifdj wirfenben 90lild)faft, unb zwar wirft ber Saft beS ©iftlattidj am ftärfften; berfelbe ift aber immerhin noch fo fdjwadj, bah tiur jiemlidj große Sofen merflidje 23 e r g i f t n n g S f p m p t o m e (Sdjwinbel, 23etäubung, (Erweiterung ber Pupille) hei't>orrufen fönnen. 23 e h a n b l u u g: 23red;mittel, ftarfer fcpwarzer Kaffee ober Sßee, (Sffigwafdjungen, ebentuell falte 23efpripun= gen unb (SiS auf ben $opf, §erumführen beS Patienten. 12) Sobeliaceen: Sie anfgcblafcnc ßobclic (Lobelia inflata ober and) Indian Tobacco genannt, weil ber ©erud) ber frifdjen 23lätter bem ber Sabafpflanze ähnelt) ift eine etma fußhohe mit behaartem Stamm, ber in ber EUtitte Bweige auSfenbet, felbft aber noch Weit über bie Spitzen ber Bweige herüorragt. Sie23lätter finb blafcgrün, bie 23(üthen blau unb bie fruchte Äapfeln mit fleiuen braunen Samenförnern. Sie Pflanze wäcpft in (Scu naba unb ben 23er. Staaten an 2Begen unb auf brad) liegenben Reibern. 3h1' ®efd)inatf ift beijenb (aljnlid) wie ber beS Rabats) unb Uebelfeit regenb. Slbarten biefer 'jßflanje finb bie in ben 23er. Staaten heimifdjen L. cardinalis unb L. syphilitica, bie auf (Sllba Wadjfeube L. longiflora unb bie in ©eutfchlanb üorfommenbe 2Bafferlobelie (L. Dortmanna). Sp mp t o m e: 23rennenber Sdjmerj imSd)limb uno äftagen, Uebelfein, 2ßürgen, (Srbredjen, Sdjiuinbel, Sinfen be§ 3)3ulfeS, Stätte ber §aut, großes Sdjwädiegefühl. 23 e h a n b l u n g: 23red)inittel, ®erb« ftoffabfochungen (f. S. 524), heiße Umfdjläge auf ben Seib unb (SrregungS- mittel (23ranbp, 2Bhi^et) oJ)er ie 15 Hopfen Salmiafgeift auf 3 Eßlöffel 2ßaffer). 13) Unter ben 23raunh)ui3geh)äd)fen (Scrophularineen) finben fiep mehrere höcpft wichtige SIrjeneipflanjen (j. 23. Fingerhut, ©nabentraut, 2(ugentroft), bie, wie ber Fingerhut, aber and) feljr giftig fein fönnen. Ser (Digitalis, Foxglove) ift eine, an fonnigen felfigen Orten unb in h°ßen ©ebirgswälbern SftitteleuropaS wilb wadjfeube welche na$ ber $arbe ihrer 23lüthen als ber r othe $inger# 559 ©iftpflanjen. Fig. 247. Fig. 248. yiotljer gingerljut. a) Srucfjt. b) Fig. 250. ® if t [a 11 id). a) üuerfdjnitt ber grudjt unb Stütze ©djttjaräer 9?acf)tfcbattcn. a) {yrücfjte, b) SoKtirfctje. a) b) 53liitlje. 560 h U t (Digitalis purpurea; f. $ig. 248) unb bei' blaßgelbe Ringer® b it t (D. ambigua) unterfdjieben wirb. VefonberS giftig unb barumauch heilkräftig ift ber rotl)e $ingerl)Ut, welcher als Bier® unb Slrjeneipflanje auch in ben 53er. «Staaten cultiüirt Wirb, ©ie Vlätter ber 2 bis 5 ftuß hoben finb am guße berfelben etwa 8 Boll laug unb 3 Boll breit unb werben nad) oben l)in fürder unb fdjmäler; auf ihrer oberen Seite finb fie bunfelgriin, wäljrenb bie untere Seite bläffer ift. ©ie Vliithen bongen am oberen ©heile beS Stammes (gewöhnlich nach einer Seite bin) an finden Stielen. ©aS ©ift ber ißflanje (am wirffamften im Samen) fe£t bie herab, unb wirb beSljalb Dom 5(rjte angewenbet, um bie 311 reguliren unb fieber 311 linbern. 53ei 31t großen ober 311 Dielen ©ofeu ftellen fiel) folgenbe Symptome ein: ©roefenheit im £>alfe, Uebelfeiit, (Erbrechen, ßeibfchmeqen, im $opf, Van® gigfeit, (Erweiterung imb Unbeweglichkeit ber Sßupille, ©bren® faufen, Schwäche. ©er Stob erfolgt - feiten Dor bem 6. ©age - burd) Stillftanb beS §er3enS unb SKernenlähmung. 53 e b a n b l u n g: 53red)® mittel, Stannin, (Erregungsmittel (Kaffee, SBein, u. f. w.), Senfteige unb falte Umfdjläge unb Uebergießungen auf ben $opf. ©er Patient muß immer in liegenber Stellung bleiben. ©aS (BüttcSgnabenfraut ober Oinabcntraut (Gratiola officinalis, Hedge-hyssop) ift eine in SQZittel® unb Snbeuropa auf naffen liefen unb fendjtem ®runbe wadjfenbe, etwa fußhohe mit gelblidpweißen ober blaßrötl)lid)en, nad) innen gelblichen 53lütl)en. ©ie grud)t ift eine eiförmige Zapfet. ©aS ©nabenfraut (auch ©all enf raut genannt) ift eine giftige - hierher gehören and) baS 5B a l b ® unb baS S n m p f l ä u f e f r a u t. - lieber Spmptome unb 53ehanblung bei Vergiftungen mit biefen Vflousen f. oben bei Fingerhut. 14) 2luS ber Familie ber (EonDolDulaceen ober SBinbenge® wächfe gehören 3U ben ®iftpflan3en: ©ie (Jalap) ift eine in beimifche we(d)e and) in (Europa (hauptfäd)lid) im Silben Don (Englanb) unb in Bnbien cultioirt wirb. (ES ift ein 5ßinbengewäd)S, baS fid) 31t beträd)tlid)er §öbe um benachbarte ©egenftänbe winbet unb ber3förmige Vlätter unb bläulidprothe 53lütl)eu I)ot. ©öS ©ift ift in ber £Bur3el enthalten. £ep® tere ift birnförmig, außen fd)Wai'3 unb innen weiß. 3d ber SDtebicm wirb bie Balappenwursel als Slbfiihrmittel (befonberS bei ®afferfiid)tigen in Verbiubung mit gereinigtem Seinftein) unb bei ßebercongeftionen, u. a. m. in Verbinbung mit (Ealomel angewenbet. Symptome: Uebelfein, 2ßiir® gen, (Erbrechen, (Eolitfchmer3en, ©urdjfall, Dermel)rte §arnabfonbe® rnng. 53el)anblung: Schleimige ©etränfe, ©piumpräparate, (Erre® gungSmittel. 561 ©ie purgirwinbc (Scammony) ift ein SßinbengewäcpS mit pfeit« förmigen 23lättern, baS in Sprien unb auf ben Unfein beS griecpifcpen SlrdjipelS peimifdj ift. (Symptome unb 23 e I) a n b l u n g Wie bei ber Oalappe. 15) S o l a n e e n (Sladjtfdjattengewädjfe) finb traut* ober ftraudj* artige Pflanzen mit abwedjfelnben Oättern, welcpe nad) oben ju päufig paarweife ftepen. 3U ipuen gehören and) bie Kartoffel, ber „fpanifdje 'Pfeffer", ber ©abat unb ber ßiebeSapfel. ©er ftpmnrjc 9lacptfipattcn (Black Nightshade; f. gig. 249) ift ein an SBegen, auf SIderlanb unb auf (Sdjuttpläpen päufig wacpfenbeSUn* traut, baS 1 bis 2 $uß Ijodj wirb unb Heine, Weiße 23lütpen pat. ©ie grüdjte finb juerft grüne, fpäter fdjWarje (fepr giftige) 23eeren, Weldje leidjt mit eßbaren $rüdjten üerwedjfeft werben unb fo ju Vergiftungen Veranlaffung geben. S p m p t o m e: SdjWinbel, (Singenommenpeit beS Kopfes, (GefidjtStäufdjuugen, rafcper unb fdjwadjer Puls, (Sr* Weiterung ber Pupille, Sltpembefdjwerben (Verlangfamung beS SItpmenS), ßiweißbilbung in ben Stieren unb gefteigerte (Smpfinblicpteit ber §aut. Vepanblung: Vredjmittel (| ©peelöffel 23red)WurjeIpiilüer ober 1 ©peelöffel (Senfpulüer in einer ©affe warmem Vßaffer), Slbfüprmittel (je 1 Eßlöffel SticiuuSöl ober alle 2 «Stunben 1 Eßlöffel gereinigtes Vitterfalj, b. i. (5pfom*Salj), p e iß e erregenbe (Getränte (VMjiSfep, Vranbp ober8 bis 10 ©ropfen in SBaffer). SllS (Gegenmittel wirb wegen feiner, ben giftigen 23eftanbtpeil im Stadjtfdjatten (baS Solanin) fällenben (Sigenfcpaften toplenfaureS Statron gegeben. ©er flcttcrnbe 91 ndjtfdjattcn ober baS Vitfcrfiiß, and) Sllpranten, Sßafferrauten ober §irfdjtraut genannt, (Woody Nightshade ober Bittersweet) ift eine in Europa unb ben Ver. (Staaten (üon Siew (Snglanb bis Dl)io) üorfommenbe ©traudjpflanje, weldje gern an Ufer* planen unb in fernsten (Gebüfdjen Wädjft unb fid) bei günftiger (Gelegen* peit 6 bis 8 $uß podj an auberen Pflanjeti emporrantt. ©ie fpipen 23lätter finb mattgrün, unb bie üiolett*blauen 23lütl)en paben in ber SJtitte gelbe (Staubblätter. 23lül)t vorn 3uni bis jum Sluguft. ©ie grüdjte finb rotße 23eeren üon länglidjer $orm. 23eim giebt baS §olj einen wibrigen (Gernd) üon fid). Symptome unb Veljanblung wie bei bem fd)Waqen 9tad)tfd)atten. ©ie clpflanje (Common Potato). 2IHe ©peile berfelben finb giftig mit SluSnapme ber üollftänbig im (Srbboben gereiften Knollen. Sinb fie beim Steifen ber Suft auSgefept gewefen, refp. paben bie Kartoffeln grüne gletfen, fo finb fie nid)t ju effen. Sind) ber (Genuß üon Kartoffeln, Weldje wäpreub beS SlufbewaprenS Keime angefept paben, ift ju üermei* 562 ben. Tie Symptome fiub im allgemeinen bief eiben wie bei ben vor« ßergeßettbett Nacßtfcßattengewäcßfeu. Nad) ©enuß unreifer ober fcßlecßter Kartoffeln (teilen ficß folgenbe ßrfdjeinnngen ein: (Erbrechen, Nußelofig« feit, Kälte ber §aut, Sltßembefchwerben, fdj wacher unb fdjuelter EßulS, Turdjfall (mit Kartoffelreften), (Eoliffdjmerjen; baS ©efidjt wirb rotß nnb gebnnfen. 33 e ß a n b l n n g f. feßwarjer Nadjtfcßatteii. Tie Xomatc ober ber SieticSapfel (Tomato), eine ebenfalls oßne 33efd)reibnng ßintäuglid) betannte Eßflanje (mit blaßgelben 33lumen nnb fieberfeßnittigen 33lättern) enthält in allen ißren Tßeilen mit SluSnaßme ber reifen $rucßt, welche als Nahrungsmittel feßr ju empfehlen ift, Sota« nin. Symptome nnb 33eßanblung wie bei bem fdjwarjen Nacßtf chatten. Ter gemeine Xabaf (Tobacco) ift in SImerifa ßeimifcß nnb würbe von hier jiterft im 16. nad) (Europa gebracht, nnb jwar von bem Nicot, nad) welchem ber Wirtfame 33eftanbtßeil im Tabat Nicotin genannt worben ift. (Sine 33efd)reibung biefer befannten tann woßl als überflüf fig unterbleiben. Tie Symptome einer acuten Nicotinvergiftung fiub: (Erbrechen unb (felbft blutiger) Turcßfall, große Scßwäcße, 3Itßembefcßwerben, Ohnmadjt, 33etäubung, Bittern, Krämpfe. 3n feßweren fällen tann ber Tob in 10 Wlinuten erfolgen. 33 eß an b« lung: 33redjmittel (falls baS freiwillige ©rbreeßen jögernb ift), Tannin« abfoeßnngen, ©rregungßmittel, falte Uebergießungen auf ben Kopf unb (Senfpflafter, u. f. w.) ©ine eßronifeße Nicotinver« gif tun g ift bie übermäßigen TabatgenuffeS. Tie Spmp« tome berfelben fiub: SNagen« unb Nacßencatarrße, ©lieber« jittern, 9NuSlelfd)Wädje, Aufregung beS NervenfpftemS ober gar Vähmun« gen unb 33linbheit (f. 320). @o hat ber englifcße 3Irjt 9Nadenjie bei unmäßigen Naucßern eine eigentümliche ?lrt ber (Erblinbung beobadjtet, Welcße er "Amaurosis of the smokers" nennt. Söer an §erj« ober ßungentranlßeiten (befonberS bei 33lutfpeien), an §uften, Slugemibeln, Kopffcßmerj, (Sdjwiubel, 3lppetitmangel ober SNagenbrüden leibet, follte lieber garnießt rauchen. £KMe bei jeber djronifdjen 33ergiftung ift aueß hier §auptfad)e ber 33eßanblung, bie fernere Aufnahme beS ©ifteS (Ni« cotinS), refp. baS Naudjen ju unterlaffen; ferner forge man für Kräfti« gung beS Körpers (f. ©. 524). Tie JnllfirfdjC (Atropa Belladonna, Deadly Nightshade ; f. $ig. 250) ift eine in Europa ßeimifeße, aber aueß in ben 35er. Staaten ju SIrje« neijweden cultivirte, feßr gefäßrlicße ©iftpflanje, bereu fämmtlicße Tßeile (ßauptfäcßlid) bie 3Burjel) baS betr. Sllfaloib, 3Itropin, enthalten. SBilb wäcßft bie Tollfirfcße an (Wattigen flößen, längs SNanern, u. f. W. Ter Stengel, bereu meßrere ans einer SBurjel ßervorfprießen, Wirb bis ju 5 563 ©iftpftansen. Fig. 251. Fig. 252. Stecfiaptel. a) Srud)t, b) 93lütbe. 'ßilfenfraut. a) Brudjt (mit ®ecte(), b) 93 tittbe Fig. 254. Fig. 253. Sräljcnauflenbcntm. a) ©urcfifcfjnittene gruajt, b) ®(ütf)e, c) Same. ©elfemium. a) 564 pod), fiel) wieberpolt in Slefte, unb nimmt bie jnlept bie ©eftalt eines StraucpeS an. Sie an Stielen pängenben Vlütpen, Welcpe einen fünfteiligen grünen Kelcp unb eine violett*braune glotfige Vlunten* frone paben, ftepen einzeln an ben Sleften. Sie blüpt im 3nli nnb Sluguft. Sie $rüdjte finb glänjenbe, fdjtvarjblaue Veeren in je einem fünfblättrigen Keldj. Spmptome: Srocfenpeit int SRunb nnb §als, verminberte ober ganj aufgepobene Speidjelabfonberung, ber Spredjorgane, Sdjlingbefdjwerbeu, Scpwinbel, Srunfenpeit. Sie Pupille wirb unbeweglich nnb bepnt fief) ans, mitunter fo ftarf, bajj berSIugenftern napejtt verfdpvinbet. Sie Singäpfel rötpen fid) nnb treten pervor. Ser Kopf wirb fdjwer nnb eingenommen, ber ''ßnls fepr befdjleunigt, nnb bei Sinfen ber (mit bent Spermometer gemeffenen) Körpertemperatur füplt fiel) bie §aut beS Patienten peijj an. SJlandjmal bebeeft fid) ber ganje Körper mit fdjarladjartiger Qiötpe. ©efidjtsftörungen (Unbeutlid)*, Soppelt*, Junten*, $arbenfepen, u. a. nt.), Weldje fid) gleidj int SInfang bemerfbar maepen, unb bie Sdjlingbefdjwerbeu fteigern fid) nad) unb nad) 31t £>allucinationen (weift Ijeiterer Statur) refp. 31t Veafferfdjeufrämpfen. Ser Patient verfudjt 311 tanjen, fpringen ober fliegen, tnirfdjt mit ben £äl)nen, ift rebfelig, ladjt, tobt unb raft. Sarauf folgt Vetäubung. Ser Verlauf einer folcpen Vergiftung jiept fid) meiftenS nteprere Sage pin. 3m ungünftigen $al(e treten allgemeine Krämpfe, Sdjwädje, ßäpmung, unwillfürlidje Entleerungen, unb Sdjlaffudjt als Vorboten beS SobeS ein. Ve l) unblutig: Vredjmittel (| Sljeelöffel Vred)Wurjel ober 1 Sljeelöffel Senfmeljt in einer Saffe warmem SBafferober and) vor* erft nur warmes Vutterwaffer), Sibfüljrmittel (OUchtuSöl, KIpftiere), ba* rauf ©erbftoff (Sannin, (Sidjenrinbeabfodjttng, ftarfer fdjwarjer Kaffee), ferner fein gepulverte frifdje §ol$fol)le unb gegen Sdjwädje (ErregungS* mittel (Vranbi), V3I)iSfel) tpeelöffelweife ober 8 bis 10 Sropfen Ijorngeift in 3 (Sfjlöffeln Sßaffer). ©egen Srodenljeit im SDiimbe unb gebe manSJHldj. Sie ©eljirnjufälle finb burd) falte Umfdjläge ober Uebergiefjiingen unb Senfpflafter jn befämpfen. Ser gemeine sterfjapfcl (Thorn Apple, Jamestown Weed; f. $ig. 251) ift eine in popein ©rabe narcotifd) giftige tveldje in ©ärten, an Sßegen, an Sdjnttpläpen, n. f. w. in allen ©rbtpeilen Wilb wädjft. bnrdjfdjnittlid) 3 meift äftiger Stengel pat bnnfelgrüne, fpipige, Vlätter, bereu ©ernd) nnb ©efdjmacf fdjonbaS@ift anfünbi* gen, unb vom SO?ai bis (je nad) bent Klima) oberSlnguft einzeln fteljcube, aufredjte Vlütpen mit langröpriger weiter Vlumenfrone unb röprigem, fünffantigem Kelcp. Sie $rüd)te, weldje bie ©röfje eines flei* neu Slpfels erretdjen fönnen, finb ftad)lid)t unb enthalten viele fdpvarj* braune, linfenförmige, runzelige Samenförner. Siefe finb wie alle Speile 565 ber ''ßflange giftig. Symptome: Sdjwinbel, Unempfinblicpfeit ber SDaut, notier, langfamer 33ulS, Erbrecpen, (oft blutiger) ©urcpfall unb üpnlicpe Symptome wie bei ber ©ollfirfcpvergiftung: ©eficpts* unb Spracp* ftörungen, Erweiterung ber Pupille, fcparladjartiger SluSfcplag, Siaferei, u. f. w. 33 e p a n b I u n g f. ©olltirfdje. ©aS fcpWarjc 23ilfcnfraut (Black Henbane; f. $ig. 252) ift eine bon Europa nad) ben 23er. Staaten verfcpleppte ©iftpflanje, weldje jept im Sterben unb ©ften unfereS SanbeS (befonberS in ber ©egenb von De- troit, Sfticp.) in alten ©arten, Äirdjpöfen, SJlauertrümmern, u. f. in. wilb wücpft. Sille ©peile ber finb giftig, ©er bis ju 3 bis 4 $uß pope Stengel pat eiförmige, fettige, bidjt bepaarte 33lütter, weldje einen übel riedjenben, fiebrigen Saft auSfcpwipen, unb glocfige, in einem grünen Äeld) fipenbe 33lumenfronen, bie oben gelblidpweiß unb violett nepförmig ge* abert, im Scplunbe (in ber ©iefe beS SteldjeS) aber von Färbung finb. ©ie grmpt ift eine jweifüdjerige, im Steldj fipenbe Stapfei mit einem ©edel, ber bei ber Steife abfpringt, fo baß bie flehten gelblicp* grauen Samenförner jum 33orfdjein fommen. Seidjt verwedjfelt werben folgenbe ©peile biefer bie 3öur$el mit Eidjorienwurjet ober mit Raffinat (Parsnip), bie jungen 33lütter mit Enbivienfalat unb bie $rudjt* fapfeln mit Stüffen. ©ie Symptome gleicpen ber ber ©olltirfdje unb beS StedjapfelS, nur baß größere Steigung ju Strümpfen unb Scplaffucpt vorpanben ift, unb bie ©elirieu rupiger finb. 33epanblung f. ©oll* tirfdje. 16) 3u ben 21 p o c p n e e n (§unbSgiftgewücpfen) gepört: ©er ©leanber (Nerium Oleander), eine in Sübeuropa peimifdje, and) in ben 33er. Staaten cultivirte 33efonberS giftig ift bie Stinbe. Symptome: Uebelfein, Erbredjen, Sdjwädje, Eoliffcpmer* jen, Erweiterung ber Pupille, Sdjwinbel, Strümpfe, Scplaffudjt. 33 e* p a n b l u n g: 33recpmittel (Stipeln beS mit einem Senf* ntepl in warmem SBaffer), fein gepulverte frifcpe ftarter ©pee. 17) Soganiaceeit: ©ie örccpnußbäumc (Strychnos): ©er ed)te 33redjnuß* ober St r ä p e n a u g e n b a u m (S. Nux Vomica; f. gig. 253) ift ein in ©ft* inbieu peimifcper, mittelgroßer 33aum mit ntnblicp*ovalen, glünjenben 331üttern, Meinen Weißen 33lütpen unb gelben ftrücpten von ber ®röße einer SIpfelfine; in biefer finb nußüpnlicpe, bepaarte Samenferne (33rcd)* nüffe, Äräpenaitgen) entpalten. ©er UpaSftrauöp (S. Tiente; nicfjt mit bem UpaSbaum ju verwedjfeln) auf ber $nfel wacpfenb; bie Sßurjelrinbe liefert bas ©er Uraribaum 566 (S. guayanensis), ein in (Suapana unb 33rafilien wadjfenber 33anm, aus beffen 3Rild)faft baS („amerifanifdje") Spfeilgift Curare ftammt. ©er 3 g n a t i u S ft r a u cf) (S. Ignatii) wäd)ft auf ben 'Philippinen. Sille biefe @eiväd)fe enthalten als ivirtfamften 33eftanbtl)eil ein ®ift, baS Sllfaloib Strpdjniii. CS ift baS ein fRücfenmarfSgift, baS, wie alle feiner Slrt auf baS Siitdenmarl toirfenb, bie non legerem verforgten (mo* torifdjen) Einstein in krampf verfemt, Währenb baS ®ehirn faft unberührt bleibt ober erft burd) bie Sladjwirtnng in Wlitleibenfdjaft gezogen wirb. S l) in p to nie ber (StrychninVergiftung: 33 e i v o 11 e m -33 e w u ft t f e i n beS Uranien ftellen fid) Slngft, Unruhe unb Unvermögen, fid) jtt bewegen, ein, worauf einzelne SRuSfelpartien unb fd)lieftlid) alte willfürlidjen SRiiS* teilt in frampfhafte .ßutfungen geratljen. ©er Körper wirb hort, fteif unb berart getriinimt, baft er nur mit bem Äopf unb beit Werfen aufliegt; gleidjjeitig tritt ein, fo bah ber Trante ben SDlunb faunt eine Öinie 311 öffnen vermag. Stuf bem ©eficpt prägen fid) höd)fte Slngft unb in ß'olge Starrkrampfs ber SlthmungSinitSfeln CrftitfungSnotl) aus. Plötzlich tritt eine 33efferung ein, aber beim leifeften (Seräufd) ober ber geringften 33erül)rung ober auch von felbft tritt halb ein neuer Slnfall ein. S3 el) einblütig: ift faft nur möglich, wenn baS ©ift fofort bttrd) 33red)mittel wieber aus bem Körper entfernt wirb. ©aS ®egem mittel ift ©erbftoff (©aniiin, Slbtocbungeii von Cid)en- ober SBeibenrinbe ober ©alläpfeln), welcher mit bem Strl)d)ninfd)Wer lösliche 33erbinbungen eingeht. (Segen ben Starrkrampf: Cl)lorall)I)brat ober Cinathmungen von Chloroform. ©ie Spigclic (Pinkroot) kommt in jwei SIrten vor, von beneit bie eine in Sübamerika, bie anbere im Süben unb Sübweften ber 33er. «Staaten wäd)ft. bie DR a r p l a n b i f d) e @ p i g e l i e (Caro- lina Pink), ift eine 18 bi§ 20 ,$oll l)ol)e, nuf reichem 53oben an SÖalb* räubern gebeiljenbe 33f-fcm3e mit mehreren Stengeln, welche an§ einer SBurjel hervorfpriepen. Sin jebent Stengel finben fid) (vom 3Rai bis 3nli) oben an fnrjeit $5liitl)enftieleit 4 bis 12 carmoifinrotl)e unb innen orangegelbe 53liitl)en. ©ie $riid)te finb Samenfapfelit. S i) nt p * tome: Sd)Winbel, ®efid)tsftörnngen, erweiterte Pupille, Krämpfe ber (Sefid)tSmuSfeln unb Slugenliber unb felbft allgemeine Krämpfe. 33 e = !) an bl tut g: 33recl)mittel, frifdfe gepulverte gwQfohle unb ftarter Sl)ee. (Selber (Gelsemium, Yellow Jasmine ; f. gig. 254). (5S ift bieS ein einl)eimifd)eS präd)tigeS Sd)linggewäd)S, baS auf reichem, feud)' teilt 33oben längs ber Seelüfte von SSirginia bis ffloribä gebeil)t, fiel) an ben 33äumeit emporwinbet unb oben von 33aum 31t 33aum verbreitet, ©ie 33lätter finb auf ber oberen Seite bunfelgritn unb auf ber unteren Seite bläffer. ©ie giftigen 33lütl)en, weld)e im gi'ühjaljr erfdjeineit unb 567 ® i f t p f l a n 3 e n. Fig. 255. Fig. 256. 2ßafferf(f)i«lütg, &) (Jru$t, b) Stütze. JpunbSDeterfilie. a) grutfjt, b) Stütze. Fig. 258. Fig. 257. öeflecttcr Schierling. a) <5ntcf)t, b)®lütfjeit. ßücfienfcficne. a) grucfit, a') grüdjte. 568 einen balfamifdjen ©uft verbreiten, finb bunteigelb unb glotfenförmig. ©ie $rüd)te finb flad)e, in jwei £t)eite jerfalleiibe Samentapfeln. S 1) in p t o m e: 9Jtu§felfd)Wäd)e (befonberS ber Slugenlib- nnb $auntuS* fein), Sdjwinbel, ®efid)tsftörungen, erweiterte Pupille, allgemeine Sdpvädje, langfamer nnb fdjivadjer langfameS, befcßwerlidfeS 2ltl)men. £3 e 1) anb l nn g: Brechmittel, fdjleiinige ©etränfe, (Erre- gungSmittel. 18) 2InS ber Familie ber U m b e 11 i f e r e n (©olbenträger) gehören hierher: ■Der 2Baffcrfd)ierling ober giftige BHitljerid) (Water Hemlock, Cow- bane; f. $ig. 255) ift eineBflanje, welche in BJaffergräben nnb an Ufern von kläffen nnb Seen wäd)ft. Sie wirb 3 bis 6 $uß Ijodj unb hat einen rotljgeftreiften Stengel, Blätter nnb jiemlid) große ©olben weißer Blüthen. ©er riibenförmige, fleifchige Sßurjelftoct ift weißgelb unb innen I)ol)l, aber babei burd) Querwänbe in Heine §öl)len abge« theilt (f. gig. 255a). (Er fdjmedt füß, enthält aber wie alle anberen ©he^e ber in feinem gelblichen Saft ein heftiges ®ift. Symptome: (Srbredjen (bisweilen blutig), Sd)lingbefd)Werben, brennenbe in ben (Ein- gelveiben, 2luf getriebenfein beS Unterleibs, Äopffdjmeqen, Sdjwinbel, Sd)laffudjt, (Erweiterung ber Pupille, Krämpfe. ©er ©ob erfolgt gewöhnlich nach wenigen Stunben. B e 1) a n b l u n g: Brechmittel, fdjleimige ®e>- tränte, (ErregnngSmittel, fdpvarjer Kaffee, trotfene heiße Umfdjläge unb fiinftliche Slthmung (f. UnglücfSfälle unb Bergungen). ©ie (Fool's Parsley; f. gig. 256), auch ©leifte ober ©eufelspeterlein genannt, ift eine mit ber echten leidjt 31t verwedjfelnbe weldje gewöhnlich 1 bis 2 $uf} h0(t)r mitunter aber nur fingerhod) wirb. Sie hat ©olben Weißer Blüthen. Bon ber edjten unterfdjeibet fie fiel) burd) bie buntelgriinen Blätter, welche, 3Wifd)ett ben Ringern gerieben, einen tnobland)artigen ®erud) von fiel) geben, unb burd) bie Weißen Blüthen unb anberS geftalteten Früchte. Sie finbet fid) in (Europa unb Slmerifa (sJtew Spmp' tome unb Beßanblung f. B3afferfd)ierling. ©er geflcrftc Spierling ober Blutfdjterling (Poison Hemlock, Spotted Hemlock ; f. gig. 257) ift ein 3 bis 8 $uß I)ol)e§ ®iftgewäd)S, baS ebenfalls in (Europa unb ?lmerifa unb jwar an Sßegen, Reefen unb auf Schuttplähen wäcl)ft. ©er Stengel ift hohl unb blutrot!) geflectt, bie Blüthen finb weiß unb fteßen in ©olben jufammen, bie ber Fig. 255a. t)oturÄ"eiftoi'ctulS§ 833afferfcf)icriin08. 569 äpnlicpen Vlätter finb unten über 1 $uß fang unb oben Heiner, nnb bie Weißlidje Sßurjel äpnelt ber ©ie blüpt im 3uni unb 3uli unb giebt bann einen mäufeartigen ®erucp Don fid), ben übrigens and) affe paben, Wenn fie $wifd)en ben Ringern gerieben werben. 9llle ©peile finb giftig, befonberS ber «Samen, Weldjer leidjt mit SIniSfamen Derwed)felt Wirb unb in ben fugeiigen teil mit geferbten SRippen enthalten ift. S l) m p t o me: Sdjwinbel, @r- Weiterung ber Pupille, laugfamer unb anSfepenber VulS, SRuSfelfcpwäcpe, Scplaffucpt unb (Srfdjwernng ber Sltpemtpätigfeit; in einzelnen fällen and) Grbredjen, ©urd)fall, ©elirien unb Vetäubung. ©er ©ob erfolgt burd) ßäpmnng ber SltpcmmnSfeln bejw. (Srfticfnng. 3n ©enefungSfällen beftept nod) ©age lang Scpwäcpe unb Rittern ber Veiue. 33 e l) a n b l u n g: 33red)mittel (1 ©peelöffel Senfmepl ober | ©peelöffel 33red)Wurjel in einer ©affe warmem Sßaffer), ©annin (| ©peelöffel in einer ©affe SBaffer) ober als (Srfa£ bafür ®erbftoff4(bfod)iingen (ßidjem ober 3ßeibenrinbe, ©all- äpfel), trocfene peiße Umfdjläge auf ben Veib unb gegen ?äpninngSerfd)ei* nungen ©rregungSmittel, ©ffigflpftiere unb fünftlicpe Sltpmung (f. Um glütfsfälle unb Verlegungen). ©er fier auf djcnbc Hälbcrfropf ober ©aiiinclfcrbcl (Anthriscus sil- vestris) ift faft auf allen liefen in Europa fo päufig ju finben, baf? bie VJiefen im 9)iai unb 3uni Don feinen 33lütpenbolben ganj Weiß erfcpeinen. (5r wirb bis ju 3 guß ßod), l)at einen paarigen, gefurcpten Stengel unb bringt glatte länglidje grüdjte, welcpe juerft grün finb unb fpäter fdjwarj werben, ©ie VJurjel pat betäubenbe ßigenfcpaften. Vepanblung: 33red)inittel, ©erbftoff unb (SrregungSmittel. $u ben giftigen ©olbenträgern gepören nod) meprere Wirten Don fReÖcnboIbcit (Oenanthe crocata, Oe. fistulosa, Hemlock, Water- Dropwort, u. a. m.), weld)e ebenfalls giftige (Sigenfcpaften paben. öS finb enropäifd)e Don beuen aber and) 2 ober 3 Wirten in ben Ver. Staaten Dorfommen. Spmptome: Wlagenreijimg (mitunter and) §alSbefd)Werben, (Srbredjen), Störung ber Vlutcirculation, Sd)Winbel, GoiiDuIfionen, Vewußtlofigteit. Vepanblung: Vred)* mittel, ©erbftoff, GrregungSmittel. 19) Familie ber 2R e n i f p e r m e n: ©er (Anamirta Cocculus), ein in ©ftinbien unb an ber Äüfte Don HRalabar peimifcpeS Straudjgewäcps, beffen fyrüd)te bie giftigen cntpalten. ©er wirtfame Veftaubtpeil berfelben ift baS ViftDtojin, ein 9tücfenmartSgift. ©iefe Körner Werben, als Stöber mit $äfe ober ©eig Dermengt, gebrampt, um fyifdje betäuben, woper bie Vffuttje and) ben tarnen „f i f d) t ö b t e u b e r 9)1 o n b f a m e" pat; 570 ber (Senuß folcßer $ifd)e ift aber (waljrfdjeinlitfj) lebensgefährlich. ®e« wiffenlofe Stauer bie Körner audj, um §opfen ju fparen, Dladj« gätjrung ju bereiten unb ißr Sier (befonberS Slle unb porter) beraufdjen« ber ju madjen. Slj m p tarne: Uebelfeit, (grbredjen, Sdjlaffudjt, Setäubung, Bitteru, SJhiSfelfdjWädje, Krämpfe, SIbfonberung eines jäljen Speidjels, Erweiterung ber Pupille uub fdjließlidj Serlang* famung ber uub Sltljemjüge uub allgemeine Säßmung. S e « ßanblung wie bei Strtjdjninbergiftung; f. Sredjiiußbäiime, @.566. 20) Son ben fRanunculaceen finb ju erwähnen: ©ie berfdjiebenen Sitten bon ÄiitßcnfdjcHe (Pulsatilla). §ieqit ge- Ijörett mehrere europäifdje Sitten (fo bie gemeine Äiidjenfdje11e ober £) ft e r b l u m e, bie auf trodenen, fonnigen in ©eutfdjlanb fdjon im Slnfang beS braun-biolette Sliitljen trägt) unb bie in Slmerita, in SJlinnefota unb anberen «Staaten weftlidj bom SJäffiffippi, wadjfenbe Pulsatilla Ludoviciana. Es ift bieS eine auf trodenem, fanbi« gern Soben gebeißenbe meldje fdjon im Slnfang beS fyrüßjaljtS blaffe, purpurfarbene Sliitljen trägt, unb bereu Slätter unb Slütßenften« gel mit feinen, feibettartigen paaren befett finb (f. gig. 258). ©ie gifti- gen frifdjen Slätter unb Sliitljen haben einen fdjWadjen Eampljergerudj. Symptome: Uebelfeit, Erbredjen, (fdjleimiger) ©nrdjfall, bermeljrte Sdjineifc unb Urinabfonberung (mitunter gefolgt bon einem bläsdjen- ober puftelartigen eigentljiimlidje (Scfjmerjen unb ©efidjtS- ftörungen. Sepanblung: Sredjmittel (1 ©Teelöffel ©enfmeljl in einer ©affe warmem SSaffer unb beS §alfe$), große ©ofen gepul* berter frifdjer unb ftarfer ©Ijee. Sille Sitten bon (Sutterblume; Crowfoot, Buttercup), ©iefe nwljlbefaniiten Slitmen mit fiinfblätterigen gelben Äeldjen unb fünf« blätterigen grünen Slumentronen loadjfen wie in Europa, fo audj in ben Ser. «Staaten auf allen SJiefen. B1161!* (>m -Stmi) Ra- nunculus bulbosus, fpäter bie anberen Sitten (fdjarfer ®ift« tjaljiienfuß, u. a. m.), fo baß biefelben gelben Slütljen bis juin September auf ben Sßiefen erfdjeinen. Symptome: heftige (Sntjünbung im SOhtnb unb §alfe, meSljalb bon biefen feiten etmaS berfdjlucft werben wirb. Bft baS bodj ber $all, fo ftellen fidj Sdjmerj unb (Sntjün« bung im HRagen ein, ferner Serlangfamung unb ber Sltljinung unbmitunter audj Sätjmung berGrytremitäten. Seßanblung: (Segen bie (Sntjünbung im DRunbe füljtenbe unb abftringirenbe SOlunbmaffer ((Sidjenrinbeabfodjungen, Säuren, SU?prrt)entinctttr«, Sorap« unb Sllaun« löfungen, u. a. m.). Sßurbe etwas berfdjlutft, fo gebe mau Sredjmittel, ftfjleimige (Setränfe, (SrregungSmittel. 571 ® i f t p f l a n 3 e n. Fig. 260. Fig. 259. ®rüne 3?ie§tt>wrä. a) grüßte, b) ©ante. gdjtoarse a) 9lufge= ffcrintgcne griicfjte. Fig. 261. Fig. 262. ©turntljut a) a') aufßefVrunflene grüdjte, b) ßänßgfcfjnitt Ser ® litt (je. 6ijpreffen=5®olf§mitrf). a) ©lütljen, a') IDeiölictje 33 lütje. 572 33on ben (edjten) üiieS wurzarten, weldje nid)t mit ben (Ger* ment äpnlidjen ober gleichen Samens zu venvecpfeln finb (f. S. 554 unb 556), finbet fiel; in ben 33er. «Staaten als wilb waepfenbe Pflanze nur biegriinc UlieStourj (Helleborus viridis; f. gig. 259), unb zwar auf Song Zslanb, wopin fie von (Europa verfcpleppt worben ift. ©iefe, in üDtittel* unb Sübbeutfdjlanb, granfreiep unb ber Scpweiz peimifd)e (Giftpflanze Wirb 2 bis 3 guft fjoef) unb pat einen nur an ben 33eräftelungen beblättert teu Stengel unb (im grüpling) grüne 33lütpen. ©ie fdjwarjc UHcSWurj (Helleborus niger ; f. gig. 260) Wäcpft in Sübbeutfdjlanb, ber Sd)Weij, ©beritalien unb granfreiep wilb; in ben 33er. Staaten Wirb fie ljier unb ba als Zierpflanze cultivirt. ©ie fepwarje Nieswurz pat nämlid) anfepn* liepe Weifte ober weiftlid)*rötl)lid)e 33lütpen, Weldje fie niept feiten fepon mitten im 3Binter entfaltet, weSpalb fie and) Sdjnee* ober 3Beipiiad)tSrofe ober SBinterblume genannt wirb. Sie pat einen furz Verzweigten 3ßurzel* ftoef von ziemlich | 'guft Sänge, bie 3öurzeln finb unb biet unb bie Saubblätter ziemlid) anfepnlicp unb fleifdjig. ©ie ftinfenbe 9ite§wurz (Helleborus foetidus) fommt in ber ber fepwarzen Nieswurz unb aufterbem in Englanb vor. Sie pat fcpellenförmige grüne, purpurn gefäumte 33lütpen unb beblätterte Stengel. 333ie biefe brei, finb bie vielen anberen 9?ieswiirzarten in (Griecpenlanb, im Orient, u. f. w. (Giftpflanzen, Weldje anep als Slrzeneipflanzen VerWanbt werben. Symptome: Speidjelflnft, Erbrechen, Scpwinbel, Erweiterung ber Pupille, vermehrte 33etäubung, (GefidjtSftörungen, bei Heinen ©ofen ver* langfamter unb bei groften ©ofen befcpleunigter £>erzfdjlag CißulS), 3ltpembefdiwerben unb falte §aut. 33 e p a n b l n n g: 33recpmittel (je 1 ©peelöffel Senfmeljl in einer ©affe warmem ©Baffer nnb ßipeln beS 9tadjenS), trodene peifte Umfcpläge, Erregungsmittel (3D3l)iSfep, 33ranbi) ober je 15 ©ropfen SalmiaffpirituS in 3 Eftlöffeln SBaffer); gleidjzeitig gebe man ftarten ©pee unb erregenbe ©ofen (für Erwacpfene je 15-25 ©ropfen) ©piumtinctur. ©er Patient bleibe rupig liegen, Sltpmnng. 33ei befd)leunigtem §erzfd)lag fepe man von ErregungS* mitteln ab. ©er Sturms ober Eifcnpnt (Aconite, Monkshood, Wolfsbane) fommt in ben 35er. Staaten in z'vei wilb wad)fenben Slrten vor. ©ie eine berfelben pat einen aufrechten Stamm von 2 bis 6 guft §öpe. ©iefe Pflanze, weldje vom Staate 9?ew 5)orf herab bis nach ©eorgia wilb wäcpft, wie anbere Sturmhutarten aber and) in anberen ©heilen ber 33er. Staaten cultivirt wirb, hat ferner violette ober blaue 33lütpen, von bereu, einem §elm mit gefd)loffenem 33ifier äl)nlid)er gorm fie ihren tarnen erhielt, unb hanbförmige 33lätter, weld)e auf ber oberen Seite bitnfelgrün finb unb beim Saiten ein (Gefüpl ber Erftarrung im EDhuibe pervorrufen. 573 £)ie Pflanze blüljt im 3uli unb Sluguft, unb ftel)en bie 23lütl)en in langen Xrauben ober ppramibalen Sträußen an ben Spitzen ber 3lue'9e (f* Ä 261). 3jie 23lätter ljaben 2lel)iilid)teit mit beiten beS Sellerie ober beS Sauerampfer. Sille Xljeile ber Pflanze finb giftig, befonberS aber bie 2öurzel, meldje iljre bösartigen (Eigenfdjaften and) im getrocfneten 3uftanb beibeßält. Sie wirb leidjt mit SJJeerrettig vermedpelt imb inerte man fid) beSßalb folgende UnterfdjeibungSjeidjen. Xie Sturmputmnrzel ift bunte!« braun, berßältnißmäßig furz (wie eine fRübe) unb fpifj julaufenb, möge« gen ber SReerrettig änßerlid) pellbraun unb laug ift unb nid)t fo fpijj ju« läuft. 23ei einem Sdjnitt burd) bie Sturmljutmurzel mirb fid) bie juerft meiße Sdpiittflädje an ber Snft halb rötßlid) färben, mäljrenb bie ftlädje eines Schnittes burd) SReerrettig meiß bleibt, ßefcterer fdjmectt bitter unb beißenb., unb baS Saiten ber Sturmljutmiirjel uerurfadjt (mie baS ber 23lätter) ein (Gefüljl ber (Erftarrung unb im SRunbe. Xie jmeite milb maepfenbe Sturmputart ber 23er. Staaten ift Aconitum reclinatum. Xiefe Pflanze fommt in bem Slllegpaiip«(Gebirge, 23irginien unb meiter fiiblid) vor unb pat einen 3 bis 8 §uß langen am 23obcn liegenben Stamm unb meiße 23lütpen. Slnbere Slrten biefer (Giftpflanze madjfen milb in Xeutfcplanb unb auberen Räubern (Europas, inSlfien, u. a. m. ober merben als (Gartenzierpflanzen cultivirt. Sille biefe Slrten paben mie bie oben zu« erft genannte einen aufredjten Stamm, traubenförmig geftellte 23littpen, u. f. m. Xie ftarbe ber letzteren ift aber verfepieben (meiß, gelb, rofen« farbig, violett, blau). Xie ivirtfamen 23eftaubtpeile im Sturinput finb baS äußerft giftige Sllfaloib Slconitin unb jmei 23afeu (Shpellin unb Slco« nellin). Symptome: 23ielleid)t fd)on nad) menigen SDHnuten unb fpäteftenS nad) einer Stunbe ftellen fid) 23reunen unb im fUlnnb unb Sdilunb ein, ferner Speidjelfluß, SJZagenfdjmerj, (Erbredjen unb ®urd)« fall, Simeifenlaufen unb dribbeln in ben Ringer« unb 3el)enfpiljen, Stö« rungen ober 23erluft beS (GefidjtS, beS (GeljörS unb ber Spradje, Sdjmim bei, Betäubung (babei bleibt aber baS erhalten), (Ermeiterung ber Pupille, Sinten beS Sltl)einbefd)merben, falte, fiebrige Sdpveiße unb 231aumerben beS (GefidjtS. 23 e p a n b l u n g: 23red)mittel (je 1 !Xl)ee« löffel Senfmeßl in einer Stoffe marinem Söaffer ober 20 (Gran meißer 23itriol, b. i. fdjmefelfaureS .gilitojpb, in einer ßalbeu Xaffe Sßaffer), (Gerb« fäure (Tannin refp. (Galläpfel«, (Eidjen« ober 2Beibenrinbeabtod)ungeii, ftarter fdimarjer Kaffee ober grüner XI)ee), (SrregungSmittel (SßpiStep ober 23ranbl) alle 10 fDiiiiutcn tßeelöffelmeife, Salmiatgeift in Xofen von je 15 Xropfen in 3 (Eßlöffeln Sßaffer), Senfpflafter auf SQJagengegenb, §ußfol)len, u. a. m., öieiben beS Patienten. X)er gtitterfporn (Larkspur). ®iefe betannte um« faßt mehrere Slrten, meld)e in ben 23er. Staaten peimifd) ober naturalifirt 574 finb. 2llle 2lrten eine fdpvad) narcotifcpe Sßirfung, unb zwar ift biejenige beS fübeuropäifcpen Üiiiterfporn am fräftigften. Ser Samen beSfelben, weld)er unter bem Manien SteppanS? ober Säufeförner befannt ift, wirb vielfad) gegen Ungeziefer (Säufe, Krätzmilben) angewenbet unb giebt leid)t, b. p. wenn bie §aut an ber 2lnwenbitngSftelle verlebt ift, jn Vergiftung 23eranlaffung. Spmptome unb 23epanblung wie bei bem 23orpergepenben. ben 9?auunculaceen gepören nodj: ber titelet (Columbine), von Welcpem eine 2Irt (ber canabifcpe 2(.) in ben 53er. Staaten peimifd) ift unb eine anbere (ber gemeine 21.) bafelbft als Zierpflanze cultivirt wirb, ferner alle Slrten non SenfclSaugc (2lboniSrösd)en, Pheasant's-Eye) unb von äßnlbrcbe (Virgin's Bower). 2llle biefe Pflanzen finb giftig unb rufen niepr ober minber fcpwere Spmptome pervor. 23 ep unblutig: 23recpmittel, ©erbftoff, (SrregnngSmittel. 21) (5u pp o r b ia ce en: Sazu gepören bie vielen Slrten von 2®olf§mildj (Spurge), weftpe fämmtlid) in allen ipren Speilen einen fcparfen SÖ?iIcpfaft entpalten. Sie betanntefte beutfdje 2Irt, bie (SppreffemVtolfSniild) (f. $ig. 262), fommt and), aber feltener, in ben 23er. Staaten vor. 23on ben pier peimifdjen 2öo(fSmild)arten finb befouberS Euphorbia corollata (Milk Weed), eine 2 bis 5 $uß pope mit 23lütpenbolben unb gelblicher Söurzel mit mepreren Stämmen, unb Euph. Ipecacuanha (aineritanifdje 23recp= Wurzel) zu erwähnen; letztere Pflanze wädjft (wie bie erftgenannte) vor? ZugSWeife auf trod'enem fanbigem 23obenunb finbet fid) am pänfigften in 9?ew 3erfep an beu Ufern be§ ©elaware. Symptome: Slenperlicp (Sntzünbung unb 23lafenbilbung, innerlid) Heizung beö ©armcanals, Uebelteit, (Srbrecpen, X>urd)fall, Kopffdjmerz, Scpwinbel. 23epanb? lutig: 23redjmittel, fcpleimige ©etränfe, VZopnabfodjuugen, Klpftiere von unb bei peftigen 8eibfd)merzen warme Umfdjläge von ßeinfamen. Ser gemeint Sönnbcrbaiim (Ricinus communis, Castor Oil Plant; f. $ig. 263) ift eine in Cftinbien peimifdje Pflanze, welcpe in allen ge? mäßigten unb warmen Klimaten vielfad) cultivirt wirb. 3n letzteren ein 23aum, entfaltet fid) biefe Pflanze in tälteren Säubern (9Rittelbeutfd)lanb, 23er. Staaten) nur zu einem trautartigen ®ewäd)S, baS aber mitunter eine §öpe von 10 $uß erreiept. Sie $rnd)t ift eine runblicpe Kapfel mit vielen Stadjeln unb entpält 3 §äd)er, in bereu jebem fid) ein Same be? finbet. Siefe Samen, aus welcpen baS DiicinuS? ober @aftor?£)el gepreßt wirb, finb fepr giftig. Srei bavon reiepen pin, einen äJienfcpen zu tobten. S p mp t om e: ©ewöpnlicp erft mup mepreren (2 bis 5 Stunben) ftellen 575 ® i f t p f l a n j e n. Fig. 263. SSunbei'baum (Ricinus communis), a) Srucijt, b) Sliitlje, c) ©ante Fig. 264. Fig. 265. Siftfumadj. gußblatt. a) 'Jructjt, b) SHiitlje. 576 ficf) (Solitfcpmerjen, (Srbredjen unb ©urcpfall ein; mitunter finb bie Out« leerungen blutig. Weitere (Srßpeinuugen fiub: Ölte bet $aut unb faltet ©dpveiß, ©urft, Dtupelofigteit, fcpivadjer '•JSulS. Vepanblung: Sftan reicpe beut Patienten große ©ofen frifcper, fein gepulverter §oljfople, bann Vredjmittel unb bann tvieber unb ftarfen ©pee. (Sventuell ift biefeS 9lbived)feln von Vrecpmitteln unb §ol$toljle ju tvieber* polen. 3u biefen gepören ferner: Croton Tiglium, in ©ftinbien peimifcp, aus beffen ©amen baS (SrotonOel bereitet wirb; ber im tropU fcpen Slmerifa wacpfenbe SDianifrijcHenluiuin, ber oftinbifcpe Vltnbbaum unb ber SUlnniofs ober ftaffamaftraurf), ber in ©ropenlänbern peimifd) ift (vergl. Slmpgbaleen). Sille biefe enthalten einen giftigen Saft, ber mepr ober weniger fcpwere © p m p t o m e verurf acljt. 33 e p a n b l u n g, wie oben bei Söolfsmildj ober 9ticinuS angegeben. 22) Xer eb in tp eng ew ädj f e (©perebintpaceen) fiub bie ver- fcpiebenen giftigen Wirten von ©uinadj (Rhus), von benen eine, ber japanifcpe $irniSfumadj, in (Spina unb $apan vorfommt, wäprenb vier, ber ©iftfumacp, bie californU fdje ©ifteidje, ber amerifauifdje $irniSfumacp unb Rhus pumila, inStorb® amerifa peimifd) fiub. ©er ©iftfumacp (Poison Ivy, Three Leaf Ivy, Poison Vine, Poison Oak ; f. $ig. 264) ift eine Von (Saiiaba biS nadj ©eorgia verbreitete, bis ju 3 $uß pope weldje in SBälbern, auf Reibern unb längs 3^unen tväcpft, im $uni unb $uli blüpt unb brei* jäplige Vlätter unb als $rüd)te Veeren pat. ©ie californifdje ®ifteid)e (Poison Oak, Hiedra ber ©panier) ift eine in ÜBälbern unb auf trodenen ?(bpängen gebeipeube iveldje gemöpnlid) einen ©tramp bilbet, mitunter aber and) 33aumftämme umfcplingt. ©ie 33lätter fiub tur,}, bie 33liitpeu in StiSpen geftelft unb bie Weiße 33eeren. ©er a m e r i f a n i f d) e $ i r n i S f u m a d) (Swamp Sumach, Poison Dogwood, Poison Eider) nnidjft überall in (Sanaba unb ben 53er. ©taateu in fumpfigen ©egenben als ©traud) ober Heiner 53aum bis ju über 20 $uß Ahöpe. ©ie finb unpaarig gefiebert, b. p. au ber ©pinbel beS 23latteS ftepen fidj 4 ober 5 'ißaare von 53lättd)en gegenüber, unb an ber ©pipe ber ©pinbel befinbet fid) ein (Snbbtättd)eii; bie 33lütpen (im $11111 unb $uli) fiub Hein, griinlid) unb in 9tiSpen georbnet unb bie $rüdjte (53eeren) grünlidjdveiß. ©ie leßte ber giftigen ©umaeparten enblid) ift ber in 9corb-(Sarolina peimifepe Rhus pumila, eine burcpfcpmttlicp 1 $uß pope mit unpaarig gefieberten blättern, OiiSpenblütpen unb rotpen, bepaarteu (Sine Vergiftung burep biefe finbet bei vielen iveldje für bas betr. ®ift empfänglid) fiub, fepon 577 bann ftatt, wenn fie nur in bie 9?älje ber Pflanjen fommen; anbere per* fonen erfranfen erft, wenn fie mit einer Sumadjart in Berührung tarnen, unb wieber anbere Perfonen bleiben and) babei unbehelligt. ®ie S ij mp* to in e einer folgen Vergiftung finb rotljlanfähnlidjer Au«fdjlag, Stechen, Brennen, Anfdjwellung, Blä«djen unb allgemeine $ranfljeitSerfdjeinun* gen (Benommenheit, Uebelfeit, u. a. m.). Befonber« ftarf ift bie An* fdjwellung meift im ©efidjt, oft bi« jur Verzerrung ber 3üge. £)ie Stjmptome ftellen fid) halb nadj Berührung mit tiefem Pflanjengift ein unb verfdjwinben gewöhnlich nach einer VSodje unter Abfdjälung ber $aut. 3nnerlidj genommen wirft Sumadj reijenb narcotifdj. SJlit ben S Ij m p* t o m e n einer 9ieijung be« Verbauung«canal« (Sdjmerjen, Erbredjen) ftellen fiel) ein: ORattigfeit, Delirium, fieber, trampfhafte« 3ucfen ber ©lieber, Erweiterung ber Pupille, befdjleunigte« 2It!jmen unb juerft ftarfer unb voller unb nachher fdjwadjer unb rafdjer Pul«. B e Ij a n b * tung: Bei äußerlicher Vergiftung verorbnet man füljlenbe ©iät, falini* fdje Abführmittel (f. fRecept 9lo. 8, S. 494) unb örtlidje falte Bleiwaffer* umfdjläge. An Stelle ber lederen faun man and) Umfdjläge madjenmit 2Rifchumgen von faltem VSaffer unb Baking Soda (1 £heßlöffel voll auf 1 Pint Sßaffer), ober Salmiafgeift (1 Eßlöffel voll auf 1 Pint Üßaffer) ober ober and) nur Seifenwaffer. ©egen bie VMrfnngen ber cali* fornifdjen ©ifteidje wirb befonber« empfohlen, bie betr. Stellen mit einem Eytract ober frifdjen Jljß^ßU ber en Eompofiten gehörigen Pflauje Grindelia robusta einjureiben. ©egen innerliche Vergiftung mit Sumadj gebe man, um ba« Erbredjen ju förberu, warme« SBaffer unb ben fachen; ferner verabreidje man foljlenfaure« Patron in Söfuug unb falb nifdje Abführmittel unb gegen Au«fd)lag gebraudje man Bleiwaffer* ober einen anberen ber oben angegebenen Umfcpläge. 23) Eucurbitaceen ober finb tletternbe ober triedjeube Pflanjen mit abwed)felnben rauhhaarigen Blättern, weldje ge« Wöhulid) in ber Ad)fe einer 9ianfe fteljen, unb fünfblätterigen ober auch nur füufjipfeligen Blumenfrauen, weldje au ihrem ©runbe mit bem Weldje üerwadjfen finb. Von tiefen Pflanjen finb giftig bejw. enthalten irrb tireube ©ifte: ©ie Weiße unb bie zweihäufige Saun: ober ©idjfriibc (Bryony), jwei fletternbe Pflanjen mit herzförmigen, fünftheiligen Blättern, fleinen gelben Blütljen unb fdjwarjen refp. rotpen erbfengroßen Beerenfrüchten. Am giftigften finb biefe unb bie fpinbelförmige, mitunter verjweigte, 1 bi« 2 ftuß lange VSurjel, weldje außen gelblidj-grau ift, einen üblen ©erudj hat, weldjer beim Srocfnen jum großen Sljeil verloren geljt, unb fdjarf unb bitter fdjmed't. Anbere Arten biefer Pflanje, barunter bie in 9iorb= 578 amerifa (auf feudjtem ©runbe Dau ©eorgia bi« gouifiana) peitnifdje „ametifanifcpe" 3aunrübe, finb nicht mepr al« giftig 311 bezeichnen, werben aber ancp tyie unb ba wie bie beiben oben genannten Sitten al« waffertrei* benbe Slrjeneipflanzen (bei SBafferfucpt) verweubet. ©pmptome: (Entjünbung bet ©cpleimpaut be« Verbauung«canal«, (Erbrechen unb meift and) Ourtpfall, ©cpwiubel, Oelirium, (Erweiterung ber Pupille, ©inten ber Körpertemperatur, fdpvacper Vvl«, faltet ©dpveifp Vep anbliing: Oel, fcpleimige ©etränte, Mopnabfocpungen, Klpftiere non (Erregung«mittel. Oie ©pringgurfc ober ber (Elaterium officinale) ift eine in ©übeuropa au bürten unb fteinigen Orten wilb wadjfenbe, anber«wo aber aud) in ©arten gezogene Pflanze, bereu gnrtenartige ftrudjt, wenn reif geworben, bie nierfwürbige (Eigenfdjaft pat, von iprent ©fiel plöplidj abjufpringen unb ben ©amen unb wäfferigen ©aft mit großer ©ewalt auöjufpripeii. - ferner gepören pierper bie in Oftinbien peimifcpe Vals fnmgnrfc unb ben im Orient watpfenbe Ooquintengurfc. Oie [yrüdjte ber letzteren, unter bem tarnen (Eoloquinten befannt, finb gelb unb von ber ©roße einer fleinen Slpfelfine; in bem fdjwammigen $leifd) finb japl* reiche weiße ober bräunliche ©amenförner enthalten. © p m p t o m e unb 33el)anblung bei Vergiftungen mit biefen f. oben Zaunrübe. 24) 3it ben (Elufiaceen gepören bie in Oft* unb §interinbien peimifdjen ©uinutignttbäuinc, weldje ba« braftifd) wirfenbe, and) in ber $eil* tunbe nerwenbete unb al« fyarbe gefdjäpte ©ummigutt liefern. Siu« leljte* rem ©ruitbe, b. I). weil e« al« Malerfarbe gebrampt wirb, finb anfällige Vergiftungen mit biefem (erpärteten) Mildjfaft ber genannten 33äume nicpt feiten. © p m p t o me: im Verbauitiig«caital, SBürgen, (Erbredjen (ba« (Erbrodjene jeigt eine podjgelbe $arbe), vermeprte §arn* abfonberung unb neroöfe ©törungcii. 33 ep anb lun g: Oel, fdjleimige ©etränfe Älpftiere Don Mopnabfodjungen. 25) Von ben gepört pierper: Oie gemeine Äcrnteöbeerc (Poke, Scoke, Gargot Weed), eine in Diorbamerifa unb ©Übeuropa peimifdje weldje läng« 3äuneu, SBalbfäumen unb pauptfädjlid) auf unbebauten Reibern Wädjft. ©ie er* reidjt eine §öpe von 6 bi« 8 gup, befommt im 3uli grünlidpweipe Vlütpen unb im §erbft al« $rüd)te buntelrotpe, faft glänjenbe 33eeren. Oft fiept man Vlütpen, unreife (grüne) unb reife grüdjte an berfelben ju gleicher 3eit. Mit bem Steifen ber fyrüdjte färbt fiep 579 and) bet vorher grüne Stengel purpurrot!). ©ie jungen Schößlinge ber Pflanze werben (wie Spinat zubereitet) als Nahrungsmittel unb bie rei- fen Veeren znm Notpfärben verwenbet. Weitere Vlätter, $rüd)te unb be* fonberS-bie SÖnrjel finb nicht zu genießen, Weil fie einen giftigen, ©rbredjen erregenben Saft enthalten. S i) m p t onie: ©rbredjen, ©urchfall, NiiiS* telfd)Wäd)e, Benommenheit beS Kopfes, Betäubung, Slmeifenlaufen über ben ganzen Körper. Beljanblung: 4örecl)inittel (1 Ußeelöffel Senf* nieljl ober | ©peelöffel Brechwurzelpulver in einer ©affe warmem SBaffer) bei gleichzeitigem beS NadjenS; naclj bem ©rbredjen gebe man große ©ofen frifdjer gepulverter §oljlol)le nnb ftarfen £ljee. 26) Von ben (5 o r i a r i e n ift jn erwähnen: ©er mprtenblätferigc (Mcrbcrftraurf) (Coriaria myrtifolia), eine in Sübeuropa wilb wadjfenbe Strandpflanze, Weldje wegen ihrer fdjönen, 311m Sdjwarzfärben benutzen Blätter and) anberswo in ©arten cultivirt wirb, ©ie Blätter nnb bie fdjwarjen, erbfengroßen grüdjte enthalten ein narcotifdjeS ©ift. Symptome: ©rbredjen, Sdjwinbel, Betäubung, Krämpfe. -93 el) an bin 11g: Brechmittel, ©erbftoff, ©rreguugSmittel nnb eventuell ©ffig- nnb Äaltmafferwafdjungen unb Umperfübren beS Patienten. 27) Von ben V a p i l i 011 a c e en (SdjmetterlingSblütljigen) finb giftig: ?llle Slrten von befonberS ber ©oibtcgcu (Golden Chain) bie bef'aiiute welche auch in ben amerifainfdjen ©arten häufig anzutreffen ift. ©er giftige SBeftanbtheil be§ ©olbregenS, beffen Blumen oft von Äiubern beim Spiel hinnntergefd)lucft, unb beffen Zein mit Süßholz unb beffen Schoten unb Samen leidjt mit ©rbfen Ver= wedjfelt werben, ift ein Walo'ib (ßptifin). Symptome: Grbredjen, ©urchfall, Krämpfe, bläuliche« ®efid)t, Sd)laffud)t, $älte, ©efüljllofigfeit mitunter ift ber Urin grün. 53ehanblung: £3rechmitttel, ©erbftoff, (SrregungSmittel. SBährenb unb nach t>er 9?ecouvale§cenz bleibt (oft noch Monate lang) 23erbaitung§fd)Wäd)e zurüdL £u biefer 'ißflaiizenfamilie gehören ferner mehrere fdjwach giftige Wirten ber .Qronwirfe unb iphbfofttgma bcnenofnm, eine in SBeftafrifa wadjfeube Pflanze, von ber nur bie SBohne (©alabarbohue, Waloib ©fe- riu) giftig ift. 53ei Vergiftungen mit Äronwitfe finb Symptome nnb Vehanblung, wie oben bei ©olbregeu angegeben. 4Bei Vergiftung burcb ben ©enitß von ©alabarboljuen ftellen fiep folgeube Symptome ein: ©rbredjen, ©urchfall, Sdpuiubel, lähmungSartige Schwäne ber SftuSfeln, unb Unregelmäßigteit ber §erzthätigteit, Speichel* unb 580 ©pränenfluß, falter Scpweiß unb Ä'älte ber ©liebmaßen. 53 e p a n b« hing: 53redjmittel, ©erbftoff (©annin ober Slbfodjungen von (Sidjem ober äßeibenrinbe ober ©alläpfeln), (SrregungSmittel unb eventuell falte 53efpripungen unb fünftlidje Sltpmung. 28) Unter ben © l e a c e e n (©elbaumgewädjfen) ift ber fiiguftcr (Privet) giftig; berfelbe ift and) unter ben tarnen Hart* riegel, Öfainweibe, 4öeinl)olj unb ©intenbeerftraucp befannt. (5r ift eine 4 bis 10 guß pope Straudjpflanje, weldje gewöpnlicp längs Sßegen unb 3äunen wäcpft unb mitunter ju Reefen angepflanjt Wirb. Seine 53lätter finb von einem bitter ©eftpmatf; feine Weißen, ange« nepm rieepenben 53lütpen, welcpe rispenförmig beifammenftepen, entwicfelt er im 3uui unb 3uli, unb befommt er im §erbft als grüepte füßdntter* lid) fepmetfenbe 53eeren, weldje bisweilen jum gärben venvenbet werben. Häufig fommt eS baburep juVergiftungen, 53eeren offen. Symptome: (Srbrecpen, ©urdjfall unb (in fepweren gälten) 53etäm bung unb Krämpfe. 53 e p a n bl u n g: 53recpmittel ($ipetn beS DfadjenS unb 1 ©peelöffel Senfmepl in einer ©affe warmem 2ßa ff er); nadj bem (Erbredjen große ©ofen frifdjer gepulverter HoQfople unb ftarfen ©peeS. 29) Vapaveraceen (Vopavergewäcpfe) finb einegamilietraut« artiger mit gelbem ober weißem 90?itdjfaft, ber entweber narco« tifcp ober reijenb wirft, ©er narcotifdje Stoff ift befonberS träftig inbem eingetrocfneten HRildjfaft ber unreifen grüdjte beS im Orient gebau« ten ©arten; ober SdjlafmopnS, b. p. im ©pium. 5lucp in anberen Säubern wäcpft biefe ''ßflanje, inbeffen verliert fie bort an narcotifdjer $raft. ©aS ©piiim wirb gewonnen, inbem man, Wenn bie SJiopnblütpe abgefallen ift, bie Zapfet ript. ©abei bringt aus lepterer jener weißtidje SOUlcpfaft, welcper halb barauf ju einer fiebrigen, klaffe erpärtet unb bann von ber W?opntapfel abgefepabt wirb. Später wirb biefer erpärtete SUtopnfaft mit Speidjel ba bie ©rien« taten glauben, baß ber Saft burep SBaffer verborben wirb, unb fcptießlidj fommt ber Saft in biefer gorm als ©pium in ben §anbel. ©aS ©pinm entpält 32 verfepiebene Stoffe (üDforppium, Papaverin, EDfeconium, (Sobein, 9tarcein, ©peba'in, 9Qarcotin, u. f. W.), in benen man fämmtlicp bas wirffame Vrincip beS ©piumS, aber freitid) in fepr ungleidjem ©rabe unb mit wieberfinbet. ©as ©pium ift eines ber vorjüglicpften Heilmittel; eS milbert unb befeitigt Sdpnerjen, ver« fdjafft Öhtpe unb Stplaf, unterbrüdt 53lutfliiffe unb pemmt übermäßig ge« fteigerte ©armtpätigfeit. Seine narcotifdje VSopltpätigfeit wirb aber and) 581 Dielfad) mihbraudjt, inbem man eS als VeraufdjungSmittet Verwenbet. ®ie acute©pium Vergiftung fünbigt fid) burd) folgenbe S t) nt p« tonte an: «Schwere beS Kopfes, Scpwinbel nnb allgemeine (Srfd)laffnng. ©arauf folgen Sdjlaffucht, Vetänbintg, Vewuhtlofigfeit, Verlangfamung beS SlthmenS nnb beS 'ißulSfchlagS, Sdjnard)en, Verengerung ber Pupille, Verftopfnng, Kälte ber Haut, Harnverhaltung nnb ®erud) beS SdjweifjeS nnb Urins nad) ©pinnt, ©iefe Symptome treten meift erft nach Verlauf einer halben ober felbft mehrerer Stunben ein. Vel) anblung: Vred)* mittel, ftarfer fdpvarjer Kaffee ober Xl)ee, (Sffigwafdjnngen, beftänbigeS Umherführen beS Kranfen, (SiSitmfd)läge auf ben Kopf nnb falte lieber« gießnngen, Senfpflafter auf bieVSaben, warme Höub«nnb ffuhbäber, fünft« lidje 2Itl)mitng. SllS ©egengift wenbet ber Slrjt Sltropin au. 3n einer djronifdjen ©piumver gif tun g fommt eS .in $otge längeren 90Uhbraud)S beS ©piiimS nnb 3JJorpl)iiimS als Verau« fdjiingSmittel. (SrftereS, baS ©pinnt, wirb gegeffen ober geraucht (nameiit« lid) im ©rient nnb in Slfien), legeres wirb unter bie §aut eingefpriht. S p m p t om e: Slbmagerung, Vläffe, Hol)längigfeit, 2)?uSfelfd)Wäd)e, be« ftänbigeS Kältegefühl, Slppetitmangel, juerft Verstopfung nnb fpäter ©iarrhöen, Sdjwinbel, Kopffchmerj, Vergehlid)feit, Verftimmnng nnb Mangel an Slrbeitsfraft nnb «luft, welcher fiel) nad) nnb nad) 311 vollftänbi« ger geiftiger nnb förperlidjer Kraftlofigfeit nnb VJillenlofigfeit fteigert. @d)lie[did) geljt ber Patient an SBafferfudjt 31t ®runbe. ©ie V e h a n b« lung foldjer Vergiftungen ift eine fdjwierige. V?ie bei allen djronifdjen Vergiftungen ift eS and) in biefen fällen bie Hauptfadje, bah weitere Zufuhr beS ®ifteS in ben Körper unterbrochen 1111b für Kräftigung beS Körpers burd) eine geregelte, gefnnbe Vebettsweife «Sorge getragen wirb, ©ie weiften ©pinnt« refp. W?orpl)inmfüdjtigen finb aber trop beS ihnen brohenben Sdjitffals 31t fcpwach, beut Safter 511 entfagen, nnb wiffen fiel) felbft bei genauer Veauffidjtigiing heimlidj baS verbotene ®ift jit ver« fdjaffett. (SS ift baljer immer gerathen, einen folgen Kranfen in einer Heilanftalt iinterjubringen. $u warnen ift and), vor bem ©ebrattd), fdjreienben Kittbern jur Ve« rnhignng eine Slbfodjnng von SJlohnföpfen in SDHld) (äftohnmild)) sn reidjen. £rofcbem nufer einheimifefjer TZopn nid)t fo ftarf narcotifd) wirft, wie ber orieittalifcpe, ift feine betäubenbe Kraft bodj l)inreidjenb, bah burd) ben ®ennh von $D?ohnmiId) Kinber getöbtet werben fönnen. SlitS gleichem ®rnnbe verbiete man ben Kiubern itberniähigen®enuh von SDfohnförnern. (Sin anberer ©ebraud), welcher oft von füttern geübt wirb, welche einem tfebenSerwerb nachjngehen haben, -nämlich ber, Säuglinge burd) ©piiim« tropfen 31t beruhigen, verbietet fid) ans bem ©efagten Von felbft. 582 Von ben meldje einen reijenben Saft enthalten, ift baS gemeine Sfljöllfraut (Celandine) 3U ermähnen, eine 1 bis 2 ftuß hohe melcpe in (Europa unb ben Ver. Staaten an alten Raufern 'unb fdjattigen SJlauern unb auf felfigem ©runbe milb mächft. ©er Stengel ift Ijellgrün unb behaart, bie ebenfalls hellgrünen Vlätter finb ungefähr 6 3oll lang unb gefiebert, bie Vlütl)en finb gelb, unb bie grnd)t ift eine fdjmale Schote mit vielen Samen, ©er giftige, gelbe Saft ber Vflause mirb vom Volte jur Vertilgung von unb Hühneraugen angemenbet. Sl)inp tonte: Sleußerlid) nnb Vläsdjenbil* bnug, innerlich (Erbredjen, ©urdjfall, vermehrte Harnabfonberniig, 932agen- Vehanblutig: Vredjmittel, fdjteimige ©eträufe, ftarfer ©pee. , 30) 9(mh g b a l e en (Steinfrud)tgemäd)fe): ©er Vittennaubclbauin, ein ans Slfien ftammenber, auch in allen DJiittelmeerlänbern unb felbft in Sübbeutfdjlanb im freien ivadjfem ber Vanm, h«t als $rud)t einen, in einer hoppelten Hülle eingefdjloffenen $ern (bie bittere Wiaubel), in meld)em jmet Stoffe, bas Slmpgbalin unb baS (Emulfin, aufgefuiiben mürben. erzeugt, rnenn eS unter tritt von Sßaffer mit beut Slmpgbalin in djemifdje V3ed)felmirfitng gebracht Wirb (3. 93. beim VerbauiiugSproceß) eine ?lrt ©äljrnug, mobeibaS Slmijg® bat in in Vlaufäure, Vittermanbelöl unb 3utfer verfällt. ©ie füßen 9J?an= beln führen nur (Emulfin, finb alfo uugefäl)rlid), moljl aber finbet fid) Slmpgbalin refp. Vlaufäure auch in ben Vlüthen unb §rud)ttemen anbe* rer Steinfrud)tgewäd)fe ($irfd)lorbecr, Eßfufidje, Äirfdjeu, Slpritofen, Pflaumen), ferner in ben Vlüthen unb von Äernobftgemädj* fen (9(epfeln, Virnen) unb in ben ber fdjon oben ermähnten SJfcu uiofpflanje (f. S. 576). ©ie Vlaufiiurc, meldje übrigens and) auf unorganifdjem 9ßege jube« reitet merben fann, ift eines ber furdjtbarften, menn nidjt baS fdjred'lidjfte ©ift; es vereinigt bie fdjlimmen (Sigenfdjaften von Opium unb Strpchnin in fiel) unb lähmt von allen ©iften am fdjnellfteu baS g a n 3 e ftem. Wenige ©ropfen reiner Vlaufäure genügen, ben ©ob in finger 3eit l)erbei3ufül)ren; bei Äinbern tönnen fd)on 4 bis 6 bittere HWanbeln, meldje etma ©ran Vlanfäure enthalten, bebeuflid)e (Srfdjeinungen h^'5 verrufen, ©abei braudjt biefe Säure, um giftig 3U mirfeu, nicht erft in ben Verbauungscanal gebradjt 311 merben; fie mirb vonbenSd)leiinl)äuten unb felbft von ber äußeren H<mt aufgefogen unb beginnt iljre töbtlid)e V3irfnng, fobalb fie in bas 931nt gelangt. 3e fdjneller baS gefd)iel)t, um fo fd)iieller mirft fie, meSl)alb von Vlaufäure in bie Arterien ober(5iiiatl)mniig vonVlaufänrebämpfen faft augenblicflidjen ©ob3iir8:olge 583 Ijaben. Slbgefeljen von ber ©tärte unb 9J?enge beS (SifteS Ijängt ber Ver- lauf einer Vlaufäurevergiftung uatnrlid) and) non ber VHberftanbSfäpig* feit beS trauten ab; jiel)t fid) ber Verlauf einer Vergiftung länger als eine ©tunbe l)in, fo ift Rettung möglidj. ©pmptome: ©aS fidjerfte einer Vlaufäurevergiftung ift ber (Serudj nad) bitteren Sftanbeln, melcßer fid) nad) jeher SluSatljmung bemertbar inadjt. Septere felbft ift er* fcpmert unb raffelnb unb gef)t in großen, unregelmäßigen Raufen vor fid), Vemußtfein unb (Sefüßl beS ßingefimteneit Patienten finb ver* fdjmunben, bie glänjenbe Pupille ift erweitert, unb bie Slugäpfel fteljen un* bemeglid) offen unb treten Ijervor. Weitere (Srfdjeiiinngen: Heiner *ßnlS, Äälte ber (Sliebmaßen, ©djaum vor bem SJlnnbe, Bildungen unb Krämpfe. V e l) an bliing: Vredpnittel unb beS DiadjenS, fReijmittel (Sletper, Dampfer, ©ahniafgeift unb falte Uebergießung beS fiopfeS unb fRiicfgratS, momöglidj im marinen Vabe, ftarferfdjmarjer $affe), tüuftlidje Sltfjmuug. ©aS djemifdje (Segenmittel, baS aber moljl immer nidjt fdpiell genug befdjafft merben fann, ift eine DSiifdjumj vonl)l)bratifd)em ©djmefel* eifen mit gebrannter Sftagnefia unb VSaffer unb ©aS (Üjaufaliuin, eine blaufäureljaltige Verbinbung, meldje als eine graue ober meiße, etmaS faferige SDcaffe in ben Raubet tommt unb bei ge* miffen (Semerben (Ijauptfädjlid) in ber unb ber galvanifdjen Versilberung unb Vergolbung) Venvenbet mirb, ruftbiefelbeu VergiftungS* erfdjeinungen mie bie Vlaufäure pervor; and) bie Vetjanblung ift biefelbe, mie oben angegeben. Slrbeiter, meldje mit (Spantali tljun ßaben, füllten redjt vorficßtig fein unb namcntlidj füllten Slrbeiter, meldje Vlaufäure* bämpfe einjuatljmen ljaben, mie foldje fid) bei ber galvanifdjen Verfilbe* rung unb Vergolbung entmid'eln, barauf adjten, baß bie gabrifräume immer gut gelüftet finb, unb ferner, ob fid) VergiftungSfpmptome ($opf* fdpuerj, ©Ijrenfaufen, ©djminbel, @d)laffud)t, Sltßemuott), 2luSfd)läge, (Sefdpvüre) geigen. 3n biefem gälte ift bie Vefd)äftiguug fofort aufjugeben unb ber Körper fräftigen (f. 524). (SS ift and) geratljen, bei ber Vermenbung von V i 11 e r m a n b e l o l (um Piqueuren, Porten, u. f. m. einen angenehmen (Sefdjmatf unb (Serud) ju geben) vorfidjtig 311 fein. 20 Xropfen biefeS CelS tonnen baS Seben gefäljrben. ©teilen fid) nad) (Senuß von®eträntenunb©peifen ber angegebenen Slrt VergiftungSfpmptome ein, bie auf Vlaufäure fcfjließen taffen, fo fäume man nid)t, Vredjmittel ju verabreichen unb eventuell bie meitere Veljanblung ber Vlaufäurevergiftung anjumenben. 31) t' i ui u la c e e n gehört: £>aS Sllpenbctlchen, ©djmeinSbrot ober bie europäifdie ©rbfdjeibe (Sow Bread), eine in ©übeitropa ßeimifdje ''ßflanje, me(d)e megen ihrer 584 Sdjönheit überall als Zierpflanze cultioirt wirb, ©iefelbe ift finger® bis fpannfjod), hat herzförmig nierenförmige Blätter, weldje auf ber oberen ©eite mit einer weißlichen Zeichnung öerfeljen unb unten röthlich finb, unb langgeftielte purpurrotpe Blüthen. ©ie aufzen faft fcljwarje unb innen weiße Knolle enthält einen fcparfen Saft. Symptome: (Sntzünbung beS BerbauungScanalS, (blutiger) ©urdjfall, falte Sdjweiße unb ßonvul® fionen. Behanblung: Brechmittel, fdleimige ©etränfe, (grregungS® mittel. 32) Sapinbaceen: R?el)rere Slrten bon IßauHinia, fübamerifanifcpen Kletterpflanzen, bon beneu befonberS Paullinia cururu zu erwähnen ift, bereu Saft baS Sföurarapfeilgift liefert, Symptome unb Behanblung wie bei Strßdnin (S. 566) angegeben. 33) (Sricaceen finb Pflanzen, bon beneu bie folgenben einen giftigen Saft enthalten: ©er Bcrglorbcer (Calico Bush, Lambkill, Big-leaved Ivy, Spoon Wood) ift ein mitunter Baumhöhe erreifljenber Strand), welcher öftlid) bon ©l)'° unb Kentmfp bon DRaine bis nad) herab auffend)® tem Boben in Sßälbern, auf bügeln unb Bergen gebeipt unb im 3uni unb Zuli rothgefledte Blütl)en hat. ©ie Blätter finb glatt unb auf beiben Seiten bunteigrün. Symptome: Uebelfeit, SRagenfdpner® Zen, ®efid)tsftörungen, Kälte ber £>aut unb (Extremitäten, erfdwerteS Slthmen. Behanblung: Brechmittel, Senfpflafter auf baS Rücfgrat unb Reizmittel (Branbi), u. f. w). ©er Sumpfporft ober ba§ SRottenfraut (Ledum palustre) ift eine 2 bi§ 3 hohe Straudjpflauze, weldje in Europa, ?lfieu unb Rorb® amerifa (bis herab nad) auf fnmpfigeniBoben Wädjft. (Sr hat immergrüne, fdjinale, leberartige unb unten roftfarbig®filzige Blätter unb weiße, feiten rofenrotpe Blütl)en unb ©olben am (Snbe ber Zweige. - ©ie polciblätterigc Slnbromcba (falfdjer Sßorft, Wild Rosemary) ift eine 1 bis 2 $ufj ljotye, immergrüne Strandpflanze, bie in ben Ber. Staaten oon Rew (Snglanb bis nad) BHSconfin auf ©orfboben unb an ©eidjufern wäd)ft. ©ie Blütl)en finb weih ober rofenrotl). Symptome unb Bepan bin n g f. oben bei Berglorbeer. 34) Unter bie 21 m p e l i b e e n (Rebengewädjfe) gehört: ©er wilbc 2Bcin (epheuartige ober fünfblätterige American Ivy, Virginia Creeper). (?S ift bieS ein tletternber Straud) mit grünlichen Blühen in ©olbeutrauben, auf weldje als erbfen® 585 große, fdjwaqblaue, ferner fdjmetfenbe 33eeren folgen. ©ie 33lätter werben im ©urdj Äauen ber 33lätter, 33lütßen ober grüdjte finb fdjon viele Äinber vergiftet worben. Symptome: (Erbrechen, ©urcßfall, (Erweiterung ber Pupille, Sdjwädjegefüljl, Sdjlaffudjt, Ä'räfte« verfall. 33 e l) a n b 1 u n g: 33redjmittel, 3)2ild), (Erregungsmittel. 35) 33on ben 33 e r b e r i b e e n ift anjufüßren ©aS $U|jblütt (2D?aiapfel, (Entenfuß, May Apple, Mandrake ; f. $ig. 265), eine in ben 33er. Staaten Ijeimifdje, etwa l.ftuß ßolje Eßflanje, Weldje auf ©orfboben unb an feudjten, fdjattigen piäßen Wäd)ft. ©er Stamm tljeilt fidj in je $wei 33lattftengel, jwifdjen beiten eine (weiße) 33lütlje fißt. ©ie 33lätter fittb ßanbförmig gelappt, oben gelblidjpgriin unb unten ßeller unb leidjt beßaart. ©ie g-rüdjte (im September) finb ovale, gelbe 33eeren. ©ie 3Surjel ift gewößnlicß meßrere $uß lang, etwa | 3oll biet unb außen braun, 33lätter unb 3Öurjel enthalten (letztere beiben in ßößerein ®rabe) einen fdjarfen Saft. ©ie wirb ßäufig vom 33olfe ju §eiljwecfen (als Slbfüßrmittel gegen Vebercon« geftionen, u. a. m.) gefummelt unb getroefnet. ©abei verliert fie aber ißre giftigen (Eigenfdjaften nidjt, WeSßalb ißre SlnWenbung oßne ärjtlidje 33or« fdjrift nießt feiten $u 33ergiftimgen füßrt. Symptome: Uebelteit, (Er« bredjen unb ©urcßfall; bisweilen enthalten bie Stußlentleerungen 33lut. 33eI)anbhing: 33recßmittel (1 ©ßeelöffel Senfmeßl ober | ©ßeelöffel 33red)Wnrjel in einer ©affe warmem 3ßaffer unb fpäter gegen bieScßmer« $en Opiumtropfen (ßödjftenS 3 ober 4 ©ofen von je 5 (für Äinber) ober je 15 ©ropfen (für (Erwadjfene), ljalbftünblid) 311 geben), ferner vermeibe man Salj, trinte Wtildj (am beften 33uttermildj) unb lege Ijeiße Umfdjläge auf ben ßeib. 3n ber vorljergeljenben Ueberfidjt ber ©iftpflanjen würben mehrere giftige nidjt erwähnt, weil entweber bereu botanifdje 3ugel)örig« feit nod) nidjt feftgeftellt ift (©uboifia), ober weil man ben giftigen Stoff fennt, oljne genau ju Wiffen, weldjer 'ißflanje er julommt (Pilocarpin), ober weil bie Pflanzen, wenn audj giftig, fo bodj iiidjt fdjäblidj wirten Opecacuanlja). 3)iit bem kanten ©uboifia bejeidjnet man meljrere auftralifdje Pflanjen, bie von ben einen für 33raunwur3gewädjfe (13), von ben anbe« ren für Solaneen (15) angefeljen werben, ©iefe Pflanzen (ober vielleidjt and) nur eine berfelben, nämlid) Duboisia Myoporoides) enthalten einen giftigen Stoff, ber bem SItropin naße verwanbt ift. S i) m p t 0 m e unb 33 e l) a 11 b l u n g f. ©olltirfdje S. 564. ©aS Pilocarpin würbe juerft in 33lättern aufgefunben, Weldje ein Slrjt tarnens (Eoutinßo von 33rafilien nadj (Europa bradjte. ©iefe 586 Blätter waren verfdjieben, tpeils behaart, tljeils glatt, atte aber enthielten ben giftigen Stoff Pilocarpin, fo genannt, Weil bie Blätter einer ober mehreren SIrten von Pilocarpus (auch 3aboranbi genannt), einer brafili« anifchen pflanjenart, jugefchriebcn werben. ©ie Symptome einer Vergiftung mit biefem Sllfaloib finb: $iije unb Oiöthe beS (geficljts, Speichelfluß, ftarfer Schweif?, häufig Uebelfeit unb mitunter Erbrechen, erhöhter puls, befchleunigte Slthmung, bisweilen Verengerte Pupille unb (gefichtsftörungen. B e h a n b (u n g: Brechmittel unb erregenbe (getränte (SBhiSfep ober ©ofen von 15 ©ropfen Salmiatgeift in je 3 Eßlöffeln SBaffer). (gegenmittel: fUJetallfalje unb Sltropin. ©ie echte 3hccanlnn^a (Brecfpvurjel, Ipecac), nicht ju verwechfeln mit ber oben erwähnten „amerifanifcheu" $p., ift eine brafilianifclje Pflanje, welche mit Unrecht ju ben (giftpflangen gejäljlt worben ift. (5S ift eine Werthvolle Slrjeneipflanje (um (Srbrecljen ju erregen, bei 9lftl)ma, u. a. m.), welche fcljon beSljalb nie gefährliche VMrfung haben wirb, weil jebe größere ©ofis fofort Erbrechen erregt unb wieber aus bem Etagen entfernt wirb. £tt erwähnen wären noch bie Brennneffel, ber Senf unb jwei Vergif« tungen, welche auf Vegetabilifche Stoffe juriiefjuführen finb: bie Sllcohol« unb bie Vanilte«(5iS«Vergiftung. ©ie Brennneffel (Nettie) hat fogen. Brennhaare, in welchen fiel) ein fdjarfer Saft befinbet. ©ie bureb Berührung mit ben Brennhaaren her* vorgerufenen Blafen werben fcpnell befeitigt, inbemman fie mit einer ber folgenbeu Biifchungen Wäfcljt: 1 (Eßlöffel Salmiatgeift auf 1 Pint Gaffer; ein ©heil Sarbolfäure auf je 5 ©heile (glpceriu unb Salmiaf unb 50 ©heile V3affer, ober 2 ©Ijeelöffel Baking Soda auf ein Pint ©Baffer. ©er Senf (Mustard) fommt in jwei Wirten, bem weiten unb bem fei) war jen Senf, vor, welche fiel) leicht an ihren fruchten uuterfcheb ben taffen; ber fcljwarje Senf hat braune Samen in aufrechten, fcljmalen unb fahlen Schoten, wäl)renb ber weiße Senf hellgelbe Samen in ab« ftehenben, breiten unb behaarten Schoten hat. ©er fcpwaqe Senf ift ein fehr werthvolles äußerliches Heilmittel (Senfpflafter); langes Viegenlaffen eines foldjen PflafterS finb aber fcljon oft breite unb tief« freffenbe (gefcljwiire ober woljl gar Branb Verurfacht worben. ©aS Senf« meljl wirb auch jur Bereitung reijenber Bäber verweubet, unb ftatt ein Senfpflafter aufjulegen, tann man ferner ben wirffamen Stoff beSfdjwar« jen Senfs, bas ätherifclje Senföl, eine fcljarfe, farblofe glüffigteit, ein« reiben (1 Senföl auf 50 ©he>lv Spiritus ober Olivenöl), innerlich in ftarfen ©ofen genommen, bewirtt ber Senf feljr heftiges Erbrechen unb gefährliche ©arm« unb SUerenentjünbnng. 587 ©er Sllcoßol ift, wie mir t>om 1. Kapitel ßermiffen, baS ©äßrungS* probuct juderßaltiger vegetabilifcßer ©toffe. (Sr finbet fiel; in ben ©piri* tuofen (Sßein, Vranntmein, Vier, it. f. m.) unb mirb in biefer $orm als VeraufcßiingSmittel angemenbet. ©ie giftige Stiftung beS Sltcoßols ift eine jmeifadje; erftenS eine örtlidje, iitbem er (Simeiß gerinnen niadjtunb ben ©emeben SBaffer entließt (f. ©. 31), unb jmeitenS eine narcotifdje, inbem er baS ©eßirn anfangs anregt, fpäter aber läßmt. ©urd) einmali- gen übermäßigen ®enuß von Sllcoßol fommt eS ju einer a c n t e n Sl l c o* ß olvergif tnng, non meldjer mir brei (Sjrabe unterfeßeiben fönnen. ©er eine, baS ©tabiuni beS DianfdjeS, jeigt uns ben Patienten in heiterer, angenehmer Slufregung. ©er jmeite ®rab ber ©runtenßeit fiel) bureß ©ßmptoine gefteigerter SButßauSbrücße nnb ÖähmitngSerfdjeinnngen (ftolpernber ®aug, lallenbe ©praeße, Verlieft beS Urteilsvermögens). 3m britten ©tabiuni (ber finttlofenVetrunfenßeit) ift baS ganje gelähmt; ber Traufe liegt regungslos mit ermeiterten Pupillen ba, ®efid)t nnb Singe finb ftarf gerötljet, nnb bie Sltß* niiing ift (angfani nnb röcßelnb. Sllcoßolvergiftung ift mit «Sicherheit immer an bem ©erudj beS SltßemS naeß bem genoffenen ©eträut 311 er* teniien. (Sine folcße Vergiftung höheren @rabeS ift burcßauS iiicfjt leidjt $u nehmen, beim fie tanu ju ©djlagfluß, u. a. m. führen. V e ß a 11 b 1 u 11 g: beS Kopfes, falte Umfcßläge auf beufel* ben, Äipeln beS ©d)lunbeS mit bem ginger ober einem geberbarte (um (Srbrecßen ju erregen), «Senfpflafter auf bie 2ßaben, ftarfer fdjmarjer Äaffee, (Sffig* nnb nnb eüentuell fünftlidje Slthmung. Sille beeil* genben ÄleibungSftücfe finb ju entfernen, nnb muß ber Veraufcßte in füljle ©emperatur, am beften an bie frifdje Suft gebracht merben. ©ie d) r 0 n i f cp e S( l c 0 lj 010 e r g i f t u n g, bie $olge anhaltenben SllcoholmißbraitchS, äußert fid; burdj folgenbe (Symptome: Ver* bauungSftörungen bejm. SJiagenaffectionen (Slppetitlofigfeit, Uebelteit, nnb allmorgenblicßeS (Srbrecpen mäfferig*fchleimiger Waffen), bie §aut mirb fdjmuljig faßt, rauh, trotfen nnb fpröbe, nnb SluSfcßläge, im ©efidjt bilben fid; (auf 9?afe nnb bläulicß*rotße ©efäßneße, nnb baju fommen ©obbrennen, nftagenfeßmerjen, Vlntbrecßeu, duften mit ober oßne SluSmnrf, Vlafenbefdjmerbeu, Rittern, ©er Patient (befonberS ber Viertrinfer) mirb fett, ba bie ©pßbation ber $ette im -Vlut burd) bie ©jpbation beS SllcoßolS üerßinbert mirb (f. gettfudjt). 3« golge beffen häufen fid) bie $ette im Körper unb jmar hauptfäd)licß in ber ßeber an, unb ber Körper mirb fdjlaff unb gebunfen. ©ebäcßtniß, Urtßeil unb SBillenSfraft nehmen meßr unb meßr ab, eS ftellt fieß ©äufermaßiifinn (Delirium tremens) eilt, unb fd)ließ(id) geßt ber ©emohiißeitstrinfer, nadjbem bie meiften Organe entartet finb, unb ber 588 moralifd)e .'palt verloren gegangen ift, an Sdjlagflufj, ßnngenentjünbnng, @d)ivinbfud)t, gieqläpmung, HRagenfreb« ober SBafferfud)t 311 ©ruitbe, wenn er nidjt vorper feinem Veben felbft ein (Snbe madjt; ber fünfte STIjeit aller Selbftmörber finb Säufer. ©er fdjon oben eriväpnte Säufer« io a p 11 f i 1111 , von weldjem ®ewopnpeit«trinfer von £eit 311 $eit befallen werben, braudjt feine birecte Veranlaffung nid)t immer in einem voran«« gegangenen (Sjceffe 311 paben; irgenb eine Aufregung ober eine geringfit« gige 3ufällige (Srfranfung ober and) eine 3Wamg«weife, au«gefnprte plöij« fiepe (Sntpaltfamfeit von Spirituofen genügt, ba« ©elirium pervoqurufen. ©er ©rinfer glaubt fiel) bann von Sßapngeftalten verfolgt, tränmenb nnb wadjenb fiept er Keine ©piere (SRäufe, fRatten, $äfer, n. f. w.) um fiel), nad) benen er mit ben Ringern greift, alle 9Ru«feln, befonber« bie ber §anb, 3ittern; babei ftellen fiel) 3eitwei(ig 2öutpau«brücpe ein, unb trop ber großen (Srfdjöpfung fann ber Patient (felbft tagelang) nid)t fd)lafen. pauptet er fortwäprenb, baff er wopl fei, nnb verlangt in'« $reie. ©er erfte Einfalt verläuft feiten töbtlidj; gewöpnlidj eubet er nad) einem lang« ftiinbigen freiwilligen ober fünftlidjen Sdjlaf, bem einigen mittel, mit ©enefung, nnb erft ein fpäterer Unfall fiiprt 311 bem unver« nieiblidjen (Snbe mit Sdjred'en. ©ie Bepanblnng ber d)ronifd)en Sllcopolvergiftung ift, wie bie d)ronifd)e ©pinmvergiftung, eine fdjwierige nnb am beften in einer £iei(anftalt üorflunepmen, weil ber Patient anfjer« palb einer foldjen 311 viel ©elegenpeit pat, fiel) Spirituofen 311 verfdjaffen, nnb faft immer 311 fdpvad) ift, fid) 3U beperrfepen. ©ie vielen (Suren gegen bie ©runffudjt, welcpein ben Leitungen angepriefen werben, nnb beftepen wie bie fogen. ®er3elin§«@d)reiber,fd)e (Sur in bem SBerfnd), bem ©rinfer ben 2llcol)ol 3U verefeln. £11 biefem 3ived werben bei ben meiften jener erftgenannten (Suren ben Spirituofen, Welcpe ber traute er« palt, 23redjmittel beigemifdjt. -53ei ber (Sur, weldje mitunter von (Srfolg gefrönt, aber niept ungefäprlidj ift nnb beSpalb opne äi-3tlid)e 2luffid)t nid)t vorgenommen werben füllte, werben alle (Speifen nnb ©etränte beö Äranfen opne beffen SBiffen mit Branntwein verfept, um bem ©rinfer, wie gefagt, baburep ben Sllcopolgenufs 31t verleiben. ©a§ and) bei biefer d)ronifd)en Vergiftung £ßid)tigfte, bie weitere Bufupr be$ ®ifte§ be3W. 2llcopol§ in ben Körper 31t Verpiubern, barf aber niept plö&= lid) in Eingriff genommen, fonbern mufj allmälig angebapnt werben, inbem man bem Traufen von ©ag 3U ©ag weniger SIlcopol genießen läfjt. Slubern« fall« fann ein Slnfall von Säuferwapnfinn pervorgerufen werben. V3a« bie Bepanblung be§ letzteren aubetrifft, fo ift, wie fepon erwäpnt, bie Sfplaf nnb biefer mufj nötpigenfall« - vom Slqte - mit Opium ober (Sploralppbrat werben. SSir werben pierauf mepr« mal« bei 9?ervenfranfpeiten 3urü(f'3ufommen paben. 589 9?ad) bem ®enuß non Vnnillcsßis [teilen fiel) mitunter Vergiftungen ein, weld)e man barauf 3urürffü()rt, baß bisweilen bei ber Zubereitung ber Vanillefd)oten für ben Raubet ein äpeuber Valfam (Karbol) mit ben Sdjoten in Verül)rnug lammt. S 1) m p t o m e: (5rbred)eii, jmveilen and) ©nrchfall, Seibfdjmerjen, Sdjwädje, teilte ber ©liebmaßen. ©ewöhnlid) erfranteu viele iveldje baS (SiS genoffen haben, 31t gleidjer Zeit. Vei) uub lung: Vraufepulver, Verfdjlucfeii Heiner (5iSftüdd)en, (SiS* waffer trinfen unb gegen bie Sd)Wäd)e Ungarwein. SRincrtilifdje (vifte. ©ie DJiineral* ober mineralifdjeii ©ifte, von benen eine große 2lii3al)l in üerfdjiebeiien fünften uub ©ewerben benöttjigt wirb unb fo 311 acuten ober djronifdjen Vergiftungen Veranlaffung giebt, jerfalten in 1) Säuren, 2) unb 3) IDtetalle unb 4) Wletatterben (9)?etalloibe). ©031t foimnen nod) mehrere aus SDiineralicn fünftlid) ge- wonnene Präparate Slnilin, 9?itroglpcerin). ©ie meiften Wlineratgifte finb irritirenbe ©ifte, b. I). fie rufen juiiäcßft an ber Ve* rül)rungSftelle öteijung, Vlutanbrang uub Gutjünbiiiig (im VerbaimngS* canal: heftigen Schmeiß, Erbrechen, großen ©nrft, Slngft unb häufig and) ©urdjfall) hervor. Vei äiißerlidjen Vergiftungen, b. 1). bei Verbrennungen äußerer ©heite burd) mineralifdfe © i f t e, hnt man fofort für Vkgfdjaffung beS ©ifteS Sorge 31t tragen. Vei Verbrennungen burd) Säuren (Schwefel*, Salpeter*, Sal,3*, ©yal*, ßarbolfäure) fpi'de man bie betr. Stelle mitSÖaffer ober HJiilch ab unb lege bann treibe, OJiagiiefia, tohlenfaureS Patron, Äaltwaffer ober Seife auf. Vei Verbrennungen burd) SHfalien Seifenfieberlauge) ift ba§ ®ift nid)t burd) VJaffer, fonbern Sei 311 entfernen uub ber verbrannte ©heil mit (Sffig ab3ufpülen (vergl. unb Verlegungen IW3W. „Verbrennungen"). Vei innerlid)en Vergiftungen ift ba§ ©ift natürlid) ebenfalls fofort wieber ans bem Körper 31t fdjaffen (Äipeln beSSdjlnnbeS, Vredpnittel) unb 3ugleid) laue DJiild), (Siweißwaffer, SdjleimigeS ober ©eligeS 311 reicljen. (Sine Ausnahme von biefer Vorfd)rift machen nur Tupfer, Phosphor unb Antimon. Vei ber Tupfer* unb ber $ h 0 S p I) v r V e r g i f t u n g gebe man feine fetten 2)M 11 e l (Weber Sei, nod) V?ild), nod) (Sigelb), weil biefe gerabe bie Söfnng unb Slnffaugimg beS Tupfers unb Vhv^Phor<3 beforbern. Vei ber Antimon* Vergiftung reidje man ©erbftoff. ©ie SrfjUJcfclfäurc (Vitriolöl, ©leitm; Sulphuric Acid) finbet fiel) im gewöl)nlid)en Vebarf nur mit V?affer Vcrbunben nnb 3War in 3Wei Sorten, als raud)enbe ober unb als englifdje Sd)Wefelfänre, vor; erftere ift braun unb birfflüffig, leptere farblos, ©ie Sd)WefeIfäure 590 ift biejenige Säure, iveldje am ßäufigften ju Vergiftungen fiißrt, weil fie bei ben meiften ©ewerben VerWenbung finbet, 3. -03. 311m {yärben unb ©erben, bet bereut* unb ©ucßfabrication, 11. f. w.; and) im HauSßalt unb (gereinigt unb verblümt) als Heilmittel wirb fie angewenbet. Sie 3er* ftört fogleid) jebe organifdje Subftans, mit ber fie in Veriißrung fonunt, inbem fie ben pf(aii3lid)cn ober tßierifdjen ©eweben SBaffer entjießt nnb fie in vertoßltem Buftanbe ßinterläßt. Symptome: (Einige ©ropfen Sdjwefelfäure macßen bie gelbbraun nnb leberßart, wäßrenb fie bie Sdjleimßaut (HJinnb, Bunge, 11. f. w.) weiß imußcii. 3ft Sdjwefelfäure bnrd) DJhinb nnb Speiferößre in ben Waagen gelangt, fo {teilen fid) fofort ßeftig brennenbe Scßmeqen im VerbauungScanal, nnb (Srbrcdjen fanrer, djocolabebrauner ober blutßaltiger Waffen ein. ©ie verfallen, bie Singen füllen ein, bie Haut ift faßt, nnb mit ßeftigem ©urft verbinbet fid) großes SIngftgefüßl. SJiitnb' nnb Sdjlnnb* fdjleimßaut finb Weiß verfärbt nnb je nad) bem ©rabe ber Sinäßung Ver* fdjorft. sJlnr feiten, b. ß. bei feljr concentrirten ©aben, tritt ber ©ob rafcß ein; meiftenS bauert bie Dual unter ben angegebenen Symptomen ftunbem ober tagelang. -Visweileit sießt biefe Vergiftung ben£mngertob nad) fid), inbem bnrd) Verfcßwärung unb Vernarbung bie Speiferößre Verengert unb baburcß bie 9?aßrungS3ufußr geßinbert wirb. ©ie -V e ß a n b 11111 g, bie nur bann ©rfolg berfpridjt, wenn bie Sdjwefelfäure nidjt ober mir ver- bünnt in ben SJZagen gelangte, erßeifdjt 3unädjft ba§ llnfdjäblidjmadjen beö ®ifte§ im Klagen bnrd) ©arreidjen von Sllfalien. ©a$ geeignetfte biefer ©egenmittel ift gebrannte SJtagnefia mit vielem SBaffer (f. 9?ecept 9?o. 19), iveld)eö SlHali fid) im SJiagen mit ber Sd)ivefelfänre 311 bem migefäl)rlid)en VitterfaQ Verivanbelt. 3ft90?agnefiauid)t fd)uell 3ur H«ub, fo gebe man vorläufig gefd)abte treibe, gefloßene (Sierfdjalen ober Slfdjem lauge mit vielem SB aff er ober ©eifeulvaffer. ©er Trante muß 3U fortmäßrenbem Gaffer® ober nod) beffer Seifemvaffertrinfen genötßigt werben, um ba§ ©ift 31t verbitunen. ©aneben gebe man SJiild), Del, Sijrup, ©alterte, fdjleimige ©etränfe. Olece)5t Sto. 19. 3n 1 ißint (nwmöflticfi bcftitlirtcin) Sßaffer rvcrben 3 Unjen gebrannte SJtagnefia gelöst, ©avon gebe man alle 10 5D?tnuten 5 (Sfjlöffet, naebbem bie ßöfung jebeömal vorder tüchtig gefcljüttelt trorben ift 1 ©ie Salfjcfcrfäurc (Nitric Acid) fommt im Raubet in verfdjiebenen ©raben ber ßonceutration vor. Soncentrirt ift fie eine farblofe ober fd)ivad) gelblidje $lüffigf'eit, ivelcße an ber ßuft ftarf raudjt. ©a$ ©leid)e tßutbie „raud)enbe Salpeterfäure", iveldje orangerotl) ift unb äßnlid) gefärbte ©ämpfe auSftößt. 9?id)t fo ftarf raueßt bie „roße Salpeterfäure" (Sdjeibe* maffer), ivekße bnrd) Scßivefelfäure, ßßlor, u. a. m. verunreinigt ift. ©ie officinelle „reine Salpeterfäure" ift farblos unb raueßt nid)t an ber Buft. 591 (Sine Vergiftung mit biefer Säure ljat äljulidje S1) mp tome jur $olge wie bie SdjWefelfäureOergiftuug. £u uuterfdjeiben ift fie non letzterer baburdj, baß Fleete an beit Kleibern uub baS ©rbrodjene gelblidj uub bie $autfdjorfe orangegelb gefärbt fiub; bie Salpeterfäure färbt nämlidj tljieri« fdje Sljeile gelb. V e lj a n b l rt n g f. Sdjwefelfäure. - Vergiftung burdj (Sinatljmung non U n t e r f a 1 p e t e r f ä u r e b ä m p f e u nergl. ©afige ©ifte. ©ie Saljfiiurc Jßljlorwafferftofffäure; Hydrochloric Acid), bar« geftellt burdj Berfepen non mit Sdjwefelfäure, Wirb im Raubet nur als eine Weiße ober gelblidje non ftartfaiirem©efdmiaef ge« führt, weldje an ber £uft Weiße, bidjte Kämpfe abgiebt. Vettere wirten Ijödjft fdjäblidj auf SltfjmungSapparat, Singen uub ©erudjSorgan ein (nergl. ©afige ©ifte). Symptome uub V e lj anb In 11 g, wie oben bet Sdjwefelfäure. Sie Cjrnlfäurc (Äleefäure; Oxalic Acid) wirb Ijäufig audj Buder« fäitre genannt, weil fie burdj ©inwirtung non Salpeterfäure auf Buder Sijrup ober audj Stärfe bereitet wirb. Sie tommt and) in nieten Vftnnjen, j. V. im Sauerampfer, nor. Stein ftellt fie große burdjfidjtige $rijftalte bar, weldje in todjenbem SSaffer fetjr teidjt töslidj fiub. B11 Vergiftungen füljrt biefe Ijödjft fauer fdjmedenbe Säure burdj itjre Stetjulidjfeit mit Vitterfatj uub SBeinfäure uub burdj iljr Vorfjanbenfein 1m „Saucrflee« fatj" (junt Vertilgen non Stoff« uub Sintenfteden in ber Vcäfdje gebramljt); fie tommt and) in ber Sllijarintinte nor. £)ie Symptome einer Ver« giftung burdj ©jalfäure, .weldje fowoljl jrt ben irritirenben, als audj jit ben ©eljirn«uub §erjgiften geljört, fiub: Slnäpung nonIPtuiib uub Stadjeu, faurer ©efdjmacf, brennenbeS ©efüljl im Sdjlunbe, (Srbredjen grüulidj« brauner ober fdjwarjer Waffen, rafdjer Verfall ber Kräfte, Heiner, faum fühlbarer VulS, langfamer blaue Färbung ber ftingerfpipen, Vritfeln uub llnempfinblidjfeit in ben ©liebmaßen, SJZuSfeljittern, franipf« ßafte Bildungen, Sltljemnotlj, Stiinmlofigteit, Vetäubung. ©ie Vergiftung nimmt meiftenS rafdj einen töbttidjen Verlauf, uub erfolgt ber Sob beim 9D?eufdjen feiten erft nadj länger als 1 Staube. Ve h an b 1 un g: DJiait gebe bem Oranten fofort uub barauf in non Wenigen 9)ti« nuten reidjlidj St'alfwaffer ju trinfeu; als Grfah bafiir bienen im Stotljfall Vcaffer nermifdjt mit treibe, gepulnerten (Sierfdjatcn ober SJtagnefia. Sinb audj biefe nidjt rafdj jur §aub, fo förbere mau burdj Tarreidjung non fetten Selen ober großen Mengen Seifenwaffcr (ober audj mir Vcaffer) (Jrbredjeu uub gebe ferner fdjleimige ©etränte. kleinere SJtengen VJaffer fdjaben, weil fie ben Uebertritt beS (MifteS in bie Vlutmaffe für« beim, ©egen bie nernöfen (grfdjöpfungSjiiftänbe giebtman V?ein, Kaffee 592 ober §offmannStropfen, unb jwar letztere in©ofenvoii je 10-2O©ropfen in ©ie Garbolfüurc ('ißßenijlfäure, fßßenßlalcoßol; Carbolic Acid), bereu Bebeutnng für bie Biebicin feßon mehrfach erwähnt würbe, ift ein furchtbares ®ift, baS fomoljt äßeub, als and) auf ®el)irn uub 9lücfeiunarf, befouberS auf baS Zentrum ber 2(thmungSthätigfeit (bas verlängerte Blarf), wirft. $11 Vergiftungen giebt bie Garbolfäure Slnlaß burd) Verwedjfelung mit Biebicin ober Sluwenbnng in ftarfer Böfung (bei 2luS* fpriijniigen ober ÜBuiibfläcljen). ©urd) teuere SlitwenbungSWeife tonnen nicht nur Gntjitnbungen ober Branb ber betr. $örperfte(lcn, fonbern auch töbtlidje Blutvergiftungen verurfadjt werben, weshalb man Garbolfäure ohne ärztliche Slnorbiiung innerlich niemals uub äußerlich nur in l)öd)ftcnS 2procentiger Höfling gebrauche. $m reinen 3uftaube farblofe, lange Ärßftalle, ftellt biefe (Säure gelöft eine mehr ober minber ölige, farblofe, nach £tjeer riedjenbe glüffigfeit bar. Symptome: ©ie Garbolfäure färbt bie £>aut weiß (burd) ©erinnung beS GiweißeS). Onnerlid): Breit* neu im Bliinbc, llebelfeit, heftiges Grbredjen, 9(uSfeßeii beS VnlfeS uub ber (befchleiinigteu) Sltljmiiug, Slufreguiig, SIngft, Sdjwinbel, allgemeine Stätte, Betäubung. ©er ?Itl)em riecht nad) ©heer, unb ber Urin ift bitnfel* grün ober fcljivärjlid) gefärbt. Beljanblung: Brechmittel, Welche burd) beit Blnitb, wenn feft gefdjloffen, werben muffen, unb als Gegenmittel gebrannte Biagnefia (f. 9?ecept9lo. 19, S. 590) ober ©lauberfalj in großen Biengen; bei $räfteVerfall 9teijmit* tel: Gampfer, ftarfer Kaffee uub fortgefeßteS laues Bab mit falten Lieber* gießungen auf ben gnuterfopf. ©er beS G r e o f o t S (Creasote), baS Vielfach bei hohlen gähnen angeweubet wirb, ift Garbolfäure. Symptome unb Bel) anb tung wie bei biefer Säure. Bei Stellung beS BhtnbeS mit Greofot fpiile man bie Bhtnbhöhle häufig mit lauwarmer Blild) aus. ®aS Äali (Potassa), baS erfte ber hiev jn befpredjenben Sllcalien unb befteßt ju gleichen ©ßeilen aus Kalium unb Sauer* ftoff unb bilbet, indjemifeberBerbinbung mit Gaffer, baS $alil)ßbrat ober 91 e ß f a l i (Caustic Potassa). GS ift bieS eine farblofe, frßftallini* fd)e, in Gaffer leicht lösliche Subftanj (bann Kalilauge), weldje ßöcßft äßenb wirft unb alle organifdjen Stoffe, befouberS bie $ette, jerfeßt. Sßegen biefer Gigenfdjaft wirb $ali (foßlenfaureS Äali, Bottafdje; Potash) 3itr Seifenbereitung verwanbt. ©eSßalb fei inan and) vorfidjtig, Seifenlauge nießt mit ©etränfen jn verwed)feln. Symptome: Sliwßitng unb brennenber Scßmerj im Biuub unb Sdilnub, Gr* bredjen bunfler, mit Sdjleimhautftiicfchen gemifeßter Blaffen, Golif uub (oft blutiger) ©urchfall. ber $olge föuneii Blagenentjünbung unb 593 Verengerung ber eröfjre ben Sob perbeifüpren. 23 e l) a n b t u n g: NeidjlidjeS Stinten verbünnter Säuren (ß-ffig, (Sitronenfaft, SBeinfteim füllte), eventuell faureS (SingeinaepteS. ferner gebe man Seliges ober SdjleimigeS unb als (Gegenmittel verblümte Höflingen von 23itter-((Spfoim) falj. (Gegen bie blutigen Stuplentleerimgen Sismaffertlpftiere. ' (Sine anbere Haliverbinbung, bet Salpeter (Saltpetre), ift ein in ber ßanbmirtpfcpaft vielfad) gebrauchter, bem 23itter* unb (Glauberfalj äpnlidjer giftiger Stoff (farblofe, burcpfidjtige Hrpftalle ober ein frpftallL nifdjeS Pulver, opne (Gerucp). Symptome: Seibfcpmerjen, blutiges ßrbrecpen nnb ?lbmeicpen, Verlangfamitng ber 2ltpmung, Bittern, grope Sdjmädje, (GefidjtStänfdjungen nnb (GefidjtS- nnb Spracpftörnngen, Hrämpfe. 23 e p a 11 b l u n g: SaS (Gift, gegen baS fein (Gegenmittel be= fannt ift, mufj fcpleimigft aus bem SNagen entfernt merben (burdj 9iici= nuSöl). Sabei reidje man fcpleiinige (Getränte, gegen ben Sdjmerj Dpium- tropfen (IjöcpftenS 4 Sofen von je 5 (für Hinber) ober je 10-15 Stopfen (für (Srivadjfeite) nnb gegen Sdjmädje Neijmittel (ftarfer Haffee, V3ein). SaS Natron (Soda) mirb als refp. als Natronlauge, mie baS Hali, in unb bei ber Seifenbereitung gebraucht. S p m p t o in e unb 23 e p a n b l u n g fiub biefelben, mie bei ber Hativergiftiing. Sie Halfcrbc (?Iepfalf, gebrannter ober ungelöster Half; Lime), eine Verbinbung von Sauerftoff unb (Calcium, melcpe oft äußerlich bebenflidje Verlegungen (paitptfäcplicp ber Singen) pervorruft. 2Bie oben fdjon gefagt, ift ber Halt nidjt mit SBaffer, fonbern mit Cel von ber betr. Stelle 311 entfernen. 2(uf baS 2luge lege man, nadjbem eS von $alt gereinigt, marine SaS Hupfer (Copper), ein in gelegenem £uftanbe uufdjäblidjeS Metall, baS fid) als normaler 23eftanbtpeil im 23lute einiger nieberer Spiere vorfinbet (f. S. 14), mirb in gemiffen Verbinbungen (Hupfer= fallen), unb fobalb eS oppbirt, 31t einem gefäprlidjen (Gift. 2lm epeften foniint eS 31t Hupfervergiftung in $olge ber Bereitung unb 2(ufbemapruug von f a 11 r e 11, fetten ober faltigen Speifen uub (Getränten (,v 23. amp Selters- ober Sobamaffer) in fnpferiien, nid)t ober fd)led)t verzinnten (Gefäpen, mobei eS jur 23ilbung von Hnpferfaljeu, befonberS (G r ü 11 f p a 11 (Verdigris), foiiuut. ferner merben von gemiffenlofen $abrifanten giftige Hupferverbinbuiigencoiifervirteii (Gemüfeii, eingemadjten (Gurten, Mixed- Pickles, Piqueuren, 11. a. 111. jugefept, um biefen eine fcpöue, hellgrüne Färbung 311 geben; and) von nid)tsmürbigen 23äd'ern unb SNüllern finb foldje Hupferverbinbungen bereits vermenbet morben, um 23rob meiner uub fdjmerer 311 madjen, bejm. angejogeneS SNepl 311 „verbeffern". NeineS Tupfer ift, mie gefagt, unfdjäblid). Sa eS aber im SNagen unb Sann 594 imb bann giftig wirft, fo muff man, wenn Kupfer (3. -53. ein Knopf) öerfcplucft worben ift, für fdjleunige (Entfernung beS betr. GegeuftanbeS aus bem VerbauungScanal forgen, unb tommt eS aus gleichem Grunbe bei Kupferarbeitern mitunter 311 d)ronifd)en Kiipfernergiftnugem Sie S p m p 10 m e ber acuten K n p f e r ü e r g i f t u n g finb: 3:e nacp ber mepr ober weniger großen ober ftarfen Sofis nad) turjer ober erft nad) Stunben Bürgen unb bann peftigeS (Erbredjen grünlid) ober blange* färbter ÜJlaffen, (Eolitfdpnerjen, Stuptyvang, erftfdjleimiger, fpäter bluti= ger Surdjfalt, Kopffdjmeq, @d)Winbel, DJiattigteit unb metallifdjer, grün* fpanartiger Gefdfinatf hu fDämbe. Vepanblung: Wlan gebe g r 0 p e engen warmes (Siweipwaffer, gebrannte Wlagnefia (f. fRecept 9lo. 19, 590) Vitter=((Epfom*)@al3löfung, ober and) IDlild), (Eier, @d)Wefel- eifen, frifcpeS (Eifenpuloer, £wnig, aber n i d) t S £> e l i g e S. Bu einer d) r 0 n i f cp e n K n p f e r b e r g i f t n n g tommt eS bei Kupferarbeitern in ßiolge CjcpbirenS beS eingeatpmeten KupferftaubeS im 20?agen (f. oben). Soldje Arbeiter füllten ftets für reine Buft in ben ArbeitSräumen forgen, in festeren nicpt effen ober ipr (Effen aufbewapren unb öfter, pauptfäcplicp vor jeber SJlapQeit, ben SDhinb anSfpülen. Spmp tonte: HRetallifcper Gefcpmatf im SRunbe, Surft, Uebelteit, 9)?attigfeit, grünlicpe Färbung ber §aut unb ©aare, grünlidjer 23etag ber Büpne unb Burüctweicpen beS non ben BrtPuen/ eüentuell and) Abmagerung, duften unb Aftpma. Sie beftept, wie bei alten cpronifdjen Vergiftungen, im Verpinbern weiterer BufuPr beS ©ifteS unb in Kräftigung beS gefcpwäcpten Körpers (üergt. ©. 524 unb Vlei). SaS Antimon (Spiepglanj; Antimony) füprt in feiner, teid)t mit SBeinfäure ju öerwed)felnben unb als Vrecpmittel päufig angewenbeten Verbinbung mit SBeinfteinfäure, b. p. afs Vred)Weinftein (Tartar Eme- tic), mitunter 31t Vergiftungen. Sie pöcpfte Sofis biefeS Vredjmittets ift (f ü r (E r w a d) f e n e) | ®ran in Kamidentpee ober warmem Gaffer alte 15 bis 20 Ginnten, bis (Erbrecpen erfolgt. Sie @ p m p 10 m e finb d)o(eraäpnlid)e (Srfcpeinitngen: Uebelteit, päufigeS unb ftarfeS (Erbredjen, wäfferige Surd)fälle, erft Steigerung, bann Sinten ber (beS V'dfeS), Kälte ber §aut, Sd)Winbet, SBabem unb allgemeine Krämpfe; mitunter puftelartiger AnSfdjlag imfDhmbe. V e p a n b l u n g: SaS Gegenmittel ift inbiefem AuSnapmefalle (f. oben) Gerbftoff: Sanniit, (Eid)en-, (Epina-, iBeibenrinbe- unb Galläpfelabfodpiugen, ftarfer fdjwarjer Kaffe ober (grüner) Spee. Saueben gebe man (Eispillen, Vraufepuloer, Sobawaffer, (Epampagner. 3m A'otpfalle für ben Gerbftoff gebrannte SOlagnefia, Seifenwaffer, fDiild). 595 ®aS $inf (Zinc, Spelter) veranlaßt am Ijäufigfteii Vergiftungen burd) Kodjen ober Slnfbewaljren von (befonberS fauren) ©peifen unb ®e= tränten (and) DJiildj) in wobei fid) .ßinffatze bilben. 3int enthalten ferner Vkiffer, baS burd) 3intröl)ren fließt (Diegenwaffer) unb bie @angl)iitd)en nnb baS Spielzeug and vulcanifirtem ®iimmi (f. ©. 372). £)eSl)alb finbfoldfeS SÖaffer als £rinfwaffer unbberartige ®ummi= gegenftänbe für ben ©ebraud) ber Kinber Verwerflid). © p m p t o m e (bei ftartenr 9)2etallgefd)inacf unb weißem, runzeligem SluSfepen ber lDhmbfd)leimI)aut) wie bei ber vorpergepeiiben (2liitimon=)Vergiftung. Vepanblung: Vredjmittel (Kiljeln im 9tad)eu unb S?ofen von | Sljeelöffel Vredpvnrzelpnlver in warmem Sßaffer), ©erbftoff (Saniiiu, (Sidjcii- unb SBeibenrinbeabfod)ungen, fdpvaqer Kaffee, u. f. w.), (Siweiß= waffer, SDlild), foljleiifaure (Soba, boppelttol)lenfanreS Patron). - (£ I) r o n i f d) e $ i n f v e r g i f t u n g e n tommeii in unb bei Vroitce-unb SOZeffingarbeitern zu ©taube. ©pmptome: fieber, ©dpvinbet, £D?etallgefcl)inacf, £)rutf auf ber Vruft, (Srbredjen unb ©elent* fteifigfeit. V e 1) anb l un g: Vorficpt bei ber Arbeit (öfteres beS iJDhmbeS, befonberS vor bem (Sffen, reine Vuft unb Vermeiben ber ©ämpfe), refp. bie weitere Bufuljr beS ©ifteS vertpnbern unb Kräftigung beö Körpers (f. 524). ©aS 3inn (Tin) verurfadjt bisweilen bei Färbern (burd) feine dljlor* verbinbungen) Vergiftungen, bereu © p in p t o m e nnb V e l) a n b l u n g ben 3ddnergiftuiigen äpnlid) finb. $wei Präparate von Crifcn (Iron), nämlid) (Sifendjlorib unb (Sifem Vitriol, tönnen zu Vergiftungen füljren, bereu ©pmp tonte tintenartU ger ©efdjmad im SJhtnbe unb fdjwarze Färbung ber (Sycremente finb. Vepanblung: Eiweiß, 3)?agnefia unb toplenfaureS Patron. ®aS Vlci (Lead) ift baSfenige DJletall, baS am Ijäufigften Vergiftun- gen veranlaßt, weil es in vielen (bewerben Verwenbung finbet unb in Zal)lreid)en ®ebraud)Sgegenftänben beS alttäglidjen hebens enthalten ift. ©eS VleiS bebiirfen z- V. bie ©djrot-, Spiegel-, ©taniol-unb ©pieltartem fabritanten; Viel finbet fid) and) in Vifitentarten, ferner in ber ®lafur irbener ©efdjirre, in ben Vleifarben, u. f. W.; bleihaltig finb V3affer, weldje burd) bleierne SeitimgSröIjren liefen, (getränte unb ©peifen (befolg berS faure), weldje in bleiernen ©efäßen ober mit bleihaltiger Verzinnung verfehenen, eifernen ober fupfernen ®efd)irren aufbeivahrt würben, ober (5ingemad)teS, baS fid) in bleihaltigen .ßinfgefäßen befanb*). 3u Vlei- vergiftung faitn eS ferner burd) ben ©ebraud) bleihaltiger ©d)minten ober *) SBie man crfcnnen fann, ob bie ®lafur eines? ®efd)irr3 bteiljattifl ift, würbe be= reit§ im III. Äap. (®. 328) aiiflegeben. 596 Haarfärbemittel, burd) (Steljenlaffen von B?affer in (gefäßen von Blei ober mit Bleifarbeanftrid), burd) Sdjniipftabat ober $äfe, meldje in Sta= niol verpacft mären, burd) Spiel* ober 3ucfermaareii, meld)e.mitBleimeiß bemalt finb, n. a. m. fommeii. 2ßie baSSßaffer füllten and) niemals anbere (getränte, vor allen ©ingen nidjt, mie gefagt, faure (getränte unb and) nidjt Sobamaffer, ßimonabe nnb Eiber burclj bleihaltige Siöljren laufen; ja eS ift fdjon vorgetommen, baß an Bleivergiftung ertrauften, bie regelmäßig yjiorgeuS baS elfte (glas Bier ober 2lle in einer SBirtljfdjaft, b. Ij. jeben borgen baS Bier trauten, baS über 9?ad)t in beit Bleiröljren ber Bierleitung geftauben ljatte. Bier, BJein, u. f. m. finb audj fdjon oft baburdj vergiftet morbeu, baß beim glafdjenreinigcn benutzte Sdjrottörner in ben fylafdjen jurücfbliebeii. Sind) 9J?el)l ift fdjon oft burd) Blei vergift tet morbeu, meil Södjer in ben WUitjlfteiuen mit Blei ausgefüllt morbeu mären, nnb burd) Unterfudjungeii ber Berliner (gefuiibl)eitSbel)örbe ift feftgeftellt morbeu, baß in bem amerifanifdjen Sebertud) große Mengen Blei enthalten finb. Solches Vebertudj mirb nidjt nur jum Einlegen in Hüte (Sdjmeißbanb), fonbern audj vielfach Sonnenbad) für wagen vermeubet, moburdj fdjon mandjeS jugenblidje Veben vergiftet mor* ben ift. ©ie Symptome ber, im Bergleid) jur djronifdjeu, feltneren acuten Bleivergiftung finb: fDletallgefdjmacf,Eolitfdjmerjennnb njlagenbreniien, Erbredjen mildjiveißer, fdjaumiger fDlaffeu, Btobenträmpfe, Sdpvinbel, Betäubung, Sinfen beS Beljuublung: Bredj* mittel uub ©rinfeu großer Stengen von Bitter- unb (glaiiberfaljlöfuiigeii; im sJ?otl)falle man festere burd) (Simeiß ober S)?ild). ©ie d) r o n i f d) e B l e i V e r g i f t it n g, bie häufiger als eine acute, unb jivar abgefeljen von ben fdjon ermähnten unb vielen anberen (gemer- beu, and) bei foldjen Arbeitern vorfommt, bie mit Blei als fertigem $abrU tat nmjitgehen hüben (j. B. Sehern), unb and) bie $olge einer ten, unbefannten Berührung mit bem (gift fein tarnt (j. B. bleihaltiges ©riutmaffer), äußert fiel) burd) folgenbe «Spmptome: ßiitfärbiing beS 3al)nfleifd)eS, meldjeS an ben bräunlid)en ober fd)märjlid)eii3ähiieit einen fdjiefergrauen Saum jeigt, übel riedjenber Slthein, trotfener DJhinb, füßlidj jufanimenjieljenber (gefepmatf, ßrnähruiigSftörungeii, b. I). bie Berbauung mirb träge, bie Slbfoubernngeu ftinfen, unb ber Trante ift blaß, traftloS uub mürrifd). SJiit ber Entfärbung beS ftellt fiel) geivöljm lid) als eines ber erften ber d)roiiifd)en Bleivergiftung audj bie fogeu. Blei< ober Spätereolif ein, b. h- ein burd) für,je freie 3mifd)enränme unterbrochener heftiger, boljrenber ober fdjniircnber Unter- leibsfdjmerj, mobei bie sJ?abelgegenb eingejogen ift; mand)inal ift ber £eib fo auSgehöljlt, baß bie Sßirbelfäule burdjgefüljlt merben tanii. ©aju gefeU len fid) Stuhlverftopfung, fd)ledjter Sdjlaf unb häufig and) Berlaugfa= 597 mung beS 'EßutfeS. ©ie nerböfen Symptome biefer cf)i*onifcl)en Vergiftung fiub (Spilepfie, allgemeine Säßmung, Vlinbßeit, Krämpfe, Sd)laffnd)t, Ohrferei, ©lieb.erjitteru, ®eleul> unb 3)hiSf'elfd)nierjen (befouberS 91ad)tS unb in ben V3aben), Verfriimmungeii, ßäßmungen unb Sdjwunb ganzer WiuSfelgriippen refp. beS gelähmten ©liebes. Vei Säljmnug beS Spradp apparats tritt Stimmlofigfeit ober Stammeln ein. ©ie K u p f e r c o l i f, Weldje unter äßnlidjen Symptomen luie bie Vleicolif fid) bei Kupferar* beitern jeigt, ift {ebenfalls auf bleu(unb arfeiiif-)l)attige Veimifdjniigen ber Kupfererje jurücfjufüßren. ©ie Veßanblung ber djronifdjen Vleu Vergiftung verlangt, wie alle anberen djronifdjen Vergiftungen, Verljmbe* rung weiterer Bufußr VleiS in ben Körper unb Kräftigung beS lcpte= reu burd) reine Vuft, gute, fette Koft (befouberS 9J?ildj) unb Sdfwefelbäber; gegen Verstopfung Slbfnprmittel (Vitter* ober ©lauberfalj; f. Dtecept 9?o. 8), gegen Säljmungen (Slectricität, unb jur SluSfdjeibung beS Vleis aus bem Körper 3obl'ali. Vei ber Vleicolif, weldje fid) oljne jwecfmäßige Veßanblung SQJonate lang ßmjieljen tann, lege man fortwäljrenb warme Umfdfläge auf ben öeib, gebe warme Klpftiere unb 3lbfnt)rmittel (OticinuSöl ober Aufguß von Sennesblättern mit ©lauberfalj) unb Opium. ©aS üucrffilbcr (Mercury) giebt Ijänfig jn töbtlidjen, acuten ober djrouifdjen Vergiftungen Slulaß, ba es als ©eSinfectionS= unb Heilmittel unb bei vielen ©ewerben Verwenburig finbet, j. V. bei ber $euer*VergoP buug unb Verfilberung, beim Hut* unb Knopfmadjeii, in ber ©ßermometer?, Varonieter* unb ©piegelfabrifation, u. f. W. (SS ift ein Ijödjft gefäprlidjeS ©ift, beffen Präparate (©raue Salbe, rotljer unb weiter 'ißi'äcipitat, ßalomel, Sublimat, u. a. m.) nur auf ärjtlidje Slnorbnung gebraudjt wer- ben biirfeu. $ii warnen ift barum arid) vor bem (befouberS in ben Ver. Staaten gebräudjlidjen) übermäßigen ©inueljmen ber quedfilberpaltigen Blue Pilis. Heber Dnecffilberbämpfe f. ©afige ©ifte. S1) m p t o m e ber acuten Duedfilbervergiftimg: Vrennenber Wietaltgefcl;macf, jiifam= menfdjniirenbeS ©efiipl im Sdjluribe, Speidjelfluß mit Qnecffilbergernd), weiße Färbung beS WlunbeS unb Qi'adjenS, Vßürgen, (meift blutiges) (Sr= bredjen, blutiger ©urdffall, Unterbrücfung ber Kälte ber Haut, ©ßnmadjt. Scßon 3 ©ran tonnen töbtlid) wirten. V e l) a n b= lung: (Srbrecljen (burd) Kipeln beSSd)lunbeSmit einem etwa alle 2 Spinnten ein (Siweiß mit viel VSaffer ober DJlild), ober and) gauje roße (Sier, IVlild), 9J?el)l unb VJaffer, ©aS ©egenniittel ift (frifd) gefälltes) (5ifenfulfurl)i)brat. Voäßrenb ber DieconvaleScenj barf bie Koft nur ans $leifd)briil)e, THld) niib fdjleimigen ©etränfen befteljen. ©ie d) r o n i f d) e O u e cf f i t b e r v e r g i f t n n g, bie entweber eine 9?ad)franfl)eit ber acuten Vergiftung ober burd) ftete Slufnaßme fleiner Mengen Quecffilber (inSlrjeueienober beiben oben genannten ©ewerben) 598 pciworgentfen fein tann, giebt fiel) burep folgenbe Spmp tonte ju er* feinten: ©tintenber Sltpent, ©peicpelfluß mit Oue(ffilbergerud),nietaliifd)er ©efepmaef, Sluftreibnng, weißliepe Verfärbung unb Ieid)teS Vluten beS BapnfleifdjeS, ©efdjwiire in ber Sftunbpöple nnb an ber Bunge, @d)ling* beftpwerben, Vocferwerben nnb SlnSfalten ber Bdptw, Änocpenleiben nnb §autauSfd)läge, ©rüfenanfcpwellungen, Bitten ©Jtremi* täten, Säpmungen, (Spilepfie, ®ebäd)tnißfcpwäd)e nnb Vlöbfinn. SJlandje Trante finb gar nidjt mepr im ©taube, fid) anfreept jn erpalten, fo baß fie fid) auf £)änben nnb $üßen fortbewegen muffen, ober in $olge beS BitternS Slaprung ju fid) 311 nepnten, ober, naepbent and) tiefer nnb Bunge vom Bittern ergriffen worben finb, 311 tauen unb orbentlid) 311 fpredjen. ©ie V e p a 11 b l u 11 g verlangt fofortigeS Slufgeben ber betr. Vefdjäftigung ober (©uectfi(ber*)Gur unb Kräftigung beS Körpers burd) (Sdjwefel*) Väber, it. f. iv. (f. @. 524). ©egen ben Speidjelfluß unb bie SJtunbaffec* tionen ift ber SJhntb fleißig mit einer 2procentigen ööfung von cplorfaurem Ä'ali ober mit einer Sllaunlöfung ober and) nur mit taltem SBaffer auSju* fpülen. Blir SluSfdjeibuiig beS ©uedfilberS aus bem Körper ift Bobtali einsuiiepmen. ©er ftäflenftein (falpeterfaureS Nitrate ofSilver) giebt ju acuten nnb epronifepen Vergiftungen Slnlaß, erftereS 3. V. bei inivor* fidjtigem ©innepmen pöltenfteinpaltigerWlebiciiien, ober wenn beim Sieben im Scpliinb mit bem §öllenfteinftift festerer abbriept unb ein ©peil ver* fcplucft wirb. ®pinp tonte ber acuten Vergiftung: V3eiße gleite unb Sdjorfe auf ber SJhinb* unb 9tadjenfd)leimßaut, metallifdjer ©efdjmad, Grbredjen, ©urdjfall, (Sdpvinbel, Krämpfe, Säßmung. ©a3 (5rbrod)ene färbt fid) am 8id)t fd)Warj. V e l) a 11 b 11111 g: Starte Söfung von falj ober große DJlengen von Eiweiß unb 90?ild). heftige Sttjmerjen bei äußerlidjer Slnwenbung Von §öllenftein werben brird) Sluflegen von <Salj* waffer befeitigt. ©ie d) r 0 n t f d) e § ö 11 e n ft e i n v e r g i f t u n g (bei gewiffen mit §öllenftein pantirenben bewerben, 3. V. ber VPotograppie, unb aläfyolge übermäßiger innerer Slnwenbung beS £wlleiiftcin§) patal# erfteö Spmp* tont blaugraue Säumling be§ ©iefe Färbung wirb immer intenfiver, jeigt fid) fpäter an ben Fingernägeln unb breitet fid) fd)ließlidj auf ber ganzen $aut unb ben <Sd)leimpäuten au§; bisweilen erftreeft fie fid) fogar auf innere Organe, ©ie V el) a n bIn n g ift bie gleidje wie bei allen anberen d)ronifd)en Vergiftungen (f. S. 524). ©egen bie „Sir* gprie", b. p. bie Verfärbung, paben fid) bis fept alle SKittel als frmptloS erwiefen. ©er Slrfcntf (Arsenic) ift ein 9D?etalloib, baS im gelegenen BUi ftanbe eine glänjenb'e, ftaplblane Färbung pat unb beim (Srpitjen nad) 599 riedjenbe ©ämpfe (f. ©afige ©ifte) abgiebt. 3:m ©anbei fommt er, meift nid)t ganj rein, unter ber Vezeidjnung „ß-liegenftein" ober „Sdjerbentobalt" Dor, unb wirb ftatt beffen Dom Volte gewöljnlidj eine Verbinbung beS SlrfeuifS mit Sauerftoff, itämlid) bie arfenige Säure, ein weißes Aulner, Weißer Slrfeiiit genannt. ©iefeS wirb zum Vertilgen non Ungeziefer (fliegen* unb Rattengift, f. unb zu anbereu Reefen angewanbt. Slrfenit finbet fid) ferner in Sdjminfen, Vubern unb Dielen Warben (Sd)eeCfd)eS, SdjweinSfurter, unb Wiener ©rün, Realgar, Operment, Slniliufarben, u. f. W.), mit beuen nidjt nur ©apeten, Älciberftoffe, Äinberwagen unb Spielzeug, u. a. m., fonbern fogar Sßeine (gudjfiu), futter- unb 'ißfeffertüdjlerwaaren gefärbt, b. i. Dergiftet werben! Slrfeuif wirb ferner bei zaljlreidjen ©ewerben (z.33. beim SluSftopfen Don ©Ijierbälgen, ©laSfdjmelzen, Sdjrotgießen unb natürlid) bei ber ©erftellung ber oben genannten färben) unb and) als ©eilmittel gebraudjt. ©ie Symptome ber acuten Sirfeuib d e r g i f t u n g ftellen fid) meift erft uad) einer palben ober ganzen Stunbe ein; eS fiub: Uebelfein, Speichelfluß, ©rbredjen (bisweilen Don •Vlut unb Slrfenifföruern, weldje beim Verbrennen einen Derbreiten), zufammenfdjnürenbeS ©efüljl im Sdjlunbe unb Sdjlingbe* fdjWerben, breuneube, bei ber leifeften Verüljrnng gefteigerte R?agem fdjmerzen, ©rocfenljeit imRütnbe, großer ©urft, fdjwärzlidje, übel riedjenbe ©urcpfälle, fparfameß blutiges ©arnen, Slngft unb Verfallen beS ©efidjts, äußere Äälte unb falter Sdjweiß bei innerer ®lutl), $opf= unb ©lieber- fdjmerzen, ®d)Winbe(, ©tjnmad)t, 5ßricfeht unb ©rftarrung in ben (Sjtre- mitätcn, fd)Wad)er, unregelmäßiger 'ißulS, Vruftbefdjwerben, ©elirium, Ärämpfe unb allgemeine ßäpmung. ©iefe VergiftungSzufälle treten nid)t immer conftant unb znmeift uidjt alle zufammen ein; mitunter zeigen bie Symptome and) Sleljnlidjteit mit beuen ber OuedfilberDergiftnng, jebod) riedjt ber Speidjel bei ber SlrfenilDergiftung nie nad) ©nedfilber. ©ie ©pmptome ftellen fid) ferner je nad) bem®rabe ber Vergiftung, befonberen Umftänben, n. f. w. früljer ober fpäter ein. Sim Ijeftigften wirft SIrfenif in ßöfung auf ben leeren Klagen, unb fönnen baoon fcljon 2 ©ran töbtlid) Wirten, ©er ©ob erfolgt oielleidjt fdjon uad) Stunben ober and) erft nad) 2 V3od)en. Vel) anb l itn g: 9Ran entferne fo Diel wie möglid) Donbem ©ift wieber aus bem Körper OeligeS in großer SRenge ober Tupfer* ober f. Recept Ro. 20, eßlöffelweife, bis ©rbredjen erfolgt), ©arauf gebe man DRagnefia- ober (Sifeno£i)bl)i)brat (f. Recept Ro. 21). ViS biefe Rüttel befd)afft fiub, reidje man große SRengen Rüld), laues (Siweiß-, ober ©onigwaffer, Del, fdjleimige ©etränte, ober and) Äalt unb abftringirenbe Rüttel ober frifdje gepnloerte ©olztoßle. - Vei Vergiftungen burd) äußerlich 600 applicirten 2lrfcnil muß man baS ®ift mit ben etwaigen Sdjorfen fogleid) von bet SlnWeubungSftelle entfernen, letztere mit tattern Sßaffer wafdjen nnb bann QJiild), (Siweißwaffcr ober eines ber anberen (Gegenmittel an- wenben. ©ie d) r o n i f d) e 21r f e n i f D e r g i f t n n g ift entweber eine $olge ber acuten Vergiftung ober längeren ßinwirfnng Heiner ©ofen beS (Giftes (3. V. bei ben oben genannten (Gewerben, non arfenitljalti« gen ftleibnngSftücfen, bnrd) Vewopnen Don Rimmern mit arfenifljaltigen ©apeteu, n. f. W.). Symptome: Sdjwädje, Soliffdjmerjen, IjäufigeS (5rbred)en, 2ltl)embefd)Werben, Sd)Wäd)e nnb Väljmung ber (Gtiebmaßen, reißenbe in benfelben, außerorbeiitlidje 2lbmagerung nnb 2luS= troefnung beS Körpers, $antauSfd)Iäge nnb mbfdjilferung, 2lnSfallen ber §aare nnb 9iägel, baS (Gefidjt Wirb erbfat)! nnb bie gerötljete 21ugapfel= binbeljaut troefen; ber £>arn enthält ftets 2(rfenif. Sdfließlid) ftellen fid) als Vorboten beS ©obeS SlnSjeljrnng nnb Veafferfndjt ein. Veljanb* hing: ©er Patient muß ber ferneren ßinwirtnng beS (Giftes entzogen nnb ber Körper bnrd) träftige 9tal)rnng, warme Väber, gute £hift, n. f. w. gefräftigt werben, ©aneben reidje man 2lbfiil)w, fdjweiß* nnb ljaratreU benbe hiittel. 2US ßöfungSmittel beS 2lrfenilS im Körper ift Don §amion ber Salmial (täglid) borgens nnb 2lbenbS je 1 (Gran) empfohlen worben. ©rotj feiner fdjreiflidjen Veirfung, bie fid) gleid) bleibt, ob er bnrd) bie ©ant, bie hinge ober ben Klagen in bie Säfte gelangt, geljört ber 2lrfenit 311 ben (Giften, an weldje fid) ber menfdjlidje Körper gewönnen tann, nnb fo wirb biefeS (Gift Dielfad) als (Geuußmittel gebrandjt. ©aS 2lrfenib e f f e 11, befonberS in ben (GebirgSläubern ©efterreidjS (Steierniarf, ©irol) in weiten Greifen gebrändjlid), mad)t ben Körper (inbirect) fräfti- ger nnb leiftnngSfäljiger, weil ber 2(rfenif bie ©jpbation nnb bamit and) ben Stoffwedffel im Körper Ijerabfept. Septerer gewinnt jngleid) an $ülle nnb Dtnnbnng, baS 2lnge wirb lebhaft nnb ber ©eint rofig. $n biefev VSirfnng ift ber fortgefepte ©ebraud) Don Slrfenit and) bei eitlen grauen iiblid) (befonberS in ben Ver. Staaten in gorm ber ßöfnng"), weld)e iljrem Körper jugenblidje B'i'ifd)e, Otnnbnng nnb fyarbe über baS h?ajj ber 3eit IjinanS bewahren wollen. 2lber obfd)on man fid) an biefeS (Gift, Don fleinften ©ofen auf größere nbergetjenb, gewönnen tann, ift ein ?(bgewöl)nen auf nmgefeßrtcm Veege (wie 3. V. beim 2llcol)ol) nnmöglid). ©er ?lrfenifeffer muß eS fein ßeben lang bleiben; entfagt er ber (Gewoßm l)eit, fo Derfällt ber Körper fofort, eS ftellen fid) fieber nnb ©nrft ein, bie Stimme wirb Ijeifer nnb fräd)3enb, n. a. m. (Srft bnrd) neuerlidjen (Ge® miß beS (Giftes finb biefe üblen VMrfnngen wieber 311 Dertreiben. 9teccpt 9to. 20. SBon Äupfer=fbtciuem) ober ,8inf=(toeißem) 33itriol Werben 8 Oran in 2 Unsen 2ßaffer aufgetöß. ©avon flieh eßlöffetweife, bi£ ®r&red)en erfotflt. 601 9? e c e v t 9?o. 21. Oebrannte Ttagnefta wirb in ber 20fact)en Sßaffer aufs flelöft unb bavon vicrtclftünblid) 4-6 Gjjlöffel flcfleben. - geudjtcS (Sifenojiibljpbrat (Hydrated Oxide of Iron, Ferric Hydrate), ba§ etwas ülmmoniafflüfficifeit enthält, weniflftcnS in ber 20fadjcn SJtenfle bcS cinflcfüljrten Oifteö, unb jwar alle 10 SDfinutcn 2-4 Sfclßffel warm ju fleben. ©er «pijoöptjür (Phosphorus), ein Tl'etalloib, baS befanntlid) in liier allotropifdjen vorfommt (f. @. 17), geljört ben töbtlidjften ©iften, baS Wegen feiner leichten (Srreicßbarfeit Stattem gift*) niet Unßeil anridjtet. © i) m p t o m e ber acuten "iß 1) o S p l) o r* Vergiftung (geroölpilid) erft nad) mehreren©taubenober felbft©agen eintretenb): 23rennenber ©djinerj in §als, Klagen nnb Unterleib, Slnfs flößen mit ft'noblandjgernd), (Srbredjen (unb ineift and) ©urd)fäl(e) im ©unfein leudjtenber, nad) riedfenber Waffen unb fpäter (etwa am 3. ©age) ®elbfnd)t. SRitunter erfolgt ber ©ob aber fdjon nad) 8-12 Stunben. 9iid)t feiten bleiben als 9?ad)franfl)eiten SJiageuleiben ober Zähmungen ber ©liebmaßen jnriitf. 23 e I) anb lung 23red)inittel (f. 9?ecept 9?o. 20, @. 600), fdjleimige ©etränfe, gebrannte Sh'agiiefia (f. 9?ecept 9?o. 19, @. 590) unb WMjlbrei. Seine fetten ober öli? gen Mittel, feine i t d), fein (S i g e l b, feine a l: o l) o l i * f d) e n ©etränfe! ©iefelben löfen ben 'ißßoSpßor unb begünftigen ben Uebergang beSfelbeit in'S 23litt. (Sine 2lii§nal)ine non ben öligen Stoffen madjt nur (altes) ©erpentinöl, ba§ al§©egengift in viertelftniibigen©ofen von 10-20 ©ropfen in $aferfd)leim 311 reidfen ift. 23ei ä u ß e r l i dj e r ©lerlepung bnrd) 93l)o§pl)or refp. Slbfpringen eines brennenben Sdjwefel' ift bie SBunbe erft mit reinem Gaffer unb bann mit einer Söfnug von Sßaffer unb einfadp ober boppelffoßlenfaiirem Patron ober Slmmoniaf absuniafdjen. - lieber bie d) r o n i f d) e I) o S p l) o r v e r g i f t u n g f. ©afige ©ifte. ©aS (lodine) wirb in ber 9)?ebicin Oobtinctur, 3'obfalinm) unb bei geiviffen ©eiverben venvenbet. (SS färbt bie §aut braun. S i) m p- t ome ber acuten Vergiftung: Uebelfeit, 23rennen unb reu imSdjluube, (Srbred)cn gelbgefärbter, Stärfemel)! blau färbenber klaffen, ©urdjfall. (Sntßieltber Klagen Stärfemeljl, fo ift baS (Srbrodjene blau gefärbt. 23 e ß a n b l u n g: Stärfeabfodjnng (9Jiel)l= fuppe, Sleifter, u. f. iv.) unb (Siiveiß. ©ie d)ronifd)e 3obvergiftung, meifteuS eine $olge jit langer .S'obcureii, giebt fiel) burd) alle ober einzelne ber folgenben S1) m p= tonte funb: Sdjiiiipfen, Slftljma, fieber, 9lnSfd)lag, Speidjelfhiß, ©rit- *) Sou ben im §anbel vorfommenbcu „SKatteufliften" enthalten bie meinen $l)o§= pbor mit ober olme Jgxtfafe von Slrpmif; "Rough on Rats" enthält nur 9Irfenit unb Slatteuflift" Srecbnuf;, Wäfirenb bet flifticje Seftanbtljeil in (Sibfon'S, S3ut= ler'e unb Sattle'S "Vermin-Killers" ®trt)djnin (f. @. 565 u. f.) ift. 602 fenaffectionen unb Abmagerung. Tie 33 ef) unblutig befteljt bariit, baß man baS Mittel unb ben Körper träftigt (f. ©. 524). TaS Aitrobcnjin Nitrobenzene), burdj Einwirtung üon randjenber ©alpeterfänre auf 33enjin gewonnen, wirb nid)t nur jnin bereiten ber Anilinfarben, fonbern and) als Erfafc für baS 33ittermanbelöl (f. <©. 583), bent es anAnfehen, ©efdpnacf ntib ©erud) gleid)t, von Biufer* bäcfern, ßiqueur*, ©eifern unb gebraudjt. © 1) m p * tonte: Atpenibefdjwerben, ©d)laffud)t, 33efd)leunignng beS Erweiterung ber Pupille, blaugraue Färbung ber §ant, ©erttd) beS AtljemS nad) bitteren WZaubeln, ©dpvinbel, 33etäulmng, Äinnbacfentrampf unb ©trecfträmpfe ber Extremitäten. 33 ei) an blutig: 33redjmittel, Erre* giingSmittel (ftarter fdjwarjer Kaffee, 33ranbp) unb Ehiathmnng von ©almiafbämpfen. TaS Anilin (Aniline) ift eine bünnfliiffige, nad) AJein riedjenbeunb brennenb fdjmeifenbe organifdje 33afe, welche aus beut sJlitrobenjin (unb feltener aus Äol)leutl)eer) bereitet unb jur ber Anilinfarben unb 33erfd)önernng von grudjtfäften, Piqueuren, u. a. m. verwenbet wirb. Tie Anilinfarben felbft finb aber fjanptfädjlid) beSljalb giftig, weil ju ihrer 33ereitung auch Arfenit gehört. ©tjmptome: EOlattigfcit, ©djwinbel, gelblid)e ober bläulid)-rott)e Färbung beS ®efid)tS, ber 9iägel unb beS 3al)iifleifd)eS, @d)laffud)t, Stätte ber -Jpaut, fel)r fdjwad)er unb langfamer unb §erjfd)(ag. (ftarter fdjwarjer Kaffee, SBljiStep). - lieber Anilinbämpfe f. ®afige ®ifte. TaS Aitroglljccrin (Sprengöl; Nitroglycerin, Trinitrine) ift eine blafjgelbe, ölartige, fdjmecfenbe, aber gerud)lofe glüffigteit (f. @. 25), weld)e fd)on bttrdj ber unverlepten §aut giftig wirft. 3'iinerlid) genommen, reidjt ein einziger Tropfen I)in, fd)Were33ergiftnngS* erfdjeinungen l)ervorjnrufeit. SBegen ber großen Veid)tigfeit, mit Weldjer eS explobirt, unb wegen ber giftigen Tämpfe, welche fid) babei entwicfeln (f. ®afige ®ifte), I)aben fowoljl Arbeiter, weldje mit ber beS TiitroglpcerinS befdjäftigt finb, als and) foldje, weldjeeS junt gen, u. f. w. Verwenben, feljr vorfid)tig jn fein. ® p m p t o me: braßen im §alfe, Uebelfeit, Erbredjen, heftiger ®opffd)merj unb Klopfen ber ©diläfenarterien, <Sd)Winbel, Empfiiiblid)feit gegen Sidjt, Tetirien, 53e= wußtlofigteit; juerft unb gefteigerte §erjtl)ätigfeit, fpäter ®e* fül)l ber $älte unb ©inten ber $erj= unb AthmungSthätigfeit. 33 e 1) a n b= litng: 33red)mittel, §autreije (©enfpflafter, falte Uebergießungen), fdjwarjer Kaffee. Oiaftgc (Biftc. 33ei ber 33efpred)ung ber gafigen ober Iiiftförmigen ®ifte tönneu wir von ben fd)äblichen EtaSarten abfehen, weldje nur in djemifchen Saborato* 603 rien anjutreffen finb, unb uns auf bie luftförmigen ®ifte befchränten, bie im alltäglichen ober gewerblichen Veben eine gefährliche Vebeutung haben. Von biefen ®iften finb jwei Slrten £U unterfcljeiben; bie einen Wirten fdjäblid) burch Unterbrütfung berSlthmung refp. Vluterneuerung (Äoljlen® fäure, bie anberen, bie ©ämpfe von, in ben vorigen 31b® fd)iiitten befprodjenen ®iften, führen aufferbem nod) (burch ben SIthmiiugS® apparat) in ben Körper einen fpecififdjen giftigen Stoff ein (Slrfenit®, Vhoöphorbämpfe, u. f. w.) Vei allen Vergiftungen burch ®ifte ift es baS elfte (Crforbernip ber Vehanblung, ben Traufen fofort in frifdje, reine Vuft 311 fdjaffen unb ihn völlig 311 entfleiben ober wenigftenS alle be® engenbeu äleibuugSftütfe 311 entfernen. 3m allgemeinen ift über bie Ve® haublung weiter anjugeben, baff man ben Traufen in eine hölbfipenbe Vage mit erhöhtem ©berförper bringe (ausgenommen bei (Chloroform® unb dhloralhpbratoergiftuiigen) unb ihn burd) falte Uebergiefmngen, unb (Sinblafeii von Vuft refp. tünftlidje 3ltl)mung Wieber in baS Veben 311® rücfjurufen verfuge, lieber letztere unb bie Vergiftungen burch Kopien® fäure, $ 0 h l e n 0 p p b g a S 0 h l e 11 b u n ft, V e u d) t g a S) unb (CloatengaS f. „Unglüdsfälle unb Verlegungen". ©aS tlmmoninf (Ammonia) ift in reinem ein flüchtiges @aS von ftecheubem ©ernd) unb äpenbem ©efcpmad, baS fiel) begierig mit SEßaffer 31t @ a l m i a t g e i ft (Slmmoniafflüffigfeit; Water of Ammonia) Verbinbet (f. ©. 21). Veptere, ber Salmiafgeift, finbet vielfach als waffer unb fRiedjmittel Verwenbung unb führt beSljalb (bei nnvorfidjti® gern (gebrauch) mitunter 31t Vergiftungen, ©ie Symptome berfel® ben, gleichviel ob baS SImmoniat burd) ben SlthmungS® ober VerbauumgS® apparat in ben Körper eingebrungeu ift, finb ähnlich, wie bie bei Äaliver® giftungen (f. 592 u. f.); aufjerbem nod): (Sntsünbuiig ber Luftwege (fogar Vluthuften) unb ber EOciinbljöhle, Krämpfe, ©tarrt'rampf, Vetäu® buug. ©ie Vepanbluug ift bie gleidje, wie bei ber Äalivergiftung (f. <S. 593); abgefepeu bavou ift ber Patient natürlich, wie fdjon oben ge® fagt, in frifepe, reine Vitft 311 fdjaffen, unb ferner laffe man ilpi laue VSafferbämpfe einatljmen. ©aS (?l)lvr (Chlorine) ift bei gewöl)iilid)er Temperatur ein gelb® grünliches ®aS von erftitfenbem ®erud) unb reijenbem ©efdjmacf (f. <S. 17), baS bei manchen (bewerben (Vapierfabrifation, Sdpiellbleidjerei) unb jitm ©eSinficiren gebraucht wirb. ©aS (Sinathmen biefeS ®afeS ruft folgeube ©pmptome liefen, Grapen im Sdjlunb, ilrampf® huften, Vruftftedjeu, Vluthuften, 2ltl)emnoth. Vehaublung: DA'an laffe ben Oranten, nad)bem man ipn in frifdje, reine Vuft gebracht, warme Sßafferbämpfe ober (Chloroform einathmen unb gebe lauwarme W?ild) ober §aferfd)leim 311 trinten. Vei Slrbeitern, Weldje bei ihrer Vefdjäftiguna 604 fortwäßrenb @l)lorga§ einguatßmen ßaben, [teilen fiel) übermäßige ©äitre* bilbung unb DJlagenfdjmergen als ©pmptome d) r o u i f d) e r (5 I) l o r v e r* giftuug ein. Von weiteren üblen folgen ift biefe Vergiftung nießt begleitet. ?US Vor beugungS mittel gegen ßtjlorüergiftungen finb in Gabrilen, bereu 9?äume mit biefem Oafe verpeftet werben, ©efäße mit VSaffer aufguftellen, ba letzteres baS (Sßlor mit großer Vegierbe an fiel; reißt. ©aS (fljloroform (Chloroform), baS ber ©eftillation von (Sßlorfalf unb verbünntem SBeingeift, eine farblofe glüffigteit von füßli* djem ©efdjmatf unb ®erud), ift ein (nur vom Dlrgte anguwenbenbeS I) Ve* tänbungSmittel, baS feiten innerlid), bisweilen gum (Sinreiben unb am ßäufigften gum (Sinattjmen benutzt wirb. © p m p t o m e: ©er Traufe ift guerft aufgeregt; fpäter tritt Vewußtlofigteit ein, ber wirb laugfam unb bie Sltßmung rödjelnb unb fdjnardjenb. Slußerbem finben fidj nod) äßnlidje ©pmptome wie bei ber Sllcoljolvergiftung (f. ©. 587). Ve* l) an bhing: grifdje Suft, Vefprengen mit taltem VJaffer, Dieiben beS Körpers (am beften mit ©enffpirituS), ber 3unge (um gu verßinbern, baß biefelbe ben Bugang Suftrößre verfdjließt), (Sinblafen von ßuft, wobei bem Traufen bie Diafe guguljalteii ift, tünftlidje Sltpmung. ©er ft' o p f beSVerunglüctten i ft n a d) unten g u f e n f e n, bamit baS Vlut wieber nad) bem ©etjirn geleitet wirb. SBurbe baS Chloroform verfdjlncft, fo gebe man anßerbem reicßlid) ©et gu trinfen; bei Vergiftungen burdj (Sinatpmen von Chloroform ift außer ben oben an* gegebenen Vorfdjriften nod) baS (Sinatßmenlaffen von Dlmmoniat angegeigt. ©aS (Hjloralßijbnit ober and) nur Chloral (Hydrate of Chloral, Chloral) bilbet farblofe, burd)fd)einenbe drpftalle, weldje an ber Suft langfam Verbampfen unb einen biirdjbringenbcn ®erud) unb bitteren, äpenben ©efdpmuf ljaben. (5S wirb in feiner Verbinbung mit Sßaffer, wie baS Chloroform, als VetäubungSmittel gebrandet, mit bem Unter* fdjiebe, baß baS Sßloralßpbrat als innerlidjeS Drittel in Slnwenbnng fommt. Sind) von bem ßl)lorall)l)brat barf nur auf ärgtlidje Verordnung I)in ©ebraud) gemadjt werben, unb befonberS fiub §ergleibenbe vor bem eigeumädjtigen (Sinneßmen biefeS VetänbungSmittelS gu warnen! ® 1)mp t 0 nie: ©er Sltljem wirb feljr verlangfamt unb ber VulSunfüßlbar, bie Sippen färben fid) blau, bie Pupille verengert fiel), ber Untertiefer Ijängt ßerab, unb eS tritt Vewußtlofigfeit ein'. V e l) a nb 111 n g , wie bei (hloroformvergiftung; anßerbem Ijeiße Umfdjläge auf ben Körper unb Dteigmittel (Vranbl), V3l)iSfel), ober ftünblidje ©ofen von 15 ©ropfen §irfdd)ovngeift (Spirit of Hartshorn) in je 3 (Eßlöffeln Sßaffer). ©urd) ©ebraudj biefeS VetänbungSmittelS tommt eS gu einer d) r 0 n i f d) e n ß I) l 0 r a 11) p b r a t v e r g i f t u n g. ©ie ©Haven 605 biefeS @ifteS finb an folgenbett © 1) m p t o m e n 311 ertennen: ©aS Singe ift ungewöhnlich glänjeiib, Dprenfaufen, ein ©efütjl ber ßeere im ©eljirn, plöplidje ©djwinbelanfälle, mangelhafter Slppetit, geftörte Berbauitng, weiße, tljonartige ©tuhlentleerungen, mitunter eiweißhaltiger Urin. Sim ©age finb bie Unglüd'lidjen melandjolifd) unb leicht ermübet, unb wenn bie ©djlafenS3eit herannaht, fehl' nervös unb erregbar; jumeift tonnen fie oljne (Eljloral feinen ©djlaf mehr finben. ©ie B e lj a n b l u n g Ijot von ben allgemeinen Borfdjriften für djronifdje Bergiftungen (f. ©. 524) hauptfädjlich bie im Singe 3U behalten, baß ber Kraute bem Shlovalhpbrab genuß entfage; wie bei ber Sllcoholvergiftung, barf bas (Entwöhnen aber nur ein allmäligeS, von ©ag 3U ©ag auf geringere ©ofen übergetjenb, fein. ©aS Slmijlnitrit (Nitrite of Amyl), ebenfalls ein (nur vom Slicte ju benu^enbeS!) Betäubungsmittel, ift eine farblofe, flüchtige, ölartige welche einen angenehmen ©eruclj (nadj angegangenen Birnen) hatunb fich bei längerem ©teljen gelblidj färbt. ©ijmptome: £)ipe im ©efidjt, Steigerung ber ®efüt)l beS BollfeinS im ®e* hirn, ©djwinbel, ©inten ber Körpertemperatur, (Erfdjlaffuug ber Billige* fäße unb SDSuSteln. ©er ©ob erfolgt burdj Zähmung ber Stefpiratiou; (Empfinbung unb Bewußtfein bleiben, bis in {yolge ber Zähmung ber SlthmungSthätigfeit Kohlenfäurevergiftung eintritt. B e lj a u b l u n g Wie bei Slitroglljcerin (©. 602). ©aS ßiufjgnS ober ®ti(fftoffo;rpbul (Laughing Gas), vielfach 6ei jahnärjtlichen Operationen als Betäubungsmittel angewenbet, führt mit* unter ben ©ob (in $olge SauerftoffmangelS) herbei. Bei ber Belfanb* litng verfahre man, wie oben in ber (Einleitung 31t biefem SXbfdjnitt (f. ©. 603 u. f.) angegeben würbe. $olge fortgefeljteu (EinathmenS von öuft, welche mit Citerffilbers biiinpfcii vergiftet ift, erfranfen bie Slrbeiter, welche bei ihrer Befchäfti* gung jenes giftige WSetall 311 venvenben h- Bergolber, Berfilbe* rer, Bergleute, ©piegelarbeiter, u. f. W. häufig an djronifdjer Oued'filber* Vergiftung. Diatürlich tann eS and) 3U acuten Bergiftungen burdj Duecf* filberbämpfe tommen; fo berichtet Vi'of« ©onnenfdjeiii von einem Bergol* ber, ber in $olge (EinatljmenS von Ouedfilberbämpfen binnen 3 ©tunben ftarb. ©ijmptome unb Beljanblung, wie oben bei ben mineralifdjen Ber* giftungen angegeben (©. 597). - Um Bergiftungen burdj biefe ©ämpfe 3U verljüten, finb folgenbe B 0r f idj tSm aßr e g ein 311 beobachten: ©er in ben betr. $abrifräumen ift nach ©djluß ber SIrbeit mit Slmmoniatflüffigteit (Water of Ammonia) 3U befprengen. ferner finb in foldjen Räumen ©djalen mit ©djwefel, 3-ob ober auf3u* ftellen. ber weldje falpeterfaureS Duedfilberojpbul 311m Sieben ber §aare verwenbet, follte biefe Berbinbung überhaupt nicht 606 meßr gebraucht werben; berfelbe 3tt>etf ift burd) Zmprägniren ber §aare mit DJiolaffeS, ©eytrin* ober Zutferlöfung unb nadjljerigeS Veljanbetii mit verbannter Salpeterfäure 311 erreichen. Sdjließlidj ift notf) ein Vorfdjlag SrooteS' 311 beadjten, nadj weldjem baS Verbampfen unb Verftäuben von CUiedfilber 311 vergüten ift, inbem mau letzterem | Diatrium ©ie von Dlrfenifbämpfcn füprt jumeift 311 djronifdjen Vergiftungen, 3. V. bei ber Zubereitung von weißem Dlrfenif, weldjer burdj Diöften arfenpaltiger (Srje unb Dluffangen ber babei entweidjenben ©ämpfe gewonnen wirb; 31t gleichen Vergiftungen tommt eS in $olge •VewoljnenS von Zimmern mit arfenitpaltigen ©apeten. Diente, außeror* bentlidj rafdj töbtlidj verlaufenbe Dlrfeuifvergiftungen verurfadjt baS ©in* atljmen beS Dlrfenwafferftoffs, eines farblofen, mit blauer flamme bren* nenben unb wiberlidj riedjenben ®afeS. ©er eigene (Entbetfer biefeS ®afeS, ber (Eljemifer ®eplen, ftarb an einer foldjen Vergiftung. Sijmp* tome unb Veljanblung wie bei ben anberen Dlrfeuifvergiftungen (f. S. 598). Saure ®nfc, b. I). bie gasförmigen Säuren aus bem SKineralreicbe (Sdjwefel*, Salpeter* unb Saljfäure, f. S. 589 u. ff.), rufen, wenneingeatß* niet, folgeube Spmptome Ijervor: Dieijung ber Luftwege, fälle, Sdjmers im Dftunbe, £>alfe unb in ber Vruft, ©Ijn* madjt, (ErfticfimgSgefaljr. VefonberS 311 warnen ift vor Unterfal* peterfäure*©ämpfen, weldje fid) beim Verfdjütten von raudjenber Salpeterfäure entwicfeln. Vei einer Vergiftung burd) foldfe ©ämpfe ftellen fid) außer ben oben genannten Symptomen nodj ein: gelbgefärbter Dluswnrf, Stuplentleerungen von berfeiben garbe unb Unterbrücfung beS • UriuS. ©ie Veßanbluitg würbe oben in ber (Einleitung ju ben gafigen ®iften angegeben. Zur 33 e r I) ü t u n g berartiger Vergiftungen füllten Dlrbeiter, weldje mit biefen Säuren umjugepen ljabeu, ben ®eljör* gang mit in £)el getränfter Vaumwolle verftopfen, vor bem DJlunbe Sdjwämme tragen, weldje in Votafdjelöfung getandjt würben, unb bie Dingen bnrdj Vrillen weldje mit foldjen Sdjwämmen eingefaßt finb. Dlatiirlidj ift audj für gute Ventilation ber betr. gabrifräume 3U forgen. Dlnf bie ©efäßrlidjteit ber Vlaufäiirebämpfc würbe fdjon oben (S. 582) anfmerffam gemadjt. ©ie djronifdje VfyoSpIjorVergiftimg, verurfadjt burd) (Einatljmen von gHjoSpIjorbiiiiipfcn in Streidjpolgfabrifen, füljrt ju ber Die* fpirationS* unb VerbauuugSorgane; am eljeften verläuft eine foldje Vergiftung in Sdjwiubfudjt aus. ©ie erften Spmptome finb: Uebelfeit, Dippetitmangel, sDiagencatarrlj; ber Traufe wirb bleidj, mager unb friert, unb fdjließlidj ftellen fidj fieber, ©urdjfall, Sdjmerj in ber 607 Vruft unb in ben (Menten unb 9lnfd)WeIlung ber $üße ein. (Moöpnlicp finb bamit eiterige Kuodjenpauteutjünbuiigen nnb befonberS branbigeS Slbfterben größerer Partien ber Unterfiefertnocpen Derbunben netrofe"). Oie erften SInjeidjen biefer 91efrofe finb Speicpelfluß, 2tm fdjwellung beS 3apnfleifd)eS nnb ©efdjwüre beSfelben. Oie 33 ep anb * Inng ber djronifcpen 'ißpoSpporDergiftuiig ift anf bie allgemeinen Vor« fdjriften für cpronifcpe Vergiftungen befcpränft (f. S. 524). Oie Weitere 3iifupr beS ®ifteS in ben Körper muß üerpiubert, b. p. bie Vefdjäftigung in ber bei ben erften Spmptomen biefer Vergiftung fofort aufgegeben unb für Kräftigung beS Körpers Sorge getragen werben. 2HS V o r b e u g u n g S m a ß r e g e 1 n finb 311 beacpten: Ventilation ber $abriträume unb Dleinpalten (öfteres Slusfpülen) beS fUJunbeS.* fter« ner barf in fokpen Räumen nidjt gegeffen, nod) (Sffen aufbewaprt werben, unb pat ber Arbeiter bei ber geringften ßrfranfitiig beS be- fonberS nad) bem Don .ßäpnen ober irgenb einer (Sutblößung beS UnterfieferfnodjenS Dom bie Slrbcit fofort eiiiguftellen. 5(nilinbiiiiipfc wirten giftig. (Sin Arbeiter, ber in ftolge VerftenS eines mit SInilin gefüllten paffes mit biefem ®ift iiberfdjüttet würbe, opue baff etwas in ben SDZitub tarn, ertrantte, wäprenb er nod) baS Slniliu Don feinen Kleibern abwifdjte. Sllfo Vorfidjt! Spmptome unb Vepanbluug f. <S. 602. Vei gelfenfpreugungen, u. f. w. entwidelt fiep aus Witroglpccrin bepü. Opnamit ein (aus Koplenfäure unb Stictftoff beftepeubeS) ®aS, beffen (Siuatpmnng folgenbe <S p m p t o m e Derurfacpt: ©cpwinbel, Kopf- fdjmerj, Sltpemnotp. Mitunter ift bie öuft burep baS ©ift ber- art üergiftet, baf? bie Arbeiter fofort nacp ber Sprengung befiiinuiigSloS 311 Voben ftürjen unb in frifepe Vuft gebradjt werben müffen; anbernfallS färben fiep $äube unb ©efiept bunteiblau, blutiger Sepaitm tritt Dor ben DJiunb, ber 2ltpem wirb unregelmäßig, raffelnb unb fcpnaiTpenb unb bie §aut tüpl. Oie V e p a n b 11111 g berartiger Vergiftungen ift im allge* meinen bie oben für alle gafigen ©ifte angegebene; babei laffeman (Sffig* ätper eiitatpmen ober fpripe benfelben ein. Sepmaroper ober V ar a fiten werben folcpe tpierifcpe ober pflanjliepe Organismen genannt, weldje, anf ober in bem meitfdjlidjen Körper lebenb, Kranfpeiten (S d) in a r o p e r t r a n t p e i t e n) peroor- rufen. DJhindje biefer Organismen fommen and) bei Opieren Dor. 3e 608 nacp bem Äörpertpeil, weldjen fie zum ©Öopnfits paben, bezeicpnet man bie ©djmaroper verfdjieben; bie tpierifdjen peißen „(Sntozoe'n", wenn fie in, unb „(Spijoen", Wenn fie auf nuferem Körper paufen, wogegen bie pflanz«- lidjeit fßarafiten, je nadjbem fie in ober auf bem ntenfdjlicpen Organismus niften, als „(Sntopppten" unb „Gpipppten" unterfcpieben werben. $ein einziger bicfer ©cpmaroper entftept von felbft, b. p. burcp Urzeugung, viel« mepr werben fie fämmtlicp eutweber als (Si ober ©amen ober als fcpon entwicf'elter Organismus auf ben SRenfdjen übertragen. Oie tpierifcpen fßarafiten, weldje zumeift auf ber äußeren §aut ober im ©arm leben, finb tpeils tpeilS Türmer ober unb bie pflanjlidjen ©cpntaroper, Welcpe faft immer ipren ©ip auf ber äußeren §aut paben, gepören opne SluSnapme ben bejw. benfßiljen an. Xpicrifdjc ©djmaroper. ©ie ©rirfjint (Trichina spiralis) ift eilt ZU ben fogen. £mar Würmern gepöriger, fabenförmiger Söitrm, ber als unentwidelte Sarve (üRuSteltridjine) in ben quergeftreiften Pusteln unb als reife, fortpflanzungS« fäpige ©ricpine (©armtridpne) im ©arm ber 3Ren« fcpen, ©cpweine, ®apen, Äanincpen, unb fRat« ten vorfommt. ©ie männlicpe ©armtridjine erreicpt eine Sänge von etwa 3oll, baS Sßeibdjen bagegen eine folcpe von § $oll (f. gig. 266). ©ie (Sinwaiibe« rung von ©ridpnenin benmenfdjlidjen Körper gefcpiept in §olge ©enuffeS von ©cpweinefleifcp, baS mit fJRuSfeltricpinen burcpfept ift. (gelangen biefe lebenb in ben fragen ober ©arm eines SRenfcpen, fo verwalt« beln fie fiep in 1-2 ©agen in gefcplecptsreife ©armtri« djinen, weldje als folcpe 5-6 Sßodjen im ©arm blei« ben, um bann abjufterben unb mit bem ©tupl ent« leert 31t werben. SBäprenb ipreS SlufentpaltS im ©arm vermepren fid) bie (©arm«)©ricpineit in tut« gepettrer SBeife. fRacp ber jeweiligen Begattung ent« widelnfid) int weiblidjenSeibe etwa 100 Sier, bie fidj fdjon am 6. ©age in Heine (Smbrponen verwanbeln, welcpe halb barauf (opne (Sipülle) geboren werben. (Sine ©riepinenmutter fept aber meprmals neue S3rnt im ©arm aus. SRecpnet man alfo auf eine ©riepinen« mutter and) nur zweimaliges (gebären im ©arm, b. p. 200 Ouitge, fo genügen 5000 foldje SSRütter, um 1 Million 3ungezu liefern, unb fo viele fDluttertpiere Fig. 266. ®ie (Heinere) mönnlicfje unb bie (größere) weibliche Tarmtrictjine. a) ftopb, b) SdjlBanäcnbe. 609 tönncn in wenigen Riffen Fleifdj enthalten fein. ©ie junge-iörut burcfy» boprt etwa 8-10 ©age nad) bem ©enuffe tridjinöfen FleifdjeS bie ©arm* iväube, bringt im SDJuSfetgewebe immer Weiter vor (f. Fig. 267) unb wirb, ba niete in ben Sölutftrom gelangen, fel)r fdjiiell nad) ben entfernteften ©peilen pin loeggefdjmemmt. _3n ben SJZnSf'eln angefommen, bopren fie fid) in bas innere ber OftuSfelbünbel ein, unb rollen fid) fpiral* förmig jufammen. ©urd) SSerbidung ber ftructur* lofen ©djeibe unb Slblageruttg von um jebe ©ridjine bilbet fid) nad) unb nad) eine citronem förmige Äapfel, bie nad) 15-16 Monaten ganz mit $alf erfüllt ift unb bann in bem rotljen $leifdje fdjon bem blofjen Singe als Keiner weißer 'ißuntt ficptbar ift (f. Fig- 268, 269 unb 270). 3n biefem Sjuftanbe berparrt bie DJhtSfel* tridjine lange $apre unb wirb burd) ein fid) um bie Zapfet neubilbenbeS ernährt. Slufbiefelbe SÖeife, ivie im menfd)lid)en Körper, bolK jiel)t fid) bie Umivanblnug unb Fortpflanzung ber 9)luSfeltrid)inen im $ör= per eines ber oben genannten Xljiere: Sins ben mit ber 9?al)rung aufge* nommenen OJZuSteltridjinen bilben fid) £)armtrid)inen; biefelben leben etwa 5-6 2öod)en im ©arm beS betr. ©piereS, pflanzenfid) wäprenb ber £eit fort unb fterben bann ab, iväprenb bie junge 53rut in baS HftuSfelfleifd) einbringt, fid) bort einfapfelt unb lange 3apre am Seben (anftedungSfäpig) bleibt, ©ie Fig. 267. Sunge (ciitttrnnbernbe) IWuSfeltricfjinen. Fig. 269. Fig. 270. Fig. 268. gleifcl) mit etngefttp= feiten 9JJitSfettrief)t= nen, natürliche (Stöße. SingetaVfelte 8Ku§te(tri= tfjinen, 40mal »ergrö&ert. Güte einacta£felte DJJitSfeltrtchine, ioomal »ergröfjert. 3nfection beS9Renfd)en erfolgte nadj ben bisherigen immer nur burd) ben ©enufj tridjinöfen S(hWeinefIeifd)eS. ©ie Schweine wer* ben aber burd) baS Aufzehren non hatten refp. SBanberratten trid)inöS; festere finb nach ''ßrof. Ceutfart baS eigentliche Sßoljntljier ber ©rid)iue. ©ie anatomifchen Sßeränbernngen, weld)e burd) (Sinwanbernng ber ©rid)ine herüorgerufen werben, hefteten in ber ©armfdjleimhaut, bie fiel) mit einer glafigen Sd)leimfd)icht überzieht. ©nrd) bie ©nrd)bol)s ritng beS ©armes fommen in ber Ofegel feine erheblichen SSeränberungen 610 ju Staube. ©urcß bas Einbringen bei ©ridpnenbrut in bie Pusteln unb baS Einfapfeln bafelbft wirb aber bie normale Eircnlation in bem betr. SiuSfelcapillargebiete geftört, nnb Werben baburd) bie für bie ©ricßinofe cßaracteriftifcßer Slnfdjwellungen ber §aut nnb beS 3ellgen>ebe§ nnb bie Sdfmerjßaftigteit ber SJhiSfeln verurfadjt. ©ie ©ridjinen finben fid) mit SluSnaßme beS §erjfleifd)eS in allen WHiSteln, befonberS reicßlicß aber in bem B*verd)fell ben BlvifcßenrippenmuSfelit, ben SlngenmnSfeln nnb ben Heinen DJiuSfeln am Sdjlnnbe, nnb ßanptfädjlid) ßalten fie fiel; in ber 9tiiße ber Slnfäße von Seßnen nnb Änodjen auf. Symptome nnb Verlauf, ©ie SInfangSfpmptome ber ©ridji* nofe fiub wenig djaracteriftiftß. ©er Patient ift gebrütfter Stimmung nnb füßlt große SJlattigfeit, welcße bis 311 Enbe beS ßeibenS anbauert nnb oft fo groß ift, baß ber Trante bie Sinne nnb Seine nidjt ju ßeben vermag, ©aju gefeiten fid) Slppetitlofigteit nnb Serftopfnng (feiten Sred)burd)fall ober and) nur ©iarrßöe), Äopffcßnierj, Scßwinbel, fieber (etwa 105° F.) weißbelegte ober gerötßete Bunge, nnb als erfteS nnb widjtigfteS Symp- tom in faft allen fällen: SBaffergefdpvnlft ber Slugenliber. ©er Unter- leib ift bisweilen aufgetrieben nnb gegen ©ntd empfinblid). ©ann tritt Sdpnerjßaftigteit ber verriebenen SDhiSfelpartien ein (meift am 9.-10. ©age), bie fid) bureß ©rud nnb SeWegung verfcßlimmert unb in berütuße beffert. ©ie ©elenfe fiub fdpnerjfrei. ©iefer bureß Einwanberung ber ©ridjinen in bie 3)luStelii entfteßenbe Sdjmerj verbreitet fid) über ben ganzen Äörper nnb ßcilt einige SBocßen an. Sißen bie ©ridjinen befonberS in ben ÄaumuSfeln, fo vermögen bie Oranten bie tiefer faum 311 bewegen ober auSeinauber ju bringen; wenn im 3werd)fell, in ben Srnft- unb 9tüdenmuSteln nnb in ben Extremitäten, fo ift ßoeßgrabige Sruftbeflem* mung bis jur ©obeSangft, Starrßeit unb Steifigfeit beS DiüdenS unb ber ©lieber vorßanben; wenn im Äeßlfopfe, fo werben bie Patienten ßeifer. ©aS Sewußtfein ift ungetrübt unb ber Scßlaf, wenn uid)t bnrd) bie Sd)merjen unterbroeßen, meift gut. 3n vielen fallen treten and) öbe* matöfe Scßwellung beS ©efießts (oßne §iße unb 9Jötße beSfelben) unb reießließe Scßweiße ßinju. 9?ad) meßrwöcßentlicßer ©aner biefeS 3uftrtn- beS neßmen bie Sdpnerjen allmälig ab, bie ßoße ©emperatur geßt ßernm ter, unb bie Kräfte teßren langfam wieber. WSeift bleiben rßeumatiSmuS* artige 3RuStelfd)merjen (befonberS bei ®itterungSWed)fel) jnrücf. Sei weniger günftigem Serlaufe belegt fid) bie Bunge brännlicß, wirb trotfen nnb befommt eine rotße Spitze, ber Slppetit verfeßwinbet gänjlicß, ber $erjfd)lag wirb matt, Hein unb frequent, nnb bie Oranten fterben entweber au Erfcßöpfimg ober unter ben Erfdjeinungen einer ßnngenentjünbung, naeßbem nid)t feiten eine allgemeine, fid) über ben ganjen Körper er« ftredenbe 'jßnfteU unb vorauSgegangen ift. ©ie Erfem 611 nung ber Tridjinenfrantheit, Weld)e auf ®runb ber ©pmptome fd)on oft mit rl)eiiinatifd)em fieber ober Dierüeufieber Verwed)felt würbe, ift feine leid)te. ©ie ©iagnofe fid) beSljalb vornehmlich auf ben Nachweis beS ©enuffeS Don tridjinöfem ©d)Weinefleifd), namentlich wenn au einem Orte mehrere unter gleidjen (Srfd)eiiiiingeii erfranfen, ober ba* rauf, bafz in einem, aus beut Körper beS Patienten heraiiSgefdjnittenen 5(eifd)ftücfd)eit Tridjinen nadjjuweifen finb. B e 1) a n b l n n g. (Sin Mittel gegen bie TrichinofiS ift bis jefjt iiicljt befannt; bie am Ijäufigften empfohlenen Mittel, Wie Benjin, Terpentinöl, it. f. w., Welche bie Abfapfelung ber Trichinen begünftigen feilten, hoben fid) itnwirffant erwiefen. ©a fid) aber bie ©d)Were ber Äranfheit nacb ber Wlenge ber genoffenen IDhtSfeltrid)inen unb ber aus ihnen entwicfelten ©armtrid)inen richtet, fo empfiehlt eSfid), bieTridjiiten burd) Anwenbung von Bred)* nnb Abführmitteln möglidjft aus beut Klagen refp. ©arm zu ent* fernen; Brechmittel (f. 9Jecept 9co. 22) finb am Blatte, wenn inficirteS fyleifd) nod) im Dftagen vermuthet wirb, Abführmittel (9?icinuSöl) bage* gen, wenn fd)on längere 3e.it nad) (Sfenuß beS $leifd)eS verfloffen ift. Bon gewiffen ©eiten wirb gegen bie TridjinofiS and) baS Äohlenftitfftoff* Äali (f. Diecept *fto. 23) empfohlen, ©ie §auptfad)e ift, ben Traufen burd) Ieid)t verbanlid)e, fräftige Äoft bei Kräften zu erhalten nnb il)it fo in ben ©taub zu fetjen, baS ßeiben ju überftel)en, was meift gefd)iel)t, Wenn er bie 6. B3od)e erreicht. ©aneben erleichtert man bem Patienten feinen $u* ftanb burd) warme Bäber, Abreibungen mit, inlSffig getaud)tem ©d)Wamm nnb eventuell (bei heftigen ©d)merjen) burd) unter bie Septere finb nur vom Arjt vorjunehmen. B o r f i d) t S m a jj r e g e l n. ©ie BhiSteltrichinen finb gegen Röteln nnb 9läiid)ent beS wiber- ftanbSfäljig. (Sitte längere 3eit anl)a(tenbe §i£e von 150° F. genügt aller* bingS, bie Trichinen ju tobten; ba aber bei ber gewöhnlichen weife biefer begrab im Innern beS $Ieifd)eS nid)t erreidjt wirb, fo giebt nur ein vollftänbigeS ®arfod)en beS ©icfjerheit vor 3n; fection. ©d)Weinefleifd), weldjeS rol) ober in gepöfelfem ober gerättdjer* tem (nid)t gar* ober nur wenig gefodjtem) 3uftanbe genoffen werben foll, ift vorher mifroffopifd) 31t unterfud)en, itnb jwar finb 311 biefemBe* I)ufe $leifd)ftü(fd)en ans verfd)iebenen Theilen beS betr. ©d)WeineS ans* juwählen, ba fiel) in einem Tljeile beSfelben feine nnb in einem auberen Tl)eile zahlreiche Trid)inen befiuben tönnen. Ao. 22. 1 Teelöffel boll SBrcdjfourjetyultoer, Srecliiourjelwruvober tn Warmem 2Baf[er 311 nehmen; toertrt fein ßrbreeßen erfolgt, nach 20 ÜKinuten 31t wieberljolen. - Ober: 1 ®ran 23rect)Weinftein tn bon 15 UJiinuten (bis (M'recßen erfolgt) in SBaffer 3a geben, (©ie ©ofen finb für ßribadjfene berechnet, alfo für Äinber entfbrecbenb 311 ermäßigen). 612 91 e ce v t 91o. 23. 9tu3 einer SWifcpung von je 1 ©radjme $optenfH(fftoff=$alt unb ßafrifcenfaft »erben 50 SßiUen gemacht; von biefen finb 3mal täglicl) 5 Rillen ja nehmen. ©ie $täpe (Itch) ift iiidjt, wie man früher annapm, ein allgemeines geiben, fonbern eine rein örtlidje Hautfrantheit, weldje burd) baS (Sim bringen Keiner HRilben (Sdjmaroper ans ber klaffe ber Spinnentpiere) unter bie Oberhaut Derurfadjt wirb. ©iefe Silben, b. p. bie „$räpiniK ben" beS fDlenfdjen, erfdjeinen bem bloßen Singe als Windige weiße djen; unter bem lUlifroffop betradjtet, geigen fie einen fchilbtrötenförmigen, gebrungenen $an (f. $ig. 271). SSorn unb hinten an ber Unterflädje beS Körpers paben fie je 4 S3eine, Don benen bie Derberen, nadj Dorn ge* richteten unb je mit einem Härdjen befepteu mit einem Saugnäpfdjen enbi* gen, wäljrenb bie hinteren, nach ßinten gerichteten an iprem (Silbe je eine lange hoffte haben. ©aS Sßeibdjen ift ungefähr noch einmal fo groß wie baS SRänndjen unb Diel häufiger als biefeS; auf je 10 SSßeibdjen fommt burchfehnittlid) ©ie Äräpmilbe beS äRenfdjen finbet fiep and) auf 3ie9en unb bem „neapolitanifcpen" Scpaf unb Derurfadjt bei biefen ©pieren bie „fRäube". ferner fommt auf §unben, Äapen, «Schafen, Biegen unb Schweinen eine Don ber beSSJlenfdjen Derfdpe* bene Sträpmilbe Dor, Weldjebei biefen ©pieren gleichfalls bie fRäube IjerDorruft, and) auf ben äRenfcpen übertragen werben fann unb bei biefem bann ebenfalls bie Äräpe Deranlaßt. SQlit lepterer fann alfo ber SRenfd) angeftetft werben: entweber burd) Berührung mit franfen ober mit ©pwren, welche mit ber Äräp' milbe beS fJRenfdjen behaftet finb, ober burd) 53euupung Don ®egem ftänben, welche im (gebrauch Sbräpfranfer waren, unb an benen nod) 2)liK ben haften, ober eublid) burd) Berührung mitfoldjen „räubigen" ©h'ereiV bereu (Don ber Äräpmilbe beS fDlenfdjen Derfdjiebene) Sräpmilbe beim DJlenfdjen (ebenfalls) bie Äräpe pevDorrufen fann. ©ie befällt alle ©peile ber ®örperoberfläd)e. ©ewöpnlid) bleibt bei (Snoacpfenen aber ber Derfd)out, unb am liebften werben Don ber weidje unb warme Stellen (§änbe, befonberS jwifdjen ben Ringern, Änie= unb (SUem bogenbeuge, Slcpfelfalte, 23ruftwaqe, Unterfläd)e beS §anbgelenfS, u. a. m.) aufgefudjt. wirb baS (sntftepen ber $räpe burd) Unreinlidjfeit unb Mangel ber Symptome unb Verlauf, (gelangt eine Äräpmilbe auf bie fo boprt fie fid), inbem fie ben auf bie löorften ber Hinterbeine ftüpt, in faft fenfredjter 91idjtung in bie ©bem Fig. 271. ßrätimilbe; Iinf§91üctenflädje, redjt§ Sßaurfjfläctje. 613 paut. ©ie SRänmpen bleiben mepr oberfläcplicp, bie SBeibdjen bringen bagegen big jur Veberpaut üor, wo fie (Sänge graben, in Weld)en fie ipre (Sier (im (Sanjen etwa 50) nieberlegen. ©iefe big ju 1 B°H langen (Sänge unter ber ©berpartt finb juerft etwag erpabene unb weißlicp ge= färbte refp. (burd) bie (Eier unb ßuftlödjer) punctirte Linien; in Slblagerung Don SRilbentotl) nepmen fie fpäter eine fd)Wärjlid)e fyarbe an. ©nrd) bag Aßopren bejw. ben baburd) auf bie Sternen unb ©rufen ber §aut auggeübten fReij bilben fid) längg ber Sttilbengänge and) rotpe Änötdjen, -SBlägtpen ober mit (Eiter gefüllte tüfteln. außerorbentlid), befonberg in ber SSettwärme, ba bie SRilben in ber Sßärme lebhafter werben, unb veranlaßt bieg ju fortwäprenbem fReiben unb Grapen beg Patienten, Woburdj bie EDlilbengänge tpeilweife aufgeriffen unb bie Snötdjen, u. f. W. aufgetrapt werben. Slußerbem jeigt bie §aut in beg gewöpnlid) nod) (Striemen unb Slbfcporfungen. ©ie anfgetrapten Änötdjen unb S3lägd)en fdjuppen fiep aber entweber troden ab, inbem fie fid) juerft mit Scporf aitg geronnenem bebeden („trodene ®rä£e"), ober fie näffen, b. I). ergießen eine unb bebeden fid) nacpper mit Porten („feucpte $räpe"), ober fie pinterlaffen (Sefcpwüre unb fledjteiiartige ©ie läßt fid) febocp nid)t au biefen golgeerfcpeinungen, fonbern nur burd) Stuf finb en ber $räp= milbe mit Sicperpeit beftimmen. ©a aber bie SRilbe am blinben (Enbe ipreg (Sangeg fipt unb pier eine grauweißlicpe SlnfdjWellung bilbet, foläßt fie fid) leicpt finben, inbem man unter bie 2lnfd)WelIung eine 9?abelfpipe einfüprt unb bie 9RiIbe perüorpebt. ©ie 33e p an b Inn g ber beftept im ©öbten ber DRilben unb erforbert baper bie örtlidje Sliiwenbung foldjer Mittel, burd) weldje (mit bem geringften §autreij) bie DRilbengäuge jerftört unb bie SRilben unb ipre Srut gelobtet werben, ©ag gewöpnlidje SSerfapren ift, baß man ju= näcpft SIbenbg ben ganjen Körper im warmen mit<Sd)mierfeifeforg= faltig wäfd)t unb bann abtroduet. hierauf wirb ber Trante mit einem ber unten angefüprten Mittel (fRecept 5Ro. 24) träftig eiugerieben unb im 4öette über 5Rad)t in wollene ©eden gepüllt. Sim anberen SRorgen wirb ber Körper im warmen Seifenbabe ober burd) Slbwafd)ung mit Seifen- waffer gereinigt, worauf ber Patient feiner gewöpnlidjen ©agegbefd)äfti= gung nacpgepen tann. ©iefeg SSerfapren wirb fo lange (burd) 3 big 4 ©age) Slbenbg unb SRorgeng wieberpolt, alg nod) Spuren ber 9)lilben= gange ober beg $rä£aitgfdjlagg ju bemerten finb. Um bie in tü r j e fter Beit logjuwerben, tann man folgenbe (Sur anwenben: ©er Traufe wirb juerft | Stunbe lang über ben ganjen Körper mit fcpwarjer Seife eingerieben unb bann j Stunbe in warmem S3abe gepalten, wäprenb Welcper Beit bie (Einreibungen mit Seife fortgefept werben. 5Rad) bem 614 23abe wirb ber ganje Körper | ©tunbe lang grünblicp mit einer ©albe anö 1 ©peil ©cpwefelcalcium unb 8 ©peilen §ett eingerieben, worauf ber Körper mit lauwarmem 2ßaffer abgewafcpen wirb, ©ie Einreibungen finb natürlidj im warmen Rimmer vorjunepmen. Seib* unb 23ettwäfcpe be§ $rä£franfen finb bnrcp SluSfodjen unb bie wollenen $leibung$ftü(fe ba* burep ju beSinficiren, baf; man fie einige ©tunben trocfener §ipe (etwa 212° F.) ©egen jurüd'gebliebeue 2lu$fd)läge (in j}olge ber Ein* reibungen) wenbe mau falte Umfcpläge, Einreibungen mit fetten £)elen unb laue ober falte 23aber an. ©ie 23 o r f i cp t § m a f; r e g e l n gegen Slnftecfung mit fraise beftepen in ben foeben genannten ©eSinfectionSvorfdjriften unb in ber 23epntfam* feit beim Umgang mit fräpfranfen refp. *verbäcptigen QJlenfcpen unb räu* bigen ©pieren. 23efonber§ vermeibe man baS 3ufammenfdjlafen niit un* befannten unb adjte barauf, bafl Stinber nicpt mit §unben, $apen, ober ©djafen fpielen, weldje 2Iu$fcpläge ober faple ©teilen paben. Stecept 91 o. 24. fjlüffiger Storaj unb fcljioarjer Sßeruöalfam 311 gleichen feilen (etwa 1 Urtje von jebem) toermifeßt. - Ober: 1 llnje fluffiger Storaj mit 2 ©radimcn Olivenöl vermifeßt. ©er 23anbttmrm (Tape Worm). $ur klaffe ber 'ßlattwürmer (2ßürmer mit plattem, mepr ober weniger geftred'tem Körper non nieberer ©rganifation) gepören bie 23 attb Würmer, Don welcpen fünf 2(rten für ben menfcplicpen Körper von SBidjtigfeit finb, nämlicp: 1.) ©er gemeine $ür* bis-, fcpmale, langgliebrige ober Einfieblerbaubwurm (Taenia solium); 2.) ber feifte, geftreifte, fdpvarje ober SRinnenbanbwurm (Taenia medio- canellata); 3.) ber geranbete 23anbwurm (Taenia marginata); 4.) ber ober breigliebrige 23aubwurm (Taenia Echinococ- cus) unb 5.) ber breite 23anbwurm ober breite ©rubenfopf (Bothrioce- phalus latus). 2lllen 23anbWürmern gemeinfam ift bie vielgeglieberte platte $orm. 3Pr 23orberenbe ift fabenförmig verblümt unb mit einem ftecfnabelfopfgroflen stopfe verfepen, an welcpem fiep §aftorgane befinben. Unmittelbar pinter bem Äopfe ift etwa | biö 1 3oll lang feine ©lieberung bemerfbar; von ba ab reipt fiep ©lieb an ©lieb immer mepr an 23reite gunepmenb. $ebe§ einzelne ©lieb (Proglottis) ift ein felbftftänbigeS, für fiep fortpflanjungßfäpigeö „.gwittertpier", an$ welcpem ba$ folgenbe ©lieb pervorfproflt. ©er 23anbwurm ift alfo eine ©piercolonie, bereu ©lieber burep 23ermittlung be§ jeweiligen vorpergepeuben ©lieber von oben per burep £>ervorfproffung au§ bem gemeinfcpaftlicpen Äopfe entftepen. ©ie Sänge eines auSgewacpfenen 23anbwurm§ ift für jebe Slrt be* ftänbig, ba bie lebten, reifen fßroglottiben fiep inbemfelben SDlafäe von bem 9D?uttertpier loSlöfeii, wie fie peranreifen. 615 ©ie vier erften ber oben genannten entwickeln fiel) nicljt gleich als 33anbwürmer aus ben (Siern, fonbern burdjlaufen erftnod) jwei ©tabien, bas ber Sarve unb baS ber ginne. 33on btefen vier 2Irten kommen ferner nur gwei, ber ÄürbiS= unb Sftnnenbanbwurm, als 33anb* Würmer im menfd)lid)en Körper vor, wäl)tenb ber geranbete unb ber breU gliebrige 33aubwurm nur als Sarven bejw. ginnen in nuferem Selbe anjutreffen finb. ©ie (Sntwidlung, Welche Kürbis* unb fRinnenbanbwurm burdjlanfen, ift folgenbe: (Sin reifes (mit (Siern gefülltes) ©lieb wirb mit bem menfd)lid)en$otl) entleert unb bleibt bann noch etwa 2 SBodjen im greien lebensfähig. ©elangt nun ein (Si (mit ober oljne 'ißroglottibe) in ben ©arm eines, feiner (Sntwidlung jufagenben JI)iereS (SdjweineS ober SRinbeS), fo wirb bie (Sitjülle verbaut unb ber in berfeb= ben eingefdjloffen gewefene (Smbrpo frei, ©iefer ver- waubeit fid) ju einer Sarve, Welche mit 6 §cden bewaff- net ift unb'fid) mit £)iilfe biefer in bie SRageu- ober ©arm- gefäfse einbohrt. ©efäfjfpftem angelangt, wirb fie burd) ben S3lutftrom nach, ihrer (Sntwidlung günftigen Organen (©eljirn, Sungen, Seber unb SRuSfeln) ge- fdjwemmt, wo fie bann bie §äfd)en abwirft, fid) abfapfelt unb in 2-2| Monaten ju einem auSgebilbeten Oafenwurm, ber fogen. ginne, wirb. Sluf biefer (SntwidlungSftufe bleibt ber .Q3lafenwurm ftel)en, fo lange er au feinem bisherigen Wohnorte ver* bleibt (f. gig. 272 unb 273). ©urd) ben ©enuft finnigen gleifdjeS ge= langt bie ginne wieber in ben 33er= bauungScanal beS OJlenfdjen.- $ier wirb bann bie blafige Umhüllung berfelben verbaut, ber vorher einge- ftülpte Äopf ber ginne befeftigt fid) mit feinen an ber ©armwanb, unb bie §ervorfproffung ber 33anbwurmglieber beginnt. 3n ähnlicher SBeife geftaltet fich bie (Sntwidlung beS geranbeten unb beS brei- gliebrigen 33anbwurmS, mit bem Unterfdjiebe, baf; ber @i£ ber (Sntwitf* luug biefer umgeteljrt wie bei ben beiben erften 33anbwurm- arten, ber Seib eines ©hieveö (£>unb unb SBolf bejw. §unb) ift, währenb fiel) im menfchlidjen Körper nur bie refp. ginnen entwickeln, ©er breite ©rubenlopf bnrdjläuft nicht ben ginnenjuftaub, fonbern gelangt mit bem ©rinfwaffer als (Smbrpo in ben menfdjlidjen Körper, wo er fid) bannfofort jum 33anbwurm weiter entwickelt, ©er 2tufentl)altSort aller brei 33anb- Würmer beS 9J?enfd)en ift ber ©ünnbarm. ©ie (Sntwidlung aus ber Sarve unb ginne bejw. bem (Smbrpo vollzieht fich aber im Stagen. Fig. 272. ®lafenn>nrnt, ginne. Fig. 273. Sinniges Sleifcf). 616 ©er gemeine ober $ ii r b i § b a n b w u r m, ber in ?lmerifa ßäu* figfte 33anbwnrm, entfteßt ans ber ©cßweinefinite. ©ein $opf ift fted> nabeltopfgrob, fugeiig nnb ßat 4 jiemlicß ftart vorfpringenbe, becßerför* mige ©angnäpfcßeii, jwifdjen benen muß vorn ein aus etwa 26 wecßfel* weife großen nnb fleinen Ernten jufammengefeßter Äranj liegt, mit wel- djem ber 33anbwnrm fid) in ber ©armfcßleimßaut feftßält, wäßrenb fein übriger Seib frei im ©arm ßängt (f. gig. 274). ©ie Umgebung ber ©augnäpfe nnb beS ift etma§ bunfler gefärbt. ?luf ben Äopf folgt ber etwa 1 3o(l lange fabenbünne §als nnb bann bie immer breiter werbenben ©lieber. 33om 600.-650. ©liebe an (ca. 4| guß ßinter bem stopfe) werben ge- fdjledjtSreife ©lieber gefunben, weldje abgeftumpften S'ürbisferiien äßnlicß finb. ©ie ©efdjledjtSreife tritt 3-3| Monate muß ber $nfection ein; erft' bann geßen ©lieber beim ©tußle ab. ©ie ganje Sßurm* colonie ljat eine Sänge von 9-10 guß. - ©ie ©djweinefinne tommt ßanptfädjlicß beim ©cßweine vor nnb beSßalb finbet man ben $ürbisbanbwurm in allen ben ©egenben, wo ©dpveinefleifdj gegeffen wirb, ©itrcß Äodjen nnb genügenbeS traten ver- liert fie ißre SebenSfraft, nnb es fann baßer nur eine 3nfection erfolgen, wenn roßeS ober uicßt genügenb burcßgefodjteß ober biircßgebrateneS finniges ©djwetne* fleifd) genoffen wirb. felteneren gälten finbet ficß bie ginne amß bei§unben nnb hatten nnb felbftbei äJtenfdjeii, bei letzte- ren namentlicß im@eßirn, in ben 9(ugeii- fammern, n. f. w. ©er f e i ft e, f dj w a r 3 e ober 9t i n- n e n b a n b w n r m entfteßt aus ber ginne beS 9?inbeS. ©er Äopf ßat feinen §afen- franj, bagegen 4 große, fdjwarj pigmentirte ©augnäpfe. ©ie ©lieber biefeS befcßwer* lidjften nnb finb breiter nnb bitter, als bie beS gemeinen 53anbwnrmS nnb meiftenS fcßon vom 360. -400. ©liebe ab reif. (Sr gelangt brircß ben ©enuß von roßem Oftnbfleifd) in ben DJtageu beS SJZenfdjeu. ©er breite 33 a n b w 11 r in ober breite © r n b e n f 0 p f (f. gig. 275) ift Fig. 274. ®er gemeine ober ®iirbi§= banblournt. Unten Stopf, $a!entranj unb brei ©lieber. Fig. 275. 5)er breite Sanbiuurm ober breite ®ru« bentopf. Unten Sbobf unb ©lieber. 617 ber größte (meiifchlidje) 53anbwurm mit fabenbünnem, feulenförmtgent Kopfe, ohne £>afen nnb ©augrüffel nnb mit 2 feitlicßen fpaltenförmigen ©anggruben, bie auf bet §öße beS ©djeitelS in einanber gehen nnb bem Kopfe bas Slnfel)eii geben, als fei er gefpalten. Sie ©lieber finb mehr lang als breit, faft vierectig. Sie Slbftoßung ber reifen ©lieber erfolgt weift im griiljjahr ober §erbft in längeren ©tücfen. Sie (Sier finb färb* Io§, burdjfidjtig, oval unb entwitfeln fidj in füßem Söaffer, in welchem bann ein ßljafiger (Smbrpo mit glimmert) aaren auSfriedjt. 3)?it bem Srint* Waffer in ben menfdjlidjen Sarmeanal gelangt, entwidelt ber ©mbrpo fidj, wie bereits gcfagt, I)ier birect 311m 53anbwnrm. © 1) m p t o m e. Sie 53anb Würmer verurfacßen bisweilen gar feine 53efchwerben, ßäufig jebod) rufen fie Sarmcatarrße unb Sarmfrämpfe, 4öand)fd)merg, Sluftreibung beS Unterleibs, Siarrpöe, ©obbrennen, (Sr* bredjen, Kältegefühl, Heißhunger, n. f. w. hervor. 53erfd)limmernng bie* fer 53efd)Werben bei nüchternem Sftagen, fowie ©enuß gewiffer, bem53anb* wurm wibriger (Speifen Knoblaudj, SKeerrettig, (Senf, Sauer* traut, fanre ©urteil, ©arbeiten, Heringe, Spargel, 9)?oljrrüben unb Cbft) unb 53effernng nach ©enuß bon 53rob, SDlild) unb nahrhaften (Speifen taffen beSpalb jwar uidjt beftimmt, aber bod) mit 5BaI)rfd)einlid)teit auf bie Slnwefenheit eines 53aiibwnrmS fdjließen. Slnbere ©pmptome, welche fid) bei bem SSorpanbenfein eines 53anbwnrmS mitunter bemertbar madjen, finb: kneten an ben Dlafenflügeln unb am Slfter, Kopffcpmerj, Qpren* Hingen, 53eeinträd)tignng beS ©ep* unb §örüermögenS, u. a. m. Sicher ift bie Siagnofe inbeffen nur bei Abgang von Sßroglottiben ober (Siern. Sie 53 e I) cni b l im g ber 53anbwurmtrantheit beftel)t in ber Slb* treibung beS 53aubwurmS. Siefe foll immer erft vorgenommen Werben, nadjbem baS SBorljanbenfein beS 53anbnmrmS bnrd) Sluffinben von ©lie* beim ober (Siern in ben ©tuhlentleerimgen conftatirt worben ift. £>egt man 53erbad)t, baß man an biefer Krauf'heit leibet, fo nehme man 1* ober2mal je 1 Sradjme Koiiffoblütl)eii in einer Saffe mit etwas (Sitro* nenfaft ein, wobnrd) ©lieber abgetrieben werben, falls eben ber SBerbadjt begriinbet war. Sie (Sur, weldje, wenn in Singriff genommen, rafdjuub energifd) burdjguführen ift, finbet aber am beften 311 einer $eit ftatt, wo SBuruiftiicfe von felbft abgehen, b. I). ber SBiirm vorauSfidjtlid) in ber SDlanfer unb tiefer unten im Sarmcanal ift. Sie Slbtreibnng barf nie* mals toäljrenb ber Dftenftruation, Sactation ober ©djwangerfdjaft vorge* nommeu werben. Sind) befteljt für biefelbe eine ©egeiiangeige bei ge* fdjwädjten 'ißerfonen, Heinen Kinbern unb ©reifen; beibiefen ift hödjftenS bie Slmvenbung beS weiter nuten (üiecept 9io. 25) genannten Kamala* Präparats ohne ben Viebengebrauch von braftifdjen Mitteln ftatthaft. SluS allen biefen 53ebingungen, von welchen eine foldje (Sur unb bie Slrt ber 618 ©urdjfnljrung berfelbett abhängig ju ntadjen ift, erfießt man, Wie tßöridft refp. gefäßrlid) eS ift, fiel) irgenb einem beliebigen löanbwurmabtreiber an* ßn ber Oiegel ridjten jene „£)eiltimftler" mit ißren ftarfen Mitteln meßr Sdfaben als am $n irgenbwie jweifelßaften ß-älleit confultire ber Vefer einen Arjt ober wenbe fiel) an ben SBerfaffer biefeS 23ud)eS, ber iljm bereitwillig ben beften Sföeg geigen wirb. - Unter ge* wöljnlidjen SBerßältniffen geljtbie Abtreibung in breiSßßafen - SBorberei* tung, SSerabreidjung beS Mittels unb Abfüßren - bor fid). ©ie SBorbe* reitungScur befteßt in bem adjttägigen ©ebraueße eines faliuifcßen Ab* füßrnngSmittelS (f. 9iecept 9io. 8); am beften läßt man entweber jeben SDtorgen jwei SBeingläfer boll $riebrid)Sßaller 23itterwaffer ober eine ßöfnng bon 2-3 ©raeßmen ©lauberfalj in einer Stoffe lauwarmem SBaffer trin* fen. ©ie biefeS Quantums wirb and) an bem Stage früß ni'ußtern genommen, an welchem ber SEßitrm abgetrieben wirb. Verbietet ein mit ©iarrßöe oerbnnbener ©armcatarrß ben ©ebraueß eines foldjen Ab* fiißrmittels, fo feßt man ben Traufen einige Stage auf fnappe ©iät, läßt ißn 2-3 Stage lang fo wenig als möglid) ftärfcmeßlßaltige Äoft genießen (alfo Weber 23rob nod) Semmel), unb 23icr unb -jiild) bcrmcibcn, woljl aber reidjtid) ßeißeS SJßaffer trinfen. ©er Sßatieut effe ferner moglidjft biel ternreidjeS ©bft (fRoftnen, SBeintrauben, Gtadjelbeeren) unb pifante, bem 23anbwiirm Wibrige Speifen (f. oben); and) empfiehlt eS fid), Äiirbisferne ober baS $leifd) ber ju offen, benu biefe „Sßoltsbanbwurmmittel" finb, wenn fie and) ben 33anbwnrm nur feiten ober nberßaupt uidjt abjutreiben bermögen, bod) ftetSein trefflidjeS Unter* ber SBorbereitungScnr. Am Abenb bor ber SBerabreicßung beS Mittels neßme man einen Stßeelöffel boll Veinöl unb ein. Am näcßften SRorgen Wirb bann eines ber nuten (f. 9iecept 9?o. 25) angegeben- neu SRittel gebraudjt. (gefolgt in mehreren Stunbcn feine Stutjleutlee* rung, fo neljme man 9iieinnSöl ein, bis Stuljl erfolgt, ©tefer ift genau jn befidjtigeu, beim bie Sur ift nur bann gelungen, wenn ber 23anbwurmfopf entfernt ift, b. 1). in ben Stußlentleerun* gen aufgefunben wirb; anbernfalls fangt fid) ber wieber in irgeub einem Stljeile ber ©armwaub an unb bergrößert fid) abermals burd)9iad)* wadjfen bon ©liebem. Am Stage ber Abtreibung ljatber Sßatient beSßalb ben Stopf ju unb barf eS fid) nid)t berbrießen laffen, alle feine Sntleernngen nad) bem $opf genau 51t biird)fud)em ©er Abgang beS SlöurmS wirb nod) baburd) beförbert, baß baS bom Traufen benutzte ©efäß mit lauem SBaffer gefüllt ift. ■gtecevt 9?o. 25. S9anbtt>urmmittel: a) 2 Ungen (frifebe) ®ran a tlvurgetr in bc (Pomegranate-bark) taffe man 24 ©tunten in einem irbenen ©efäfj in 1 Duart SBaffer inoraufman baö®ange 619 big auf 1 üßint langfam einfodjen läfjt. ©agu fann inan noch 1 ©radimc garrnfraut« wurgchßjtract unb etwa 4 ©radjmen ©'OnunerangenfdalcivSurup mifd)en. 2lm Stage ber Abtreibung 2J?orgcng nüdjtern gu 3 gleichen ©heilen in hcdbftünblidjen men 311 nehmen, ffallg ber Sßurm nad) 3 ©tunben nidjt abgegangen ift, nehme man halbftünblich 1 (Sfdöffel 9iieinugöl, big ©tuljl erfolgt. (®ilt audj für bie anbercn Mittel). 33ei Sßredjrcig 5ßfeffermün$läfcrfjen. b) mal a, ©rufen unb §aare ber grucßt einer oftinbifdien Sßftanje (Mallo- tus Philippinensis), wirb in ©ofcn bon 1-3 ©radjmen in Sßfeffermüngthee gegeben. 3 ft eine ©ofe nicfjt geiutgenb, fo gebe man alle 3 ©tunben eine Weitere, big (hödjfteng) 5 ©ofcn eingenommen worben finb. c) ßouffoblütljen (Female Inflorescence of Brayera anthelmintica). ©a= bon werben Abenbg bor ber Abtreibung 5 ©radjmen in 1 üßint Hßaffcr eingeweidjt unb am barauf folgenben borgen in 2 Abfäfeen mit einer halbftünbigenSßaufe eingenommen. 23 ei 23rechreig ißfcffermünjtljee ober ßitronenfaft. d) garrn braut WUrgel (Rhizoma of Aspidium filix mas, Male Fern). 23on bem Untrer ber SBurgclrinbe SRorgeng nüchtern 2-3 ©ofen bon Je j-1 ©rachme; ober man laffe Von bem Aetljerejtract unb bem Sßulber ber SBurgel gu gleichen ©heilen Sßillcn bereiten unb nehme bon biefcn 1-2 ©tüd bon je f| ©radjme ein; ober man bertheile bei biefem 9Wittel bie Abtreibunggcur auf 2 ©age unb nehme, nachbem man 1 ©ag ftricter SO?ilchbiät borauggefdjidt hat, an jebem ber beiben ©age SOtorgeng nüchtern 4 ©ofen bon je | ©rachme beg SBurgelejtractg in Iftünblidjen . ©ie lefjtere, bon ben fjrangofen ©rouffeauj unb ißibouj borgcfchlagene Sur wirb bamit be= enbet, bajj man am 2. ©age berfelben auf bag ÜBittel (garrnfrautwurgelejtract) 12 ©radjmen Aetljerfprup (Syrup of Ether) unb nach einer halbftünblidjen Sßaufe eine ©mulfton folgen läfit, bie 1-2 ©ropfen ßrotonöl enthält. e) ©a£ ©erpentinöl (Oil of Turpentine) wirb, Wie bie anbercn Mittel, nach ber 23orbereitunggcur am Abtreibunggtage SJiorgeng nüchtern unb gwar in einer ©oftg(bon|-1 ©radjme) in SRild) genommen; nad) mehrftünbliiher Sßaufe 9licinusöl efjlßffelweife, big ©tuhtentleerung erfolgt. Obwohl bag ©erpentinöl gu ben wirffam- ften 23anbwurmmitteln gehört, ift feine Anwenbung bemßaienbodj nid)t(l) 311 empfeh- len, ba eg fchr leicht eine Grfranfung ber foarnwege herbeiführt. 9?odjmalg gefagt: Alle biefe SBittel finb mit großer 23 0 r f i ch t unb am heften nicht ohne ärgtlidje 23erorbnung anguwenben! 23ei fdpbädjlidicn üßerfonen, ©reifen unb ßinbern bcrfuclje man eg erft mit ober Äürbigternen (f. oben). 23on ben (frifchen) Äürbigfernen nehme man 2 Ungen, gerftofje fte in einem SKörfer mit | Sßint SBaffer unb feilje bieg burd) ober trinfe bag ®ange mitfammt ben ©chalen. SBenn in 2 ©tunben fein Stuhlgang erfolgt, fo gebe man 1 91 icinugöl. - Reifen Weber Äofognufifleifd) noch Sürbigferne, fo befchränfe man fid) bei Äinbern, u. f. W. auf Äamala. ©er $ ü t f e tt § 11 n b e - ober b r e i g l i e b r i g e 33 a n b lu u r ni, ber mir eine Sänge non eüna | $0(1 erreicht unb nicht mehr alö 3 ober höchfteiiö 4 ©lieber h«t, lebt im ©armcamil beS §unbe§. bem per verfchiebener anberer ©h'ere 9tinb, «Schwein, Scljaf, u. f. w.) unb in bem be§ SJJeufchen fommt er, wie oben fcl)on gefagt, nur im $im nenjuftanbe vor. ©ie Uebertragung von §unb auf benSO'tenfchen gefchiept auf folgenbe £ßeife: §unbe entleeren reife, (Sier enthaltenbe ©lieber, welche in bav ©rintwaffer ober auf Nahrungsmittel (©enüife, u. f. w.) 620 gelangen. SBerben biefe ©lieber rcfp. Gier iiid)t (3. 53. bnrd) Podien) 311111 Slbfterben gebracht, fo Wanbern fie mit bem Sßaffer ober ben 9laf)« rnngSmitteln in ben menfcßfidjenSSerbaiiungScanalein, entwiefeln fid) ljier 31t Sarnen nnb boljren fid) als foldje mit in ben Oarmcanal ein. IW £nilfe jener 53oljrwaffen bringen fie fpäter 31t verfdjiebenen Organen (THI3, Snnge, ©eq, ©eljirn, Singe nnb befonberS Seber) vor nnb manbeln fidj fdjließlid) in biefen Organen 3111- $inne nm. Sefjtere, Oljierßüb f e n w u rm ober G d) i n 0 c 0 c c mS genannt (f. <yig. 27G), läßt im weite« ren Verlauf jaßtreidje Heine, meiftenS 53anbwnrmföpfe entfjaltenbe 53lafen (fogen. 53rntfapfeln, Oödjter« ober Gnfelblafen) aus fid) IjeranS« wadjfen; 31t einer Weiteren Gntwidlnng (in einen ,,§nn« bebanbwurm") foinint es aber, wie gefaßt, im menfdj« ließen Körper nicljt. Slnßer mit Sßaffer nnb WßrnngSmitteln gelangen Gier biefeS 53anbwnrmS in ben SOZenfcljen and) bnrd) 311 naßen 53erfeßr mit (Sliiffen berfel« ben, n. f. w.), w e S ß a l b n i d) t e i 11 b r i n g l i eß g c n n g v 0 r eine m 3 n i 111 i m e n U 111 gang m i t § it n b e 11 (ß a n p t f ä eß I i eß b e r fti11b er, w el d) e von b er ©ef a l)r ni d) t § a 1) neu) ge« w a r n t werbe n f a n n. Oie bnrd) ben Oljierljülfenwnrm in ben oben genannten Organen Ijervorgernfene GdjinococcnSfranfljeit vernrfadjt 3iterft fo geringe 53efd)Werben, bafi fie and) einem tiid)tigen Wenig ober gar feine SOierfmale 31t itjrer Grfennnng 3eigt. (Später, Wenn bie 53lafenbil« bung refp. bie ©efdjwnlft einen größeren Umfang angenommen l)at, gefel« len fid) basit allgemeines @ied)tl)itm nnb Sd)mer3en in bem betr. Organ. Oie 53el)anblnng, bie leiber nur 311 oft erfolglos bleibt, ift unbebingt bem Slicte nnb gwar bem Geringen 311 iiberlaffen. 3nnerlid)e Mittel niipen abfolut nidjtS nnb bie Rillen ober Oränflein eines OnacffalberS ober (SdjäferS fdjaben nodj ba3it. Stiirvon einem operativen Gingriff ift, wenn iiberpanpt, Teilung 31t erwarten. Oer (Spring;, $lnbeii: ober SRafttmrmttmrm ober (Thread Worm ; f. fyig. 277) ift ein weißer, | 3oll langer, fabenförmiger SBnrm mit etwas folbigem Äopfe nnb jngefpiptem <Sd)Wan3e; er finbet fid) namentlid) bei Äinbern in großer SD?enge im Oicf« nnb Hftaftbarm. Oie Gier biefeS ©d)inaroperS werben mit Speife nnb Orant in ben Körper eingefiißrt. bisweilen fönnen bie SBiirmer aber and) von einer S3erfon, weldje mit einer anberen 3ufammenfd)läft, auf letztere birect übertragen werben. OaS l)anptfäd)lid)fte Fig. 276. EIjierljiilfettnntrttt. Fig- 277. @prtrtqtüürmer. Sintä XRänndjen, redjt§ Söeibdjen. 621 s Ijmptom, baS burd) beu Springwurm Ijervorgeriifeu wirb, ift tyefti* QC'ö dürfen am Slfter, baS am frühen borgen im warmen 4Z?ett am groß* ten ift. $11 bem gefeilt fiel) uidjt feiten Stuljlswaiig initSdjleim* unb Vlutabgang. ©ie Sßeibdjen, welche 2-3mal fo groß wie bie äJläiin* d)en finb, geigen fid) im Stuhlgang in fpriugenber Vewegung. Stellen fid) bie genannten Symptome ein, fo gebe man - aber nid)t bei©iarrl)öe ober ©djwädje - nad) Vorfdjrift von 9teeep19Jo. 26. 3n bem baranf folgen- ben Stuhl werben SBürmer enthalten fein, wenn überhaupt foldje vorpan* ben finb, nnb erft nadjbem man fid) bavon überzeugt, hat man mit ber eigentlichen £3 e I) a n b l n n g jtt beginnen. Sim heften befteljt biefelbe in ber häufigeren Verabreichung von Ipd) von taltem Sßaffer (mit (Siffig, Cel) ober einer $noblaud)abtod)ung. 3n tjart* miefigen gälten fepe man 31t ben fttpftieren eine fdjwadje Sublimatlöfimg (1 ®ran auf 12 llnjen) ober einen ©heelvffel Vensin ober Petroleum 311. Von ber Slnwenbiing ber immerhin gefährlichen Söurmmittel (f. Spul* wurm) fann man in biefem gälte ganj abfepen. 9? c c c p t 26. 8 ®ran gepulverte Sttjabarbcrivurjel werben mit 1 ®ran (Salomel gleichmäßig vcrmifdjt unb bann in 4 gleiche Sljeile (Sßulver) getßeilt. ©avvn gießt man ftünblid) 1 Pulver biS jur Sßirfung. ©er Spulwurm (Round Worin, Lumbricoid Worm ; f. gig. 278) ift runb, regenwurmartig, an beiben (Silben 3uge* fpißt unb 4-8 3oll lang, ©er $opf I)at einen, jwifdjett 3 fnötdjenformigen Erhabenheiten liegenben DJlunb mit feingejähm teil Sippen, ©iefer ®d)inaroper bewohnt befonberS ben ©iium barm ber ßinber, nid)t feiten verirren fiel) aber einzelne (5pem= plare nad) bem IWgeu nnb fried)eu von ba 311m üDhmbe ober ber Üiafe herauö ober gelangen in bie Snftwege unb bie ©allengäuge. ©ie @ 1) m p 10 m e, Welche burd) ©pulwiirmer üerurfadjt Wer= ben tonnen, finb folgenbe: Vermehrter Slppetit, befonberS nad) SD?el)lfpeifen unb DJiild), belegte 3UUlJe/ llebelfeit, Vredjwürgen, Sluftreibung be£ Unterleibs, ©d)mer3 in ber Diabelgegeub fd)leimige ©urdjfälle, 3mfen in ber Dlafe, 9iei3barfeit, nuriihi* ger @d)laf, Slnffpringen im Schlafe, 3rth>lefnirfd)eii, 9leflep= trämpfe, VeitStauj, bleidje ®efid)tSfarbe, 9iot()Werben einer VJange unb Slbmagerung. (Siegen bie Spulwürmer, Welche im großen unb ganjen wenig gefährlich finb, wenbe man „Söurm* mittel" (f. 9iecept 9?o. 27) innerlich an, aber nid)t eher, als bis man fid) nad) wod)enlanger Vefidjtignng beS Stuhls unb even= tueller Verabreid)iing eines 2lbfiil)rmittelS von bem Vorhanbem fein beS SßurmeS l)at (f. Spriugwnrm refp. 9iecept 9lo. 26). Sille biefe Mittel finb aber mit großer V 0 r f i d) t Fig. 278. spuiivurm. 622 anjuwenben, ba fie bei häufigeren bejw. größeren ®aben fdjäblid) ober gar giftig Wirten; fo veranlaffen größere ©ofen von Santonin ober fam toninfaurem Patron Sdjwinbel, Äopffdjmerjen uub ®elbfel)en (Xantlp opfie). 9t e c e p t 91 o. 27. (SBurrnmittel.) 2-3mal täglich 1-3 ®ran (Santonin; bähet gieht man gelegentlich 1 (Sfjlöffcl ©pfomfalj.- Ober: ©antoninfaurcS Patron in ben gleichen ©ofen unb ebenfalls mit einem Slbführmittcl verbunben. 23eibe SKittel finb Sßulver, welche, auf ein geftreut, leid)t für bie ßinber eingunchmen finb.- Ober: Sßinfroot=(®Vifldia=j$ulvcr. ©ie ©ofen finb für ein 5 Jjabre alteS Äinb 10-20 ®ran unb für (Srwachfene 1-2 ©radjmen mehrere SCage9KorgenS unb 9lbenbS, worauf ein Abführmittel 311 geben ift. - Ober: Sßinfroot=Aufguf, Welcher bereitet w'tro, inbem man | Unje Sßinfroot nebft J Huje ©enneSblätter in einem Sßint focljcnben Sßaffer 2 ©tunbcn lang giefjen läjjt unb baS ®anje bann burdjfeiht. ©ie ©ofiS ift für ein 5 3aljre alteS Äinb 1-2 Stheelöffel. - Ober: glüffiger (Sjtract von Sßintroot unb ©en= neSblättern, ju gleichen SCtjeilcn vcrmifcbt. ©ie ©ofiS ift für ein etwa 5 alteS Äinb 1 SEtjcelöffcl. - Suber: ©aSfelbe SDHttel mit gufafc von 8 ©ran (Santonin auf 1 Unje beS (SjtractS. ©ie ©ofiS bleibt biefelbe. - Ober: SBurm= ober gittwcrfamenol; bavon finb einem 5jährigen fiinbe 3mal täglich 5 tropfen auf guifcr ju geben.- Ober: Terpentinöl, wie Sßurmfamcnßl £U verabreichen, ober eine einmalige größere ©ofiS ßalomel. ©ie beiben lebten Mittel finb n icht (!) ohne ärjtlidje SSorfchrift ju gebrauchen. ©er fßcitfrfjcnwurm ober (Whip Worm), bis ju 2 taug, hat einen haurförmig ausgewogenen SSorberleib unb einen bitteren Hinterleib. (Sr lebt hu ©id> uub SBliubbariu, feiteuer hu ©imnbarm. ©huiptome uub wie bei beut Spulwurm. ©er Scbcrcgcl (Distomum hepaticum) ift ein Saiiglmirm, ber in ben menfchlicheu Körper burel) ®enuß ftagnireuben SSafferS ober non (Bruiinenfreffe gelangt unb SDZagencatarrhe unb fonftige 53efcI)Werbeu üerurfacht. ©a$ ift ein (gingeiveibcwurm, ber in Italien unb ©ropengegenben hoimifd) ift; er fomnit befonberS in (Sgppten unb jioar fo häufig oor, baß ber vierte ©he>l bcSSanbeö baran leiben fall. (Sr gelangt mit fchlammigem Gaffer al§ Sarve in ben menfcbliclien ©arm, wo er fiel) weiter entwicfelt unb ©armblutungeii unb 33lutaruiuth („egpptifi'he S3leii'hfucht") verurfacl)t. ©a§ ober banbwurmäljiiliche (Pentasto- mum taenioides) gelangt al§ Sarve in ben utib SBolf, in bereu 9?afen= unb Stirnhöhlen e§ fid) jum entwitfelt unb fdiließ* lid) (Sier ablegt, bie mit bem 91afenfd)leim (beim liefen) nad) außen gelangen, ©abei ober burd) ben ®enuß von ®emüfe unb weldje mit bem Sdjleim befletft würben, bringt ba§ "ißentaftom in ben mcnfdjli' d)en Körper ein, in Welchem e§ fid) wieber in eine Sarve unb fpäter in ein „ge$äl)nte8 B'iiuflod)" umwanbelt. ?ll§ foldjeS tritt e§ burd) bie $3audj' l)öl)le uub ba§ 3werd)fell in bie Sntigen unb wirb ober 623 fiel) an ber ©berftädje verfdjiebener Organe (Seber, ©ünnbarm, 9?iere, DJiitj, n. f. w.) feft unb tapfelt fiel) ein. (SS verurfad)t Störungen unb ber mannigfadjften Slrt. (9?id)t 31t vertvedjfeln mit bem (SdjinococcitS refp. Ipuubebanbmurm, f. S. 619). ©er (©uinea* ober ÜRebiuawurm, Filaria medinensis ; f. ßig. 279) ift ein, nur in troph fdjen Säubern vorfommenbeS Sd)inaropertl)ier, weldjeS eine fabenförmige ©eftalt (wie eine bünne ©armfeite) I)at unb eine Sänge von 3 ßuß erreichen tann. ©er ßabenwurm l)at feinen Sip vornefjmlidj unter ber §aut ber S3eine, wo er eine umfdfriebene, fdjmerjfjafte ©e5 fd)ivulft Ijervorruft, weld)e fdfließlid) aufbridjt unb beu Surnt tljeilweife bloßlegt. (5r wirb bann langfam heraus* gezogen unb babei um ein £wljftäbd)en gerollt, bamit er nidjt jerreißt; anbernfallS verurfadjt baS jurücfbleibenbe Stücf (Sntphibnng unb ©efdjlvüre. ©ie rötljlidjc Start) et beer; ober (5-rntcmilbe (Lep- tus autumnalis) boßrt fid) namentlid) jur (Srntejeit oft in bie §ant ber ßelbarbciter unb Sßinjer. Sie verur* fad)t Gntjünbuiig ber §aut, ©efdpviitfte unb nnerträg* lid)eS (jitefen, woju fid) mandjmal ßiebererfdjeinungen gefeiten. ©tc große Sdjmcißfticgc, bie gemeine $lcifrf)fticge unb bie §au§s fliege legen mit Vorliebe iljre (Sier mit Sarven auf Wunbe Stellen ber menfdjlidjen ober tljierifdjen §aut. (gelangen bie Sarven in beu DJlagen, fo tonnen fie, ba fie fid) einige ©age barin lebenb ju erhalten vermögen, heftigen Sftagencatarrl) unb anbere 53efd)Werben verurfadjen. ©ie ©affelfliegc legt il)re(Sier ebenfalls gernin biemenfdjlidjefoant, wobitrd) ®efd)Wiilfte Ijervorgernfen werben, bie unter bem tarnen „©affet- beuten" befauut finb. ©ie (ber £wljbocf; Ixodes ricinus) ift eine, befonberS in SßSälbern auf Räumen unb ©ebüfdjen lebenbe, gelblid)=rotl)e Wlilbe, weldje fid) mit il)rem Oiitffel in bie .*paut ber ©l)iere unb ®ieufd)en eingräbt unb erbfengrojje, fdpnerjljafte ©efdiwiitfte erregt, ©ie mup (am beften Vermittels einer 9label) Vorfidjtig entfernt Werben; man Ijüte fid) babei, biefelbe abjureifjen. ©ber man beftreidje fie mit ©et, ober laffe leimt, ober Sdnvefelättjer barauf tröpfeln. ©ie (Acarus folliculorum; f. ß-ig. 280) ift eine winjig flehte, witrmäl)itlid)e IViilbe, weldje in beu ©algbritfen unb bälgen beS W?enfd)en lebt; ljauptfädjiid) finbet fie fid) im ©Ijrenfdpnalj, in beu „SJiiteffern" unb in beu ©algbrüfen beS äußeren ©eßörgangeS, Fig. 279. g-abentourm. 624 beS ®innS, ber 91afe unb ber Vruft; bie ©riifen ber Extremitäten bleiben Von iljv verfd)ont. ©iefe 9D?ilbe übt jitmeift auf bie §aut feinen fd)äb* lidjen Einfluß aus unb giebt nur mitunter Veranlaffung jur Vilbung non Ruffeln unb „fDliteffern". fDlit letzteren, Slnljäiifungen von ftett in ben ©algbrüfen, auf weldje mir fpäternod) jufpredjen fommen werben, ift bie §aarba(gmilbe, Wie baS oft gefdjieljt, nid)t ju verwedjfeln. ©ie Vogelmilbc (Dermanyssus avium ; f. fyig. 281) finbet fid) auf gnifjnern, ■tauben unb auf (Singvögeln, bie im Vogelbauer gehalten wer* ben. Sluf beu SOtenfdjen iibergeßenb, verurfad)/ fie unb heftiges ober wol)l gar Eiterbeulen. ©ie Vcttlufiiijc (Bed-Bug, Cimex lectularius) Ijalt fid) nament- lid) in l)öljeruen Vettftelleu ober in altem Ipoljmcrf, in ber9iäl)e beSfelbcn unb unter ben ©apeten auf. Sie faun nur burd) größte 9ieinlid)feit ent* fernt werben; oljue letztere, b. I). opne fleißiges Steuern mit Sauge unb unb wieberßolte ?luSpiiifeluugeu fämmtlirfjer Vettfugeu mit Petroleum ober mit ©abafsfub ober and) mit einer Sublimatlöfnug (1:100), finb alle wirfungSloS. Sipt bie SBauje in ben VJäuben, fo miiffen bie ©apeten Ijeruntergeriffen werben. ©a bie Vctt* wanje nur im ©unfein ifjre Sd)lupfwinfel verläßt, fo empfiehlt eS fid), wenn man in fremben Käufern fdjläft, fliadjts Sidjt brennen jit laffen; ober man fann and) baS Vettjeug mit Eitronenfaft ober SBeineffig be= ©er ärgfte fyeiub ber Vettmanje finb bie EocfroadjeS. ©er gemeine $lol) (Flea, Pulex irritans ; f. $ig. 282) ift burd) 9ieinlid)feit, fleißiges VJedifeln ber Vettmäfdje unb, wenn er fid) in ben fyurdjen ber ©ielen aufßält, burd) fleißiges @d)eueru mit Scifeiimaffer, bem mau and) eine ©abafSabfod)itng fann, leidit aus* jurotten. ©er Sailbfloß (Bicho, Chigoe ; Sarco- psylla penetrans), iftfleiner als ber gewöl)!ilid)e §lol) unb lebt in ?(frifa, VJeftiubien unb bem füblidjen Slmerifa im freien, uamentlid) im Sanbe. ©aS StBeibdjen boßrt fid) in bie §aut unbehaarter ©Ijeile, uamentlid) unter bie 9iägel ber $el)eii, ein, um bort feine Eier abjule« gen; babei fdjwillt eS ftarf an unb ruft Entji'mbiiug unb bösartige @e» fdpvüre ßervor, falls eS nid)t red)tjeitig mit einer 9iabel l)erauSgel)oben ober anSgefdjnitten wirb. 3n bie Stid)- ober Sd)iiittnmube ift uad) Er.t= Fiff. 280. Fig. 281. ßciatbalcis inilbc. SogeimUßc. Fig. 282. ©er gemeine &iof). 625 fernung beS ©ljiereS ©abat 31t [treuen. 2US ÜBorbenguugSmittel wirb (abgefeljen von bem ©ragen einer $ußbefleibung) bas ß3eftreidjen beS $ußeS mit Perm ober (Eopaivbalfam unb fleißiges 33aben beS $ußeS mit empfoplen. ©ie ßäufc (Lice) finb Heine, flügellofe Snfecten, Weldje auf ben beljaarten ber Säiigetljiere leben nnb bafelbft fidj burdj Saugen von-SBlut ernäpren. Sie Ijaben eine fleifdjige, mit Sßiberpäfdjen befepte 9tüffelfcpeibe nnb eine Saugröljre mit 3tvei mefferförmigen Stedj« borften; biefe 9iöpre ftiilpen fie ans ber Sdjeibe Ijervor nnb boljren [ie in bie §ant ein. 9??an unterfdjeibet brei SIrten von fünfen; $opf=, Kleiber« nnb ftiljlänfe. ©ie (Head Louse ; [. $ig. 283) lebt nur auf bem $opfe, wo fie fidj, wie gefügt, bnrd) Saugen von 4ÖIut ernäprt. ©urdj ben baburdj erzeugten §autreij wirb juin Grapen Skranlaffutig gegeben, weid)' letzteres ben 9teij nur nodj erpöljt nnb mit bem urfprüng* lieben 9ieije päufig bie Urfadje Vom „$opfgrinbe" wirb, ©ie Kopflaus, weldje fidj rafdj Vermehrt, unb bereu -3'unge bereits mit bem 18. Sage erwadjfen finb, legt ipreßier (9iiffen) anbaS Äopfpaar, wo biefe mit bloßem Singe 311 feljen finb. ©ie Äopf= laufe finb leidjt baburdj 311 vertreiben, baß man Stopfpaut nnb $opfljaare an 3 ober 4 auf einanber folgenbett Slbenben grünblicp mit einem ©emifcp von Petroleum nnb Salatöl (311 gleidjeu ©peilen) jwet Stunben lang anfeudjtet, bann grünblicp mit SBaffer unb Seife abwäfdjt nnb fcpließlicp, wenn abgetroefnet, mit concentrirtem SIlcopol abreibt. 9tatürlicp muß manbabei wegen ber leidjtentSntjiinbbarfeit beS Petroleums nnb SllcoljolS gegen ßidjt fepr Vorfidjtig fein; f. 9iecept 9io. 28. ©ie ft l e i b e r l a u S (Body Louse ; f. gig. 284) ift etwas größer unb fdjlanter unb pat einen tiirjeren unb fdjmäleren Oberleib als bie Kopflaus. 3pr £Hß erjeugt einen jiufenbeii, äpnlidjen SluSfdjlag, ber fidj, wenn er aufgefrapt wirb, mit Prüften von getroefne* tem ß3lut bebeeft. DJlitunter ift mit SluSnapme beS Kopfes unb ber £)änbe, weldje von ber niemals ange* griffen werben, ber gaiise Körper mit foldjen prüften unb ba3Wifdjen mit Striemen, weldje vom Grapen perrüpren, be* beeft. bisweilen, b. Ij. bei trauten Perfouen, bei weldjeufidj bie in enormer SBeife Vermepren, tommteS and) 31er fogen. Vänfefudjt (pljtljiriafis), bei Weldjer fiep 3aljlreicpe in ©efdjwüren unb (Eiterbeulen vorfinbem griiper glaubte man, baß bie ßäufe fiep in biefen Slbceffen eutwicfeln unb ben ©ob beS mit ber ßäufe* fudjt löepafteten Ijerbeifüpren fönnten. (So fallen Sulla, ber beutfdje Äaifer Slrnulpp, ber bänifdje Äönig Seljo, Pljilipp II. von Fig. 283. ®opflau§. Fig. 284. ßleiöetlaitä. 626 (Spanien, n. a. m. an ber geftorben fein.) feilte weiß man aber, baß biefe Ärantßeit nur ein abnormer SReizmigßznftaiib ber §ant, bnrcß bie Saugwerfzeuge ber ßervorgernfen, ift. ©iefe Sdjmaroßer Ijaben ißren Siß in ben Kleibern, in bereu Släßte rnib galten fie aucß ißre (mit bem bloßen Singe beiitficl) fidjtbaren) (Sier legen; nur wenn fie SRaßrung (S3lnt) finßen, beißen fie ©ie S3eßanblmig muß barum and) in erfter Sinie baranf gerichtet fein, baß Ungeziefer auß ben Kleibern 311 Vertreiben. $11 biefem S3eßnfe Werben ßeib- nnb Unter- wäfcße (nnb ber größeren Sitßerßeit ßalber and) bie tücßtig gefodjt nnb bie ©berfleiber trocfener §iße (im S3acfofen ober in einem fogen. ?anßofen) außgefeßt ober and) nur mit einem möglidjft ßeißen S3ügeleifen (befonberß an ben Säumen nnb Dläßten), weldfe aufzufdjlagen finb, gebügelt. S3evor neue Söäfcße nnb Kleiber angelegt werben, muß ber Körper tücßtig mit Sdjmierfeife abgewafißen werben (f. Dlecept 9lo. 28). ©ie (Crab Louse ; f. $ig. 285) ift furz nnb breit (faft Vierecfig) nnb Heiner alß bie beiben vorßer genannten Sänfe. Sie niftet fiel) befonberß gern an ben beßaarten Partien ber ®e* fdjlecßtßtßeile, beß Slfterß, ber Slcßfelßößlen ober and) beß ®efid)tß (S3art nnb Slugenbrauen) ein nnb erzeugt burd) ißren 53iß einen SReizznftanb ber §aut unb ßeftb geß 3mfen. ®egen bie fann baß oben ange- gebene SSerfaßren gegen bie (Söafdjen mit Petroleum nnb Salatöl), natiirlid) unter S3eobad)tung ber gleidjen 3>orfidjt gegenüber £id)t, augeweubet wer- ben. Sßeitere Mittel f. baß fofgenbe 9lecept (9lo. 28). 91 e c cv t 9t 0. 28. ©egen H'ovfläufe: Ginreibungen mit folgenber SOtifdiung: 30 ©rein Garbolfäure, 2 ©radjmen Gampßerfpirituß, 2 ©radnnen ©Ivccrin unb 4 llnjcn SEaffer. - Ober (fdjneller wirfenb): 1 ©ran Duc(ffilber]ubltinat, 2 ©ractnnen fölnifcbeß Söaffer nnb 4 Unjen SBaffcr. - Ober (wenn fid) Sdwrf gebilbet bat) fotgenbc ©albe: 10 ©ran Weißer SZbueeffitberpräci)3itat, 1 ©radnne Sßerubalfain nnb 1 llnje 3)a= feline. - ©egen 5H e ib c r l ä ufe: Ginreibungen mit 3)>rocentiger Steforcinlöfung ober einer SOtifcbung von 15 ©ran Oteforcin nnb 1 llnje ßanolin; leMereß 2Jtittel wirb 9(benbß eingerieben nnb am folgenben Wiorgen mit ©cbmicrfeifc abgewafdjen. - Ober: 2 ©rad); inen Sßerubalfam auf 1 Unje Sßafeline. - Ober ©ublimatlöfung (1:2000). Söei Wun= ben © teilen ift von lefjterem Mittel n i d) t ©ebraud) 31t machen. -©egen J i 13 lä uf e: Ginreibungen mit folgenben DJtifcbungen: 1 ©radnne Gffigfäure, 2 Unjen fölnifdjeß SBaffer unb 2 llnjen SBaffer. - ©ber: SOtan läßt einen Gßlöffel voll gefloßene $octelß: förner 24 ©tunben lang in 4-6 Gßlöffeln Slleoßol gießen, unb legt bie SJtifcbung bann auf bie betr. Sßartien auf. 23 or ficht, ja nur äußerlich! - ©Oer: 2(n 2-3 auf ein= anber folgenben Slbenben Ginreibungen mit grauer ©ucctfilbcrfalbe, bie am anberen SSKorgen mit ©eifenwaffer abjuwafd)en finb. - ©ber man gebraudie eineß ber beiben guerft (gegen Äoßfläufe) genannten Mittel. Fig 285 gelang. 627 Ißflattjlidjc Srfjninroijcr. ©ie pflanjltdjen ober begetabilifcpen Sdjmaroper finb mifroffopifdje ''ßilje, weldje meift nur auf ber -Spant ober ber Sdjleimpaut refp. ben Spaaren uub 92ägeln leben uub bort berrirfadjen, Weldje wir im gufammenpang mit ben §auttranfpeiten näper tennen lernen werben. 3m golgenbeu wollen wir nur tuq bie betr. Sßilje anfüpren. ©er (grbgrinb; ober (Achorion Schoenleini) ift ein, fid, bielfad) beqweigenber, langgliebriger Sdjmaroperpilj, ber auf ben be= paarten Stellen ber ß'opfpaut niftet itub pifr and) in bie -Spaare uub §aar- balge einbringt. ©ie baburd) perborgerufene Äranlpeit, Weldje fepr an- ftetfeub ift uub and) oon Spieren (§üpnern, Sanben, §unben, $anim epen, $apen, Sftäufen uub feltener Sßferben) auf ben 9)?enfcpen übertragen werben fann, ift ber (5 r b -, o n i g # ober $ o p f w a b e u g r i n b. Weiteres f. §autfrantpeiten. ©er fnplntadjcnbc (Trichophyton tonsurans) ift ebenfalls bon SDienfcpen auf 9Jlenfcpen uub Spiere uub umgeteprt fepr leidjt über* tragbar. (Sr berurfaept ben $ a p l g r i n b , bie f dj e e r e n b e $ l e dj t e, bie t a p l m a d) e n b e 91 i n g f l e d) t e ober ben 91 i n g w n r m. S. Äranfpeiteu ber §aut bejw. -Spaare. ©er $ngclpilj ift Waprfcpeinlicp mit ben beiben im SSorpergepenben genannten Sßiljen ibentifdj, benn fowopl ber (Srbgrinbpilj, als and) ber faplmadjenbe berurfadjen, wenn fie (3. 23. burep Grapen) auf ben 9?agel übertragen werben, bie 9t a g e l p i 13 f r a n f p e i t, bei Weh djer bie Sejrtur ber 9iägel beränbert Wirb. 23ergl. §autfranfpeiten. ©er (Microsporon furfur) beftept auS Heinen ''ßipp fäben uub Sporen, weldje in ber ber ©berljaut ben gpibermiSjellen liegen, ©ie betr. $ranfpeit, bie $ l e t e nf l e dj t e, ift ein (befonberS in ber 23ettwärme) judenber 9lu$fcplag, weldjer nur an bebeeften Äörperftellen, pauptfädjlid) an ber 23ruft, am tpalfe uub 9iüd'en uub an ben oberen (Sjtremitäten, borfommt. 23ergl. ©er Soorpilj (Oi'dium albicans) ift bie llrfadje eines päufig bei Säuglingen anjntreffeuben Hebels, baS unter bem 9lamen S dj w ämm= djen, S 0 or, SDteplmunb ober 9)teplpunb befannt ift. ©ie - weißer 23elag auf ber Sdjleimpant beS SRunbeS - ift immer nur $olge mangelpafter 9teinlid)teit. ißergl. beS ißerbauungSapparatS. 628 jftranllOrtffe bisweilen ift an biefer ober jener Stelle beS Körpers bie Bcllenver* meprung in einem ober niedreren ©eweben abnorm gefteigert. (SS fommt babei 31t einem franfpaften SöacpStljiim beS ober ber betr. ®ewebe, b. i. 311 einer t r a 11 f p a f t e 11 92 e 11 b i l b n n g, einer Pfterbilbung, einem G e w ä cl) S ober f e n b 0 p l a § m a ober einer (55 e f d) w n 1 ft. 3m gewöpnlidjen Veben verfteljt man unter lepterer £3e3eidjnnng freilid) etwas anbereS, nämlidj bie „Pnfdjwellnng" eines Organs ober OrgantpeileS in $olge einer 9)iit biefen, auf 33lntftannng bernpenben (Siit* 3üiibiingSfpmptoinen paben wir eS pier aber nidjt 31t tpnn. Tie (55e* fdjwülfte im mebicinifdjen Sinne, weldjen biefer Pbfdjnitt gilt, finb nidjt ©ewebSanSbepnnngen bnrd) iölntbeftanbtpeile, u. a. m., Weldje fid) in ben paben, fonbern ©ewebsvergrößernngen in übermäßiger TaS ®ewebe folcber tranfpafter 9?enbilbnngen nnterfcpeibet fid) von bem normalen (55ewebe Ijanptfädjlid) bnrd) bie Textur, b. p. bnrd) bie Prt ber 3ellenlagernng. Tie feinften felbft, bie Bellen, finb im wcfentlidjen nidjt non benen beS gefnnben ©ewebeS üerfcpieben, nnb baS ©leidje gilt non ben SebenSerfcpeinnngen in beiben ©eweben. Tie ©efdjwülfte bilben knoten, 33älge, §öcfer, n. f. w., weldje fid) 3nmeift von iprer Umgebung fdjarf abgrensen, nnb bereit (Sonfiften3 foWopt non bem betr. ©ewebe, als and) non ber nieljr ober weniger großen Tiinn- flüffigfeit iprer 3ntercellnlarfnbftan3 abpängt; fo finb 3. -23. nnb Änorpelgefcpwülfte natürlidj pärter als $etU ober ®efäßgefdjwnlfte. Tie Urfadje ber SIfterbilbnngen ift nodj nidjt genau ermittelt. 9Papr- fdjeinlid) befteljt biefelbe meiftenS in anljaltenben örtlidjen SReijen, wobnrd) an ber betr. Stelle ber Stoffwedjfel geftört nnb 31t ber abnormen Bellen* nermeprnng 2Inlaß gegeben wirb. ?Inßer biefen 91ei3en, worunter wir nidjt nur medjanifdje Bnfnlte, wie Trnd', fReibnng (3. £3. ber BUW nn einem BaPu)r Stoß, n. f. W., fonbern and) djemifdje (Sinwirfnngen (von Pepmitteln, n. f. w.) 31t nerftepen paben, fpielt aber jebenfalls and) bie Vererbung pier eine große 91olle. 53efonbe.rS fcpeinen bie fogen. „böSarti* gen ©efdjwülfte" fid) fpontan (in fVolge erblidjer Pnlage) entwicfeln 31t tonnen. TaS SBarnm ift leidjt erflärlidj. 9J?an tljeilt nämlidj bie trantpaften 9?enbilbnngen je nadjber 9tücfwir* fnng, weldje fie friiper ober fpäter auf ben gejammten Organismus ans* üben, in„gntartige" nnb „bösartige" ein. Tie gutartigen ©efdjwülfte tonnen, nadjbem fie eine beftimmte ®röße erreidjt paben, bei biefer üerparren ober nodj weiter wadjfen ober von felbft in Teilung übergepen (fid) rücfbilben). 629 9ludj in bem Falle, baß fie immer mehr an Umfangzunehmen, bleiben bie gutartigen (Gefdjwülfte rein örtliche Leiben, Weld)e für ifjre Umgebung nur bnrd) ©niet auf benachbarte Organe ober burd) Verfcpluß Don @anä= len unbequem refp. gefährlich werben. Slnberß mit ben bösartigen ®e- fd)Wülften, ben Fleifd)* unb ben SIrebSgefchwülften; bei ben Fleifchgefdjwülften fann eS unb bei ben Ärebßgefdjwülften muß es immer 31t einer @ntmifd)itng bejw. Vergiftung ber gefammten «gäftemaffe beß $örperß fommen, wenn bie ©efcßwulft nicht frühzeitig unb grünblid) genug auf operativem V3ege entfernt wirb, ©arauß erflärt fiep bann and) bie erbliche Uebertragnng bösartiger Slfterbilbungen (vergl. @. 404) unb bie Veljanbliuig aller (Gefdjwülfte. ©iefelbe ift eine operative unb muß ftattfinben: 1) wenn ein gutartiges (Gefdjwür bnrd) feinen Umfang gefapr* broljenb wirb, unb 2) bei je bem bösartigen (Gefchwulft. ©ie ßntfdjeU bnng, ob eine franfhafte 9?eubilbuug gut- ober bösartigen CH)aracterS ift, bleibe aber immer beut 2lrjt Vorbehalten. Fcttgcfrfjwiilftc (Lipome, Fatty Tumors; f. Fig. 286), bie häufig* fteu ber Slfterbilbungen, finb feßarf abgegrenzte, auf ihrer (Grunblage verfeßiebbare ®efd)Wül* fte aus Fettgewebe, bie fid) je nach ber Qionfi- ftenz beS in ihnen ab- gelagerten weid) ober hart anfüßlen. 3u ber HRel)rzaßl entwid'eln fie fid) zwifchen beut 30. unb 50. Lebensjahre, unb Zwar zumeift in ber £>aut unb bem Unterßautzell* gewebe am fRumpfe ober au ben in ber fRäße beS fRumpfeß. ©ie £>aut über biefen (Gefcßwülften ift gewöhnlich unberänbert ober mäßig berbidt. ©ie Lipome wadjfen in ber egel fepr langfam unb verurfachen wenig ober gar feine Vefdjwerben, weshalb ihre Vefiper fie fo oft uube- ad)tet unb groß werben laffeti. ViSWeilen erreidjen fie eine enorme ®röße (in einem Falle wog ein Lipom nahezu *10 'ißfunb!) ober verfd)Wä- ren unb bann müffen fie operativ (mit bem äReffer) entfernt werben. ©ie Fafcrgcfrfjwiilftc (VinbegewebSgefd)Wülfte, Fibrome, Fibrous Tumors) entftel)en bnrd) ä)Zaffenzunal)ine beS VinbegewebeS unb finb, je nadjbem letzteres loder ober feft ift, weidjer ober härter. 3hrett bilben Äörperhöl)len, befonberS bie (Gebärmutter* Fiff. 286. gcttßcfrfiiDUlft am (Unten) 9lrm. 630 l)öl)le*) unb bie Dlafem unb 9tad)enl)öl)le, in Welche fie, auf bem gefunben ©eioebe geftielt hineinragen; man bejeirfjuet fie in biefen gälten als fibröfe „ißolijpen" (f. Äranfljeiteii ber 9?afe). Sin ber Oberfläche beS Körpers fomnien gibrome bei grauen, namentlich DJhilattinnen, häufig in golge Ot'eijnng bnrd) Ohrringe an ben Ohren Dor (f. gig. 287). Sßie bie Lipome, bilben fiel) bie gafergefcbnuilfte meiftenS im mittleren Lebensalter, nuidjfen langfam unb gehören 31t ben gutartigen Slfterbilbungen, bie nur manch* mal burd) 33lm tnngen oberDier* ober wenn fie eine ungeheure ®röfje erreichen (f. gig. 288), 33efdjn)erben Derurfadjen be$tt>. entftellen. ©ie 53el)anblung ift eine rein djirurgifdje unb befteljt im Slbbinben, Slbbrennen ober 2InS= fchneiben ber ©efdjnmlft. £)ie AtnLH|iclßcfrf)niiilfic (ßm djonbrome; Cartilaginous Tu- mors), entioeber aus l)haIinem ober gafertnorpel befteljenb (f. 39), tommen einzeln ober in ®rup- f>eu als fnollige, harte, ein ioeuig elaftifdje ©efdmüitfte befouberS an ben ©elenfen ber ginger unb 3ehen for (f. gig. 289); mitunter bilben fie in manchen ©rufen, 3. 33. ben @peid)el=unb 33ruft= brüfen, barte Knollen. Sind) biefe ®efd)Wü(fte, tt>eld)e ebenfalls langfam wadjfen unb fiel) oor* itel)mlid) im (turj oor (Eintritt ber DJlannbarfeit) ent= nncfeln, gehören 311 ben gutartigen Slfterbilbungen, me(d)e in ber Diegel Fig 287 Fig 288> fjaiergefcfnoulft am Dljr» liiwcf,en- ßaicrgewrnunt am Fig. 289. Änorpelfjefdjtoitlft. *) Sergi. ben in bemfelben Serlage erschienenen „®pecialargt für fjrauen". 631 nur burd) ihre etwaige ©röße (oft vom Umfang einer ganft ober eines ÄinbSf'opfeS) läftig falten. ä)?an merfe fiel) jebod), baß (Eudjonbrome in $olge tum SReijung nicht fetten einen bösartigen, trebSartigen (Eßaracter auneßmeu. Oie Beßanblitug ift nur operativ. Änodjeiigcfrfjnntlftc (Cfteome, (Ejcoftofen; Bony Tumors) finbßarte, ßötferige ÄnodjengeWebSmaffeu, wcldje an ber ©berftädje von ß'nodjeu, befouberS ber großen Dtößreufuodjen, beS UuterfieferS, ®d)äbels unb BetfenS, feft Sie fiub gewöhnlich bie folgen von entjünbungen, weldje iljrerfeits burd) örtliche (Einwirkung, wie Sdjlag, Stoß, Ouetfcßung ober anßaltenbe Reibung, ßervorgerufen würben. Stuf biefe Sßeife bilbeit fieß 3. 53. bie fogen. „Dieitfuodjeu". £)ie (Epftofen vem urfachen nur Befdpverben, wenn fie an ben ®eleufen filmen, b. ß. bereu Bewegungen beeinträchtigen, uub fiub ferner, wie bie bisherigen ®e= feßwülfte, gutartige Stfterbilbungen, bie jebod) gleich ben (Encßonbromen burd) übermäßige SReijung bösartig werben können. (Sine Uicrbcngeftßwutft ober ein Neurom (Neuroma) bilbet einen runben ober ovalen, elaftifdjen unb meiftenS von einer BinbegewebSkapfet eingefdjloffenen Tumor, weldjer entweber aus bem Innern beS Nerven eutfpringt ober biefem feitlid) ©iefe ©efdjwülfte, weldje gewößn- licß taugfam wadjfeu, bie ®röße einer fyauft uub bariiber erreichen tönnen uub fidj meiftenS au SlmputatiouSftümpfen eutwidetu, gehören ju ben quatvollften Sie fiub nur burd) eine Operation 311 entfer« neu, unb ift biefetbe um fo leidjter uub beS (Erfolges fidjerer, je früßjeitU ger fie vorgenommen wirb. ©cfäßgefdjwiilftc (Slngiome; Vascular ober Bloody Tumors) be= ftepen in ber ans Blutgefäßen. (ES fiub entweber e inf a dje Sin g i 0 me, b. I). flädjenartige, bunfeU rotlje bis ftaljlbläulidje ©efäßneubilbiim gen (befouberS an Stirn unb Söaugeu), weldje bie ®röße eines §anbtellerS em reidjen fönnen, ober über bie §auteim porquellenbe, blaurottje ©efäßfnoten von fdjwammigem (SJewebe, b. i. fogen. cavernöfe ®efäßgefdjwülfte; letztere fommen and) in ber Seber vor. Oie ©efäßgefcfjwütfte, bie meift ange- boren fiub unb vom BoltSmunb fteuer* ober SO? 1111 e rmäter (f. $ig. 290) genannt werben, veranlaffen maiußmal gefäßrlidje Blutungen unb müffen bann burd) Sieben (mit raueßem Fig. 290. ©efiifjgefdjtvulft („SWuttermnl"). 632 ber Salpeterfäure ober ©alvanocauftif) ober burd) Unterbinben ober SluS* fdjueiben befeitigt ober burd) Sinfpripung von Sifend)loriblöfung (jur Stillung ber Blutung) unfdjäblid) gemacht werben. 9)iit biefen ©efdpvül* ften finb nid)t 31t venvedjfeln fßigmentmäler refp. Seberfletfe unb anbere (f. bort), weldje ebenfalls als „Wtfuttermäler" bejeidpiet iverben. Oie SEßnrjntgcfdjtoiilfte (Papillome; Warty ober Horny Tumors) finb 9?eubitbungen ber ©ber- unb ber «Schleimhaut, welcpe entweber nie* bere Flügel (<Sd)ivielen, Söarjen) ober ridjtige Körner f. $ig. 291) ober and) fuollige barftellen. SJZeiftenS finben fie fid) auf bei- äußeren £iant unb ber <Sd)leim* baut beS $epltopfeS, beS Wtfaft* barmS, ber unb ber Gebärmutter unb finb fepr ge* fäßreicp, WeSpalb fie bisweilen gefäprlicpe (wie bei ben ?lngi* oinen 31t ftillenbe Blutungen) veranlaffen. Sie Sarjenge* fdjwiilfte, weldje vereinzelt ober in größerer Slnjapl unb ebenfo* wopl rafd), als and) langfam wacpfen tönneu, peilen niandj* mal von felbft (5. .33. bei ben „Suren" ber Spnipatpiefd)Winb* ler unb anberer 3nmeift miiffen fie, b. p. Wenn man fie nicbt ftepen laffen will, burcp Stegen ober operativen Singriff entfernt werben (f. (Slbenome, 5Ibenoibe; Adenoid Tumors) finb SBiufjerungen von ©rüfengewebe, weldje am päufigften in ber Sdjilb*unb ber 3öruftbrüfe, ber äußeren §aut unb ben Scpleimbäuten vorfommen. T)ie Slbenoibe finb anfangs immer gutartige ©efcpwulfte; uicpt feiten ent* widelt fid) aber aus einer ©rüfengefcpwulft ein ÄrebS unb muß bann fo halb als möglich vom Operateur ejftirpirt werben, barf man fiel) niept felbft „curiren" wollen; bie vielleicht noep parmlofe®efd)Wulft würbe burcp b. p. Slmvenbung vouSlepmitteln 311 einer unpeilbaren, töbtlidjen gemacht. ®ie löalggefcpwülftc ober Spften (Cystic Tumors) finb nid)t auf ein beftimmteS Sfewebe befdjräntt, fonbern fommeu faft in allen ©eweben bejw. Organen vor. SS finb ruublidje, mit einem fluffigen ober breiigen Fig. 291. Jbauttjörner. 633 3nl)a(t gefüllte, ßäiitige Wlge ober Säcf'e, weld)e in bet Siegel bnrd) übermäßige glüffigteitSanfammlnng in einem $ol)lraume beS Körpers entfielen. Sie füljlen fid) je nad) ber Eonfiften3 il)reS 3nl)alts meljr ober weniger meid) an, treten Vereinzelt ober 311 mehreren auf nnb bleiben gleichmäßig in iljrer ®röße ober fdjreiten in iljrem Sß5ad)Stpnm nnnnter* brodjen fort; bisweilen erreichen fie bie ®röße eines $n ben häufigeren löalggefdjhnilften gehören baS „Ueberbein" (SStafferge* fdpvulft narfj (Sntpinbnng Von Seljnenfdjeibeii), eine 2lrt $ropf (ber „Epftenfropf"), bie apopleftifdjen Epften, weld)e fid) nad) einem $irufd)lag= fluß im ®el)irn bilben tonnen, bie Oermoibcijften nnb bie (Grützbeutel. 2)ät SlnSnaljme ber beiben letztgenannten (Gefdjwülfte werben bie Epften bei ben betr. Organen, in benen fie fiel) finben, befprodjen werben, lieber bie Oermoibcpften fannfid) ber Vefer in bem fdjon erwähnten Sdjriftdjen „Oer Specialarjt für grauen" informiren. Oie (G r ü tj b e n t e l enblict), and) g ef d)Wülfte ober 9111) e r 0 m e (Wens) genannt, fiub an fidj meift ungefährliche, erb- fen- bis hühnereigroße 9(fterbilbun- gen in ber §aut. Sie fomnien be= fonberS an ber behaarten Kopfhaut vor (f. $ig. 292) nnb entftepen bnrd) SSerftopfnng beS SlnSfüljrungSgangeS ber Oalgbrüfen. Oer von biefen Orüfen abgefonberte Oalg, Welcher bnrd) bie 9lnSgangSöffnnng anStreten nnb jnr Einfettung ber äußeren §ant bienen follte (f. 208 n. f.), wirb in jener Sßerftopfung in ben Oalgbrüfen jnrüctgeljalten nnb giebt jur iöilbnng beS SltßeromS SInfaß. Oie Entfernung eines foldjen bentels gefrfjietjt mit bem DJZeffer, inbem man bie bnrdjfdjneibet nnb ben ganzen Wentel IjeranSnimmt ober iljn erft feines 3nl)alts entleert nnb bann ben (Ijäntigen) 53alg (bnrd) 2luSfd)älen beS 4ßalgS ober Einfprilzen reijenber Stoffe) ift nnbebingt notßwenbig, weil eSfonft feßr leicljt 311 einer rütffälligen ®efd)Wnlftbilbnng tommt. Oie Operation barf aber nur vom Slrjte vorgenommen werben, l)anptfäd)Iid), wenn fid) bie ®efd)Wnlft am $opf befinbet, nnb ber Patient fdjon bejaljrt ft, beim in foldjen fällen ftellt fid) leidjt bie 9tofe (f. S. 503) ein. Oie eine 9lrt ber tranfßaften 91 e n b i l b n n g e n mit b ö S a r t i = g e m E I) a r a c t e r fjat iljren Flamen - $lcifdjgclviirf)S, Fig. 292. ©rüVbeutel ober Sltljcroin. 634 ober ©urfoin (Sarcoma) - von ihrer äußeren, ber $arbe unb (Sonfiftenj beS $leifdjeS äbnlidjen AS efdj affenbeit. (SS finb fd)leimig«meidje ober iiiarf« artige, meift runbe unb von iljrer Umgebung fid) fdjarf abgrenjenbe ®e= fdjnndfte, bereu ©elvebe unter bem DJiifroftop runblidje ober fpinbelartige, üerfdjieben angeorbnete unb gemötjutidj in einer fdjleimigen Ontercellnlar« fubftanj eingebettete gellen jeigt. ©iefe ©efcßmülfte, loetdje am Ijäufig« ften unter ber §aut, jmifdjeu ben SJhiSteln, in ben unb in ge« miffen ©rüfen vorfommen, mudjeru meiftenS in ber ©iefe beS betr. ©e« mebeS unb (teilen juerft knoten bar, meldje fid) langfam (barte ©arfome), aber and) feljr rafdj (meidje ©arfome) jit verfdjieben großen ©emädjfen entmicfeln unb fdjließlid) in SSerfdjmäruiig übergeben tonnen. Sieben einer foldjen (9Jlutter)®efdjmulft finben fid) mitunter ein ober mehrere (Ood)« ter)$noten. (SS ift baS ein böfeS geidjeu, benn in foldjeu gälten fommt eS in ber Siegel and) nadj ber frübjeitigften unb grünblidjften Operation 311 einer Slecibive, b. i. einer neuen ©arfombilbung. (Sine einzelne gefdjivulft faiin aber redjt mobl mit ©rfolg operirt merben, ja eS ift fognr möglidj, baß fie opne ©djäbigung ber ©efnnbbeit, unb ebne weiter um fid) ju greifen, befteljt ober von felbft wieber Verfdjivinbet. 3:m auberen $alle ift, wie fdjon gefügt, bie ©efdjivulft burdjeine Operation (Slmputatiou beS betr. ©liebes ober SlitSfcbneibenber ©efdjnndft) ju entfernen, benn abge- feljen bavon, baß ©artome leidjt 51t gefäßrlidjen Blutungen SSeran- laffung geben unb fid) auf eble Organe ausbreiten fönneu, füljren fie eDem tuell and) fdjließlid) jur unb üollftänbigen (Sutträftigung beS Oranten. Slber nur eine fr üb J eilige unb möglidj ft ei n- greifenbe Operation mag Teilung bringen, unb alle inner« ließen unb äußeren Ouadfalbereien gennffenlofer (Surpfnfdjer finb nur» vom Uebel! Oie fdjlimmfte 5lrt ber f'ranfbaften Sleubilbungen, bereu (Sljovacter oljne 5IitSnaljme bösartig ift, Ijnt iljren, bem ßaien befaunteften Slamen, Älrcbv ober ItrebSgeffbluulft, ttne es in einem 1731 erfdjieuenen 33udje beißt, baljer, baß „offt bie babel) liegenbeit Slbern biete aiiffdjivellen unb fid) gleidjfam wie bie $üße eines $rebfeS auSbebnen". (Sott fei ©auf, baß ber ©eleljrte beS vorigen 3aI)rbunbertS nicht meljr in Slnfeljen fteljt, beim Ijeute iviffen mir, baß biefe ©efdjmulftform, iveldje übrigens and) (S ar ei 11 Olli ober Saue er (Carcinoma, Cancer) be*Bt fif0 ©idjerljeit 11 i d) t burd) ein äußerliches SQlerfmal verrätl). Slur ber mit bem SOlifroffop grünblidj vertraute Slrjt Vermag mit §ülfe jenes ßiiftru« mentS ju entfdjeiben, ob eine ©efdjivulft bösartig ift ober uidjt, unb in biefer (Srteiintniß liegt nidjt nur für bie niebicinifdje SBiffenfdjaft ein ge« Fig. 293. ($VitT)eltrel>§ (am ßcljffopf). 635 wattiger ftortfdjritt. greilicfj ift bie (grfenntniß uodj auf 3U enge Greife befdjränft, unb bie weiften 9D?enfd)en taffen fiel; immer nod) Don ber bie fjinter jebem ßartnädigen ©efdjwür ein $rebSgefdjwulft Wittert, ganj unnötßigerweife ißr Qafein verbittern; vielleidjt Werben fie bon feuer $urd)t uodj gar einem nidjtSnutjigen ©djwinbler in bie Slrme ge= trieben, ber von ber 9)?ebicm gar nidjts, bie 2lngft feines CpferS auS3ii= beuten, aber befto beffer verfteßt. QaS vorliegenbe Bud) bejwed't, ver- nünftige Slnfidjten über ©efunbljeit unb beSWlenfdjen jnver* breiten, unb baju gefjört in ßervorragenber Seife bie Ueberjeugung, baß eine freböartige ®efd;wulft ganj gut, aber nur vom SIrjte ertannt werben tarnt. £>at mm ber Saie ebenfalls biefe gewonnen, bann wirb er fidj nidjt nur von ber emancipiren unb ftatt 31t einem Quadfalber 311 einem tüdjtigen Slicte getjen, fonbern and) in vielen fällen Teilung fin= ben. X)abei muß freitidj nod) betont werben, was fdjon im Borljergefjeiiben mefjrfad) ßervorgehoben würbe, baß nämlidj nur bann §ülfe 31t erwarten ift, wenn letztere früljjeitig gefudjt wirb. be- beutet in foldjen fallen ben £ob ! Unter bem DOiifroffop feljeu wir, baß bas ©ewebe einer aus einer faferigen ©runbfubftanj (bem fogen. „ÄrebSgernft"), verfdjiebeuartig geftalteten Bellen („$rebS3ellen") unb einer raljm- äljnlidjen (bem be- fteljt. Slußer biefen Beftaubtljeilen jeber $rebSgefd)Wulft fiiibeu wir bei ben einjel- neii darciiiomen einen meßr® ober weniger großen Dieidjtljum an Blutgefäßen, bisweilen and) geu, it. f. w., unb miterfdjeibet mau mm je nadj bem Ueberwiegen eines ber conftanten ober nidjt wefentlidjen Beftanbtßeile, be3W. nadj ber ßonfi- ften3 ober bem 2IuSfel)eii ber ©efdjwulft, ober nad) ber gönn ber Bellen verfdjiebene Wirten von (Earcinomeii, nämlid): ben (ßarten) ober @ c i r r l) u S, ben (marfäljnlidjeit) 90? a r t f dj w a m m ober 9J? e s b 1111 a r f r e b S, ben (gallertartig weidjen) ® a 11 e r t f r e b S, ben (an Blutgefäßen überaus reichen) Blut f d) w a m m, ben B 0 11 e n t r e b S, fo genannt wegen beS 3ottigen SluSfeßenS feiner Dberflädie, ben i g = in e 111 - ober m e l a 11 0 l i f d) en $ r e b S, ber in $olge lageruug eine Färbung ljat, ben (5 p i 11) elf re b S ober baS ©pitljeliom ober ß an c r oib, u. a. m. Setjtere Fig. 294. TBruftfrebS. 636 (f. <yig. 293) l)at ihren Siemen von ber Slehnlid)teit ihrer Reffen mit ben Oberl)antgellen; finben fiel) foldje 3ellen - nm ein 23eifpiel ber ß'rebS* biagnofe angnfül)ren - in ©eweben, 31t bereu normalen 23eftanbtheilen fie nidjt gehören, fo tann man barauS fd)ließen, baff bie betr. Sßndjernng frebSartig (ein Kpitl)elioni) ift. Oie ®rebSgefd)Wülfte werben and) je nad) ihrem Sitj verfdjieben genannt; fo fpridjt man non einem Slafen*, 3nm gen-, 23rnftfrebs, n. f. f. Sim Ijänfigften befällt ber $rebs gWei Organe beS weiblichen ®efd)led)ts, nämlid) beffen 23riiftbrüfeii (f. ß-ig. 294) nnb bie ©ebärmntter, nnb baburd) erflärt fid) and), warum baS meiblidje ®e* fdjledjt eine etwa hoppelt fo große Slngaljl 311 bem Kontingent ber Strebs* tränten ftellt, al§ bie SJlänner. Sluf jene beiben Organe folgen in ab* neljmenber Scala ber tpäiifig* feit: Sippen (vornel)inlid) lln* terlippen; f. $ig. 295), Seber, SRagen, Bunge (f. ftig. 296), Speiferöl)ren, Spmpljbriifen, ®rimm* nnb SJiaftbarm, $110* d)en, Singe. Sim feltenften tritt ber Strebs in SRnSteln, ®el)irn nnb fRiidenmart auf; in ber Snnge nnb SRilg, am S3and) nnb nnb im Oünnbarm finbet er fid) nur, nadjbem eine ÄrebSerfrantnng eines anberen Organs VoranSgegangen ift. Oer äußerlich bemertbare 23er* lauf eines ÄrebSgefd)miirS be* ginnt in ber Siegel bamit, bajj fid) an einer Heinen Stelle ein mel)r ober weniger harter nnb fdjmerjhafter, Ijötferiger knoten bilbet, ber fd)liefjlid), nad) äRonaten ober (l)öd)ftenS 3) Batyren, nad)bem er roeid) ge* Worben, anfbridjt. KS entftel)t baS fogen. $rebSgefd)Wiir, ein traterför* mig vertieftes nnb unregelmäßig jertlnfteteS ®efd)Wiir mit wallartigen Stäubern, jandjiger Slbfonbernng nnb I)öd)ft üblem (Sferud). Oie, jetjt anßerorbentlid) ®efd)Wnlft greift nad) nnb nad) immer mepr nm fid), sie()t bie Sl)mpl)briifcn nnb innere wid)tige Organe in SDHtleiben* fd)aft nnb vergiftet bie gefammte 23lnt> nnb Säftemaffe. Oie ift in il)r nnb letztes Stabinm (ber fog. $rebsfadjejie) getreten. Oer Patient l)at ein fal)leS SluSfefjen nnb wirb von peinigenben Sd)mer* gen nnb Sd)laflofigteit gequält, bie Krnäljrnng gel)t mepr nnb meßt' herunter, nnb gnlefjt ftirbt ber I)od)grabig abgemagerte fßatient an vollftän* Fig. 295. Sippentrcbä. 637 bißer Gntfräftmiß. - £)a§ ift in fiirjeii Büßen ber Verlauf einer $rebS- ßefdjwulft. Slitf weitere in biefem einjnßeljen, Der* bietet fiel) nad) bem oben (gefaßten. Oie bie ber SJerfaffer fo Diel wie mößlid) jn befeitißen fndjt, würbe babnrd) nnrßenäljrt werben. Gine foldje ßtanfameSpecnlation auf bie Oitnun* Ijeit ber ÜDhmfdjen, bereu fidj ja Gnrfdjwinbler nnb and) Slerjte leiber nur jn oft fdjnlbiß madjen, foll biefeS £htd) nidjt Dermaleren. 2Ber bie iöefürdj* tnnß Ijeßt, baß eine Slfterbilbmiß trebSartiß ift, Wenbe fid) an einen tüdjtißen, ßewiffenßaften ober, wenn er bnrd) Umftänbe baran uerljinbert ift, an ben SSerfaffer ttiib unterwerfe fid) einer ßenanen Unterfudjnnß. W?an Dertröble nidjt bie fo über* an« foftbare 3e*t munentlidj Dor Gjperinienten mit fdjarfen, ätjenben ÜDHtteln refp. beim bnrd) biefe wirb fdjließlid) jebe ®efd)wnlft bööartiß ßemad)t. 4öeftätißt aber ba« DJlifroffop bie barnje SItjnimß, bann fdjene man nidjt Dor einer- fofortißen, ßrünblidjen Operation jnrütf. ®ie allein bietet bie iDiößlidjfeit ber 9tettnnß. Fig. 296. Bunaenirebs. JUtyemehie DJlit bem tarnen allgemeine (SriiäßrnngSjtörung man eine 33erjd)ledjtening be« gejammten bie ipre 53eranlaj* jung nidjt in einem non außen in ben Körper eingebrnngenen $rantl)eit$* erreget Ijat, nod) b i r e c t bnrd) eine anbere Äranfßeit verurjadjt wirb. @o gehört 3. 53. bie Baudjevergiftung ober ©epticämie (j. 534), weldje bnrd) ba« Hinjutreten non {yäulnißfeimen 31t Sßnnben pervorge* rufen wirb, ebenjo wenig 31t ben „allgemeinen ©rnäpnmgSjtöriimgen'', wie bie Harnvergiftung (Urämie), bei welcper ba« 53lut in $olge von Ä'ranf* Ijeiten im Harnapparate bnrd) Slnpäufnng von Harnftoff „entmijdjt" wirb. Slllgemeine (SrnäljrnngSftörnngen tonnen jid) aber gleidjwopl - i n b i r e c t - au« anberen entwicfeln. 5Birb 3. 53. bei be« Sltpmung«* ober 5$erbauimg«apparat« bie Oppbation ober bie ©äftebilbnng im Körper längere Beit beeinträdjtigt, fo wirb jd)ließlidj baburcp ber ge- jammte @toffwed)jel gejdjäbigt, nnb e« entwicfelt jid) barau« julept eine eigentpüinlidje „53erfd)led)terurig be« gejammten ®ejunbpeit«3iiftanbe«", weldje al« ein bejonbere« $rantljeit«bilb 311 betradjten ift, b. p. eine „all* gemeine (5rnäprumg«jtöriing". 53on mandjen Reiben, ivekpe mit ben all* 638 gemeinen (SrnäpritngSftörungen int wefentlidjen übereinftimmen, 3. 23. ber ift freilidj nodj nidjt ermittelt, ob fie birect ober inbirect nuf eine anbere $ranfljeit 3iirütf3ufüpren finb. 23iele Siebte bepaupten, bafj bie (Diabetes mellitus) refp. bie im 23(nte nur bie 2Ieufieriing eines organifdjen VeibenS (ber Veber; bergt. @. 397) fei. 5lepnlicp verpeilt eS fiep mit anberen conftitutionellen S?ranD peiten, 3. 23. ber §arnrupr (Diabetes insipidus), u. a. m. Sille bie, waljw fcpeinlidj birect auf einem anberen (gteiebjeitigen) organifdjen Veiben be= ruljenben $rantpeiten - mit 2Iu?napine ber 23leidjfucpt junger S0?äbd)en (f. fpäter) - Ijat nun ber 23erfaffer ben ber betr. Organe bei- gefügt, b. I). in biefem Slbfcpnitt nidjt erwäpnt. ©urep biefe, nur 311111 befferen 23 erftänbnifj bcS Vai en borgeiiommeue (Siiitpeilung foll aber nidjt 3iigleidj in ber ßrage, ob jene 311 ben allgemei- nen (SrnäprungSftörungen 31t redjnen finb ober nidjt, (Stellung genommen werben. SUlgemeine (SrnäprungSftörungen foiinen and) auf erblicher Slnlage berupen ober bitrcp ein gefr.nbpeitSwibrigeS Veben veranlaßt loerben. Vep* tere llrfadje, bie bei Weitem Ijänfigfte, Wirft in berfelben 5ß3eife, Ivie oben pinfidjtlidj ber, allgemeine (SrnäpruiigSftöritiigeii üeranlaffenben $ranf« peiten gezeigt würbe. ©urdj ein antipljgieinifdjeß 23erpa(ten, bitrdj ein SJcißverpältniß jwifcpeit 23erbraitdj unb 2ßiebererfap ber $örpermaffe, wirb nadj unb uadj ber Stofflvedjfet refp. bie ganse (Srnäprnng begenerirt, unb bie $olge ift eine allgemeine ©rnäpruiigSftörung. lieber baS gefeit ber allgemeinen (SrniiljrungSftörungen finb wir nod) nid)t gaig im deinen; bei ben einen läfjt fid) eine (5ntmifd)itiig beS 23(iite$ nadjweifen, bei ben anberen aber nidjt. 2luf ®runb itjrer Urfadjen unb ber $enntnifj, wie ber Stoffwedjfel von ftatten geljt, muffen wir aber am nelpnen, bafj bei einer allgemeinen (SrnäljrungSftörung opue nadiiveisbare (Sntmifdjung be§ StoffwedjfctunterpalterS, b. i. beS23lute§, bie(perbe be§ StoffumfapeS, bie gellen, refp. bie ütpätigfeitbiefer feinften $ormelemente beS Körpers franfljaft veränbert finb. Stuf ®runb ber llrfadjeu tiifjt fiel) im allgemeinen über bie Teilung ber vorliegenben $'ranfpeiten auep fagen, bafj vor allen ©ingen 23erbraud) unb (Srfap ber Äörpermaffe wieber in (Sinflang gebradjt werben muffen. ©ie 23lufiirmntp, 23lutleere ober Slnämie (Anaemia) unb bie £3lcirf)fiidjt (Chlorosis, Green Sickness). 2(lS 23lutarmutp be3eid)iiet man einen franfpaften in welcpcm bie 23lutmenge be§ Körpers längere 3eit abnorm verringert ift. ©ainit ift nidjt 311 verwedjfelit eine plöplidj eintretenbe 23Iutleere, 3. 23. nadj Operationen, 23erlepuugen, 9?afenbluteu, 23lnterbredjen, (Sntbinbiingeii, n. a. m. (Sine foldje 23lut(eere ift bei geeigneter pflege halb wieber befeitigt (f. „llnglücfs= 639 fälle unb 33erleßungen"). geßlt biefe pflege ober treten bie birecten 331ntVerlnfte öfter ein (bei häufigen (Entbinbiingen, £)ämorrßoiben, ge* iviffen grauenleiben, u. f. w.), baunfann es allerbingS jn jener anßalten* ben abnormen 23erringerung ber 33tutmenge tommen, Welche als ein be* fonbereS Trantßeitsbilb zu betrachten ift nnb als 33lntarmutß, 33lutleere ober Slnämie bezeichnet wirb. Xöei weitem häufiger als burcß birecte 33lnt* verlufte wirb biefeS ©iecßtßum aber burdj übermäßige inbirecte SSerlnfte an 33lut ober bnrd) zu geringe 33lutneubilbimg veranlaßt. derartige inbirecte 33lutverlufte tommen burcß abnorme (Entziehung von Säften (in golge von Trautheiten, zu lange ©äugen, gefdjledjtlicßen SlnSfdjweifnngen, übermäßigen Slnftrengungen, n. f. to.) zu ©taube, ©ie geßinberte 33lntiieubilbimg ßat aber ihren ®rnnb in einer anberen Trant* ßeit, z- 33. bes SkrbauungSapparatS, ober in einer ungeeigneten ober uu* geiiügenben Törperpflege (ßauptfäcßlid) (Ernährung). 3n bcm gälte, baß bie 33tutarmuth Weber einer vorauSgegangenen (Ertranfung noch einer anberen beftimuiten ©djäbigung beS TörperS zujufeßr eiben, b. ß. Wenn bie llrfacße ber Trantßeit uidjt zu ertennen ift, bezeichnet man festere and) mit beut befonberen Stauten ber „verberblidjen 33lutarmutß". ©iefeS Leiben fpottet jeber 33eßanblung. DJiit ber quantitativen 33ermmberung ber 33Iutuienge geßt in ber Sieget eine qualitative 33eränberung einher, unb zwar eine Slbnaßme an (vornehmlich reißen) 33lntförpercßeii. ©iefe befonbere 3Irt ber 33lutar* mutß, bei welcher 1OOO ©ßeile 33(ut ftatt ber normalen 130 ©heile nur etwa 50 ©he^e 33lutförperd)en enthalten, unb zugleich ber SBaffergeßalt be§ 33tuteö erßößt erfeßeint, wirb 331 e i eß f u eß t genannt. ©ie ©leicßfucßt ift, wie bie 33lutarmutß im allgemeinen, einer ber* jenigen frantßaften 3uftänbe, welcße, wie wir in ber (Einleitung zu biefem ?(bfd)iiitte gefagt haben, auf einem SJiißverßältniß zwifdjen Verbrauch tinb be§ Törperd berußt; fie wirb bureß Ueberanftrengumg, fdjledjte ober nnzweefmäßige Siaßrung, ungefunbe SJoßuungen, u. f. w. veranlaßt unb verfdjont fein Lebensalter, befällt aber Vorzugsweife junge, in ber ge* fcßledjtlidjen (Entwicflnmj begriffene SJiäbdjen (im Sliter von 14-24 3aßren). SJtan ßat nun häufig beobachtet, baß SDcäbdjen biefeS SllterS, tropbem fie in jeber Sßeife gefunbßeitSgemäß lebten, an ber 33leicßfucßt ertrautten, unb barauS ben ©djluß gezogen, baß bie Vorgänge im jung* fräulidjen Törper zur $eit ber einen wefentlidien (Einfluß auf bie (Eutfteßung ber Trautheit ausüben (vergl. „©pecialarzt für grauen"). 3ft bie ©djlußfolgerung begrünbet, unb bem fdjeint fo Zit fein, obwoßl wir feine (Ertlärung für ben ber Steife* entwictlnng beS SttäbcßenS mit ber 33leichfucßt geben tonnen, fo haben wir bemuaeß zwei gönnen ber (Eßlorofe zu imterfdjeiben; bie eine, weldje jebeS 640 SebenSaller befällt, ift eine allgemeine ßruäljritngSftörung, bie aubere ba« gegen ein fljmptomatifdjeS Seibeu ber meiblidfen b. I). bie Stellte* rung mit ber meiblidjen (Sntmidlung im fteßenber Stö= rungeit im ®efd)led)tSapparat. - 53eibe gönnen ber 531eid)fud)t nnb bie 53lntarmutl) verlaufen fo jiemlid) mit benfelben (Sljmptonien nnb verlam gen faft bie gleidje 23el)anblung, fo baß mir fie im golgenben gemeinfam befpredjen tönneu. @pmp tonte nnb 23 er lauf. Tie auffälligfte (Srfcfjeiuniig an blutarmen utib 23leid)füd)tigen ift bie 23läffe ber §aut, eine golge be§ Mangels an 23(ut refp. rottjen £3lutförperd)en. Tie $arte, etmaS in'S ®rüulid)e (baßer ber 9lame Green Sickness) ober ©elblidje fpielenbe, mitunter madjsäßnlid) glänjenbe §aut läßt bie blutleeren 2lbern, befoiu berö an anftatt bunteiblaugrau blaßrötßlidj ober violett burd)- fdjimmerii, morauö fid) erflärt, baß man bei blutarmen refp. bleidjfüdjtigen 2)iäbd)en oft eine ®efid)t£farbe „mie Wld) nnb ®lut" fiubet. Tie bleidje Hautfarbe fefjett mir and) an ben @d)(eiml)äuten, an ben Sippen (befonberS an bereu 3nnenfläd)e), bem .Saßnfleifdje, ber <Sdjleiml)aut ber anberen Wmbpartien, ber inneren glädje ber 2Ittgenliber nnb bem rotpen §iigel* eßen am inneren Slugenminfel (Tßräiiencarunfel). blutarme nnb Sßleid)- fiidjtige haben ferner megen ber (grnäßrungSftörungen büniie nnb trocfene £>ant nnb fdjlaffe nnb magere SDhtSfeln; bismeilen magert and) ber ganje Körper ab nnb betunbet meßr ober meniger innere organifdje Seiben (be* fonberö beö tagens nnb . Tie Traufen geigen Unluft (ptr Ar- beit nnb merben bitrdj letztere rafd) ermübet, ber Appetit feljlt, eö ftellt fid) ein förmlid)er SBibermille gegen ©peifen, hauptfädjlid) g-leifdifpeifen, ein, uub mad)t fid) (bei bleid)fiid)tigen 3)liibd)eu) ftatt beffen l)äufig ein ©etiift nad) ungenießbaren Tingelt (treibe, ©pinnemebe, u. a.m.) bemerfbar. IW ber (Srmübung verbinben fid) nidjt fetten rl)eumatismit§- äl)idid)e Sdjmerjen in ben ©fiebern, nnb außer ber 3lppetitlofigfeit l)at bie geftörte 53erbauung ttod) maitdjerlei 53efd)merben nad) bemßffen, Rol- lern nnb foltern im Seibe, DJlagcnfriimpfe (l)äufig mit 33red)iieignmg) nnb @tiil)lverftopfuiig tut (befolge. Siegen ber fd)(ed)ten ©rnaljimng fdjtiigt ferner ba§ §erj leidjter uub ftärfer, bie blutleeren Suitgen nnb fdjlaffen 5ltl)miiitg$mu3telii vermögen nid)t mel)r orbentlid) 311 arbeiten, ma§ fid) bnrd) ©äpnen nnb Setißen auSbrütft, bie ®ärmeentlvi(f= lititg ift äußerft gering (fiil)le «'pant, föättbe uub fvüße uub Ieid)te§ frieren be§ Oranten), nnb bie büniieit uub fdilaffen ©efäßmänbe zerreißen leidit, ma§ 31t 53(ittiiugen (vornel)in(id) 9?afeublnten) uub 53i(bung von 53lub flecfeu in ber £mut fiiprt. Tie fd)led)te (Srnäbrung be§ ®el)iru§ uub ge* fammten 9lerveufpftem§ äußert fid) burd) $opffd)mer.3 (Migräne), 9iiirfeii' uub 91erveufd)mer3eu, ©iiineSftörungen, mie ©Ijreufaufen uub glimmern 641 Dor ben Slnqen, Scßwinbef, Sicljtfcljeit, Weiter burdj Krampf3iifälle (Veits* taii3, (Spilepfie, £)pfterie), @emütl)SDerftiinmung ober Saunenljaftigfeit, Sdjwädje ober wibernatürlidpeSSlufgewetftfein be§ VerftanbeS, u. a. m.- ©er Verlauf ber Vlutarmutlj unb Vleid)fucßt ift bei Slenberung ber Se* benöweife unb äqtlidjer 9?ad)pülfe gewöljnlid) ein rafcßer unb gutartiger; werben aber jene 3Wei Vebinguiigen ber ©enefung nid)t erfüllt, fo jietjen fid) beibe Kranfljeiten monate* unb jahrelang I)in unb legen beit ®runb 3U irgenb einem auberen, töbtlid) enbenben Sied)tl)um (5. V. ©uberfulofe) ober füljren, befonberß im früljen KiubeSalter, Woljl gar birect $um ©obe. ©ie V e f) a n b l u 11 g ber Vlntarmntl) unb Vleid)fud)t ift im wefent* lidjen biefelbe. Vor allem Slnberen muß bie geftörte (Srnäprung refp. Vlutneubilbung Wieber auf baS normale Sftaß gebracht werben, unb baju giebt eö, wie wir Dom II. unb III. Kapitel per wiffen, brei Mittel, weldje jufanimenmirten müffen: reidjlidje unb swecfmäßige 9iaßrung, fräftigeö (Sin* unb SluSatßmen in reiner ßuft unb pflege beö VlutfreiSlaufS. ©ie 9?aprung beftelje ßauptfätfjlid) aus Viild), (Si, faftigem $ett (Vutter), burdjgefdjlagenen §ülfenfrüd)ten, jungen ©emüfen unb mäßigen 9)?en* gen Kartoffeln unb SQMjlfpeifen, weid/ letztere mit (Siern, SKild) unb hinter fein muffen. VSegen ber geftörten Verbauung ber Sßcm tienten ift bie 9?al)rung aber immer in ber am leidjteften 3U Derbauenben gönn (bie IDcild), weil fie im Sftagen gerinnt, ftfjlucfweife mit Vrobftüctcßen 311 genießen, baS (Si 31t jerquirlen, baS $leifdj flein ju fdjueiben unb überhaupt jebe @peife gut 31t tauen), unb au$ bem gleichen ©ruitbe barf ber Sftagen and) nidjt auf einmal überlaben werben. W?an effe öfter Heine Portionen näßrftoffreidje Koft, unb gwar 311 beftimmten ©tunbeii. 3d Derberbe man fid) nid)t ben Sippetit biird) Sectereien, fonbern geße fleißig fpa3ieren ober niadje fid) fonftwie in guter ßuft Bewegung (turnen, .gimmergpmnaftif, fegeln, u. f. w.). ©abeimutpe man aber bem Körper nid)t auf einmal 31t Diel 31t. 3Iir be§ 53Iitttrei8lanfeS ift and) reid)lid) Gaffer 31t trinfen. 53Intarmutl) itnb 53leid)fud)t finb nur gar 31t oft ein3ig unb allein, wie fd)on im III. KapU tel I)eroorgel)oben würbe, bie $olge einer Derteljrten Sitte, we(d)e jungen 90täbd)en ein 3imperlid)e§ ©rinfen Dorfcpreibt. ©aburd) wirb nid)t nur bem 53(iit ba§ nötßige flüffige 9teorgaiiifatioii§material Dorentßalten, fonbern and) ba§ gaii3e ©efäßfpftem in ber (Sntmictlung geßcmmt. 2Bie fdjon gefagt, barf fid) ber blutarme refp. 53leidjfüd)tige nid)t 311 Diel 3iimutl)en. (Sr muß im ®egentßeil Don allen anftreugenben ?lr= beiten (unb Vergnügungen!), Don ®emütl)§= unb gefdjledjtlidjen (Srregum gen, von 9?ad)twad)en unb 9iei3initteln, W0311 nidjt blo3 Vranntwein, SBein, Vier, ©ßee unb Kaffee, fonbern and) falte Väber, 2(bwafd)uiigen, See* bäber, u. f. w. gehören, tui'3 Don Slllcin abftcßen, wa§ feine Kraft er* 642 fdjöpft. (Er muß jebein Xöebürfitiß nad) 9tnl)e ober <Sd)laf (genüge (elften, mit einem Sßort, 5(((eS tljun, wobnrdj bie £31utneubilbmig gefteigert, ber Skrbrand) an £5lnt gleidjjeitig aber eiiigefdjräntt wirb, beim er tann nie« mals wieber eine gehörige W?enge ÄÖIut befommen, wenn er baS, was fein Körper tagsüber an 4ölnt probncirt, and) fofort wieber bergenbet §injnjitfügen wäre nodj, baß im (gegenfap 311 ben falten Näbern warme 9lbwafd)imgen nnb Söäber für ben Oranten fetjr oortljeilßaft finb, nnb baß bon ben oben genannten 9teijmitte(n geringe Klengen leidjten, alfo nid)t ftart alcoljolpaltigen Bieres erlaubt werben mögen. SBaS bie ärjtlid)e £3eljaiiblmig ber 23Intarnmt() refp. $leid)fnd)t an« betrifft, fo war man lange $eit ber irrt I) ü m I i d) e n Slnfidjt, baß (Eifen für beibe $raiiffjeiten ein borjüglidjeS lliiiberfalljeilmittel fei. Heute ift man babon beim abgefeljen bon bem fdjäblirfjen (Einfluß, weldjen baS (Eifeit auf bie Verbauung nnb mandje Organe (ßungeii, ®e« ßinmerbenfpftem) anSjuüben berniag, finb and) jaßlreidje gälte beobad)« tet worben, in weldjen fid) baS (Eifen als bollftänbig wirfimgSloS erwiefcn ljat nnb mit gutem (Erfolge bnrdj anbere SIrjeneien (Slrfenit, @trpd)iiin, n. a. m.) erfept worben ift. ©amit foll nun nidjt gefagt fein, baß (Eifenpräparate nnb «waffer nidjt and) Wieber in anberen gälten bor« trefflidje ©ienfte leiften, fonbern nur gezeigt Werben, baß fid) für 33lnt« armntl) nnb-53leid)fiid)t eine allgemeine tljerapeutifdje •Q3el)anb(img nidjt angeben läßt, weil eS für biefe, je nad) ber (Eonftitution beS Patienten nnb ber ?(rt ber 53lutentmifd)img fo nnenblid) berfd)iebenen eine fold)e überhaupt nicpt giebt. £)ie jeweilig paffenben Heilmittel tonnen (oom Slrjte) nur nad) forgfältiger Prüfung beS gefammten 23efnnbeS ans- gcwäßlt werben, nnb beSljalb berfänme man nidjt, and) bie nnfd)einbar« ften ©pmptome anjnfüfjren, wenn man etwa ben Oerfaffer nm über ben eigenen galt erfnd)t. $ebeS biefer (Bpmptome tann ein bebent« famer SlnljaltSpimft für bie ©iagnofe bejw. tljerapentifrfje 53el)anb« hing fein. Oie O o r f i d) t S m a ß r e g e l n gnr Oerljütnng ber •Q3liitarnmtl) nnb •33leid)fud)t bramßen wir md)t einzeln aufjnfüßren; fie ergeben fid) ans bem SSorßergeljenben nnb finb anSfüfjrlidjer in ber (gefnnbljeitsleljre bar« gelegt worben. 9lber nod) mödjte ber Oerfaffer, el)e er fid) bon biefen Äranfßeiten abwenbet, ein einbringlirfieS 9Jlal)iiWort an (Eltern, bor allen ©ingen Mütter rieten, ©er (grnnb jnr nnb 53leid)fnd)t wirb meiftenS in früher 3ugenb gelegt. Wlangelljafte nnb baS nid)tige (Streben, bie $inber für eine ßößere (gefellfdjaftSfpßäre bor« jnbereiten, foften ben kleinen nid)t nur bie (gefnnbljeit, fonbern berberben iljnen babnrd) and) fd)on im Voraus jebe grenbe am Veben. Slber nidjt genug bamit. ©ie S?rantl)eiten bererben fid), nnb fo wirb baS W?äbd)en, 643 bnS burclj elterliche 9?ad)läffigteit ober Gitelfcit bleid)füd)tig Würbe, einft and) blutarmen ober bleichfüdjtigen Äinbern baS Leben geben. 5ß?ie an* berS, wenn bie Gltern itjre $flid)t im wahren (Sinne erfüllten nnb vor allen ©ingen bafür Sorge trügen, baß iljre Ä'inber träftige Männer nnb gefunbe Hausfrauen Würben. ©aS brächte nod) bis in fpäte ©eneratio* neu fegeuSreidje ftrüdjte nnb entjöge foldjen $rantl)eiten, Wie 33liitarmuth nnb $leid)fud)t, bie bttrdj eine vernünftige (Srjiehimg faft immer jn ver* hüten finb, ben größten ©l)eil il)reS jetzigen, Weiten imb breiten ©cbiets! ©ie Scropbulofe ober Scri)|i(jclfrnnt(jeif (Scrofula, Struma) ift eine Trautheit, welche namentlich in tüljlerenunb fendjten befon* berS ßänfig ift nnb ßanptfiidjlidj Äinber vom 2. bis 14. Lebensjahre befällt. ©aS SBefen bicfer ift nod) nnerforfdjt. 9?ad) ihren (5ntftel)iingS* nnb ®elegeiil)eitsurfad)en, ihren Symptomen nnb ihrem Verlauf Ijaben wir fie aber ben conftitntionellen Trautheiten biefeS ?(bfd)iiitteS jitjitjählen; fie ift eine allgemeine (SrnäbrnngSftörimg ober, wie fie. Dliemeper bejeidpiet, „ein tranfljafteS Verhalten (Ta* cbepie) beS Organismus, Welches fid) burd) eine Ijervorragenbe Einlage für eine 9ieil)e von ßrnäljrnngSftörnngen in ber äußeren Haut, ben Schleim* bauten, ben ©elenten, ben Tnodjen, ben Sinnesorganen nnb vor Allein in ben Lpinphbrüfen verrätl)." Letztere erfranten bei ber Scrophulofe fo häufig nnb in fo djaracteriftifdjer Sßeife, baß man biefe Trautheit and) ©rüf en traut 1) eit ober ©rüf enf tfjärfe genannt hat, nnb ber Laie gewöhnlich ein ©rüfenleiben für gleidjbebeutenb mit ber Scrophulofe hält. ?(its bemfelben ©riinbe, nnb weil baneben bie Scrophelfranfheit in naher jur ©ubertulofe (f. S. 483) fteßt, wirb fie ferner and) als © u b e r t n 10 f e ber 81) m p 1) b r ü f e 11 bejeid)uet. - ©ie Zulage für jene 9teil)e von (fcrophulöfen) (SruähriingSftörungen, bie jumeift lang= wierige entjünblidje Vorgänge finb, ift eutweber eine erworbene ober eine ererbte. 3nx lefeteren fWe fpredjen wir von einer fcrophulöfen © i S p 0 f i t i 0 n ober © i a 11) e f e (f. S. 404), nnb finbet fid) biefe na® türlid) am meiften bei Äinbern fcropljnlöfer (Sltern. 3n gewiffen fyami* lien ift bie ®efammtl)eit ober WenigftenS bie äfteljrjahl aller Äinber von Geburt au fcrophulöS Veranlagt. (Sine foldje ©iSpofition finbeu Wir fer* ner bei $inbern, bereit Gltern wäljreitb ber Beugung refp. Sdjwamger* fd)aft an ©nberfulofe, Strebs, ober einem auberen fdjweren Sied)t'l)ttm litten, jur ber (Shefd)ließuug bereits in vorgerücftcm 9Uter ftanben ober nahe Sölntsverwaitbte finb. ©ie e r w 0 r b e 11 e S c r 0 p 1) u* lofe ift jumeift nid)t minber Sdjulbber (Sltern, beim biefe Äranfljeit „ent* Wid'elt fid) l)cmptfäd)lid) in $olge fd)äblid)er Ginflüffe, Weldje in ben erften Lebensjahren bie gefunbheitSgemäße (Sntwidliing beS tinblidjen ©rgauis* mnS beeinträchtigten." 33or allen ©ingeit ift eS unjwed> 644 mäßige Ernährung, meldje bie Äinber fcrophulög niadjt. Tag Slufpäp« peln mit $inbermel)len unb auberen mehligen ©ubftanjen, ber Mangel an tl)ierifd)er Äoft, bag Ueberfütteru ber Äiuber, überhaupt bie (Srnäl)* nmg von Ambern mit grober Äoft, meldje im ©erljältniß 311 iljrer SOieuge nur ivenig 9?äljrftoffe enthält, bringt bie ©cropljulofe Ijeroor unb jmar um fo eher, je früljer eine foldje unjmedmäßige (Srnäljrung beginnt (bergt. im HL $ap. biefeg ©udjeg unb ben „Specialaqt für grauen"). gerner.merben Äinber fcropljulög burdj SBoljnen in feudjten, fdjledjt gelüfteten, überfüllten kannten biird) ÜDiam gel an ©emegung unb Hautpflege unb in golge mm Äranf'heiten, befom berg SOiafern unb ®eud)huften. Slug allem geljt Ijeroor, baß Scropljnlofe eine ift, meldje bie $inber meifteng iljren (Sltern 311 verbauten haben; entmeber Ijnben biefe iljren bie feropljnlöfe Einlage fdjon mit auf bie Söelt gegeben ober burdj mangelhafte pflege in ben früljeften ermorben. 9iidjt feiten entmidelt fid) bie (Scropljulofe and) bei Q r m a d) f e 11 e 11 in golge ber oben ermähnten gefunbljeitgfdjäblidjen (giiiflüffe (fdjledjte Slaljrnug, ungefnnbe 2ßol)nung, u. f. m.). ©pmp tonte unb ©erlauf. ©ie (gcropljulofe verrätl) fid) ge* möljnlid) juerft biird) bag Slugfeljen beg Traufen, unb imterfdjeibet man nach bemfelben jmei gönnen biefer Ärantljeit, bie „torpibe" (fdjlaffe) unb bie „eretljifdje" (reizbare) gönn. 53ei ber elfteren feljen mir erbfaljle Hautfarbe, aufgebunfeneg, fdjlaffeg gleifd), nngemöhnlid) großen £opf, grobe ®efid)fgjüge, aufgefdjmoltene 9lafe unb Oberlippe, breite Äium baden, aufgetriebenen-53aud), fdjlaffe, fdjmad) entmitfelte Ringlein, trägeg Temperament, ©ie eretl)ifd)e gönn tennjeidjuet fid) biird) eine auffallenb meiße, fid) leid)t röthenbe, jarte Hfltit, biird) meldje bie rofeurotljen ober bläulidjen, oberf(äd)lid) liegeuben Seiten biird)fd)imment, ferner burd) Ijolje Dibtlje ber Rippen unb langen, einen fpärlidjen bünneu bau, fdjmale ■©ruft, geringeg gettpolfter, bünue unb meidje SÜlugfeln unb große (Srregbarteit; in golge beg mangelhaften ift bag ®emid)t beg im ©erhältuiß ju feiner ©roße gering. 9iatürlid) laffen fid) nid)t alle gälte fcrophulöfer Gonftitutioii beftimmt in bie eine ober bie anbere gönn einreiljen, foubern merbeu bie beiberfeitigen <gl)mp= tome beg in mand)en gälten in einaitber übergehen, (gomoljlbei ber torpiben, alg and) bei ber eretl)ifd)eu gönn liegen ©lutmaiigel unb fd)led)te (Ernährung 31t ©ruube; aber mäl)renb bei ber torpiben gorm bie ©ruährunggftörung in abnormer Trägheit beg ©toffmedjfelg befiehl, fo baß eg 311 vermehrter gettprobuction unb gettanljäufung tommt, ift bei ber eret()ifd)en gorm, bei meldjer ber traute mager ift, ber @toffmed)fel ein 311 rafdjer. ©011 ben einzelnen, an beftimniten Äörpertheilen fid) be« merfbar madjenben «Symptomen ber (Scrophulofe finb bie häufigften unb 645 weift and) bie erften: §autau$fd)tüge, weldje ipren @ip gewöpnticp im @efid)t uub auf beut bepaarten ©peil be$ Kopfes paben. ©031t gefeiten fiel) (Srtranfungeii ber ©cpteimpäute, pauptfäcpticp bet Vippen, ber 9?afe, beS DiacpeuS itub ber weldje fiep burep djronifepen ©djnupfen, duften, SJlaubetaiifcpweltnmg uub näfelnbe @prad)e funbgeben. Sind) baS ©pr wirb in 9Jiit(eibeufdjaft gezogen; es tommt 31t eprouifdjer ©pren- entjiinbuiig mit eiterigem, wibrig riedjenbem SluSfhtß, inbem fid) bie Slffection ber Qiacpenfdjleimpaut burep bie (Suftachi'fcpe ©rompete auf baS ©pr ausbreitet (f. <S. 236). ©iefe ©hreueut3üubuugen tonnen 31t ©epwerpörigteit ober ©aubpeit führen. Sim Singe, baS Don alten Sinnes* Organen Don ber ©croppulofe befouberS häufig pehngefudjt Wirb, ftetteu fid) eprouifepe (Sntjünbnng ber Vibränber, §ornpaut uub Slugenbinbepaut uub bamit jugteid) Cibtrampf uub Vicptfcpen ein. £u ben gemöpulicpen Vortommniffen bei ber Scroppiilofe gehören and) ber Kno* d)eu uub ©eleiite uub führen biefe mitunter 311 Vereiterung, ßiterfentungen, Knochenfraß ober Sie fd)on gefagt, werben bei ber (Scroppulofe am häufigften aber bie Spmppbrüfen, na- mentlich bie $alSbrüfen, affi= cirt. X)ieOrüfenfubftan3 Wirb bitrd) eine eigentljümlidje lenwucherung frauf'haft Deräm bert, uub je nadjbem biefeS ©rüfenleiben einen acut ent- 3ünblidjen ober mehr djroiüfdjeu Verlauf nimmt, werben bie Orüfeit fdjmeqhaft, gepeu in Vereiterung über uub hintertaffen (mitunter bös* artige) ©efdjwüre ober fdjwelten nur au uub Derwaubeln fid) in harte ®e- fd)Wütfte, welche jahrelang, ol)ite ©djmeqen 31t Dentrfadjen, beftepen (f. $ig. 297). SfJZeiftenS fiubeit fid) bei ©crophulöfeit and) hartnäefige Vor- bauungSftörungen .(Slppetittofigteit uub Slbwcchfetu Don £)urd)fal( uub Verstopfung). - ©er Verlauf ber ©crophulofe ift ein langwieriger uub tüd'ifcper. ©ie Kranfl)eit 3iept fiel) oft bei ber beften pflege tauge pin, uub wäprenb biefer $eit wecpfeln faft immer periobifdje Vefferumgeu mit 3eitweitigen Verfchtimmerungen ab; taum finb bie einen ®l)iuptome (3. V. in ben ©rüfen) Derfdjwnnben; fo treten fie wieber mit neuer tigteit auf ober werben burep anbere (Srfcpeiuitngen (3. V. in ben Fig. 297. ©crofljulöfe ©efc&toulft. 646 Bnodien) erfefct ©ie Scropßulofe felbft fiifjrt mir feiten 311m ©obe; in ber Siegel gefdjieljt baS mir als ß-olge von bösartigen Bnodjem ober ®e* lentsleiben ober von Vereiterung ber Vrottdjialbrüfen. Onbeffen ift biefe Brautzeit bod) feljr ju fürdjten, ba fie uid)t nur für anbere Brautzeiten (3. V. (Sronp) befonberS einpfänglid) madjt, bie bei fcropl)ulöfer ßonfti- tution leidjt töbtlid) verlaufen, fonbern and) weil fie nid)t feiten (Sntartum gen ber ßeber, HJiilj unb Vieren int (befolge Tjat ober in ©ubertulofe über» geljt. ©ie -03 e 1) a n b 11111 g ber ScropZelfrantZeit ift faft anSfdjließlid) eine biätetifdfe. ©ie oben genannten $el)ler in ber Binberpflege, b. I)- bie Urfadjen ber @cropl)ulofe, befeitigen, ift ©runbbebinguug ber Teilung, ©ie 9cal)rmig beS fcropl)iilöfeii BinbeS muff eine meljr animalifdje als vegetabilifdfe, eine meljr eiweiß* unb fettljaltige, als fticfftoffreidie, unb jugleid) eine leidjt Verbaulidje fein; fie auSOOiilcZ, (5i, $leifd) unb träftigen $leifd)brül)en. Vegetabilifdje Boft, am beften OBeißbrob, grüne ®emüfe ober DieiS, ift nur in geringer SDBenge geftattet, unb ©djwarjbrob mib Bartoffeln Werben fcropl)ulöfen Bitibern lieber ganj Vorentl)al>en. braudjt fid) bie befolgte DJi'utteruidjt unnötl)ig gu ängftigen, Wenn baS Binb einmal fid) eines ber verbotenen 9i'aI)riingSmittel 311 verfdjaffen weiß; bei genügenber Buftilw animalifdjer Boft fdjabet eine foldje tinblidje „(Sjtravaganj" nidjts. Oliißer für jwed* mäßige Dlaljrung ift bafür 31t forgen, baff baS Binb fid) viel im freien bewegt, Ijerimifpringt, fpielt ober gpimiaftifdje Hebungen vornimmt; ganj abgefeljen von bem Zeilfamen (Sinfluß beS (SinatljmenS von reiner, ftoffreid)er Suft wirb babnrd) bie Olppetitlofigfeit befeitigt. @cropl)u(öfe Binber follten nid)t burd) ®d)ul* ober l)äuSlid)e Arbeiten über baS mibe- bingt notl)Weubige -äftaff belaftet unb im 3'wmcr auriufgeljalten, fonbern fo viel wie möglid) an bie frifdje £uft, naniciitlid) SBalb- ober (Seeluft, gefanbt werben, ©ie 3Bol)iiung, vor allem baS Sdjlafjimmer, muff ge= räumig, troefen, I)ell unb gut gelüftet fein; in fernsten, bmnpfeu unb falten (befouberS Wirb man ber Branfljeit niemals §err. ©djliefflid) ift «and) ber Hautpflege gehörige Olufmerffamfeit 31t fd)enfen. 3n furjen regelmäßigen (täglidjen) 3wifd)enräumeii ift ber ganje Börper burd) juerft lauwarme, mit ber £eit tüplcr Werbenbe Olb* reibungen ober 5lbwafd)ungen 51t reinigen, unb baneben habe man baS Binb von $eit 311 3eit in lauwarmen Vollbäbern, betten man Bod)- ober Seefal] ©ie Vßäfdje muß immer rein unb, wenn fie angelegt wirb, trod'en fein. Scropßulöfe Binber, Weldjevom Hüften geplagt wer« ben, follten {ylanellßemben tragen. Von Olrjeneimitteln gegen bie Sero- pljulofe fteljt obenan ber ßebertßran (Cod-liver Oil), wirb mit biefem OJiebieament viel Unfug getrieben, ©er £ebertl)ran ift burdjauS 647 fein Heilmittel, baS bie oben betriebene Körperpflege überflüffig macpt; letztere ift bie Hauptbebimgimg ber ©euefung, unb ber öebertpran wirft nur (als $ett) bie ©enefung förbernb, nnb baS and) nur bei ber fogen. eretpifdjen $orm. 53ei anSgefprodjener torpiber ©croppulofe vermag ber Vebertpran nid)ts anSjnridjten, vielmepr ift pier baS Reifte von Kaltwaffer* euren (immer tälter werbenben 5Ibwafd)ungen) 311 erpoffen. Um ben Kinbern baS (Sinnepmen von ßebertpran nid)t gauj 311 verleiben, empfieplt es fid) übrigens, und) vier* bis fedjStoödjentlidjem (Einnepmen eine 5ßaufe von ein ober jwei 5Öod)en eintreten 311 laffen, uni barauf mit ber Seber* tljrancur von neuem 311 beginnen. X)ie £)ofis für Kinber ift 1-4 (nnb für (Srwadjfene 1-8) £peelöffe( per £ag. Sieben bem (Sinnepmen von Vebertpran ift baS (täglicp 1* biS2malige) Printen von (Sidjelfaffee ober 5öalhuißbtättertpee ju empfeplen. gilt bieS von fällen, in benen man von bem ßebertpran bie 53erfd)limmerung eines vorpanbenen 'Darmcatarrps bejw. ber SßerbauungSftörungen befürdjtet. Um beuKin* beim ben anpaltenben ®enuß von (Siepeltaffee leicpter jnmadjen, fannman bemfelben and) etwas wirtlidjen Kaffee (nnb WUlcp) ober nocp beffer ben (Sidjeln, epe fie geröftet werben, einige Kaffeebopnen jufepen. ®egen bie SIppetitlofigteit fiub bittere Mittel (3. 53. täglid) etwas maljreiipeS bitteres 53ier) unb gegen ©tuplverftopfung Klpftiere angejeigt. ©ie 53e* panblung ber ©croppulofe ber (Srwadjfenen ift biefelbe, wie bie im 53or* pergepenben gefdjilberte. 53ei biefer ift, wie bei jener, bie Körperpflege bie Hauptfadje, unb jwar muß biefe bei bem langwierigen Verlauf ber Krantpeit confeqneiit unb unnnterbrodjen 3apre ober pim burd) beibepalten werben. - 5luf einzelne a d) t r a n t p e i t e 11 biefeS VeibenS werben wir fpäter uod), 3. 53. bei ben Kranfpeiten beS CprS unb 2lugeS, jurücfjufoniiueii paben. 'Xbie 55 0 r f i d) t S m a f) r e g e l n gegen bie ©croppulofe ergeben fid) ans bem bisper ©efagten von felbft. 9)ian fann bie (Sntwicflumg ber ©croppulofe (mit fepr wenigen SluSuapmen) immer burd) eine gefunbe Körperpflege in ben erften SebenSjapren Verpüten. £)aS gilt bis ju einem gewiffen ®rabe and) von ber ererbten ©croppulofe. £mrd) eine gepörige Kinberpflege wirb gar oft verpiubert, bajj bie ererbte ©ispofition jur Krantpeit wirb. £>urd) eine fold)e pflege wirb mitunter bie ererbte ®is* pofition, b. p. bie Krantpeit im Keime, befeitigt, unb ift baniit (Eltern, Weld)e ben Körper iprer Kinber vom erften Anbeginn an vergiftet paben, wenigftenS bie 9Jiöglid)feit gegeben, ipre <Sd)ulb ju füpneu, epe Unpeil barauS erwäcpft. ©ie ober (Obesity) ift eine Krantpeit, bie fid) burd) übermäßige gettablagerung in ben verfdjiebeuften £peilen beS Körpers äußert. DJlit biefem allgemeinen Veiben finb nid)t ju verwed)* 648 fein: bie, im (befolge ber $ettfncbt fid) allerbingS oft einftellenben „23er* fettnngen" einzelner Organe nnb bie ßorpulenj ((Smbonpoint), jene noch in ber Breite ber ©efnnbfjeit bleibenbe Beleibtheit, bie fiel) bei ben weiften 50?enfd)en bei gemädjlidjer LebenSWeife in ben vierziger fahren entwickelt. Crrft wenn bie ®renje ber ®efmibl)eit überfdjritten ift, fprechen mir von ftettfncljt. DJian finbet festere in jebeni Lebensalter. Biitnnter f'ommt fie Itrop geringer $ettanfnahnie in ben Körper) fdion bei ganj jungen Leuten, ja felbft im vor, unb bann beruht fie auf einer erblichen 2ln* läge, Welcher jnfolge alle im Körper ober, wie von anberer Seite behauptet wirb, bie §artiaitSfdjeibnng nub ftung vermiubert finb. Bei ber Bteprjahl ber $ettfnd)tigen ift bie $rattf* heit jebocl) eine „allgemeine (Srnährungßftörung'', welche ihren ©rnitb in einer übermäßigen ??ahrun bei 31t geringer törperlicher nnb geifti* ger ?lnftrengnng hüt. Stoffaufnahme unb Stoffuerbranch hn^eu f'cf) nicljt baS ®leid)gewid)t, unb biefeS Biißverl)ältniß führt bann jur 2lblagerung ber überflüffigen Nahrung (beS fettes) im Körper. 91atürlid) tarnt bie fettfüdjtige (Sntartuiig refp. bie ipr ju ©riutbe liegenbe allgemeine (Sr* nährungSftörung and) burd) ein anbereS Leiben bebingt fein. So wirb ber Stoffumfap burd) mangelhafte ?lthninng (Sauerftoffjufuhr), 3. B. bei Lungenemphpfem, unb burd) Störungen beS BlntfreiSlaufS unb ber 9?erüenthätigteit gehemmt unb burd) Offen non Llrfenit (f. S. 600) Ijerabgefept. $n foldjen fällen ber Fettleibigkeit ift bie allgemeine (Sr* uähritngSftöning eine 91ad)fraiithcit, bereu vorauSgegangeneS Leiben ju*= vörberft beseitigt werben muß. Symptome nnb B erlauf. Oie erblidje finbet fiel), wie gefergt, manchmal fd)on in jungen 3al)ren ein. -Oft baS nidjt ber ftall, fo entwicfelt fie fid) gewöhnlich feljr rafdj, wogegen bie erworbene ftettleibigfeit langfantcr von beut Oranten Befip ergreift. OaS beutlichffe Spmptom ift natürlich bie große ober unförmige Leibesfülle; mit biefer verbinben fid) Schwerfälligfeit ber Bewegungen, Vermehrte 2Öärmeem* Vfinbnng unb Sd)Weißbilbung, unb Llthemnoth, §erj* Hopfen, BerbanuiigSbefd)Werbeit unb Neigung ju Sd)Winbel unb Sd)lag* fließ. Bei pochgrabiger gefeilt fid) jn ber Unbeholfenheit mei* ftenS nod) eine anffalenbe Schwäche ber BitiSfeln nnb beS ®el)irnS. Oie gewöl)iilid)fte Urfadje eines töbtlichcn flnß (f. bort), aber and) bie mit biefer Trautheit verbiinbeiien Störnn* gen int vegetativen Leben tönnen fd)ließ(id) ben Oob herbeiführen. Oie Bet) anblnng ber $ettfud)t iftnicht, wie baS bei geringeren (graben ber Trautheit nur jtt häufig gefd)iel)t, leid)t ju nehmen nnb I)inaitSjnfd)ieben. W?att prüfe fiel) jnerft, welches bie eigentliche Urfache ber ift, b. !)• ob festere bie <yolge eines noch beftehenben LeibenS 649 ift, in weldjem ftalle, wie fdjon erwüljnt, suerft ba§ ©rnnbleiben befeitigt werben muß. §at fidj aber bie au§ einem SJtißVerljältniß jwi- fdjen StaIjrungS3iifuIjr unb Stoffverbraudj eutwirfelt, oljne baß ber Stoff* iimfaf? burdj ein anbereS (nodj vorljanbeneS) Reiben ift,. fo er* giebt fiep eine 23eljanblitüg uadj jwei Seiten l)iit; erftcnS muß ba$ über* fluffige $ett weggefdjafft, unb zweitens Verljinbert Werben, bafj fiel) neue fyettmaffen im Körper ablagern. Leibes erreicht man burdj eine eiitfpre* djenbe Stegelnug ber CebenSWeife, burdj eine „(SutfettiuigScur". (Sine foldje (Snr barf aber nidjt begonnen werben unb in ein gefäprlidjeS Uebermafj auSarteu. HRau barf nidjt auf einmal aufaugeu, 31t Ijungern unb fidj tobtmübe 311 arbeiten, unb man barf bie fyette unb fettbitbenben Stoffe nidjt gänjtidj aus ber Staljrung verbanneu; burdj eine unvermittelt eingeleitete (Sntfettnngöcur würbe ber Körper halb erfdjöpft, unb burdj gänjlidje (Sntljaltfamtcit von fetten refp. burdj aitsfdjliefjlidj eiweifjljaltige 'Ratjrnmg leidjt eine anbere 3. SV bie ©idjt (f. S. 327), Ijervor* gerufen. Ser $ettfüdjtige merfe fidj aitdj, baß bie (SntfettungScur, b. Ij. bie Siegelung feiner ßebenSWeife, auljaltenb fein mufj. (5S nüfct uidjts, einmal im .Q'afjre ein paar SBodjen ber beljaglidjen Slupe unb Sdjlemmerei 31t entfagen. SBer bauernb von genefen will, ljat fein ganjeö geben lang eine (SiitfettiingSciir biirdjjumadjeu, b. Ij. bie folgenben Sor* fdjriften 311 beobachten. Sie Slaprung eines fyettfüdjtigen fei reich an ftidftoffpa'ltigen ((Eiweiß*) Subftaii3en ($leifdj, Ääfe, SBeifje beS (Eis, gegumin ber Kleber ber ©etreibefamen) unb arm an ftidftofflofen Stoffen. Siefe, bie unb $oljlenljtjbrate, finb eS, Welctje birect ober inbireat baS $ett probitciren. £11 ben fetten Stoffen geljören bie $Ieifdjfette(Sdjmal3 unb Saig), butter, (Sibotter, Änodjenmarf, fette tljierifdje ober £>ele. finb alle .gmferarten unb baS Stärf'emeljl (in toffeln, ©etreibefamen, 11. f. w.) Singer ben braten tragen uodj Sllcoljol (33ier, SBeiu, SdjnapS) unb Seim (©alterte) 3ur $ettbilbung bei. Ser gettfüdjtige ljat alfo Ijauptfädjlidj von eiweiß* ljaltiger Slaljrnng 311 leben unb barf unb fette Speifen (butter, Sdjinal3, fette SBurft, fette Saucen, it. f. w.), 3n<fer (audj in Stuben unb ©emüfen), SteiS, ©ebäd, SDMjlfpeifen unb Spirituofeu nur in gerin* gern 9)taße genießen. Ser ljat fidj ferner, um ben Stoffver* braudj 31t erljöljen, viel Bewegung 311 madjeii unb feinen Sdjlaf auf baS nötljige sD?aß (etwa 7 Stunbeu) ein3ufdjränfen. Sie Slrbeitsleiftuugen beS menfdjlidjen Körpers fommen befanntlidj burdj ber ftitf* ftofflofen Stoffe ({yette unb 311 Staube. SBer alfo fleißig weite gujjtouren unternimmt, turnt, Sdjlittfdjulj lauft, tegelt, ljoQljadt, u. f. w. begünftigt bie SBerbrennung ber $ette unb unb ver* 650 Ijinbert bie Ablagerung überflitffigen fetteß im Körper. ©er fettfiidjtige Ijat and) bnrd) reidjlidjeß Söaffertr inten für eine Verbitnnnng feineß fetten, bicfflüffigen Vlnteß 311 forgen (am beften friit) bot bem ©pasierengeljn) nnb ben Atljmuiigßprocef? bnrd) (langfameß) träftigeß (Eiin nnb Außatlj- men in reiner, faiterftoffreidjer Snft 311 fräftigen, weil babnrdj ber VlnU treißlaiif angeregt nnb bie Verbrennung beß fetteß (311 $oljlenfänre nnb Vßaffer) bnrd) ben ©aiterftoff gefteigert wirb. Von ben Verfdjiebenen (Sntfettnngßcnren, weldje im Saufe ber $eit 31t nnb frommen ber fettleibigen vorgefdjlagen wnrben, wollen wir l)ier nur nodj fnrj bie von Eßrof. Qertel anfgeftellte erwiiljnen, weldje fälfd)lid) ©djWeningeMEnr genannt wirb, weil ©r. ©djlveiiiiiger fie mit anßgejeidjnetcm (Erfolge bei bem f ürften Vißmarcf angewenbet ljat. Vei biefer (Enr ljat man fid) täglidjmcljrere ©tnnben lang Vewegnng 311 madjen (Vergfteigen), barf nidjt meljr alß Ijödjftenß 1 Quart flüffigteit in fid) aitfiieljmen nnb mnfj sngleid) für reidjlidje flüffigfeitßabgabe forgen türtifdje Väber). ©ie täglidje (faft aitßfdjliefjlid) eiweifjljaltige) Dialjrnng ift folgcnbermafjen vorgcfdjriebcn: EOiorgeiiß 5 Unsen ©Ijeeober Kaffee nebft etwaß SDiild) nnb 2 Unsen Vrob. Vlittagß 3| linse ©nppe, 7 Unsen gefotteneß ober gebrateneß fleifdj von einer beliebigen ©orte, ©alat ober leidjteß ®emüfe nad) Velieben, g Unse Vrob ober Ijödjftenß 3| Unsen Vieljlfpeifen, 6 Unsen frifdjeß ober bie Hälfte eingemadjteß Oft. (Sin ©etränf ift nur bei (Ermangelung beß Qbfteß bei feljr Ijeifjer Saljreßseit erlaubt, nnb jwar Ijödjftenß | Quart V?cin. Viadjniittagß wie Viorgenß, jebodj oljne Vrob ober Ijödjftenß § Unse. Slbenbß 5 Unsen f leifdj, 1-2 Weidje (Eier, | Unse Vrob nnb | Quart V3ein mit | Quart V?affer. Qie (Entfettung beß V'Uienten, falls nidjt erblidje fett* fndjt vorliegt, bie faft imitier nnljeilbar ift, gelingt bnrdj biefe (Enr niit Wenigen Slnßnaljmen. ljat fie, wie alle anberen (Entfettnngß* euren (Vanting'ß, (Ebftein'ß, Äarlßbab, it. f. w.) iljre ©efaljren, nnb ift barnm ber Spatient bavor 311 warnen, irgenb eine (Entfettnngßcnr auf eigene fanft nnb oljne ärstlidje Ueberwadjnng 31t nnterneljmen. Qie Vorf idj tßmaßregeln befteljen barin, bafj inan eine gc= fnnbe SebenßWeife füljrt, bei weldjcr bie mit ben gen beß im (Einflang fteljt. Vei eingetretener fettfndjt Ijüte man fidj vor einem ©djlagflnfj (f. oben), inbem man Verlegungen beß ©djä= beiß, (Einwirtnng von teilte nnb ew auf ben nnb Sllleß vermeibet, waß ben Bnflufj beß Vlnteß nadj bem $opfe vermeljrt nnb ben Slbflnfs vom Äopfe Ijcmmt. ©er Buflnfj wirb gefteigert bnrdj @ennfj von ©piri* tnofen, ftarfem ©Ijee nnb Kaffee, bnrdj anftrengenbe Arbeiten (befonberß beß j)ladjtß), bnrdj Ijeftige ©emntljßbewegnngen nnb ©inneßeinbrüde nnb bnrdj Ueberlaben beß 3)?agenß. ©er Vlntabflnfj vom klopfe wirb geljin= 651 bert biircl) enge £m(S* unb Bruftbetleibung, Sdjlafen mit tiefliegenbem ß'opfe, Büifen, §eben fdjwerer ©egenftänbe, auftreugenbeS Singen, Schreien unb Onftrumenteblafeii, größere Äörperanftreugimgen (mit be* fdjleunigtem Sltljem), §uften, ftarfe Blähungen unb Treffen bei hartem Stuhlgang unb bei (Srbredjen. £)ie Blutflerfcns ober Söcrlfjof'frfjc Äranf|etf (Purpura). £)aS Söefen berfelben läßt fid) furj bedjin augeben, baß fidj auf ber äußeren §aut unb ben Sdjleimhäuten in ßotge SluStrittS öon Blut aus ben betr. kapillaren Blutergüffe (Blut* ober hüben, weldje nad) iljrer ©eftalt öerfdjieben genannt werben; finb fie Hein unb runblid), wie jumeift bei biefer Äranttjeit, fo ßeißen fie (f. S. 492), finb fie länglid) unb ftriemenartig, BibiceS, unb finb fie unregelmäßig auSgebilbet, Ktdjijmomata. 3ßre birecte Beranlaffung ßaben biefe Blutergüffe in einer leidjten 3erreißlid)feit ber Blutgefäße. Oie mittelbare Urfadje, burd) weldje bie frantljafte Beränberung ber Kapillargefäße ßerüorgerufen wirb, ift aber (waljrfdjeinlidj) eine „allgemeine KrnäljrungSftörung", beim bie ÄranHjeit befällt Ijauptfädjlid) fdjwädjlidje unb fdjledjt genährte fonen, 9teconöaleScenten öon fdjweren Trautheiten unb teilte, weldje in ungefunben, feudjten äöoßuungeu leben; inbeffen ertranfen baran and) fräftige, ßpgieinifcß fid) üerßalteube 3nbiüibueii. B?aS bas Borfommen ber TranHjeit mit Bejug auf Sliter unb ©efdjledjt anbetrifft, fo ßat bie (Erfahrung gelehrt, baß Weber ein Sliter nodj ©efdjledjt üerfdjont bleibt, bie $inber (üorneßmlid) bie mit jarter §aut) unb nädjft iljueii bie grauen aber ein größeres Kontingent foldjer Patienten ftellen, als bie HJiänner. <51) m p t o m e unb B e r l a u f. Kingeleitet wirb bie Blutfledem frantßeit in ber Siegel burd) BerbauungSftönmgeii unb allgemeines Ilm woßlfein (Blattigfeit unb Slbgefdjlageußeit). Slad) Berlanf öon einigen Xagen ober SBodjen (aber and), wie gefagt, ol)ne jene Borboten) treten, oft öom Patienten juerft garnidjt bemerft, gewößulid) Heine unb runblidje Blutflecfe (Beted)ieu) unter ber Oberfläche ber §ant auf, welcpe ihren an ben (namentlich ben Beinen) haben. £)iefe anfangs blutrotl)en glecle färben fiel) uad) unb nad) bläu- lid), grün unb gelb, worauf fie allmälig wieber üerfd)Wiiibeu. haben fidj neue Petechien gebilbet, weldje bie gleiche garbenmetamorpljofe burd)mad)en, wie bie früheren gletf'e, unb babei finb and) auf ben Schleim* häuten, befonberS ber Biunb* unb Siad)enhöl)le, ähnliche Blutfleden 311 bemerteu. Slid)t feiten öerbinben fidj mit biefen Symptomen Blutöer* lüfte (Siafenbluten, Bluterbredjen unb 4)arnen, Blutabgang burd) ben lUiaftbarm unb Blutungen auf bie freie Sinb biefe Blut* öerlufte reid)lid) unb wieberpolen fie fiel), fo ftellen fid) (hanptfädjlid) bei fd)Wäd)lid)en 'ißerfonen) leid)t Slnämie ober Sßafferfud)t als 9? ad) trau t* 652 ß e 11 e n ein, ober fie ßaben ben ©ob gitr golge. ©er fetale (töbtlidje) SluSgang ber Blntfledenfrantßeit geßört jebod) ju ben Selteußeiten; in ben allermeiften gälten erfolgt innerhalb 4 BJocßen (genefung. ©ie B e ß a n b l u n g ift in milben gälten eine rein biätetifdje. ©er Patient verßalte fiel) rußig, genieße naßrßafte, leicljt verbaulidje Speifen unb füßle (getränte (SOlild), fäuerlidje ßimonabe) unb vermeibe fReijmittel (©ßee, Kaffee, Spiritnofen), ©abei ift ber Körper öfter mit Sllaun nnb Branbi) ober SBßiSteß nnb SBaffer von tüßler (aber nicljt 31t tatter) ©em* peratur abjumafeßen. Bei ferneren Blutverluften fnetje ber taute baS Bett auf, neßme, um von ©ßnmadjten verfdjont ju bleiben, eine ßorijon* täte £age ein unb menbe gegen baS Slafenbluten Stätte, gegen baS Blut* erbreeßen ebenfalls $älte (innerlid)(5ispillett unb äußerlid) falte Umfdjtäge auf ben Baud)) unb gegen baS Blutßaruen 3mal täglid) ©ofen von je 5 -10 (grau (galluSfäure (für (grm ad) fene!) au. 3ugleicß verfäume man nießt, einen Slrjt ju confultiren, bem kräftigere Drittel (©igitalis, Slrfe* nit, effigfaureS Blei, ©erpentin, u. a. m.) jur Verfügung fteßen. Bei nacßfolgenber Blutarmut!) ober Bleidffmßt ift, mie oben (S. 641) äuge* geben, ju verfahren. ©ie Bluterfranfßcit, Bhitfutßt ober (Haemophilia, Haemorrhophilia) nannten wir „eine fraufßafte Steigung ju lebenSge* fäßrlidjen Blutungen bei ber geringften Beilegung". Seßr maßrfdjein* lid) berußt biefe Steigung auf einer leisten 3erreißlid)feit ber Blutgefäße bejm. einer aiißerorbentlidjcii ©ünußeit unb 3artßeit ber (gefäßwänbe nnb jugteid) auf einer Gntartung be§ Blutes (vermiuberten (gerinnbarfeit), ©ie §ämopl)ilie ift in ben meiften gälten ein ererbter geßler. @S giebt „Bluterfamitien", in meld)en biefe ©iatßefe nießt jum 2luSfterben gelangt, unb jivar vererbt fie fid) faft immer nur auf bie Sötjue unb verfdjout mit feltenen SluSnaßmen bie ©öd)ter, iveldje aber ißrerfeits iviebcr Blutern baS Seben fdjenten (f. @. 405). hieraus ergiebt fid) bie a. a. £). fd)on ßervorgeßobene einzige SSlaßregel jur Berßütung ber §ämopl)ilie: Bluter (Bleeders) ober iveuigfteuS bie iveiblidjeii DJiitglieber von Bluterfamilien füllten niemals ßeiratljen. ©ie Blutfudjt tann and) von folgen ®inbern mit auf bie Sßelt gebrad)t iverbeu, bereu Borfaßren fämmtlidj hinter mären. 3«nner aber ift biefe Äranfßeit, gleidjviel ob fie auf erblicßer Slnlage berußt ober nießt, angeboren, ©ie Blutungen tonnen burd) Berleßungen ßerborgerufen merben ober and) oßne naeßmeisbare Beranlaffung eintreten, unb jmar fdjeint eS, als ob geringfügige Ber* leßuugen für ben tauten viel gefäßrlicßer merben, als bebenteube. Spontane Blutungen, b. ß. foldje oßne naeßmeisbare Beranlaffung, treten gemößnlicß erft ein, nadjbem fd)on meßrere Blutungen in golge von Berleßungen ftattgefunben ßaben, unb ereignen fid) am ßäufigfteu 653 aus bet Dlafe; weniger oft fommeit ßnngem, Klagen-, Vierem ober ©arm* Mutungen vor. ©anebeit erfolgen von freien Stüden ober uad) Stoß, Sd)lag, ©rutf, it. f. w. 33lutergüffe in baS §aut* unb fubcutane S3inbe* gewebe. Spmp tonte unb 53 erlauf. 20iampe Steifte wollen bie 33eob* ad)tung gemadjt paben, baß 33luter einen auffallenb garten ©eint, blaffe (gefidjtsfarbe, blonbeS §aar, blaue, lebpafte Singen, einen leibenben @e* fidjtSaitSbrud' unb oberfläcplid) gelegene, bnrdj bie §aut bnrdjfdjeinenbe (gefäße paben; jebenfallS giebt aber biefer „53IuterpabitnS" feinen Sim paltspunft für bie ©iagnofe, ba gmnberttaufenbe von 9iid)tblutern baS gleidje unb hinter oft genug ein gan3 anbereS SluSfepen paben. ©ie §ämoppi(ie tann überhaupt nid)t eper conftatirt werben, als bis fie fid) burd) eine fpontane ober burd) eine unbebeutenbe 33erlepnng fyervorgerttfene, faiint 31t ftillenbe unb baS Seben bebropenbe tunbgiebt. (Sin Heiner Stid) ober 9?iß, baS SluSjiepen eines $apneS - unb baS 53lut quillt aus ber Sßunbe, opne baß ein blntenbeS ®efäß 3U fepen wäre, wie ans einem Scpwamme pervor unb bauert trop aller 33lutftillnngSVem fudje meprere ©age laug fort; babei wirb baS 33lnt immer bünner unb Wäfferiger, ber Patient befommt ein wad)Sbleid;eS SluSfepen unb farblofe Sippen, fd)ließ(id) ftellen fiep ©pnmaepten unb anbere 33erbIutiingSfl)mp* tonte ein, unb ber Trante erliegt bem 33lntverluft, ober bie Blutung fommt in $olge ber überaus gefd)Wäd)ten§er3tpätigfeit twn felbft 311m Stillftanb. (gewöpnlid) ift ber Verlauf bei ber er ft en bie fdjon bei ber ®eburt bejw. beim ©urdjfdjneiben beS DiabelftrangS erfolgen fann, am pänfigften aber beim SluSbrndj ber erften 3äl)ne eintritt, nidjt töbtlid), oielmepr erljolen fidj bie Uranien nacp unb uad), um an einer fpäteren ißerlepnug refp. (jumeift fdjon im $inbeSalter) 31t ®rnube 311 geljen. 5Rur üerpältnißmäßig wenige Bluter erreichen ein popeS Sliter. Spontanen Blutungen gepen bisweilen S3lut= anbrang 311m $opf, ©lieberfepmerjen unb SItifdjWellungen ber ®elenfe, befonberS ber ®nie* unb voraus. ©ie 33 ep an bin 11g ber feitenSbeS Saien befdjränft fiep barauf, burd) eine vernünftige SebenSWeife ben gefammten ®efunbpeits= 3iiftanb 3U beffern unb ben Eintritt von 33lutimgen 311 Verpüten. ©ie ©iät fei fräftig 1111b leid)t Verbaulicp, reiseube Speifen unb (getränte (®e* Wüqe, Kaffee, ©pee, Spiritnofen) finb aitSgefcploffen, 1111b heftige ®e- mütpsbewegiiiigen unb törperlicpe Slnftreiignngeu, voqüglid) bei peißem, fd)Wülem Söetter, müffen ängftlid) vermieben Werben, ßin finblid)er 33luter barf nidjt turnen, fiep balgen ober bei feinen Spielen perumtollen, nod) förperlid) gejüdjtigt ober für einen, mit Slnftreiigiingen verfnüpften 33eruf beftinunt werben, unb fowopl bei ipm, als auep bei bem erwaepfe« 654 neu Bluter muffen alle operativen ©ingriffe (3aßnauSjießen, SBarjenab* traguugen, Befdpteibung bet OSraeliten, n. a. m.) unb Blutentgießun* gen (Blutegel, Sdjröpfföpfe) unterbleiben. Bei eingetretener Blutung ift fofort ein Slrjt 31t confultiren, ber mitunter burdj äußere blutftillenbe 9Jiaßnaßmeii, (Singeben von ©lauberfalj nnb ©arreidjen von giftigen Mitteln (©rgot, ©igitaliS, ©rüne Aconit, effigfaureS Blei, ©erpentin, u. f. w.) bie Blutung füllen ober burcß BluttranSfufion bie broßenbe ©obeSgefaßr abwenben tann. ©egen Blutleere (als 9iad)franf* ßeit) wenbet man bie bei Bleicßfudjt (<S. 641) angegebenen Drittel am ©er Srorbut ober Sdjarborf (Scurvy, Scorbutus) ift eine allgemeine ©rnäßrungSftörrtng, bei welcßer baS Blut nnb feßr waßrfdieinlidj and) bie üöciube ber fleinften Blutgefäße, ber ©apillaren, frantßaft Veräubert finb. Böie bei ber, bem Scorbut in biefen nnb anberen Begießungen feßr äßnlicßen Blutfledenfranlßeit ift uns aber Weber über bie Blutent* mifcßung unb ben anormalen 3uftanb ©apillarenwänbe, nocß über bie ©ntfteßiingSurfacßen biefer Krantßeit etwas SidjereS betanut. ©rfaß* rungSgemäß wiffen hur, baß ber Scorbut fid) ßäufig auf langen See* reifen („Seefcorbut") entwidelt, auf Weldjen bie ScßiffSmannfcßaft faft anSfdjließüd) von .gwiebatfunb gepöfeltem$leifd)e leben unb beS ©enuffeS von Kartoffeln unb frifcßem ©emüfe unb fyleifd) entbehren muß. ©a* rau« fcßloß man, baß baS Blut fcorbutifcß entarte, wenn man ißm fort* Wäßrenb 9latronfalje, Ivie baS Kocßfalj inbem gepöfelterr $leifd)e, jufüßre unb babei Kalifate (ber frifcßen ©emüfe) vorentßalte. ©er Scorbut tritt aber (als „&mbfcorbut") and) auf bem feften Vanbe unter foldjeu auf, tveldje faft nur von ©emüfe unb Kartoffeln leben. ©aranS geßt ßer* vor, baß ber ©corbut nidjt anSfdjließlicß bitrcß eine an Stfatronfaljen über* reicße, ber Kalifate beraubte Dlaßrung ßervorgerufen wirb. Berüdfid)* tigeu wir nun and) bie anberen Umftänbe, Weldje uns bie ©rfaßrung als bem (Sutfteßcn beS ©corbuts fowoßl auf ßoßer ©ee, als aucß auf bem ßcutbe günftige geleßrt ßat, nämlicß femßte Kälte, übermäßige (Sorgen unb Mangel in irgenb einer ßpgieinifcßen Begießung, - fo wer* ben wir mit Otedjt aus allen biefen Umftänben fdjließen formen, baß ber Scorbnt eine allgemeine (SrnäßrungSftörung ift, bei welcßer feßr waßr* fcßeinlid) ber ©eßalt beS Blutes an Kali* ober an eine frauf* ßafte Beränberitug erfäßrt. Sind) in ©arnifoueu, Sluftalten, ©efaugeu* ßäufern, u. f. w., in beiten bie ßpgieinifdjen Berßältmffe 311 wünfdjen übrig laffen, unb in Armeen, welcße bei große SInftrengun* gen bnrcßjumacßen ßaben (Krimfrieg, ©em SftcßleHan'S ©ampagne in Birginien), tommt eS oft 31t einer faft epibemifcßen SluSbreituug beS Scorbuts. Seßterer ift troßbem nidjt anftecfenb. Keine allgemeine ©r* näßrungSftörung tann von 31t 'ißerfon übertragen werben, foubern 655 jebe greift nur in weiten greifen um fid), wenn biefe benfelben gefunb* l)eitsfd)äblichen (Sinflüffen jugleid) auSgefejjt finb. ©pnip tonte unb Verlauf. ©aS erfte ,$ei(f)en beS ©corbuts ift in ber 9?egel allgemeine ©djwädje unb fDlübigfeit. ©abei ift ber Traufe inijjgeftimmt, mutljloS unb öerjagt, eS fehlt il)m jebe Slrbeitslnft, bie §aut wirb fdjlaff unb Welf unb bie Hautfarbe fal)l unb fd)mufcig*grau, bie Singen finfen in iljre §öljlen jurüd unb werben Don blauen Eiligen umgeben, bie Sippen bekommen ein bläuliches SluSfeljen, trotj uugeftörter SSerbauung ift ber Stuhl träge ober üerftopft, uub baju gefeiten fiel) mei* fteuS noch rl)eumatiSmuSäl)iilid)e ©djmerjen in ben ©liebem unb (Stelen* ten. 9?adjbem biefe ©tjmptome mehrere Sage ober SBodjen ungehalten haben, ftellen fiel) bie für ben ©corbut d)aracteriftifd)en örtlichen $raid* heitSerfdjeinungen ein. ©aS .gahnfleifdj fdjwillt an, Wirb loder, bläulich unb mijjfarbig, fdjmerjt uub blutet bei ber leifeften uub bilbet fd)liejj(id) fd)Wammige SSülfte bis jur ©ide eines halben 3ollS ober hüllt bie ganj eifl« SIber wol)Igemertt, biefe fcorbutifdje SIffection finbet fiel) nur am 3idpifleifd), unb jwar nur an ©teilen, wo 3äl)ne fteljen; non il)r üerfd)ont bleiben alle übrigen ©heile beS SUhmbeS unb baS 3aljm fleifdj an fo baf? jaljnlofe ©corbutfranfe überhaupt nicht im HJhtnbe erfranfen. 3m weiteren Verlaufe bilben fid) am branbige (Stefdjwüre, bie werben lodet uub fallen aus, unb ber ®e* rnd) ans bem SJlunbe ift ein l)öd)ft wiberlidjer, aaSl)after (in $olge 3er* fefcimg beS mit 231ut unb abgeftorbenen (StewebStljeilen üermifdjten 3n* IjalteS beS HRunbeS). £ßie bei ber 53lntfledenfranfl)eit, bilben fiel) and) beim ©corbut unter bie §aut (jumeift Petechien unb SSibU ceS; f. ©. 651) unb baS iöinbegewebe. ©rftere finb erft blutrotl) ober faft fdjwarjbraun unb machen fpäter, b. I). wenn fie oerfdjwiuben, bie be* tannten garbenüeränberungen beS ausgetretenen Whites in ®Iau, (Steün uub (Stetb burd). SBährenb aber bie früheften Siede im SSerfdjwinben finb, bilben fiel) neue, fo bafj man auf ber §aut eines ©corbutfrauten fpäter 53lutflede in allen jenen Serben jttgleid) finbet. ©ie 33lutergüffe in baS 23inbegewebe jeigen fiel) änjjerlid) entweber als runblid)e (Stefdjwülfte ober anSgebreitete Verhärtungen, ©aju fommen noch Blutungen aus 9lafe, fDhinb uub Elfter uub ©ntjünbuugen innerer ©rgane. ©er Verlauf beS ©corbutS ift ein langwieriger, ©er ©ob erfolgt entweber in Solge ber ©ntjünbung innerer Organe ober oon ®lutüerluften ober, wenn bie ©d)äblid)teiten, burd) welche bie Trautheit hertwrgerufen würbe, nicht be* feitigt werben, unter ben (Srfdjeinnugen l)öd)fter (Srfd)öpfung unb allge* meiner 3Bafferfud)t. iöei geeigneter Vehanblnug tritt meiftenS auffalleub rafch eine 33effernng ein. (SS nimmt aber lange inSlnfprud), ehe bie Traufen fiel) wieber oollfommen erholen. 656 Sie 23 e panblun g be§ ScorbutS mufj, wie fcpon angebeutet, in erfter £iuie barauf gericptet fein, bie Sdjäblicpteiten 311 entfernen, burtf; Wetcpe bie Ärantpeit perborgerufen mürbe. Bor alten Singen barf ber Patient Weber Sat3fteifdj nodj erpalten; feine Äoft beftepe ait§ frifdjen ©emüfeniuib Sauertraut, $rud)tfäuren (munentlidj bem Saft ber ©fronen nnb Stpfelfinen, aber and) ber OopanniSbeeren, Stepfet, u. a. m.), (Siern, Hflild), gutem Bier nnb B3ein ober Branntwein mit BBaffer. Bon auSgejeidjneter BBirtung ift and) ber ©enufj f r i f cp a u 3 g e p r e fj t e r (Brunuenfreffe, $opt, Senf, 9?ettig, fDleerrettig, Söffelfraut). ®egen bie Slffection be§ Wenbe man StuSfpülungen be§ 2Jlunbe$mit berbünntem ©tpeerin nnb Sftprrpen* tinctur ober (Sferbfäure ober mit Sltaun ober pppermanganfaurem $ali mit Bßaffer (mit ober opne 3ufap bon Braubij) an. Ser Körper ift tag* tiep mit tattern B3affer abjuwafdjen, nnb bie Stetten ber Btntergüffe unter bie §ant fiub mit nnb 2ßl)i§tel) einjureiben. Bei längerer Malier ber 9ieconüate§ceii3 jietje mau auf'ö 2anb nnb nepme bort eine Btildj* cur oor. £>ie B 0 r f i d) t § m a r e g e 111 gegen ben Scorbut ergeben fid) au§ bem im Borpergepenben ©efagten; mau bermeibe alte jene Sdjäbtid)* feiten, wetepe bie (Sntftepung be§ Scorbntö begünftigen. (S§ erübrigt pier nur noep, Seeleute auf eine in ber englifepen Biarine gültige „antifcorbu* tifdje" Beftimmung aufmerffam 31t maepen, taut weteper alte ScpiffScapi* töne ge3Wnngen finb, (Sitronenfaft auf ipren Scpiffen borrätpig 31t patten. Bon biefem Saft, ber bepufö (Sonferbirung mit etwa§ (etwa bem 10. £peit) Ütiim ober Branbp bermifeptunb in luftbiept berfcploffenen aufbewaprt wirb, erpätt jeber SDlann ber Befapnng wäprenb ber £>auer ber Seereife wöcpentlidj 3Weimat je 4 (Sptöffet. tiefes Quantum wirb noep erpöpt, fobalb fid) irgeub ein Bnjeicpeii be§ ScorbutS einfteltt. 657 £D?it SlnSnapme ber „Unglütfsfiille unb Sßerlepungen", mit melden mir biefeS Kapitel befcplieff en merben, befcpränten fiep bienocp folgenben $ranf* peiten in iprem galten Verlauf ober menigftenS bei iprer (Sntftepung auf ein Organ (ober ©emebe). $um befferen SSerftänbnifj biefer „organifcpen" Äranfljeiten mirb ber ßefer barunt gut tpun, fid), epe er an bie verfipiebe* neu (Srfranfttngen eines Organs refp. Apparats perantritt, uocpmalS im II. Kapitel über bie betr. anatomifdjen unb pppfiologifcpen ißerpältniffe im gefunben menfcplicpen Körper genau 31t informiren. Stuf bie jemeili* gen patpologifcpen, b. i. frantpaften SSeränberungen bei ben einzelnen Ärantpeiten tonnte nicpt in ber auSfüprlicpen Sßeife, mie bieS mit bem 53 au unb ber ©pätigteit beS gefunben menfcplicpen Körpers im II. $api* tel gefcpap, eingegangen merben. ©er ®runb, metdjer baS verpinberte, mar trop beS großen Umfanges beS 53ud)eS Raummangel. ©ie patpolo* gifdjen SSeränberungen, meldje fid) bei biefen Äranfpeiten finb fo gaplreicp unb mannigfaltig, baß fie allein einen ebenfo ftarten 53aub mie biefeS 53udj ausfüllen mürben, ©er SSerfaffer pat fid) barum bei biefen Äranfpeiten auf fo viel befcpränten müffeu, mie 311m (Srtennen unb 53epanbeln biefer Reiben feilens beS ßaiennotpmeubig ift. Ilm abe-r allen ©enen, melcpe über einzelne Ärantpeiten bis in baS fleinfte ©etail unter* ricptet fein möcpten, baju eine ©elegeupeit 31t bieten, beabficptigt ber SBerfaffer über bie „organifcpen" einzelne ©djriftdjen 311 einem fo billigen greife 311 veröffentlidjen, bap amp ber Unbemittelte fid) biefel* beu taufen unb aus ipnen grünblicpe SluStunft über irgeub ein organifdjeS Reiben erlangen tann. ©iefe Odjriftdjen merben im®egenfap 3U bem vor* liegenben „£)auSar3t" unb im (Siutlaug mit iprer 33efepräntung auf (5r* trantungen beftimmter Organe refp. Apparate ben ©itel „®pecialar3t" füpreu, unter ber Organgruppe, bereu Äranfpeiten baSbetr. ®üd)lein gemibmet ift. @0 foll unb mirb bem SSolfe mit ber 3eit in bem „©auSar3t" unb ben (für Suiigenfranfe, fürSRagent'ranfe, für Rierentrante, u. f. m.) eine 53ibliotpet mebicinifcper §auSbüd)er ent* fiepen, in melcper, ba and) bie aus biefem 53ucpe auSgefcploffenen ®e* fd)led)tstrantljeiten eine foldje gefonberte ®efpred)ung finben merben, alle fragen über ©efnnbpeit unb $ranfpeit beS SRenfcpen auSfüprlid) in fap* lidjer $orm unb ber SBaprpeit unb ben neueften gorfcpungSergebniffen gemäp beantmortet merben. 658 ber Unter Ä'ranftjeiten ber Kreislaufs» ober kirculationSorgane Verfielt man bie krtranfungen, Don welchen baS bie 311» unb ableiteuben Blutgefäße (Slrterien unb Benen) unb bie £i)iupl)bal)ueii befallen werben; bie Kraiitßeiten ber feinften Blutgefäße, ber kapillaren ober Haargefäße, jäiflt uian bagegen ben Kraiif()eitcn ber Organe ju, in welchen bie kapil» laren fid) verzweigen. -3m Bufammenljamg mit ben Krautßeiten biefeS SlbfdpiitteS Werben nod) bie krtraiituiigen ber Blutbrüfen (f. @. 154) befproeßen. Kranfljeitcn bcs §erjcn§. ift, wie bei ber „pflege beS BlutfreiSlaufeS" gefagt Würbe, immer ein fidjereS Beidjen, baß bie Functionen beS Herzens meßt normal verlaufen. SluS einer Beränberung ber Heqtljätigteit refp. aus beffen ©pmptom, bem wibernatiirlid) ftarteu ober befdjleuuigten Klopfen beS Herzens, barf man aber nid)t gleid) auf eine krtrantung beS Herjenö fdjließen. OaS ®leid)e gilt non auberen fitbjectiveu Symptomen, wie @d)inerz in ber Herjgegenb, Sltpemuotl), u. f. w., weldje woljl bei leiben auftreten, ebeufo gut aber and) Sleußerumgen anberer (befonberö fein tonnen. £)iefe Bweibeutigfeit unb geringe beutuug ber fubjectiven ©tymptome Von Hergraut!)eiten für bie ©iagnofe ber lederen feitenS beS £aien ertlärt fid) aus ber öeidjtigfeit, mit weldjer bie Herjttjätigteit von irgeub einem auberen ßörpertßeil aus mittels 9ie= flej beeinflußt werben tann, unb baraus ergiebt fid) and), baß auf ®runb fold)er ©pmptome eine krfrantung beS HerjeuS nid)t biagnofticirt werben tann. ®ar mandjer „eingebilbete" leibet, wäßrenb er fid) burd) bie Borftellung eines fdjwerenHerjfeljlerS baSOafein verbittern läßt, nur an einer unbebeutenben anbenveitigen Oie Oiagnofe einer ift nur mit ')er pl)i)fifalifd)en Unterfudjung, b. I). mittels BetlopfenS unb Bel)ord)enS unb SluScultation) ber betr. Äörperftelle, unter weldjer baS traute Organ liegt, von einem mit biefer UnterfudjungSmetljobe genau vertrauten Slrjte mit @id)erl)eit ju ftellen. 2ßie festerer babei Verfährt, bejw. SlnljaltSpunfte für bie Oiag* nofe fammelt, finbet ber ßefer in einem ber oben (<S. 657) erwähnten @d)riftd)en*) erörtert. *) „©jjccialarjt für ßungenfranfc". ©tefe, audj Bet ßungertfranfbeilcn Ijöclift wichtige Unterfucbungeünetlwbe ift nämlicß für baS groffe üßufclihtm von geringem 3nte= reffe unb babei in wenigen SBorten unb ebne Shifjäljlung ber jeweiligen Untcrfucl)ungä= refultate nidjt 311 toeranfdjaulüijen, toesfjalb fott'of)! Bier, als and) in ber (Einteilung ju biefent Kapitel bon einem (Eingehen auf biefen SUjeil ber ©iagnoftif abgefefyen würbe. 659 lieber bie Söepanblung ber tiifät fiel) im allgemeinen feigen, baß fie in ber .'pauptfarfje eine biätetifepe ift. Alle müffen fiel) vor förperlicpen unb geiftigeu Aufregungen bitten. SBäprenb eine mäßige im greien vortpeilpaft ift, meibe man alle pefti* gerenunb anpalteuben Bewegungen (©urnen, ©anzen, (Schwimmen, 9?ei= teil, Bergfteigen, auftrengenbe (Spaziergänge), ferner (Stepen ober (Silben mit vorgebeugtem Äopf ober gebüdtem Diütfen, lautes (Schreien ober (Singen, baS Blafen von gnftrumeitteii, u. f. w. $eber nepme fiep vor feelifcpen unb gefcplecptlicpen Aufregungen in Acpt unb lebe von einer naprpaften, aber leicpt verbaulicpeu $oft (SJlilcp, (Sier, leicpteS gleifcp, ®emüfe, SJieplfpeifen unb £>bft), von welcher bläpenbe (Speifett, wie ft'oplarten unb gnttfenfriiepte, nnb ©ewiirze unb Reizmittel auSge* fcploffen feien; von letzteren fiub nur geringe Beengen guten Bieres ober SßeineS, niemals aber Branbl), SBpiSfel), ©pee ober Kaffee erlaubt. Aucp ber ©abafSgenuß füllte ganz unterbleiben, gerner forge man für regel* mäßigen Stuplgang, nepme aber feine Abfüprmittel ein, befonberS niept falinifcpe (Bitterfalze) ober fonbern Wenbe im Rotpfalle nur $li)ftiere au, wäple eine (um baS viele ©reppenfteigen zu vermeiben) niebrig gelegene unb babei boep trodene, fonnige unb luftige Aßopnuiig, püte fiep vor falten Bäbern, ©ouepeu unb unb vertraue fiel) - last but not least - einem tücptigen Arzte an, ber allein beurtpeilen faun, ob mit ber ppgieinifcpeu Bepaublung eine arzenei* ließe ober eine aubere (Sur (SRilcp*, Buttermilch*, Blolfen* ober ©bftcur) Zit verbiubeu ift. BepufS Berpütung von §erzfranfpciten nepme man fiep außer bett im Borigen unb auf Seite 329 angegebenen (Scpäblicpfeiten itoep vor gettanfammlung in Acpt, beim mit ber allgemeinen gettfuept fommt eS leicpt aucp zu einer Herzverfettung, ©en fcplimmeren folgen einer ftärferen (Srfältung beuge man fofort burep peiße gußbäber unb Scpwißeu vor. ©ie Herzverfettung (ober baS fette Fatty Heart) tritt in zwei gönnen auf; entweberift fie eine übermäßige gettentwicflnng auf ber ©berfläcpe beS Herzens (f. gig. 298, a), ober fie beftept in einer fetti* gen (Sntartung ber wobei bie SJtuSfelfubftanz mürbe unb brüepig wirb, ©ie gettablagerniig am Her3'eltt bie fiep feiten vor bem 20. SebenSjapr einfteUt, fiubet man pänfig bei allgemeiner gett* leibigfeit (f. ®. 647) unb pat bie gleichen llrfachen wie leptere, nämlich erblicpe ©ispofition, reicplitpe Aufnahme von fticfftofflofer Aahrung bei geringer ©pätigfeit ober übermäßigen ®eituß von (Spirituofeu. ©ie fettige (Sntartung beS Her3lunSfel§, bie in jebem Lebensalter, zumeift aber erft nacp bem 40. (}apre eintritt, Wirb bagegen Verurfacpt: burep Ueberauftreugung beS burep z- SSerfnöcpe* 660 rnngen bet, ba§ Hev3 felbft ernöhrenben Kranzarterien, Slnämie, Brigljffche Krantljeit, ©reifen« nnb KrebSfiedjthum, ferner burd) ?llco« holmijjbraud) nnb burd) ('ßl)oßpl)orüergiftnng. beibe formen Verfettung, roeldje fid) and) bisweilen bei einem nnb bemfelben Kranfen vorfinben, finb baS fjöljere Wer nnb baS weibliche ©efdjted)t befonberS bisponirt. ©ie pljpfiologifchen Störungen, welche von ber Herzverfettung hervorgerufen werben, finb je nad) ber $ornt ber festeren verfdjieben; bei ber $ettablagerung am Herzen wirb biefeS in feinen Bewegungen beciu« träd)tigt, bie alfo erfdjwert, wogegen bei ber fettigen (gut« artung beS HerzfIeifd)eS bie eVi fdjlafft (f. Hel'3erlue'tes rung). ©ie Spmp« t o m e, weldje ber Saie Zuerfennen vermag, finb: Bruftfdjmerz, Betlem« mung, HerÄpädje, Kurzatljmigteit ober Wjemnotlj, Sdjwinbel, Opnmadjten (fogeu. fal« fdje apoplectifdje Unfälle); bazu gefeiten fid) biSWei« len Kälte ber (Sjtremitä« täten nnb wafferfüdjtige 2lnf d) w ellnn gen (bef on« ber§ ber ©ie B e« I) a n b 1 u n g ber $ett« ablagerung am Her3en bie ber allgemeinen $ettleibigteit unter gleichzeitiger Beobachtung ber oben aufgeftellten biätetifdjen für Hel\0'raufe. Bei fettiger Entartung be§ Her3fWM ift lederen Borfdjriften natürlich ebenfalls auf ba§ nadjzuleben nnb - vom SIrzte - baljin zn ftreben, ein etwaiges ©runbleiben zu befeitigen. ba§ nod) im Bereich ber £D?öglid)teit, bezw. fann ber am HerSeu ©iuhalt geboten wer« beu, nnb ift ferner bie Kranfl)eit nod) nicht zu weit vorgefd)ritten, bann ift eine Heilung refp.BefeitigungbiefeSorganifcheu Fehlers nid)t unmöglich. 9J?it ber am Hel3eu üerbinbet fid) zuweilen in $olge be§ von bem $ett auf baS auSgeübten ©rwfeS 9ltrv|ihie*) Fig. 298. a) b) §eräbergrö|eritttg, c) Slortenflappe. *) Unter SUropfne ober ©efimunb verfteßt man bie 9(tmafmte beö Umfang unb ber ftunctionStüc&tiflteit eine§ 5Urpertl)eil3 in golfle fcßlecßtcr (Srnäfyrunfl, ftranffyeiten, Ijoljen 9IItersS, u. a. m. 661 Herzens (Cardiatrophia). ©iefer 3uftanb fann and) burd) aitbere Kraut* peiten pervorgerufen werben (z. V. Krebstadjepie, lange anbauernben £i)ppuS, Verengerungen ober Vertreibungen ber Kranzarterien, pericar« bitifcpe (Srgüffe), oberer taun ererbt fein. S?ie Symptome, Wehpe fiep bei Sltroppie beS HerjenS füplbar ntadjen, finb je uad) ber Urfadje beS Reibens verfdjieben. §erzatropl)ie bei einem allgemeinen <Sied)tpiim pat Wenig pervorftedjenbe Symptome; bei in $olge örtlidjer (5r* nährungSftörungen finbet man Herzflopfen, Kurzatpmigteit unb waffer* fücptige Slnfd)Wellungen unb bei angeborener Kleinheit beS Herzens bie Spmptome ber Slnämie unb Vleidjfudjt, Herzflopfen unb Reiguug zu £)l)u* madjten. Oie Vep anblnii g verlangt Veobadjtung ber oben angegebe* neu biätetifcpeu Vorfepriftenunb Vefeitigimg eines etwaigen (griinbleibeiiS. Oie Herzvergrößerung ober Herzlfaperfrapljic (Overgrowth ober Hypertrophy of the Heart), bie Vertiefung beS refp. ber §erzwanbmig beS ganzen Herzens ober einer Kammer ober Vortammer (f. $ig. 298, b) ift, wie jebe anbere Vermehrung von WSiiStelfubftauz, nur bie natürliche $olge erhöhter SlrbeitSleiftung (Herztpätigteit). Vei Tänzern finbet man ftarf entwicfelte Veine, bei Ouruern, @d)inieben, n. f. w. muS* fulöfe Slrme, unb in gleidjer Steife verbieft fid) ber HerzmnStel, wenn ihm eine, baS gewöpnlicpe Wcaß überfteigeube Slrbeit znfällt. 3m (grnnbege* nommen ift bie Herzvergrößerung alfo feine Kranfpeit, fonbern einRatnr* Heilmittel, baS ber, nuferem Organismus inncwopiieiibe SelbfterpaltitiigS* trieb in Slnwenbitng bringt, um bie (Srpöpitiig ber von ihm gefolterten SlrbeitSleiftnng bezw. beu fd)äblidjen Einfluß berfelben burd) Kräftigung beS HerzmuStelS zu compenfiren (auSzngleid)en). Vermehrt wirb bie Herzthätigteit burd) Störungen im VlutfreiSlanf, z- -V. Herztlappenfehler, burd) übermäßige IDhtSfelanftrengnngen, z- -V- fange W?ärfd)e mit fdjwe* rem ®epäd unb in engen Kleibern, unb bei gewiffen Krantheiten Z- ßitiigeiiemphhfem unb 9?ierenfraiitl)eiteii. ©ie für beu Patienten fühl' baren Symptome finb ftärferer §erzfd)lag unb £w*'äffaß, wozu mit* unter noch wegen ber größeren Kraft, mit weldjerbaS Vlut in baS ®el)irn bringt, £)ruct ober Klopfen im Kopf, ©l)reufaufeu unb vor ben Singen tommen. Sae V e 1) a n b l u n g beftept in ber Vefolgitug ber oben angegebenen biätetifepen Vorfcpriften. -Vei geeigneter hebens* Weife finb geringere ®rabe ber Herzhhpertroppie fepr wopl ber Heilung Zugänglich unb pöpere (grabe erträglich. SBirb aber bie Hevztpötigteitnid)t eingefepräntt, b. p. vermeibet mau niept geiftige Slnfregiing, Reizmittel (Kaffee, Xpee, (Spiritnofen unb £abat) unb VerbaunngSftörungen, fo wirb bie bezw. bie ßompenfation ungenügenb, bie verlangte Slrbeit zu bewältigen, unb es gefeilt fiep bann zu ber Herzvergrößerung Herzerweiterung. 662 Unter (Dilatation of the Heart) Derftept man eine SSergröperuug beS beS §erjen§ (ober einer wobei bie eutweber normal ober Derbünnt ober Derbitft, in jebem galle aber eines ©IjeilS iprer BufammenpepungStrcift Derluftig gegangen, alfo meljr ober weniger fdjlaff ift. ©ie fann aufjer burd) erljöljten ©rucf beS 53tuteS im 3. 53. bei Verplappern feljlern, weldje bie Dollftänbige (Entleerung beS 53luteS aus bem Verben Derljinbern, ober burd) nidjt genügenbe (Sompeufatioii burd) Vppertropljie beS (f. oben) nod) burd) (Entartung beS Deranlafjt werben unb im (befolge Don Äranfljeiteii, 3. 53. unb UnterleibStl)pI)uS, auftreten. ©ie bem Vaien erfeiiubaren S p m p 10 m e biefeS organifdjeit geplerS finb fdjwadjer 5ßnIS, Sdjmera in ber Veqge« genb, Sltpemnotl) bei ber geringften Slnftrengung, bie fid) in liegeuber Stellung fteigert, unb (Erweiterung ber Seiten (bei (Erweiterung ber redjtS* feitigen befouberS beutlid) am §alfe). ©ie 53ermiiiberiiug ber STriebfraft beS VeqeuS, weldje an ber (Erweiterung ber Seiten refp. ber 53lutftodung in benfelben fdjulb ift, Derurfadjt ferner Stauung beS 53luteS in ben 5>enen anberer ß'örpertljeile (Zungen, 5eber, Stieren, 11. f. w.) unb fdjliejjlid) 5öafferfudjt. Sluper biefer fitljrcn bei Verjerweiterung päiifig Vet'pütyMung ober Verpdjlag 311111 ©obe. ©ie 53 eljanblung feilens beSVaieu befdjränft fid) auf bie Befolgung ber oben angegebenen Ijpgieinifdjen 53orfdjriften für Verpranfe. ©ie Slnwenbung Don wie ©igitalis, StropljautuS, (Eaffein, u. a. 111., bleibe bemSlrp Dorbeljal- ten, unb Ijat biefer üor allen ©ingen and) barauf 311 feljeii, bajj bie lidje Störung befeitigt wirb. 3ft baS möglidj unb bie Verjerweiterung nodj nidjt 311 weit Dorgefdjritten, bann liegt Teilung nod) im (Gebiet beS ©rreidjbaren; anbernfalls ift eine auSgefdjloffen, womit natürlidj nidjt gefagt fein foll, baf) man fein ©afein burd) eine üernünftige VebenS= weife nnb ärplidje 53el)aiiblung nidjt auf geraume 3eit auSbeljnen fann. 53on ber (Carditis) finb, wie Don ber fettung, jwei gormeu 311 uiiterfdjeiben; bei ber einen (Myocarditis) Ijaben wir es mit einer (Eiitpinbimg beS VerjfleifdjeS, bei ber anberen (Endocar- ditis) mit einer (Entpinbung ber, baS Biniere beS überpepenben Vaut 311 tljiiii. 53eibe gönnen, Weldje nidjt feiten bei einem Patienten 311 gleicher Beit auftreten, eutwid'etii fid) am pänfigften bei acutem ®eleuf= rljeumatiSmuS unb oerlaufen unter faft benfelben Symptomen, Don web djett ber Traufe in Dielen gälten gar feine, in anberen gälten mir einen leidjten Sdjmers in ber Versgegenb, Ver3^°Pfen fpürt. 53eibe gormeit finb and), befouberS iljrer fdjlimuien golgen ljalber, gefäljrlidje nur feiten geljett fie in Dollftänbige ©euefung über unb meiftenS taffen fie nidjt wieber 311 befeitigenbe Versfeljler 3tirüd, 663 itnb jwar bie WlpocarbitiS Warben in ber gerjwanbuttg itnb rung itnb bie (Snbocarbitis Klappenfehler. Von ber (Snbocarbitis unter* fdjeibet man übrigens noch mehrere Sitten, nach welchen fiep bie 23 e Ij a n b* lung richtet, welche unbebingt, wenigftenS fo lauge baS ßeiben nodj acut ift, einem tüchtigen Sirrte übcrlaffen bleiben muß. ©aS ®leicl)e gilt Don ber Vehanblung ber WlpocarbitiS mit bem einen Uttterfdjiebe, baß ber Slrjt hier weniger tlpm fann itnb hanptfädjlich auf bie Befolgung ber Ijtjgieini* fdjen Vorfdjriften für alle (f. oben) bringen muß; vor allen ©ingen ift bie (Ernährung 311 fteigern, unb ljat fiep ber Patient abfolut rupig ju verhalten. ober and) nur fwrjfeblcr (Valvular Diseases) nennt man angeborene ober namentlidj beim acuten ®elenfrheumatiSmuS in $olge (SnbocarbitiS erworbene trantpafte Veränberungen einer ober mehrerer bie barin beftepen, baß bie Klappen in ftolge ber vorauSgegangenen (Sntjünbuiig feprumpfen unb fiep berühren ober vertat* fen, fiep babei verbieten unb fteinpart werben. $n beiben fallen ift ber Klappenverfdjluß uidjt ge* nügenb, eS bringt 23lut in baS §erj jurücf, unb baS mag feinerfeits ju Herzvergrößerung ober *erweiterung führen. Sim päiifigften finben fiep Klappenfehler an ber (jweijipfeligen) Wlitral* Kappe (zwifepen linier Kammer unb Slorta; f. $ig. 298, c). $u einem folcpen fehlerhaften Verfcpluß einer Kammer* ober („Klappeninfufficienz") gefeilt fiep häufig uod) eine abnorme Verengerung ber betr. äJlüiibung („Stenofe"), inbem bie Klappen an ihren freien Räubern berwadjfen (f. $ig. 299). ©ie fid) fühlbarmadjenben ©pmptome finb Vlutftauun* gen im Keinen Kreislauf unb in Verbinbung bamit SIthmungSftöruiigen, löeängftigungen, 23laufud)t unb SBafferfudjt. führt gewöhnlich baS (Snbe ber an Seibenben herbei, ©ie 23 e h a n b * l un g befteljt in ber Regelung ber SebenSweife, wie oben angegeben. 2Birb biefe ßebenSwcife confequent beibehalten, fo fönnen Kraute mit §erjfehs lern redjt woljl ein höheres Sliter erreidjen, weil ja bie 9?atur, Wie fd)on erwähnt, einen IXheil ber (Störungen in zyolge von Klappenfehlern burd) Verbictung ber conipenfirt. X)ie Vlaufutht (Cyanosis, Blue Disease) nennt man eine blaue Färbung ber §aut, welche ihren ®runb barin lyK, bap baS, im normalen 3uftanbe fauerftoffreiche unb beSljalb hellrotlje 23(ut ber Slrterien gleich bem Venenblut eine bnntelrothe Färbung befiel, weil eS, wie große Wiengen Koljlenfäure enthält, ©ie 23lanfud)t ift entweber eine, mit ber Fig. 299. StlaVVeiüttfufficienj unb nofe an ber Slortentlapbe. 664 Veilung beS itrfiidjlidjen CeibenS verfchminbeube einer (Störung beS 33lnttreiSlaufS ober ber Slthmung, beimeldjer berSluS« tmifdj von Äohlenfäure gegen Sauerftoff beeinträchtigt ift, oberbaS Sljmp* tont eine§ organifdjen Verleibens; festeres ift angeboren unb beftel)t barin, bafj bie int (Smbrtjonalleben normale offene Sßerbinbung jmifdjen beiben 35orl)öfen beSVerjenS and) nad) ber ®ebiirt *voi'hanben ift, moburd) venöfeS 4BInt in bie linte unb arterielles £3lut in bie rechte Verdammer einbringen tarnt, refp. megen Sßerntifctjung beiber £3lutarten eine 9teinU gung beS arteriellen von Wjlenfättre unmöglich gemadjt mirb. ©ie befdjränft fiel) atif eine vernünftige ßebensmeife (f. S. 659). £3efonberS muffen bie Patienten bejm. Äinber vor Schreien, Vuften, (Srtältiingen, turj allem, moburd) ber normale iöluttreiSlauf ge* ftört mirb, forgfam gehütet werben. 3n einer fRuptur bc§ fwrjeus (Zerreißung ber Rupture of the Heart) fommt eS bei einem gefunben Veren trotj ber größten Slnftrengungen, iveldje baSfelbe jn machen ljat, niemals, iBei einem trauten Ver3en (&ei fettiger ©egeneration, bei SRpocarbitiS unb bamit verbunbenem Verjabfcef; ober bei VerAaneurpSma, f. fpäter) faun aber, namentlich bei größeren Slnftrengungen beS VetjenS, eine 9iiiptur beSfelben eintreten, iveldje jumeift ben plöplidjen ©ob jur $olge Ijat. ©ie §erjs ober Jörnffbriiunc (Heart Pang, Angina Pectoris) ift eilt plöplid), in periobifdjen Zivifchenränmen auftretenber Sdjmerj unter bem meldjer faft immer nach bem linfen, bismeilen aber and) nach bem redjten Sinne auSftrahlt. ©abei empfinben bie Patienten eine fönm licpe ©obeSangft, als ob baS Sebou jeben Slugenblict erlöfdjen mürbe, ©ie Verjbränne, gleichviel ob ein organifdjeS Verleiben Vorliegt ober nicht, ift jebenfallS als ein 9?ervenleiben anjufepen, für bas jebod), ba mit iljm jumeift organifdje Vertrautheiten Verbunben finb, letztere vorjugsmeife ju bisponiren fdjeinen. (Sine befonbere Slrt ber Ver^r6une ift bie V e r j« n e u r a l g i e, meldje auf ©aSanhänfitug unb neuralgifdje Störungen im IWagen jitrücfgeführt, b. I). als ein, bttrcl) fReflep hetvorgerufeitcr trampf* artiger Zufall ber Vernerven ert'lärt mirb. ©ie $ elj an b l im g be- fteljt in ber ber oben für Ver gegebenen hbgieinifdjen SSorfdjriften unb in ber beS etmaigen®runbleibens, falls bieS möglich, äßährenb eines SlnfallS lege man Senfpflafter jmifepen bie Schultern unb auf bie obere unb menbe eines ber int folgenben Si'ecept (9?o. 29) angeführten Mittel an. 9? e c ep t 9t o. 29. Slromatifdjer ober §offmann'ö tropfen f<Sctm>e= fetätperfleift) in ©ofen »on Je 1 Stjcetöffel, mit minbeftenS eincm'SBeinfllaS verfügtem SBaffer oermifept, innerlich 31t fleben. - Ober man oerabreidje feinem ßriraebfenen !) ytiinbiieh, BiS ber Scpmerj besänftigt ift, 1-2 Speetöffel ©piuintinctur 665 (Paregoric) ober 20 tropfen einfache Dpiumtincfur (Laudanum). - $um Sinatpmen fdjütte man einen Csfjlöffet ?(etl)er (n i dj t Chloroform, iraS von mancher (Seite ebenfalls empfohlen mirb) auf ein SLafchentudj. SWan barf eS aber nidSt biS ju einer (DZarcofe) fommen laffen 1 ©aS UCrVÖfe -ftcrztlopfctt (Nervous Cardiac Palpitation) ift eben« falls, wie fdjon ber SZame befaßt, ein nervöfeS §erjleiben, baS fiel) von 3eit zu $eit, meift oßne einen organifeßen §eqfel)ter in $o(ge reflectori« feßer (Erregung beS §erjnerbenft)fteni$, einftellt. ©ie Urfadjen biefer Erregung finb entweber übermäßige förperlicße Slnftrengung, zu fcßitelleS SÖadjStßum, gefd)led)tlid)e SluSfdjweifungen ober maßlofer ®eunß von Sieizmitteln (Sllcoßol, ©ßee, Kaffee, ©abat) ober Ivie allge« meine ©cßwädje, Blutarmutß, BerbauimgSfranfßeiteii, Hßfterie, ®id)t, u. a. m., ober plöplidjer ©djrecf. Sßäßrenb ber Slnfälle, bie oft erft ttad) monatelangen 3wifd)enräumen Wieberteßren unb in ber 9?uße unb beim Silben nnb Siegen fdjlimmer werben, befreie man ben Traufen von allen beengenben madje falte Umfdjläge auf bie nnb lege auf bie Sinne unb ®d)entel Senfteige auf ober maeße laue $uß« unb §anbbäber mit Senfmeßl. Sils ©etränf verabreieße man falteS Söaffer mit Braufepulver ober Säuren. ©ie (Pericarditis) ift eine entzünblicße $ranf« Ijeit jenes, ober genannten, überall gefcßloffenen poröfen Sad'eS, in weldjen baS §erj gleid)fam Ijineingeftülpt ift, fo baß eS bon einem jioeiblätterigen Ueberjug (bem inneren unb äußeren Platte beS Herzbeutels) oollftänbig umgeben wirb, ben Onnenfeiten ber beiben blätter, b. I). in bem Herzbeutel, befmbet fid) eine geringe DJtenge fdjleimiger $lüffigt'eit, woburdjbie beS ißericarbiiimS fdjlüpfrig gemadjt unb fomit Reibungen berfelben bei ben Bewegungen beS zwifeßen ben beiben Blättern berßinbert werben. Bei einer (Sntzünbiiug beS bie eutweber in $olge medjanifdjer Ber« lepiing ober von unb zwar wie bie STdjocarbitiS unb bießnbo« carbitis, am ßäufigften bei acutem (SeleulrßeumatiSmuS, eintritt, ver« bid'en fid) bie beiben Blätter beS Herzbeutels nnb fd)Wipen außerbem nid)t feiten eine wäfferige ober eiterige glüffigleit aus, bie fid) am Herzbeutel anfammelt. <Spmp tonte biefer Äranfßeit werben oft vom Patienten garnid)t bemertt refp. beadjtet. $aum, baß er einen ©djmerz in ber Bruft fiißlt. anberen fällen verbinben fid) mit bem, bei ©rud auf baS 3werdjfell fid) fteigernben unb mitunter nad) ben Sinnen anSftratjlen« ben ©djmerz Huftelb S(tl)emnotl), Siußelofigteit, Steigerung ber ©empe« ratur, Äopffcßmerz, ©elirinm, HerS^°Pfelb u. a. m. ©ie Beßanb« lung, welcße mit berjenigen ber Bruftfellentzünbung (f. bort) große Sleßnlidjteit ßat, erforbert vor allen ©ingen Befeitigitug eines etwaigen 666 urfädjlidjen ßeibenö (außer acutem ®elenfrpeumati§muö irgenb eine @nt* jüiibitug in ber be§ 3. 5). Jungem ober 33ritftfellenb 3Üitbung, ferner Scharlach, 33rigpt'fcpe Ärantpeit, Torfen, Spppug, Xuberfulofe, SllcopoliSmuS, Scorbut, u. a. m.) ©er Patient berpalte fiel) bollfommen rupig in ber 9Wenlage, unb jwar im 33ett. Stuf bie 33ruft, bie forgfältig bor jeher (Srfältung 3U fepüpen ift, fann man (in ben früperen Sta* bien ber Äranfpeit) audj peifje, fcpmerj* ftillenbe 33reium= fepläge (Opium, 33et= labonna, 11. f. w.) unb fpäter Seinfamenunv fdjläge legen. ©ie ©iät fei naprpaft unb babei leiept berbaulid). ©egen broljenbe fcpwäcpe gebe man 9tei(pnittel (33ranbp, aromatifdjer SalmiaP geift), natürlich nur in geringen ©ofen; altes, woburdj fonft bie ge- fteigert wirb, ift 31t bermeiben. ®egen 33lutarmutp (Sifeu (f. 53ruftfellentjüttbuug). ®egen ba$ (Sjfubat ift üom Caien nid)t§ (feine 53lafenpflafter, feine luafferentjieljenben Slbfüljrmittel, u. f. in.). Oftinbeffenbie 9lu§fcfjivilmiig fo reidjlicl), bajj fie wegen be§, von itjr auf baö §erj ausgeübten ®rucfe§ einen ©tillftaub ber £jerjtl)ätigfeit befürchten läfjt, fo mnj) fie bom Strafe burd) (Sinftid) in ben abgejapft werben. ®ie (Hydro-Pericardium) ift nid)t mit ber foeben genannten 2lu§fd)ibipung in golge gerjbeutelentjünbung 311 ber- wedjfeln, obwofjl Sßefen, @i)uiptome unb beiber Sfranfljeiten faft bie gleidjen finb; erftereS unterfdjeibet fid)nur baburd), bafj bei biefem Veiben ber (Srgufj in bie nidjt burd) einen entjünblidjen Vorgang, fonbern burd) anbere $ranfl)eiten, 3. 33. 33rigl)t'fdje Vieren« franfpeit ober im (befolge be§ @djarlacpfieber§ ober SBaffer* fud)t, wirb. Fig. 300. fiersbeutetentjünbung mit ftarfer in bie.£ers6eutel= Ijöljle. a) Sunge. b)@yfubat in bet ©erjbeutenjöljle, e)$etä (barin fcljtoimnienb), d) ißericarbium. 667 ÄTanftjeitcn her Vlutgefäßc. Die Brantljeiten ber Vlutgefäße werben, abgefeljen vonbenfpäter §u befprecpenben Verlegungen burd) ©tid), Schnitt, u. f. w., entweber burd) nted)anifd)e (Sinwirfung (Drud, Vlutftodung, u. a.m.) hervorgerufen ober entwideln fid) im ©efolge anberer Brantheiten SUcopoliSmuS, ©ppljiliS, Vrigljt'fdje 9iierenfranfpeit, ®id)t, u. f. w.) ober im Verlauf ber allgemeinen Degeneration beS BörperS im ©reifenalter. Die pulSaber; ober Olrtericncntjünbuug (Arteriitis) tritt in jwei formen auf. Die eine, Periarteriitis, beginnt an ber äußeren Slrteriem haut; fie ift nie ein primäres Leiben, fonbern immer nur bie golge eines anberen (SntjünbungSproceffeS in ber 9iäpe ber Slrterienwanbung, Welcher auf festere übergreift. Die zweite $orm, bereu Urfachen in allgemeinen Brautzeiten ju fudjen finb, nimmt ihren SluSgang bon ber Srnneiipant ber Arterien unb wirb barum (Snboarteriitis genannt, hierbei verbidt fid) baS ©efäß an einer ©teile ober in größerer 9(uSbepnung, entartet fettig unb wirb fpäter wol)l and) breiig (atperomatöS, f. ©. 633) ober verfallt, verfnödjert unb wirb brüchig. 9?amentlid) im höheren Lebensalter ift bie (SnboarteriitiS häufig unb Derurfadjt nicht feiten ©cplagfluß (Verften einer erweichten ober mürben VulSaber mit nadjfolgenbem Vluterguß in baS ©e= pirn) ober, inbem eine (oerfnödjerte) PulSaber burd) Slnfammlnng bon Vlutgerinnfel verftopft wirb, „SllterSbranb", b. I). Slbfterben eines Börper* tpeils (befonberS $uß unb Unterfdjentel) in golge ber unterbrochen neu Ernährung f. ©. 144). (Sine foldje Verstopfung (Dprombofe) tarnt übrigens and) bet ber Periarteriitis erfolgen. Die Veljanblung verlangt baSfelbe biätetifdje Verhalten, wie bei trantfjeiten (f. ©. 659). Leute mit entarteten Slbern paben fid) ßauptfäd)= lid) bavor 31t ßüten, baß bie Vlntcirculation (burd) ®emütl)Saufregiing ober ©enuß von Baffee, Dßee, ©pirituofen) frantpaft gefteigert unb bamit bie ©efaljr beS VerftenS einer foldjen Slber bejw. eines ©d)lag= fluffeS (f. bort) heraufbefd)Woren wirb. Vei acuten (Sntjünbungen ober- fläd)lid) liegenber Slrterien madje man falte Umfd)läge mit VJaffer ober Vleiwaffer. Die Sluwenbung von Vlutegeln ober blutigen ©djröpf* lüpfen unb innerlicher SRittel (Digitalis, Bali nitricum) ift nur auf äqt* lidje Verorbnung l)iu ftattpaft. Die pu(§iii>crgcfcl)Wufft ober baS 5lncurh§nm (Aneurism) ift eine fadartige (Srweitenmg ber größeren ©cplagabern in ftolge (Srlraidung ber Slrterienwanbnng. Diefe (Srlrantung wirbentweber burd) ©cplag, Stoß, Ueberheben, ju I)ol)eS ©pringen ober irgenb eine medjanifdje (5imvir= tung auf bie Arterien, wobei biefe gequetfdjt ober ju fepr gebepnt wer= ben, hervorgerufen, ober fie entwidelt fid) bei einer PulSaberentjünbung 668 (f. oben). 2(ueitri)Smen, weldje am Ijäufigften ißren @i£ in beS §erjens (am Slortenbogen) ober äußerlid) an ben ©liebmaßen (be= fonberS Oberarm, Oberfdjentel nnb Äniefeljle; f. $ig. 301-3) ßaben, unterfdjeiben fid) Hon anberen @e* fdjwiilften baburd), baß fie, wie alle größeren Arterien, pulfiren. @S ift bieS für ben Saien freilid) fein fidje* reS beim and) aubere ©efdjwülfte pulfiren, wenn fie einer ©djlagaber nur anfliegen. Oie £3 e« b a n b l u n g gegen innere ('efdiwnlfte befdjräntt fid) baranf, burd) eine üerniinftige ßebenSWeife nnb ßauptfädjlidj Vermeiben jeher Aufregung eine Verftung ber ®e« fdjwulft (Verblutung nadj innen) ju üermeiben. ©iefe biätetifdjen Vorfdjrif- ten (wie bei ben §erjfranfl)eiten, f. @. 659) gelten and) bei äußeren SlneurijS- men. V3eim irgenb möglicß, foll man biefe ©efdjwülfte aber oom Sirrte ((5[)i* rurgen) entfernen, ober in iljnen (burd) Unterbinben oberhalb ber ©efdjwulft) bie (Sirculation jum ©tillftanb bringen laffen, beim abgefefjen baüon, baß fie oft burd) il)re ©roße (bi§ 31t ber eines ©dfinersen imb (Srnäl)* rimgSftörungen in ben benadjbarten ®e= weben t>erurfad)en, füljren fie, wie fdjoit gefügt, nidjt feiten burd) Verften ju lebenSgefäßrlidjen Blutungen. 3m fyalle einer folgen fperre man ben 3utritt beS VluteS fofort ab, inbem man auf bie 2lr- terie oberhalb ber ©efd)Wulft einen Ormf auSübt (f. Blutungen). - 3ni 311 biefeu „waßren VnlSaberge* fd)Wiilften", bei beiten bie ©efäßwanbimg erfranft refp. tßeilweife, aber nidjt ganj burdjbrodjen ift, bejeidjnct man als „f a l f d) e n l S a b e r g e f d) w 111 ft" eine ©efdjwulft, weldjc fid) burd) Fig, 301. gSuUabetgeftf;toulft am Oberarm. Fig. 302. lßul§abergefcl)toulft am ©Uenbogciigclent. Fig. 303. 'ßuläabergefdjiüulft am Dfcerfdjentel. 669 Austritt bon 23liit aus ber, bnrd) ober in $olge (Entartung Ö a n 3 biirdfbrodjenen ©efäßwanb in bie Umgebung gebilbet Ijat ((Elften, f. S. 633). - Mitunter fommt eS and), 3. £3. bei unglüdlid) anSgefüßr® ten Slberläffen, wobei außer ber 23eue and) bie berieft würbe, jn „a n e u r t) S in a t i f d) e n 231 u t a b e r g e f d) w ü l ft e n", b. I). 23 lut® gefdjwülften, weldje mit einer 23ene unb einer Arterie in Sßerbinbnng fteßen. £)ie 33fntabcrs ober 23encncntjünbung (Phlebitis) ift eine, bnrd) medjanifdje (Einwirfnng auf bie 23ene, bnrd) 23ereiteruug eines benadjbar® ten ©ewebeS ober bnrd) 23lntgerinnniig berurfadjte (Entjünbiing ber231ut® abenoanbung. wirb babei berbidt unb in $olge beffen ber 23lnt® ftrom in ber 23ene gehemmt, ©ie traute SIber füßlt fid) wie ein ßarter Strang an unb fdjmerjt ftarf, bie §ant über ber 23ene ift gerötßet, ge® fdjwollen unb ebenfalls fdjmerjßaft, unb uid)t feiten gefeiten fid) baju nod) fieber mit Sd)üttelfröften, Sdjwellnngen mit 2öafferanfammluug unter® l)atb beS erfrantten ©efäßeS unb (Entjünbungen benachbarter ®ewebe mit nadjfolgenber ®efd)WürSbilbung. Sel)r gefäßrlid) bei biefer ift, baß bie entjünbete 2Iber fid) mit fogen. 23lutpfropfen ober ©ßrombeii (feftem 23lut® unb $afergerinnfel) füllt, welche ju einer borübergeßenben ober, wenn fie nad) 23erlanf ber (Entjünbung nid)t wieber reforbirt werben, bauernben 23erfd)ließnng ber Slber (£l)rombofe; f. führen tonnen. 9lod) fcßlimmer ift es, wenn biefe 23lntgeriitnfel jer® brodeln nnb ein Stüd berfelben üom 48lnt wegge® fd)Wemmt wirb unb fo in beu •93lutftrom gelangt (f. 304). (5info(d)er (Eintritt oon in ben Kreislauf wirb, wie bie Slufnaßme aller gröberen Stüde in bie £3lutcircnlation, (Embolie genannt unb tarnt, inbem baS Stüd ©eriimfel 3. 23. in bie Sunge gefdjleppt wirb unb fid) bort n. a. m. ober, inbem irgeub eineSlr® terie bnrd) baS Stüd tljeilweife ober ganj verftopft wirb, neue eiterige (Eiitpinbiingeii unb aubere gefäßrlidje Äranfßeiten üeranlaffen. 2ßegen biefer ©efaßren verlangt bie 23ef)anblung bon Anbeginn ber (Entjiin® bnng an größte Sdjoiinng beS betr. ÄörpertßeilS, ber bis jur bollftäubi® gen 23efeitigung ber Ä'rantßeit rußig nnb babei ßod) ju lagern ift. 23ei großer Sd)Wellung uub Sdfmerjßaftigteit lege man falte Umfdjläge ober (Eisbeutel nnb fpäter, um bie Stuffaugung ber 23lutpfropfen ju beförbern, lauwarme Umfcßläge auf ober widle bie traute Stelle in Sßatte ein. (Etwaige Slbfceffe müffen möglid)ft früljjeitig (bom Slrjt) bnrd) (Einfdjiiitt geöffnet werben. Fig. 304. Smöolie. ®er ®Iut= Vfrofcfen Ijatfict) an ber Stjeilunfläftelle einer Slrterie feftgefefjt. 670 3u einer (Erweiterung ber Dlutobcrn (Stbertnoten, Varicosity, Varicose Veins) tommt eS, Wenn bet 9iücfflllß beS DluteS in ben Denen nidjt (bnrd) fräftigeS Sltpmen, törperlicpe Dewegung, Söaffertrinten refp. Derbünnung beS DluteS, u. f. w.) genügenb beförbert ober bnrd) ©rutf auf bie Denen, bitrdj Derluft ber ©efäßwanbSelafticität im pöperen Lebensalter ober burcp aupaltenbeS ©tepen gepemmt ift. 3ener ©rucf tann fehterfeits üerfdjiebene Urfacpen paben, D. anbaueru* beS beengenbe (@d)nürleibdjeu, UnterrocfS* bänber, @trumpfbänber unter bem Änie, ober ®efd)Wülfte in ber 9täpe ber Denen. Sluf festere Deranlaffung (anf ■Drncf feitenS ber (Gebärmutter) finb 3. 53. bie fogen. „Stinberfüße" snrütf'sufüpren, b. I). bie 53lutabererweiterungen an ben $üßen non grauen, weldje fdjwanger finb ober geboren paben (f. „(Specialarzt für grauen"). ®ie Srampfabern (teilen bid'e, pralle unb gefdjlängelte Stränge bar, Weldje bläulidj bnrd) bie §ant burdjfdjhnmern, meiftenS and) knoten bilben unb oft (befon- berS bei Änotenbilbung) arge Scpmerjen berurfacpen. Sim päufigften finbet man fie an ben deinen (Slberbeine; f. $ig. 305) unb jmar bei Leuten, meldje, wie 53. Seper, bei il)rer 53efd)äftignng aidjaltenb jn ftepen paben, tooburd), wie fdjon gefagt, ber Stuf- Wärt«- bejw. OlüctwärtSbewegung be§53lute§ entgegengewirtt wirb. 3n ber $olge tön- neu Ärampfabern fid; ober, inbem fie berften, Blutungen berurfadjen ober wegen ber 53lutftauung in ben Haargefäßen 311 langwierigen gledjten unb ®efd)Würen SInlafj geben. Mitunter bilben fid) in ben SIbertnoten and) „SSenenfteine", b. I). runblidfe Körper aus berfalftem gaferftoffgerinnfel. •Die 53el)anb(ung beftel)t barin, ein weiteres Umfidjgreifen unb fdjlimme folgen ber 311 berpinberu. 3U biefem trage ber Patient elaftifcpe (®ummi=)<Strümpfe (f. @.454) ober Scpnürftrümpfe ober wictle baS ganje 53ein ober ebentuell nur ben Unterfcpentel in eine 9?ollbinbe (f. @. 461) ein; ferner berfcpaffe er fid) genügenbe (aber nicpt übermäßige) Bewegung, lagere baS Dein zeitweilig pod) unb macpe babei falte ®oucpen baranf unb forge für regelmäßige Leibesöffnung. Dei ©efcpwüren finb biefe peinlicp reinjupalten, mit einer 3procentigen (5arbol= falbe 31t beftreicpen unb bann mit einem Heftpflafterberbanb 311 bebecfen Fig. 305. Slberbetn. 671 (f. S. 460). 33ei Blutungen lege fiel) bet Patient fofort auf ben SRi'ufen unb bas 33ein ßod); bannbrüde man mit bem Ringer ober einem jufam« meugewicfelten ©mße, baS am beften vorßer in eine Iprocentige (Sarboh löfuug getamßt würbe, auf bie Slber, imb zwar bidjt unterhalb ber Deffnuug, uub fd)ließlicß wicfle man baS 33ein bon ber $ußfpiße au bis bießt über bie bluteube Stelle in eine Diollbinbe ein. Sowoßl und) Blutungen, als and) bei ©efeßwürsbilbung muß ber Traufe längere 3eit mit ßodjgelagertem 4öeiu liegen bleiben. (Sin nrfäcßlidjer ©rmf (®e« fdpvnlft, it. f. iv.) muß natürlid), wenn möglid), befeitigt werben. - lieber Ärampfaberbrnd) uub b. ß. SSenenerweiterungen am Samenftrang uub Wlaftbarm, f. „Specialarzt für SJlänner" bejw. Äranf« tjeiten beS ©armes. Ärnnfßcitcn ber ßtjmpljbaljnen. (SS finb bieSentweber (Sntjünbungcn ber ßijmpßgcfäßc (Lymphang- itis) ober ber ßtjmpßiniifcn (Lymphadenitis) ober (gewößnlid)) beibe Ziifammen. Sie entfteßen in {yolge medjanifdjer Qieijiing (©ruef, Sd)lag, Stoß, u. f. w.) ober (meiftenS) anberer $ranfßeiten, wie z. 33. befonberS Scropßulofe, $rebs, SppßiliS ober einer ber betr. ßpmpßbaßn naßelie« geubeu ©ewebSentjünbung. ©ie ßpmpßgefäßentzünbung ftellt fid) gewößn« lid) als ein, and) äiißerlid) fidjtbarer Streifen, ber mit ber betr. Spmpßbaßn verläuft, bar. ©ie §aut über ber entjünbeten Stelle ift ßeiß, rotß, ge« fdjwollen uub fdpnerzßaft. ©ie 33eßanblnng befteßt anfänglid) in bem 33erfud), eine 3ertßeilung ßerbeiznfüßren, bejw. einen liebergang in (Siterung ju Vergüten unb ju bem 3wed ift baS betr. ©rgan rußig ju ßalten, etwas erßößt 311 lagern uub mit falten llmfdjlägen ober üßatte ju bebeefen ober mit 3:ob 31t bepinfeln. Äommt eS bod) 311 einer (Siternug, bann muß biefelbe burd) warme £3rehtmfd)läge uub 33äber beförbert, uub ber (Siter burd) (Sinfdjnitt (feiteuS beS 2IqteS) balbmöglidjft entfernt wer« bem bisweilen erfolgt Weber .ßertßeilung nod) (Sitermig, fouberu ent« wirfelt fid) in ben ßßmpßbrüfen eine djronifdje Stuf d) w e 111111 g , wobei fid) biefe ©rüfen berßärten („Scropßeln", f. Sero« Üßelfranfßeit). Soldje Slnfd)Wellungen finben fid) natürlid) VorjugSWeife ba, wo Sßmpßbrüfen in größerer vorßanbeii finb (?ld)fell)öl)leu, SBeidjen, §als, 9lacfcii, $audp 1111b 33ruftl)öl)le); fie finb ferner gewößn« lid) fdjmeraloS, anfangs Vereinzelt, perlfdjnurartig an einanber gereißt unb Heiner unb bleiben lange 3eit in biefem 3llftQirbe. 3)lit ber £eit fönnen fie aber größer werben, vereinigen fid) 31t klumpen uub geßen nid)t feiten in (Sntzüiibitug, (Siteruug ober 53erfd)Wäruug über, was fid) burd) Slötßung ber §aut über ber (SutjüubuugSftelle aufünbigt. ©ie 33 e« ßanbluug ift faft ganz biefelbe, wie bei ben acuten Spinpßbrüfener« 672 trantungen. 3m Anfänge fmße man (burcß 9?ulje, §od)liegen, ©g- ober trocfene warme Umfcßläge, Oobeinpinfelungen) eine abermalige (Sntjihv billig bejw. eine Vereiterung 511 verßinbern. Oft bieg nicßt möglich, bann finb beßufg ber Veförberung ber Vereiterung warme Vreinmfditäge am Vlaße. ©ie (Siterßerbe finb and) ßier balbigft burd) ßinfcßiiitt 311 eröffnen. Branfßcitcn ber Vlutbriifcn. ©ie (grfraiifuiigen ber vermittßlicßen Vilbuuggftätten rotßer Vlut= förpercßen, ber fogen. Vlutbrüfen (f. S. 154), finb wie bie Functionen biefer Organe jmn größten Oßeil uocß wenig befannt. Brantß eiten ber SJMlj finb mit wenigen Augnaßmen burcß ein anbereg Seiben (befonberg Sungeiw unb gewiffe Onfectiougtranf= Zeiten) ßervorgerufene Sd)Wellumgen ber SJiilj. ©iefeßrfraiifiiugcii ver- fd)Winben in ber Dtegel mit ber Teilung ber iirfäcßlid)eii Branfßeit; nur bag Vlalariafieber läßt häufig eine bauernbe Wiitjfdjwcltumg jiirücf (f. S. 515). ©ag, burd) Vlutüberfüllung ber SDlilg veranlaßte 9J?iljs ober Scitcnftcfßen (Splenalgia), nicßt 31t verwecßfeln mit bem „Seitenftecßen" bei Snngen' ober Vruftfellentjimbiiugeu, tritt muß großen Anftrengungen (ftarfem Saufen) unb bei Stußlträgßeit unb gewiffen (Störungen im Frauenleben (f. „Specialarjt für Frauen") ein. ©agegen finb anjinveiw ben warme uaffe Umfcßläge auf bie 3)?iljgegeiib unb Abfüßrmittel (aber ja feine „pateutirten ©iftmifdjereien".) ©ie ßcufiiniie ober SBcißblütigfeit (Leucaemia) ift eine Brantßeit, bei ber fiel) bie weißen Vluttörperdjen abnorm vermehren. Oljre Urfacße ift fel)r waßrfdjeinlid) eine Vergrößerung unb (Sutartuug ber £D?ilj (unb ber 21)mpl)brüfen unb beg Bnod)cnniarfg). ©ie Symptome finb (Schwellung beg Scibeg mit einem ®efül)l von ©ruef ober Vollfein in ber IWjgegenb, faßte Hautfarbe, Abmagerung unb ©rüfenanfd)Welluugeii. (Siewoßiilid) gefeiten fid) baju befd)(eunigteg Atfjmeu unb Sd)Weratl)migfeit, Vlutungen, wafferfüdjtige Aiifcßwcllnngen unb (5rfd)öpfung. ©ie Ve« ßanblung feiteng beg Saien ift eine biätetifdje (nal)rl)afte Boft, falte ©oud)en). SJZebicinen (©igitalig, Arfeuit, (Srgot, 3>ttviaiuffd)eg ©ecoct, 11. a. m.) gebrauche man nur nad) ärjtlid)er Vorfdjrift. ©ie (hrouifd)C SlRiljilttfrfjtticlluitg (Chronic Splenoncus ober Enlargement of the Spleen) ift, wie gefagt, meifteng eine Feige beg VBcßfelfieberg (bann and) F'ieberfiichen, Ague Cake, genannt). Sie ver* rätl) fid) burd) ®efül)l von ©ruef unb Vollfeiu in ber SDiiljgegenb, Vetlenw niuiig, Atl)munggbefd)Werben, faßte Hautfarbe unb mitunter (bei Ijodp grabiger Schwellung) burd) -Vlutuugeu, befonberg Dtafenbluten, unb V>afferfud)t. V e h a n b l n 11 g: Balte Umfdjliige ober ©oueßeu auf bie 673 Sftilzgegeitb, träftige unb leid)tverbau(id)e Toft unb gute, reine Suft (feine ©umpfluft). Weiteres ift ans ben bei ben SDlalariafiebern (f. 520) angegebenen ©rünben beut Sirrte zu überlaffen.- £)a§ ©leidje gilt von ber @ d) m a r z b (ü t i g f e i t ober W e I a 11 ä m i e (Sdjiuarjfudjt; Me- lanism), in welcher mir und) ben Unterfndjnngen faßt aller $orfd)er eben« falls eine in ber Siegel auf fdpvere Trant« peit (Vilbuug eines förnigeu Pigments im Vinte) gu fefjen haben. - lieber <S p e ct m i l z vergleiche man baS bei ©pecfleber ©efagte unb über (5 r t r a n t u n g b e S T110 d) e n in a r t S, baS betanntlid) aud) ju ben VilbungSherben rotper Vluttörperdjen gehört, refp. über Efteompelitis f. „Trautheiten ber VewegnugSorgane (Tnodjen)". ®ie ® d) i l b b r ü f e, rneldje vor bent Teljlfopf ihre £age hat, Ver« größer! fiel) bisweilen. Anfangs unb bei geringeren ®raben ber Trant« peil, b. I)- 'venu bie Vergrößerung auf einen mäßigen Umfang befdjräutt bleibt („<eatt« l)alS", „Vläl)l)alS" ober „biefer §alS"), em« pfiubet ber Patient meber «edjmerjeu ober Vefrfjmerben; mirb aber eine gemiffe ®reuje überfd)ritteu, fo bilbet fiel) ein Tropf („®ebirgSl)alS"; Struma, Goi- tre), ber nid)t nur mit@d)mer$en unb @ut« ftellung, foubern and) mit mannigfadjen Vefd)merben (Teudjen, SlthmungSbefdjmer« ben, felbft (SrftictungS« anfällen, it. a. m.) in $olge beS von ihm auf Vuft«unb @peiferöl)re nnb bie §alSfd)lagabern aus« geübten ©rud'eS üerbunben fein fann (f. gig. 306 nnb 307). (ye nach ber Verän« berung, melcpe baS ©emebeber @d)ilbbrüfe bei ber Vergrößerung erleibet, unterfdjeibet man verfd)iebene Tropfarten, nämlich ben „Ii)iupl)atifd)en Tropf", ber in mandjen ®e= birgStl)äleru in Verbiiibung mit ßretiniS« muS unb SBafferfopf eubemifd) vorfommt unb in einer trantljaften Sleubilbung von ©rüfengemebe bei gleichzeitiger Ummanblung beS normalen Inhalts ber £rüfeitbläsd)en in eine gallertartige SJZaffe befteht; ferner ben ,,®efäß« Fig. 306. Fig. 307. Kropf. ßropf (üergröfierte (Scfitibbrüfe) unb ßuftrötjre nebft Sfeljlfopf. 674 tropf", bei welchem fiep eigenartige Näume in ber Scpilbbrüfe bilben. ©ie ßntftepung beS ÄropfeS wirb burd) große Slnftrengungen, anhalten* beS duften, Niefen unb «Schreien, burd) ©ragen fd)Werer ©egenftänbe auf bem ftopf unb (bei Äinberu, namentlid) SNäbcpen) burdj anbauernb ge- büdteS Sipen („Schultropf") begüuftigt. ©ie eigentliche Urfache beS Kropfes ift noch nicht ermittelt, boep vermntpet man fie in einer anpalten* ben ber Sdplbbrüfe, bereu ®runb gehemmter Nüdfluß be§ non ftopf unb £>al§ fein foll. grauen Werben non biefem Reiben viel häufiger befallen, als SNänner. ©ie -03 e p a n b l u n g beftept in ber innerlidjen unb äußerlichen SInwenbnng von 3°b (3obwäffern bejw. 3°b* ober 3'obfalifalbe). @ie barf aber wegen anberiveitiger nad)* tpeiliger (gimvirtung beS (auf -Söruftbrüfen, u. a. m.) nicht opne ärjtlidje 23orfd)rift vorgenommen werben. 3:e eper bas gefdjiept, befto größer ift bie 2lu$fid)t auf Erfolg, ©er Patient pat natürlich alle ben Sölutvertepr mit bem ®opfe ftörenben @d)äblid)teiten (anpaltenbeS (Sdjreien, it. f. w.; f. oben) ju Vermciben. 25om ßpirurgen tann ber burep SluSfcpneiben entfernt ober burep (Sinftedjen ober (Sinfdmeibcn jum (Schrumpfen gebracht werben. Sßergl. Sßafebow'fdje Ärantpeit bei Nerven* trantpeiten. ©ie 53rnnjcfraufpcit (Bronzed Skin) ift eine (Sntartung ber 91 e = b e n n i e r e n, welche and) 21 b b i f o n ' f cb e ® r a n f p e i t genannt wirb, unb jwar nacp bem englifcpen Sirrte Slbbifon, ber juerft ba§ witfjtigfte Spmptom biefe§ ©unfelwerben ber £>aut bis jur färbung (namentlid) ®efid)t, §änbe unb Scpleimpaut beS fDiunbeS), mit (Srfrantung ber Nebennieren in brad)te. Weitere Spmp* tome finb: 9Nu§telfd)Wäd)e, SSerbauuiigSftörmigen unb nervöfe Zufälle bis ju wirtlichen ©hnmadjten. ©ieUrfacpen ber Entartung ber Nebeniiie* reu finb unbetanut. (Sbenfowenig wiffen wir von einer ® e p a n b l u n g ber weid)' leptere nid)t feiten unter epileptifcpen Krämpfen plöplicp jum ©obe füprt. 2(lleS, was ber Slrjt tpim tann, ift bie Kräfte bcS Patienten ju peben, bejw. möglicpft lauge ju erpalten- fttfliififictfcn bet jttßittititgöovgaite. Ärantpeiten ber SltpinungSorgaiie ■- be§ ßeplt'opfs, ber ßuftröpre, ber Zungen unb be§ $ruftfells*) - entwideln fiel) eutweber felbftftänbig ober treten im ©efolge anberer Frantpeiten auf. 3m erfteren ftalle, b. p. *) Heber bie .Qranfbeiten ber 9J?unb= unb Stfafenbople unb bcS S3ruftforbe£ f. Urcinfbcitcn ber SSerbauungSorflctne, ber SRctfe unb ber 23etoeflunflsorgane. 675 wenn nicht eine anbere Trautheit bie Sßeranlaffung einer Trautheit int 2lthmungSapparat ift, werben biefe geiben oernrfad)t: bnrd) alles, was bett OtefpirationSorganen im Üöiberfprnd) mit iljrem 33au nnb ihrer ppi)5 fiologifcpen ©Ipttigfeit zngemuthet wirb (übermäßige Slnftrengnng, (5inatl)s men fdjledfter, unreiner, 311 talter ober 311 warmer 8nft, anljattenbeS ®e* n. f. w.; f. @. 354 n. f.), ferner bnrd) medjanifdje (Sinwirtung (Stoß, Stid), (Einbringen mm grembförpern), bnrd) übermäßige Dielung ber SltfjmungSorgane (Spirituofeu, ®ewüqe, ©abaf), bnrd) (Srtältung (l)auptfäd)lid) ber giiße, beS 9iüdenSunb ber 9ld)fell)öl)len) u. a. m. GS ift hier am ''ßlafce, auf einen tranfljaften 3uftanb ber Schleim* häute emjugeßen, weldjer bnrd) Steigerung beS 23lutaiibrangS nad) ben Sd)leiml)änten ßeruorgerufeii wirb, b. I). auf beit (E a t a r r 1). Unter biefent Flamen üerfteljt ber ßaie gewößnlid) ein gegen welches man nnb heißen £l)ee trinten muß. ©iefe lanbläufige Shiffaffung beS Begriffs (Eatarrl) ift falfd). (Es giebt nid)t nur einen fonbern and) einen Waagen*, einen einen ©armcatarrl), u. f. w. 9llle Schleimhäute, b. f). jene §äute, weldje bie birect ober inbirect nad) außen mimbenben §öl)ten nnb Kanäle beS TörperS auStleiben (f. @.45), Werben bnrd) Dieijung nnb baburd) bewirtte Steigerung beS $3lutaiibrangS bejw. in Schwellung nnb erl)öl)teXl)ätigfeit biefen (ber Schwellung nnb üermeljrten Sdjleimabfoiiberttng), mit bem fiel) O* gemeinerfdjeinungen, wie fieber, $opffd)meqen, 9D?attigfeit, u. a.m., üem binben, nennt man aber (Satarrl). SBie eine große 5lti3al)l anberer organifdjer fo finb bie meiften ®rantl)eiten ber DlefpirationSorgaiie mit Sicherheit nur Dom 'Sirrte nnb jwar mittels beS 3M)lfopffpiegelS nnb ber pl)I)fifalifd)en 2)iag« noftif (Gefühlen, nnb ®el)ord)en) 31t erfennen. lieber biefe Unterfnd)ungSmetl)oben, auf welche wir aus ben auf S. 651 amge* gebenen ©rituben hier nicht näher eingehen tonnen, finbet ber Sefer ein* gehenbe Belehrung in einem @d)riftd)en („©er Specialarjt für Citiigeu* traute"), baS in bem gleichen Verlage, wie biefeS ®itd), erfd)ienen ift. 9lid)tSbeftoweniger giebt eS eine 9teil)e f n b j e c t i ü e r Symptome, Welche ben £aien mit ziemlicher (Gewißheit irgeub eine Trautheit im 2ltl)miiugS* apparat üermuthen taffen. Solche Symptome finb: ©er §nftcn (Cough), b. i. eine oeräuberte SluSathmungSbewegung (f. S. 178), bie bnrd) 9?eijuug ber Schleimhaut ber Luftwege refp. beS betr. Dleroen (SBaguS) heroorgerufen wirb, ift baS häufigfteSpmptomber ber 9lefpirationSorgaue. $11 mand)en fällen ift ber als ein Mittel, bie Sungenbläsdjen nnb Luftwege non unreinen Stoffen (@d)leim, Staub, 11. f. w.) 311 befreien, iüd)t 31t nnterbrüden; in anberen gälten, 3. -53. beim Teud)l)uften, wo ber duften bie (SrfticfuiigSgefahr 676 ßeranfbefdjwört (f. @. 479), iftbaS ®egentl)eil geratßen, b.l). bem reij fo viel Ivie möglid) 311 wiberfteßeii. 5ß?aS baS Slidjtige im einzelnen galt, wirb bei ben betr. ftranfljeiten angegeben, -3 m allgemeinen werfe fiel) bet Öefer, baß jeber Hnften fofort gehörig 51t beadjten ift (vorjiiglid) bei ftinbern). $eber l)at alle Qieijnngen von feinen Siiftlvegen abjnljalten, b. I). im gut ventilirten, erwärmten Rimmer 311 bleiben, falte (Sfeträiife 311 ineiben, n. f. w. 53g(. @. 677. ©er SlnSWurf (Sputum), baS 'ßrobnct ber übermäßigen (Sdjleim- Ijantabfonbernng, ift flüffig, jäl), luftljaltig, leidjtober fdjiver; er ift feiner $arbe nad) Weißlid), grau (bei beigeniifdjten ©tanbpartifeldjen), gelblid) ober grünlid) (wenn mit (Siter vermifdjt) ober (bei 33lntgel)alt) Ijell® ober bnnfelrotß. SDiitunter, 3. 33. bei Snngenbranb, fjat er einen anßerorbent* lid) üblen ©erndj. SlUe biefe 53erfdjiebenßeiten, wie reidjlidjer Slnswnrf überhaupt, finb wichtige Symptome (sitmeift für ftranfljeiten ber Sltlj- miingSorgane), weldje bei ber 33eurtßeilung ber ftranfljeiten nad) ben bei biefen angegebenen Sliiweifniigen and) bem Vaien bie ©iagnofe feines ßeibenS möglid) inadjen. ©ie fwiferfcit (Hoarseness) ift baS ©tjmptom eines fteljlfopfleibenS; letzteres felbft fann aber wieberum nur bie ftolge einer anberen ftranffjeit (ber Luftwege, Zungen ober SJinnbljöljle) fein. 33ei §eiferfeit conftatire man alfo Vorerft immer, ob bie Slffection beS fteßlfopfeS felbftftänbig ift ober nidjt nnb ridjte bann bie 33el)anblnng nad) bem 33efnnb ein. SBeitere foldje Slpnptome finb: ft n r 3 = nnb ® d) iv e r a 11) m i g ? feit, S(tl)emnotl) ober Snftßnnger, Slftßma, 33rnftflemnie ober 33rnftframpf (b. i. ßnftßnnger mit (Sd)iver- nnb ftnr3atl)migfeit; f. nnb ftranfßeiten ber Snftrößre) nnb 33rnft® f d) in e r 3 e n. 'Ter ßaie, ber ja immer gleid) geneigt ift, baS @d)liminfte aii3iinel)men, fei aber bavor gewarnt, auf ®rnnb obiger ©pmptonie allein eine ftranfßeit ber SltßmnngSorgane 31t biagnofticiren. !TaS fann, Wie gefagt, gewößnlid) nur ber 2(r3t mit §ülfe ber pl)l)fifalifd)en Tnagnoftif. ©ie 33el)anb(nng aller ftranfljeiten ber SltljmnngSorgane ift von §anfe ans ernft 311 nehmen, beim abgefeßen bavon, baß irgenbeine Siadjläffigfeit leid)t bnrd) einen organifdjen Rebler beftraft Wirb, geßen viele biefer ftranfljeiten bei versögerter ober nngeniigenber 33el)anblnng in ein fri)We* reS, töbtlid)eS <Sied)tl)inn über, ©ie §anptfad)e ber 33el)anblnng ift natürlid), alle jene ®d)äblid)feiten, welche baS Seiben ßerüorriefen, von bem erfranften Organ fernsnßatten nnb festeres inögtidjft 311 fd)onen nnb 31t pflegen, ©aneben ift eS reefjt wol)l möglid), bie ©enefnng bnrd) Heilmittel 311 förbern. Slber nirgenbs wirb in größerem Umfange nnb mit ineßr ®lücf auf bie ©nmml)eit beS fDtenfdjen nnb feine Slngft vor bem £obe fpecnlirt, als bei biefen ftranfljeiten (nnb benjenigen ber 53erbauungS= nnb 677 ?(n allen (Scfen imb (Silben werben „gegen bie Scpwinbfudjt", n. f. W. marttfcpreierifd) angepriefemmb finben reißenben ?luf biefen fträflid)en Unfug werben wir nocp bei ber Snngenfdjwinbfndjt znrüd'fommen nnb uns ljier nur barauf be= fcpränteu, an einem bie 9hi£lofigfeit nnb Sdiäblicpfeit folcper Ouaiffalbereieii barjiitpim. ©er §ufteu ift nur ein Spniptom irgeub einer Jungem ober SD?agenfranf[jeit. ©aranS ergiebt fid), baß ein Uiiioer* fal'§iiftenmittel ein Unbing ift, beim abgefepen batwn, baß mit ber £3e* feitignng eines SpmptomS (beS §uftenS) nocp lange uicpt bie Traufpeit felbft gepoben wirb, muß fid) and), ba baS Symptom ben twrfcpiebenften Trautheiten angel)ört, baS (£mftem)W?ittel nad) bem jeweiligen ©runbleü ben fiepten. 2ßaS nun bie fcpäblidje Sßirfimg foldjer ©eljeinnnittel anbe= trifft, fo fann biefelbe fdjon barin ipre Urfache paben, baß baSbetr. Glittet felbft fcparfe, fcpäblidje Stoffe enthält, welche ben Törper birect angreifen. Slber and) wenn baS uidjt ber $all ift, wenn bie „SDiebicin" nur unfd)ul= bige 423eftanbtl)eile enthält, iftbod) ber Schaben, ben fie anricptet, ein nner= meßlicper. ©ie foftbare 3eit, ba nocp unter tüchtiger ärztlicher Leitung eine Teilung beS UebelS möglich ift, wirb mit bem®ebrand) bergmmbng* mijtur oertröbelt, nnb erft bie unausbleibliche $olge batwn, bie Söenbung ber Traufpeit 311111 Schlimmeren refp. Unheilbaren, belehrt ben bebauernS* Wertpen ©poren 31t fpät, baß nicht nur fein ©elb, fonbern and) fein fofb barfteS ®nt, feine ©efnnbljeit, ber habfüd)tigen löeredjnnng eines Sdjwinb« lerS 311111 Opfer fiel! Tcid)t genug bamit. ©ie meiftcn teilte, Welche il)V £>eil in ber 91n= wenbnng twn 'ißatentmebicinen fliehen, leben jngleid) in bem Stabil, bap fold)e Mittel alle hbgieinifchen gegen bie $rcmfl)eit nbew flüffig machen. 9cacl) ihrer 9lnfid)t fann ber Sd)Winbfiid)tige ungeftraft im ©abatSqnalm fipen ober fid) in einem ftembigen nnb zugigen tobtmübe tanzen, Wenn er nur „'ißrof. (Sifenbart'SSd)Winbfnd)ttöbter''nad) Sßorfcbrift (qnarb refp. bollarweife) confnmirt. SßaS biefe Sterblichen bod) für ©l)oren firt*5 ' 3eiw hhgieinifd)en SJiapregeln, Wie bie trautem pflege überhaupt, finb bei ben meiften bie §anptfactoren ber ©enefnng. W?el)r noch als bie biätetifepen 23orfd)riften in franfen ©agen hnben bie $orfid)tSmapregeln zur Verhütung twn Trautheiten beim ber SOienfd) fann, wie fepon öfter gejagt, niet eher Trautheiten verhüten, als heilen, ©ie 23orfichtSinapregeln zur Verhütung twn Trautheiten ber ?lthmnngSorgane ergeben fid) aber aus bem, oben über bie Urfadjen biefer Reiben ©efagten. 3J?an nermeibe biefe Urfacpen, bewapre ben 5ItI)mimgS* apparat bor allzu großen Slnftrenguugen, fdilediter £nft, 11. f. w. nnb ben Törper tmr (Srtältimgen, nnb ber genannte Apparat wirb wie jebeS Organ, 678 beut gehörige ©djonung unb 'ßflege 3utpeil werben, gefunb bleiben. Sor« auSgefept ift babei, baft bie (Sonftitution beS H)leufd)en in bet ©efunbpeit windelt, b. I). baff feine ©ispofition ober Slnlage (©iatpefe, f. ©. 402 n. ff.) 31t einer Äranfpeit ber SltpmungSorgerne vorliegt. Sei vielen £D?eufcpen ift nämlidj bie (Smpfinblidjfeit gerabe biefer Organe in $olge einer (erworbe- nen ober ererbten) ©ispofitiou eine aufjerorbentlicpe. ©olcpe 'ißerfoiien erfranfen 5. S. bei ber geringften (Srfältimg unb oft and) ohne irgenb eine nachweisbare Seranlaffung an (Satarrpen in bem 9lefpirationSapparat. (SS bernl)t bieS, nochmals gefagt, auf einer - catarrpalifcpen - ©ispo« fitiou, unb bariim müffeit fo veranlagte Seute hoppelte Sorfidjt gegen bie, beu SlthmiingSorgaueii feinblicpen ©cpäblicpfeiten attSüben unb babei burep gaua allmälige (Gewöhnung au teilte (fühle SIbwafdjungen, 11. f. w.) ver« fliehen, bie SltpuiungSorgaiie abjuhärten, bejw. bie ÄranfpeitSanlage 31t fd)Wäcpen ober gauj 311 befeitigen. ©amit foll nicht unvernünftigen Slb« härtniigSproceburen baS Sßort gerebet werben, weil bürd) biefe ber Körper nur gefcpwäcpt, ober eine gerabe3U pervorgerufen Werben würbe. Slber wie eine ftufenweife ©ewöpmmg beS Körpers an $älte biefen über« paupt für Äranfpeiten weniger empfänglich macht, fo ift ein berartigeS Slbpärtuiigsoerfapren befonberS Leuten mit einer ©ispofitiou für (5r* franfniigen ber SlthmungSorgane 31t empfehlen. 3Bie eine (Srfältung 311 ©taube fommt, würbe fdjonauf ©eite 212 erflärt. (Sine catarrpalifcpe ©ispofitiou 3eigt fiep nun bei einer (Sr« fältuug gewöhnlich nicht nur burep bie auperorbentlidje (Smpfinblidjfeit ber betr. gegen $ätte im allgemeinen, fonberu befunbet in ber Siegel auch eine Sorliebe ber (Srfältiing, b. I). beS SlutanbrangS nad) innen, für einen beftimmten SlngriffSpunft. Sei beni ßinen ruft (Srfältimg faft re« gelmäfng eine (Srfranfung ber SlthmniigSorgane hervor, währenb fie bei bem 'Darmcatarrh unb bei bem ©ritten ®elenfrheumatiSmnS 311 verurfad)en pflegt. Unb beSpalb follen 3. S. mit fchwinbfüdjtiger ©iSpofitiou fiel) uid)t nur vor örtlichen 9?ei3iingen ber ©djleimhäute beS ?(tl)innngSapparatS (©abafSqualm, ©taub, falte Vuft), fonberu and) vor (Srfältuiigen überhaupt in ?ld)t nehmen, eine (Srfältung eingetreten, fo fcljaffe man fiel) biefelbe fcpleiinigft vom §alfe. 3tt bem 3wect nehme man, fobalb eine (Srfältuug befürd)tet wirb, ?fbenbs vor bem im warmen ein warmes Sab ober Q r w a d) f e 11 e nehmen gleid)3eitig eine ©ofis ßpiitiu (etwa 5-8 ®ran) mit | ®ran SJZorppin (Sorficpt, ja niept mepr!) ein, wäprenb man Äinbern eine ©affe peipeu Äamillentpee mit einigen ©ropfen 'ßaregoric (bei 2 3'apven 2, bei 4 3apreu 3, bei 6 4 unb bei pöperem Sliter 5 ©ropfen) eingiebt. ©aS ©d)(af3immer fei warm, unb püte mau fid), wäprenb beS ©djlafeuS fid) blofonbecfen. 679 ©ie Trautheiten be« Tehltopf«, welche im allgemeinen bie gleichen Urfacpen haben, wie bie Trautheiten ber aubereu 9tefpiration«organe (f. S. 675), werben hanptfäd)lid) bitrd) folgenbe <Sd)äblid)teiten herüorgerm fen: Ueberanftrengung be§ Teljlfopf« (anhaltenbe« laute« Sdjreien, (5oiib manbiren ober Singen), (Sinathmen fdjlecpter Suft (Staub, fRaud), ©a® baf«qualm, ®afe, u. f. w.), (Srtältungen (oornehuilich ber $iiffe unb be« §alfe«) unb ©enuff falter ober 311 heiffer ober reijenber Speifen unb ©etränfe, bie befannttid), wie alle auberen 9?ahrung«mittel, über ben Tepltopf refp. ben Tefjlbectel hniweggleiten müffen, um in bie Speife* röhre 31t gelangen. Sefonber« fdjäblid) ift e«, falte imb heiffe Speifen in rafcper Slufeinanberfolge ober falte ©etränfe in erhiptem 31t fid) 31t nehmen. Trautheiten be« Teljlfopf« ftellen fid) ferner im (befolge anberer Trautheiten ein (HRafern, Scharlachfieber, Joelen, ®efid)t«rofe, ©iphtheriti«, 8nngenfd)Wiiibfitd)t, Spphili« unb Treb«); namentlich bie ,QeI)lfnpfö. Fig. 308. Fig. 309. @tiVT>itittfcl)e§ &eljlfobfgge= fcfjiDür (am üefilbecEei). SSerfcfjtoärurtg be§ SefilbecJeB itnb bet <Stimm= bättber in golge Bon <Si)£ljilt§. beiben letztgenannten, conftitntionellen Reiben, unb Trebs, bet> anlaffen gern örtliche Tel)lfopf«leiben refp. (f. $ig. 293 nnb $ig. 308 nnb 309). Sehr oft pflanjen fid) and) SIffectionen ber sJJ?unb()öl)le auf ben Teljltopf fort (f. 9?ad)encatarrl), Trautheiten ber BerbauungSorgane). ©ie Symptome biefer Trautheiten finb 9tötf)e nnb Schwellung ber Tehlfopffd)leimhaut, ©rocteiipeit, Sdjmerj nnb Tratzen im §alfe, Wjeim nnb Sdjlnd'befdjwerbeit, §uften, SluSwurf, §eiferteit nnb 9?anl)igfeit ober ©onlofigfeit ber Stimme nnb Brechneigung. SDiit Sicherheit finb bie $'el)l= fopfsfranfheiten aber nur bom 2Irjte mittel« be« (f. „Specialaqt für ßungentrante") ju biagnofticiren. lieber bie Behänd lung ift im allgemeinen ju fagen, bah bor allen ©ingen bie ursächlichen Sd)äblid)feiten ober Trautheiten gemiebeu bejm. befeitigt merben miiffen, unb bah lebe« §al«nbel ernft ju nehmen ift, weil e§ in ber $olge fehl' langwierige unb läftige ober gar unheilbare ßeiben beranlaffen t'ann. Befonber« borfichtig miiffen ßeute fein, weldje eine Einlage (©Upofition) ju Tehlfopf«tranfheiten Soldje füllten burd) g an* 680 allmältge unb v o r f i d) t i g e © e w ö lj n u n g beS $alfeS an falte Suft unb falteS Sßaffer bie $el)ltopffd)leimf)aut abjuljärten, b. i. bie 2(n* läge 31t S?el)ltopfsfranfl)eiten verfudjen. Ter catarrf) (Catarrhal Laryngitis), bie oben (S. 675) befd)riebene Grfratifung ber iveldje babei nur tßeil* weife ober in iljrer ©efammtljeit afficirt fein tann, tritt entweber plöplid) ein ttitb Verfcbwinbet bei geeigneter pflege halb wieber, ober entwickelt fid) langfant unb befteßt fUZonate unb Saljre Ijinbnrd). Grftere ftorm ift ber acute, letztere ber d) r 0 n i f dj e ft e t) l f 0 p f c a t a r r lj. Tnrd) 33er* nadjläffigung eines Gatarrßs tann ans biefem ein djronifdjer fteljlf'opfca* tarrl) entfteljen. 33etbe formen verbreiten fid) I)äufiß and) auf bett obe* reit Tljeil ber Suftrößre (Tradjealcatarrl); f. Siiftrößreiicatarrlj). Ter acute ft e lj 110 p f c a t a r r I) wirb meiftenS burd) Grtältung unb bnrd) nnvorfid)tigeS Ginatljmen falter Stift unb Trinten falten 353afferS in er* bitftem 3uftanbe (beim Tanken, GiSWaffer int Sommer, 11. f. w.) fjervor* gerufen. Tiefes Seiben madjt bem Patienten (mit SlitSnaßnie ber ftinber; f. fpäter) gewößnlid) nur geringe 33efd)Werbcn (ftipeln unb 33renneit im §alfe, Siaußigteit ber Stimmen refp. §nften, erft büniiflüffi* ger, fpäter fd)leimig*eiteriger 3lnSWttrf) unb üerfdjwinbet bei geeigneter 33 e I) a 11 b l n 11 g in wenigen Tagen. Selftere befteßt im Ginatßmen warmer Stift (bie Sinimerteniperatnr barf nidft unter 76° F. fallen) ober warmer SBafferbämpfe, im 33erabretdjen non warmen Getränten (9D?ild), 33rnft* tljee, tt. f. w.) unb von größeren Tofen Gljinin unb in 9iul)e unb Sdto* nting beS Gitten gefäfjrlidjeren Gljaracter Ijat ber acute ß'eljlfopfcatarrlj faft immer bei $ i n b e r n , ba in ber Gttge beS finblidjen ÄeljlfopfS eine Sdjwellung beSfelbett ßodjgrabige 9(tl)emnotl), pfeifeube, raffelnbc Ginatpmung unb felbft GrfticfuugSgefabr Ijerlwrrnft. Sobalb biefe ®efal)r eintritt, was in ber Siegel gauj plöplid) 9?ad;tS gefdjieljt, mtdjbem bie SlbenbS anfdfeitieiib ganj gefunb jubelte gegangen finb, rufe man einen 2Iqt Ijerbet unb lege biSjitbeffenSlitfitnft bem Senfteige ober in beißeS Gaffer getauchte unb Widder anSgepreßte Sdiwämme ober Tüdjer auf baS 33rnftbein unb bie vorbere Sm übrigen ift bie 33el)anbliiug beS Heiner $inber, weldjer wegen ber feiner Spmptonie mit benen ber 33ränne (f. fpäter) and) mit bem befonberett kanten „f a l f d) e 33 r ä n 11 e" ober f e n b 0 c r 0 u p" bejeidjnet wirb, biefelbe wie bie beS acuten Grwadjfetter. Ter djronifdje $el)ltopfcatarrl) ift meiftenS eine $olge berufsmäßigen GiuatljmeitS fd)led)ter Suff (33äder, 9)iiiller, Steiußaiicr, ©las* 1111b 2J?etallfd)leifer, Arbeiter in djemifcfjen ftabriten, tt. f. w.) ober von Ueberanftrengniig beS Äeljlfopfs Seljrer, n. f. w.) ober 681 einer aiibereu (eines 9M)encatarrl)Snad) übermäßigem £abafS* ober (Spirituofengenuß, eines acuten $el)ltopfcatarrl)S, <Si)pI)iliS, (Sd)Winbfud)t, u. a. ui.) Gr ift eine läftige, felbft $al)re anljaltciibe Äranfljeit, tveldje fid) bnrd) ftete £>eiferfeit, Ueberfctjnappen unb gonlofig* feit ber (Stimme, §uften, fd)(eimig*eiterigen, mitunter mit 4ölut vermifdj* teil Sluswurf, £ro(fenl)eit in ber $ef)le, Sltfyembefdjwerben unb (Sdjmerj unb Gmpfinblid)feit gegen £)rmf in ber ®egenb beS $el)lfopfs funbgiebt. 5?ie eljanbluu g muß juerft bie ®runburfad)e befeitigeu. 2£er bnrd) feinen iöeruf gelungen ift, fd)led)te ßuft einjuatljmen ober viel 31t fpredjen, muß biefe 53efd)äftiguug uub außerbem ben ®enuß von <Spiri* tuofen, gemüllten (Speifen uub Xabaf längere £eit aufgeben, ©ie 9?al)rung fei leidjt Verbaulid), unb 31t* gleid) adjtemanbarauf, baß bie 5luSfd)eibungSorgaue orbeutlid) fiinctiouiren. Gute Teilung ift nur von ber Befolgung biefer uub aller einfdjlägigen f)i)gieiui* fd)cn 23orfdjriften unb von einer örtlidjen 311 erwarten, unb letztere befteljt bei geringeren ®ra* ben ber im ®ur* gelu mit £annin*, Sllauiv, ober Gl)lorfalilöfuug (| Xßeeloffel auf 1 ®laS weidjeS STmffer). SDian Ijiite fid) aber, von ber letztgenannten Söfiing etwas 511 oerfdjlutfen! 9lod) beffer ift eS, biefe So* fungen bnrd) ben (f. gig. 310) ober in £)ampfforin mittels beS 3!i'l)alatiouSapparateS (f. Big. 311) auf bie erfranfte $cl)l* fopfspartie 311 bringen. 3um (Ginatpmen) empfehlen fid) fer= ner bie in 9iecept 9lo. 30 angegebenen £öfungen. Sille biefe Mittel fallen aber uidjt meljr als 3mal beS XageS unb nidjt länger als je 5 Minuten augewenbet werben. 53ei ßartnätfigen formen, bei beueu fid) and) @e» fdjwitre uub auf ber(Sd)leiml)aut bilben fonneu, muß ber Str3t Siebungen beS mit §öllenftein ober Gl)lor3inf vornehmen. Sir* beiter, weldje wäpreub ber Gur ißre bem Äel)lfopf fd)äblid)e 53efd)äftiguug nid)t aitfgeben fönnen, füllten wäßreub ber Slrbeit eineu Diefpirator (f. (S. 390) tragen. ®aS empfiehlt fid) and) für gefunbe Slrbeiter ber oben ge* nannten -©enifsflaffen beljufS 23erl)iituiig biefer Fig. 310. gerftäubungSapbarat. ®ie bett, glüffigfeit totrö in bie glaube gegoffen, legiere bann ivieber bnreb ben pfropfen mit bem ©lasroljr »erfdjloffen unb barauf bnrd) ©rüden auf ben lufthaltigen ©umntiball bie gtüffigfeit aus bet ftlafcbe reft>. bnrcl) bie SKünbung ber gebogenen IRöljre nacl) aufjen in (Staubform entleert. 682 fJteecpt 9?o. 30. ßmn Jfnfmliren, 3mal täglicl) je 5 SOcinuten lang. - 2 ©ract)= men gidjtenöl unb 2 Oran fofdenfaure (Weifje) SDtagnefta werben mit 2 Unjen SBaffer bcrmijcfft; babon Wirb 1 ©raetnne (ungefähr ber 18. Stjeil) mit einem Sßint I)eifjem Sßaffer (150° F.) bermifdjt unb in ben flettjan. - Ober: je 2 ©rahmen ßreofot unb Oltycerin auf 2 Unjen Sßaffer. - Ober: J ©ractfme (Sarbol- fäure unb 2 ©radjmen ®It)cerin auf 2 Unjen SBaffer. Fig. 311. SnljalattonSapparat. Sn bem SIpparat hefinbet fiefj übet ber Campe ein (höchftcns bis jur fpälfte) mit beftillirtem 2Baffer gefüllter Steffel. ©aS fentredjt ftetjenbe ®la§rö!jrcljen, ba§ an bem n)agerecf)= ten befeftigt ift, reicht in ein SRäpfcfien, ba§ mit ber ju tnljalirenben glüffigteit gefüllt Wirb. (Serätlj nun baS SÖaffer in'§ Sfacljen, fo ftrömt ®ampf au§ bem toagerecljten Stöljrdjen unbmifcljtficb babei mit SUjeilcßen ber betr. g-lüffigfeit, Welche burch ba§ fentrechte 9iöhrcl)cn auffteigen. ©er Patient fefce fich in gleicher £>ölje mit ber ©ampfröljre, etwa 1 bi§ 2 guß bon biefer entfernt, nieber unb siehe bei etwas surüctgebeugtem Stopf unb mit weit geöffnetem löcunbe ben ©aiupf in langfamen, regel' mäßigen Slthemsttgen ein. Slu§ berfdjiebenen Urfachen, namentlich aber int Verlauf hartniicf'iger bilben fiel) auf bem Äehlfopf SBuchernngen, von benen man jwei Slrten 31t nnterfcljeiben Ijat. £)ie eine 2lrt, welche im wefent* liehen bnreh wnehernbe Gilbung von glimmerepithelien 311 ©taube tommt, Wirb IßalnlfargeithttJttlfit (Papilloma ; f. gig. 312), bie anbere (Polypus) genannt. £)iefe finb nicht „fibröfe" b. I). 53inbe= gewebswucherungen (f. 630), fonbern Tcenbil* billigen ber entjiinbeten (hhperamifchen) ©chleinu haut, b. i. „Schleimpolhpen". Sowohl gefchwulfte, alß auch ledere meift geftielt, auf ben Stimmbänbern ober wenigstens in bereu nächfter Umge* bnng unb vernr[achen §eiSerfeit, StiminloSigteit, ?(themnoth ober gar (Sw StidungSgeSahr. ©roljt leijtere, So Suib bie 9ieubilbnngen vom Slrjte bnrcl) operativen (SingriSS von ber SOhmbhöhle ans (SIbSchneiben, SIbSchniiren, SlbqnetSchen, n. S- w.) 311 entfernen. Fig. 312. SßaVinargefctjhntlft am linlen Stiininbanb. 683 ©aS ober (MlottiSöbcnt (Oedema Glottidis) ift eine waffer* fi'u'ptige Shifd)Wellung bet ß'eplfopffdileimpant (namentlicp beS $el)lbedels inib ber oberen ©timmbänber). ES ift meift entjünblidjeiiUrfprungS nnb wirb bnrd) Verbrennung ber Dhupenfcpleimpaitt mit peifjeit ober äpeuben g-lüffigfeiten, burd) Vienen* ober SßeSpenftidje im 9tacpen (f. ©. 546), burd) Einbringen Don ©rembförperit (Vrobfrumen, gifcpgräten) in bie bnrd) benacpbarte ®efd)Wiire nnb burd) anbere (©d)ar* lad), 9J?aferii, UnterleibStpppuS, Vrigpt'fcpe Vlutftodung in ben Venen bei n. a. m.) verurfacpt. ©urcp bie Slnfdjwel* hing wirb ber Bugaug jur ßuftröpre gefperrt nnb tritt plöplicpe Er* ftidungSgefapr ein, weldje nidjt burcp innerlicpe SQiittel, fonbern nur bitrd) fofortige operative £>iilfe (Einfepuitt in bie ©efcpwulft ober Suftröpren* fdjnitt) ju befeitigen ift. ©er ©tinunripenfrinnpf (Spasmus Glottidis) ift eine nerüöfe peit beS $inbeSalterS, weldje in einem krampf ber ©cpliefnnitSfeht ber ©timmripe beftept nnb in periobifdjen Shifällen (bis jn 20 ober 30 an einem ©age) namentlidj 9?acpts auftritt. $n ber geit feplen alle ©pmptome einer ©ie Slttfälle tommen entweber plöplid) opne Vorboten, ober werben burcp Unrnpe mit ©cpreien eingeleitet. Sßäpreub berfelben fcpnappt baS ßinb miipfam ttacp Sltpem, baS ®eficpt wirb blaurotl), bie Singen verratpen pöcpfte SIngft nnb Unrnpe, ber ®opf fintt nad) pinten, §änbe nnb güpe finb fd)laff ober jncfen frampfpaft nnb wäprenb ber htrjen, ftopweifen Einatpmnngen (opne mnng) werben oft pfeifenbe ober fräpenbe (Sdjreie awSgeftoßen. 9lad) einigen ©ecnnben ober DJiinnten pört ber SInfall mit einer pfeifenben Einatpmnng auf, worauf nad) einiger $eit ein neuer eintritt. $ii feltneren fällen erfolgt wäprenb be£ SInfallS (wegen Verengerung ber ©timmripe, f. $ig. 313) ©ob burd) Erfticfen. 9)iit sniiepmenbeni Sliter nimmt bie jgapl berSInfälle ab, bis bie ßranlpeit fdjlieplid) ganj erlifcpt. ©ie Urfadje berfelben, bie wegen iprer Slepnlidp feit mit bem Slftpma and) „31 ft I) m a ber Äinber" genannt wirb) ift fcplecpte Ernäpntng; namentlicp mit 9?pacpitiß bepaftete Äinber (f. ßranf* peiten ber $nocpen) werben von fokpen Slufällen peimgefucpt. ©ie Ve* p an blutig beftept barnm pauptfädjlicp in einer jwecfmä fügen Ernäp* rung be§ (f. III. $ap. nnb fpäter bei 9ipad)itiS). ©aneben ift für guten ©tuplgaiig tinb baS gernpalten aller ftarfen (Erfcprecfen, lautes Slnrufen im ©cplafe, u. f. w.) jit forgen. SBäprenb ber Shifälle lodere mau bie Kleiber, pebe ben $opf in bie §öpe, befpripe ®efid)t, Vmft utib bilden mit faltem SBaffer, reibe Vruft nnb bilden nnb gebe 10 Fig. 313. etunmntenframvf. 684 tropfen Sfteeqwiebelfpritp (Hive Syrup) ober einen £ljeelöffel 23rech« ein; ober man bringe baS fofort in ein Warmes 23ab. Tie Stimmbnublähuiung (Paralysis of the Vocal Muscles) ift eine tljeilweife ober vollftänbige Zähmung eines ober beiber Stimmbäuber (f. fyig. 314 nnb 315), Wobei bie Stimme untlar nnb nidjt meljr beherrfdjt wirb („überfd)nappt") ober ihren Slang ganj nnb gar Verliert. Tie Ur« fachen biefer (uervöfen) Srantheit finb meiftenS Ueberanftrengniig beS StimmorganS ober Giiiathmimg fel)r I'alter £uft (namentlich bei Vorbau« benem Sehlfopfcatarrl)); anberbem tarnt fie burd) Trud' von ©efdjwüren auf bie Stimmbaiibiierven ober burih Srantljeiten, 5. 23. Group, Tippthe« Fig. 314. Fig. 315. aSonjtänbiae ßäljmung be§ lin= len ©tintmbanbcS. Xtjeiliueife Sifßinimcj Beibet ©titnmbänber. ritis ober Sdjarlad), veranlaßt Werben. Oie 23 elj an b 1 im g, weldje natürlich mir erfolgreich fein wirb, wenn bie betr. Diemen nnb iljr Gen« trnm noch lebensfähig finb, ift Sache beS nnb befiehl in ber Sim wenbung von Glectricität. SBäljrenb ber Gur hat ber Patient baS Stimm« organ auf jegliche SBeife 311 fdjouen. . lieber S e 1) 110 p f f d) w i n b f u 4) t f- Srantheiten ber Cnngen, Sun« genfchwinbfudjt. ©erdraup ober bie häufige ©rättue (Croup, Hives) ift eine meiftenS S'inber (mehr Snaben, als SJläbdjen) im Sliter von 2 bis T fahren falleube Srantljeit, Welche Slehnlidjteit mit ber ©ipl)tl)eritis hQt uub, wie biefe, häufig bnrdj einen Vorgang in ber Sladjenhöhle eilige« leitet wirb. $11111 llnterfdjiebe merfe mau fid), baß bei bem Group Sehl« topf 1111b Luftröhre fdjineqen, refp. gegen ©ruef von außen fepr empfinb« lieh fiub, n,aS bei ber ©iphtljeritiS nicht ber jyall ift, nnb baß bie pod)« grabige DJlattigfeit, welche fiel) gleich 23eginii ber ©ipptperitiS einftellt, im erften Stabilem beS Group nicht vorpanben ift. ©aS Söefcn bcS Group, ber feinen Sih in bem Sepltopf, ber ßuftröpre nnb bereu 23er$wei« gungen hat, beftept in einer fibrim, b. h- faferftoffreichen („cronpöfen") SlnSfchwihung, bie in ben betr. Organen halb ein röhren« ober hantförmi« geS GJerinnfel bilbet („häutige 23räune"). ©iefeS Gpfubat fchliejjt bie Luftwege nnb verl)inbert baburd) ben Siiftjutritt 311 ben Zungen (f. gig. 816). 3m ©egenfah jn bem „falfcljen Group" (f. S. 680) befällt bie 685 päntige 23räime, bereu gcwöpnlidje Urfadje Grtältnng ift, fetten ein nnb bacfelbe ftinb nieprmalS. Slpnp tonte nnb Verlauf. 3n ber Sieget be- ginnt ber Group unter ben Grfdjeinungen eines acuten ileplfopfcatarrps (f. <S. 680). Slber and) opne biefe 23or« boten tritt (gewöpnlicp 9lad)tS) ber erfte „Groupanfall" ein. ©aS ftinb ringt ploplicp unter ben £eid)en ber GrftirfungS« gefapr (groffe Unrnpe, bnnfelrotpeS ober blaues ©eficpt, pfeifenbe £>ervortreten ber Singen, ängftlicper ©eficptSanSbrud) nad) Sltpcm; babei ift bie Stimme peifer, tonlos nnb baS SltpinnngSgeräufd) fägeartig, fcpuarrenb nnb fd)on von weitem pörbar, nnb gefeilt fid) ein eigentpiimlicper, träpenber ober bellenber, t rod euer („Grouppnften"). ©erartige GrftidungSanfälle, welcpe iticpt mit benen beS acuten föeplfopfcatarrps ju Ver« wecpfelti finb (f. S. 680), Wieberpolen fid) nnb werben im weiteren Verlauf ber Äraidpeit päufiger nnb peftiger. Später mad)en fie aber, falls baS $iiib nicpt einem foldjen Slnfall erliegt, einer banernbcn Sltpemnotp Wobei bie Patienten immer pinfälliger, falt nnb blaff werben, nnb fepliefflid) ber ©ob unter 23ewiifftlofigfeit eintritt. 3n günftigen fällen fommt eS nid)t 31t jenem Verfall, fonbern nimmt bie SItpemnotp ab; baS ®efid)t Verliert nad) nnb nad) feine bläiilidje Färbung, nnb ber duften wirb feucpt (fcplei« mig, mit fyaferftofffepen ober -päiiten Vermifd)t). GS erfolgt bann ge- wöpnlid) bis fpätefteuS 311m 12. ÄrantpeitStage unter ben Grfdjeimtngen eines ÄeplfopfcatarrpS ©enefnng. 91ad) berfelbeu bleibt päufig längere $eit §eiferleit 3iirüd. ©ie 23 e I) a 11 b l n n g follte einem tiid)tigen Slqte vorbepalten bleu ben nnb muff möglidjft friil)3eitig begonnen Werben. 3ft äqtlidje §ülfe nicht 311 pabcn, fo paffe man auf, ob ein baS püftelt, bei ©niet auf Äeple nnb Suftröpre ®cpmer3 einpfinbet (bei flehten Äiiibern nur am ®e- bapren, Sdjreien, Sßeinen, 11. f. w. 311 merten), nnb ob bie Shupenpöpte an nnb pinter ben SWanbeln ent3iinbet (gerotpet nnb gcfcpwollen) ober gar mit einem bebed't ift. 23ejapeuben $alls beftreiepe man vorfieptig bie betr. Partien beS StadjenS mit einer §ö(lem fteinlöfiing (| Scrupel §öl(euftein, Nitrate of Silver, auf jebe Uii3e be- ftillirleS SBaffer), laffe Warmes $alfwaffer eiuatpmen nnb reidje ein 23red)' mittel (f Stecept 9?o. 31). ©reift bie flranfpeit weiter um fid), fo wieber- pole man baS ©arreidjett von 23red)mitteln, fo oft bie SItpemnotp beäug« ftigenb wirb, erpalte baS ßrantensimmer fortwäprenb mit warmen SBaffer« ober noep beffer Äalfwafferbämpfen (von 85-90° F.) erfüllt nnb lege Ft«. 316. gaierftoffaerntnfel in ben iliiftroecjen. a)®icbeiben9(efte ber Suftrötjre (b). 686 auf ben §alß Warme (S3rei« ober Sal3Waffer«)Umfd)läge auf, toelcße mit äßacßßtaffet ober ©uttaperdjapapier luftbidjt 31t unnviefeln finb. 9Nan fauu and) £>alß unb Sruft mit einer SNifdjimg mm Serpentin unb Salatöl Qu gleichen ©ßeileu) eiureiben. ©aß SSerbampfen beß SBafferß gefdjießt am beften, inbent man im £immer einen Söafdjfeffel mit fodjenbem SBaffer fteßen ßat, auß welcßem in finden SBäfdjeftücfe ßerauß« gezogen werben. $ft baß Rimmer 9r°fä ober werben bie SInfälle immer bebroßlidjer, fo ßänge man biefe banipfeuben SBäfdjeftücfe nm baß 33ett ober ßülle lefjtereß mit ©üdjern oben uub auf ben ©eiten ganz ein unb taffe unter biefelbeu ben auß einem „(Eroupfeffel" ein« ftrömen (f. $ig. 317). ©er Patient barf abernidjt 31t naße an bie tjeifjen ©ämpfe gebradjt Werben, bie Singen beß Traufen finb burdj SInflegen eineß Sudjeß ober ber §äube 31t uub mit bem (Ein« laffen von ©ampf unter bie S3ettnmßülluiig ift fofort anfjuljöreit, wenn baß Sltßmen be« fdpverlidjer wirb (vergl. „Specialarzt für ßuitgenfranfe"). ©aß Rimmer ift bitrdjCeff« neu eineß [yenfterß im Nebenzimmer, oljne baß bie geriugfte 3ngluft entfteßt, 31t lüften. $ei ®d)Wäd)e,3Uftänben gebe man VouNecept 32. S3ei ßeftjgen (Erfticfumgßanfällen verfaßre man, wie bei beut ißfenbocronp (f. S. 680). ©ie ©iät befteßt für $inber unter 2 Oaßren nur auß SNilcß; ältere föinber mögen außer« bem geringe SNengcit 9JM)Ifpeifen erhalten. 3n bößartigen fällen muß ber (je eßer, befto beffer) ben ßuftröljrenfdjnitt (©radjeo« tomie) vorneßmen, b. ß. einen Ntngßfdjnitt in bie ßuftrößre madjen, in welcßen eine ßanüle eingefdjoben wirb (f. „©pecialarjt für Sungeutraute"). - Sßäßrenb ber ©enefung ift ber Patient ganj allmälig wieber an füßtere Sitft (im 3nnmer) 311 gewößnen, ßat fiel) vor Slnftrengungen beß Stimm« organß unb vor (Srf'ältungen 31t ßüten unb träftige, leidjt verbaulidje (ja nid)t reizenbe) Naßrung 31t fid) neßmen. Später fudje man ben §al§, aber ebenfallß nur ganz allmälig, bürd) (Entblößung uub falte Slbwafdjun« gen absußärteii. 9?e cev t 97 0. 31. (23reif)inittc(). Äifeeln beß Dlacbcnß mit einem geberbart; ober man ftccfe ben ginger in ben ®cl)lunb. - - I)öd)ftenß 3 ®ofen toon je 1 SEljeeWel für Äinber unter 2 Satjrcn unb je 1 (Sjjtöffel für ältere fiinber - biß Srbredjen erfolgt. - Ober man mifd)e einen ©jjtöffcl SBrcdpvurjetyuIvcr mit einer SEaffe marinem Sßaffer unb gebe batoon, mie non bem Vorigen. - Ober Scnfmeljl unb Sßaffer ober 9llaun unb SOlclaffe (Molasses) cfjtöffclweife, biß ©rbredjen erfolgt. ■- Ober man Fiff. 317. SÄSÄBeÄÄ wettet bür# bte lange tRöbre. 687 mifdje 10 ®ran fchtDcfclfaureg Hupfer mit 1 Unge Kneter unb 2 llnjcn SBaffer unb gebe bciüon ©ofen Don Je 1 ©heelöffel. - Stile biefe SKittel finb bei Stüdfebr ber SI tf)eml>e= fcblDcrben (Staffeln in ber ßuftröhre unb Slthemnotl)) Don Steuern 31t geben. 25ei ganj Heinen Hinbern gebe man fie aber nicht öfter alg alle 5 ©tunben. - ©chtuangcre unb Welche an §crj= ober fiungenfranfheiten ober ®el)irncongejtionen leiben, füll- ten nie Don ®ebraucl) machen. SicccptSlo. 32. SBhiäfel) ober 33ranbt) in ©ofen Don 10 ©ropfen big | ©hees löffel alle 2 big 3 ©tunben. - ©chiDcfclfaurcg Sljinin, alle C big 8 ©tunben in ©ofen Don 1 ®ran für Hinber unter 3 fahren unb in ©ofen Don 2 ©ran für ältere ffinber. - ©ber Gifendjloribtinctur, alle 5 ©tunben in©ofen Don Je 1 ©ropfenfür febegßebeng= Jahr beg Hinbcg; in Sßaffer 3U geben. Uranffjcitcn ber ßuffröljrc. ©ie Suftröljre unb iljre Verzweigungen (f. S. 169) erfranten unter beufelben Vebingungen, wie bie anberen 9?efpiratiouSorgaue; ba aber bie ßuftröljre uub bie Vrond)ien ba$ SeituugSroljr für biet'uft und) (uub non) beu Suiigen bilbeu, fo liegt eS ualje, bap befonberS baS Giiiatl)uieu 311 faltet ober burd) Staub, SRaitd), u. a. ui. verunreinigter Shift Äriiufljeiteu ber ßuftröljre uub ber Vrondjien Veranlaffen Wirb. Sel)t oft nehmen biefe ihren Urfprung and) von beut SQluub, beut 9tad)en, ber Dlafe unb beut ober „von unten", b. I). von ben ßungeit, aus, iubemfidj eine (Srfraiitung eines biefer Organe beu öuftwegen mittljeilt, unb aube= rerfeitS pflanjen fid) nidjt feiten Trautheiten ber Luftwege auf bie gütigen fort. Sitte Trautheiten beS TeplfopfS (uub beS 9hid)enS; f. Trautheiten ber VerbauungSorgane), fowie ber Suftröljre uub iljrer Verzweigungen finb beSljalb von vornherein ernft 31t nehmen unb forgfältig 31t bepanbeln; ober, noch beffer, man Verfudje, fie überhaupt 31t vernieibeu, inbem man alle jene ©djiiblidjfeiten, burd) iveldje foldje (Srfraiifungen hervorgerufen iver* beu, voubem Körper refp. biefeu Organen abljält. Vornehmlich hüte man fidj vor (Srtältuugen, fudje fidj gegen biefelben abjuhärten (fljftematifdje füljle Sllnvafchungen) unb Ijnlte fiel) bei plöplidjem Uebergang von ivarmer jn fallet Öuft ein ©ud), einen n. f. iv. vor beu SJluub ober atpme iveuigftenS burd) bie Dlafe. ©er Siiftröhrencatarrh (Bronchitis) ift eine (Sntjünbniig ber Sdjleimhaut ber Suftröljre (Orarfjea) uub ihrer Verneigungen (Vroiu djien). (Srftrecft fidj bie nur auf bie Luftröhre ober nur auf bie Vroudjieu, fo nennt man bie Trautheit and) ©racpeal' bejiv. V r 0 11 d) i a l c a t a r r l). ?uftröl)reneatarrl)e, für lveld)e (befouberS jal)* uenbe) $inber, fd)led)t ernährte ober Veriveidjlidjte Verfetten uub Jungem leibeube, eine grojje Neigung jeigen, tverbeu abgefepeu von beu auf S. 675 uub 679 genannten Sd)äblid)feiten veranlagt: burd) getviffe 3iifeCs tionSfraufl)eiteu (SJlaferu, ©l)pl)iiS, uub burd) iveldje 688 •Vlutanbrang nad) bet Vruft ober eine (SirculationSftörung in ben Vron« d)ialabern bebingcit (2Rilzs, Sebercongeftionen, n. f. w. bezw. peilen). Cft bleiben bie erregenben llrfadjen uiibefannt. V3ie ber A?el)l« fopfcatarrß, tritt and) biefe in zwei gönnen, einer acuten unb einer djronifdjen, auf. ©er acute Öuf tröl) rencatarrl) beginnt mit gröftelu ober ßäufiger fiel) Wieberßolenben groftanfälleu, 3lbgefd)lagenl)eit in ben ©lie- bem, Olppetitlofigteit, Äopffd)merz, reidjlidjem SluSflitß aus ben Singen nnb ber Dlafe, etwas gieber nnb Grapen int Adolfe nnb in ber £uft« rößre. ©ajn gefeilt fid) ein qitä« leuber, raup nnb I)ol)l flingenber duften mit anfangs fpärlidjem nnb $äl)em, fpäter reid)lid)em, lotferent nnb Sluswurf (f. gig. 318, a). Vei erwad)|enen ift ber Ver« lauf ein guter unb ziemlid) rafdjer; bie V e I) a u b l u n g Verlangt nur Slufeutljalt im mäßig erwärmten Rimmer, Sdjonung ber S'ltl)- mungSorgane unb ©rinfen War- men ©etränfs (fDiild), Selters« Waffer mit SJiild), -Vrufttßee, u. f. w.; vgl. „Specialarzt für Vnngen* traute"). V e i f l e i n e n Ai i n b e r n unb ©reifen Wirb ber röljrencatarrl) aber 311 einer Ijödjft gefäljrlidfen bei biefen Verbreitet fid) ber ßatarrl) gern auf bie gattj feinen Verzweigungen ber Vitftröfjre, unb tommt es bisweilen zu einer Säl)inuiig ber 8uftröl)reiimuStelii. <Sold)e Patienten laffe man unter Veibeljaltung obiger V e () a n b 11111 g Kämpfe Von Sßaffer unb (gljrup einattymem Stellen fid) bebroljlidje Symptome ein (Sticfpiiften, bläu« lid)e Verfärbung, 11. a. m.), fo reidje man ein Vredjmittel (1 Teelöffel Vred)WurzeIfl)nip), bringe ben Oranten in ein warmes Vab unb übergieße barin ben fRücfen mit taltcin SBaffer. Vei großer Sdpvädje (etwa ftihiblid) 1 Teelöffel Vranbl) in etwas V3affer ober 9Ritd)). ©er d) r 0n i f d) e 811 f tr öl) r enc a t a r r l) ift bie verbreitetfte Äranfßeit. ©iefetbe entwicfelt fid) faft immer aus ßäufig wieberßolten ober uidit zu völliger Teilung gelangten aenten ßatarrpen unb tritt in Fig. 318. Suftröfircncafcirrfi. a) unb e) Scfifcitn in ben SBroiu d)ien bet bet (teufen ftornt, b) troctener (efiromfefier) SBronffiialcatarrfi, c) Slennorrfiöe, d) atropfiirte§ SungenbiäScfjcn: bie Sltrofifiie wirb bctburcfi beran= laßt,' bnß ba§ SBiäSdjen burct) ein ©cfileitnfiüntpcfjen (f) abgefcfiloffcn ift. 689 $wei ßormen auf. Tie eine, ber t r o cf e n e 23 r o n d) i a ( c a t a r r p, äußert fiep pauptfäcplich burd) langbauernbe, quälenbe bei Weldjen trop alter Auftrengungen nur eine geringe Selige eines grauen, ääpen ScpleimS entleert wirb. $u biefer gefeilt fiep päufig an- paltenbe Atpemnotp (f. Aftpma). Tie anbere ßorm, ber @ cp l eint fl u ß ober bie 231 e n n o r r I) ö e ber 23 r o n cp i a l f cp l e i ui p aut, ift mit Weniger quälenbem §uften unb mit reidjlidjem Auswurf gelßlicper, fcplei* mig-eiteriger Waffen üerbunben, meldje letzter bünnflüffig fiub unb bis- weilen außerorbentlidj ftinfen (Dgl. ßig. 318, b unb c). Tie 23 e p a n b- lung verlangt vor allen Tingeii, baß jebe Sdjäblidjfeit (fdjlecpte ober raupe Luft, (Srfältungen, Tabafraucpen, übermäßiger ®enuß alcopolifcper (getränte, u. f. w.) vermieben ober, wenn baS überhaupt möglich, eine 31t ®runbe liegenbe Ä'ranfpeit u. a. m.) befeitigt werbe. Auf bem Leibe ift ßlauell 311 tragen. Säpreub fdjledjter, rauper 2ßitteruug püte man baS gut ventilirte Rimmer (Temperatur 65-70° F). Tabei befämpfe man bie bropenbe 23erweidj(id)ung burd) tüple Sßafdjumgen ober Abreibungen. Patienten in gimftiger Le- benslage füllten uacp einem trocfenen, warmen $Iima überfiebelu ober (befonberS bei Abmage- rung 311 empfehlen) eine längere Seereife unter- nehmen. 23ei quälenbem, troctenem duften finb außer SJiorppium unb Sploralppbrat, weldje nur uad) ärjtlidjer 23orfdjrift für ben einzelnen ßall angewenbet werben bürfeu, löfenbe Mittel (IRecept 9?r. 33) angejeigt. 23ei 23lennor- rljöe inßalire man Tämpfe von 2öaffer unb Speer ober dreofot. Tie Tiät fei naljrpaft unb obwopl oben ber ®enuß alcopolifdjer 9x'ei3= mittel im Uebermaß unterfagt würbe, ift bem Patienten bod) täglid) eine mäßige SKenge guten 23iereS ober SBeineS als ein gefunbeS ©etränf 311 empfehlen. 31 ece vt 91 0. 33 93011 folgenber SKifdjung : 1 ©radjtne 1 ©radjme ßoBelicntinctur, 1 ©radjme unb 6 ©radjmen Xolubalünns fyrup, flcbe inan (bei 9lft)eninotl)J alle 2-4 ©tunbcn 1 Stljeelöffcl voll. - Ober man neljnw (bei ülfßeinnotl).) 4= biS 6mal täglich 1 von folgcnber SKifcßung: 1 (ßluib=)Unge 6ucalt)ptu$ej;tracf, 2 ©radjtrien gereinigter ©almiaf, 2 ©racbrnen ßafri= ßenfaft unb 3 llnjen ©elfüfj (®lt)ccrin). TaS 23ronrfjial(ift(jina (ber Luftröhren- ober uervöfe 23roncpialfranipf; Spasmodic Asthma) ift eine in Anfällen auftretenbe Trautheit. 23ei folgen Anfällen, bie fid) namentlid) DladjtS nach Tiätfehleru, Aufreguiu gen, u. f. w. eiuftellen unb fiep bann wochenlang jeben Tag 311 berfelben Stunbe opne irgenb eine Urfacpe mieberpolen fönneu, Wirb burep einen Fig. 319. Suftröljrentoerengetung: a) Titrcfj Sh'ämffe, b) butrf) Slnfcfjiueüung t>er SJuftröf)renfrf)(eitnI)auf. 690 krampf ber SuftröprenmuSfeln bie fcirfjtiuiö ber Vroucpien mepr ober Weniger gefcploffen unb fo ber SuftauStaufd) in ben SuiigenbläScpen Der« pinbert (f. gig. 319, a). Symptome unb Verlauf. Vei ben weiften ineiben fid) bie Unfälle burd) Vorboten an (Äopffdjmei'ä, Sepläfrigfeit, u. f. w). Vlöplid) tritt 2ltpemnotp ein, bie fid) bis jur (ErfticfungSangft fteigert. VSeun in liegeuber Stellung, ridjtet fid) ber Patient auf unb greift nad) einer Stüpe; babei fd)lägt baS §erj peftig, ift ber ?ltpem nnb fdjon in einiger (Entfernung pörbar, ber Hein, bie §aut füpl, bie Stirn mit faltem Scpweip bebecft, unb fiept baS ®efid)t blap unb Der« falten aus. (Ein folcper Unfall fann wenige SOlinuten ober mit furzen Unterbrecpungen meprere Stunben bauern, worauf er plöplid) ober all« mälig unter Slufftopen, ©äpneu ober §uftcii cnbet. Ser Traufe befinbet fid) natpper wieber ganj wopl. Srop iprer fdjlimmen (Erfdjeinnngen gepen bie Slnfälle opne ©efapr für baS geben Dorüber. 33 e p a u b l ii it g. Vei Veginn beS Unfalls lodere inan Dorerft alle beengenben Ä'leibungSftüde. Sobann befpripe Vruft unb 9iüden mit faltem VSaffer, rufe burd) Sipeln beS DiadjenS 33red)iieigung ober (Er« brecpen perDor, taffe frifcpe Vuft ober Salpeterbäinpfe (Verbrennen Don Salpeterpapier) einatpmen ober (ESpic«(Eigarretten (f. S. 508) raiidjen, Derabreidje warme §anb« unb gupbäber unb lege auf Vruft unb Sßaben Senfteige. SJJandjmal pilft fcpon ber ®eiiup Don (Sizilien, fdjwarjem Kaffee ober $rud)tei§. ilitbere Mittel (DJlorppiiim, (Eploral, it. f. w.) bi'trfen nur Dom Slrjt angewenbet werben. Um 2(nfallen Doqnbengen, Dermeibe man alle ©elegenpeitSnrfadjeii (iiamentlid) Dor bem Sd)lafen« gepen; f. oben). 9Ud)t feiten erweift fid) baö länger fortgefepte (Einnep« men Don (Epinin als DortrefflicpeS VorbengiingSmittel. ?(uper biefem nerDöfen Slftpma unb bem Slftpma ber (f. S. 683) giebt eS nod) eine britte ?lrt 9lftljina. ©aSfelbe ift fein felbftftänbi« geS Seiben, fonbern nur ein Spmptom unb tritt entweber, wie baS 33ron« djialaftpma, in Slnfällen ober anpaltenb als Sdjweratpmigfeit (Suftpunger) auf. 9lm päufigften finbet e§ fid) bei bem ßungeiiempppfem (f. fpäter) ober als „congeftineS Slftpma" bei djrouifdjen Vuftröprencatarrpen, bei wekpen burd) Sdiwellung ber Vuftröpreiifd)leimpaut bie Sid)tung ber Suft« Wege Derringert ober Derfdjloffeu ift (f. §ig. 319, b). Sie Vepaub« Inn g wäprenb berUnfälle,wie beibem Vrompialaftpma. ©egen bie SßJie« berfepr ber Unfälle unb bie Sdjweratpmigfeit niiip baS ©ruubleiben be« fämpft werben. lieber ßu f trö preuer W eite r it ng unb Vlutpuften f. näd)ften 9lbfd)iiitt unb über baS V er f d) luden Don fyrembför« p e r n f. UnglüdSfälle unb Verlepnngen. 691 Oie Urfadjen bcr Sungeufrantljeiten finb, fofern fie non außen ein« Wirten, bie gleidjen wie bie Urfadjen ber üorljergeljenben ber 9te« fpirationSorgane; tonunen uodj (für bie Onberfulofe ber Snngen) bie „Oubcrfelbacillcn". Oie anbcren 53eraiilaffungeii bcr flungeiitranfljeiteii, b. lj. biejenigeit, weldje in anberer Organe befteljen, bie fidj auf bie ßungen fortpflanjen, finb in ber (Jrfranfnngen ber Luftwege; fo füljrt nur 311 Ijänfig einShiftröIjrencatarrlj ju 5uiigeiifdjwinb« fndjt, ober £uiigenemplji)fem. Slber audj anbere $rantljeiten (53rnftfe(laffectioiien, 11. f. w.) rufen Siingenlci« bcn Ijernor. Oie Sungenfrantljeiteu, Weldje fidj iljrerfeits auf bie Sufi« Wege auSbeljnen tonnen, finb wegen ber großen $aljl itjrer Ijäufig auf unfe« ren Körper einwirfenben Urfadjen 1111b ber großen (Smpfinblidjteit beS ViingeugelncbcS feljr verbreitet 1111b, weit fie bie (Srnäljrung (ben Sltlj« iniingSproceß) in Ijoljem ®rabe beeintriidjtigen, feljr gefäljrlidj. OeSljalb Vernieibe man alte jene Urfadjen unb iieljme jcbeS Sungenleiben non vorn« Ijereiu ernft. Oie 53eljaub(ung ift bei alten biefen in ber £muptfadje eine biätetifdje. Oie tBlutiilicrfüUuiig ober (wigcftwn bcr Sungcn (Pulmonary Congestion) wirb burdj gesteigerte 53lntgnfnT)r ober geljemmten 53Iutab« ftuß Verurfadjt. (Jrftcre foinnit burdj erljöljte (Dieniieii, Oitrneii, ertjitxnbe ©etränfe), birecte Steife auf bie Siingcnfdjtciinljaiit (falte, tjeiße, reijenbe £nft), 11. a. 111. 31t (Staube, wogegen bie 23tntftoduiig burdj nerfdjiebene ÄTaiifljeiten, wie klingen«, §erj«, Vebertranlljeiten, Oijptjnö 1111b neranlaßt wirb. Sijmptonte: (Sdjioew 1111b §iiften mit fdjaiunigein, bisweilen blutigem ?(u§murf. Oie 53 eljanbliiiig ift Sadje beS SlrjteS, ber erft bie Ur« fadje beS VeibenS ermitteln muß. 53iS jur 9lntunft beS SlrjteS lege man Senfpflafter auf bie 53ruft, laffe Sßafferbämpfe einatljmeii 1111b Derabreidje 2 (Sßlöffel 53itterfalj in einem ®lafe SJBaffer. mit OiSpofition 311 ßungencongeftioneit müffelt bie®elegeidjeitSiirfadjen meiben, ein etwa« igeS ©runbleiben betämpfen 1111b biefem iljre SebenSlneife anpaffen. Oas ßungntöbcm (Pulmonary Oedema) ift ein fljlllptomatifdjeS Reiben, bei Weldjem in ftolge non Cuiigeiicongeftion ober traufljafter 53lut« befdjaffeuljeit (Scorbut, 53rigljffdje Ärantljeit, Oijpljiiv) aus bem 53lutin baS 5iingengcwebe 1111b bie SnftbläSdjen eine feröfe wirb (f. @. 449). (Symptome: ?ltljemnotlj, gniften unb wäfferiger, bisweilen blutiger 9(uSwurf. 53 c Ij a 11 b 11111 g: Oie SöafferauSfdjeibung aus bem Körper ift burdj faliuifdje Slbfiiljr«, ljaru« unb fdjweißtreibeube Sftittel 311 förbern. - ©eljt bie SliiSfdjwikung plöijlidj nor fidj unb füllt ber ßungen. 692 fie bie Lungenbläschen rafd) an, fo baß ber SlthmungSproceß unterbrochen wirb, fo nennt mau baS Lun g e n f d) l a g (Stidfluß, Lungenläl)mung, acutes Lniigenöbem). S 1) mp t o m e: 9ltl)emnotl), Schaum auf beit Lip= pen, gebunfeneS ®efid)t, bläulidje Verfärbung unb Kälte ber (Jptremitä* ten. 2lUeS, Was ber Laie hierbei tl)im fanii, ift, bie Vruft fofort mit Senf* pflaftern ober trodenen Sdjröpftöpfen 311 bebeden unb Senff ußbäber 311 verabreichen. ©er Vfutljuften ober baS Vlittfpurfcn (Haemoptysis) ift ebenfalls ein fi)mptomatifd)eS Leiben, baS fid) verfd)iebenen Kranfheiten ber 9ltl)s mungSorgane unb beS .'peilens unb manchen VlutentmifchuiigSfrantl)eiten (Vinter* unb Vliitfledentrantheit, Scorbut) 3iigefellt ober in $olge non Qnetfdjiingen, Sßuuben, u. f. w. beS VrufttorbS ober von Verfielt eines VlutgefäßeS in bemfelben auftritt, ©er weit verbreitete ®laube, baß Vlutfpuden immer ein Spmptom ber Sd)Winbfud)t ift, entbehrt ber Vc* griinbiing. ©aß baS Vlnt ans ben SlthmungSorganen flammt, ertennt man an ber I) 0 d) r 01 1) e 11 ftarbe beS VluteS. VJerbcn größere SDieugeu Vlnt aiiSgeivorfen, fo fpricl)t man von £ u 11 g e 11 - V1111 ft 11 r 3 (vergl. „Specialaqt für Liingenfraiite".) (Siu enteilter Slufall von Vlutfpuden ift feiten, ®ewöl)itlid) folgen bem erften Unfall eine ober 3ivei V?od)en lang noch mehrere, worauf ber Patient allmälig, iiibem er hin unb wieber noch etwas geronnenes Vlnt auSfpndt, 31t normalem Vefinbeit 3iirüd* lehrt, ©ie §auptbebiiignng ber V e l) a 11 b 11111 g ift abfolute 9inbe im Vett in einem fühlen Rimmer. ©er Patient nimmt am beften eine halb* fipenbe Stellung ein unb barf fid) Weber bewegen nod) fpredjen. 3n (Sr* maiigeliing anberer Mittel gebe man vorerft etwa einen Kaffeelöffel voll fein gefloßenes Salj. ©ie Vruft beS Krauten muß V 0 r f i d) t i g mit SBaffer nnb ßffig abgerieben werben. §ält ber §uften an, fo gebe man (aber mir (Srwadjfenen!) 20-25 ©ropfeu Sanbannm. 3,uJte*l'O benutze man Dtecept 9lo. 34. SÖäljrenb ber Unfälle unb ber 9ieconva(eSceii3 fdjlude ber 5J3atient (SiSftüddjcn, trinfe auSfdjließlid) falte ©etränte unb genieße nur milbe, nid)t heiße Speifen. SRecept 9?o. 34. Jfe 1 llnje faure arontatifd)e Stinctur (Mynsicht's Elixir) unb @pfoin|alj iuerben mit einem halben Sßint äßaffcr gemifdjt. ©atoon gieb ftünblicl) 1 (Sfjlöffet boll. ©aS fiuugencmphpfcm, ber ßungeubampf ober bie öungcnauSs Weitung (Emphysema of the Lungs) ift eine, vom Vaien häufig mit ber Suiigeiifd)Wiiibfiid)t verivedjfelte Kranfheit, bei Welcher bie ßungenbläs* d)en banernb erweitert finb uub ihre 3ufammen3iehbarfeit verloren haben. 3n $olge beffen flaut fiel) in ben übermäßig auSgebel)nten nnb fd)laffen Öungeiialveoleii eine SJienge verbrauchter, tohleufäurel)altiger Vuft, unb barauS ergiebt fiel) als weitere tranfhafte Veränberitng ber Slthmnng, baß 693 in bie, mit alter, ftagnirenber Luft überfüllten SungenbläSdjen nidjt genü* genb neue, fanerftoffreidje Luft eingefogen werben fann. 3m Berlauf ber verfdjmeljen je niedrere ber erweiterten Alveolen ju gröfje* reu BläSdjen unb es tritt in fyolge DleijjenS ber BläSdjen Luft jwiftpen bie Sungenläppdjen. ©ie (uns befannten) Urfadjen finb Ijeftige Sungenam ftreugnngen mit erfdjwertem AnSatljmeu, wie Spielen von BlaSiuftrn* menten, anpaltenbeS Dieben, Singen, langwieriger §uften ©rängen beim Stuljlgang, ober eS finb Sungentrantpeiten (vornepmlidj djronifdje Snftröprencatarrpe). Sljmptome nnb Ber lauf. ©aS pervorftedjenbfte Spmptom ift bie ober Sdjweratpmigfeit refp. baS Aftljma. ©er Traufe, ber aujjerbem von einem Ijeftigen, meift trocfeuen §uften gequält wirb, Ijat in $olge ber Sungenerweiterung einen fajjartig aufgetriebenen Bruftforb; burdj bie abnorme AnSbepuung ber Lunge finb ferner §erj nnb Leber aus iljrer Sage verbrängt, nnb es fommt ju BlutfreiSlanfSftörnngen mit Sdjwinbel, 23lau- nnb (Sebnufenfein beS (SefidjtS, Anfdjwel- len ber Abern an bem (fnrjen nnb bieten) §alfe unb UnterleibSbefdjwer« ben, wie Klägern nnb ©armcatarrlje, Anfdjwellnng ber Leber unb tnorrpoiben. ©er Verlauf ber weldje in ben erften Stabieu oft gar nidjt erfannt ober wegen ber läftigen UuterleibSbefdjwerben vom Pa- tienten päufig für ein Unterleibsleiben (mit „SJiagenljnften") gepalten wirb, ift ein langwieriger. Bei Bernadjläffignmg nepmen bie Sljmptome immer mepr an 311 unb fdjliefjlidj ftirbt ber Patient au allgemeiner (5r- fcpöpfumg nnb Sßafferfudjt. iöei geeigneter 23 e p a n b l n n g refp. SebenSWeife vermag aber ber (Smpppfeniatifev redjt Wopl ein popeS Lebensalter ju erreidjeu. £)aupt= fadje ift, alle DInftrengnngen ju vermeiben, wekpebaS DluSatpmen erfdjwe® reu (©reppen- ober 23ergfteigen, §uften, Singen; f. oben), ©abei püte man fid) vor Suftröprencatarrpen nnb allem, was bie erpöpt (Spirituofen, Aufregungen, n. f. w). ©ie $oft fei leidjt Verbaulid), napw paft unb mepr confiftent, als flüffig (feine bläpenben Speifen). (Segen bie 23lutftaunng madjeman fid) activeober paffive Bewegungen, bie aber nidjt bis jur (Srmübiuig füpren ober bie Atpmnug beeinträcptigen bürfen. W?an palte fidj viel in frifdjer, fauerftoffreidjer Luft auf unb atpine tüdjtig aus (nidjt ein, woburcp bie Alveolen nodj mepr auSgebepnt würben); biefe AiiSatpmiingSübnngen finb burdj metpobifdjeS 3ufllnnuel^r''^e11 BrnftforbS jn unterftüpen. ferner forge man für täglidje LeibeSöffnung (Dtecept 91o. 35). Ueber bie Beljanblung mittels beS „pneumatifdjen Apparats" f. „Specialarjt für Sungenfranfe". 9?ec 9?o. 35. SBruffyu'vcr). 3e 2 ©T'cbmen ©enna unb ©üfjpoljjtourgel unb je 1 ©raetnne gencMfamcn unb fletoafepene ©cßwefelblumcn werben 694 mit 6 ©radjmen „gutferju Pulverform verrieBcn. ©avon ©rivadjfenen nadj SSebarf je 1 Stpeetöffel voll. GS giebt brei Wirten ber ßungcnentjüubung (Pneumonia), bie wir als ganj verfcpiebeue gefonbert 311 befpredjen pabeit: a) ®ie croupöfe ßungcncntjünbung, and) bie „primäre" genannt, ift eine pauptfädilicp Grwacpfene unb jmar mepr 2Känner, als grauen be? fallenbe bei wekper auf bie freie $Iäcpe ber SungenbläSdjen ein fibrinreidjeS („cronpöfeS") Gjfubat gefegt wirb (vergl. ©. 684). Tiefe ergreift faft immer einen größeren ßnngenabfdjnitt (einen ober meprere Sungenlappen) ober bie ganje Sunge. Tie Urfadjen ber croiu pöfen ßungenentjünbung, Weldje am päufigften in mit beränberlidjer Temperatur auftritt, finb Verlegungen ober Qteijnngen ber ßuiige burcp ©toß, ©cplag, Ginbringen non grembtörpern, Ginatpmenfdjledjter Suft, Tonjen, Saufen, n. f. w., Grfältumgcn ober anbere Wie 3. S3. T> ppuS unb Urämie, häufig bleiben bie ©elegenpeitSurfadjen aber unbefannt unb oft tritt bie mit Group, acutem ©elenfrpeumatiSmuS, 11. f. w. unter ber Ginwirtnng gewiffer atmofppärifdjer ober tellurifdjer Ginflüffe faft epibemifcp auf. 9?ad) Prof. $rieb- länber erftärt fid) baS barauS, baß ber biefer $orm ber Sum gciieiitjiinbung ein Bacillus (Pneumo- coccus) ift; Dgl. „©pecialarjt für Sun* genfranfe". © p m p 10 m e unb Verlauf. ■Die croupöfe ßungenentjünbung verläuft mitunter in jwei unb mancpmal in brei ©tabien, b. p. fie gept bisweilen nad) ben beiben erften ©tabien, ber „blutigen 2ln= fdjoppung" (Gougeftion) unb ber in ©enefung über, opne baß eS jn bem brüten ©tabium, ber „eiterigen Infiltration", tonimt. 3m erften ©tabium finb bieGapitlarenbeS SungengcwebeS mitS3lut überfüllt, bie ßungenbläSdjen aber nocp luftpaltig (f. fyig. 320, a). ©ta= biumiftbie SuftanS ben Sllüeolen nnb S3rompien burd) baS croupöfe Gyfm batverbrängt, b. p. bie£)öplnngenini£iingengewebe finbburd) gibrinpfröpf= djen auSgefüllt (b). 3w brüten ©tabium ift baS Fibrin in Giter jerfallen Fig. 320. ÄÄXnSÄSSS: tion, d) ©iterjetteji, e) SrondM. 695 (c unb d). ©ingeleitet wirb bie faft immer plöi'lid) mit einem einmaligen, heftigen Sdjüttelfroft, weldjer biß 311 mehreren Stunben bauern fann unb fdjliefjlid) bem ©efiipt ber §ipe toeidjt. Statt beß Sdjüttelfrofteß treten mandjmal bei Äiiibem Krämpfe unb ©rbredjen unb bei ©reifen .Söemitfjtlofigfeit alß erfte Symptome auf. £0?it ber Stern* peratiirerl)öl)nng [teilen fiel) anbere ein: WUtßfeU fdjwädje, 3J?attigfeit, Schmerj in ben ©liebem unb bem Äopf, SRötlje beß ©efidjtß, Slppetitlofigfeit, belegte Rillige, Vermehrter SDnrft unb fdjleunigung. $11 biefen gieberfpmptomen fommen manchmal gleich unb bißweilen erft uadj 24 ober 48 Stunben ber ßungenerfranfung: Äurjatljmigfeit, SUhemnotlj unb ©rhöljuitg ber Sltheinfreqitenj (biß 31t 60 SRefpirationen in ber Minute), Sdjmerjen („Seitenftechen" auf ber er* tranften (Seite) unb §nfteu mit juerft fehl' jäljem, ineift blutgemifdjtem (rötl)Iidjeni biß braunrotljein) Slußwurf. 23ei ben ©ittatljmuiigen unb bem puffen [feigem fiel) bie Sdjnterjett. Sie £>aut färbt fiel) gelblich*), unb ber Urin wirb fparfam unb bttnfel. Sßie ber (Eintritt ber ift and) bie S3efferung, fallß baß Reiben in jwei Stabien Verläuft, ein eher, unb jwar 311 einer beftimmten .Seit. Sim 3., 5. meiftenß 7. ober and) 9. Stage nach bem $roftanfa(l laffett alle Symptome wie mit einem Sdjlage nach, bie „$rifiß" ift eingetreten; mir puffen unb Slußtourf jeigen in ber Otegel teilte SSerminberung, elfterer ift aberuidjt mehr.quälenb unb letzterer nicht mehr mit S3lut gemifdjt. 9?ad) weiteren 14 Stagen fann ber Patient geheilt fein. ©el)t bie Trautheit in baß britte (Stabilem über, b. I). werben bie [yibrinmaffen nidjt verflüffigt unb von bem 8ungenge= Webe wieber anfgefo'gen, fonbern jerfallen fie in ©iter, fo bleibt bie $rifiß auß, unb anftatt ber auffallenben 4öeffernng madjt fiel) eine Steigerung beß fyieberß bemerfbar, ber Sßitlß wirb tlein, bie Stemperatur (SIbenbß) er* höl)t, ber Trante belirirt 1111b jeitweilig [teilen fiel) groftanfälle ein; babei wirb ber Slußwurf reidjlidjer unb enthält eiterige Pfaffe. Sind) nad) 23e* enbigitng beß britten Stabinmß fann ©enefitng eintreten, mir ift biefelbe hier nidjt fo auffällig unb nimmt lauge öt SInfprud). ©übet baß ßeiben nidjt töbtlid) 1111b geljt eß and) nidjt in ©enefitng über, fo Ijnt eß entweber eine Slbfcefjbilbnng in ber Einige, Snugenbraiib, Siingenfdjwinb* fudjt ober bie britte Slrt ber Sitiigcnetitjüiibitiig, jurfyolge. Sim gefährlichften wirb biefe SIrt ber Sniigeiieutjimbung $ettfüd)tigen, alten Leuten nnb Säufern; bei lepteren wirb fie in ihren erffen Stabien, Wegen ber oft mit bem Delirium tremens (Sänferwahnfinti) verwedjfelt. *) Stritt bie gelbe SBerfärlung Ijodjgrabig auf, jo fyridjt man tooljl dudj toon „gal- Xifler gunflenentjünbung". 696 53 el) anb lung. ©er 5lrjt füllte in jebem {ycitle ju fRatl)e gejo® gen werben. 3ft baS nicljt möglid), fo behalte man ben Patienten in einem gut (vom Nebenzimmer aus) Ventilirten Rimmer mit einer ©empe* ratur von 70° F. im 53ett unb verabreid)e nahrhafte $oft (SRild), (Sier, u. f. iv.) Slrjenei ift erft bann angezeigt, wenn bie (Srfdjeinnngen ju ftiirmifd) werben, unb gebe man bann gegen baS lieber (Shinin (etwa 20 Oran per £ag) unb gegen ©dpvädje (Sinfen Neizmit* tel (5$ein, 53ranbl), u. f. W. tl)ee(öffelweife). Oegen heftige ©djmerjen finb rafd) z« wedjfelnbe, falte llmfdjläge (in falteS Sßaffer getauchte, gut aiiSgerungene ©iidjer), Weldje jebod) mit ©uttaperdjapapier ju umhüllen finb, 5ßäl)renb ber Oenefimg ift ber Patient gut zu ernäh- ren unb vor allen @d)äblid)teiten zu fdjühen, befonberS wenn bieOenefung uidjt rafd), b. I). bie $ranfl)eit hi ihr britteS (Stabium eingetreten Ivar, beim in folgen fällen ift ber Verlauf biefcS SeibenS in Cungencirrhofe ober Snngenfd)ivinbfud)t am eljeften 31t befürchten. b) ©ie catarrljntifdjc ßnngenentjünbnng ift eine I)auptfäd)lid) Äinber (bis etwa jum 6. ßebenSfal)re) befallenbe Trautheit, weldje nur feiten als felbftftänbigeS Ceiben unb bann in (Sinatl)menS fd)led)ter, reijenber ßuft auftritt. «Sie gefeilt fid) meiftenS 31t anberen $rantl)eiten, 3. 53. QRafern ober ©djarlad), mit beiten fid) ein 53rond)ialcatarrl) fd)on complicirt l)at, fo baff fie füglid) faft immer als eine SluSbreitimg be§ 53rond)ialcatarrI)S anjnfehen ift. ©iefe (barum and) „fecunbäre" Vmi- geneiitjiinbimg genannte) fyorm verläuft gleidjfallS in ben brei (Stabien ber blutigen 2(nfd)opprmg, unb ber eiterigen Infiltration; im 31t ber cronpöfeii befällt fie aber nid)t, ivie biefe, ganje Simgenlappen, fonbern nur einzelne 8äppd)en, uodj be« ginnt fie ober enbet auf einmal mit einer ÄrifiS. ©ie Spmps t 0 m e finb biejenigen eines Suftröl)reiicatarrI)S, unb bie 53 e 1) a 11 b 1 u n g gleid)t im Oroffen unb Oanjcit beteiligen ber erftgenaimten Simgcnent- jiiiibung; nur felje man l)ier von falten llmfd)lägen ab unb reidje von vornherein regelmäßige (bei Äiubern aber feljr fteine) ©ofen 5$ein, 53ranbl), n. f. iv. unb (Sl)inin; bon lehterem etiva 15 Oran per ©ag bei einem 3jährigen Äinbe. c) ©ie interftitiellc ßungenentjünbung ober bie ßungencirrljofe, and) „d)roiiifd)e Simgenentjüiibung" genannt, weil fie niemals acut ver* läuft, ift feiten ein felbftftänbigeS Seiben, fonbern faft immer bie ©olge einer anberen im 5ltI)inimgSapparat. @oldje, ber Simgencir« rl)ofe voraufgeljenbe Äraiifl)eiten finb hauptfädjlid) bie croupöfe nie mit langwierigem Verlauf, bie Simgeiitubertulofe unb bie d)ro* uifd)e 53rond)itiS. ©aS Siefen ber Trautheit beftel)t in einer maffenhaf* ten 5ßnd)eruiig bcS 53inbegewebeS mit nadjfolgenbem (Sinfdjrumpfen bcS* 697 felben 31t einem fdpvieligen Starben gewebe*). ©nrcp btefe Vorgänge werben nidjt nur bie ÖnngenbläScpen vernidjtet nnb mit in fcpwieligeS ©e* webe verwanbelt, fonbern fpeciell baS Sinfcprnmpfen bat nod) weitere folgen. SrftmalS finit wegen beS SdjrumpfenS nnb ber babitrcl) vernr« fad)ten SSerfleinernng beS betr. SnngenabfcpnitteS ber 23riifttaften über biefem ein. ©a aber bieS Sinfinfen bei ber Structur beS 23riiftfaftenS befcpräntt ift, fo jerrt baS fdjrunipfenbe Sungengewebe, wenn bie Möglich- teitSgrenje jenes SinfinfenS erreicht ift, bie SBänbe ber angrenjenben 23roncpien auSeinanber, nnb eS entftepen ans ben Luftröhren Sandte nnb fadartige Welche ben 9ianm ausfüllen, ber bei Schrumpfung beS Lungengewebes nicht burd) Sinfinfen beS 23ruftfaftenS erfept werben tonnte. H)?an nennt biefe in $olge SluSeinanberjerrenS ber Lnftröhrenwänbe 23 r 0 n ch i e f t a f i e (Luftröhrenerweiternng). LeptereS Selben entfteljt übrigens auch iui Verlauf ber 23rnftfe(lentjünbung nnb cpronifcper Lnftröhrencatarrpe. ©ie Srweitentng ber 23roncpien ift im festeren $alle aber nicht von einem Siufcprnnipfen beS ©ewebeS, fom beim non einem Srfdjlaffen ber LnftröhrenmuScnlatnr perzttleiten. Spniptome nnb 53 er lauf. ©ie Srfdjeinitngen ber Lungern cirrljofe finb fdjwer 311 beuten, WenigftenS für ben Laien; berfelbe erhält erft von feinem Leiben burd) baS Sinfinten beS 23ruftfaftenS. ©aft fiel) haben, jeigt fid) burd) zeitweilige heftige bei Welchen fdjtiejjlich eine fcbninpig-gelbe, flüffige klaffe von wiberlicbem ©erud) anSgeworfen Wirb. SSergl. hierzu „Sum genfdjwinbfmht". ©ie 23ebanblnng mttfz gegen baS ©rnnbleiben geridjtet fein. Um bie 5(bfoiibernng beS 5lnSwnrfS zu befdjränfen nnb zugleich bie Smt- leernng beSfelben zu beförbern refp. beffen Verfaulen in ben zu Verpinberii, empfehlen fid) SneaIpptnS=, Sarbol-, Samphew, SalicpU ober 23enzoin=Sinathmnngen (aber erft nach ärztlidjer ißorfdjrift!). ©er Snngcnbranb (Pulmonary Gangrene) ift nur bie fdieinung irgenb einer anberen Trautheit, z- 23. von Snngenentzünbung, 23rond)ieftafie, ©ehirnerweidjnng, Septicämie, 5llcoholiSmuS. ©abei zerfällt baS Sungengewebe in ©aS anffallenbfte ift ber aaSljafte ©eftant beS 9lthemS nnb SluSwnrfS foteper Oranten, ©ie 23 e h a n b 111 n g befepräntt fiep auf biätetifcpeS Sßoplverpalten (napr« pafte, leidjt verbanlidje ®oft, gute Saft, u. f. W.) nnb baS Sinatpmen zer* ftäubter fäulnihwibriger DJlebicamcute (f. oben bei Sungencirrpofe). *) ©ie Gleichen frantpaften Sßroccffe tocrben im SinbefletoeBe bet Seher unb ber Micron beobachtet unb bann alf Seher- bejm. Diierencirrpofe bejeicpnet. 698 Unter bem Manien ®chtoinbfncht (Consumption) ober auefj ©chfvunb, SIS: ober 9(it3 jetyrurtfl Verfteht ber ßciie geivöhnlidi mit Unrecht bie 'unten 311 bc- fchrciBenbe) ßungcnfdilvinbfudjt. ©ie ®chwinbfud)t ober Slugsehrung ohne Weiteren 3ufafe ift fein ßungcn=, noch üBerhaupt ein Beftimmteg organifdieg ober allgemcineg Seiten, fonbern bezeichnet nur einen ©pmptomencomplej, ber Bei erfchöpfcnben ftranfheiten mit großem SScrluft art Äörpermatcrial gewöhnlidj int lefeten ©tabium ciu = [teilt. ©iefe © i) in p t o m e finb SIBnahme ber Kräfte, bocfifirabifle SlBmagerung, 23er= lüft jeglidicn getteg (Bcfonberg an ben SBangcn, Jpüften, Prüften unb in ben Slug en= liötjfen), SKugfelfdjWunb, SSlutarmuth, gahl=, ©cfilaffc unb Sßelfwerben ber $aut. SJceifteng tritt baju noch bag fogen. 3ebr = c^cr lieftifche grober, eine aufreis Benbe gieBerform folgenben SBerlaufg: Sim Siadiinittag ftcDt ficb Kältegefühl ein, beut halb £>itje folgt; baBei fteigt bie Körperwärme auf etwa 104° F. ©liefe Temperatur hält ungefähr Big 9Kitternad)t an, worauf fte unter SlugBrudj Von heftigen, erfd)öpfen = ben, fog. colliquativcn ©diweifjen 311 ftnfen Beginnt, ©ie iöehanblung biefeg golgesuftanbeg ber ßungenfdjwinbfucht, langwieriger (Jitcrunggprcccffe, u. f. w. nutfj natürlich bag Orunbleiben Vorerft 3U beben Vcrfuchen. ©aneben ift für gute, reine guft, geiftige unb forderliche fJlube unb nahrhafte, leicht verbauliebe Koft (SDhlcb, Sier, ge= brateneg glcifch, concentrirte gleifdjBrühen, u. f. W.) 3U forgen. ©ie ßnngcnfdjttniibfiidjt ober (Pulmonary Con- sumption). ©aS VJefen biefer aujjerorbentlidj häufigen toeldje ol)iic Unterfcljieb beibe ®efd)led)ter befällt, beftefjt in einer Entartung be§ ßungengetoebeß, bie meljr ober weniger rafdj unter ben (grfdjeinungen be§ oben al§ „Sdjwinbfndjt" befdjriebenen Verfalls Dor fiel) geljt. ©iefe (Snt* artnng be§ ßnngengeioebeS, bei weiter fiel) in bcnifelben fogen. (Saoernen, bilben, wirb anf zweierlei Sßeife eingeleitet. Sinntal giebt bie Sßeranlaffnng ein Don anffen fonunenber ÄranH)eitSfeim, ber fogen. ©itberfelbacillnS, Weidfen ber Cefer fdfon Don ber 33efd)reibnng ber allgemeinen ©nberf'nlofe l)er fennt (f. <&. 483). ©iefer ftäbdjenförmige wirb entweber inbirect (bnrd) Vermittlung berSnft, Don 2öäfd)e= ftücfen, n. f. W.) Dom iDienfdjen anf ben Tlenfdjen übertragen, ober er ge= langt in ben menfdjlidjen Körper bnrd) ben ©ennjs Don -JRildj ober $leifd) perlfüd)tiger fRinber, beim 'ißerlfndjt nnb ©nberhilofe werben beibe Don bemfelben „©nbertelbacillnS" fyerDorgernfen (f. @. 303). ©ie bnrd) biefe Vacillen Deranlafjte Snngeiifd)Winbfnd)t nimmt immer einen djtonifdjen Verlauf (Dergl. weiter nuten „aente fDliliartnbertnlofe"). Vtie bei ber ©nbertnlofe in anberen Organen finben fid) and) bei ber ,,d) r 0 n i f d) e n HR i l i a r t n b e r f n 10 f e" im (Snngem)®ewebe, einzeln ober in (grup- pen jufammengef)äuft, jene f. 3t- befdjriebenen (Suberfeln), weldie in Vereiterung übergepen unb baburd) ben Berfall be§ ßuugenge* WebeS unb bie §bl)(enbilbung Derurfad)en. ©ie jweite („catarrl)as I i f d) e") 9Irt ber ß n 11 g e n f d) w i 11 b f 11 d) t wirb bnrd) Ärantljeiten ber 2(tl)mnngSorgane Ijeruorgenifeii, weldje nid)t jur Teilung gelangen, ©ie birecten, b. I). auf ba§ Snngengcwebe einwirfenben $rantljeit$* 699 erreget, weldje wir bei ber djronifdjen 8ungentubertulofe in ben £uberM= Bacillen fanben, finb in biefeni galle bie von jenen nrfädjlitfjen 8eiben (Satarrljen ber 8uftwege, ßungenentjnnbung, 9?ippeiifelleiitzünbung) be= wirf ten (SrnäljrungSftörungen. £)iefe entzünblidje ober catarrßalifdje gönn ber 8ungenfdjwiiibfudjt nimmt entweber einen acuten Verlauf ober zieljt fidj jahrelang ljin; im erfteren gälte, inweldjem bie Äranfljeit fdjon nadj Sodjen ober Monaten töbtlidj enben tann, fpritfjt man von „g a l o p p i r e n b e r @ dj w i n b f u dj t". ®enau zu inerten ift aber, baß fidj mit ber catarrßalifdjen 8ungeii= pljtljife faft immer Xubertelbilbung bejw. Subertelvereiterung im 81111= gengeivebe verbinbet, fo baf? man: 1) je b e gorm ber 8imgenfdjWiiib= fudjt als 8 u n g e n t n b e r t u 10 f e bejeidjnen tann, unb 2) j e b e gorm ber 8iingeiifdjwinbfudjt als eine, burdj Uebertragnng beS XuberfelbacilluS anftecfenbe 311 f e c t i 0 n S t r a n f Ij e i t 311 betradjten fjat. 23on bet djronifdjen DJliliartuberfulofe ift ftrict eine anbere, „acute W? i 1 i a r 111 b e r f u 10 f e" genannte getrennt 31t galten. (SS ift bieS eine, unter ben «Symptomen beS 9?ervenfieberS acut verlaufenbe $11= fectionSfranffjeit, weldje faft regelmäßig in wenigen £agen 311111 £obe fiiljrt, unb zwar oljne tnbertulöfe SSerjaudjung beS 8ungengeWebeS unb oljne „fdjwinbfüdjtigeS" §infiedjen beS trauten, b. Ij. oljne bie beiben djaracteriftifdjen Dftertmale ber tubertulöfen 8nngenfd)Wiiibfudjt. ©ie acute SOZiliartubertnlofe gefeilt fidj freilidj nidjt feiten gut djronifdjen unb fiiljrt bann binnen turzer baS (5nbe tjerbei. (gdjließlidj inerte fiel) ber 8efer nodj, baß maudje Slerjte eine weitere Slrt ber 8iiiigenfdjwiubfndjt an= neljmen, bei weldjer baS 83inbegewebe ber 8itngen in foldjem Umfange 311 narbigem ®ewebe einfdjrumpft, baß ber Körper baburdj auge= griffen wirb, unb ber Patient allmälig unter ben ßrfdjeiiiungen ber „©djwiubfudjt" 31t ©riinbe geljt. £)iefe interftitielle 8ungen = f dj w i 11 b f 11 dj t ift aber uidjts aubereS als bie 8ungeucirrljofe (f. 696). 2llS Urfadjen, weldje ben Berfall beS 8ungengeWebeS Ijervorrufen, ljaben wir bie £uberfelbaci(len unb gewiffe, mit anberen 8uiigeufraufljei= ten verbuubene (SruäljrungSftörungen tennen gelernt, ©iefe Urfadjen muffen aber 11 i dj t nnbebingt bie „fdjwiubfüdjtigen" SBerßeerungen in ber 8unge bewirten ®ie föniien verfäfen unb vertalten unb in biefer gönn zeitlebens in ber 8unge verbleiben, oljne SBerjaudjung ljervor= Zurufen, unb ein 8uftrößrencatarrlj tann djronifdj werben unb in biefeni JJuftaub verbleiben, oljne zu 8iiiigenfdjwinbfudjt zu füljren. wicflung biefer geljört außer beu erregenben Urfadjen nodj eine © i S p 0 f i t i 0 n, eine fpecififdje ©djlvädje beS 8ungengeWebeS mit 9?ei= gung zu fdjwinbfüdjtigem Berfall. (Sine foldje ©iSpofition, Einlage ober ©iatljefe ift oft erblidj, b. lj. woljlgemertt nidjt bie 8ungeiifdjwiiibfudjt als 700 foldje, fonbern nur eine Neigung beS Lungen gewebeS, barem 311 erkranken, wirb Don ben filtern auf bie Kinber übertragen, fiine ererbte 'TiSpofition jur Litngenfdjwinbfiidjt ift aber nicht nur von foldjen filtern Ijerjnleiten, weldje an biefer Kranfljeit gelitten ljaben, fonbern and) von foldjen filtern welche nur eine ©ispofition jur Simgenfdjwinbfucht ererbt ober erworben patten, von anberen erfdjöpfenben Leiben (Sppl)iliS, it. f. w.) gefdjwädjt wnrbcn ober jnr 3eit ber filjefdjliefjiing in vorgerücktem 2llter [tauben (vergl. S. 404). fiine Einlage jur Lnngenpljthife wirb and) erworben, unb jwar vorneljmlidj biirdj ungünftige Verljältniffe. Ungenitgenbe unb mijwecfmäßige firnäprnng, Kummer, Sorge, Mangel an Körperbewegung, ber 2liifentljalt in bitinpfen, feudjten, übervölkerten SBoljnungen (Kaferuen, Fabriken, ©efängniffen), Mangel an frifdjer Luft, 11. f. w. machen für bie Lungenfchwiiibfiidjt empfänglidj, WeSljalb biefe am Ijäufigften unter ben ärmeren Klaffen unb in großen Stäbten refp. Ijpgieinifd) niigüiiftig gele* genen Stabttljeilen anjutreffen ift. fiine foldje ®iafljefe wirb audj erwor* ben: bnrd) Krankheiten, weldje bie fionftitntion fdjwädjen (djronifdjer 9J?ageiicatarrh, .ßiuferljariiriihr, 11. f. w.) unb bnrd) VerufSarten, bei weldjen bie WjmnngSorgaiie fortwäljrenb anSgefept finb (9Jiül= ler, Väcfer, fiigarrenmadjer, ©laSfdjleifer, Stein- unb geilem ljaiier, 11. a. m.). £)ie firfaljrung, baß bie Lungenfchwiiibfiidjt in gleich- mäßig warmen, trockenen Vinneiilänbern feiten ober gar nidjt verkommt, in kühlen, feudjten Küfteiiftridjen bagegen feljr verbreitet ift, nnb baß fer® 11er Leute an ber Sdjwinbfudjt erfranfen, weldje aus füblidjen ©egenben in nörblidje überfiebeln, läßt vermiitljen, baff bie Einlage jur Sdjwinbfudjt audj von flimatifdjen fiinflüffen (feudjter Suft, feudjtem hobelt, plötilidjem unb häufigem Semperaturwedjfcl) erjeugt ober wenigftenß erljöljt wirb, fibenfo fdjeint baö Lebensalter von fiinflufj auf bie fintwitfliiiig ber Lnm genfdjwinbfudjt ju fein, beim wäljrenb bie Kraufljeit in ber Kiubljeit unb bem ©reifenalter mir feiten vorfommt, wirb fie vom 15. bis jnm 30. 2e= benSjaljr am Ijänfigften beobachtet. filje wir nnS mit ben äuperlid) wahrnehmbaren KraiifljeitSerfdjeiiinii= gen ber Snngeiifdjwinbfiidjt befannt madjen, müffeii wir nodj einen ®litk auf bie anatomifdjen 23 e r änb e r 11 ng e n werfen, weldjen bie Lunge ber unterworfen ift (f. gig. 321). 3ebe Sungeufdjwinb* fndjt, ob fie tuberfulöfen ober eutjünblidjen UrfprungS ift, beginnt in bem WZoment, ba bie Krankheitserreger 311 einer Vereiterung beS Sungengewe* beS füljren, weldje mit ber $eit weiter um fidj greift nnb fdjliefjlidj bie 23ilbiing von (fiavernen) im Limgengewebe jur golge ljot (c)« ©iefe fiavernen vergrößern fidj ineljr unb nieljr (b), bis julept gauje Sungentljeile vereitert finb (a) ober bie 91atur fiiuljalt gebietet; eS tritt eine „reactive" fiutjünbung ein, weldje bas jerftörte Lungenfti'uf bnrd) 701 2In§fd)Wiynng einer feften, feljnigen Sftaffe nmgiebt bejw. von ber nod) nid)t inficirten Vnnge fdjeibet, fo bay babnrd) ein Uebergreifen be£ webßverfallö auf bie nod) gefunbe ßnnge verl)inbert wirb (e). ©ie fefte, feljnige DJiaffe, weldje fidj jwifdjen bie gefnnben nnb tränten £nngentl)eile einfdjiebt, gleidjt bem bei ber Snngencirrl)ofe gebilbeten 9?arbengewebe. ©ie fdjwinbfiidjtige tarnt auch babnrd) 311m ©tillftanb foiniiien, bay bie eine gelbe, ral)mal)nlid)e gliiffigteit, in ben Eaver* nen „verfallt" ober „vertreibet"; babei verfdjwinben bie organifdjen 53e- Fig. 321. 2ungenfd)Winbfud)t. a) ©anjer bereiter!, b) ore Gaöerne, c) SInfang ber Vereiterung refp. Saüernenbtlbung, d) ©iterjellen in ber Guftröljre, e) nart>ige§ Vtnbegewebe, f) bertalfte ßacernen. ftanbtljeile ber £uberfelmaffe, iväfjrenb bie anorganifdjen jnriitfbleiben ober fiel) gar nod) vermehren, nnb letztere, bie bilben bann fcl)liejf(icl) eine fefte, mörtelartige iöetleibung ber Eavernen, iveldje ebenfo wie ba§ narbige ®ewebe (e) bem gortfdjreiten ber fdjwinbfüdjtigen $er« ftörung ein Enbe madjt (f). ©ie ©pmptome ber Cnngenfdpvinbfitdjt, wie fie im $olgenben anfgejäplt werben, biirfen ben ßaien nid)t verleiten, bei Eintreffen einer ober mehrerer Erfdjeinnngen fofort an „©dpvinbfndjt" 31t beyfen. 2Bof)t aber follen biefe ©Ipnptome in bem Sefer eine berartige er« 702 Weden, baß er bei bem 2Iuftreten niedrerer bicfer Symptome fRatß in 2Infprud) nimmt. 9lnr ber 2lrjt vermag, unb je früher baß ge« fdjießt, nm fo beffer, mit £)ülfe ber p(jl)fifalifd)eii unb mifroffopifdjen UnterfudjuiigSmetßoben (f. „Specialarjt für Snngentranfe") mit Sid)er« ßeit feftjuftelleu, ob Sungeiifdiwiiibfiicßt vorliegt ober nidjt. {Jene 23e« forgniß ift bringenb geboten, wenn {Jeinanb an ßartnädigem piilsbefd)lennigiing, 2Ibmagernng, vermehrter Sltßemfrequenj, leidster Xemperatnrerljößiing unb (Srbleidjen ber §ant leibet, ©ie 23eforgniß wirb um fo begrünbeter fein, wenn bie (Sltern beS Traufen an Sitngen« fdjwinbfncßt litten, ber Patient felbft früher 23lut gefpudt ßat, unb bei langem unb fladjem 23ruftforb ber §als beS trauten in golge §erabfin« fenS beS 23rnftfaftenS 31t laug erfcßeint; red)t verbätfjtig ift babei, wenn eine ober beibe ®ruben über bem Scßlüffelbein Vertieft finb, beim gerabe in ben unter biefen ®ruben liegenben Sungenfpifeen entwidelt fiel) bie Sungenfd)Winbfnd)t am eßeften. - ©eßen wir nun 31t ben einzelnen Symptomen über: 21 11) e m 1101 ß unb e r ß ö ß t e 2111) emf r e q u e n 3 finb immer vorßanben, aber nur bei ober nacß törperlicßer 2lnftrengung befcßwerticß. {Jeber Sd)Winbfüd)tige fanii bei rußiger Sage im Äöett, 11. f. w. vollftänbig normal atßmen. ©er § u ft e 11, ebenfalls ein conftan* teS Symptom, ift im Anfang troden. 23ilben fid) Kavernen, fo wirb er „ßoßl". ©er 2lnswurf, juerft säße unb mit feinen, gelblichen Strei- fen, oft and) mit 23lut vermifdjt, wirb fpäter reidjlidjer unb grau unb mit Heinen, f'äfigen $lümpd)en in größten Mengen borgens nadj bem 2luf« fiepen entleert. W?aud)e Patienten leiben and) au periobifdjen £>uftenan« fällen, giebcrrefp. ßeftifdjeS gieber mit 9? a d) t f dj W ei« ßen, (Srßößuiig ber Pulsfrequenz 1111b 21 b mager ung werben feiten vermißt; mit ber 2lbmagernng gefjen einljer: (Sr bleid)en ber § a 111, all« g e m e i n e 21 b g e f d) l a g e 111) e i t unb 201 it S« f e l f d) w ä dj e. Seßr l)änfig ftellen fid) and) 23 e rbauu 11 gSft öru 11 gen, © iarr l)öe unb (5 r b r e d) e n, letzteres nad) heftigem §11« ften, ein. 2311111) 11 ft e n, baS 23lut ift hellrot!) unb fdjaumig, fann fid) in jebein Stabium einfinben. 23 ruft« f d) m e r 3 e n (unter bem Sdjnlterblatt) finb gewöhnlich baS $eid)en einer gleichseitigen 23ruftfellentzünbuiig. (Srnfte Symptome, Weldje meift baS naße bevorfteßenbe (Silbe aiifünbigeii, finb w a f f er f ii eß 11 g e 21 n« f d) w e 11 u n g ber $ ü ß e unb 23 e i 11 e unb 23 e r ä n b e r u it g ber Stimme; letzteres bebeutet, baß ber Äeßlfopf ebenfalls erlraidt ift f. g-ig. 322). ©er 23 e r l a n f ber Sungenfcßwinb« fud)t ift fd)ou oben bei ben anatomifeßen 23eränberungen befeßrieben wor« Fig. 322. fieljllopffcfjiDtnbfudjt. 703 beit. §ier ift mir nod) ber (Srfdjeinnng 31t gebeutelt, baß fid) im lebten ©tabium ber oft <S o o r i m 9K u n b e u n b 9i a d) e n aus« bilbet, baß ber Verfall rafd) bon ftatteu geljt, unb baß bie fßatienten fid) gerabe in biefem @d)lnßact gewöhulid) jiemlid) wol)l befinben. ©ie 53 e l) a n b l n n g ber Suiigeiifd)winbfud)t ift eine breifad)e, nätn« ließ eine folcße mit Slqeiieimitteln, eine biätetifdje unb eine propßßlattifcße. ©ie 53 e ß a n b l n n g mit 21 r 3 e n e i m i 11 e l n befteßt in ber (Sin« fprifcung mit fogen. „Tiibertnlin" Sßmpße). ©er Sßertß btefer 53eßanblung, welche in borgefdjrittenen gälten ficßerlid) nichts erreicht, ift aber and) im 2lnfangSftabium ein problematifdjer. ift bie Äocß'fdje 53eßanblungSweife nod) auf lange £eit l)in als ein 53erfud) 31t betrachten, ber ben trauten niemals beizeiten follte, bie wichtigen biäteti« fd)en Heilmittel außer 3Icl)t 311 laffen. (53gl. Weiteres über bie ß'ocß'fdje Heilmetl)obe bei Sungentubertulofe im „(gpecialarjt für Sungeiitranfe".) Sille anberen fogen. „Mittel gegen ©djwiiibfndjt" finb unnütze ©itaeffal« bereien, weldje ben S3erjaiid)iiugSproceß in ber Suiige nicht aufßalten fön« neu. ©urd) ben Verlauf bon „gegen bie @d)Winbfud)t" felbft wirb alfo nicht nur ein Unfug, foubern gerabejn ein Verbrechen au ber leibenbenID?enfd)l)eit beritbt, welche mir 311 gern fo iiid)tSnupigeii SJ?i£« turen bertraut unb barüber jebe SliiSfidjt auf Rettung berliert (bgl. ®. 677). 9?id)t minber fd)äblid), als bie „Mittel gegen bie ®d)Winbfud)t", finb bie Äaltwaffercuren ber „9iatnrär3te". ©ie b i ä t e t i f d) e 53 e l) a 11 b l u 11 g, welcße ans ©rüitben ber 23or« fießtigfeit nid)t nur anerfaimt liingeiifd)Wiiibfiid)tige, foubern and) foldje einhalten follten, bie an fiel) ben oben befdjriebenen „fdjwinbfüd)« tigeu HnbituS" bewerten, berlaugt bor allen ©ingen eine leicht berbaulicße, nahrhafte, tßierifeße $oft mit reichlichem (90?ild), (Sier ober (Sier unb 9)UId), coucentrirte fyleifd)brül)en, $umi)S ober Äefir, u. a. nt.). ©ie Suft fei immer frifd) unb rein, babei troefen unb warm, weshalb ber fßa« tient SlbenbS im 311 berbleiben hat; befonberS muß leptereS bie Slnforberiingen be3üglid) ber Suft erfüllen, ©ie Temperatur fei Tags unb 9iad)tS etwa 70° F. gür woßlliabenbere Patienten empfiehlt eS fid) aus ben oben angegebenen ®rünben, (fo frül)3eitig unb fo lauge als niög« lieh) nach einem milben Älima mit wenig fd)Wantenber Temperatur über« jufiebeln (©aboS, @t. 9)7oriß; in Dlorbainerifa: gewiffe ©egeitben in (Sa« liforuien, 3. 53. Sliiapeim, baS füblidje ©eorgia, @üb«(Sarolina, baS oft« liehe ftloriba, bie 53ermuba«3!ttfeln ober and) baS SIbironbacMSfebirge*). 53ewegnng in guter Suft, befonberS SBalbluft, ift fel)r bürtl)ei(l)aft, bod) *) SJtancbcrt Patienten Befommt aurfi ein fübfeS, troifeneö ßlinia, Wie eBcn ba§ie= rüge ber ?lbironba(ig ober geioiffer (Segenben »on SJiinnefota. 704 barf biefelbe nicht ermüben ober bie Pulsfrequenz erljöljen. Um eine SSermefjruiuj ber Pulsfcbläge unb bie Anhäufung von 33lnt in ben Sungen* gefäßen (Songeftion) 311 verhüten, muß man fiel) and) aller Singe enthalt teil, Weldje 9ltl)embefd)leunigung veranlaffen (außer körperlichen ?lnftrem giiugen ©emiitljSaufreguitgeu, ®enuß alcol)olifd)er ©etränle, (Srtältungeii, (Srfdjütterungen beS 33ruftfaftenS). Sie Kleibiing fall genügenb warm fein, bie Körpertemperatur gleichmäßig zu erhalten (wollene ober Flanell- Uuterfleiber), unb babei barf fie nidjt, befonberS nicht bie Zungen, ein* engen, ©ifcenbe VebenSweife, ßauptfäcljlicl) anl)alteiibeS ©ebiteftfipen, ift fchäblidj. -3m freier (guter, warmer) Cuft atljme mau tief ein; baS muß jebocl) langfam unb vorfidjtig gefdjehen unb barf niemals bei vorhanbenen fieber ober in einer SLBeife gefdjeljen, baß bnrclj bie aiigewenbete (Gewalt ein ßnugenblutgefäß reißt (33lutfpu<fen). Sie p r o p l) p t a f t i f d) e 33 e l) a 11 b l n n g getjt balfin, ben Kraulen vor SSerfdjliminernug feines ÖeibenS 311 behüten. (Srtältuiig, jeber (Satarrl) eines 8ungeiifd)Wtnbfüd)tigen ift mit boppelter $orfidjt 311 bepanbeln. Sa ferner im SluSwurf unb Speidjel beS „(Sdjwinbfüd)* tigen" Snbertelbacillen enthalten finb (f. $ig. 323), Welche ihre gebens* refp. 9lnftecfiingS= fähigleit noch behalten, uadjbem ber Sluswurf längft vertrocknet ift, füllte ber Kraute nie- mals auf ben 33oben fpmfeu. Sort trod'net ber 9luSwurf ein, jerftäubt fpäter, unb auf biefe SJßeife werben bann Saufenbe unb San- fenbe ber gefährlichen Kranf'heitSteime in ber ßuft verbreitet. Ser ©djwinbfitchtige fpeie 311 £>auS nur in ©pudnäpfe, Welche 311111 mit einer ©nblimatlöfuiig (1:2000) ungefüllt finb. Siefe (Spnd* näpfe finb täglich in baS (Slofet 311 entleeren, unb ift leptereS barauf felbft mit jener @ublU matlöfnug 311 beSinficireit. 33eim SlnSgehen barf ber Sdjwinbfüd> tige nur in eine Sofe fpud'en, weldje mit in (Sublimat getränt ter Sßcitte ungefüllt ift unb fo ben SlnSwurf fofort beSinficirt unb von ber Außenwelt abfdjließt (f. ftig. 324). Siefe Sofen finb täg= ließ 311 entleeren, 311 beSinficireit unb wieber mit Sublimat-äVatte 311 ver= fepen. Ser Inhalt ber Sofe ift aber bei ber (Sriieuerung beffelben 311 Fig. 323. ©beidiet eines Suttgenfc'ötoinbfücfjtis gen unter bem fWtfroitup. a) ©pet» aieljenen, b) £ubertcLbaciHcn (bergt. 8ig. 223). Fig. 324. 705 verbrennen, ©er Patient beute nidjt, baß er bad ©leidje erreicht, Wenn er in ein ©afdjeiitndj fpncft. ©ad ift für iljn nnb feine Umgebung uocfj fdjlimmer, ald wenn er im freien auf ben Stoben fpeit, beim er bringt bie Slnftedniigdteime lebenb mit nadj §aufe nnb bort erljalten fie fiel) nod) lange anftectimgdfäljig nnb werben fdjließlid), nadjbem ber SludWurf fdjon längft gefl üchtet, beim Slufßeben bed ©afdjentndjd in alle Sßinfel Verftrent. ©edl)alb nnb weil fid) bie Bacillen and) in anberen Sludfdjeibungen bed Traufen befinben, finb nidjt nur bie ©afdjentüdjer, fonbern alle ©äfdje* ftittfe, weldje mit bem Uranien in -Qkrüljrung tommen, fofort nadj bem ©ebraudj 31t bedinficireu nnb bann grünblidj (f. <S. 423). ©er traute adjte ferner baranf, baß feine Luftwege nidjt bad ©djleim* IjauMSpitljel verloren Ijaben, ber 9D?unb ift ftetd rein 31t ljalten nnb ljoljle Bäljne finb 31t entfernen, benn bie eingeatljmeten ©nberfelbacillen erljalten fid) im Whinb nnb in ben Luftwegen nur, wenn fie auf verwefenben Stof* fen (Speiferefteu, n. f. w.) an „Hefter bauen" tonnen, nnb bringen in bad innere bed $örperd nur ein, wenn fie auf „wnnbe" ©teilen treffen, bie bad, für bie Bacillen unburdjbringlidje (Spitzel Verlo* ren Ijaben. befolgt ber Patient biefe SBorfdjriften nidjt, fo ft e cf t er f i dj i in nt e r w i e b e r fei b ft v 0 n 91 e 11 e m a n; er veranlaßt, wie man fagt itnaufljörlid) „9?ad)fd)übe" von©ubertelbacillen, bieben Vielleicht fdjon 311m ©tillftanb gefommenen SScreiterungdproceß in bem, für bie ©11* berfelbacillen nur 311 empfinblidjen ßnngengewebe abermald einleiten ober ben SSerjaudjnngdvorgang, wenn er nod) nidjt eine ©enbung 311m 53effe= ren iialjm, baran verßinberu, baß er bied jemald tljnt. ©ie ©elbftan* ftecl'nng be3W. bie 9iadjfdjübe tragen gewöljnlidj bie ©djulb an bem tobt* lidjeu Verlauf ber ßnngenfdjwinbfndjt. ©ie prop(jl)laftifdjen9)taßregeln bed vorigen Slbfdjnitted gelten natür* lidj and) für ?((le, weldje Verbädjtige ©ijmptonie ober eine ©idpofition 31t Snngenfdjwinbfndjt 3eigen. mit foldjer Einlage bürfen babei nienuild bad unberüdfidjtigt laffen, fid) bnrd) gute, leidjt ver* banlidje (gleifd)*) Dialjrnng 311 träftigen, fid) bnrd) vorfidjtige tüljle 2lb* wafdjnngen ab3nl)ärten, n. f. w.; mit einem ©ort, fie müffen ftetd baranf bebadjt fein, bie ©idpofition 53or allen ©ingen gilt bied für fdjwinbfüdjtiger Eltern, benn je früljer gegen bie ©iatßefe angetämpft wirb, befto Waljrfdjeinlidjcr ' ift ed, biefelbe 311 vernidjten. „©djwinbfitdjtige" DJiütter ober foldje, Weldje 3111- ßnngenfdjivinbfudjt ge* neigt finb, füllen barum and) iljre Äinber nidjt näljren, weil fie auf biefe ©eife bie auf bie $inber übertragene ©idpofition erljoljen ober bie Äinber birect anftetfen. ©oldje Äinber finb von einer Slnnne ober l'ünftlid) 311 ernäljren (f. ©. 369 n. ff.). Dlatiirlidj ift, wie immer, and) ljierbei baranf 311 adjten, baß bie 3)?ild) (nnb eventuell badfyleifdj) nidjt vonperlfüdjtigen 706 ftammt. 53erbäd)tigeS Ffeifd) ift wenigftenS tiidjtig ju fodjen. 9Ran üermeibe ferner alle „©elegenpeitSurfadjen", wie plöplidjen £empe* ratnrwed)fel, u. f. w. Neffen (bewerbe eine SReijung ber SltpmnngSor# gane mit fidj bringt, trage einen fRefpirator (f. ©. 390). 3um ®d)luffe fei nod) auf baS anfmerffam gemadjt, roaS auf ben ©eiten 404 bis 406 über bie Vererbung non bie (Spefcpliefjung unb baS Slnlegen eineö „©tammbudjS" gefagt worben ift. Ärnnfpcitcn bc§ ®riiftfcfl§. ®aS 23ruftfell ober bie Pleura, jener päutige, mit einer geringen SRenge feröfer gtüffigteit ungefüllte unb jwifdjen 33rufttorbwanbimg unb Zungen eingefcpobene ©ad', erfrantt jiemlidj leidjt, unb jwar fowopl felbft= ftänbig, als and) im ©efolge anberer Ärantpeiteu. £)urd) eine (Srtrantnng beS Söruftfells wirb aber nidjt nur ben Functionen beS letzteren, ber Zungen mit iprer Umgebung ju oerpinbern unb bie SlnSbepnung bie- fer Organe 31t erleichtern, Eintrag getpan, fonbern eS Wirb oft and) eine fdjwere ßnngenerfrantung bnrep ein 53niftfellleibeu perüorgerufen. ©eS- palb fei man bei jeber (Srfrantung beS 33rnftfells auf ber §ut unb fndje biefelbe frühseitig bnrdj eine geeignete -iöepaiiblnmg 311 befeitigeu. Sie ©rnfts ober JRippcnfeUcnts jiittbnug (Pleurisy), Weldje fidj ge= wöljulid) nur auf einen (ben Unten) erftredt, tritt in jwei Formen auf -Q3ei ber einen, ber fogen. trodenen •iSrnftfellentjünbung, fommt eS nur 31t einer SSerbidung ber Pleura, bei ber anberen Form ge> feilt fiel) 311 ber SSerbiditng ber Pleura nod) (Srgn§ eines (SyfubateS in bie betr. *ißleitral)öl)le. OiefeS ßrjfubat, beffen SRenge mitunter mehrere Quart beträgt, ift entweber wäfferig ober ober beftept ans reinem (Siter. bisweilen entwideln fid) bei ber beS pleuritifdjen SrgufjeS ®afe im SBie bie ?lrt ber @nt3Ünbung, ift and) bie (Sntwidlung be3W. ber Verlauf ber Ärantpeit ein üerfdjiebener, unb unterfdjeibet man banacp eine acute, eine Fig. 325. Beute 'BruftfeUenWnbun«. a> Gtfubat b) Sunfjenimen barin fcWirnntenb, c) SBrondjug. 707 fubacute unb eine cferonifcfee Xöruftfellentjünbung (f. gig. 325 unb 326). lieber bie erregenben Urfacfeen löfet fid) im allgemeinen fügen, baff eS ent* Weber medjanifdje Ginwirtungen (Stofe, Scfelag, fRippenbrud), u. f. w.) ober Grfältniigen (bei fog. „rfeeumatifefeer ober an* bere Brautfeeiten (befonberS ßungeneutjünbnng) finb. Symptome unb Verlauf. ©ie Symptome, auf ($rmib wel* djer ber Saie irgenb eine gönn ber Vermutfeen tann, finb: ftedjenbe Sdjmerjen in ber Xöruft, weldje fid) bei tiefem Sltfeemfeoten, Triften unb liefen vermehren, ferner befdjleunigteS, oberfläcfelidjeS Sltfe* men, duften, groftanfätle unb gieber; letzteres feat Slppetitlofigteit, Bopf* fefemerg unb ©lieberreifeen jur ßolge. ©abei beugt fiel) ber Patient nacfe ber ertranften Seite feinüber, um eine 33e* wegung biefer Seite möglicfeft ju ver* feüten. fDlit Sidjerfeeit ift bie 4öruft* fellentjünbung aber mir vom Slrjte (burd) XBefüfelen, Xöetlopfen unb 23e* feorefeen, f. „Specialarjt für Zungen* traute") ju conftatiren. ©er Verlauf ber acuten unb ber fubacuten gorm ift, Wenn biefe Ceiben niefet Gomplicattonen anberer fdpverer Brautfeeiten finb, ge* Wöfenlicfe ein gutartiger; babei ift vor* auSgefefet, bafe ein etwaiges (Sjjfubat reefetjeitig (in etwa 8 äßoefeen) vom Börper wieber reforbirt ober vom SIrjt mittels (SinftidjS („Function") ober Gin* fdjuitts in bie Xöruftwanb („©feorato* centefe") entfernt wirb. $ft baS nidjt ber g-all, fo verliert bie ßunge, welcfee burefe baS (Sjfnbat, wie anbere Organe (§erj, fieber, u. a. m.), aus iferer Sage verbriingt unb and) jufammengebrüdt würbe, bie gäfeigteit fiefe wieber auSju* befenen (f. $ig. 326, b), ober baS Gjfubat gefet in Giter über; im erfteren gälte bleibt bie £unge refp. bie betr. ßungenftelle für immer veröbet unb wirb leiefet von eferonifefeer Gntjünbung ober ©iibertulofe befallen, im le(j* teren gälte entwidelt fidj dironifdje Xöruftfellentjünbung. ©er SluSgang biefer Branffeeit ift fetten ein günftiger. Verlauf einer Xöruftfelteut* aünbnng tommt es manefemat 311 baiieruben 33erwad)fungen ber beiben Pleurablätter unter einanber (f. gig. 326, d) ober beS XBruftfeltS refp. beS Fig. 326. Glironii'cfie SBrnftfeUentäünbutifl. a) 83erbict= te§ (Sjfubat, b) Sunqe, c) ®roncfnt§, d) <Sxfu= bat=®änber (SBermadjfunflen) ättrifdjen ®rüft= feil unb £unge. 708 inneren 4BIatteS mit ber Einige. ©oldje 9iacl)ivef)en ber iöriiftfellentgün- bnmg finb wol)l befdjwerlidj, weil fie bie önngentl)ätigfeit beeinträchtigen, aber fonft ungefährlich. bisweilen reifet eine foldje 93erwad)fung, was von ber betr. Perfon als ein (gang unertlärlicher) vorübergefeenber ©dpnerg an ber betr. ©teile ber Ä8ruft empfnnben wirb. Die 48 e I) a n b I n n g hat vor allen 'Dingen ber broljenben 23tutüer== arinnng nnb bem Bräfteverfall üorgubeugen, beim je mehr wir baS tfenn, befto eher ift ber traute Börper im ©taube, baS (Sjfubat wieber aufgnfau* gen. £11 bem $wecfe erhalte ber Patient eine gute, naljrljafte Boft (Sftild), (Sier, concentrirte $leifd)brül)e, f. ©. 435) nnb täglich 3mal 1 Drachme (Sifenjobürfprup (Syrup of Jodide of Iron) ober nach jeher SO?aI)lgeit in 4 (Sfelöffeln je 10 Dropfen (Sifentinctnr (Tinct- ure of Iron). Dabei hüte Patient im wol)lgelüfteten Rimmer baS 48ett, forge für orbentlidjen Stuhlgang unb lege auf bie fdjntergenbe Stelle warme auf. SBährenb ber ©euefinig ift biefelbe Boft bei- jubehalten unb burdj methobifdjeS Diefatl)men in guter, reiner Vuft für SßieberauSbehnung ber comprimirten Simge gn forgen. Durch folcfee (Sim atbmiingeii (etwa täglich 6* bis Sinai je 20-30) gelingt es bisweilen bei jugenblichen Perfonen, and) etwaige Sßerwadjfungen ber Pleurablätter gn verhinbern ober befeitigen. 33ei (Sjcfubatbilbuiig unb bei djronifdjer felleiitjünbiiiig ift immer ein 311 Qiatlje ju jiel)en. Die ®ruffwafjcrfud)t (Hydro-Thorax) Ijat Slehnlidjteit mit ber fRippenfellentjünbung mit wäfferigem (Sjrfubat; in beiben fällen finbet fid) eine wäfferige SDienge in ber 53riiftfellhöl)le for. Sßä'hrenb biefe SDlenge aber bei ber Diippeiifelleutsüiibiiiig baS Probuct einer (Sntjüiibiiiig beS £3rnftfellS ift, ftellt bie SBafferanfammlnng bei ber 48ruftwafferfnd)t mir eine Dheilerfdjeinung einer allgemeinen äöafferfndjt bar (f. ©. 449). Die bemSaien wahrnehmbaren © p mp t o m e finb: Slthemnotl), Sdjmew gen in ber Greift, afthmatifebe Unfälle unb 23lanfncht. Die 4B e* I) a n b l ii n g biefeS ßeibenS mnfe natürlich, ba baSfelbe nur ein ©pmptoin ift, gegen baS ©runbleiben (2ßafferfud)t refp. bereu Urfadjen, Ivie §erj=, Jungem ober Dlierenleiben) gerichtet fein. 48ei heftigen 53efd)iverben euh leert ber ?lrgt baS Gaffer bnrd) (Sinftid) (f. oben bei SBrnftfellentjünbniig unb fpäter bei Äranlilieitcn öit Die Brantheiten ber SSerbauungSorgane einfdjliefelid) ber Bäljne (f. ©. 179 it. ff. unb ©. 91 unb 92) entftehen entweber von felbft ober haben ihre SSeranlaffung in anberen Brantheiten. 3m erfteren $alle werben 709 Trautheiten im BerbanniigSapparat hervorgerufeu: burd) merfjaiüfctje 9iei3img (fcparfe Bähne, Berfcl)luefen von ftrembförpern, n. f. w.), burd) (Siiiwirfitng fdjäblidjer Stoffe (Säuren, ®ifte, Spirituofen, STabaf, 31t heißer ober 31t tatter Speifen uub ©etränte, u. a. m.), burdj ©eituß fcpwer verbanlidjer ober 311 reidjlidjer Nahrung, tni'3 burd) alles, was ben BerbannngSapparat 311 fdjäbigen im Staube ift (vergl. S. 355 11. f.). Slnbere Trautheiten, welche folcpe berBerbauiingSorgane veranlaffen, finb befonberS (SrlTaiitiiugen beS ®el)irnS unb fieberhafte Trautheiten, weid/ teuere immer mit BerbauniigSftörnngen verbunben finb. Sehr häufig jieljt and) Trautheit eines BerbaiimigSorganS (Srfraiifung eines anberen biefer Organe nach fiel). Oie Symptome ber Trautheiten im BerbannngSapparat finb und) bem Si£ unb ber 3(rt beS Hebels feljr berfdjiebem 9iitr wenige biefer (5r- fdjeinniigen fommen conftant ober bocl) faft immer bei allen BerbauungS* trantheiten vor; hierl)er öeljöien bie 31 p p e t i 1l0 f i g f e i t (f. Trant* peilen beS Wi'agenS) unb ein übler ®crndj nu§ hem 9)hinbc. Oer lep- tere ift atlerbingS oft and) ein Reichen anberer Trautheiten (Einigen* fd)wiiibfuc()t, Sungengaiigrän, djronifepe BroncpitiS), ober er entftammt Stoffen im Blut, Weldje beim ©aSauStaufd) in ben Einigen ihren (S:erud) bem Sltpem mittheilen (vgl. 3. B. .ßiiderljarnriihr), ober er ift and) nur eine $olge Vernacpläffigter ÜJiiuibpflege. Oer üble ®erud) aus bem SJhuibe bei BerbauungStrantheiten entftept burd) BerfepungSproceffe in einem BerbannngSorgan, wobei fiel) meiftenS and) ®afe bilben, bie burd) ben üDZiinb entweichen (W?agen- ober Oarmeatarrh). Um ben ©eriicb 311 befeitigeii, nehme man grob gepulverte £)ol3fol)le (etlva 1 Oheelöffel voll) in einem halben ®lafe BJaffer. Bei anl)altenb üblem SJZunbgerud) mnf? baS nrfäd)lid)e Veiben befämpft werben. (Sin aubereS Spmptom, baS fiel) feljr häufig 311 BerbannugSfrant* heilen (mit Ausnahme beteiligen im BorverbauimgSapparat) gefeilt, finb ßetbfchmcrjcn. Oiefelben treten gleidjinäfeig anljaltenb ober trainpfartig in ben verfd)iebeuften formen (ftecpenb, tneipeub, 11. f. w.), entweber über ben ganjen Seib verbreitet ober auf eine Stelle befdjräntt, auf. 3n lepte= rem (yalle nnterfd)eibet mau einen 3J?ageiv, Oarm-, Slfterfd)iner3, 11. f. w. Bei allen „öeibfdfmerjen" conftatire man 3imäd)ft ben Sip beS UebelS. 3ft ber Sdpneq auf eine Stelle befcpräiift, fo ift er entweber 3)iagen= fd)mer3 (in ber SJtagengegenb), ober er wirb burd) Bliubbarnient3Üiibiiiig (Sd)mer3 in ber rechten Seifteugegenb über ber Schentelbeuge) ober burd) ein fteberleiben (Sd)mer3 in ber Sebergegenb) ober burd) £>ämorrl)oibeii ober ein 3)laftbarnileibeii (Schmeiß am Elfter) ober burd) eine tljeilweife Baud)fellent3Üiibniig hervorgerufen; in letzterem $alle hat ber Scbnieq feinen Sip an ber betr. ent3ünbeten Stelle, bie gegen Oriicf aujjerorbenU 710 lieh empfinblich ift. ßft bicfe ßmpfinbtid)teit and) bet, über bcn ganzen Vaud) verbreiteten Schmelzen in pochgrabiger Sßeife vorpanben, fo liegt wahrfcheinlid) eine allgemeine Vand)fellent3Ünbung vor. Vei berumjie* penben, trampfenben (Tolif*)©d)mer3en ift bereu Sip ber ©itfbarm. Vgl. Traiitpeiten beS tagens unb beS ©armcanals. Vei anpaltenben, heftigen, mit Verftopfnng ober Erbrechen einljergeljenben ßeibfepmerjen vergewiffere man fiel) immer erft, ob nidjt ein anbereS Reiben, b. i. ©arm* verfd)ließimg, ein Vrttd)fcl)aben (f. „Unglücfsfälle unb Verlegungen"), eine Vergiftung ober and) Sd)Wangerfdjaft, bie Urfadje ift. ©ie Vepanblung ber Vorliegenben Trautheiten wirb mir 31t häufig nidjt ernft genug genommen. „Sich, ber I)at fiel) nur ein Wenig ben Klagen verborben", es, unb bamit ift bie Sadje erlebigt. ßpe man es fid) aber Verfielt, ift aus bem anfänglich unbebeutenben Reiben eine langwie* rige, qualvolle Trantpeit geworben, weldje vielleicht gar baS ßeben be* broljt. 9?ocp fcplimmer ift es, wenn ber Sßatient 311 ®epeimmittelfd)Wiiibe* leien feine 3uflud)t nimmt, beim bann vernadjläffigt er niept nur feine Trantpeit, fonbern fdjäbigt feine ©efimbpeit and) nod) birect bnrd) bie giftigen Stoffe, welche jnmeift in jenen Onacffalbereien enthalten finb (vgl. S. 676 u. f.). Vei irgenb einem SDtagenleiben fei man fofort auf feiner §ut unb vermeibe vor allen ©ingen bie Sdjäblicpteiten, burep Welche baS Uebel pervorgernfen würbe. 2luf äpnlidje Sßeife tann ber Oefnnbe IPiagenfrantpeiten verhüten, b. h- inbem er jene ßeljren befolgt, weldje ber Vflege be§ Verbaunng§apparat§ gelten (f. @. 355 u. f.). bcö SRunbcS, bc$ Sdjlnnbcg nnb ber ßäljtte. ©ie, befonberS im ÄinbeS* nnb 3llgenbalter häufigen Trautheiten be£ ber au§ HJiuiib, (£d)limbtopf ober 9iad)en nnb @d)Iunb ober @peiferöl)re beftel)t, werben bnrd) bie oben genannten äufjer* liehen @d)äblid)feiten ((Srtältungeii, Säuren, ®ifte, ©abat, u. f. w.) ver* urfadjt ober pflanzen fid) von benachbarten Organen auf biefen Speit be§ VerbannngSapparatS fort ober finb 9?ebenerfd)einungen eines Allgemein* leibens (Scparlad), SpppiliS, Vlei* ober Öuedfilbervergiftung, u. f. w.) ©ie (Symptome finb entweber Veränbernngen im Van unb ?lnsfeljen ber betr. Organe ober $nnctionSftörungen (erfd)WerteS Tauen, Sdjlingen ober felbft $ltl)men unb Sprechen, fd)led)ter ®efd)uiacf, Sdpnerjen, übermäßige Speidjelabfonberiing, 11. a. m.). ©ie SKeprjahl biefer Trautheiten läßt fid) leidjt bnrd) Unterfudjung beS SKunbeS feft* ftellen, wobei biefer mög(id)ft weit 311 öffnen unb bie mit einem Söffelftiel nieber3iibrücfen ift; wiberftrebenben Tinbern halte man 3iigleid) bie 91afe 311. Sowohl bei veränbertem $luSfel)en beS HJiunbeS, als and) bei ginictionSftörnngen im VorVerbammgSapparat behalte man 711 aber immer im Singe, baf? gleiche ober äljnliclje Symptome oft auf ganz anbere Trautheiten ljinmeifen. (Sine belegte 3 u n g e 3- 'ft iu feen meiften fällen baß Spmptom einer Trautheit beß SJiagenß ober ©armes ober überhaupt einer fieberhaften Trautheit; letztere ift mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen, wenn bie 3uuge riffig ünrb (f. $ig. 327, i unb S. 449). (Sin anbereß 4öeifpiel ift bie übermäßige Slbfonberung von Speichel, ber fogen. Speichelfluß (Salivation). ©erfelbe ift ein Si)mp= tom fcljlechter -äftunb* pflege, Don 9)hinb= unb 9iacl)encatarrl) unb an- bereu Trautheiten im SSoroerbauungßappa- rat; er gefeilt fiel) aber and) zu due(ffilberüer= giftung (f. S. 597 unb „Specialarzt für 2)läm ner"), zu fernen-, 5D?a- gem unb ©armleiben, Zn Scpmangerfchaft n. ftrauentrantheiten (f. „Specialarzt für $ram en")z u. a. m. ©ie -33 c l) a n b l n n g muß gegen baß ®runbleiben anfämpfeu; baueben gurgle man mit loäffe- rigen ßöfungen Don übermangaufaurem ober cl)lorfanrem Tali. gefctereß ift ziemlich giftig, U)eßl)alb man fiel) hüte, beim ©urgeln etioaß baüon zu Derfchlmfen. ©ie £3ehanblung ber Trautheiten beS 53orDcrbaitungSapparatS ift, fofern biefe felbftftänbig finb, rein örtlich; liegt ein anbereß Reiben zu (SJrnnbe, fo muß fiel) natürlich mit ber örtlichen 53ehaublung eine anbere, gegen bie urfächliclje Trantljeit gerichtete Derbinben. ©er 9Jhinbcatarrh (Catarrh of the Mouth), bie c a t a r r h a l i f clj e (Sntzünbnug ber 9J?unbfchleimhant (f. S. 675), entftel)t burcl) Heizung ber Schleimhaut (3«huen, fcljarfe 3üßue, ©abafgenuß, feßr heiße ober falte Speifen ober (getränte, übermäßiger Sllcoholgenuß, n. a. m.) ober pflanzt fiel) Don bem fachen, bem SDZagen ober ber Shiftröljre auf ben !>D?uiib fort ober tritt zu anbereu Trautheiten (Scharlach, ©eficßtßrofe, Fig. 627. a) Verlängertes fjöbfcljen, b) Slpljtljcn, c) Wtunbfäule, d)3al;nge= fcßtoulft, e) fOtanbelentjünbung, f) bipljtljerittfcljer SBelag auf ber (redjten) IWanbel, g) ftjpljilitifdje fülunbgefdjuiüre, h) <£a)tuämni= djen, i) gieberjunge. 712 ©l)pl)U«, Sl)pl)i(i«, Diiedfilbervergiftiing) l)iii,pt. ©ie Spnip to nie finb: 53renuen nub £rodenl)eit im 9Rimbe, vermehrte Sd)leimabfonbe» riing mit 53elag auf Bunge, tmb langen, faber, „pappiger" ©e® fdpnad, übler ©erud) an« bem SDhiube, Verlangen nad) fauren, faltigen unb feljr gewürgten Speifen. ©ie 53 e 1) u n b l u n g erljeifdjt 53efeitiguug ber urfäd)lid)en Sd)äblid)teiteu ober Brantf)eiteu. Starte 9iand)er feilten wenigften« nur fdpvadje Zigarren au« einer Spitze ober (wol)t gereinigte) pfeifen raudjeu. ©aneben Ijalte man ben DJliuib burd) 2(ii«fpülen mit äßaffer mit etwa« boppeltfohlenfaurem Ratron unb fleißige« dürften ber Bäljne rein unb mache (Siuathniungen von Bodjfalj unb 5öafferbämpfen (1 iljeil Bodjfalj auf 4 £ljeile SBaffer; vgl. $ig. 311). 53ei anljaltenber „Sßerfdjleimung" taue man allabeublid) vor bem Bnbettgepen Heine Stüde 9il)abarber. ©egen ben djronifdjen SOluubcatarrl) empfiehlt e« fiel; ferner, borgen« nüchtern eine $lafd)e Sobawaffer ju trinfen. S)?it bem Ramen Olpljtfjcn (Aphthae) bejeidjnet man eine crou® pofe (Sutjünbuiig ber SDiunbfdjleimljaut (f. S. 684), welche in $olge fd)(ecf)ter DRuiibpflege am päufigften bei fepwadjen unb fdjledjt genäprten ober japnenben Binbern, feltener bei (Srwacpfeiicn auftritt. 53ei biefer Giitjüiibiiug bilbeu fid) auf ben Sippen (f. ftig. 327, b), ben Sßangeit, bem parten ©aumeii unb ber vorbereu £)älfte ber Bunge gelblidpweipe ober graue, von einem rotpen Saum umgebene Stellen, Weldje jivar wunb finb, aber nidjt in 53erfd)Wärung übergehen. Symptome: 53reuneii unb Sdpnerj im IRunbe (befonber« bei Ral)riing«anfnapme), fieber, ?lp® petih unb 9hil)elofigteit, übler ©erud) au« bem fDhiube. 53 e l) a n b l n u g: Bräftige flialjrimg, reine ßuft, Reinhaltung be« Börper« nub be« SDhinbe« unb öftere« Slbivafdjen refp. Slbtupfen ber Stellen mit einer bi« 3pro- centigen 53orajlöfung. 53ei (Srlvadjfencn tarnt man ftatt festerer eine fd)ivad)e £>ölleiifteinlöfnug anlvenben (vgl. „Specialaqt für grauen"). . ©ie ftJlunb jiiulc (Cancrüm Oris) ift eine b i p I) 11) e r i t i f d) e (Snh günbung ber fVtunbfdjleimljaut (vgl. S. 480), wobei fid) auf lepterer lidje $lecfe bilbeu, bereu 53elag mit ber Be't abfällt unb leidit blutenbe, gefdnvürige Stellen blo«legt (f. $ig. 327, c). ©ie bi«iveilen epibeniifd) auftretenbe Brantljeit, bereu Urfad)e 93ernad)läffigiiug ber SRuubpflege, ©ued'filbervergiftung ober ?luftecfnng ift, beginnt am inbent ba«felbe fid) rötpet, anfd)ivi((t unb loder wirb, ©arauf ftellen fid) Spei» d)elflufs, fel)r übler ©erud) au« bem SRunbe unb brennenbe Sdpnerjen ein, bie fid) bei ber ©efd)lvür«bilbung fteigern. Später Werben bie Bälpie loder, bie 5Serfd)Wärung greift weiter um fid), unb fd)lieff(id) fdjwellen wollt and) Sippen, ©äugen unb Sl)mpl)briifen an. ©ie langwierige 53 e» paiiblung beftept in 9lu«wafd)eu be« SRunbe« mit 5Baffer unb Rotlp wein ober einer 2procentigen wäfferigen Vöfung von 53oray, Sltaun ober 713 djlorfanrem $ali. Sei (Srwacpfenen tann man bie ©teilen and) mit einer §öllenfteinlöfiing (1 ®ran auf | Unje äßaffer) abtupfen. ©er äßangcnbronb ober 2ßoffcrfrch5 (Water Canker) ift eine b r a n b i g e 3erftörung, weldje auf ber $nnenfeite ber 3Bange beginnt, unb 3ivar von einem harten, fpäter enveicpenben aus. ©er branbige Berfall, ber mit Slbmagerung, ßieber, Socferwerben ber Bahne unb eventuell SluSfallen berfelbeu, Shtfcpwellung ber ertrantten ®efid)ts* feite, SIbfonberung eines blutigen Speichels, näd)tlid)en ©elirien, großem ©urft unb gewöpnlicp ©iarrpöe einpergept, greift immer weiter um fid), bis bie eine 3ßange ganj fcpwaq, branbig unb löcherig geworben fein mag. ©ie bie jumeift im vortommt unb fiip häufig nad) einftellt, bei welchen bie 33Iutbefd)affenpeit ver* fd)led)tert wirb (SRafern, Scparlad), ©pppnS), verläuft gewöpnlicp töbtlid). ©ie 33 e 1) an b l un g beftept in ber Sorge für träftige fRaprnng (ORilcp, ßleifcp, (Sier), SluSfpülen beS fIRuiibeS mit 33oraj* ober (Splortalilöfuugen (f. oben) unb ber betr. Stellen. 931it Scpwiimintfjcn, Soor, SJlcplniunb ober 9)M)lpuub (Thrush) bejeidjuet man eine auf ber 9Runbfd)leimpaut (f. S. 627). ©iefe parafitifepe, anfteefenbe ftellt fiep meift nur bei Heinen ein, bereu fDhinb uiept gepörig rein gepalten wirb. 33ei (Srwacp* fenen ift fie faft immer, wenigftenS wenn fie fid) im (befolge einer fcpwe* reu (Srlraufnng jeigt, ein Spniptom beS napenben ©obeS (f. S. 703). ©er weißlidje 33elag bilbet juerft auf Sippen, 33acfeu unb 3unge cpeii ober größere ßlede, unter benen bie £)aut wunb, aber nidjt gefdtwü* rig ift (f. ßig. 327, h). Om fpäteren Verlauf tonnen fid) biefe ßlecfe and) auf ben ©aitmen, fRadfen unb Sd)(unb anvbepneu. ©ie 33 e l) a ti b - l it n g ift biefelbe, wie bei ber ÜRunbfäule (f. oben). 3ur 33erl)ütung ber ftranfpeit finb bie $inber ftet§ rein 311 palten, pauptfädjlid) ber fDiiinb, unb niemals mit unreinen 33riiften, 3llfPen °')er ®ummil)ütd)en 311 er* näpren (f. S. 371 unb „Specialar3t für ßrauen"). ©er JRorfjcncotorrp (Pharyngeal Catarrh), ber fid) im 2lnfd)luß an einen fRafem, ober fUZinibcatarrl) einftellt ober aus benfelben Urfadjen, wie letzterer, felbftftänbig auftritt (befonberS nad) (Srtältungen), giebt fid) burd) 33rennen unb ©rotfeupeit im §alfe, Speichelfluß, Schling* befd)Werben, 33erfd)leimung (tüfteln, 9iäii§pern, raupe Stimme, 3Bür* gen unb mitunter Scp(eimerbred)en) unb ein (Slefiipl berSdpvere im§in* tertopf 311 erfennen. ©ie 33 e p a n b 111 n g biefer catarrpalifcpen, fid) ge* wöpnlid) and) auf weiepen ©aitmeu, unb fDlanbelii erftreefeuben (5nt3ünbung ber fRacpenfcpleiinpaut beftept barin, baß Patient bie betr. Scpäbliditeiten (©abaf, Sllcopol, Staub, Stand), it. f. w.) nieibet, einige ©age baS Rimmer refp. ba§ 33ett pütet unb falte, mit einem ©ud) lüft* 714 bid)t jn üerfdjtießenbe Umfcßläge auf ben £>ats macßt. ©egen «Scßmerjen unb <Sd)tingbefcßwerben faun man ©isftittfd)en im HJlnnb jergeßen taffen, daneben mag man mit Sllattn* ober Vorajtöfungen gurgeln. Vei d)ro* nifcßem Verlauf bejw. bei Verbidungen unb Sföudjerungen ber SRadjen* fdjleimßaut muß biefe (aber nur Dom Slrjte!) geäßt werben. Bur ® ei'; ßütung beS ßeibenS ßärte man ben £>als, fowie ben ganzen Körper burd) fußte, nad) unb muß tatter werbenbe Slbwafdjungen ab. Von ber im Vorßergeßenben gefcßilberten, ßäiifig fid) and) auf bie nftaubetn auSbeßnenben (Scßleimßautentjnnbnng ift genau eine paremßp* matöfe (BellgewebS*)(Sntjimbung ber HJZanbetn, bie SRnnbctcntjünbung (SEanbel* ober ©anmenbräune; Tonsillitis) ju uuterfcßeiben. £>abei fiub bie Hftanbetn (in $olge Söncßerumg ißreS Bluifd)engewebeS) oft bis jur ©roße einer VJaltnuß angefdjrootten unb nebft Bäpfdjeu unb ©anmeii* feget gerötßet unb mit einer fdjteimigen, Weißtidjen ÜDiaffe überzogen. $tuf ben Wianbetn bilbet biefer Velag Weiße 'ißünftdjen (f. $ig. 327, e) ober, beffer gefagt, weit bie Dberftädje ber OJiaiibeln ßötferig ift, Sßfröpfdjen, wetcße bie Vertiefungen ber HJlanbeloberftädje anSfüllen unb bisweilen als „Wtfanbelfteine" (griinlicße, fäfige, iibelriecßenbe $lümpcßen) auSge*' ßuftet werben. 9?id)t feiten erftrecft fid) biefe (Sntjüubung and) auf bie (Snftacßi'fdje (£)ßr*) trompete unb üerurfadjt bann Dßrenfaufen unb ©ßrenreißen. £)ie Urfacßen beS CeibenS fiub biefelben, wie bie beS 9?a* d)encatarrßs. Veßanblung: ©nrgeln mit Sllaunlöfiing, falte Um* fd)täge, bie bei (Siterbilbnng bnrcß warme Vreinmfdjtäge jn erfeßen fiub, unb Vepinfeln ber ertrantten '(Stellen mit einer fcßwacßen fnng. ©abei ßüte man fid) Dor allen ©d)äblid)feiten (falte ©etränfe, reijenbe (Speifen ober ©etränfe, STabaf, Stlcoßot, (Srfältinigen, u. f. w.). Vei Vereiterung muß ber 2lrjt, je friißcr, befto beffer, burd) (Sinfcßuitt ben 9lbfceß öffnen, worauf ber IViuiib mit warmem Äamillentßee anSge* fpült wirb. ßßronifcße Vergrößerung ber SWanbctn (Enlarged Tonsils), wo* burd) mancßmat ßeftige Sltßcmbefduverben unb wegen beS auf bie £)ßr* trompete ausgeübten ©rudS<Sd)werßörigfeit, fowie (Spracßftörungen Der* urfacßt werben, muß operatiu (burd) SIbfcßneiben eines (Stüdes) befeitigt werben. TaS ©leidje gilt Don einer Verlängerung bc§ (Elongated Uvula; f. 327, a). lieber fßpßilitijtßc ©cfrfjwiirc tm SWunbe (f. ßig. 327, g) Dgl. „(Specialarjt für Männer". Vei Verlegungen ober ©efd)Wiiren im DJiunbe in Don f d) a r f f a n t i g e n Bäßnen ßalte man ben 9)hmb rein, fpüle ißn öfters mit einer 2procentigen Sarbot* ober ßßlorfalitöfung aus unb fmße balbmöglid)ft einen ?lrjt auf. 715 ©ie (fühtmps, Ziegenpeter, Vauer* wepel; Parotitis) ift eine gewöljnlidj int grüljjaljr nidjt feiten epibemifdj auftretenbe ber ©Ijrfpeidjelbrüfe, wobei biefe an* fdjwillt nnb fpäter vielleicht in Vereiterung übergeht. SDiit ber ©rüfen* aiifdjwellung verbinben fiel) mandjmal and) ©djwellungen gewiffer ®e* fdjledjtSorgane. ©ie übrigen ©tymptome ftimmen mit benjenigeit ber fUhinbelbräune überein. Veljanblung: ©roefene, warme Umfdjläge nnb bei (Siteranfammlung warme Vreiumfdjläge mit balbigft folgenber Eröffnung ber eiternben ©rüfe. ©ie Kranfßeiten ber Zäljne finb oft nur fpmptomatifdje Seiben. ©0311 gehören bie „rljenmatifdjeu" ober „neuralgifdjen" galjns fdpnerjen (Toothache) in ganj gefunben Zähnen, ©iefe and) „Z a ß n r e i ß e n" genannt, treten meift in auf nnb bleiben nidjt an einer ©teile haften, fonbern geigen fiel) halb hier, halb bort. @3 ift baS freilich feine feftfteljenbe Siegel. Zu biefer 2lrt Von Zaljnfdjmerjen gehört 3. V. ber Zöljnfrijmerj ber ©djwangereit (f. ,,©pecialar31 für grauen"). ©ie V e Ij a n b l u n g ift beS (Srfolget nidjt fidjer (vgl. Diervenfranfljeiten). 2lm beften erwies fidj anljaltenbe 2ln* wenbnng großer, troefener £utje. Vei periobifdjen ©djmerjen finb oft ©ofen von ßljinin ober Slntipijrin (jwei ©tunben vor Eintritt beS jn nehmen, f. SBedjfelfieber auf ®. 519) von Vortljeil. - Zn ben weiften fällen entfteljen bie Z a I)n f dj m e r 3 e n aber b ur dj ort* lidje fReiptng eines beftimmten bie fidj mittetft fReflej: ben fRerven anberer, gefunber Zäljne niittljeilt nnb bort ebenfalls ©djmerj Ijervorruft. ©iefe fReijung fommt auf zweierlei VJeife 31t ©taube; ent* Weber geriet!) ber Zn^n „©toefen", würbe cariös (f. Knochenfraß bei Kranflieiten ber Knodjen), nnb biefer abnorme Vorgang übt auf ben ner* vöfen Zvljnfeint jenen ©djmerj erregenben aus, oljne baß ber Keim fcljon mit ber Slußenwelt in Verüljrung fommt, ober ber ift bereits vollftänbig cariös („Ijoljl") nnb ber 9?erv bloßgelegt, fo baß irgeub eine feinblidje (Sinwirfung von außen (falte £hift, ©peifen unb ©etränfe, u. f. w.) ben fRerV reifen wirb, ©ie V e Ij a 11 b 111 n g im erfteren $alle befteljt barin, baß man alle 3 bis 4 ©tunben ben -Dhutb mit einer Höfling von boppeltfoljlenfanrem Patron (2 £fjeelöffel voll auf ein ®laS laues Sßaffer) auSfpiilt. Vei „Ijoljlen" Zehnen fülle man in biefe boppeltfoljlenfaures Patron ober lege ein mit ßljloroform, Sletßer ober ©piumtmetur ge* tränfteS Sßattepfröpfdjen ein. ?(lle biefe fDlittel ftillen ben ©djmerj in* beffen nur vorübergeßenb. Zur banernbeu Teilung finb bie cariöfen Zäljne 311 plombiren (b. Ij. mit ®olb, u. f. w. auS3ufüllen) ober auS3u* reißen ober bie Nerven 31t tobten. 716 ©urd) traute 3'^)lie werben häufig (Gum Boils; f. ß-ig. 327, d) venirfadjt, bie iprerfeitS wieber oebemalbfeSdnvel* hingen ber afficirten Vatfe (bideS ober gefdpvolleueS ©efidjt, bide Vade) golge pabeu. ©ie V e p anbtung beftept in fleißigem ?luSfpiilen beS WhmbeS mit warmem Sßaffer ober baiuit bie Eiteran* fammlung refp. *entleeruug („.ßaljngefdjwiir") beförbert wirb, unb im Sluflegen von warmen Umfcplägen auf bie SBange. £>at man einen 3rt^lls aqt ober ?lrgt jnr ©teile, fo laffe man fid) bie ©efdjwnlft balbigft auf* fdjneiben unb fpäter ben Bafpt auSreißen, weil fonft bie Eiterung an ber tränten „ßaljiiwnrsel in ber Siegel fortbeftept unb bie ®efd)Wu(ft häufig wieberfeprt. (geöffnete ober aufgebrodjene ©efdjwülfte finb mit Shaun* löfnng 311 betupfen. •Vei djronifdjen Eiteraiifammluiigen, aber and) bei Erfraiifimgeii beS 3apufad)S nnb ber biefeS umgebeuben Änodjenpant bilben fid) von bem <Sip beS SeibenS ans §ol)lgäiige, Weldje nad) außen in ben DJinnb ober and) bitrd) bie Vade burd)bred)en. Einen foldjeu, Eiter eutpaltenben ®ang nennt man eine (Fistula of the Gum*), ©iefelbe peilt nur, wenn fie nad) Eutferiuiug beS trauten ,3al)iieS ober Änod)enftüdS burd) Sluffd)ueiben in ein offenes ®efd)wiir verwanbelt unb als foldjeS be= ßanbett wirb (f. §aiittranfl)eiten unb „Unglitdsfälle unb 2>erlepiingenJ'). 3ni Speidjel finb juweilen fleiue, ßarte $örperd)en, „S p e i d) e U ft eine", enthalten. £)iefe ßaben feine Weitere Sebeutung unb befteljen aus toljlenfaurem $alf, einem ®eftanbtl)eil beS normalen SpeidjelS. 23ei fd)led)ter fOhmbpflege fonbert fid) aber mandpnal von bem Speid)el toßlen- faurer Äalf ab unb fept fid), mit Sdjteim unb 9ial)riingSpartifeld)eu Ver= mifd)t, als fog. .gdjnftcin (Tartar) am §alfe ber Bäljne, jwifdjen biefem unb bem an, nwburd) letzteres vom abgebrängt unb fpäter aufgelodert, mißfarbig unb leid)t blutenb wirb. 53el)aub = l nng: Entfernung beS 3al)iifteiuS, fleißiges peinigen ber 3äl)iie unb 311= fammenjießenbe fWunbwaffer, wie Salbei*, Sllaun*, ßßinarinbe* ober Ei* d)eiiriubeabfod)iiugen. 3 a l) 111 r ä m p f e vgl. ber Nerven. ©ie $ r a n f l) e i t e 11 ber S p e i f e r ö l) r e, bereu l)auptfäd)lid)fteS Symptom „im §alfe" fipenbe Sdjlingbefdpverben mit eventuellem Stectenbleiben von Riffen finb, befteßen eutweber in vorübergepenben (nervöfeu) ober bleibenben Verengerungen ober Erweiterungen ber Spei* feröpre. 3n allen gälten ift ein tiidjtiger ?Irjt 31t confnltiren, ber mitun* *) Unter „giftel" im allgemeinen Verfielt man jeben nicht normalen Kanal im Körper, ber eine normale <§öt)le mit einer anberen ober mit ber Oberfläche be§ ÄötperS oerbinbet. Solche gifteln entftehen burdj ober Sßcrfchmärung, tonnen aber and) angeboren fein. 717 ter and) nod) bei orgaiiifd)en Veränbernngen glänjenbe Teilerfolge 311 er- fielen vermag.- OaS Ste cf en b l eib en von gr embf örp ern in ber Speif erö1)re ivirb mit bent (Einbringen foldjer Körper in am bere Organe (2nftröl)re, Singe, n. f. f.) gemeinfam bei ben „Uiiglücfsfällen nnb Verlegungen" befprodjen. Airanff)eiten be§ klagens werben vornehmlich bnrd) Ucberanftrengnng ober Ueberreijnng betreiben (bnrd) 311 falte ober Ijeiße Speifen nnb ©etränfe, Sllcoljol, OabafSfaiice, fdjarfe ©ewüize, n. a. m.) ober bnrd) Orncf auf ben SDhigen von äugen (Tofengurte, 9tocfbänber, ©ebüdtfitjen) pervorgernfen. SJi'andje biefer Trautheiten finb and) nur 9iebenerfd)einungen anberer Seiben (Vlntaw nintl), Vleidjfndjt, Tpfterie, n. f. w.). Von ben Symptomen ber SJlagem franfljeiten haben wir fdjon mehrere (belegte Bringe, übler ®ernd) ans beni SJhinbe) fdjon an anberer Stelle biefeS 3lbfd)iiittS fennen ge- lernt. tommen nod): abnorme ©efüljle (beS Voll- ober Slufgetrie« benfehiS, VrennenS, StedjenS, Schmelzes, n. f. w.) im Klagen ober in ber, unten an ber Spitje beS VruftbeinS gelegenen SJlagem ober Ter? grübe (f. S. 681), gefteigerter ober üerminberter Slppetit (Teifjljunger ober Slppetitlofigfeit), ©elüfte nach beftimmten (fanren, fähigen ober ge- wälzten) Speifen, Uebelfeit, (Efel, Vredjneignng, (Erbredjen, Slnfftofjen, Sdjlncfen, Sobbrennen, ferner allgemeine 2lbgefd)lagenfjeit, Äopffd)mew 3en, n. f. f. SJiit SlnSnalpne ber letztgenannten allgemeinen Symptome finb bie ber SJiagenfranfljeiten fo fpecififd), baff ber ßaie biefe Symptome fmzweg a(§ „3Jiagenbefd)Werben" be3eidjnet. (Er geljt bamit aber 3U weit, beim viele biefer „9)?agenbefd)Werben" gefeiten fidj and) 311 anberen (Sierven-, ßnngem, Seberleiben), oljne bag biefe 3itg(eid) eine Äranfljeit be§ 3)iagen§ bebingen. Bnr richtigen Venrtljeilnng ber SJiagenbefdjWerben biene folgenbe Ueberfidjt über bie widjtigften biefer Symptome. Bu beljalte man immer im Singe, baft biefe (Erfd)einnngen, falls fie eine SJfagenfranfljeit anseigen, fiel) langfam nnb allmälig einftellen. Bft il)r Slnftreten ein ftürmifdjeS, fo liegt entWeber eine ®el)irnerfd)ütternng, eine Vergiftung, ein Vrudjfdjaben ober SrfjWangerfdjaft (f. „Specialaizt für grauen") vor. Oie Slppctitlofigfcit ift ein Spmptom von W?agenfranfljeiten, ferner von allen fieberhaften eiten, mangelhafter Vlntbereitnng (Vleid)- fndjt, Vlntarmnth), nervöfen Reiben (Thfterie, 3:rrfiiin)> feelifdjenSlffec* ten (Bor'b ©nun) nnb gewoljnljeitSmäfügem Okniif) von Sllcoljol, Opium nnb Morphium nnb and) Oabaf. Slad) Vefeitignng ber nrfädjlidjenSdjäb* lidjfeit feljrt ber Slppetit, falls feine organifd)e Störung 3nrücfblieb, von 718 felbft jurücf. $ur Vepebung zeitweiliger SIppetitlofigteit bienen bie fügen, bitteren Mittel (f. Stecept Ülo. 36). SFtece!pt Stco. 36. („Söittere", bie Verbauung anregenbe SÜKittel). Gf)ina = rinbe, 1 Streit auf 18 Steile Sßaffer, entWeber Slufguß ober SIbfodjung, ober G()ina= tinctur, mehrmals täglich 20 Stropfen. - Slitfgnfj ton rotbem (Snjian, Jau = fenbgülbenfraut, Q.uaffia ober gieberflee, 1 Stljcil auf 40 Steile SBaffer, mehrmals täglich 20-30 ©topfen. - Ober: Slbfochung ton (Sonburangorinbe, 1 ©l)eil auf 12 SSljeile SBaffer, mehrmals täglich baoon 30 ©topfen. - Ober: 28 er = mutljfräuter, Slbfodiurtg ober 'Mufgufj ton 1 ©heil auf 18 ©heile SBaffer, ober 2ß er mu thtinct ur, baoon mehrmals täglid) 20 ©topfen. -Ober: ülufgufe von 1 ©heil ©almuSivurjel auf 15 Streite SBaffer ober 6 alm uStinctur, bavon täglict) mehrmals 30 ©ropfen. - Ober: $ o m e r anjen f dj al en, täglich ein Slufgufj ton 1-2 ©radjmen auf 2 Unjen SBaffer ober $ß ont er a nßenfdjalentinctur biS ßu 1 ©radjme per Stag. (Sin unnatiirtieper Appetit (§eippunger ober baS ©elüfte nad) be- ftimmten Speifen) ift baS $eid)en Don Ärantpeiten beS HJlagenS unb Vor* DerbauungSapparatS, ferner Don Söiirmern, ©arm* unb ÜierDenleiben, Vleid)fud)t nnb Sdjwangerfdjaft. $D?it bem Slufporen ber letzteren Der* fdjwinbet ber abnorme Slppetit Don felbft. 3'n anberen gälten ift eine, gegen baS ©runbleiben geridjtete Vepanbtung nötljig. 4ßei SJiagenfranf* peilen empfieplt fid) bie SInwenbung Don toplenfaurem ober bafifd) falpeter* faurem SBiSmutpojpb (etwa breimal täglicp 10 ©ran in etwas Sftildj, auf ben teeren SDtagen 31t nepmen). £>eippnnger im 3uftanb ber SReconbaleS* cenj barf nur zum Speit nnb zwar mit fräftiger, leidjt Derbaulidjer ütap* rung gefüllt, nnb füllte letztere in Heinen Portionen in hirjen Btoifdjem räumen gereidjt werben. £>a$ ©leidje gilt Don ber 9iaprungSaufnapme bei nacp längerem (Sntbepreu Don Diapruug. X)ie Uebdfcit (Nausea) wirb abgefepen Don (Siel erregenben (Sm- pfinbungen burdj reijeube ©ubftanjeu im 2)iageu unb unuatürlid)e iöe- wegmigen (Sdjaufeln, Qiiid'wärtsfapreu, 11. f. w.; f. <Seefranfpeit) erzeugt. Oiue Steigerung ber llebelteit ift baS Girbrcdjcn (Vomiting). ©aSfelbe ift ein Spmptom Don Vergiftung, Vrmpfdjäben ober Sdjwaiigerfdjaft (f. oben), Don SQJagenleiben unb ferner Don ©epirn- unb iierDöfen Äranf= peiten (©epirnerfdjütteruiig ober -erweidjung, SDligräne, u. f. w.) unb Don £)armfrantpeiten; and; ftellt es fid) pänfig im Veginn beS SdjarlacpfieberS ein. 3'ft in bem (Srbrodjenen Vlut entpalten, fo fann man, wie fpäter iiod) gezeigt Wirb, je nad) ber $arbe beS VluteS auf Sßunben ober ®e= fd)Würe im SDZagen, SDlagentrebS ober Seberfrautpeiten fdjliejjeu. Ve* p a 11 b l u n g. ©egen Uebelfeit empfeplen fid) Slufeutpalt in freier ßuft, rupige SRütfenlage unb eines ber in fttecept 9?o. 37 angegebenen SJHttel. £)ie gteidieu Mittel finb and) anjuwenben, wenn nad) bem ©rbredjen beS SRageninpaltS Vredjneigumg unb Vred)bewegungen fortbeftepeu. Stufjer biefen Mitteln fann man and) Heine SOlengen (Sisftüdd)en, VraufepulDer, 719 ober Sobawaffer, Gljampagner, ftarfen fdjwcirjen Kaffee ober Sletper ju fiel) nefjmett. 53ei Grbredjen von 53lut lege fiel) Patient 31t 53ett, üerljarre rupig in ber 9?ü(fenlage, mad)e GiSumfd)läge auf bett Seit), fd)lucfe üon $eit ju GiSftücfdjen, lege auf Sinne unb 53eine Söärnt' flafcljett uub üerwenbe eines ber Mittel von Diecept 9io. 38. Slbfüprmittel finb unter allen Umftänben auSgefdjloffen, itnb wäprenb ber elften Xage und) beut 53luterbred)en muff ber Traufe mittels Älpftieren ernäprt wer- ben; ein foldjeS 3mal täglid) 31t nerabreicljenbeS Älpftier (f. @. 456) be- fiel)! aus | Sßint $leifd)brül)e, 1 roljen Gi unb 4 GBlöffeln SJZild) ober 1 GBlöffel ©aljne, bas ®anje orbentlid) ju mifdjen (fdjlagen). DlaprnngS- aufnapme burd) ben fPZunb barf erft wieber nad) einigen Xageit- in fleU neu Portionen - erfolgen, uub muf) bie - tüple, nidjt Ijeifse - fftciprung bann für längere au§ W?ild) unb (Stärtemepl befteljen. - lieber 53 re d)tn i ttel, b. i. Mittel, weldje baS mitunter Ijeilfame Grbredjen pernorrufen, f. Diecept 9?o. 31. 53red)mittel follteu aber opue äqtlidje 53orfd)rift niemals von 53ruft- ober an ©epirncongeftionen Veibettben unb Sdjwangeren genommen werben, weil bie Gifdjiitterung beS Körpers bei bem 53recpatt für foldje gefaprbropenb ift. 9? e c c p t 910. 37. (9)iittel gegen Ucßclfeit unb (Srßredjen.) ßalte llmfcßläge, ©enfpflaftcr über trodene ©djröpffopfe auf bie SDiagengegenb.-Ober: 5 Stopfen (Sams pperfpirituS in etwaS faltem SBaffer. - Ober: Sille Ijatbe ©tunbe, biS Sll'ljülfe erfolgt, 1 Stopfen Srecljtöurjeltinctur in etionä tattern SBaffcr. - £>bcr: 1 Sl)celöffel gufaini mengefefcte ßavcnbcltinctur in 2 faltem SBaffer. - Sintere Mittel, ivie 23itter= rnanbehvaffer, SO?orpf)uiin, ßljloral, faljfaurcS ßoca'in, ojalfaureS (Serojpbul, u. f. iv. finb nur auf ärjtlicbe SSorfcßrift ju gebrauchen. - Spittel gegen baS ©rbredjen ber «Scßtoangeren f. „©pccialarjt für grauen". Dteccpt Sto. 38. fSöei b. ß. SBIuterbredjen). 3 Sßeile flüffis geg ©ifencßlorib unb 12 Steile ©aöon gieb 5-10 Sropfen auf 1 ®laS fallet Sßaffer. -Ober: 1 ®ran ©erbfäure Werben mit 10 ®ran (Weißem) Jgucfer ver= r eben unb in 12 Sljeile getßeilt. ©avon alle 2-3 ©tunben 1 ißulrer (Sßeil.) - Ober: Sllaunmolfen; 1 ©raeßme Sllaunpulöer Wirb mit 1 $int $)?ilcf)gefocl)t unbbaS ©anje bann burcßgefeiljt. ©avon gieb alle 2-3 ©tunben 1 SBeinglaS voll, nadfbem öS ertaltct. <DaS Sliifftofjcn (Eructation) ift ein „Sufterbredjen", baS oft nur vorübergetjenb nad) bem ®enufi non tol)lenfäurel)altigen ©etränfen uub bläl)enben (Speifen (f. 53läljfu(i)t) eintritt unb bann rafd) burd) einen @d)luct falteS SBaffer, ober 3evBel)eult'lffe11 eines GiSftücfd)enS im WSunbe gehoben Wirb. SlnljaltenbeS Slufftoßen ift, wie baS bamit nerbunbene Gntfernen ber 2J?agem unb ©armgafe nad) unten (burd) „Söinbe"), baS 3e'fl)en üou SSerbaunngSftörungen unb anberen Reiben, wie £>i)fterie, Grlianfiittg beS 53aud)fellS, u. f. w. hierbei mufj bie 53eljanblnng natürlid) gegen baS ©runbleiben gerid)tet fein. 720 Die SBtiifjfitrfjf (Flatulence). 9?ad) bem ®enuß Hon loßlenfäures ßaltigen ©etränfen nnb gemiffen („bläßenben") Speifen (Wirft, junger 2Bcin, junges 53ier, Setters« unb Sobamaffer, Änoblamß, Olettig, Sauertraut, u. f. f.) fammelu fiel; im Wtagen unb Darm @>afe in übermäßiger Wlenge an. Diefe abnorm angeßäufteii ®afe merben 531 äs I)it n gen genannt unb tonnen burd) 2Iiifftoßen, burd) SBiube ober mit ben halb mieber entfernt merben. 53ei maudjen ßranf- ßeiteii (eingetlemmten 53rndjfd)äben, £>i)fterie, §ßpod)onbrie unb SB er« baunu-gSftörun gen) tritt aber eine foldje SJInßäufnng von Wlagen« unb Darmgafen ein, oßne baß biefe halb mieber entfernt mürbe; man fprießt bann von 531 ä ß f u d) t. 53ei biefem Selben, beffen SBefen atfo in einer übermäßigen ?lnfammlung unb von ®afen im Wlagen unb Darm befteßt, ift ber Unterleib auf getrieben, eS foltert unb poltert im 53amß, baS in bie §öße gebrängte übt einen Drmf auf baS £)erj aus nnb baju gefeiten fid) ßänfig nod) Ä'opffdjmerj (f. S. 199), Sdjminbel, unb Seibfdjmerjeii (SBinb« ober 53l ä ß n 11 g S f o l i f). Die 53 e ß a n b l u n g muß burd) SBermeiben blä« ßenber Speifen (f. oben), ßäufige 53emegnng im freien, 53eförberung beS StußlgangS (f. 23erftopfung) unb Wlaffage beS 53aud)eS ber ©aSanfanim« lung vorbeugen unb, iveiin festere vorßanben ift, biefe burd) bläßnngS* treibenbe Mittel (2tni&=, Kümmel*, ßalmuSs, 53albrian-, 33fef= fermünjs, 3)?eliffem, unb £ßee ober Dinctiiren refp. Eignere) befeitigen. Sind) baS uniiiiterbrodjeiie Dragen einer eng anfdjtießenben 5-laiielF2eibbinbe unb baS (Siniießmen von gebrannter SJiagnefia, bie fid) mit ben Säuren im SDhigen nnb Darm 31t leidjt au$3ufcßeibenben ©atjen verbinbet, finb bismeiteu von 3iußen. WUt bem Sluffteßen mirb mandjmal eine ßelle, atfatinifeße (nidjt faitre) erbrodjen - Sßaffcrfolf (Water Brash). Dagegen neßme man tägtidj (etma eine Stunbe) vor ber 20 ®ran toßlenfaureS ober bafifd) falpeterfanreS 5Bi§mntßopl)b. 53ei längerer Dauer ober öfterer Söieberfeßr beS ßeibenS (befonberS 9J?orgenS; bas „morgenblidie (Srbrecßen" ber Säufer) ift unbebingt bem ®euuß aller als coßolifdjen (getränte 3U entfageu. Der Stßtmfcn (baS Sd)(ud)3en ober Sdjlingen; Hiccough) mirb burd) 311 ßaftigeS ober 311 reid)lid)eS (Sffen ober burd) ben ®enuß reijenber Speifen ober ©eträute ßervorgerufen. SJlittel bagegen finb: Sd)(mf Sßaffer, 53erfcßlucfen eines StüddjenS Gis, tiefes Ginatßmen mit ßalten beS SltßemS, Sdmupftabaf ober plößlid)eS Grregen ber Stuf* uiertfamteit ber betr. 5J3ei*fon. ?l(S ein fdjIimmeS Sßmptom tritt ber ©cßlmfcn mitunter in ben leßten Stabieu erßßöpfenber ßranfßeiten auf. 721 ©aS Sübbrcnncii (Heart Burn), oft mit Slufftoßen einer fauren ober fdjarfen $lüffigteit Verbunben, tritt vorübergeßenb miet) bem ®enuß Von fauren ober leid)t fäurenben ober fetten, ranzigen MiljritmgSmitteln auf ober ift ein Beidjen von übermäßiger Säurebilbung im Magen (be® fonberS bei bem djronifdjen Magencatarrl) ber Käufer). ©egen baS ßeiben felbft nefjme mau 1 ©Ijeelöffel boppeltfoßleufaureS Patron ober gebrannte Magnefia in einem ®lafe ©Baffer; oft genügt and) fdjon bas (Sffen eines (StütfcßenS 33rob ober ein (Sfljlurf «SelterS® ober (Sobawaffcr. Siegt ein Magenleiben vor, fo muß anßerbem gegen biefeS angefämpft werben. ©er Magcnfrfpncrj (Gastralgia) unb ber Magcnfrautpf (Cardi- algia; vgl. <S. 709) finb entweber «Symptome von Magenleibeit (bc® fonberS ßeftig bei bem dironifcßen Magengefclpvür), ober fie fjabeit iljreUr® farfje in anberen $rantl)eiten (53leid)fucl)t, Malaria, @id)t, u. f. w.). 53efeitigt wirb ber <Sd)merj burd) Sluftegen warmer Umfdfläge auf ben 53 and) unb (aber nur (Srwadjfenen 311 verabreichen!) burd) ©ofen von ©pinmtinctnr; man gebe bavon bis 511m Sliifljören beS «SdjmerjeS (aber l)öd)ftenS 4mal) ljalbftünblid) 15 ©ropfen. - ©ie ber 53 el) a 11 b 1 nng allerMagenfrantljeiten ifteine geeignete ©iät; bie &oft muß leidjt Verbaulid) fein, ftetS gut getaut wer- ben unb fällte nur in Heineren Portionen unb niemals im Uebermaß ge® noffen werben, jebe Dieijung beS trauten WiagenS (burd) falte, fdjarf ge® würjte ober alcol)oll)altige*) ©peifen ober (SJetränfe, ©abafsfauce, 11. f. w.) ift 311 vermeiben, unb außerbem barf ber Wiagen von außen Weber (burd) enge ÄleibungSftücfe, ©ebücftfipen) beengt, nod) burd) ungenügenbe 33e® tleibung einer (Srfältung auSgefept werben. ©er ®iagcncnfarrf) (Gastric Catarrh) ift eine, acut ober djronifd) verlaufenbe catarrßalifdje (Sntjünbung ber 9Dlagenfd)leiml)ant. ©ie acute ift bie ßäufigfte (Srfrantung beS WlagenS, welche fiel) oft mit DJlnnb® ober 9?ad)encatarrl) verbinbet unb meiftenS and) auf einen ©Ijeil beS ©armes unb ber ©allenwege erftreeft. 3I)re Urfadjen finb: Ueberlabnng beS SOZageuS, 9?eijumg ber W?agenfd)leiml)aut burd) 31t falte, tjeiße ober verborbene 9fal)rung, ©pirituofen, ®ifte, (Säuren), Grfältimgen, u. a. m. (Symptome: 21bgefd)lageiil)eit, 9J?attigteit, Uebelfeit, SIppetitlofigfeit, belegte Bunge, pappiger, fdjleimiger ©efdpnacf, übler @erud) aus bem IDhmbe, Slufftoßen, falte Ijeißer $opf, ©rucfgefül)! in ber (Stirngegenb, (Sdpnerj in ber Magengrube, ©urft unb bisweilen Äopffdjinerj, (Sobbrennen, (Jrbrecßen, ©iarrßöe unb fieber. *) 'Der Sllcobolßenuß auf ben leeren SOiaßen (baS beliebte ift befonbcrS fdjäblicl). 722 Oft leptereS Vorßauben, fo bqddjnet man baS Seiben and) als „gaftrifdjeS fieber". £Bei unb fd)Wäd)lid)en ober gefd)Wäd)ten ver« läuft ber acute SO?agencatarrl) nid)t feiten töbtlid). ©ie 23 e h a n b l u n g hat junädjft bie ©iät 31t regeln; für bie ©auer beS ßatarrljS beftelje bie $oft aus Suppen ober SJlild) unb werbe biefelbenur in mäßigen Stengen angeführt, ©ie einzelnen Symptome fiub, wie bei ber auSfüßrlidjen 23e« fpredjung berfelben angegeben, 311 betämpfen. ©er d)tonifd)e SRagencatarrl) entwickelt fiel) aus einem acuten ßatarrl) ober tritt Don Anfang an djronifdj auf; ift bei ge* wiffen Trautheiten (3. 23. Sungenfdjwinbfudjt, §er3- unb Seberfranfljeiten) unb bann ber ß-all, wenn bie Sd)äblid)feiten, welche ben acuten SJiagen- catarrl) veranlaffen, wieberl)olt unb anßaltenb einWirfen (befonberS ge- wohnheitsmäßiger Mißbrauch Von Spirituofen). ©ie Symptome, welche mit benen ber ©pspepfie 3iemlid) übereinftimmen, finb: ©emiiths- verftimmung, Appetitlofigfeit, übler ®erud) aus bem ORunbe, Sobbrennen, 23läl)ungen, Sd)mer3 3Wifdjen ben Schulterblättern, ®efül)t oon ©rmf unb 23ollfein in ber aufgetriebenen SlRagengegenb, SBerftopfung allgemeine SRattigteit, Abmagerung unb graue ©efidjtsfarbe ober auch wohl @elbfud)t. 23ei bem djronifdjen SRagencatarrl) ber Säufer fiub in ber 9tegel and) 9tad)encatarrl) unb „morgenblicheS Erbrechen" (f. 2ßaffer* toll) öorhanben. 2Bie bei ben verfdjiebenen Traufen biefe Symptome mehr ober weniger heftig auftreten, fo giebt es and) Patienten, bei benen biefe 23efdnverben 3U Beiten gans verfdjwinben unb gerieben verhältniß- mäßigen AßoljlbefinbenS 'ißlah machen; aber bie geringfte Unadjtfamfeit genügt, bie Symptome wieber herüor3urufen. 23ei noch anberen $ram len 3eigt fiel) au Stelle ber Appetitlofigfeit ein Verlangen nach beftimmter (faurer, fähiger ober gewürgter) Nahrung, ober wedjfelt bie Appetitlofig» feit mit Heißhunger ab. ©ie 23 e h a n b l u n g beS djronifdjen SWagencatarrhS muß mouate* uub felbft jahrelang confequent burdjgefüljrt Werben. Sie beftel)t in ber Hauptfadje in ber 23efolgung ber für bie 23ehaublung aller SDIagenfranf* beiten aufgeftellten ©nmbfäpe. Strict verboten finb: alle fdjwerverbam lidjen, fetten, ftärfemehk unb silberhaltigen Speifen, ferner Spirituofen, Kaffee unb ftarfer ©hee- Suppen finb nidjt angebracht, ba fie ben fpär® lidjen 2J?ageufaft verbüunen; aus gleichem ©runbe Vermeibeman bei ober nad) bem (Sffen 311 trinfen. ©agegen empfiehlt fidj 31er ber 23erbaitung refp. 23erbefferuug beS 20?agenfafteS baS in SRecept 9?o. 39 angegebene Verfahren. Patient effe regelmäßig 3U beftimmteu biejeboeß nidjt 311 fdjnell auf einauber folgen bürfen, fo baß fiel) im 3Rageu alte, verbaute Speifen mit neuen vermifd)en, bie Portionen feien Hein, bamit ber SRagen nid)t überlaben wirb, ferner ift fefte Nahrung gut gu 723 falten, um ben Seit) eine eng anfdjließenbe Seibbinbe ju tragen unb bem Oeniiß non ®ewür$en unb fel)r heißen ober alcoholhaltigeu ©etränten 31t entfagen. 'ißerfonen mit fipenber SebenSweife haben fiel) täglid) Bewegung 311 machen. 3m Dielen gälten erweifen fiel) Mild)* ober 23uttermild)curen vortfjeilljaft. fftodj mehr Erfolg Derfpridjt regelmäßiges ©rinfen Don fdjwadjen, wäfferigen Äorfjfaljlöfungen ober Don marinem Sobawaffer auf beit nüchternen Magen (Morgens je 2-3 ®läfer) ober längere $eit fort* gefeiltes SluSfpülen beS Magens (Dgl. „Specialarjt für Magen* unb Se* berfranfe"). Dlecept 91 0. 39. Dian nehme: 1 Stunbe nach ber in einem @tafe SBaffer 5 Stopfen toerbünnte ©aljfäure unb | Sheelöffel Sßepftn - ober: unmittels bar nach ber ein HeineS ©läSdjen ober 5ßepfinmein unb 4 ©tunbe barauf 5 Stopfen toerbünnte ©alßfäure in einem ®lafe SBaffer. finb, toie baS erftßenannte Stiftet, burd) einen Strohhalm ober eine ©lagrötjre ju faulen. ©aS rfjronifrfjc fDhigcngcfchwiir (Chronic Ulcer of the Stomach), and) wegen feiner gönn baS „riinbe" ober, Weil eS manchmal bie Ma* genmanb bnrdjboljrt, baS „b 11 r d) b 0 h r e 11 b e M a g e 11 g e f cl) m ü r" ge* naiint, tritt an allen Stellen beS Magens, gewöhnlich aber in ber 9iäl)e beS Pförtners (f. S. 185) unb 3War an ber . hinteren Magenwan* bung auf (f. $ig. 328). ©ie Ur* fachen biefeö ®efd)lDÜr§, ba§ fid) außerbem and) bisweilen im oberen £l)eil be§ 3lu^fUn9eri)armö Dorfiu* bet unb immer Don innen nach außen Dorbringt, finb 311m großen £l)etf unbefannt; man Dermutl)et als foldje ben ®eniiß fel)r tatter ober feljr hei* ßer Speifen ober ©etränfe, Unmäßigfeit im Stlcoholgenuß, 33lutarmnth, 53leid)fud)t, u. a. m. Sie Symptome ftimmen mit beiten beS d)ro* uifd)en 3J?agencatarrl)S faft genau überein, nur baß fiel) 311 ber Dorliegen* ben Trautheit ol)ite 3luSnal)me heftige sl)higeitfd)inei3en gefeiten, weld)e an einer Stelle Derbleiben, fo baß Patient ben Si<i beS Schmerzes mit bem ginger bejeidjnen taun. ©iefe Sdpuerjen ftellen fid) mit Erbrechen faft regelmäßig nad) ben ein. DJlit Sid)erl)eit wirb baS Selben mir bann conftatirt, wenn 311 ben heftigen, örtlichen, nad) ben anftretenbeii 9J?ageiifd)inerjeii iöluterbred)en (r 0 11) e r Piaffen) tommt. ©er Verlauf ift meiftenS ein gutartiger, b. I). baS ®efd)Wür oeruarbt, ol)ne bie 2)?agenwanb 311 burd)bred)en; ungünftigen gallS wirb ber £ob burdj 23auchfelleiit3ünbitug (Einbringen beS Mageninhalts in bie S3aud)* Fig. 328. 2J?agengcf(f)lr>ilr. 724 höhle), Verblutung ober allgemeine (Jrfchöpfung herbeigefül)rt. 53 e I) a n b = lung. Aie Äoft fei reijtoö unb flüffig; §auptbeftanbthei( berfetben fei (füße, fcture ober Viitter«)sJ)ii(ct). Sßirb biefe nicht bertragen, fo muß mein feine 3nflnd)t 311 fräftigen (f. 435) nehmen. An- nebelt empfiehlt eö fiel), unb marine IDZineratmaffer 31t trinfen (teuere aber nicht bei Vluterbredjen, gegen metdjeSmcin, mte oben auf @. 719 angegeben, 311 berfatjren tjat). Vegetabitien finb nicht ertaubt. Aie 9)?ahUeiten finb in fo flehten Portionen jn reichen, bafi bnrctj biefet« ben feine (Sdjmerjen hervorgerufen merben. Areten biefelben trof? alter Vorfidjt auf, fo muß Patient mittetft ernät)renber SHpftiere (f. ©. 719) er« hatten merben. Aie Vernarbung beS (SjefcbmiirS mirb bitrdj Slnftegen bon mannen llmfc()(ägen auf bie ÜJZagengegenb. ®inb bie (Symptome berfchmnnben, fo fann man allmätig 311 ber $oft übergehen, metetje für Traufe mit djronifdjem SJZagencatarrh aufgeftettt mürbe; biefe $oft ift bann aber SJionate ober beffer noch 3al)re lang ftreng inne« Inhalten. Aer fDlßgenfrebS (Carcinoma of the Stomach) berbient beStpitb befonbere (Srmähnnng, meil niete Trante, metetje mit einem chronifcben IWagencatarrt) ober SOla« gengefchmiir behaftet finb, fiel) an§ Unfennt« niß ber (Symptome nn« nötl)ig biirdj bie Vefürdj« tnng quälen, baß fie an SOhgenfrebS leiben. Sßer mirftich bon biefem Ile« bei, ba§ mie ba§ DJhigen« gefchmür meiftenS feinen ©i(3 in ber Vfbrtnerge« genb ljat (f. fyig. 329), heimgefneht ift, ber erfennt ba$, aber nnr mit VSahrfcheintichfeit, an ben atlgemeinen Hautfarbe, DJiattigfeit, DJiager« feit), an SOZagenfchmerjen, bie aber nach ben IPZahljeiten nicht fo heft>g finb, mie bei bem sDiagengefchmür, nnb am Erbrechen nicht btntigrother, fonbern faffeefat?artiger, brauner IDZaffen. fDZit ©emißtjeit fann nnr ber Slrjt ba§ Reiben feftftetlen. -Verglich ber Vehanblnng gift, maö bon alten $'reb$frantl)eiten gefagt mnrbe (f. ©. 637). Aie nRagcncrmeitcrinig (Dilatation of the Stomach), eine über« mäßige 9(n«bet)nnng beöSOZagenS, mit metetjer gemöhntich eine Verbicfnng unb Verhärtung ber SDlagenmaiib eintjergeht (f. ftig. 330), mirb entmeber bnreh fortmätjrenbeö Uebertaben beStagens, befonberö mit begetabitifchen Fig. 329. Kagenhof)?. 725 ober [dauer berbaulid)en Nahrungsmitteln, berur[ad)t ober i[t eine dironifdjen SftagencatarrljS ober 9J?agenge[d)WürS. ©ie beiben leytge* nannten führen nänilid) oft bnrd) 2ln[d)Wellung ber (Sdjleim* baut bejiu. (bas W2agengefd)luür) bnrd) Üiarbeiibilbung 311 einer Verenge« rung beS Pförtners. £)urd) biefelbe wirb ber Austritt beS 9J?ageniul)altS au§ bem Wiagen in ben 3wölffingerbarm gel)einuit, unb baburdj luirb Wieberum beranlaßt, baß ber Mageninhalt länger im Magen uerbleibt unb biefen erweitert. £)l)ne baß man fid) ben erklären Tann, luirb bie Magenenueiterung and) I)äufig bei 3rr[inuigen beobachtet (f. ©. 185). £)ie ® l)mp- tome finb benen beS d)ro- uifd)eiiMageiicatarrhSfel)r äl)nlid). T>aS fidjerfte Rei- chen ift baS Erbredjen übel' nebenbei, gäßrenber Maf- fen, b. I). uon Speifereften, welche im Magen halten würben unb in ©älp rung übergingen, ®ie $ e - panblung befteht in timftlidjer (lang anhalteii- ber refp. regelmäßiger) Entfernung foldjer Qtefte bnrd) Sluöfpülen be§ tagens mittelft ber 2)lagenpumpe (f. „«Specialarjt für 2)iagen= unb ßebertranfe"). ®ie £tj§pcpfic (Dyspepsia) ift eine nerböfe SBerbauungSftörung, beim fie befteljt, oljne baß eine 53eränberung in ber ©tructur be§ tagens 31t bemerfen luäre. £)ie ©pmptome biefe§ CeibenS finb faft biefel* ben, luie bie be§ djronifdjen 9J?agencatarrl)§. gelterer, bei lueldjem bie 2Jiageufd)(eiml)aut angefdjlbollen, berbidtift, luirb alfo für ben 2aien nidjt bon ber ©pspepfie 311 unterfdjeiben fein unb umgeteßrt ift ba$ and) nur uon geringem practifdjen 3nlcl'efK/ bie £3 e l) a 11 b 11111 g ber ©l)§pepfie bedt fid) ebenfalls mit ber beS d)ronifd)en 9)lagencatarrl)§ (f 722) bis auf bie 3luSfpülnugen beS tagens (bnrd) @obamaffertrinfeii ober mittelft ber DJiageupumpe), lueldje bei ber ©pSpepfie feinen bringen (ugl. „©pecialarjt für Sftagen* unb Vebertranfe"). Äraufßcitcn beg Smncamdg. £)ie beS ©armcanais, bon benen fdjon mehrere be- fprod)eu luiirben (f. Unterleibstyphus 1111b @d)marotjerfranfheiteii, 484 bejiu. 608 11. ff.), werben entweber bnrd) äußerlidje Urfadjen (meiftenS Fig. 330. SDtaßenertoeiteruttß. 726 Ertältungen) ober bnrdj anbere BranHjeiten (£D?agenteibeii, §eq= unb SeberfraiiHjeiten) veranlaßt. ben feltenften gälten erftrerfen fid) biefe Brautzeiten über ben galten ©armcanal; gewöpnlid) befallen fie nur einen ©Ijeil beSfelben, unb unterfdjeibet man bemnadj BranHjeiten be§ ©ünnbarmS unb be§ ©idbarmS. Erftere, bie BranHjeiten be§ ©ünm barmS, bie (befonberS für Heine Binber) feljr gefäljrlidj finb, weil bnrdj fie bie SJerbanung, Speifebreibilbung unb fomit and; bie 53lutneubilbung in Ijoljent ®rabe beeinträchtigt werben (f. -iöredjruZr), verlaufen in ber Siegel fdjmerjlog unb mit flüffigen Entleerungen (©iarrljöe), wogegen mit bett,©icfbarnitraiiH)eiten faft immer feljr Ijeftige, tranipfZafte Sdjmer- ■jen in ber Shibelgegeub, Stnljlbrang unb ©iarrljöe ober Sßerftopfung ver= buiiben finb. Slnbere Erfdjeinungen bei ©armfranHjeiten finb: SluftreU bnng beS öeibeS burdj 53(äljitngen, Bollern unb foltern berfelben in ben ©ebärmen, Erbredjen unb ©elbfndjt (f. nädjften Slbfdjnitt). ©ie ©iarrljöe, ber ©urdjfall ober baS Slbweidjen (Diarrhcea) ift ein Sljmptom ber verfdjiebenartigften ©armleiben, tritt aber am Ijäufigften in golge von ©armcatarrlj auf, unb jwar tjat biefer gewöljnlidj feinen Sip im ©irfbarm, wenn 3ugleidj Vorfjanben finb. ©ie ©iarrljöe, bie außerbem eine 33egleiterfdjeinung vieler anberer Brautzeiten (Sßergif- tungen, Sdjwiubfudjt, Sdjwangerfdjaft, u. f. W.) ift, tritt Ijäufig and) nur voriibergeljenb nadj ©iätfeljlern ober 31t reidjlidjem Effen ober ©rinten mit $orljanbenfein gäljrenber SialjrungSrefte im ©arme auf. ift fie and) eine nervöfe Erfdjeinung, bie iljre Urfadje in ©emütljSbeWe« gnngen (©djred, Slngft, u. f. w.) Ijat. Siidjt feiten tritt ber ©urdjfallim Sommer epibemifdj auf. gälten liegt SSerbadjt vor, bafä baö ©rinfwaffer verunreinigt ift (f. ®. 314), unb muß biefe§ bann vor beut ©enuß abgetodjt, filtrirt ober fonftwie gereinigt werben. Sim gefäl)r« licZften finb anljaltenbe (djronifdje) ©iarrßöe mit allgemeiner Sftattigfeit, unb befonberS gilt bie3 vom ©urd)fall Heiner Binber (f. 53redjnd)r). £3ei vorübergeljenber ©iarrlpe genügt e§, ©iätfeZler 31t vermeiben, ben ßeib warm 311 tjalten unb (Erwadjfenen!) etwa alle 3 Stiiuben bis 311m Slnfl)ören beS ©urdjfallS eine ©ofiö Von 1 ©Ijeelöffel gecampßerter ©piumtinctur (Paregoric) 3U geben. Binbern reidje man ftatt jener ©inctur 2ftünblid) 1 Eßlöffel von folgenber SDJijtur: | Un3e Gummi arabicum unb ebenfoviel 3ucfer Werben in 6 SBaffer ge= löft. iöei Säuglingen muß für einige $eit bie SJlildjnaßrnng auSgefept werben (f. S. 371). Weiteres über ben ©urdjfall Heiner Binber f. bei iSredjruZr unb im „Specialaqt für grauen". 3ft bie ©iarrpöe anljab tenb, fo lege fid) Patient 31t ißett, madje Warme Umfdjtäge auf ben £eib, genieße nur leid)t verbaulidje, fdjleimige Boft unb verfahre, wie in Siec. Sio. 40 angegeben. 727 Dtecept 9?o. 40. (Segen ©tarrljöe bei Ktnbern: ihreibemijtur efilöffelfoeife- bet Sriüacfjfeiicn: SBorerft ncljme man ein ßajirmittel (alle 3 ©tunben 1 ©fjloffcl 9iici= nugöl ober 33itterfalj ober i SEIjceböffet följabarbcrpulver unb | SUjeclöffcl boppelttoljleiv faureg Patron), big fidj jmei ober brei Stuljlentleerungen oon gelber gfarbe eingekeilt haben; barauf neunte man, big bie ©iarrljöe aufl)ört, alle 3 ©tunben 1 SEEjeelöffel Pa- regoric ober alle 4 © tunben eineg ber in 9iec. 9?o.7 öorgekbriebenenSßulbcr (aug 9J?agi= fterium 93igmutf)i unb 202orpt)in); toon (f. ©. 491) bürfen aber l)öcbkcng 4 genommen ioerbcn. - „§augmittel": (Sirfjelfaffee, Sidjelcacao, Sträuben, 9?ufjblätter= tljee, trodene §eibelbeeren ober geigen, Jpeibelbeermein. ©ie Stuhlverhaltung, Stuhlträgheit ober 23er# ftopfung (Constipation) ift ein Spmptom von ©armleiben (Sdpvädje unb UeberauSbehnung ber ©armmuSfulatur, ju großer ©rotfeuheit beS ©armS), gefeilt fid) aber auch ju vielen anberen Krantl)eiten (23rudjfd)ä# ben, ®ef)irn* unb 23aud)felltrantheiten, ßageveränberungen ber ®ebär# mutter, u. f. io.; Vgl. „Specialarjt für grauen"). W)t feiten ift bie §artleibigfeit, befonberS bei Leuten mit 3öefcf)äftigung, nur eine golge ber 9?ad)läffigteit. ©ie 23el)anblung biefer „2lngemöhnungS#23er# ftopfung" (vgl. „Specialarjt für DJtagen# unb ßeberfrante") erforbert vor allen ©ingen, baß Patient fiel) wieber an regelmäßige Stuhleiitleerung gewöhnt. (Sr muß täglich (am beften borgens nach bem Sluffteßeu) beu Abtritt auffueßen unb ju entleeren verfudjen (aber oljne ftarfeS Treffen). W?it ber $eit wirb fiep bann, jumal wenn man fidj tagsüber Bewegung macht, borgens unb 2IbenbS ein ®laS SBaffer mit etwas Salj trinft unb hin unb wieber gleich nach bem Sluffteßen eine grudjt (Slpfel ober Slpfel* fine) ißt, regelmäßige @tiil)lentleerung Wieber einftellem ©tußlträgßeit, bereit Urfadje eine Äranfljeit ift, muß natürlich je nad) letzterer verfct)ie* bentlid) beßanbelt werben. 53ei £ro(feul)eit beS ©armes empfiehlt fid) baS ©rinten von unb baS gelegeutlicße (Sffen von grüdjten, wie oben angegeben. 4öei ©rägßeit unb ©djwädje ber ©arm# (uub 4ßand)') SRuSfulatur ober (Stumpfheit iljrer Dlerven muß man eine paffeube 8e# bensweife führen, ©ie bie ftets gut ju tauen ift, Werbe im 2lu# fang nur in tleinen Mengen unb Portionen gereift, fie fei zugleich mehr flüffig, als feft, unb mehr tljierifd), als Vegetabilifd). glüffigfeiten finb, wenn nicht im Uebermaß genoffen, bienlid) (borgens 1 ®laS fdjwadjeS Saljwaffer nüchtern; f. oben); baS ©leidje gilt vom ®enuß frifd)en ober and) eingemadjten, nicht ju füßen CbfteS nach jeber öel's meiben finb: jälje uub hafte gteifdjcrten, grobe SDleljlfpeifen, hülfen# früdjte, Kartoffeln, herbe Sßeine. 3luf törperlidje Bewegung (Spalieren# gehen, Seiten, Schwimmen, greiübungen; f. ®. 351) unb auf paffive Bewegung ber 53aud)muStetn (Oteiben, Kneten, ©rüden, grottiren) ift ebenfalls ju achten, gührt biefe iiidjt 311m $iel, fo muß fie burd) Klpftiere von warmem Sßaffer, bem man etwas Seife, £)el ober 128 «SaQ jnfepen faiui, bnrd) 2lbfiit)rmittel ober burdj StiipQäpfcpen unterftiitjt werben. 23JaS bie 9lbfiit)rmittet anbetrifft, fo fann inbeffen Dor benfel* ben nidjt genug gewarnt werben, Weit fie nieift fdjcibtidje, gerabejn giftige «Stoffe enthalten nnb bitrcl) biefe mepr fdjaben, als nitljen. So enthalten bie beliebten SJiorrifon'frfjen Ritten anfier ?Uoe nur ®ifte, nämlid) Gummi Gutti, Eoloquintpen, nnb SEßotfSmild)! $n *)ev 8eid)e eines Cannes, ber fid) biefer Rillen bebient patte, fanb man im ©arm @e= fdjwitrSnarben, ©efcproiire nnb ?tnSWüd)fe! £)lpie ärjtlidje 23orfcprift barf ber ßaie nnr Don einer Heinen Slnjapl abfiiprenber SDiittel (f. Qiecept 9io. 41) Gtebraiid) niadfen, nnb and) bann erft, nadjbem bie «StiiplDerftopfimg Weber biiitetifdjen Mitteln, nod) ober «Stil pljäpfcpen (Suppositories) weiipen wollte. Unter letzterem Flamen Derftept man Stäbdjeii ober Äegel, Weldie ans Slrjeneiftoffen nnb einem beftimmten Material (©elatine, Eacaobntter, 2BadjS) angefertigt nnb in ben fDhifU barm eingefdjoben Werben, wo fie fiep halb anflöfen nnb bie abfüprenbe Sßirfnng perbeifiipren. ©ie Stnpljäpfdjen Derbienenpanptfäcplid) barnm ben SJorjitg Dor ben Stbfiiprinittetn, weil fie nnr auf ben ©peilbeS ©armS, mit bem fie in fommen, b. i. ben 2J?aftbarm, einwirfen, ben ©iiniibarnt, ber an ber ÜSerftopfnng nnr in felteneren fällen fdnilb ift, aber ganj unberüprt taffen (Dgl. für fDJagem nnb ßeber* traute"). 9t c c e p t 9to. 41. (SIBfüpr mittel.) flinber: fRljaBarBcrftmtp in ©ofen von 4-1 ©Ijcelöffel voll ober $inbcpjulver tu ©ofen von 5-10 ©ran. - §ür ©rlvadjfene: Salinifdje füBfülpmittel f. 9tec. 9to. 8. Äurella'fifieS Slruftyuloer f. Seite 693. ©bet SticinuSöl in ©ofen von 1-2 Sjjlöffel voll ober je 1-3 9t()abarberpillen ober St. .©ermaintbee (1 SKbeeloffel auf 1 Stoffe SBaffer) ober (vor bem einguneb- men) je 2 ©racbinen Senna=ßatlverge. ©er ober @tiil)ljwang (Tenesmus), ber frampfljafte ©rang jn Stntjl mit feiner ober nnr fel)r geringer Entleerung, ift ge« Wöl)iilid) ein «Sijmptom beS SJIaftbarmcatarrpS. ©agegen Wenbet man falte Umfdjläge, Blutegel nnb fllljftiere ober Stnljljäpfdjen mit franipf- nnb fdjinerutitlenben Mitteln an. ©ie frampffjaften, mit ©armfranfljeiten (in ber 9?eget SD?aftbannIei= ben) Derbnnbenen Sdpnerjen bejeidjnet man als Wlif (Colic). ©iefe gewöljiilid) plöljlid) (am Ijänfigften 91ad)tS) eintretenben, Don ber 9?abeU gegenb beginnenben refp. anSftraljlenben Sdpnerjen finb, wie gefagt, frampflpift nnb feljren periobifd) Wieber ober palten an, inbem fie fid) jeiU weilig 31t einer nnerträglid)en fteigern. ©er £eib ift babei nieift anfgetrieben, aber nid)t gegen ©rnef empfinblid), wie baS bei ber 53and)fell' entjnnbung unter älp.ilidien Erfdjeinnngen ber ift. §änfig gefeiten fid) bajn and) Stnptjwang, Erbredjen nnb foltern ber ©täpnngen im öeibe mit 9iad)laffen ber «Sdpnerjen, foba-lb £3lälpingen bnrep ben Elfter 729 cntweidjcn („5ßinbfolit"). 9iid)t 31t Verwedjfeln bamit finb bie (f. <S. 596) unb bie Efalleufteiii« unb bie Dcierenfolif (f. fpäter). ©ie 53eI) anb Inng beftel)t int 5luflegen von trodenen ober feuchten wannen Unifcljtägen ober (Senfteigen auf ben 5eib; im ©arreidjen von warnten (beträufelt (SDJild) ober 5ßaffer mit Bufah von etwas (Salz) nnb warnten Tipftieren (Sßqffer mit etwas Salz) unb bei heftigen Sdjmerzen, bie ben oben genannten Mitteln nicht weidjen wollen, im Eingehen von £)pium« tinetnr (halbftünblid) 15 ©ropfen tfaubamim, bis bie Schmerzen nad)zu« taffen beginnen). SeptereS SKittel ift aber nur bei ErWadjfenen (höi'hftenS 4 ©ofeu) anjuwenben. 9iad) 5lufl)ören ber Schmerzen nehme man alte 3-4 Stitnben 1 Eßlöffel SRicinuSöl, bis zweimalige Stul)lentleerung er« folgt ift. - 53ei ber 53 e h a 11 b l it n g aller ©arnifraiifljeiteii (ege man warme Umfdjläge auf ben 5eib unb genieße nur leidjt verbaulidje, aber nahrhafte, fd)leimige, warme Toft. ■- ©er ©nrnicitfarrh (Catarrhal Enteritis), bie catarrl)alifd)e Entzün« billig ber ©armfd)leiml)aut (f. S. 675), tritt als felbftftänbige Tranfl)eit in ftolge Erfältung beS Unterleibs unb ber $üße, von pfl)d)ifd)cn 5Iffecten (5lngft, Sd)red, 3orn, u. f. w.) ober von birect bie ©armfdjleimhaut tref« fenben Oieizungen auf (unverbaute, Verborbene, gährenbe Nahrung, 5lb« führmittel, 5Bürmer, 53erftopfiing, b. i. längeres Verweilen fefter Toth* maffen im ©arm, falte Tlpftiere). häufig fcßließt fiel) ein fold)er Eatarrl) an aubere Trautheiten (fDiageucatarrl), 53Intftanungen in bem ben billigen, ber 5eber, 11. f. W., 53aiid)fellentzüiibiiiig) an. Es giebt fd)ließlid) and) eine epibemifd)e fvorm beS ©armcatarrhS, welche fiel) bei nod) uid)t näl)er befanuten 5BitteruiigSverI)ältniffeu einftellt. 9iur feiten befällt ber ©armcatarrl) ben ganzen ©armcanal, vielmehr befd)ränft er fiel) gewöhnlich auf einen ©armabfebuitt. © i) m p 10 m e unb 53 e r l a 11 f. 3e nach bem - acuten ober d)ro« uifcheu - 53erlauf unb bem @ih beS (SatarrljS finb beffen ©pmptome ver« fd)ieben. 53ei acutem 53erlauf zeigen fiel) au: (Satarrh im Bwölf« finger barm (f. 187) burd) ?(ppetitlofigfeit, @elbfud)t unb 53er« ftopfitng, Gatarrl) im ©ünnb arm bürd) reichliche, wäfferige (Sntleeriim gen (©iarrl)öe), zuweilen mit etwas fieber unb folifartigeu (Schmerzen, bie nad) jebeSmaligen Entleerungen Wieber aufhören, Eatarrl) im ©i cf barm biird) heftigen <Stul)lbrang, fd)leimige Entleerungen unb To« liffcbmerzen, weldje von ber fftabelgegenb anSftrahlen, unb Eatarrl) im Sftaftbarm biird) heftigen <StiiI)lbraiig ohne Toliffchmerzen, aber mit brennenben «Schmerzen am Elfter 1111b zunieift 53erftopfung. 53ei d)ro« nifchem 53 erlauf beS ©armcatarrhS: 5Ippetitlofigteit, 53lähungeii, ?lbwed)fe(n von 53erftopfung mit ©iarrl)öe, ®efül)l beS ©rudeS uub ber 730 Sdpvere im Unterleib; bie «Stimmung beS mepr unb mepr abmagernben Patienten ift mifjmutpig, bie Spatfraft erlapmt, unb baju gefeiten fiep Vielleidjt nod) (catarrpalifdfe) ®elbfud)t unb Slnfdjwellung ber $upgelenfe. Sie 23 e p an b l u n g beS acuten Sarmcatarrps »erlangt Scponung beS SarmS (geringe Tiengen leidjt üerbaulicper, fcpleimiger $oft, wie j. 23. ©erftenfdjleim; fein gleifcp ober ScpWarjbrob, feine Eier, $rüd)te ober §ülfenfrüd)te). Patient bleibe im 23ett, madje warme Umfdfläge auf ben Seib unb verfapre gegen ben Surcpfall ober bie 93erftopfung, wie oben (S. 726 bejw. 727) angegeben. Bit biefer bisponirte sßer® fonen muffen immer (befonberS im Sommer) warme Unterfleiber tragen unb alle einfeplägigen Sd)äblid)teiten forgfältig meiben. lieber ben Sarm® catarrp Heiner Äinber refp. beffen 23epanblung f. 23red)rupr. 23ei epro® nifdjem Sarmcatarrp genieße man leidjt üerbaulitpe, animali® fdie Äoft, madje fiel) in guter Ouft genügenbe Bewegung, vermeibe Spiri® tuofen (al§ ©etränt empfehlen fid) Eicpeltaffee mit THldj, biinner Spee ober and) leid)ter fRotpwein) unb piite fid) vor Ertältungen (Seibbinbe). häufig erweifen fid) falte Umfcpläge auf ben £eib üortpeilpaft. Siefe fogen. „TeptunSgürtel" werben TacptS aufgelegt unb beftepen aus einem in falteS SSaffer getaud)ten, auSgerumgenen Sucp, baS auf ben Seib gelegt unb bann mit einem trodenen Sud) meprfacp bebed't wirb fo baß ber feiupte Umfcplag vollfiänbig von ber ßuft abgefcploffen ift. Sie 93rcrfjnipr ober ber SBrcrfjburrfjfall, and) Sommer® ober einpei® mifdje (Spolera (Cholera Morbus, Cholera Nostras), ift eine catarrpa® lifepe Entjünbung, welcpe auf ben Tlageit ober ben Sarm befcpränH blei® ben taun, in ber 9iegel aber beibe befällt. £ie Äranfpeit tritt in ben Sommermonaten gewöpnlid) epibemifd) auf unb ift befonberS für Säug® linge ober erft füqticp entwöpnte $inber gefäprlid) (Cholera Infantum, "Summer Complaint"). Sie Urfad)en ber 23recprupr finb biefelbeu, wie bie ber acuten Waagen® unb Sarmcatarrpe. 23ei Heinen Äinbern wirb bie $ranfpeit faft immer burd) falfcpe (Srnäprung mit fd)led)ter 9J?ild), SJJeplbreien, u. f. w. ober burd) (Srfältung (23lofftrampeln im Scplaf, Slbpalten im freien, u. f. W.) verfd)ulbct; vgl. S. 369 u. ff. Sie 2lnfid)t, bap baS 3rtPueu 23recprupr in einem urfäcplicpen SSerpält® mp ftepe, ift falfcp. Symptome unb 93 er lauf. Ob ber 23recpburd)fall, ber fid) meiftenS 9?ad)tS mit einem Srudgefiipl in ber 2D?agengegenb einftellt, im £D?agen ober im Sarin beginnt, bejw. auf eines biefer Organe befdjränft bleibt, jeigt fid) öurep baS (Srbredjen unb bie Siarrpöe an; erftereS ift ein fOlageufpmptom, letztere ift eine (Srfd)einung ber Sarmentjünbung. fjn ber fRegel finb, wie gefagt, Klagen unb Sarm afficirt unb bemgemäf; (Srbrecpen unb Surcpfall vorpanben. Sie Entleerungen finb juerft 731 weid), bann bünnflüffig unb fdjließlid), wie bei ber afiatifdjen (Eßolera, reiswafferäßnlid) (f. <S. 499); bisweilen finb fie and) mit 23lut üerinifdjt. Weitere Spmptome: SRagenfrämpfe, großer Surft, üerminberte £>arn* abfonberung, Söabenfrämpfe. 4öei Säuglingen werben nod) gewiffe be« fonbere (Erlernungen beobadjtet; fo enthält baS (Erbrodjene nidjt Älümp* d)en geronnener DJtildj, fonbern ungeronnene 9Jtild), unb bie er ft grünen ober grümgelblidjen Stul)lentleerungen werben fpäter Weißlid) (mit feften, weißlichen «Stütfen üermifdjt). SBeitereS f. „Specialaqt für grauen". 23ef)anbluttg: (Erwadjfene, bie gleich im Anfang eine Saffe ftarten, fdjwaqen Kaffee mit etwas 9htm in Heinen Sd)lud'en trintenunb fid) ein warmes Stärteflpftier machen laffen mögen, ljaben fonft nidjts 31t tljmi, als rußig im 23ett 31t liegen, heiße Umfdjläge auf ben Seib 3U madjen, möglidjft wenig (warme, fd)leimig-flüffige) 9iaßrung 31t genießen unb bas (Erbrechen mit (Eispillen (f. S. 718) unb bie Siarrßöe mit Opiumtropfen (f. <S. 726) ober nach Siecept 97o. 40 31t betämpfen. 23ei bem 23redj* burdjfall ber Äinber finb, weil berfelbe burd)rafd)e(Erfd)öpfnng ber Kräfte fdjon nach wenigen Stunben 311m Sobe führen fann, fofortigeS (Eingreifen unb außerorbentlidje Sorgfamfeit in befonberem ÜDiaße geboten. 33or allen Singen ift fofort bie 9?aßrung 31t änbern. Verträgt baS $inb bie butter' ober Slmmenmild). nicßt, fo neßme man fofort eine 2Imme be3W. eine anbere Slmme ober erfeße bie SDhittermild) für furse $eit burd) Suify* ober conbenfirte SRild). Äinber, weldje mit ber $lafd)e genäßrt werben, feilten fofort bie 23ruft erhalten ober, wenn baS nicht möglid), auf anbere SEßeife, als mit Äußmild), ernäßrt Werben (ügl. <S. 370 u. f.). Saneben bringe man baS Diel in'S greie (hüte es aber üor (Ertaltung) unb gebe eßlöffelweife alle 2 Stunben üon ber Gummi arabicum-Öftijtur (f. S. 726). 231eiben bie (Entleerungen bünn unb häufig, fo gebe man alle 4 Stunben, aber IjödjftenS breimal einem $inb üon 190?onat 3 Sropfen unb einem ®inb üon 6 Monaten etioa 10 Sropfen Paregoric ober üer* faßre nad) Dtecept 9?o. 42. 2lm beften ift es, balbmöglidjft einen 2lrjt 311 Siatlje 3113iel)en. 23gl. „(Specialar3t für grauen". 91 eceVt 9co. 42. 15 SEropfcn ßaubanum, 1 ©radjme baftfcb fatyeterfaureä SBiSmutboXVb (Magisterium Bismuthi), | unb 1| linken Ärcibenüxtur. S3or bem ©ebraud) umjufdjütteln. ©aüon erljält alte 3 Stunben: ein Äinb bon 3 Monaten 1 Stbeelöffel, ein ßinb von 6 SDtonaten | Stljeetoffel unb ein Äinb von 1 Jjaljr 1 Sljeelöffel boll. - Ober: 1 ©racbme SO?agifterium 93i3mutt)i unb 1 ©erntet ßufanu mengefe&teS Äreibe- unb Werben in 8 Stficile geteilt, ©abon erfiött alte 3 ©tunben in 1 S4)celöffel SD'iilcb: ein Äinb bon 1 Jjatir 1 Stljeil, b. t). ein Ä?inb bon 6 SWonaten | ißutber unb ein itinb bon 3 SWonaten - 33eibe SD?ebi= einen bürfen niemals berwenbet Werben, Wenn fieber, ©cljläfrigfeit, SWuSfelßuehnv gen ober irgenb welche borljanben finb. 732 5l(S befonbere, auf beftimmte ©peile be§ unteren ©arm$ befcpränfte untcrfcpeibet man uocp bie Gntjünbiing beS 53(inbbarm$, bie (Sntjimbuinj be$ OJlaftbarmS unb bie beS ben Elfter um* gebenben Zellgewebes. ©ie (Sntjiinbung bc§ ®tinbbarm§ (Typhlitis), 31t ber fiep päufig aucp (E n 13 ii n b u 11 g e n beS „Sö u r m f 0 r t f a p t S" unb beS Zettgewe* beS an ber klappe gefeiten (Perityphlitis; ngl. ©. 188), wirb gewöpnlicp bnrcp Slnpäufung parier ftotpinaffen („ftotpfteine") im 53tinb* bann pernorgerufen. (Sine (Sntjünbung beS SBurmfortfapeS fauu aucp bnrcp (Einbringen non ß'irfcpferiien, u. f. W. in ben ft-ortfap Veranlagt wer* ben (f. ©. 194), unb bie Perityphlitis fcpliejjt fiep niept fetten aucp an an* bere $rantpeiten (©pppuS, ©epticämie, u. f. w.) an. ©aS pauptfäcp* liepfte ©pmptom biefer Äranfpeiten ift Slnfcpwellnng ber rechten Sei* ftengegenb (reepts unten am 53 aucp über ber ©cpeufelbeuge), an weteper Sugleicp peftiger, bei ©ruef ober Bewegung fiep fteigernber ©cpnierj em* pfitnben wirb unb ein, juerft uocp berfepiebbarer, parier Quoten 31t fiiplen ift. ©er fcplimmfte 5luSgaug biefer gefäprlicpen Äranfpeiten ift ©urep* breepung ber ©armwanb mit 53aucpfellent3üubung; bgt. ©arineinftem* uiung, Äotperbrecpen. ©ie 53epunblutig, bie unter allen Umftän* ben einem tiieptigen Slqte überlaffen Werben füllte, beftept in 53efcprän* fung unb Regelung ber Äoft (geringe SRengen bitnner Suppe), 23erab* reiepung non SJarminafferflpftieren unb Auflegen feuepter Umfcpläge auf ben Unterleib (f. epronifeper ©armcatarrp). 9?atiirlicp pat Patient baS 53ett 311 püten unb fiep möglicpft rupig 311 palten. 53ei Giteranfammlniig mufi berfelbe bnrcp ßinfepuitt entleert Werben. ©ie 9JUftbarmß (Proctitis) seigt fiep bnrcp pefti* gen Stuplbrang, Stuplnerftopfung unb 53reunen im Elfter an. ©agegen finb ansmnenben: ftrenge ©iät (geringe, fcpleimige, fluffige Äoft), lau* inarme 53äber, gegen bie $erftopfntig SBarminaffertlpftiere mit etwas ©et unb gegen peftige 2lfterfcpmcr3en ©epröpfföpfe in bie Äreusbein* gegenb. ©ie (?nt3iinbung bc§ ben VIffcr umgebetibcn cIjcö (Periproc- titis) fiiprt gewöpnlicp 311 Slbfcepbitbung. ©ie Spmptome finb: £>arte ©efcpwnlft, Scpmers in ber Slftergegenb (befouberS beim Sipen unb Stuplgang), ©eneSmuS unb (Entleerung eiterpaltiger SDiaffen. 53 e* panbliing: 53tutegel uub falte Umfcpläge, fpäter, wenn bie (Eiterung niept mepr nerpütet werben fann, warme 53reiumfcpläge. (Ein Slbfcep mufj möglicpft früpjeitig eröffnet werben. (Eine ©armberftplicpung (Obstruction of the Bowels), wopl 3U unterfepeiben non einer 5>erftopfung beS ©armcanalS bnrcp parte Äotp* maffen, fommt 31t ©taube, iiibem entweber ein ©armftiuf in einer 53rucp* 733 Pforte eiugeflemmt wirb (j. 93rud)fd)äben) ober fiel) in ein augreujenbeS ©armftüd einftülpt (f. fyig. 331) ober fiel) um fiel) felbft ober einen anbe* reu ®armtl)eil verfd)lingt. SDie 93 e l) a n b l u n g ift eine operative. £)ie S l) in p tonte fittb Auftreibung beS 93aucT)eS, Vollftäubige 93erftopfung, bie allen Mitteln uid)t weidjen will, Seibfdjmer* jen unb (Erbrechen (im fpäteren Verlauf bräun* lidjer, nad) riedjeuber Waffen). ©iefeS (Miserere), eine fyolge ber 93er* fcßließung beS ©armcanals, tritt aber, wie alle anberen ©pmptome biefeS fepr gefäljrlidjen Vei* benS bisweilen and) bei 93erftopfung beS ®armS burd) itotlpiiaffeu (Stinbbarmeutjitnbung) auf Weiteres f. „(Special* arjt für SDiagen* unb ßebertranle", in weldjem and) £armgefd;würe (Stu* bertulofe, $rebs, u. f. w.) unb SDarmverengerung (Erörterung finben. 931 u t a n f d) o p p ung im Unterleib bejw. 93lutftauungen im 93fortaberblutlauf werben verurfadjt bitrd) $otl)aiil)äufungen im STarin, ®efd)Wülfte in ber 93aud)l)öl)le (baju ift and) ber Uterus ber (Sdjwamge* reu 31t redpien; f. „(Specialarjt für grauen"), burd) 93el)inbern beS 9?fort* aberblntlaufS (in $olge Von Veberleiben, 3.93. (Eirrpofe), burd) Ueberfül* lang ber 93fortaber (in fyolge übermäßigen (EffenS unb STrintenS, befonberS bei 93erfonen mit fitjenber burd) 93lutftauungen, weldie jenfeits ber ßeber, b. i. in unb öungenfranfßei* teil, ifjre Urfad)e Ijaben, unb burd) alles, wobitrd) ber 93lutlauf im allgemeinen unb bie (Eirculation im im fpeciellen gehemmt wirb (3. 93. an* IjaltenbeS fragen von gwfengurten, <Sd)iiürleibd)eu, UnterrocfSbänbern, 11. f. f.) -3:n ber 93lutanfd)Oppung fdjwellen bie 311m 93fortaberfpftem gehörigen 93enen an, unb jwar tl)un bieS am päufigfteu 1111b ftärlften bie §ämorrl)oibalblutabern beS 9)iaftbarmS, unb eS tommt bamit 31t fadartigen (Erweiterungen jener Abern, 31t ober 311 ber ä m 0 r r l) 0 i b a l f r a n 11) e i t ober „golb eiten Aber" (Hemorrhoids, Piles). £>ie§ämorrl)oiben ßaben iljren entweber außen an ber Afteröffnung ober innerhalb beS DJlaftbarmS bid)t am After; man unterfdjeibet bemnad) „äußerlidje" unb „innerlidje §ämorrl)oiben". £)ie dußerlidjen §ämorrl)oiben ftellen juerft runblidje Anfd)WeIlungen am Afterranbe bar (f. ß-ig. 332), Weldje ge* wößiilid) nad) wenigen Stagen jurüdgeßen unb eine bauertibe Scjjrum* Fig. 331. (Steina einer „©armeinftiil« pung". Fig. 332. „Sleufser lidje" §ätnorrIjDiben. 734 pfnng jurüdlaffen. 3nnerlid)e £)ämorrljoiben werben niitfammt iljrer ©djleimljaut beim ©tuljlgaug ans bem Elfter Ijervorgebrängt. SlnfangS treten fie nadj ber ©tuljlentleerung non felbft wieber in ben fVJaftbarm jurütf, fpäter, wenn größer geworben, müffen fie in ben 3Jiaftbarm ju= rüd'gebradjt werben; falls baS nidjt bei feiten gefdjieljt, Werben fie bttrdj bermaßen erweitert nnb zart, baß fie vielleicht gar nidjt metjr in ben Sftaftbarm zurüdgebrängt Werben tönnen unb fdjließlidj (oljne ärztfidjeS Eingreifen) abfterben (f. $ig. 333). SJlan unterfdjeibet ferner „fließenbe §ämorrl)oiben", b. I). foldje, weldje in $olge von ©efäßberftiim gen zeitweilig mit einljergeljen, „(Sdjleiinfjiimorrljoiben", b. Ij. foldje, Weldje bnrd) bie in einen catarrljalifdjen Buftaiib verfemt finb nnb beSljalb eine größere 9J?euge (Sdjleim abfoubern, nnb „blinbe §ämorrl)oiben", b. Ij. foldje, weldje nur fnoteu oljue Blutungen nnb ©djleimabfoiibcrung barftellen. ©ie Neigung jur §äinorrljoiba(* frantljeit wirb um fo größer fein, je we- niger 2SiberftaiibSfäl)igfeit bie 9?eiteiu wänbe gegen ben befreit. ©arauS ertlärt fidj and), baß in mandjen Familien ine ©iSpofition 311 ben §ä- morrljoiben, b. I). eine ©djwädje ber @e= fäßwänbe, vererbt wirb, ©ie früljerver* breitete SInfidjt, baß bie §ämorrljoiben Sleußerungen von anbereit innerlidjen Seiben al§ von iöliitftauuug feien, ift irrig, ©ie finb nidjts weiter alö (f. 670) am SJcaftbarm; fogen. „verfemte" morrljoiben finb Unfinn. ift ebenfalls unbegrünbet, ber §ämorrljoiben als eine ©elbftljilfe ber Statur mit grenben ju begrüßen ober in ben felbft eine ©elbftljilfe ber Statur gegen bie vcrmeintlidje innerlidje frantljeit jit feljen nnb fidj barnm einer 53efeiti- gnng ber zu Wieberfepen. 3ene Blutungen finb für ben Organismus fdjäblidje SBerlufte an wertljvollem Material, nnb je eljer eine geeignete 39eljanblung eingeleitet wirb, um fo beffer. ©ie 3B e Ij a 11 b * lung ber §ämorrljoibalfranfljeit befteljt in erfter öiiiie bariu, bie urfädj' lidje 23lutftanung 31t betämpfen nnb fomit bie Gilbung refp. Sßergröße« rnng ober Dlenbilbting von 31t verljüteu, inbem man fidj fleißig madjt, beS entfernt unbüber* ljaiipt alle jene oben angeführten ©djäblidjteiteu ober ©riinbleiben befeU tigt. ®egen bie ©tiiljlverftopfiing ber ftiere (mit etwas Cel) ober baS (9tec. 9?o. 43). ©ie Fig. 333. „innerliche" £>äntor= rljoiben. 735 fpmptomatifdje (örtlidje) 33epanbhmg ift folgenbe: Saite ooer peipe Unn fdjlöge; erweifen fiel) elftere, bie befonberö bei ©djinerspaftigteit angejeigt finb, gegen biefe madjtloS, fo lege man eine Salbe, auf geinwanb ober (Sparpie geftridjen, auf (f. Otecept 9?o. 44). Slbftringi« renbe unb anbere 9J?ebicamente gegen im W?aftbarm wem ben in gönn von Stupljäpfdjen (f. S. 728) applicirt ober in ein burd> lödjerteS ®efäp gefdjüttet, nadjbem biefeö in ben «Diaftbarm eingefdjoben mürbe (f. gig. 334). 33ei Blutungen flaltwaffew ober (SiSumfdjläge itnb gegen podjgrabige .'pämorrpoibenbilbitng Sieben ober Slbfdjniiren berfel= ben; festeres ift, wie and) bie Sluweubimg aller feparfen Mittel, immer nur Sadje be§ Sluö bein £)arm pervortretenbe finb fofort iiadj ber Stuplentleerung (f. oben) mit bem eingeölten ginger Vorficptig jurnefjm bringen. Sille §ämorrpoiben finb anperorbentlid) rein jn palten (SBafdjungen be§ SlfterS mit SBaffer ober unb nadjperigeS S3eftreid)en beö SlfterS mit SSafelin, Cold Cream, «öleifalbe, n. a. in.). $gl. „©pecialarjt für lagern unb gebet* traute". 3n biefem ©djriftdjen werben and) bie anberen SOlaftbarm* unb Slfter* leiben (SrebS, «ßolppen, gifteln, guruufulofe, n. f. w.) Wücfficptigung finben. 9lecept 9t o. 43. f„§ämorrpoibatpulver"). ge 1 ©raepnte ©cpwcfelmitcp, föpabarfcerpulver, ßurella'fcbeä SBruftyulm (f. 9tec. 9?o. 35) unb gencljelölauder - cber: je 1 ©radjme reiner Scpwefel, IRpabarberpulver unb StniSöljuder unb 3 ©rah- men gereinigter SBcinftein - werben forgfättig verrieben, ©avon, bet Stuptver- ftopfung, unb 2lbenb£ 1 Sbpeelöffel. 9?ecept Sto. 44. ©al' e für fepinerjenbe unb btutenbe 2 ©raeps men pulveriftrter Sllaun, je 1 ©raepme fulverifirter Samppcr unb ©ptumpulver unb 1 Unge SBafelin. Äranfpcifcn bc§ JßniitpfcllS. ©a§ iöandjfell, jene feröfe §ant, ineldje bie in ber Söaudjpöple eim gebetteten Organe ganj ober (bie £>arm unb ®efd)ledjtöorgane) tpeilioeife überjiept (f. 195), ertranft meiftenS im Slnfdjluf; an (Srfranfungen biefer Organe, inbem fid) entweber eine (Sntjünbnng auf baS Söampfell fortpflanjt ober ein Ourdjbrud) be§ TlagenS, 0>arm§, n. f. in. mit (Sntlee- rttng üon (Siter, S3lut, lagern ober ©arminpalt, §arn, u. f. h). in baS erfolgt. (Sin fofrper Ourdjbrudj tann and) burep bie $3aiidpuanb von anpen (Stid), n. f. m.) ftattfinben. genier werben Sampfellfranfs peiten bnrd) Stoj) ober Onetfdjung ber S3ampwanb, bnrd) (Srtältung ober burep ober pervorgerufen. Fig. 334. 736 ©aß auffälligfte ©pmptom aller Sampfellfranfpeiten, non benen wir pier nur bie verfdpebenen ©ntjünbungßformen befpredjen werben*), fiub ©cpmerjen in bem gewöpulid) aufgetriebenen SBandj. ©iefe ©cpmer* jen fteigern fid) bei bem leifeften ©ruef unb fiub je nacp bem Umfang ber betr. auf eine ©teile befepräuft ober über ben ganzen 23aud) verbreitet. ©ie 53epanblung ber 33aud)felltrantpeiten erforbert vor allen ©iugen rnpige Dtüdenlage im ÄBeit unb eine möglicpft fuappe, flüffige unb leiept verbaulidje ©iät. ©ie SBaudjfcll; ober llntcrlciböcntjiinbnng (Peritonitis) ift eine acut ober djronifcp verlanfenbe welcpe entweber baß gauje ■Söampfell ober nur einen ©peil beffelben befällt. SBir paben bemnacp Vier gönnen biefeß Seibeuß 311 unterfepeiben, nämlicp eine acute unb eine djronifdje „umfepriebene" unb eine acute unb epronifepe „allgemeine" 3'U felteneren gälten jiept fiep eine erft acut auf* iretenbe Peritonitis piu, unb fpridjt man bann Wopl and) von einer „fnb* acuten" 53aiicpfel(eutjüubung. ©ie Urfadjen ber Unterleibßentjünbung fiub mit Slußnapme ber ßrebß* unb ©nbertelbilbung biejenigen, weldje oben für alle Slffectionen beß 423aud)fetlS angegeben würben. ©pmptome mib Verlauf, ©ie acute allgemeine 23ampfell* eutjünbiing fünbigt fiep unter gieber (juweilen mit groftaufälleu) burep peftigen Seibfdjmerj an, ber gnerft an einer ©teile anftritt, fiep fpäterüber ben gangen Unterleib verbreitet unb burep ben leifeften ©rnef (fdjwere 33ettbecfe, Umfcpläge) gefteigert wirb, ©aju gefeiten fiep im fpäteren Verlauf: bleicpeS, ängftlidjeS SlnSfepen be$ Oranten, „Sßrnftatpmen" (f. ©. 174), Sluftreibung beS VeibeS, Uebelfeit, (Srbrecpeu cparactcriftifdjer „fpinatgrüner" fDiaffeu, ©urft, Sßerftopfung, mitunter auep ©djliicfenunb unb fcpliefsticp eine mepr unb mepr wadjfenbe Sltpenniotp unb ■SBetlemmnmg, bie fdjliefjliep in unb (Spanofe (33lanfucpt) auSgepen faiin. ©ie ©pmptome ber acuten umfepriebeuen Peritonitis gleicpen ben oben genannten, erreiepen aber uidjt bereu $11 unterfdjeiben ift bie umfepriebene gorm, Welcpe oft in bie allgemeine über* gept unb bann uatürlicp bereu ©pmptome annimmt, von ber lepteren ba* burep, bag bie ©rucfempfinblidjfeit ber 33aucpwanb auf bie „nmfepriebene" ©teile befepräuft bleibt, ©er töbtlidje Verlauf ber acuten jünbung ift fepr pänfig unb tritt gewöpnlicp innerpalb einer Sßocpe ein, anbernfallS bie „fubaent" wirb unb auep bann noep, wie bie acute gorm, mit bem ©obe, mit ©enefuug ober djronifepem ©iedjtpum verlaufen fann (vgl. „©pecialarjt für Wlagen* unb Veberfranfe"). *) lieber Subcrfulofe unb ßrebS beS 5Baud)feO§ (toflt. ®. 483 unb 634) f. für S0?aflcn= unb ßeberfranfe". S3aucl)fcfavangcrirf)aft unb Puerperalfieber bleu ben au§ befannten ©rünben (f. SJorrebe) bem „Specialarjt für grauen" Vorbehalten. 737 Die 33et) anbtung foll, wenn irgenb möglidj, Dom Ai'3te geleitet Werben. Patient, bem bnrcf) Unterlegen Don Riffen bie Äniee möglidjft 31t beugen finb, fo baß bie 33audjbecfe erfdjlafft, Derbleibe in niljiger DUicfem läge int 33ett, neunte gar feine ober nur feljr wenig fdjleimige jftaljruiig 311 fid), ftille "Dürft unb (grbredjen burdj Sdjluden Don fleineu (SiSftütf* djeu („(SiSpillen") unb erljalte Ijeiße Umfdjläge auf ben fieib. ®egeu bie Berftopfung ift nidjt anjufänipfen, am allerwenigften mit Abführmitteln. §ält biefelbe an, fo madje man (aber ja nidjt früljer als nadj Verlauf Don minbeftenS jioei Bodjen) Don warmem Baffer, bem man auf 1 1 Dradjme ©lijcerin Bäljrenb ber ©euefung barf ber Darm natürlidj ebenfalls nidjt burdj reidjlidje, fdjwer Derbaulidje 9?alj= rung 311 ftärferen Bewegungen Deranlaßt werben. Die Ijödjft wirffame mebicamentöfe Beljanblung ber $ranfljeit (mit ©piumpräparateu) ift Sadje beS Die ljier nodj 31t erwäljnenbe Baiufjtoaffcrfuifjt (Ascites), ber Aus- tritt einer feröfen glüffigfeit in bie 33audjf)öl)le, ift niemals ein für fid) befteljenbeS fieibeit, foubern tritt als Dljeilerfdjeinnng allgemeiner Baffer* fudjt (f. <&. 449) auf, ober ift eine £yolge Don Blutftaunng im Baudjfell ober (Entartung beS letzteren. Die «Sijmptome: ©efüljl Don Drmf unb Sdjwere im aufgetriebenen Unterleib, ber bei nidjt 31t Ijodjgrabiger (Spannung in ftolge Don Drmf „fdjwappt", Beflemmung, Atljenibefdjwer* ben (befonberS bei tieferem (Sinatljmeit), abfonberiing, u. a. m., finb ttadj ber geringeren ober größeren äRenge ber in bie Baudjljöljle ergoffenen $lüffigfeit meljr ober weniger Ijeftig. Die 33 e Ij a n b l u n g muß gegen baS ©runbleibeu geridjtet fein. 9?ur, wenn bie enorme 3Bafferanfammlung (bis 31t 5 ©allonen unb barüber) baS ßeben (bie Atljmuttg Dorneljmlidj) bebroljt, muß baS 3öaffer burdj bie „Function", b. lj. (Sinftedjen eines Drofart'S*), „abgesapft" werben. Die Function ljilft aber mir üorübergeljenb, ba bie entleerte glüffigfeit faft immer burdj neuen (Srguß halb wirb. Ärnnffjcitcn ber fieber unb (Mallcnwege. Die biefeS AbfdjnitteS, b. Ij. berjenigen Organe, weldje ber Reinigung beS 33fortaberbluteS unb ber Zubereitung unb Begleitung ber ©alle nadj ber ©allenblafe unb bem Zwölffingerbarm bienen (f. S. 189 11. ff.), finb ebenfo Ijänfig mir ©Ijmptome anberer organifdjer ober conftitutioneller als felbftftäubige fieiben. 33efonberS *) Strofart, 5£roicar ober Sroicart nennt man ein, aus? einer $ütfe unb einem ©tadiel Beftebenbee! ber ©tadlet, ber in ber Jpülfe ftedtunb vorn mit feiner ©pifee Wirb in eine .Qörpert)öt)le eingeftodjen unb bann mit ber $ülfe worauf bie glüfftgfeit ber Jpötjte burdj bie §ülfe ätdäuft. 738 unb Sungentrantpeiten, Welcpe ben SIbfluft beS 4B(ute3 ans ben Benen unb bie Slfpiration beS Blutes in ben Bruftforb erfdjweren refp. aufpe* ben, paben Störungen bet Bliitcirculation jur golge, iveldje iprerfeitS entzünblicpe Borgänge in ber Seber veranlaffen, unb von conftitutionellen Dranfpeiten finb es namentlidj SpppiliS unb SRalariafiedjtpum, an Wekpe fiep Seberleiben anfdjliepen. ©ie felbftftänbigen Drantpeiten biefeS $lb* fcpnitteS werben am päufigften burcp ben gewopnpeitSiiiäfngen reichlichen (geling Von alcopolifcpen (getränten Vernrfadjt, unb zwar wirft in b i e f e r § i n f i cp t vor alten ©Ingen b a S © r i n f e n von ft a r t e n, u i d) t mit Gaffer V e r m i f d) t e n S p i r i t u o f e n bei leerem SR a g e n f d) ä b I i d)! ©ie falfdje Borftelluug, baß ein (gläs* cpen Branntwein am SRorgen „Seib unb Seele ftärft", pat fdjon viel Un* peil geftiftet. ©ie uädjftpäufigften Urfacpen felbftftänbiger Seberfranf* peitcn finb (Sjceffe im (Sffen unb ©rillten (vornepmlid) von getten unb Jßutfer unb bei fifcenber SebenStoeife) unb bas Bewopnen peißer unb nie* brig gelegener (gegenben. ©ie gewöhnlichen Symptome ber vorliegenben Drantpeiten finb: (gelbfucpt, Sdjinerj in ber Sebergegenb (unter ben unteren Diippen ber redjten Seite), ber fid) bei ©ruct ober Siegen auf einer (befonberS ber recpten) Seite fteigert, ferner Sdjmei'Z unter bem redjten Sdjulterblatt, Berftopfung mit tponartig feften, weiplid)*grauen Dotpentleerungen ober ©iarrljöe, ?lppetitlofigfeit, bitterer ®efd)macf im SJiunbe, übler Sltpem, u. a. m. Biele biefer Symptome finben fid) aber oft and) bei anberen Draufpeiten unb geben beöpalb feinen ficperen Slnpalt, um ein Seberleiben 31t biagnofticiren. ©a§ ift in ben meiften fällen nur burd) genaues Be* fiiplen unb Beflopfen ber Baud)gegeub möglid), in welcper bie Seber liegt (f. „Specialarjt für SRagen* unb Seberfranfe"). ©ie Hyperämie, Bhitanfipoppung ober (TongcfHon ber Seher (Congestion of the Liver), b. p. bie Ueberfütlung unb Bergröperung berfelben burd) angepäufteS Blut, pat ipre Beranlaffung entweber in einem gefteigerten Blutjuflup in bie Seber ober in einer Stocfimg beS Bildlaufs in bem genannten Organ felbft ober im Bfwtaberfpftem (f. ©ie Bepanblung mup gegen bie Urfacpe beS Sei* bens anfämpfen. ©aneben befolge man bie bei ben ange* gebenen biätetifdjen Borfcpriften unb nepme zeitweilig ©ofen von 9?o* d)eller ober (gpfom*Salz (SRorgenS nüd)tern je 1 ©peelöffel voll in einem (glafe warmem Sßaffer). Bgl. „Specialarzt fürSRagen* unb Seberfranfe" unb „Specialarzt für grauen". ©ie parcndjymaföfe ober eiterige Scbcrcntzünbnng (Hepatitis Pa- renchymatosa) ift eine pauptfäcplidj in peifjen 3onen vorfommenbe Dranfpeit, bei weld)er fid) in ber Seber (Siterperbe (Slbfceffe) bilbeu. ©ie 739 (Symptome biefer £eberent3Ünbiing, bereu Urfadfen Verlegungen ber ßeber, in ber 9lad)barfd)aft berfelben ober Verjaiid)imgen beS ■VluteS finb, beftepen iu: fieber, @d)üttelfröften, peftigem, bei Trutf fid) fteigernbem ©djmerj iu ber Sebergegenb, ber nacp ber recpten <Sd)ulter auSftraljlt, uub eventuell ©elbfucpt uub §uften. Tie Vepanblung pat burcp naprpafte Äoft, Sifenpräparate uub ÜBein einem wqnbengeu, fieber uub <Sd)ütteIfroft mit Spinin 311 befämpfen uub burcp falte ober fpäter warme Umfdfläge bie Slbfceßbilbuug 311 verpinbern bejm. 31t beförbern. Tie ivirffame Vepaiiblung mit Salomel uub baS Eröffnen ber Slbfceffe bleiben iiatürlid) bem 2U*3t vorbepalten. Tie intcrftiticllc ßcbcrentjünbnng ober bie ficbercirrpofc (Cirrho- sis of the Liver), ift ein ber Sungencirrpofe (f. 696) uub ber Sir- rpofe ber 91iere (f. fpäter) äpnlidjer bei welcpem ber Uebequg uub baS Vinbegemebe ber Seber 3iterft auf Poften beS ''ßaremppmS mudfern, fpäter aber 31t einem narbigen ®ewebe 3iifammeiifd)rumpfeii. Tie päm figfte Urfacpe ber ift ber Sllcopolgenuß (befonberS auf beu uüd)- fernen Tragen), meSpalb mau baS Selben and) ä u f e r l e b e r" (Gin Drinker's Liver) genannt l)at. Tie «Symptome beSerften biefer immer djronifdj verlanfenben gleidjen be* neu einer VerbaunmgSftörung ober Vlntanfdjoppnng ber ßeber; fie werben wegen biefeö Mangels an diaraeteriftifdjer Gigentpiimlidjfeit and) nur feiten richtig gebeutet. Tie 2lnfang§ erljeblid) vergrößerte £eber fdjrumpft aber mit ber £eit ein, wirb Heiner, als fie im gefum beu Buftanb mar, uub 3eigt auf iljrer ©berflädje fd)ul)3mecfenartige, förnige ober waqige §ervorl)ebnngen (f. gig. 335), meldje tpeilweife felbft burdj bie Vaudjwanb 311 fiiplen fiiib uub ber $raiitl)eit einen Weiteren Flamen, ,,®d) ul) 3m e cf enl eher" (HobNail Liver),eingetragenIjaben. Tabei verliert Patient immer mepr uub meljr an uub Alraft, wirb mißmutljig uub mürrifd), leibet an ljartnäefiger VerbauimgSftörung uub empfinbet @d)mer3 in ber Sebergegenb uub ber redften @d)ulter, imb fd)ließ(id) gefeiten fid) uub Vandpvafferfudjtnnb bisweilen and) Tarmblutimgen. Tie V e l) a 11 b l u 11 g verfpridjt mir in bem erften ©tabinm Teilung uub beftept bann in fräftiger 9?al)rung, 2lnf= entpalt in guter, reiner ßuft uub abfoluter Sntpaltfamfeit von alcopolb fd)en ©etränten. Fig. 335. „@d)iif)5»5ccfen(etcr." 740 ©ie gctflcbcr ober bie fettige Infiltration bcr Seher*) (Fatty Liver), bei weldjer ans bem SPfortaberblnte überfcßüffigeS gett in ben Vebergelten abgelagert wirb, ift eine nieifteuS mit allgemeiner gettfuebt eintjergeljenbe ftrnntljeit, von welcher vornehmlich bem Sllcoholmißbrand) verfallene ober üppig lebeube mit SebenSweife heimge* fncht werben. ©ie Seher erfährt babei eine (mitunter ganz enorme) Ver- größerung, aber erft, wenn eine folclje eingetreten ift, einen ©nut auf be- nachbarte Organe anSübt nnb ben Patienten furjathmig macht, läßt fiel) bie (bereits entwiitelte) Trautheit biagnofticiren. ©ie Vehanblnng ftimnit mit ber bcr gettfneßt überein (f. S. 648). Patient muß fiel) ge= hörig Bewegung machen, regulär feine SDlahljeiten (ohne gett, Vutter, n. f. w.) entnehmen, alcoljolifdje ©etränfe unb f!iad)mittagSfd)läfd)eii mei- ben unb reichlich ober Vid)l) SBaffer trinfen. ©ie Sperflclicr (Waxy Liver), eine ber Spccfniere (f. bort) äl)ii= liehe unb meiftenS gleichzeitig mit biefer uub ber „Spetfmilz", einer glei= eben Erlranfiing ber SDiilj, anftretenbe fpeefige Entartung bcr Scherzeiten, ift niemals ein felbftftäubigeS Seiben, fonbern immer nur bie Begleiter« fcheinung einer $ad)epe (in golge von Scrophulofe, @ppl)iliS, langwie* rigen Eiterungen, EDtalaria, n. f. f.). Symptome: Vergrößerung ber Seher mit ©nut uub Spannung in ber Sebergegenb, Vand)Wafferfud)t unb Symptome bcr Spetfmilz (2lnfcl)Wellung bcr SDiilj) unb Spetfniere (Eiwcißparnen). ©ie V e 1) an b l uu g muß gegen bie nrfädjlidje Äadjepie anfämpfen. ©er acute gelbe S e b e r f d) w n 11 b (Black Jaundice) ift eine fclteuc, meiftenS (feßwangere) grauen befallenbe Weiteres f. „Specialarzt für grauen". - lieber S e b e r f r c b S vgl. S. 634, über S e b e r t n b e r 1 u 10 f e „Specialarzt für 9)?ageiu uub Seberfranfe" unb über ben § ü l f e n w 11 r m ber Sehe r S. 619. ©ie Cicllifndjf (Jaundice, Icterus) ift niemals ein felbftftäubigeS Seiben, fonbern immer nur ein Spmptom, unb ztvar entweber geftörter ®allenausfnl)r ober tranfl)cifter Vliitbereituiig. 90?an l)nt bemnad) z'vci gormen ber ®elbfud)t zu ©ie eine, bie „?luffan? g 1111 g S g e l b f u d) t", wirb baburd) veranlaßt, baß bie ?lnSful)r ber ©alle aus ben ©allengängen uub Seberzellen gehemmt ift. $n golge biefeS verhinberten ftant fiel) bie ©alle in ber ©allenblafe, ben ®aL lengängen nnb ber Seher uub wirb fd)ließlid) ein 2H)e>i Zlll'ddgel)alte= neu ©alle vom Vlnt reforbirt. ©ie Unterbredjnng ber ©allenanSfuhr refp. bie Verftopfung ber ©allenwege wirb veranlaßt: burd) catarrl)alifd)e *) Heber eine anbere gönn bcr gettleber, bie „fettige ©cflcncration bcr ßebcr"f f. für 2J?ctflcn= unb ßebcrfranfe". 741 Anfdjwettnng ber Sdjleimhant ber Gattenorgane („catarrhalifdje Gelb* fuept"), wobei bie Galleiicanäle vollftänbig „verquollen" fein fönnen. (Sin foirfjer (Satarrl) nimmt feinen Anfang feiten in ben Gattenorganen felbft, fonbern wirb auf tiefe jumeift non bem SOlagen unb Zwölffinger* barm aus fortgepflanjt (f. S. 193 u. 729). ©aber fommt es and), bafj bei biefer Gelbfudjt bie Symptome eines 9)?ageii*©armcatarrhS beobachtet werben. (Sine Sßerftopfung ber Gattenwege fann ferner 311 Staube fom* men: burclj eingeflemmte Gallenfteine, grembförper, ober @d)leimmaffen ober bitrdj ©rmf auf bie Gattenwege (Gefd)Wülfte, Gebärmutter, u. f. w.; „Gelbfudjt ber Sdjwangcren" f. „Speciatarjt für grauen") ober burdj SeberfrebS, Sebereirrbofe, n. a. m. S p m p 10 m e: Gelb', Grün- bis 53raunfärbung ber £)ant, Diägel unb Schleimhäute (be* fonberS beutlid) am „AJeifjen" beS AugeS unb am Z'tt)uf(eifd), bei GaS* unb Rampenlicht aber oft nidjt 311 bemerfen), ferner braune ober fd)Wm*3* braune gärbmig beS UrinS, mitunter and) gelbliche gärbung beS Schwei* ffeS; ber tponartig fefte unb aaSljaft riedjenbe Stotl) ift bagegen ober weipgran. $u biefen Spmptomen gefeiten fiel): biefer gelblidjer Zungenbelag, bitterer Gefdjmad iniSJZunbe, Appetitlofigfeit, äöiberwillen gegen gleifd)* unb gettuahnmg, Uebelfeit, SBerbauungSftörungen (£DZa* genbrütf'en, SSerftopfimg), fUZattigfeit unb Unluft 3111* Arbeit, (oft uner* träglicpeS) 53erlangfamnng beS Abmagerung, mürrifdje, mipnuitl)ige Stimmung (£)ppod)onbrie) unb §irnfpuiptome, Wie fcbmei-3, ©elirien, 3'e wich ber ©auer beS urfädjlicben ßeibenS f'anii bie Gelbfucht in wenigen ©agen wieber üerfdjwinben, aber auch fDZonate ober felbft jahrelang anbalteu. 53 e b u 11 b I u 11 g. Patient Ijüte fiel) uor Ueberanftrengnng, (Srfältung ober Slnfregungen unb erhalte eine geeignete ß'oft (falteS gleifdj, fräftige Suppen, in 5ßaffer gefachte Gemüfe, gefcIjmorteS ©bft, feine 53utter, gette ober Saucen), ©abei trinfe er reidjlid) Söaffer namentlich (warmes) Sobawaffer unb nehme gelegentlich ein warmes 53ab unb ein Abführmittel, Wie (f. 9iec. 9?o. 8) ober fRicinitSöl (f. 9Zec. 9?o. 41). 9?acb 53efeitigung ber 53er* ftopfnng nehme man mehrere ©age lang 3mal täglich je 1 ©heelöffel bop* peltfol)leufaureS Patron in einem Glafe SBaffer. SBährenb ber SRecon* öaleSceu3 empfiehlt es fiel), täglich bor ber 2 ©heelöffel Gentiantinctur mit etwas faltem üßaffer 311 trinfen. ©ie anbere gorm ber Gelbfucht, bei Welcher fiel) im 53lute ohne Gallenftaunng Gattenfarbftoff oorfinbet (in golge franfbafter 53lntbereitnng) wirb nad) GemiithSbewegnngen, Aether* nub (Sl)loroform* Vergiftungen nnb Sd)langenbiffen, bei fieberhaften (3. 53. „gelbem" lieber), Septicämie, u. a. m. beobad)tet. ©iefe gorm läfjt fiel) von ber „AitffaiignngSgelbfndjt", mit ber fie fonft gleiche Symptome unb 742 and) bie gleicpe 53cl)anblting pat, leidjt babnrcp iinterfcpeiben, baff bei ipr ber $otp nicpt pellgelb ober grau entfärbt, fonbern Don normaler ober vielleicpt fogar bunfler garbe ift. (Sfaflcnftcinc (Gall Stones) finb gelbe, braune, grüne ober fdpvaqe, bis püpnereigroffe Goncreinente, tveldje fiep in ber ©allenblafe ans ©allennieberfcplägen (ßpolefterin, 53i(iverbin, foptenfaiirem ober ppoSpporfanrem jtcilf; f. I. $ap.) bilben. Sold)e Steine, loeldje fid) päufiger bei grauen als bei äJiännern finben, vernrfacpen ntancpmal nid)t bie geringfteu 53efcpiverbeu, obwopl fie fid) in großer 9)leuge in ber ©als lenblafe augefanunelt paben (f. gig. 336). Sobalb aber ein größerer Stein in ben ©allengang einbringt, entftepen plöplid) bie peftigften Sdjmersen, tveldje ebenfo wieber aufpören, wenn ber Stein ans bem ©allengang in beit barm ober in bie ©allenblafe tritt. IVZan biefe peftigen, folifartigen, von ber recpten ©berbaucp* gegenb auSftraplenben Sdpnerjen als ©allenftcinfolif (Biliary Colic). ©er Verlauf eines berartigen, meift nacp SRapljeiten ober 3)?nStelanftrengung eintretenbeit SlnfallS ift folgenber: Patient füplt $iterft in ber ein Unbepagen, baS in Scpmerj übergept. Septerer ftraplt, wie gefagt, von ber recpten ©ber* bancpgegettb überallpiu (befonbcrS nacp ber redjten Scpulter) aus unb fteigert fid) bisweilen bermapen, bafs ber Patient fiep in Scpmerjträmpfen auf bem 53oben ©aju gefeiten fiep Uebelfeit, ßrbreepen, Söinbe ober and) ©urcpfall, bie ift fiipl unb mit Scpweib beberft, ber ©eficptSauSbriuf ängftlid), baS Sltpmen ntüpfam unb ber ver* laugfamt. SDiancpe traute Verfallen fogar in ©pnmaept. ©ie ©auer ber Slnfälle, welcpe wieber eiutreteu, fobalb ein neuer Stein bie ©allen* blafe verlädt, beläuft fiep int ©urd)fd)nitt auf einige Stunben, taun aber and) nur wenige WHuuteii betragen, ©ie 53 e p a n b l u n g wäprenb beS Unfalls verlangt 2(nflegen von wannen Umfcplägeii, peiße 53äber unb ©arreid)en von ©pinmtropfen (palbftünblicp für (Snvacpfene etwa 15 ©ropfen, pödfftenS 4 ©ofen) unb, fobalb eintritt, vonfReij* mitteln (Söein, 53ranbp, fepwarjem Kaffee) bei gleicpjeitigem fReiben beS Körpers mit warnten glanelllappen. ©egen baS ©rbreepen gebe man Heine (SiSftüdYpen 31t fcplmfen. 91acp bem 5lnfa(l verabreiepe man 5lll)* ftiere von warmem SBaffer mit etwas Del ober 9lbfüprmittel (SiicimtSöl, f. 9?ec. 9io. 41). ©ie in beit ©arm gelangten Steine Werben mit ben ©ntleerniigen anSgefcpieben. 3ur 5>erpü tnug beS fteibenS refp. ber äßieberfepr ber Unfälle vermeibe man fette Speifen unb Spirituofen, Fig. 336. (SaUenfteine in ber ®aHen6(afe. 743 forge für ßeibeSöffmtng, macpe fiel) pinreiepenb Bewegung, triufe reieplidj 9>id)l)-, ©aratoga* ober ÄarlSbaber Söaffer unb üerfapre 2-biS3mal jäpr* licp iiacp folgeuber 9lnweifiing: SRecevt 9?o. 45. SRan nehme täfltid) SRorgenS unb 2Ihenb3 | Stpcelöffel pboS; pljorfaurcg Patron unb pvcimal nmdjentlid) 2-4 (Sjfjlßffel Clivcnöl. Um ba3 (Sinnet); men bc3 teßteren 311 erleichtern, laffe man juerft ein (Stütfdjen 6iä auf ber Bunge ter= gehen, trinte bann baS ©cl unb effe fd)liefjlid) ein Wenig Äochfalj. ©aS ©erfahren ift iebeßmal etwa 6-8 SBodje-n lang Tie Burfcrparnrnpr, Bucferritp r ober Bucf erf r a uf p ei t (Diabetes mellitus), ift eine „allgemeine grnäpriiiigSftöriiiig", bei WeU d)er große Mengen Buder (bis 311 2 täglicp) mit bem £>arn unb audj mit bem (fpärlidjen) ©epweiß, ßiiftröprenfd)leim unb Stott) auSge* fepieben Werben. Taß wir gleidjwopl biefeS Veiben pier, bei ben Seber* franfpeiten, bringen, pal feine Urfaepe barin, baß miet) ber non glaube Vernarb aufgeftcllteu, waprfd)einlid)fien §ppotpefe ber Bucferfranfpeit refp. ber übermäßigen 3u(ferprobnctioii im Körper ein Seberleiben 311 ©runbe liegt (ügl. „Specialarjt für lagern unb ßeberfraufe"). Tie Bucferrupr ift eine nur feiten acut üerlaufenbe welcpe fid) alb malig unb fd)leicpeub eutwicfelt. ©ewöpiilicp wirb ärjtticper 9tatp erft eingepolt, wenn baS perüorftecpenbfte ©pinptom, bie Bucfcvau''fcP bung mit bem §arn, bereits einen popen ©rab erreiept pat. Weitere ©pmptome finb: ein qnälenber, fdjier unlöfcpbarer Turft, ein in gleicher SBeife üerftärtter junger, eine ungeheure WZeiige täglid) auSgefepiebenen §aruS (über 10 Duart per Sag beobadjtet), große Srocfcnßeit unb ftar* teS -3=U(fen ber §aut, auf welcper fid) gern 5luSfd)läge (beulen, garbunfel) bilben, Slbmageruug, Äräfteoerfall, geiftige 9iiebergefd)lageul)eit, 2Ib= napme ober gar 93erluft beS ®efid)tSfinuS, Sßerftopfung, bie bisweilen mit ©iarrpöe abwedjfelt, „Stocfen" wafferfüdjtige Sliifdjwelluiigen unb SSerluft ber (f. „Specialarjt für DJiänner"). @0 biefe ©pmptome auep finb, fo fann bie 3ucfeiTupr boep erft mit ©idjerpeit burd) eine djemifdje ober optifd)e Uuterfucpung beS §arnS (leptere mittelft beS feftgeftellt werben. SBir werben uns mit biefeu „3ucferprobeu" nod) eingepenber im „Specialarst für 3)?agew unb ßebertrante" 311 befd)äftigen paben unb wollen pier mir 3Wei groben an- geben, burd) weldje ber L?aie fid) bei $erbad)t 3iicferpaltigen §aruS leiept felbft ©ewißpeit üerfepaffen fann. Tie eine, bie „©äprungSprobe", be= fiept barin, baß man in ein fogen. etwas §efe tput, eS bann mit bem Derbädjtigen Urin anfüllt unb fcpließlid) forgfältig in ein, bis jur §älfte mit bemfelben Urin gefülltes ©las umftiilpt. gntpält ber Urin .Bucfer, fo bilben fiep, wenn man baS ©las etwa 24 Stunbeu laug an einem warmem rupig fiepen läßt, in golge ©äprung a»S bem 744 £uder SIlcopol unb welche (entere in bem nnigeftülpten 'ißrobirgläSchen eniporfteigt unb oben einen ©peil beS (früper baS ®läS* d)en gaits anöfiilteiibcn) Urins Derbrängt (f. $ig. 337). (Sine 3Weite, leid)t Dorsunepmenbe '»ßrobe ift bie, bci£ man in ein etwas non bem fraglichen Urin fdjüttet itnb, nadjbent man ljatb fo Diel (Liquor Potassae) pat, baS ®anje über einer (SpiritnSlampe 311m Stuf* fod)en erwärmt (f. $ig. 338). 23ei SSorpanbenfein Don hinter färbt fid) bie 9)?ifdjnng Don §arn unb Kalilauge bräunlid), nnb jmarnm fointenfioer, je größer gepalt ift. SluSfepen nnb (Sfernd) biabetifcpen Urins finb ebenfalls, wie bie cpemifdje Dieaction, Deränbert. «Sobalb bei großem ©urft nnb junger Diel §arn ent* leert wirb nnb biefer eine anffallenb blaffe $arbe nnb, frifd) gelaffen, einen ®erud) nad) frifcpem £>eu ober reifen Slepfeln nnb nad) längerem @tepen nad) fanrer WUlcp hat, Derfäume man nidjt ben Urin 311 unterfiicpen refp. nnterfndjen 311 taffen, ©en ®ernd) beS frifd) gelaffenen iparnS nad) §en ober 2lepfeln hat übrigens and) ber 9ltpem. ©ie pänfigften ®e* IcgenpeitSiirfadjen finb: (Srtältnngen nnb ©iirdjnäffnngen, gen nnb (Srfd)ütternngen beS ganjen Körpers, übermäßiger @ennß Don 3iider ober Win* ober ©bftmoft, über* triebene (SfeifteSanftrengnng, plöplid)e ober anpaltenbe @emütl)Sanfregnngen (®d)recf, ftnrdjtrefp. Kummer, n. f. m.) nnb ftarle iöeranfdjnngen. ©ie ÄranL ßeit, bie anßerbem mitunter auf erbli* d)er Anlage 311 beruhen fcßeint nnb, wie fd)on gefagt, meift d)ronifd) Derlänft, enbet gewöhnlich nad) einigen fahren mit bem ©obe, weldjer inbeffen nur feiten birect bnrd) baS ßeiben felbft, fonbern meiftenS bnrd) eine (Somplica* tion, b. h- eine anbere, pinsntretenbe (namentlich gingen* fchwinbjmpt), perbeigefüprt wirb. 33ei ber 23 e p a n b l n 11 g fonimt alles baranf an, bnrd) eine geeig* nete ©iät nnb SebenSweife bie Ärantpeit in @d)ranten, b. I). ben Mafien* ten bei Kräften 311 palten nnb sngleicp bie im Körper auf baS geringfte sD?aß 311 bringen. $m „®pecialar3t für Klagen* nnb Vebertrante" finbet ber 2efer eine genaue 2ifte aller Derbotenen nnb erlaub* Fig. 337. Fig. 338. 745 teil SlahrnngS* unb Gennßmittel; ein AiiSjiig aus biefer Bufammenftet* lung ift folgenber: 53 ö 11 i g erlaubt f i n b: alle Arten Don $leifd) unb $ifd) in irgenb weldjer Bubereitung oljue 9)M)l, ferner Auftern, SJht* fd)eln, Krebfe, GaDiar, 53ntter, Käfe, Slaljm, grüner «Spargel, Derfdpe* bene Salate (3Brunnenfreffe, Gnbioien, Kopf* nnb gelbfalate), 53lnmen* fol)l, Spinat, Suppen (oljne S3?el)l unb verbotene 53egetabilien) unb Kle* berbrob (Bran Bread). Bn mäßigen SJZengen finb erlaubt: Don Getränten: Sßaffer, Sobaiuaffer, imgejutferter £l)ee ober Kaffee, SJZild), alte Siotljmeine, Gognac, Sium, 5Bl)iSfel), ferner Gier, 5öeißfraut, grüne 53ol)iien unb Don griicpteii Grb* unb Boljauiiiöbeercn. ®a and) ein abfoluteS 53erbot beS -53robeS Dom Patienten in ber Siegel nidjt eingepal* teu wirb, fo.foll Don Dornljerein ein geringes tägliches Cuantum 53rob (womöglich geröftet; Toast) erlaubt merben. 53öllig Der boten finb: Bniferbilbner ober jmferbilbenbe Stoffe, b. i. 3)M)lfpeifen aller Art, Bilder, Kartoffeln, Sapioca, ©ülfeiifrüdjte, grüne Grbfen, fiiße brächte unb Spirituofen (and) 53ier), Gacao unb Gßocolabe. 53ei biefer für immer genau innejupaltenbeii Koft Jorge Patient für gehörige ©aut* pflege unb Bewegung, bod) oljne fiel) 311 ermüben. ©egen Grfällungen muß man fid) fel)r forgfam hüten, weil fid) Suiigeiiertraiifiingeii feljr gern 311 bem Diabetes mellitus gefeiten, unb beSßalb trage 5ßatient jahraus jahrein Flanell auf bem Veibe. Seljr empfehlenswert!) finb Xrinfcuren in 53id)i) ober KarlSbab bejiu. baS anljaltenbe Sriufen ber genannten ueraliuaffer. Gin ber Dorßergeßenben KranHjeit feßr äl)nlid)eS Reiben ift bie fmnis rnßr (Diabetes insipidus). T)aS Söefeit ber §arnrnl)r befteljt in ber 9liiSfd)eibnng einer ungeheuren W?enge Urin, ber aber nicfjt, wie bei ber 3u(ferl)arnnil)r, Bntfer enthält unb n i d) t von l)of)em, fonbern niebrigem fpecififd)en ®ewid)t ift. ?(nbere S i) m p 10 m e: außerorbentlid) qnälem ber, faiim 311 ftillenber £>urft, trocfene ©aut, Abmagerung, Sd)ioäd)e unb bisweilen Sd)laflofigfeit, abnormer ©unger unb Sd)mer3en im Klagen ober Siiicfeii. Als ®elegenl)eit§nrfad)en finb betannt: Sd)äbelDerte(5iim gen, ©eljiriiertraiifiiiigen, Grfältniigeii, Printen (alter ©etränfe bei tem Körper nnb Unmäßigfeit im Alcopolgenuß; and) Sl)pI)iliS unb eut= jüiiblidje Kraufpeiteii fdjeinen bie ©arnruljr mitunter 311 Deraulaffen, unb ferner giebt eS eine erblidje Anlage 311 biefer Kraiifßeit, welche in ben Der* fd)iebenen Generationen einer gamilie mitunter mit ber Anlage 3111- Buder* haruruhr abwedjfelt. Sie ÄB e 1) a n b l u 11 g ber ©arnruhr, bereu 53er* lauf faft immer ein langwieriger ift, erforbert Dor allen Gingen eine Sie* gelnng ber VebenSweife, bereu ©auptmomeiite nahrhafte, aber leid)t Der* bauliche Koft, gute Vuft unb 53ermeiben jeber Ueberanftreiigung finb. Gntpehnng beS Geträntes ift uiinülj; ber Patient barf feinem £>urft ent* 746 fpredjeitb Vtaffer trinfen, bodj f)üte man fid) baffelbe rafd) fjinunterjiiftür* jen, üielmeljr triufe man laiigfam itnb in tleinen 3ügen. Vei richtiger SebenSWeife üerfdjwinbet baß Reiben mitunter ganj ober wirb auf Oapre Ijiitauö aufgel)alten, geljlt biefe Veljanblung, fo erliegt ber Traufe fdjliejj- lid) einer ßomptication, wie öinigeneiitjiinbiiug ober =fcl)ivinbfncl)tz u. a. m. (ügl. „Specialarjt für DJiagem nnb Seberfrante"). /tranlifieifeit ber Sie $rantpeiten be§ (f. S. 199 it. ff.), befonberS aber biejenigen ber Vieren, fiub faft burdjgäugig fepr gefäprlid), ba fie napejit alle birect ober inbirect einen Ijödjft fdjäblidjen (Einfluß auf beit ©efammtorganiSmuS anSübeit, iiibent fie bie (Entfernung Don giftigen Verbrennungöprabucten auö beut Körper piitbern ober aber einen Derberb* lidjen Verluft an wertpDollem (ErnäprungSmaterial ((Eiweiß) jur fyolge paben. Sie Urfacpen biefer Äranfpeiten fiitb Dornepmlidj Verlegungen ober Dieijungen ber burdj Srncf, Stoß, tt. f. w. bejw. burep feparfe parntreibenbe Mittel, wie Serpentin, (Eantparibeu, b. p. fpanifdje fliegen, (Eopaioalbalfam, Salpeter, u. f. w., ferner (Erfüllungen unb IDiißbrandj alcopolifdjer ©etrünfe. Vei ber Vepanbltmg ber Dorliegenbeit $ranfpeiten ift beöpalb and) alle jene Scpüblicpfeiten (j. V. Spirituofeu) jn ineiben. Sie Siät fei träftig, jugleidj aber, um and; Don biefer Seite au§ einer 9ieijung ber Dorjubeitgen, reijlo$ (feine ftarf gefallenen ober gewnrjten ober fauren Speifen). lid) empfiehlt eS fid) bei ber SOfeprjapl biefer Diel fdjleiniige (Setränfe (§afew unb ©erftenfdjlehn, ßeinfamentpee, 9J?anbeImild)) ju genießen, weil bie Söanbungen ber baburdj gefdjmeibig ge= madjt refp. Dor Ofeijung gefdjüpt werben. SÖa§ ber Verfaffer fdjon früper über ben Sßertp Don gefagt pat, gilt natürlicp and) be® jüglid) ber Vepanblung Don int §arnapparat (f. S. 677). Sie beut £aien erfennbaren Spinptome Don $ranfpeiten im §ariu apparat fiub DeränberteS 91n§fepen unb Deränberter ®erndj be§ §arn$, Störungen im Scpmerjen im §arnapparat unb eine allge- meine Scpäbigung be§ VefinbenS, welcpe §arnftoffDergiftung genannt wirb unb baranf jurücfjufüpren ift, bap bie ftoeft, unb be§« palb fdjäblicpe 2lu§wurf$ftoffe (§arnftoff; f. S. 204) im Vinte jurüdge- palten Werben. *) ©ie mit bem ©efdjledftötcbcn bcrtnüpften Äranltjeiten biefer SDtflane Werben au§ Mannten ©rünben ff. SSorrebe) in gwei iefonberert <Scf)rtftcpen für SKänner" refp. „für grauen") befprocljen. 747 ©er gefitnbe £>arn tyat einen faljig-bitteren ®efd)macf, einen veilchenartigen ®ernd) nnb eine gwifdjen feilem Strohgelb nnb ®elbbrann fdfwanfenbe $ a r b e. (Sin Slbweidjen beS frifch gelaßenen $arns Don biefen (Sigenfchaften ift aber nicht nur baS Spmptom einer Trautheit im §arnappavat, fonbern and) baSjenige vieler anberer Tranf* Ijeiten; mitunter ift eS and) gar fein Tranfl)eitS3eid)en, fonbern nur bie golge irgenb eiltet bem Törper angeführten Stoffes. So nimmt ber Urin 3. 33. bei allen fieberhaften Trautheiten eine bitnfelrothe, b. I). eine ähnliche garbe an, wie bei ber acuten 33right'fd)en Trautheit; fo änbert fid) bie garbe beS Urins in 33raun nach bem ©eiiith von Senna ober in Violett ober Sd)Wai*3 nach bem (Sinnehmen non Serpentin bejw. (Sarbob fänre, nnb -fo jeigt eine ®ernd)Sveränbernng beS Urins nicht nur anbere Trautheiten an, als foldje im §arnapparat, 3. 33. 3u(ferharnrtthr (f. S. 744), fonbern ift üielleidjt nur burd) ein SRahrnngS* ober Slrjeneimittel (Spargel, Tnobland), Serpentin, (Sapaivabalfam, n. f. w.) veranlaht geht baraus herö°r, bah $arbe nnb ®erud) beS frifcl) gelaffenen §arnS an nnb für fiel) bem Saien nur geringen ober gar feinen 311m ©ia* gnofticiren einer Trautheit ber §arnorgane geben. (Sbenfo verhält eS fich mit bem §arn, ber einige $eit geftanben l)Qt- (53 bilbet fid) bann and) im gefunben §arn eine wolfige Srübung. ©er £aie, ber baburd) oft in unnötl)ige Slngft verfemt ift, welche von gewiffenlofen Qnacffalbern uod) genährt wirb, merfe fiel), bah eine foldje Srübung häufig nur von Schleim, hurnfanren nnb (Spithelsellen herrührt, nnb bah uur eine djenüfdje ober mitroffopifdje Untersuchung barüber entfd)ei* ben fann, ob ein 91ieberfd)lag mit®efal)r broljt ober uid)t (vergl. „Specialar3t für Vieren* nnb 33lafenfranfe"). (Snttjält ber §arn 33lut (Jöluiljarncn; Haematuria), fo bev Urin je nad) ber Sänge ber währeub welcher er mit bem 33lute in 33erührung war, nnb je nad) ber 30?euge be§ letzteren eine rotl)e ober bun- felbranne Färbung, ober er ift nur getrübt. ©a§ 33lut fann ans ben Vieren ober aus ben ober an§ benbeiben 3ufammen fommeu. ©ie 33ehanblung biefe-S (fpmptomatifd)en) SeibenS richtet fichnad) ber ©riinbfranfheit. ©aneben empfiehlt e§ fiel) in allen fällen, in ruhi* ger, l)ori3ontaler Sage 3U verharren nnb auf bie Vieren- nnb 33lafengegenb Tälte aii3uwenben ((Siöblafe, falte falte Tipftiere). 33ei ftärfe* reu 33lutungen verorbnet ber 9lr3t ©erbfänre ober (Diutterforn (Ergotin). 3ft in bem au«gefd)iebenen §arn (Siweih enthalten (©iweihharnen; Albuminuria), fo ift ba§ nid)t nur ein Reichen einer 9Uerenfrantl)eit, fonbern auch ba§ Spmptom eines Verbleibens, nnb anherbem finbet fid) biefer franfhafte 3ul'üuib bei Sd)arlad) nnb wäljrenb ber Sd)Wangerfd)aft (f. „Specialar3t für grauen") ein. ©ie Sllbuminnrie ift alfo ebenfalls 748 für ben Säten teilt fid)ereS .ßeicpen' einer beftimmteu ber Vieren. ©eSpalb muß ber vorerft baS ©runbleiben feftftelleu nnb bann bie 53epaubliing nad) feinem 53efunbe einrid)ten. ©er Öaie mag fid) inerten, baß eiweißpaltiger Urin meift mm mattgelber ßarbe nnb einem etwas fcpillernben ift unb gewöpnlid) ftärfer fcpäumt als gefitnber £>arit. (Ermittelt Wirb, ob §arn eiweißpaltig ift, auf folgenbe SBeife: SJfan füllt ein langes, engeS ®läSd)en (fogen. juv §älfte mit Urin nnb fept biefem, falls er alfalifd) reagirt, ein paar ©ropfen (Sffigfäure 311. ©ann pält man baS ®läsd)en, inbem man es unten anfaßt, fo über eine ©piritnslampe, baß ber obere £peil beS UrinS erpipt wirb, bis er in'S Äodjeit gerätp (f. ßmg. 338). 3ft ©weiß im Urin vorpanben, fo bilbet fid) in bem erpipteu Urin eine weiße SBolfe, Wekpe fpäter (beim (Stepem laffen) jn 53oben fällt. Mitunter ift ber £>arn bermaßeu reid) an ©weiß, baß er faft ganj gerinnt, fobalb er nur peiß wirb. - ©er Urin ift ge# wöpnlidj mm fdpvad) fanrev Dteaction. DJian fann fid) bavon ©ewißpeit Verfcpaffen, inbem man in beit Urin blaues SafmuSpapier tampt. SKMrb biefeS babnrd) rotp gefärbt, fo ift ber Urin faner (nnb brampt bemfelben für bie ©Weißprobe feine (Sffigfänre beigemifdjt werben). (Störungen i 111 § a r 11 a n S f l n f f e. ©ie täglidje DJienge (parn, weldfe bergefnnbe W?enfd) anSfdjeibet, b. p. 1 bis 2 Quart, veränbert fid) unter gewiffen 53ebinguiigen, opne baß eine Äraufpeit ber £>arnorgane ober irgenb eine Äranfpeit überpaupt Vorliegt. @0 Wirb 3. 53. bei ber §i)fterie nnb beit beiben formen ber §arnrnpr mcpr §arn, als bie nom male äRenge, auSgefdjiebett. Slnbererfeits ift bie vem meprt ober verminbert nad) Filter, Äoft, ber fIReiige ber ge* noffeiien it. f. W. $11 biefen bebeiitiingSlofeii 2lbweid)itn= gen von ber normalen §arnanSfd)eibung fommenaber folcpe, wefcpe bnrcp trantpafte im veranlagt werben, nnb von biefen fpmptomatifdjeii Ärantpeiten ber finb pier befonberS 311 em wäpnen: ©ie (Ischuria), bei welcper wenig ober gar fein §arn gelaffen wirb, pat ipren ©rnnb entweber in einer 53erminöernng ber ober in einem medjanifcpen baS bie .'parm Wege verftopft nnb fo bie (Sntleernng beS §arnS tpeillveife ober ganj un- möglid) mad)t. ©ie 53ep anblnn g pat bie Urfadje 31t entfernen. 53iS biefe vom ermittelt ift, wirb lepterer bnrd) (Sinfüprung eines ©itpeterS bem freien Slbflnp 31t Verfdjaffen Verfmpen. ©er Vaie fanit pier nur foweit pelfen, baß er bem Patienten bis 3111- Sliifnnft beS warme 53reinmfd)läge auf bie 53Iafengegenb macpt ober beu $ran* len in ein warmes 53ab bringt. 23gl. 749 ©aS Sdjmcrharncn (Dysuria) ift ein Reichen verfd)iebener ?lf(ge? meinerfranfnugen, z- iö. von Xt)pl)uS, ober von gewiffeu ftranenleiben (§l)ftcrie, nad) Entbinbnngeii; f. „Specialarzt für grauen") ober von ®efd)led)tSfranfheiten (befonberS Strictureu; f. „Specialarzt für SJfän? ner"); eS faun ferner feine SBeranlaffniig in Krämpfen ber mnSfnlatur nnb eingefleimnten ÄÖIafenfteinen Ijaben. ©ie ift natürlich je nach ber Urfadje verfdjieben. ©er fmrnjfoflng ober bie £>nruftrciigc (Strangury) ift ein Seihen, bei weldjem ber Urin, wie beim @dpverlernen, nur in geringen Mengen nnb unter V3efd)Werben ober @d)merjen entleert wirb; eS foninit Ijier aber nod) ein heftiges nnb fdjmerzhafteS ©rängen 311m ©er Harnzwang (and) volfstl)ümlicl) „falte SMffe" genannt) ift Ijauptfäclp5 lieh eine $olge ber Erfüllung ber £3lafe bejiv. beS 53e Ijanblnng: Söarme 33reiumfd)läge anf ben Unterleib ober allge? meine marme iöäber. ©er gmrnflnft (Enuresis), ber nnmillfnrlidje Abgang von £>arn, tritt in zwei gönnen anf. ©ie eine ift baS fortmäprenbe tropfenweife Uriniren („§ a r n t r ä n f e l n"). (SS beruht bas auf einer ßäpmnng beS ©ie anbere gorm, bie zeitweilige umvillfürlid)e Entleerung ber V3lafe („Einpif f en"), ift ein nerVöfeS 53lafenleiben ober beruht mitunter nur anf einem Erziehungsfehler. ©aS Einpiffen finbet fid) namentlich bei nnb bei alten Leuten Sladjts ein („®ctt? uäffen"). Weldje baran leiben, bürfen Slbenbs feine ©etränfe ober fluffige ?ial)niug zu fid) nehmen. 33ettnäffeiibe Äinber bürfen nid)t förperlid) gezüchtigt werben; eS ift baS barbarifd) nnb in ber Siegel wirb bas Uebel, baS übrigens gewöhnlich nad) $ollenbung bcr ®efd)led)tSreife von felbft verfdpviubet, baburd) nur nod) verfdjlimmert. ©agegen I)'ilte man rcd)t wol)l bem Äinbe baS 53efd)ämcnbe feiner Vage vor; eS ift bas nm fo mel)r angezeigt, als ja, Wie gefagt, baS mitunter nur ein Erziehungsfehler ift. ferner weife man baS Äinb ein? ober mehr? nialS währenb ber 9cad)t, nm eS zum Urinlaffeu aiizul)alten, nnb ad)te barauf, bafj baS flinb nicht nafj*), zu meid) ober zu warm nnb nid)t auf bem Siüden, fonbern auf ber (Seite fd)läft. V3ei älteren Äinbern nnb Er? wad)fenen finb borgens nnb Slbenbs vorjnuehmenbe fühle?lbmafd)iingen beS Körpers, fräftige ßleifd)foft nnb pfpd)ifd)e Einmirfung angezeigt. SDfan nniB iu bem Traufen bie 3nverfid)t erwecfen, bah e*' über furz ober lang beS UebelS bod) §err werben wirb, nnb zu bem 31vede fann man bem Patienten and) l)iu nnb wieber ein iljm unbefannteS, aber ganz un? *) ©aS Söettviffen ift fcßr oft nur turdj 9?ajjtieflcn bcr ftinbcr, alfo bürd) eine Unadjtfamfeit bcr ©Item, verfcfyulbct. 750 fdjäblidjeS SDUttel reichen, üou bem man große Erfolge üerfprid)t. (Sin folcpeS OJUttel ift 3. 53. baS boppeltfohleufaure Patron. Anbere Wlittel, üor allen Gingen alle finb nur üon Sd)aben; feine ein« 3ige üermag baS ©rnubleiben (Väljmnng beS SdjließmnSfelS) 311 befeiti« gen. - lieber anbere Störungen im §ariiauSf(uß f. „Specialar# für Männer". £)ie £mrnfh)fft!ergifhing ober Urämie (Uraemia) ift ein fetjr gefäljr« lidjeS (fpmptomatifcheS) ßeiben, baS fid) nidjt bloS SUerenfranfheiten, fon« bern and) Dielen anberen 3ugefellt. (SS 1jat feine Urfache entweber in einem öon 53erbreuiiungSprobucten ftiifftoff« haltiger 9?al)rungS« ober ®ewebsbeftanbtl)eile im Körper n. f. w.; f. S. 204) ober in §arnüerl)altnng. ©ie Urämie jeigt fid) bnrd) 3Wei an. bem einen befinben fid) bie Will« fürlidjen 9J?uSfeln, nadjbem ®opffd)mer3, Uebelfeit unb Erbrechen fdjon üorljer eingetreten finb, in nnb epileptifdjen Krämpfen, in bem anberen Buftanb folgt auf Äopffd)mer3, Sdjläfrigfeit ober and) Krämpfe 53ewußtlofigfeit. 3n beiben fällen finben fid) anßerbem blei« djeS AuSfel)en, allgemeine Abgefd)lageuljeit, Athemiiotl), wafferfüd)tige Anfd) Wellungen, u. a. m. Sie 53 ei) anb lung muß üor allen Gingen baranf gerichtet fein, burd) Abführmittel (f. Stecept 9?o. 8) nnb bnrd) An« regung ber §anttl)ätigfeit (warme 53äber mit nadjfolgenber (Shtwicflung in warme wollene ©ecfen) bie gehemmte AuSfdjeibung jener 53erbren« nungSprobucte aus bem Körper 311 förbern nnb 3iigleid) bmiiit ber Gaffer« fud)t entgegen3nwirfen. Auf bie Vieren ableiteube (harntreibeube) Mittel finb, weil oft fd)äblid), uid)t im allgemeinen an3uratl)en. Außer allen biefen Symptomen, weldje bem ßaien al§ SßarnnngS« 3eid)eu bienen füllen, wenn fie il)iu aud) meiftenö fein flare§ 53ilb Don ber betr. Äranfljeit geben, hat ber Ar3t uod) weitere Anl)alt?puiifte für bie £)iagnofe von 9iierenfranfljeiten 311 feiner Verfügung, hierher gehören bie phpfifalifd)e Unterfudjung, bie 53eftimmung beö fpecififdjen ®ewidjt$ be3 UrinS nnb üor allen Gingen bie mifroffopifdfe Uuterfud)uiig be§ §aruS. SBir werben auf biefe SJfethoben ber ©iagnoftif in bem „Specialar3t für SUerenfranfe" näher eiii3ugeljen haben, wollen eS aber hiev nicht unter« laffen, an wenigen 53eifpieleu 3113eigeu, wie ber Aqt unter bem SDcifro« ffop au« welche im Iparn enthalten finb, erfiel)t, ob bie nnb an welcher Stelle nnb in welchem Umfange fie erfrantt finb (üergl. $ig. 110 unb 111). ©a§ SSorfommeu üou $aferftoff«(£i)lin« bern (Casts) unb üou aus ben §arncanäld)en läßt 3. 53. erfennen, baß ber Patient an 53rigl)t'fd)er Trautheit (f. bort) leibet. SBeiter fann ber Ar3t, wenn berfelbe im §arne gellen aus tieferen ®e« WebSid)id)ten üorfinbet, 3. $8. beS 9JierenbecfenS unb ber §arnblafe 751 (f. gig. 341, e, f nnb g), auf ©ritnb beffen beit Sdjluß jießen, bafs bie oberfte ®eweb$fd)id)t ober -fd)id)ten gerftört finb, b. I). bie betr. bereits Don längerer ©auer nnb gefährlichem (Sljaracter ift. ©ieSlutüberfiillnng, (Fongeftion ober £>ljpcriiinie her Vieren (Renal Congestion) wirb bitrd) gefteigerte Slutjiifußr ober erfdpverten Slutab* fluß veranlaßt. ©ie Slpnp tonte finb je nadj bem Serlauf beS Sei® ben$ Verfd)iebeu. Sei voritbergeßenber 9iierencongeftion ift bie $arm abfonberung vermeßet nnb ber Iparn bitnnflüffig, wogegen anßaltenbe Ippperämie ber Vieren („Werencatarrlj") eine Sernüiiberung ber ,'parii- abfonberung jur golge ljat; babei ift ber §arn von ßöljerent fpeciftfdjen ©eividjt nnb enthält ivoljl and) (Eiweiß ober gar Slut. S e l) a n b l u n g. Siegt Slutanbrang nad) ben Vieren vor, fo trinfe mau reidjlidj Sßaffer ober (Säuerlinge, neljme ein Slbfüßrmittel ein unb fetje auf bie Senbeiige* geub etwa 10 Sdjröpfföpfe (f. @. 455). Sei Sliitftauiiug Wenbe man ?lbfiil)rmittel unb Sdjröpftöpfe (aber mir etwa 3 ober 4) in gleicher SBeife an, felje bagegen von reid)lid)em ©rillten ab. ßn beiben gälten ljiite tient ba§ Binimer vber unb Vermeibe Slafeupflafter. ©ie Srigljt'jdjc Ärantljcit (Brights Disease), fo genannt nad) bem englifdjen Slrjt Srigljt, ber fie im Baljre 1837 junt erften S?ale befcßrieb, ift eine SUerenentjünbung, von ber wir jwei Vcrfd)iebene gormen, bie acute unb bie djronifdje, genau ju unterfdjeiben Ijaben. a) ©ie acute Srigtjt'fd)C Äraufljcit ober ber fJlicrcncroitp ift ein Seb ben, bei weldjem e§ (wie bei ber Ijäutigen Sräitne in ben Luftwegen) in ben §aritcanäld)en 31t einer („croupöfen") von $aferftoff fomint, weldjer rafd) gerinnt unb bie (Saiiäldjen verftopft. ?lls felbftftäm bige tritt ber Diiereucroup auf in ftolge von ßrtältmig, nad) bem ©ebraud) fdjarfer Slqeneiftoffe ((Sautljariben, ©erpentin, (Sopaivabab fam, 11. f. w.) unb nad) £)uetfd)ungen ber 9iiereugegenb. häufiger ift bie acute Srigljt'fdje üranlßeit bie Segleitfranfpeit eines anberen SeibenS, befonberS beS <Sd)arlad)$, ferner ber (Hjolera refp. beS ßl)oleratppl)oibs, beS ©i)pl)ii5, ber Slafern, ber ©ipl)tl)eritiS, ber (Eitervergiftung, frantljeiten unb (Sntjünbungen ben Vieren benad)barter Organe, 11. a. m. Sind) §pperämie ber Vieren, ber Serfall beS Körpers im ©reifenalter unb <Sd)ivangerfd)aft tonnen Einlaß 311 biefer $ranfl)eit geben (vergl. „SpeciaD arjt für grauen"), unb fdjließlid) tommen and) gälte vor, bei beiten wir über bie Urfadje ber Äranfßeit vollftänbig im Untiaren finb. (Symptome unb Ser lauf, ©ie acute Srigl)t'fd)e fnnbigt fid), gleidpiel weldjen UrfprungS fie ift, in ber 9?egel bnrdj <Sd)inerjen in ber Diierengegenb, b. I). beibeit Seiten ber Venbenwir« bei, Sd)iittelfroft mit nadjfolgenbem gieber, Uebelfeit nnb (Erbredjen an; babei fnßlt Patient beftänbigen ©rang 311m Uriniren, entleert aber gleid? 752 moljl immer mir eine geringe SKenge fd)ntutjig*brannrotl)eii, mancßmal and) blutrotßen £)arn§, in meldjem fid) beim ©teßen bunfle, friindidje Staffen 311 93oben feilten, Unterfiidjt man ben Urin auf Eiweiß (f. <S. 748), fo finbet man, baß er flart eimeißßaltig ift. Oft gerinnt bie §älfte ober brei 93iertel be§ Urins fdjon mäßreub mäßrenb in anberen füllen fid) bei ber Unterfndjnng im Urin nur eine meißlidie. 9Bo(fe bilbet, bie fid) fpäter am 93oben be§ ©läMjenS nieberfdjlägt. Unter bem XDti* Iroffop feßen mir im §arn be§ trauten 93lutförpercßen unb Eitelkeiten (ßig. 339, a), EpitßeQellen ans ben §arncanäld)en (b) unb Eßlinber (Casts) au§ bem geronnenen $aferftoff, meldjer fid) auf ber @d)leimßaut ber entmicfelte unb letztere verftopft (c unb e). ©oldje mit bem Urin aus ben eßen fortgefpiilte Stüde von $afer* ftoffgerinnfet ßaben ißre cßlinbri* fdje fyorm von ber ßidjtung be$ §arncauäld)enS, ba§ fie verftopf* teil, unb finb augleid) je muß ber meßt* ober meniger großen ßidjtung be§ betr. EanäldßenS unb muß bem meljr ober meniger geraben 93er* lauf beffelben bicfer ober bünner gerabe ober gebogen. 3'm meiteren Verlauf ber (teilen fid) in $olge ber unterbriid* ten §ariiabfoiibernng (ber 93er* ftopfnng ber maffer* füdjtige Slnfdjmelluugen be§ E5e* fidjtS, ber §äube, ber 93eine unb gemiffer ®efd)led)t§orgaue ein, unb jmar medjfeln bie Slnfdjmellnngen gemöljnlidj öfter iljren fo baß fie an ber einen ©teile fdjminben, um an einer anberen mieber anfaiitaudjen. 9Ummt bie einen günftigen 93erlauf, fo mirb nad) unb uad) ba§, bie §ariicanäld)eii verftopfenbe mit bem Urin fortge* fdjmemmt, bie merben mieber megfam, bie §arnfecretion mirb freier unb reid)(id)er, ber Urin verliert feine $arbe unb feinen Eimeißgeljalt, bie mafferfüdjtigen Slnfdjmellungen verlieren fid), unb nad) 2-3 9Bod)en tanu ber Traufe fdjon mieber genefen fein. 93ei ungiinftigem 93erlauf fterben bie Patienten an einer ßinaugetretenen Suiigen*, 93ruftfell*, ober 93aiid)fellentaiinbung ober an Urä* mie, ober bie ©enefung ift eine uuvollftänbige, baö Eimeißpariieu bleibt befteßen, unb bie gel)t in bie djronifdje gorm über. Fig. 339. Sranfljafte Seftanbttjeite r.n $arn (bet ntifroffobi« fcfier llnterfudiung). a) Giterselten, b) ©bittjelael* len au§ ben (berfctjhtnpenen) $nrncanälcbcn, c) iVnferftoff=Et)tiiibcr au§ ben gerabe berlaufenben £>arncanälcben, d) GVitbelsellen au§ bent 9?ieren= betfen, e) »Va1erftoff=6'tjlirtber au§ ben berfcb(nnge= f) $f)o?bl)ate (bergt, gtg. 111). 753 53 e p a n b l u n g. ©er Patient, bet baS 53ett jit fjiiten pat, erhalte eine reijlofe $oft (SDlilcp, 90?ild)fpeifen, leidjt DerbaulidjeS gleifd) unb ®e» müfe). 5IIS (getränt finb reichlich foplenfäurepaltige -Diineralwaffer ju öerabreidpen; Spirituofen, Kaffee unb Xpee finb nidjt geftattet. CefterS ift ein warmes 53ab (95-100 F.) mit nacpfolgenber, etwa 2 Stunben baneruber (Sinfcptagung beS (natften) Körpers in wollene ©etfen ju nepmen. 53ei 53erftopfung Älpftiere Don warmem Saffer mit etwas £>eL SBäprenb ber (genefung mup bie bropenbe 53lutarmutp burdj reicplicp eiweißhaltige SRapritng unb (Sifeu» unb ßpiuapräparate befämpft werben. b) ©ie djronifdjc Q3rtgpt'frfje Äranfpcit ober bie 9leppriti§ ift eine jiemlidj Ijäufige, befouberSbaS mittlere BebenSalter unb jwar metjr Männer als grauen befalleube Äranfljeit, bei weldjer bie (Jpitfjehellen ber £>arm canäldjen junädjft burd) Slufnaljme von ©iweifc fubftanj aufdjwclleu. (Später üerWanbeln fidj biefe SluSfleibungSjelleu ber §arucanätd)en in getttörndjenjelleu, Der» lieren iljre Membran unb gehen ju ®runbe, wäbrenb jugleid) freie getttröpfdjeu unb mei» ftenS and) gaferftoff» in bie aus» treten (f. gig. 340) unb mitunter and) baS iuter» ftitielle 53inbegeWebe wudjert. tommt es, uadjbem bie traufpafte SSeräuberuug ber (SpitljeQellen ber aud) auf bie ©efäpfuäitel über» gegriffen pat, jn Sltro» ppie ber Vieren, ©ie pauptfädjlidjften Urfa» cpen biefer Äraufpeit finb päufige ©nrdjuäffungen unb (Srtältungen ber befouberS anbauernbe, wie ber Jlufentpalt in falten, feuchten Fig. 340. $arncanäl(f)en. a) in in feinem ganzen Verlauf gefunbeS Cmrncanälrfjen (mit unbcftfiäbigtem ©Dttßet), b) fjarncanälctien mit tbeilmeiä verloren gegangenem ©pitljel (bie ßetien refv gett» tröbfdjen flauen ficf) Dorbem®efäßtnäuel) c) föarncanälrfjen, trnnj entblößt Don CSpitfjet, o) ffaferftoff=6jfubat (fßrobfcn), d) lieber» gang in eine ®eUini'fdje SRötjre (f. S. 201). 754 unb bei* SRipbrattd) Von Spirituofen. Septerer, ber and) in bie* fer oornepmlid) bann fcpäblid) wirft, meint bet 2llcopol in con= centrirter gönn bei nüdjternem DJiagen genoffen Wirb, ift ebenfo piiufig SSeranlaffung ber (cpronifcpen) $rigpt'fd)en Krantpeit, als ber £ebercir* rpofe. geriter wirb baS vorliegeube ßeiben Verurfacpt: bitrcp bett SRijj* brand) fdjarfer parntreibenber Mittel (©erpentin, ßopaivalbalfam, u. f. w.) unb anbere Kranfpeiten, wie langwierige ßiterungSproceffe (Knocpen* fraff) nnb ©pstrafien (®id)t, 9xpad)itis, fRpeumattSmuS, djronifdje 33lei* Vergiftung, SpppiliS, Scroppnlofe, SRalariafiecptpuin). Seltener ent* Widelt fiep bie epronifepe 53rigl)ffd)e Kranfpeit aus ber acuten gönn. Symptome nnb Verlauf. SBäprenb bei ber acuten 23rigpf* fepen Kraulpeit Sd)nierjen in ber fRierengegenb als erfte Sppmtome päufig finb, ift baS bei ber parencppmatöfeit SleppritiS uiept ber gall; folcpe Sdjinerjen feplen meifteiiS. 3m ©egenfap 31t ber acuten 23rigpf* fdjen Krantpeit geigt fiep ferner bei ber cpronifcpen gorm, obgleicp and) pier päuftg ©rang junt §arnlaffen Vorpanben ift, bie §aniabfonberung uid)t verminbert, fonbern normal ober fogar vermeprt. Sepr päuftg be* ftept bie djronifdje lörigpt'fdje Krantpeit lange £eit, opne baff Patient eine Slpnnng bavon pat. (Srft Wenn baS Selben weiter fortgefepritten ift, laffen baS eigentpümlid)e wacpsbleidje SlitSfeljeit beS Krauten, Kopf* fd)inerjeit, 9)?attigfeit, 2ltpembefd)Werbeu ober wafferfiidjtige SInfcpWellun* gen auf ba§ SSorpanbenfein einer dironifcpen 9lierenertraidung fdjliepen. ©ie wafferfüd)tigen 3liifd)WeIlungen, bie and) pier bie ©igentpiimlicpfeit paben, öfter ipre Stellen ju Wetfjfeln, fo bap halb bie g-iipe nnb halb bie §änbe angeföpwollen finb, ftellen fid) gewöpnlicp gxterft int ©efiept nnb vornepntlid) an ben unteren Slugenliberu ein, fo bap inan bei einem 3nbi* vibuum, ba£ über grofje 9)lattigteit liagt, djronifepe £3rigpffcpe Äraulpeit üermutpen barf, wenn ber 23etreffenbe ein bleidjeS Slusfepen pat, mit* unter 9i'ad)t§ ba§ ®ett üerlaffen iniip, um 311 itriniren, nnb borgens wafferfücptige 9(itfd)Wellung ber unteren Slugenliber jeigt. £11 ber Ättrj* atpmigteit gefeilt fid) bisweilen ein nnaiigenepmer ®erud) beS 5ltpemS nad) §arn. (5S toinmt and) vor, bap bie Sranlpeit fid) juerft burep 2lb* iiapme ober (Srlöfcpen beS SepvermögenS ((Entartung ber Dieppant nnb Slutergüffe in biefelbe) tunbgiebt. 3:m weiteren Verlauf ber treten gewöpnlicp and) ber Vergiftung (f. S. 750) auf: peftige Äopffcpmerjen, (Srbrecpen, 2)iattigfeit, Sd)taffud)t, DJhiSfeljud'uu* gen, Krampfanfälle, ©ent SluSbrucp biefer Spmptome, bie fid) halb lang* fam nnb allmälig, halb plöplid) nnb rafd) entwiifeln, gept meiftenS eine SJerminberuitg ber §arnabfonberitiig voraus. fDlit Sicperpcit ift bie d)ronifd)e Krantpeit aber nur vom Sirrte bitrd) Unterfucpung beS §arnS 31t conftatiren. 2Bie bei ber acuten 53rigpt'fd)en Kranfpeit 755 entpält nämlicp her Urin and) bei biefer $raiifpeit mepr ober weniger (Siweiß (f. S. 748). ßn §o(ge be« Giweißgepalte« be« Urin« fd)änmt berfelbe gewöpnlid) [titrier, nnb ber Sdjaiim palt fid) länger, al« im eiweiß* freien Urin, ©abei ift ber §arn eine«, an ber djronifdjeii Äranfpeit ßeibenben gewöpnlid) von niebrigem fpecififcpen ®ewid)t, matt* gelber $arbe nnb einem etwa« fdjilleriibeii ®lanj. 23ei ber mifroffopifdjeit Unterfndjnng be« 3parn«, bie nod) genauere 2lnpalt«pnntte giebt al« bie djemifdje, finbcn wir (5pitpel3ellcn an« ben £>arncaiiäld)en (f. §ig. 341, b), (Vaferftofbßljlinber (h), wopl and) (Siterjellen (a), n. a. m. ße nad) bem 23efimb fann ber Dir 3 t nid)t nur bie Äranfpeitfelbft, fonbern and) ba« Stabinm, in wekpem fie fid) befin* bet, feftftellen (vergl. „Specialarjt für DUereiifraiife"). 9?nr [eiten [iiljrt bie d)ronifd)e 23rigpt'fd)e Äranfpeit unter ftetiger (Steige* rung obiger Symptome, nnb ohne baß anbere 23egleittranfpeiten ein* treten, birect 311111 ©obe. Reiften« giept fid) bie $rant(jeit jahrelang pin nnb jeigt mannigfadje Sdpvaii* fimgen, [0 baß fid) 311 einer $eit ba« Dln«)epen nnb 23efinben be« Oranten bei gleidjjeitiger Sßerrin* gernng be« ßiweißgepalte« be« Urin« beffert, nm nad) einiger $cit einer 53er[d)limmernng be« $11* [taube« nnb [päter üielleidjt einer abermaligen 53e[fernng mit nad)* folgenber SSerfdjlimmernng 311 machen, ©abei gefeiten fid) 311 biefem Reiben gewöpnlid) anbere $ranf* Ijeiten (Snngen*, 33rn[t[ell* ober jf)cr3beiitelent3ünbungen, (Satarrlje ber 53rond)ien ober ©arm[d)leimt)aut, §i)pertropf)ie be« gierjen«, n. a. m.), nnb in ber Diegel erliegt ber Patient fdjliefjlid) einer biefer l)eitcn ober ber §arnftoffvergiftnng. ©ie 23 e 1) a 11 b 1 n n g pat vor allen ©ingen bie SSermeibnng ber nr* fäd)lid)en Sd)äblid)feiten (@rtältnngen, DJiißbrand) von Spiritnofen, n. f. W.) nnb ben be« mit bem Urin verloren gegangenen Uiiveipe« im Dinge 311 bepalten. ©er Traufe trage auf bem bloßen Seibe B'lanell, bleibe Dlbenb« nnb bei fd)led)tem fetter 311 §anfe, Vertanfdje eine fend)te nnb falte 2ßol)iinng gegen eine trocfene nnb warme nnb fiebele, wenn er in einem fendjten, falten nnb winbigen ivopnt, befonber« wenn Fig. 341. ffrantßafte Seftanbttjeite tm $arn (bet mitroffoph fcftcr llnterfucbung). a) Siterjetten, b) len aus ben »erfd)lungenen c) Helle au8 bem SJticrenbecfen, d) ©pitbetjefie öon bei-$ro= ftatabrüfe, e) unb f) Selten aus ben @tf)teimfd)lebten ber State, g) Sinbeflewcbsselte au§ be: Stafe, h) 5vaterftoff=tJ3rrobfen, i) pfropfen mit ftettförnetjen, k) tßfropfen bei jpectiger Sntartung ber blieren. 756 eS eine ift, nad) einem trocfenen, fonnigen Ort (im 23in* nenlanbe) über. 5Ö3ie alles jn vermeiben ift, wobnrd) bie erl)öl)t wirb (ftärfere (Spiritnofen, Kaffee, Oljee, ©eioitrje, ftnrfe törper* liehe nnb geiftige Slnftrengnngen, ®emütl)S* ober gefd)led)tlid)e Slnfregun* gen), fo ift bem Saien and) ber ©ebraiid) aller Tüttel 31t miterfagen, welche eine reijenbe SBirtnng auf bie Tieren anSiiben. £11 foldjen Tütteln barf nur ber Slrjt in verzweifelten fällen greifen. SlehnlicpeS gilt von ben be* liebten braftifcpen Slbfiibrmitteln. 53el)nfS SßiebererfafceS beS Eiweifjver* Infteö mnji ber Trante vor jeber 53erbannngSftöriiiig behütet nnb in tleine* reu, öfter 31t wieberljoleiibeii Portionen, fo viel er nur bavon 31t verbauen im Staube ift, mit eiweißreicher Taljrnng (weichen Eiern, Tüld), gebrate* nem gleifd), fäftiger g(eifdjbrnl)e) ernährt werben. Oaneben finb, nm benStoffwedjfel 311 Verlangfamen nnb fo bie Ernährung 311 förbern, mäfji* ger (Sfeniip guten 53iereS nnb guten SßeiiieS nnb (Sljinapräparate, nnb weiter Sebertljran, Eifenpräparate nnb OigitaliS ange3eigt. Sille biefe Ttittel, auf welche in bem „Specialaizt für Tierentrante" weiter eilige* gangen wirb, finb aber, wie bie niandjmal notljwenbig werbenben Slbfüljr* nnb l)arntreibenben Tüttel, nidjt in jebem $alle angeseigt nnb immer ge* nan bem jeweiligen 53efinben beS Patienten anjnpaffen. OaranS ergiebt fiel) and) bie Unfinnigfeit, biefe fo gefährliche nnb babei fo fdjwantenbe nnb nad) ber (Sonftitntion beS Patienten fo verfdjieben 311 beljanbelnbe $ranf* beit mit irgeub einer „heilen" 311 wollen. Ein foldjer 53er* flieh, ber 3iierft in golge einer fdjarfen 3iigrebien3 ber betr. Dnad'falbe* rei etwas (Srteidjternng fdjaffen mag, ift unter allen Umftänben ber SInfang vom (Silbe. Sind) bei biefer, ber djronifdjen ftorm empfehlen fid) (gegen bie wafferfüdjtigen Slnfdpvellnngen) warme 53iiber mit (SinwidInng be§ Körpers in wollene Oecfen (f. S. 753). Oie fpcdigc Degeneration ber 9iicre (Amyloid Kidney) ift eine bei weldjer bie Tiere in berfelben SBeife, wie bie Seber nnb bie Ttil3, bitrd) Einlagerung eines ber 53flan3encellnlofe ähnlichen Stoffes in bie ©ewebSelemente entartet. Oie Einlagerung beginnt in ben 533an* billigen ber tpeilt fiel) fpäter ben §arncanäld)en mit, nnb fd)liehlid) tritt Sdjwnnb (2ltropl)ie) ber galten Tiere ein. Oie gewöhn* lid) 311 gleicher £eit and) Seber nnb 9Ti(3 befallenbe Trautheit entwid'elt fid) im Verlauf d)ronifd)er OpSfrafien (Spphtliö, d)ronifd)er TiercnrialiS* tuns, Tl)(id)itis), langwieriger EiternngSproceffe nnb fonftiger erfd)öpfen* ben Äranfbeiten (8ungenfd)Winbfnd)t). Symptome nnb 53 er lauf. Oie Symptome ber Sped'niere finb: Sltbeinnotl), Wafferfüd)tige ?Infd)Wellnngen, WadjSbleidjeS SlnSfehen, Uebelfeit, Erbrechen, OpSpepfte, ein ©efiiht beS 53ollfeinS in ber Tragen* gegenb, vermehrte nnb ®ernd) beS SltbemS nad) .'parn. 757 fDiit Sid)erljeit fann man bie Kranfpeit aber erft biagiiofticiren, meint anper ber 9iiere and) Veber nnb fDliQ fid) größer nnb berber erweifen, ber Urin Crhoeiß entpält nnb fid) in bemfelben unter bem fülifroffop bie firn biefeö Seiben fpecififdjen, nid)t mit fettig begenerirten (Spitpeljellen bebed- ten $aferftoff-(5plinber (f. $ig. 341, k) üorfinben. Der 5ßerlanf ber fpedigen Degeneration ber 9liere ift ftetS djroiiifd); fie brand)t in ber Siegel Oapre, nm fid) 311 entwideln, ift aber fpäterpin nnpeilbar. Die 33el) anbin 11g wirb alfo nur von Erfolg fein, wenn bie Kranfpeit fdjon im (SntwitflungSftabiuni biagnoftieirt nnb bie urfädjlidje <Sd)äblid)feit noep entfernt werben fann. Slberfelbft bann ift es jmeifelpaft, ob eine Slüdbilbung ber üliere perbeijiifiipreit ift. 2Bie bei ber Spedleber, fann man aber bnrd) Darreicpen non (Sifen- nnb Oobpräparaten baS $ort* fdjreiten ber Kranfpeit anfpalten. 3ft baS ®rnnbleiben SpppiliS (f. „Specialarjt für fülänner"), fo ift anßerbem Dnedfilber angejeigt. Die interftitielle Dlicrcnentjüiibniig (Interstitial Nephritis), b. I). bie (gntjünbiing beS fparfamen 33inbegemebeS, bnrd) WeldjeS bie §arn® canäldjen nnb fD2alpigl)i'fd)en Kapfeln jufammengepalten Werben, verläuft acut ober cproiiifd). Die aente ftorm wirb entweber bnrd) SBunben ober Goutnfioneii ber Stieren, befonberS non Steinen im fliierenbed'en, veranlaßt, ober fie fdjreibt fid) per: non Oampevergiftung beS -SBlnteS, non einer ßntjünbung im Sciereiibeden ober non Slnpäufnng jerfetAten alfalifdjen Urin§ im Slierenbeden. -föei biefer (acuten) Kraufpeit fommt eS pänfig jur fßilbnng non (Siterperben in ber Stiere (Pyo-Nephrosis). Die d) r 0n i f d) e interftitielle (91 i e r enc ir r I) 0 f e; Cirrhotic Kidney) ift ein ber ßirrpofe ber jungen nnb ßeber äljnlidjer fßrocefj, bei weldjem in Sßnd)ernng beS interftitiellen -fBinbegewe* beö bie Dlierenfnbftanj in ein fdjmieligeS Ülarbengemebe nerwanbelt wirb. Die Urfadjen biefer djronifdfen $orm, Weldje fid) mitunter jngleid) mit ber Sebercirrljofe norfinbet, finb äl)nlid)e, Wie bie ber (enteren $ranfl)eit, nämlid) ®id)t, üiljenmatismns, Woljolmifsbrand), frebfige Anlage (Dia- tljefe) nnb ferner Symptome nnb 5b er lauf. Die aente interftitielle 9iieren- entjiinbnng beginnt gemöl)ii(id) mit Sdjüttelfroft, peftigen, jnr -SBlafe nnb $n ben Sdjenfeln ansftraplenben Sdjmersen nnb fieber, ferner ftellen fid) ein: Grbred)en, Unterbrüdnng ber §arnabfonbernng nnb enentnell als Symptome ber Urämie Delirium, Krampfanfälle ober @d)laffnd)t. Der §arn ift bnnfel nnb nid)t feiten mit 5blnt gemifdjt. bisweilen enh pält er and) (Siter (f. 339 nnb 341, a). ift ein baf] fid) ein Slbfcep an ber 9?iere gebilbet l)at. Die aente $orm fann in wenU gen Dagen »erlaufen. Oft ßiternng eingetreten, fo fann ber (Siter refor« birt werben, ober ber ?lbfcep fapfelt fid) ab, nnb ber Patient erliegt fritper 758 ober fpäter ber SUerenfdjwüibfudjt, ober ber (Eiter bridjt nad) irgenb einem benadjbarten Organ (Slierenbetfen, 53aud)höl)le, Einige) ober und) außen burd). - ©ie dj r o n i f d) e $orm, bei weldjer baS eigentliche SUerenge* webe wegen Söudjernng be§ 53inbege)oebe$ atropljirt, giebt fidj fuub: burd) edjwädje, Abmagerung, großen ©urft, Stuße* unb @d)laflofigfeit, ©ijvpepfie, vermehrte §arnab|oiiberung, ©rang 311111 Urinlaffen, «Schmer* Zen in ber Stiereiigegenb, wafferfüdjtige Aiifd)wellungen, Urämie. 3m fpäteren ©tabiiim ift bie cßroiiifdje $orm unheilbar. ©ie 53 e 1) a 11 b l u n g ber acuten iuterftitiellen Slierenentzünbiiug befteßt in ber 53efeitiguug ber urfädjlidjen Sdjäblidjfeit ((Entfernung von SUereufteinen ober zerfetztem Urin, u. f. w.) unb in ber Application von 53lutegeln ober blutigen Sdjröpfföpfen unb falten Auffdjlägeu auf bie SUerengegenb. ©anebeu verabreidje inan wanne 53äber unb foljlenfäure* haltige ©etränfe. 53ei (Siterbilbung muß ber Arzt djirurgifdje £jilfe lei* ften. 53ei ber djronifdjeit gorm ift für bie 53el)anblung allgemein mir anjugeben, baß ber Patient in einem warmen flima üorfidjtig lebt unb befonberS alle urfädjlidjen Sdjäblidjfeiten (Alcoljotmißbraudj, 11. f. w.) meibet. Ueber bie weitere, nad) beit einzelnen Fällen verfdjiebeue 53e* Ijanblung mit alfalinifdjen SJlineralwaffern, falinifetjen Abführmitteln, boppeltfol)lenfaurem Patron unb f ali, ßebertljrau, Strljdjnin, 11. a. m. f. „Specialarzt für Stieren* unb 53lafenfranfe". - (Sbeubafelbft finbet ber ßefer Auöfuuft über frebö, ©uberculofe, 'ißarafiten, unb SDiipbilbuugen ber liiere Auffd)M. ©ie 9licreubc(fenentjiinbung (Pyelitis) ift eine, meiftenS catarrlja« lifdje ber ©djleiinljaut beS 9iierenbecfen§ unb ber Vierem feldje, weldje burd) Fortpflanzung einer ßutjüubuug im Diiereugewebe (53rigl)t'fd)e $ranfl)eit) ober in ben auf ba§ Diierenbecfeii, burd) fd)arfe ©ubftauzen, Weldje mit beut $aru au§gefd)iebeu werben (dautljariben, ©erpentin, 11. f. w.), burd) (Erfüllung ober burd) medfanU fd)en Dieij auf bie 5Jiereiibed'eiifd)leimI)aut (9iierenfteine ober ftagnirenber £)arn im 9?ierenbecfen) l)ervorgerufen wirb. Außer biefer catarrßalifdjen Form giebt e§ uod) eine, l)ier weiter nid)t in 53etrad)t fouimeube croupöfe ober bipl)tl)eritifd)e 9iiereiibecfeiieutzüubiiug, bie in ber Siegel nur 53egleiU franfljeit einer 3ufectiou§franfl)eit (Sdjarlad), jodelt, u. f. W.) ift. Symptome unb Verlauf, ©ie acute (catarrljalifdje) Pyelitis beginnt häufig mit einem Fvoftanfall, auf Weldjen F'iebererfdjei* uungen folgen, ©azu fonnneit von ber SUerengegenb au§gel)enbe unb gegen ben @d)enfel auSftrahleube (Sdnnerzen, (Erbrechen unb ©rängen Zinn Urinlaffen. Unter bem SDUfroffop fel)en wir im §arn 53lut, (Eiter* förperd)en unb abgeftoßene (Epithelien au§ bem 9?ierenbecfen (f. F<9- 339, a uub d). 53ei d) r 0 n i f d) e m Verlauf ber franfljeit ift bie (Eitermenge 759 im §arn bebeutenber, fo baß fdjon ber frifcß gelaffene §arn trübe aus* ließt mib bie (Eiweißprobe (f. S. 748) wegen beS im (Eiter enthaltenen (Eiweißes baS SBorßanbeiifein non (Eiweiß im Urin ergiebt. (Einnocß ficßere= reS 3eitf)en beS eßronifeßen Verlaufs ift eS, wenn wir im £>arn (unter bem Tiifroffop) $ellen aus ber mittleren Schleimßautfcßicßt beS TiierenbecfenS finben, ein beweis, baß bie obere Scßleimßautfcßicßt [teilenweife tet ift (f. $ig. 341, c). 53ei djrouifeßer Pyelitis erliegen bie Patienten oft bem täglichen (Eiteroerluft unb bem fieber. (Erfolgt ein (Eiterburiß* brueß naeß außen ober in ben ©arm, fo ift gleicßwoßl noeß Rettung ließ; bringt aber ber (Eiter in bie 23aucß* ober 33ruftßößle, fo ift eine ©ene* fang faft ganz auSgefcßloffen. ©ie ber acuten Pyelitis iftbiefelbe, wie bie be§ 9?ierencroup (f. S. 751). 33ei cß r o n i f d) e m Verlaufe beßalte man biefe bei unb Derabreitße gleichzeitig gegen baS fieber (Eßiniu unb gegen bie broßenbe (Entfräftung eine uaßrßafte, aber meßt reijenbe Äoft unb baneben ßebertßran. Slubere Slrgeneien (©erbfäure, Natrium benzo'icum, u. f. w.) bleiben bem Slrgt üorbeßalten. iRicrenftcinc (Renal Calculi) nennt man harte (Eoncremente, Weldje fieß aus §arnnieberfcß(ägen pßospßow unb foßlenfaurem $alf ober ©ripelpßoSpßat; f. gig. 110, 111 mib 339, f) in ben Vierern teldjen unb bem Werenbecten bilbeu. ©eftalt, ©roße unb $aßl biefer (Eon- cremente finb feßr üerfdjieben. 3)eiP unter erreidjen fie bie ©roße eines unb bisweilen werben fie ZU §unberten als Heine, runbe Äörit' eßen („WerengrieS, Diierenfanb") auS= gefeßieben (bergl. 23lafenfteiue). 1) m p t o m e unb Verlauf. §äuftg üerurfadjen (nidjt allgu große) faft gar feine ben. 3u anberen fällen leiben bie Patienten, befonberS bei (Srfdjütterun® gen beS Körpers (Seiten, Springen, u. f. w.), au ßeftigen Sdjmergeu in ber 9?ierengegenb, ober bie Steine Deruw fachen Schwerharnen, fRierenblutun- gen, SRierenbecfenentjünbung, u. a. m. 9lm gefäßrlidjften ift es, wenn ein folcßer Stein fiel) im Harnleiter feftfeßt (f. gig. 342, a). ©abureß wirb nidjt nur ein medjanifeßer 9?eig auf bie Sdileimßaut beS Harnleiters unb vielleidjt auch beS fRierenbecfenS auSgeübt, weldjer feiuerfeits zu bös* Fig. 342. a) SRierenftein, in t>er Wünbung be§ £>arnlets terä einfletienimt, b) SRierenberteheriDeiterunfl. 760 artigen drfraiifungeii Slulafj geben taiin, fonbent es mirb and; in ftolge ber SSerftopfung beS Harnleiters ber Urin im 9iierenbecfen jurücfgehalten. Volleres ljat bann abgefeljeii von einer drmeiterung beS DiierenbecfeiiS (f. ß-ig. 342, b) jur baff ber ftaguireube, fd)liehlid) in Bergung über* geljenbe Urin diter* ober Slbfcefjbilbung, 53right'* fdje Brantl)eit ober 9?ierenbetfenmafferfud)t vernrfadjt. 53eim ißaffiren eines QiierenfteinS bnrdjben Harnleiter ftellt fid) mandjmal ein Biiftanb ein, meldjer mit bem befonberen Manien Ulicrcnfülif bejeidjnet mirb. ©ie* fer Bnftanb, ber in menigen Stunben beenbet fein faitit unb feiten länger als einen Xag bauert, ift mit anßerorbentlid) heftigen Sdjnierjeu verbuu* ben, meldje fid) von ber 9ciere gegen bie 53lafe erftretfen nnb nad) bem Sdjenfel nnb ber Sdjamgegenb ber leibenben Seite anSftraljlen. Bit biefen Sd)merjen gefeiten fid) unb drbredjen, großes Slngftgefiiljl nnb trop unaufl)örlid)en HarnbrangS fparfame Slbfonbernng eines bunt* len, vielleicht diter, 53lut ober dpit!)elien enttyaltenben Urins, ©er *>ßa* tient jammert laut auf, trümmt fid) unb rollt fid) umher; babei ift fein ©efidjt bleid) nnb mit faltem Sdpveiß bebecft, uub Haube unb Iiil)l. ®lü(tlid)erlvei|e ftellen fid) mitunter bei foldjen Slnfällen fdjmerj* lofe Raufen ein, unb fiub bie Slnfälle felbft uidjt lebenSgefäI)rIid). ©ie 53 e l) a u b l u n g gegen bie 91iereiifteinbilbung ift jiemlid) mad)t* los. haben bie trauten eine mel)r vegetabilifdje Äoft 311 ge* niesen nnb Spirituofen unb 31t vermeibeu. 33oumanchen Slerjten mirb ber anljaltenbe ©ebraud) gemiffer fDlebicameute jurSöfuugber fteini* gen doncremente empfohlen (vergl. 53lafenfteine). ©egen bie Sdjmerjen refp. $olif bienen Ijeijje Umfdjläge auf fDtagen unb 9iiereitgegeub, manne 53äber, Ijeifje ©ond)en, einige Blutegel unb innerlid) Opium ober SWor* pljiiim. kluger letzteren Slrjeueien verorbuet ber 3Irjt, menn fid) 311 ben Sdpneqen anpaltenbeS drbred)en gefeilt, dl)loroformeinatl)muiigeu. Bum ©etränf paffen 8einfamenabfod)ungen unb alfalinifd)e SDUneralmaffer (53id)l), ÄarlSbab, dmS, Selters, u. f. m.). ©er Jölafcnfrmnpf (Hyperkinesis of the Biadder) mirb bitrd) ftür* mifdje doutractiouen ber 53lafenmuSfeln Ijervorgerufen, meldje jeitmeilig in fyolge von 53lafeufteiueii ober fd)arfemUrin, von Brautzeiten berHarn* ober ®efd)led)tSorgane (f. „Speeialarjt für Scanner") ober von (uervöfen) Ijervorgerufeu merben. ©abei empfinbet man bei Harn* brang ober Harnverhaltung einen heftigen, 3ufammeiifd)nürenbenSd)mer3 in ber 53lafengegenb, ber fid) maudpnal ebenfo, mie ber Brampf felbft, auf bie ®efd)led)tSorgane, ben SDlaftbarm ober bie Sdjenfel erftrecft. ©ie 53el)anbluug muff gegen baS ©runbleiben geridjtet fein. 311 ben Brampfanfällen felbft verabreiche inan marine 53äber ober Sipbäber, lege marine Umfdjläge auf bie 53Iafengegeub unb ben Unterleib, gebe Bipftiere 761 Don warmem Hamiden« oberSßalbriantljee unb (affe reidjlidj IjeifseS Töaffer trinfen. ©ie ber g>ariiblafenfd)leiml)ant, ber (Catarrh of the Biadder), wirb Veranlagt burd): IjäitfigeS ober ungefd)i(fteS (Sinfiiljren von S?atl)etern ober non üDlebici« neu in bie £)arnröljre (f. „©pecialaqt für Männer"), fdjarfenUrin, brand) von (Santljariben, Terpentinöl uub ßopaivabalfam, burd) (Srfäl tum gen (nameiitlid) ber güjje nnb be$ Unterleibs) unb burd) anbere ßranf« I)eit-e«n, weldje fid) von benachbarten Organen auf bie (ölafenfd)leinil)änt fortpflanjen ober Harnverhaltung unb baburdj Dkiping ber TUafeiifdjleim« tjau-t hn (befolge haben, Wie 5. -03. SiücfenmarfSleibeu, Tppl)uS, 25ergröjje* rung ber 23orftel)brüfe (f. $ig. 343, e), 11. a. 111. ©er Tdafencatarrl) verläuft acut ober djronifd). 23on beu acuten fällen fiub bie gewöf)ulid)fteu bie mit Harnzwang verbnnbenen,fd)nellvoriiberget)enben(„falte f. <S. 749), weldje meift burd) £3ei- mifdjnng fdjarfer ©nbftanjen 311m Urin in $olge ©enuffeS von jungem, unvergohre« nein ®ier ober SBein veranlaßt werben. (Symptome: ©umpfe<Sd)merjen in ber 4ölafengegenb, §arnbrang, (Sdjmerj beim Urinlaffeu, Trübung unb alfalifdje 9?eaction bcS ©er Verläuft (juweilen unter $iebererfd)einungen) ge- wöljnlid) in wenigen Tagen unb enbet in (SJencfuiig. 3n mandjen fällen er fid) aber in bie Sänge 1111b gel)t in bie d) r 0« u i f d) e $orm über, ©abei pflegen bie ©d)merjen mit ber £eit nad)jm (affen, aber ber unb bie Trübung (mit weipem ober gelbem, gallertartigem <Sd)leim=®ebimeiit) bleiben, ©iefer datarrl), bei weldiem nid)t nur bie <Sd)leiml)aut, foubern bie ganje 531afeuwanb burd) vfn)pertropl)ie ber fDZiiStelbiinbel verbiet ift (f. gig. 343, a), jiel)t fid) felbft jahrelang l)in unb weid)t nur gefd)icfter 53el)aiiblung. (jn fd)limmereii gälten treten bajn Gilbung von Slbfceffeu, ®efd)Würen ober ®ewäd)fen auf ber 531afeiifd)leinil)aut (gig. 343, c) unb 53erjaud)ung ber (enteren, ©ie Traufen verfallen bann halb unb gepen in furjer 3eit 311 CWiinbe. ©ap bie Verleiht, b. 1). bie von längerer ©auer unb von gefäljrlid)erem ßparacter ift, ergiebt fid), Wie fdjon oben (S. 750) gezeigt würbe, barauS, bajj man bei ber mifroffopifrfjen Unter« fud)img aus ber Slafeuwaub finbet (f. fyig. 341, e-g). Fig. 343. @entrecf)ter®urd)id)nitt burcfj bie £>arn= btafe unb einen ®fieil ber Harnröhre, a) 23erbicfte S8lafen= ttianb, b) Harnleiter, c) ®en>äc(ife, d) ®laienftein, e) ber $rofta= tabrüfe. 762 ©ie 23 e p a n b l u n g beS acuten 231 a f e n c a t a r r p S. Patient püte baS 23ett, nepme marine 23äber unb macpe manne 23reiumfcpläge auf bie 23lafengegenb; and) marine Sßafferflpftiere finb gut. ©ie Äoft barf feine reigenben (falgigen, fauren ober gemürgten) Speifen enthalten, ©er Urin muß möglicpft verblümt in bie 23lafe gelangen, ©eSpalb trinfe man reicplicp fitnftlidje ober iiatürlicpe (Säuerlinge (Selterfer, SBilbunger, ©ailnauer, Soba=2Baffer) ober fdjleimige ©eträufe (aber ja feine Spiri« tuofen!). 23ei beut cp r o n i f cp e n 23l a f e n c a t a r r p palte man an ber obigen ©iät feft, vermeibe außer ben Spirituofen nodj Kaffee unb Tpee, trinfe fleißig 3)?ilcp ober and) SJtild) mit (Sicpelfaffee unbmadje (Sinfpripun* gen mit lauem SBaffer, beffen Temperatur nacp unb uacp auf 70° F. mirb. Tritt feine 23efferung ein, fomuß ein tücptiger 2lrgt gu Slatp gezogen merbeu. tölafenftcinc (Calculi Vesicae) finb, mie bie 91iereiifteiiie, mepr ober meniger parte ©oncremente, melcpe fiep mitunter als fleine Äörmpeu in großer Tleuge im §arn („gmrngrieS, $arn(anb") vorfinben ober auep bis pnpnereigroße 23al(eu von verfdjiebeuer ©e* ftalt bilbeu (f. gig. 343, d). ©ie größeren 23lafenfteine entftepen gemöpnlicp baburep, baß fiep in ber 23lafe §arnnieberfd)läge an Vieren* (teilte, melcpe in bie 23lafe gelangt finb, anfepen. 2lber and) grembforper (j. 23. ober 23lut' ober (Scpleimfliimpcpen in ber 23Iafe tonnen 311m „$ern" biefer Steine bienen, ©ie- (eiben beftepeu entmeber aus ppoSpporfanrem $alf, unb bann finb fie meiß nnb grau, von rniiber ober ovaler ©eftalt unb von bröcfeliger, freibiger 23efd)affenpeit; ober aus oyalfaurem $alf, in melcpem gälte fie von buntlerer gärbung unb fepr part finb unb eine pöcferige ©berflädje paben, meSpalb fie anep „HJlauF beerfteine" genannt merbeu (f. gig. 344); überaus §arnfäure ober parnfauren Saljen unb finb fie bann runb ober oval, rotpbraun unb fepr part unb fepmer; ober fdjließlicp ans parnfauren unb ppoS- pporfauren Salgen, unb mecpfeln bann rotpe unb meiße Scpicpten ab (f. gig. 345), ober eS bilben bie einen Salge ben $ern unb bie anbern bie Sdjale. ©ie llrfacpen ber Steinbilbung (fomopl reu als in ber 23lafe) finb unbefannt. 2Bir miffen nur aus ©rfaprung, baß bie „Steinfranfpeit" fiep oft bei gieptifeper ©ispo- Fig. 344. 53lafenftein aus ojralfaurent Stall (URautbeerftein). Fig. 345. eines ®lafen= fteinS aus I)arn= unb btioS= Vljorfauren Saljen (Stfjidj* ten). 763 fition einfiubet, baß fie in mandjen gamilien erblidj ift, unb in mandjen Säubern (Snglanb, Ungarn, (Sgljpten) viel Ijäufiger üorfomnit, als anberSwo. ©ie Statiftif ljat uns ferner geletjrt, baß bie Ärantljeit, obwoljl fie fein Sliter nnb ©efdjledjt verfdjont, im Vorgerütften Sliter Ijäu* figer ift nnb meljr SJiänner als grauen befällt. S lj in p t o m e: heftige Sdjmeqen in ber weldje fiel) bei anfredjter Stellung beS Körpers unb uodj meljr beim ©eßen, gaßren ober Steifen erßößeu, bei ber Siiicfenlage bagegen Verminbern - öfte* reS Unterbredjen beim Urinlaffeu, nad) beffen -Skenbigung fidj immer ßeftige Sdjmerjen einftellen, weldje fidj mit Sdjmerjen in beit §oben, ben Sdjenfeln nnb ber Slierengegenb, unb mit frampfßaften 3iifammenjiel)uugen beS SlfterS verbinben - zeitweiliges iSlutßarnen - Sljmptome beS Weit Sidjerßeit ift bie Äranfßeit nur burdj ärjtlidje Unterfudjung mittelft ber „Steinfoube" zu conftatiren. •S3 eßanblnng: Steiuleibeube ßaben biefelbe SebenSWeife Wie gidjtifdje jn füßren, b. 1). biirfen ftief ftoffßaltige uub fette Slaß* rnng nnb fpirituöfe ©etränfe nur in feljr mäßigen Stengen genießen, wogegen reidjlidjer ©enuß alfalifdjer SDiineratwaffer, wie ber Von ißidjij, (Selters, ©mS, Söilbiingen, S3ilin, feljr bienlidj ift. ©urdj ben anljaltenben ©enuß biefer Söaffer werben mandje ber Heineren Olafen* fteine unb in biefer gorin bann mit bem $arn auSgefdjiebeu. Sßie bei ben Siierenfteinen, wirb andj bei ben von mandjer Seite ber länger ©ebrauct) gemiffer SKebicinen beljnfs Höfling ber Steine angeratljeu. 3nbeffen fiiib biefe Strjeneiftoffe, gaiij abgefetjen bavon, baß iljr Erfolg problematifdj ift, in ber £>anb beS Saien gefäljrlidje Mittel, ©roße Steine finb mir burd) djirurgifdje (Singriffe - „Stein* jertriimmerung" (Öitljotripfie) unb „Steinfdjnitt" (Öitfjotomie) - 311 ent* fernen (f. für Siierenfranfe")* ©ie tpnjffatnljppcrtropljic (Enlarged Prostate), bie franfljafte 33er* größernng ber „SSorftetjerbriife", bie fidj an ber ©reuje ber §arnblafe ringförmig um bie §arnröljre legt (f. gig. 343, e), ift ein im fpäteren SJtanneSalter feljr IjäufigeS Seiben, baS fidj (f. bort), gleidjjeitigeS ©rängen 311m Uriniren (befoiiberS SladjtS), Sdjmerj in ber ©rüfengegenb nnb bei ber Stuljlentleerung unb im fpäteren Verlauf burdj Sljmptome beS SMafencatarrljS funbgiebt. ©ie -S3 e Ij a n b 111 n g befteljt in ivarmen Näbern, ivarmen Sluffdjlägen unb (Sinfiitjren von Stuljljäpfdjen aus Ovbfalifalbe ober Soboformjäpfdjen in ben shaftbarm (f. S. 728). ©anebeu ift ber ©ennß alfalifdjer SBaffer angejeigt. 33et muß ber Urin burdj entleert werben (f. „Spe* cialarjt für SJtänner" uub „für grauen"). 764 ytraniilieifctt ber unb ©ie ber §aut, beiten bei ben luicljtigen Functionen ber lepteren (f. ©. 212) feine geringe Vebeutung ift, finb ent« Weber fpmptomatifdje Seiben, weldje fid) 311 anberen $ranfßeiten gefeiten, ober fetbftftänbige Seiben, weldje burd) äußere 9teije ober burd) Ernäß« rungSftöruugen, bie auf bie §aut befcßränft finb, ßervorgernfen werben. Ein großer ©ßeil ber fpmptomatifdjen §auterfranfungeii, wie Vleidjfmßt, Eielbfmßt, Vlaufucßt nnb bie 2IuSfd)läge gewiffer OnfectionSfranfßeiten, ift fcßon im mit ben betr. urfäcßlicßen be« fprodjen worben, unb ein anberer ©ßeil, ber auSftßließlicß 311 ®efd)(ed)tS« tranfßeiten ßinjntritt, bleibt bein „Specialarjt für Männer" refp. „für Frauen" vorbeßalten (vgl. Vorrebe). Von ben beiten, wefdje burd) non außen fommenbe 9teije veranlaßt werben, finb ebenfalls meß« rere von biefem Kapitel auSgefd)loffen; eS finb bieS ein ©ßeil ber para« fitifcßeit bie fdjon früßer (©. 608 u. ff.) erörtert würben, unb bie Verlegungen, Verbrennungen unb Erfrierungen, auf bie wir bei ben „UnglüctSfällen unb Verlegungen" eingeßen werben. ©ie Symptome ber £)anttrantl)eiten finb entweber anatomifdje Ver« änberungen ober FunctionSftörungen ber £>ant. ©ie anatomifdjen Ver« änberimgeii finb gewößnlid) 2InSfd)läge (Ejantßeme), wie ©tippcßen (fleine punftförmige Ffetfe), $nötd)en, VläSdjen, Ruffeln (EiterbläSdfen), ©cßuppen, u. f. w., ober eS finb gerötßete (entjünbete) SIbfceffe, ©efdjwüre ober 9Ibfd)ürfungen (Eycoriationen) ober Vertiefungen ber §aut. Entwideln fid) bie 2ln$fd)läge allmälig unb in einem beftimmten Verlauf, fo fpridjt man von „F le eßt en" bejw. je nad) bem ©l)puS beS Verlaufs von einer Bleien«, @d)Uppen«, VläScßenfled)te, n. f. W. £u ben anatomifdjen Veränberungen unb ben FuuctionSftörungen (5. V. ver« minberte ©eßweißabfonbernng) tritt nid)t feiten 3U(fen ober läftigeS Vrennen ober gar ßinju. ©ie ©pmptome ber finb bei ber ejponirten Sage ber §aut and) für ben Saien leicßt 31t erfen« neu, babei aber bod) feßwer 31t beuten, beim abgefeßen bavon, baß gleieße ober feßr äßnlicße ©pmptome oft feinem §antteiben, fonbern anberen Ärantßeiten (Vlutarmutß, Vleidjfmßt, W?agen« nnb anjufeßreiben finb, ßaben gerabe viele, ganj verfdjiebene gleieße ober wenigftenS feßr äßnlidje «Symptome, bie nur ber geübte Vlitf eines mit biefen $ranfßeiten genau vertrauten SlqteS rid)t.ig 31t nnterfdjei« ben Vermag. - 2(nS ber VJidjtigfeit biefer Äranfßeiten unb ißrer feßwie« rigen ©iagnofe ergiebt fid), baß bie Veßanblung foldjer Seiben nid)t leidjt ju neßmen nnb bei irgenb einem Bweifel tüdjtiger ärjtlicßer Leitung ju überlaffen ift. ©a baS burd) Umftäube ßäufig unmöglid) gemadjt wirb, 765 ift al« 5lnZaug 311 biefent Sßert and) ein 53üd)lein Zerau«gegeben morbett, ba« nur ben §ant« imb HaartranfZeiten gemibmet ift. 311 biefem „Spe« ciatarjt für Haut« unb Haartrante" finbet berßefer über alte gragen5lu«« tunft, ivetdje il)m nad) bem Stubinm biefeS B'apitel« nod) unflar geblie« ben bejiv. iviffen«tvertZ finb. gür bie 53el)anblung alter inerte man fiel) aber, bafj bie Haut in ben früheren Stabien ipre« @r« tranttfein« gemötjnlid) nod) fo Viel öebenSfraft ober berartig über« reijt ift, bap fdjarfe OJlittel aufjerorbentlid) fdjäblid) mirfen. 3n biefen Stabien finb faft immer neben bem fReintjalten ber §ant nur Streit« pnlver unb milbe Salben angejeigt (f. Oiec. Oio. 46 unb Oio. 47). (5rft fpäter, wenn bie Haut in golge längeren 53efteZen« ber B'ranH)eit im Slb« fterben begriffen ift, bebarf e« fdjarfer, Glittet. Olatürlidj giebt e« 2lu«iiaZmen von biefer Oiegel (3. 53. bie freffenbe glecZte), unb felbft« verftänblid) bürfen alle, ob innerlich ober angemenbeten OJlittel leine Qitacffalbereien, u. f. tv. fein (vergl. S. 677). - Sa« geeignetfte OJlittel jur 53erl)ütung ber £>autleiben, fofern biefelben feine 53egleiterfd)einnngen anberer Brautzeiten finb, ift eine gehörige Hautpflege (f. S. 358). 55or allen Singen felje man ftet« auf Olein« lidjfeit. c ccv t 970. 46. (Streupulver). IReiö« ober Sßeijenftärtemeßl ober [amen (ßpcopobium) ober Sßulver auä je einem SEIjeil 33örlapp|amcn unb foßtenjaurer Sßagnefia unb 2 Steilen Stäifemcßl ober au$ 1 Jßeil .Sinftveif? unb 5 Streiten Störte. Stiec ept 9?o. 47. (SJtilbe Salben). JBafelin, ©oSmolin, Golbcream ober ©Ipcerinfatbe, Beftef>enb au$ 1 SEIjext 5 feiten SBeinaeift unb 50 Stßeilen (Stpccrin - ober audj (1 Stßeil auf 9 Steile Scßnialj), Sleifalbe (8 SEßcile 93leiefftg auf 92 Sßcite Sdjmalj), SSleilveijjfalbe (10 SEßetle ißleüvcifj auf 90 SEßeile Sd)inalj). Sie ober baS (Jrijtfjcm (Erythema) ift eine mit 53rennen ober Sdjmerjgefüljl verbunbene HrtUteiit3ünbung, bei iveldjer einzelne größere §autftellen gerötpet unb leidjt gefdjtvollen erfdieineit ober fid) Zier unb ba, meiftenö an Häiiben unb ß-üpen, größere nnb Heinere rotlje (HaiitZervorragungen) bilben (f. $ig. 346). ODiitunter tommen beibe gönnen jufammen vor. Sie BranfZeit, meld)e mit Slbfdjiippnng ber ©berl)ant enbet, mirb bnrd) medjanifdje ober djemifdje Hautreize (SonnenftraZlen, tünftlid)e Hibe, Oieibung, Säuren, u. f. tu.) Veranlagt; Zäufig bleiben iljre Urfadjen and) nubetannt. Olad) ber gorm unb bem be§ 5eiben§ nnterfdjeibet man verfdjiebeue SIrten be§ (SrptZemS. Sajn gehört and) ber „5B o l f" (Erythema Intertrigo), hieldjer bei an« Zaltenber Oieibung jivifd)en ben Hinterbatfen entfteljt. 53 e Z a n b l it n g: 3h milberen gälten genügte«, bie ertrantten Hautpartien mit Saleratn«« tnaffer (SBaffer unb boppeltfoZlenfanre« Bali) $u tvafdjen unb bann mit Baltwaffer« ober 53(eiivaffenimfdjlägeii 311 bebeden. Stellen, bereu Ober« 766 l)iuit fiel) abgelöft ljat, finb mit $ett, Sei ober ßibottcr einjureiben unb mit EBunbwatte 311 bebeefeu. §aben fiel) E3lafen gebilbet, wie bieS in $olge SonnenbranbeS manchmal gefd)iel)t, fo finb biefe jnerft mit einer vorher grünblid) gereinigten, in (Sarbohvaffer ober fodjenbem EBaffer beS* inficirten Elabel 311 eröffnen unb bie betr. Stellen barauf mit Seinwanb* umfdjlägen 51t bebeefeu, welche in Iprocentigein (Sreolin*ober (Sarbolwaffer angefeuchtet würben. £3ei Erythema Intertrigo („EBolf") lege man 3Wifd)en bie fiel) reibenben Jljeile, bie öfters mit (altem EBaffer ab* unb peinlidj rein 311 pal* ten finb, ßompreffen, bie mit frifdjem Saig, ©Itjcerin* ober beftridjen würben, ober man ftreue, wenn bie Steile fehl' näffen, Streupulver (f. 9?ecept 97o. 46) bajwifdjen. Heber baS bnrd) „Einfliegen" verurfadfte (Sri)* tljem f. ©ecubituS (S. 427). Elbfccß ober (5ifcrijüijlc (Ab- scess) nennt man bie bnrd) eine locale (Sntjünbung hervorgernfene (Siteranfammlumg in einem, in ber £>ant ober bem Unterhautjell* gewebe gelegenen, abgefdjloffenen 9?anm. W?an nuterfdjeibet jwei Elften mm Elbfceffeu, ben „h e i ß e 11" unb ben „falten Elb fee ß". (Elfterer verläuft rafd). 9iad)bem als Vorboten an ber betreffenben Stelle 9tötlje, §if*e nnb eine ge* liitbe Schwellung eingetreten waren, nimmt festere immer mehr 311, bis fiel) fdjliefjlid) in ber 9Jiitte ber Elnfdjwellnng ein weidjer, weißlicher fyletf bilbet, ber anfbrid)t unb bem (Siter Einstritt gewährt. 33ei tief* liegenben Elbfceffen ift ber Verlauf mitunter ein anberer, b. h- ber (Siter, ber nid)t uadj aufjeu burd)bred)en fann, jertheilt fiel) in ben ©eweben unb richtet bort großen Schaben an. Schon beSljalb füllte jeber Elbfceß mit bem woljl gereinigten unb bnrd) längeres Siegen in (Sarbol* ober tod)eu* bem EBaffer beSinficirten Keffer eröffnet werben, ©er Saie barf baS aber unter feinen Umftänben felber thnn, wenn ber Elbfceß fiel) in ber 9läl)e einer Sd)lagaber befinbet. ©anj im Einfange üerfndje man, bie Elbfceßbilbung burd) Eluflegen non falten ober (SiSumfdjägen 311 vereiteln. 9Hmmt bie Schwellung 311, fo gehe man 311 warmen -E3reium* fchlägen (E3rob unb EBaffer, Seinfamenmehl) über, welche baS Elufbredjen beS ElbfceffeS befd)leuitigen be3W. baSEluffdjneibeii erleichtern. Fig. 346. 767 ©er falte 31 b f c e ß, bei bem Diötße, Seßmerj unb §iße nnbebentenb finb, ßäufig fiel) aber Scßinerj im OHtefgrat einftellt, verläuft langfam. ©a biefer Slbfceß fiel) gewößnließ bei ßerniitergetommenen, gefeßwäeßten finbet, muß man bei ißm außer auf fcßnelle (Sröffuitng auf eine Hebung beS allgemeinen beS Patienten ßinarbeiten. Diaeß bem Slufbreeßen ober (eröffnen fleißiges ©eSinficiren ber betr. Stelle bunt) Sluflegen Von (Iprocentigen) Kreolin- ober Garbolwafferverbänben. ©er QMntirfjnnir ober (Furuncle) ift eine bung, welcße in einer ober mehreren §aar\ Saig- ober Scßweißbrüfen entfteßt, auf biefe befeßränft ift unb bnrd) birecte 9ieije (braßen, n. f. w.) ober SSerftopfung ber ©riifenauSfnßrungSgäuge ßervorgeritfen wirb, ©iefe ßntjünbiing füßrt faft immer jur Eiterung unb verläuft unter bem Silbe beS ßeißen SlbfceffeS, Von welcßem fie jeboeß muß (Sntteernng beS (SiterS leießt babnreß jn uiiterfcßeiben ift, baß in ber £)ößle ein tropfen, ber fügen. Güter ftoef, jnrücf bleibt, ©iefer tropfen befteßt ans bem ab- gestorbenen Saig unb Sinbegewebe nebft (Siterförpercßen unb fann leießt bejw. muß ßeranSgebriicft werben, worauf ber Scßwär halb ßeilt (f. gig. 347). ©ie S e ß a n b l n 11 g ift bie beS ßeißen 2lbfceffeS. - Sisweilen treten folcße guriinfel jit gleießer 3eit in großer Slnjaßl auf, ober eS bilbeu fiel) fortwäßrenb neue. 9J?au bejeießiiet baS als $ u r u n f u l o f e. ©ie Urfaeßen biefeS 3nl*tniibeS finb entweber Mangel an Hautpflege, ©eniiß fcßleeßten SBafferS ober verborbeiter 9iaßrimgSmitteI, baS HaiitU reit mit verwefenben tßierifeßen Stoffen (SIbbeefer, DJt'eßger, it. f. w.) ober gewiffe conftitutionelle Veiben (Scropßulofe, ?UcoßoliSmuS, Scorbut, gmferfrantßeit, ®icßt). ©aS 9lufeiuanberfolgen von 331ntfcßwären ßat nießt feiten aneß barin feinen ©ritnb, baß bitreß bie 53lut= unb £l)inpßge= fäße von bem erften fturuntel ans entjünbiingSerregenbe Stoffe fortge= feßleppt worben, Weleße bann in ber 9laeßbarfeßaft jenes fturnnfelS einen neuen entfteßen taffen, sieben ber entließen ®eßanbluiig ber Seßwären ift bei ber fturuntulofe barauf jn feßen, baß bie urfäeßließe Seßäbließteit befeitigt refp. vermieben unb bie ßouftitution beS Patienten gefräftigt wirb, lieber bei Heinen f. „Specialarjt für grauen". Gnrliunfcl, Ä a r f u n f e ( ober tBrnnbffßwiir (Carbuncle) ift ein von giebererfeßeinungen unb außerorbentli.ßen Seljmerjen begleiteter, großer Fig. 347. SBlutjdjWär („Suruntel"). 768 her in Braub auSgept. ®ewöl)iilid) bringt ber (Siter aus einem Branbfdpvär ans mehreren ©effnungen. 9?ad) ber (Siternng bann bie von bem ergriffene ©ewebspartie, wie gefügt, branbig, b. i. jn einer mißfarbigen, jauchigen Blaffe. 4Sei günftigeni Berlauf tritt Hei« hing, unter Hinterlaffung einer Barbe, ein. g-iir alte, gefdjwäd)te nnb Ijerabgefomniene ift ber Branbfdjwär eine gefäfjrlidje Äranfljeit, bie nicht feiten töbtlid) verläuft, nnb jwar inbem entweber Blutvergiftung eintritt, ober fieber nnb Sdimerjen ben Patienten aufreiben. arbunfel finben fiel) pänfig im (befolge ber ein. Branbfdjiväräljn* lidje ©efdjlvülfte am Borberarm von geilten, tveldje, Ivie Slbbed'er, mit verwefenben tljierifdjen Stoffen ju tpiin ljaben, ftellen fid) oft als Blilj« branbgefdjwiire (f. S. 532) heraus. £)ie Bepanblung ber ift bie ber gurunfel, nur baß fjierbei ber (Sinfdpiitt womöglich nod) früh* zeitiger gemadjt nnb jugleicl) alles getfjan werben niufe, um (burd) Sieben, 9ieinl)a(ten, TeSiuficiren) einer Blutvergiftung nnb (burd) fräftige Bah- nung, gute Suft, (Sljiniu, (Sifen, u. f. w.) einem $räfteverfall beS $atien* teil vorjubengeu. (Sin djcfdjluiir (Ulcer) ift eine eiternbe Hauhvunbe, weldje bie iinw liegenbeu ©ewebSpartien meljr ober weniger umfaiigreid) ©olrfje ®efd)Wiire entftepen entweber burd) ört- lid) einwirtenbe <Sd)äblid)teiten ober burd) Blutentartung (Scorbut, Si)pl)ilis, u. a. m.). Dertlid) verurfad)te ®efd)Wiire finben fid), als fogen. Unterfdjenteh ober gnßgefd)Würe, am Ijäufigften am Unter« fdjentel (f. ftig. 348). £)ie B e l) a n b« hing erforbert öfteres Slbtnpfen mit £)öllenftein, 9teinl)alten nnb Slnflegen eines antifeptifdjenBerbanbeS (tfeinwanb, mit Iprocentigem (Sreolim ober (Sarboh ivaffer angefeiid)tet) ober bie Salbe von 9?ecept 9io. 48. Um biefeu Berbanb feftjupalten, lege man auf benfelben nod) einen .'peftpflafterverbanb, wie auf S. 460 angegeben. Sinb ?(ber« hioten (f. S. 670) vorpanben, fo banbagire man über bem Berbanb ben ganzen Unterfdjenfel ober $iel)e barüber ©unimiftriimpfe. ©ie Beljanb« hing ber bi)Sfrafifd)en ©efdpviire verlangt außer bem örtlidjen nod) bas betr. allgemeine Heilverfahren (gegen Scorbut, Sl)pl)iltS, u. f. w.; f. S. 654 nnb „Specialarjt für BJänner"). 9?ecept 97o. 48. 5 ®ran falpeterjaureS ©il&crojvb werben mit 2 ©racßmen Sanolin itnb | Ur,'e Scßmalj verrieben. Fig. 348. §it6fleicf)txiür. 769 ©er ÜRcffclaitSftßlag (Nettle Rash), and) bie 9?effei fu eßt ober ba§ fieber genannt, ift bei weldjer fieß, bisweileit in Sßerbinbung mit gieber, flacße (Srßebnngeii bilben, bie in ber Dritte weiß nnb gegen bie Olänber ßin rotß finb. ©iefe ßrßebungen (Quabbeln, 9leffetmale) (teilen entweber gierten ober (Streifen bar, weldje ßeftig brennen ober jurten nnb nad) Verlauf von einem ober mehreren ©agen oßne SIbfdjuppnng ber £>aiit wieber verfdjwinben. Mitunter wie* berßolt fid), ba bei biefem ßeiben bie Neigung 311 (Ritrtfällen feßr groß ift, bie Quabbelbilbung anbauernb, felbft Baßre lang, in fo hirjen Broifdjeii* räumen, baß bie einen djronifdjen SSerlauf 3U neßmen fdjeint. ©ie Urfacßen ber 9teffelfudjt, weldje and) 9?e f f e If i e b e r genannt wirb, wenn gieber üorßanben ift, ober 9? eff elf riefel, wenn bie „Quabbeln" nur Heine, ßirfeforngroße ©rßebnngen bilben, finb 311111 ©ßeil noeß biinfel. ©ie nnS belannten Urfacßen finb: äußere Dteije (53ren* neffeln, 9ianpenßaare, SQiürtenfticße, Äraren, u. f. W.), anbere Äranfßei* ten (SBerbaunngSftörungen, 9D?agen* nnb ©armcatarrße, UteruSleiben) ober Bbiofßncrafien, b. ß. eine eigentßüinlidje (Smpfänglicßfeit maueßer SJZenfdjen für gewiffe Dteije (in biefem gälte für gewiffe 9laßruiig§* ober Slrjeneiniittel, wie Lüftern, ®rebfe, gifdje, (Srbbeeren, BoßanniSbeeren, §onig, ©urteil, (Sffig, verborbene 33?urft, (Sopaivalbalfam, ©erpentinöl, u. f. W.; bergt. <S. 410). 53eß a 11 b l u 11 g: DJtan Wafcße bie mit (Sffig5 ober SaleratnSWaffer, nuuße falte ober feßr ßeiße Umfcßläge nnb entßalte fieß aller ßeißen ober reijenben 9taßrung ober ©eträute. 5lnf ber bloßen §aut ift alteö Sinnem ober 311 tragen. SSorßanbene SSerbaunngSftörnngen finb 311 befeitigen. ©egen bie djronb feße gönn ber 9?effelfndjt finb mancßmal alle Mittel vergeblicß. 53ei 3:biofßncrafien vermeibe man ben ©enuß ber ba§ Seiben ßervorrufenben 9?aßrnng§- ober ©ie ©läMjcnflctßfc (Herpes) ift eine bei welcßer fieß unter mäßigem 53rennen an verfdjiebenen §antftellen rotße fünfte bih ben, bie fieß balb baranf mit Heinen, wafferßellen 53läödjen beberteu. ©ie letzteren finb immer grnppenweife angeorbnet, ßaben etwa Sinfengröße nnb feßrumpfen muß wenigen ©agen, nadjbem fie molfig getrübt ober burd) beigemifcßteS 53lnt rötßlidj gefärbt würben, 311 ßelleren ober biinHe- ren Scßorfen ein. 91acß 10 bis 14 ©agen muß (Sntfteßen ber 53läScßen, Werben bie Sdjorfe abgeworfen nnb ßinterlaffen fie für einige Beit einen rötßlicßen giert. 9huß ben Äörperftellen. wefrße von ber 53läsdjenfled)te befallen werben - eS finb baS mit Vorliebe ©efießt, §anb= nnb guß= rürten, ©efdjledjtstßeile nnb 53rnftfaften - nnterfd)eibet man einen ©e= ficßtSßerpeS, 11. f. w. lieber bie Urfacßen ber Ärantßeit, Weldje nidjt feiten unter giebererfdjeiiiungen einßergeßt 1111b oft ancß bei fieberßaften 770 in (Seftalt non „gieberblrtgdjeu" (Fever Blisters) an ben Sippen auf tritt, ift nidjtg SidjereS befaunt. Seljr ivaljrfcljeinlid) finb eg 9lervenaffectioiieii, beim wenigfteuS für eine gönn ber Äranfljeit, bie (Sürtelfledjte ober ben (SürtelauSf djlag (Shingles), gilt baS unjmeifelljaft. Oiefer StuSfdjlag (teilt fid) immer im Verlauf eines (§aut») Sternen ein unb jwar gewöljnlidj nur an einer (Seite beS Körpers unb in ber Oiillengegenb, woljer bie Stranfljeit and) ihren Sianien ljat (f. gig. 349); in= beffen and) Unterleib, ®efid)t, SUicfen, Oberarm nnb anbere Stellen werben von ber ®iirtelfled)te Ijeimgefnrf)t. Sftand)* mal foinnit es ju SSerfdjwärung ber 531öS» djen, weldje bann Starben pinterlaffen. Oie 53 e l) a u b l u u g ber 53lä§djenfled)» ten befdjränfe fid) barauf, bie erfranften Stellen bnrd) Slufftreuen von Steiö» ober Stärfemeljl nnb bnrd) 53ebecfen mit SÖatte bavor fduifjen, bap bie 53lä§» djen planen nnb wunbe Stellen eutfteljen. Sinb festere Vorljanben, fo bebecfe man fie mit gelt, Oel ober niilben Salben (f. Stec. Slo. 47) nnb weidjer Seinmanb. (Segen bie Sdpnerjen madje man falte Umfdjläge ober (treue (bei Sunben) auf bie etwas Opium» pnlver. Oie niiffcnbe gdcrfjte ober ba$ Ocfjem (Eczema), bie verbreitetfte §autfranfl)eit, weldje Weber ein Sliter, uodj ein (Sefdjledjt verfdjont, be» (tel)t in einer, auf bie oberfläd)lid)en §aut(d)id)ten befdjräutten mit iveld)er eine meljr ober weniger reid)lid)e Slbfonberung (eröfer glüffig» feit auf bie freie Ober(läd)e ber £miit üerbuuben ift. Oie Urfadfeii beS (SfyemS-foweit wir fie feinten - finb: äußere Ärapen, §itAe, Sonneuftral)len, falte Umfdjläge ober Ooudjen, fjeifje 53äber, lidje ober mineralifdje fReijmittel, u. f. w.), ferner conftitutionelle Seiben (Scropljulofe, 9il)adjiti§, u. a. in.) nnb Stauungen beS SSeueublutS. W?an uuterfdjeibet verfdjiebeue gönnen beS (SfjemS, bie aber im wefentlidjen gleid) finb, oft bei bemfelben Traufen gleidjjeitig beobachtet werben nnb alle mit nnb 3mfeu beginnen. So fpridjt man von einem f n ö t dj e ii f ö r m i g e n (5 f s e m, wenn bie glüffigfeit nid)t ftarf genug ift, um bie Oberfjaut ju burdjbredieu, unb biefelbe nur ju Änötdjeu ergebt; fo fpridjt man ferner au§ erflärlidjen (Srünben von einem eiterigen (Sfjem. SSerwanbelt fid) bas (Sjfnbat in Prüften unb 53orfen, fo nennt man bie Äranfljeit borfigeö (Hjem ober Fig. 349. ®ürte(fletf)te (öen bet ©eite gefeljen; fRiiden, redjtä Stuft). 771 S o r f e n f l e dj t e, wirb bie ©berpauf ganj abgeftoften itttb bie gerötljete, ftarf näffenbe unb fdpnerjeube tfeberpaitt bloftgelegt, fo leibet Patient am „r o 11) e n @ f 3 e m" ober „© a 13 f l u ft", unb fommt eg nur 311 Slbftfjup* 3.11mg ber ©berpaut mit trorfeiten ©djüppdjen, in weldjem ftalle bag @$fu* bat nidjt einmal reidjlid) genug War, bie @pibermig 311 Äuötdjen 31t erpe* ben, fo Ijört man von einem „f d) üppigen (S f 3 e m" rcben. ©er 30it= lidje Serlauf ber näffenben g-ledite, bie fid) balb auf eine Heine befdjräiift, balb über gröftere Partien verbreitet, unb bereu ßieblinggftellen, Äopf, Seugefeiten ber ©elenf'e, §änbe, fyüfte, Elfter, weiblidje Sruft unb bie dufteren ®efd)led)tgtl)eile finb, fdpvanft 3Wifd)en Sßodjen, DJionatcn unb felbft 3al)ren. Sim Ijartnädigften ift ber „®al3flitft" an Slberbeinen (f. $ig. 350). ■-©ie Sei) unblutig eineg acuten verlangt aufter Dleinlidjfeit uidjtg weiter alg bag Sluflegen milber ©alben (f. 9tcc. 47) unb bag Seftreucn näffenber ©teilen mit ©treupulver (f. 9tec. 46). 423ei djronifdjen (fernen, bie mitunter bie gan3e $örperoberfläd)e befallen unb meifteng burd) aiiftaltenbe (Sinwirhuig von ©d)äblid)feiten per* vorgerufen werben, mnft uatürlicp neben ber dufteren Sepaublung bag Seftreben obwalten, jene ©djäblidjfeiten 31t befeitigen refp. 311 Ver* meiben. Sei einem conftitutionellen Veiben muft alfo biefeg befämpft werben, bei anpalten* ben §autrei3en (®ürtel, Sriidjbänber, 11. f. w.) müffen biefe befeitigt werben, unb Söder, §ei* 3er, SBäfdjeriiinen, u. f. f., bereu Sernf an bcm @f3em ©djulb ift, müffen ipre Sefdjäftignng aufgeben. (Jrweifen fid) bie milben ©alben bei djronifdjeii (Sternen frudjtlog, fo wenbe man Söafdjungen mit ©djmier* ober ©fteerfeife an, (treue S'oboform auf ober lege bie in 9!ecept 9?o. 48 angegebene ©albe auf (f. ©. 768). Slitunter finb gegen Ijart* uäcfige (Steine and) Äaltwafferberiefeliingen (f. ©. 420) aug mäftiger £wl)e (Ijödjfteng 2 gnft) Von Sortfteil. Sorten, ©djorfe ober ©rinbe finb burd) Sßafferumfd)läge, Säber, grüne ©dpnierfeife ober milbe ©alben 3U entfernen. - ©oldje ®rinbe (Sorfenflcdjten) finben fid) ftänfig auf bem behaarten ober im ®efid)t von $inbern. Sluf biefe formen ber näffenben gledjte, weldje mit verfdjiebenen Manien (3. S. „ränbiger Slnfprnng", „S2ild)borte"; f. fyig. 358) be3eid)iiet Werben, paftt biefelbe Seftanblimg, wie auf bag acute @(30111 (vergl. ,,©pecialar3t für grauen"). @g ift ganj Fig. 350. SiotljcS Gticin (Saljflufi). 772 Verfeßrt, fohße 9luSfd)läge fiel) felbft 311 überlaffeit, aus $urd)t, baß baS 4öefeitigen beufelben innere Ärantßeiten ßerüorrnfeu mödjte. "Mdjt minber finb3Rütter einbringlidjft oor ben Duadfalbereien 311 warnen, welcße fo üielfad) 1111b fo rüßmenb gegen biefe tinblidjen SluSfdjläge angepriefeu wer* ben. - (Eine eigentßümlidje $orm beS ÄopfefjemS mit ber §aare ift and) ber „Seidjfeljopf". ©ie §aare finb ab$ufd)neiben, nnb tritt bann obige ein. £)ie Äkicnflcdjtc (Pityriasis), nidjt $u tierwecßfeln mit ber bräun* licß*gelblid)en Äleienfledjte (f. fpäter), ift ein bei weldjem fid) oon ber (EptbermiS feine ©djüppdjen (ügl. $opffd)innen) loSlöfen, oßne baß (EntjünbungSerfdjeimingen ober gunctioiiSftöruugeu (ber £>ant* nnb Stalgbriifen) Dorliegen. ©iefe©cßuppen flößen fid) beSßalb and) ab, oßne baßeS babei $it ©cßorfbilbung fommt. iöeßanbliing: üßafdntugen mit warmem SBaffer, bem man etwas cßotafd)e jugefept ßat, ober mit ©dpuierfeife nnb (Einreibungen mit milbeit ©alben (f. 9lec. 9io. 47). - £)er $ifrf)frfjnppcnnu§fd)lag (Ichthyosis), eine nid)t anftetfeiibe, aber erblicße Äranfßeit, bei weldjer bie §ant oerbieft nnb oerßornt, ift eine fdjlimme $orm ber (ogl. „©pecialarjt für £)ie ©tfjuppcnfledjte (Psoriasis) äußert fid) wie bie burd) ©djuppenbilbung auf ben erfrautteu §autftellen. ©iefe perlmutter* artig glänjeuben ©dfuppen (ber 'ißforiafis) fteßen auf etwas ßeroorragen* ben, gerötßeten (entjünbeten) ©teilen, weldje, wenn man bie ©djuppen mit bem gel abfrapt, erft blaß, bann rötßlid) erfdjeiiten uub fd)ließ* lief) bluten. £)ie Lieblings* ftellen biefer $led)te, weldje meift gauj fräftige 'ißerfouen oßne irgenb weldje uadjweis* bareUrfad)eu befällt uub ßäu* fig auf Vererbung 311 berußen feßeint, finb bie ©tredfeiten ber oberen uub unteren ©lieb* maßen uub jwar befouberS ber $uiee nnb (Ellenbogen. §anb* uub ftitßflädjen bleiben ge* wößnlid) non ber 'ißforiafis oer* fdjoiit; ift baS uid)t ber $all, fo liegt ber ©d)uppenfled)te waßrfdjeiulid) eine rßeumati# Fig. 351. Sl)roni|d)e $)oriafi«. 773 fdje ober fppt)ititifd)e ®adje£ie ju ©rnnbe (Dgl. „©pecialaqtfnrSftänner"). ©er Verlauf ber 'ißforiafiS ift ftetS ein djronifdjer, unb bleibt letztere fid) felbft nbertaffen, fotommt eß 311 ©chrunbig*, 23riid)ig- unb Qtiffigiverben unb (StafticitätSDerlnft ganzer (f. gig. 351). 23 e l) a 11 b ? 11111g: ©ie ©djuppen finb burd) 2ßafd)iingen mit ©d)mier-ober £l)eers feife im warmen 23abe jn entfernen unb bie trauten ©teilen bann mit ©dmüer* ober ©peerfeife ober einer ber in Dieeept 9lo. 49 ange- gebenen ©alben eiiijureiben. ©iefe (Einreibungen finb eim ober zwei- mal täglid) meljrere Jage lang ju erneuern, worauf Wieber ein WarmeS 23ab genommen wirb, nach beffen 23eenbiguug abermals jene (Sinreibum gen twrjuneljmen finb. ©ie (äußerlidfe) Don ©ublimatlöfung unb bte (innerliche) ©arreidjmig Don SIrfenit, ©trpdjnin, n. a. m. bleiben ärztlicher 2$orfdjrift unterworfen. e c c v t 5Ro. 49. „ßivei Steile auf 20 Steile SBafelin ober Je l SUjcit unb <Srf)tt>einefett auf 8 SUjeile ßanolin. - Ober: 2 Steile ßf.ryfarobin auf 20 Sttjeite SBafctin ober Je 1 SEljcil ßßrwfarobtn unb ©djtoeinefett auf 10 Sljcile ßanolin. - Ober: 1 Sttjcit Jjcbtfyttol auf 10 SLbcite fianotin. 23ei ber ©tßwinb; ober Änötdjciiftcdjtc (Lichen) bilben fid) - mit Vorliebe am 9tuinpf, 9Uicfen, Unterleib unb an ben 23eugefeiten ber ©lieb* maßen - hirfeforngroße, touifdje unb meiftenS in ©nippen ftepeube Änötdjen, welche mäßig jucten unb etwas gerötljet, mitunter aber and) blaffer als bie umgebenbe Haut finb. ©iefe, entweber auf einzelne Haut* {teilen befdjränften ober auf größere Derbreitefeten Änötdjen bebecfen fid) im Weiteren Verlauf mit (5pibermiSfd)Uppen, Weldje abfallen unb bie bann Derbicft, fpröbe unb brüchig jurüdlaffeit. ©a bie Ur- fadje ber Ärantljeit eine ißerfd)led)teritiig beS SlllgemeiubefiubenS ift, l)at bie 23 e l) a n b l n n g für 23effernng beS unb 9feim lidifeit ber £nuit 31t forgen. 23ei fdjwereren gälten paffen 311erft falte Umfdjläge ober (Einreibungen mit Sebertljran. ©pater wenbe man ©djmierfeife, Jpeer, ©djwefelpriiparate unb SIrfenit (leptereS aber nur nadj ärjttidjer 23orfdjrift!) an. ©ie 3mtflerf)te ober bie (Prurigo) ift eine (mit ?luS= Uabme ber erften Äinberjahre) in jebem Lebensalter unb bei Wlänuern häufiger als bei grauen Dortommenbe §autfranfheit, weldje immer einen d)ronifdjen Verlauf nimmt. (Es bilben fid) babei jerftreute, fladie, fteef- nabelfopf- bis hmifforngroße ßnötdjen, weldje bie garbe ber normalen £>ant haben unb ein unerträgliches dürfen erzeugen, ©ie Urfadjeu ber Prurigo finb uiibefannt, bod) läßt fid) annel)men, ba festere bei ber ärnie* reu 23eDölferung am oerbreitetften ift, baß fd)led)te Hautpflege unb bürf* tige $oft bei ber (Entftebung biefer gled)te eine widjtige 9?olte fpielen. 3n golge beS außerorbentlid) heftigen dürfens baS befonbcrS quäleub 774 ?lbenb§ mib in ber 91ad)t ift, tömien bie Patienten nid)t fdjlafeit mib fragen fiel) blutige, fdirmibige ©teilen. - Sie 53ep an blutig ber« fprid)t mir (Erfolg, wenn fie möglidjft früp begonnen nnb confeqneut bnrdj« geführt wirb, nnb jwar und) nod) längere .Seitpinburd), mupbem bie §aut fd)on wieber juin normalen juriidgeteprt ift. ©ie beftept in Ian« warmen 53äbern mib 5Bafd)Uiigen mit $ocpfalj«, $ali« ober ©ublimatlö« fangen, berbünnten ©äuren mib nnb in (Einreibungen mit ©djmierfeife, Speerfalbe ober Vebertpran. 911$ baS befte DJiittel empfieplt £)ebra eine palbe ©tnnbe lang fortgefepteSlbreibnugen mit glanelllappen, Welcpe in eine ©djwefelfalflöfnng getanept würben (f. 9iec. 9?o. 50). 9?acp ber Abreibung benoeilt ber traute minbeftenS eine ©tnnbe laug in einem warmen 53abe, baS mit einer 9iegenboud)e fd)liept, worauf ber Körper mit £>el eingerieben wirb. -guuner ift barnad) jit tradjten, baf? fid) baö SlUgemeinbefinben be§ Oranten beffert. ec epi 97o. 50. 3wci ©tangenfdjwefel unb 1 Sßfunb ungclöfrfiter ßalf Werben mit 24 Sßfunb Söaffer auf 12 Sßfunb cirtgcfoctt, Welche nach bem Gr falten ju fil« triren finb. Sie tritt in jwei gönnen auf. Sie eine, Impetigo genannt, beginnt bamit, bap fid) unter bem ®efül)l be§ Dudens auf ber gerötpeten £>ant 11 eine bilben, bereu nid)t wie bei bem pell mib bmxpfü'ptig, fonbern trübe nnb gelblid) ift. 9iad) bem 9?lapen ber gifteln refp. bem (Jrgup be§ auf bie §autoberfläd)e bilben fid) gelbe mib grünlidje Porten. Sie Urfadjen ber 'ißuftelfledjte finb gewöpnlid) ändere 9ieije; bei mandjen (befoiiberS bei feroppulöfen) mit empfinblieper §ant genügt fdjon ein warmer Umfd)lag, nm ba§ ?lnffd)iepen foldjer ju bewirten. Sie Atranfpeit tarnt in wenigen SßJodjen mit 9Ibftoß« mig ber Prüften enben, fid) aber and) 9)ionate nnb 3:nPre pinjiepen. Sie e p a. n b l u n g pat für Hebung be§ Allgemein« befinbenß mib für (5rweid)itng mib (Entfernung ber bin d) inbifferente ©alben (f. 9iec. 9io. 47), warme ober falte Umfdjläge mib mit Slnfgüffen berfdpebener Kräuter (DJlalbem, Gibifd)«, SMl« traut«, ßinbenblütpen) 311 forgen. 9iur wenn bie Ärantpeit fid) länger pin.pept, finb reijenbere Wiittel, wie weif;e ober ©djwefelsinf« falbe, angejeigt.- Sie atibere gönn ber 'ißnftelfledjte-Ekthyma - Wirb burd) äupere (Eiiiwirfmig perborgerufeu, 53. auf ben Firmen ber Maurer burd) 53efpripen mit ßalt ober burd) peftigeS Strafen bei parafi« Fig 352 ettf,l)ma- 775 tifdjen ober überhaupt jucfenben 3liiSfchlägen. ®aS (Sfthhma gefeilt fiel) and) ju fieberhaften oljne bap ein non anfjen fommenber 9i'ei$ nad)3uweifen wäre, ober eS ift baS Spmptom eines couftitutioiielleu SeibenS (2llcol)oliSmiiS, Scorbut, SpphiliS) ober einer allgemeinen Schwächung beS Körpers. 23ei biefer $ranfl)eit bilben fiel) auf gerötljetem, etwas gefdjwelltcm (SJrunbe bis erbfengrojje, ifolirt ftepenbe Ruffeln mit gelbem, eiterartigem $nl)alt, ber bnrd) beigemifdjteS 23lut oft eine rötlp lidje Färbung erhält (f. gig. 352). X>iefe tüfteln, Welche fid) am häufig* ften an ben ©liebmafjen, bem ®efäp, ber 23ruft nnb bem §a(fe finben, ragen ljalbtngelförmig über bie £nuitoberfläd)e hervor nnb troefnen nad) einigen Xagen 311 einem Schorf ein, ber je nad) bem acuten ober djroni* fcljen Verlauf ein feid)tereS ober tieferes ®efd)Wür bebeeft nnb nad) tiirje* rer ober längerer ,$eit abfällt. 23ei djronifdjem Verlauf wieberholen fid) anfjerbem bie 'ißuftelanSfdjläge in fütteren ober längeren Raufen. £ie 23 e* h a n b l n n g beS acuten (Sfthpma erforbert nur baS Auflegen von warmen 23reinmfd)lägen. 23ei djronifdjent (Sfthpma ift anherbem ber ftanb beS Traufen bnrd) fräftige ©iät, gute Suft nnb (Sifenpräparate 311 heben besw. baS nrfäd)lid)e conftitntionelle Öeiben 311 behanbeln. 23ilben fid) hnrtnäcfige ®efd)Würe, fo finb biefelben mit 311 betupfen. 23ei bem 23lnfcnnu6frf)fnfl (Pemphigus) finben fid) auf entjihib* lid) gerötljeten, von einanber getrennten §autftellen ovale ober rnnbe, erb* fen= bis apfelgrofje 23lafen, weldje grohe?lehnlid)feit mit ben 23raiibblafen nnb einen 3nerft bnrd)fid)tigen, fpäter molligen nnb trüben Inhalt Ipben. biefer 23lafen finb hülfen, 23aud) nnb (Sjtremitäten. 20?an unterfd)eibet einen acuten nnb einen rfjronifdjen (Srftc* rer wirb von einem mehr ober weni* ger fdjweren, fieberhaften ?(llgemeinleiben eingeleitet, worauf fid) bie23la* fen bilben, weldie iljrerfeits in einigen £agen planen nnb eine Slbfdjürfumg hinterlaffen (f. Big. 353). £)iefe bebeeft fid) mit einer bünnen 23orfe, unter weldjer fid) neue (SpibermiS bilbet. £)er djronifdje ent* wiefett fid) aus bem acuten ober tritt von vornherein als foldjer auf, in welchem Balle fid) immerwährenb 23lafen auf ber §aut bilben, ohne bafj baS Slllgemeinbefinben geftört wirb. ®ie llrfadjen ber Trautheit finb 1111* befannt, jebenfallS liegt berfclben aber eine 23lntentniifd)uug (Tpsfrafie ober $ad)e$ie) 3it®runbe, nnb biefe 311 befeitigen, ift Aufgabe ber 23el)anb* lang. £)ie näffenben Stellen fann man mit Stärtemel)l ober 23ärlapp* famen (f. fRec. 9?o. 46) beftrenen. lieber ben ber 9ieugebo* reuen f. „Specialar3t für Fig. 353. Sßentpl)iflll§. 776 Tie Srfjimißflcrfjfe (Rupia) ift, wie bet ©lafeitanSfdflag, nur baS Spmptom eines conftitiitioiielleii VeibenS, imb jwar gnmeift ber SppßiliS (f. „Specialarjt für äJiänner"). Sind) bei biefer £>auttrantljeit bilben fid) ©tafelt, weldje jebod), gnmUnterfd)ieb von ben ©lafen beS 3ßempt)ignS, fiel) länger ßalten nnb nad) iljrent ''ßlaßeii einen bnntlen, bieten Sd)orf bilben, Hinter weldjem bie ßeberßaut gerftört nnb in ein jandjigeS, fdjwer ßeilenbeS ®efd)Wür Verwanbelt ift. Tie © e l) a n b l n n g muß bie 31t ®rnnbe lie= genbe TpSlrafie ober befeitigen. $nr ber Teilung finb bie Sdjorfe bnrd) ©reiumfd)läge abjmveidjen nnb bie ®efd)Würe mit §öllenftein 311 betupfen. Tie freffenbe $lcdjte, and) ber .pmitwolf, freffenbe Sßolf ober Lupus genannt, ift eine meiftenS jwifd)en beni 10. nnb 40. PebenSjaßr nnb jwar Ijänfiger bei grauen, als bei fOi'ännern anftretenbe l)eit, bereit Urfadjen nod) nnbefannt finb. 9Jid)t nitwal)rfd)einlid) ift, baß fcropßnlöfe Tiatßefe nnb ererbte Sl)= pßiliS für bie empfänglid) madjen, niemals aber ift biefelbe ein 3eid)en erworbener SppßiliS. SllS erfte Symptome bilben fid) an einer Stelle, befonberS im®eficßt nnb nainentlid) an ber 9lafe, brannrotße Rieden ober $nötd)en, bie jiemlid) ßart finb, babei aber leießt hinten. DJiit ber 3eit, gewöljnlid) erft im 53er= lauf von 3cl)ren, erreichen bie Rieden ober $nötd)en bie ©roße eines §irfe* fornS ober einer Sinfe nnb finb babei mit trotfenen ßpibernüsfdjnppen bebetft. Später verfdjmeljen entweber bie Änötdjen refp. Rieden 51t weldje über iljre Umgebung per* vorragen nnb eine glänjenbe ©berflädje ljabeti, bie beftänbig trodene Sdjnppen abftößt („abfdjilfernber §antwolf"), ober fie geßen von iljrer Spiße ans in 53erfd)Wärnng über nnb bilben ein in bie ©reite ober Tiefe VorbringenbeS ®efd)Wür, baS eine ftinfenbe, eiterige DJhtffe abfonbert („verfd)wärenber (Sine britte gorm ber ber „W n d) e r n b e § a n t w 01 f", beginnt mit ©iU bnng von Änötdjen, bie nadj nnb nad) wadjfen, fiel) vermehren nnb allmä* lig in förmlidje SÖülfte umwanbeln, Weldje rotl), glängenb nnb prall fpannt finb nnb über bie §ant ßervorragen. 9?id)t feiten ftnben fid) bei einem nnb bemfelben Uranien alle ober gwei formen beS ßnpnS gngleid), nnb gel)en namentlid) bie an ber 9lafe befinblidjen knoten beS wud)ernben Fiff. 354. SltpUä. 777 §autwolfe$ and) in SSerfcpwärung über (f. $ig. 354). ©ie Berftörungen, Weldje ber §autwolf burd) 23erwanblung beß §autgewebeß in Warben, Sßülfte ober ©efdjwüre anridjtet, weldje (enteren fpäter and) auf baß tiefer liegenbe ©ewebe, tnorpel unb tnodjen übergreifen, finb oft erfdjretflid). ©ie 53 e p a n b l n n g ift in ben erften Stabien eine mebicamentöfe (Bo* boform, im fpäteren Verlauf eine djiritrgifdje, b. I). bie Sn* pußperbe müffen bann mit bem Meffer, bem ©lüpeifen, ©alvauocauftit ober Slepmittelu jerftört werben. @ine Vorpanbene ©iatpefe ift burdj in* nerlidje Mittel, wie ßebertpran, -Bobfali, n. a. m., ju bekämpfen. ©er Miißjap (Lepra), and) Maaljet genannt, ift eine ftetß cpronifdj Verlaufenbe trantpeit, weldje bie §aut befällt, babei aber and) allgemeine traiitpeitßerfdjeinnngen jur pat. Man tput beßpalb toaprfdjeinlicß redjt barau, in bemSliißfafc eine von vornperein confti* tutionelle tranfpeit jn er* blicfeu, unb in Uebereiii* ftimmnug bamit paben neuere fyorfrpungen jn bem (Srgebniß gefiiprt, bap ber 2lußfap burcp einen traut- (53acilluS) per* Vorgernfen wirb, ©ie gra- ge, ob ber 5lu§falj anftetfenb ift, wirb Von ber Wteprjapl ber 5lerjte bejapt. ©ie tranfpeit, bie im Mittel- alter überall große £>erpee* ruugen anridjtete unb and) fcpoit im alten ©eftament erwäput wirb, ift fept nocp in Mittel* unb Sübamerifa einfd)ließ(id) ber Slntillen, in 9iorwegen, an ben tüften be$ mittellänbifcpen Meeres, im Orient unb in (Spina peimifd). Man pat jwei formen beS 5luSfapeö ju nnterfdfeiben. 53ei ber einen, bem t n o 11 e n * ober t n o t i g e n bilben fid) un* ter ber £)aut unb ben ©djteimpänten parte tnoten, bie fidj fpätpr in ®e* fdjwüre uniwanbeln (f. fyig. 355). 53ei ber anberen $orm, bem üer* ft ü m in e l u b e n, glatten ober g e f ü p 11 o f e n 21 u ß f a p verfärben fid) erft vereinzelte, fpäter größere gautftellen afdjgrau ober bunteibraun, unb fdjließlid) ftirbt ein ©lieb nad) bem anberen, nacpbem bie betr. Stelle empfinbnngßloß geworben, ab (f. $ig. 356). 53eibe formen beginnen Fig, 355. ßnotigcr Sluäfafc. 778 mit SUlgemeiiierfdjeinungen (äftattigfeit, Sdjlaffndjtigteit, Sdjwerfällig* leit in beit Bewegungen, in ben ©elenfen, SJhiSteln unb Änodjen,Sftagenbefdjwerbenunb feltener and) fieber); baju fommenfyäufig ein ©efüljl beS OaubfeinS unb „?(nieifeufriedjen" in ben ©liebem. Spä* ter treten bie fogen. flehte, rnnblidje, brcinurotfje gfecfen, auf ber §aut fjervor, unb biefe eilt* wideln fid) bann jn ben oben ge- nannten Quollen ober afdfgraiten {yfecfen. 33eibe formen fommen mitunter bei einem unb bemfelben Traufen vor. Oie 33 e l) a u b * l u u g verfpridjt nur in ben erften ©tabien Erfolg. 3l(S Slrjeueien Werben Slrfenif, n. a. m. augewaubt, bod) bleibt bie fadje, bafj '»ßatient aus ber ÄraufljeitSgegeiib in gute unb trotfene Luft iiberfiebelt unb für fräftige unb gehörige Hautpflege forgt. -3*11 ben fpäteren «Stabien ber Äranfljeit ift bie 33el)anblung eine fijmpto* matifrfje. Eine Heilung ift bann auSgefdjloffen, unb tritt ber Oob bei ber fnotigen Lepra bnrdjfdjiüttlid) nad) 10 ein, wäljrenb ber glatte 3luSfafc bis 311 20 ßnljreu bauern fann (bgl. für Haarfranfe"). Oie ElcpIjantiafiS, bas knoten* ober Elepljaiitenbein (Elephantiasis of the Arabs, Barbadoes Leg) ift eine djronifdje, in benfelbeu Läubern wie ber fjeimifdje $rauf()eit, bereu ÜBefen in einer entjiiublidjen SBudjeruitg ber Hnut ttitb be§ UiiterljantjellgewebeS befteljt. 3:n Bwlge biefer üßucpernng verbicfen fid) bie betr. Äörperftetlen (tjauptfädflidj unb «Sdjeufel) auf nnförmlidje Qöeife (f. „©pecialarjt" für Höntfranfljei« teil). ®ie 33 el) anb lun g vermag in ben erften©tabien burdj Slnwem billig von Äälte, (Sinreiben mit grauer Ouedfilberfalbe unb beS betr. ©liebes mit fpäterer, fortwiiljrenber (Sinwicflnug beffelben in eine feudjte 33aumwolleiibinbe vollftänbige 31t erzielen. 33on anberer Seite wirb empfohlen, bie Arterie abjitbinben, weldje baS fraufe ©lieb mit 33lut verforgt. -3ft einmal 33erunftaltung beS ©liebes eingetreten (maiidj® mal erft nacl) 10 Balgen), bann ift eine „Heilung" mir burd) operative Entfernung beS betr. ©liebes 31t ermöglidjen. £)ie $cllji; ober 9lleppoticiilc (Aleppo Button) ift eine $ranfl)eit beS Orients unb tropifdjen Slfrifa, weldje bie Eingeborenen im $inbeS* alter, bie Eingewanberten aber in jebein Lebensalter befällt. Oie Ijeit, bereu Urfarfjen woljl (ß-liegeularven) ober anbere orga- nifdje (33aci(leii) finb, ljat ifjren gewöljnlidj im Fig. 356. SBerffiunntelnber SluSiafc. 779 ®efid)tnnb beginnt mit einer umfdjriebenen meldje einen ober mehrere knoten bitbet. X>iefe gehen fpiiter in 33erfd)tt)ärung über meldje erft nach tanger ©auer unter ©d)orfbilbinig nnb einer 9?arbe heilt (f. $ig. 357). Um biefe 9?arbe fo wenig wie möglich entftettenb 311 machen, muß bie 33 et) aub (1111 g bie- fer an fiel) nngefäfjrlicljen $ranf* Ijeit frülßeitigft mit einem euer- gifdjen (Sinfdjnitt in bie bete ©teile beginnen. öelAtere ift bann reinjntjatten nnb antU feptifcl) 31t betjanbetn (Dgl. 2ßnnbbetjanbtnng). 21(3 ((Srbbeer- pocten, 33eerenfd))Damm; Fram- boesia) bejeid)net man eine feljr anfteefenbe, üornetjmtid) 9ieger befcillenbe ber Tropen, bei Welcher fiel; auf ber §ant rotlje ober Äuöt* djen bitben, bie fid) nad) etwa jmei Sßodjen in ®efd)iDÜre nnb fpiiter in fdjnmmmige ©efdpoülfte Don bem 9tn3fet)en nnb ber ©eftalt einer (5rb* beere ober Himbeere üerwanbetn (ügt. „©peeiatarjt für ©iefe 2tn3ivndjfe fonbern einen fpärtidjen (Siter ab, ber, auf anbere (teilen übertragen, bort anfteefenb ivirft, nnb bebetfen fid) mit Prüften. X) $raiitl)eit fann fid) monatelang l)injiel)en. 33 e I) a n b l n n g: SBarme 33iiber, 33eftrenen ber ®efd)loüre mit ©trenpnlüer (STagS) nnb ßinreiben berfelben (für bie 9?ad)t) mit batfam (5 Xt)ei(e) nnb 3!oboform (1 XI) Nantes ift mit lenftein $u Unter ©djmccrflnf) ober ®tteiö (Seborrhoea) Der fiel) t man eine Der« metjrte 2lbfonbernng ber ÜTatgbriU feit, metdje entiueber örtlid) ober über bie ganje §antoberflad)e Verbreitet ift. 33ei mand)en, mit ©dpneerftnfj behafteten 23erfonen glänzen ©aut Fiff. 357. ©elljibeule. Fig. 358. ffiopfgneiS. (Stuf bet Stirne „aWildjborte", an bcn Dören „räubiger Slnfprung", bg(. <©. 771). 780 unb §aare fortwäljreub, als ob fie frifd) mit $ett eingerieben mären. DJtit ber 23ermel)ruug ber Salgprobiiction verbinbet fiel) häufig eine ber* artige 23eränberuug ber 23efd)affeul)eit beS SalgS, baß festerer uad) fei* ner 3luSfd)eibuug auf nid)t flüffig bleibt, foubern feft wirb. Sie ftolge bavon ift, baß fid) auf ber §autoberfläd)e 23orfeu von trocfe* nein Saig bilben, welche burd) beigemifd)ten Staub meift bräunlich ge* färbt finb. Solche 23orfeu finben fid) vornehmlich auf bem $opf von Säuglingen (f. $ig. 358), unb müffen von I)ier ebenfo wie bie borfigen ßfjeme (f. S. 771) entfernt werben. Sie 23 el) cinb l utig befteßt in 9ieinlid)feit. 23ei 23orfenbi(bnng finb bie Sebumfcßmarten mit fliiffigem fyett 311 erweichen unb bann vorfidjtig abjnljeben. ©arauf ift ber $opf täglid) mit Seifemvaffer abjnmafdjen unb immer gehörig absutroefnen. fließt ber fefte §auttalg uid)t ans ben ©rüfen ab, unb ift bereit ?luSfiil)riingSgaiig augleid) bnrd) erhärtetes Sebum, baS burd) beige* mifdjteii Staub fdjwärjlid) gefärbt ift, verftopft, fo finben mir in ben $ol* titeln „Wtcffcr" (Comedones). SieblingSfiße berfelben finb Stirn, 9iafe unb Sdjläfen. ©ie 3)iiteffer, welche bei ©araufbriiden mit einem U()rfd)liiffel ober bei feitlidjem ©rmf mit ben Ringern fid) in ©eftalt von 2ßürmern mit fdpvärslidjem $opf bnrd) ben engeren 2lnSfiil)rniigSgang ber ©rüfen burcjjpreffen laffen, finb alfo felbft feine bergen aber freilid) oft in fid) (f. S. 623). 23el)anblung : ©ie betr. Stellen finb SlbenbS mit l)eifjem SBaffer absmvafdfen, bann mit23im* fteiufeife unb einem rauhen Sappen abjureibeu, barauf abjutrotfnen unb für bie 9?ad)t mit 3d)tl)l)olfeifenfd)aum einsureiben; ober bie Stellen finb SlbenbS mit warmen 23reiumfd)lägen 311 bebecfen ober mit lauem Gaffer unb weiter Äalifalbe mittelft eines einsureiben. 9?adj einiger geit werben bann bie Heineren Wiiteffer burd) Ueberftreidjeu ber .?)aut mit einem DJlefferrüdeu unb bie größeren bnrd) 2biSbrücteii entfernt, worauf bie Stellen mit lauem Gaffer absmvafd)eu, 311 trocfueu uub fd)ließ* lid) für bie 9?ad)t mit ©olbcream, Saig ober 23afelin 31t beftreictjen finb. ?(m auberen borgen mirb baS g-ett refp. ber Seifeufdfaum mit einem weidfett Säppdjen abgemafdjeu. 3ft bie §aut fetjr empfinblid), b. I). ent* Sünbet fie fid) bei bem fReiben uub SluSbrüdeu ber SDi'iteffer, fo entferne man von biefen allabenblid) nur einige wenige uub mad)e falte Umfdfläge. ©er ober bie £auffinnc (Acne) ift eine $raufl)eit, weldje faft feinen SReufdjen verfdfont, bie meifteu aber nur mäl)* renb ber beläftigt. ©ritt bie SDhiunbarfeit ein, fo Ver* fd)winbet bie $ranfljeit in ber 9tegel von felbft. ©ie ?lcne, von ber bie DJiiteffer mir eine milbere $orm finb, bilbet fid) geivößnlid) aus ber letzte* reu, iiibem fid) bie verftopfte ©rüfe eutsiiubet. ©iefe ßntsüiibiuig füprt jur 23ilbuug von erbfengroßen, rotpen, fdjmershaften knoten, meldje niei* 781 [teil'? eitern (3lcnepnfteln). 'Die Tann aber and) bnrd) 9[eije non (TI)eer-, Vronu ,3obpräparate) nnb bnrd) gewiffe Frontseiten (Vliitarmiitl), 33leid)fnd)t, Verbannng?ftörnngen) t)ernorijern[en begw. in iljrem (5ntftet)en begünftigt werben. Sie Ijat ihren 8iebling?fip, wie bie 2)?iteffer, an ber Stirn, ben 9Jafenflngeln nnb ben VJangen. £)änfig befällt fie and) - nnb entftellt babiird) -ba? gange ®efid)t (f. $ig. 359). 33 el) an bin 11g: 9?gd)bem inan 9lbenb? bie betr. Stellen mit 3Baf- [er nnb Seife abgewafdjen nnb ge* trocfnet l)at, werben biefelben mit- telft eine? 'ißinfel? mit einer ber in 9iecept 9lo. 51 angegebenen 9Jti- fd)iingen ober mit einer 3procentb gen 9ieforcinfalbe mit Seifern fdjanni (non Sdjwefeb, ßreofot* ober 3obfd)Wefetfeife) tüchtig eim gerieben. Da? 9lnfgetragene bleibt über 9?ad)t liegen nnb wirb am anberen SDlorgeii trocfeii abgerie- ben ober mit Fleienwaffer entfernt. Tiefe (Sinreibniigen finb 3-4 Tage lang vorgmiel)inen nnb bann ebenfo lange $eit aii?giifepen. 33ei 93nftelbilbnng finb bie ß-iterblä?- d)en bnrd) oorfidjtige, feitlidje (Sinftidje (mit einer orbentlid) gereinigten nnb be?inficirten) 9label 311 entleeren. 33ei ftarfer (Sntgnnbiing lege man warme 33reinmfd)läge auf. Dtecept 9?o. 51. ©clnvcfelmild), 2l(cot)ol unb ©trccrin 31t g'eidjen SKorgenS trocfen abjureiben.- Ober: Äummerfelb')5f)e? äßafdjfoaffer; heftest au3 10 Oran 6cunpl)er, 1 (Scrupel Öuinmi, 2 ©radimcn ©cbivefelniilct) unb je 2 Unjen Äatf; unb Oiofcnivaffer. 33or bem ©ebraudj gut uinjufcßiitteln unb SRorgen? trocfen ben.- SDber: 3e 10 Sbeite ©cbivefelinitcb, Sßottafcbe, ®ti)cerin, ßirfcblorbeerlvaffer unb granjbranntivein. 3)or bem ®ebraudj tüdjtig ju fdjütteln unb SWorgenS mit SWanbeb Heienaufgufj abjumafcbcn. Die ©artfhine ober ba? Original (Sycosis, Mentagra), eine ber Sartnäcfigften £>anttranfljeiten, bei weldjer Talgbrüfen, nnb ba? benadjbarte §antgewebe ber behaarten £>antftellen (meiften? ber 33artgegenb) entjiinbet finb nnb in Vereiterung übergeljen, beginnt mit einem ®efitl)l ber $ipe nnb Spannung jwifdjen ben paaren, worauf fid) rotlje, bi? erbfengrofje Fnötdjen bilben, bie an ihrer Spipe von einem §aar bnrd)bol)rt finb nnb fid) fpäter in umwanbelii. 9iad) eini= gen Tagen berften bie V(ä?djen, nnb il)r 3nl)alt üertrodnet 311 Frnften, Fig. 359. $autfinne. 782 unter weldjen bie fortbeftel)eu. SiSWeilen befdjränft fiel) bie Sartfinne auf eine Heine ©teile, häufiger aber greift fie um fiel), uub in* bem immer neue Sachfdjübe ftattfinben, bietet fdjliejjlid) bie erfraufte Par- tie eine f>lul)äufung von Sorten, $nötd)en uub (Siterbläsdjen (f. $ig. 360). ©ie tann jahrelang anbauern uub führt bei längerer ©euer burd) .ßerftörnng ber §aarbälge zunt Serluft beS §aareS. Sei Teilung bleiben feidjte Sarbeu zurücf. ©aS geigmal entwicfelt fiel) eut* Weber, wie bie bnrd) (Siitjünbuug ber ©algbrüfeu (unb §aar* bälge) ober burd) (Siuwirtuug eines pflanzlichen auf beu wir nochmals bei bem zuriieffommeu werben, unb ber feljr leicht übertragbar ift. ©er Vaie fall beShalb immer in ber Sartfinne ein äu* perft auftecfenbeS Selben fel)eu unb bemgemäfj hanbeln. Sur zu leidjt er* folgt bie Slnftecfnng in einem Sarbier* laben, iubem Meinte jenes "ißarafiten an einem nicht gehörig gereinigten Safirmeffer haften bleiben unb fpäter auf einen gefunben iSenfdjen übertra* gen werben, (©ie Trautheit hat ba* her and) beit Samen ©ie Seljaiiblung befteljt in ber erften $eit barin, baf? man bie £>aare, Wenn nod) möglich, abrafirt ober bod) turz abfdjneibet unb bann auf bie betr. ©teilen eine Sprocentige Seforciufalbe ober bie in Secept So. 51 angegebenen DSittel allabenblid) auflegt unb fSor* genS abreibt. Sleibt biefe Seljaiib* hing erfolglos, fo ift ber parafitifd)e (Sharacter ber Sartfinne nicht zu bezweifeln, unb bann h'lft nur ßntfer* neu ber §aare, b. I). grüublid)eS SluSreifjen ber einzelnen §aare, Sieben ber $nötd)en unb SläSdjeu mit concentrirter (Sffig* ober ©alpeterfäure ober ?luffd)tihen ber (SiterbläSdjen mit nad)heriger §öllenfteiii*2lehung. Sad) letzterer finb jebeSmal mehrere ©tunben laug falte Umfchläge zu mad)eu. (Sine anbere Slbart beS ginneiiaiiSfd)tagS, bie Äupferftnite (Tupfer* rofe, $upfergefid)t; Acne rosacea) beruht auf einer d)ronifd)en (Sntzüii* billig ber ®efid)tStalgbriifeu mit 2öud)eruug beS SinbegeWebeS uub (5r* Weiterung ber Slutgefäfje in ber Umgebung jener ©rufen, ©ih ber Äupferfinne ift gewöhnlich bie Safe, welche babei blaurot!) wirb („Tupfer* nafe"), fid) enorm üergröfjert („Sfunbnafe") ober auch von Rödern uub Fig. 3G0. SBartfinne. 783 Knollen befett werben fann. ©ie fommt borjugSWeife bei SBein« unb 53raiiiitweintrintern bor („Söurgunbernafe"), inbeffen befällt fie and) mäßig lebenbe Sßerfonen unb non biefen namentlicp grauen in fpäte« reu 3apren ober fo(d)e, welcpe an 2J?eiiftruatiottSftörungen leiben (f. „Spe« cialarjt für grauen"). ©ie 53epanb lung, bie, fobalb fiep bie 9?afe ober eine ju rötpen beginnt, in Eingriff 311 nepnien ift, beftept in ber §auptfad)e barin, baß man etwaige SQ?enftruationSftöruiigen befeitigt unb Silles bermeibet, was 53(utanbrang nad) beut Äopf erzeugt (Slufre« gungen, §i£e, Äälte, alcopolifcpe (getränte. ©aneben tarnt man bie ge« rötpeteu Stellen (aber immer nur nad) unb nad), b. I). tleine ©peile ber« feiben auf einmal) mit (Sollobium ober mit concentrirtem 531eiwaffer mit bon weißer Siegelerbe unb etwas (Eampper beftreicpen, um bie er« weiterleit ®efäße 311 comprimiren, unb ferner baS 2Baf« fer, wie auf S. 781 refp. in 9?ec. 9?o. 51 angegeben, gegen etwaige Slcue« tnoten anweuben. D'iicpt mit ber (f. S. 772) 31t berwecpfeln ift bie gelös li(p;bräunli(pc ftlcicilflcdjtc (Pityriasis versicolor), Welcpe biircp (Einlagerung beS in bie §orufcpid)t ber ©berpaut perborgerufen wirb (f. S. 627). ©iefe fepr verbreitete Ärantpeit, wefcpe and) bei ganj gefunben EDienfd)en, am päufigften aber bei 53rnft« trauten bortommt, pat ipren Sit? gewöpnlid) am §alfe, am 9tü<fen, auf ber 53ruft unb an ben Firmen. (Es bilben fiep an ben betr. Stellen tleine, runbe, gelbe gleiten, weldje fiep Ieid)t abfdjilfern refp. mit bem ginger« nagel abtrapen laffen unb leid)teS (befouberS in ber 53ettwärme) perborrufen. 53ei längerem 53eftepen fließen bie gleefe ju unregelmäßigen giguren jufammen. 53epanbluug : DJieprmalige täglidje (Einreibungen mit grüner Seife. ©er (gib;, £wiiig* ober Äflpfwabcngnnb (Favus), eine fepr anfteefenbe, parafitifepe Ärautpeit, tommt faft mir auf ber bepaarten bor unb wirb burd) Unreiulid)« feit begünftigt. Urfadje ber weldje mit Vorliebe Äinber befällt, ift ber (Erbgrinb« ober gabnSpiQ, nad) feinem (Eutbeifer and) Achorion Schoenleini genannt (f. S. 627). ©iefer 'ißitj entwicfelt fid) in ber tridjterförmigen Wiüiibung ber §aarbälge unb bringt bon pier in ben (f. gig. 361) unb an bie ßopfoberfläcpe perbor. 3w Anfang ber bemerft mau unter einem, bon einem £>aar burdjboprten Sdjüppcpen, wekpeS leidjt abjutrapen ift, ein ftednabelfopfgroßes, gelbes, in bie §aut etwas eingefeutteS 3m weiteren Verlaufe breiten fid) biefe $örperd)en immer weiter aus unb bilben fdjließlicp Fig. 361. $aar, mit gamiSpiia infiltrirt. 784 gelbe, trocfene, fpröbe Torfen, Weld)e Sdjliiffelform hoben, b. h- in ber 20?itte vertieft finb. ©ie £>aare ber erfranften Stellen finb trocfen, bünn, entfärbt, bredjen leidjt ab nnb gehen awS. £n bem $aviiS gefeiten fid) oft nnb in golge beS efjeinatöfe ?(nSfdjläge mit ®rin* ben, welche gewöhnlidj bnnfler finb als bie ftavnSborfen nnb nicht, wie letztere, eine mit einer (SpibermiSlage betleibete, fonbern eine abgefdjiirfte, näffenbe £>antftelte bebecfen. bisweilen ift ber ganje Äopf voll von Sdjorf bejw. Torfen (f. $ig. 362). ©er Verlauf ber ift'ein djronifdjer. 9lad) bem SBerfdjwinbeii berfelben bleiben gewöhnlich faljle Stellen jnriirf. ©ie -Söeljanblnng ift eine langwierige, ©ie Torfen finb, nadjbem bie §aare möglidjft tnrj abgefdjnitten Wnrben, mit ©el ober {yett, bem man (etwa 1 (Sarbolfäure beimifdjen tann, jii erweichen, inbem fie tüd)* tig eingefettet nnb bann mit einer Flanell* ober Seinen* fappe bebectt werben, ©iefe 'ßrocebnr wirb nteljrinalS wieberljolt, worauf bie 53or' fen abgeljoben werben tön* neu. 3m weiteren Verlauf mnfj ber $opf niinbeftenS 2-3 S0?onate lang täglidj mit Seife nnb einer weidjen dürfte forgfältig gereinigt, nnb jebeS traute §aar mit einer ''ßincette ausgewogen werben. ©iefeS„(5ntl)aaren" gefd)iel)t, inbem täglid) melp rere ber tränten §aare ent* fernt nnb bereu iöälge bann mittelft eines weidjen fels mit ber in Dtecept 9lo. 52 angegebenen Vöfnng beftridjen werben. 4öei ber 23et)anblnng fei man feljr vorfidjtig, weil ber mit ben Ringern leidjt übertragen wirb. ftavnS an einer nidjt behaarten Stelle (oft fidj nad) mehreren SBodjen felbft los, fällt ab, nnb bamit ift bie $rant* Ijeit beenbet. 3UV fdjnelleren Teilung tann man foldje Stellen (f. B'ig. 362) mit 3obtinctnr ober einer öprocentigen (Sl)ri)farobin*Salbe beftreidjen. Fiff. 362. 3aüu3. 785 SRccept 5Jco. 52. S ccli$ ©ran Sublimat ivcrben mit 2 ©radjmcn fölniftfjem SBaffer unb A Unjcn ßOprccentiflcm 911 coljol gemifcbr. Der 9tingmurm ober Kaljlgrinb (ftfjeerenbe gledjte, faljlmadjenbe 9tingfledjte; Ringworm) ift eine, bnrdj ben faljlmadjenben pilj (f. 627) vernrfadjte Kranfljeit, Don iveldjer inan je uadj beni Sitj berfelben brei gönnen nnterfdjeibet, nämlidj ben 9tingnmrm beS hartes (= para* fitifdje Sartfinne; f. ©. 782), ben 9thignnirm beS Kopfes unb ben 9ting* ivurm ber unbehaarten Körperteilen*). Der 9tingivurin beS Kopfes zeigt fidj bnrdj tonfurähididje, rnnbe gleife auf beni Kopf. Diefe glecfe finb nidjt ganz faljC fonberu mit furzen, abgebrodjenen paaren belvadjfen, zmi* fdjen benen bie Kopfhaut mit trotfenen Sdjuppen bebetft ift (f. gig. 363). Der 9iingivurm ber unbehaarten Körperteilen ift oft fdjlver von ber in ber Slnmertung ermähnten nidjt parafitifdjen 9tingmurm*(§erpeS*)gorm ZU nnterfdjeiben. (5r beginnt als ein Heiner, erhöhter, gerötljeter Pnnft, meldjer fidj rafdj vergrößert, abfdjilfert nnb in ber 9)?itte einfinft, mobnrdj bie SRingform entfteljt, iveldje fidj bnrdj SlnSbebnnng ber Peripherie bis jn einem Greife von mehreren 3oll Dnrdjmeffer vergrößernfann. Die ©eljanblung beS verlangt 5lbfdjnei= ben beS gefammten Kopfhaars, tignng ber erfranften §aare mittelft pincette (f. gavnS) nnb fleißiges 2ßa=* fdjen ber Stellen mit nnb Söaffer ober 2llcoljol ober 53eftreidjen ber ©teilen mit einer ber in 9tec. 9io. 53 angegebenen Söflingen. Slndj h>er muß bie monatelang biirdj= geführt werben, ©egen ben Oiingnmrm ber nidjt behaarten finb täglidj ein- bis jiveimal (Siiipinfe* lungen ju madjen, unb jnnir mit mit (Sffig, in iveldjem längere 3eit eine Kupfermünze gelegen Ijot, ober mit 3procentiger ßarbolfäure. 9tecevt 5Ro. 53. ,3mei Trarfmicn fölnifdjeS Söaffer unb 4 (Sffiflfäure auf 8 Sßafjcr. - Ober: 1 ©radime SBoraxfäure unb 1 llnje Sdpvefelätljcr auf 6 Unjen rcchficirten SBetngeift. Ulagclpilzfranfheit (Ringworm of the Nail) nennt man ein 9?ageH leiben, weldjeS bnrdj Uebertragnng beS gavnS- ober beS fahlmadjenben Fig. 363. Olingtourm i>e§ *) Slufierbem giebt eä rtorfj einen nidjt parafitifdjen, nicht anfteefenben fRingfourm. ift bieä eine 2lrt cer 23lä3cf)cnflechte (f. ®. 769), txtcldje itjre befonbere ißejcidjnuna von ber ringförmigen Slnorbnung iljreö Slusfdjlagä Ijat. 786 auf beit 9?agel pervorgerttfen wirb. ©abet Wirb ber 9?agel auf fei* ner ©berflädje verbiett uitb pöcferig, an feinem üorberen Üianbe ftumpf, verbiett uitb über bie gebogen, überall non Riffen burepfept nnb brödlig; er fcpilfert fiep leiept ab nnb fann auf bem Nagelbett pin nnb per bewegt werben. 33 e p a u b l u n g : (Sntfernnug be$ 9?agetS, foweit er fiep leicptablöfenläßt, (Siupinfelungen mit (Sarbolfäure unbSllcopol 31t gteiepen ©peilen ober 33aben be$ Gagels in einer ©ublimatlöfitug (1: 2500). ©ie Ulogcllicttentjünining (Run-Around, Onychia), wetepe bnrep peftigen ©nut (3. -53. enge (Scpupe) pervorgerttfen wirb, fiep aber and) im (befolge nnb anberen SJrantpeiteu (3.33. 33erbaniing§ftörnngen, (Sdjarladj) eiuftellt, ift eine (Sutjünbung ber §autpartie,. welcpe beit 91ageh fatj (f. <S. 210) bilbet. ©iefe (Sntjünbnng gept entweber vom 9?agelfalj aus, ober fie pat ipre birecte Urfacpe in einem äßmpern beS 9?agel§, ber bann bnrep „(Sinwacpfen" in ba$ Nagelbett bie (Sntjünbnng pervorrnft. ©er 9?agel wirb babei (oder, envekpt nnb brüepig nnb e$ bilbet fiep an ber (Stelle eine (Sdjwellnng, weldje fiep leiept weiter auSbepnt nnb bei iprer (Sntlee-- rititg eine wäfferige $lüffigteit peraußläßt (f. $ig. 364). ©ie 33 e p a n b l tt n g muß vor allen ©ingen ein vorpan* beneö ©rnnbleiben (33erbannngSftörnngen, n. f. w.) ober nrfäd)lid)e (enge @d)upe) 311 befeitigen fmpen, nm niept nur Teilung 311 bewertftelligen, fonbern and) eine häufige ilßiebertepr beS UebelS 311 verpinbern. ©aneben entferne man von ber ®efd)Wnlft vorfid)tig bie £>ant, wafepe bie entblößte (Stelle öfter mit einer Söfnng von Sllann ober fd)Wefelfanrem ginfojpb (1 ®ran auf jebe Uit3e weid)e§ ÜBaffer) ober betupfe fie mit §öllenftein nnb lege nadjper einen antifeptifepen 33erbanb barüber (f. SBnnbbepanblnng). ©a§ ßinwmpfen ber Uliigel in ba§ $Icifrfj (befonberö pänfig ber großen Bepe) tarnt and) opne 2ßncpern be$ 9tagelö (f. oben) bnrd) ©rnct (be§ (Scpnpwertö) pervorgernfen werben. 33ei geringeren ®raben be§ UebelS fepiebt man unter ben eingewaepfenen 9laub Seinwanb* ober (Sparpiepäuffpen, bie täglich erneuert, größer gemaept nnb fo lange wieber* polt werben müffen, bis ber eiugebrücfte 9?a- gelrattb pervorgepoben ift. 33ei pöperen ©rabeu nimmt man ftatt ber (Sparpiepäufdjen ein 33leiplättd)eu, baS 311m ©peil unter ben 91agel eingefepobeu uitb mit feinem freien Fig. 364. SRagelbettensünbung. Fig. 365. ®inh)ad)icn be§ SRcigetS. 2inf§ (Sin« fcfjitttt in bcn rect)in bet 37? ittc »crbiinnter, vorn eingefcfynits tener Kagel. 787 ©peil über ben umgebogen itnb mit §eftpflafterftreifen befeftigt Wirb. 4Bei (viitjünbung öftere gupbäber, (Sompreffen mit {altem SBaffer ober Sleiwaffer unb (Sinwirfeliingen in weidfe, mit beftridjene Seim Wanb. $ft ber 91agel fepr tief eingewadjfen, fo muff ber 2Ir$t einen (Sim fitjnitt niadjen unb eventuell ben ganjen 9?agel au«reifjen (Dgl. $ig. 365). Um ba« (Siuwadjfeit 311 D e r p ü t e n, W0311 natürlid), wie 311 ber Teilung, Dor allen ©ingen ber betr. ©rucf entfernt werben muff (bequeme ©d)Upe mit breiten, weiten ©pipen), madje man Dorn in ben klaget einen (Sim fdjnitt nnb fdjabe Don ber ©pipe be§ letzteren an bie Dritte be« Gagels (mit einem ®(a«ftüd'd)eii) ber Sänge nad) bünn (f. $ig. 365). 91iemal« fdjneibe man einwadjfenbe 9?ägel feitlid). SBarjen (Warts) finb angeborene ober au« nnbetannten Urfadfen eutftepenbe SBudjerungen einzelner Seberpautpapillen (f. $ig. 366). SBie e« fdjeint, finb mampe Sföarjen anftecfenb. 4Ö e I) a 11 b l n n g: Slepungen mit ©al- peterfäure,©d)Wefelfänre ober IprocentU ger (Spromfäurelöfung, Abtragung mit ber ©cpeere nnb uadjperige Slepung mit bein §öllenfteinftift ober „Slbbinben", wobei man nm bie 423afi« berSBarje eine @d)(inge fdjnürt, Weldje bi« 311m Slbfallen berÜBarje liegen bleibt (f. $ig. 367). ©epr oft peilen bie Sföarjen Don felbft, inbem fie abfallen; bapin gepören bie „feiler- folge" ber ©pnipatpiefcpwinbler („SSerfpre- cpen"). Sommerfproffcn (Freckles), burdj um gleicpe SSertpeilnng be§ garbftoffe« in ber §aut entftepenb unb am pänfigften bei 9totp= nnb 23lonbpaarigen anjntreffen, fepeiuen pauptfädjlid) burcp Ginwirfiing ber ©onneiiftraplen 311 entftepen, benu fie fiuben fiep Dor3ng«meife an nnbe= beeft getragenen Äörperftellen unb treten im Sommer beutlicper peroor al« im SBinter. £öei ber $ e p a n b 111 n g fommt e« be«palb barauf an, bie betr. ©teilen gegen bie ©onneuftraplen 31t fdjiipen. daneben madje man fleißig SBafdjnngen mit (1 ©radjme auf 1 ober ©eifenfpiritu« unbSIbenb« beftreiepe mau bie ©teilen mit ber in Otecept Slo. 54 angegebenen Söfnng ober wafepe fie mit weidjem SBaffer unb ©eife, erpalte fie barauf eine lang feudft unb reibe fie bann mit einem {feinporigen ©epwamm unb feinem ©anb 3iterft fadjt unb au fpäte* reu ?lbenben fräftiger ab. ©er ©anb wirb nad) bie natürlid) nidjt bi« 3111- @nt3üubuiig ber §aut fortgefept werben barf, abgewafdjen, nnb ba« ®efid)t bann getroefnet. Fig. 366. ®urdjf(f)ttitt burtfj etneSßarjeMttbtljrelJttts gebung. Fig. 367. eine abflebunbene SBarje. 788 9t e c e V t 9to. 54. S>ed>8 ®ran Sublimat, 1 ©radmie tocrbiinnte ©aljfäure, 1 Unje ®h)ccrin, je 2 Unjen 9iofcnwaffcr unb 9llcot)ol unb 4Unjcn SBaffer. SOtit einem Sißeil biefer ßöfung ift Slbenbä baS ®efidjt (aber borfidjtig, bamit nidjtg in baö ginge fonunt) anjufeudjten. SJlorgeng mit Seife abjumafdicn. ßcberflcrfc (Liver-Spots) unb SDhittmnälcr (Mother's Marks), auf maffenljafter in ber SOJalpiglji'fdjen Sdjidjt ber Oberljaut bernßenb, tonnen nur burd) operativen ©ingriff entfernt werben. Siefcun* gen (mit (Sublimat, n. a. m.) Reifen bloß voriibergeljenb. ober Scidjbornc (Corns ; vgl. $ig. 404) finb Cberßaut* Vertiefungen infolge anljaltenben ©rucfeS ober DteibenS. -23el)anb* Inng. Äöefeitigurrg beö ©rutfeS ober ber Dleibung (bequeme Stiefel; f. S. 349) unb abenblidje ftußbäbev Von warmem SBaffer unb etwas SBafdjfoba; ift baS §ül)neraitge im 53abe enveidjt, fo ftreidje man etwas von ber nuten angeführten Söfung (Dtec. Dio. 55) auf. Sim anberen 9J?ortf gen läßt fid) baS £>ül)iierauge IjeraiiSfdjäleit. £aS Sdjneiben ber §ül)iier* äugen ift am befielt gan,j 31t unterlaffen ober follte WenigftenS nur mit einem ftumpfen VJieffer vorgenommen werben. £>at man fid) einmal ge* fdjnitten, fo lege man auf bie üBunbe fofort 2procentigeS ©reolin* ober ©arbolmaffer auf unb lagere ben ftuß l)od). £>ie Stellen ber £)ül)iieran* gen finb burd) „£>ül)neraugeurmge" aus SBunbfdjwanim, $iQ, Seber ober nidjt vulcanifirtem ©ummi 31t fdjüfcen, iubeni bie Dlinge rings um bie gelegt werben. S3ei§ül)ueraugeii auf ben gußfoljlen trage man fyiljfoljleu, bie an ber Stelle be§ £ml)iieraitge§ auSgefdjnitten finb. Dlecev t 9t 0. 55. (^üljnerangenmittcl). 5 ®ran Saticijlfäure, j ©radime inbifdxr <§anf unb 1 Unjc Gollobium. -SWan Ijüte fid) mit biefer glüffigfeit bcm Sidjt 31t nal)e 311 fommen 1 ®egeu aufgcfpruiigcnc £mut madje man ®ei aufgefprungenen §änben reibe man baS gett (®ll)cerin) Slbenbs ein unb fließe bann über bie §änbe §anbfd)ul)e. ®rinbe bei aufgefprungenen Sippen finb 311 entfernen, morauf man bie Stellen mit lauem Gaffer ab* tupft unb mit ftett einreibt. SBunbe SJhinbivinfel („SperlingSetfen", bie mandjmal and) Symptome ber SppljiliS finb unb bann, wie im „Special* arjt für 2Jiänner" angegeben, beljanbelt werben müffen) finb mit Wann* löfniig 31t betupfen, ©egen baS Wiffpringen fel)r trorfeuer Sippen reibe man biefe mit ©olbcream, Sei, u. f. w. ein. etwaige berufsmäßige Sdjäblidjfeiteu (bei 2ßäfd)eriunen, Seifenfiebern, u. f. f.) müffen, Wenig* ftcuS für bie 3eit beS SßunbfeinS, gemieben werben. ©egen Uopffdpippen ober (Dandruff), meiftenß eine golge beS SdjmeerfluffeS, ift ber $opf mit verblümtem Salmiafgeift (1 auf 16 £I)eile SÖaffer) ober (Sigelb eiimireiben. T)erfelbe wirb fpäter mit Seifenwaffer gewafdjen unb gut getrocfnet, morauf man iljii (juerft täglid) unb nad) Verlauf einiger 3eit mehrmals in ber Sßodje) mit 789 einer aus 10 Steilen £)d)femuarf unb 1 £l)eil Sd)Wefelmild) jufammem gefegten 'ißomabe eiufettet. £>irfcförncr (Milia), weiße, burd) SSerftopfung ber ©algbrüfeu ent fhnibene ftnötd)en in ber $aut, befonberS an ben Shigenliberii, weibeu auSgebrütft, nadjbem man bie §aut über ben ftuötd)eu anfgefdjniiten. ©egen ben „rotljcn (Prickly Heat), b. i. baß Sluftreten Heiner, jntfenber ftiiötdjeu in ßolge übermäßigen SdjwifcenS, finb 011311* menben: fleißiges 2Bafd)en mit lauwarmem Gaffer, bem man etwas boppeltfol)lenfaureS Patron ober ©ffig snfetAt, unb uadjljerigeS ©inpubern mit Streupulver (9iec. 9io. 46, S. 765.) 23ei nlielricdjciibcn Sdjtvcipcn finb bie betr. (Steden (2Id)felpöplen, Süße) mehrmals täglid) mit ©l)eer* ober ©arbolfeifenwaffer 311 wafdjen ober 9tad)tS mit einem Wappen 31t bebecfen, ber in |procentiger ©Ijroim fänre an gefeuchtet würbe. „S dj w e i ß l) ä 11 b e" unb „S d) ro e i ß f ii ß e", b. i. übermäßig fd)ivipenbe unb Süße, verlangen außerbem peinliche 9ieinlid)feit (täglid) 1* bis 2maligeS iöaben in tattern SBaffer, bem man etwas 9llaun, ©idjeurinbeabfodpntg ober DJiprrljentinetnr beiinifdjen fann) nnb (Jinpnbern mit Stärtemel)!; an ben Süßen finb baumwollene Strümpfe nnb niebrige Sd)ul)e 311 tragen, ft' alte unb §itje ber £>änbe nnb Süße, Wenn trop geeigneter £3efleibiing unb pflege am paltenb, finb Symptome anberer ftrantfjeiten (ftreiSlaiifSftörumgen) unb müffeu als foldje beljanbelt Werben. llcbcnniißtgcr fmarluiidjS wirb mit Sicherheit, b. I). ohne baß bie Ipaare immer wieber nad)Wad)fen, mir burd) ber §aarwur3eln mittelft (Slectricität befeitigt (ßlectrolpfiS; bgt. „Specialar3t für §aut* unb §aartrante"). Salben, Siebungen finb gewöljnlidj uutjloS. 33ei ftaßlföpfigfcit (Baldness), bie iljre Urfadje in einer ftranfßeit ßat, muß uatürlid) (entere befeitigt Werben. 3u anbereu fällen finb SBafdjnngen beS ftopfeS mit (fdjwadjeu) Höflingen von Senf, Pfeffer, SRoSmarin, it. a. m. biefe Vöfungen finb je nadj ber iubivi* bnellen (Smpfinblidjfeit ber ftopfpaut ftärfer 311 madjen (f. „Specialar3t für §aut* unb 2(b* ober ftursfdjneiben beS £>aareS nüpt nidjts. ©aS ©leidje gilt aber oft (bei erblidjer ©iSpofition 311 ftaljlföpfigteit, ober Wenn biefelbe geiftiger Slrbeit ober SDJißljanb* hing ber ift) von allen SOiitteln. Slbgeftorbene §aarwur3elu finb eben uidjt 31t beleben refp. ©aS (Mramvcrbcn ber baS, wenn frülßeitig eintretenb, burd) erblidje Zulage ober ein Nerven* ober allgemeines Seiben verurfadjt wirb, ift burd) nid)ts anf3ul)alten ober 311 peilen. 533er feine tpaare färben will, ßüte fid) ja vor giftigen (befonberS bleihaltigen) fsärbeinitteln. lieber un* fd)äblid)e Mittel f. „Specialar3t für unb £>aarfraiite". 790 bc$ Wieweit (pflnits. ©ie Trautheiten beS 9?ervenfl)ftemS (f. S. 119 n. ff.) finb entmeber folcfye ber Kentraltl)eile, b. I). beS ®el)irnS ober beS 9tü(fenmartS, ober foldje ber peripheren STtjeile, ber Dierven. SBie mir aber im II. STl)eit bem ®el)irn nnb ben Sinnesorganen als beS SSerftanbeS eine be- fonbere ®efprecl)nng mibmeten (f. S. 215 n. ff.), haben mir auch hier von ben Trautheiten beS DiervenfpftemS biefenigen Trautheiten toSjulöfen, melche baS ®el)irn als Sil? beS 2Bahrnel)menS, ©enfeiiS nnb Sollens nnb bie Sinnesorgane betreffen (vgl. Trautheiten beS®el)irnS nnb Traut- heiten beS ®eifteS nnb ber Sinnesorgane). ©ie Trautheiten beS DiervenfpftemS in biefer bie fog. „Dierventrant'heiten", finb feßr verbreitet. ©ie Urfachen biefer Krfchei* nnng finb in ber 9iid)tnng, melche unfer moberneS ßeben genommen hat, nnb in ber Veid)tigfeit 311 fliehen, mit melcper fiel) tranf'hafte SSeränbernm gen im 9iervenfpftem einftellen nnb vererben. ©ie einfachen Sanbbe* mol)iier, melche an ber ruhigen, geniigfamen Vebensmeife ber Dlltvorberen feftljalten, liefern nur ein fehl' geringes Kontingent 311 ber Schaar ber Dierventranfen, nnb iljre Diadjfommen finb an ?eib nnb ®eift gefnnb. 2lber ber „Knltnrmenfd)" beS 19. 3ahrl)nnbert$, beffen 3!vflenb mit nm nül?en Arbeiten nnb fd)äblid)en ©enüffen vergiftet mirb, nnb ber im fpäte« reu Veben rnljeloS nach G)elb nnb 9inl)m haftet, fällt faft immer einer Diervenfrantheit 311m Opfer nnb hinterläßt feinen Tinbern bie Einlage 311 biefer Trautheit, siebenten mir babei, baß bem ?lr3te nur verl)ältniß= mäßig menige gnr Teilung von 9?ervenleiben 31t (Gebote flehen, fo erhellt, baß Teilung nnb Verhütung ber 9?erventrantheiten hanptfäcblicl) von gehöriger Scl)onnng nnb pflege beS tränten refp. ge= fnnben 9lervenfl)ftemS be3m. von einer vernünftigen abhängen. Trautheiten ®ehirn§. ©ie „©ehirnfrantheiten" finb folclje tranf'hafte Krfdjeinnngen im birn, bei melden bie geiftigen Functionen nicht banernb ober überhaupt nicl)t geftört finb. Vettere Trantl)eiten nennen mir „©eifteStrantheiten". ©leichmoljl ift bie ®ren3e 3mifcl)en ®el)irm nnb ©eifteStranfheiten feine fcljarfe. S;m fpäteren, nngünftigen Verlaufe aller ©ehirnfrantheiten mirb and) baS geiftige Vermögen gefd)äbigt. $gl. ©eifteSfrant'heiten. ©ie ®el)irntranfheiten finb entmeber auf Krfrantnngen ber niaffe, ber §irnl)änte ober ober auf ©efdjmülfte in ber Sd)m beHjöl)le ober auf Steigerung ober Slbnahme beS (normalen) ®el)irm SölntgehaltS 3iirü(f3nfül)rcn. 791 Oie fraufpaften Srfdjeinungen, welcpe burep ©epirnfranfpeiten per- vorgerufen werben, bie „§irnft)mptome", finb feljr japlreicp riub für ben Vaien fcpwer ju beuten, beim gerabe baS ®epirn wirb recpt oft burep Sr= franfuugen anberer Organe (beS 23luteS, 23erbannngSapparateS, u. f. W.) in gezogen, opue felbft erfranft 311 fein, unb päufig rufen ganj verfdjiebene ©epirnerfraiifungen bie gleichen Symptome pervor. OaS befte 23eifpiel liefert in biefer 23e$iepuiig ber ber bei weitem nicpt immer baS .ßeidjcn einer ©epirufranfpeit ift unb, falls letzte* reS bocp jutrifft, bie verfcpiebenfteii Srfraiifuugen beS ©epirnS anbeuten faiin. 3m got genbeit geben wir eine lleberficpt ber § i r 11 f i) m p 10 m e unb ber biefen äpnlidjen Srfepeinungeu. Oer (Headache), fofern er Spmptom eines ©epiru- leibens ift, b. I). ber befcpränft fiep eutweber auf eine Stelle ober erftreeft fiep über ben ganzen $opf. 3w erfteren gatte ift er eutweber flopfenb, ftecpenb ober bopreub unb jeigt geWöpulicp au, baß eine organifdje Srfranfung beS ®el)irnS ober eine Oieijimg beS= felbeu (burep eine ©efcpwulft ober einen Sdjäbelbritdj) vorliegt. Oie 23 e p a 11 b 11111 g ift biejenige beS ®runbleibeuS. Oer allgemeine §irm Äopffdjmerj wirb burep Wibernatürlicpe 9iei$ung ober Qieijbarfeit beS ®e- pirnS verurfaept. Oie gewöpnliepfte 23eraiilaffung ber wibernatürlicpen 9?eijung ift 23(utüberfütlimg ber §irngefäße. Oiefer, in golge von 23lut* anbrang ober „Songeft io neu 11 ad) bem $ 0 p f e" eintretenbe, fogen. congeftive ift faft immer flopfenb unb ver= fdjlimmert fid) bei porijontaler Vage, mäßiger Oemperaturerpöpung ober geiftiger Opätigfeit unb nadj 9?aprungSaufuapme ober ©eniiß von Spiru tuofen. Oer $opf ift gerötpet unb peiß. Oie 23ep anblung beftept pauptfädjlidj in einer geeigneten pflege beS 23lutfreiSlaufeS. 3'm ?lnfalle lagere man ben ßopf pod), lege falte Oüdjer ober Sisbeutel auf unb üer= fapre weiters, Wie bei „23lutanbraiig nacp bem $opf" angegeben. - Oie wiberuatürlidje Dteijbarfeit beS SepirnS Wirb burd) anpaltenbe lieber- reijnug beS ©epirnS (auftrengenbe geiftige Opätigfeit, gefdjledjttidje Sius- fepweifimgen, u. f. w.) verurfadjt, ober fie pat ipren ®runb in allgemein 11er 23lutarmutp; in beiben gälten liegt ein VJiißverpältniß jwifdjen 23er- brand) unb Srfap ber §irumaffe (beS vor. Oer pierburdj pervorgerufene tritt päufig bei uüdjternem 9J?agen ein, ift ge- Wöpnlidj fteepeub (ober and) flopfenb) unb bei aufredjter Stellung beS Traufen am ftärfften unb verfdjwinbetnidjt feiten nacp Sffen ober Orinfen. Oie 23 e p a 11 b l u n g pat barnad) 311 ftreben, baß baS erwäpnte 9)iißver= pältniß burep reicplidje ?liifnapme (eiweiß- unb fettpaltiger) 9lapruug unb burep ber ©epirutpätigfeit (feine geiftige 2lm ftrengung ober Aufregung, viel Scplaf) auSgeglidjen wirb. Stellt fiel) 792 biefer Äopffcpmerj ein, fo lagere man beit fiopf tief, fege marine Dücper auf unb iiepme eventuell etwas Wahrung 311 fiel). 33ei „anäinifcpem" Sfopffdpnerj verfahre man anfjerbem, wie bei 33lutarinutp nnb bei blut- leere beS ®el)irnS angegeben. Die SWigräiie, ben l)olb- ober einfeitigeu Äopffcpmerj ober bie §emh franie (Migraine, Megrim, Hemicrania) nennt man einen, auf eine (befonberS bie Hufe) ober einen fleinen STljeit beS Kopfes be- fepränften beffen Urfadje bejw. (Sutftepung nod) unflar ift (vgl. Weuralgie). Diefer Äopffcpmerj tritt in auf, welcpe oft regelmäßig wieberfepren, nnb jwar bei grauen, welche baranammeiften 311 leiben hoben, gewöhnlich jur $eit ber SWenftruation. (Sin foldjer Sliifall, ber 6 bis 24 (Stunben bauert, beginnt meift WiorgenS balb nach bem 2lnf- fteljeii. Die Traufen empfinben WJattigfeit, ?lbgefcplageupeit ober Weh gung 311111 ®äl)iien, fröfteln, finb verftimmt nnb gereijt, fühlen fiep übel, haben feinen Appetit, unb einen pappigen ©efepmatf im SWuube, 1111b fd)ließlid) gefeilt fiel) baju jener ber balb uadjtäßt, balb 1111er® träglicp wirb. 2luf ber £>öpe beS Unfalls {teilt fiep meifteuS (Srbrecpen bitter fepmetfenber, grünlicper glüffigfeit ein, Wonach alle (Symptome nadjlaffen, 1111b ber Patient fcpließlid) in einen fefteu «Scplaf verfällt, aus welchem er frifcp anfwad)t. Die 33 e p a 11 b l u 11 g Wäprenb ber anfalls* freien Verlangt ©djonung unb Wupe (feine Diätfepler, (Srfältimgen, ©emiitpSaiifregiingeii ober geiftigen lleberaiiftreiigungen). -3m Unfälle rupe man mit erpöptem ftopf in porijontaler Vage in bunflem Rimmer unb enthalte fiel) ber WapruiigSanfnapme. Die ?lnwenbiing von Slrjeneh mitteln ((Soffein, Wmplnitrit, £>anf, (Srgot, 33ellaboima, Digitalis, u. f. w.) muß bem Wrjt Vorbehalten bleiben, beim was in einem gälte hilft, fepabet int anberen. 33gl. pierju „SWigräne" im „©pecialarjt für grauen." Der „g a ft r i f cp e $ 0 p f f d) m e r jb. p. berjenige $opffd)inerj, welcper fiep 311 23erbauiiiigSftöruugeii gefeilt, pat feine Urfacpe bariu, bafj 'ißrobucte ber franfpaft Veräiiberten Verbauung in baS 331ut anfgenoim inen unb von biefem nad) bem®epirn gefepafft werben, wo fie auf baffelbe einen Weij auSübeii (vgl. 198 u. f.). Diefer obwohl alfo eine, burep wibernatürlicpe Weisung beS ©epirnS pervorgernfene (Sr* fd)einung, ift tropbem fein fonbern baS ,3ekpen einer SJerbauungSftörung, unb bemuacp beftept anep bie 33epanblung beS gaftri= fcpeu vornehmlich in ber 33efeitigung beS 33erbaiiungS* leibens. Weitere Urteil beS Weld)e uiept im .ßufammeuhaug mit ®el)irnfranfl)eiteii ftepen, finb: Der „r p e 11111 a t i f cp e $ 0 p f f cp m e r j", ein reißenber, fpannenber ober jufammenjiepenber «Scpnierj in ben fleifcpigen unb fepnigen Dpeilen 793 be$ ©djäbels, ber fid) bei Bewegungen be$ Kelteren (Bauen, ©tirnrum Sein, u. f. w.) erljöljt. Beljanblung: 91ulje unb SBärme. ©er „11 e u r a I g i f d) e B o p f f dj m e r 3", eine Slffection ber klopf' Ijantiierven, ift meljr ober weniger Ijeftig, tritt gewöpnlicp anfallsweife auf unb befdjränft fidj Ijäufig auf eine Bopfljälfte. Sind) ljier fiub Shtlje unb Sßärme non Slötljen. 9)1 it Branfljeiten be§ fnödjernen ©djäbelS ober ber Bnodjenßaut be§- fetbeu verbiubet fidj ein halb bumpfer, halb Ijeftiger Bopffdjmers, ber fid) bei ©rnef auf bie erfranfte ©teile erpößt. ®egen biefen Bopffdjmers ift jebe Betjanblimg madjtloS, wenn biefelbe nidjt ba§ urfädjlidje Buodjeu* leiben 311 befeitigen vermag. Sind) Ueberanftrenguug ber Singen ruft Bopffdjmers pervor, weldjer burd) ©djonung ber Singen unb (bei ge- fdjwädjtem ©efidjtSfinn) burd) ©ragen einer paffenbeu Brille ge= Ijoben wirb. Bei beut ©djnupfen ftellt fid) nidjt feiten ein Ijeftiger ©djmers int Borberljaupt ein. ©erfelbe wirb baburdj verurfadjt, baß fid) bie catan- ljalifdje Entsünbung ber 91afenpöl)lenfd)leintpaut auf bie SluSfleibung ber ©tirnl)öl)len (f. ©. 86) anSgebeljnt ljat. ©ie Beljanbliing ift bie gleidje wie beim ©djnupfen; f. 91afencatarti). . Slußer bei ®el)inifranfljeiten fiub Bopffdjmersen ©Ijmptonie von ernfter Bebentnng: bei 91ierentranfljeiten refp. bei Vergiftung; bei 9tl)eumati§mu§, weil ber Bopffctjmers, ber 91ad)t§ gewöljnlid) am fdjlimmften ift, hierbei oft burd) rl)eumatifd)e (Sntjitnbung ber §irnl)äute Ijervorgernfen wirb, unb bei tertiärer ©i)pl)iti§; festerer Bopffdpners ift fel)r ljartnäefig unb tritt ebenfalls gewöljnlid) 91ad)t$ am Ijäufigften auf (f. „©pecialarst für SOlänner"). Bei allen Bopffdjmerjen, weldje nidjt Beidjen einer fdjweren (5r- trantnug (beS ®el)irn§ refp. ber (Sutjünbung ber ober tertiären ©l)pl)i(is) fiub, bringen Einreibungen be§ Bopfeö mit ät()erifd)en unb alcol)olifd)en ftlnffigteiten (Sßeingeift, ©ropfen, Eau be Eologne, g-ranjbranntwein, Effig, u. a. m.) gewöljnlid) S i u b e r 11 n g (nidjt Teilung). SBeitere ©er ©djwinbcl (Giddiness) ift baS einer organifdjen ®e- Zirntrantljeit ober ber Blutüberfüllung ober Blutleere beS EtefjirnS; er ftellt fidj aber and) bei Branfljeiten beS ©eljörorganS, bei Berbauiiiigß= ftörnngen, bei übermäßigem ©eitufj von ©abat, 11. a. nt. ein. 3n allen fällen fiub vorerft bie urfädjlidjen ©djäblidjteiteu 31t befeitigen (außer bett betr. Branfljeiten ©abafgenuß, geiftige Ueberanftrenguug, enge £jal$* 794 fragen, it. f. f.), itrtb hat Patient bann ein ftrict IjpgieinifdjeS geben 31t führen. Oie Schlnflofigfcit (Sleeplessness), ift eine $olge Don (Srfranfiiiigeii ber Vlutüberfülluug ober Vlutleere beS@e* hirnS, geiftiger Ueberanftrenguiig, u. f. w.; Ijänfig ift fie aber audj nur burdj fdjledjte Ventilation beS Schlafzimmers, ftarfe VJialjQeiten Dor bem Sdjlafengeljen, VerbaiiungSftörnngeii, u. a. m. Deranlaßt, unb nidjt feiten Ijat fie iljre Urfadje in ber ©ewöhnung an fpäteS Bubettgeljeii ober in ge* iDoljiiheitSinäßigem STrinfen anfregenber ©etränfe (Kaffee, Oljee) Dor bem Sdjlafeiigeljen. 9iatürlic(j fann bie Sdjlaflofigfeit and) bnrd) auf* tretenbe Schmerzen, z- V. bei fljpljilitifdjen unb burdj jmfenbe Dernrfadjt werben. Oie Sdjlaflofigfeit Derljins bert bie SJZaufernng ber ©eljirnmaffe (Dgl. S. 330) unb ift beSljalb nidjt jn Dernadjläffigen. Oie V e lj a 11 b 111 n g muß gegen baS ©runbübel refp. gegen bie urfädjlidjen Sdjäblidjfeiteu gerichtet fein. 3« öden gälten felje man baranf, baß baS Schlafzimmer gut gelüftet werbe, abfeits Dom Stra* ßenlärm gelegen unb nidjt bumpf uodj feudjt fei, unb ferner, baß bie 9iulje beS 'ißatieiiten, ber fidj OagS über gehörige VeWegung 311 madjeu ljat, nidjt burdj gönn im Sdjlaf* ober 9iebenjimmer geftört werbe, Oie Slnwen* bnng Don narfotifdjen Mitteln ift auf baS geringfte SDfriß einzufchränten, weil anbernfallS ber Traufe leidjt in ben gewohnheitsmäßigen ©eiiuß Don Opium ober ßljloralljljbrat Derfällt. Oie Srfjlaffurfjt (Sopor) ift entweber nur bie natürliche golge einer Ueberanftrenguiig beS ©eljirnö ober baö ©Ijmptom einer £>irnfrantheit ober Vliitentartung (3. SB. bei S'nfectionSfrantljeiten, narfotifdjen Vergift tuugen, Urämie). Oie Vehanbliing ergiebt fidj ans ber beS urfädp liehen UebelS. OaS Xräumcn, auf einer theilweifen ©ehirnthätigfeit wäljrenb beS ©djlafenS bernljenb (f. @. 290), ift nur bann beforguißerregenb, wenn es überaus lebljaft, beängftigeub unb anljaltenb ift. foldjeit fällen Der* faljre man, wie bei ©djlaflofigfeit angegeben. - Slnbere Störungen beS SdjlafeS finb baS Auffahren ober 9lnffdjrcrfcn im Schlafe unb baS 9llps briitfen. @rftereS, (Srwadjen mit fdjnellem Slufridjten, §erj* flopfen, 11. a. m., foinint befonberS häufig bei Äinbern Dor. bie baran leiben, bürfen nidjt im Ounfeln fdjlafen, nodj Dor beni Bobett* gehen effen; aiidj forge man für orbentlidje geibeSöffnung. laffe man am Oage nidjt 311 Diel fdjlafen, beljüte fie Dor bem fürchten unb rege fie nicht burdj Spiele ober (Srjäljlnngen SlbenbS auf. Schelte ober förper* lidje Büdjtigniigen finb gerabeju Derwerflidj. - OaS 211 p b r ii cf e 11 ober ber 211 p, ein beängftigenber Oraiim mit bem Oefüljl einer aufliegenben, erftiefen madjenben gaft, ift gewöhnlich bie ftolge einer Ueberfüllung beS 795 3JtagenS unb nur in feltenen gälten ein §irnfljmptom. 9)?an forge beS* halb vor alten ©ingen, baß bet Seibeube nidjt Dor bem Schlafengehen ißt unb orbentlicpen Stuhlgang Ijat. (Sin höherer ®rab beS ©räumens ift bev SomnanthtiltSmuö, baS Sdjlaf* ober Sladjtwanbelu, b. tj. eine Slrt Don Sdjlaf, bei welcher ber SDlenfclj, olpie nach bem (Srwadjeu baüon ?u fjabeit, mit gefd)(of= fenen ober offenen Singen fdjeiubar bewußte §anblungen üolljietjt ober umherwanbeit. SJZan hüte fidj, 9tadjtwanbler, befonberS wenn fie fiel) in gefährlichen befinben, aufzuwecten; fie ftürjen um fo fixerer 'zu Vobeu, je gefährlicher ihre Situation ift. ©ie V e h a n b l u n g ift bie ber SRerDenfdjwädje (f. fpäter). Um unglütflidje folgen beS Schlaf* wanbelnS 311 verhüten, forge mau immer bafür, baß Slbenbs genfter unb ©Ijüren im Schlafzimmer eines 9iadjtwanblerS gehörig verfdjloffeu unb alle ©egenftänbe aus bem Rimmer entfernt werben, womit ber Somnambulift etwaiges Unheil anrichten möchte (®eweljre, äReffer, Sdjeeren, u. f. w.) Unter Tclirircn ober Ipbantafircn verfteljt man eine bem ©räumen ähnliche, Verteljrte §irnthätigteit, wobei fidj wirtliche ober Vermeintliche Vorgänge ber Slußenwelt mit VJahrivorftelluiigen beS Traufen vermifdjen unb entweber in (eifern, ruhigem Vorfidjljiufpredjen ober in lautem 9teben ober ©eftifuliren ober gar in wilber 9?aferei tunbgeben. ©aS ©eliriren ift gewöhnlich üorübergehenb, b. i. in ben meiften gälten baS Spmptom einer zeitweiligen ©ehirnreizung; biefe fommt zu Staube burdj ©eljirn* leiben, 4ölutentartungen (gieber, Vergiftungen, z» V. SlteoholiSmuS) ober auch nur bitrdj geiftige Ueberanftreiigung, heftige SinneSeiubrücfe ober anbere (Türmer im ©arm). (Sin bauerubeS, fieberlofeS ©eliri* reu ift baS .ßetdjen einer ®eifteSfranfheit. ©ie Vehanblung ridjtet fiel) nad) ber ®ruubitrfad)e. ©aneben mache man falte Umfdjläge auf ben Äopf, gußbäber, Senfteige, reizenbe Salz* ober lieber V e w u ß 110 f i g.t e i t f. „Ungli'ufSfälle unb Ver- legungen". ©ie Vlutüberfiillung ober ©cßirnS (Cerebral Hyperaemia), burch übermäßige Vlutzufuhr nad) bem ©ehirn ober burdj Vlutftauung in bemfelbeu Derurfadjt, ift ein gefährliches (fßmptomatifcheS) ßeiben, weil es leidjt zum Verften eines VlutgefäßeS im ©etjirn (Schlag* anfall) führt, ©ie S l) m p 10 m e finb: ßopffdjmerz, bumpfes, fdjwereS (Sfefüljl im ©rägheit beS ©eifteS, Sdjläfrigfeit, ©hvenfaufen, W?ücfenfeheu, ©rmf in ber Slugenhöljle, unruhiger Schlaf, u. a. m. £um Unterschiebe von ber Vlutleere beS ®el)irnS, bei welcher bie genannten Symptome ebenfalls auftreten, gefeiten fiep bei beS ©eljirnS ZU biefeu (SrfMeinungen uodj: gefdjwolleneS, gerötpeteS (Sfeficpt, ftarf her* 796 vortretenbe unb pulfirenbe «Stirnabern unb eine Steigerung fämmtlicfjer Symptome biird) SÖärme, Söiicfeii, ©ieflegen beS StopfeS unb (Ijeiße ober alcoßolifdje) (getränte. gär bie 4Ö e l) a n b l it n g ergiebt fid) baranS als oberfter (gr unb faß, baß man biefe Sd)äblid)feiten nieibet. 3m Unfälle ift vor alten ©ingen ber Stopf ßod) 311 lagern, ©aneben finb talte Umfdjläge auf ben Stopf, marme (ableitenbe) £>anb* unb gußbäber, Senf* pflafter auf ben Platten unb Stlpftiere von marinem Sßaffer mit Bnfaß von Offig ober Sa(3 angejeigt. - meldje häufig an 4ö(ntaii=* brang uad) bem $opf (an (5 o n g e ft i o n e n n a d) b e in St o p f) leiben, ljaben iljre ganje Sebensmeife uad) ben biätetifdjen Sßorfdjriften 311 regeln, meldje fpäter bei „Sdjlaganfall" anfgeftellt merben. ©ie lölntlecrc ober Anämie bc§ Oicljirns (Anaemia of the Brain), bereit Symptome fid) aus bem im Sßorßergeßenbeit (gefagten ergeben, ift entmeber eine vorübergeßenbe (in golge von 33lutverluften, Sdjrecf, u. f. m.) ober eine anljaltenbe (bei gemiffen Äraiitßeiten, mie Sölntarmutl), (gidjt, Seberleiben). ©ie 33 e l) a n b l u u g muß barnadj ftreben, biird) träftige $oft, mäßige Mengen guten 33iereS ober SBeineS, Sifenpräparate, Sebertljran, n. f. m. bie 33lutmenge 311 mehren. Sinb „granenleiben" vorljanben, fo ridjte man fiel; uad) ben betr. Slnmeif ungen im für grauen". ©ie verfdjiebenen Slrten ber SRcningitig, b. i. ber (Sntsünbung ber £)irnf)änte, unb ber ßcrcbritiS, b. lj. ber ßntjünbung ber treten auf: in golge von äußeren 9teijen (Soiiiienftraljleii, Sdjtag, (5r* tältniigen, ©iirdjnäffnngen), von Sdjäbelverlebungen ober entjünblidjen am Sdjäbel (Stnodjeiifraß, ©Ijrenentaüiibung, (gefdjivulftbil* billig), von ©ibertelbilbung ober von anberen Strantßeiten (Sl)pl)ili§, 11. f. m.). Slußerbem giebt e§ uodj eine (bereits auf S. 505) befprodjeue .'pirnl)antent5ünbiiiig (ben fogen. epibemifdjen (genicffrainpf), meldje bureß Straiitl)eitSfeime nidjt tubercnlöfen ßßaracterS Ijervorgerufeu mirb. ©ie §irnt)anteiit3nnbungen verlaufen acut (unter ben Symptomen be§ „(ge* uirfframpfeS") ober djronifd); bei Verlauf finb bie (grfcljeiiiun* gen oft fo unbeftimmte, bafj baS Reiben 311 Webseiten be§ Stranten garnidjt ertannt merben faun. ©ie (5nt3imbiingen ber verbreiten fid) langfam von ben £)irnl)äuten auf einen ©Ijeil beS (geßirnS unb führen fd)ließlict) 31t SSerfd)rinnpfuiig ober Verhärtung beS ergriffenen ©ßeileö. ©ie 33 e l) a n b (11 n g ber acuten §irnl)autent3ünbuiigen ift älpilid), mie bie be§ epibemifdjeit (geuiifframpfs. 33ci djronifdjer Meningitis unb SerebritiS giebt eS feine fpecififdje 33ef)anblung; in foldjen gälten ift mir barauf 311 feljeii, baß Patient eine rußige SebenSmeife fütjrt unb 2UleS ver* meibet, maS 33liitanbrang uad) bem Stopfe veranlaßt. 93gl. (geßirn* mafferfudit. 797 £)er Stl)lngfhif; ober fnrnfifjlagfliiß (Apoplexy) ift eine, in Sin* füllen („Sdjlaganfall") anftretenbe £)ie Urfndje berfelben ift Werften eineö ®el)irnblntgefäßeS mit SluStritt in bie §iruniaffe. £>aß ein fold)eS Silutgefiiß jerreift, ljat entweber feinen ®rnnb bariu, baß e§, wie bieS befonberS bei alten Seilten vorfomint, Ijärter unb brüdjig ober fettig nnb Weid), b. i. gegen irgenbwie erl)öl)ten Sflutanbraug Wenig Wiber* ftanbsfäßig würbe (bergt. S. 667); bie fettige Entartung nnb (SrWeidpmg ber ©efäßwanbnng finbet fid) Vornelpulid) bei fetten {ynbivibnen ein, weldje mit alcoßolifdjen (getränten SJiißbraud) treiben. Dieißt nun ein Blutgefäß im ®el)irn, fo tritt meljr ober weniger S3lnt in bie §irnmaffe über nnb brüdt auf bie $afern nnb gellen berfelben. ®ie $olge biefeS ©rmfeS finb erfdiwerte Spradfe nnb Siiljmnng beteiligen weldje ber vom SJlnterguß betroffe* neu ®el)irnl)älfte entgegengefetjt ift; wenn alfo S3lnt in bie redjte ©roß* I)irnl)emifpl)äre ausfließt, Wirb bie linfe £örperl)älfte gelähmt, ©iefe (5rfd)einnng erflärt fid) barauS, baß bie fenfitiven nnb motorifdjen 91er* Veit einer Hälfte beS Körpers mit ber ®roßl)irnl)ä(fte ber anberen Äör* perßälfte in 53erbinbung ftetjeu (f. S. 129). „ßnineift fdjwinbet bei einem Sdjlaganfall and) bas 4Bewußtfein. - ©aS in bie ©eljirnfubftanj über* getretene S3lnt wirb entweber vom ®el)irn wieber reforbirt, nnb es tritt bann ©enefnng ein; ober ber Pa- tient ftirbt balb nad) bem Slnfall, weil ber ein jn großer war; ober aber eS fommt ju einer tßeilweifen ©enefnng mit eventuell nadifol* genbem £obe, inbem fid) bdS ergoffene 53lnt abtapfelt (f. $ig. 368 nnb @. 633), nnbbiefe apoplectifdje ßtjfte nur SäljnuingSerfdjeinnngen ljinter* läßt, ober inbem baS 53lnt in (Sntjünbnng nnb (Siternng iibergel)t nnb fd)ließ(id) ®el)irnerweid)nng ßerbeifüljrt. (Sin @ d) l a g a nf a 11 f'ann mit ober olpte Vorboten eintreten; jn biefen gehören bie «Symptome beS S3lntanbrangS nad) bem $opf nnb baS @d)Winben beS S3ewnßtfeinS nnb ber Sinne. S3ei beginn beS Unfalls ftürjt Patient p(ö(3lid) mit lautem Sluffcßrei ober lautlos 311 S3oben, baS ®efid)t ift bleid) ober blanrotl) nnb gewöpnlid) auf einer Seite verzerrt, ber SBinfel beS von Sdjanm nnb Speid)el bebetften DJhmbeS jießt fid) auf bie* fer Seite fdjief Ijerab, bie Pupille ift erweitert nnb baS Singe ftier, bie Siu* genliber finb Ijerabgefunten, baS Sltpmen ift mütjfam nnb rödjeliib, unb Fig. 368. a) ©reute ©roßfitrnrinbe, b) h'ciße $irn|ub= ftanj, c) SRerbettfafcrn in berfelben, d) apoplec= tifefje (Stifte. 798 jebe (Syfpiration bläht bie fdjlaffen Baden auf. Tabei liegt Patient re® gungSloS auf bem Boben (f. $tg. 369), unb bie ©lieber berparren in ber einmal eingenommenen Sage. SD?an merte fiel) baS, um einen (gpileptifer bon einen bom Schlage (getroffenen unterfcheiben zu tonnen (bgl. (Spilepfie). B e h a n b l u n g. bem Slnfalle bringe man ben Tranten fofort in eine Stellung mit erhöhtem Topf unb hcrabhängenben fyitßen unb lodere alle beengenben TleibungSftüde. Tie ßuft im Tram tenzimmer fei rein unb tül)l. Tann mache mau (SiS* ober Taltwafferums fchläge auf §als, SRaden unb unb berabreidje heiße gnßbäber unb (Sffigflpftiere unb lege Senfpflafter auf bie 2öaben. sJ?ad) bem 21m falle ift Dilles z« bermeiben, was Blutanbrang nad) bem Topf bernrfad)t, unb finb alle 9?erbenreize (©eräufepe, grelles Sicht, u. f. W.) bom ten fernzuhalten. Später (jebod) barf man niept zu frühzeitig bamit bes ginnen) wenbe man gegen bie ÖähmnngSerfcheinungen Blaffage unb Fig. 369. Sage eines bom Sdjlage ©etroffenen (bg(. §ig. 373.) (Slectricität art. 3ft her Patient ber Sprache beraubt unb recptSfeitig gelähmt, fo bermag er feine Sßünfdje nieberjufcpreiben, aber nur in „Spies gelfcprift," b. f). ber Trante fdjreibt bau rechts nach lints, unb finb bie Schriftzüge im Spiegel ju entziffern. Bei ber großen ©efährlidjfeit ber Trautheit unb ber geringen 2)?ad)t, welche bie ärztliche Tunft ipr gegenüber ift bie 23 e r h ü t u n g b o n Schlaganfällen baS in erfter Sinie anznftrebenbe £iel. 2llle 'ßers fönen, welche ber ©efaljr eines Schlaganfalls finb, muffen jebe ©elegenpeitSurfadje eines Schlaganfalls forgfältig bermeiben. 3U biefen '»Perforiert gehören aber nidjt nur foldje Seute, bei welchen fiel) fefjon 23or* läufer beS Schlaganfalls (Topfcongeftionen, Sdjwinbelanfälle, u. f. w.) melben, fonbern auch alle bejahrten '»ßerfonen, ©enefenbe nach fdjweren Trautheiten, wie z. -23. TppljuS, unb Seute mit bem fogen. apopleftifdjen §abituS. Unter legerer Bezeichnung berftept man beleibte mit 799 tuqem, bicfem £)als unb rotpem (gefiept (in golge Don iölutanbrang nacp bem Kopf). gettfucpt, befonberS wenn fie fiep fcpnell entwidelte, bispo* nirt juin Siplagfluß (Dgl. S. 647 u. ff.). Sille 311 Scplaganfällen neigen* ben fßerfonen pabeit fiep immer fowopl geiftig, als anep förperlicp rupig 31t Derpalten. SlnftrengenbeS Slrbeiten, Dornepmlicp mit (gebüeftfipen, (ge* mütpsaufregungen, Körperanftrengungen (Sanfen, Ständen, Scpwimmen, Seiten, ©reppenfteigen), peftige SinneSeinbrütfe, it. f. W. finb unterfagt. ©ie fftaprung fei leiept Derbaulicp, unb jebe StuptDerftopfung ift balbigft (aber niept bnrep Slbfüprmittel) ju befeitigen. Spirituöfe (getränte, fowie Xpee nnb Kaffee finb niept 311 genießen; pöcpftenS finb Heine fOZengen leiepten ober 9?peinweinS erlaubt, genier piite man fiep Dor plöpliepem ©emperaturwecpfel nnb (Srtältnng überpaupt, Dermeibe äußere ScpäbelDerlepungen ober (Srfcpütterung beS Kopfes (bnrep Scplag, Stoß, galten, Springen, u. f. w.) nnb ftarteS fßreffen beim Stuplgang nnb be* peinige babei noep bie SSorfcpriften für gettfücptige (f. S. 650). ©ir ökpirnwafferfuept ober ber äßafferfopf (Hydrocephalus) ift eine acut ober epronifep Derlaufenbe Krantpeit, welcpe auf Slusfcpwipung einer wäfferigen glüffigteit 3Wifcpen bie ober in bie berupt. ©ie acute ® e p i r n w a f f e r f u cp t, auep ber „pipige Sßaffer* topf" genannt, ift eine tuberculöfe §irnpautent3Ünbung, bei welcper fiep jene glüffigteit auSfcpeibet. ©iefe Krantpeit tommt in jebem Lebensalter, 3itmeift aber bei Äinbern 3Wifepen 2 nnb 7 üor. 9Hept 311 Der* weepfeln mit biefer ift baS $ p b r 0 c e p p a 10 i b, bie golgeer* fepeinung einer ©epirnanämie, bie fiep Dor3iigSWeife in beu lepten Stabien langwieriger ©iarrpöe ober ber 53recprupr bei einfinbet (Dgl. „Special* arjt für grauen"). 4öei bem ift fein gieber Dorpanben nnb fintt bie Körperwärme unter bie 97orm. ©ie epronifepe ®epirn* w a f f e r f u cl) t ift entweber angeboren ober ent* wicfelt fiep halb nacp ber ®eburt, epe bie 9?äpte beS ScpäbelS fiep fcpließen, ober 3U irgenb einer 3eit nacp ber (Geburt, naepbem bie 91ätpe üerfnöcpern. 3n ben beiben erftgenannten gälten ift eine beut* liepe fDJißbilbung beS Kopfes Dorpanben. ©er Kopf (nnb befonberS ber Scpäbel) ift uiiDerpältnißmäßig groß, fo baß ipnbie Kiuber feiten aufreept tragen tonnen, fonbern nacp Dorn ober nacp ber Seite gebeugt palten. Stirn*, Scpläfen* unb finb ftart gewölbt, baS (gefiept ift t'lein unb Don greifeupaftem SluSfepen unb baS Kimi ftart 3ugefpipt (f. gig. 370). ©er Scpäbel ift weiep, pauptfäcplicp an ben, ben Knocpen* nätpen entfpreepenben Stellen, ber Kopf flnctuireiib, unb bie gonfaiielten Fig. 370. (£ Orontfcfjer SSaffertoVf. 800 finb außerorbentlid) groß unb bleiben längere 3eit offen. 2Ö3ie bie (5nt- widlung be« ftopfe«, bleibt and) bie geiftige unb bie be« ganzen übrigen Körper« jurüd. Viele foldjer ßinber lernen gar nid)t laufen, finb blinb, tanbftnmm, u. f. w., unb bie große fDleßrjaljl berfelben ftirbt in ben erften gebenSfaljreu; nur wenige erreidjen ein Sliter von unb barüber. Wlit beteiligen ftormber d)ronifd)en®el)irnwafferfud)t, weldfe nadj ©d)luß ber ©djäbelnätlje erworben wirb, ift eine Vergrößerung ober $ormveräm berung be« ©djäbel« nidjt verbunben. ©ie giebt fid) funb burd) ftetig fortfdjreitenbe Slbuaßme be« geiftigen Vermögen«, ber ©inne, ©d)laffud)t unb anbere £nrnfl)iuptome. Sim ßäufigften wirb biefe«, mit verfd)iebenen (Srfranfungen be« ®el)irn« einljergeljenbe (fpmptomatifdje) Reiben bei bem ©djrnmpfeit ber (£> i r n f d) w u n b) im ßößeren Sliter (Sllter«waf fertopf ober SU ter «ßirnf d) w unb) beobachtet. Diefe ßforni be« SBafferfopfe«, b. I). ber Slu«tritt Wäfferiger $Iüffigfeit in bie gefdjloffene ©d)äbell)öl)le, erfolgt übrigen« mandjmal and) ganj plöplid) unb füljrt bann unter fd)(agflnßäl)iilid)en ©rfdjeinungen jum Dobe („V3 affe r f ri) l a g"). 'Die V e l) a u b l n n g ber ®el)irnwafferfud)t be= fdjräntt fid) barauf, burd) gute (Srnäßrung unb be« Oranten ba« Vcfinben be«felben möglidjft jn heben unb ben töbtlidjeu Verlauf be« Reiben« I)inau«$nfd)ieben. Die OicljirncrWcid)Ulig (Softening of the Brain), b. i. bie (gr= weid)iing ber ®el)irnfubftanj 311 einer breiigen SD?affe, tritt meiften« im I)öl)eren Sliter in $olge von Vlutftanniigen im ®el)irn ober (Srfraiifiiiigen ber ©efjirnblutgefäße auf. Die ©p m p 10 m e biefer flranfpeit, von ber man mehrere formen unterfdjeibet, finb nad) bem ©ip, ber Sln«bepniittg unb ber meßr ober weniger fd)iiellen(5ntwi(flung be«£eiben« fepr verfdjie* ben, bod) finben fid) in allen fällen Störungen be« geiftigen, (Smpfin- bnng«' unb Vewegnng«vermögen«. Die V eß an bl 1111 g muß Ijaupb fäd)lid) ®el)irnblntungen (burd) vorfid)tigen ?eben«ivanbel, Vermeiben von (Sjceffen in ©peife, Drauf unb törperlidjen Vewegungen nnb burd) Slbßalten von geiftigen ober ®emütl)«aufregnngen) 311 vergüten fudieii. Die öcßirnbcrßärtniig (Sclerosis of the Brain), eine burd) Vinbe- geweb«wnd)ernng in ber .'pirnmaffe ßervorgernfene unb babiird) ben Un* tergang von fWervenelementeu ßerbeifüljrenbe (Entartung ber .'pirufiib- ftait, giebt fid) gewößnlid) burd) Väßmung einzelner 9Jfu«teln unb sJJhi«feh gruppen fimb, weld)e juerft au ben unteren (Sptremitäten auf tritt unb fid) allmälig auf bie übrige SOZn«fuIatur au«bel)iit. Daneben finben fid) ©d)meqen in einzelnen ©liebem unb fpäter (Smpfiiibiiug«lofigfeit größerer be« ganzen Körper« nnb pfpdjifdje öäßmung. Die Veßanblung biefer rätßfelßaften bie nad) langwierigem Verlauf immer jnm Dobe füßrt, fanu nur bie ©pmptome linbern. 801 ©ie ©chtnicrfrfjüttcruug (Cerebral Concussion) tritt in gtotge einer ©ewalteinwirtung auf ben ©djäbel (©djlag, Fall) auf unb führt je nad) bem ®rabe ber (Srfdjütteruug fofort jum ©obe ober 311 einer ®el)iru< entjüubuug mit nadjfolgenber ®el)ivnlähmuug ober ju ©enefumg. © t) m p t o m e: ©er Trante liegt bewustlos unb unbeweglich ba, baS ®e* fidjt ift blaff, ber 'ißulS üerlaugfamt, Singen unb §aut finb gegen ßidjtein* brüde bejw. uneinpfinblicf), §äube unb güfje fühlen fid) falt an, unb baju gefeilt fid) wieberljolteS peftigeö (Srbredjen. Teljrt Patient jum 33ewuBtfein fo bleiben uod) türjere ober längere ©inneS*, ©pradj* unb 33ewegungSftöruhgen, ©djwinbel, ©Ijreufaufen unb ©d)(af= fud)t jitrücf. ©ie 33 e l) a n b l u n g erforbert 33ettrul)e in einem gut oentU lirten 9taum, nadjbem man ben Tranten Dorerft burd) 9teiben unb 33ürften ber §aut, 9lied)mittel unb reijenbe Tipftiere Wieber 311m 33ewufjtfein ge* bradjt hat. ©er Topf beS Patienten ift feitwärts 31t brefjen, bamit baS Erbrochene nid)t in bie Luftwege eiubriugt. ©ie ©ccfranthcit (Sea Sickness) ift eine Trautheit, bereu ©i£ fetyr wal)rfd)eiulid) im Tleiul)iru ift, unb bereu hauptfäd)lid)fte ©l) mp 10 me ©djwinbel, liebelt eit unb Erbrechen finb. ©ie 33 e l) a 11 b l u 11 g ift vor* neljmlid) eine propljplaftifdje. SRan gehe, nadjbent mau ©agS 311001* ein faliuifdjeS Slbfüfjrmittel genommen (f. 9tec. 9co. 8), mit nüchternem ha- gelt au 33orb beS ©djiffeS unb enthalte fid) bort miubeftenS bie erften 24 ©tuuben feglid)er ©peife, iubemman jugleid) eine ruljige 9tüdenlage (mit bem Äopf nach bem S3orbertl)eilbe§@d)iffe§) in ber nwl)l gelüfteten Sabine (fein 33lumenbuft, feine ßffeujen) ober auf ©ecf eiuuimmt. 2Rau tann and) j)vei ©age t>or Slbfaljrt be§ @d)iffeS 3mat täglid) ©ofen bon je 20- 25 (Sfran 33romfalium ober 33romuatrium (für einen (Sriuad)fenen!) neh* men nub bamit h)äl)renb ber erften ober and) brei ©age ber $ahrt fortfal)ren. ®egen bie auSgebrodjene Trautheit finb am beften ebenfalls 33romfalium ober matrium in ber angegebenen 3ßeife ju nehmen, bis bie ©pmptome nad)laffen. Slufjerbem halte fid) Patient Diel auf ©ecf (in ber 9Jlitte beS ©d)iffeS) auf, fefje immer nad) berfdjlude ooii Beit ju Beit ßispilleu. ©el)r loirtfam ift and) bie 33efjaiibliuig mit Slcouit nub Slntifebriu, bie jebod) nur unter ärjtlidjer 9luffid)t üorgeuoim men werben follte. 9liidcitninrf§. Trautheiten beS 9tiidenmarfS, beffen Functionen wir oon früher her leimen (f. ©. 131 u. f.), jeigen fid) burd) folgeube @rfd)einungeu (Func* tionSftörungeu) au: Unempfiublichteit, ungewöhnliche (gmpfiubuiigen („©aubfeiu", 2lmeifentried)eu, u. f. w.) ober ber (Smpfiit- bung (9lervenfd)merj), Boduugen (Trümpfe), ©djwädje, 3äl)muug, 311 802 ftarte unb 51t fcpmadje 9iefle£bemegnngen, it. a. 111. 3e imdj bemSip bei' Krantpeiten, bereu anatomifdje SBeränberungen im 9Uicfenmarf analog ben patljologifdjen Vorgängen im ©epirn bei ©eljirnleiben finb, merben bie« jenigen Körpertpeile von jenen ftunctionSftörungen befallen, bereu Nerven von ber ertrantten 9?ütfenuiarfSftelle iprenUrfprung nepmen. Die Oliirfcnnuirfsbarrc ober 9iiirfcmuarf§frf)ttniibfufpt (Locomotor Ataxia) berupt feljr maprfdjeinlicp auf einer Degeneration beS 9tüden« marfs. Diefelbe tann bnrd) SlnSfdjmeifiiugen im gefdjledjtlidjen SSerteljr ober and) bnrd) ©pppilis vernrfadjt merben (f. „©pecialarjt für SDlänner"), mirb aber ebenfogut bnrd) fcplvere Körperanftrengungen (lange Sftärfdje), (Erfdjntterungeit beS 9tücfgratS, 9ipcumatiSmnS, <5r= tältiingen (namentlid) bei gufjfcpmeifjen) unb bei grauen bnrd) päufige unb fdjmere ©eburten pervorgerufen. Die ©pmptome finb im Sim fangSftabium feljr unbeutlidj. 3n ber 9tegel ftellen fid) juerft Slnfälle von peftig „reifjenben" ©djmerjen in ben unteren ßytremitäten ober eine auffallenb rafdje (Srmübung ber letzteren ein. Daju tommenfpäter anber« meitige (SmpfinbungSniiregelmäpigfeiteii, mie Slmeifenfriedjeii, Daubfein unb baS ©efiiljl eines um ben ßeib gelegten 9teifeS. 9?adj Monaten ober Oaprenmirb ber ©ang unfidjer Querft im Duufeln), ber Kraute pebt beim ©epen bie güfje unnötpig Ijodj unb fept fie, mit ©emalt ftampfenb, mieber 311 Söoben, beim ©tepen mit gefdjloffeuen Singen gerätp er in'S ©djmanfen unb fällt gar nieber, in ben falten giifjen Ijat er ein ©efüljl, als ob er ©anb in ben ©trumpfen pätte, eS befteljt Urinbrang, ber fid) bis 51t bem vollftäubigen Unvermögen, ben §arn 31t palten, fteigert, ber ©efidjtsfinn mirb gefdjmädjt, mitunter ftellt fiep anep ©cpielen ein, unb fdjlieplidj tonnen and) Sinne unb §änbe nidjt mepr regelrecpt gebrauept merben. Der Patient ift bann vollftänbig pilfloS, tann nidjt mepr allein geljen ober fiep an- ober anStleiben, er verfdjüttet (getränte, vermag nidjt mepr 31t fdjreiben, näpen, it. f. m., unb gept er gemöpnlicp an einer Krantpeit ju ®runbe. Die Dauer ber 9?üdenmarfSbarre, meld)' letztere mit feltenen SluSnapmen Kinbcr unb ©reife verfdjout unb mepr Männer als grauen befällt, tann 10-15 3°Pre betragen. Die lÖepanblung befdjränft fiep barauf, baS ßeiben bnrd) geeignete pflege (naljrpafte, leidjt verbauliepe Koft, gute Suft, laue Söäber, SSermeiben ge« fcpledjtlidjer Slufregungen), bnrd) löabecureu (Siöilbbab, ©aftein), Slnmem bnug ber ßlectricität, u. a. m. anfjupalten refp. einen ©tillftanb in ben (Srfdjeiniiiigeii pervorjurnfen. Die fpinalc ober effcnticKc fiäpmung ber Kinbcr (Infantile Paral- ysis) ift eine, vornepmlicp bei japnenben Kinbern pänfige (Sntjünbung ber grauen 9iiidenmarfsvorberftränge, bie mitunter oljne nadjmeisbare Urfadje, bismeilen aber im ©efolge von acuten OnfectionSfrantpeiten, mie 803 SJlafern ober ©cparlacp, ober ncd) ©rtültungen auftritt. ©a$ erfte ©pmptom ift gewöpnfidj gieber, mit bem Krämpfe, 53ewußtlofigteit unb anbere verbuiiben fein mögen. Slber and) opue biefe Vorboten [teilt fiep plöplid) eine ßäpmung in einer ober mehreren mitäten ein, unb biefe Säpmungtann ebenfo plöplid) wieber verfdpviuben, opne fcplimme golgen 31t pinterlaffen, ober fie bleibt beftepen unb fiiprt gu ©djwunb unb 53ertrüppelung ber befallenen ©lieber, ©ie 53 e I) a 11 b ® l n n g feitenS be§ ßaien beftept, wie bei allen (Sntjünbungen beS Dtiiden- marts unb feiner im 5lnflegen non eistalten (Sompreffen auf bie SBirbelfäule unb im 23erabreid)en von reijenben $lpftieren. -3m fpäte® reu Verlauf finb gegen ben SDhiStelfcpwunb unb bie SäpmitngSerfcpeiniin® gen (Slectricitiit unb Dieiben (DJZaffireu) ber betr. ©lieber unb peilgpm® naftifepe Hebungen angejeigt. OUirfgratßfpaltc (Spina Bifida) nennt man bie 5Infammlung von feröfer glüffigteit in einem von ben Siücteir- martSpäuten gebilbeten ©ad, ber außen an ber Söirbelfäule (meiftenö in ber Senbenge® genb) fipt unb burep eine Süde im SBirbel® canal mit beffen Innern in 53erbinbung ftept (f. gig. 371 unb 372). ©ie ben walt® miß® bis finbfopfgroßen ©ad bebedenbe äußere §aut ift halb von normaler 53efd)affenpeit, halb verbannt, ©ie §anptgefapr biefer fid) wäprenb beS $ötalleben$ eutividelnben, b. p. ange- borenen liegt barin, baß ber 'Säet burep irgenb einen 3nfult (@d)lag, ©rmf) jnm 53erften ge* bradjt ivirb; wirb ba§ vermieben, fo tonnen bie Äinber japrelang am Seben erpalten werben, ©ie befte 53 e p a n b l n n g S m e t p 0 b e ift, einen bauern® beit, vorfieptigen ©rmf auf bie ©eftpwulft 53g(. „Specialaqt für grauen". ©ie JRü(fcnniarföcrf(püttcning (Spinal Concussion) fommt bei galt auf ba§©efäß ober biegiiße unb bei fonftigen ftarfen (Srfcpütterungen beS Körpers ju ©taube. $11 ben © i) m p t 0 m e n ber ©epiriierfdjütterung gefeiten fid) pier nod) ©dpvädje unb ©dpnerjen in ben ©fiebern unb Un® empfinblicpfeit ber $aut. ©ie 53 e p a 11 b l n n g verlangt rupigeS Siegen im 53ett, falte Umfdjläge auf eine fdjnieräenbe ©teile unb görberung beS ©tuplgangS unb ber Harnentleerung. Fig. 371. Fig. 372. 9iücfgrat§ipaltc, äußere 91 nficf) t. Siücfgratäitialte, ®urd)= fcfjnitt. 804 Kranfljciten ber Werben. (Sine große Slnjaßl bet 9?ervenfranfßeiten ift uns nur ben Störungen nacß, wekße burcß fie veranlaßt werben, befannt, weil unfere Hilfsmittel nidjt ßinreidjenb finb, bie ben Kranfßeiteu jn ®runbe liegenden auato* inifdjen SSeränberungen im 53au ber 9terven aufjufinben. ©iefe fogen. „f n n c t i o n e 11 e n 9t e r v e u f r a n f ß e i t e n" ober „9t e it r o f e n" finb alfo fpmptomatifdje geiben, bereu Urfadjen nod) uidjt erfannt würben, ßnt ©egenfaß baju nennt man jene 9tervenleiben, bei benen ficß anato* mifcße SSeränbernugen ber 9lerven nadjweifen taffen, o r g a n i f d) e ober materielle 9lerveuf r aufßeiten. 53ei faft allen Kranfßeiteu biefeS 9lbfd)iiitteS fpielt bie ßrblifßfeit eine große 9tolle unb ift bie 4öel)anb* hing feitenö beS gaien eine ßauptfäd)lid) biätetifdje, auf Kräftigung ber 9lerven ßinjieleube (9tuße, geeignete Koft, gute guft, u. a. m.). ©ie 9lcrbcnfrfpuiicfjc ober 91crbofität (Nervousness) ift feine eigeut* lid)e 9lervenfranfßeit, fonbern nur eine franfßafte Einlage, Weldje in einer übergroßen 9teijbarfeit ber Sinnes* unb (SmpfiiibuiigSiierveii befteßt. ©iefe Einlage fann ererbt ober bitrd) anßaltenbe Ueberreijitng ber 9lerven ober fdjledjte (Srnäßrung berfelben (53lutarmutß) erworben fein, ©ie Symptome finb: leidjteßrregbarfeit, leibenfdjaftlid) überftürjteS ©en* feit unb Hanbeln mit nadjfolgenber großer Sd)Wäd)e, ©emütßsverftim* mung, lebßafteS Klagen über irgenb eine Kleinigfeit, vorübergeßenbe Sdjmerjen (befonberS an ber 2ßirbelfäule, in weldjem galle man and) von „Spinalirritation" fpridjt), leidjteS unb ßänfigeS (Srfcßretfen, Sdjwinbel* anfälle, Krämpfe, u. a. m. ©ie 53 e I) a n b l u n g muß in erfter Sinie für SSermeibeu irgenb einer urfädjlicpen Sd)äblid)feit (lieber* anftrengungen, gefd)led)tlid)e SluSfrfjweifungen, 9Dlageiileiben, 53(utarmutl), u. f. w.) forgen; baneben füljre ber Kranfe eine Sebensweife, wie bei ber 53lntarmutl) angegeben. 53on großem 9tupen finb and) unb 53el)errfd)ung, b. ß. ber fefte S3orfap, ber Sdjwäcpe Herr 311 werben. ©er 9tervofität nape ftepen jwei Kranfßeiteu, von benen eine, bie Hpfterie, bem weiblidjen ®efdjled)t eigentpümlid) ift, wäp* renb bie anbere, bie meift bei Männern auftritt. ©ie (Hysteria), and) SOtutterplage, 9Jtntterftaupe ober SBapeurS genannt, berußt auf einer uervöfen Ueberempfinblid)feit, bie mandjmal (nid)t immer) ißren @rnnb in einem ©ebärmutterleiben ßat. Weiteres f. „Specialarjt für grauen." ©ie £>i)podjoilbric ober (Hypochondriasis, Spleen), auf bie wir im fürWtänner" eingeßenber fpredjen fornmeu, ift burdj eine Ueberempfinblidjfeit ber fenfiblen 9terven veranlaßt, bie ben Patienten $u einem „eingebilbeten Kranfen" mad)t, ber an fid) fortwäßrenb eine Kraufßeit vermntßet unb fid) baburd) baS geben verbittert. 805 ?ll« Pleuralgie (Neuralgia) bejeicpuet man einen Sdjmerj, Welcper auf bie peripperifcpen Verbreitungen eine« einzelnen Plerven befdjriintt bleibt, fid) uidjt auf beftimmte amitoniifdje Verankerungen läpt unb in gönnen auftritt. ßntweber ift er an einer umfdjriebe* nen (Stelle anpaltenb unb bumpf unb wirb burd) Sruct vermeprt, ober er tritt in einzelnen Pinfällen auf, fäprt plötzlid) in bem Verbreitung«bejirt be« betr. (5mpfinbung«iierven von einem ober meprereu fünften au« pin unb per, ift fepr peftig unb verfdjwiubet ebenfo plötzlid), wie er gefommeu; folcpe Pinfälle, bei benenber Scpmerj blitzartig au«ftraplt, finb gewöpnlid) von turjer Sauer, tepreu aber nad) ebenfo turjen Uuterbredjimgen mit Placplaffen ober Plufpören be« Sdpnerje« in gleicher wieber. 311« Urfarpen ber Pleuralgieen nennt man Verletzungen be«9lerven, Sruct auf benfelben burd) ©efcpwülfte ober Vlutftauungen, ferner (Mältimgen, Vergiftungen (Dnectfilber, Vlei, Tupfer) unb Vliitfrantpeiten (PJlalaria, Spppili«). Sie (Smpfänglicpfeit für ba« ßeibeu ift bei mampen 'ßerfonen in golge einer angeborenen ober erworbenen Si«pofition eine äußerer* bentlidje. $e nad) bem ©mpfiubuug«nerven, ber von ber Pleuralgie be- fallen wirb, uuterfcpeibet man verfdjiebene gönnen berfelben (©efidjt«-, gnnterpaupt«*, Plrm*, Venbeu*, u. f. w.); baju gepöven and) ber ueuralgifcpe ba« .ßapnreißen unb viel* leicpt bie SJligräne. Ser ®eficpt«fcpmer3, and) Tic douloureux genannt, ift eine Plffection be« breigetpeilten Plerven, bie je nad) bem $weige biefe« Plerven, ben fie befällt, an verfdnebenen «Stellen be« $opfe« pervorruft. Ser 3wifd)eiirippenfd)mer3 ober bie 3nter* c o ft a l u e u r a l g i e, eine ber päufigften Pleuralgien, Verbinbet fid) nid)t feiten mit ber „®ürtelfled)te" (f. <S. 770). Ser § ü f tf d)mer 3 ober ba« $ ii f t W e l) (Ischias, Sciatica) ift ein gewöljnlid) langfam fid) 311 feiner £)öpe entwicfelnber, halb anpaltenber, halb unb au«ftral)lcu- ber @d)merj in ber Vecfengegenb. Siefe« Seibeu, vom Saien and) wol)l „Venbenwep" ober „§ejenfd)iij3" genannt (f. 3)lu«felrl)eumatiömu«) ift in ber Sieget partnäcfig unb f'ann felbft 3apre bauern. Ser urfädjlidje Srucf auf ben getjt pier oft von Steifungen in ben Unter* Ieib«venen Stnplverftopfung, anpaltenbem Sipen auf parten Stüpfen, Uteru«leiben ober Scpwangerfdjaft au« (vgl. „Specialarjt für grauen"). Sie Vepanblung ber Pleuralgieen im allgemeinen muß Vorerft bie Vefeitignng einer urfädjlicpen Sd)äblid)feit refp. einer Si«pofition anftre* ben. $ft ba« unmöglicp, fo mnft bie (Srregbarfeit be« trauten Plerven burd) ßlectricität, fepr pope Sßärme, @i«ninfd)läge ober aubere Glittet (Veratrinfalbe, VSafcpungeu mit Pletper, 11. a. m.) veruidjtet ober bie gort* leitung ber Erregung be«9lerveu unterbrotpen werben; letzte* re« gefdjiept bitrep operativen Eingriff, ber eutweber in Sepnung be« 806 Heroen ober in SluSfdjneibung eines 9?erDenftücfeS beftefyt. (gegen bie regelmäßig (intermittirenb) auftretenben SReuralgieen (SRalaria) empfel)* len fiel) außerbem ßfjinin ober Slntipprin, gegen gienralgieen in $olge von Vergiftung <Sd)Wefelbäber nnb ber innerliche (gebrauch non SdjWefelprä* paraten unb gegen rheumatifd)e s nnb warme Bäber. (gegen nicht ju vertreibenbe, heftige Schmerlen wenbet man (nur barf baS aber tljun) fubcutane 3Rorpl)iumeinfprihitngen am (gefidjtS* fdpnerj, ber Don einem hohlen 3al)n aiiSgept, Derfdjwinbet mit Befeitigung besiegterem Bei empfehlen fiel) am meiften Ijeifse SBaffer® ober Sanbbäber, bie längere $eit hinburep täglich ftunbenlang genommen werben muffen. (Bei ben Sanbbäbern ftedt man ben, mir mit einem Babemantel befleibeten Patienten bis an ben £eib in feinen Sanb Don ber gewünfeßten Temperatur (100-105° F.) nnb beeft über bie ©anb* Oberfläche noch eine wollene ©ecfe. 9?ad) bem Babe nimmt Patient ein warmes SBafferbab). Natürlich finb and) bei bem §üftwel) etwaige Ur* fadjeu (@tul)lDerl)altung, Blutftod'ung, m f. w.) balbigft $u befeitigem ■3m (gegenfah ber fernen (Hyperaesthesia) fteljt bie @mpfitibung§lofigfeit (Anaesthesia) ber ((SmpfinbungS*) Dleroem ©iefelbe ift entweber eine theilweife, unb giebt fie fid) bann burdj uubent* liehe, ungenaue ober eigentl)ümlid)e ßmpfinbungen ((5ingefd)lafen*, Taub*, 2lmeifentried)en) tunb, ober fie ift eine Dollftänbige. ©ie V e* hanblung fann Dom ßaien nidjt geleitet werben; fie befteljt hauptfäd)* lid) in ber SInwenbung Don (Slectricität unb in Staffage. 2Bie bei ben Trautheiten ber fenfiblen Heroen, fo finb and) bei benen ber BewegmtgSnerDen jwei §auptgrnppen (mit gefteigerter bejw. herab* gefelgter 9?erDentl)ätigfeit) ju unterfdjeibem ©ie eine berfelben, bei welcher bie WhiSfeln in Solge übermäßiger Qieijung ober Dfeijbarteit ber Bewe* gnngSnerDen ober ber (Sentraltl)eile berfelben im (gel)irn in wibernatür* lidje, nidjt gewollte Bewegungen Derfept werben, man als krampf (Spasm). ©erfelbe ift entweber ein anl)altenber, tonifd)er ober 'S t a r r f r a m p f ober ein SB e d) f e l * ober 11 o u i f d) e r $ r a m p f. Bei erfterem finb bie fOluSfeln, fo lange ber SInfall bauert, ununterbrochen contrahirt, bei legerem wedjfeln .ßufammenaiehung unb (Srfdjlaffung ber DJt'uSfeln ab unb werben babnrd) Bildungen (ßonDulfionen) heruorgernfen. Sowohl tonifd)e, als and) Honifd)e Krämpfe fönnen örtlid) ober allgemein fein, b. h- fid) auf gewiffe WlnSfelpartien befdjränfen, refp. fid) auf bie ge* fammte 3J?uStulatnr erftrecten. ©ie Urfad)en ber Krämpfe finb birecte ober inbirecte (9leflej>) wie (gehirm unb SRütfenmarfSleiben, (gifte, feelifdje Slufregnngen, med)anifd)e unb d)emifd)e m f. w. ©ie B e- 1) an bl nng muß natürlich bie übermäßige fReijung ober ber (motorifchen) Heroen 31t befeitigeu fndjen. Stürmt ber Trante wäljrenb 807 eine« Slnfall« um, fo fncpe man 3U verpiiten, baff er fiel) babei verlept, unb lagere ipu bann berart, baff er ungepinbert atpmen unb fiel) niept befepä* bigen Tann. ©ie NhiSfelcontractionen finb niept burep geftpalten einjii' fepränten, fonbern laffe man ipnen freien Sauf. 33on ben einzelnen Trümpfen finb bie roieptigften: ©er ®cfi(pt£frampf (Spasmus facialis, Tic convulsif), ein tonifeper ober tlonifcper krampf be§ mimifepen Nerven (7. §irnnerven, f. S. 131), Wobei ba« ©efiept siicft unb veqerrt wirb, tritt nacp Erfüllungen ober ®e* mittpßbewegungeu ober bei £)pr* unb Slugenfranfpeiten, Stocfen ber Bäpne, u. f. w. auf. ©ie 33 e p a n bljt n g beftept in ber Entfernung ber Urfaepe (wenn mögliep) unb in ber Slnwenbiing von Electricität unb Scpwipcuren. ©er Siprcilicrfrninpf (Writer's Cramp) ift ein tonifeper ober floui= feper krampf ber §anbmu«feln, ber fiep in äpulieper Sßeife bei anberen 33efcpäftigungen mit anbauernber Ueberanftrengung einzelner §anbmu§- feln (Klavier-, glöte-, SSiolinfpieleii, Näpen, Striefen, Scpriftfepen, 9Nel* fen, u. f. w.) einftellt unb bisweilen auf ben Slrm auSbepnt. 511« erfteS S l) m p t o m wirb ein ©efiipl ber Evmübnng in ber §anb gefpürt, bem fiep halb ein ©efi'tpl nervöfer Neijbarteit unb beS 33rennenS an ber NütT feite ber ginger bejw. ber §anb unb beS SSorberarmS jugefellt. 33ei ber flonifcpen gorm beS Krampfes fpreijen fiel) bie ginger plöplicp au« ober gittern, wäprenb fie fiel) bei ber tonifepen gönn feft jiifammenjiepen. ©er krampf tritt ein, fobalb ber 33erfucl) 311m Scpreiben (refp. 9?äpen, u. f. W.) gemaept wirb, ©ie 33 ep anbl ung beftept barin, bap ber Traufe ber £>anb monatelang 9?upe gönnt. ©a§ lieble babei ift, baff, Wenn man mit ber 311 fepreiben beginnt, biefe gewöpnlicp and) halb von bem krampf befallen wirb, man ba« Scpreibeu mit ber trauten £>anb fort, fo benupe man bitte geberpatter (am beften von S?orf) unb weiepe gebern, wicfle um einen parten geberpalter an ber Slnfaffftelle ein Stiiif Scpwamm, nm ©ruef von ben gingern absupalten, nepme ben geberpalter (ober 33leiftift) 3Wifcpen anbere ginger al« bisper ober in bie §oplpanb unb laffe fiep bie §anb von einem Sacpverftanbigeu maffiren (tneten) ober electrifiren. Sille Nervenerregungen (Sdcopol- unb ©abab genuff, gefcplecptlicper Umgang, ©emiitpsbewegungen, u. f. f.) finb auf ba§ geringfte DJiaff einjufcpräiifen. ©ie (Jpilcpfic ober gallfiupt (Epilepsy), auep bie fallenbe Suept, ba« böfe SBefen, bie peilige ober bie Staupe genannt, ift eine epronifepe weiepe fiep in seitweilig wieberfepreuben $rampfam fällen tuubgiebt. gär bie Epilepfie bisponiren: angeborene ©iatpefe, (SJepirn* unb Nüctenmartßleiben, tacl)ettifcl)e Slnämie, u. a. m., unb bie ©elegenpeitSurfaepen finb: Scprecf, Slnblicf Epileptifcper, gurept, 808 it. bß(. ©ie angeborene ©iatpefe läßt fid) bei einem ©rittet aller ©pilep® tifer nadjweifen, bnrdjlänft (Generationen nnb wirb von Voreltern über® tragen, welcpe an ßpilepfie, (GeifteStranlpeiten ober ©rnntfncpt litten, ©ie Slnfälle, bie bei mandjen Patienten 311 beftimmten feiten (©agS ober 9?ad)tS) eintreten, nnb zwar fallen bieniidjtlidjenbie fdjlimmereii fein, bauern im ©nrdjfdjnitt 10-15 Ginnten. Symptome nnb Verlauf. ©ie epileptifcpen Slnfälle finb Weber bei allen Oranten, nod) bei bem einzelnen Vatienten immer bie gleidjen. W?and)e Trante leiben nur an ber fogen. „nnvollftänbigeii ©pilepfie", b. I). bie Unfälle geljen oljne Krämpfe ober nur mit leisten, vereinzelten 3mfnngen in wenigen Secnnben vorüber, wiiljrenb welcper bie Patienten wortlos nnb mit ftarreni Vlicfe bagefeffe.it ljaben. 51nbere Traufe leiben an fdjweren, mit peftigen Krämpfen verbnnbenen Unfällen, nnb bei nod) anberen Patienten wedjfeln fcpwere nnb leidjte Unfälle ab. ©aS Gparae® teriftifdje aller epileptifdjen Unfälle ift aber, baff baS VeWnfftfein nnb in ftolge bavon bie (Smpfinbnng nnb baS Vermögen, willf'nrlicpe Vewe® gnngen anSznfnpren, votlftänbig erlofdjen finb. $ein Patient pat eine ?lpnnng von ben Vorgängen wäprenb beS Unfalls, and) wenn letzterer in ber milbeften fyorm anftrat. Vei mamljen (nicpt allen) Oranten wirb ber Slnfall bnrcp eigentpiiiiilicpe (Srfcpeinnngen („epileptifdje'üinra") eingeleitet; es finb bieS (Smpfinbnng eines von ben nad) bem $opf auf® fteigenben £>aucpeS, baS von ben Verfdjiebenften Stellen nad) bem ®el)irn fortfcpreitenbe (Gefiipl bcS dribbelns, ber Sänne, ber Grftarrung ober bcS SdjmerzeS, Sdjwinbel, örtlidje ober 2äl)mnn® gen, n. a. m. 4öei Eintritt eines SlnfallS ftiirzt ber Trante gewöpnlidj rntfwärts ober feitwärts mit einem gellenben Sdjret befinnnngSloS jn 33oben; faft niemals l)at er nod) ,$eit, fid) nad) einem geeigneten ''ßlafj nmjnfeljen. ©ie meiften (Spileptifer tragen Wegen biefeS rncffid)tSlofen fallens (and) an ben gefäl)rlid)ften Stellen, wie von ber ©reppe, gegen ben Ofen, n. f. f.) in fpäterer £eit Spuren von Verlegungen, ©ie Krämpfe finb bei Veginn bcS Unfalls mel)r tonifd); ber Körper nnb bie ©lieber werben babei geftretft, ber jieljt fid) ri'nfwärtS nnb feitwärts, ber SDhmb ift feft gefd)Ioffen, baS 51nge Weit aufgeriffen, ber Vrnftfaften nnbeweglid) nnb bie Sltljmnng nnterbrodjen. Vinnen wenigen Spinnten treten aber heftige ßonvnlfionen ein. $opf nnb Körper werben l)in nnb l)er geworfen, bie (Gliebmafjen, befonberS bie oberen, geraden in breljenbe, jiicfenbe, ftoffenbe Vewegnngen, bie fo ftart finb, baff mitunter Vrüdje ober Verrentungen erfolgen, bie Ringer (namentlich bie ©anmen) finb feft in bie §anb gefd)lagen, baS ®efid)t zeigt Verzerrenbe Vewegnng, Stirn nnb Ülngenbranen zucfen, baS ftarre ?lnge fdjliegt nnb öffnet fiel), bie DJZnnbwinfel werben l)in nnb per gezerrt nnb bie tiefer, bie feft anfeinan® 809 ber gepreßt finb, I)in nnb l)er geriffelt, fo baß bie fnirfd)eii, einzelne betreiben wol)l gar abgebrochen werben nnb ber Untertiefer Derrenft wer« ben fann (f. gig. 373). ©abei ift baS ®eftd)t bläulid), finb bie betten am £)al$ angefd)Wollen, nnb tritt Dor bie Sippen <Sd)anm, welcher maiid)inal mit 33(iit unterniifd)t ift, Weit baS Slufeinauberbeißen ber tiefer BUW ober Derleljte; bas Sltfjmen ift befdileunigt nnb rödjelnb, ber tient äd)3t ober ftöput nnb entleert nicht feiten Urin, $otl) ober Samen. Söie ber Eintritt eines Unfalles, fann and) beffen (Silbe ober all« malig unter gewiffen (Srfdjeinungen erfolgen (®äl)iteii, Senken, Slnf« ftoßen, (Srbred)en, u. a. m.) 9?ad) bem Slnfall Derfällt ber Trante meift in einen tiefen @d)laf, aus weldjem er ol)ite jebe ßeimtniß Don bem 33or« gefallenen nod) etwas angegriffen (ßopffdjmerä) nnb Derbrießlid), aber Fig. 373. Sage eines ©piteötiterS todljrenb eines SlnfaHS. 2)tan inerte fid) ben Unterfdjieb Von ber Sage bei ©djlagfluß; f. gig. 369. fonft verljältnigmüfug wol)l erwadjt; mitunter [teilen fiel) nad) ben ?lnfäl= len and) nervöfe «Störungen ein (£obfnd)t, eigentl)iimlid)e ©elüfte, SButl)« anfälle, Välpnungen, Stimmlofigfeit, 2(ftl)ina). - £)er 53er lauf ber Gpilepfie ift jumeift fein gutartiger; auf ©enefnng, bie freilid) bisweilen and) ganj von felbft eintritt, ift 311 ljoffen, Wenn bie Slufälle mit ber Beit feltener unb fd)Wäd)er werben. 9lur fetjr feiten erfolgt ber £ob bei ober turj nad) bem Unfall. £ie 23el) a nb I u ng ift eine jweifadje, b. i. eine foldje wäljrenb beS Unfalls unb eine fold)e für; bie jwifdjen ben Unfällen. 2B ä l) = renb beS SlnfallS lege man ben Oranten, ben man, Wenn möglidj, uod) beim §inftiirjen auffangen f oll, um il)n vor 23erle£ung ju bewahren, auf ben 9iü(feii, löfe alle beengenben reinige ben SJhtnb von «Sd)aum, lege bie Bäljiie weidje ®egenftänbe, um ein £en ber Bunge 311 verljüten, unb laffe bann, nad)bem man nod) alle ®e- genftänbe entfernt l)at, an benen fidj ber Patient befdjäbigen tonnte, ben Einfalt rnl)ig anStoben. (5S ift 311 verbieten, ben Oranten ju binben, ge= waltfam feftjnljalten unb bie ©aumen aufjnbrerfjeii; eS ift ferner nid)t 810 nötßig, ben 2Infatt bitrcf) 2lnfpri(jen mit tattern SBaffer ober brücfen ber §atsfdjtagabern verfingen ju motten; and) fndje man nicht, mie baS mandjmal gelingt, bei Eintritt ber 2tura ben 2(nfall babnrdj ju verhüten, baß man bie ©teile, mo bie 2tura anftritt, feft umbinbet. 9iadj bem 2Infalte mag man bem Oranten eine ©affe Kaffee ober ein ©las Sßaffer reidjen, nnb bann taffe man iljn fdjlafen. 53etjanblung in ber 3 e i t 3 m i f d) e n ben 21 n f ä 11 e n. ©er Patient vermeibe alte ©elegen* heitSnrfadjen (geiftige, pfpdjifdje ober gefdjtedjtlidje 2tnfregnngen, ©piri* tnofen, ©abaf, ftärferen ©Ijee ober Kaffee, n. f. m.), übermäßiges (Sffen nnb ©rinten (befonberS fetter ober ftart gewürgter 9iatjrungS* refp. ®e* nnßmittel), fütjre am beften auf bem ßanbe (vornetjmlid) gilt bieö bei Äiitbern) ein rußiges geben, gebramße W?ildj* nnb ©raubencuren, madje tüßle 2tbmafcßnngen beS Körpers nnb forge jeberjeit bmcß für gehörigen Stuhlgang. (Sin (Spileptiter follte nie oßne 53emad)img fein, nnb ba man, mie gefagt, mitunter burcß 23or$eidjen von bem 9taßeu eines 2tnfallS benadjridjtigt mirb, ift bei bem geringften Verbädjtigen 3e^en bafür Sorge jn tragen, baß Patient fidjuidjt beim Umfallen verlebt. ©ie m e b i c a m e n t ö f e 53 e ß a n b t n n g (mit 3intfal$en, 53rom, 2ltropin, n. a. m.) ober operative (Singriffe bleiben bem 2tqt Vorbehalten. 53or allen ©eßeimmittelfcßminbeleien Tann nicßt einbringlidj genug gemarnt merben. 53eßufS 53er ßü tun g von (Spilepfie finb (Sßen zmifdjen Familien, in benen bie Äranfßeit erblidj ift, ju verbieten. (Spileptifcße Mütter füllen ißre Äinber nidjt felbft ernähren, fonbern bieS einer gefnnben 2lmme über* taffen, nnb $inber mit epileptifdjer 2tnlage finb vor allen Ueberanftren* gnngen nnb 2tnfregnngen 311 bemaßren nnb bei geeigneter pflege momög* lidj auf bem Sanbe jn ermeßen. - Unter (Stlampf ie verfteßt man baS Auftreten vereinzelter epileptifdjer Slnfälle, z* 53. bei ©djmangeren nnb ©änglingen vgl. „©peeialarzt für grauen". ©er ÜBcitStanj (St. Vitus Dance) ift eine in zmei Verfdjiebenen $or* men anftretenbe Ärantpeit, bei meldjer bie 53emegnngSmnSfeln in tlonifdje Krämpfe verfemt merben. ©ie eine $orm, ber deine ober e n g l i f d) e Veitstanz, befon* berS häufig beim meiblicpen ©efdjledjt ,$eit ber Pubertät, befteljt barin, baß bitrd) pfl)d)ifd)e 2tnfregungen ober anbere (©elbftbe* fled'nng, 5ßärme, n. f. m.) bie SDhiSteln in verzerrte, nnmil(fürlid)e 53eme* gnngen verfemt merben, bie am ftärtften anftreten, menn ber Patient mitt* tnrlidje 53emegnngen anSzufül)ren fließt, bei tiefem ©djlaf aber megbteiben. 53ei bem großen 23eitStanz, ber gemöhnlid) in ber 3eit vom 6. 3;at)re bis zum Eintritt ber Pubertät befonberS bei anftritt, meldje an 9?henmatiSmnS gelitten hoben, ftellen fid) nid)t SJlnSfelzndnn* gen, fonbern convnlfive ©tieberbemegnngen ein, meldje, obmoljl Patient 811 bei vollem Bewußtfein bleibt, unwilltürlid) finb; biefe Bewegungen ent* fpredjen ben willtürlidjen (Tanken, im Kreife Treljeit, Badjen, u. bgl.), finb aber Diel ftärter als biefe, tön« neu nicpt Dom SSillen eingeljalteu werben unb fteigern fiel; bei bem Ber« fndje, willtürlidje Bewegungen $u madjen. Tie B el) au blung beiber gormen, auf Welche wir im „Special« arjt für grauen" nodj jurüctfommen werben, ift eine vorneljnilid) biäteti« fdje. Tie Patienten ljaben ein angemeffeneS Beben (auf bem Banbe) jn fnpren - frifdje Buft, reguläre (Dlaljljeiten, Bermeibeu jeher Slnftrengnng ober Slufregung, reidjlidjer Sdjlaf - nnb baneben fühle SIbwafdjungen beS Körpers nnb metljobifdje gljmnaftifdje Hebungen Bei bem großen BeitStauj, bei welchem fiel) häufig Slrfenif von Bortljeil erweift, bürfen bie Krauten nidjt bie Schule befudjen, ba iljr SInblicf (wäljrenb beS SlnfallS) auf anbere Kinber anftecteiib wirten tann. Unter bem Slawen Starrframpf (Tetanus; vgl. S. 806) verfteljt man and) eine befonbere Krampftranfl)eit, bei weldjer Ijaiiptfädjlidj bie KaumnSfeln (K i n n ba cf e n t r a m p f, 2JI n n b 11 e m m e ober S)i nnb« fperre; Trismus) nnb bie StumpfmiiSfeln non tonifdjen Krämpfen be« fallen werben. Tie SJluSteln finb babei Ijart Wie Stein nnb ber Si£ furchtbarer Sdjmerjen. Tie Urfadjen finb: Beilegungen (befonberS SBunben an ben (Sjtremitäten nnb namentlidj, wenn in ben SBunben grembförper, wie Kugel« ober ©laSfplitter verblieben finb), ferner (St« fältnngen nnb Bergiftungen mit ben SUfaloiben ber Strijdjueeu (vgl. S. 565). Tie Bel)anblung hat bie Sdjmerjen bnrd) (Sljloral, (Sljloro« form, u. a. m. 31t Imbern nnb alle Steiningen abjuholten, burd) welche neue Krampfanfälle pervorgeriifen werben tonnten (©eräufdje, hellet Bidjt, Berührungen; f. S. 566). lieber ben „Starrframpf berSieu« geborenen" f. für grauen". Tie Sfnrrfndjt ober Kntalepfic (Catalepsy) ift eine feltene, anfalls« weife auftretenbe Krautpeit, weldje gewöhnlich nur bei geifteSfranten ober nervöfen (hbfterifdjen grauen) vorfommt. Bei einem foldjeu Slnfall werben alle BtuSfeln ftarr unb ber Batient verharrt in berfelben Stellung, in ber er fiel) bei Eintritt beS SlufallS befanb. Tie ThiSfeln finb aber bei biefer Kranfljeit nidjt, wie beim Starrtrampf, fonbern wadjSähulid) weid), unb bie ©liebmaßen laffeu fiel) vom leidjt in irgenbeine Bage biegen, in weldjer fiebann, felbft bem@efe£ ber Schwere entgegen, verharren. B e h a n b l n 11 g. SBährenb beS SlnfallS bringe man ben Krauten in eine bequeme Bage, ipn mit faltem B?affer unb applicire eventuell Senfteige, Stiedjmittel unb reijenbe Kltyftiere. 3it ber 3eit ben Slnfällen pflege man ben Körper unb befouberS bie' Sternen unb betämpfe ein etwaiges ©runbleiben it. f. w.) 812 3m jit bem krampf bejlv. bet übermäßigen ober ber motorifdjen Nerven ftet)t bie ßiitjmiiiig. £)iefelbe ift ent« Weber eine vollftänbige (Paralysis), b. i. ber Verluft beS Vermögens, bie 53ewegungSnerven auf bie willtürlichen SttuStetn einwirfen jn taffen, ober eine unvotlftänbige (Paresis); bei teuerer ift jenes Vermögen nur herab« gefegt. SDlit ber ßäljmnng verbinbet fidj häufig (SmpfiubungStofigfeit. Mehrere biefer 91enrofen haben wir fdjon früher fenueii gelernt, fo bie h a t b f e i t i g e S ä h m it n g (Hemiplegia) bei ©djtagfluß nnb bie e f f e n« t i e 11 e S ä h m u n g b e r Sl i n b e r bei 9?iicf eiimarfSfranfheiten. 53ei ber 53 et) an b tun g aller SähmungSerfdjeiniingeii erweifen metljobifdje @i)m« naftif, SDhiffage, ßlectricität, gewiffe SIrjeneien nnb SRineralbäber große ©ienfte; alle biefe Mittel fiub aber nurnad) Vorfdjrift anjiiwen« ben. Von ben verfd)iebeuen formen ber Sähmung fiub nodj ju erwähnen: ®ie <Sd)üfM; ober (Shaking Palsy), eine Trautheit, wetdje meift baS Ijolje Sitter befällt, beginnt mit Rittern ber §änbe; fpä« ter geratfjen vietteidjt and) Stopf nnb ber ganje Körper in jitternbe 53ewe« gung. häufig muß ber Trante beim ®el)en laufen, um baS Störpergleid)« gewidjt jn erhalten, nnb fteigern fid) bie (Sonviilfionen, je meljr Patient be< ftrebt ift, bie Pusteln 311 beljerrfdjen. (Sine 53 e 1) a 11 b 11111 g biefer gli'uf« lid)erweife baö £eben nidjt bebroßenben $rantl)eit giebt e§ nid)t. ©ie mtmifdje 6kfirfjt§Iäljmung (Facial Paralysis), and) fdjiefeS ®e« fid)t, 'ißrofoplegie, facialis« ober 53elffd)e Säßmitng genannt, beruljt auf einer Säßmung be§ 7. §iriinerüen (f. <S. 131), bie gewöfjnlid) nur eine G5efid)tSl)äIfte betrifft, ©iefe ift babei twllftänbig bewegungsunfähig (and) beim Söeinen nnb Cadjen), baS Slugeulib fann nidjtmel)r gefdjloffen werben, bie Xt)räneii laufen aus bem Singe über bie SBaugen perab, 1111b auf ber trauten ©eite, auf ber alle galten nnb ®ruben fehlen, fteljt ber SJhmbwintel tiefer (f. ftig. 374). ©ie Urfadien beS Sei« benS fiub (Srfältungeit (©ipen mit erhiptem Äopf am offenen genfter, ©djlafen an einer falten SSanb), ©diäbeltranfheiten (vornehm« lid) £)hrenteibeir), Verlegungen (Ohrfeigen), ©djarladjfieber nnb Onfulte bei ber ©eburt, Wobei bem $illbe ber Nervus Facialis ge« quetfdjt würbe, ©ie 53ehnnbtung be« ftet)t bei (Srtättung im Sliiflegen warmer Um« fdjtäge, ©djwipen nnb (Sinreiben mit fpiritu« öfeu ober aetl)erifd)en £D?ebicamenten; liegt eine Verlegung ober eine Trautheit vor, fo muß biefe erft befeitigt Werben. 3m fpätereu Verlauf aller fyälte: (Slectrictät. Fig. 374. ®eficf)t§läl)tniing. 813 ©er jiroprcfftbe 9Jht§Mfchttninb ober bie progreffioe $?n«Matropl)ie (Wasting Palsy) ift eine bereu Urfadie in einer üDhiöMenb jnnbuug ober - Wal)rfcl)einlid)er - in einer eigentpinnlidjen 2älp mung ber W?n«teln liegt, bie ihrer* feit« bnrd) ein 9titdeiimarl«lei* ben Deraidafft wirb. ©ie $rauf* Ijeit, welche in 5-20 (Srfdjöpfiiiig ober Ijinjngetretener 2nngenfd)Winbfnd)t enbet, beginnt bamit, baff fid) in einer (Sjtremi* tat (gewöhnlich im fallen be« ©aumen« ober be« Heinen ginger«) ober and) in ber Schulter unter rl)eumati«mu«äl)nlid)eu ©djmerjen ein ©d)Wäd)egefül)l eutwitfelt, worauf nad) unb nad) bie 3)?u«Mn ber afficir* ten ©teile atropl)iren. SRadj einem ober jwei fahren bietet 3. 23. bie £>anb ben Slnblid einer tljierifdjen $laue bar (f. gig. 375). ©iefer 3)ht«= Mfdjwunb breitet fid) nad) unb nad) von einem $örpertljeil jnm eroberen an« (f. gig. 376), wirb immer ljodjgrabiger, unb fdjlieffltd) ift ber traute in eine« jener „lebenben ©felette" Derwanbelt, wie fie häufig öffentlich jur ©d)an geftellt werben, ©ie 23 e l) a n b l u 11 g ber, in mandjeit gautilien erblichen Trautheit ift feine I)offnuug«lofe, wenngleich bie 2lu«fidjt auf üollftänbige Teilung feljr gering ift. ©er ent muff ben 3)lu«teln refp. Heroen abfolute ©d)onung angebeitjen taffen unb eine monate* ober jahrelange SDJaffagecur nebft SInwenbiiiig ber CHectricität burd)inad)en. ©ie Oncrlähniung (Paraplegia) ift eine, in ber fRegel bnrd) ein 9?mfeumarf«leiben Der« urfad)te £äl)mung ber unteren ©liebmafjen (ge* wohnlich beiber). ©ie 23el)onblung, bie Dom Slrjt geleitet werben muff, ift bie für alle 2ä()inuiigen angegebene (f. ©. 812). ©ie ©lohaugcti; ober Jönfciww'fdje Ärnnfs Ijcit (Exophthalmic Goitre) ift ein, Wal)rfd)eim lid) auf 2lffection be« fl)iiipatl)ifd)en 9?erDenfi)- ftem« berul)enbe« Veibeu. ©a«felbe befällt Dor* Wiegenb grauen unb namentlich bleid)füd)tige 9Jläbd)en (Dgl. „©pecialarjt für grauen"), ©ie ©l)mp tome finb: unb befd)leunigte befonber« bei geiftiger ober förperlicher Slnftrengung, ferner ©d)We(lung ber ©d)ilbbrüfe ($ropf; f. ©. 673) unb eine« ober beiber Slugäpfel au« ber bejw. ben Fig. 375. Sßroflreffiver (£>attb). Fiff. 376. gJrogreffiber S02u§?e(fcf)»Ditnb(tintc ßörpertjälfte). 814 2lugenl)öl)len („©lofcaitge"; f. ftig.377). $m 23 e r l a u f ber $nuift)eit, nreldjer fdjon nad) Sßodjen ober gar Sagen volleubet fein fann, in ber Dtegel aber bei zeitweiliger 23efferung ber ©pmptome S'aljre wäljrt, [teilen fiel) gewölpdidj 23erbannngSftöritngen mit ljocOgrabiger 2Ibmagerung, 23lut= leere nnb, falls nidjt fcljon vorher vor* ljanben, 23leid)fud)t ein. (Sine Teilung bis anf ein geringes .'pervortrelen ber Singen nnb ©puren beS Kropfes ift möglid); bisweilen getjen bie Patienten aber and) an (Srfdjöpfung ju Orunbe. S)ie -23 el) anb tnng befteljt baupt* fadjlid) in gehöriger pflege beS Körpers (Saiibanfentpalt, am beften in einem milben SBalb* ober ©ebirgSflima, eiweißhaltige, leid)t Derbanlidje $oft, 23ermeiben jeher Slnftrengnng nnb vor allem forgfame ©djonnng ber Nerven, daneben [inb (aber nur auf 23erorbnung!) anjuwenben: 20?ild)=, Sraubem ober Sßaffercuren, (Slectricität, Digitalis, (Sifen, 23arium, 23ella* bonna, (Srgot nnb 3:ob. Fig. 377. ©loftaußcnlrantljett. /wiiiifd;eifen ber ''JJerfltaibesorjjane. Unter biefer 4öejeid)nung faffett mir bie ®eifteStraiifl)eiten unb bie $rantl)eiten ber Sinnesorgane jufammen, b. I). biejenigen Äranfl)eiten, bnrdj meldje baS ®el)irn in feinen (geiftigen) Functionen unb bie Sinnes* orgnne, meldje beni ©eljirn bie (Sinbrücfe ber Slufjenmelt übermitteln, ge* fdjäbigt »erben. ©eificsfranfljeitcn. ©eifteSfrantljeiten (Seelen*, geiftige ober pfücbifclje Störungen, s djofen, ®eniütl)§franfl)eiten) nannten mir bei benen fid) bleibenbe Störungen int ®ebiet be§ 2öal)rnel)ineii$, ©entenSunb Sollens tunbgeben. willen ®eifte§frantl)eiten liegen anatoniifdje Sßeränberungen int ®et)irn jn ©rinibe, bie mir bei ber nuferer Hilfsmittel freilid) mandjmal nidjt auffinben fönnen. (SS giebt alfo feine genaue ©renje jmifdjeu ®el)irn' unb ©eifteSfranfljeiten; festere finb vielmetjr 815 nur als folclje ©eljirntrauHjeiten bei roeldjen bie geiftigen ftunc* Honen geftört finb. Sgl. $rantl)eiten be§ ©eljiniö. Slidjt ju verwed)* feln mit beit ©eifteSfranfljeiten finb oorübergel)enbe,Unfälle uon ©eifteS* ftörnng", wie foldje fiel) jit mandjen Brautzeiten (3. -53. (Spilepfie, Binbbett- frantl)eiten unb ©d)lagflufj) gefeitem Unter ©eifteStrantl)eiten l)at ber £efer ferner nidjt ganj berfdjiebene Brautzeiten, fonbern nur nerfdjiebene gönnen einer unb berfetben Brant* Zeit, ber ©ciftcSgcftörtljeit, ber ©ciftcSjcrrüttung ober be$ fimiS, 511 Derfteljem ©ie Zaiiptfäd)* lid)ften biefer gönnen finb: a) ©er © r ü b f i 11 n, bie ©d)Wermutl) ober bie 9J?eland)olie (f. gig. 378). ©a* bei ift ber Braute fortnnitjrenb bon traurigen ©efül)len ober büfteren SBalpworfteltungen („SerfoIgungS* wal)nfinn") beberrfdjt. b) ©er 333 a I) n f i n n, bie ©odljeit ober bie. IDianie ift eine franfljafte ©teige* rnng ber (SinbitbnngStraft („fQ'e 3been") ober ber 533itten§tl)ätigteit („©ottfiidd, ©oltljeit"). fpä* teren Verlauf biefer $orm, bie fid) mitunter nur bnrdj beftimmte „fije ■S'been" (Wionomanien, wie ©iebftal)!*, 9J?orb*z ©ammelmanien, u. f. 10.) äu* fsert, madjt bie früher gehobene ©tim* mnng be§ Patienten einer oerfdjloffenen, büfteren bie fid) and) in ben ®e* beö Oranten auSbrüdt (bgl. fyig. 379). c) ©ie SBerrücfttyeit ober 23ernrirrtl)eit ift biejenige $orm, bei meldjer alle pfl)d)ifd)en ©tjätigfeiten geftört finb ©leid)* gültigteit gegen (Sinbrüde ber Sinken* wett, UrtljeitSlofigfeit, finbifdjeS, finn* lofeS Sieben, täppifdjeS Raubein, n. f. f.). d) ©er 23löbfinn ift bie ©teige* rnng ber üßerriieffljeit. Sei biefer $ormbe§ 3rrfinn§ finb alte pfl)d)ifd)en ©l)ätigteiten erlofdjen. ©er Traufe Ijat Weber (Smpfinbnmgen, nod) ®e* bauten ober einen Söillen - er brütet lautlos unb träge oor fid) l)in (f. g'ig. 380) unb bebarffelbft bei berSefriebigung ber gewöl)ulid)fteu Leibes* Fi". 378. ©djttiennutfj. Fig. 379. Sßatjnfinn. 816 bebürfniffe einer leitenben §anb. ©in „tl)eilweifer" 23löbfinn ift bie 2ßillenlof i gfeit ober 2lbulie, wobei mir bie SBillenSthätigteit er« lofdjen ift, Wäßreub bie §irntl)ätigteit in jeher anberen £>infid)t normal bleibt. Sille biefe gönnen, Weld)e, Wie ge« faßt, nur verfd)iebentlid) fiel) äußernbe (Symptome einer unb berfelben Kran!« Ijeit finb nnb außerbem mannigfache Slb« ftufungen jeigen nnb 23erbiiibuugen unter einaitber bilbeit, folgen häufig bei einem Krauten aufeiuanber, fo baß man fie füglid) and) a(§ verfdjiebeue ©tabien be§ 3rrfinn§ barf. ©er gewöhn« lidjfte 23 erlauf biefeS £eiben§ ftellt fid) nun folgenbermaßeu bar: @d)laf* lofigfeit, Kopffdjmerj, ein ®efül)( be§ ©ruefs im Kopf, 9inl)elofigteit ober and) ©rägßeit, 2Ippetitlofigfeit, 23er« bauungSftöriingen, bleidje @efid)t§farbe, fparfamer §aru, SSerminbernng ober 23ermeljrnng ber ®d)Weißabfonberuiig, £ntje« ober Kältegefühl nnb ®inne$tänfd)nngen finb bie 23orboten. Stuf biefe folgen als elfte ® i) m p« to-me geftörter ®eifte$tl)ätigteit: 91iebergefd)lagenf)eit ober Erregung, Unluft an ber gewohnten 23efd)äftigung, Uneiitfd)loffeul)eit nnb beuljeit mit fid) felbft nnb feinen 23erl)ältuiffeu. ©aju gefeilt fid) häufig ein 2lngftgefiil)L baS eine bevorfteßeube ©efaljr anbeutet nnb ben Krauten jn ber 23emerfumg veranlaßt: lueifs nicht, was mit mir los ift; id) glaube, id) werbe wahufinuig." ©arauf verfällt ber Patient in 3fteland)o« lie, bie fpäter bem 2Bal)nfiun, bann ber 23errüd!tljeit nnb fdjliefjlid) bem 23(öbfinn f3lap mad)t. ©iefer 23erlauf ift aber lein ti)pifd)er, couftanter. ©er -Srrfinu tanu and) gan$ ohne 23orboten eintreten uub mit DJcanie ober felbft 23löbfiun beginnen, unb ferner braucht erburd)au§ nicht immer alle verfd)iebeiien formen 3uweilen verbinbeu fid) mit ber ®eifteSgeftörtl)eit mel)r uub mehr fid) fteigerube Väl)mung&erfd)eiuuugeu. ©iefe be$ fort: fdjrcitcnbc ßähmuug ber (Paralysis of the Insane) ge« nanut, befällt vornehmlich SJiänner jwifdjen bem 30. uub 40. unb führt regelmäßig nach wenigen fahren 311m ©obe, wäl)renb fid) bei ben anbereu eine beftimmte SSertürjung be§ Vebenö nicht nad)weifen läßt. 3n bem SlnfangSftabium ift ber Kraute gewöhnlich auf« geregt, giebt fid) (©ruutfudjt, gefdjled)tlid)en (Sjceffen) unb Uebertreibungen in feinem ®efd)äft hin. Sßiebei ber SJtaiue, ift baSSelbft« gefül)( berartig gefteigert („®rößeiiwa1)U"), baß er fid) mit ben unglaub« Fig. 380. SIÖbfil'H. 817 licpften ©ingen täufcpt; er meint, Völlig ober gar ©ott ju fein, Sftillionen jur Verfügung ju pabeu, u. f. iv. ©ie Urfacpen ber fortfdjreitenben Säpmung ber 3rr finnigen, bei tvelcper fiel) bie ©eifteSgeftörtpeit bentlicp im ©efidftSaiiSbrncf beS Oranten wieberfpiegelt (f. fyig. 381), finb (gyceffe im gefdjlecptlicpen SBerfepr ober im ®e« nufj von Spirituofen, ferner peftige (Er- regungen nnb Ueberanftrengiingeii. SBeitereS f. „Specialarjt für Scanner", ©ie anberen formen beS paben außer biefen Urfacpen noep fol« geube: Äranfpeiten (©pppuS, Scpar« lad), ©elentrpeumatiSmuS, Äopfver« lepnngen, ©epinileiben, cpronifdjeS Siecptpiim, u. a. m.), Ueberreijungen (junger, unb 53er« erbung. ßeptere ift bie gelvöpnlidjfte Urfacpe ber ©eifteSgeftörtpeit. ©ie Vererbung beS gefdjiept in ber Diegel burep Uebertragung einer Einlage (f. S. 404) ju ©eifteSfraufpeit. ©iefe ©iS- pofitiou muB niept unbebingt jum Dlu§brmp beö fiipren, fonbern nuidjt mir empfiinglid) für fo bap letztere au§ ganj gering« fügigen ?lnläffen eiutreten tann. Mitunter giebt fid) bie Zulage fdjon von früper 3'Ugsub bnrd) geiftige ©dnviidje an uub bejeidjnet man bieö als Sdjlvarfjftun ober Ombecillität. ©ie Vererbung beS tritt aber and) mampmal in einer eigen« artigen (yorm auf, ivelcpe fepon als eine vollftänbige ©eifteSfranfpeit an« gefepen iverben mnfj. ©iefe, ber (Idiocy), bebeuteteinen (ererbten) quantitativen ober quali« tativen ©epirnmangel, ber uidjt jn befeitigen ift uub fid) beutlicp im ©efid)t unb ©ebapren beS „(Jbioten" (f. $ig. 382) ausprägt. (Es ift ein pöperer ©rmib von Scpivacpfinn, bei weltpem von vornperewi bie normale ©eifteSentividliing auSgefd)loffen ift. 3u bein tritt päufig in golge beS maiigelpaften ©epirn« ivad)StpumS (f. S. 89) DJlipbilbuug Fig. 381. gortfctjreitenbe 2äl)tnung ber Srrftnntgeit. Fig. 382. Sblot. 818 beS SdjöbelS (DJHfrocepljatie). (Sine befonbere Slrt beS ObiotiSmuS ift ber Kretinismus (Cretinism). ©arunter Derfteljt man einen ©ppuS beS 3;biotiSmuS, ber ftetS mit Sdjäbelmißbilbuiig (abgefladjter, jiirütfgeboge* ner Stirn, ftarf entwideltein ©efidjtstljeil), greifenljaftem SluSfeljen unb 3wergwud)S unb bisweilen and) uodj mit Äropfbilbitng unb Spradjmän* gellt einljergeljt. ©er Kretinismus ift in mandjen ©ebirgSgegenben enbe* mifdj (Sdjweij, ft'ärntljen, ©Ijiiringen). ©ie Vererbung Don ©eifteSfranfljeiten geljt nidjt nur Don KlternauS, weldje geifteSfranf finb, fonbern and) Don Kltern, weldje an irgenb einem Siedjtljum leiben, bnrdj Unmäßigteit im ©eiinß Don Spirituofen ober anbere Kyceffe gefdjwädjt würben ober blntSDerwanbt finb (f. S. 406), ©erabe in 23ejug auf bie Vererbung Don ©eifteSfranHjeiten fpielt bie 23lutSDerwanbtfdjaft Don Kltern eine widjtige 9iolle. ©ie 23 e lj a n bl u n g beS 3'rrfinnS ift ausnahmslos Sadje beS SlrjteS unb füllte fo frülj wie möglidj in Angriff genommen Werben unb in einer 3rrenanftalt ftattfinben. 23iS jnr Unterbringung in einer foldjen 2Inftalt gönne man bem trauten möglidjft Diel 9iulje unb betjanble iljn mit ©iite, niemals mit Strenge. 23eljufS Verhütung beS 3rr* finnS Dermeibe man beffen Urfadfen, B'inber, befonberS foldje, Weldje eine Slulage 311 ©eifteSftörung feigen ober Dermutl)en laffen, finb fdjon Don friiljefter geub an Dor allen Sd)äblid)teiten jn fd)üt}en, Weldje ©eifteS- ftörung l)erbeifiil)ren. Sie bürfen nidjt mit Slrbeiten überbiirbet werben, nidjt an ben ©eniiffen reiferer Oaljre tljeilneljmen, u. f. w.; fie muffen ferner fidj 311 beljerrfdjen lernen, beim ein fefter Sßille ift ber befte Dor 3:rrfinn. Ärantljeitcn ber Sinnesorgane. ©ie ljolje 23ebentung ber Sinnesorgane muß eS uns angelegen fein laffen, biefe Organe Dor Krfranfungen 31t fdjiihen unb jebe ber lederen fofort geljörig 31t beadjten. Sßie man ber Sinnes* orgaue Derljütet, ergiebt fidj aus ben SSorfdjriften für bie pflege biefer ©rtf gane (f. S. 362 ff). 2öaS bie Teilung ber Dorliegenben anbe* trifft, fo ift, wie gcfagt, bie baß eine geeignete 23eljanblung balbmöglidjft in Ulnwenbiing fomint. (Sine foldje 23eljaublimg fann ber Saie nur in fällen Don geringerer 23ebeutnng felbft leiten; alle fdj Wer en Brautzeiten ber Sinnesorgane finb unbebiiigt ärjtlidjem Krmeffen 31t überlaffen. ©ie bem Vaien erfennbaren Symptome ber Dorliegenben Brant Zeiten finb SSeränbernngen im SluSfeljen ber betr. Organe (fidjtbare anatomifdje 23eräiiberiingen), Kinpfinblidjfeit, 8-iinctionSftöruiigen unb S in liest auf djuii g en (§allucinationen, f. S. 247 819 u. 290). geltere tonnen aber and) Symptome Don ®eßirn« ober ©eifteS* trantßeiten ober and) nur bie golgen *>on (Srnäßrinigsftörungen fein, bie nur für tnrje $eit baS ®eßirn afficiren (3. 23. Cßrenbraitfen beim 23lut* anbrang nad) bem ®eßirn). 3m allgemeinen fann man fagen, baß bie SiiiiieStäiifdjmigen Symptome von trantßeiten ber Sinnesorgane finb, wenn man felbft biefe Eänfdjungen als fnbjectiv empfuiiben, b. ß. ber SBirtlidjteit nidjt entfpredjenb, anertennt. Sim heften ertlärt bas ein 23eifpiel. 23on 3eit 3eit feßen wir im ©efidjtsfelbe fybecfe nmßer« tanjen (SQtüden« ober glerfenfeßen; mouches volantes) unb Hüffen redjt woßl babei, baß biefe gierte in Sßirflidjteit im ©efidjtSfelbe nidjt vorßam ben finb. GS entfteßt baS Sftücfenfeßen, baS übrigens woßl bei jebem vortommt unb oßne 23ebeutung ift, fo lange bie gierte fiel; nidjt bauernb an einem fünfte befinben, baburdj, baß trübe törperdjen im (SjlaSförper auf bie Sießßaut einen Sdjatten werfen unb bann als außer« ßalb beS SlugeS fdjwebenb empfuiiben werben. 9(uberS mit einem ©elftes« tränten. Sind) er fießt fünfte, giguren, Eßiere vor feinen Singen, ßält aber biefe (Srjengniffe feines trauten §irnS für SBaßrßeit. Eft ftellen fid) jebocß and) §alluciiiationen ein, oßne baß bie Sinnesorgane 1111b baS ®eßirn erfrauft finb; fo vermeint man mandjmal gan$ beutlid) aus ber (Entfernung eine SDMobie 311 verneinten. GS foll bamit gefagt fein, baß bie feinen fidjeren SlnßaltSpuntt für bie Eiagnofe geben, ben Saien alfo nidjt gleid) in SXngft jn verfemen braudjeu. Beßren biefe Eäufdjungeu allerbingS öfter jurüct ober finb fie anljaltenb, bann liegt bringenber Slnlaß vor, ärstlidje §ilfe in Slnfprud) 311 neljmen. ra 1111)eite 11 beS SeßapparatS. Xßei irgenb einem Slugenitbel, bnrd) iveldjeS bie Seljfraft beeinträdjtigt wirb, ift ein tüdjtiger Slugenarjt 311 fRatße 31t 3ieljen. 3)fan gebe fid) ja uidjt in bie §änbe von Önatffalbern ober guten ftreunbeit, weldje mit iljren ''ßoincben unb Salben mir Unljeil anridjten. 23is 3111- Slntnnft beS gönne man bem Singe Stuße unb verfaßre, ivie bei ben Äranfßeiten vorgefdjrieben ift. Sille Slngentranfe müffen fid) ßüten, aus bem trauten Singe Stoffe auf ein gefnnbeS 31t übertragen (mit Ringer, Sdjwamm). 3eber Slugenfraiite follte bas XBerüßrcn feiner Singen mit bem ginger vermeiben, für fid) felbft ein ßaben nnb baS refp. bie erfrantten Singen mit einem befonbereu, reinen Säppdjen trocfneii.« 3um SluSwafdjen beS SlugeS biene ebenfalls ein befoubereS leinenes Säppdjen, nie ein Sdjwamm. Eie ßibcntjünbung (Blepharitis Ciliaris) ift eine meiftenS bitrd) Bugluft, Staub, Stand), große §ipe ober fdjarfe Eünfte Vernrfadjte Ärant« ßeit, weldje fid) burdj ent3ünbete Sibränber tunbgiebt. gepteie finb rotß 820 unb mit einem bicfen Secret bebetft, baß in Prüften nm bie SBurjeln ber SBimpern liegt. Slußer bicfen ©rinben trifft man im inneren Singern wiiifel eiterälpilidje Ütröpfd)en nnb gelblidje ßlihnpdjen. 33ei 23ernadp täffignng tonnen bie Sßimpern ganj berloren getjen. 33el)anblitng: gleißigeß Steinigen ber Singen mit lauem, weidjem SBaffer, bem man etwaß boppeltfol)lenfaureß Station (1 Teelöffel auf 1 SS?affer) fetten fann. ©crftcnforn (Hordeolum) nennt mau bie (Eiitjiiiibiiiig einer (SOteU bom'fdjen) Sibraiibbrüfe, wobei fid) am Vibranb eine Heine rotlje @e« fdpvnlft bilbet, Weldje mitunter wieber berfdjwinbet, oljtte aufjubredjen, in ber Siegel aber aufgefjt unb bann (Siter entläßt. Oer ®efd)WiilftbiIbung gebt (jiicfen üorauß, unb wäßrenb beß 33efteßenß ber ©efdjwulft empfim bet mau am £ibe Sdjmerj unb Spannung. Oie Urfadjen beß ßeibcnß finb nid)t genau betanut; ba fid) aber ©erftentörner, nameiitlid) bei fcropfjit* löfen 'ßerfonen, oft längere $eit fjinbitrd) in rafdjer Slufeiuanberfolge bilbeu, fo üermutßet mau wol'l mit Stedjt, baß fie außer burdj örtlidje (Sim Wildlingen and) burd) Vorgänge im Körper (33lutentartungen, 53erbam iingßftörungen) veranlaßt Werben. 33eIj anbl nn g: SJtan lege auf bie @efd)wnlft einen Heinen 33reiitmfd)lag, ber nur bie ®efd)Wulft, u i cf) t baß ganje Singe bebectt. Sobalb fid) eine weißliche Klippe bilbet, Wirb baß ©erfteiiforn mit bem Wol)l gereinigten Wteffer ober einer Stebel eröffnet, worauf mau bie Stelle mit 33afeline, (SolbdSream, n. f. w. einreibt. 33et anljaltenber ©erfteiiforiibilbiing erweifen fid) oft fleißigeß 33aben nnb Ieid)te Slbfüßrungen auf beu £)arm oortßeilßaft. WHtiinter gelingt eß ber ®efd)Wnlftbi(bniig üorjiibeugen, wenn inan gleid) im Slnfaitg bie eiiQitm bete Stelle mit rotljer (üorfid)tig!) beftreid)t. Unter (Chalazion) üerfteßt man eine bem ©erftentorn äl)ii(id)e, aber größere ®efd)Wnlft amßibranbe, weld)e iljreUrfadje in einer SliigeiilibtiiorpeMSiitjiiiibiiiig tjat. ®ie 33el) anblnng, gleid) ber beß ©erftenf'ornß, bleibt niandpnal erfolgloß, unb muß bann ber Slrjt operatiü einfd)reiten. (Sinwiirtß; ober ber Slugcnlibcr (Entropien be$W. Ectropion), entweber burd) ber Viber ober burd) (Sonjunctiüitiß) pernors gerufen, finb nur burd) Operation 311 befeitigen. (Sine ®efaßr bringt bie (Sinwärtßftülpung mit fid), weil bei ißr bie nad) innen gerid)teten SÖimpern einen fortwäljrenben Steij auf baß Singe anßiiben. Siefer Fig. 383. ®tniüärt§ftellunfl ber SOimpern. 821 9?eij tiiun übrigen« end) ohne EinwärtSftülpung ber Siber bnbitrcl) erzeugt werben, baß bie Simpernfeljlerl)aft, neid) innen geftellt finb (f. gig. 383). Sind) l)ier muß eine Operation (Sreljumg be§ Sibranbe« nad) außen bnrel) SSerfiiqung be§ äußeren 23latte« be« 2ibe«) ftattfinben; baS ber nael) innen gerichteten Simpern hilft, ba fie immer wieber bnrel) nach' nmchfenbe Simpern werben, nur temporär. Sdjjließlid) giebt e§ auch nod) eine fehlerhafte Stellung ber Simpern nad) ber 9iid)tuug, b. I). nad) außen. Öiefelbe üerbinbet fid) mit ber 2Iu«wärt«ftülpuiig ber ßiber refp. be« inneren 23Iatte§ berfelben ([. W 384). 3 n golge von ßiiljinung ber Singen; libntltsfcln (Paralysis of the Muscles of the Eyelids) ftellt fid) ba§ UllVer* mögen ein, bie ßibfpalte 31t fdjließen („§afenange") ober wenigftenö ba« obere ?ib jn heben. Siefe 2äl)muug ift angeboren ober bie Begleiter* fd)cinung anberev Trautheiten (Servern unb ®ehirnleiben, Si)pl)i(iS). 23ei angeborener Zähmung fann nur von einer operativen 23 eljanb* lung Teilung erwartet werben; in anberen gälten muß gegen ba« ®rnnbleiben angetämpft werben. Slnf ein „blauc§ Singe" lege man falte Safferumfdjläge. Sie 9tüdfehr jur natürlichen garbe wirb bnrd) Umfd)läge von SÖaffer nnb Sah peter (| Sljeelöffel auf 1 ®laS SÖaffer) befd)leunigt. (fntpinbnng nnb ®crfd)Wel(ung bcS XhriinencannlS („Shvänen- aitge"; Weeping Eye), wobei ber Slbfluß ber Shränenfliiffigfeit nach ber 9Jafe beljinbert ift, nnb bie Shränen überlaufen, werben eutiveber bnrel) Slugenfranfheitcn ober üerurfadjt. 2eid)tere ®rabe beS ben§ beobadjtet mau bei jebem Sdjnnpfem Räßere ®rabe, biefdjlicß-- lid) jn Sliifdfwellnng beS ShräneufadS (f. gig. 385), SSerftopfung ber Shrä- nenwege unb 23erften beS Sbränem fad'S führen, fobaßbieShränenfIüffig= feit in bie 9tinne jivifcßen Sauge unb 9fafe ergoffen wirb unb hier ßnt- jnnbnng hervorrnft („£I)ränenfiftel"), finb langwierige liebel, beuen bnrd) 2Inffd)iieiben ber £räljnenröl)rd)en unb Erweiterung ber Shränen-9fafen- gänge vorgebeugt werben muß. Fig. 384. 9(u§1Dftrt§,-tillvunQ bc§ unteren SlugcnlibS unb ber aöimvcrn besfelben. Fig. 385. SlnirfjroeHung bc3 £ljtänenfacl§. 822 ©ie Slngciibiiibchiuitciitpiiibnng (Conjunctivitis) fommt in meh* reren gönnen vor. ©ie eine, bie c et t ci r r l) a l i f d) e, tritt nad) Neigung ober lleberaiiftrengung be« Singe« auf, gefeilt fiel) 311 Trautheiten (nament* lid) Ntafern) ober wirb burd) Staub, Stand), £npe, Bngluft („Talt int Singe"), u. a. m. verurfadjt. ©a« „SBeiße" be« Singe« unb bie innere Sibflädje finb babei gefd)Wol(en unb gerötljet, ba« Singe jueft ober fdjmerjt, Sdjleim* unb (Eiterabfouberung finbeu in einem 2Qaße ftatt, baß ber Traufe, ber beftänbig ba« ®efül)( von Sanb im Singe tjat, borgen« beim (Erwachen bie Singen verliebt finbet; außerbein finb gid)tfdjeit unb ver- mehrte ©hränenabfonberung Vorlauben. 3ft (Entjüubiing nidjt ftarf, fo beftelje bie lö e 1) anb tu 11 g einzig barin, baß man beut Singe Stuße gönnt. Vei ftärferer (Eiitjünbnng ift ba« Singe außerbein burd) Talt* wafferiimfd)läge 31t fühlen unb 9?ad)t« Vafetin ober(Eolb cream auf bießib* räuber 311 ftreidjen. ©ie urfäd)lid)en Sdjäblichfeiten (Stand), Staub, it. f. iv.) finb natürlich 311 vermeibeu, unb war ba« (Einbringen eine« gremb* förper« au ber (Entjünbung fdjulb, fo ift biefer, wie bei „Unglütf«fälle unb Verlegungen" angegeben, 51t entfernen, 3n gälten von partnädiger, djronifdjer (Eonjunctiviti« träufle man täglich 2*-3mal einige ©ropfen von einer WSifdjung von 2-4 ®ran fdpvcfelfaiirem ,3iiifo£l)b auf 1 Unje weid)e« SBaffer in'« Singe. - (Eine anbere gorm biefer Trautheit, bie e i t e r i g e Sl 11 g e 11 b i 11 b e I) a u t e 1113 n u b 1111 g, ift eine burd) lieber* tragung fraiitljafter Slbfonbernngen auberer Sd)leimt)äute auf ba« Singe veranlaßte (Entjünbnug. ©ie gefäljrlidjfte berfelben ift bie 23 i 11 b e l) a u t * e 11 tjü 11 bung ber Neugeborenen, auf bereu Nedjining ein außerorbenttid) tjotjer fßrocentfafe aller (Erblinbungen ift (f. für grauen"). SNan rufe beSljalb, fobalb fid) erfdjeinungen am Singe eine« Neugebos reuen jeigen, fofort einen tüd)tigen Slrjt herbei. Vi« jurSlnfiiuft beffelben tupfe man ben Sdjleim mit einem reinen (be* fonberem) ßäppdjen öfter ab unb fpüle bann ba« Singe mit reinem, weidjent, lauem Sßaffer au«, hierher gehört auch bie •Vinbehautentjüubung, weldje burd) Slbfonberuug ber §arnröl)re Ijervorge* rufen wirb (f. „Specialarjt für 2)1 än* ner"). - Vei länger anhaltenben (5as tarrhen ber Vinbel)aut verliert biefe ihre ©lätte, verbieft fid) unb jeigt, wenn man bie Slugenliber umbrel)t, „förndjenartige", granulöfe (Erl)ebun* gen (f. gig. 386). (Eine Slrt biefer granulöfen gorm ift bie fel)r an* Fig. 386. ©ranulöfe Ö inbeljautentäünbmt g. 823 ftecfenbe, unb barum oft fempenartig auftretenbe „egpptifdfe Slugenirant* peit". £)ie 23 ep a n b l n n g ift Sadje beS SlqteS. - 3m ®efofge einer 23inbepaiitent3iinbniig, aber and) opue baft biefelbe voraus ]ept, bilbet fid) mancpmal eine fleifd)faferäpttlid)e, fpifc* winflige Sßudjerung auf ber (Joniiinc* tiva, weldje fid) von ber fRafenfeite per mit beni Söiufel nad) ber §orn* paut pinjiept unb lüget feil" (Pterygium) genannt ivirb 387). £)ie 23 e p a 11 b l u n g ift eine Opera* tive. ©iefelbe wirb mir bann uötpig, wenn bie Sßmpernng ben §ornpautranb überfcpreitet. ®ie (Keratitis), von ber man ebenfalls mep* rere formen unterfdjeibet, ftellt fid) in $olge einer 23inbepaiitentjniibung ober anberer frantpeiten (Scroppnlofe) ein ober wirb burd) ßrtältnng ober burd) 23er* lepumgen verurfadjt. ©iefelbe tann mit ober opue ©dpnerjen im2(iige verlaufen. 2Öeitere@pmptome finb: Sicptfepeu, 2ib* trampf, Diötpung ber 23inbepaut unb STrübung ber mit 23nftel* unb 23läSd)enbitbuug, it. a. m. 3nt 23erlauf ber Äranfpeit wirb bie §orn* paut bisweilen bitrdjbrodjen, unb ent* fiepen bann uid)t feiten entftellenbe 2luS* wüd)fe (Stappplome; f. gig. 388) unb 23erwad)fuitgen ber unb ber §orupaut. £)ie 23 e p a n b l n n g ift @adje beS 2lugenarjteS. £>ie Olcgciiljogciipnutcntjiinbnng (Iritis), eine ber päufigfteu Singen* tranfpeiten, wirb burd) 23erlepuugeu, (Srfältungen ober anbere tranfpeiten fRpeumatiS* muS unb ©pppilis) veranlagt. £>ie (Symptome finb ßicptfcpeu, £prä* nenflup, fRötpnng ber 23inbepaut, (Snt* färbuug ber peftiger @d)mer$ im Singe, ©tirnfopffcpmerj unb Xräg* peit ober and) votlftiinbige Unbeweg* lidjfeit ber Pupille. 3m Verlauf ber Fig. 387. ötügcifeu. Fig. 388. ©tflpljtjloin. Fig. 389. SBerluacljfuncj bet 3ri§ unb Sinje. 824 $raiifpeit verwäcpft bie fRegenbogenpaut bisweilen mit bet pinter tpr lie* genben Sinfe, woburcp bie 3riS unb bamit and) bie Pupille verzerrt unb baS Sehvermögen gefcpwäept wirb ober verloren gept (f. $ig. 389). Oie 33 e p a n b l u 11 g beftept in ÜJupe unb Sdjonung beS SlugeS (im buntlen 3immer) unb (Sinträufeln Don Sltropin in baS Singe. 33ei Spppilis muß bie 33epaitblimg gegen biefe gerietet fein. Oie weiteren (Srfranfungen beS Slugapfels, (S n t 3 ü n b u n g e n b e v 21 b e r* unb 9? e tj p a u t unb bie verftpiebenen formen beS „S t a a r S" (f. S. 249 unb 255) fiep gönjlidj ber refp. -33em> tpeilung feiteuS beS Serien. 91urim fpäteren Verlaufe beS „grauen StaarS" ift bem bloßen, ungeübten Singe bie Orübung ber Sinfe in ber Pupille fidjtbar (f. $ig. 390). 2ßie ber graue, ift and) ber „grüne Staar" burep Operation ju peilen, wogegen ber „fdjwarje Staar" aller Äuuft fpottet. 9Ran fänine niept, bei irgenb weldjen unerfärlicpen Sepftörungen einen tikptigen 31t fRatpe 311 3iepeu. Starte Diamper ober Printer, bereu Singen immer fdjwädjer werben, paben fofort unb gänslicp bem Oabab uub Sllcopolgenuß 311 eutfagen, ba biefer bie SSeranlaffung ber (allmälig 311 33linbpeit füprem ben) @epfd)Wäd)e fein tanu. (Srbliubuiigen in golge von fepr großen X)ofen ßpinin verfepwinben von felbft ivieber. ©aS Scpiclcn (Srabismus, Cross Eyes) berupt barauf, baß einer ber geraben SlugeumuStel fid) uid)t an ber ridjtigen Stelle anpeftet ober verfügt ift; letzteres tanu bie einer trampfpaften 3nfnuimeii3iepung beS 9JZuStelS ober and) nur einer üblen ©ewopnpeit fein (f. S. 256). naepbem ber obere, untere, innere ober äußere „gerabe" SOiuSfel eines ober beiber Singen ift, blirft ber Sdjielenbe mit bem einen ober beiben Singen mup oben, unten, innen ober außen. 0>ie 33 ep anblit ng ift eine operative. Oie Operation, bie leidjt unb gefaprloS ift, beftept barin, baß man ben ver« tüteten SlugcnmuStel mit einer erfaßt unb, wäprenb baS Singe von ber anberen Seite per burep ®egen3ug in feiner Sage gepalten wirb, burd)fd)neibet (f. §ig. 391). Um bem Singe* wöpnen beS ScpielenS finb 33recpungSfepler beS jugeublicpen SlugeS bnrd) geeignete lörillen 311 compenfiren. kleine $inber bürfen aus Fig. 390. ©raueretaar. Fig. 391. <s$teiot>eration. 825 gleichem Orunbe nicht fortwährenb auf einem nnb betnfelben Sinn getra- gen werben, nidjt ju Keine ober feine Spielgegenftänbe erhalten nnb muffen ftets gleichmäßig vertljeilteS £id)t nm fid) haben; man ad)te befon® berS auf bie (Stellung beS VettdjenS. lieber Turzs, lieber® nnb Söeitfid)tigteit (VredptngS® fehler) f. <S. 262. ©ie SluSWahl ber Vrille übertaffe man bem Slrzte ober wenigftenS einem tüchtigen ©ptifer. - § a r b e n b l i tt b h e i t, bie nicht 311 befeitigen ift, würbe fdjon früher (S. 264) befprodjeu. - grembtörp er im Singe f. „UngliicfSfälle nnb Verlegungen". - 9?ad) (Sj-ftirpirung (opera® tiver Herausnahme) ober .ßerftörung eines Slug® apfels tann bie babitrd) bebiugte (Sntftellung burcb fragen eines f ü 11 ft ® lidjen SlugeS (f. 392) behoben werben. Trautheiten b e S Hörapparats. £)ie Trautheiten beS Hörapparats (f. <S. 233 11. ff.) laffeu fid) nidjt immer burd) gehörige pflege biefeS SlpparatS (f. 364) verhüten. (5S giebt eine Slnjal)! von conftitntionellen Trautheiten, Welche, befouberS bei Tinbern, baS ©eljörorgan in 20Ktleibenfd)aft ziehen (SUlafern, ©djarlad), Vocfen, ©iphtljeritis, ©cropljulofe). Vei allen biefen Trautheiten adjte man alfo and) genau auf baS £>hv ttnb lege jeber S(bnal)me beS ®eI)örS fofort ®ewid)t bei. V'ie bie meiften Slugentrantheiten, fo ift and) bie 9J?ehrjahl ber ©Ijreitleiben itnbebingt ärztlicher Vel)anblung anheimju® geben. Srf)töcrl)örigfcit ftellt fiel) ziemlich häufig mir in $olge von Ohrenffi)in(lUPfröPfd)en (f. $ig. 395, a) ein, welche fiel) burd) Sluhäufuug eingetroetneten DhreuKhvinlzeS im äußeren ®el)örgang bilbeu nnb fdjließlid) benfelben Vollftänbig abfd)ließen. Entfernt Werben biefe kröpfe burd) vorfid)tige (Sinfpripungeu mit lauem Söaffer. Vei lepteren bebiene man fiel) einer Keinen Sprite mit ftnmpfem Gnbe, wie foldje von ftigur 393 bar® geftellt wirb. S3ei ber (Sin® fpripnng felbft ziehe man baS El)vläppd)en mit einer nad) oben nnb hinten, um bie Viegung beS ®el)örgangS auSzugleid)en (f. @. 235) mib fpripe, nochmals gefagt, behüt® fam mit ber anberen HQnb aus ber Spripe lauwarmes SBaffer in baS ©hv ein, Wä()renb Patient gleid)zeitig unter baS ©l)v eine <Sd)ale hält, um baS ablaufenbe SBaffer anfzufaiigen (f. ftig. 394). 9?ad) ber wirb ber Topf auf bie Seite gebeugt, um alles SBaffer wieber ausfließen zu Fig. 392. s?ünftiicM «u(je. Fig< 393- ßfjrenfprifre. 826 laffen, bann ba§ Opr forgfältig getrocfnet nnb bnrep (Sinlegen Von üöatte vor (Srfältnng gefepüfct. $efte kröpfe finb vorerft anf3uweicpen, nnb 3War mit in gleicher Vkife vorgenommenen (Sinfprifcnngen von lauem Seifenwaffer nnb einer SRifepung von je 10 OpeilenSßaffer nnb (Slijceriii nnb 1 0peil boppeltfoplenfanrem Patron, Vleiben bie ßinfpritjnngen vergeblich, jo muß bet tropfen vom Slrjt mittelft 3nftriunent$ entfernt werben. Vopren im ©epörgang mit §aarnabeln, n. f. w. ift in folgen fallen ebenfo, wie bei (Sin« bringen von $ r e m b f ö r« pern (f. „UnglütfSfälle nnb Verlegungen"), abfolut 311 nnterlaffen. Oa bet Vl'oces bnren im ©epörgang manepe Trante leiept fepwhibelig wer« bett, empfiehlt e$ fiep, babei ben Patienten filmen 3U laffen. - S dj w e r p ö r i g t e i t, opne baß eine ©prentranfpeit Vorliegt, fann anep bnrep 31t große Oofen (Spintn ver« anlaßt fein; fie befällt ferner bisweilen ßente, Welcpe fiep in iprent Vernf ftarfen ®e« ränfepen anSfepen müffen (3. V. £)ie V e« p a 11 b l n n g beftept barin, bajj man bem ßpiningennf; refp. ber betr. Vefcpäftignng entfagt. Vei ©prctijrfjincrjcn maepe man marine Umfdjläge auf ba3 ©pr ober ftopfe in ben ©epörgang SBattepropfen, bie in ©peifeöl nnb etrnaS Sanbannm (©pinmtinctnr) getränft mnrben. Vor Slnmenbung be§ als §an§mittel beliebten ÄampferfpiritnS ift 31t ivarnen. im ©epörgang finb bnrep Operation 31t entfernen. Oie ©prencnfjiittbung (Otitis) tritt in verfdjiebenen formen nnb an verfepiebenen Stellen be§ ©epörgangS auf. Oie (Sntjiinbuitg be3 äußeren (Mcpörgnngs ift entiveber eine allge- meine ober eine itmfepriebene. Oie allgemeine (Snt3ünbnng be§ äußeren ©epörgangS ift befonberS pänfig im nnb wirb meiftenS bnrep (Srfältung vernrfadjt; fie gefeilt fiep aber nidjt fetten anep 31t anberen (Srfranfnngen (Hafern, Sdjarlad), fRotp« lauf). Oie Spmptome finb Scpwerpörigteit, bie befonberS fdjlimm ift, wenn bas Trommelfell mitafficirt ift, nnb vielleicfjt Fig. 394. 827 etwas fieber. 9?ad) einigen Stagen (teilt fiel) ein jiterft peller unb fcpleimt* ger, fpäter gelblicp-eiteriger ©prenauSflnß ein. ©ie 53 ep an b hing be- fiel)t in öfterem (Singießen (n i cp t (Sinfpri^en!) non lauem Töaffer, bem man etwas (1 Procent) ßaibol- ober 53orfäure jufefcen fann. 91acp bem (Singiefjen ift ber ®opf auf bie Seite ju neigen, bamit baS Pßaffer wieber ganj ausfließen fann, unb naepbem bieS gefepepen, wirb baS ©pr mit einem ©alicplwattepfropfen gefcploffen unb forgfältig üor allen Qfeijen (2luS* fragen, (Srfältung, u. f. w.) gefepüpt. - ©ie u m f cp r i e b e n e (S n t = j ü n b u n g bes äußeren ©epörgangS bernpt auf 53ilbung eines fturuntels (f. <S. 767) im ©epörgang ($ig. 395, b). ©pmptome unb 53 e p a u b l n n g wie bei ber allgemeinen (Sntjünbuug. ®egen gurunfu* lofe, b. p. anpaltenbe ßmrunfelbilbung, im ©pr ift ber ©epörgang öfters mit 53orfalbe einjufetten. ©ie @ntjiinbuiig beS Trommelfells, bie felbftftänbig nacp (Srfältung ober im SInfcpluß an eine (Sntjünbung im ©epörgang auftritt, giebt fiep bitrcp Scpmerjen im ©pr, ©prem faufen, Scpwerpörigfeit unb einen fcpleimigen, fpäter eiterigen 2lnS* fluß funb. ©ie 53 e p a n b l u n g ift biefelbe, wie bie ber beiben erft- genannten ßntjünbungen. 53ei biefer Äranfpeit tput Patient aber immer gut baran, bas 3im- mer ober auep baS 53ett ju piiten, beim bie ©rommelfellentjiiubung fann leiept eprouifep werben, jur ©urcplöcperung beS Trommelfells (f. gig. 395, c) fiipren ober auep (butjünbung beS SDlitteloprS jur pabeu. JBcrlcpnngen bc§ Trommel; fcHS burep Suftbriuf (ßjplofioiien, Äanoneiif cpüffe, ©prfeigen, ©cpläge auf ben $opf) ober un- fanfte 53erüprung (mit §aaruabeln, u. f. w.) unb ©urep* bop ruiig (Perforation) beS Trommelfells, Welcpe bie gleicpen Urfacpen, wie bie Perlepungen pabeu, babei aber aitcp im ©efolge üon (Sntjünbungen im äußeren ober mittleren ©pr auftreten fann, peilen leicl)t, wenn man bem ©pr gepörige Pflege, bejw. ber betr. Äranfpeit bie geeig* nete 53epanblung jutpeil werben läßt, püte fiep ber traute auf baS Trommelfell einen ©rmf anSjuüben (liefen, Preffen, u. f. w.) Fig. 395. a) b) gurunlel, c) ®urd)Iöcfie= rung be§ Srotnmelfen§, d) ©nhünbuitg be§ 3lntbo= fe§, e) ffjeiltDeife gerftörung be§ (Steigbügels, f) SlnitfjtDeUuitg ber (Sajleinttjaut bet Dtjrtrompete. 828 ©er SBerluft beS Trommelfells tann burd) (Einlegen eines tünftlid)en Trommelfells tljeilweife Werben. ©ie (Entjiinbung bce 9RitteloIjr§ tritt felbftftänbig nad) (Ertältungen auf, ober fie Derbiubet fid) mit gewiffen OnfectioiiSfranfljeiteu (Sdjarlad), "poden, ©ipl)tl)eritis, ©ppfjilis), ober fie fdjliefjt fid) an (Entjünbungen anbarer Tljeile beS ©eljörorganS an. 53on ben letzteren (Entjünbungen paben wir jwei, bie beS änderen ©epörgangS unb beS Trommelfells, fdjon tennen gelernt, ©aju tommen nod) (Eatarrlje beS 9?afeiirari)enraumS; biefe pflanjen fid) fepr päufig burd) bie (Suftadjffdje Trompete (f.@. 236) auf baS SDZittelopr fort, ©ie © p m p t o m e ber SHitteloprentyiinbung (©prenfdjmerjen, ©prenfaufen ober ©prenflingen, ©cpwerpörigteit unb Dielleicpt etwas fieber) finb nid)t feiten fo unbebeiitenb, bap fie oom Pa- tienten erft beadjtet werben, wenn baS §örberniögen fdjon merflicp abge« nommen unb bie Ärantpeit einen djronifdjen Verlauf genommen pat. SBeun bie (Entjünbung auf bie ßuftadji'fdje Trompete auSgebepnt ift, Der« fpüren bie Traufen bisweilen im Slnfang nur pin unb Wieber ein Suaden im ©pr mit ncicpfolgenber 53efferung beS ©iefeS Suaden wirb burd) ©effunug ber burd) ?lnfd)Wellung iprer ©cpleimpaut Derfcploffe« neu ©prtronipete erzeugt (f. $ig. 395, f). 3:m weiteren (cpronifdjen) Verlauf greift bie (Entjünbuug auf baS Trommelfell über, biefeS wirb burcpboprt, unb eS fließt ein übet riecpenber (Siter („eiterige SQlittelopreut'- jünbung", „©prenfluß") aus beut ©pr; im Innern beS ©prS tann biefe eiterige (Entjünbung fdjließlicp and) auf bie ®el)örtnöd)eld)en übergreifen (f. §ig. 395, d), biefe jerftören (e) unb fogar beS Reifen* beiuS üerurfadjen. tann Wieberum bie eiterige (Sutjüubung auf baS ®el)irn übertragen unb ben Tob Ijerbeifüljren. Tie £3 e l) a n b * lung, foweit fie @ad)e beS £aien, gleicht berjenigen ber übrigen £)1jr* ©aneben finb anbere (urfädjlidje) (beS 9?ad)enS ober ber 9)lunbl)öl)le) gehörig 31t befjanbeln, unb l)at ber 2Ir$t für (Entfernung Don (Eiter aus bem HJiittelotjr burd) (Einftid) in baS Trommel« feil ober mittelft ber „Vuftboudje" 31t forgen. 91 crböfc ©Ijrenkibcn mit (Sd)werl)örigfeit ober Taubljeit, auf (Er« trautungeu beS inneren £>l)reS ober beS ®el)örnerDeiiS ober beS ®el)iruS berul)eub, treten nad) Ueberreijungen beS ©prS (®d)läge auf ben Äopf, $all, $anonenfd)üffe; Dgl. ®. 365) ober nad) irantljeiteu (TppljuS, $inb« bettfieber, @d)arlad), §l)fterie) auf. Teilung ober ßinberuug foldjer Hebet ift nur Don einem fadjDerftänbigen (£)I)ren«)2li3te 311 erwarten. Unter (Deaf Mutism) Derftel)t man ben SBerluft beS ®el)örfinnS, welcher ©tummtjeit nad) fid) jiefyt. $u uuterfdjeiben Don festerer ift bie gorm ber ©tummpeit, weldje auf einen 9)tongel ber ©prad)organe beruht, ©ie ©anbftummtjeit ift meiftenS angeboren, wirb 829 aber and) in ben erften Lebensjahren, wenn baS ®eljör verloren geßt, er* worben. Solcße Äinber lernen nid)t fpreeßen, Weil fie nichts hören. ©ie 23 eljanblnn g bleibt einem tücßtigen Specialarjt refp. ©aubftummen* leprer Vorbehalten. $ r a n 11)eiten ber 9t a f e. ©ie ber 9lafe finb entweber felbftftänbig, ober fie nehmen ihren Urfpruug von tanfßeiten benachbarter Organe unb von allgemein neu Leiben, wie Scrophulofe nnb Sßpßilis. ©aS 9lafcnblutcn (Epistaxis) ift eine beS BerftenS von Blutgefäßen ber 9tafenfd)leimhaut nach Stoß, Schlag ober ähnlichen 3:n* falten, ferner bei Blutanbrang nach bem Äopf ober Blutftauung (§erj* nnb Lungentranfljeiten, $ropf, enge fragen, it. f. w.) ober bei leichter ber ®efäße (Blutertrantl)eit, Storbut) ober bei Berbünnung ber Luft (Bergfteigen). ©ie Bel) unblutig, bie natürlich bei einem etwaigen ©rnnbleiben hunptfüd)lid) gegen biefeö gerichtet fein muß, be* fteßt barin, baß man Äaltwaffer* ober (SiSumfcßläge auf Stirn unb 9hife macht, (SiSWaffer ober (5ifend)lorib ober Sllaun* ober ©anninlöf ungen in bie 9tafe legiere mit Sßattepfröpfcßeii*) auSftopft nnb bem trauten bei hodjgelagertem Äopf alte @rfd)ütterungeii beffelben (Ladjen, liefen, hatten) nnb alte ©eträufe, wie Spiritu* ofen, Kaffee, n. f. w. vermeiben läßt. ©er 9lafcncntarrh ober Schnupfen (Coryza) ift eine (Sntjünbnng ber 9lafenfd)leimhant, welche acut ober djronifd) verläuft, ©er acute Sdjuupfen wirb burch (Sinathmung fd)led)ter, talter Suft ober fdjarfer ®afe ober (meiftend) burdjtSrtältun hervorgerufen; mand)e(verweid)lid)te) HKenfdjen feigen barum eine ©iöpofition für ben Sdpiupfeu, weldje bureß fühle Slbwafdjungen ober ?(breibungen, b. I). burch Abhärtung be$ Körpers, jn betämpfen ift. ®ie catarrl)alifd)e ©ntjünbung ber 9?afenfdjleimhaut breitet fiel) gewöhnlich auch auf naße gelegene Sd)leiml)äute aus unb ruft bann außer ben Symptomen be§ Schnupfens läftige tftebenerfdjeinun* gen hervor, ©ie Symptome beS acuten 9lafencatarrl)S finb ©roden* heit ber 9?afeufd)leiml)aut, Berluft beS ®erud)S unb dmpfinblidjteit ber 9?afe („liefen")/ fpäter vermeßrte Slbfonberung einer wafferßellen, fdjar* feu Otlüffigteit, bie eubtieß fcßleimig*eiterig wirb unb fließt verfiegt. ©amit verbinben fid) vielleicht ein allgemeines unb fieber („Schnupfenfieber") unb als jene oben erwähnten 9?ebenerfcßeimin* gen Äopffdjmerjen, wenn fid) ber Katarrh auf bie Stirnhöhle fortpflanjte, * ) Jjeber muß mit einem gaben umfdjnürt toerben, ben man auS bet 9?afe Ijerauebänflen läßt, fo baß ber $ropf nad) entfernt iverben fann. 830 ferner SSerluft beS (Sefcpmatfs, Cpreiifaufen, Oprenfcpmerjen, @d)Wer* pörigteit (SSerfcpwellung ber (Suftacpi'fcpen trompete; f. ?Vig. 395, f), Sicptfcpeu unb Slugentpränen. Oie 33 e p a n b t u n g be$ «Scpnupfen«, beffen UebertragungSfä* pigteit burcp 2ln* ftetfung tnöglicp ift, abernocpnidjt ficper feftgeftellt würbe, ift eine jWeifadpe; einmal gilt eS, ei* nen auSbredjenbeit «Scpnupfen ju coit* piren (abjitfcpnei* ben), ba$ aubere sJ)lal, ben ©cpnupfen 31t peilen, refp. 31t verpinbern, baß er cpronifep wirb. 33ei auSbredjenbem ©cpnupfen palte man fid) im War* men Beniner, madje warme 33äber, jiepe warme Sßafferbämpfe in bie 9?afe ein ober blafe burcp ein SRöprcpen ober eine 9iafenfpripe (f. gig. 396) ©alicplfänrepulüer ein. Sepr gut finb and) ©djnupf* nnb 9?ied)mittel (f. 9?ec. 56) uub bie SRafenboucpe. Bit festerer nimmt man eine (Spültanne (f. $ig. 201), füllt biefe mit warmem in weldjem ein wenig $ocpfal$ anfgelöft Würbe, nnb treibt bann baS Gaffer unter SSermeiben üon ©cplingbewegun* gen in bie 9?afe, inbem man baS äRunbftücl beö ©cplaudjS in bie 91afe ftedt nnb bie ©pülfaune pöper als bie 9iafe pält (f. 397). finb aber fepr beputfam ju madjen, ba fie fonft ben ©epörapparat reijen, uub bei bem geringften Beidjen einer 9teijung fofort einjuftellen. Oberlippe unb 9lafenflügel finb vor §autabfd)ürfung burcp ben fdjarfen 9lafenf(uß burdj 33eftreidjen mit SB'afelin, iSoSmolin, (Jolb cream ober üDJaubelöl ju OaS ©djnäujen ift möglidjft jn unter* laffen, unb bie - leinenen - £afcpentücper finb päufig ju wecpfeln. Oie 33epanblung beS völlig auSgebrocpeuen ©djnupfenS beftept barin, baß man bie urfäcplicpen ©cpäblidjfeiten (fdjlecpte, ftaubige, reijenbe Suft, (5r* tältungen) meibet. 33efonber§ vorficptig muß man bei welcpe Fig. 396. StafenfVrifcen. Oben eine «Sprite mit gebogenem SDlunbftiicf jttm @in- blafen bittet) bie ßfjoanen (f. ®. 227); unten ein gerabe »ertanfenbeä sXn= faiitüct (jum ©inbtajen burdj bie Stafenlöcfier), bag ftatt be§ gebogenen 3Wunbftücte§ an ben SnmmibaU angefefct werben lann. ®urif)3uiam= ntenbrücten be§ ©i-tmmtball? Wirb em 2l)eil üon befien Sntjalt butd) bie miunbftücte Deraubgefdjleubert. Fig. 397. SJlafenboucfje. 831 an Ärantpeiten ber Luftwege leiben ober baju biSponirt finb, bei ©reifen unb bei fein. gür Säuglinge ift ber ©cpnupfen eine fein* gefäprlicpe Ärantpeit (Dgl. „Specialarjt für grauen"). ©er d) v o n i f cp e 9t a f e n c a t a r r p ober ber S t o d f d) u u p f e u, bei bem bie 9tafenfd)leimpaut Derbidt unb bie Scpleimabfonberung Der* meprt ift, pat näfelnbe Spracpe, erfdjwerteS Sltpmen (nur burdj ben OJiunb), ©ingeuommenpeit beS Kopfes ober and) @d)Wellung ber SRan* beln, Otacpenfcpleimpant unb ©djleimpaut ber ©prtrompete (Sdjwer* pörigteit; f. gig. 395, f) jur golge. ©ie 23epanbluiig beftept in ber Slnweiibnng ber Dlafenboudje (f. oben), im SluSfpripen ber 9hife mit fdjwadjen ßöfungen Don Sllaun, 23oraj, ©annin ober djlorfaurem ober pppermanganfaurem $ali unb SBaffer (etwa 5 ©ran auf 2 (Sfjlöffel SBaffer), ferner im (Sinblafen jener Mittel in mittelft ber 91afenfpripen (Dgl. gig. 396) unb im Abträgen eines ©peils ber Derbidten Sdjleimpaut mittels Stellung (§öllenftein) ober ©alDanocauftif. 23ei ber beS StodfdjnupfenS muffen natürlicp bie SluSfpripungen, u. f. w. wocpen* unb monatelang Dorgenommen Werben. £iegt ein Slllge* ineinleibeu, j. 23. ©croppitlofe, Dor, fo mufj bieS juerft befeitigt werben. 9?eccp t 9lo. 56. ©aS ® djnupf vulver beftebtauS gleichen £f)citen fotjlcn* faurer 9JJagncfia, falictilfaurcm 9latron unbtveifjemJgucfer.-©a8 Dliedimittel, baS fogen. $ager'fdje ©djnupfcnmittel, Wirb in jwei gläfdjdjen aufbeWaprt; in bem einen beftnben fiel) 1 ©radjme reine Garbolfäure unb 3 ©rahmen 2Beingeift, in bem anberen 1 ©radjme ©almiatgcift unb 2 ©radjmen beftillirteS 2Baffer. Sei Senufjung (etwa alle 3 Stunben) giefje man au§ Jebem gläfd)djen einige Streifen in ein ®la£ unb atljme ben ©unft, wobei bie fHugen ?u finb, ein, inbem man ba§ @la§ biefjt an SJiunb unb 9?afe pält. ©ie Stinfnafe (Ozaena) ift ein auperorbentlicp langwieriges Uebel, bem eine (Sntjünbung in ben 9?ebenpöplen ber 9?afe jn ©runbe liegt, ©ie Spmptome biefer weldje am päufigften junge SJZäbdjen be* fällt, finb biejenigen beS StodfdjnupfenS unb auperbem grofje ©roden* peit im §alfe mit ©djlingbefcpwerben unb ein pödjft übler ©erudj ans HJZunb unb 91afe, woju päufig nodj ein blutig*eiteriger 9?afenanSflnfj unb in ber 9tafe tommen. ©ie gleidjt eben* falls ber beS djronifdjen 9?afencatarrpS. Sieben ben SluSfpripungen (bei ber ©tintnafe and) mit iprocentiger (Sarbollöfung) leiften bei biefem Uebel and) bie in 9tec. 9io. 57 angegebenen ©djnupfpuloer, bie in bie 92afe einjublafen ober prifenweife ju nepmen finb, Dorjüglidje ©ienfte. fRecept 97o. 57. (Sdjnupfpulver bei Stinfnafe). 3e 1 ©racljme weiter 3«(fer, Garnier unb ©erbfäure - ober: 1 ©radjme Salomel auf 2 linken ))ulberifir= ten @ummi arabicum. ©ie ÜRafcnpolppcn (Nasal Polypi) finb eutweber SÖucperungen ber 9iafenfd)leimpaut (Scpleimpantpolppen) ober gafergefcpwulfte (fibröfe 832 Volßpen, f. S. 360). Oie Sdjleimßautpolßpen fiuben fid) gewößnlidj in ©ruppen, wadjfen fcßneller ober laugfamer unb neßmeii fdjließtid), inbem fie burd) ißr eigene« ©ewidit ßerabfinfen, eine birnenförmige ©eftalt an (f. gig. 398). Sie jeigen fiel; burd) uäfelnbe Spradje, Waffe« rigen 5Jlafenau«fluß unb Sltßembefdjwerben an, bie fid) bei feueßtem VJetter, wobei bie Volßpen aufqellen unb bie 9?afe berftopfen, fteigern. Vei bebeuteuberer ©röße fiub fie inbem man bie Dlafeufpitje in bie §öße fdjiebt uub in bie 9?afenlödjer fießt, al« graufarbige (leicht bewegliche) ©efeßwülfte beutlid) bon außen ju feßen. Oie fibröfen Volßpen ßabett uäfelnbe Spradje uub 2ltßembefcßioerben jur Böige. 2(Ue fiub nur burd) operatioe Veßanblung (Sieben, Duetfdjfette, ©aloanocauftit, u. f. w.) ju entfernen. ®cf(ßionrc in ber Olafe (Ulcers in the Nose) ftellen fid), Wie bie Volßpen, leidjt bei djronifdjem Sdjnupfen ein, fiub aber and) feßr ßäufig Symptome eine« Slllgemeinleiben« (befonber« Sßpßili«; bgl. „Special« arjt für Scanner") ober Är ebSgefdj wär e (f. S. 634). - lieber $rembtörper in ber 9?afe bgl. „UngliitfSfälle unbVerlegungen". V o n b e n $ r a n f' l) e i t e n b e« S p r a d) a p p a r a t« fiub biejenigen, weldje nidjt jit ben Ärantßeiten be« VerftanbeSappa« rat« geßören, b. i. auf Störungen in ben lauterjengenben ©ebilben be« rußen u. f. w.), fdjon bei ben betr. Organen erwäßnt worben. £ner ju befpredjen bleiben nod) bie Slptjafie unb ba« Stottern. Oie Olpljaftc (Aphasia) ift ba« lliibermögen, ßörbar jit fpredjeu, b. f). feinen ©ebanten burd) bie Spradje bie richtigen Sßorte ju befleißen (f. S. 274). ©iefe ift entioeber partiell, b. I). erftreeft fid) nur auf gewiffe Vegriffe, benen ber traute nidjt bett abäquaten Slu«brud ju befleißen mag, ober total, b. ß. ber Patient tann iiberßaupt feine 3been nidjt meßr ßörbar au«brüden. Oie SIpßafie, jit ber fid) bisweilen and) ba« Unoermögen, ju fdjreiben ober ju lefen (Slgrapßie refp. Silexe), ge« feilt, ßat ißre Urfacße in einem ßeiben, loeldje« ba« ©eßirn (ba« Spradj« centrum; f. S. 274) betrifft unb burd) gnrnßautentjünbung, Sdjlagfluß, u. f. io. beraulaßt wirb. 3e liacty Verlauf ber urfädjlidjen mit bereu Veßanblung and) biejeuige berSlpßafie gegeben ift, bleibt letztere befteßen ober oerfdjwiubet wieber. Oa« Stottern (Stuttering), beffen Urfadje uoeß nidjt genau betanut ift (f. S. 275), tann unter geeigneter Leitung faft Immer befeitigt werben. Fig. 398. ©cfjteimljautpolWcn in her SRafenfjöljle. 833 OaS Heilverfahren, baS in ben Sluftalten für «Stotterer befolgt mirb, be* fteljt hauptfädjlidj in metljobifdjen Slthemübnngeu, bttrdj meldje ber Braute lernt, (Sim unb SluSatljmung zu beherrfdjen refp. einzutljeilen. 9ladj 9?ofenthal foll ber Patient, bevor er zu fpredjen beginnt, tief einathmen unb bieS bei Beiten, b. Ij. elje ber Sltljem erfdjöpft ift, mieberholen. jiraitlilii'ifi'n ber 'gSewegintgsorgaite. ©er Bewegungsapparat fefct fiel) ciuö ben Änocpen mit ipren $nor* peln, Bünbern unb ©elenten, ben SJtuSteln nnb ben motorifdjen Sterben jufammen (f. ®. 80 n. ff.) ©ie tontljeiten ber leiteten pat bet Vefer im mit ben emberen Steroeiitraiifljeiten Tennen gelernt, fo bafs wir in bem vorliegenben Slbfcpnitt nur bie ber Änocpeii, ©elente unb BtuSfeln 31t befpredjen paben, weldje in ben Bereicp ber inne* reu SJlebicin gepören. „©raumatifepe" Ärantpeiten beS BeWegungSappa* rats (f. S. 399) bei ben „UnglüctSfällen unb Verlegungen". (Sine Slnjapl von Ärantpeiten ber Bewegungsorgane bejeidjnet man mit bem gemeinfdjaftlidjen Stauten 9tpeumatiSmuS, 9tpenma, 9teipen ober ftluß. 9)?an berftept barunter TranTpafte Broceffe im Bewegungsapparat, weldje felbftftänbig auftreteu, b. p. nidjt bnrdj attbere $ranTpeiten ober äußerlicpe (Sitiwirhing (Beilegung, Berbrennung, u. f. w.) perborgerufen werben, unb jugleidj mit peftigen jiepeuben ober reifceiiben ©djmeqen berbunben finb, bie fidj bei ©ruef unb Bewegung fteigern uub halb meprere Organe gleicpjeitig befallen, halb bon einem Organ 31t einem anberen überfpringen (perumWanbern). ©ie gewöpm lidjfte, aber nidjt bie einzige Urfarpe ber rpeiimatifdjen Reiben, weldje acut ober djronifdj berlaufen unb nadj ben berfdjiebeuen ©egeuben uub ©eweben beS Körpers, weldje fie befallen, @djultei\ Brnft-, 9tiideitmartSrpeumatiSmuS, 11. f. W., be$W. 9)tnSfel', ©epiieu' ober ®e- lenfrpeumatiSinuS genannt werben, finb (Srfältungeii; befonberS bie (Sim Wirtung ber 9taptälle ruft 9tpeumatiSmnS perbor, weSpalb man bem felben am Ijäufigften Anfang beS grüpjaljrS unb (Snbe be§ auftreten fiept. Bei ber Bepanblung faft aller Ärantljeiten ber Bewegungsorgane finb 9tupe unb Scponung beS ertrantten ©liebes bie §auptfadje. 2ßaS fpeciell bie rpeumatifepen anbetrifft, fo fommt ju 9tulje unb ©djonung beS betr. ©liebes noep bie BJärme als ein weiteres für bie Bepanbhmg feitenS beS ßaien pinju (bgl. „©pecialarjt für 9tpem matiSmnSs nnb ©ieptfraufe"). 834 Broiitl)citcn ber Biwdjen. diejenigen ber $iwdjen, metclje uns ljier befdjüftigen, finb in ber in weldjer bie $notf)en nod) in ber (Entwiiflung be« griffen finb, gewötjnlitf) folgen bon (ErnäljrungSftörungen (9U)ad)itiS, ©cropljulofe) ober einet) bon duberfulofe, wogegen fie im fpäteren Lebensalter meiftenS als 9?ad)frantl)eiten anberer Leiben, wie j. 53. ®id)t ober ©ijpljilis (bgl. „©pecialarjt für Scanner"), auftreten. Sillen tranttjeiten ift uni fo nieljr eine fadjfunbige, früljjeitige 53e1jaiiblung juju« Wenben, als fie fdjioer 311 ertennen unb peilen finb unb - namentlich iin $inbeSalter mit feinen Weidjen, tnorpeligen Änodjen - leidjt lebens« länglidje 53ertrüppelung jur ftolge haben. Atnortjciu ober ISeinljautcutjünbuiig (Periostitis) nennt man bie (Entjünbung beS Eßerioft'S, b. I). ber ben Änodjen umljüllenben £>aut (f. ©. 81). diefe ©ntjünbung berläuft rafd) unb mit ftürmifdjen ©rfepei« innigen ober fdjleidjenb. 3m erfteren $alle ftellt fid) fieber (bielleicht mit ©djüttelfroft) ein, ber erfranfte dpeil fd)Willt an, nnb in bemfelben empfinbet ber Eßatient einen bumpfen, bopreuben ©djmerj,. ber fid) bei driuf, 53erüprung nnb (Einwirfung ber 5öärme fteigert. Sßenbet fid) baS Leiben nidjt jum 53effern, fo fd)Willt fdjließlid) baS ganje ©lieb au, unb eS bilbet fid) ein Slbfceß (f. ©. 766). der ©iter beS letzteren brid)t ent* Weber an bem©ip beS LeibeuS ober an einer non biefem entfernten, tiefer gelegenen ©teile bnrdj, uiupbem er fid) burd) bie unter ipm liegenben SBeicptpeile burd)gennil)lt tjat („©entungSabfcefj")- 9iid)t feiten tljeilt fid) bie 53eint)autentjiinbung aud)bem $nod)en mit unb ruft ®nod)enbranb ober $nod)enfrafj perüor. 53ei fdjleidjenbem Verlauf töinien alle ©tjmp« tome fehlen, fo bafj bie erft jur ©rfenntnifj tommt, wenn ber $nodjen in üDHtleibenfdjaft gezogen ift, b. i. burd) ober die 53 el) anb lung beftel)t in 9iul)e unb ©djonung beS trauten ©liebes, Sluflegen bon ©iSttmfd)lägen, nieldje bei (Eintritt bon (Eiterung burd) warme 53reiumfd)läge 311 erfepen finb, im ©ntfernen beS (Eiters burd) (Eiufepnitt (f. bei Slbfcep ©. 766) mit deSiuficiren ber betr. ©teile unb in ber 53etämpfung eines etwaigen ©runbleibeuS. die Änod)cucntjünbung (Osteitis) ift eine acute ©ntjünbung beS Hnod)ens, weldje fid) anbie $nod)enl)autentjünbung anfd)liefjt. ©i)mp« t om e 1111b 53 e l) a n b l u n g ber CfteitiS gleichen benjenigeu ber Ijaiitentjünbung. der ober 53ciufrnfj (Caries) ift eine 53erfd)Wärung beS $hiod)enS, bei weld)er es, wie bei ber EßerioftitiS, jur 53ilbung bon SIb* feeffen bejw. ©entungSabfceffen unb nad) durdjbrud) beS (Eiters nad) außen jn §ol)l« ober f3ifte!gefd)Würen tommt, weldje einen biiiinflüffigen, 835 übel riedjenben, mandjmal mit $nod)ent!jeild)en bermifdjten (Siter abfon* bern („feudi)ter $110 djenfraß"). ViSweilen geljt bie $rantljeit oljne (Siterung vor fid) („t r o cf e n e r $ n o dj e u f r a ß"), inbem bie oer- fdjwärenben $nod)enfdjidjten und) iljrem Berfati wieber aufgefogen werben. ©aS Verüljren eine« cariöfen (mit ber „Sonbe") ift fetjr ©ie Veljanblung ift äljnlid), wie bie ber entjiinbung. - Vei Ä'nodjenfraß in ben 3dl)neu (cariöfe, ftodenbe Bdljne), ber burd) (Sinwirfung non Säuren, £)ipe ober Äälte auf bie Bdljne, burd) faulige im Sftuube, it. a. m. üerurfadit wirb, muffen bie Bdljue balbmögtidjft anSgefüIlt (plombirt) werben. Sinb bie Bäljue fdjon in größerem Umfang jerftört („fjoljl") fo muß, um 3nl)115 fdjmerjen 31t üertjüten, ber bloSgelegte Bonnern biirdj SluSftopfen ber Baljnljöljle mit SöadjS, SÖatte, u. f. W. bor Dieijuug gefdjüpt werben. „Baßnfifteln", b. ß. eiternbe weldje fid) bei (SarieS ber Bdljue ober beS $uodjenfad)S berfelben ober in fyolge non 'ißerioftitis bilben uub nidjt nur baS Bal)nfle>d), fonbern mitunter and) bie SBange bitrdjbredjen, muffen burd) Spaltung in eine offene SBunbe berwanbelt uub bann als foldje beßanbelt werben, ©er traute BQ1)U Ift 311 entfernen. Um baS Stocfeu ber Bdßue ju vergüten, felje man auf orbeutlidje SDlimbpflege. ©ie Bdl)ne finb mit (nidjt 311 fdjarfen) uub (nidjt fäure* faltigen) Boljnpulbern 311 pupen (9tec. 9to. 58). 9tecevt 9lo. 58. (3abn)5ulöer). präcipitirter, fotjlenfauver .Statt ober foljlenfaure SOtagnefia. - Ober: 1 auf 8 Streite präcU pirten folilenfauren Statt. - Ober: 8 Unjen pretyarirte 4 llnjcn 23im= ftein, je 2 Unjen ßaeca unb iueifjeä gifdjbein, je J Unje flebrannter ßllaun uub S?eilct)en= ivurjel unb je j ©raebme 33erflamott= unb SJielfenöt. -Ober: 1 Unje prä)jarirte §otj= totale, | Unje braune Gtjinarinbe, 2 Oracbnten 2)?i)rrt)e unb 25erganwttol.- ©ber (befonberö bei empftnblicfjent ober ivunbem ): !Je 1 ©radjme 3tatanbia= IvurjebCrjtract unb 2Kl)rrl)e, 2 tropfen 10 Strovfen SKtyrrljenöt, 10 ®ran Sßerubalfatn unb 6 ©radjmen ©er Änocßcnfirnnb (Osteonecrosis), baS branbige Sllifterben eines Änodjenftüds, fdjließt fid) an $uod)enmart= ober ober Änod)enfraß an. ©er abgeftorbene fdjmerjt bei riil)ruug mit ber „Soube" nid)t (ogl. SBeinfraß) uub bilbet einen §remb= törper, ber entfernt werben muß. ©ieS gefdjießt burd) bie Diatnr, Wenn bas branbige Änodjenftücf an ber ©berflädje liegt, inbem tleine $uod)em tl)eild)en nadj unb nad) bereitem unb nad) außen entleert werben. Viegt bas branbige baS and) „Sequefter" genannt wirb, in ber ©iefe beS $nod)enS, fo bilben beffen gefnube Partien eine §ößle, in weldjer baS tobte $nod)enftütf, bon (Siter umfloffen, wie in einer gäbe („$eiulabe, ©obtenlabe") eingefdjloffen liegt. Sind) bann tanu ber branbige $nodjen uodj oljne 23eil)ülfe burd) Vereiterung entfernt 836 werben; päufig muß aber ber 3Irjt operativ eiufcpreiten, b. i. burd) bie fogen. Sequeftrotomie baS tobte jhiocpenftütf jerftücfeln unb fortfcpaffen. £>ie Äuotßcnerwcicpung (Osteomalacia) ift eine nur ©rwadjfene unb meiftenS grauen im Söodjenbett befatlenbe (f. „Special* ar$t für grauen"). ©aS SBefen berfetben beftept barin, baß bie urfprüng* licp ßarten Änodjen weid) werben, weit bie ben $nocpen patt madjeuben Äaltfalje aufgelöft unb reforbirt werben. ©ie .ftiiorfjenmarfciifjiinbung (Osteomyelitis), and) Änod)entpppuS genannt, weil fie unter tpppuSäpnlicpen Symptomen auftritt, wirb burd) 3nfulte beS ober (Srtältungen perborgerufen unb verläuft ge* wöpnlicp in Änodjenbranb (f. oben). ©ie WjadjitiS ober (S-nglifdjc Äranfpcit (Shwdjenweidjpeit, $wie* wud)S; Rickets) ift eine beS früpen (etwa vom 6. neonat bi§ 311111 6. 3apr). ©aS SBefen berfetben beftept barin, baß wegen mangelpafter Slblagerung bon Äalffaljen in ben Änocpen biefe weid) bleiben (alfo nidjt weid) werben, wie bei ber Änocpener* Weisung; f. bort). ©ie Urfacpen ber $Rpad)itiS finb nid)t alle betannt; fo biet ftept aber feft, baß bie Wicptigften berfetben außer einer angeboren neu ©ispofition eine fd)led)te, unjwecfmäßige ©rnäprung (mit fDlepl ober meplpaltigen Stoffen, fcplecpter H)Hld), fäurebilbeuber 9iapriing) unb ber Slufentpalt in feudjten, fdjlecpt beutilirten Sßopnungen finb. Spmptome unb Verlauf. ©ie (Srf Meinungen, welcpe bie 9epadjitiS anfangs perborruft, finb je nacp bem Lebensalter beS finblidjen Patienten etwas berfcpieben; bgl. Äinberfraiit' peiten im „Specialarst für grauen." 3m all* gemeinen ift baS folgenbeS: £)ie Äinber werben juerft bon SBerbauungSbefcpwer* ben (W?agem unb ©armcatarrpen mit bünnen, grünlicpen Stuplentleerungen) peimgefucpt, fcpwipen ftarf am $opf unb magern ab; bie §aut wirb bteiclj, fdjlaff unb, wie bie DhiSteln, weif. Sobann folgen (Srfcpeittuugen ber erfranfung. £)ie Heinen Patienten fcpeuen fidj (wegen baburcp berurfacpter @d)merjen) bor werben träge, ber ®ang ift wat- fcpelnb, ber Sd)äbel erfcpeint auffatlenb groß, bie gontanellen bleiben offen unb ber ift weid) unb biegfam ((SraniotabeS). 2ln ben $nodjenenben ber ©liebmaßen fommt eS fcpließ- licp ju Sßerbicfuiigen („hoppelte ©lieber"; f. gig. 399), ber wirb berunftaltet („§üpnerbruft", bie teilte, weldje baS ©e- Wid)t beS Körpers nicpt ju tragen vermögen, frümmen fiep nad) außen Fig. 399. 5)oVielte ©lieber unb Xbeine. 837 ober innen (O- ober Xbeine; $ig. 399) unb and) 2ßirbelfäule unb Börden erfahren äßißgeftaltnugen. ©abei beobachtet man bei foldjen Äinbern ein ftarfeö §eroortreteii be§ 53aud)e« („grofdjbandj") unb ba§ ftete $emül)eii, fid) auf feftfteljeube ©egenftänbe 311 [tilgen unb baburdj bie fdjwadjen 31t entlaften (f. $ig. 400). ©urd) ©rud auf ben weichen hinter* topf werben wie Krämpfe, unb Scplaffncht Deraidaßt; jitgleid) ift ber Sdjlaf unruhig unb nidjt fetten (teilt fid) Stimm* (f. S. 683) ein. ©ie Mahnung erfolgt fpät unb unregelmäßig, baS Saufen wirb fd)Wer erlernt ober gar wieber Derlernt, unb bie (Stimmung ift mürrifdj unb weiuerlid). ©er Verlauf ift ein djronifdjer, er erftredt fid) ge* wöljnlicß auf 2-3 unb enbet bei geeigne- ter 33eljanblung mit Dollftänbiger ©enefung. ©ie S3 e l) a u b l u n g fjat iljre SInfmert* famfeit Dor allen ©hegen auf bie (Ernährung beö $inbe§ 31t ridjteu. Säuglinge füllten nur üDZutter* ober SImmenmild) ober genügenb Der* bitnnte 9J?ild) (f. S. 370) Don foldjen gefunben Äiifjen erhalten, weldje nicht mit Sdjlempe ge* füttert werben. Später Wirb ber QJZild) 3Wed* mäßig ein wenig ®albfleifd)brül)e (Etwa Dom 2. Sebenöjaljr an gebe man neben ber äRild) täglich 3Weimal etwa« Äalbfleifd)brül)e ober nod) beffer eine Heine Portion feiugefdjabten roljen 9iinbfleifdje$ nebft einem ©pelöffel Doll ©ofaper ober 90?alaga*2Bein. ©ie übrige $oft (anima* lifd), nidjt Degetabilifd)) entfpridjt beteiligen, weldje bei ber S3el)anb(nng ber Scropfjulofe angegeben würbe, ©aneben Derabreicpe man unb Sebertpran, fofern fie Dom Äinbe Dertragen werben, unb öftere (Sool*) Äöäber. 9Jl)ad)itifd)e Stinber biirfen nicht in betten mit biden Unterbetten fdjlafen; am beften legt man fie auf eine 9?oßl)aarmatra£e mit n i e b r i * gern Äopffiffen (bei weichem foll baffelbe, um ©rud abju* palten, ringförmig fein), ©ie Snft im Rimmer fei gut unb rein (nid)t bumpf nnb fendjt), unb e$ ift Don großem Sßortpeile, rhad)itifd)e ft'inber Diel in bie frifdje Suft 31t bringen, ©abei beachte man aber, baß bie Äinber nidjt laufen unb auf bem ?lrm (am allerwenigften anljaltenb auf einem unb bemfeiben 2Irm) getragen werben. 2luS gleichem ®runbe, b. I). um $uod)euDerfrümmungen 31t Derljüten, ift baS Vornehmen Don Step* unb (SJeljDerjuchen nnb ba§ Slufredjtfipen ber Äinber im $ett 311 Derbieteu. ©ntftanbene 23erfrümmungen, bereu fdjlimmfte bie Fig. 400. SRf)acr)iti)rf)c§ Stinb (5ro[d;baucf)). 838 bei SOläbdjen ift, werben burd) orthopäbifd)e Hebungen unb Apparate befeitigt. Sgl. „Specialarzt für grauen." ©ie 235 i r b e l f ä u l e * ober 91 ü tf g r a t § ü e r f r ü m m u n g e n (Spinal Curvatures) finb angeborene ober (viel häufiger) burd) Kuodjen* Trautheiten ober fehlerhafte Körperhaltung erworbene Abweichungen von ber normalen Krümmung ber Sßirbelfäule (f. S. 97). £D?an unterfdjei* bet folgenbe ber 9tücfgrat§üertrümmuug: ©ie nad) hinten (außen) gelehrte Serfrümiuung, ber Sudel ober bie Khpljufc (Kyphosis). ©iefelbe ift, wenn fie fid) im fpäteren Seben einftellt, bie golge von Kuochenerweidjiing. (gewöhnlich wirb fie iubeffen in ber S'ugeub erworben, nnb zwar von Kinbern mit fcrophulöMuberfulöfer (Sonftitution refp. ©ispofition burch Seinfraß einzelner Söirbet* törper unb Serfd)Wärung ber zugehörigen ©ie ®elegeul)eit§ur* fachen biefe§ lederen, ber Kl)pl)ofe meiftenS ju ©runbe liegenben SeibenS, ber fogeu. f d) en K r a n f 1) e i t ober SBirbelentjünbung, finb 3nfulte beö 9?ütfgrat$ (Stoß, Sd)lag, an* haltenbeS Krummfifcen) ober Keud)l)uften. $n golge ber Sßirbelentjünbung trümmt fid) ba§ 9iiitfgrat unter ber Saft be§ Köpfet unb ber höher liegeuben fRumpfpartie Wintelig (nach außen) (f. gig. 401) unb e§ tommt zu ber blei* beuben Krümmung be§ 9iücfeii§, weldje wir Sudel neunen (f. ©. 384 $ig. 176). ©ie Sehanblung muh möglidjft frühzeitig begonnen unb jahrelang confequent burdjgefiihrt werben. @ie befteht in ber Se* fämpfung ber Sßirbelentzünbung burch (SiSumfdjläge, URaffage be$ SRürfeuS nnb Sefferuug be$ AllgemeinbefinbenS, wie bei ber «Scrophulofe angege* ben (©. 646), unb in ber (Sntlaftung beö trauten 9?üdgrat§ burch anhal* tenbeS Siegen unb ©tühapparate. SJeitere« f. „@pecialarzt für grauen". b) ©ie würfelige Krümmung ber Söirbelfciule nad) innen (nach norn), bie Sorbofc (Lordosis) fann felbftftänbig burd) Knod)entrant* heilen öerurfadjt werben, gefeilt fid) aber gewöhnlich al§ compenfirenbe Krümmung (f. <S. 97) zur Kpphofe. 9Rit biefer theilt fie auch bie Se* haublung. c) ©ie feitlid)e Krümmung ber SBirbelfäule, bie Sfoliofc (Scolio- sis) tann öerurfad)t werben: burch einfeitige 9tippenfellentzünbung, (5r* trautungen ber Sßirbel, be3 SecfenS ober be$ £)üftgelent£ ober burd) an* halteube fehlerhafte Körperhaltung in ber Ougenb (ügl. (S. 383 unb „Specialarzt für grauen"). Sei fleinen Kinbern wirb biefe Körper* Fig. 401. SRüdgratSSertrünunung rtad) au= Ben (Sindel). 839 paltung burd) baS fortwäprenbe ©ragen auf einem Sinn veranlaßt. 3:u golge ber feitlid)en Krümmung tjebt fiel) bie eine (Scpulter, wäprenb bie anbere finft („pope" unb „fetjiefe Sdpulter"; vgl. gig. 174). ©ieBe* panblung muß gegen ein etwaiges ©ruubleiben gerieptet fein unb jn# gleicp burep (Srmapnen, gpmnaftifcpe Hebungen ober and) ortljopcibiftfje Slpparate eine normale Haltung beS Körpers perbeifüpren. Bgl. „<Spe* cialarjt für grauen". ber ©clcnte. ©ie ©elenttrantpeiten, ivefetje fiel) burcl) entzünblicpe ScpWellung unb 9iötpe ober Oefcpwulftbilbung* an beut trauten ®elenf, ferner burcl) ©cpmerz, ber fiel) bei ©ruef unb Bewegungen fteigert unb bisweilen and) burd) gieber anzeigen, finb entweber rpeumatifepen UrfpruugS ober Stjinptome eines SlllgemeiuleibenS ober bie golgen Von Beilegungen ber ©elente ober (Silrantungen benachbarter ©peile. Sille biefe erforbern eine frühzeitige, forgfältige Bepaublung, bie Vor allen ©ingen auf Siupe unb «Schonung beS betr. ©elenfS zu fepen hat. Bernacpläffv guug ober unpaffenbe Bepaublung fepwere Änodjem unb ©eleut- leiben, ©elenffteifigttit ober Bertrüppelung ober gar ben ©ob beS ''ßatien- ten zur golge. - 3m Berlauf mancher (Menttrantpeiten bilben fiep in ben ©elenfpöpleu fibröfe ober fnorpelige e l e n 11 ö r p e r" ober „® e ? I e n t m ä u f e", welche entweber au einer ©elentfläcpe angepeftet finb ober fiel) in ber ©elenfpöple frei bewegen. ®erätl) ein foldjer ©elenfförper, ber bie ®röpe einer $irfd)e unb barüber erreichen tann, bw ®e= lentfläd)en, fo empfinbet ber Traufe ben <Sdjmerz unb ftürzt vielleicht ohnmäd)tig zu Boben. ©ie ©elentmäufe finb nur auf operativ Dem Sßege zu entfernen. Bon ber ©clcnffteifigfeit ober Slntplofe, weldje, wiegefagt, bis« weilen burcl) ®elenffrantl)eiten veritrfadjt wirb, unterfcheibet man zwei gönnen. Bei ber einen, ber wahren ober fnöehernen Sinfl) = l o f e, geljt bie Beweglidjteit baburep verloren, bap bie tnörfjernen ®e- lentfläd)en verwadjfen. Bei ber anberen gorm, ber falfdjen Slntp« lofe ift noch eine geringe Beweglicljfeit iwrhanben; hier^ei ift ber Ber- lüft beS BewegnngSoermögenS burd) Berbictung unb Berfcprumpfuttg ber bie ©elentpöple umgebenben ©peile veranlaßt, ©ie falfcpe Slntplofe tann burep gewaltfame Strecfung beS ©elents, metpobifepe (paffive) Be= wegungen ober ©ragen von Slpparaten ganz °^ev tuenigftenS tpeilweife gepeilt werben. Bei ber wapren Slutplofe ift bie Bepanblung eine ope- rative (SluSfägen eines „SMection"); biefelbe Vermag jebod) niept, eine Teilung zu erzielen, fonbern nur bie fcplimmften Be- wegungSftörungen zu befeitigen, z- B. ein getrümmteS Beingelent wieber 840 gerabe 311 (teilen unb baS 23ein babnrcl) lieber 3um (M)en brauchbar 3U machen. ©er (Mcnfrhcuinnfisniuö ober baS (Mlicbcrreißcn (Articular Rheu- matism) ift eine rljeumatifdje Trautheit, bei iveldjer fiel) bie ©l)novial= fapfeln einer von ©eleuten entjiinben nnb in bie £)öl)len ber lefcte* ren eine tranfhafte ftlüffigfeit abgefonbert mirb. 2D?an hat jivei formen biefer jn nnterfdjeiben, nämlich einen acuten nnb einen djroni* fei;en (MentrheumatiSniuS. a) ©er mite (McntrpcnmatismuS ober bie „f l i e g e n b e © i cp t" ift eine bereit ©runburfaepe noep nicht ertannt ift; iväljrenb letztere auf ber einen ©eite baS SBorljanbenfein von 9JHld)fäure int 4Dlnt fein foll, ivirb ber aente ®eleutrl)euiuatiSninS anf ber anberen ©eite als eine miaSinatifdje Trautheit (f. ©. 398) bejeidjnet, bej lueldjer fid) bie im Körper allgemein verbreiteten ÄrantheitSteime (Söacterien) in ©elenten anfiebeln (vgl. „©pecialarjt für 9ipeumatiSmuS- nnb ©itfjitrante"). Um jmeifelljaft giebt es eine ererbte nnb eine erworbene ©ispofition für biefe $rantl)eit. ©ie ©elegeiipeitSnrfad)en finb (Erfüllungen, plöplidje ©itrcj)= näffungen nnb ber Aufenthalt in fempten kannten. Symptome nnb Verlauf. ©er acute ©elentrhenmatiSmuS beginnt in ber Dtegel mit einem allgemeinen ÄranfpeitSgefühl, $röfteln, fieber, Sopffdjmerj, ©nrft nnb Abfonberung eines bnntlen Urins. 9Jiit ober halb nacp (Eintritt ber ftiebererfcpeiuungen fangen eines ober meprere (Mente (geivöpulid) bie gleichen (Mente anf beiben ©eiten) an, tjeif; nnb rotl) ju werben, anjnfdjlvelleit nnb fdjließlid) berart 3U fdjmerjen, bafj bie Oranten fdjon bei bem 53erfncp, baS (Ment 31t gebrauchen ober nur 31t be- rüljren, mimmern. ©ie geringfte Bewegung ruft unerträglidje pervor. ©abei nimmt baS fieber 311, bie §aut ift mit reidjlidjem, ftarf fauer riedjenben ©dpveip bebeeft, bie 3ull9e t)rtt einen bitten iveiplid)en £3elag, 311 ber SIppetitlofigfeit gefeilt fiel) ©tuhlverftopfnng, unb ber fpär= liehe §arn fe(3t, fobalb er erfaltet, einen 3iegelmel)lartigen 9Ueberfd)lag ab. 4öiS)veilen verfd))vinbet bie ©elententji'mbuiig an einer Stelle um an einer anberen ©teile auf3iitaud)en, unb fo merben in mand)en fallen ber Dleilje nach alle (Mente eim ober fogar mehrmals befallen, ©ie Trautheit, iveld)e in einigen ©agen vorüber fein, aber and) Sßodjen unb Monate bauern tarnt, führt allein feiten 311m ©obe. (Ein töbtlidjer Verlauf ivirb faft immer nur burd) (Eomplicationen (8ungenent3ünbuiig, £>iriihautent3ünbung, §er3bentel= unb •53ruftfellent3Ünbung, u. a. m.) anlaßt, aber ebenfalls nur verhältnismäßig feiten, ©ie größte ®efal)f ftellt fiel) int (befolge ber Ärantpeit ein, beim befonberS gern verbinbet fich ber acute (MeiitrI)eumatiSmuS mit ©er3ent3ünbungen, lueldje ihrerfeits orgamfdje §er3frantl)eiten 3urücflaffen (f. ©. 662). 841 S e lj a n b l u n g. ©er traute Ijüte baS Sett in einem Rimmer mit gleidjmäjjiger, nidjt gu l)ol)er Temperatur. Tie Stoft fei leidjt verbaulidj unb nahrhaft, enthalte aber teilt gleifdj. Als ©etränt, baS nidjt peiß verabreicht werben barf, empfiehlt fid) am heften Sidjtj»2öaffer ober Eitro® nenlimonabe ohne Surfer nnb mit 3u!at? öon etwas boppelt-tohlem faurem ®ali. Ungleich Mfe 1U(m Zitronen auSfaugen. ©ie fdjmergem ben ©lieber finb in warme Sreiumfdjläge (Hafergrütze, Äleie ober Sein- famen, mit boppeltfoljlenfaurem Patron vermifdjt) gu witfeln, nnb bie Umfdjläge finb wieber mit Saumwolle ober glanell nnb fdjtiefslicl) mit ©uttaperdjapapier gu bebeden. ©egen baS gieber Eljiuin. SßeitereS vgl. „Specialargt für üthenviatiSmiiS- unb ©idjttranfe". b) ©er djnnnftfjc ©elentrheumatiSmiiS ift eine vornehmlich alte Seute befallenbe weldje fidj von ber acuten gorm nidjt burdj eine Serfdjiebenljeit iljreS SSefenö ober iljrer ©elegenljeitSurfadjen, fonbern burdj ihren Verlauf unterfdjeibet. Sie entwidelt fidj entweber aus einem acuten ©elenfrheumatiSmuS ober tritt felbftftänbig, b. i. von vornherein djronifdj, auf. Symptome unb Verlauf. ES giebt einen „vagen" unb einen „flirten" djronifdjen ©elenfrhenmatiSmuS. ©er vage, ber fidj gern mit bem W?uStelrljeumatiSmuS (f. bort) verbinbet, befteljt, Wie $rof. 91iemeijer turg unb treffenb fagt, „im ©rnnbe ans einer 9ieilje feljr oft unb in feljr turgen Raufen Wieberteljrenber leidjter Anfälle beS acuten ©elentrljeuma* tiSmuS, in weldjen immer nur ein ober einzelne ©elente ergriffen werben." weldje an biefer vagen gönn leiben, werben immer wieber bei ber geringften ©rtältung „rljeumatifd) afficirt." 53ei ber gorm beö djronifdjen finb einzelne ©elente wodjem ober felbft jahrelang ber @i(i von Sdjmerjen, weldje fidj bei ©rucf ober wegnug fteigern unb von £eit jn £eit (befonberö in ben Slbenbftnnben) oljne nachweisbare Urfadjen verfdjlimmern. 3u ben mehr ober weniger gefdjwellten ©elenfen füljlt man häufig, fobalb man fie unb be* wegt, ein beutlidjeö Gnaden. ©ie ift eine örtliche unb eine allgemeine, ©rftere befteljt in ber Application von Senfpflaftern, in Einreibungen mit Senf' fpirituS, granjbranntwein mit Saig, Opobelboc, EampljerfpirituS unb (bei großen Schmergen) in ßinpinfelungen mit 3ob (f. 9iec. 9?o. 59) unb in Irrigationen (f.S. 420) mit heilem SBaffer. S3ei ber allgemeinen fteljen heiße ©ampf-, Sßaffer* ober Sanbbäber mit nadjfolgenbem Schwitzen in wollenen ©ecfen im 23orber= grunb (vgl. S. 753 unb 806). Soldjer nehme man etwa 30 hinter einanber (täglich ober jeben gweiten Tag je eines). 9?uffifdje ober türti* fdje Silber bürfen aber nur unter ärgtlidjer Auffidjt genommen werben. 842 Von Slrjeneien finb ®uafaf, u. a. m. (f. „©pecialarjt für OißeumatiSmuS* unb ®id)tlranfe"). 9iecept 9to. 59. gum SBepinfeln her franfcn ©clcnfe Beim djronifdjcn ®e= lenfrf)eumatigmu§: 4 ©racfyme 4 ©radjme 3obfalt unb 3 Unjen SBaffer. - Ober: 3 ©ran 3ob, 1 ©radjme 3obfali unb 1 Unge ©tycerin. ©ie ®idjt ober baS Bippcrfrin (Gout) ift eine au$fd)ließlidj @rwad)* fene befallenbe Äranfßeit, Weldje in Unfällen auftritt, acut ober djronifeß »erläuft unb ifjrent 2ßefen muß in einer Verunreinigung be§ Vluteö burd) ein Uebermaß von §arnfäure refp. ßarnfauren Salden befteßt. ©ie be* rußt entweber auf einer ererbten Einlage ober wirb burd) eine jn üppige ßebenSWeife, b. ß. übermäßigen (Senuß üon fticfftoffßaltigen SRaßrungS* mitteln ((Siweißfoft) unb alcoßolifdjen ©etränten (befonberS fcßweren SBeinen), bei ungenügenbem $räfteöerbraneß üerurfadjt. SDlan nennt fie beSßalb aueß ® i eß t ber 9ieid)eu. 3m Verlauf beS Reibens lagern fid) bie ßarnfauren ©alje an »erfdjiebenen ©teilen be$ Körpers (»orjugß* weife in ben (Menffnorpeln unb ben umgebenben VSeießtßeilen) ab, unb mau bie ®icßt je nad) biefen Stellen and) mit öerfeßiebenen Dlainen: (große Beße)> ßßiragra (§aub), Omagra (Sdjulter) unb ©onagra (Änie). Verlar» te ®id)t ßeißt bie ftranfßeit, wenn fie fid) nicßt in ben Änoeßen refp. ©elenten, fonbern an anbereu (burd) VerbauungSbefdjwerben, §autauSfd)läge, u. f. w.) bemerfbar maeßt, nnb innerli d) e ® id)t ®eßirn= ober Äopfgid)t, 9)lagengid)t, £>er$gid)t, it. f.)»., luenn ßarnfaure Slblagerum gen im 3nnern beö Körpers bejiu. im ®el)irn, SJiagen ober §erj ftatt* finbeu. ©pmptome unb Verlauf, ©ie gid)tifd)e ©ispofition »er* rätl) fid) fd)on längere Beit »or Sluebrud) ber burd) Appetit» unb ©d)(aflofigleit, ein ®efül)l be§ Veengt- unb §erjllopfen, er* böl)te§ ©dpuifcen, -äftattigfeit, u. a. m. ©er erfte Slufall tritt.geluößnlidj au einer großen Be^)e 3'var gegen W?itternad)t auf. ©er Traufe er* )»ad)t plölAlid) unter giebererfdjeinungen auö bem ©d)laf unb empfinbet einen außerorbentlid) brennenben ©djmerj in einer, etwas gefdppollenen nnb gerötßeten, großen ®egen borgen läßt ber ©djmerj nad), um fid) in mehreren folgenben 9?äd)ten wieber einjuftellen. ®ewöl)nlirfj bauert ber erfte Unfall eine V3od)e lang. V3ed)felt ber Traufe nid)t fofort feine ßebenStoeife, fo erneuern fid) bie Einfälle, beßnen fid) and) auf anbere aus unb werben fcßließlidj fo ßänfig, baß Patient überhaupt meßt meßr gießtfrei ift. ©ritt bie ®icßt »ou »orußerein cßronifcß auf, fo werben gleicß im Anfang meßrere ©elenfe befallen, bie Unfälle felbft finb aber meßt fo 3m fpäteren Verlauf beS ÖeibenS bilben fieß bann jene ßarnfanren SIblagernmgen („®id)tfuoten"); bie Oranten tommen 843 immer mepr perunter unb gepen fdjlieplidj an einer pinsntretenben Ärant« peit 31t ®runbe. ©ie 53 e p a 11 b l tt n g pat bor aßen ©ingen bie SebenSiveife 31t regn« liren. £)ie $oft beftepe pauptfäcplid) auß Suppe, WSilcp unb ©emüfen; $leifd) ift nur einmal täglid) in Keiner Stenge geftattet. Verboten finb ferner: SBeine, Spirituofen unb alle gegoltenen ©eträufe, ferner £pee unb Kaffee. ©afiir trinfe ber Trante reidjlidj Sßaffer ober Mineral« taffer (53idji), Äarlßbab, Sftarienbab, $iffingen, u. f. f.) unb fäuerlidje (getränte ((Sitronenlimonabe opne Buder). ©ie §auptmebicitieu finb (Solcpicin unb Bobfali. SBeitereß f. „Specialarjt für fRpenmatißmuß« unb Oicptfranfe." 53on ben berfcpiebenen formen ber ©clcntentgiinbung (Arthritis, mit teldjem tarnen mau übrigens and) bie ®idjt beseicpnet) finb 31t er« iväpneit: a) £)ie iväfferige unb bie eiterige ® e l e n 1 e n 13 ü n b n n g treten meift in $olge medjanifdjer Scpäblicpfeiten (Stop, 53er« renfung, tt. f. to.), uad) drfältungen ober bei ©elentrpeumatißmuß auf. ■Dieiväfferige (Sntsünbung, bei ivetcper eine feitenß ber Spnooialmembran ftattfinbet unb baß betr. ®elenf gefühlvollen unb fdjmeqpaft ift, gept bei Dlnpigftellung beS ©liebes in einem feften 53er« baub getöpnlid) in Teilung über, inbem bie 5ßafferanfammlung hrieber aufgefogen luirb. $ft ba§ nidjt ber galt, fo ftellt fidj ® e l e n f lu a f f e r« f n dj t ober eiterige ®elenfent3Ünbung ein. tann übrigens and) eine golge gehnffer ©efdjledjts« unb {yrauentranfpeiten fein. Weiteres f. „Specialaqt für OrpeumatiSmuS« unb ©idjtfrante" refp. „Specialarjt für Männer" unb „@pecialar3t für grauen". b) £)ie f u 11 g ö f e ® e« l e 11 f e 1113 ü 11 b n 11 g, ber ®liebf djni amm ober bie w e i ß e ® e l e n f g e f dj m 111 ft, loeldje, Ivie bie beiben vorper ge« nannten formen ber ®elent« ent3ünbnng, ifjren Urfprnng von ber iveidjen Spnoüialpant nimmt, ift eine tuberfnlöfe ©efdpvulft, bie üoqugStoeife fcroppulöfe ßhtber befällt. 53gl. Äinbertranlljeiteii im „Specialar3t für grauen". c) ®ie b e f 0 r m i r e n b e ® e l e n t e n 13 ü n b u n g, and) bie „®idjt ber 5lrmen" genannt, weil fie amljäufigften bei ber ärmeren-53eüölferung, unb 3>var im Ijöljeren Sliter, vorfommt, berupt auf einer fcpleicpenb ber« laufetiben (Sntjimbung, burcp ivelcpe bie betr. ©elenfe fcplieplicp berun« ftaltet unb fteif („contract") gemacpt iverben (f. ftig. 402). Sluf biefe Fig.402. 844 werben Wir be§ Weiteren im „©pecialarjt für 9?peu- inatiSmuS- unb ©icpttranfe" jurütftommen. Mronfpciteii her Pusteln, (BcTjnciifrfjcibcn unb ©djleimlieufcl. ©ie bet Pusteln finb in ber UReprgapl traiimatifcpe (nacp ©toß, ©cpnitt, u. f. W.) ober $olgeerfepeinungen anberer $rant* peilen, befonberS nervöfer, j. -53. Ärampf, Säpmung, progreffive Pustel' atroppie. ©ie SDhiSteln ertranten ferner in ftolge CrinWanberung Von fßarafiten (©ricpiuofe, f. ©. 609) ober bei anpaltenber Uutpätigteit ober conftitutionellen Reiben, inbem fie fettig bejw. wacpSartig werben. ®egen bie fettige (Entartung (nacp Uutpätigteit) finb Bewegungen, SDZaffage unb (Slectricität anjuwenben. ©ie wacpSartige (collo'ibe) ©egeueration bei conftitutionellen Ärantpeiten, 3. B. ©IjppuS, verfcpwinbet in ber Siegel mit ober halb nacp Teilung beS ©runbleibenS. ©er SRu§Mrpeumoti§mu§ (Muscular Rheumatism), eine rpem matifcpe SIffection ber SDluSteln, ber BhtSfelbiiiben, be$ unb anberer fibröfer ©ebilbe (f. ©. 39), giebt fiel) burep jiepenbe ober reißenbe ©epilierten funb, welcpe entweber auf eine ©teile ber ertrantten Organe befepräntt („fijirt") bleiben ober halb pier, halb ba auftreten - „vager" SRuStelrpenmatiSmuS. ©ie ©cpmerjen fteigern fiep bei Bewe* gungen, bei Äälte unb gemptigteit unb ?Ibenb§, Wogegen fie fiep bei gleiep* mäßigem ©nut, bei troefeuer Sßärrne unb borgens ju milbern pflegen; mitunter werben fie freiließ burep bie Bettwärme Vermeprt. ©iefe ©epmerjen finb meifteuS öaS einzige ©pmptom; bie §aut über ben betr. ©teilen ift Weber gerötpet noep gefcpwollen noep peißer, als ipre Umge* bnng. 3e nacp bem be§ SeibenS bejeiepnet man baffelbe mit üerfepies beiten Flamen; fo fpriept mau von „rpeumatifepem (f. ©. 792), von „fteifem $als", wenn bie uub fRaefenmuSteln rpenmatifep affieirt finb unb bie Traufen wegen ber gefiirepteten ©eßmerjen bei Wegungen ben $opf fteif palten, von „fepiefem £>al$" (f. fpäter), von ober „ßeiibenwep", wenn bie tieferen 9iütfen= unb ßenbem muSfeln vom SJhiSfelrpeiimatiSiiiuS befallen finb (vgl. ©. 805). ©ie Äranfpeit, bie acut ober epronifep Verläuft unb niept feiten ju ®eleutrpeu= mativinuS piujutritt, Wirb gewöpulicp burep (Srtältuug pervorgerufeu; aber auep anbere Urfaeßen, voruepmlicp (Srmübung ober Berning ber SRuSfeln, tonnen ipr ju ©rniibe liegen, ©ie B e p a 11 b 11111 g ber acm teil $orm ift eine örtlicpe, mit ©enfteigen, ©epröpfföpfen, eleftrifcper Bürfte, (Stinreibnngeii (mit ©pobelboc ober flüeptigem Liniment) ober SUJaffage (©treiepen unb kneten ber fepmerjeuben fUluSfeln) - unb eine allgemeine (©epwipen, peißer ©pee, peiße SBaffer- ober ©ampfbäber mit nacpfolgciiben (Siiipacfitngen ober peiße ©anbbäber; vgl. ©. 753 845 bejw. 806). Vei gieber abfolute fRulje unb Vehanbtung beffelben, bei heftigen Sdjmerjen (Einreibungen mit (Ehloroformlinimeiit ober (nur vom 5(rjt vorjutteßmen!) fubcutane $n frifdien gälten genügt gewöhnlich ein heißes Vab mit tüchtigem Sdjwiljen. ©ie djronifdje gönn wirb wie ber djronifdje (MentrheumatiSniuS behanbelt (f. S. 841). ©er frfjicfe £ml§ ober SdjtcfhnlS (Wry Neck) beruht jumeift auf rljeumatiftfjer Slffection ber §al$* unb 9?acfeiimu§telii einer burct) bie Sdjmerjen bei ben jener Pusteln wirb Patient veranlaßt, ben $opf fortwäßrenb auf eine «Seite ju batten (f. gig. 403). 3u felteneren gälten Ijält ba$ Veiben an unb führt bann ju einer blei* benben Vertürjung ber £Dlu§feln. ©er SdjieftjalS tarnt aber and) burdj eine Ver* türjung ber 3)?u§tetn vernrfadjt werben, welche ihren ©runb in einem krampf ber Zugehörigen Nerven hat, ober and) bie golge narbiger j. V. nad) Verbrennung, fein, ©ie Vehanblnng wirb burdh baS ©runb* leiben Vorgejeicfjuet. ©ie (Tenosynitis), b. i. bie (Entjimbung ber häutigen fRöhren, in Welchen bie Sehnen verlaufen, wirb burdj lieber* anftrengung, Verlegung, (Ertältung ober einen entjünblidjen Vorgang in einem benachbarten Organ hervorgernfen. ©a§ Sßefen ber Sehnen* fdjeibenentjüiibung befteljt barin, baß bie normale, ber®elentfchmiere ahn* lidje SIbfonberumg ber Innenfläche ber Sehuetifdjeiben tranthaft Verän* bert ift; entweber wirb ein fpärlidjeS, faferftoffähnlidjeS (Ejfubat abge* („trocfene Sehnenfdjeibeiieutjünbung"), ober eS finbet ein wäfferiger ober eiteriger (Erguß ftatt („wäfferige" bejw. „eiterige Sehnenfcheibenent* Züiibuug"). Vei ber trocfenen Sehnenfdjeibenentjünbung, and) bie „tnar* renbe" ober baS genannt, weil man bei an ber betr. Stelle mit ber §aub ein fühlt ober bei höheren ®raben ein eigentl)ünilidje§ knarren hört, ift bie Stelle (befonberö bei Vewegmt* gen) fdpnerjhoft unb bilbet fid) eine ©efdjwulft, über welcher ge* rötl)et ift. ©ie Vehanblung befteljt barin, baß man baS ©lieb rußig hält unb auf bie falte Umfdjläge legt. - ©ie wäfferige Sebnenfdjeibenentjünbuiig ober Sehnenfdjeibenwafferfudjt verläuft fdjlei* djenb. ©abei tommt e§ ju einer djronifdjen SluSbehnung ber Sehnen* fdjeiben an einer umfdjriebenen Stelle, b. I). jur Vilbung einer, mit bem wäfferigen (Ejfubat angefüllten ©efdjwulft, weldje mehr ober weniger hart Fig. 403. (StfjiefljalS. 846 unb beweglidj ift (Ueberbein, ober ©anglion, f. S. 633). ©ie Vehanblung biefeS meift fdjmerjlofen unb ungefährlichen UebelS, baS in* beffen mandjmal bie Vewegungen beeinträchtigt, erforbert im SInfang Schonung beS ®liebeö unb falte Umfdjläge. Ueberbeine felbft tonnen bnrdj anhaltenben £)rud (Slufbinben einer inSeinwanb gewidetten ■'Dtünje ober Vleiplatte) befeitigt werben. Slnbere Eingriffe (gewaltfameS $er* brüden ber ©efdjwulft ober ©inftechen, Spalten unb SluSfdjälen berfelben) barf nur ber Slqt vornehmen. - 3ft ©iter Vorhauben (eiterige Sehnen* fcheibenentjünbung), fo muß berfelbe balbmöglidjft bitrd) (Sinfdjnitt ober (Sinftidj entfernt unb baS betr. ©lieb vollfonimen ruhig gehalten werben. Vgl. im nädjften Slbfdjnitt baS unter „ftingerwurm" ©efagte. ®ie Sdjlciinbentclcntjiinbung (Bursitis), b. i. bie ©ntjünbung jener Schleimbeutel, welche mit ©elenffdjmiere angefüllt unb, namentlich in ber SUilje von ©elenfen, jwifchen SftuSfeln unb Sehnen eingefchaltet finb (f. S. 110), wirb bürd) Verwunbungen, £}iietfd)ungen unb (am hänfig* ften) burch anhaltenben ©nid herüorgerufen. £)ie betr. Stelle fdjwillt an, fdjmeqt unb ift unb rotlj. Sßirb baS Seibeu vernadjläffigt, fo bilbet fiel; eine ©efdjWulft, weldje in Eiterung mit u. a. m. übergehen fann, ober eS tommt ju einer djronifdjen Vergrößerung unb Ueberfüllung beS Schleimbeutels mit (Selentfdjmiere; fo entfteljen baS „£)auSmäbdjeiitnie" bei anhaltenbem Snieen (f. S. 394) unb bie „Vollen" an ben $üßen (f. $ig. 164 unb 404). Siefe Vaden tonnen allerbingS andj ihre Veranlaffung in einer buug ber Spnovialhaut hoben. £ie V e h a n b (u n g verlangt, baß man bie lirfächlidje Sdjäblidjfeit befeitigt, bem ©liebe 9iuhe gönnt unb falte Umfchläge madjt (vgl. 9tec. 9?o. 60). 3m Veginn be§ Reibens fann man auch an verfdjie# beneu Sheilen ber entjünbeten Stelle f l e i n e Vlafenpflafter auflegen; fpäter muß angefammelteS (Sjfubat entfernt werben. Um DUidfälle refp. folcpe (Siitjüiibungen von vornherein ju verhüten, finb alle, anhaltenbem £)rud auSgefefcten Partien jn fo follen Sente, weldje viel $u fnieen haben, baS Änie burdj Unterlegen eines OtingtiffenS fdjonen, u. f. w. Vei Vollen muß ber Stiefel gehörig lang unb breit fein (f. S. 349). Slußerbem lege man Seiuwanb* ober Sdjwanunftüddjen jwifdjen bie um biefe in bie gehörige Sage ju* ober man lege einen fdjmalen Streifen £)eftpflafter Von ber Seite ber großen 3elje über ben Vaden unb weiter längs beS inneren gußranbeS. Vgl. „Specialarjt für Fig. iw. Gailen am su6. 847 97o. 60. Sigbeutel ober ßalitaafferumfdjläge. ©em SBaffer fann man auf Jebeg $int 1 ©racbme 23lei$u(fer jufcfeen. Ober man focße 1 linse (Sictjenrinbe in 1 Ouart Sßaffer, feitje bag burdj unb gebraudje eg, nadjbem eg abgetüljlt, ju bcn Um= fc[)Iägen. Difformttäfcn ober Deformationen nennt man Wßifjgeftaltungen einzelner ©lieber, bie faft burdjgängig cfjirurgifdjer $itfe bebürfen. Die meiften berfelben, 3. überjäljtige Ringer, n. f. m. (f. $ig. 405-415), finb angeboren nnb werben im „Specialarjt für grauen" (Äinberfrantfjeiten) beS Weiteren ern>äl)iit werben. Fig. 405. Fig. 406. Fig. 407. SBerftf)'ebene $afenfdjarten. Fig. 408. Fig. 409. Fig. 410. Fig. 411. ftluinbfüße. Fig. 412. Fig. 413. Fig. 414. Fig. 415. fitiinivfuß. £>anb=®ifformitäten. 848 jJlnflfüdtefäffe uni» 3n beit Vereid) bei* „UnglücfSfälle unb Verlegungen" gehören alle plötzlich in bie ©efunbßeit eingreifenben Ereigniffe, welche iljre Veram laffnng in, von außen tommenben Sdjäblichteiten ßaben. 3m Sinne beS alltäglichen SebenS ift ein Sdjlagflnß ein UnglüdSfall, in nuferem Sinne ift er aber nur bie bebauerlidje $olge eines im Törper fdjon früher feßßaft gewef eiten Hebels. Ein Tßeil biefer UnglücfSfälle, Weldje biswei= len and) willfürlicß Werben (Selbftmorb, Selbftmorbver« fuch), würbe fdjon an anberer Stelle (bei ben Vergiftungen, f. S. 521 m ff.) befprodjen. ©ie für §i(feleiftungen bei allen UiiglüdSfällen unb Verlegungen finb: Vlan ßanble rafdj nach ben gegebenen Slitweifungen, bewaßre babei aber feine fRuße unb Taltblütigfeit. ?Ule müßigen finb ju entfernen. VMeberbelebungSüerfucße bürfen uidjt zu frühzeitig eingeftellt werben, ©iefelben finb erft bann nußloS, wenn fie 6 Stunben lang mürben, oßne baß fie eine Spur ber natürlichen §erz* unb Sltßemtßätig* feit hervorriefen. 3ft jn haben, fo fenbeman fofort nach bemfclbeu aus, inbem man ißn zugleich von ber Slrt beS Unfalls in Tenntniß fetten läßt. - Vcwnßtlofigfcit unb Scßcintob. ®ie Veivußtlofigteit, ber mehr ober weniger rafcß eintretenbe Verlieft ber Empfinbung unb ber willtür* liehen Vewegung, ift ein baS fieß Zu ZQWre'cßen ßeiben, Z- V. ®eßirm unb fieberhaften Trantßeiten, it. a. in. gefeilt, ßänfig aber auch in $otge eines Unfalles auftritt. Sßie bei bem Sterben gewöhnlich eine ber brei ßanptfädjlidjften ßebenSttjätig* feiten juerft aufhört (f. S. 287), fo wirb and) bei ber Veivußtlofigteit in ber fRegel eine jener brei (phpfiotogifdjen) ßebensverridjtungen bitrd) ben veraulaffenben Ungli'ufSfall zverft gehemmt. 3Rit anberen Sßorten heißt baS: ®aS „Vewußtlofigfeit" ift entweber baS einer birecten §irnlähmung bureß Sdjlag ober galt auf ben Topf, ©eßirngifte, u. a. m. ober bas 3eicßen einer inbirecten in von Säßmnng ber .'perztßätigfeit (Cßnmacßt) ober ber SItßemtßätigfeit (Slfpßßjie). (Sine fann burdj Scßretf, Schmerz, Vlutver* luft, n. f. lv., unb eine Säßmnng ber 2ltßemtßätigteit burch (5r* würgen, (Srßängen, Einbringen von in bie SltßmungSWege, Einatßmitng von (giften, u. a. m. verurfaept werben. Sßeldjer 5lrt bie Veivußtlofigteit ift, vermag oft ber befte Slrzt nidjt gleich Zu unterfcheiben; im allgemeinen läßt fid) nur fagen, baß birecte §irnläßmuitg vorliegt, 849 wenn unb SlthmungSthätigfeit ungefchwädjt fortbauern, nnb baß man, je nadjbem eine berfelben unterbrochen ift, auf ober Slfphßjie fdjjließen barf. 3n bieten füllen Don Sewußtlofigfeit*) finb §irn«, §ei'3« unb 2Itl)s mungSthätigteit in einer Söeife gleichmäßig unterbrochen, baß fie erlofdjen jn fein fdjeinen. 9tid)t nur, baß baS Sewußtfein, bie (Smpfinbnng nnb baS SewegungSDermögen entflohen finb, and) §ei*3« unb unb baS Sltljmen finb nid)t meßr wahrnehmbar, ©iefen Ijödjften ®rab ber Sewußtlofigteit nennt man S dj e i n t o b. 2öie berfelbe Don bem wirf« ließen £obe 31t unterfcheiben ift, würbe fdjon früher angegeben (f. S. 288 it. f.). Sehanbluiig: Säßt fidj bie Seranlaffung ber Sewußtlofigfeit gleich feftftellen, fo Verfahre man, wie für ben betr. einzelnen galt äuge« geben (f. ®ifte, Sdjlagflnß, (Spilepfie, (Sfehirnerfdjütterung, (Srfticfte, ßr« trunfene, u. f. w.). $ft bie 2lrt beS UnglücfSfallS nicht fofort 31t ermit« teln, fo Derliere man uidjt Diel 3eit wit ©rtunbigungen, fonbern entferne fogleid) alle einfchnürenben (§alstüd)er, fragen, «Schnür« leibdjen, §ofengurte}, refp. löfe bie knöpfe. ©ann lagere man ben Se« wußtlofen auf ben fRücfen, unb jwar mit erhöhtem $opf, wenn baS ®e« ficht gerötßef ift, unb mit tief liegenbem $opf, wenn baS ®efid)t blaß ift. 4Bei Eintritt Don Erbrechen ift ber Äopf fofort auf bie Seite 311 breßen, bamit baS (gebrochene nidjt in bie Luftwege einbringen fann. Bugleich forge man für frifdje Suft (©offnen Don &hür Sanfter), befpreuge baS @efid)t mit faltem SBaffer, Wafcße Stirn unb Schläfen mit (Sffig, (Sau be (Sologne ober Slether, hatte ein Dtiechmittel unter bie Dlafe (Salmiafgeift, Sletßer ober auch ungebrannte §aare ober Rebern) ober reije ben Gewußt« lofen burch in ber 9iafe jum liefen. 3ft ber 33erunglüdte im Staube 31t fdjlucfen, fo flöße man ißm etwas falteS äöaffer, (Sognac, fdjwarjen Kaffee ober 10-15 tropfen SletherfpirituS tropfen, am beften auf ein Stücf futter 31t gießen) ein. ©eßt ber Slnfall bei biefer tBeßanblung nidjt halb Dorüber, fo müffen nod) folgenbe Mittel jur Sliiwenbung tommen: grottiren (dürften) beS fRüdenS, ber Sinne unb ber Seine (Dornehmlid) ber warme £>anb« Senfteige ober träufeln Don (Sffigätßer (Dlaphtßa) auf nnb (Jffigflpftiere. Sobalb bie Slthemthätigfeit aufhört, was baran 31t er« teniien ift, baß eine Dor 9J?nub unb 5Rafe gehaltene glaumfeber fiel) nicht *) Stile Sitten ber SBetoufjtlofigfeit Serben vom ßaien oft fälfdjlttfj „Ohnmächten" oenannt, iveil, mie gefagt, bie Symptome ber eigentlichen b. i. ber lähmung, von benen ber (birecten) ber Slfpphjie nur fehler ju unter« fdjjeiben finb. 850 bemegt, ober eine ®laS* ober SDtfetallflädje uidjt befdjlögt, muß man fofort bie fünftlidje Slthmnug einleiten unb, wenn nöttjig, ftunbenlang unterhalten, (gelingt eS and) baburd) uidjt, ben 23emußtlofen refp. ©d)eiutobten mieber juni Sehen ju ermeden, fo taffe man ilpt, mopl abgetrocfnet unb in £)eden ober im 23ett eingehüllt, mit unbebedtem ®efid)t in einem mannen Bnnmer liegen. 23ismeilen feljrt nämlich baS Sehen bod) nodj snrüd, midjbem bie 9tettungSverfud)e eingeftellt morben finb. (Srft bie Seidjenerfdjeinungen, bereu Eintritt bttreh bie SBärme befdjtennigt mirb, madjen jeher Hoffnung ein (Silbe. ©ie fiinftlicfjc Sltljinung l)at ben Bmecf, bitrdj abmedjfelnbeS ?lus- bepnen unb Bufammenpreffen beS 23ruflfaftenS frifdje Snft in bie Snngen gn pumpen. (SS gieht verfd)iebene DJietljobeu biefer Slthmung, von beuen fid) jmei, von £>r. ©ilvefter refp. ©r. §omarb vorgefdjlagene Verfahren am meiften empfehlen, meit fie im Diotljfalle von einem einzelnen DJlenfdjem geiiht merben tonnen. 23ei ©ilvefter'S 23 erfahren lege man, nadjbem, mie oben angegeben, alle beengenben entfernt morben finb, it. f. m., ben ©djeintobten flach auf ben 9tüden, ivobei $opf unb ©djultern etmaS erhöht gelagert merben, inbem man unter (entere ein sufammengefalteteS ÄleibnngSftüd fdjiebt. ©nun siehe man bie Bunge nach vorn unb halte fie bort burd) ein über bie Bunge unb unter bas $inn gefdjlungeneS, am heften etaftifdjeS 23anb, 3. 23. ©trumpfbanb, feft. ©arauf trete man hinter ben ®opf beS ©djeintobten, ergreife beibe Slrme (am 23orberarm bidjt am (Sllenbogengelenf), erhebe fie fanft unb gleichmäßig big über ben ®opf nnb halte fie hier 2 ©ecunben feft. 91ad) Verlauf biefer Beit merben bie ?lrme auf bemfelben 2öege jurüdgeführt unb fdjließlich fanft, aber faft ebenfalls 2 ©ecunben lang gegen bie ©eiten be§ 23rnftfafteu§ gebrüdt. ©inb smei Reifer jugegen, fo ift e§ jmedmäßiger, baß fid} einer auf jebe ©eite beS ©djeintobten ftellt, unb baß, inbem jeher einen 2lrm ergreift, biefe 23emegungen von beiben auf (Sommanbo (1-2-3-4) gemadjt merben. ©oldjer §im unb §erbemegungen her Slrme, von beuen per SDiinute nicht mehr als 15 vorjunehmen finb, barf man nicht mübe merben, bis bie felbftthätigen ?lthembemegungen mieber beginnen, maS fiel) ge- möhnlid) burd) eine plöljlid)e beS ©efidjtS anfünbigt, b. h-baS blaffe ©efidjt mirb rotl) unb nmgeteljrt; erft mentt, nodjmals ge- fagt, nach Verlauf von 6 ©tiinbeu feine ©pur mieber ermadjenben Sehens 311 finben mar, finb bie Qtettungsoerfudje refp. bie fünftlidje ?lthmung ein* ®aS ©leidje gilt natürlich von £)r. §omarb7S 23er fahr en, baS in einem methobifdjett beS 23ruftforbeS beftel)t. hierbei liegt her ©djeintobte, nach* bem man ihm rafd) bie BHUlie, mie bei bem ©ilvefter'fd)eu Verfahren, nach 851 vorn gezogen unb aufferbem beibe Sinne über ben $opf gefcplagen itnb an ben Sanbgelenfen jufammengebnuben pat, auf bem Dlüdeit, unb jmar, inbeni man unter bie genbengegenb eine 9?olle (jufammengelegte ÄleibnngSftüde ober ©ede) gefdjoben ljat, fo, bafi ber untere ©peil be§ g3rnftforbeö über ben übrigen Körper pervorragt. ©er Reifer fniet nun rittlings über ben §üften be§ Scpeintobten, legt beibe §änbe flad) anSge- breitet auf beffen untere -SBruftmanb, itnb inbem er feine ©llbogen in bie Seiten ftemmt, beugt er fiep langfam, mit bem ganzen ©emiept feines Körpers brüdeub, fo meit vornüber, bafj fein Mnnb bem ©efidjt beS ißer- unglüdten ganj nape fommt (f. $ig. 416). ©arauf rieptet er fiep plöplicp fdjnell mieber auf, mobei er beibe Sänbe loSläpt. Sluep biefeS beö 53ruftfaftenS mit 23or' itnb fRüdmärtSbengen beS §elferS mitp an- bauernb, nidjt 311 ftürmifcp (etma 15 Mal in ber Minute) unb gleidjmiipig (1-2-3-4 jäplenb) gefepepen. Oft ein jmeiter Seifer jugegen, fo Fig. 416. 4>oluarb'§ Sftetljobe ber tiinftlidjen Sltfjmititf!. verliere inan feine 3eit mit bem 23orbinbeu ber Bunge unb bem Buf(un* menbinben ber ©änbe, fonbern taffe ben ©elfer bie Bunge aus bem Muube Ijervor unb bie ©äube über bem Kopf halten, wälirenb ber anbere ©elfer bie vorgefcbriebenen macljt. 23gl. ©rtrinten. ©at fiel) bie 2ltljmungStf)ätigfeit wieber eingeftellt, fo pöre man mit ben tünftlicpen Sltpembewegungen fofort auf unb fuclje, bie © e r 31l) ä t i g = feit (4Ötutfreiölauf) unb bie Körperwärme b e § @ cp e t n 10 b t e n wieberperjuftellen, inbem man ipn in troefene, warme ©ecfen ehipüllt unb unter biefen bie ©lieber von unten nacp oben (bem ©erjen p) fräftig reibt. ®inb ©ecfen nietjt vorljanbeu, fo fteefe man ben SBerunglücften in warme Kleibungöftiicfe unb reibe über biefen, wie angegeben. (Später bringe man ben jum ßeben ©rwacljenben in ein warntet 23ett, lege eben* tuell nocl) SBärmflaffpeu ober *fteine auf bie Magengrube, in bie 2lct)fel« pöljlen, jwifcljen bie Sdjentel unb an bie OMfotjlen, flöfte, wenn möglicp, warme glüffigfeiten (SBaffer, ©pee, Kaffee, ©rog, Söein) in geriu- 852 gerDftenge unb nur tßeelöf feil« eife ein unb taffe fdjließlid) nadj ber Sßieberbelebung fid) einftellenben @d)taf ober «Sdjweiß migeftört. Sffiarme Äöixber finb nur auf Dlnorbnung beß DIrjteß ju üerabreidjen. ©er ©ob beim ©rtriufen erfolgt entweber burdj (Srfticfitng, b. i. 5lb= fdjlnß ber atmofpljärifdjen ßuft, ober feltener bnrd) einen fofort eintreten* ben §er,jfd)tag. 3m erfteren ift baß Oefidjt blanrotl) unb gebunfett, itnb im Dftunbe finbet fid) eine fdjaumig=Wäfferige $lüffigteit, im letzteren gälte ift baß ®efid)t blaß unb fdjtaff unb im Dftunbe wenig ober gar feine fdjaumige glüffigteit enthalten. -53ei einer ift größere Dluß* fidjt üorßanben, ben «Sdfeintobten wieber iifß Veben jnrüdjiirufen, alß bei (Srfticfnng. - ©er (Srtruntene ift fofort oljne @d)üttehi ober Bütteln anß bem äßaffer gn entfernen. 90?an ftelle ben (Srtrunfenen nidjt auf ben $opf, Ijebe iljn nidft an ben deinen in bie §öl)e, nod) rolle man il)n t)in unb tjer, öielmeßr trage man iljn, nadjbem man 2Jhmb, Diadjen unb 9?afe mit einem ©afd)entnd) von etwaigem ©djtamm, u. f. W. gereinigt Ijat, be» Ijutfam nad) bem nädjften troefenen ober (bei fdjledjtem ober taltem Fig. 417. Sßetter) in ein naljeS §auS, entferne bort fogleid) alte naffen unb beeiv geuben ÄleibungSftütfe nnb lege ben Körper bann, nadjbem man ifjn rafd) etwas abgetrotfnet t)at, borerft über jufammengerollte ©eilen ober and) bie eigenen ®niee fo auf ben S3aud), baß ber $opf, Weldjer mit ber Stirn auf einen 2Irm gelagert Wirb, nnb bie iöruft tiefer- liegen als ber übrige SRumpf. On biefer Sage übe man einige Slugenblitfe einen ©rmf auf ben dürfen aus, um bie in bie Sunge eingebrnngene glüffigfeit auSfliefeen ju machen (f. gig. 417). ©iefer ©rmf Wirb einige wieberfjolt (bis aus bem9JJunbnid)tSnieIjr nnb barauf ber Patient auf ben $Rücfen fjerumgebreljt unb, wie oben angegeben, bie tünftlidje Sltfjmung auf bie eine ober bie anbere SBeife borgenommen. Oft 853 bie jelbfttljätige 9ltljmungSbeWegung jurücfgeteljrt, fo finb bie Sßorfdjriften für Sßieberljerftellung ber unb Körperwärme (f. <S. 851) 31t befolgen. 23ei (Srftirfuiig in golge bon (Sinatpmung giftiger ®afe, wie j. £3. Koljlenbunft nadj 23erfd)luß ber ©fenflappen), ßeudjtgaS, Koljlenfäure, Sdjwefelwafferftoff, ®rubengaS (f. @. 19, 20, 390 u. ff. unb 603), ift ber Söewußtlofe ober Sdjeiiitobte bor allen ©ingen an bie frifdje 8uft 31t bringen, fobann bou allen beengenben KleibungSftücfen ju befreien unb in eine (Stellung ju bringen ober mit erhöhtem ©berförper nieberjulegen. bleiben bie gegen £3ewnßtlofigfeit empfohlenen Mittel (falte 23efprifcungen, Däedjmittel, u. f. 10.) oljue fdjnellen Erfolg, fo fdjlage man baS für Sdjeintobte angegebene Verfahren ein, oljne lange 31t Jägern. 23ei KoßlenojpbgaS® unb ®rnbengaSbergiftungen tann fdjließ® lid), wenn bie fünftlidje Sltfjmung feljlfdjlägt, nodj burd) 23ornaljme ber £3hittranSfuffion (Uebertragung beS 33luteS bou einem SJlenfdjen auf ben anberen) Rettung bewertftelligt werben, iöei ®rubengaSerftictung, be® fonberS wenn babei and) etwas bou bem Biiljalt ber floate berfdjlmft Würbe, finb außer jenen 53elebungSberfnd)en nod) 11 i d) t 111 e tallif d;e 23redjmittel (iöredjwurjel) unb (Sljloreinatljmuiigen (SSortjalten eines mit dljlorfalflöfnng ober (Hjlorwaffer getränften STudjeS bor ben SUiunb) an® jiiwenben. - £)aS §erauSfd) affen berartig 23erunglüctter aus ®ruben, Brunnen, Kellern, u. f. w. ljat, wie fdjon früher gejagt, mit ber nötigen SBorfidjt ju gefdjeljen, bamit nidjt and) baS §eben beS ju §ülfe (Silenben in ©efaljr gerät!). 23or allen Gingen fitdje man bie ßuft in bem betr. staunt burd) (Srjeugitng einer ftarfen Suftbewegung ju berbeffern. $ann man ütljüren unb genfter eines mit ober SeudjtgaS er® füllten nidjt bon außen öffnen ober einftoßen, fo binbe man fid) ein £ud), baS in (Sffigwaffer getränft würbe, bor SJhmb unb 9iafe, bringe in bem Rimmer (bei SeudjtgaS natürlid), oljne ein £id)t mitjnneljmen) möglidjft rafdj 31t einem fyenfter bor, fdjlage biefeS ein unb fted'e ben $opf burdj, um erft einmal Wieber 31t atljmen. £)ann fpringe man jum nädj® ften $enfter unb madje es ebenfo. Soll man in eine ®rnbe ljinabfteigen, fo feure man erft Sdjüffe in biefelbe l)iuab, werfe brennenbeS Rapier ober Strol) ljinab, fdjütte (Sßaffer unb gelöfdjter $alf) Ijinein ober laffe mehrmals einen anfgefpannten 9tegenfd)irm Ijerab, ben man immer fdjnell wieber ljinanfjieljt. 23or bem §inabfteigen wirb bem Reifer ein (Sffig® ober beffer ein (ütnd), Sdjwamm) bor 2Runb unb 9?afe gelegt, um 53ruft unb Sdjultern ein Xau gebunben unb an einem Slrme eine Signalleme befeftigt, weldje bon einem lebiglid) baju überwacht wirb. ®iebt ber Reifer auf Zurufen feine Slnt® Wort ober mit ber Signalleine ein °^er ledere barauf fdjlie* 854 fjeu, bap bet an ipr befeftigte Sinn feine milltürlicpeu Jöeiveguugeu mepr macpt, fo ift ber Reifer fofort Ijerciufsiijieljen. -33ei (Srftiifung burep (grpinigcit ober Erwürgen ift ber §al§ fofort Don bem ©trief 31t befreien, wobei man jeboep aufpaffe, bafä ber Körper, iubem man ipu mit bem freien Slrm pält, fiep niept burep Der* lept. ©obauu forge man für frifepe Stift 1111b ftelle fuepe, Wie bei ©epeintobt (f. ©.849 ), an. ©er ß'opf ift pierbei poep ,511 lagern uub ab uub ju mit faltem Sßaffer 31t befprengen. - $9ei ©rftiefuug burep fBcrftfjnttcn üerfapre man in berfelben Söeife, naepbem man jubor ben DJlitnb, ben 9?acpen unb bie 9iafe forgfältig mit einem ©afepeutuep ge= reinigt pat. O'rfticfuitg bürd) (Einbringen twit in bie ßnft« Wege Cgrofje SBiffen, Änodjengüde, u. f. w.) fannrafdj jum Stöbe füprcn. ©er Er= ftitfenbe Wirb blaurotp int ®eficpt, ftöfjt unarticutirte Saute aug unb greift mit ben §änben um fiep ober an ben §a(g. 2J?an patte mit ber tinfen §anb bie 9?afe 311 unb greife breift mit bem ©aumen unb Zeigefinger ber rechten §anb tief in ben SDtunb hinein, um bag £inbernif peraugjujiepen. ©dingt bag nid)t, fo brücte man SBruft unb 23aucp beg (Srftitfenben gegen einen feften ©egenftanb (Stifcp, ©epranf, u. f. f.) unb füpre mit ber fjauft einige turje, fräftige ©cpläge 3Wif(pcn bie (Schulterblätter. 3eben; faltg rufe man fcpleunigft einen Slrjt, ba in fcplimmen gälten nur ber Suftröprenfcpnitt retten fann, unb aufeerbem verpüte man bie Erfticfungggefapr, inbem man Heine ®egen= ftänbe niept in ben SOtunb nimmt, hejtv. Äinbcr baran toerpinbert. - Sßei Einbringen von grembfördern in bie ©peiferöpre, wobei fiep äpnlicpe (Srfcpcinungen einftelten, ivie bie oben genannten, fattg ber ©egenftanb in ber 9?äpe beg ft'cplbecfelg fipt, verfahre man auf gleiche SBeife. ©ifct ber grembtörper tiefer in ber Speiferöprc, fo rufe man burep Äipdn beg ataepeng 23rc(hneigung refp. Erbrechen perbor, taffe Sßaffer mit Del ober Shitter trinfen ober fahre, fattg ärjttidje §ilfe niept 31t erlangen ift, borfieptig mit einem gifcpbeinftäb<f)cn ober einer blegfamen Olutpe, an bereu borberem Enbe ein mit Del getränfteg Scpmärnnnfienbcfeftigt ift, in bicSpeiferöpre pinab, um ben eingettemm* ten Körper 3U lodern bejbo. perabguftofjen. loetcpe in bag Slugc eingebrungenfinb, wie 3. Sö. SKctaltftüd-- epen, Slfcpe, u. f. m., follten bom Stifte entfernt Werben, ba feparfe ®e= genftänbe fepr leiept in bie einfcpnei= ben unb ein unbeputfa= meg Entfernen berfelben ben größten Scpaben an= 3uricptenbermag. gebens faltg benutze man nie= malg ein fpi&igeg ober fiparfeg (Treffer, u. f. f.), um ben ©egenftanb 3U befei= ttgen. Siegt Unterer lofe Fig. 418. 855 gtöifcßen Slugapfel unb Slugenltb, fo bretje man lefetcreg um, inbem man eg von bem Slugapfel aJ»3iet>t unb bann über ein ©täbcljen umfdjlägt (f. ftig. 418). lieber bag Ein« bringen von Äalf f. ©. 593. ber 9tafe, in bereu -fSöfylen frembe ©cgenftänbe (Söoljnen, knöpfe, fliegen, u. f. iv.) oft lange 3eit verborgen bleiben unb bann geWßljnHdj bie ©pmptome eineg djronifcßen ©cbnupfeng mit übelriedjenbem, bigwetlen audj blutigem Slusflufj erzeugen, Werben grembförper burd) Erregen von liefen unb burd) SInWenbung ber 9?afenboudje (von ber gefunben ©eite aug) entfernt, ©djlagen biefe SJiittel fefyl, fo muß ber ge= Ijolt werben. ©inb ftrembförpcr in bag Cl)t, b. i. in ben äußeren ®el)örgang, eingebrungen, wie 3. iß. fliegen, Sßürmer, 33ol)nen, u. a. m., fo madje man Einfprifcungen mit lau= warmem SBaffcr ober £>el (f. ©. 826). ©ewaltfame Entfernunggverfud)e (mit §aar= nateln, ©treidiljöljern, u. a. m.) finb gu unterlaffen. ©ie Entfernung frember Körper aug bem 5D?aftbarm unb ber -§arnröl)re ift niemalg ©ad)e beg ßaien, fonbern einem tüchtigen Slrjte 3U überlaffen. Verlegungen. £>ie Verlegungen finb entweber £}uetfd)ungen ober SBunben. Cnctfißungcn ober (So ntuf tonen finb burd) ftumpfe (Gewalt (Stoß, ©ruef, ftall, ©d)lag) Ijervorgerufene Verfdjiebiuigen ober 3er* reißungen von V3eid)tl)eileii, ofjne baß bie barüber liegenbe §aut Verlebt wirb. 9lamentlid) zerreißen babei bie tleinften Slbern ((Sapillaren), in ftolge beffen 4ötnt in bie ®ewebe übertritt nnb fidjt* bar werben (ftlecfe ober Striemen, weldje erft blntrotß finb nnb fpäter blanrotß, braun, gelb unb grün werben). ©ie betr. ©teile ift fdjmerjßaft unb gefdjwollen. -Q3ei ftarfer ©djwellung fpridjt man von einer 423eule. ©ie 23 et)anbhing aller Duetfdjungen befteljt I)auptfäd)lid) im Stuf* legen von (Siebenteln ober falten Umfdjlägen (vgl. innere Blutungen), ©ie 23ilbung von 23eulen wirb 311m £l)eil verßinbert, inbem man bie betroffene ©teile fofort nad) ber Quetfdjnng mit einem Ijarten Körper (Stein, W?ünje, Söffelftiel, Sfteffertlinge, u. a. m.) feft brüift. (Sine 23eule ju eröffnen, ift nidjt ftattljaft; erft, wenn fid) ein Slbfceß gebilbet ßat (f. «S. 766), barf ber Slrjt benfelben unter gewiffen Umftäuben auffdjneibeu. üßunben finb Verlegungen, bei weldten burd) SInwenbung von ®e* walt ober and) burd) ba§ be§ SlrjteS fowoljl bie betr. ®ewebe, al§ aud) bie barüber liegenbe §aut aus ißrem normalen 3n[«wmenl)ange gebrad)t worben ift. 3ebe VSitnbe blutet, weil in jeber Slbern verlebt finb, unb eS ift eine ber Söunbbeljanblung, bie Vlutungni balbmöglidjft 311 ftilleu. £ie ®efäl)rlidjteit ber Vetteren unb fomit and) bie ber SBunbeii ridjtet fid) aber nießt nur nad) ber Starte ber Vlntung refp. ber ©roße ber verlebten Slbern, fonbern and) nad) ber Slrt ber Slberu. 856 23ei Verlehung non Haargefäßen (unb Heineren 23lutabern) quillt nur verhältnißmäßig wenig 23lut au« ber Sßunbe, wie au« einem naffen Schwamm, ben man 3ufammeiibrücft, hervor. ©iefe 23lutuugen hören non felbft auf ober werben leidjt gefüllt, inbem man anf bie Sßunbe bri'nft ober @iö ober falte Umfcßläge auflegt ober bie Sßnnbränber an einanber preßt, ©er 23lutfaferftoff gerinnt nämlich 311 einer fiebrigen SJlaffe, welcße bie fiel) sufammenjieljenben ©effnnngen ber Sieberchen Ver* ftopft. ©ringt au« einer SBunbe bnnfelrotljeß 23lut in einem gleichmäßigen (Strome hervor, ber bnrcl) ©rmf oberhalb ber Söunbe verftärft wirb, fo ift eine größere 23 tut ab er (Vene) verlebt. $11 folgen gälten, 3. 23. bei 23erften einer (ügl.S. 617), forgemanbafiir, baßjeber©rmf oberhalb ber 2ßunbe befeitigt wirb (3. 23. Strunipfbänber), lagere ba« betr. ©lieb pod) unb übe auf bie SIber unterhalb ber Sßunbe mit bem reinen ginger ober einem in Iprocentige« ßarbolwaffer getauchten ©liehe einen ©rmf au«. 23efinbet fiep bie 2Bunbe an einem Slrm ober 23ein, fo fanit man ba« ©lieb auch von unterhalb ber 2öuube her bi« bicht oberhalb berfelben in eine StoKbinbe wicfeln. Sim gefätjrlichfteu finb SBnuben, au« benen hellrotpe« 23lut in ftarfem Strahl abfapweife (pulfireub) hervorfpript. (5« ift bann eine sp ul« aber (Slrterie) verlebt unb, fall« bie 23lutung nicht balbigft 311m Stillftanb ge- bracht wirb, bie ©efapr vortjanben, baß ber ©Sertetjte fid) verblutet, ©er Slqt, beffen Hilfe bei folcßen SBunben fdjteunigft in SInfprud) genom* men werben m 11 ß, füllt bie 23tutung, inbem er bie verlebte Slrterie „unter* binbet", b. ß. er jießt bie verlebte $itl«aber mit ber au« ber SBiinbe hervor unb binbet ba« erfaßte (Silbe mit einem carbolifirten Seiben* ober gwirnfaben feft 3m SJtan nennt biefe« Verfahren and) Si* gatur (f. ©. 460). 23i« ber Slrjt fommt, bejw. ber Verlebte 31t ihm gebracht worben ift, muß b e r 2 a i e b i e 231 u t n n g au« b e r SI r t e r i e r e f p. b i e © e = fahr ber Verblutung a 11 f h a 11 e 11. £11 bem hebe man ba« verwunbete ©lieb in bie tveil babitrch fdjon ber 23tutbrucf ver* minbert, b. i. ba« Stn«fließen be« 23lute« verlangfamt wirb, ©obann entblöße man ba« verlebte ©lieb refp. bie SBunbe burd) (vorfidjtige«) Sluffdjneiben ber $leibung«ftücfe unb briiefe bann mit einem 3ufammenge* falteten @tü(f reiner Seinwanb feft auf bie Söunbe ober mit bem (reinen) ginger ober einem Seinwanbballen auf bie SIber in ber Sßunbe felbft. ©ie Seiuwanbballen ((Sompreffen) föimen auch, weil ber auljaltenbe ©ruef mit ber H«ub 311 fehr ermübet, bitrd) ftraffe Umwitflung mit einem ©ud)e ober einer 23inbe auf ber SBuube refp. SIber feftgepalten werben, ©ringt tro£ bc« ©rmf« 23lut au« ber Sßunbe hervor, fo muß bie23lntuug gefüllt 857 werben, iiibem man ben @tanun ber betr. nad) bent bergen gu fo ftart gufammenbrüdt, baß baS (Dom §ergen tomnieube 9lrterien*)Vlut nicljt meßt nad) ber Sßunbe ßin burcßpaffiren taun. 3n Wirffamer Sßeife gefcßießt bieS an folgeuben Wperftellen, an benen bie Sd)lagaberftämme oberfläcßlid) liegen: Slnt § a l f e für bie ben $opf Derforgenben großen Äopffcßlagabern (f. S. 159, ©afel VIII) recßtS nnb lintS in ber Glitte beS §alfeS (Don oben nacß nuten) am beS (f. S. 112 nnb gig. 66). - Sim £>alfe, wenn bie große SlrmpulSaber in ber Slcßfelßößle Derlept würbe, recßtS nnb lintS oberßalb beS ScßlüffelbeinS. ©ie SlrmpulSaber ift ßierbei ßinter bent Sdjlüffelbein gegen bie oberfte Diippe 511 briicfen. Sim meiften empfießlt ficß in letzterem $alle, ben ©rud bnrdj einen Scßlüffel auSguüben (f. gig. 419), ben man, nm Verletzungen ber §aut gu Dermeiben, mit ßeinwanb umwicfeln tann. ©ft gelingt eS and), baS (Sntftrönjen beS VluteS aus ber SlrmpulSaber baburd) 311m Stillftanb 31t bringen, baß man ben Sinn nebft Scßulter nad) nuten nnb ßinten gießt nnb in biefer Sage burd) ein Xud) ober Vaub feftßält. ©urd) biefe Slrmßaltiing wirb baS Sdjlüffelbeiit berart ßerabgegogen, baß es bie Slrm* pulSaber Derfcljließt. Sim Ringer genügt fefteS Umbinben beffelben mit einer Scßnur (f. ftig. 420). Sim Slrm befiubet fid) bie Stelle an ber beS ©berarmS, nnb gwa'r bort, wo bie innere 9?aßt beS SlermelS liegt (f. $ig. 421 nnb 422). Sim Vein liegt ber Stamm ber am oberfliid)lid)ften an ber Vorberfeite be§ ©berfd)entel§, bid)t unter ber SDiitte ber Sdjentelbeuge (f. gig. 423 nnb 424). ©er blntftillenbe ©rnd tann natürlid) mit Ringern unb §änben au§* geübt werben; Weil er aber gugleid) ftart fein nnb lauge aupalteu muß (bi§ ber Slrgt fommt), fo empfiehlt eS fiep bort, wo eS ntöglid) ift, b. I). au ben ©liebmaßen, ben ©rmf burd) Umfd)uüruug peroorgubriugen. ©a§ geeignetfte Verfaßten ift bas ©Smard),fd)e ber e l a ft i f d) e n 11 m f d) 11 ii = rung. ©abei wirb eine elaftifd)e Vinbe (im 9iotl)falle ®ürtel, §ofem träger ober Strumpfbaub) ober ein ®ummifd)laud) unter ftärffter ©eß= nuug meßrmals um baS ©lieb genudelt. 3ft teilte elaftifdje Vinbe Dor* ßanbeu, fo lege man eine leinene Vinbe fo feft als ntöglid) au einer Stelle fo an, baß jebe Umfreifung bie aubere bedt; naeßbent baS (Snbe gut befe* ftigt worben, wirb bie Vinbe reießlid) mit Sßaffer begoffen, woburd) fie fid) jufamntengießt, refp. ber ©rud Dermeßrt Wirb. Sluf bie Slber felbft taun man unter jener Vinbe uod) eine „Slberpreffe" (©oiiniiquet) legen, b. ß. ein tleineS golftet (gnfammeugefalteteS ©afeßeutueß, f. gig. 422). £>at 858 Fig. 419. Fig. 420. Fig. 421. Fig. 422. ■Figl 423, Fig. 424. Stillen tonn SBiittunflen. 859 man and) feine foldje 33inbe jur £>anb, fo falte man ein Xud) (3. £3. 3a* fdjentnd)) al§ lege es nm baS ®(ieb, tnote bie (Snben feft 31t* fammen nnb fdjiebe bann einen knebel (@toet, @tücf §013, Slft, ©eßen mit ©djeibe, ßabeftotf, n. a. m.) unter baS 3nd) ein nnb bretje baffelbe fo lange Ijernm, bis bie anfl)ört (Änebeltonrniqnet, f. gig. 424). 33ei Snnben an bem Sinn ober ber §anb fann man ben ©rmf and) ba* bnrd) fjervorbringen, baß man einen bitfen ®toef, 9tegenfd)irm, 5lft, n. f. w. jwifdjen 23rnft nnb Sinn legt nnb letzteren bnrd) ein ©nd) feft gegen ben <5tocf, n. f. m. refp. gegen bie 23rnft anprefjt. -53ei muSfnlöfen fonen mirb bie SlrntSpnlSaber fdjon bnrd) ftarte Mengung beS SlrmS im (SHenbogengelent Verfdjloffen. - 3ft bieUmfd)nitrnng nidjtträftig genug, fo wirb bie Blutung ftärfer. SÖ3iil)renb ber 5lbwefenl)eit beS SlqteS taffe man bie Slberpreffe (Um* fd)niirnng) liegen, forge babei aber balbigft für ärjtlidje §ülfe, Weil bie Umfdjnürnng nidjt lange vertragen wirb nnb nad) länger als 3 bis 4 Fig. 425. Stuiiben baS braubige SIbfterben (tatter 33raub, <S. 144) beS umfdjnürten ©liebes jur ftolge pat (f. $ig. 425). Stuf betn OranSport jum Slrjte fei man vorfidjtig, bap bie 33lutung nidjt twn feuern loSbridjt (Soderwerben, SJerfcpieben ber Slberpreffen). OaS Verlebte ©lieb wirb pocp ober pori* jontal gelagert. 33ei Slrmwimben füllte ber Sinn in ein breiedigeS Oud) (SJiitella), beffen (Silben pinten aut §alfe jufammengefnüpft finb, gelegt werben. STritt bie 33lutnng wieber ein, fo ift eine neue Umfcpiiü* rniig anjnlegen (ober bei Blutungen ber 23enen ober kapillaren abermals teilte imb Ornd anjnwenben). krregenbe ©etränfe finb borerft nidjt ju reicpen, außer bei großen (Scpwädjejuftäiiben, wobei warmer Kaffee, [tarier SBein ober etwas 33raubp angejeigt finb. @id) bitbenbe (Sdjorfe finb uidjt abjnreißen. - 33ei. inneren Blutungen forge mau für abfolute 9tnpe beS Traufen unb für frifcpe, reine ßuft, applicire $älte (falte Umfdjläge unb talteS ©etränf; bgl. Ouetfcpungen nnb bei ben einzelnen Organen). Oie 9ieforptiou beS 33luteS wirb fpäter bnrd) fialter SBranb an ber $anb in geige langer Slbfdjnürung berfelben. 860 Fig- 126. Fig. 427. Fig. 428. Fig- 129. Fig. 430. Fig. 431. Fig. 432. Fig. 433. Fig. 435. Fig. 434. Söunbberbättbe. 861 wanne Umfd)läge geförbert. - Vei V lutem finb Vhitnngen mit bop* petter Vorfidjt 311 verpüten nnb 311 bepanbeln (f. S. 652). - 33In t ft ib lenbe (ftpptifdje) Mittel, wie (Sifeiicplorib, gelbe (Sparpie, n. f. f., Wenbe ber Vaie nidjt an. Unter feinen Umftänben gebraudje man baß beliebte Volfßmittel, Spinngewebe auf bie SBnnbe 311 preffen. Dieben ber Stillung etwaiger Blutungen ift nämlid) bie ipanptfadje ber ÜB nnbbei) a11b ln11g peinlid)fleß Dteiupalten ber SBnnben. (Sine SBnnbe peilt auf 3Wei Slrten. £)ie eine, ftetß au3nftrebenbe n n m i 11 e l = b a r e § e i l n n g ift bie burdj erfte Verflebnng, opue Eiterung, mit feiner ftridjförmiger Diarbe. £)iefe Teilung erfolgt nur, wenn bie SBunbränber genau aneinanber gelegt nnb fpäter nidjt wieber bnrd) Vlut ober SBunb? flüffigfeit auß einanber gebrängt werben, wenn ferner bie SBnnbe in 9tupe gelaffen nnb vor äußeren Sd)äblid)feiten gefdjiipt wirb, nnb wenn bie SBnnbe nidjt bnrd) barin 3itrücfgebliebeneu ober pineingebradjten Sfpmufc verunreinigt wirb. SBerben biefe VebingHingen nid)t erfüllt, fo erfolgt entweber mittelbare SB n 11 b p e i 111 n g mit (Eiterung, Vilbung von („wilbem gleifd)") nnb ipinterlaffnng einer breiten Diarbe ober, nngiinftigen $allß, töbtlifper Slnßgaiig in einer piii3U* tommenben SBunbfranfpeit. ®aß ein folcper Verlauf nid)t 311 ben Selten* peilen gepört, jeigen bie pänfigen -Veridjte von Xobeßfällen bnrd) Vlut* Vergiftung nadj geringfügigen Verlegungen (Stidjmit einer Stahlfeber, Dtabel, 11. f. f.). £it ben SBnnbtranfpeiten gepören anfier ber Vlntver* giftnng bnrd) ®ift meprere weld)e bnrd) ber ßnft entftaninienbe, in bie SBnnbe einbringenbe pervorgernfen werben, nnb ein fljmptomatifcpeg Veiben, ba3 SB n n b f i e b e r. Setjtereg ift, mupbem ber 2li'3t bie Urfad)e entfernt pat, wie jebe3 anbere fieber 311 bepanbeln (vgl. S. 432). - Von ben infectiöfen SBnnbtranfpeiten wnrbe bereits bie 3 a n cp e v e r g i f t n n g erwäpnt; biefer nape ftepen baß (5 i te r* fieber ober bie bie SBnnbrofe nnb ber b raub ober bie SB n n b b i p p t p e r i t i ß. Vei biefen paben bie SBnnben ein fd)Ied)teß, jand)igeß Slnfepen, bie Traufen werben von immer pänfiger werbenben Sd)üttelfröften peimgefudjt nnb gepen rafd) 311 ®rnnbe. ©ie Vepanblnng eineß folcpen Traufen, ber ifolirt werben mnfi, ift biird)anß Sadie beß 3If3teß. Slnß beut ©efagten gept pervor, bafi, nm eine günftige Reifung 31t erzielen, refp. bie gefäprlidjen SBnnbtranfpeiten 311 verpüten, jene für eine unmittelbare Teilung notpwenbigen Vebinguiigen (f. oben) erfüllt nnb vor allen Gingen bie SBnnben forgfältigft rein gepalten werben m ü f f e 11. $eine SBnnbe barf mit fcpmufcigen Ringern ange* fapt, mit fd)mulAiger Seinwanb, mit einem Scpwannn ober mit einem unreinen berüprt ober mit fd)mupigem SBaffer abgefpült 862 Werben (ögt. S. 458). ©ie Ringer finb in Earbolwaffer 31t reinigen, bie Seinwanblappen fauber 31t wafdjen, etwaige längere 3eit in fodjenbeS SBaffer ober Earbolwaffer 311 legen nnb verunreinigte SBunben mit abgetodjtem SBaffer (im fllotpfalle mit g a 11 3 Harem Vrunneiv, See- ober ftlnpwaffer) ift antif eptif dj 31t bepanbeln (f. S. 33 unb 591), b. p. mit 3Wei- procentigem Earbolwaffer (vgl. 9tec. 9lo. 61) worauf fie (mup Stillung einer Vlutung) 3iigeuäpt ober and) mit §eftpfla[terftreifen gefdjloffen (f. S. 459) unb bann mit Eompreffen von SBatte, 3'ute, DJlull, it. f. w., Weldje in einer antifeptifdjen $lüffigfeit geträidt würben, bebed't wirb. Vgl. 9iecept 9lo. 61. Heber „offene Veine" f. S. 460 unb S. 671. Eiternbe SBunb en finb öfter mit Earbolwaffer 311 wafcpen, beputfam von Sdjorfen 31t befreien, eventuell mit 31t betupfen unb barauf mit milben Salben (f. S. 765) 311 beftreidjeu ober 311 beftrenen unb bann mit Salictjlwatte 3U bebed'en. - S cp u fj w 11 n b e n finb, wie anbere SBimben, mit antü feptifdjem Verbanb 311 bebed'en. bie Äugel im Äörper, fo ift ber Verlebte nad) Stillegung be§ fflotpverbanbeö balbigft unb vorficptig 311m SIr3t 311 tranSportiren, ber allein über Entfernung ber Äugel 31t beftimmeu, be3W. bie Entfernung pat.- lieber vergiftete SBüuben f. S. 524. - Sind) bei anfdjeinenb geringfügigen SBunben fei man vorfidjtig unb bepauble biefelben antifeptifd). Stecept 9to. 61. (Stntifeptifdje SKittel für bie 2BunbBet)anbtung). gür baä Steinigen ber $änbe, unb Sßunben: jWeiprocentigeg SarBol= ober and) ßreoliwoaffer. - gum ©urctjträntcn ber (Sompreffen : einprocentigeä ßarbot= ober ßreotinlvaffer ober gioeiprocentige ©alicpl= ober 93orfäurelöfung. ©taff ber (crft anti= feptifct) angufcudjtenben) ßompreffcn fann man bie SBunben, nadjbein fie beöinftcirt morben, aucfj mit ©aticphvatte bebeifen. lieber bie Eompreffen refp. bie Salicplwatte legt mau einen geeig= neten SSerbanb, ber, offne einen 31t ftarten £>rucf au§3itüben, bie Eompreffe unb ba§ verlebte ©lieb in ruljiger Sage feftljält nnb letzteres vor änderen Sdjäblidjfeiten Eine 9(n3al)l foldjer SSerbänbe, 311 benen and) bie fdjon früljer erwähnten mit fRollbim ben gehören (f. S. 461), ift auf Seite 860 abgebilbet. 4öei Verlegungen an ben madje man fid) eine geeignete Vinbe, b. i. man uäpe an ein breiedigeö Sind 3eug 3Wei Vänber (f. ftig. 436 ), unb lege baö Stüd 3eug nm bie verlebte $imgerfpi£e unb palte e§ burcp bie Väuber feft, wie auf $ig. 432 angegeben, ©ie auberen Verbänbe bebürfen feiner Weiteren Erflärung. 21 (le Verbänbe finb, fofern feine neue Vlutung ober eine Eiterung nebft SBunbtranfljeit eintritt, ruljig liegen 311 laffen. Fiff. 436. 863 2ln ben fommt e§ mandnnal in golge einer SBerlejjung (Stieb, ®in= ftedjen eineä Splitterig, 9(usreif;en eincg Sleibnagclg, u. f. tu.) unb aud) ofme nad)iveiö= Bare SSerlefcung ju einer, fpäter in Eiterung üBerge()enbcn (Sntjünbung, bte alg „böfet iviilflct" ober (Felon, Whitlow) Bejeicbnetlvirb. ©aBei febmerjt ber ginger, rötßct fieb unb fdnvillt an; fpätcr bilbet fid) (Siter, ber, toenn ibm niel)t ein 9(u§meg gefdjaffen ioirb, bie ganje $anb afficirt. Sind) Seltnen unb Änodten Werben eventuell in 2Ritleibenfd)aft gezogen, unb fdtlicfflid) mag bag ßeiben bauernbe SKifjgeftaltung unb SBcrfürjung jur golge ljaben. ©ic 23cl)anblung befteßt im ?luflegen Warmer 23reiumfd)läge unb im 23aben be£ gingerg in Warmem Sßaffer.' Sim heften fteeft man ben ginger alle 4-5 Stunben 4 Stunbe lang in WarmcS SBaffer ober ßeiffe <f?olaafd)e unb Bebeeft ibn nadjljer mit einem 23rciumfeblag au£ glaebgfamen unb „febwadier" Sauge, ©aneben nehme Spatient alfalinifdje Slbfübrmittel (f. S. 494, 9lec. 9to. 8). ©ie §anb ift ruljig ju galten unb bvd) gu lagern. 23ilben fid) Weifjlidje Fig. 437. glecfe, fo ift bet barunter liegenbe ®iter burdj ©inftict) ju entleeren unb be$ SBeitcren, toie Bei 9lbfcc§ angegeben, 311 verfahren (f. ®. 766). Stritt in 2-3 Stagen feine 23effe= rung ein, fo Bote man ben Slrjt. 23ei großer ©cßmcllung macße man and) ofme bcn 3tr,]t einen crbentlidjcn (Sinfefjnitt in ben ginger unb jfoar mit einem fcbarfen, beSinficirten SKeffer bcrart, ba£ ber <Sd)neibenbe ben ©djnitt nacl) fiel) tyinmacbt (f. gig. 437). ©a- burrf) hilft baS unimUfürlidje .gurüifjieljen ber <§anb be3 Patienten, bcn Schnitt ju tooltfüßrcn. Verbrennungen. ©nrdj bie (Siinvirfitug [tarier auf bie £>ant entfielen V e r = [i r e n n it 1t neu; bagit geboren and) bie burd) Ijeijjeö SBaffer unb beiße Kämpfe bervorgernfenen Verbrühungen unb bie (fdfon bei ben mineralifdjen ®ifteu ermähnten) Verübungen mit äfcenben djemi= fdjeit Stoffen. (Sö giebt brei ®rabe ber Verbrennung. Vei beut erfteu, leidjteften bilbet fid) nur eine fdjineigljafte 9?ötl)ung, b. i. oberftädjtidje (Sntjniibrmg. Vei beut ®rabe, bei metdiem bie nrfädjlidje (5in= mirfung heftiger ober üon längerer ©auer mar, bilben fid) auf ber ftarf entjiinbeten, fpäter gefdjnntrig merbeuben §aiit „Vranbblafen" mit einem mafferljellen, bicmeilen mit Vlut gemifdjten £)ie £ant ift feljr fd)merjl)aft, befonber« meint fid) an ber verbrannten Stelle viele Dicrven- enbigungen befinben. £)er brüte ®rab ber Verbrennung ift ber ber Ver= fdjorfimg ober Verfolgung; babei mirb bie verbrannte Stelle meljr ober meuiger tief in einen barten, Vranbfdiorf iimgemaubelt. ?(nd) nadj ber ber Verbreiinungeii ift bereu @efäbr* 864 lidjteit Verfcpiebcn. ßm affgeiiieineii gilt,. bap bei (Srwacpfenen Ver« brennnngen leicpteren ©rabeS töbtlid) finb, wenn fie mepr als bie Hälfte beS Körpers befallen haben, wogegen bei fcpweren Verbrennungen ber Job fepon eintritt, wenn nur ein jrittel beS Körpers betroffen würbe. Vei finb bereits Verbrennungen mit einem ßläcpenraum von etwa 1 QnabratfnO Ijöchft gefährlich. (iS ift ein fcplimmeS 3eicpeii, wenn nach anSgebepnten Verbrennungen bie Oranten (befonberS wenig empfinben, hin nnb wieber nur tief anffenfjennnb nach Söaffer verlangen; baS (Silbe ftept bann gewöhnlich nahe bevor. $nr Verl) ü t n n g von lebensgefährlichen Verbrennungen follte man niemals ©treidjpöljer ober peipe $lüffigteiten im Vereid) von laffen, beim füllen nnb 3lnjitnben von lampen vorfidjtig fein, $ranentleiber (befonberS Vallfleiber) nnverbrennlid)*) meupen, inbem man fie in eine ßöfnng von fdjwefelfanrem 2linmoniaf tampt nnb nadjper wieber trod'net nnb bügelt, n. a. m. 3ft ein in flammen geratpen, fo follte man fiel) 511 Voben werfen nnb umperrolleii, anftatt iimperjulanfen, wobitrcp bie flammen noch angefadjt werben. Veiftepenbe paben bie breit* nenbe jn ergreifen, in einen Jeppid), Oiocf, Hantel, n. f. f. jn witfeln nnb nmperjnrollen, bis bie ß-Iammen erftieft finb. @rft bann laufe man nad) VJaffev nnb begiefje ben Vernngliicften, bis bie Kleiber orbentlid) bnrd)iiägt finb nnb nid)t nod) weiter in'S $leifd) brennen tonnen. ®ie V e 1) a n b l n n g von leid)ten Verbrennungen beftel)t im Slnflegen von $altwaffernnifd)lägen ober @intand)en beS betr. ©liebes in falteS üöaffer. Vei fdjweren Verbren- nungen fnd)e man vor allen Jingen bie $ant ber Vlafen jn erhalten; nur ber Inhalt ber letzteren ift bnrd) (Sinftedjen mit einer wol)l gereinigten (beSinficirten) fRabel 311 ent« leeren, ©obann fd)liepe man bie Suft von ber ©teile ab, inbem man biefe mit einem ber in 9?ec. 9?o. 62 genannten Vcittel bebeeft nnb bann mit reiner ßeimvanb, fDZull oberV3atte umwicfelt. Vei auSgebel)nten Verbrennungen finb, uadjbem bie flammen erftieft nnb bie Kleiber burd)uäfft würben, bie Vatienten in ein warmes 311 bringen nnb bort beputfam auf ben Fig. 438. Stanbvetbaitb. ®aS tocr= brannte ©lieb Wirb, nact)= bent bcrSnljatt berSlafcn entleert Worben, mit einem bcr in 9tec. 3lo. 62 genann= ton Mittel bebeett nnb bann in ÜBatte cjewitfclt. *) Solche „imvräflnirte" Kleiber lobern, ivenn fte mit Reiter in S3erüljrunfl tommen, nicljt auf, fonbern verfohlen lanflfam. ©urcf) ba£ ßintaucljen in fd)tpefel= faure£ 2Iminoniat mirb meber ber Stoff notf) bie garbe befdiäbiflt. 865 Fig. 439. Fig. 440. Fig. 441. Fig. 443. Fig. 442. Fig. 445. Fig. 444. J? n o rf) e h & r ü cfj e. 866 23oben ober einen ©ifcß iiieberjulegeit. ©arauf Werben bie Kleiber mit einer fcßarfen (Scßeere ober einem fcßarfen SJleffer borfidjtig abgefd)nitten, fo baß fie bon felbft abfallen. gießen ober Steißen ift verboten, unb feft= geliebte finb 311 umfcßneiben. ©arauf berfaßre man, Wie oben angegeben, ober bringe ben SSerunglitcften in ein lauwarmes -53ab. ©egen ©nrft finb nur Warme, erregenbe ©etränfe, wie ©ßee ober ©rog, 311 verabreichen. ©er Sßerbanb ift nur alle 2-4 ©age 311 weißfein, auSge* nommen bie Eiterung ift eine große. £3eim 2Bed)feln beS 23erbanbeS ber* faßre man feßr borficßtig, um bein Traufen nicht unnötßige 31t bereiten, unb abfaßweife, b. ß. ueßme ben ganzen Sßerbanb nidjt auf einmal ab, um ißn burcß einen neuen 311 erfeßen. Sin eiuauber grenjenbe verbrannte bürfen, umein$erwad)fenberfelben 311 berßüten, fid) nicßt beriißren. SRecev t 9t 0. 62. SBranbfalBe, Befteßenb auS Del unb mit 1 $roc. Sfcßbmol, 2 Sßroc. ßreolin ober 10 Sßroc. Soboform. ©bei: ®or= ober (Salictilfalbe, (Srcolin, SSorfäure, ©altctylfäure, Del, §ctt, (Scßmalg, SButtcr, 9D?el)I, 9?atron, Stall, fluffiger gehn, Styrup ober ®uinmifd)leim. ©ber: 40 ®rau Garbolfäure auf J Spirit ©peifcöl cbcr3 ©ran ©arbolfäure aufl Unje 23afelin. Erfrierungen. ©er Körper eines Erfrorenen ift falt unb bleicß, bie ©lieber finb ge* füßlloS, fteif unb fpröbe, fo baß fie leießt abgebrodjen werben fönnen, bie SltßmungStßätigfeit ßat anfgeßört unb ber 'ißulS ift nicßt meßr fiißlbar. ©er23erunglii(fte ift borficßtig in einen gefcßloffenen, aber falten Staunt 311 tragen, bort borfidjtig feiner Kleiber burcß Sluffdpieiben berfelben 31t entlebigen unb bann mit Scßnee 31t bebeden unb abjureiben. fteßlt Scßnee fo gebraudje man ftatt beSfelben falte naffe ©üeßer ober falten Sanb. ©aneben maeße man fünftlidje Sltßembewegungen (f. @. 850). SBerben bie ©lieber wieber etwas biegfam nnb feßrt bie Sltßmnng jufnef, fo trage man ben SSernnglücften in ein mäßig warmes Rimmer nnb beefe ißn mit falten ©iteßern ober ©ecfen 311 unb fließe burcß Stiecßmittel, wie 9letßer, ©ropfen, ©almiafgeift, jerfdjuittene unb burcß ©arreießen bon faltem Kaffee ober leießtem faltem SBein baS 53ewußtfein wieberßerjuftellen. ©egen fid) einftellenbe ©djmerjen maeße man $altwafferumfcßläge. Erft fpäter finb warme ©etränfe 311 geben unb nur ganj allmälig barf man baS Rimmer wärmer ßeijen unb $um Steiben mit warmen ©iießern übergeßen. 4ßei ber einzelner erfrorener ©lieber berfaßre man in gleicßer Sßeife. (Stets beaeßte man aber, baß foldje ©lieber, weil fpröbe, leidjt abbreeßen. fiel) an ben ©liebem Olafen mit trübem, blutig gefärbtem Onßalt, fo liegt bie ©efaßr bor, baß bie ©lieber branbig werben, ©er 9(rjt Vermag biefe ©efaßr bielleid)t noeß burcß Einwideln unb ßoße Lagerung (Slufßängen) ber 867 Fig. 446. Fig. 447. Fig. 448. Fig. 449. Fig. 450. ffnoijetibrüclie. 868 ©lieber abpnvenben. - $ r o ft beuten ober g r o ft b a 11 e n finb burcß unvermittelten, bebeutenben Temperaturwedjfel ober burcß große Saite ventrfaißte welcße fiel) bei Eintritt ber marineren 311 vertieren pflegen unb mit bem ©inten ber Temperatur ge* wößnlid) ivieber einftetlen unb jucten unb brennen. Tie 23 e ß a n b l u n g befteßt barin, baß man bie 23allen in ber warmen ßäufig mit ©ampßer« ober ©eifenfpirituS, ©alj unb ©piritnS, ©pobelboc ober fliicßti« gern Liniment wäfeßt ober mit ßollobium (fließt bem Sicßt naße fommen!) beftreießt. 3n ber falten BaßreSjeit ßatte man bie 23allen warm unb troefen, feßüße fie vor Trucf (bequeme ©tiefet), habe fie in lauwarmem SBaffer, bem man ein wenig roße ©alpeterfäure jufetjeu fann, unb be« ftreieße fie mit ©ollobium ober (bei Sönnbfein) mit milben ©alben (aus« gelaffenem 9?inbStalg, 23afelin, u. f. f.). gißfrfjlog ift eine ?lrt ber 23ewußtlofigfeit, welcße burcß (Sinwirfung großer £)iße bei Mangel an Trinfwaffer unb bei förperlicßer Ueberanftreugnug ju ©taube fommt. Tie erften ©pmptome finb: quälenber Tiirft, -äRattigteit, ©cßwinbel, SRötßung beS ©eficßtS; babei ift bie §aut ßeiß, bie Bunge troefen, ber rafcß unb feßwaeß unb baS Sltßmen müßfam. 2Ran reieße bem 23etreffenben fofort Sßaffer, laffe ißn fieß anSrußett mib lodere bie Sleiber. ©efeßießt baS nießt, fo ftürjt ber Sranfe „vom §ißfcßlag ober ©onnenftieß getroffen" plößließ bewußtlos ju 23oben. Bn *5en °&en 9es nannten ©ßmptomen gefeiten fieß noeß: frampfßafte Bedungen beS ©e« fießts itnb ber ©lieber, baS ©efießt wirb blaurotß, bie Singen finb ftier unb glänjenb, bie Pupille ift erweitert, baS Sltßmen feßnareßenb unb raffetub, ber Sörper wirb fteif unb eS tritt blutiger ©djanm vor ben 9Runb. SRan trage ben 23erunglüdten r a f cß naeß einem tüßlen Drt, lagere ißn mit erßößtem ©berförper, löfe alle beengenbett SleibnngSftncfe, fädjle ißm frifeße ßuft ju, begieße Sopf unb 23rnft mit faltem Söaffer ober maeße falte Umfcßläge, laffe an ©almiafgeift ober Sletßer rieeßen, reije jitm 23redjen (f. ©. 686, 9?ec. 31), reibe §änbe unb g-üße, flöße möglidjft viel 2S a f f e r ein unb madje, wenn bie Sltßmnng ftoeft, fünftlicße Sltßembewegnngen* ©pater fann man etwas SBein ober 23ranbl) üer« abreidjeu. 23om ©lißfdjlag ©etroffeue finb in frifeßer Suft ju entfleiben. ©obann begieße man ben Sopf mit faltem SBaffer, laffe an ©almiafgeift ober Sletßer riedjen, jnm 23recßen (f. ©. 686, 9?ec. 9?o. 31), applicire falte Sltjftiere, frottire ben Sörper, lege ©enfteige auf unb madje, falls bie Sltßmung ftoeft, fünft« ließe Sltßembewegnngen. 869 Fig. 451. Fig. 452. Fig. 453. Fig. 454. Fig. 455. Fig. 456. Änoctjenfcrürfjc. 870 Änodjciihrüche. nocl)enDrüd)e ober gractnreii Werben bitrd) EiitWirhtng äußerer ©elvalt (Stoß, Schlag, $all, (Sprung, u. f. io.) hervorgerufen. 3n ber Äinbljeit, in iveldjer bie Änodjen iveid) unb biegfam finb, fommeii fie feiten vor; am Ifäufigften ereignen fie fid) in beni Sliter von 25 bis 60 3al)ren. ■tDZaii unterfdjeibet einf adje ober reine Änochenbrüdje, b. p. foldje, bei benen nur ber Äuocpen verlebt ift, unb c o m p l i c i r t e ober unreine Änodjenbriidje. (Q3ei letzteren finb außer beni Änocpen nod) bie um* gebenben Sßeidjtpeile verlebt, unb jlvar entlveber bitrd; bie Einhüllung ber äußeren ©eivalt (3. 33. burcp eine Äugel) ober baburd), baß bie fpipen Änodjenenbeii bie §ant von innen burd)bopren. ©ie complicirteu Äiiodjeiibrücpe finb gefährlicher, als bie einfachen, befonberS ivenn bie §aut verlebt unb babnrcp beni Einbringen von gäulnißerregern aus bei- duft (Gelegenheit gegeben ift. 3n folcpen fallen gefeilt fiep jum Änocpem bruep nidjt feiten eine gefäprtidje Vhiiibfraiitpeit, Ivie Eiterfieber ober Vßunbrofe (f. S. 861). HJZan fpridjt ferner, je nad) ber SRidjtung beS VrmpS, von £luer*, Sd)ief* ober SängSbrüdjen ober von Splitterbriicpen, ivenn ber Äuodjen in mehrere Stüde gebrochen ift. ES giebt and; unvoll* ftänbige Änodjenbriidje, bei iveldjen ber Änodjeu nidjt ganj bnrdjbrodjen ift. SÖSirb ein Änodjeu gebrodjen, fo werben bie Vrudjftücfe bnrd) bie ein* Wirtenbe (Gewalt häufig aus iprer Sage verfdjoben (f. $ig. 461), ober eS gefdjieljt bieS nadjträglicp bnrd) ben „SJluSfeljug" (f. S. 104), Welcher nad) Slufijöreii beS VMberftanbeS feilens beS ÄnocpenS bie WSiiSteln vertürjt unb bamit gngleicp bie Vrudjenben verfd)iebt. ES liegt auf ber £>anb, baß ein einfacher Dnerbritd), bei beni bie 33rndjftii(fe entlveber nidjt verfdjoben ivnrben ober fiel) leidjt ivieber in bie normale Sage guriicfbringen laffen, bie für bie Teilung gnnftigften 33ebinguiigen bietet. £)ie £>eiliingSbauer von Änodjeiibrüdjen ift and) nad) ber ®röße unb £)i(fe beS betr. ÄnodjenS verfdjieben. 3m allgemeinen gilt, baß ein $ingerbrud) 2, ein 33rud) beS 53orberarmtnod)enS 4-6 unb ein foldjer beS £)berfd)entelfnod)enS 8-10 SBod)en für feine Teilung in Slnfprud) nimmt. ©aß ein Änod)en geb rod)en ift, erfennt man junädjft an ber Verbiegung unb Verfürjung beS ©liebes. Sin ber 33rud)ftelle finbet man außer einer Verbildung, iveldje bnrd) ausgetretenes Vlnt ober Uebereinanberfdjieben ber Vritcpenben (f. $ig. 460 unb 461) verurfadjt ift, entlveber eine $urd)e (b. i. eine Spalte jivifcpen ben beiben Vrud)= enben) ober in $olge beS ÄnodjeuS eina Äante ($ig. 460). 3aßt man ben gebrochenen Änodjen oberhalb unb unterhalb ber Vrud)' ftelle an, fo fepen ivir an ber gebrochenen (Stelle eine iinnatürliche Velveg= liebteit unb hören jugleid), iveiHi wir bie 33rud)enben au einanber fdjieben, 871 Fig. 457. Fig. 458. Fig. 459. Fig. 460. Fig. 461. Fig. 462. S n o rf) e tt b r ü rf) e. 872 ein eigentljümlidjeS, tnifternbeS „DJeibitngSgeröiifd)" (Crepitus). Sabei empfinbet ber Verunglütfte an ber betr. Stelle einen ßeftigen Sdjmerj nnb ift nidjt im Staube, ben verlebten Sßeil 311 gebrandjen ober and) nur 31t bewegen. Vei mandjen $nod)enbrüd)en madjen fid) außer ben oben genannten allgemeinen Symptomen nod) gaii3 beftimmte 3eid)en bewert« bar, bnrd) weldje ber betr. Änodjenbrnd) gans bentlid) vor Gingen tritt. Oft 3. V. bie Äinnlabe auf ber einen Seite gebrodjen, fo ift fie nad) ber verlebten Seite l)in gebreljt, wäßrenb fie bei Verrentung von ber Seite iveggewanbt ift. Vei Vrndj eines SdjlüffelbeinS Ijängt bie Sdjnlter auf ber verlebten Seite ßerab (f. ßig. 463). Vei Vrüdjen beS SdjeufelßalfeS, b. I). beS SßeileS beS CberfdjeiifeltnodjenS, iveldjer swifcßen bem klopfe nnb bem großen 9iolll)ügel liegt (f. S. 101), ift ber fyuß nad) auswärts ge« breßt (f. gig. 464), toäljrenb bei $üft« Verrentung eine Sreßung beS ftußeS nad) innen ftattfinbct (f. gig. 491). Siefe Vrüdje beS DberfdjentelljalfeS finb am ßäufigften im ßößeren SXIter; babei Ijeilen fie am fdjwerften nnb ßin« terlaffen nidjt feiten hinten. Vrüdje beS CberfdjeiitelfnodjeuS finb bei (Sr« wadjfenen gewößnlidj SängSbrüdje, fo baß fid) bie Vrudjenben über einanber fdjieben nnb bas Vein »erfüllt ift; and) babei finbet man eine Sreßung nad) außen (ftig. 465). Sie normale Teilung von $110 d) e n b r ü d) e n berußt barauf, baß fid) an ben Änodjenenben neue, anfangs weicße, fpäter ßarte maffe (SalluS) bilbet, bnrd) weld)e bie (Silben Wieber 3nfammengetittet werben. VJäßrenb ber Sauer beS müffen barnm bie Vrnd)enben fortwäßrenb unbewegtid) in ber ridjtigen Sage gehalten werben, anbcrnfalls ber $nod)en fd)ief 3iifammenwäd)ft, bas ®lieb vertrümmt ober verfällt wirb ober gar eine meßr ober Weniger große Vewegligteit beS $nod)enS an ber Vrndjftelle 3iiriidbleibt. Siefe Veweglidjteit, weldje ißre letzte Urfadje barin ßat, baß fid) bie Vrmßenben Wäßrenb ber Teilung wenig ober gar nid)t berührten, tann fo erßeblid) fein, baß gerabe3it ein neues („falfd)eS") ®elent entfteljt. Ser 2Ir3t ßat alfo bie Vrndjenben genau an einanber 311 bringen (ben Vrnd) orbentlid) „einjnridden"), nnb bieS gefd)iel)t bnrd) Srncf nnb $ng. 3ft ber Vrnd) eingeridjtet, fo müffen bie Vrmßenben in ber Sage feftgeßalten werben, nnb baS finbet ftatt bnrd) Sd)ienen (von §0(3, Vledj, n. a. in.), weldje woßl anS3upoIftern Fig. 463. 873 finb, bamit fie nicht auf bie $nod)en brücten, ferner bnrd) 23inben ober er® härtenbe SBerbänbe. befielen ans SBafferglaS, ®ips, u. a. m. 3nbem biefe erft weidjen Waffen erhärten, bilben fie nm baS @lieb eine horte Schale, innerhalb welcher bie unbeweglich bleiben niüffen. Sliif ben Seiten 865, 867, 869 nnb 871 ift eine SReilje non brndjen mit ben betr. SSerbänben bargeftellt. 439 zeißt einen 53er® banb bei beS Ä'innS. wirb unter ber 53inbe bnrd) eine ihm angepafjte Schiene ($ig. 440) feftgehalten, weldje leidjt bnrd) Ein® fdjnitte in ein Stiid horte 23Ied), n. f. f. herznftellen ift ($ig. 441). §ig. 442 nnb 443 ftellen SBerbänbe bei 53rud) beS SdjlnffelbeinS (bergt. $ig. 463) bar. $ig. 444 zeigt einen 53rnd) beS ©berarmtnodjenS nahe Fig. 465. Fig. 464. bem Sdjultergelenf. Unter bem 23erbanb ($ig. 445) liegt über ber Schul® ter eine von ba bis 311m Ellenbogen laufenbe Schiene. £)ie gleichzeitige Sdjienung nnb 53onbagirung beS Unterarms ift bei iörüdjen beS Ober® arnrfnodjenS in ber sJläI)e beS EllenbogengelentS nötljig. 53ei foldjen $rüd)en mup ber banbagirte Sinn in einer ?lrmfd)linge (f. S. 859) ge® tragen werben, fo bah 011 ber £>onb ber ©anmen nach oben gelehrt ift. 53rud) in ber £0?itte beS CberarnifnochenS f. ftig. 446 nnb beffen 23er® banb f. ftig. 447. ftig. 448 [teilt ben 23erbanb für 23rud) beS Ellenbogen® fortfaljeS (decranon) bar. Stuf ftig. 449 feljeii wir einen SBrudj ber «Speiche in ber 9iäl)e beS (Colles' Fracture). tiefer am Unterarm hänfigfte, gewöhnlich bnrd) einen $all auf bie §anb berurfadjte $rnd) bebarf 311 feiner Äöaiibagirmig (ftig. 450) zweier Schienen, non beiten bie eine an ber 23orberfeite beS SlrmS vom Ellenbogen® bis zum 874 gerabe unb bann mit einer teilten Siegung längs bet Wim fingerfeite ber £mnb verläuft (f. $ig. 466). ©ie anbere Sdjiene ift in iprem ganjeu Serlauf gerabe unb wirb an ber beS SorberarmS vom (Sllenbogem bis juin angelegt, gig. 451 423rucf) beiber Sorberarinhiodjen unb g-ig. 452 Serbanb baju. ftig. 453 gingerbrud). $ig. 454 9?ippenbrnd). ©ie gebrodjenen SRippen werben burd) ftreifen in ber richtigen Sage gepalten, $ig. 455 unb 456 423ritd) ber unb Sanbagirung beffelben. ftig. 457 Srucp beS ©berfdjenteltnocpenS. ©er Trante liegt auf ©r. §amilton'S Srudjbett (f. S. 425) unb baS Sein wirb burcp $ug in gerabe Spaltung ge- zwungen. ©er 3ll9 wirb pergeftellt, inbem man an eine geeignete Scpiene ($ig. 458), Weldje burd) Sanbagen am Unterfcpentel feftge* palten Wirb, ein ©ewicpt befeftigt, baS über baS (Silbe beS SrncpbetteS frei perabpängt. Sei anberen Seiubrücpen lagert man baS Sein in einem (wopl auSgepolfterten) haften (f. $ig. 459) ober bem Sein anliegenben ©raptgitter ober auf Sätfe, bie mit Sanb ober Stropgepäcffel gefüllt finb unb in bie man eine bem gebrocpenen ©peile ent* fpredjeube Sertiefung gemacpt pat ($ig. 460 u.461). $ig.462 zeigt einen Serbanb für Srucp beS Sepien* beinS in ber 9?äpe beS (gig. 467). Sei complicirten Srücpen muff natürlicp vor Anlegung eines SrucpverbanbeS bie Staube anti* feptifcp bepanbelt unb eine Slutung gefüllt Werben (f. S. 856 u. ff.). © i e e r ft e n $ i l f e l e i ft u n g e n bei $ n o d) e n b r ü d) e n f e i t e n S b e S £ a i e n be« ftepen barin, bafj man ben Änocpen, opne bas ges brodjene ©lieb 31t enttleiben, Wieber möglicpft ein- ricptet unb einen vorläufigen Serbanb anlegt. £u einem folcljeii Diotpverbanb fann man als ©cpienen Sretter (f. 468), Stäbe, riefte, 9?egenfcpirme, Spajierftöde, Slermel, £wfenbeine ober Strümpfe, welcpe mit ©raS, §eu, u. f. w. auSgeftopft würben, u. a. m. gebrampem 3ur ber Sdjienen benutze man Statte, Flanell, §eu, £D?ooS, u. f. w. unb jur Sefeftiguug berfelben Siiibeu, Scpnupfc, £)als* nub £>anbtücper, Settlafen, n. f. f. ©amt wirb ber Seriinglücfte V 0 r f i cp t i g uad) §aufe ober in ein tranS- portirt unb ipm erft bort, nacpbem er auf baS Sett gelagert würbe unb bie Kleiber vorficptig aufgefcpnitten ober aufgetrennt worben finb, ber Fig. 466. Fig. 467. 875 Fig. 468. Fig. 469. Fig. 470. SRotfiöerbänbe. 876 Fig. 471. Fig. 472. iRotljVerbänbe. Fig. 473. Fig. 474. ®opvelter Seiftenbruct). Sftabetbrud). 877 befinitioe Verbaub angelegt. ©egen Vlutimg verfaßre man, Wie früher (©. 856 u. ff.) angegeben, unb bei eintretenber (Siitjünbuiig madje inan falte Umfdjläge. llnterlcibsbriirfjc ober (Ruptures) befteßen barin, baß ©ßcile ber (Singeweibe ang ber Vaudjßößle bnrd) erweiterte Deffnnngen ber 23and)Wanb ßeraugtreten. nad) ber ©teile beg ©imßbrudjg gibt eg kabel', Seiften* unb ©djentelbrücße (f. gig. 473 unb 474). $iuber werben bisweilen mit einem 9labelbrud) geboren ober berfelbe ftellt fid) wenige ©age nad) ber ©eburt ein. (Vgl. im „©pecial* arjt für grauen"). ©ie Unterleibgbrndje ßaben mamßerlei Vefdjwerben nnb ©efaßren im (befolge, bie burcß ©ragen eineg Vrmßbanbeg befeitigt bejw. vergütet werben muffen. 9ftan ad)te aber ja barauf, baß b a g V r u d) b a n b paßt! Sßeitereg barnber f. im „©pecial* urjt für Männer" refp. „©pecialarjt für grauen". ■Vei Vcrftamßiingcn ober © i g t o r f i o n e n werben bie ©elenfenben bnrd) äußere ©ewalt ge* quetfdjt unb weidjen für einen Slugenblitf ang einanber, timfogleid) Wieber in bie normale Vage jurütfjufeßren. ©abei werben bie ©elenfbänber ge* jerrt ober gar jerriffen. ©ie ©Ijmp tonte finb ©cßmerj unb 5lu* fdjwellung. ©ie gönn ift fonft uidjt weiter üeräubert unb bag betr. ©lieb fann, wenn and) unter ©djmerjen, fofortnad) beut Unfall Wieber gebraucht werben (ögl. Verrentungen). ©ie V e I) a nb 1 ttn g befielt barin, baß man bag ©elenf rußig ßält unb (Sigüberfdjläge ober falte (Sinwicfliiiigen mit naffen ©üdjern madjt, big ber ©djmerj gehoben ift. SBill berfelbe uidjt weidjen, fo rufe man bett Slrjt, beim Vernadjläffigiing ljat oft fdjwere ■©elenfentjünbiingen jur golge. Sftau iielpne begßalb and) nie bie §ilfe ber fogen. ©liebfeßer in Slnfprudj, bie bnrd) ungeeignete 9)?aßnal)men großeg Unßeil auridjten föniieii. ©em Slrjt fteßen alg weitere §ilfg* mittet DJlaffage (Äuetungeu unb Reibungen) beg ©elenfeg unb Anlegung unberoeglidjer Verbänbe (am beften eineg ©ipgüerbaubeg; f. ©. 873) ju Gebote. Verrentungen ober V n p a t i o u e n nennt man bag bnrd) äußere ®ewalt (galt, n. f. w.) üernrfadjte §eraugtreten eineg ©elenfenbeg ang feiner ©elenfoerbinbiing. •Vei einer foldjen baiternben Verfdjiebung ber eineg (Menfeg ift bie Veweglidjfeit in leßterem aufgeßoben nnb alle Verfudje, bag ®elenf jn bewegen, finb äußerft fdjmerjßaft. ©ie gönn beg ©elenfg ift, meift beutlidj fidjtbar, üeränbert, inbeni bnrd) bag auggetretene ®elenf* .enbe eine ber Sßeidjtßeile (f. j. V. gig. 489) unb jugleid) an 878 Fig. 475. Fig. 476. Fig. 477. Fig. 478. Fig. 479. Fig. 480. Herren tunken. 879 ber gewößnlidjen ©teile beg ©elentenbeg burdj bag 2Iugtreten aug bem ©elent-eine 23ertiefung 31t ©taube fommt Sie 23e l) a n b 111 n g feiteng beg tfaien befdjränfe (id) barauf, falte Umfdjläge 31t madjen nnb bag betr. ©lieb rußig 3U lagern, re(p. ben 23erunglü(ften üorfidjtig 311m Slqt 311 trangportiren ((. (piiter). Sag Einricßten beg ©eleufeg follte nur üom Slicte oorgenommen werben. $ n sJi 01 ß f ä 11 e n fann ber ßaie bie Ein* ridjtuug oerfudjeu, inbem er bag oerrenfte ©lieb 3iter(t nad) ber 9iid)tung, nad) welcßer eg ßinfteßt, fräftig 3ießt unb bann in bie normale Sage (djiebt. Saß ber 23er(ud) gelungen, ertennt man baran, baß bie 53eweglid)feit beg ©elenfeg üollftänbig wieberßergeftellt ift. B'ig. 475 (teilt eine Unterfieferüerreutung bar. $ig. 476 3eigt bie Einricßtung unb $ig. 477 ben barnad) ansulegenbeii 23erbanb. $ig. 478 23erreufung beg ©d)Iii((elbeing, gig. 479 unb 480 3Wei 23errentnngen beg Fig. 481. Fig. 482. ©d)ultergelenfg. Um leßtereg eiii3urid)ten, bejw. bie babei nötßige ®e* walt aug3iiiiben, mad)t man eine ©djlinge, wie gig. 481 jeigt, legt bie* felbe nm ben 2lrm ($ig. 482) unb jieljt bann, wie angegeben. Eine anbere 2lrt bei* Einridftung beg ©djultergeleiifg ift, baß man bie ©cßulter über bag eigene Snie legt nnb ben Slrm nacß außen nnb oben briicf t ((. ftig. 484). 3m (cßlimmften galt tann man nerfucßen, fid) ben 2lrm (elbft wie auf 485 angegeben, $ig. 486 23er* rentung beg Ellenbogengelenfeg nnb $ig. 487 2lnfid)t ber bring bei biefer 23errenfuug. Sie befte 2lrt ber Einridjtung geigt $ig. 488. ß-ig. 489 §anbgelenf* nnb $ig. 490 gingerüerrentnug uebft Einridjtuug. 2luf $ig. 491 nnb 492 (eßen wir bie Äörperftellnng bejw. *lage bei 23er* renfungbeg ((. Unterfdjieb bei Änoeßenbrüdjeii, gig. 464 nnb 465). 2Bie man bag §üftgelent autoniatifcß, b. ß. burcß Slufßeben (bag eigene ©ewicßt) beg 2Serunglncften einricßten tann, (teilt $ig. 493 bar. gig. 494 big 496 gußgelenfoerreiitniigen nnb $ig. 497 Einridjten berfelben. Ser Sran§bötf SJcrnngliirfter. Sie meiften Ungliitfgfälle ereignen fid) in größerer ober geringerer Entfernung bom £>au(e. Eg ift barum bon 2ßid)tigfeit, bie 2lrt unb 2Beife 311 fenuen, wie man einen 23ermiglit(fteu fortfdjaffen tann, oljne il)in 880 Fig. 483. Fig. 484. Fig. 485. Fig. 486. Fig. 487. ® e r r e n t h n fl e n. 881 Fig. 488. Fig. 489. Fig. 490. Fig. 492. Fig. 491. SBerrenfungert. 882 Fig. 493. Fig. 494. Fig. 495. Fig. 496. Fig. 497. ©crrenfungen. 883 (Schmerlen 31t bereiten, eine 23lutiing mieber 311m SluSbrucl) 31t bringen ober baS üermunbete ©lieb noch weiter 311 behäbigen. 23ei lege man beit Sinn in eine Slrmfchliuge (3)H- tella; f. ©. 859). $ft ber 23erunglücfte bei Verlegungen au bem Ä'opf, bem Sinn ober ber 23ruft nicht im ©taube, fiel) fortsubemegeu, fo man ihn in einen improvifirten STragftnljl (f. @. 430, $ig. 188) ober man mache fiel) eine Tragbahre (fyig. 498). ©aS •Darauflegen be$ Patienten Fig. 498. auf biefelbe gefd)iel)t am beften folgenbermaßen: ©ie 23gl)re wirb mit bem auf ben 23obeu au«geftrecfteu Körper in eine £iuie gefegt, fo baß ba« Onißenbe ber 23al)re hinter bem $opf be« 23eriiugliicfteii ftel)t. ©atm ftelleu fiep jwei jeber auf eine Seite, reichen fiel) unter bem Qiüdeii uub unter beit ©berfdjenfelu be« Patienten bie il)n auf uub tragen il)ii riiefwärt« auf bie 23aljre, wäljreiib eine britte ungleich ba« verlebte ©lieb £)a§ Slufheben uub Fig. 499. Fig. 500. muß gleichmäßig (auf (Sommanbo) uub feßr beßiitfaui gefcljeljen, bamit 3. 23. nicht aus einem einfachen ein complicirter wirb. 23eim Slufheben uub gortfcljaffen eines Traufen mit gebrochenem 9(rm ober ftnß ift es beSljalb geraden, beit ?(rm refp. baS 23ein auf ein 23rett Don ber 884 Sänge beS gaumen (Gliebes ju legen unb lotter 311 befeftigen refp. irgenb einen S'iottjverbanb anjnlegen, ber baS löein in ruljiger Sage feftljält. 3m fdjlimmften 9lotljfalle fann man beibe teilte jufammeiibinben, woburdj baS gefunbe ©Geb 311 einer Schiene für baS traute wirb. 3ft feine 23aljre nnb nur e i n ©räger jur Stelle, fo nimmt man ben Patienten auf ben Oiiicfen (bei IBrudj beS deines mit Ijerabljängenbeu deinen) ober Ijebt iljn auf, itibem man iljn von beffen redjter Seite aus mit bem Guten SIrm um ben 9?üden unter bie Sinne nnb mit bem redjten Sinne fo weit wiemöglid) unter bie gebogenen Äniee faßt. ©er Traufe felbft legt feinen redjten Sinn um ben £>als beS ©rägerS. ©iefe ©rauSportweife ift natürlich bei nidjt angebracht. Sinb jwei ©räger jur Stelle, fo faffen fidj biefelben an, wie auf $ig. 499 gezeigt, ober fie verfdjränfen bie §änbe 311 einer Sänfte, inbem feber mit feiner Guten $anb fein redjteS £)anbge* lent nnb bann mit ber redjten §aub baS Gute §anbgelenf beS jweiten ©rägerS feft aufaßt. ©er Traufe fdjlingt, wäljrenb er auf biefer „Sänfte" fipt, jeben ber ©räger mit einem Slrm um ben $al8 (jyig. 500). ©ber man madje aus einen ®nrt, aus einem Stritt, 11. f. w. einen „Tragtranj", ben feber ber beiben ©räger mit einer §anb anfaßt, unb fepe ben Patienten barauf. ©ie ©räger, weldje von gleidjer ®röße fein follteii, miiffen langfam geßen (mit etwas gebogenen fo baß bie Sdjritte nidjt fpriugenb finb), biirfen nidjt Sdjritt ljalten, b. Ij. miiffen mit ungleichen $üßen am treten, unb miiffen jebe ljaftige Bewegung vermeiben. wirb ber $opf beS trauten, bergab baS $nßeube voraufgetragen. 3n lepterer -S3e= madje man aber eine SluSnaljme bei löeinbriidjen, bei weldjen baS Äopfenbe bergab voraufgetragen wirb, bamit bie Saft beS Körpers nidjt auf baS verlepte löein briicft. 885 «Ammapotlk'lie. ffür Familien, mcldie iß Weiter Entfernung bon einer Apotljefe Wohnen, ift eS ge= ratben, einen gewiffen Aneneifdrajj ün Jgjaufe ju halten, von bem feboeb nur in Wirklichen SöebürfnijjfäHen ®ebraud) gemacht Werten barf. ©aS forttoäbrenbe Sjperimcntiren mit Webicinen, W03U eine nur ju häufig 23eranlaffung giebt, ift unge= mein fdiäblid). ©iefer Arzeneioorratb feilte auS folgenben Witteln hefteten: Abführmittel: gürÄinberSthnbarbcrfprupunb für(Erwadjfene fRocheUer ©0(3 unb SRicinuSöl. 23gl. SRec. fRo. 8 ®. 494 unb >Rec. 9lo. 41 ©. 728. 23 clcbenbe Wittel gum innerlichen ©ebraudr: SBranbt), WbiSfep, §offmann'S Stropfen (10-20 Stropfen mehrmals täglich auf guder), (biefelben ©ofen), ©almiafgeift (3-5 Stropfen in Piel fcbleimigem ©etränf). -©ie bret letztge- nannten Wittel finb auch alS „IRiecbmittel" belnifS (beiÖbnmacbten, u. f. m.) anjumenben. - 23elcbenbe Sßafcbmittel (jum Einreiben ber StirnunbSchläfen): fölni= fdjcS Sßaffer, Effig ober fjranjbranntwein. 23läl)ungStreibenbe Wittel (bei 23läbungen, Äolif= unb ober ÄamiUentbee; man mache einen Aufguß inbemman einige Staffen fochenbcS SBaffer auf 1 Eßlöffel beS Stl)eeS giefjt unb 5 Winuten jiehcnläfjt unb bann burdifeipt. ©enfmehl ober iBrednourjel (vgl. 9?ec. 9?o. 31 ©. 686). ®urgelw affer: Alaun ober 23orap (am ungefährlichen), in Auflöfungen bon 1 Stheelöffel auf 10 2ßaffer 31t gebrauchen. Ober ©hlorfali (23orfid)t! 23gl. 9iec. 9?o. 45 ©. 471). $rampf= unb fcfimerjftillenbe Wittel: Laudanum (einfache ©pium= tinctur) für Erioathfene in ©ofen bon 10-15 Stropfen mehrmals täglich unb Parego- ric (gccampberte ©piumtinctur) fürftinber, unb jnrar erhält höcb ftenS b r ei m al p cr Stag alle 4 ©tunben ein ßinb unter 1 Qaljr 3 Stropfen, ein Äinb biS ju 5 fahren 6 Stropfen unb ein ältercS Äinb 10 Stropfen. Wagenmittel: Eljinarinbe, bgl. 9tec. 9?o. 36 ©. 718. ©cbroeifjtreibenbe Wittel: ober 8inbenblütl)en; JgnBcrcitunfl, Wie oben bet bläljungStreibenben Witteln angegeben. ©topfenbe Wittel (gegen ©iarrböe): Jür Erwadifene SßiSmutb (mit ober ohne Worpl)in; f. 9lec. fRo. 40 ©. 727), ßaubanum ober Sßaregoric (f. oben frampf- ftillenbe Wittel u. ©. 726); für Äinber Äreibemijtur ober ®ummi arabicum unb ,gucferft>affer (ogl. ©. 726). 23erbauungSmittel: 23erbünnte ©algfäure unb Sßepffn; f. fRec. £Ro. 39 ©. 753. ferner foHten oorbanben fein: SBleimaffer (für füblcnbcUmfdjläge), 23rom = falt (jum 23erubigen ber Sternen) ©ofen 10-15 ®ran, 23rufttbee (beftehenb auS 8 Stljeilen Altbecwurjel, 3 Stb. ßafrifeenmurjel, 4 Stb. 1 Stb. 23eild)en= Wurzel, 2 Stb. SBollblumenfraut unb 2 Stb. ©ternaniS) im Aufguß (f. bläbungStrei= benbe Wittel) bei duften, (Sarbolfäure (;um SBunbPerbanb l, am heften in 5procen = tiger ßöfung aufjubemabren unb bei ®ebrauch entfpredicnb ju verbünnen ( vgl. SRec. 9to. 61 ©. 862), boppeltfoblenfaureS fRatron (innerlich gegen ©obbrennen, u. a. m. unb äufjerlid) jum Auflegen auf 23ranbmunben unb 3;nfectenftidie), ® Ipccrin unb ©eifcnliniment ju (Einreibungen, unb jmar erftereS bei fpröber§aut, le^tercSals $autreij bei Sntjünbungen, um, mie burd) manne SBrciumfcfaläge (©. 453), bie Site- rung berbeigufübren, Sobtinctur ju 23epinfelungen ber $aut (als ableitenber SReij bei 23ruftfted)en, tiefer fifeenben Sntjünbungen, ©elenfrljeumatiSmuS, ©rüfenentjün; bringen), eine „milbe"©albe (SRec. 9?o. 47 ©. 765 , Spulver non fdnoarjem ©enf (muß frifd) fein, b. b. öfter erneuert merben), baS mit lauwarmem SBaffer ju einem bitten 23rei (©enfpflafter) angerübrt unb bann 10-30 Winuten alS fd)nell mir= fcnbeS (3. 23. bei ©bnmaditen gegen baS Ausbleiben ber Atmung unb bei fReroen- ober rbeumatifdjen ©d)mer'3en) auf bie §aut aufgelegt wirb, unb ein ©treupuloer (f. fRec. 9?o. 46 ©. 765). Anwerbern: mebicinifche ®läfer (©.451), Älpftierfprifee (©. 457), flinifdrer Stbermometer (©.446) unb an 23erbanbmaterial: Sßflafter, Slollbinbe (©. 461) unb 23er= banbmatte (©. 862). 886 SO? an liebe alle SOJebicinen in ®lä= fern mit gläsernen ©tüpfeln auf, nut wi3nat)me her Stljeeartcn, iveldje in 33lerf)bürf)fen ju Verfahren finb. £0?an baran, bafi bie ©ofen, ivenn nid)t aubbrüifliif) „für ßinber" anae= fleben, für (Srivadifene Berechnet, für bie Sbefianblung von 5tinbern alfo ent= fprecüenb (f. ©. 450) ju ermäßigen finb. 93ei bem Singeben von SD?ebicinen ( vgl. ®. 450u. ff.) fann man, in @rman= gelang von ©eividitcn, al8 Sftafjftali anneftmen, bafj ein Teelöffel = 1 ©radime, ein ©effertlöffel = 2 ©racl)= men unb ein Sfilöffel - J Unge ift. 9Jiaf?e itub Okiuiiijlc. SJlctrifcbcö (Bijftem: ® e iv i cl) t e: = Mtr. @tnt. ®civiif}tc: = ®er. @t. Sin $fnnt> (Troy)*) tt> = 12 Unsen = 5,760 ©ran = 3.73Hg. Sin £>ectogramm*) Hg. = lo ©ecagramni (Dg.) = 100 ®ramm = 3 Uns. 5. Ser. Sine linse 3 = 8 ©radjnten = 480 ®ran = 3.11Dg. Sm ©ramm g. = 10 ©ecigramm == 1000 Milligramm = 15gr. Sine ®radjme 3 = 3 Scrupel = 60 ®ran = 3 89 g. Sin ©ectgramm dg. = 10 Sentigramm = loo Milligramm = 134 gr. ®in@crupel 3 ..... . . = 20 ®ran = 1.29 g. Sin Sentigramnt eg , ... = 10 Milligramm =l:6gr. Sin®ran gr = 1 ®ran =6.48 eg. Sin Milligramm mg = 1 Milligramm =l:65gr. SDi a§ e: = Mtr. gijft. SWafje: = Ser. <St. Sßlj. Sine®allone C = 8 = 61,440 MinimS =3.78 1. Sin ipectoliter Hl. = 10 ©eealiter (Dl.) = 100 ßiter = 26.42 ®all. SinSint O = 16 glnibunsen = 7,680 MinimS = 4.73 dl- Sinßiter**) 1. = 10 ©eciliter = 1000 Milliliter = 2.11 St§. ' ineglnibnnje = 8 glitibbradjmen = 480 Minimä = 2.96 cl- Sin ©eciliter dl. =»10 Sentiliter = loo Milliliter = 3.38 gluibn. Sinegluibbr.adjme f 3 = . . .....= 60 MinirnS = 3.70 C.c. Sin Scntililer cl = 1 Milliliter = 2 70 gluibbr. Sin Minim m = = 1 Minim = 0.06 C.c. Sin Milliliter ml = 1 Milliliter = 16.23 Min. *) Sin ßectogramm = 1:10 Kilogramm (Kg.) **) Sin Unart = 0.946 ßiter. *) Sin Avoirdupois ljat 16 linsen =7000 ®ran. 144 Sfnnb Avoirdupois = 175 'Ufnnö Troy-®en>i(t)t. C=@elfiu§, F= gatjrenljeit, R=3tdanmur. a) ©efrierpunft, b) gimmerhiärme, c) Sabeinärme, d) normaleSlntaärme, e) 887 Itcflito. 51. Aalbrühe 438 -molch 543 AbbominaltpphuS 484 Abführmittel 728 -, falinifcfje 494 Abhärtung 358 678 -beS ÄinbeS 380 Abmagerung 327 698 Abort 334 AbortivtpphuS 489 Abreibungen 419 Abfcefj 764 766 Abfdjnitt ber Steife 386 -ber Unreife 367 -386 -beS 2BeU fenS 386 Abschürfungen 764 Abforption 52 AbftammungSlehre 58 Abfterben, branbigeS 144 401 859 866 Abulie 816 Abweidien 702 726 Abwehrung 698 AbjugSröhre 334 AdiilleSfehne 117 285 Achfel 284 -arterie 166 -ge= lenf 100 -höhle 279 284 -pulSaber 279 284 Achfenftrom 146 4H Acne 780 -rosacea 782 Aconite 572 AbamSapfel 267 281 Äranfheit 156 674 Abenoibe 632 Adenoid Tumors 632 Abenome 632 Aber 151 -beine 670 -,gol= bene 733 -haut 248 256 -hautentjünbung 824 -fno= ten 454 670 768 -Iah 431 454 -preffe 857 AbironbacES 507 703 AboniSröSdjen 574 Aefefali 592 -falt 593 -mit- tel 524 Affenmenfchen 62 Affinität 11 After 70 194 -bilbung 628 -leiben 735 -fdjmerj 709 Aggregatjuftänbe 12 Agonie 288 Agraphie 832 Ague 514 -Cake 672 Atelei 574 AlbinoS 252 Albumin 26 146 Albuminuria 747 Alcoljol 25 31 318 538 587 Aleppobeule 778 Aleppo Button 778 Alejie 832 Alijartntinte 591 Alfalien 25 589 Alfaloibe 28 549 Alleghanpgebirge 507 573 AUotropifche guftänbe 16 Alpbrücfen 794 Alpenveilchen 583 Alpranten 561 Alter 286 -beS Neugeborenen 286 368 AlterSbranb 667 -hirn- fdjwunb 800 -fdfwädje 287 -Wafferfopf 800 Aluminium 14 Alveole 91 154 171 AmboS 235 238 827 Amcifenfriedfen 806 American Hellebore 554 -Ivy 584 Amerifaner 65 Amme 303 369 Ammonia 603 Ammoniat 16 21 205 547 603 864 538 Amoebe 62 Amphibien, giftige 543 Ampullen 238 Amputation 535 Ampgbaleen 582 Amplnitrit 605 Amyloid Kidney 756 Amplum 23 Anaemia 638 -of theBrain 796 Anämie 450 638 Anaesthesia 806 Anaheim 703 Anatomie 67 69 276 Andjploftomum 622 Anbromeba 584 AneurpSma 667 Angina Pectoris 664 Angiome 631 Anilin 599 602 607 AniS 569 Antplofe 839 Anorgane 8 Anpaffung 59 -beS AugeS 261 Anfchoppung, blutige,imllns terleib 733 -in beh ßungen 694 696 -in ber Seher 738 AnfchweHung 628 -,waffer= fuchtige 449 754 Anfprung, räubiger 771 779 Aufteilung 398 464 Antibota 523 Antimon 524 589 594 Antifeptica 33 341 458 535 862 Aorta 157 161 278 Aortenbogen 135 159 166 668 Aphaftc 274 832 Aphthen 711 712 Apoplexie 287 Apopleftifche Anfälle, falfdje 660 Apparat, pneumatifcher 693 Apparate, orthopäbifdje 839 Appetit, unnatürlicher 718 Appetitlofigfeit 509 717 722 Apprejie 514 Aracljnoibea 128 Ardfigonie 56 Argprie 598 Arm 100 116 284 -arterie 159 166 284 -heben 352 -fnod)en99 -mold)543 -muS= fein 84 95 113-116 138 -nerven 132 -fdflinge 883 -ftoffen 352 -Venen 159 Arongetvädjfe 553 -ftab 549 553-555 Arrow-root 23 434 Arfenif 520 523 598 606 -effer 523 600 648 Arterien 151 164-166 -ent= jünbung 667 -gelvebe 152 Arteriitis 667 Arthritis 843 Articular Rheumatism 840 Arjt 294 408 410 Ascites 737 Afphpjie 287 848 Afthma 96 449 676 690 693 -ber ßinber 683 Athembervegungen 129 175 -centruin 175 er = höhte 702-gröjjel77 -främpfe 526 -noth'175 676 689 702 -rifje 268 -thätigfeit, 2äh- mung ber 848 -jüge, Anzahl ber 177 448 . Atherome 633 Athmung 119 147 168 173 354 448 -,fünftlid)e 850 AthmungSapparat 72 141 168-178 226 354 -geräufd), bronchiales 178 -procejj 49 173 AtlaS 99 280 Atmofphäre 21 Atmofppärifdje Suft 21 52 Atome 11 Atomgewicht 12 Atrophie beS <§erjenS 660 888 SItropin 261 562 585 Stttractionsfraft 10 9lufgaben beS Manfenlvär« terS, elnrurgtfdje 450 9(uftiegen 427 766 -ftofjen 719 Slugapfel 248-255 9luge 247 363 -,blauet 821 -.grembtörper im 854 -,Milt im 822 -,tünftlid)e£ 825 9lugcnbinbel)aut 248 250 -binbeljautentjünbung 822 -brauen 85 256 -butter 256 -cntjünbung 363 -baut 248 -250 -Ijöljle 85 92 227 256 -fammer 248 252 -fern 248 -franfljeit, egpptifdje 823 -trautbeiten 364 819-825 -liber 256 820 821 -libfnor« pclcntjjünbung 820 -muffeln 111 256 -muöfelnervcn 127 -pflege 363 -fcbirm 363 -troft 558 -ivaffer 249 -ivimpern 211 256 -ivinfel 250 -jabn90 9lura, epileptifdje 808 füuSatbmung 173 693 9lu0cultation 658 SluSfafc 77 9(uöfcbeibungen 46 423 9lu8fd)eibung§organe 46 72 144 SluSfebläge 764 21 ofd)laggfteber477 -tvpbuö 491 9lu§feb>vitjung 401 -,croupöfe 684 751 ' 9luftern 307 324 439 346 9lu§lvurf 676 702 698 üljot 16 33acillcn 399 464 497 531 694 698 33ade, biete 716 93aetenböble 180 -muffeln 111 -jäbne 92 ibacterien 21 32 399 464 534 93aben 358 -be£ 374 93abeorte 315 ©aber 315 358 419 420 -ruffifdje 841 -türfifdje 420 841 Baldness 789 SBalgbrüfeu 181 -gefdnvülfte 632 fallen 846 33alfamgurte 578 SBanbagcn 460-463 862 ff. Sbanbivurm 308 614-620 Sbantingcur 650 Barbadoes Leg 778 782 424 SBartfinne 781 -,parafitifd)e 785 ibafeboiv'fdje Mantljcit 813 23 a Jen 15 28 33ataviafieber 518 23aud) 282 -aorta 166 278 -arterie 166 -atbmen 174 -brud) 115 -etngetveibepulg« aber 157 -feil 153 185 195 282 -feUentjünbung 488 736 -gefledrt 135 185 -Ijöljle 70 279 282 -muefeln 114 117 -puWaber 279 -fd)ivanger« fdjaft 736 -fpetcbcl 188 194 -fpctdelbrüfe 71 180 184 194 278 -ivanb279 -ivaffer« fud)t 195 737 739 -ivirbel 94 133 280 23auerivehel 715 Söaubini'fdje Mappe 188 283 SSedferjellen 189 SÖecten 96 279 283 -gürtet 99 -Ijöljle 70 279 -muöteln 115 117 -pulsaber 166 279 -Verengerung 97 837 Bed Bug 624 23eerenfd)ivainm 779 23el)orcl}en 658 29einerv 127 175 §8 einf rafj 834 -baut 81 -baut« entjünbung 834 -Ijolj 580 -fnocben 99 101 -labe 835 -muffeln 117 33eine284 -.offene 862-,ivaf« ferfüdjtige 9(nfdpvellung ber 702 93etlopfen 658 849-854 23eleud)tung 332 364 430 «bellabonna 522 551 23eUini'fd)e Stohren 201 204 ßäljmung 812 Sbenjin 602 93erberifeeiigetväd)fe 585 33erglorbeer 584 420 Sbertini'febe Säulen 202 Söeruf387 389 393 588 33etruntenl)eit 587 Sßett 362 -be£ Manien 424 -näffen 749 -piffen 749 -fdjüf« fei 427 -ivanje 624 33eulen 743 855 -peft 495 SBelvegung 48 53 136 Sßeivegung§apparat69 71 80 -138 351 -nerven 122 -or« gane, Mantbeitcn ber 833- 847 35eivufjtlofigfcit 848 SJelvufftfein 215 219 Bicho 624 93iencnfticbe 546 SBier 300 318 Biliary Colic 742 Söilifuöcin 30 193 Bilious Remittent Fever 518 93ilirubin 30193 -verbin 193 95ilfenfraut 563 565 93inbege)vebe 37107 -,narbi= geg 701 SSinbegetvebSgefebivülfte 629 93inben461 873 SSittermanbelbaum 582 -manbelöl 582 583 602 ibitterfalj 494 591 593 -füfj 561 Bittersweet 561 Söitterivaffer 415 Black Fly 546 -Henbane 565 -Jaundice 740 -Spider 543 33läbbalä 673 93läbfud)t 720 93läbungen 720 93lä£dien 764 -flechte 764 769 SBlafe 71 93Iafenau§fd)lag 775 -ca= tarrl) 675 761 -frampf 760 -pflafter453 -rofe5O4 -fteine 205 762 -tvurm 615 SBlattcrn 472 93laufäure 582 33taufud)t 663 736 764 Bleeders 652 33Iei 391 595 -folif 596 -iveift 596 -jucter 26 504 547 33leid)fud)t 386 398 638- 643 -,egpptifcbe 622 93lennorr$oe 688 93linbbaum 576 Sölinbbarm 184 149 283 256 -entjünbung 732 SBlinbbeit 506 537 Sßlinbfatf 146 184 282 Sölifcfdjlag 868 93lobfinn 815 Bloody Tumors 631 Blue Disease 663 -Pilis 597 33lumenmad)erinnen 394 «blut 144-148 -aber 151 669 -aber« gefdhvülfte 669 -abertnoten 77 670 734 -anbrang nad) bem Ä'opf 796 -armutl) 327 449 638-643 -circulation 157 -brüfen46 154 672 -egel 93allen 846 889 454 506 511 -entmifdjunggs frantbeiten 398 -erbrechen 496 718 723 -flctfe 651 -f(e= cfenfrantbeit 651 -gafe 169 -gefäpe 72 119 145 151 164 631 667 -gefdjtt>ür495 -bar= non 516 518 747 763 -buften 692 702 -forpcrcben 145 147 154 401 493 -treiSlauf 146 156 299 329 -Huben 148 -leere 638 -leitcr 126 128 277 -liquor 145 -menge 145 -pfropfen 669 -plasma .145 -reinigung 357 -fcbierling 568 -febivär 767 -fdjivamm 635 -fpuden 692 704 -ftau- ung 693 -ftrom 159 -fud)t 652 -Überfüllung 400 450 691 738 795 -Vergiftung 535 861 -Verjüngung 357 -ivaffer 148 -jufuljr 289 33 luter 405 652 861 -famb lien 652 -babituä 653 -franf= I)eit 405 652 855-861 Body Louse 625 579 Bony Tumors 631 53orfcnf(ecl)te 771 58oftocE'fcI)cr (Satarrl) 507 33radrvaffer 513 iBräune, falfdje 680 -,1jäu= tige 684 iBranb 144 401 859 -blafen 863 -falbe 866 -fdjorf 532 863 -fdjivär 767 -verbanb 864 -ivunben 863 93raunivur3getväd)fe 558 Break Bone Fever 494 23red)burcbfaH 730 -mittel 524 525 550 551 594 600 686 -nufi 601 -nufjbäuine 565 -rühr 730 -meinftein 594 -ivunel 574 586 iBredjungSfebter 825 3Breiumfd)läge 420 453 511 586 Bright's Disease 751 23rigl)t'fdje Äranfl)eit 205 751 3Brille 364 825 SBrillenfdilange 543 3Brob 31 309 435 438 -frud)t= gcmäd)fe 556 23rond)ialaftl)ina 689 -ca= tarrlj 687-689 696 -frampf 689 -fdjleiml)aut, 33lenor= rljöe ber 689 SBroncbief tafie 697 SBrondiitiS 449 516 687 'Brondni» 169 Bronced Skin 674 674 SörucE) 188 877 -banb 877 -bett 425 874 -fäften 874 -fdjaben 710 SBrunner'fdje Prüfen 188 iBrunnentvaffer 19 312 343 SSruft 281 348 354 -atljmen 736 -bei« 94 171 278 -bräun? 664 -feil 153 171 -feUcntjünbung 706-708 -l)öl)le 70 171 279 -faften 95 171 279 354 -Hemme 676 -fnoten 134 -frampf 676 -frebg 635 -mugfeln 95 113 171 -nerven 133 -fcbmerjen 509 676 702 -umfang 95 -Warten 95 -mafferfudj't 708 -tvirbel 94 98 133 171 278 280 838 iBrutfapfeln 620 Bryony 577 iBubonenpeft 495 SBrnfel 838 ®üffelfliege 546 SBurgunbernafe 783 Bursitis 846 SButter 304 324 -blume 570 -mild) 304 324 723 -fäure 23 26 31 Butter Cup 570 ($♦ (Kacao 320 (Saffeln 28 (Satabarbobne 579 (Kalcium 13 17 Calculi Vesicae 762 Calico Bush 584 (Kalifornien 703 (KaUuS 872 (Salome! 597 (Sanaba 576 (Sancer 634 (Kancroib 635 Cancrum Oris 712 (Santbariben 548 (Kapillaren 52 72 140 151 167 (Kapillarität 52 149 Carbolic Acid 592 (Karbolfäure 26 33 524 592 862 (5arbunfel495 743 767 (Karcinom 634 724 (Karbia 184 186 Cardialgia 721 Cardiatrophia 661 Carditis 662 (Karbol 589 Caries 834 (Karnin 28 Carolina Pink 566 (KarotiS 281 -brüfe 156 Cartilagenous Tumors 630 (Kafein 27 196 302 Cast 750 752 Castor Oil 574 Catalepsy 811 (Satan!) 675 680 711 729 761 -fieber, epibemifdieö 508 Caustic Potassa 592 (Kavernen 698-701 Celandine 582 (Sellulofe 22 Centiped 545 (Kerealien 309 432 Cerebral Concussion 801 -Hyperaemia 795 (Serebrin 45 (Kerebritig 796 Cevadilla 556 518 Chalazion 820 Charbon 531 (Stjarpie 458 Glucken Pox 476 Chigoe 624 Chilis and Fever' 514 (Kbinin 28 519 (Sbiragra 842 (Kl)lor 13 17 20 603 17 26 604 Chlorine 603 (Sljlorfalf 17 341 604 (Kl)loroform 17 26 122 493 494 603 604 (Sbloropbvll 29 297 Clilorosis 638 (Sboanen 196 227 (Sl)olera, afiatifdje ober epi= bemifdje 497-503 -,einl)ei= mifdie 730 Cholera Infantum, -Mor- bus, -Nostras 730 (Sbolerine 497 (Kbolefterin 25 45 193 (Kbonbrin 28 39 Chronic Enlargement of the Spleen 672 -Splenon- cus 672 -Ulcer of the Sto- mach 723 (KbpluS 140 150 198 6l)l)muä 197 (Kidjorienivurjel 565 (Kiliarmusfel 248 250 -nerv 251 Cimex lectularius 624 Cirrhosis of the Liver 739 Cirrhotic Kidney 757 (Sitrone 26 494 501 (Sloafengaä 391 603 853 (Klofet 334 (SoctroadjeS 624 (Kobern 580 890 Cod-liver Oil 646 Colchicum 554 Solbcream 765 Colic 728 SoUagen 27 Gollobium 23 532 Soloquinten 578 Soloftrum 368 Columbine 574 Comedones 780 Sompofiten 557 Sompreffe 454 856 Songeftion 400 691 738 796 Gongeftionßfieber 516 Congestive Fever 516 Songofcblangen 543 Soniferen 552 Soniin 28 Sonjunctiva 256 257 Conjunctivitis 820 822 Constipation 727 Sonftitution 73 409 Consumption 698 Sontagium 398 464 Sontractfein 843 Sontufionen 855 Sonvulftoncn 806 Copper 593 CopperheacDSdjlangen 541 Soriarien 579 Som 309 436 Corns 788 Sorpulenj 648 Sorfet 350 Sorti'3 SSögen 243 -Sliems brau 242 -Organ 238 242 Coryza 829 Cotton Mouth 541 Cough 675 Cowbane 568 Crab Louse 626 Granivtabeg 836 Sreofot 33 592 Crepitus 872 SretiniSmuS 673 818 Cross Eyes 824 SrotomOel 576 -=2ßaffer 314 Group 646 684-687 -anfall 685 -,falfdjcr 684 -ljuften 685 -teffel 686 Crowfoot 570 Surare 522 566 Survatur 184 Guvier'fdje 9?evolutionetye= rioben 58 Spantalium 583 Svanofe 500 736 Svften 633 797 -tropf 633 Svftin 204 Sijtifin 579 Sptoblaft 34 Dandruff 788 ©anbpfieber 494 ®armatl)mungl69198-bein 84 96 -blutung 516 739 -ca= nal 157 191 -catarrl) 675 729 -brüfen 47 -einftulpung 733 -gafe 198 -Ipmplje 150 -faft 189 -fcbteiniEjaut, Guts jünbung ber 729 -fdjmerj 709 -tricfjine 608 -tl)pbu3 488 -verfcljliefjurg 710 732 -verfdjlingung 188 -jotten 150 170 189 198 Damel 552 59 ®affelpfliege 623 ©aumen 101 ®avoei 703 Deaf Mutism 828 ® ecubituä 427 518 ®eformationen 847 ©egencration ber 2Ku§teln 844 778 ©eliriren 795 Delirium tremens 587 695 249 Dengue Fever 494 ©enfen 215 219 361 ©entine 92 ©efcenbenjthcorie 58 ff. ©eßinfection 341 423 464 603 767 ©etroit 565 ©ertrin 23 182 196 Diabetes 743 745 ©iagnofe 407 ©lagnoftif, pl)i)fifalif(f)e 675 ©iarrljöe 702 726 ©iaftole 163 ©iatljefe 678 ©icfbann 180 184 187 194 283 356 -catarrl) 729 -frampf 510 -ftricturöll -Verbauung 179 ©icbftaljlmanie 815 ©ienftmäbcpen 394 ©ifformitäten 847 ©iffufion 52 Digitalis 558 Dilatation of the Heart 662 -of the Stomach 724 ©ioßmofe 51 ©ipljtljerie, ©ipljtljeriti§ 480-483 ©iploe 88 ©wbiaflaften 43 ©ißpofition 402 403 678 -, catarrl)alifd)e 678 -, gid)= tifcfye 762 842 -, fcfjroinbfüd)= tige 699 ©iötorftonen 877 ©olbenträger 568 98 ©oucße 359 ©radjenwunel 553 ©rängen beim ®tul)l 693 Dragon Boot 553 ©reiectüföpfe 538 541 ©roffelaber 149 278 -Denen 159 ©rufen 46 -gefdjttriilfte 632 -ge)vebe 37 46 -trantljeit 643 -fcl)ärfe 643 ©uboifia 585 ©ünnbarm 180 187 283 356 -catarrl) 729 -Verbauung 179 Dumb Ague 517 ©uobenum 187 ©urdjfall 702 726 ©urcljliegen 427 ©urft 224 ©pnamit 25 607 ©pgcrafien 398 ©p&nterie 510 517 ©pgpepfie 449 725 Dysuria 749 Sbftein'fdie Sntfettungöcur 650 Sdpnococcuji 620 Ectropion 820 Glje 404 @i 308 324 437 511 Sibe 552 Sidjelfaffee 647 Gicljenrinbenabfodjung 524 Gifurdjung 62 Sinatbmung 173 Sinbatfamiren 289 Ginbecre 553 555 Singeben von Sßebicinen 450 Gingefdjlafcnfein 806 Singeiveibearterie 158 -nerv 134 -Würmer 313 614-622 Sinridjten 879 (Siebentel 420 496 -pillen 496 737 -Waffer 19 Sifen 18 595 -ljut 572 -ortjb 15 Giterbläödjen 764 -fieber 861 . -blökte 766 -förvercßen 401 ' -ftocf 767 Ghveifi 302 524 -Ijarnen 747 -fßrper 22 26 -pr»be 748 -ftoffe 26 49 299 -fubftanjen 21 -verbtnbungen 56 Grelle 35 48 Gfcl)l)inomata 651 Gflanrpfie 810 Sttljpma 774 891 Efgcm 770-772 Electrolpfi# 789 Elemente 13-18 -, mifros ffopifclje 43 ElepBantenBein 778 ElepBanttafiS 778 Ellenbein 100 -BogenBein 100 -Bogengelenf 100 -Bogennerv 125 -BogenpuWaber 284 -muSfel 113 EmBolie 669 EmBonpoint 648 Empfinben 71 215 361 Empftnbung 119 219 EmpfirtbungSlofigfeit 806 -nerven 123 219 Emphysema of tlie Lungs 692 Emulfion 25 197 Endjonbrom 630 Enbivien 565 Endocarditis 662 -cardium 162 Enboßmofc 51 149 Enbotljel 37 EnfclBlafen 620 Enlarged Prostate 763 -Tonsils 714 Entciifufj 585 649 Entgiftungßorgane 72 140 199 213 Enthaaren 784 Entleerungen beß ÄinbeS 374 EntopBbten 608 -jven 313 608 Entropion 820 Entwi(flung8gefd)idjte be§ SOlcnjdjen 62 -ftufen 48 -tBe= orie 58 Entweihungbe£ 372 Entjünbung 400 -, reactive 700 Enuresis 749 EpibermiS 46 207 Epilcpfie 641 798 807 -, un= vollftünbige 808 EBiBBBten 608 Epistaxis 829 Epittjcl 46 249 -freBä 634 -gelle 488 EpitBelien 635 EBtgoen 608 EBfom=Salg 494 Erbgrinb 627 783 ErBlid?feit 61 ErBredjen 125 702 718 -ber ©äufer, morgenblidjeS 720 722 Erfifen 310 324 579 -Bein 100 ErbBcerboden 779 ErbfdjeiBe 583 Erfrierungen 866 Ergot 551 Erbangen 854 Erhaltung ber Slrt 60 -ber Äraft 53 Erfüllung 212 678 Ermübung 224 -ber fein 105 -ber Dierven 124 Ermübungsftoffe 52 106 Ernährung 71 119 139 -ber Winkeln 106 -bee> ®el)irn§ 351 -be§ ÄinbeS 378 -bc3 Äranfen 441 ErnäBrungSaWarat 69 71 139-214 354 -flüffigfeit 72 140 -flBftiere 198 443 -nia= terial 52 -ftörungen, allge= meine 637-656 ErntemilBe 623 Erfticfung 287 391 853 Ertrinfen 852 Eructation 719 Erwürgen 854 Erysipelas 513 Erythem 765 ErjieBung 219-221 376 ff. EfeÜfürBiS 578 Eferin 579 ESmarcB'fdjeg Verfahren 857 E?pic=ßigaretten 508 690 EBgefcljirr 328 Effig 26 317 -ätl)er 607 524 -f(B= ftiere 550 -mutter 32 -fäure 26 31 33 -wafdjungen 550 Euftadji'fdje trompete 183 234 507 EjantBeme 764 Ejcoriationen 764 Ejcremente 46 Exophthalmic Goitre 813 Ejoßmofe 51 Ej;oftofen 631 Egwiratton 173 Ej;fubat401 -,croupöfeß 694 Facial Paralysis 812 gabenwurm 623 gäBigfeiten, geiftige 215 gäulnifj 32 -wibrige DJlittcl 33 341 458 535 862 gallfudjt 807 galtenfrang 248 250 gamilien = Äranfengefdjidjte 406 garBcnBlinbBeit 264 825 -fd)idit 207 -feBen 560 garbftoffe, organifdfe 29 Farcy 533 Dateien 107 gafergefd)Wülfle 629 -Baut 81 -fnorpel 39 110 -freBS 635 -ftoff 27 148 -ftoff linber 750 752 754 Fatty Heart 659 -Liver 740 -Tumors 629 gavuS 627 783 394 geigmal 781 Felon 863 gelfenBein 88 235 gendjel 317 genfter, ovaleS 238 -,runbe3 236 238 germent 31 -33 gerfenbein 102 gette 24 43 49 299 gettgefdjwülfte 629 -geWeBe 38 -Baut 207 -fügeld)en 323 -leber 740 -leibigfeit 647 -fäure 25 45 -fud)t 327 647 740 799 -gellen 38 42 107 geuermäler 621 gibrin 27 148 gibroibe, gtbrome, Fibrous Tumors 629 gieber 141 400 444 -Bläö= ctjen 770 -, continuirlicBeS 400 -biät 432 -, re= mittirenbeS 518 -,gaftrifdje3 722 -,gelBe£ 495 -,BeftifcBe£ 400 698 702 -, interinitti= renbcS 400 -, faltet inter= mittirenbeS 514- -foft 432 -fudjen 672 -, nervßfeö 400 remittirenbeS 400 517 -,rljeu= matifdjeS 611 -tempcratur 445 -,ttypBöfeä532 -,Wieber- feBrenbeS493 -gunge449 711 giltratiou 52 gilgüut 348 -lau§ 626 ginger 100 284 Böfer 863 -glieb 101 210 -l)Ut 558- 560 -nagel 209 361 -, üBer= jäljlige 847 -h>urm 863 Jinne 615 innen 308 -auäfdjlag 780 ifdj 307 -gift 525 549 -fd)UBBenau§fd)tag 772 giftel 716 735 -ftimme 272 550 Flatulence 720 Flea 624 gledjfen 107 glcdjten 670 764 gledde, freffenbe 765 776 -, nüffenbe 770 -, fdjeerenbe 627 785 gleifcnfel)en 819 glecEtljpBuä 491 gleifdj 42 305 -Brulje 305 892 371 436 -cjtract 435 -, ftn; nigeb 615 -fliege 623 -ge; U'ädjb 633 -geichlvulft 629 -foft 49 139 327 347 -,milg= branbigeb 532 -,perlfücl)tigeb 705 -,trichinöfeb 609 -,milbeb 861 Fliegen 623 -gift 599 -,fpa= nifehe 547 -fteine 599 Flimmerbetoegung 104 -epi; tl)el 46 -härdjen 104 -gellen 36 206 F oh 624 Floriba 566 584 703 Flügelfell 823 Fluor 13 18 glufj 833 -fpatl) 18 -ivaffer 314 Fvllifcl 148 153 Fontanelle 89 Fool's Parsley 568 Formelemente 37 48 -Per; fd)iebenl)eiten 75-77 Fortpflangung 48 60 69 Fortpflangungbgefchivinbig; feit 123 Foxglove 558 Fomler'fdje ßöfung 600 Fracturen 870 Framböfie 779 Franconia Mountains 507 Frgjienalter 287 -blut 145 -leiben 796 -milch 302 369 Freckles 787 Frcmbförper im Singe 854 -im SD?aftbarm 855 -im ©hr 855 -in ber Harnröhre 855 -in ber Luftröhre 854 -in ber 9cafe 855 -in ber Speife- röhre854 Frofdjbauch 837 Froftballen, -beulen 868 Früchte 311 Fruchtfäfte, gefärbte 602 Fudtfin 599 Fühlen 222 Fünflod) 622 Füfje, 789 -, falte 789 -,mafferfüd)tige3lnfdm)ellung ber 702 -, munbe 789 Functionen, geiftige 215 Furdienmold) 543 Furchung beb thierifdjen Gib 35 Furchungen beb ©ehirnb 218 Furunfel 767 -bilbung 610 Furunfulofe 735 767 827 FUB 101 284 -befleibung 349 -blatt 575 585 -gefchfoür 768 -fnödjel 285 -mubfeln 118 -fdrtveifj 349 360 789 -fohle 285 -wurgel 101 285 ©ahnen 178 ©äfyrung 31 32 ©ährungbfranfheiten 399 -probe 743 ©änfehaut 212 500 ©alle 188 192 ©allenblafel80 184 188 190 193 282 -traut 560 -fteine 193 -fteinfolif 742 © aller tfrebb 635 Gall Stones 742 ©anglien 119 134 164 -gel; len 44 119 164 -gellenfd)id)t 253 ©anglion 846 Gargot Weed 578 ©artcnmoün 580 -falat 558 ©afe 43 205 332 -, giftige 332 391 853 -, faure 606 Gastrialgia 721 Gastric Catarrh 721 ©aumen 89 181 266 -bein 85 90 227 -bräune 714 harter 89 126 227 277 -, meidjer 126 228 277 ©ebirgshatb 673 ©ebäcptnif; 219 ©efängnifjtpphub 491 ©efäfigefdjivülfte 631 -haut beb Slugeb 250 -baut beb ©ehirnb 128 -tropf 673 -pa; pillen 208 -fpftem 151-168 ©eflügel 306 ©efühlbnerven 71 221 ©egengifte 523 -mittel 523 524 ©eheimmittel 677 ®et)irn71 119 124 126 132 215 361 -blutleere 796 -Blutüberfüllung 795 -er; fdnttterung 801 -erloeidjung 800 -gifte 521 -hautcntgün; bung 505 796 -höhle 92 -tranfbeitcn 448 790 814 -nerven 121 131 -rinbe 217 -rüdenmarfbgifte 521 -thä= tigfeit 129 -Verhärtung 800 -mafferfud)t 799 ©ehörgang 20 85 234 235 238 -gang;@ntgünbung 826 -fnod)eld)en 84 234 237 -lei; ften 242 -nerv 125 127 130 235 241 -organ 234 364 -fanb 241 -finn 235 376 -ftcindjcn 20 241 ©ebörsmahrnebmung, ento= tifdje 246 -/fubjective 247 ©cift 219 362 © eiftebgeftörtheit 815 -tranf= heilen 790 814-818 -tl)ä; tigfeit 119 ©efröfe 195 Öelbfcbcn 622 -fud)tl93 198 448 601 739-741 764 ®clenf 81 -banb 84 -ent; günbungen843 872 -gefdüvulft 843 -tnorpel 39 -törper 839 -mäufe 839 -rbeumatibmub 401 840 841 -fdnnicre 84 110 -fteifigfeit 839 -ioafferfudjt 843 ©elfemium 563 566 ®emüfe310 -fuppe 436 ©emüthbfranfheiten 814 ©enicf 281 -frampf, epii>e= miftfier 505 796 ©enufjinittel 300 316-320 ©corgia 572 576 578 703 ©erabefifeen beb Äinbeb 383 ©crberftraudj 579 ©crbfäure 25 -ftvff 524 589 594 ®erippe 80 ©ermer 554 556 572 ©crfte 309 324 434 435 511 ©erftentorn 256 820 -ivaffer 371 429 434 ©crud) 226 233 -aub bem SUunbe, übler 709 ©erudjbnerV 44 127 130 365 -organ 91 226 365 -finn 226 232 -finn beb Säuglingb 376 ©efä&mubtcln 113 117 283 ©efcfnrr, fdjäblidfeb 328 ©efdjleditbfranfhcitcn 657 746 -reife 367 233 366 -,pappi= ger 792 ®efdmiadbapparat230 -nerv 127 130 -finn 226 232 366 -finn bog Säuglings 376 -gellen 231 ©cfdnvüre 460 714 764 768 ©efchivulft 628 645 @efid)t277 -,bideb716 -,ge= fdjivolleneb 716 -,fd)icfeb 812 ©efichtbempfinbungen, en= toptifcbe 265 -fnodien 90 -frampf 807 -läljinung 812 -mubfeln 111 -nerven 111 127 130 277 -rofe 503 505 -fcßmerg 805 -finn beb Säug; lingb376 -tifeil 85 -mintel77 ©efunbheit 397 ®cfunbhcitbbebingungen296 -lebte 291-394 ©etreibe 309 ©etoädjb 628 ©ettcbe 37-39 151 401 0cn>ebbathmungl47168175 -ncitbilbung 330 -fdtfaden 52 72 106 893 ©ewießt beg menfcßlicben Sörperg 74 -ber 9?eugebore= nen 74 368 ©ewiebte 886 ©ewoßnßeitgfrinfer 587 ®id)t 327 649 840 842 843 -fnoten 842 -rübc 577 Giddiness 793 ©iegbecfenfnorpel 267 -fnor= pelmugfcl 270 -mußtet 268 ©iegtannenfnorpet 278 ©ifte 521-607 -,gafige 602 - 607 -, mineralifeße 589 - 602 -,pflanj(icße 549 -589 -, tßierifeße 392 524-549 ©iftbaum 556 -eieße 576 -ßaßnenfuß 570 -lattieß 557 559 -pflanjenööO -febtangen 538 -fumacb 575 Gin Drinker's Liver 739 ©ipßverbanb 461 873 Glanders 533 @laßßaut211 248 253 -för= per 38 248 ©lauberfatj 17 593 -balti= geg SBaffer 315 ©leige 568 ©lieber, hoppelte 836 -rei= gen 840 ©tiebmagen 69 283 -muß= fein 115 -feßwamm 843 -fefcer 877 -ffclet 99 ©tobulin 27 ©lottigöbem 683 ©lofeaugenfrantßcit 813 ©lutin 28 ©Ipcerin 25 ©Ipeocßolfäure 29 193 ©Ipcogen 24 43 192 397 ©nabentraut 558 560 ©neig 779 Goitre 673 Golden Chain 579 ©olbrcgen 579 ©onagra 842 Gout 842 Green Mountains 507 -Sickness 638 ©reifcnalter 386 ©rießbrei 437 ©rimmbarm 184 194 278 283 ©rinbe 771 ©rippe 508 ©röge beg mcnfd)lid)cn Äor= Äörperß 74 ©rögenwaßn 816 ©roßßirn 92 121 127 276 ©rubengaß 392 853 -fopf 614 ©rünfpan 593 ©rüfcbeutel 633 ©rüfjbreigefcßwülfte 633 ©runbbein 90 -lüft 343 -membran 240 242 -ftoffe 8 -fubftanj 37 39 -waffer 342 ©ürtelfledite 770 805 ©uineawurm 623 Gum Boils 716 @ummibanbagen454 -gutG bäume 578 -ftiefel 350 -ftriunpfe 454 -Waffer 439 ®unjab 556 ©urgelwaffer 471 ©urfe 310 ©ugftein 334 4?. Haar 207 210 -balg 207 210 -balgbritfen 209 -balg= inilbe 623 780 -balgmugfeln 211 -färben 360 596 789 -gefäge 140 151 157 167 401 -leime 207 210 -fnopf 210 -fopf 622 -papillcn 210 -pflege 360 -pilj, faljlmacbenber 627 -rßßrdjen 52 -fdhvunb 789 -wudjg, übermäßiger 789 -Würmer 608 -wurjel 207 -jwiebel 207 210 Haare, Slugfallen ber 359 -©rauwerben ber 789 -pflegeber 360 -,Äranf()ei: ten ber 789 Habitug 73 76 -, apoplettU feßer 798 Hätfel'fcber Stammbaum beg SJtenfcben 62 Hämatin 27 30 Hämatoglobulin 27 Haematuria 747 Hämoglobin 27 43 147 -g(o= bulin 27 Hämophilie 652 Haemoptysis 692 Hämorrboibcn 195 356 733 Haemorrhophilia 652 Hänbe, aufgesprungene 788 -, ßeige 789 falte 789 Hafergrüfee, -meld 434 436 Hagebrüfen 671 Hagelforn 820 Hahnenfuß 570 Hafenbein 100 -tranj 616 Halbaffen 63 -bab 5o4 -crb= metalle 589 -fcßlaf 290 Haüucinationen247 290 527 564 Halg 279 348 -beg 3almcg 91 -,bicfer 673 -mugfeln 111 112 -nerven 130 133 -,fdjie= fer 845 -fdjmerjen 679 -,flei= fer 844 -wirbel 94 98 133 278 280 Hamilton'g 93rucßbett 4-25 Hammelfleifdj 306 324 435 Hammer 235 238 Hanb 100 284 -bifformitä= ten 847 -gelent 80 100 -mußfeln 115 -Wurzel 80 100 284 HanfgeWädjfe 556 Harn 109 747 -apparat 72 141 199 -augflug, @törun= gen im 748 -beftanbtßeile, trantßafte 752 755 -btafe 159 184 199 202 282 -ca- nälcßen 200 753 -ent(eerun= gen, blutige 537 747 -ent= leerungen, unfreiwillige 528 749 -farbftoff 30 203 -fing 749 -grieg 762 -leiter 199 202 279 -menge 748 -nie= berfdjlag 205 759 -röljre 199 202 '-rußt 205 638 745 -fäure 29 144 '204 -fanb 762 -febiment 205 -ftoff 28 204 -ftoffvergiftung 750 754 -ftrenge 749 -träufeln 749 -unterfuÄjung 750 -vergift tung 204 637 -Verwaltung 748 763 -Wege 202 -ßWang 749 761 Hartleibigfeit 727 Hartriegel 580 Hafcßifcß 556 Hafclwurj 556 Hafenauge 820 -fcßarte 91 847 Heuigapotbcfe885 -fliege 623 -mäbdfenfnie 394 846 Haut 35 45 72 141 206 213 351 366 449 -atljmung 169 214 -, aufgefprungene 788 -färbe 207 449 -finne 780 -börner 632 -fleiepilj 627 -pflege 358 -rötße 765 -fctjmiere 209 368 -talg 209 360 -tßätigfeit 419 -Welf 776 Haverß'fd)e ©anäldjen 40 Hay Fever 507 Headache 791 Heart Bum 721 -Pang 664 §efepilj31 Heftpflafter 459 Heiratßen 405 406 Heiferteit 676 Heißhunger 718 722 Hellebore 572 Hemifranie 792 Hemiplegia 812 Hemlock 569 Henle'feße Kanälchen 201 Henfe'fcbe 243 Hepatifation 694 696 894 Herbftjeitlofe 554 555 Hernien 877 Herpes 769 Hetj 70 135 157 161 279 329 -beutel 153 161 279 -beutelentjünbung 665 -Beus telwafferfucht 666 -bräune 664 -cntjünbung 329 662 840 -erweiterung 6'1 -fehler 163 663 -gefpann 720 -gießt 842 -gift 521 -grübe 281 -I)i>pcr= tropljie 661 -Jammern 157 159 279 -flappenfeljler 402 603 -Hopfen 125 164 329 658 6 5 -lähmung 662 848 852 -nutSfel 103 -inuSfelfas fer 43 163 -neuralgie 664 -paufe 163 -pu(S163 -fd)lag 163 662 852 -fd)Wädje 666 -fdjwunb 661 -fpifee 161 279 -floß 163 -ton 163 -verfet= tung 659 -Vergrößerung 660. Heuafthnia 507 -fieber 507 Hiccough 720 Hiedra 576 Higt)mor'fd)e Höl)len 90 227 Himbeerfaft 494 -junge 449 Hinterhauptsbein 85 89 127 278 -muSfeln 111 -nerv 130 HippofratifdjeS ©efidjt 288 Hippurfäure 203 Hirnanhang 87 126 156 277 -flüffigfeit 89 -gewidjt 216 -häute 128 132 -häute, Cents jünbung ber 796 -t)ößle 128 205 -fopffdjmerj 791 -läh= mung 287 848 -lappen 1.27 -maffe, Sntjünbung ber 796 -nervenfpftem 119 126 130 215 -fdjale 85 217 -fdienfet 127 -fchlagfluß 797 -fdjwunb 800 -fpmptome 791 -Win« bungen 126 -jelt 128 Hirfd)hornfala 547 Hirfdjfraut 561 Hirfeförner 789 Hi&fdjlag 868 Hives 684 Hoarseness 676 Hob Nail Liver 739 HöHenftein 360 598 Hörapparat 234-245 Hören 233-745 Hörljärdjen 241 -nerv 238 -ftäbd)en 242 -jeden 242 HvBlubcr 157 192 279 Holjbod 623 -effig 33 Honig 317 -grinb 627 783 Hordeolum 820 Hornhaut 248 -pautentjüns bung 823 -pautfalj 250 -fepiept 46 207 -ftoff 27 209 -Viper 543 Horniffe 546 Horny Tumors 632 Hofpitalbranb 861 Howarb'S iBcrfahren ber fünftlidjen Sltljmung 850 Hüftbein 283 -blutaber 278 -gelenf 84 96 284 -loci) 96 -muSfeln 118 -pulSaber 159 166 -fdjmerj 805 -Venen 159 -Weh 805 Hühneraugen 349 788 -Bruft 836 -flcifch 324 -fuppe 436 Hüljenfrüchte 310 -Wurm 614 619 740 Hummer 307 Hunb, rolljer 789 HunbeBanbwurm 614 619 -pentaftomum 622 Hunbögiftgewädife 565 -pes terfilie 567 -wuth 398 525 Hunger 224-cur 431 -thpljuS 491 Hüften 125 178 675 -,Blauer 478 hohler 702 Hydrocephalus 799 Hübrogenium 13 Hydrophobia 525 Hygiene, Hbgieine 291-394 Hbgrom 846 HbpnotiSmuS 290 HbiwcBonbrie 804 Hbfterie 641 749 804 AjaBoranbi 586 Jalappenwinbe 560 Jamestown Weed 564 3aSmin 566 Jjaudjegift 524 534 -vergift tung 637 Jaundice 740 Ichthyosis 772 Icterus 740 Sbeen, firc 815 Idiocy 817 3biofpncrafie 409 507 Jbioten 63 817 JbiotiSmuS 817 JgnatiuSftrauch 566 3mBecillität 817 Impetigo 774 Impfung 378 474 Jmprägniren ber.Qlciber 864 JncubationSftabium 407 464 Indian Hemp 556 -Poke 554 -Tobacco 558 -Turnip 553 3nbol 197 Infantile Paralysis 802 Jjnfection 398 JnfectionSfranftjeiten 398 464-521 525 Infiltration ber Seher, ei; terige 694 696 fettige 740 508 Jnfuforien 21 511 608 Jjngwer 317 -,Witter 556 Jnljaliren 681 682 Jnfection, fubcutane 452 Snfcctcn 535 546 608 Jnfpiration 173 Jnfufficicnj her Heraflaps pen 663 37 fjjntercoftalneuralgie 805 Jntermolecularräume 13 Intermitten t Fever 514 Interstitial Nephritis 757 Sntoricationen 398 522 Jochbein, -Bogen, -fortfafj 85 88 90 -musteln 111 3ob 14 601 Ipecac, Ipecacuanha 585 586 JriS 248 250 Iritis 823 Irrigationen 420 3'rrfinn 815 Ischias 805 Ischuria 748 3§länbi|d)eS üKooö 440 Itch 612 Jjudblattern, -fleditc 773 Jünglingsalter 286 385 286 286 385 3unglefteber 518 Ivy 584 SL Äadjejie 398 -,rheumatifdje 773 773 ßälberfropf, ber 569 Äälte 447 449 Ääfe 304 324 -gift 594 525 548 ranziger 548 -ftoff 27 302 Kaffee 300 319 524 Wgrinb 627 782 785 -föpfigteit 789 32 Zahnbein 100 Äaferlafen 252 Äalbfleifd) 306 324 italbSfufjmtlje 436 Äali 18 43 592 -lauge 592 Äalium 14 17 Äalf 17 20 204 593 -canäl= eben 40 -erbe 17 593 -waffer 370496 837 -Waffermild) 511 ÄamiUentljee 456 Äaminofen 338 895 Kammerwaffer 249 Kampf um ba§ ©afein 60 -um bie (Sbe 60 Kant'3 S£f>et>ricn 54 65 Kapitel 11-66 II 67-290 III 291-394 IV 395-884 Kappenmuöfel 112 Karfunfel 767 Karlöbab 315 650 Kartoffel 311 324 561 -mehl 23 504 -muS 439 -guder 24 KaffaWaftraud) 576 Katalepfie 811 Kataftrophentbeorie 58 Katheter 761 Kauf ifter 65 Kaumusfeln 91 111 Kautfd)ufbanbfd)ul)e 532 Keblbedel 126 181 183 266 269 277 -grübe 2*1 -topf 126 170 266 268 277 279 366 -fopfcatarrh 680 -fopfs gefd)Wi'tre679 -fopföbem 683 -fopffdiwinbfuebt 702 -fopf= fpiegel 679 -fopftafeben 269 Keilbein 85 90 102 -höhle 86 89 126 277 Keimblätter 35 -fubftang 34 56 Kcllcrbals 557 Kcntudy 584 Keratin 27 Keratitis 823 Kermeöbeeren 578 Kernförperchen 34 45 -punft 35 Keudjen 178 Keud)Buften 478 675 693 Kiefer 90 91 -gc enf 39 91 -läbmung 531 -nerv 130 --Zungenbeinmuöfel 278 Kiefelerbe, -fäure, -ftoff 18 Kinberergtebung 367 -384 -füffe 670 -mehl 372 -z$u0= bing für 438 KinOeöaltcr 286- 378 Kinböpeeb 368 Kinn 91 -batfenframpf 566 811 -nerv 130 --Zungenbeins muöfel, -Zungenmuöfel 278 Kirfdflorbeer 582 Klappenfehler 163 663 Klapperfifilangen 538-541 Kleber 309 Kleefäure 591 KleiOerlauö 625 Kleibung 331 337 347 359 -Oes Kinbeö 379 382 -be3 Kranfcn 417 -beS Kranfens wärtcrö 421 Klcienflcdite 627 764 772 -zgelblid)=bräunli<he 783 Kleinheit beö «fJergenö, ange= borene 661 Kleinhirn 93 121 126 277 Kleiftcr 33 -verbanb 873 Klima 331 344 -Wedifel 346 Klinimftaube 584 Klumpfüße 847 Klpfopumpe 456 Klpftier 443 456 728 -, er- näBrenbeS 719 -fpiitge 456 Kneten (Staffage) 353 Kniegelenf 81 101 285 -fehle 118 284 -feBleninuäfcl 113 -fchtenpuKaber 285 -fdjeibe 81 102 285 Knirrbanb 845 Knodjen 35 80-103 -banb 80 84 96 -branb 835 -brüebe 865 867 869-877 -Brüche, ©inridjten ber 872 -canal- eben 40 -entgünbung 834 -erbe 41 -erweidjung 836 -frafj 834 -frafj in ben Zäl)s neu 835 -gewebe 37 40 42 -gefdjwülftc 631 -Baut 81 -Bautentgünbung834-böhlcn 40 -fnorpcl41 -förpenfien 40 -labe 835 -leim 28 38 41 -marf 42 154 -marfentgün= bung 836 -marferfranfung 673 -maffe, neue 872 -pfanne 81 -platten 87 -fubftang 40 80 -fpftem 80-103 836 -Weichheit 836 -gellen 40 Knöchel 102 Knötdjen 764 -flechte 773 Knorpel 39 -fuge 81 -ge= fdjWülfte 630 -leim 28 39 Knorrenmusfel 113 Knoten 460 -Bein 778 Kodi, Sßrof. 484 497 703 Kochen beS gleifdjeg SOS- SOS -im Kranfengimmcr 430 Kocbgefcbirr 328 -rccepte 434 -440 -folg 17 20 33 205 316 -falgbaltige Quellen 315 Körper, ber menfd)lid)e (2lna= toinie unb 5ßbbftologie b. i. SBau unb Verrichtungen bc§= felben) 67-290 -blutbatjn 158 -capiUarcn 168 -confti= tution 73 -ernäbrung 299- 328 -formverfdiiebenbeiten 75-77 -gewicht 74 -gröfje 74 79 -pflege 330-394 --pros Portionen 78 79 -fpinmctrie 77 -temperatur 297 445 -wärme SdicintoOtcn851 Kohl 310 Koljlcnbunft 391 603 853 -Ijpbrate 22 49 299 -ofen 339 -OJpbgag 20 339 603 -fäure 19 198 205 391 603 853 -ftoff 13 16 51 56 -ftoffs tbeorie • 51 56 -ftoffverbin= bung 10 22 51 56 -waffer= ftoffgaS 198 -wafferftofffubs {langen 22 Kohlrabi 324 KoffelSförner 569 618 K'olif 710 728 Kommabacilluä 497 Kopf 69 276 348 -Bein fber §anbwurgel) 100 6onge= ftionen nach bem 791 796 -fließt 842 -gneiS 779 -grill= be 625 -Baar 211 789 -Baut 126 277 360 -lauö 625 -muffeln 111 -ntcfemugfel, -nider 112 2*1 -rofe 503 -fdjinnen 788 -fcblagabcr 130 159 166 -fdnnerg 199 791-793 844 -fcBupven 788 -fielet 84 276 -ftimme 272 -wabengrinb 627 783 Koömogenie 54 ® 65 Koft ber Kranfen 431-441 -ber Säuglinge, gemifebte 372 -zgemififitez pflanglidje, thierifdje 327 Kott) 197 -erbrechen 733 -(feine 732 Krähenaugenbaum 563 565 Krämpfe, epileptifdje 674 Kräfce 612 613 Kräfcmilben 574 612 Kraft 53 136 -apparat 69 71 80 136 351 -entwidlung be£ 106 -leiftung 136 -ftnn 224 -unb Stoff 6 Krampf 499 517 806 -abers BrucB 671 -abern 167 350 670 -anfälle 527 806 -Oer Suftröhrenrnuöfeln 690-,flo= nifdjer 806 -,tonifd)cr 806 Kranfe, ber 416 Kranfenbett 424-428 -cr= näljrung 431-444 -fleibung 417 -foft 431-440 -pflege, 413 -receptc 433- 440 -Wärter 414-416 421 450 -gimmer 417 418 422 -431 Ä'ranfBeit 42 49 395 -412 -,englifcBe 836 -,heilige 807 Kranfhciten, acute 399 -,an? geborene 403 -zanftcdcnbe 464 -zS8chanblung ber 408 413 -,eI)irurgifcBe 399 -,c»n- ftitutionclle 398 -,eontagiöfe 398 464 -Oer s2ltBmungs5or= 896 gane 674 -ber SeivegungS* organe 833 -ber iBlutbrüfen 658 672 -ber iBlutgefäfje 667 -ber Oallenivege 737 -ber Oelenfe 839 organe 746 -ber $aut 764 -ber Knodjen 834 -ber KreiS= (aufSorgane 658 -ber gebet 737 -ber guftröljre 687 -ber gitngen 691 -ber gpinphbah* neu 671 -ber 9Wilj 672 -ber TiuSfeln 844 -ber 9?afe 829 -ber Nerven 804 -ber Sin* iteSorgane 790 818 -ber Spei|eröl)re716 -ber 33 erbau* ungSorgane 708 -ber 2?er= ftanbeSorgane814-ber,8ähne 715 835 -beS SSauitfeUS 735 -beS SruftfcHS 7Ö6 -beS ©arincanalS 725 -beS ®e= l)irnS 790 -beS ©eifteS 790 -beS «fSerzenS 658 -beS $ör* avparatS 825 -beS KeplfopfeS 679 -beS SRagenS 717 -beS SKenfchen 395-884 -beS äKunbeS 710 -beS DJerven- fpftemS 790 -beS 9tücCen= ntarfSSOl -beS SehapparatS 819 -beS SpradjapparatS 832 -, Sintljeilung ber 397 -,enbcinifd)e 399 464 -,®nt= fteljung ber 397 -,epibentifd)e 399 464 -,ererbte 403 -,(5r* fennen ber 406 -,erlvorbene 403 -, fieberhafte 399 -,<§ei= lung ber 395 408 -/innere 399 -zniiaSniatifd)C 398 464 -/Organifdje 657 -, Spmp* tonte ber 407 -,trauntatifcl)e 399 -,3pniotifd)e 399 KranfhcitSanlage 409 -erre= ger 398 -erfdjeinungen 407 444 -feint 398 464 -urfadje 397 404 Kranzarterie 161 166 -blut= aber 162 -nal)t 86 -vene 161 Kreatin, Kreatinin28 45 205 Krebg, rgefdiivulft 629 634 -637 Krebfe 307 Kreislauf bcS iBluteS 140 -beS StoffeS 48 -organe 156 -organe, Krintljeiten ber 658 Kreofot 33 Kreuzbein 94 96 278 280 283 -otter 543 Kriebclfranfbeit 551 552 KriegStpphuS 491 KriftS 695 Kröte 543 Kroncnfortfafe 91 Kronrvide 579 Kropf156 281 673 813 Kruntnibarni 187 194 283 Kryptogamen 550 608 Krpftallin 27 Kuchen 309 Küdjengefchirr 328 -fdjelle 567 570 KürbiSbanbtvurin 616 -ge= ivädjfe 577 -ferne 618 Kuh mild) 302 370 -pocfe 475 KutufSbein 96 Kupfer 14 589 593 -finite 782 -gefdjirr328 -gefidtt 782 -folif 597 -nafe 782 -rofe 782 -Vitriol 600 Kuppelblinbfact 240 Kumthmigfcit 676 693 -föpfe 65 -fidjtigfcit 262 263 825 Klipljofe 384 838 gabarraque'S göfttng 341 gabbriifen 186 -fernteilt 187 -Zellen 186 gabprinth 238 galten 178 gadjgaS 605 Lactuca 557 558 gähinung 797 812 -,33e(t'fdie 812 -ber Jjrrfinnigen, fort; fdjreitenbe 816 -ber Kinber, effentielle ober fpinale 802 -/fJactaltS* 812 -,hatbfet= tige 797 812 -,unvollftän= bige, vollftänbige 812 gäufe 574 625 626 -Corner 574 -fucht 625 gage beS §aufeS 342 344 -beS Kranfen itn ®ett 427 gafmuSpapicr 303 536 gatnarcf'S Dheorie 58 65 gantbbanal)t 87 Lambkill 584 gampenfehirm 364 ganbfforbut 654 gangföpfc 65 ganzenfchlange 543 gaplace 54 Larkspur 573 garven beS 93anblvurniS615 gaten*/ Stabium ber 464 gattid) 557 -falat 558 Laudanum f. ©piumtro* pfcn unb 885 Laughing Gas 605 gauSofcn 626 gautfpradjc 266 gavementS 456 491 Lead 595 geben 6 8 48 51 gebenSabfcbnitt 48 -alter 48 285 -bannt 126 128 277 -be= bingungen 48 296 -Dauer 286 -crfdjeinungen 48 285 -fnoten 175 -lüft 15 -punft 175 -ftoff 34 gebet 71 180 189 278 282 357 -arterie 166 190 -banb 282 -blutabcr 157 279 -,93lutan|d)oppung Der 738 -captllaren 168 -cirrbofe 697 739 -, ßongeftion ber 738 -egel 622 -entjünbung, eite= rige 738 -erttjünbung, inter= fti'tielle 739 -entjünbuug, par= cndjipnatöfe 738 fettige Degeneration ber 740 -flecte 632 788 -gallengang 192 -gang 193 -,§pperäntie ber 738 -frebS 740 -läppdien 191 -lappen 184 190 -pforte 190 -fdjwunb, acuter gelber 740 -fubftanj 191 -tljran 25 646 -tubcrfulofe 740 -Venen 191 -zellen 36 192 gecittjin 27 43 45 gcberl)aut2O7 -tud), giftiges 596 geerbarnt 187 194 283 gegunttn, gegumtnofe 310 geibbinbe 373 720 721 726 730 -fdjmerz 709 geictborn 788 getcfje 49 285 geidjenerfd)einungen288 -gift 524 535 geint 28 -gcbenbe Subflanz 27 getnfamen 439 440 gciftenbrudi 115 876 genbenbarntbetninuSfel 118 genbennervcn 133 -tuet) 805 844 -ivirbel 94 98 133 278 Lepra 777 geudjtgaS 33 603 853 geutämie 145 672 Lichen 773 girf)t 141 247 296 331 364 -zeIectrifd)eS 332 -empfing bung 254 -fiten 527 529 822 823 -ftoffe 221 gib', gibranbentzünbung 819 gieberfüfjn'fite ©rufen 188 195 giebeSapfel 561 giebig'ftc Suppe für Saug* linge 372 gigufter 580 Lime 593 ginfe fbeS 2lugeS) 248 ginfen 310 324 ginfenfafer 248 -fapfel 248 897 fern 248 ßipome 629 Sippen 366 -,aufgefprungene 788 -bänbdien 181 -frebS 636 ßiqueure 602 ßifter'fdieS Verfahren 534 ßitpotomie 763 -tripfie 763 Liver Spots 788 ßobelia 558 Locomotor Ataxia 802 ßoldjfamen 309 ßong QSlanb 572 ßorbeerfellerpalS 557 ßorbofe 838 ßouiftana 578 Suft 296 299 301 333 -, at« mofpbärifcpe 21 52 -curorte 346 -bouepe 828 -bruef 84 -,fi$e 19 -peigung 338 -pun« ger 676 -im Kranfengimmer 424 -fiffen 428 -reinigung 327 339 -röhre 70 126 169 183 266 277 355 -röhren« äftchen 171 -röbrenaft 278 -röprencatarrh 687 688 690 693 696 -röprenerWeiterung 697 -röprentnorpel 169 -röp« renframpf 689 -röhrenfdpiitt 482 683 686 -röprenveren« gerung 689 -verpeftung 333 -gellen 171 Lumbricoid Worin 621 ßungen 46 70 159 169 171 279 354 357 -arterie 172 -atpmung 147 169 -auSWei« tung 692 -bafiS 170 -bläS« dfen 171 408 -bläSdjen, atro« ppirteS 688 -blutaber 157 162 279-blutbapn 157 -blut« fturg 692 -branb 676 695 697 -capiüaren 168 172 408 -cirrpofe 695 696 699 -con« geftionen 704 -bampf 692 -emphpfem 648 690 692 -entgünbung 408 449 610 694-697 -f(ügel70 171 184 -lähmung 692 -lüft 176 -magennerv 127 131 175 -pulSaber 157 161 166 278 -öbem 691 692 -pptbife 698 -fchlag 692 -fcpwinbfud)t408 449 698-706 -Wurgcl 171 279 Lupus 776 ßupationen 877 Lymphadenitis 671 Lymphangitis 671 ßpmpbcapillaren 153 -brüfen 46 148 153 -brüfen, <Snt« jünbung ber 671 -foUifel 155 -gefäpe 72 119 141 149 151 153 -gef (Sntgünbung ber 671 -gefäfjfpftem 151-förper« dien 148 153 -plaSma 149 -fpalten 37 -ftrom 153 -gelle 38 154 ßpmppe72 141 144 148 153 Wt. Maalgei 777 Mabenwurm 620 Mäbdien, bleid)füd)tige 639 640 642 -ergiepung 353 382 -fleibung 385 MäuScpen 125 Magen 70 180 184 278 282 355 -atpmung 169 198 -be« fepwerben 717 -blinbfact 185 -Mutaber 158 -catarrp 327 675 721 722 -brüfen 47 188 -erweiterung 185 327 724 -ferment 187 -fiftel 187 -ge= fd)Wür, djronifdjeS, burdj« boprenbeS, runbeS 723 -gidjt 842 -grübe 281 -grunb'185 -buften 693 -frampf 721 -tränte, ©iät für 721 -franf« Ijeiten 717 -725-franjarterie 166 -frebS 724 -numb 184 186 -pumpe 524 550 725 -faft 186 499 501 -fdileim 186 -fdjmcrg 709 721 -fecret 186 -Verbauung 179 323 Magerfeit 698 702 Magnefia 18 523 Magnefium 18 Mapljätme 92 Maplgeiten beS Krauten 441 Maine 584 MaiS 309 324 -ftärfe«ißubs bing 438 Maiwurm 548 Malariafieber 512-521 672 -frantpeiten 398 Malerfolif 596 Malpigpi'fcpe 53läSd)en 155 -Knäuel 200 -Körperchen 200 MaltpuS'fdje Stpcorie 59 Manbelbräune 714 -entgün« bung 711 714 -fteine 714 Manbeln 181 182 -, 93er= gröfjerung ber 714 Manbeln ($4ud)tj 582 Mandrake 585 Mangan 18 Manie 815 Maniafpflanje, «ftraudj 576 582 ManifcheHenbaum 576 Mannbarfeit 385 ManneSalter 287 -blut 146 Marfeanäldien 40 -bügel 126 127 277 -faft 42 -fepeibe 44 -fepwamm 635 -fubftang ber Vieren 200 -fubftang beS fäaareS 211 Verlängertes 126 277 Mafern 465 477 fd)Warge 466 Maffage 353 Massasaugua 540 Mage 886 Maftbarm 184 194 279 356 -catarrh 729 -entgünbung 732 -leiben 735 -wurm 620 Materie 6 54 Maulbeerfteine 762 Mauferung 330 May Apple 585 Meadow Saffron 554 Measles 465 Meconium 580 Mebicinen, (Singeben von 450 MebinaWurm 623 MebullarfrebS 635 Meerrettig 573 Megrim 792 Mepl, giftigeS 593 596 -l)unb, -muno 627 713 SÖfeiBom'fcbe ©rufen 256 Metfiner'idje Körperdfen 225 Melanämie 673 Melandfolie 527 815 Melanin 30 Melanism 673 Melaffe 24 Membran 45 Meningitis 505 796 Menifpermen 569 Menfcb 48 62 -,SRatur unb 1-66 -Werbung 63 64 Menfdjenaffen 62 -Mut 147 -raffen 64 Menftruation 792 -, ®tö« rungen ber 783 Mentagra 781 Mercury 597 Meffen ber Körpertemperatur 446 Metalle 14 524 589 Metallerben, Metalloibe 14 589 MiaSma 398 464 MiaSmatifdje Kranfpeitcn 398 464 Midge 546 Mienenfpiel 111 MteSmufcpel 549 Migräne 640 792 Mifroceppalen 63 89 818 Mild) 302 304 324 -borfe 771 779 -bruftgang 149 -»conbenfirte 304 -euren 656 723 810 -gebif? 92 -litno« nabe437-pubbing437 -fäure 898 23 25 304 -fäuregährung31 -fuppe 437 -toa[t437 -sahne 92 -suder 24 302 370 Milia 789 SOtiliartuberfulofe 698 699 Milk Weed 574 SJtilS 71 155 184 191 282 -anfchmeHung 517 518 672 -arterie 155 166 -blas?cfoen 155 -blut 160 -blutaber 158 278 -branb 531 -branbba= ciUen 399 531 -branbge= [d)ivüre 531 768 -branbgift 392 531 -branbimpfung 533 -congeftionen 518 -franfhei= ten 155 -pulpe 155 -[tedjen 672 -fucht 804 -Vene 145 155 -seilen 155 SOtineralgifte 589-602 -fäu= ren 524 -falj 299 -maffer 19 315 SBinnefota 570 703 SJcirbaneffenj 602 SÄi[d)unge>geivichte 12 Miserere 733 SJtifftffipphgieber 516 SJtitbcivegungen 124 -em= pftnbungen 125 222 223 Wella 859 883 SEiteffer 623 624 780 SJtitralflappe 663 SOtittel, antifcptifche (fäul= nifpvibrige) 31 341 458 535 862 -,bläl)ung§ireibenbe720 -,b(utftillenbe (ftppti[d)e) 861 -für bie SBerbauung 718 722 723 -fuf? 101 102 -gegen ©iarrhöe 727 -gegen Grbre= djen 719 -gegen Uebelfeit 719 -gehirn 127 276 -hanb 80 100 -ohrentsünbung 689 -3U111 Slbführen 494 728 Mixed Pickles, giftige 593 SEobiftcationen 16 S)tÖhren 324 SEönbdjen 210 SJtohn, -mild) 581 SDtofaffinfdjlange 541 SJiolarbemegungen 53 SJtolaffeö 24 SKolche, giftige 543 SJtolccüle 11 SKolecularbetvegungen 12 53 142 -fräfte 12 53 SJtolfen 440 Wtonaben 31 Sltonb 55 -bein 100 -famen 569 SRoneren 57 SJtoniSmuö 57 66 Monkshood 572 SJtonomanie 815 SJtonophpleten 64 SO?on[treflp[tiere 456 SOtorbillcn 465 SDtorbmanie 815 SRorgagni'fcbe ©ruhen 269 -Stehtfopfötafche 278 SOtorgenfchnapö 721 738 SJtorpbium (SJtorpljin) 28 523 580 -fudit 581 SJtoSquito 546 Mother's Marks 788 ■Utottcntraut 584 Mouches volantes 819 SStucin 27 SOtüdenfehen 819 SOtitller'fche Äapfeln 200 SJtütter, epileptifche 810 -Jdjnunbfüchtige 705 SOtumpg 715 SJtunb 183 -catarrh 711 -faule 711 712 -gcjdjivüre 711 714 -höl)le 94' 169 180 183 230 355 -Hemme 811 -muöfeln 111 -pflege 355 -fchleimhautl81230-fcbleiin; haut, ©ntjünbungen ber 711 712 -fperre 456 811 SJtufchelbcin 91227 -gift 525 549 MuscularRheumatism 844 Mushrooms 550 progreffive 813 -bänbdjen (beätpaareg) 211 -bauch HO -binbe 107 -cohäfton 104 -contrnctilität 104 -contraction 104 -beges neration, colloibe artige 844 -behnbarfeit 104 -elafticität 104 -erregbarfeit 105 -farbftoff 43 -fafern 36 42 104 107 135 189 -ftbrin 27 43 -flüffigfeit 43 -gefül)l 105 -geräufd) 104 -geivebe 27 42 43 -häute 42 45 -för= perdjen 43 -plaSma 43 -reise 105-rheumatismug844 -faft 106 -fd)eiben43 -fcheiben 107 -fdjidjt (beg 211 -fchlacfen 106 -fchmerjen 610 -[(httmhe 702 -[djfounb, pros greffiver 813 -fcrum 43 -[tun 224 -ftrom 104 -fpftem 69 103-118 -ton 104 -tonu§ 137 -trichine 307 608 609 -Suder 24 -jug 84 870 -$u- [ammensiehung 104 122 -311= [ammensiehungSfähigfeitl 04 SDtuSfeln 42 43 69 103- 118 -,glatte ober unnrillfür= liehe 42 103 -guergeftreifte ober ioillfürliche 42 103 107 Mustard 586 SOtutiren 271 SJtutterforn 309 551 -mäler 631 788 -mild) 303 369 -plage ober [taupe 801 -seile 35 48 Mycoderma aceti, -vini 32 Myocarditis 662 SJZpologie 111 SJtpoftn 27 43 Stabelbrud) 115 876 877 -fcfynur 369 Nachimpfung 476 -franfhei= tcn 402 Siad)tfleib 362 -licht 430 -ruhe 362 -[chatten 559 561 -fdjiveifje 702 -ivanbeln 795 Nacten281 -hanb 281 -grübe 85 281 -muSfettt 112 281 Stägel, @inivad)[en ber 786 Stäherin 393 Siäbma[drine 393 Stährivertl) ber Stahrung§= mittel 300 321 -tabelle 324 Stagel 209 -bett 210-bett= entsünbung 786 -fals 210 -form 210 -pils 627 -pils= franfheit 627 785 Staljiung 139 296 299 -,9Iuf= [augung ber 198 356 -be3 Traufen 431 StahrungSmittel 23 140 299 302 -[toffe 299 -[to ffgehalt 324 Staljt, blutige, unblutige 459 -ber ifopffnochen 81 StapeUin 573 Starcotin 580 Nasal Polypi 831 Stafe 226 365 Stafenbein 85 89 90 -bluten 640 829 -catarrh 228 829 831 -beuche §30 831 -flügel 227 -gänge 227 -gefchlvüre 832 -haare 211 -höhle 86 91 169 183 227 266 365 -löcber 227 -mufcheln 227 -muöfeln 111 -polppen 831 -rachen- höhle 126 277 -fdjeibeivanb 85 89 90 126 227 277 -fchleimhaut228365-[chleim= haut, (tauterifiren ber 508 831 -fpri&en 830 -ftachel 89 -ttmlft 86 -ivurgel 85 Scafjliegen ber Äinbcr 373 749 Statrium 17 20 606 Statron 20 593 -,harn[aure§ 204 -lauge 593 Statur 6 -förper 8 10 -unb Slrjt 408 -unbSJtenfd) 1-66 -toiffcnfchaft 3 54 Nausea 718 899 Nebennieren 156 199 279 -trommelfeU 240 Neger 65 Neibnagel 863 Nephritis 753 Ncptunögürtel 730 Nerium Oleander 565 Nerven 70 119-135 -enb: fnöpfepen 223 -cnbfolben 223 -ernäprung 124 -fafern 40 44 119 122 216 -fteber4*4 611 -gefdnvalft 631 -geivcbe 37 43 119 -gifte 521 -fitt 44 119 216 -fnoten 119 122 124 133 -franfpeiten790f-04 -marf 44 -mtttelpunfte 122 124 217 -papiden 208 225 -rcij 123 124 -röpre 44 -fepeibe 120 -fcpiväcpe 804 -flrom 120 -fubftanj 44 119 126 216 -fpftem 119-135 151 215 361 -tpätigfeit 123 125 -,Ueberempfinblicpfeit ber 806 -ivurjel 133 -jeden 36 44 119 216 Nervofität 361 804 Nervousness 804 Ncf|elau£fd)lag, -fieber,-frie: fei, -male, -fuept 769 Neftle'fcpeÖ S'inbermepl 372 Nettle 586 Nettle Rash 769 Ncfcpaut 251 253 -paut, S5lutergiiffeinbie754 -paut* entartung 754 -pautfebiepten 253 -fnorpel 39 -fd)id)t ber ßeberpaul 208 Neubilbung beö 23luteö 299 Neubilbungen, franfpafte 628-637 9icu=Gnglanb Staaten 568 Neugeborenen, Sliter be£368 -, Slugenpflege be£ 363 -,Starrframpf be§ 811 Neuralgie 517 805 Neurilemma 44 137 Neurine 44 119 Neuroglia 44 119 Neurom 631 Neurofen 804 Nein Serfep 514 -gforf 507 572 Nicptmetade 14 NicfPaut 257 Nicotin 28 320 562 Nieren 71 159 199 357 -ab: feep 757 -arterien 159 166 202 -atroppie 753 756 -bcefen 200 -bedenentjünbung 758 -bcdencrivciterung 759 760 -bedennufferfudtl 760 -blut: aber 278 -blutüberfüdung 751 -catarrp 751 -cirrbofe 697 757 -congcftion 751 -croup 751 -begeneration f-entartung), fpedige 755 756 -,ßiterperbe in ben 757 -entjünbung, interftitiede 757 -fett 199 -grieö 759 perämie ber 751 -feiet) 200 -folif 760 -forn 200 -franf* peilen 193 746-760 -frebö 758 -,ßageveränberungenber 758 -,2Nipbilbungen ber 758 -papiden 201 -, Sßarafiten in ben 758 -pforte 199 -pul§= aber 278 -fanb759 -fdjimnbs fitcpt 758 -fcpnmnb 756 -fteine 205 758 759 -luberfutofe 758 -venen 159 201 -ivärjepen 199 201 -Ivurjel 199 Niefen 125 178 829 Nieölvurj, g>üne, feptvarje, ftinfenbe571 572 - iveipe 556 Nightshade 561 562 Niffen 625 Nitrate of Silver 598 Nitric Acid 590 Nitrogenium 13 16 -benjin 589 602 -glpccrin 25 589 602 607 Norb=6arolina 576 Nolpvcrl'änbe 875 876 Noje 397 NueleoIinuS, 35 Nucteuö 34 Nüffe 565 ©atmeal 434 437 ©=33eine 837 ©berarm 100 284 -armbein 84 138 284 -armfnoepen 94 100 -armmuöfeln 115 -päut= d)cn 46 210 211 -paut 45 207 -pautgervebe 46 -paut: jeden 36 -fiefer 85 228 278 -ftcfcrbeinSö 90 227 -fiefer: pöple 90 -leib 281 -fcpenfel 101 284 -fd)enfelfnocPcn 84 94 -fepenfelmuofeln 118 Obesity 647 ©bft 311 Obstruction of the Bowels 732 ©ebem 449 Oedema Glottidis 683 ©elbaumgetoäd)fe580 -fäure 25 -füp 25 ©cle 22 -flücptige 549 ©crtel'fcpe Gur 650 ©efoppaguS 183 ©fen 338 850 ©pio 507 5U4 ©pnmacpt 287 848 ©pr 234-247 364 365 -fct= gen 365 827 -,$rcmbförper im 855 -löffel 365 -mufdjel 88 234 238 -polppen 826 -fpeidjelbrüfen 131 181 -fpei= dielbrüfenentjünbung 715 -fpeicpelbrüfengang ] 30 -trompete 228 234 238 266 ©prenbraufen 246 819 -ca = tarrp 365 -entjünbung 826 -flup 365 828 -leiben, ner= vöfe 826 -muSfeln 111 -reis pen714 -faufen 714 -fdjmalj 235 365 -fdjmaljbrüfen 209 235 -fdnnaljpfropf 825 827 -fepmerjen 826 -fpripe 825 Oidium albicans 627 Oil of Pennyroyal 546 ©leanber 565 ©lein 25 ©leum 589 ©magra 842 Onychia 786 ©perinent 599 ©pium448 451 456 523 580 -präparate 522 -rauepen 523 -fucfit 581 -tinctur, -tropfen (Laüdanum oberParegoric) 501 503 885 ©rgane 48 276 -be3 33lut= freiSlaufg 156 -, rubimen« täre 257 ©rganernäprung 146 ©rganifation be$ menfdjlh epen Äörperö 48 ©rganiftpeSSafen 28 -garb= ftoffe 29 -Äranfpeiten 658- 847 -Säuren 25 29 -Sub= ftanjen 30 -33erbinbungen 9 22 26 ©rganiömen 8 48 49 ©rtöfinn 225 Osteitis 834 Osteomalacia 836 ©fteome 631 ©fteompeliti? 673 836 Osteonecrosis 835 ©fterblume 570 ©fterlujeigeivädjfe 556 ©tpolitpen 241 Otitis 826 Overgrowth of the Heart 661 ©ralfäure(OxalicAcid) 522 591 ©jpbation 9 15 32 52 ©jl)be 15 ©j»bation§gäprung 32 ©jpgenium 13 14 Ozaena 831 ©jon 16 22 900 Pacini'febc .Q'örpcrcben 223 Palmitin, -fäure 25 PancreaS 194 Papaverin 580 Papeln 765 Papicrfabrifation 603 Papillargefcplvülfte, Papil* lome 682 Papillarfepicpt 208 Papillen 181 225 Paraffin 33 Paraglobulin 2" Paralysis 812 Paralysis of the Insane816 Paraplegia 813 Parafiten 607 Paregoric f. ©piumtinctur u. 885 Paresis 812 P rifer @rün 599 Parotitis 715 Parojpömus 514 Parsnip 565 Partifcldtcn 11 Pafteur'feheö Perfalyren 528 Paftinaf 565 569 Patentmcbicinen 677 pautenfell 235 -fiöl)le 234 236 238 -treppe 238 240 243 Peitfdjenrvurm 622 Peljigfein 806 Pemphigus 775 Pentastomum 622 Pcpftn 32 187 723 -effenj 723 -brüfen 186 -mein 723 Pepton 187 Percuffton 658 Periarteriitis 667 Pericarditis 665 Pericarbium 161 -djonbrium 39-mpfütm 107 -ncurtum 120 Periobe, latente 464 Periodic Neuralgia 517 Perioft 81 238 Periostitis 834 Periproctitis 732 Peritonitis 736 Perityphlitis 732 Pcrlfurfjt 303 698 Pernicious Fevers 516 Perntete 348 Perfpiration 213 Peft, orientalifebe 495 Petecbialtpplfuö 491 Petedyien 492 651 655 Peterfilie 568 Petit'feber ßanal 248 255 Petrefacten 58 Pcper'fd'c Raufen 188 Pfanne 81 Pfeffer 317 Pfeilgift 556 566 Pfeilnaljt 87 Pferbefdnvcif (Pücfenmarf) 132 Pfirfiebe 582 Pflanzen 48-50 -fafer 22 -gifte 549-589 -foftl39 327 -febleint 24 16 22 Pfiafterepitpelium 46 Pflaumen 324 582 Pflege ber Singen 363 388 -ber 357 -ber äUuefeln 354 -ber 9lä= gel 360 -be£ Slthmungöap* parat§ 354 -beö Pluteö 296 299 -beS PlutverlaufS 299 329 -beS ®el)örS 388 -bc$ $aare§ 360 -be§ Äel)tfopfeä 366 -bc§ Körpers 296 330 -beö ÄörperS in ben verfehle* benen PerufSarten 387 -be£ ÄörperS in ben verfdfiebenen ßebenSaltern 367 -be§ Per* penfpftemS 124 -be§ Pcuge* borenen 368 -be£ 369-378 -be§ Stimmor* ganö 366 -beö Perbauungö* apparatS 355 -bcs Pcrftan* be£apparat3 361 Pflugfcparbein 35 91 227 Pförtner Piorgenö j 184 -flappe 185 Pfortaber 157 190 -blutlauf 157 -ftoctungcn 327 733 Pfriemenfeptoanj 620 Pfunbnafe 782 Phalangen 101 Ppanerogamen 550 Ppqntafiren 795 Pharyngeal Catarrh 713 Pheasant's Eye 574 592 -fäure 26 592 Phlebitis 669 13 17 -bäinpfe 603 -nefrofe 607 -fäure 17 -faurer Äalf 17 20 205 -vor* giftung 391 589 601 606 Phthiriasis 6'25 Ppplogenie 54 pppfiologic 51 67 69 Pppfoftigma venenofum 579 ppptogen 16 Pia mater 128 505 Pigment 30 -förner 192 -frebö 635 -mäler 632 -fdudjt ber 253 Pifrotopin 569 Piles 733 Pillen 453 -, blaue (Blue Pilis) 592 -, PJorrifon'fdje 728 Pilocarpin 585 Pilj, fal)lmacl)enber 785 Pilje 21 31 311 550-552 608 Pinkroot 566 Piffe, falte 749 761 Pityriasis 772 783 Plätterinnen 394 piaqueö 189 Plaönia 34 piaffon 56 piattfufj 847 -mürmer 614 pieitra 171 -blätter, 33er* ivacbfung her 707 Pleurisy 706 Ploml'iren ber 3äßne 715 835 Pneumatifdjer 5!(pparat 693 Pneumoccus 694 Pneumonia 694 Poeten, echte 472-474 -,ge= milbcrte ober mobiftcirte476 -impfung 475 Pobagra 842 Pöfeln beö fylcifcbeö 611 Poison Eider 576 -Hem- lock 568 -Ivy- Oak- Vine 576 Pake 578 PoIarifationSaapparat 743 Polartlima 345 Polepol 546 Polfaftcber 494 Polppcn 630 681 682 735 826 831 Polppbplctcn 64 Porcellanfteber 769 Poren 52 Porft 584 Potash 592 Potafcfje ofcer Pottafdje 17 592 606 Potenz Perluft bcr 743 Pott'frfje Äranfljcit 838 Präcipität, rotber, -meifter 597 Prickly Heat 789 Primelblütige 583 Primitivbünbcl 42 Privet 580 Proctitis 732 Proglottis 614 PrognofiS 408 Proportionen be§ menfcljli- cfcen Äßrperö 78 79 Profoplegie 812 Proftatabrüfe, ber 755 -,$ppcrtropl)ie ber 761 763 Protamöben 57 Protcinftoffe 26 901 «protiften 8 5 7 61 «ProtovlaSma 29 34 56 216 ißrunfotter 538 542 543 Prurigo 773 fpfcurocroup 680 Psoriasis 772 ipfvcbifcbe Störungen, SPfp; chofen 814 Pterygium 823 «Ptpalin 182 196 puerperal fieber 735 Pulmonary Congestion 691 -Consumption 698 -Gan- grene 697 -Oedema 691 $ulS 160 165 447 -abern 145 151 157 164 -fregueng, erhöhte 702 ,fd)(ag 165 447 5ßulSabcrcntjünbung 667 -gefdjwiilfte 667 668 Function 707 737 Pupille 248 250 ipurgirwinbe 561 $urfinje'fd)e Slberfigur 265 Purpura 651 $uftelfled)te 774 «Pufteln 764 «ßpämie 535 861 Pyelitis 758 Ipplorus 184 Pyo-Nephrosis 757 Sßpramioenbein 100 Quabbeln 769 Quartanfieber 516 Quecffilber 341 597 6u5 Quellen (SRineralivaffer) 315 316 -,warme 316 Quellwaffer 19 312 Querfurcßc ber Peber 190 Quergrimmbarm 184 Querlähmung 813 Quctfdntngen 855 Quotibianfieber 515 Rabies 525-531 Stadjenbräune, epibemifdje 480 -catarrh 713 -enge 182 -hoble 266 Stäudiern beS gleifBeS 305 611 -beS JJimnicrö 341 Stäube 612 Stäufpern 178 Siaßin 304 Staffen 64 Stationen, tägliche 326 Slattengift 599 601 Rattlesnake 538-541 Staudtfleifd) 305 Staufdt 587 Stealgar 599 Sleßenbolben 569 584 «Reeibiv 102 SleconvaleScenj 401 Steflej, Bewegungen, -em= pfinbungen 123 124 Stegenbogenhaut 249 251 -entjünbung 823 Stegenwaffer 19 313 SteibungSgeräufch 872 Steife, Slbfdmitt ober 3eit= raum ber 287 386 Steinigung ber -gant 358 -ber Äopfhaut 360 -beS SBluteS 357 -beS ÄranfenjimmerS 422-424 431 SteinigungSflpftier 198 SteiS 309 324 -mild) 438 -ftärfemebl 765 -waffer434 Steiften 833 Sleifjner'fdje SRemßran 239 Steij, nervöfer 119 -barfeit ber Slcrven 123 Relapsing Fever 493 Slemaf'fdte ftafern 44 Remittent Fever 517 Renal Calculi 759 -Conge- stion 751 Stefection 839 Steferveluft 176 Stefonanjorgan 269 Siefpiratton 173 Stcfpirator 390 681 706 Stetina 248 253 StljadjitiS 683 836 Slheuma, Stl)eumatiSmuS833 Rhus 576 Ricinus 574-576 -öl 25 574 727 728 885 Rickets 836 Stiecßapparat226 -mittel831 -nerven 228 -fdtleimhaut 228 -ftoff 229 -jeden 229 Stiegen 226 Slinbenfdjidjt beS JpaarS 211 -fubftan j ber Stieren 200 -fuß - ftanj beS®ehirnS, graue 126 129 217 Slinbfleifdi 306 324 -ßrüße, -ertract 435 Stingflcchte 627 785 -fnor= pol 267 278 -Wurm 657 725 Stippen 94 279 -athmen 174 -feil f. SSruftfell -feUentjüns bung 706 -halter 112 -fnor- pel 95 171 Stitterfporn 573 3tod)eller Salj 494 885 Slöhrenfnodten 42 Stöthe ber <§aut 450 Stötheln 467 Stögen 309 Stoggen, -ßrob 309 Stohrjucfcr 24 Stollbinbc 461 «Roller 110 115 SioIIflelenf 81 -IjüflcI 102 -,muSfelnerv 127 «Rofe 503 633 Stofenfranj 836 Stother §itub 789 Stotblauf 503 Stofcftift 392 524 533 Rough on Rats 601 Round Worin 621 Siubeolen 467 «Rußen 310 324 Stiufen 280 -muSfeln 112171 -nerven 133 -wirbel 94 133 Stücfenmarf 87 119 121 121 126 131 132 277 StücfenmarfScanal 133 -barre 802 -erfdjütterung 803 -fa= ben 132 -gifte 521 -baut 132 -franfbeiten 801-803 -muS= fein 112 -nerven 121 132 133 -nervenfpftem 119 131 -133 -fcßtvinbfudjt 802 9?ü(f493 Stücfgrat 94 280 StücfgratShöhle 132 -fpalte 803 -verfrümmung 383 838 Stuhr 510 Stumpf 69 94 280 -freifen 353 -muSfeln 112 -fielet 94 Run Around 786 Rupia 776 Stuptur beS JperjenS 664 Ruptures 877 Sabcßaum 552 Säcfd)cn •' int Qßr) 238 Sätfe, feröfe 153 Säuferfranfheit 318 -Icßer 739 -Waßnfinn 587 588 695 Säugen 368-370 Säuglinge, beruhigen felben mit Opium 581 -«Pflege ber 369-378 Säuglingsalter 286 369 - 378 -,5tranfl)eiten im 377 Säure, arfenige 523 599 Säuren, äfeenbe 523 -,anti = feptifdje 26 -,gasförmige 606 -,organifcße 25 29 -,25er= äfcungen ober Sßerbrennuns gen mit 524 589-592 863 -Vergiftungen mit 524 589 -592 606 Saftbeivegung 119 -canäl= eben 37 Sago 23 435 437 Salamanbcr 543 Salat 310 558 902 Salbe, graue 597 -,milbe765 Salict)lfäure26 33 458 862 -Watte 458. 862 Salivation 711 Salmiafgeift21 524 547 885 -Vergiftung mit 603 Salpeter 17 593 -cneuger 16 -fäiire 21 590 -Säure= bämpfe606 -Säure, raueßenbe 524 590 602 606 -,Säure, reine unb roße 590 Saig 20 316 -fluß 771 -gur; fen 310 -ßaltige Quellen 315 -fäure 17 591 -fäurebämpfe 606 Salge 9'15 299 Sanbbäber, heiße 806 -floß 624 -Viper 543 Santorini'fcßeö §orn 268 Sareolemina 42 137 Sarfom 634 Sattßalö 673 Sauerampfer573 591 -flee; falg 591 -traut 310 -ftoff 14 139 168 205 299 301 -ftoff; aufnaßme inben Sungenl75 -177 -ftoffgaö 14 -ftoffver; binbungen 9 -teig 31 Saugabernl41 153-flafcße, -ßüteijen 317 Savine 552 Scammony 561 Scarlet Fever 468 Schabet 84-94 126 276 -bcS Steugeborenen 90 374 -formen 65 -ßößlc 86 92 Sd)affleifd) 306 -mild) 304 Sd)all233 245 388 -empftii; bung 245 -empftnbungöap; parat 241 Scßambein 84 96 283 -fuge 96 -muöfel 117 Scßarbod 654 Scharlacßftebcr 303 468 477 Sdjarniergelcnf 81 Sdieelfdjem Orün 599 Sdieibewaffer 524 590 Scheintvb 288 848 849 Scheitel 277 -Bein 85 87 89 Sdjenfelarterie 159 166 284 -bein 80 -binbe 117 -briiehe 115 877 -muöfeln 113 114 117 118 -venen 159 Scberbenfobalt 599 Schiefhalm 845 -werben 383 384 838 839 -gäl)ner 65 Sdnelen 256 824 Schienbein81 101 285 -leifte 102 -inumtel 117 Schienen (für Vrücßef) 872 Schierling 567 568 Scßiffmtppßum 49i Schilbbrüfe 156 266 278 -brüfevergrößerung 673 -fnorpel 267 278 Sdjimmelpilg 31 Schinfen 324 -gift 525 548 Schinnen 788 Schläfenbein 85 87 -gegenb 277 -grübe 94 -ßöl)le 86 -m umfein 111 Schlaf 285 289 362 -,2luf= fahren unb 'äluffcßrcdien im 794 -beö Säuglingö 375 -loftgfeit 794 -moßn 580 -fuch.t290 794 -Wanbein 290 795 -gimmer 362 Sdjlagabcrn 151 164 -anfall 797 -ftuß 39 129 152 287 648 667 797-799 809 Schlangengift 522 535-538 -traut 553 554 Schleimabfonberung,catarr; halifche 675 -beutel 110 -beu= fclentgünbung 846 -Schleim; briifen 182 -fluß ber 33ron= chialfchleimhaut 689 -l)ä= morrßoiben734 -haut 45 206 -hautpolppen 682 831 -fd)ei; ben 110 -fd)id)t46 207 -ftoff 27 182 -genfer 24 Sdjlemm'fdfer ©anal 248 250 Schlingbefcßwerbcn 714 716 -bewegungen 196 Schlingen 720 Schluchgen 178 720 Schinden 720 Schlüffelbein84 95 100 279 284 -arterie 159 -blutaber 149 279 -muStel 113 -nerv 130 -puimaber 78 166 284 Sdjlunbl80 183 266 -galt: menbogen 181 -topf 87 126 180 182 277 -Verengerung 456 590 Schmaroßer 607-627 Schmcctbed)er 231 -gellen 231 Schweifen 226 Scßmeerfluß 779 788 Schmeißfliege 623 Schmerg 222 Schmierseife 613 Schmufeflechte 776 Schnapm 721 738 Schnarchen 178 Schnede (im SDljr'l 235 238 Sdmedencanal, -gang 239 243 -nerv 238 243 -fpinbel ,-fpirale 239 243 Scßneerofe 572 -Waffer 19 313 Schneibcn beö $aareö 364 Scßneibermumtel 117 237 Sdmeiber'fche $aut 229 Sdjnüren, übermäßigem 349 350 670 733 Sd)nupfen228 793 829 Schnupfpulver 831 -tabaf 320 366 Sd)öKfraut 582 Sdiöpfungmgefdjidjte 54 Sd)reiberframpf 807 Schröpfen, Schröpfföpfe455 Scßüttelfroft 400 447 -laß; mung 812 Schußwerf349 -gwcdcnleber 739 Scßulbänfe 383 -befud) 384 -tropf 674 -gimmer 383 Schulter 279 284 -blatt 84 100 284 -gelcnf 84 -gürtel 99 -höbe 100 -,ho[)C 383 839 -muöfeln 116 -,fd)iefe 383 839 -Verrentung 878 879 Schuppen 764 -flechte 764 772 -naht, -tßeil 87 Sdjußwunben 862 Sd)ußbri(len388 -poefen 475 Schtvachfinn 817 Schwämmchen 355 627 713 Schwämme 550-552 Schwär 767 Schwamm 368 438 819 861 Schwangerschaft 325 717 718 SdjWangbein 94 96 SdiWargblütigfeit 673 -brob 309 324 -flicht 673 Schwefel 16 -biojpb 341 -fäure524 589 -fäurebämpfe 606 -wäffer 315 -wafferftoff, wafferfloffgam 17 32 525 853 Sehwcineftnne 616 -fleifcß 306 324 Sdjwemmfurtcr ®rün 599 Schweiß 47 213 -abfonbe= rung, verminberte 764 -bän= ber 596 -bilbung 213 -canal 207 -brüfen46 207 209 213 -fuße 7?*9 -ßänbe789 -poren 207 209 -pulver 360 789 Schweiße, colliquative 698 -,übelriecbcnbe 789 Scl)Weninger;ßur 650 Schwerathmigfeit 676 693 -harnen 749 -hörigfeit 237 364 825 828 831 -mutl) 815 Schwielen 632 Scßwinbel 199 793 Sd)wmt'flechte 773-Jucht 698 -fudjt, galoppirenbe 699 SdiWißen 212 213 Sdjwuilb 660 698 Sciatica 805 Scirrhuö 635 Scolopendron 545 903 Scorbut 398 654 Scropbeln 671 Scropbelfranfheit, Sropbu« lofe 327 398 643 Scurvy 654 Sea Sickness 801 Seborrhoea 779 Sccrete 46 Secfranfheit 801 -Jcorbut 654 -Ivaffer 312 Sehapparat 247 -nerv 125 127 130 248 -purpur 264 Sehnen 107 -haut 107 -hüpfen 288 -fcheibenentjün= bung 633 845 Scibelbaft 555 557 Seifenlauge 592 Seiten fted) en 672 695 SelectionStbeorie 59 65 Sellerie 310 573 SelterStvaffer 316 Senf 317 586 885 -öl 586 -Vflaftcr 453 586 885 Senfgrube 343 SenfitngSabfcefj 834 Septicamie 535 637 861 Scqucftcr 835 Serum 148 Sefambetn 101 Seuchen 464 Seufjcn 178 Shaking Palsy 812 Shingles 770 Sicfeelfortfafe 128 Siebbein 85 91 227 Silberojpb, falpetcrfaureS 598 Silveftcr'fcbeS Verfahren bei Scheintobt 850 SinneSeinbrücte 122-nerven 71 219 221 -Organe 222- 265 -organe, VPefle ber 362 -366 -täufchungen 232 818 -t[)ätigfeit 119 Sifebein 96 283 -fitorren 96 Sfclet 80-103 -muSfeln 80 107-118 Sfoliofe 383 838 Storpione 544 Small Pox 472 Soba 17 20 316 593 Sobbrennen 721 Solanin 28 561 562 Sommercholera 730 -fprof; fen 787 SomnambuliSmuS 290 795 Sonnengeflecht 135 202 -licht 33i -fließ 868 Soolbäber 837 Soor(-pilj) 627 703 713 Sopor 290 784 Spaltpilze 31 493 Spannfnorpel 267 -traft 53 138 -muSfel fbeS 9(ugeSj 250 Spasm 806 Spasmodic Asthma 689 Spetflebcr 673 740 757 -milj 673 740 -niere 740 756 Speiche 100 114 284 Speichel 182 -brüfen 182 -flub 711 -fteine 716 Speifebrei 197 -röhre 70 180 183 186 278 355 -röhre, grembförper in ber 854 854 -röhre, Verengerung ber 590 -fuft 140 144 150 180 Speifen 300 -,bläl)enbe 720 SperlingSecfcn 788 Spiegelfcbrift 798 Spielzeug 380 Spiefjglanz 594 Spigelie 566 Spinal Concussion 803 -Curvatures 838 Spinalganglion 133 -irrita= tion 804 Spinat 324 439 Spinnen 543-545 Spinnlvebenhaut 128 132 153 Spirituofen 318 319 -,SD?ifj= brauet) ber 587 709 717 721 722 738-740 746 754 797 Spifepocfcn 476 Spleen 804 Spotted Fever 505 Spracbapparat 265-275 -centrum 274 -entiviiflung 63 64 -läfemung 797 -lofigfeit 274 832 Sprache 274 Springtvurm 620 Sprungbein 102 Spülfannc 420 456 Spulwurm 621 Staar 249 255 824 Stachelbeermilbe 623 Starte, -xuefer 22-24 Stammeln 275 StammeSgefcbicbte 54 Staniol 596 St. Anthony's Fire 503 Stapb'plom 823 Starrframpf 566 806 811 -fud)t 811 Staub 390 Staupe 807 Stechapfel 563 564 Steigbügel 235 238 -jerftös rung 827 Steinfranfheit 204 762 -febnitt -,fonbe -,zertrümme: rung 763 Steißbein 96 280 283 -brüfe 156 -nerv 133 Stellfnorpel 268 Stenofe 663 StepljanSförner 574 (Sterben 287-289 Stetboffop 288 Stifterinnen 393 Stüfflufj 287 692 -Ijuften 478 -ftoff 16 198 205 -ftoff: oppbul 605 «Stillen 325 Stimmapparat 266 -bänbcr 230 268 270 -banbläbmung 367 684 -organ 266 -organ= pflege 366 -rifee e 230. 268 -rifeenframpf 683 -ivechfel271 Stimme 265-273 Stinfnafe 831 Stippchen 764 Stirnbein 85 89 -höhlen 86 89 126 277 -nabt 89 Störungen, geiftige -,pfpcbi= fdje 814 Stocffcbnupfcn 831 Stoff 6 8 14 -metamorphofe 49 50 -ioecfefel 6 9 48 139 Stottern 275 832 Strabismus 824 Strangury 749 Streifer (SOtuSfeln) 110 Streidffeölgdfen 601 6t 6 Stricturen 749 Struma 643 673 Strumpf 349 350 -bänber 350 Strpchnin 28 566 Strychnos 565 Stuljlbrang 728 -trägfeeit 727 -Verwaltung 727 -zäpf= eben 728 735 -jtoang 728 Stummheit 365 828 Sturmljut 571 572 Stuttering 832 St. Vitus Dance 810 Sublimat 522 597 Sucfet, fallenbe 807 Süb=®arolina 703 Sulphur 13 16 Sulphuric Acid 589 Sumacb 576 Summer Complaint 730 Sumpffieber 513 -traut 554 -läufefraut 560 -porft 584 Suppositories 728 Sutur 81 Sycosis 781 Symmetrie bcS ÄörperS 77 Sömpatfeieuö 44 134 Sympathie, Oefefe ber 124 Spmpfepfe 81 Symptome 407 444-450 Spncope 287 904 ©Energie, ®efe£ ber 124 ©pnovia 84 ©pnovialljaut 81 84 (Spntljefe, organifcße 49 ©.nntonin 27 ©tjrup 24 317 ©pftole 163 X. Trbaf562 -tauen 320 -mifj« brand) 562 -rauchen 320 523 Taenia 614 Talgbrüfen 207 208 Tannin 33 360 524 Tanken 385 Tapeten, giftige 600 606 Tape Worin 614 Tapioca 437 438 Tarantel 544 Tafdjcnbänber 269 -Ventile (an bcr Slorta) 162 T rftförperdjen 225 -ftnn 45 222 225 366 -ftnn beg ©äug« lingg 376 -Wärjdjen 207 232 Taubheit 364 828 -fein 806 -ftumml)eit 365 828 Taumelferbel 569 -loldj 552 Taufenbfufj 545 Teint 207 Temperament 73 76 409 Temperatur beg Vabeg 358 368 374 886 -beg Ärantcn« jimmerg 424 -ftnn 45 222 225 366 Tenesmus 728 Tertianfieber 515 Tetanus 811 Tßce 300 320 524 Theorie, atomiftifdje 10 Thermometer 424 446 886 Tßierßiilfentviirm 620 Tborafocentefe 707 Thoraj 95 Thränenbein 91 227 -canal 91 257-canaIentgünbung821 -brüfen 131 257 -fiftel 257 821 -farunfel 250 256 -fad 257 -fee 257 Thread Worin 620 Thromben, Thrombofe 667 669 Thrush 713 ,Tl)i)mugbrüfe 155 Tic convulsif 807 -doulou- reux 805 Tobfucßt 527 Tob 285 287 Tobtenflcde 288 -labe 835 -ft.irre 43 123 289 Tollheit 815 -firfdte 559 562 -fud)t 815 -ivutß 525-531 Tomate 562 Tonsillitis 714 Tourniquet 857 Trachea 169 Tradjealcatarrh 680 687 Tracheotomie 482 686 Träumen, Traum 290 362 Tragbahre 883 -ftul)l 429 883 -franj 884 Trangport Verunglüdter879 883 884 Traubenjuder 23 24 182 397 Tridjinen 307 608 Trinfen 329 357 Trinftvaffer 343 Trtgmug 811 Troicar(t) 737 Trommelfell 234-238 365 -franfbeiten 827 Tropenfteber 518 -flima 344 Trübftnn 815 Trunfenhcit 448 587 Tuberfelbacillen 483 691 698 Tubertulofe 483 691 698 Türtenfattel 87 89 Turnen 352 385 Typhoid Fever 484 Tl)pl)ug 303 484-493 Tl)pl)litig 732 IL Uebelfeit 718 Ueberanftrengung berÄinber 382 -bein 633 846 feit 262 825 -fiebelung in ein neueg 342 -ftebe« lung in ein neueg ßanb 346 Uebler ®erud) aug bem SKunbe709 Hebungen beg ®el)irng 219 -,gi)mnaftifd)e 352 839 Ulcer 768 Umbetten beg Traufen 425 Umgebung beg 343 Umfcßnürung, elaftiftße 857 UnglüdgfäUe unb gen 848-884 Unorganifdteg 9teidj ber 9?a= tur 8 Unterarm 100 -armfnodjen 80 -binben856 -grätenmug« fei 113 -ßautfettgcivebe 207 -tiefer 85 89 91 278 -tiefer« brüfe 181 -fieferfpeid)elbrüfe 130 -ficferverrenfung 878 879 -fiefer)vinfel91 -fleiber, ivol« lene 348 -leib 282 -leib, Vlutanfdjoppung im 733 -leibgbrüdje 877 -leibgent« ßünbung 165 736-leibgfranf« feiten 193 -leißgtvpßug 484 -fa(peterfäure«©ämpfe 606 -fd'enfel 101 284 -fchcnfel« arterie 159 -fchenfclbein 101 -fdtenfelfnodjen 102 -fdten« felmugfeln 118-fchenfelvenen 159 -fdjleimhautgeivebe 45 -fudning, mifroffopifelje 702 -fucßung, phpftfalifcße 658 702 -aungenbrüfe 181 Upagbaum, -gift, 556 565 Urämie 204 637 750 Uraribaum 565 Urin 24 204 747 -glag 426 -Verfärbung 579 592 747 Urmaterie 8 54 -menfdj 63 Urobilin - -hämatin 205 Urfpracße 63 -ftoffe 8 16 -tl)iere62 -)vefen 61 -jelle 62 -jeugung 56 Vaccination 475 Vaecuolen 34 Vagug 131 Valvular Diseases 663 Vanille 317 -eig«Vergiftung 589 Vapeurg 804 Varicellen 476 Varicose Veins, Varicosity 670 Varioloib 476 Varolgbrüde 126 277 Vascular Tumors G31 Sßafetin 765 Vater'fdje itörpercßen 223 Vegetarianer 327 641 810 Venen 145 149 151 159 166 251 669 -er« Weiterung 670 -gelvebe 152 -fteine 670 Ventilation 333 337 Ventrifel (beg ®cl)irngJ127 -fbeg §erjeng) 161 Verübungen 589 863 Veratrum album 556 -vi- ride 554 Verbänbe 458-463 860 862 -,er()ärtenbe 873 Verbinb ungen bcr (Elemente 13 -ber Urftoffe 8 -,organt- fd)e 8 22 26 -,unorganifd?e 9 18 Verbrennung (Ojßbation) 52 -(Verlegung) 863 Verbrühung 863 Verbaulid)feit ber 9?ah« runggmittel 321 Verbauung 119 179 300 -,d)emifd)e 179 196 -i>e$ ©äuglingg 370 -,medjanifd)e 179 195 Verbauunggapparat 72 179 905 -199 355 -canat 180 -brü- fcn 46 -organe, Äranfbeiten ber 708-746 -proceff 179 -roljre 180 -gelt 324 372 Verdigris 593 ©ereiterung 401 ©ererbung 59 -von jlranfs beiten 403-406 628 817 ©erfettung be§ <§erjenö 659 ©erfettungen 648 527 815 ©ergiftungen 521-607 -mit gafigen ®iften 602-607 -mitmineraIif(J)en®iften589 -602 -mitpflanzlichen ®if= ten 549-589 -mit tbierifeben ®iften 524-549 ©erfnödjerung ber SdjäbeG fnodjen 89 ©erfoblung 33 863 ©erfrümmungen 383384838 839 872 ©erlängerteS SJtart 126- 128 132 855-879 ©ermeljrung ber £)rgani§= men 59 -ber gellen 35 ©ermoberung 32 ©ernunft 220 ©errenfungen 877 878 880 -882 ©erriebtungen be§ menfdj* lieben ÄörperS 69 71 ©errüeftbeit 815 ©crfcbleimungcn 712 ©erfcblucten 854 ©erfdjorfung 863 ©erfdjutten, Srftidung nach 854 ©erfpredjen 787 ©erftanb 124 219 376 ©erftanbeSapparat 69 215- 275 361 -367 376 379 ©erftauebungen 877 ©erftopfung 727 ©ermanbtfebaft, djemifdie 11 52 -von (Seeleuten 406 ©erlvefung 32 49 ©erivirrtbeit 815 ©ertounbungen 458-463 855-864 866 ©eficuläratbmen 178 855 ©ibiceö 651 655 ©ibrionen 31 497 534 ©ierbügel 128 ©iper, 9tebifd>e 543 ©ipern 538 Virginia Creeper 584 ©irginien 5«6 573 Virgin's Bower 574 ©itale Sapacität 177 ©itellin 27 ©itriol 589 600 ©ogelmilbe 624 Vomiting 718 ©orberarm 100 284 -arm = fnocfyen 100 138 -armmu3= fein 115 -IjauptSfontanelle 89 -iäl)ne 92 ©orbof 238 ©orfyofSnert) 238 242 -fäd= dien 241 -treppe 238 240 243 ©orfammer (be3 <§erjen§) 157 159 278 ©oricjen im Äranfenjimmer 417 ©orfteljerbrüfc, ©ergröfje= rung ber 763 ©orverbauung 179 SS. ©Sadjäfbum 48 218 ©Sabcn 285 -bein 101 285 -beinmusfel 117 -frampf 350 -fddagaber 285 ©Särme 24 33 53 139 296 337 -,animalifdje53 119 445 -meffung 445 ©Särmftein 420 ©Särjdfenfdjidd ber ßeber= baut 208 ©Säfdje, ©Sedjfeln ber 358 418 -Prodncn ber 333 ©Sagner'fdje Ä'örperdjcn 225 ©Sabnfinn 815 ©Sabrnebmungen, entopti= febe 265 -,entotifdje 246 ©Salbläufefraut 560 -rebe 570 ©Sallnufjblättertbee 647 ©Salhvärjcben 231 ©Sanberniere 199 -ratten609 -rofe 505 ©Sanbung§ftrom 146 SBangenbranb 713 ©Janjen 624 ©Sarmmafferumfdiläge 420 453 Warts 787 Warty Tumors 632 ©Sarjen 632 787 -gefdpvülfte 632 -ibeil 85 87 88 ©Safcbcn358 -ber ßinber379 -be3 Säuglings, 374 ©Safdmatron 593 ©Safebungen, falte 358 359 641 678' ©Jaffer 18 33 55 296 299 311 -clofet 340 -bunft f-ga§ j 18 21 -gefdpvulft beruhigen- über 449 610 -ber güfje, be» ©cfiebtb, beS 449 873 -baut be£ SlugeS 248 -flapperfdjlange 540 -falf 720 -fopf 89 128 673 799 -freb§ 713 -leitung 3!4 -lobelie 558 -pöden 476 -ranfen 561 -fdjeu 525-531 -fd)ierling 567 568 -fdjlag 800 -ftoff 12 14 198 -fucbt 449 557 708 -fünfen 329 357 382 -toerfcfüufj 334 335 Wasting Palsy 613 Water Brasil 720 -Cancer 713 -Dropwort 569 -Hem- lock 568 -Mocassin 541 -Battle 540 Waxy Liver 740 Sßedjfelfteber 514-517 519 520 557 672 -frampf 806 Weeping Eye 821 2Bcib(id)e 393 394 -©ruft 76 -gorm 75 76 -® röfje 74 -Äleibung 349 350 -Proportionen 79 -Stimme 270 271 2ßeiblide§2ltbmen 174 -©e= den 74 76 96 -©lut 145 -®e()irn 126 -®en>idd 74 75 -£cn 161 SBcicver ®aumen 228 277 Sßeidjfeljopf 772 Sßeibenrinbe, ©bfodmngen Von 524 SßeibnadjtSrofe 572 2ßein 300 319 -gcift 31 604 -fäure 25 591 594 -ftein 26 -ftein=ßimonabe 434 -ftein= fäure 26 594 -trauben 324 -Oviloer 584 2ß einen 178 Sßeifjbtütigfeit 145 672 -brob 309 324 -traut 324 -fud)t 252 -lvein=2Bl)ep 436 SBeitfidftigfeit 262 825 309 -ftärfemebl 23 SBelfenbeä menfcblidjenitörz perb 287 386 Sßeltanfdjauung, caufale ober medjanifcbe 54 -,moni* ftifd)e56 66 -,teleoloQifcfje 66 Wens 633 2Berlt)of'fcf)e ftranfßeit 651 SBcfen, ba§ böfe 807 86 -fticße 546 547 683 Whip Worin 622 White Helle bore 556 -Mountains 507 Whitlow 863 Whooping Cough 478 2ßieberbelebungbverfud)e849 -854 -impfung 476 ©Siegen beä ftinbeö 376 ©Jiener ©rün 599 ©Jilbbäber316 -pret306 324 Wild Ginger 556 -Rosa- 906 mary 584 2Bille 76 123 220 2ßillenlofigfeit 816 Sßimperbcivcgung, SBimpern (fVliminerbäreben ) 46 104 SBimpern (beö füugeä) 211 256 -,@inmärt§fteuung ber 820 JBinbc 720 SBinbel 373 SBinben 560 SBinbfolif 720 729 -poden 476 SBinbungen bc£ (SebirnS 218 SBinfelgelenf 81 SBinterblume 572 SBirbel 94 97-99 -arterie 87 99 166 -banbfeßeibe 97 -canal 87 -entjünbung 838 -förper 98 126 277 -fäule 94 97 123 149 -fäule, Sehmerjenan ber 804 -fäule- verfrümmungen383 384 838 SBiöconfin 584 SBoljnort 331 344 SBopnung 331-344 SBolf 765 -,freffenber 776 Wolfsbane 572 SBolfSmilcb 571 574 -rachen 91 2BoHen215 361 SBoUene Strümpfe 350 -Uns terfletber 348 SBollßaare 211 SBriäberg'fcpe Knorpel 268 Writer's Cramp 807 Wry Neck 845 SBürfelbein 102 SBürmer, fdjmarobenbe 608 -612 614-623 SBütfierich, giftiger 568 ÜBunbbehanblung 458-463 525 855-862 -bipl)tberitig 861 -fieber 861 -peilung 861 -franfpeiten 861 -liegen 427 428 -ränber 459 -rofe 503 861 -ftarrframpf 811 -verbänbe 458-463 860-862 -matte 458 862 SBunbe fDZunbivintel 788 -Stellen 460 Bunben 855 -,eiternbe 460 62 -,vergiftete 524 525 ■jBunberbaum 574 575 SBurarapfeilgift 584 SBurm, -beulen 533 -fortfab 184 194 311 -fortfab, =®nts jünbung 311 732 -gift 392 533 -tranfbeit 533 534 -mits tel 621 622 SBurft 307 -gift 524 525 548 5H3 be§Bab«eä 91 -rinbe 92 -fcßeibe (be8 §aar§) 211 SButßgift 392 524 525 -frant'beit 525-531 .Fantßopfie 622 Meine 836 837 Yellow Fever 495 - Jasmine 566 Yew 552 3. Bäbne 91 -,9lm3brucb ber 92 377 378 -augfchläge 378 -,cariöfe ober I)oßlc7i5 835 -,5ßlombirenber715 -,fcßarfs fantige 366 714 -,Stocten ber 355 715 743 835 Bäpfcben 181 227 266 278 -,angef(i)mo(leneS 714 -,vers längerteS 711 714 Bubi ber füthemjüge 177 -ber $Ul$fcbläge 165 447 Babnbein 92 -bürften 355 835 -fiftel 716 835 -fleifel) 91 -fleifcberfranfungen 377 594 596 598 602 607 655 712 716 -fortfab (besS 2. <§al§= mirbem) 126 -gefcbtvüre 716 -gefcljmulft 711 -ba!3 91 92 -böl)le 92 -feim 92 -främpfe 810 -frone91 92 -pulver 835 -reifen 125 715 805 -fcßmelj 92 -fcßmerjen 715 -ftein 716 -fubftanj 92 -mecbfel 92 93 -murjel 92 Bahnen 377 Bapfen, -fcpiibt ber Stebbaut 253-255 -tljeil (be§ hinter; bauptSbeinS) 87 Baunrübe 577 578 Beete 623 Beben 101 117 285 Bebrfteber 400 698 Beicßen be§ Stöbet 289 Beitlofe 554 Beitraum ber Steife, -ber Uns reife, -beS SBelfend 286 287 367 BeHatßmen 178 -geivebe 37 -baut 35 -baut (beö Singe») 251 -fern 34 -membran 35 -plätteben (au§ ber SOtunbs böble) 36 -ftoff 22 37 Bellen 34 u. ff. 69 -biffes renjirung 35 36 48 62 216 -territorium 37 -tl)ätigtctt 52 -tl)eilung 35 62 -t[)eorie 34 -Vermehrung 35 35 Betreiben ber §cntvanb 664 Berfebung organifcljer Sub* ftanjen 30-33 BerfefcurtgSgifte 522 524 Berftäubungöapparat 681 Biegenmilcb 304 -pctcr 715 Bimmergpmnaftif 352 353 -lüft 332 ff. -temperatur 337 338 886 Bimmt 317 Binf 595 -gefcbirr 328 -falbe 765 -Vitriol 600 Binn 595 -gefcbirr 328 Binn'fcbe B0111^11 255 Bipfelflappen 162 Bipperlein 842 Bitterlähmung 812 Bittern fber Säufer) 588 Bonen 344 345 Bvogen 16 Botte 51 BottenfrebS 635 Bubereitung ber ßranfenfoft 433-440 -ber 9Zal)rung§s mittel 300 321-328 59 405 Buder 24 43 317 -ljarnruljt 397 638 743 768 -franf&eit 743 -proben 743 -rühr 743 -fäure 591 Bugpflafter 453 Bulp 372 Bunge 112 126 181 183 230 266 277 -,belegte 449 711 -,franfl)afte8 ber 449 -,8öfen ber 231 -pflege ber 355 366 Bungenbänbtf)cn 181 231 -bein 91 126 183 230 231 266 277 -bucbftaben 274 -fleifcbnerv 127 232 -freb3 636 637 -muffeln 112 230 -fcblunbfopfnerv 232 -märs= eben 230 231 -murmel 231 269 Buftänbe, aHotropifcbe 16 B'vercbfell 70 115 184 278 282 BtoergWucßS 818 Biviebel 317 Bwielicl)t 363 -ivucb§ 836 Bwilling8mu§fel 113 117 Bmifcpengelcnffnorpel 101 -tiefer 5 -fieferbein 90 -rips penmusfel 113 117 -rippens fcßmerj 805 -tvirbelfnorpel 278 -tvirbeUocB 96 113 -jeHs maffe (fubftanj) 37 39 Bivöfftngcrbarm 184187 278 283 -,Katarrh im 729 Bpmotifche ® if te 522-$ranf= Ijeiten 399