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D. ©antmt ttad)trä'gtid£)ett Slbljanblungen über unb Slnbeutungen üBer bte Befte 31 rt ber Steinigung unb Lüftung »on ©eBäuben, ©Riffen u. f. ro. %fltd)ten erfüllen, auf baß wir emporbtiden 3« tt)m, feiner ©nabe tt)etlt)afttg werben unb in eine ewige ©eltgfeit eingeben. „Sßen ber Vert lieb t)at, ben anfüget er, unb wtnn wir bie 3üd)ttgung ertragen, bann beljan* belt uns ©ott wie feine $inber." Oft ijaben bie ßtnber ©otteS Urfad)e an fagen: „es ift gut für uns, baß wir befümmert waren." 2ßtr fönnen Prüfungen nid)t gänalid) entgegen; allein wir follten weife Borfä^e aus it)nen herleiten, bamit wir uns aur fünftigen Verrtid)felt ^bereiten. Der ©toTae unb ©efüpofe mögen ftd) geberben, als o1> fte bie Verfügungen gering fd)ä£en; ber Sßeife wirb fict> buret) fte an beffern fud)en. ©ie werben über uns von unferem fytmmli* fct)en Bater in weifer Sibftc^t verfängt; unb biefe 2lbftd)t an beförbern, foffte unfer unabtäfftges Beftreben fein. Der Sotm, ber unferer tyarrt, wenn wir bas 3iet erreichen, foffte uns bie Mittel geringfd)ä£en laffen, bie angewenbet werben muffen, babin an gelangen. Der mübe Pilger wanbert mutblg ben bornigen $fab, wenn er weiß, baß biefer fura ift unb it)n bafb an bem Biete äff' feiner 2ßünfd)e unb Voff* nungen führen wirb. Der (Sfyrifi foff mit ausbauernber ©eiftesftarfe unb frommet ßrgebung bie vorübergeljenben Uebel bes Sebens ertragen, ba fte bie ©tufen finb, auf weisen er emporftetgt anr Sßotynung in unferes Baters VanS. SBiberwärtig* 7 8 ®unn'$ V a u s * St r j t. feilen, welcher Slrt fte aud) immer fein mögen, finb nur vorübergefyenb; fte fct)ajfeti uns „ein überreid)tid)eS unb ewig bauernbeS SJlaß von Verrfid)feit." Söir foüten biefe Sßett nur als eine vorbereitenbe ©tufe für bie Ewigfeit betrachten. Unglücf, Seiben unb Stent bereiten uns für eine Sßelt von nie enbenber Verrlid)feit unb ©lüdfetigfeit vor. Saßt uns ausbauern auf bem $fabe ber Sugenb unb nü£lid)en ©trebens, voll Berad)tung gegen bie Bosheit unferer gelnbe; laßt uns ben Sßiberwärtigfeiten £ro£ bieten, wetd)e uns umgeben; benn Stile fyafon tt)re Prü- fungen unb 9flißgefd)ide, unb wir werben un$weifetf>aft barnad) an ber Bofffom» menl)eit unb ber ©lüdfetigfeit gelangen, weld)e bas einige wat>re 3iel unb ©treben affer menfd)lid)en Stnftrengungen unb Bemühungen fein fotlten. SBlr fofften bebenfen, an weldjem ßwtdt wir geboren ftnb, unb unfer ganaeS Seben lang fofften wir ben ß'mtd unfereS VterfelnS vor Slugen baben. Bebenfe, wenn Seiben unb ©ram fommen, worauf wir vertrauen foffen. Nid)t auf Slraneimittel, benn bie täufd)en uns oft; ntd)t auf ben Slrat, Wie tüd)tig unb gefd)idt er and) fein mag — er ift nur bas Sßerfaeug in ben Vänben ber afft)errfd)enben Borfet)ung, unb feine Auren fdjlagen l)äuftg fet)l; nid)t auf ben ©d)ein ber weltlichen Ettelfeit— er wirb aerrinnen; nid)t auf weltliche Bergnügungen — fte werben vergeben; nid)t auf einflußreid)e Berbinbungen — fte fönnen nid)t vom £obe retten; nid)t auf Neid)tt)um— man fann tyn nid)t mitnehmen; nid)t auf Nang — im ©rabe ift fein Unterfd)ieb; nid)t auf Erinnerung an ein Seben, Eingebracht in leidjtflnniger Unterorbnung unter bie albernen ®ebräud)e einer gebanfentofen unb verberbten SBett, fonbern auf ein Seben, wetd)eS nüd)tern, red)tlid) unb fromm angebracht worben ift. Bereitelte Voffnungen, geljlfcblagen aller menfd)tid)en Berechnungen jeigt uns bie ©efd)td)te bes 5Nenfd)engefd)ted)tes nur an l)äuftg. SIMr fönnen nld)t bas ausbrüdtid)e ober bod) leid)t einaufet)enbe ©ebot beS VimmelS verleben unb babei glüdtid) fein; wir fönnen nid)t fünbt)aft einer einigen Seibenfd)aft ober Suft fröt)nen, otjne enttäufd)t an werben. Die getftigen unb moralifdjen ©efejje, weldje unfer Seben orbnen, ftnb fo feft unb unveränberlid), als biejenigen ber Körper- weit. SBie Biete würben \e$t nod) leben, fyätten fte nid)t jebe Voffnung, jeben ©ebanfen unb jebe £r)atfraft in bem ©treben nad) ©ewalt, nad) ©teffung unb Netd)ti)um, ober in bem ©treben nad) ben Bergnügungen bes SafterS unb ber Unftttlid)feit aufgeben laffen. 3t)re SebenSweife riß fte |inab unb aerftörte tt)re ©efunbt)eit. „Die ©eifter ber Sßeifen ftfeen in ben Söolfen unb fad)en über uns." Stiles, worauf wir beim Beginn beS Sebens t)offen, wirb uns oft von ber Borfetjung gewährt, unb awar Ijäufig für einen Slugenblicf, et)e wir es verlaffen. 3teid)tf)ümer, Eljrenfteffen unb bie Söünfdje bes VeraenS werben oft erreid)t, unb unfere träume werben fd)einbar burd) Erlangung von Sänbereien unb burd) wad)fenben Beft£ ver- wirftid)t. ©elb wirb im Ueberfluß erlangt; eine prächtige 2ßot)nung ift erbaut; Äinber verfpred)en bas an erhalten, was ber Erbauer berfelben fid) in ber Voff* nung auf Slnfeljen, eine große Wladjt unb einen großen Namen erwarb. Dann fommen, gleicbjam um bas ©ebäube auSaufcbmüden unb ben Sriumpt) an vervoffftänbigen, Eljrenfteffen, £itet unb tin ©efotge von bewunbernben unb falfd)en greunben, wetd)e im ©lüde uns fd)meld)etn, uns im Unglücfe aber nld)t fenncn. Stiles ift erreicht, nid)ts feb.lt mefjr. „©eele beruhige bid)," — unb bod) ift nid)ts er- reicht. Der Beft£ fd)wtnbet in ber Vanb, bie greube vergebt im ©ennß, wäfjreni ber guß auf ber oberflen ©tufe ber Seiter fielet. Der Eljrgela ift befriebigt, aber bie Einleitung. 9 Borfetjung ift gerädjt. SlffeS, was ber SNann wünfd)en tonnte, befijjt er; aUx nur, um an beweifen, wie eitel unb tfyöridjt menfd)lid)eS Xxadjkn ift, wie finbifd) unfere unred)t geleiteten Beftrebungen waren. Jaufenbe leben, um it)ren Beftjj aerftreut, ibre Väufer unb Sänbereien in Vänben grember, it)re Jlinber eins nad) bem anbern burd) ben Job tjinweggerafft au fet)en, ober verlaffen auf ber SBett, t)er= umirrenb unb arm an wiffen. Siegt barin feine Set)re ? Diefe £t)atfad)en fönnen in jebem 3eüalter unb in jebem Erbftrid)e beobad)tet werben. Der frevelhafte Eb,r* geia Napoleon'S ift ein fd)lagenbes Beifpiel von glänjenbem Erfolge, aber and) von tiefem ©turae unb fd)redlid)er £äufd)ung. Söo ftnb bie Könige, wetd)e ein einiges Sßort einfette unb in 9Jcad)t erhielt ? Sßo ift bas Neid), weld)es Europa eroberte unb ber SÖelt Zxofy bot ? Das unfd)einbare ©rab auf jener fernen 3nfel empfing ben Körper beS Cannes, welker bie Erbe au Hein fanb für feine SBünfcfye. Bona* parte lehrte bie SBelt, wieviel ein Sftann voffenben fann, wenn er will, ©ott aeigte in tl)m, wie wenig alles bas wertl) ift, was ber ©otttofe vollbringt, fetbft wenn er SlffeS erlangt, ©lud ift ber Vauptawed, für welchen ber SJcenfd) arbeitet; unb ben- nod), wie feiten t)ält er inne in feinem ©treben, um 3U berüdftd)tigen, worin eS be> ftet)t, unb wie er es am beften erlangen fann. Der Srunfenbotb unb ©d)wetget unb ber entehrte SBüftling fud)en ©lud in finnlicben ©enüffen, unb wätjrenb fte bie= felben beliebigen, gittern fte vor bem Btid ber £ugenb unb erfennen oft, wenn and) ju fpät, baß biefe greuben von furjer Dauer ftnb nnb bei 2ßiebert)olung ermüben. Betrad)te ben ehrgeizigen SNann, weld)er bas Blut Saufenber gegen jebeS ©efejj bei ©erecbtigfeit vergoß, um bie SBelt an erobern. 2öelct)e ©tröme von Blut finb ver- goffen worben, um feinen unerfätttid)en Et)rgeia an befriebigen! 2ßie viele Xan* fenbe unb Millionen ftnb gefallen unter bem gewattigen ©d)Werte beS ÄriegerS, unb wie viele ftnb in traumlofem ©d)lafe auf bem ©d)lad)tfelbe liegen geblieben, nur um für it)n einen fd)winbenben Ärana von Nutjm an gewinnen unb tbm ein präd)* tigeS ©rabmal an verfd)affen, unter wetd)em er ot)ne bas Bewußtfein feiner <&d)'ön« t)eit unb ©röße rut)t. Der arme Bettler ftnbet fo gut ein ©rab, als ber angefetjene Wann, ©ie ftnb beibe beftimmt, baS gutter efelt)after SMrmer an werben, unb ber 5)flugfned)t, mnn er an it/ren ©räbern vorüberaiet)t, wirb bie Sfteffe für bie rutjenbe 3ifd)e it)rer ©röße pfeifen. 2ßät)renb ber tebenbe Eroberer mit Söiberwiffen ftd) von feinem ©iege abwenbet, weit er bas nid)t gefunben, wofür er ftd) abgemüht, fud)en Biete ©lud im Neid)tt)um, unb wenn er erreicht ift, verfd)Winbet ber golbene £raum it)rer Voffnungen, gleid) einem ©onnenfiratjt. ©rane $aaxt unb ber Söinter bes SllterS fteffen ftd) unvermerft ein, unb wir bltden aurüd mit ttjränenvoffen Slugen unb betrübtem Veraen ; benn wir fügten, baß ber lob batb bie Äette aerreißen wirb, wetd)e uns an bas Seben binbet. Die wat)nfinnige unb unerfättlid)e Setbenfd)aft beS SlufljäufenS, welcbe immer bereit ift, fobatb bie Umftänbe günftig ftnb, ben Ber* ftanb an bewältigen, ift jene Siebe anm ©olbe, weld)e bie Söurael alles Uebels ift; jenes ©elüfte, wetd)eS an Slbgötterei grenat. Es entfpringt von einer faKd)en Stnfid)t bes 2Bertt)eS bes Eigentums. Biete benfen, baß nid)ts ib^nen ober tljren Äinber,n bienfid) fei, als Neid)tbum ©uter Etjarafter, gut auSgebttbete unb wot>l angewanbte gät)igfeiten, Sugenb unb Voffnung auf ben Vitnmel ftnb ifynen WtUnfadjt', ifyr ©treben gebt nur nad) Netd)tt)um. Das ift tt)r ©ott nnb ber ©ott it)rer gamilien. 3t)*e ©öt)ne warfen fceran, auf Neidjttyum verfeffen, nnb auf tfyn bauen fte it)re 3nfnnft. ©ie lebe« 10 ©unn'S V a n S * 31 r 31. in StufwanV wetd)en baS geseilte Eigentum beS väterlid)en VanfeS nid)t aus- halten fann, unb fte bereiten ftd) vor, aus Neigung ober Notl) ©flaven it)rer ©ö£en ju werben. SBie wat)r ift es, „baß bie, weld)e reid) werben wollen, in Berfud)ung fallen unb tt)'örid)ten unb fd)äblid)en ©elüjten fröt)tten, weld)e bie Sftenfcben aum Berberben unb aur Berbammniß führen." Es ift nid)t nott)wenbtg, baß bie SNenfdjen reid) feinfoffen; aber fte wollen reid) fein. SBir fönnen unfere $flid)ten erfüllen, ot)ne reid) an fein ; ol)ne Neid)- tfyum fönnen bie l)öd)ften Efyrenfteffen erreid)t, unfd)ulbige Bergnügungen genoffen werben. SBenn ein Sftenfd) in Beaug auf Erlangung beS Neid)tl)umS getäufd)t wirb, fo trauert er, als l)abe er ben t)öd)ften 3roed beS Sebens verfehlt. Beraube it)n feines BermögenS, unb er glaubt, es ift Stiles verloren! 3d) fin£e mid) lebigltd) auf Erfahrung, wenn td) fage: ein folcber SNenfd) foffte lieber jterben als leben. Biele ftnb unaufrieben, weld)e ftd) guter ©efunbt)eit erfreuen; 9ftand)e in golge uner- wieberter Siebe; Slnbere in golge bes Unbanfs vermeintlicher greunbe; Stnbere werben burd) unfreunblid)e Berwanbten, ober beS Neid)en Slnmaßung tl)rer Umgebung über- brüßtg unb fud)en gebrod)enen VeraenS unter gremben eine Veimatt) unb einen Nut)e- vlaft. ©ie verbringen ben Neft it)reS Sebens in trüber ©timmung, inbem fte ftd) von Sag an Sag für einen erbärmlid)en Sot)n abplagen, unb ntd)t fetten finb fte otjne Dbbadjt in Äranffyett unb Srübfal. ©iel)e ben armen 3nbianer, welcher ftd) vom gefd)äftigen ©cfyauplalj bes weißen Cannes wegwenbet unb ©lud in ber Sßitb- niß unb in ben Bergen bes SanbeS, bas il)tt geboren, fud)t, unb ber in ben Befd)Wer- ben ber 3agb einem unfid)ern Unterhatte nad)get)t.— Er ift ein Dpfer grunbtofen SlberglaubenS; er fd)redt auf beim Naufd)en eines Blattes unb bort bie ©timme beS ©roßen ©eiftes in jebem pfeifenben Sötnbftoße. Unb fetbft ber SNann, welcher nad) moratifd)er Bervollfommnung ftrebt, ift ben Berfud)ungen unb Prüfungen einer fünbtjaften Sßelt ausgefegt. SNöge benn ber, welcher jenen St)eit ber ©lüdfetigfeit erhalten möd)te, ber ben ©terblidjen nod) übrig bleibt, ftd) auf übermenfd)lid)e Äraft verlaffen; er flet)e bie Vütfe beS 3lffmäd)tigen an, wetd)er fagt: ,,id) will nid)t baS gequetfd)te Not)r bred)en, ober ben brennenben gtad)S töfdjen." SRöge ein fotd)« Sftenfd) bie Befd)werben beS Sebens mit männlicher ^raft ertragen unb banfbar fein für baS, was it)tn ©ott vertiefen, welcher am beften weiß, weffen wir bebürfen, unb möge er bie Stnnätjerung beS SobeS als eine Ertöfung von einem ermübenben Kampfe anfefjen. SBie viel unaäljtige Saufenbe ftnb ber fd)mät)lid)en $ned)tfd)aft beS Dämons ber Unmäßigfeit unterworfen! SllS ©flaven biefeS .SafterS ftnb viele ber mäd)- tigften SNenfdjenfinber gefallen; Biete, an benen bas Vera mit vcrgötternber 3u- neigung t)ing, unb bie, weld)e wir tro£ all' it)rer geiler liebten, ftnb abgeirrt vom ftd)ern unb geraben $fabe ber Nüchternheit unb SNäßtgfeit. Sßie viele etenbe ©eftalten erbtiden wir unter benjenigen, wetd)e wir in beffe- ren unb glüdlid)eren Sagen gefannt t)aben, bereu StitSfetjen ben ©tola verrät^, ber ftd) fträubt, etwas an erbitten, bereu arme aerlumpte ^inber in einer ntd)t mißauverfte^enben ©prad)e tt)re vernieteten Voffnungen ausfpred)en. ©ar mand)e 3ufäffe Rängen mit ber Unmäßigfeit anfammen, wefd)e befannt fein fofften. Der übermäßige ©enuß geiftiger ©etränfe f)at einen f)öd)ft fd)äb* lieben Einfluß auf bas ©er)irn nnb ift von ben fd)redtid)ften golgen begleitet; |Kö|lid)er Sob ober ©djlagfluß tritt oft ein. Das ©e^irn ift eine gar compti- Einleitung. 11 jirte Sftaffe, unb es ift fefbft für ben gefd)idteften Slrat nnmögfid), an befHmmen» wo bie Ueberfpanntfyeit aufhört nnb ber Söatmftnn beginnt. Ein Wann mag mit feinen Mitbürgern umgeben, feinen $flid)ten obliegen, fo baß er Beobach- tungen unb Bemerfungen entgeht, unb bod) mag er nid)t bei vofffommen gefunbem Berftanbe fein. Einige aarte ©aiten beS compliairten 3nftrumenteS fönnen 3er- fprungen fein, nnb wir Ijaben bann bie £rfd)einung von Monomanie. Cber, obgleid) feine ©aite gerriffen fein mag, fo fann bod) jebe berfelben über itjre .Kraft r)inans angefpannt fein, unb bas ganje 3nftrument fpiegett bie St)ätigfeit ber ©eele mit unregelmäßigen, unt)armonifd)en klängen ab. Dbgteid) biefetben nid)t fo auffaltenb von ben gewöhnlichen SNißftängen abweichen mögen, Wetd)e gele- gentttd) burd) plöjjlidje Slufregungen hervorgebracht werben, fo aeigen fte bod) einem erfahrenen Beobachter bie wat)re Urfacbe. Die Bernunft let)rt uns, baß eS fo fein fönne; bie Erfahrung, bie ©efd)id)te ber menfd)tid)en ©ebred)en unb genaue Beobachtung teuren uns, baß es fo in ber St)at ftd) verhält. Unb eS erforbert feinen Srugfd)luß, um an beweifen, baß — wie baS Ergebniß täglicher Beobachtung aeigt — Saufenbe einen „geinb in ifyren SNunb tt)un/' weldjer ü)ren Berftanb an rauben fudjt. SBenn bas ©aufen anr ©ewotjntjeit wirb, fo leibet nid)t allein bas ©et)irn, fonbern es get)en aud) mit bem SO^agen, ber Seber bem Verjen unb ben Sungen Beränberungen vor ftd); bie ©efunbfyeit im Sttlge- meinen wirb gefd)wäd)t. Unb bod) — o beflagenswertfye Betb.örung! — füt)rt ber Berirrte oft als eine Entfd)ulbigung für fein Srinfen unb ben täglichen ©ebraud) geiftiger ©etränfe ant baß er an irgenb einem biefer Drgane leibe unb vorüber* ge^enbe Erleichterung baburd) erhalte. Slber welche Erleichterung ? Einen ange- nehmen Slugenbtid, welcber burd) Unbehagen, bas ©tunben, Sage unb 2Bod)en bauert, beaab.lt wirb. Diefe Bemerfungen aeigen uns, baß, wenn wir wünfd)en, ein t)ot)eS Sllter im ©enuffe ber ©efunbtjeit an erreichen, biefeS nur burd) Entt)altfamfeit erlangt werben fann. Sßir werben ftnben, v^nn wir bie SebenSbefcfyreibungen ber größten Män- ner affer 3etten tefen, baß biejenigen, welche ben Warften Berftanb befaßen, Weber geiftige ©etränfe genoffen, nocb ben greuben ber Safet fröt)nten. 3\aac Newton, 3ot)n Sode, Dr. granfltn, 3ol)n Söestev, ©ir Sötfftam 3oneS, 3ol)n gletd)er nnb 3>räftbent EbwarbS liefern fd)lagenbe Beweife an biefer Sl)atfad)e. Der ©eift beS Menfcben ift einer wogenben ©ee gleid); er rut)et nie ganj. Betrachte bie Natur beS SNenfd)en unb bie ©egenftänbe, von weldjen er umgeben ift, unb im Vinbticf auf biefe Slufregung beS ©emütljeS, biefe beftänbige Naft- foftgfeit, biefeS fteberifd)e Unbehagen, muffen wir in biefem Sßerfe unfere Sefer öfters auf ben mächtigen Einfluß fyinweifen, welchen ©ied)tl)um über bie ©eifteS- antagen unb ben Berftanb an&nU. Sötr werben bie Notl)wenbtgfeit unb 2ßict>* tigfeit ber ®emütl)Smr)e für bie Erhaltung ber ©efunbljeit, fowie ber Befämpfung affer Seibenfcfyaften bartljun. Die Slntagen, mit welken ber ©cfyöpfer uns aus- geftattet t)at, fowobl bie förperfid)en, als bie geifiigen, ftnb für it)re Entwidetung fo fet)r auf Uebung angewiefen, baß gleiß nnb Betriebfamfeit als Vaupt- pflid)ten bes auredjnungsfäfyigen üNenfd)en angefetjen werben muffen. Stnftrengung Wirb i>on Erfolg unb Nut)m gefrönt. Unfere Befd)affenljelt ift ber Strt, baß, in UeberelnfHmmung mit unferem gewöt)nlid)en ©ebanfengang, Weber Et)re nod) Belohnung ba 3U St)eil wirb, wo feine Stnftrengung ftattftnbet. gortfd)ritt in 12 ©unn'S V a u S - St r 31. morattfdjer unb getftiger Bervofffommnung ift unfere wenbig anr Snta wtdelung unferer förderlichen unb geifiigen gäbjgfeiten. 3m Saufe ber 34™ wäd)ft freittct) ber Körper; aber ol)ne Uebung wirb er beleibt, fd)wad) nnb untä- tig, nnb ber ©eift bleibt, wenn er nid)t ausgebitbet wirb, in einem fd)wad)en finbifd)en 3uftanbe. Die Uebung, wetd)e a« förperlidjer ©efunbt)eit nnb .Kraft nötbtg ift, fowie anr Entwidetung unferer geiftigen unb moralifd)en gät)igfeiten, ift nid)t allein baS Vanptmittel unferer StuSbilbung, fonbern aud) bie Vanpt- queffe unferer ©tüdfeligfeit. Df)ne Slnftrengung beS ÄÖrperS nnb bes ©eifteS fönnen wir Weber ©lud nod) ©efunbt)eit genießen. Nid)tS als Befd)äftigung befähigt uns, unfer muffeliges Dafein an ertragen. Der ©eift fann ben gtug jutn ©onnenlid)te nid)t lange aushalten; bie erfd)laffenben glügel ftnfen anr Erbe. Bergnügungen mad)en fd)wa^, unb Untt)ätigfeit fammelt Sumpen; aber St)ätigfeit befd)leunigt bie ©tunben, ol)ne fte an jaulen; wir fönnen am Enbe fet)r ermübet fein ; bod) Strbeit t)at ben Sag fd)netler au Enbe gebracht, als irgenb etwas SlnbereS. ©ei nie müßig; Befd)äftigung ftärft bie ©efunbfjeit unb t)ätt ben ©eift tt)ättg, Unferer 3«t>re ftnb nur wenige, unb jebe Minute ber Srägl)ett verfügt unfere ©panne 3ett, burd) Sßegnatjme eines ÄornS vom Vaufen. Söenn wir gewiß wären, baß uns nur nod) ein Sag bes Sebens bleiben würbe, nnb wir Ratten ein großes Sßerf vor, welches wir gerabe in biefer 3eit beenbigen fönnten, mit welchem Eifer würben wir arbeiten, um es an vollenben! 2ßir würben jebe Nerve anfpan- nen unb mit jebem Slugenbtide geilen; wir würben ben Untergang ber ©onne mit 3agen unb gurd)t beobachten. Denn bas Seben ift nur etn Sag, nnb wir Slüe b^aben viele Strbeit an vollbringen. Söenn wir unfere Slufgabe vollenben wollen, fofften wir feinen Slugenblid verlieren. Der ©trom ber ßtit fließt ot)ne Unter- brechung bafyin, unb auf feinen SBogen treiben wir in ben Dcean ber Ewigfeit! Er wirb ntd)t auf uns warten, wäfyrenb wir unfere Untb^ätigfeit bereuen. Sßir mögen nun wünfd)en 3U wirfen; aber aus feinen falten ©ewäffern wirb uns eine ©timme anrufen: es ift „an fpät." Sid), es wirb balb an fpät fein; —„benn bie Nad)t wirb fommen, ba Niemanb wirfen fann." Müßiggang wirb uns mutwillig mad)en, unb Mißgefd)ld bringt bie rul)igfte ©emütb^sftimmung außer gaffung. SBenn wir bie Dornen ausreißen mUtn welche auf bem $fabe bes Sebens wud)ern, fofften wir nld)t untertaffen, unfere Neigungen an bewachen; gehörig beaufftd)tigt, ftnb biefe bie erquidenbe Sßärme auf bem «Pfabe bes Sebens; unbef)errfd)t ftnb fte veraeljrenbe glammen. Stber bie wid)tigfte 2ßa:t)ri)eit fann nid)t an früt) gelernt werben: bas Vaupterforberniß 2u unferem ©lüde ift ber fefte SBiffe, unfere $flid)ten gegen ©ott, fo viel wir beffen fät)tg ftnb, an erfüllen; unb wenn biefer Entfd)tuß feft ift, wirb jebe Vanb- lung, jebes ©treben uns ©enugtt)uung gewähren. Denn wenn biefeS Seben fo ungewiß ift—wenn bie greuben beffelben fo vorüberget>enb ftnb —wenn trbtfd)e Dinge fo unbeftänbig flnb unb fein Bertrauen in fte gefegt werben fann — weichet Vülfsqueffe muffen wir uns 3nwenben, um Bertrauen 3u gewinnen, ausanbauern unb uns emporaurid)ten in ben ©tunben ber Srauer unb ber Seiben? 3ltt toen Einleitung. 13 follen wir uns in ben ©tunben ber Srübfat wenben, nm Srofl 3U fd)öpfen ? Natur unb Bernunft entfd)leiem ben tjeitenben Sroft; es gibt einen reinen unfaß- baren Sbelflein, weld)er im Unglüd am l)effften leuchtet. Diefer Ebelftetn ifl bie N e l i g i 0 n—biefer Seud)ttr)urm, welcher uns an einer anbern unb beffern Sßelt tiinweifl; fte ifl unfer Srofl, wenn alle Sßelt uns verläßt unb ©ram ftd) unferer bemächtigt t)at. ©ie ifl ein freunblid)es ©innbitb, eine t)errlid)e, bod) befdjeibene Blume, bereu ©ame ben Veraen ber Äinber eingeimpft unb bort gepflegt unb befdjüjjt werben foffte, bamit fte in reiferen 3atjren eine reiche unb t)errltct)e Ernte trage unb im Stirer 3um Srojt unb aur ©tüjje biene. Sßie oft b,abe id) wahrge- nommen, baß ber fo fd)äpare ©proß angefangen tjatte, ftd) in ber jugenbltdjen Brufl au entwideln, baß aber bie aarte ^ftan^e aus Mangel an Pflege unb nöti- ger Slufmerfamfeit, ober burd) böfes Beifpiel unb Entartung bes ©emütljeS ausar- tete, unb baß Berborbentjett unb Safter 3U wud)ern anfingen. Bieffetd)t, geneigter Sefer, wirft bu, et)e bu fo weit mit mir gefommen, mefjr als einmal gefeufgt Ijaben über bie Seiben nnb Prüfungen, welche ber Menfd) ju ertragen t)at. 3e ntid) bennod) bemüht, mel)re berfelben für beine Betrachtung baraufieffen, et)e bie böfen Sage fommen nnb bie 3at)*e ^erannatjen, mnn bu fagen wirft: „fie gefallen mir nidjt." Unb nun taß mid) nod), eb,e id) oiefes .Kapitel fd)ließe, biet) auf bie d)rifttld)e Neligion tjinwetfen — biefe reine, lid)te unb geheiligte ®aU ©otteS, bereu greuben bu erfahren mußt, um tt>reu magifd)en Einfluß au fügten, ©ie wirft woljltljätig, unb unter tfyrem Einfluffe gleitet baS Seben fanft babjn. ©ie beruhigt ben ©eifl in feinen legten ©tunben unb gewährt jene fuße Nulje nnb fd)öne 3uverftd)t, baß bie ©eele an einem ewige« Seben »off grenbe unb ©eligfeit eingeben wirb. SBemcifttngett 'ie Borfetjung gab 3ebermann ßeit für einen nüljlid)en Beruf, unb eintl Menfd)en Seben muß febr fct)Iect)t angewenbet worben fein, wenn ftct) feine Oafen in ber Sßüfte ber Bergangenfyeit ftnben fofften, auf welche er mit Beruhigung unb greube aurüdbtiden fann. Biete leben in biefer Sßelt ol)ne allen 3ft">cf; gleid)fam als tt>tnn fte nie gelebt Ratten; wie eine reine Null verlaffen fte tte Sßelt, ot)ne eine einzige Vanblung bes 3Bol)lwoffenS iljren Näd)ften erwiefen 3U tyaben, ober eine einzige St)at an Ijtnterlaffen, woburd) if)r Stnbenfen ^infict)tlicö ibjes SßirfenS, it)rer Sugenben ober il)rer 2öot)Itt)ätig?eit verewigt wirb. Biete überlegen t)in unb Ijer, was fte an ©taube bringen wollen, nnb erreichen bas Enbe i()rer irbifd)en *pilgerfd)aft, ol)ne au irgenb einem Sntfd)luß 3U fommen, aus weitem fte felbft ober Stnbere Nu£en aiet)en fönnten. Sraurig mu^ bie Betrachtung fein, wenn fotd)' ein Mann am Stbenb feines Sebens bebenft, toit nnnfy es für ib,n felbft, für feine Mitgefcböpfe unb namentlid) für feinen ©köpfet gewefen ifl. „£) ungetreuer Berwaiter!" Er fann ftd) feinen angenehmen Betrach- tungen Eingeben, um ber befümmerten ©eele mitten in bem gefd)äftigen Sreiben bes Sebens unb ben Bergnügungen ber SBett Nufye au verfd)affen; er^at bie wich- tige 3ßat)rl)eit vergeffen, baß baS irbifd)e Seben nur für bas ewige Seben vorbereiten foff, unb baß er Ned)enfd)aft ablegen muß, wie er t)ienieben feine 3eit angewenbet I)at. Denn bie SÖeistjeit, wetd)e ni(t)t in bas Vera einbringt, ift nur von geringem SBerttje; ber wal)re Nu^en beS SßiffenS ifl ber, uns beffer, aber nid)t, uns größer au mad)en; unb ber, welcher viel lernt, o|ne frömmer unb bemütbjger au werben, rnat^t einen fd)led)ten ©ebraud) von feinem Sßiffen. SBo feine grömmigfeit ifl, bei Männern ober grauen, ba ifl feine Bürgfd)aft für Sugenb, feine .Kraft, jenen böfen Seibenfd)aften unb Neigungen an wiberftet>en unb fte au überwältigen, welche unfere ©eelenrutje unb unfere ®efunbt)eit aerftören unb met)r ober weniger eine Quelle von -Kranffjeit fowot)t bes ©eifteS, wie bes Körpers ftnb. SBir nÜben bemnad) einfetten, wie wefentlid) unb wichtig bie ©emüttysrufje für bie ©efunbbeit ift. Sine gehörige Bef)errfd)ung alter Seibenfc^aften regnlirt ben Nörper unb t)at ben mäcb.tigften Einfluß auf bie ©efunbbeit. Unb leb, fann es t)ier gerabe fo gut, als an einem anbern £>rte fagen, —benn es ift bie 3ßat)rf)eit — baß viel Mebiain genommen wirb, nnb viele erfolglofe Ber- fu<$e gemad)t werben, .Kränkelten 3U feilen, welche ibjen Urfprung in einem jerrütteten ©emütb.Sauflanbe $aUn. 3$ beaweifle feineswegs, baß Saufenbe iät)rlict> t)ingefet)tact)tet werben, burd) Einnehmen unb Mebi3iniren, flatt bie Natur burd) Bewegung, awedmäßige SebenSweife unb burd) ©emütbsrube iu nnterftü^en. 310" biefeS gewährt Erholung von ben ©orgen bes ©efcbäfteS Sowohl bas ©emütb,, als aud) ber .Körper verlangen Erholung, unb obne biefe ift es unmöglid), ftd) ber ©efunbfjeit au erfreuen. 14 Bemerfnngen. 15 3$ $afo oft bebauert, baß bie Sterate nld)t genauer biefen #unft berüdftcb,tigen. Durcfy aeitige Stnweifung fönnen fte einer 3errüttung ber ßonftitutton t)änftg vor- beugen, unb Manche fönnten n>on einem elenben Dafein errettet werben. Seiber werben bie Sterate mel)r für ibje Befuge unb Mebifamente, als für itjren Natb, in biefen Stngelegentjeiten be3ab.lt. Daß bas ©emütt) einen fet)r mächtigen Einfluß auf bie ©efunbtjelt ausübt, ifl Ster3ten, fowie allen benfenben Seuten wot)l befannt, unb baS ift ber ©runb, warum bie Siebte tbjen Traufen Muri) 3ufpred)en. Nid)t feiten ift in golge ^oon Siufre- gung bes ©emütl)eS, als gurcb^t, Kummer ober Slngft, bas $aat in einer einzigen Nad)t grau geworben. Der Menfd) ift mel)r ober weniger ein Äinb ber 2eib>enfct)aft, bes Borurtt/etlS, ber ©ewotjntjett. Sr3ieb/ung t)at wefentlid)en Einfluß auf ben St)arafter. Das Vera beeinflußt, tro£ affer ernften 9>l)tIofopi)ie, welche uns gebietet ®ered)tigfett auSauüben, ben Berftanb. ©elbft wenn wir uns bemühen, auf bie Unparteilichen unfereS Unterfd)eibungSvermögenS 3U vertrauen, werben unfere ©vmpatt)ien unb BorurU)eite bennod) fiegen. 3nbem wir uns auf bas frühen, was wir als ©ered)tigfeit unb Unparteilichkeit anfeb^en, überlaffen wir uns blos ber Sei- tung einer Strt von Deuten unb Ueberlegen, weld)e uns burd) Sraiel)ung beigebracht worben ifl. DiefeS aeigt uns bie 3Bid)tigfeit einer richtigen, moratifd)en Unterwet- fung unb bie Nottjwenbigfeit, gute ©ewotjntjeüen in unferer Sngenb uns anaueig- nen. Sßir werben aud) fet)r oft burd) bie Einbitbungsfraft irre geleitet. Ein berühmter frangöftfct)er Slr3t 3U «Paris, Berfaffer met)rer vortrefflicher Söerfe über bie Mad)t ber Einbilbungsfraft, wünfd)te fein ti)eoretifd)eS Sßiffen burd) praf- tifd)e Berfudje au vermehren. Er erfud)te ben Snftiaminifter, ttjm au geftatten, ein Experiment an einem aum Sobe verurteilten Berbred)er vor3unet)men. Der Mini- fler bewilligte auf Befehl beS .KaiferS fein ©efud) unb übergab it)tn einen Meud)el- mörber, ber von angefel)enen Eltern geboren war. Der Sßunbarat befugte, von vielen Siebten begleitet, bas ©efängniß unb fagte bem Ungtüdtid)en, baß viele angefet)ene $erfonen fict) für feine gamitie interefftrten unb vom Minifter bie Sr- taubniß erhalten Ratten, baß er ben Sob auf eine anbere SBeife, als auf bem öffent- lichen ©d)affot erbutben folle, um ben ©cb>tpf einer öffentlichen Vinric^tung $u vermeiben, unb baburd) bie ©efüt)te feiner Slngeb^örigen 3U fronen, unb baß bie leid)tefte SobeSart bie beS BtutlaffenS, ober mit anbern Sßorten, baS 3U Sobe Ber- bluten fein würbe. Der Berbred)er willigte in biefen Borfd)lag unb fct)ä£te ftc$ glüdlid), baburd) wn ber peinlichen <5d>an, welker er auf anbere SBeife unterworfen gewefen, befreit 3U fein, unb war erfreut, auf biefe SBeife ftct) in ben ©tanfc,gefe£t 3U fetyen, bie @efüi)te feiner grennbe 3U fronen. 3ur beftimmten 3eit lta,aUn ftd) bie 3ler3te in'S ©efängniß. Der Berbred)er würbe auf einen, 3U biefem 3wede bürgertet) teten, STtfct) gelegt; feine Singen würben fefl verbunben, nnb er würbe, nacfybem Stiles vorbereitet war, natje an ben Vanptabern ber Beine nnb Sirme mit ber ©pi£e einer Nabel unbebeutenb geflogen. Sin ben Eden bes Sifcb.es waren vier ffeine, mit warmem SBaffer angefüllte ©egalen ober Beden aufgeftellt, aus wet* djen burd) verriebene Deffnungen bas SBaffer in Söpfe floß, welche auf ben Boben gefegt worben waren, um es aufaunetjmen. Der arme Berbrecfyer würbe im Sßabne, baß bas von feinen Strmen nnb Beinen Niebertröpfelnbe fein Blut fei, affmäl)(tg matter unb fcfywäcber, unb bie Bemerfungen ber anwefenben Sterate in Beutg auf bie Befd)affent)eit unb bas SluSfe^en bes Buttes, mldjt gemacht würben, in ber Sib« 16 ©unn'« V ans-St rat. fld)t, it)n au hintergehen, vermehrten bie Sänfd)ung. Er fprad) affmät)lig fd)Wad)ei unb fd)wäd)er, bis feine ©timme aule^t faum b^örbar war. Die tiefe ©tttle, Weld)e im ®emad)e b.errfd)te, unb bas unaufhörliche Sröpfetn bes SBafferS, Ratten eine fo außerorbenttict,e SBirfung auf bie Sinbitbungsfraft bes Seibenbert, baß, obgleich et ein ftarfer Mann war, weiter b^unbert unb fünf unb neun3tg $funb wog, feine Sebensfraft batb abnahm- gr war {tt ciner ®tuntc Uttb öter3l0 ^inuten toH Dt;ne einen einigen Sropfen Blut verloren 3U ijaben.* 3d) will nod) einen fonberbaren gaff mitteilen, nm 3U aeigen, wie Einbilbnngs- fraft jungen Beinen Seben geben fann. Ein Verr blatte eine ©efeüfd)aft Heiner .Kinber weiter als gewötjnltcb, fpaaieren geführt; fte fingen an ermübet 3U werben unb verlangten von lt)m, baß er fte tra- gen folle, was er it)rer Stnaatyl wegen nid)t ttjun tonnte; aber er fagte itjnen, et wolle ttjnen $ferbe aufraffen, um barauf 3U reiten. Darauf fct)nitt er fleine ©töcfe, gab 3ebem einen unb verfaß ftct) felbfl mit einem größern, worauf er ritt; hierauf nahmen bie Äinber fogteict) tb,re ©töde 3Wtfcb/en bie Beine unb ritten ot)ne bie geringfle .Klage nad) Vanfe. Der religiöfe ©djwärmer unb ber Märtyrer Politiker Slufregung Ijaben SBiber- flanb gegen pWtfcfye Einflüffe in einem folgen ©rabe von Unbeugfamfeit geaeigt, baß es fafl unglaubltd) Hingt. Sßenn bie ©d)äfer in Beraudungen unb Sräume- reten verfallen, fo glauben fte, baß tt)re ©eelen bie l)immlifd)e Sßelt befud)en. 3« biefem 3uflanbe ift bie Sanaette bei it)nen angewenbet worben, nnb fie würben ge> fdjröpft, ob,ne baß ein Sropfen Blut aum Borfd)ein tarn. DiefeS aeigt, welche ßraf ber ®eift über bas pljöftfcfje ©vftem, ober mit anbern SBorten, über ben .Körper aus = übt, unb wel$' großen Einfluß er auf bie Veitung vieler .Kränkelten tjat. Manche ^erfonen leiben weit met)r burd) ©d)meraen, als anbere; unb eS tjl wot)tbefannt, baß nidjt Stile wunbäqtlicfye Operationen gteict) gut ertragen. Diefe« fyängt ob,ne 3weifet von ber ^örperbefcfyaffentjeit a^, obgleld) man ftd) baran ge- wönnen fann, viel auS3ub/atten ; ober, bei befonbern .Kränkelten, von ber Befd)af- fen^ett beS NervenföftemS 3ur Seit ber Operation. Vierauf foffte genau unb forg- fättig gead)tet werben, ba biefeS Einflüffen fet)r unterworfen ifl. Die geringfle Negung ber MuSfeln, ber teifefle Sittjeraaug wirb oft ben peinficfyften ©ct;mera ver- anlaffen, wenn baS Nervenfvftem in franfb,aftem 3uftanbe ftd) beftnbet; bie SBirfung ber Straneimittet wirb baburd) beeinträchtigt, unb bie regelmäßige pt;öftologtfd)e Styättgfeit wirb bebeutenb verringert. SBir feljen biefeS t)äuftg bei grauen aur Seit bes ©ebärenS; bie 3Bet)en mögen gan3 affmätjllg unb unter ben günfligflen Berljält- niffen vor ftcb, gel)en; aber, foffte ber galt eintreten, baß ber erwartete Slqt nid)t fommen fann unb ein frember herbeigerufen wirb, unb inSbefonbere, wtnn bie grau fein Bertrauen ober irgenb eine Stbneigung gegen biefen Ijat, werben it)re Sßeljen plö^ttd) abnehmen unb it)re Sntbinbung wirb babur^ bebeutenb veqögert werben; wenn aber ber 5lr^t ober bie Vebamme, wetzen fte Bertrauen fd)enft, 3ugegen ifl, wirb bie Nieberfunft viel fdjneffer vor fid) get)en unb jebenfaffs leid)ter fein. Doftor 31. S. S^ompfon in Sonbon, ein tjervorragenber 3!r3t, er3ät)tte mir viele ^öd)fl intereffante gälte biefer Strt. ,,3ct) gebe 3$nen einen galt," fagte ber Dof- tor, „als ein Beifpiel ber Mad)t beS ®eifleS über bie SBirfungen ber Mebiain, bei weld)em jebenfaffs bie ganae SBirfung vermittelfl ber Nerventt)ätigfeit t)erbelge« utjrt würbe, inbem bie Berrldjtungen ber betreffenben Drgane verringert würben. Bemerfungen. 17 „Eine Dame litt an Magenbefd)werben, begleitet von tjeftigen ©d)mer3en unb ber Ijartnädtgften Berflopfung. ©ie würbe 3ur Slber gelaffen ; warme Bäber unb Bä- tjungen würben angewenbet, unb abfül)renbe Stränden würben in Menge gereicht, verbunben mit Einfpri^ungen unb fd)meratinbernben Mitteln; bod) ot)ne bie ge- ringfle SBirfung auf ben Unterleib, nnb ol)ne irgenb eine Sinberung ber ©djmeraen feervo^ubringen. Enblid) würbe bem betjanbelnben Str^te mitgeteilt, baß bie .Kranfe bie Ueber3eugung auSgefprod)en tjätte, baß fte, falls it)r Vansarat, welker bamats auf bem Sanbe war unb allein it)re .Konftihttiott fenne, herbeigerufen werben fönnte, balb Jünberung eintreten würbe. „Es würbe bemgemäß nad) biefem Strjte gefdjtdt, nnb bei feiner Slnfunft fingen lt)re Eingeweibe an ftd) rafd) 3U bewegen; ©d)taf unb vollftänbige Befreiung von ©d)meraen folgten, unb in wenigen Sagen war fte vollfommen gefunb, obgleid) fein SBed)fet, weber in ber Bebanbtung, nod) in ben Slraneien flattgefunben l)atte." Er eraät)tte ferner, baß er in feiner gratis, weldje fet)r ausgebeljnt ift, l)äuftge gälte ber Slrt wahrgenommen t)ätte, wo ber Einfluß bes ©emütt)eS Berringerung ober Sien- berung ber SBirfungen ber Slraneimittel mit ftd) führte. Bertrauen auf bie Mebiain ift eine ©ad)e "oon ber größten 3Bid)tigfeit bei ber Veitung von .Kranffyeiten; unb id) möd)te nie einen Patienten in Betjanbtung t)aben, welcher nid)t unbebingtes Bertrauen au mir als Slrat t)at; benn tvo Bertrauen feb.lt, fann nur ein geringer Erfolg erwartet werben. Die Voffnung ifl and) nottjwenbig, um Sinberung 3U verfdjaffen, unb bie Sinberung ober gänattdje Ent- fernung ber ,Kranft)eit ift größtenteils vom 3njtanbe beS @emütt)eS abhängig. ©eifl unb Körper fielen in beftänbigem Einftange 3U einanber. Die Darrei- rf)ung neuer Mebifamente, otjne etwas außerorbentlid) Neues unb SßirffameS 3tt be- fijjen, füt)rt tjäuftg eine Bejferung tjerbei, unb biefeS ift oft bie Urfad)e, warum Slr3nei, bie von Siebten von Nuf vorgefd)rieben wirb, beffern Erfolg f)at, als bie, weldje anbere anratfjen. Es ift t)anptfäct)Iict) bas Bertrauen unb bie Voffnung beS Patienten, woburd) bie Veitung bewirft wirb. Es ift allgemein befannt, baß «Kranf-ljeit fowob/l bie BerflanbeSfräfte, als and) baS Musfelfvflem t)erabftimmt, unb baß fte fowotjt ber UrtljeilSfraft, als aud) ber Ber* bauung Eintrag tt)ut. Ein .Kräuter gibt ftd) außerorbentlid) letd)t Voffnungen nnb Befürchtungen l)in. Sßer ©efunbtjeit iljm verfprid)t, gewinnt gewöfynlid) fein Ber- trauen ; unb biefeS ifl ber ©runb, warum fo viele Seute von ^fufdjern unb patent* mebiainen tjintergangen werben. Unb id) wteberljole nochmals, Bertrauen ifl ein ©egenflanb von ber größten Sßtdjtigfeit bei ber Veitung affer ^ranftjeiten, nnb wenn ber Slrat nid)t bas Bertrauen feines Patienten beft^t, tt)ut er beffer, benfelben von einem anbern betjanbetn au laffen. „Vtppotrates nimmt an, baß ber Strat, auf welchen bie Patienten bas größte Bertrauen feigen, bie me#ften Veitnngen vollbringt; wie wichtig ifl es bat)er, wenn ber Strat einen Nuf t)at. Dr. 3<*ntes er3ab.lt einen ifjm vom verdorbenen ^rofeffot ßoleribge mitgeteilten gaff, weld)er auf's ©djtagenbfte bie Mad)t ber Einbilbung bei Befyanbtung 'oon .Kranftjeiten barttjut. ©obatb bie .Kräfte bes orvbulfrten ©tidfloffgafes entbedt worben waren, fam Dr. BebboeS vom Sonboner Vofpitat fo- gteid) auf ben ©ebanfen, baß es ein gutes Mittel gegen $aral»fts ober Sätjmung fein muffe. Ein Kräuter würbe behufs eines Berfudjs anSertefen, unb bie Beb^anb- 2 18 ®unn's Vaua-Slrat. lung würbe V"mpt)re» Dav» anvertraut. Bor ber Slnwenbung beS ©afeS fcttjoTö ober legte er einen flehten Safd)entt)ermometer unter bie 3nnge beS .Kranfen, Wie et gewöbnlid) bei fotd)en Gelegenheiten tl)at, um pd) beS ©rabes ber tt)ierifct)en SBärme $u vergewiffern. Er tt)at baS Severe, um fpäter Bergteidje att3uftellen." „Der gelähmte Mann, völlig unbefannt mit ber Strt ber Bet)anblung, ber et unterworfen werben foffte, aber fet)r beeinflußt burd) bie Borfteffungen beS Dt. Bebboes f)tnftd)tltd) ber ©ewißfyett beS Erfolges, folgerte, als er bas Sfyermometer unter feiner 3unge füt)lte, baß bas ®as in voller SBirffamfeit fei, unb in einem SluSbrud) von greube erflärte er, baß er bereits beffen wot)ttl)ätige SBirfung burd) feinen ga^ett Körper verfpüre. Der Berfud) war 3U verfütjrerifd), um aufgegeben ju werben. Dav» blidte Eoleribge bebeutfam an, unb erfudjte ben .Kranfen am fotgenben Sage wieber 3U fommen. Der Mantt erfct)ten wieber 3ur beftimmten3eü; baffetbe Berfatjren würbe 3Wei SBod)en lang täglid) wieberb; olt. Der .Kranfe befferte fid) affmät)lig in biefer 3eit unb würbe als geseilt entlaffen, ob,ne baß anbere Mittel angewenbet würben." „Dr. 3Boobt)oufe ttjetlt in einem Briefe an Dr. Mitd)eff, von New SJorf, einen Borfaff mit, woraus wir erfeljen, weld)e wunberbare SBirfungen eintreten fönnen, wenn bie Einbilbungöfraft für bie Boffbringung außerorbentlidjer Auren gehörig beeinflußt wirb. 3ur 3rit, als baS orvbultrte ©tidfloffgas fafl allgemeine Sluf- merffamfeit erregte, waren viele ^erfonen außerorbentlid) begierig, ®as eln3uati)- men, unb ber $rofeffor ließ fte ^n ®affonen atmofpt)ärifd)e Suft einatl)men ; vlet bis fed)S Quart 3ur 3eit. Bon bem ®lauben befangen, baß fie ©tidftoffgaS ein- atmeten, fpürten fte alsbalb lebhaften $uls, ©d)winbet, Bertigo, fdjwereS Slttjmen, große Beflemmung ber Brufl, eine Empßnbung ät)nlict) ber bes ©d)aufetns, Mat- tigfeit, ©d)wäd)e in ben .Knieen unb Uebetfeit, weld)e 'oon fed)S bis ad)t ©tunben bauerten," — ©vmptome, allein burd) baS Sinatt)men gewöhnlicher Suft, unter bem Einfluffe einer erregten Einbilbungöfraft verurfad)t. Daß bie ©tärfe ber Sinbll' bung unb bie Mad)t ber gurd)t bie tt)tertfct)e SebenStt)ätigfeit beeinflußt, wirb 'oon jebem Mebijiner unb überhaupt von 3ebem, ber gefunben Menfd)enverftanb beßtit, eingeräumt; unb bie ®ren3en, bis 3U wetd)en it)re SBirfungen nadjgewtefen werben fönnen, fann Niemanb beftimmen. Diefer ®egenflanb ifl für ben 3lr3t äußerfl wid)tig, wenn er wünfdjt mit Erfolg 3U wirfen, unb wie unenblid) muß bebauert werben, baß fo wenig Stufmerffamfeit bie fem wichtigen ©egenflanb gefd)enft wirb: bem Einfluffe bes ©elftes auf bie Sebenstt)ätigfeit. Nad)forfd)ungen auf biefem gelbe würben 3WeifetSot)ne viele Srfdjeinungen er flären, weld)e in früheren 3eiten übernatürlichen Urfacben urrt> fpäter magnetifd)en unb anberen SBirfungen augefdjrieben würben, welche aber auf bie SBirfungen beS Nervenfyftems aurüdgefüljrt werben fönnen, otjne bas Vin3ufommen anberer Einfluffe. Der modus operandi (Strt ber Berrid)tung) ifl unerftärtid), unb bie Slnftd)ten großer $l)üftotogen weid)en von einanber ah. Bis 3U welchem ©rabe fttttid)e ©efüt)te unb Negungen auf ben förderlichen 3u- flanb einwtrfen, ifl bis je£t nod) nid)t befannt, nnb id) be3WeifIe nid)t, baß Vunberte wäbjenb ber Gt)oteraseit aus gurcfyt geflorben finb, welche jefct nod) leben würben, wenn fte met)r moratifdjen Mutt) befeffen Ratten. 3m Slnfange beS gegenwärtigen Satyrfyunberts behauptete ein «Pfufcfyer, Namens ?)erfins,. baß gewiffe ,Kranfl)etten baburd geseilt werben tonnten, baß man jwei Bemerfungen. 19 ©lüde Metall (tractors) über bie leibenben Steile t)in3iet)e. Die außerorbenllidjen SBirfungen, weldje l)inftd)tlid) biefer BerfafjrungSart berietet würben, bemühten [id) Biete einem gatvanifd)en, eleftrifdjen ober magnetifd)en Einfluffe auf bie .Kranfen, in golge einer eigentb.ümlidjen 3ufammenfetjung ber Metaffe, aus wetdjen bie ©tüde beftanben, au3ufd)reiben; aber es ifl Weber in ber $l)»ßf, nod) in ber $t)»f{ologte immer ausführbar, bie Urfad)en ober SBirfungen, bie bei gewiffen Berfyättniffen ob- walten, 3U enthüllen. Ein berühmter Slrat, ber in bem Vofpttat 3U Batf), in Englanb, angefiefft war, welcher fein Bertrauen 3U ben SBirfungen ber SraftorS (3iel)er) befaß, ausgenom- men vermittelfl ber Einbilbungöfraft, befd)loß, als er eine .Kur unternahm, bie SBir- fungen jener burd) einen Berfud) 3U prüfen, unb feilte feine Slbftdjt feinem greunbe, Dr. gatconer, mit. ©ie wählten fünf Äranfe aus bem Vofpitaf. Die Äranfljeiten, mit welken biefe behaftet waren, waren verfdjtebener Slrt unb von d)rontfd)em Sfyarafter, wie ®id)t, «Rheumatismus, Säb,mung, Entfräftung! Seiben in vertriebenen Steilen bei Körpers. Biete berfelben waren feit met)ren Monaten leibenb, unb bie Mittel, bie gewötjnttd) gegen fold)e Seiben gebraucht werben, waren obne Erfolg, galfdje „SraftorS" würben von Vot3 ftatt von Metall gemalt, aber fo, baß fte ben metalle- nen in garbe unb Slnfe^en äljntid) waren. Nact)bem bie leibenben Sljeite mit biefe« Volaftüden fanft beftrid)en worben, erftärten ftd) alle «Patienten erleichtert. Stuf brei berfelben wirfte biefe Berfat)rungsweife befonberS günflig ein, unb einer füllte ftd) fofort fo fetjr im ®eb,en gebeffert, baß es tt)m bas größte Bergnügen machte, bar3U- tt)un, wie fcfyneff feine Befferung vor ftct> gegangen war. Einer fagte, er l)abe 3Wei ©tunben lang nad) ber Operation ein frampfljaftes ®efüt)l empfunben. 3n bem Briftot*Vofpüate würben ätjnlidje Berfud)e gemalt unb außerorbentltcrje tfuren bewerffteffigt, fo baß metjr Seibenbe Vülfe verlangten, als beljanbelt werben fonnten. Biete, weldje nidjt im ©taube waren, bie Beine ober Strme 3U ergeben, unb fte 3U gebrauten, waren nad) ber Slnwenbung ber nadjgemadjten „SraftorS," augenbltdticb, im ©taube, fct)were Saßen 3U tragen unb ifyren Befähigungen mit Seicbtigfeit nacbjugeljett. Diefe merfwürbigen gälte würben ber Deffentlidjfelt preisgegeben, nnb nod) baau in ®egenwart ber ad)tbarften Saugen, Seute von unbeflrittener SBaljr- tyeltsliebe; unb obgleid) SlffeS auf vollftänbiger Säufd)ung beruhte, glaubte man bod) an bie außerorbentlid)e Veilfraft biefeS empirifd)en ober quadfalberifc^ett Mittels. Bertrauen bewirft SBunber. Ein Doftor, welker gefragt würbe, warum er nidjt ebenfo gut feine ©djwtegermutter t)eiten fönnte, als feinen Bater, antwortete, baß feine ©d)Wiegermutter nid)t baffelbe Bertrauen 3U tb.m tjabe, Wie fein Bater, fonfl würbe bie Veitung bewerffteffigt worben fein. Der wunberbarfte gaff ber .Kraft beS SBiffens über bie Berrld)tungen bes Körpers, unb vielleicht ber merfwürbigfte ber aufgeaeid)neten gälte, für ben wir bie beflen ©e- wäf)rSmänner %aUn, wirb von Dr. Stjecne, in feiner „Englifd)en .Kranf- ielt," ©eite 308 unb 310, er3ab.lt. Der gaff ifl ber beS, ehrenwerten, Eornet Sownfljenb, welker 3at)re lang an einem organifdjen geiler ber Nieren litt, wo- burd) er fet)r abmagerte. Er würbe 'oon ben Doftorett Stjevne unb Bavnarb unb bem wobtbefannten SBunbar3te, Dr. ©fine, betyanbett, brei ber berühmte* 20 ©unn's $ a u-« • 91 r 3 r. ften Sler3te in Englanb. Nad) biefen Männern würbe eines Morgens früf) in großer Eile gefdjidt, um 3eugen einer außerorbentlid)en Erfd)einung 3U fein. Verr Sownfl)enb eraät)lte itynen, baß er fett einiger 3rit eine wnnberlid)e Smpftn« bung wahrgenommen l)abe, 3ufolge welcber es in feiner Mad)t ftänbe, nad) Belieben ju fterben nnb aisbann burd) Stnftrengung wieber lebenbig 3U werben. Die Siebte wiberfe^ten ftd) ber 9luSfüt)rung beS BerfucbeS in feinem gefd)Wäd)ten 3uflanbe; er beftanb aber barauf, unb Dr. Gfyevne berietet barüber folgenbermaßen : SBir brei füllten auerft feinen $)uls; er war beuttid), obgleich matt unb fd)wad), unb fein Vera t>atte feinen gewöhnlichen ©d)tag. Er legte ftd) auf feinen diMtn unb blieb eine 3eit lang rul)ig liegen. SBäl)renb id) feine red)te Vanb t)ielt, le'gte Dr. Bavnarb feine Vanb auf bas Vera, unb Dr. ©fine tjiett einen Haren ©pieget vor feinen Munb. 3$ bemerfte, baß fein $uls affmät)ltg aonafym, bis id) aulctjt, rrojj ber forgfältigften unb bet>utfamften Berührung, nid)ts metjr füt)len tonnte. Dr. Bavnarb fonnte ebenfowenig bie geringfle Negung feines VeraenS, als Dr. ©fine ben unbebeutenbften Nieberfd)lag von Sttbem am ©plegel wat)rnel)men. Vierauf l)ielt 3eber von uns bas ©las an feine Sippen; wir unterfud)ten feinen $uls, feinen Verafd)tag unb fein Strömen unb tonnten trojj ber forgfältigften Prü- fung nid)t baS geringfle 3tid)tn von Seben in it)m entbeden. SBir befprad)en uns eine lange 3eit über biefe wunberbare unb unerhörte Erfd)einung, nnb Stile von uns geflanben, baß fte nnerflärlict) fei, unb baß wir nid)t im ©tanbe feien, einen fo fettfamen verwidelten gaff auS3utegen. Der .Kranfe verharrte in bem 3uftanbe, woraus wir fd)toffen, baß ber Berfud) 3U weit gegangen fei, unb auteijt— übe^eugt, baß 3ener tobt fei — waren wir im Begriffe, it)n 31t verlaffen. Er blatte in jenem 3uftanbe etwa eine t)albe ©tunbe verharrt, als wir, (Morgens 9 Utjr, im Verbjte,) im Begriffe, itjn 3U verlaffen, einige Negung an feinem .Körper bemerften, unb bei weiterer Unterfuct)ung fanben, baß fein $uts unb bie Bewegung feines Ver3enS allmäl)lig 3urüdfet)rten. Er fing atöbann an, letdjt 3U att)men unb teife au fpredjen. SBir waren Stile auf's Sleußerfte erftaunt über biefe unerwartete Beränberung an einem Manne, ben wir ftdjer für tobt gleiten, unb gingen, nadjbem wir uns mit itym unterhatten Ratten, vollflänbig überaeugt von allen Einaeln^etten biefeS Erftaunen erregenben gaffeS weg. SBir waren jebod) etgentl)ümlid) geftimmt nnb unfähig, uns eine flare Slnfidjt über biefen gaff 3U bilben. Meiere Monate nad) biefem Eretgniffe würbe er in golge feiner geifiigen unb förperlid)en Seibeu matt unb abgefpannt; er ließ einen Slnwalt tjoten, madjte fein Seflament, fe£te Segate aus für verfd)iebene Diener, empfing bas ©acrament unb ftarb rubjg nnb gelaffen, unter einem biefer außerorbentlid)en unb mächtigen Ein* flüffe bes ©eifles auf ben Körper, ©ein Setdjnam würbe unterfud)t, unb alle feine inneren Drgane, mit SluSnatjme ber red)ten Niere, weld)e bebeutenb angegriffen war, würben vollfommen gefunb unb normal gefunben. Eine fotct>e SBiltensfraft, wifffürlicö, an ben Sag gelegt, ifl vielleicht eine ber merfwürbigflen Srfdjelnungen in ber Naturgefcf)id)te bes Menfd)en. Der wotjlbe- fannte Dr. Benton weifl in feinen SBerfen auf gälte berfelben Strt l)in unb berietet, baß ber berühmte Sorben Vaggeb nad) SBifffür bie Sljättgfeit feiner ©inneSorgane aufgeben fonnte. Selfus föon erwähnt eines spriefters, Wetter blefetbe außeraewöfmlidbe Eiaen- fdjaft befaß. ^ b Bemerfungen. 21 SBätjrent id) in Sonbon Bortefungen tjörte, würbe eine 3rrftnnige in'S Vofpital gebracht, welche ftd) einbitbete, fte leibe an einer .Kranftjeit, weldje bie Slnwenbung von Quedftlber erforbere. ©ir SBiffiam Sffis, ber betjanbelnbe Slrat, fanb nad) Uuterfudjung, baß it)re $ranfb,eit von ttjrem ©emütb/ö3uftanbe tjerrütjre. Da er iebod) annahm, baß bie SBieberertangung ber Bernunft e^jer bewirft werben fönne, wenn er bem 3Bunfd)e ber armen 3rrftnnigen bis 3U einem gewiffen ®rabe nachgeben würbe, gab er it)r Riffen, aus Brob verfertigt, unb fagte, baß ße Merfur enthielten. Nadjbem fte biefelben wenige Sage gebraucht tjatte, befam fte aum großen Srftaunen bes DoftorS, ber SBärter unb ©tubirenben, ©peidjelfluß, unb bie Riffen würben ausgefegt. Bei wiebert)otter Berorbnung berfelben, nad)bem bet ©peidjelfluß nadjgelaffen, würbe fie wieber in berfelben SBeife bavon befallen; unb biefeS fanb aum britten Male ftatt, Ui SBiebertjolung bes ®ebraud)eö ber Ritten. 3nbem man fo tfjrem Berlangen nad)gab, erhielt fie ib,re Bernunft wieber; unb voltfommen aufriebengeßellt, in befter ©timmung unb guter ©efunbljeit, würbe fie enttaffen. Die „Sonboner Mebi3inifd)e 3eitung" berietet einen etgentr)ümlid)en Berfud), welker bie Madjt ber Einbilbung beweift, unb welcher in Nußlanb an mehren Mörbern gemad)t worben iß. ©ie würben, ot)ne es 3U wiffen, in vier Betten gelegt, in weldjen vier $erfonen an ber Spolera geftorben waren; bod) würben fte nid)t von ber .Kranffyett befaffen. Vierauf würbe iljnen gefagt, baß fte in Betten fd)lafen fofften, worin meljre *Perfonen an ber aßatifdjen Spolera geftorben feien, wätjrenb bie Betten in SBirftid)feit ntn unb nod) gar nid)t gebraucht worben waren. NidjtS- beßoweniger ftarben brei berfelben innerhalb vier ©tunben an biefer .Kranftjeit. Der Einfluß ber Einbilbungöfraft einer Mutter auf ib,r ungeborenes Äinb ift, obfd)on wunberbar, in vielen gaffen fet)r mächtig, inbem jene fowol)l befonbere 3üge beS Sl)arafters, als aud) .Kranftjeit unb Mißgeftalt eraeugen fann. — 3n einer Num- ummer bes „©calpet," einer in New*2Jorf von Dr. Diron t)erauögegebenen mebiaini- fd>en Monatsfcbrift, wirb folgenber intereffanter gaff von ber SBirfung ber Sin- bitbungöfruft ber Mutter auf il)r ungeborenes .Kinb e^ätjlt: Mr. St., aus einem nörbttcJ)en Stjcit beS ©taates, t)etratt)ete vor etwa 40 3at)ren eine Dame aus einem angrenaenbeu 'Btaatt. ^ecuniäre Umftänbe, (ober, mit anberen SBorten, Slrmuttj) 3ur 3eit ber Bert)eiratt)ung, machten Nadjfommenfdjaft nid)t wünfdjenswertt), unb er äußerte oft ben SBunfd), feine Ätnber 31t befommen, et)e feine Umftänbe ftd) gebeffert fyätten. 3nnerijalb eines 3at)reS würbe eS jebod) augenfdjetnltd), baß bie grau in gefegneten Umftänben war. Stts 'fie iljre Befürchtungen tljrem ©alten äußerte, würbe fte über bas Mißvergnügen, weldjeS er bei biefer Mitteilung 3U empßnben fd)ien, fet)r befümmert. Er naljm batb barauf feinen Vut, verließ baS VauS unb war faß eine ©tunbe lang abwefenb. Bei feiner Nüdfeb,r war er jebod) fet)r betrübt, feine grau in Sbjänen 3U ßnben. Er befeuerte tt)r fogleid), (benn ße Hebten einanber fetjr) baß er fet)r erfreut fei, bie wabjfdjetnlidje Berwirflid)ung t^rer Mitteilung 3U erfahren; baß ftd) feine Bermögensumftänbe fo fet)r verbeffert Ratten, baß er ftd) freuen würbe, .Kinber au Ijaben, unb er bemühte ftd) auf alle mögliche 2ßetfe; fte 3U trößen. Die arme grau trodnete iljre St)ränen, fprad) aber alsbalb bie Ueber3eugung aus, baß ttjr erwartetes .Kinb buret) tt)re Stufregung leiben werbe. 3t)r Mann bemühte ßd), it)re Befürchtungen burd) gemüttjltdjen ©d)er3 3U verban- nen. Stber it)re Befürchtungen gleiten mit Unterbrechungen wäb^enb ber erßen 22 ö)unn'« V a u s - 21 r 31. Monate au unb natjmen affmät)tig au, Wie bie ©djwangerfdjaft vorrüdte. Dit Eltern würben burd) bie ®eburt eines gefunben unb wot)tgebilbeten Knaben erfreut. Nid)tS Stgentl)ümtid)eS würbe im Betragen beö .KinbeS bemerft; jebod) nad) Berlau| einiger Monate legte es außerordentlichen SBiberwiÜen, ßd) bem Bater ju nähern, an ben Sag. Die Slbneigung naljm allmät)lig au. bis fein SBiberwitle burd) laute* unb fortgefe^teS ©d)reien, fobalb es in beö BaterS Nätje gebracht würbe, ftd) funb $ab. Mit vorrüdenbem SUter beßrebte man fid) ernßtid), biefe Slbneigung an über- wältigen ; Ueberrebung, bie größte greunbltd)feit, fowie ©efdjenfc, Betätigungen unb anbere Siebeöbeaeugungen Ratten feinen Erfolg. Das .Kinb fonnte nie ben Slnblid feines BaterS ertragen, unb fein Sßiberwiffe unb feine Slbneigung gegen ben Bater nat)men mit ben 3ab,ren au. Der ©otjn, itfyt ein tt)ättgeS nnb angefetjeneS Mitgtieb beS Slbvofatenßanbe«, fonnte ftd) nidjt überwinben, an feinem Bater au fpred)en, obgleich biefer ßd) alle Mülje gab, ein freunbfdjaftlidjes Einvernehmen t)erbeiaufül)rett. Eltern mögen bie ©efütjle beS Baters beurteilen; benn er war unb ift ein Mann von äußerß gärttt- d)tm Et)arafter. SBir tt)eiten biefen gaff mit, inbem wir wiffen, baß er ftd) wirfttdj gugetragen t)at; benn Dr. Diron, ein gebitbeter 3tr3t von nid)t gewöhnlicher gät)igfeit unb praftifdjer .Kenntniß, ift perfönlid) mit ben betreffenben ^erfonen unb mit ber gan3en Slngelegentjeit, welche fo viel Etenb verurfadjt fyat, befannt. Biete gäüe fommen vor, weldje bie Borliebe ber Traufen für befonbere Signet- mittet unb bie SBirfungen berfelben auf verfdjtebene .Konftitutionen bartijun. DiefeS beruht nid)t feiten auf irgenb einer vorder gefaßten Meinung l)inßd)tud) ber SBirfungen u. f. w. 3Bäb,renb meiner langjährigen *PrariS ftnb mir viele foldje gälte vorgefommen. Eine franfe Dame ttjeilte mir mit, baß Dpium, auf irgenb eine Strt genommen, tljr große Unruhe, heftiges .Kopfweb, unb Erbrechen verurfad)e. ©enötl)igt, baffelbe in ib^rem 3ußanbe ansuwenben, verfd)rieb id) es unter bem gewöhnlichen mebi3ini- fc^en Namen Tinctura Opii. Stm folgenben Sage fanb leb,, baß it)re Slngabe in Be3ug auf bie SBirfung beffelben richtig war, inbem fte eine fet>r unruhige Nad)i mit heftigen .Kopffdjme^en unb Erbredjen gehabt tjatte. Bon tljrem ©atten erfuhr id), baß ße bie ®ewob,nt)ett b,ätte, alle Berorbnungen ber verriebenen 5tergte, welche ße bef)anbelt Ijatten, ttaefoutefen, unb barüber Bemerfungen 3U machen. Nacb, wenigen Sagen vertrieb id) baffelbe Mittel, unter einer anbern Benennung (Tinctura Thebaica). Nun gab id) it>r eine geraume 3eit lang Opium unter ber genannten Be3eid)nung, ot)ne im geringften ungewöhnliche SBirfungen, .Kopfwelj ober Erbrechen b,ervoraurufen; im ®egentl)eil, i^r ©d)iaf würbe gefunb, unb tt)r Beßnben befferte ftd). ©ie fprad) ßd) äußerft 3ufrieben über biefeS neue Veitmittet aus, fo baß id) burd) eine verriebene Benennung alle unangenebmen SBirfunqen befeitigt t)atte. ö Oft b,abt id) in meiner Praxis ät)nTict)e Bebenfen gegen tin ober bas anbere Mittel baburd) gehoben, baß id) biefetben mit einem anbern Namen be3eid)nete Dft feb,en wir, baß Sl^neimittel SBirfungen hervorbringen, welche benjenigen bte ße gewö^nlid) auf ben .Körper äußern, gan3 entgegengefe^t ftnb, welker Umftanb iraenb einer eigentümlichen Befd)affenb,eit beS Äranfen augefd)rieben werben muß 34 renne eine Dame, welche pulverißrten N^abarber nict)t nehmen fonnte obne bafi berfetbe wenige Stugenbtide nad) bem Einnehmen eine Vautfranf^eit at;nUct) bei Bemerfungen. 23 Neffelfud)t, verurfad)te; unb boctj fonnte ße benfelben in gorm eines StufguffeS nehmen, ol)ne jenen Erfolg t)ervoraubringen. Dr. Dungtifon, $rofeffor ber Uni* verfität von Marvlattb, er3ab.lt: „3#) fenne einen Verrn, weitem Dpium ©tub> gang verurfad)t, obgleid) biefe Sl^nei gewöljnltd) gegeben wirb, um ben unregel- mäßigen Berrid)tungen beS DarmfanatS Einfalt 3U tt)Utt, ober mit anbern SBorten, um Stbfüb^ren 3U unterbrüden." Der Doftor behauptet, baß eS fet)r wenige förperltcfye gunftionen gebe, welche von biefen Sigentt)ümlid)feiten gä^tidj frei feien. Manche ^erfonen fönnen nidjt an Drtett bleiben, wo Bred)wur3et ober Bredjweinßein iß, oljne eine Neigung 3um Srbredjen 3U empßnben; anbere geben einen befonbern 3lbfd)eu beim Slnblid von Salomet au erfennen. Der ®erud) ver- triebener Slrtifel iß mannen ^erfonen fo mibertict), baß er ttjnen faß unerträgltd) iß. Einen fotdjen SBiberwiÜen gegen ben ®erud) von Mofd)uS tjatte ber tyabfi «pius VI, baß ©eine Veitigfeit einß bei einer Stubiena ßd) genötigt fat), fofort bie Slnwefenben au enttaffen, ba einer berfelben ßarf nad) Mofd)us rodj. Äaifer Napoleon, obgleid) ein großer Stebb,aber von ©d)nupftabad, fonnte ben Naud) einer Sigarre nid)t für einen Slugenblid ertragen; unb .Kaifer Slteranber verbot ausbrüd- lid) bas Nansen oon Sigarren in feiner ©egenwart. Biete ^erfonen Ijaben einen SBiberwiffen gegen 5)feffermünae, anbere gegen 3immet, mand)e gegen .Kämpfer unb wieber anbere gegen Dpium, in welcher gorm es aud) immerhin verorbnet fein mag; inbem es bei it)nen Erbrechen, $opfwet), große nervöfe Net3barfeit hervorbringt unb nie fd)meraßiffenb wirft. Dr. StjomaS ergät)tt von einer Dame, weldje immer von eyncope (Dt)nmadjt) befallen würbe, wenn ße nur bie geringße Doßs von Ealomel nat)tn. 3d> fonnte weit meljr etn3etne gälte biefer Strt anführen, aber id) beute, id) tjabe über biefen ®egenßanb genug gefagt, um 3U beweifen, wie wichtig es ift, auf fold)e Etgentt)ümlidjfeiten 3U ad)ten, unb id) fübje mid) gebrungen, au erflären (benn SBatjrtjelt iß mein ©treben), baß viele Sterte biefe wichtigen Srfdjeinungen gän3Üd) überfein. 3ct) bin mit ©orgfalt 3U SBerfe gegangen, weil id) burd) Beobachtung unb aufmerffame Betjanbtung fotd)er gälle ben foftbaren ©a£ gelernt t>abe, „baß viele Männer tiefe Denfer fein unb umfaffenbe .Kenntniß, vereinigt mit bewährter Neb- Iid)feit, beß^ett fönnen, von ber Natur mit außerorbenttidjen gät)igfeiten begabt unb bod) unpraftifd) fein fönnen;" ober, mit anberen SBorten, gefunbes Urzeit, geßü£t auf genaue Beobachtung von Menfdjett unb Dingen, iß ein Vaupterforberntß in ber StuSübung ber Mebiain, fowie in ber Stjat jeber anbern 3Biffenfd)aft. Sterate fönnen tt)eoretifd) gebilbet fein unb bod) am .Kranfenbette feinen Erfolg fjaben. ©tatt fotdjer Seute Ijabe id) lieber eine gute alte grau, mit tljrem St)ee unb itiren Kräutern, unb id) toiU baS Uebrige ber Natur überlaffen. Bom gefctjidtert 3tr3t unb jebem, welcher Erfahrung in feinem Berufe tjat, fann aber, obgleid) er Sl^nel anwenbet, fdjwertidj gefagt werben, er gebraute biefe als Veitmittet, fonbern viel- mehr, um Vinberniffe 3U entfernen unb bem gortfdjreiten geßörter Sebenötbatigfelt Einfalt 3U tljun. SBaS bie Veitung anbetrifft, fo erwartet er btefelbe oon ber nod) »ortjanbenen .Körperhaft, von ber SBiebervereinigung ber Naturfräfte, von ^rnecf- mäßiget Nahrung, oon ©d)taf, Bewegung, Suftveranberung, Voffnung, Veiterfcü u. f. w. ®ana anbers benfen unwiffenbe Sterate über biefen $unft, ober foldje, wetd)e nod) feine Erfahrung tjabett. Mebiain allein wirb von fotdjen Sitten als Mittel, eine Veilung au fowerfßefftgen, angefeuert, unb je nad) bem ©rabe ibret 24 ©unn's Vaus*Slrat. Unwiffenr)eit werben fte Bertrauen au Mebifamenten Ijaben ; von einfachen Slranei* mittein, guter Pflege, bem Einfluffe beS ®emütl)eö unb vor Slffem von ber wieber- ^erfteüenben .Kraft ber Natur werben ße feine Veitung erwarten. DiefeS erflärt uns vollfommen, warum bie ausgeaeictjnetßen Sterate bie lebt)afteße Ueberseugung von ber Unßd)crt)eit ber Strjneifunbe empßnben. Bei jebem ©ct>ritte empßnben fte bie Notbwenbigfeit, große Borßd)t anauwenben,ba, ungead)tet brettjunberrjäfyriger Erfah- rung in ber Veilfunbe, bie Sterate immer nodj nid)t unter ftd) einig ftnb, ob bie tag* Itd) gebrausten Mittet im Sinflang mit ben ®efefjen bes tl)ierifd)en SebenS fteljen. Diefer Umßanb, — gerabe wie es ßd) mit anbere« ©e^eimniffen verhält, weldje nod) nidjt Ijinlänglid) aufgeflärt finb, — wirb von ben beften unb tüdjtigften Männern,. weldje ber Slrjneiwiffenfdjaft anr 3ierbe gereichen, beftagt, unb als einen, wiewobj bemütfyigenben, Beweis biefer Stjatfadje muffen wir geftetjen, baß alle metallifd)en Präparate unauverläfßg ftnb, unb es von bem 3uftattb beS Magens abt)ängt, ob ße irgenb nnt SBirfung ausüben; wäbjenb fte anbererfeits nidjt feiten mit gefat)rbrin- genber Veftigfeit operiren. 3cb, will feiet) auf ein SBerf bes Dr. Efyapman, ^refeffot an ber Mebiainifdjen ©djute au spfyitabelpljta, verweifen, woritt es t)eißt: „Die ®e- wot)nl)eit 3lr3nelen 3U netjmen, ruinirt ben Magen. 3eber ©d)tner3 ober jebes Un- behagen, wirflieb, ober eingebilbet, foff baburd) erleichtert werben, baß man 3U einem Mittet feine 3uflud)t nimmt, von bem man Veilnng erwartet, bis enblid) bie Gräfte beö Magens erfdjöpft ftnb unb ©törungen, fowol)! ber Berrid)tungen, als ber inneren Sinrtd)tung beffelben, eintreten. Es würbe gute golge t>aben, wenn fotd)e Seute ßd) immer ber ®rabfd)rift beö italienifd)en ©rafett erinnerten, weldjer als ein Dpfet biefer fd)ted)ten ©ewofjnljeit ftarb." .,3a) ir-ar gefunb — 2Bünfa)te ober nod) gefunber ju fein, 3lab.m Sttebtjm unb — ftarb." Der ärattld)e ©tanb felbft fann nid)t bem Borwurf entgegen, baß er feinen Bei- trag 3U biefem Unfug liefere. SBenn wir bei einem .Kranffjeitsfaffe gerufen werben, von bem wir uns feine beutfid)e Borfteffung mad)en fönnen, fo tappen wir oft im Dunfeln, gießen Mebiain ein, wie wir es bei ät)ntid)en gälten vorder traten, bis bet Magen ruinirt ift, unb beffen ©törungen bas fcfyon beftetjenbe Unwot)lfein verfd)lim- mern, woburd) bie ©djwierigfeit ber Veitung ftd) met)rt. „Die allgemeine Unwif- fenljeit ober bie Borurtljeite madjen eö nid)t tetd)t," fagt ber Doftor, „biefe Berfalj- rungsweife immer 3U vermeiben." Die vorb^errf^enben 5tnftct)ten über ben ärjttict)en Beruf, fetbft unter ben aufgeflärteften Seuten, führen 3U ber trügerifeb^en BorauSfe^ung, baß bie Materia Medica für jebe ßranfljeit ein Heilmittel l)abe, unb baß ber Mangel an Erfolg un- ter gegebenen Berb,ättniffen ber Natfjtoßgfeit bes betyanbetnben Slrateö augefd;rieben werben muffe. Das Bertrauen fd)winbet fdjneff, falls er in feinen Bemühungen nachläßt, unb er wirb gewötynlid) feine ®aUn verboppeln, um eine Entlaffung ober bie 3uaief)Uttg eines anbern DoftorS 3U vermeiben, von bem man bie Berorbnung einer neuen Portion Si^nei erwartet. Nad) beenbigter tfonfuttation gibt ber neue Hrjt neue Borfcbjiften über meb^r Str3nei u. f. w. ©erüßet mit töbtlid)en SBaffen betritt er bas gelb ; eine Berfälimmerung bes gaffeS erfolgt. Nod) nid)t übe^eugt, mac^t man fernere Berfud)e mit neuen Siebten, woburd) nur baS frühere Ber- fabjen wieberb, olt wirb; bas Srauerfttel fommt 3um ©d)tuß — ber Patient ftirbt Bemerfungen. 25 Diefe Darßetlung t)ätt vieffeic^t Manier für eine ®eburt ber Sinbilbungsfraft; allein Dr. Sl)apman fagt: „3 vorder wußte, baß er als Dpfer folct)er Berfud)e fterben müßte." Der Katfer Vabrian fd)rieb ftd) folgenbe wotjl überlegte ©rabfdjrift: „Die gjcenge ber Siebte t;»it ben Äaifer getobtet." Stus Erfahrung unb vom 3Bunfd)e befectt, nü^tidje Sßatjrfyeitsletjren mitauttjeilen, fann id) bir fagen: vermeibe foviel als möglid) bas Mebiainiren, unb verlaffe bid) barauf, baß Saufenbe burd) Slraneien getobtet werben, fowie burd) ben täglidjen unb ant)attenben ®ebraud) von ©ad)en, weld)e ben Magen fd>wäcb,en. 3um legten Mate bitte id) bid) aufrichtig unb inftänbig, Veitung von Diät, Be- wegung, Neifen, Bergnügungen unb 3erftreuungen 3U erwarten. Hatte eine Seit lang gefdjäftUd)e ©orgeri fern, ober mit anbern SBorten: Saß ben ©eift ausrufen. SBenn wir uns in unfere ©efdjäftöaimmer unb Säben einfperren, bem Körper fetten etwas Bewegung gönnen, aud) ben ©eift nid)t ausrufen taffen; wtnn wir unö ntdjt auf angenehme, nü£ltd)e SBeife 3erftreuen, um ben Organismus 3U erfrifct)en unb 3U erhalten, (benn id) tjabe vorder beuttid) auöeinanbergefe^t, weldje SBirfungen ber ®eift auf ben .Körper ausübt) bann werben wir uns ftarfes Unwot)lfein, vielleicht für's Seben 3U3ieb,en. DiefeS ift ber ®runb, baß wir fo viele fränflidje unb bleibe ©eftatten in großen ©täbten fet>en unb baß fo Biete an fd)led)ter Berbauung, fowie an anberen w ot)lbef annten KranfReiten leiben. Bergeffenb, baß Bewegung bie Quelle alter ©efunbt)eit iß, fdjeinen Stile nur von ber einzigen 3bee be- feett 3U fein, Neidjtfjümer aufhäufen, ftatt auf itjre ©efunbtjeit 3U ad)ttn. SBaS ift unö ©elb wertt), tomn wir burd) bie Erwerbung beffelben unfere ©efunbtjeit ein- büßen? Biete fetjen wir, weldje ßd) gleid) ©flaven Sag für Sag abarbeiten, um itjren Kinbern eine große ©umme ©elb 3U t)interlaffen, unb Manche fterben, bie laum it)r vierjigßes 3at)r erreicht Ijaben. SBie viele Saufenbe werben jäfyrlidj burd) ben unauff)örlid)ett ©ebraud), ober vielmehr Mißbraud), von Mebisinen in's 3en- feits beförbert; benn es fd)eint b^eutjutage (3tbxand) 3U fein, Vetlungen nidjt buret) bie wiebertjerfteffenben Gräfte ber Natur 3U erzielen, fonbern burd) eine Menge von Sl^neien unb Mebiainen. 3ebeS geringfügige Unwot)tfein foff von irgenb einem wirf famen ®ifte f urirt werben; — „ benn Mebi3inenfinb®ifte" — ftatt foIct)e einfache Mittel anauwenben, wie St)ee, falteS Baben, ober V«usmtttet, bereu es Saufenbe gibt, unb weldje, verftänbig angewenbet, bie Natur unterftü^en unb bie Veitung voffftänbig bewerffteltigen. Strme menfd)tid)e Natur! Sßie fürd)terlidj betrügt ße ßd), wenn ße 3ur Vebung jeber .Kranffjeit 3U Mebi3inen it)re 3ufiudjt nimmt. SBerfe man einen Blid auf unfere großen V<*nbelSftäbte, wo meljr mit bem Kopfe, als mit ben Vänben gearbeitet wirb, too Setbenfdjaften jeber Strt auf alle mögliche SBeife gefrötjnt wirb. Dort werben Saufende gefunben, weldje nie arbeiten, unb weldje burd) Ueberfpannung ber ©etjirn- unb Nerventtjätigfeit ttjrer ©efunbtjeit fdjaben unb, inbem fte ben Seiben* fdjaften freien Sauf taffen, ßd) bebeutenben Nad)tt)eil 3ufügen. SBenn wir bie ver- fdjiebenen klaffen ber menfdjtidjen ©efefffdjaft aufmerffam beobachten, fo werben wir 3U ber Ueber3eugung gelangen, baß burdj übermäßige Kopfarbeit ber Körper leibet, bis enblid) bie förperlidje Sntfräftung anfängt, auf bie geifiigen Kräfte au Wirfen, unb ber ftolge Menfdj einfielt, baß bie Slaftiaitat beS unftertlid)en ©eißeS burd) anfyattenbf ©pannung abgenommen Ijat, unb baß gelegentliche Erleichterung 26 ©unn's V <* u s - 21 r 31. unb Nut)e beffern Srfotg tjaben, als Mebiainiren. 3$ weiß nid)t unb glaube aud) nidjt, baß biefe Kranftjeit je 3UVor von irgenb einem mebtjinifdjen ©djriftfteffer be- fdjrieben worben iß. 3dj meine jene ©djwadje, jenen 3ußanb beS Körpers unb ©eifteö aunfdjen Kranftjeit unb ©efunbl)eit, bod) meljr ftd) jener, als biefer nätjernb, wetdjem idj feinen t)intängtid) be3eidjnenben Namen geben fann, ob er gleid) von 3ct)ntaufenben in biefer Sßelt ßünbltd) empfunben wirb. Sin foldjer 3ußanb fann nidjt burd) Mebijin gefjeitt werben, obgleid) er ben Siebten viel au fdjaffen madjt, unb wenn, um itjn au befeitigen, viele Signeten angewenbet werben, fo wirb ßd) bet Sobtcngräber am beften babei ftetjen. 3ene Mattigfeit unb Srfdjlaffung bes ©etfted unb Körpers entfpringt von übermäßiger geifttger ober förperlidjer Slnßrengung. ©emütljöbewegung unb heftige Stufregung fönnen nidjt lange anbauern, otjne bie förperlidje ©efunbljeit 3U 3erßören. Die tt)ierifd)e unb geiftige Natur bes Men- fdjen ftnb verfdjiebener Strt, unb biefe wirb jene in einem anbern unb beffern Dafein überleben. Stber auf Erben ftnb fte auf bas 3nnigße mit einanber verbunben unb üben beftänbig einen wed)felfeitigen Einfluß, ©iet)' jene bleichen SBangen, jenes Sluge, bas feinen ©lan3 verloren, jenes fummergebeugte Slntttij, jenen fdjleppenbett ©ang, jene fdjtaffen Musfetn mit ßdjtbarer ©djwädje unb Unfät)igfeit 3ur Stjätig- feit, unb bu erblidß bie golgen eines burd) ©orgen unb Mißgefdjid beS Sebens nie- bergebeugten ©emütljes unb eine ©eßalt, weldje uns ein treues Bilb bes EinßuffeS beS ©eiftes auf ben Körper gibt. Die Sßatjrljeit 3U enthüllen, iß, wie ber ©elefjr- tefte augeben muß, fet)r oft fdjwer; aber in feiner SBtffenfdjaft ift bieS fdjwiertger, als In ber Slr3neifunbe. Slbgefeljen von bem gewötjnlidjen Mangel mebi3inifd)er Kenntniffe, werben unfer Stgennujj, unfere ©etbftliebe, unfere Borurttjeile unb nid)t fetten unfere Unwiffentjett bie 3Bal)rljeit verhüllen, unb wir werben tyäußg un- fer förperlidjes Ungemadj ber Un3ulänglid)feit ber Veilfunbe 3ufd)retben, unb nur feiten ben SBirfungen ber Natur. Meißens folgen wir nur ber Ntdjtung, weldje uns burd) Unterricht unb Sqtetjung gegeben worben iß. Der junge 3lr3t verläßt t)eut3utage, mit feinem Diplom in ber Safdje, bie mebtji- nifct)e Vod)fct;uIe; er tjat mefjr Vodjmutfj, als gefunben Menfcfyenverftanb, unb, nadjbem er mit Sifenbaljnfdjnettigfeit feine ©tubien abgefertigt tjat, glaubt er, wenn er nidjt jebe Kranftjeit t)eilen fann, fo fei bas fein eigner geljter; aber 3eit unb Erfahrung werben it/tt eines Befferen betetjren. SBenn feine SBangen burdj bie ©orgen unb Müfjen, welche ber Beruf mit ßd> bringt, gerun3elt ftnb, bann wirb er burd) nieberfdjtagenbe Erfahrung gelernt t)aben, baß Kranftjeit nur burdj bie Natur gehoben werben fann; baß itjre ©efe&e 3U Nattje gesogen werben muffen, wenn er erwartet, feinen Beruf mit Srfolg auS3UÜben. Saufenbe würben 3Weifetsof)ne nod) leben, wenn iljre Seiben mit elnfadjen Mitteln betjanbett worben wären; benn eine lange Erfahrung t)at mid) vollftänbig übeqeugt, baß bie Kunft bes Vettens von bet Srfjattung ber wieberfjerfteffenben Kraft abfängt, unb wenn wir biefe verloren b,a* ben, iß es mit ber Veilfunbe vorbei. 3d) babe fdjon in meiner " Domestic Medicine " (VauSmebijin) erwähnt, baß ©efunbljeit nur burdj Unterftü^ung ber Natur wieber- fjergeftefft werben fann, nidjt aber burd) Bertjinberung ober Srfctjwerung itjrer Ber- ridjtungen. SlffeS, was ber Slrat tb,un fann, iß einaig bie felbßerb^ltenbe Kraft (vis medicatrix naturae) baburd) in Drbnung au galten, baß fte erregt wirb, wenn ße erfdjlafft, t n 3aume getjalten wirb, wenn fte 3u heftig wirft, baß fd)äblid)e' Einfluffe Abgehalten werben; ober baburd), baß man ben ©d)tner3en unb ber Stufregung vor- Bemerfungen. 27 beugt, wenn fte ber Veitung entgegenftetjen. "In simplici salus," ober mit anberen SBorten: Erfolg beruht in einfachen Veitmittetn. 3dj bin nidjt gerabe barauf verfeffen, lateinifdje NebenSarten anaubringen; wenn id) aber bie Ueberfe^ung folgen laffe, fo wirb mein Sefer, wie id) 3uverftd)tlid) er- warte, mid) entfdjulbigen. 3n meinen ©djriften für bas Botf wünfctje id) flar unb Verßänblict) 3U fein; inbem id) 3ugletd) alle Quadfalberei unb Veimtictjttjuerei btoS- ftetle; benn wir leben in einem 3ritalter, in wetdjem jeber 3lveig beS menfd)lid)en SBiffenS auf bie gefunbe Bernunft 3urüdgefütjrt wirb, unb in wetdjem bie wichtigeren SBiffenfdjaften nidjt länger in ©eljeimniß gefüllt, fonbern alle Quellen ber Beleh- rung 3ebem geöffnet ftnb, wetdjer felbft au lefen unb au benfen wünfdjt. Das ge= genwärtige 3riratter begünftigt jebe Strt beö gortfdjritteS ; ginfterniß, Slbergtaube unb Unwiffent)eit ftnb verfd)wunben,unb wir begrüßen bie Morgenrött)e geiftiger Slufftärung. 3eber Sag bringt uns neue Entbedungen in faß allen SBiffenfctjaften, weldje efjer magifdjen Sinflüffen, als menfdjtidjer Sfjätigfeit 31t entfpringen fdjeinen. Die Veilfunbe ift ebenfalls im gortfd)ritte begriffen,unb wir werfen fotctje Mittet bei ©eite, weldje in 3U ausgebetmtem Maße von ^fufdjern angewenbet würben, unb beginnen unfere Stufmerffamfeit auf bas große Bud) ber Natur ju wenben, weldjes unfere gorfd)ungen mit ben ©egnungen ber ©efunbljeit reidjlid) entgelten wirb. Der 3eitpunft iß gefommen, in wetdjem bie Bevölferung biefeS SanbeS anfängt, 3U lefen unb 3U benfen, ben ©egenftanb fetbß unb nid)t btoö SBorte 3U lernen; it)r eigeneö Urttjett in folgen Slngelegentjeiten in Sinwenbung au bringen, welche itjre eigene SBotjlfatjrt, wie bie ifyrer gamilien betreffen, ßatt Stnbere bafür au beaatjten, für ße au benfen. Berftänbige Seute fofften it)r eignes Urttjeit in Betreff itjrer ©efunbljeit unb ber Itjrer gamilien anwenben. ©ie foulen ttjre eigene Konftitution felbft am beften fen- nen, unb fte fofften wiffen, baß bie Srtjaltung ber ®efunbt)eit nidjt auf Mebiainiren beruht, fonbern auf Bewegung, Diät, Suftveranberung unb 3erßreuung burd) un- fdjulbige Bergnügungen, wie es von ber Borfetjung für unfere SBotjlfatjrt btab=> ßdjtigt war. Sine 3Wedmäßige Betjanblung ber förpertidjen Konftitution, toit wir ße bei Spieren anwenben, — benn ber Menfd) ift aud) ein Sljier, aber auf einer l)ö- b,ern ©tufe ftetjenb, — ift von ber größten 3Bid)tigfeit. Deshalb fofften wir, ßatt beS tägftdjen ©ebraudjs von Slr3neien, weldje bie ©efunb- ljeit fdjwädjen unb ben Organismus zerrütten, woburd) wir lebenbe Stjermometer werben, unfer eigner Nattjgeber fein, nur geleitet burdj Bernunft unb Berftanb. Saufenbe unb abermals Saufenbe fterben jäljrtid) burd) ben übermäßigen ©ebraud) oon Slraneien, inbem ße bie ttjörictjte ©ewot)nt)eit fyabtn, tägtid) Stranden au ver- jidjttngen, oljne 3U bebenfen, baß ße ©ift netjmen. Unglüdlidjerweife für bie Menfdjfjeit, wenn and) vom tjödjßen 3ntereffe für bie 2ler3te, tann biefelbe nidjt erfahren, toit viel nüljlidje Menfdjen jäljrtid) burd) bie fd)led)te ©ewotjnljeit beS Mebi3inirenS it)r Seben einbüßen. 3$ tenne viele Men- fdjen, weldje ftd) fo an ben (3toxand) oon Mebi3inen gewöljnt fjaben, baß ße nichts Verrichten fönnen, oljne StbfütjrungSmittel genommen 3U Ijaben. Bon bem berühmten Dr. Nabcliffe wirb er^ätjU, baß er feine ©djutben nidjt 3U &e3al)ten pflegte, oljne vieles Mahnen nnb Drängen, unb baß er feine ©laubiger fo lange als mögltdj tjtnljielt. Ein armer Mann, wetdjer für ben Doftor ^flafterarbetl verrietet blatte, erroifdjte tyn enbtid), nadjbem er oft unb vergebens geforbert tjatte, 28 ©unn'sVauS-Strst. gerabe als jener vor feinem Vaufe in BloomSbur» ©quare in Sonbon aus bem SBa« gen ßteg unb maljute ibn ungeftüm wegen feiner Nedjnung. „SBaS, bu Sump,' fagte ber Doftor, „Srwarteß bu für foldj' ein ©tüd Strbeit bejaht 3U werben ? Du Ijaß mein «Pflafter verborben unb es bann mit Erbe bebedt, um bie fd)led)te Strbeit 3u verbergen." „Doftor," erwieberte ber arme Mann, „meine Strbeit ift nidjt bie einzige fdjledjte, weldje bie Erbe verbirgt;" unb fogteid) jatjlte ber Doftor bie Nen- nung beö armen Mannes. Dr. ©l)ipper, einer ber auöge3eid)netßen Sterate in 5pi)itabetptjia unb metjr als Vier3ig 3«ljre lang Setjrer ber 3tr3neifunbe in ber alten mebiainifdjen ©djute jener ©tabt, fagt: „SBenn wir eö für nöttjtg Ratten, unfere 3ußudjt 3ur Mebijin 3U nehmen, bann gibt es brei Strien, weldje wir getroß gebraudjen fönnen, nämlidj 2 ein rutjigeS ®emütl), förpertidje Bewegung unb eine einfadje Koß. DiefeS," fagt ber etjrwürbige unb fetjr erfahrene Slrgt, „ftnb bie beßen Mittet, wetdje id) je ver* fd)rieben tjabe." Der berütjmte frangofifdje Slrat Dumoutin fagte auf feinem Sobtenbette, in ©e- genwart von brei ber ausgeaeidjnetften 5tergte von $aris, weldje ben Berluft bebauer- ten, weldjen bie Sßiffenfctjaft burd) feinen Sob erleiben werbe: „Meine greunbe, id) tjintertaffe brei Siebte, bie weit größer ßnb, als id)." Dringenb gebeten, biefelben ju nennen, (jeber Doftor glaubte, felbft einer berfelben 3U fein) antwortete er: „SBaffer, förperlidje Bewegung unb Diät." Die Berfatjmngöweife jebes erfahrenen unb einftd)tsvoffen Str3teS wirb immer einfacher, je länger er lebt. Ein alter Slrat, weldjer viel Mebiain verfdjrelbt, ift einQuadfatber von ber fdjttmmßen ©orte; benn feine Erfahrung foffte itjn geleljrt Ijaben, baß es wotjt Saufenbe von Berorbnungen gibt, aber nur wenige eigenttidje Veilmittet. Der berütjmte Dr. Nabcliffe fagt, „baß bas ganae ®etjetmntß ber Slraneifunbe auf einen tjatben Bogen Rapier gefdjrie- ben werben fönne." Die Meinungen metjrer ber größten Sterte, wetd)e je gelebt, ßnb fjinretdjenb, um uns 3U überaeugen, baß ber eine von Bums' " Twa Dogs " redjt tjatte, als et fagte: „Die 9D?enfa>tt ßnb arme, franfe Darren SDW allem ifyrem gelehrten ©ebaljren." Der verßorbene 9>rofeffor ber Veitmittelterjre auf ber Brown'fdjen Univerßtal fagte, nadjbem er feinen Beruf ein falbes Saljrtjunbert ausgeübt tjatte: ,,3d) tjabe in ber Sfjat fowofjt in meiner öffentltdjen als 9)rivat=$rariS erfahren, baß ein fol- d)er Mifdjmafd) von 3eug nnb fo viel Mebiain unnötfjtgerweife verorbnet wirb, baß Slpollo felbft nidjt tjatte fagen, W03U es gut iß. Sin praftiairenber 2trjt pflegte 3U fagen, baß er metjr Signeten verorbnete unb bas 3eug metjr burdjeinanber mifdjte, wenn er mit einem fdjwterigen gaffe 3U ttjun t)ätte. „Denn," fagte er, „wenn ict> eine große Menge ©cfyrotförner abfeure, fo müßte es merfwürbig 3ugefjen, wenn ße alte bas 3iet verfehlen fofften." Ein Patient in ben Vänben eines folgen Mannes iß gewiß nidjt beffer baran, als ber djineßfdje Manbarin, weldjer von irgenb einer Unpäßlidjfeit befallen, awölf ober meljr Doftoren Ijerbeiruft unb bann itjre verfd)iebenen ©aben auf einmal ver- 'cbtingt. ©tatt fotdjen UnftnnS würbe es beffer fein, ben $fab 3U betreten, weldjen uns eine genaue Beobachtung ber Natur vorfdjreibt: einfadje Borfdjriften unb ein- fadje Mittel; benn es fdjeint, baß bie menfdjlidje Konftitution ober ber Körper nid)* Bemerfungen. 29 fo compltairt unb wunberbar geformt ift, nm gur SBieberljerßeffung w ©efunbt)eit bis au verlangen, was mandje Slerate „bie ©trettart" nennen, ober mit anberen SBorten, bie wirffamften unb fräftigften Straneimtttel. Es ift affgemein befannt, baß meljre unferer wirffamften Heilmittel, wenn über bie Maßen gebraucht, Kranf Ijeiten tjervorbringen, welche fdjmteriger au tjeilen ßnb, als biejenigen, weldje burd) jene Veilmittel furirt werben fofften. Bermeibe batjer foviel als mögtidj Neaipiren unb Mebiainiren. Stlö id) als jun- ger Mann anßng au praftigiren, backte id), baß jebe Kranftjeit burd) Slranei, in gro- ßer Menge verorbnet, geseilt werben fönne; aber nad) wenigen 3«t)ren fanb id) burd) Erfahrung, baß id) in taufenb gaffen mid) geirrt tjatte. 3$ verlor beinatje mein Bertrauen 3U vielen Veilmittetn; unb jeber vernünftige unb erfahrene Slrat muß an berfelben Ueber3eugung fommen. SBenn er älter wirb, wirb er immer metjr von ber Uuftdjerljeit ber Sl^netfunbe überaeugt, unb obfdjon er taufenb Neaepte tjat, * Ijat er bod) nur wenige eigenttidje Veitmittet. Ein reidjer Kaufmann, weldjer in Sonbon woljnte unb ftd) vom ©efdjäfte gurüdgegogen tjatte, fdjidte nad) ©ir Slßtev Eooper, um it)n über feinen ©efunbtjeitöauftanb 31t fonfuttiren. Der Patient liebte nidjt nur bie guten Dinge biefer Sßelt fetjr, fonbern gab fid) bem SBoPeben bis 3um Uebermaße fjin. DiefeS würbe balb von jenem auögeaeidjneten 3lr3te bemerft, wet- djer folgenbermaßen 3U itjm fpradj: „©ie ßnb ein Kaufmann, mein Verr, unb be- ft^en eine umfaffenbe Kenntniß bes Vanbels; aber, wenn bie Einfuhr bie Sluö- futjr überßeigt, iß bann nidjt Ucberfluß auf bem Marfte? Sletjnlid) iß ber gaff M 3t)nen. Mad)en ©ie ©id) metjr Bewegung, effen ©ie nidjt fo viel, unb trinfen ©ie Weber SBeine, nod) geiftige ©etränfe irgenb einer Strt." Der Verr ließ es ßd) gefagt fein unb äußerte fpäter, baß beS Doftorö Kenntniß von ben ©runb* fä£en beö Vanbels unb feine faßlidjen Natljfdjtäge, itjn nidjt nur in ben ©tanb ge- fegt tjätten, ßd) einer guten ©efnnbtjeit 3U erfreuen, fonbern aud) fein Seben um viele 3at)re 3U verlängern. — Es war bie Slnfidjt bes Dr. Nuft), baß, „wenn man ßd) tbm fo angelegentlid) beßrebt tjatte, bie Menfdjtjeit auf3uftären, wie man ßd) wät)- renb bes testen 3at)rtjunbertö bemüljt tjat, bie VauSttjiere ju verebetn, fo würben 3lr3- neien nur wenig gebraucht werben." Menfdjen ßnb nidjt fo Ijodj gefdjä^t worben, atS Sljiere. SBenn Wir foviel ©orgfatt auf unfere Kinber verwenben würben, wie auf unfere $ferbe, fo würben jene nidjt nur gefünber, fonbern itjre geifii- gen Stntagen würben in fpätern Sebenöjatjren ber Sfusbitbung fätjig fein. Es iß im tjödjften ®rabe nottjwenbtg, baß ttjiertfctje Bebürfniffe gehörig regulirt werben. Die S^ietjung beginnt in ber SBiege unb enbtgt nur im ©rabe. 3d) bin über3eugt, baß ber menfdjlidje ©eiß, gteidjwie bie untergetjenbe ©onne, ein fd)öneres Stdjt von ßd) ftratjtt, wenn bas Enbe Ijerannaljt. Merfwürbige Beifpiete in biefer Be3ieljung ftnb ber berühmte 3eremiaö Benttjam unb 3oljn Vowarb, bereu Seben ber Sluöübung ber SBotjltljätigfeit unb ben Vanblungen ber Milbtt)ätigfeit geweit)t waren, woraus wir fetjen, weldjen Einfluß bie Befjerrfdjung ber ttjierifdjen Begierben auf bie Ber- tängeruug bes Sebens ausübt. Ein gefünber ©eiß in einem gefunben, wotjtgeformten Körper würbe fdjon beiben Sitten atS ber größte ©egen angefetjen, beffen ber Menfd) tljeilliafttg werben fönne. Diefe fdjon längß erfannte SBatjrtieit läßt es unerhört erfd)einen, baß ber Menfd) baraus feinen Nu^en geaogen unb ftd) nidjt mit affer iljm 31t ©ebote ßeljenben Kraft 6eßrebt ijat, eine feße ©efunbljeit an erlangen; benn unfere ©eißeöfräfte, unfere 30 ©unn's V a u ö < 31 r 31. ©emütfjörufje, unfere Stimmung werben von bem förperlidjen Sßoljtfein beeln. ßußt. Die ^erfelutng gab uns Mittel an bie Vanb, bie ©efunbljeit an erijalten. Die« legt unö eine große Bcrantttortlidjfett auf. ©efnnbtjeit mu^ unter biejenigeti ©aben ge3äl)tt werben, für beren ©ebraucb, wir unferem ©d)öpfer verantwortlich pub j unb es iß unfere $ßid)t, uns mit ben ©efe^en befannt au madjen, woburd) ße erijalten werben fann. DiefeS nennen wir pfjvftfc^e Sraieljung, unb bie ©runb* fäfee berfelben fofften unferem ©eiße fö eingeprägt fein, baß wir ga«a bamit vertraut werben. Denn eö ift feinem 3»eifel unterworfen, baß wir bie meiften Kranftjeiten uns felbß burd) Unvorßdjtigfeit 3ujieljen, fowie burdj ben Mangel einer genauen Kenntniß beffen, wie biefelben vermieben werben fönnen. SBenn Kranftjeit nidjt bie golge unferer eigenen Nadjläfßgfeit ift, fo entftetjt ße aus Unwiffentjeit ober Mangel an gehöriger Stufßdjt feitenö unferer Eltern ober Bormünber. Die Natur Wirb früher ober fpäter Nedjenfdjaft von unö verlangen über bie Berte^ung itjrer ©efefee. SBir mögen eine 3eit lang ben ©efunbtjeitöregetn auwiber tjanbeln unb tro^bem aiemlid) gefunb fein; allein mit ber 3rit werben fidj bod) bie übten gotgen 3eigen; gerabe fo, roit Kapital unb 3infen ftdj Raufen unb 3ute0t bod) abgetragen werben muffen. Biete flagen bie Natur au, wät)renb fte felbß itjren ©efetjen nidjt geb,ord)en, beren Befolgung mandjen Seiben vorbeugen, ein gefunbeS Sllter herbei- führen unb bie Bösartigfeit mandjer Kranft)eiten verminbern würbe. * 3unge Seute fofften über ben SBerttj ber ©efunbtjeit unb bie Mittel, ße 31t erijalten, beteljrt werben. Diejenigen werben gefunb fein, bie jebeö übertriebene Berlangen unter- brüden, bie iljre Begierben unb Seibenfdjaften 3Ügetn. ©efdjtetjt biefeS, fo wirb oai Seben verlängert werben, unb, mit fonftiger gehöriger Borßdjt, werben Wir uns faß ununterbrochen einer guten ©efunbtjeit erfreuen fönnen. Kenntniß ber ©efunbtjeitsregeln foffte als ein wichtiger 3f»eig ber ßttttdjen unb geiftigen Sraietjung ber 3ugenb angefeljen werben. StuSgerüftet mit nü^licfjen Kenntniffen in Betreff ber Erhaltung unb Befeftigung ber ®efunbt)eit, foffte bie 3ugenb bie Neife burdj'S Seben antreten. Daburdj wirb ße in ben ©tanb gefejjt, Kranftjeit absuljalten unb nötigenfalls eine fdjwäd)tidje Konftitution 3U fräftigen. ©inb wir in biefen Be3ieb,ungen gehörig unterridjtet worben, bann fönnen wir aud) im gaff ber Nott) unferen leibenben Mitmenfdjen beißetjen. Die Vauptgetjeimniffe, bie ©efunbljeit 3U erhalten, ßnb folgenbe: Bermeibung aller beraufdjenben ©etränfe, förperlidje Bewegung, Neinlidjfeit, regelmäßiges Seben unb Mäßigfeit im Sflen. Es mögen leictjt Unpäplidjfeiten tro£ ber Beadjtung biefer Negeln vorfommen; aber etwaige Kranft)eiten werben weniger tjeftig fein. ©0 lange wir jene Negeln befolgen, werben wir wenig mit Kranftjeiten geplagt fein. Biete alte *pi)itofoptjen fönnen wir als Mußer von ©efunbtjeit, Mäßigfeit unb langem Seben anfütjren. ^stfjagoras Befdjränfte fidj auf spflanjenfoß; fein Mittageffen beßanb aus Brob, Vonig unb SBaffer. Er lebte über 80 3a't;re. ©eine Nachfolger befolgten biefetbe Sebensweife unb befanben fidj wotjt babei. Es iß wofjlbefannt, baß aud) bie erßen Sfjrißen burd) Enttjaltfamfeit unb langes Seben ßd) auS3eid)neten, b. I)., fte lebten lange, wenn ße nidjt bürde) Berfolgung aus bem SBege geräumt würben. Matthäus, jum Beifpiel, lebte, nacb, Singabe von Element, von $ftan3enfoß. Die ößli^en Stjrißen, welche in bie SBüßen von Sgvpten unb STrabien geflotjen waren, genoffen nur 3Wötf Un3en Brob täglid), ali Bemerfungen. 31 ttjre einzige feße Natjrung, unb trauten nur SBaffer unb bodj lebten ße lange unb gtüdlid). Der t)eitige SlntoniuS lebte fjunbert unb fünf 3ettjre; ©imon ©tvtiteS einbunbert unb neun; 3acob, ber Sinßebter, etntjunbert unb vier; ber tjeilige VieronpmuS einbunbert; Epiptjanius eintjunbert unb fünfgeljn; NomaulbuS unb Slrfenius einbunbert unb awanaig 3atjre jeber. Unb nun will idj bir gewiffentjaf* meine, auf lange Erfahrung unb Nactjbenfen gegrünbete, Slnßd)t mitttjeilen, baß, wenn es feine Siebte, SBunbärate, Slpotljefer, Eljemifer unb feine Slraneien auf ber Sßelt gäbe, fo würben wir weniger Kranftjeit unb weniger ©terbtidjfeit Ijaben; wir würben uns metjr auf einfadje Heilmittel verlaffen, als auf bas Mebi3iniren, wetdjeS meljr als irgenb etwas StnbereS bie Slusartung bes menfdjlidjen Körpers verurfad)t bat. Saufenbe, weldje täglidj als Dpfer ber Mebi3in fterben, würben ein tjotjeä Stlter erreidjt tjaben, wenn ße ber Natur unb einfachen Mitteln vertraut tjätten. Mit Mäßigfeit in allen Dingen, gleichviel in wetzen Bertjättniffen, ober unter wetdjem Klima wir leben, wirb unfere ©efunbtjeit befeßigt, unfer Seben verlängert, unb unfer ©lud begrünbet werben; benn wo feine Mäßigfeit tjerrfdjt, ba beßetjt Weber Sugenb, nod) Slbfdjeu gegen Berbredjen. SBer geißigen ©etränfen frötjnt, ber iß immer im 3ußanbe ttjierifdjer Slufreguug; bie UrttjetlSfraft wirb gefdjtrjädjr, unb bie gotgen bavon ftnb Slneignung von ©ewoljnljetten, welche bie geißige unb förperlidje ©efunbtjeit 3erßören. Valte bid) batjer von ben abfdjeulidjen geißigen ©etränfen fern. SBenn fte 3ur ©ewotjntjeit werben, bann werben bie Seibenfdjaften jügeltoS, wk ber braufenbe ©turmwinb. Enthalten wir uns aber beS verwünfdjten ©aufenö, bann ift bas ©emütlj mtjig unb gelaffen, unb wir fetjen alle Dinge in itjrer waljren ©eßatt. Mit einem Sßorte: ©lud fann nidjt befteljen, wo feine Mäßigfeit iß, unb id) gebe bir bie Berßdjerung, baß bie meiften unferer Kranftjeiten unb ©törungen ber ©efunbtjeit bie gotgen von Unmäßigfeit ßnb. Das Bermeiben geißiger ®etränfe iß bas beße Mittet, Kranftjeiten fern 3U tjalten, felbft bann, wenn wir eine ungefunbe Konftitution von unfern Eltern geerbt Ijaben. Durdj 3Wed- mäßige Diät, förperlidje Bewegung, Suftwedjfet, burdj Mäßigfeit im Slllgemeinen unb namentlich burdj Bermeibung affer geißigen ©etränfe fönnen förperlidje Erb- fehler befeitigt werben. Diefe Borfdjriften fofften burdj'S gan3e Seben ftreng beobadjtet werben; benn es gibt wenige 3nbivibuen, weldje von einer gewiffen Smpfänglidjfeit für eine befonbere Kranffjeit, tot\d)t fte für ttjr ganjeö Seben betäßt- gen fann, gän^lidj befreit ßnb. Sitte förperlidjen Sigenfdjaften ber Eltern ßnb erblid); felbß baS Stlter iß erbtld), unb in bem unfdjulbigen Kinbe iß tjäußg bie ©d)wäc^e ausgeprägt, weldje ben abgelebten Bater bem ©rabe 3ufüt)rt. Sangjätjrige Erfahrung unb forgfättige Beobachtung tjaben mid) voffftänbig über- jeugt, baß fowotjl Blöbßnn als Slnlage aum SBatjnßnn, fowie Nervenfctjwädje von ben Eltern auf bie Kinber vererbt werben. Es ift tjier nidjt ber Grt, 3U fagen, wie biefeS gefdjietjt; in bem Kapitel „*privatfranf tjeiten" foff barüber getjanbelt werben, Mandje Kranffjeiten ßnb, wie gefagt, erbtidj, unb biefer Umßanb verbient ntdji cffein bie Slufmerffamfeit berjenigen, bie fidj eine Borfteffung von bem ©efütjl ber Eltern für itjre Kinber madjen fönnen, fonbern aud) berer, bie bei ber SBatjt eines Sebensgefätjrten ober einer SebenSgefäfjrtin au Natlje geaogen werben, ba von gehö- riger Borßdjt bei einer fold)en Söatjl bas SebenSglüd abfängt. Einige ber widjtig- ßen erblid)en Kranftjeiten ßnb folgenbe: SBaljnftnn, SluSaetjrung, faffenbe Kränkelt, 32 ©unn'sVauS-Slrat. ©froptjeltt, Krebs, Nervenleiben, fowie Kranffjeiten, bie burd) ©enerationen (©efrtledjter) gegangen ßnb. 3ct) meine mit lederen jene getjeimen Kranftjeiten weldje nie aus bem Körper ausgerottet worben ßnb, unb benen bie größte Slufmerf- famfeit gefdjenft werben follte. Bei Berfdjreibitng von Mebtainen muffen wir immer, wenn wir Erfolg erwarten, biefe Sigentljümlidjfeiten ber Konftitution wotjl beadjten; fur3, wenn wir bas SBotjl unferer Mitmenfdjcn 31t beförbern wünfdjen, muffen wir metjr von Mäßigfett, als von Mebifamenten erwarten. Daß gewijfi Kranftjeiten von ben Eltern auf itjre Nadjfommenfdjaft übertragen werben, tjabe id) fdjon erwäfjnt, unb baß bie Neigung ba3U oft in frütjer 3ugenb burdj S^ieljung entßetjt, iß aud) gewiß. Der Einfluß ber ©efe£e, ©taatseinrtdjtungen unb ©ebräudje auf bie menfdjlidje Natur iß mädjtiger, als viele berjenigen glauben, Weldje über biefen ©egenftanb nod) nie nadjgebadjt Ijaben. Eivilifation ift bie Mut- ter vieler Bergnügungen; allein fie tjat aud) manetje Uebet im ©efotge. 3n bem» felben Bertjältniffe, wie bie menfd)lidje ©efetlfdjaft ßd) in gewiffen gormen bewegt, unfere Bertjältniffe verwidelter werben, bie Bebürfniffe beS SebenS 3unet)men unb förperlidje Bewegung vernadjläfßgt wirb, wirb bie Konßitution gefdjwädjt unb förperlidje, wie getftige Entwidetung getjtnbert. Btele, \a bie meißen unferer Kranf- tjeiten waren ben Urbewotjnern unbefannt. Der ftattlidje 3«bianer burctjftrld) ben SBatb, beßieg bie Berggipfel unb fprang über Slbgrünbe in ber Berfotgung bed SBilbeS ; ober er tag bei Vi£e ober Kälte, im ©ommer wie im SBinter, oljne Kleibung auf bem nedten Boben; bemungeadjtet waren Unverbaulidjeit, 3luS3eljrung, ®tdjt unb bie vielen anbern Kranftjeiten beS civilißrten SebenS itjm fremb. Sbenfo tjütete ber ©djäfer feine Veerbe unb fang feine untjarmonifdjen SBeifen, otjne ©djmer3en in ber Bruß ober in ben Sungen 3U empßnben. Es ift bestjalb von ber größten Sßidj- tigfeit, bie 3ugenb 3U lehren, wie bie Ueppigfeit, bie ©ewoljnljeiten, bie Sluöfdjwei- fungen, weldje bie Eivilifation mit ftd) bringt, bas Seben verfügen unb uns elenb madjen. ©efd)iet)t bieS, bann Werben viele junge Seute itjren Sebenslauf beffern unb vorjeitigen Seiben, ober einem frütjen Sobe, entrinnen. Keine Nation fann mädjtig fein, beren Bürger geiftig, moralifd) ober förperlid) entartet ftnb. Es iß watjr, baß bie Bewoljner ber Bereinigten ©taaten itjrer förperlidjen Entwidetung im Slltgemeinen nod) nidjt tjemmenb in ben SBeg getreten ßnb; aber bamit ift nidjt gefagt, baß bieS von Dauer fein werbe. Denn fdjon fangen fie an, von ber fdjtidjten Sebensweife itjrer Borfaljren ab3uweidjen; bie Bevötferung wädjft in golge ber ßarfen Sinwanberung; ber Neid)tt)um tjäuft ftdtj in ben Vänben SBeniger an; Biete leben in gabrifen eingefperrt; Saufenbe, bie fidj für tfjr tägliches Brob abquälen, geben fidj ber Unmäßigfeit tjin. Stiles biefeS wirb eine Slbnatjme ber ©pannfraft beS menfdjltdjen Körpers 3ur golge Ijaben, bie ßd) bei fpäteren ©ene- rationen einfteffen wirb. Es ift fdjon \i$t eine tägtidje Srfdjeimtng in unferem Baterlanbe, baß Männer von gätjigfeit unb ausbauernbem gleiße, fowotjl ©etetjrte, als spotitifer unb Kaufleute, ber Sanbbevö.lferung entfpringen, unter weldjer bie Ueppigfeit unb bie Stusfdjwetfung, wie man fte in ben ©täbten ßnbet, wenig befannt ßnb. Um uns gegen bie Kranftjeiten 3U fdjü^en, bie id) oben angefüfjrt tjabe, fofften wit biejenigen ®efe£e fennen, weldje auf bie ttjierifctje SebenSttjätigfeit Be3ug baben. ©onß tappen wir im Dunfeln. bemüht, ben ridjtigen SBeg au ßnben, aber beforgt, uns von itjm an entfernen. Bemerfungen. 33 Diefeö iß ber gaff bei Seuten, welche bie widjtigße affer &aotn nidjt beß^en; gefunben Menfd) enverßanb. SBer über ©efunbt)eitöverä(tniffe nur für einen Stugenblld nadjgebadjt tjat, weiß, baß es Konftitutionen gibt, weldje für gewiffe Kranffyeiten befonberS empfängtid) ßnb, ober, mit anbern SBorten, für foldje, bie von ben Eltern auf bie Kinber übergegangen ßnb. SBenn nun eine foldje Kon- ftitution gegen bie Einßüffe gefdjü^t wirb, weldje bie Kranftjeit, 3U ber Slntage Vorlauben iß, tjerbeifütjren, fo fann ein langes Seben erreicht werben, oljne baß Merfmale einer geerbten Kranffyeitöanlagc 3um 25orfctjein fommen. Die Körper- feefdjaffentjeit fann burdj geeignete Bewegung unb ©ewoljnljeiten, aucb, burcb, eine Berbinbung mit einer gefunben $erfon fo fetjr gebeffert werben, baß feine Beranlaf- fung b i e Kranffeeit hervorbringen fann, 3U weldjer man vortjer geneigt war. Um meine Stnftdjt über biefen ®egenftanb benttidjer auö3ubrüden, bemerfe id), baß viele unferer tatentvoffßen 3ünglinge unb Mäbdjen an ber 9tuS3etjrung fterben. DiefeS Seiben ift in vielen gamilien erblid); Kinber ßnb nidjt allein in ©eßalt unb ©eßdjtsaügen Bater unb Mutter ätjnlidj, fonbern aucfj bie Bilbung ber Sungen iß faß gana biefelbe. SBenn 3emanb, ber Neigung aur SluSaetjrung Ijat, plö^lidjem Semperaturwedjfel ausgefegt wirb, ober fedjs bis adjt ©tunben lang in einem Reißen, fdjtedjt gelüfteten 3immer bleibt unb bie unreine Suft einattjmet, weldje bereits metjre Male burd) bie Sungen Sinberer gegangen iß, fo wirb er Ijödjft waljr- fctjeintict) ein Dpfer berfelben Kranfljeit werben, 3U ber feine Eltern ebenfalls geneigt waren. Die Sungen ßnb ber empfinblidjße StjeÜ beS Organismus, unb beStjatb ftnb biefelben am meißen für Kranfljeit empfänglidj. Bewegung in ber freien Suft, SBedjfel bes Klimas, natjrtjafte ©peifen, 3wedmäßige Kleibung unb Bermeibung affer Einßüffe, weldje genannte Kranftjeit hervorrufen, bringen vofffommene ©efunb- ljeit mit ßd); wir wiffen, ober fofften wiffen, baß geeignete Bewegung bie Bruß ausbetjnt, ben Umtauf bes Blutes beförbert unb bie Musfein entwidelt. Daß geiftige Bor3Üge ebenfalls erblict) ßnb, iß eine Sl)atfad)e. Einige Beifpiele werten unfere Behauptung beweifen. Salent wirb tjäuftger von ber Mutter, als vom Bater geerbt. 3n ber nadjfolgenben Darfteffung werben wir auf verfdjiebene Strien geiftiger Ueberlegentjett Nüdßdjt netjmen; wir werben von Didjtern, ©efdjidjt- fdjreibern unb Nebnern e^ätjten. Die Mutter von Sorb Bacon war bie Sodjter von ©ir Slnttjonv Soof; ße verftanb metjre ©pradjen, überfejjte unb fdjrieb meljre SBerfe, welcrje vr-n ©etetjrfamfett, ©djärfe bes BerßanbeS unb ©efdjmad 3eugen. —Vume, ber Vißorifer, erwätjnt feiner Mutter, Sodjter bes ©ir D. galconet, «Präßbent beS 3uß<3 * SotlegiumS, als einer grau von feltener Begabung, weldje im grütjung ttjreS SebenS ßdj gan3 feiner S^ietjung wibmete.—N. B. ©tjeriban; grau granciSca ©tjeriban war eine grau von außerorbentlidjen gäljigfeiten. Die Verausgabe einer glugfdjrift 3U feiner Berttjeibigung madjte ße 3uerft mit Verrn ©fjertban, itjrem nacfyljerigen ©alten, befannt. ©ie fdjrieB audj eine von 3oljnfon feljr empfohlene Novelle.—Die Mutter bes beutfdjen DidjterS ©djiffer war eine liebenswurbige grau; ße tjatte viel ©Inn für bie ©djöntjeiten ber Natur unb liebte Mußf unb $oeße teibenfdjafttidj. 3ot)ann griebrid) ©djiffer war Ü)r SiebtingSfinb.—©oeftje fprad) folgenbermaßen von feinen Eltern: 3d) erbte von meinem Bater eine gewiffe Slrt von Berebtfamfeit, bie beredj* net war, meine Setjren ben 3ut)örern ein3Uprägen; von meiner Mutter erbte id) bie gatjigfeit, SlffeS, was bie Sinbilbungsfraft faffen fann, mit Kraft unb SebenbigfeU 3 34 ©unn's Vaus-Slrat. barjußeffen. — Sorb Sröfine's Mutter war eine grau von Salent (Stillagen) unfc Beurüjeitungöfraft: auf Üjren Natlj wibmete ftdj itjr ©oljn ber Necfytöwtffenfdjaft. — Stjompfon, ber Didjter; grau Sljompfon war eine grau von ungewötjntidjen Slntagen; fte aeidjnete ßdj burdj gefeüige unb fjäuötidje Sigenfdjaften aus, fomie burd) SBärme unb SebenbigfeU ber Einbitbungfraft. 3ljrem ©oljne ßanb fie wenig nadj. — Boertjaave'S Mutter erlangte eine Kenntniß ber Veilfunbe, wie ße feiten bei grauen gefunben wirb. — ©ir SBalter ©cott; feine Mutter Sltfabetl), Sodjter beS Doftorö Nuttjerforb, war eine grau von tjoljer Bitbung unb Sugenb. ©ie tjatte ©efdjmad für $oeße unb fdjrieb ©ebidjte, weldje 1789 im Drud erfdjienen. — SBir fönnten ferner bie Mutter von Marmontel, von Bonaparte, ©ir SBilliam 3oneö unb viele anbere anführen; aber bie Mutter von ®eorge SBaftjington foffte nidjt ver* geffen werben, ba fte nad) ben Slufaeidjnungen biefeS ausgeaeictjneten Mannes bit Quelle aller feiner ©röße war unb feiner Bruß alle jene Sugenben einpflügte, we« gen weldjer er fpäter fo fetjr bewunbert würbe. SBir Ijaben, toit uns bebünft, eine Ijinretdjenbe Slnsatjt oon gälten mitgeteilt, um ju beweifen, baß Ijervorragenbe Männer itjre <3ahtn von beiben Eltern empfangen laben ; es ift aber ein bemerfenswerttjer Umßanb, baß geißige Boqüge gewöljnlidj von ber Mutter abftammen. Meine Bemerfungen tjaben gezeigt, wie fetjr tct> wünfc^e, bie SBiccjttgfelt einer ge- nauen Beobachtung ber Sigentfjümltctjfeiten ber Konftitution ba^utfjun; benn t<$ glaube aufrichtig, baß 3wei Drittfjetle aller Kranftjeiten, welctjen bie Menfdjfjeit aus- gefegt iß, burd) einfadje Mittet, 3Wedmäßige Pflege bes Körpers, ober mit anberen SBorten, burd) regelmäßige Bewegung, geeignete Nahrung, Mäßigfeit unb Suftwedj» fei getjeilt werben fönnen. Eine ©eereife gibt uns ein blütjenbes Stuöfefjen, wetdjeä ber grifdje ber 3ugenb gleist. Sin großes Unglüd ift es, baß Saufenbe von Kran- fen erß bann 3U ben genannten Mitteln greifen, wenn es 3U fpät iß, ober nadjbem bie Mebiain itjre fdjäblidjen SBirfungen getljan tjat unb ber Doftor, um feiner Berant- wortltc^feit 3U entgegen, eine Neife, entweber 3U Sanbe, ober 3U SBaffer, empßetjlt. 3cfj will nun biefe Bemerfungen mit ber feierlictjen Srmatjnung fctjließen, baß ©efunbtjeit unb ©lud nie befteljen fönnen, wo Mäßigfeit unb grömmigfeit nidjt au Vaufe ßnb. £)fjne grömmigfeit unb Mäßigfeit gibt eS feinen Sroß ober Baffam gegen bie ©orgen, Mißgefdjide unb Sßectjfet bes SebenS. Die Voffnungen ber Su- genb, bas fegensreidje SBirfen bes Mannes, ber Srofl bes SllterS Ijaben itjren Ur- fprung in Mäßigfeit unb Netigion. Erftere b,ätt Kranftjeit ah, ledere befänftigt unb beruhigt bas ®emütlj in ben SBiberwärtigfeiten bes SebenS. Die Netigion lefjrt uns auf bem Kranfenbette bie göttUdje Barm^eraigfeit erfennen. Einfam in ber Sljat ift bas Sager, wo bie abgejetjrte, frafttofe ©eftalt ausgeftredt liegt, beren ©eiß an ein ewiges Seben nidjt glaubt. Kein fternen^etter ©lan3, nidjt ber Engel glüget umfdjweben fein ©terbefiffen. Bergebens ftnb bie Slrme ber greunbfdjaft ausaeßredt, vergebens fdjlägt bas Ver3 voll Siebe für ben ©terbenben; bie Voff* nungöftrab,len mögen für fur3e 3eit in fein ©emütb, fdjeinen; aber ad), ße ßnb falt unb freublos ; fein belebenber Sinbrud burdjfreu3t bas ßeberfranfe Vtrn; feine Ijel- lige Begierbe nadj bjmmlifdjer greube ergebt bas ®emütf), unb in fdjneffem Stufein- anberfoigen erfdjeinen bie Befangenheit, bie ©egenwart unb bie 3ufunft vor bet ©eeie bes ©terbenben, unb mit einem Blide erfennt er bas Srügerifdje biefet SBelt. Die 3itternbe ©eeie fürchtet bie 3ufunft. Keine gehobenen Slrme ßarfen Bemerfungen. 35 feinen ©eiß, nodj geigen ße Üjm ben breiten SBeg 3U ben Sßoljttungen ber ewigen ©eligfeit, unb ber Elenbe ruft aus: „SBie fdjredlid) iß ber Sob ! gür midj gibt eS feine ©eligfeit l" Söer immer nadj ®efunbt)ett ßrebt Unb batet tugenbfjaft ftetS lebt, Dem ftetjt ein ftoljeö SBort n>otjl an, Das £elbentoort: 3d) bin ein SJtann. Denn er gebeüjt unb fprofjt empor, SBie auf ber SBtef ein fcblanfeS Stellt, Unb lebt unb Webt ber ©otujett »oU, %n Straft unb ©djimfyeit ein SXpoff. Die ©ötterfraft, bte üjn burcbjeufjt, SSeßügelt feinen 3euergeiß Unb treibt aus Falter Dämmerung (Den Vtmmel feinen Slblerfäjroung. £) fajaut, tote er öotl ^ajcßä't, diu ©ott, baber auf Srben gct)t! Sr ßetjt unb fret>t »od Verrltajfett Unb fleljt um nichts; benn er gebeut. ©ein Sluge funfeit bunteujeu', SBie dn fr^ftatlner ©äja ttenquett 5 ©ein Slntlifc ftratjlt im üftorgenronj, Stuf Wa? unb ©ttrn tjerrfc^t Stfacbtge&st, Slnmerfung. Die vorßebenben ©tropfen ßnb einem ©ebidjte von SSürger entnommen Ker- len. Die jtoet erßen 23erfe ber erßen ©tropfe würben geä'nbert, SSon ben Seibenfdjaften unb Sttcißunöen. ie gän^ttctje Unrerbrüdung ber Seibenfdjaften bei SBefen, welche voll von Seiben fdjaft ßnb, ift unmöglid); tiefen aber eine beßimmte 9iidjtung 3U geben, ift burdjaü» nottjwenbig. Unb woraus beftetjen biefe Setbenfdjaften, weldje foldjes Untjeit an> ridjten, inbem fie tjeftige ©treitlgfeiten verurfadjen, ben ©eiß ertjeben, ober itjn nieber- fdjmettern, tjinreißenbe Bergnügungen 3ur golge Ijaben, ober uns in ben größten Kummer verfenfen ? SBas ßnb fte anbers, als bie SluSartung unferer 9tei3barfcit ? Das Seben wirb verfügt, wenn wir uns bem 3ome, ber Bostjeit, ber gurdjt, bem Stetbe, bem Kummer, ber Sraurigfeit unb übergroßer ©orge tjingeben. Deshalb fofften wir SBeisljeit genug tjaben, bie Setbenfdjaften getjörig im 3aume 3U galten. SBenn wir benfetben geftatten, uns 3U betjerrfdjen, ftatt baß wir fie beberrfräen, jerftören wir bie Sebenöfräfte, verberben bie Berbauung unb fdjwädjen baö Nerven- fvßem. Der Berfud), bie Berridjtungen bes Körpers 3U regeln, oljne bie ©emüttjsbewe- gungen im 3aume 3U Ratten, ift äljnlidj bem Bemühen, einem liebet 3U entgegen, wäfjrenb ein anbereS von gleicher Sracjweite uns bebroljt. Sin fluger Mann be< fcerrfdjt feine Seibenfdjafint, aber ein Sfyor laßt fidj von i tj n e n be^errfdjen. S8om (Einfluffe be$ ©dfteS auf bm &örpet. Die Seibenfdjaften entfpringen aus ber Eigenliebe. Stuct) fann man fagen, bafj fte Mobißfationen berfelben ßnb. 3n bem ©treben nacb, ©etbftert)altung vereinigen ßd) alle unfere Neigungen unb Vanbfungen; ber Menfdj gibt ßdj gern Bergnügun- gen tjin, weldje feine Sebensfräfte erijalten, unb er vermeibet b a S, was itjm ©dja- ben 3ufügen fann. Bergnügungen unb Seiben eqeugen Seibenfdjaften, unb biefe faffen ßdj auf Siebe unb Vaß 3urüdfüljren. Bergnügen ift nur vorübergefjenb; wir beurteilen es nadj ber SBirfung, bie eS auf uns madjt; feine Dauer begrünbet ©lud. 3e angenetjmer bas Bergnügen iß, welctjes wir genießen, beßo größer ift unfere Beforgntß, beffetben beraubt 3U werben. Slus biefem ©efütjte entfpringt gttrdjt, weiche gewöfjnlidj von Voffnung begleitet ift, weil beibe ©emüttjsbewegungen eine gemeinfame Quelle b.ahtn; nämlidj: bie SBafjrfdjeinlidjfeit bes ©uten unb Böfen. gurtet madjt ber Sraurigfeit $Ia£, wenn Voffnung gerftört iß; aber wenn wir in bf 3ufunft nur enblofes Unglüd feb,en, bann weldjt bie Sraurigfeit ber Ber3weif- !ung, unb unfer Dafein wirb eine Saß. Der Eigenliebe entfpringt bie ©udjt bes Menden, fein ©lud 3u vergrößern. Bon Natur unbeftänbig, wünfctjt er an- genehmen Empßnbungen neue ljtn3naufügen, unb wenn feine «Keugierbe einmal 36 !C ieibenfdjaften unb Neigungen. 37 burd) ein neues Bergnügen befriebigt iß, empßnbet er bafür ein ©efütjl ber Bewun- berung. DiefeS ©efütjt wirb nur von großen ©eelen empfunben. Das ®leid)e ßnbet jebod) nidjt bei fleinen ®eißern ftatt; fte beneiben Stnbere um bie ©egnungen, beren ße felbß nidjt ttjeiltjaftlg werben. Die Seibenfdjaft N e t b ift ber größte gtud) ber gefefffdjaftlidjen Berljäftmffe. 3$ foiff ben ®egenftanb ber Eigenliebe nidjt weiter verfolgen. Es wirb barüber an ber geeigneten ©teile gefproctjen werben. Es iß für mid) genügenb, erftärt 3U tjaben, wie bie Seibenfdjaften entftetjen. Einige gefüb^ffofe ©ittenletjrer Ijaben bie Seibenfdjaften verbammt unb tjaben gewünfdjt, ben Menfcrjen 3U einem letbenfdjaftstofen SBefen, einem Slutomaten 3U madjin. SBarum wir fo verfdjiebenartig gefdjafjfen ftnb, wirb ßctj an jenem Sage geigen, wenn wir bie SBeiSfjett, bie Mactjt, bie ©nabe unb bie Barmljcrstgfeit beö Stffmäcb.tigen erfennen werben. Es ift für ben Menfdjen gerabe fo unmögUd), oljne Seibenfdjaften 3U fein, als feinen ©ebanfen 3U b.aben. 3ene ftnb 3um Seben notfjwenbtg. Das menfdj- lidje Ver3 tjat einen Stbfdjeu gegen ben 3ußanb ber Seere. Es iß nur bie 3ügeffoßgfeit ber Seibenfdjaften, wetctje verbammungswürbig iß. Die Berrictjtungen beS Körpers fönnen nur fo lange vor ftd) getjen, als ber Unter- leib in gehöriger Sljätigfeit ift; ebenfo beförbern bie ©emütljsbewegungen ben freien ©pietraum ber Sebensfräfte, nnb in biefer Besteljung ßnb fte burdjauS nottjwenbtg 3um Seben. 3$ rebe Ijier, wofjtverßanben, nur von ©emüttjsbewegungen, nidjt aber von jenen wilben Seibenfdjaften, weldje bie fdjtimmßen gotgen Ijaben fönnen, wenn ße nidjt geäugelt werben. Menfdjen untertreiben ftd) baburd) von einanber, baß ber Sine feine Seibenfdjaften feetjerrfdjt, wäljrenb ber Slnbere itinen freien Sauf läßt. Ein Menfct), wetdjer ßctj von feinen Seibenfctjaften Betjerrfdjen läßt, fann nie alüdlid) hin ; er iß un3ufrieben, reisbar unb ßreitfücb.tig ; er mactjt ßctj felbft unb Slnbere unglüdtidj; er verbittert ßdj unb verfügt ftd) fein Seben, wie gtänjenb aud} feine äußeren Berijältniffe fein mögen. Er fctjafft feine ©emütfjSftimmung felbft; unb Stenb wirb bie golge bavon fein, wenn er nidjt im ©taube iß, ftd) 3U mäßigen. 3tutjmfud)t wurselt tief im menfcb/ticb/en Verjen. 3n ber Erinnerung 3U bleiben, nactjbem man geftorben, einen Namen 3U tjinterlaffen unb fidj gteidjfam unfterblid) 3U mactjen, fdjmeidjelt bem (gtjrgeije. Docb, wie eitel ift bie Voffnung, wie abge- fdjmadt ift ein foldjer SBunfd) ! Die Namen äußerß weniger Menden werben von ber Nadjwelt genannt. Srbifdje Unfterblidjteit ift nur ein leerer Sßatjrt, ein trüge- rifdjer ©djein, um gewiffermaßen ber bem Menden innewob.nenben gurdjt vor bem Sobe entgegensuwtrfen. Der ©eift ift unfterblid) unb voll von nie vergetjenben ©ebanfen unb erljabenen Begriffen. Er fann burdj alle 3eitalter eine Seudjte fein; er fann ber 3eit Srofc bieten unb iß ber Berwefung nidjt unterworfen, gür ben ©eiß gibt es feinen 9taum; er fann bas Sßettaff umfpannen, unb feinen göttüdjen Urfprung gibt er fortwätjrenb 3U erfennen. Die 3ufammenferjung ber garben in einem Detgemälbe ' vergegenwärtigt uns bie Srljabentjeit beS ©eifteS, fo baß wir mit Sntsüden ftille ftetjen, um es ansußaunen. Der ©eiß fann alle ©luttj unb ©tärfe ber Seibenfdjaft unb unausfpredjlidjes Sntsüden in Marmor verförpern. Er fann ber ©pradje eine Bercbtfamfeit verteilen, wetdje bie Versen aüer Menfdjen rütjrt, bewegt unb entgüdt. Dod) W03U nü£t SlffeS biefeS, fo lange bie irbifdje Vüffe veränberlid), gebredjlict) unb öergänglidj iß ? Der ©ebanfe, ber ©eiß, bie Sinbilbungsfraft ßnb unfterblid); aber ©pradje, Marmor nnb ©emälbe werben vergeben. Stber ber Mann, wetdjet 38 ©unn'S Vöuö-Slrjt. feine Seitenfdjaften im 3aume fjätt, weldjer befdjeiben, frot) unb sufrieben iß un* feine Saunen betjerrfdjt, wirb Kranftjeiten ertragen unb letdjter von irgenb einer Un- päßtic^fett, wetctje üjn befallen mag, befreit werben, unb unter ben Entbehrungen, Befdjwerben unb Säufdjungen, weldjen wir in unferem Berfetjr mit ber SBelt meb,r ober weniger ausgefegt ftnb, wirb er gehörige geftigfeit an ben Sag fegen. SBenn ber Badj rutjig, mit teifem ©emurmet, von ben Bergen tjerabßießt unb burdj bie Ebene riefelt, fo verfdjönert er bie ©egenb; wenn aber baö SBaffer t>erun- terftüqt als braufenber, unauftjaltfamer ©trom, ber über feine Ufer tritt, bann Ijat er Berwüßung unb Berberben in feinem ©efotge. ©o verljätt eS ftd) mit ben Seiben- fdjaften, Neigungen unb SBünfdjen. ©efyörig im 3aum gehalten, ftnb fte nü<dj nnb erfüllen ben 3\ved einer weifen, alles betjerrfdjenben Borfetjung, inbem ße mit unferer Natur eng verbunben ftnb; wenn aber ben ©emüttjsbewegungen geftattet wirb, mit ungefe'ffelter SButt) 3U toben, bann tjaben ße einen fdjäblidjen Sinßuß auf bas SBefen, auf welkes ße n>ot>ltt>ätig einwirfen fofften. SBenn wir wünfdjen,baß ber ©trom bes SebenS ungetrübt ßießen foff, muffen wir feine Quelle rein tjalten, nnb woffen wir uns ber ©efunbtjeit unb eines langen SebenS erfreuen, mü^tn bie Seibenfdjaften gebügelt werben; benn ße reguliren ben Organismus unb tyaben ben größten Einßuß auf bie ©efunbtjeit; bei einem swedmäßigen ©ebraudj unferer för- perlidjen, geißigen unb ßttüdjen Kräfte erfreuen wir uns ber ©emüttjsrufye, weldje wefentlid) 3U einem langen Seben beiträgt, unb weldje unter ben Prüfungen biefer SBelt ben ©eiß ßärft. Saßt uns Sßotjlttjätigfeit, greunbfdjaft unb Siebe ausüben, unb wir werben uns eines guten ©ewiffens erfreuen; laßt uns Betrachtungen über bie Stilgüte ©ottes anfteffen unb unfere ^ftidjten gegen unfere Mitmenfdjen erfüllen. Daraus entfpriugen Bergnügen unb ©efunbtjeit; wätjrenb ©tots, Neib, Sifer- fudjt, Vabfudjt, 3orn unb alle anberen Seibenfdjaften, benen man im Uebermaß frötjnt, nidjt nur unfer eigenes ©lud, fonbern aud) bas unferer Umgebung verbit- tern, bie ©efunbtjeit untergraben unb bas Seben verfügen. Valte beute Seiben- fdjaften im 3<*ume, bann werben ße wotjlttjätig wirfen; ungesügelt ftnb ße versetj- renbe glammen. Das widjtigße unb nüjjlidjfte ©tubium ift: fidj felbß f ennen 3 u l e r n e n. Stile Menfdjen ßnb fdjwadj; es gibt feine ©etbftbetjerrfdjung oljne Re- ligion. SBenn wir beffer ßnb, als Slnbere, foüen wir es nidjt uns felbß sufdjreiben, fonbern ©otteS Slffgüte. SBir fönnen nidjt wiffen, wie lange wir auf bem engen §>fabe ber Sugenb auöbauern werben. Der große Boertjaave befaß einen tjoljen ©rab von ©elbftbetjerrfdjung, unb er war babei fo bemüujig, baß er, wenn er von einem sunt Sobe Berurttjeilten tjörte, ausrief: „Sßer fann behaupten, ob biefer Mann nidjt beffer fei, als idj ?" Darum laßt uns auf unferen tjimmlifdjen Bater bauen: „SBenn einer SBeistjett begehrt unb bittet 3f>n barum, gibt Er fte freigebig unb fdjilt nidjt." SBir fofften uns auf ben ©tauben ßü£en, baß ©ott affmädjttg iß; baß er SlffeS wotjl madrt; baß felbft bas Uebel benen ©uteS bringt, weldje u)n lieben ; baß nidjts uns feiner gürforge entstehen fann, unb baß felbft ber Sob biejenigen nidjt fdjmer- jen wirb, welcbe fo leben, baß ße ftd) Voffnung auf ewige ©eligfeit machen fönnen. Siebe. 39 2&pm (Einfluffe bet Siebe. borgen Hebe, was bis beute 9cte ber Zitbt ftd) gefreut 5 SBaS ftd) ftets ber Zkbe freute, Siebe morgen, rote bis fyeut'. SSitrger. Siebe iß ber göttliche gunfen im Versen beS Menden; fte fließt von ©ott ans, nnb in'itjr leben wir. „©ott iß bie Siebe !" SBie unter ben ©tratjten ber ©onne bie Blumen Seben unb ©djönljett entfalten, fo treibt bie götttidje Siebe ben Menfdjen 3U eblen Vanblungen unb tjerrttdjen Stjaten an. SBenn atfo bie Siebe baS eigentlidje SBefen unfereS Dafeinö iß, unb aus ttjr anbere fi'tr'ö Seben nottjwenbige Bebingungen folgen, fo ift es überaus wichtig, baß Wir itjre Natur unb itjre Stgenfdjaften verftetjen. 3n ber ttjierifdjen ©djöpfung ift bie Siebe rein ßnntidjer Natur. Der Menfd) fütjtt ebenfalls ftnnlidje Siebe; aber in itjm wotjnt aud) eine tjeitige, geiftige Siebe, bie gerabe fo ertjaben über t^ierifctje ©efütjle ift, wie bie ©eete beS Menfdjen über ttjierifdjem 3nßinft ßetjt. SBenn biefeS innere ©efütjl ntctjt entwidelt wirb, fo bleibt ber Menfd) ein Stjier unb unterfdjeibet ßd) von bemfelben nur burdj einen fjötjeren Berftanb; aber für alle tjötjeren ß'mtät feines DafeinS iß er abgeftorben, unb teidjt gibt er ßdj atsbann nieberen Seibenfdjaften unb Neigungen tjin. Es iß ein unabänberlidjes @efe£ ber ©djöpfung, baß wir lieben muffen; benn eS gibt fein Seben oljne Siebe, — unb wenn wir unfere ©eeten ber göttlidjen Siebe verfdjlie- ßen, wirb tjöffifdje Siebe auf uns einwirfen, — benn aucb, bie verlorenen ©eißer ber Völle lieben; aber was lieben ße ? Nur ©ünbe, ©ottloftgfeit unb Unfeufdjtjeit. Daljer fofften wir unö prüfen, ob unfere Siebe göttlid) ober tettflifdj fei. Unb ba alle ©ünben aus Eigenliebe entfpringen, fofften wir vor allen Dingen uns Ijüten, ©flaven ber Begierben, bes ©totseS, ber Vabfudjt unb Varttjersigfeit 3U werben. Sin ©egenmittet gegen alle biefe Seibenfdjaften tjat uns ©ott in feiner göttlidjen gürforge verlietjen: erßens in unferer Siebe su 3l)m, unb sweitenö in jener verebetnben Siebe, weldje bie ©eeie bes Mannes an bie ber grau fettet. Siebe erljebt bie ©eeie ju ©ott, unb Enget werben burdj ße gefdjaffen. SBirb nidjt biefer ©ebanfe bie Siebe tjeitigen, nnb werben wir nidjt itjre Veitigfeit in unferem innerßen SBefen empßnben unb anerfennen ? Stber wie fann Siebe ein ©egenmittet gegen Eigennu^ fein ? %d) rebe nidjt von rein ßnntidjer Siebe, fonbern von ber, weldje getftig nnb waljr iß. ©ott tjat bie grau bem Manne gegeben, bamit ber Mann in ttjr ßd) felbft liebe unb fo feiner Sigenliebe übertjoben werbe. Bermittelß ber ©inne, weldje uns mit ber Stußenwett in Berbinbnng fe^en, fängt ber Menfd) an 3U lieben. SBie oft fetjen Vir biefe Siebe jum Sleußeren von bem feurigen Sluge ber 3ugenb im grütjting beö SebenS aus- flratjlen; ©eete fudjt ©eeie, wie ber switfdjernbe Böget feinen ©efäfjrten. Der Süngttng ßngt SieUeSlieber nnb glaubt, baß ße wteberljatlen; aber er wirb ßd) fjaußg fdjmersttd) getäufdjt ßnben. SBenn aber bie ©aite waljrer Sintradjt ange- fdjlagen tjat, wie tjerrlid) iß es bann, wenn ber Mann aus bem Sraume ber Setben- fdjaften erwadjt, nnb er entbedt, weld)' eine mitbe. lieblidje, göttlidjc Siebe von ben« 40 ©unn's Vöus-SJrat. fanften SBefen an feiner ©eite ausßraljrt. ©eine Neigungen, Slnßdjten, ©ebanfen unb ©efüljle ßimmen mit benen feiner ©eliebten überein. Er träumte von Siebe unb, ßetje ba ! ein Sßeib erfdjien, weldjes feine ©efäljrtin werben foffte. ©ie iß ein ertjabenes SBefen für ttjn; er liebt nidjt metjr ßdj felbft; in i tj r vereinigen ftd) alle feine ©ebanfen unb Smpßnbungen. SBetdj' ein feiiges ©efütjt, wenn bas liebenbe Sluge vertrauensvoll ßdj auf iljn ridjtet; er iß bie SBetstjett, ber ©tol3, bas ©lud feiner ©eliebten ; fte erfennt ©ott burdj itjn, unb e r liebt ©ott in iljr. Slber, adj! tok feiten iß biefe fdjöne, watjre, gelftige Bereinigung! Sine blol außerlidje Siebe ift nidjt von Dauer; unb wenn bie Siebe nidjt ein watjreS, geißiges Banb iß, fo werben balb biejenigen, weldje ßdj ewige Sreue gefdjworen tjatten, etnanber entfrembet fein. Die innere Srennung wirb ber ©djidtidjfeit Ijalber geheim gehalten, unb Beibe tragen ttjr %od) unter tjeimlidjen ©euf3ern unb Klagen. Dann plagt ßd) ber ©etäufdjte, gteidjfam medjantfdj, für b a S SBefen, weldjeö gegen bie ©türme beS SebenS ©djulj bei ttjm gefudjt tjatte. Siebe ift bie SBaffe, beren bie Slümadjt ßdj bebient, um ben ßarren ©inn bes Menfdjen su beugen, wenn alles Slnbere fetjlgefdjtagen tjat. Bernunftgrünben fe£en wir S'ernunftgrünbe entgegen; gurdjt überwinben wir; wir genießen bie ©egenwart, wenn wir auf gute 3eiten't)offen; aber Siebe ift eine ©onne, beren wärmenbe ©tratjlen bas fältefte Vers erwetdjen ; felbft ber ftärfße Stjarafter fann bem überwältigenben Einfluß ber Siebe nidjt wiberftetjen. Nidjt einer unter einer Million, nidjt taufenb Menfdjen auf bem gansen Srbboben ßnb unempßnblidj gegen Siebe. Es bebflrf feines anberen Beweifes, baß ©lud ber vofffommenße 3ußanb auf Erben iß, su weldjem ber ftttlidje Menfdj enblldj gelangen muß, als baS ertjabene ©efütjt, bas retigiöfe ©treben, welctjes treuer Siebe entfpringt. Biet biefeS religiöfen ©trebenS iß unter ber SBärme ber Siebe verborgen. 3nnige Siebe 311 ©ott tjat bas Kinb, weldjes feine SBange an bie feiner Mutter tetjnt unb mit feine» Strmen üjren Naden umfaßt, ©ott wirb, vteffeidjt unbewußt, Danf gesollt für bii ©djöntjeit feiner Erbe, totnn an einem ©ommerabenb ein Bruber unb eine ©djweßer, weldje lange getrennt waren, itjre Versen gegen etnanber ausfdjütten, unb wenn ße fütjlen, wie itjre ©ebanfen affmäblig sur Klartjett gelangen. — SBenn ber bejahrte Bater von fcen Stjrenbeseugungen tjört, weldje feinen Kinbern erwiefen worben ßnb, unb fein Sluge mit SBoljlgefaffett auf itjrem unfdjulbövollen Stntli^e rutjt, bann wenbet ftctj feine ©eeie su 3l)m, welctjer üjm in feinen Kinbern ben S^^ feines SebenS geoffenbart tjat unb itjn feiner ©nabe ttjeittjaftig werben ließ. Keine ©emüttjöbewegung iß fo retigiöfer Natur, als baS, was wir, im etgentlidjen ©inne bes SBorteS, Siebe nennen. D i e ©eeie, in 5er Siebe wotjnt, iß ber wafjre Sempel ber Beretjrung, beS ©laubenS, ber tjeitigen Steinbutt, bes Velbenmutljeö unb ber Mitbe. SBenn ber Menfdj liebt, ertjebt er ßdj su einem Enget; er wirb geßärft, geßü^t unb belebt burdj jene getjeimnißvotle ©ewalt: „bie Bereinigung mit einem anbern SBefen;" er fütjtt ßdj auf bem SBege sum „©lege über bas ©ottlofe;" er iß vorbereitet, „3U fämpfen unb su ftegen." Nicbts im menfctjlictjen Seben gteidjt bem ©efütjle ber Siebe. Der 3>tjilofoptj mag in einem 3ußanbe tjotjer Begeißerung fein, wenn er feine Setjrfäfce von ber Stbftoßung unb Slnsietjung ber SBelten vortragt 5 er mag im ©eiße bie Vanb beS ©djöpferS feljen, ber bie Planeten in ifjrem nie enbenben Saufe wanbeln läßt. Slber biefer «ptjttofopfj, ein vereitelt baßebenber ©erapb, (Engel erßen Nanges), als wetdjer er unter einer Moriabe von Menden 8ie6e. 41 behaltet »erben fann, wirb in einem folgen Stugenblide fein fo göttltdjes ©efü^l f^abtn, wie b a S SBefen, weldjes füljft, baß eS geliebt wirb — mag es baS ärmße ©e- fdjöpf in feiner nieberen Vütte, ober bie Sodjter einer vornehmen gamilie fein, weldje in itjrtS Bater* Valien ber Nulje genießt, ober mag es ber arme Strbeiter fein, wel- djer ßd) für fein täglidjeS Brob quält, ober ber ©eteljrte, welctjer bei feinem Dfen ßctj bem Nadjbenfen Eingibt. Der Krieger, im Begriffe für bie greitjeit einer Na- tion su fampfen, füfjlt, wennfdjon von ber SBtdjttgfeit einer fotdjen Stjat überseugtj feine foldje ertjebenbe Entfctjloffeutjeit, als biejenigen empßnben, weldje, nadj Ber* einigung itjrer Versen, itjre verbunbenen Vanbe auf ben Slttar legen. Der Staats- mann, weldjer eine ganse Netfje fosiater Uebet burdj fein Madjtwort aufgebt, iß fidj fetner fotdjen Danfbarfeit bewußt, atS biejenigen, beren Vera aum erßen Male burdj bas geuer ber Siebe erwärmt wirb. Der Siebenben gibt es viele; fte ßnb überall 3U Vaufe. „Der ©taatömann ßetyt an ber ©pifce einer Nation; ber tapfere getbljerr iß bie 3ierbe eines 3eitalterS; ber sptjilofopl) iß bas Kinb eines 3<*tjrtaufenbö > ober ber Siebenbe, wo iß er nidjt ?" Ueberall, wo Eltern itjre Kinber um fidj fetjen, ba iß er gewefen; wo Dädjer ßnb, unter toüdjtn Menfdjen wotjnen, ba war er ; überall, wo bie menfdjlldje ©timme er* fdjafft, ba ift ber Siebenbe. Er offenbart ßctj als foldjer burdj ein gehobenes SBefen, burdj eine ertjötjte ©timmung, burdj ben ©lans feines StugeS, fetbfl iotnn et fdjweigt. 3ene SBorte beS morgenlänbtfdjen DtdjterS taffen ßd) Ijäußg auf Siebenbe anwenben: Weinen Slugen muß iclj'S fagen, Daß fte fcbtoetgeu — nidjt bem SOtunbe; Denn bte 2iugen geben Äunbe, SBo eS nidjt bte Sippen roagen. Biete Menfdjen ßnb unbanfbar unb eigenftnnig; ße tjaben altes Möglidje gettjan bie Siebe 3U entweihen; aber bie ©efe£e ber Natur ftnb 3U mädjtig, bie ©üte beS tjimmtifdjen Baters iß 3U groß, als baß wir itjnen Sßiberftanb entgegenfetjen fönn* kn. Der Siebe wirb überall getjulbigt; beim Nadjßnnen beS Slbenbs, unter bem gefdjäftigen Sreiben beS Mittags unb bem ©lanje ber Morgenfterne. 3n ber Siebe einer eblen grau liegt etwas BerubtgenbeS unb SrtjebenbeS ; eine fotdje Siebe ift eine Dafe in ber SBüße bes SebenS, nadj ber baS Vers beS Mannes 3ur Srquldung ßd) wenbet, totnn er beS 3«genS unb SreibenS biefer SBelt überbrüfßg ift. ©ie iß ber vom Vintmel entfproffene Srieb, weldjer uns im Unglüde nodj feßer, als im ©lüde aufammenfettet; ße gibt ßdj funb burdj unausfpredjlictje 3äritidjfeü, weldje jeben unwürbigen ©ebanfen von ßctj ftößt unb uns su unferer urfprünglidjen Unfdjulb 3urüdfütjrt. 3ene wiffen nidjt, was Siebe iß, weldje glauben, baß ße von ©euf3er« unb Bettjeurungen abftamme. Diefe geben bloS ber Siebe Nahrung, unb gewötjn- lidje Menfdjen werben sunt Uebermaße burdj ©eufser unb Betrjeurungen bas 3U be* weifen fudjen, was ße Siebe nennen. Siebe iß jenes große ^rinsip ber Natur, wel- djes bie ©täbte, bas Sanb, bie glüffe unb bie Suft, bie wir elnattjmen, bevölfert, 3n mandjem Versen, weldjes niemals Stebe gefütjtt tjat, liegt biefe garte Kraft, weldje, wenn ©egentiebe ßdj funbgibt, plö^tidj sunt Niefen wirb. — Unb wie man* nigfactj ßnb bie Beranlaffungen, burd) weldje Siebe ßiffen Kummer tjerbeifütjre« fann. Ein SBort, tin Solid, ber Klang ber ©timme, ein Vänbebrud, felbß totnn frütjer bie Vanb fdjon Ijäußg gereidjt würbe, ein bloßes „guteNadjt!" ober ein 42 ©nnn's fyaus*%xit. fdjeibenbeS „©ott betjüte bidj!" von Sippen, weldje biefen ©ruß fdjon feit Monaten geäußert ijatten, gleidjen im entfdjeibenben Slugenblide bem gunfen, welcfjer äugen- blidttdj sünbet. Unb bann, weldje Beränberung ! Das Sluge ftetjt nidjt, bas £){jr $öxt nidjt, ber ©eiß empßnbet nidjt, wie eljebem ; ein neues Sßefen iß erfdjaffen; bie Bergangentjeit iß wie ein Nebet; nichts fctjeint 3U bleiben, wie es war; unb bafl watjre SBefen beS ©egenßanbes, burdj weldjes jener Naufd) fyervorgebradjt würbe, iß batjin. SBir bemütjen uns vergebens, benfelben Mann ober biefelbe grau, weldje wir vortjer gefannt Ijatten, in bem ©eliebten ober ber ©eliebten wiebersuerfennen* geftgebannt in ber Besauberung, emporgetjoben burd) plöfjlidj erwadjenbe ©efüljle, entbeden wir SBeistjeit, Berftanb, ©djöntjeit, Berebtfamfeit, Slnmuttj, Netse, ©ütt unb Siebenswürbigfeit, wo wir fte vortjer nidjt erblidt Ijatten, ober tjödjßms bem ©ebanfen Naum gaben, baß ber ©egenßanb, für ben fpäter unfere Siebe entßammte, möglidjerweife bie genannten Eigenfdjaften htftfytn tonnt. Stiles, Stiles iß umgeßaltet, unb in bem Slugenblide, in wetdjem baö Vers fein Bitb erfdjafft, iß Stiles glänsenb. 3m ©eiße fetjen wir bie anmutljige ©eftalt um uns fctjweben; Siebe wärmt bas Vers,nnb von ifjrem Stltare fteigt SBeifyraud) empor. D garte ©etmfuäjt, füßeS Voffen, Der erßen Siebe golbne $dt, DaS Sluge fief)t ben Vtmmel offen, 6S fäjwelgt baö £>erj in ©eligfeit; fagt ©djtffer. Siebe gibt uns einen Borgefdjmad von ber SBonne beö 5>arablefe3; ße iß ein tjeilenber Batfam für jeben ©djmers. Dft ift ße ber größte ©rgen, aber tjäußg audj, leiber I bie Quelle bes tiefften Elenbs. SBenn ber geliebte ©egenßanb unferer Siebe nidjt würbig iß, unb biefer Umftanb an fpät entbedt wirb, bann wirb bas Vers nie grieben ßnben. 3ebe ©tunbe vermehrt bie Qualen beS Nadjbenfenö, unb Voffnung, weldje bas brüdenbfte SBetj milbert, wirb aümätjltg in tiefe Bersweif- lung verwanbelt. ßftti SBefen, weldje su einanber paffen, beren ©efüljle, Neigun- gen, Slnßdjten, ©ebanfen übereinftimmen, bereiten fidj ben Vimmel auf Erben vor. Durdj Boten ber Siebe ftetjen fte mit ber Stußenwett in Berbinbung. Das Sluge ber Siebenben fteljt bie Erbe in fdjimmernbem ©lause, unb jebeS Blümdjen lädjelt feinen ©egen 3U itjnen hinauf. NidjtS im Seben ift fo rein unb aufopfernb, als bie Siebe einer grau, ©ie iß wie eine unauslöfdjtidje glamme, wie eine nie vergetjenbe ©tutlj; Prüfungen äffet Slrt wirb ße ftd) freubig untersietjen. SBaljre Siebe bringt metjr Dpfer, als bie ©öjjenbiener von Meffa; ße tjat einen fjötjeren SBerttj, benn alle Sbelßeine von ©otconba. Die SBelt mag itjre Berwünfdjungen ausfpredjen ; SBiberwärtigfeiten aller Slrt mögen ßdj aufttjürmen — aber umfonft, ber Stbgott beS VersenS wirb ben- nod) liebenswerttj bleiben; bie unauöfpredjlidje SBonne, bie bas liebenbe SBeib em« pßnbet, wirb felbß burdj Mißgefdjide, bie bem begegnen fönnen, ben fte liebt, nidjt gefdjwädjt werben. Beim Manne ift bie Siebe nie fo ßarf unb innig, wie bei ber grau. — Das SBeib iß ein ©efdjöpf von sartem ©efütjt; jebeS irbifdje ©ut, jebe Voffnung wirb ße ber Siebe opfern, ©ie wirb bie fonnige Veimatb, itjrer Kinbijeit, bas fdjü^enbe Dad) beS eltertidjen VaufeS verlaffen; ber Nattj bes bejaljrten BaterS wirb itjr nidjt met)r an Stjeil werben; bie ermaljnenbe ©timme ber Mutter, an beren "Bufen itjr Kopf rutjte, wirb ße nidjt metjr fjören; ße wirb Slüem entfagen, woran fte in ben 3flanae, bie SBotjlgerud) weit um ßctj tjer verbreitet. Die Blume götttidjer Siebe wirb bermat* einß in immerwatjrenber $radjt in ©otteS $arabiefe blütjen. golge biefem ©terne von Bettjtetjem, bem glänaenben Mt>rgenßerne, bem gütjret |u 3fjm, welker fein tfjeures Seben für uns ijingab; — er wirb unö eine Seuctjti *4 ©unn'S Vaus-Sirjt. fein in ben 3*rgängen bes SebenS ; —er wirb bas Dunfel ertjellen, weldjes unö in ber Sobesßunbe umgibt unb uns burdj bie Nadjt bes Sobeö au ben ©eßlben ewiger ©eligfeit leiten, bamit wir uns b e r Siebe erfreuen, wetdje ewig bauern wirb Religion. Der gotteöfürdjtige Menfd) iß tjelter nnb gtüdlidj; wer aber bie SluSübung bei Netigion vernadjläßigt, wirb bie traurigen gotgen, bie aus ber Berfäumniß ent- fpringen, frütj genug empßnben. Die Verrfcijaft ©otteS über bie ©eeie fttftet JDrb- nung, otjne ben Menfdjen aum ©flaven au madjen. SBenn wir ernftlidj barüber nadjbenfen, was Netigion iß, fo werben wir ßnben, baß fotgenber SluSfprudj be« weifen Königs ©alomo große SBatjrijeit enttjält: „Sftxt SBege ßnb SBege ber greube, unb itjr $fab iß griebe." Die Slnftdjt, baß Netigion eine Slrt von ©ftaverei fei, weldjer Niemanb ßdj unterwerfen fönnc, oljne bie Bergnügungen beS SebenS a«m Dpfer au bringen, tjat itjrer Berbreitung unter bem Menfdjengefdjtea^t oon j[etjer im SBege geßanben. SBir würben weifer unb beffer fein, wenn wir von ber Ktnbtjeit bis sunt ©rabe bie volle Ueberaeugung tjätten, baß ©lud bie golge ber SluSübung ctjrtßttdjer Sugenben unb baß grömmigfeit bie ßdjerfte ©runbfage ber Moralität iß. Durdj grömmigfeit madjen wir uns ber ©nabe ©otteS ttjetltjaftig unb ßdjern baburd) unfer eigenes ©lud. Dtjtte Q^lauhtn unb Voffnung, wie ©ott uns geoffen- bart tjat, würbe ber Menfdj ein armfeligeS ©efdjöpf fein. SttS grembting fommt er in ein großes SBeltaff, unb er erfennt, baß bie Kräfte ber Natur nur in einem geringen ©rabe ber Menfdjljeit enttjüttt werben; er gewafjrt, baß ber Urfprung aöer Dinge in btdjtes Dunfel getjültt ift. Der Menfdj weiß nidjt, wie er entfprun- gen unb was feine Beftimmung tjienieben iß; wenigftens ift feine ©ewtßtjeit barübet vorfjanben; er weiß nidjt, ob er ber Verrfdjaft eines milben ober ftrengen VerrfdjerS unterworfen iß, wie er mandje gügungen ber Borfetjung au verftetjen tjat, unb was fein ©djidfat nadj feinem Sobe fein wirb. 3e tugenbtjafter ber Menfdj iß, beßo meljr werben foldje ©ebanfen itjn nieberbrüden, felbft wenn es in unferer Madjt ßänbe, alle ©rübeteien an verbannen unb bie ©tunben beS SebenS mit nie enbenben Bergnügungen ausaufüllen. Nadj reiflidjem Nadjbenfen aber werben wir au bet Ueberaeugung gelangen, baß ein auf foldje SBeife IjtngebradjteS Seben fdjledjt ange- wenbet iß. Der Menfdj foff ftd) auf Erben nidjt allein ben 3erßreunngen tjingeben. Der benfenbe Menfdj fütjlt, baß er ein gebredjlidjeS, fdjwadjeS SBefen ift, baß ©efaf)- ren itjm brotjen, unb baß er vielen Mißgefdjiden unterworfen iß. 3fjm bie ©ewiß- fcelt au verfdjaffen, baß es ein tjöcfjftes SBefen gibt —wie bie c^rtftlictje Netigion ti uns tetjrt—tjat anr golge, baß wir üjm einen Bater unb einen greunb an bie Vanb geben, unb ein erquidenber ©onnenßratjl wirb aisbann fein niebergefdjtageneS ©emüttj erwarmen. SBer etjebem ein verlaffener $ilgrtm in ber unwirttjtidjen SBüße beS SebenS war, bat burd) bie Netigion einen 3uflud)tSort gegen bie ©türme bes SebenS entbedt. Er tjat einen tjtmmltfdjen Bater gefunben, au bem er beten, auf ben er vertrauen, bem er feine traurigen ©efüble mitttjeilen, unb von bem er Vülfe erwarten fann. ©o viel ftefjt feß, wenn Unglüdsfäffe unfer Vera bluten macben, iß nicbts wirf famer, als ber Sroß, ben bie Netigion uns gewabrt. Netigion. 45 ©ott fei gepriefen, baß er uns eine Netigion gegeben bat, welche bie Madjt beßfct, bie trüben ©tunben beS SebenS au erbeitern, bie brüdenbßen ©orgen au befdjroid)- tlgen, unb welctje uns bie Voffnung auf ©lüdfetigfeit im SenfeitS verleibt. ©leidjwte ber Stjau sur Nadjtaeit auf bie Blumen fallt unb üjren welfenben Blättern neues Seben einb.audjt, fo flößt Netigion in ben ©tunben ber Srübfat uns Mutb ein unb tröftet bas verwunbete Vera- ©ie iß es, welctje unö in ben ©tunben ber Prüfung ßärft, weldje baö Etenb linbert nnb ber Befümmerniß üjren ©tadjel nimmt. Stiles 3rbifdje iß eitel. „Bios eine ©adje iß notbwenbtg." Die Siebe jn ©ott iß bie Quelle, welker brei Sugenben entfpringen, nämtidj: grömmigfeit, ©elbftbetjerrfcfyung unb SBobltljätigfeit. Neligion tebrt Siebe; fte tebri uns bas, was nidjt bewiefen werben, was aber audj nidjt tauften fann; ße leudjtet uns burcb. ben bornigen 9>fab bes Sebens, unb am Enbe unferer Saufbatjn aeigt fte uns ben SBeg aum Vintmel. Durcb, einen religiöfen Sebenswanbet gewinnen wir bie Siebe unb Sichtung unferer Mitmenfdjen, unb burcb, üjn erlangen wir bie ewige ©eligfeit. Die djrißfidje Netigion tebrt uns Mitbtfjätigfett, Siebe unb SBofjl- wollen; ße iß bie Mutter ber reinßen greuben; ße iß jener unfdjä^bare Ebelßein, welker am glanaenbßen im Unglüd leudjtet; ße treibt ben Menden an, gute unb ebte Stjaten au vollbringen; fte leitet uns in eine anbere unb beffere SBelt; fte iß uns ein Srofl, wenn bie MenfctjljeU uns verläßt unb Sraurigfeit uns fjeimfucbt; fte bat einen magifdjen Einfluß auf unfer ©emütb, wenn wir uns in baS wilbe Sreiben bes Sebenö begeben; fte trößet bie ©eeie in üjren legten ©tunben, nimmt bem Sobe feinen ©tactjet unb gibt uns bie Berfidjerung, baß ein ewiges Seben voll ©lud unb SBonne unferer tjarrt. Der Sroft, ben Neligion uns gewäbrt, wirb lebhaft gefüfjtt, wenn ber Sob fld) näbert; nnb idj banfe meinem ©djöpfer, baß er mir taufenbe ^on Malen ©elegenbeit gegeben Ijat, 3euge ber Offenbarungen feiner Siebe an fein, wenn tie lernte ©tunbe tjerannabte, unb wenn ber Dabinfdjeibenbe ausrief: „Stjre fei ©ott in ber Vöbe! $reis bem Slümädjtigen!" nnb obne einen ©eufaer unb otjne einen Kampf im Verrn entfctjttef. 3n foldjen Stugenbltden erfdjeint bie crjriftlic^e Neligion in tbrem glanaenbßen Siebte; in folgen Momenten aeigt ße ben boben SBerttj ber Offenbarungen, bie bas Evangelium uns enttjüfft tjat; nidjt allein ver- fünbet ße Seben unb Unfterblidjfeit, fonbern wir erfennen in itjr einen Bermittter awifdjen ©ott nnb bem Menfdjen; ße lefjrt, baß bem Neumüttjigen nnb Demü- ttjigen ©nabe roiberfätjrt, baß ©ott uns burdj ©rabesnadjt in SBobnungen ber Nutje unb greube leiten wirb. Darum wirb ber ©otteöfürdjttge von biefer SBelt in Nulje unb 3uverßdjt fdjeiben. Slber wie fann ber Unglüdtidje, ber nidjt auf bie Voffnungen baut, weldje bie djriß- lidje Neligion uns gewäbrt, in ber SobeSßunbe Sroft fdjöpfen? ©ein ©ewiffen fagt Ü)m, baß er nidjt reetjt getjanbett bat; bte Erinnerung an feine ©ünben madjt ibm trübe ©ebanfen. Er tjat ben SBunfdj, nad) bem Sobe an leben, nnb bennod) bangt es ibm, in ein jenfeitigeS Seben einaugeben. ®ott fennt er nidjt. Er weiß nidjt, ob feine Beßrebungen, bie ©nabe beS Vödjßen an gewinnen, Erfolg tjaben werben. Dunfelbeit tjat ßdj feiner ©eeie bemädjtigt, unb fein ©eiß wirb von feinem ©onnenßrabl erleudjtet. Unter folternben 3weifetn wirb bie aitternbe ©eeie vor ben Nidjterßubl bes Vöcfeßen gebraebt. SBie bie Unglüdsfäffe beS Sebens füt einen fotdjen Menfdjen unerträgüdj gewefen fein muffen, fo iß fein Enbe fdjrecftictj: bie Nadjt beS SobeS bricht etenbbringenb über ibn berein. SBenn ein Menfcb bli 46 ©unn'« V a u S = Sf r 31. Angelegenheiten biefer SBelt für einen Stugenbtid vergißt unb ßdj feiner Einbildung«. fraft überläßt, fo werben bie vergangenen ©cenen feines SebenS wie ein Sraum tfytt umfdjwirren. golgenbe ©ebanfen werben ßd) ibm aufbrängen: SBenn bie Ber* fjättniffe biefer SBelt fo fdjwanfenb, wenn bie Bergnügungen biefeS SebenS fo vorüber- gebenb ftnb, wenn alles 3rbifdje fo ungewiß iß, wo fotlen wir eine 3ußudjtsßätte fudjen, bie uns in ben ©tunben ber Srübfal ©dju£ unb Sroß gewähren wirb? Natur unb Bernunft entbüffen uns ben tjeilenben Sroß jener gefegneten Neligion, biefeS SidjteS ber SBelt, biefer Voffnung eines fünbbaften Menfdjengefdjtedjts, beren ©runbfati es iß, baß Seben nnb ©djönljeit ba wiebertjergefteüt werben, wo früber Berberbttjeit unb Väßticljfeit war. Der ©eiß beS Menfdjen iß wie bie wogenbe ©ee. Er rutjt nie. SBir tjegen beßänbig ben SBunfdj, etwas au erlangen, was außerhalb unfereS BereidjeS liegt. gortwäbrenbe Säufdjung fann unfere Sßünfdje nidjt aerftören. SBenn wir aber bas ©ewünfdjte erretdjt baben, ßnb wir bodj nidjt aufrieben. Das in ber ßdjtbaren SBett obwaltenbe ©efe£, nadj wetdjem ©egenßänbe in ber Entfernung Heiner au fein fdjetnen, gilt nidjt in ber unßdjtbaren ober ©ebanfenwelt. ©etjen wir einen ©egenßanb in ber gerne, fo tjat er Ijäußg einen großen Neia für uns; aber bie Säu- fdjung fdjwinbet, wenn wir uns ibm näbern. Die ©egenßänbe unferer Sßünfdje ftnb wie ©eifenbtafen, weldje aerplafjen, fobalb man fte berütjrt. Stffein wir ruben bodj nidjt. 3ebe neue Säufdjung eraeugt neue Sßünfdje, unb Slnßrengungen werben von neuem gemadjt, um ©egenßänbe an erreichen, bte uns nodj ferner liegen, ©etbß ber gtänaenbße Erfotg ßefft uns nie gana aufrieben; wir mödjten gern SBelten erobern. SBäljrenb ber Menfdj ßd) in einem fotdjen 3ußanbe ber Stufregung beßnbet, wälj- renb fein ©eiß nie mljt, ßeigt bte djrifttidje Netigion trößenb nnb berutjigenb vom Vimmel berab. ©ie fommt, ßrablenb nnb (eudjtenb, unb fprictjt su ben Menfdjen in lieblichen, beaaubernben Sönen wie folgt: „Nimm mid) bet bir auf; ictj will beinern geängßigten Veraen grieben verfdjaffen. 3dj will bir Sroß gewäbren In beiner Befümmerniß unb bidj aur Quelle ber Srfenntniß fütjren. Nimtr- midj bei bir auf, unb ber ©otjn ©ottes wirb mit SBob. Igefaffen auf bidj bliden, nnb uv werv* bir ein 3iel vorfteden, beffen Berfolgung beineS göttlidjen UrfprungS, beineS wah- ren SBefenS würbig iß, weldjes nur wenig unter bem SBefen ber Enget ftebt — ein 3iel, weldjes ber Innern Negungen, beren Empßnbung bir ©tola, aber audj ©djmeraen verurfadjt, würbig iß. Du liebß es, an wirfen nnb an ftreben; ber ©egenßanb, auf ben tdj beine Slufmerffamfeit tenfen will, iß weit ausgebebnt; baljer wirb aud) beinern SBirfen unb ©treben ein unenblidjeS gelb geöffnet werben. Du biß ein greunb beS gortfdjritteS ; bein gortfdjreiten in biefer Beaiebung wirb gleidjbebeu- tenb mit ewigem gortfdjreiten fein. Deine Sßünfdje werben nie befriebigt; aber bn follß aufrieben geßellt werben, Wenn bu an bem Bewußtfein erwadjß, baß bu ©ottes Sbenbilb biß. Unb nidjt bas allein; bu wirßauf beiner Irbifdjen ^Pilger* reife bäußg einen Borgefdjmad reiner ©lüdfeligfeit befommen. Nimm midj bei bit auf, unb bn braudjß nidjt ein beiner Natur wiberßrebenbes Sluftjören von Voffnung, Erwartung unb Slnßrengung an befürdjten. Du follß bir fortwäfjrenb Müfje geben ©ott metjr unb metjr an faffen nnb an begreifen. Dein unßerbltdjer ©eiß foll feinen ©eßdjtsfrets fortwätjrenb erweitern, feine Sbätigfeit fortwäbrenb anfpannen, um b e r greube tljetlbafttg au werben, weldje bie redjte Vanb bes Vödjßen fpenbet." Neligion. 4< Stiles biefeö bietet uns bie Neligion bar. ©ie bietet SlffeS, was ber Menfd) tonn^ tcben fann; ße verleibt mebr, als ber fjödjße ©rab von gaffungsfraft au erreicben im ©tanbe iß. Neligion iß bas Vödjße unb Srbabenße, was bie Slufmerffamfeit beS Menfdjen in Stnfprucb. nehmen fann; fte iß ein ©egenßanb von viel größerer Bebeutung, als bie wichtige grage ber $olittf, weldje bie Sljatfraft beS ©taatsmannes wedt nnb bie SBetöbrit einer Nation befdjäftigt; benn bie SBirfungen ber djrißlidjen Neligion fübten wir unter all' ben SBiberwärtigfeiten beö ©djidfals; fte bringen bis in'S ©rab unb in bie Swigfeit. SBas bte Slufmerffamfeit beS unßerblidjen ©eißeS feffelt, was fein ©efdjid für bie Ewigfeit entfdjeiben wirb, ßet)t viel böfjer, als baS Eleinlictje Sreiben biefer SBelt, unb einen Bergleidj awifdjen irbifdjem SBotjtergeljen unb bimmtifdjer ©eligfeit au machen, iß burcb,aus nidjt gulafßg. Das Sbrißenüjum tritt in bie Vütte beS armen Mannes ein nnb verfctjafft Üjm unb feinen Kinbern Sroß; es gewäbrt iljnen 3ufriebenbeit inmitten von Sntbeb- rungen unb fpenbet ©egnungen, bie für immer bauern. Es aiebt im Sriumpfj burcfy ©table, unb tro£ all' tbres NetdjttjumS unb ©lanaes, itjreö fjodjfabrenben ©tolses einerfeits unb unausfpredjtidjen ElenbS anbererfeitS, wirft eS läuternb, verebetnb unb erlöfenb. Das ßbrißentbum ift ber bolbe Begleiter ber Kinbbeit unb ber trößenbe ©efätjrte beS StiterS. Es erijöbt bie SBürbe beS eblen Menfdjen, madjt ben SBeifen weifer unb madjt ben Siebenswürbigen nodj anmutiger. Der BaterlanbSfreunb, ber $rebiger, ber Didjter, ber Nebner verbanfen bie erbabene Kraft ÜjreS ©eißeS bem Einßuffe bes StjrißentljumS. Die Erbe allein fann nidjt ber SBotjnpta^ beS Menfdjen fein. Es fann nidjt fein, baß unfer Seben auf ber Dberfiädje beö DceanS ber Swigfeit erfcbeine, um von feinen SBogert für einen Stugenbtid getragen unb alöbann ber Bernidjtung preisgegeben gu werben. SBie fäme es fonß, baß bie ©etjnfudjt, welctje wie ein Engel ans bem Sempel unferes VersenS Ijervorgebt, nie befriebigt wirb ? SBie fommt es, baß ber Negen* bogen ßdj über unferen Väuptern mit einer ©djönbeit bilbet, bie nidjt irbifd) iß, nnb bann verfdjwinbet unb uns über bie verfdjwunbene tieblidje Srfdjeinung sum Nad)* benfen ßimmt? SBie fommt es, baß unfer befdjränfter ©eiß bas SBefen ber funfeln- ben ©lerne, bie üjren feßtidjen NunbfreiS um ben Stjron beS affmädjttgen ©otte« betreiben, nidjt begreifen fann, inbem itjre nnenbtidje Entfernung unferer SBlß* begierbe Sro0 hkktl SBie fommt es ferner, baß feltene ©eßalten menfdjticfyer ©djönbeit vor unferen Bliden auftaudjen unb bann wieber verfdjwtnben ? SBir ftnb für eine böbere Beßimmung in'S Seben gerufen worben, als wir auf Erben erfüllen fönnen! SS gibt ein Neidj, in wetdjem ber Negenbogen nie erblaßt, in wetdjem bie ©lerne vor uns ausgebreitet fein werben, wie 3nfetn auf bem Meere, unb wo bie tjerrtidjen SBefen, weldje bienieben gteidj ©djatten vor uns wanbeln, immer in unferer Nabe bleiben werben. „3m Senfeits iß Nube!" Es iß SBaljrijelt, Weldje tief in bem Versen beS Menfdjen wurselt, unb bie fetbß ber ©ebanfenlofeße erfennt, baß in biefem Seben ber Menfdj nur wenig ber Nube genießen fann; immer fäfft etwas vor, um unfere ©emütbsrube au ftören, unö aufauregen, uns gu argem, uns gu täufdjen unb unfere ©ebulb au erfdjöpfen. Das rofenwaitgige Kinb, ber gelodte Knabe, bie btütjenbe ©djönbeit unb ber entnervte ©reis ßnb alle metjr ober weniger in einem 3ußanbe ber Nubetoßgfeit unb Ungufrtebentjelt. 48 ©unn'ö Vaus-2frgl. Biete ßnb niebergebrüdt, weil ße entweber feine greunbe unb Berwanbte b,aben, ober ibnen btefelben geßorben ßnb, ober weil fte ©efunbtjeit ober Bergnügen, Neid)« tljum ober Befdjäftigung verloren tjaben. Saufenbe werben von ©ewiffensbiffen gefoltert, fdjreden gurüd vor ben SBirfungen beö BerbredjenS nnb fdjweben in be= ßänbtger Slngß vor bem Ntdjterßuljle bes Slllmädjtigen aur Nedjenfdjaft geaogen su werben. 3ebodj, obgleid) ber ßtjrift füblen mag, baß er gefünbigt unb obgleid) er in golge von Kranftjeit unb Sntbebrung tjäußg au leiben tjat, verfdjafft itjm bod) bie 3uverftcbt, baß im Vintmel Nutje feiner wartet, Sroft unb Erweiterung inmitten irbi- fdjer Srübfat unb Befümmerniß. „3m Vimmel iß Nutje." Dort werben wir Nutje ßnben vor ©ünbe, Betrübnifj unb Kranfljeit; Nutje vor Elenb, Prüfungen unb Berfudjung. 3m 3enfeits wer- ben feine fatfdjen greunbe uns verrattjen; bort werben feine bintertiftigen ©enoffen, feine tiebtofen Berwanbten, feine bitteren getnbe fein. Dort wirb ber ©eiß nidjt metjr burdj ©orgen unb Befümmerniß niebergebrüdt werben; ebenfo wenig wirb er mit Mütjfeltgfeiten au fämpfen Ijaben. Dort wirb es feine fdjlaflofen Nädjte, feine Sage ber Mütje unb ©orge, feine gebeimen ©eufaer, fein ©tötjnen, feine blutigen Sbränen, feine unerwieberte Siebe, fein 3erreißen aärtlidjer Banbe, feine Srennung von benen, weldje wir lieben, feine gurdjt vor Kranfljeit, feine quätenben Sdjmer- gen, feine SobeSfurdjt, fein büftereS ©rab geben; fuße erquidenbe Nube werben m\r genießen — griebe, ©lud unb Siebe werben wir im gufünftigen Seben ßnben. SBenn bie grüblingSgeit unferes Sebens anfängt, entwidett ßdj bei uns ©djönljeit; ber ©ommer bes SebenS folgt bem grütjtinge, unb enblidj finfen wir in'S ©rab. Nidjt lange blübt bie Nofenfarbe ber 3ugenb auf ben SBangen; balb folgt Sätymung ber ©lieber, nnb unfere irbifdje Vüffe wirb au ©taub. 3dj beneibe feinen Menfdjen wegen fetner geißigen Slnlagen, mag es nun fdjöpfe- rifdje, geißige Kraft (®enie), burdjbringenber Berftanb, 3Bi0 ober Sinbilbungsfraft fein. SBenn id) mir unter verfdjiebenen Etgenfdjaften biejenige toä1)kn tonnte, weldje mir bie angenebmfte unb nü^lidjfte gu fein fdjeint, fo würbe id) einen feßeti ©tauben an ©ott unb feine Offenbarungen jeber anberen ©egnung vorateben; benn religiöfer ©laube madjt bas Seben an einer ©djule ber grömmigfeit, fdjafft neue Voffnungen, wenn bas Bertrauen auf alles 3rbifdje verfdjwunben ift. Er läßt ein glänaenbes Sidjt ftrablen, wenn bas Seben fein Enbe erreidjt; er tebrt uns, baß ein ewiges Seben unferer barret, unb baß ber gromme als verflärtes SBefen in ein tya> *a>ies eingeben wirb. Dort im $arabiefe werben wir greuben genießen, von benen wir uns auf Erben feine Borfteffung mad)tn fönnen; unter ben berrlidjßen Bau* men, in ben tiebtidjßen Blumengärten werben wir lußwanbetn. Der gläubige Sbriß bat bie 3uverßdjt, baß bort nie enbenbe greuben feiner barren, wäbrenb ber 3wetßer ßdj büßere Borfteffungen von Berwefung unb Bernidjtung madjt unb ber Voffnungöloftgfeit preisgegeben iß. Neligion iß fein Virngefptnnß. ©ie iß feine ©djöpfung bes BerßanbeS ; wäre ßt bas, fo würbe ße auf unfer ©efütjt feine SBirfung ausüben, ©ie ift fein Srjeug« niß ber Berßanbesfräfte ober ber Erregu.tg finnlictjer ©efüljle, feine ©eburt über* fvannter Sinbilbungsfraft. Bloße äußerltdje Stnbactjtsübungen, bloße Kniebeugungen ober bas Slusßreden ber Slrme, lange ©ebete, tiefes ©eufjen, fromme ©eßdjter ftnb burdjaus feine Merf- male wahrer Neligiofttat ober grömmigfeit. Derartige Kunbgebungen ßnb feine Neligion. 49 3eidjen von ©ottesfurdjt, unb es fann 3emanb gottesfürdjttg fein, felbß wenn er es nidjt äußerlidj gu erfennen gibt. 3dj h,aht bas aur ©enüge erfabren. Neligioßtat gibt ßdj burdj foldje Vanbtungen ber SBobltbitigfett funb, weldje eblen Beweggrün- ben entfpringen. ©ie gibt ßdj burd) jene ctjrifttictje Siebe funb, weldje, gepaart mit ©taube unb Voffnung, ßdj nidjt bamit begnügt, gu fagen: „3br follt eudj wärmen, itjr follt eudj fleiben," fonbern gute SBerfe audj wirflidj vollbringt. Sfjrißtictje Ne- ligion tebrt jene Siebe, welche flctj auf bas gange Menfctjengefdjledjt erftredt; fte tebrt uns, baß wir unferen Nädjßen lieben fotlen, wie uns felbß. Neligioßtat ift jenes ©efütjt bes SBobtwoffenS, weites retnen uneigennü^igen Beweggrünben enfpringt, nadj äffen Nidjtungen bin ©egen verbreitenb, weldjes in ben SBüßeneien ber Erbe grobßnn eraeugt, unb wetdjes bie SBitbniß gtetdjfam in einen Blumengarten ver- wanbelt. Das ©elüße nadj Madjt iß ber wabren ©ottesfurdjt fremb. Der got- tesfürdjtige Menfdj fuctjt feine Bortbeite auf Koften Slnberer au erlangen. Er ftebt gu tjodj, um ben ©tolaeßen au beneiben, nnb ift an befdjeiben, um ben ©eringßen ju veradjten. Das Neid) ber ©ottesfurdjt ift nidjt von biefer SBelt. ©Ie bat nidjts gemein mit ©djeinbeitigfeit. Die Netigion letjrt, baß wir unferen Mitmen- fdjen nidjt beswegen veradjten fotlen, weil er anberer Meinung ift, als wie wir. ©ie legt uns auf, ©eredjttgfeit an üben, barmtjeraig au fein unb vor ©ott bemütbig- ltd) an wanbeln. ©ie fragt: biß bu reines Vergens ? Das Sßettaff ift ein Sempel ber Berebrung ©otteS. Die ctjrifttictje Neligion iß von jenem ©ottmenfdjen verfün- bet worben, ber bas Boffbringen guter Saaten ßdj anr SebenSaufgabe madjte. ©ie iß ber ©eiß beS Verrn, ber in bem menfdjttdjen Veraen lebt. D e r iß tin Stjriß, ber immer bereit iß, ben Notbleibenben au unterßüijen, ber ßdj ber SBittwen unb SBaifen annimmt unb einen reinen Sebenswanbet fütjrt, ber bem Seibenben bann Sroß aufpridjt, wenn SBorte ber Stjeitnaljme mit ©olb nidjt aufgewogen werben fönnen. Ein foldjer Menfdj wirb von ©ott belotjnt; Engel umfdjweben Üjn, unb Seufet gittern vor ibm. Er ^tth)t bunbert Mal bötjer in Begug auf Menfdjentiebe unb Netigion, als jene ©djetnbeiligen unb Veudjler, weldje nur in Nebensarten ßdj ergeben unb bann nidjt tjanbeln, wenn itjre $flid)t als Menfdjen Üjnen geringfügige £)pfer auferlegt. SBenn eine ©djaar ebelbenfenber nnb woljl- woffenber Stjriften mid) begleiten würbe, fo würbe idj fte im Sriumpbguge burdj bie SBelt fübren, nnb ber Sag würbe fommen, an wetdjem Krieg unb Vaber aufboren unb bie Erbe bem Viwmel gteidjen würbe. SBotjlttjättgfeit läßt viele ©ünben, bie wir begangen t)ahtn, in einem milberen Sldjte erfdjeinen. Stber es gibt mebr SBege, als einen, bem Unglüdltdjen SBotjlttjaten ^u erweifen. Das ©Renten von ©elb Itnb anbere Vülßeißungen ßnb ßdjerlidj fjäußg von großer SBidjtigfeit; allein es gibt eine anbere Strt SBobltbättgfett, bie mit weniger Koften verbunben iß, unb bie wir nidjt vergeffen fofften, bamit wir ausrufen fönnen: „3dj baute ©ott, baß idj nidjt wie anbere Menfdjen bin." ©toße bas SBefen nidjt von bir, weldjes in ber ©tunbe ber Berfudjung ben erßett getjltritt beging, ©ei mit ibm nodj ein wenig länger nadjßdjtig; unterwirf tbn einer abermaligen Prüfung. SBaljrenb bu feinen getjl- tritt mißbiffigß, muntere tljtt auf, in ber golge gute Sbaten au vollbringen. SBenn bn burdjaus nidjts metjr mit Üjm gu fdjaffen tjaben wiffß, fo feijeß bu üjn ber ©efatjr aus, baß er tiefer unb tiefer ßnft, bis er gulejjt bem Berberben preisgegeben ifl. ©ei barmbergig — berüdßdjtige, baß ber Menfdj ein fdjwadjes, ber Berfütjmng aus- gefegtes SBefen iß. Ein trößenbeS SBort, ein freunblidjer Blid, ein ermunternbe« 4 50 ©unn's V <* u s * 31 r g t. Sädjetn fann ein menfdjlidjeS SBefen vom Slbgrunbe ber Beraweiflung retten. SBi« angenetjm iß bie Erinnerung an eine gute Sbat — wenn wir uns aur Nube legen ober Morgens aufßeben, Ijaben wir bas Bewußtfein, ©uteS voübradjt au tjaben; wir tjaben einem armen Manne einen SiebeSbienß erwiefen ; wir tjaben eineSBittroe in frotje Stimmung verfemt; wir b.aben bie Sbränen ber SBaifen getrodnet — adj, wie füß, wie fdjön iß ein fotdjer ©ebanfe! Es liegt etwas SntaüdenbeS in ber Er- innerung an einen SiebeSbienß. ©türme mögen braufen über unferen Väuptern, Stiles mag uns fdjwara erfdjeinen, wie bie bunfte Nadjt— aber unfer ©eiß wirb von einem ©onnenßratjt erleudjtet, unb warm iß es in unferem Bufen. Die gute Sbat erfreut bas Vera nnb verfdjafft unnennbares Entaüden. Darum feib wob> tbätig, barmberaig, gefällig gegen biejenigen, bie förperlid) leiben unb beren ©eiß niebergebeugt iß. ©ott fei gepriefen für bie Netigion, wetdje uns inmitten ber Drangfale beS Se= bens Sroß verfdjafft, unb wetdje uns in ber Sobesßunbe Mutb gufpridjt. SBie elenb würbe biefe SBelt fein, wenn wir nad) erlittener Säufdjung unb Beleibigung nidjt au unferem blmmlifdjen Bater binaufbtiden tonnten, ber immer bereit ift, bie Sfjränen beS Srauernben au trodnen unb bas geängßete Vera an berubigen. 3n fotdjen Sagen bes Sebens iß bie Neligion immer ßegreidj, unb itjre wotjltbätigen SBirfungen in biefer Beaiebung fofften ben ebelbenfenben Menfdjen veranlaffen, re- ligiöfen ©runbfäfcen eine nodj größere Berbreitung an geben, als es fdjon gefdjetjen iß. Den« oljne ©tauben nnb Voffnung, gemäß ber göttlidjen Offenbarung, würbe es mit menfdjtidjen Berbältniffen fdjtedjt ausfeben. SllS grembllnge fommen wir in ein ungebeures SBeltaff; nur in einem fetjr geringen ©rabe werben uns bie Natur- fräfte entbüfft; unfere Sntßetjung iß in unburdjbringlidjeS Dunfel getjüllt; ebenfo Wenig iß uns irgenb etwas ©ewiffes über ben ßtotd unferes DafeinS befannt; wir toi^tn nidjt, ob ber Verrfdjer bes SBeltaffS mit ©trenge ober Milbe regiert; wir fön- nen uns in vielen gälten feinen Haren Begriff von bem SBalten ber göttlidjen Bor- febung madjen; audj wiffen wir nidjt, was unferer nadj bem Sobe barret. 3ß bleö nidjt ein untrößlidjer ©ebanfe für einen benfenben, wißbegierigen Menfdjen ? 3e tugenbfjafter ber Menfdj iß, beßo metjr wirb ftdj fein ©eiß ernßen Betrachtungen über erwäbnte ©egenßänbe bingeben. ©elbß wenn es in unferer Madjt ßänbe, alle ©rübeteien au verbannen unb bie ©tunben bes Sebens mit fortwäbrenben Bergnü gungen auSaufütten, würbe ein fo batjin gebrachtes Seben, wenn wir barüber nadj- benfen, nidjt feinem ßtotd entfpredjen. Ein folcb.es Seben gu führen, iß nidjt ber 3wed unferes DafeinS. Der Menfdj iß ein fdjwadjes, tjülflofeö ©efdjöpf; er iß vielfachen ©efabren ausgefegt unb fdjwebt in beßänbiger gurdjt vor Unglüdsfäüen, elje er fein Seben ausbaudjt. SBenn itjm in folcb/ bebrängter Sage ein Bater unb greunb geoffenbart wirb, fo bringt ein ©trabt bes reinßen, tjerrtidjften Sfdjtes in fein ©emütl). Die Voffnungen, weldje bas Sbrißentbum uns gewäbrt, erfüllen baS Vera mit greube, unb wenn unfere irbifdjen greunbe uns verlaffen, fo bleibt uns bet Sroß, baß wir einen greunb beßfcen, ber uns nie im ©tidje taffen wirb. Das Nadjßnnen über bie Beftimmung bes Menfdjen auf Srben, unb, wie bie «Pbitofopbie es uns tebrt, allen Borfällen im Seben eine freunblldje ©elte abzugewin- nen, mag bem ©eiße bann angenebm fein, wenn wir uns in rubiger ©emütljsver- faffung beßnben, mag baan beitragen, eine bloße Berßimmung an befettigen; wenn ober ©c^merg unb Beraweiflung unfer Verg burdjwüblt, bann batten foldje Srößun* Neligion. 51 gen, weldje nur auf Bernunftgrünben ruben, feinen Bergleidj aus mit benen, bie wir aus ben Berbeißungen ©otteS fdjöpfen. Neligion iß eine fidjere unb verläßtldje ©tü£e für ben ©eiß beS Menfdjen. ©ie bat mandjem tugenbbaften Veraen Sroß gewährt unb iß ein 3ufiucb/tSort in fotdjen Sagen beS SebenS, in benen bloße Bernunftgrünbe burdjauS nidjt auSreidjen. ©etj' in bictj unb frage bidj: was fagt bie Netigion in Begug auf ben ßtotd un- feres DafeinS? Vöre itjre ©timme im 3nnerften beineS VeraenS. ©ie fagt bir, baß es bloS eine Offenbarung gibt, unb biefe Offenbarung fommt vom Sbrone ©ottes. Das ©treben, ein Kinb ©ottes an werben, iß ein ebtes, unb ein fotdjeö ©treben iß unferes unfterbticben ©eißeS würbig, fo baß ber ©eiß oljne gurdjt, oljne Bangigfeit unb obne ber Berbammniß anheimgefallen an fein, aus bem ©rabe er* ßeigen möge. Es gibt bloS einen $fab burdj's Erbentebett, auf bem wir mit ©tdjcr- tjelt, Seidjtigfeitunb Ebrenbaftigfeit wattbettt fönnen, unb baS ift ber, weldjen bet ©ottesfobn ausgelegt bat, unb ber aum Veile fübri. Möge beln ©ewiffett erwadjett, toenn bu in Berfudjung gerätbft, beine 3eü au vergeuben, eine ©ünbe au begeben, eine bir auferlegte $fltdjt gu vernadjtäfßgen; befolge bie göttlidjen Setjren, bamit bu einen Sebenswattbet fübreß, ber ©ott wohlgefällig iß. Der iß gu bebauern, ber feine ©ottesfurdjt, feine ©ebnfudjt nadj einem befferen Sebett tjat, ber ßdj Sluöfdjweifuttgett unb ßnnltdjen Bergnügungen Eingibt, ber ßctj bei bem ©ebanfen nidjt etboben fütjU, baß fein ©eiß, nadjbem er bte irbifdje Vüffe abgeßreift bat, in eitt beffereö Senfeits eingetjen wirb. Sin foidjer Menfdj iß an bebauern, fage idj, weit er feinen göttlidjen Urfprung nidjt funbgibt, weif er bie gei- ßige Uebertegettbeit ttidjt offenbart, weldje ben Mettfdjett aum Verrn ber ßdjtbaren ©djöpfung madjt. Er fann ftct) ntdjt über bie ttjierifctje Natur beS Menfdjen ertje- bett; wäbrenb ber ßttlidje Menfd) ßdj niemals fo erniebrigen fann. ©imtltdje. Bergttüguttgett gu fudjen unb afferbanb viebifdjen ©elüjteit an fröbnen, ßefft ben Menfdjen bem Sbiere gleidj. SBerut wir unfere Voffnungen nnb unfer ©treben auf biefe SBelt befdjränfen wol- len, fo iß bas ungefäbr fo, als wenn wir nie ben £>rt unferer ©eburt verlaffen unb nie bie weite SBelt lernten lernen würben. ©otteS SBalten iß überall ßdjtbar; baS SBefeu ber fdjetnbar unbelebten Natur er- füfft ben benfenben Menfdjen mit ©ottesfurdjt. Mitb unb fegensreid) iß ber Ein- fluß ber Neligion auf unfer ©emüttj. Nubig, gleidjfam unbemerft, nimmt fie Beftjj von unferem Veraen. ©ie nätjert fidj uns, obne uns gurdjt unb ©djreden einguja- gen. Die djrißtidje Neligion erregt nidjt bie Seibenfdjaften; ße iß frei von Mett- fdjenfa^ungen unb Stbergtauben unb iß uns oon ©ott burdj 3efnS StjriftuS ver- beißen worben. 3tj« Sebren ßnb mit gtammenfdjrift auf bas Viwmetsgewölbe gefdjrteben; bie funfelnben ©lerne, bte babingtetjenben SBolfen, bie raufdjenben SBinbe ßnb itjre Berfünberin. ©ie offenbart ßdj auf ben Vügetn unb in ben Stjä- lern ber Erbe — ba wo ber fatjle Berg ßdj in bie Negion bes ewigen SBinterS em- porhebt, too ber ©turmwinb burdj ben SBalb brauß unb bas Saub majeftättfdjer Bäume gittern madjt. Die crjriftltctje Neligion verfünbet ßd) in ben fdjäumenben SBogen beS DceanS ; ße iß bie $oeße ber Natur, ©ie ßärft unferen ©eiß in bem ©ebanfen, baß wir fjienieben eine $)rüfungsaeit burdjaumadjen tjaben; fte bridji affmäljllg bie Kette, wetdje uns an bie ©innenwett feffelt; ße erfdjtießt unferer Sinbilbungsfraft eine tjerrlidje, erbabene SBelt. Nimm bir biejenigen gum BorBtlbf 52 ©unn's Vflus = Slrgt. wetdje einen ©ott wohlgefälligen SBanbel fübren ; werbe inne, welcb,' einen wobt tbätigen Einfluß watjre ©ottesfurdjt bat. SBaljrer ©laube mactjt bie Menfdjen glüdtidj, madjt baS 3intli£ ßrablen ; ©taubenSfdjwärmerei hingegen bat gur golge, baß ßdj bie 3rrenanftalten mit SBabnßnnigen unb bte ©traßen mit getßeSfdjwacfyem Bettelvolfe anfüllen. SBenn wir verfudjen, uns ein ewiges Seben gu benfen unb uns babei auf ©taube unb Voffnung ftü^en, bann fommen wir gu ber Uebergeugung, baß ber ©eredjte in ein ewiges Seben eingeben wirb ; aber obne ©taube unb Voff- nung iß Swigfeit ein fdjredltdjer ®ebanfe — ein ©ebanfe, ber bem Menfdjen bie Bernunft rauben fann. ©efegnet ßnb biejenigen, fo gottesfürdjttglidj einberwan* beln unb bie furge SebenSgeit gut anwenben, bamit ße, wenn bas Seben feinem Enbe ßdj näljert, obne Bangen unb obne ©ewiffensbiffe bem Sobe entgegengehen fönnen. Das Seßament (Bermädjtntß) von ^atrid Venrp fdjließt wie folgt: „3dj tjabt Jejjt über mein Eigentum gu ©unßen meiner gamilie bie nötbigen Berfügungen getroffen; allein idj wünfdjte, baß idj meinen Nadjfommen nodj etwas SlnbereS bin- tertaffen fonnte, nämtidj ©tauben an ©ott unb ©ottesfurdjt, wie bie ctjrifttictje Neli- gion fte uns auferlegt. SBenn ße einen ©ott wohlgefälligen Sebenswanbel fütjren, fo Werben fte reidj fein, felbß wenn idj ibnen feine ©lüdsgüter tjinterlaffen t)ätk; aber obne Neligioßtat ftnb fte arm, felbß wenn idj alle Netdjtbümer ber SBelt ibnen tjatte geben fönnen." Diefe Slnßdjt jenes berütjmten Mannes iß ein fdjlagenber Beweis, wie mädjtig retigiöfe ©efüble in ber ©terbeßunbe fein fönnen. Er beantwortete bloS bie grage, bie ber Berfünber unferer beiligen Neligion geftefft bat: „SBaS bülfe es bem Menfdjen, fo er bie gange SBelt gewönne nnb ©djaben litte an feiner ©eeie?" Sbrißus tjat bie Einheit ber geißigen Natur beS Menfdjen wieber bergeftefft. Er lebrte uns bie ©runbfälje ewiger ©eredjtigfeit unb verfünbete bas große ®e- ^eimniß aller Varmonie (Stntradjt) unb ©lüdfetigfeit tjter auf Erben, wie im 3enfeitS, nämlidj — Siebe. Sbe wir gu jenem Slbfcijnitte feines SebrgebäubeS fommen, ber von Siebe tjanbelt, baben wir bas watjre SBefen ber ctjrifttictjen Sebre nidjt begriffen; wir fennen unfere eigene geißige Natur nidjt, nodj wiffen wir, was unfere Beßimmung auf Erben ift. ©elbß bie erleudjtetften Nachfolger von 3efuö Sbrißus tjaben fjäußg bie ctjrifttictje Sebre, beren wabreS SBefen Siebe iß, falfd) ausgelegt unb allerlei Sebrfä^e aufgeftettt, bie ben eigentiidjen Kern beS SbrißentbumS verbunfein unb feine erquidenbe SBärme verminbern. Das Svan* gelium letjrt fein äußertidjes ©epränge unb ßetlt feine trodenen Sebrfä^e auf, fonbern es banbett von — Siebe. SBenn wir aber lieben woffen, fo muffen wir wiffen, wer unferer Siebe werttj iß. Sbrißus fagt: „Du foüß Deinen Nädj- ßen lieben, wie bictj felbft." Unb bann fommt bie grage: „SBer iß mein Näctj- |ter ?" Die Stntwort ifl in jener Srgätjlung enthalten, bie nie vergeffen werben foffte: „3eber, ber beiner Vülfe bebarf." Slls Bifdjof Butter auf feinem Sobtenbette lag, fagte er, baß, obgleid) er ßtb, beßrebt tjatte, feine ©ünbe gu begeben unb einen ©ott wohlgefälligen Sebens- wanbel an fübren, er bennodj ßdj vor bem Sobe fürdjtete, ba er fidj ber ©djwädje ber menfdjlidjen Natur bewußt fei. „Du f)a^t vergeffen", fagte ein armer, aber frommer Mann, ber in feinem Sim- mer ftctj befanb, „baß 3efus Sbrißus ein Srtöfer iß." „Sffferbings," war bie Stntwort, „aber wie fann idj wiffen, baß er mir ein Veilanb fein werbe?" „Vert Bifdjof, «$ i*et)t getrieben, wer ju mir fommt, ben werbe id) nidjt verßoßen." Mutterliebe. 53 „Da» iß watyr," erwieberte ber Bifdjof, mit freubeßrabfcnbem Stnttifce, „obgleid) idj bie fjeittge ©djrift taufenbmat gelefen ^abt, bin id) erftannt, baß id) ibren Einfluß niemals fo lebhaft gefügt h,abt, als in biefem Slugenblide, unb, ©ott fei gepriefen! jefct flerbe id) gtüdlidj." 3um ©djluß will idj bewerfen, baß bte djriftlidje Netigion bir eine Seudjte burdj bie 3erwege beS SebenS, ein Stdjtftrabl in beiner ©terbeßunbe fein wirb, unb baß fte bidj burdj ©rabeSnadjt in bte berr- lidjen ©eßtbe ber ©eligfeit unb ewigen Nutje geleiten wirb. Wiuttetliebe. Mutterliebe! Sldj, wie wenig würbigen wir bie Siebe einer Mutter, fo lange ße am Seben iß. SBie gebanfenlos getjen wir in unferer 3ugenb an üjrer 3ärtlictj- feit, ibrer ©üte, ibren gabttofen ©orgen vorüber. Slffein, wenn beö SobeS eißge Vanb fte uns entriffen; wenn beS SebenS Müben unb Säufcfyungen unfer Verg be- ßürmen; wenn wir es erfabren, wie fcb,wer es iß, wabre Sbeilnabme gu ßnben; wie SBenige uns um unferer felbft wiffen lieben; wie SBenige im Ungtüde treu gu uns jle^cn _ t,ann< adj bann erft gebenfen wir bes guten MutterbergenS, baS wir verlo- ren baben. Dann fommt ber ernfte ©ebanfe: es iß wabr, idj tjabe meine Mutter immer, felbß in ben letdjtßnntgßen Sagen meiner Kinbfjett, geliebt; war itjre Vanb es bodj, bie midj fdjüfcenb fütjrte; ibre SBadjfamfeit, bie mir bie Sßiegentieber fang; ibre Sreue, bie jeben Kummer, jeben ©cbmerg von mir abwetjrte. „D, Mutter! Mutter!" rief idj fdjtudjgenb, inbem idj mein ©eftdjt in üjr ©rab verbarg, „o fonnte idj nur wieber an beiner ©eite fein, entfdjtafen, um ber Mübe nnb ber gatfcbbeit biefer SBelt auf immer entrüdt gu fein." SS vergebt fein Sag, obne uns bie Neige beS grauenbergenS gu offenbaren. Balb iß es bie Siebe ber ©djweßer, balb bie aufopfernbe Vingebung ber ©attin, bie uns bie glüdlidjßen ©tunben unferes SebenS fdjaffen; aüein Mutterliebe überßrablt alle biefe fußen Neigungen burd) ü)re ©tarfe, üjre Neinbett unb ibre Stufopferungö- fäbigfett. Mag bas Kinb ibres VergenS ße verlaffen unb vernadjläfßgen, mag es ibre SBarnungen nnb gutgemeinten Sebren vergeffen; mag bie SBelt baffelbe branb- marfen unb Niemanb mebr ftd) um baffelbe fümmern — bie Mutter bleibt biefetbe; ibre Siebe längt nnwanbelbar an bem ungerattjenen Kinbe, unb wenn aud) alle Voffnung auf Befferung getrogen, ße betet nodj treu unb innig für ben verlorenen ©o|n. Kranfbeit mag greunbe von unferem ©djmergensfager fdjeudjen; Unglüd mag ©djmeidjter unb Veudjter von uns entfernen; Strmutb mag uns jeber Menfdjen- jiüjje berauben; aber bie Mutterliebe fennt fotdjen SBanfelmutlj nidjt; je größer unfer Etenb, beßo meljr offenbart ßdj bie Sreue ber Mutter nnb bte SBaljrbeit itjrer Siebe. ©djwer unb vielerlei ßnb bie $ßidjten, bie eine Mutter gu erfüllen $at. ©ie muß bas garte Kinb in ber Kunß, wie gu leben, nnterweifen; muß ben gebanfenlo- fen Knaben auf bie SBege ber SBeiötjeit leiten; muß bie unerfahrene 3ugenb burdj SRafy unb Sb. at belehren; muß ße warnen vor ben ©efafyren, bie baö Seben bebro- %tn unb ben reidjen ©amen ber Sugenb frütj in bie jugenblidjen Vergen ftrenen, 3|re SBorte unb ibjre Vanblungen, itjre gebier, ibre ©djwädjen unb ibr Ebaraftei »erben fcriwäfctenb »on ibrer Umgebung btohad)ktt unb ber Einfluß, ben bie Kin- 54 ©unn'S Vaus-Slrgt. berßube auf ben fünftigen Mann übt, iß oft madjttger, als alle fpatere Srgiebung, aller fünftige Unterridjt. SBirb bort ben Seibenfdjaften freier ©pietraum getaffen ; wirb ber SBaljrbeit nidjl immer bie Sbre gegeben, unb trägt man bort Sieb- unb Vergloßgfeirgur ©djau, — bas jugenblidje Vera nimmt alle biefe Einbrüde auf, unb bas fpätere Seben reift bie böfe ©aat. Verrfdjen aber im tjäu^tidjen Kreife SBabrbeit, Stufrictjttgfeit, 3ufrie- benbeit unb Siebe, bann bleibt ber ©egen audj nimmer aus, unb bie beßen Menfdjen rübmen mit banfbarer Erinnerung bas Beifpiel unb ben Einfluß ber müttertidjen Eraiebung. Kranfbeit fefct ben feßeßen Sbarafteren au; wir werben weidjer geßimmt unb wenben wetjmütijtg unfere ©ebanfen au bem fdjönen ungetrübten Morgen unferer ftintbeit aurüd. Vier fdjmadjtet ein Mann, fdjon vorgerüdt in 3<ü)«n, auf bem bülflofen ©djmergenSlager; bort liegt ein Stnberer, in ber freunblofen grembe, ver- laffen unb einfam auf feinem fdjlaflofen ©tedjbette — fte Beibe fudjen nnb ßnben Sroß in ber Erinnerung an bie gute Mutter, bie wie ein ©djufcengel ibre Kinbbeit befdjirmte unb tjetfenb unb forgenb an ibrer SBiege ftanb. Die Beftänbigfeit bet Mutterliebe iß mädjtiger, als jebe anbere Neigung unb Negung beS menfdjlidjen VergenS. ©etbßfudjt erfaltet fte nidjt; ©efatjren fdjreden fie nidjt; Unwurbigfeit fdjwädjt ße nidjt; felbft ber Unbanf ertöbtet fte nidjt. 3br ©lud opfert ße bem ©lüde ÜjreS ©oljnes; ibren greuben entfagt ße gern, um ibn frob gu feben; fein Nutjm iß itjr Nubm, fein ©ebenen üjr ©totg unb ibre Sbre. Unb verfolgt ibn bas Unglüd, fte liebt itjn nur beßo inniger, um feines Seibens willen; unb iß fein Name gefdjänbet, fte mu^ itjn bennodj lieben; unfc wenn itjn bie gange SBelt verßo- ßen würbe, will ibr Verg itjm bie gange SBelt erfejjen. „Die Mutter," bas ift bas SBort, baS iß ber ©ebanfe, ein ben ber menfdjtidje ©eiß ßdj ranft unb Hämmert. „Die Mutter," ift ber erfte, tiefe unb bteibenbe Sinbrud, ben baS KinbeSljerg aufnimmt, wenn audj bie gange Slußenwett unflar vor ibm ver- fdjwlmmt. Unb im fpäten Stlter tritt ber Ijeittge ©egenßanb unferer früljen KinbeS* liebe wieber vor unfere ©eeie, unb mit tiefem Bebauern gebenfen wir, wie oft wir ibr ©efjeiß übertreten, wie oft wir ibren weifen Natb. vernadjtafftgt tjaben. Dodj, totnn ber Sob fte uns entriffen, unb von aller ibrer Siebe, allen üjren Sugenben nidjts, als bie ßiffe Erinnerung gurüdgeblieben, bann, erft bann wirb jeber ßnßere Blid, jebes unbanfbare SBort, jebe ungebübrtidje Vanbtung, mit weldjer wir bas Muttertjerg gefränft, wie eine 3entnerlaft auf unfer ©ewiffen brüden, unb wir wer- ben unfern Unbanf bitter bereuen. Es iß allgemein befannt, baß gurdjt, Bergweiflung unb äfjntldje tjerabßimmenbe ®emütb^3uftänbe ben Körper für viele Kranftjeiten empfängltd) madjen. ©o wer- ten, g. B., $erfonen, bie fidj fetjr vor einer Kranfbeit fürdjten, am teidjteften von lb,r ergriffen; fo würben Vunberte von ber Etjolera angeftedt, bie obne biefe gurdjt bie- fer Kranfbeit entgangen waren, unb Vunberte ßefen Ibr burdj bloße Stngß gum Opfer. 3n meiner ©egenwart ßarben fogar Biete, bie blos burdj ibre Einbilbung«* frafl gefdjredt unb geangßigt waren, ©ir ©eorg Botingweff bebanptet in feinem *^1 w N g u r d) t. 55 tijäfcbaren mebiginifc^en SBerfe, baß vier «Progent von Kranfen bem fdjäbttdjett Ein- fluffe ber gurdjt unterliegen ; nnb baß bingegen ber Einßuß eines tjeiteren nnb for- genfreien ©emütbs fo groß fei, baß in ber frangöftfdjen Slrmee, nad) ber ©ctjtac^t bei Stußerli^, nur eintjunbert Kranfe in einer Divifton von 8000 Mann, ober 1 von 80, ßd) befanben. Stuf ben ©eiß von Kinbern werben oft fo erfdjütternbe Sinbrüde gemadjt, baß ße ftd) nie metjr bavon erboten fönnen. SBenn fte ftd) audj fpäter mit bem größten Mutbe unb ber größten gurdjtlofigfeit in ben fdjredenvoffßen Sagen bes Sebens benetjmen, fo werben fte bodj immer eine fetjr auffaffenbe geigbeit an ben Sag legen, fobalb fte mit bem ©egenßanb ibrer, oon Ktnbtyeit ererbten, gureb. t in Berütjrung fommen. 3dj h,abt ©otbaten gefannt, bie ob,ne 3ögemng gum ©türm auf bie feinblidjen ©fangen eilten, ober unter bem btutigften Vanbgefecfyte ein fetnbtidjeS ©cbiff enterten, unb bod) bis in'S 3nnerfte erbebten, wenn fie beS Nadjts allein burcb, einen Kircbbof geben, ober nur ein ßnßereS 3immer betreten fofften. Der Marfctjatl von ©adjfen, einer ber tapferßen Velbert, bie je auf bem ©djtadjt- fetbe fommanbirten, ging nie gu Bette, obne bie ©djrättfe in feinem 3immer unter- fudjt unb unter fein Bett gefe^en gu tjaben. SS iß eine tjödjft gefätjrlidje ©ewobn- tyeit, bie oft von ben traurigßen gotgen begleitet iß, Kinber für fctjtectjte^ Betragen mit Srfdjreden gu beftrafen. Eitt fteines ftebenjäbrigeS Mäbctjen würbe, wegen tinbifetjen UngeborfamS, in einen ßnßertt Keffer eingefperrt, ber etwas entfernt vom SBobnbaufe lag; bort foffte es bie gange Nadjt anbringen. Das furdjtbare Stngßgefdjrei beö KinbeS machte auf bie graufamen unb unverftättbigett Sltertt ntetjt ben minbeßen Sinbrud, unb als ße bes Morgens nadj Üjrem Kinbe faben, war bas unglüdlidje ©efdjöpf aum 3bioten geworben. Die Kunß ber Sterate vermodjte nichts gegen biefe ©eißeSgerrüttung, uttb bas Mäbdjett iß je£t in New^SJorf bas tebenbe 3eugniß ber ©raufamfeit unb Unwiffentjeit ber Ijerglofen Sltertt. . Ss gibt nidjts BerwerflidjereS, als baS ©vßem, baS Eltern unb Setjrer guweilen befolgen, Kinbern gurdjt unb ©djreden etrtgujagen. Bleibettbe Uebel ßnb oft bie grüdjte biefer Stjortjett. Nidjt minber gefätjrtictj iß es, Kinber au erfdjreden, um ßdj aus ibrer gurdjt unb Slngß einen ©paß au madjen, ba foldje gälte oft von ben traurigßen gotgeu begleitet fittb. SBir fennen einen gaff, ber fidj in Birginien gugetragen tjat, ber ben Sob bes KinbeS nad) ftd) aog, unb foldje gälte gäbtert wabr- lidj nidjt au ben ©eltetüjettett. 3eneS Kitxb fpiette mit anberen Mäbdjett ber Nadj- barfdjaft, bie it)m im ©paße fagten, baß ein Sumpenfammter es itt feittem ®adt bavott tragen werbe. Das Kinb, erfdjredt nnb geangßigt, lief nadj feinem Vaufe, als anfällig ber ®egenßattb feittes ©djredetts audj in bas V<*us trat; es ftieß einen ©djrel aus unb ftür^te tobt au Boben. Dies ift weber bas erße, nodj bas einzige Beifpiel ber traurigen gotgen, bie gurdjt bei Kinbern, ober felbß bei erwadjfenen, furdjtfamen $erfonett nadj ßdj giebt. Eine engtifdje 3*üung, bie jüttgft mit ber „Viberttia" fam, beridjtet folgenben gaff: Eitt Mäbdjett, Namens Margarete $ete, woffte einige itjrer ©efpielinttert unterbauen; ße gog batjer ein Weißes Kteib an, fe£te eine fdjwarge, bäßttdje Masfe auf, trat bann in biefer Berfleibung plö^lid) aus ibrer SBoljttung in ^almer'S gollv, Natctiffe^Vigtjtva», m Sottbon, nnb er- fdjredte ein Kinb, bas vor bem Vaufe ßanb, fo fetjr, baß es am nädjßen greitag Morgett ßarb. Das muttjwtffige Mäbdjett würbe feßgenommen, nnb erft nadj ber Unterfudjung beS EoronerS (Seidjenfdjaners) mit einer ernßen Berwarnung entlaffen. 56 ©uttn'« Vaua-Slrgt. SBir fennen in ber Sfjat gälte, in weldjen junge Seute ibren Berßanb völlig ver- loren liaben unb ibr Seben lang 3bioten geblieben ftnb, in golge von unverant- wortlichen Sborbeiten, bie itjre Befanntett ßdj mit Üjnen ertaubt baben, inbem ße ßd) an ibren ©djreden nnb Beängßtgungen einen ©paß mad)tn wollten. Ein fol- djes Benehmen iß unvergeibtidj; unb bie Sbäter fofften eben fo ßreng beßraft werben, wit jene, bie eine töbtlidje SBaffe gegen iljren Nebenmenfdjen ridjten. Unb bennoctj ßnb es oft fogar Eltern, bie bas Sinßößen oou gurdjt unb ©djreden als ein ©trafmittel benu^en. Siliertet ©djredbilber werben gefdjaffen, um unfdjulbige Kinber geborfam gu madjen. Das iß nidjt nur tböridjt, fonbern bödjß graufam. Slnßatt ben Mutb unb bie Sntfdjloffenbeit ber Kinber gu ßärfen unb gu entwideln, gerßören unvernünftige Eltern biefe Ijerrttdjen Eigenfdjaften unb madjen burd) jwedtofe ©efpenßerfurdjt ibre Kinber etenb nnb ungtüdltd). 3uweiten werben aber bie Seute, bie anbere erfdjreden ober gum ©paße ängßigen wollen, felbß in biefem ©djredensfpiet gefangen, unb erijalten jene geredjte 3üdjti- gnng, bie ße in vollem Maße verbienett. Das Mebicat 3ournat beridjtet einen foldjen galt. Ein junger Mann auf bem Sanbe tjörte eines SageS, baß einige lu- ßige Mäbdjen beS Slbenbs in ein benadjbarteS Kornfelb geben würben, um Siebren gu fammeln. Er befdjloß, fte gu erfdjreden ; verffeibete ßdj gn biefem Bebufe mit einem weißen Node, um ein ©efpenß bargußelten, unb verließ feine greunbe in fro- ber Erwartung ber Dinge, bie ba fommen fofften. Dodj balb tjörte man ibn etnen fnrdjtbaren ©djrel ausftoßen, obne baß man je erfahren fonnte, was itjn felbß fo fetjr erfdjredt Ijabe, unb fab ibn in größter Eile in feinem ©efpenßerlteibe burdj bie gelber laufen. Er erreldjte enblidj fein Vaus, otjne baß man itjn beruhigen fonnte, unb würbe von epitepttfdjen Slnfäffen ergriffen, bie oft unb rafdj einanber folgten. Sßenrt er von benfelben befreit war, fctjien er ftcb. gu ängßigen unb ©djredbilber gu feljen nnb bat wimmernb, man mödjte biefelben bodj btnwegttjun. 3»ttt, Der Qoxn iß eine fyefttge ©emütbsbewegung, hervorgerufen burd) ein Wirflid) erlittenes ober eingebitbetes Unrectjt, unb bie ßctj in tjeftigen Sleußernngen gegen ben Beleibiger Suft madjt. Die SluSbrüdje bes Qoxntä finb oft oon ben füret)terlidjßen gotgen begleitet. Diejenigen, bie ßdj biefem böfen ©eifle bingeben, untergraben itjre Koußitution, inbem ße itjr Nervenfvftem unb bie Sbätigfeit bes ©efjirnes fdjwädjen unb ba- burd) ©djlaganfäffe ober plöijlidjen Sob herbeiführen. SBir ßnb fo wunberbar ge- baut, baß bie ©emüttjsbewegungen ben ßärfßen Einfluß auf ben Körper ausüben. Nidjts beftätigt biefe SBatjrbeit metjr, als bie SBirfungen, weldje biefe ttjierifdje SButb auf Stile äußert, bie, jebem ebten ©efüljle entfrembel, biefer bemoralißrenben Seibenfdjaft ßdj bingeben. Der Menfdj, ben ber 3orn Einreißt, fann Nedjt von Un- redjt nidjt nnterfdjeiben. SBie ein 3biot ober ein SBatjnßnniger, läßt er ftd) von ber Eingebung bes Slugenblids, ober von feiner Einbilbungöfraft Einreißen; wllb auf- geregt, wie ber ©turmwinb, faßt er Befdjtüffe unb verübt Vanblungen, bie tfjn fpä- ter, in ruhigeren Slugenbliden, mit tiefer Nene erfüllen. Betradjte jenes ©eßdjt unter bem Einfluffe biefer Seibenfdjaft; es trägt bie 3om. 57 fdjredltdjen unb beutlidjen 3eicb,en biefer unbeirrbaren ©ewalt; bie Nerven ftnb in ber furdjtbarßen Stufregung; ber ganae Körper gittert nnb bebt unter wieberbolten Singriffen, unb alte SebenSfraft wirb guweiten gänglicb ge- nnb gerßört. Der 3om gerrüttet ben ©eiß unb ben Körper; bie ebten Neigungen bes VergenS, bie griebe unb greube attjtnen, fliegen bei ben ifytn Slnsbrüctjen ber SButtj, unb an ibrer ©teile fommt ein 3ug ßnßerer Seibenfctjaften, bie unter Neue unb Borwürfen bie bitterßen ©eetenleiben mit ßctj fütjren. Die traurigen SBirfungen boren nidjt ein- mal mit ben 3ornansbrüdjen auf; bas ©emütb bleibt aufgeregt, wie bie wilbbe- wegte ©ee, bie ßd) nodj nidjt gur Nulje legt, wenn audj bte ©türme längft fdjon ausgetobt Ijaben. Man bat behauptet, baß ber 3orn bie golge eigentümlicher Konßitution fei; allein bas iß eine leere Bebauptung, ba 3eber burcb SBacbJamfett unb geßigfeit feine Seibenfdjaften beberrfdjen fann. $eter ber ©roße fpradj ein großes SBort, atS er fagte: „3dj tjabe mein Sanb, aber nidjt midj felbß civilißrt." Er war fetjr oft leibenfdjaftltdj nnb ungeßüm, nnb beging unter bem Einfluffe feines 3orneS bie unverantwortltdjßen ©räuelttjaten; bodj verfudjte felbß er, feinen 3om gu mäßigen unb Meißer feiner Seibenfctjaften gu werben. Er war eines Stbenbs in einer gewählten ©efefffdjaft. 3emanb erlaubte ßdj eine Bemerfung. bie itjm fetjr mißßel. Voffnung. 59 rungelt nnb aufflärt, unb fannß bü bie ©djrtft auf berfelben entgiffern, fo wirß bu ßnben, wie ber ©ebanfe nad) ©ewinn unb immer neuem ©ewinn itjn betjerrfdjt. Der ©elebrte, beffen ©eiß nur ber SBiffenfdjaft lebt, ßnnt von Morgen bis gum Stbenb über feinen Büdjern; bie fpäte MitternadjtStampe ßnbet ttjn nod) bei feinen gorfdjungen; bie ßiffe Nadjt muß ben fnrgen Sag verlängern. Die Voffnung, gu ben Korvptjäen (Srften) ber «SBiffenfdjaft gegäblt gu werben, gibt ibm bie Kraft, tagtägÜdj mit neuen ©etßeSfdjä^en ftd) gu bereitem, unbefümmert barum, baß burdj feine ft^enbe Sebensweife, fein angeftrengtes Deuten wäbrenb ber langen Nadjt- wadjen feine ©efunbtjeit untergraben wirb. ©leb/ bir jenen Mann an, beffen ©ott ber Sbrgeig iß. ©teidjviel, ob er ein Staatsmann, ein Krieger ober ein ©djrtftßeller fei — fteb\ mit welker Stuöbauer er jebes Vinberniß befeitigt, bas itjm feinen NubmeSweg verfperrt; wie er ringet unb fämpfet mit Berfotgung, Borurtbell unb ganatismuS, bis er Stile ntebergeworfen, unb enbtidj bie Vöbe feiner Voffnungen erftommen bat. Mit ©totg ßebt er je^t tjernteber, belädjelt bie Mitbewerber, bie nodj weit unter ibm ßdj abarbeiten, nnb mißt mit bebeutungsvoffem Blide ben ©ipfel, auf bem er ftdjer von feinen Müben auörubt. SBaö, fragen wir, toa^ gab ibm bie Kraft an biefen übermenfdjtidjen Slnßrengungen ? Es iß bie Voffnung auf einen ruhmvollen Namen. 3m Unglüde unb in Bebrängniffen, wenn alle unfere greunbe uns ver- laffen tjaben, Voffnung verläßt uns nlmmermebr; in ben ©tunben beS Seibens bewäbrt ße ibre ädjte Sreue, ermuttjigt uns, verfpridjt uns beffere Sage unb raunt in unfer Dbr bas fuße Sroßeswort: Die SBelt iß runb unb muß ftä) breben, SS toirb fttjon Wieber beffer geb.en. ©elbft ber ©efangene, ber im tiefen Kerfer fdjmadjtet unb vieffeidjt fdjon morgen auf bem Blöde ber ©ünbe Sobn begaben muß, felbft e r tjofft nodj immer, unb nur auf bem ©djaffote erlifdjt ber te^te Voffnungöftrabt. 3ener gebüdte ©reis, beffen ©ilberloden von adjtatg SBintem aeugen, tjofft bennoctj auf einige SebenSjabre mefyr, unb ber SobeSpfeit mag fdcjon feine Bruft burdjbobren, watjrenb ber lefjte VoffnnngS- funfe nodj immer nidjt verglimmt. Man foffte glauben, baß bas Stlter, bas ja fo olele Säufdjungen erlebt nnb fo mandje fdjöne Sßünfdje tjat fdjwtnben feben, bem ©irenenfange ber Voffnung nidjt mebr taufdjen werbe. Stffein felbß ber ©terbenbe ftammert ßdj nodj an ibren Sinter, unb wie bie glamme nodj einmal bell auffladert, etje fte erlifdjt, fo ^tkhtn bie Voffnungsfunfen gen Vimmel, um auf bem Slltare ber Ewtgfeit ein neues geuer au entaünben. Voffnung iß bie Kette gwifctjen ber Bergangenbeit unb ber 3ufnnft. ©ie iß ein fceßänbtger ^ropbet; nur fleibet ße bäußg bie fommenben Sreigniffe in an glän- genbe garben, bie ttjr btenbenbes ©piet verlieren, fobalb bie 3eit uns in wirftldje Berübrung mit ibnen bringt, ©ie iß eS, bie, immer jung nnb immer frtfdj, uns bie Kraft verleibt, ben enttäufdjenben Kampf bes Sebens burdjaufampfen ♦ pe {ft e$f ^ luxd) vorgefpiegette ©iegespreife uns ermutigt, auf ber Domenbatjn bes DafeinS auSaubarren. 3n unferer 3ngenb iß ße wilb, reidj an fdjöpferifcijer Kraft, aber leiber aud) täufdjenb unb trügerifd); in unferem Stlter bagegen wirb ße nüdjtern wat)r unb beßanbig. Dbwobt bie Voffnung uns fo oft taufdjt, belebt ber winaigße ©onnenßrabl, ber im Unglüde unfer Verg trifft, bennod) immer unb immer wieber bie entmutigte 60 ©unn's VnnS-Slrgt. ©eeie unb ermuntert uns gu taufenbfältiger Sbätigfeit. ©ie iß wie ein Ebelßeln, ber, wenn itjn ein ©onnenßrabl an einem bunfeln Drte trifft, ein taufenbfarbtge« geuer fprübt. Darum boffe unb boffe, bu fdjwadjer, ßerbltdjer Menfdj, wie rautj unb borntg bein SebenSpfab aud) fein mag! Valte nur gebulbig im Seiben aus, unb bein Sotjn wirb bir ßdjer nidjt entgegen. Du mußt vielleldjt Sage unb Nädjte, ia fogar 3atjre, mit beinern Unglüde fämpfen. 3n bitterer Bergweiflung magß bu, wie ber vielgeprüfte Viob, ausrufen: „SBebe mir! — wogu warb idj geboren V Unb Voffnung tifpett bir bennodj immer gu: „Varre ans, bein wartet reidjer Sobn!" SBaS liegt baran, baß bu arm unb veradjtet von 3enen biß, bie, itjren Neiäjttjum ausgenommen, In jeber anberen Begietjung weit unter bir ßetjen; was liegt baran, baß wäbrenb ber furgen ©panne unferes SebenS bein ©djifflein von ben ßürmenben SBogen bes Unglüds wilb umtjer gefdjteubert wirb? — beiner wartet ja bie Halmen- frone ber Unßerblidjfeit, bas Diabem, an baS biejenigen, bie bid) verßoßen, gat nidjt benfen. Voffe barum in beiner Slrmntb — fei reblid) in beiner Erniebrigung, beßrebe bidj, watjrbaft groß gu fein, inbem bu watjrbaft gut biß. Die Voffnung wirft ibre troßvollen Sidjtßrablen in bie ßnßeren ©änge beö Kerfers, lädjett erbetternb an unferem ©djmergenslager, unterftü^t uns in jebem SebenSalter nnb wirft itjren Veiligenfctjein um bas Kiffen beS Berfdjelbenben. ©ie blütjt in jeber 3at>«Sgeit unferes DafeinS unb betjätt, bem 3ntmergrüne gleid), ibren frifctjen Blätterfdjmnd baS gange ^af)x blnburdj. Die Voffnung tß ber geljetme Srteb ber ©eeie, ber unabweislid) auf bie fünftigt ©eligfeit baut. Der tjimmlifctje Bater Ijat in unfer Verg bie Voffnung auf eine freubige Unßerb- lidjfeit gepßangt; bort erreldjen bie Mütjen unb Drangfale biefeS unbefriebigenben SebenS itjr Enbe; ber batfamifdje Duft eines ewigen grütjlings lullt bort bie ermübete ©eete in ungeßörte, fjimmlifdje Nube; wir treffen mit ben Sieben bort wteber gufammen, bie beS SobeS eißge Vanb uns tjter entriffen; wir feben bort bie Knospen unferer irbifdjen Siebe in votier Blütbe prangen; wir vernebmen bie fußen ©timmen berjenigen wieber, bie tljeÜneljmenb ber Erbe Seiben uns tragen balfen; Wir feiern bort ein SBieberßnben, bem feine Srennung folgt, feiern es in ber ©egen- wart ©ottes, wotjin ber Sob nidjt bringen fann, um uns wieber bie ttjeuerßen ©eeten gu rauben. SBie wabr iß baber baS SBort beS SlpoßelS: „Die Voffnung ifl ber Sinter bet ©eete." SBie fdjön unb glängenb iß jene Voffnung, bie ber ßnftern 3ufunft oljne gurdjt entgegengeht, bie uns in ber ©türme tieffter Nadjt anffudjt, um uns gu fagen, baß wir in unferem ©otte einen greunb tjaben, ber uns in ben ©tunben beö Ungtüds, bes Seibens unb beS SobeS nidjt verlaffen wirb. SBie leer unb öbe wäre bie SBelt oh,nt Voffnung. Dem ermatteten $ttgrim würbe ße toit eine große SBüße erfdjeinen, in ber alle SBege von Etenb begrengt, von Mübe umringt, unb von Seiben verbittert ßnb ! Slüein Voffnung iß bie Seudjte unferer SBanberfdjaft. SBenn bie Unglüdsnadjt ßd) mit ibren Nabenßttigen auf uns fjernteberfenft, ftüfct bie Voffnung unfere unftdjeren ©djritte, gibt uns unfere gaf- fung wieber unb öffnet unferen vergweifelten Bliden bie SluSftdjt in ein Sanb reidjer ©aaten nnb Srnten. SBir raffen unfere ßnfenbe Kraft gufammen, jagen bem vorgefpiegelten Bitbe nad) unb ßnben barin eben fo viel ©lud, als wenn wit ben teidjßen ©djafc geboben batten. ßeiterfeit. 61 Die Voffnung erleldjtert bas Verg unb gibt uns unferen ßnfenben Mutb wieber; unb fo oft idj ben begaubernben Einfluß itjrer verfläre'nben ©tratjten fütjle, will id) bid) preifen, o mein ©ott, nnb bir banfen für bas ungätjfige ©ute, bas bn mir erwiefen, nnb baS bn mir nod) ferner erweifen wirß. Danf unb $>reis fei beiner bimmlifdjen ©nabe, bie mid) mit ber fußen Voffnung befeett, baß, wenn einß bie ©e* ßirne in ein Nidjts verfdjwinben, mein ©eiftgu feinem attmädjtigen ©djöpfer gurüd- febren wirb, um an feinem Baterbergen für alle Ewigfeit gu ruben. Vätten wir nidjt biefen feften ©tauben an eine Unßerblidjfeit, biefe fuße Voffnung auf ein ewiges, feiiges Seben — was fonnte uns ernfttidj gur Sugenb, gum geißigen gortfdjritte anfpornen ? SBenn ©orgen nnb Slenb uns nieberbrüden, wober fofften wir ben Muttj fdjöpfen, in biefem irbifdjen 3ammertbate gebulbig auSgubarren; unb anbe- rerfeits, wenn ©lud unb Ueberfluß uns mit bem güfftjorne ibres ©egens überfdjüt- ten, würben wir uns ungegügett in SluSfdj weifung ßüraen. Slber boffenb auf eine 3ufunft ewiger greube unb ©eligfeit, ertragen wir gebulbig Mübe unb ©orge, ßetjen gewappnet gegen bie flüctjtigen Bergnügungen beS SebenS unb betrauern bie betrogenen 3ünger tböridjter SluSfdjWeifungen. Voffnung Iß bie greubenaueffe, bie erfrifdjenb nnb betebenb burd) unfer ganges Dafein baljinßießt. Der ermübete $ilgrim labt ßdj nodj an itjrent ©ilberborne, wenn ibn bie nädjßen ©cbrttte fdjon blnab in's ßnftere ©rab fübren. SBenn ginßerntß uns umlagert, wenn Notb unb Mangel uns beugen nnb erniebrigen, wenn bie Bergangenbeit uns, toit eine wüße Debe, fdjredt unb in ber 3ufunft jeber ©tern gu verglimmen fdjeint—in ber Menfdjenbruß leudjtet nodj immer bie Voffnung, geigt ibm auf feinem bornigen $fabe bte wenigen Blumen, bie audj er nodj pfiüden barf, ebe ße gänglid) weifen unb erßerben. SBer fennt bie iauntn bes ©tüdes nidjt ? SBie ber blaffe ©ilberßrabt beS Monbes auf bie wilb- bewegten Meereswogen fallt, iß gortuna'S Sädjeln unbeßänbig. SBir wärmen uns beute in ber ©onne bes ©lüdes nnb morgen iß ber fdjöne Sraum batjin — für immer gefdjwunben; bie Dornen ber greubenrofen f)ahtn ftd) in Dornen nnb Dißein bes SlenbS verwanbelt. SBie Biete, in biefer großen ©ottesweit, geben babin, verlaffen, nngefannt, nnbetrauert! SBaS foff ba ben ©riß erbeitern, ben ßnfenben Mutb beben, bas witbbewegte Vera berubigen, bie 3ufunft uns in einem freunblidjeren Siebte aeigen ? Eö iß bie Voffnung unb immer wieber bie Voffnung! Du, bimmttfdjer Enget, trittft in bie SBobnungen beö SlenbS, trodneß bie Sbränen bes Kummers, verfdjeudjeß bie ©efpenßer ber Beraweiflung nnb verfüßeß ben bitteren Keldj beS SeibenS. Unb fommt enbtidj beS SobeS ernße ©tunbe, unb gittert bie SebenSflamme nur fdjwadj nodj im menfdjlidjen Körper, fo ridjteß bn un- feren breetjenben Blid auf eine beffere SBelt, beren ewige SBonnen fein ©eiß nodj erbadjt, fein Singe nodj gefeben nnb geigeß uns ben bimmlifdjen Sobn, ber aller berer wartet, bie ©ott, ben Verrn, geliebt unb it)m gebient tjaben. $eitetieit. Die Veiterfeit erfrifdjt bas Verg unb läßt es gefunb unb fräftig fdjlagen. Die fdjattigen SBotfen, bie über unfer ©emütb babtngleben, madjen uns elenb unb unglüdlid); atiein bie Veiterfeit glebt wie fanfte ©ommertuft barüber bin unb 62 ©unn'S VrtUS = Strgt. Reibet bie SBelt, bte uns umringt, in ibren fcbönßen geßeSfdjmud. Das $tr\ fdjlüge fatt unb freubenleer, wenn ber ©onnenßrabl ber Veiterfeit eS nidjt erwärmen würbe. Der grütjltng, mit feinem fußen Sädjeln, erfreut bie Erbe; bodj erß im ©ommer bridjt bie Natur in einen jubelnben grobßnn aus, ber SlffeS in ©djöntjett unb ©egensfütte wieberßrabten läßt, grobßnn madjt bas ©emütb etaßifdj unb gtefjt über ©eiß unb Körper ben jugenblidjen Batfam ber ©efunbtjeit aus. grobßnn verftärt alle Vanblungen unferes SebenS, unb im ©efotge ber Voffnung wirft er, inmitten ber fdjwerßen Prüfungen, fein freunblidjeS Sidjt auf bas gagenbe 9Jcen» fctjen^erg. Der grobßnnige erliegt ben Setben bes SebenS nidjt; weiß er ja, bajj fte bas ©alg unferes DafeinS ßnb. Bridjt ber ©türm über feinem Vaupte loa, fo weiß er ben Berbältniffen ßdj gu fügen unb berechnet, baß bie Veftigfeit iti ©turms fein balbiges Snbe verfünbet. V<ü er ßdj in eine unglüdltdje ©pefulation eingelaffen, fo trößet er ßdj mit bem ©djaije ber Srfabrung, ben er gefunben—Mi er an ©elb verloren, bat er an SBeiSljeit gewonnen. Slffe feine Voffnungen, alle feine greuben, allen feinen Erfolg vereinigt ber ©egenßanb feiner Siebe. Die wabrßen Sßünfdje feines VergenS gelten itjr, unb was bas Seben in feinet SBanbelbarfeit audj bieten mag, treu unb nnwanbelbar, wie ber Norbßern, iß feine Siebe. Unb totnn felbß ©orge unb Kummer auf ibn einßürmen, im ©tauben an eine gnäbige Borfebung bleibt er rubig, better unb ergeben, unb ba er bie trüge» rifdjen Neiae ber SBelt fennt, fo Iß er ßets bereit, obne Klagen unb Murren aui ttjr au fdjeiben. 3eber, ber ein beitereS ©emütb beߣt, mi^, wetdjen retdjen ©egen Veiterfeit mit ßdj fütjrt. Er weiß feiner Umgebung bie freunblidjften Bfide, bas aufriebenfte Sädjeln gu enttoden; er verßebt ben Slusbrudj ber Seibenfdjaften, bie Bitterfeit iti ©djmergeS weggugaubern; er breitet felbß über jene Vergen, bie ßdj gern quälen ober letdjt vergweifeln — freittdj nur für eine furge 3eit — ben ©djein beS ©lüdeS unb ber greube aus. Die einfadjßen Negeln beS gefunben MenfdjenverßanbeS lebren uns, toit wir mi einen froben, beiteren ©inn httoa^xtn fönnen. ©ei ebrltdj in allem beinern Sbun unb wobtwoffenb in allen beinen Slbftdjten; ttjeite bein Seben gwifdjen Strbeit unl) Nube nnb genieße mäßig von allen Bergnügungen, bie ßdj bir barbieten; fet gütig unb freunblidj gegen alle beine Mitmenfdjen, unb liebe ©ott mit beinern gangen Vergen, unb ©lud unb greube werben bein ßeter Begleiter fetn — fo prebigt bie Bernunft, unb biefe Sebren ftnb letdjt an begreifen unb nidjt fdjwer au erfüllen. Erireme ftnb geinbe ber Nube unb ber ©efunbbeit. 3ene, bie unaufbaltfam jebe Vöbe erflimmen, wie 3ene, bie nidjt in ibrer Nube geßört fein woffen; 3ene, bie alle Vimmel erßürmen, wie 3ene, bie ßets im ©taube babtnfriedjen ; 3ene, bie ßets na$ wilber Slufregung ledjaen, wie 3ene, bte aüer Mübe fdjen aus bem SBege geben- möaen bann nnb wann eine greube Ijaben, ober in fdjeinbarer 3ufriebenbeit ßdj be- ßnben, aber glüdlidj, im waljren ©inne beS SBorteS, ftnb fte Stile nidjt. SBie gtänaenb ber Sriumpb bes Einen erfdjeine, wie groß ber Nuf feines Namens fei, bem forgenvoffen Soofe aller ©terblldjen entgebt audj ber Vödjßgeßettte nidjt. Da« ©lüdsrab bes SebenS iß in ßeter freisförmtger Bewegung ; was beute oben iß, ifl morgen unten; unter ber ©onne iß nidjts beflänbig, als ber SBedjfel. Unb 3e'ber, ber biefe SBabrbeit erfannt, wirb uns gern beißlmmen, wenn wir behaupten, baß Veiterfeit. 63 ber Vetb, ber Staatsmann, ber glüdlidje Slbenteurer, beren Erfolge nur von einigen günftigen Sreigniffen abhängen, weniger wabre 3ufriebenbeit fennen, als ber ärmße Slrbeiter, ber ßd) felbß fennt, feinen ©ott liebt unb feine ^ßidjten, fo gewiffentjaft, als möglieb,, au erfüllen fudjt. Sbätigfeit iß bie Quelle beS grobftnns unb ber Veiterfeit. Die Sräume einer be- feligenben Stnfamfett, von benen ber Stnßebter fdjwärmt, aerrinnen gar balb in ibr täufdjenbes Nidjts. Das Vera, bas Weber gurdjt nodj Voffnung fennt, ftedjt wet- fenb batjin; unb alle Qualen ber Sortur unb alle ©djreden eines gewaltfamen So- beS werben leidjter ertragen, als bie 3<*l)re, in weldjen wir aur Sinfamfeit verbammt wären. 3dj gietje einen froben ©inn, ein beiteres Vera einem jäbrtidjen Einfommen von aebn taufenb Dollars vor, wenn bas Severe mit Srübßnn nnb ©djwermutb gepaart wäre. Sin frober ©inn, ein beiteres ©emütb fagt allen unferen förperlidjen, geißigen unb moralifdjen Eigenfdjaften au. SBie anbere Stntagen, fönnen wir audj ben grobßnn in uns pflegen unb ent- wldetn; unb biefe Entwidetung fofften wir als eine beiltge ^fltctjt betradjten, bie wir gegen uns nnb unfere Mitmenfdjen an erfüllen baben. Die meißen Menfdjen glauben, baß ibre ©emütbößimmung oon ben ewig wedjfetnben Saunen beö ©efdjideö abbängt. Diefe Stnßdjt iß fatfdj; benn burdj ©etbftbetj errfdjung fönnen wir bei- tere ©timmung fdjaffen unb bie wedjfelnben garben ber Slußenwett unter ben SBie- berfdjein beS beftänbigen SidjteS bringen, bas auf bem Stttare unferes VergenS, wie eine reine Cpferftamme, brennt. SBir fönnen uns an grotjßnn gewöbnen unb fönnen in biefer glüdtidjen ©timmung verbarren, gang unbefümmert um bie SBed)- felfätle ber Slußenwett. Unb nidjtö geugt metjr von wabrer Menfdjenwürbe unb grömmigfeit, alö ftd) über bie wanfen unb fdjwanfen Sebenögufälle gu erbeben unb ßdj fo viel alö mögtid) ber Bofffommenbeit gu näbern. Der grotjßnn ift bie tyanatta (Sßunbermittet) für Körper unb ©eiß; er verbreitet Suß unb Seben, wie bie ©onne ber ßdjtbaren Sßelt Sidjt nnb SBärme bringt. Srüb- ßnn bagegen wirft auf ben ©eiß, wie ein ©djtaganfaff. Daö Stuffaffungsvermögen ift getrübt, bie ErßnbungSgabe iß gefdjwädjt, bas Urtbeit wirb unflar unb ber Sßiffe ift traft- unb madjtlos. SBenn in fotdjen ©tunben bes SrübßnnS uns ein uner- wartetes ©lud überrafdjt, ober bie ©timme eines fern geglaubten greunbeS, ober bie fanften Söne babinraufdjenber Mußt an unfer Dbr unb Vera fdjlagen, wie bes $ro- pbeten ©lab an ben gelfen, unb woblwoffenbe Sbeilnabme enttoden: wer bat in fot- djen Slugenbliden nicljt bie Madjt ber Vetterfett gefübtt, bie tok tin eleftrifdjer ©trom unfer ganaeS ©ein burdjaittert unb bie engen ©rengen beS Srbenlebens in jene ©e- ßtbe blütbenreidjer Voffnung binauSrüdt, in Weldjen tint ewige Vetmattj unferer barret ? SBaS vermögen ©efabr unb Setben, was bie ©türme unb Prüfungen bes Sebens: bie ©onne ber Veiterfeit fdjeint bell unb flar über ben tjmfegelnben SBolfen! Des SllterS ©djnee madjt ße nidjt erftarren, bie Erinnerung an genoffene Siebe, bie Voffnung auf ein ewiges SBieberfetjen aller berjenigen, bie uns ttjeuer unb wertt) waren, erbeitert ben SebenSabenb, wie bie untergetjenbe ©onne bas btdjteße ©ewölf vergolbet unb verbrämt! SBie aengt ein foldjer ©eiß ber Veiterfeit von unferem ©tauben nnb Bertrauen auf ©ott, von ber ©ewißbeit, baß bas SBabre, Nedjte, (Butt unb Veilige feine ©djatten- unb Smgbilber ßnb I SBie rutjig unb glüdtidj 64 ©unn's Vau S* Slrat. ßnb nidjt Stile, bie biefen befeligenben Einfluß ber Neligion in ßd) verfpüren; unt Slffe fönnen beffelben tbetlbafttg werben l Demutb unb Veiterfeit ßnb ©djweßern. SBabre Demutb tjat nidjts mit ©djroer. mutb ober Srübßnn gemein; wäbrenb ße einerfeitö bie Seibenfctjaften aügelt, be« günßigt fte anbererfeitS einen froren ©inn, ein beiteres Vera« Denn wabre Veiter« feit wirb von einem reinen ©ewiffen bebingt. Bernunft unb Dffenbarung lebren uns aber, worin ein reines ©ewiffen beßetjt. Dreimal glüdUdj ftnb biejenigen, bie ßdj bas eljrenbe 3eugniß ausfteffen fönnen, baß ße im Umgange mit ber SBelt ßd) ein foldjes ©ewiffen bewabrt t)abtn. Sin gutes ©ewiffen fteigert unfere Veiterfeit, unb bie ©eetenrube, bie biefer Veiterfeit, biefem ©ottvertrauen, biefer Voffnung auf eine Unßerbltdjfeit entfpringt, iß gteidj entfernt von grämlidjer Unaufriebenbeit, veraweifelnber ©djwermufb nnb ungeaügelter SluSgelaffenbeit. ©ie ebnet unferen SBeg, verfüßt unferen Seibensfefdj, erleidjtert uns unfere *PfIidjten unb llnbert un» fere ©djmeraen. SBenn wir tjeiter unb aufrieben ßnb, tädjelt uns bie ganae Natur freunblidj an; bie Suft fdjeint mit balfamifdjen Düften gefüllt, beS Vintmels Bläue tiefer unb rei- ner, bie gtur mit fdjönerem ©rün gefdjmüdt, bie Bäume mit reidjeren Blättern ge- alert au fein; bie Blumen atbmen füßeren ©erudj, bie Böge! fingen fdjönere Sie- ber, unb ©onne, Monb nnb ©terne ßraljten in beüerem ©lanae. grobßnn wirft gteidj wobltbätig auf ©eiß unb Körper, er verbannt bte ©orge nnb bie Ungufrle- benljett, er befdjwtdjttgt bie Seibenfdjaften unb wiegt unb lullt baö ©emütb, in fuße Nube. Der Menfdj tjatte gefünbigt unb war gefallen; bie ganae Natur betrauerte ben Bertuß feiner Unfdjutb. 3n jener unfeligeu ©tunbe verließen ibn bie ©erapbim, unb felbß ©ott wanbte bas Sidjt feines Stntli^eS von ibm ah; nur ein guter ®eniuS aögerte unb wollte ben Menfdjen in feiner Beraweiflung nidjt verftoßen. Mit unabtäfftger 3ärtlidjfeit, mit unausfpredjttdjer ®üte fudjte er ben Menfdjen oom Slbgrunbe feines Kummers an retten, ©einer Siebe gelang bas Unglaubliche; bes Menden ®eift fdjien bie geffein, bie ibn fetteten, au butdjbredjen unb Bertrauen wieber au gewinnen. Der gute ®eiß freute ßdj barob, bte V o f f n n n g lädjelte ofc ibres ©iegeS. ©eit jener 3eit bat ße ibre SBobnung unter ben Menfdjenfinbern aufgefdjlagen; mit berfelben fußen ©irenenftimme todt ße bie gebrochenen Vergen an nnb ßärft unb ftü£t bie mntbtofen ©elfter. Slffein es gibt Slugenblide, in weldjen ße ben Unglüdtidjen mit ibrem Sroße niebt nabt. Es gibt verwunbete Veraen, bie ibre aarte Vanb nidjt verbinbet. Es gibt ein Dunfel, in bas ibr Sidjt nidjt bringt; es gibt Klagen, bie fte nidjt befänf- tigt. SBir ftnb bann fo einfam, nnb feine freunbfidje ©eete gefeilt ßdj an uns; wit fübten in ßnßerer Nadjt unferen SBeg, unb feine funbige Vanb wiff uns fübren unb retten; wir fudjen ängßtidj nadj einem ©egenßänbe, an ben wir uns anflammern tonnten; Sitte« iß öbe nnb leer; wir rufen nadj Vülfe, aber bie tiefe ©tiffe gib! feine Stntwort. Das iß bas ©efübt ber Beraweiflung unb be- fdjredlicbflen Bet laffenbeit. ' Ber^ veiflnng. ^ 65 ©o lange nod) ein gunfe von Voffnung leudjtet, nnb mag er nodj fo bitter tau- ften, ber Menfdj folgt bem gtimmernben fünfte, wie bas Kinb nad) einem bunten 3nfefte bafdjt. 3eige Ifjm bas fctjtöäctjfte NeiS, baS er erfaffen fann —er wirb ftd) baran flammern, wenn er audj weiß, wie feidjt es bridjt, unb baß unter ibm ber bo- bentofe Slbgmnb gäbnt. Slber töfdje ben fdjwadjen, vergtimmenben gttnfen nur erß gana aus, unb ber Menfdj fällt, oljne bie geringfte Stnßrengung au feiner Nettung au madjen. DiefeS ©efütjt iß unausfpredjticb,, nnerffärbar. SBir feben feine SBirfungen, wir wiffen, baß es fein Vimgefpinnß iß. SBetdjer ©terblidje ift von feiner fdjredenS- vollen Nabe fdjon verfdjont worben ? Es iß nidjt eins mit Snttäufdjung; benn fo oft unfere Voffnungen audj fdjon getrogen, wir boffen unb vertrauen bennodj wteber; nnb fo oft ber Boben unter unö au ßnfen fdjien, wir batte,n an ber legten plante feß. So iß nidjt einö mit Kummer; benn felbß ber Kummer mag nodj von einer entfdjäbigenben Negung be- gleitet fein, bie ibm bie ©pi£e bridjt; bie affeö beilenbe 3eü vernarbt feine SBunbe, unb ber ©djmera bort auf au toben. Slber Bergwetflung, mit ibrer taufenbfälttgen SBudjt, bridjt baö ftärffte Verg unb entnervt ben mutbigßen ©eift. Der Neidjtbum, ben jahrelanger gleiß angefammelt, mag in einem Slugenblide babinfdjwinben; wir bleiben gefaßt, wir wiffen, ©olb iß ijäußg eitler SBabn, eS madjt ßdj glüget unb unb eilt bavon. Neige, bie uns einß entgüdt, mögen weifen: wir wiffen, es iß \a SlffeS vergänglidj. Das ©lud mag unö verfpotten, ber Nubm uns verböbnen: wir fennen bie Saune ber ©lüdSgötter unb bte SBetterfatjne ber Botfsgunß. SBir mögen allen Seiben, bie uns beßürmen, mit feßer ©lim entgegentreten; allein unfer wartet ein fdjwererer ©djtag — ber greunb, ben wir metjr als SlffeS liebten, bem wir jebeS Seib anvertraut, unb mit bem wir jebe greube getbetlt t)aben, er, ben wir an unferem Bufen tjergten unb pflegten, vergilt uns mit bem ©djtangen* gifte beS BerratbS unb ber gatfdjtjeit — ober, totnn tin SBefen, bas, wie ber Spbeu uns umranfte, bis ©eeP in ©eeP unb Vera in Vera fidj taudjten, von beö Sobeö eißget Vanb gefnidt unb uns entriffen wirb, bann baben wir ben Seibenöfefdj geteert, unb bte SBogen ber Beraweiflung ftürmen von allen ©elten auf bie veraagte ©eeie ein. ©ie fdjleidjt an's Verg bes ©efangenen, wenn er in feine ßtUt tritt unb bie fdjweren ©djlöffer binter ibm fallen; fowie bie ©djritte beö KerfermeifterS in ber gerne er- ßerben, ßnft ber Uttglüdlidje bütfloS unb gebrodjen gufammen. ©ie tritt an ben ©djtffbrüdjigen beran, wenn bie teijte $tanfe, bie ibm Nettung verfpradj, von ben ©turmeswogen weggefpült wirb; nun erfaffen ße ibn felbß nnb mit ibnen fommt ber fdjredlidje ©ebanfe, bei gefunbem Seibe unb mit vollem Bewußt fein ertrtnfen gu muffen. Mit tjobfen ©efpenfteraugen ßiert fte ben ©terbenben an, wenn jebes Vetl- mittel verfagt tjat unb ber Knodjenmann bergtos fein £)pfer forbert. ©ie nißet in , bem nmwölften Sluge, auf ben bteidjen nnb gttternben Sippen unb in bem immer fdjwädjer unb fdjwädjer fdjlagenben Vergen. Nidjt ben ©djwadjen unb gurdjt- famen nur fdjredt fte mit ibren wilben Bilbern; bie Mädjttgßen beugen ßdj vor iljrer Madjt; benn bei itjrer Berübrung erblaßt bas Notb ber SBangen unb ßnft ber Slrm bes ©tarfen. „Die Voffnung ßebt tnthl'ätkxt unb weif, nnb ©nabe.feufgt Üjr ewiges Sebewobf.* Es gicbt ßnßere ©tunben im Seben eines jeben Menfdjen, Slugenblide voll von 5 66 ©unn'S Vaus = 3lrgt. Slenb unb Bergweiflung, in benen jeber Sidjtßrabt vergl mmt unb bie 3ufunfr mit biden Nebeln ßdj umwölft. Dann iß ber ©eiß niibergebrüdt, bie ©eeie iß umlagert von wilben ©djatten, unb vergebens ringen wir, ben ßnßeren ©ebanfen ju entßietjen, weldje bie sptjantaße ausbrütet, ©te umbrängen uns von allen Sei- ten, unb alle Berfudje fdjeltern, burdj bie wir berBergweiflung uns erwebren wollen. ©efpenfter umfreifen bie Sinbilbungsfraft; traurige Slbnungen, ber Berluß von greunben, beunruhigen uns; wie SBolfen gietjen wilbe Befürchtungen an unferem ©eiß vorüber; im ©ebränge beö StfftagStebenS, im gefelligen 3ü*el von greunben, in ber ßillßen 3urüdgegogenb/eit, in tänbltdjer Sinfamfeit ßnbet ße uns auf unb mabnt unb erinnert uns an unfer unftuges Benebmen. Ein elngtges SBort bringt uns guweilen um unfere Nutje, eine einglge traurige Erinnerung töfdjt alle bie fon» nigen ©efüble unferes VergenS aus, unb uns wirb, als töne eine Sobtengtode burd) unfer ganges Seben batjin. SBie Bleie 1)abtn biefen SeibenSßadjet gefüblt! SBie Biete h.abtn ibr Vera unb h)xt Siebe an 3enen vergeubet, bie beibe nidjt an würbigen wußten! SBie viele Saufenbe t)ahtn ftd) fdjon in bie Kammern bes SobeS gefctjlictjen unb mit ßöbnenber ©eeie bas ßumme ©rab eines ttjeuren greunbeS aufgefudjt, beffen Siebe ße mit Unban! unb Untreue vergolten! Stdj, foldje ©ebanfen bemeißern wir nidjt; ße quälen unb martern bas Vera unb öffnen nur leife ben Quell ber geängßlgten ©eete, bem bie bitteren Sbränen ber Beraweiflung entßrömen! Bergwetßung iß ber Name für jene äußerße, moralifdje Ntebergefdjlagentjeit, ge- gen bie ber ©eiß in völliger Dbnmadjt ift. Kein ©tratjl ber Voffnung, fein greu« benglang vermag jene Nactjt ber ©eete gu erbeffen. 3n folctjer Sage iß bas Seben eine Saß, Natur unb Kunß tjaben jeben Neig verloren, bie fdjöne ©otteSerbe iß jum oben 3ammertljate geworben. 3dj fab einß eine SBtttwe tangfam um bie Sde ber ©traße fdjteidjen unb bie Sbränen trodnen, bte fdjneff über itjre blaffen unb abgemagerten SBangen rollten. 3tjr forgenvoffeö 3lntli£ erregte meine Neugierbe; benn ibr Seiben fdjien fdjwer auf ße gu brüden. 3dj folgte ibr unbemerft in ibre ärmlidje SBobnung. 3dj fatj fte eintreten unb borte, wie fte brei arme, vor groß bebenbe Kinber, bie ibre Sftüd- fetjr freubig begrüßten, tjerjte unb fegnete. ©ie vertbeitte unter ße baö ärmlidje Matjl, baö fte für üjren Sagetoljn gefauft, unb fidj abwenbenb, weinte ße bitter- lidj, baß eö fo wenig, fo gang ungureidjenb war. 3dj fragte nadj ibrer SebenS' gefdjidjte, benn ße fctjien mir beffere Sage einß gefetjen gu tjaben. ©ie tjatte früb einen wadern, fleißigen Mann gebetratbet, bodj ibn, ben Bietgettebten, gar balb verloren. Unglüd im ©efdjafte tjatte feine ©efunbbeit untergraben, unb er fonnte nur wenigeö feinem SBeibe unb feinen brei Kinbern binterlaffen. SlebnÜdjeS Un« glüd verfolgte audj ße; Slrmutb unb Kranfbeit madjten es ibr unmöglidj, itjre fdjönen Kenntniffe gu Verwertben. Dbwobt ße gern arbeitete, fanb ße bodj nicM immer Befestigung, ©ie fpradj bei reidjen Seuten vor, aber biefe batten nidjts für fte gu tbun; ße war gu fcb, xoadj, um fdjwerer Strbeit ßdj gu untergieben, unb ße war gu ßolg, um Sttmofen gu erbetteln, ©ie ertrug tjjr Seiben, ibre Sntbeb* rungen unb bäußgen Kränfungen mit ßiffer Sntfagnng, bis biefe in tiefe unb ßn« ftere Bergweißung umfdjtug. Die greunbe, bie fte im ©lüde tjatte, vergaßen fit in Üjrem Unglüde; nidjts feffette ße metjr an's Seben, als bie Siebe gu rbren Kummer, 67 brei Kinbern, um üjretwiffen fudjte ße SlffeS gu ertragen unb nodj ein SBeildjeu ben fdjweren Kampf fortgufämpfen. Der ©ebanfe, bie Kinber in einer fo unbarmbergtgen SBelt taffen gu muffen, un- tergrub itjren Mutb, unb ibren ©tauben, gerrüttete Üjren ©eift, unb je£t ift fte im 3rrenbaufe. SBie oft tritt bie Erinnerung an biefe armen Kinber vor ibr gebroche- nes Verg, baß fte taut auöruft: „Bater Im Vimmel, ber bn ja audj ber mutterlofen Naben nidjt vergiffeft, wann barf idj meinen Mann, meine Kinber wieber fetjen ?" Diefe Ergäblung ift budjftäbltdj wabr. Saufenbe fotdjer Unglüdlidjen gibt eö in biefem Sanbe ber greüjeit unb beS Ueberfluffes, in biefem aufgeflärten unb gortfdjritt bulbigenben 3eüalter, beren Sa- lente bradj liegen, beren gleiß entmutbigt wirb unb beren Sugenb unbeadjtet bleibt, wäbrenb ©tolg unb Neidjtbum im raufdjenben Sriumpbe bablngteljen. SBie viele gartfüblenbe Vergen ßnfen unter ©orge unb Slrmutb in Betgweiflung! SBie viele eble ©etßer weifen unter ben ©djtägen beS Unglüds babin! SBie Biete, bie ßdj nidjt in ibr ©djidfal ergeben fönnen, unb Vimmel unb Erbe mit itjren Borwürfen über- häufen, wie Biete fallen nidjt ber Ungufriebenbeit gum Dpfer unb verfehlen gängltdj ben ßwtd bes menfdjlictjen DafeinS! ©ibt es in foldjer Elenbstiefe gar feinen ©tem mebr, ber mit teifer ©timme gu bem trauernben Vergen fpridjt, feine Nadjt erljefft unb ibm Sroft verbeißt ? ©iebt eö fetnen Batfam für fotdjen ©djmerg, feinen Vafen, in ben bas fdjeiternbe ©djlffdjen einlaufen fann ? SBenn unfer ©ewiffen rein iß unb fein SBölfdjen beS Borwurfs es verbunfein fann, foffte bte glamme ber ©eredjtlgfeit unb ber ©eelenrube unfere bornige ^Ügerfabrt nidjt erteudjten fönnen ? £5, watjrbaft verlaffen mu^ bas Verg fein, bas gar feine Sroßesqueffe metjr aufßnben fann, baS inmitten ber SebenSftürme feinen Seudjttburm metjr ßebt, ber Üjm bte gabrt gur Nettung geigt, bas feinen ©runb unb Boben metjr ßnbet, auf ben es bie Voffnung feines enblidjen SrtumptjeS, feiner enblidjen Srlöfung bauen fann. SBie fotlen wir bte SBedjfelfäffe bes SebenS ertragen, wenn feine ermutfjtgenbe greunbeSbanb bie ßnfenben Slrme ßü£t ? SBo fotlen wir Nube unb Nettung fudjen, wenn bie ©türme gu beuten beginnen, unb bie ©ewitter oon allen ©eilen brotjen ? Es gibt nur ein SBort unb nur einen ©e* bauten, ber uns bann beruhigen fann, unb bas iß © o tt, ber alle unfere ©djwäc^en fennt, ber Keinen vergißt, unb ber bem ©türme gebeut: „Bis bterber unb nidjt wei- ter l" ©eine Siebe fann jebes Seiben ßiffen, ©eine ©nabe fann jeben SBunfdj er- füllen ; Er Irodnel guter^t jebe Sbräne, unb fütjrt ben Slrmen unb ben ©ebrüdten in jenes Sanb, in bem bie greube ewig btütjt, bie Boötjrit für immer mbt, unb bie Unglüdlidjen an ©einem tjetltgen Baterfjergen SBonne unb grieben ßnben! Kummer. SBie bie berbßlictjen Nebel ftd) in bie Blätter fenfen nnb ße gum nabenben Slbfaff vorbereiten, fo faffen audj wir, im Saufe ber 3abre, burdj ben Drud ber erfahrenen ©orgen, vom Baume bes Sebens ah. Das Srfte,bas wir im Kummer überwinben muffen, iß bas Bergnügen, bas wir am ©cbmerge baben; benn es gibt eine Suß ber ©elbßo^älerei. Es gibt nur ei- nen vergeiblicben Kummer, unb bas iß bie Srauer um bte Berßorbenen. Diefer 68 ©unn'sVanS-Slrgt. ©djmerg iß nur eine Slbart beS Sroßeö; bie ©eufger ßnb nur ein anterer StucbrjuJ ber Siebe, mit ber wir an ben Sobten bangen. SBir vergießen Sbränen, wenn feit unö ibres ©terbenö erinnern; wir weinen aber audj, wenn wir an bie rinftigcSBie« bervereinigung mit ibnen benfen, unb unfere Sljränen ßnb beibemale nidjt am $>lar> Der Kummer Iß nur bas Slnbenfen an eine verwaiße Siebe. 3e größere greube wir an einem ©egenßänbe batten, beßo ßedjenber iß ber ©djmerg über beffen Berluß. Diefe Erinnerungen an bie Bergangenljeit ftnb für ein liebenbes Verg bit Empßnbung beS Kummers. Die Slrt ber Moralität, bie ben Kummer verwirft, verwirft fomit audj bie Siebe. Es fommen gewiß fetjr bäußg gälte vor, in weldjen bas ©emütb ftd) einem über- mäßigen ©djmerge bingibt, nnb bie Kraft bes SBtllenö völlig gelätjmt wirb. Die« iß gweifelsobne ein ©eißeSguftanb, ber moralifdj unredjt ift; benn ©ott fpridjt wxi nie los von ber Erfüllung unferer $)ßtdjten, wie fdjwer nnb tjart bie Prüfung aud) immer fein möge. Slüein ber Sabet wäre gur unredjten 3eü angebradjt, wenn mir ibn über foldje gälte auöfpredjen wollten; benn tjier überfteigt nidjt ber Kummet feine ©rengen, fonbern bie anberen Slffefte ermangeln itjrer roat)xtn Kraft unb Sbä- tigfeit. Derjenige, ber feine ©emütböftimmung gu beuten weiß, läßt bie Empßn« bungen ber Srauer rutjig verbaffen. Es tjieße gegen bie engere Kraft anfämpfen, woffte man biefetben plöijlidj gum ©djweigen bringen; aber ber Berftänbige fejjt fetbßvertrauenb anbere ©efüble in Bewegung, bie bis batjin träge in ben Siefen fetneö ©eißeö fdjtummerten. Er erinnert ßdj an bie Berantwortlidjfeit, bie er ge- gen ©ott unb feine Mitmenfdjen tjat; er erinnert ftd) an bie Slufgabe, bie er nodj vollenben muß, etje feine Sebenöubr abgelaufen; er gebeult ber großen gätjigfeiten, mit weldjen ©ott ibn fdjon tjier auögerüßet Ijat, um itjn für jenes ewige Seben vor« gubereiten, in bem ber ©eiß unb bie Sugenb unfterblid) ftnb. Er wedt bie Siebe für bie Sebenben, bte liebenb ibn umgeben, unb bie feiner gürforge anvertraut ßnb; unb biefe Siebe fegnet feiner Vänbe Strbeit unb erfrifdjt unb belebt fein franfeS Verg. Dort forbert itjn bie SBoblttjätigfett gu Vanbtungen auf, bie feine niederge- beugte ©eete Uhtn, unb ibr ein gelb reidjer Ernten unb reiner greuben eröffnen. Bertrauen unb Voffnung treten gu bem ftiüen Dulber wieber Ijeran; fie weden ben ©tauben wieber in feiner Bruft, unb fönnen fte audj nidjt alle feine Sljränen troef- neu, fo ertjeben ße it)n bodj gu jener Vöbe, beren ©ipfet bie Bergwetflung nidjt er- reicht. 3n ben Sbränen fpiegett ^id) ber Vimmet in feiner reinßen SBabrbeit unb Klar- tjeit ah. Ein tbränenvotles Sluge fuetjt unb ßnbet ©ott am trieb, teften; bavon geugt bas ©eber, bas am Sobtenbette unb in ©tunben ber Prüfungen uns fo leidjt von ben Sippen fließt. Unb bodj iß bieS nur ein fdjwadjer Beweis für bie ewige unb affgemeine SBabrbeit, baß bie Neligion immer bann in uns lebenbig wirb, wenn un- fere Sßünfdje unb Voffnungen unerfüllt bleiben. Der Kummer iß bie beße ©djute. Unfere Natur fdjredt vor fetner ©trenge ju- rüd, unb bodj ßärft unb fräftigt er biefelbe. Er ift eine Nutbe ber ßüdjtigung; aber itjre ©erläge beilen uns von vielen Uebetn. Er iß ein bitterer SeibenSfeldj; aber fein SBermuttj iß eine beilfame Slrgnel. Er iß eine fdjmeralldje Dornenfrone, bte aber auf ber ©tirne beffen, ber ße getragen, aum ewigen Sldjtfranae wirb. 6t iß ein Kreua, an bem unfer ©riß jammernb ftöbnt; aber jeber Eatvaro (©djäbel- ßätte) tjat audj feinen Celberg. Neben jebem Vügel ber Kreuaigung ßetjt aud) ein Kummer. 69 Vügel ber Sluferßetjnng. Der ©djteler, ber bas Sidjt ber ©onne verbunfelh, iß bjnweggegogen, unb bie Vimmef, mit ibren ewigen SBonnen, erfdjließen fidj wieber ber ©eeie, bie ber Bergweißung natje war. ©elbß ber Kummer, ber fdjulbbelaben iß, bat nodj etwas VeÜigenbeS unb Srbanenbes. ©teile einen fdjtedjten Menden an baö ©terbebett, ober an baö ©rab eineö feiner Sieben, unb feine Sbränen unb feine Srauer verföfjneu unö mit ibm; benn wir feben, baß Saßer nnb ©ünbe ben ©otteöfnnfen in feiner Menfdjenbruß nidjt gang erftiden tonnten. Die ctjrifttictje Neligion felbß iß eine Netigion beö ©djmergeö. ©ie würbe in Selben geboren, in Seiben geprüft, in Seiben gur Bofffommenbett gefübrt. 31)* ©rünber war ein Dutber, ber ©djmerg unb Kummer gar Wob,t fannte. Er trat gang allein bie Kelter beS SeibenS, bis jeber Sropfen ber bitterften £)ual ibr ent- floffen war. Slttrin, in ber ßnßern unb ßürmifdjen Mitternadjt bitterer Bertaffen- l)tit, fubr er auf ben SBogen ber Slngß unb Betrübniß batjin. Sin ©emütb, fo voll von Slbel unb Siebe, wie baS feine; eine ©eeie, wie bie feine, bie Unredjt unb ©ünbe fo tief verabfdjeute unb bodj ber SBibermadjt ber beiben unterliegen mußte; ein Verg, wie bas feine, weldjes baö fleinße Seiben mitfüblte, unb bodj bie Menfdjtjeit, mit allen ibren Bebürfniffen, nmfaffen foffte — wabrlidj für einen foldjen ©riß nnb ein fotdjeö Vera muß bie Saß gentnerfdjwer gewefen fein, bie er au tragen tjatte, Nictjt einmal nur, oft unb wieber oft faben wir ben falten Slngftfdjweiß von feiner tjoben ©lim triefen, nnb oft unb wieber oft boren wir ibn feufgenb ausrufen: „Sldj meine ©eeie iß betrübt, ja tief bis in ben Sob betrübt!" Stber ein folget ©djmerg iß voll von Begeißerung. Es iß bie Saufe, burdj bie jeber benfenbe Menfd) vom Srbenleben gum böberen unb befferen Seben ßdj vorbereitet, ©eitbem 3efuS über 3erufalem geweint, h,ahtn feine beften nnb treueßen 3ünger ibre Mifßon in Setben begonnen. SBir muffen über Kummer nidjt ftagen; er iß ber $aß gum Eintritt in \tnti Vans, in bem alle Sljränen für immer getrodnet werben. Sobt er nodj fo mädjtig, fo entfattet er unfere ©ottesäbntidjfeit; umnadjtet er unfere ©eeie nodj fo ßnßer, iß er bennod) nictjt obne Sieb, t nnb greube; unb obwobt bte djrlßlidje Netigion eine Netigion ber Seiben nnb Prüfungen iß, fo iß ße in gleidjem Maße audj tint Nett* gion ber Voffnung; ße erntebrtgt, um gu erbeben; unb rotnn fte uns ben SeibenS- feldj bietet, fo t^ut ße eS nur, um unö für jenen Sobn vorgubereiten, ben fein Sluge gefeben, fein Dljr gebort, nnb ben fein ßerbttdjer ©eiß gu begreifen vermag. Mögen unfere ^>o^nuna,tn fdjon in ber Blütbe verwetten, mögen alle unfere Erwartungen uns täufdjen, fo wiffen Wir bennod), baß ©ott, unfer bimmttfdjet Bater, alle irbifdjen Seiben in ©egen verwanbetn fann, baß ße baö ewige Veit ber Seele förbern, unb uns ben ßdjern $fab gu ben SBotjnnngen tjtmmtifdjer greuben unb ©eligfeiten geigen. Ein niebergefdjlageneS ©emütb untergräbt bie ©efunbtjeit; Veiterfeit unb grofj» fmn bagegen verlängern bas Seben. Unglüdsfäffe begleiten bas irbifdje Dafein, wie bie planeren um bie ©onnen freifen; barum iß es unfere beitige $fftdjt gegen ©ott, in ßlller- Unterwürßgfeit nnb Ergebung in feinen SBiffen, ße gu tragen. Beränberungen, unfetjutbige Bergnügungen, Netfen, frolje ©efefffdjaft n. bgl. beben ben niebergefdtjtagenen ©eiß nnb gerßrenen bie bunfeln SBolfen, bie im Unglüde ^td) über bemfelben gnfammengegogen. Beranberung ber ©ebanfenridj* tung ift bem ©eiße fo notbwenbig unb fo gefunb, wie Beranberung ber ©teffnng 70 ©unn's VauS-Slrgt. unferem Körper. Bleibt ber ©eiß lange auf Irgenb einen ©egenßanb, befonbtr« auf einen unangenebmen, geridjtet, fo wirft bieS nadjtbeilig auf ben gangen Körper. SBie viele taufenbe von Konßitutionen ßnb burdj gamtlienunglüd ober anberen Kummer untergraben worben! gragt ibr nadj einem Veilmlttel? Es Ifl Neligion; an itjrer Quelle fönnen alle Seiben weggewafdjen werben: aus itjrem Borne fann ein 3eber baS SBaffer beS Veits fctjöpfen, bavon trinfen nnb leben. SBir tjaben nur für eine fetjr furge Qtit unfere Seiben gebulbig au ertragen. SBir ßnb bie Erben ewiger ©torie; warum wiffß bn benn vergweifelnb bein Sluge fenfen nnb beinen Blid von jenem glänaenben Erbe abmenben, bas bir bie tjimmlifdje ©nabe bietet? Kommt au mir von alten Snben ber Erbe, unb feib gerettet obne aües Söfegelb, Darum flage nidjt; benn SlffeS wenbet ßdj nodj aum ©uten. ©tf etftidM« Die Siferfudjt, jener Srafeinb bes menfdjtidjen ©lüdes, ber Saufenbe von.gami» fien aerßört unb bie Sitmofpbäre beS tjäuslidjen griebenS vergiftet, bauß in ben SBobnungen ber Neidjen, wie ber Slrmen, ber Voben; wie ber Niebrigen. ©ie öer* fctjont nictjt ben Bauern in feiner Vütte, nidjt ben König auf feinem Sbrone. «Sie entfärbt bas SBangenrotb ber 3ugenb, verbittert bie greube ber treuen ©attin unb untergräbt ben grieben bes Vertrauenben nnb tlebenben Mannes. Berratb, Jobt- fctjtag uub ©elbßmorb ßnb bie ©efätjrten biefeS Ungebeuers, bas ber Urheber aM ©treiteö, bie ©eeie ber Slnardjte, ber Kern alles $artetfampfes, ber güfjrer alle« SlufrubrS, ber Vemmfdjub alles ©uten, ber geinb aller Neligion, ber Bater aller Kriege iß-; eS beijt Nationen gegen Nationen unb ftürgt fie in ben Slbgrunb enblofen Berberbens. Bon allen Seibenfdjaften forbert bie Siferfudjt bie fdjte-erjten Seißungen unb vergilt ße mit bem bitterften Sobne. Darum, lieber Sefer, xotnn bn irbifdjes ©lud nidjt verfdjergen unb betnen ©ee- lenfrieben bir wabren wiffß, verbanne biefen Völlengeift aus belnem ©emüttje, Ijege unb pflege itjn nictjt in bir; benn menfdjlid)es Stenb ift feine greube, unb fpotttno untergräbt er bas ©lud jeber gamtlie. Slls id) meinem ärgtfictjen Berufe in Blrgtnien lebte, würbe leb, einß beö NadjW gewedt, um bie grau eines Mannes au befudjen, ber aebn Meilen weit im Sanbe, in einer wilben unb oben ©egenb, wobnte. Vinter ben Bäumen bemerfte id) bi« Nuinen eines SanbbaufeS, in bas idj eintrat. 3U meinem größten Erßauuen fanb tdj baffelbe bewobnt; id) war aber nnglüdtidjerweife au fpät gefommen — benn bie grau war tobt. 3d) fanb ße anSgeftredt auf einem ärmttdjen Bette, an beffen ©eite awei weinenbe Kinber ßanben; ibr eiferfüdjttger ©alte batte ße in einem Slnfaffe von SButtj erfdjlagen. ©ie war eine jener berrlidjen ©eßalten, beren ©djönbeit felbß bes SobeS gefübffofe Vanb nidjt anautaßen wagt. (Sie tjatte eint feine Stblernafe, bie idj nie vergeffen werbe. 3dj verließ ben trauervollen Crt mit ben ©efübten bed ttefßen Mitleibs für bie ungtüdlidje gamitie unb verfpürte in mir eine fdjwermütbige Neugierbe, bie Urfadje au erfabren, welche ben Mann ?u biefer feb, redlichen Bluttat verleitet batte. 3dj erfubr bann, baß ber eiferfüctjtige ©atte, N . . . ., im Koffer feines SBeibeS bas Btlb eines jungen Mannes entbeeft Ijatte, ber, lange vor itjrer Berbeiratbung, in ber fleinen ©tabt, in welker fl( greube. 71 gewobnt, Üjr ben Vof gemalt batte. ©obalb ber ©alte biefeS Bitb gefunben, fübrte er ße tjtnweg In biefeS einfame unb veröbete SanbbauS, in weldjem ße brei 3abre wotjnte. Er fpradj nidjt ein SBort; allein fobalb ße ibn um bie Urfadje feines rättjfelbaften ©djweigens fragte, geigte er ibr baS Miniaturbilb, bas er ßets bei ßctj batte. ©o vergingen brei 34«, bis ße enblidj von einem ©djtage ßarb, ben ibr ber Elenbe verfemte. 3brer Mutter Verg brad), unb audj ße ftarb, fobatb ße von bem traurigen Enbe üjrer Sodjter tjörte. Der ©atte fudjte bann ben jungen Mann felbft gu erfdjießen; allein bie Kugel feblte; er entflob nadj New-SJorf, ver- ließ bas Sanb mit einem ©egetfdjiffe, unb feitbem iß er verfdjoffen. SS iß ein fdjredlidjes Erwactjen—unb wie bitter, wiffen nur 3ene, bie feine Qualen fennen — wenn wir aus bem fußen Bertrauen auf ein geliebtes SBefen gewedt werben unb uns fagen: ber fdjöne Sraum iß auf immer babin. Die fdjönen Bilber unferer 3ugenb entfdjwinben unferem Btide; ber Vöüengeiß ber Siferfudjt nißet ßdj immer tiefer in unfern Bufen ein unb untergräbt bie lejjte SBurgel unferes BertrauenS ! ^ r e u b e* Shtgenetjme Srelgniffe ßnb bie Mutter ber greube, bie bie Sbätigfeit unferes Organismus bebt unb belebt. Unter itjrem wobtttjätigen Einfluffe fließt bas Blut fdjneffer, unfer Körper redt unb ßredt fidj, bas Slntltij ßraljlt beiterer, nnb bie roftge grifdje unb SBärme ber ©efunbtjeit blübt auf unferen SBangen. Der gange Körper fübtt munter unb leidjt, unb bie Musfein bewegen ßctj mit ungewohnter Beben- bigfeit; jebe förperlidje Berridjhtng fdjeint burd) biefen glüdtidjen, moraltfdjen 3ußanb gefjoben gu fein. Die gewöbnlidjen Slusbrüde wie: „bas Verg iß leidjt," ober tadjt vor greube," „von ©tolg aufgebtafen," „von Sitelfeit aufgebläbt," „fdjwanger mit Voffnungen," ßnb barum nidjt bloS bübltdj gu nebmen; benn ba« Verg fdjfägt wirflidj teidjter, unb ber Körper fdjeint, in foldjer ©timmung beS ©eißeS, ßdj in*SBabrbeit auSaubeljnen unb an erweitern. Nidjts beförbert bie gefunbe Sbätigfeit unferes Organismus metjr, als eine gleichmäßige Bertbettung beS Blutes an alle Sbeile beffelben, unb befonberS ben freien Umlauf biefer glüfßgfeit in ben äußerften ©efäßen an ber Dberflädje. Eint rötbtidje, volle unb flare §aut, iß ein untrügltctjeS 3eidjen von ©efunbtjeit. Siuf bas Nervenföftem übt bie greube einen wotjttbätigen Einfluß. Slffein es ift unnü0, länger bti bem Einfluß au verweilen, ben ein frober ©eiß auf bie förperlidjen Berridjtungen ausübt, benn 3eber fennt itjn. Siebe, Voffnung nnb greube beför- bem bie SluSbünßung, beben ben $ulö, befcbleunigen ben freien Umtauf ber ©äfte, ßärfen ben Slppetit unb erteidjtern bie Veitung von Kranftjeiten. ©o tok aber jebe au beftige ©emütbserregung, welken Ebarafter ße aucb t)aht, ber ©efunbtjeit nadjtbeiftg iß nnb oft fogar bas Seben gefäbrbet, fo fann audj bas ©lud, totnn wir bie greube barüber nidjt an mäßigen wiffen, uns überwältigen unb erbrüden. SBenn bie angenebmen ©efübfe ibr Maß überßeigen, fo fdjtagen ße in fdjmerglicbe um-} mit anberu SBorten, bas äußerße Enbe bes BergnügenS ifl ber ©djmerg. greube unb Mummtx ßnben oft benfelben Sluöbrud in Sbränen unb ©eufgern. Unmäßige unb unerwartete greube Überreigen bas Nervenfvßem, madjtn ben 72 ©unn's VauS*Slrgt. Umlauf beS Blutes gu beftig, verurfadjen einen fdjmerjlidjen Drud beS Vergen« unb ber Sungen, ber, wie im Kummer, von ©eufgern, Sledjgen unb ©töbnen begleitet iß. Unter biefem Einßuffe erblaßt baS ©eßdjt, ergittern bte ©lieber, bit Beine fönnen ben Körper nidjt länger ßü&en unb tragen, unb In ungewötjnltdjen gälten folgen bann Dbnmacb. ten, Krämpfe, bvßerifdje 3ußänbe, geitweiligcr ©tarr- frampf, ober 3errüttung bes ©eißeS unb SBabnftnn, unb manchmal fogar ber Sob. 3ß 3emanb von jarter unb empßnblidjer Körperbefctjaffentjeit, ober leibet et an einer Vcrgfranfbeit, fo ßnb bie gotgen einer plöfjlidjen unb ungemäßigten greube von ben größten ©efatjren begleitet. Meine vieljäbrige ärjttictje Erfahrung bat midj überaeugt, baß plöjjttdje, unerwartete greube für bie ©efunbtjeit nadjtbeiliget iß, alö unerwartetes Unglüd, unb baß plötjlidjer Kummer weniger Dpfer forbert, als plöj3ltdje greube. Diagoras, ber Slttjlet von NbobuS, beffen Berbtenße $inbar in einer berrlidjen Dbe beftngt, bie in golbenen Budjßaben in einem Sempet ber Minerva eingegraben würbe, ßarb vor greube, als er feine brei ©ötjne, gefrönt als ©ieger, von ben olvmpifdjen ©pielen aurüdfommen fatj. Dionvßuö, ber aweite Svrann biefeS Namens, ßarb vor greube, als er borte, baß ein Srauerfpiel, bas er gebidjtet, ben poetifdjen 9>reiS bavongetragen tjabe. Unb Baterluö Marimus fdjreibt ben Sob bes ©opboffes einer gteidjen Urfadje au. Sbito, ein $bilofopb aus ©parta, ber au ben fieben SBeifen ©riedjentanbs gegäbft würbe, fatj gu, alö fein on biefem unerwarteten ©lütfS- wedjfel, verfiel in ben ©tarrframpf unb ftarb. — Der berübmte gouquet ftarb al« man ibm fagte, baß Subwig XIV. üjm feine greibeit wieber gefdjenft h)aht. — Die Nidjte bes tjodjgefeierten Seibnitj, bie nidjt baran badjte, baß ein ^bilofopb ©#«*« \amm\t, ßarb oVö^lid), als ße eine Kiße öffnete, bie unter ibres Dnfels Bette ßanb unb fedjgigtaufenb Dufaten entbleit. Ein ©eiftlidjer, ber ein fetjr fpärlidjeS Einfommen batte, erbiett bie unerwartete ( Botfdjaft, baß ibm eine jäbrtiti> Nente von breitaufenb $funb ©terting aU Erbe angefallen fei. 3n freubiger Slufregung eilte er nacfj Vaufe, ben ©einigen bie frotj« Kunbe mttgutbeilen, unb ftürgte an ber Sbürföweffe, vom ©ctjlage getroffen, nieber. SBenn greube unb Kummer unerwartet unb rafdj aufeinanber folgen bann ift bil Sebensgefabr nodb, größer. Die beiben ©öbne von gwei römifdjen Matronen waren in ber bluttgen ©djladjt, bte gwifdjen Vannibal unb ben Nömern am Sbrafvmeni- Berfötj nlidjfeit. 73 fdjen ©ee gefdjtagen, unb in ber bas römifctje Veer in ©tüde genauen würbe. Die Mütter beweinten bie tobtgegtaubten ©öbne, als beibe unerwartet in bas eltertidje Vaus traten. Der Uebergang von ber tiefften Srauer au ber witbeßen greube war fo beftig, baß ße augenblidlidj tobt aufammenßüraten. ©o ereignete es ßdj audj oft, baß Berbredjer, bie nodj auf bem ©djaffotte begna- bigt würben, ßarben, fobalb man Üjnen ben Slft ber Begnabtgung mtttbeitte. Dies fütjrt uns au bem ©djluffe, baß eine ßarfe ©emütbsbewegung fetten burd) bie pfö0- licrjc Erregung ber Üjr entgegengefetiten gebeilt wirb. Es gilt vietmebr als eine affgemeine Negel, baß beftige ©emütbserfdjütterungen nur fangfam unb ftufenweife beruhigt werben fofften. ©ctjneffe unb ertreme ©emütbsveränberungen ftnb, wie alle Ertreme, ben @efe£en beS Organismus auwiber unb baber für bas Seben tjöcfjft gefätjrlicl). Diefe SBabrbeit fütjrt uns au ber bebeutungsvoffen Sebre, baß wir felbß, um un- fere ©efunbbeit au förbern, bie reinen, garten unb befferen Slnlagen unferer Natur voraüglidj begen unb pßegen fofften. 3n ibren natürtidjen ©rengen gewabren fte uns eine angenebme unb beilfame Stufregung ; fobalb fte biefelben aber übertreten, ßnb fte von ernßen nnb oft von fetjr unglüdlidjen gotgen begleitet. 3dj braudje faum gu bemerfen, baß man «perfonen, bie Von garter Natur ftnb ober an Kranftjei- ten leiben, bie idj nidjt nennen mag, ober bereu ©efunbbeit burdj Nerventeiben ge- fdjwädjt Iß, — baß man fotdjen «Perfonen, fage idj, freubige Nadjrictjten nur mit ber größten Borßctjt mittbeilen bürfe. Die menfdjtidje Konftitution foffte gegen alle befugen Slufregungen gefdjü^t werben, gleichviel, ob biefe fdjmerglidjer ober angeneb- mer Natur ftnb. Eine beftänbige, boffnungövotle Veiterfeit, ober ber grotjßnn, ber einem reinen ©ewiffen entfpringt, ftnb bte ©emütbögußänbe, bie ber ©efunbtjeit am meißen aufagen. 3e älter wir werben, beßo fdjwädjer werben bie Steige für Bergnügungen, beßo metjr mäßigen ßdj bie Seibenfdjaften. Dodj iß bieö nidjt fo gu verßeben, alö wäre baö Stlter affer greuben beraubt; benn jebeS Sebensatter bat feine ibm eigenen greuben. SS fdjwinben nur jene raufdjenben Bergnügungen, bie ber 3ugenb an- geboren ; an ibre ©teile tritt aber eine geißige Nube, mit wetdjer ber frütje SebenS* morgen feiten gefegnet iß. Die ©türme ber jugenbtidjen Setbenfdjaften legen ßdj im Stlter, nnb wenn wit bas Seben In förperlidjer unb geißtger ©efunbbeit genoffen tjaben, bann leben wit gufrteben in unferen alten Sagen, ber ewigen greuben Ijarrenb, bie ben ©laubigen unb grommen erwarten: „Kommt unb genießet, itjr ©efegneten meines BaterS unb ruljet ans in ben greuben ©einer Siebe." 25crföl)itlid)fcit. Das menfdjtidje Sluge, bas ftd) in ßiffer Slnbetnng vor ben beiligen Sigenfdjafteu ber ©ottbett fenft, bewun'Dert feine mebr, als bie göttlidje Barmtjergigfeit unb ©nabe. Die Berbeißungen ber ©nabe ßnb es, bie fo viele irregegangene ©ünber gum Sbrone ©ottes gurüdfüljren unb in ber reuigen Bruß eine Siebe erweden, bie in ibrer Siefe alle mettfdjlidjen Neigungen weit übertrifft. Diefe Berbeißungen bit- ben ben djarafterlßifdjen Unterfdjieb gwlfdjen unferer Netigion unb anberen ©lau- 74 ©unnS Vaus=Slrgt. bensbefenntniffen. Sie laben ben moralifcb, SluSfäfcigen, ber mit ben Beuten ber ©ünbe bebaftet iß, ein, an bem Vergen 3efu auögurutjen unb burcb feine tjiminlifdje Berütjnmg gebeilt gu werben, ©ie ruft bie Berlrrten gu itjrer glüdlidjen Veerbe gurüd unb bringt ße, reidj an bimmlifdjem ©egen, gu üjrem barmtjergigen Vitien. Mit einem SBorte, biefe Berbelßungen ber göttltcben ©nabe öffnen bie Sbore bed VimmelS für ben Böfewidjt, ben ©otteöläßerer, ben ©ünber unb forbern ibn auf, eingutreten. ©o tief bie ©ünbe ßdj audj eingenißet \)abt, bort iß Veit unb Vülfe; ja, je fdjwärger bie ©ebulb, beßo beller ßrabtt bie Std)teSfrone ©otteS, bie mit gnä> biger Bergebung audj bkfe ©ünbe wegguwafdjen vermag. Er, ber Slügnäbige, bonnert feine Bannbullen, befdjämt ben ©ünber nictjt mit Borwürfen, bridjt nictjt in 3orn unb SButtj gegen ibn tos unb mißt ibm nictjt gu nadj bem Maße feiner fdjledjten Sbaten. Er fprtdjt: „3dj tjabe meinen geliebten ©obn für eudj Eingege- ben, glaubt an itjn unb lebt." ©eine Bergebung fennt feine ©rengen, ©eine ©nabe iß unerfdjöpßtdj. Mögen wir nodj fo oft fünbigen, Er ift bereit, uns gu vergeiben. Der Menfdj mag baS Mitleib aus feiner Bruß verbannen, ©ott unb ©nabe aber ftnb ungertrennlidj. Slffein Berföbnlidjfett foff nidjt von ©ott allein geübt werben; bie göttlidje Sebre, wie bas göttlidje Beifpiel, madjen ße audj uns Menfdjen gur $fltdjt. Es iß wab,r, bas alte mofaifdje ©efelj fagt: „Sluge für Sluge, ßafyn für 3ötjn;// aber bas neue Seßament fütjrt ein milbereS ©efe^ ein unb tetjrt t „Siebet eure geinbe; fegne bie, welctje bir fludjen unb tbue benen ©uteS, bie bidj tjaffen." Es gibt feine Sugenb im menfdjltdjen Vergen, bie baS Seben unb ben Sbaraftet bes Menfdjen beffer tjervortjebt, audj ift bem Ebrißen nidjts ßrenger auf bie ©eeie gebnnben, als bie Berföbnlidjfeit. Diefe SBabrbeit tebrt bidj baS Beifpiel 3efu, ber, ben KreugeStob erleibenb, in feiner ©eelenangß nodj ruft unb betet: „Bater, vergib üjnen, benn ße wiffen nidjt, was fte tbun." SBeldj' berrlidjeS SBort ift biefeS furge ©ebet! Unb foffte nun ber Menfdj, bet ben Engeln nur wenig nadjftetjt, nidjt bas Beifpiel beöjenigen nadjabmen, ber frei von alter ©ünbe war — foffte er bas Sbenbtlb ©ottes In feinem Benebmen gegen feinen Mitmenfdjen entwürbigen? SBir felbft ftnb \a fo teidjt geneigt, vom SBege beS Nedjts unb ber $flidjt abgufdjweifen, baß wir gern bie gebier unb Srrtljünter berjenigen vergeben fofften, bte in einem unbewadjten Slugenblide uns Unredjt ge* ttjan tjaben; unb fönnen wir nidjt vergeben, fo werben Vaß unb Nadje über un3 triumptjtren,unb bie ©ünbe wirb mit unbefctjränfter Madjt uns beberrfdjen. Slffein wenn wir anbererfeits benen vergeben, bie ßdj an uns verfünbigt, getjor- djen wir bem ©ebote Sbrifti, tragen gu bem Veite berjenigen bei, bie uns wetje ge* tban, unb wir beförbern baburdj unfer eigenes ©lud. SBir würben weniger von bem böfen ©eiße ber SBiebervergettung feben, ber je£t in unferer Mitte t)au% unb, Wie bie $eß, gerftörenb unb verwüßenb eintjergetjt. SBenn Bertäumbung mit ibren ©iftpfeiten gleit, um unfere Voffnungen gu ver- nichten unb unfere 3ufunft gu gerftören, fo fofften wir bebenfen, baß „irren menfdj- 11$ iß," unb gern bem Bertäumber vergeben. Sragen wir Ibm nadj, fo bänfen mit nur unfere ©djulb gu ber feinigen. Dod) feiig ift es gu vergeben, „Slnberen gu tbun, wie wir wünfdjen, baß man uns tbue," unb bie Vergen ber Menfctyenftnbet mit greube, anftatt mit Kummer gu erfüllen. SBoffen wir gu ben 3ierben bet menfcblictjen ©efetlfcfyaft geboren, wollen wir bie Siebe aller ©uten unb Sugenbfjaf' Berföbnlidjfeit. 75 ten verbleuen, fo laßt uns verföbnlid) fein, unb ©lud unb ©eetenrube werben uns reidjlidj bafür lohnen. ®eb/ bm unb forfdje in ben Büßern menfdjtidjet SBeiSbeit — lies bie SBerfe beS EonfuciuS, prüfe bie Sebren ©eneca'S unb bie ©djriften beS ©ofrateS, — fammele SlffeS, was bte alten unb mobernen Moraliften (©ittentetjrer) SluSgegeidjneteS er- baut, unb geige mir einen ©afe, ber fo groß unb tjerrlidj wäre, wie bas ©ebet 3efu: „Bater, vergib ibnen." Befcblmpft unb gefdjolten, inmitten ber gröbften Miß- b^anbtungen, eine Dornenfrone auf bem Vaupte unb fortgefcijieppt gum Nidjtpla^e, entfdjlüpft fein verberbenbringenber glu$ feinen Sippen; fanft nnb gärtlict^, wie eine Mutter für ibren ©äugltng fletjt, fteigt gum Vimmel bas ©ebet für feine geinbe: „Bater, vergib ibnen." D, bieS SBort geugte von feiner Verfunft, bewies, baß er feine ©enbung vom Vintmel erbalten batte. Befannte, babt ibr eudj je entgweit ? greunbe, tjabt ibr je geßritten ? SBenn Er, ber rein unb vofffommen war, feinen bitterßen geinben vergeben fonnte, wollt i b r gürnen unb nadjtragen ? Brüber, ber Befebl iß unbebingt: ibr follt vergeben unb nidjt nur ßebenmal, fonbern ftebenmal ßebengigmat. ©atten unb ©attinnen, ibr tjabt fein Necbt gu erwarten, baß itjr gegenfeitig voff- fommen feib. 3rren iß menfdjlidj. Kranfbeit madjt eudj oft launig, unb bie Snt- täufdjungen bes SebenS reigen bas fanfteße ©emütb. pfleget forgfättig Nadjgie- bigfeit unb 3uvorfommenbeit. $flanget nidjt, fonbern entwurgelt auf bem $fabe eures ©efäbrten alles Dornengeßräudj. Der radjfüdjtige Menfdj lebt fortwätjrenb in einer ßürmifdjen Slufregung; er wirb fein eigener Quälgetß, unb feine ©djulb wirb Üjm anr ©träfe. Die Seiben- fdjaften, bie üjn treiben, Nadje an feinen geinben auSauüben, ßören bie Nutje feines eigenen VeraenS unb untergraben ben grieben feiner eigenen ©eeie. Db er au Vaufe ober außer bemfelben weilt, ob er affein ober in ©efefffdjaft Ift, gleidjviel, ße fudjen ibn auf unb befdjäftigen feine ©ebanfen. Die Borfebung bat es mit tiefer SBeiS- beit fo eingeridjtet, baß berjenige, ber bas ©lud feines Mitmenfdjen au aerftören fuctjt, audj fein eigenes aerftören muß. Die ©ebanfen feiner Nadje beseitigen ibn wäbrenb er widjtigen ©efdjäften obliegt, verbittern üjm feine ©enüffe nnb vertjin- bem ibn, ßdj ber ©üter au erfreuen, mit benen er gefegnet iß. SBie er fo immer ßnnt unb tradjtet, wie er feine BoSbett ausführen fann, beute fein 3iel erreidjt unb morgen alle feine $täne burdjfreuat ßebt, lebt er tjier auf Erben baö Seben eines Seufets, ber alle dualen ber Völle in feiner eigenen Bruß umberträgt. Der gute Menfdj bagegen, ber feinen Mitbrübern woblwiff, ber Niemanbem Berantaffung gibt, ßdj mit ibm an verfeinben unb immer bereit iß, allen feinen ©egnern au ver- geben, bat eine ewigfrlfdje greubenqueüe in feinem Vergen; mag es ba braußen in ber SBelt nodj fo beftig ftürmen — in feinem 3nnern berrfdjen griebe unb greube. Er fdjeut ßd) nidjt, mit ßdj felbß gur Nedjenfdjaft gu geben, fonbern tbut es willig unb gern; ba bie Kenntniß feiner felbß ibn ermutbigt unb ermuntert, getroß auf bem erwätjlten $fabe fortguwanbeln. Die Seibenfdjaften, bie er in feinem Vergen ßnbet, beberrfdjen ibn nidjt, fonbern ftnb feine Diener; er fennt bie ©efabr, ibnen gu getjordjen unb bie Unmögtidjfeit, ße auSgurolten; unb wäbrenb er ibren Einfluß gäbmt unb bänbigt, madjt er fte gu SBerfgeugen feines ©lüdeS nnb fetner Suft. 3ufrteben mit ßdj fetbß, Iß er verträgtid) mit Slnberen ; er iß ein Menfdjenfreunb, ber felbft mit benen, bie ibn baffen, ftcb; nidjt verfeinbet; fteigt ein Nadjegebanfe in 7G ©unn's Vanö-Slrgt. feinem ©emütbe auf, fo nnterbrüdt er ibn, nnb fei es nur um feines eigenen Beßen Witten; biefe feine «Pßidjt wirb üjm gum füßeßen Bergnügen, unb begleitet von bie- fen ©efüljlen bis gur ©terbeßunbe, aljmet er baS SBoljtwotlen ber ©ottljeit nadj, unb erntet bafüv, foweit wir fte erreidjen fönnen, bte ©eligfeit ber ©ottljeit felbß. Berbanne jeben radjfüdjttgen, böswilligen ©ebanfen. Der ©eiß ber Nadje iß ber ©eiß beS SeufelS; burdj ibn werben wir bem Verrn ber Völle ätjnltdj, burcb, Ibn jener Siebe entfrembet, bie baS Etjrißentbum nätjren nnb förbern will. Sßlrb bein Nadjeburß nidjt geßillt, fo verfpürß bu beffen Qualen in biefem Seben ; wirb er ge- ßifft, fo erwarten bidj nodj größere in bem gnfünftigen. Der größte Quälgeiß iß ein unvernünftiger, radjebürftiger Menfdj. Du, beffen ©eeie getränft mit bem ©ifte ber BoStjett ßets auf Nadje ßnnt, getje btnaus in bie glur, bie, im grünen ©ewanbe, mit ben fdjönßen Blumen gefdjmüdt iß — adj für bein Sluge gibt es feine ©djöntjeit, für bidj attjmen bie Blumen itjre SBotjlgerüdje nidjt aus. SBie beine ©eete, fo iß bie Natur für bid) in Srauer unb Slfdje gefletbet. Daö Sädjeln ber ©dj«nbtit unb beö grob, ßnnö erweitert bein Vetg nidjt; bie gurien ber Völle rafen bort unb madjen bidj fo unglüdlidj, als bu ben ©egenßanb beineS VaffeS gu fetjen wünfdjeß. Dodj lege beine Vanb auf bein glütjenbeS Verg unb fprldj: „Nactjegetß fort von mir; Bater im Vimmel, vergib mir, wie idj Stnberen vergebe," nnb bie Natur nimmt für bidj ein neues Sluöfetjen an. Die SBiefen grünen wieber, bie Blumen blütjen wleber, aus bem Vatne grüßt bidj bie füßeße Mufif, unb baö Sädjeln ber Sugenb verflärt beine ©eete. Du freuß bidj beö ©lüdeS wieber, ben Setjren ber Neligion gu gebordjen unb bas Beifpiel besjenigen nadjguafjmen, ber feine ©enbung auf Er- ben mit bem fdjönen ©ebete befdjloß : „Bater, vergib Üjnen, benn ße wiffen nidjt, was ße ttjun." SBie ertjebenb iß es, gugufetjen, wie ©ott bie SBirfung feines großen moralifdjen ©efe^eS: „Siebe beinen Nädjßen, wie bidj fetbß," fo retctjlidj fegnet; nnb Wir wür- ben bieö nodj weit öfter fetjen, wenn unfere Bilde In bie verfdjlungenen SBege beö Sebenö bringen würben, um unö gu übergeugen, baß Weber ©elbftfudjt, nodj Neidj- ttjum unb Name baö Verg gum Vergen binbet. greunbfdjaft vermag meljr, alö ße alle gufammen. greunbfdjaft, ©efätligfeit nnb Berfötjnttdjfeit entwinben bem Netdjttjum feine ungebütjrtidje Madjt, neljmen bem Seibenöfetdje feine Bitterfeit unb öffnen bie reidjßen Quellen ber greube fetbß in armen, vertaffenen Vütten. SBir. fetjen nidjt immer bie gotbenen Ninge, bie tjte unb ba in ber Kette beö menfctj- lldjen SebenS glängen; aber ße ßnb ba, unb glüdlid) iß berjenige, ber II)ren fanften aber unwiberßetjltdjen Einfluß verfpürt. J)er ©ctj* Das Bergnügen bes ©elgtjatfes beftetjt im Slnfammeln von ©djäfcen; er liebäugelt gern mit ibnen unb freut ßdj, ße gu gäblen unb wieber gu gälten; er freut ßdj bet Madjt, bie fte üjm gewähren unb bes BewnßtfeinS, im Beߣe berfelben gu fein, ob- wohl er ße nidjt gum ©enuffe von Suß unb greuben verwenbet; er fütjlt gufrieben in bem Borgefütjle, fpäter mit benfelben ftd) ein angenehmes Seben gu bereiten; benn audj ber eingeßeifdjte ©eigbals benft, baß er einmal, wenn er genug tjaben wirb. Der ©eig. 77 feinen NeidjUjum genießen unb nu&en unb feine Bebürfniffe beliebigen wolle, unb baß alle Sßünfdje feines VergenS in Erfüllung geben werben, greitid) bridjt füt üjn biefe gotbene 3eü nie an. Das Seiben, bas ber ©eig mit ßdj fütjrt, ift baS ewige Bangen für feine ©djä£e, unb ber Slip ber Slngß, ber üjn in bem ©ebanfen brüdt, was aus üjm werben foll, wenn er biefelben je verlieren foffte. gurdjt, Slrgwo^n, Slngß unb Bangen wiegen barum mefyr als notb^wenbig bie greube auf, bie Üjm bas Bewußtfein feines Neidj- rijums gewährt. Dagu fommt baS Mißbehagen, bas ibm bie fleinße SluSgabe, fetbß für bie notljwenblgßen Bebürfniffe beS Sebens, verurfadjt; bagu bas Slenb, bas Üjn foltert, wenn er felbß oon bem flelnßen Stjeile feines 3botö ftct) trennen muß. — Eö gibt Seibenfctjaften, bie weit fdjtedjter ßnb, unb beren gotgen für baö 3nbivi- buum, wie für bie ©efefffdjaft, weit gefäbrtidjer ftnb; aber wenige ftnb veradjtungS- würbiger unb entetjrenber, als ber ©eig, ber jebeS eble unb abelnbe ©efütjt In bei Menfdjenbruß ertöbtet. Nidjts SbleS, nidjts ©roßeS fann ber fdjmu^ige ©flave biefer etenben ©ier erfaffen. Die Vabfudjt erfaltet ben ©riß, tobtet jebeö tjodjtjer- gige ©efüfj 1, trennt alle Banbe ber ©efefffdjaft, entfernt greunbe unb Berwanbte, unb madjt baö Verg fo gefühllos für menfdjlidjes SBotjl unb SBetj, wie ber teblofe Mammon, ben ße anbetet, ©elb ift ber greunb, bie ©cliebte, ber ©ott bes ©ei- ligen. Der Einfluß, ben ber ©eig auf ben Körper übt, iß Ijödjß fdjäblicfy nnb gefätjrlictj; er verringert ben gefunben ©ctjlag beS VergenS unb minbert bie Kraft affer organt- fdjen Berridjtungen unferes Körpers. Das Nottj ber SBangen erbteidjt, frübjeitige galten bebeden Vaut unb ©tirn, ber gange Körper fdjrumpft gufammen, als woffte er ben Bertjältniffen ber fleinlidjen ©eeie ßdj anpaffen. Er verfagt fidj nidjt nur bie Bergnügungen, fonbern bie gewöljnltdjen Bebürfniffe bes Sebens; er totn^ bet ben Blid von bem ©egen, ben runb berum bie Natur fo reidjtidj üjrem gütüjorn entftrömen läßt; inmitten beS UeberfluffeS barbt unb hungert er gern, wenn er ftd) nur an feinen ntt^lofen ©djäfjen weiben fann. SS ift faum glaubtidj, gu weldjen Extremen biefe fdjmufjtge Seibenfdjaft fdjon gefommen iß. Der ©eig nimmt nidjt, tok anbere Seibenfdjaften, mit vorgerüdtem Sitter ah; im ©egenttjeit, je nätjer ber Slugenblid fommt, in wettern bie ©djäije beS ©eigigen nidjt meljr für ih>n werttj fein werben, als ber ©taub, gu bem fein Körper gurüd- fetjrt, beßo metjr ßeigert fidj bie unerfättttdje ©ier. „Stlter unb ©eia gehören aufammen," fagt tin atteö ©prüct) wort. Nidjt fetten b. alt biefe ©ier biö aum legten Stttjemauge aus, überlebt jebeö anbere ©efütjt, unb ©etb bleibt baö einzige Mittet, Weldjes baS bredjenbe Sluge nodj erfreut, ben ßnfenben $uls für einige Slugenblide nodj tjebt. SBir fennen bie Beifpiete von ©einigen, bie im ginftem ftarben, um ßdj ben Slnfauf einer Kerae au erfparen. gielbing eraätjtt uns von einem ©einigen, ber auf bem Sobtenbette fidj nodj barüber freute, baß er einen pßfßgen unb vorttjeiltjaf* ten Vanbel wegen feiner Begräbnißfoßen abgefdjloffen tjatte, unb nodj bagu mit bem Seidjenbeftatter, ber fein eingiges Kinb getjeirattjet tj atte. 3dj fetbß erinnere mid) eines alten Mannes, ber fdjon in ben legten 3ügen tag nnb *on fetner Umgebung nidjts meljr wußte nnb bennoctj wieber gu ßd) gu fommen fdjten, fobatb er bas Klimpern von ©elb tjörte. ©elbß bie ©ewtßljelt bes SobeS fann biefeS gemeine ©efütjt nictjt immer au« 78 ©unn'S VauS-Slrgt. ber Menfdjenbruß verbannen, ©djlffbrüduge baben ßdj fdjon oft fo fetjr ntit ©elb bepadt, baß beffen ©ewidjt ße unrettbar in'S SBeÜengrab tjinabgog. Bei ben Aus- grabungen von Pompeji würbe ein ©feiet gefunben, beffen Knodjentjanb nodj einen Beutet voü ©elb feßljielt. Dr. Brown fagt von ben ©elgtjälfen: SBenn bie Ber- wanbten ober fünftigen Erben ßdj um bas Sobtenbett eines ©eiaigen verfammeln, nidjt um ibn au trößen, fonbern unter ber Maöfe ber Stjeitnatjme ben Slugenblid erwarten, ben ße fo tjeiß erfetjnen, wirb bas bredjenbe Sluge bes ©terbenben nod) einen etferfüdjtigen Blid auf ben ©elbfaßen werfen, um weldjen es fo viele menfd)« lidje ©eßalten verfammelt ßetjt; unb bas ©efütjl ber Dljnmadjt, baS ben bunfeln Sraumbilbern flüdjtiger unb faum ertnnerlidjer ©eßalten folgt, iß bie tejjte Qual, bas lefjte Bewußtfein beS erlöfdjenben SebenS. Dbwobt ber ©eia nictjt für eine Quelle vieler Kranftjeiten gilt, fo üben bodj bie bamit verbunbenen peinlichen Smpßnbungen einen fjerabßlmmenben Einfluß auf bie ganae SebenSttjätigfeit aus. Das ©eßdjt beS ©eiaigen iß gewötjnltdj bleictj unb gerunaelt, fein Körper mager, fein Semperament unfreunblicij, reigbar nnb argwötj- ntfdj — Umßänbe, bie fämmtlid) bie vollfommene nnb gefunbe Sfjätigfeit ber förper- lidjen Berrictjtungen beeinträdjtigen. 3e metjr er im Stlter vorrüdt, beßo letdjter verfällt er in jenen fdjrcdltdjen nnb franftjaften ©emüttjsgußanb, In welchem bit Sinbtlbung uns Immer bie ©efpenßer fünftiger Nottj unb Slrmutb. vorgaufelt. Es iß bieS eine feltfame unb befrembenbe Monomanie, ba Seute, bie Neidjttjüutet beßjjen, ja tjintänglidj gegen eine foldje ©efatjr geftdjert ßnb, nnb ße im Stlter jene ernße ©terbeßunbe ßdj nätjem fetjen, in wetdjer bie ©üter ber Erbe allen Ibren SBertb verlieren. 28o^lt^äti$teit. Sin 3eber, weldjen ber Vimmel mit ben ©ütern ber Erbe gefegnet tjat, fotlte wotjlttjätig fein unb mit feinen Mitteln bie Nottj unb bas Slenb feiner Mitmen- fdjen gu tinbern fuctjen. SBürben bie Menfdjen wiffen, wie viel ©uteS ße mit einem freunbtidjen SBorte, mit einer geringen Unterftü^ung, mit einem Befudje am Kran- fenbette ben Slrmen erweifen fönnen, fo würbe ße gewiß feine ©etbßfudjt ober Smpßnbfamfeit von ber Srgeigung foidjer wajjrbaften SBoljlttjaten abgalten fönnen. 3eber Menfctjenfreunb foffte beS Slrmen gebenfen, unb bas Slenb unb bie Notlj ber Slrmen fofften üjn gur Erfüllung jener «Pßidjten aufmuntern, bie feine Neligion unb beren ©rünber it)m fo brlngenb an's Verg legen. Saßt bodj eure Neligion nidjt gum ©efpötte werben! ©ollen wir an eurer Sluf- ridjtigfeit unb Sbrtictjfeit gu gweifeln anfangen, wenn wir feben, baß itjr bte Erfüllung jener SBoljttljaten vernaetjläfßgt ober verfäumt, bie bas Verg beS Nottj- leibenben erfreuen unb bie veröbete Vütte mit bem Ueberfluffe geltiger Vülfe beglüden? 3e£t iß es metjr, als irgenbwann an ber 3ett, burdj unfer Beifpiel gn betätigen, baß wir bie Setjren ber Netigion nidjt nur befennen, fonbern aud) befolgen; jefet muß ber Menfdjenfreunb burdj SBort unb Sb,at feine Siebe für bie leibenbe Menfdj- t)tit befraftigen; je^t muß ber Netd)e feine Danfbarfeit gegen ben ©eber aöefl SBotjU^ätigfett. 79 ®uten, ber itjn fo überreich gefegnet, beweifen, inbem er bie tjetfenbe Vanb 3ebem reictjt, weldjer ber Vülfe unb Unterßüfcung bebarf. 3ß bir ein retdjeS Erbe gugefaffen, btütjt bein ©efdjäft, glüden bir beine ©pefu- lationen, mit einem SBorte: biß bn im Beß^e von Väufern, ©mnbeigenttjnm unb eines EinfommenS, bas nidjt nur bie Koßen ber gewötjnfidjen Bebürfniffe, fonbern audj bie beS SuruS unb beS ©enuffeS meljr als bedt,—bann tjat bie Borfetjung bidj gu Üjrem Boten auserfetjen, um bie Seiben nnb bas Slenb beiner Mitmenfcb,en gu linbern. Du fannß biefen belügen Auftrag \a voffgletjen, oljne bir fetbß gu fdjaben, ob.ne bir von beinen Sebenöfreuben aud) nur bie geringße gu verfagen, otjne beine ©efunbtjeit ober bein Seben nur im minbeßen au beeinträdjtigen. 3m ©egentljett, bein ©riß, bein Vera, bein ganaes SBefen werben burdj biefe 3Bob.ltb.aten verebett unb gehoben, wäbrenb 3ene, benen bn geholfen, für bie gortbauer beineS ©lüdeS im bieS- unb jenfettigen Seben beten. Diefe SBoljlttjaten gewähren bir eine Befrie- bigung, bte feine fdjate Sebensfreube bir bieten fann. Du beginnß, biet) felbß metyr an adjten, belue ©ebanfen ftnb von einer feiigen Nutje verftärt, fetbß bein gefünber ©djtaf gaufeit bir im Sraume bie fcfjönßen Bitber vor. Die 3ufunft erfdjeint bir mit einem tjimmlifctjen Sidjte übergoffen; bn erfennß, baß bu ein 3ünger ber ädjten unb watjren Sugenb biß nnb erinnerß bidj immer gern beS StugenbtidS, in bem bn, ber SBotjltbitigfeü Vera, Vanb unb 3rit wibmenb, aur SBürbe eines gotterfüüten Menfdjen tj inangußreben begannß. Deine Söotjlttjätigfeit vermag Saufenbe au beffern unb au belebren, bie ans ben ©ümpfen beS Stenbs, ber Unwiffenljett nnb beS BerbrcdjenS gerettet nnb in bie Slrme ber Siebe unb Neligion gurüdgefütjrt werben fönnen. SBie viele Menfdjen gibt es in biefer SBelt, bie arm an Mitteln, aber empfänglldj für altes ©ute unb Eble ßnb! ©ie ßnb baS ©ata ber Srbe,*unb otjne Üjren Einfluß—was würbe bas SooS ber Slrmen fein? ©ei barum gütig gegen ben Unglüdlidjen, trodne bie Stjräne beS Srauernben, bamit bein Name als ein ©egen ßdj vererbe, wenn bu fdjon lange au beinen Bätern verfammett worben bifl. SlffeS mag vergetjen, aber eine gute Stjat beßetjt ewtglidj. Die Erbe mag in Üjr Nidjts aerfiießen; eine gute Sbat btüljt immer grün für äffe Swigfeit. Monb unb ©terne mögen ßdj verßnftern, bie ©onne mag aus itjrer Batjn treten — bte SBotjltfyätigen ftratjten in immer Ijetlerem ©lana unb leben, fo lange ein ©ott lebt. Der ©djal) von $erßen unterhielt ßdj etnß mit feinem Beater unb groei $tjtlo- fopb. en nnb fragte: „SBeldjeS MenfdjenlooS iß am meißen au beflagen ?" Der eine ber ^)tjitofoptjen antwortete: „Stlter in Slrmutb. ;" ber anbere meinte: „ein gebredjlidjer, franfer Körper, ein ©riß nnb ein Vera, bie burdj getäufdjte Erwar- tungen gebrochen unb gefnidt ftnb." Der Beater aber fagte, er fenne nod) ein fdjredtldjeres SooS, nnb auf bte wieberbolte grage bes ©djab, s futjr er bann fort: „bas fdjredltdjße SooS bes Menfdjen iß, nie eine gute Stjat verübt an Ijaben, unb bann plöjjttd) burdj ben Sob überrafdjt unb vor ben Stjron bes tjödjßen NictjterS gur Beantwortung getaben au werben." Der Slpoßel tyaul ßefft bte SBofjlUjätigfelt an bie ©pifce affer Sugenben. ©ie iß bie Quelle aller ©nabe; ot)ne ße iß bie Neligion ein feetenlofer Körper, unfere greunbfdjaft ein bloßer ©djatten, unfer Sltmofen nur bie ärmltdje (3aht bes ©tolgeö unb ber Veudjetet. SBäre biefe Vintmetstodjter bie Sriebfeber aller menfdjtldjen Vanblungen, wäre 80 ©unn's V<*ufl = Sfrgt. ße ber Norbßern, ber uns burd) biefe SBelt voll Selb unb ©ünbe fütjrte, bas Eis bet ©djmergen unb beS Kummers würbe in Ujren erwärmenben ©onnenßratjlen fajmel« gen, ein fdjönerer, freunblidjerer Morgen würbe über bem menfdjltdjen ©efdjtedjte anbrechen, unb bas Stjrißenttjum, rein unb fledenloS, würbe In aller SBelt aner- fannt unb geheiligt werben. Das blutige ©djwert beS Krieges würbe nictjt metjr gegüdt werben; Neib, Siferfudjt unb Nadje würben ßdj verfriedjen ; Berläumbung unb Berfolgung würben fdjwinben; bas ©eftenwefen würbe gerftieben; Saßer unb SBoffuß würben itjrer Madjt entfagen; ein ungeahntes ©lud würbe bie Menfdjen verfötjnen, unb Bruberllebe, griebe unb Stntradjt würbe fte, als Kinber eines BaterS, gum Slltar ttjreS ©otteS füfjren. Das Kreug würbe überall triumptyiren, unb ber Sag würbe natje fein, an wetcbem altes Bolf ber Erbe unferen Veilanb, als König, anerfennen würbe.—SBotjlttjätigfeit iß ein Stjeil ber Netigion; wie ber Sb,au bes Nadjts bie burftenben Blumen erfrifdjt, fo ßeigt aud) ße vom Vimmel, fegen« bringenb, in bie Nadjt beS Unglüds tjernteber. 3tjr tröftenber, tjelfenber (Sinfluß wirb überall verfpürt. 3tjre Stjaten entfprtngen einem guten Vergen, unb aum Vimmel fdjaut ße auf, um ein beifälliges 3ulädjeln. Die Engel freuen ßd) mit itjr ; ße iß eine ber tjeiligen Sigenfdjaften ©otteS ; fte ift es, bie uns ben bimmli- fdjen ©egen fo reidjtid) anmißt. Neligion beginnt mit einer Umwanblung beö VergenS. SBir fpenben gewöljnttrt) ben größten Stjeil beS SebenS in bem ©ebanfen, wie wir ben Erwerb unb ben Beßjj uns metjren unb wie wir baö Erworbene verwenben fönnen. Eine Umwanblung bes VergenS muß aucb, biefe ©ewotjnljeü anbern. Der Menfdj wirb burdj bie Slrt, wie er bie irbifdjen ©cfjä^e gewinnt unb verwenbet, beweifen, baß er einen reidjeren ©djaj} Im Vimmel gefunben. SBenn berjentge, ber behauptet, einen neuen ©eiß nnb ein neues Verg in ßdj gu verfpüren, fortfätjrt, irbifdje ©djäjje als bas 3iet bes menfdjlidjen SebenS gu betradjten, wenn er üjnen mit berfelben ©ier, wie frütjer, nadjjagt, bie erjagten mit frampftjafter Vanb fefttjält, nnb ©elbftfudjt unb Sigennu^ itjn bei ber Berwen- bung berfelben leitet — ift eS gu verwunbern, baß feine Mitmenfdjen bie Stufrtdj- feit fetner geißigen unb moralifdjen Befferung begweifetn ? Muß ber Verrr fie nidjt mit bem Borwurfe aurüdweifen: „SBaS ttjut itjr benn me^r als bte Slnberen?" Eö gibt nidjts Slbgefdjmadtereö, alö bie 3bee, in ©ott ein neueö ©efdjöpf au werben, wetdjeö alte ©ünben abgeftreift bat unb ein neues Sidjtgewanb anttjun will, unb bennodj feinen irbtfctjen ©efdjäften mit bem alten ©elfte nadjgutjangen, unb Weber baS Vera, nodj wetttidjeö ©ut ©ott, bem Verrn, weit)en au wollen, in ber Stjeorie, Stiles für bie Stjre ©otteö, in ber SBirflidjfeü aber Sllleö für ©otb unb ©elb tfjun an wollen. Die djriftlidje Neligion iß Siebe; Siebe aber ift ein wetfttjätigeS $ringip. Es getjört thtn fo fetjr aur Natur ber Siebe, woljltljätlg au fein, alö anr Natur ber Quelle an fließen unb ber ©eftirne an leudjten. Siebe iß freigebig, immer bereit, gu geben, unb glüdlidj in bem ©ebanfen, für ben geliebten ©egenßanb arbeiten gu fönnen. 3euge für biefe SBatjrbeit ift bie Elternliebe. Kann Siebe au ©ott unb Menfdjen baö innerße SBefen unferes StjarafterS fein, totnn wir unfere 3Botjltb> tigfeit bem 3ufaffe überlaffen, itjr irgenbwo einen ©djlupfwinfel in unferer gewöbn- lidjen Sbätigfeit anweifen unb Üjr nur ärmlidje Brofamen aur Berfügung ßeffen? Kann Siebe in unferem Veraen fein, totnn bas Seben von Siebestbaten nidjt« aufguweifen tjat ? Unglüd. 81 Der djrtjtlidjt Menfdj iß ber Mitarbeiter ©ottes. ©ott gibt immer, feine 3Bob.ttb.a- tigfett ermübet leinen Slugenblid; wollen wir wohlgefällig vor üjm wanbeln, fo muffen wir Siebe unb SBotjttljättgfett üben, ©ott tjat uns in feinem Sbenbitbe gefdjaffen, b. fj. wir muffen feine SBerfe ber Siebe unb ©nabe nadjatjmen. Darf 3emanb gu ©otteS Mitarbeitern gerecb.net werben, ber baS nur nebenher betreibt, was ©ott als bie Vauptfadje betradjtet, ber otjne $lan, oljne Stuöbauer unb SSetjarrlictjfeit, oljne Energie baö beforgt, was ©ott mit unerfdjütterlictjer Betjarrlidjfeit vollbringt unb mit einem Sifer, ber feinF Opfer fdjeut, unb mit einer greigebtgfett, bie 3aljlen nidjt beredjnen fönnen? Kann, barf ber ßtotd, ben bie göttlidje Borfeb.ung ver- folgt, beiner ©elbfudjt, beinern Suruö nactjftetjen? Darfß bn ibn alö ein btoßeS Stob, ängfel an bein ©efdjäft betradjten ? D faffe, lieber Sefer, ben ©ebanfen bod) in feiner gangen Siefe unb Bebeutung auf, baß bu beö Borredjtö genießeft, ©otteS Mitarbeiter gu fein, baß ©ott unermübllctj mit bem fegensvotlen SBerfe ber Sßoljl- ttjätigfeit befdjäftigt iß, unb bu wirft gewiß bie ©efbßfudjt aus beinern Vergen unb beinern Seben bannen; SBoljlttjätlgfeit wirb, ßatt nur Nebengwed gu fein, ber Vauptgwed beineS SebenS werben, ben bu verfolgß, weil bu gern nüijen, weil bu ©ott ätjnttdj unb mit Itjm in einem unb bemfelben SBerfe befdjäftigt fein mödjteß! Der SBotjttbätige iß ber waljrljaft glüdUdje Menfdj. Derjenige, ber immer nur ©efäüigfelten von Slnberen erwartet unb ße gu Dienern feines ©tüdeS madjtn will, iß unglüdtld) im Bergteidj mit 3enem, ber Slnberen ©utes erweifen will. ©ott liebt nnb fegnet biejenigen, beren Vanbtungen unb ©eßnnungen ben feini- gen gleidjen. Unb wie Verg unb ©eift burdj SBoblnj ätlgfeit beffer, reiner unb ebter werben, ßrömt ©lüdfetigfeit von allen ©eiten tjerbet, grlebe nnb ©elbßadjtung lotjnen ben SBürblgen, unb waljre ©elbßgufriebenb, eit vergotbet fein Seben mit ben ©traljlen unausfpredjtldjen Veits! H n $ l ü ! vermögen. ©ei freunblidj; benn bas ©ebädjtniß iß ein Engel, ber uns gur ßiffen Nadjtjeit befudjt, teife feine gtügel über uns verbreitet, uns unfere getjler unb Sugenben tos Dtjr raunt unb ben rutjenben ©eiß entweber ßört ober fräftigt. Derjenige, ber eines eingigen getjterS wegen einem greunbe ßdj entfremben fann, fennt audj bie reinßen ©efütjte bes menfdjlidjen VergenS nidjt. SBer tjat nodj nidjt gefehlt? SBenn ber erße gebltritt, ben wir begangen, nidjt vergeben unb vergeffen worben wäre, wären nidjt Saufenbe in bie bobenlofe Siefe ber ©djmadj unb ber ©djanbe gefunfen ? SBir fennen bie Berfudjungen nidjt, benen unfer Mitmenfdj ausgefegt fein mag. Er mag Monate lang tapfer gegen bie ©ünbe angefämpft unb bas ©ebeimniß bodj in feiner Bruß verfdjloffen baten. Snblidj würbe er überwältigt; in einem fdjwadjen Slugenblide unterlag er; aber er würbe bie SBelt barum geben, fonnte er baS ©efdjetjene nngefcb.eb.en madjen. Sr weint bie büterßen Stjranen ber Neue für ßctj im ©ritten, er ttjut Buße, in ©taub unb Slfdj e gebullt. SBltlß bu üjn verftoßen ? Vimmel unb Erbe, ©eredjttgfrit unb Barmtjergigfeit, Menfdjenliefce unb Neligion, rufen unb bitten : D, vergib ibm! Derjenige, ber nictjt vergeben fann, muß bas Verg eines Dämons tjaben — bie Siebe ©otteS, watjrltd), wotjnt in feinem Vergen nictjt. Bor einigen 3aljren, ergab.lt ber ^rebiger SBiffiam 3<*», tjatte idj in meinem ©arten einen Baum, ber nie grüdjte trug. Eines SageS ging idj mit meiner 2lrt bjnaus, üjn gu fällen; mein SBeib begegnete mir auf bem SBege unb hat midj, itjn gu fdjonen, inbem fte fagte: „©ietj\ ber grütjling iß fdjon vor ber Stjür; warte nodj einige Monate, vieffeldjt blütjt er biefeSmal; wenn nidjt, fo magß bu itjn fällen." Da idj eö nodj nie bereut tjatte, ibren Nattj gu befolgen, fo gab idj audj bleömat nadj, unb was gefdjatj ? 3n einigen SBodjen war ber Baum von Blü- ffjen überfdjneit, unb balb barauf ßanb er prangenb mit ber reidjßen nnb fdjönßen grudjt. £), fagte idj bann gu mir, ber Baum tetjrt midj ein widjtigeS SBort: idj wtff nie metjr au fctjnelt verbammen, nie meljr jebe Voffnung auf Befferung au fctjneü aufgeben, fonbern warten, tjoffen unb htkn ! 3n ber Bibel beißt es : „Dann fagte er au i\)m, ber bie SBeinßöde befdjnitt: ©ietj', fdjon feit brei 3abjen erwarte idj geigen von biefem Baume, unb er bringt feine; warum foff er länger biefe ©teile etnnetjmen; fälle üjn. Slffein er antroor* tele: Verr, laß ii)n nod) ein 3<üjx ßetjen; trägt er, gut unb Wob. I; wenn nidjt, bann magß bu ibn fällen." Ntdj t bie Voffnung auf aeitttdjen Sob. n fett bidj an guten Stjaten anfpornen. Sei aufrieben mit bem Brifaffe bes VimmelS unb beineS ©ewiffens. Das menfdjlictje Vera empört ßdj gegen Unterbrüdung, bod) es beruhigt ßd) bei einem frennblidjen SBorte, wie bas Meer ftürmt, wenn bte SBinbe feine SBogen peitfdjen, unb fpiegel- glatt ßd) wieber legt, wenn bte fanften ßtpi)vrminbe fofenb über bemfelben fptelen. Slb^anbtungen über bie Seibenfctjaften. 87 &d>h\fi bet $lbfyanbltm$en übet bie Seibenfhaften. 3dj tjabe bas Kapitel über bie Seibenfdjaften jefct beenbigt; idj tjabe bargettjan, baß reine, ßtüldje unb rootjlgeregelte Neigungen wefentftd) aum SBofjlbeßnben un- feres Körpers beitragen; baß bie aufregenben, ßürmtfdjett Seibenfdjaften bagegen unfere förperlidje, moratifdje unb geißige ©efunbtjeit untergraben, unb baß trau- rige gotgen eintreten, wenn man üjnen freien Sauf läßt, ©elbß unfere wetttidjen 3ntereffen, gana abgefeljen von allen b. oberen Beweggrünben, verlangen, baß wir bte reinen Neigungen pßegen unb tjegen unb bie fctjtectjten Seibenfctjaften fo viel a\i möglieb, unterbrüden. SBitlß bu bir beine ©efunbbeit watjren, fo mußt bu frütjaeltig lernen, beine Sei- benfdjaften au aügetn unb ße ber Bernunft untertänig gu madjen. Denn ein Menfdj, fetbß wenn er mäßig in feiner Diät iß unb) regelmäßig förperlidje Uebun- gen verridjtet, unterliegt, wenn irgenb eine Seibenfdjaft ibn übermäßig betjerrfdjt, unb alle feine Mäßigfeit wirb obne Erfolg unb SBirfung bleiben. Der Menfdj muß batjer gu allen 3eüen unb unter allen Umftänben auf feiner Vut gegen einen fo fdjäblidjen Einfluß fein. Der normale ©efunbtjeitsaußanb Ijängt von einer awedmäßigen Betjerrfdjung unb Seitung unferer ftttlidjen ©efüljle ab. Sugenb Iß ber beße ©dju£ ber ©efunb- tjeit, ba ße Mäßigfeit unb eine foldje Betjerrfdjung unferer Seibenfctjaften voraus- fe£t, bie bas förperlidje SBotjIfein bebingt; fie iß bas untrüglidjfte Mittel, ben ©ee- lenfrieben unb audj bie förperlidje ©efunbbeit au watjren unb au förbern. Db. ne eine weife Beb. errfdjung ber ©emütb. sbewegungen wirb Niemanb ßdj einer vottßän- blgen ©efunbtjeit erfreuen. Darum empfetjte idj es bir auf's Nadjbrüdlidjße, ben ©eiß fdjon frütj an ein tugenbtjafteS Seben, befonberS an Befdjeibentjett nnb ©etjorfam au gewönnen, ba bieö baö beße Mittet iß, bte ©efunbljeit beö Körpers für bas fpätere Seben au bewatjren. SBie widjtig unb wefentticb, iß es baber, mit ber ftttlidjen Eratetjung ber Kinber fdjon frütj gu beginnen. 3eber Sag, an weldjem biefe Srgtetjung verfäumt wirb, gibt ben bösartigen Stnlagen ßtit, tiefere SBuraetn au Jdjlagen. Diefe Stnlagen aber fofften im Keime, im erßen Sluffproßen, erßtdt werben. 3dj tjabe fdjon oben bemerft, baß bie Kinber von itjren Eltern befonbere Etjarafteraüge ererben unb ba- ljer fdjon viel frütjer, als man gewöbntid) für nötbig tjält, ßttlidjer Eratetjung be- bürfen. Daß bte ©efunbtjeit vieler Kinber, unb awar oft fetjr bebeutenb, unter bem ßctj wiebertjotenben Sinßuffe ber Seibenfctjaften leibet, weldje bie Eltern au äu- geln vernactjläfßgten, iß eine SBatjrbeit, ber Niemanb wiberfpredjen wirb. Unb ße leiben nidjt nur in itjrer Kinbtjeit an ben gotgen biefer unveraeüjtietjen Nadjläf- ßgfeit, fonbern es wirb bann auweiten ber ©runb au geißigen unb förperlidjen ©c^wäetjen auetj für fpätere 3al)fe gelegt, unb bie fdjmerjlidjfte Erfahrung wirb ße bann nöttjtgen, Seibenfctjaften au meißern, bie fdjon im Keime Ijatten nnterbrüdt werben muffen. Eltern, bie ibren Kinbern SlffeS nachgeben, untergraben bte ©ittlidjfrit berfelben; ße t)ahtn fein Nedjt, fpäter au flagen, baß biefelben fdjäblidjes SBaffer muten, ba ße bie Quelle felbß vergiftet tjaben. 3>rebtger unb Moraliften ^ahtn immer mit affer mögltdjen BerebKamfeit als bie 88 ©unn's VauS-Slrgt. &eiltgßen 5>flidjten biejenigen tjingeßefft, bie ein Kinb gegen feine Eltern au erfüllen bat, unb idj mödjte nidjt gern audj nur bie geringße Sleußerung wagen, bie biefe SBatjrtjeit Im minbcßen fdjwädjen fonnte. Dodj glaube idj, behaupten au bürfen, baß bie spflidjten ber Eltern gegen bie Kinber von affertjödjßer SBidjtigfett ßnb, unb baß itjre Bernadjläfßgung mit ben bitterßen gotgen beßraft wirb. Die Eltern geben üjren Kinbern bas Seben unb ßnb batjer, bem Naturgefefje nnb Der menfd)- lidjen unb göttlidjen Qrbnung ber Dinge gemäß, auf's Veillgße verpflichtet, fein Opfer unb feine Slnßrengung au fctjeuen, burdj weldje biefeS Seben ein glüdlidjes unb fegensvolles werben fann. SBenn fte burdj itjre ßrafbare Bernadjläfßgung unb Mißleitung bie ©djulb an geißigen unb förperlidjen Uebeln itjrer Kinber tragen, wie fönnen fte Sroß, greube ober Danfbarfeit für tin Seben erwarten, bas ibre eigene Vanb mit Seiben beiaßet unb troß- unb freubenleer gemadjt $at? SBenn wir bie ©orgloßgfeit unb bas faffdje Urttjeil betradjten, weldje fo oft bei ber früljen Eratetjung ber Kinber obwalten; totnn wir feben, wieviele Kinber, wenn audj nictjt abfidjttidj, bodj in SBirflidjfeit aur galfdjtjett unb Veudjelel, aur Kletnmüttjigfeit unb Unmäßigfeit angeleitet werben; Iura, wie viele moralifdje unb toljpftfdje Saßer ungeatjnbet in ben jngenblidjen Veraen fdjon frübaeitig Sßurget faffen, fo mü^tn wir uns watjrbaftig wunbern, wie bie menfdjtidje Natur nidjt nodj verborbener iß, als wir fte tbatfädjtidj vorßnben. 3dj mödjte aum ©djluffe tjier nodj einmal, unb auf's Srnßeße, baran mahnen, baß für unfer ganaes Körperfoßem nnb für alte Verloben unferes SebenS nidjts widjtiger nnb rinflußreidjer Iß, als eine vernünftige Seitung unferer ftttlidjen Stnlagen. Sin Menfdj, ben bie Eratetjung nidjt geäugelt, nnb ber ßdj unbänbig ben aufregenbßen Seibenfdjaften fjtngibt, entebrt ben Namen, ben er trägt, unb iß au beftagen. Die Quelle feiner ©efunbtjeit unb feiner greuben iß getrübt unb aües Erhabene in feiner Natur befubelt unb erntebrigt. ©ein ganaes Seben bietet nidjts atS eine Neüje fctjmerglidjer Kämpfe unb Srfdjütterungen beS ©eißeS unb bes ©emüttjeS; er wirb ßdj fetbß unb feiner Umgebung aur Qual unb 9>tage. SBelt inbeffen aus ben Seibenfdjaften unb Neigungen, bie uns au weifen unb wohltätigen 3weden angeboren ßnb, Ijäußg Uebel entflefjen, unb ße fo oft bie Quelle von Kummer unb Kranfljeiten ftnb, Ijat uns bie affweife Borfefjung mit ber Madjt auögerüßet, ße au aügeln. Durdj Srgietjung, burd) ©elbßbetjerrfdjung unb burd) eine pßidjtmäßige Entwidetung unferer beffern Slnlagen fönnen uns bie ©emüttjsbewegungen gum reidjßen ©egen gereichen, ©ie beffen uns, bie Enttäu- fdjungen unb ©djmergen bes SebenS ruhiger au ertragen, ba bie golbenen ©trafen ermutfjtgenber Voffnung aucb. in bas tiefße Dunfel ber ©eete bringen unb uns auf bie Sßonnen einer beffern unb fdjönem SBelt tj in weifen. 2Jon bem Saftet bet &tun?fu$>t. Die Srunffudjt aerßört nidjt nur bie ©efunbtjeit, fonbern and) bas ©lud ber Unfdjutbigen unb Vülftofen; benn fte bringt in's Vetltgtbum bes VaufeS unb ber gamilie unb verbreitet Selb unb Slenb überaff. Die 3ugenb in ber Blüttje, bet Mann in ber vollen Kraft beS Sebens, bas Sllter in feiner ©djwädje fallen Üjr'aunt Döfer; ße bridjt beS BaterS Vera, betrübt bie treue Mutter, ertöbtet jebe 3uneigungf Bon bem Saßer ber Srunffudjt. 89 erßidt bie etjetidje Siebe, fdjwädjt ben ftnblictjen ©efjorfam, gernagt bte fc^önßen BlüUjen ettertldjer Voffnung nnb bringt bas trauernbe Stlter in ©djmerg unb Kummer in'S ödc,. vertaffene ©rab. ©ie ergeugt ©djwädje, nictjt ©tärfe; Kranf- tjeit, nidjt ©efunbtjeit; fte untergräbt bas Seben nnb befdjteunigt ben Sob. ©ie madjt bie ©attinnen gu SBtttwen, bie Kinber gu SBaifen; fte raubt ben Bätern itjre greunbe unb bringt fte affefammt an ben Bettetßab. ' ©ie ergeugt gieber, näbjt Ntjeumatismus, pflegt bie ©idjt, förbert anßedenbe unb anbere Kranftjeiten, tjat bie $eß, bie ©djwinbfucb,t, Unverbaulidjfeit in Üjrem ©efolge unb fütjrt oft ©djtaganfäffe unb Sätjmung tjerbei. ©ie breitet über baS Sanb Srägfjeit unb Slrmutb, Kranftjeiten unb Berbrecfyen aus; fte füllt unfere ©efängnlffe, unfere Slrmentjäufer unb unfere SBtttwen- nnb SBaifen - Slnßalten; ße fütjrt gum ©treit, gu Nauferei unb enblldj gum Slufrutjr; fte wiberfe^t ftd) bem @efe£e unb tjötjnt ber öffentlidjen Drbnung; ße füllt bie 3uctjtbäufer unb liefert bie Dpfer für bas ©Sdjaffot; ße iß bas Vergblut beS ©pteterS, bie Natjwng beö galfdjmüngerS, ber ©porn beS ©traßenräuberS, ber ©ebülfe beS nädjtttdjen Morb- brennerS, ber greunb unb ©efäbrte beS gefallenen SBetbeS. ©ie begünßtgt ben Sügner, adjtet ben Dieb, fdjä^t unb etjrt ben ©otteSläugner; ße bridjt ben Eib, fdjwetgt im Betrug unb ermuntert jebe ©djfedjtigfeit; fte verfdjreit bie SBotjtttjätig- felt, baßt bie Siebe, fpottet ber Sugenb nnb vertäumbet bie Unfdjulb; fte reigt ben Bater, feine unfdjulbigen Kinber gu fdjladjten, tjilft bem ©alten, bas SBeib feiner 3ugenb gu morben, unb tebrt bas Klub, baS vatermörberifdje Beil gu fdjwingen. ©ie ridjtet Mann nnb SBeib gu ©runbe, veradjtet bas Seben unb fludjt ©ott unb aUtn Vimmeln; ße beßidjt bie 3^ugen, verleitet gum Meineib, entheiligt baS ©efdjworenen* ©erlebt nnb befubelt ben Nidjterßubl; ße lauft fatfdje ©timmen, fätfdjt bie SBatjlen, vergiftet unfere 3nftitutionen unb gefätjrbet unfere Neglemng; ße entwürbigt ben Bürger, fetjänbet unfere gefeijgebenben Körper nnb entehrt ben Staatsmann, ©ie fennt nur ©ctjanbe unb feine Stjre, ©djreden nnb feine ©idjer- tjeit, Bergwetfluttg unb feine Voffnung, Slenb, aber fein ©lud. Mit bem Votjn- geladjter bes SrgfelnbeS überfdjaut fte rutjig bie ©cenen ber 3erßörung, bie ße angeridjtet, unb, gefättigt von i\)xtm blutigen Naube, vergiftet fte jebeS ©lud, morbet ben grieben, untergräbt bie Moral, gerfri^t ben ©runb alles Bertrauens, meudjelt ben guten Namen unb fetjänbet bas Nationalgefütjt unb bie Nationateljre; bann fludjt ße ber SBeft unb tadjt unb fpottet bes SlenbS, bas ße über bie Menfdj- fjelt gebradjt. 3dj fannte einen ebten unb guten 3üngting, beffen Vera von ben reinßen unb ebelßen ©efütjten überfloß, gür greunbfdjaft empfängtidj, würbe er balb von einem Kreis ttebenber unb ttjeilnetjmenber Veraen nmfdjloffen. Der grauen Slugen leuchteten feuriger, wenn er ßcb ibnen näherte, unb Neldjttjum unb Sbre begannen, um feine ©unß au werben, ©eine Sage floffen ungetrübt batjin, wie tint frifetje Quelle an einem tjeitem ©ommertage; er würbe beglüdt von ber Siebe tugenbtjafter grauen nnb bem einßimmigen Sobe benfenber Männer. Er warb um bie Vanb eines reiaenben MäbdjenS unb gewann balb bas garte, reine unb engelfdjöne SBefen, bas it)m tin Verg voff Siebe erfdjloß. 3<üjte unb Sage flößen batjin, bis SBolfen ßdj anfammelten, bie fein trbtfdjes ©lud gu verbunfeln anßngen. Die ©djtange ber Srunffndjt fdjltdj in fein Verg; bie reinen unb belügen ©efütjte, bie ber Verr ber ©djöpfung in fein SBefen gelegt tjatte, würben burd) Srinfgetage ver- 90 ©unn's VauS-Sirgt. giftet, ©ein geuergeiß, ber fonß btmmelan ßrebte, würbe falt unb gleidjgültlg gegen SitleS. Die Sljränen, ber 3ammer feines unglüdlidjen, betrübten SBetbes rütjrten fein Verg nidjt metjr. ©ein Sluge blieb falt unb tljeünatjmloS beim Slnblide ber Slrmutb,, ber er frütjer aßo^lttjätigfeit ergeigt batte; feine Vanb, bie ßdj fonß fo gern ber Milbttjätigfeit geöffnet tjatte, blieb ßarr nnb verfdjloffen; fein Verg tjatte ber Branntwein vergiftet; Unmäßigfeit erßidte feine reinen ©efübje. Das ©efpenß ber Slrmutb. fdjlidj ßdj in feine SBoljnung; Kranftjeiten löfdjten ben ©lang feines StugeS unb fdjwädjten feinen Körper. Die greunbe, bie ßdj in ben golbenen ©tratjlen feines ©lüdes gefonnt Ijatten, floljen unb verließen itjn, als bet ©türm beS UngtüdS an feinem Vaufe gu rütteln begann. Valt ein, guter Sefer! ©eb/ IjtnauS auf jenen ßiffen, einfamen Kirdjtwf, unb frage, tot^\tn ©ebeine unter jenem frifdjen Nafen rubren. Der Sobtengräber trirb bir antworten: „bie ©ebeine eines SrunfenbolbS. Er tjatte frütjer ein Vetg, bas von Siebe gur SBotjlU) ätigfeit überfloß; in feinen 3ugenbtagen ßrebte fein geuer- geiß tjtmmetan; bie frütjen ©tunben feines Mannesalters Ijatten bie SBolfen ber ©orge ober bes Saßers nidjt getrübt; bie ©onne feines SebenS aber ging unter in ben trübftnntgen Nebeln beS Elenbs unb ber Sntwürbigung. Der greubenbedjer laßertjafter ©efefffdjaft wlnfte Üjm; er fatj ben Srgfeinb nidjt, ber ibm gufpradj, baS ©las bis gur legten Vefe gu teeren, ftürgte ben ©iftbeetjer jubetnb unb ausge- laffen hinunter unb war verloren." Der Branntwein ift es, ber bie Kraft bes ©eißeS für immer fnidt unb bridjt; er gerßört bas ©lud ber gamilie, baß es tjoffnungölos babtowelft; er verfccjlieft bte ©änge, bie gum Vergen fütjren; er erniebrtgt ben Menfdjen; er madjt Ü)n fidj felbß unb feiner Umgebung gur unerträglichen Saß, beraubt itjn feiner angeborenen Stjatfraft, läßt itjn bie bringenbften Bebürfniffe berjenigen vernadjläffigen, bie ©ott unb Natur feiner liebenben gürforge anvertraut, wanbelt ben Menfdjen, bet im Sbenbitbe ©ottes gefdjaffen ift, gum wilben Stjiere um, entfrembel Ü)n ber Siebe ber ©einigen, fo baß er gleichgültig bas Verg ber unfetjutbigen unb vertrauenben SBefen bridjt, bie ©ott ungertrenntictj mit Ü)m verbunben, nnb bie gu Üjm um Sroft, Vülfe unb Unterßüijung auffdjauen; er ift es, ber ben Menfdjen ©ott unb ©otteS Zeitiges SBort vergeffen läßt. Branntwein! D, wie viele irbifdje $arabtefe tjaft bu fdjon verwüßet nnb veröbet! SBie viele tyungernbe nnb nadte SBaifen tjaß bu fdjon Ijinaus in bie falte, tjerglofe SBelt geftoßen! SBie viele ©räber b, aft bu mit ben Seidjen gu frütj verßorbener guter unb tiebenber ©atttnnen gefüllt! SBie viele eble unb feltene ©eißer \)ahtn burd) biet) ©djiffbrudj gelitten unb ßnb in trauriger 23er- geffentjeü untergegangen! ©ebe ©ott, es gäbe in ber gangen SBelt gtoße Mäfjig* feits=©efefffdjaften, unb alle Menfdjen wären eibestreue Mitgtieber berfelben! Die Ijeillge ©adje ber Netigion würbe bann große gortfdjritte madjen, unb Saufenbe barfüßiger SBaifen unb jammernber SBittwen würben Danfestieber für ben Erfolg ber Mäßigfeits=Bereine gum Vimmel ßngen; bie verlorenen ©öfjne würben triebet gefunben, unb wunbe Vergen würben geseilt werben! Sßelje bir, breifactj wefye, bu Voffengeiß, ber bu bie größten ©eißer, bie ebetften Vergen gu beinern fdjredlidjen Dienße verteiteft unb verfütjrß. Die traurigen gotgen, wetdje bie Srunfenfjeit in ben gu ergeugenben Kinbern nad) ftd) jtetyt, ftnb bisljer aus falfdjer ©djant nnb UnwtffenfjeÜ bem «Publifum nidjt mit berjenigen Klar» unb SBabrbeit vorgefübrt worben, weldje bie SBidjtigfeit beS Bon bem Saßer ber Srunffud)t. 91 ©egenftanbes erforbert. Die SBtffenfdjaft bringt b.eutgutage tos Bolf; ©egen- ßänbe , wetdje man früber bem ^ublifttm vorenttjatten gu muffen glaubte, weldje nur in mebiginifdjen SBerfen beb.anbelt unb nur getegenbritlidj in ben 3eitungen berüdßdjtigt würben, ftnb je^t ©egenßänbe affgemeinen SntereffeS, nnb Borträge über biefelben werben von satjlreidjen unb gewählten Berfammlungen mit ber leb- (jafteßen Sbeltnatyme unb SBißbegierbe angehört. 3t.bem wir biefen ©egenßanb tjier aufnehmen, üjun wir es aus reiner Siebe nidjt nur au Sterinen ober gamilien, fonbern aum ganaen Menfcbengefctjtectjte. man iß au ber Einfielt gefommen, baß man, um ber Menfdjfjeit au nü£en, bas Uebet an feiner SBurael, in feinem Urfprunge auffudjen, unb baß man, um baffelbe unfdjäblid) au madjen, an ben gefunben Menfdjenverßanb appeffiren muffe, um bie Seute burd) Uebergeugung au gewinnen. Die töbtlidjen unb verberblidjen SBir- fungen ber Srunfentjeit ßnb eine Stjatfadje. SBas nun bie 3eugung ber Kinber betrifft, fo fofften uns bie Mißgeßaltungen vieler berfelben, bie eine golge ber Srunffudjt unb Unmäßigfeit ber Eltern ftnb, ein für affemat überaeugen, baß ber ©ebraudj getßiger ©etränfe bem Menfdjen- gefctjtectjte tjöctjft nactjt^eilig iß, ba fte bie ©efunbljeit unb bas Denfvermögen unter- graben unb bas Seben verfügen, ©ie vergiften bie ©äfte unferes Körpers, nnb füfjren baburdj ben Musfeln unb Knodjen verfdjiebenarttgen KranftjeitSßoff an« 3n einigen wenigen 3afjren erfätjrt ber ganae Organismus eine Beranberung. Die aufrechte, männtldje ©eßatt nimmt ein tblerlfcb.eS Stuöfefjen an, unb bie Ber- anberung iß fo groß, baß ber vertrauteße greunb, ber einige 3eit abwefenb war unb bem Srunfenbolb anfällig begegnet, iljn nictjt metjr erfennt. Dürfen wir bafjer nidjt gang folgerichtig annetjmen, baß ein Uebel, welkes auf Mann nnb SBeib einen fotdj' fctjäblictjen Einfluß übt, audj auf bie grudjt im Mutterieibe nictjt otjne Einßuß bleiben fann? Daß betrunfene Eltern bie Urtjeber einer mißgeftatteten Nactjfommenfdjaft fein werben? Daß @eb>n nnb Nerven in Üjren Berridjtungen voffßänbig leiben muffen? Niemanb wirb biefe Behauptung au wiberfpredjen wagen ; unb ber Srunfentjeit iß aweifelsotjne, in einem gewiffen ©rabe, bie nervöfe Neiabarfeit unb bie fürgere SebenSfriß ber je^igen ©eneration gugufdjreiben. 3d) fann Stj atfadjen aus meiner eigenen Erfahrung anführen. 3dj erinnere midj eines Knaben von aetjn 3abren, ber Immer bas Sluöfeljen eines tjalbbetrunfenen Mannes tjatte, unb bem ber ©peidjel, wenn er nidjt fdjtief unb nidjt aß unb tranf, immer aus ben Munbwinfeln träufelte. Die Mutter fagte, baß fte einen watjren Slbfdjeu gegen einen itjrer Brüber \)aht, ber ein Srunfenbolb war, ba i\)m ber ©peidjet auf gleidje SBeife ßets aus bem Munbe floß. 3dj fannte einen anbern Knaben, bet immer ßolperte unb tjlnüber nnb berüber wadelte, wenn er ging, unb ber benfelben ibiotifdjen ©eßdjtsausbrud tjatte, wie tin Betrunfener. Die Mutter fagte mir, es fet bas bie golge Üjreö 3ufammentebenS mit üjrem Manne, ber ein Srunfenbolb war. 3d) fatj gar oft ©eßdjter, bie gleden von ber garbe bes Notb. Weines ober Kirfdjbranntwelns tjatten, bie ber grudjt im Mutterleibe von ben Eltern mitgettjeilt würbe. StngeßdjtS biefer Stjatfadjen fragen wir, weldjen ©efabren iß bas Sßeib nictjt ausgefegt, bie an tintn Srunfenbolb vertjetrattjet iß? Die Kinber werben entweber mißgeßaltet, ober tjtrntoö unb reigbar unb voff nlebriger Seibenfctjaften, unb bas wadjt ße aum ©egenßanb allgemeinen BebauernS unb Mitleibs. 92 ©unn's V « u S * 21 r g t. 3ß bie Slutorität von Stergten, wie ©all, Eatbwetl nnb Burton, nidjt ber Beadj. tung werttj ? ©offen bie Setjren bes gefunben MenfcijenverßanbeS gang unbefolgi bleiben? Darf man Sb.atfacben, Erfabrung unb Beobachtung verwerfen? 214, wie bebauere idj bas fdjöne unb begaubernbe Mäbdjen, bas ebte nnb gebübete SBeib, bie einen Mann mit ßinfenbem Slttjem unb ttjierifctjem StuSfeben tjeirattjen mufj; aber wir bebauern ße Beibe nodj weit metjr, wenn ße ein ©efdjledjt von Kinbern ergtetjen muffen, bie bie einfältigen, reigbaren unb ungeb.orfamen Nadjfommen eines SrunfenbolbeS ftnb. 3um Velle ber menfdjlidjen ©efefffdjaft foffte ber Srunfenbolb von Slfdj unb Bett gewattfam entfernt werben, unb feine grau, wenn ße feine unverbeffertidje Srunfentjeit geridjtlldj nadjgewlefen tjat, gur Sfjefdjeibung berechtigt fein. Sine Mutter, bie ßdj befäuft, foffte gu Etjeloßgfett verbammt nnb jebes ®e» nuffeS ebjelictjer Siebe für immer beraubt werben. Sine betrunfene Mutter, ein betrunfener Bater, ein betrunfeneS SBeib unb ein betrunfener Mann ßnb ber £>ueH gefdjtedjtlidjer Berunreinigungen unb ber gludj eines Sanbes ! gltetjt bie Srunfen- botbe, üjr ©djönen, wie itjr eine töbtlidje Kranftjeit, bie ©eiß unb Körper fetjänbet, flietjen würbet! DiefeS Saßer, gang abgefetjen von bem fcfjredlldjen Beifpiele, bas es gibt, vergiftet bie gange menfctjltdje Natur. Die ©ünbe ber Bäter wirb nodj an bem britten unb vierten ©efdjledjte tjetmgefudjt. SBeber Eraietjung, nodj Siebe fann bie gotgen bes Uebels ausrotten, ©ebt eudj nodj fo viel Mütje, ße au tjeilen—bas nervös geborene nnb aur ©etßeSfdjwädje geneigte Kinb bleibt nervös unb geißeS- fdjroadj fein ganaes Seben lang. Verr Sombe tjat in feinem SBerfe, „bie Konßttu» tion beS Menfdjen," tin Beifpiel von ben ©efejjen bes organifdjen SebenS an einem jungen $aare angefütjrt, bas betmnfen ben erßen nnb testen Slbenb feines 3"fant" menlebens in SBoffuß vertaumelte, unb bie grudjt ÜjreS verbredjertfdjen Umgangs war ein trunfeneS, getßesfdjwadjeS Kinb. Ein Mann befdjlafe fein SBeib nur Im nüdjternen 3ußanbe; benn bie Kinber werben gewötjnlld) Srunfenbolbe, wenn pe oon Eltern im trunfenen 3ußanbe gegeugt werben. Dr. ©all tjätt bie Srunffudjt für eine erbfidje ©etjirnfranftjeit nnb fütjrt aum Beweife ben Namen einer rufß= fetjen gamilie an, beren Mitglieber, burdj brei ©enerationen, bie Opfer biefeS Saßers waren. Burton, ein fetjarfer Beobachter, fagt in feiner „Slnatomie beö ©djwermuttjs:" SBenn ein Betrunfener ein Klub geugt, fo wirb baffelbe nie ein gutes, gefunbeS ©etjirn X)aben. Bor metjren 3al)xtn verliebte ßdj ein junges, gebttbeteS unb aarteS Mäbdjen in einen jungen Mann, ber ein blübenbes ©efdjäft batte unb tjeirattjete itjn. ©ie lebten eine 3cü^ug glüdlidj unb aufrieben mit einanber. 3ufätlig bot ßdj eine Beranlaffung für Verrn B., ben Sßeßen au bereifen, wo er ein ©afttjauS fäußiaj an ßcb. braute. 3n biefem ©efdjäfte ergab er ftd) nngtüdtidjerweife ber Unmäßigfeit unb vernacfyläfßgte fein ©aßtjaus fo fetjr, baß er in eine anbere ©egenb gießen mußte. Er eröffnete bort wieber ein Votet; allein ber Berfudjer tjatte ben SBeg ju üjm fcfyon gefunben, er mußte ausverfaufen unb wieber weiter aietjen. Der Drt, ben er wählte, war noeb, weßltdjer gelegen, ©eine greunbe balfen Üjm nodj einmal mit ben nöttjigen Mitteln, bie Üjn in ben ©taub festen, ein ©aßfjauS au eröffnen, unb feine grau tjiett, wätjrenb affer biefer SBedjfelfäffe, au Üjm mit feltener Sreue, immer b. offenb unb immer betenb, baß er ßdj beffern, unb fein gerrüttete« Bermögen ßdj wieber fjeben werbe. Slffein gum britten Male unterlag er ber Berfudjung. ©ein Votel würbe verlauft, unb er mußte nadj bem ©übweßen wanbern. Er ging Bon bem Saßer ber Srunffudjt 93 auf bem Dljio unb Mifßfßppi btounter nad) New=DrfeanS, von wo er nadj SeraS gog, immer begleitet von feinem treuen, guten SBeibe. Stuf furge 3eit entfagte er bem Srunfe, aber nur auf furge Seit — benn bie Unmäßigfeit unb bas ungewohnte Klima madjten feinem Seben balb ein Enbe. ©ein armes SBeib tjatte bamats jwei Kinber bei ßcb. — bas eine ein Knabe von viertefjalb %a\)xtn, bas anbere ein Mäb- djen von nur elf Monaten — unb nictjt einen Dollar, um ib. neu Brob gu laufen. 3b.re Sage war fdjrediidj, befonberS wenn wir bie verweidjtidjenbe Eratetjung berüd- ßctjtigen, bie ße genoffen, unb uns ber uuerfdjütterlidjen Sreue erinnern, mit ber fte ju üjretn b.ergensguten, aber verführten unb gefallenen ©atten gehalten. Einige 9utfjeraige Seute, bie für bie Unglüdlldje fütjlten, begatjlten für fte unb bie Kinber bie Neifefoßen auf einem ©djooner nad) g>tjtlabefr>tjia. Das ©djiff war fanm einige ©tunben auf ber ©ee, als bie unglüdlldje grau, vom Slenb gebrodjen nnb ßdj ängßigenb um itjre Kinber, von einem beftigen gieber ergriffen würbe nnb in rafenbem SBatjnßnn ßarb. Das Heine Kinb würbe mit ©ewatt aus üjren ßerben- ben Strmen geriffen unb mit füßem SBaffer, wätjrenb ber Nelfe, gefüttert. Die «Paffagtere ttjaten SlffeS, was ße nur au leißen vermochten; aber es war fein grauen- gtmmer am Borb bes ©djiffeS, unb Männer verßeben es nidjt, ein Kinb von fo gartem Stlter, unb bagu nodj wäbrenb einer ©eereife, ridjtig gu beljanbetn. Das SooS biefer armen Mutter muß gewiß jebeS fütjlenbe Menfdjentjerg rütjren. %\)xt Seidje würbe in bas Meer gefentt, unb bie fleinen SBaifen ftnb nun bei einer ga- milie, weldje bie Berßorbene fannte unb für bie Bebürfniffe ber Kinber retdjlid) forgen woffen. Das Kleine war nadj feiner Slnfunft in 9>fjifabetptjia fo abgegetjrt unb gefctjwädjt, baß es ber größten ©orgfatt beburfte, um ben faß ertofdjenen Sebensfunfen wieber angufadjen. Mäßigfeit iß eine Sugenb. Bergeßt es unter feinen Umßänben, baß Unmäßig- feit eines ber gefäfjrlidjßen unb aerftörenbßen Saßer iß. Die Berfudjungen unb Borfpiegetungen biefeS SrafeinbeS unferes griebens, bte verrättjerifdjen Künße, mit benen er uns vom SBege beS NedjtS abführt unb in feine Slrme todt, vermag feine geber au fdjitbern. Der beaaubernbe aber ßudjwürbige Neia, mit bem er unfere ©inne umßrtdt, unfer Vera gefangen nimmt unb ben Berßanb fdjwädjt, ruft unfere Bewunberung bervor. Stje bie ©efabr nodj entbedt iß, iß bas Sntfommen fdjon unmögtidj geworben, unb bas Dpfer iß unrettbar verloren. 3nbem ber angetjenbe Srunfenbolb unbewußt unb vergnügt bem gäbnenben Stbgrunbe entgegeneilt, glaubt er nodj nictjt an bie brob. enbe ©efabr, benft nidjt baran, itjr au wiberftetjen, nnb bemerft es nidjt, wie unaußöslidj ßdj bte ©djlingen beS Berberbens um itjn aietjen. 3eben Slugenblid wädjß bie ©efaljr, unb jeben Stugenblid minbert ßd) bie Kraft, itjr entrinnen au fönnen. Der ©äufer fommt nätjer nnb näljer, ßetjt bie ungebeure Stefe unb fütjlt bie Slngß feines aiüernben VeraenS. Dodj, immer nätjer unb näb. er gietjt es üjn Ijeran: er fann nidjt mt\)x aurüd — nodj ein ©djritt unb nodj ein ©ctjritt, unb üjn verfdjlingt ber gäljnenbe Slbgrunb, unb Vülfe unb Nettung ßnb unmöglidj — er iß verloren. 3ß benn ber Neia biefeS SaßerS fo unwiberßeblidj ? ©ibt es fein Veümtttel für biefe Kranftjeit ? Kann bas Unglüd nidjt vermieben werben? Können bie greimaurer nidjts ttjun, um bie Dpfer au retten? 3a ße fönnen es, wenn fte nie einen betruntenen Bruber bulben ober begünßigen. Mit ber Vanb woblwoffenber greunbfdjaft fofften ße bie 3üd)ttgung voffaletyen. Du 3uredjtweifung fei wafjr, gutgemeint unb aur redjten 3eit gegeben. 94 ©unn's Vauö-Slrgt. Die Brüber werben meinen Eifer entfdjutbigen ; er iß für bas SBofyl ber Menfdj- tjett entbrannt. 3d) fpredje für bie troßlofe Mutter, bie bülßofe SBaife, für bie unglüdlidje, tiefbetrübte ©attin. 3dj trete für bie Sljränen betrogener Siebe auf, für bas ©tötjnen eines blutenben VeraenS. 3d) fpredje für bie leibenbe Sugenb, bie, um ©auf= unb Brausgelage wiffen, vernacbläfßgt unb verlaffen wirb. Mx bäudjt, idj tjöre aus ben ßnßern unb ßüten Sßotjnungen eine ©timme tommen, bie ba mab.nl unb ruft: „D, itjr ©ötjne ber SluSfdjweifung nnb ber UnmäßigfeitI itjr Berfdjwenber, bie i^r bie ©djä£e ber Borfetjung in ©aus unb Braus vergeubet, fommt tjtertjer unb febjt bie ©efäljrten eurer ©djwelgerel, bie Dpfer eurer Sljorljeit. ©eljt bier, bes Baters ©Iota, ber Mutter greube, gertffen aus itjren liebenben Slr- men unb fopfüber tos frütjgettige ©rab geßürat. ©ielj' tjier bie ©eftalt ber 3ugenb unb ©djöntjeit, bie toit eine Blume in garbenpradjt glängt nnb von SBotjlgerüdjen buftet; aber etje ber Morgentljau verfctjwanb ßng ße an au weiten unb ßarb. Viet rutjt ber ©egenßanb tugenbljafter Siebe, bort baS Berfpredjen e^tjetidjen ©lüdes; (jier bie Voffnung beS BatertanbeS, bort ber ©tola ber Neligion — Stiles burdj Unmäßigfeit vergiftet, SlffeS au einem frütjaeitigen, entetjrenben Sobe verurteilt. Befdjaue bir biefe Bilber, unb laffe bidj gewarnt fein \" Die folgenbe Stjatfadje, bte ^rofeffor ©ewetl ergätjtt, möge benen, bie geißigen ©etränten ßdj ergeben, ein warnenbeS Beifpiel fein. 3n ben ©traßen von Sonbon würbe tin Mann gefunben, ber, nadjbem er gana unmäßig Branntwein getrunfen fjatte, geßorben war. Er würbe tos SBeßminßer-Vofpitat gebradjt, unb bie Seictje würbe bort geöffnet. 3n ber ©eljtrntjöljle fanb man eine Quantität IjeÜer glüfßg- felt, bie mit Branntwein gefdjwängert war, ber nidjt nur ©erttdj unb ©efdtjmad, fonbern audj nodj bie Entaünbbarfeit betjalten X)atte. Die glüfftgteit geigte unter ber Slnalvfe ßdj fo ftarf, wie ein Drittel Branntwein unb gwei Drittel SBaffer. SBie fdjredlidj unb gewattig iß biefer Dämon, ber bie Menfdjen treibt unb brängt, geißige ©etränfe im Uebermaße gu genießen, wenn Bernunft unb Erfahrung, Natur unb Neligion fortwätjrenb ße an bie unvermeiblidjen, traurigen gotgen matjnen, Wetdje bie Unmäßigfeit nadj ßdj glefjt. SBenn unfere ©inne uns vor einem natjen, gätjnenben Slbgrunbe warnen, ßnb wir nidjt fing genug, ben ©turg um jeben $rets gu vermeiben unb uns ängßlidj an ben testen gaben beS SebenS gu tjalten ? Unb wenn bie Stergte uns ben fctjäbtidjen Einfluß ber geißigen ©etränfe auf unferen DrganiSmnS nad)weifen, nnb bie Erfah- rung bie SBatjrtjeit iljrer Behauptung beßätigt, warum beßjsen wir benn nidjt genug geßigfeit unb gefunben Menfdjenverßanb, ber Suß, ©ift gu trinfen, um jeben $reis gu entfagen ? Bor Slffem mödjte idj biejenigen, bie üjre geißige Natur X)eben unb verebeln wollen, auf's Ernßlldjße maljnen, einen Bedjer mit geißigen ©etränfen nie gu berühren. DiefeS Saßer übertrifft alle anberen burd) ben fdjäblidjen Einfluß, ben eS auf ©eiß unb ©emütb; ausübt; bte geißigen Kräfte werben gefcijwädjt, felbß wenn bu bet ©efatjr ber Srunfenljett entronnen biß. Biele Menfdjen, bie man für mäßig X)'äU, unb bie ßdj fetbß für mäßig tjalten, tjaben, nadjbem ße bie geißigen ©etränfe gang aufgegeben, an ftd) erfatjren, baß in früheren 3atjren Üjr ©eiß umwölft unb felbß burd) mäßiges Srinfen gefdjwäctjt würbe, oljne baß ße nur bte geringße SÜjnung laoon X)atten. Saufenbe in ben ©labten ßnb ber voffen Välfte Üjrer geißigen Ktaft unb Energie baburd) beraubt, baß ße, wenn aud) mäßig, trinfen. Bon allen Bon bem Saßer ber Srunffudjt. 95 geinben ber Slrbeiterflaffe iß Srunfentjeit ber bitterße nnb gefätjrttdjße. Nidjts brüdt biefe Sila^t fo X)ernieber, nidjts gerßört metjr Üjre ©elbßadjtung unb beraubt ße metjr üjres Einßuffes im öffentlidjen Seben, nidjts entgtetjt üjnen meljr alle Mittel gur Befferung Üjrer Sage, als ber ©enuß gelftiger ©etränfe, wenn er gur ©ewotjnfyeit wirb. Valten bie Slrbeiter etwas auf ßdj, nnb wollen ße ben $la£ im öffentlidjen Seben einnehmen, ber Ib. nen getjütjrt, fo muffen ße vorerß bem ©tafe gängtidj entfagen. ©ie ßnb es fidj fetbß unb Üjrem ©tanbe fdjulbtg, jebes Mittel unb jebe Drganlfation gu förbern, woburcfj ber ©ebraudj geißiger ©etränfe nnterbrüdt werben fann. ©ie fofften biejenigen, weldje ©tabt nnb Sanb mit beßittirtem ©tfte überßuttjen, als itjre bitterßen geinbe, als bie geinbe tljrer Nedjte, itjrer SBürbe unb ÜjreS Einßuffes betradjten. SBofft Üjr ben Unglüdlidjen feljen, ber in ber menfdjlldjen ©efefffdjaft am tiefßen gefunfen iß, fo fdjaut eudj nadj einem Manne um, ber biefem Saßer fo lange ergeben, bis er bemfelben fludjt unb es bod) nictjt von ftd) gu ßoßen vermag; ber bem böfen ©eiße, ber Üjn gum ©lafe labet, folget unb getjorctjet, obwoljl er toti^, baß berfelbe ibm bas Verg gernagen unb nidjt raßen wirb, bis er in ©djam unb Bergwetflung ßdj im Kotbe wätgt, ber SlffeS biefeS weiß unb bodj ruft: Nodj ein ©las nnb nod) ein ©las! Nur ein SBort metjr, unb id) fdjtieße. ©eb' bem erßen ©lafe aus bem SBege; bie erße Betfudjung Ijat Saufenbe gu ©runbe gerietet 1 23etrad)tunöen über ßekn unb Moral $taibi$>lä$e für llntyettyeitatmete. enn wir uns ben ©efätjrten ober bie ©efätjrtin für'S Seben wägten, fo follten Wir jebe möglidje Borßdjt gebraudjen, einer fdjledjten SBatjt vorgubeugen. SBir ßnb für biefen Qtotd mit gang befonberen Eigenfdjaften ber Borßdjt nnb Ktu-gtjeit von ber Natur-auSgerüßet worben, unb taffen wir In biefem gaffe bie Seibenfdjaft walten, anßatt bte ©timme ber Bernunft gu X)öxtn, fo gerßören wir oft bas ©lud unferes Sebens unb vererben Seib unb Slenb auf unfere Nactjfommen. Bleie über* fetjen biefe ©efatjr wiffentlidj; Slnbere (lürgen ßdj in biefelbe aus Unwtffenljett. 3dj weiß es, gar Mandje betradjten eine Slbfyanblung über biefen ©egenßanb als gu fifjUdj unb unanßänbig; allein SBabrbeit iß mein Seitßern, unb Idj tjatte es für meine $flid)t, offen unb furdjttos bte ©efatjren unb bie gotgen nadjguwelfen, weldje aus bem Sb. eßanbe nictjt nur für bie Berb. eirattjeten, fonbern audj für itjre Kinber entfpringen. Das eine biefer @efe£e begießt ßdj auf bie Blutsverwanbtfdjaft ober Die Berwanbtfdjaftsgrabe ber Berb. eirattjeten. Die Erfahrung tetjrt, baß eine ungefvwtbe Konßitutlon bas unfetjlbare Erbt ber Kinber iß, bte von verwanbten Eltern gegeugt werben. Es iß eine ausgemachte Stjatfadje, baß bie Kinber blutverwanbter Eltern an ©eiß unb Körper gegen Kinber, bie von nidjtverwanbten Eltern abßammen, gurüdßetjen. ©ie ßnb ofl giemlidj gefunb, nnb foldje Beifpiele werben bann geroötjnlidj angeführt, um V>eirattjen gwifdjen Btutsverwanbten gu befürworten. Slffein biefe ßnb Slu^ natjmen von ber Neget, ober vielmehr biefe ftnb eingetne Beifpiele, in weldjen bie Ungefunbtjett nidjt bebeutenb iß unb nidjt genug hervortritt, um in bem Menfdjen« gewütjte beacljtet gu werben, ba fo Biete aus anberen Urfadjen ungefunb ßnb. &i genügt für unfere Behauptung, baß eS allgemein gugeßanben wirb, baß Kinber ani Stjen von Btutsverwanbten viel etjer eine ungefunbe Konßitution X)aben, als Kinber aus anberen Stjen. Die erßeren fofften barum um jeben $rels gemieben werben, ba man ßctj einer ©efatjr ausfetjt, in bie man vernünftigerweife ßcb, gar nidjt wagen foffte. Es iß ein Unglüd, baß Bettern unb Bafen aus Berwanbtenliebe, burdj tjäußgen Umgang unb aus anberen Urfadjen gu Neigungen veranlaßt werben, bie eine enbttdje Ber.tjeiratung wünfdjen taffen unb aud) X)erbeifütjren. Slber gerabe biefe Bertjältniffe erb. eifetjen es von uns, um fo nadjbrüdltdjer, 3eber» mann vor biefer brotjenben ©efaljr gu warnen, greunbe, bie, ber retcljen Mitgift tjatber, oft ßdj beßreben, Bettern unb Bafen mit einanber gu verljriratfjen, follten ßatt beffen alle ib. re Berebtfamfeit anwenben, üjnen ben ©djmerg gu fdjübern, ben fit über unheilbar fdjwädjlidje Kinber, bie watjrfdjetnltd) vor ttjnen ßerben würben ertragen werben. Es wäre fogar fetjr gut, wenn in ber Srgteljung ber Sugenb 96 SS Natbjctjfäge für Unverheiratete. 97 biefer $unft berübri würbe; benn was iß wichtiger, als junge Seute bei Üjrem Ein- tritte in'S Seben vor einem ©djritte au warnen, ber itjr ganaes fünftigeS SebenSglüd untergraben fann. Die ©djamb.aftigfeit, wirb man einwenben, verbietet es, mit ber Sugenb von einem folgen ©egenßänbe au fpredjen; aber wir tjalten biefe ©djamfjaftigfeit für eine fatfdje 3imperlicb/feit, bte mit SBorten es fetjr genau nimmt, wätjrenb Slnbere ein Dpfer ber gefätjrlidjften 3rrtb,ümer werben. Die Sugenb bei- ber ©efdjledjter foffte ernßlidj gematjnt werben, fdjon vom Slnfange an ©efüfjte au unterbrüden, bie ße au Vetrattjen mit Btutsverwanbten führen fonnte. Sdj tjabe feinen 3weifel, baß, wenn es mögtidj ober ratbfam wäre, baß nur Männer unb grauen aus verfdjiebenen Sänbern fidj Ijetratben bürften, fte gewiß eine Nadjtom- menfdjaft eraeugen würben, bie geiftig unb törpertidj fräftiger wäre, als bas gegen wärttge ©efdjledjt. SBir feben bie Bortljeite, bte baraus erwadjfen, an ber Kreu= jung ber Sbiere, unb ber StderSmann toti^, baß ber ©ame beS ©etreibes, ber aus fremben Sänbern fömmt, eine überreidje Ernte gibt. Dies ftnb unbeßreitbare Stjat- fadjen, unb wenn man biefetbe ©orgfalt, biefelbe Umftdjt, bie man auf bie Ber= eblung ber VauSttjiere verwenbet, im vorigen Satjrijunbert auf bie Berebtung bes MenfdjengefdjtecbteS verwenbet tjärte, fo würben gegenwärtig unfere Kontingente für bie Srrentjäufer unb ©efängnlffe bei weitem nidjt fo groß fein, als ße wirflieb ßnb. Denn wer wirb es au leugnen wagen, baß bas Menfdjengefdjtedjt berfelben Berebtung, wie bte VauSttjiere, fätjig fei ? 3ß es batjer nidjt befrembenb, baß ber Menfdj, ber foviet über biefen ©egenßanb geforfdjt unb bie ©efeije, bie auf benfelben Begug tjaben, als gültig anerfennt, biefe ©efejje mtßadjten foffte, wenn es ber gortpflanaung feines eigenen ©efdjledjts gilt? Unb bodj, wie furgßdjtig iß bas Snbivibuum, bas, wenn es ßdj vertjeirattjet, bie förperlidjen unb geißigen Eigenfdjaften nidjt berüdßdjtigt, bie feine Kinber waljr- fctjeintictj erben werben, unb baß ein großer Sbeil feines eigenen SebenSglüdeS von bem fünftigen Benehmen biefer Kinber bebingt ift; baß bie böfen ober guten Sfjaten berfelben bie SBirfung ber geißigen, ftttlidjen unb förperlidjen Drganifation ftnb, bie Üjnen angeboren wirb. Die ßtit rüdt mit Niefenfdjritten näber, in ber wir genöttjtgt fein werben, biefem ©egenßänbe meljr Slufmerffamfeit au fdjenfen; benn bie Beweife ßnb fo flar unb bie Sbatfadjen fo fdjlagenb, baß bie Eltern für bie Unmoratität, wie bie förperlidjen gefjter ibrer Kinber ebenfo fetjr gefabelt, als bebauert werben muffen. Daß bie ©efidjtsaüge, bie ©timme unb bie ©ewoljnbelten ber Eltern auf bie Kinber ftd) vererben, ift eine affbefannte Stjatfadje, obwobl ße nodj feine foldje affgemeine Siner* fennung gefunben tjat, als man billiger SBeife erwarten foffte; unb benjenigen, bie über biefen ©egenßanb nadjgebadjt tjaben, wirb es flar geworben fein, baß Mängel beS ©eißeS unb bes Semperaments, ebenfo gut wie förperlidje getjfer unb Kranftjeiten vererbt werben fönnen. Dodj barf natürtidj ber Beߣ von ©eißeSgaben mit itjrer fpäteren Entwidetung nidjt verwedjfelt werben. Dtefelben ©eißeSanlagen, bie in ben Eltern gar nidjt burdjbradjen, ober nur fetjr fpärlidj aum Borfdjein famen, mögen, wenn vererbt auf ein Kinb unb burdj Eraietjung unb günßige Umßänbe entwidelt, vielleicht aum glänaenben Salente ßctj entfalten, wenn Stjrgeia unb Betjarriidjfelt biefe Entfaltung befdjleunigen. Bortlebe für irgenb einen ©egenßanb in bem Bater mag in bem ©oljne aum ©enie ßcb. entfalten, ober btefefben geißigen Stnlagen unb Elgentljümlidjfeiten mögen in Bater unb Kinb ßcb, offenbaren, nur mit bem Unter- 7 98 ©unn's VauS = 5lrjt. fcbirbe, baß ße bei bem Einen ober bem Slnberen mit metjr Kraft unb grlfdje hervortreten. Sßir bürfen audj nidjt vergeffen, baß alles befonbers Gbarafterißifajf an ©riß unb Körper gewiß auf bie Kinber vererbt unb nur fowett verringert roirb, als ber Unterfdjteb in biefen Rupften awifdjen Bater unb Mutter erlaubt. Diefe Stjatfadje Iß von tjotjer SBidjtigfeit, wenn wir bie ©treitfrage begüglidj erblidjer Sigenfdjaften lefen woffen, in fo weit ßdj biefe befonbers auf bie Bererbung von ©eißeSanlagen begietjt. NapljaePs Bater war audj ein Künßler. — Die Mutter Banbvd's war eine ans* gegeictjnete Blumenmalerin. — Der ©roßvater bes überfpannten Benvenuto Setiini war ein Slrdjiteft, unb fein Bater war in Bau- unb 3eidjnenfunß aiemlldj bewanbert. Bon $armigiana,S Eltern wiffen wir fetjr wenig, ba fein Bater fetjr jung ßarb; aber feine beiben Dtjeime waren Mater unb unterrichteten itjn in ber Kunß, in weldjer er ttjettweife felbß mit Eorreggio wetteiferte. Safaro'S Bater unterrichtete ibn im 3etctjnen. — Bantoo, gewötjnlidj ber Nitter Sarlo genannt, Vofmater unter Subwtg XV., unb ein Künßler von ausgeaetdjneten ©aben, war ber Bruber, ©otjit, Snfet unb Urenfet von Matern. — Vorace Bernet, ber au ben erßen unb beßen Malern ber neuen franaößfdjen ©djute gätjlt, iß ber ©otjn von Kart Bernet, beffen Bilber von ^ferben unb Vausttjteren fo ausgeaeidjnet ftnb, unb ber Snfef von 3ofeptj Bernet, beffen ©eebilber fo vortrefflidj ßnb. Der Bruber bes Sedieren matte gern, obwotjt er ein Bucfjljänbter war, unb tjatte es fo weit in ber Kunß gebradjt, baß feine Bilber oft für Bilber Sofeptjs gehalten würben. — Die 3tr>et jüngeren Bruber Sitian'S, fein ©otjn, fein Neffe unb fein ©roßneffe waren fämmt* lidj Mater.—Die gamttienätjnlidjfeit In Beaug auf ©etßesanlage aeigt ßdj audj In ber gamilie ber Saracci, in weldjer Subwlg unb feine brei Bettern, Slugufttn, Vn; bemfelben ©runbe entfprang bie augenfdjeintidje Sljarafter- 100 ©unn's VauS.Slrgt. fdjroädje ber air-frangößfdjen Slbeligen. Sin ausgegeidjncter frangößfdjer Slrjl beridjtet, baß biefe frangöftfdjen Slbeligen meißenS fdju?inbfüdjtig, verwadjfen unb wabnßnnig waren. Die Nevolution, fügt er bingu, bradjte ein ©efdjledjt von fräftigerem ©djlage bervor. Slus vielen Betfptelen woffen wir bas eine einer abeligen gamilie anfübren, in wetdjer vier aufeinanber folgenbe ©efdjledjter mit SlneuriSma ober $utsabergefdjwulß betjaftet waren. Die Bererbung bes SBatjn- ßnnS wirb ebenfalls von 3cugen von nidjt au begweifelnber ©laubwürbigfeit beftätigt. Dr. Burrows beridjtet, baß erblidje Sinlagen gu biefer geißigen Kranfbeit unter fedjs bis fteben von feinen Patienten ßcb. nadj weifen ließen, unb fügt tjingu, rafj bie Srblidjfeit um ein Drittel größer fei, wenn bie Kranftjeit von ©eiten ber Mutter ßammt. SBir ßnben baber, gang abgefetjen oon allen Bebenfen ßttlidjer unb geißiger Slrt, in biefer Srblidjfeit unb Mitteilung ber Kranftjeiten ©runb genug, warum von MofeS an bis auf unfere 3eü tjerab fo viele ©efe^e gegen bte Berljeirattjungen von Blutsverwanbten erlaffen worben ßnb. Die Siebe mag bas Sluge gegen alle, felbß bie naturgemäßeßen ©efe^e fdjließen; wir bebauern, aber verurtljetlen audj itjre Sfbirrungen; aber feine Nacfjßdjt foffte gegen Sljen gwifdjen Mitgliebern einer unb berfelben gamilie gegeigt werben, bie aus ©elb- ober Et)rgeig ober bes NangeS unb SttetS wegen gefdjloffen werben. Denn wer fann vernünftigerweife foldje Stjen befürworten, bie auf fommenbe ©efdjtedjter Kranftjeiten vererben, weldje ein natür» lldjeö unb ebrbares Berfatjren entweber gang befettigt, ober bodj gemilbert X)ätte. SBie viele Millionen beS menfdjlidjen ©efdjledjteS ftnb an ber Klippe ber Elje fdjon gefdjeitert. Die Völle auf Erben iß eine nnglüdlidje Elje; eine grau, bte Üjren ©atten nictjt liebt, bie feine gärtlidjen weibtidjen Negungen befifyt, bie bie bie Borgüge, welctje fte vorßnbet, nidjt gu fdjä^en weiß unb bie geb. 1er, wetdje fie entbedt, nidjt mit bem Mantel ber Siebe bebedt — eine foldje grau ift watjrljaftig beflagenS- wertfj. VäustidjeS ©lud wirb burdj gegenfeitige Stdjtung bebingt. SBie viele Stjränen fließen im ©tiüen — wie viele Vergen ftnb gebrochen — wie viel Sebensglüd iß in feiner Blüttje burdj bie falfdjen Slnßdjten gefnidt worben, weldje bte Eltern bei ber SBatjt von SebenSgefätjrten für itjre Sodjter leiteten. SBenn Su- genb unb Saßer verbunben werben, bürfen bie Sttern bann baS ©lud itjrer Kinber boffen? Unb bodj, wie oft wirb ein reidjer Bewerber einem tugenbtjaften jungen Manne vorgegogen? SBirb nidjt meiftens, totnn tin Mann um bie Sodjter eines Mannes anb. alt, vor alten anbern bie grage geßefft: „3ß er reidj ?" — 3a, er iß reidj; er tjat ©elb In Menge; allein, wirb er barum audj ein gärtlidjer unb liebenber ©atte fein? 3ß er reidj ? %a, er getjt in ©ammet unb ©eibe unb lebt wie ein gürß; allein beweiß bieS audj, baß er tugenbtjaft iß ? 3ß er reidj ? Sa, feine ©djiffe burdjfegetn alle SBeltmeere; aber wie, wenn ber Neidjtljum trügerifdj itjn verläßt? Unb wollt itjr freubig einwilligen, baß eure Sodjter Vanb unb Verg an einen Mann verfdjenfe, ber feine anbere Empfehlung, als fein ©elb tjat? D t>ütet eudj, es iß nictjt alles ©olb, was glänjt. gragt barum nictjt: 3ß er reid), fonbern : 3ft er tugenbtjaft? gragt nictjt: beftijt er Neidjttjümer, fonbern beßfct er Stjre ? Cpfert nidjt ben grieben eurer Socijter bem Mammon, ber bie SBurgel alles UebelS iß. Sßie Biele glauben, baß Netcbtbum allein ber ficberße Bürge für bas gufünftlge ©lue! ibjes KinbeS iß; ©olb iß itjr ©ott unb ber Slbaott fbrer gamilie. ©djlagen ix)xt Die Mutter. 10.1 Erwartungen einer reidjen Veirattj feljt, fo jammern unb ffagen ße, als wenn bet tjödjße 3wed üjres SebenS verfetjlt worben wäre. SBie wafjr ift bodj bas alte SBort: „Diejenigen, bie reidj fein werben, faffen in bie ©djlingen ber Berfügung unb in funbige ©elüfte, bie ben Menfdjen in'S Berberben ftürgen unb gur Berbamm- niß führen." ©udjt barum für eure Sodjter Männer von gutem Etjarafter, von Bilbung, reiner Sugenb unb, vor Slffetn, voff vom ©lauben an ein ewiges Seben. Das Bewußtfetn, baß ©ott uns fjitft unb mit uns gufrieben ift, unb bie Voffnung auf bie ewige ©eligfeit verleiben bem Seben einen grieben unb eine greube, gegen bie alle irbifdtjen Bergnügungen geringfügig unb unbebeutenb ßnb. Ober, Mann, beine erße grage iß : 3ß ße reid) ? 3a, bann wirb fte ber Käufer eines ©alten, unb fte, bie ben größten Neidjtbum als Mitgift ertjäft, tjat gewiß audj bie größte SaX)l von Slnbetern. D, wir bebauern unb betrauern eS von gan- gem Vergen, baß fo viele Männer fo feljr entartet ftnb, baß ße jebe Sugenb Dem Motod) beS ©otbes opfern. SBir mödjten jeben vernünftigen Menfdjen fragen; Kannß bu Sugenb um ©olb laufen ? Kannß bu t>amit jene Veiterfeit bes ©eißeS erfaufen, bie nur ein Seben voff von SBeisbeit unb Nedjtiidjfeit bir verleiben ? Ober fannß bu, was bodj bas SBidjtigße ift, bamit bie wabre Siebe gewinnen, bte bod) bas fdjönße unb reidjfte ©efdjenf beS VimmelS ift? Der größte geinb watjrer Siebe iß ber getbfüdjtige ©eiß unferer 3eit. Vetratben werben je£t nur gu oft beS ©etbgewinnfteS balber gefdjloffen. ©ewiß wirb Nie* manb Stjen, bie oljne Berüdßdjtigung ber Mittel auf's ©erattjewob. 1 l)in gefdjloffen werben, verttjeibigen woffen. SBir verbammen nur foldje Stjen, bei benen bloS baS ©elb unb Weber bie Uebereinfttmmung ber Etjaraftere, nodj ber Vergen berüdßd)- tigt wirb. Darin liegt ber ©runb ber meißen unglüdlidjen Eben. SBie fotlen Eltern, bie einanber nidjt lieben, erwarten, baß Verg nnb ©emüttj itjrer Kinber bie watjre SluSbilbung erijalten follten ? Die Välfte ber ©pötter, ber ©elbftfüdjttgen, ber Ungläubigen unferer ßtit ßammen aus Eben, in benen feine Siebe tjerrfdjt; mit ber Muttermitdj fogen fte bie Slnßdjt ein, baß alle 3uneigung, alle Siebe nidjts als eitler SBatjn fei. SBürbe bte SBelt immer fidj baran erinnern, baß bas SBotjl bet Elje nidjt nur bas ©lud von Braut unb Bräutigam, fonbern bas geitlidje unb ewige SBoljt unb SBeb. e itjrer Kinber bebingt—bie Stjen würben bann mit meljr Borßdjt gefdjloffen werben; bie Siebe würbe mebr, baS ©elb weniger entfdjetben. $te Wluttet. Die Sage ber Kinbfjett, bie längß entfctjwunbenen Sage ber Knabenjeit, bie Siebe unb bas ©ebet ber tbeuren Mutter, bie ©timme eines ©ptelgefäljrten, ben wir lieb gewonnen, unb ber [\d) entfernt X)at, bte attertbümlidje Küdje nnb bas ©djulljaus ßetgen mit allen itjren fußen unb gezeitigten Erinnerungen, fowoljt in ber fdjwargen ©tunbe ber ©ünbe unb bes Kummers, als audj in fröblidjen Reiten vor unferet ©eeie auf. ©otdje Erinnerungen ßnb wie bie an einen angenebmen Sraum unb ßnb gleidjfam tin ©tratjl beitiger Netnljeit unb Steblidjfeit. ©owobl in Begug auf ©uteS, als audj auf Böfes iß ber Einfluß ber Mutter ein außerorbentlidjer. SBäfjrenb ber Kinbtjeit, bie notbwenbtgerweife in Slbgefdjloffen- $eit gugebradit wirb, fann bie mütterlidje Ergiebung ben Neigungen unb geißigen 102 ©unn's VauS-Strgt. Sinlagen irgenb eine beliebige Nidjtung geben. Diefe Srgieljung legt ben ©runt jum SBobt ober gum Sßet), unb bas fpätere Seben fann nidjts baran anbern. Dei Bater, gteidjviel ob er ein öffentlidjes Slmt befleibet, ober ob feine lljätigfett eine geräufdjlofe iß, verfebrt mit feinen Kinbern nur wenig unb nur von ßtit gu 3eitj er tjat faum 3eit, fie mit einem eiligen Umarmen unb gärtlidjen Kuffe gu begrüßen, ba feine ©tellung im Seben feine Stjätigfeit anberswo in Slnfpructj nimmt. Slber bte Mutter, für bie VäuSlidjfeit einen Neig tjat, beren ©efetlfcbaft unb beren SBelt bte Kinber ftnb, übt über bie wadjfenben Kräfte berfelben einen Einfluß aus, ber von üjrem Berftanbe unb üjrer Slnljänglidjfeit an üjre Sleblinge bebingt wirb. Diefer Einfluß ber Mutter iß außerorbenttidj ßarf, obvootjl faum merfbar, unb idj fage nidjt gu viel, wenn idj betjaupte, baß all' bie gärtlidjen ©efüljle unb fanften Neigungen, bie ßdj im Süuglinge fowofjl, als im Manne entwidett tjaben, gu ber 3rit entftanben, als bas Kinb gu ber Mutter güßen lag nnb, mit bem Kopfe auf itjren Knieen, auf itjre milben, bodj ernfttjaften Borwürfe tjordjte. SBenn bie gutraulidje ©timme bes KinbeS ßdj an bie Mutter wenbet, wenn es wegen einer ©adje im 3n>etfel, ober wenn es ßdj feiner Unwiffentjeit bewußt iß, ober wenn ©efatjr ober Unljeit brotjt: bann fütjlt bie Mutter, baß itjr Kinb gu itjr binaufblidt Wie gu ber ©otttjett; wenn bas Kinb fidj an fie fdjmiegt unb üjren SBorten unbe- bingten ©lauten fdjenft, bann fütjlt ße ßdj angefpornt, felbß vofffommener ju werben, ba ße gewatjr wirb, baß itjr Kinb ße als ben tjödjften ©rab ber Sßetstjeit, Siebe unb ©djöntjeit anßetjt; unb, wenn ße eine Stjriftin iß, wirb es itji ernßltdjes Beßreben fein, bie Bereljrung ib. res KinbeS gu itjr auf unferen Bater im Vimmel gu tenfen, bem allein Bereljrung unb Stnbetung gebütjrt. SBenn eine geroiffentjafte, ctjrtfilictje Mutter fütjlt, weldj' einen unbegrengten Einfluß ße auf iljr Kinb ausübt, fo gelangt fte gu ber Uebergeugung, baß ße nur einen untergeorbneten tylafy in ber Siebe beS SBefenS einnehmen foffte, weldjes Nadjt unb Sag ber ©egen* ßanb tljrer ©orgfalt unb itjrer Mütjen gewefen ift; nnb, wätjrenb fie fogar wünfdjt, baß biefeS fo fein foffte, wer fann fidj bie Niebergefdjlagentjeit benfen, bie ßcb. itjrer bcmädjttgt, unb bie bie Urfadje iß, baß ße nodj meljr auf eine fdjöne 3ufunft im Senfeits baut, wenn fte tjinausblidt in bie gerne unb ßdj in bie 3cü öerfe^t ftetjt, wenn ibr Kinb felbft einen SebenSgefäljrten unb Nadjfommenfdjaft X)ahtn wirb, fo baß fte in vorgerüdten Saljren, unb altersfdjwadj, ftatt bes gweiten $laijeS nur ben vierten ty\a% im Vergen itjreS KinbeS einnehmen werbe. g>tjilofoptjen tjaben über bas SBefen ber Mutterliebe Betrachtungen angeßellt, Dtdjter tjaben fte befungen, unb ©otteSgeletjrte X)aben Berufungen unb ^rebtgten über biefen ©egenßanb getjalten; wetdjer Mann tjat aber je eine Sbee von jener namentofen, teibenfdjafttict)en 3ärtlicfjfeit getjabt, bie im Vergen einer Mutter wotjnt? Nidjts fommt ber Mutterliebe gteidj. 3n ben Saljren ber ©etbftßänbigfett mögen wir uns alten möglidjen Bergnügungen tjingeben; aber niemals wirb ftd) etwas uns geigen, was ber Mutterliebe gteidjfommt. Dem weiblidjen Stjarafter iß vieffeidjt niemals größere Stnerfennung gegofft werben, als es burdj ben wrjtor» benen Svtjann Nanbolptj aus Noanofe gefdjetjen iß. 3ur 3eit, als er ©efanbter am frangöftfdjen Vofe war, würbe er von bem ©tmbel ber Ungtäubtgfeit, bte bamals viele Seute anßedte, baburdj ferngetjatten, baß er feiner Mutter gebadjte, Die üjm, als er ein Kinb war, bie Vänbdjen gufammentegte unb üjn fagen lief: ,Unfer Bater, ber bu biß im Vimmel !" Diefes Befenntnifj iß watjrljaft rüljrenb; bo^ ^ id faao 'iw: ... ' ■■:i- -■ ii,- -'ctt'Dri, -.»en" cc an'«' M»ft ; > ">; ■'.. ittte;. tt$ it)f Kitte j*r.H •■ t-i. • uj 4*it . n fte ft^tiegt nnb il+en v-J^ rit^yie- •■djf an/o'retat, felbß iL'rjsBKWf-'ju * n «Hv.tjne- <■ '?er KBe-J^eil, ■ /. *>r' ,= Ptl* etl f$» i,- ■ -. vCU [,': vtfr l« S .:• eine vir •. v ürt 1 fr-;..y.^i ' Die Mutter. 103 fönnten taufenb Slnbere baffelbe ergäfjten. Mann, o fönnteß bn in ber %X)xänt, bie in ben Stugen einer Mutter gittert, ben ßedjenben ©djmerg itjrer ©eeie lefen, wenn ibr, inbem itjre Stugen auf ben lieben, fleinen ©djwäfcer gerietet ftnb, ber ©ebanfe auffteigt, baß alle itjre ©orgfatt, itjre Slngß, bte itjr ben ©djlaf raubt, unb vor Slffem itjre innige, aufopfernbe Siebe mit Unbanf betotjnt werben fönnten. SBenn ber Job uns bie geliebte Mutter raubt, bann, o bann erfennen wir, wie fetjr ße ßdj für uns aufgeopfert X)at, unb wir bereuen bitterlidj jebes SBort unb jeben Blid, woburd) wir Unfreunblidjfeit gu erfennen gegeben tjaben. ©oldje ©ebanfen fofften uns ein ©porn fein, SiebeSbienfte gu erweifen, et)e es gu fpät ift; benn, wer fann fagen, wie balb SBiebervergettung auf Neue folgen wirb, ©leid) nadj ber Srridj tung bes ©ouvernements, wie es jefet tjier gu Sanbe beßetjt, eilte ©eneral Sßaftjing- ton nadj greberidsburg, um feiner Mutter einen pßidjtfctjulbigen Befudj abguftat* ten. Diefes gefdjatj, etje er nadj New=SJorf reiße, unb ein rütjrenber Stuftritt fanb bei bem Befudje ftatt. Der ©otjn brüdte feine innige DtjeÜnaljme über bte gefdjwädjte ©efunbtjeit feiner alten Mutter aus, bie von einer langwierigen Kraul* tjeit tjeimgefudjt worben war, unb fpradj gu itjr wie folgt: „Das Bolf ber Bereinig* ten ©taaten tjat midj mit einer Sinftimmigfeit, bie meinem Stjrgrige nidjt wenig fdjmeidjelt, gu feinem tjödjften Beamten gewab.lt ; aber etje idj meine ©teile antrete, fomme idj gu bir, um bir von gangem Vergen Sebewoljt gu fagen. ©obalb bie öffentlidjen Stngeiegenljriten, bie bie Sinfe^ung einer neuen Negierung nottjtotn* bigerweife mit ßdj bringt, georbnet ßnb, werbe id) mid) nad) Birginten aufmachen, unb —" Die alte gran unterbradj üjn unb fagte: „Du wirft midj nidjt wieberfetjen, lieber ©oljn; mein tjotjeö Stlter unb meine Kranftjeit, bie meine ©efunbtjeit gerrüt* tet, laffen midj atjnen, baß idj nidjt lange meljr auf Erben weilen werbe. 3d) fütjle, baß id) für einen bejferen 3ußanb vorbereitet bin. ©eb/, ©eorg, unb erfülle bie Ijobe $flid)t, bie ber Vimmel bir auferlegt tjat; gel)', möge ber ©egen ©ottes unb ber beiner Mutter bidj begleiten." Der 9>räfibent war tief gerütjrt. ©ein Kopf rutjte auf ber ©djulter feiner alten Mutter, bie üjren frafttofen Slrm gärttld) um feinen Vats gefdjtungen tjatte» Die ©tirn, weldje ber Nutjm mit bem fdjönßen Sorbeerfrang gefdjmüdt tjatte, weldjen Sugenb jemals einem ©terbtidjen verlietjen tjat, veränberte itjr majeftätifdjeS SluSfeljen, Sener Blid, ber einem römifdjen ©enate gur3eit ber gabricter tjatte Etjrfurdjt einflößen fönnen, tjeftete ßdj mit ftnb« Itdjer 3ärtlidjfeit auf baS forgengefurdjte Slntlljj biefer etjtwürbigen Mutter. Der große Mann weinte, taufenb Erinnerungen fliegen in Üjm auf; er gebadjte längß entfdjwunbener 3eiten; er gebadjte ber Jage ber Sugenb, bie er unter bem elterlidjenDadje verlebte; bamats war feine Mutter fein Vauptanljaltspunft; burd) itjre ©orgfalt, itjre Setjren, itjre Srgteljung würbe er befähigt, bie tjöctjfte ©tufe bes NuljmS gu erfltmmen, nadj weldjem löblidjer Etjrgeig ßreben fann; aber er vergaß feine rutjmvoffe Saufbatjn, als er feinen Blid auf feine alte, franfe Mutter tjeftete, von ber er ßdj in Bälbe trennen foffte, um ße auf Erben nictjt wieber gu feljen! Die Slljnungen ber alten grau erfüllten ßdj. ©ie unterlag ber Kranftjeit, bie feit langer 3eit itjre ©efunbljeit untergraben tjatte, unb ße ßarb in üjrem fünf nnb adjtgigßen SebenSjatjre in bem frommen ©tauben an ein ewiges Seben. „SluS einem guten Sinahtn wirb ein guter Mann," fagte SBaftjington's Mutter; „©eorg war immer ein guter Sunge." Vierin liegt bas ©ebeimniß feiner ©röße. ©eorg SBaftjington tjatte eine Mutter, bie Üjn gu einem guten Knaben erjog; burdj 104 ©unn's VauS-Slrgt. iljre Srgietjung prägte er ßdj bie ©runbfäfce ein, burd) beren Slnwenbung er bet Sßotjlttjäter feines S^aterlanbeS würbe; er war ein Mann, ber ber Menfdjbeit gm 3ierbe gereidjte. SBafbington's Mutter fann mit gug unb Nedjt auf bie Danf« barfeit bes amerifanifdjen BolfeS Slnfprud) madjen. ©ie pflangte in bas Verg ifjrea Knaben bie ©runbfä^e beS ©eborfamS, ber ©ittiidjfeit unb ber Sugenb. ©ie war es, bie viel bagu beitrug, ben ©runb gu SBaffjington'S ©röße als Velb unb Staats- mann gu legen. Dabeim tetjrte fte ben unbefangenen Knaben, ßdj felbft gu betjerr« fdjen, unb auf biefe SBeife würbe er auf bie glängenbe Saufbatjn vorbereitet, roeldje er fpäter betrat. SBir bauten ©ott, baß er uns einen SBaftjtngton gegeben tjat; aber wir fofften 3b. m nidjt weniger banfbar fein, für eine foldje vortrefflidje Mutter. SBäre ße eine fdjwadje, nadjftdjtige ober gewiffenlofe grau gewefen, fo t)ätte SBafljtngton ber Jvrann feines BolteS werben fönnen, ba er oljne forgfältige Srgietjung nidjt im ©taube gewefen wäre, feine außerorbentlidje Jbatfraft im3aunte gu tjalten. £>ber aber, wäre er in feiner Sugenb nidjt an ©etjorfam gewötjnt tr-or« ben, fo tjatte er leidjt auf ben $fab bes BerbredjenS geleitet werben fönnen, unb fein Enbe würbe ein fdjmäljlidjeS gewefen fein. Bvron tjatte eine Mutter, bie gerabe bas ©egenttjetl von ber SBaffjington's fear, unb ber Stjarafter ber Mutter würbe auf ben ©oljn übertragen, ©ein Stjarafter unb fein Betragen knn uns bemnadj nictjt SBunber neb, men, benn fte waren beinahe bie nonjwenbigen gotgen feiner Srgietjung unb ber Borfälle, beren er in bem ^radjtgtmmer fetner Mutter beiwotjnte. 3u Qtittn geßattete ße itjm, auf watjrljaft empörenbe SBeife ungetjorfam gu fein; gu anberen Qtikn würbe fte gornig unb prii* gelte üjn. ©ie tetjrte iX)n fo gu fagen, menfdjlidjer unb göttlidjer Slutorität Votyn fpredjen, ungegügelt ber ©ünbe gu fröfjnen unb ßdj in ben ©trübet aller mögltdjen Seibenfdjaften gu ftürgen. Es war bie Mutter von Bvron, ber bie ©djutb für feinen fpäteren ßrafbaren Sebenswanbel gugemeffen werben muß. Sfyre ©djutb war es, baß ßdj fein ganges fpäteres Seben burdj ansfdjweifenbe unb veradjtungSroertbe Vanbtungen ausgetdjnete. Könnte bie Siebe einer Mutter von itjren Kinbern gefüllt unb getjörig gewürbigt werben, bann würbe viel metjr ©lud auf Erben fein, als je£t. Sine Mutter, wetdje itjr Kinb beten letjrt, ift baS rütjrenbße nnb ertjabenbße Bilb, weldjes wir uns vorfteffen fönnen. Ueber irbtfdjeS treiben ertjoben, ift fte gteidjfam ein ©dju^ enget, ber uns auf unferer Pilgerfahrt X)iernieben begteitet, ber uns anleitet, ©uteS gu ttjun unb BöfeS gu vermeiben. Die treue Mutter ift bie erfte, bie unferen Hei« nen fdjwädjtidjen Körper trägt nnb wiegt; fte ift bie leiste, bte ßdj von unferer trbi* feben Vüffe wegwenbet, nadjbem ber ©eiß entftob. en iß; ße fterjt uns im Mannes* alter rattjenb unb liebenb gur ©eile, wie ber frifdje, faftige Spljeu ßdj um bie Stdje fdjlingt; je meljr bie ©türme beS SebenS wütb.en, mit beßo größerer Dreue wirb fte ju uns tjalten. Sine treue liebenbe Mutter iß ein Bilb unbefdjreibttdjer Sinmuttj; fte iß wie einer jener Engel, weldje um ben %X)xon ©ottes fdjweben. 3ene rub,ige Veiterfeit, jene gaffung, jene Singen, beren ftratjlenber Blid innige 3ärttidjfeü unb regeel Mitgefütjt für ben unfterblidjen ©eiß auSbrüdt — alles DiefeS ßnbeß bu bei einet treuen, gärtlidjen Mutter. Es war im falten, ßürmifdjen Monat Degember. Die Erbe war mit ©djnee bebedt; tjefttg wüttjete ber Norbwinb unb pßff burd) bie fatjlen SBeiben, weldje bie Die Mutter. 105 ©räber bes grtebfjofeS bes Dorfes «peastev befdjatteten. Sin Nadjtwädjter tjatte feine nädjtttctje Nunbtour beenbet. Da ßelen bie bteidjen ©tratjlen beS MonbeS auf b en Jljeit beS ©otteSaderS, wo bie Slrmen begraben liegen; ber Nadjtwädjter vernaljm Klagetöne, unb als er ßdj einem frifdj aufgeworfenen ©rabe nätjerte, fanb er ein Kinb, auf bem Boben liegenb, weldjes verfudjte, mit feinen Vänbdjen bie Erbe aufgufdjarren. Es war ber Heine $aut, weldjer gwei Jage vortjer verwaiß worben war. „SBaS madjft bu ba, armes Kinb ?" fragte ber Nadjtwädjter. Der Knabe rtdjtete ßdj auf, unb, inbem er tint Jtjrätte von feiner SBange wifdjte, fagte er: „3dj wiff meine gute Mutter fetjen." Der Nadjtwäctjter, geriujrt burdj bie Stntwort, naljm bas Kinb in feine Slrme unb trug iX)n von bem traurigen Drte fort. Metjre Jage lang würbe ber Knabe forgfättig bewadjt; nadj furger ßtit X)orte er auf gu weinen, unb Seber badjte, baß fein ©djmerg ßctj gelegt tjatte; aber ungefätjr einen Monat fpäter würbe er in einer nodj fälteren Nadjt tobt auf bem ©rabe feiner Mutter gefunben. Das arme SBaifenfinb würbe mit feiner Mutter vereinigt! Stm fotgenben Jage würbe er bei itjrer ©eite beftattet. „©etig ftnb, bie ba geißig arm ftnb, benn fte werben ©otteS Kinber Reißen." SBenn bie Mutter* liebe alle anberen Strien ber Siebe übertrifft, fo mußt bu, als ©otjn beiner Mutter, mit inniger Danfbarfeit bie Siebe beiner Mutter erwiebern. Die ßärfften Banbe fnüpfen bidj an beine Mutter; fomme itjr beftänbig mit 3ärttidjfeit entgegen, ©ie wirb bidj tro£ aller beiner geljler lieben; aber bu follteß fo Ijanbeln, baß fie Urfadje tjat, auf itjr Kinb ßotg gu fein. Jäufdje nidjt itjre Voffnungen, fübre feinen faßer* fjaften Sebenswanbet, auf baß bu itjr Verg nidjt vergifteft; begefje feine Vanbtung, bte itjr Beranlaffung geben tonnte, ben Job tjerbeiguwünfdjen. Blide auf Sefus Sljrißus, ber in jeber Begietjung ein Mußer war; liebe beine Mutter fo, wie Er bie feinige liebte; getjorctje, ernätjre, befdjiifee fte, tjalte fte werttj, fo wie Er eS ttjat. ©ebenfe ber SBorte bes SBeifen: „SBer bem Verrn getjordjt, wirb feiner Mutter eine ©tü£e fein." Bebenfe, baß bu burdj ße in'S Dafein gerufen wurbeß, unb wie fannß bu itjr vergelten, was fte für bidj getfjan tjat? Darum, vergiß nictjt bie ©orgen unb Müljen, bie beine treue Mutter beinetwegen tjatte. Nirgenbs unb unter feinen anberen Berfjättniffen erfdjeint ber Stjarafter beS SBeibes In vorttjetlbafterem Sidjte, als am Kranfenbette. Das Kranfenglmmer iß in ber Jbat ber Ort, wo bas ebte SBeib redjt eigentlidj an feinem tylafyt iß. Dort iß bie grau eine iiebtidjere unb angenehmere Srfdjeinung, ats irgenbwo fonß; ße fjanbelt mit geßigfeit, obne babei ftreng gu fein; fte iß gärtfidj, aber nidjt fdjwacb,; iX)xt Jtjätigfrit ift geräufdjlos; ße iß fanft, gebulbig, aufmerffam nnb flagt nidjt. Das ©efütjt ber Jljeilnab, me, weldjes eine 3ierbe beS wetblidjen Sb. arafterS iß, txitt am Kranfenbette gang befonbers in ben Borbergrunb; wätjrenb angeborene gefttg* feit bes Etj arafterS, bie frütjer feine ©etegentjeit X)atk, ßdj gu geigen, in itjrer vollen ©tärfe tjervortrltt. Stjre Jritte im Kranfengimmer ßnb faum tjörbar; aufmerffam tjorcfjt ße auf bas lelfefte ©tötjnen; ße fudjt bem Kranfen an ben Stugen abgufefjen, was er bebarf. ©orgfältig legt fte bas Kijfen guredjt, auf wetdjem ber tjeiße Kopf bes Kranfen ruljt; itjre Vanb fütjlt bie brennenbe ©tirn ober reidjt ben trodenen Sippen ben erquidenben Jranf; nnb ße fütjlt ßdj überglüdlidj, wenn Üjre Siebes« bienße burdj Blide bes DanfeS belotjnt werben. Mit fanfter, leifer ©timme fudjt ße Voffnung einguflößen; ße fpridjt oon fdjönen, glüdildjen Jagen, bie ba fommen werben, nadjbem bie Kranftjeit überwunben iß; ober ße fpridjt von einem bejferen 106 ©unn's VauS*Slrgt. Senfeits, von einer gutünftigen SBelt, in ber uns weber Kranttjeit nodj Kümmel Ijeimfudjen werben; in weldjer ber fdjwadje, tjülflofe, leibenbe Menfdj bie fdjivarje Nadjt bes Jobes nidjt metjr gu fürdjten braudjt. 3n bem 3obeSfd)welgen bet Nadjt, wenn SlffeS in tiefem ©djtafe liegt, bann wadjt bas SBeib einfam am Kran- fenbette, bann füblt fte ©otteS Nät)e, bann betet fte tnbrünßig gu lljrem X)imntlifdjen Spater, baß Er bas Seben bes SBefens verlängern möge, für weldjes fie gern itjr eigenes tjingeben würbe. Uub, wenn nadj langem Sßadjen am Kranfenlager, ber erfdjöpfte Körper Nutje verlangt, fdjeint baS treue SBeib felbß im ©djlafe mit bem ©egenßänbe itjrer ©orge befdjäftigt gu fein, ©ie ßetjt auf nadj furgem ©djlttmmet, ridjtet bie müben Stugen auf bas 3lntti|j beS Kranfen, bann legt ße ßd) wieber gur Nutje, um ntit jebem ©djtage ber Utjr auf's Neue ßd) von üjrem Sager gu ertjeben. SebeS leife ©eräufdj, worauf ße frütjer nidjt geadjtet, weldjes vielmehr bagu beige« tragen tjatte, fte in einen fanften ©djlaf gu verfenfen, wedt ße auf, wenn bie Pflege eines Kranfen itjr obliegt. SBie liebenswürbig erfdjeinen bas SBeib, bie Mutter, bie ©djweßer unb bie greunbin, weldj' großen Slnfprud) X)aben fte auf Danfbarfelt, wenn ße bem ©arten, bem ©oljne, bem Bater ober bem greunbe Pflege angebeüjen taffen. D Mutterliebe! SBie füß Hingt biefeS SBort! Du biß ber Enget, ber über bie Safjre unferer Kinbtjeit wactjte, nnb beffen Sädjeln uns erfreute! D wie gern gebenten wir ber 3riten, bie wir im lieben Batertjaufe erlebten, als bie ftjeure Mutter uns Setjren unb Nattj fdjläge erttjeilte! Unwiüfürfidj erinnern rolr mi an bie Knabengeit, jene golbene gtit, in ber baS wadjfame Sluge ber Mutter fidj nictjt fdjloß, fo lange Üjrem Kinbe bie geringße ©efatjr brotjte. SBie ber Norbßern am nädjtltdjen Vimmel ßcb, unter ben übrigen ©lernen auSgeidjnet, fo fütjrt bie Mutter gleidjfam ben Borftij im Kreife ber gamilie; ße iß bie greube unb 3uw> ßdjt Silier, wenn Niebergefdjlagenbeit unb Bergweiflung ßdj ber ©emütljer bemäd)* tigt tjaben. Einen ertjabeneren 3ug im Etjarafter bes Menfdjen, als bte Siebe ber Mutter ui itjren Kinbern, gibt es nidjt. Sßaljre Siebe iß göttlidjen UrfprungS unb iß ein %x\i* fluß beS ©eiftes, ber felbft bie Siebe iß, unb obgleid) fte Ijäußg in ben ©taut getreten wirb, bleibt Mutterliebe bodj ßets rein, ertjaben unb bauernb. Männer werben Ijäußg burdj äußere Neige gefeffelt, unb bas angenetjme ©efüljl, weldjes Me bei bem Stnbltde ber ©djönfjrit empßnben, begelctjnen wir mit bem Stusbrude Siebe; aber eine Mutter tiebfoß baS fjäßticlje nnb mißgeßattete Kinb gerabe fo, wenn nictjt metjr, wie ein oon ber Natur metjr begünßigteS. ©efjr Ijäußg liegen fdjeinbarer 3uneigung eigennü^ige Slbßctjten gn ©runbe; aber anbers iß es mit ber Mutter; ße flammert [id) an itjre Kinber mit nodj größerer 3ärttldjfeit, wenn biefe ter Slrmutb. unb bem Unglüde preisgegeben würben unb felbft, wenn ttjnen Beradjtung gu Jtjeit wirb. Die Banbe, bie uns an Slnbere fnüpfen, ftnb tjäußg fo fdjwadj, alt Wären fie ein feibener gaben — ein SBort, ein Blid, — nnb ber gaben reißt, um nie wieber angefnüpft gn werben; greunbfdjaft erfattet ober es ftefft ftd) X)erauS, baß fte falfdj war,—bas ©prüdjwort fagt, greunbe In ber Nottj geljen gefjn auf ein Sotlj— ja, wir gweifeln felbß an ber Beßänbigfeit ber Siebe unb greunbfdjaft. gort mit biefen 3weifeln, fo lange es nodj Mutterliebe gibt, biefeS ebelße ©efütjl, weldjes bet Verr beS Vintmels in bas menfdjfidje Verg gepflangt tjat. Die Mutter Ijat Üjr Kinb von ber ©eburt an bewadjt; fte wirb itjm mit Zxtw Die Mutter. 107 anhängen, bis ber affmädjtlge Job ße von üjm trennt. SBie aufmerffam bewacht ße bie auffeimenben gätjigfeiten üjreS SieblingS, wie freut fte ßcb, über baS SBadjfen ber förperlidjen nnb geißigen Kräfte! ©ie lebt mtX)x Üjrem Kinbe als ßdj felbft, uno fo innig verwädjß üjre Natur mit ber üjreS KinbeS, baß ße alle feine greuben mit* genießt unb alle feine Seiben mit üjm empßnbet. Verber fagt: „Eine Mutter liebt itjr Kinb nidjt bloS beswegen, weil es liebenswürbig iß, fonbern wetl es ein Jfjeit itjreö eigenen ©eins, bas Kinb ÜjreS VergenS iß, in weldjem ßcb, ttjr eigenes SBefen Wieberfpiegelt. Datjer fommt eS, baß fie feine Seiben mitfütjlt; Üjr Verg fdjtägt tjötjer, wenn itjr Kinb ßcb, freut; nüjtg fließt itjr Btut burcb, itjre Stbem, Wenn ße e;* an ßcb, tjätt unb es an tfjrer Mutterbruft Nahrung einfaugt." SBenn Semanb In Strmuttj ßnft, wenn er plö^tidj gafjlungsunfäljig wirb, bann wirb er von früheren Befannten gemieben, unb faß Sitte geben iX)m aus bem SBege; aber e i n SBefen wirb wie ein Sngel an fetner ©rite ßeljen, wirb Üjn auf* gumuntem fudjen in feiner Niebergefdjlagentjeit, wirb üjm Mutb gufpredjen, auf's Neue frifctj an'S SBerf gu geb.en; es wirb SlffeS für iX)n üjun, was in feinen Kräften ßefjt, unb biefeS SBefen — wirb feine Mutter fein. SBenn Semanb ben Borwürfen ber SBelt ausgefegt iß, mögen biefe Borwürfe ver* bient ober unverbiertt fein, fo iß Sebermann bereit, Berwünfdjungen gegen ib,n ausgußoßen; bie Sßelt tjat lein Mitteiben für einen gefallenen Bruber, entweber meibet fte üjn, ober fte fludjt üjm. SBie gang anbers wirb baS SBefen üjn beur* ttjetlen, bas üjn gebar! ©einer Mutter fommt es nidjt in ben ©inn, baß ein foldjer SBedjfel eingetreten iß; fte will nidjt gu ben geinben üjreS KinbeS gehören. Unb foffte ßdj bennod) bte traurige BBatjrtjeit nidjt wegleugnen taffen, baß es Unredjt getljan, bann trößet fte ßcb, nod) mit bem ©ebanfen, baß üjr Kinb nodj nidjt SlffeS verwirft tjat; unb wenn es audj Jabel verbient, fo tjat es bodj auf Mitletb Slnfprud) ju madjen. Das Verg ber Mutter mag bredjen, aber auftjören itjr Kinb gu lieben— bas fann fte nidjt. SBir mögen auf's Kranfenlager geworfen werben, wir mögen qualvolle ©djmergen auSgufteb. en X)aben, wir mögen in golge einer anftedenben Kraul* tjeit auf ©terben liegen; unfere vermeinttidjen greunbe verlaffen uns ; ße bürfen ^id) uns nictjt näljern, woffen es audj nidjt tljun—aber ein SBefen wirb uns in unferer Kranffjeit pflegen—bie tljeure Mutter wirb uns nidjt im ©tidje taffen; ße toiU bie Pflege ÜjreS KinbeS feinen SBärtern überlaffen, beren Dienfte man für ©elb erlaufen muß, obgfeidj jebe ©tunbe, bie ße an bem Sager ÜjreS franfen Kin* beS gubringt, Üfjr eine ©tunbe ber £}ual unb bes ©djmerges iß. ©ein ©töt)nen burdjfdjneibet itjr Verg, aber ße fudjt itjre ©djmergen vor üjm gu verbergen; fie weint, aber fte wenbet ßdj weg, bamit er itjre Jtjränen nidjt bemerft. ©ie bewadjt Üjn in feinem ©djlummer, fußt bie tjetßen Sippen beS Kranfen, fte beruhigt fein ©ewiffen mit bem Balfam ber Netigion unb erfletjt für tX)n bie ©nabe ©otteS, vor beffen Nidjterßutjl er vteffeldjt balb erfdjehten mu^. SBenn Stiles rutjig unb ßiff iß, bann fenbet bie Mutter Üjre ©ebete gen Vintmel, baß bas Seben ÜjreS KinbeS ertjalten bleibe; unb wenn baS nidjt fein fann, betet fte für feine ©lüdfetigfeit im jenfeitigen Seben. Er ßirbt. ^>tin Job iß ein furdjtbarer ©djtag für feine Mutter, ber itjr fetbß bas Seben foßen fann, nnb wenn bies Sreigniß nidjt eintreten foffte, fo wirb ße einfam unb betrübt baljtnteben; ße wirb ßdj nadj jener SBelt fetjnen, in ber ße Itjr geliebtes Kinb wieberßnben wirb, unb in ber feine Jrennung burdj Job ßattßnbet. 108 ©unn's VöuS-Sirgt. Mit fdjlidtjten, berebten SBorten wirb bie gärtlidje 3uneigung ber $aa,ax im alten Jeßamente gefdjllbert. 3n ber SBiltntß ßnbet fte ibr Kinb—Üjren eingigen @efäl>r. ten — bem ©terben natje, in golge Mangels an Nabrung, wäbjenb ße felbß von brennenbem Durß gequält würbe unb gänglidj erfdjöpft war. Die SBaßerflafdje war leer. Vagar legte Üjren Knaben unter einen Bufd), ging ein paar ©djritte gur ©rite, tjob itjre Stugen gen Vimmel unb fagte: „£) laß midj ben Job meine« KinbeS nidjt erleben! Ueberljebe mid) beS ©djmergeS, bas 3errelßen ber Ijeiligen Banbe gu erleben, bie midj an mein Kinb feffeln; laß mein Sluge bas allmätjlige Datjinfdjeiben biefeS engelSgleidjen SBefenS nictjt fdjauen, biefeS SBefenS, von bem idj getjofft tjatte, baß es im Silier mein Jroß unb meine ©tüjje fein würbe." Unb als fte bas gefagt tjatte, weinte fte. Slber Vagar foffte nidjt ttjres KinbeS beraubt werben, benn ©ott erbarmte ßdj bes Knaben. SBenn wir redjt bebenfen, weldj' ein fößlidjer ©djafe eine treue Mutter iß, bann begreifen wir bie ©djöntjeit jener ©teile in ben ^falmen, burdj weldje ber ©änger feinen namenlofen ©djmerg auSbrüdt, inbem er ßdj mit 3emanb vergleicht, bet um feine Mutter trauert. Unb war es nidjt in Uebereinftimmung mit bem erhabenen Stjarafter unferes Veilanbs, baß er vor feinem Enbe audj feiner Mutter gebadjte, weldje itjm in allen feinen Seiben treu gur ©rite geßanben tjatte? Slls er auf bas Kreug genagelt würbe, geigte er auf ben ©djüler, ben er lieb tjatte, unb fagte gu Maria: „SBeib, tjier iß bein ©otjn," unb gu bem ©djüler fpradj er: ,Diefe iß beine Mutter." Unb von ©runb' an naljm ber ©djüler fte in feinem Vaufe auf. Mn bie Gattin. Der erße ©ebanfe, ben eine ©attin nadj ber Bertjelrattjung X)abtn foffte, foflte biefer fein: „SBie fann idj bie Siebe erijalten, bie idj eingeflößt tjabe ? SBaS fann Idj ttjun, um bie Siebe meines ©atten mir gn bewahren ?" Die Berb.eiratb.ung iß ein wtdjtigeS unb feierlidjeS Erelgniß. Die äußeren Umßänbe, unter weldjen eine Veirattj ßattßnbet, ßnb Nebenfadje; ob bie Jpodjgeit in größter Stnfadjtjeit nad) Strt ber Quäler, ober ob fte mit ©ang unb Klang, mit Jang, mit ©djmaufen unb Jrinfen gefeiert wirb, iß gleichgültig; bie ©adje an unk für ßdj iß biefelbe; gwei SBefen verfdjiebenen ©efdjtedjtS verblnbe* ßdj am Jage ber Vodjgeit, um gemeinfdjafttidj burdj's Seben gu wanbeln, unb eine foldje Berbtn» bung fdjließt eine Berantworttidjfeit in ßd), von ber ßctj nur wenige eine flare 23or* ßeffung madjtn. Die Berbinbung mag in golge eigennüjjiger Beweggrünbe eter auf ben SBunfdj ber Eltern gefdjloffen worben fein; ober es mag wirflidje Neigung beftetjen, wie es immer ber gaff fein foffte; bodj in äffen gaffen iß eine Berf)ei> rattjung binbenb für's Seben; wir werben burdj fte glüdlidj ober elenb werben, nidjt allein in biefem Seben, fonbern aud) Im Senfeits. SBie widjtig iß batjer ein fotdjer ©cb,ritt; weldje ©efütjte brängen ßd) uns auf wenn wir ernftüd) barüber nadjbenfen, was eigenttldj eine Veirattj iß! Das Vau«, in bem wir unfere Sugenbjaljre verlebten, ber gamilienfrris, bie liebenbe Mutter, ber gütige Bater, bie lieben ©efdjwtßer foffß bu verlaffen; einem anberen SBefen foffß bu anbängen — ein anbereS SBefen wirb beinen ©djmerg unb beine greuben, Sin bie ®ottin. 109 beinen Kummer unb beine ©orgen ttjeiten. Du wirß in anberen Berfjättmffen leben, unb neue $flicbten werben bir obliegen, bu wirß ©cfywierigfeiten mannigfaltiger 3frt gu überwinben tjaben ; beine Umgebung wirb eine anbere fein. SBenn wir gum Jrauattare gefjen unb feine aufrichtigen ©efinnungen gegen b a s SBefen fjegen, mit welchem wir uns auf SebenSgeit verbinben wollen, fo begeben wir ein verabf^eu* ungswürbiges Berbredjen. SBer am Jraualtare fatfct) iß, wirb audj unter anberen Berb.ättniffen fatfct) fein. SBaS tjier vom Manne gefagt iß, gilt ebenfalls vom SBeibe. SBenn aber Stufrieb, tigfett, Siebe unb Bertrauen am Jraualtare obwalten, bann wirb ©ott bie Etje fegnen, unb bie Berbinbung wirb für'S gange Seben eine glüdtidje fein. SBo watjre Siebe in ber Etje beftet>t, ba werben SBedjfetfäffe bie 3uneigung nidjt fdjwädjen; im ©egenttjeÜ, SBiberwärtigfeiten werben gur golge tjaben, baß ßdj bie Banbe nodj feßer fdjlingen. Slngß unb ©orgen werben ©ele* genljeit geben, Mitgefürt hervortreten gu taffen; gegenfettige Siebe wirb mit jebem Satjre wadjfen. Durdj Veirattj getaugt bas SBeib in einen SBirfuugSfreiS, in welkem fte bas tjöctjße Irbifdje ©lud genießen tann; bie verheiratete grau erlangt eine Stellung in ber ©efefffdjaft; aber große Berantworttidjfeit rutjt ebenfalls auf lb.r. Das ©lud ÜjreS ©atten Ijängt von tljr ah. 3ß bie grau ftug, iß fte verßänbig, verföfjnlidj nnb fanft, fo fann fte Üjrem Manne eine @tü£e von unbe* recb,enbarem SBertbe fein; allein bie ©pradje iß gu fdjwadj, um alles bas barfteffen gu fönnen, woburdj ße Üjm fein Seben vergällen fann. Darum, o SBeib, beßrebe bidj, beinern Manne mit Veiterfeit nnb greunbtidjfeit entgegengufommen; burdj ße wirb bas fdjönfte ©efidjt nodj fdjöner, nnb fte verlei* ben Slnmutb. felbft ber grau, bie auf äußere Neige feinen Slnfprudj gu xnadjtn X)at. Unfreunblidjes SBefen, Saunentjaftigfeü bagegen tobten bie 3uneigung, nnb fetbß, wenn ber Mann fdjeinbar feine Notig bavon nimmt, wirb er ßdj bodj unangenehm berütjrt fütjlen, unb er wirb freunblidjeS Entgegenfommen, liebevolle Jtjrilnat)me anberswo fudjen, weil er ße in feinem Vaufe nictjt ßnbet. ©udje beinern ©atten feine SBotjnung gu einem angenehmen Slufenttjalte gu madjen. Vonble fo, baß bein ©emaljl immer gern gu bir gurüdfetjrt, nadjbem er beö JageS Saß nnb Vi£e getragen Ijat. ofaune erfdjafft, unb Millionen von Menfdjen aus üjrem ©etjlafe gewedt werben, um vor bem Nidjterßub, ie bes Ewigen gu erfdjeinen, bann wirb ber gromme rein vor bem Jtjrone ©ottes ßetjen. Niemals X)at tin Mann in ber SBelt ©lud getjabt, ber nidjt von feiner grau unter* ßü£t würbe. SBenn ße itjm treu gur ©ette ftefjt, wenn ße mit einem freunblicben Sädjeln feine Stnßrengungen betotjnt: mit weldjer Suß unb Siebe wirb er bann feinen 9>ßidjten obliegen, gleldjviel, ob er Kaufmann ober garmer iß, ober ob es fein Beruf mit ßdj bringt, auf bem baljütbraufenben Sifenbatynguge burdj's Sanb gu fliegen ober bie Meere gu befatjren; wie gern wirb er ©efaljren begegnen unb ©djwierig* feiten Jro£ bieten, wenn er weiß, baß er feine Kräfte nidjt vergebltdj anßrengt, baß fetne Strbeit burdj fuße, tjäuslidje greuben betotjnt werben! ©orgen unb Jäufdjun* gen werben feinem Menfdjen gefpart, unb ber iß nur balb für bie Sebensreife vorbereitet, ber nur für glüdlidje ©tunben eine ©efäbriin tjat, bagegen in ben ©tunben bes Seibens unb ber Jrübfat leine Jbettnafjme ßnbet. 3wel Seute, bie einanber vor allen anberen SBefen ben Borgug gaben, um ftd) gegenfeitig gu unterßüfjen, um greub' unb Seib miteinanber gu ttjeilen, ßnb burd) biefe Vanblung eine Berpflidjtung eingegangen, iiebenswürbig, anftänbig,' veriöbuticb 112 ©unn's Vou8*3lrgt. unb gebulbig gn fein unb bis an'S Enbe bes SebenS Nadjftdjt in Begug auf gegen- feitige ©djwädjen unb Unvofffommenbelten beS SbaratterS gu üben. 3dj X)abt Ijäußg ©elegentjett getjabt gu beobadjten, mit welker geßigfeit grauen bie empßnblictjßen Nüdfdjläge ertragen, bie uns burdj Berluß von ©elb unb ©ut treffen fönnen. Sene Unglüdsfäffe, weldje bie Kräfte unb ben Muttj bes Manne« bredjen, t)aben Ijäußg bie Entwidetung außerorbentlidjer Jtjatfraft von ©eite be« weiblidjen ©efcbledjts gur golge. Bridjt baS Unglüd tjeretn, fo banbelt bie grau Ijäußg mit einer Unerfdjrodentjeit unb Stufopferung, ber wir unfere Bewttnberung nidjt verfagen fönnen. Es iß watjrljaft rütjrenb, wenn ein fanfteS, gärtlidjes, fdjwadjes SBeib, bas vortjer eine abhängige ©teffung etnnatjm, unb weldjes vor jeber Noljtjett unb ©emetntjeit gurüdfdjredte, fo lange fte in angenetjmen Bertjältniffen lebte, plötüidj Energie entwidett unb Mutb. hervortreten läßt, bie ße in ben ©tank fe^en, itjrem ©atten ein Vetfer nnb ein Jröfter im Unglüde gu fein unb mit uner» fdjütteriidjer geßigfeit ben SBiberwärtigfeiten bes ©djidfats Jro0 gu bieten. Sin watjrljaft tiebenbes SBeib tjat mit ben ©djwädjen unb getjlern itjreö ©atten bie äußerfte Nadjftdjt. Es iß einer grau unwürbig, wenn ße weiter nidjts iß, al« bie Bertraute ÜjreS Mannes. Das Bewußtfein ber getjltritte üjreS ©atten folite bie grau in üjrem Bufen verfdjließen, wie in einem Veiligttjume, unb feinen Stjaraf. ter foffte fte tjötjer fetjä^en, als fein Seben. Jtjut ße bas nidjt, fo entweitjt ße bie ©djwüre, bie ße am Jraualtare getriftet tjat. Sin tjodjtjerrigeö SBeib ift Üjrem ©emaljl eine ©tü£e; ße iß ein (Sbelflein füt itjre gamilie; fte iß eine 3ierbe für bie ©efefffdjaft unb für bie SBelt. ©ott trirb fte fegnen, unb wenn ber Job X)erannatjt, wirb fie mit gutem ©ewiffen ßerben, ba fi« bas Bewußtfein tjat, itjre 9>flidjt erfüfft gu tjaben. Nidjts auf Erben iß fdjöner, als reine, innige, bauernbe Siebe. Der gtüdlidjfK Moment im menfdjttdjen Seben, bie Ijödjße SBonne, beren wir ttjritljaftig werben fönnen, iß bann, wenn wir von bem Slbgotte unferes VergenS ein ©eftänbnifj bei Siebe erb, alten. SBie fdjön fagt ©djiffer: „D baß fte etrig grünen bliebe, Die fäjöne £dt ber jungen Siebe." SBie fjerrtidj iß bie ßtit ber Sugenbliebe! SBatjre Siebe bleibt für'S Seben, ja, ße erßredt ßcb, tjtnauS über bas ©rab. Nichts iß reiner, als bie Siebe einer gra». Oh ße Siebe für üjren ©atten, für itjr Kinb, für itjre ©djweßer ober für itjren Bruber fütjtt, iß gteidj; itjre Siebe iß biefetbe reine unb unauslöfdjlidje glamme, baffelbe bauernbe, warme ©efütjt, wetdjes ßdj burdj Prüfung bewätjrt. ©ib ber grau ober bem Mäbdjen burdj ein fanfteS SBort ober einen gütigen Blid beine Utk gu ertennen, felbß in ben ßtittn ber Jrübfal ober in ber JobeSßunbe, unb bie ©efütjte bes SBefenS, baS bir gugettjan ift, werben wie glammen tjervorbredjen, trog affer Banbe, weldje fte an bie SBelt ober an fdjnöbes ©elb fnüpfen. Köftlidjer, benn bie Suwelen von ©olconba, iß bie Siebe eines weiblidjen SBefenS, unb ein liebenbes SBeib geigt metjr Vingebung unb Beretjrung, als all' bte ©öjjenbiener, bit gen Mecca wafffatjren. Ein weibltdjeS SBefen liebt, weit es lieben muß, eS fann nidjt anbers; eigennützige Beweggrünbe fommen nidjt babei in'S ©piel; bie £iefa iß eine Stgenfdjaft ber grau, bie itjr ganges SBefen burdjbringt; all' itjre ©ebanfen unb Vonblungen concentriren (vereinigen) ßdj in bem ©egenßänbe Itjrer Siebe. 3d) würbe lieber bas 3bol (©egenßanb ber größten Beretjrung) einer braven, guten J u g e tt b. 113 grau fein, als ber Befjerrfdjer gewattiger Neicb,e. Die Vtngebung nnb Jreue eines tjodjtjersigen roeibtictjen SBefenS würben mir meljr wertb, fein, ats bie wiberwärttgen ©djmeidjelelen von Mifftonen. SBie angenehm iß eS, mit einem geliebten SBeibe gn ptaubern, wenn wir erfdjöpft ßnb von unferer täglidjen Strbeit! SBie wonnig ftnb itjre Siebfofungen! SBie wotjlttjuenb iß itjre ©orgfalt um uns unb üjr Beftreben, unferen niebergebrüdten ©eiß wieber gu beleben! Die ©orgen bes SebenS, bie Slngß, bie wir Ijäußg auSgn* ßetjen X)aben, nnb bie fdjweren Unglüdsfäffe, bie uns nidjt feiten treffen, fönnen von b e m faum ertragen werben, ber außerbem mit X)äuSlidjett ©djwierigfeiten gu fäm* pfen tjat. SBievtet weniger aber wirb uns bie Saß ber ©efdjäfte brüden, wenn wir nadj voffbradjtem Jagewerf nadj Vaufe getjen fönnen unb bort eine SebenSgefätjrttn ßnben, bie unfere ©orgen unb unfere Befümmerniß ttjeilt, bie unfertwegen freubtg einen Jtjeit ber X)äuslidjen Strbeiten auf ßdj nimmt, nnb mit ber wir in grieben nnb Eintragt leben fönnen. Eine grau iß nidjt, wie einige Seute benfen unb fpredjen, eine Bürbe für ben Mann. 3nt ©egentbeit, fte nimmt uns einen Jtjeit unferer ©orgen ah unb erleidjtert unfere Jrübfat; benn es gibt leine ©djwierigfeiten im Seben, bie nidjt burdj etnträdjttgeS 3ufammenwirfen unb gegenfeittge Unterßü^ung gweier Eheleute überwunbett werben tonnte. X tt $ e n b. /,3bt grauen, merft eudj biefe Sebre* Der tjb'ajfle ©djmud iß eure Sbre." SBotjl rüljmt ßcb, ber Mann, baß fein ©efdjledjt bem weiblidjen überlegen iß; allein es iß fdjänblidj, wenn er Berbredjen begetjt, weldje für Immer einen ©djanb* ßed auf bem Etjaratter ber grau gurüdlaffen. Sin ringiger getjltritt, eine eingige Berirrung von bem $fabe ber Jugenb ftürgt fte in'S Berberben. ©obatb Üjr Ber* geljen befannt wirb, wirb ße bie 3ielfdjeibe bes ©pottes, unb man wirb mit gin* gern auf ße geigen. Bon Üjren ehemaligen greunbinnen wirb fte ßdj verlaffen ober vernadjläfßgt fetjen; itjre neibifdjen geinbe werben über Üjren gaff froljtoden; bte Wadjhaxtt werben itjre ©et)anbe mit X)ätnifdjen Bemerfungen einanber tmtttjeiten; ße wirb ber ^>ol)n ibres eigenen ©efcbledjts nnb bie 3ielfdjeibe beS SßijjeS beS unferigen werben; bie rugenbtjafte grau wirb bie ©efefffdjaft ber ©efaffenen fliegen, als wenn biefe eine anßedenbe Kranfbeit Ijätte; bie Stugen beS ßttfamen grauen* gimmers werben ßdj abwenben, unb bie SBangen bes unfdjulbigen MäbdjenS werben ßdj röttjen, wenn ße ßdj nätjert. Männer, bie auf iX)xtn guten ^llamtn tjalten, werben bas arme, gefallene SBefen nidjt beadjten, unb lodere Burfdjen werben ßd) fred) uub unverfdjämt gegen baffelbe betragen. Stber fjiermit iß ber Ketdj ber Seiben etner verfüijrten grau nodj nidjt geleert; ße tjat viele Nedereien von benen gu ertei* ben, bte ße in Kunßgriffen unb Berfd)mi£tljett übertreffen, unb wetdje, obgleid) ebenfowenig fdjulbloS, fdjeinbar einen ßttenreinen Sebenswanbel führen, weil ße es verßeb. en, bie SBelt gu täufdjen. Slusgeßoßen aus ber ©efefffdjaft, verloren nnb verlaffen, was foff ße anfangen ? 3m ©ttdj gelaffen von bem, ber ßdj itjrer ijätte annebmen foffen, vernadjläfßgt unb »eradjtet wirft ße ßdj aus Notlj bem Saßer in bie Slrme. ©ie verläßt Üjr tjeimat^- 114 ©unn's VauS*Slrgt. UdjeS Dorf; Niemanb tefümmert ßdj barum, wotjin ße getjt; wenige erfunbigen ßdj üjretwegen ; ße iß unwiberrufltcb entehrt. 3nerß iß fte bie Maitreffe Vornehmet Seute; bann wirb ße eine öffenttidje Mefce unb ergibt ßdj bem Jrunfe; wirb fie franf, fo fdjafft man ße nadj bem Vofpüal ober Slrmentjaufe, unb wenn ße ßirbt, bann wirb üjr Seidjnam nadj ber mebigtnifdjen ©djute gum ©egiren gefdjidt, unb itjre ©ebeine werben in bie ©enfgrube geworfen. Es iß bin unb wieber ber gaff, baß laftertjafte Männer ßdj beffern; audj tß eü nictjt feiten ber gaff, baß ße geitweütg vom $fabe ber Jugenb ßdj entfernen, oljne baß fte beswegen in üjrem Bergetjett betjarren. SBenn bagegen ein wetbtidjes SBefen einmal einen getjttrttt begangen tjat, bann. iß fte unwiberrufltctj bem Berberben anheimgefallen. 3ß bas ©emütb, einmal »er- giftet, bann regen ßdj bei ber grau feine eblen ©efüljle meljr; tjat fte angefangen, ben SBeg beS BerbredjenS gu betreten, bann Iß itjr ©djidfal für itjr ganges übrige« Seben beßegelt. SBenn ber ßürmifdje falte SBinter eintritt unb SBälber unb Sßiefen ifjreS grünen ©djmudeS beraubt unb bie ©ewäffer mit einer Sisfruße übergietjt, fo erregt bas Srßarren ber Natur tin trauriges ©efütjt; allein wir trößen uns bamit, baß bie fdjöne grüb,tingSgeit, bie 3eü ber Blumen wiebertetjren wirb, baß bas Sis ber glüffe, Bädje unb ©een wieber verfdjwinben, baß bas liebe ©onnentidjt »riebet bas faftige ©rün ber Bäume befdjeinen wirb, nnb baß neben bem moosbebeeften ©leine unb am Nanbe ber ßdj fdjtängelnben Bädje bie jungen Blüttjen triebet emporfdjteßen werben, gleidjfam als wären fte von geett Ijervorgegaubert werben; aber bas Verg ber grau änbert ßctj nidjt wie bie Natur; eS erfreut ßdj feiner gweiten grüfjlingSgett; iß einmal ber Metjlttjau auf bas weibtidje Verg gefallen, bann werben ßctj beffen ©puren nie wieber verwifcfjen. SBir mögen ber gefallenen Unfdjuti alle mögtldjen Bewetfe unferer Siebe geben ; wir mögen unfere Siebfofungen an i^t verfdjwenben, aber SlffeS wirb auf einen ßeinigen Boben fallen, unb unfere Voffmtn« gen, ein gefallenes SBefen gu retten, werben ßdj nidjt verwirtlidjen. Sdj weiß aus langjähriger Erfahrung, baß männtietje Berbredjer, wenn ße vor ben wettltdjen Ulify terßutjt gegogen würben, nnb ©träfe über ße vertjängt würbe, (was eigenttidj nur al« Slbfdjredungsmittet, nidjt aber als wlrffidje Beßrafung beS BerbredjenS gefetjetjen foffte) Ijäußg in ß^ fetjrten nnb üjren Sebenswanbel befferten; wenn aber röeibtidje Berbredjer vor ©eridjt geßefft werben, fo tritt fetten eine Befferung ein, unb nur ber Job madjt üjrem taßerfjaften unb verbredjerifdjen Seben ein Enbe. Wtixxt Erfahrung tjat mir burdj fdjredenerregenbe Beifpiele fattfam gegeigt, baß meine Behauptung unumftößlidj waljr iß, unb ba idj meine Beobachtungen aus bem ruirf- lidjen Seben gefdjöpft tjabe, fo X)aht id) nidjts befdjönigt, nnb idj füge auöbrüdlid) tjingu, baß meinen Bemerfungen über bas weibtidje ©efdjledjt leine böswillige Slbßdjt gu ©runbe liegt. Vüte bidj baljer, liebe Jodjter, vor Unfeufdjbeit. Der $fab ber Jugenb fütjrt gum ©tüd, unb ein angemeffenes Betragen toljnt ßdtj felbft: laß baS traurig« ©djidfal Sinberer bir eine SBarnung fein; fei feß, wenn ber Berfüljrer ftd) bir näljert. 2Ble aud) immer ein Mann von einneb^menbem Sleußern ßd) beftreten möge, feine Berfütjrungsfünße bei bir angubringen, wie fetjr er bir audj fdjmeiäjelii möge: bebenfe, baß ber, ber ßdj bemüfjt, bidj vom «Pfabe ber Jugenb abguleiten, bein geinb iß, ber bidj in'S Berberbett ßürgen wiff, gleichviel, was er als ©runb fetner Vonblungsweife vorfdjüfcen mag. Jugenb. 115 SBeiblioje Jugenb iß von unfehlbarem SBertfj; nidjt ber ntenfdjlidje SBiffe Ijat biefeS $rtngtp gefdjaffen, fonbern es ift bem Menfdjen angeboren; es ift ein «Pringtp, weldjes nictjt nur in gewiffen Sänbern unb gu gewiffen ^tittn obwaltet, fonbern welches fo alt ift, wie bas Menfdjengefdjledjt. Nidjt bloße Empßnbfamelei tjat ben ©lauben an weiblidje Jugenb hervorgerufen; er nüjt auf ewiger SBafjrijeit. Jugenb im Stügemetnen ftü£t fidj nidjt auf Madjt, fonbern leitet biefetbe; wer tugenbtjaft Iß, wirb geetjrt unb geadjtet. Der geißigen Begabung unb allen anberen Eigen* fdjaften eines vernünftigen SBefenS fe^t Jugenb bie Krone auf. 3e größer bie Jalente eines Menden ßnb, ber nidjt tugenbtjaft iß, ein beßo größerer gludj wer* ben blefelben; otjne Jugenb tjaben Jalente feinen SBerttj. Die Slnwenbung ber Jugenb befdjränft ßcb, nidjt auf eine befonbere Sebenspertobe, audj nidjt auf eine befonbere Sage im Seben; wätjrenb unferes gangen DafeinS unb in allen Berb. alt* ntffen bietet ßdj ©elegentjeit bar, biefetbe gu üben. Bleie Ijervorragenbe geiftige Sinlagen, bie wir je£t hetym, unb auf bie wir fo ßolg ßnb, werben mit nnferm Körper gn ©rabe getragen werben; aber Jugenb wirb audj im gufünftigen Seben unfer ©djmud unb unfere 3ietbe fein, ©djönfjeit unb SBi£ werben vergeljen, ©elefjtfamfrit wirb batjinfdjwinben, bie Künße bes SebenS werben balb vergeffen fein, aber Jugenb wirb ewig bauern. Diefe bringt uns nidjt affein allen SBefen, bte mit Bernunft begabt ftnb, nätjer, fonbern ße fe£t uns audj in ben ©taub, mit SBefen tjötjerer Strt in Berfetjr gu treten, uub burdj ße tjaben wir einen Slnfprud) auf Irgenb einen $ta£ in ©ottes SBelt. Durdj Jugenb gewinnen wir bie Siebe unb baS Bertrauen aller weifen unb guten Menfdjen, unb ße madjt uns gu greun* ben unb Berbünbeten berfelben. Stber von viel größerem SBerttje iß es, baß wir ©ott wohlgefällig werben, wenn wir tugenbtjaft ßnb, baß unfer ©riß ßdj Stjnt nätjert, unb baß ber Sttlmädjtige fidj unferer annimmt. Vötjere SBefen aller Slrt muffen ßdj ebenfo fetjr ber Jugenb befleißigen, als wir felbß. Jugenb ßetjt in anberen SBelten in bemfelben Ijotjen Slnfefyen, als in biefer. 3e metjr wir uns vervollfommnen, beßo Ijötjeren SBerttj tjat bie Jugenb für uns, unb beßo meljr wirft ße auf unfer ©emüttj. Mit einem SBorte, Jugenb iß bas ©efe£ bes Uni* verfums; bie ©ottljeit fdjäjjt Jugenb metjr, als irgenb etwas SlnbeteS, unb biefe letjrt uns, ©ott gu lieben. Bon fotdj' tjotjer SBidjtigfeit iß bie Jugenb. SBenn wir uns bemütjen, tugenb* tjaft gu fein, fo wirb unfer ©treben bie fegenSreidjßen golgen Ijaben. Es gibt feinen Bernunftfcfjluß unb feinen Beweggrunb, ber überhaupt geeignet iß, ein benfenbeS SBefen gu beeinßuffen, ber uns nidjt batjin leiten wirb, Jugenb gu üben. Eine tugenbtjafte Nidjtung bes ©eißeS iß X)ervorragenben geißigen Sinlagen unb angeborenen gätjigfeiten vorgugteljen unb meljr wertfj, benn affer Netdjtljum ber SBelt. SBenn bu weife fein wülß, bann befleißige bidj ber Jugenb unb verbamme SlffeS, was bidj baran tjinbern fann. Bebenfe, baß nidjts anbereS afs bie Uebung ber Jugenb unfer eifriges Beßreben fein foffte; barin affein liegt Sljre, Nutjm, Neidjttjum unb ©lud. ©idjere bir Jugenb, unb bu ßcb, erß bir «UeS; verlierß bu fte, 'fo iß Stiles babin. ©ie iß ber fetjönfte unb ßdjerße Beߣ, ben ein Menfdj tjaben fann. ©djöntjrit vergrijt mit ber 3eit ober fällt ber Kranftjeit gum Opfer; Nefdjttjum fütjrt bie Sugenb eljer gum Berberben, als gur SBotjlfabjt, unb obne Borßdjt fdjwinbet berfelbe balb; Jugenb affein iß bas eingige, • bauernbe &ut, weldjes immer bti bem Menfdjen bleibt, ber ße einmal befeffen tjat. Diefe* 116 © u n n ' s V a u S - Sl r g t. iß beffer als Neidjttjum unb vorncbme Verfunft. SBeldje Kraft tjat bie Unfdjulb! ©erabe itjre Vülfloßgfeit iß ibr ©djufc, unb in itjrer ©egenwart ftetjt fetbß bie Set« benfdjaft befdjämt ba, inbem biefe gerabe ba, wo fte ein Opfer fudjte, fidj gur 93er« etjrung wanbte. Dem Saßertjaften mag es für eine 3eülang gtüden, affein bie Jugenb wirb am Snbe bodj itjren Jriumpt) feiern! Der fdjetnbare Erfolg bes Saßerljaften follte biejenigen nidjt entmutbigen, bie ßdj bemütjen, redjtfcijaffen gn fein unb etjrbar gu leben. SBenn biefe bas Enbe ber Saufbatjn ber ©otttofen erleben, werben ße nidjt tm Entfernteften itjn wegen feines Erfolges beneiben. Ein Menfdj mag lange leben, nteberträdjrig Ijanbeln unb grunbfajjtoS fein, unb bas ©lud mag ibn bennod) begünßigen. Beweiß bieS aber, baß es mit bem Saßerb,aften gut beßetlt iß? DurdjauS nictjt. Duntel ßnb bie SBege ber Borfeljung, unb bie 3eü wirb fommen, wenn wir bie SBeisfjeit aller Slnorbnungen bes Slümädjtigen begreifen werben. @ä ftetjt in ber Offenbarung gefdjrieben, unb alle weifen unb guten Menfdjen aller 3ei- ten ftnb ber Slnßdjt, b a ß bemBöfen feine ©träfe nidjt gefdjenlt werben foll. Nidjts gteidjt ber Jugenb tn Begug auf Vervorbringen von ©lud unb ©eetenfriebett. 21 tt ^^einännet. ©ü)ü0' beine grau unb fei ibr gut, Dann rotrft bu feb'n roaS Siebe ujut; ©ei freunblta), ItebeöoU gu itjr, Unb ße Wirb aucb fo fein gu bir. % egget«. Das ©lud beS SBeibeS liegt in ber Vanb üjreS ©atten. V<üte bas anvertraute ©ut in Stjren unb b,anble fo, baß ße niemals Urfadje Ijat, baS Bertrauen, roelaje« ße bir gefdjenlt tjat, gu bereuen. SBenn bu über itjren Stjarafter Betradjtungen anßeffß, bann bebenfe, baß bie menfdjfidje Natur Üjre ©djwädjen tjat unb erwarte feine Bofffommentjeit. ©ei geredjt in Begug auf bie Sidjtfeüen itjreö ßtjaralterS, unb b<*be Nadjftdjt mit ben ©djattenfeiten. 3dj will bamit nidjt fagen, baß bu über bie getjter belner grau gänglidj tjinwegfeben foffß; fudje itjr ßatt unridjttget Slttftdjtett ridjtige beigubrlngen; unb wenn bu ße auf itjre getjter aufmerffam madjft, fo tfjue es mit ©anftmuttj unb Siebe. Die Banbe ber Sb, e foffen bir beilig fein; bn foffteß es bir gur Neget machen, beine grau bei jeber ©etegenljeit um Natfj jn fragen. Deine Stngelegentjeiten ßnb bie itjrigen; unternimm nidjts otjne itjren Natb unb otjne itjre ©enetjmtgung, bentt taufenbe ftnb gu ©djaben getommen, bie bieS vernadjläfßgt X)ahtn; wenn beine Unterneb,mung fctjlecrjt ausfällt, fo b,at fte feinen ©runb bir Borwürfe gu madjen, unb bu fteljft bir felbft gegenüber geredjtfer* tigt ba. grauen tjaben in Begug auf tommenbe Sreigniffe ein Sltjttungsvermögen, weldjes üjrem ©efdjledjte eigen iß, nnb in Begug auf bie gotgen, welctje getrife Borfaffe tjaben fönnen, entwideln ße Ijäußg einen ©djarfßnn, ben Iljnen bie göttlidje Borfeljung verliefen gn tjaben fdjeint; ße ßttb bemnacb, im ©tanbe, il)« Meinung unb ibren Natb. gu geben. SBenn bu Befanntfdjaften fjaß, namentlich weibtidje, unb beine grau tjat gute ©rünbe gu wünfdjett, baß bu biefelben abbrädjefl; Sin Seemänner. 117 fo mußt «bu Üjr nachgeben. SBenn beine grau eine Jb,räne vergießt, fo geige leine güljlloßgteit ober ©leidjgültigfeit. ©efütjte fönnen burdj SBorte, Blide unb Vanblungen auSgebrüdt werben; aber eine Jb,räne fommt unmittelbar vom Vergen unb rebet gleidjgeitig bie ©pradje ber BBatjrtjeit, ber Natur unb ber Slufridjttgfeit. SBenn eine Jb,räne in bem Sluge beineS SBeibeS glängt, fo fannft bu verftdjert fem, baß itjr Verg bewegt iß, unb idj bitte bidj nodj einmal, geige feine ©efütjttoftgfeit unb Kälte. SBie einfad) unb ungefünftelt unb gugleid) wie berebt iß eine Jbjane. Das Bergießen einer Jb,räne ift bie ungweibeutige ©pradje beS VergenS; es tft bie leibenfdjaftslofe Berebtfamtelt beS 3Beb,eS; ber b,ödjfte SluSbrud ber ©pradje iß nidjts bagegen, wie ber perlengleidje Jb,autropfen beS Orients vor ber Morgenfonne ver* fdjwinbet. Der muß ein b.artb,ergiger Menfdj fein, bei bem bie ©aiten beS VergenS nidjt anfdjtagen, wenn et in bem Sluge feines SBeibeS eine Jtjräne ßeb,t. Bebenfe, baß bein fjimmlifdjer Bater fte bir gegeben tjat, um bie Drangfale beineS Sebens gu milbern, baß ße von mandjen ©orgen gebrüdt wirb, mandje Seiben auSguftetjen tjat, von benen bu feine Sltjnung |aß; barum tröfte bas verwunbete Verg beineS geängßigten SBeibeS; fuetje üjr Voffnung einguflößen, unb bemüb, e bieb,, baß grotj* ftnn unb 3ufriebentjeit gurüdfefjren. O, wie lebfjaft ßnb bie Empßnbungen eines füb,tenben VergenS in ben ©tunben ber Jraurigfeit! ©et nactjftdjtig mit ben getjlern beiner grau unb bebenfe, baß bu felbft nictjt vofffommen biß. Sine Jtjräne ber Neue ift bas fdjönfte ©ütjnopfer, weites ein bemüttjigeS Verg ©ott barbringen fann; ber Enget gur rectjten Vanb ©otteS wirb eS in fein Bucb, eintreiben, wenn ein fdjulbbewußtes, aber gertnirfdjteS Verg eine Jtjräne ber Neue vergießt. SBer eine foldje Jtjräne vergießt, bem wirb Bergebung gu Jljrit. Nidjts fommt bem Vodjgenuffe gleidj, ber aus gegenfeitiger Siebe entfpringt. 3d) fpredje tjier natürtidjerweife von ber Siebe beS Mannes gu ber grau unb umgetetjrt. Das ©lud, weldjes aus bem eb,elidjen Bertjältniffe entfpringt, wirb burdj ßeit nidjt gefdjwädjt, nimmt gu im Sitter, unb ein foldjes Bertjättniß ift eine Quelle ber greube unb bes Bergnügens für's Seben. Keinem Menfdjen tjat jemals in biefer SBelt bas ©lud gelädjett, bem von feiner grau feine Slufmunterung unb Unterßü^ung gu Jtjeil würbe, gleidjvtet, wie mäßig, emßg unb ßeißig er gewefen fein mag. SBenn aber bie Bemühungen Beiber ßdj vereinigen, ober wenn bie grau bie Strbeiten bes Mannes mit einem aufmunternbett Sädjeln betotjnt, wie emßg wirb er bann feinen ^fltdjten als Kaufmann, garmer, ©eemann, ober was immertjin fein Beruf fein mag, obliegen; er wirb ßd) ber fdjwierigßen Strbeit untergietjen, ßctj jeber ©efabr ausfegen, ba er weiß, baß feine Mülje burcb, tjäuSlidjeS ©lud unb bas Sädjeln eines ttjeuren SBeibeS betotjnt wirb, beffen greunbtidjfeit unb 3ärtlidjfeit itjn für ©orgen nnb Entbehrung entfdjäbigt; unb jebeS Slenb verliert feine Bitterfeit, wenn wir wiffen, baß es ein Verg gibt, weldjes warm für uns fdjlägt. ©udje Sßtberreben unb üble Saune ßets gu vermeiben; bebenfe, baß bas liebenbe treue SBeib Seiben gu ertragen tjat, an bie bn gar nidjt benfß, unb über wetdje id) aus ©djidlictjfeitsgefüljl nidjt gu fpredjen wünfdje. Es iß itjr SooS, baß ße gu 3eiten ©djmergen unb Seiben gu erbulben tjat, welctje itjre ©ebulb prüfen unb bas Mitgefühl nnb bie ©djonung iljres Mannes in Slnfprud) netjmen. Studj mußt bu beiner grau leine Borwürfe madjen in Betreff bes Betragens itjrer Berwanbten \ Borwürfe gegen ße felbß ßnb nidjt tjatb fo vertefcenb. 118 ©unn'S Vauö*S!rgt. ©offte beine grau von irgenb einem llnwob. Ifein befallen werben, bann Iß es ganj befonbers an ber 3eit, ibr 3ärtlidjfeit uttb Slufmerffamfeit gu beweifen. Sin gütiger Blid, ein SBort beS Mitleiben« ober ber Jbrilnabme b^ben Ijäußg eine beffere SBirfung als Mebtgin. 3n 3riten ber Kranfbeit wirb ber ©runb gu einer batternben unb unaustöfdjlidjen Siebe gelegt, unb fuße SBorte ber Jtjeilnabme, gu biefer 3eit gefprodjen, üben eine SBirfung, von ber man ftd) faum einen Begriff madjen fann. ©otdje SBorte ßiffen ben ©djmerg unb wirfen wotjlttjätig a\i] bas ©emütb, ein. Madje niemals beiner grau einen Borwurf wegen törperlidjer ober geißiget Mängel; benn idj weiß aus langjähriger Erfahrung, baß eine grau von gewötjnli* djem Sleußern Ijäußg ein vortrefflidjeS Verg unb feines ©efütjt tjat; unb ba ße treifj, baß ße auf ©djöntjrit leinen Slnfpructj gu madjen Ijat, fo ift ße ättßerß empßnblidj, wenn auf biefen Umftanb angefpielt wirb, ober wenn ©tidjeleten barüber gemadjt werben, namenttidj wenn bieS in ©egenwart Slnberer gefcijleb, t. SBenn beine grau Urfadje tjat, auf etwas ßolg gu fein, fo gönne ibr bas; benn bu gibft itjr baburdj ju erfennen, baß tu üjren Sßertfj fdjäjjeft unb ße tjötjer acljteft, als anbere grauen. Das fletnße SBort ober bie geringfügigße Vanblung, woburdj bu Slufmerffamfeit unb Siebe gu erfennen gibß, wirb fte angenetjm berühren; unb ber Mann tjat feine beffere ©elegenfjeit, in vorteilhaftem Sidjte gu erfdjeinen, als wenn er ben Betreu liefert, baß er feine grau liebt unb fte anberen vorgietjt. Niemals ergieße bidj In Sobreben über anbere grauen in ©egenwart beiner eigenen, ©ie wirb bidj beSwegen nidjt metjr lieben; üjr ©efütjt wirb verlebt; benn grauen ftnb in biefer Begteljung gang befonbers empßnblidj. SBie tabelnstvertb, iji ber Etjemann, ber anbere ©efefffdjaft ber feines SBeibeS unb feiner gamilie vor* gietjt, ber von einem $ta£e gum anberen läuft nnb feine Betjaufung verläßt, um anberswo ßdj bie 3eü gu vertreiben. Muß nidjt ein treues liebenbeS SBeib bei einet fotdj' unpaffenben unb unverftänbigen Vanblungsweife ßdj gefränft unb verlaffen füljlen? ©ewobnbeit unb Mangel an Nadjbenfen tjabett in vielen gälten baS ©lud von gamilien gerßört, unb es iß gang natürlidj, baß bie grau, wenn ße m- nadjläßigt wirb, anbere Befanntfdjaften fudjt. 3m ©djoße beiner gamilie, in bei ©efellfdjaft beiner Kinber wirß bn bas tjödjße ©lud ßnben, beffen bu auf Erben tfjeilljafttg werben fannft. Es gibt Männer, bie ber ©efätjrtin ÜjreS SebenS wätjrenb eines gangen JageS fein eingiges freunbtidjeS SBort fagen. Das foffte nidjt fein, ©ei gefprädjig, beiter, fröfjlidj unb guter Saune im Kreife berjenigen, beren ©lud bir anvertraut iß, unb benen bu als Mußer btenen follteft. Unb wenn bn auf Nelfen biß, vernadjläfpge audj bann beine grau nidjt, fdjreib' itjr Ijäußg, aber nidjt auf eine Slrt, bie @leidj< gültigfett verratfjen würbe. Es gibt wenig grauen, auf bie gärtlidje Beb,anblung feinen Sinbrud madjt; ein SBort, ein Blid von itjr erregt itt itjren Kinbetn unangenehme nieberfdjlagenbe ©efüljle. Sin ßrenger Büd, ein gemeffeneS Beneb/ men feitens ber Mutter wirb guweilen außerorbentlidjen Einfluß tjaben. CEine grau iß für 3ärtlidjfeit äußerß empfängtidj, unb jebes gütige SBort unb jebet Beweis ber Siebe itjres Mannes madjt einen wotjlttjätlgett Sinbrud. Sin verljei« rattjeter Mann foffte immer, wenn er ßdj auf Neifen beßnbet, Ijäußg von ßctj ^6ren laffen; feine Briefe fofften in einem liebevollen Jon gefdjrteben fein, unb wenn er nad) Vaufe tommt, foffte er feiner grau ein Heines ©efdjenf rnitbrin* gen, namentlidj, wenn fte ftcb in anberen Umßänben beßnbet. Um mid) beutltä Sin bie ©atttn. 119 ausgubrüden—wenn bu ein Kinb tjaben wiffß, von bem bu 3ärtÜdjfeit unb Slntjäng- Ucfjfeit erwarteß, bann laß es bein Beßreben fein, baß beine grau ßcb, in rutjtgem ©emüttjSgußanbe beßnbe, unb baß feine traurigen ®efüb.te ßcb, üjrer bemächtigen. SBas ©elbfadjen anbetrifft, fo fei nictjt tnauferig nnb ßtgig ober gu genau; benn beine gtau tjat baffelbe Nedjt auf bein Bermögen, wie bu fetbß. Sine grau X)at ungätjlige flelne Bebürfniffe, von benen ein Mann gar nidjts gu wiffen braudjt, unb fetbß, wenn er ßdj ber Mülje untergiefyen würbe, eine Untersuchung barüber angu* ßeffen, fo würbe er bodj gu fetner flaren Sinßdjt gelangen. Begreifß bu batjer, mein greunb, wie groß bie Berantwortlidjfeit beS Mannes tß, ben bie Borfeljung bagu beßimmt ijat, eitt fotdjes SBefen gu beeinfluffen unb gu leiten? Berbammenswerttj i\t berjenige, ber ein fotdj' tjerrltctjeS ©efdjöpf etenb madjt! SBie foffte berjenige geftraft werben, ber bas üjm anvertraute Kleinob mtßtjanbelt? Es fdjaubert mtdj, baran gu benfen; wenben wir uns lieber tjiervon ah, unb lenfen wir unfere Blide auf bie fegenSreidjen gotgen, bie aus ber treuen Erfüllung ber $flidjten beS Mannes gegen bie grau entfpringen, wie wir fte gu Slnfang bes Kapitels über biefen widjtigen ©egenßanb angebeutet tjaben. Du wirß fragen, lieber Sefer: was tjat benn biefer ©egenßanb mit ber Veilfunbe gu tX)un% Die Stntwort iß nidjt fdjwer. Unter ©tüdwünfdjen nnb ©ratutationen wirb bie Etje gefdjloffen; ob fte in üjrem Berlaufe glüdlidj ober ungtüdtidj fein wirb, läßt ßdj nidjt im BorauS beßimmen. SBortwedjfel unb ©treitereien ßnben gu Slnfang ber Elje tjäuftg ßatt, unb felbß fdjeinbare Nutje iß burdjaus fein ßeidjen watjrer Stntradjt; erftbann, wenn ein gegertfeitigeS Sinverßänbniß glüdlidj Ijergeftefft, unb baS ©ctjlff ber Etje im Vafen bes tjäuölictjen griebens gelanbet ift, fönnen wir fagen, baß Slusftdjten für eine glüdlidje Elje vortjanben feien. Dann ift es an ber 3eit, ben Bettjriligten für bas unternommene SBageftüd unb für itjr beneibenS* werttjes SooS ©lud gu wünfdjen. ©djließltdj erinnere idj bidj nodj einmal ernßttdj baran, ber widjtigen 3Bab,rb,eit eingebenf gu fein, baß bie ©emüttjsrulje, 3uneigung unb tjeitere ©timmung beiner grau wätjrenb itjrer ©djwangetfdjafr, uub ber ©emütljsguftanb beiber Eheleute wätjrenb bes EmpfängniffeS auf bie geißigen Stnlagen uub bie förperlidje Befdjaffen* fjeit ber Nadjfommenfdjaft bebeutenben Sinßuß ausüben werben. 3dj tjabe genü* genbe Erfahrungen gemactjt, um voffßänbig übergeugt gu fein, baß förperlidje fowoljf, als geißige Befdjaffentjeit in tjoljem ©rabe von geiftiger Kraft unb von ©emüujSrub. e gu einer gewiffen ßtit abfängt; unb bies iß ber ©runb, warum viele Menfdjen fo eigenttjümlictj befdjaffen ftnb. SBenn wir in Begug auf oben angeführte Umftänbe nidjt bie getjörige Klugheit unb Borßdjt toalttn taffen, bann tjaben wir es uns fetbß gugufdjreiben, wenn wir leine Kinber befommen, bie voffßänbig gefunb an Körper unb fräftig an ©eiß ßnb. 3n ben „Bemerfungen" X)ahtn wir einen merfwürbigen gaff mftgettjeitt, ber bem „©calpet," einer ärgttidjen MonatSfdjrift, bie in ^Itto * SJorf erfdjeint, entnommen iß, unb ber beweiß, toit weit ßdj ber Einfluß ber Sinbilbungstraft einer Mutter auf itjr ungeborenes Kinb erßredt. SBir empfehle« bem Sefer biefen Slrtifel, ber auf ©eite 21 biefes BudjeS anfängt, nodj einmal forgfälttg burctjgnlefen unb bemerfen bier nur nodj, baß baS „©calpei" von Seuten gefdjrtebett wirb, bie ßdj burd) einen fcotjen ©rab oon Jüdjttgfeit unb mebiginifdjer ©etetjrfamfeit auSgeidjnen. 12C ©unn's Vaus*2lrgt. 2Jon ben föteuben unb Setben bet (Srtmterttitß. (Erinnerung an gute Jbat »ß f"§ f"r'ä flanJe Seben; Darum fei bra» 5 bu wirß belobnt für alle« roadte ©treben. Die greuben unb Seiben ber Erinnerung ßnb fo innig mit einanber vetbuuben baß, wätjrenb wir uns einer Begebentjett mit frotjem Vergen erinnern, ber ©ebanfen an eine anbere uns gleidjgeitig fdjmerglidj iß; batjer tommt eS, baß gefagt worben iß: „Die Erinnerung an vergangene greuben iß füß unb fdjmerglidj gugteidj." Die Sugenbgeit iß bie glüdlldjße $ertobe im Seben, wenn wir nämlid) ben 3ußanb für ben glüdlidjßen Ijalten, in bem wir am wenigßen von Seiben tjeimge- fudjt werben. Ein Srwadjfener, weldjer Smpfänglidjfelt für greuben tjat, bie ßdj von ben Saljren ber Kinbbrit an nodj ftetgern tann, iß baburd) in ben ©taub gefejjt, ben X)öctjften ©rab beS BergnügenS gn genießen; aber eine foldje Smpfänglidjfeit tjat audj gur golge, baß er ber größten Niebergefdjlagentjeit unb $ein ausgefegt ift. Die Sugenb bagegen, bei ber Smpßnbtidjfeit in viel geringerem ©rabe ausgeprägt iß, als bet bem Srwadjfenen, fügt ßdj ben äußeren Umftänben nnb gewötjnt ßdj ieidjt an anbere Bertjättniffe, nnb wenn ©orge ßcb, jemals einßeffen follte, fo irirb biefe nur vorübergetjenb fein. Vieraus folgt, baß, obgleidj ber Srwadjfene Bergnü* gungen in einem X)öX)txtn ©rabe genießt, als bas jugenblidje Stlter, er gleidjgeitig tebtjaft fütjlt, baß Niebergefdjtagent)rit ßdj feiner bemädjtigen fönne, bie in ber Neget ftärfer ift, als baS ©efütjt bes ©lüdeS. Ss mödjte vieffeidjt fdjeinen, baß bie angenehmen ©efüljle, weldje bie Sufltnb empßnbet, fügtidj mit bem SluSbrude 3ufriebentjeü begeidjnet werben tonnten; allein biefer Begriff brüdt nur einen mtjigen 3ußanb beS ©emüttjS aus; Sugenb gibt ftd) ber greube fjin, unb bagu getjört eine lebtjaftere Empßnbung, als bloße 0tutje beS ©eißeS mit ßdj bringt. Der Srwadjfene atfo empßnbet meljr Bergnügen, aber audj metjr ©djmerg. SBenn er inbeffen Jäufdjungen rutjig erträgt, fo wirb ber ©tadjet ber 5)ein weniger fdjmerglidj unb feine SBirfungen werben vott fürgerer Dauer fein, nnb er wirb ftdj folgltd) glüdlidjer fügten, als fonß. Darum foffte ber Srwadjfene mit feinem Soofe gufrieben fein; obgleid} Kummer ßdj mit ben greuben mifdjt, bie er genießt, fo werben itjm anbererfeits ausertefene Bergnügungen gu Jtjeit. SBetdjer Menfdj würbe nidjt einen tjöljern ©rab von ©ettuß, felbß wenn et ben» felben mit ©eetenangft erlaufen müßte, einem vertrodneten Dafein vorgiefjen, weldjes ßdj burdj geringe Jfjätigfeit ober ermübenbe Untfjätigfeit fenngeidjnet, bem aller ©djwung unb bie ©luüj einer lebenbigen SinbilbuttgStraft fetjlt ? Sft nictjt jener 3ußanb befonbers geeignet für bie elgenttjümltdje Befdjaffenljeü beS 9flen< fd>en; ift es nictjt mit SßeiStjeü fo angeorbnet worben? 3ß ber Menfdj nidjt baju beßimmt, Jobesangfte ausgußetjen ? Unb würbe eine foldje Beßimmung mit jener Eigenfdjaft ber ©ottljeit, bie wir ©nabe nennen, in Eintlang ßetjen, trenn unfere Jrübfat nidjt erleichtert würbe, wenn wir in unferer Niebergefdjfagenljeit ntdjt aufgebeitert würben? Diefer Balfam iß uns gegeben. SBenn bie irbifdje greuben unb Seiben ber Erinnerung. 121 Vüffe ßcb, in ©taub auflöß, bann wirb ber ©eiß eine SBelt voff unbefdjreiblidjen ©lüdes fdjauen, unb eS wirb üjm frelgeßettt werben, beffelben ttjeiltjaftig gu werben. SBenn wir gurüdfcfjauen auf bie Bergangentjrit, bann erfdjeint SlffeS in fdjönerem Sldjte, wätjrenb bie Sretgniffe gur 3eü, ats ße ftattfanben, leinen fotdj' tiefen Sinbrud auf ben ©eiß madjten. Die SinbiibungStraft trägt baS irrige bagu bei unb läßt viele ©egenßänbe In rofenfarbenem Sictjte erfcfjeinen. Mit tjeitiger, Sljrfurdjt betreten wir ben $la£, wo bie ©ebeine unferer Bäter rutjen, ober bie ©teile, welche burcb. bie Errichtung eines JempetS gur Beretjrung ©ottes geheiligt iß, unb wätjrenb bie Erinnerung Srrigniffe, weldje baS ©ebädjtniß gurüdruft, ober bte auf ben Blättern ber ©efdjidjte eingetragen ßnb, in fdjönerem Sidjte barßefft, netjmen bte rootjlttjätigften Smpßnbungen in unferem Bufen $Ia£, unb ber ©eiß erbebt ßdj über bte ©pljäre (SBirfungSfreis), bie üjm angewiefen ift; wir geben uns inbrünftiger Beretjrung tj in, unb garte ©efüljle ßeigen in uns auf. Diefe Smpßn* bungen geben Stnlaß gu jener SmpfängHctjfeit bes ©eißeS, weldje bem menfctjlidjen Stjaratter Sbre madjt. Snbem wir Betradjtungen anßeffen über ben tjotjen mora* lifctjen SBerttj unb bie Jugenb vieler ebten Menfdjen, bie uns vorangegangen ßnb« werben wir babutdj angefeuert, Üjr Beifpiel nadjguatjmen. Der ©reis, beffen SBangen bas Stlter gefurdjt tjat, tann feinem geißigen Sluge viele Srrigniffe vor* fütjren, an weldje ßdj angenetjme unb freunblidje Erinnerungen fnüpfen. SBätjrenb er bie Nuinen eines JempelS ber ©ottesveretjrung im ©eiße erbttdf, ßetjt er ben ebrwürbigen $rebtger von ber Kanget tjerunterfdjauen; bie Sinbrüde, bie vor langer 3eü auf iX)n gemadjt würben, werben wieber lebenbig; es fommt itjm vor, ats wenn tiefe SBatjrtjeiten, SBorte beS griebenS ben Sippen beS ©eift* lidjen entßrömten, gleidjwie ber etfrifdjenbe Negen auf bie verborrten fangen, fällt, wäbrenb tjlmmlifdje SBeistjett von ber ©tirn bes $rebtgerS ftratjlt! Die Srinnerung vergegenwärtigt uns bie Ereigniffe frütjerer Saljre mit Stffem, was bamit vertnüpft iß. Es madjt uns Bergnügen, bei biefen Ereigniffen im ©eiße gu verweilen; aber bie fdjöne Jäufdjung verfdjwinbet balb, bie lebhaften garben erblaffen, unb wenn wir aus unferem Jraume erwadjen, bann fetjen wir ben Unter* fdjieb gwifdjen Einbilbung unb SBirflidjfeit. Es erregt unfer Berwunbern, ben 3ufammenbang gwifdjen ben verfdjiebenen Vanbtungen eines Menfdjen wätjrenb feines SefcenS waljrgunebmen, unb es madjt großes Bergnügen, bie Bilbung jener Kette aufmerffam gu beobadjten: tok tin ©lieb bie Vingufügung bes anbern gur golge getjabt Ijat, bis unerwartete Umßänbe eingetreten ftnb, unb man gewahr würbe, baß aus Kteinigfeiten ein Sßerf gefdjaffen worben war, weldjes bie SBelt in Erßaunen fe£te! Vierin geigt ßdj beuttidj bie SBeisljeit ber Borfeb^ung, unb bas Sßotjlttjuenbe jener Smpßnbungen ftellt ßdj in feiner gangen Neintjett unb ©djön* Ijeit bar. Slffe 3üge beS SfjarafterS verbauten itjre Sntßeljung geringfügigen Umßänben unb verfdjiebenen Ereigniffen, bie affmäfjtig ben Stjarafter fo bilben, baß wir itjm unfere Bewunberung nidjt verfagen fönnen; gleidjwie ber gtuß, mit bem ßd) eine Menge Bädje vereinigen, einen majeftätifdjen ©trom bilbet, ber ßdj in ben Ocean ergießt, auf wetdjem bie ©djiffe mit gefdjWefften ©egeltt bie Srgeugniffe ber Erbe von einem Sanbe gum anberen fdjaffen. SBettn man mit Vülfe eines guten ©ebädjtniffes bie Srtebniffe ber Sugenb gurüdruft, fo wirb bie Erinnerung an bas gortfdjreiten bes SebenS von einem Ereigniß gum anberen viel Bergnügen madjen Man wirb ßcb, vergebener Boifätte erinnern, benen man, gur 3eit als ße ßatt> 122 ©unn's VauS*Slrgt. fanben, feine Beadjtung gefctjenft tjat; wätjrenb man jefct einfietjt, baß ße auf tna fpätere Seben einen entfcbeibenben Einfluß, baß fte entweber Slenb ober ©Uia in ttjrem ©efolge getjabt ijaben. Diefe N ü d b 11 d e gewähren uns Ijäußg bas gt^te Bergnügen, aber eben fo tjäußg verurfadjen ße uns $etn. Das ©lud, weldje« n>ii in biefem Seben genießen, beftetjt meißens in Borgenuß unb Borempßnbuttg. Der Menfdj verliert bte Voffnung nidjt, fo lang er lebt auf Srben; Docb fage nidjt: er ift im ®lüd; er foH erft glüdlicb teer ben. SBenn bie Bilber, bie eine ertji^te Sinbilbungstraft uuS vorfpielt, gerrlt,,ten bann bebauern wir, baß wir gu ber 3eü, als wir in jugenblidjen Jräumen fcb>e(g> ten, als bie SBelt In rofenfarbenem Sidjte vor uns lag, ben Urfadjen nidjt vorbeugten, bie gur golge Ijatten, baß ßdj Im Mannesatter Neue unferer bemädjtigte unb bie* jenigen Kräfte gelähmt würben, weldje fonß gur tjerrlictjen Entfaltung geengt wären. SBer tjat ßd) nidjt mit Sßiberwiffen begangener Jbortjeüen erinnert? SBem l-aben ßdj nidjt gu ßtittn ©ebanfen, ©efüljle aufgebrängt, wer erinnert ßdj nidjt uutrill» fürlidj an Srrigniffe, bie vielleicht von jebem Slnberen vergeffen worben ftnb ? SBer tjat ßcb, nictjt bittere Borwürfe gemadjt über ttjöridjte ©ebanfen unb Vanblwngen unb albernes ©efdjwäjj ? Das unangenehme ©efütjt, weldjes foldje Erinnerungen verurfadjt, wirb felbß burdj bie 3eü nidjt verminbert; bie Unbefonnentjeiten, roetdjer Wir fowoljt in unferer Sugenb, als aud) im fpäteren Sebensatter uns gu ©djutben fommen taffen, ßelgen otjne unferen SBunfdj in unferer Erinnerung auf; bet ©ebanfe baran iß uns eine Ouat, unb viele unferer Vanblungen muffen wir ver* bammen, wenn wir reiflidj barüber nadjbenfen. Es ift eigentbümlid), baß biejenigen, weldje bie SBelt am wenigften auflagt, ßdj felbß am meißen auflagen. SBenn Semanb alberne Bemerfungen gemadjt tjat, otjne baß bavon Notig genommen mürbe, fo werben biefelben bodj in bem ©ebäctjtniffe beSjenlgen, von weldjem ße ausgingen, feftßijen; wätjrenb er Vergebltd) ßd) bemüfjt, Srrigniffe angenetjmer Natur in feinem ©ebäctjtniffe aufgubewab, reu. Es ift ebenfalls bemertenswerttj, baß wir und über unfere ©djwädjen fetjr. Ijäußg Borwürfe madjtn, unb baß ber ©ebanfe xixxi quält, baß Slnbere fte ausgefunben tjabett; anbererfeits benten wir feiten baran, ben ©efütjlen Slnberer Nedjnung gu tragen, von benen uns ©üte ergeigt unb SGBotjlttjä* tigfeit erwiefen worben iß. . Diefe Erinnerungen ßnb uns nidjt angenetjm, nnb wir mödjten uns berfelben am liebßen entfdjtagen. SBenn ße bennodj In uns aufßeigen, fo iß eS meiftenS in golge von Nadjbenfen, wenn uns unerwartete Unbanfbarfeü gu Jtjeit wirb, ober Wentt wir in uns getjen, um Jroß gu gewinnen, beffen wir burdj erlittene Ungeredj* ttgfeiten bebürfen, nnb wenn wir barüber nadjßnnen, wie wir biefen begegnen fönnen. SBenn gebanfenfofe Jtjortjeit ßdj fo beßraft, wie wir es oben gefdjltbert tjaben, wie fdjredltdj wirb alsbann bie ©träfe beSjenigen fein, ber ßdj wirttldje Miffettjat Ijat gn ©djulben fommen laffen! SBentt ber ©ünber ßdj beffert, fo ift bieS fdjon eine tüdjtige ©träfe. Das ©ebädjtniß, biefer trügerifdje greunb, aber treue Matjnet, vergegenwärtigt bem bie Bergangentj eit, beffen Verg eblerett ©efütjlen gugängltaj geworben iß, beffen ©eredjtigfeitsgefütjt erwadjt iß, unb ber jefct beffer iß, als gu ber 3elt, ba er Jtjaten beging, bie er fpäter bereute. SBenn unfere Erfenittniß guntmmt, fo erfdjeinen viele unferer Vanblung'n in greuben unb S ibftt ber Eritttterung. 123 einem gang anberen Staate, unb wir fetjen ein, baß mandje unferer Jfjaten üble golgeu getjabt tjaben. Obgleich foldje gotgen nidjt beabßdjtigt würben, fo fdjmergt es uns bodj, baß ße eingetreten ßnb. Slber biefer ©djmerg mifdjt ßcb, mit einem anberen ©efütjt, weldjes nodj peinlidjer iß. SBir bebauern, baß wir uns nidjt bie Kenntniß angeeignet tjaben, wetdje uns vertjinbert ijaben würbe, Vanbtungett gu begeben, bie benen ©djaben bradjten, weldje wir am meißen lieben. Kommt es bagegen gu unferer Kenntniß, baß wir nnabfidjtlidj ©uteS gettjan fj oben, fo ßnben wir barin nictjt bie ©enugttjuung, welctje eine golge ebler Beweg* grünbe iß, unb wir nehmen gu unferem Bebauern toaX)x, baß wir einen tjötjeren ©rab ber greube genießen würben, wenn wir unferen Mitgefdjöpfen auf eine wirffamere SBeife beigeßanben tjätten. Eine forgfättige Slusbitbung unferer geißigen Kräfte würbe uns in ben ©tanb fe^en, biefeS gu ttjun. SBas wir audj immerhin über ben beregten ©egenßanb benfen mögen, wir werben gu ber Uebergeugung gelangen, baß Erfenntniß gur SluSübung ber Jugenb erforberltdj iß, unb wenn Srfenntniß uns nu r Im jenfettigen Seben gu Jbeit werben foffte, fo würben bie beßen Menfdjen bie Srrttjümer bereuen, bie fie in biefem Seben begetjen. 3dj twffe, baß es mit glam* menfdjrift, bie Weber Sljrgetg, Vabfudjt, nodj Bergnügungsfudjt austöfdjen fann, in eurem Vergen eingefdjrieben iß, baß bie elngig watjre unb wirflldje ©ttjdfetigfeit in bem Bewußtfein eurer Nedjtfdjaffentjeit beftetjt, Jugenb belohnt ßctj burcb, ©eeten* frieben unb VergenSfreube, unb fein Sob Stnberer tjat SBertlj, wenn wir nidjt mit uns fetbß gufrieben ßnb. Seber ©terblidje ftrebt nadj ©tüd; Biete jagen üjm nadj, aber SBenige erreidjen es. SBie ein trügerifdjes Bilb fudjt uns bas ©lud auf alle möglidje SBeife gu loden, unb gule^t fdjwinbet es in unferer Vanb, wenn bie Nadjt bes JobeS Ijerein* bridjt. Senfeits beS ©rabes iß bie ©tätte wahrer ©lüdfeligteit, unb im Vimmel, nidjt auf Erben, wirb es uns gu Jtjeit werben. Beinatje in jebem Slbfdjnitte bes Sebens fudjen wir bas ©tüd auf Irgenb eine Slrt gu erbafdjen. Die fröljlidje, tjeitere Sugenb fudjt bas ©lud baburd) gu erlangen, baß ße ßctj in ben Jaumei bes BergnügenS ßürgt, unb wenn bas gereifte Stlter baS Ntdjtige fotdjen Jradjtens erfennt, fudjt ber ©riß anberweittge Befriebigung. fRtidjtDum unb Ueppigfeit werben Ijäußg trrttjümlidj für (3\üd angefetjen, unb wenn es ßdj X)erausßefft, baß ße eitel ftnb, bann fönnen wir in Bergweiflung ausrufen: „Stdj, ©tüd iß nur ein eitler SBatjn l" SBir mögen Befriebigung fudjen, inbem wir uns ben SBiffenfdjaften Eingeben, unb wenn irbifdjeS Sßiffen burdj antjaltenben gleiß erlangt worben iß, bann fom* men wir vieffeidjt gu ber Uebergeugung, wetdj' geringen SBerttj irbifdjeS ©lud tjat. Diejenigen ßnb gu preifen, wetdje, voff von tjimmtifdjer SBeistjett, einen fotdjen Sebenswanbel führen, um irbifdjeS (3lüd Ijiernieben unb SBonne im Senfeits gn empßnben. Möge Sebem tin fotdjer Unterrieb,! gu Jbeit werben, um fo gu leben, bamit er ben ©enuß ber tjtmmtifdjett ©eligfeit erlange. Netigion affein fann uns In ben ©türmen unb «Prüfungen bes Sebens aufrichten unb trößen, unb in ben ©tunben ber Jraurigfeit unb Niebergefdjfagenljett wirb ße uns barin erinnern, baß wir bermaleinß in bie berrltdjen ©eßlbe ewiger ©eligfeit eingeben werben, wo ewige ' greuben unferer tjarren, unb wo jebe Jtjräne getrodnet werben foff. 124 ©unn's VauS*3!rgt. £>ie JyitrdU t>or bem &obe. Der glaubte Sbriß Wirb »or bem Jobe nidjt erbangen 5 Waa) etc'ger Nub' unb ©eligfeit ift fein Verlangen. 3. ^öflcr«. Man nimmt an, baß feit bem Srfdjeinen ber Etjotera in Seffora, in Borberinbien, im 3ab,re 1817, nidjt weniger als adjtgetjn Millionen Menfdjen in 3nbien, Slßen, Suropa unb Slmerlta biefer Kranttjeit gum Opfer gefallen ßnb, von benen eine Million gwetfelsotjne aus gurdjt geßorben iß. Ss muß 3ebem einleudjten, bafj Vunberte, bie an verfdjiebenen Kranftjeiten leiben, jätjrlidj aus gurdjt vor bem lobe ßerben, unb Slergte fudjen aus biefem ©runbe bem Seibenben Mutb; eingußößen. Voffnung iß bas widjtige Vetlmittel, burdj weldjes in neun gälten aus geljn bei jeber Kranftjeit bie Veitung bewirft wirb. SBenn bie tjeilenbe Kraft ber Natur auftjört, bann fann Mebigin nidjts meljr bewirten. Es iß leine ©ünbe, ben Job gu fürdjten. Der Srlöfer fürdjtete Üjn. ©eine menfdjUdje Natur, obgleid) ße vofffommen tjetltg war, fdjredte gurüd vor bem Jobestampfe. Die gurdjt vor bem Jobe iß bemnadj an unb für fxd) nidjt fünbbaft. Stjrißen ängßigen ßcb, tjäuftg, weil fte im §inblid auf ben Job nidjt bie Nutje baben, weldje fte nadj itjrer Stnßdjt tjaben follten; unb, weil fte vor ber JobeSpetn gurüdfdjreden, nehmen ße an, bafj foldje ©efütjte Im SBiberfprud)e mit ber djrtßlidjen Neligion ßetjen, unb baß biejeni- gen, weldje fte X)aben, feine watjren Stjrißen feien. Stber fte vergeffen bie Seiben itjre« VeilanbS ; ße vergeffen, mit weldjer Snbrunft er betete, baß ber Ketcjj von ifjm meg* genommen werben mödjte. Job ift an unb für ßdj fdjredlldj; bie gurdjt vor bem- felben iß uns angeboren, unb felbß bei ben beßen Menfdjen wirb bie JobeSfurdjt guweilen nidjt gänglid) verbannt, bis bie le^te ©tunbe fommt unb ©ott ßdj ber armen ©eete erbarmt. Es ftnb waljrfdjetnlidj gwei ©rünbe vortjanben, wesfjalb ©ott ben Job fo fdjredlid) für ben Menfdjen gemadjt tjat. ©ott wiff erßens, bafj wir von ber SBidjtigfeit ber Borbereitung für ben Job burdjbrungen feien. Der Job öffnet uns bie Pforte gum Eintritte in'S ewige Seben, unb ©ott will, baß wir auf biefeS feierlidje unb widjtige Sreigniß unfere Slufmerffamfeit rtdjten. gür Jtjiere gibt es feine Unßerbtidjfeit, ße tjaben lein ©ewiffen, feine Berantworttidj* feiten unb braudjen feine Borbereitungen für ben Job gn madjen; ße fdjeinen baljer, ausgenommen in einem fetjr geringen ©rabe, feine gurdjt vor bem (Sterben gu tjaben. Slber mit bem Menfdjen iß es anbers. Er tjat eine unfterblidje ©eeie. SS foffte fein X)auptfädjtidjeS Beßreben tjierntebert fein, ßdj für titn Job unb für bie Unfterblidjteit vorgubereiten. Durdj bie gurdjt vor bem Jobesfampfe unb ber ©rabesnadjt lenft ©ott unfere Slufmerffamfeit auf ben Job, als eitt tjödjft widjtige« Ereigttiß, uttb leitet uns barauf tjin, auf Uußerbltdjfeit gu tjoffett. Nur bie Voff« rtung auf ein ewiges Seben tann bem Jobe feinen ©tadjel rauben. ©ott woffte gweitens ben Mettfdjett vom ©elbßmorbe ahX)alttn. Um biefeS gu bewirten, Ijat ©ott es fo gemadjt, baß wir vor bem Jobe gurüdfdjreden. Der ©ebanfe, baß wir ßerben muffen, iß uns fdjredlidj, unb felbß wenn Unglüdsfälle unb ©ram uns ttleberbrüdett, tragen wir lieber bie Seiben, bie wir fennen, ßatt bafj wir fte mit anberen vertaufdjen, bie wir nidjt fennen. Der Menfdj iß baS eingige ©efdjöpf, welcbes ber ©efabr ausgefegt iß, ftdj felbß bas Seben gu neljmen. Kein Jtjier begetjt ©elbßmorb, wentt wir nictjt etwa ben ©forpiott ausnehmen, unb Jbjete Die gurdjt vor bem Jobe. 125 taten bab,er feine fotctje gurdjt vor bem Jobe, wie ber Menfdj. Slber man weiß ja, wie es mit bem Menfdjen fteb,t, ber tebenSÜberbrüfßg iß; gefoltert vom bofen ©ewtf* fen, getäufdjt unb gebrochenen VergenS iß er ber Berufung preisgegeben, baS entfeUUdje Berbredjen beS ©elbftmorbes gu begetjen unb unaufgeforbert fidj vor ben Nidjterftutjl ©otteS gu ßeffen. Um uns bavon abgutjalten, eine foldje fdjaubertjafte XX)at gu begeben, b,at uns ©ott bie gurtet vor bem Jobe gtetdjfam eingeimpft, unb Jaufenbe werben burdj biefe abgeb, alten, Vanb an ßdj gu legen, wenn nidjts anbereS fte baran tjinbern würbe. Es iß batjer ein ©egen für bie SBelt, baß ber Menfdj ßdj vor bem Jobe fürdjtet; in ber JobeSqual, überhaupt in Stffem, was mit bem Jobe in Berbinbung ftetjt, In bem Bteidjwerben unb 3üte™, wenn bie ©terbeftunbe ftdj nätjert, erfennen wir bie ©üte ©ottes. Ungewiß iß baS menfdjlidje Seben. SBirb uns rin eingiger Stttjemgug, ein eingiger ©djlag bes VergenS geraubt, fo iß eS um uns gefdjetjen. Unb in bem furgen fdjredlidjeit 3wifdjenraum gwifdjett Seben unb Job wirb es uns offenbar, baß wir madjttos, nnb baß ©ott allmächtig, baß ber letzte leife «Pulsfdjlag nur bas Borfpiet beS gufünftigen SebenS ift; wir fetjen ein, wenn bas Jobesrödjeln berannafjt, baß nichts auf Erben uns für unferen Ber* tuß entfctjäbtgen fann. Slber ber affgüttge Bater tjat es fo eingerichtet, baß es feinen ©djmerg gibt, ber nidjt auf bie eine ober bie anbere Slrt gelinbert würbe. SBenn bie ©uten, bie Stebenswerttjen unb biejenigen, weldje uns ttjeuer ßnb, ßerben, bann wärmt bie Erinnerung an bie ebten Jtjaten, bte ße voffbradjt tjaben, unfer Verg, gleidjwie erquidenbe ©onnenßratjlen bie Nebet gerßreuen, nnb foldje Srinne* rungen gewähren uns in unferer Jrauer einen tjimmlifdjen Jroß. Dann geigt ßdj ber Job in feiner milbeßen gorm; er erfdjeint als fanfter, erquidenber ©djlaf; er legt feinen eifernen ©cepter nieber, nnb feine falte Vanb berütjrt fanft baS mübe Verg, weldjes jeijt auftjört gu fdjlagen, um ausgurutjen von irbtfdjer Drangfat unb eingutreten in jenes tjerrlidje VauS, „in wetdjem wir für immer bleiben werben." gür ben gläubigen Stjrtßen tjat bas ©terbett feine ©djreden; ber Job befreit ben gefeffelten ©eiß, er fdjlteßt ein mühevolles, irbifdjeS Dafein, er gibt bie ©eeie feinem ©djöpfer gurüd, um für immer im $arabiefe gu wotjnen. SBenn wir uns mit bem ©ebanfen, baß wir fterben muffen, nidjt befreun- ben, fo werben wir viele unnöttjige gurdjt auSguftetjen tjaben, unb bie vielen ringe* btlbeten Seiben beS menfdjlidjen SebenS werben baburdj ertjeblidj vermehrt. Der ©taube, baß mit bem ©terben heftige ©djmergen verbunben ßnb, iß fo affge* mein verbreitet, baß wir in vielen ©pradjen biefelben Begriffe ßnben, bie mit bem Slusbrud „Stgonie" (Jobesfampf) begeidjnet werben. Urfprünglidj bebeutete btefes SBort ungefäbr fo viel, als ein Ijeftiges dlina,tn mit bem Jobe, je£t aber fommt es beinatje ber Bebeutung bes SBorteS JobeSpein gteidj. Der Jobesfampf iß tnbeß nidjt ein 3ußanb förpertidjer nnb getftiger Unruhe unb Oual, fonbern vielmehr ein 3ußanb ber Bewußtloßgfeit. Das rafdje nnb erfdjwerte Sltfjmen, bas Nödjeüt, bas Berbreljen ber Singen werben nidjt metjr ats 3eidjen von ©djmerg angefetjen, fonbern vielmehr als tin Beweis, baß bas ©etjirn wenig ober nidjts metjr empßnbet. 3m 3uftanbe bes Bewußtfeins ßnb wir im ©tanbe, ben Slugapfet wifffürlidj gu bewegen, bie Stugenmusteln getjordjen unferem SBiüen; aber fobalb bas Bewußtfein entfdjwunben unb fein Sßiffe meljr vortjanben iß, bann gteb, t fid) ber Slugapfet unwifflürlidj unter bas obere Slugentib. 126 ©unn's Vaus = Slrgt. Stiles JobeSringen iß ein foldjes bloS fdjeinbar; felbß bie frampftjaften (fonvuf. ßvifdjen) 3udungen, bie tjin unb wieber ftattßnben, ftnb ben epilcptifcben Krämpfen verwanbt, von benen wir wiffen, baß fte im 3ußanbe gänglidjer Bewußtloßgfeü vor ßdj getjen, unb baß fte lein Slngeidjen förperlidjen Seibens ftnb. Stile Menfdjen wünfdjen ßdj einen fanften Job, (ein foldjer Job wirb von ben Slergten Sutljanafie genannt,) unb wie groß audj immer bte ©djmergen gewefen fein mögen, bie wit vortjer ausgußetjen Ijatten, baS Snbe Iß meißens fdjmergloS. 3« ber tjetrliajcn Mvttjologie (©ötterletjre) ber Stlten war ber Job ber ©otjn ber Nadjt unb ber Bruber bes ©djlafeS. Das Ijeftige Ningen gur 3eü beS DatjtnfdjribenS iß watjrfdjetnlidj bie Beranlaf. fung gewefen, baß bie meißen Menfdjen bas ©terben für ein mit mtX)x ©djmergen verbunbenes Sreigniß tjalten, als es in ber Neget ber galt iß; affein idj weiß ui Erfahrung unb grünblidjer Nadjforfdjung, baß bas Ningen mit bem Jobe burdjauä fein untrüglidjeS 3ei^)eu beS SeibenS iß. Musfelttjätigfett unb Bewußtfein ßnb gwei verfdjiebene Dinge; bas eine fann ßattßnben, otjne bas anbere; unb mir X)ahtn guten ©runb, angunetjmen, baß bas JobeSringen, weldjem wir mit traurigen ©efütjten gufefjen, in ben meißen gällen in bewußtlofem 3ußanbe vor ßctj ge|t, unb es vertjält ßdj bamit ätjnticl), wie bei einem ©tüd gebervieb,, weldjes in 3udun« gen liegt, nadjbem ber Kopf vom Nuntpfe getrennt Iß. Ein anberer ©runb, baß bie Menfdjen bas ©terben als ein mit vielen ©djnter* gen verbunbenes Sreigniß anfetjett, iß ber, baß ße Ijäußg $eln ertragen muffen, otjne baß ber Job fotgt, nnb, inbem fte vergeffen, baß gletdje Urfadjen gleidje SBir- fungen nur unter ätjntidjen SSertjältniffen gur golge tjaben, gelangen ße gu bem fatfdjen ©djluffe, baß baS Seben ttidjt oX)nt Smpßnbung nodj größerer ©djmergen vernidjtet werben tonne. Slffein ber Jobesfampf iß hti weitem nidjt fo fdjtimm, als bie meißen Seute annehmen; unb Biele, etje ße mannbar werben, leiben getjnmal meljr, als es ber gaff fein würbe, wenn fte ßdj über bas SBefen bes Jobes getjörig unterrichtet Ijättett. 3n allen ©terbefätlen leibet ber Menfdj leinen ©djmerg meljr, nadjbem bas Nervenfvßem feine Smpßnblidjfeit verloren tjat, unb einem foldjrn 3ußanbe getjen Ijäußg wenige, unb guweilen gar leine, ©djmergen vorder. Diejenigen, weldje vom Blljj getobtet ober mit einem ©djwertßretdje enttjaup« tet, fowie biejenigen, wetdje in einem Slugenblid gu Jobe gebrüdt werben, empßn* ben beim Uebergange vom Seben gum Jobe burdjaus feinen ©djmerg. Sin eingiger Slugenbiid, in bem wir befürdjten, baß wir auf eine ber genannten Sirten um'« Seben tommen werben, iß viel fdjredtidjer, als bas Seiben, weldjes ber Slft felbft mit ßd) bringt. SBer in Otjnmadjt fäfft, wenn er burdj Slberlaß ober bei einer anberen ©elegetf tjeit etwas Blut verliert, tjat fdjon alle tytin erbulbet, beren er unterworfen fein würbe, wenn ber Btutvertuß ben Berluß bes SebenS nadj ßdj göge. SBenn 3emanb am gleber ober an einer anberen Kranftjeit ßirbt, fo leibet er in ber Negel bie gröfjtt «Pein ©tunben ober Jage vor feinem Datjinfdjetben. Die Smpßnblidjfeit beS NervenfvßemS verminbert ßdj affmäbfig, bie ©djmerjtn werben weniger X)eftig, tro^bem baß biefelben Sinßüffe vorb, anben ßnb, unb gu bet 3eit, totnn bie Slngeb, örigett beS ©terbettben glauben, baß bie größten Oualen übet '$n Ijereingebrodjen ftnb, iß fein 3ußanb viel erträglidjer, als viele Jage guvot; Die gurdjt vor bem Jobe. 127 bie Kranftjeit fängt an, gteidjfam wie ein ßittfctjtäferungSmittel auf ben Dabtn* fdjeibenben gu wirfen. Sa, in mannen gaffen iß fdjon ber ©riß entßo^en, etje man eine Sltjnung bavon tjat. Kurg unb ungewiß ift bas menfdjltdje Seben, unb biejenigen ßnb in einem Bella* genswertb,eu Srrttjum, bie in ber Beurteilung von greube unb bauernbem ©lud ben Maßftab biefer SBelt anlegen, beren größte Voffnungen unb größte Stnnebm* lidjfeiten nur eine fdjwactje 3bee fjimmtifdjer ©eligfeit geben. Srbifdje greuben ßnb bem SBanberer auf bem $fabe beS SebenS nur gu geitweitigem Jroß verlieb, en worben; gleidjwie ein ©onnenftratjt burdj bie Oeffnungen eines bunfeln unb efet* haften ©efängnlffeS fällt, um bas nlebergefdjlagene ©emütb. beS ©efangenen auf* guljeitern. SBentt aber ber unßerbtidje ©eift mit ber Urquelle wieber vereinigt wirb, von ber er ausging, bann wirb er ber ©eligfeit rljeiüjaftig, bie bas Srbtljeü aller benfenben SBefen iß; aller SBefen, fage idj, bie ftd) ernftlid) bemütjen, ben ßwed gu erfüllen, für weldjen ße gefdjaffen worben ßnb, nämlidj: tjiernieben ©ott gu Heben unb allen ©einen tjeiligen ©eboten gu getjordjen. SBir ßnb von 3b.nt ausgegangen; ber menfdjiidje ©eift fann ßdj mit nidjts weniger gufrieben geben, als mit bem erhabenen ©ebanfen, ßdj feinem ©djöpfer gn nähern unb in ©ei* nem ©djoße gu rutjen. SBie blinb unb verfetjrt Iß ber Menfdj. Er jagt bem trügerifctjen ©djeine biefer SBelt nadj; er tjafdjt nadj Nutjm, biefer teeren ©eifenblafe; er ridjtet bie gange Kraft feines ©eißeS auf bie Erlangung irgenb eines unbebeutenben ©egen* ßanbeS; er eilt nadj bem ©djladjtfelbe, bamit bie verßümmelten Seidjname fei* ner Mitmenfdjen itjm Nuljm ernten; er ertlimmt bie Seiter ber $otttif, um ver* möge ein wenig geißiger Ueberlegentjeit bte Maffen gu leiten unb gu befjerrfdjen; er unternimmt bie gefatjrvoüßen Neifen, begibt ßdj nadj fernen Sänbern, bie ein ungefunbes Klima Ijaben, um elenben Mammon gufammengufdjarren; unb, wälj* renb üjn alle feine flelnlidjen $läne unb Unternebmungen befdjäfttgen, erfctjeint ber Enget bes JobeS unb forbert itjn auf, vor bem X)eX)xtn Nidjterftuljte beS Slffmädjtigen gu erfdjetnen, affwo ber Menfdj nadj feinen Jtjaten gerietet wirb. Kinber in gartem Stlter werben Üjren Eltern nacb; jenem Orte folgen; bebeutenbe Süden werben im gamitientreife entftetjen, nnb ben 3urüdgebliebenen Wirb bie weite SBelt gur ^eimatX) bienen. Der Mann wirb ber grau folgen, bie ber ©langpunft unb bie greube bes verein* famten VaufeS war; unb ber grau ber Mann, beffen ßarfer Slrm, wie ße getjofft tjatte, itjr eine ©tü£e für's Seben fein würbe. Der Süngltng, beffen Kräfte in golge einer fdjleidjenben Kranftjeit batjinfdjwinben, wirb von uns fdjeiben unb auf bem griebtjofe Nutje fudjen; ber Bejatjrte, nadjbem er lange Sabre ßdj abgequält unb abgehärmt tjat, wirb im ©rabe grteben ßnben. Seidjenßeine werben rings um uns fjer ßdj erijeben, beren Snfdjriften manchmal verfünbigen, was biejenigen, bie barunter rutjen, gewefen ßnb, aber viel ijäußger, was fte tjätten fein foffen. O, bas ©rab! bas ©rab! es bebedt jeben Srrttjum, jeben getjler; es erßidt jebes ©efütjt ber Nadje. Bon feiner frieblidjen ©tätte getjt Bebauern unb Berfötj* nttng aus. SBer fann auf ein ©rab nieberbtiden, unb felbß wenn es bas eines geinbes fein foffte, otjne einen ©eufger ber Neue ausgußoßen, baß er feinbfelig gegen ben armett Erbffoß getjanbelt tjat, an bem jefct bte Sßürmer nagen. SBetdj' ein Ort gum Nacbbenfeit iß aber bie Nufjeßätte berer, bie wir lieben! Da erinnern k28 ©unn's VauS*Slrgt. wir uns aW ber Jugenben unb ber ©anftmuttj ber Entfdjlafenen, ber taufenb SieB« fofungen, bie in bem täglidjen, vertrauten Umgange an uns verfdjwenbet toorbtn ftnb, ob. ne baß wir befonbers barauf geadjtet tjätten ; ba gebenten wir ber 3ättliaj. teit, ber feterlidjen, ernßen 3ärtlidjfeit, bie ßdj in ber ©terbeßunbe funb gab; n>ir gebenfen beS JobtenbetteS; unb bie Erinnerung an unterbrüdten Kummer, an bie geräufdjlofe Dienftbefltffenljeit ber fdjweigfamen Umgebung, an bie lejjten Ste&eä» beweife unb an bie fdjwadjen Sleußerungen ber fdjwtnbenben Sebensfraft bes ©ter» benben fteigt in uns auf. ©etj' nadj bem ©rabe beiner Sieben, unb überlaffe bid) bem Nadjbenfen! Dort redjne mit beinern ©ewiffen ah wegen ber 3ättlidjfeiten bie jenes bafjingefdjtebene SBefen bir erwiefen tjat, unb bie bu nidjt beadjtet tjaft,— jenes SBefenS, weldjes nie wieberfetjren, unb beffen ehemalige Betrübniß burdj 3er» fnirfdjung oeinerfeits nidjt verminbert werben fann. Biß bu ein Kinb, unb b,af) bu jemals beinen Eltern Kummer gemadjt ober Jraurlgfeü bereitet; warß bu cir ©atte, unb tjaft bu jemals Beranlaffung bagu gegeben, baß bie treue ©eeie, bie if)' ganges ©lud bir anvertraute, audj nur für einen Slugenblid beine VergenSgüte obe: beine Jreue begweifette; warß bu ein greunb unb X)aft bemjenigen, ber ßdj tntt ganger ©eeie bir Eingegeben tjatte, in ©ebanfen, in SBorten ober in Jtjaten jemals" Unredjt getljan; wenn bu verliebt warß, unb tjaft bem treuen Vergen, weldjes biet liebte, jemals unverbiente VergenSbeflemmung bereitet — bann wirb bein ©eiriffet, bir Borwürfe madjen, unb bu wirft bittere Jtjränen ber Jraurigfeit unb bei BebauernS vergießen, bie bu bem Slnbenfen jener fdjulbig biß. Die Stebe, weldje baS ©rab überbauert, Iß eine ber ebelßen Smpßnbunge*. SBenn ©djmergen bamit verbunben ßnb, fo ift gteidjgeitig SBonne bamit verfnüp-, SBenn unausfpredjltdjer ©ram ber fanften Jtjräne ber Erinnerung weidjt, bann tritt an ©teile ber VergenSbeflemmung unb tjeftiger ©eelenangß, weldje bie trbifdjen Ueberreße unferer Sieben uns einflößen, ftnntges Nadjbenten, unb wir erinnern Mi ber fdjönen ©tunben, bie wir mit ibnen verlebten. SBer würbe Betrübniß fotdjer Strt aus feinem Vergen verbannen, obgteidj fie mandjmat unfere Veiterfeit unterbrechen unb uns in ben ©tunben ber Jraurigfeit nodj trauriger madjen fann; ja, wer würbe fte felbß für Bergnügen ober $xM tjingeben? Eine ©timme entftetgt bem ©rabe, bie lieblidjer ift, als ©efang; bie Erinnerung an bie ©eftorbenenen iß uns Ijäußg fo lieb, baß wir uns von ber ange> netjmen ©efefffdjaft ber Sebenben wegwenben; unb wir geben uns ber Voffnung bjn, baß wir im Senfeits mit unferen Sieben wieber vereinigt werben. Bebenfe, weldj' ein fdjönes Beifpiel bemüttjtger Ergebung unfer Srlöfer gegeben tjat. SluS 5JJitge» fütjl für bie teibenbe, ßerblidje Menfdjtjeit erbulbete er ben Jobesfampf untet bet Bürbe menfdjlidjen SlenbS; felbß für ben Ungerechten opferte er ßcb, auf; unb ben* nodj rief er aus: „Nidjt wie idj will, fonbern wie b u wiffß; nictjt mein SDille gefdjetje, fonbern ber beinige!" Der Menfdj foffte barnadj tradjten, baß Üjm ©nabe verliefen, baß üjm butdj bie Madjt ber Siebe ber Eintritt in'S $arabieS gewätjrt, baß er in bie SB ob, nungen bet ©eredjtigteit unb beS griebenS ertjoben werbe, in b i e SBotjnungen, weldje unfet Bater Im Vimmel für biejenigen bereitet, bie erlöß worben ßnb. „Brüberlidj, Slrm in Slrm gefdjlungen, wanberten ber Enget beS JobeS unb bet Engel beS ©djlafes auf Erben. SS war Slbenb. ©Ie legten ßcb, nieber auf einem Vügel, unfertt ber SBo^nungett ber Menfdjen. Düßere ©rille berrfdjte ringsum, Die gurdjt vor bem Jobe. 129 unb bas abenblidje ©todengeläute in bem entfernt gelegenen Dorfe verßnmmte. ©tili unb fdjweigfam, wie gewötjnlidj, faßen bie wohltätigen ©ctjufcgeißer beö Menfdjengefdjtecb, ts ba, itjre Slrme traulidj in einanber gefdjtungen, unb rings um ße tjer lagerten ßcb, bie ©Ratten ber Nadjt. Da erb,ob ßcb, ber Engel beS ©cbkfeS von feiner mooSbebedten Nub.eßätte unb ßreute mit unftdjtbarer Vanb bte Moljn* förner beS ©Plummers. Der fanfte Stbenbwinb wetjte ße hinüber nacb, ber frieb* lldjen Befjaufung beS SanbmanneS; fanfter ©cb>f fenfte \id> tjernieber auf bie müben Stugenliber ber Bewofjner ber länbtidjen Vütte; ber ©reis am ©tabe, bas Kinb in ber Sßtege würben von füßem ©djtummer erquidt. Der Kraule vergaß feine ©djmergen, ber Seibtragenbe feinen Kummer, ber Slrme feine ©orgen. Die 5lugen Slüer waren gefdjloffen. Nadjbem ber inotjlttjätige Engel beS ©djlafeS feine Slufgabe erfüllt tjatte, legte er ßcb, auf's Neue nieber an ber ©eile feines ernßen BruberS. ,3Benn bie Morgenröttje emporßeigt/ rief er mit unfdjutbiger greube aus, ,bann preifen midj bie Menfdjen als üjren greunb unb Sßoljlttjäter. O! weldjes ©lud, ungefeb, en unb unbemertt fo woljltljätlg wüten gu tonnen! SBeldj' ein ©egen Iß es für uns, baß wir bte unßdjtbaren Boten beS guten ©eißeS ftnb ! SBie fdjön iß unfere geräufdjlofe SBirffamfeit!' Stlfo fpradj ber freunblidje Engel bes ©djlafeS. Der Enget beS Jobes faß ba, mit nodj metjr umwölfter ©lim, ats vortjer, unb eine Jljräne, wie ©terbiidje ße vergießen, glängte in feinen großen, bunfeln Stugen. ,5ldj!' fagte er, ,fdj fann midj nidjt an bem freunbtidjett Dattfe ber Menfdjen erfreuen, wie bu; bie ©terblidjen fetjen midj als üjren geinb unb ©törenfrieb an/ ,Slber, lieber Bruber/ erwleberte ber fanfte Enget beS ©etjtum* mers, ,wlrb nictjt ber ©ute, wenn er vom JobeSfdjlafe erwadjt, bidj als feinen greunb unb SBoljltljäter anfetjen, unb bidj in feiner VergenSfreube banfbar fegnen? ©inb wir nidjt Bruber, ftnb wir nidjt ©enblinge eines BaterS ?' Unb nadjbem er atfo gefprodjen tjatte, ba teuebteten bte Stugen bes JobeSengels vor greube, nnb bie beiben freunblidjen ©dju^geißer umarmten fidj auf's Neue." SS iß von größter SBidjtigfeit, bem Kranfen feine Beranfaffung gur gurdjt gu geben; vtelmetjr follten wir ib.nen Voffnung auf Befferung einflößen. Seber erfalj* rene Slrgt Iß berfelben Stnßdjt. gurd)t unb Ntebergefdjtagentjett werben bie Beljanb* lung einer leictjten Unpäßlidjfeit fetjr erfdjweren, ja fte fönnen töbtlid) wirfen, wätjrenb burdj Nutje unb ©elaffenljeü Ijäußg fdjwlerige Kranftjriten, in weldjen bas Seben in großer ©efatjr fdjwebte, uberwunben worben ftnb. Derjenige, wetdjer am wenlgßen gurdjt vor bem Jobe tjat, X)at jebenfaffs bie beße Stusßdjt, bte gefätjr* lidjßen Kranfljeiten gu überßetjen. Männer unb grauen von flrinmüttjigem Eljarafrer fönnen fetjr letdjt in tritifdjen gälten von itjrer gurdjtfamfeit überwältigt werben. Ein Umßanb, ber baS Seben ber ©djwtnbfüdjttgen um %aX)xt verlängern fann, Iß ber, baß ße Im Stffgemeinen entweber ben Job nictjt erwarten ober iX)m mit einer mußertjaften unb beneibenswerttjen ©elaffentjeit entgegenfetjen. Diefe intereffanten unb in ber Negel liebenswürbigen Patienten erregen, je nadjbem ße Üjrer felbß wegen frei vott Beforgniß gu fein fdjeinen, baS Mitgefütjt Sinberer. ©ie fdjeinen tjäuftg gang bamit gufrieben gn fein, n n S gn verlaffen, wäljrenb Wir unfererfetts X)öd)ß ungern uns von i tj tt e n trennen mödjten. Jobesproptjegeiungen, ob btefelbett für übernatürtidj getjatten werbe« ober üjren Urfprung in erffärtidjett Etnflüffen tjaben, ftnb oft, in golge ber SBirfung quälen* ber gurdjt, pünftfidj in Erfüllung gegangem Es iß eine Jtjatfadje, baß ber aus- 130 ©unn's VauS-Slrgt. fdjwelfenbe Sorb Sittteton bei bemfelben ©cljlage ber Utjr verfdjieb, weldjer—mit itjm in einem Jranme ober burcb, eine Srfdjeinung verfünbet worben war —fein lefctes ©tünbdjett angetgett foffte. Man ergätjlt ßctj von einem Mann, ber enthauptet werben foffte, baß, gleictj nadj. bem er feinen Kopf auf ben Blod gelegt tjatte, ber Befeljl einlief, bte Vintidjtung aufgufdjieben; affein ber Slrme war fdjon aus gurdjt geßorben. Er war jejjt ebenfo taub für bie Botfdjaft ber ©nabe, aus gurdjt vor bem Beil, als wenn itjm ber töbttidje ©treidj Wirfltd) verfemt worben wäre. Biete (Sterbefälle, bie ßdj auf bem ©djlad)tfetbe ereignen, otjne baß bie geringße Berwunbung ßattßnbet, unb bie frütjer einer burdj eine abgefdjoffene Kugel entßanbenen Suftbewegung gugefdjrleben mürbe, ßnb otjne 3n>eifel tjeftiger Slngß gugufdjreiben. Stuf ben ©anbwtdj 3nfeln gibt ti eine religiöfe ©ette, bie bie Slnmaßung tjat, gu behaupten, baß ße Seute gu lobe beten tonne. SBer bei üjnen in Ungnabe fäfft, wirb benactjridjtigt, baß bie ben lob begwedenbe Sitanei (Ktagegefang) anfangen fotle. Um midj beutltdjer auSgubrüden, bas Opfer wirb ßcljeriidj ßerben; benn bte SBirfung ber Sinbilbungsfraft bei biefen armen Snfutanern iß fo außerorbentlid), baß bie bloße Benachrichtigung tjäufig genügenb iß, um ben Job Ijerbelgufüljren. ©age Semanbem, unb felbß wenn er ein tjodjgebifbeter Mann fein foffte, baß er ßerben werbe, fo wirb er, wenn er beine Stnßdjten als Orafelfprüdje angefetjen tjat, affer SBatjrfdjetnlldjfeit nadj in'S ©rab ftnfen, obgteidj fein Seben fonß länger tjatte bauern fönnen. SBenn bu beine Srwartung mit genügenber Beßlmmttjeit unb geierlldjfeit ausfpridjß, fo wirb ße, unter gewiffen Umftänben, in Erfüllung geljen. 3d> bin nidjt bafür, Krante gu tjltttergetjett, unter bem Borwanbe baburd) eine Vetlung tjerbeigufütjren. Jäufctjung, totnn wir audj nodj fo forgfältig babei ju SBerfe geljen, fann an'S Sidjt fommen; nnb wenn ße einmal entbedt wirb, fo verwirft ber Berüber ben Slnfprudj auf ©laubwürbigfeit unb gutes Urttjell. SBenn roir Voffnungen erregen, unb es ßctj fofort tjerausftefft, baß fein ©runb bagu vortjanben war, fo wirb man meißens audj in fotdjen gaffen, in benen wir butdjaus feine ©efaljr ertennen, fpäter feitt Bertrauen auf uns fefjen. 3d) lege es Stilen bringenb an'S Verg, benen, bie überhaupt eine fdjwadje ©efunbtjeit ijaben, unb namentlich benjenigen, wetdje auf bem Kranfenbette liegen, leine unnöttjige gurdjt einzujagen unb bie SinbilbungStraft ber Seibenben nidjt aufguregen; ebenfo wenig follte man Niemanb burdj allerlei Nebensarten unnöttjige Beforgniß einßößen, wenn eine unbebeutenbe Unpäßlidjfeit ßdj geigt, ba ßcb aisbann leerere leidjt in eine fdjwere Kranttjeit umwanbeltt fann. Der Slrgt foffte, wenn er gu Nattje gegogen wirb, fein ßnßere* ©eßdjt madjen; er foffte freunblidj fein unb Jroß eingufpredjen fudjen; vor allen Dingen aber foffte er unverftänbige greunbe unb fd)wa£fjafte Nadjbarn ferntjatten, bereit ©ewäfdj büßere Sttjnungen in bem Kranfen auffteigen taffen, unb bie ba fagen, baß er roatjrfdjeinlictj ßerben würbe, baß ein Sinberer biefelbe Ktan(< tjrit tjatte, nnb baß man an feinem Sluffommen gwetfle u. f. w. Dergleichen w matebeiteS ©efdjwäfc madjt tintn nieberfdjlagenben Sinbrud auf bas ©emüttj unb fdjwädjt baS Nervenfvßem. SBenn Semattb, ber an einer gefätjrtidjen Kranftjeit barniebertiegt, gufällig »o» bem Jobe eines Befanntett X)ort, namenttidj, wenn berfelbe ungefätjr ebenfo alt trat, unb an berfelben Kranftjeit, ober einer ätjnlidjen, litt, fo wirb bas eine ungünßige SBirfung auf feinen 3ußanb äußern, unb gwar nidjt fowotjl in golge bes BerlufM Die gurdjt vor bem Jobe. 131 ben er erlitten, fonbern in golge ber Beforgniß, baß Üjtt ein gleiches ©djidfal treffen mürbe. Das nieberfdjmetternbe ©efütjt, welkes wir felbß bei gutem ©efunbbats* gußanb empßnben, wenn einer unferer greunbe in ber Btüüje feines SebenS fernen ©eiß ausb,aucb,t, mag gum Jtjeit bab,er entftetjen, baß wir oX)nt unferen SBunfcb, an unfere eigene ©terbtidjfeit erinnert werben. Ein anberer Umftanb, ber ben Job b.äußg befdjteunigt tjat, ift bie Berfügung über bie geitticb,e Vabe wäb,renb beS Kranf* tyeitsgußanbeS. Manier iß babureb, geßorben, baß er in franfem 3ußaube fein Jeßament gemalt tjat. SBenn Semanb auf bem Kranfenbette fein Bermä^tntß unterfdjreibt, fo ftet)t er biefen Slft gewiffermaßen als bas Borfptet gu feiner Beßat* tung an, unb in golge beffen werben feine Kräfte unb fein SebenSmuttj unwiberrußid) abnehmen; nichts wirb Ujn metjr aufmuntern; leine Mebigtn wirb tljm Sinberung vergaffen. Diefer Umftanb iß ein fcb,lagenber Beweis, baß bie $ßtd)t gegen bie Ueberlebenben eS ertjeifdjt, ben legten SBiüen bei voffer ©efunbtjeit unb'Kraft gu entwerfen, ba alsbann biefeS widjtige Dofument ofjne 3»eifel ßreng gefefcmäßtg ausgefertigt werben wirb, unb otjne baß ©riß unb Körper baburd) In ßeberfjafte Slufregung verfemt werben. SBenn irgenb ein Ort geeignet iß gur Slnßeffung ßnntger Betrachtungen, fo iß es bie Nuljeßätte unferer Sieben. SBir erinnern uns lebtjaft bes testen, fdjwadjeit Drudes ber Vanb, bes lernen gütigen Bildes, ber ßdj felbß von ber ©djweffe beS trbifdjen DafeinS auf uns richtete! SBir benfen gurüd an bie SBorte ber Siebe, bie nodj im Jobesfampf geßammelt würben. Dann werben wir jeben unfreunblidjen Blid, jebeS Ijarte SBort, jebe unfreunb* fdjafttidje Vanblung, womit wir ben Berßorbenen jemals verlebt Ijaben, tief bereuen. Dann wirß bu ungetjorte ©eufger ausßoßen, bu wirß Jtjränen weinen, bie nidjts anbern fönnen, unb bie um fo bitterer ftnb, then beswegen, weil fte nictjt gefjört werben unb ni^ts nü^en. Unb wenn bu bidj gerfnirfdjt auf bas ©rab geworfen X)aß, bann ßetje auf unb winbe Blumenfränge unb ßreue bie 3ierben ber Natur auf bte Nutjeßätte beiner Sieben; fuetje bein gebrochenes Verg mit biefen garten, wenngletdj unwirffamen, 3eictjen ber dient gu trößen; laß bie Betrübniß, bie beine VanblungSWeife gegen ben Jobten in bir erregt tjat, bir gur SBarnung bienen, bamit bu für bie golge beine g>flidjten gegen bie Siebenben mit metjr Jreue unb Siebe erfüffeß. Das ©rab ift ber $rüfftein treuer Siebe. Dort gibt es ßcb, funb, toit tjodj geißige Siebe über ßnnlidjer Siebe ßeljt. Severe tann nur burdj bie ©egenwart bes ©egen* ßanbeS aufredjt erijalten werben; aber geiftige Siebe fann lange in ber Erinnerung (eben. Neigungen, bie bem ©innenraufetj entfprungen ftnb, vergeben mit ber Sfbnaljme ber Neige, weldje ße hervorgerufen tjaben, unb wenben ßdj mit Stbfctjeu unb SBiberwiÜen von ber ©rabeSftätte weg; hingegen watjre geiftige Siebe, bie frei von ©inntidjfeit iß, wirb bort auf's Neue angefadjt, um wie eine tjettlge glamme baS Verg bes Ueberlebenben gu erleudjten unb gu erwärmen. Die Jrauer um bie Datjlngefdjiebenen iß bie eingige Strt ber Betrübniß, beren wir uns nidjt entlebigen mödjten. Slnbere SBunben fudjen wir gu tjeilett, anbere Neigungen gu vergeffen; affein Wir tjalten es für unfere $ßtdjt, biefe Sßunbe nidjt vernarben gu taffen, unb wir verfenfen uns gern im «Stillen in biefe ©lim* mung. SBo iß bie Mutter, bie gern itjren ©äugliug vergeffen würbe, ber in üjren Slrmen ßarb, wie eine Blume in ber Vanb batjtnwelft, obgtetd) jebe Erinnerung ein 132 ©untt's Vaus = 3lrjt. ©tidj bttrdj'S Verg iß? SBo iß bas Kinb, weldjes bie Erinnerung an ben lieben Bater ober bie liebe Mutter ßcb; aus ber ©eete reißen mödjte, obgleid) bas ©cbenfen an ße fdjmerglidj iß ? SBer würbe felbß In ber Jobesftunbe ben greunb vergeffen, über weldjen er trauert? SBeldjer Siebenbe, nadjbem bte Irbifdje Vüüe feiner ©eliebten In'S ©rab verfentt worben iß, unb eS üjm bann totX) um'S Verg trirb, würbe Jroß tjinnetjmen, wenn er biefen mit Bergeffen erlaufen müßte? ©ott würbe bie ©eljnfudjt nadj babingefdjiebenen Berwanbten unb greunben nidjt in unfer Verg gepftangt X)ahen, wenn fte nidjt auf uns warteten. Der ©ott ber Siebe, ber ber Urqueü aüer ©nabe iß, würbe Er uns biefe innigen mannen ©efüljle gegeben X)ahen, bie uns Saljre unferes SebenS an einanber binben, bie und ben ©egenßanb unferer Siebe täglidj werttjer madjen, bis Verg unb ©eeie eins ßnb unb bann — uns von einanber reißen, uns gurüdiaffenb mit blutenbem Vergen, mit wetjmüttjiger Erinnerung an greuben, bie nie wieberfetjren? O nein! „©ott ifl bte Siebe," „Er tjat Mitieib mit uns, wie ein Bater Mitleib tjat mit feinen Kittbertt." V<ü nidjt unfer Vellanb gefagt: „3dj bereite bir eine Sßoljnung vot in meines BaterS Vaufe — wäre bem nidjt fo, würbe idj es eudj gefagt tjaben." ©epriefen fei ©ott für bie fuße Voffnung, fo bem Seibtragenben gußüßert: „Beruhige bidj, arme ©eeie, bu foüß beine Sieben im Vintmet wieberfetjen unb nie metjr von itjnen getrennt werben." 3ln Jünglinge Nu£e bte 3«t/ ©ie eilet babtn, ©djaffe benn beut' Mit frötjlidjem ©inn. 3n beiner Sugenb Des Seben* biet) freue, Doaj obne Jugenb golgt balb bte Neue. 3. ßg vom 3ufaü ober einem anberen 3ufammentreffen glüdlidjer Umßänbe b,erguriujren fdjrint, ob,ne baß ©ewanbujrit unb Borßdjt babei in'S ©piel tommen, fo fann bodj 3eber, ber gefunb an ©eiß unb Körper tß, reid) werben, vorausgefe^t, baß er bie richtigen Maßregeln ergreift. Sbriidjfeit unb Sftedjtfdjaffentjeit ßnb bet jebem ©efääfte erforbertidj. SBenn Semanb als ein rebtidjer unb verläßlicher Mann betannt iß, fo wirb er baS Ber* trauen affer berer genießen, bie xX)n fennen. Otjne biefe Sigenfdjaften werben alle anbeten Berbienße nidjts nütjen. Stngenommen, man erfunbigt ßdj wegen etneS Mannes etwa wie folgt: „3ß er ßeißig unb verftetjt er fein ©efdjäft?" 3a. ,/3ß er tb,ätig, mäßig unb pünftlidj?" O ja. „3ß er etjrtict), fann man ßcb, auf üjn verlaffen?" Nun, was biefen $unft anbetrifft, fo ttjut es mir leib, fagen gu muffen, baß man üjm nidjt trauen fann; man muß ftd) vor Üjm in Sidjt nehmen; er getjt nidjt fo gang ben geraben SBeg, unb er wirb Semanb über'S Ofjr bauen, wenn er fann." „Dann wiü id) nidjts mit ttjtn gu ttjun ijaben," wirb unfehlbar bie Slnt* tooxt fein. Sßarum benn, iß Stjrlidjteit bie beße ^otittf ? SluS bem elnfadjeit ©runbe, weit Unetjrtidjfeit bir einen fdjtecfjten Namen madjt, unb Sebermantt bir aus bem SBege geljen wirb, wenn bu nidjt etjrlldj biß. SBenn 3emanb als ©djurfe befannt iß, fo wirb biefer Umßanb ein unüberwinb* lidjes Vinberniß bet jeber Unternehmung fein. Der gerabe SBeg iß hei ©efcfyäfts* fachen, wie in ber ©eometrie (Srbmeßf unft), ber beße. Kurg, es iß belnatje unmög* lidj für einen Betrüger, auf bem gewöhnlichen ©efdjäftswege gu Neidjüjum gu gelangen, ba er wie ein Mann angefeljen wirb, ber auf ^lünberung auSgetjt. Vülfsbebürftige fommen leidjt in Berfügung von bem $fabe ber Nedjtfdjaffenljeit abguweidjen, unb fte fufjren als EntfdjulbigungSgrunb an, baß Nott) fein ©ebot fenne. ©ie foüten tjinjufügen, baß fte Weber ©d)am, nodj ©djanbe fennt. ©ie fdjaben burdj uneljrltdje Vanblungen ßcb, felbß am meißen, nnb inbem fte aüeS Ber* txautn vertieren, bleiben ße immer in Slrmutb, feßgebannt, obgleidj ße aüe anberen Sigenfdjaften beߣen mögen, weldje gu Erfolg in biefer SBelt berechtigen. $ünftftdjfett, weldje Eigenfdjaft man bie ©eete beS ©efdjäfts nennt, iß ebenfaüs ein Vaupterforberniß gum ©elberwerb. SBer geroiffentjafte ^ünfttidjfeit bei feinen ©efdjäften beobadjtet, gewinnt bas Bertrauen Sitter unb fann über fo viel ©elb verfügen, ats er mit Borttjeit verwenben fann; wätjrenb man einem Manne, ber in ©elbfadjen nadjläfßg iß unb feine Berfpredjungen nidjt tjält, nidjts borgen wirb. Datjer begaste prompt, was bu fctjutbtg hi^t. Saßt uns nunmetjr bie Bortfjette erwägen, bie aus geeigneter Borßdjt in unferem Berfetjr mit ber SBelt entfpringett. SBenn bu Erfolg erwarteß, fo mußt bu nidjt gteidj SlffeS glauben, ja, bu mußt bis gu einem gewiffen ©rabe mißtrauifclj fein. Die Seidjtgläublgen unb Bertrauenben ßnb immer bie ©impet von ©pifjbuben unb Betrügern, grage biejenigen, weldje um itjr Bermögen getommen ßnb, wie bas guging, unb in ben meißen gaffen wirß bn ßnben, baß übel angebrachtes Bertrauen bie Urfadje iß. Der Sine Ijat baburdj verloren, baß er für Slnbere gutfagte, inbem er itjre Noten (3atjlungsverfpredjett) mit unterfdjrieb ober inbofßrte; ber Slnbere burdj Krebttgeben; wieber ein Slttberer baburdj, baß er falfdjen Borfpiegelungen ©etjör gab, weldjes SlffeS burdj etwas metjr Borßdjt unb Betjutfamfeit fjätte vermle* 134 ©unn's V<*ns*3lrgt. ben werben fönnen. Beurlbelle bie Seute nadj Üjren Vanblungcn unb nidjt nacfi üjrem ©predjen. Saß bidj mebr von itjren Jbaten, als von itjren SBorten beetn- fluffen. Beobadjte alle ibre Vanblungen. ©ucbc gu ergrünben, weswegen ße biefe») ober jenes ttjun; gib Sidjt auf bas, was ße in einem unbewachten Slugenblide fagen unb ttjun, unb namenttidj bann, wenn ße im 3«ßanbe ber Slttfregung ßdj beßnben. Die Seibenfdjaften ftnb mit ber golter verglichen worben, weldje bei Menfdjen gwingt, feine ©eljeimniffe gu Verratben. Ebe bu bidj mit 3emanb in ein ©efdjäft einläßt unb es folglidj in feine Vanb legß, bir einen pefuniären Beruf"! $ugufügen, fudje aüe möglidjen Srfunbigungen über it)n eingugietjen. grage naaj feiner Bergangentjeit, feinen ©ewoljnljeiten, Neigungen ober Siebtjabereien ; erfun= btge bidj, was bie Seute von üjm fagen in Begug auf Stjrlidjfeit, gleiß, ©par= famfeü unb ^ünfttidjfeit; wie es mit feinen gefdjäftltdjen Slusftdjten unb feinen Mitteln ftetjt; ob er nnterßü^t wirb, ob er unter günftigen ober ungünßigen Bertjältniffen fein ©efdjäft betreibt, was feine $läne unb Beweggrünbe, read für eine Slrt Seute feine greunbe unb feine geinbe unb weldjer Slrt feine guten unb feine fdjledjten Sigenfdjaften ßnb. Ueber bie guten Sigenfdjaften unb Berbienße werben bir bie greunbe bes Mannes, über ben bu bidj erfunbigß, Stusfunft geben; über fdjledjte unb nadjttjeittge Sigenfdjaften werben feine geinbe bidj unterridjten. Beibe mögen übertreiben, unb bierauf mußt bu Nüdftdjt netjmen. ©enug, etje bu bidj in ein ©efdjäft einläßt, erfunbige bidj nadj Slüem, was bamit gufammentjängt, mit möglidjßer ©rünbtldjfeit, unb fe^e bann mit Jfjatfraft bie ©adje burdj. ©vftematifdje Orbnung muß beim Betreiben eines ©efdjäfts beobadjtet werben. ©efdjietjt bieS, bann tann man bie ©efdjäfte mit ©efdjwinbigfeü abttjun. $a.V tintn $la£ für jebes Ding, unb tjatte jebeS Ding a n feinem $laf3e; t)aht 3eit für baS, was gettjan werben muß, unb tljue Stiles gu feiner 3eü. Das SBidjtigße ttjue juerft, unb nadjbem bu bidj entfdjtoffen tjaft, was gefdjetjen foll unb w ie eS gefetje* X)tn foü, bann verliere leine ßeit, es gu vollbringen. Oljne eine foldje Berfatjrunga« art tommt SlffeS in bie größte Berwirrung, SlffeS wirb übereilt; wenig ober niäjtä wirb voffbradjt, unb bas ©efdjäft wirb Weber Nuijen abwerfen, nodj wirb es ange* neljm fein. Bebenfe, baß Vontg, nictjt ber Sfßg, gtiegen fängt. Benimm bidj tjöflidj unb freunblidj. Slngeneljme Manieren tragen wefentlidj gum Erfolge bei. ©teile bir gwei Seute vor, bte im Uebrigen biefelben Borgüge X)ahtn, nnb von benen ber eine wotjtgeßttet (gentlemanly), bjöftictj, freunblidj unb gefältig, wäbrenb ber anbere grob, flegelhaft unb ungefäüig iß. Erßerer witb reid) werben, Seigerer wirb barben. Unb jetjt, lieber Sefer, laß uns einen widjtigen Vebel gum ©elberwerbe nätjer beleudjten, nämlidj: gleiß obei. mit anberen SBorten, unermübtidje, ausbauernbe Jtjätigfeit. gleiß iß ber ©lein beS SBeifen, ber Stiles in ©olb verwanbelt. gort* wätjtenbe, regelmäßige Slufmerffamfeit, bie wir bem ©efdjäfte wibmen, verbunben mit fvßematifdjer Orbnung, muß, wenn gwedmäßige Mittel ergriffen werben, mit ber 3rit große Nefuttate hervorbringen. Smftgfeit wirb gum SBoljlßanb fütjren, gerabe fo gewiß, als Slrmutb, auf gautljeit, Nadjtäfftgfeit, Safter, Jrinfen unb ©pielen folgt. Es iß Ijäußg gefagt worben, baß berjenige, wetdjer biefen Dingen naebgeb, t, ßatt fein ©efdjäft in Sidjt gn nehmen, nacb, furger ßeit fein ©efdjäft me^t Dabtn wirb, bem er nadjgebt. Die Kunß beS ©elbfparenS iß eitt wtdjtiger 3n?eig ber Kunft bes ©elberwerbe«. Sin Snnglittge. 135 Ob, ne ©parfamfeit fanit Nlemattb reid) werbe«j mit ©parfamfeit wütbe es wenig Slrmutb, geben. Diejenigen, welche bas ©elb ausgeben, fobalb fte es verbienen, ridjten ftd) gn ©runbe. ®tetd)Wte Slrmutb meißens aus Müfßggang unb Ber* ffi>wenbung entfpringt, fo ftnb große Bermögen meißens baS Srgebniß von gleiß unb ©parfamfeit. ©erabe fo nottjwenbig als es iß, mit ©elb fparfam umgugetjen, gerabe fo notb, wenblg iß es, mit ber 3eit gn geigen. Man fagt, „wenn w i r ben «Pfennig in Stcfyt nrijmen, fo werben bte Stbter (günfbollargolbftüde) ßdj fetbß in Sidjt nehmen." SBenn wir bie Minuten htwadjen, fo werben bie Jage ftd) fetbß bewadjen. Das Erwerben von ©elb unb ©ut erforbert gerabe foviet ©etbßverleugnung unb Entfdjlagen gegenwärtiger ©enüffe, als bie SluSübung ber Jugenb. Safter unb Slrmutb, entfpringen, in einem gewiffen ©rabe, aus berfelben Quette: aus bem Vattge nämtidj, bie 3ufunft ber ©egenwart gu opfern ; aus bem Unvermögen, eines je^igen flelnen BergnügenS uns gu entfagen, um bagegen große gufünftige Borttjeite gu genießen. Bleie Menfdjen verlieren V<*b' unb ©ut in biefer SBelt, wie üjr ©tüd in jener SBelt verloren geb. t, unb gwar aus bem einfadjen ©runbe, weil ße äugen* blidlidjen ©enuß einem immerwärjrenben gufünftigen ©lüde nidjt opfern wottett. 3n jeber großen ©labt gibt es viele Seute, wetdje, um ßdj ben Slnfdjein von Neldjtbum gu geben, über itjre Mittet teben, unb, um ben Slusfaff gu beden, ©djul* ben maajen, bie nie begab.lt werben. Dann gibt es nodj Slnbere, bie bie Drotjnen ber ©efefffdjaft ßnb, bie üjre Jage in Müfftgfeit gubringen unb von ber Strbeit Sinberer leben. Könnten bte Bieten, weldje eine furge 3eit in gtängenber Slrmntt) leben, übergeugt werben, baß, wenn fte ein paar 3aX)xe taug ßrenge ©parfamfeit befolgen würben, ße ben Neß lljres SebenS in Ueberfluß gubringen fönnten; ober, wenn audj gerabe nidjt in Ueberßuß, baß ße wenigßens genug tjaben würben in itjren atten Jagen; ober, wenn ber Job fte abrufen foffte, baß itjre gamilieit nidjt gu barben braudjten. Slber nein! Der ©djrin muß aufredjt erijalten werben; ße woffen gern rin V<*ns madjen, wie Slnbere. Sljre ©djulben fjäufen ßdj an; Nie* manb wiff üjnen meljr Krebtt geben; fte werben von itjren ©laubigem beßürmt unb von Konßablern (^oligeibienern) nnb „©tjeriffs" beläßigt. ©o auf's Sleußerße getrieben, mü\Jen ße ßdj Ijäußg einem 3nßanbe befdjämenber Slbtjängtgfeit unter- werfen, ober ße begeben Berbredjett, weldje ße fetbß nnb Üjre gamilie bem Berber* ben unb ber ©djanbe preisgeben. Valte bidj an bas ©efdjäft, wetdjeS bir laufenbe Befdjäftigung gibt. Kümmere bidj nictjt barum, ob ©pelulanten Jaufenbe in etttetn 3<üjre ober einem Jage madjen; bleib' bti ber ©fange, unb taß bidj auf nidjts ein, was nidjt gu beinern regelmäßigen ©efdjäfte getjört. ©teidjviet, ob bu ein Kaufmann, ein ©eletjrter ober ein Vanbwerfer hi% taufe feine Stftien ober tint Partie SBaaren, wenn bu nidjt ©elb übrig tjaß, weldjes bu angulegen wünfdjeß. Dein eigenes ©efdjäft verßeljß bu gerabe fo gut, wie anbere Seute baS Üjrige verfielen; aber von bem ©efdjäfte Sinberer verßeljß bu nidjts. Betreibe ein fotdjeS ©efdjäft, weidjeS von Nutjett für beine Mitmenfctjen iß. Befdjäftigung ber Slrt iß an unb für ßcb, nujjbringenb. Die meißen Seute lernen erß bantt ©parfamfeit, weit« baS ©elb fort iß. ©ei fparfam, nidjt geigig unb nidjt verfdjweitberifdj. Eitt ftuger, tjaustjätterifdjer unb fparfamer Mann wirb niemals Mangel leiben; affein id) tjabe Vunberte von 3nbt* 136 ©unn's Vans-Slrgt. »ibuen gefannt, bie von rcidjen Eltern abßammten unb, tu golge vott Berfdjtven« tung, in Slrmuttj unb Slenb geßorben ßnb. 3ugenb iß voff von Ungebulb. SBie viele fdjöne Vvffnungen unb Erwartungen bie beim Beginn unferer Saufbai)n getjegt würben, ßnb burdj unrutjtgeS unb ungt- butblges SBefen vereitelt unb verttldjtet worben ! Ungufrleben bamit, baß wir mit fo vielen Mübfeligfeiten unb ©djwierigfeiten gu fämpfen tjaben, fudjen wir ba« ©lud auf leid)tere SBeife gu ert)afdjen nnb werben erß bann unferen 3rrtfjutn gewatjr, wenn wir unter all' ben Befdjwertidjfeiten, Berbrießlidjfeiten unb Berlegen- tjeiten, bie ein ©efdjäft mit ßdj bringt, auf weldjes wir uns otjne Ueberlegung unb Bebadjtfamfeit eingetaffen tjaben, ©djiffbrudj leibett. Dantt muffen wir wieber von vorn anfangen unb ftnb weit tjinter benen gurüd, weldjen wir im Erlangen von Nridjttjum unb ©lud ben Nang ablaufen wottten. SBie oft werben junge Seute bettjort, verbtenbet unb ruinirt burdj bas Jjirnverbrattttte ©efctjwäjj eines Jräumet«, ber ba ergätjtt, baß fotoffale Bermögen Im einem Nu gemadjt worben ftnb, „ber von ber ©pringfluttj Im Seben eines Menfdjen" fpridjt. Slber adj! SBie SBenige laufen in ben Vafen beS ©lüdes ein, getragen von einer fotdjen ©pringfluttj — einer unter Jaufenb! $räge bir ia tief ein, baß Sug nnb Jrug Berberben bringt. SBenit 3emanb gu Bertjeljtung unb Vintertiß bann feine 3nflud)t nimmt, wenit er offen unb etjtlidj tjatte tjanbetn foüen, fo wirb bas Bertrauen gn iX)m batjin fein. Bertrauen fann ebenfo wenig wieber IjergeßeÜt werben, wie bie Blume, bie bu gerbrüdt tjaß. Diefe SBaljrljeit ftetjt unverbrüdjlid) feß; aüein fte wirb leiber f)äußg unbeadjtet gelaffen. Das Sügen iß nidjt affein eins ber fdjimpfudjßen Saßer, fonbern es fütjrt frütjer ober fpäter gu abfdjeulidjen Berbredjen. 3anfd)en gefctjäfttictjen Jf)etlb,abern, grvi* fdjen ©atten unb ©attin, gwifdjen Brobtjerren unb ©eljütfen, überhaupt gtrifdjen Stilen, bie auf einanber Bertrauen X)ahtn foüten, foule aüe Veuctjelet unb Slrglijl burdjaus vermieben werben. SBie vielem Elenbe würben Mandje entgangen fein, wenn ße SBatjrfjettStiebe nnb Shtfridjttgfeit gu itjrer SebenSregel gemadjt tjätten, anßatt Kniffe anguwenben unb tjintertiftig gu X)anbellt! SBenit uns Semanb einmal tjintergangen Ijat, fo ifl es faß nnmögtid) für uns, baß wir Üjm auf's Neue Bertrauen fdjenfen. Die Voffnungen vieler junger Männer ßnb burd) einen eittgigen geljltritt gu nlctjte geworben. Sebmöunsen unb Srljaltims ber ©efunbbeit ®efunb$eit. ©efunbbeit iß ©lud, Äranfbett iji Mtfjgefdjia; Der ©efunbbeit ©efege Niemals verlebe. 3. (SggerS. «©ie Srtjattung ber ©efunbtjeit wirb burcb, früljes Slufßeben, Bewegung, Nein* lidjfeit, falte« Baben bebingt, fowie baburdj, baß wir von ber Matjtgeit auffielen, otjne.unfeten Magen überlaben gu Ijaben. Ein gefünber ©riß in einem gefunben Körper würbe von ben Stiren (b. Ij. ben Kulturvollem beS SllterttjumS, wie ©riedjen unb Nömer) als ber größte ©egen angefetjen. SBenn wir erwägen, baß biefe SBatjrtjeit »or fo langer 3eü auSgefpro* djen würbe, iß es nidjt befrembenb, baß bie Menfdjen nidjt fdjon längß ßctj beftrebt i)aben, gur voüfommenen ©efunbtjeit gu gefangen ? Bieüeicijt, lieber Sefer, biß bn ein wenig gweifetfüdjtig. Bieüeidjt benfß bu, baß bie Kräfte betneS ©eißeS, beine ©emüffjsrulje unb VergenSgüte feinen Einfluß auf beinen Körper tjätten. Nun beim, idj wiff beine eigenen Erfahrungen unb Beobachtungen fpredjen taffen. Die Borfeljung tjat uns bie Mittet, ©efunbtjeit gu erlangen, an bie Vanb gege* ben. Diefe Mittet ftnb ein gu toftbares ©efdjenf, um von irgenb Semanb, als bir aUein, aufbewahrt gu werben; bebente, baß bas Slnvertrauen einer foldj' fößlidjen (3ahe tintn X)oX)tn ©rab von Berantworttidjfeit in [xdj fdjließt. ©efunbbeit muffen wir gu benjenigen ©efdjenfen beS VimmelS rectjnen, für beren ©ebraudj wir ©ott. verantwortlidj ßnb. ©ie iß eine ber größten SBotjttljaten, bereu wir ttjeittjaftig werben tonnen, unb eine unferer tjeitigßen ^flidjten iß bie, uns mit benjenigen Negetn befannt gu madjen, weldje auf bie Srtjattung ber ©efunbtjeit Begug X)aben. SS iß eine unumßößltdje SBatjrtjeit, meine greunbe, baß wir in ben meißen gälten an ben Kranftjeiten, bie wir auSgußetjen tjaben, fetbß ©djutb ßnb. SBenn ße nidjt bie gotgen unferer eigenen ©ünben ober Unbebadjrfamfeit ßnb, bann ßnb bie Urfadjen in ber Nadjläfßgfeit ober Unwtffenljeit ber SBädjter unferer Sugenb gu fudjen, ober wir Ijaben ße von unferen Eltern geerbt. Bater unb Mutter mögen gewiffe Kranftjeiten wieberum von itjren Eltern geerbt tjaben. Die Menfdjen werben von benfelben tjeimgefudjt aus ©träfe für bie Berte^ung ber ©efe£e ber Borfeljung. Da iß gum Beifpiel rin gartes, junges Mäbdjen, weldjes itt ber ©tabt geboren, in itjrer Klnbtjeit in bie Kinberßube eingefdjloffeit unb fpäter in einer Srgtetjungs- anßaft ergogen würbe. ©Ie iß Weber att frifdje Suft, nodj an Bewegung gewötjnt, IWti Dinge, welctje nadj ben ©efefcett ber Natur für bie Srtjattung ber ©efunbtjeit 137 138 ©unn's VauS*Slrgt. unumgänglldj nöttjig ftnb. ©ie verljeiratljet ßdj; affein itjre törperlidjen Kraft» ßnb ben Slnßrengungen, weldje ber etjelidje 3ußanb unter gewötjnlidjen Bertjält niffen mit ßdj bringt, nidjt gewadjfen; itjre ©djönljeit fdjwinbet balb batjin; ty« Kräfte netjmen in golge ber Mütjfeligfeiten ah, welche mit bem ©ebären von JHiit= bem, bem ©tüten unb ber Slbwartung von ©äuglingen verbunben ßnb, unb ein frütjgeitiger Job rafft fte bafjht. 3b,re Slngeljörigen ßoßen aisbann ein 3ammer> gefctjrei aus : „Es iß bodj fonberbar, baß bie Borfeljung eine Mutter in itjren beßen Sab,ren üjren Kinbern entreißt l" SBar eS bie Borfeljung ? Nein ! Die Borfeljung tjatte ßebengig Saljre für fte beßimmt; eine genügenbe ßtit, um itjre Kinber groß gu gietjen unb itjre KinbeStinber gu fdjauen; aber fte getjordjte nidjt ben ©efefcen, von benen baS Seben abtjängt, unb bie natürtidje golge bavott war, baß ße tt einbüßte. Ein Bater wirb in ber Blüttje fetner 3<üjre babtngerafft. Er iß ein nü^tidjes unb tjervorragenbeS Mitgtieb ber menfdjttdjett ©efeüfdjaft nnb madjt feinem ©tanbe Sljre. Da fangen bie Seute an gu fd)wajjen: „SBie fonnte bte Borfeljung ba« ttjun ?" Stber bebenft, lieben Seute, baß biefer Mann bie tjalbe Nadjt über feinen Büdjern ober fdjriftlidjen Slrbeiten gefeffen tjat; wätjrenb er ben Jag in feinem ©efdjäftsgtmmer ober in ben ©eridjtstjöfen gubradjte, einer reidjbefejjten lafel frötjnte unb verfdjiebenen geißigen ©etränten gufpradj. Jag für Jag tjatte er ben ©efe^ett ber Natur Votjn gefprodjen. Konnte bte Borfeljung baS gut Reifen? Slber bamit iß bas „Maß ber ©ünben" nodj nidjt voll. Die Kranftjeiten be« Baters vererben ßdj auf bte Nacfjfommettfdjaft; unb eine fdjroädjltdje Muttet fann feiten träftige Kinber ergeugen. Es ift in einigen ©täbten ©ebraudj gewefeit, baß junge Damen mitten im SBinter in leidjtett ©djub,en unb bünnen ©trumpfen auf "ber ©traße gingen. Sin gefunbeS, blütjenbes, junges Mäbdjen, weldjes auf foldje SBeife bie ©efejje ber Natur gteidjfam tjötjnt, wirb üjten Sotjn bavontragen. 3nerß wirb bie 2luS* bünßung beS Körpers gehemmt, bantt fotgt Srfättung, gieber unb — Job. „Sie graufam iß bie Borfeljung l" rufen üjre greunbinnen aus. SBar es bie Botfefyung, itjr Berbtenbeten, ober war es üjre eigene Jfjorljeü? Sine fdjöne junge Braut getjt affabenblidj in ©efeüfdjaften, bie itjr gu ßljren, ba ße balb Vodjgeit feiern wiü, gegeben werben, ©ie tjat vteüetdjt etwas fyati' WtX), unb bas SBetter ift raub; nidjtsbeßoweniger getjt fte mit bloßem $al$ unb bloßen Slrmen; benn fte beult, es gegieme ßdj nictjt für eine Braut, Slbenbä in einem Slnguge, ber SlüeS bebedt, auSgugetjen. Sine Sungettetttgüttbung ßetlt fid) ein, unb ße ftirbt, elje ber Brautßanb vorüber iß. SBoljer tommt baS? 2?on gehemmter StuSbünßung, Srtältung, gieber ober StuSgetjrung. Seben Slbenb im SBinter getjen fdjöne Mäbdjett unb nidjt fetten grauen, bie mefjt Uebertegung tjaben foüten, leidjt getteibet unb mit bloßeu Slrmen unb fcloßem Fladen aus bem warmen 3imntcr xn ^aS tautje unfreunbtidje SBetter X)ixxaxii. SBaS anbers, als böfer ValS, Sungenentgünbung, §)leurefte (©eitenfajmerjen), Ntjeumatismus (©lieberreißen), fowie anbere Kranttjeitett, weldje bem Seben p% lidj ein Snbe madjen unb bie ©efunbtjeit gerftören, fo baß bas Seben eine £ajl wirb, fann bie golge foldj' ßnntofer VanblungSweife fein ? Sdj fpredje aus ßtfa^ rung, unb idj lege es bir beswegen briitgenb ait's Verg, bie ©efunbtjettsregeln forgfällig gu ßnbiren unb gu befolgen, ©efdjte^t biefes, bantt wirb es fowoljl wi* ©efunbbeit. 139 b e it Kranftjeiten, bie üjren Urfprung ber Neugelt verbauten, als audj mit jene«, weldje fidj von ©efctjtectjt gu ©efdjledjt fortgepflangt tjaben, vorbei fein. Denn bie meißen Kranftjeiten entftetjen aus Unmäßigteit im Sffen unb Jrinfen, burdj Man* gel an Bewegung unb burdj unfere eigene Unbebadjtfamfeit. SBenn bu bidj baljer einer feften ©efunbtjeit erfreuen wiüft, fo ßubire bie Naturgefe^e, nnb wenn aüe Menfdjen baffelbe Üjun würben, fo würben bie ©öf)tte SleScutaps (©ott ber Slrgnei* fünft) balb üjre Buben fließen, bie Sipottjefer würben aus Mangel an Nadjfrage itjre eigenen «pülen binunterfdjtuden nnb ßd) mit üjren ßüffigen Mebiginen bie Ketjte anfeudjten. SS ift eine Jtjatfadje, wie jeber Slrgt begeugen wirb, baß bie Välfte ber grauen* glmmer, bie ben fogenannten befferen Klaffen angehören, eine fdjtectjte ©efunbljeit laben, ©iet)', wie bie grauen unb Jödjter unferer reidjen Seute tägtidj leben! Bon Morgens frütj bts Stbenbs fpät verbringen ße itjre 3rit in Nidjtstb. un; fte gönnen ßcb, Weber törpertidje Bewegung, nodj erfrifdjett fte üjren ©riß; in ©orgtoßgfeit, Jrägfjett unb Bequemltdjfeü leben fie baljin. ©ie tjaben genug Bebtenung, um ber Vanbarbeit unb ijäußg felbß ber ©orgen für ben VanSljatt überhoben gu fein. SBenn ße vertjeirattjet ßnb unb feine Kinber tjaben, bie itjre Slufmerffamfeit in Slnfprudj nehmen, ober wenn fte unverijetrattj et ßnb, unb es feinen ©egenßanb gibt, für ben ße ßdj befonbers interefßren, fo leben fte Jag für Jag batjin, oljne baß fte fidj ßärfenbere Bewegung madjen, als einen fleinen ©pagier* gang burdj bie ©tabt, unb otjne, baß fie anbere geißige Befdjäftigung tjaben, als bas Sefen einiger abgefdjmadter Nomane. StuS 3ritvertreib madjen ße Morgens Befudje; bie Slbenbe verbringen ße X)äußg auf Bauen, wo fpätes StuSbleiben, letdjte Stngüge, wilbes Jangen unb ungefunbe Nafdjereien unb Sederbiffen meljr ©djabeit anridjten, ats ße benten. Vat bie Natur jemals beßimmt, baß grauen, felbß wenn ße reidj ßnb, auf biefe SBeife leben foüen? SBenn eine foldje Sebensweife bie golge bes NeidjttjumS ifl, iß er bann nidjt eber ein giudj, ats ein ©egen? Es ift eine unumftößlidje SBaljr* Ijett, baß fowobl geiftige, als förperlidje Strbeit bis gu einem gewiffen ©rabe nidjt allein für bas männiidje, fonbern audj für bas weibtidje ©efdjledjt nottjwenbig iß, wenn bie ©efunbbeit erijalten werben foff. Sin reidjer Mann, ber leine beßimmte Befdjäftigung Ijat, ergibt ßdj teidjt bem Jrunfe, bem ©piel ober anberen nodj ver* berbtictjeren Saßern ; benn auf bie eint ober anbere SBeife muß ber ©eiß befdjäftigt werben. Slffein wenige Seute fdjeinen gu bebenfen, baß grauen ebenfowenig müfßg fein fofften, als Männer; itjrer Jtjatfraft foffte auf irgenb eine SBeife ©pietraum gegeben werben, grauen, bie eine foldje ©teffung im Seben etntteljmeit, baß ße genötigt ßnb, felbß tfjättg gu fein, oljne baß fte ßdj gerabe gu überarbeiten braudjen, erfreuen ßdj faß burdjgängig guter ©efunbtjeit, unb wenn festeres nidjt ber gaü iß, fo leiben ße gewötjnlidj an irgenb einem Uebel, wetdjeS ße von itjren Eltern geerbt Ijaben: wie StuSgeb,rung, Körperfdjwädje, Dvspepße (Unverbautidjfeit) ober einer anberen erblidjen Kranftjeit. Die grauen ber garmer ßnb im Sfffgemrinen gefünber, als bie grauen ber ©täbter. SBie fommt baS? wirß bu fragen, ©ang einfadj baljer, weil jene guerß als Mäbdjen unb fpäter als grauen gewotjnt ßnb, förperßärfenbe Slrbeit gn verrtdjten, bie von bett ©tabtläbies, um midj bes eigenen Slusbruds biefer gu bebienen, als ungenteel (ber feinen ©itte guwiber) angefefjen werben. Sene tjaben bie blübenben SBangen von ber Natur, wäbrenb biefe ba« 140 ©unn's $au&*yxit. toßge Slus^tjen beS ©eßdjtes burcb, garbe erfefcen muffen. Snglifcb,e grauen fTnb im Slügemeinen weniger tränfUdj, als amerifanifdje, was baljer lommt, baß engliffy Mäbdjen ftd) tägtictj eine tüdjtige Bewegung im greien madjen. Slmerifanifaje Mütter mit itjren übertriebenen nnb falfdjen Slnßdjten würben berartige i'eibe«. übungen als nidjt gegiemenb für eine Dame anfetjen, obgleid) biefelben ftaftig, gefunb unb munter madjen. grauengtmmer foüten frütj geteljrt werben, baß ©djöntjeit unb ©efunbtjeit unger« trenntidj ftnb, unb baß bas Eine nidjt beßetjett fann, wenn etwas gefctjietjt, toti bem Slnberen fdjabet. Bergebens fudjen grauen itjre V<*ut gn verfdjönern — üjren SBangen einen „Nofenfdjimmer" gu geben — ober bie ©ragie itjrer ©eftatt unb bas Ebenmaß ttjret ©lieber gu ertjöljen, wenn fte nidjt barauf bebadjt ftnb, ©efunbtjeit, Kraft unb Betjenbigfeü gu erlangen unb gu ertjatten. ©djöntjeit ber Vautfarbe unb, bia ju einem gewiffen ©rabe, bie ber ©eßalt, iß nidjts metjr als ßdjtbare ©efunbtjeit — gewiffermaßen ein Slngeidjen, baß bie Berridjtungett ber SebenSträfte normal finb ober, mit anbern SBorten, ein Stbfpiegetn ber inneren gunttionen auf ber Dfcerßä'dje beS Körpers; ße iß bie SBirfung von frtfdjer Suft, Veiterfeit, Mäßigfeit unb Bewegung. Dr. Metcatfe fagt in feinem großen mebiginifdjen SBerfe in bem Slbfdjnitte, bet von SBärmeftoff tjanbett, baß nidjts ber ©efunbtjeit unb einem langen Seben mefjt förberlid) fei, als ein rutjiger ©emüttjsguftanb, weldjer burdj eine mäßige Uebung aüer törpertidjen, geiftigett unb ftttlidjen Kräfte erlangt werben fann. SÖotjU ttjätigfeit, greunbfdjaft, Siebe, rin gutes ©ewiffen, feines ©efütjt, Sbelmutf), gehobene ©timmung ßnb £}ueÜen ber ©efunbtjeit unb bes BergnügenS, bie nie verftegen; wätjrenb ©folg, Neib, Siferfudjt, Vabfudjt, ßoxn unb aüe biejenigen Seibenfdjaften, bie uns von 3eü gu 3eü in einem gn tjotjen ©rabe betjerrfdjen, ntdjt blos unfer eigenes Seben unb bas unferer Umgebung verbittern, fonbern audj unfet« ©efunbljeit mittlren unb unferen Sebensfaben verfürgett. „SBaS iß ©efunbljeit?" Es mag überflüfftg fdjeinen, biefe grage j« ßeüen; aüein, gteidj attberen SBörtern, bereit Bebeutung wir gu tennen glauben, weil ße tjäußg gebraudjt werben, von benen wir aber in SBirflidjfeit bodj nidjt wiffett, was ße bebeuten, fo iß es mit ©efunbtjeit. Sebermantt fpridjt bavon; aüein fetjr wenige wiffen, was biefeS SBort eigentttdj bebeutet. Meine Srflarung iß folgenbe: Derjenige 3uß<*ttb beS ©eißeS unb Körpers, in weldjem mir für angenetjme Smpßnbungen empfängUd) ftnb, nnb weldjer baljer ©efütjt in ben inneren Organen unb Nerven vorauSfeijt. Die Entwidetung ber inneren Drgane, fowie ber ©eißesfräfte iß baljer itotb, wettbig, bamit wir aitgeitetjme Empfinbungen von äußeren ©egeußättbeit erhalten, unb bamit anbererfeits unfer ©eiß ftd) »»t angettetjmett ©efütjten auf bie Slußeiuoelt rietet. Sdj tjabe foeben ein 3^' (Muflerbilb) bes ©efunbieitsgußanbes gegeidjnet, weldjes wotjl nur baS ?oos weniger iß; aber es iß ttotb, wettbig, ein Mußer gn X)ahen. Sin tjotjer ®t eben fo gut, wenn nidjt beffer babei, als biejeni- gen, weldje meljr fdjlafen. Eine ©tunbe, bie wir burdj unnötiges ©djlafen verlieren, iß für immer verloren, unb ße bringt bemjenigen leinen Nufeen, ber pe einbüßt. SBer bie Morgenftunbe verfdjtäft, Jß grämtidj, wenn er aufßetjt. Sin fotdjer Mann tjat feinen gleiß unb foüte ßcb, nidjt auf verfdjiebene Unternehmungen gur 3eit etnlaffen, ba er nidjt im ©tanbe iß, viel gu überfetjen. Eitt Sangfdjtäfer gereidjt ber Sßelt nidjt gum Nu£en, unb nadjbem er bas 3eit(iaje gefegnet X)at, werben SBenige feiner gebenten. gleiß unb Drbnung bewirten Sßun* ber, fowotjt In Begug auf ©efunbljeit, ats auf Netdjtljum. SBenn bu etwa« unternimmß, fo gib ja auf SlüeS- genau Sidjt. Diejenigen, weldje ein \)otjeS Stlter gu erreidjen wünfdjen nnb itjr Seben int eigent- lichen ©inne beS SBorteS genießen woüen, muffen ßcb, an Mäßigfeit unb Bewegung in freier Suft gewönnen. Man fei mäßig im Sffen unb Jrinfen; man wafaje unb babe ben Körper fleißig; man braudje entweber falte, ober warme Bäber, je nad) ber Satjresgeit ober Körperbefdjaffenfjrit. Man tjatte ben Körper nidjt in gebücftei ober frummer ©teüung; man ftetje frütj auf, unb namentlich foüten wir uns beftre< ben, gufrieben unb fjeiter gn fein. Die SebenSbefdjreibungett vieler alten ^ifo- foppen, bie einer geregelten Sebensweife, fowie Sttttjattfamfett, regelmäßiger Bewegung, tjäußgem Baben n. f. w. ein tjofjeS Stlter verbanden, tiefem uns S3ei- fpiete, bie ber Naa^ab,mung wertb, ßnb. gaß immer, wenn Seute ein tjotjeS Slltet erreichten, X)ahtn ©leicb,mutb, unb Negulirung ttjierifctjer Jriebe viel bagu beige« tragen, ober, mit anberen SBorten, bie ©ittnltdjfrit würbe von ben geißigen unb ftttlicben Kräften getjörig im 3aume gehalten. SlusfdjweifettbeS Seben unb lange« Seben vertragen ßdj nidjt mit einanber. Körperlidje ober geißige Kräfte, bie ju Ijäußg unb über bie Maßen angeßrengt werben, werben balb itjre ©pannfraft »er< Heren. Slnbererfeits fönnen biejenigen Kräfte, bie nidjt getjörig geübt werben, ftd) leidjt auf fatfdje Strt entwidetn. Uttfer Seben foüte ein 3uftanb mäßigen, aber fortwätjrenben ©enuffeS fein. & ßetjt in unferer ©ewatt, fo gu leben, baß wir beinatje gar nidjt von Ktanftjelten (jetmgefudjt werben. Job foüte ber ©djtuß eines langen SebenS fein; bie SebenS Verrichtungen foüten aümäljlig, faß unmerflidj, auftjören, otjne baß Seiben unb ©djmergen babei ßattfänbeit; bas Sebeit foüte in golge vott Kranftjeiten »i« grüljes 2tufßeb,en. 145 heftiges unb unnatürliches Enbe nebmen, wie es jejjt meißens ber gafl iß. Körper* liebe Bewegung iß bas beße ©djufcmittel gegen Kranfbeit; ber Körper verfdjangt ßd) ßletdjfam baburdj gegen bie Stngriffe berfelben. «Bewegung, Slrbeit, Mäßigung Unb tjimmlifdt>e 3ufriebenljett, (Erbauen bid) gefunb unb jung. ©ie macben, baß ber ©enfenmann, Mit fdjarfer ©idjel unb ©tunbenglaS, ©id) bir fobalb nttbt nä'bern fann. SBer genöttjigt iß, fortwätjrenb gu arbeiten, um ßcb, fetbß unb feiner gamilie baS täglidje Brob gu vergaffen, bebenft nictjt, baß, wenn er ßcb, nacb, NeidjÜjum unb Nidjtstljun feb,ttt, er einen unglüdfeligen 3uftanb tjerbeiwünfdjt. gortwätjrenbe Befdjäftigung iß gteidjbebeutenb mit beftänbigem ©lud. Seute, bie plö^lidj reid) werben, ßd) von iljretn ©efdjäft gurüdgietjen unb bantt anfangen, [xd) bem Nidjts* ttjun tjingugeben, verlieren In ber Negel üjre Sebensfraft, unb ber Job rafft fte balb batjin. Jaufenbe würben nü^Uctje Mitgtieber ber menfdjlicfyett ©efefffdjaft geblle* btn fein, wenn fte in einer untergeorbneten ©teüung vertjarrt unb für jeben Biffen Brob, beffen fte beburften, gearbeitet X)ättett. Stber tteitt, fte jagten nadj ©lang unb Netd)ti)um, unb bas ruinirte fte. ©ie vertaufdjten grieben unb ©lud mit Müßig* gang, Slusfdjweifung, Unmäßigfett unb einem langfam tjeranfdjieidjettbett Jobe. Stjr, bie itjr eudj nadj einem Seben voü ©lang unb $omp fetjnt, itjr wi\)t nidjt, was itjr ttjut! SBie fönnt itjr glüdlidj fein, wenn itjr nidjt gufrieben feib? Die t)ödjße ©teüung im Seben, ber größte Neidjttjum, bie feltenßen Sb.reitbegeugungen fönnen bir feinen ©enuß verfdjaffen, wenn bu im ©runbe beineS VergenS ungufrie* ben biß. Das große ©etjeimniß bes ©lüdes unb ber ©efunbtjeit beßeljt barin, baß wir ntit unferem Soofe gufrieben ftnb unb uns nidjt nadj bem ©lange beS Neidj* tljumS, ber Mobe ober einer ©teüung fetjnen. Seute, bte immer befdjäftigt ftnb unb freubig an itjre täglidje Slrbeit geljen, ftnb am glüdlidjßen uttb genießen fanf» ten ©dtjlaf, wätjrenb bie Neidjen, bie Müßiggänger unb bie Slusfdjweifenben feiten gufrieben ßnb; bei biefen fdjwinbet bie Sebensfraft aümäljUg batjin, bte Berridj* tungen beS Organismus beurfunben Jrägtjeit; bie ©efunbljeit wirb gefdjwädjt, bie Konftitution leibet, ber Körper wirb burdj Slusfdjweifung ruinirt, unb frütjgeitiges Stlter ober wenigßens gefdjroädjter ©efunbtjeitSgußattb iß bie itottjwettbige golge, unb man fudjt ßdj burdj Mebigin vergeblidj Erleichterung gu verfdjaffen. Mäßige Bewegung in freier Suft beljufs Beförderung ber verfdjiebenett ©efrettonen (Slbfon* berungen) Iß für bie Erhaltung ber ©efunbtjeit burdjaus nottjwenbig. Niemanb fann biefe Negel ungeßraft vernadjläfßgen. SBenn ben Sungen burdj täglidje Bewegung in freier Suft nidjt genug ©auerßoff gugefütjrt wirb, fo werben biejenigen ©toffe, weldje aus bem Körper entfernt werben foüten, nidjt in genügenber Menge abgefonbert werben, um bie ©efunbljeit aufredjt gn erijalten, unb bie Stfßmilatlon (Slneignung) neuer ©toffe, weldje gum Seben nöttjig ßnb, wirb erfdjwert. Otjne Bewegung getjt bie „Sufammengietjung" beS Vergens unb ber großen Slrterien nidjt mit gehöriger Kraft vor fxdj, unb obgleid) bas Blut bis gu bem entfernteßen &twtht gefütjrt wirb, wirb es bodj nidjt mit ber ©djneüigfeit getrieben, bie gum Seben nottjwenbig iß. Da bie testen ©cwebe auf biefe SBeife fdjneffer mit Blut gefüfft werben, ats baffelbe wieber abfließt, fo eittßefjt alsbanit itt jenen garten unb gum 146 ©unn's V«nS-Sirgt. Seben wichtigen ©efäffett, wetdje jene bilben, Blutanljäufttng. Das ©leidje finbel ßatt in ben Vauptabern, bie bagu beßimmt ßttb, bas Blut von ben ©eweben nadj bem Vergen gu fübren. Unverbaulidjfrit rübrt tjauptfädjtid) vom Blutanbrange tn ben äußerßen ®ewehen ber Organe ber, wie bem ©etjirn, bem Nüdenmarf, bem Magen, bem ©anglienfvßem,» ber Seber, ben Singeweiben unb überljattpt allen Organen, wetdje gur Srnätjrung bes Körpers bienen. SBenn baljer bem burd) Kranftjeit nidjt gefdjtüädjten Organismus burdj Musfeibewegung eine gehörige Quantität ©auerßoff gugefütjrt wirb, fo ift bieS bas beße Mittel, bas in ben 23enen ßdj beßnbtidje Blut gu verminbern (wenn gletdjgeitig leidjte wäfferige Nahrung in entfpredjeitber Menge genommen wirb), fowie bie Quantität beS arteriellen Blute« ui vermehren, nnb in bem Bertjättniß, wie legeres bas erßere überwiegt, werben wir uns ber ©efunbtjrit erfreuen unb MuStelßärte beßfcen, unb ber ©eiß wirb bie getjörige ©pannfraft fjabett. grütjeS Slufßetjen iß X)äußg vergebtidj empfohlen worben; bentt viele Seute benfen, baß es fetjr angeiteb, m fei, eine ©tunbe länger ftd) im Bette gu wälgen, unb baß bie«, im ©runbe genommen, nidjts auf ftd) X)aht. Slüein, wenn wir jeben lag eine ©tunbe entweber gewinne«, ober verlieren, fo madjt baS für bie SebenSgett fetjt »itl ans. Sine gang einfadje Beredjnung wirb meine Betjauptung beweifen. Sei weitem bte meißen Meitfdjen bringen fedjgetjtt ©tunben im Sßadjen unb arbeiten gu unb adjt ©tunbeit Im Bette. Das 34* tj<ü brei fyunbert unb fünf unb feajjig Jage, unb wenn Semanb jeben Jag eine ©tunbe weniger fdjläft, fo gewinnt er brei tjunbert uub fünf unb fedjgtg ©tunbeit in einem 3<üjte. Dies madjt brei unb gwangig Jage, ben Jag gu fedjgetjtt ©tunben geredjnet, weit wir nur fo lange jeben Jag in wadjenbem 3ußanbe gubringeit. Saßt uns einen 3eüraum von viergig 3a^ren nehmen, unb wir werben fetjen, wie wir entweber burd) Jrägljett viel ßext verlieren, ober burdj Jfjatfraft viel ßtit gewinnen fönnen. SBenn Semanb adjt ©tunbeit täglidj fdjläft, fo lebt er brei tjunbert fünf unb fedjgig Jage per %aX)x, unb man fann vaX)ex fagen, baß er feine viergig Saljre voüftänbig genieße, ©djläft aber ein Menfdj neun ©tunben jeben Jag, fo tjat fein %aX)x bloS brei tjunbert gwei unb »ier- gig Jage; er lebt atfo ftatt viergig 34re bloS fteben unb breißig unb ein falbes Saljr. Bleibt er aber gar geljn ©tunben im Bette, fo lebt er bloS brei tjunbert unb neungetjtt Jage ßatt brei tjunbert unb fünf unb fedjgig Jage, unb fünf unb bteijjia. Satjre ßatt viergig Saljre. Vingegeit ba« 3 ben ©djtaf begnügt, beträgt brei tjunbert nnb adjt unb adjtgig Jage, unb er gewinnt gwei nnb ein X)albeS 3«tjr auf viergig 3<üjre. SBer aber bloS fedjS ©tunben täglich fdjläft, beffen Satjr tjat vier tjunbert unb eitf Jage, unb er lebt fünf unb öterjig Saljre ßatt viergig. Vieraus erfeljen wir, baß gwei ©tunbeit meljr ober weniger tägtidjen ©djlaf bei einem 3eüraum von viergig Satjren einen Unterfdjteb von fünj 3ab,rett madjen. SBaS tonnte nidjt SlüeS wätjrenb eittes fotdjen 3eitraum« «oü* bradjt werben ? SBaS würben wir nidjt barum geben, wentt wir am Enbe unfere« * ©angltenfaßem ober fvmpanjtfdjeS Nervenfsßem wirb bte mit ben ©ebtrn- unb Stüdfif marfsnerven in inniger Berbinbung ßebenbe Slbtbetlung beS NervenfvßemS genannt, welcjie, M (n ben Drganen neuartig »erbreitenb, bte unwidfürltcben Bewegungen, »orgugsweife ber feinrrrt Stöbren (ber Slbern unb ©efrertonsfanäle), bervorruft, unb tnfofern »orgugSWttft ber SSeaetatin beS Körpers bient. © d) t a f. 147 Sebens bemfelben nod) fünf 3atjre fjingufügeit fönnten? SBaS für eine unange- nehme Smpßnbung muß es bem benfenben Menfdjen verurfadjen, baß er einen fot- djen 3eitraum freiwillig geopfert tjat, bloS um ftd) etwas länger im Bette tjerumgu* wälgen. 3wei ober brei ©tunben Bewegung vor bem grütjßüd, entweber burd) Neiten, ober ©eben, madjt bie SBangen rottj unb baS Sluge beü unb gibt uns meljr ©djönljett, als irgenb ein Berfdjöneruttgsmittel es ttjun fantt; nidjt gu fpredjen von bem famo- fen Slppetit, ben eine tüdjtige Bewegung tjervorruft. SBenigßens gwei ©tunben täglictj foüten wir in freier Suft gubringen, nnb fdjwädjltdje Seute foüten nur bann ausfegen, wtnn bas SBetter eine Bewegung im greien nictjt geßattet. 3ß baS Severe ber gaü, bann foüten bie genßer geöffnet werben, um frifdje Suft Ijereingulaffen, unb man foüte bie 3immer auf* unb abgetjen. Das ©etjett iß bie natürlidjfte unb bequemße Bewegung unb für ben Kräftigen unb ©efunben vietteidjt anberen Strien ber Bewegung vorgugtetjett. Netten wirb bem an fdjledjter Berbauung Seibenben, fowie benen, bie gur ©djwinbfudjt geneigt ßnb, überhaupt aütn ©5djmädjlictjen gute Dienße leißen. Vunberte, bie meinen Natb, befolgt Ijatten, Morgens unb SlbenbS auSgureiten, ftnb baburdj voüfommen Wiebet gefunb geworben, wätjrenb Mebigin feine SBirfung meljr auf ße X)attt. © $ l tt f. ©in fanfter ©djhtntmrr 33erfajeudjt ben Jutmmer, Serbannet ©ram unb ©orgen; D wobl bem Mann, Der fdjlafen fann Sßom Slbenb bis gum Morgen! 3. ©ggerS. Die 3latux X)at bie Nadjt gur Nnfje beßimmt, unb bie erfdjöpften Kräfte bes ©eißeS unb bes Körpers werben burdj ©djlaf wieber tjergeßeüt. SBentt man vor bem ©djlafengeben ]ld) in geiftige Slrbeiten verHeft, fo bauert es lange 3eit, bis bie erböte ©etjirnttjättgfeit, bie eine nottjwenbige golge von Kopfarbeit iß, bem norma- len 3ußanbe tyla% madjt, unb wenn bas Jemperament reigbar ober nervös iß, fo werben wir ©tunben lang fdjlaflos ba liegen ober von unangenehmen Jräumen geplagt werben. SBentt wir SlbenbS fpät aufß^en unb ben ©eiß burdj Nadjbenfeit ober auf anbere SBeife gn fetjr anßrengen, fo wirb gutefct eilt 3uflanb ber Netgbarfeit bes NervenfvßemS eintreten, ber an Srrßnn grengt. Nidjts gerßört bie ©efunbtjeit rafdjer, als Mangel an erguidenbem ©djlaf. Man foüte batjer geißige ober förper- lidje Slrbeit am Jage verridjten, unb gwei ober brei ©tunben vor bem ©djlafengetjen foüten ber Mußf, angenehmer Unterhaltung, mit einem SBorte, foldjer Slrt ber 3erßreuung gewibmet fein, bie uns in tjeitere ©timmung verfemt. ©djlaf iß gur Srtjattung bes ttjierifdjen Sebens burdjaus notfjwenbig. SBenn wir fdjlafen, iß bas animalifdje Seben aufgehoben, unb bas ©efdjöpf iß nur unter bem Einßuffe bes organifdjen SebeitS. Organifdjes Seben x)at auf bie Ernäbrung unb Ermattung Begug; animalifdjes Seben bagegen auf biejenigen Berridjlungen 148 ©unn's VauS*Slrgt. Weldje baS ©efdjöpf gu einem emvßnbenben SBefen madjen, wetdje itjm ©ebanfen ©efüljle, Bewegung geben unb es in ben ©taub fefcen, mit ber Slußenwelt gu veo lehren. Das organifdje Seben ber Jljiere gibt fidj in ben Berbauungswerfgeugen, ben Nieren, bem Vergen unb ben Sungen funb. Das ©etjirn, bie Sinnesorgane unb biejenigen Kräfte, weldje uns in ben ©tanb fejjen, nadj SBiüfür gu Ijanbeln, Vertreten bas ammalifdje Seben. ©djlaf iß ein 3"ßanb gwifdjen Sßadjen unb lob- ßntemal Sßadjen als ber 3nßanb angefefyen wirb, in weldjem aüe geißigen unb für« perlidjen Berridjtungen ftd) in Jljätigfeit beßnben ober beßnben fönnen, woljingegen ber Job üjneit ritt Enbe madjt. gefter ©djlaf iß ein temporärer (furge 3eitbauern- ber) geißiger, nidjt aber organifdjer Job, ba bas Vetg unb bie Sungen ibre Sßerridj- tnngen unter bem Sinßuffe ber „unwiüfürlidjen" Musfein, wie gewötjnlictj, volljle« b,en. Dies iß ber ©djlaf ber ©efunbtjeit; ein foldjer ©djlaf iß rutjig unb ßärfenb, unb er gibt bem Nervenfvßem feine frütjere ©panntraft wieber. SBenn tiefe« bewertßeüigt iß, bann weidjt ber ©djtummer; ber Sntträftung folgt ©tärfe, unb alle geißigen unb förperlidjen Kräfte ftnb wieber btrgeßeüt. Diefer wonnige 3ußanb fommt bemjenigen am meißen gleidj, in weldjem Slbam ßdj befanb, als er aus ber Vanb feines ©djöpferS fprang — frifd), munter unb träftig, frotjtodenb, wie ein Mann, ber feinen Sebenslauf beginnt, ©riß1 unb Körper gur Stnßrengung vorbereitet. SBie gang anbers iß ber ©djlaf ber Kranftjeit! Er iß furg, unrutjig, ßeberifdj unb unerquidenb ; er wirb burdj fdjredlidje unb büßere Jräume unterbrochen; ber 3)ul« fdjlägt heftig, unb in golge nervöfer Slufregung werben bie Musteln Ijäußg franf- JjaÜ erregt; ber Slip, mit feinen taufenb verfdjiebenen gormen, übt, wie bas einge* fleifdjte Slenb, feinen Drud auf ben Körper aus ; bte Sinbilbungsfraft, beeinfluft burdj förperlidje 3errüttung, fütjrt uns grauenvoüe unb gräßlidje Bilber vor —e« fommt bem armen Kranfen im Jrauine vor, als wenn Jeufel mit gtütjenben 3angen itjn gwidten, unb ber ©djtunb beS ©rabes ßd) gegen iX)n auffperrte. SluS einem fotdjen 3ußanbe erwadjt bann ber Kranfe mit flopfenbem Vergen, nnb als wäre et bem Srftiden natje. Die Nadjt iß bie ßeit gum ©djlafett; bie Dunteltjeü nnb bie ©tiüe laben un« gleidjfam gur Nulje ein, gerabe fo, wie bas Sidjt beS neugeborenen JageS un« ju Jljätigfeit unb Slrbeit aufforbert. Es ift nidjt gu leugnen, baß ein gewiffes fontpa« ttjetifdjeS (getjeimwirtenbes) Bertjättniß gwifdjen ben verfdjiebenen Jag* unb Sladjt« gelten beßetjt, unb ber Menfdj wirb von biefem Bertjältntffe in Begug auf feine Berridjtungett außerorbenttidj beeinflußt. Diefer Sfnßuß muß bemnacb, in einer anberen Urfadje gefuetjt werben, als bem ber ©ewotjtüjeit. Die Natur erwadjt mit ber aufgetjenbeit ©oitite. Die Böget fangen an gu ftngett; bie Biendjen fummen fröfjlidj vor ßcb, X)in ; bie Blumen, bte ßctj bei einbredjettber Dunfettjett verfdijliejjen, entfalten Üjre ©djöntjeit bem Sidjte — benn ^flangen fdjlafen gerabe fo gut, alö »ie Jtjtere — bas Biet) beS gelbes ertjebt fidj, um auf ber behauten SBiefe gu grafen, unb ber Menfdj beginnt fein Jagewerf. Slm Slbenb ßnbet gerabe bas Entgegen^ fefcte von bem ftatt, wie wir eS eben gefdjilbert X)aben. Der ©efang bet SSögel verßummt aümätjtig, bis SlüeS rubtg iß; bie Natur begibt ßdj untet bem gaü« bes JtjaueS gur Nutje. Der Jljätigfeit folgt ©djlafftjrit, ber Jtjatfraft Mattigieit, bem Berlangett nadj Stnßrengung folgt Neigung gur Nutje —bet ©djlaf mit feinem bleiernen ©cepter tritt bie Jperrfdjaft über bie SBelt an. Da bie Smpßnbungswerfgeuge nunmehr erfd>b>ft ftnb, fo ßnfeit wir natürlich ©djlaf. 149 Sßeife in MorptjeuS' (©ott beS ©djlafeS) Slrme. Die Erfdjöpfung fömmt affmätj* lig, unb baffelbe iß ber gaff mit bem ©djlummer. T)it ©intte werben nadj unb nadj unempfänglich für Einbrüde; einer nadj bem anberen verliert bte gätjigfeit ju empßnben — guetß baS ©eftdjt, bann ber ©efdjmad, alsbanttber ©erudj, barauf bas ©etjör unb gute^t bas ©efütjt ober ber Jaßftnn. Das ©etjirn ftntt übrigens nictjt fofort in einen 3ußanb ber Nutje; bie verfdjiebeneit Organe beffelben gelangen eines nad) bem anbere« itt biefen 3uftanb, bis fte gule&t Slffe in ben geffeln beS ©djlummerS liegen. Snfolge unferer täglidjen Slrbeiten muß bie Sebensfraft jeben Jag erfet3t werben; ©ott, ber uns nictjt affein bas Sebeit gefdjenlt tjat, fonbetn es audj erljält, tjat es ats eines ber erßen Naturgefer^e tjingeßefft, baß ber Menfd) von ber 3erftörung feines eigenen Sebens abgehalten werbe, unb baljer läßt er bie Nadjt bem Jage unb ben Jag ber Nadjt folgen, um ben Menfdjett itt bett ©tattb gu fetien, immer wieber frifdje Kräfte gu gewinnen. Dem angenetjmen Bewußtfein, weldjeS bie Slrbeit uns verfdjafft, lommt nur bie fuße Empßnbung ber Nube gteidj; unb Beibe gufammen bringen jenen wotjlttjättgen Sinßuß fowofjl auf Körper, ats wie auf ©eiß tjervor. 3n tjarmonifdjer Orbnung folgt bte Nadjt bem Jage, unb bem Jage folgt bie Nacb, t, unb ber Jag ber Nut)e befdjließt bie SBodje. Die Nadjt läßt ben Körper auSrutjen; am ©onntag xux)t ber ©eiß. Durdj viele Jfjatfadjen fann es gur ©enüge bewiefen werben, baß bas ©djlafen bei Nadjt guträgltdjer iß, als baS ©djlafen bei Jage. 3wei Obrißen ber frattgößfdjett Slrtnee tjätten mit einanber über bie geeignetße 3eit jur Nutje unb gum Marfdjiren, wäbrenb beS 3eüraumS von vier unb gwangig ©tunben, geßritten. Da bieS vom mttitärifdjett ©tanbputtfte aus eilt fetjr interef« fanter ©egenßanb iß, fo ertjielten fte von bem fommanbirenben ©eneral bie Erlaub* ntß, bie ©adje praftifdj gu unterfudjen. Siner oon üjnett, obwotjl es im tjofjen ©ommer war, marfdjirte beim Jage unb rutjte in ber Nadjt, uttb am Enbe eines MarfdjeS von fedjS tjunbert (englifdjen) Meilen tjatte er Weber Mann, nodj Noß ver- loren. Der Slnbere, weldjer badjte, baß es weniger anftrengenb fein würbe, am tütjlen Stbenbe unb wätjrenb eines Jljetls ber Nadjt, ßatt in ber ©onnenb,Ü3e, gu marfdji- ren, tjatte gu Enbe feines MarfdjeS viel Mannfdjaft unb $ferbe verloren, unb viele feiner ©olbaten waren franf. SBäbrenb bes Krieges mit Mertfo würbe ebenfalls ber Berfudj gemadjt, bie brennenbe JageStji^e gu vermeiben, nnb bas Nefuftat war baffelbe. Derjenige iß in ber Jtjat gu bebauern, ber nidjt fdjlafen fann, ber in ber Ein* famfeit ber ßitlen Nädjte Nube vergebens fudjt, unb ber am Morgen erfdjöpfter iß, als er es SlbenbS guvor war. ©djlaf ßefft ßdj bann ein, wenn bie SmpßnbungSwerfgeuge (bas ©enforium) gefdjwäctjt ßnb. Die SBiffensfraft unb bte Sinnesorgane beßnben ßdj aisbann in einem 3ttßanbe ber Erfdjöpfung, unb unter gewötjntidjen Bertjättttlffeit tritt biefe, gur ßtit bes 3ubettgeb.ens ein. Mandjmal werben wir audj vor ber regelmäßigen' 3eit bes ©djlafenlegens in golge von Vifje, Mangel an Slbwedjfeiung, Ueberlabung bes Magens unb törperlidjer Stnßrengung mübe. Slffein bie Jljätigfeit ber ©ittneS- werfgeuge fann burd) verfdjiebene 3ußänbe erljötjt werben, wk g. B. bti förperlidjen Seiben, bei ertji^ter Sinbilbungsfraft, unb ße madjt ßd) aisbann nidjt gu ber gewöb,nlidjen ßtlt geltenb. 3n biefem gaffe bleibt man in wadjenbem 3uftanbe bis Erfdjöpfung eintritt, weldjer 3ußanb vielleidjt erß metjre ©tunben nad) beni 150 ©unn's VttttS-Sfrgt. Nieberlegen ober wätjrenb ber Nadjt gar nidjt fommt. SBaS audj immer tintn fotdjen 3«ßanb tjerbeifütjren mag, gleichviel ob er von Bällen, Berfamntluttgtn Kongerten, Kummer, greube, ©djmergen, Ueberlabung beS Magens beim Slbtnb. effen, Jrunffudjt tjerrütjrt — bie Nube wirb baburd) berinträdjtigt. SlffeS biefeS veranlaßt, baß ber ©eiß in einen 3«ßflnb unnatürlicher Slufregung gerättj, nnb wenn er ftd) ttidjt beruhigt, fo wirb ber ©djlaf von uns Weidjen. t\t geringße Slufregung ber ©innesorgane tann ben ©djlaf verfdjeudjen. Eine foldjt SBirfung fann bas Jiden einer Utjr auf teidjt erregbare Seute ausüben, bie nidjl baran gewöhnt ßnb — bei Slnberen fann bas Entgegengefejjte eintreten. (Sfne äljnlldje SBirtung fann burd) ein im ©djlafgimmer brennenbeS Sidjt tyervorgebradjt werben; bie Stugen mögen gefdjloffen fein, allein bas Sidjt fäfft burdj bie Slugtn. Über auf bie Nefcfjaut. SluS bemfelben ©runbe fanit bas in baS 3immer fallenb« Jagestidjt uns vom ©djlummer erweden. Bon Napoleon wirb gefagt, baß er nidjt fdjlafen fonnte, wenn er bem Einßuffe von Sidjt ausgefegt war, obgleid) fonß bet ^djlaf ßdj leidjt, gteidjfam auf fein ©etjetß, bei Üjm elnßeüte, fo baß es mandjmal Erftaunen erregte, ©timulirenbe (erregeitbe) Mittel, wie Jtjee unb Kaffee, trenn man fte furg vor ©djtafengetjett nimmt, verljinbern Ijäußg bas fofortige Einfdjlafen, SBenn nämlid) bas Smpßnbungsvermögen bes Organismus länger antjält, ats ti fonß ber gaü fein würbe, weldjer 3nßanb burdj Neigmittel tjervorgebradjt werben fann, Jo tjat bieS gur gotge, baß ber ©djlummer uns bann ßietjt, roenn wit gewötjntidj einfdjlafen. UnbetjaglidjeS ©efütjt in unferem Körper tjat biefetbe SBirfung; es verljinbert ©djlaf, unb wir wadjen wieber auf, nadjbem wit fdjon ein« gefdjlummert ftnb. Mäßige Srmübung fütjrt ©djlaf tjerbei, wäljrenb übergroße Mattigfeit üjn verfdjeudjt, ßntemal ©djmergett nnb Slufregung mit biefet verbun« ben ßttb. SBenn Ertättung ßdj blos auf einen Jb. eil bes Körpers, namentlidj auf biepfje, geworfen Ijat, fo iß ©djlafloftgteit leidjt in tbjem ©efolge; wenn aber bie ßrläl« tung ßdj über ben gangen Körper erßredt unb fetjr tjeftig iß, fo trifft Ijäuftg hi Sntgegengefefcte, nämlidj ©djläfrigfett, ein. ©djlafloßgfeü witb oft burd) ein ©efütjt brennettber Vifce in ber gußfotjle unb ber inneren glädje ber Vanb Ijerw gebradjt, weldjes ßdj bei mandjen Seuten einfteüt, nadjbem fte ftd) niebergelejl fcaben. Dies fdjeint von einem Mangel an SluSbünßung in jenen Jfjeilen b,erj«< rütjren, beffen Urfadje in einem fdjtedjten 3nßanbe ber Berbauungswerfgeuge, in ©emüttjsbewegungen, wie Slerger, greube, Siebe, Jraurigfeit, audj in tiefem SM' benfen gu fudjen iß, ba aües biefes ber Nutje nidjt förberlidj iß. SBenn 3emanb, fobalb er fein Vaupt auf's Kiffen legt, im ©tanbe iß, ßdj feiner ©ebanfen j« entfdjtagen, fo iß es giemtid) ftdjer, baß er eiitfdjlafen wirb. Biete Seute ßnb fo glüdlidj fonßruirt, baß ße biefes oljne Stnftrengung ttjun tonnen. SBeit bason .entfernt, baß ße von läßigen ©ebanten gequält werben, entßiefjen biefelben gleia> fam unaufgeforbert unb fommeit nidjt vor bem nädjßeit Morgen wieber. & iP fetjr verfdjieben mit benjenigen, weldje von ©orgen gebrüdt werben, beten Einbtl« bungsfraft gu tebtjaft iß, ober bie ßdj gu fefjr ben ©tubieu tjingeben. Der Iran* tige bebarf am meißen ©djlaf; ßatt baß ßd) aber wotjlttjätiger ©djütmtnet fanft «uf itnt b.erabfettft, fliegt berfelbe itjn unb überläßt itjn ber ©efefffdjaft feinet traurigen ©ebanfett. Er Hegt ba in einer Slrt Betäubung; aüein ein foldjer 3ußanb fann fein Sd)l«l © d) l a f. 151 genannt werben, ba feine qualvollen ©ebattfen üjm feine Nub,e laffett. Etwas Slebntides iß ber gaff mit einem Manne von lebhafter Sinbilbungsfraft. ©tatt bafi fidj biefetbe in ben ©djoß beS ©djlafeS fentt, malt ße ßdj ttodj meljr Bilber aus; taufenbe von pDatttaßifdjen (fdjwärmerifdjen) ©ebattfett burdjfreugen ba* ©etjirn, beffen überreigter 3ußanb nidjts von Nub,e wiffen wiff unb allen Sem». jungen feines Beß&etS, es gu beruhigen, fpottet. ©roße greube wirb tjaußg Nadjte lang ben ©djlaf verfdjeudjen; aüein in biefer Begieb.ung ßeb,t fte bem Kummer bebeutenb nadj, ba fortgefefcter ©ram ben Seibtragenbeit oft Monate lang nid)t fdjlafen läßt. Seute, bie viel nadjbenfen, fdjtafen bett erßeit STtjeit ber Nacb, t feiten gut. ©ie liegen vieüeidjt wätjrenb gwei ober brei ©tunben, nadjbem fte gu Bett gegangen ßnb, wadjenb ba, unb fdjlafen nidjt eb.er ein, ats gegen Morgen. Seute biefer Slrt liegen lange im Bett, unb bie grüb.aufßeber nennen fte Sangfdjläfer, obgteidj biefe roatjrfctjeinUdj nidjt fo lange fdjlafen, als jene, gortgefe^tes Nadjbenfen, nament* fidj SlbenbS, beeinträchtigt ben ©ctjlaf fetjr. Boertjaave fagt, baß antjattenbes ©tubtren bie Urfadje gewefen fei, baß er fecijs SBodjen lang teilt Sluge guge- ttjan tjatte. 3n Begug auf bte Betjanblung von ©djlaftoßgfeit werben wenige SBorte genügen; es fann eigentlidj nidjt viel meljr gefagt werben, als eine Bermeibung ber Urfadjen gu empfehlen, weldje biefetbe veranlaffen, unb wenn biefes gefdjieb. t, bann werben bie SBirfungen von felbß verfdjwinben. SBenn feine befonbere geiftige ober förper* lidje Kranftjeit vortjanben iß, ber bie ©djtaßoßgfeit gugefdjrieben werben mu$, foffte man ftd) fo viel als möglidj in tjeüere ©timmung gu verfehlt fudjen, unb wenn ber ©efunbljeitsgußanb es erlaubt, foüte man frütj aufftetjen, ein faires Bab netjtnen unb ßdj burdj Bewegung ermüben. Seute, bie mit bem Kopf arbeiten, foüten fpäteS Sefen vertreiben, unb wenn ße gu Bett geljen, foüten fte ßdj aüer auf* regenben ©ebanfen entfdjlagen. ©ie foüten itjre ©ebanfeit, fo viel als möglid), innerhalb gewiffer ©rengen Ijatten unb biefelben nidjt tjerumfdjweifen taffen. SBenn ber ©eiß fidj nur mit einem ©egenßänbe befdjäftigt, bann nätjert er ftd) bem ©djlafe metjr, als fonß, in weldjem 3nßanbe ber ©riß gar feine Stnbrüde erijält. Es mag in einigelt gäüen ber ©djtaßoßgfeit rattjfam fein, aufgußetjen unb im 3immer auf= unb abgugetjen. Vierburdj wirb ©djlaf Ijäußg ßdj einßeffen, wätjrenb man vortjer vergebtidj ßctj bemütjt tjatte, itjn tjervorgubringen. Sßoljet bas lommt, iß nidjt leidjt gu fagen. Sdj weiß aus Erfahrung, baß, wenn man ben Körper mit faltem SBaffer wäfdjt unb itjn gteidj nadjljer mit einem rautjen Vanbtudj reibt, erquidenber ©djlaf [idj etnftefft. SBenn tjeißes SBetter bie Urfadje von ©djtaßoßgfeit iß, foüte man, nadjbem man ben Körper mit einem naffen Vanb- tudje gewafdjen b,at, ßdj leidjt bebeden unb bie Suft getjörig burdj bas 3immer ßreidjen laffen. Nüljrt ©djtaßoßgfeit von einem Brennen in ber gußfotjle ober ber inneren Vanbßädje Ijer, fo foüten biefe Körperteile mit Sfßg unb faltem SBaffer tüdjtig eingerieben werben, fowofjt tX)t man ßdj gu Bett legt, als audj wätjrenb ber 3eit, baß bas Brennen antjält, weldjes in ber Negel gwei bis brei ©tunben bauert. Dem Magen unb ben Eingeweiben foüte ebenfaüs gehörige Slufmerffamfeit gefdjenlt werben, ba ©djlaßoßgfeit Ijäußg von einem geßörten 3ußanbe biefer Organe b,er- rütjrt. Uebermaßiges Effen unb Jrinfen, unverbautidje ©peifen unb vor äffen 152 ©unn's Vaus-Strgt, Dingen fpate Slbenbmatjlgetten foüten vermieben werben. Ein tjettere« ©emüt$, eine gute Berbauung, tüdjtige Bewegung in ber freien Suft ftnb Beförberungstnittel beS ©djlafeS; baljer foüte 3eber, beffett ©djlaf unruljig iß, gu benfelben feine 3ufludjt netjmen. Matt foüte niemals mit Kopfbebedung fdjlafen, ba ßdj unter berfelben verborbene Suft anfammelt, benn bte Vaut bünßet aus ; ße fonbert Materie ah, wie fotjlenfaures ©aS u. f. w. Kinber foüten, fo viel als möglldj, aüein fdjlafen, wenn wir roünfdjen, baß ÜjreSungen fräftig, Körper unb ©eiß gefunb fein fotlen, unb baß itjr Blut rafdj burdj bie Stbern rotten foff. Neine Suft unb Bewegung iß für bie meißen Strien beS UnwotjlfeinS ein okl befferes Veitmittel, als Mebigin. geifte Seute fofften ßd) viel bewegen nnb wenig fdjlafen. 3U viel ©djlafen fdjwädjt bie Nerven; wlrtt fdjäblidj auf baS ©eljirn ein, ergeugt Neigbarfelt, tjat ©djtagßuß unb ?ä> muttg im ©efolge, bringt Vergffopfen tjervor, ßumpft ben ©efüljtsßnn ab unb übt übertjaupt burdj bte übergroße SluSbünßung im Bette eine itadjttjeüige SBirfung auf beit Organismus. Sänge Slbenbmatjlgeiten, ßarfer Kaffee unb Jfjee ßnb für ben ©djlaf nidjt förberlldj. grütjeS Slufftetjen unb Bewegung ßärft bie gibern, tvätjrenb ©djlafen am Morgen bie feßeße ©efunbtjeit beeinträchtigt. ©emüttjsaufregung ßört ben ©ctjlaf unb ergeugt viele Kranftjeiten, wie idj fdjon oben bemerft tjabe. ©olibififatlon — bas tjeißt, bie Umwanblung beS Blutes in bie feflen Jljeite bes Körpers — ßnbet vorwiegenb wätjrenb bes ©djlafeS ßatt. Der Vaupt» gwed bes ©djlafeS würbe alfo augenfdjetntidj bie Slfßmilation (Sinverleibung) ber Naljrungsßoffe, bte Berwanblung beS Blutes itt feße BeßanbttjeÜe fein. Diefe wunberbare Umwanblung fdjeint bie Bereinigung aüer Kräfte beS Drganid» muS gu erforbern. Es fdjeint nottjwenbig gu fein, baß fowotjl ber Körper, alö bie Slußenwett in einen 3nßanb voüftänbiger Nuf)e verfemt werben, bamit biefet nmn« berbare, gur Nadjtgeit ßattßnbenbe, $rogeß vor [xdj geljen tonnt nnb nidjts ßörenb unb fjinbernb in ben SBeg trete. SluS biefem ©runbe ftnb bie Jljore beS Körper« — idj meine bamit bie ©inne — gefdjloffen ; baS Sluge ßeljt nidjt, baS Df)r |örl nidjt, bie Vaut empßnbet nidjt, fetbß bas Sltfjmen ift faum tjörbar, ber Vetgfdjlag ifl faß nidjt bemerfbar ; bie Sebensfraft iß fo viel als möglidj concentrirt — gerabe wie bie Sidjtßratjlen in einem Brennpunfte gufammettfaüett — unb beinahe gang unb gar auf biefen fdjeinbar etnfadjen ©egenßanb geridjtet. Sllfo : ben Jag über gewinnen wir Blut, unb biefes Blut wirb gur Nadjtgeit in feße BeßanbttjeÜe umgewanbett. Slm Jage fammeln wir gteidjfam baS S3au- materlat, bei ^ladjt beffern wir baS ©ebäube aus. 3nr ßtit beS SlufßeljenS foüte baljer unfer Körper am fräftigßen fein, unb bei voüfommen gefunben ^erfonen ifl biefes audj ber gaü. Die Mattigfeit, welctje von fränflidjen ^erfonen Morgen« empfnnben wirb, rütjrt baljer, baß ße nidjt genug gefdjlafen tjaben; eS Iß ungefaßt fo, als wenn ein ©ebäube nidjt ausgebeffert rcorbett iß,- uitb als wenn aus biefe« ©runbe bemfelben bie gehörige ©tärte mangelt. Die vermehrte Sebensfraft, bie man ben Jag über nadj bem d^tn gu empßnben vermeint, iß nur fdjeinbat; ti f)at nur eine Erregung in golge vott genoffener Nahrung ßattgefunben; guerß füljlt ßctj ber Magen geßärft, unb nadjbem bie Slfßmüiruug ber ©peifen ftattge- funbeit tjat, füljlt matt ßcb burd) baS neue Blut gefräftigt, weldjes in beut Drganisnml rntftanben iß. © dj l a f. 153 SBir foüten aus bem ©efagten gwei widjtige SBab, ttjettett erfennen: SrßenS, baß wir uns bie meifte Bewegung frütj am Jage madjen foüten, unb gweitenS, baß fpäte Sibenbmaljigeitett vermieben werben muffen. SBenn bu bir baljer beine ©efunbtjeit bewahren wiüß, fo iß Bewegung, bte beincr förperlidjen Kraft entfpridjt, bas Eingige, was bir tjelfen fann. Bebenfe, baß ber Körper ermatten unb fdjwifcen muß, etje feine Kräfte wieber tjergefteüt werben fönnen; bebenfe, auf wetdje SBeife 5)ferbe für bie Nennbatjn abgeridjtet unb Menfdjen für bas ^reisfedjten gefdjutt werben. SBenn bu bir genügenb förperlidje Bewegung madjß, fo tannß bu taum tranf fein; otjne biefelbe fannß bu bidj nidjt wofjf ber ©efunbljeit erfreuen. SBenn idj von ©efunbljeit fpredje, fo verftetje idj barunter ben ©rab bes SBotjlfeins, beffen ber Organismus fätjig iß; unb wenn bu ein Neigmittel fudjß, um bei ber Matjlgeit tüdejtig breingutjauen, fo wirft bu ßnben, baß förperlidje Bewegung, unb nidjts SlnbereS als biefe, ein watjreS SBunbermittel iß. SBenn idj von törperlidjer Bewegung fpredje, fo meine idj bamit foldje, bie ver* meljrtes Sltljemtjoten unb mertlidje SluSbünftung gur golge X)at, bie brei bis vier ©tunben innerijalb vierunbgwangig ©tunben in Slnfprud) nimmt, unb bie mit einem ©ange Morgens von gwei englifdjen Meilen verbunben fein foüte. Bewegung vor bem grütjßüden iß bebeutenb guträglidjer, als nadjt) er. Sdj fann ben gangen ©egenßanb in gwei SBorte gufammenfaffen, nämlldj: Mäßigfeit unb Bewegung. Diejenigen, wetdje aus ber einen ober ber anberen Urfadje ßdj feine förperlidje Bewegung madjen tonnen, foüten ber Diät beßo meljr Slufmerffamfeit fdjenfen; Sinfadjtjeit unb Quantität (Menge) ber ©peife verbienett metjr Berüdßdjtigung, als bie Befdjaffentjett. ©oldje Seute tonnen nidjt leidjt gu wenig Natjrung gu fidj netjmen ; Sßein uub anbere ßarfe ©etränfe foüten gängltd) »ermieben werben. Unb ße foüten ja bebenfett, wie bte Srnätjrung bes Körpers vor ßdj getjt; auf welctje SBeife berfelbe burdj SebenSmittet aufredjt gehalten unb was aus biefen wirb, nadj* bem ße in ben Magen gefommen ftnb. SBenn ße aües biefes getjörig begreifen, fo werben ße fetjen, baß meine Naüjfdjtäge In biefer Begietjung burcb, aus gwedmäßlg unb vernünftig ßnb. Sdj wieberbote: KörperlidjeS Unwotjlfeiit greift tjeutgutage in golge von ©emüttjsbewegungen unb Slufregungen auf watjrtjaft fdjredenerregenbe SBeife um ftdj. Unb wenn idj nadjgewiefen X)abt, baß förperlidje Bewegung, namenttidj wenn ße mit entfpredjenber geiftiger Befdjäftigung unb ©elbßbetjerrfdjung Vanb in Vanb gefjr, bie Uebet befeitigen fann, benen ©eiß unb Körper in golge ber genannten Urfadjen unterworfen ßnb, fo tjabe id) bas Bewußtfein, baß idj meinen Mitmenfdjen einen Dienß erwtefen tjabe. Seber — ber Vodjgeßeüte, wit ber Ntebrigßetjenbe — ber Neidje, wie ber Slrme— ber ©eletjrie, wit ber Ungeletjrte — fann ßdj Bewegung verfdjaffen. SBenn ©emüttjsßörungen eintreten, fo getjt man förperlidjen Kranftjeiten mit Niefen- fdjritten entgegen. Um Kranfbeit bes Seibes gu vermeiben unb, fo viel als mög* lidj, ©eißesßörungen gu entgegen, muß ber $fab betreten werben, ben idj beut* Udj begeidjnet tjabe. Der Seib muß in Jfjätigfelt getjaltett unb ber Magen barf nidjt überlaben werben. 3dj wieberbote es nodj einmal, baß Bewegung ©efunb* tjeit, Kraft, Veiterfeit guten ©djlaf unb Sßluß tjervorbringen. Die geletjrten ©tubenßfcer ßnb bie Opfer von Kranftjeiten, wetdje bas Seben vergäüen unb es abfürgen, weldje bie Nube vertjinbern, bie ©peifett fdjmadfos madjen, anbauernbe 154 ©unn's Vans-Slrgt. Mattigleit tjervorbringett unb unaufbörlidje VetgenSbeflemmung verurfadjen. tri berürjmte Stbernetljv fagte: „SBenn bu gefunb fein wiüß, fo lebe von einem 8ir« pcnce (gwölf Sente) ben Jag unb verbiene itjn bir." „©djlaf ift baS SBieberijerßeüungSmtttel ber gütigen Mutter Natur," unb trenn bie Nadjt itjren Mantel über bte Natur ausbreitet, fönnen wir bei gutem ©efunN JjritSgußanbe itjrer bringenben Stntabung, uns ber Nutje gu erfreuen, nidjt wiber« ftetjen. ©t'-afbar ßnb biejenigett, weldje aus eigennüjjigen Beweggrünben, um üjren Süßen gu frötjnen, ber bringenben Slufforberung ber Natur feine golge leiften, inbem fte ßdj nidjt an bie Slnorbnungen berfelben fetjren, baburdj it)re Konftitution fdjwäctjett unb bie Veiterfeit üjreS ©eißeS verfdjeudjen. Sßarum foüten wir bie Jage fürgen, bie unfer tjimmlifdjer Bater uns gegeben tjat, bamit wir ße genießen, wenn es in unferer Madjt ßetjt, baS Seben gu verlängern? Biele Seute, anftatt fußen, erquidenben ©djlummer gn genießen, wälgen ßdj »on einer ©eile bes Bettes gur anberen, inbem ße bie tangfam batjinfdjleldjenben ©tun« ben gäblcn unb ßdj vergeblidj nacb einem Slugenblid Nulje fetjnen. SBenige fennen ben watjren SBerttj aü' ber foßbaren ©efdjenfe, bie unfer ©djöpfer uns gegeben tjat, bis fte biefelben fdjmerglidj vermiffeit unb bann vergebens b,erbeiwünfdjen werben. Sunge Seute bebürfen meljr ©djlaf, als ältere; ebenfo iß mtX)x Nutje im SBinter, als im ©ommer erforberlidj. Srwadjfene foüten burdjfdjnittiidj adjt ©tunben täglidj fdjlafen; für Kinber fjingegett ftnb gef)tt unb felbft gwölf ©tunben ©djlaf nidjt gu viel. ©djlaf nnb SB ab, nf itt it. Dr. Brigtj am, Strgt in ber New SJotfet 3"en< anftatt, behauptet, baß burdj Mangel an ©ctjlaf SBatjnßnn am tjäußgften verurfaajl werbe, unb wenn man ßdj vor irgenb etwas tjüten müßte, um Srtßnnigfeit gu »et» meiben, fei es biefeS. Er fagt: „gäüe von SBatjnßnn, betten ©djtaßoßgfeit ntdjl voranging, ßnb in jüngfter 3eü fo fetten gewefen, baß, wenn biefetbe eintritt, man mit ©idjertjeit auf eintretenbe ©eiftesßörung redjnen tann. Slnljaltenbet fcrjtaflofer 3ußanb gerrüttet ben gangen Organismus. Die Sßluß wirb gefdjwädjt, bie Slbfon« berung (©efretioit) wirb verminbert ober getjt nidjt auf gehörige SBeife vor fidj; Bestimmung tritt ein; man träumt itt wadjenbem 3nßanbe; bie (Sinbilbungsfraft ergeugt Jrugbilber ($>tjantome), wetdje anfänglidj nur bann unb wann als Cuül« geißer auftreten, fpäter aber ben ©eiß gang unb gar betjerrfdjen, bis SBatjnßnn ober Job eintritt." Der Dottor fagt ferner: „Es ift mein fetjntidjßer SBunfdj, Sebem bie Uebergeugung beigubrlngen, »ie Wtdjtig es iß, wenn man feß unb lange genug fdjläft. 3dj fütjle, baß idj baburct meinen Mitmenfdjen unenblidj viel ©uteS ergeige, inbem idj burcb, einen fotdjen Natb. nictjt btos SBaljnßntt, fonbern aud) anbere Kranftjeiten vergüte. Es iß g« feinem 3»eifet unterworfen, baß Nervenfranftjritett fowoljl, als audj gefctjrradjtet ©efunbtjeitsguftanb bei benen, bie an feiner befonberen Kranfljeit leiben, bem Mangel an gefunbem ©djtafe gugufdjrelben iß." Dr. Brigfjam gibt folgenbe Natbjdjläge in Begug auf Erlangung genügenbet uädjtlidjer Nulje. Srftens: ©eißige Slufregung foüte einige ©tunben vor bem ©cb,lafengeb,en ganj' heb vermieben werben. 3weitens: Sege bidj frütj gu Bett, bodj barf es bir Weber gu falt, nod) gu »arm fein; fdjtafe auf einer garten Matrafce, ober wenigßens auf einer Unterlage, Ü< © d) t a f. 155 nidjt gar gu weidj iß. Das ©djlafgimmer foüte groß unb gut gelüftet fein, unb bie Bettßeüe foüte nictjt gu nab.e att ber SBanb ober bem gen|ter freien, ba ber ©dVafenbe ßdj baburdj bem Suftguge ausfegt. Drittens: Der Vals foüte in feiner SBeife beengt fein; unb eS ift eine gute ®ewob,ntjeit ber Eljinefen, bie 3äb,ne vor bem ©djlafengeb,en gu pufcen. Jbee uub sla^et, fpät SlbenbS genommen, wirfen fdjlafftörenb. ©udje aües Nadjgrübeln gu verbannen, wenn bu biefe, gur Nube begibft. ©tubiren bes SlbenbS foüte vermte- ben werben. Man fagt, baß, wenn ein ©ran Kamptjer in gorm einer $iüe unb gteidj barauf ein unb eine fealbe Unge Vopfenaufguß mit fünf Jropfen ©djmefetätber genommen Wirb, in bem erßen ©tabium (©tufe) bes SBatjnßnnS ©ctjlaf bervorbringt, wenn aüe anberen Mittel fetjtfdjtagen foüten. DtefeS Veilmittet X)at ßcb. bewährt. Das SBafdjen bes Kopfes mit Kampb.erfpiritus wirb oft bei ben nervöfeften Seutett ©djlaf ergeugen. Sit meiner langjätjrigen $raris als Strgt Ijabe idj nidjts gefunben, was ben ©djlaf mebr beförbert, als taltes Baben bes SlbenbS; unb nichts ift träftiger unb ßärfenber, als ein tatteS Bab gteidj nadj bem Siufftetjen, itadj weldjem ber Körper fogleidj mit einem groben Vanbtudje gerieben werben foüte. 3d) werbe je£t meine Bemerfungeit über ©ctjlaf mit ber £rgät>lung gweier fonber* barer gätie fdjließen, wovon id) ben einen in Suropa, ben anberett in ben Bereinig* ten ©taaten beobadjtet tjabe. Die folgenbeit Jtjatfadjen fönnen von tjervorragen* ben Slergten, fowie von anberen tjödjft adjtbaren ^erfoneit verbürgt werben, ©ie berühren ben gaü bes ©djläferS SorneliuS Broman, ber in einem ©aale ber Nationat=Sifabernte in ^fltw SJorf auSgefteüt würbe. Diefer Mann würbe in ©djotjarie Sountv, im ©taate New Sjorf, geboren. Er arbeitete bis gu feinem gwei unb breißigßen Satjre auf einer garm, in weldjem Sitter ttjtt bie fonberbare Kranftjeit beßet, unter weldjer er jejjt leibet. Broman beflagte ßdj guerß über Betäubung unb verblieb vier unb gwangig ©tunben lang in einem 3ußanbe ttjeilweifer Unempßnblidjfeit. Er würbe ärgtlidjer Beljattblung unter* worfen; aber balb nad)X)er fdjlief er ein, unb mit feljr wenigen unb furgen Unter* bredjungen tjat er feitbem immer gefdjlafen. Die fürgeße 3eitbauer, bie er wäljrenb biefeS 3uß«nbeS wadjenb gugebradjt X)at, iß gwangig Minuten, bte längfte brei ©tunben. Die tängße 3eü, bie er, oljne aufguwadjen, gefdjlafen tjat, iß adjtgetjn Monate; bte fürgeße gwöff SBodjett. SBenn er aufwadjt, fo verlangt er fofort ©peife, fdjlingt ße bjnunter unb fpridjt von ben Begebenheiten, welctje ßdj furg vor feinem unerffärlidjen ©iebenfdjtafe gugetragen Ijaben. SBentt man itjm fagt, baß er metjre Monate lang gefdjlafen, wenbet er ßcb, mit verbrießtidjer ©ebetbe weg, als wenn man itjn beteibigt tjatte. Er würbe einß burdj bie Nadjläfftgfeit eines SBärterS ßarf verbrannt, oljne baß er ©djmerg gu erfennen gab. Diefer Umftanb bewetß, baß er in einem voüßänbtgen 3«ßanbe ber Bewußtloßgfeit ßdj beßnbet, Er wirb Morgens unb SlbenbS mit Mitdj unb Brob gefpeiß, was baburdj gefdjietjt, baß man üjm ben Munb gewaltfam öffnet, was nidjt immer otjne ©djwierigfeit bewerffteüigt werben fann, unb benfelben mit Nahrung füüt, bie er atsbann feilt* unterfdjludt. Die Berarbeitung bes ©enoffenen bauert burdjfdjnittfidj gwölf Jage. Bor feinem franfbaftett 3ußanbe wog er etwa ein X)uttbert unb viergig 3>funb; je£t Wiegt er bereit neungig. ©ein 9>uls iß meißens tangfam unb \d)W(id); aber guwei- 156 ©unn'fi Vanfl-Slrgr. len, otjne ßdjtbate Urfadje, fcblägt berfelbe rafdj. ©eine Vaut füljlt ßdj taub, an; bie Körperwärme iß mcrflidj geringer, als bei anberen Menfdjen. SilleS Möglidjj iß getban worben, um üjn gu erweden, aber otjne ben geringßen Erfolg. Es ßnb itjm Blafenpflaßer aufgelegt worben; er würbe gur Slber gelaffen, er würbe gebrannt, man gab iljm fünf Jage tjintereinanber feine Natjrung, er würbe in faires SBaffer getaudjt, er würbe in fjeißem SBaffer gebrütjt, unb bennod) Ijat et fortwätjrenb feft gefdjlafen. SBenn er aufwadjt, fo fann man es feiner befonberen Urfadje gufdjreiben. ©ein Erfdjeinen iß bas eines blaffen Mannes mit langem Bart, ber fortwätjrenb fdjläft. ©ein Körper iß außerorbentlidj abgegetjrt; mit feinem ©eßdjt iß inbejj baffelbe nidjt ber gaü. ©ein Slttjmen iß nidjt X)örbar; audj bewegt er ßdj Weber in feinem ©djlaf, nodj ßötjnr, nodj feufgt er. Man tann üjn eigentlidj nidjt unter bie Sebenben redjnen; fein ©eiß fdjeint aber bermaßen mit ber irbifdjen Vütte »er- wadjfen gu fein, baß er ßdj nidjt von Üjr trennen tann. Die Slergte, bie itjn gur 3eit unferes BefudjeS umgaben, brüdten üjre Meinung batjin aus, baß ein ätjnli- djer gaü nodj nidjt vorgetommen fei. Slüein idj fagte üjnen, baß idj in ©outbamp« ton, in Snglanb, eine grau gefetjen tjatte, bie ein nnb gwangig 3aljre lang mit einer Unterbrechung von bloS brei Sßodjen gefdjlafen X)abt. Die öffentlidje Unterfudjung von Broman in New SJorf mag möglidjer SBeife feine ©enefung gur golge tjaben; aber, im gaüe er nidjt wteberfeergeßetlt werben foüte, fo wirb vieüeidjt eine forgfältige ©egirung (3erlegung) feines Körpers nad) feinem Jobe uns über baS ©etjeimniß beS ©djlafeS mandje Slufflärung verfdjaffen unb uns mit ber Natur unb ber Urfadje beffelben befannt madjen. Um bie unbegreiflidje Sfllmadjt unb SBetSljrit ©otteS gu erfennen, Iß es nidji gerabe erforberltd), uns nadj außerorbentlidjen Ereigniffen umgufdjauen; wir brau« djen bloS um uns gu bilden, ©ie gibt ßdj in bem geringßen feiner SBerfe beutlidj funb. Set) Wiü biefe, ttur auf eine ber vielen Slnorbnungen ©otteS aufmerffam madjen, bie, ofegleidj wir fte tägtidj beobadjten fönnen, nidjtsbeftoweniger auf unfere ungeteilte Bewunberung Slnfprudj madjt. Väußg fdjon tjat bidj bet ©djlaf geßärft unb erquidt; aüein bu tjaß bodj vieüeidjt nodj nie übet biefen wunberbarett 3ußanb Weber nadjgebadjt, nodj benfelben als einen außerorbent* lidjen Beweis ber ©üte ©otteS angefetjen. SBenit ber ©djlaf uns überwältigt unb burdj üjn aüe unangenehmen Smpßnbungen, aüe ©orgen verbannt werben, bann benfen wir gar nidjt baran, wie wunberbar ein foldjeS Sreigniß iß; »it ßnb ber Meinung, baß ber Körper für einen foldjen 3nßanb gemalt iß unb baß bie Neigung gum ©djlaf von natürlidjen Urfadjen tjerrütjrt. Slngetneffenet ift es vieüeidjt, ben ©djlaf von gwei verfdjiebenen ©eftdjtspuntten angufeb>. Einesteils fann nidjts am ©djlafe beobadjtet werben, was nidjt mit bet eigen* tX)ümlidjett Organifatiott beS menfdjlldjen Körpers in Berbinbung ßetjt; anbetet- fetts iß ber ©djlaf eine fo überrafdjenbe unb außerorbentltdje Etfdjeinung, bafj eine grünblidje Srforfdjung biefeS ©egenßanbes bie barauf verwanbte Mütje reidj- liefe, entfdjäbigt. Der ©djlaf fommt betnatje unmerflid); wenn wir ben Slugenblld gu wiffen »üb* fdjen, itt weldjem er [xd) einßeüt, fo wirb ein foldjeS Berlangett bem Sinfdjlüßn ijinberlid) fein, unb wir werben nidjt etjer fdjlafen fönnen, bis aüe foldje ©eban- fen »erfdjwunben ßnb. ©djlaf fommt oljne unfer Slnfudjen; je meljr wit unl © d) t a f. 157 beßreben, ibn gu erlangen, beßo fdjwlcriger iß eS tjauftg, ibn gu erreidjen. ©ott bat es fo eingericfetet, baß ber ©djlaf eine angenetjme Notb,wenbigfeit wirb, bte von unferer Bernunft unb unferem SBiüen gänjlidj unabhängig iß. DiefeS foüten wir berüdßdjtigen unb über ben wunberbaren 3ußa"*> nadjbenfen, in wetdjem wir uns wätjrenb bes ©djlafeS beßnben. SBir leben, otjne baß wir unferes DafeinS bewußt ftnb. Die gunftionen beS Körpers geben wie gewöbnudj vor ßcb,. Die ©eeientljätigfeit fctjeint auf eine 3eit fang unterbrochen gu fein, bte ©inne ßnb gleidjfam betäubt, bie MuSfetn ßnb in einem 3uftanbe ber Unttjätigfeit, unb aüe wiüfüriidje Bewegung tjört auf. ©enug, ber 3uftanb beS ©djlafeS iß äußerß wunberbar unb tjat Sfetjnlicfyteit mit bem beS JobeS. SBer fann ßd) ben ©djlaf vorßeüen, otjne gugteidj an ben Job gu benfen, ber frütjer ober fpäter unbemerft fidj an uns tjeranfdjletdjt unb unaufgeforbert, uneingelaben unb unerwartet ßcb, unferer bemächtigt? Den ©innen, beren SmpßnbungSvermögen im ©djlafe aufgehoben Iß, Wirb bie Jljätigfeit beim Verannaben bes JoteS ebenfaüs geraubt. Das Denfver* mögen iß gleldjfaüs umwölft; ©egenßänbe, bie uns umgeben, fetjen wir nidjt, unb Bergeßiidjfeit bemädjtigt ßdj unferer. SBir foüten Stjrfurdjt genug vor unferem ©djöpfer ijaben, um über biefe Ijodjwidjttge Srfdjeinung Betrachtungen angufteüen. SBenn wir unfer Vaupt auf unfer weidjeS Kiffen legen, foüten wir über bie ©eg* nungen beS ©djlafeS nadjbenfen; wir foüten mit Danfbarfeit gu Sbm einporbliden, ber über unferen ©djlummer wadjt, wenn wir von Slrbeit unb Mütje ausrufen, unb ber unfere frieblidje Betjaufung vor ©efatjr fdjüijt. SBenn Niemanb über uns wadjen würbe, wie vielen ®efab,ren würben wir nidjt wätjrenb ber Nadjt ausgefegt fein! Es iß peinlidj gu beobadjten, baß fo viele Seute ßctj bem ©djlafe mit fotdjer ©ebanfenloßgfeit tjingeben. 3n Begug auf unferen Körper ßnb bie Einfluffe beS ©djlafeS von außerorbenttidjer SBidjtigfeit. SBenn man bebenft, was wätjrenb ber untjetmlidjen ©tille ber Nadjt uns guftoßen fann, foüten wir uns niemals bem ©djlafe überlaffen, otjne über unferen 3wßanb nadjgubenfen unb otjne auf etwaige Sreigniffe wätjrenb beffelben vorbereitet gu fein. SBie banfbar foüten wir unferem ©djöpfer für bie Segnungen beS ©djlafeS fein! Nur biejenigen, bie von ©ram niebergebrüdt werben, bie in 3weifel unb Slngß fdjweben, bie, von Kranfljeit Ijeimgefudjt, ßdj im Bette Ijerumwälgen, eine Beute ber ©orgen unb nieberfdjlagenber ©ebanfen ßnb, fönnen ben SBertt) beS ©djlafeS fdjäjjen. ©oetlje fagt: SBer nie fein Brob mit Jbränen aß, SBer nie bte fummeröouen Näajte Sluf feinem Seite wetrtenb faß, Der fennt eua) nidjt, ibr bünmlifajen Wä$lt\ Der ©djlaf foüte wie ein ©dja£ angefeljen werben, ber nidjt vergeubet werben foüte; fdjtafe baljer nidjt metjr, als nöttjtg iß, um bie Kräfte bes Körpers wiebet tjergußeüen. gaulbeit unb Berweidjttdjung ßnb bte gotgen bes gu langen ©djlafens 2lnbererfeits foüte bie gur Nube erforberlidje 3eit nidjt burdj m\udjt, Sb,rgeig ober anbere Seibenfdjaften abgefürgt werben, ©udje burd) ©emütfeSnüje bem Körper ßärfenben ©djlaf gu verfdjaffen; fudje beinen ©ieicfe, mutb aufredjt gu erijalten inbem bu ©emütb,Saufregungen fern feältß; feanbte fo, baß bu niefet von ©ewiffens' biffen gefoltert werbeß; fei jebergeit barauf vorbereitet, vor ©ottes Ntdjterßufel 3U 158 ©unn's VauS-Slrgt. erfcbeinen; benn bu weißt nidjt, ob bu biefe Nadjt nidjt gu benen getjöreu werbefl, bie ftd) nieberlegen, um nictjt wieber aufgußeben. Dein ©ebanfe follte folgenbet fein : „SBenn meine ©eeie biefe Nacbt vor bem Nidjterßutjle beS Vödjßen erfdjeinen foü, vor bem nidjts verborgen iß, bin idj bann bereit, midj etngußeüett ? SBir fütjlen tägiidj unfere ©djwädjen unb getjler unb erfudjen bett Verrn biefelben gu vergeben unb gu vergeffen, um 3efu Eljrißi wiüen." Aalte S8 ä & e r. SBir ßnb feine Berfedjter ber SBafferfeeitfunbe, wenigßens nidjt in bem ©inne, wit biefer SluSbrud gemötjnlictj verßanben wirb ; nidjtsbeßoweniger Ijaben »ir ©eredjttgfettsgefüljl, unb wir woüen unferen Sefern etjrlidj unb unparteiifdj foldje Slusfttnft geben, welctje auf eine Berlängerung bes SebenS unb Bertjütung »on Kranfljeit fjingiett. Katte, warme, taue ober Jropfbäber, je nadjbem bie eine ober anbere Slrt ber Bäber ber Körperbefdjaffetujeit gufagt, foüten als rin Mittel, bie ©efunbbeit gu ertjatten, gerabe fo Ijäußg gebraudjt werben, als man bie Kleiber wedjfelt. Baben beförbert nidjt aüein bie ©efunbbeit, fonbertt es iß unumgänglidj nottjwenbig gur Neinlidjfeit. SBenn bie fatgigen unb anberen ©tofftbeitdjen, weldje bie Siusbünßung bes Körpers auf ber Oberßädje ber Vaut gurüdtäßt, nidjt burdj SBafdjen unb Baben entfernt werben, fo verftopfen ßdj bie $oren, reigen bie £aul unb verurfactjen Kranftjeiten. Dies iß ber ©runb, baß in bett fjeißen Sänbern SlßenS, tbeilweife audj Slfrifa's, fowie in ber europ? fdjen Jürfei, bas SBafdjen unb Baben als ein religiöfes ©efeij btohadjttt wirb. JäglictjeS Baben fann benjenigen, bie gefunb ßnb ober es werben woüen, nictjt bringenb genug empfotjlen werben. Man foüte ben gangen Seib tägiidj mit SBaffer wafdjen, um bie 5>oren (©djweiß(öct)er) gtt öffnen, unb ßd) nadjtjer mit einem rautjen Vanbtudje tüdjttg reiben. SBenn man nur ein ßtX)nkl ber Mülje, bie man auf baS Neiben unb ©triegeln ber $fetbe m* wenbet, bem Neinigen ber mettfdjlidjett Vaut, ber Nahrung unb bem SBedjfeln bet Kleiber fdjentett würbe, bann würben Srfättungen, Nervenfranfbriten, Magen» befctjwerben, fowie anbere Seiben, benen bas weiblidje ©efdjledjt unterworfen iß, toi« ©djwädje, Kranfbeitett ber ©ebärmutter, weißer gtuß, unregelmäßige monatlich Neinigung unb nervöfe Slnfäüe auftjören in ber Siße menfdjlidjen SlenbS gu pgu« riren. SBentt wir uns nidjt überaü baben fönnen, fo fönnen wir bodj an jebem Orte SBaffer unb ©eife betommen. Der Körper foüte fo fdjneü als mögltdj gewa* fdjen unb nadjtjer mit bem Vanbtudje gerieben werben, um ben Blutumlauf ut beförbertt. Daburdj wirb bem Körper eine angenehme SBärme gegeben, bie ein wonniges Oefütjt ergeugt. Du foüteft bidj aütnätjlig an ben ©ebraudj faltet S3äbet gewönnen. Babe bidj guerß in lauem ober warmem SBaffer ; verminbere allntatjlig beffett SBärme, bis bu bidj an talte Bäber gewötjnt tjaß. Bon gefunben ^erfonen fantt bas lauwarme Bab tägiidj mit Bortljeil unb ©idjerfeeit gebraudjt werten, wenn fte nidjt länger als funfgefe.it bis gwangig Minuten im SBaffer bleiben, wäbrenb es Kranfen Ijäußg guträglid) iß, länger unb öfter gu baben. 3m SBinter ifl namentlid) für biejenigen, bie nidjt fetjr fräftig ßnb, unb beren Körper feinen $ot)en ©rab von SBärme feeßfct, ein warmes ober laues Bab vorguglefyen. SSJenn Kalte Bäber. 159 man ein gewötjnlidjeS Bab ober ein ©ießfeab falt nimmt, fo foüte man ßtfe, fofort abreiben, in'S Bett legen unb fo lange liegen bleiben, bis Neaftion (©egeit* wirfung) eintritt. Das Baben wirb feter gu Sanbe gu fetjr vernacfetöfßgt. Entweber benft man über biefen wichtigen ©egenßanb gu wenig nacb,, ober es fefe.lt gute ©etegenbrit; aüeitt man fann fidj überaü bie ©elegenfeeit ba verfdjaffen, wo eine «Pumpe, ein 3iefe* brunnen ober eine Oueüe iß. gamiltenväter foüten barauf fetjen, baß baS Baben foviel als mögliefe, erleichtert werbe; ße foüten itjren Slngefe örigen ait'S Verg legen, wie nottjtvenbig bas Baben fei, wenn man ßcfe bie ©efunbbeit erijalten wiü. Daburd) wirb manefee Doftorrecfjnung gefpart unb mandjer langwierigen Kranftjeit wirb vor* gebeugt werben, grage Semanb, ber entweber mit bem Kopfe ober mit ben Vänbett arbeitet, unb ber ßcfe an Negen* ober ©turgbäber gewöfjnt bat, ob Irgenb etwas itjn veraniaffen fonnte, biefelben aufgugeben? SBenn er Morgens tn golge brüdenber Vifce abgefpannt iß, bantt wirb er burdj rin Bab geftärft werben, feine Kopf* ober Vanbarbeit wirb mefer wertb, fein, unb er würbe lieber eine feiner Mab, Igeiten, als bas Baben aufgeben. Nur ber, bem bas Baben gur ©ewotjntjrit geworben iß, fann ßdj eine Borfteüung von ber Sntbetjrung madjen, bie bann eintritt, wenn er es nictjt mefer genießen fann. SBer bie ©efunbfeeitSregetn grünblidj ßubirt fear, weiß, baß Neinlidjteit nädjß Suft unb Naferung bie größte Slufmerffamfeit verbient. Der SBärmegrab beS falten BabeS foüte gwifdjen fünf unb viergig unb fünf unb adjtgig ©rab gaferenfeeit fein. Bom mebiglnifcfeen ©tanbpunfte iß es fowofjl tonifdj (ßärfenb), ats ßimulirenb (erregenb), wenn man nidjt gu lange im SBaffer bleibt. SBenn es feinem %wtd entfpredjen foü, fo muß ber Babenbe, fobalb er aus bem SBaffer lommt, eine angenetjme SBärme über ben gangen Körper fütjlen. Vät man nad) metjrmaltgem Untertauchen ein ©efütjl beS größelnS, fo foüte baffelbe ttidjt Wieberfeott werben. Es iß ein giemlicfe aügemeln verbreiteter Srrttjum, baß im gaüe ber Srtjiljung es guträglidj fei, ben Körper gänglicfe abfüfelen gu taffen, efee man rin faltes Bab nimmt. Slüein, es iß eine feße Negel, baß mäßige Bewegung einem falten Babe vorfjergefeen follte. Die ßtit nad) einem 3ußanbe ber Nube ober einer tjeftigen Bewegung iß für's Baben im falten SBaffer nidjt geeignet. Kalte Bäber werben am beßett im Meere, einem flaren gluffe, ©ee ober Jeidj genommen ; X)at man aber bagu feine ©elegentjeü, fo tonnen bie Babewanne, baS ©djauerbab ober ein naffeS Vanbtudj mit Borttj'ell gebraudjt werben. ^>at man feine ©elegenfjeit, ßdj in einem gluffe ober ©ee gu baben, fo iß bie Morgengeit bie geeignetfte gum ©ebraudje eines falten BabeS. SBotjnt man inbeß in ber Nabe eines gluffes ober ©eeS, bantt iß es am feeßen, ßdj NadjmittagS ober eine ober gwei ©tunben vor Sonnenuntergang gu baben. Sine ©tunbe nadj Sin* netjmen eines teidjten grüljßüds, gwei ©tunbeit vor ober vier ©tunben nadj bem Mittagseffen fann im Slügemeinen als bie geelgnetße 3ett gum Baben angefetjen werben. Seibenbe fotttett, um ßdj auf faltes Babett vorgubereiten, guerß warme, bann taue Bäber netjmen. Nadjbem man mit warmen Bäbern angefangen tjat, foüte man viergefjn Jage lang einen um ben anberen Jag in faltes SBaffer bloS ßdj taudjen unb bann gteidj wieber tjerausfommen; nadjljer fantt man \id) aüe Jage, im eigent- fielen ©inne bes SBorteS, falt baben, ©efunbe fräftige Seute foüteu 3afe,r au* 160 ©unn's V«uS-Slrgt. 3afer ein wenigßens gwelmal wödjentlidj ein faltes Bab netjmen, unb wenn ße bir« tägiidj ttjun würben, fo würbe es üjnen nod) guträglidjer fein. SBenn man ßdj in'S Bab begibt, fo foüte man guerß ben Kopf entweber unter« taudjen, ober itjn mit SBaffer befprengen, ober etwa eine Minute lang ntit einein naffen Jucfee bebeden. Dann foüte man ßdj gang in'S Sßaffer ßürgen, ba bie erße Smpßnbung weniger unangenehm fein wirb, wenn man ben gangen Körper auf einmal untertaudjt, unb ba ber Sinbrud, ben taltes SBaffer madjt, gu gleidjer 3eit über ben Körper verbreitet werben foüte. Man foüte nidjt mit Sangfamfeit unb gurdjtfamfett, fonbern mit Sntfdjloffenferit in'S Bab geljen. SluS biefem ©runbe tjat baS ©cfeauerbab große Borttjeile, weil bas SBaffer fdjnefl über ben gangen Körper verbreitet wirb. 3m SBaffer foüte ber Babenbe nidjt unttjätig bleiben, fonbern [xd) über ben gangen Körper rafctj reiben unb feine Slrme unb Beine burdj ©djwimmen ober auf anbere Strt bewegen, weil baburdj ber Umlauf beS Blutes beförbert wirb. Unter aüen Umftänben iß es burdjaus nidjt ratljfam, fo lange im Babe gu bleiben, bis ber Körper gröfteln empßnbet. Sn ben großen ©täbten biefes SanbeS iß bas Baben beinafee aügemeiner ©ebraudj geworben. SBenige Väufer werben tjeutgutage oljne Babegimmer gebaut, von benen viele mit Slpparaten fowotjl für feeiße, als für talte Bäber verfetjen wetben. Sau« Warme Bäber ttjun wenig SBirfung; aüeitt fdjwädjlidje ^erfonen, weldje bie ntit einem ©htrgbabe verbunbene Srfdjütterung beS Körpers nidjt vertragen fönnen, Ion« nett ßdj fetjr wotjl foldjer Bäber mit Borttjeil bebienen. Diejenigen, weldje mit fotdjen bequemen Sinrtdjtungen gum Baben verfetjen ßnb, foüten ia eine foldje vortreffliche ©elegenfeeit nictjt unfeenujjt vorübergetjen taffen. Bei einem Slusßuge in'S £anb, ben idj fürgfidj unternahm, nafem es midj SBunber, baß fo wenige gamilien mit Babeapparaten verfetjen ßnb, unb baß fo wenige Seute im Sanbe biefem gefunbtjelW« förbernben Mittel fo wenig Slufmerffamfeit fdjenfen. Sn mandjen gäüen fonnte ein BabfeauS mit fetjr geringen Unfoßen errldjtet unb SBaffer in genügenber Menge oon einem benachbarten Badje ober Jetctje erlangt werben. Väußg fonnte man baS SBaffer fogar bis an bie Jljüre leiten. Die Sanbleute vergeffen niemals itjre ©djeunen, itjre Maisfrippen, itjre ©ommerfttdjen unb itjre Mildjljäufer; aüein an ein Babegimmer benfett ße feiten, obgleid) ein foldjeS für bte ©efunbtjeit unb Slnnetjmtidjteit itjrer gamilien burdjaus nottjwenbig iß. SBenn SBaffer nidjt in genügenber Quantität nadj bem Vaufe geferadjt werben fann, fo werben ein ©djwamm unb einige Eimer SBaffer gute Dienfte tfeun. 51ie' manb, bem ein SBafdjfeeden unb ein SBafferfrug gu ©ebote ßefet, iß gu entfdjuibigen, wenn er ßctj nidjt tägiidj über ben gangen Körper abfpült, ba er baburdj ein ange* nefemes ©efütjt tjerbetfütjrt unb guglrid) ßdj fräftigt. Diefe Strt beS Neinigen« ifl mit fetjr wenig Müfee uttb Koßen verbunben, unb, um ben Jeppid) ober gufjboben gegen Näffe gu fdjü^en, braudjt man nur rin ©tüd SBadjStudj unter bie güfje ju legen, wätjrenb man ftd) wäfdjt. Es iß nodj nidjt viele Safere tjer, baß wir gamilien im Sanbe gefannt tjaben, in benen man glaubte, baß es genug fei, ßdj einmal in ber SBodje gu baben; einige — wir fdjämen uns, es niebergufdjreiben — ttjaten es, namentlidj im SBinter, nod) feltener. Man glaubte, eS fei genügenb, ßdj Morgens unb NadjmittagS ©efidjt unb Vänbe gu wafdjen. SBaS id) fage iß traurig, aber wabr ; unb idj befürchte, baß bie Seute in biefer Begiefeung bei Üjren alten ©ewotjtüjeiten beharren. Aalt« Kalte Bäber. 161 Bäber tjaben in ben legten 3afe.ren fo außerorbetttficfe vortfeeiüjafte SBirfungen gegeigt, baß, unferer Sinßdjt nad), in nicfe,t gar ferner 3eü talte Bäber gu ben ttotfe* wenbigen Bebürfntffen aüer gamilien gefeören werben. Einwenbungen, bie gegen biefeS gefunbb,eitsförbernbe Mittel gemadjt werben, entfprtngen lebiglldj aus Siebe gur Bequemlidjfeit ober vieüeidjt aus gurdjt vor bem größein, weldjes man beim erßen Unterlaufen empßnbet; aüein ©ewoljnfeeit wirb bie Slbneigung vor bem Baben balb überwinben, unb ber gletßigße tann bie nötige 3elt gewinnen, wenn er Morgens etwas frütjer aufftefet. Die Empßnbung ber SBärme, wetcfee ftcfe über ben Körper verbreitet, ber rafcfee Umlauf beS Blutes, baS wonnige ©efüfel ber ©efunbbeit, wetcfees StüeS nacb, bem ©djauern empfunben wirb, belohnt uns reidjlidj für aüe ffeinen Unbequemlidjfeiten, bie bas Baben mit ßcb, bringt. Nadjbem man ßdj mit einem groben Vanbtudje tücfetig gerieben tjat, foüte man einen furgen rafdjen ©pagiergang in ber freien Suft madjtn, unb idj gebe mein SBort barauf, baß ber ©djwäcfetidjße einen vortrefflichen Slppetit gum grüfjßüden nadj Vaufe bringen wirb. Diejenigen meiner Sefer, bie lange leben nnb gefunb bleiben woüen, foüten unter aüen Umßänben meinen Nattjfdjlägen itt Begug auf faltes Baben folgen. Seber, ber nictjt vor ben Kopf gefcfelagen iß, muß felbß am feeßett wiffett, weldje Slrt bes BabenS bie guträgtidjße für Üjn iß; aber baben — auf bie eine ober anbere SSlrt — foüte Seber. SBenn man uns fragen würbe, auf welche SBeife bie ©efuitb* Ijeit ber Bevölferung biefeS SanbeS am meißen geförbert werben fonnte, fo würben wir fagen : Srßens: burd) Bäber; gweitenS: burdj Bäber; brittenS: burdj Bäber. SBie ßdj in jebem SBofenfeaufe eine Küdje beßnbet, fo foüten audj überaü Babegimmer fein; baS Eine iß fo nottjwenbig, wie baS Slnbere. Kalte Bäber ftnb äußerß gurräglidj. ©ie ßärfett bie Nerven, beförbern bett ©toffwedjfel unb fräftigen ben gangen Körper. Unter üjrem Einßuffe fönnen fowoljl bas ©efeirn, als bie Musfetn ben feödjßen ©rab ber Jljätigfeit entwideln, beren ße fäfelg ßnb. Man follte inbeß nidjt gu lange im falten SBaffer bleiben, ba fonß Entfräftung eintreten fatitt; wie lange man aber barin bleiben foü, läßt ftcfe, nidjt beßimmen, ba biefetbe $erfott gu verfdjiebenen 3eiten eines längeren ober fürgeren SlufenttjaltS im SBaffer bebarf. ©elbß wenn bie Oberßädje beS Körpers burd) äußere Einßüffe ertji^t fein foüte, fo fann man bennod) getroß ein faltes Bab netjmen, obgleid) bie Meinung, baß bieS nidjt guträgtldj fei, giemlldj verbreitet iß. Ss iß mit feiner ©efatjr verbunben, in ein faltes Bab gu geljen, wenn matt fdjwijjt. Jaufenbe von Patienten Ijaben bieS unter ber Slnleitung von $rießni{3 fett gwangig 3<ü)«tt geüjan, unb in feinem eingigen galle tjaben ßctj fdjäblidje gol* gen gegeigt, ©eit unbenftidjett 3eiten feaben bie Nuffen baffelbe gettjan, oljne baß es ©djaben gebradjt tjatte. Seute, bie in ber freien Suft arbeiten, werben in ben Negenmonaten beinatje tägiidj bis auf bie Vaut burcfenäßt, wätjrenb ße in ©djweiß gebabet ßnb. Dennodj fdjabet eS üjnen nictjt; im ©egenttjeii, fte ftnb gefünber, ats biejenigen, weldje mefer mit ©lüdsgütern gefegnet ßnb, als ße. Merfe bir baS ©efagte wotjl, benn SBatjrljelt iß mein ©treben. Die tjäußge Slnwenbung von faltem SBaffer in tjijjlgen Kranftjeiten, entweber burdj falte Bäber, ober burdj naffe Umfdjtäge, wenn ße ©tuttbett lang fortgefeijt werben, mäßigt bett §)ulsfd)lag ; wäljrenb ber gelegentliefee ©ebrauctj bes BabeS mit nadjfeeriger Bewe- gung in freier Suft, verbunben mit einfacher Nahrung, frütjem Slufßeb^en, Jrinfen 11 162 ©unn's VauS-Slrgt. von nidjts Slnberem als faltem SBaffer ben Körper unenblicfe mefer fräftigen nnb abfeärten wirb, als eS burdj irgenb etwas SlnbereS gefcfeefeen fann. Kaltes 53aben feat bie beiben Vauptmlttel ber alten mebiginifcfeen ©cfeule erfe^t, nämlidj: Gbjnin unb bie Sangette ober baS Saßeifen. 3dj glaube nidjt, baß fatte Bäber ein Vellmtttet für jebe Kranftjeit ßnb, obgleia) ße äußerß wofeltfeätlg wirfen unb rrojjbem feiergulanbe gn wenig angewenbet uni gefdjäfct werben. Der tjauptfädjlicfeße SBertfe beS BabenS im talten SBaffer liegt bartn, baß eS ein vortrefflldjeS Mittet iß, Kranftjeit gu verfeinbern. Sßenn man in ber Kinbfeeit bamit anfängt, fo fann beinatje jebeS Kinb ßdj an feinen ©ebraud) gewöfenen, unb bie Konßüuttott fann bermaßen gefräftigt werben, baß atmofpfeä« rifefee Sinßüffe ober SBedjfel ber SBitterung faß gar feine SBirfung üben. SBenn man bas Baben im fpäteren Stlter anfängt, etje Kranfbetten itjre verb> renben SBirfuttgen geäußert unb bte Konßitutlott untergraben feaben, fo fann man ßdj fo afetjärten, baß plö^ltdje SBitterungSwedjfet ifer wenig ober gar feinen ©djabtn verurfadjen. Sdj fetje faltes Baben, wenn man frütj genug bamit anfängt unb geeigneten ©ebraudj bavon madjt, als bas beße ©djufjmtttet gegen bie verfdjiebenen Kranttjeiteit att. Matt behauptet von bett Ureinwofenern biefes SanbeS, bafj fte bie neugeborenen Kinber in fatres SBaffer taudjten, unb biefer ©eferaucfe iß burdjaus nidjt gänglidj gu verwerfen. Niemanb fann in biefem Klima ßd) bem SBitterung«- wedjfel entgietjen; aüeitt ber äußerlld)e ©ebraudj falten SBafferS bietet ba« befte ©dju^mittet bagegen. Slts Veilmittet lit gewiffen Kranttjeiten, wie S3lattern, ©djarladjßefeer, Maferit unb anberen Strien bes StusfcfetageS iß baffelbe von unfdja|)< barem Sßerttj. Sn aüeit biefen Kranffeettsformeit fann man bie Vaut von Slnfang bis gu Enbe beS SeibenS mit faltem SBaffer wafdjen. Daburdj wirb bie Vaut meid), bie im Körper beßnbtidje ©djärfe bringt teidjter burdj bie tyoxtn, unb bas Riebet tritt aisbann weniger fjeftig auf. Bei Blattern feat ftd) bas Baben im falten Ztu waffer als fetjr fjeilfam erwiefen. Dr. Eberte fpridjt ßdj In feiner „mebijinifttjen gratis" über bas ©djarladjßeber wie folgt aus: „Die Slnwenbung falten 2öafet< auf ber Oberflädje beS Körpers fann bei biefer Kranftjeit nidjt bringenb genug empfotjten werben." Er fütjrt ferner folgenbe ©teüe aus bem SBerfe von S3ateman an: „SBie idj aus Erfahrung weiß, gibt es fein Mittel, burdj weldjes bie aninta« llfdje SebenSttjättgfeit bei ©djarladjßeber unb überfeaupt bei aüeit Kranftjeiten, W wtidjtn große Vi£e tjervortritt, mit mefer ©idjerfeeit unb ©djneüigfelt IjergefMi werben fann, als burdj bas SBafdjen ber Vaut mit taltem SBaffer. DiefeS SRittel »ereinigt aüeS gur Veitung bes ©cfearfadjßefeerS Erforbertidje, obgleldj man bie* faum erwarten foüte. Es vertreibt nämlidj nidjt aüein bas gieber, inbem eS füfelenb wirft, fonbern es iß bas eingige fdjweißtreibenbe Mittel, nnb als foldjeS wirb ti p4 bei ber Slnwenbung bewäferen." Sdj feafee bei ber gettanntett Kraitffeett feäußg eine Befferung wahrgenommen, wenn bie Vaut beS Seibenben mit faltem SBaffer gewafdjen würbe, uub idj bin bat« gu ber Uebergeugung gefommen, baß irgenb ein gieber burdj geeignete Slnwenbunj falten SBafferS gefeeilt werben fönite. 3dj fpredje aus Erfaferung; benn M* Kenntniß feat SBertfe, bie ßdj nidjt auf Jfeatfadjen grünbet. Der gefunbe Nw fdjenverßanb regiert bie SBelt, unb oon Üjm tjängt es ah, ob bie Slnwenbung fatte« 'SBafferS Erfolg feat ober nictjt. SBentt man gu lange im falten SBaffer bleibt, otet wenn ber ©rab ber Sebensfraft gering iß, fo fann es eine fdjäblidje EinwltM äßarme Bäber. 163 nuf bas ®efäß-©vßem b>feen, ber eine metjr ober weniger gefährliche unb X)artnadige Neaftion (©egenwirfung) folgt. SBenn aber bie Konftitution giemlicfe fräftig iß, ofene reigbar gu fein, fo werben falte Bäber, mäßig angewenbet, ben Körper jeben* falls fräftigen unb ßcfe als ein vortrefflicfeeS Vrilmittel bewäbren. Es iß ratfefam, burcfe Slnwenbung fütjtenber Mittel bie gewöfenlidje Körperwärme IjergußeÜen. SBenn im gieber bie Vaut erfeiüt iß, fo wirb bas SBafcfeen berfelben mit einem ©cfewamme, ber in faltes SBaffer getauft iß, tjödjft erfrifctjenb unb b,eilfam fein; bas Jrinfen von faltem SBaffer wirb faß immer in fotdjen gäüen außerorbentlid) wotjltijätig wirfen. 3 bem er ben gangen Jag über geritten tjatte, wie es feine ©ewofenljeU war, SlbenbS ein warmes Bab gu netjmen unb bann ftcfe gur Nutje gu begeben. 3n nervöfen, mit ©djwädje verbunbenen, Slnfäüen, bei Jrodenfeett ber Vaut uub Neigung gum gieber, anbalrenber ©djtaßoßgfeit, übergroßer Mattigleit unb bei Kinberfranfljeiten, bie mit Krämpfen verbunben ßnb, tjabe idj warme Bäber immer mit Erfolg angewanbt. SBenn ber Umlauf bes Blutes unregelmäßig iß. wenn 3emanb ßdj leine Bewegung madjen fann unb an Kälte ber Vänbe unb güße leibet, bann ftnb warme Bäber eine SBofetttjat. 3n mandjen Strien bes BlutanbrangS unb ber Unverbaulicfefeit fann ein warmes Bab als eitt vorgügtidjeS Vrilmittel angewenbet werben, gür Boüblütige inbeß, für Seute, bie Neigung gu Biutßürgen ober Blutungen irgenb einer Slrt X)aben, ober bei riner tjl&tgen Kranftjeit, mit ber Sntjünbung ber inneren Organe, namentlidj bes VergenS, ber Sungen ober ber Eingeweibe verbunben iß, ßnb warme Bäber gang entfdjieben fdjäbtldj. Bei Verg* leiben iß Baben jeber Slrt mit ©efatjr verbunben. SBarmeS Baben beförbert Slppetit, Berbauung unb ©djlaf, übt eine etettrifdje SBirfung auf ben Körper, unb, wenn man mäßigen ©ebraudj bavon madjt, fräftigt es. SBerben aber warme Bäber im Uebermaße angewanbt, fo wirfen ße erfdjtaffenb, Verminbern bie ©pann- fraft ber Slbern, wetdjer ledere Umßanb bie Bilbung von gett nadj ßdj gietjt. Bet Neigung gur SBafferfudjt foüten warme Bäber nidjt gebraudjt werben. 164 ©unn'S VauS-Slrgt. Sin warmes Bab feat in feunberten unb taufenben von gäüen Kranfljeit aBge. wanbt unb gefeeilt; wätjrenb fdjmerglidje Srfaferung geleljrt feat, baß Kranftjeiten in Ermangelung eines warmen BabeS feäußg ftd) einftellten. Daß ein foldje« bie ©efunbbeit förbert, baß es Bewegung unb Slrgnel am beßett erfe£t, wenn man erßere entbebren muß unb von ber leereren fdjon gu viel gefcfeludt bat, fann gar nidjt abgeßritten werben. Daß es ben Umlauf beS Blutes unb ben ber «Safte regelt, bie Vaut gefcfemeibig madjt, fowofel bie ©djmu^fruße, als audj bie öligen Jfeeilcfeen, bie ßdj infolge ber Slusbünßung auf ber Vaut angefammett tjaben, ent- fernt : baburdj bie Stbfonberung förbert, tann gar nidjt abgeßritten werben, ßj iji bafeer ratfefam, mäßigen ©ebraudj von warmen Bäbern gu madjen. SBer feine ©efunbtjeit aufredjt erijalten wiü, foüte jebe SBodje, ober minbefleni aüe viergetjn Jage, rin warmes Bab netjmen. SBer baran gweifelr, verfudje ed gu ttjun, unb, außer erfeöfetem SBofelbeßnben, wirb baS Bewußtfein, baß ber jtörpet ßcfe, in einem 3nßanbe ber Neinlidjfeit unb ©efunbtjeit beßnbet, ein fo anaenefemer ©ebanfe fein, baß man ßdj ofene Baben elenb füljlen würbe. Sin gefunbes 3nbi< vibuum tjat fowofel wätjrenb eines BabeS in warmem SBaffer, als nadj bemfelben eine tjödjß angenefeme Empßnbung. Dem ©efüljl ber SBärme, bie ßdj über ben Körper verbreitet, ber ©emüttjSrufee wätjrenb bes BabenS, verbunben mit freiet Bewegung ber ©lieber, lommt nidjts gleicfe. Es ift benjenigen, weldje ßdj reget» mäßig baben, genügenb befannt, baß nadj bem Baben bie ©lieber gelenfiger ftnb, baß man mit mefer .Seidjtigfeit attjmet, baß ©eift unb Körper ßdj getjoben füllen. Der Berßanb iß feeüer, unb aüe Kräfte beßnben ßdj in erljöfeter SebenStbjatigfeit; bas ©ebäctjtniß iß fdjärfer, unb ©ebanfen werben mit größerer Seidjtigfeit gefdjaffen, als fonß. gerner foüte bie Veilfraft beS warmenBabeS im KranftjeitSgußanbe, natnent« lidj in fdjivierigen gäüen, nidjt außer Sidjt gelaffen werben. SBärme Bäber »erben Seuten beiberlei ©efcfeledjts, bereit ©efunbtjeit gefcfewädjt iß — grauen »iefleidjt nodj mefer, als Männern — namentlidj bei Unverbaulidjfeit unb Nervenfdjwaay, von Nuijen fein. Das Baben linbert jeglidjen ©djmerg, wenn feine Entgünbunj eingetreten iß; bodj audj in teurerem gaüe, wie in aüen anberen, tritt, bis gu einem gewiffen ©rabe, Stnberung ein. 3« gäüen von nervöfer Neigbarfeit wirft eJ ftiüenb; es beförbert StuSbünftung im Slügemeinen, wirtt befdjleunigenb unb ben« nodj beruljigenb auf ben Umtauf beS Blutes unb ber ©äfte, inbem Jpinberniffe in ben äußeren ©efäßen befeitigt werben. SBärme Bäber wirfen ebenfalls woblifjöiij) auf bie Nieren unb Varnwerfgeuge; ße verteitjeit ben Stngeweiben, bem fingen unb ber Seber ertjötjte SebenSttjätigfeit, unb baburdj beförbern ße bieBerbauungjpe fcfewäcfeen nictjt ben Organismus, wie von vielen Seuten geglaubt wirb, fonbenvim ©egenttjeit ftärfen ße üjn. Die Befürdjtung, baß ein warmes Bab gefätjrlidj fei, weil nadjfeer Srfältung erfolge, iß unbegrünbet; idj verfidjere bir, baß eö tiefe bagegen fdjütjt. Srfältung tritt blos bann ein, wenn bas Bab erfdjöpft, wenn ei gu tjeiß genommen wirb, wenn ber Babenbe gu lange barin bleibt ober ßdj unmittel* bar nadj bemfelben bem 3»ge ober ber talten unb feudjten Suft ausfejjt, etje er pi abgetrodnet unb angefleibet feat. SBenn ber ©eiß ßdj itt einem 3ußanke *" Unrufee unb Naßtoßgfeit beßnbet, bei Milgfudjt unb überhaupt bet geißiget lieber» gefdjlagentjeit unb törperlidjer Slbgefpannttjeit fann ein warmes Bab großen 9lu^n bringen, ba es auf ben Organismus beruljigenb wirft, ba es guten ©ctjlaf Jw golge X)at, Srregbarfeit bämpft, einen tjeftigen «Puls regulirt unb ein aufgeregt SBärme Bäber. 165 ©emütb, befdjwidjttgt. Es iß unfere flHftt, ntts gu baben, ^ ^»f ^^ biger ©efunbtjeit uns nidjt erfreuen fönnen. Sn Begug auf Stnneb.müdjfeit nnb Erlangung von Neinlidjfeit fann nidjts mit einem Babe verglichen werben uttb S iß lädjetlid), b e S w e g e u nidjt gu baben, weit man ßdj vor bem erßen Babe fdjeut; ja es ift unvergeüjtidj, wenn man aus Naefeläfftgteit ober gauibeit, ober weil eS Müfee unb Untoßen verurfacfe,t, baS Baben verabfäumt. Die Jemperatur beS warmen BabeS foüte adjt unb neuttgig ©rab gab.renfeett fein. SBenn es bloS gur ©tärfung unb ber Neinigung fealfeer genommen wttb, fo wirb ber genannte SBärmegrab fefer angenehm unb bem ßwed entfpredjenb fein. SBenn man inbeß an Srfältung leibet ober fonß unpäßticfe, iß, fo baß ©<$wl&ett wünfcfeenswerttj iß, fo werben feunbert ©rab gute SBirfung ttjun. Sänger als gefeit Minuten foüte man nidjt im SBaffer bleiben; bleibt man länger barin, fo ßeüt ßd) Erfdjöpfung ein, unb man fdjabet ber ©efunbljeit. Bei ben grangofeit ift es übticfe,, eine ©tunbe im warmen Babe gu bleiben; altein biefes wirft erfefylaffenb, unb meine Sanbsleute werben ßnben, baß ictj Nedjt tjabe. Die beße 3eit gum Baben iß vor einer Mafetgeit ober einige 3eit nadjtjer. gür Seibenbe iß es am beften, ftd) Morgens gu baben, weit ber Körper bann frifdj iß unb ein wenig Stnftrengung leiefeter ertragen fann, als gu anberen JageSgeiten; aüein bas Baben wirb fowotjl Morgens, als Mittags, als SlbenbS wofelttjuenb Wirten. Seute, bie ben Jag über befdjäftigt ftnb, foüten „bie gurdjt vor Srfältung nadj Sonnenuntergang" nidjt als ©runb ber Berfäumnlß bes BabenS anfüljren. Die 2lnßcfet Bieter, baß man nadj einem warmen Babe ftcfe teiefet erfälten fönne, ift vöüig grunbfos; im ©egen- tfeeit, ßatt für Katarrtj, rfeeumatifefee Slnfäüe, mit einem SBorte, für Srfältung geneigt gu macfeen, vetfeütet fte biefetbe. Ein warmes Bab beförbert ben Umlauf ber ßüfßgen Jtjeile beS Körpers, verttjeilt baburdj SBärme über benfelben nnb bjätt in golge beffen Srfältung ab. SBenn Semanb ßdj gteidj ttadj bem Baben eine tücfe> tige Bewegung madjt, woburd) ber Erguß ber SBärme über ben Körper anljält, fo wirb er ßctj nad) bem Babe boppelt wofet fütjlen. Sin warmes Bab tann obne ©djaben in bem fälteßen SBetter genommen werben, wätjrenb nebeliges unb feudjteS SBetter weniger günßtg iß. 3m ©ommer iß bas Baben burdjaus nottjwenbig, ba bie Vaut unter aüen Umßänben rein gehalten werben muß. ©efcfeietjt bieS nictjt, fo fann bie Slusbünßung leidjt geßört werben. SBenit man ßdj babett Witt, um einer befonberen Kranftjeit entgegenguwirfen, unb man nidjt redjt bie Befdjaffentjeit berfelben wtix), fo iß eS beffer, einen Slrgt um dlatX) gn fragen; aüein id) bin nidjt bafür, bie Doftorgebüfjr unnötiger SBeife auSgugeben. ©uter Natb, eitteS SlrgteS fann tjäuftg nidjt tjodj genug angefdjlagen werben; aüein Sebermantt foüte fetfefl fo viel gefunben Menfdjenverßanb tjaben, um gu wiffen, warnt eS ttöüjig iß, gum Doftor gu geljen, ba man Ijäußg obne Üjn fertig werben fann. SBarmes Baben iß äußerß angenefem unb tjeilfam; aüein SlüeS gu feiner 3eit. Sdj X)abt oben bemerft, baß wegen Neinlidjfeit unb Slnnetjmlidjfeit ein warmes Bab einmal aüe SBodje ober minbeßens einmal aüe viergefeit Jage genommen werben foüte; aüein es mögen Umßänbe eintreten, bie ein Bab.tägtidj ober gwei- ober breimat bie SBodje nöttjtg madjen. Slüein, irgenb eine ©adje, bie im Uebermaß getrieben wirb, fann nad)« tfeeilige golgen feafeen. ©o iß es mit bem ©ebraua) warmer Bäber. SBenit biefe gu $äußg angewanbt werben, fo wirfen ße verweia^lictjenb unb fdjwäeätjenb. 3d) füge nur nodj fe/ngu, baß bas watme Bab ein vortrefßidjes Mittel iß, bie ©efunb« 166 ©unn'S VauS*Slrgt. feett wieber feergußeüen unb gu erfeatten. Es bringt feiten Semanb ©cfeaben, nü&l aber vielfältig; nicfets förbert mefer bie Neinlidjfeit unb ©efunbljeit unb trregi größere ©efüfete bes SBoblbefeagens. Scfe fann bie Slbfeanblung über biefen widjtigen ©egenßanb ofene bie Bewertung nidjt fdjließen, baß, wenn wir bem Baben, ber Naljrung, Bewegung unb einfachen Heilmitteln mefer Slufmerffamfeit fdjenfen würben, ber Slrgt faß gänglidj entbehrt unb ein feofees Stlter erreidjt werben tonnte. Das warme Bab iß eins ber beßen Veil* unb ©tärfungSmittet. SBer entweber in einer Kranttjeit ober im 3ußanbe ber Erfdjöpfung ein Bab von tjunbert ©rab gaferentjeit — biefer ©rab ift ber ber Blutfeiije — genommen feat, wirb mir belftim« men. Unter fotdjen Berfeältniffett tritt feine 3roedmäßtgfeit am meißen X)tmt. ©elt unbenflidjen 3eüen tjat matt warme VeÜqueüen als ein Mittel von unfdjaj). barem SBertfee angefefeen, um Nervenleibeit, fowie foldje Kranffeettett gu befettigen, bie vott Blutmangel unb Ueberanßrengung bes ©ebirns feerrütjren, wie Sflagen« fdjmädje. Ebenfo feaben fte auf Snbivibuen, beren ©efunbtjeit in golge von 2luf« regung, fcljtedjten ©ewotjnfeeitett unb burdj ben Slufenttjatt in Reißen ©egenben gefefewäcfet worben iß, fetjr günßig eingewirft. Die SBirfungen bes Ijeißen 53abe« faüen in bie Stugen: ber Berluß ber SBärme auf ber Oberßädje beS Körpers wirb burd) ße verminbert; bie Vautgefäße werben geftärtt, ofene baß gu Viele SluSbünftung feervorgeferadjt wirb; ferner wirb eine — wennfefeon fetjr geringe — Menge Haren SBafferS bem Blute gugefütjtt, fobann wirtt es beruljigenb auf bie Nerven unb beförbert Berridjtungen beS Körpers, bie entweber gefeemmt, ober geßört worben ftnb. SBarmeS SBaffer wirft auf ben Körper eleftrifcfe; vermeferte Kraft gibt fid) jur 3eit beS BabenS funb; unb, ba biefe Slrt bes BabenS bie Eßluft, Bertauuna, Einverleibung ber Naferungsmittet unb guten ©ctjlaf förbert, trägt fte gur Kraft!« gung bei. Milgfüefetige, beren nadte ©lieber von warmem wofeltfjätig wirfenbem SBaffer umfpült werben, fdjöpfen neue Voffnungen; in golge bes BabenS werben ße frotjen VergenS, unb fte effen bann mit einem Slppetit, ben ße vorfeer nidjt gefannt fjatten. 3" tyänßg foüte man inbeß tjriße Bäber nidjt netjmen, fonß verlieren pe itjre feeitfräftigen Sigenfdjaften. SBenit gefunbe ^erfonen ber Stnnefemlidjfeit tjalbet ße gu feäußg anwenben, fo fann eine Slnfeäufung von gu vielem gett bie golge bavon fein. Slus bemfelben ©runbe ßnb ße meißens für biejenigen fdjäblicfe, bie gu 3Baß ferfucfet geneigt ßnb. Unter aüeit Vimmetsftridjen ßnb bie warmen Quellen ctufjerP feeilfam in Vaut* unb Nerventranftjeiten, fowie bei ©lieberreißen unb ©frofeln. SBärme Bäber erweifen fidj in atten Nervenleibeit, mit benen ©djwäcfee verbunben iß, ats nüfcltdj; ferner bei Jrodenfeeit ber Vaut, bei Neigung gur giebertjaftigH bet geißiger Unrufee, ungeregeltem Umlauf bes Blutes unb ber ©äfte, wenn niunlidj Semanb ßdj feine Bewegung madjen fann unb an Kälte ber Vänbe unb güfje leibet, fobann bei vielen Strien von Blutanbrang unb Magenfcfewädje. ©ie ftnb ebenfalls gwedmäßlg bei Kinberfranffeeitert, bie mit Krämpfen verbunben ftnb, überfeaupt bei Kranffeeiteit, bei benen ©djmergen, namentltdj frampffjafte 3ufäüe ßcfe einjteüen, gang befonbers aber bei Seiben djronifdjer (langwieriger) Slrt, bie lofalen (örtlichen) Urfacfeen entfpringen unb in ber Vaut ober inneren Organen itjren ©i|} i)^ Man foüte bas Bab ats ein Vrilmittel gebraudjen, unb wie unb wann biefes gefcb> $ett fann, wirb 3eber bei etwas Nadjbenfen fetbß feeßtmmen fönnen. lauwarm« ©aber ßnb eine große Stnnefe^mlidjtrit unb, gwedmäßig angewanbt, ftnb fit * SBärme Bäber. 167 Mittel ber Nelnlictjfeit unb ©efunbbeit. SBenn bu baS Stntteljmett von Meblgln, fo viel als möglidj, vermeibeß unb babei frütj aufßefjß, bir Bewegung madjß, ben Körper reinliefe feältß unb ben Magen nidjt überlabeß: bann wirß bu bidj ob,ne Vülfe beS Slrgtes guter ©efunbtjeit erfreuen. Unter aüeit Vimmetsßridjett bebient man ßdj ber warmen Ouettett gur Veifniig von Vautfranftjetten, von Nerven- unb rfeeumatifdjen Seiben, fowie förperltdjer ©djmergen im Slügemeinen. Dr. 3ameS Sofe^nfoit fpridjt ßdj über bie Bäber von «Pfeffers wie folgt aus: „SluSfäfcige werben feier furirt, bie Saljmett werfen itjre Krüden in'S geuer, gefctjwoüeiter ober böfer Vats, fowie ©frofeln werben gebeilt, unb biejenigen, weltfee an ©lieberreißen unb Nervenfdjwädje litten, erfreuen ßctj erqutdenben ©djlafeS. Die Seibenben liegen feier Ijäußg feefes, adjt, gefett unb felbß fedjSgefen ©tunben ben Jag im Babe." Nadj einem beutfdjen Beridjterßatter bleiben Seute vom Sanbe in biefen Bäbern feäußg von ©amßag Slbenb bis Montag Morgen. Die Reißen Quellen von Strfanfas, vorausgefe^t, baß man bas gehörige Bertrauen gu Üjnen feat, würben übrigens bei ben Kranftjeiten, bie idj vortjltt erwätjnt X)aht, biefetbe Veilfraft feewätjrett, als bie warmen Ouetten in Deutfcfelanb nnb bie von Batfe in Englanb. Diefe Quetten entfealten, vom mebigittifdjen ©tanbpunfte, ©djwefet, welcher bei rtjeumattfdjem Seiben äußerß feeilfam iß. Die Sßirtfamfeit ber Veilquelten berufet auf ber Berbinbung von Vi£e unb gtüfßgfeit, unb bieS iß ber ©runb, baß ein genügenb fjeißes Bab fetjr Ijäußg bie Veitung außerorbentlid) befdjleunigt. Die feeißen Oueüett von Birginien ßnb efeenfatts wegen itjrer tjell* fräftigen Sigenfdjaften berüfemt. Bei Sntgünbung innerer Organe inbeß, wie ber Sungen, bes VergenS unb ber Singeweibe, foüten feeiße Bäber nictjt gebraudjt wer* ben, ba in fotdjen gäüen Nißfo (Sßagniß) bamit verbunben iß. Das Baben in feeißem SBaffer bringt, je nadj bem Beßnben beS Körpers, gu verfdjiebenen 3eüen verfdjiebene SBirfungen Ijervor. £ux Veilung vott gieber uub Sntgünbung fommt, fo weit meine Srfaferung reidjt, nidjts ber SBirfung von faltem SBaffer gteidj, unb es iß feinem 3wetfet unterworfen, baß in Berbinbnng mit Jtjee unb Diät, es mandje Kranttjeiten feebett würbe, bie man fonß burdj Mebigin gu furireit fudjt. SBaS idj oben vom warmen Babe bemerft feabe, baß nämlidj bie SBirfung je nad) bem Körpergußanbe verfdjieben iß, gilt audj vom falten. SBentt faltes Baben bei ver* mtnberter Sebensttjätigfett gu lange fortgefe^t wirb, fo wirtt es fdjwädjenb auf baS ©efäßfvßem; wenn aber ber Organismus giemüdj fräftig iß, otjne babei erregbar gu fein, fo vermehren falte Bäber, mäßig angewanbt, bie törperlidje ©tärfe; nidjt gu fpredjen von bem tjöefe,ß angenefemen ©efüfel, weldjes fttfe; einßeüt, fobalb bie ©egenwirfung angefangen tjat. ^lad) bem Babe foüte man ßdj mit einem groben Vanbtudje tüdjtig reiben, bann ßdj auf furge 3eit in'S Bett legen, worauf ber Körper feine gewötjnltdje SBärme wieber erlangen wirb. SBenn im 3ußanbe bes giebers bie Vaut Ijeiß iß, fo iß es fetjr erfrifdjenb unb tjeilfam mit einem, in faltes SBaffer getaudjten, ©djwamm, barüber fejngufatjrett. Das viele Jrinfen von faltem SBaffer iß faß immer, nametülidj aber in fotdjen gäüen, in X)oX)tm ©rabe guträglidj. 168 ©unn's Vau«»2lrgt. £a$ leiten« Es gibt feine gefünbere Seibesübung, als bas Neiten. Die Natur feat ben 2!cen< fefeen gefefeaffett, um ftcfe gu bewegen, wie ße bie Böget gemadjt feat, um gu ßiegen, unb es iß naturgemäß, bie Kräfte, mit beneit wir ausgerüßet ßnb, gu benujjen. Das ©efeeit Iß aüeit anbeten Strien ber Bewegung vorgugiefeen, nur nidjt bem Neiten; benn bei bem Sedieren werben aüe Musfeln in Slnfprud) genommen. 3n golge beffen rollt bas Blut fräftiger unb fdjnetter burdj unfere Slbern, unb wenn wir baffelbe nictjt gu ßarf erregen, wirb Bewegung uns nidjt anßrengen. Zu Neiten iß gefunb unb ßärfenb. ©efuub, weit es tjinreidjeitbe Bewegung vetfdjafft, uns über bie nädjße Umgebung bjnweg weit in'S Sanb verfejjt, wo wir frifdje Suft etnatfemen unb uns auf angettefeme SBeife gerßreuen. Magentelbenben, für bie bie 3eit foßbar iß, nnb bie außerbem gu fdjwadj ßnb, gwei ober brei Meilen gu geljen, iß bas Neiten fetjr gu empfehlen. Der Mitteüofe ober ©parfame wirb vielleicht bie bebeutenbe SluSgabe als Vinberniß anfütjren; aber man tann ja $ferbe mietfeen, ßatt ße gu faufen, obgleid) festere SluSgabe feäußg gu X)od) angefefelagen wirb. Man gibt nidjt gern fünf unb ßebengig ober feunbert Jfealer für ein 9>ferb aus, wätjrenb man einen gleidjen Betrag bei einer geftlidjfeit verfefewenbet, burdj unvorßcfetige« Erebitgeben verliert, ober ßcfe fonß überßüfßge SluSgaben madjt. Mandjet möge bebenfen, baß eS beffer für itjn gewefen wäre, ein $ferb gn faufen, als fein ©elb auf anbere SBeife ausgugeben. SBo es bte Umßänbe nidjt erlauben, gu reiten, unb baS ©efjen bas eingige Mittel ber Bewegung iß, ba, mein greunb, bitte idj bidj, ßede nidjt ben gangen lag im Vaufe, fonbern madje tägiidj einen ©pagiergang von wenigßens gwei ober brei SDW« lett, gleichviel, ob bu uttpäßlid) ober gefuttb biß. 8Son ben kvanflmtat $c§ menf<$lt<$cit «©ie In ©unn'S „New Doraeßic «Pfevßrtgn" entfealtenen Slbtjanblungen «bei Kranftjeitsformen ftnb in biefer beutfdjen Bearbeitung, wie nadjßetjenb, fvftematifaj georbnet worben. Nur bie gu ben verfdjiebenen Slbfdjnltten gefeörenben £aiiptab« tfeellungen feaben feier eine ©teile gefunben ; bie Unterabteilungen ßnbet ber üefet in bem aügemeinen Snfealtsvergeidjnlffe am ©djluffe biefeS SBerfes. Äranffjcitcn ber einzelnen Organe. Stlte Kranfbeiten ber Srnä'brungSWerfgeug. e (beS Magens unb Darmfanals)...............173 Kranfbeiten ber Seber unb ©atlenwege.........217 Kranfbeiten ber Mi(j.............................225 Kranftjeiten ber SlttjmungSWerrgeuge............226 Kranftjeiten ber öarnw-fieuge.................256 Ärartffeeiten ber Vaut.............................263 kranftjeiten ber Bewegungsorgane.............270 SBafferfuajt.........................................280 Kranftjeiten ber ©imteSWerfjeuge..............287 Kranfbeiten beS Kopfes...........................289 N c r b c tt f r n n f Ij c i i c tt. Nervenletben.......................................307 Neuralgie...........................................321 Vüftweb........-....................................327 Neröenfcfewäcfee....................................328 ©ajwinbel..........................................329 Dbmnadu..........................................330 QJaralvfe............................................331 NervöfeS Vcrgflopfen..............................333 2lßbma.............................................334 53eitStang..........................................338 (Spiiepfie.............................................310 Satalepße...........................................343 ©tarrframpf.......................................345 Vrin-rie.............................................346 SDWanajolie unb £vpodjonbrie.................348 9llfgcntctnc (*rfranfungen unb tanfljcttctt mit Blutbcrbcrbniß. gieber...............................................351 SluSfdjlagSfranfbeiten.............................393 Sbolera.............................................404 ©corbut.............................................419 Krebs..............................................420 ©fropfeeln ober KöntgSübel......................425 ©9pbüiS............................................428 SKaraSmuS.........................................441 Settfucfet.............................................441 170 3nfe>lt bes mebiginifetjen fettes. 171 f Uxttx %\itoMtt. ©intoirfungcn fdjttbltdjer ©toffe uub Vergiftungen. (Seite ginflufj beS £atmtf$..............................447 (jerjHopfett burdj £tjre, Kaffee unb Xaiad »eraulafjt.....................................451 Delirium tremens (©äuferwatjnfimt.— 211- fobofoergiftung)..............................452 Seit« gjctldjfranfbett...................................454 mihM............................................456 ©ifteiäje............................................458 ©ajlangenbiß......................................459 £unbswutb.........................................46Ü # r a u c it t x n tt f lj c i t c tt. ungemeine 33emerfungen........................464 ©eburtsbülfe.......................................467 Slntweifungen für Hebammen....................471 Symptome ober 3etcbett ber ©ajwangerfajaft.480 6rbreajen wäbrenb ber ©ajwangerfüjaft.......484 Die monatliaje Steinigung ober 9Jcenftrua* tion............................................484 geblgeburt..........................................491 SWenftruale Stutungen...........................495 SSorfaü ber (Gebärmutter.........................500 Sntjünbung ber (Gebärmutter...................503 Sfympbomanie.....................................505 SJfilajgefäjWuIft....................................506 Der wunbe9j?unb ber ©tiflenben..............507 SBunbe 33rüfte.....................................508 gntjünbete SSrüfte.................................509 SWilüjfieber..........................................509 Puerperalfieber. — Ktnbbettßeber...............510 griefelßeber.........................................512 Der Weijje glufj....................................513 23on bem Sinfluffe beS ©emüt&S Wä&renb ber ©efewangerfdjaft.............................520 Sin Kapitel für Mütter...........................525 Die@attin.........................................533 tnberfranfljcttcn. Die Diät unb bas ©äugen ber Kinber........537 Kleibung ber Kinber..............................545 Steinliajfeit.........................................549 Steine Suft..........................................551 Der ©ajlaf ber Kinber...........................555 Srjietjung unb 33ef)anblung ber Kinber........558 ©eiftige ginflüffe..................................562 Kurje Slbbanblungen..............................566 3«bnen.............................................573 Da« <£nttoötjuen ber Kinber....................575 X>te Sräune......................................%-jq Konvulßonen ober Krämpfe.....................579 Keuajbußen. — ©tidbuften......................580 SBürmer............................................582 2JcumpS. — 3iegenpeter. — Keblfuajt.........585 ©äjarlaajfteber.....................................586 DteSmpfung......................................590 Käfern.............................................593 Das remttttrenbe gieber^ ber Kinber............595 Sin bie SUern......................................598 SWgemeine S3emerfungen......................601 172 Snfe.alt bes mebigini fefeen IfeeileS. g'xtbtnitx gVte&ttitt G t) i r u r g i f dj c Sl tt lo c i f tt tt tt c tt. ©eite eelli SBunben unb SBcrle&ungen......................606 Stafenpohjp.........................................616 ©efdjwüre unb alte SBunben....................611 23ruaj...............................................61H Der 23ranb.........................................614 Kurge Slbtjanblungen..............................620 SSerßaucpungen....................................616 dritter Jpgrinutt. ÜUadjtritiilidjcS nnb JBerftfjicbencg. ßrflärung beS njterifcfeett Magnetismus.......625 ©alvanismus......................................633 ©efunbfeettSjußanb in ben ©täbten............637 DieSrußunb bie Sunge........................640 Ueber bie ©ajnürleiber ober engen lieber....642 Kaltes unb naffeS SBetter........................648 Die geeignete SBebanblung ber Süße............651 Das menfdfclt'dje £aar...........................653 Dnanie ober ©elbßbefledung....................657 Der Kropf..........................................660 ^Bewegung in ber freien 2uft u. f. w...........661 Dte3ät)ne..........................................665 Die ©ommerfranftjeit ber Kinber...............667 9!Jcebijinifajer ©ekauefe beS StifajfaljeS.........669 Kurge Slbbanblungen..............................67Ü ©ifte unb beren ©egenmütel....................680 @ * flt c t Wbf&nitt. KmttltMat rtw ritt&tefli #ww. $ranfl;etten i>er (grmtfcrunöStberfyenae (feeS SölagenS unb $>armf?anal$)» 9W(igenent3Ünbung. Ie 9Jcagenettt3Ünbung fommt nidjt fetjr oft als tin unabhängiges nnb primäres (urfpritnglicfe.es) Seiben vor, fonbern tritt meißens ats golge ober als S3egleitung anberer kranftjeiten auf. U r f a dj e it. — Sfeijenbe unb reijenbe Dinge, rveldje In ben SERagen aufgenommen werben. Die torroßven mineralifcfeen ©ifte unb verfcfeiebene fefearfe Pflanzengifte wirfen oft töbtlid), inbem ße Sntjünbung beS Wagens verurfaefeen. Der gervotjn» tjeitsmäßfge ©ebraudj alfofeotlfcfeer (geiftiger) ©etränfe bringt bisweilen bie Äranf* tjeit fjervor, unb In gälten, wo eine Slnlage baju eriftirt, felbß übermäßiges Sffen. Das Jrinfen großer Mengen falten SBafferS getjört gleidjfatls ju ben Urfadjen, Die kranftjeit entftefet leidjt im 33erlaufe gewiffer gieber, befonbers beS ©alten* ßebers unb bes gelben gieberS, unb bisweilen wätjrenb ber $ocfen unb ber -äftafern. ©pmptome. — 3n ferneren galten ift ein brennenber ©djmerj im SJcagen, beßänbige Uefeelfeit unb Gürbredjen unb ein großes Verlangen naefe falten ©etränfen. Der ©djmerg wirb burdj Drud auf bie SO^agengegenb unb tiefes Stttjemtjolett ver* metjrt. Der Patient fann feine warmen ©etränfe vertragen — er gibt fte fofort wieber von ßdj; felbß faltes Sßaffer, wenn er viel bavoit trinft, verurfadjt itjm balb Qual, inbem es ben Sftagen auSbetjnt. Die 3«nge iß entweber rottj an ber ©pijje unb an ben 9tänbern unb nur in ber SJUtte weiß belegt, ober ganj unb gar rotfe. Der Darmfanat iß immer verftopft, außer wenn er an ber ßntaünbung teil- nimmt. Der «Pufö iß fctjnell, Hein unb gefpannt. Das Slttjmett furj unb befdjteunigt j bie §aut feeiß unb troden unb ber Urin tjoeferottj. Der Patient liegt am Üebften auf bem SRüdtn mit in bie £ötje gezogenen 33riitett; er iß verßimmt, unrufeig, füfelt äußerß fdjwadj nnb trägt im ©eßctjte ben SluSbrud großer Qual unb S3eängßigung. Sßenn bie kranftjeit fortfdjreitet nnb ^id) verfdjlimmert, fo wirb bie 3nnge glatt, 173 ® 174 ©nnn's £ a u s» 31 r j t. rotfe uttb troden; bie §aut wirb füfel unb blaß; ber «Puls fdjnetler, fdjwad) unk fabenartig ; ber Körper magert zufebenbs ab\_ ©djwäcfee unb ttnrufee vermehren ftcfe unb Delirien treten rin. ©djludjjen, Srbredjen bunfelfarblger Waffen, (Srfältung ber ©lieber ober ein VoUßanbiges Sluffeören beS ©cfemerjes, ofene baß ßcfe fonß 23efferttng zeigt, fönnen als bie ©pmptome feerannafeenber Slußöfung gelten. S3ei ben mifberen gormett ber kranftjeit nefemen bie ©vmptome gleidjfatls einen milberen 33erlauf. Slnßatt beS feeftig brennenben ©djmerzeS ift bisweiten nur ein ©efüfel ungewötjnttdjer SBärme unb beS 3ufammenzieljens itt ber SDcagengeaenb, unb ßatt bes beftänbigen (SrbredjenS nur leicfete Uefeelfeit, unb fo fort. Die Dauer ber kranftjeit iß verfdjieben, von groet bis in fecfes SBocfecn, unb fie fann bann in bie djronifcfee gorm üfeergetjen. Rubere gälte weicfeen gewöljnliefe fcfenell ber geeigneten 53efeanblung ; bodj wenn ße vernadjläfßgt werben, fönnen fie ßcfe SBodjen lang tjinsietjen unb in einer fjartnädigen, cferonifcfeen kranftjeit enben. 33efeanbtung. — £ter iß ein gaü, in bem 33recfemittel burdjaus uujutäfflfj ßnb. Sfttes, was ben Magen reizen tann, feien es ©peifen, ©etränfe ober «Dcebiji» nen, muß vermieben werben. Der ©tufel muß geöffnet werben; unb ba es mißliefe, iß, ßarfe «Purganjen ut geben, gefefeiefet es am beßett burefe Älvßiere. Snbeffen ölige ©ubftanzen werben gewöfeniiefe. vertragen, unb matt fann es verfuetjen, Äaßoröt unb Ctivenöl ^u gleiten Sfeeilen gemlfcfet, mit etwas Magneßa, eßlöffelweife ^u geben. SBenn bie erfle Doßs vertragen wirb, fann man ße ftünbfidj wieberb, ölen, bis es wirft, ober bis fünf ober fecfes Dofen genommen ßnb. 3n. Das ©enfpßaßer muß von 3eit ^u 3eit wiebertjoit werben. S3effer als SBaffer ßnb tatte fctjteimige ©etränfe, z. 93. Söfungen von ©umnti Slrabicum, Stbfodjungen von Ulmenrlnbe (Slippery Elm) ober Sibifdj u. bergl., um ben Durß bes «Patienten zu ßiHen. Slucfe etwas Simonabe barf itjm erlaubt werben. Die djronifcfee gorm.— SBenn bie Äranftjeit djronifcfe wirb, fo geigtftc6 bieS burefe fdjtedjte 33erbauung, Magenfäure, 531ätjungen, ein ©efütjl beS Drude« unt ber ©djwere nacb, bem ßffen, Slufftoßen unb einen metjr ober weniger fctjwerj' Magenblutungeit. 175 rjaften unb empßnblicfe™ ßu^tano ber Magenwänbe. Die Magengegenb fdjeint gefpannt zu fein unb tann feinen Drud vertragen; ber ©djmerz ift gewötjnlidj auf eine beßimmte ©teile befdjränft unb iß von ßecfeenber Slrt. Der Slppetit iß ßarf beeinträchtigt, unb fe.äußg wirb Uebelfeit empfunben. Der Mb iß meißens fetjr verftopft; bocfe gelegentttefe. treten fcfe. leimige Durchfälle rin. ©eiftige ©etränfe unb alle anberen Reizmittel verurfaefeen, fobalb fte in ben Magen gelangen, eine feren- nenbe (Smpßnbung unb gewöb. nlicfe audj eine SFtöttje auf ber äußeren £aut, namentlich im ©efidjt. Die 3unge iß gewötjnlidj rein ober feat einen braunen «pelz in ber «Witte, wäbrenb bie anbern Itjeile glatt ßnb, ober fte iß feodjrotfj unb mit 33iäsefe.en befäet, bie iljr ein erbbeerartigeS Slusfeben geben. Die cferontfcfee Magenentzünbung gebt gewötjnlidj aus ber vorfeerfeefprodjenen acuten gorm ber ßranfbeft feervor; bocfe bisweilen iß ße aucfe oon Slnfang an cferonifcfe unb entßefet feäußg atlmätjlig burefe ben Mißbraucfj geiftiger ©etränfe unb anberer Reizmittel. S3etj anblung. — 33ei ber S3efeanbtung biefer gorm ber kranfljeit fommt beinafje SllleS auf bie geeignete Diät an. «Kur bie leidjteße unb am wenigßeit reijenbe $oß barf genoffen werben. SBenn eine Slnnätjerung an bie acute gorm ßattzußnben fdjeint unb ßcfe ßefeerfeafte ©vmptome zeigen, muffen fdjtrimige ©adjen, wie £apioca, ©ago, Slrrowroot, ©ummi Slrabicum, Ulmrinbe, Jpafergrü^e nnb bergleicfeen genoffen werben. SBenn fein gieber unb feine auffatlenbe ©d)wäd)e vortjanben iß, barf eine etwas naferfeaftere Diät ertaubt werben; gefodjter Reis, altes 33rob, 3wiebad, Maisbrei unb Milcfe, ©ritten jc. Mild) feat einen vorzüglidj günßigen Sinßuß auf ben tränten Magen unb metjre gälle ßnb allein baburdj furirt worben, baß ber «Patient längere ßext ausfdjließlicfe von Milcfe unb 33rob lebte. Die ßutl)at von etwas Äalfwaffer maefet bie SBirfung ber Mild) nodj beffer. Sllfofeolifcfee unb reizenbe ©etränfe, Kaffee, XX)et k. ftnb zu vermeiben. Der Seibesverßopfung muß burefe gelinbe Slbfüfermittel begegnet werben. £Dft iß bazu ber ©enuß von 93röb, weldjes aus ungebeuteltem Mefjl gebadeniß, ausreidjenb. din reizenbes «Pflaßer über ber empßnblidjen ©teile beS Magens wirb gut ttjun. SBenn irgenb etwas auf ©efdjwürbilbung im Magen fctjließen läßt, fo gebe man Zweimal tägiidj eine «J)itle aus brei ©ran £voScvamuS= (93ilfenfraut) (Srtract unb ein ©ran gepulvertes Sifenfutptjat (Sopperas) mit einem balben ©ran Specacuantja; bieS mag zwei bis brei SBodjen lang, ober bis ßdj 33efferung zeigt, fortgefe^t werben. SBafdjungen über ben ganzen .Körper nebß naefefotgenbem Reiben ber £aut mit raufeen £anbtüdjern, follten tägiidj angewenbet werben. 1W agcnblututtgctt. Diefe ßrattffeelt Iß im Stagemeinen unter bem «Jtamett beS StutbredjenS befannt unb zeigt ftd), inbem «43tut burefe. ben Munb, gewöb. nlictj in bebeutenber Menge, unter SBürgen unb ©rbredjen entleert wirb. Urfadje it. — Ss fann buret) ©töße auf bie Magengegenb ober irgenb etwas, bas einen Silutanbrang naefe jenem Organe feervorbringt, veranlaßt werben. (£s fann ferner burdj Magengefcfewüre entßetjen. Sßotjl meißens inbeffen rüfjrt ti von einer ©e^wäaje unb Srfdjtaffung ber S3lutgefäße ber inneren Magenwänbe 176 ©unn's £aua-Strjt. \)tx. SSiSwelten wirb eS inbireft burefe Unterbrüdung ber monatllefeen Siegel veranlaßt. Magenbtutungen fönnen von ?ungenblutungen gewötjnlidj baburdj unterfdjieben werben, baß ein ©efüfel ber ©cfewere, beS ©efemerzes unb ber 33eängßigung in ber Magengegenb vorfeergefet, nnb baß fte nidjt von £ußen begleitet ßnb. Das 33lut wirb burdj Srbredjen entleert, unb feine Menge iß größer, als wenn eS von ber Sunge fommt; es iß ferner von buitfferer garbe unb gewöljnlicfe mit unverbauten ©peifereßen vermifdjt. S3efeanbtung. — SBenn baS Uebet nur triebt ^u fein fdjeint, fo mögen einige Dofen geivötjnlicfeen lifcfefatzeS unb QEfßg genügen, um eS zu ßitten. Sluct) mag nun eine Sllaunlöfung geben. SBenn biefe Mittel fefetfcfelagen, gebe man eine ßarfe Slbfocfjung ber SBurzel von 2ritlium ?atifolium (Beth Koot). Sluct) ber virginifdje SBolfSfuß (Bügle Weed) iß gut; man madjt einen Xx)et von ben S3lättern, ber ju verfdjiebenen 3eiten wäbrenb bes £ages talt getrunfen werben muß. SBenn bie Urfadje ßctj auf Unterbrüdung ber Menßruation zurüdfüferen laßt, fo muffen Maßregeln getroffen werben, um biefe SluSfdjeibung wieber feervorzurufen. Sine Slbfoefeung von Jaubenfrautwurzel (Vervine Root) follte zu biefem 3wecfe brei bis vier Mal tägltd) gegeben werben; babei ein Slbfüfermittel von «J)obopb.9Üutn (Sntenfuß, May-apple) unb anbere S3orfet)rungen, um ben S3tutanbrang com Magen abzuleiten, hierzu gehören vorzüglidj audj gußbäber unb fcfeweißtreibenbe Mebifamente. © u b b r c n n c tt. Das fogenannte ©obbreniten iß nidjts anbereS als ©äure im Magen. G« ip ber gewöljntidje 33egleiter ber Dvspepße ober Unverbaulidjfeit; bodj wirb es tjäuftg audj burefe ben Mißbraucfe bes Xabadä unb geiftiger ©etränfe, fowie burdj «Mangel an gefünber 33ewegung veranlaßt. 3ritwei(ige Srteictjterung fann im Slllgenteincn fofort burefe ben ©ebraudj irgenb einer alfalifdjen ober fäurewibrigen ©ubßanj gefdjafft werben — 3. 93,: ein Stjeelöffel voll boppeltfofefenfauren Ratron mit etwas SBaffer ober tjalb foviel ©ateratus (fotjlenfaureS $ati) in einer tjalben lafe SBaffer aufgelöß. Sind) Magneßa ift ein gutes Mittel in ber Doßs von ein, jtuei bis brei Sfeeetöffel voll mit einem ©djtud SBaffer. SBenn eS burdj Xabad verur« faefet wirb, fo X)'ixt man mit bem ©ebraudj biefes ©ifttrauteS auf. grauen, wätjrenb ber ©efewangerfdjaft, werben feäußg burdj ©obbrenntn nnb faures Slufßoßen beläßigt. Ss ift bieS in fotdjen gälten ein ©vmptom eine« gewiffen 3nßanbes beS Magens unb fann, wätjrenb bie Urfadje erißitt, nur zeit- weilig erleichtert werben. Sludj tjier ftnb meißens bie erwätjnten Sllfalien anju« wenben—befonbers bie Magneßa. Dodj, fo fonberbar es fdjeinen mag, in tnanajen gälten leiften ©äuren bie beften Dlenße — zum 93eifpiel eine fdjwadje Jöfung von SBeinftein* ober Sitronen=©äure ober einige Kröpfen ber aromatifdjen, verbünnten ©cfewefelfäure (Elixir Vitriol) mit etwas SBaffer, gerabe genug, um es angenehm fäuerlid) fdjmeden zu taffen ; ober auefe Simonabe. 3uder, ©üßigfeiten unb znderfealtlge ©emüfe, bie leidjt im Magen fauer werben, muffen vermieben werben ; ber «Patient muß ßctj tägiidj Bewegung madjen unb nu» DöSpepfie. 177 einfadje, natjrfeafte unb leidjt verbaulicfee ßoß genießen. SBenn DvSpepße bie Urfadje iß, gebraucfee man bie antl*bvspepüfcfeett Ritten, von benen eine Doßs eine ©tunbe vor jeber Mafetzeit zu netjmen ift; ferner brauche man bie antt=btSpeptifcfee Sauge (f. Recepte.) fo oft ber Magen fauer wirb; ober folgenbe «pulver : Man nefeme Rfeabarber=«Pulver unb boppettfofetenfaures Ratron, je eine Unze; SBarneria (£vbraßiS (SanabenßS, Yellow Boot) unb dfeinarinbe, je eine Ijalfee Unje; pulverifirten 3ngwer unb Äreibenelfen, je zwei Dracfemen; man mifdje unb nefeme einen Xfeeelöffet vott mit etwas SBaffer ober Mild) unmittelbar nadj jeber «Rabatt. SQßaff erhilf. — Pyrosis. Der SBafferfolf berufet auf einer Slnfammlung wäfferiger glüfßgfeit im Magen, bie bisweilen von faurer 53efd)affent)eit iß, unb bann einen brennenben, bem ©ob* brennen ätjnltdjen, ©cfemerz veranlaßt — bocfe bisweilen audj vollftänbig gefdjmad* los, ober von einer zäfeen, elweißartigen 33eftfeaffenfeeit ift. Diefe glüfßgfeit venu* fudjt Slufßoßen unb ©peien. Dem Seiben liegt eine Unorbnung bes Magens unb ber 53erbauungstfeätigfeit zu ©runbe. Man braucfet verfcfeiebene Mittet gegen ben SBafferfolf. Die gegen ©obbrennen empfofelenen Sllfalien werben, befonbers wen« ©äure im Magen iß, audj feier meißens zeitweilige Gsrleicfeterung fdjaffen. Dodj um Teilung \u bewirten ßnb Mittel erforberticfe, weldje bie Urfadje befeitigen. S^ biefem ßwedt wirb folgenbe Mifcfeung gute Dieuße ttjun: Man nefeme ©ennesblätter eine Unze, 3<*tappa, SBarneria unb gendjelfamen, je eine fealbe Unze, pulverißrt; Slloe, zwei Dracfemen; 2;olu=33alfam, eine Unje; man tfeue Stiles zufammen in einen irbenen Rapf ober ein 33ledjgefäß unb gieße eine fealbe «Pinte fodjenben SBafferS auf, ober gerabe genug, baß bie ©ubßanzen bebedt werben, unb rüfere batet gut um; wenn es falt geworben, fo tfeue Stiles zufam- men In eine glafcfee unb gieße foviet guten 93ranittweitt ober SBtjisfv bazu, baß es ungefäfer ^wti «Pinten madjt. Saffe bieS vier unb zwanzig ©tunben lang ßefeen unb es iß zum ©ebraudje fertig. Man nefeme einen Sßlöffet voll jeben Morgen vor bem grütjßüd, unb wenn es nictjt merfficfee S3efferung fdjafft, braucfee man es feäußger, etwa zweimal tägiidj unb in größeren Dofen. Dodj man verfäume nie, es frütj bes Morgens in netjmen. Dies ift eine vorzüglicfee Mebizin, weldje tontfdje, lavlrenbe, carminative (bläfeungswibrige), fräftigenbe uub reizenbe SBirfungen in ßcfe vereinigt. &s iß audj ein gutes Mittel gegen Dpspepße. Der «Patient follte fettige ©acfeen, ©äuren unb bergt, vermeiben; bocfe, fann er «Pfeffer, ©atz unb ©enf in mäßigen Quantitäten gebrauchen. $&SJ>cj>fif. — llnberbaultdjfeu. Die Metjrzafjt ber mit Dvspepße behafteten «Perfonen ßnbet man unter forgen* vollen ©pefulanten, Mäflern, ßaußeuteu nnb fleißigen ©eleljrten; ferner unter benen, bie bei ß^enber Jebensweife aus Radjtäfßgfeit ober Mangel an ©etegetttjett bie nötfeige Bewegung verfäumen; Saufenbe leiben baran, weil ße ^u viel Mebizinen fdjluden; bei Slnberen iß ber felußge ©enuß ßimullreuber ©etränfe, ungeeignete 178 ©unn'S £aus-Slrjt. Ratjruitg, ober ba ©ebrauefe beS Xahadi Urfadje; nicfet feiten leiben junge «Perfonen Daran, beren Rervtnfpßem burefe unriefetige Srztefeung zu uberwiegenb entioitfell unb iu reizbar geworben iß, wie benn überfeaupt nervöfe Reizbarfeit einen fcfeäblictjen (Einfluß auf bie Skrbauung übt. ©i£enbe Sebensweife in 93erbinbung mit geißiger Slufregung bringt otjne 3n;eiftl bie Äranftjeit feervor; unb fo lange bie übermäßige Slufregung ber Denfttjätigfeit wäfert, fönnen Mebizinen ober felbß bie ßrengße 93efolgung einer zwedmäßigen Diät wenig auSridjten. Das zeitweilige Slufgeben geißiger Slnßrengungen, angenetjme ©efellfdjaft, 93ewegung, rin Stusflug in'S Sanb unb fonßige Srtjolungen werben balb eine $ur zu SBege bringen, wäferettb ofene biefes alle ärzttidjen Rejepte unb Mebifamente ber SBelt nu£to3 wären. ©eiftige Slufregung ober Unrufee fpielt bei ber (Erzeugung ber Dvspepße eine größere Rolle, als man in biefem Sanbe gewöfentidj glaubt. @s iß befannt genug, baß «Perfonen, bie ßdj guter ©efunbtjeit unb fräftiger 33erbauungSorgane erfreuen, bie ßctj retdjtid) «Bewegung unb wenig ©orgen madjen, faß alles Möglidje effen fön. nett, unb zroar in Quantitäten, bie bei Slnberen ernftlidjes Unwofelfein z«r golge Ijaben würben. Dr. 93eaumont, Slrzt ber 33er. (Staaten glotte, war, wie unfere Sefer ßdj rieüeid)t erinnern werben, ber Slrzt, unter beffen 93efeanblung ber intereffante gall befl Slleriä ©t. Martin fam, bes jungen (SanabierS, ber in golge einer ©efeußwunbe an bei linfen ©rite eine Deffnung bes Magens tjatte, fo baß ßdj feier eine ausgezeichnete ©elegenljeit, nnb zwar bie einzige ber Slrt, bie je vorkommen, bot, bie Swrgange ber SkrbauungStfeätigfett beS menfdjlicfeen Magens genau ^u verfolgen. «M einem ehrenvollen Gifer für bie SBiffenfcfeaft naljm Dr. 33eaumont bie günftige ©elegenfeeit auf unb fefeeute ftcfe nicfet, bie erwaefefenben ^oßen, bie ßdj auf ßeben bunbert «pfunt beliefen, aus feinen «Privatmitteln zu beftreiten, um bett Mann bei ßdj z« betjalteit unb eine Reitje von ©rperimenten an feinem btosgelegten S3erbauungSorgane anfiel« len zu fönnen. Durdj biefe SSeaumont'fdjen 33erfucfee würbe bie 3bentitat beS S3erbauungSprozeffeS mit bem «Prozeffe efeemifefeer Slußöfung bargettjan. Der Magenfaft, aus bem Magen entfernt unb in eine gtafdje gefüllt, tjatte ganj biefelfce SBirfung ©peifen in GfevluS ^u verwanbeln, ats wenn er im Magen gelaffen würbe. Die 9?erbauung beßefet wefentticb, in einer Slußöfung ber RatjrungStnittel in beut ©afte bes Magens, unb baljer beförbert Stiles, was bie retdjlidje unb gefunbe Slbfon- berung biefeS ©afteS begünßigt, bie S3erbauung; wätjrenb umgefetjrt Sllleä, Mi biefe Slbfonberung erfdjwert ober verfeinbert, ber 33erbauung fdjabet. ßs ift olfo wictjtig, bie 93ebingungen fennen zu lernen, unter benen ber Magenfaft ßcb. feinet Menge unb S3efdjaffenfeeit nadj am SBeften entwldelt. Die Umßänbe, unter benen Dr. 93eaumont ben Magenfaft bei ©t. «JOcarttn i« reidjlidjßer Menge unb von gefünbeßer 33efcfeaffenfeeit fanb, unb bie man baljer «I* ber S3erbauuitg günßig feetradjten fann, waren: GnrtjaltfameS unb regelmäßige« ßeben, gehörige «Bewegung in freier Suft, angenefeme Jfeätigfeit beS ©eiße« «»* Slnregung beS ©efüfelS unb trodenes, fütjte« SBetter. Rad) Srceffen bagegen i» gffett ober Jrinfen, förperlidjen ©trapazen, leibenfcfeaftlieitjer Slufregung, geitroeiligo franftjafter Reizung, ober bei feuefetem SBetter, war bie Slbfonberung fowofel bet 'Menge, als ber 33efd)affentjeit nad), verfdjfedjtert. SBenn, wie man jeben ©runb tjat ju glauben, ber Magenfaft ober bie SfbfonberMJ D ö s p e p f i e. 179 im natürticfeen 23ertjaltniffe zu ben wirftidjen jeweiligeit 93ebürfmffen beS Organis- mus ftefer, fo tann man leidjt begreifen, warum biefetbe am reiefeticfeften nacb, ent» fealtfamer unb regelmäßiger Sebensweife unb am wenigßen reidjlidj nadj Unmäßig« feit ift. SBenn ein mäßiges Mafet genoffen wirb, fo erzeugt \xdj fdjnett eine zur Slußöfung ber ©peifen genügenbe Quantität von Magenfaft; bie 33erbauung getjt leidjt von ©tatten, bie Magenwänbe befealten itjr gewöfenlidjes gefunbes StuSfefeen, unb nadj einem 3wifefeenraum ber 3iuX)t iß ber Magen bereit, einen frifcfeen 33orratfe beS ©aftes von ßcfe zu geben, fobalb berfelbe bei ber nädjften Mafelzeit erforberlid) wirb, 33on biefen Jfeatfadjen überzeugte ftcfe Dr. 33eaumont burefe ben Slugenfdjein. SBentt bagegen ©peifen im Uebermaße genoffen werben, fo beginnt ber unaufgelöß geblie* bene Ifeell in ©äferung überzugeben unb übt burefe feine pfevßfcfeen unb djemifefeen Sigenfdjaften eine örtttdje Reizung aus, wie es irgenb ein frember in ben DrgantS* muS gebrungener Äörper tfeut, unb erzeugt eine entzünblidje Sfeätigfeit ber inneren Magenwänbe, weldje notfewenbtger SBeife bie Slbfonberung beS ©afteS erfdjwert unb baburd) bie 33erbauungsfraft beeinträdjtigt. SluS ber 33ezlefeung, In welcfeer nadj Dr. 33.'s Slnßdjt bie Quantität beS ©afteS, weldje ber Magen abfonbern tann, zu ben jeweiligen wirflicfeen 33ebürfniffen beS Organismus ßefet, folgt, baß bie S?erbauungsfraft aud) bei bemfelben Menfdjen unter verfdjiebenen Umftänben fetjr verfefeieben fein fann. Sn ber Sugenb, z» 93., unb ebenfo wätjrenb ber ©enefung von einer Äranffeeit unb naefe ßarfer S3ewegung, wenn eine Menge von ©toffen zum ßwedt ber Srnäferung unb beS SBadjStfeums beS Körpers verbrauefet wirb, fdjeint bie Magettabfonberung ausnefemenb reidjlidj zu fein; bafeer ber fräftige Slppetit unb bie leiefete 33erbauung in ben früfeereit SebenS* Jaferen. Dagegen naefe ben Saferen ber Reife, wenn ber SebenSmedjantSmus iit allen feinen Ifeeilen voUßänbtg iß, unb wenn bie raftlofe Ifeätigteit ber Sugenb mit ber größeren Rufee unb verfeältnißmäßig mefer ßjjenben Sebensweife bes mittleren SlfterS vertaufefet würbe, unb wenn bafeer feine foldje gülle ernäferenber ©toffe erfor* berltd) iß, verminbert ßdj in aller SBaferfdjrinlicfefeit bie Slbfonberung beS Magen* faftes bebeutenb, unb bieö iß bie £aupturfad)e ber in bemfelben ©rave abnefemettben S3erbauungSfraft. Mit Rütfßdjt auf biefes 33erfeältniß follten wir offenbar, wenn wir bie Saljre ber Reife erreidjen, uns ben veränberten Umftänben anpaffen unb bie Menge unferer ©peifen mefer ober weniger verminbern, je nadjbem es unfer Stlter nnb eine metjr ßfcenbe Sebensweife erfeeifdjt; in S3ezug auf bie Menge ber RaferungSmittef muß ßcfe bie Sinnafeme genau nadj ber SluSgabe ober bem 33erbraucfee ridjten, nur fo fönnen wir unfere ©efunbtjeit ertjatten.' Diefe 33orßdjtSregel wirb inbeffen ziemlid) allgemein vernadjläfßgt. Der erwaefefene Mann, inbem er ßdj lebtjaft an bie Slnnefemlldjfeiten einer jugenblicfeen ^onßitution unb S3erbauung erinnert, änbert feine ©ewotjnljriten, aber nidjt feine Mafjtzeiten, unb wenn ßdj bie Übeln gotgen bes Uebermaßes im Äörper ^u fjäufen unb tljn ^n beläßigen anfangen, jammert er, ßatt biefen gingerzeig ber Ratur zu beadjten unb feine Srnäfjrung auf bas ridjtige Maß ^u befdjränfen, über bie ©djwädje feines Magens unb wunbert ßefj, baß er, ber frütjer nie wußte, baß er einen Magen X)abt, je£t iu einem Märtyrer ber'saunen beffelben geworben fei. Die auSgebetjnte drfafjrung meiner «Prarts Ijat in mir bie Ueberzeuguug befeßigt, baß ein großer Stjeil ber fefe. weren gätte von Dvspepße bie 180 ©unn's JpauS-Strjt. bti fogenannten regelmäßig lebenben Seuten im 93eginne beS Mannesalters obet jwifefeen bem jwanztgften unb vierzigßen Vcbensjabre vorfommen, ftcfe mit Redjt bie- fer Urfacfeen zufefereiben laffen unb bei einiger vernünftiger Suu-ßäjt leidjt tjätten »er« mieben werben tonnen. Sdj X)abe Mandje gefannt, bie Safere lang in biefer 2Irl gelitten featten, uttb bie fpäter bie Unwiffenfeeit beflagten, weldje ße zu biefem Srrtfeume verleitet. (£s gibt ofene 3ir>eifet Seute, bie iferer Ratur naefe, zu fetjr zur Unmäßigfeit geneigt ftnb, als baß fte ftcfe buretj foldje (Erwägungen follten befdjränten laffen ; aber eben fo 93iele werben nidjt fowotjt burdj übergroßen Slppetit als burdj bloße Unfenntmjj mißleitet, unb für biefe mögen bie gemadjten 33emerfungen von Rujjen fein. ©onßige Urfaefeen, bie auf bie Siermtnberung ber Magenfaftabfonberung einiuirlen ftnb förperlidje ©trapazen, ßarfe geiftige Slufregung, wie zum 33eifpiel, burdj Slerget unb gieber. Dafeer iß es offenbar nottjwenbig, unter fotdjen Umßänben »olle Mafetzeiten zu vermeiben unb niemals ein zweites Mafet ^u ftd) zu netjmen, biä bet Magen 3eit gefeabt, ßdj von ber Stnftrengung ber 33erbauung ber vorfeergetjenben ju erfeoten ; bieS Drgan bebarf ebenfo wie bie Musteln eine Stvtfdjenzett ber «Rufee. 93ei gieberanfällen bemerfte Dr. 93eaumont feäußg, baß bie Magenwänbe ein ettraJ trodenes unb entzünblicfees SluSfefeen featten, bem bisweilen ein SluSbrud) weißer331ii«> efeen folgte. SBätjrenb biefes 3ußanbes wirb ber Magenfaft gewötjnlidj nur fparlidj abgefonbert unb iß von etwas veränberter 93efefeaffentjelt. Datjer bie beeinträchtigte 33erbauungstraft unb ber gewötjnticb, Verminberte Slppetit bei giefeern; unb bie Slfeortjeit feße Raferungsmittel iu geben, bie nur bazu bienen fönnen, bie franffeafte Reizung zu vermeferen unb bie bereits geftörten gaßrifdjen Slbfonberungen noeb, mefer ju beeinträchtigen. Slefenlidje (Srfdjeinungen geigteri ßdj bei mandjen geringeren Slnfätlen von Unver« bauliefefeit unb würben burdj rin wenig Sntfealtfamfeit unb lartrenbe Mebijin leitet befeitigt. Mandje Seute, bte offenbar ju üppig leben, ßräuben ftd) biefe Stjatfadje einju« geßefeeti, weil fte von ber Maffe ©peifen, bie fie zu ßctj neljmen ober von ben «JWj« mittetn, bie fte zu genießen pflegen, feine unmittelbaren Unbequemlidjfeiten fpüren; weit fie Weber ©djmerz, Uebelfeit nodj Äopfwefe empßnben, feödjßenS ein ©efüblb« SMfeeit unb beS DrudeS, weldjes ftcfe, batb verliert. Dod) bie wirtlidje SBeofeadjtung feat gezeigt, baß itjre ©djlüffe fatfd) ßnb, unb baß ber angerichtete ©traben niebt immer fogteictj empfunben wirb, ba bie Ratur aus weifen ©rünben uns, fo lange wir gefunb ßnb, ber Srißenz ober bes 3ußanbeS unferes Magens nidjt benuijil werben läßt. Dr. SSeaumonfS SBerfuctje tjaben bewiefen, baß bei ©t. Martin oft etne bebeutenbe ervttjematifefee Sntzünbung ber Magenfdjleimljaut ßattfanb, vor- jügtidj naefe, Srceffen im (Effen unb Jrinfen, wätjrenb feine allgemeinen ©ijmptome, bie auf einen fotdjen 3ußanb fdjtießen ließen, bemerllidj waren, ©elegentlid) würbe babei über ßeberfeafte £iije, Uebelfeit, Äopfwefe, unb Durß geflagt, aber nidjt immer. SBäre ©t. Martins Magen mit feinen entjünbeten ©eiten nicfet bem 3«j« fidjtbar gewefen, fo tjatte er aud) behaupten fönnen, baß feine zeitweilige Unmäjjij' feit von feinem Racfetijeil für itjn fei; aber ba ber ©cfeaben ßd) in fo teferlid)« 3eicfeen zu erfennen gab, baß Dr. S3eaumont nidjt umljin fonnte, itjn zu bemerfen, fo beburfte es feiner Slrgumente nnb 33ermutfeungen: es war eine XX)atfadje, bie p4 nidjt wegbisputiren ließ. Dvspepfte. 181 Die Srperimente, welctje ©t. Martin uuabßdjttictj an \id) fetbß vornatjm, inbem rr ßdj gelegentlicfeen (Srceffen tjtngab, zeigen bte SBirfungen beS Mißbraudjs geißiger ©etränfe unb übermäßigen ©enuffes von ©peifen auf bie Magenwänbe unb gebe« benen, weldje bavon proßtiren wollen, bie nü^lidje Sebje, baß bie Ratur nidjt unge* ßraft itjre Slnorbnungen verleben unb ßdj in ber SluSübung itjrer gunftionen ßören läßt. Möge ber intelligente Sefer feine eigenen ©djlüffe baraus zieljen. Die eigentfeümlidje ©efeärfe bes Mageninfealts, welefee bei ©t. Martin, wätjrenb jene Sntzünbnng unb Sruption vorfeanben war, Ijäußg beobachtet würbe, zeigt, wie fetjr bie gunftion bes DrganeS geßört war, unb wie nottjwenbig es iß, in folefeen gäüen, bis ber normale 3ußanb tjergefretlt, Stiles, außer ben leidjteßen unb milbeßen RaferungSmitteln, zu vermeiben. @S iß aber etwas ganz ©ewötjntidjeS, baß Seute, nacfebem ße ßcfe nocfe ehtn über fefearfeS Stufßoßen von iferer testen Mafelzeit Ijer beftagt, fidj zu SLifdje fejjen unb oon allen möglidjen ©peifen genießen, als ob ber Magen ganz gefunb wäre. SluS bem vortlegenben galle ftetjt man, warum bieS nicfet ungeßraft feingefet. Der Magenfaft ift bas SBefentliefee hti ber 93erbauung. Sr ergießt ßdj in bett Magen fobalb Irgenb ein ©egenßanb in bieS Drgan gebradjt wirb, fei es nun rin ©tüd Seber ober ein 33eefßeaf; er entfeätt eine ©äure, unb je unverbaulidjer irgenb ein Ratjrungsartilet iß, um fo ßärfer wirb ber faure 53eftanbtfeeit beS MagenfafteS. Dafeer fommt eS, baß, wenn Seute etwas effen, bas fte nicfet vertragen unb nidjt gut verbauen fönnen, fte ftcfe balb über Magenfäure, faures Stufßoßen ober ©obbrennen ju betlagen feaben. Der barin enftjaltene gingerzeig iß: baß jeber Slrtifel, auf beffen ©enuß biefe ©äure folgt, fefewer verbaultdj iß unb entweber ganz vermieben ober nur itt fleinen Mengen genoffen werben follte. Dodj muß man nidjt vergeffen, baß verfefetebene Mägen barin verfefeieben ftnb; baß ferner, was man X)euk nicfet vertragen fann, natfe einer SBodje ober nadj einem Monate vietteidjt ganz 9ut »er- tragen wirb ; es bleibt bann nicfets übrig, als ftcfe in biefer 93eziefeung ganz ™$ ben Saunen bes Magens zu ridjten, fo fonberbar ße audj bisweilen erfdjetnen mögen. £äußg, ober man fonnte eigentliefe fagen, faß immer wirb foviel gegeffen, baß nidjt genug Magenfaft ober ©äure vorfeanben iß, um bie ©peifen aufzutöfen; bann gefet ber unattfgeföße STtjetf in ©äljrung über unb pßegt Stufßoßen, 331äfeungen, Äoliffcfemerzen unb bergteidjen ^u erzeugen. Deswegen iß gewöfenltctjer Sfßg, ber mandje von ben gtgenfdjaften bes MagenfafteS feat, oft von großem Rupert, nament* liefe für «Perfonen, bte an Magenfdjwäcfee leiben, um ben Magen in ber SJerbauung fdjwerverbaulicfeer ©egenßänbe ^n unterftü^en. Die feauptfäefelitfeßett unb atlgemeinßen Urfadjen ber Dvspepße mit itjrem ganzen ©efolge qualvoller Seiben werben burd) bie mobemett ©ewotjnfeeiten beS SuruS unb ber Unmäßigfeit feervorgebradjt; als ba ßnb: ber ^u feäußge unb übermäßige ©enuß geißiger ©etränfe, ßarfgewürzter ©peifen, XX)tt unb Kaffee, tjetßen S3robeS, fefeweren S3adwerfs xt. ; ferner ber Mißferaucfe beS SafeadS unb gefdjledjtlidje ©rceffe; feierzu fommt in feaftiges ^inunterfcfelingen ber ©peifen, Ueberlabung, Unregel* mäßigfeit in ben Slusteerungen, Unorbnungen ber Seber unb ber Milz, Mangel an Bewegung unb frifefeer Suft, bie feerabßimmenben Seibenfdjaften, Slngß unb ©orgen u. f. tu. 2Wes bies X)at bie SBirfung, ben Magen 3u erfcfelaffen unb ibn an ber regelmäßigen unb gefunben SluSübung feiner gunftionen zu fjtnbern. Diefe Äranffceit wirb mit Reajt als eine ber quaivollßett bezeichnet, von benen ber 182 ©unn'S £ a u * » Sl r j r. Menfdj befallen werben fann; wäljrenb fte bie Äonßitution be« «Patienten unter» gräbt, ßört ße ifen in bem ©enuffe aller feäuslicfeen unb Vcbensfreuben; ja fie anbert oft ben ©emutfeScfearafter iferer zafelreidjen Dpfer. SBir muffen uns immet erinnern, baß alte Unregelmäßigfeiten ber Sebensweife frütjer ober fpäter bie 9>r. bauungsfräfte ruiniren; je weiter wir uns vom natürlicfeen 3ußanbe entfernen unb je größer bie ©ewofenfeeiten bes SuruS ßnb, benen wir uns bingeben, bejlo mefer trennen wir uns von ber ©lüdfetigfeit, bie itt bem ©enuffe einer guten ©efunbtjeit liegt, nnb beßo empßnblidjer werben wir von einem berangirten OTagen gu leiben tjaben. ©täbter, beren ©eiß beßänbig burdj ben Drang ber ©efdjctfte in Slnfprud) genommen, unb bie zu großer Unregelmäßigfeit im (äffen unb Irinlen gezwungen, ftnb ber DvSpepße befonbers ausgefegt, garmer unb beren gamilien, bie auf bem Sanbe leben, bie tägiidj arbeiten, ßcfe nie überftürjen, beS Ractjte; gut fdjlafen, ßcfe von gefunben ©peifen näferen unb nicfets als faltes SBaffer ober ganj fdjwacfeen Xl)tt nnb Äaffee trinfen, werben fetten bavon betäßigt. Stuf bem Sanbe iß Milcfe, ßatt £feee unb Äajfee, bas ©etränf ber Äinber, unb trägt ofene 3^eifet viel bazu hei, ben Magen ^u fräftigen nnb gegen Äranfbeit«« angriffe zu fdjüjjen. Ss ßnb freitiefe audj gäöe von DvSpepße unter bem Sanb' volle zu meiner kenntniß getommen, bodj ift bieS äußerß feiten. Die eigentliche Jpeimatfe biefer Äranftjeit iß nur in ben ©täbten zu ßnben, wo tururiöfe Sebens« weife unb ein Rennen naefe ftnnlidjen ©enüffen.feerrfdjt; bort ift es, wo fte burefe Unregetmäßigfeiten veranlaßt wirb, unb oft in ^Begleitung von kranftjeiten anbetet $örperrtjeite auftritt, vorzüglidj ber Seber unb beS ©efeirnS, bie wieberum auf ben Magen einwirfen uftb eine erfefewerte unb zufammengefe^te gorm beö MtU feervorbringen, weldjes in vielen gälten in Sungenleiben, Jpuften unb allen Symp- tomen beS tjeftifdjen gieberS enbet. Daß biefe Äranffeeit einen folefeen Verlauf nefemen fann, madjt es von ber feöcfeßen SBiefetigfeit, fie in iferem erßen <£tabiuni ju befämpfen. SBenn bei 3eüen beadjtet unb in geeigneter SBeife betjanbelt, iji DvSpepße eine ber am Seid)teftett feeilbaren kranftjeiten; aber wenn man ße eine 3eit lang rufeig fortftfereiten läßt, wenig ober nicfets bafür tfeut, feine Slenberung in ber Sebensweife vornimmt unb leine iferer Urfaefeen vermeibet, wtrb ße jum Hjartnädigßett aller Uebet. ©vmptome. golgenbeS ßnb bie gewötjnlidjßen uub befannteßen ©w tome biefeS UebelS: Mangel an Slppettt; Ricfetverbauung ber ©peifen; ein« Smpßnbung großer innerer ©cfewere, unb als ob ber Magen verrenft mürbe; 93lät)ungett ober SBinbe, faureS Slufftoßen, ein Sluswerfen faurer glüfßgfeit, Uebel- feit uub 33redjneigung, nnb Ijäußg wirfltdjes (Srbreefeen ber eben genoffenen ©peifen; ©djmerzen unb nidjt feiten Krämpfe in ber Magengegenb; großer Mißmutfe, üble Saune unb Reizbarfeit, nervöfe Slufgeregtfeeit unb Slengfttidjuit; weißlictje ober lefemgelbe Darmentleerungen, ber ©tub.1 iß entweber ju lofe ober verftopft, ber StuSgang beS Darmtanats ift mit £ämorrf)otbaIfttoten befefct, mW bisweilen reidjlidj bluten; abwedjfelnb fliegenbe £itje unb 'größefn, unregelntä' ßige umfeerziefeenbe ©djmerzen im Rüden unb in ben ©djultern, 3udungen ober frampftjafte «Bewegungen ber Musfetn, nervöfes 3uden uitb 3ittcrn am 9flnitn Körper bei jeber Slufregung, bie von eingebilbeter ober wirflidjer ©efabr veranlag wirb ; große Unrufee unb ©djlaßoßgfeit, plöfclidjeS Sluffafjren bei bem geringfle« unerwarteten ©eraufdj, tjäußgeS ©eufjen, ein ®efüfe,l großen DrudeS in bei DöSpepfie. 183 fcerzgegenb mit Jperjflopfen, Srodentjelt ber £aut, 93elegttjelt ber 3unge, unangeneh- mer ©efdjmad imMunbe, feäßtidjer Sttfjem, ©ätjnen unb unbehagliche Smpßnbungen, feäußg ©cfewinbel unb ©eräufdje ober ©Ingen in ben £)X)xtn, feaußge 33erbunfelung bes ©efidjts; bas ©ebäcfetniß fdjtedjter als geroötjnlictj; Mangel an (Sntfdjloffett- feett; große ©djwädje nadj irgenb einer förperlidjen Stnßrengung. Dies ßnb bie vertriebenen allgemeinen ©vmptome, weldje bas Uebel begleiten unb eine 3errüttung beS RervenfvßemS unb Untergrabung ber ganzen konftitution jur gotge feaben. 33 e X) a n b t u n g. 3m 33eginne ber DvSpepße, bas tjeißt, wenn bieS Uebel juertf im Organismus auftritt, ßnb ßärtenbe Mebizinen nicfet angezeigt; fpäter, wenn bas Uebel bie allgemeine Äörperßärfe verminbert unb ben Magen erfdjlafft unb gefefewäcfet feat, muß man bazu greifen. Sdj X)abt viel Srfaferung in biefer ßranftjett getjabt unb gefunben, baß im Slnfange bie ©äure unb bas fdjarfe Stuf* ßoßen burdj rin teidjteS 33redjmittel von Specacuanfea in einem warmen Kräuter* aufguß, etwa ^amtUentfeee, in wofeltfeätiger SBeife befeitigt werben fann. Man gibt bie Specacuanfea in ber Doßs von fünf bis zefen, fjödjßens zwanzig ©ran, unb wenn bie erße Doßs nicfet wirfen follte, wieberfeolt man biefetbe; bocfe gewöb,nlid) iß eine Doßs auSretcfeenb. SBenn bas Srbreefeen vorüber Iß unb ber Magen ftd) berufeigt feat, gibt man ein gelinbeS Slfefüfermittet, etwa ein ©eibli0*«pulver; nur wenn ber ©tufetgang fetjr feartnädig verftopft ift, gibt man eine ßärtere «Purganz, ßoofs «Pillen. Kleinen kinbern gibt man Rfeabarber=«Pulver mit gebrannter Mag* neßa, eine Dracfeme von jebem, in vier gleicfee XX)tiit getfeeilt, nnb eines biefer «Pulver Morgens unb SlbenbS mit etwas ©vrup vermifd)t ^u nefemeti; bieS wirb bie ©äure unb bie S3läfeungen, von benen bie kleinen fo Ijäußg gequält werben, befet* tigen unb üjnen Sinberung fdjaffen. SBie bereits erwäfent, feat biefe kranftjeit zwei ©tabien; im zweiten ©tabium, wenn bie franftjafte Reizung unb Sntzünbung nadj* gelaffen unb bas Uebel einen eferonifcfeen Stjarafter angenommen X)at, ßnb tonifdje ober ßärtenbe Mebizinen zur Kräftigung ber Skrbauung erforberlldj. 3m erßen ©tabium muß man zuerß bie Ueberlabung unb ben Drud entfernen unb bann ben 3ußanb bes Magens burdj ©tärfungsmittel ^u verbeffern fudjen. Der ©tutjtgang, ber geroötjnlictj träge unb verßopft iß, muß regelmäßig erijattett werben. Man follte es ßdj zur ©ewoljntjeit madjen, ber Ratur in biefer 33ezieljung tägiidj £rieicfe> terung iu fdjaffen, fo gering audj ber Drang bazu fein mag. Gin langes 3urürf* fealten beS ©tufets X)at benfelben fdjwädjenben ®ffeft, als bas 3urüdfjalten bes Urins in ber 53lafe, wenn man es verfäumt, ben Stufforberungen ber 3latux regel- mäßig golge ^u Uxften. Der ©ebraudj von Klvßieren iß in fdjwerett unb fjartnädigen gälten ober bei belifaten «perfonen jebenfatls bem tägtidjen 33erfcfeluden von Mebizinen, zum ßwtdt ber ©tufelgangbeförverung, vorzuziefeen. Stiles, was tjier^u ttötfjig, iß warmes SBaffer mit MolaffeS, ober warmes SBaffer, bem man ein ober ^wti Sljeeföffel voll gewötjnlicfees Sifdjfatj zufefct. Sebe gamilie follte mit einer jener Klvftterfpri^en, bie man ofene frembe ^>ütfe anwenben fann (self-injecting pipe), verfetjen fein' man fann biefetbe in jeber Slpottjefe ju faufen befommen; bieS einfadje Snftrument erfpart eine Unmaffe von Mebizinen, trägt zur 33erlängerung bes SebenS bei nnb verfeütet eine Unzatjt von Kranffjeiren, bie baraus entßeljen, baß ber Magen mit gewaltfamen «purganzen ruinirt wirb. 184 ©unn's £ au S - Sir jt. 3m 33eginne ber Kranftjeit, wenn bie ©vmptome mllbe ßnb, iß eS, wie gefagt, nicfet nötfeig, viel Mebizinen zu nefemen. Man fri vorßdjtig in 93ezug auf bie Menge unb bie Sluswafel ber ©peifen ; vermeibe jebe Stusfdjweifung ; fucfee gut ju fdjlafen; madje ßcfe getjörig «Bewegung unb neljme zwei* bis breimal ein Slatron. (©oba*) «Pulver in einem ©lafe falten SBafferS, um bie Magenfäure ^u neutrali- ßren ober aufjufeeben. SBenn ber ©tufelgang verßopft iß, nefeme man ein ober jwei ©etbu0=«Puiver täglicfe ; wenn viele 93läfeungen vorfeanben, trinfe man ettna« warmen Kraufemünz* ober «Pffeffermünz^tjee. SBenn man fetjr von SBittben ober Koliffcfemerzen geplagt wirb, foll man einen Stjeelöffel voll «Paregoric=£(irir in etwas feeißem SBaffer nefemen. Söenn bas Seiben von ber Quantität ober ber- 93efcfeaffenfeeit genoffener ©peifen feerrütjrt, nefeme man eine Doßs @pfom=3alj ober ein 33recfemittet. Radj einem Slnfatle von Unverbaulidjfeit, wenn ber Magen ßart von S31äb,ungen, ©djmerzen, ©obbrennen unb fdjarfem, faurem Slufftofien ober vielleidjt von Uebelfeit unb Srbredjen gelitten X)at, gebe man ib,m vier unb jwanzig ©tunben Rulje, inbem man nur von gefodjtem Reis, feartem 33iScuit, Roggenbrob unb einer füfelenben teiefeteit Diät ober fotdjen RatyrungSmitteln lebt, weldje ßdj bazu eignen, bie 33erbauungsfräfte zu unterftü^en. SBenn ein beftän- bigeS ©efütjt ber SBunbfeeit unb anfealtenber ©efemerz in ber Magengrube iß, follte ein großes S3tafenpßafter aufgelegt werben — Heine SSlafenpßafter feelfen tyier nidjts — unb wenn, nadjbem baffelbe gezogen feat, ber ©djmerz nodj fortbautrt unb feine Srleicfeterung eintritt, follte man jeben zweiten ober britten lag ein fealfeeS Dujjenb «Blutegel auf bie Magengegenb feiert, bis man Srleidjterung fpütt. S3ei beftänbiger SSerftopfung iß bas beße Mittel Slloe, außer wenn man an £ämor« rtjoiben leibet, bie es verfefelimmern würbe; in jebem anberen galle iß es ein jn>e mäßiges Mittel. Man netjme zur 33ettjeit ein, gtoei ober brei Sttoe^iEen, je naefe Srforberniß, um ben ©tufelgang zu öffnen, unb fafere bamit brei ober vier SBocben lang fort, wenn bie 93erbauungSorgane nicfet frütjer geftärtt ftnb. 3 Doßs: Sin (Eßlöffel breimal tägiidj vor ben Mahlzeiten zu nehmen, (Es wirb ©äure unb fdjarfes Stufßoßen befeitigen. 3n fdjlimmereii gälten iß es inbeffen beffer, erß ein 33reajmittel von fünf, 3e^n ober fünfzehn ©ran Specacuanlja in einem 186 ©nun'* £ a u s - 31 r z t. warmen KamiHenaufguß zu geben; wenn es innerfealb riner fealben ©tunbe nicr)l Wirft, muß es wieberfeolt werben. Dodj gewötjnlidj iß bie SBirfung ber erßen Doßs auSreicfeenb. Rofenwaffer............1 «Pinte. ©djwefelfaure Magneßa ........6 Dracfemen. SaScaritla*£inftur..........1 Unze. 33ermifdje gut. Doßs : Drei (Eßlöffel voll breimal tägiidj. golgenbes ift rin fetjr fefeäjjbareS «Präparat, vorzüglich, für grauen, bie gleidjzeiHcj an Dpspepfie unb am weißen gluß leiben. Slloe^inftur............1 Unze. ©alzfaure (Eifentinftur ......... 1\ Dradjme. (Tinctura ferri muriatica.) Skrmifctje gut. Doßs: Dreißig Kröpfen brei bis vier mal tägiidj mit etir-a« SBaffer. Rtmm zur S3ettzeit täglicfe ein warmes gußbab unb ein* ober zweimal wödjentlicfe ein votlftänbiges angenefem warmes S3ab, reibe ben Körper gut mit einer 33ürfle ober einem raufeen £anbtudj, unb reibe ober fnete ben Magen vor bem 3ubetteaetjen, fo baß eine gelinbe £i£e über ben ganzen Körper erzeugt wirb, grifcfee Suft ift von ber feödjften SBicfjttgfrit, um eine gefunbe 33erbauung zu beförbern. (Einige ber auffaüenbften unb anfealtenbßen Kuren bei biefer Kranftjeit ftnb burd) bloße S'eränberung ber Suft unb ber Umgebung bewirft worben; namentlich, burefe ©eereifen unb längeren Slufenttjalt an ber ©eefüße; ©alzwafferbäber ßnb immet von guter SBirtung. Sdj fanttte einen ©eiftliefeen ber presbvterianifdjen ßircfer, ber fo mitgenommen war, baß er in feinem 33ette nadj ber ©eefüße tranöportirt werben mußte; nadj einem zweimonatlichen Slufentfealte bafelbß, feferte er voüßänbig gefeeilt nadj £aufe zurüd. Sdj bin feß überzeugt, baß wenn Seute, bie von bem Uebel befallen würben, fidj entfcfelteßen fönnten, längere 3eit auSfdjliefjlidj »on Reis, Milefe, ©emüfen, grüdjten unb feartem, faltem 33rob zu leben unb jebe 2luf- fdjweifung ^u vermeiben, ße itjre ©efunbtjeit balb wieberßnben unb itjren «JJiagen fo gut wie vvllftänbtg erneuern würben. 3um ©djluffe biefeS widjtigen ©egenftanbes mödjten wir ben Sefer bringenb barauf aufmerffam madjtn, baß bie Dpspepfie, wenn ße einmal einen ernftlidjcn Stjarafter angenommen, ein Setbett ift, welcfees vor allen Dingen mit ©ebulb feefeanbelt fein will. 3b,r allmäb.ligeS (Entftefeen unb gortfdjreiten bebingt, bafj bie Mittet zu iferer 93efeitigung gleichfalls allmäfelig wirfenbe feien unb bem jeweiligen 3ußanbe mit ber größten ©enauigfeit angepaßt werben. Man muß ber Ratur In iferem Sßiberßanbe gegen bie Krantfeeit zu £ütfe tommen, inbem man bem «JKagen Rufee gönnt, ifen burefe geeignete Mittel ßärft unb ben ©tufelgang regelmäßig off« erfeält (eine Sntleerung täglicfe iß ganz auSreicfjenb). Kein Seiben ertjeifdjt eine beftänbigere ©orgfalt, als bie DvSpepße, unb mit biefer ©orgfalt wirb ße oft burefe bie rinfaefeften Mittel getjeilt. 95orßefetigeS Seben, zwedmäßige Diät, Bewegung, Suftveranberung unb Stiles, was ber ©efunbljeit bes ©eißeS nnb beS Körper« juträglidj iß, ftärtt unb fräftigt gleiefefaUs ben Magen. Man tjat mit Redjt gefagt, baß, wo bie Siebte fetjlfdjlagen, bie etnfadjßen Mittel furiren. ©o in bem gälte jener jungen Dame, bie an biefem Uebel litt inrt Dvspepfie. 187 alle erbenflicfeen Mebizinen ofene (Srfolg verfudjt tjatte, bis itjr Semanb rietfj breimat tägiidj, jebeSmal vor bem (Effen ein ©tüddjen rob,e Swiebel zu genießen; In wenigen Monaten war ße voUftänbig feergefteüt. (Ein anbereS einfadje« Mittel ift bie erwäfente "patfteab'fcfee Metbobe, ben Magen mit ber £anb zu fneten. <5s entfernt ben 3uftanb ber Srägfeeit ber SkrbauungSorgane unb feat, wenn ridjtig angewanbt, bie SBirfung, ben ©tufelgang regelmäßig zu madjen. Dies Mittel ift ficfeuiicfe einfacfe unb unfdjäblicfe genug, um von Sebem verfugt zu werben; naefe meiner (Srfaferung bat eS immer rine wofeltfeätige SBirfung. S3ei jeber gorm ber DvSpepße ßnb Kaffee, £feee unb feeißeS S3rob fdjäbtiefe; feöefe,ftens mag fefewarzer Xx)et in geringer Menge gebraudjt werben. 3m ©ommer iß bie Slnwenbung beS ©djauerbabes, nadj weldjem ber Körper mit einem rauljen £anbtucfee fräftig gerieben werben muß, vorzüglicfe zu empfeh- len. SBenn viet ©djmerz im Magen unb in ben ©ebärmen empfunben wirb, möge man in (Efßg getaudjtes unb ausgewunbenes gtanett auf ben S3audj legen unb mit einem feeißen 33ügeleifen barüber feinfaferen, bis es ganz troden ift; bie« muß man wieberfeojen, fo oft bie ©djmerzen mieberfeferen. gln anbereS widjtigeS unb wert!)volles Mittel bei Magen* unb Seberleiben iß bas gewötjnlidje burgunbifdje £arzpßaßer, weldjes In jeber Slpotfeefe für gmanjig Sents zu faufen iß. Man ftreue ein wenig 93recfeweinftein auf bas «Pflafter unb. Hebe es bann über bie Magengegenb, ober über bie Sebergegenb, wenn leijtereS Organ affijirt iß. Man laffe es liegen, bis ßdj eine Maffe fleiner 53täsdjen auf ber Jpaut zeigen; man fafere bamit, in 3ivifdjenräumen, fort, bis bie Kranf- tjeit gefeoben iß. (Es bringt rin ftarfes 3uden feervor, bodj muß man es barauf* bebalten, bis bie $aut ganz ÖOtt biefem tünßlidjen StuSfdjlage bebedt iß; bie Innere (Entzünbung wirb baburdj entfernt. ©eebäber ßnb wegen iferer reijenben, ben ganzen Organismus burefebringenben, SBirfung in bem Skrzeidjniß ber Mittel, weldje zunäcfeß auf bie £aut wirfen, obenan zu ßetlen. SebenfaHs leißen fte bas, was biefe ©eneration befonbers nötfeig tjat, inbem ße bie «poren ber Apaut öffnen unb bas Rervenfpftem fräftigen. Das S3aben in ber ©ee feat zwei widjtige SSorgüge. (ErßenS, baß es — außer als wirf- fames Heilmittel in Kranffeeitsfällen — audj von ganz ©efunben als angenefemes Mittel bei ©tärfung unb ber 33erfeütung gegen Kranftjeiten gebraudjt werben mag. 3n biefer «Beziefeung iß es auf eine ©tufe mit ber förperlidjen 33ewegung zu ßettett, weldje gleldjfaHs fonß unfeettbare Uebel befeitigen unb von Sitten als ein (JrtjalhingS* mittet ber ©efunbtjeit feenu^t werben fann. Der anbere S3orzug feeßetjt in bem erfeebenben, großartigen unb unbefdjreiolidjen Slnblid bes Meeres, ber auf Stile, bie nicfet baran gewöfent ßnb, eine eigentfeümliefee SBlrtung äußert, bte wotjl geeig- net iß, bie Rerven ^u ßärfen unb bie gefammten Sebensfräfte ^u erfeöfeen. Sdj bin voUftänbig überzeugt, baß bie pfepßfdjen SBirtungen ber ©eebäber burdj biefen wotjl* tfeätigen Sinbrud, ben ber ©eift empfängt, vermefert werben, unb baß ein fevpodjon- brifefeer ober nervöfer Menfdj fjalb furirt werben fann, wenn er nur rine furze 3eit am Meeresufer wotjnt unb ben Slnblid ber ßcfe barbietenben großartigen Raturfcenen genießt, ©eeleute ßnb ganz befonbers von ber Dvspepße verfdjont. Die große ßinfaefefeeit iferer Sebensweife, 93ewegung, frifdje Suft unb bie vertjältnißmäßige greifeeit von ben fleiitlidjen ©orgen bes ßäbtifefeen SebenS tragen bazu bei. Seber 93eruf, ber förperlidje Sbätigfeit erforbert, iß ber ©efunbbeit bes Magen 3 günßiger 188 ©unn's £ a u s - Sl r j t. als eine ßfcenbe Sebenewrife. 3e geringer bie Sluswafel ber ©peifen iß, bie wir ju uns nefemen, unb je regelmäßiger wir unfere Mafelzeiten fealten, um fo mtx)x bürfen wir barauf recfenen, biefem qualvollen Uebel ^u entgefeen. Der menfdjliefee Organismus ift fo empßnbliefe, baß bei unferen gefeUfajaftliajen Sußänben fetjr wenige «Perfonen ganz frei üott ber «Präbispofition ober Slnlage ju irgenb einem beftimmten Uebel ßnb, bte ße zeitlebens mit fidj umfeertragcn; bestjalb follte man bei 3eiten 33orßdjt anwenben unb Stiles vermeiben, was bie fdjlummernbe Kranfljeit zum SluSbrud) bringen fann. ©ewiffe ptjöfifdje (Sigenttjümlidjfeiten unb ©djwäefeen ber (Eltern vererben ßdj, fobaß man felbß bei bem nodj unbewußten Kinbe bie ©puren bes (EinfluffeS ßnben fann, weldjen ©orgen unb Kranftjeiten bet ben (Eltern feervorgebradjt, unb weldjer ße an ber £anb ber DvSpepße bem ©rabe entgegenfüfert. Mögen wir batjer bebenfen, von weldjer SBidjtigfeit nidjt allein für uns, fonbern audj für bie Radjfommenfdjaft bie (Srfealtung ber ©efunbtjeit unb eine regelmäßige Sebensweife iß. Das beßänbige Murmeln ber SBellen bes Meeres feat ben (Etnßuß bas ©etjirn ju berutjigen unb tiefen ©djlaf zu erzeugen. Das nervöfe Kopfwet), bem bie meißen fdjwädjlidjen «Perfonen in golge von Unverbaulidjfeit, fdjledjten ©äften ober man- getfeqftem S31utttmtauf unterworfen ßnb, wirb bisweilen burefe bte erfrifdjenbe See- luft gänztiefe gefeoben. Des Morgens unb bes SlbenbS längs beS Ufers zu wanbeln, bie reine frifdje Suft einzuatfemett unb in ben gefunbfeeitsfpenbenben SBogen ju baben; ftcfe an bem glänzenben unb fpietenben Sidjte in erfreuen, baS von bem 93ufen bes Meeres zurüdftratjtt, bas ftnb Dinge, weldje wotjl geeignet ftnb, eine freubtge ©timmung feervorzurufen unb auf biefem SBege bie Sbätigfeit bes £erjena nnb ber Rerven fränflidjer «Perfonen günftig zu beetnfluffen. (Efee idj biefen roidjti- gen ©egenßanb fdjlleße, mödjte idj alle Kränfliefeen — unb audj alle ©efunben — aufforbern, ftcfe bie S5ortr)eile ^n vergegenwärtigen, bie ifenen ein 53efucfe an bit Meereslüfte gewäferen würbe. Die erfeabenen ©ebanfen, bie reine Suft, bie unbe- grenzte SluSßdjt, ber feeitere £imtnet, Stiles vereinigt fidj, um ber ©efunbtjeit mefer ju nüjjett, als es irgenb eine Mebizin aus ber Slpottjefe fann. (Erinnert euefe, was idj vorder gefagt, baß, wenn bie Veilfraft ber Ratur fefjtfcfelägt, alle Signeten nutzlos ßnb. Meine eigene 33eobaefetung wätjrenb eines StufenttjaltS von metjren Saferen an ber ©eetüße feat mid) getetjrt, baß ©eebäber unb ©eeluft in allen Sauen angegriffener ©efunbtjeit bie beften Heilmittel ßnb, baß fte mandje wunberbare Kuren bewerfßelligen, neue Sebensfräfte mitteilen, bas £erz ßarten unb ben fum- mererfülltett ©eiß trößett unb beruhigen. 93ei bem Sln6lide beS fefeimmernben, weiten unb unbegrenzten DceanS leudjtet wieber ein Sädjeln auf bem jorgenvollen Menfdjenantlifc. 2>artnent jünbung. Die (Entzünbung beS Darmfanals fennzeiefenet ßdj burdj feeftige ©djmerzen int Unterleibe, 33erßopfung, mefer ober weniger gieber nnb bisweilen ©rbredjen. Ur faden. — Die Krantb,eit fann entßefeen burd) tjartnädige unb lange anfeal* tenbe S3erftopfung, burdj SBunben unb fonßige «Verlegungen ber Singeweibe, burefe Dvspepfie. 189 Ijeftige Kolif, burdj ben ©enuß unreifer grüdjte, burdj (Erfättung beS Unterleibes unb ber güße. ©vmptome.— 93rennenber unb heftiger ©cfemerz in ben ©ebärmen, wetdjer in ber Räfee bes RabelS ausftrablt; meißens feartnädige 93erßopfung; (Erbredjen galliger unb fcfewarzgefärbter Maffen; feodjrotijer Urin; fdjnetler, fearter, zufam- mengezogener «Puls ;• etwas gieber, Dürft unb großer Skrtuß an Kräften, ©ewötjn- liefe werben fortwäferenb ©afe aufgeßoßen. «Bebanblung. — Man laffe warme gußfeäber in Saugenwaffer netjmen, mad)t warme Umfctjläge auf ben Seib vermittelft in beißem Saugenwaffer getränfter glanetl* tücfeer unb gebe rinen großen (Eßlöffel voll faltausgepreßten KaßorölS mit eben foviel Olivenöl unb einem fealben Sbeelöffel voll Serpentinöt. — Diefe DofiS iß alte zroet ©tunben zu wieberljolen, bis ©tufelgang erfolgt. Racfe ber zweiten ober britten Doßs biefeS Mittels follte feine SBirfung burefe ein Klvftier, aus benfelben 93eftanb* tfeeilen unb lauer Milcfe, Molaffes unb einem Sfeeetöffet voll ©alz beftefeenb, unter* ßü£t werben. SBenn biefe Mittet nadj wtebertjolten 93erfuefeen feinen (Erfolg X)abtn, gebe man ftärfere Ktvfttere; tjierju ift folgenbe Mifcfeung zu empfefelen: (Ein (Eßlöffel voll anti*fetliöfen «Pulvers (f. Rezepte), eben foviel Stfcfefalz, ein Sfeeelöffel voll Cayennepfeffer, rin großer Söffet voll ©djmalz ober gett unb eine «Pinte todjen* ben SBafferS ; tjierju füge man einen Jljeelöjfel voll Sobelia*Jinftur unb gebe baS ©anje, mäßig warm, vermittelß einer großen Klpftierfpri^e; man muß eS burefe äußeren Drud eine 3eit lang barinnen feefealren laffen. Sn fdjweren gälten iß es eine gute 93efeanblungsweife, feeiße Kräuterumfdjläge auf ben Unterleib ju madjen; feiequ toefee man foldje Kräuter, wie Slnborn, SBer* mutfe, Rainfarn unb Jpopfen in (Sfßg unb SBaffer unb fdjlage fie in glanelt ober Muslin; bie Umfdjläge muffen oft erneuert werben. SBenn bie 33erßopfung nicfet bewältigt werben fann, laffe man ben «Patienten eine fealbe ©tunbe lang In einem warmen 93abe ft^en. 33on 3eit Zu 3eü wecfefele man bie warmen Umfdjläge mit einem großen ©enf* pßaßer auf ben Unterleib ah. SBenn ber ©htfel einmal geöffnet iß, gebe man tägiidj ein* ober zweimal rinen Sßlöffel vollKaßoröl unb Dlivenöi, mit fünfzefen bis zwanzig Kröpfen Terpentinöl, um ifen offen ^u erfeatten. 3u biefem ßwede iß auefe ein Slufguß sott ©ennesblät* lern unb Manna mit einem Sfeeelöffel voll 93itterfatz (Epsom Salts) gut. Keine fjeftigen ober braßifefeen «Purganzen bürfen gegeben werben. SBenn ber 33ranb befürefetet wirb, madje man Umfdjläge auf ben Seib mit einer Slfefodjung bes wilben Snbigo (Baptisia Tinctoria), ber SBurzet ober ber 33iätter. unb gebe gleichzeitig innerlid) einen Slufguß biefeS Mittels, in ber Doßs von twtf bis brei (Eßlöffel voll, aüe brei bis vier ©tunben. Dies iß eins ber ftärf ßen a n t i * feptifefeen (zerfe^ungswibrigen) Mittel, bie befannt,ßnb, unb iß in alten gälten, wo gäulntß ober 3«fe£ung brofet, wie bei putribeu £alsletben unb bergleicben, in inuerltdjer unb äußerlicher Slnwenbung ^u empfehlen. — 190 ©unn's £ a u S « 21 r z t. $ t a r r Ij ö c. — $ u r dj f a U. Die ©tublentleerungen bei biefem Seiben ßnb reiefelicfeer, bünner unb wäfferlger, als bei ber Rufer; aber es iß weniger ©djmerz, 93audjgrimmen, gieber unb £tuf)l. jwang vorfeanben. Sine ber vorbereitenben Urfadjett ber Diarrböe iß bie ßinwir« fung ber ©ommerfei^e auf ben Organismus. Der ©enuß von unreifen grüdjten, Mais, ©urfen unb ©artengemüfen, unb von unverbaulicfeen ©egenftänben, ber- anberung beS SBafferS, feucfete Suft, 3ugwinb, unb plöfclicfee Unterbrüdung bed ©djweißeS gefeören zu ben frudjtbarßen Urfacfeen biefes SeibenS. S3ei Kinbern ift bas ßat)ntn faß immer mefer ober weniger von Durefefatl begleitet, inbem ßdj bie entzünblidje Reizung ber ©aumen ben 33erbauungSorgancn mitttjeilt. Die Diarrfeöe ift leine fo gefäljrlidje Kranftjeit, wie bie Rufer, unb überfeaupt feiten gefätjrlidj, außer wenn man ße zu lange unbeaefetet läßt. 33efeanblung. — SBenti bie Kranffeeit burdj Ueberlabung bes Magens ober burefe baS (Effen ungefunber ober unverbaulietjer ©peifen entßefet, wie es fetjr tjäufig ber galt iß, inbem auf biefe Slrt bie Jfeätigfeit bes Magens unb beS Darmfanais in Unorbnung gebradjt wirb — fo tfeut man gut, bie 93efeanbtung mit einem fräftigen 53red)mittel, aus gteidjen Jfeeilen gepulverter Sobelia unb 3pecacuanfea beßetjenb, ju beginnen. (Ueber bie beße Slrt ein 33recfemittet zu geben, fietje unter bem litel „23red)pulver" in bem Slbfefenitte ber Rezepte.) Dies wirb ben Magen von feinem reizenben unb fefeäblidjen Snfealte befreien, wäferenb gleicfezeitig ber (Einßujj bed 93redjmittels ber franffeaften Jtjätigfeit beS DarmfanatS entgegenwirft, bas S3lut nadj ber Dberflädje bes Körpers treibt, bie «Poren ber £aut öffnet unb bie 35er- bauungsorgane zu gefunberer Jfeättgfeit anregt. (Ein gutes SBredjmittel wirb bie Kur jebenfalts fefeneller unb ßdjerer madjen. Radjbem bie SBirtung beS 93redjmittetS vorüber iß (ober falls man fein 23recb> mittel gibt), reiefee man ein paar getjörige Dofen bes neutralißrenben «Pulvers ober neutraliftrenben IranfeS. Dies wirb ben Darmfanal reinigen unb zur Slufnatjme ber nötfeigen aßringirenben ober ßopfenben Mittet geeigneter madjen. £ber man gebe eine DofiS Kaßoröl, ober Rfeabarber, mit etwas Septanbrin; zum Seifpicl: eine Dradjme Rhabarber unb brei ©ran Septranbrin, in brei Dofen getfeeitt, beren eine alle brei ©tunben ^u nebmen iß. Man mag jeber Doßs zeljn ©ran beS bin- ptjoretifefeen (fctjweißtreibenben) «Pulvers, ober audj beS Dover'fefeen «pulverS tjinju- fügen ; ober man gebe gleicfezeitig zwanzig Sropfen Saubanum. Den nädjßen lag laffe man rinen guten ßopfenben ©vrup ober Iranf folgen, »ie j. SB ben 93romfeeer* ©vrup ober Iranf. (Die 33ereitung beffelben wirb man in bem Slbfefenitte ber Rezepte ßnben.) Dabei fei ber Kranfe äußerß vorßdjtig in ber Diät unb in ben ©etränfen, fejje ftcfe nicfet ber ©onne aus unb tjatte ßdj einige läge rutjig. Sine Slfetodjung einer Jpanbvoll 33rombeerwurze( unb eben foviel SBeifjeicfeen« cinbe in etwa einer «Pinte SBaffer, mit ber 3utbat vott, fage je einer Unze ©ewürjnel- fen, 3immet unb 3amaica*«Pfeffer, baS ©anze mit £utzuder ober 3uderfant gefüfjt, unb metjre Male täglicfe eßlöffelweife genommen, wirb oft von ber vorjügliefefl«« SBirtung fein. Man fei nur vorßdjtig ben Darmfanal nictjt zu fetjr ju aßringiren ober zu ßopfen. Um bie« zu vertjinbern, wirb es zwedmäßig fein, gleicfezeitig einmal täglid) eine Doßs beS neutralißrenben «Pulvers ober eine in folgenber Slrt jufant- Diarrtj öe. 191 mengefehte $iüe zu netjmen : Septanbrin zwanzig ©ran; Rhabarber zwanzig ©ran; Morptjin zwei ©ran; feierauS ftnb mit Söwenzafen*Sriraft zefen «Pillen ju madjen, von benen täglicfe eine zu nefemen iß, ober in fefetimmen gäüen zwei. Das ©e rauf foüte aus ber fdjleimigen Slbtodjung ber Ulmenrinbe, einer Söfung von arabifdjem ©ummi ober glacfesfamentfeee beßefeen; bie Diät muß teicfet fein, unb aus ©petfen, wie gefocfjtem Reis, Mefel in füßer Mildj gefoefet, geröftetem Mais unb bergleidjen beßefeen. 3n fetjr vielen gäüen wirb eine Söfung von ©atz, (Efßg unb warmem SBaffer ftcfe ats wirffames Mittel gegen Diarrfjöe erweifen. (©iebe unter ben Rezepten.) Sfeenfo wirb golgenbes von Mandjen für ein unfefelbareS Mittet gegen Durdjfafl gefealten: Man röße eine fealbe «Pinte Reis bis er voüßänbig gebräunt iß; bann fodje man ifen wie gewöfenlicfe; bie« muß langfam gegeffen werben unb wirb bie fdjwerßen gäüe in wenigen ©tunben furiren. golgenbes Rezept Iß bei fdjlimmen gäüen biefer Kranftjeit äußerß fdjä^fear: Kreibe*Mirrur.............4 Unzen; Rfeabarber*Xlnftur...........2 Unzen; 3ngwer*Iinftur ............ 2 Unzen; Dpium*3:inftur ............ H Unzen; Stromatifdjer ©atmiafgeiß.........\ Unze. -DUfdje; fcfeüttete gut um, vor bem jebeSmaligen ©ebraucfee, unb nimm je nadj ber Dringlldjfeit bes gaüeS ftünblicfe ober zweiftünbtitfe rinen (Eßlöffel voü. ©ebrannter Rfeabarber. — Sdj X)abt gewöfenlicfe in neun von getjn gälten bie Diarrfeöe burefe fotgenbes einfadje Mittel ßopfen tonnen: Man brenne (refp. -öfte) eine Unje gepulverten RfeabarberS unb gebe bavon etwa foviel, als auf bem ©tiel eines Stjeelöffels getjt, ober einen fealben Jfeeelöffel voü breimal täglicfe, mit etwas SBaffer. Der Rfeabarber muß in einem eifernen ©efäße über einem Kofeten* feuer gebrannt unb wätjrenb bes 93rennenS umgerütjrt werben. (Er muß ganz fefewarz gebrannt werben. Dies iß eins ber wirffamften aftringirenben Mittel uub tro£ feiner Sinfacfefeeit bei biefer Kranffeeit von wtrflidjem SBertfee. ©ebrannter «Pfropfen. — Dies iß ein fdjätjfeares Mittet gegen Kranffeei* ten bes Darmfanals unb, burdj ©aüenßörungen verurfaefete Magenleiben. Man brenne einen «Pfropfen oon ber gewöfenlicfeen ©röße bis er voüßänbig verfotjlt iß; bann madje man ein feines «Pulver baraus, mifdje mit berfelben Menge 3uderS, einem Jfeeelöffel voü Rum ober Sognac, etwas geriebener MuSfatnuß, einem Jfjee* löffel voü «Pfeffermünzeßenz unb ein bis zwei (Eßlöffel voü SBaffer, unb gebe es Kin- bern in Dofen von einem £t)eelöffel. (Es ift ein unfdjulbiges Mittet unb fann feäußg unb aud) in größeren Quantitäten gebraudjt werben. (Es iß gut für Diarrfeöe, Stjolera Morbus, ©ommerfranftjeit ber Kinber unb gaüige Kolif. Ss foüte in größerer Menge bereitet unb immer im £aufe vorrättjig getjalten werben. Sin Sßlöffel voü iß bie ridjtige Doßs für einen Srwadjfenen. Gferontfdje Diarrfeöe. — Sinfactje Diarrhöe nimmt zuweilen eine ctjronifdje ober feartnädige gorm an, inbem ße SlnfangS vernadjläfßgt ober fatfdj betjanbelt würbe, unb iß in biefem gaüe fefewerer ju tjellen. ©efjr oft befielt eine große frant^afte Reizung ber Durmfdjlrinujaut; biefetbe beßnbet ßdj 'n einem abnormen 192 ©unn'S £auS«3frjt. ober unnatürliefeen 3ußanbe unb getjt vieüeidjt ßeüenweife in Siterttng über. Sbenfo fann es fein, baß bie Seber ftcfe in einem ungefunben Jttßanbe beßnbet, uttb aüe gunftionen ber S>erbauungSorgane ßarf beeinträdjtigt ftnb. 3n folefeen hälfen ßnb berufeigenbe unb ftärfenbe Mebifamente am «pia^e. ©leidjjeitig muß ber Veber unb ber £aut bie nötfeige Slufmerffamfeit gefdjenlt werben, beren beiber Jtjätigfei» gewöfenlicfe geßört iß. Der ©ebrauefe fdjleimiger ©egenßänbe muß feier einen £auptttjeil ber 93eljanblung ausmadjen, bamit bas 3nnere bes Darmfanals gegen bie fdjarfen ©toffe, weldje ftcfe Im Magen bilben unb bie ungefunbe ©aüe, welcfee von ber Seber abgefonbert wirb, gefd)ü£t werbe. Das ©ummi Slrabicum foüte ein 93eßanbtfeeil alier gebrauchen Mirturen bilben ober gleichzeitig in reidjltdjer Menge geuoffen werben. Dies «Mittel feat nadjgewiefener Maßen oft aüein eine Kur bewirft, wenn alle anberen «Mittel fetjlgefdjlagen featten. 3 beertranf, in Sßlöffelbofen, zwei* bis breimal tägiidj; ober man brauefee biefe letzteren Mittel abweefefelnb, erß einige Sage ben neutralißrenben Sranf, bann einige Sage ben 93rombeerfvrup unb fo weiter — ofene jebodj bas ©ummi Slrabicum unb bie Ulmenrinbe zu vergeffen. SBenn bie Kranftjeit fdjon lange gewäfert tjat unb eine SBatjrfdjeinlicfeKll ttjeilroeifer Siter* unb ©efdjwürbilbung im Darmtanal erißirt; ober wenn bet 93aud) befonbers empßttbticfe iß, ober man tin ©efütjt ber SBunbfeeit im «Magen unb in ben ©ebärmen feat — befonbers, wenn ßcfe mit 93lut vermifdjte ©djleint« maffen in ben ©tuljlenrleerungen ßnben — bann bereite unb gebrauche man folgenbe «piüen : Man netjme Septanbrin zefen ©ran, ©ilbernitrat (Jpöüenßrin) zefjn ©ran, Cpiutn zefen ©ran, gepulverte SBarneria (Hydrastis Canad.) zwanzig ©ran (ober £»bra« ßin zefett ©ran) ; mifefee gut unb madje mit ©ummi Slrabicum ober Söwenzafen« Srtraft zwanzig «Piüen baraus ; eine «piüe täglicfe SlbenbS zur ©djlafenszett }" Diarrhöe. 193 neljmen. SBätjrenb bes 2 ige« gebraucfee matt babei beit 33romfeeertraitf unb bas ©ummi Slrabicum ober bie Utmeitrinbe. golgenbes Mittel feat Ijäußg bie fcfetimmßen gäüe furirt unb wirb von Maltesen für unfefelbar gefealten: Man nefeme eine Quantität alten fctjimmetigen, gutgeräu* djerten, fetten ©cfeinfen, jerfdjneibe ifen unb brate Üjn, fo baß baS gett IjerauSge* fcfemolzen wirb, bis man etwa rine fealbe «pinte gett tjat; wäferenb beS «Bratens unb ©djmelzens fdjneibe man groei bis brei ziemlid) große 3wiebeln hinein; wenn eS fertig iß, gieße man bas gett ab unb nefeme bavon einen Sßtöffel voü einmal obee einen Ijalben Sßlöffel voü zweimal täglicfe, in flüfßgem 3uftanbe. Man tjat midj verßdjert, baß es ein Vauptmlttel Iß, unb idj X)aht feinen 3weifef, baß eS gut iß. SS feat bie „Mertfantfcfee" unb bie „SalifornifcfeV' Diarrtjöe furirt, wenn aüe anberen Mittet fefelgefcfelagen featten. Sin greunb von mir furirte ßd) felbß von einer äußerß feartnädige« Diarrfeöe, bie bereits meferere Monate gebauert, nadjbem er SlüeS, wovon er nur irgenb getjört featte, vergeblicfe verfuefet, rinfacfe, inbem er einmal tägiidj ats fein Mittag ein @tüef rofeen, geräudjerten ©«feinten, eine rofee 3roiebet unb getjörig ©atz unb S3rob ver* zeferte. Ss beburfte nur zwei SBodjen bis zu feiner Leitung. Das Mittel iß nidjt fdjtecfet zu nefemen, wenn Semanb feungrig iß. 33ei ber 33efeanblung ber djronlfcfeen Diarrhöe, gteidjviel rbetdje Heilmittel man anwenbet, iß vor Slüem auf bie Diät ^u aefeten. Die Koß foüte mttb, ttaferb, aft uub lelefet verbauliefe fein, ©efodjte Milcfe mit Mefel, gefodjter Reis, gerößeter Reis unb gerößeter Mais zu Mefel gemafeien unb gefodjt, unb bergteidjen Dinge, ßnb ebenfo wotjl Mebtzin, als zwedmäßige Raljrung. Sn mandjen gäüen X)ahe idj aßringirenbe Mittel von ber beßen SBirfung gefunben — wäferenb Dptum, in irgenb einer gorm gereiefet, nur bas Seiben verfdjltmmerte. Ss iß immer am beßen nur wenig «Opium bei ber djronifdjen Diarrtjöe zu gebrau* djen. Sin Stufguß ober eine Slbfocfeung von Kampefefeenfeotz Iß ein ausgezeichnetes StßringenS ober ©topfmittel bei biefer Kranftjeit. Das Kampefefeenfeotz ift in jebee Slpotfeefe ober an jebem «pta£e, wo garbßoffe verfauft werben, zu feafeett. ©ewöfen* liefe ßnbet man es in gorm fteiner ©päne. Man taufe ein fealbes ober ein viertel «Pfunb unb madje von je einer Unze eint «pinte ßarfen Stufguffes, vou weldjem eine Sfeeetaffe voü (ober weniger, wenn ber Stufguß fetjr ßarf iß) zwei* bis breimal täg- iidj ^u nefemen iß. Sine Slbfocfeung ber S3rombeerwurzel iß ebenfaÜS tin vortrefflidjes Mittel bti biefem Seiben; es iß fowobt fräftigenb als audj aftringtrenb unb von fetjr zuver* läfßger SBirfung. Sdj tjabe gefetjen, wie bie eingewurzeltßen gäüe djronifdjer Diarrtjöe baburd) furirt würben, baß ber Kranfe ^wei ©ran Sbecacuantja täglicfe, Morgens unb SlbenbS natjtn unb bazu tägiidj breimat eine Saffe voü ßarfer Slbfo* cfe>ng ber 33rombeerwurzef tranf. Specacuantja in Heineren Dofen fdjeint bei Kranftjeiten beS DarmfanatS von befonbers wot)ftbätigem Sinfluffe ^u fein. S31Swetten tjat tin großes S3Iafenpßaßer auf ben S3aud) eine entfdjteben günßige SBirfung; ober ein großes £ar3pßaßer, welajes metjre Sage lang getragen wer- ben muß. 13 194 ©Unit'« £ aus »Slrzt. 9iufer.- 2>5fentcrie. Diefe Kranftjeit fängt gewöfenlicfe mit feeftigen Seibfdjmerzett unb tjäußgem Dr5n< gen zum ©tufetgange, ber gering unb zuweilen blutig iß, an. Man feat babei gewöfenlicfe ein eigentfeümlicfees, brüdenbeS ©efütjt, als wenn bie ganzen ©ebärme feerauSßelen unb feeftige ©djmerzen. Diefe Kranftjeit, wetdje bie Slufmerffamfeit mebiztnifdjer Slutoren fo fefer in Slnfprudj genommett feat, iß im £erbß am feaußgßen. Der menfefeltcfee Korper ifi um biefe SatjreSzeit, burdj bte vorfeergegangene angreifenbe Jpi^e, aügemein abge« fpannt unb gefdjwädjt, unb bie 33erbauungSorgane unb inneren Kanäle ttjeilen biefe ©djwäcfee unb ftnb nodj reizbarer, als unter anberen Umßänben. Die Rufer, in iferer einfachen ©eßalt, entftefet gewötjnlidj burdj bas Sffen ungefunber ober zu fetter ©peifen, burdj Unmäßigteit im Sffen, burdj Srfältung, ober burdj bas Sffen von ©emüfen ober grüdjteit. Sebe ©peife, bie ber Magen nicfet verträgt, fann bie Rutjr erzeugen, ebenfo bie Sinwirfung falter Suftftröme bei erfei^tem Körper, naffe Kleiber unb güße; furj, SlüeS, was ben ©efeweiß plöjjlid) unterbrüdt. Die Rubr in itjrer fdjlimmßen gorm iß eine Kranftjeit troptfdjer ©egenben, unb bort würbet ße mit einer Jpeftigfeit, »ie man ße itt gemäßigtem Klima gar nidjt fennt. ßweierlet Urfadjen erjeugen bie Rutjr: birette unb fvmpattjtfdje. Die bireften Urfadjen ßnb: Unmäßigfeit im (äffen unb Srinfen ; bie mittelbaren ober fvmpatfetfdjeit ftnb bie, weldje burefe @tn- wirfuug anberer Drgane, befonbers ber £aut, Seber unb Sunge auf bie ©ebärme Sinfluß feaben. 93ei grauen faiut rine Srfältung ober zufällige« Raßwerben beö Körpers ober ber güße, ober fonß rine plöjjtidje Unterbrüdung ber monatlicfeen Reinigung, eine, nidjt feiten mit einem leidjteit gieber begleitete, Rufer erzeugen. SBetjanblung. — SBenn bie Krantfeeit nicfet mit gieber begleitet ift,fo fönnen einfadje Mittel bie Rutjr in furzer 3eit vertreiben. 3n mitbett gäüen wirb puloe- rißrter Rfeabarber, ben man in irgenb einem eifernett ©efäße röftet unb umrüfert, bis er eine fctjwarze garbe annimmt, in Dofen von einem fealben Sfeeelöffel voll unb nidjt weniger, brei* ober viermal täglicfe mit ein wenig SBaffer genommen, bet Kranftjeit oft in wenigen ©tunben Sinfealt ttjun. 3« vielen gäüen ift ein ßjjlcifcl voü Kaftoröl mit ein ober ^mei Sfeeelöffel «Paregoric^Slirir vermifdjt, bie einzige erforberlidje Slrznei. 3uweltett gibt man «Branntwein, ben man feat abbrennen laffen, gegen biefe Kranftjeit. SBirb ber ©djmerz burdj bas «Paregoric=Stirir nidjt gefeoben, fo ttetjme man nadj Verlauf von vier ©tunbeit nodjmats zwei Ifeeetöjfel voü. 3uweilen wirb matt ßnben, baß eine Doßs Rodjeüefatz ober Magneßa jwecl- mäßiger iß, als bas Del, unb brrißig ober vierzig Sropfen Saubanum roirffamer, als baS «Paregoric*Slirir. SBenn «paregoric=Sltrir unb Saubanum bie ©ajmerjen nidjt milbern, fo gebe man einen Sljeetöffel voü Saubanum in gorm eines Klsftierä. Sit leererem gaüe mifefee man baS Saubanum mit einer tjatfeen «pinte ober weniget Seinfamentljee — benn je geringer bie Menge, beßo beffer — ober einer Sfuflöfung von Kraftmetjt, fo baß bie eingefpritite Menge bie ©ebärme gar nictjt, ober bei »eitigßenS nur in geringem ©rabe beunruhige, unb unterweife gngleidj ben Kran* fen ben ©tufetgang, fo lange ats mögtidj, zurüdzutjalten, um bem Klpftiere 3^1* geben auf bie ©ebärme einzuwirken. SBätjrenb biefer Kur foüte man ben Äranfen Rufe, r. 195 wo mogtld) warme gußbaber netjmett taffen, tjterauf ben Körper troden abreiben, itjn fchneÜ tn warme Deden einfeüüen unb retcfeticfe warmett Stjee trinfen laffen, z- 53-J Setnfamen*, Meliffen*, ©albei* ober Kat3enmünze=Sfeee, um tljn itt ©djweiß zu bringen. 3wei ©ran Specacuantja (Srecfewurzel) aüe brei ©tunben, werben, wenn bie feeißen «Bäber unb Sfeee ofene SBirfung fein foüten, balb ©djweiß erzeugen. 3n meiner «praris Ijafee idj Dover'S «Pulver mit großem Srfotge angewanbt. (©lebe unter ben Rezepten.) Diefe «pulver gietje idj aüeit anberen fdjweißtreibenben Mitteln vor; benn ße erzeugen nicfet nur ©djweiß, fonbern Wirten audj hexuX) igenb auf ben Darmfanal. S3el Kinbern fann man bie Rufer gewöfenlidj burdj eine Mifdjung von Del unb Saubanum ober «Paregoric=Slirir vertreiben. Sinem einjäferigen Kinbe gebe man täglicfe einen Sßlöffel voü Kaßoröl mit vier Sropfen Saubanum, bis ßdj bie Kranf* feeit legt. Diefe Doßs mag groß erfcfeeinen für rin Kinb von biefem Stlter; aber bie Srfaferung feat gelefert, baß große Dofen Del bei biefer Kranfljeit ofene ©efafer fefer wofeltfeätig gewirft feaben. Man feat oft einem Kinbe biefes SttterS zwei Sßlöffel Kaßoröl tägiidj gegeben, unb zwar mit bem hebten Srfolge. Die Stfeßdjt tjierfeei iß, bie ©ebärme getjörig ^u reinigen, unb burdj bas Saubanum ben feeftigen ©cfemerz ju befeitigen. 33ringt bie erße Doßs Saubanum feine Sinberung, fo gibt man adjt ober zefen ©tunbeit fpäter eine zweite Doßs Del unb brei Sropfen Saubanum. Diefe tjaben gewöfenlicfe SBirfung. SBenn bas Kaßoröl im Magen nidjt bleiben wiü, was zuweilen ber gaü iß, fo gebe man ßünblidj eine Doßs ber neutralißrenben Mivtur (ßefee Rejepte,) mit vier Sropfen Saubanum gemifcfet; bie« wirb ben ©cfemerz X)then unb bie ©ebärme reinigen. Man muß ßdj feierbei merfen, baß abfüferenbe Mittet aüer Slrt, mit Saubanum ober Dpiaten gegeben, viel fpäter wirfen, als ofene biefe eingenommen. Sine Doßs irgenb einer Strznei wirft, wenn ber Körper unter bem Sinßuffe von Dpium iß, oft zwei* ober bretmat fpäter, als fonß. Man ßnbet zuweilen bet ber Kinberrufer, baß Weber Kaßoröl nodj anbere afefüfj* renbe Signeten, nocfe Saubanum, «paregoric*Siirir ober anbere Dpiate bie Kranfbeit befeitigen. 3n fotdjen gäüen wirb oft ein ©ran ober fetbß ein fealber ©ran Speca- cuanfea, aüe brei ober vier ©tunben gegeben, fowotjt ben ©cfemerz befeitigen, ats audj ben Darmfanal leeren. SBir feaben oft gefefeen, baß Specacuantja auf biefe SBeife, obne Saubanum, ober «Paregoric=Sürir, ober fonßige Dpiate, bie Rutjr bei Kinbern, wo aüe anberen Mittel febffcfelugen, feeilte. Stucfe wirb man oft ^w'ti ©ran Dover'S «Pulver — Morgens unb SlbenbS gegeben — mit brei ©ran «pobopfepüin, bti einem einjäferigen Kinbe angemeffener ßnben, als Saubanum ober «Paregorlc=Slirir. ©inb bie Kinber älter ober jünger als ein Safer, fo muß man bie Doßs im «Bertjältnlß ^n bem Sitter berfelben, vergrößern ober verfleinern. gür ein fedjS Monate altes Kinb ßnb zwei Sropfen unb für ein zwei ober brei Saljre altes Kinb fünf ober fedjs Sropfen Saubanum bie paffenbe Doßs. ©inb bie Kinber älter ats brei Satjre, fo füge man für jebeS 3at)r ^wti Sropfen feinzu. Söir Ijaben oft einem fedjs Monate alten Kinbe in biefer Kranttjeit einen Sßlöffel voü Kaßoröl auf einmal gegeben; iß bas Kinb aber nod) jünger, fo iß gewöljnüdj ein Sfjeeföffel vott fjlnreidjenb. Sine Doßs 3becacuanfea feat zuweilen in ben erßen ©tabien ber Kranftjeit ben merfwür- bigen Srfotg, bie Sntzünbung ber ©ebärme ^n befeitigen; man muß ßctj jebocfe hierbei erinnern, baß biefer ©toff in «einen Dofen am wirffamßen iß. 196 ©unit'S £au«*3lrzt. Sin 3ugpßaßer auf bem 93aucfee Iß oft, wenn nicfet lieber vortjanben tß, f(fc bienlidj. Srwärmungen burefe glaneü ober burdj Südjer, weldje man in feeifjt« SBaffer, ©pirituS ober warme Kräuteraufgüffe getaucfet feat, ftnb faß immer nwfel- tfeuenb, ba fte bas SBlut an bie Dfeerfläcbe ziefeen unb ©djweiß erzeugen. Die Rufer, ober wie fie feier gewöfenlicfe genannt wirb, ber 23Jutßuß, Iß eine feebenflidje, uttb wenn fte nicfet ridjtig befeanbelt wir, meiß gefäferliefee Kranftjeit; fi« wirb oft innerfealb gewiffer Dißrifte epibemifefe, b. fe. ße verbreitet ftcfe über bie ganje ©egenb, unb befäüt feäußg mefere Mitglieber berfelben gamilie. 33on felbß ver» fefewinbet bie Rutjr fetjr feiten; oft folgt ifer ber Sob, unb bodj ift fie, riefetig befean- belt, eine ber Krantfeetten, bie am leidjteßen ^u feeilen ßnb. £ätte idj bie Sßafel unter aüen in biefem Sanbe befannten epibemifdjeit ober gefäferllcfeen Kranftjeiten, unb müßte idj bei ber 93efeaitbtung jebeStnal bte Teilung gutfagen, fo würbe iefe bie Rufer, unb ganz befonbers bie epibemifdj auftretenbe Rufer, wäfelen. 3aj »erbe feier bem Sefer eine Kur mittfeeilen, welcfee iefe für eine rabifale unb erfolgreiche featte. Sdj meine bie „efleftifcfee" 93efeanbtungSweife, bie ftcfe in meiner «Praris fletej als erfolgreidj bewäfert feat. 3ebe gamilie, weldje biefes S3ucfe feeßjjt unb für bie 93efeanbtung biefer Kranffeeit vorbereitet fein wiü, foüte ßcfe nadjfotgenbe Slrtifel verfdjaffen unb ßets vorrätfeig X)ahtn: ©efeweißtreifeenbe «Pulver ungefäfer z^ei Unzen; neutralißrenbe ?)ul»et vier bis adjt Unzen ; (biefe «Präparate ßnbet man unter ben Rezepten ;) Septanbrin (f. SferenpreiS ) unb «Pobopfepüin (f. Sntenfuß, May-apple ;) von jebem eine fealbe ober ganze Unze. Diefe ©atfeen ßnb gewöfenlidj in ben Stpotfeefen, ßets abet bei einem efleftifcfeen Strzte zu feaben, 3ß man überzeugt, baß man einen gaü von Rutjr, gleichviel in welcfeem ©tabium, ^u befeanbeln X)at, fo gebraucfee man, mag man vortjer anbere «Mittel obet gar nicfets gebraudjt feaben, golgenbes : SluS zwanzig ©ran neutratifirenbem, fünf ©ran fdjwetßtreibenbem «Pulver, groei ©ran Septanbrin unb einem tjatben ©ran «Pobopfepüin madje matt vier «Pulver unb gebe eins berfelben aüe brei ©tunben. Ratürticfeerweife iß biefe DofiS für Srwadjfene ober Seute über gn?ötf 3aferen beredjnet; ift ber Kranfe jünger, fo foüte man bie DoftS im Skrfeältniß zu fom Stlter verringern. Diefe werben grünblicfe auf ben Darmfanal wirfen, to&i beim Slnfange ber 93efeanblung biefer Kranfbeit fetjr wefentlidj iß. ©topfenbe «JRittel ßnb bei biefer Kranfljeit feiten zwedmäßig; zuweilen, unb ■ zwar befonbere) im Slnfange fogar fdjäblidj. 93eim gewötjntidjen Durdjfaüe fann man beliebig« ßopfenbe Mittel geben; (ofegleidj es audj ba am beßen ift, mit einer guten milben aber burdjgreifenben «Purganz anzufangen, wie z- 93.: mit ber oben angefittjrten,) aber bei ber Rufer iß es unumgänglidj nottjwenbig, angemeffene abfütjrenbe «JJhtttl . ^ geben, unb zwar nidjt nur SlnfangS, fonbern faß burdjgängig ober bis bie Äranl« beit voüßänbig gebroefeen iß, unb ber Kranfe anfängt ßcfe in erboten; bann fann man fcfjwadje ©topfmittel anwenben. Die oben genannten vier «Pulver werben für einen Sag genügenb fein, befonbeti wenn fte RadjmittagS unb SlbenbS gegeben werben. Slm nädjften Sage gebe »m aüe brei ©tunben ein «Pulver, jebeS beßetjenb aus: 3et)n ©ran neutraliftrentei «Pulver, fünf ©ran fdjweißtretbenbeS «Pulver unb'einem ©ran Septanbrin -"" etn wenig ©vrup ober einer anberen glüfßgfeit. Mittlererweile foüte ber Äranh Stjee von geriebener Ulmenrinbe (Slippery Elm) ober aufgelößem ©ummi 8raHn* Rufyr. 197 geinfamentfeee ober ein fonßigeS fdjleimigeS ©etränf, fowie warme, fdjweißtreibeitbe Slufgüffe trinfen. SllS ©peife gebe man bem Kranfen: Mildjfuppe, gebranntes Malsmefet in Milcfe, £üfenerfuppen, rin wenig gerößetes S3rob, unb bergleictjen. SBenn viel Seibfdjmerz unb ßdjtliefee Sntzünbung vorfeanben ift, foüte man warme Umfcfetäge, wie z- 53. in feeißeS SBaffer, ober nocfe beffer in eine feeiße Slbfocfeung von topfen ober anberen bitteren Kräutern getaucfete glaneütüdjer auf ben Unter* leib legen, unb zwar fo warm als ße ber Kranfe vertragen fann, unb biefelben gugtetdj feäußg weefefeln ober erneuern. 3elgt ßdj ßarfes Drängen zum ©rufet, fo ßnb Klvßiere von faltem SBaffer wofel* tbuenb, unb bei feeftigem Drängen unb großer Reizbarfeit unb Sntzünbung beS Maßbarms, wirb man ein Klvßier, beftefeenb aus einer fealben «Pinte Kraftmefet* löfung, zwei Sfeeelöffeln voü Saubanum unb einem Sfeeelöffel voü beS neutralißren* ben «Pulvers, mit einem Drittel einer Saffe feeißen SBafferS vermifdjt, fetjr wofel* tfeuenb ßnben, befonbers wenn baffelbe rine 3eit lang mit ©ewalt itt bett ©ebärme« Zurüdgefealten wirb. Sim britten Sage wirb waferfdjeintld) fetjr wenig Slrznei erforbertid) fein. Man fann biefelben «Pulver, wie vortjer, in größeren 3wifdjenräumen geben, ober audj wenn ßdj ber Kranfe bebeutenb beffer beßnbet, bas Septanbrin auSlaffen, unb von jeber ber anberen ©ubßanzen aüe brei ober vier ober fogar nur aüe fedjs ©tunben fünf ober fecfes ©ran geben. ©oüte ein Rüdfaü eintreten ober ber 3ußanb bes Kranfen, ßatt beffer zu wer* ben, ßdj verfdjlimmern, fo beginne man bie ganze Kur von Reuem unb gefee in berfelben SBeife, vieüeidjt nur ein wenig ßrenger, zu SBerfe. «Paßt man biefe 93efeanbiungsweife ben ©pmptomen unb ber ©tärfe ber Kranfljeit an, fo wirb ße feiten fefelfdjlagen unb gewötjnlidj in zwei bis vier Sagen eine voüftänbige Leitung bewirten. 93iele «perfonen nefemen ungern «pulver ein, unb befonbers ftnb Septanbrin unb Rfeabarber unangenefem iu nebmen. Desfealb X)abt iefe gewöfenlicfe, in atten weniger ßarfen Stnfäüen von Rutjr, fowie in atten gälten von Diarrfeöe folgenbe ebenfalls gute unb für ben Kranfen angenefemere Kur gebraudjt: Man nefeme zefen ©ran Septanbrin unb ein ©ran Morpfein, vermifefee feetbe, füge ein flein wenig aufgefößeS ©ummi Slrabicum ^u, madjt mit £ülfe beS Sedieren brei «Pillen baraus, unb gebe, ben Umßänben gemäß, alle feajs bis zwölf ©tunben eine «Piüe. Drei fiUtn befeitigen gewöfenlicfe eine nocfe nidjt zu weit vorgefdjrittene Rufer, unb oft war fogar rine einzige <$mt tjinreicfeenb ! 3n fdjtimmeren gäüen, wo ber Kranfe fdjon gefdjtoädjt iß unb mefer Slrznei erforberltdj iß, um eine Teilung iu bereden, würbe iefe aus zwölf ©ran Septanbrin, fecfes ©ran Specacuanfea unb ein ©ran Morpfein fedjs «piüen madjen, unb bie brei erßen feiervon aüe brei (Btun^ ben, bie übrigen aüe fedjs ©tunben geben. Slnberweitige Mittel ßnb zur Leitung nicfet erforberltdj. 3uweilen fann man eines ber obengenannten Klvßiere ober fdjleimtge ©etränfe geben, bie man burefe, 33eifügung von etwas wti\)tm ßudtx unb Sitronenfaure fdjmadbafter maefeen fann. Sleußere Mittel, wit 3. 33. 93aben bes ganzen Korpers in warmer Sauge unb bas Reiben mit trodenen Jpanbtüefeern warnte gußbaber, feeiße Umfdjläge auf ben Unterleib (ober, wenn man es für beffer erster, bisweilen audj falte) unb ber ©ebraudj fdjweißtreibenber Sfufaüife L Petszu empfehlen unb bisweilen fefe> erfolgreich SBe/bie feier emÄ Kur 198 ©unn's £ a u S - Sl r z t. gebraudjt uub grünbtid) burdjfüfert, braucfet feine 93efürtfetungen wegen ber «Rufe« ober beS 53lutfluffeS zu feaben, gleidjwie ßarf biefclbe aucfe tn ber Radjbarfdjaft fern fefeen unb wie wenig erfolgreictj ftcfe bie alte Jpeilmetfeobe zeigen mag. Kinber: — ©reift bie Rufer ober ber «Blutfluß Kinber an, fo befeanble man biefe ebenfo wie Srwadjfene; ßnb bie Kinber jebod) unter fünf ober fecfes 3aferen, fo fealte idj es für gut, in bem zulegt angegebenen Septanbrln=Rezepte bas «Morpfein auSjulaffen; ba es fdjwierig iß, bie Doßs beffelben bem Sllter ber Kinber getjörig anjupaffen, inbem ein Rtcfetarzt bie Doßs leidjt ^u ßarf madjen bürfte. Um ba« Septanbrin gleiäjmäßig zu vertfeeilen, zerreibe ober zerßoße man fecfes ©ran Septan- brin in zwanzig ©ran frvßaütßrtett 3uder, unb tfeeile bie Mifefeung für ein ß'm von brei Saferen ober barunter in jroölf, unb für ein Kinb von mefer als brei 3afe< ren, je naefe bem Sllter, in fedjs ober neuit «Pulver, unb gebe jebes in etwas 3utfer, ©vrup ober ©ete'e, breiftünbltdj. Klagt bas Kinb über ©cfemerz, fo gebe man aüe fecfes ©tunben fünf bis zefen Sropfen Saubanum ober einen Sfeeelöffel voü «paregorit« Slirir. Die neutraliftrenbe Miriur iß ein ausgezeichnetes «Präparat, fowofel bei biefer Kranftjeit, als bei atten anberen Strien von Seibbefefewerben, unb iß genwfen- lidj bie beße Mifdjung, in ber man bte verfdjiebenen ©toffe geben fann. «Man fann es zu gleiefeer 3eit mit bett Septanbrin*«Pulvern ober in 3n>ifdjenzeiten in Dofen von einem Sijee* ober Sßlöffel vott ofene jebe ©efatjr geben. ßctttcöbcrftunfuna. Dies iß eine ber feefdjwerltcfeßen Kranftjeiten unb fann, wenn man Üjr nidjt balb Sinfealt tfeut, fdjlimme gotgen tjaben. Man tann biefelbe burefe «pitten ober anbere innere Slrzneien nie tjetlen. 3m ©egenttjeil, verfdjllmmern biefe ©aefeen bie ßranf- feeit gewöfenlicfe. Die einzige grünblidje Kur iß eine zwedmäßige Diät unb Seben«- weife. Jpilft biefeS nicfet, fo fann man burefe Klvßiere Sinberung verfdjaffen. Man gebraudjt baju am 93eßen eine gewöfentidje ©pri£e, bie ja nur eine Kleinigfeit foßet. 3n vielen gäüen ift reines SBaffer ober warme Mildj anzuwenben. 9K«n fprifce fo viel ein, baß ber Magen anfängt, anzufdjwetten, unb, wenn ein Älöfrttr nidjt feinreiefet, gebe man ein zweites unb fogar ein brittes. 33erßopfung wirb bei einigen Seuten zur ©ewob, rtfeeit, weil fte forgloS ftnb unb bie ©ebärme metjre« Inge, ofene eine Kur vorzunefemen, in biefem 3ußanbe laffen, unb baburdj eben entßefeen anbere Kranftjeiten, wie Kolif, Unverbaulicfefeit ic, ba alle biefe Kranftjeiten mit S3erßopfung begleitet ßnb. Ss iß atfo äußerß wiefetig, biefem Umßanbe fogleicfe volle Slufmerffamfeit zu fefeenfen, ba rine «bernadjläfßgung ber täglidjen (Entleerun- gen, ober zu reicfeliefeer ©enuß von ©peifen bei wenig f örperlidjer «Bewegung, früfeet ober fpäter rinen franffeaften 3ußaitb beS ganzen DrgantsmuS nadj ftcfe jietjt. Die S3efeanblung iß fetjr rinfacfe ; man nefeme nur etwas SMtterfalz ober «Jtfeabar- ber, ober ein 93raufepulver, um bie ©ebärme zu erieidjtem, unb adjte auf bie S3efefeaffenfeeit nnb Menge ber ^u genießenben ©peifen. «Pillen unb ßarf abfütjrenbe Mittel follte man, ba ße aüe mefer ober weniger Slloe enthalten, ßreng vermeiben; bentt biefe vermefereit nur nodj bie ©djwäcb,e ber Sittgeweibe, bie eigentlidje Urfacfe« ber Kranttjeit, unb ^u gteidjer 3eit reizen ße ben Maßbarm unb erzeugen baburd» oft £ämorrtjoiben. Stuctj fdjwangeren grauen wirb biefetbe milbe Äur ^ K o t i f. 199 SBerßopfung Srleietjterung vergaffen. Die beße iß jebettfatts bie franaöftfdje Metb, obe, in Ktvßterett vott faltem ober lauwarmem SBaffer beßeljenb. 3ctj empfefete besfealb, auf lange Srfaferung geftü^t, bieS einfadje aber boefe fo wirffame Mittel, zur 33efel* tlgung oon 93erßopfung ber ©ebärme ober Jpartteibigfett. Die granzofen befür* Worten biefe Metfeobe — Klvßiere unb «pttfanen (Slufgüffe) — fetjr, unb biefem Umßanbe fann man itjren guten ©efunbtjeitszußanb unb ifere Sfufgewedttjelt jufdjreiben. Unb wenn wir tljrem 33eifpiele folgen unb ben ©ebrauefe, angreifenber unb ßarfer Slrzneien vermeiben, fo würben Saufenbe von Seuten bis in ein feoljes Sllter leben, bie iefyt burcb, Mebiziniren nnb Duadfalbern ein frühzeitiges ©rab ßnben. At D l t f. heftiger ©djmerz in ber ©egenb beS RabelS, vott Durß, 93lätjungett, hartleibig* feit unb gefdjwottenem 93audje begleitet. Die güße werben falt, unb burdj ben fer- tigen ©cfemerz wirb oft ein talter fiebriger ©efeweiß feervorgerufeu. Die Kranftjeit entßefet burd) ben ©enuß unverbaulidjer ©peifen ober ©etränfe, burefe Srfältung ober naffe güße. Heilmittel. Man babe bie güße uttb S3eine in warmem SBaffer unb madje feeiße Umfdjläge auf bie Magengegenb unb ben 33audj, b. fe. f>etßeS SBaffer, Ijetße Kräuter ober rin Umfefelag von feeißem ©enfteig ober ©alz; netjme eine gute Doßs Kaßoröl, trinfe feäußg «Pfeffermünz*, °ber Sngwer*, ober KatmuSttjee, ober warme Simonabe, unb bei feeftigen ©efemerzett «Paregortc*Slirir in etwas Ijelßera SBaffer ober wenn «paregoric*Slirir nicfet zu tjaben iß, gebe man fünf unb groan^ig bis breißig Sropfen Saubanum. SBenn ber ©cfemerz anfeält ober bas Kaßoröl nicfet wirtt, gebe man ein Klpßier von warmem SBaffer, bem man einen Sßlöffel voll ©alz unb einen Sfeeelöffel vott gett beifügt, unb laffe ben Kranfen, wtnn mögliefe, ritt warmes 33ab nefemen. 3«' cacuanfea feinzufügen. Stjolera 3nfaittum. SBenn biefe Kranftjeit bei Kinbern auftritt, was in ben ©ommermonaten feaufuj gefdjietjt, nennt man ße ©ommerfranftjrit ober Stjolera Snfantum. Die Uebelfeit unb baS Srbredjeit pßegt gewötjnlidj nidjt fo ßarf zu fein, aber bie ©tufelentleerun- gen ßnb Ijäußg nnb meißens von wäfferiger, grünltdjer ober weißlid)*fctjaumigtt 93efd)affetttjcit. SÖeitn vernaefetäfßgt, fann bie Rufer baraus werben. Die S3et)anblung muß ungefähr biefetbe, als bie gegen Stjolera %ltxW angegebene, fein, nur bem Sllter beS «Patienten nnb ben Umßättbett angepaßt. SRw tierlaffe ßdj b,auptfädjticfe. auf bas neutralißreube «Pulver, weldjes als Slufgufj oW Hämort tj oibeit. 203 ©prup zubereitet unb in reidjlidjer Menge gegeben werben mag. Radjbem man ein paar Sage bamit fortgefafereit, gebe man eine ßarfe Slbfocfeung von S3rombeerwur* Zel, Srbbeerblättern unb -SBurjel, wilbe Kirfefyenrlnbe, 3immet unb Kreibenelfen, mit weißem 3uder gefußt. Die © e r a n i u m "(©tordjfcfynafeet*) SBurzel iß aud) rin vorzüglidjeS Mittet bei biefem Seiben. Sine Unze bavon, zerßoßen ober gepulvert, werbe in einer «pinte füßer Milcfe gefodjt unb rine tjalbe Saffe bavon brei* bis viermal tägiidj gege* ben. Studj fann man ben geröfteten Rfeabarber in fleineit Dofen in etwas ©vrup ober Motaffes geben. Dodj was man fonß audj brauefeen mag, jebenfatts gebe man von 3eit zu 3eit bas neutralißrenbe «Pulver. Sluf bie Haut muß bie gefeörige ©orgfalt verwenbet werben; man babe bas Kinb zweimal tägiidj in warmem ©ate* ratus^SBaffer ober fcfewadjer Sauge unb reibe bie Haut tüdjtig bei bem Slbtrodnen, um ifere ©efäße zu gefünber Sfeätigfeit anzuregen. Die Koft muß leidjt fein, unb Ijauptfäcfelicfe aus Reis, gefocfeter Milcfe mit Metjl u. bgl. beßefeen. SBenn bie Kranffeeit in Rufer überzugefeen brotjt, was man baraus erfennen fann, baß bie ©tufelentleerungett metjr ober weniger mit 93Iut gemifctjt ftnb unb geringer an Maffe, bagegen aber feäuftger werben — fo gebe man golgenbes : Matt nefeme «pobopfepttin, zwei ©ran; Septanbrin, vier ©ran; Specacuanfea, vier ©ran; weißen 3uder, zwanzig ©ran; zerreibe bas ©anze in einem fleinen Mörfer, bis es getjörig vermtfefet iß; tfeeite bieS in adjt «putver. Stnem Kinbe oon gwei bis vier Saferen gebe man ein «Pulver alle brei ©tunben, bis vier genommen ßnb; vom vierten bis zum fecfeßen Safere, fecfes «Pulver in berfelben SBeife; über fedjs Safere alt, aüe «pulver; iß bas Kinb unter zwei Saferen, gebe man zwei oon beit «pulvern in vier Dofen eingetfeetlt. Man gebe fte in einem Söffet mit etwas SBaffer. SBenn biefelben genommen ßnb unb bie träftige SBirfung berfelben auf ben ©tufjlgattg erfolgt iß, beginne man wieber mit bem neutralißrenben Pulver unb gebe im Rotfefatte falte Klpftiere unb madje falte SBafferumfcfetäge auf ben 93auct) unb bett Unterleib. Studj fann man eine Doßs Kaßoröl mit einigen Sropfen Serpen* tinöt geben. § ämorrtjniuctt. Die fogenannten Hämorrtjoiben ßnb ©efdjwülße ober Knoten, wetdje ßdj am unteren SluSgange bes Darmfanals —in anberen SBorten, am Slfter (mebizinifdj ♦ anu8) bilben. Man tfeeilt ße, je nadj Üjrer Sage, in äußere unb innere Hämorrboi* ben ein. 93isweiten bluten biefe Knoten hei jebem ©tufetgange, unb bisweilen ßnb ße von feinem Slusßuß begleitet; bie erßerett nennt man bie fließenben, bie teueren bie biinben Hämorrtjoiben. Dies Seiben getjört fowob.1 hti Männern als bei grauen zu ben unangenebmßen unb qualvottßen ber ganzen Kranffeeitsliße ofewob! es feiten gefäferlldj wirb. ' ' ; Die Knoten ober ©efdjwülße ßnb bisweilen vereinzelt, runb unb fjervorßebenb ♦ bisweilen ßnb ße in freisförmigen Haufen zufammengrupplrt. Diejenigen welcfee an ßießenben Hämorrboiben leiben, verlieren beßänbig metjr ober weniger 53lnt Inbem bie SJenen wätjrenb ber ©tutjleittleeruitg zerreißen ober ßcb, erweitern 3n ben 204 ©unn's H<»uS = Slrzt. meißen gäüen von Hämorrtjoiben iß ber ©cfemerz feeftig, unb oft berettet ber Stufel. gang furcfetbare Dualen. SBenn ßcfe bas Seiben feßfefct unb einen feartnädigen Sfearafter annimmt, fo feinbern bte bamit verbunbenen 93efcfewerben ben «Patienten feäußg, feinen 33erufSgefd)äften nacfezugefeen. Sin Süden am Slfter pßegt eines ber erßen ©vmptome zu fein; bann folgt rin ©efüfel ber Hifce unb ©pannung im unteren Darmfanal; rin bumpfer Drud im dlüdtn unb im Unterleibe unb Unbe- tjaglidjteit beim ©ifcen unb Umfeergefeen; ber «Patient ßefet bei jeber Darmcntleerung bie feeftigßen ©djmerzen aus; bie Knoten, ob fte nun außen ober innen ßjjen, fdjwetten an, werben feart unb äußerß empßnblidj, fo baß ße ßdj taum berüferen laffen; bisweilen iß in itjnen eitt flopfenbeS «Putßren bemertbar. SBenn bie Knoten aufbrecfeen uttb itjren Snfealt ergießen, fo erfolgt balbige Srteidjterung, bis ftcfe, ntue ©efdjwülße bilben ; bocfe. wenn fte feart unb gefpannt bleiben unb fein 33tut burcfelaflen, fo veranlaffen ße oft unerträglidjes Selben; bisweilen werben fte burdj bie Stnftrengung, weldje ber «Patient bei bem ©tufele madjen muß, zum S3tuten gebradjt, uttb bie« fdjafft bann unmittelbar wenig« ßens tfeeilweife Srteidjterung. Die Hämorrb,oibalgefdjwülße ßnb in 93ejug auf garbe unb ©eftalt fetjr verfcfeiebeit. SBenn fte ßarf entzünbet ftnb, fetjen fte rotfe ober blaurotfe aus unb ßttb X)art unb gefpannt; bodj wenn ße ßcfe tn einem tragen 3ußanbe beßnben, ftnb fte blaß unb fdjlaff; einige ßnb faum größer als eine Srbfe, wäferenb anbere ben Umfang eines HüfenereleS erreidjen. Die ©vmptome ber äußeren Hämorrtjoiben ßnb ein äußeres Slnfdjwetten, bas ßdj runb unb feart anfüfelr, bei bem ©tufetgange tjeiß unb fcfemerzfeaft iß unb mefer ober weniger Süden verurfacfet. 33isweilen platjt bie ©efdjwutft bei bem ©tufetgange unb ergiefjt 93tut. Sn wenigen Sagen fängt ße an, ßd) zu verlieren. 33isweilen wirb fie entzünbet unb fetjr fdjmerzljaft, fütjrt nidjt fetten zur Siterung unb legt ben ©runb jur fogenannten Maßbarmßßel. Die inneren Hämorrtjoiben ftnb ebenfalls urfprünglicfe erweiterte 33enen; ßeser- urfadjen großen ©djmerz, bluten feäußg unb madjen bie Darmentleerungeu fdjnrie- rig; oft ftnb bie ©tutjlgänge mit 93lut vermlfdjt. ^Bisweilen wirb ein SSorfatl bei MaftbarmS (Prolapsus ani) baburd) veranlaßt. Der «Patient füfelt nadj jebem ©hujl, ats ob nodj metjr entteert werben muffe, unb brängt, bis ein Sfeeil beS «Mafl- barmS IjerauSgezwungett wirb, fo baß er ifen mit bem ginger zurüdfdjteben mufj. Dodj bieS 3urüdfefeieben iß unter Umftänben äußerß fdjwierig, unb wenn bie Sfnzatjl unb ber Umfang ber Hämorrfeoibalfnoteti, fowie bie ©röße bes tjervorge- bräitgten SfeeileS, beträcfettidj iß, oft unmögtidj, efee man bie Sntzünbung befämpft feat; mit ©ewalt läßt ßctj nidjt« bagegen auSrtcfetett, unb es werben nur unnüjjt Dualen verurfadjt. 3« mattefeen gälten iß ber Urin nnterbrüdt unb bie Darment- leeruitg beinafee verfeinbert, unb es wirb eine bünne, fdjarfe Materie von ben Iran» fen Sfeeiten abgefonbert. Dodj biefe ©vmptome verlieren ftd), fobalb bie Sntjünbung befeitigt unb ber vorgefaüene Darm wieber an feinen «ptafc gebradjt iß; es tritt bann für einige 3eit Srteidjterung ein. Urfadjen ber Hämorrtjoiben ßnb: S3erßopfung; Mangel an Reinlidjfeit; Unnto« ßigfeit im Sffeit.uitb Srinfen; ein frattffjafter 3ußanb ber Seber; SBofelbeleibtfeeit unb S3ottblütlgfelt; ßarfe «Purganzen, vorzüglicfe Slloe enttjaltettbe, beren in fea'up- ger ©ebraudj ben unteren Darmfanat zu übermäßig reizt unb oft Hämonfeoibtn hervorruft, ober fdjon beßebenbe verfdjlimmert. grauen tjaben oft viel von biefer Hämorrb, oiben. 205 'eb,merzltefe,en unb quatvoÜen Kranftjeit zu leiben, welche nicrjt feiten burefe; ben Drud bes fefewangeren Uterus (©ebärmutter) auf bie «Blutgefäße beS Unterleibs bervorgebraefet wirb; oft auefe burefe eine ft^enbe Sebensweife, vorzügllcfe, bei benen, welcfee ben ganzen Sag mit Räfeen unb äfenlicb>n Slrbeiten zubringen muffen. SlÜes, was ben 93lutumlauf im Unterleibe feemmt unb einen trägen 3ußanb bes Darmfanais veranlaßt, fann zu biefer Kranftjeit füferen. 3n manefeen gälten ßnbet ßcfe, feefttge fefemerzfeafte Sntzünbung unb Siterung; bann ift immer bie ©efafer vorfeanben, baß ßcfe ßßelarttge ©eftfewüre bilben. Die ßießenben Hämorrfeoiben verurfadjen feäußg fo ßarfen 33lutverluß, baß bie Haut blaß wirb unb ßcfe allgemeine ©cfewäefee einftettt. SBenn gteietjaeitig ein 33or* faü bes Maßbarms ßattßnbet, fo ift in golge ber vorfeanbenen Srfcfeöpfung unb ber ©cfewädjung ber Sfeeile oft große S5orßetjt bei bem 3urüdfefeieben erforberliefe. S31S* weilen iß nur ein Heiner Sfeeil aus feiner ©teile gewiefeen; ^u anberen 3eiten iß ber ©cfeaben fetjr bebeutenb. SBenn ßcfe baS Heraustreten wäferenb beS ©tufelgangS ereignet, fo muß man, wo mögtiefe, fofort .mit bem ginger ben Darm zurüdbringen. Der ginger muß bazu gut eingeölt ober mit gett befefemiert werben. Der «Patient follte ftcfe gewöfenen, bie« ofene. Hülfe tX)un %u fönnen. Die Hauptfdjwierigfett beßefet meißens nicfet barin, ben vorgefallenen Stjeil zurüdzufdjieben, fonbern barin, ifen in ber riefetigen Sage zu erfeatten. Häußg ßnb bazu metjrfadj zufammengetegte Kompreffen erforberliefe, weldje burdj eine 33anbage befeßigt werben. Riefet fetten bilben ßcfe in golge ber Hämorrfeoiben in ber Rabe beS StfterS Slfefceffe, bie in giftein enben. Unter gißeln verftefet man Heine Siterungsfanäle, bie unter ber baut bin* laufen unb In ben Darm einbringen; fte fonbern von iferer inneren glädje eine bünne Materie ah, bie ftcfe naefe, außen ergießt. Hämorrfeoiben fönnen aus atten Urfacfeen entßefeen, welcfee eine freie Rüdfefer beS (venöfen) S31uteS vom untere« Sfeeile bes Darmfanals verfeinern; alfo burdj Slnfammlung fearter Kotfemaffen, burefe eine fdjwangere ober vergrößerte ©ebärmutter, burefe allgemeine ©djwäefye unb Srfefelaffung unb burefe entzitnblicfee 3uftänbe bes Darmes unb bes StfterS. Slucfe eine SSerminberung ber natürlicfeen ©cfeleimabfonberung beS Darmfanals Wirft bafein. Sine Kranftjeit ber Seber, wetdje bas freie 3urüdflteßen beS S3tuteS ßört, fann ebenfalls bie Urfadje fein; ferner übermäßiger ©efcfeletfetSgenuß; bod) am feaußgßen Unmäßigfeit, ©djlemmerei unb Mangel an «Bewegung. Sine 33eftä* tigung ßnbet man barin, bas «perfonen, bie frütjer ein tfeätiges unb bewegtes Seben füljrten, wenn ße ßdj, reidj geworben, vom ©efdjäfte zurüdzietjen unb einer üppigen Sebensweife feingeben, Hämorrtjoibarier ^u werben pflegen. ©etjr wotjlfeeleifere ober fette Seute ßnb gleidjfatts biefer Kranftjeit unterworfen, inbem itjr gettpotßer auf bie «Baudjvenen brüdt. Um alfo bie mannigfaefeen Snt* ßefeungsgrünbe ber Hämorrijoiben zufammenzufaffen, mögen folgenbe Haupturfadjen nocfe einmal erwäfent werben: ©i£enbe Sebensweife; Korpulenz unb SMfetütigfeit; Unmäßigfeit; ein franffeafter 3uftanb ber Seber; ©djwangerfdjaft; S3erftopfung J Dpspepße ober Unverbaulicfefeit; üppige Sebensweife; feeftige «purgiermittel. H e i I v e r f a fe r e n. — Das erße unb eines ber roidjtigften Heilmittel bti biefem Seiben iß eine ridjttge Diät. Ss bürfen feine SBeine unb fonßige geiftige ©etränfe genoffen werben; ba bie Kranftjeit gewötjnliefe einer üppigen Sebensweife itjre Snt* ßefeung verbanft, fo iß ein entgegengefe^tes SSerbaftett bas beße Mittel, fowofel um ße ju vergüten, als um ße zu furiren. 206 ©uitn's Hausarzt. Das Selben pßegt von 93crßopfung begleitet zu fein unb wirb, wenn nicfet feer« Vorgerufen, bocfe immer baburdj verfefelimmert. Ss tß bafeer nottjwenbig auf regel. mäßigen ©tufelgang zu acfetett unb eine Sto^i zu genießen, bie gelittbe larirenb wirft; alfo z. 93.: Roggenbrob, ReiSmefel, in irgenb einer gorm, mit MolaffeS, Roggen pubbing, grobes, ungebeuteltes SBeizenbrob, Kartoffeln, reife grücfete, gefodjte obet eingemacfete «pßrßcfee, getrodnete «Pflaumen, Milcfe, unb Im Sittgemeinen eine nafer- l)afte unb zwedmäßige «Pßanzeiifoß, um ber SSerßopfung vorzubeugen. Häufig ifl bies nicfet auSreiefeenb, unb eS ßnb lelcfete Slbfüfermtttel erforberliefe,. 3" folefeen gälten iß Sremor Sartari, in ber DoftS von einem gefeäuften Sfeeelöffel voü, mit SBaffer, MolaffeS ober ©vrup vermifefet, eine gute Mebizin. Sbenfo ßnb bie zufam- mengefeijtett Rfeabarber*«ptÜen, als mitbe «Purganz, bie ben Darmtanal nicfet über- mäßig reizt, zu empfetjlen. ©djwefetblumen ßnb ein gellnbeS, tüfelenbes Sarirmittcl unb eignen ftcfe vorzügtidj jur 33erbinbung mit Sremor Sartari; von einer «Mifcfeung biefer beiben Slrtifel, zu gleictjen Sfeetlen, gebe man einen tlelnen Sfeeelöffel voü einmal täglicfe, mit MolaffeS ober Honig, bis es getjörig auf ben ©tufel wirft. Dabei trinfe man wäferenb bes Sages einen Slufguß von gleictjen Sfeellen HoKunber« (glieber*) 33lütfeen uub SBotttraut; biefer Sfeee wirb burdj feine glelefejeltig lari- renben, tüfelenben unb aßrlngtrenben Sigenfdjaften einen günßigen Sinßufj auf bie tranfen Sfeeile feaben. SBenn bie ©efdjwülße fetjr fefemerzfeaft werben unb bebeutenb entzünbet ßnb, fo Wirb ein Umfefelag von geriebener Ulmenrinbe (Slippery Elm bark) mit «Milcfe große Srleicfeterung fdjaffen. ©letdjzeitig wenbe man folgenbe fcfeäjjbare ©albean, mit wetdjer idj mefer Seiben geßittt unb günßigere Srfolge erzielt tjabe, ats mit irgenb einem anberen Mittel. Man nefeme einen Sßlöffel vott frifdjer ungefaljener S3uttet unb ein bis zwei Sljeelöffel vott Serpentinöl unb mifefee gut zufammen; mit biefet ©atfee beftreidje man bie tranfeit unb entzünbeten STtjeite, fo weit man in ben 51ftet mit bem ginger reiefeett fann, zwei* bis breimal täglicfe. 3n feunberten von Säuen würbe burefe btes einfadje aber wertfevotte Mittel eine Kur bewerfßettigt. golgenbes iß gtridjfatts eine gute ©albe: Man nefeme ©cfewefeltntlcfe (ober Sefewe- fetblumen) einen Sfeeelöffel vott mit einem Sßlöffel vott frifdjer, ungefaljener 53utter, unb rütjre gut um; man beftreidje bamit bte Hämorrfeoibalfnoten zwei bis breimal tägiidj. Dr. 93obenbamer, ber in ber 93efeaitbluttg biefer Kranffeeit einen großen «Jhif erworben, wenbet rine ©albe aus Dpium unb ©recfeapfel (Stramonium) an; bie ©albe wirb bereitet, inbem man bie zerßoßenen ©tedjapfetblätter in frifdjer 9?uttet ober in ©djweinefdjmalz bei getinbem geuer verfodjt unb bann etwas Saubanum feinzufügt. Sluf bie leibenben Sfeeile gerieben, foll biefe ©albe fdjnett Srteidjterung fdjaffen. Studj SBafdjungen ber Sfeeile mit faltem SBaffer ßnb fetjr zu empfefelen. 3d) X)aht gefunben, baß faltes SBaffer, als Klvftier unb als 93ab benu£t, in öielen gälten bie beßen Dienße leiftete, inbem es bie Sntzünbung befeitigte. «Man foüte bafeer feine Slnwenbung bei Hämorrfeoiben, 93orfatt bes Maßbarms unb aüen ßntjün- bungen unb fonftigett Kraitffjriteit biefer Sfeeile immer verfudjen. Dodj reidjen ort- lidje Mittet nidjt aus, wenn man nidjt gleidjzeittg für offenen ©tufelgang forgt. 3« mandjen gäüen wirb S3äfeuitg ber Sljrite mit warmen Dämpfen von bitteren Kran* fern, wie Hopfen unb SBermutfe, unb bie Sinfprtfcung einer fealben $tnte lauwarmen SBafferS in ben Darm für rattjfam gehalten. SBentt bie Steile übermäßig empßnbliefe Hämorrtjolbett. 207 unb fetjr fefemerjfeaft ßnb, unb befonbers wenn bie Stttzünbuttg beträdjtlicfe: iß, werben biefe warmen Dämpfe immer große Srleidjterung fdjaffen. Hartemöl, mit braunem 3uder vermifcfet, in Dofen von fünfzehn Sropfen zweimal täglicfe, Iß rin gutes Mittet, wenn man bamit fotgenbeS erweicfeenbe Ktvßier ver* binbet. Man madjt von ber gelben Ulmenrinbe (Slippery Elm) mit faltem SBaffer eine fefeleimige Slußöfung unb füge then foviel einer mäßig ßarfen Slbfodjung vott Siefeenrinbe fetnzu; biefe Mifcfeung muß zweimal täglicfe talt in ben Slfter ringe* fprlfct werben; babei brauefee man bie oben erwäfente ©albe von Serpentine! unb frifdjer «Butter. Dies SSerfaferen, mit regelmäßigen falten SBafdjungeit verbunben, wirb gewöfenlicfe Srfolg feaben. SBenn bie Hämorrfeoibalfnoten fetjr entzünbet ßnb, fo iß ein Umftfetag von gewöfentlefeem ftaudjtahad unb frifdjer 33utter bereitet, inbem man einen Sfeeil Xahad unb groei Sfeeile 33utter foefet unb burdjfeitjt — zwei* bis breimal tägiidj aufgelegt, ein fcfeä^feareS Mittet. Srtraft von witbem Sattidj (Lactuca Elongata; Snglifdj: wild lettuce, trumpet- weed, &c,) wirb ebenfalls als ßefeere Kur für Hämorrfeoiben empfohlen. Man nimmt bie ganje «pflanze wäferenb ber «Blütfeezeit, fdjneibet fte Hein, foefet eine ©tunbe lang in einer angemeffenen Quantität SBaffer, feifet bura) unb preßt atten ©aft aus, gießt bie gewonnene glüfßgfeit in ben Keffel zurüd unb todjt fte bis zur Dide von Sfeeer ein, wobei man ßd) fetjr in Sidjt zu netjmen feat, ße nidjt „anzu* brennen" ober ferenjUcfe zu madjen. Den fo gewonnenen Srtraft feewafjre man in wofelverfcfeloffenen gläfefeefeett mit weitem Munbe auf. Die Doßs iß ein Stjeelöffet voü breimat täglicfe, bis Heilung erfolgt; gleichzeitig iß äußerlidj eine ber oben angegebenen ©alben zu gebraudjen. Reuerbings iß bie Sntbedung eines Mittels gemadjt worben, beßen äußerlictjen unb Innerlichen ©ebraudj man faß als rine fpezißfdje Mebiziit gegen bte Hätnorrtjoi* ben anfefeen fann. SBir ftnb Dr. Daniel Jpigbie, einem t)ervorragenben Strzte ber efleftifcfeen ©efeule, für biefe Mitteilung verpflichtet, bie einen neuen 93eteg für bett SBertfe ber vielen feeilfräftlgen «pßanzen biefeS SanbeS liefert, beren Sigenfd)äffen bisfeer nur ungenügenb unterfuefet unb gewürbigt würben. Der feetreffenbe Slrtifel tß bas Del von Srigeron SanabenftS. Dr. Htgbie'S Metfeobe iß, fedjs bis zwölf Sropfen bavon innerlidj Morgens unb SlbenbS mit etwas Mildj ^u geben, nacfebem ein tetdjteS Stfefüfermittet, z. 93. etwas Kaßoröl, vor* ausgefdjidt iß; babei werben bie Hämorrfeoibalfnoten äußerlidj mit bem Det einge* rieben; was bie Diät betrifft, fo wirb als HauptnatjrungSmittel ungebeutelteS SBetzenferob verorbnet, bis bie Kur beenbigt ift. „3dj X)aht einmal einen Mann von ben Hämorrfeoiben furirt," fagt Dr. Higfeie, „ber bereits feit brei unb zwanzig 3atjren baran gelitten tjatte, unb meine 33efeanbluttg bauerte nidjt länger als fedjs SBoefeen. Stüe iwei ober brei Monate natjmen feine Seiben fo ^u, baß er Söodjett lang nicfet geljen fonnte, unb baß er SltteS erbulbete, was ber menfdjudje Körper, ofene zu unterliegen, ausfeaiten fann. Ss Iß Je£t fünf 3afe>, feitbem bie Heiiuug vottbradjt würbe, unb es iß feitbem nidjt bas geringße Slnzeictjen ber Kranfljeit zurüd* gefefert." Das Del wirb burdj Deftittation ber «Blüttjett uttb «Blätter von Srigeron SanabenßS erijalten; Snglifdj nennt man bie «pßattze audj Canada Fleabane, Pride- weed, Scabious, &c, ße entfpridjt bem beutfdjen ©rinbfraut. Die «Pßanze wädjß iit ben nörbtidjen unb mittleren Sfeeilen ber «Ber. (Staaten,-auf gelbem unb SBtefett an ben SBegen unb auf ©tfptä&en; ße blütjt im 3uti unb Sluguß. Das ättjert'fdje 208 ©untt's H«uS*Slrzt. Del iß in ben meißen Slpotfeefen zu X)ahtn ; es feat eine rötfeliefee garbe, etwa »« 3ofeannisbeer=@ele'e, unb feat bei bem Skrbrennen einen Seber=äljnlid)en ©erucfe. Das Del feat aßringirenbe (zufammenziefeenbe) Sigenfdjaften unb iß besfealb auefe als örtlicfee Sinreibung bei ben Hämorrfeoiben von Rufcen. Doefe muß es mit fünf ober fecfes Ifeeilen Kaßoröl ober eben foviel ©tramonium=©albe ober auefe mit ©änfefdjmalz u. bergt, vermifdjt werben, ba es fonß ^u ßarf wäre. Der ganzen «Pflanze fommen fräftigenbe, aßringirenbe unb fearntreifeenbe 2Bir. fungen zu. Der Slufguß feat fetjr gute Dienfte gegen ©teinbefefewerben, Harnrufer, SBafferfucfeten u. f. w. geletßet; man bereitet ifen, inbem man auf eine Unje be« Krautes rine «Pinte foefeenben SBafferS aufgießt unb eine fealbe ©tunbe „ziefeen" läßt. Die Doßs iß ein bis zwei SBeinglasvott brelmal täglicfe. Das vortjer befdjrtebene Del von Srigeron SanabenftS ift nicfet nur ein fetjr fcfeä|). bares Mittet bei ben Hämorrfeoiben, fonbern auefe, bei 93lutungen von Heineren SBunben u. f. w., bei RfeeumatiSmuS, gurunfeln ober 531utgefcfewüren, ©efajtoülficn unb fcfelimmem Hälfe; es wirb feier zur Sinreibung mit ©änfefdjmalz, ober anberen Delen vermifdjt, feenujjt, ba es allein zu fefearf unb reizenb ift. 3nnerlid) genom- men iß es gut gegen Diarrtjöe, Rufer, «Blutfpuden unb ^Blutungen bes Magen« unb Darmfanats; ebenfo wirb man ßnben, baß es ein fräftiges ©tiüungSmittel bei Uterus* ober ©ebärmutterbtutungen iß. ©eine SBirfung ift fdjneü unb entfefeieben. Die Doßs iß von vier zu fecfes Sropfen auf 3uder ober in ©piritus aufgelöft unb mit etwas SBaffer vermifdjt; biefe Doßs fantt im Rottjfatte metjre Male alle jet>n bis fünfzehn Minuten wiebertjolt werben. Sfee iefe meine S3emerfungen xxbtx biefe befcfewerltcfee unb in vielen gäüen fo quäl' volle Kranfljeit fcfeließe, füfele id), baß es meine «Pflicfet iß, meine Sefer vor bem #er< ausfefeneiben ber Hämorrfeoibatgefctjwütße als vor einer tjödjß gefäferlicfeen Operation ZU warnen. Sinerber beßen efeirurgifefeen Dperateure, ©ir Slftlev Sooper, gibt — ixt Uebereinftimmung mit vielen anberen Autoritäten — feine Meinung batjin ab, baß in golge biefer Dperatiott burdj 931utverluft zatjtreidje SobeSfäße eingetreten ßnb ; unb idj bin überzeugt, baß nicfet ein «Patient von Hunberten ßdj berfelben unterziefeen würbe, wettit ße eilten richtigen Segriff von ber bamit verbunbenen ©efafer featten. Dr. S3uffee, in feinem fcfeäparen SBerfe über bie Kranfbeiten beS unteren Darm- faitals, fagt, baß „bas Herausfefeiteiben burcb, bie nadjfolgenbe 931utung bie grbfjte ©efafer bringe;" unb er geftetjt: „er fei fo nafee baran gewefen, zwei «Patienten burefe biefe Dperation zu vertieren, baß er nie mefer freiwillig feine 3ußucfet baju nefeme/ Ridjtsbeftoweniger befommen Hämorrtjoibalgefdjwülfte, weldje vernadjläfßgt ober unzwedmäßig feetjanbelt würben, bisweilen eine foldje Sage unb einen folefeen Umfang, baß ifere Sntfernung nottjwenbig wirb. 3« biefem gälte foüte man, nadjbem bie obigen verfdjiebenen wirtfamen Mittet erfdjöpft ßnb, ße vermittelfl einet Sigatur „afebinben" laffen; einer ber beßen unb erfolgreidjßeit Dperateure in biefer Metfeobe iß Dr. 93obent)amer in mtw gjorf, beffen ©efdjidlidjfeit bereits einen wobl^erbienten Ruf erworben, gür biejenigen, welcfee ßdj nicfet bie Hülfe biefe« an«- gezetdjttetett Strztes verfdjaffen fönnen, will iefe feier furz bie Metfeobe erflären, bie an ßdj rinfacfe genug iß, nur baß bei ber Slusfüferung Stiles auf ©efdjidlidjfeit anfommt. Man nimmt einen wotjl zufammengebretjteit unb gewaefeßen ©eibenfaben unb lejl U)n um bie größte ©efdjwulß, ba, wo biefetbe mit bem Darm zufatnmenfeänajj Darmvorfatt. 209 biefen gaben zieljt man fo feß ^ammtn, als ber Patient es ertragen fann unb binbet ifen zu; von 3ett 3u ßtit fann man ben gaben enger zufammenzietjen ober einen anberen gaben enger umlegen, bis ber 3"ßuß beS 23luteS zu ber ©efdtjwulß voüßänbig verfetnbert iß; baburd) wirb bie festere zu fdjwinben unb ßcfe, abzulofen beginnen, bis fte ganz abgefdjnitten iß, unb in einer SBodje bis zu je$n Sagen iß bie Kur vottenbet. SBenn bie Sigatur ober ber gaben ßarfe Sntzünbuitg verurfadjt, fo madje matt warme Umfdjläge, uub, wenn nottjwenbig, gebe man eine Doßs Dptutn ober Saubanum, um bie ©djmerzen zu füllen. 3n manefeen gälten liegen bie Hämorrfeotbatfnoten fo fjodj Im Darmfanaf, baß ße nicfet leidjt erreidjt werben fönnen; ber «Patient mag bann verfudjen, fte burd) ßarfes Drängen, wit bei bem ©tufetgange, tjerauszubrüden; ober wenn bie« nidjt möglidj iß, muffen ße vermittetß einer fteinen ctjirurgifctjen 3ange (goreeps) IjerauS* gezogen werben; man fann, je naefe bem Umfange ber Knoten, nur einen ober mefere auf einmal unterbinben. Dodj muß man forgfältig barin fein, ben gaben eng genug zu gießen, fo baß bie ©efdjwulß ober ber Knoten ah^iixht unb abfällt. SS iß am beßen, mit ben größten anzufangen, bie Heineren feferumpfen bann oft von fetbß zufammen. Die Sigatur ift bas geeignete Mittel, nadjbem bte anberen angegebenen Mittet fetjtgefcfetagett; bie Dperation iß mit feiner ©efatjr verfnüpft unb bte Slbfonberung, welcfee baburd) veranlaßt wirb, feat eine wotjltfeätige SBirfung. 3dj X)abe oft gleicfezeitig eine Slnjafet ziemlicfe großer ©efdjwülße vermittelft ber Siga* tur entfernt unb burefe biefe einfadje aber unfdjätjbare Dperation voüftänbige Hei* lung bewerfßeüigt. Die Sigatur verfeütet bie ©efatjr beS 33tutenS, unb obwoljl baS SSerfaferen für ben «Patienten etwas befdjwerlicfe ift, unb itjm oft viel Seiben verur* faefet, fo fann man ben ©cfemerz bocfe baburdj fetjr mürbem, baß man bie Sigatur nicfet gleiefe Im Slnfange zu feß madjt. Meine Mettjobe iß, ben Hämorrfeoibal* tnoten mit einer goreeps ober mit einem fogenannten Senaculum feerauszuziefeen unb bann einen gewaefeßen ©elbenfaben umzubinben, inbem iefe bie ©djlinge attmä* lig zufammenziefee, bis ber «Patient ßcb, betlagt, baß er es nicfet mefer aushalten fann j bann lege iefe, ber ©iefeerfeeit wegen, nodj einen zweiten gaben um unb fdjneibe bie gäben etwa einen ßoU von ben gemachten Knoten ah; mit mofelgeöltem ginger fefeiefee idj bann ben Darm unb bie Hämorrl)oibalgefdjwulß zurüd. Hiermit glaube iefe bie beße S3eb,anblungsweife für bie Hämorrljotben in itjren verfdjiebenen ©tabien unb ©eßalten angegeben zu Ijafeett; idj tjabe ©elegenfeeit getjabt, bie überrafdjenbften unb erfreutiefeftett Srfolge von ben erwätjntett Mitteln gegen biefe zwar nidjt gefäljrltdje, aber unangenehme unb qualvolle Kranfljeit iu fetjen. Sarmdorfall. Das SSorfatten ober Heraustreten bes Maßbarms wirb bisweilen zu einem äußerß ftfewiertgen Selben; es entßetjt nidjt immer in golge von Hämorrtjoiben, fonbern fann audj burdj anbere Urfadjen tjerbelgefüferi werben—ba3u gel)ort: tjeftiges Drän* gen beim ©tut,lgange, ber lange fortgefefcte ©ebraudj ber Slloe unb anberer tjeftiger 3)urganjen, bie Slnwefenb,eit von fleinen SBÜrmern (Mabenwürmern, SlScariben) im 210 ©unit'« HanS-Slrzt. Slfter, 33erßopfung, Rufer uttb eine Srfdjtaffung ber DarmmuSfeln aus irgenb weltber 93erantaffung. Ss fommt am feaußgßen bei Kinbertt vor, ttamentltefe bei folefeen, bie Darmleiben unterworfen ßnb. Der 93orfatt beS Darms tritt gewöfentidj ein, wäferenb ber «Patient bei bem ©tufet- gange iß; unb wie im vorigen Slrtifel angegeben, foüte ber Darm fofort burdj cor- ficfetigeS «Preffen ber ginger zurüdgefcfeoben werben. Srwaefefene «Perfonen fönnen bieö in ben meißen gäüen ofene frembe Hülfe tfeun. SBenit ber Darm fefer roeft feerausgetreten iß, ober fetjr empßnbtid), entzünbet unb fdjmerzfeaft iß, fo muffen b'e ginger zuvor gut eingeölt ober mit gett beßridjen werben. 3« gäüen, wo bie« nicfet gefet ober bei Kinbern, wirb ber «Patient auf ben Rüden gelegt, fo bafj bie Hüften bebeutenb ertjötjt ßnb, unb bie SBärterin ober ber Slrzt bringt bann, mit wofelgeölten gingern, ben herausgetretenen Darm forgfättig an feine ©teile zurücf. SBenit es ttottjwettbig iß, bas feetßt, wenn ber Darm nidjt an fetner ©tette bleiben will, fo legt man eine Kompreffe an, inbem man eitt meferfaefe zufammengelegte« ©tüd Seinwaitb ober Mustitt vermtttelß einer T*93attbage über bem Slfter befeftigt; biefe 93anbage beßefet aus einer feßen S3inbe um bie Hüften, an weldjer eine anbere, weldje ben Rüden tjerunter, über ben Slfter, ztvtfcfeen ben 93einen feinburefe unb auf ber vorbent ©rite am 93aucfee tjlttaufgeljt, befeßigt iß. Dodj bie« gefefeiefel nur, um zeitweilig Sinberung zu fdjaffen. Die eigenttidje 93efeanblung zur ßur bei SeibenS, weldjes auf einem erfdjlafften 3ußanbe beS Darms berufet, beßefet feautt- fäcfetidj in aßringirettben (zufammenziefeenben) SBafdjungen unb Klvftieren. «Ulan fprtfce batjer, fobalb man bett Darm zurüdgefdjobett tjat, uub efee man bie Kompreffe anlegt, eine gute aßringirenbe glüfßgfeit, zum S3eifpiet eine Slbfodjung von Sieben* rinbe ober von ©eranium * (©torefefctjttafeel) SBurzet itt ben Slfter; bann lege man bie Kompreffe an, nadjbem man ße in ber Slbfodjung getränft tjat; bas Ktöftier ntujj fo lange als mögtictj barinneit befeatteit werben. Man fanit in ber erwäfente« Slbfocfeung nodj etwas gepulverten Stlaun auflöfeit, etwa in bem SSerfeältnifj »on einem Sßlöffel vott ^u einer «Pinte von glüfßgfeit; wenn ßctj SBunbfeeit unb ßiterung ßnbet, füge man einen Sfeeelöffel vott Sifenvitriol (Copperas) Ijinzu. g&cnf° Pn{ Sinfpri^ungett von faltem SBaffer fefer zu empfetjtett, nameittticfe wenn Sntzünbung vortjanben iß. 3« gewöb,itliefeett gäüen, befonbers bei erwaefefenen Perfonen, ßnb bie genannten aßringirenben Khjftiere, ein* bis zweimal tägiidj angewenbet, nacfebem man Kattwaffer*Klvßiere vorauSgefdjidt tjat, unb babei ber ©ebraudj einer aftrin* girenbett ©albe — ober bei Hämorrljoibett, einer guten Hämorrfeoibenfalbe —ofene ben ©ebrauefe ber Kompreffe ausreiefeeub. Sbenfo in ben meißen gälten bei tfinbern; ber ©ebraudj ber Komprefle ridjtet ßdj ganz barnadj, ob ber Darm otjne biefetbe an feiner ©teile bleiben will ober nidjt. Dft iß allein eine aßringirenbe ©albe nötfeig. Man neunte irgenb eine gute Hämorrtjoibenfatbe unb mifdje zu einer Unje berfelben etwa eine Dradjme Sanniit, weldjes in jeber Slpottjefe ^u tjaben iß, unb fefemieti bamit ben Darm wäljrettb beS 3urüdfdjiebenS unb nadjtjer gut rin. Cber, wenn man ^id) bas Sanniit nidjt verfdjaffen fann, neb, me man fe eine Heine ^>anbvoll »c» aBeißeiefeenriitbe, ©umadjwurzet*Riitbe unb 93rombeerwurzel ober ©eraniummurjel, jerfdjnetbe biefe Slrtifel gut, nnb fodje ße mit einer «Pinte SBaffer, einer feetlf« «pinte gett unb einem waünußgroßeit ©tüd Harz, bis aüeS SBaffer verbampßiPi Dann feitje man burd) unb braudje bie zubereitete Mtfdjung nadj bem Srfalten «M ©albe für ben Maßbarm. Maßbarmftßef. 211 SBenn bas hervorgetretene Darmßüd zu fetjr gefdjwoüeit unb entzünbet iß, als baß es in ber angegebenen SBeife zurüdgebradjt werben fonnte, was ßctj btswei* len ereignet, fo muß man erß Mittel gegen bie ©efdjwuiß unb bie Sntzünbung anwenben. 3uerß verfucfee man eine 3eit lang Umfrage mit warmem SBaffer, ver* mittelß zufammengelegter MuSlin* ober Seinen * Süefeer; wenn bie« nictjt bie gewünfefete SBirfung feat, wenbe man wieberfeolt Umfdjläge von gelber Ulmenrinbe (Slippery Elm) an. Dann fcfetage man bie oben angegebene Maßregel ein. «Per* fönen, weldje zum Maßbarmvorfatt geneigt ßnb, follten eS fo viel als möglidj ver* meiben, bet bem ©tufetgange ßarf ^u brängen; ße muffen ßd) bab. er vor «ßetßopfung feüten unb ben ©tttfel burefe zwedmäßige Diät, zum 33eifpiel burefe ben ©enuß unge* beutelten SBeijenmefelS unb ben gelegentfidjen ©ebrauetj milber Sarirmittel, wie Srtraft von weißer SBaünuß (Butternut) ober Srtraft von Söwenzafen, nnb burcb, Kaltwaffer * Klvßiere regelmäßig erfealten. 33or Slttem muffen ße ßdj vor bem ©ebraudj von Slloe unb ätjnlidjen braßifa> ober ßarf * wirfenben «Purganzen Innen. M a ß b a r m f i fi c f. 3n genauem 3ufammenfeange mit ben Hämorrfeoiben, unb gewötjnlidj baburdj veranlaßt, iß bas unter bem Ramen Maßbarmßßet (Fistula in Ano) befannte Setben. Ss beßefet in einer Strt Slfefceß ober einem Siterungsfanat, beffen Deffnung bisweilen außen in ber Räfee beS StfterS iß, bodj bisweiten audj innen, meljre 3"H weit zurüd, unb ber in ber ©ubßanz bes Darms feiitläuft. Das erße ©pmptom iß gewöfenlicfe eine fearte ©efefewulß an ber ©eite beS StfterS, bte von meljr ober wetti* ger Sntzünbung begleitet iß, als ob ßdj bort eine ©djwäre ober ein 53tutgefdjwür bilben woüte; bocfe oft iß auefe nur eine geringe Skrtjärtung otjne ©cfemerz «üb Sntzünbung, an bem «Punfte, wo bie Deffnung im Segriffe ift zu erfdjetnen. Die gißel fann ßdj zuerß außen ober zuerß innen öffnen, unb bisweilen öffnet fte ßdj nur naefe ber einen ober nadj ber anberen ©eite. SBenn ße nur nadj außeit offen iß, fo nennt man ße eine fetinbe, äußerliefee gißel; es iß bieö bie am teidjteßen zu tjel* lenbe gorm. SBenn ße \idj nur nadj innen öffnet, X)eißt fte eine btinbe, innere gißel. SBenn ße nadj beiben ©eiten ßcfe öffnet, iß es eine voüßänbige gißel. 3u ben gewöfenlicfeßen Urfadjen gefeören lange vemadjläfßgte Hämorrtjoibal- fnoten, antjaftenbe Seibesverßopfung unb Unregelmäßigfeit in ber 93efriebigung bes ©tufetbebürfniffes. Studj fann bas Seiben burdj äußere «Verlegungen entßetjen, burefe Reiten unb bergteidjen; ferner burefe ervßpelatöfe ober rofenartige Sntzünbun* gen in ber Räfee bes StfterS unb burefe SltteS, was bie 33erridjtungen bes Maßbarms ßört. Heilverfahren. — SBenn bie gißef voüßänbig iß, ober ßd) nur nad) innen öffnet, iß ße fefer fdj wer zu furiren; eigentlidj iß eine Kur immer fdj wtertg, unb ba bas Seiben fefer feefdjweriidj unb oft fetjr fdjtnerzb>ft iß, ttjut man am beßen, ßcfe, ber «Seljanblung eines gefcbtdten Slrztes anzuvertrauen. SBenn ber ©cfemerz unb bte Sntzünbung ßarf iß, muffen erweidjenbe Umfcfefäqe gemacht werben. Den leibenben Jtjeit warmen Dämpfen von Slbfoajungen bitterer Kauter auszufegen, iß gleidjfaüs von Rufjen. Die gißel muß mögliebß rein erfealten werben, inbem man naefe; iebem ©tutjlgange eine Stnfprlfcung mit einer 212 ©unn'S Hotfc|>ttftett, ober Gießer die ^erbanftefeßeit nerfcfeieöener 'gtafjntncjsmiltef. Unfere Sebensreife iß vott von SSerfuct)ungen, unb ber Magen, ober vlelmefer bei ©aumen feat feinen guten Slntfeeil baran. SBir, bie wir bie DvSpepße ^u vermeibe« wunfefeen, follten ebenfo wie ber Kranfe, beffen Magen bereits zu leiben feat, bie notfewenbigeit 93efdjräitfungen eittfealtett, unb foüten ^u erfennen fudjen, wo bie ©efafer liegt. Ss gibt eine Maffe eßbarer uub trittfbarer ©egenßänbe, bie für einen Menfdjen von fdjwadjer SSerbauuttgSfraft unb fonß nervöfem Semperamente verboten ßnb. 3um 93eßett aüer ©otdjer, will idj feier eine Siße von Raferung«« mittein geben, bie entweber ganz vermiebett ober nur fefer mäßig genoffen »erben fottten, nebß folefeen ©peifen, von benen fein ©cfeaben zu befürefeten Iß. golgenbed ift ein «JSerzeidjniß gewöfenlidjer ©peifen, mit Slngabe ber 3eit, bie zu iferer 35er- bauuitg erforbertidj iß. ©peifen. Slrt ber 3uberettung. 3 n't SSerbammij, Reis.................................... ©ago.................................. Satnoca............................... ©erfte................................ «OcilOj................................. *3>?t(aj................................. *$a(baunen (Srtpe)................. SBtlbpret.............................. Srutfeafen............................. *©ans............................... *©panferfel.......................... Samm................................. Hufen.................................. *Ster.................................. (Eier.................................... Ster.................................... *Suftarb (Rafemtorte).............. *SacfeS................................. Sluftern................................ *2ntftern.............................. Rinbfletfcfe............................ Seeffteaf.............................. *©d)tDetne=Sotelette................. *©djroetrtefleifcfe, fett unb mager.. *©aWinefIetfttj, frtfd) eingefaljen ©cfeöpfenfleifcfe........................ ©ajöpfenfleifa)........................ *5talbfletfdj........................... Kalbskotelette..................... ©eflügel............................... ►(gnten............................... bo...................... bo...................... bo...................... bo...................... frifefe..................... gefoefet.................... gebraten................. gebraten ober gefoefet... gebraten................ bo...................... bo..................... bo...................... feart gefotten............ weia) gefotten........... gebaden................. gebaden................. gefoefet.................... rot)....................... ©uppe................... gebraten................ gefefemort............... bo................... gebraten-................ gefoefet................... gebratejt................ gefoefet ober gefefemort. gebraten................ gefefemort................ gefoefet................... gebraten................ 6t. Olln. 1 0 1 45 3 30 3 15 3 15 3 0 4 0 4 30 4 0 Diatvorfdjrifteit. 215 ©peifen. *33utter....................................... *Ää'fe, alter, fcfearfer........................ *©uppe, Rinber», ©emüfe* unb 23rob», *©uppe, SBotjnen*........................... (Suppe, ©erftett»............................. (suppe, ©cfeb'pfen«........................... ©uppe, £üfener«............................ *3(eifcH>afctjee unb ©emüfe.............. *2Bürfte, frifefee.............................. *Herjen, »on Sfeieren....................... *8ofenen...................................... Srob........................................... SlpfelbumplittgS.............................. Slepfel......................................... gOafttnaf....................................... Stotfee «Rüben................................. SBeijje Rüben................................ Aartoffeln..................................... »Äobl.......................................... Slrt ber 3uberettung. gefcfemolzen rofe.......... gefoefet....... bo......... bo......... bo......... bo......... gewärmt.... gefoefet....... gebraten.... gefoefet....... gebaaen .... gefoefet....... rofe.......... gefoefet....... bo......... bo......... bo......... bo......... 3"t bet 23erbauung. ©t. 2JMn. 30 30 0 0 30 30 0 30 20 0 30 30 0 50 30 15 30 30 30 Die mit einem * begeidjneten ©peifen fottten von Kranfen vermieben ober nut fpärlicfe genoffen werben; benn es folgt nidjt, baß bie am meißen löslidjett ©egen- ßänbe audj immer bie für einen franftjaft empßnblidjett Magen geelgnetßen ßnb. Diefe £iße grünbet ßdj auf Srperimente, bie mit flehten Quantitäten angeßeüt worbeft. Ratürliefe iß um fo längere 3eit erforberliefe, je mefer bavon genoffen wirb, ba ber S3erbauungSprozeß burcb, in große SluSbefenung bes Magens unb bie baraus folgenbe unnatürUefee Reizung zurudgefealten wirb ; ebenfo ift bie 3eit Je nadj bem ©efunbfeeitszußanbe, ber 3ab,reSzeit unb bem metjr ober minber voüßänbigen Stautn ber ©peifen, verfdjteben. Slus meiner eigenen S3eobadjtung mödjte id) zu Dbigem nodj fotgenbes 23erzetdj- niß von ©peifen feinzufügen, bie von Dvspeptifcfeett im Slttgemeinen lieber vermieben werben foüten. Sreme, SrifcfeeS 33rob, £eifje SiScuitS, Setter ©efeinfen, ©rüner ÜTfeee, ©üße SiScuitS, ftette ©uppen, ©efetoeinefletfefe, «Jcinbfleifcfe, ßalbfleifcfe, ©efaljener ©efeinfen, Kartoffelbrei, SBürfle, ftüttfel, »on gebratenen ^üfenernic. Staucfefletfcfe, ©alifletfcfe, Crbfen, ©cfeö'pfenfett ic., ?Rarfpubbmg, ©ebratene Stfefee, ©efoefeter Sacfes, Sflafrelen, ©efertmp» unb anoere ©aucen, ©protten, Siale, Ääfe, 23adwerf jeber Slrt, ©Salat, Robe ©emüfe, Surfen, RabieSefeen, fcafelnfifie, SBiünitjfe unb anbere Rüffe, StofoSmiffe, Manbeltu 216 ©unn'S £ aus «Slrzt. Sitt ©efunber mag »on allen biefen © a d) e n genie&en, Diefe Siße verbotener grücfete iß nur für «Patienten. Mandje ©peifen mögen auSgetaflen fein ; außerbem werben feeßänbig neue erfun- ben; bodj bie bisfeerigen 33eobaefetungen unb 33efdjränfungen beziefeen ßdj nur auf bie gewöfenliefeett unb aügemein befannten RaferungSmittel. Studj iß t>as Verbot nicfet immer auf jeben einzelnen galt anzuwenben. 3dj weiß fefer wofel, bajj bei aügemeinen Ratfefdjlägen, weldje ftcfe über eine fo große ©eitenzafel verbreiten, cie Slufmertfamfeit beS Kranfen nicfet triefet zu gewinnen iß, unb baß viel 3cit erforber- liefe iß, um üjm eine 33eleferung beizubringen, welctje feinen Reigungen ober 33or« urtfeeilen zuwiber fein mag, bie er ittbeffett aus bem Munbe feines Slrztes williger entgegen nehmen unb ernßttct) befolgen würbe. Roefe ein paar SBorte über gelte — ße ßnb alle fdjwer verbautidj. ©djöpfenfett feebarf vier unb riner tjalben ©tunbe, Rinberfett fünf ©tunben, um verbaut ju werben. SBentt gett verfdjtudt wirb, fo verwaubelt es ßdj burdj bie SBärme beö Magens in Del uub fdjwimmt auf ber Oberflädje ber barin enthaltenen ©peifen, bis es attmälig in 3efentaufenbe Heiner Kügeldjen zertfeeilt wirb, wie man ße fiefet, wenn SBaffer unb Del zufammengefefeüttelt wirb; bann erß vermifdjt es ßdj naefe unb nad) mit ber Maffe nnb wirb auf biefe Slrt verbaut. Die Menge ber ©peifen. Mit Srleblgung biefeS «PunfteS, fdjeint eS, wäre bie 33elet)rung voüßänbig, beren ein Kranfer bebarf. Das ©etjeimniß einer zwedmäßigen Sebensweife berufe! Zum großen Jtjeit auf ber Menge bes zu ©enießenben, bodj fefeließt bieS manefee anbere Rüdßdjten ein, unb ber franfe ©djüler muß ein ßeißiger S3eobaefeter fein. Seber Menfdj muß bie Menge feiner Ratjruttg nadj feinem ©efüfele riefeten. St muß wiffen, wann er genug gegeffen tjat. Ss iß unmöglidj, genau anjugegeben, wie viel im Sittgemeinen für jeben (Einzelnen guträglidj iß; benn unfer Slppetit unb unfere 33erbauungSfäfeigfeit weefefeln mit jebem Jage, ©efängniffe unb Slrbeitä- feäufer tfeeilen ifere beßimmten Rationen aus, bocfe feoffe idj, meine Sefer mögen ßdj in einer Sage beßnben, in weldjer ße ßdj verfdjaffen fönnen, was fte brautfeen; unb mögen ße gleichfalls Urttjeil genug befitjen, um ^u wiffen, wann mit bem Sffen auf- zuhören unb wann fortzufaferen fei. Die XX)atfadje iß über allen 3n>eifel erfeaben, baß mefer Kranffeeiteit burdj übermäßiges, ats burdj unzulängliches güttern ent- ßefeen, unb es iß ebenfalls watjr, baß bie Metjrzafel von uns mefer ©peifen »er* brauet, als ttöttjig wäre. SBer naefe ©efunbfeeit ßrebt, follte feine eigene Über- legung anwenben. Das beße Srperiment iß: wenn man an irgenb einem läge nacb, bem Mittageffen unangettefeme Smpßnbungen verfpürt, ben ttädjßen lag mit ein Drittfeeit weniger ßcfe zu begnügen; wenn biefetbe SBirfung erfolgt, fo verfnefee man es am Jage barauf mit ber Hälfte ber ©peifen; unb wenn man bei immer weiterer Skrtmnberung berfelben fein günftiges Refultat erzielt, fo verfudje man ti enblldj mit einem Safttage. Dvspeptifer, weldje an reidjtidje Raljrung getröfent ßnb, werben ifere ©efunbfeeit burefe mäßigeres Sffen fdj nett verbeffern; vorzügliefe, wenn ße itt ber Sluswafel ber ©peifeit vorßdjtig ßnb unb biefelben langfam unb bebädjtig zu ftcfe nefemen. 33or Sitlem follte, wie gefagt, ßrenge Slnfaajfeett ber Sebensweife befolgt werben; auf jeber ©etjüffel follte bas Motto ßetjen: „MäfigM tft ber wafere Surus." 2 e fe e r l e i b e it. 217 Regelmäßigfelt ber Matjlzeiten iß eine £auptl)ütfe für einen fdjwadjett Magen; ber Menfdj fottte, um feine ©efunbbeit zu erijalten, in atten feinen törperlidjen SSerrierjtungen pünfttidj wie ein ttferwerf fein; bann wirb fein Slppetit — ebenfo, irie bas 33ebürfniß anberer SebenSfutttttotteit — ßd) immer zur gewohnten ©tunbe einßeüen- Unfere ©tettung im Seben iß freitiefe von Stnfluß auf biefe Dittge uttb muß 6erüdßdjtigt werben; bodj nicfets gteidjt einer militärifefeen Regelmäßigfeit. Sine «Rafelzeit foüte nie auf bie anbere folgen, bis bte te£te ziemlidj vottßänbig verbaut iß. Stbernettjp rietfe, vier ©tunben bazwifdjen verßießen ^u laffen. SBenig unb oft ju effen ift eine fdjtedjte Metfeobe. DeSfealb ßnb fogenannte Smbiffe, „Sunfdj e" ic. fefeäbliefe; ße verberben ben Slppetit für bie eigentlidje, orbenttiefee Mablzrit, inbem ße — was fdjon eine einfadje 33robfruße fann — bie ganze Mafdjinerie beS £auS*. fealtes ber Ratur in «Bewegung fejjett. ßtanffyeiten bet %ebet unb (^aUcnroeßc. Seüerleiben. «Ran nimmt gewötjnlidj zwei Strien von Seberfrattffjrit an, nämlidj afute unb eferonifefee Hepatitis. Die ©vmptome ber afutett gorm ßttb: Sin ©efütjt ber ©djwere unb ©cfemerz xn ber reefeten ©rite unb ©cijulter, ober zwifdjen ben ©efeul* terolättem; gelbliefee ober blaffe ©eftefetsfarbe; große Riebergefefelagentjeit; Mangel an Slppetit; träger ©tufelgang; ber Urin ift bunfet unb läßt einen rottjen 23obenfa£ unb fabenartige ©djleimmaffen fallen. Dies Seiben ift gewöb, nlidj metjr ober weni* ger von gieber unb trodener £i£e begleitet; bazu ein bumpfer ©djmerz in ber recb> ten ©eite, ätjnttcfe wie bei ber «Pleuritis ober S3rußfett=Sntzünbung; bei bem Rie* berlegen wirb eine unbetjagUcfee Smpßnbung in ber Unten ©eite bemerft, unb ber Sltfeem iß feeflemmt. Ss ßeüt ßdj ein trodener £ußett ein unb bisweifen Uebelfeit bes Magens unb Srbtedjen. Die djronifdje gorm, ober bie gorm, weldje bas Selben hei feiner längereit Dauer annimmt, pßegt, außer von ben obigen, von fotgenben ©vmptomett begleitet zu fein: «Btäfeungen, Magenfctjmerzen, übler Sttb. em, bider 3ungenbeleg, Unverbaut liefefeit, getblidje gärbung ber baut unb beS SBeißen im Sluge; tjette, leljmfarbige ©tufelentleerungen unb attmäüg zunetjmenbe Slbmagerung. Diefe ©vmptome treten inbeffen feäußg fo mitbe unb attmätig auf, baß ße faum bemerft werben, bis bie Äranffeeit zulegt große Slbfceffe ober innertiefee Siteranfammlungeit bilbet, betten feefttfdjes gieber folgt, unter welchem ber «Patient ßnft, ofe>e baß ber Stbfceß auf- bnefet. SBenn bie Körperverfaffung gut war unb bie Kräfte aushalten, gefdjie^t eS oft, baß ßcfe. jmifdjen bem Jferite, wo ber Slbfceß iß unb einem benachbarten Jtjeile tlil mtn' °bcr ^ pc S"fammentt>adt>fcn, wätjrenb bie Materie burcb, ver* ™7e' mit *ew» i{t* &W* in S3erbinbung ftetjt, eineit SluSgaitg ßnbet I* h «r ******' ^m Unb *cn @t*an9 entleert wirb; nidjt feiten öffnet W ber Slbfceß naefe, innen. Der Patient erfjott ßcfe, bann gewötjnlidfe, außer wenn 218 ©unn's £ a u 3 * 21 r z t. feine Körperverfaffung bereits zu angegriffen mar, fo baß bie £etlträfte ber «Ratur, auefe burefe mebijintfctje Mittel unterßüfcr, nicfets auSriefeten fönnen. Sntzünbung ber Seber iß viel feäußger in warmen, als in falten ©egenben unb ^efet gern in bie oben erwäfente Slbfceßbltbung über. SBer naefe einem feeißen Klima getjt unb ju biefer Kranffeeit geneigt iß, fottte In ber Sebensweife, ber Diät jc. äußerß vorßefetig fein; benn, wie anbere Seberleiben, befällt audj biefe Kranffeeit efjer ben üppig lebenben, als ben mäßigen Menfdjen. Durdj nidjts wirb vietteiefet bie genaue 33erbinbung, welcfee zwifdjen bem «Dcagen unb ber Seber beßefet, beuttiefeer gezeigt, als burdj bie Slrt, in weldjer lefctere« Drgan burefe ben unmäßigen ©ebrauefe geißiger ©etränfe benaefetfeeillgt wirb. Der in benfelben entfealtene ©pirituS ober Sllfofeol wirb bireft burefe bie fteinen ©efäjje aufgefogen unb vom Magen ber Seber zugefüfert, auf weldje er eine feeftige SBirfung übt; vorzügtiefe iß bieS bei ben ©etränfen ber galt, in weldjen ber Sllfofeol wenig mit anbern «Stoffen vermifdjt iß, wie bei 33ranntwein unb Sognac. SBenn mit bem ©ebraudje fotdjer ©etränfe lange fortgefahren wirb, fo entßeljt burdj biebefliin- bige Reizung in ber Drüfenfubßanz ber Seber eine Slrt fefeleidjenber Sntjünbung, Weldje in Slbfceßbitbuitg ettben fann, unb in biefem Sanbe attjäferlidj Jaufenben ben Job bringt. Daß feier eine Jpaupturfadje ber Seberleiben Hegt, foüte von allen benen, welcfee ßdj ber Unmäßigfeit ober bem zu reidjtldjen ©ebraudje geißiger ©etränfe Eingeben, beherzigt werben. Die ©alle wirb aus bem 53lute gebilbet, Weldjes burd) bie Drgane bes Unterleibes ztrfulirt Ijat unb auf feinem SBege naefe bem Kerzen zurüd iß. SBätjrenb es burdj bie Seber getjt, wirb bie ©aüe barau« abgefefeieben, nnb in biefer Slrt wirb bas S3tut gereinigt, wäferenb gleicfezeitig eine glüfßgfeit gewonnen wirb, wetdjer bei bem 33erbauuttgsprozeffe unb überfeaupt im Körper widjtige 33erridjtungett zufommeit. ©erabe biefe natje 33erbinbung bei Seber, burdj 33ermittetung beS S3luteS, mit ben anberen Drganen bes Unterleibe«, unb vorzüglidj mit bem Magen, läßt Üjren 3ußanb triefet in Unorbnung geratfeen; unb es gibt in ber Jfe,at wenige gälle, wenn ber Magen unb ber Darmfanal erfranft ftnb, in benen bie Seber nicfet bis zu einem gewiffen ©rabe mitteiben tnufj. Die Seber iß bas größte Drgati beS Körpers unb wiegt burdjfefenittlid) bei bem Menfdjen etwa vier «Pfunb. SS iß feauptfädjltd) auf ber recbteit ©eite gelegen, im oberen Jtjrite beS SßaudjeS, unmittelbar unter bem 3n>erctjfett unb nimmt bie ganje rectjte tj^podjonbrifdje ©egenb, einen XX)tit ber linfeit uub bie obere Hälfte bet redjteit epigaßrifefeeit ©egenb ein. ©ritte Sänge iß ungefähr zefen ßoM, feine 53reite fedjs bis fteben ßoU, Der Jpaupttfeeit auf ber redjten ©eite, ober ber rectjte ßeter- läppen wirb von ben unteren Rippen ber redjten ©eite bebedt; ber Heinere ober linfe Sappen legt ftcfe über ben Magen, auf ber tittlen ©eite ber Mittellinie, unb Wirb auf biefer ©eite burdj bie Milz feegränzt. Die Maffe ber vom «Renfcfeen abgefonberten ©alle beträgt täglicfe, von ßebenzetjn bis vier unb zwanzig Unzen; bti einem großen Jpunbe fedjs unb brrißig Unzen; unb bei einem «Pferbe fteben unb metjr «Pfunb. Dies überßeigt bei SBritem bie Menge ber gäfalmaffen, ober in anberen SBorten, ber burdj ben ©tutjl entleerten ©toffe, unb beträgt fünf unb »iern> bis fedjs unb fünfzigmat meljr, als burdj djemifdje Slnatvfe in ben gäfalmaffen jjefunbett werben fann. ©attettfranftjetten, weldje aus Unorbitungen ber Seber entßeljen, ßnb fo feflufa baß biejenigen, weldje foldjen läßigen, bie ganje ©efuitbljett benadjttjeilifi«brt Seberleiben. 219 Knfäüen unterworfen ßnb, bie größte Slufmerffamfeit barauf wenben fottten, biefe gotgen eines abnormen 3ußanbes ber Seber zu vertjüteit ober wenigßens zu milbern, jumal ba wir es in tjofeem ©rabe In unferer Madjt tjaben, bie erßen fdjäbtidjen Urfadjen ^u vermeiben. Mandje Menfdjen ftnb iferer ganzen natürlicfeen Slnlage naefe meljr in ©attenfranffeelten geneigt, als anbere; vorzuglicfe biejenigen, welcfee an Kopfwefe unb Uebelfeit — gewöfenlicfe von ber ©egenwart galliger ©toffe im «Ragen feerrüferenb—uub anberen, In unferem Sanbe fo feäußgen ©attenbefdjwerben ju leiben pßegen; bie näefeße S3erantaffung bazu läßt ßcfe gewöfenlicfe auf uttzwed* mäßige Diät, ©enuß fetter ©peifen, fefewerer ©aucett, gefcfemolzetter SSutter, S3ad- werf u. f. w. zurüdfüferen; ebenfo auf ben übermäßigen ©ebrauefe geißiger ©etränfe, wäferenb ber Körper nicfet bie. nötfeige «Bewegung feat. Dft ftnb ©efefeäftsforgen, burefe weldje ber ©riß zu fefer angeftrengt unb bie ©efunbtjeit angegriffen wirb, bie Urfadje. SBir muffen bebenfett, baß zur Srfealtung ber ©efunbfeeit ein gewiffe« ©leidjgewtcfet zwlfdjett ber Slbfonberung unb bem SSerbraudje ber ©atte im Körper nottjwenbig iß. SBenn bieS nidjt ßattßnbet, fo wirb bas S3Iut mit Kotjlenßoff übertaben, es erfolgt Mattigleit, ©djtäfrigfeit, ©cfewinbel, 33erluß bes Slppetits, belegte 3unge, üble Saune u. f. w., unb biefe ©vmptome bauern, bis eine Snttee- rung burdj ben ©tutjtgang ober burdj Srbredjeu verborbetier gattiger ©toffe Srleld)* terung fdjafft. Daß Mangel an «Bewegung großen Stnftuß barauf "fear, einen fotdjen 3ußanb beS Körpers feerbeizufüferen, ift unter Slnberem baraus erßdjttld), baß foldje Stnfätte bei ben grauen, bie ftcfe wenig «Bewegung macfeen, viel b,äußger ßnb, als bei «Rättnern; unb ße würben nocfe Ijäußger fein, wenn bas monatliefee 23lut ifenen nidjt Srteidjterung fdjaffte. 33ernacfeläfßgung ber £aut, inbem bie nötfeigen S3äber ober SBafcfeungen verfäumt werben, trägt bazu bet, bie SluSfcfeeibung ber Kofeten- fäure aus ber weiten Körperoberfläcfee zu verfeinbern uub beförbert bie Sutwidelung bes genannten Uebels. SluS biefen Slnbeutungett erßefet man, wie fefer bie SJermeibung gattiger Kraut* feeiten von ber perfönlidjen Kontrolle afefeängtg iß. Ss feanbelt ßcfe wlrflldj feier- tet weniger um Mebizinen, ats um Diät unb Sebensweife. Mebizin mag bisweilen erforberltdj fein, aber ßdjerttdj nidjt fo oft unb in fotdjen Mengen, als fte leiber nur ju gewötjnlidj angewanbt wirb. Diejenigen, wetdje eine natürlicfee Slnlage zu ©aüenbefcfewerben unb frattftjaftett 3ußäitben ber Seber X)ahtn, muffen auf baS ©trengße Ifere Sebensweife reguliren; ßarfen Kaffee, Jfeee unb atte Reizmittel ver- meiben, einfacfee RaferungSmittel zu ßdj nefemen, ßdj viel «Bewegung madjen unb vorzüglid) bie £aut, burd) tjäußgen ©eferaud) von 33äbern uub Reibungen, rein erfealten. Die SBeefefelwtrfung zwifdjert ber £aut unb ben inneren Organen, vor- jüglldj ber Seber, ben Sungen unb ben Rieren, iß fefer bebeutenb ; atte biefe ©ebilbe ßefeen in ber genaueßen ©vmpatfete unb unterßüjjen ßdj gegenfeitig in ber großen Slufgabe: bie Unreinigfeiten bes S3tuteS ^u entfernen. Das iß ber ©runb, weStjatb bei biefem 3ußanbe bes Organismus gewöfenlidj Sllterative ober ben ©toffwedjfef befefeleunigenbe Mittel in 33erfeinbung mit «purgattzen gereidjt.werben, unb weStjalfe fo Ijäußg bie wofelifeätigße SBirfung burdj S3äber b,ervorgebradjt wirb, nadjbem Slrz- neien fefelgefdjlagen tjafeen. 3dj feabe viele gälte beobadjtet, iit benen eine S3erättberung ber Sebensweife ben ©ebraudj von Mebizinen umtöttjtg mactjte; unb meine Srfatjrung tjat mid) belehrt, 220 ©unn's £aus-2ltzt. baß eine einfadje Diät unb viel «Bewegung viel beffer, als beßänbig wieberfeoltra 9>urgiren ftnb; oft iß es nur nottjwenbig, einige fdjlecfete ©ewofenfeeitett aufzugeben um fofort furirt zu werben. £ e i l m i 11 e l. —SBenn ber Seib verßopft iß, fo wirb eine «pinte warmen SQaf- fers, ein Sßlöffel vott Kodjfalz unb ein Jfeeclöffel vott ©djweinefcfemal3, als Aly» ßier gegeben, Srleicfeterung fdjaffen; ober man nefeme zur ©efelafenSzeit eine Ui Zwei Seberpitten (ftefee feinten unter ben Rezepten). SBenn aus irgenb einer Urfadje bie Mattigleit, ©djtäfrigfeit, belegte 3unge u. f. w. einen galligen Slnfaü vertun. bigen, fo fottte man beS SlbenbS vier bis fünf Seberpitten nefemen unb ben folgenben Morgen eine Doßs von ©ettnesblätter=3lufguß mit Spfomfalz, ober eine Dofi* Kaßoröl. Söwenzat)tt=Srtraft itt $illenform, mit einem ©ran Septanbrin ju jeber «Pille iß ein ausgezeichnetes Mittet. 3dj X)abe wäbrenb riner langen $raris ben Söwenzatjn als bte vorzüglicfeße Slrznei in biefem Seiben bewährt gefunben. SBie idj fdjon in meinem früfeeren SBerfe: „©unn'S £auStnebtzin ober ber greunb be« Slrmen" ausgefproefeen: Die Ratur feat Kräuter gegen jebe Kranffeeit wadjfen laffen, wenn wir uns nur bie Müfee geben wollen, ße feerauSzußnben unb ifere £eilfräfte ju verfudjen. Slber bie bazu ttöttjtgett Srperimente ßnb zu fefer vernadjläfßgt worben, als baß wir aüe 33etetjrung tjätten, bie wir braudjen. 3d) X)abt bie Slnwenbung beS Söwenzab,nS hti biefer Kranffeeit immer von größtem Rujjen gefunben. 3cfe muß tjier benierfen, baß bei ber 33efeanblung von Seberleiben biefelben 33orßefeta« maßregeln am «plafce ßnb, welctje idj bei ber S3ebanblung von Unverbaulidjfeit ange- geben ; Kopffdjmerz mit Uebelfeit, fdjmantige 3unge, ober ein ©efüfel ber ©(fernere unb Drud in ber Magengegenb zeigen bie Rotfewenbigfelt eines tnilben S3recfemitteld von Specacuanfea an] weint ßcfe große £ijje, Sntzünbticfeteit unb gieber elnßellen, fo wirb ber ©ebraudj warmer Simonabe ober eine Doßs Spfomfalz mit warmem SBaffer, unb gußbaber, um ©djweiß hervorzurufen, Sinberung fdjaffen. SBenn bie 33erftopfung feartnädig iß, gib folgenbe trefßidje «Piüen: Rimm Srtraft von wetfjer SBaünuß breißig ©ran; gepulverte 3n bringen ©attenßodungen in ben natürlicfeen SBegen Ijervor, ßören bie Jfeätigfeit ber Seber unb bes Magens unb wirfen fo wieber nacfetfeeilig zurüd auf ben ©emütfeszußanb unb bas Rervenfvßem. Seute weldje biefer Kranfbeit unterworfen ßnb, fottten ßcfe vor jeber ©emütljsver* ßlmmung unb unangenefemeit Slufregung forgfällig tjütett. ^ranl^etten bet Sfttlj. SKiljentjünbung. Sltute Milz-Sittzünbung fennzeiefenet ßcfe burefe ein ©efüfef ber bi$t, ©djmerz unb etwas Slnfcfewettung an ber linfen ©eite, unmittelbar unter ben Rippen, mit begteitenben giefeerfvmptomen. Der ©cfemerz n>irb burefe ben Drud vermehrt. Die Kranffeeit beginnt feäußg mit einem ©efeüttetfrofte, auf wetdjen Hifee unb Durß folgt, wie bei bem SBecfefetßeber. Stucfe ßetjt ße feäußg mit biefer lefeteren Kranffeeit in 33erfeinbung ober iß eine golge bavon. Ramenttiefe gibt ber übermäßige ©ebraüd) bes Sfeinins feäußg Urfadje in iferer Sntftefeung. «Perfonen von vollblütiger unb fanguinifcfeer Körperantage ßnb ifer am meißen unterworfen. Das Uebel fantt auefe eine djronifcfee gorm annefemen. S3efeattbluttg. Man beginne mit einer fevbragogifdjen «Purganz, bem atttl- biliöfen «pulver ober «Pobopfevttum in SSerbinbung mit Sremor Jartari. Man fuetje ©djweiß ^u erzeugen ober wenigßens bie Haut in vermeferter Jfeätig- feit anzuregen. Man madje über ber franfen ©teile reizenbe Sinreibungen unb warme Umfdjläge. Die «Purganzen muffen jeben iWtittn ober brüten Jag wieberfeolt werben, unb wenn ßdj nidjt balb Srleiefeterung zeigt, gebe man ein S3recfemütet. Man gebe gußbaber von warmem Saugenwaffer unb lege ein ©enfpflaßer auf bie Mtlz- gegenb. Das Uebel wirb bisweilen djronifdj; aisbann fdjwittt bie Milz an, wirb feart unb bilbet, was man rinen „giefeerfudjett" genannt X)at. 3tt biefem gälte lege man wiebertjolentlid) tin aus Sigetb unb ©alz bereitetes «Pflaßer auf; gebe von 3eit iu 3ett Slbfübrmittet unb einmal wöefeentticfe, ein 33reefe>tttet. 15 226 ©unn'« Haue} «Slrzt. kranfbeiten bet %litymnn$$n>ettteu#e. (fr füll int gett unb Ruften. Srfältungen entßefeen burefe unterbrüdte «Pcrfplratiott ober HautattSbünftung, 3fere Urfadjen unb ©vmptome ftnb fo attgemein belannt, baß wenig barüber gefagt ZU werben braudjt. 33ruftbeflemmungen, Skrßopftbeü ber Rafe, Riefen, «JTcattlg. fett, größein, Kopfwefe unb Hußen ftnb bie gewöfenliefeett «Begleiter. SBie 23itlc glauben, wenn fte ßcfe ertältet feaben, baß es nidjts zu bebeuten X)at, unb laffen bem Uebel feinen Sauf, ofene einen Stugenfetid an bie golgen ^u benten. Man oergeffe nidjt, baß vernadjläfßgte Srtättungen Ijäußg gefäferliefe werben, unb oft In unfeeil« baren Krantfeeiten enbett. Sine Srfältung verurfadjt zuerß Hußen, bann fommt ©djmerz in ber ©eite, gieber, Sltfeembefdjwerbett unb enbltdj ßettt ßdj bie Sluäjtfe« rung eitt. S3eb,anblung. Man öffne ben ©rufet burdj rine Doßs Spfomfalj ober ©lauberfalz in tintm ©lafe warmen SBafferS, weldjes vor bem ©cfelafengefeen genommen werben muß. Dann nefeme man ein IjetßeS gußbab unb trinfe marme Kräuteraufgüffe: Kamillen-Jbee, glieber-Jfeee, ©alvei-, Kajjenmünz-, «JWeliffen- (Saint-) ober glöljfraut- («Pennvrovat-) Jtjee, unb fuetje getjörig zu fcfewtfeen. ©egen ben Hußen brauefee folgenbe Mirtur, welcfee angenefem zu nefemen iß unk gewöfenlicfe eine Kur bewirft: Kodje eine fealbe «pinte Mildj, rinen Jfeeelöjfel voll fefewarzen «Pfeffers unb ein Heines ©tüd 33utter. Dies muß bei bem 3ubettegefeen Ijeiß getrunfen, unb, wenn es ttöttjig iß, brei ober vier Stbenbe lang wieberfeolt werben. ©egen Hetferfett. Man wirb in bem gewöfenlidjeti Meerrettig eilt ausgezeiefenetes Heilmittel gegen Heiferfeit, Hußen, $aUweX) unb atte Sungenleibeit ßitben. SBeitn man ein fteinei ©tüd, etwa von ber ©röße bes tleinen gittgerS, laut, fo wirb man felbft bie fcfelimmfte Heiferfeit, welcfee faum ein ieifeS glüßerit zuläßt, befettigen unb tie ©timme wieber feerßetten. ©egen Hüften ift folgenbeS wertfevotte Mittet zu empfefelen: Sin ©vrup, ber von SBintergrün (Gaultheria) unb Supatorium (SSonefet), weldje beibe faß überall anf bem Sanbe waebfen, bereitet iß; man fodjt biefe beiben «Pßanzen mit Molaffe« um nimmt einen Sßlöffel vott, fo oft ber Hußen läßig wirb. Dies letztere Rezept furirt gewötjnlidj bie fdjlimmßen Srfältungen In jrcti bia brei Jagen. Ss ftnb gälte befannt, wo es Srfältungen, bie fdjon faß in Sefewinb- fudjt übergegangen waren, in zwei bis brei SBodjett gefeeilt feat. Ober man nefeme einen Sßlöffel vott glacfesfamen, ein «Viertel «Pfunb Roßnen unb etwa für fünf Sents Safrifeenfaft, tfeue bieS in zwei Ouart weidjen ober RegenwafferS unb laffe es über einem gelinben geuer verbampfen, bis etwa ein Cuart glüfßgfeit übriej bleibt; bann tfeue ein Viertel «pfunb braunen 3uder bazu. ©eßoßener 3"^ fant, ober gebrannter 3uder iß nodj beffer, als ber gewöfenlidje 3yder. 3U *rDI fo bereiteten Ouart ©vrup füge einen Sßlöffel vott Sfßg, ober einen ßjjtüftel s^ Sitronenfaft. Hiervon trinte vor bem ©djlafengeljett eine tjatoe «Pinte ober emi große Kajfeetaffe vott, unb nimm eitt wenig bavon, fo oft ber Hußen läßig iß- ©rippe. — Kopff atarrlj. 227 Ober, neunte vor bem ©djlafengetjeit ritt warmes gußfeab uttb trinfe folgenbe «ngenefeme Mifefeung : Sin Sßlöffel vott ober mefer, guten «Branntweins ober SBfeiSlvS, einen fleinen Jfeeelöffel vott 33utter, 3uder unb Musfatnuß; gütte bie laffe mit foefeenbem SBaffer unb rütjre Stiles zufammen; bieS muß fo feeiß, als mög- Ucfe, getrunfen werben. Dann, nadj bem gußbabe, gefee zu 33ett,unb es wirb balb ein angenefemer ©djweiß ausbrechen, ber bie Srfältung befeirigt. $te ©rtjjjie. — Sttfluenja. Diefe Kranfljeit fentizeidjnet ßdj burefe eine vermeferte ©efeteimabfonberung von ben ©cfeleimfeäuten ber Rafe, bes MunbeS unb ber Suftwege, begleitet von Riefen, Hußen, Dürft, gieber unb Stppetüloßgfeit. Urfadjen. — ©ewöfenlidj entftetjt ße epibemifefe ober enbemifefe, inbem ße in einem beßimmten Umfreife feerrfefet unb gewöfenlicfe eine große Stnzafel ber S3evölfe- rung ergreift; man nimmt bafeer an, baß ße in folefeen gälten auf einem eigen- tfeümlidjen 3ußanbe ber Sltmofpfeäre berufet. SBenn fie in iferer milberen gorm auftritt, wirb ße nicfet für gefätjrliefe gefealten; bocfe wenn ße als Spibemie wütfeet, mit ßarfen entzünbltcfeen ©pmptomen, unb nicfet bei 3eüen befämpft wirb, fo ftetten ßcfe bisweilen ungünftige unb felbft töbtlidje golgen ein. ©vmptome. — Das Seiben beginnt gewöfenlicfe mit Riefen, Hußen, größein, bem Hifee folgt, Heiferfeit, Halswet), ©djmerzen in ben Sungen unb im Magen. Der ©cfetelmauswurf vermefert ßcfe, bie Rafe läuft, es ftetten ßdj ©djmerzen in ber ©ruft, bem Rüden, ben ©djultern unb bem Kopfe, namentlidj in ber ©tirn, eitt. Die Stugen werben rotfe unb blutunterlaufen, unb es wirb eine allgemeine Mattig- leit unb ©efewäcfee empfunben. 53efeanblung. Man laffe ben «Patienten reiefetiefe rinen Slufguß von SBaffer* boßen (Supatorlum, boneset) unb Slnborn (Hoarhound) trinfen, zwei- bis breimal tägiidj ein warmes gußbab in Saugenwaffer, unb einmal täglicfe bas (an anberen ©teücn befeferiebene) Dampfbab nefemen; unb in ber Reget wirb bie Kranftjeit in wenigen Jagen bewältigt fein. SBenn bas Sluswerfen ober bas Sltfemen fefer erfefewert iß, gebe man von 3eü zu 3rit einen Jfeeelöffel vott einer gleiefetfeeiligen «Rifcfeung von SobeÜa-Jinftur, 331utwurzel-Jinftur unb 3pecacuanfea-SBein. ©egen ben Hußen unb bas Halswefe brauefee man golgenbes: Man nefeme rine Ifeeetaffe vott guten Sfßg, füge fealfe fo viel Honig feinzu unb einen aufgefeäuften Jfeeelöffel voü Sapenne-«Pfeffer; laffe einige Minuten lang über bem geuer foefeen unb wenn es falt geworben, gebe man getegenttiefe, fo oft ber Hufteit täßlg wirb, einen Jfeeelöffel vott bavon. Dies iß ein präcfetigeS Mittet unb wirft wie ein 3aufeer. Sludj fottte man ein Stbfüljrmütet geben. 0 totiff atartlj. — ©äjnujif en. Der Kopffatarrfe ober ©djnupfen iß eine mitbere gorm ber 3nßuenza, tritt nidjt wie jene epibemifd) auf, fonbern entftetjt burdj Srfältung, welcfee eine leldjte Sntzünbung ber ©djteimfeäute ber Rafe unb ber Suftrötjre, ©djmerzen uttb Singe* nommenbrit bes Kopfes verurfadjt. S3isweilen iß ber Stnfatt von leidjtem gieber» 228 ©untt'a Haus»3tr»t. frößeln, feeftigem Riefen, Heiferfeit unb Saufen ber Rafe begleitet; bisweilen aur) oon zifdjenbem unb erfcfewerrem Sltfemen unb ©djmerzen im Rüden unb in ben ©liebern; er fann burdj plöfeliefeen SBitterttngSwedfel, fcudjte unb falte Sltmofpfeäre, ZU leidjte Kleibung unb bergleidjen Srfältungsurfadjen veranlaßt werben. S3efeanblung. ©ewöfenlicfe iß nur fetjr wenig S3cbanblung nötfeig, fo mag ratfefam frin, ein gutes vegetabitiftfeeS Slbfütjrmütet zu nefemen, bie güfje not bem 3ubettegefeen in warmem Saugenwaffer zu baben unb warme Kräuteraufgüffe ober rinen Slufguß beS KompoßtionSputverS zu trinfen; fdjließlicfe ein Dover'fcfe« «Pulver zu nefemen unb bte Kranffeeit „auSzufefewl^en." Sine ebenfo gute Metfeobe tß es, ße „auszufeungerit;" einige Jage lang, mögltdjß wenig Raljrung ju nefemen. SBenn ber Sfnfatt fo feeftig fein fottte, baß er weitere S3efeanbtung erfeeifcfet, fo befolge man bas gegen 3nfluenza angegebene 33erfaferen. Ss tann notfeinenblg werben, rin 33rectjmittel zu nefemen ; unb es iß immer ratfefam, getjörig abjufüferen, Stjronifdje gorm. Durefe SSernacfeläfßgung ber afuten gorm, ober burdj wiebertjolte Stnfätte, ober burd) anbere Urfadjen, wie zum S3eifpiel, als golgefranf« ferit bes ©ctjarlaefeßeberS, ber Mafern unb bergleidjen, fann ber Kopffatarrfe cfero« nlfcfe unb feartnädig (©todfdjnupfen) werben, tjeftige Kopf- unb Slugenfcfemerjen, Jferänen ber Slugen, läßigen Hußen, übermäßige Slbfonberung aus ber Rafe, feä'u« ßges Riefen, Stppetitloßgfeit, Slbmagerung u. f. w. verantaffen. Die kranffeeit feat ßcfe. in biefem gatte in ber ©djteimfeaut ber Rafe feßgefe^t, unb bie 33efeanblung muß feauptfädjlidj auf Slnwenbung örttlcfeer Mittel bebacfet fein — ^u benen vorjüg- liefe ©cfenupfpulver unb Sinatfemungen mit Mebizinen verfemter Dämpfe gefeören. Sin ©efenupfputver aus gleictjen Jfeeiten Sorbeer, S3lutwurzel unb Ufeinarinbe beßefeenb, wetcfeeS mefere Male tägtid), ober beßänbig, zu brausen ift, wirb ßcfe all vorzuglicfe erweifen. gerner fodje man eine Hanbvott von Hopfen, Kafeenmünu, Stnborn unb Kamittenbtumen in einer Quantität Sfßg unb atfeme bie warmen bavon aufßeigenben Dämpfe burdj bie Rafe ein, itnb zwar mefere Male täglicfe; wenn bie Suftröfere unb bte Sungen audj angegriffen ßnb, fo atfeme man gteicfefaüs burefe ben Munb rin. Slnbere Kräuter fönnen zu ben obigen feinzugefügt ober an beren ©teile gebraucfet werben, wenn es ftcfe fefeidt. 3u empfefelen ftnb SBottfraut, Rofmünn, ßinfenbe Kamillen unb ©tecfeapfelfetätter (von lederen nidjt ^u viel); ferner eint Slbfodjung ber ßweiQt unb ©proffen bes 33enzoebaumeS; audj gictjtennabelnfinbgui. Der ©tufelgang muß burdj getegenttiefee 3tlrüfermütet getjörig offen erfealten werben. Die Jbätigfeü ber Haut iß zu beförbern, inbem man täglidje »arme SBafcfeungen mit Saugenwaffer ober SBaffer, in weldjem fotjlenfaureS Kali (salera- tus) aufgelöß iß, madjt, unb ben Körper mit rauljen Hanbtüdjern reibt; feinet brauefee man fefeweißtreibenbe Mittel, um bie Slusbünßung zu vermeferen. tii btapfeorettfdje «Pulver (ftefee Rezepte) in Dofen von zwanzig ©ran, breimal tägtid), iß zu biefem %wtdt zu empfefelen. Der «Patient mag ferner vor bem ©cfelafengetjen reidjlidj von einem Slufgüffe bes KompoßtlonSpulverS trinfen. SBenn viel Hußen iß, braudje man eint gleitfetfeeilige Mifefeung von Sobelin- Jinftur, ©tutwurzet^Jinftur, Specacuanfea-SBeitt unb Jolu-©prup, in Xfeeelöfftl' bofen metjre Mate täglicfe; ober anbere ber im Slnfange verzeichneten Hußen'^''' turen unb Hußen-«Pulver# SBenn bie Slugen fdjwad) ßnb, wafefee man ße tjauftg mit faltem SBaffer. 3n tjartnädigen gättett ttetjtne man ein 33redjmtttel ein Vxi lvt[' mal wöefeentlicfe. Halsentzünbung. 229 £> a l s c tt t j ü tt b u tt g. Dies iß eine Sntzünbung ber fogenannten Manbeln ober Jonßttett unb ber ©efeleimfeäute ber Kefele, welcfee vorwiegenb bei jungen «Perfonen vorfommt. U r f a efe e n. — Die gewöfenlicfeßen Urfadjen ßnb Srfältung, Unterbrüdung ber SluSbünßung, naffe güße, feudjte S3ettett, naßfattes SBetter unb bergleidjen. 31 m feaußgßen tritt bie Kranffeeit im grüfelinge auf, unb bisweilen feerrfdjt fte, wie 3nßuenza, als Spibemie. ©pmptome. — Die gewöfenlicfe,ßen ©vmptome ßnb: Hatsfcfemerzen, fdjwterigeS unb fefemerzfeafteS ©cfeluden, Rötfee unb Slnfdjwettung einer ober beiber Manbeln, Jrodenfeeit im Hälfe, belegte 3unge, übler ©efefemad, Heiferfeit, erfcfewertes Sttfemen, unb mefer ober weniger gieber. 3m «Verläufe ber Kranftjeit fdjwittt ber Hals an, unb bas ©cfeluden unb Sttfemen werben Immer fdjwieriger; bie 3unge wirb bider uub bebedt ftcfe mit einer bunfeln Sorte; ber «Puls iß vott, feart unb ßarf befefeleunigt; bas Hören wirb erfdjwert, unb bisweilen ßettt ßd) vottßanbige Jaubfeeit ein, inbem bie angefdjwottenen Manbeln auf ben ©efeörgang brüden. 33isweilen iß bie ©efcfewulß bes HalfeS fo groß, baß baS ©djluden faß unmöglicfe wirb, unb baß ber «Patient bem Srftiden nafee ift. Die Kranffeeit enbet gewöfenlicfe in Refolution, bas feeißt, fte weicfet unb vertiert ßdj aümälig; feltener fommt es vor, baß bie Sntzünbung in Siter- unb ©efdjwürbil- bung üfeergefet. S3efeanblung. — 3m erßen ©tabium ber HalSentzünbung iß es am 33eßen, ein 33redjmütel ^u geben, unb zwar eignet ßcfe feierzu vorzügiidj bie Sobetia ober eine Mifefeung von Sobella unb Specacuanfea. SBäferenb ber «Patient bas 33redjmittel nimmt, trinfe er warmen ©atvei-Jfeee. Die ©atvei iß eine Slrt „©peeißcum" bei biefem Seiben. Man fodje eine fealbe ©tunbe lang, je eine Hanbvott Hopfen, SBermutfe, ©atvet, SBafferboßen (Boneset), Slnborn (Hoarhound) unb Katienmünze —ober wenigßens brei biefer Slrtifel—unb laffe ben «Patienten ben Hals über bie auffteigenben Dämpfe tjalten. Man tljue etwas bavon in tintn Kaffeetopf, mit etwas Sfßg, unb laffe ifen ben Dampf, fo warm er es vertragen fann, eittatljmett. Dies wirb meißens unmittelbare Srleidjterung fdjaffen. Sleußerltdj brauefee man fotgenbeS Siniment: ©affafrasöt, Olivenöl, ©almtaf- geiß, Kampfeerfpiritus, «Potelöl, ©panifdjpfeffer-Jinftur unb, Jerpentinöl, je eine Unje. Man reibe Raden unb Hals feäußg hiermit ein uttb trage in ber 3wifdjen* Zeit ein glaneütudj. golgenbes ©urgelwaffer leißet vorzügtidje Dienße: Man nefeme eine Heine Hanbvott ©alvei unb ebenfo viel ©umad)-33eeren ober Rinbe, fodje bieS in brei «Pinien SBaffer bis ^u einer «pinte ein; bann füge man je einen gehäuften Jtjeetöffel voü pulverißrten Sltaun, 33orar unb ©atpeter feinzu, feifee burdj unb fuße mit Honig. Der «Patient muß tjiermü feäußg bie Kefele ausfpülen unb gelegentttdj etwas bavon feinunterfdjluden. Studj 3nbigowaffer iß gut zum ©urgeln. Sbenfo eine Slbfodjung von ©alvei unb Sfßg mit etwas 33orar. Sin altes, für unfefetbar geltenbeS Mittel, wenn ber Hals unb bie Manbeln ßarf gefdjwotten ßnb, iß golgenbes : Man fodjt eine Quantität ©alvei in ©efeweine» 230 ©unn'S HauS-Slrjt. fcfemalz unb gibt bem «Patienten brei- bis viermal täglicfe einen Jfeeelöffel feto jU einem Sßlöffel vott bavon, fo warm er es vertragen fann. Dies iß audj gut äufjrr- liefe anzuwenben, mit einem Umfdjlag von gebratenen 3>viebeln gemifcfet. Die Hauptgefafer in biefer Kranffeeit brofet burefe Srßidung, wenn bie ©efcfewulfl ju groß wirb. Ss wirb gut fein, bas 23recfemtttel zu wieberfeolen; bodj wenn ber Hals über. mäßig gefdwotten iß, gebe man eS SlnfattgS nur in fleinen, Uebelfelt-erregenben »ie« berfeolten Dofen, um eine Musfelerfefelaffung unb Mlnberung ber ©efäßtfeätigleit feerbeizufüferen; aisbann fann man es In voller Doßs geben. gerner braudje man Slbfütjrmtttel unb wieberb, ölte warme gußbaber. ^ttiribc §alient$ünbung. Diefe Krantfeeit unterfefeeibet ßcfe von ber vorigen burefe geringere Sinfefeweflung, unbbafeer ift weniger ©efewierigfett bei bem ©cfeluden, wäferenb ßd) bagegen im fein« tern Jfeeile beS Munbes unb ber Kefele ©efdjwüre bilben. Ss iß mefer ober weniger gieber, größein unb Heiferfeit vorfeanben, unb bisweilen Durdjfatt unb Srbreefeen. Die Kranftjeit nimmt bisweilen einen äußerß bösartigen unb gefäferliefeen Sfearafter an; bie ©efdjwüre geljen bann von einem afdjfarbigen ^u tintm bläulldjen unb Zulefct fdjwärzlidjen Stnfetjen über, unb wenn nicfet Sinfealt gefefeiefet, zeigen fidj balb ©vmptome ber gäulniß unb bes 33ranbes, benen in wenigen Jagen ber Job folgt. Die ©vmptome ftnb benen bei bem bösartigen ©cfearladjßeber äfenllcfe. Urfadjen. — SllS Urfadje wirb, wo nicfet eine aügemeine ©äfteverberbnijj (Dpsfraße) zu ©runbe liegt, ein eigentfeümtlcfeer Slnßedungsßoff angenommen. 3ebenfaüs ftnb Slnftedungen beobadjtet worben. S3ei «perfonen, bie zu ber Kranf* tjeit geneigt ßnb, faittt eine Srfältung ober bergleidjen ben Slusbrudj veranlaffen. 33efeanblung. — @o gefäferlidj bie Kranftjeit iß, fann bodj bei zeiliger «n» Zwedmäßiger 33efeanbtung ein töbttidjer Slusgang leidjt verfeütet werben. 3m erßen ©tabium gebe man tin 33redjmittel, unb wenn ber ©tufel nicfet bereit* lofe iß, aud) ein SibfüljrmÜtel. Matt reibe ben H<üs ßeißig mit zufammengefejjter Mvrrfeen-Jinftur ober einet Mifdjung oon Mprrtjen- unb ©panifefepfeffer-Jinftur ein. Studj tann baS gegen einfadje ncüSenrzüttb*ng empfofetene Siniment gebraucfet werben. Man laffe ben «Patienten von 3rit in ßtit tintn Söffet vott SMerfeefe nefemen; wenn ber «Puls ßnft unb ßcfe große ©djwädje einftettt, gebe man reizenbe «bittet, wie «Porter, Site, S3ter unb SBein, um bie Sebensttjätigfett zu feeben. Stls ein „©peeiftcum" gilt golgenbes: Man nefeme einen Sßlöffel »oll ©panifdjen (rotfeen) «Pfeffer unb eben foviel Kocfefalz, unb fodje bieS einige «JJcinn« ten in einer Mifefeung von gleictjen Jfeeilen SBaffer unb Sfßg; wenn es abgefüfelt iß, feifee man burcb,, unb gebe ßünbliefe einen Sßlöffel vott. Sin «pflaßer von ber gewöfenliefeett Harzfeife, warm aufgelegt, iß fefer gut. gertter iß folgenbes ©urgelwaffer zu geferauefeen: Man nefeme ©umaefebeeren (ober-SBurzelrinbe), SBeißeicfeenrinbe, rotfee Ulmrinbe nnb 93rombeerwurzel, Je ei« fcan^voü; madje hiervon eine ßarfe Slbfodjung; bann füge man zu einer «J>in" D i p t \) e r i a. 231 berfelben ein SBattnuß-großeS ©tüd Sllauit; wenn es falt, feüje man burdj, unb laffe es als ©urgelwaffer unb zum SBafdjen ber ©efdjwüre feraudjen. Das Mittel wirb füe unfefetfear gehalten. $ipf)tf)ttit.* Das epibemtfdje Sluftreten biefer Kranffeeit iß nidjt, wie vielfad) in Slmerifa, auefe, von Slerjten, attgenommeit wirb, erft neueren Datums. S3et forgfältiger «Prüfung ber meblzinifdjen Ueberlieferungen ber Skrgangenfeeit ßnbet man, baß biefe fefeein- bar neue Kranffeeit bereits in verfdjiebenen ßeiten gefeerrfdjt X)aben muß; fo zu Rom im Safere 380; in Hottanb, in 1337; in ©panien, in 1600; in Reapet, in 1509; tn Rem SJorf, in 1611 unb 1771; meißens war ße fefer töbtlidj. Dodj, ba biefe «perioben fo weit auSeinanber liegen, unb bie Spibemie gewötjnlidj nur eine furze 3eit wäferte, unb ba ße namentlitfe in biefem Sanbe feit ttafeezu feunbert Saferen nidjt vorgefomtnen Iß, fo Iß es natürticfe, baß mebirinifdje ©cfertftßetter ße nicfet ^u erwäfe- nen pflegten, unb baß fte ats eine neue 3utfeat zu ber langen Siße menfdjtidjer Uebel gilt. Die Hauptfadje tnbeffeit ift nictjt bas Sitter, fonbern bie Kur ber Kranftjeit. ©pmptome. — Die Dipb,tt)erie iß im Slnfange von einigen Srfefeeinungen begleitet, bie an Sroup uub gewöfenlidje Halsentzünbung erinnern; bocfe balb jeigt ßdj bie große 33erfdjiebenfeeit, bie rine 33erwed)felung uttmöglttfe madjt. Mei- ßens werben Kinber befallen; bodj iß fie auefe bei Srwadjfenen feineswegs feiten. Der «Patient feat zuerß, gewöfenlicfe bes Morgens, eine Smpßnbuttg wie von einer fefeweren Srfältung; Singenommenfeeit beS Kopfes, ©telffeeü unb Mattigleit ber ©lieber, etwas Hatswefe, ©cfewiertgfeit beim ©cfeluden unb beim SBenben bes Kopfes. Sin eigentfeümtlefeeS ©pmptom iß ein unangenefemes ©efüfet ober ritt ßeefeenber ©cfemerz im Hälfe, gerabe bem Kinitbadeitwinfel gegenüber unb unter bem Ofere, als ob an ber ©teile ein frember © egen- ßanbficfefeßgefe^tfeätte. «Balb folgt bebeutenbe ©efefewulß unb Härte ber Drüfen bes HalfeS; bas ©eßdjt erfdjeint aufgebuttfeit unb gefcfewotten; bte Slugen etwas rotfe, gefdj wollen unb feudjt. Das 3nnere beS HalfeS ßnbet man jefct ßarf geröttjet—hti Kinbertt mefer rofenfarbig, bei erwaefefenen «Perfonen mefer bläu- liefe ober bunfelrotfe; bas 3äpfcfeen iß gefdjwolleit unb verlängert; gewöb,nticfe fließt eine wäfferige geudjtigfeit aus ber Rafe, bocfe iß fein Riefen ober Hußen vorfeanben. Ss pßegt nur wenig ober gar fein gieber bemerfbar zu fein; bod) in mandjen gälten fommt ber Slnfaü äußerß plö^lid) unb feeftig, erregt bie S3eßürzung bes «Patienten unb feiner Umgebung unb fann fdjon in wenigen ©tunbeit töbtliefe werben. 3n fotdjen gätten ßnb atte ©vmptome im ßärferen ©rabe vortjanben. Das nädjße ^u bemerfenbe ©vmptom iß bie Srfdjeinuitg eines weißlidjen gtedens, fefeeinbar etwas gefcfewotten, im Hintergruitbe ber Munbfeöfete; bann mefere foldjer gleden, bie ineinanber taufen, unb bie fogettattitte bipfetfeeritiftfee Haut bilbeit. Diefe gleden fefeen faß wie Heine ©efdjwüre aus, nur etwas weißer, unb fönnen im ©efetunbe, an ben Manbeln ober am 3äpfa§ fie nicfet von Hußen begleitet iß, wäferenb bie 33räune ftd) burefe einen eigentfeümlicfeen Hußen zu erfennen gibt. 33ei ber Dipfetfeerie fdjeint bie Rafe verßopft zu fein, ober fonbert eine wäffertge, burdjßdjttge geuefetigfeit ah; bieS gibt ber ©timme etwas RäfelnbeS, bas bei 23räune uttb HalSentzünbung nidjt bemerft wirb. SBenn bie Kranffeeit zur ©enefung üfeergefet, fo fdjält ßcfe bie falfdje Membrane in ©tüden ober ©treifen ah uttb wirb attmältg burdj ben Munb ntit bem ©peiefeel entfernt, bisweilen in wirflieb, wunberbarer Menge. Ss fommt audj vor, bafj naefe« bem eine falfdje Membrane in biefer Slrt ßdj loSlöfte, eine zweite unb felbft eine britte ftcfe bilbet, bie gewöfenlicfe, bünner unb weißer, als bie erße Iß, unb fdjliefjlidj in berfelben SBeife abgeßoßen uttb ausgeworfen wirb. Radjbem bas bipfetfeeritifefee Srfubat ober falfdje Häutdjen entfernt Iß, erfdjeineit bie Jtjeile, auf weldjen tt faß, ßarf zufammengefeferumpft, als ob ein bebeutenber ©ubßanzvertuß ftattgefunben \)aht. Dodj wirb man bei ber Unterfuctjuttg ßnben, baß feine elgentlidje «Vereite- rung ber Oberflädje ftattgefunben tjat. SSetjattbtung. — ©o gefäferlidj biefe Kranftjeit in vielen gälten iß, fann ifer bocfe meißens, wenn ße bei Seiten erfattttt unb befämpft wirb, erfolgreich, begegnet werben; uttb zwar mit verfeättnißmäßig einfadjeit Mitteilt. Sitte ßarf eingreifen* ben unb fdjwädjettbett Maßregeln ftnb nidjt nur überflüfßg, fonbern gerabeju fcfeab« lidj; man vermeibe batjer S3lutentzlefeungen, ßarte «Purganzeit unb Srecfemittel. Der «Patient genieße nur bie milbefte Koft: ©rü£e, Mefetfuppe, Sierrafem, weiefege- foefete Sier, gefodjtett Reis, unb bergl.; er bleibe in einem warmen 3immer un* trinfe fein faltes SBaffer. Um ben Hals muß ein glattetttud), meferfadj zufamtnen- gelegt, gewunbeit werben, weldjes mit einer Slußöfung von ©alz In warmem S53affet geträntt ift; zwifdjett bie galten beS glanetts ftreue man ©alz, fo baß bie Starb unb bie geuefetigfeit ßd) länger tjält; biefen Umfdjlag erneuere man Ijäußg, fo »arm es ertragen werben fann, unb fafere metjre Jage bamit fort. Man brauefee warn« gußbaber mit ©enf unb reibe bie güße unb 33eine mit raupen Jüdjern. Dabei ferattdje man ittnertidj folgenbeS «Präparat: Doppel - 3*>bquecfßlö« D i p fj t fe e r i e. 233 (biniodide of mercury, Sat.: Hydrargyrum jodatum rubeum) brei ©ran; Weißen Hutzuder fecfejtg ©ran; bieö zerreibe man in einem ©laSmörfer bis eS grünblidj vermifdjt iß; von biefem «Pulver ßnb ein bis zwei ©ran, ober etwa tjalb fo viel, als auf einem brei-Sent-©tüd «pta£ feat, atte zwei bis vier ©tunben, je nadj ber Dring- licfefeit ber ©vmptome, zu nefemen. 3m Slnfange mag man ein «Pulver aüe zwei ©tunben geben, bis fünf ober fecfes genommen ftnb, alsbantt wirb ein «Pulver aüe vier ©tunben feäußg genug fein. gerner tfeue man zwanzig Jropfen S3ettabonna-Jinftur in ein featbes ©las SBaf- fer, rütjre gut um unb gebe von biefer Mifefeung rinen Jfeeelöffel vott atte zwei bis vier ©tunben, abweefefelnb mit bem «Pulver; bas feeißt, man gebe erft ein «Pulver unb eine ©tunbe barauf einen Jfeeelöffel vott von ber glüfßgfeit, unb fo regelmäßig weiter. Diefe beiben Mittel tonnen faß als © p e c i f i c a in biefer Kranffeeit gel- ten unb werben in ber überwiegenben Meferfeeit ber gälte, wenn befearrlidj ange- wenbet, ben bebten Srfotg feaben. ©te ßnb in jeber Slpoüjefe zu tjaben. Das «Pulver laffe man ßcfe in ber Slpotfeefe bereiten ; von ber Jinftur fann man ein Hei- nes gläfdjefeen, etwa ein S3iertel ober fealbe Unze fealtenb, faufen unb bie Mifefeung felbß bereiten. SBenn ber «Patient ßcfe zu beffern beginnt, fo gebe man bie Mebizi- nen feltener unb ßeigere bie 3nnfcfeenzeit zwifefeen jeber Doßs attmältg ^u zwei, brei unb vier ©tunben. Die Doßs fann in biefem gatte für Kinber biefelbe wie für Srwaefefene fein. SBenn bie weißen gleden, wie angegeben, im Hintergrunbe ber Munbfeöfele erfefeel^ nen, fo brauefee man folgenbeS ©urgetwaffer: Man nefeme boppelt-cferomfaures $ali (bi-chromate of potash, Sat.: Kali bichromicum), getjn ©rait; weidjeS ober «Jtegenwaffer, vier Unzen ober ein featbes ©las vott; ntifdje gut. SBenn ber «Patient att genug iß, fo laffe man ifen ein wenig bavon atte vier ©tunben zum ©urgetn unb SluSfpülen bes Munbes brauefeen; wenn ex zu jung iß, fo muß man üjm ben «Ucunb vermittelß eines barin getränften ©djwämmdjenS ober SäppefeenS auswifefeen. SBenn man ftd) obige Slrtifel, bas «Pulver uttb bie SMaboitna-Jinftur, nicfet ver- fdjaffen fann, fo iß bie näcfeß-befte 93efeanblung vietteidjt folgenbe: Man gebe inner* liefe etwas boppelt-fofefenfaureS Ratron (bi-carbonate of Soda, Sat.: Natrum bicar. bonicum) — bas überall zu feaben ift — etwa ein bis zeljtt ©ran, je naefe bem Sllter bes «Patienten, in einigen Jfeeelöffeln SBaffer aufgelöß, atte fealbe ©tunbe, ©tunbe ober zwei ©tunben. 3n Srmangelung bes boppelt-djromfauren Kalis brauefee man Zum ©urgetn eine ßarfe warme ©alztöfung. Sluefe ein Munbwaffer aus Sfßg, Honig, rotfeem «Pfeffer unb warmem SBaffer wirb von Stelen fetjr empfofeten. 33ei Kinbern laffe man ben «Pfeffer weg. 3um äußer- licfeen ©ebraudje foll nidjts beffer fein, als Stfdje unb ©atz, bie, fo feeiß es vertragen Werben fann, in einem bünnen gtanett- ober Srinwanbfäddjen aufgelegt werben. 3a, es gibt Seute, bie bieS mit bem zulegt genannten ©urgetwaffer allein für aus« reidjenb fealten, wenn beibe Mittet nur befearrtiefe gebraucfet werben. Slnbere empfefe- len Stnreifeungen aus ©änfefdjmalz ober ©djweinefdjmatz, namentlidj wenn ber Hals fefer gefcfewotten iß; biefelben ßnb oljne Qweikl gut; ße fönnen gleicfezeitig mit ber Slfdje unb bem ©alz gebraudjt werben. 234 ©unn's Haus-Slrzt. ©rufifcUetttjünbung. — ißfeuritfg. (Sngl. Pleurisy.) Dies iß eine Sntzünbung ber Pleura, ober ber Haut, welcfee bie innere rpiSfeUmj ber 33ruft umflcibet. Die Kranffeeit tritt meißens zur grüfelingszeit auf, ofatty fte in jeber anberen 3<üjreSzeü vorfommen fann; «perfonen von fanguinifajent lern- peramente unb foldje, bie tjäußgem SBedjfel groifdjen Kälte unb SBärme aMgtftft ßnb, werben am leidjteßen bavon befallen. Urfadjen. — «piö^lidje Slbfüfetung ber Haut; bas Jrinfen falten SEQaffer« wätjrenb ber Körper burd) «Bewegung erfei^t unb im ©cfeweiße iß; Stfelafen im greien, ttamentlidj an feudjten «Plänen; falter 3ugwinb u. bergl. Mti, \ni plöjjltctj bie StuSbünßung nnterbrüdt, fann 33rußfettentzünbung erzeugen. Sie fann ferner burdj zu feeftige «Bewegung uub zu fdjwereS Heben entßefeen. Zu ptöjüidje 3urüdtreten von «Poden, Mafern unb anberen SluSfcfelägen tann ebenfalls bazu 35erantaffuitg geben. ©vmptome. — Die S3rußfettentzünbung beginnt, wie bie meißen Sntjüniun- gen unb gieber, gewöb;nlictj mit einem großanfatt ober einer frößelnben Smpßnbung, worauf Hi^e, Dürft unb anbere gieberfpmptome folgen. Rad) einigen ©tunben empßnbet ber «Patient plöjüicfe einen fcfearfen, fdjneibenben ©djtnerz in einer Seite, gewötjnlidj in ber ©egenb ber furzett Rippen, weldjer ßd) allmälig naefe bem Sefeul- terbtatt unb bem S3ruftbein fein erßredt; ber ©d)merz nimmt zu unb wirb biöweiicn äußerß feeftig. Sr iß in mandjen gälten von Hußen unb Sluswurf begleitet; aU- bann pßegt bie ausgeworfene Materie mit 531ut untermifcfet ^u fein; bocfe in ankeren gäüen iß gar fein Hußen. Der $>uls iß ßarf unb tjart unb füfelt ftcfe tnie ein« gefpannte ©djnur an. S3efeaitbtuitg. — 3uerß gebe man rine gleidjtljeiltge Mifdjung ber Sobella- unb ber zufammengefe^ten Mvrrfeen-Jinftur in Jfjeelöffelbofen alle zefen «Minuten, bis vier ober fünf Dofen genommen ßnb. 3u jeber ber brei erßen Dofen mag man jefen bis fünfzefen Jropfen Saubanum hinzufügen. Slnßatt ber zufamntengefebten Mvrrtjen-Jinftur fann man audj bie ©panifdje «Pfeffer-Jinftur braucfeen. Der «Patient muß fobann ein warmes gußfeab netjmett unb warme Slufgüffe tritt' fen — am beßett von SlScteptaS Juberofa (Rorbamerif. ©djwalfeenwurz, Pleurisy root, Butterfly-weed), SBafferbofteit (boneset) unb Sanabifcfeer Slutwurjel, mW brei Slrtifel zu gleictjen Jtjeilen genommen werben. Dies wirb ben Körper bes «Patienten auf baS S3redjmütet vorbereiten, weldjes unter atten Umßänben gegeben werben muß. Mag ßd) ber «Patient nodj fo fetjr bagegen ßräuben — man,ge&e ein «Bredjmütel. Ss iß bieS ein Hauptverlaß in biefer Krantfeeit. Ss mag aus Üobelia unb 3pecacuantja beftetjen unb wirb am ht\ltn in obigem Jfeee gegeben. SBenn to galt fetjr fefelimm iß, wenbe man baS anberwärts befdjrtebene Dampffeab ober Krau« terbampfbab an, efee man bas SBredjmittel gibt. Radj bem Srbreefeeit umgebe mau ben «Patienten im 33ette mit feeißen Steint«, 3iegetn, SBärmeßafcfeen, Maisfolbett, ober bergl., unb lege ein ©enfpßaßer auf fcti anfcfeeinenben ©10 ber Sntzünbung. Man fafere mit obigem Jtjee ober atjnlidj wirfenben Slufgüffen fort, gebe gelegen'' liefe eine Doßs ber Jinftur unb laffe ben Patienten, wenn möglidj, j»8lf ©tunbe« lang fdjwtfcen. Dann gebe man ein fräftiges Slbfütjrmittel. 23rottdjiettetttzüttbung. 235 ©leidje Jfeeile ber Sofeelia-, SStutwurzel-, Macrotvs- unb Savennepfeffer-Jinftut in Jfeeelöffelbofen, ßünblicfe ober jwelßünblidj, iß ebenfalls ein vorzügliefees Mebtta- ment. SBenn notfewenbig, wieberfeole man bas 33red)mittet. Man fefetage eine energifcfee S3efeanbtung ein, unb fte wirb nicfet fefelfcfelagen. SBenn bie Herztfeätigfeit fefer erfeöfet unb ber «puls fetjr befcfeleunigt ift, gebe man gleichzeitig Digitalis- (gin- gerfeut-) Jinftur, jetjn bis fünfzefen Jropfen breimal tägiidj. Man laffe nicfet zur Slber, ba es faß immer ©djaben ßiftet. Sferonifefee SBrußfellentzünbuttg. — Die «Pleuritis nimmt nidjt fetten eine eferonifdje gorm an, in wetdjem gatte ber ©cfemerz xn ber ©eite ober in ber S3ruß nicfet feeftig, fonbern mefer ein unbeftimmtes ©efüfel ber SBunbfeeit unb bes UnbefeagenS Iß; babei ßnbet ßcfe ein furzer, üodener Hußen unb eine ©cfewierigfett, voü Sltfeem zu feolen. Der «Puls Iß iu fcfenett; oft treten Racfetfcfe, weiße ein; bte 23ruß fdjeint an Umfang erweitert. Die 33 e fe a tt b l u tt g für djronifcfee «Pleuritis fottte mitberer Slrt fein. Matt gebe einmal wödjentlictj ein niefet zu ftarfeS 33redjmittel; unb zwar laffe man es aümälig nefemen, fo baß feine ooUt SBirfung erß innerfeatb einer ©tunbe eintritt. Sin täglicfeeS gußfeab in Saugen- ober ©alzwaffer iß fefer zu empfefelen. Dodj eines ber beßett Mittel iß eitt reizenbes «Pflaßer, weldjes einige SBocfeen lang über bem ©iije ber Sntzünbung getragen werben muß. Man fann ein folcfees triefet bereiten, inbem man feurguttbifcfees Harz, SBadjS unb etwas Kolophonium zufam- menfcfemilzt, unb, wäferenb es nocfe warm iß, etwas feingeputverte 331utwurzel, «Pobo- pfepüumwurzel unb ©djmtnffeeer- (Poke) SBurjel feineinrüfert. Man madje es gerabe bid genug, baß es auf ber Haut lieben bleibt; man ßreidje bie Maffe auf ein ©tüd Musttn ober bergleidjen, ttwa zwei Hanbgroß, unb lege es auf, wäferettb es etwas warm iß. Man laffe es eine SBodje lang liegen unb lege bann ein neues «pflaßer auf, unb fo fort, bis Heine 33IäSdjen uub feier uub ba eiternbe ©teilen entßefeen. SBenn noffe wenblg, feije man es metjre SBocfeen lang fort. ©telcfezeittg muffen mitbe, fevbragogifdje «Purganzeit unb tjarntreibenbe Mittet gebraucfet werben; etwa «Poboptjvltitt in «ßerfetttbuttg mit Sremor Jartari unb etwas Salpeter. 3obfalt iß rin vorzügliches Mittet in biefer Kranftjeit. Man löfe rine Dracfeme in einer Unze SBaffer auf unb nefeme einen Jtjeetöffel vott einmal täglicfe. ©egen ben Hußen gebraudje man folgenbe Mifefeung: 33lutwurzel-Jinftur, Ma- crotps-Jinftur, Meerzwiebel- (©citta) Sfßg, je eine Unze; Safrijjen-Srtraft, eine Unze; bieS löfe man in brei Unzen foctjenben SBafferS auf; mifefee bas ©anze unb braudje einen Sßlöffel vott ßünblicfe,, zn>ei- ober breißünblid), je nacfebem ber Hußen es zu erforbern fdjeint. öromtiicncntütuimng. — örondjütS. Stinte 33rottdjttiS. Dies iß eine Sntzünbung ber ©äjleinüjäute, wetdje bie fogenannten SSroncfetett, bas feetßt bie 33erzwetguttgeit unb gortfejjuttgett ber Suftrötjre, umfleiben. «Perfonen, bie viel ^ fpredjett ober zu fingen X)abtn, ßnb biefem Seiben fetjr ausgefegt, vorzüg- iidj bei falter Sßltterung unb in verättberlicfeett Klimaten. Die Urfadjen ßnb btefelben, wie bie ber Sungettetttzüttbung (ßetje biefe), unb war eine Slnlage ^n ber 236 ©untt's HauS-Slrzt. Kranffeeit vorfeanben, fann irgenb eine ßarfe Slttßrengung ber ©tlmmorgane fie feervorrufen. © v m p t o m e. — Die acute 33rond)ttiS beginnt gewöfenlicfe mit ©efenupfen, Iriefetem Hußen, größein, einem ©efüfele beS DrudeS unb ber 3ufammenfcfenürung in ber 23ruß unb etwas gieber. 33ei bem gortfdjreiten ber Kranftjeiten ßeigern fidj biefe ©vmptome; bas Sttfemen wirb immer fefewieriger unb iß von einem jifcfjenben ©eräufdje begteitet; bisweiten iß Heiferfeit vorfeanben. SlnfangS Iß ber Ruften troden, bodj balb ßettt ßdj ein reidjlidjer SluSwurf von zäfeetn, weißem ©djleim ein, ber bisweilen in eine gelblidje ober grünlicfee garbe übergefet. Meißens iß Äopf. fefemerz vorfeattbett; bie 3unge iß weiß belegt, ber «Puls befdjleunlgt unb bie £aut troden. «Betjanblung. — Unfer Hauptvertaß bei ber afuten gorm biefer Kranfiieit muß auf 53redjmittel fein ; unb baS beße iß in biefem gatte eine Mifefeung gleiefeet Jfeeile Sobelia- unb SSlutwurzel-Jinftur, in Jfeeelöffelbofen alle fünf Minuten mit etwas «polei- ober SBafferboßett- (boneset) Slufguß gegeben, bis gefeöriges Srbreefeen erfolgt. 3n fdjllmmen gälleit madje man warme Umfdjläge von bitteren Kräutern auf bie 23ruß unb ben H<ü$ unb laffe ben «Patienten bie Dämpfe einer Kräuterabfoäjung einatfemett. SltS auswurfbeförbernbes unb fdjweißtreibenbeS Mittel gebe man einen Slufgufj von «Pole!, SBafferboßen unb 33tutwurzel; ber ©tüfet muß burdj milbe Slbfüfermlttel offen ermatten werben. Stjrontfdje «Broitcfeitis. Die djronifdje gorm ber Kranffeeit fommt Ijäußg ats golge ber afuten gorm ober als Refuttat einer vernadjtäfßgten Srfältung vor. ©ie iß von läßigem Ruften, SluSwurf riner weißltdjen, fefeaumigen Maffe, Slppetitloßgfeit, feefdjleunigtent «puife ^octjgeröttjetem unb in Menge verminbertem Urin unb anberen, benen ber afuten gorm äfjnüdjett, ©vmptomen begleitet. «8 e tj a n b l u n g. — Matt gebe bas für bie afute Srondjltis empfofelene 93recfe- mittet in fleinen Uefeetfrit-erregenbett Dofen, einen Jag lang, einmal roödjentltcfe. Milbe Slbfüfermütet, um ben ©tufel mäßig offen zu erijalten, ßnb fefer notfe- wenblg; etwa «piüen aus weißem SBattituß-Srtraft mit etwas «pobopfevtlum* un) SSlutwurzet-^ulver — ober ritte ätjntictje vegetabtlifdje Saranz. Der «Patient muß wenigßens jeben Slbenb ein warmes gußbab nefemen. Dabe brauefee man ats feauptfädjtidjeS Mittel folgenbes Präparat: Sfßgfäure, 8lnt Wurzel-Jinftur, MacrotpS-Jinftur, Jofubatfam-Jinftur, 3»ecacuantja-333ein, je eine Unze; verfüßte ©alpeterfäure, zwei Unzen; man tnifdje unb nefeme ein bii )i"i Jfeeelöffel vott brei- bis viermal tägiidj. gerner iß bas Stnattjmett warmer Ärautn bämpfe iu empfetjtett, von Slitborn, Raittfarn, Katjenmüttze, ßinfenben Kamillen. SBermutt) unb bergleidjen bereitet. 3ur vollftänbigen Heilung iß baS wocfeentangi fragen eines reizeitben «pflaßerS fetjr bienlicfe,. Sungettetttzunbung. 237 ß tt tt tj c n c n 13 ü tt b tt tt g. SBenn bie Sungenfubßanz ober bie ©djleimfeaut, weldje bie Suftzetten unb Suft* wege ber Sungen umfleibet, ber ©i£ ber Sntzünbung iß, fo nennt man es «Pneu- monla; wenn nur bie Haut, weldje bte Sungen einfeüttt (bie pleura pulmonalis), ergriffen iß, fo nennt man es «Peripneumonia. Die Sefeanbtung iß jeboefe in beiben gäüen fo ziemlicfe biefetbe unb fanit gemeinfam befprodjen werben. Die Sungen- entjünbung fann Menfd)en von jeber Klaffe befallen; nur Iß ße zu gewiffen 3afe- reSjetten unb in gewiffen ©egenben bes SanbeS feäußger. (SBenn ße wäferenb beS SBlnterS unb im 33egtntie bes grüfelings auftritt, wirb fte tjier oon Maitdjen „SBtnterßefeer" genannt unb nimmt oft eine fefer gefäferliefee gorm an.) Urfadjen. — Die gewöfenlicfe,fte aller Urfadjen Iß wabrfcfeetnticfe Srfältung, welcfee ßcfe auf bie Sungen wirft. Die Srfältung bringt eine Unterbrüdung bet SluSbünßung mit ßctj, woburefe bie Kapitlarien (bie fleinßen Haar-artigen SluSläufer ber Blutgefäße) ber Haut gefcfeloffett werben, b-aß rin Stnbrang bes 33tuteS nadj inneren Jfeeilen, zum 33eifpiel ben Sungen, ßattßnbet. Sfm feaußgßen fommt bieS im SBinter unb im Slnfange beS grüfelings vor, unb «Perfonen von robußer Körper- verfaffung unb mit großen Sungen ßnb bem am meißen ausgefegt. Doefe fann eS ju atten 3afereSzeiten vorfommen. «Perfonen, bie einmal einen fefeweren Slnfaü beS Seibens getjabt X)ahen, werben baburdj für fünftige Stnfätte geneigter. ©vmptome. — Die Sungenentzünbung beginnt mit einem bumpfen ©cfemerze in ber 33ruß, ober an einer ©eite, falls nur rine Sunge ergriffen iß; bas Sttfemen iß erfcljwert, namentlicfe, wenn ber «Patient auf ber franfen ©eite liegt; es ßettt ßcfe Hußen ein, Hifee unb Jrodenfeeit ber Haut unb gewöfenlicfe ßarfer Durß. 3m Slnfange iß ber «Puls vott, feart unb fräftlg unb fefer feefdjleunigt; bocfe bei bem weiteren gortfdjreiten ber Kranffeeit wirb er bisweilen fcfewaefe unb weidj, obgleicfe er beftfeleunigt bleibt. Der Hußen iß gewöfenlicfe feucfet, unb ber SluSwurf beßefet aus einer jäfeen, weißen unb fefeleimigen Maffe, in ber ftcfe bisweilen blutige ©treifen ßnben. Die 3unge iß am Slnfange weiß belegt. 3m Verlaufe ber Kranffeeit wirb bas ©eftdjt bisweilen bunfet- unb felbß blau- rot!) ; bie Slbern beS HalfeS ßnb gefcfewotten unb mit 331ut überfüllt; bas Sttfemen wirb fefenett, turz unb fefer erfefewert, fo baß Srßidung brotjt. SBenn ber Job eintritt, iß eS gewöfenlicfe burdj «Bluterguß in bie 3ettenfubßanz ber Sungen, wetdjer bie 3irfutation in biefen Organen auffeebt unb Srßidung verurfadjt. Studj fann bie Kranffeeit töbtlidj werben, inbem bie Sungenfubßanz in Siterung unb 33ranb übergefet. SBenn «Vereiterung ßattßnbet, fo zeigt ßcfe bies an burcb, teicfete großfdjauer, ein Radjtaffen ober Stuffeören beS ©cfemerzeS unb ein ©efütjt ber ©cfewere in bem betreffenben Jfeeile; ferner fann ber «Patient aisbann auf ber franfen ©eite ofene viel Unbequemliefefeit liegen. Der töbtlidje SluSgang tritt, wenn überhaupt, gewötjnlidj zwifcfe;en bem britten unb ßebenten Jage eitt. ©ünßige Symptome. — SBentt im «Verlaufe ber Kranffeeit plö^licfe reidjtidjes Urinlaffen ßattßnbet, ober Dtarrotjöe, ober rin tjeftiger ©dj weiß, ober audj Rafenbluten ßdj elnßettt, fo fann matt bieS als eitt fetjr günßlges 3eidjen betractjteit, ba es anbeutet, baß bie Krifis ber Kranfljeit watjrfdjeintidj uberwunben iß. 238 ©untTs Haus-Slrzt. Sbenfo iß bas reidjlidje Sluswerfen einer biden, weißlichen ober gelblldjen «Materie Von ben Sungen als gutes 3eiefeen anzufefeen. 33ebaitblung. — Die 23efeanbtung muß in atten gätlen von Sungeneutjün- bung feauptfäefelicfe in bem ©ebraudje von SSreefe-, fefewelßtrelfeenfeen unb Sluswurf. beförbernben Mitteln beßefeen, beren SBirtung burefe äußere Mittel, welcfee Slu«. büttßung feervorrufen uttb bas 33tut nad) ber Dberßäcfee treiben, zu unterßufeen ifl. SBenn bie 3unge bid belegt Iß unb rin bunfel-braunes ober gelbes Slnfefeen befommt, fo muffen baneben Slbfübrmlttel, welcfee auf bie Seber wirfen, in Sintern- bung lommen. golgenbes tann als bie geeignete Metfeobe für fefelimme gäüe gelten, iß inbeffen je naefe ben Umßänben tfeetlweife abzuänbern. 3uerß beginnt man bamit, ben «Patienten eine fealbe ©tunbe in einem »armen gußbabe ft^en zu laffen, wäferenb man ifem warme biapfeoretifefee Slufgüffe, wie etwa von „Kompofttions//-«putver (f. Rezepte) mit ber 3utfeat von etwas 33(utwurzel, ober von «Polet (Pennyroyal) unb ©albei trinfen läßt. 3nzwtfd)en fodje man in einem großen Keffel eine Quantität bitterer Kräuter, wie Stnborn, Rainfarn, Jpopfen, SBafferboßen (Supatorium), SBafferpfeffer (glöfefraut), Roßmünze unb «J)firpd). blätter, von jebem eine Hanbvott, ober fo viel, als man befommen fann. Dann nefeme man ben Keffel vom geuer, entffelbe ben «Patienten unb laffe ßcfe ifen (anf einem Radjtßufete ober bergleidjen) barüber fefjett, inbem man ifem eine rootlene Dede um bie ©cfeultern wirft uttb itjn unb ben ganzen Slpparat mit woüenen Seelen umgibt, fo baß bie warmen Dämpfe aufgefangen werben unb überaü bis zum £a!fe tjinauf mit feiner Haut in S3erüferung fommen. 3n biefem Kräuterbampf- b a b e laffe mau itjn eine fealbe ©tunbe, wätjrenb man gelegentliefe einen feeifjen ©tein ober ßk^tX in bett Keffel wirft, um bie Dampferzeugung im ©ange ni erfealten; wenn ber «Patient fdjwadj fütjlt, benelje man Ifem Kopf unb ©eßefet mit faltem SBaffer unb laffe Ifen gelegentliefe, etwas von ben vorerwäfenten marmen Slufgüffen trittfett. Dann trodne man iX)n fdjnett ab uttb lege itjn zu 33ett, worauf man {fem unser- ZÜglid) ein S3recfemittet, aus gleictjen Jferilen Sobelta-©amen, 331utmurjel unb Specacuanfea beßefeenb, beizubringen tjat. Man neb, me einen großen Sßlöffel »oO bes aus obigen brei 33eßanbtt)eilett zufammengemifctjten «Pulvers, gieße eine «J)inte foefeenben SBafferS auf, rüfere um unb laffe es fünfgetjn Minuten lang ßefeen; kann beginne man eine fealbe Jfeeetaffe vott atte fünf bis zet)it Minuten zu geben, bt« to «Patient fünf- bis fedjSmal getjörig ßd) erbroefeen tjat. SBäferenb ben 3wifcfeen;eite« beS SrbreefeenS laffe man itjn reidjlidj «Polel-, ©albei-, KompoßtionS- ober 2Baffer= boßeit- Jfeee trinfett. ^ladjhem man mit bem S5redjmittel fertig iß, umgebe man ben «Patienten i« S3ette mit Reißen, in Dedeit eingewidetten ©feinen, SBärmeßafctjen ober «Raiafoltot, featte ifen gut bebedt, fatjre mit bett warmen Slufgüffen fort — benen ein wenig»»« bem 33recfemittel hinzugefügt werben mag, fo baß eine leidjte Uebelfeit erregt rcirt- unb laffe ifen fcfewijjett. ^flad) brei ober vier ©tunben, wenn ber «Patient gefeörij gefdjwi^t feat, möge man ifen trodnen, mit reiner SBäfcfee verfefeen unb ifen tan« rufeig fdjlafen laffen. SBenit er genügenb gerufet tjat, lege man ein großes ©enfpßaßer auf bie ©ruft weldjes fo lange barauf bleiben muß, als er irgenb ertragen fann — bocfe niebi langer, als eine ©tunbe; bann fottte er in fleinen, tjaußg wteberfe,olten Dofen, ei« Sungeiteittzüitbuttg. 239 geeignetes Sluswurf- unb ©djweiß-feeförbernbes Mittel zu nefemett beginnen. 3u biefem 3wede Iß vieüeidjt nidjts beffer, als ber oben angegebene emetifcfee Slufguß (Sobetia, S3lutwurzel unb 3pecacuantja) in ber Doßs von einem fealben bis zu einem ganjen Sßlöffel vott, je naefe ber ©tärfe. Dber man gebe biefelben Slrtifel in «Pulverform, In ber Doßs von fünf bis adjt bis zefen ©ran, ßünbltd) wieberfeolt. Dber eine Mifdjung ber Sobetia-Jinftur, ber 33tutwurzeI-Jinftur unb beS 3peca* cuanfea^SBeines, ^u gleictjen Jfeeilen, mag in Jfeeelöffel Dofen ßünblicfe gegeben werben. Dber man brauefee rin folgenbermaßen bereitetes SrpeftoranS: Sobelin* famen, putverißrt; 33lutwurzel, je eine Unze; Specacuanfea, zwei Unzen; Sapentte* «Pfeffer, eine fealbe Unze; SBfeisfv ober verbünnter SBeingeiß, eitt Quart — man laffe ein bis jroet SBocfeett lang ziefeen. Die Doßs iß audj ein Jfeeelöffel vott ßünblicfe. Die 33recljmtttel muffen atte vier nnb zwanzig ©tunben einmal wieberfeolt werben; audj mag es ratfefam werben, bas angegebene Kräuterbampfbab ebenfo oft zu wieberfeoleit, ober wenigßens in berfelben SBeife ein Dampfbab ofene Kräuter ju geben. 3m Slnfange iß bie 3uuge weiß belegt; bocfe wenn bie garbe bunfelbrautt ober gelbliefe wirb, Iß es ttötfetg, ritt fräftiges Sifefütjrmütel zu geben, bas auf bie Seber unb bie SluSfefeeibungett einwirft. Die antifeiltöfe «Purgauz (ßefee Rezepte) mit gepulvertem «Pobopfepttum (Sntenfuß, May apple) iß feierzu gut; ober brei bis vier «Piüen aus «Pobopfevttum-Sriraft, S5lutwurzet-«Putver unb Sapenne-«pfeffer bereitet. Diefe «Pillen ftnb eines ber beßen Sebermittet unb gattenwlbrigett Mebifamente in ber SBelt unb überall anwenbbar, wo eine fräftige unb fefenetl wlrfenbe «Purganz erforberliefe iß. Man gebe brei bis vier biefer «Pillen unb wleberfeole bie Doßs in fecfes ©tunben, wenn ße bis batjin nicfet gewirft feaben. Der Selb muß offen gehal- ten werben, inbem man jeben Morgen unb Slbenb eine biefer «Pillen, ober ein wenig «pobopfepttum- unb S3lutwurjet-«Pulver gemifdjt, gibt, um eine gelittbe Sinwirfung auf bicfc?efeer aufreefet ju erfealten. ©tatt bes «Pobopfepttum, fann man bas aus bemfelben bereitete «Pobopfevllln gebrauchen. «Rittlerweile fafere man mit ben Srpettorantien ober Sluswurf beförbernben Mit- teln, wenn ber gatt ein fdjlimmer iß, Jag unb Sfladjt fort. SBenn bie Kranffeeit irgenbwie einen periobifefeett Sfearafter annimmt, bas feeißt, Wenn, wie bei bem SBecfefetßeber, fdjtimmere Sinfätte in 3tvifcbenräumen wieberfeferen, fo muß Sfeinin gegeben werben. Man fann es mit ben Srpettorantien verbinben, ober in irgenb einer anberen ©eßalt geben, fo baß an einem Jage etwa zwölf ©ran genommen werben; bann fetje man bamit aus, entweber für einige Jage, ober ganz, Wenn es nicfet mefer erforberliefe fdjeint, Ss mag gut frin, gelegentliefe Kräuterumfdjtäge auf bie 33ruß, fo warm als fie ertragen werben tonnen, zu madjtn; man nefeme bazu Kräuter wie Slnborn, Ka£en- münze, Rainfarn (Hoarhound, Catnip, Tansy) unb bergleidjen, Studj baS ©enf- pßaßer mag tägiidj wieberfeolt werben. Dodj am meißen feat man ßdj auf 33redj- mittel, Raufea, b. tj. Uebelfeit erregenbe Srpeftoratttta unb ©djWi^en zu verlaffen. Die SBurjel beS ©ttnffotjlS (Skunk Cabbage) iß gletdjfatts ein gutes SrpettoranS bei biefer Kranffeeit unb mag mit anberen Slrtifettt in gorm von «Pulvern, Jinfturen ober Slufgüffen verbunben werben. Jppljöfe «Pneumonie. «PneumotVptjuö. (Typhoid Pneumonia.) 240 ©unn'S Haus*3!rzt. Siswetlen tritt eine bösartige gorm ber Sungenentzünbung in epibemifcfetr ffidfi in gewiffen ©egenben, namentlicfe wäferenb bes SBinterS, auf. ©Ie wirb in Slnte. rifa bisweilen "Winter-fevers", audj "Cold Plague" genannt, ©ie nimmt letajl einen töbtlicfeen StuSgang unb erforbert bie forgfältigße 33efeanblung. Man fcfetage in folefeen gälten eine äfentidje als bie vorfeergefeenbe 33efeanblun«> Weife ein, nur, wenn mögliefe, nocfe entfefeiebener unb eingreifenber. 3" biefer gorm ber Kranffeeit iß bte Haut gewötjnlidj nicfet feeiß, fonbern man bemerft eine eigentfeümiicfee Kälte ber Dberflädje unb ber ©lieber. Man foüte warme gujjbabet von Saugenwaffer geben, unb — außer ben bereits erwäfenten Mebizinen — folgen- bes «Pulver brauchen: Specacuanfea, zwei Dradjmen; Kampfeerpulver, zwei Dracb« men; foljlenfaureS Slmmoniaf, zwei Dracfemen; Dpium, eine fealbe Dracfeme; bfes reibe man in einem fleinen Mörfer gut zufammen, unb gebe als Doßs adjt ©ran, atte brei bis vier ©tunben. 3n Srmangelung beffen fann man auefe, bas Do»er'fcfee ober btapfeoretifdje «Putver (ßefee Rezepte) geben. ©attenwibrige «Purganzeit werben gleidjfatts nöttjig werben. 3e mefer bie Äranf- tjeü einen JppfeuS-ätjtttidjen Sfearatter annimmt, muß man zu Sfeinin unb ßimuli- renben ober Reizmüteltt greifen. 23redjmütet, bie äußete Slnwenbung ber SBärme unb Srpeftorantia ßnb unerläßtidj. SBenn bie übermäßige S3efdjteunigung bes «Pulfes antjält, gebe man ferner Digitalis- (gingertjut-) Jinftur, zefen bis fünfu^n Jropfen, brei bis viermal tägiidj. «Peripneumonia. — SBenit bie Sntzünbung nur iu ber äußeren UmfeüDung ber Sungen, ber pleura pulmonales, Üjren ©t£ tjat, fo mögen bie ©pmptome »ob benen ber Sntzünbung ber Sungenfubßanz etwas abweidjen. Der ©efemerj wirb gewöbntidj metjr an riner ©eite unb fdjärfer unb ftedjenber fein, äfenlld) wie bei bet S3rußfellentzünbung. Ss wirb weniger ©djwierigfeü bei bem Sttfemen unb lein ©efüfet ber Srßidung empfunben; bod) wirb bas Slttjmen mefer ©cfemerz *n ttDI befallenen Jfeeile verurfadjen. SBenn ber galt nidjt fefer fdjlimm iß, fo werben gewötjnttctj ein 33recfe mittel, ein guter ©djweiß, eilt ©enfpflaßer auf bie fdjmerztjafte ©teile unb ber ©ebrauefe bet Zufammengefe^ten Mprrfeen-Jinftur (fietje Rezepte) unb ber Jinftur von Sobelin «nb Macrotps (fdjwarze ©djlangeitwurzel) ausreichen, ©tatt ber zufammengefe^ten Mvrrtjen-Jinftur fantt audj bie einfadje fpanifdje «pfeffertinftur gebraudjt treiben. Dodj wenn bie Kranffeeit ernfttidjer iß, unb bie Sungenfubßanz felbß tfeeittneife j« leiben fdjeint, fo fdjtage man bie gegen Sungenentzünbung angegebene S3efeanb- luitgsweife ein. ßungcnBlutungcn. ©ewöfenlid) wirb bieS Seiben als „«Btutfpuden" bezeidjnet. Ss beßefet barin, baß größere ober Heinere Mengen Ijettrottjett, meißens ganz flaumigen 33luteä au|- gefeußet werben, nadjbem gewötjnlidj ein ©efüljl ber Hi£e unb ©efemerj in *« S3ruß, Reizung ber Suftröfere nnb ein falzäJjttlidjer ©efdjmad im Munbe ^orber^ gegangen. Hämorrfeagie ber Sungen fann von ber bes Magens triefet unterfefeüben Werben, ba im leiteten gatte bie Menge bes S31utes viel größer zu fein, feine && Viel buntler, unb es mit ©peifereßen vermifdjt zu fein pßegt; wäferenb ba« $1»'- baS aus ben Sungen fommt, von fetter garbe iß, burd) Hußen ober Stöufp"' Sungenbfutungeit. 241 meißens nur in fleinen Quantitäten auf einmal ausgeworfen wirb unb mit flau- migem ©djleime vermifdjt iß. U r f a cfe e n. — Das 33luten ber Sungen rüfert, wie natürlidj, von einer ©djwäefee biefer Drgane, ober von einer ^u zarten 33efd)affenfeeü iferer ©truftur feer, fo baß ein leidjtes 3erreißen ber Suftzetlen unb fleinen Haargefäße ßattßnben fann. Ss fann burefe übermäßige Stnßrengung unb feeftlge «Bewegung, wie bei'm Saufen, ©pringen, Ringen, tauten ©tfereien, bem SSfafen von SBinbinftrumenten unb ber- gleidjen veranlaßt werben; ferner burdj 33tutanbrang, feeftifcfeeS gieber, Hußen unb Srfältung. Ss fann aud) burefe Unterbrüdung gewöfentiefeer Sluöfdjribungen, namentlidj bes Menßruattonsblutes entftefeen. Slm feaußgßen lommt es bei «Perfo- nen vor, bie engbrüßig ßnb, feofee ©efeuttern feaben unb babei fonß zart gebaut unb von fanguinifefeem Jemperament ßnb. «Blutfpuden iß nicfet immer ats rine primäre ober urfprüngtitfee Kranffeeit anzu- fefeen, auefe ßefet es nictjt nottjwenbig mit ©cfewinbfudjt in 33erbinbung. Dft iß es nur bas ©pmptom riner anberen Kranffeeit, wie S3rußfett- ober Sungenentzünbung; unb bei manefeen giebern erftfeeint es f r i t i f cfe , inbem es eine günftige SBenbuttg anzeigt. ©elegentlicfe iß bas ausgeworfene 33tut von buntler ober fdjwärzlidjer garbe; bas zeigt jebod) nur, baß es längere ßtit in ben Suftwegen verweilt feat, efee es aufgefeuftet würbe. Das Uebel iß vott feiner ©efafer begleitet, wenn es nicfet mit ©djwinbfucfet verbunben iß, ober es feinen feeftlgen Hußen unb Slngegriffenfeett ber Sungen zurüdläßt. SBenn es bei «Perfonen von fefewacfeer, fdjlaffer Musfelfafer unb järttiefeer Körperverfaffung auftritt, iß eS fefewieriger zu furlren. 23etjanbtung. Sins ber beßen unb gewöfentlefeßen Mittet gegen 23tutfpuden iß ©alz. Sin Jfeeelöffel vott fottte troden genommen unb von ßtit %u ßeit wieber- feolt werben. 3n atten mtlberen gällen wirb man bieS als inneres Mittel auSrei- efeenb ßnben. Dabei muffen äußerlicfee Mittel angewenbet werben : feäußge warme gußbaber unb SBafcfeungen bes ganzen Körpers, warm ober falt, mit fräftigem Reiben, um bie 3irfufation gleicfemäßig ^u maefeett unb baS S3tut von ben Sungeit nadj ber Haut ah^uXeittn unb eine 33erfefelimmerung beS SeibenS iu verfeüten. Sine ßarte Slbfocfeung von ben S3lättern beS SHrgtttifcfeett SBotfsfuß (Bugle-weed) iß eins ber beßen Mittel gegen Sungenblutuitgen. Ss fottte tägltdj eine «Pinte bavon falt getrunfen werben, um eine Rüdfefer ber Hämorrfeagie ^u ver- feüten. Sitte gute 3utfeat zu bem 33irginifdjen SBolfsfuß iß etwas SBurzel beS Slmerifanifcfeen Jriflium Satifolium (Beth root) unb SBadjfeoIberbeeren. Sine Jinftur, bereitet aus gleictjen Jfeeilen ber fdjwarzen ©djtangenwurzel (Sngl. Black Cohosh — Sat. Macrotys Racemosa) unb ber Sanabtfdjen S3tutwurzel, iß ebenfalls ein fcfeäjjfeares Mittet, befonbers wenn eine Slnlage zur ©djwinbfucfet ba iß. Ss fann in Jfeeelöffelbofett breißünblid) wätjrenb beS JageS genommen unb einige 3eit lang fortgefe^t werben. Dabei iß ein gefegenttldjes Slbfübjmittel zu empfefelen. 3n fdjwereren gälten muß ber «Patient ganz ru*>l9 liegen unb atte zwei bis brei ©tunben ein «Pulver aus einem ©ran Savenne-«Pfeffer unb je einem Ijalben ©tan Opium unb 3pecacuanfea nefemen, bis Sinberuttg erfolgt. Dabei fottten Heine Mengen einer fdjwadjen Slbfodjung ber fdjwarzen ©djlangeitwurzel unb ber Jrittium- wurjel in furzen 3wifdjenräumen getrunfen werben. 16 242 ©untt*s Haus-Slrzt. Stfjratnbfunjt. — « u 8 j t fe r u n g. Ss iß unmöglid), auf bem furzen Räume von wenigen ©eilen einen ©egenflcurt grünbtiefe zu befeanbetn, ber ein fo weites ©ebiet umfaßt unb von fotefeer Sßiefeticjftii iß, ats bie genannte Kranlfeeit. SBenn wir burdj unfere Slnbeutungen im ©tanbe ßnb, bie ©efafer zu zrigen, efee es zu fpät iß; wenn es uns gelingt, bie ©orglofen ZU warnen unb bie Unbebaefetfamen aus iferer ©leidjgültigteü aufzurütteln, fo »irb wenigßens etwas gefdjefeen fein, um ben 33erfeeerungen jenes geinbes Sinfealt ;u tfeun, ber von allen geinben bes menfcfelicfeen Körpers ber gefäferltdjße ift — um fo gefäferttdjer, ba er fo gewöfenlicfe, unb besfealb zu wenig gefürdjtet iß. S3ei bet ©djwinbfucfet, wie bei manefeen anberen Kranftjeiten, fannbaS Seben verlängert unb nidjt fetten bie Kranffeeit felbß geseilt werben, inbem man ifere Urfadjen befeirigt. SBenn baS Uebel einmal feit längerer ßtit SBurzet gefdjlagen unb ßdj befeftigt feat, fo fönnen atterbingS burdj bie waefefame Slufmerffamfeit freunbtiefeer «Pflege, burefe bie 23emüljungett ber SBtffenfcfeaft unb burdj 33eränberung beS Klimas bte Reiben bes Kranfen gellnbert werben; aber im Sittgemeinen ftnb, wenn bie ©djwinbfucfet nictjt in iferen erßen ©tabien gefeeffert wirb, ober mit anberen SBorten, nacfebem fie fiefe vottßänbig unb tief in ben Sungen feßgefefct, fo weit meine Srfaferung reiefet, mit wenigen SluSnatjmett, alle befannten Heitmittet frucfetlos unb erfolglos. SBeldj' eine Reilje trüber Setradjtungett brättgt ßcb, auf, wenn man ben fangfa- men, aber ßdjertt «Verfall eines fungett, geiftvotten unb fdjönen SBefenS anfefeen muß, beffen Reize uns für einen Siugenblitf entzüden, unb bann als Opfer jenet fdjredtidjen ©eißet, ber ©djwinbfucfet, in bas ©rab ßnft. Diefe Kranftjeit verbanft ifere Sntßefeung mefer ber Kunß, als ber Ratur; mefer ben Mißbräudjen ber Sivitifation ats ben Sinßüffen beS Klimas. 3n Sänbern, in benen eine foldje Sivitifation tjerrfdjt, wie in Snglanb, granfreiefe unb ben Sei. ©taateti, wirb bie Kranffeeit in ben ^aläßett ber Reidjen unb in ben Hütten unb Kellerwohnungen ber Slrmen gefunben; nnb in beiben gällen iß fte bas «Jlefultat von Srfcfeöpfung. Die in Ueppigfeit ©djwetgenben verfallen ifer burefe früfezetttge Slufreibung ber SebenSfräfte; bie Mangelleibenben werben ifer burefe. verborbene Suft, Hunger unb Kälte in bie Slrme getrieben, fowit burefe Ueberarbeitung, welcfee nocfe ftfewädjenber wirft, als felbß übermäßiger ©enuß. SllS «Beweis mögen mir bie oft bemerfte Jfeatfadje anführen, baß alte Seute, benen fonß nie etwas gefe&tt feat, tjäußg an ©efewinbfuefet ßerben. SBenn ber Organismus abgenutzt, ober in anbeten SBorten, wenn bie SebenSfräfte erfdjöpft ftnb, bann faugen bie Sungen, als einer ber fdjwädjßett Jtjeife beS Körpers, bie Kranffeeit ein, unb ber Job enbet bie 3«ne. Dodj wenige «Perfonen bleiben übrig, um in feotjetn Sllter zu ßerben. Die fen- fcfeeit nützen ßcfe ziemliefe fctjneü ah in biefem Sanbe. Sinige burefe ben @«nu|) beraufdjenber ©etränfe, Slnbere burdj fRaudjtn unb übermäßigen ©ebrauefe W Jabads, Slnbere burd) ungeregelte geißige Slrbeit, Slnbere burdj bte ©uefet, @Ulrt wer ßctj niefet ber gebotenen ©etegenfeetten bebient, muß vottßänbig gteicfegnlt^ gegen feine eigene ©efunbtjeit ober bie feiner gamilie fein. Sifenbafenen, Cmni- buffe, Dampffefeiffe unb anbere billige S3eförberungSmittel' ßnb für 3eben bereit, bei fld) «Bewegung maefeen, frifetje Suft unb tänblidje Srfeolung genießen unb einen ©cenenweefefel X)ahtn will, um bie geißigen ©orgen los zu werben; ber SinfNW ©eißeS auf ben ©efunbfeeitszußanb ift ein äußerß mädjtiger. SBenn itjr alfo lc torett, Mebizinen, ©djwinbfucfet, DpSpepße, Rervenfranffeeiten unb taufenb ante« Uebel vermeiben wollt, fo lebt mäßig, madjt eudj regelmäßige «Bewegung, \¥l'1 frifdje Suft, ridjtet eure Kleibung nadj bett «JSeränberungen beS SBetterS nnt> fcfeludet fo wenig Mebizinen, als mögliefe,; benn lein vernünftiger Slrzt gebraucfet felfcjl w Mebizinen, obwohl es in feinem 3ntereffe fein mag, fte Slnberen zu verfefereibw- ©cfe wiitbfud) t. 245 Die Mäßigen unb regulär Sefeettben leiben fetten an biefer Kranftjeit, außer wenn ße ifenett mefer ober weniger von iferen 33oreltern übertragen iß; bie Unmäßi- gen bagegen unb unregelmäßig Sebenben werben von biefer eben fowofel, als von einer Stttjafel anberer Kranffeeiten feeimgefudjt; unb zwar iß bies in jebem ©taate ber Union ber gatt, weil bie Urfadjen biefes Uebets weniger im Klima, als In ber Sebensweife zu fudjen ßnb. Die feeßett 33erfeütuttgSmittet ber ©djwinbfucfet alfo ßnb: reine Suft unb verttüttf« tlge Mäßigung in allen Dingen, in förperliefeer fowofel, als in geißiger 33eziefeung. Die Quäler werben, wie iefe beobadjret X)aht, feiten Opfer ber ©djwinbfucfet; unb iefe fann bieS nur iferer Sntfeattfamfeit unb 33efonttettfeeit jufdjreiben, wetdje ße von allen pfepßfdjen unb geißigen Srceffen abfeält. Sfee iefe biefen wicfetigett ©egenßanb fcfeließe, mödjte iefe benen, bie Slnlage zur ©djwinbfucfet feaben, ober fonß von ftfewäd)- lidjer ©efunbfeeit ßnb, nocfe ein 33orßdjtsmittel empfefelen, nämlidj: bas Jragen Didfofeliger gußfeefleibung bei fcfelecfetem SBetter; benn bie güße ßttb eleftrifcfee «punfte beS Organismus. 33or atten Dingen vermeibe man ©ummifefeufee zu tra- gen, weldje bie güße ^u warm erfealten, bie SluSbünftuttg nicfet burdjlaffen unb bie gefunbe Hauttfeätigfeit unterbrüden; wenn ber ©efeweiß verfeinbert wirb, in natür- licfeer SBeife aus bett «Poren zu bringen, fo folgt ©djwäcfee unb Kranffeeit.. 3n S3ezttg auf Kleibung unb RaferungSmittel läßt ßcfe nur fagen, baß bas, wobei man ßcfe am SBofelften beßnbet, audj bas beße 33erfeütungSmütet ber ©djwtnbfudjt iß. Der Hüften ber ©djwinbfüefetigett ift ein unangenefemer «Begleiter biefer qualvollen Kranffeeit; wir füfelen uns bewogen feier bie Umftänbe eines gatteS zu erwäfenen, wo es Semanb naefe langem Selben gelang, ßefe ben Klaueit ber Kranffeeit %u tut- wlnben. ,,©ie betlagen ßdj über beßänbigeS Hußen ; erlauben ©ie mir bie grage aufzu- werfen, ob baffelbe nicfet ebenfo unttötfeig, als itatfetfeeilig iß. 3d) X)abt midj lange burefe Srfaferung unb 33eofeadjtung überzeugt, baß ein großer Jfeeil beS HuftettS, weldjer ber ©djwinbfucfet vorangefet unb ße begleitet, freiwillig iß. 33or meferen 3aferen wofente idj mit einem Manne zufammen, ber in bett erßett ©tabiett bet ©efewinbfuefet war. 3d) fdj lief über feinem S3ettzimmer unb featte fein fortwäferen- beS qualvolles Hußen anzufeören. Radtjt für Racfet erbulbete id) biefe ©Störung, bis ße mid) batjin bradjte, ernßlicfe barüber natfezubenfen, was bagegen getfeatt wer- ben fonnte. 3dj feeobaefetete aufmerffam bas ©eräufefe, baS ber Mann maefete, unb bemerfte, baß er offenbar wittfürlidje Slnßrengutigett ^u Huftett maefete. Hierauf (teöte iefe ait mir felbß 33erfud)e an unb fanb, baß idj bei mir bas Hüften, Riefen, ©äfenen u. f. w., fetbß hti ber größten Reigung ober Reizung bazu, burefe fräftige SBlllenSaitßrengung unterbrüden fonnte. Dann überlegte iefe, wie aufregenb unb naefetbeilig ber Hußen für bie zarten Drgane fein muß, von benen er auSgefet, vor- jügliefe wenn biefelben ßefe fdjon in einem erfranftett 3ußaube beßnbett. SBaS fann für Suftröferen ober Sungen, in benen ßctj ©efdjwüre gebilbet, fefetimmer fein, als bie gewaltfamen Srfdjütterungen, bie ber Hüften feervortringt ? ©ie muffen angrei^ fenber fein, als ©preetjen. SBenn eine wunbe ©teile an irgenb einem Körpertfeeile beßänbig burefe gewaltfame Reizung offen erijalten, ober burefe raufee 33erübrung, wenn ße gerabe feeilen will, (unb natürlldj eitt 3uden verurfadjt) wieber geöffnet wirb, fo muß ße ttatürlicfe fdjtimmer werben, ©tdjerlicfe fantt matt atfo nur erwar* ten, baß eine wunbe ©teile in ben Sungen töbtlidj werben muß, wenn ße beßänbia 246 ©uitn'S H«uS-Slrzt. gereizt unb am 3ufeeilen verbinbert wirb ; unb baS, fo fdjeint es mir, iß eö gtrube, was ber Hußen tfeut. 3n golge biefer 33etradjtungen nafem iefe mir bie fretbeit, ben Mann zu fragen, ob er nicfet ben Hußen unterbrüden föntte. Sr antroprtete, nein. 3d) fe£te ifem bann bie obigen Slttßefeten auseinanber. Sr feefdjlofj einen 33erfucfe zu macfeen, unb fanb zu feiner Ueberrafcfeung, baß er feinen Ruften faß voUftänbig feefeerrfdjen tonnte. Die Madjt feines SBiöenS barüber vermeinte ftd), je mefer er ifett übte, unb in wenigen Jagen featte ßefe bie Reigung jum £uflen faß ganz »ertorctt. ©eine ©efunbfeeit feeprte ftcfe gleicfezeitig augenfdjeinlicfe, unb als iefe itjn zulegt fatj, featte er bie beße Hoffnung auf völlige ©enefung." Dies trug ftcfe vor aefetzefen 3at)ren ^u, unb ber bamalige Krante iß jefct ein tbätt« ger ©efefeäftsmann unb X)at, wit er fagt, feit Jener ßtit nidjt rinen Jag bes Unroofel- feins getjabt. 3n früfeeren 3eitett war eS Mobe zu bezweifeln, ob Sungentuberfel ober Sungen« gefefewüre gefeeilt werben tonnten. Slber bie Kranffeeit iß jefct beffer gefannt unb wirb wettiger mutfjtos betraefetet; bie Srfaferung unb bie Singabett glaubroürbiget 3eugett eben fowotjt, als meine eigene S3eobad)tung X)abtn midj von ber feaufigtn Heilbarfeit biefeS UebelS überzeugt. SBir wollen fdjtießlidj in wenigen SBorten bie brei feauptfädjliefeßen präbi«ponl- renbett Urfacfeen ber ©efewittbfuefet erwätjiten — ein tvmpatfeifcfees Jemperament, erbtiefee Slnlage unb fefeteefete Suft; Stiles, was geeignet iß, bie Kranffeeit feerbeijn« füferen, wirft fdjnetler bei benen, welcfee von ben Sltern X)er ober aus anberen Urfa- djen bie Slnlage bazu bereits itt ßefe tragen. SBenn bie Sungen mäßig auSgebefent ßnb, fo entfeatteit ße burcfefcfe,nitttitfe et»« Zwölf «pintett Suft. Da eilte «pinte bei jeber gewöfenliefeett Sinatfemung eingeben, unb etwas weniger ats biefetbe Menge bei jeber geroötjnlidjen Slusatfemung auigt- ßoßen wirb, fo bleiben in ben Sungen, ats bie geringße Menge, immer eitf «plnttn Suft zurüd. Sine Sttfeembewegung fommt ber 3eü naefe auf vier «putfationen ob« ©efeläge bes Herzens ; unb ba baffelbe bei normalem ©efunbfeeitszußanbe jroei unb ßebenzig ©efeläge itt ber Minute madjt, fo atfemet man aefetzefen Mal in ber «Jlinute ober fünf unb zwanzig taufenb neuit feunbert unb zwanzig Mal in ben »ier unb jwanzig ©tunbeit. 3n runben 3afe(en fließen in jeber Minute etwa aefetzefen $ln- ten Suft in bie Sungen (außer ben z»ölf «pintett, bie beßänbig in ben Suftutie« vorrätfeig ßnb), fo baß im Verlaufe von vier nnb zwanzig ©tunben mefer alt pebe« unb fünfztg Drfeoft Suft burefe bte Sungen gefeen. © o m p t o m e. — Die ©cfewinbfud)t beginnt gewötjnlidj mit einem troeftnen, feeiferen Hußen, ber ßcfe allmälig ßeigert unb Monate lang anfeätt; babei flogt bet «Patient über ungewöfenliefee Hi^e, Sruftfefemerzen unb Settemmungen, öorjuglnfe naefe irgenb einer ßarfen Körperbewegung. Der Hüften vermefert ftcfe ober bauert fort, unb es wirb eiterige Materie ausgeworfen, in weldjer ßdj bisweiten btntig« ©treifen ßnben. Der «Patient fängt bann an, gleifdj zu verlieren, unb wirb tnbhcfe ganj abgemagert, inbem er oft zu einem reinen ©erippe zufammenfällt. HeftifcfeeS gieber. — Sin anbereS fefer gewötjntidjes ©pmptom, ober »id* mebr ein «Begleiter biefer Kranfbeit iß bas feeftifefee gieber ; SlnfangS tritt ti W« weilen ganz unfefeeinfear auf, bocfe bei bem gortfeferitte ber Kranffeeit wirb ti WJ unb erfcfeöpfenb. Dies gieber feält nicfet wätjrenb bes ganzen JageS ober ber 91«*' %n, fonbern ßettt ßcfe gewöfenlicfe bes Morgens ein unb läßt gegen Mittag »MI ©dj»inb fudjt. 247 trß ein leifeS größetn, bann Hijje, Durß unb Utmüje, worauf ©djweiß erfolgt. ©egen Slbenb ober zur Racfetzrit fetjrt es wieber unb enbet itt ben fogenannten Raefetfdjwetßen. Sluf jeber SBange bes ©ctjwittbfüdjtigett erfcfeeint wäferenb beS giebers tin feetter, rotfeer, faß freisrunber gled; bisweilen aud) nur auf einer ©eite. Das feeftifefee gieber iß nur fpmptomatifdj, bas feeißt, es iß nur bas ©pmptom ober Slnzeidjen einer anberen Kranffeeit, meißens ber ©djwinbfucfet; bocfe fann es audj anbere afezeferenbe Kratttfeeitett begleiten. DeSfeatb fann man nidjt feoffen, es ju feeilen, efee man nidjt bie ^u ©runbe liegenbe Kranftjeit ber Sunge gefeeilt feat. Jonifcfee Mittel follten gleicfezeitig mit ber Hußenmebizin gereiefet unb ber «Pflege ber Haut bie gefeörige Slufmerffamfeit gefefeenft werben; S3äber ober SBafefeungen mit einer Slbfodjung von Siefeenrinbe unb Sfßg werben ßefe, nüijlicfe erweifen ; innerlicfe follte ber «Patient iwtU ober breimal tägtiefe einige Jropfen ©alpeterfäure in SBaffer nefemen. Dies wirb fowofel gegen bie Racfetfcfeweiße, als gegen bas gieber von SBirtung fein. S3ei allen Sungenfranffeeitett fottte bas Hörinftrument, ©tetfeoffop genannt, gebraucfet werben. Durdj feine Slnwenbung, welcfee ben burefe baS Sttfemen feervor- gebraefeten Jon bem Dfere zufüfert, fann man am ßdjerften ben Unterfcfeieb zwifefeen einer gefunben unb einer tungenfranfen «Perfon erfennen. SBenn in ben Sungen ein Juberfel erißirt unb feinen Snfealt entteert X)at, fo erzeugt bie Suft, inbem ße in bie zurüdbleibenbe Höfetung einßrömt unb ausßrömt, einen eigentfeümtiefeen Jon, ben bie granzofen "rale" ttennen, ein tiefes, feofeleS Raffetgeräufcfe, weldjes matt lelcfet unterfefeeiben tann, wenn man bas £>fer auf bie S3ruß legt, bodj nocfe beuttiefeer burefe baS ©tetfeoffop wafernimmt. ©o oft man biefeS gifdjetnbe, raffelnbe ©eräufd) feörte, würbe nadj bem Jobe gefunben, baß Süerung erißirt featte, unb baß ber Jon burefe bas Sin- unb SluSßrömen bes SltfeemS in ber Höfetung erzeugt worben war, bie fidj gebilbet, nacfebem bie Materie beS ©efdjwürS ober Juberfels aufgefeußet ober ausgeworfen worben war. Durdj ben ©ebraudj biefes 3nßrumenteS fann ber galt mit großer ©icfeerfeeü beurffeetlt werben. Mandje Seute, weldje lange ßtit in ber Meinuttg, bie ©djwinb- fucfet ^u feaben, große Slngß unb ©orge auSgeßanben, ßnb burefe bie Sluffcfelüffe bes ©tetfeoffops von iferer gurdjt befreit worben. SBer besfealb über bie Ratur ber Kranffeeit ober ifere wirfliefeen gortfeferitte im Ungewißen iß unb ftcfe 33eforgntffe madjt, follte ßd) einer Unterfudjung unterwerfen, unb biefeS neue unb wertvolle einfadje 3nßrument wirb ifen fofort über bie Ratur feines gatteS betebren. Heilmittel. — 33or allen Dingen vermeibe man gewaitfame Mebizinen ober ben zu feäußgen ©ebraudj berfelben. Man vergeffe nidjt, baß bas beße tonifdje ober fräftigenbe Mittel in einer zwedmäßigen Diät, feäußger «Bewegung in freier Suft, einer Klimaveränberung ober ©eereife beßefet. ©djiefee biefe Dinge nidjt feinaus, bis ber Organismus untergraben ober burdj Srfcfeöpfung ntebergebroden iß. Der gewöfentiefee ©ebraudj biefer brei Heilmittel muß in ben erßen ©tabiett ber Kranlfeeit beginnen unb muß nicfet tjinauSgefcfeoben werben, bis bie Sterzte ßn- ben, baß feine Hoffnung metjr iß, unb, um bie S3erantworitidjteit loSzuwerben, eine «JSeränberung beS Klimas ober eine ©eereife anrattjen. Sine fdjwinbfüefetige gamilie follte aus ber ©egenb, wo ße gelebt, fortziehen. SouiS erwäfent ben galt einer gamilie, tn weldjer fedjzefen Kinber biefer Kranftjeit zum Dpfer ßelen, bodj ba« ßebenzefente, weldjes früfejeüig in'S Sluslanb gefdjidt würbe, entfam. Sin Kinb, 248 ©unn's Hau«-Slrzt. beffett 33ater ober Mutter fcfewinbfücfetig iß, fottte von ©efeurt an von einer gefunben Slmme gefäugt unb in einer reinen Suft, wenn mögliefe, in einer trodenen u..o Ijocfe gelegenen ©egenb, aufgezogen werben; auf feine Diät, Kleibung, «Bewegung putt bie größte Slufmerffamfeit gewanbt unb vorzügiidj bie sPßege ber Haut burefe falte SBafcfeungen unb Reibungen beförbert werben, fo baß ber Organismus allmälig gefräftigt uttb gegen bie Sinßüffe ber SBitterung befeftigt wirb. Mittel gegen bie ©djwtnbfudjt. Das „93oßott Mebicat anb ©urgicat 3ournal" maefet folgenbe Slnmertungen über Dr. ©tone'S neues Mittel gegen bie ©ctjwinbfudjt: „Sin Herr aus ber benadjbarteit ©tabt SfearleStown, beßen ©ofen in golge be* franfen 3ußanbeS feiner SttfemungSwerfzeuge ßcfe, wie man glaubte, in feojfnung«« lofer Sage befanb, ließ ftcfe bewegen, Dr. ©tone's Mebiztn, bas Kalfpfeospfeat, ju verfudjen. Das gewötjnticfe im Hanbel vortommenbe «Pfeospfeat fdjien ifem unvott- fommen zubereitet, inbem es zu grob unb fonß nidjt tauglicfe war. Sin reinerer Slrtifel würbe fpeziett für biefen gatt zubereitet, zu einem feinen «Pulver zerrieben unb in Dofen von zefen ©ran breimal täglicfe gegeben, auf welcfee jebesmal ein Sßlöffel vott gifdjleberttjrati folgte. Qwti SBocfeen lang war faß feine Slenberung bei bem «Patienten bemerfUdj. Dann ließ, gewiffermaßen plöfjtidj, ein ©efemerj nadj, ber lange ßtit an einer beßimmten ©teile in ber 33ruß gefeffen; ber Sefelaf würbe erfrifdjenb, ber Slppetit befferte ßd), bte Kräfte fetjrien wieber, unb ber jungt Mann, ber nocfe vor Kurzem" auf einem Kranfenßufel im 3intmer umfeerbemegt würbe, pßegt jefct täglicfe etwa zefett Meilen writ in SBinb unb SBetter fpajieren ju reiten. Dies iß bie ©efdjtcfete eines gattes, weldjen uns ein banfbarer 33ater mitge- rljellt, ber gern Slnbere verantaffen mödjte, unter äfenlitfeen 33erfeättniffen einen 23erfudj mit bem «ptjospljat in Skrfeinbung mit bem gifcfelebertferan zu madjen." Da es barauf attfommt, jebes neue Heilmittel, bas in biefer fdjredlidjen Üranftjell Sinberung fdjaffen fann, zur Kenntniß bes «PufetifumS zu bringen, fo entnefemen wir golgenbes bem „Sonbon Mebical Sournal," in ber Hoffnung, baß es auefe feier, wie in vielen gälten in Suropa, mit Srfotg gebraudjt werben möge: „Sin «Beamter ber brüttfdjett Regierung war von bem Uebel ergriffen worben unb bereits faß zu einem ©erippe abgezetjrt; feine greunbe glaubten, baß er bem lobe geweüjt fei, unb er felbß featte atte Hoffnung, nocfe lange zu leben, aufgegeben. SineS Morgens fdjleppte er ftd) auf feinem Hofe ümfeer unb fam jnfäüig in einen ©djoppeit, wo feitt S3ebienter eben SBeitt auf glafefeen gefüllt; ben Slugenbltcf vor« tyer featte berfelbe $ara, zum ©iegetn ber glafefeen, gefdjmolzen, unb ber Rauefe bauen erfüllte nocfe bas 3immer. 3ur Ueberrafdjung bes Kranfen beläßigte ifen bie Gin- atfemung biefeS RaudjeS nidjt, fonbern er füfelte, als wenn fein Sttfemen freier unb weniger befefewerllctj würbe, unb es fam ifem ber ©ebanfe, ob bieS wofel bie SBirtung bes gebrannten HarjeS fei. Den ganzen Jag feinburdj füllte er beffer, unb ofene feinen Slrzt um Ratfe zu fragen, wieberfeolte er bas Srperiment in feinem Stfetaf« Zimmer. Sr featte bie Racfet barauf einen gefunben ©djlummer — einen ©egen, ben er lange nicfet genoffen. Sine SBodje lang wieberfeolte er ben 33erfucfe, zweimal tägfid), unb mit immer befferem Srfolge. Sr ttjeilte bann bie ©aefee feinem 2U|te mit, ber ebenfo üfeerrafdjt, wie er felbß über bie auffaüenbe S3efferung bes tfran- ,en war, unb ifem rietfe, jeben Slbenb unb jeben Morgen mit ben Sinatfemunge« ©djWinbfudjt. 249 fortzufaferen. 3nt S3ertaufe von brei Monatett feörte ber Hußen auf, unb ber Sfipettt ßellte ßefe wieber ein. 3n fecfes Monaten war feine ©efunbfeeit fo weit gebeffert, baß er befcfeloß, naefe feiner Heimatfe zurüdzufeferen; bie Reife »erzögerte ßefe jebod), bis ein 3afer verßoffen war. SBäferenb biefer ganzen ßtit geferaudjte er fein neu- entbedtes Mittet; feine ©enefung würbe vottßänbig, unb er war wieber ein ganz gefünber Menfdj." Die „Sonbon Mebtcat ©azette" entfeätt einen Slrtifel von Dr. Haßings unb bem Sfetrurgen Mr. Robert ©torfs über eine merfwürbige Dperation, bie zum ßwedt Per Heilung ber ©djwinbfucfet vollzogen würbe unb in einer Deffnung ber Sungen- feöfelang burefe «Perforation ober Durefeboferung ber 33ruftwanbungen beßanb. Man fdjaffte ber Höfetung, welcfee ßctj in ben legten ©tabien ber ©djwinbfudjt in ben Sungen bilbet, burd) bie Rippen feinburefe einen Slusweg. Die unmittelbare SBir- fung ber Dperation, (weldje ^u Üjrer SluSfüferung nur wenige Minuten erforbert unb nur fefer geringen ©cfemerz verurfadjt) in bem erwäfenten gatte, war bie 33er- minberung beS «PulfeS Innerhalb vier unb zwanzig ©tunben oon ein feunbert unb jwanjig auf aefet unb feefeztg; freieres Sttfemen, weldjes außerorbentlid erfdjwert gewefen war; Racfelaffen beS HußenS unb beS Sluswurfes, welcfee beibe fetjr ßarf gewefen waren. Diefe Dperattorr; welcfee bie Möglicfefeü ber Heilung biefer gefäfer- licfeen Kranffeeit bartfeut, fdjeint vottßänbig erfolgreich, gewefen in fein. Der S3eriefet über ben3ußanb bes Kranfen, einen Monat naefe iferer SluSfüferung, lautet, baß berfelbe fefenett wieber gleifd) unb Kräfte gewinne, baß feine Sltfeembewegungen natürtiefe geworben, fein «Puls auf adjtzlg gefunfen fei unb ber Hußen unb ber Sluswurf vottßänbig aufgefeört X)aht. (Sob-)gifdjtebertljran (Oleumjeeoris aselli.) Diefe Slrt Del wirb je£t als rin fefer wertfevotteS Mittet betradjtet, unb bie SRad)* frage ift fo groß, baß bas Del aller mögliefeen gtfdje bafür vertauft wirb. Die Kranffeeiten, gegen wetdje eS feauptfädjticfe verfeferieben unb gebraucfet wirb, ßnb ©fropfeefn unb ©djwinbfucfet. SBir tjaben feinen 3n»etfel, baß es in manefeen gälten, wo ßd) ©efewinbfucfetS-©pmptome zeigten, 53efferung gefdjafft X)at. Der reidjtidje ©ebrauefe irgenb eines anberen gifefetferanS würbe vermutfetidj baffelbe geleißet feaben. Die 33ertdjte, bie wir in S3efcfereibungen von Reifen unter ben S$quimeaur-3nbianertt gelefen X)ahtn, bie von ©eefeunben unb Jferan leben, unb bie Jfeatfadje, baß bie 3nbianer beS «PenobScot unb Quobbv ©tammes an unferer Küfte am gefünbeßen unb fettßen wätjrenb ber gifefezeit ßnb, wenn fte reidjttcfe, mit Sfteerfdjweintferan verfetjen ßnb, beßätigen biefe Sltißdjt. Studj feat man in gälten, wo bas Sobßfdjöt nictjt zur Hanb war, SSerfndje mit anberen gifdjöten angeßettt, unb manefee 33eridjte fprecljett ßdj güitftig barüber aus. SJcandje befeaupten, baß bas ädjte (Sob-) gifdjtefeeritjratt 3ob unb S3rom, zwei äußerß fräftige mebizinifefee ©ubßanzen, enttjatte. Das mag fein, bod) bann müßten biefelben in feomöopatljifdjer SBeife wirfen, ba ße nictjt in hinlänglicher Quantität vorfeanben ftnb, um eine gewötjntidje Doßs auszumachen. Sitte biefe Jferane wirfen ofene 3n>eifel tjauptfäefeltdj burdj Srnäferung bes «Patienten, ©ie ent* fealten eine große Menge von Kofetenßoff, weldjer ßd) im Körper bes «Patienten in gett verwanbelt unb auf biefe Slrt fein Stusfetjen beffert. SBir wottett Riemanben 250 ©unn'S Haus Arzt. von bem ©ebraudje beS Sobßfdj-SebertferanS abfcfererfen; bodj, wenn ber äcfete nicfel ZU feaben iß, fo möcfeten wir ben Ratfe geben, nidjt zu verzweifeln, fonbern irgenb rinen beliebigen anberen Jferan zu trinfen, ber, wenn aud) nidjt gerabe ^ur Heilung bodj zur Srnäferung bienlidj fein wirb. Der ©efdjmad beS SefeertferanS wirb voüßänbig verbedt, wenn man vorber unb nadjtjer rin ©tüd trodene Slpfelßnenfcfeale laut, ober wenn man einen JUumpen braunen 3uder in ben Munb nimmt. Huften«©vrup. Dies iß ein wertvolles Mittel. 3dj X)aht eS in meiner «PrariS feit langen 3ab,ren mit großem Srfolge gebraudjt. Slnborn (Hoarhound)* . .........1 Unje. Sltantwurzet (Elecampane).........1 Unje. SBattwurz (Comfrey) ........... 1 Unje. ©emeine Rarbe (Spikenard) ......... 1 Unje. SBitbe Kirfdjen- (Wild Cherry) Rinbe......1 Unje. Diefe SBurjeln, Rinben unb Kräuter fodje in einer ©attone weidjen SBaffer« Ut ZU einem Quart ein, fo baß atte ©tärfe getjörig ausgezogen wirb; bann giefje ab unb feifee burefe unb füge ein «Pfunb Honig feinzu. Hiervon iß ein Sßlöffel »oll breimal täglicfe zu nehmen, ober fo oft, als ber Hußen befonbers ftörenb wirb. 3$ i)abt bieS Mittel in manefeen gälten, welcfee unfeeilbar fefeienen, mit Srfolg ange- wanbt, unb man fann ßefe in b,artnädigen gäüen auf feine wofeltfeätige Sßirrung verlaffen. Hußen-Mirtur. Diefe Mebizin X)at tintn großen Ruf unb muß, nadj itjren Srfolgen zu fefeliejjen, große Jpeilfräfte beßijett. ©emeine Rarbe (Spikenard) ...... 1 Unze. ©alpeter............2 Jfjeelöffel voll. Seßer S3ranntwein (ober SBtjiSfp) .... 1 £>uart. Doßs: Siit X)albeS SBeinglaS voll, mefer ober weitiger, breimal tägiidj. Sin werttjvotteS Mittel, weldjes mir von bem Sf>rw. M. Jb. ornton, In ber 9lä> von Souisvitte, mitgeteilt würbe, iß bie SBafeu- ober Snbianifcfee «Pfeilrcutjcl (Euonymus Atropurpureus). Sin ©vrup, aus biefer SBurzel bereitet, inbem fi« gut gefoefet unb bte gefeörtge Menge 3uder feinzugefügt wirb, ift vielfacfe mit grofjeni Ru£en angewanbt worben. SllS Jfeee genoffen verurfadjt fie leidjt Uebelfeit unb treibt naefe ber Dberßäcfee, ober in anberen SBorten, wirft gelinbe feferveißerregenb. Die «pßanze trägt rotfee SSlütfeen unb wäcfeft üppig überall im SBeßen unb €üben. Das folgenbe Rezept würbe mir von MrS. Real, grau beS Henn ©aloote« Real — eine fefer adjtfeare, zur Metfeobißenftrdje gefeörige gamilie in i'oui*' bitte, Kv., bie burdj ifere SBofelttjättgfett unb guten SBerfe befannt ift — mitgetfeeüt SBafeu-SBurjel.............1 Unje. ©arfaparitta-SBurzel...........1 Unje. SBitbe Kirfcfebaum-Rinbe..........1 Unje. * £>ac? Räbere über biefe Mittel jc., ßefee in bem Slbfefenitte: „$5 f Unjtn tn ütel" ©d) wiitb fudj t. 251 Kodje jebeS von biefen S3eßanbtfeeilen einzeln in einer ©attone weicfeen SBafferS Ms zu einer «Pinte ein, fo baß von jebem eine «Pinte übrig bleibt, nacfebem es burd) ein grobes Juefe gefeifet. Dann mifefee bie brei «Pittrert zufammen unb füge brei «pinten MolaffeS feinju; bieS fodje ^u tintm bidett ©prup ein, unb nacfebem ber ©prup genug gefoefet feat, füge einen Jfeeelöffel vott geriebener 3nbianifdjer Rüben (Arum Triphyllum) unb ein Heines djla= fengefeen fünf unb zwanzig Jropfen Saubanum netjmen. SBenn bieS nidjt ben Hußen feefettigt unb bas Sttfemen wieber regelmäßig madjt, bann muß wieber- feolentlidj ein 33red)mütel von 3becacuanfea gebrauetjt werben, bis Srteidjterung erfolgt. Die ©djleitntyaut, weldje bie SSrondjien befteibet, iß ber erße ©ifc bet 252 ©unn'S H«us«2irzt. tuberfulöfen Slblagerungen, unb baS iß ber ©runb, weSfealb S3recfemittrl fo fef|(. fam ßnb, inbem ße biefe Slblagerungen entfernen, günf unb jwanjig bis brrifiig ©ran gepulverter 3pecacuanfea, mit etwas MolaffeS ober ©prup, follten täglicb gereiefet werben, bis ßcfe 33efferung jeigt. 3d) X)abe gefefeen, wie tiefes «Kittel, inbem es längere ßtit feinburefe fortgefejjt würbe, vollftänbige Heilung bewirft. 3n einem anberen gatle würbe eS von einem Slrzte in berfelben Sßetfe verfeferieben unb feiett bie Kranffeeit zwei 3afere lang nieber. 33reefeweinftein als «Pulver ober als Salbe auf bie 33ruß geßridjen, nacfebem man ein S3lafenpßaßer aufgelegt, feat bisweiten bie bt\xtn Srfolge gegen feart« nädigen Hußen. Der 33reefeweinßein bringt auf ber Haut, weldje zuvor burdj ein SMafenpflafier gereinigt würbe, Heine ©efdjwüre ober Süerbläsdjen feervor unb leitet in biefer SBeife bie Kranffeeit von ben Sungen ah; man nennt bies Kontra-3rritation ober ©egenreijung. golgenbes Rezept iß eines ber beßen, wclefeeS wir gegen Hußen unb ©djwinbfucfel in Slnwenbung gebradjt: ©dtta-©prup, Sobetia-Jinftur, 3pecacuanfea*SBcin, «Paregoric^Stirir; mifdje bieS ^u gleictjen Jtjeiten. Doßs: ein Jfeeelöffel voll, brei- ober viermal täglicfe. Sin anbereS Rezept, weldjes man von großem Rubelt als SittberungSmtttel gegen ben Hußen ßnben wirb, iß fotgenbeS : ©atmiat..............t Dradjme. 3pecacuanfea............. 10 ©ran. Safri^en-Srtraft............3 Dracfemen. Man löfe biefe brei Slrtifel in einer tjatbett «Pittte foefeeitbett SBafferS auf. Man nefeme einen Sßlöffel vott brei- bis viermal täglicfe. 3ob X)at eine große 33erüfemtbeit in ben, mebizinifefe 35ronefeitiS unb «pfearnnatti« genannten, Halsteiben erlangt, benen befonbers «Prebiger unb anbere Rebner unter- worfen ßnb. Dr. Merril, in feinem „SlrtanfaS Sbrißian Slbvofate" empßefeit ber ©eißliefefeit nnb anberen folgenbes wirffame Mittel gegen S3rondjitiS; 3ob-Kali............. . 1 Dradjme. 3ob................£ Dradjme. SBaffer............... 1 Unze. Slrabifefeer ©ummi...........2 Dracfemen. SBeißer 3uder .....*......2 Dracfemen. Mifefee unb feewatjre es in einem gläfdjdjen, mit einem ©lasßöpfel auf. Diefe ftlüf« fegfeit iß vermittelß eines «Pinfels von Kameelsfeaarett an ben feintern Ifeeil bet Kefele—bie Jonfttten unb 3ungenwurzet—zu ßreidjen, wätjrenb man bie 3"«9{ mil einem Söffetßiet ober bergleidjen tjmunterbrüdt. Die vielen Racfefragen, bejügUcfe genauerer Slustunft über biefes Heilmittel, weldje mir von atten Jfeeilen bes i'anbes Zubmmen, ßttb meine Sntfdjulbigung für beffen 33eröffentltd)ung. gifefetebertferan.—Dies iß ein werttjvotteS Mittel, um bie SrnäferungSfrifte ju verbeffern unb bem Hußen unb ber allgemeinen ©djwädje, weldje biefe Kranffeeit begleiten, ju ßeuern; es iß ebenfalls alten Mebizinen bei 33efeanbtung ber ©fropfeetn wzuztetjen. Slus ben Hofpüälern zu Sffer unb Soldjeßer, in Snglanb, trirb ©djwinbfucfet. 253 beridjtet, baß in zwei tjunbert unb fünfzig gälten von ©djwinbfudjt unb in vielen gäüen von ©fropfeeln, ßcfe bas (fuße) Manbelöl ebenfo nü^ttdj erwies. Man erinnere fidj, baß ©djwinbfucfet unb ©fropfeeln nafee zufammengefeörenbe Seiben. unb bie ^u iferer Heilung gebraudjten Mittel vielfadj biefelben ßnb. golgenbes iß baS in \enen Hofpitälern gebraucfete Rezept: ©üßes Manbelöl (frifefe)..........2 Unjen. ©prup von grauenfeaar (Maiden-h&ir).....1 Unje. Sibifdj...............1 Unze. ©afran...............10 ©ran, unb fo viel weißer 3uder, als nötfeig iß, um einen Honig-biden ©prup baraus zu madjen. Rimm einen Jfeeelöffel vott, brei- bis viermal täglicfe. Der Sobßfdjlefeertferan Ift rin fo beliebtes Heilmittel geworben, baß jebe Slrt von Jferan, auf djemifcfeem SBege gereinigt, an feiner ©teile verlauft wirb; unb obgleid), Wie gefagt, bie SBirfung anberer Dete oft biefelbe iß, fo iß bocfe ber äefete Slrtifel vorzuziefeen. Da Manefeen ber ©efefemad biefes Mittels unerträglicfe iß, fo muß man benfelben möglidjß aufjufeeben ober ^u verbeden fudjen; bieS fann burdj einen angenefemen, aromatifdjen S3ittern gefdjefeen, ober Inbem man ben Jferan mit einem SBeinglaS voll ftarfem Kaffee ober 3«groer-Jfeee ober SBein ober mit etwas Drangenfcfeate in feeißem SBaffer nimmt; ober man mifefet ifen mit feeißer Milcfe, bie fo warm getrunfen wirb, baß bas ©efütjt ber Hi^e ben Übeln ©efefemad nicfet auffommen läßt. SBenn ber «Patient geneigt fein follte, bas Mittel wieber auSzubreefeen, fo muß es beS Mor- gens vor bem Slufßefeen unb beS SlbenbS nadj bem Rieberlegen gegeben werben, wäfe- renb er auf bem Rüden liegt. ©efer große Srleidjterung wirb oft burefe 3nfealationen, ober bas Sinatfemen verfefeiebener ©ubßanzen in ber gorm von Dampf ober Dunß verfdjafft; unb id) X)(xbt feinen 3weifel, baß fdjließlid) ein beftimmteS gas- ober bampfförmiges Heil- mittel entbedt werben wirb, weldjes burefe Sinatfemung bireft auf bie ©efdjwüre unb Siterungsßellen ber Sungen einwirft. Die 3nfeatationSapparate, ober Seiter unb «Jtöferen jum Sinatfemen, fönnen faß in jeber ftäbtifdjen Slpotfeefe vorrätfeig gefun- ben werben. Der «Patient atfemet burefe bie Röbre, inbem er bei jeber Sinatfemung bie Sungen vottßänbig auSbefent. Dies muß zwei- bis breimal tägtiefe, jebeSmat von zwanjig bis breißig Minuten lang, gefdjefeen. Die ©ubftanjen, welcfee vorzüg- llcfe jur 3nfealation verwenbet jverben, ßnb Dunß ober Dampf von Jfecer, Harz ober einfaefeem beißem SBaffer, mit einfaefeen Kräutern vermifdjt, um bie Sitfeetnbe- fefewerben unb bas Sluswerfen ^u erleichtern; um ben Hußen ^u linbern, wirb man Dampf von feeißem SBaffer, in weldjes einige Jropfen ©cfewefelätfeer, ober ^eX)n bis jwötf Jropfen Dpium-Jinftur getfean ßnb, von wofettfeätiger SBirfung ßnben. Ss iß oft gefragt worben, ob b>te ©djwinbfucfet von einer «Perfon ber anberen mit- getfeeilt werben fann? Meine Stntwort feierauf iß: Rein, außer wenn ein zu nafeeS, beßänbiges 3ufammenfein von ©olefeen ßattßnbet, welcfee bie Kranffeeitsan- lage bereits in ßdj tragen, unb inbem ber Slttjem beS Kranfen zu feäußg eingefaugt wirb; jebenfatts muß es, wenn möglidj, vermieben werben, in bemfelben S3ette ju fdjlafen. Die Meinung, baß bie ©djwinbfuefet feiten gefeeilt wirb, tß nad) meinem 254 ©unn'S Haus-Slrzt. Dafürtjaltett abergläubifcfe unb falfefe. Ss iß nidjt fcfewieriger, einen Jtthrfcl in ten Sungen, als einen ffroptjttlöfen Juberfel ober ein ffropbulöfes ©efebwür an irgenb einem anberen Körperteile zu feeilen; vorausgefe^t, baß bie Sungen unb bas Slliat« meinbeßnben beS Körpers fonß in einem günßigen 3ußanbe ßnb. 3efe feabe Hun« berte, welcfee nur nocfe wie bloße ©erippe erfdjienen, unb für beren Herßctluiia, icb faum bie geringße Hoffnung featte, voUftänbig genefen fefeen, inbem ße nur bie eben erwäfenten ©vrupe unb Hußen-Mirturen gebraudjten, alte ßarfen Mebijinen »er« mieben, bie geeignete Raferung ju ßcfe nafemen unb ßcfe tjäuftge «Bewegung in ber frifdjen Suft madjten. Denn idj fann eudj, als beS Refultat einer langen (Srfafe- rung in meinem 33erufe, verßdjern, baß Jaufenbe nur burdj Mangel an ßärfenter ^Bewegung unb reiner Suft geßorben ßnb, inbem itjr Rervenfpßem angegriffen unb ifer ©eiß burdj unauftjörlidje «befdjäftigung ber ©inne abgefpannt war, unb ße »on Jag in Jag es verfefeofeen, rine SSeränberung beS Klimas unb ber Sebensweife vorzunefemen. 3cfe feabe Mandje nocfe mit bem legten Sltfeemzuge fagen feören: „D, baß iefe biefe SBarnungen frütjer feeaefetet featte!" Darum folgt meinem Ratfee, bei 3eiten bie Ufer beS „tiefen, tiefen Meeres" in befuefeen, bie Mußf fetner rufeelofen SBelten ju vernefemen unb ben von feinem 33ufen wefeenben, Seben-gebenben, frifdjen Hautfe einzufefetürfen, unb ifer werbet eure ©efunbfeeit wieber ßnben. grifefee Suft unb eine 33eränberung beS Klimas in ben StnfangSßabien ber kranf- feeit ßnb bie größten Heilmittel. Das ©ift verborbener Suft, mit feinen fcfeäbtiefeen Stnflüffen auf ben DrganiSmuS, tobtet Jaufenbe. Die ©efunbfeeit unferer grauen ßnft barunter, unb bie Konßitutionen itjrer Kinber muffen baburdj leiben. Gin gefünber Menfd) verbrauefet in einem Sltfeemzuge ungefäfer eine «pinte Suft; et atfetnet taufenbmal in einer ©tunbe unb brauefet ßeben unb fünfzig Drfeoft Suft in vier unb zwanzig ©tunben. Sinmal geatfemete Suft, nadjbem fte burdj bie Sungen pafßrt, iß ifereS gefunben 33eßanbtfeciles, bes ©auerftoffeS, beraubt, unb bie «Riftfeung von ©tidßoff unb Kofelenfäure, weldje übrig bleibt, iß faum etwas SlnbereS, alt reines ©ift. ^et j fv a n r b c i t c n. Dies ift ein felbß für Slerzte etwas bunfles unb jebenfatts fefer fcfewlerigeS Äapitel. SBir wollen bafeer in biefem für bas große «Publtfum befttmmten 93ucfee nur Ui Herjteiben, „Singina «Pectoris'' genannt, befpredjen. Ss iß bieS ein qualvolles Sel- ben, weldjes ben «Patienten biswellen in ber fdjrecfflcfeßen SBeife angreift, di wirb gewöbnliefe juerft als ein unbeßimmter ©cfemerz in ber S3ruß empfunben, beffen 2i? ßcfe nidjt ganj genau angeben läßt. Man erfennt eS als herjteiben oft erft burd) bie ©eftton nad) bem Jobe. Die Slnfätte treten meißens ptö^Itdj auf. Sin heftiger ober ftedjenber ©cfemerz »irb am unteren Snbe bes 33rußfnocfeenS gefüfelt, ber fiefe naefe, ber linfen ©eite, nadj ber ©egenb, wo baS Herz ftfct, feinjlebt. Sluf ben ©cfemerz folgt erfdwertes Sttfemen, ein ©efüfel beS Srßidens unb große 23eanajtt' Herzfranftyeiten. 255 gung ; bas ©eßdjt wirb leidjenfelaß, ber «Puls ßnft, unb bte Dfeerfläcfee beS Körpers wirb mit einem falten ©cfewetße bebedt. Das ©inten ber SebenStfeätigfeit getjt bisweilen fo weit, baß ber Sebensfunfett bem Srtöfdjett nafee fefeeint. 3m ^Beginne ber Kranlfeeit werben bie qualvotten Slnfatte bebeutenb erteicfetert, wenn ber «Patient ftcfe nieberlegt unb eine 3eü lang ganz rufeig bleibt; fpäter werben fie bisweilen feef- tiger unb fönnen nur burefe bie ftärfßen nervenftillenben Mittel erteicfetert werben. Der erße Slnfaü beS SeibenS wirb feäußg bei 33erg- ober Jreppenfteigen bemertt; bocfe ebtn fo feäußg bei ©elegenfeeit feeftiger ©emüttjsbewegungen; plöfjlidje 3orneS- auSbrüdje unb fonßige leibenfdjaftUdje Srregungen ßnb fefer geeignet, es feerbeizu fübren. SBentt baS Seiben ßärfer wirb, fo erßredt ßcfe ber ©cfemerz ^on bet Herjgegenb bis in bie Mitte bes Siemes, unb an ber tittfen ©eite oft bis in bit gingerfpifcen. 33isweilen iß ber ©cfemerz iu beiben Slrmen. Slußer bem ©(fernere ber ftcfe, naefe, bem SluSfprudje ber Kranten bis zur unbefefereibtiefeßen D.ual ßeigern foü, ßettt ßefe, wie erwäfent, jene eigentbümlicfee Smpßnbung ein, als ob unmittel barer Job bevorßetje. Der «ParorpStnus verliert ßcfe eben fo plö^liefe, wie er fam Die Slnfatte bauern oft rine fealbe ©tunbe lang, unb ftnb von feeftigem Herzflopfen begleitet. Die «ParorpSmen fdjeinen feäußg burefe eine volle Mafelzeit vor bem ©efelafengefeen feerbeigefüfert zu werben unb fommen bann naefe bem erßen ©djlum- mer. Seiefete «Pßanzenfoß, SSermeibung reiefelicfeer Stbenbmafelzeiten unb eine regel- mäßige Sebensweife ßnb besfealb für biejenigen, welcfee einmal vott ber Kranffeeit befallen würben, von ber größten SBidjtigfrit, um eine SBieberfefer ber «ParorpSmen )u verfeüten. Hetlverfaferen. — S3ei Slttfättett oon Herzteiben iß bie augettfelidlidje Slnwenbung vott Reizmitteln nottjwenbig; bas erße Reizmittel, bas zur Hanb iß, follte benujjt werben, bis anbere Slrzneien befdjafft werben fönnen. Man mag ein ©las ©plritus ober SSranntwetn mit SBaffer geben, fo ßarf unb fo feeiß, wie es nur gefcfeludt werben fann. Man follte fofort eine Mifefeung von Saubanum unb Sietfeer ^u gteidjen Jfeeileit bereiten unb bavon von 3eÜ ^u ßeit tintn Jfeeelöffel voll mit etwas faltem SBaffer geben. Sine gontanelle auf beiben ©djenfefn feat feäußg bie Kranffeeit furirt. Sluf bie 33ruß lege man ein ßarfeS ©enfpßaßer, ebenfo eines zwifefeen bie ©efeuttern unb, wenn nötfeig, auf bie gußfofelen, ober man gebe ein feeißes gußfeab. SBenn bie erße Doßs bes Saubanum unb Sletfeers feine Srletdj* terung fdjafft, fann man bie zweite unmittelbar barauf folgen laffen, unb ebenfo fafere man mit bem ©piritus unb SBaffer fort. SBer biefer Kranffeeit unterworfen iß, ober einmal einen Slnfatt ber Angina Pectoris getjabt feat, fottte nie ofene biefe brei Mittel fein, ba es von ber größten SBidjtigfrit ift, baß ber Ratur augettfelidlidje Hülfe geleißet werbe. S3lafenpßaßer auf bie 23ruß, feabe iefe fefer bienlidj gefunben. Daß man ßdj einer rufeigen, gleidjmäßigett ©emütfjsßimmung beßeißige, atte plöjj« Udjen unb gemaltfamen Slnßrengungen vermeibe, als ©peifen «Pßanzenfoß, als ©etränf faltes SBaffer genieße, frütj aufßetje unb ßcb, «Bewegung madjt — baS ßnb bie notfewenbigen S3ebingungen ber S3efferung unb ber Heilung. Häußg begleiten Sßinbe im Magen unb Darmfanal bie Angina Pectoris; in biefem gatte gebe man SJfeffermünz, Kampfer, «Paregr fc-Sürlr, ßimmtt* ober Sinls-Sffenz. 256 ©unn'S HfluS-Slrzt. &v antbeiten bet ^atnrbcrfjcii^e. R i c r c tt c tt t } ü n b u tt g. Dies Seiben fennjeiefenet ßdj burdj ©djtuerzen in ber Rierengegenb, welcfee naefe ber SBlafe ober naefe bem nieberen 2belle beS Unterleibes [idj erftreden; biüweürn burefe Srbreden; Unempßnblidfeit unb ©efütjt ber Sätjmung in ben Sdjenfeln; feodjrotfeen Urin, ber feäußg entleert werben muß ; SJerßopfung ; ©djmerj im flreuj« bein unb in ber Senbengegenb ; unb metjr ober weniger gieber. Urfadjen. — Dft wirb bas Seiben burefe ©teinbilbung in ben Rieren »eron« laßt; bocfe fann es audj burcb, ben Mißbraucfe fcfearfer, fearntreibenber Mebljinen, burefe übermäßige «Bewegung, angeßrengtes Reiten, ju fdjwereS Heben unb burefe Srtältung, bie ßcfe auf bie Rieren wirft, entßefeen. S3efe anb lu ng.— 33or atten Dingen muß bie ©efäßtfeätigleit bes Drgani«. muS feerabgeßimmt unb ©djweiß erzeugt werben. Dies fann am beßen burefe ein nicfet zu feeftiges 33redjmittel aus Sobelia gefdjetjen, weldjes langfam genommen roet« ben muß. Darnadj madje man auf bie Rierengegenb warme Kräuterumfcfeläge »on Hopfen, SBermutfe, Rainfarn, u. f. w., bie in Sfßg unb SBaffer gefoefet unb mit ttnai Kleie vermifdjt werben mögen. Dann gebe man folgenbe biuretifdje Jropfen: S3erfüßte ©alpeterfäure (Sweet Spirit of Nitre), zwei Unzen; füßcS Manbelöl, gtoei Unzen; Jerpentiniil, eine Unje; man mifefee unb gebe einen Jfeeelöffel vott atte brei bis vier ©tunben wätjrenb bes JageS in einer Jaffe vott warmem grauenmünj=Jfeee. Man laffe ferner ben «Patienten reidjlidj eine Slbfodjung von Slblfdj- (Stattet ober SBurjet) unb SBoüfrautblättern — ober eine von beiben — trinfen. Man mag ttwai Roßmünje feinzufügen, wetcfeeS in biefem Seiben ein gutes Dlureticum iß unb ber Slbfocfeung einen angenefemeren ©efefemad geben wirb. SBenn ber ©cfemerz fefer feeftig Ift, ober lange gebauert feat, feraudje man folgenbe« Siniment: SBacfetjolberöl, eine fealbe Unze; grauenmünzöl, rine fealbe Unze; Ier« pentinöi, eine Unze; Sapennepfeffer*Jinftur, eine Unze; Saubanum, eine Unje; ©pirituS, eine fealbe «pinte; erft löfe man bie Dele im ©piritus auf unb füge bann bie anberen S3eftanbtfeeile feinju. Man reibe ben unteren Rüden unb bie Rieren- gegenb feäußg bamit ein unb laffe ben «Patienten barauf mit bem Rüden gegen ben Dfen ober gegen ein geuer ßijen, ober lege warme ©teine unb bergl. auf, um ba« Siniment „feineinjutreiben." SBenn ßcfe große 33reotber-Sffenz, verfüßte ©alpeterfan«, ie eine Unze; feiervon gebe matt einen Sßlöffel vott atte tjalbe ©tunbe bis rinberuncj erfolgt. SBentt bie ©djmerzen unb Qualen groß ßnb, füge man jeber Dofie, brei- bis viermal, zwanzig Jropfen Saubanum feinzu. Man laffe ferner ben «Patienten über ben feeißen Dämpfen bitterer Kräuter ftyen, mit einer wollenen Dede um bie Hüften ober bie ©djuttern gefefelagen, fo baß bas Sntweidjen beS Dampfes verfeinbert wirb, unb berfelbe mit bem Unterförper in SSerüferung bleibt. Dann laffe man ben «Patienten zu S3ette gefeen unb maefee Umfdjläge mit benfelben Kräutern, ober mit Jüdjern, bie in einer Slbfodjung bavon getränft ßnb; bie Umfdjläge muffen fo feeiß fein, wie es irgenb ertragen werben fann unb oft erneuert werben. Man fatjre mit bem ©ebraudje bes einen ober »rt anberen ber angegebenen «Präparate fort. Dber wenn man biefelben nicfet bei t« Hanb tjat, laffe man reidjticb, einen ßarfen Slufguß von SBajfermelonenfamen tri»»«. ober in Srmangelung beffen von Kürbiß- ober von ©urfenfamen. Harnträufetn. 259 Dies 33erfoferen wirb meißens innerhalb weniger ©tunben Srfolg feaben. Slber wenn es fefelfcfelagen fottte, laffe man ben «Patienten zefen, fünfzefen bis breißlg Minuten in einem 33abe, fo warm es irgenb vertragen werben fann, ߣen. Dies mit bem ©ebraudje ber genannten biuretifcfeen Mittel, wie grauenmünje, verfüßte ©alpeterfäure, Melonettfamen-Slufguß, Ktebfraut (©alium Slparine, goosegrass) unb bergt., fann feiten fefetfdjtagen. 33el ßarfen ©cfemerzen fottte immer Dpium ober Saubanum gegeben werben. ©ebrannte ober gerößete Sierfefealen, felngeputvert unb in Jfeeelöffelbofen ßünb- licfe gegeben, gelten als ein „fpezißfdjes" Mittet. SBenn bie Harnverfealtung golge einer ßarfen ©triftur ober eines ben 33tafenfealS verßopfenben ©trines Iß, fo werben atte biefe unb äfenlicfee Maßregeln fefelfcfelagen — waslnbeffen In feunbert gällett nur einmal vorfommt—unb es muß einKatfee- ter (eine Urlnröfere von ©Über, ©utra «Percfea u. f. w.) eingefüfert werben; in biefem gälte iß es am beßen naefe einem Slrzte zu fenben, ober naefe 3emanbem, ber in bem ©ebraudje biefes 3nßrumenteS Srfaferung feat. SBenn bie Jfeeile eiüzünblid) ober fdjmerzfeaft ßnb, gebe man einige Jage lang eine Slbfocfeung von Sibifdj ober SBottfraut unb fdjlage ein äfentiefees 33erfaferen als baS gegen S3lafenentzünbung angegebene ein. § a r n t r ä tt f c 1 n. Ss fommt vor, baß ber Harn nicfet in ber Sßtafe zurudgefealten werben fann, ober von 3eit iu ßtit unwittfürliefe entteert wirb. 31m feaußgßen iß bieS bei Kinbern, votfe fönnen audj Srwaefefene baran telben. Das uttwiüfürlicfee SBaffertaffen fommt feauptfädjlicfe tu ber Racfet, wäferenb bes ©djlafeS, vor. S3isweilen ßnbet ftcfe aud) ein beßänblger, atte paar Minuten ßefe wteberfeolenber Drang zum Urintren, ber von einer leiefeten Sntzünbung ober Reizung bes 33lafenfealfeS ober ber Harnröfere feerrüfert. S3efeanbtung. — SBenn nidjt leereres bie Urfadje iß, fo liegt biefetbe gewöfen- Ildj In einer Srfcfetaffung uttb ©cfewäcfeuttg ber betreffenbett Jfeeile, unb es muß bem Selben mit tonifdjen (fräftlgenbett) unb aßringüenbett (zufammenziefeenbeit) Mitteln, bie jugleicfe eine SBirfung auf bie Harnwerfzeuge feaben, begegnet werben. Man nefeme: ©alzfaure Sifen - Jinftur, eine Unze; Katttfearibett - Jinftur eine fealbe Unze; mifefee; — einem Kinbe gebe man brei Jropfen bavon für jebes SebenS* jafer, breimal tägtid). Dabei laffe man mefermals tägiidj eine falte Slbfodjung von SBilbtirfefeenrinbe, Sorfeeerrtnbe unb Söwenzafenwurzel trinfen. ©efeörige ©orgfalt muß auf bie Haut verwenbet werben. Das Seiben berufet oft auf einer Unterbrüdung beS ©djweißes ober einem ungefunbett 3ußanbe ber SluS-- bünßungstfeätigfeit. Man braudje Morgens unb SlbenbS falte S3äber ober falte SBafdjungen. SBenn ber «Patient ein Kinb iß, laffe man SlbenbS vor bem ©efetafenge^ feen ben Urin entleeren. Dft entßefet baS Seiben burdj Sjernadjläfßgunj biefer ©ewobn- feeit, alfo burdj bie gafertäfßgtrit berer, benen bie Dbfeut ber Kinber anvertraut iß. S3ei atten gewöb,nlid)en gälten unfreiwilligen HamlaffeitS, bei Kinbern fowofel, als Srwadjfenen, wirb Kantfearibett - Jinftur gewöb, nlid) ausreidjenb fein. Sin Srwadjfenet fantt itt)n bis füttfzefen Jropfen bavott unb barüber, zweimal täglich nefemen, ein Kinb vertjältnißmäßig weniger. 260 ®t nn'S HauS-Slrjt. Stein. Diefe Kranffeeit berufet auf ber S3ilbung feßer ßeinartiger Maffen ober ©turfe in ben Rieren, ben Harngängen ober ber S31afe. Das, was ben ©tein bilbet, iß wofel urfprünglid) In ben ©peifen unb ©etränfen entfealten. SBenn ber DrganiSmuS in normalem 3ußanbe iß, unb alle gunftionen ober Jljätigfeiten gefeörig verricfetet werben, fo werben biefe fremben ©ubßanjen ausgefefeieben unb entfernt; bocfe wenn in golge einer ©djwädje ber Hcnnwerfjeuge, befonbers ber Rieren, im DrganiSmuS ein Ueberfcfeuß ber fogenannten Harnfäure vorfeanben iß, fo ßnbet eine djemtfdje 33erbinbung znufebett biefer unb ben anberen ßatt, unb es bilben ßcfe grießge ober ßeinige Körner unb ©lüde, bie bisroeilen fo groß werben, baß fte nicfet leiefet mit bem Urin entleert werben fönnen; bieö iß bie ©teinfranffeeit. Der ©tein fantt in ben Rieren ober ben Harngängen bleiben, ober bis in bie SSlafe gelangen, ober ftcfe auefe bort erß bilben, unb wenn er nicfet Zerßüdelt ober entfernt wirb, fann er Sntzünbung unb anbere fefelimme ©pmptome verantaffen. ©pmptome. — SineS ber feauptfäcfelicfeßen Kennzeidjen biefer Kranffeeit iß ein feäußger Drang zum SBaffertaffen. Dies iß vorzügiidj ber galt, wenn ber ©tein in ber S31afe iß. Ss erißirt große Reizung unb Smpßnblidjfeit beö 23lafenfealfe«, welcfee ßcfe bisweiten längs ber ganzen Harnröfere erßredt. SBenn ber ©tein in ber Riere ft£t, fo wirb ein ßrer ©cfemerz im Kreuje unb in ber Rierengegenb empfunben, ber bisweilen äußerß fdjarf unb tjeftlg iß. Doefe bie größten ©(ferneren werben gewöfenlicfe verurfadjt, wenn ber ©tein aus ber «Jliere burefe bie Harngänge in bie 33tafe getjt, unb befonbers, wenn er auf bem SBege ßeden bleibt; fo feeftig ftnb bie ©djmerzen bisweiten, baß ße Dfenmacfeten unb Konvulftonen verantaffen. Dabei ttjun bie Senben wefe, im ©djenfel ber leibenben ©rite iß ein ©efüfel ber Jaubfeeit, oft ßettt ßcfe Uebelfeit unb Srbreefeen unb Urin« verfealtung ein. Der Urin iß von braunrotfeer garbe, welcfee von ber garbe be« barin entfealtenen ©riefeS feerrüfert; biefer bilbet balb am S3oben beS ©efefelrre« eine Slfetagerung, woburefe matt bie Kranffeeit von einfaefeer Rieren* ober Stafenentjiin« bung unterfefeeiben fann. SBenn ber ©tein in ber S3lafe iß, fo pßegt biefeS Organ ju fefemerzen, bisweiten in feöcfeß qualvoller SBeife; babei iß mebr ober weniger Sntzünbung unb rin 3uden längs ber Harnröfere vorfeanben. S3el bem Sntteeren beS Urins feört ber ©träfet bisweilen ptö£tidj für furze 3eü auf, inbem ber Stein vor ben 531afenljatS tritt. Sefeanbluttg. — SBenn bie Urinentteerung verfeinbert ober erfdjwert ifl, fo fdjtage man bas gegen Harnverfealtung angegebene 33erfaferen ein. SBenn ber ©cfemerz Wxq iß, wai gewöfenlicfe ber gatt, gebe man vor atten Dingen ein Cpiat; einer erwaefefenen $erfoit vierzig bis fecfeSzig Jropfen Saubanum; bann brauefee man bie geeigneten bütretifefeen Mittel: SBärme Umfcfejäge, unb im «JlotfefaDe warme 33äber. ©obalb bie bringenbßett ©pmptome befeitigt ftnb, gebe man ein tjrjbragogifcbe« Slbfüfermütel; bie antibiliöfe «purganj ober «pobopfepttitt mit Sremor Jartari. £« «Patient muß bann bie geeigneten Mebifamente braudjen, um, wenn mögliefe, ben ©tein aufjulöfen unb bie Reizung zur ©teinbitbung, bie Im DrganiSmuS vorfeanben Harnrutjr. 261 ju befeitigen. Ss werben ^u biefem ßwtdt bte verfdjtebenfreit Mittel empfofe- len. SineS ber beßen iß golgenbes: Man nefeme rin featbes «Pfunb von ber SBurzel ber SBlefenfönigin (Eupatorium Purpureum) unb fealb fo viel Roßmünze; focfee bieS mit zwei ©altonen SBaffer in zwei Quart ein ; feifee burefe unb füge eine fealbe Unje gepulverten ©atpeter unb eine Unze fofetenfaures Ratron feinzu. Hiervon nefeme man eine fealbe Jfeeetaffe vott brei- bis viermal täglicfe. gerner nefeme-man eine fealbe Unze fpantfefeer ©eife unb zwanzig Jropfen SBacfefeolberöt; madje fecfejig «ptllen baraus unb nefeme zwei breimal täglicfe. Der ©aft <*on rotfeen 3wiebeln foll ein gutes SöfungSmlttel für ben ©tein fein. Stwa eine fealbe Jfeeetaffe vott wirb Morgens unb SlbenbS brei Jage lang getrunfen. SBenn Sntzünbung ber S3tafe ober ber Rieren vorfeanben iß, fo riefete man bie SBefeanblung gemäß ber gegen biefe Kranffeeiten gegebenen SSorfcfertftett rin. Slußer ber SBiefenfönigin (Queen of the Meadow, Gravel Root) mirb nocfe eine anbere, feauptfädjtid) im SBeften waefefenbe «Pßanje, Gravel Root (©teinwurzel) genannt, unb als S$oltsmütel geferauajt. ©ie iß wofel bes 33erfucfees wertfe. •£> a r n r u Ij r. — Diabetes. Diefe Kranffeeit fennzeidjnet \ldj burefe bie feäußge Sntleerung ungewöfenltefe großer Mengen Urin, ©ie pßegt von 33erßopfung unb Heißfeunger begleitet zu fein; bodj tro£ ber vermeferten Raferung ßettt ßctj balb ©tfewäefee unb Slbzeferung ein, benen mefer ober weniger feeftifdjeS gieber folgt. Der Urin ift meißens füß, inbem er eine große Maffe 3uderßoff entfeälr. Dte Menge bes Urins tß oft ungtaub* liefe, groß unb überfteigt bisweilen bie Menge ber ©peifen unb ©etränfe, welcfee bet «Patient wäferenb bes JageS ^u ßcfe genommen. 3n fdjlimmen gätten ßnb fdjon brei bis vier ©attonen wäferenb ber vier unb zwanzig ©tunben entleert worben. Urfadjen. — Die eigentlidje Sntßefeung biefer Kranffeeit ift bunfet. 33et man- efeen «Perfonen fdjeint rine erblidje Slnlage bazu vorfeanben ^u fein. SBaferfcfeeinlicfe liegt ifer zum Jfeeil eine verfeferte ober franffeafte Jljätigfeit ber Rieren zu ©runbe. Slußerbem aber fefeeint im DrganiSmuS ein Ueberfdjuß von 3uderßoff ober eine eigentfeümlidje Reizung zur Srzeugung beffelben unb ein Mangel an gegenwirfenben Kräften ^u erißüen. SBo bte Slnlage ber Kranffeeit vorfeanben iß, fann ße burefe, verfefeiebene Urfadjen zum SluSferucfe fommen. — Durdj Slufentfealt in falter, feudjter Suft; fdjfedjte, ungefunbe Koß; gefefeledjtticfee Slusfdjweifungen; lange forrgefe^ten ©ebraudj beS DuedßtberS; ben übermäßigen ©enuß zuderfealtiger Raferung ober folefeer, bie letdjt in 3uderßoff umgefejü wirb; ©orgen unb Kummer, unb man- cfeerlel Kranffeeiten, wie RfeeumatiSmuS, ©iefet, zurüdgetretene SluSfdjfäge u. f. w. ©pmptome. — Das auffallenbße ©pmptom, vorzügiidj im erßen ©tabium ber Kranfbeit, iß S3ermeb,rung beS UrinS, bie natürlicfe vott einem feäußgen Drange bes SBafferlaffenS begleitet iß, fo baß ber «Patient oft jwel-, breimal ober öfter beS Racfets aufßefeen muß. Die Kranfljeit pßegt ßdj fetjr unmerftid) unb attmälig zu bilben unb fann bereits Monate lang beßetjen, otjne geafent zu werben, bis fdjtim- mere ©pmptome auftreten. Der Slppetit iß gewöfenlidj größer, als im 3ußanbe ber ©efunbtjeit, unb getjt oft in förmlicfee greßfudjt über; bie 33erbauung iß meißens unvottfommen. Rad) ben 262 ©unn'S HauSarjt. Mafelzeiten ßettt ßcfe, oft ein nnfeefeagllcfees ©efüfejt im Magen ein, «Mfeungra, faureS Stufßoßen unb unregelmäßige Darmtfeärigfeit. Heftiger Durß iß ein nie fetjtenber «Begleiter ber Kranffeeit. Der «Patient füfell ein beßänbigeS Verlangen, zu trinfen, unb bieS macfet ifen oft zuerß aufmerffam onf feinen 3ußanb. Die Slusbünßung iß fefer unvottßäitbig; bie Haut pßegt fe,art unb trotten ju fein. Das 3afenßeifcfe iß oft rotfe, gefcfewotten unb bisweilen eiternb. Die 3unge ifl weiß belegt in ber Mitte, mit rotfeen Ränbern; es wirb rine läßige Jrodenfeeit unb übler ©efefemad im Munbe empfutiben. SSei bem gortfdjreiten ber Kranffeeit beflagt ßcfe ber «Patient über ©tfemerjen nnb Mattigleit in ben Senbett unb ber Rierengegenb; bann folgt allgemeine ©efenwfee, ©efewetten ber güße uttb S3eine, Drud im Magen, erfdjwertes Sttfemen, leiefete Srmübung, ©cfetaffudjt, Slbgefpanntfeelt, Rlebergefdjlagenfeeit. SBenn ber Ärctnl- $eit nidjt Sinfealt gettjan wirb, fann ße in fünf bis fedjs SBocfeen töbtlicfe werben; bocfe, gewötjnlid) nimmt ße einen langfameren S3erlauf unb bauert bisweiten mefere 3afere, etje ße ben DrganiSmuS vottßänbig erfcfeöpft. S3et)anbtung. ©tärfenbe Mebizinen bilben bie Hauptmittel bei biefet Kranftjeit. Man braudje fotgenbes «Präparat: Jrlttiumwurjel (Beth-root), fdtjwarze ©djlangeitwurzel (Macrotps), ©torefefefenabet- (©eranium-) SBurjel unb SBilbfirfdjen-Rinbe, ie vier Unzen; baS ©anze werbe zerßoßen unb gut vermifäjt; banit netjnte man ttwa eine tjalbe Unze biefer Mifefeung, gieße eine «Pinte foefeenben SBafferS auf, rüfere um, unb verbrauche bieS wäferenb bes Jages, zu verfefeiebenen ßeittn bavon trinfenb. Man fabre bamit fort, fo lange bie Kur bauert ober biJ SltteS genommen iß. gerner neb, me man folgenbe «Pillen, um auf bie Seber, bie Haut unb bie Slusfcfeet' buttgett ^u wirfen: «pobopfepttin.............10 ©ran. ©anguinin.............20 ©ran. Sapenne-«pfeffer............40 ©ran. 3pecacuantja ............. 20 ©ran. Man madje baraus vierzig «pitten mit Söwenzatjit-Srtrafr, von benen eine Bor- gens unb SlbenbS zu nefemett iß. Man pflege bie Haut gut; wafdje ben Körper feben Slbenb mit warmem Saugen« waffer ober einer Söfung von ©ateratus (fofelenfaurem Kali) unb reibe ifen gefeiritj mit raufeen' Hanbtücbjertt ah. Man fottte auf bem Rüden über ben Slieren ein Harzpßaßer (fog. ©tärfungSpflaßer, "Strengthening plaster") tragen. gerner braudje man fotgenbes ftärfenbe 23üreres : Snzian-, ©emeine Rarbe* nn> Sofumbo-SBurzel, Kamittenblumen, SSalfambaum- (Balm of Gilead) Knoten nnb Sfeinarinbe — je rine Unze; man zerßoße bieS unb gieße anberttyalb «pinten feebrt' ben SBafferS auf; wenn es falt geworben, füge man ein Duart guten feoüanbifcbrt ©enever (Gin) feinzu unb neb. me ein featbes SBeinglaS voll breimal täglicfe. Seni ftcfe ßeberfeafte ©pmptome itiQtn, ntX)mt man eine Doßs — x,tx)n ®xan ^ '" einem tjalben Jfeeelöffel vott — von bem biapb, oretifefeen «Pulver SlbenbS vor fo« ©ctjlafettgetjen. SBenn ber «Patient unter biefer 53efeanblung ßcfe, innerfealb einig« IBodjen nidjt beffert, gebe man eitt- bis zweimal roödjentltdj ein 33red)ntittet, rt« Die Rofe. 263 fiäftige «purganz aus «Poboptjptlum unb Sremor Jartari unb SlbenbS nnb Morgend brei Pillen aus folgenben S3eßanbtfeeitett: Sapettite-«Pfeffer unb Sljinin, je brrißig ©ran; Söwenzafen-Srtraft, eine Dradjme; tjteraus vierzig «Pillen. Radj bem SJerbraudje berfelben fafere man mit ber vortjer angegebenen 33efeanbtuttg fort. Sine geeignete Diät iß von ber X)ödjßeti SBidjtlgteü. Die Koß fottte feauptfäcfellc$ aus frifcfeem gteifcfe, vom beßen Rinbflrifcfe, beßeb,en. SBenig ober gar leine ©emüfe follten gettoffen unb Stiles vermieben werben, was 3uderßoff enthält ober in fotdjen djemlfdj verwanbelt werben fantt. gerner trinfe man fo wenig als möglid). flx an £ betten bet S&aut. $ie 9tofe. — Erysipelas. Diefe Kranffeeit — aud) Rotljlauf unb ©t. SlntoniuSfeuer genannt — iß eine Slrt Sntjünbung ber Haut, bie ßcfe burdj eine glänzenbe, xotX)t ©efefewulß ber befal- lenen Jfeeile unb eine fefemerzfeafte, ßecfeenbe, judettbe unb brennenbe Smpßnbung }u erfennen gibt. Die Reizung iß bisweilen fo qualvoll unb folternb, baß ber «Patient faß von ©innen fommt. ©ewöfenliefe Iß bte Sntzünbung nur oberßädjlidj, bas feeißt, betrifft nur bie Haut felbß; ße befällt meißens bas ©eßdjt, bie Dferen unb ben Kopf; bisweilen nur bie pße, bie 33eine unb bie Hänfce; feltener erfefeeint ße auf bem diüdtn; bocfe fann ße an jebem Jfeeile bes Körpers vorfommen. S3iswetleit greift bie Sntzünbung tiefer unb tann in Siterung unb ©efdjwürbilbung übergeben; bieS X)at man bie pfelegmonöfe SrpßpelaS genannt. 3m 33erlaufe ber Kranffeeit — namentlidj wenn ße ßdj auf bas ©eßdjt unb ben ßopf befeferänft — bitben \idj Ijäußg rine Slnzatjl Heiner 33läscfeen, bie eine getbliefee gtüfßgfeit entfealten, weldje bisweilen bünit unb wäfferig, bodj zu Seiten audj i'aX) unb fieberig ift. 3n fefellmmen gätten fommt es vor, baß biefe 33läsdjett in einan- ber laufen unb bann fpäter einen auSgebefjntett ©djorf bilben; bas ©eftdjt iß bis- weilen fo ßarf gefcfewotten, baß bie Stugen baburdj gefdjloffen ßnb ; ber «Patient fe>t feeftige Kopffdjmerzen, es ßettt ßd) gieber, Durß, ©djlaßoßgteit unb viettetdjt Delirium ein. Sin anberen Körperteilen pflegen ßdj feine 23läsdjen ^u bilben, aber bas «Brennen unb 3uden iß bisweilen unerträgttdj. Ss fommt vor, baß bie rottjen, beißen Sieden, welcfee ßd) burefe, Stnfcfe, wettung über bie umgebenbe Haut erfeoben baben, nur einige ©tunben lang bleiben unb bantt zurüdftnfen unb erblaffen — was bem «Patienten oft Uebelfeit unb S3recfenetgung verurfadjt — nad) furzer ßtit aber wieber feervortreten, unb fo abwedjfelttb mefere Jage lang. SBenn bie Kranftjeit ben Kopf unb baS ©eßdjt befällt, fantt ße fetjr gefätjrlid) werben. U r f a cfe e n. Dtjne 3»eifet X)ahtn Uttreinigfeiteit bes S3lutes, burdj bas 3urücf- bleifeen franffeafter Slbfonberungen im DrganiSmuS verurfadjt, mit ber Sntßetyuna, Des Uebels viel zu ttjun. Die 33erantaffung bazu fann in geßörter S3erbauungS- 264 ©unn'tf Hau«-Slrat. tfeätigfrit, unterbrüJter Slusbünßung, Uefeeri)i|jung bes S3luteS u. f. w. liegen. Hu($ fann bie Rofe in golge von SBunben unb «Verlegungen entßefeen ; man nennt bie« „traumatifcfee" SrpßpelaS. 33ei manefeen «Perfonen wieberfeolen ßcfe bie Slnfäüe periobifefe ein- ober zweimal beS 3afereS. perfonen, bie lange an Oroßbeulen gelitten feaben, werben triefet wäferenb beS SBinterS unb grüfelings in ben leibenben Jferilen bavott befallen. 33 e fe a ti b I n n g. Da bie SSerbauungSorgane bei biefer Kranffeeit faß immer in Unorbnung ßnb, nnb bieS eine Miturfaefee berfelben bilbet, fo iß es in bet Regel gut, mit einem fräftigen 33redjmütel ^u beginnen. SS wirb nidjt nur ben Magen reinigen, fonbern auefe bie verfdjiebenen SlbfonberungS- unb Slusfcfeeibunga- Drgane zu gefunberer Jfeätigteit anregen. SBenit ber Slnfatt fetjr fefetimm in fein fdjeint, fo wenbe man bas Dampfbab ober bie S3äfeungett mit Kräuterbämpfeit an unb bringe einen tüdjttgen Scfeiueijj Ijervor. Darauf muß ein Stbfüfermittet gegeben werben — am bt\xen bie antibl« Höfe «Purganz (fietje Rezepte) mit boppett fo viel Magneßa. ©ewöfenlltfe ifl ©äure im Magen vortjanben unb bafeer ber reidjltcfee ©ebrauefe fäurewibrigrt Mittel, wie Magneßa, Kreibe, boppeltfot)lenfaureS Ratrott, angezeigt. Mir fefeeint, baß tjier bie Magneßa vorzuziehen iß. Das Dampfbab ober bie Dampfbäfeungen ßnb von ber größten SBicfetigfelt; wenn bie Haut bes ganzen Körpers mefer ober weniger ergriffen zu fein fefeeint, große Hifce, ßarfes unb fefemerzfeafteS 3uden vortjattbett ift, wirb baburefe gewöfen- Hefe augenbtidltdj Srleiefeterung gefefeafft, wenn alles Slnbere feb,tgefefetagen feat. SBenn bie Kranffeeit im ©eßefete unb am Kopfe ift, fo fealte man ben leibenben Jfjeil breimal tägtiefe über eine Slbfocfeung bitterer Kräuter, wie Kabenmünje, Rainfarn, SBafferboßen, Hopfen ic. 3n ber 3wifcfeenzeit lege man einen Umfcfetag von «Pretßelbeeren (Moosbeeren, Kronsbeeren, Sngl. Cranberries) auf, ben man bereitet, inbem man rin bis zroei «pintett ber «beeren weiefe foefet, bocfe fo, ba$ möglidjß viel ©aft zurüdbleibt — bann neunte man eine Jfeeetaffe vott »ori ten «Beeren unb bem ©afte, zerquetfdje unb rüfere etwas gepulverte Ulmenrinbe ebet etwas SBetzenfleie tjinein; bieS wirb bünn auf ein Juefe geßriefeen unb aufgelegt. SS muß zwei- bis breimal täglicfe erneuert werben. SBenn anbere Körperteile ergriffen ßnb, mag baS SBafcfeen berfelben mit bem ©afte ober einer Slbfocfeung ber 33eerett ausreichen. SBenit man ber Kranffeeit nicfet Sinfealt tfeun fann unb ftd) Släsdjen bilben ober Siterung ßattßnbet, muß man Umfdjläge von Ulmenrinbe unb 9ie# madjen; audj iß es gut, bie wunbeit ©teilen mit einer Slbfodjung beö tollten Snbigo (33lätter ober SBurzet) zu wafdjen. «Berfcfeiebene Mittel ftnb zum SBafcfeen ber ergriffenen Jfeeile empfofeien werben, entweber zur «Befeitiguttg ber Sntzünbung, ober zur Sluftrodnung beS Sitere, 3« ben beßen getjört eine Mifefeung gleidjer Jfeeile Sobelia - Jinftur, SBlutrouTjel- Jinftur unb Sfßg, brei- bis viermal täglicfe zu gebraucfeeit. Sine Slbfocfeung tes gewöfenliefeett SBafferpfefferS («potpgonum «Punriatum, Smart-weed) unb ebenfo bet ftinfenben Kamille, werben vielfad) empfohlen; biefelben ßnb tatt zu gebraten. SllS ein KütjtungStnltrel leißet eine Söfung von 93orar nnb «Bteiguder — von i^ eine Dradjme auf eine «pinte Regenwaffer — bisweilen gute Dienße. Diefe W ßnb natürlidj nur, etje bie SSilbung ber 93läsdjett begonnen tjat, anwenbbar. Die Rofe. 265 SBäferenb ber ganzen 33eb,anbtung laffe matt bett «Patienten reicfeltcfee Mengen eines Slufguffes von Klettenwurzel, ©affafraSrinbe unb glteberfelüttje trlnten. S3ei ber djronifcfeen gorm ber Kranffeeit — bas tjeißt, wenn fidj eine im Drga- niSmuS vorfeanbene Reigung bazu burefe feäußg wieberfeolte SluSbrüefee berfelben an verfdjiebenen Körperßetten zeigt — muß zur StuSrottung beS Uebels eine burefegrei- fenbe, auf SSerbefferung ber ©äfte feinroirfenbe, Kur begonnen werben. Sin- bis jweimal täglicfe werbe eine gute Slbfuferpitte genommen, um ben Seib gefeörig offen zu fealten. gerner brauefee man fotgenbes «Präparat: SBilber 3nbigo (SBurzel), 33lut- tcurzel unb ©cfeminfbeeren-SBurzel, je eine Unze, wtnn troden, ober zwei Unzeit, wenn frtfäj; Hottänbifcfeer ©itt ober guter SBfeistp, eine «pinte; bieS laffe man eine SBodje lang ßefeen, bamit ßcfe, eine ßarfe Jinftur bilbet. Dann füge man %wti Dracfemen 3obfati, in einer Unze SBaffer aufgelöß, feinzu. Hiervon ift ein Jljeelöffel voll breimal täglicfe zu nefemett. ©teiefezeitig madje man eine Slbfodjung von gelber Hmpfer-SBurjel, «Bitterfüß-SBurzetrinbe, ©affafras-SBurzel unb gtiebertlütfeen unb nefeme ein SBeinglaS vott bavon brei- bis viermal täglicfe. Man fann audj einen ©prup baraus madjen, inbem man, wäferenb bie Slbfodjung nodj feeiß iß, zu einem ßuart berfelben ein «Pfunb meißen 3uderS tfeut. Man wafdje bie Haut bes ganzen Körpers zwei- bis breimal wöefeentlicfe mit fefewacfeer Sauge unb vermeibe atte Siqueure, 33ranntweine, Matzgetränfe, Kaffee unb fonßige reizenbe ©adjeit. Dies 33erfaferen muß wenigßens ein bis zwei Monate lang fortgefeijt werben. S3el traumatifefeer Srpftpelas, welcfee aus SBunben entftefet, inbem ße ßcfe juerß an ben Ränbern ber SBunbe zeigt unb vott ba weiter verbreitet — benefje man bie Ränber von 3eü zu 3eü mit ©panifdjpfeffer- Jinftur ober zufammengefejjte «Rprrfeen-Jinftur, um rine gefunbe Jfeätigfeit ^u erregen, unb madje Umfdjläge von Ulmenrinbe. SBenn ftcfe branbige Srfefeeinungen zrigen, wafefee man mit einer Slbfocfeung beS wilben 3nbtgo ober beS SBafferpfefferS, unb füge ben Umfdjlägen etwas Hefe feinzu. 33ei pfelegmonöfer ober 33lutgefdjwür-artiger Srpftpelas, wetdje gewöfentid) an ben ©djenfeln ober Hüften auftritt, vertaffe man [xdj auf Umfcfeläge von Utmett- rlnbe unb fefewacfeer Sauge, unb wiebertjole Slbfüfermittel unb 33recijmittel. "Black ToNauE"-Sr p fi pe la S Dies iß eine fdjredtidje Kranftjeit, bie zum ©lüde inbeffen nur äußerß fetten vorfommt. Doefe wenn ße auftritt, fo iß es ats Sptbemie, unb bie JobeSfätte ßnb zafelreidj. ©ie beginnt gewöfenliefe mit Hatswefe ; fetjr balb fangen 3unge, Hals unb Raden an ^u fefewetten; bie 3unge unb ber ©aumen neb.meit eine fdjroär^lidje garbe an; von Slußen befommt ber Hals ein fdjitternbeS, blaurotfees Slnfefeen burdj bie bidjt nebeneinanber [id) erfeebenbett rotfelaufartigeit glede, bie attmälig in bun- felgrün ober fefewarz übergetjen; wenn ititfet fcrjncll Sinljalt gefdjiefet, fo fommt ber S3ranb baju unb ber «Patient erßidt. 3n biefer Kranffeeit muß vom erßen Slugenblide an bie entfdjtebenße unb eingrei- fenbße 53efeanblung eingefcfelagett werben, ©rünbltdje 33redjmittel von Sobetia, bie wenigßens täglicfe zu wiebertjolen ßnb; tjäußge Dofen von Mprrfeen-Jinftur mit fpantfefeem Pfeffer ober zufammengefe^te Mprrfeen-Jinftur. Die Mprrtje iß ein antifeptifefees (fäulnißwibiges) Mittel unb ber fpanifdje «Pfeffer ein fräftiges Reij- 266 ©unn's Hauö-Slrzt. mittel — iwti SBirfungen, bie bei biefem Seiben von ber feöefeßen SBieifetigfeit finb, Sluf bas 33recfemittel laffe man eine tüdjtige «Purganz folgen. Der Hals muß mit folgenbem Siniment gewafcfeen werben: ©leldje TfeeifeSaffa« frasöl, «Poletöl, Jerpentinöl unb Sapennepfeffer-Jinftur. gerner madje man Ijrijj«. Umfcfeläge mit SBafferpfeffer unb ßinfenben Kamillen, inbem man eine Hanboofl von febem mit etwas SBaffer foefet, in eitt bünnes Judj fcfelägt unb fo feeifj auflegt, ats es irgenb ertragen werben fann. SBenn bie Kräuter falt ober troden werben taucfee man ße wieber in focfeenbeS SBaffer, unb erfefce ße nad) einiger 3eit burefe frifdje. Studj fottte ber «Patient fein unb wieber etwas von einer Slbfodjung berfel« ben Kräuter, fo warm, als mögtidj, trinfen. SBenit ßcfe branbige Srfdjrinungen zeigen, lege man auf ben Hals einen ßarfen Saugenumfefelag, ber mit Ulmenrinbe ober Kleie angerüfert iß, unb bem etwaö S3ier« feefe zugefetü werben fottte. Studj laffe man ben Patienten von 3eit z« 3eit einen Sßlöffel vott Hefe verfdjluden. Radjbem man einige ©tunben lang biefen Umfajlag gemadjt, lege man wieber bte Kräuter auf, unb fo abwedjfetnb. SBenn man ßcfe wilben 3nbigo (Baptisia Tinctoria) verfdjaffen tann, fo laffe man ben «Patienten atte zwei bis brei ©tunbeit einen Sßlöffel vott einer Slbfodjung bavon nefemen; auefe füge man etwas bavon ben Umfcfeläge« feinzu unb wafdje ben Hals zuweiten bamit, SBenn man bieS S3erfaferen energifdj befolgt, uttb wenn es bei 3eiten begonnen wirb, fo wirb eS fetten fefelfcfelagen. 33ei ber unentfdjiebenen, regulären SBeife bei alten ©djute pflegten von fünf «Patienten vier zu ßerben. Die Kranffeeit tritt meifl im SBinter auf, besfealb iß es auf bem Sanbe, wo man nidjt immer Slpotfeefen bei ber Hanb tjat, von SBidjtigfrit, zur geeigneten 3afereSzriten Kräuter unb SBurjeln ju fammetn — ttieifet allein für biefe, fonbern auefe für fonßige Kranffeeiten. # 1 c rij t c n u tt b © n 11 f l n ß. Dies ßnb langwierige unb läßige Hautfranffeeüen, bie in gorm von Studfdjlagen an verfdjiebetten Körpertfjetlett erfcfeeineit, bod) am fjäußgßen auf bem Rüden cet Hättbe uub im ©eßdjt. ©ewöfetttiefe ßnb es fefer Heine, bidfet zufammenfhfeenh S3läsdjen, bie, aufferedjenb, eine bünne, ä^enbe unb reizenbe glüfßgfeit oon fiefe geben unb ein IjeftigeS Süden verurfaefeen. «Bisweilen bilben ftcfe an ben leibenben (Stellen ©djorfe, bie nad) einer SBeile abtrodnen unb ßefe abfdjuppen, unb benen bantt anbere folgen. Die verfdjiebenen Strien ßnb befannt genug; ifere genauere S3efdjreibung, unb nodj mefer ifere ftreng-wtffenfdjaftltdje Sinrtjeilung unb Kenn- Zridjttuitg würbe in biefem nur für ben prafttfdjen ©ebraudj beßimmten 33ucfee ;u weit füferen. Ss fei nur erwäfent, baß von ber trodenen gledjte, ber ßnnigen ober pußutöfen gfeefete, ber runben gleite unb anbere mefer ober weniger unfefeulblgen Strien, befonbers bie freffenbe gledjte (Lupus) zu unterfefeeiben iß. Severe erfcfeeinl in gorm Heiner, nmfeferiebener, braunrotber gleden ober Knötdjen, aus benen fty fpäter feäußg eiterige ©teilen bilben, bie ineinanberlaufeit unb von Sntjünbnnj! begleitet ßnb unb zuweiten große Mengen bünner Materie abfonbern. I" 93efeanblung aller Strien iß, foweü es äußere Mittel betrifft, eine äfenlicfee; bi< fefetimmeren Strien, welctje auf einer eigenÜjümUdjen „Sßlutfdjärfe" zu berufeen fcfefl' nen, erforbern außerbem eine innere S3etjanblung burd) zwedmäßige reinigenbe «n* ©äfte-verbeffernbe Mittel. Die ©ürtelrofe. 267 53et) anb tung. — Man wafcfee zuerß bie leibeube ©teile mit gotgenbem : iRan nefeme tin bis zwei Unzen ber SBurzet beS gelben SlmpferS (Yellow Dock) uttb eben foviel 33tutwurzet, zerßoße unb tfeue in eine glafcfee ober bergleidjen, unb gieße eine tjatbe Pinte Sllfofeol unb tbtn foviel guten Sfßg auf; wenn bieS ein bis jwel SBocfeen lang geßanben, iß es zum ©ebraudje fertig. Man wafcfee bamit ein- ober zweimal tägiidj. ©obann braudje man folgenbe ©albe: grifdje, ungefalzene 33utter, vier Unzen ; Jerpentinfearz, rine Unze; rotfees «Präzipitat, brei Dracfemen ; man mifefee Stiles gut zufammen unb beftreidje bamit ein- ober zweimal täglicfe bie leibenbe ©teile, nadjbem man ße mit obiger Jinftur gewafdjen. Diefe ©albe ver- treibt bie meißen glecfeten, ofene baß etwas baneben gebraucfet wirb, ©ie fann aud) gegen bie ©ürtelrofe unb gegen bie Krä£e angewenbet werben. golgenbes iß ebenfalls ein fdjä^bareS Mittel hti Hautfranffeeüen: Man nefjnte Je eine Unze Sobetia-, Sapennepfeffer- unb ©tedjapfel-Jinftur unb SSernfteinöl; mifefee unb wafcfee bie Jtjeile bamit zwei- bis breimal täglicfe. gür ben gatt, baß ein blutreinigenbes Mittel erforberliefe fefeeint, matfee man eine ßarfe Slbfodjung ber SBurzeln vott Klette, gelbem Slmpfer unb Monbfamen unb ber «Rinbe von ©affafras; ^u jeber «pinte biefer Slbfocfeung füge man eine Dradjme 3obfati; bie Doßs ift ein SBeingtasvott Morgens unb SlbenbS. 2)ie ©ürtelrofe. —Herpes Zoster. Dies Iß eine Slrt gledjte, welcfee ßefe, burefe, ifere eigentfeümttdje Slrt ber «Verbreitung unb itjren beßimmten «Verlauf auSzeidjnet. Der «Patient empßnbet zuerß an bem befallenen Körpertfeeile rin ©efüfel ber Hi&e, ein Kribbeln ober 3udett, unb bemerft, wenn er narfeßefet, mefere rotfee, unregelmäßig geformte gleden, bie ein wenig getrennt ßefeen, unb auf beren jebem zafelreiefee fleine SSlaSdjen ober Srfeebuttgett gruppettweife erfefeeinen. Diefe 33!äsd)en vergrößeren ßctj wäferenb ber näefeften vier unb zwanzig Stunben, bis zu bem Umfange eines weißen ©enffamenforns, ßnb feeüburcfeftdjttg unb mit einer weißlidjen glüfßgfeit gefüllt. Die 33läsefeengruppen ßnb von ver- fefeiebenem Durdjmeffer, von ein bis brei ober vier 3vtt, unb von einem fdjmalen, rotfeen Ranbe umgeben. SBäferenb ber näcfeßen Jage bilben ßd) immer neue foldje Sieden; unb zwar — was djarafteriftifefe für biefe Kranffeeit iß — verbreiten ße ßcfe in regelmäßiger Riefetung, gewöfenlicfe um ben Körper tjerutn, auf bem einen Snbe bis zum Rüdgrat unb vom anberen Snbe bis zum 33rußfeein; wesfealb ber Warne ©ürtelrofe. Doefe iß es gewöfenlicfe nur ein HalfetreiS ober fealber ©ürtet. «Bisweilen geljen ße audj über eine ber ©cfeultern. Der Slusfdjlag iß, in golge beS feeftigen 3udenS, fefer läßig; fonß verurfadjt bie Kranffeeit wenig ©törungen. 3m Slnfange pßegt einige Jage lang etwas Slppetittoßgfeü, Mattigfeit, gröfteln, Kopf- wefe, Uebelfeit unb leifeS gieber vorfeanben ^u fein. Der Slusfdjlag bauert vierzefen bis zwanzig Jage; bann breefeen bie SSläsdjen auf, entleeren ßcfe unb trodnen *u bräunlidjen ©djorfen zufammen, naefe beren Slbfatten bte Haut itjr geivöfenlicfeeS Slusfefeen wieber erfeält. Das Seiben befällt «Perfonen in febem Sebensatter. S3efeanblung. — Milbe Sarirmittel, fdjweißtreibenbe Mebifamente, SBafdjen ber Haut mit warmem Saugenwaffer unb einige ©äfte-reinigenbe Jränfe madjen bie geeignete 33eb,anblung aus. Ss iß gut mit einem 33red)mittel aus SobeKa z« 268 ©unn'« Hans-Slrzt. beginnen unb oann fofort rin ©djwiti- ober Dampfbab folgen zu laffen; bann tin milbes SlbfüfermUtel — etwa bas anttbittöfe «Pulver mit etwas Sremor lartari, ober rine Doßs ber vegetabilifdjen latfeartifcfeen «piüen (f. Rejepte). Darauf laffe man ben «Patienten metjre Jage lang reidjlidj eine Slbfocfeung von Kletten, Weib« ampfer- (Yellow Dock) unb ©affafraswurzel trinfen. 3eben Slbenb werbe ber Körper vermittelß eines ©djwammeS mit warmem ©ateratuswaffer, ober in 2>Ja|- rer, in weldjes etwas Slfdje getfean würbe, gewafcfeen. R c f f c i f tt dj i. Diefe Slrt Slusfdjlag erfctjelttt ganz blöfclidj, in ©eßalt großer, rotfeer gircfen, meißens auf bem Rüden unb an ben ©eiten beS Körpers, an ben Slrmen unb ©djenfeln ; bisweilen auefe verbreitet er [idj über ben ganzen Körper. Die gleden ergeben ßcfe fefer balb ^u bidem, unregelmäßig geformtem Slusfdjlag, von ber ©röße eines 3efen=Sent-©tüdeS bis ^u meferen ßoUtn Durdjmeffer, bie oft in einanber laufen ; fte fetjen meißens tjett- ober bläuttdj-rotfe aus unb verurfadjen eine feeftlge, ütdenbe, ßecfeenbe ober brennenbe Smpßttbung, äfenlldj wie S3renneffeln—bafeer bet Rame. Sbenfo plöjjltd) unb ofene vorbereitenbe ©pmptome, wie ber Sluäfcfelag fommt, verfdjwtnbet er auefe wieber; er bauert oft nur ein bis zwei ©tunben; bodj oft bauert er bie ganze Ractjt unb verfefewinbet bes Morgens, um bie nätfefte «Jlacfet wieberzufetjren. Stm geroöljnlidjften fommt ber Slnfatt bes Radjts unb fommt vor« Zugsweife bei Kinbern ober jungen «Perfonen, zwifdjen bem fünften unb fünfjefenten SefeenSjafere, vor. Die Kranffeeit ßetjt unzweifelhaft mit gewiffen Unregelmäßigfeiten unb Unreinig« feiten bes 331uteS in SSerbinbung. Sine ber gewöfenlicfeßeti Urfadjen iß Ueberfeifeung burdj ßarfe Stnßrengung unb nadjtjeriges ^u fdjnettes Slbtübjen, welcfeeS bie Slus- bünßung unterbrüdt. S3efeaitbluitg. — SlneS ber he[kn Mittet iß SBeizenntefel, weldjes manreiefe- liefe, über bie ganze Haut einreibt, ober überall, wo ßcfe ber Slusfdjlag zeigt. 3nnerliaj braudje ber «Patient ©afran-Jfeee ober einen Slufguß von ©alvei unb Saffafra«, ben er in ziemlidjer Menge trinfen mag. ©obatb bie täßigßen ©pmptome befeitigl ßnb, werben mefere Jage lang täglicfe ein füfelenbeS SlbfüfermUtel genommen; am beßen eignet ßdj feiequ Sremor Jartari unb ©djmefet, brei Jfeeile bes erßeren ju einem Jfeeile beS letzteren, mit MolaffeS %,u tintm biden S3rei vermifdjt, wovon ein Jfeeelöffel vott zwei- bis breimal täglicfe, zu nefemen iß. Dies füfelt unb reinigt ba« S3lut; unb wenn es nicfet fräfttg genug wirfen fottte, laffe man von ße'xt zu ffl^t antibiliöfes «Pulver ober eine Doßs ©ennesfetätter unb 33ttterfalz folgen. Die Haut muß gut gepßegt werben. Der «Patient nefeme jeben Slbenb ein n>ar> mes S3ab In ©ateratuswaffer, ober wafcfee ben ganzen Körper bamit. Wxt biefen S3äbern unb SBafdjungen, ebenfo wit mit bem ©afran- ober ©5affafras-Jt)ee, ifl einige Jage lang fortzufat)ren; fo oft ßefe gleden zeigen, reibe man mit SBeijenntebt. Die Kranffeeit feat nicfets ©efäferlldjes, unb bie angegebene 33efyanbtung wirb fii gewötjnlidj grünbtiefe, vertreiben. Die Kräfce. 269 2)ie Ärä^c. — Scabies. Die Krä^e beßefet in einem Hervorbrecfeen von fleinen, gngefpi^ten 33täsdjen, welcfee eine wäfferige glüfßgfeit entfealten unb bisweilen ein äußerß feeftiges 3uden oerurfacfeen. Der SluSfcfelag pßegt zuerß an ben Hänben znufdjen ben gingern zu erfcfeeinen unb verbreitet ßcfe von bort naefe ber inneren ©rite ber Hanbgelenfe, ber Slrme unb beS StlenbogenS. Sr verbreitet ßcfe auefe mefer ober weniger über ben gan- jen Körper unb ift zu wofel befannt, um weiterer S3efdjreifeung ^u bebürfen. Die Kräjje iß anßedenb, ober tfeeilt ßcfe burefe, 33erütjrung mit, unb tann, wenn nicfet gefeeilt, Safere lang unb vieüeidjt 3rittefeenS bauern. Man feat von einer „ßefeen* {äferigen Kräije," (Scabies septennis) als oon einer befonberen Strt gefprodjen, aber bie gewöfenücfee Krä£e fann, wenn nidjts bagegen gefefeiefet, ganz Q^t Riehen 3afere unb auefe länger bauern. Ss gibt auefe eine Slfeart, bie man bie 33ar- bierfräjje genannt feat, bie ßefe gewöfenlicfe am ©efiefete, am Kinn unb zwifefeen ben 33artfeaaren zeigt. Man feat angenommen, baß in ber S3arbierftube, bei bem Raft- ren, bie Stnßedung empfangett wirb; bodj bies iß waferfcfeeinlicfe nur zufällig unb nicfet immer bie watjre Urfadje ber Kranfljeit. SltlerbingS mag ße bisweilen in biefer Slrt mitgetfeeilt werben, ebenfo wie gledjten, 3ütermafete unb anbere SluS- fcfelagsfranffeeiten. Diefe Slbart ber Kräfje wirb faß nur bei bem männtidjen ©efcfelecfete, unb zwar meißens nur bei benen, welcfee rafiren, gefunben unb erfdjeint juerß auf einer Sippe, am Kinn ober an anberen 53artftetten bes unteren ©efictjtes; Slnfangs ßnb nur einige wenige rötfelidje 33läsdjen vorfeanben, bie aber feeftiges 3uden unb 33rennen verurfaefeen. Rad) einigen Jagen vertrodnen bie 33täsdjen unb fdjälen ßcfe in bünnen, borfenen ©efeuppen ah ; wäferenb beffen greift ber SluSfcfelag weiter; anbere 331äScfeen erfcfeeinen, bie ßcfe in berfelben SBeife abfefeäten, bis eine größere raufee ©teüe entßefet, beren beßänbigeS 3uden äußerß läftig iß. SBenn ber Kranffeeit nicfet Sintjalt gefefeiefet, wirb fie leidjt feartnädig, verbreitet ßcfe über eine größere glädje unb bringt tiefer in bie Haut, eine Sntzünbung berfelben ver- anlaffenb; bie befallenen Jfeeile ßnb empßnblicfe, geröttjet, feeiß unb mit ©djorfen befefet. 33efeanblung. — Die S3efeanblung iß bei atten gormen ober Strien ber Krä^e biefetbe; was bie eine furirt, feitft auefe hei ber anbern. ©cfewefel iß bas feaupt- fäcfeticfefte unb ßdjerße Mittel. Slm beßen wirb er in ©albenform, mit gett vermifefet, angewenbet. Dodj iß befonbere 33orßcfet ^u empfefelen, wenn es notfewenbig iß, einen großen Jfeeil bes Körpers einzufefemieren, ba es vorgefommen ift, baß «Perfo- nen ßeife ©elenfe befommen unb ben ©ebrauefe itjrer ©lieber verloren tjaben, inbem ße [ia), wäferenb ße mit ©cfewefelfalbe eingerieben waren, Srfältungen ausfegten, SBenn bie Kranffeeit ßcfe inbeffen auf eine fleine glädje befdjränft, wie an ben Hän- ben ober im ©eßefete, iß feine ©efatjr. Doefe ift eS beffer, ßdj unter alten Umßänben wäferenb bes ©cfemefelgebraudjes vor bem Stnfluffe falter unb feuefeter SBüterung u. f. w. in Sidjt zu nefemen; biefetbe Reget gilt nodj metjr für ben ©ebraudj von quedlltberfealtigen ©alben, wie ber rotfeen «präzipüat-©atfee, weldje gleichfalls gegen ßra>, gledjten unb anbere Slusfdjläge angewenbet wirb. Sür bie gewöfenlidje Kräfce braudje matt eines ber folgenben «Präparate: Man «"ferne gett, itoti Unzen; ©cfewefel, eine Unze; ©almiaf, fein gepulvert, eine Dradjmej 270 ©unn'S HauS-Slrz Süronenöt, zefen Jropfen; mifefee gut unb reibe bie tranfen ©teilen einmal täglty bamit ein, nadjbem man fte mit ftarfer ©cifenlauge (fdjwarze ©eife iß am beßen) getjörig gewafcfeen. Cber: Man nefeme gett, jtvei Unzen; rotfeeS Präzipitat, juei Dracfemen; burgunbifefees Harz, eine fealbe Unze; man fefemelje bas gett unb ba* Harz zufammen unb rüfere wäferenb bes StbfüfetenS bas «Präzipitat feinein, fo ba§ a ßdj gut vermifdjt. Man reibe eine Heine Menge bavon ein- bis zweimal täglicfe ein, nadjbem man bie ©teile mit ©eifenlauge gut gereinigt. Die Krä£e iß eine rein örtlicfee Kranffeeit ber Haut, uttb es iß bafeer feiten nbtfeig, innertiefe Mebizittett zu gebrauchen, außer wenn bie Kranffeeit von langer Dauer iß unb ßefe über ben ganzen Körper verbreitet feat; atsbann möge ber Patient ©cfetrefel mit Sremor Jartari nefemett unb teicfelidj ©affafraStfeee trinfen. ©egen bie fogenanttte SSarbierSfrätie wirb es gewöfenlicfe, ausreißen, biefelbe ©albe ein- bis zweimal tägtiefe. einzureiben. 53et ftarfer Sntzünbung unb Sßunb- t)eit lege man beS Racfets einen Umfcfetag von Ulmenrinbe (Elm Bark) auf, unb braudje bie ©albe beS JageS über. Die gledjtenfalbe (ßefee Rezepte) wirb gleicfe« falls Heilung bewirten. Studj folgenbeS SBafajmittel: ©leldje Jfeeile Sobetia«, 33lutwurzel- unb ©tramoniunt - Jinftur unb 33ernßrinöt, welcfees zwei bis breimal tägiidj zum SBafdjett gebraudjt wirb. Sine ©albe aus einer Unze gett unb j»ei Dradjmen 3ittffulpfeat iß aud) gut. ®tantfyeiten bet $8ewe$un$$ot$ane. IRfetutnatiStnu!. Diefe Krattltjelt tritt in zwei verfdjiebenen unb leidjt fennbaren ©eßalten auf; bie eine, weldje mit gieber verbunben iß, nennt man afuten, bie anbere djronifcfeen Rt)eumatismus; teurerer iß eine ftcfe feinfcfeleppenbe uttb nidjt nottjwenbig mit Siebet verbunbene Kranffeeit. Der afute ober entzünblicfee RfeeumatiSmuS fünbigt fta} burefe ftedjenbett ©cfemerz in ben ©elentett unb Musfetn, im Rüden, ben Änieen, ben Sinfeln unb ben Hüften an unb verbreitet ftcfe gewöfenlicfe, burefe ben ganjen Körper; itjn begleiten ©djwädje, größetn, Hi£e, Durß, Rufeeloßgfeit unb Mangel an ©djlaf; bie 3unge iß weiß, bie Haut fjriß unb troden unb gewöfenlicfe fleüen- weife mit ©cfeweiß bebedt. Der ©tufelgang iß gewöfenlicfe fe,art ober verßopft anb ber «Puls ßarf unb vott. Der djronifcfee RfeeumatiSmuS wirb bisweilen «nriefetiget SBeife ©iefet genannt. Diefe Kranffeeit iß von feinem gieber begleitet, bie ©elenle ßnb fefer fefemerzbaft, aufgefefewotten, fefer empßnbttcfe. unb zuweilen ßeif, &alb P» fte feeiß, balb wieber falt; unb nacfebem biefe Kranffeeit lange angehalten W befenen ftcfe bie ©elenfe aus, unb es tritt eine «Verrentung ein, inbem ba« ®m ßeif wirb unb an Umfang zunimmt. Ss gibt wenige Kranffeeiten, bie fo fefemerzfeaft nnb langwierig ßnb, als ber W Slfeeumatismus. Sr fantt fdjnetl — oft in einer SBodje — verfcb,winben, jutpetl« RfeeumatiSmuS. 271 «ber audj, trofc bet forgfältigßen 33eb.anbtung, lange 3eü anfealtett. SS fomml biefes fefer auf bie Körperbefefeaffenfeeit ber «Perfon an, inbem bie 33efdjwerbe bei manefeen Seuten ein Srbfefeler iß, unb bei anberen baburdj, baß ße ßdj feucfetem ober faltem SBetter ausfegen, ober burefe plöfjltefee Uttterbrüduttg eines ßarten ©djweißeS, ober burdj ungewöfenlldje Strapazen erzeugt wirb. «Ran ßnbet bie Kranffeeit gewöfenlicfe zwifdjen bem zwanzigßen uub vierzigßen SebenSjafere, unb zwar feäußger bei Männern, ats bei grauen. S3efe anb tung.—33ei ber S3efeanblung bes afuten RfeeumatiSmuS fottte man juerß bafür forgen, baß eine ungefeinberte Jfeätigteit ber Haut, ober, mit anberen SBorten, ein ©djwifjen feervorgerufen wirb, entweber burdj ein Dampfbab, wenn irgenb mögliefe, ober burefe ein mit warmen Kletefäden ober SBärmeßafdjen obei fonftigen ©egenßänbett, bie ©efeweiß erzeugen, wofel erwärmtes 33ett, wobei man bem Kranfen warme, bünttßüfßge ©etränfe verabreiefeen fann, wie zum 33etfpiel: glöfe- fraut- (Pennyroyal), ©alvei-, Meliffen-, Katjenmünze-, Seinfamen - Jfeee, ober Irgenb anberen warmen Jfeee, ber gerabe zur Hanb ift. Der ßwtd biefes 33erfaferens ift ber, eine gefeörige Slusbünßung ber Haut ^u erzeugen, unb baburdj baS gieber in fcfewädjen. 3cfe X)abt bemerft, baß bei biefer Kranftjeit ber ©ebraudj von Sitronen- faft in Dofen von einem Sßlöffel vott, alle vier ©tunbeit, mit attmältger «Verringe- rung ber Doßs, feljr wofeltfeätig wirft. SBärme Simonabe iß ebenfalls fetjr wofeltfeuenb. Man fottte befonbere Stufmertfamfeit auf bie ©ebärme unb bie Rieren verwenben, ba biefe bte Kanäle zu fein fdjeinen, burefe welctje ber Kranffeeitsßoff auSgefdjiebeit werben muß. Man fottte bem Kranfen tägiidj, längere ßtit feinburd), eine Doßs S3itterfatz, ober audj ©lauberfalz in einem ©lafe warmen SBafferS geben, um einen regelmäßigen ©tufelgang zu erfealten. SBenn neben bem RfeeumatiSmuS bie Seber ßd) in einem frantfeaften 3ußanbe beßnbet, fo ßnb S3recfemütel fefer nü^tidj, befonbers, wtnn man ifenen eine Doßs abfüferenber Pillen folgen läßt. Man gebe atte zwei ober brei ©tunben eine Doßs ©alpeter von adjt ©ran, In rin wenig SBaffer, unb laffe viele lauwarme ©etränfe ober Jfeee von beliebigen Kräutern, welcfee auf bie Rieren einwirfen unb eine Sntlee- rung ber Hamfelafe bezwedett, naefefotgen. Matt babe bie trauten ©etenfe mit einer warmen, iu gleictjen Jfeeiten aus Sfßg unb S3rantitweitt beftefeenben glüfßgfeit unb reibe babei biefelben fleißig mit ber Hanb; teureres verbrängt bie Hi^e, verminbert ben ©cfemerz unb bie ©efdjwulß unb vertreibt attmälig bie Sntzünbung. SBeidje, warme Umfdjläge, entweber aus Setnfamen- ober Roggenmeljt, 33rob, Hopfen, Kiele, ober Hafermefel beßefeenb, ftnb fefer paffenbe Mittet gegen bie Sntzünbung unb ©djmerj einzelner Körperttjeite unb ©etenfe. Sangjätjrige Srfaferung tjat mid) überzeugt, baß bie örttidje, bas iß äußere 93efeanbtung ber hänfen Körperteile, fetjr vorteilhaft iß» ®i»b bie ©etenfe fetjr gefcfewotten unb fdjmerztjaft, fo fantt man große Srteidjterung verfdjaffen, wenn matt biefelben mit einer Menge SBatte ober weidjer SBotte umwidett. Um biefe Umhül- lung lege man, wenn es möglidj iß, ein ©tüd geölter ©eibe (SBadjStaft), bamit ber SSerbanb luftbicfet bleibt. Sluf ledere SBeife werben bie ©elenfe in einem vottßän- bigen Dunßbabe erfealten, unb entfernt man ben 33erbattb nadj zwölf ober vier unb jwanjig ©tunben, wirb man ßnben, baß berfelbe mit einer geuefetigfeit gefättigt iß, toelaje ßarf fäuerlictj erfdjeint. SBer biefe Hetlmetfeobe anwenbet, wirb balb große Crleiajterung verfpüren, inbem biefetbe ben franfen Körperteil unterßüfct, in feiner 272 ©unn's Haus-Slrzt. gewöfenlidjen Sage erfeält unb zu gleicfeer 3eit bie Slusbünßung beförbert. Dirfefa fann man axxdj bei ber ©iefet, einer mit bem RfeeumatiSmuS nafee verwanbten Kranfljeit, anwenben. Der djronifcfee RfeeumatiSmuS erforbert eine anbere S3efeanb- tung, ba er rine geringere Sntzünbung mit ßdj füfert unb in ben meißen gälten ßeberfrei auftritt. Der Rüden, bie Hüftgelenfe, bie Kniee, bie ©efeultern unb Stnfeln ßnb bie Hauptß^e bes cferonifcfeen RfeeumatiSmuS, inbem an biefen Plänen ßefe gewötjnlidj rin taubes ©efüfel bemerfbar madjt. Die Slrme unb «Seine, felfcji audj ber Rumpf, ßnb bei biefer Kranffeeit oft viel fälter, als in gefunbem 3uftanbe. 3cfe tjabe gefunben, baß örtlidje unb äußerlldje Mittel von fefer großem Rufcen finb, anb Xjaht langjäferige feeftige ©ajmerzen burdj nacfefolgenbe verfcfeiebene bittet gefeeilt ober entfernt. Man muß jebocfe bie franfen Jfeeile mit «Baumwolle, unb n>o möglidj, ben ganzen Körper burefe ein glanettfeemb fäjü^en. Radj Sntfernung ber Umfdjläge bebede man bas franfe ©lieb mit einer joflßarfett S3aumwotte-Umfeüttung unb einem ©lüde glanett, groß genug, ben franfen Ifeeil ZU bebeden, bamit fein falter Suftzug iX)n berüfere. Hierbei iß es am beßen, bte 93aumwotte an ben glanett feßzunäfeen, bamit ftcfe erßere nidjt zufammenbatle. Se&tereS Mittel angewanbt, wirb in furzer ßtit Sinberung verfdjaffen. S i tt i m e tt t. Man tteljme ein «Viertel $funb rotfeen «Pfeffer, eine «pinte Silfofjot ober ßarfen ©piritus, weietje ben «Pfeffer zefen Jage lang im Stlfofjol unb ßltrire bie «Rifcfeung. Diefes iß ein wertfevottes Mittet zum Sinreiben ber franfen unb fefemerjenben Körpertferiie. Ss iß gteiefefatts wofeltfeuenb bei Säfemung unb ©efewinben ber ©lie- ber. Studj hti ©djmerzen in ben ©eiten wirb ein mit biefer Mifefeung befeuefeteiet glanett gewöfenltdj Sinberung verfdjaffen. RljeumatiSmuS-Jropfen. Man frage in irgenb einer Slpotfeefe naefe (Jfeompfon'S) Ro. 6 ober ferifjen Jropfen. (©iefee audj unter ben Rezepten : „3ufammengefe£te Mprrfeen-Jinftur.") Diefes iß eines ber beßen-Reiz- ober ©tärfmittel. Doßs» S3on einem bis brei Jfeeelöffel vott in feeißem SBaffer. Slnzuwenbett bei Kolif, ober bei ©djmerjen im Magen unb ©ebärmen, unb hti ber Sfeolera, in Dofen von einem Jfeeelöffel »oö in feeißem SBaffer. 3n letzterer Kranftjeit tjabe idj es gebraudjt unb große Sinbe« rung baburd) verfdjafft. Siniment. Das beße äußere Sinreibemittel, baS wir je gebraudjt tjaben, Iß Radjßefeenbe«, 3dj Xjaht Seute bamit getjeitt, weldje 3afeje lang an biefer Kranffeeit litten: Kampfeerfpiritus.......... 1 Unze. ©almiafgeiß ...........1 Unze. Jerpentinfpiritus..........1 Unze. Ro. 6, feeiße Jropfen......... 1 Unze. Saubanum............1 Sßlöffel voll. Rinbsfußöt............1 tjalfee «pinte, unb eine Ddjfengatte. Rheumatismus. 273 «Ran fdjttelbe bie Cdjfengatte entzwei, laffe bie grüne glüfßgfeit in eine gtafäje taufen unb füge bann vorgenannte ©toffe feinzu, fdjüttete feierauf baS ©anze tüctjtig, fcfeließe es feß ^u unb geferaudje es bann. Der einzige Jfeett ber Ddjfengalle, wel- djer benujjfear iß, iß ber grüne ©aft, welcfeen ße entfeält. 3e größer bie Cdjfen- gatte iß, beßo metjr Srfotg. Man reibe breimal tägiidj mit biefem Siniment ein unb bebede ben Kranfen, wie vorgefeferieben, immer forgfältig mit Siaumwotte. 3n ben meißen gälten wirb biefe 33efeanblung Sinberung verfdjaffen. Heilmittel. Merfwürbige Heilungen ßnb burefe bie Slnwenbung von ©djminfbeeren- (Poke) SBurzel bewirft worben, nur muß man bei bem ©ebraudje berfelben vorßcfetlg fein. Srzeugt biefetbe ©cfewinbel ober Kopffefemerz, fo war bie Doßs zu groß unb muß verringert werben. Die Slrt unb SBeife ber 3ubereüung tß folgenbe: Man brenne bie SBurzel langfam ^u Stfcfee unb fdjütte ße in ein Stuart guten 33ranntwetn. Die Doßs iß — ein Heiner Sßlöffel vott zwei- ober breimal täglicfe. Sin Slfezug aus ©efemintbeeren unb S3ranntwein foll ebenfalls tin fefer irertfevoües Heilmittet fein. Heilmittel. 33ier gutgefdjtagene Sier, eitt £)uart Sfßg, vier Unzen Jerpett- tinfpiritus, eine Unze SBeingeiß unb eine Unze Kampfeer; biefe ©toffe mifefee man gut burefeeinanber, fülle ße feierauf in eine glafcfee unb fdjüttete ße ungefäfer zefen «Rinuten, wonadj ße, um ben 3utrüt ber Suft zu verfeüten, feß verforft wirb. 53innen einer fealben ©tunbe iß biefes Mittel zum ©ebraudje fertig. 3um Sinreiben beim geuer zwei-, brei- ober viermal tägtiefe,. golgenbes Siniment zum äußeren ©ebrauefe : Man nefeme; Branntwein.............1 «pinte. ©atpeter.............. 1^ Unze. Kampfeer .............. 1 Unze. JerpentinfpirituS........ . . . £ «pinte. Mifefee Stiles forgfältig, fdjüttete jebesmal vor bem ©ebraudje tüctjtig, benetze einen glanetüappen mit ber gtüfßgteü unb reibe ben franfen Jtjeit bamit ein. Man trotfene feierauf burefe ein feeißes S3ügeteifen, fo feeiß, wit man es nur ausfealten fann, bie feenetjte ©teile. Der ©ebraudj von Herbßjeitlofe (Vinum Colchicum) wirb als ein fefer widjtigeS •Rittet gegen bie Kranffeeit betraeferet. Der Herfeßzetttofen-SBettt ift in jeber Slpo- tfeefe ^u feaben, ober man fann ifen felbß bereiten, inbem man eine Unze beS ©amens in eine «pinte Jeneriffa-SBein fdjüttet. Man taffe biefe Mifdjung zwei SBocfeen ßefeen, fdjüttete zuweilen unb ßttrire ße feierauf burdj «Papier. Die Doßs iß ein Jfeeelöffel voll, golgenbes iß ebenfalls ein fetjr gutes Rezept: Magneßa...........1 Jfeeelöffel vott. Vinum Colchicum ........ 1 Jfeeelöffel Vott. SBaffer............1 SBeittglaS vott. Diefe Doßs fann man brei- bis viermal täglid) einnehmen. Sang anfealtenber RfeeumatiSmuS iß immer djromfdjer ^latnx] besljatfe iß audj bas obige Mittet, in 33erbinbung mit ©djwelß-erzeugenfeen Slrzeneien, woljltfeä- ttg. Der ©tufelgang muß regelmäßig unb bie Diät ßrettg fein. Sfußerbem iß es nötfejg, bie franfen Jfjeile auf frinjer feefdjriefeene SBeife burefe 18 274 ©untt'S HauS-Slrzt S5aumwotte=Umfeüttungen zu fdjüfeen unb mit einem ber angegebenen Sinimenri ober mit nadjßefeenbem fefer guten Mittel einzureiben. Man tnifdje eine «JJiutf S3ranntwetn mit vier Unzen ©enfmefel unb reibe ben franfen Körpertfeeil breimal täglicfe bamit. Sin fefer wertfevotteS Heilmittel iß, wie fdjon vortjer erwäfent, bie ©cfeminf. beeren-SBurzet; auefe bie S3eeren fotteit ein fefer wertfevotteS Mittel gegen djronifrfeen RfeeumatiSmuS feitu Man ziefee Severe itt gutem 23raittttwritt ah unb nefeme breimal täglicfe einen guten Sßlöffel vott. Die fogenannte 23tutwurzet ober Puccoon (Kanguinaria Canadensis) wirb audj als rin Heilmittel gegen biefe Kranffeeit fefer geprlefen. Man fantt eine gefättigte Jinftur ber S3futwurzet in Dofen von breißig bis fünfjij Jropfen tägiidj breimal nefemett. S3alfam Copaiba Ijat nadj Dr. Soofs SluSfage einige ber überrafdjenbßen Heilun- gen oon djronifdjem Rheumatismus bewirft. Dr. Soof nafem gleidje Jfeeile «Salfam Copaiba unb Sllfotjot, fdjüttelte biefe gut burcfeeinanber unb gab jebesmal einen Jfeeelöffel vott biefer Mirtur auf ein ©tüd 3uder. ©uajac Jinftur, bie ebenfalls in jeber Slpottjefe i_u feaben iß, war fdjon lange als Mittel gegen biefe kranffeeit befannt. Sluct) ©cfewefel iß" eine Slrznei, bie oft, wie idj fefeon in meinem früheren S3ucfee erwäfent feabe, mit Srfolg gegen eferonifcfeen RfeeumatiSmuS gebraudjt worben. ©teilt es ßctj IjerauS, baß bei biefer Kranffeeit Dpium erforberliefe, iß, entweber, um bie ©djmerzen t_u tinbern, ober um bem Kranfen ©djlaf zu verfdjaffen, fo ifl bie beße gorm benfelben zu netjmen DoveriS «Pulver, ba biefe für ben 3ußanb bea Äör« perfpftemS beim eferonifcfeen RfeeumatiSmuS bie geeignetßen ßnb. Diefe 5)ul»tt berufeigen unb tinbern bie ©djmerzen. (SBegen ber ©röße ber Doßs ßefee untet bem Slbfefenitte Rezepte, Dover'S «Pulver.) • Sßo bie Kranffeeit ftd) fefer wiberfpenßig zeigt, Ijaben [idj bie feeißen ©cfewefel« quettett von SlrfanfaS, itt bereit SBaffer man S3äber nimmt, zur «Vertreibung ber Kranffeeit fetjr erfolgreich, gezeigt. 3n einigen ber fefewierigßen gätle verfdjajfte id) ben Kranfen große Sinberung baburdj, baß iefe bie ©lieber tjeißen Dämpfen ou«< fefcte unb in einer Mifdjung von Rum unb Sfßg babete, wetdje fo feeiß waren, alt ber Kranfe nur immer vertragen fonnte. 3n einigen gälten, wo ber ßranfe (alt, fdjwadj unb abgefpannt war, feat baS Sfeinin, vorßdjtig angewenbet, bie Teilung bewirft, wenn atte anberen Mittet fefelfdjlugen. Matt muß ßdj befonbers gegen Kälte unb geuefetigfeit fcfeüfcen; glaneHfeemben ober wollenes Unterzeug muffen immer als bie beßen 33ertjüter biefer Äranfbei! betradjret werben, unb bie ©djwere berfelben muß ftd) nadj ber 3afereSzeit, berletn- peratur unb ben ©ewotjnfeeiten ber «Perfon ridjten. Diejenigen, benen ber Stall auf ber bloßen baut läßig iß, fönnen benfelben über bem Unterzeuge, welcfee« »o« «Baumwolle fein foll, tragen. SBentt vollblütige Seute ßcfe zum Rfeeumatiamud neigen, fo fottten ße Matzgetränfe im Sittgemetnen vermeiben, wenig Oleifcfe eilen unb erfeij3enbe, förperlidje Slnftrengungen uttterlaffen. Seute von fdjwäcfeticfeer ober magerer Körperbefefeaffenfeeit follten beffer leben, unb um iferen Körper aufreajt ju erfealten, nur gute unb naferfeafte ©peifen genießen. SBo es nötfeig wirb, abfü> renbe Slrzneien zu gebrauchen, wirb man See's «piüen ganz vorzuglicfe ßnben, inbem lefetere zwar unfdjulbig, bodj in biefer Kranffeeit fefer nüfclid) ftnb ; ausgenommen, wenn ber Kranfe an Hämorrtjoiben leibet, fo geferaudje man Soof S «Pillen, ba 2ee'< ©iefet. 275 «pulen Slloe entfealten, unb Slloe in irgenb einer gorm bie Hämorrtjoiben verfdjltm» mert. ©inb bie Rieren teibenb, ober einfadj gefagt, wenn bie Urinerzeugung beS franfen mangelfeaft Iß, fo erinnere man ßcfe, baß ©atpeter, in Dofen von aefet ©ran in einem fealben ©lafe SBaffer, atte brei ©tunben fefer wofeltfeatig auf bie «Nieren wirft. 3ebe 33efpted)ung beS Rheumatismus heutzutage würbe unvottßänbig frin, otjne Srwätjnung ber eteftrlfdjen unb galvanifefeen Heitfräfte: galvanifcfee Ketten, Ringe unb fo weiter. Daß festere Mittel zuweilen offenbar gute Dienfte in gällen von cferonifefeem RfeeumatiSmuS leißen, iß unzweifelljaft, unb iß biefes nun in ber Jfeat fo, ßnb wir audj nidjt beredjtigt, berartige Mittel vottßänbig ^u verwerfen, inbem wir bie Urfadje iferer Sinwirfung nicfet genau ermitteln fönnen. Die SBirfung ber «Rabelpunftiruttg, eine neuere Sntbedung, welcfee idj in biefem 33ucfee als Mittel gegen Musfei- unb Rerven-RfeeumatiSmuS, fowie gegen Hüftwefe, erwäfent X)aht, iß zuweilen an bas SButtberbare grenzenb. Man bebenfe, wie großartig bie Snt* bedungen ber Reuzeit ßnb, wo burd) bas Sinbringett einer Rabel in ben Körper, ber größte ©cfemerz faß augettfelidtiefe entfernt wirb. 3ie toeifee ®elenfa.efd}nmlft. — Tumor albus. Der Tumor albus tritt am feaußgßen am Kniegelenf auf, obgleicfe er audj anbere ©elenfe befällt, namentlicfe bas Hüftgelenf, ben Slntet unb bett Sttettbogen. Das Seiben beginnt ntit leicfeten ©efemerzen Im ©elenfe ober in ber Räfee beffelben, weldje ßdj attmälig vermeferen, wäferenb ber befallene Jfeetl anfcfewittt ober ßefe vergrößert unb feart wirb. Matt nennt eS bie weiße ©elenfgefcfewulß, weil bie Haut nictjt wie bei anberen ©efdjwülßen unb Sntzünbungen rotfe wirb, fonbern entweber itjre natürlidje garbe beibehält, ober, was fefer bäußg ber galt iß, im Verläufe beS ©djweltens rine glänzenb-weiße garbe annimmt. Die ©efemerzen fdjeinen tief zu ßfcen, unb wenn fte auefe im 3ußanbe ber Rufee nur letdjt fein mögen, werben ße bodj faß unerträglicfe, fobalb bas ©elenf ßefe bewegt. Die bas ©elenf umgebenben Sfeeile werben feart unb ftfewieltg, bie ©efcfewulß nimmt in, bis zulegt, wenn ber kranffeeit nictjt Sinfealt getfeatt wirb, ftd) Materie bilbet unb aus metjren Kanälen ober Deffnungen ßcfe ergießt. Die Kranffeeit feat iferen ©i0 in bem «Periofteum (ber Knoajenfeaut), unb ber Knoefeen felbß wirb leidjt ergriffen, fo baß nidjt feiten eine Slbblätterung ober ein 3erfallen unb ©cfewinben beffelben ßattßnbet. SBentt bie Kranffeeit bie Hüfte befallen fear, fo fommt es leidjter vor, baß ßefe bas ©elenf ober bie Pfanne mit fnocfeigett Maffeit anfüllt, fo baß ber Kopf beS ©djenfelfnotfeenS aus feiner ©teile gebrängt wirb. SBenn ftcfe Sitergänge nadj Slußett gebübet tjaben, fo bringen bisweilen burd) biefelben ßeifcfeige Sluswüdjfe feervor, unb oft werben Heine ©tüddjen abgeblätterten ober zerbrödelten Knodjens mit bem Siter entteert. Das gteifefe fdjwinbet unter* unb oberfealb bes ©elettfeS, weldjes waferfdjeinlidj für immer ßeif wirb ober verrenft bleibt; ber «Patient wirb bünn, bteidj, mager; es ßettt ftcfe feeftifd)es gieber ein, mit erfdjöpfenben Radjtfd)weißen unb großer allgemeiner Körperfcfewäefee. Die weiße ©elenfgefdjwulft fommt meißens bei «Perfonen oon ffroptjulöfer Slnlage Vor unb feat otjne ßwti[tl itjre Urfadje in ber S3erberfentß ber ©äfte; ße tritt tjäu* ftger bei Kinbern, ats hti Srwadjfenen auf. 33efeanblung. — SBenit ber Kranftjeit gteidj im Slnfange in geeigneter SBeife begegnet wirb, fo fann bie ©efdjwutß gewöfenlid) verteilt werben, ofene baß es zur Slnfammlung von Materie unb zum Slufbredjen fommt. Dodj feierzu ßnb energifcfee Mittel unb ein grünblicfeeS 33erfaferen erforberliefe. SBenn bas Kniegelenf ergriffen iß, fo fealte man es ein- bis zweimal tägiidj über tjeiße Dämpfe von bitteren Kräutern — Hopfen, Rainfarn, Ka^enmünze, SBafferpfeffer, ßinfenbe Kanutten, 8Met unb bergl. Man fodje bie Kräuter in einein großen Jopfe ober Keffel, bann 278 ©unn'S HauS-Slrzt. fcfeütte man ße in eine SBanne ober einen Sitncr, batte bas Knie barüber unb btbeefi bas ©anze mit einer wollenen Dede, um bie Dämpfe aufzufangen; um biefelben ju vermeferen, werfe man von 3eü in ßtit einen feeißen ©tein felneln; man laffe bieS Dampfbab jebeSmal von zwanzig bis brrißig Minuten watjren. Dann braudje man fotgenbes Siniment: Man nefeme Stltofeot, eine «pinte; löfe barin eine Unje Kampfeer auf unb füge bann feinzu: ©djierlingstannenöt (Oil of Hemlock), £af. afrasöl, ©almiafgeiß, Dpium* Jinftur, von jebem eine Unze; feiermit reibe man ben leibenben Jtjeit breimal tägiidj gefeörig ein." Dann lege man Umfcfeläge von SBeijen« fleie, Sfßg unb ßarfer Sauge, mit eitt bis ^mei Söffet vott ©alz barin, auf. Die 23äfeungeit mit ben feeißen Kräutern follten wenigßens jeben Slbenb vorgenontmtn werben; barnaefe brauefee man bas Siniment unb lege ben Umftfetag auf. SBenn bie Kranffeeit im Hüftgelenfe ߣt, fo baß ber leibenbe Jfjeü nicfet in ber befdjriebenen Slrt ben Kräuterbämpfeit ausgefegt werben fann, fo lege matt bie gefodjten Kräuter auf, fo b,elß, wie es vertragen werben fann unb befeßige ße mit einer 33ittbe. Um bie ©teiftjeü beS ©etenfeS ^n verfeinbern, brauefee man ein Siniment au«: Dcfefentlauenfett, vier Unzeit, ©affafrasöt, Jerpentinöl, SBermutfeöl, Kampfettput« ver, je eine fealbe Unze, gerner rin Siniment, weldjes feauptfädjlicfe aus Slngeliuür« mern beßefet, unb beffen 3ubereitung unter bem Jitel: „Siniment gegen flelfe ©elenfe" unter ben Rezepten gefunben wirb. SBentt bie Kranffeeit, trojä aller 33emüfeungen bagegen, fortfdjreltet, unb ti jut Süerung fommt, fo braudje man Umfdjläge von Ulmenrinbe (Slippery Elm) unb anberen erweidjenben Mitteln, nebß ©alben, unb falls ßcfe wilbeS glelfcfe bilbet obet fdjwammartige Siuswüdjfe erfdjeinen, ftreue man gebrannten Sltaun barauf ob« bas vegetabilifdje Sle^mittet unb pulverißrte S31utwurzel ober Holzfofele unb 3inf- fulptj at; ober man wafcfee bie Sitergänge vermittelß einer ©prifce mit einer Söfunj bes vegetabilifefeen Slejjmütets aus. Da bie Kranffeeit auf einer ffropfeufÖfen Diatfeefe ober ©äfteverberfeniß bee? Äör- pers berufet, fo ift bie innere S3efeanblung von ber größten SBicfetigfeit. Der Stufe!« gang muß burdj eine gelegentliche DofiS «Pobopfepttin,ober anberer vegetabilifefeer Er- gänzen, offen erfealten werben, unb ber «Patient fottte ben atterativen ober ben anti« ffropfeulöfett ©prup (bereu S3erritung man unter ben Rezepten ßnben wirfc), in Dofen, weldje bem Stlter angemeffen ßnb, gebrauchen; es wirb gut fein, zu einer «Pinte bes ©prups eine Dradjme 3obfali feinzuzufügen. Sin Kinb von zefen 3"fe"n tann einen Sßlöffel beS ©prups als Doßs nefemen. Den Körper einmal täglicfe in ©alzwaffer iu baben, ober bamit abzuwafefeen, weldjes etwa fo ßarf wie ©eetnaffet gemadjt wirb, wirb gleichfalls gute Dienfte tfeun. gerner werben tonifefee obet ©tärfungSmütet notfewenbig fein; namentlicfe wenn ber «Patient burdj bie Äranffeeit fefer mitgenommen iß unb fdjwad) unb mager wirb. Dreißig ©ran Sfeinin in einet Unze SBaffer, bem zwanzig Jropfett ©djwefetfäure zugefejü ftnb, aufgelöß, unb bau ©anze zu einer «Pinte «Portwein gegoffen — ift ein zwedmäßigeS Mittel, rcelcfee« je naefe bem Sllter, in Dofen vott ein bis zwei Sßlöffel voü, zwei* bis breimal täglid), ju nebmen ift. Cber man bereite ein 93ütereS aus SBarneria (HpbraßiS (Sanaben- ßs, Yellow root), Snzian, Solumbowurzel, Kamitlenblumen unb Sfeinarinbe, je eine fealbe Unze, mit einer $>inte «Portwein, ober berfelben Menge guten S3ranntirein abzuziefeen. Sin berübmtes unb fetjr erfolgreiches „Hausmittel" gegen ben Jumor albus, mW* Snglifctje Kranftjeit. 279 lange geljeim getjalten würbe, beftetjt in gotgenbem: Man feälje ben leibenben Jtjell einmal tägiidj über einer tjeißeit Slbfodjung von bitteren Kräutern; bann reibe matt ifen grünblicfe mit einem Siniment ein, weldjes aus bem Marfe von iwti bis brei Sajweinefinnbaden, einer fealben Unze Kampljer, riner t)alben Unje Saubanum unb etwa einer fealben $inte Sllfofeol ober guten SBfeisfp beftetjt, wetdje 33eßanbttjrite einige Minuten lang zufammengefoetjt werben; bies wirb Morgens unb SlbenbS angewenbet;—barnad) madje man einen Umfcfelag aus je einer Hanbvott ber Inneren Ifeeite von SBottfraut unb Kajjettmünze, bie zerquetfefet unb in füßer Mildj gefodjt werben, welefees ©etntfdj bantt mit etwas SBeizenmefet verbidt wirb. SBenn bie ©efdjwutß Siter anfammelt unb aufbriefet, braudje man eine ©albe, bie bereitet wirb, inbem man je eine Hanbvott rotfeen Klee unb 33itterfüß= (Dulcamara) 33eerett (ober bie SBurzelrinbe), ein SBattnuß^großeS ©tüd Harz unb ein featbes «Pfunb ©cfeöpfenfett über einem getinben geuer eine bis zwei ©tunben lang zufammen foefet, bann burdjfetfet unb auSbrüdt. Sluf bie offenen wunben ©teilen ftreue man ein Pulver aus gleictjen Jfeeilen rottjem «Präzipitat, weißem 3uder unb Holzfofele, wofel jufammengerieben. ©egen 3ufammenziefeung ber ©efenen unb ©teiffeeit ber ©elenfe brauefee man golgenbes: Man tfeue eine Hanbvott Kamittenblumen in eine glafcfee unb bebede fte mit Olivenöl, ßette bieS einige Jage lang in bie ©onne unb reibe bann bamit zwei* bis breimal tägtiefe ein; bamit ßcfe bas Siniment einztefet, tjalte man ein feeißeS Sügeleifen barüber, ober wenbe fonßige SBärme an. (5 n ti li f dj c Ä r a u f Ij c i t, $ tu c t tu it et) 3 tt. f. to. Diefe eigentfeümllctje Kranlfeeit feat iferen ©ijj in ben Knoefeen unb berufet auf einem Mangel an erbigen S3eßanbtfeeiten, bie zu ber SSilbung unb bem SBacfestfeum berfelben erforberltdj ßnb. ©ie fommt gewöfenlicfe nur bei Kinbern von ffropfeulöfen Sinlagen vor. 3n golge ber weldjen 33efdjaffentjeü ber Knodjen ftnb biefelben oft nicfet im ©tanbe, ben Körper gefeörig ^u tragen, fo baß SSerfrümmttngen unb Mißfetlbungen entßef)en; bisweilen iß es nur eine teiefete SSerbiegung ber Knoefeen, ber 33eine ober bes 9iüd* grates, bocfe, in fcfelimmen gätten wirb bisweilen bie ganze gigur verunßaltet; ber Kopf vergrößert ßcfe; bie Rippen ßnb zu flaefe ober ^u weit ausgebogen; ber S3rußfnodjen X)ebt [idj ober bringt nadj außen vor, unb baS Rüdgrat tjat zwei ober brei S3iegungett welcfee bie riefetige Hötje bes Körpers beinafee um bie Hälfte verringern unb bie ganze ©eßalt verzerren. Slucb iß ber S3aucfe bisweiten bebeutenb vergrößert, ©päter werben Haut unb Musfeln fdjtaff, ber Körper magert ah, nnb bie 3ätjne werben lofe unb fallen aus. 33 e fe a n b l u n g.—Diefe Kranfbeit iß in ber Hauptfacfee als ein gatt von ©fro- pfeeln (ftefee biefe) zu feetjanbeltt. SBenn ße lange vernadjläfßgt wirb, iß es fcfewie- rig unb oft unmöglidj, Mißbitbungen ^n vertjüten; bod) bei geeigneter, zeitiget S3efeanbtung fann biefen gotgen vorgebeugt werben. Der Patient muß zweimal täglid) mit ©atzwaffer gebabet ober gewafdjen werben; man beginne mit warmem SBaffer unb laffe es tägttd) etwas fntjter fein, bis man es ganz falt gebraudjt. Racfe, bem S3abe iß ber Körper getjörig zu reiben. Dabei 280 ©unn'S Haus-Slrzr Wafcfee man ben dlüdtn unb bie ©elenfe zweimal täglid) mit reljenben Sinlmente», junt S3eifpiel folgenbem: Seinfamenöl, ©affafrasöt, ©djierlingstannettöl, Sapenne Pfeffer-Jinftur unb Kampfeer, je eine Unze, ober gleidje Jfeeile. Sluefe wirb es gut fein, bem 33abe gelegentliefe aßringirenbe unb fräftigenbe «Kittel Zuzufefjen, wie eine Slbfocfeung von SBeißetdjen* unb Kornelfirfcfebaum= (Dog. wood) Rinbe. Der «Patient muß ferner ein gutes, ©äfte verfeeffernbeS unb anti ffropfeulöfej Mittel braudjett, wie etwa folgenbes, in ber gorm von Slbfocfeung ober Sprup: Man nefeme ©etbampferwurzel, ein «Pfunb; 33itterfüßwurzelrinbe unb «Ronbfa- menwurzel, je ein X)albes «Pfunb; 3riSwurzet, ein SSiertelpfunb ; 33tutwurzel, jivei- Unzen; bieS fodje man in zwei ©attonen SBaffer zu zwei Quart ein, feifee burefe unb fdjütte, wätjrenb es nocfe tjeiß iß, brei «Pfunb weißen 3«der in; wenn es falt gereor« ben, füge man eine Unze SBtntergrünöt, in einer tjalben «Pinte Sllfofeol aufgelöjt, Ijtnzu. Hiervon gebe man einen Sßlöffel bis ^u einem tjalben SBeinglas voll brei« mal täglicfe, je naefe bem Sllter bes «Patienten. SBenn er weniger als zwei Safere alt iß, ift ein Jtjeelöffet vott genug. Der «Patient muß ftcfe t)äußg in ber freien Suft «Bewegung maefeett; eine nafer« tjafte Koft genießen; unb — was fetjr wiefettg ift—man laffe ifen metjre Male tägtiefe etwas ©efeweres auf bem Kopfe tragen, wenn es audj nur rin Kloben Hotz ober ein ©tein ift. Der ßwtd ift, ben Rüden unb bie Rüdenmusfetn zu üben unb ju flür« fen; unb bieö einfadje Mittel wirb, wenn regelmäßig fortgefefct, in vielen gälten SSerfrümmung verfeüten; \a oft, felbft trenn foldje fdjon in geringem ©rabe erijttrt, berfelben entgegenwirfen unb eine Heilung ^u ©tanbe bringen. äSaffetfuftt. Mandje Slutoren unb Siebte fdjeinen zu glauben, baß bie mebizinlfdje SBijfen« fdjaft barin bt[ttX)t, bie mebiünifdjen Rameit unb KunftauSbrüde ^u vervielfältigen, unb tjaben bestjatb eine ganze Siße von verfdjiebenen SBafferfucfeten entwerfen, je nacfebem bie Kranlfeeit biefen ober jenen Körpertferil befällt. 3dj feafee midj immer feemüfet, in meinen ©djriften elttfadj unb beuttidj zu fein, fo baß meine Sefer mid) ofene Müfee verßefeen fönnen. SBenit bie Kranffeeit in bem 3ellengewebe, unmit- telbar unter ber Haut, auftritt, fo nennt man fte Anasarca; wenn in ber b'0m$ beS S3aud)eS, Ascites; roenn itt ber S3ruß, Hydrothorax; aber atte biefe eigens betitelten Seiben fatten unter bem gemeinfamen Ramen SBafferfucfet zufammen unb erfeeifefeett, wenn fte burefe ©djwäefeezuftänbe feerbeigefüfert werben, biefetbe «RetfeoK ber 33ebanbtuttg. Die ©pmptome ber Anasarca ßnb: Sine gteidjförmige, blaffe, unb feäußg glänzettbe SluSbefenung ober ©efpanntfeeit ber Haut, gewö^ntiefe juerji an ben güßett bemerf(idj; bie ©djmettung füfelt [xd) StnfangS weidj an, unb ber pref« (enbe ginger tjinterläßt einen Sinbrud. SBentt ber «Patient einige ©tunben tana. SB äff er fudjt. 281 In horizontaler ober liegenber ©tettung zubringt, fo verminbert ßdj bas Debem bes UnterförperS, unb bas ©efidjt fdjwiüt an. Das Debem ober bie ©cfewettung erßredt ßdj attmälig aufwärts, bis es bie Senbengegenb, ben mittleren Körper, ben Dber* förper unb feäußg audj ben Kopf erreidjt; babei ift ber Urin äußerß fparfam unb von bunfefrotfeer garbe. SBenn biefe Kranffeeit bie 33audjfeöfelung befällt, fo beginnt fte zuerft im unterßen Jfeeile unb fefereitet nadj oben fort, mit einem ©efüljle ber ©cfewere; ber «patient feat bei jeber plö^licfeen «Bewegung beS Körpers eine Smpßit= bung ber gluttuation ober ßießenben SBafferS im «Bauefee. SBenn bie Slucbrijnung junimmt, treten Sltfeembefcfewerben rin, unb bas 3ettengewebe unb bie 35enen ber «Beine werben erwettert. SBenn ber Srguß in ber S3ruftfeöfetung erißirt, fo ßnbet ßcfe immer mefer ober weniger ein ©efüfel ber SSeängßigttng in ber Herzgegenb; große Srfcfewerung beS SltfeemS, bie ßefe bei bem Rieberlegen fteigert; ein trodener Hußen, Herjflopfen unb bleicfee ©eßefetsfarbe; bei weiterem gortfeferitt bes SeibenS fefewetten bie «Beine an, uub ber Patient füfelt, fo oft ber Körper gerüfert ober gefcfeüttelt wirb, bte 33ewegung ber inneren glüfßgfeit. «Bruß* unb Herzwafferfudjt verfünbett ßefe burefe unregelmäßigen, ausfe£enben PulS; furzen Sttfeem; ßarfe« Herjflopfen bei jeber anftrengenben «Bewegung, zum 33eifpiel beim Jreppenfteigen ; S3täffe bes ©efttfetS unb ber Haut. 33ei bem ©efefafengefeen, beS Racfets, wirb oft ein ©efüfel ber Srßidung empfunben, fo baß ber «patient gezwungen wirb, ftcfe fofort im «Bette aufzuridjten. Das ©eräufefe ober bie «Bewegung beS SBafferS itt ber S3ruß fantt oft beuttid) wafergenommen werben, wenn man bas Dtjr an bie Herzgegenb legt, wäferenb ber Kranfe ßdj von einer ©eite auf bie anbere wenbet. Sin taubes ©efüfel in einem ober in beiben Strmen ift bei ber «Brußwafferfudjt etwas HäußgeS. Die S3rußwafferfudjt beßefet bisweilen allein ; bocfe nicfet fetten ift ße nur Jfeeil einer allgemeinen Kranffeeit. Slm gewöfentiefeftett ift bie S3aucfewafferfudjt ober Ascites, weldje leidjt burdj bas ©efüfel ber ©cfewere uub baS ©efewettett beS Unterleibes, in golge allmäliger SBafferanfammlungen, erfannt wirb; ber Drud wirb immer auf ber ©eite empfunben, auf wetdjer ber «Patient liegt. Die SBafferfudjt iß gewöfenlicfe bie golge anberer Kranffeeiten, wie zum S3eifpiel: von Kranffeeiten ber Seber, SBecfefelßeber, Rufer, Sungenblutungen, ©ebärmutter* blutungett, Sntzünbungen, RfeeumatiSmuS, ©iefet unb fonftigen Seiben, welche ben Organismus bebeutenb fefe, wäcfeen. ©ie entßefet oft burefe ben Drud auf S3tutgefäße, — wie bei ber ©cfewangerfefeaft — ©efelagabergefefewütße unb Sifefceffe. ©ie wirb befonbers Ijäußg burefe ben unmäßigen ©ebrauefe geißiger ©etränfe veranlaßt; Jrunffudjt füfert feäußger zur SBafferfucfet, als Irgenb eine anbere Urfadje. «Ber* fnöcfeerung ber Herzflappen fann Herzwafferfudjt, bie [idj fpäter burefe bie ganze S3rußfeöfelung verbreitet, zur golge tjaben. Der Durdjfatt ber Kinber erzeugt oft ©efeirnwafferfudjt. ©djarladjßeber pßegt ebenfalls bäußg SBafferfudjt in verfdjie* benen Körpertfeeilen iu veranlaffett. 33ei grauen iß feäußg ber Uterus ober bie ©ebärmutter ber ©i£ ber Kranffeeit, inbem ftd) itt bem Drgan Heine SBafferblafen bilben, bie man Hpbatiben genannt tjat. ©o viet uns bie Srfaferung tetjrt, iß eS Ziemlidj röatjrfctjeinlidj, baß bie meißen SBafferfudjten aus Unorbnungen ber S3er* bauuuge?organe ober bes djptopoetifdjen SlpparateS (bas feeißt, beS SlpparateS, burefe Weldjen bie 331ulbilbung ober bie S3erwanblung ber ©peifen in blutbübenbe ©äfte 282 ©unn'S HauS*Slrzt. vor ßcb, getjt,) entßefeen, welcfee einen Srgttß von Serum («Btutwafferj iu verfcfeiebrni Jfeeile bes Körpers veranlaßt, wo burefe allgemeine ober örtlicfee ©djwäcfee obet ©todungen bie vorbereitenben 33ebingttngen gegeben ftnb. Heilverfaferen. Die Hauptaufgabe bei biefer Kranftjeit Iß bie Sntfernung bes angefammelten SBafferS unb bie SiMeberfeerftetlung ber Kräfte bes Drganismu«. Man barf babei nictjt vergeffen, baß Mäßigfeit unb «Bewegung zu ben wicfetigftrn Heilmitteln geboren; nicfets beförbert fo fefer einen freien unb (ebljaften Umlauf bes 33luteS, als förperlidje ^Bewegung; unb burefe nidjts werben bie X'lbfonberuttgeit unb vJlusfcfeeibungen bes Körpers beffer unterßüfjt. SJorzüglicfe wirb bie Hautauö« bünßung vermefert unb baburdj bie Slnfeäufung von gtüfßgfeiten in ben wafferfüaj« tigen Jfeeiten verminbert. 3« berfelben SBeife tragen Reibungen beS gefdjwoüenen JbeileS, ober bes ganzen Körpers, mit raufeen Jüdjern, 33ürßen ic, zur 33efcfeleu« nigung ber 3üfuIation uub zur Slbforption ober Sluffaugung beS SBafferS burefe bie fleinen ©efäße bei. SBaS bie Diät betrifft, fo follten bie ©peifen leidjt uttb nafer- feaft fein unb bie ©etränfe nur aus SBaffer, fdjwarzem Jfeee unb Slufgüffen, welcfee auf bie Rieren wirfen unb bie Urinerzeugung vermehren („biuretifdjen" «Rittein) oeftetjen. 3U lejjterem ßwede wirb man einen Stufguß beS Söwenzafens (Seontobon Jararacum) vorzügiidj bienlidj ßnben. Dies unfdjätibare Hausmittel wäcfeß überall auf bem gelbe unb iß bei einem Jfeeile ber amerifanifefeen Sanbleute unter bem volfstfeümtidjen Ramen ,,«Piß4n's=33ett" befannt, was zur ©enüge feine „biureti- fefeen" Sigenfdjaften anbeutet. Ss werben verfdjiebene «Präparate von biefet «Pflanze in ben Slpotfeefen verfauft; bocfe am beßen ift es wotjl, wenn man ßcfe bie frifdje SBurzel verfdjafft. Man wafcfee biefetbe, fefeneibe fie in Keine ©lüde, nefeme bavon etwa zwei Hänbe vott (ober zwei bis brei Unzen), gieße fodjenbeS SBaffer auf unb laffe rin bis zwei ©tunben lang, In ber Räfee beS geuers, ziefeen — aber ofene ju foetjen. Diefer. Slufguß ober Jfeee feat eine grünlid)=braune garbe; man trinfe bavon wäferenb beS JageS groei bis brei Jaffen vott, bis bie beabßcfetigte SBirfung erfolgt. Der ©efefemad ift nicfet unangenetjm, wenn auefe etwas bitterlidj; man fann ifen burefe 3utfeat von ein wenig Drangenfcfeale verbeffern. Slußer feinet SBirfung, bas gließen beS Urins in beförbern, feat ber Söwenzafen audj einen tvocjl« tfeätigen Sinfluß auf bie 33erbauungsfraft unb erfeöfet jebenfatts bie Jfeätigfeit ter Seber. S3ei Unorbnungen ber Skrbauungsorgane, welcfee von mangelfeafter «Nie« rentfeätigfeit begleitet ßnb, wenn ber Urin fparfam unb bunfet ift unb einen rotfeen SBobenfatj zeigt, wirb ber Söwenzafen ßcfe von vorzüglidjßer SBirfung erweifen; man fann ifen entweber allein ober in SSerfeittbung mit bem gewöfenlidjen ©inßer gebrau- efeett; teueres Kraut iß ebenfalls eine unferer fcfeä0barften mebizinifdett Pflanu-n unb bisljer viel in fefer vernadjläfßgt worben; fein ©ebrauefe iß unfcfeäbticfe, unb ali urintreibenbeS ober biurettfcfeeS Mittel wirb es von wenigen übertroffen. «JJton «nadjt am beßen einen Slufguß von ben grünen ©piijen, beren man etwa eine £anb vott auf eine «Pinte SBaffer nimmt; baS SBaffer muß fodjenb aufgegoffen roerben, unb bann läßt man baS ©anze in einem bebedten ©efäße in ber Rabe teS fyxxtxi mefere ©tunbeit lang ftefeett. Matt gibt eine Jfeeetaffe vott zweimal tägtiefe in aßen gäüen, in benen rine Skrmeferung beS Urins wünfdjenswertfe erfefeeint. £ai Mittet fcfelägt feiten fefel. Um es ftarfer zu macfeen, fann man bem Slufgüffe einige SBacfefeolberbeeren feinzufügen. S3el Seberleiben iß ein Slufguß aus gleictjen Xfeeilen Söwenzafen unb ©inßer eine trefftlcfee 33erbinbuitg. SBenn man bie ©pifeen bei SBafferfucfet. 283 ©inßerfrautes nicfet befommen fann, fo mag man ßatt beffen bie ©amen in äljuti« feer SBeife gebraucfeen. ©roße unb feäußge Dofen purgirenber Mittel ßnb bei ber SBafferfucfet bisweilen unentbeferlicfe. Man brauefee Mittelfalze (Spfonu, ©tauberfalz ic), Sremor Jar- tari unb anbere «Purganzen, welcfee SBaffer aus bem Darmfanale abfüljren, in 33er* binbung mit fearntreibenben ober biuretifdjen Mitteln. Die gebrannte Magneßa wirft burefe itjre altalifefeen (Sigenfdjaften auf bie Rieren unb gleicfezeitig purgirenb auf ben Darmfanal; man follte fie, wenn anbere Mittet fefelfcfelagen, immer ver* fudjen. 3dj featte ße für eine ber beßen Slrzeneien bei biefer Kranffeeit. Der ©ebrauefe bes 3obfati, in Dofen von fünf bis fecfes ©ran, alle brei bis vier ©tun^ ben, als Mittel gegen bie SBafferfucfet, ift rine neue unb werrfevotte Sntbedung. 93erfüßte ©alpeterfäure (©pirituS Ritri Dulcis), Jannenfpijjen, ©enever, SBacfe- feolber, «Peterßlie, ©alpeter, «Pottafdje, ©oba, Meerzwiebel unb Jerpentin gefeörett ju ben in biefer Kranffeeit geferäudjlttfeen biuretifdjen Mitteln. Da inbeffen alle Slrzeneien biefer ©attung in iferer SBirfung bis zu einem gewiffen ©rabe unfidjer unb unjuverläfßg ftnb unb oft bei einem gatte gut tfeun, wäferenb ße uns bei bem näcfeften Im ©tiefee laffen — was ßcfe zum Jfeeil naefe ben eigentljümlicfeett Slntagett unb bem 3ußanbe beS «Patienten riefetet — fo ift es ratfefam, bie verfdjiebenen Mittel zu verfudjen, bis matt bett redjten Srfolg feat. 3dj mrinestfeeils feabe, wie gefagt, ben Söwenzafen unb ben ©inßer gewöfenlicfe als bie zrvedmäßigften Haus* mittel feewäfert gefunben. Ss iß feier nötfeig zu bemerfen, baß bie biuretifdjen Mittel oft erß ifere SBirfung äußeren, nacfebem eine fräftige «Purganz gegeben worben tß; bocfe wenn ber «Patient von fdjwäcfeiicfeer S3erfaffung ift, follte man ben ©rufet* gang einfaefe burefe ©alze, Sremor Jartari ic, offen erfeatten. Saloppe (ftefee DofirungS=Jabeüe) wirb für ein gutes Mittel bei biefer Kranfljeit gefealten; bocfe eine langjäferige Srfaferung in meinem S3erufe feat midj überzeugt, baß baS «Pflan« jettreiefe uns mandje SBurzeln unb Kräuter liefert, bie von bebeutenb größerem Rüben ßnb. Hier ritt S3eifpiel. Mr. Spnn, vom 3rvtng 3nßüute, beridjtet üt einem 33riefe an feine 33rüber vom „Sferiftian Slbvocate" bie Slrt, in weldjer feine grau von ber SBafferfucfet furirt würbe, nacfebem bie Slerzte feiner ©tabt unb groei ber beßen Slerzte von Rew SJorf faß jebe Hoffnung auf Ifere Herßettung aufgegeben, wie folgt: „Ss war eine große Menge verfefeiebenartiger Mittel vott unferen Slerzten verfeferieben worben, bocfe Stiles ofene Srfolg; fdjließiid) unterzog ße ßcfe ber Opera- tion ber Punftion, weldje unter Stnleitung Dr. «PalmerS vorgenommen würbe, unb burdj welcfee brei ©attonen SBaffer innerfealb fünf Minuten afefloffen. Dies gewäferte für ben Slugenbtid Srteicfeterung; aber baS SBaffer fammette fidj wieber, unb innerfealb brei SBodjen war bie Stnfdjwettung beinafee fo groß, ats zuvor. Da gab ifer eine greunbin, wetdje an berfelben Kranffeeit gelitten featte, ben Rattj, 3ttbifd)en Hanf (Slpocpnum Sannabiitum) zu gebraucfeen. ©ie begann eine Slbfo- djung biefes Pßanzenmütels zu trinfen, unb baffelbe erwies ßdj äußerß wirffam, um bem gortfcfereiten ber unregelmäßigen Sßafferabfonbernng Sinfealt zu rfeutt unb ifer allgemeines 33eßnben zu verbeffern. ©erabe um biefe ßtit fanbte uns ©djweßet D'S3rien von Rew SJorf ben Ratt), Dampfbäber zu verfuefeen, beren günßige Srfolge ße in einigen verzweifelten gätten von SBafferfudjt in Snglanb gefetjen. 3dj ließ einen zwedmäßigen Slpparat madjen, unb ße tiatjm zweimal täglicfe ein Dampfbab, iebeSmal fünfzebn bis zwanzig Minuten lang. 3« SSerbinfeung bamit fefcie ße ben 284 ©unn'i HauS-Slrzt. thxaud) bes 3nbifd)en Hanfes fort. Racfe ungefäfer iwti SBocfeen zeigte ßcfe eini offenbare 33efferung in iferem allgemeinen 33eßnben unb bem 3ußanbe iferer Kräfte, unb zwei Monate barauf featte ftcfe baS waffcrfüdjtige Veiben ganz »frieren; ifere ©efunbfeeü iß jejü im ©anzen entfcfeieben beffer, als fte feit meferen 3aferen gerne« fett." Sine volle 33efdjreibung biefer fcfeä^baren mebizinifdjen Pßanze, 3"bifcljer Hanf ober Slpocpnum Sannabinum, wirb man unter bem Slbfdjnitte „Mettzinifcb«. glora" ßnben. Da Mancfeem bie Slrt unb SBeife, ein Dampfbab iu bereiten, unbe« fannt fein mag, fo Witt iefe von ben vielen bazu benu^ten Metfeoben tjier bie ein« faefeße angeben. Slm bequemften iß es, einen Keffel mit foefeenbem Süaffer auf bai geuer zu fe^en unb vermittelß einer baran angebradjtett Röfere ober eines Sdjlau« djeS ben Dampf unter eine wollene Dede zu leiten, in weldjem ber Körper beä «Patienten, mit SluSnafeme bes Kopfes, eingefeüttt ift; ber feeiße Dampf, von bet Dede ringefdjtoffenen, wirb einen fräftigen ©djweiß erzeugen; boefe muß man bie Jemperatur beS Dampfes vorßdjtig reguliren, um nidjt iu große Hifce unb 33(ut« anbrang nadj bem Kopfe zu verantaffen. günfzefen bis fünf unb zwanzig Minuten iß gewöfenlicfe eine fetnretdjenbe ßtit, bocfe muß ftcfe bieö nadj bett Smpßnbungen beS «Patienten ridjten. ©obalb rin retdjlidjer ©djweiß ausbridjt, ift ber 3*»ecf erreidjt. Sin anberes einfadjes Dampfbab fann man geben, inbem man ein ©efäfj mit foefeenbem SBaffer unter bie wollenen Deden ober Jüefeer ßettt, In weldjer ber Patient feß eingefeüttt iß, fo baß nur ber Kopf frei iß, unb inbem man ben Dampf vermittelß feeißer ©teilte ober feeißen MetatteS im ©ange erfeält. Sine anbere Metfeobe ht[tti)t barin, ben «Patienten in rine wollene, in tjetßes SBaffer getauefete Dede iu wideln unb mefere anbere trodene Deden barüber in widetn, fo baß ber Dampf eingefdjtoffett unb in 33erüferung mit bem Körper bleibt. gaß täglicfe taudjen neue Sntbedungen auf, bie uns bavon überzeugen fottten, wie wiefetig es wäre, ben Sigenfdjaften ber verfdjiebenett Kräuter, SBurzcln, Rinben, S3(ätter ic. beS «PflanzenreidjeS mü genauerer Slufmerffamfeit naefezufpüren» ßine weife unb gütige Ratur tjat jebem 33aume unb jebem Halme eigentfeümlidje Heil' fräfte vertiefeen; fte Ijat nicfets umfonß gefdjaffen; fo mancfeeS veradjtete unb für fdjäbltd) gefealtene Unfraut feat fdjon Sinberung in ben verzweifeltften fällen bewirtt — in gätten, weldje ber grünbUdjßen ©efdjidlidjfeit unb ber unermübticfejlen ©orgfalt talentvoller Slerzte Hvtjtt gefproefeen. Sin intereffanter gatt ereignete ßcfe vor einigen Saferen in Souisville, Kentuefp. Sine reiefee Dame, MrS. S., bie ßctj burdj ifere SBofeltfeätigfeit auSjeicfenete unb fiefe ber Siebe unb Slcfetung aller itjrer S3etantttett erfreute, würbe von ber 33auajwajfer« fuefet, ober SlSciteS, befallen, ©ie würbe von bett vorzüglictjßett Slerzten ber Stobt befeanbelt: Dr. Ridjarbfon, iferem Hausarzt, bett «Profefforen ©rofS, Gocferan, RobgerS unb Knigfet, welcfee nodj mandje anbere tjervorragenbe Slerzte zur Jtonful« tatioit zogen, bod) Stile erflärten iferen gatt für unfeeilbar. Die «Punftlon war ftaji ober ßeben Mal vorgenommen unb bie enorme Menge vott breißig ©allonen SBaffer aus iferem SSaudje abgelaffen worben; bei ber legten Dperation ßoffen naljeju fedja ©allonen ah. 3n biefer gefäferlidjett unb tritifefeen Sage würbe idj zu ifer gefeott. 3n golge ber Maffe SBafferS, welcfee ftcfe im Unterleibe angefammelt, tonnte ße nui mit Müfee gerüfert werben; bie leifefle 33ewegung beS Körpers verurfaebte grofje ©efemerzen unb faß Srßidung. Die Sntbedung eines neuen unb, obgleid) einfa- chen, bocfe fräftigen Heilmittels gegen biefe Kranftjeit, bewog mid), i^ren Sau" ju SB a f f e r f u cfe t. 285 iibernefemen; unb icb, banfe ©ott, baß iefe es in meiner Macfet X)aht: biefe Kur- metfeobe iu veröffentltdjen, welcfee Hunberten, vietteiefet Jaufenben von Kranfen Nieber ^u Kraft unb ©efunbfeeit verfeelfen, unb bei Slnbern wenigßens bem gort- feferitt biefeS qualvollen unb gefäfertidjen SeibenS Sinfealt tfeun fann. ©o einfad) biefes Mittel ift, feat es bocfe bereits einige ber überrafcfeenbßen Kuren bewerfßedigt. Man nefeme bie Rinbe ber gewöfenliefeett SBeinrebe unb verbrenne fte }u Slfdje, inbem man gelegentliefe, umrüfert, bis ße vottßänbig verbrannt ift. Die Doßs ift ein Jfeeelöffel vott bis zu einem fealben Sßlöffel vott in einem SBeinglafe voll, ober mefer Satawba=SBeiit, breimal täglicfe; bie Doßs unb ber SBein muß je naefe bem 3ußanbe beS Magens vermefert ober verminbert werben. 3nzwifcfeen muß ber ©rufet burefe ©atze ober zufammengefejjte «Pulver aus 3alappe, Sfelsfürbiß ober Irgenb welcfee mitbe «Purganzen, offen erfealten werben; ober, wenn ber «Patient ßarf genug bazu iß, mögen feefttgere SlbfüfermUtel gegeben werben. Die 3alappe verurfadjt reicfeliefee, wäfferige Sntleerungen unb erteicfetert bie Slnfdjwettung beS 33aucfeeS; man gebe biefe Mittel breimal wöcfeentlidj. Das Dampfbab, wie vorfeer befdjriefeett, würbe ein- bis zweimal tägtiefe gebraucfet, ba feine Slnwenbung in bem vorliegenben gatte gut ertragen würbe. 3Pergerlettrinbe ober SBur- Zel, rine Unze; 33itterfüß (Sllpranfe), von ber Rinbe ober 3l>ur;el, eine Unje. 3erquetfcfee SlüeS zufammen unb gieße eine ©attone alten Slpfelwein (feerben Siter^ auf. Sin SBeinglaS vott brei- bis viermal täglicfe auf ben leeren Magert zu nefemen. 3n mattefeett gätten, wo ber «Patient nidjt leidjt zum «Purgiren gebradjt wirb, ifl Sfelsfürbiß- (©pringgurfen-) ©aft bie beße Mebizin. Man fann einen Slufguß oon ber frifdjen «Pßanze macfeen unb benfelben itt Heineren Dofen (zwei bis vier Sßlöffel vott), je naefe ber ©tärfe beS «Patienten, tägiidj geben; gewöfenlicfe verur- fadjt bas Mittel fowofel Durdjfatt als Srbredjen. 33on bem eingetrodneten (Srtraft, ber unter bem Ramen Staterium In ben Slpotfeefen gefealten wirb, Iß zwei ©ran bie Doßs. 3« mattefeett gätten feat biefe Mebizin eine ©attone SBaffer täglicfe entleert unb in furzer ßtit bie Slnfcfewettung voUftänbig befeitigr. Doefe muß es mit großer 33orßcl)t angewenbet werben, ba es äußerß beftig unb gewaltfam wirft. Der gewöfenlidje 23eifuß (Slrtemißa SiulgariS) iß ebenfalls ein neu entbeefte« Mittet gegen biefe Kranfljeit unb wirb ,*i.chj1 in ber gorm bes Slufguffes, als bei Srtratts empfofelen. Sr würbe in einem gatte gegeben, wo man, naefe bem Slucfefeen bes «Patienten fdjließenb, bereits glaubte, berfelbe liege in ben legten 3ügen; bocfe in golge biefeS einfadjen Mittels würbe baS SBaffer unmittelbar entleert, alte gefäfer« liefeen ©pmptome verloren ßcfe,, ünb bte ©enefung ging fefenett von ©tatten. Die beße Metfeobe, es in reidjen, ift wie folgt: Man madje einen ßarfen Slufguß von bet «Pßanze, unb zu jeber fealben «pinte bavon füge man einen Sßlöffel voll beS Sluf« guffes von Digitalis ober gingerfeut; in 33ejug auf bie Doßs riefete man ßcfe naefe ber Dringlidjfeit ber ©pmptome, bodj burdjfdjttitttidj ßnb vier bis fünf ©läfer voll täglicfe, feinreiefeenb. golgenbe «Piüe fdjafft faß immer Srleldjterung bei Slöcited unb anberen gormen ber SBafferfucfet: Rimm zufammettgefefüeS Solocpntfeputvet (f. Rezepte), brei ©ran; Srotottöl, vier Jropfen; mifefee unb madje brei piüen baraus. Sine «Pille iß atte fedjs ©tunben zu geben, bis retdjlicfee Sntleerungen erfolgen. Dies iß iu wieberfeolen, wenn bas SBaffer ftcfe wieber anfammelt. Xaju trinfe man mefere Mate tägtiefe eine Jaffe vott eines ßarfen Digitalisaufguffei. Die obige «Piüe, nebft ben anberen angegeben Mitteln, feat in einigen ber fcfeltmm- ßen gäüe eine außerorbentlidje SBirfung getjabt. Ss mag ferner nötfeig werben, ftarfe tonifcfee Mittel anzuwenben, um bie Kräfte bes «Pattenten aufrecfet iu erfealten, wäferenb fo große Quantitäten SBaffer entteert werben. Hier nodj ein anbereS, ein« fadjes unb bocfe fdjä^bareS Mittel, weldjes mandje gäüe von SBafferfucfet furirt feat. £s wirb bereitet, inbem man brei Hanbvott ber inneren Rinbe beS HottunberS (jjlie- bers) in einer Quart Mildj unb SBaffer bis zu einer «Pinte etnfodjt; bie Hälßi bavott iß tägttdj Morgens unb SlbenbS zu nefemen, bis Heilung erfolgt. Radjbem iefe foweit atte bte neuerbings eittbedten Mittet angegeben, melcbe ftäj, fo weit meine Srfabrung reiefet, zum Jfeeil felbß In ben verzweifeltßen gätten erfofareiefe erwiefen, will idj meine Sinmerfunaen über bieen widjtigen ©egenßanb mit «intfiin Dfe renentzüitb uttg unb Dt) xt ttfdjmer zeit. 287 SRatfefcfelägen in 33esug auf bie Sebensweife fcfeließen. Sitte reizenbe Diät iß bei jeber gorm ber SBafferfucfet nottjwenbig. ©enf, Meerrettig, rottjer «Pfeffer uttb bgt, follten reidjlidj mit ben ©peifen genoffen werben; ebenfo «Porter, Site, SBein, ©in ober anbere Reizmittel, welcfee ber «Patient am beßen rertragen fann, unb wetdje jur ©tärfung ber Sebenstfeätigfeit beitragen. 3n ber Sluswafel ber angegebenen Slrjneien muß mit ber größten 33orßdjt verfaferert werben, fo baß man biejenigen treffe, weldje, ofene ben Patienten übermäßig anzugreifen, am fdjnettftett zur Stttlee- ruttg bes angesammelten SBafferS verfeelfen. ßum ©efeluffe nocfe eine bewäferte Heilmetfeobe. Matt gebe z^ei- bis breimal wöcfeentlicfe bas zufammettgefeiüe Salappepulver (f. Rezepte), fo baß reidjlicfee Snt* leerungett erfolgen. Dies wirb gewöfenlicfe bie ©pattttung unb bie Slnfefewettung linbern unb große Maffen SBafferS abfüferen. Darauf gebe man folgenbe Mifdjuug: SBlefettfönigiit (Eupatorium purpureum) ..... 1 Unze; SBolfSmilcfe (Asclepias Syriaca) ....... 2 Unzen; SBacfefeolberbeeren (Baccae Juniperi) ...... 2 Unzeit; Meerrettig (Coch. Armoracia)....... . 1 Unze; SBeißer ©enffamen (Sinapis alba) ....... J Unze; ©tacfeelefcfee (Xanthoxylurn fraxineum) ..... 2 Unzen. Diefe Slrtifel werben einzeln zerßoßen ober zerquetfefet unb gemifetjt; bann gieße eine ©attone guten Slepfetwein auf. Hiervon ift rin SBeingtas vott vier- bis fünf- mal tägiidj, ober foviel als ber Magen vertragen fann, zu trinfen. Ss wirb bie «JUerett betfeätigen unb retefelicfeett Urin erzeugen unb auf biefem SBege bie Stttlee* rung ber SBafferattfammluttgen beförbern. &t leidjt nicfets beffer, als bie gepulverte «Poboptjpttum- (Sntenfuß, May-apple) Söurjel mü Sremor Jartari unb etwas Sapettttepfeffer ober ©ewürznelfen. SSon biefem gufammengefe^tett «Pulver gebe man einen Jfeeelöffel vott jebe ©tunbe, bis ti wirft. Sluefe Saloppe unb Sremor Jartari ftnb gut, wenn bas «Pobopfepttum nidjt ju featitn iß. Das Slbfüfermittel muß fobann jeben Slbenb unb jeben Morgen wieberfeolt werben, bis ßcfe Slnzeicfeen ßnben, baß ber «Patient außer unmittelbarer ©efatjr ifl, Man lege ein ©enfpflaßer auf ben Raden unb ein großes auf ben Magen unb Unter« leib, ©efeweißbeförbernbe «Pulver ober Jinfturen fottten gegeben werben, um bn« 231ut naefe ber Dfeerßädje zu treiben unb bie allgemeine Slusbünßung zu beförbern. 3u biefem ßwedt gebraucfee man eine gleidjtfeeilige Mifefeung von Sobelin - Jinftur, 93lutwurzel> Jinftur unb 3pecacuanfea-3Beiit, wetdje in Jtjeelöffetbofett ßünblicfe ju geben iß. Dber man brauefee biefe Slrtifel in ber gorm von «Pulver, in Dofen »on fecfes bis itt)n ©ran ßünblicfe. Des SlbenbS lege man ©enfpflaßer auf bie güße unb 33etne. SBenn ber Kopf« fdjmerz ßar^ iß unb bie fatten Umfdjläge ifen nicfet erleiefetern, verfuefee man »arme Umfcfeläge vott Hopfen, in Sfßg gefoefet, in büntte Muslintücfeer eingewicfelt, unb wieberijole biefelben feäußg. SBenn ber «Patient fetjr unruhig unb fdjlafloS ift, tfljfe man ifen reiefettd) Hvpfentfeee bes SlbenbS trinfen. ©djröpfen ober 23Iutegetfefceit fann nottjwenbig werben, um ben S3Iutgefäffen xti Kopfes Srleidjterung iu fdjaffen unb einen vietteidjt X)eilfamett ©egenreij zu erzeugen. Man gebe bem «Patienten als ©etränf Simonabe, SBaffer mit Sremor Jartari gefäuert; ferner grauenmünztfeee mit etwas verfüßter ©alpeterfäure (Sweet Hpirta •of Nitre) barin. Se^tereS Mittel wirft ttrintrribenb, was von großem Rufcen fei« Wirb. Das «Pobopfepttin in Dofen von brei ©ran, mit einem Jfeeelöffel »cO Sremor Jartari, iß eine vorzüglidje «Purganz bei biefer Kranfbeit. ©djlagftuß. 291 tSdjlagfluj?. — Apoplex y. Sin ©efelagatifatt fenngeidjnet ßefe burd) ben ptö^lidjen 33ertuß beS ©efüfels, beS SBewußtfeinS uttb ber «BewegungSfätjigfeü. Die unmittelbare Urfadje ift innerlicfeet Drud auf baS ©efeirtt, in golge vott Kottgeßionen ober Srgüffen. ©ewöfettliefe wirb er burefe einen plö^lidjen «Btutattbrang nad) bem Kopfe veranlaßt. Sr fommt faß nur bei Perfonen in ben mittleren ober fpäteren SebenSjaferen, fefer fetten in ber 3ugenb vor. ©pmptome. — «Bisweilen geljen gewiffe vorwarnettbe ©pmptome vortjer: Drud unb ©cfewere im Kopf, «Berbunfelung vor bett Slugen, Raufefeen in bett Dferett, «Verwirrung ber ©ebanfen, ein ©efütjt ber Jaubfeeit in manefeen Körpertfeeilen ober tfeeilweife Säfemung. Doefe in vielen gätten fommt ber Slnfatt otjne atte «Borläufer, felbß Inmitten fefeeinbarer, guter ©efunbfeeit. Der vom ©cfetagßuß «Befallene ßnft plö^lid) nieber unb iß eine ßtit lang beS ©eßefets, bes ©efeörs, beS ©efüfels unb ber Kraft ber «Bewegung beraubt, wäferenb bie Jfeätigfeit beS Herzens unb ber Sungen fortfäfert. Die «Benen beS ©eßdjteS unb #alfeö fefewetten burefe «Btutüberfüttung an, bie Slrterien Hopfen, ber «Puls iß voll, ßarf unb langfam; auefe bas Sttfemen iß tangfatner; bie gäfeigteit, zu fefeluden, Iß bebeutenb feeeinträefetigt unb oft ganz verloren. Diefer 3ußanb mag einige Minu- ten, ober auefe mefere ©tunben anfealten; wenn er nictjt töbtliefe enbet, weicfet er attmälig ber SBieberfeerßettungSfraft ber Ratur, ober ber SBirfung belefeenber Heil- mittel. Der Patient fann möglicfeer SBeife ßcfe voüßänbig erfeotett; bocfe fefer oft »leibt längere 3eÜ unb bisweilen für immer tfeeilweife Säfemung zurüd. Studj bie Denftfeätigfeit erleibet oft mefer ober weniger einen bauernbeit ©djabett. gerner fann Sntzünbung bes ©efeirnS bie golge fein. Perfonen erfeolen ßcfe gewöfenlicfe vom erßen ©cfelaganfatt, oft audj vom zweiten; bocfe ber britte pßegt töbtliefe zu fein. Jtefe «Betäubung ober ©djlaffudjt, Heiner, Zitternber Puls, Srfattung ber ©tiebmaßen, falte ©efewetße unb immer langfamereS Slttjmen fönnen als ©pmptome töbttidjen StuSgangeS betraefetet werben. Urfadjen. — 33ei mattdjett Seuten erißirt eine erbtiefe,e Slnlage zur Stpoplerie. Sluefe eine gewiffe Körperbübung — 33ottblütigfeü, furze unterfefüe ©tatur, breite ©cfeultertt unb furzer, bider Hals — gilt als 33ebingung einer natürlicfeen Slnlage baju. Doefe fommt ße audj bei Seuten von gerabe entgegengefe^ter Körperbilbuitg vor. Sine ©teigerung zum ©djlagßuffe fann ferner burefe gewiffe ©ewofenfeeiten ber Sebensweife erzeugt werben: ©djletttmerei, Jruttfetüjeü, ßfjenbe «Befefeäfttguttgen, übermäßiges ©tfelafett, iu lange anfealtenbe geißige Slnßrengung u. f. w. 3u bett veranlaffetiben Urfadjen, bie bem Slnfatte unmittelbar vorausgefeen, fann man jäfelen: SluSbefenung bes Magens burd; eine ungewötjttüd) ßarfe Mafelzeü, unmäßige Slufregung burefe geißige ©etränfe, in fräftige 33ewegung, tjeftiges Hußen, geueranblafen In gebüdter ©tettung, gewaltfame Seibenfdjaft. 23 efe a n b lu tt g. — Die erße ©orge bei einem ©cfelaganfatt muß bie frin: Das ©Ieicfegewidjt ber 3irfulation feerzußetten uttb ben Drud beS 33luteS auf baS ©etjirn ju befeitigen; aisbann treffe man Maßregeln, um ferneren 33lutanbrang ttadj biefem Organe zu verfeütett. 9R«n muß fdjnell unb eingreifenb zu SBerfe geb,en. Der fatitnt werbe in eine 292 ©untt'S H«usat3t. bequeme Sage, mü erfeöfetem Kopfe, gebraefet; Stiles, was ben Hals beengt nnb ber, freien Rüdßuß bes S3tuteS vom Kopfe etwa befetnbern fann, muß entfernt werben. Man gieße faltes SBaffer über ben Kopf unb bas ©eßdjt unb ßetle, fo balb aU mi$. liefe, bie güße unb «Beine in feeißes SBaffer. Der «Patient muß entfleibet, unb bii güße unb SSelne, bann attmälig ber ganze Körper, muffen fräftig gerieben werben; man wenbe bazu warmes SBaffer mü etwas Sapennepfeffer unb ©enf an. Dies wirb eine SBärme in ben ©liebern unb ber Dfeerßäcfee unb eine vermeferte Jfeatigfeil ber Kapittargefäße ber Haut erzeugen, woburdj baS «Blut vom ©efeirn naefe biefen Jferilen abgeleitet wirb. ©letdjzeütg madje man, wenn irgenb ujunttd), unb wenn ber SlnfaH ein feeßign war, bie nötfeigen Stnßattett, um ben «Patienten in ein warmes «Bab 3U bringen weldjes ben ganzen Körper bis in ben Strmen ober ©djultern feinauf fealten fann. SBenn bas vortjer angegebene «Berfaferen nicfet in riner fealben ©tunbe bas Sewufjt« fein wieberfe er ßettt, laffe man ben «Patienten in biefem «Babe für eine weitere fealbe ©tunbe, ober bis ßdj «Befferung zeigt. Der Kopf muß babei bnrdj falte 33egießun« gen, naffe Jüdjer ober Sisumfdjläge füfel gehalten werben. ©obatb ber «Patient iu ßcfe gefotttmett iß, unb bie bringlicfeßen ©pmptome tefettigl fdjeinen, bringe man itjn zu «Bett, in eine mit Kopf unb ©djultern etwas erfechte Sage unb erwärme ben unteren Jtjell bes Körpers ntit feeißen ©tetnen ober bet« gleictjen. ©ofeatb er fefeluden fann, gebe man ein fräftiges, fefenett wirfenbeS Stbfütjr- mittel. 3u biefem ßwtdt eignet [idj bas antibiliöfe «Pulver (ßefee Rejepte) ober jwei Jfeeile pulverißrte ©entteSfelätter unb ein Jtjeit 3alappe. Man nefeme feiervon einen gefeäuften Jfeeelöffel vott unb tbtn fo viel Sremor Jartari, mifefee mit t\mi warmem SBaffer unb laffe es auf einmal trinfen. Um bie SBirfung ju befcfeleunigen, fann man nocfe etwas Sapennepfeffer feinzuttjutt. SBenit es initertjalb einer ©tunbe nicfet wirft, wieberfeole man bie DofiS ; unb ba ber Seib in biefer Kranffeeit gewol- lter) fefer verßopft iß, tjetfe man burdj ein Klpßier nad)— etwa ein Söffet voflbeffel» ben SlbfüfermütelS in einer «pinte warmen SBafferS, rin bis %wei große Söffet »oll gefcfemolzenes gett, ober Dtivenöt, unb etwas ©atz unb Sapenne. Man lege ein großes ©enfpflaßer auf bie Magengegenb. Dies wirb baju beitra- gen, rine ©efetrtientzüttburtg abzuwenben. gerner gebe man biapljoretifcfee ober fdjwrißtretbenbe Mebifamente, wie etwa einen Slufguß beS KompoßtionSpulverS, «Polet-, Ka^enmünze-, glleber* Jfeee unb bgt. 81 gibt fein feefferes Mittet, bie 3ircutation in'S ©Iricfegewidjt zu bringen, al« burefe Hervorrufen reicfelicfeer unb allgemeiner «Perfpiratton. Matt laffe tttdjt zur Slber. Kein galt von ©djlagfluß iß burdj bie Sanjette furirt worben. Ss mag zeitweilige Srleictjteruttg baburdj geftfeafft werben, aber ti ift feäußger, baß ein töbtliefeer Stusgang befdjtennigt wirb. Man gebe fein Cpium, wetcfeeS bie Kranffeeit nur verfcb, timmern würbe. SBät)renb ber ©enefung fafere man mü ben Stbfüfermittetn einen Jag um ben anberen rin bis zwei SBocfeen lang fort- Racfe bet SBiebertjerftettung muß in 33ejug auf Diät uttb Sebensweife bie fl#» ©orgfalt beotadjtet werben. Matt vermeibe ßarf gewürzte ©peifen, SBeine un» geiftige ©etränfe jeber Slrt. Man genieße b,auptfädjlicfe eine einfadje Pßanjento|t Man babe feäußg unb reibe bie Haut babei unb maefee ßefe viel «Bewegung in fm« Suft. Mau tjatte bie güße warm. Man vermeibe Srmübung beS Körpers fow4 ftlS bes ©eißeS unb beobadjte in atten Dingen ßrenge Mäßigfeü. 2 e t fe, a r g i e. 29b Ücitjargic. — Coma, Setfeargie unb Coma beßefet in einer unüberwittbtiefeett unb unbeßegbareit ©djlaf fucfet. Das Setben fefeeint oft eine milbere gorm ber Sipoplerie zu fein. Der Patient wirb in biefem 3ußanbe nur mit Müfee erwedt, unb wenn er erwadjt iß, bleibt er oft ofene «Bewußtfein unb ©ebäefetniß unb ßnft, fobalb man ifen in Rufee läfjt, wteber in ©ctjlaf zurüd. Die Setfeargie ift ofene 3fcetfel Ijäußg rin ©pmptom bereits eingetretener ober brofeenber Sipoplerie; ße fann ferner burdj übermäßigen ©ebraudj beS DpiumS unb anberer Rarfotifa entßefeen; auefe burefe Unorbnungen bes Magens veranlaßt werben. 33efeanbluttg. Man gebe eine fräftige fepbragogifcfee Purganz — zum ^ei'' fpiel eine volle Doßs beS antibiliöfen Slbfüfermütels (ßefee Rezepte) mit tbtn fo viel Sremor Jartari; ober pulverißrte «Pobopfepttum = (Sntenfuß-, May apple) SBurjel ober 3<üappe mü einem Jfeeelöffel vott Sremor Jartari; ober zwei bis brei ©ran Pobopfepttiit mit Sremor Jartari. Matt laffe ben «Patienten warme Hanb- unb gußbaber nefemett unb lege ©enfpßafter auf bie ©ofeten, bte SBaben unb bie Hanbgelenfe. SBenn bieS nicfet feinreiefet, ge6e man tin «Bretfemtttet unb wieber* feole bas SlbfüfermUtel, bte «Bäber unb ©enfpßafter. SBentt Unorbttuttgen beS «JJcagenS unb ber Seber bie Urfadje iu [tin fdjeinen, fo gebe man zuerß ein S3reajmittet, bann ein äußerß fräftiges SlbfüfermUtel unb fafere bantt einige 3eit mit bem ©ebraudje guter Seberpitten- ober «Pulver, bte zweimal tägtiefe zu nefemen ßnb, fort, gußbaber muffen feäußg wieberfeolt nnb ber ganze Körper einmal tägiidj abgewafdjen uttb gefeörig gerieben werben. Die Diät muß leidjt fein unb feauptfäcfelicfe aus «Pßanzenfoß beßefeen, unb fobalb ber «Patient bazu im ©tanbe iß, muß er ftcfe reidjlidj «Bewegung macfeen. Äojjfatafferfudjt. — Hydrocephalus. ©enauer auSgebrüdt: ©efeirnwafferfudjt — iß eine Kranffeeit, bie X)auptfäcfelicfe nur bei Kinbern unter bem britten ober vierten Sefeensjatjre vorfommt. SBentt bie Kranffeeit einmal vottßänbig entwidett iß, iß bie Kur, fetbß für bie gefdjld- teßen Slerzte, äußerß fcfewierig; ebenfo fdjwierig iß es oft, bie erßen Slnfange bes Seibetts in erfennen, ba bie fleinen «Patienten feine Redjettfcfeaft vott bett Spmptomett geben fönnen, welcfee ße empßnben. Jaufenbe von jungen Kinbertt ßerben jäferltdj an Srgüffen In baS ©efeirn, ofene baß bas eigentlicfee Uebel erfaitttt ober vermutfeet wirb, ©efeirnwafferfudjt iß feiten eine urfprünglidje Kranffeeit, fonbern faß immer bie SBirfung ober golge eines anberen Seibens. Das 3<*fenen \)at oft einen großen Sinßuß auf bie Stttwidelung berfelben; bocfe meißens feängt ße wofel mit Selben bes Darmfanals, Diarrfeöe, ©ommerfranftjeü u.f. w. zufammen. Ss beßefet eine entfdjtebene ©pmpaüjie zwtfefeen bem Darmfanal unb bem ©efeirn; «nb wenn bei Kinbern feeftige unb anfealtettbe Slnfatte von Diarrfeöe eintreten, ift faß immer ©efafer vorfeanben, baß bas ©efeirn von Kranffeeit ergriffen werbe, erfl von Sntjünbung unb bann von SBafferfudjt. Ss iß metjr von ber «Berptung biefe* flefuferlicfeen 3ußanbes, als von ber Möglidjfeü üjn iu tjeilen, iu foffen. Sltern unb 294 ©unn'a H«u«-3lezt. Slerzte, benen bie 33efeaubtung von Kinbern anvertraut wirb, tonnen in fefelimme« gätten von Darmleiben bei Kinbertt nidjt zu vorßdjtig fein, um einen berartigeu StuSgang in verljüten. Durdj lange anfealtettbe Durcfefätte ober ein zu plofelifyi ©topfen beS ©tubtganges wirb leidjt rine Sntzünbung bes ©efelrnS ober feinet Häute veranlaßt; bie ©efeirnwafferfudjt beginnt gewöfenlicfe mit Sntzünbung bn Unteren, von weldjen aus bie SBafferergüffe ßattßnben. ©pmptome. Die Sntzünbung bes Kopfes, welcfee ber SBafferfudjt vorau«« ^efer, entßefet meißens langfam unb attmälig unb iß bafeer feiten von attffaUenbcn unb feeftlgen ©pmptomen begleitet. Das gewöfenltdjße unb ßdjerße ©pmptom iß eine Slrt rutjiger ©djlaffudjt ober «Betäubung. Unzweifelfeaft ßnb ©djmerjen unb unattgenebme Smpßnbungett im Kopfe vorfeanben, unb ber Heine Patient, obwohl er nodj nictjt im ©tanbe fein mag, zu fpredjen, fäfert oft ntit ber Hanb naefe bem Kopfe unb madjt anbere unwiütürticfee 3eiefeen, bie bem aufmerffamen 33eobaefetet fcfeließen taffen, baß baS ©efeirn zu leiben beginnt. Die 3unge bebedt fid) mit einem weixjen «Pelze, ber Kopf iß ungewöfentiefe feeiß, baS ©eßdjt zuerß gerütbrt, bod) fpäter efeer bleicfe ober von natürltdjer garbe; bie Slugen ßnb ausbruddloej unb ßnfen trieb, t zu; ber «Puls iß fefewaefe, bodj bie Slrterien beS HalfeS unb ber ©tfeläfen |djlagen feeftig; ber Slppetit iß ganz verfdjwunben, unb oft ßettt ßcfe Uebelfeit unb Srbreefeen ein. ©päter wirb ber ©tufelgang träge unb verßopft; ber Seib ift feeifc gefcfewotten ober gefpannt, Hänbe unb güße ßnb gewöfenlicfe falt. «Bei bem weiteten gortfcfereiten ber Kranffeeit fefeeint baS Kinb feeftänbtg geneigt ju fdjlafen. «Befeanblung. Die «Befeanbtuitg muß eingreifenber Slrt fein. «Rantrenbe ©egenreize — ©enfpflaßer auf ben Seib, ben Raden, bie Hanbgelenfe unb bie SBabett — unb falte Umfdjläge auf ben Kopf an. Der ©tufelgang muß um jeben «Preis geöffnet werben. Slm beßen eignet ßctj feierzu «pobopfepttin, in fealben ©ran« bsfen, mit einem X)aXbtn Jfeeelöffel voü Sremor Jartari; bie Doßs werbe alle brei ©tunben wieberfeolt, bis bie gewünfdjte SBirfung erfolgt. Man unterftiijje tas SlbfüfermUtel burefe Klpftiere mit warmem SBaffer, bem etwas Dlivenöl unb ©aij Zugefe^t iß. SBenit bas ©enfpßafter eine «Biertet ©tunbe, ober fo lange eö ertra- gen werben fann, gelegen tjat, entferne man es unb wenbe ftatt beffen warm« Umfcfeläge mü glanetttüdjerit, in tjeißem SBaffer getränft, an, weldjes einige 3*1* fortgefejü werben muß. Man fealte ben ©tufelgang offen, fafere mit ben tatten Umfcfelägen auf ben Kopf unb ben ableitenbeit ©egenreizen fort, um ben 33lut« anbrartg nadj bem Kopfe zu Verminbern; bodj wenn es irgenb mögliefe ifl, mufi ein erfahrener Slrzt zu Hülfe gerufen werben. ,ft o ix f f ü n h e [t i o tt c tt. Uebermäßiger «Btutanbrang nadj bem Kopfe gefeört zu ben nicfet feltenen Vel- bert, benett namentlicfe vollblütige «Perfonen unterworfen ßnb. Die Urfatfee liegt in einer ©törung beS ©leidjgewtdjts ber 3üfulatiott. Unter Umßänben fönnen berartige Kongeftiotteit «Borläufer ber Sipoplerie fein. «Bei benen, weldje an feäußg wieberfeferenbem «Blutanbrange nadj bem ■Kopfe leiben, iß immer große «Borßcfet erforberliefe,, ba bie ernßlidjßen golgen ju befürfr cett ßnb. ©ewöfenlid) wirb man ßnben, baß Seibesverßopfung bamit »erbunben Migräne. —HflUfeitiger Kopffd)merz. 295 rß wetdje oft bie Hauptverantaffung iß. Die Jrägferü ber Jtjätigfeü beS Darm- fa'nats ftfeließt eine Jrägljett bes in biefen Jb,eilen zirfulirenbeit «Blutes in ßd;; wäferenb gleicfezeitig burefe Ueberfüttung bes Darmfanals ein Drud auf bie grö- ßeren «Blutgefäße ausgeübt wirb, weldje bas SSlut von unb nadj bem Unterförper leiten; bieS bringt fetbßverftänblidj rine Uitgtridjmäßtgfeü ber «ßlutvertfeeilung feervor, unter wetdjer ber ©efunbfeeitSzuftanb leiben muß. Man wirb iit folefeen gälten gewöfenlicfe ßnben, baß bie «Beine unb güße fälter ftnb, als ße fein fottten; wäferenb ber Kopf tjeiß iß, bas ©eßdjt gerötfeet unb bie Hatsabern gefcfewottett. SBenn ber «patient ßcfe büdt, ober bett Kopf eine 3rit lang nadj unten feätt, fo wirb er bei bem Smportjebett beffelben ©djwütbel, ein ©efewimmen ober ©djwarz- werbett vor ben Slugen unb oft ein ©efütjl, als ob ber Kopf auseinanber berßen wollte, verfpüren. «Befeattbluitg. Matt entferne zuerß bie näcfeßliegenbe Urfadje — bie «Ber- ßopfung. Sine gute Doßs «Büterfatz wirb Srleiefeteruug fdjaffen; ober matt brauefee Sitterfatg mit ©enna; bas antibiliöfe «Pulver; bie fepbragogifefeen «Pur- girpiUett (fiefee «Rezepte); ober bie Seberpitten. SBenn ber galt ernßtidj fdjeint, fo nefeme man fefenett ritt gußfeab, fo feeiß es ertragen werben fann, lege ein großes ©ettfpßaßer auf ben S3aud) unb wenbe äfettiidje Mittet an, um burd) v©egettrelje" bas 33tut vom Kopfe abzuleiten. «Radjbem matt bie zeitweiligen ©pmptome befeitigt, muß man burefe ein geeignetes SSerfealten ifere SBieberfefer zu vergüten fudjen. Man adjte auf «Regetmäßigfeit beS ©tufetganges, fealte bie güße warm, beförbere bie Hauttfeätigfeit unb genieße eine einfadje, gefunbe uub leiefetverbaulicfee Koft. SBentt ber galt nicfet fefer ernßlicfe iß, fo wirb eittfadj «Regelmäßigfett ber SeibesÖffnung unb ber ©ebraudj Heiner Dofen «Bellabonna ben franffeaftett 3ußanb iit wenigen SBocfeen befettigen. Man brauefee bie «Bellabonna In gorm folgender «Pillen r 33ettabonna=Sriraft, getjn ©ran; Speca- cuanfea, jefen ©ran; Sapftcum, jetjn ©ran; Söwettzafett-Srtraft, zwanzig ©ran; feieraus madje man zwanzig «pitteit, von benen eine einmal täglicfe ober einen Jag um ben anbern in nefemen iß. Dber ftatt beffen folgenbe Jinttur: «Settabontta- Jinftur, ©tedjapfel-Jinftur, je eine fealbe Unze; «Blutwurzet-Jinftur, rine Unze; man mifefee unb nefeme feiervon groangig Jropfen einmal tägtiefe,, bis bas ©anze verbrauefet iß. Dies iß tin vorzügliches Mittel gegen atte ©pmptome, bie mü 33(utanbrang naaj bem Kopf in «Berbinbung ftetjeit ober bavon fe>rrü$rett. Migräne. — ^nlBfeitiger Äujiffdjmerj. Ss iß bieS rine Slrt Kopffdjmerz, bie ßcfe, faß ausfdjlteßtid) auf bie außerhalb bes ©cfeäbels gelegenen Jfeeile befcferänft, nnb iß baljer fein Kopffefemerz iit bem gewöfenUcfeeren ©inne beS SBorteS. Sr befällt bie «Rerven beS ©eßcfets uttb bet Kopffeaut auf einer ober ber anberen ©eite; bodj unterfeferibet er ßefe, von ber eigent- lidjett «Neuralgie, ber er inbeffen bisweilen fetjr nalje fommt. SSorzüglicfe leiben nur fctjroädjlidje unb nervöfe «Perfonen baran; grauen feäußger als Männer, unb von erßeren t)auptfädjlid) foldje, bie von zartem Körperbau uttb fepßerifcbem Jemperamente ßnb. Meißens befcferänft ßd) ber ©djmerz auf eine beßimmte, umfdjriefeene ©teile, bte 296 ©unn's H«u«-Slrjt. bann äußerß empßnbliefe gegen «Berüferung iß. Sine leiefete 93erül)rung, mit eint« geber ober einem Jafcfeentucfee iß oft fcfemerzfeafter, als ein fearter Drud mit bn Hanb. Die Dberßäcfee iß nictjt feiten gerottet nnb gefcfewotten. Sluefe bie Slugen leiben mit; fte werben fcfewadj unb tferänen, rotfeen ftcfe bisweilen unb ßnb meißens fefer empßnbliefe gegen bas Sidjt. Die Slnfatte treten fefer oft periobifefe auf, wie bei bem SBedjfelßeber. Ztx ©cfemerz iß vietteiefet am feeftigßen bes Morgens unb nimmt bann attmälig ab unb »erfdjminbet gegen Slbenb, um am näcfeßen Morgen zu berfelben 3ett wleberjufeb,. ren. Slm feaußgßen fejü ber Slnfatt beS Morgens ein, bodj fann es auefe zu jeber anberen JageSßunbe fein; zuweilen fommt er regelmäßig eine ©tunbe nadj bem Mütageffen,uitb um Müterttacfet tritt bie vott ©efemerzen ganz freie 3eit ein u. f.». Sluct) überfpringt er Ijäußg, wie bas SBecfefelßeber, immer einen Jag, unb erfefettnt Zur beftimmten ©tunbe einen Jag um ben anbern. Die Urfadje biefes eigentfeümlidjett SeibenS iß fd)wer anzugeben. Doefe mufj ße ber Urfadje, welcfee SBedjfetßefeer erzeugt, bisweilen verwanbt fein, was ßcfe nodj mefer baburd) beßätigt, baß biefelben Mittet bagegen mit Srfolg gebraucfet »erben. Die augenblidlidje «Beranlaffuug, weldje bas Selben zum SluSbrud) bringt, ift mei« ßenS in Srfältungen zu fudjem. SBaS 3afenfct)merz, ©djnupfen, Hußen unb Söecfe« felßeber erzeugt, fann audj Migräne erzeugen. ©efeanbtung. Die feier anzuwenbenbett Mebifamente beßefeen feauptfääjlici) aus tonifefeen unb nervenßärfenben Mitteln. Ss fommt barauf an, ben ganzen DrganiSmuS zu fräftigen, bie nervöfe «Jteizfearfeü iu befeitigen unb ben periobifefe« Sfearafter ber Kranffeeit zu breefeen. ßu biefem ßwtdt iß ber Sfeinin, in Serbin« bung mit fcfemerjßtttenbeit unb narfotifefeett Mitteln am geeignetßen. golgenie «Pillen zum «Beifpiel werben ßcfe als vorzuglicfe feewäferett: HpoScpamuS=Süraft, zefen ©ran ; «Balbrian-Srtrafr, brrißig ©ran; Sfeinin, 3pecacuanfea unb Sapficum, je jefen ©ran; feierauS maefee man zwanzig «Pillen, von benen eine alle brei ©tunben gu nefemen iß, bis ße atte verbrauefet ßnb. Sleußerlicfe brauefee matt zum (Einreiben ber leibenben Jfeeile fotgenbes Siniment: KampfeerfpirituS, Saubanum unb <3al« miafgeiß, in gleictjen Jferilen. 3n fcfelimmen gätten muß rin warmes gußbab genommen unb ein guter @ctj»i^ ttjee getrunfen werben, etwa Stufguß oon „KompoßttonSpulver" (f. «Jtejepte), obet von «Polei (Pennyroyal) unb ©albei; ber «Patient muß ßcfe bann zu «Bett legen unb mit SBärmeßafcfeett u. f. w. an ben güßen umgeben werben; auf bie leibenbe Stelle lege man warme Kräuterfiffen, ©ädefeett mit feeißem ©anb u. f. w. ©egen Snbe bes zweiten ober am Slnfange bes britten JageS, nacfebem bas Sinnefemen fcet genannten «Pillen begonnen würbe, muß rine fräftige «Purgatt! genommen werken, ttm bie Unreittigfeiten aus bem Körper zu entfernen, etwaige ©todungen ju befeiti- gen unb bie Seber unb anbere SlbfonberungSorgane zu gefunberer Jfeätigfeit anju« regen. Man braudje feiequ bie „antibiltöfen" ober „fatfeartifdjen" ober anbere gute «Pßanzenpttten, wie ße unter ben «Jtezepten angegeben ßnb. Um bie Kur zu vervottßänbigen unb eine Stüdfcfer beS SeibenS zu verfeüten, bereite unb brauefee man folgenben «Büteren: Sfeinarlnbe, pulverißrt, eine Unze; ©ewürznetfen, pulverißrt, eine fealbe Unje; foblettfaures Sifett, eine fealbe Unze; zwei Musfatnüffe, fein gerieben — bie« tfeu< man in eine £uartflafcfee unb gieße anbertfealb «Pinten guten Satawba* obet Kopffdjmcrz« 297 Portwein auf. ©leidjzeitig ttjue man eine Unze Kamittenblumen in einen «Rapf ober eine Jaffe, gieße eine fealbe «Pinte fodjenben SBafferS auf unb laffe über «Radjt ßefeen; bes Morgens feifee man burdj unb preffe aus unb füge bte glüfßgfeit zu bem 3nfealt ber glafcfee. Doßs: Sin Heines SBeinglaS vott breimal täglicfe. Die glafcfee muß jebeSmal gut umgefefeüttelt werben, fo baß ber ©runb müfommt. Dies ift ein vor- jitgllefeeS tonifefeeS Mittel für fcfewäefeticfee «Perfonen, befonbers grauen; bie beßen Dienfte teißet eS bei Seiben biefer Slrt unb bei «Perfonen, bte vom SBedjfelßeber unb äfenlicfeen Kranffeeiten genefett. AI o ü f f dj m c r 5. — V e p li a I a 1 g i a. Slltgemeine «Bemerfuttgen. Kopffefemerz an unb für ßdj ift feine eigene Kranftjeit, obwohl, in feltenen gättett, ber ©ifj beS UebelS Im Kopfe ober ©efeirn fein mag. MinbeßenS in neun gätten vott jefen, ift er nur ein ©pmptom — bie SBirfung von ©törungen, welefee in tintm anberen Jfeeile bes DrganiSmuS ftattßitbett. Sr ift eitt.fefer gewöfetüicfees Seiben ; fo gewöfenlicfe, baß biejenigen, welcfee ifem feäußg unterworfen ßnb, nur wenig Sidjt barauf geben; unb von ärgtlidjer ©eite wirb es für fo unbebeutenb gefeatten, baß mebizittifdje ©djriftßetter nur wettig barüber iu fagen pßegen. Denttodj ift es vott boppelter SBidjtigfrit, baß bieS Seibett gefeörig verftanbeit unb befeanbelt werbe; ein- mal, weil es läftig, qualvoll unb zeitraubenb ift, ben Menfcfeen am SefeettSgettuffe unb in S3ejug auf feine ©efdjäfte feinbert; zweitens, weil es unter Umßänbett auf gewiffe ©efabren feinbeuten mag, bie vott eigentlidjett Kranffeeiten brofeen, bereit ©pmptome es iß. Die Hauptaufgabe iit jebem einzelnen gatte iß, bie Urfadje iu entbedeit. Dte- felbe fantt in Uttorbttungeit bes Magens, ber Seber, ber «Rieren uub anberer Drgane liegen; fte fantt von nervöfer 9teizbarfeü, «JÜjeumatiSmuS, Ungleitfemäßigfeü ber 3irfttIatiott, ß^enber Sebensweife unb Mangel an «Bewegung, geißigen Stufregun- gen, allgemeiner ©djwädje ober allgemeiner Ueberfüttung bes ©efäßfpftems feerrüfe- ren. ©ewöfentidj fann man burefe aufmerffame «Beobadjtuttg ber SBurzel bes Uebets auf bie ©pur fommen unb es burd) Sntferttuitg ber Urfaefee befeitigen. Man fei nidjt in ämgfttid) unb vermutfee nicfet iu voreilig, baß ber Urfprung bes SeibenS im ©efeirn fei; fonbern benfe zuerß an jebe anbere Möglidjfeü unb ftette genaue Uttter- fudjungen an ßcfe an. Matt feeobaefete, ob irgenb ein Drgan feine gunftionen nicfet reefet erfülle; man frage ßctj, ob matt nictjt in irgenb einer «Beziefeung bie ©efefce ber ©efunbfeeit üfeerfdjrüten X)ahe; pb man nidjt iu fpät aufgefeffen, fidj bes ©djlafeS beraubt, ober beS SlbenbS iu volle Mafeljeiten genommen; ob man nidjt in viel ©tubenluft geatfemet, in wenig «Bewegung unb freie Suft genoffen; ob ber ©tufjtgang regelmäßig genug fei; ob irgenb ein örttidjeS Seibett erißire, weldjes burd) ©pm- patfeie ben Kopf angreifen fönite — wit Hämorrtjoiben, SÜjeumatismuS, «Rierenlei- ben, Seberentzünbung, Dpspepfte ober Magenfäure u. f. w.; ob nicfet bie Sirfutation bes S3(utes unregelmäßig fei, was f?d) unter anberen tjäußg burdj falte güße in erfennen gibt; — atte biefe Möglidjfeüen erwäge man, unb, wie gefagt, in ber überwiegenben Meferzafel ber gätte wirb man ßnben, baß eine berartige Urfadje 298 ©uitn » JpauS-Slrzt. vortjanben iß. Die nädjße Slufgabe iß, biefe Urfacfee zu entfernen. Dft iß baj« eine geringe Slenberung in ber Sebensweife, rine einfadje Mebizin, etwas SJorfiajt in «Bezug auf bie SBafel ber ©peifen unb ©etränfe, ober überfeaupt bie «Befolgung ber Siegeln bes gefunben Menfefeettverftanbes ausrelcfeenb. 3nbeffen erwarte man maji Zu viel. Ss gibt wenige Seute, bie nicfet fein unb wieber an Kopffdjmerj leiben; jiefe für immer ganz frei bavott zu madjen, iß wenigßens fcfewierig unb oft unmöglicfe. Man fann annefemen, baß Kopffefemerz in ber Siegel, gleidjviel was feine entfern- teren unb mittelbaren Urfadjen fein mögen, unmittelbar entweber burefe ungewöfettlicfeett Drud bes «Blutes auf bie Kopf- unb ©efeirnnerven, ober burefe ungewötjnlicfee Smpßnblidjfeit biefer «Rerven veranlaßt wirb, ©o lange bafeer bas «Blut züfulirt uttb bie «Rerven ©cfemerz empßnben, ßnb bie erßen «Beringungen jum Kopffefemerz immer ba, unb eS bebürfte eines burd) unb burefe gefunben unb normo« len Körpers, wie ifen vietteidjt nur wenige beßfcen, um ganz *on ieneu Störungen ber «Btutttjättgfeü unb «Rerventfeätigfeit verfdjont zu bleiben, welcfee Kopffcfemttj erzeugen fönnen. Sbenfo verfefeieben wie bie entfernteren Urfaefeeu iß aud) bie Slrt unb ber (Sfearaf- ter beS KopffdjmerzeS, unb bie «Befeattblung muß ßcfe barnaefe ridjten. 6« gibt mandje leiefete, vorüfeergefeenbe Kopffdjmerzen, beren Sntßetjung in ausnafemaroeifen ober unfeefattnten Urfadjen liegt, bie fo unbebeutenb ßnb, baß feine befonbere «Befeanbtuttg erforbertidj iß; wäferenb eS anbere Kopffdjmerzen gibt, beren SJernaaj- läfßgung mit bett größten ©efaferen verbunben fein würbe. SBenn 3cntanb plö^licfe an Kopffefemerz iu leiben beginnt, ber nie ober nur fetten unb in geringem ©rabe Zuvor bavon gelitten, fo iß bieS als eine ernße Mafenung anzufefeen, baß ber allgt« meine ©efunbfeeitszußanb einer genauen «Prüfung in unterwerfen ift, unb bafi ©djritte zur Slbfeütfe gefdjefeen muffen; unb wenn ber «Patient felbß nicfet bie »er« feorgene Urfadje entbeden fann, ziefee er rinen gefdjidten Slrzt in «Jiatfee. Der leidjteren Ueberßcfet wegen fotlen feier einige ber Jpauptarten von Kopffajmerj aufgezäfett unb gefonbert befproefeen werben; nicfet als ob bie ganze Mannigfaltig« feit biefeS SeibenS erfdjöpft fei, fonbern nur um einen Sinfealt für bie SSerfajieben« artigfeit ber «Beb, anblung zu geben. Kopffefemerz burefe SHutüfeerfüllung. Diefe Slrt Kopffefemerz fann aus zwei verfdjiebenen Urfadjen entfpringen. Grfiens, burdj allgemeine «pietfeora ober eine «Blutüberfüttung im ganzen DrgttnUmua. Hier ift ber Kopffefemerz mefer ober weniger beßänbig; eS iß ein ©efüfel ber ©tfemtre unb gütte im Kopfe; ber ©cfemerz iß bumpf unb iirüdenb; ber Kopf ift unnatürlief) warm. «Bei bem «Buden, bei ßarfen Sitfeembewegungen, wie z. 33. bei bem tyrnw- blafen, ttadj bem btben fdjwerer ©egenßänbe u. f. w. tritt ©cfewinbel ein, unb ti ßnben ßcfe äfenlicfee ©pmptome, wie bei benen, welcfee zur Sipoplerie geneigt |inb. «piö^lidjes ©dütteln bes Kopfes vermefert ben ©djmerz. Sbenfo vermefert fiel) bet Drud unb ber ©djmerz tjäußg nadj bem ©enuffe einer vollen Mafelzeit. 3weüenS fantt biefer Kopffdjmerz nidjt burdj eine allgemeine pietfeora, fonbern burefe ungewöfentidje «Blutmaffen in ben ©efäfjen bes Kopfes erzeugt werben, wäb- renb in anberen Jfeeilen feine «Blutüberfüttung, fonbern efeer baS ©egentfeeil ftatt- ßttbet. 3n anberen SBorten: Die 3irfulation iß in Unorbnung, unb bae 33K weldje j anberswo züfulirett fottte, brängt ßdj nadj bem Kopfe. 3n biefem gaße iP Kopffefemerz burefe, «Blutüberfüttung. 299 Itx ©cfemerz nicfet fo feeßättbig unb nicfet fo bumpf unb brüdenb, bagegen bisweilen äußerß fdjarf unb feeftig. Die güße unb «Beine pflegen falt in frin; ber Kopf iß ungewöfenticfe warm; bas ©eßcfet unb bte Stugen ßnb meiftenS gerötfeet; bisweilen wirb ein läßiges Klopfen in ben ©djlafen empfunben. «Befeanblung. — «Bei allgemeiner 33lutüberfüttung muffen Mittel angewen- bet werben, weldje ber übermäßigen «Bluterzeugung fteuern. 33or Slltem ift geljörige «Regultrung ber Diät notfewenbig. Der Patient muß ausfdjtießlicfe nicfetreizenbe, lüfelenbe unb leicfetverbaulicfee ©peifen genießen, welcfee womöglicfe bazu bienett, ben ©tufelgang offen iu erfealten. Sr lebe feauptfädjlid) von «Pßanzenfoß, braunem «Brob, grüdjten unb bergl. gelte unb fefer naferfeafte ©peifen ßnb in vermeiben. 3weimal wöefeentlidj, etwa ztvet bis brei SBocfeen lang, muß ein fepbragogifcfeeS Slbfüfermittet genommen werben; rine einzige tüdjtige Doßs eines folefeen Mittels wirb in ben meißen gätten von Kopffefemerz augenbftdttcfee Sriridjterung fdjaffen ; bocfe um bauernbe «Befferung zu erzielen, wirb es notfewenbig fein, bas angegebene SSerfealten, fowofel in 33ezug auf Diät, als auf Mebiziniren, mefere SBocfeen lang fortjufejjett. Der ßwed ift, ritte Steigerung in bem ganzen 3ußanbe bes DrganiS- muS zu bewirten, uub namentlicfe bie Menge bes züfulüenbett «Blutes zu verminbern. golgenbes wirb fidj als vortrefßidjes «Präparat in fotdjen gätten bewäljren: «ÜRati nefeme Pobopfepttin, ©ummigut, ©cammottium, Stfeabarber unb Sapenne- pfeffer, je zwanzig ©ran; madje mit etwas Söwenzafeti=Sriraft fünf unb zwanzig bis breißig Pillen baraus; in Srmangelung biefeS SrtraftS brauefee man 'etwas Söfung von ©ummi Slrabicum, um eine «piüeitmaffe iu gewinnen. SBenn man ßdj baö Pobopfepttin nicfet verfdjaffen fann, nefeme man ftatt beffen biefetbe Quantität Slloe; bocfe bas Pobopfepttin ift in vieler S3eziefeung beffer. Hiervon mag eine ermadjfene «Perfon brei Pillen beS SlbenbS vor bem ©djlafen* gefeett unb bes Morgens bei bem Slufßefeen nefemen. ©ie werben meiftenS metjre ©tufetgange wäferenb bes JageS bewirten. «Jcacfe brei bis vier Jagen wieberfeole man biefelben Dofen. Sine anbere gute Metfeobe ift, brei bis vier «Pillen bes Mor- gens frütj iu nefemett unb bann atte zwei ©tunben rine «Pille, bis eine reefet grüttb- tiefee SBirfung erfolgt. Ss werbe iwti bis brei SBocfeen lang, zweimal wöefeent- lidj, bamit fortgefaferen; unb von ba ah, nodj minbeftenS ebenfo lange, einmal Wöefeetttlicfe. SBenn baS Uebel rinfacfe ein «Blutanbrang nadj bem Kopfe iß, mit falten güßen, u. f. w., fo gebe man bie obigen «Pillen ober etwas SlefentidjeS, unb laffe zweimal täglicfe — befonbers vor bem ©djlafengeben — warme gußbaber mü ©enf uub Sapennepfeffer nefemen; bie güße muffen naefe bem «Babe etwa eine fealbe ©tunbe lang gut gerieben werben. Der «Patient madje ßcfe täglicfe geljörige «Bewegung, trage wollene ©trumpfe, unb wenn bie güße bennod) falt bleiben, ßreue man etwas Sapennepfeffer in bie ©trumpfe. SBenn bieS Stiles nidjt auSreiefet, um bie ©teiefe- mäßtgfeit ber 3üfulation wieber fjerzußetten unb ben Kopf zu erleidjtern, ftnb «Jteiz- mittel am piafje, welcfee bas «Blut nad) ber Dberftädje treiben. Hierzu eignet ßdj vietteidjt nicfets beffer, als ein gutes «Bitteres mit Sapennepfeffer.' Man bereitet einen Slbzug von bitteren SBurzeln unb Kräutern (woiu an anberen ©teilen unb unter ben «Jtejepten metjrfacfee Slnweifuitgen gegeben ßnb) mit einem Quart SBtjisfp, unb füge foviel rotfeen «Pfeffer fjtnzu, baß es getjörig auf ber 3unge brennt; bann nefeme man einen Sßlöffel vott bavon jwel* M« breimal tägiidj. Morgens uns 300 ©unit'« HauS-Sirzt. SlbenbS wafdje unb reibe man bie Haut bes ganzen Körpers, um ße zu vermefertej Jfeätigfeit anzuregen unb bas «Blut vom Kopfe bafeln abzuleiten. golgenbe ßtmuliretibe «Pillen ßnb zur Herßettung riner gleicfemäßigcren 3idula« tion ebenfalls iu empfefelen : Sapennepfeffer, pulverißrt, fedjzig ©ran; lifeirtin, gefett ©ran; Specacuanfea, zwanzig ©ran; Dpium, in «Pulver, itXjn ©ratt; man madje brrißig Pillen baraus, von benen eine SlbenbS uttb Morgens in nefemen ift, Man tjatte ben Seib offen, fei mäßig im Sffen unb Jrinfen unb madje ßdj möglicfefi viel «Bewegung. «Rervöfer K o p f fd) m erz« Diefe Slrt Kopffdjinerz iß nidjt befonbers feeftig unb qualvoll, bodj immerfein läßig genug. Der Seibenbe feat eitt beßänbigeS ©efüfel ber 33enoinmenfeeit unb «Bermirrung tmKopfe, bie ©djärfe ber ©inne iß oft beeinträcfetigt. Der ©eiß fefeeint angegriffen unb ift feiner anfealtenben Slttßrettguttg ober Slrfett fäfelg; bas ©ebädjt« nlß wirb mangelfeaft; trofj biefes 3ußanbeS fealber «Betäubung fann ber Seibenbe nicfet leidjt ©djlaf ßnben, fonbern iß beS «Racfets fdjlummerlos unb unrufeig. G« ßttb feine auffattenbe ©pmptome vorfeanben ; nur etwas bumpfer ©djmerz ober ein unbebagtidjes ©efüfel im Kopfe unb jene geißige «Benommenfeeit. Diefer 3uftattb fantt aus einer allgemeinen «Rervenfcfewäefee ober einer zeitweiligen Srfcfeöpfung ber «Rerventfeättgteü ober 33tutmangel unb bergt, entftefeen. Sr ijt gewtffermaßen ber ©egenfaj} zu ber vortjer befprodjenen Slrt bes Kopffdjmerjeö. Die Urfadjen bazu fönnen verfefeieben fein; zu anb,altenbeS unb angeftvengtes ©tubiren, weStjatb ©eteferte nicfet feiten barunter leiben; fefewerer unb anfealtenber Kummer, «Rotfe unb ©orgen, feerabßlmmenbe Seibenfctjaften; namentlicfe «Brüten nnb ©rübeln; ferner fdjmäcfeenbe unb erfdjöpfenbe Ktanttjeiten jeber Slrt, feart« nädige Durcfefätte, «Blutverluß, wieberfeferenbe SBecfefelßeber; — furz, Slüeö, »ai ben DrganiSmuS feerunterbringt unb namentlicfe bas ©efeirn angreift, fann, frütj« ober fpäter, biefe Slrt beS KopffcfemerzeS zur golge feaben. 33 efe anb tung.—«Bor Slttem gebe man [idj «Jtedjenfdjaft von ber Urfacfee. Kommt bas Uebel vom übermäßigen ©tubiren? Dann werfe man bie «Büdjer euttV weilen bei ©eite unb fudje ftd) eine anbere «Befdjäftigung ; eine «Befdjäftigung, bie mefer ben Körper, als ben ©riß in Jfeätigfeit verfemt. Kommt eS von Kummer? von Metanefeolie? vott irgenb weldjen ©emüttjserregungen ? ©o fudje biefen ©emütfeszuftanb burefe geeignete Mittet zu feefämpfett — burefe Drtsveränberung, SBedjfel ber Umgebung, Jfeeilnatjme att gefettigen «Bergnügungen, tjeitern Umgang unb bergt. Slm beßen iß es iu reifen. SBenn allgemeine «Rervenfcfewäefee bie Urfacfee iß, fo iß ein fräftigenbeS SSerfaferen einzufcfelagett; nervettftärfenbe Mittel muffen gebraudjt unb ber Körper mujj fpfte« matifefe geßätjtt unb abgehärtet werben. Hiezn iß vor Slttem «Bewegung—bocfe nicfet übertrieben — in frifdjer Suft wefentlid). «Regelmäßige SBafdjungen über ben gan- zen Körper leißett oorjügtidje Dienße, um bie «Rerven zu fräftigen, bie Hont in gefunbem 3ußattbe zu erijalten unb eine freie unb glridjmäßigige 3üfulation bes SBluteS zu beförbern. Das bazu benü^te SBaffer fei bes SlbenbS lauwarm unb Ut Morgens möglldjß falt; bod) ben Kopf wafdje man immer mit faltem SBaffer. 9M bem SBafcfeen muß ber Körper gut mit einem trodenen raupen Hanbtudje abge- rieben werben. ©pmpattji fdjer Kopffefemerz« 301 S3on fräftigenben unb bie «Rerventfeätigfeit anregenbett Mebifamenten ftnb Vorzug* Hefe folgenbe in empfefelen: Man nefeme HpvScpamttS-Srtraft, brrißig ©ran; «Baibrian - Srtraft, breißig ©ran ; Sfeinin, zwanzig ©ran; Sapennepfeffer, zel)« ©ran; tjlerauS ßnb breißig «Pillen zu macfeen, von benen eine breimal tägtiefe in nefemen ift. SBenn ber Kopffefemerz eine Slrt neuratgtfefeen Sfearafter annimmt (ßefee feierüber unter «Jcervenfranfbeüen), fdjarf, feeftig unb ftecfeenb ift, fo füge man ber obigen «Ptttenmaffe brei ©ran fcfewefelfaures Morpfeiu feinzu unb laffe SlnfangS alle brei ©tunben eine nefemen, bis etwa fünf genommen ßnb; aisbann ßnb bie Pillen weiter, wie oben angegeben, iu nefemett. 3n «Berfeinbung mü Mor- pfein ßnb biep «Pillen auSgezeidjitet gegen atte nettralgifcfeen ©efemerzen beS Kopfes unb beS ©eftcfeteS; nur bürfen, wegen ber ßarfen SBirfung beS MorpfeinS, nicfet mefer als fünf «Pillen wäferenb ber vier unb zwanzig ©tunbeit genommen werben. günf Pillen würben etwa einen fealben ©ran Morpfein entfealten, welcfee Menge innerfealb ber angegebenen 3rit «JMemanb überfefereüett fottte, außer wenn er von ungewöfenttefe feeftigen ©efemerzen gefoltert wirb. Dabei fönnen anbere tonifcfee «Seiltet, gute bittere Siqueure unb ßärtenbe Mebifamente gebraucfet werben. SBenit «Bläffe ber Haut tt. f. w. auf S31utmangel feinbeutet, braudje man golgenbes; ©alz* faure Sifen - Jinftur, rine Unze; «Blutwurjel - Jinftur, eine Unze; von biefer «JRifdjung ßnb breißig Jropfen, breimal täglicfe, in etwas SBaffer zu nefemen. Slts gutes blutverbeffernbes Mittet fann es gleichzeitig mit ben anberen Mebitamentett genommen werben. Stttzüttbticfeer unb rt)eumatifdjer Kopffdj merz. «Bet giebern unb entzüitblicfeeit 3ußänben ber verfdjiebenen Körpertfeeile pflegt gewöfenlicfe mefer ober weniger Kopffefemerz vorfeanben iu fein. Sbenfo bei rfeeu- matifefeen Slttfäüett, namentlicfe wenn ber «Patient benfelben feäußg unterworfen ift. SBenn ber Körper an eferoitifdjem «RfeeumatiSmuS leibet, fo pßegt ber Kopf frei zu fein, fo tauge ber «JttjeumattStnuS rinen anberen Körpertfeeil ergriffen tjat; bod) fo balb er bafelbß natfeläßt, ßettt ßcfe ber Kopffefemerz wieber ein. «Bei allgemeinem entjünblicfeem «JtfeeumatismuS ift ebenfo, wie bei anbereit ßeberfeaftett 3ußänbeit, gewöfenlicfe Kopffdj merz vorfeanben. 3tt atten gätten biefer Slrt fantt bem Kopffdj merz nur burefe «Befämpfung ber Urfadjen abgefeolfen werben. Die feierauf bejüglidjen Slnweifungen wirb man unter ben betreffenbeit Kapiteln, bie oon ben Sntzünbungeit ber einzelnen Drgane feanbeln, angegeben ßnben; audj bie Mittel, wetdje zeitwei- lige Srleicfeteruitg fdjaffen. SBentt 3emanb an «JUjeumatiStnuS, fei es ber afuten ober ber djrotttfdjeit gorm, leibet, fo fann faß Immer gefdjloffen werben, baß etwa vorfeanbene Kopffdjmerzen bamit in «Berbittbuttg ßefeen; baß alfo atttl-rfeeumatifefee Mittel bie allein geeigneten 9Rebizinen ßnb. Man Iefe barüber bas feetreffenbe Kapitel naefe. Slußerbem fann matt ©ebraudj von äußeren SlbleüuttgSmütelit, warmen gußbäbern, ©enfpßaßertt um bie güße unb «Beine u. f. w. madjen. ©pmpatb, ifdjer Kopffdjmerz. Diefe Slrt Kopffdj merz berufet auf ber eigentfeümlidjen ©pmpattjie, weldje zwifdjen bem ©efeirn unb ben Kopfnerven unb ben «Rerven anberer Drgane beftetjt, fo baß bie franffeaften 3ußättbe ber teureren ritten ßörenbeit Sinfluß auf jene üben, 302 © u n n * s H a u s - 31 r z t. Kranffeeiten ber «Riere, ber Seber, bes Magens, bes Darmfanals u. f. w wtntn fomit in gewiffer «Beziefeung audj im Kopfe empfunben. Diefe Mitlelbenfcfeaft fann auf riner entgünblictjen Jbätigfeit berufeeti, wenn bie Seber, ber Magen u. f. », entzünbet iß; bocfe ße fann audj rein nervöfer «Ratur fein ; fte fommt eben fowofel vor, wenn biefe Drgane ttidt entzünbet, fonbern anberweitig franf ßnb. 3n jebem gatte wirb man bie Urfacfee erforfcfeen muffen, um bem Uebel obzufeelfen. Hierüber ift bei ben Kranffeeiten ber einzelnen Drgane bas «Rötljige gefajit. Orauen wäbrenb ber ©cfewangerfdjaft leiben oft an Kopffdjmerzen, tr-elcfee iu bie er Slrt geboren; feiet iß natürlicfe nur vorübergefeenbe Srlcietjterung zu erwarten, fo lange bie ©efercanger« fefeaft bauert. ©o viel als mögliefe muß ber ©tufelgang offen, bie ßi'ße warm unb bie 3üfulation beS S3luteS gleicfemäßig erfealten werben. Sferonifcfeer Kopffefemerz. Dies iß ein feartnädig wieberfeferenber Kopffefemerz, ber fdjon geraume ßtit beftan« ben feat. Durcfe bie lange Dauer bes Uebets, ober in golge feiner erßen Sntßefeung«. urfacfee, feat es ßcfe Im DrganiSmuS feßgefe&t, iß gleicfefam zur anberen «Jtatut geworben. Ss würbe waferfdjeinlicfe urfprüttgtid) burefe einen fefeweren Kranffeeit«« anfatt feervorgerufen, hei weldjem ber Kopf ober baS ©efeirn ßarf betfeeiiigt war. Die Urfacfee fann Sntjünbung beS ©efeirnS ober feiner Häute, ober ein feeftige« gieber gewefen fein, in beffen «Berlaufe bas ©efeirn ernßlidj ergriffen würbe. Die ©efeirnfeäute feaben ßcfe vietteiefet verbidt, ober es feat fonß rine organifaje 33eran« berung ßattgefuttben, welctje ben franffeaften 3ußanb zu einem bauernben macfet. Der ©cfemerz mag mit ber 3eü bebeutenb müber werben ; bocfe fann feine vollßänbige «Beteiligung unter ben Umftättbett unmöglicfe frin. Diefe Strt Kopffefemerz iß gereötjn- liefe auf eine befttmmte ©teile befcferänft, zum «Beifpiel am ©efeeitet, an einer ©eite, über einem Sluge, ober über beiben Slugen, ober in ber ganzen ©tirn; ober au«« fdjließliefe im Hinterfopfe u. f. w. Ss ift bieS baS tjauptfäcfeficfeße efearafterißifebe Merfmal. Sluefe iß ber ©cfemerz oft periobifefe, bas feeißt, fefert in beßimmten 3»t' fefeeiträumen wleber; ober genauer gefagt: feine ßärferett Slnfatte feferen periobifefe wieber, wäferenb er nie vottßänbig verfefewinbet. «Befeanbtung. — SBie matt ßdj vorßettett fann, iß biefe Slrt Kopffajmerj fefer ftfewer zu furiren. «Ramentttdj wenn er lange feeßanbett feat, iß fetten eine Heilung ju erwarten. HöefeßenS barf auf tfeeilweife Srtricfeteruttg gerechnet werben. 3nbef- fen fri matt vorßdjtig, nidjt etwa rfeeumatifefeen Kopffefemerz mü biefer Slrt ju »er« wecfefeln — was fefer leidjt gefdjetjen fantt, ba erßerer in äfentiefeer SBeife in gewiffen 3wifcfeenräumen fommt unb getjt, ober ßärfer wirb unb naefetäßt (3ntermifftonen unb «Jtemtfßottett macfet). Man fann bett Unterfcfeieb baraus erfennen, baß bei rfeeumatifefeem Kopffdjtnerz wäferenb ber fopffdjmerzfreien 3eü gewöfenlicfe ein anberer Körpertfeeil rfeeumatifefe leibet. «Bei ber «Bebanblung beS djronifdjen, ober wie man audj fagen fonnte, fonftitu« tionettett KopffajmerzeS, muffen auf «Berbefferung bes SlttgemeinbeßttbenS bereefenete Mittel angewenbet unb verfdjiebene Metfeoben verfudjt werbeu. 3e geringer bet «Blutbrud auf bas ©ebirn unb feine Umfeüttungen iß, um fo beffer; waferfefeeinlu} war es ein foldjer Drud, ber bas Uebel zuerß veranlaßte. Sine widjtige «Beringung iß es alfo, für ©leldjmäßigfeü ber 3irfutation zu forgen. ©roße Srlelcfeteran«. wirb in biefer «Beziehung fdjon burd) regelmäßig leidjten ©tutjlgang b,ervorgebroell Sfjro ntfdjer Kopf fdj merz. 303 »erben. Ss barf nie «Berßopfuttg eintreten. Mitbe Sarirmittel, wie bie „Seber* piöen" (ßefee «Rezepte), ober «Pillen aus : Söwenzafeit-Srtraft ober SBeißwattnuß-Sr- traft, mit Poboptjpllumpulver, ober mit etwas «Pobopfepttin, uttb Sapennepfeffer — eine Pille einmal tägiidj, ober einen Jag um ben anberen — ßnb zwedmäßig. Die Diät muß ber Slrt fein, baß eilt offener ©lufelgang baburefe beförbert wirb; besfealb ßnb ©peifen, wie: «Brob aus ungebeuteltem Mefel, «Jteisbrei unb Mild), SBeißferob unb gefocfete grücfete zu empfefelen. SBentt ber ©cfemerz fcfer b>efttg wirb, Wie es in 3eitett vorfommt, lege matt ein ©ettfpflaßer ober ein reizettbeS Harz* ober Pecfepflaßet in ben «Raden. SBentt man ein «Pßaßer ber teureren Slrt benu^t, taffe man es lange genug liegen, um eine offene wunbe ©teile in erzeugen, was als SlbleitungSmittel gut tfeun wirb, ^ßei ßeberifcfeen 3uftänbeti ober bei uttgewöfeittidjer Hi0e im Kopfe, madje man falte Umfcfeläge um benfelben; bie güße muffen immer warm gefealten werben. Der «Berfaffung bes Magens muß befonbere Slufmerffamfeit zugewenbet werben, ©efer Ijäußg wirb man ßttbett, baß, wenn ber Kopffdj merz am fefelimmßen iß, Magenfäure ober ©pmptome ber Unverbautidjfeit vorfeanben ftnb. «Bei Uebelfeit unb läftigen Smpßnbungeti im Magen, brauefee man eitt «Breefemütet, ober etwas Sllfali, zum S3eifpiel: ein Jfeeelöffel vott ©aleratus, in etwas SBaffer unb Mildj aufgelöß, ober eben fo viel fofelenfaures Patron, Magneßa u. f. w.; biefe teureren «JJcittet mögen ein- bis zweimal täglicfe genommett werben, um bie im Magen attge- fammelte ©äure in löfdjett. Ss beßefet ritte bebeutenbe ©pmpatfeie zwifefeen bem «Dtagett unb bem ©etjirn, unb jebe Unorbnung bes erßerett madjt ftcfe teurerem füfelbar. «Dran forge bafür, baß ber Seib regelmäßig offen fei, ber Magen frei von ©äure, bie Haut in gefünber Jljätigfeit, bie güße warm, ber Kopf füljl, unb baß bas «Blut gtetefemäßig zütülire—uttb man barf bie beßett Srfolge feoffen, bie hei biefer Slrt ßopffefemerz iu erwarten ßnb. SBenn bie feeftigerett Slnfatte in iferer periobifdjen SBieberfet)r auffattenb regelmäßig ßnb, zum «Beifpiel jeben Jag, ober jeben zweiten ober britten Jog, zu einer beftimm* ten ©tunbe auftreten, fo feefeanble man ben galt —neben ben fonftigett Urfaefeen— als ein masfirteS (ober „larvtrtes") SBecfefetfieber; alfo mit Sfeinin xx. f. w., wie man bet ber 33efeanbluitg von giebern im britten Slbfefenitte angegeben ßnbett wirb. SBenn ber ©djmerz feauptfädjlidj in ber ©tun ober im «Borberfopfe [xx}t, fo wirb man feäußg burefe ben ©ebrauefe eines guten ©djnupfpulverS merflidje Sinbe- rung fdjaffen fönnen. Hierzu empßebtt ßd) vorzügiidj folgenbeS «Präparat: Man nefeme gleidje Jfeeile—etwa je ritte Uuze—pulverißrte Sorbeeren, Sfeittaritibe unb S31utwurzel; vermifdje gut burdj 3ufammenreiben in einem Mörfer ober bgt., unb braudje mefermals tägiidj. Man fantt and) mit «Borttjeil iu obiger Quantität einen Sfeeelöffel voll Sapennepfeffer X)ittzuttjutt; Jafeadsfcfe nupfer mögen eine tjaloe ober 0anze Unze fefeottifdjen ©djnupftabad anritt tnifdjen. Milbe Kopffdjmerzen, audj ber nidjtdjronifdjen Slrt, werben bäußg baburdj vertrieben werben; bei einfachen Katarrfeen, wenn bie «Rafenfdjleimb. aut ergriffen iß, ieißet bies «Pulver immer treff* Ücfee Dienße. 304 ©unn's Haus-Strzt. ©aßrifcfeer Kopffefemerz- Dies iß vietteidjt bie uitattgenefemße Slrt ber verfdjiebenen Uebel, bie man untet bem «Kamen „Kopffefemerz" zufammenzufaffen pflegt. Der urfprünglidje £i& be« SeibenS ift nicfet im Kopfe felbß, fonbern Im Magen unb in ber Seber, unb fein Sluf. treten feängt ntit gewiffen — oft periobifefe wieberfeferenbett —Unorbnuttgen biefer wicfetigett Drgane zufammen. «Bei vielen «perfonen erfefeeint ber gaßrifefee Kopffefemerz tu regelmäßigen längeren 3wifdjenräumen ; etwa atte vierzefen Jage ober aüe vier SBocfeen. Die feauptfaaj« lidjßen ©pmptome ßnb Uebelfeit, «Bredreizung unb bisweilen wirflidjes Srbreefeen, vorübergefeenbe giefeerfei^e, ungewöfenlicfee SBärme beS Kopfes unb bes ©efiefetr«, weldjes feäußg ßarf gerötfeet Ift, unb feeftige ©efemerzen Im Kopfe. Die ©djmerjen mögen im ganzen Kopfe fein, bodj befeferänfett fie ßd) gewöfenlicfe auf bie Stirn unb bie ©efeläfen, ober ßnb bort befonbers ßarf. SlusnafemSweife iß ber Hauptfib be« ©cfemerzeS im Hinterfopfe. Die Slnfatte ßnb oft fo ßarf, baß ber Seibenbe metjre Jage lang baS «Bett feüten muß. Die begleüenben Smpßnbungen ßnb äußerß unan« genefemer Slrt; nidjt unäfenlid) ber ©eefranfljeü, nur um fo viel fdjlimmer, a\i bie ©efemerzen im Kopfe ßärfer ßnb. grauen werben feäußger bavon befallen, als Männer, unb mandje ©eferiftftetter bringen bas monattidje Unwofelfeln bes roeibli« cfeeti ©efefeleefetes bamit in «Berbinbung; bocfe ein fotefeer 3ufammenfeang iß ju bezweifeln. Dbgteicfe bas Uebel gewöfeltdjer bei grauen iß, fo fommt es bodj auefe bei Männern in eben fo feeftiger unb regelmäßig wieberfeferenber gorm vor. Sluefe «rill man beobadjtet Xjabtn, baß es ßcfe in mancfeeit gamilien fortpflanzt unb als Srbftiicf von einer ©eneration auf bie anbere übergefet; nicfet bei atten, aber bei manefeen SM« gliebern. SBenn zum «Beifpiel eine Mutter baran leibet, fo ßnbet es ßdj fefer oft bei einigen iferer Kinber fowofel, als bei einigen iferer ©roßfinber. Mandje ©eferiftftetter fefeen bas Uebel als ein mefer nervöfeS unb auf einem befon- beren 3ußanbe bes ©eljirns berufeenbeS an. Das 3rrit)ümlid)e biefer Slnnatjme Zei^t ftcxj feauptfädjtid) burefe ben günftigen Srfolg, wefefeett eine auf Umßimmung beS Magens unb ber Sebertfeätigfeit'geridjtete «BefeanblungSweife immer feat, foroie burefe ben Umftanb, baß eine anbere «Betjanblungsweife, auf welcfee man ftcfe verlaf- fen fonnte, nodj nicfet gefunben würbe. Sitte weitere «Beftfereibung iß nidjt nötfeig, ba 3eber, ber an bem Uebel leibet, ober Stnbere X)at leiben fefeen, es feierttaefe wieber erfennen wirb. «Perfonen, bie bemfelben unterworfen ftnb, pßegen fcfeon bie ©pmptome zu fennen, welcfee ein bis jroei läge vorausgefeen uttb barnadj ibre «Berecfeituitg zu maefeett, fo ober fo lange im «Bett bleiben ju muffen. Die Hauptfadje ift, wie man es furiren, ober bie Slnfatte fo leiefet als mögiicfe macfeen unb ifere fernere SBieberfefer nadj unb naefe vertjinbertt fann. «Befeattblung. — Das widjtigße uub ftdjerße Meblfament bei bem gaftrifefetn Kopffdjmerz iß ein gutes «Brecfemittef. Hierzu eignet ßcfe, nicfets beffer, als eine Mifefeung aus gleictjen Jfeeiteit Specacuanfea- unb Sobelia-«pu(ver, etwa ein. (S&löjfel voll auf eine fealbe «Pinte feeißett SBafferS; man laffe es eine ßtit lang ßefeen unb „Ziefeett," unb bann in brei «Portionen, in 3wifdjenräumen von fünf bU »et« Minuten, nefemett. Dabei trinfe ber «patient reidjlidj warme Slufgüffe vonÄ ©alvei ober KompoßtionSpulver (teureres ßnbet man In ben «Rezepten); ti iß 3ut< wenn vor bem 33redjmütet ber Magen burdj bas Jrinfen von etwa einet tjaib« ©aßrtfdjer Kopffefemerz. 305 pinte eines berartigen SlufguffeS gteidj fam vorbereitet wirb. SBenn fein Kompo« ßtionSpulver (welkes am ^>e[ten ift), feine ©alvei, Kaijenmünze ober bergleidjen bei ber Hanb fein foüte, gebe man warmes SBaffer, ©rüfce ober Hüfenerfuppe. «Racfebem ber «Patient rin paar Mal grünbtid) gebrocfeett X)at, laffe man üjn etwas ®rü#e genießen unb bann zrori bis brei ©tunben lang im «Bette rufeen. Darauf gebe man ein fräftiges SlbfüfermUtel, weldjes bie Seber zu vermeferter Jljätigfeit anrege, alle etwaigen ©todungett befeittge unb bie waferfcfeeinticfe vorfeanbene (3al= lenanfeäufungett entferne, golgenbes «Präparat iß iu biefem ßwedt befonbers zu empfefelen, auf beffen SBtrffamfeit man ßcfe in ben meißen gätten von Seberleiben, »erborbenem Magen, ©allenbefefewerbett u. f. w. verlaffen fann. Slloe, In Pulver, fedjzig ©ran; fpanifcfee ©eife, ©ummigut, ©cammonium, Pobopfepttin, Sapennepfeffer, je breißig ©ran; mü etwas Söwenzatjtt- ober SBaffer- boßett- (Boneset) Srtraft zu fecfezig «Pillen zu verarbeiten; man füge ber Maffe etwa zwanzig Jropfen «Pfeffermünz- ober «Relfen-Del feinzu. Doßs : als Slbfüfer- mUtel, brei bis fünf Pillen; als Sebermütel, um bie Jfeätigfeit biefeS DrganS unb ber ©allenwege zu regulirett, eine Pille ein- bis zweimal tägtiefe. f&ti gaßrifdjem kopffefemerz nefeme man brei «Pillen unb naefe sroölf ©tunben wieber zwei ober brei. «Racfebem ber Seib gefeörig geöffnet, iß nodj einige Jage lang eine Pille jeben Slbenb ju nefemen. Slußerbem ßnb nocfe einige Hülfsmaßregetn anzuwenben, namentlidj bri fefewereren gälten, unb wenn ber «Patient baS «Bett feüten muß. Ss muffen warme gußbaber in Saugenwaffer — ober SBaffer mü. Stfcfee ober ©alzwaffer — genommen werben; man maefee Umfdjläge auf ben Kopf mü KampfeerfpirituS, ober mit Sfßg, ober hti großer Hifee im Kopfe, mit Siswaffer. Man laffe ben «Patienten Kampfeer ober ©almiafgeiß ober fölnifdjes SBaffer riedjeti; bas Sinatfemen berartiger flüdjtige» Subßanjen burefe bie «Rafe erteicfetert oft fowofel ben Kopffefemerz, als bte Uebelfeit beS «JRagenS. Sluefe iß es gut, ben Patienten ein- bis zweimal wäferenb beS SlnfattS über ben ganzen Körper mit warmem Saugen- ober ©aleratus-SBaffer in wafefeen; bieS wirb bie fettigen «BeßanbttjeÜe ber Hautausbünßung, welcfee ßcfe an ben «Poren angefammelt, entfernen unb beinafee bei allen KranffeeltSzuftänben wofeltfeatig irirfett. ©aftrifdier Kopffefemerz berufet, wie gefagt, auf Unorbnungen bes Magens unb ber Seber; vorzügtiefe ift eS wofel meiftenS festeres Drgan, weldjes in abnormem 3ußanbe iß. Ss fann zwei, brei bis vier SBoden bauerrt, bis bie Stnfammtuttg ungefunber ©toffe eine KrtßS zu SBege bringt unb Maffen verbotener ©aüe in ben Magen entleert werben, weldjes Uebelfeit unb ben eigenttjümlicfeeit tjeftigen Kopf- fefemerz veranlaßt, ber bas unaitgenefemße ©pmptom biefes Seibens ift. Die Seber feat bann Srteidjterung gefunben, bie ungefunbett ©toffe werben nadj oben ober unten entleert, ber DrganiSmuS leibet nodj einige Jage, ertjolt ftd) bantt unb geljt wieber eine 3eit lang feinen regelmäßigen ©ang, bis ßcfe biefelben «Berfeältniffe wie- berfeolen. Man ßefet bafeer wie wiefettg es ift, ber «Ratur burcb, «Bredjmittet unb Mebizinen, welcfee bireft auf bie Seber unb ben Darmfanal wirfen, in Hülfe zu fom- men. Ss iß bies ber fürzeße unb ßdjerße SBeg; unb inbem man bieS 33erfaljren einige Male grünbtiefe befolgt, fobalb ßcfe, nur bie erßen ©pmptome ber erwähnten Unorbnuttg zeigen, wirb man ben Stnfatt jebeSmal milber madjen, bis bas ©ruttb- übel attmälig gefeoben unb ber normale 3ußanb ber betreffenben Drgane wiebet 20 306 ©unn'S HauS-Slrzt. feergeßellt wirb. Sluf biefe, bocfe nur auf biefe Slrt, läßt ßdj eine bauernbe Heilung erzielen. Slußer ben genannten Mcbifamenten iß vorzuglicfe nocfe eines ju erwäfenen, WelefeeS namentlicfe von ben Homöopatfeen gegen verfcfeiebene Kopfbefcfewerben mit günßigem Srfolge angewenbet wirb, nämlicfe bie «Bellabonna. Man fefee bie unter bem Kapitel „Kopffongeßtotten" angegebenen «Bettabonnapitteit. Die Dofl« if| freiliefe weniger feomöopatfetfd). SBenit man fein «Brecfemittel geben will, fo gebe man bri bem erßen Sluftreten ber ©pmptome biefe «Pillen unb nadj vier unb jroanjig ©tunben bie oben angegebenett Seberpitten. Dber man beginne mit bem 33reaj« mittel, gebe bantt bie «Bettabonttaptttett u. f. w. Man fantt biefelben zwei bi« brei Jage lang neben ben Slbfüferpiüen fortfeijett. «Bei mitberen Slnfätten werben bit «Bettabonttaptttett, benen vier unb zwanzig bis adjt unb vierzig ©tunben fpäter eine fräftige «Purganz folgen muß, oft auSreldjen; bodj zum ßwtdt einer bauernben Heilung ßnb jebeSmalige «Brecfemittel — bie, womöglldj, etwas Sobelia entfealten fottten — bringenb iu empfefelen. SBir würben folgenbes «Bredjmittet alt ba« jwedmäßigße vorfcfelagen; Sobeltafamen, ztvei Jfeeile; Specacuanfea, jwei Jfeeile; «Blutwurzel, ein Jfeeil. ©ebraudj wie oben unb wie unter ben «Jtezepten angegeben. Streiter Mbfdynttt. §txvtnkxn\xkUt\tt\x. Sfletvenleiben. «Borbemerfungett. — Urfadje nervöfer Kranfbeiten. ie viele Seiben unb «Befdjwerfeen, wtt welcfeett baS Menfdjengefcfeledjt betmge« fudjt wirb, fönnten vermieben werben, wenn bie einfachen ©efejje ber ©efunbfeeit, bie uns bie Statur vorfdjretbt, beffer verßanbett unb befolgt würben! Ss ift bieS für viele Menfcfeett, bie iferen Seibenfdjaften unb ©elüften feinen 3^ang antfeun mögen, eine unwittfommette «Betradjtuttg; ße jietjen es vor, ifere Selben ber «Borfe- feung ober bem 3ufatte in bie ©ajufee iu fcfeieben, als [xdj einzugeßefeen, baß es nur ifer eigenes tfeöridjtes «Berfealten unb ifere «Berufung ber ©ebote ber «Ratur war, was Ifenen bie unvermelblicfee ©träfe bereitet. Dies ©efüfel ber «Beratttworttidjteit iß freiliefe nidjt angettefem; bodj bte flare Srfetitttniß, baß ßcfe fein «Raturgefefc ungeßraft übertreten läßt, fantt nur bie feeilfamße SBirfung feaben; bie Menfdjen würben aufricfetlger beßrebt fein, ßcb; mü biefen ©efejjett vertraut zu macfeen unb ifenen nacfezulebett. Das ©efeirn iß ber Hauptß^ unb bie Quelle atter «Rervenfräfte; es beftetjt aus einer Slnzafet von «Rervenbünbeltt, bie in wunberbarer Slrt mit einanber verweben ßnb; es iß ber ©i£ ber Denftfeätigfeü, unb feine organifet)e ©eßaltung feättgt auf bas ©ettaueße mü ber Jfeätigfeit unb bem SBadjStfeum ber verfdjiebenen ©eißes- fäfeigfeitett zufammen. Die «Rerven, welcfee atte mittelbar ober uttmütelbar vom ©efeirn ausgefeen, ßttb bie Jräger feines SiitßuffeS, uub burdj ße ßnb atte «Borridj- tungett beS tfeierifefeen DrganiSmuS bebingt. Die verfdjtebenett «Rervetuweige, weldje aus ifem entfpringett, taffen ßd) ganz etgentlidj Jelegraptjett-Drätjtett verglei- efeen, welctje bie Setter ber in ifem erzeugten eteftrlfdjen ©trömungett ßnb, von benen bie Jfeätigfeit atter Jfeeile bes Körpers abfeängt. 3ebeS Drgan beS ©efeirns tjat feinen beßimmten widjtigen 3wed unb feine Jfeätigfeit bewegt ßcfe innerhalb ber ib. m jufommenben befonberen gunftion. Die «Rervenfträttge laufen paarweife vom ©efeirn unb vom «Jtüdenmarf aus. Seber «Rerven ßrattg pßegt einen boppetten Nerven ju enthalten, beren einer bie Smpßnbuttg unb ber anbere bie «Bewegung ermittelt. Ss gibt alfo ©efütjlsnervett unb «Bewegungsnerven; bie erßerett ßnb bie Seiter ber Smpßnbutig zrvifdjett bem ©etjirtt unb atten Körperteilen, bie lefcte* ren geben ben MuSfeln bie gä^igfeit, ßd) ju bewegen, nnb ttjeilen Üjnen gleidjfatn 307 2B 308 ©unn's Haus-Sirzt. ben SBitten beS ©efeirns mit. Sitte Körpertfeeile ßefeen In biefer Slrt mit einanber in «Berbinbung. Durcfe bie «Rerven empfängt t\w ©eljirii ^acferidjt von bem, wu im ©ebiete beS Körpers vorgefet, unb feubet es feinem «Befehle nadj allen «JUefetun« gen aus ; es iß — um baS ©leidjniß zu verfolgen — bas zentrale Iclegrapben« büreau, wo w'iljrenb beS waefeen VebenS beftättbig Depefdjett afegefefeidt unb ent« gegengettomnten werben, unb wo alle Smpßnbuttg uub «Bewegung bes DrganUmu« iferen Mittelpunft feat. Häußg feört, in Die Jemperamente. 315 welcfee ßcfe als «Rationatrigenfdjaft tjauptfädjlid) bei bem fogenannten anglofädjß- fcfeen ©tamme (biefe glüdlidje Mifefeung bes celtifdjen uub germanifdjen ober beut- fdjen Slementes In Snglanb unb Slmerifa) entwidelt feat, unb welcfee bemfelben öielleidjt bie Herrfdjaft ber SBett verfdj äffen wirb. Dod) foldje «Perfönliajfeüen ßnb nur ju geneigt, inbem ße nadj ber Herrfdjaft über Slnbere ringen, ßcfe felbft iu ©fla- ven ju madjen, unb wätjrenb fte mit eiferner Sntfdjlsffentjeü ßdj eine ©tettung in »erfdjaffett fucfeett, bringen ße feäußg burdj übermäßige Jfeätigfeit ifere ©efunbtjeit unb alle greuben bes SebenS zum Dpfer. Der rtdjttge 3ube fann ats ein guter Jppus biefer Slnlage gelten; bie SluSbauer, mit wetdjer biefe «Jtace atte Unterbrüdung unb «Verfolgung überßanben, unb burcb, welcfee ße ßcb, nocfe X)tutt in iferem «Streben naefe Srwerfe auSzeiefenet, gefeört ben Sigenttjümtiefefeiteit bes djoterifdjett Jempera- menteS an. UepptgeS Seben, Reizmittel, würzige unb ert)t£ettbe ©peifen pßegen ben ßfeolerifer iu einem fowofet unangenehmen, als unglüdlidjen Sfearafter zu macfeen; fein unrufeiger Jrieb, ber bazu gemadjt iß, ©egeit in ßiftett, nimmt leidjt eine falfdje «Jtidjtung. Sr iß zur Slrbeit, fowofel beS ©eißeS, ats beS Körpers, gefdjaffeit unb follte beibe in feeilfamer Jfeätigfeit ertjatten, wäferenb er fräftigenbe unb babei nicfet reijenbe «Jiaferung genießt. S3ei, ber geeigneten Mäßigfeü fanit ein folefeer Mann tin langes unb itü£lidjes Seben füfjren. Dfene gute ©runbfä^e wirb aus ifem efeer ein ©feplod, als ein Daniel, eljer ein Menfdj von feitttertiftigem uttb graufamem Sfearafter, als von eblem ©emütfee unb wofeltfeätlger SBirffamfeit. 4. Der nervöfe Menfcfe fann in gewiffer 33eziefeuitg fdjon als franf betradjtet werben; er feat übermäßig tfeätigeS ©efeirn, bas geneigt iß, um fo mefer zu arbeiten, je mefer es ber «Rufee bebarf. ©eine Stufgabe iß es, bem ©eiße «Rufee unb 3erßreuung ju verfdjaffen, inbem er bie Musfelit anßrengt unb feine Ijotfegefpanitte ©efüfetstfeä- tigfeit baburefe feerafeßimmr, baß er bie ©inne befdjäftigt. Sr muß bie ©efeüfdjaft ber «JRenfcfeen auffuefeen unb ßdj zu trößen fudjen, inbem er rufeig für ifere SSerfeeffe- rung unb «Bereblung wirft. Sr muß burdj jebeS Mittet feine, gewöfenlicfe ßarf leibenbe, «BerbauungStfeätigfeit iu fräftigen fudjen; bazu gefeört vor Slttem «Bermei- bung anfealtenben ©tubtrens, baS Sinatfemen frifdjer Suft, tüdjtiges ©pazierengefeeit aber «Berg unb Jfeal, ©pazierenreiteit, leidjte unb babei naljrtjafte ^oß unb Stü- fealtfamfeit von Jfeee unb S(a[\tt. Sr mu\) auf Stiles Slcfet tjaben, was nadj ben Siegeln bes gefunben MenfcfeenverßanbeS unb ber Pfepßologie tin ©letdjgewidjt zwi- fdjen Denffraft unb «Bewegungsfraft, Himtfeätigfeit unb Musfeftfeätigfeit tjerftetten fann unb ßdj vor atten nieberbrüdenben ©timmungett unb Seibenfctjaften X)üten; gurdjt, ©orge, Kummer, Jrübßnn, «Riebergefcfetagenfeeü, «Berzagtfeeü, ®tii, bah- fwajt, Haß, Slerger — biefe geinbe ber menfdjlidjen «Ratur — muß er nämlid) zu überwinben unb bas Seben nur von feiner tjeüerßett ©eite aufzufaffett fudjen. Slllgemeitte «BertjütungStntttel. Cbgleicfe ber ©djöpfer rin ©efe£ für bie gortpflanzung bes Menfd)engefdjledjts öemaajt feat, fo ßnb biefem ©efe^e bocfe, gewiffe «Befcferänfungett uttb Slusnafemeflau« fein angeljängt, weldje biejenigen, bie es angebt, fennen zu lernen unb ßdj einzu- jagen fudjen fotttett. SBetttt biefe «Rebenbeßimmungen von Sitten getjörig verßanben «nb zur «Jlicfetfcfenur iferes «BerfealtenS geitommen würben, fo fönnten Jaufenbett von SBefen unenblidje pfjpßfdje unb geißige Seiben erfpart werben, ©tatt baß jefct fo 316 ©unn'S Haus-Sfrzt. »tele Menfdjen von nervöfem Jemperamente, Jrunfenbolbe unb Saßerfeafte jeber 2h| geboren werben, bie ßcfe felbß, Ifere Sltern uttb bte ganze Menfcfefeeit feerabivürbigtn, würbe eitt beffereS ©efdjledjt itt bie SBelt gefegt werben, baS ßcfe leidjtcr bilben unb Zum ©uten erjiefeen ließe, unb beffen Sinßuß unb «Beifpiel ben ßnfenben ©3tanb< punft ber Meitfdjfeeü wieber erfeeben unb zur ptjpßfdjen, intetteftuetlett unb morali« fefeen Srlöfung ber SBelt beitragen würbe. Der üble Sinßuß, weldjen ber griffige 3ußanb ber grauen zur 3eü ber ©djwangerfdjaft auf ifer 3eugungSfpftem auriiben fantt, iß merfwürbig. Kummer, gurdjt, Slufregung, «Rerventcibeit, Slerger, «Jjftlan djolie, Siferfudjt unb in ber Jfeat jebe ungewöfenliefee Srregung, feat In ben meiften gätten einen entfdjiebetiett unb entfdjeibenben Sinßuß auf bie grudjt. Cbgleitfe' biefe gefeeimnißvotte SBirfung von benen, welcfee biefem ©egenßänbe feine Slufmerf- famfeit unb 33eobacfetug wibmen, unbemerft bleibt, fo ßnb ifere golgen bodj ber Slrt, baß feine geber unb feine 3unge ße zur ©enüge fdjilbern fann. «Biele Jaufenbe feafeett iferen Sltern aüe jene Sigenttjümtidjfeitett zu batifen. SBenn eudj alfo Ui ©lud eurer Kinber am Herzen liegt, fo madjt euefe biefe Kenntniß bes erwäbnten Sinßuffes iu Wufyt, ober üjr mö'get Urfacfee zur «Jteue feaben, wenn es ju fpät iß, um ©efcfeefeeneS rüdgängig in madjen. Die Jfeatfadje ßefet nun einmal feß, bafj eine mäcfetige ©pmpatfeie zwifdjen bem ©eiße beS SBeibeS unb ben gortpßattzungcwrgantn beßefet. Das Kinb, wäferenb es nocfe im Seibe ber Mutter ßcfe entwidelt, empfängt burefe biefelbe Sinbrüde, weldje fpäter zwar tfeeilweife verwifdjt, aber nie ganz au«. gerottet werben fönnen. Ss empfängt eine geiftige unb moraliftfee ©eßaltung, beten Hauptlinien unb vorzüglidjßen Umriffe zeitlebens maßgefeettb bleiben. SBir fefeen In berfelben gamilie fefer verfcfeiebene Sfearafterzüge bei ben verfdjiebenen Kinbern. Das eine iß liebevoll unb feeiter; baS anbere leidjt aufgeregt unb jäfejornig; ba« britte reizbar unb nervös. SBentt man bie SntwidelungSgefdjidjte biefer SBefen Zurüdverfolgt bis zu ber ßtit, ba ße nocfe als gruefet im Mutterleibe weilten, unb bie Slttflüffe in 33etracfet ziebt, betten fte burefe bie ©emütfeSzuftänbe ber Mutter an«« gefegt waren, fo wirb man bie Urfacfee biefer «Berfdjiebenfeeit begreifen. SBie bereit« frütjer bemerft, wäferenb ber vätertidje Sinßuß bie allgemeineren Sfearafterumrife beßimmt, feängen von bem müttertidjen Sinfluffe bie mefer befonberen Sigentfeüm» lidjfeiten ah. ©elbft Mißgeßaltungett bes Körperbaues werben nicfet feiten burefe einen plö^licfeen Sinbrud auf ben ©eiß ber Mutter, fowie zum «Beifpiel burefe Un unerwarteten Slnblid irgenb eines erfdjredenben ober utiangeitefemen ©egenßänbe«, veranlaßt. Dtefetbe ©pmpatfeie äußert ftcfe auefe in ben SBirfungen plöfelicfeer ©emüttjSbewegungett unb befonberer ©elüfte. «Biele S3etfplele biefer Slrt fönnten tjier angefüfert werben unb ebenfo zafetreiefee gälte merfwürfetger Muttermäler, um bas «Beßefeen biefer natürlidjen ©pmpatfeie zu feemeifen. SS iß in biefem S3udje meine Slbßdjt, bie einfadje, ungefefeminfte SBaferfeelt vorzu- legen, fo baß ber Sefer ßdj einen flaren 23egriff von bem Sinßuffe bilben fönne, ben ber ©eiß auf ben Körper unb auf bas «Rervenfpßem feat; er wirb bann leitfeter ver^ ftetjen, weldje golgen aus ben verfdjiebenen, ben Menfdjen fnedjtenben «Begierten ciüfprütgett unb weldje verberfetidje SBirfung jene «Berufungen ber «Ratttrgefet)' äußern muffen, weldje baS fünftige SBerf bes menfdjlidjen DrganiSmuS ju Soja* bett madjen. Keine Slrt von ©törungen, beneit ber menfdjlidje DrganiSmuS unterworfen iil»«' »ietteidfet einen fo weit getjenbeit Sinßuß unb wirb babei bodj fo wenig tiefet w Stllgemettte «BertjütungSmlttel. 317 ßanben, als bie ganze Klaffe ber «Rervenleiben. Man barf ßcb, nictjt zu fefer barüber ir.unbern,^wenit man bebenft, baß fie ßcb, nictjt allein auf ben Körper befdjränfett, fonbern aud) in baS geißige ©ebiet hinübergreifen; ferner, baß ße iwax eine beftimmte KranffeeitSgruppe ausmadjen, bie ftd) burdj eine üjttett eigetüfeümücfje (gpmptomenreifee von allen anberen Kranffeeiten unterfcfeeibet, baß ße aber einen S3eftanbtfeeit vieler anberer ©törungen bilben unb mit atten «Beränberungeit in «Ber- binbung ßefeen, benen ber Körper burdj Sllter, Klima, Slusfcfeweifungett, Stfdjöpfung, greube ober Kummer auSgefejü iß. 3fere SBirfungen ßnb, wie matt nur erwarten fann, nicfet weniger verfcfeiebenartig, als itjre Urfadjen. Ss mödjte fdjwierig fein, anbers als in einer allgemeinen SBeife bie verfcfeiebenartigen Urfadjen anzugeben ober ju erflären. 3n ber Jfeat, was wir als franffeafte «üeizfearfeü anfefeen, pßegt nur bie übermäßige ober unregelmäßige Jljätigfeit gewiffer Jriebe zu fein, bie von ber menfdjlicfeen «Ratur unzertrennlich) ftnb unb zu iferen ebelßett unb he[ten «Beftanb- ttjellen gefeörett. SBaS würbe ber 3ußanb ber Mettfdjfeeü ofene Hoffnung, otjne gurdjt, ofene 3ntereffe unb Jfeeitnafeme an gegenwärtigen ober tommenbeti Dingen fein? Das Seben wäre eine tobte Saft unb alles beffen beraubt, was ifem «Jieiz unb Anregung verleüjt. Dodj fo notfewenbig unb angenefem biefe feine Smpßnbuttgs- fäfeigfeit beS meufdjticfeen DrganiSmuS ift, muß ße bodj, ebenfo wie atte anberen Jriebe unb Kräfte, in gewiffen ©djranfeit gehalten unb nadj gewiffen «JUtdßdjtett regulirt werben, bamit atte Jtjeile bes ©anzeit tjarmontfdj zufammenwirfen unb in feinem SBofelbeßnben beitragen mögen. SBenit bie Menfcfeen überzeugt wären, baß itjre ©efunbfeeit unb ifer «Befeageit fo wefentlidj vott ber ridjtigeit «Jlegulirung iferes ©elftes abfeätiglg ßnb, ße würben metjr ©orgfalt barauf verwenbett, ifeit burefe «Bit- buttg unb Uebung iu fräftigen unb burefe «Bernunft zu mäßigen unb ßefe einen ©teiefe- mutfe anjueignen, ber burcb, bie Unfälle bes SebenS nicfet leidjt erfdjüttert werben tann. Ss iß ber Mangel an biefer riefetigett «Beurtfeeilung ber Dinge, ber bie Men- fcfeen bafein bringt, ßd) bei jeber Kleinigfeit in einen 3ußanb großer Jrübfal zu verfemen. Die Hälfte ber Uebel beS Sebens werben uns von uns felbß zugefügt. 60 werben in einem tjanbettreibenben Sanbe fonß verftänbige Mettfcfeeit oft zum Spielballe ber SBittbe unb SBettett — baS gefelfcfelagen einer ©pefulation, ein «Ber- luß, eine enttäufefete Hoffnung bringt Manefeen in'S «Berberben unb zu einem vor- zeitigen Snbe. Das fommt baljer, baß bie Dinge nidjt im retfetett Stcfete betradjtet »erben; baß ein größerer SBertfe auf irbifdje «Jteicfettjümer, Macfet unb Sljre gefegt roirb, als ße verbienett. Diefe Dinge, wenn ße in ©egenßänben eines übertriebenen 33erlangens werben, verbräitgen aus bem ©eiße atte anberen eblerett unb feöfeeren «Jtücfftdjtett unb erfüllen ifen mit falfdjen Hoffnungen unb «Befürdjtungen, welcfee ben Stoff jum SBafenßnn liefern. Ss iß fein SBunber, baß bas getjlfdjtageit eines SBunfcfees, ber alle ©ebanfen bes Menfcfeen in Slnfprud) nafem, ben ©eift in «Betwirr rung ßürjt, ber nidjt burdj eine vernünftige «pbjlofopfeie unb moralifefee «Jtüdßdjtett oefeftigt iß. «Bisweilen wirb baS ©emüttj, tro£ atter «Proteße beS «BerßanbeS, oon nervöfer föeijbarfeit, abnormen Smpßnbungen unb Sinbrüden, Unrufee unb Unbetjagett, böfen Slfenungeit unb «Riebergefdjfagetttjeit befallen, nnb man fantt bei bem beßen SBWen ben Horizont ber 3ufunft nur von büßerit SBolfen bebedt fefeen. Man bridjt in Jferänen aus ober lad)t, otjne baß eine wirftidje ©orge ober greube «Beratt- iaffung gab; es iß bies jener launettfeafte 3uftöub beS ©emütljes, ben man iterv öf e 318 ©uttn's Haus-Slrzt. ©timmung genannt tjat. SBäferenb ßcfe bei grauen biefe Slrt ber SBirfung feöufj, ger zeigt, als bei Männern, pßegen wir bei ben teureren eine tiefere «Berßimmung JU feeobacfeten, welcfee ße mit beßättblgen fatfcfeen «Beforgniffeit erfüllt unb fie für ibr ©efdjäft entweber ganz untauglidj madjt, ober ße baffelbe ofene Suß unb Siebe »er« folgen läßt. Man fantt bett Menfdjen mü einem gatjrjeuge vergleidjett, weldjes buraj ba« Meer ber 3eüett feilteilt; feine ©egel fottten von ben ©efüfelen, Jrieben unb Sei- benfctjaften eines wofelgeorbneten ©eißeS gefcfewettt werben; eine fdjwere Sabung gebiegener Kentütüffe fottte eS vor übermäßigem Umfeerrotten unb ©djwanfen bewafe« ren, wätjrenb bie «Bernunft am ©teuerruber ftjü uttb iferen «Blid auf ben Kompaß eines eblen SebeitSzwedeS ridjtet. 3cfe verweile fo lange bei biefem ©egenßänbe, writ biefe Slrt von Seiben, toetcfee mit geißigen 3ußänben in genauem 3ufamment)attge ßefeen, in lejjter 3eit in fo trauriger SBeife übertjanb genommen feaben unb nocfe immer im 3unefemen begriffen ßnb. SBir fönnen in feine ©efettfdjaft fommen, ofene nidjt wenigßens ßinen ui ßnben, ber über nervöfe «Befdjwerben flogt; wätjrenb man feiten zwei Perfonen fin« bet, bri benen bie Kranffeeit in S3ezug auf üjre Sleußerungeit unb SBirfungen gleicfe Iß. «Racfebem idj meinen Sefern bie widjtigßett allgemeinen Jfeatfadjen in 33ejug auf «Rervenfranffeeiten mügetfeellt, feoffe idj, baß biejenigen, weldje ßdj burd) ifere ©dufte unb Seibenfctjaften fnedjten laffen, iferen Srrttjum einfefeen unb nidjt länger bie ©ebote ber «Ratur verleben mögen. Der Menfdj Iß für feöfeere ©enuffe unb 3»ecfe gefdjaffen, als für biejenigen, weldje nur in feäußg zum ©egenßänbe feines ©treben« werben — weldje übifdj, wanbetbar unb vergäitgtid) ßttb. Sin fernerer ©runb, wesfealb Seiben nervöfer Slrt nicfet feäußger befeitigt werben, liegt barin, baß bie «Patienten feiten Sntfcfetoffenfeeü unb Snergie genug feaben, um lange genug bas «Berfeolten zu befolgen, weldjes ifenen vorgefeferieben werben tnujj. Ss iß notfewenbig, bem «Patienten tlar zu madjen, baß eine grünbllcfee Kui Zwar im «Bereicfee ber Möglidjfeü liegt, baß er aber auf eine f etj tt e 11 e Kur nidjt reefenen barf. Man barf nictjt burd) einige erfolglofe «Berfudje, bas Seiben zu lin* bem, abgefeferedt werben, fonbertt matt muß bebenfen, baß bie Kur feäußg, je lang« famer unb attmäliger, um fo bleibenber unb gewiffer iß. Die Sudeln ber KranN tjeit faugen aus ben oben erwäfetüeit Mißbräucfeen fortwäferenb «Jiaferung unb erzeugen ßctj immer wieber;, will man ße alfo grünblidj ausrotten, muß man ifenen burdj Mäßigfeit unb ©elfeftbetjerrfdjung Kraft unb SßadjStfeum entjiefeen. Cor Slttem tjüte man ßdj, ju ber augenbtidlidjen Srletdjterung feine 3ußucfetju nefemen, Weldje burd) fpirituöfe ©etränfe unb äfenlidje SHeigmittei gefdjafft wirb, b. fe. auf wetdje eine um fo größere ©törung ber «Rervenüjätigfett unb «Bermeferung be« urfprünglidjen Seibens folgt. 3um ©djluffe will idj nod) einmal itt Srinnerung bringen, baß jeber «JJMlel, jebe Drüfe, jebeS ©ewefee beS DrganiSmuS von ber felnßen gafer bis ju jenen tnadjttgen Hefee-Slpparatett, weldje bie größeren Knodjett in «Bewegung fefeen, nur burdj bie «Rerven beS ©eljirttS unb bes «RütfenmarfS zur Jfeätigfeit angeregt werten; unb baß biefe legiere bie verbinbenbe Kette zwifdjen unferem tfeierlfdjen unb unferem geifiigen SBefen ßnb unb bis in bie tjödjßeit ©ebiete ber Denf- unb ©efufel«tfeätig« feit tjinaufreidjen. «Allgemeine «Ber^ütungSmittel. 319 Man ermeffe feicrauS ben mädjtigett Sinfluß, weld)en ber 3ußaitb bes «Rerven* fpßemS auf förperlidje unb geiftige ©efunbfeeit üben muß. 3111 g e m e 1 tt e H e i l r e g e l tt. Da bie traurigßen «Rervenleiben burd) bie SBirfungen einer unnatürticfeeit, üfeerfpannten nnb ungezügelten Sinbilbungsfraft entßefeen, fo iß es eine ber Hauptaufgaben, biefe gätjigfeü gefeörig in ©cferanfen zu fealten unb iu regeln, ßdj einer befdjeibeneit unb zufriebenett ©emütfesßimmuug in befleißigen unb bie SBünfdje unb 33egieröen bes Herzens auf rin vernünftiges Maß jurüdzufüferen. Sitte warmen ©etränfe unb füttßlidjeit «Reizmittel muffen vermiebeit werben. 3tj* ©ebrauefe iß ebenfo uttttatürlidj für ben Menfdjett, als für atte anberen Jljiere; fie erfdjlaffen bie Magenitervett unb bie mit benfelben in 3ufammenfeattg ßefeenben fcerjnerven unb geben fo iu zafelrridjen Krantfeeiten Slnlaß. Heißer ^a[fet, feeißer Jfeee u. f. w. ßnb boppelt fcfeäbtidj; erftenS, burefe ifere (verbrüljettbe) SBirfung auf bie «JRagettwänbe; zweitens, burefe iferen Sinßuß auf bas «Rervenfpßem, burefe weldjen Slbfpannung, Hcrzflopfett, allgemeine ©djwädje unb anbere bereits befproefeene golgen entßeljett. Daffelbe gilt von Reißen geißigen ©etränfen. Kaffee, Jfjee, Sllfofeol, Jafead unb bergleidjen muffen oon nervöfen «Perfonen ats, wenn audj lang- fam, bocfe ßefeer wirfenbe ©ifte betradjtet unb bemgemäß von ber Siße itjrer ©enuß- mittel verbannt werben. Regelmäßige «Bewegung iß unumgäitgtidj nottjwenbig; biefetbe ßärft bie «Rerven, gibt ben Musfetn bie geljörige ©pannfraft, ben Knodjeit bie getjörige Härte unb »erfejjt ben ganzen DrganiSmuS in tintn 3ußattb beS «Betjagens unb ber normalen Jfeätigfeit. SBas ben ©efefaf betrifft, fo iß iu feefeenfeit, baß Mangel an ber nötigen SRutje bie Kraft aufreibt, bett Körper fdjwäd)t unb befonbers bie «Rerven zerßört. «JRan vermeibe atte plöjüidjett SBecfefet ober Uefeergänge von einer Jemperatur zur anberen unb feüte [xdj vor naffett güßett, weldje Ijäußg «Rerventetbeit hervorrufen unb nicfet feiten gieber erzeugen. ^xx lange anfealtettbe geißige Slrbeit ober in angeßrengtes «Radjbenfett erfdjöpft bas «Rervenfpßem unb legt ben ©runb in einer Srfdjtaffung ober ©cfewädjuttg bes ©efeirns. Stiles, was «Bläfeungen erzeugt ober fdjwer verbaulid) iß, muß vermieben werben. 6ine einfadje Diät iß von ber größten SBidjtigfeit. 3wei Drittel atter «Rerven- franffeeiten werben burd) unnatürlidje «Reizmittel unb eine iu üppige Sebensweife verurfadjt. 3 ren, bis baS ganze ©efdjledjt auSgeßorben iß. 3u ben erregenbeit Urfadjen, wetdje ben SluSbrudj nervöfer Kranffeeiten w fpeziett neuralgifdjer Seiben tjerbetfütjren, gefeört feudjteS unb faltes SBetter ebet aud) feudjte Suft attein, weint fte ftd) mü Malaria-bett bereits feefproefeenett fieter' erzeugenbeit Urfadjen beS «BobenS - verbinbet; ferner falter 3ug»tnb e onter» wenn ber Patient ßdj vortjer ertji^t, aufgeregt ober ermübet feat. £rt*ftl* J * ' feit auf Sifenbab.nen eine ber frudjtbarßen Duetten neuralgifdjer Anfalle, toeb»«« ber Körperverfaffung macfet für biefe unb anbere veranlaffenben Urfadjen vonug Q empfättglidj; ebenfo Kummer unb ©orgen, ba befattntlidj berartige WP einen mädjtigen Sittfluß auf baS «Rervenfpßem üben. Der Stusbrucf f^' cer fo oft gebraust wirb, bejeidjnet einen unbeßimmten leibenben 3«Fn' SReuralgte. 323 gjttfcfeung geißiger unb förpertidjer gunftionsßörung unb frattftjafter Steizfearfeü — bem gewöfenlicfe eine allgemeine ©djwädje zu ©runbe liegt. grauen ßnb viel geneigter in «Rervenleiben, als Männer — felbß abgefefeen von Jenem, Ifenen allein eigentfeümtlcfeen, franffeafteit 3ußanb ber «Rerven, ben matt fcpfterte nennt, unb ber einen ber wicfetigßen Jfeeile biefer KranffeeitSgruppe bilbet, «Bei nervöfen Kranffeeiten feerrfefet gewöfenlicfe eine übergroße Smpfängticfefeit für äußere Sinbrüde; unb olle ©emütfesbewegungett, feien ße freubiger ober trau- riger Slrt, unb mögen ße auf wirflidjen ober eittgebilbeteit Urfadjen feerufeen, üben einen mädjtigen Sinßuß auf ben Körper unb auf feine gunftionen aus. Da« Herj ftopft, bie Hanb gittert, bas ©eßcfet rötfeet ftcfe bei ber geringfügigßeit Slufregung. 3um großen Jfeeile feängt bies ofene 3tt>eifel von ber angeborenen Drganifation ah] baefe gewiffe ©djwäctjezußänbe, burefe Kranffeeit ober Unmäßig- feit veranlaßt, fönnen bies audj bei benett feervorbringett, bie früfeer nie, was man fo nennt, nervös gewefen ßnb. Die zeitweilige Srteicfeterung, welcfee fpirüuöfe «Reizmittel gegen unangenehme „nervöfe" Smpßnbungett fdjaffen, verleitet mandje Seibenbe ßcfe in oft unb in regelmäßig berfelben in bebtenen unb fo bas Uebel in »erfefellmmertt unb ßcfe ben verberfelicfeßett gotgen auszufegen. 3d) muß an biefer ©teile bie traurige «Bemerfung macfeen, baß jener fdltmtnße geinb beS menfcfeUdjett SBoljlfeeßttbettS — bie Uttmäßigfeü Im Jrinfen — in neuerer 3eit In erfdjredlicfeer SBeife zuzunefemen fdjeint; unfere zum Jfeeil unttatürlidje Sebensweife, wie ße burefe bett SuruS, bie Ueberfeinerung unb bie Sluswüefefe nnb «Berirrungen ber 3irilifatiott bebingt wirb, treibt immer metjr Menfdjen bafein, zu fünftlicfeen SReijmitteln ifere 3ußucfet zu nefemen, nnb auf biefe Slrt werben tjaupt* fadjlidj unter ber 3ugenb beS Sanbes bie traurigßen «Berfeeerungen angeriefetet. Uttb toai bas ©cfelimmße iß, nicfet nur bie Menfdjen felbß, bie ßcfe biefen üblen ©ewotjn* feelten feingeben, leiben, fonbern ifere «Racfefornmenfctjaft; — weint wir um uns blidett, erfdjelnt es faß, als ob ein Jtjeit ber Menfcfeen auf nicfets eifriger bebaefet fri, als Iferer «Racfefommenfefeaft möglidjß viel förperlidje uttb geißige Selben zu vermadjen. Sa iß fein leeres SBort: „baß bie ©ünbett ber «Bäter tjeimgefudjt werben fotlen an ben jtinbern bis in'S brüte unb vierte ©lieb." «Befeanblung.— Ss iß eine Jfeatfadje, baß in ben «Borläufern ber meißen «Rervenfranffeeiten — «Reuralgie, nervöfer Kopffefemerz, Spllepße, fepßerifdje Slnfatte, St. «Beit's Janj, Slßfema u. f. w. — gewöfenlicfe Seibesverßopfung gefeört, unb eS Iß uns bamit ein gingerzeug gegeben, baß bei ber «Betjattbluttg ber 3ußattb beS Stufelganges notfewenbig beadjtri werben muß. Seute von nervöfem Jemperamente, unb bie bereits an tteuralgifdjett unb anberen Rervenleiben gelitten tjaben, muffen ßdj möglidjß gegen SBitterungSwedjfel zu fdjü^en fuefeen unb es nametttltd) vermeiben, ßefe «Rotboßmtttbeit auszufegen. Der Sinfluß jener «Beranberung ber Suft, weldje burdj baS Umfprtngett bes SBtttbes vom SBeßen ober ©üben nadj Dßett ober «Rorboßen entßetjt, fowie fonßiger «Beränberungett in ber Temperatur uttb Didjttgfeit ber Sltmofptjäre auf mandje nervöfe 3nbivibueu, iß Irirftidj merfwürbig. 3cfj X)abt Ijäußg gefeljen, wie namentlidj Slftfematifer in golge ber Smpßnbungen, bie ße in Üjrem Körper tjätten, einen beßimmten SBitteruttgS- t»ed>fel zwei bis brei Jage lang vorfeerfagen fönnten, obgleid) bie 3üdjtung beS SBinbes unb bie Jemperatur unb Didjttgfeit ber Sltmofptjäre lux ßtit nidjt im ®erlngßen veränbert war. Seute, weldje ein S3ein ober einen Slrm verloren Ijaben, 324 ©uttn's Haus-Slrzt. erfennen gewötjnlidj im «Boraus jebe ungünßige «Beranberung ber SBttttruttg an frompffeaften ©efemerzen in ben Musfein, weldje burdjfdjnttten ober verlebt tvorben ßnb ; unb Das 3"den biefer Musfein iß bem Sluge ßcfetbar. Diefe unwlflfürlicbfn Musfeibewegungen zeigen, baß ber SBitterungSwedjfel bas ©leicfegewfcfet jn>ifajen ber «Rerven- unb MuSfelttjätigfeit ßört. «Bei Spileptifcfeen bringt eine ungünjtiat Suftveranberung Slnfatte bervor. Sbenfo iß bie SBirfung geißiger Slufregung auf nervöfe Seute unb foldje, bie an «Reuralgie leiben, zu befannt, um feier weiter auf- führt zu werben. Ss iß bafeer bie «Pßicfet von Perfonen mit fotefeer tranffeaf- ten Slnlage, ßdj mü ben Sigentfeümlicfefeiten Iferer Körperverfaffung vertraut ju macfeen, unb bie verfdjiebenen Mittel, weldje zur Sinberung nervöfer Slnfälle beitra- gen fönnen, bem jebesmaltgen 3ußanbe IfereS «RervenfpßemS anjupaffen. «Wandte feaben mefer unb Mandje X)ahen wettiger In iferer «Ratur zu belämpfett. Die einfadjße Klaffe ber Mittel, welcfee nervöfe Slufregung feefdjwidjtigen unb Ui «Rervenfpßem träftigen fann, iß faß bie widjtigße; — tjierju gefeört vor SlDem regelmäßige unb feinlänglicfee «Bewegung in freier Suft bet gutem SBetter, ju ftufj ober iu Pferbe, eine bem Magen angemeffette Diät, «Jiegulirung beS Stufetgange«, SReinlidfeü unb «Pflege ber Haut unb faltes «Baben. Die bas Seiben feervorrufenbe Urfadje: ߣenbe «Befcfeäfttguttg, fpäteS Slufbletben, Uebermaß ober Slusfcfemeifung in irgenb einer «Beziefeung muß natürtid) foviel als mögltdj befeitigt werben. Da« falte ©djatterbab iß ein fdjä^bareS unb meißens fefer wirffameS Mittel bei biefem Seiben. Mandje «Perfonen ßnb fo nervös, baß ße bie Srfcfeütterung nicfet vertragen fönnen; wenn bies ber gatt iß, fo iß eine lauwarme Doucfee längs beS «Jlüden«, a\i [it)x bienlidj zu empfefelen; befonbers wenn irgenb ein Jfeeil beS «Jtürfgrat« gegen ben Drud empßnbliefe iß — was bei atten «Rervenfratifen uttterfudjt werben follte nnb ttur zu oft üfeerfefeen wirb. SBenn biefe Stnpßnbticfefett irgenbwie bebeutenb tß, wie man (riebt burefe vorßcfetiges Druden längs bes ganzen «JlüdenS In Srfabrnng bringen fann, fo iß eine befonbere «Befeanblung burdj Sontre-3tritatton (Segen- reize, wie z- 33. «Blafenpßaßer, fdjarfe Stnlmente u. f. w.) angezeigt. Der berufei- genbe Sinßuß warmer Umfcfeläge bes «Radjts unb falter «Bäber bes Morgen«, naefe weldjen ber Körper jebeSmal mü einem raufeen Hanbtudje gefeörig gerleben werben muß, wirb ßdj als ein großes SinberungSmittel bet ben qualvottßen nervöfen Slnfal« len erweifen, unb attmälig wirb baburdj eine günßige «Beranberung im ganjtn DrganiSmuS erzielt werben. «Bei mattdjen grauen von garter Körperbefefeaffenfeeit — unb auefe bei fräftigen grauen, zur 3eü, wenn bie fogenaitnten fritifdjen «Perioben, (ber «Beginn cUxUi Sluffeören ber Menßruation) eintreten — iß bas monatlicfee Unwofelfein nnb bie babei vorfeanbene «Jleijung ber ©eburtsorgane jebeSmal mit nervöfen 3u^ntfn verbunben. Hiergegen ftnb lauwarme «Bäber mit nodjfeeriger fräftiger «Jteibung ber Haut ein vorzügliches Mittel; ße werben faß immer bie franffeafte Smpftnbliajuil unb Slufregung beS «RervenfpßemS befdjwidjttgen. Mit wenigen SluSnafemen X)abt idj immer gefunben, baß warme «Bäfeungen bei ttt Neuralgie Sinberung fdjaffen. ©efer viel feängt babei von bem 3nftanbe Ux Set- bauungsorgane ober von einer zwedmäßigen Diät ab. Sine lange Srfaferung bat midj beletjrt, baß ber nervöfe Kopf- ober ©eßdjtsfdjmerz, weldjer bie täglicfee Cu«l Jaufenber iß, [idj Ijäußg auf Unorbnungen bes Magens unb Darmfanal« unb rt« franffeafte «Reizung ber Singeweibe zurüdfütyren läßt. Die geeigneten Heilmittel Neuralgie. 325 finb bann foldje, weldje biefe 3ußänbe befeitigen, unb wie ße an anberen Drten befproefeen würben; unb baS geeignetße «BerfeütungSmiüel beftetjt barin, baß ber Patient feine Statur in biefem «punfte fennen in lernen fudje unb wiffe, weldje Koß er »ertragen, unb weldje er nicfet vertragen fann. Die «Beb,anbtuitg ber «Reuralgie beßefet überfeaupt zum großen Jtjeit in bem riajtlgen Srtenttett uttb «Befeitigen ber erßen erregenben Urfadjen. 3dj hin Ijäußg gefragt worben: „Doftor, was iß eine neuralgifefee Körperverfaffung ?" Die Sltttwort ift, baß bie mti[ttn, bie an biefem Uebel leiben, ßcfe erß felbß eine foldje Körperverfaffung bereiten. 3um «Beifpiel «JKänner von großer Musfetfraft, weldje biefetoe vielfadj anßrengen uttb babei bie Singeweibe unb ben Unterleib burefe üppige Sebensweife unb gefdjledjtlicfee Slusfdjwet- fungen fdjwädjen, jietjett ßcfe feäußg eine franffeafte «Jteizuttg beS Stüdenmarfs zu, welcfee ßcfe bantt wieber rüdwärts in verfdjtebenen Seiben ber aus bemfelben entfprin- genben «Rerven äußert. Slnbere überarbeiten ifer ©eljün, fo baß bie Jfeätigfeit beS «DcagenS baburefe beeinträefettgt wirb, weldjen ße gleicfezeitig burefe «Jteizmütel quälen unb erfcfeöpfett. Desfealb ßnbet matt biefe Kranffeeit feäußg bri ©efdjäftsmännern, bie in iferer ©uefet naefe Srwerfe ßdj nicfet bie nöttjige «Jiufee göniten, bei enttäufdjten «Jjolltifern unb äfenliefeen Seuten, Dpspeptifern unb fotdjen, bie geiftige ©etränfe unb Zabad im Uebermaße in gebraucfeen pßegen. Unter grauen tritt ße am feäu- Rgften bei benen auf, beren tiefes unb feeftiges ©efüfel Stufregungen tjervorferingt, burefe welcfee bie gefunbe Jfeätigfeit ber Singeweibe geßört wirb; ferner bei betten, welcfee burefe fefenett naefe einanber folgenbe ©eburten unb langes ©äugen angegriffen ßnb. SBentt bie Kranffeeit einmal SBurzel gefaßt feat, ift ße gewöb, nlicfe fcfelimmmer Im grüfeting, als in anberen 3aX)xt$itittn. Durdj ßürmifdjes, regnictjtes SBetter wirb ße immer vermehrt. ©ewiffe «Rerven beS Körpers ßnb leidjter iteuralgifdjen Sltifättett ausgefegt, als anbere «Rerven; man feat verfcfeiebene KraitttjeüSttamett baraus gemadjt. Der «Rerv, beffen 3weige ofeerfeatb bes Slugapfels burdj bte ©djäbelfeötjle bringen unb ßcfe unter bem Sluge, im untern Kinnbaden, auf ber ganzen ©eßdjtsfeite unb in bie 3äfene verbreiten, iß berjenige, auf beffen Seiben man feauptfäefeticfe ben SluSbrud «Reu- ralgie ober Tic douloureux angewenbet feat. SBenn ber große «Rerv, weldjer feinter bem Hüftgetenf uttb auf ber «Jtüdfeüe beS Dberfdjenfels läuft, ergriffen iß, fo tjeißt bie Kranftjeit Sciatica (Hüftwefe). Der Tic douloureux fommt aud), unb zwar jiemlidj feäußg, in ben «Rerven beS SlrmS, vorzügiidj bes «Borberarms, vor. Slls ein »orübergefeenbes Merfmal ber Dpspepfte, werben Ijäußg neuralgifctje ©djtnerzeit in ben gittgern, in ben ©djultern unb iwi[djtn ben «Jüppen empfuuben. 3dj tjabe Saite von «Reuralgie gefefeen, wo jeber widjtige «Rerv beS Körpers innerfealb vier unb jwanjig ©tunben ergriffen würbe — unb einen gatt, wo Sntblößung ber Hanb vom £anbfdjufe fünf Minuten lang ben feeftigßen ©cfemerz verurfadjte. Ss iß bei unfe- rer gegenwärtigen Kenntniß bes «RervenfpßemS vergeblicfe, ßdj auf «Bermuttjungen etnjulaffen, warum gerabe biefer ober jener «Rerv ber ©t£ fcfemerzlidjer Smpßnbungen unb franffeafter Mitfeibenfdjaft wirb. Dod) iß es offenbar, baß ©törungen in ben S3erricfetungen ber Seber mit Sciatica ober Hüftwet) in «Berbinbung ßetjen; baß ße$ Ui neuralgifcfeen Seiben beS ©eßdjteS gewöfentidj aud) nervöfe Unorbnungen be3 Wagens ßnben; unb baß, wenn ßd) eine franffeafte Reizung ber ©ebärmutter zu ber bes Magens gefeilt, meißens «Reuralgie ber Kopffeaut ober nervöfer Kopffdjmerj entßefet. Die Stgeittfeümtidjfeiten ber nervöfen Slnlage ßnb bei verfdjiebenen 326 ©unn's H « u s »St r z t. Mejtfdjen fo verfdjieben, baß es ber beße «Jlatfe iß, ben man bem Kranfen geben fann felbß aufzupaffen, was ßdj mit feinem Magen nicfet verträgt, unb biefe Slrtifel tu Vermeiben, fowie audj jebe Ueberlobung unb Ueberreizung mit fonß ifem zufagenben Dingen. 3n SBejug auf allgemeine Diätregel muß jeber nervöfe Patient fein ei«. ner Slrzt fein. Dabei iß, wie gefogt, «Bewegung nötfeig, um bie «Berridjtungen bet Singeweibe in regelmäßiger Jfeätigfeit iu erfeatten; vorzügllcfe wäfele man fclcfc SBewegung, welcfee ßefe mit angenefemer grißtger Srregung verbinben läfjt, alfo ©pazlerengefeett in ©efettfdjoft, «Jtetfen burefe intereffante Sanbfdjaftcn unb berglet- efeen. — Dodj muffen fumpßge ©egenben vermieben werben, ba bie auffteigenben Dünße leidjt bas «Rervenfpßem ßörenb beeinßuffen fönnen, vorzügiidj bei iRtjeu- matifern nnb Slßfematitern. «Bisweilen wirb bie örtlicfee «Jiefzung ber ergriffenen «Rerven fo ßarf, baß ti nctfe> wenbig iß, ein Mittel aus ber Klaffe ber fogenannten ©ebattva anjuwenben, b. ). Mebizinen, weldjen rine rigetttfeümttcfee berufeigenbe unb fcfemerzßillenbe SBirfung auf bie «Rerven zufommt; bazu gefeören : Dpium, ©tfeierlittg, «Bellabonna, Kampfeer, «Bibergeil, «Baibrian, Slufguß von Mofenföpfen, unb Morpfein. SllS fefemerjftidenbe Mittel ftnb baS Morpfein, bie «Bellabonna nnb ber ©tecfeapfel (©tramonium) an fräftigßen. SitteS berfelben fottte furz vor bem erwarteten Slnfaü, ber ßcfe gewöfen- licfe, beS Morgens einßellt, gegeben unb fpäter rin* bis zweimal wieberfeolt wtrben, bis bie ©efemerzen geminbert ßnb. Der erwäfente Slrtifel fottte fowofel äujjerlid), in ber ©eßalt von SBafcfeungen unb Umfcfelägen, als tnttertiefe, in Pillen*, «Pulver- ober Jinfturenform (wie ße in ben Slpotfeefen Zu l)ahtn ßttb) gebraucfet werben. «Blafenpßaßer, Haarfetle unb gontanette werben fetjr feäußg gegen biefe Seiben mit Srfolg verorbnet. «Jtetzmittel unb Kräftigungsmittel muffen, je nadj Umftänben unb nadj ber «Ratur bes gattes, gereiefet werben. «Purganjen pßegen ben ©efemerj ju mitbern. Heiße «Bäber unb feeiße Jpopfenumfdjläge auf bte leibenben Ifjtile fefeaffen gewöfenlicfe Srleidjterung. Die fogenannten "Hot Drops," welcfee in ben Slpotfeefen erfealten werben, fönnen als gutes SinberuttgSmittel gelten. «Bei feeftigen gätten von «Reuralgie tfeut man am beßen, einige Jropfen Saubanum ober etwas Morpfein zu geben, ba biefe Mittel nidjt allein fcfemerjßillenb Witten, fonbern audj bie gewöfenlicfe verzagte ©emütfesßimmung befeitigen unb ben «patien« ten aufridjten. Dagegen ßnb aüe Strien fpirüuöfer ©etränfe von Uebel unb bürfen nur im äußerßen «Rotfefatt, wenn baS Sebeit/ bes «Patienten burdj große ©efewaefee bebrofet iß, in Slnwenbung fommen. Um ©ctjlaf tjervorzuferingett, mufj Ut ?au« banutn ober Morpfein wenigßens vier ©tunben vor bem 3ubettegefeen genommen Werben. «Bietteidjt eines ber beßen fcfemerzßittenbett Mittel bei biefer Kranffeeit ifl ber «Baibrian, wenn er frifdj unb von guter Dualität iß. Sin abgeßrlajener Jfeee* löffel voll von bem «Pulver iß ungefäfer bie gewöfenttefee Doßs, wetdje wäferenb M JageS atte zwei ©tunben zu wiebertjolen iß. Dber man fann einen falten Stofguf von einer Unze iit einer tjalben «Pinte SBaffer madjen unb bann alle jwei ©tunben jwei Sßlöffel vott netjmen. Der ©efeierting iß ebenfalls von wofettfeätiger SBirfung unb wirb von Mantfeeit bem «Baibrian vorgezogen. Sin ©ran beS SrtraftS, breimal täglicfe,, iß bie gen>ö> liefee Doßs. «Bisweilen iß es nöttjig, baß bie «Rerven burd) ben ©ebraudj von Sfeinin, Gif»«' roß ober Mineralfäurett geßärft werben. Sifenroß ober ®rifßtfe/s «JJUrtut, >U Huftwefe;. 327 tn jeber Slpottjefe in tjaben iß, getjört zu ben beßett tonifdjen ober fräftigen* ben «Mitteln. 3cfe habt bei ber, «Reuralgie bas Sfeittitt als eines ber fdjä^fearßen, zuverläf* ftgßen uttb unfdjäbltdjßett tonifdjen Mebifamente bewährt gefunben; iefe pflege es in «Berbinbung mit Morpfein zu reicfeen—iwti ©ran Sfeinitt mü einem Sidjtet* ober Sßiertelgran Morphin, ein* ober zweimal tägiidj, je nadjbem bie Umftänbe es erfeeifefeen. Die Doßs beS Morptjin iß ein Sldjtel bis tjöcfeßenS ein fjalfeer ©ran; ein ©edjS* tet ©ran iß ebenfo ßarf, wie ein ©ran Dpium. Dies verbient befonberer Srwäfenuug, ba in alten gätten, in benen Dpium ats «BerufeigungStnütel angezeigt iß, ßatt feiner bas «JRorpfein gegeben werben fann, uttb ba legeres von manefeen «Perfonen fefer viel beffer vertragen wirb unb nur feiten von ben unangenefemeit SBirfungen begleitet iß, bie bas Dpium zuweilen hervorbringt. Ss fantt in «Pillen* ober «Pulverform genommen werben. Slls äußerlidje Mittet gefeören Sfeloroform=£inttnent, ©almiafgeiß, faltes SBaffer unb warme Hopfenumfcfetäge in ben beßen. $ u f t to e $• — Sciatica. Dies Iß, wie gefagt, ttur eine befonbere gorm ber «Reuralgie, weldje bie «Jterven ber Jpüftgegenb befällt. Ss gilt itt 33ezug auf bie Urfadje n. f. w. ganz baffelbe, was bereits über «Jceuralgte im Slttgemeinett gefagt iß. 33efe anb tung.—Sleußerlidj ßttb reizenbe Sinimettte zu gebrauchen, golgenbes iß für biefen gatt befonbers wirtfam j Sllfofeot unb Jerpentinöl, je zwei Unzen; ©efeler* IlngStannenöl (Oil of Hemlock) unb Sfeloroform, je eine Unze; Kamptjer, eine fealbe Unje. Man reibe bamit bie fefemerzfeafte ©teile zwei* bis breimal tägiidj gefeörig ein. SBenn bieS nidjt ausreiefet, braudje man fonßige Sinimente, bie wir anbererorts gegen «JtfeeumatismuS, «Rervenfdjmerzett u. f. w. empfofeten X)abtn. 3nnerltcfe nefeme ber Patient zuerß ein fräftiges SlbfüfermUtel; vorzügiidj eignet ßctj feier bas Pobopfepttin. «Racfebem baffelbe gewirft, beginne ber «Patient mit fol* genber a 11 era t tv e r Mifefeung, vorzügiidj wenn baS Selben mü «JtfeeumatismuS jufamntenzufeättgen fdjeint: ©uajaf*, ©djminfbeeren*, ©tadjelefdjett* unb Macro* tps-Iinftur, je eine Unze; bie Doßs iß etwa zwei Jfeeelöffel vott, brei* bis viermal täglicfe. Dber man bereite rin «Bitteres aus biefen Slrtifettt, inbem man eine Unze ©uajaf*Harz unb je zwei Unzen von ben anberen Slrtifeln nimmt, ße zerßößt unb in eine Quart guten «Branntwein ober SBfeisfp fdjüttet unb iwti Jage lang ßetjett läßt. Die Doßs iß ein X)alfees SöetttgtaS voll breimal tägiidj. «Pitteit von M a c r o t i n mit fo viel ©djminffeeeren*Srtraft, baß baraus eine «Pittenmaffe wirb, von benen eine SlbenbS unb Morgens zu nefemeit ift, ftnb gleichfalls ein trefffictjeS Mittet, gür fonßige «SRittel wirb ber Sefer auf bie «Jiezepte im Slnfeange verwiefett. Berner iß es empfefelettswertfe, ben leibenben Jfeeil ober audj ben ganzen Körper fcott 3eit in ßtit ben Dämpfen einer Slbfodjung bitterer Kräuter ausjufe^en ober ein regelmäßiges Dampfbab ju nehmen. 328 ©unn's H i u « « St r j t. iTJerbenftfatnadie. ©ogenannte «Jiervenfdjwäcfee, «Rervoßtät u. f. w. ßnb etwas unbeßimmte Sluf- brüde, mit benen gewiffe 3ußänbe ber «Jleizfearfeü unb ©cfewädje — einer «DUfcbung geißigen unb förperlidjen SeibenS — bezetdjnet werben, weldje von allgemeinem Danleberliegett ber SebenSfräfte ober vorübergefeenberen Urfadjen feerrüferen mögen. Der tfeätig tebenbe Sanbmaitn, ber garmer, ber 3äger, ber gewöfenlicfee Slrbeiter unb Seute, bie ßcfe viel «Bewegung in freier Suft macfeen, werben nidjt bavon beim« gefucfet; meißens nur «Perfonen, bie rine ßjjettbe Sebensweife füferen, bie itjre 3eit ir ber ©tube ober im ©efcfeaftslofole zubringen, bie ifer ©efeirn burefe übermäßige geißige Stnßrengung ober iferen Körper burcb, Müfßggang unb Slusfdjweifungen erfdjöpfen. grauen leiben feäußger an «Rervenfcfewäefee als Männer; unb zwar, abgefeben »on ben vielen gätten von Hößerle, weldje Kranffeeit nur eine befonbere gorm bei «Rervoßtät iß. «Bei biefem Uebel pßegt eine übergroße Smpßnblicfefeü für äußere Slnßüffe vor- feanben in fein ; wäferenb anbererfeüS jebe geiftige Srregung, freubiger ober trauri- ger Slrt, gegrünbet ober ungegrünbet, einen ungewöfeitticfeen Sinßuß auf ben Körper unb feine organifdjett «Berridjtungen übt. Das Herz ffopft bei ber leicfetejten ©emütfesbewegung, bie Hanb zittert, bas ©eßdjt rötfeet ßcfe bet ber unbebeutenbften Slufregung ; unb ber «Patient zeigt eine «Jteifee anberer ©pmptome franffeaftntrvöftr Srregborfeit, bei ber geringßeit «Berantaffung, bie auf «Perfonen von ßarfer geiftiger unb förperlicfeer ©efunbfeeit faum einen Sinbrud feervorferingett würben. Subti- len näfeert ßdj bieS Selben ber Hppoefeonbrie unb muß als foldje befeanbelt werben. 3n anberen gätten iß es bloße allgemeine ©cfewädje unb wirb burefe Stiles, toxi ben DrganiSmuS ßärft unb fräftigt, gebeffert. «Befeanblung. — Sllfofeolifdje «Jülzmütet unb Dpium*Präparate werben vielfaefe von Männern fowofel, als grauen angewenbet, um gegen biefe 3"ßänbe Srleidjterung zu fdjaffen. Dfene 3u>eifel gewäfereit ße audj zeitweilige Stleicfeterung; bodj fottte man ßdj nidjt auf fie verlaffen, ba ifer beftänbiger ©ebrauefe oft mtfet ©ctjaben als «Ru^eti ßiftet uttb leidjt eine ©ewotjtüjeü erzeugt, weldje fdjfitnmer ift, als bas urfprüngltdje Uebel felbß. 3fere Slttwenbung erforbert «Borßdjt unb barf nie lange fottgefejjt werben, ©ie fönnen IjödjftenS nur vorübergefeenb von «Ru|**n fein. — «Bewegung in freier Suft iß eines ber mädjtigßen Mittel, um ba« Seiben ju bewältige« uub attmälig ben «Rerven Üjre ©tärfe wieber zu geben, ©pazierengefeen, Steilen, Sirbeüen im greien, vorzügiidj gewöfenlicfee garmarbeü werben oft SBunber tljuit. SBeibltdje «Patienten werben biSWeiteVt gut tfeun zu bebenfen, ob es beffer für ße fei, ßefe «Bewegung in ber Suft zu madjen, felbß zu gelb* unb ©artenarbeiten fiefe feerbrizulaffen ober 3af>re lang zu bulben unb fcfeließüdj vor ber 3"t fln ®trotn' franffeeiten in ßerben, bie burdj wridjtidje ©ewofenfeeüen, Müfßggang, Mangel an ©onne unb frifdjer Suft, attmälig einen ©rab erreiefeen, ber feiner btxlxxxix. mtfet ZugängUdj iß. garmerstöctjter, bie tägtiefe, ifer Jfeeil Slrbeit außer bem £auß feeforgen, wiffen feiten etwas von «Rervenfcfewäefee, Srfcfeöpfung u. f. w. Das ©djauer* ober ©turzfeab triftet rrefflicfee Dienße. Mandje petfonen, © dj w i tt b e l. 329 namentlicfe fdjwäctjltdje grauenzimmer, fönnen bie Srfdjütterung bes falten ©djauer* babes nicfet ausfealten; bann braudje man zuerß etwas wärmeres SBaffer unb attmälig immer füfeler, bis es ganz falt ertragen werben fann. Sluefe tann bie jebesmalige Slttwettbuttg grabwrife gefcfeetjett, bamit bie ptö^lidje Srfdjütterung nicfet ju ßarf fei. Sluefe falte «Begleßungen längs bes 9utdenS ftnb gut. Man wirb nämlicfe, oft ßnben, baß bas «Jtüdgrat bri biefem Seiben mefer ober weniger empßnblidj ift, unb bafj in ber Jfeat bort oft ber etgentlicfee ©iij bes Uebets zu fucfeett ift. Datjer uiüerfudje man es forgfältig, inbem man vom oberften bis zum uttterßen SBübet mit ben gin* gern einen Drud vornimmt; unb wo eine empßnblicfee ©teile bemerft wirb, fottte ein Haezpßaßer aufgelegt unb ein bis zwei SBocfeen lang liegen gelaffen werben, um einen fräftigen ©egenreiz in erzeugen. Dies werbe, je nadj Umftänben, wieberb, ott. Dem 3ußanbe bes Darmfanais unb ber Haut iß bie nötfeige Slufmerffamfeit zu* juwenben. Der ©tufelgang muß, wtnn nötfeig, burefe eine gelegetülicfee Doßs mit* ber SlbfüfermUtel regulüt werben. Die Hauttfeätigfeit mux) burefe Saugettfeäber, bie ein* bis zweimal wödjenttid) zu nefemett ßnb, unb «Jteibungen beförbert werben. «Bei faltem SBetter trage man glanett auf bem bloßen Seibe. Slufjerbem ift ber ©ebraudj eines guten ßärfenbett 33 i 11 e r tt iu empfefelett, mit bem möglicfeer SBeife Monate lang fortgefaferen werben muß. Dies Uebet fann nicfet mit einem Male befeitigt werben; bie Kur erforbert 3eü unb fantt nur eine altmälige fein, golgenbes gibt einen ausgezeichneten «Bütettt für biefen ßwed: SUtan nefeme SBilbfirfcfeenrinbe, Kornelfirfcfjettriitbe, Pappelrinbe unb ©affafras* rinbe, SltleS in fleitte ©tüde gefdjttütett — je eine Hanbvott; feiequ Kamittettblu* men, eine Unje; tfeue baS ©anze in tin ©efäß unb gieße gerabe genug focfeenbeS SBaffer auf, um es zu bebeden; laffe über «Radjt ßefeen; bann fcfeütte Stiles in eine glafcfee ober Krug unb füge ein Duart guten SBtjiSfp ober Sognac feinzu ; fer* ner eine Unje fofelenfaures Sifen, eine fealbe Unze gepulverter ©ewürznelfeit unb ein bis zwei geriebene MuSfatnüffe. Hiervon iß ein* bis zweimal täglicfe ein guter ©cfelud zu nefemett. SBenn ber «Patient nictjt SBtjisfp ober Sognac vertragen fann, fo fann man ßatt beffen Portwein, Mabeira* ober Satawbawein gebraucfeen. Mandje anbere «Bitters würben gleiefefatts gut frin. Doefe laffe man nie baS fofelenfaure Sifen fort. SBenn man ßcfe etwas ©infeng (Kraftwurzel), SBurzel ber gemeinen «Rarbe unb grauenfefeub, ober 33atbrian verfdjaffen fann, fo wirb man gut tfeun, gleicfee Jfeeile bavon feinzuzufügen; eS ßnb bieS fefer ttü£tidje, nervenßärfenbe Mü* tet, bie auefe bei Hußen unb Sungenleiben ijeilfam wirfen. «Bor Slttem vergeffe man nicfet, baß geljörige «Bewegung im greieit bas Hauptmittet ber Kur feilt muß. ©djtotnbel. — Vertigo. Das ©djwinbligwerben ober „©djwimmen im Kopfe," wie matt es audj ,tennt, Pßegt oft nur bas ©pmptom einer anberen Kranffeeit, wie Hößerie, DpSpepße, «Blut- anbrang nadj bem Kopfe, Magenfäure, SBürmer n. f. w. zu fein; es fann audj als warnenbes ©pmptom vor bem ©djtagfluffe auftreten. £er Slnfatl beßefet barin, baß ber ^atknt füljlt, als ob itjm bas «Bewußtfeitt ver* ßffee; Sllles fefeeint mü itjm in bie 9tunbe zu getjen; er taumelt unb iß bisweiteu in ©efafer 2u fallen, 330 ©unn'S HauS-Slrzt. Das Seiben iß an unb für ßcfe nicfet gefäferticfe, außer wenn eS burefe UeberfüUunj ber «Blutgefäße beS ©efelrnS veranlaßt wirb. 3n biefem gatte muß bei 3eiten fräftig eingefeferitten werben, ba fonß leidjt ©cfetagßuß ober Paralpfe bie jolgt fein fann. SBenn ber ©cfewinbel burefe anbere Kranftjeiten veranlaßt wirb, fo verliert er ßdj mü Sntfernung berfelben von felbß. «Bei grauen wirb er oft burefe fefewierige ober unterbrüdte Menßruation veranlaßt. «Befeanblung. — «Bor Slttem muß man ber Urfacfee beS Seibens auf bit 8pnt Zu fommen fuefeen, um biefelbe zu entfernen. SBenit bas Seiben im Kopfe ftlbjl feinen ©i0 zu feabett fdjeint, ober von verbotenem Magen feerrüfert, gebe man eine fräfttge «Purganz unb mieberfeote biefelbe von ßtit iu ßtit. Das oft ermäfente «Pobopfepttum (Sntenfuß, May-apple) iß feierzu am beßen; vorjüglidj wenn bie Kranffeeit ifere Urfacfee im ©efeirn feat. Sin getegetüttdjeS «Brecfemittel wirb oon «Ru|jen fein, befonbers wenn eine Unorbttuttg bes Magens mit im ©piele iß. Xie güße foüten tjäuftg gebabet unb gut gerieben werben. Man ßeüe bie ©leiefemetfjig« feit ber 3üfulation feer, leite bas «Blut vom Kopfe nad) anberen Körpertfeeilen, fealte bett ©tufel offen unb ben Magen rein, unb bas Uebel wirb balb verfcfewinben. D t) n tn a dj t. Das „In Dfenmadjt fatten" iß eine in befannte Srfdjetnung, ats baß es feier bei «Befdjretbung bebürfte. Ss tann burefe bie verfdjiebenßeit Urfacfeen feerbeigtfüfert werben, wie unter anberen: Durcfe «Blutvertuß unb bei Manefeen burefe ben biofitn Slnblid beS «Blutes; burd) feeftige Seibenfdjaften; burefe große ©efemerzen unb Dualen; burefe übermäßige greube; burefe ben Slnblid wiberwärtigerDinge; burefe gurdjt; burefe Uebermaß im Sffen unb Jrinfen; burefe efelfeafte ©erücfee; burd) unreine unb unfrifdje Suft; burdj anfeattenbeS ©tubium u. f. w. So fann auefe bas ©pmptom anberer Kranftjeiten, vorzügiidj bes Herzens unb ©efeirn* fein. «Perfonen von fdjwäcfelitfeer unb zarter Körperverfaffung ßnb folefeen Slnfäüeu burdj bie geringfügigßeit «Berattlaffuttgen ausgefegt. SBentt es feäußg bei einer fonj) fdjeinbar gefunben unb fräftigen «Perfott eintritt, ofene baß eine natfeweisbate ßarle Urfadje vorfeanben iß, tjat matt ©ruub KranftjeüSzußänbe bes Hetzen« ober Ui ©efeirns zu feefürefeten. S3eb,anblung. — Der ober bie iit Dtjitmadjt ©efattene foüte fofort auf ben «Jtüdett gelegt werben, bie Kleiber um ben Hals unb bie «Bruß muffen gclöft unb faltes SBaffer in bas ©eßcfet gefprengt werben. SBenn bie Dfenmadjt in einem bebrüdten ober überfüllten 3immer ßattgefunben, muß ber Patient gleitfe in bie freie Suft gebradjt werben. Hanfee, güße unb Slrme mögen gefeörig gerieben werben. ©atmiafgeiß ober Hüfdjljoritgeiß (Spirits of Hartshom) muß unter bie «Rofe gefealten werben. Das ,,«Jftied)fIäfdjdjett," weldjes Damen, bie iu Dfenmadjcen geneigt ftnb, gemöfenttdj fdjon bei ßefe tragen, iß in fotdjen gätten ganz Zwedmäßig. 3nnerlicfe gebe man ein bis zwei Jtjeelöffel vott zufammengefejjten Savenbelfpui' tus, mit etwas ©almiafgeiß in SBaffer. Das «Berljältniß beS Savenbelfpiritui jnnt ©almiafgeift muß wenigßens wie vier zu eins fein. Sluefe ein Jfeeelöffel voü 91«-6 ober zufammengefe|te M»rrijen=Jittftur (ßefe> «Rezepte) iß gut. Diefe »l fonn P a r a l ö f e. — £ a fe, m n tt g. 331 man, je nadj Umßänben, ßatt mit bloßem SBaffer mit etwas SBein ober «Branntwein geben. Dodj in ben meißen gäüen iß frifdje Suft unb faltes SBaffer Stiles, was notfewenbig iß. perfonen, bie an Dfenmacfeten leiben, fotttett atte gebrängten «Berfammlungen unb alle «Räumliajfeüen, wo nidjt genug Süftung iß, vermeiben. Sbenfo muffen ße ßcfe vor geißiger Slufregung unb vor ftarfer Srmübung tjütetn 33or allen Din- gen aber ße ifenen feßeS ©djnüren verboten. iparaltjfe. — ßäljinuttö. Die p a r a l p f e feat itjren ©i£ im «Rervenfpßem unb feeßetjt in einem SSerlufi ber S3ewegungsfäfelgfeü in bem befallenen Jfeeile, wozu ßcfe feäußg auefe Smpßn* bungsloßgfeit gefeilt. Die gewöfentitfeße gorm ber Kranffeeit iß bie fogenanitte fealbfeltige Säfemung, wenn bie recfere ober bie linfe Hälfte beS Körpers ber tßtwt^ gung beraubt iß; feäußg wirb audj bte ganze untere Körperfeälfte befallen. 3m erßerett gatte nennt man fte Hemi pteg i e, im leereren «Paraptegie. SBenn bie Srregbarfeit ber «Rerven nidjt ganz fcernidjtet iß unb bie Säfemung nur unvott* fommen iß, nennt man ße «Par e fis. SBenn ße nur tin einzelnes ©lieb ober gewiffe Musfein befällt, fpridjt man vott einer ttjeilweifett Säfemung. ©pmptome. —Die ©pmptome ber «Paralpfe ßnb gewöfenlicfe beuttid) genug unb laffen ßcfe nidjt leidjt »erfennen. ©ie fantt ganz ^tö^ticr), mit bem unmütet* baren «Berluß beS ©efüfels unb ber S3ewegung in bem befallenen Jfeeile, auftreten. Dodj bisweilen getjt eine Stnpßnbuttg ber Srßarrung ober Kälte vorfeer, ober ein unwillfürficfees frampftjafteS 3uden ober anbere ©pmptome, bie bem Slnzeidjeit ber Sipoplerie äfenltcfe, ßnb. «Bisweilen verliert ßd) bie Kranffeeit oon fetbß, mit einem Durefefatt ober einem gieber. Sin ©efüfel zurüdfeferenber SBärme unb ein teiefeter pridetnber ©efemerj in bem betreffenben Jtjeile, nebß zurüdfeferenber Smpßnbuttg unb S3ewegungsfätjig» feit, fann als ©pmptom ber ©enefuttg betradjtet werben. Urfadjen.—Säfemung fattn burdj irgenb etwas veranlaßt werben, was ben ßußuß bes «R e r v e it f l u i b u m s vom ©etjirn in bie «Bewegungsorgane ver* feinbert; ©efdjwülße, bie auf baS «Jtüdenmarf ober widjtige «Rervenftämme brüdenj Drud in golge von 33errenfungen unb Kttodjenbrücfeett; Kranftjeit ober «Berufung, ber «Rerven u. f. w. gertter bie lange fortgefe^te Sinwirfungen gewiffer giftiger (Sinßüffe, wie zum «Beifpiel metattifdjer Dämpfe unb ttarfotifefeer Mittel, bie Sluf* nafeme von «Blei in ben DrganiSmuS (bei SBleiarbeüern bie «Bleivergiftung) u. f. w. ©ie fann auefe bas ©pmptom anberer Kranffeeiten fein, wie von SBürmern, ©fro* pfeeln, ©ppfeilis, Sipoplerie, ober als eine golge biefer Kranffeeiten auftreten. S3efeanbtung. —SS iß nidjt oft, baß ßcb, viel gegen bie Hemiplegie, ober Paraplegie tfeun läßt, ttamentlicfe, wenn ße bereits lange beßanben tjaben unb fowobl «Bewegung, als Smpßnbung verloren ßnb. Dodj in bem erßen ©tabium ber kranffeeit fantt burd) geeignete «Betjanbfuitg oft Heilung erzielt werben. 3m «Beginne, wenn ber Sinfatt plöfclidj unb feeftig iß, fdjlage man baffelbe 23er- faferen ein, weldjes bei ber Sipoplerie empfotjfen iß. Sei frampftaftett ©pmptomen, heftigen 3udungen nnb 23eraerrunaen bei 332 ©uttn'S Haus-Slrzt. MuSfeln, bie ßd) oft and) im ©eßdjte zeigen, gebe man folgenbe frampf« uttbfdjmtrj- ßittettbe Mifdjung : ©djwefelätfeer unb Sobetia*Jinftur, je eine Unze; fpanifdje «Pfeffer»Jinftur unb Saubanum, ie eine Ijalbe Unze; man ntifdje uttb gebe rinen Jfeeelöffel voll alle jefen bis breißig Minuten, bis ftcfe bie Krämpfe legen. Der «Jtüden muß mü einem reizenbett Sinimente, ober fpantfdjem Pfeffet unb Sfßg, eingerieben werben; ebenfo ber befallene Jfeeil, unb zwar muß fräftig mit ber Hanb gerteben werben, ©obalb bie bringenbßett ©pmptome geinilbert ßnb, mujj man auf rine eingreifettbe «Befeanblung feebadjt frin. 1. Man öffne ben Seib. Ss wirb meißens ttötfetg fein, Klpßiere 31t fefeen, ba bie «Berßopfung gewöfenltd) groß iß unb ber untere Körpertfeeil fo geläfemt obtt utüfeättg iß, baß «purganzen nicfet ifere fonßige SBirfung auf ben Darmfanal äußern. Slußerbem iß eS beffer, nidjt bie tangfamere SBirfung eines Slfefüfermittet abzuwar- ten; benn es fantt fein, baß bie Berßopfung beS Darmfanals bie Haupturfadje ber vorfeanbenen ©törung iß. Dodj fann matt gleicfezeitig eine fräftige Purganj geben — zum SBeifpiel bas anUblliöfe «Pulver ober ©entia unb «Bitterfalz. «Dtan bereite fotgenbes Klpßier : ©epulverte Sobetia unb fpaniftfeer «Pfeffer, je ein Ifete- löffet voll; Kocfefalz, ein Sßlöffel vott; ©efemalz ober Kaßoröl ober Dlivenöl, eine «Biertel pinte; focfeenbeS SBaffer, eine Pinte. ©obalb es abgefüfelt genug iß, gebe man bie Hälfte bavon, vermittelß einer großen ©prü^e, als Klpßier; unb bie anbere Hälfte, wenn bie erße wieber abgegangen ift. Dies wirb, wenn eS überfeaupt mbg« liefe iß, ben Darmfanal zur Jfeätigfeit anregen unb eine Sntteeruttg veranlagen. 2. Ss muffen jeben zweiten ober brüten Jag SlbfüfermUtel gegeben werben; jutn «Beifpiel bie antibiliöfe «Purganz ober «pitten aus «pobopfepttum*Srtraft unb fpanifajem Pfeffer; ober man brauefee baS «Pobopfepttin unb Septanbrin in 33etbin> bung. Diefe beiben ftnb fonzetürirte «Präparate; bas erße wirb aus ber Sntenfujj« (May-apple) SBurzel bereitet unb baS zweite aus Septanbria «Birginica (Black root); ße ßnb je£t in ben meißen Slpotfeeten in ßnben. Die Doßs für eine erwaefeftne «Perfon iß ein bis brei ©ratt von jebem. «Beibe ßnb fdjäfcfeare Mittel bei vielen Kranffeeiten. 3. Der «patient fottte ferner folgenbe «Rervettpüfen nefemett: «Bllfenfraut*Srtraft, vierzig ©ran; ©turmtjut*Srtraft, gtoansig ©ran; Mafrotin, iwaniia, ©ran; feierauS madje matt zwanzig «Pillen, von benen eine Morgens unb SlbenbS z" «V uten iß. Das Mafrotin gefeört audj zu ben neuen fonzentrirten Pßanjen- Präparaten unb wirb aus ber fdjwarzeit ©djtangenwurzel (engl. Black Cohosh, lat. MacrotysRacemosa) bereitet; eS iß meiftenS mit bem pobopfepttin unb Sepram brin zufammen zu tjafeett ober fantt von einem „e f l e f t i f dj e xx" Slrzte bezogen werben. 4. Sin gutes tonifefees «Bitteres iß ebenfalls rattjfam, etwa folgenbe«: «$an nefeme von ber inbifdjett Hanfwurzet (Apocynum Cannabinum) unb ©tacfeel» efdjen*«Ritibe, je eine banv vott; man zerßoße unb gieße eine Pinte foajenben SBafferS auf. SBenn es falt iß, tfeue man Stiles in eine ©teintrude ober eine glafcfee unb füge eine «Pinte guten SBfeiSfpS unb eine Unje fofelenfaures Sifen feinzu. Hiervon iß ein tjalbeS SBeingtas vott, breimal täglicfe, ju nefemen. Sine Hanb vott grauenfefeufe* (Lady slipper) SBurzel ift rine gute 3"^*- ttx inbiani'^e Hanf allein iß ein gutes, vorzügliches Mittel bei atten paralptifcfeen «R e r v ö f e 3 Herzflopfen. 333 Beiben. Sin Slufguß von M u 11 e r f r a u t (Fever Few), weldjer falt unb in reicfelidjer Menge getrunfen werben fann, iß ebenfalls ein fdjäjjbareS Mittel, fowotjl bei biefer Kranlfeeit, als auefe bri «Beitstanz unb anberen «Rervenleiben. Die befallenen Jfeeile fottten rin* bis zweimal täglicfe mit einer gefättigten ©atz* löfung gewafdjen uub gerieben werben. Man aefete auf ben 3ußanb ber Haut unb bes allgemeinen «BeßnbenS. 3rgenb ein leidter Säfemungsanfott wirb ßcb, burefe bie angegebene «Befyanbtung leiefet befeitigen laffen, wenn ber «patient nidjt fetjr alt unb fefewad) iß. «JJcrööfeS §crjflo*fen. «JRandje Perfonen leiben an plö^lidjem, nngewöfeitlid) ßarfem, beängßigenbem herjflopfen, bas ßcfe bei ©emüttjsaufregungett, übermäßiger Stnßrengung — wie jum «Beifpiel bem feaßigen Sluffteigeit einer Jreppe — ©djredunb bergleidjen, oft auefe otjne befonbere «Berantaffung elnftettt. «Bisweilen wirb es nur burefe bas Sljjen in einem falten, feuefeten 3immer feervorgebraeijt. Die Urfadje liegt feäußg nur in einer allgemeinen «Rervenfdjwädje, obgleicfe es auefe baS ©pmptom von Herz* tranffeetten, DpSpepße unb anberen Uebeln fein fann. «Bietteidjt in ber Meferjab,! ber gätte fann biefem Klopfen Sinfealt gerb,an werben, Inbem ber Patient ßctj rutjig auf bas «Bett, unb zwar auf bett «Jtüden legt, unb tief Sltfeem feolt, fo baß ßcfe bie «Bruß foviet als mögttdj auSbetjnt. Sittige tiefe Sitfeem* jüge, mit langfamem, attmäligem Sntweicfeett beS SlttjemS, werben im Stttgemeineit fofort Srteidjterung fdjaffen. SBentt nicfet, fo fann man von folgenbem Mittel fefenette Sinberung erwarten: «JRatt nefeme 33ifeergeil*Jinftur, ©djmefetätfeer unb zufammengefe^te Savenbel* Jinftur, je eine Unze; bie Doßs iß ein Jfeeelöffel vott atte fünf bis zetjn Minuten. Ui «Berufeigung erfolgt. Dber man nefeme guten Sognac, SBfeisfp ober «Branntwein mit etwas fpamfefeem Pfeffer ober ©pattifdjpfeffer*Jinftur ober zufammengefeijrer Mprrtjen*Jittftur barin unb 3efen bis zwanzig Jropfen Saubanum. Dies wirb als reizenbes uub fefeweiß* treibenbes Mittel wirfen unb bas «Blut an bie Dberßädje treiben, fo baß bie fleinen Äapitlargefäße berfelben ßcfe füllen, unb ber Drud bes «Blutes vom Herzen abgeleitet wirb, ©ewöfeittidj folgt biefem Mittel fcfeon In wenigen Minuten Srteidjterung. ©tramonium* (©tedapfel*) Jinftur unb Digitalis* (gtngertjut*) Jinftur, zu gleictjen Jferilen gemifefet, unb zetjn bis zwanzig Jropfen bavon tägtiefe zwei* bis breimal genommen, iß ein gutes Mebifament für «Perfonen, bie an Herzflopfen leiben — befonbers wenn irgenb eine organifefee Kranffeeit bes Herzens bemfelben ju ©runbe liegt, ©egen etwa vorfjanbene DpSpepße ober allgemeine ©cfewädje muffen bie geeigneten Mittel in Slnwenbung gebraefet werben. Jonifdje, nerven* ßärfenbe unb antl*bpspeptlfctje Mittet muffen gebraudjt unb atte erregenben Urfadjen von ©eilen bes «Patienten ftreng vermieben werben. 334 ©unn's HauS-Slrzt. % fr tj m c. Das Slßljma iß ein nervöfeS «Brußteibett, beffett Slnfatte ßdj in Sltfeembefcfewerben, bie ßdj faß bis in Srßidung ßeigern, äußern; es iß bem «Patienten unmöglicfe, tief ZU infpiriren unb bie Sungen mü Suft iu fütten. Dbgleidj att ßdj ein nervöfe« ober frompfortigeS Seiben, iß eS bodj feäußg mtt «Beranberung in ber Sungenfubftanj verbunben. Die Slnfatte ober «ParorpSmen treten in regelmäßigen 3>vifcfecnräumtn auf. Mebre Jage, ober vielmefer «Rädjte, feintereinanber wirb ber Patient regelmä- ßig befallen; bann mag wieber eine geraume ßtit verßretdjen, efee eine neue SReifee von ParorpSmen fommt. Mandje «Perfonen ßnb nie ganz frei bavon, fonbern füfe« len beftänbig rine leiefete «Beftemmung, bie burd) geringfügige Urfadjen ßdj verfcfeltm« mert unb zur wirfttetjett Sltfeemnottj wirb. «Bei benen, welcfee Slnlage bazu feaben, fönnen «Beränberungen bes SBetterS, ber SefeenStage, Diätfefjler, ©orgen, Slnßren« gungen, geiftige Slufregung u. f. w. feeftige «ParorpSmen feerbeifüferen. ©ewöfenlldj fommen bie aftfemotifefeen Slnfatte zur «Raefetzeit, furz mdj bem ©djtafengefeen; bocfe bisweilen auefe bei Jage, «piöfjlidjer Sltfeemmangel Iß meißens bas einzige 3*id)en bes beginnetiben SlitfatteS; ber «Patient füljlt ßcfe gezwungen, im «Bette aufrecfet ju ßjjett; bantt folgt rine brüdenbe, zufammenfcfeitürenbe Smpßnbung In ber 33rufl unb bas «Bebürfniß naefe frifdjer Suft; bie Sttfeembewegungett werben immer mü> famer unb ßnb von einem zifefeenben unb fcfenurrenbeit ©eräufefee begleitet, welcfee« im ganzen 3immer getjört werben fantt; bas ©predjen iß fefer erfdjwert. häufig werben vergeblicfee «Berfucfee zu feußen gemadjt, unb oft werben burdj ben Mangel an Suft Sippen unb ©eßcfet felaurotfe. Slber tro{3 beS fdjredtidjen uttb gefätjrlidjen SluSfebettS bes «Patienten wäferenb ber Slnfatte, ftnb biefelben feiten ober vielleicfet niemals töbtliefe. Der Kranfe füfelt, als ob er erftlden fottte, bodj gegen «borgen Wirb bas Sttfemen tetdjter unb freier, bis ßcfe bie «Beflemmung ganz »ediert. 23uJ« weilen wirb rin wenig ©djleim ausgeworfen; bas fefeafft meißens Srteidjterung unb ber erfdjöpfte Seibenbe ßnft in ©ctjlaf. 3n ben metften gätten iß ber Puls befdjleu« nigt unb Kein, unb es ftetten [xdj Durß unb Hif3e ein; ber Urin iß anfängtiefe blafj uttb vermefert; bodj wenn ber Slttfatt natfeläßt, wirb er buttfelrott) unb fefet einen «Rieberfdjtag ah; bas ©eßdjt wirb gewötjnlidj bietet) unb zufammengefdjrampft. «Jteguläre Slßfematifer pßegen einen leibenben ©eßdjtsauSbrud unb eigentfeüntlid) gewölbte unb emporgehobene ©djultern in befommen, was wirflidj ein erjarafterifti- fefees Merfmal iß. Das Slßfema mag iu irgenb riner SebenSzeü auftreten, bocfe ii1 es am feäußgftem Im mittleren SebenSalter unb befällt lieber Männer, als grauen. Das Seiben iß, wie gefagt, zwar qualvoll, bocfe an ßcfe felbß nicfet gefäfertidj, nur baß es bei längerer Dauer ben ©runb zu anberen Kranffeeiten, ber Sunge ober Ui Herjens, legt. 3dj X)abt viele bamit befeaftete «Perfonen gefannt, bie wäferenb Ui JageS faß ganz frei von irgenb weldjett «Befcfewerbett waren, bodj fobalb bit «Raajt attbradj, fam bas rödjelnbe Slßfema, bas ©efüfel bes SrßidenS unb ber «Beflemmung wieber unb feielt gerabe fo lang, als bie vorfeergefeenbe «Jiacfet, an. Häußg ßnb bie «Patienten nidjt nur ben Jag über ganz wofel, fonbern fönnen audj wäfeicnb Ui erßen JfeeileS ber «Racfet ungeßört fdjlummertt; bocfe gegen Morgen ßellt ßcfe bte Dual unb bie Sltfeemnottj rin. Dies wieberfeolt ßdj gewötjnlidj wenigßens brei obet »ier Jage lang, etje viel Sinberung gefefeafft werben fann. 3e efeer ein reidjlicfeex 3!ßfe>a. 335 Auswurf erfolgt, um fo fürzer werben bie Slnfatte fein. Die Srfeicb>ruitg ßnbet ßatt, fobalb bie ©Sdjleimtjaute ber Suftwege getjörig abzufonbertt beginnen. Das Slßfema verliert ftcfe bann attmälig, unb je freier nnb ßärfer mit jebem Jag ber Sluswurf wirb, um fo mitber tritt bas Seiben auf, bis bie Slnfatte enblicfe ganz ftu*s bleiben. SBenn inbeffen Semanb einmal von ber Kranffeeit befallen war, fo fann er ziem* liefe ßefeer barauf reefenett, baß er zeitlebens mefer ober weniger von iferer Sßieberfetjr ju leiben feaben wirb. 3tt mandjeit gätten erfolgt gar fein Sluswurf; matt feat bieS baS „trodene Slßfema" genannt. SBenn bas Selben ofene fefeleimige Stbfonbe* rung vorübergefet, fpridjt man von einem Krampf*3lßfema. ©ewöfenlicfe ßnb bie Slnfatte öm etwas gieber begleitet; bie 3unge ift belegt; bie ttatürlidje SBärme beS Körpers iß erfeöfet; ber «patient empßnbet Durß unb Mangel an Slppetit. 3« vie* len gäüen fönnen bie Patienten wäferenb beS JageS ganz ungeftört iferen «BerufSge* fcfeäften naefegefeett, fo fefer fte auefe bes «Racfets oon ben ParorpSmen leiben mögen. «JRanefee Seute werben mit ber Slnlage zu biefer Kranlfeeit geboren, ebenfo wie bie Präbispoßtiott in mattefeett anberen Seiben angeboren iß. Sine ber feaußgßen Urfa* ajen iß inbeffen wofel Srfältung ober plöjjlicfee Unterbrüdung bes ©djweißes. Aalte unb naffe güße, feudjte 3immer, Unvorßdjttgfeüen wäferenb eines SBitteruttcrS* »cefefefs, Srceffe im Sffen unb Jrinfen u. f. w. fönnen bie Kranffeeit feervorrufen; ebenfo ©emütfesftörurtgen unb leibetifcfeafttidje Slufregungett. ^ßei mattefeett «Perfonen fefert bie Kranffeeit mit jebem Herfeße wieber, fobalb bie falte SBüterung beginnt; bei anberen im grüfeUnge unb bei anberen wieber im ©omnter. 3e nad) ber Körperver* faffung fdjeinen fowofel Kälte, Hi£e, als geudjtigfeü bie Kranffeeit erzeugen iu fönnen. Heilverfahren. — Die Sinflüffe ber Umgebung unb ber SBüterutig ßnb hei ben verfdjiebenett Slßfematifertt fefer verfefeieben. Sinige tonnen in einer trodeiten Suft am freießeit atfemett, Slnbere füfelen ßcfe burcb, eine feudjte Sltmofptjäre ober itt einem warmen 3immer erteicfetert. Mandje Seute, bie in einer gewiffen ©egenb ober unter gewiffen Umßänben nie ganz frfi &on Slßfema ftnb, verlieren ifere Slnfatte, fobalb ße irgenb eine «Beranberung vornehmen. Dies ßnb Sigenttjümltdjfeüen, welcfee alle an ber Kranffeeit Seibenben beobadjten fottten. Der feabituette Slftfematifer bemertt balb, wie fefer ßcfe bie Sßieberfetjr ober bas Sluäbletbett unb bie ©tärfe ber ParorpSmen naefe feinem allgemeinen ©efunbb,eits* jußanbe riefetet, unb vorjüglid) naefe bem 3ußanbe feiner «BerbauungSorgane. Sr fann eö nicfet immer vermeiben, ßcfe bem SBitterungSwecfefel auszufegen; aber burd) mäßiges Seben, «Bewegung, SRegulirung beS ©tutjlgattges unb vorzügiidj burefe geeignete «Pflege ber Haut fann er es batjin bringen, zümlicfe lange von Slnfätteit frei ju bleiben. 3eben Morgen vermittelß eines ©djwammeS eine SBafdjuitg ber «Bruß unb ber ©djultern mit faltem ober mit ©atzwaffer vorzunefemen unb barauf bie Haut mit einem raufeen Hanbtudje, einer «Bürße ober einem tjärenett Hanbfdjutje gefeörig ju reiben, iß ein ©efunbfeeitsmittel, baS nictjt bringenb genug empfohlen werben fann, faüs nicfet irgenb weide anbere KranffeeüSanlage bett ©ebraudj beffel* ben verbieten ober unzwedmäßig macfeeit. Slßfema iß eine jener Kranffeeiten, zu beren Heilung unb «Bertjütung burcb, einfadje, jwedmäßige unb zeitige «Borfetjrungen unenblicfe okl gettjan werben fantt; babei iß es nötfeig auf ben Stjarafter unb bas Sluftreten ber «ParorpSmen unb auf bie Kör- perverfaffung bes Patienten genau zu aäjten uttb ßcfe iit ber SBabJ ber Slrzneien 336 ©unn's Haus = 3lrzt. barnadj zu ridjten; benn, was in einem gatte unmittelbar Srteidjterung gibt, ^ oft im anberen gatte nicfet ben minbeßen günßigen Sinßuß. Sine ber Haupturfaden biefeS SeibenS, vor weldjer man ßcfe befonbers in Slajt nefemen muß, ift bie Kälte — ber unbarmfeerzigße geinb bes menfcfelidjcn «Retötn. fpftemS. SBäferenb bie Kälte auf bie «Rerven atter Jfeeile fcfeäblidj einwirft, fo gilt bieS vorzuglicfe von ben «Brußnerven. «Bei ber «Befeanblung bes Slßfemas fommt es auf iwti Dinge an; trflen* bas ©runbleibett zu befeitigen, unb zweitens bett Slnfäüen ober ParorpSmen ju begegnen, ßu legerem ßwtdt ßnb «Brecfemittel bie wicfetigßen unb geeignetften Mebifamente, unb zwar X)abt idj vor atten bie Sobelia am beßen gefunben, inbem fie am entfcfeiebertßen wirft. Man wirb ßnben, baß bie Uebelfeit, welcfee bies «JDUttei verurfadjt, bas ©efüfel beS Srßidens unb beS 3ufammenfdjnürenS ber «Bruft tnt- fernt uttb ebenfo bie «Bläfeungen unb baS ©efüfel ber «Bötte unb bes DrudeS befeitigt. Dod) bie Hauptfacfee iß, baß es fcfenetten ©cfeweiß feervomtft unb bie ©teidjmäfjia.. feit ber 3üfutatiott feerßettt, beren Mangel rine lleberfüttung ber venöfen ©efafje in ben ©cfeleimfeäuten ber Suftwege veranlaßt; fobalb biefe (Srteidjterung ßattgefun- ben, fann bie Slbfonberung unb bas Sluswerfen bes ©cfelelmes wleber vor ßdj geben. ©enf, In Dofett vott einem Jfeeelöffel vott, iß ein ganz gutes Srfajjmittef für bie Sobelia. Die Sobelia* Jinftur iß in jeber Slpotfeefe zu feaben, auefe ift ifere «Bereitung unter bem Jüet Sobelia in bem Slbfefenitte „Mebizinifde gtora" angegeben. Sin «Brecfemittel von Specacuanfea iß auefe bienlidj; es fommt vor Slttem barauf an, bafj überfeaupt Srbreefeen feervorgerufen wirb. «Bisweilen wirb ein SBeinglas voll 33rennöl gegeben. Sin Jtjeelöffel vott gepulvertem SUaun, mit MolaffeS vermifdjt unb atte fünfzehn Minuten wieberfeolt, bis eS wirft, iß gleicfefaüs ein fräftiges «DNtttl. 3nbeffen jiefee iefe bie Sobetia allen anberen vor. ©tau bie Jinftur 3U brauajen, faittt man aud eine Unze ber getrodneten «Blätter nefemen, eine Pinte SBaffer auf« gießen unb bavon atte fünfzefen Minuten einen Sßlöffel vott geben, bis Srbreefeen erfolgt. SllS ©etränf foüte warmer Seinfamen*Jfeee ober rin warmer, fcfewcifjtrel« feettber Kräutertljee (Kamillen u. f. w.) gegeben werben. SBärme Simonabe, ober ein Slufguß ber gelben Ulmenrittbe ("Slippery Elm") mit Honig gefußt, ift gut,um ben Sluswurf zu beförbern. ©dttafprup, in ber Doßs oon einem Jfeeelöffel »oll, fealbftünblicfe gegeben, wirb gewöfenlicfe Sriridjterung fdjaffen unb bie Heftigteit Ui Sinfattes mäßigen. Das wirffamße Mittel bri befonbers ßarfen Slnfällen ift ein Jtjeelöffel vott Sletfeer, mit breißig bis vierzig Jropfen Saubanum vermifdjt, in einem ©lafe SBaffer. Dodj wenn nicfet bringettbe ©pmptome es erforbern, follte bied Mittet nicfet feäußger als einmal in vier ober fecfes ©tunben gegeben unb tjöefe« ßens zweimal wieberfeolt werben, ©änfefdjmalz iß ein gutes Mittel, um ba« Zifajenbe Sttfemen in ertriefetern. Kleine Dofen Specacuanfea, etwa tin bü jwei ©ran atte zwei ©tunben, X)abtn oft bie SBirfung, ©djweiße zu erzeugen unb bit Jun- gen zu berufeigen, ©tarier, fjeißer S(a[\tt tjat ßdj gleicfefaüs als Srleicfeterung«mit< tri bri ben Slnfällen erwiefen. 33eraufctjenbe ©etränfe gießen nur Del in tat fyxitx unb verfdjltmmertt bte Kranfljett immer. Ss iß inbeffen nötfeig, zu feemtrfen, bafj bei vollblütigen «Patienten unb bei benen, weldje an «Blutanbrang naefe bem Äopfe ju leiben pßegen, 33redjmittel zu vermeiben ftnb. 3n folefeen gätten ßnb <5rpet* to ran Ha, bas fe>ißt Mittet, weldje bte ©djleimabfonberung unb ben Stuswutf beförbern, angebracht. «I ß fe ma. 337 SBenn baS Slßljma fonvutßvifcijer, frampfb.öfter Slrt iß, fo werben fünf uub zroan- jig Jropfen Saubanum, wenn itöttjig wieberfeolt, gewöfenlicfe wirffam gefunben wer- ben. Sietfeer unb Saubanum iß bei vielen Slerjten rine Siebtiitgsverbinbuttg ; matt gibt einen Jfeeelöffel vott Siettjer mit zwanzig Jropfen Saubanum in einem SBringlaS vott SBaffer. 3n meiner PrariS pflege iefe, fo oft es bie «Ratur unb ber 3ußanb bes «Patienten erlaubt, bas Sofeelia»33redjtnlttel zu verfcfe, reiben; es muß in furzen 3'wifdjeiträumen wieberfeolt genommen werben, bis reicfelidjes Srferedjen erfolgt. Ss ift bies im ©an* jen bie beße Mebizin, bie bei biefem Seiben gebraucfet werben fann, unb ße verfehlt feiten, nicfet nur fefeteunige, fonbern aud) bleibenbe Srletdjteruttg zu fdjaffen* Sin fefer fdjäfjfeareS Mittel, weldjes iefe feäußg zur «Befestigung ber qualvollen «Bellemmungen attgewanbt, iß eine Mifefeung von Sietfeer unb Sobetia*Jinftur zu gleictjen Jfeeilen; ein Jfeeelöffel vott in einem ©lafe falten SBafferS; wenn nöttjig, ein* ober zweimal innerfealb zwei bis brei ©tunben zu wieberfeoten. ©leicfezeitlg gebe man zwanzig Jropfen Saubanum, babe bie güße in warmem SBaffer unb lege in feeißen Sfßg unb SBaffer getaudjte glanetttüdjer auf bie «Bruß, bie in erneuern (Inb, fobalb ße falt werben, bis Sinberung erfolgt. Slls ein bemerfenswertfees «Bei* fpiel, was burdj einfadje Mittet, felbß hei beftigen Seiben, geleiftet werben fann, tritt Idj erwäfenen, baß id) meinen «Patienten Ijäußg Srleidjterung verfdjafft, inbem Idj nur ßarfe ©enfpftaßer auf bie «Bruß unb ben Magen legen ließ; benn es beßefet eine nafee SBedjfelwirfung zwifdjen Magen unb Sungen. Dft tjabe iefe mit großem «Rujjen ein aus roffeem Pfeffer, Jerpeittin, Dcfefettgatte uub Del beftefeenbes Siniment gebraucfeen laffen, WelefeeS im «Raden, auf ber «Bruß, auf bem «Baude unb längs bes «JtüdenS einzureiben iß. Dies Siniment verurfadjt in Kurzem iRötfee unb Hifje ber Haut an ben eingeriebenen Jfeeilen. SBir tjaben unzäfelige «Beweife, baß Jerpentln einen eigentfeümlicfeen Sinßuß auf bas «Rervenfpßem beߣt, unb wir wiffen, baß es mit Hülfe ber Sinreibung fefenett abforbirt ober aufgefaugt wirb ; bei biefem Seiben irirb es ßdj immer als ein feöefeß fdjäljfeares Mittel erweifett. Sine Dame, welcfee lange Safere an Slßfema gelitten unb atte mögtidjen Mebifa- mente ofene Srfolg bagegen verfuefet featte, fanb enbtidj Siitberung burefe ben ©ebraudj folgenber «ÜRifdjung: «Rimm «Bibergeil* (Saftoreum*) Jinftur, Dpium*Jinftur unb Sietfeer zu gteidjen Jfeeilen unb mifetje; ein Jtjeelöffel iß zu netjtnett, fo oft bie Spmptome bringlid) werben. ßrpectorantia unb ©ebativa ßnb zur Sinberung beS SlßtjmaS bie geeigneten Mit* tel; Sltles, was bie Slbfonberung unb ben Sluswurf beS ©cfeleimes beförbert, ntitbert bie ParorpSmen. Drpmet (©auertjonig) von ©cttta ift ein gutes Srpeftorans. Daö 3obfali iß bei fdjweren gälten äußerß feeitfam befunben worben ; es wirb in ber Söfung gebraucfet — eine fjatfee Unze In einer «Pinte SBaffer — unb tjtervott iß ein Sfeeelöffel vott zwei* bis breimal tägiidj, ober wenn ftd) «Bellemmungen unb Sltfeemnottj einßeüen, zu netjmeit. 3n «Bejug auf ifere Diät muffen Stfttjmatifer fetjr vorßdjtig fein; nur einfadje, leiefete unb naferfeafte Koß zu ftd) netjmen, unb alle «Reizmittel, mit Stusnafeme beS Äflffees vermeiben. 3tjre 3lmmer muffen immer gut gelüftet fein; ße muffen bie nötfeige «Jhtfee feaben unb ßcfe, feinem plö^lldjen Jemperaturwedjfel ausfegen. Die Befolgung biefer widjtigeit «Reget wirb allen an Slßljma. Seibenben viele Qual erfparen. 22 338 ©unn'a HöuS-Slrzt. gotgenber ©prup iß rin vorzügliches Mittet gegen aßfematifdjen Hußen« SUantwurzel..............1 Unje; SBattwurz...............1 Unze; ©emeine «Rarbe (SBurzel).......... 1 Unze; Stnborn (bas Kraut)...........1 Unje* SBilbfirfdjettrtttbe ............£ Unje. DteS muß in brei «Pintett SBaffer bis iu einer «Pinte eingelöst werben; feibj burefe unb füge rin «pfunb braunen 3uder feinzu ; feifee nodj einmal burdj unb füge eine «Pinte alten 3amatca*9lum feinzu. Hiervon iß rin SBetnglas voll «Jörgen« Mittags unb vorzügiidj bes «JcadtS, vor bem ©djlafengefeen, zu nefemen. liefer fd)ä£feare ©prup tjat ßcfe in tjunbert gätten gegen Sltfeembefcfewerben unb Ruften wofeltfeatig erwlefen. SBärme Mildj mit SBaffer, reidjlidj getrunfen, iß oft ein gutes Mittet, wenn ein Slnfatt beginnt, ba es ben entgünblictjen Hußen bes «Wagen« unb bte Setzung ber Suftwege milbern Ijilft. ÜB e U § t a n 3. — Chorea, Diefe Kranfbeit tjat itjren ©10 im «Rervenfpßem unb beftetjt aus fonvulfirifefeen unb unwtttfürlidjen «Bewegungen eines ober metjrer ©lieber. «Bisweilen befallt fie audj bie rine ©eßcfetsfeüe. Das Seiben ßnbet ßcfe feauptfädjtidj bei ganz Jungen Perfonen unb tritt gefeöfen« Ild) znüfdjen bem ßebenten unb ein unb zwaitztgßen Sebensjatjre auf. Mäbdjen finb itjm mefer unterworfen, als Knaben. ©pmptome. — Die Sfeorea fängt feiten ptö^lidj an. ©ewöfenlicfe geljen mefere Jage ober fetbß Monate tang verfcfeiebene ©pmptome voraus, wie: Mäitt bet güße unb «Beine, eine fribbelnbe Smpßnbung Itt bett Jferilen, bte fpäter befallen werben, ©efüfel ber ©djwere in ben ©Üebmaßen, Slttgenommettfeeit beS Äopfe«, feartnädige «Berßoi>fung, ©djwierigteit beim ©cfeluden, trübe ©timmung, ober grunb- lofe unb übermäßige Heiferfeit, unb bisweilen eine rigentfeümlicfee «Reigung zu mutb/ willigen ©trettfeen. «Rad) einiger ßtit werben unregelmäßige Musfelzudungen ober frampftjafte 3ufammenziefeungen zuerß im ©eftdjte ober in einem Jfeeil ber ©liebet bemerft. 3um S3eifpiel, ein «Bein wirb von einer Strt Safemfeett befallen unb in einer fonberbareit unb fomifdjen SBeife beim ©efeett nacfegefcfeleppt; ober ber Patienl fann ben einen Slrm nicfet ftillljalten unb fäfert fortwäferenb bamit In ber Suft umher. SBenit er fein Sffen unb Jrinfen nadj bem Munbe bringen will, fo macfet er erfl verfdjiebene merfwürbige ©eberbett, efee es ifem gelingt. Die Kopfmusfeln nefemen bisweilen an biefen convutßfden «Berzerrungeti Jfeeil. 3n fdjweren gätten fdjeint ber «Patient atte Madjt über bie wlllfürlidjen Wu«Mi Verloren in tjaben. SBentt er iu geljen verfudjt, fo tanzt unb feumpelt er in unre« getmäßiger SBeife vorwärts. «Bisweilen fantt er Weber geljen, ßefeen, nocfe friOft^en. Die Hänbe unb Slrme ßnb oft in beßänbiger 23ewegung, inbem ße naefe allen mo> liefen «Ridjtungeit ßdj umljerwerfen uttb umfjerfdjlenfertt. Die MuSfelverjtrrung« bes ©eßdjtes ftnb bisweilen äußerß ßarf, unb ber beßättbig wedjfelnbe ©eftefetiau*' brud madjt einen lädjerlicfeen Sinbrud. 3n ganz fertigen Säuen wirb bisweilen bas ©efetnefen verminbert, ba« SUöw» ifl «Beltstanz. 339 ängftlidj unb unregelmäßig, bie ©timme verättbert unb bie ©pradjfäfeigfeü vötttg geßört Kurj, bas ganze Musfelfpßem fefeeint ßdj in einer Slrt «Jtefeettion gegen bie Kontrctle bes SBlttenS zu beßnben. Ss iß in ber Jfeat ein eigentfeümlictjeS unb fefewer ertlärlicfees Seiben. Urfadjen: — Das Seiben fann burdj verfdjiebette franfbafte «Jteizungett veratt* (afit werben; zum «Beifpiel: burd baS3afenen, burefe SBürmer, Slttfammlung fcfearfer ©toffe im Darmfanal ober baS 3urüdtreten djroitifefeer SluSpfeläge, role ©rinb unb Ärä^e. SS fann auefe — unb waferfefeeintiefe feäußger — burefe feeftige ©emütfesbe* tuegungen entftefeen, wie ©efered, gurdjt, Slerger, unglüdlicfee Siebe unb religiöfe «Begeißeruug. Unterbrüdung gewöfenlicfeer Stbfoitberungen, befonbers beS monat* liefeen «Blutes, fantt ebenfalls bie Urfacfee fein; in vielen gätten fdjeint es nur auf allgemeiner nervöfer ©cfewäcfee unb «Jtetzbarfeit in berufeeu. Man fagt, baß es auefe burdj ©pmpatfeie hti bem SlnbÜde Sinberer, bie bavon ergriffen ßnb, entße* feen fann. Die Sfeorea ober ber «Beitstanz iß nicfet gerabe eine gefäljrlicfee Kranffeeit, ba ße feiten einen töbttidjeit StuSgang nimmt. Dod iß ße nicfet ganz frei öon ©efaferen unb fann bei langer Dauer leidjt in Spitepße übergefeen unb fo attmälig töbtliefe werben, ober ben Patienten für zeitlebens elenb madjen. Sbenfo fann ße, wenn ße ßcfe lange feinziefet, bie ©elßesfräfte angreifen. «Beljanbluitg. — Die Slufgabe beS HeitverfaferettS iß, zuerß bie erregenbe Urfacfee ju befeitigen unb bann bas «Rervenfpßem zu fräftigen. Sefer oft iß ber Magen in Unorbttung unb in einem reizbaren 3ußanbe. 3« folefeen gäüen gebe matt ein «Brecfemittel. Ss fottte aus gleictjen Jfeeilen Sobelia unb 3pecacuanfea beßefeen unb mit warmen Slufgüffen gereiefet werben. Sinige ©tunben barauf gebe matt eine Purganz, welcfee atte brei bis vier Jage wieberfeolt werben muß. Sin tjatber Jtjeelöffel vott beS a tt 11 b i Ii ö f e tt Stbfüfer* mittels (ßefee «Jtezepte), mit einem ©ran «Pobopfepttin, iß eine geeignete Doßs. SBenn biefelbe nicfet wirft, wieberfeote matt ße nadj fecfes ©tunben. SBeit« ber Patient ein junges Mäbdjen, ungefätjr im Sllter ber Mannbarfeü, iß, ober man ©runb zu vermutfeett feat, baß bie Sntwidetung ber Menftruation mit im ©piefe iß, fo follte baS Pobopfepttin ober bie Snteitfußwurzet (May-apple root) itt irgenb einer ftorm, einen Houptbeßaubttjril ber «purgatiz ausmadjeti; unb man mag bas Mittet eine ßett lang einen Jag um ben anberen wieberfeolen. Dabei fotttett nod) anbere «JJMttel zur «Beförberung ber monatlicfeen Siegel gebraudjt werbeit, wie Ijeiße guß* bäber, ©ijjen über warmen Dämpfen von bitteren Kräutern unb warme, biapfeore* tifefee unb emmeniagogifdje ©etränfe, wie Slufguß oon «Polet (Pennyroyal) unb 3ngtver ober von bem KompofttiottSputver (ftetje «Jtezepte). Sitte Slbfodjung von ber SBurzel beS JaubenfrauteS iß ein befonbers fcfjätibareS Mittel in atten gätten unterbrüdter ober zurüdgefeattener Menftruation. m* fmißfefees «Rervenmütet bei bem «Beüstanze iß vietteidjt baS ©tfeübfraut (Scull-cap) am beßen. Man fann es gewötjulicfe itt jebem fogenannten „feotattt* fdjen Drugßore" befommen. Ss wirb ein Slufguß bavon gemadjt, von weldjem ber Patient eine fealbe bis in einer ganzen «Pinte täglicfe trinfen mag. Daffelfee fann »arm ober falt getrunfen werben. Die Hinzuttjat von etwas grauettfdjufj* (Lady's Slippers) SBurjel wirb bas Mittet nodj bebeutenb wirffamer marfeen. 8emer iß bas Mutterfraut (Fever few) bei biefem Seiben feljr in empfefelen. 3d) 340 ©unn's Haua*3lrzt. feabe gätte gefetjen, in benen eS allein eine Kur innerfealb einer bis zwei SBocfeen ;n ©tanbe bradjte. Man braudjt ben Slufguß, wie bei ben obigen Mitteln. SBenit bie Kranffeeit auf ©cfewädje bes «RervenfpßemS zu beruljen fdjeint, fj brauefee man ein ßarfenbeS «Bitteres, wie etwa golgenbes: Man nefeme von ben SBurzeln von SBattwurz (Comfrey) unb ber gemeinen «Rarbe (Spikenard), je eine Unze, von Solumbo unb Snzian, fe eine fealbe Unze, Kamittenblumen, eine fealbe Unze. Man zerreibe biefe Slrtifel, wenn man ße nidjt gepulvert befommt, unb gitfcj eine «Pinte foefeenbeti SBafferS auf. SBenn es falt geworben, tfeue man baö ©anje in eine glafcfee unb gieße eine Cuart Mabeira* ober Malaga=3Beitt feinzu. Hierzu füge man rine Unze beS rotfeen Sifenorpbs ober fofelenfauren Sifens. Die Dofia Iji ein fealbes SBringlaS vott, brei* bis viermal tägtiefe. SBenn ber gatt fefer fdjlimm iß, follten gleict)3eitig folgenbe «piüen genommen wer. ben: «Bilfenfraut*Srtraft, vierzig ©ran ; Kampfeer, vierzig ©ran; MofcfeuS, jwanjig ©ran. Hieraus madje man zwanzig «Pillen, von betten rine Morgens unb Slbenb? p nefemen iß. Kalte SBafdjungeii mit SBaffer unb ©atz unb gefeörigeS «Jteiben ber Haut ftnb fetjr in empfetjlen. Sbenfo getegentlid) warme «Bäber vor bem ©djlafengefeea. (&piitp\it. — $ a II f u d) t. Die Spitepße fennzeiefenet ßdj burefe plöjjlicfee Slnfatte von Konvulßoncn, mit gleldjzeitlger Sluffeebung ber Smpßnbung unb beS «BewußtfeinS, auf welcfee gewöfen« lid ein 3uftanb ber «Betäubung ober ©efetaffudjt folgt, ©ie Iß eine ber fcfeümmfien Kranffeeiten, benen ber Menfcfe ausgefegt iß. Die «ParorpSmen ober Slnfatte ßettett ßcfe meißens ofene irgenb welcfee warnente Stnzeicfeen ein, bauern von wenigen Minuten bis zu einer fealben ©tunbe, unb wenn bie nadjfotgenbe «Betäubung unb Srmattung uberwunben tß, fefert ber Patient ju feinem normalen 3ußanbe zurüd. Die Kranffeeit ift am feaußgßen bei Kinbern unb jungen «Perfonen, unb Knaben fdjeinen ifer mefer unterworfen ju fein, a\i Mäbdjen. Die Slnfatte pßegen periobifdj zu fein unb treten oft monatlid) ober auefe mit jebem «Bottmonbe unb jebem «Reumonbe auf. Dodj fommt es vor, bafj bie Slnfatte fefer viel fjäußger ober feltener wieberfeferen. Die Kranffeeit ift oft erbtiefe, fo baß fie bei meljrett Mitgliebern berfelben gamilie erfefeeint unb ßefe oft burefe mefere ©enerationen feinburdj fortpflanzt. ©pmptome. — S3ei bem plö^lidj fommenbett «ParorpSmuS fällt ber Patient ani ben «Boben — bafeer ber «Rame ber Kranffeeit. SBenn bie Kranffeeit eingewurjeil uub ber «Patient mit itjr vertraut geworben ift, fo lernt er bisweilen axxi getniiTen Sfnzeicfeen bie «Räfee beS SlnfatteS erfennen; bazu getjört: ©cfewinbel, Sefetvimmen vor ben Slugen, Klingen in ben Dferen, guitfeit fefeen, 3ittern ber ©lieber, 33eang- ßiguttg, ©efetaffudjt ober ptö^licfeeS Sluffaferen aus bem ©djlafe, büftere Stimmung, «Reizbarfeit, Jräumereien; Mandje werben furefetfam unb feig, Slnbere wütfeenb, feänbelfüdjtig ober mutfewillig. Doefe bie attfünbigettben ©pmptome bauern fafl immer nur fefer furze ßtit, feiten metjr als einige ©ecunben. Sinige «Perfonen glauben vor bem Slnfatt gefpenßifcfee Srfdjeittuttgen ju fei«; anbere empßnben bie fogenannte Aura Epileptica — ein eigentfeümlicfees ©efub« baö bei feiner anberen Kranffeeit (vietteidjt mit SluSnafeme ber Hpßerie) »»rtemmt Spilepfie. 341 ßö iß ein ©efüfej ber Kälte, weldjes in bett güßen ober in ben «Beinen beginnt unb fidj, wie ein langfamer Suftzug, attmälig immer weiter nad oben erßredt — wenn es ben Kopf erreidjt, wirb ber «Patient fofort bewußttos uub fällt zu «Bobeit. «Bei matt* cfeen Perfonen ßetten ßcfe epiteptifdje «ParorpSmen ausfdjließlidj beS «RadjtS, wäljrenb bes ©djlafeS, ein. SBenn ber Patient befallen wirb, vertiert er fogtetdj bas «Bewußtfein, unb wirb uon fonvulßvifdjen 3udungeit umfeergeworfeu; bie Slugen rotten wilb umfeer, bie Sippen, Slugenüber unb ©eßdjtsmusfeltt ßttb verzerrt, bie 3äfene fttirfdjett unb es tritt ©djaum vor ben Munb; bisweilen ßnb bie ßäX)ne feß zufammengebiffen unb bie Kinnbaden unbewegticfe. Das ©eßdjt iß bisweilen bleidj, bocfe feäußger von fetaurottjer garbe, inbem eine Kongeftion ber «Benen bes Kopfes unb «RadetiS ßattßnbet. grüfeer ober fpäter vertieren ßcfe biefe frampffeaften ©pmptome attmälig, unb wenn ber Patient in ßdj fommt, füfelt er matt unb erfdjöpft, tjat aber nidjt bie geringße ßrinnerung bavon, was mit ifem vorgegangen ift. Urfadjen. — ^8ti mandjen «Perfonen erißirt eine erbtidje Slnlage zu ber Kranf* feeit. SBieberfeotte Slnfatte macfeen ben «Patienten zu fpäteren Slnfätteit geneigter. Dft entwidelt ßdj bie Kranffeeit zur ßtit ber Manttbarfeit unb ßefet ofene 3^eifel mit ben widjtigen «Berättbetutigen in «Berfeiitbuttg, wetdje in biefer «Periobe im Organismus vorgefeett. 3n manefeen gätten iß bie Kranffeeit was man i b i o p a t fe i f cfe, nennt—b. fe. ße berufet auf Mißbitbungett beS ©cfeäbels, loSgelöftett ober eingebrüdteit ©plütertt beS ©cfeäbelfnodjens ober einem fdjwammigen Sluswuefefe an ber inneren glädje beffel* ben; ferner organifefeett «Berätiberuttgett beS ©etjirnS, Kongeßioiteit ober «Blutergüffen, He auf bie ©eljünfubßanz brüden. 3n anberen gälten Iß bie Kranftjeit fpmptomatifd) uttb berufet auf «Jteizutt* gen bes DarmfanatS burefe SBürmer unb anbere Urfadjen; franffeafter Slufregung wäferenb bes 3<*fenenS; Unterbrüdung ober 3urüdfeattung ber Menßruatiott; in ©Uten, bie in ben Organismus aufgenommen würben unb bergleidjen. Dttanie ober ©elbßbeßedung iß gleichfalls eine frudjtfeare Urfacfee biefes SeibenS, So eine Slnlage ober «Reigung in ber Krattffeeü erißirt, fönnen bie Slnfatte burdj feeftiae Srregungen bes ©emütfes ober bes «RervettfpßentS feerbeigefüfert werben; fo jum «Beifpiel burdj plö^lidjen ©djred, burefe SluSbrüde ber Seibenfdjaft unb berglei* djen. ©töße, SBunben, Knodjenbrücfee unb überhaupt «Berufungen am Kopfe fönnen ebenfalls bie Kranftjeit verurfadjett. 53efeaitblung. — SBätjrenb bes «ParorpSmuS ober bes Slnfatts fantt unb barf fefer wenig getban werben, außer baß man ben «Patienten verfeinbert ßdj felbß ©dja* ben zu tfeun. SlüeS, was ben baU beengt, mu^ entfernt werben. Sine große Menge Heilmittel ßnb von Seit zu 3rit gegen biefe Kranftjeit vor* gefajlagett unb eine 3eü taug für ©peeißca gefeattett worben; aber bie SBatjr* W tß, baß ße atte bisweilen fefelfcfelagen. SBenn bie Kranffeeit von Miß* bilbung bes ©cfeäbels ober ©trufturveränberuttgen bes ©eljirttS abfeängt, fc •rirb ße faum jemals getjeilt, vorzügiidj, wenn ber «patient über baS Sllter bet 5Wannbarfeit feinauS iß. Söenn bie Kranffeeit nur fpmptomatifd) iß unb von fonßigen (Störungen im Organ'smus abfeängt, bie nidjt bireft mit bem ©efejm im 3ufammetü)attge ßefeen, 342 ©untt'S HauS'Slrzt. fo fann He gewöfenlicfe, gefeeilt werben, inbem bie urfprünglicfee Urfacfee befettigt unt nadjtjer bem Stttgemeinbeßnbeit blc geljörige ©orgfalt gewibntet wirb. Sin attgemeines «Berfaferen mit befonberer «Berüdßdjtigung ber Urfadje Ut Sei« benS, wenn fte vermutfeet werben fann, iß am zwedmäßigßen : 1. Sin gelegentlidjeS Slbfüfermittet iß unter allen Umßänben am Piafee. Unb jwar eignet ßdj in biefem gatte nicfets beffer, als bas «Pobopljpüum (Sntenfufj, May. apple) in biefer ober jener gorm. Ss iß ebenfowofel ein gutes Slntfeetminticum ober SBurmmütel, als rin gutes Smmenogogum ober menßruationsbeförbtrnbe* Mittel; ferner iß eS gut hei atten Kongeftionen beS Kopfes unb Srgüffen in bit ©cfeäbelfeötjle, ob bie teueren aus «Blut ober aus ©erum beßefeen. Der Seib mujj offen erfealten werben, unb für biefen ßwed empßefelt ßdj eine Mifefeung ber gepul. verten SBurzel voti «Pobopfepllum unb tnbifdjem Hanf (Slpocpnum); obet man brauefee bie Srtrafte biefer «Pßanzen unb reiefee ße In «Piüenform — z^t bit brti täglicfe ober foviel ats nötfeig ßnb, um ben ©tublgang zu befördern; ober, man madje piüen von 33ttfenfraut*Srtratt unb «Pobopfepttin unb brauefee ße in berfelben SBeife — iwei ©ran beS erfteren unb ein ©ran beS festeren Zu einer Pille, eine obet jwei wätjrenb bes JageS zu nefemen. 2. Sin «Brecfemittel, feauptfädjtidj aus Sobelia beßefeenb, fottte wenigßenö einmal Wödentticfe gegeben werben. Der Magen ift bei biefer Kranffeeit gewöfenlicfe mefet ober weniger itt Unorbnung unb entweber mittelbar ober unmittelbar betfeeiligt; außerbem betätigen «Brecfemittel bie Seber, bie «Pancreasbrüfen, bas ©efeirn unb bas ganze «Jcervenfpßem unb vermeferen bie gefunbe Slusbünßung ber Haut. 3. SlntifpaStnobifdje ober trampfftittenbe Mittel ftnb unentbeferlicfe; biejenigen, welcfee rine narfotifdje SBirfung bamit vereinigen, ßnb vorzuziefeen. Da« Sdjilb« fraut (Skullcap), bie fctjwarze ©djlattgettwurzel (tat.: Macrotya Racemosa), Steife« apfel (lat.: Stramonium), «Bilfettfraut (tat.: Hyoscyamus Niger) ßnb aüe ju empfefelen. Studj bie Mißet feat einigen «Jtuf in biefer Kranffeeit erworben. Sine Slbfocfeung von je zwei Jfeeilen ©djilbfraut unb fefewarzer ©cfelangenmurjtl unb einem Jfeeil Miftel (wenn man ftcfe lejüere verfdaffen fann), wovon imu Ui breimal tägtid ober im ©anzett eine tjalbe «Pinte wäferenb ber vier unb jmanjig ©tunben, getrunfen werben muß, iß ein gutes Mittel. Ss muß mefere SBocfeen bamit fortgefatjren werben. gerner: Man nefeme ©tramonium*Jinftur unb HpoScpamuS*Jinftur ju gleictjen Jfeeilen unb mifefee; feiervon gebe man zefen bis breißig Jropfen breimal täglicfe. Man beginne mit iet)n Jropfen unb ßeigere mit jeber Doßs um einen Jropfen, W man breißig Jropfen erreidjt Ijat, ober bis ein leiefeter ©cfewinbel t>erurfad)t roirb, felbft roenn bies vierzig bis fünfzig Jropfen erforbem fottte, bann fafere man mit biefer Doßs fort. 4. Jonifcfee ober ©tärfungSmütet. «Bon biefen wirb in vielen gäüen M wotjltfeätigfte SBirfung gefefeen. ©ewötjnlidj erißirt eine allgemeine ®efe»a*e unb Srfdjtaffung bes ganzen Organismus, unb bisweilen ßeljt bie Kranffeeit mit fogenannten masfirten SBedjfelßebern in «Beziefeung. 3n folefeen gälten ßnb tonifdn Mittet unentbeferlidj. Man faitit feiequ bas Sfeinin ferauefeen, in Pillenfenn, l« «Berbinbung mit «Bitfenfraut*Srtraft. Man nefjtne ein bis iwti ©ran Sfeinin wf bie «Pillen unb laffe bavon brei bis fecfes täglicfe neunten. Dber man brauefee fe-U genbes tonifdje unb antifpaSmobifcfee S3ütere: Man neb,me Sbjnarinbe, Gotum**' Katacepfte. 343 (»urzel, virginifdje ©cfelangettwurzet (tat.: Serpentaria), fdwarje ©djlangenwurzel (lat.: Macrotys) unb grauenfcfeufewurzet zu gleictjen Jfeeilen unb gietje bieS mü SBetn ober SBeingeiß ah. Ss iß bieS ein vorzügliches «Präparat uub fann in rrictjlidjer SJJcenge gebraudjt werben. ©alpeterfaureS ©Über (Höttenßein) iß ein Mittet, bem gewtdjtige Smpfeljtuttgett jur ©eite ßefeeit, unb tjat oljne 3n>eifel X)äußg Kuren bewirft. SBenn es zu lange fortgefe^t wirb, fo zeigt es ßdj an ber Haut bes ©eßcfetes uttb ber Hänbe, bie eine fdjwarzbläullefee ober bunfel metatttfdje gärbuitg anitimmt. Matt gibt es in Dofen von ein Stcfetet bis ein Bleuet ©ran, breimal tägtiefe, — gewöfenlicfe; in «Pittenform in «Berfeinbung mitHooScpamuS*Srtraft. Dber man feraudjt audj folgettbes «Jtezept: ©alpeterfaureS ©Über zefen ©ran, Mofctjus vierzig ©ran, Kampfeer tint Dradjme, £poScpamuS*Srtraft zwei Drachmen; X)ieraus madje man adjgig «Pillen, von benen eine Morgens unb SlbenbS zu nefemen iß. 3um ©efeluffe fei nocfe tin anbereS Mittel erwätjnt, bas atterbings fefer eittfadj ausftefet, baS aber merfwürbiger SBeife itt mandjett Jfeeilen granfreidjs einen gro= ^en Stuf erworben feat. Ss beßefet barin: ©obalb eine «Perfon von einem epilep* tifcfeen Slnfatte ergriffen wirb, ober fobalb man ifer beifommen fantt, bebede man itjr ©eßdjt mit einem fdjwarzen ©eibentudje unb befeftige baffelbe um ben Kopf unb «Raden, fo baß bas ganze ©eßcfet tofe mit einer einzelnen Sage beS JucfeeS umtjüttt iß. SS feeißt, baß bieS ein ßdjeres unb unfefelbareS Mittel ift, baß ber «Patient ent* Weber unmittelbar von bem Slnfatte befreit wirb, ober baß tefjterer fefer viel leidjter wirb; unb baß man burcb, fortgefe^te Slnwenbung biefes Mittels bei jebem Slnfatte naefe einiger 3eit bie ganze Kranffeeit befeitigen fann. Ss beißt, baß in mandjett Jfeeilen bes Sanbes, wo bas Mittel befannt iß, bie Männer, fobatb fte 3emattbeit in ber ©traße von epiteptifdjett Krämpfen ergriffen ttieberfattett fefeen, fofort ifere fdjwarzen H<üstüd)er abreißen unb ßcfe, beeilen bem Kranfen bas ©eßdjt bamü in verbecfen unb baburdj augenblidtidj Srleidjteruitg zu fdjaffen pßegen ! jebenfatts iß es ein bittiges unb unfcfeäblicfees Mittel unb mag immerfetn verfuefet werben. Perfonen, bie mit ber Kranffeeit betjaftet ßnb, mögen ein großes Halstudj ober rin ©tüd fdjwarje ©eibe um ben Hats tragen, um es entweber bei bem erßen Stnzeidjen Ui «Unfalles felbß anzuwenben, ober anberen ©elegenfeeit in geben, es ofene S3erzug ju tfeun. Kein Mittel fottte nur barum, weil es in rinfacfe ober lädjerlid) fdjeint, bei einer fo fdjredlidjeit Kranffeeit, wie bie Spilepße, unverfudjt bleiben. Ä o t o 11 Ji f i e. Die Katalepße iß eine fetjr eigenttjümlidje Krattftjeüserfdjettutttg. ©ie beftetjt itt einer zeitweiligen Sluffeebung bes «BewußtfeinS, ber Smpßttbung uub ber 3BittettS= tfeätigfeit, wäferenb ber Körper genau in berfelben Sage bleibt, in wetdjer er ßdj bei bem «Beginn beS Slnfatts feefanb. Dabei iß feine Musfeizufammettzüljuttg, ©tarr* feeit ober Krampf vortjattbeit, fonbern bie ©lieber X)ahtn bie fogenannte wäctjfertte 53iegfamfeit. Das Sttfemen unb ber S3lutumlauf getjt regelmäßig vor ßdj. Der 3«ftanb ift mit bem ber «Berzüdu ng ober Sntrüdung verwanbt; er fann wenig Minuten bauern, ober ßuttbenlang, ja felbß metjre Jage tjiitburdj atüjaltetu Der Slnfaü fommt gewöbnlld) plö&lict), obne warnenbe Slnzeictjen. Der ^atienl 344 ©untt's Haus-Slrzi. fällt «über ober wirb vottßänbig feülßos unb bewußtlos unb ber Körper bleibt {« ber nämtidjen Sage unb ©tettung, in weldjer er ergriffen würbe. SBenn ber Patient ju ßcfe fommt, fo feat er feine Srtnneruttg von bem, was vorgegangen unb beginn! oft in ber Unterfealtung ober in feiner ^Befdjäftigung fortzufaferen, wo er unterbro- cfeen würbe, als wenn tttdjts vorgefallen wäre. Der 3eitraum wätjrenb beffen ber Sinfatt bauerte, iß wie rin leeres «Blatt in feinem Seben; er erinnert ßd) nidjl einmal, baß er befallen würbe. 3« ben meißen gätten, namentlicfe, wenn ber Sinfatt von furzer Dauer war, feai ber «Patient feine unangeitefeme golgen iu leiben. Dodj biswellen, bei lange anfeal. tenben gätten, empßnbet er nacfefeer eine ©djwere uttb ©djmerz i'n Äopfe, «JRattigfetl unb ©tumpffeeü. Die Katalepße tritt zuweilen mit anberen Setben fomptljirt auf, ober nimmt iferen StuSgang in benfelben, wie Sfeorea, ©omnambuliSmuS, Hpßerie unb felbft ßpiltpfie. Doefe im Slttgemeinett iß ße als feine gefäferlidje Kranftjeit iu feetradjten. U r f a d e n. — Die Katalepße tann burdj verfcfeiebene Urfadjen entßefeen. Dajn gefeören feeftige Seibenfdjaft (unb religiöfer SntfeußaSmus) ; anfealtenbes unb fefeme« res ©tubiren; ein franffeafter 3uftanb beS Darmfanals ; SBürmer; «Bollblütigfeit; Unterbrüdung regelmäßiger Slbfonberungen. «Perfottett von nervöfem Jemperamente fotlen ifer am meißen ausgefegt fein. Stm feaußgßen tritt fte bei bem weiblidjen ©efdjtedjte auf unb fetjr oft zur ßtit ber Mannbarfeit. Unterbrüdung ober Unre- gelmäßigfeit ber Menßruatiott iß ritte ber gemöfjttttdjßen Urfadjen ber kranfljeit. 33 e fe a nb I u tt g. — SBäferenb bes «ParorpSmuS fantt man faltes SBaffer in ba« ©eßcfet unb auf ben Körper beS «Patienten fpriijen unb reizenbe Sinreibungen läng« beS «JtüdgrateS macfeen (zum «Beifpiel mü «Jto. 6, fpanifder Pfeffer*Jinftur, Davis' «Painfitter u. f. w.), um ben fatateptifefeen 3ußanb abzutüten. SBenn biefe «Kittel feljtfdjlagen unb ber «ParorpSmuS längere 3eü anfealten in wollen fefeeint, fo mag man reizenbe Ktpßiere fefjett, zum «Beifpiel mü KompoßtionSpulver ober warmem SBaffer mit etwas Del ober gett unb fpanifdjem «Pfeffer unb ©atz. ©obalb ber «Patient fefetuden fann, fottte man ein fräftiges Slbfüfermittel geben; befonbers wenn man ©runb fe, at iu vermutfeen, baß [xdj irritirenbe ©toffe im Darm- fanal beßnben. Die «Racfefeefeattblung muß nad) allgemeinen ©runbfä^ett geleitet werben, mobel bie reizenbe Urfacfee, bie Körperverfaffung, ber 3uftanb unb bas Jemperament bei «Patienten zu berüdßdjtigen iß. Sitte Slbfonberungen unb Stusfdjetbungen muffen regutirt unb Magen, Darmfanal unb Haut in normaler Jfeätigfeit erfealten »erben. Dabei muffen Mebizinen von fräftigenbem, ttetvenftärfenbemunb bisweilen antifpas- mobtfefeent Sfearafter gegeben werben. «Bisweilen ßnb menßruationSbeförbernbe Mittet geeignet. 3n biefem gatte iß eine Slbfodung ber Siferfearbwurjel befon« berS zu empfefelen, Die reidjlidj getrunfen werben mag; es iß eines ber beften Smmenagoga, bie befannt ßnb. Sin getegentlicfees SlbfüfermUtel, beren Hauptbe- ftanbtferil irgenb ein «Präparat ber «Pobopfepttum* (May-apple) SBurzel bittet, tuirt von großem «Ru£en fein. Die güße unb Der untere Jfeeil beS Körper« muffen feäußg in warmem SBaffer gebabet werben. Sine mäßige Diät unb getjötige 33ewe* gung iß zu beobadtett. ©tarrframpf. 345 ©tarrframjif. — Tetanas. Dies gefatjrtidje Seiben beßefet In riner frompffeaften 3ufammenzietjattg einiget ober aller Musfein bes Körpers, vorzügiidj ber Kinnbadettmusfeln, was feinen «Ramen Munbflemme ober Maulfperre veranlaßt tjat. Urfacfee— Unter ber «Reifee von ©cfeäblicfefeüen, welcfee jene franffeafte Jfeätig- feit beS «JUtdenmarfS feervorferingert, bie ßcfe in tetattifdjett Krämpfen äußert — ßnb junäcfeß SBunbett unb iwax vorzugsweife 3erreißungeit, ©cfeußwunbett, ©tiefewun- ben unb folcfee, bei weldjen frembe Körver in ber Sßunbe zurüdbleiben, in erwäfe* nen. Dodj rufen ße nur unter gewiffen S3ebingungen bas Seiben feervor; feierzu gefeört vor Slttem ptö^lidjer Jemperoturwecfefet, zum Seifpiel feriße Jage, auf welcfee falte «Rädjte folgen. Slm gefäferttdjßett ßnb iit biefer 33eziefeung SBunben in ben gufjfofelen uub an ben Hattbßädjett, weldje Jfeeile von einer Menge zarter «Rerven burdjzogen ßnb — unb zwar befonbers, wenn bie «Berufung burctj bas tiefe Sin- bringen eines ßumpfen ©egenßanbeS, wie etwa burctj eilten in ben guß getretenen «Ragel, gefefeiefet. 3n feeißen Klimaten fommt bas Seiben tjäuftger vor unb fräftige Perfonen ßttb ifem am meißen ausgefegt. ©pmptom e.—«Bisweilen ßettt ßdj ber JetanuS fefer balb nad) ber «Berufung ein; gewöfenlicfeer aber fommt er attmälig unb beginnt mü einer tetdjteti ©teifljeü bes «Rodens, bte ßcfe mefer unb metjr ßeigert uttb bas «Bewegen bes Kopfes fcfewierig unb fcfemerjfeaft macfet. Dann fommt ©djmerz unb ©teiffeeit ber 3ungenwurzel, burefe welcfee bas ©cfeluden erfdjwert wirb; ein 3ufammenfd)ttürett ber «Bruß unb ©(ferneren im 3wercfefett ober gerabe ofeerfealfe ber Herzgrube, wetdje naefe bem «Rüden ju auäßrafelen. Dann werben bie Musfein ber Kinnfeadett ßarr unb fcfeließen ßcfe, balb feft zufammen, fo baß feine ©ewalt ben Munb zu öffnen vermag. SBentt bie «Rüdenmusfefn Jfeeil nefemett, wirb burefe beren 3ufammenziefeung ber liegenbe Körper bisweilen in ber Mitte emporgefeoben, fo baß er einen «Bogen befefereibt (Dpißfeotonus). Sludj atte anberen Musfein fönnen 6efatten werben. 33 e fe a n b l u n g.—SBaS zuerß bie «Berfeütungsmaßregein betrifft, fo fottte man feine SBunbe, welcfee «Rerven verlebt in tjaben fefeeint, vorzuglicfe in ben gußfofelen unb ben Hanbßäcfeen, in fefenett von an\}en zufeeilen taffen. Ss iß efeer ratfefam, fie mit einem fefearfen Meffer äußertiefe in erweitern, uttb ße bann mit fauftifdjer Pottafdje ober Höttetißeiit leidjt zu ä£ett; barauf madje man warme Umfcfeläge. SBenn Semanb ßcfe zum 33eifpiel einen «Raget in ben guß getreten feat, fo vergrößere man mit ber ©pt£e eines gebermefferS ober bergleidjen bie Deffnung ber SBunbe unb fdjiebe bann ein ©tüddjen Höttenßein, etwa von ber ©röße eines SBeizenforneS, fo weit als mögliefe tjineiit, unb laffe es barin bleiben, inbem man ein «Pecfepftaßer aufflebt ober eine Sanbage anlegt. Ss wirb ßarf brennen; bodj man laffe es barin, bis es aufgelöß iß unb bie SBunbe zum Süem gebraut feat. Dann madje man warme Umfdjläge uttb erfealte bie SBunbe offen unb eiternb, bis ße vom ©runbe aus zufeeitt. Stuf biefe Slrt wirb jebe ©efatjr abgewenbet. SBenn bie SBunbe groß iß unb burdj ©djneiben ober «Reißen entftanben iß, wafdje man ße unb fprifje bantt eine Slußöfung von Höttenßein, etwa zetjn ©ran zu ber Unze SBaffer, ein. Die Umfcfeläge beßefeen am bt[ttn aus fefewacfeer Sauge unb geriebener Ulmenrinbe. 2tudj wafdje man bie SBunbe von ßtit 3u ßtit mit ßärfer Sauge ober mit Mprrfeen- Jinftur aus. 346 ©unn'S Haus»Slrzt. 3writenS. SBenn ber ©tarrframpf bereits ba iß, ober ßdj ©pmptome feint! HerannafeettS zeigen, fo gebe man Sobelia unb Sapentte= Pfeffer. Man bringe ben Patienten fo fdjnett als mögliefe unter ben Sinßuß ber Sobelia, um bie flraft Ui StnfatteS in hxtdjtn unb bie MuSfeln in erfdjlaffetn Man gebe eine «Diifajung ßärfer Sobelia* unb Sapenne*Jinftur, groei Jfeeile ber erßeren zu einem Ifeetle bei festeren, in feäußg wieberfeolten Jtjeetöffelbofeit, SBenn bie Kinnbaden frampffeafl gefdjloffen ftnb unb ftcfe nicfet mit ©ewalt öffnen laffen, fo gieße man bie «JJcebißn längs ber 3ätjne tjin unb fdjtieße bann bie Sippen; in ben meißen gätten wirb fie attmälig feinburd) träufeln, in ben Munb gelangen unb verfefeludt werben. «Ulan fafere bamit fort, bis Srfdjlaffung eintritt. 3n fcfelimmen gätten, ober wenn man glaubt, bem «Patienten burefe ben Munb nicfets beibringen zu fönnen, gebe man Klpftiere von etwas warmem SBaffer mit Sobelia, Sapetttte*Pfeffer unb Saubanum. ©obalb ber Krampfanfatt uberwunben iß, fe^e man ben Körper ben Dämpfen bitte« rer Kräuter aus ober gebe rin Dampfbab. Der «Patient muß unter bem Sinflufe ber Sobelia erfealten werben unb reidjlidj von einer Slbfodjung bes «Brudjfrauti (©attlcula Marilanbica, sanicle) ober ber grauenfdjufe, Wurzel (Sppripebium, Ladies' Slipper) trinfen. Studj iß es gut, bie Sobelia einmal in bredjetterregenber Doßs unb gelegentliefe etwas Saubanum in geben. § t) fl 11 i e. Die Hbßerie iß eine bem weibtiefeen ©efdjtedjte elgenffeümlldje Kranftjeit, beren Slnfatte ßdj burd) ein ©efütjt ber Srßidung, Sietäubung, ein Kollern im «Bauefee, rine Smpßnbung, als ob eine Kugel vom Magen in bie Kefele ßeige, worauf feäufig Konvulftonen folgen, fenttzeicfetieit. ßu ben ©pmptomen gefeört ferner plöfeltdjel grunbtofes Satfeen ober SBeinett („Sacfefrämpfe," „SBeinfrämpfe"), unrufeiger ©efelaf, feäußges ©eufzen unb anbere 3ufätte, bte auf ein attgemein geßörteä Wer- venfpßem feinbeuten. Dem Slnfatte getjt bisweilen längere 3eü 9ciebergefdjlagentjeit, ängftliaje ©emütb, Sßimmung, Jferänenßießen, fcfewereS Sttfemen unb Herzflopfen vorfeer; bann Wirb ein ©d)merz i« ber linfen ©eite bes Magens empfunben, ber ßdj aUmälig bi« in bie Kefele fortfefct, als ob er burdj eine feeraufrottenbe Kugel veranlag »erbe. Dann folgt Slttjemnottj, Dfenmadjt unb «Betäubung ober vottßanbige «Bewuptloflglett. Der Körper unb bte ©lieber werben bisweilen tjeftlg fein* unb b, ergeworfen; oft bridjt bie «Patientin abweefefefnb in Jtjrätiett nnb in ©elädter aus, ober ße freifcfel auf, ßößt wilbe, unzufammettfeäitgenbe «Jteben aus, unb ber 3«ßfln* 0e^ tn fin förmtidjes vorübergetjenbeS Delirium über. Snbltd) verlieren ßcb, bie Krämpfe, ti werben «Btäfeuttgen entfernt unb unter ©eufzen unb ©cfelucfezett fefert bie Patientin attmälig zu iferem natürlidjen 3uftanbe zurüd, in weldjem fte nur wenig Srinne* rung an bas tjat, was wätjrenb beS StnfatteS mit ifer vorgegangen — bocfe bleibt gewöfenlicfe, etwas Kopffefemerz unb ein ©efüfel ber SBunbfeeit über ben ganzen Körper zurüd. Hpßerifdje Slnfatte ßnb feiten von ©efatjr begleitet unb bie Kranfbeit felty tfni< töbtliefe, außer wenn ßctj Spilepße ober Manie baraus entwidelt. H9ßerie. 347 U r f a cfe e n.—©ewötjnttd) etüßetjt bas Uebel burdj bie Sfttwtrfuttg gewiffer Sei» benfcfeaften auf eine fdjwacfee Körperverfaffung. grauen von ber ßtit ber Mann* barfeit bis zum fünf unb breißigßen Sefeensjatjre ßnb ifem am meißen unterworfen. gs befällt feauptfädjlidj «Perfonen von fanguinifdjem Jemperamente, fefelaffer «JRusfelfafer unb großer nervöfer Smpßnbfomfeü. Slm leidjtefteit tritt es bei folefeen auf, beren Menftruation ptö^lidj nnterbrüdt wirb, ober überhaupt fdjwierig unb mangelfeaft von Statten zu geljen pßegt. 33 e fe a n b 1 u n g.—SBäferenb bes eigentlidjett «ParorpSmuS ober StttfatteS brauet)t nicfet viel getfean iu werben. Die Kleiber ber Krönten mü\[tn geöffnet werben, um bie Slttjembewegungett uttb bett «Blutumtauf iu erteiefetern. Man fprifje ober gieße faltes SBaffer In bas ©eßcfet, bringe ben Körper in bie «Jtüdenlage fo, baß ber Kopf etwas erfeöfet iß, unb laffe frifdje Suft in. Die ©djlafen, ber Unterleib unb bie ©lieber mögen gerieben werben. Man bringe bie Kranfe nidjt in'S «Bett. Man wenbe nicfet mefer ©ewalt an, als unbebingt nötfeig iß, um ße iu verfeinbern, ßdj felbß unb Slnberen ©cfeaben jujufügen. Man gebe itjr fo viel «Jtaum unb greifeeü ftcfe zu bewegen, als möglidj; unb wenn ße ßcb, auf bem «Bette ober auf bem «Boben umfeerrotlen will, laffe man ße rotten. ©obalb bie Patientin tutjtger wirb ober ftd) genügeitb erfeott in tjaben fdjeint, gebe man ifer ein warmes gußbab unb laffe ße ein «Brecfemittel von Sobelia, ober Sobelia mit Specacuanfea nefemen. Die Slufgabe iß, bie 3üfulation in'S ©triefe* gewidjt in bringen unb bie nervöfe Srregung in befdjwiefetigen. Das «Brecfemittel wirb bett im Magen unb in ber Ketjle attgefammetten ©djteim entfernen, bas «Blut nadj ber Dfcerßädje treiben unb einen Sinbrud auf bas ©etjirn uub bas «Jterveit* fpftem madjen. SBenn es ben Stnfdjeitt tjat, ats ob ber «ParorpSmuS längere ßtit bauern wolle unb ein «Bredjmittel nidjt gut gegeben werben fantt, brauefee man folgenbes Srpef* 10 r a tt S, WelefeeS fefenett bie Suftwege voit ©djleim befreien unb oft ben Krampf ' tn wenigen Minuten füllen wirb. Man fottte bas «Präparat in gamilien immer jur Hanb feaben; ba es in atten gätten von Krämpfen, Konvulftotteti, ©djeitttob, Pleuritis, Keucfefeußeit unb anberen Seiben, bie ein SrpeftoranS uub Stittifpasmobicum erforbern, von «Ruinen iß. golgenbes iß bie Mifefeung: Sanabifdje «Blutwurzet (Red Puccoon) eine Unze; Sobeliafameit, pulverißrt, eine Unze; Specacuanfea, jwei Unzen; Sapennepfeffer, eine fealbe Unze; guter SBfeiSfv ober «Branntwein, ein £)uart. Man laffe ße eine SBodje lang ßetjett. Die Doßs für eine erwadjfene Perfon iß von einem fealben bis iu tintm ganzen Sßlöffel vott, fo oft ats nöttjig zu wiebcrfeolen. SBenn ber Patient nidjt fdjtuden fantt, möge man baffelbe als klpßier, mit SBaffer vermtfdfet, beibringen. ftaefe «Beenbiguttg bes ParorpSmuS fottte ber «Patient eine milbe «Purgauz ttetjmett, um ben Darmfanal in reinigen. SBenit man eine bauernbe Heilung tjerbeifüljreit Witt, muß ber ©tufelgang normal unb offen erijalten werben. Sine «Pille von Pobopfepüum* ober von SBeißwattnuß* (Butternut) Srtraft mit etwas Sapenne* Pfeffer ober ©ewürznelfenpulver fann in biefem ßwede attabenblid) ober einen Slbenb um ben anberen genommen werben. Dodj ßnb audj anbere mllb*wirfenbe vegetafeü lifcfee ptHeit bazu gut, bie man unter ben «Rezepten ßnbet. Sin fefer feerüfemtes Mittel bei biefem Seiben iß Slffafoetiba ober Jeufelsbrecf. Deafealb feaben grauen im Slttgemeineit eine große Slbneigung bagegen. Doefe, iß 348 ©unn's Hausarzt. es rin fetjr gutes Mittel unb eine Slffafoetibapitte von ber ©röße einer fleinen 33ofent ein* bis zweimal tägiidj, wirb vorzüglldje Dienße tfeun. Sinmal wöefeentltd) fottte ein milbes «Brecfemittel, aus Sobelia unb 3&ecacuanfea mü «Polel* (Pennyroyal) Jfeee, gegeben werben. «Bredjmittet werben ben «JWagen bie Seber unb bas «Rervenfpßem fräftigen unb betfeätigen. SBentt bie Patientin fefer fdjwadj unb feeruntergefoinmen iß, ßnb ©tärfumpmittel notfewenbig, Von benen zum «Beifpiel golgenbes iu empfefelen iß: Man nefeme ©emeine «Rarbe, Snzian unb Kamittenblumen unb etwas ©ewürznelfen uttb SJiue;« fatnuß unb gieße SBein ober «Branntwein auf; bies gibt ein vorzüglidjes «Bittere«. Dabei muß bie «Befeanblung ber Kranfen freunblidj unb tfeeilnefemenb fein. «Wan muß nidjts zu itjr fagen, was ße aufregen ober in Seibenfdjaft verfemen fonnte. Sie muß ßcfe Ijäußg «Bewegung in ber frifcfeen Suft madjen, nie ben Magen überlaben unb natjrfeafte unb babei leidjt verbaulietje Koß genießen. üDlclandjolic unb £> tj üo dj o tt b r ie. Diefe Selben gefeören fo nafee zufammen unb ßnb oft fo fefewer von einancer ja unterfefeeibett, baß ße wofet zufammen befproefeen werben mögen ; zumal ba tn prat« tifdjer «Beziebung, was «Befeanblung unb Heilverfaferen anbetrifft, biefelben allgemei- nen «Jtegeln gelten unb nur je naefe ber SigentfeümlicfefeÜ unb ©cfewere bes gallei einer Stbänberung unterworfen ßnb. SBir wotten alfo biefe beiben Seiben alt ver« fefeiebene gormen berfelben Kranffeeit betradjten. Die M e l a n cfe o l i e ift in ber Jfeat bas Slitfattgsßabtum ober ein milberer ©rat wüfiidjer ©emütfes* unb ©eißesftörung, wäferenb man fte anbererfeits oft alt ben feödjßen ©rab ber Htypodjonbrie erfennen fann. Das eine biefer Seiben getjt leidjt • in baS anbere über, unb beibe fönnen in völliger ©etßesverwirrung enben. Die Melancfeolie an unb für ßefe iß ein geiftiges Seibett, bas auf förperlidjen Uebein berufeen mag ober nicfet. Der «patient fdjeut bie ©efettfefeaft Sinberer unb fudjt bte Sinfamfeit auf; er ift niebergefcfelagen, mürrifefe, mißtrauifdj unb neugierig; Sttleä iß ifem zuwiber unb nicfets fefeeint ifem tedjt iu gefeen; feine ©ebanfen pßegen beftan« big bei einem befonberen Umßanbe, Unglüd ober ©dtdfalsfatt zu verweilen, ber bie Urfadje ober bie vermeintltdje Urfadje atter feiner Seiben iß. StüerbingS fann auefe bie Sntßefeung ber Kranffeeit b,äußg auf irgenb ein beßimmteS plöfclidjeS Mijjgefctid, wie ber Job eines greunbeS ober nafeett Slitgefeörigeit, nnglüdlicfee Siebe, etjelidje Sntzweiung, «Berluß beS «BermögenS unb bergleidjen zurüdgefüfert werben. «JJiancfee Kranfen verlangen beßänbig nadj metjr «Jtautn unb Suft, mögen nicfet in ber 'ctxiit bleiben ober fönnen feine verfdjtoffene genßer vertragen; anbere fürefeten ßcfe beftan» big, wie vor einem brotjenben Unfall, glauben, baß ße wegen eines eingebildeten fcferedlictjen «BerbredjenS verfeaftet werben fotten, ober baß fte eine unverztifelicbc ©ünbe begangen Ijaben. ©o qualvoll ftnb biefe beängßigenben Pfeantafiegefii» bisweilen, baß ber arme Kranfe nadj jeber ©elegeiüjeü greift, um burd) Selfcjt' morl feinem Seiben ein Snbe zu madjen. SBiSweilen ftnb gewiffe pfepßfcfee Spmptome mit biefem ©eifteSzußanbe verfnüpft; wie Herzflopfen, Sltfeembefcfewerben, 'bteiefee« unb elenbes Slusfetjen, «Berßopfung, Urinvertjattung, unwittfürltdjeS Seufzen, ginn* lofeS SBeinen uub bergl. Melandjotte unb Höpodjonbrie. 349 Hppodjonbrie bagegen iß beutlidjer als eine pljpßfdje, im «Rervenfpßem fie* genbe, Kranffeeit zu erfennen unb ftefet oft in nafeer «Berbinbuitg mit DpSpepße unb Unorbnungen ber Seber. «Perfonen von metancfeolifdjem Jemperamente finb ber Äranffeeit am meißen unterworfen, namentlicfe wenn fie eine ßjjettbe Sebensweife füferen. ©ewöfenlicfe zeigt ftcfe große «Berftimmtfeeit mit abfurben uttb tädjerlicfeeit ginbilbungen unb «Befürdjtungeit. SBie bri ber Metattdjolie ift ber ©riß oft ßarf ergriffen, unb ber Patient fann ftd) nicfet von ber gurdjt vor vermeintliefeen Uebeln, beßänbigem Mißtrauen, Jobesafenungett u. f. w. toSmadjen. Sine ber gewöfenlicfe* ßen Srfcfeeinungen ber Hppocfeottbrie ift, baß ber «Patient an irgenb einer merfwür* bigen Kranftjeit ober Kombination von Kranffeeiten zu leiben glaubt uub oft bie lädjerlidjftett «Borßettuttgen in S3ezug auf ben 3ußanb feines Körpers bat. gerner pßegen gewöfenlicfe bpspeptifcfee ©pmptome vorfeanben zu fein: Magenfäure, fefearfeS Slufftoßett, Srbreefeen gätjer ©efeteimmaffen, Kälte ber Haut; bisweilen eine Strt frampffeafteS 3ufautmettfcfettüreit ber Kefele; ©efemerzen unterfeatb ber «Jlippeit ber Iinfen©eite; Herjflopfett; ©cfelafloßgfeü; gewöfenlicfee Seibesverßopfung; gurdjt* famfeit; trübe ©timmung unb quätenbe «Beforgniffe. Ss wäre inbeffen unmögtid), alle ©pmptome, fetbß bei einem einzigen unglüdlidjen Hppocfeonber, aufgujätjlen; ba ße nicfet nur, je ttaefe bem Jemperamente unb ber ©eifteSridjtuitg verfdjiebener Perfonen, unenblicfe verfefeieben ßnb, fonbern auefe bei berfelben «Perfon oft wecfefeln. Sin Hauptmerfmol iß ber ©lauben att eingebildete Kranfbritett, bie gurefet vor ver* meintlicfeen fommettbett Uebeln unb rin beßänbigeS «Bedangen Mebizinen zu nefemen! Diefer eigentfeümlicfee 3ußanb tann burdj mandjerlei Urfadjen entftetjen ; anfeat* tenbeä unb angeßrengtes ©tubiren, langer Kummer, Unmäßigfeit, üppige SebenS* weife unb baraus folgenbe DpSpepße unb «BerbauungSßörungen uttb Stiles, was bie Jfeätigfeit bes «RervenfpßemS ßört unb beeütträctjtigt. Dodj iß bie Kranffeeit, foviel Qual ße auefe bem Patienten unb foviel Müfee unb «Berbruß ße bem Strzte bereitet, nur feiten von gefäferlidjen golgen begleitet. Befeanblung. — Die Heilung feängt in beiben obigen Kranfbeiten weit went* ger von Mebizinen, als von ber geeigneten «Befeanblung beS ©eißeS ah, welcfee bie gröfjte ©orgfalt unb ©efdjidticfefeü erforbert, ba bie Patienten gewöfenlicfe äußerß tigenfinnig unb reizbar finb, unb ba ifer ©emütfesteben gerabe ber Hauptß^ bes Seibens iß. Der ©eiß muß von feinen trüben ©ebanfen unb «Befürctjtungen abge* jogen unb auf anbere neue unb intereffante ©egenßänbe tjtngelenft werben; man muß ber ganzen Denftfeätigfeit eine anbere «Jüdjtung in geben fudjen. ßu biefem 3wede muß ber Patient, foviet als möglidj, mit feeiterer ©efettfefeaft in «Berütjrung gebradjt werben; er muß mit abweefefetnbem «Bergnügen unb angenefemer Umgebung unterfealten werben; wenn es irgenb ttjutttid), fottte er reifen, ßcb, in munteren •Babepläjjen unb in romantifdjett ©egenben auf tjalten unb ben «Jteiz neuer «Befannt* fdjaften unb verfefeiebener «Jtaturfcfeönfeeüen genießen. Dabei muß er ßcfe möglidjß viel «Bewegung ju guße ober iu «pferbe macfeen. Um bas 33ertrauett beS Patienten ju gewinnen unb feine Hoffnung auf ©enefuitg wieber aufzurichten, iß es notfewen* big, auf bie «Borßettungeit, bie er von feinem Seiben tjat, feien ße nocfe fo abenteuer liefe, einzugeben unb ifen fefeeinbar barauf Ijin in befjanbetn. ©eine Mebizinen muffen, wenn auefe nur bem «Ramen nadj, gewedjfelt werben, fo oft er ßcb, mit itjrer SBirfung unjufrieben äußert; fo lange er Mebizinen gebrauchen will, fomme man feinem SBunfd mit unfdjulbigen ©ufeßaujeit nacb, uttb trage ben wuuberiictjen 350 ©unn'S $ a u « »91 r j t. Saunen, bie er oft äußert, «Jtedjnung. 3« ben meißen gälten ßnb übrigen« ipeil. mittel ber einen ober ber anberen Slrt nötfeig, um bas förperlidje Seiben, hat feinem ©emütfeszußanbe zu ©runbe liegt, zu beffern; namentlicfe fräftigenbe, anti.bpaptp. tifctje unb ttervenßärfettbe Mebifamente. Sluf räglidjeS «Baben unb bie gefeörig Houtpßege muß ßreng gefetjen werben. Die Diät muß forgfältig naefe bem jebe«. maligen 3ußanbe unb ben wecfefelnbeit ©pmptomen geregelt werben, ^m SWge« meinen wirb letdjte, animalifctje Sto[t am beßen fein ; wenn, wie es meißens ber gaQ ß, bpspeptifcfee Srfdjeinungeit vorfeanben ßnb, muffen aüe foldje grücfete unb ©emüfe, welcfee ©äure unb «Bläfeuttgen verantaffen fönnen, vermieben werben, ©rüner Ibee unb S^af\tt ßnb iu vermeiben. ©uter, fdjwarzer Jfeee, bodj nicfet zu ßarf, barf getrunfen werben; ebenfo Stjofolobe unb Kafao; ein wenig «Jtotfewein unb «JRabtira unb getegenttidj ritt ©djtud guten SognacS ober «Branntwein iß zu erlauben, aber nicfet fo oft, baß baburefe eine ©ewofenfeeit entßefet. Dpium unb aüe «Ratfottfa muffen vermieben werben, unb wenn ber «Patient ßdj an iferen ©ebrauefe gewöfent feat, fo muß er attmälig berfelben entwöfent werben, ober es iß feine Hoffnung auf Heilung vorfeanben. ©eebäber ftnb vorzügllcfe zu empfehlen; wenn ße nidjt p feabett ßnb, fo verorbne man falte SBafcfeungen ober eilt faltes ©djauerbab jeben Morgen; es iß bies ein wefentüefeer XXjtil ber «Beb,anblung unb von bem größten «Rubelt bei allen «Rervenfranffeeüen. 3m Slnfange ber «Befeanblung fann es oft ratfefam fein, ben Magen burefe ein «Brecfemittel zu reinigen, namentlicfe, wo eine Stnfammluttg gätjen ©ajleimes obtt fäuerlicfeer Maffen vorljanben zu fdtt fdjeint. «Purganzen ßnb von 3eit ju 3eit notfewenbig. Um ber Magenfäure uttb ben bpspeptifefeen ©pmptomen iu begegnen, fottten Sllfallen, in Heilten Dofen, gebraucfet werben. «Borzügtiefe gut feierju iß bie weiße Sauge (f. SRezepte). Sbenfo etwas ©aleratus (fofelenfoures Kali), boppelt» fofelenfoureS «Ratron, Magneßa unb präparirte Kreibe. Stwa zefen ©ran «Jlfeabar« ber mit einer Dradjme ober einem Jfeeelöffel vott Magneßa, einmal täglicfe genom- men, wirb ftcfe als ein ttüjjlicfees Mittel erweifen, fowofel um ben ©tufelgang getinl ZU öffnen, als um bie ©äure bes Magens zu feeben. Sin gutes tonifdjeS unb fräftigenbes «Bitteres, zwei* bis breimal tägiidj; anti« bpspeptifetje ober Seberpitten, ein* bis zweimal täglicfe; täglicfees «Baben; tüdjtige «Bewegung ; Sltfatieit, um ber Magenfäure in begegnen; zur Slbwedjfelung irgenb weldje unfcfeäblicfee Mittel, um ben Saunen bes «Patienten zu genügen — bas tß in Slttgemeinen bie ©umme beS mebirinifdjen JfeeileS ber «Betjanbtung. Die übrige «Befeanblung, bte, wit bemerft, meißens ben Haupttfeeit auSmacfet, muß eben in ten geeigneten Stnflüffeit auf ben ©riß beS «Patienten beftetjen unb ßdj nadj ben Umßan« ben *>'*> ^>fntb,ümlidjfeüeit beS einzelnen gattes ridjtett. ©tütet 3f*f$ttitt« JPjjMMtw (Rx1mubm%m m& ^LxmMxtitm mit ßMvtx&txM$$. Riebet. Ueber gieber im Sillgemetitett. Unter biefem Jitel fotteit alle gieber beb, anbett werben, benen ber menfdjlidje Drga*» nismus unterworfen iß. gieber ßnb fefer zatjlreid); fte entßeb, en aus mannigfaltigen Urfadjen unb befallen «Perfonen von verfcfeiebener Konßitutioit ober Körperverfaffung mit größerer ober geringerer Heftigfeit. Man ßetjt, wie notfewenbig unb wtdjtig es tß, fidj erß ein rtdjtiges Urtfeeit über bie Konßitutioit beS «Patienten zu bilben, efee man ifem Mebizinen verfdjreifet. Der gefunbe Mettfdjettverßaitb tefert, baß bie Slnwenbung energifcfeer Mittet, bie bei einer gefunben unb fräftigen «Perfon wofel angeferadjt wären, bei einer zarten unb fäjwäcfetidjen Konßitutioit ben «Patienten balb zu ©runbe riefeten würbe. Sine lange, praftlfdje Srfaferung tjat midj überzeugt, bafj bei ber «Befeanblung von giebern $or Slttem ber Magen zu berüdßdjtigen unb fein 3ußanb zu verbeffern iß; wie idj es in meinem SBerfe „©uttn'S HauSmebiziit" bereits ausgefprodjen: „Der erße Sinbrud, weldjer burd) Mebizin auf ben Magen feervorgebradjt wirb, tfeeitt ßd) fofort fpmpattjettfefe bem ganzen DrganiSmuS mit." Ss iß biefes Drgan, bas bie Heilmittet aufnimmt, burcb, weldje bie Kraul* feeit unterbrüdt werben foll. Das größte ©efeeimniß ber Heilfunbe iß: bie Urfadje ber Kranfljrit zu entbeden; baS-zweite: bie Slrzneimittet in gehöriger SBeife anzuwenbett; bas britte unb legtet ifere SBirfungen genau zu überwadjen. Die SluSübung ber ärgttidjen «PrariS iß fetjr einfadj unb berufet vor Slttem auf bem gefunben Menfctjenverftanbe. Sin «Rarr mü aXV feiner Jfeeorie unb ©eletjrfamfeit wirb nie tin erfolgreicher Slrzt werben. Da lieber verfcfeiebener Slrt vorkommen, ßetjt man ein, wie widjttg eS iß, bie Waferett Urfadjen iu erforfdjen, aus betten ßcb, bie Kranffeeit entwidelt tjat. ßs wirb angenommen, baß zwei einanber entgegengefejüe 3ußänbe beS menfd)*' licfeen Körpers gieber tjervorbringen fötineit uub gleidjfam itjre Uttterlage fowotjl, als Unterfdjeibung bilben. Der eine wirb, mebizinifcfe, bie p X) l o g i ß i f etj e SDiattjefe genannt, b. X). «Reigung zur Sntzünbttdjfeit; tjier iß bas Herj zu fdjnetler unb fertiger Jtjättgfeit erregt, was ßcfe, in ber votteit uub fräftigen 351 352 ©unn'S HauS*Slrzt. Pulfationber«Blutgefäffefunbgibt, wäferenb baS «Blut felbß eine intenßvere«Jlötfeeunb eine bicfetere 3ufammenfefcuttg zeigt. 3m anberen 3ußanbe iß zunädjß unb birelt bas ©efeirn unb «Rervettfpßem afßzirt, ifere Jfeätigfeit iß beeinträchtigt, bie Energie bes HerzfcfetogeS unb ber «Blutgefäße iß gefdjwäefet, bas SMut iß von biinnerer «Befdjaffenfeeit, unb atte flüfßgen «Beßanbtfeeite bes Organismus neigen ßcfe zur 3er- fejjung ober erfdjeinen verättbert. SBenn bie Sntzünbung ober bas gieber von rein äußeren unb äußerlicfeen Urfadjen feerrufert, wie etwa SBunben, ©töße uttb «Branbverle^ungen, fo ßebt bie Heftigfeit beS gieberS, weldjes bem fogenannten Sofatteiben folgt, im «Berfeältniß z" bem ©rabe ber Sntzünbung, bie itt bem afßzüten Jfeeile feerrfefet. ©olefee gieber werben, mebizinifefe, fpmptomatifdjegieber genannt, Z itt iß ebenfo ber gatt hti gewiffen Sungenleibett unb anberen Kranffeeiten bes Körpers weldje zwar nidjt von äußerlicfeen «Berufungen feerrüferen, aber vott bem ©tbreajen ober Seiben eines beßimmten JfeeileS, weldjes eine Sntzünbung beffelben unb bamit bas gieber veranlaßt. SBenit bie Sotatentzünbung befeitigt wirb, ober, in anberen SBorten, wenn ber feetreffettbe Jfeeil gefunb gemadjt wirb, fo ift bamit audj bas Riebet befeitigt; wenn jene nicfet unterbrüdt werben fann, fonbern fortfefereitet unb attmälig bie Drganifatioit beS befallenen JfeeileS jerftört, fo ßirbt ber Patient, bisweilen burefe bie Heftigfeit beS gieberS unb bisweilen burdj bie 3erßörung eines zum Seben notfewenbigen DrganeS. Srfältung verurfadjt fetjr feäußg entzünbtidje Kranffeeiten, unb wenn lange an- feottenb unb vernacfeläfßgt, wirft ßefe bas Seiben gern auf bie Sungen. SBäferenb bes SBinterS unb im «Beginne bes grüfelings feerrfajett Sntzünbungen beS «Brußfetts unb ber Ketjtfopffdjtrimfeaut, rijeumatifdje unb entzünblicfee gieber. ©egen bas Snbe beS ©ommerS unb befonbers im Herfefte feerrfdjen mefer Riebet anberer Slrt, mü «Reigung zum Durdjfatt, unb bösartige Kefelfopfentzünbungen, mil ©efcfewürbilbung, werben allgemeiner. SOätjrenb ber ©ommermonate, wenn bie SBitterung brüdenb unb ber Körper erfdjlafft iß, wenn Hitje unb geuefetigfeit ftcfe vereinigen, um bie gäutnifj tfeierifefeet unb pßanzlicfeer ©toffe in befdjleunigeit unb bte Sltmofpfeäre mit Miasmen, b. fe. mit fauler Suft, zu erfüllen; ebenfo wenn bie Stusbütiftungen ßefeenber ©ewiifer einwirf en — weldjes Stiles bie Sntftetjung von Kranffeeiten begünftigt—bann finb gallige, SBecfefel* unb fcfelridjeitbe gieber an ber JogeSorbnung. Sine nodj viel wirffamere Urfadje von giefeem läßt ßefe itt ben SluSbünßungen Ui lebenben tnenfdjtidjen Körpers ßnben; id) meine, wenn Menfdjen in großer Slnpfel in gefdjloffenen «Jtäumett zufammengebrängt finb, fo baß bie Suft itjrer lebengtben- ben «Beftanbtfeeite beraubt wirb, burdj wieberfeolte unb beßänbige «Jtefpiration, ober, in anbereit SBorten, burefe bas Sinatfemen fauler Suft. Destjalb bilbet ftd) biefer Kranffeeitsftoff in ©efängtiiffen, in ©djiffSräumen, in fäjmufcigen unb ftfeledjtgelüf« teten SBofentjäufern unb in Hofpüäiem, ober auefe burdj bie SluSbünßungen sen Körpern, bie in einem ungefuttbett 3ußanbe ftnb; uub ber Slitftedungsftoff tfeeilt ßcfe ebenfalls benen mit, bie bem «platte feiner Sntftetjung nafee fommen. Kranffeeitsßoffe biefer Slrt fönnen lange an «Betten, Deden, Kleibern unb anberen ©egenftänben, bie mü bem Körper beS «Patienten in «Berüferung waren, feafttn blei- ben, ©ie befealten itjre giftige SBirffamfeit, fo baß fetbß an entfernten Crten reu» angeßedt werben fönnen, wenn man biefe inßzirten ©egenßänbe umfeertragt, ofene 3ntermltttrettbes ober SBe cfefef fiefeer. 353 ße zuvor orbentlicb, zu reinigen. Sluf biefe Slrt werben «Biele vom gieber ergriffe«, namentlicfe wenn ße bereits bazu präbispoitlrt ober geneigt ßttb. 3n «Bezug auf bie Jfeatfaeb,e, baß mancfee «perfonen für Slnßedung empfängllcfe ftnb, wäferenb anbere unter benfelben «Berfeältniffeit unberüfert bleiben, fann fein Zweifel feerrfcfeen. Stile anßedeitben Kranftjeiten änbertt mefer ober weniger ifere 91atur, burefe SBedjfel beS Klimas, burefe, «Jteinlicfefeit unb viele anbere Urfadjen, bie ginßufj auf bie Körperverfaffung bes Menfdjen feaben. Seute, bie ßcfe bei brüdett* ber Sltmofpfeäre ober Reißern SBetter anßrengettbe «Bewegung maefeett, ober zufällig auf feucfetem «Beben in ©djlaf ftttfen, bie [xdj ben ©trafeten ber Mittagsfonne ober bem füfelen «Radjttfeau ausfegen, ober plöjüldj ben ©cfeweiß unterbrüden, ßnb mtfer ober weniger in ©efatjr, ßcfe gieber von etüzüttblidjem ober bösartigem Sfearafter juzujtefeett, inbem bie Sntzünbung bireft bas ©efeirn ober bie ©efeirnfeäute befällt. 3cfe werbe jef3t zu einer allgemeinen «Befdjretfeuttg ber gieber übergefeen uub ifere «Befeanblung in fo einfader ©praefee, als mögtidj, angeben; man wirb feinter jebem mebizinifefeen KunßauSbrud fofort eine Srflärung ßnben, bie aud) bem Ungeteilten verßättblicfe iß. gieberfpmptome. — Mübigfeit ober ©djwäefee; ©djlafffeeü ober ©djwädje ber «JRuSfeln; ein SluSbrud beS ©eßcfets, ber vott innerem Mißbefeagen unb Seiben jeugt; Slbneigung ober Unfätjigfeit, ßcfe geißig ober förpertiefe anzuftrettgen. Dies ftnb bie gewöfenliefeett Sittzetdjett, welctje bie «Räfee beS gieberS verfüttbett. — Unregel* mäfige Slnfatte von groß unb Hi£e, große «Jtutjeloßgfeü unb rin allgemeines SBefe* gefüfel, baju gerötfeetes ©eßcfet unb vermeferte Hi£e ber Haut, befonbers att Hättbeit unb Süßen; befdjleunigter «Puls unb Kopffdjmerzen, ober rine ©eftörtfeeit beS Haren DenlettS — zeigen an, baß bas gieber bereits ba iß, nnb baß ber befallenen «Perfon arjtlidje Hülfe iu lelßen iß. Sntermtttirenbel ober ffßciljf elf teuer. Dies iß biefenige gorm bes gieberS, welcfee periobifefe, auftritt, bas feeißt, beren Slnfatte zu beßimmten 3ritett, naefe beuttiefeen uub beftimmten 3n>ifefeetträumen, wieberfeferen. «Bon Slerzten werben uttterfdj leben: £)uo tibianfieber, bereit Slnfatte tägiidj auftreten; Jertianfieber, wenn bie Slnfatte ftcfe einen Jag um ben anberen wieberfeolen; £}uartanfieber, wenn ße an jebem vierten Jage erfcfeeinen. Slllgemeine ©pmptome beS gieberS. —Das erße ober großßa«- bium beginnt mit ©djwädje, «Jtetzung zum ©treden unb ©äfenen, barauf eine Gmpftnbung von Kälte im «Rüden unb in ben ©iiebmaßen, bie ßcfe attmälig ßelgert, bis ber ganje Körper wieberijotetttlidj von ijeftigem große gefdüttelt wirb. Dies feaft einige ßtit an, bann ßettt ßdj ein tjefttger ©djmerz im Kopfe unb im «Rüden nn unb feäußg eine Smpßnbung, ats ob bie Magengegenb aufammengefditürt foürbe; bas ©efüfel ber Kälte iß fo groß, baß ber «patient ßd) burd) nidjts erwär* wen fann. «Kadj einer SBeile verlieren ßdj bie großanfätte, unb es folgt ein ©efütjl bet SBärme, bas ßcfe attmälig ßeigert, bis ßd) eine unttatürttdje «Röttje unb Hi&e «o« ben ganjen Körper verbreitet; bem «Patienten wirb enbtid) fo unerträglid) tjeiß, H er Je&t ebenfo nad) falter frifdjer Suft verlangt, als vortjer nacb Srwärmung. 23 354 ©unn's Haus*2lrjt. «Radjbem bas H l & e ß a b l u m eine ßtit lang gewäfert, verfdjwitibet es aHnufigi ber Durß verliert ftd), bie Haut wirb fcfetaff, unb bas brüte ober ©cfemttpjh. bium beginnt, inbem zuerß om Kopfe eine gelittbe «Perfpüation ausbricht, bie (irt auf ben übrigen Körper erßredt unb immer feeftiger wirb, bis ber Patient gani mit ßrömettbem ©djweiße bebedt iß. Sluct) biefe Srfctjelnung verliert fidj jultbi vottßänbig. Dies ßnb atte ©pmptome beS «BertaufS einer regelmäßigen gorm von SBedjfel ßeber; ber «Patient bleibt tjlerauf btS zum nädjßen Sinfatt fefeeinbar frei von ßranf- feeit, mit Slusnafeme allgemeiner ©cfewädje ober Mattigleit. Die fpäteren Slnfatte treten gewöfenlicfe mit wunberbarer ©ettauigfeit ju berfelben JageSzeit ober ©tunbe, ats ber erße, auf unb bauern ungefäfer ebenfo lange. «Befeanblung. — Um biefe Kranffeeit in feetten — erfefeeitte ße nun als Cuo« tibian*, Jertian* ober Quartan * gieber, wirb rine unb biefelbe Metfeobe Befolgt. Die Slufgabe iß, foviel als möglicfe, baS Sinwurzetn ber Kranffeeit ju verfeinbern, benn je länger ße anfeält, um fo mefer wirb ber Organismus gefcfewäcfet; unb wenn ße falfefe befeanbelt ober vernacfeläfßgt wirb, ßetten ßcb. gewöfenlicfe bie ernftlicfefien golgen ein; ©todungen entßefeett in ber Seber, ber Milz unb anberen Organen, unb ber Körper wirb zu SBafferfucfeten ober fonßigen djrotttfdjen Seiben geneigt. Das Srfte, was wäferenb beS ©efeüttelfroßeS gefdjefeeit muß, iß bie Slnwenbung fünßlidjer SBärme, inbem man bie güße unb «Beine in warmem SBaffer babet unb ben Körper in bidjte Deden tjüttt. SBenit ber «Patient im «Bette liegt unb gut bebedt iß, wärme man bas gußenbe mü feeißen 3tegetßelneti ober SBärmeßafcfeen, unb ebenfo lege man trodene warme ©egenßänbe auf ben Magen, ben Unterleib, lang« bes «Jtüdens, an bie Hänbe u. f. w. ©leicfezeüig werben retdjfid) warme ©etränf« verabfolgt, wie Kamittentfeee, glübertfeee, «Penttpropaltfeee ober ein fdjwadjer Sluf- guß von rotfeem (fpanifefeem) «Pfeffer. Kurz ausgebrüdt: wäferenb beS 8r oft (la- bt u m s bemüfee man ftd), Hifje iu erzeugen. SBäferenb beS H i <3 e ftab i u m s muß man, foviel als möglidj, Perforation, Ui feeißt ©djwtijett, feervorzubriitgeit fuefeen; bies gefefeiefet burefe Mittel, welcfee bie Sluf- regung beS ©efäßfpftemS zu minbern geeignet ßnb. Die wätjrenb beö erflen ©tabiums gebraudjten Mittet werben bei ©eite gelegt; man gibt bem Patienten füfetenbe ©etränfe; Kleiber unb Deden, bie ifen beläßigen, werben attmälig ent- fernt. 3nt brüten ober ©efeweißftabium muß ber «Patient mäßig füfelgefealten werben ; wenn es vorüber, muß er forgfältig getrodnet, mit reinem 3euge verfetjen unb bem ©djlafe überlaffett werben. SBenn ßd) große Mattigleit ober <5dj»äebe Zeigt, mü^tn ftimutirenbe (erregenbe) Mittel gereiefet werben, zum «Beifpiel etwa« warmer «Punfefe ober „SBtjisfp Jobbp" ober ©lüfewetn. SBäferenb ber 3ntermifßon, bas feeißt wätjrenb beS freien 3wifd)enraumeJ Ml Zum ttäcfefteit Sinfatt, muß man verfuefeen, Mittel anzuwenben, bie eine vetanberte Jfeätigfeit im DrganiSmuS tjervorrufen unb bie franffeaften SBirfungen bes fiebere) entfernen; einfaefeer ausgebrüdt: mau muß verfuefeen, ben CrganiSmuS fo ju fräf- tigen, baß eine Sßieberfetjr beS SlnfaüeS verljttiberi wirb. Dr. 3- S. «Baum, ein Ijervorragenber Slrzt iit Souisvitte, ber biefe Kranffeeit mfl größerem Srfolge betjanbett, als irgenb ein anberer Slrzt in ben «Ber. Staaten, unb beffen Sinßdjtett burd) feine langfäferige praftifdje Srfafjrung baS größte C^ercidit tyaben, gibt menfcfeenfreunblidjer SBeife bem «Publltum, burd) «Bermittelung tiefe' 3ntermittirenbeS ober SBedjfetflefeer. 355 meines 33udjeS, ©efegentjeit, feine Metbobe fennen zu lernen, um einer bisweiten fo langwierigen unb langweiligen Kranffeeit Sinfealt zu ttjun. Der Doftor tfeeilt mir mit, baß er in biefer Kranffeeit nie ein emetifcfeeS (Siredj-) ober purgirenbeS (Sibfüfer*) Mittel anwenbet unb ben ©ebrauefe beiber ßreng ver* bietet, weit ße* leidt bie SBirfungen ber tonifdjen ober fräftigenbeit Mittet, bie vor Slüem notfewenbig ßnb, zu niefete madjen fönnen. Die atte Metfeobe, bem «Patien- ten fofort «Brecfemittel u. f. w. iu reicfeen, bringt, ßatt Srteidjterung zu gewäferen, eine «Reigung zu «Küdfätten Ijervor. Sr ßefet biefe Kranlfeeit einzig als ein Seiben bes «JRagenS att, unb würbe ber teuere nur iit gefunbem ober normalem 3uftanbe erfealten, fo würben bie Menfcfeen frei bavon fein. SBäferenb eines vierzefettjäfertgeit Slufentfealtes iit Souisvitte feobe iefe ©elegentjelt v gefeabt, bie großen Srfolge feiner Kuren in fefeen. Meine Slbßcfet iß, in meinen ©djriftett bem Publifum etjrlicfe unb aufridjtfg bie SBafertjeü in fagen, unb obwofef Idj in meinem älteren SBerfe, „©unit's Hausmebizftt" ober „ber greunb bes Slrmen," bie alte «JRetfeobe angegeben X)abt, fo X)abt idj midj bocfe feitbem burefe, Srfatjrung über* jeugt, baß biefe neuere bri weitem bett «Borzug verbient. Das mir bürefe Herrn Dr. 3- S. «Baum mügetfeeitte Mittet gegen SBedjfetßeber iß wie folgt: gür eine erwadjfene «perfon nimm vierzefen ©ran Sfeinin unb vierzefett Sropfen ©djwefelfäure auf eine Unze falten SBafferS. 3uerß mifefee bas Sfeinin mit bem SBaffer, unb bann füge bie ©efewefetfäure feinzu. Die Doßs ift ein Jfeee* löffel voll jebe ©tunbe, in tintm ©läScfeen falten SBafferS, wäferenb ber fieberfreien Seit ju nefemen. SBenn ber Patient lange an ber Kranffeeit gelitten feat, wirb es, um itjre SBieber» fefer ju verfeütett, feäußg nöttjig fein, nocfe eine zweite fo zubereitete Unze anzuwenben; bocfe nur eine Dofis vor jeber Mofetzeit, was feinreldjert wirb, bem «Rüdfall vorjubeugen. einem fecfes Monate bis iwti Safere alten Kinbe gib wäferenb ber fieberfreien 3eit zwanzig Jropfen jebe ©tunbe, bis fecfes Dofen genommen ßnb. gür bas Sllter von zwei bis fünf Saferen: fünf unb breißig bis vierzig Jropfen, bis fecfes Dofen genommen ßnb. gür bas Sllter von fedjs bis zwölf Saferen, einen fealben Sfeeelöffel jebe ©tunbe, bis eine fealbe Unze verbrauefet iß. Dr. S3aum ver* fiefeert, baß er nie ein gefelftfelagen biefeS Heilmittels gefefeett. 3a$ fdjwefelfaure Sfeinin (Quiniae Sulphas) mag in Dofen von iwti ©ran, obet »n lenbe ©etränfe, Meliffen* (33atm*) Jfeee, Simonabe, S3robwaffer. Kaltes Spring. waffer fottte nur in geringen Quantitäten auf einmal genommen werben. SBenn baS ©cfewetßftabium beginnt, fo gib bte umgenannten ©etränfe unb gleichzeitig tjin unb wieber etwas SBein unb irgenb rine ©petfe, naefe welcfeer bet «Patient verlangen mag. SBätjrenb ber ßeberfreien 3eü gib bem Patienten frafti- genbe unb leicfetverbaulicb,e RaferungSmittel, unb laß ifen in freier Suft ßcfe 53e»e« gung macfeen, wenn es nidjt gerabe naß*fatte SBüterung iß. Dodj mu§ biefe S3emeguttg niajt bis zur Srmübuitg getrieben werben, ba fonß bie Jfeätigfeit Ui Organismus feerabgeftimmt unb bie Heitfraft ber «Jtatur beeinträcfetigt, ober in anberen SBorten, eine ©cfewädje erzeugt wirb, wetdje ber ©enefung feinbetlicfe ift. KoitgeßiottSfieber.—«perttiziöfe ober bösartige SBecfefelflebet. Die Kranffeeit nimmt bisweilen einen befonbers gefäferlicfeen Sfearafter an, inbem ße ftcfe mit ^genannten Kongeftionen verbinbet unb ber Slnfaü ein plöbtiefee« Slnlen ber SebenStfeätigfeü feervorbringt. Das falte ©tabium ober ber ©cfeüttelfroft bauet! viel länger, als gewöfenlicfe ; bas ganze Kapiüarfpßem unb bie fleinen «Blutgefäß nafee ber Dfeerfläcfee fdjeinen mit venöfem «Blute überfüllt; bie Haut iß falt, fiantmia nnb blaß ober leidenfarbig, unb ber «Patient ßnft, als ob ifett ber Job betet» erfaßte. Die eigentlidje Urfadje biefer Kranffeeitsform ift nidjt genau befannt; man fann ittbeß als waferfdjeitttid annefemen, baß es biefelbe iß, welche bas 2ßedjfelfieber überfeaupt veranlaßt, nur baß ber DrganiSmuS voüftänblger von ber Malaria ob« bem giebergiftßoff burcfe,brungen iß. Man ßnbet biefe bösartige 3orm in ac»i|' feit Dißriften uub zu gewiffeit 3eiten vorwaltenb. 93 e fe a n b t u it g. —«Bei SBedjfelßebern mit Kongeßiotieit muß bie SefeanbiMj viel etngreifenber unb energifder fein, als bei ber gewöljniicfeen Kranffeeit^rtn. ©efenettwirfeitbe unb fräftige «Reizmittel muffen fofort angewenbet werben. »« «RemitttrenbeS ober ©alleitflefeer. 359 gebe zwei ober brei ßarfe Dofen Stjtnttt mit Sapentte* (fpattifdjem) Pfeffer nttb 23ranntwein; etwa fünfzefett ©ran Sfeinin unb breißig ©ran Sapenne itt brei Pulver getfeeitt, unb feiervon ßünblicfe ein «Pulver mit einem fealben ©lafe vott Branntwein; gleicfezeitig muß ber Körper beS «Patienten fräftig mit ©pirüuS, weldjem Sapennepfeffer unb etwas ©enf zugefe^t iß, gerieben werben, fo baß SBärme feervorgerufen unb bas arterielle 331ut wteber an bie Dberßätfee gebraefet wirb. 2ludj warme 93äber ßnb zu empfefelen. S^anzig ©ran bes biapfeoretbifefeen «put* oers, ober iel)n ©ran beS Doverfdjen «Putvers fottten jebem ber Sfeinin* unb dapenneputver feinzugefügt werben. SBenn ber großanfatt uberwunben iß unb bie «Jteaftton eintritt, wenbe matt bie> felbe «Befeanblung, wk in gewöfenlicfe,en gätten, an. SBäferenb ber ßeberfreien ßtit reiefee man Sfeinin in Pillen ober in flüfßger gorm, wie bei bem regelmäßigen SBeefefelßeber. Sitten Slufguß ober Jljee von virginifefeer ©cfelangettwurzet unb von SBermutfe, weiefeer in jebem ©arten wäcfeß, Xjaht idj feäußg mit großem Srfolge angewenbet; eilt ober zwei ©ran Sfeinin mögen feinzugefügt werben, in gätten, bie eine fräftigere «Befeanblung erfeeifefeen. «JKebizinifcfee Sigettfcfeaftett ber «Peterfitie (Apium Petroselinum).— 3wet Parifer Slerjte feaben fürzlicfe eine Denffdjrift veröffentliefet, in wetdjer ße bie großen 33ortfeeile ausrinanberfe^eit, welche bie Heilfunß aus ber geeigneten SBenujjung beS PeterßtienfameitS fcfeöpfeit fönne. ©o viel iß ßefeer, baß biefe gewöfenlicfee einfeeimifefee «Pßanze eine gewiffe ßebervertreibenbe SBirfung feat; eine Slbfocfeung bes ©amens bavon fann als ein Srfajjmütel für bie Sfeinarinbe gebraucfet werben, unb ber aftive S3eßanbtfeetl beffelben, ben ße Si p i o l nennen, fann bei ber flur gewöfenlicfeer SBedfelßeber bie ©teile beS SbtntttS vertreten. UtcmtttirenbeS aber ©nllenfteBer. Die Kranffeeitserfefeeittutigett biefer gieber ßttb verfdjiebett, je nadj ben SSerfeälr* nijfen unb ber Konftitution bes «Patienten, bem Klima, ben präbispottirenben Urfadjen ober ber 3at)reSzeit. ©ie entßefeen bisweilen von übermäßiger ©attener* jeugung, bisweilen von ©trapazen unb SBitterungSeiiißüffett, von Unorbnungen ber Seber unb anberen S3eranlaffuttgen, bie ben Urfadjen bes SBecfefelßeberS ätjntidj ßnb. 33eibem ©attenßeber treten fogenannte «Jtemifftotteit ein, bas tjetßt, ritte «JJcilberung ber KranffeeitSerfcferinungeit ober ein zeitweiliges «Jcadjlaffett beS gie* bers, weldjes inbeffen gelinbe fortbeftefet, bis ein neuer, ßärferer Sinfatt eintritt. 3n warmen ©egenbett zeigt es ßd) in feeftigem gorm unb nimmt, wenn nicfets bagegen gefefeiefet, fefenett einen gefäfertiefeett Sfearafter an. SBie anbere gieber, beginnt es mit einem ©efütjt ber Mältt ober bes großes, feeftigen Kopf* unb «Rüden* fefemerjen, gebrüdter ©timmung, Uebelfeit im Magen, ©cfewinbel unb Sittgettom* menfeeit bes Kopfes, großer ©djwädje im ganzen Körper, Sittjembefdjwerben ; bann fommt ber ©djüttetfroß, bem eine bebeutettbe Hi£e folgt; ber Puls, ber wäbrenb bes großßabiums Hein unb fdjnett war, wirb voll unb nimmt babei etjer att ©ctjttet- Ngfeit zu, als ab. £ü Kopf* unb «Jtüdenfdjttterzen werben immer fjeftiger, bie Uebelfeit nimmt zu, 360 ©unn's H«us* Slrzt. es ßetlt ßcfe, ein tjäußger Drang zum Srbreefeen ein, burefe, welches fcfeließlicfe ©aOi entleert wirb. Sitte biefe ©pmptome bleiben, wäferenb bie Haut feeiß unb troden wirb. Dabei feat ber «Patient einen qualenben Durß. Slttmälig wirb bie Haut feud)t,unb bie ©pmptome verlieren ßcfe ; bisweilen verfdw'inbett ße fefeeinbar ganz. Der Patient fängt an zu glauben, baß er beffer wirb ; aber balb fommt bie ßnt« täufdjung in ©eftalt eines zweiten, nodj feeftigeren SlnfatteS. SBenn biefes Riebet nicfet gleid) zu Slnfang burefe bie geeigneten Mebizinen befämpft wirb, fo enbet tt ia Delirium, bas feeißt, ber «Patient verliert bie 53eßnnuttg, pfeaittaßrt unb wirft fidj unrufeig unb fefelafloS umfeer; bie ©tutjlentteerungen nefemen einen unerträglichen ©eruefe an; bann folgt ©efenenfeüpfeti, ritt reid,licfeer falt=flebriger©dwei§brid)i aus, es ßetteit ßcfe Konvulßonett ober unwittfürlicfee 3udungen unb 3nfatnmen- Ziefeungen ber MuSfeln ein, unb balb macfet ber Job bem Seiben ein Snbe. ©rojjcn« tfeeils ßnb bie Urfaden biefelben, weldje audj SBedjfelßeber feervorrufen, unb welcfee iefe oben erflärt; aber ße wirfen tn feeftigem SBeife. 3« ben Monaten 3uli, Sluguß unb ©eptember, wenn Hijje unb geuefetigfeit bie 33erwefung tfeierifefeer unb pßanzliefeer ©toffe beförbern unb bie Suft mit fcfeäblicfeen SluSbünßungen erfüllen, feerrfefet biefe Kranlfeeit ganz befonbers unb nimmt, je naefe ber Smpfängticfeleit unb bem 3uftanbe ber befallenen «Perfon, ritten mefer ober weniger bösartigen Gfearaftet an. Sine milbere gorm bes ©attenßeberS tritt feäußg bei fcfewäcfeliefeen Perfonen auf, nacfebem gewöfenlicfe UnregeUnäßigfeitett ber SkrbauungSorgane, Dpäptpfte (Mangel an SSerbauungsfraft), glatulenz («Jieigung iu S3läfeuttgeit), DurcfefaU u. f. w. vorausgegangen; man nennt bies „© a ß r i f cfe e S g t e b t r j" bie «JSeran* laffungen ßnb bie gewöfenliefeett Uebel: Kälte, «Jtäffe unb Strapazen. Der Kranfe flogt über ©cfewädje, ©cfeläfrigfeü, leiefete großanfätte unb fliegenbe Hifce, aber oljne ©cfeweiß ; tjeiße unb trodene Haut, Durß, leiefete Uebelfeit, völlige Slppetülofigfeü, S3ermetjruttg beS gieberS gegen Slbenb, bisweilen audj gegen «Mittag unb jegeit Müteritadjt. S3 e fe a n b l u n g. — 33el 33etjanblung biefer Kranffeeit muß mit großer Sorg- falt ber 3ußanb bes «Patienten unb bie ©tärfe ober Milbe beS SlnfatteS in Sktracfet gezogen werben. Das Uebel mag aus benfelben Urfadjen entßanben fein unb «Per« fönen befallen, bie in S3ejug auf Sllter unb Jemperament einanber äfenlidj ßnb nnb barum bodj bei bem Sineit ßcfe mit entjünblidjen ober eigentfeümlicfeen, fonftitu« tionettett Kranffeeitserfcbeiitungett verbiitbett, wäferenb es bet bem Slnberen tinen fdjletcfeenbett, nervöfen Sfearafter annimmt, fo baß itt beiben gätten eine ganj »er« fdjiebette SSetjanblungsweife angezeigt iß. Ss fommen bei gie6ern alle benfbaren ©rabe, «Arten unb Slbarten vor, von bem leicfeteßen SBeefefelßeber, bis zur bösartigfttn, anßedenbeit gorm. SBenn ber «Patient fräftig unb vollblütig iß, babei feattet unb fdjnetler «Puls, rin ttefßtjenber ©djmerz in ben Slugen, ein brennenbeö ®efübl in ber Magengegenb unb gerottetes ©eßdjt — biefen Slnzeidjett entjünblicfeer 3ußänbe — fo werben ©djröpfföpfe ober «Blutegel an bie ©efeläfen nnb falte Um- fcfeläge über ben Kopf, von großem «Kurien fein. Unter biefen Umftänben, wenn ber Kopffefemerz ßarf iß, bie Haut ßctj fjetß unb troden anfüljlt, unb ber «Puls »ott unb Ijeftig fcfelägt, werben ßcfe, bti Slnwenbung foidjer Mittet bie ©pmptome mito*. Dagegen Xjaht idj feinen 3weifet, baß in mannen gätten, befonbers In einem feeipf» Klima, viel ©djaben burd übermäßiges S3lutlaffen geßiftet worben tß. 33luttnt' Stemittireitbes ober © a 11 e itft eb e r. 361 aiefeunj unzeitig unb ungeeignet angewenbet, bringt entweber bas Seben in ®e* fafer ober feat ben feljr bemerfenswertfeen Srfolg, bie ©enefung zu verzögent, inbem ßcfe feäußg eine nicfet zu uberwinbettbe ©cfewäde einftellt. 3dj fprecfee feier von feeißen ©egettbett, wo bie Srfaferung biefe Jfeatfadje fo vottßänbig beftätigt feat, baß je^t nur feiten nadj ber Sattzette gegriffen wirb. S31utentziet)ung burefe ©eferöpfföpfe unb ^Blutegel tetßett in fotdjen gätten große Dlenße. Man nennt bieS totale ober örtlicfee SSIuteittziefeung. 3e nad) ber Hef* tigfeit ber ©pmptome unb ber ©tärfe bes Patienten, wirb es an ben ©teilen, wo bte Scfemerzen zu ßijett fdjeinen, fortgefe^t, bis fein ßwed erreidjt ift. Die geeignetße 3eit feiner Slnwenbung iß, wäferenb bas gieber naefetäßt, ober wenn bie Haut warm unb troden iß. Man merfe ßd), baß fein S31utverluft geßattet ift, wenn ßcfe irgenb ein 2lnzeiefeen eines ©intens ber SefeenStfeätigfeü ober großer ©cfewädje ßnben. Der ©ebraudj von Slbfüfermitteln ift bei ber 33efeanbtuitg beS reinütirenbeit ©allenßeberS von ber feöefefteti SBicfetigfeit. Die Stttteeruug beS Darmfanals iß ber erfte ©eferitt, ber bri bem SluSbrüefee ber Kranftjeit gefdjefeen muß; unb bieS muß, fo lange bas gieber bauert, je naefe ber feervorgebraefeten SBirfung mefer ober weniger energtfd) wieberfeolt werben. Uebermaßiges Slfefüferen iß zu vermeiben. Ss iß im SUlgemetnen genug, baß im 33eginne iwei, brei ober vier feße ©tufetgange wäferenb ber vier unb zwanzig ©tunbeit feervorgebradjt werben; fpäter finb ein bis jwei ©tufetgange Ijinreicfeenb. ©ottte ßcfe jebod) befonbere Smpßnbliefefeü bes Darmfanals leiten, fo tß große SSorßdjt notfewenbig, unb bie mtlbereit Sarirmittel follten ben fattjartifdjett ober heftigeren Mebizitien vorgezogen werben. 33erfcfeiebene illerjte wettbett bri biefer Kranffeeit verfcfeiebene fatfeartifefee Mebizinen, bas feeißt ftarfwirfenbe Purgauzen ober Stbfüfermittel, an; aber beinafee atte brauefeen ein ober baö anbere Quedfilberpräparat, entweber Salomel, ober „33lue «Pitt," ober Soof'S Pillen (eine 3ufammenfej3ung von gleictjen Jfeeilen Salomel, «Jtfeabarber unb Slloe); weif man biefen Präparaten eine eigetüfeümlicfee Sinwirfung auf bie Seber gufdjreibt, unb weil fte von unbeßrittenem SBertfe ßnb, um mangelfeofte ©efretionen ober SluS* fefeeibungen zu feeförbertt unb franffeafte Slusfcfeeibungeit zu verbeffern. Slber biefel* ben j^toede fönnen ebenfo gut nnb gewöfenlicfe viel ßdjerer burefe SlbfüfermUtel, bie aus bem Pßanzenretdj genommen ßnb, erreidjt werben, unb man vermeibet babei bie üblen golgen, welcfee fo feäußg aus bem inneren ©ebraudje beS Salomels unb anbe* rer £)uedftlbermtttel entftefeen. 3m 33egintt ber SSefeanbtung iß baljer faum ein beffereS Mittel in empfehlen, als bas unter ben in bem Slbfefenitte „SBertfe,* öolle «Jtezepte" u. f. w. angegebene atttibitiöfe (gattettabtrribeitbe) Pulver. Sine 3utfeat von gepulverter Sntettfußwurzel (Podophyllum Peltatum) ober von ein bis iwei ©ran «Poboptjptlin (welcfeeS aus biefer «Pßanze bereitet wirb, wie zum «3eifpiel bas Sfeinin aus ber Sfeittarittbe) zu jeber Doßs, wäre bei biefer Kranffeeit ratfefam. SBenn bas antifeifiöfe «putver nicfet bet ber Hanb iß, gebe man bie eine ober bie anbere ber in bemfelben Slbfefenitte (ßefee «Jtezepte) attge* gebenen fattjartifdjett Pillen, ober irgenb wetdje aus «Pflanzettmütetit beftefeenbe fräfttge Slbfüferpiüen, befotiberS wettit ße ben Srtraft von «pobopfepttum ober Pobo* pfepHin entfealten. Sine volle Doßs fottte gegeben unb ein* ober zweimal ober fo lange wieberfeolt werben, bis reicfelid gallige ©toffe entleert worben ßnb, unb ber ©tufel wieber feine natürlidje garbe annimmt. «Jtadjbem ber Magen unb ber darmfanal, burefe ein ober zwei geljörige ©tutjlgättge entloben würben ßnb, »enbe 362 ©untt'S Haus-Slrzt. man bas Stjiniti an, in ber Doßs von zwei bis brei ©ran ßünblicfe, wäferenb bet ßtit, baß bas gieber nacfeläßt. Sinige feervorrogenbe Slerzte geben bas Cfeinin in enormer Doßs, bis zu funfzefen unb zwanzig ©ron unb wieberfeolen biefe lofli Wenn es notferoettbig erfcfeeitü. 3ct) ßnbe inbeffen fotgenbes Mittet wirtfam genug : SMerzebn ©ran Sfeinin löfe in einer Unze SBaffer (was ungefäfer fo viet als zwei ßarfe Sßlöffel voll iß) auf unb füge vierzefett Jropfen ©djwefelfäure feinzu; fcfeüttte bie Mifdjung gut. Die Doßs iß für rine erwacfefene «Perfon eitt Jfeeelöffel vott ßünblicfe, wäferenb ber Üttmifflon beS gieberS. Die meißen Slerzte macfeen es ßdj bei ber 33efeanblung ber gewöfenticfeen gormen beS ©attenßeberS zur Siegel, erß bie Heftigfeit ber örtlidjen Kongeßionen unb ©djmerzen burefe SMuteittzietjungett unb Slbfüfermittet iu linbem unb ber aflgemel« nen ßeberfeafte« Slufregung zu ßeuern, efee fte zum ©ebraudje bes Sfeinins fefereittn. Slnbere Slerzte bagegen featten es für weniger widjtig bett DrganiSmuS vorzubereiten unb geben bas Sfeinin, fobalb ßcfe bas erße «Jcacfelaffen bes gieberS zeigt, g* mag foitberbar erfcfeeinen, aber es iß Jfeatfadje, baß In ber SBiffettfcfeaft gute S3eobaa)tet ebenfo feiten, als gute Denier ßnb; es gibt 33iete, „bie Slugen zum ©eben feaben unb nicfet fefeen, Dferett zum Hören unb nicfet feörett." 33eobacfetung iß ber SBeg jur SBafer« feeit. Sine lange unb müfeevotte «PrariS von länger als breißig Saferen feat miefe überzeugt, baß es bei einem gieber notfewenbig iß, burdj zwei ober brei fraftiae Sbfüferungen ben Magen unb Darmfanal zu ertetdjtern, etje Sfeinin mit Stufen gebraucfet werben fantt. SBentt Sfeittitt unvorßcfetig angewenbet wirb, was Ijäußg ber gatt iß, fo pßegt tt atte ©pmptome zu verfdjttmmern unb bte Kranffeeit zu verlängern. Doefe wenn tn «Patient plö^licfe von ©cfewinbel unb ©cfewädje befallen wirb, muß man fofort ju tonifdjen Mitteln greifen: Sfeinin, SBein, «Porter unb anbere «Jteijmittel muffen wäferenb ber «Jümtfßon reidjltd) gegeben werben, weil ßdj fonß bie Kranffeeit letdjt gn einem «Jtervenßefeer ßeigern fann. Hier ift gerabe ein «Punft, wo fefer viel gefunbes unb fefearfeS Urtfeetl erforberliefe iß, um nicfet bie ©cfewädje, wetdje von Dpptefßoit ober Uefeerfüttung feerrufert unb ben ©ebraudj oon SrleidjteruttgSmüteltt, wie oben angegeben, nötfeig madjt, fälfaj« lidjer SBeife für einen erfcfeöpften 3ußattb bes DrganiSmuS anzufefeen unb «JJIttttl ZU geben, welcfee bas gieber vermeferen unb ben ernfttlcfeßen «Jiadjttjeil bringen würben. ©tarfes «Purgüen ober Slbfütjrett pflegt jefü in ben füblidjen unb weßlldjen Staaten vermieben zu werben; aber iefe muß geftetjett, boß iefe, ber guten alten «JDWfecbeben «Vorzug gebe. Sitte reicfeliefee Doßs bes atttibiliöfen «Pulvers ober ber erwäfent« fatfeartifefeett «Pillen, benen, in fdjiimmett gätten, ein gehöriges 23recfemittel voranp' fefeiden ift. iBredjmittet ßnb bri biefer Kranffeeit, wie bei atten giebern, von ber gröfjttn SBtdjttgteü, befonbers in ben erßen ©tobten. Das gewöfenlidje 33redjpulvn (fieb« «Rezepte) iß vietteidjt bas beße. Durcfe, eine lange Srfaferung bin iefe bafein gefom- men, bie einfadjen Slrzneien für bie beßen in tjalten unb ben aus Pßanjenftoffen bereiteten Sfbfüfer* unb SBrecfemütetn bett Vorzug in geben. Die güße, ©eine nnb am be[ten atte Jfeeile bes Körpers muffen mit warmem SBaffer gewafcfeen werten, bem etwas ©aleratus (toljtenfaures Kali), Sffdje ober ©enf zugefefct iß; baju muffen «Jtenttttlrenbes ober ©altettflefeer. 363 ftfewcißtreibenbe warme Slufgüffe (Kanutten u. f. w.) getrunfen werben. Die «Befolgung biefer Metfeobe, nebß bem vorßdjtigert ©ebraudje bes Sfe,initts, ober äfen* licfeer tonifctjer Mittel, wirb im Slttgemeinen auSreidjettb unb vom beßett Srfolge gefunben werben. S3ei biefer, wie bei atten gattigen Kranffeeiten, iß es notfewenbig, befonbers auf* merffam auf ben ©tufelgang zu fein. Ss barf feine S3erßopfung eintreten; ber Seib muß offen erfealten werben, inbem man tägiidj ober einen Jag um ben anberen getinbe Sarirmittel reiefet, wie etwa «Pillen von weißem SBattnußertraft (Juglans Cinerea), 33raufe* (ober ©etbli^*) «Pulver, ©ettnesbläüertfeee, Manna, ©lauber* falj, Gremor Jartari unb äfenlicfee Dinge. 2ln ©teile innerer Sarirmittel iß es oft zwedmäßig Klpftiere zu gebraucfeen von etnfaefeem warmem ©eifenwaffer ober MolaffeS mit warmem SBaffer uttb etwas gffig. Der Darmfanal fantt fo otjne Slnwenbung angreifenber «Purgattzen gerei* nigt unb jugleidj ber 33ortfeeil warmer S3äfeungen bamit erzielt werben. Dtaptjoretifdje ober fcfewelßtreibenbe Mebizitten fptelett ebenfalls eine widjtige gtotte bei ber 33efeattbtung oller giebertraitlfeeitett. ©ie Wirfen batjin, bas 33Iut unb bie ©äfte bes Körpers naefe ber Dberßäcfee zu treiben, bie 3idulation gteiefemäßiger ju macfeeit unb baburefe bie 331utüberfüttuitg ittnerer Jfeeile unb bie Kongeftioneit ju feebeti. Die btaptjoretifcfeett «Pulver (ßefee «Jtezepte) ßnb fo ziemlicfe bie beßett, oberDoverS' Pulver, beren SBirfung burefe warme Kräuteraufgüffe (von «Pennpropat, Pfeffermünze, Kamillen u. f. w.) unterftüjü wirb. Skedjmittel erleicfetertt bie Kottgeßion ber Seber, erfeöfeen bie Hautttjätigfeü unb bringen fowofel einen gelinbett ©djweiß, ats ©attettetitleerungeit feervor. Das warme Sab iß ein fetjr wertfevotteS Heilmittet; es erzeugt eine unmerftidje Perforation, inbem es bie «Poren ber Haut öffnet unb bie 3ufammenziefeuitg ber fleinen «Blutgefäße, burd) welcfee venöfe ©todungen eiüßefeett, auffeebt; wenn mög* liefe, follte es immer angewenbet werben. SBenit feine S3abewaitite zur Hanb iß, fo brauefee man wenigßens einmal im Jage ein warmes gußbab. Die SBärme bes Sßaffers muß ßdj naefe bem ©efüljle bes «Patienten ridjten. 3« meiner «PrariS brauefee iefe faltes SBaffer, mü ein wenig Sfßg vermifdjt, unb toffe mit einem ©djwamme ben ganzen Körper abreiben. SBenn bies feäußg getfean wirb, befonbers wätjrenb ber Höfee beS gieberS unb wenn ber Kopf ßarf eingenommen iß, wirb man bie beße SBirfung bemerfen; gletefejeütg laffe matt ben «Patienten faltes SBaffer, felbß Siswaffer, trinfen; es iß bies bas Heilmittel ber «Jtatur unb wirb nidjt aüein bas gieber minberrt, fonbern audj bie Hauttfeättgfeit beförbern. 3n warmen ©e* ßenben feabe idj feäußg falte SBafdjungett, 33egießuitgen mit faltem SBaffer ober bas Sinwideln bes «Patienten in naffe Jüdjer verorbnet; nacfeljer muß er mit einem taufeen Hanbtucfee troden gerieben unb in'S S3ett gelegt werben; bies fdjafft oft fdjon in wenigen Minuten Srteidjterung. Sbenfatts muß ber Kopf mit falten Umfdjlä* gen bebedt werben. ©obalb bie etttzünblldje «Jcetgung befeitigt iß, wirb tint tonifcfee ober fräftigenbe «Dcebijiit bie Kur bebeutenb befdjleunigen; bocfe, wäferenb beS gieberS verabfolgt, wirb ße alle Krattffeeüserfdjeinuttgett ßeigern unb bie ©enefung verzögern. ^ Golumbowurzet, in einem Slufguß, iß ein fetjr wertvolles Mittel; bas imwuT- inrttcfee SBürgen unb Srbrea>tt, welctjeS ßctj bei biefem Uebel fo Ijäußg einßettt, Wirb baburdj gehoben uub bie ©tärfe bes «Patienten «ufreefet erhalten, wäbrenb et 364 ©unn'S Haus* Slrzt. bie zur «Bewältigung beS gieberS unb zur Sntleerung ber ©alle nötfeigen «JWtbljinrn nimmt. SBaS baS erwäfente Srbreefeen betrifft, fo muß es, je naefe ber Sigentfeiim« licfefeit beS 3ußanbeS u. f. w., verfcfeieben befeanbelt werben. S3el-Sinigtit babe id S3raufepulver (ßefee Rezepte), bri Slnberen Gotumbo*3iufguß, bei Slnberen einige Ifeet« löffel vott frifdjer Mildj ober Milcfe, mit Kalfwoffer zu gleidjen Jbellen, ßünblicfe ju nefemen, von «fluten gefunben, um ben Magen zu berufeigen. Sßenn ßdj zu bem Srbreefeen rine brennettbe Smpßttbung in ber Herzgrube gefeilt, fo iß ein Ifetelöffd vott Dlivenöt mit MolaffeS zu empfefelen. 3« mandjett gäüen fdjafft Porterbitr augenblidliefee Sinberung. Sleußerticfe reibe man bie Magengegenb mü glanett, baS In einen warmen Äamil« lenaufguß geträntt iß, ober mit Müttzblättern, bie man in ©piritus getauajt, ober mü Del unb Saubanum (Dpium* Jinftur), ober mit Dpobelbof; wenn Sllles nidjt feilft, lege man tin ©enfpflaßer ober ein Slafenpflaßer auf bie Herzgrube. SBenn ber Magen fefer empßnbliefe iß, laffe man ben «Pattenten feäußg Munb unb ©uracl mit tattern SBaffer anfeudjten; er muß tücfet in viel glüfßgfeit, irgenb weldjer Slrt, verfcfeluden, bies würbe bas Srbreefeen nur beförbern; man muß fuden ben «Dcageji foviel als mögliefe ungeßört iu laffen. 3m 33erlaufe biefer Kranffeeit ßettt ßdj feäußger Kopffefemerz ein. «iflan legt bann auSgewunbene, ttaffe Jüctjer um ben Kopf, ober madje Umfcfeläge von SBaffer mit Sfßg, bie, fo oft als fte warm werben, erneuert werben muffen, bis ber Sajmerj nadjläßt; fottte es notfewenbig werben, wirb ein 331afenpßaßer zwifdjen ben ©djul- tern gute Dienße tfeun. SBenn ber Patient fdjtaflos unb unrufeig Iß, wirb ein warmes 33ab ifem oft bie erfefeiüe ©djtäfrigfeü bringen. SBenn bies ttidjts feilft, verfudje man ti mit ein ober zwei ©las Porter ober Sagerbier, ober ber Kampfeer*Mürur (ßefee 9tejepte) obet Qlufguß von Hopfen, ober einem mit Hopfen gefüllten Kopffiffen. Sine Doßs Saubanum zur ©djtafenSzeü iß ganz angemeffeit, wenn leine entzünbtiaje @omp« tonte ba ftnb. Die foitgeßive gorm biefer Kranffeeit. — Das ©attenßeber, ebenfo wie baS SBedjfelßefeer, verbinbet ßcfe bisweilen mit Kongeßionen unb nimmt baburefe einen bösartigeren Sfearafter an. Dies fommt zu mandjett 3afereSzeiten feäußger »er, als zu anberen. Diefer 3ußanb fann auefe burefe Skrnacfeläfßgung ber Äranffetit bei iferem SluSbrud), burctj ©trapazen, Srfältung unb Srljtjjuttg, ober burefe fdjlccfeic ärzttiefee S3et)anblung tjerbeigefütjrt werben. Sr zeigt ßd an burefe große ßrfefelaf fung unb ©djwäcfee mit falten, flammigen ©efeweißen; Kälte ber ©liebntafjtn, unregelmäßigen «Puls — bisweilen langfam, fefewad) unb ßodenb unb bann wiebet vott unb Ijeftig — «Verwirrung beS DenfvermögettS, ©cfewinbel, Setfeargie obtt ©djlaffudjt, oft audj Delirium; fcfenetteS, ängftlicfeeS unb erfcfewerteS Sttfemen; bäußges ©eufzen unb ©töfenen; bleidjeS unb jammervolles Slusfefeen ; matte, gla* ßge 33lide; bie 3unge mit einem weißen ober bräuntidjen «Pelze bebedt; ober wenn bie Kongeßioit ber Seber ßarf iß, tjat bie 3uttge tin rotfeeS, wunbeS Slnfefeen unb ift bisweilen gefprungen unb blutig ; ber Urin ift fparfam unb feat eine bunffe garbe. Die SSefeanblung iß im ©runbe biefelbe, wie bei bem einfadjen ©allenfitber, »u» muß fte viel entfdjiebener unb eingreifettber fein* Der «Patient muß mit warmem SBaffer, bem «Pottafdje, ©oba ober ©aleratuS zugefefct iß, vermittelß eine« Scfewant' mes gebabet unb babei fräftig gerieben werben; barauf wafdje man ifen mit wannt» «Remittirenbes ober © allen f iefe er. 365 Gffjg ober 93ranntwein (SBfetsfp). ©enfpflaßer, mit etwas fpanifdjem Pfeffer ver- mifcfet, muffen auf bie gußfobien, SBabett, Hanbfläcfjett unb Hanbgeletife gelegt wer- ben; ein großes «Pßaßer auf bie Sebergegenb. 3unerlid> gebe man biopfeoretifefee ober fcfemeißtreifeenbe Mebizinen, unb fobalb bie natürlidje SBärme beS Körpers zurüdgebrocfet ift, eine Doßs beS antibiltöfett «Pulvers ober ber fatfeartifdjett Pillen, fo baß eine gefeörige SBirfung erfolgt; ober auefe rine Doßö Pobopfepllitt unb Septanbrin, von jebem ein bis brri ©ran, je nocfe bem 5llter beS Patienten. «Jcacfebem bie «Purganj gewirft feat, gebe man fräftigenbe, fdjweiß* treibenbe unb reizenbe Mittel unb fofere mit ben SBafcfeuitgen unb «Jtrifeungett fort. Der Mangel ober bie Unregelmäßigfeit ber SBärme an ber Dberflädje beS Körpers tß eines ber erßen Stnzeiefeett, burefe weldjes ßcfe bie Koitgeftioiten verfüttbett; fobalb bie Haut ifere natürlidje Jemperatur wiebergewonnen, fann man auf eine" fealbtge ßur redjnen. Die ©enefung getjt fdjnett von ©tauen, wenn bie natürlidje Kör* perwärme fdjnett feergeßettt uub ein allgemeiner ©cfeweiß feervorgebraefet wirb. 33ei bem «Jladjlaffen beS gieberS brüdeit bie «Patienten feäußg ein befonbereS ßarfeS S5er* langen nadj biefer ober jener ©peife ober beßimmten ©etränfen aus, bem man will* faferen follte, ba bie «Jcatur in fotdjen gätten feäußg einen gingerzeig gibt, weldjes bie wofeltfeätigßett Mittel ßnb. 3n mannen gätten enbet biefe Kranffeeit mit einem tppfeusäfentiefeem gieber, wel* djes man aus ben folgenben ©pmptomen erfennen fantt: Das ©efeirn unb bas ganje Scervettfpßem ßnb in einem geftörten 3ußattbe; ber «Patient feufjt unb ftöfent, pfeantaftrt, ift fcfelaßoS ober fäfert oft aus bem ©djlafe empor; bie SluSfcfeeibungen unb Srfremente ßnb in garbe unb 33efcfeaffenfeeit veränbert; bie 3u«ge ift braun, bisweilen faß fefewarz belegt; ber ganze Körper verbreitet einen efettjaften ©erudj. 3n biefem 3ußanbe muß man bem «Patienten naferfeafte, lelcfet verbautidje ©peifen (gteifefebrüfee, Milcfe,, Sier u. f. w.) unb «Reizmittel (SBeitt, 33raittüwritt, «Porter u. f. w.) geben unb Stiles tfeun, um bie Kräfte aufrecfet in erfeatten. Sbenfo muß «Jtiufftcfet auf ben ©tutjlgong genommen werben, ber von eigentfeümttcfe wibriger S3efcfeaffenfeeit iß; SSerftopfung muß nicfet burefe ftarfe «Purganzeit, bie ben «Patienten umbringen würben, fonbern burefe Ktpftiere befeitigt werben; innertiefe, barf man jum Sariren feödjßens einige Heine Dofen gebrannte Magneßa, entweber allein, ober mit einigen ©ran «Jtfeafearber vermifdjt, geben. «Jflan muß mit großer ©orgfatt atte Unreinliefefeiten entfernen; bie 33etttücfeer unb bas 3c»g bes Kranfen mögtidjß oft wedjfeln unb feine Haut rein erfealten, inbem man ifen zweimal tägiidj, mit gleictjen Jfeeilen Sfßg unb ©pirituS ober tau* warmem SBaffer, wäfdjt. Durcfe SluSbauer iit biefer 33el)aitbluttg tjabe id) «Patieit* ten, unter ben fonß ungünßigftett Umftättbett, genefett fetjen. 3cfe feabe feter in ber ffarftert unb einfacfefteit SBeife, meiner Srfatjrung gemäß, bie beßen Mittel angegeben, um biefer verbreitetften unb gefätjriidjßen atter wefttidjett Kranffeeiten ju begegnen. 3dj Witt je^t meine SSemerfungen mit einigen SBorten guten «Jtatfees fcfeließen. Um Slnfätten von ©ommer* nnb Herfeftßebertt in entgetjen, follten wir uns, foviel als möglid), vor ben betreffenbeit, fdäblicfeen Sittßüffett in 3ldjt'nefemen; langes 33erweitett in ber ©ottneitfet^e ober in oer feudjten «Jcadjtluft, Unterbrüdung ber «Perfpiration unb Uttmäßigfeü im Sffen unb Jrinfen ßnb iu ver^ meiben. Man fei reinlicfe am eigenen Körper unb in bett SBoijnungeit, lebe mäßig, W ßdj nie «Srfältungen aus unb ridjte ßd) in ber Kleibung genau nad) ber 366 ©unn'fl HauS-Slrzt. SBitteutng. ©torfes Jrinfen iß eine KranffeettSurfadje, bie in warmen ©egenttn forgfältig fern gefealten werben muß, befonbers bei ©eeleuten uttb 93ootsleurtn, bitin S3ezug auf ifere ©efunbfeeit nacfeläfßger, als Irgenb eine anbere Menfcfeenflaffe finb. Sbenfo iß baS ©djlafen auf Ded unb plöfcltcfee Slbfüfelung, wenn ber Körper burd) Slrbeit ober übermäßiges Jrinfen erfeifct iß. von Uebel unb bringt gewöhnlidj lieber feervor. Die Hauptfadje in einem weßtiden Klima iß, bie erregenben Urfadjen ju vermei- ben, ben ©tufelgang regelmäßig offen zu erfealten unb, wie gefagt, bie Unterbrü-funa. beS ©cfeweißeS zu vermeiben. Dies, nebß riner vernünftigen Diät, ütbem man bie ridjtige Mitte zwifdjen zu langem gaßen unb Ueberlobung bes Magens mit ©pei- fen rintjält, iß wefenttidj, um ber Kranffeeit vorzubeugen unb bte ©efunbfeeit ju bewatjrett. 2htit)U§: ober Mcrti ctt f icb r r. Diefer Kranffeeit werben, je naefe ben vorwattenbeit ©pmptomen, verfcfeiebene «Kamen beigelegt; wie «ftervettßeber, fefeleldjiirtbeS gieber, ©efängniß-, Hofpital» unb ©djiffeßefeer, Peted)ial*JppfeuS ober gledßeber, gaulßeber u. f. w. Der Jppfeu* i|l bis zu einem gewiffen ©rabe unb unter gewiffen Umßänben onßedenb. Die obigen «Kamen ßnben ifere Slnwenbung audj auf bas Jppfeoib* obet tppb. usäfettltdje gieber, wenn es einen benfelben enffpretfeettbert Sbarafter annimmt* Den «Kamen „«Jcervenßeber" erfeält biefe Kranffeeit von Iferer eigentfeiimtiefeen SBirfung auf bas ©efeirn unb baS «Jcervettfpßem. Mit bem «Kamen „fäjleicfeenbH gieber" wirb auefe von Meferen bas einfadje remittirenbe gieber bezeidjnet; berfelbe iß auf biejenigen «Rervenßeber angewenbet worben, welcfee in einer fcfeleiefeenben unb attntättgett SBeife ßdj entwideln, unb beren erße ©pmptome fo feäußg verfannt wer« ben. Die anbereit «Kamen fommen bafeer, baß bie Kranfbeit gern in ©efängniffen, Hofpitälern, ©djiffett u. f. w. ausbriefet, wo viele Menfefeen auf einem fleinen «Jtaume zufammengebrängt leben unb bie nötfeige Süftung unb «Jüintidjfeit verfauml wirb, «peteefeiat* Jppfeus (auefe eraittfeematifcfeer Jppfeus genannt) ober ftlecffieber, iß rine befonbere gorm biefer Kranffeeit, bie ßcfe burefe bas SluSferecfeen einer Slrt Stusfcfetages, tjettröttjlicfeer ober refafarbiger gleden, bte etwas über bie umgebenbe Haut erfeafeen ßnb, fennzeiefenet. S3isweilen iß ber Slusfdjlag nur fparfam unb erfdjeint vorzügiidj auf bem 33aucfee uttb ber 33ruft, oft auefe im ©eßdjt unb an bin Hanbgetenfeit. Die gewöfenlicfe fte 3rit feines StuftretenS tß in ber zweiten ffioefet bes gieberS, nur fetten gegen Snbe ber erßen SBocfee. gaulßeber nennt man bie Kranffeeit, weit atte ©äfte unb SfuSfcfeeibungett beS Körpers eine «Neigung jut gäul« niß ober 3erfe£uttg zeigen. SBetcfee UrfacSfeeit ober ©pmptome inbeffen auefe ver- wiegen mögen, es ift im ©runbe immer biefelbe Kranffeeit, bie nur naefe vetfefetefcenen äußeren Umßänben unb ben öetfdjiebetteti «Naturen ber «Patienten biefe ober jene gorm annimmt. © p m p t o m e. — «Bei biefer Kranffeeit ßnb meljr, als bei jebem anberen 3icbcr bie ©pmptome verfdjieben. «Bisweilen fcfeleteijt fte in fo unmerfliefeer unb cerfteeftet SBeife beran, baß fte bereits bebeuteube gortfajrüte gemadjt tjat, efee ber Patient an bie «Kotfjweitblgtrit ärztlidjer Hülfe benft; in anberen gätten bridjt fte tnitübtrra< JpptjuS* ober «Jtervenfieber. 367 fcfeenber ©djnettigfeü aus. Die ©pmptome anberer gieber ßnben ßcfe, auefe, tjier. grß Hl£e, bann Kälte, ober ein ©djüttelfroß, bem Hi£e folgt; Stppetitloßgfeü, Uebelfeit, getegentliefeeS Srbredjen; bann Siitgettommettfeeü bes Kopfes, ©efüljle ber ©cfewädje, Mißßimmung, 3ütem ber Hättbe, feäußges, witwittfüriidjes ©eufzen, unregelmäßiger Puls, bisweilen von ertjötjter, bisweilen von natürlicfeer ©djttettig* feit. Mandje «Patienten flogen über einen bumpfen ©efemerz unb ©efüfel ber ©cfewere im Hinterfopfe, mü riner Smpßitbuttg von Kätte; anbere über ©cfemerzin einem Sluge. 3nbeffen biefe ©pmptome ßd attmälig ßeigern, wirb ber «Puls Heiner unb fdjnetler, wäferenb bie Slrterien ober ©efelagabern ber ©efeläfen uttb bes HalfeS mit größerer Heftigfeit zu fd, lagen beginnen. Der «Patient füfelt feauptfäcfelicfe gegen Slbenb unrufelg unb uttbetjaglidj, bas Sltfemen ift etfdjwert, unb ber oft unterbrodjene ©ctjlaf gewäfert ifem feine Srquidung. Diefe ftetige 33erfcfetimmerung ber ©pmptome unb babei ein eigeittfeümtidj bteiefees, etenbes Stusfeljeit, zeigt bie nafeenbeit ©efaferen, felbß wenn anbere nervöfe Seibett, mit benen bie erßen ©pmptome verwecfefelt wer* ben fönnten, gegenwärtig fein fottten. S3el bem gortfeferüte ber Kranffeeit fdjeinen bie verfdjiebenen Jfeeile beS Körpers erß immer gleictjmäßig afßzüt. 33isweilen erreidjeti Kopffdjmerz, Unrufee unb Mißßimmung ben feöcfefteit ©rab, wäferenb bie 3unge rein unb feudjt bleibt; wäbrenb in anberen gätten fein Kopffefemerz uub feine ©djfaffoßgfeü tß, ober bie 3unge troden uttb von einer efelfeaftett 33orfe über* jogen iß unb übermäßige ©djweiße ausbreefeett. Dies gieber iß nicfet nur in feinen Stnfluffe auf bie verfdjiebenen Jfeeile beS DrganiSmuS, fonbern audj in ber SBte* berfefer feiner tjeftigeren Slnfatte, nadjbem «Jtemifßon ober eitt tfeeilweifes «Jcaajlaffeit eingetreten, unregelmäßig. Diefe Slnfatte ßetten ßefe feäußg ßatt bes SlbeubS in ben «Dcorgenßuttbett ein. Sbenfo fommt es vor, baß bas gieber bie erßen brei ober vier läge äußerß feeftig auftritt; bann eine ßtit lang ßctj iu mitbern fdjeint unb plö£* liefe mit erneueter ©tärfe fjervorzubridjt. Ungefäfer um ben zefenten Jag nimmt bie ©djwädje bebeutenb zu; ber ganze Körper wirb, in gotge bes berangüten «JcervettfpftemS, von 3ütertt unb 3udungett befallen ; ber Urin Iß gewötjnlidj blaß ; bie ginger ßnb in beßänbiger S3ewegung; bie 3"nge wirb ganz troden unb bunfelfarbig unb gittert, weint ber «Patient ße ausjußreden fudjt; bisweilen ßnb bie ©aumen unb Sippen mit einer bunften, zätji* gen ©ubßanz bebedt. hierauf folgt ein 3ußanb ber S3etäubung; falte, fiebrige ©djweiße; ßittfettber Sltfeem; unwittfürlidjer Slfegang ber Srfremente. 3n jebem bösartigen gatte enbet bieö gieber töbtlid) an, ober vor bem ßebenten Jage; feäußger jebodj ßnb bie JobeS* fälle gegen Mitte ober Snbe ber zweiten SBodje. SBenn ber Patient ben zwanzigfteit lag überlebt, tritt gewötjnlidj ©enefung ein. SBenn baS gieber am Snbe ber zwei* ten SBodje, ober frütjer, einen günftigen StuSgang nimmt, fo pflegt bie Krißs ober bet Umfdjlag fefer beuttidj zu fein; wenn bieS fpäter gefdjiefet, befonbers nadj ber britten SBodje, fo iß bie günßige SBenbuug weniger triefe, t feemerftid), unb oft ver* gefeen mefere Jage, wäferenb wetdjer bie Kranftjeit fo attmälig weicfet, baß felbß bie ßrfaferenßen im 3weifel ßnb, ob rine S3efferuttg ßattßnbet ober nidjt. Snblid Jebodj macfet ßd biefelbe baburdj offenbar, baß bie Haut mit einer warmen, tiatür* licfeen geuefetigfeit bebedt wirb; baß bie bunfle, leimige ©ubßanz, weldje an ben ®aumen unb Sippen fjaftet, an 3äbigfeit verliert unb ßdj teiefeter entfernen läßt; H ber ©tufel wieber feine natürlidje garbe gewinnt; baß ber Urin itt größerer 368 ©unit'« Haus-Slrzt. Maffe gelaffen wirb unb einen 93obenfa{} bilbet; baß ber Slppetit witbetftfett; -ntt baß ber «Puls langfamer wirb, als er bei bem SSegittne ber .Uvonffeeit war. SBenn ftcfe eine Slrt Jaubfeeit einßeüt, wenn ©efdjwüre tjinter ben Dferen, ein rötbliajtr «JceffelauSfdjlag unb ein entzüitbltdjer ©cfeorf unter ber «Jiafe ober um bie l'ippen tjerum erfcfeeinen, fo gilt bieS gleicfefaüs für ein gutes 3etdjen. Die ©pmptomt wetdje ein Herannafeeit beS JobeS verfünben, finb: eine veränberte ©timme; ein wilbeS «Starren; eine ßete «Reigung, bie 33ruß zu entblößen; purpurfarbige obtt blaßgelbe gleden auf ber Haut; müfefameS Sttfemen; fdjwäefeenbe, ßießenbe ©djwtifje unb ©tufetgange; viel ©djfafloßgteü; ©infen beS Pulfes ; uuzufammenfeängenbc« «Pfeantafiren unb Murmeln; 3upfen an ber S3ettbede (glodettlefen); bebeutenbe Srmeüerung ber «Pupille; unwlüfürlicfee Urin* unb ©tufelabgänge; ©efencnfeütfen; ©cfetuefezen unb Konvulßonen. SBenn viele biefer ©pmptome erfcfeeinen, fo barf man nur wenig Hoffnung auf bie ©enefung beS Kranfen feegen. Srweiterte «Pupille ober glaßge, ßarrenbe S3lide; unwtllfürlidje, leicfeenartia. rtecfeenbe Darmentteerungen ; ©tfelucfezen ; falte, flammige unb auf einzelne Stellen feefeferätifre ©djweiße; ein Heiner, fefewacfeer, fabenartiger, verfdjwinbenber Pul«; Slngß, Unrufee unb rine grüntidje ©eßefetsfarbe ober ein verzweifelter 5lusbrucf; bumpfeS Murmeln ober wilbeS «Pfeantaßrett; ©efenenfeüpfen; fcfenelles ©pteeben; veränberte ©timme; 33erworrenfeeit; bumpfeS 33rüten ober unbänbtge Jobfudjt; 3upfen an ben 23ettbedeti; S3tlnbfeeit; Unfäfeigfeü, bie 3unge ausztiftreden; fcfewit« rigeS ©cfeluden; ein Hinabgleiten gegen bas gußenbe beS SetteS; auf bem SRücfen- liegen; Heraufziefeen ber Kniee; güfettoßgfrit; beßänbige Skrfucfee, bie 23rufl p entblößen ober aus bem 33ette zu fpringen: — bies ßnb bie «Vorläufer bes lobt«. Die Urfadjen biefer Kranffeeit finb feäußg: Unreine SluSbünßungen, bit, wie gefagt, in ©efängniffen, ©efeiffen ober fdjmujjtgeit SBofenungen, wo bie «JDünfcfeen gebrängt zufammenleben, etttftefeett; X)äußg auefe verborbene unb ungenügenbe Wai)' rungSmittel. Dbwofel biefe Urfadjen bie Kranffeeit erzeugen, fo fommen bocfe gätte vor, wo pt nidt epibemifefe ober anßedenb wirb, ©etbß auf bem Sanbe werben Perfonen bavon befallen ; Unreinlicfefeit, feudjte Suft, ©trapozen, Srfältung, Mangel an «Mruna., feerabftimmenbe Seibenfdjaften, übermäßige ©rißesanftrenguttg, uttvorßefetiger, feäu- ßger ©ebrauefe von Duedfilbermüteln, übermäßiger ©efcfetedjtsgenufj, reidjlicbei S31utvertuft ober was fonß baS «Jcervenfpftem angreift unb fcfewäcfet — alle« biefe« fann «Jcervettßefeer erzeugen. Studj entwidelt es fidj aus bem ©attenßeber, bas, wenn es zu lange bauett, fi* veränbert unb einen nervöfen Sfearafter annimmt. 3dj fealte bofür, baß bas Sßtfen biefer Kranfljeit in einem ©djwädjezußanb beS Körpers liegt. «Befeanblung. — 3n 33ezug auf bie Slnwenbung von «Brecfemittetn, berrfdt einige Meittungsverfcfeiebettb, eü bei ben Slerzten; fie werben inbeffen, wenn über- haupt, faß nur unter folgenben Umftänbeit gereidjt: SrßenS, bei bem früfetften 33eginiie ber Kranffeeit, unb zweitens, wenn ein «Rüdfall zu brofeen fefeeint, ben bei bereits ber ©enefung entgegenfdjreüettbe «Patient fidj burefe Unmäßigfeit im offen u. f..w. zugezogen, ©ie würben in «Pfeifabelpfeia, als bort im 3«fe» l836 Ut Jppfeus feerrfajte, mü großem Srfolge angewenbet, inbem fte bie Heftigst Ui 3«' bers mitberten; wenn innerfealb ber erßen vier unb zwanzig ©tunben, naefe«» erßen Sinfatt, gereidjt, üjaten ße ber Kranffeeit gewöb,nlid) Sinfealt. Jppljua* ober «ftervenftefeer. 369 S3ei bem erßen Srfdjeittett ber ©pmptome möge man zwanzig bis breißig ©ran specacuanfea ober vier bis fünf ©ran Srecfeweinftein, in einer «pinte fdjivadjen Kamiüenttjee aufgelöß, verorbnett; ber «patient tjat atte fünf bis zeijn Minuten etwa ein SBeinglaS vott bavon in trinfen, bis Srbreefeen eintritt, weldjes burdj Jrinfen lauwarmen SBafferS beförbert werben fottte. 3n bem erßen ©tabium bes einfadjen Jppfeus feot ein 33recljmittet, bem am nadj* ßen Jage ein fräftiges SlbfüfermUtel folgt, feäußg bie Kranlfeeit abgefdnütett, fo bafj ein Sieber von geringerer Dauer unb weniger gefäferltdem Sfearafter folgt. SBäferenb bes ganzen «Verlaufes ber Kranffeeit muß ber Seib mäßig offen erfeat* ten werben, fo baß ber «Patient feineSfatts länger ats zwei Jage ofene ©tufelgang bleibt; es erjeugtßdj wäferenb beS gieberS eine große Quantität von Unreiitlitfefeiten in ben ©ebärmen, obgleicfe wenig «Raferung genommen wirb ; SSerftopfung vermefert bte franffeafte Hi^e unb bie Singenommenfeeit beS Kopfes, welcfee ßefe in Delirien jteigert. Doefe, inbem man «Purganzen verorbnet, muß mau ßcfe befonbers feütett, fie nicfet in Dofen anzuwenben, weldje eine zu gewaltfame SBirfung feervorbrin- gen; auf biefe Slrt fann matt nur iu leidjt eine völlige Srfdjöpfuttg unb ben Job beö Patienten verurfadjett. Die «Aufgabe tß, -üt bis zwei mäßige Darmentteerungeit tägiidj zu veranlaffen; feierfür genügt eine Doßs von zwei «Pitteit, bereit jebe eilten ©ran «Pobopfepttin, einen ©ran ©cammonium unb einen ©ran Slloe etttfeätt, unb brei ober vier ©tunben barauf eine gelinbe «Purganz, nüe Kaßor* («JUctnuS*) Del, ©lauberfalz, ober ©entteöblättertfeee mit Manna, ober Sremor Jartari, ober Jamarinbett, ober ein Älpßier. Doefe, wie gefagt, bie größte Sorßdjt iß nötfeig, nidjt ben vorfean* benen ©cfewäcfeejußanb zu vermeferen; benn bie ©efäfertictjfeit bes gieberS ßefet in aenaueßem Skrfeättniffe zu ber ©cfewädje bes Patienten. Der Hauptpunft iß, bie Kräfte unb bie Sebensgeißer bes «Patienten aufrecfet ju erfealten, WelefeeS burefe, reiefelicfee Slnwenbung tonifefeer unb reizeitber Mittel gefdjiefet; idj meine bamit Sfeinin, guten SBein unb berglridjett, bie fobalb als möglidj gereiefet werben fottten. ©leiefezeitig muß bem «Patienten eine nafertjafte Diät verorbnet unb babei feinem Slppetite unb felbft feinen Saunen «Jüdjttung retragert werben; bie ßrengße uub forgfätttgße «Jteinlidjfeit iß zu beofeadjten unb ■ xi Simn.tx muß gut gelüftet werben; wäferenb man fo bie Kräfte beS Kranfen unterfü^, muß man barauf adjtett, bie Slnfammlung fauler ©toffe in feinem Seibe burd; zwedmäßige Sarirmittel ober Ktpftierfejjen iu vertjinbern. Sin 53raufepulver wäferenb beS Slufbroufens, etwa atte zwei ©tunben genommen, milbert ben Durß uttb bie Smpßnbticfefeü beS Darmfattats. Das große Hauptmittel iß audj iit biefer Kranffeeit bas Stjittttt. Dr. ©erljarb in feinem S3ericfete über bie Spibemie in «pfeitabetpfeia im ^aljxt 1836 fagt x „ffian fann ßdj fdjwer einen S3egriff von bem äußerßen 3ußanbe ber Srfdöpfung madjen, in weldjen unfere «Patienten naefe einem ßarfen gieberattfatt verßelen. Die Haut war gewöfenlicfe falt, ber «Puls ganz fdjwadj unb ausfe^enb, babei murmelnbe Delirien, ober In anberen SBorten, ber «Patient fpradj, ofene HareS 53ewu§tfein, mit fefewacfeer ©timme iu ßcfe fetbß. Unter biefen Umßänben feradten Sfeinin, SBein unb nafertjafte ©peifen eine SBirfung tjervor, bie faß an bas SBun* berbare grämte." (Er brauefete gewötjnlidj wäferenb ber vier unb panzig ©tunben etwa zwölf U 370 ©unn's Haus*3lrzt. ©ran beS fdjwefelfauren StjinütS in Slußöfung, bas fe,eißt, mit faltem ©äffet »ermifdjr, wie folgt: Sfeinin............iL' ©ran. SBaffer............12 Sßlöffel voü; htbem bie ßtit wäferenb ber vier unb zwanzig ©tunben unb bie Dofen gleiaj mäßig rittgetfeeitt würben. Doftor ©. fagt, es erfcfeien ifem nidjt notfewenbig, SBein in großen «Cuanritäten nt geben; bodj er ricfetete ßefe bamit nadj ben Srforberniffett bes einzelnen gattesi »on einer tjalben bis in einer ganzen «ptnte mögen wäferenb ber vier unb jwanjtg ©tunben verbrauefet werben, je nad) ber ©tärfe, ber «Ratur unb ben ©ewofenfetittn beS «Patienten unb nadj ber SBirfung, bte man baran beofeadjten fann. 3u ben Mitteln nun, wenigßens für ben Slugenblld bie erfdjlaffte unb ftnfenbi SebettStfeätigfeü beS DrganiSmuS feerzußettett, fantt audj bas Sluflegeit litijjet, trodener ©egenßänbe (SBärmßafdjen, Kräuterflffen u. f. w.) unb bte «Jtnwenbuna. von ©inopismett (©enfpflaßer) gezätjtt werben. Sjott ben lederen fagt Dr. ©er« fearb: ,,©ie waren von großem unb unzweifelfeaftem SBortfeell wäferenb ber Ptriobi ber Srfcfeöpfung, welcfee bri bem «Radjlaß bes gieberS eintritt, unb feaben jebenfall« viel bazu beigetragen, baS Seben mandjer unferer «Patienten iu retten." ßr fanb ße audj von «Ru£en, um bie S3etäubuttg unb Kraftloßgfeit wäferenb ber fltantfeeil in minbern, unb um «Patienten, wetdje in gotge früfeerer 35ernadjläfßgung obet einer langen ermübenbett gafert von entfernten ©tafettfeeiten im 3ußanbe äujjtrfttr Srfdjöpfung naefe bem Hofpitale gebradjt würben, wieber zu beleben. SBenn ba« gieber auf feiner Höfee unb bü Haut feeiß war, leißeteu bie ©enfpßaßer auf bii gußfofelen u. f. w. weniger gute Dienße, als wenn bte Haut falt war unb bet «Patient vor ©djwädje zu ftnfen fdjiett. Hefe (yeast) iß In biefer .Kranffeeit eine wertfevotte Slrznei. Sinem Knaben, ber bavon befallen war, würben zwet (Sfjlöffel »ott Hefe atte brei ©tunben gegeben; er füfelte fofort Srteidjterung unb bie ©ene- fung ging fdjnett von ©tatten. Daffelbe Mittel würbe bei fünfzig «Rervenfieber« franfen angewenbet, von benen jeber tjergeßettt würbe. 3n wetdjer SBeife audj bie Hefe itjre tjeilwtrfenbe Kraft in bem Jppfeus ausüben möge, bie Jfeatfadje fefeeint unbeßreitbar, baß Kotjlenfäure jene äußerße ©ctjwäctje bes Magens entfernt, welcfee bei Seiben biefer Slrt eine fo große «Kode friJt; inbem ©rabe, als biefe gehoben wirb, wirb ber «pulsfdjlag fräftiger, langfamer anb voller, bie brennettbe Ht£e ber Haut verfetjwütbet uttb eS tritt eine Paufe in ber Kranffeeit ein, wätjrenb weldjer man bem DrganiSmuS burdj geeignete «ftaferung neue Kräfte Zufüferen fann. Die angenetjtnße Slrt, bte Hefe bem «Patienten beizubringen, bt biefelbe mit einem Duart S3ier ober fdjwadjett «Porter iu mifdjen unb bavon ßünbüdj ober zweißünblidj ein ©las trinfen zu laffen. Sin fetjr wertfevotteS unb witffamei Mittel iß bas fatte SBaffer; je früfeer man es anwenbet, um fo beffer; wenigflen« nadjbem bie nötfeige Srleiäjteritng beS Magens unb Darmfanals ßattgefunten. 3m erßen ©tabium ber Kranftjeit follte matt es in gorm einer falten Doucfee anwen- ben, bas feeißt, bas SBaffer von einiger Hölje bem Patienten über ben Kopf gup«. 3n ben fpäteren ©tabien ift es ßdjerer, itjn vermittelß eines ©efewammetf abtuirc- föett. SSeibes iß bem Kranfeit angeitetjm unb erquidenb unb bewtrft ge»6fenli(J eine Sinberung bes gieberS, worauf mefe,r ober weniger geudjtigfeit ber Haut unb JpptjuS* ober «Jtervettftefeer. 371 ein erfrifcfeenber ©djlaf folgt. Das falte 53abett ober SBafctjett fattit in jeber betie- bigen JageSjeit angewenbet werben, wenn fein großanfatt ba iß, wenn bie Ht£e bes Körpers feine natürlidje Jemperatur uberßeigt unb wenn fein allgemeiner ©cfeweiß ausgeferocfeen iß. SBäferenb bes großßobiums beS gteber*«ParorpSmus, wenn ein bebeutenbes ©efüfel ber Kälte feerrfefet, ober wäferenb ber Körper mit reidjtidjer «Perfpirotioit überbedt tß, muß man ßd »or Slnwenbung biefes Mittels feüten, weil man fonß leidjt ben Sebensfunfett auslöfcfjett bürfte. 3« bem fpäteren Skrlaufe bes gieberS, wenn bie Hitje verminbert unb bie ©cfe, wädje groß iß, fottte unmittelbar barauf bem Kranfen ein gutes ©las ©lüfewrin ober Punfcfe gegeben werben. 3n manefeen gälten verbietet bie bettfate Konßitutioit bes Kranfen bie Slnwenbung bes falten SßäfferS; ßatt beffen fottte man SBafcfeungen mit lauwarmem SBaffer vornefemen unb bie Dberßäcfee beS Körpers von 3eit zu ßtit ber Suft ausfegen; audj bies wirb ben Puls vtrlangfamen, bas Sttfemett erleicfetern unb zum ©djlafe geneigt madjen. 33efonbere franffeafte Srfdjrinuitgeit erfeetfefeen eine befonbere S3efeaitbtungsweife. «Bei großer Singenommetttjett beS Kopfes, S3etäubung uttb Delirien wirb tin feäu* ftgeS SBafcfeen ber ©cfeläfen mit fattem SBaffer unb Sfßg gewöfentld) Srteidjterung fdjaffen; wenn bie Delirien fefer feeftig ßnb, ber Kranfe wilb umfeerßarrt u. f. w,, muß ein 33lafenpßaßer auf ben Kopf, itt ber -Räfee bes ©cfeeitels, gelegt werben. 23et auffaüenber Kälte ber unteren ©liebmaßen, muß man fofort ein warmes S3ab geben ober warme, reijenbe Sinreibungett gebraudjett, um ben 331utumtauf wieber gteidj* mäßig ju macfeen. Die SBirfung beS 33abeS wirb burcb, einen ßu[afy metjrer Hanb* voll ©aij bebeutenb vermefert; ber Kranfe muß barin bleiben, bis bie Haut warm wirb; fobalb er wieber in'S 33ett gebradjt iß, muß matt ben ganzen Körper mit erwärmtem glanett reiben unb baitn Söärmeflafdjen ober feeiße 3ügelßeitte, auf bie man Sfßg gegoffett, in glanett gewidett, an bie güße unb S3eine unb unter bie Slrmfeöljlen legen. SBenn feine 33abewantte zur Hanb iß, brauefee man als Sin- reibung eine ßarfe Söfung von ©alz iit warmem ©piritus, weldjes ein ausgezeich- netes Mittel iß, um bie ßodenbe 3üfutattott bes 33luteS an bie Dfeerflädje zu loden. kampfeer iß eines ber ttüijtidjßett uub wirffamften Mittel in biefer Kranffeeit, wenn ber ©djlaf burdj ©törungen bes «RervenfpßemS ober nervöfe 3udungett, mebijinifcfe "subsultus" unb "tremens" genannt, unterbrochen wirb. Sin ßlpßier, in weldjem etwa zwanzig ®ratt Kampfeer aufgelöß ßnb, unb innerliefe, bas feeißt burefe ben Munb, fünf ©ran Kampfeer in einem SBeinglas vott SBaffer, werben bisweilen fofort biefem qualenben 3ußanbe ein Snbe macfeen. Diefe Doßs follte atte zwei ©tunben tvieberfeolt werben, bis ber Kranfe berufeigt ift unb in feße« ©efelaf ßnft. Diefe Slrznei übt in vielen gätten eine völlige Kontrolle über bie nervöfen 3uduttgen aus; wie anbere berartige Mittet iß ße frrilid) nur ein «Jcottj- befeelf, um für ben Slugenblid bas geftörte ©teidjgewidjt beS DrganiSmuS feerzußet« fen; bodj wir muffen Stiles tfeun, um bte «Ratur in itjren Sltißrenguttgett zur Uefeer^ winbung ber Kranffeeit in unterßü^en, bis bie festere itjren natürlicfeen Verlauf, gewöfenlicfe innerfealb vterzefen Jagen, burdjgemadjt. 53ei großer Unrufee uttb wenn ber «Patient burdj ©cfjtafloßgfett erfd,öpft unb beßänbigeS «Rervenzuden gefoltert Wirb, iß eine ffeine Doßs Morpfein (ßefje Doß* rungstabeüe), weldjes aus Dpium bereitet wirb, ats S3erutjtgungsmlttet bringenb »u empfefelen. Ss Iß bieS inbeffen ein Mittel, bas nur mit SSorßdjt unb nictjt in 372 ©unn's Haus*5lrzt. großen ©oben gereidjt werben barf, bo Jppfeusfranfe von feinen narfotifden 2lgm fcfeaften jebenfatts viel mefer afßzirt werben, als anbere Kranfe. Die Diät, wenn bas gieber nacfezutaffen beginnt, muß aus nabrboftrn mit leidjt verbauliefeen ©peifen beßeben. Der anßedenbe Sfearafter ber Mranfbtlt foQtc nldjt vergeffen werben. Die erße ©orge muß frin, bie Kranfen von ben («tfunbtn |U treitnen unb fovtel als mögliefe jebe 53erüferitng ^irifdjen iljnen 31t vrrbinbern. S3ettzeug unb Kleibung muß forgfältig von jeber ©pur von Unreinticfefcit befreit werben; bie 3immer ftnb oft mit gutem, fcfeorfem Sfßg ober brennenbem Ibr« ausztträucfeern. SBenn ber Jppfeus ober eine anbere anßedenbe Kranfbeit ügenbwo juerft au«. 6ridjt, namentlicfe wo viele «perfonen gebrängt zufammeitleben, follte vor 2Wem bie größte «Rrittlidjfeü beobadjtet unb jebes 3immet gut gelüftet unt ber gußbobtu mit ß'orfem ©eifenwaffer gewofefeett werben. Um bie Suft zu reinigen, iß ber Sfelotfatf (Chloride of Li-nc), ben man in {eber Slpotfeefe nebß ©eferaucfesanwelfurtg befommt, eines ber bittiqften unb beften Mittel. „Stjjjljotb" ober tyülju§al)tttidjc8 fticBcr. Dies iß nur eine milbere Slfeart bes eigentlicfeen Jppfeus, ober ein feartnädige« gieber, weldjes in feinem «Verläufe attmälig rinen tppfeusäfenlidjen Gfearaftet annimmt. SebeS gieber fann auf biefe Slrt zu einem Jppfeoib*gieber werben. Die 33efeanblung ift wefentticb, biefelbe, wie bei bem regelmäßigen Jppfeus; natürlicfe muß ße ben verfdjiebenen ©pmptomen unb bem jebeStnatigen ßfeataftet ber Kranffeeit angepaßt werben. Man fealte ben ©tufelgang offen; wafcfee unb reibe bie Hautoberßäcfee gut; gebe Unterlid fdjweißtreibenbe Slufgüffe unb tonifcfee Mittel; brauefee faltes SBaffer unb Slnwideln in naffe Deden unb laffe überfeaupt bie SSefeanblung entftfeieben uub etngreifenb fein. Das falte SBaffer iß in feinem gatte meljr, als in biefem, von ber beßen unb woljltfeätigften SBirfung. ©clüeg Riefter. SBätjrettb idj bie weßinbifdjett 3nfetit unb bie füblidjen unb tropifdjen ®egenben befudjte, wo biefe Kranffeeit iu feerrfefeen pßegt unb jäfertiefe Huuberte von Menfcfeen« leben mit entfetüicfeer ©efenettigfeit batjinrafft, feabe id burefe mögliefe'1 genaue» aefetung bie Urfacfeeit uub ben Sfearafter berfelben zu erforfcfeen gefudjt, unb ba tefe einmal felbft barunter leiben mußte, fo Ijafee iefe eS ju einer jiemlicfe grünblicfetn Kenntniß ber Kranffeeit fowofel, als itjrer «Betjanblung gebraefet. Das gelbe gieber befcferänft ftcfe meißens .auf Slfrifo, SBeftinbien, Merifo, fowett bie ©olffüfte reiefet, Suba unb bie fübtidjßett Jfjeite ber S3er. ©taaten; bocfe bl«wei< len erßredt es fidj bis nad) «pfeilabelpfeia, ^lew gjorf, Soften unb anbere nerthaje ©eeftäbte; atte biefe «plä^e ftnb tjin unb wieber von ben fdjredtiden 5?ertjeerungen biefer Kranftjeit feeimgefuefet worben. Dodj, wie bet anberen Spibemien, t]t lote 33erbreltung ungewiß. ©0 zum «Beifpiel ßnb bie SBewofener von 9tew Orleans ten ©elfeeS gieber. 373 „inen ©ommer faß ganz frei bavon, wäferenb ben nääjßeit ©ommer bie größte ©terbllcfefeit feerrfcfeett mag. SSor einigen Saferen wütfeete ße mit größerer Heftig* feit als jemals feit ber Sntbedung biefes Kontinentes. Die erßen Urfadjen bes gelben gieberS ftnb in ber Malaria ober ben giftigen SluSbünßungen eines angefcfewemmtett unb fumpßgen SobeitS zu fuefeen. Sbenfo feerrfefet es in ßaefeen ©egenbeit, bie feäußgen Ueberfcfewemmungett in golge ftarfer «Jtegengüffe unterworfen finb. SBentt ber Stegen auf feört, bas SBaffer ßcfe verläuft unb bie feudjte Srbe ben feeißen ©onttettftrafetett ausgefegt tß, fo macfet bas gieber feine Srfdjeinung unb feine Häuftgfeit riefelet ßd) naefe ben SBitterungSverfeältniffen. Ueberatt, wo gelbes gieber tjerrfefet, ßnben ftcfe auefe SBeefefelßeber unb meißens atte formen unb Strien beS remütirenben unb ©attenßeberS. Diefe gieber entßefeen aus benfelben Urfadjen unb werben burefe verfcfeiebene ©rabe ber ©iftigfeit bef* felben KranfljeitsßoffeS feervorgebradjt. SBorin biefer ©toff eigentlicfe beßefet, unb wesfealb er in verfdjiebeneit gätten fo verfcfeieben wirft, barüber ßnb felbß bie aus* aejeidjnetßen Slerzte bis je£t nocfe nicfet im Haren, obgleicfe man feine SBirfungen beftänbtg beutlidj vor Slugen feat. 3n 33ezug auf bie SlnßedungS* ober «Ridjtan* ftedungsfäfetgfeit bes gelben gieberS finb bie Meinungen mebiziniftfeer Autoritäten getfeetlt. 3dj fealte bafür, baß es nidjt notfewenbig anftedeitb iß, unb berufe midj auf bie Jljatfacfee, baß id feäußg «Perfonen wieberfeolentlicfe biefer Kranffeeit burefe SBerütjrung u. f. w. ausgefeilt gefefeen Xjaht, ofene baß ße bavon ergriffen würben. £ine 33eftätiguug biefer Slnftdjt ßnbet man in bem SRefultate ber gefäfertiefeert Srpe* rimente, welcfee Dr. girtfe, von «Pfeilabetpfeia, an ßctj felbß aufteilte, inbem er bte fefewarje, erbroefeene Materie, baS S3lutwaffer unb ben ©peiefeel von an gelbem gie* ber erfranften Perfonen nidjt allein f cfe m e d t e, fonbern auefe ßcfe; einimpfte, ofene angeßedt in werben. Dr. 3ofen HaßingS, ein feervorrageitber Slrzt itt ber S5er. (Staaten gtotte, fagt feierüber: „3; geneigt macfeen. Sßtnn man ßcfe ben feeißen ©trafeten ber Mütagsfonne ober bem ifladjttfeau ausfent, ftcfe unmäßigem Sffen ober Jrinfen, befonbers unterem feingibt, öffnet man ber Äranf« feeit Jtjür unb Jfeor. Slitfealtenbe Jrunfenfeeit iß am gefäferltdjßen, ba ße leicfet p atten anberen Unvorßdtigfeiten Stnfaß gibt. Ss fann benen, welcfee ttopifijt ©egenben zu bereifen feaben, nicfet genug eingefdjärft werben, wie fdjäblid) Stnßren« gung in ber ©onnenbijje unb Unmäßigfeit auf ben an bas Klima ungewöfentt« Körper einwirfen, unb baß ße bie Haupturfadjen ber großen ©terbliefefeit ber «Rorb« länber in jenen ©egenben finb. Dr. DeweeS in feinem 33erid)te über bie Spibemie, weldje im 3afere 1793 in Pfei« tabelpfeia wütfeete, fagt: „Die 33eobadjtung war attgemein, baß wäferenb be« Hen- fdjenS beS gelben gieberS eben verfeeiratfeete Seute am leiefeteßen als Cpftr fielen; für ©äufer unb Jrunfenbolbe, für ©djlemmer uub vottfäftige unb wofelbeleibte «Perfonen war bü Kranffeeit vorzuglicfe töbtliefe. Ss war feiten, baß bei folajen Seuten, wenn ße befallen würben, ©enefung eintrat. Daffelfee gilt von benen, bie feart unb fefewer arbeiten ober ftcfe feeftlgen Strapazen ausfegen." „S3on atten erregenben Urfadjen beS gelben gieberS iß ber S oi t u i (in anberen SBorten, bie gefdjlecfetltcfee 33ermifcfeungj bie ntädjtigfte. 3?on wie 33ielen wifftn wir, bie aus ben Slrmen ber SBottuft fommettb,fofort von bem verfeängnifpollen ©cfeüttelfroß befallen würben unb in wenigen Jagen ifere irbifdje Saufbatjn beftfelcf« fen; wie SSiele würben bie Dpfer einer einzigen nädtliden ©amenergiefjung." ©onberbar genug, bie ©enefung von biefer Kranffeeit iß von einer erfeöfeten Xb> tigfeit ober «Reizbarfeit beS ©efcfelecfetStrtefeeS begleitet. DeweeS fagt, baß er biefe eigentfeümliefee Srfcfeeittuitg bei beiben ©efdjledjtern in «Pfeilabelpfeia fowofel, ale in ©cn Domingo beobadjtet feat. „Der Slnßanb," fagt Dr. Stuft), „verbietet mir, Ut S izelnfeeüett ber ausfefeweifenben ©cenen zu berüferen, welcfee in meferen ßtlttxx, to ' t>': «RefonvaleSzentett (©enefenben) beßimmt waren, in ber «Jiäfee be« H>ofpitaU ütfanbett." Das Sinattjmen unreiner Suft ßefet unter ben für bie Kranffeeit präblspont; renben Urfadjen obenan; eine Sltmofpfeäre, bie mit Jfeeilcfeen tfeierifajer Sern»** fungsprobufte ober anberer verbotener ©toffe gefefewängert iß, fann nicfet rnnfei-V burefe ifere Sinwirfung auf bas Slttgemeittbeßnben beS Körpers bem gieber ben SScg ju bafenen. Seibesverßopfung ober mangeltjafter ©tutjtgang iß ebenfalls eine präbüpontrento Urfadje, unb besfealb fottte es nie vernadjläfßgt werben, ben Darmfanal in rra> mäßiger unb gefünber Jfeätigfeit zu ermatten, gurefet ober irgenb eine grofe St* rung bes «Jcervenfpßems iß ebenfalls geeignet, bie Kranlfeeit feewrznrufen, weift längere 3elt gletcfefam im Organismus fcfelummern, ober — wie man ftcfe im So» ©elb es gieber. 375 enszubrüdeit pßegt — „im Körper ßeden" fantt. Dr. Suzenberg itt ^Itw DrleanS erwäfent folgenben bemerfenswerttjett, batjin gefeörenbeit galt. 3m Monat gebruar 1844 würben im bortigen Marine=Hvfpüal zwei Motrofett aufgenommen, bte von SBeßinbien famen, unb bri benen bie Kranffeeit nidjt efeer, als tm Hafen von «Rew Drleans, breizefen Jage nadj iferer Slbreife voit bett gieberbißrifteit in SBeßinbien, ausgebrocfeen war. ©pmptome. — Die erßeit ©pmptome bes gelben gieberS werben vier unb jwanjig ober adjt unb vierzig ©tuttben vor bem eigentlicfeen Sinfatt empfuttbett. Der «patient füfelt fdjwütbtig, ber Kopf „fdjwimmt ifem," ber ©tufet ift verftopft unb es ftetten ßdj leiefete ©tieberfcfemerzen ein. 3« mattefeett gälten gteidjt ber 33eginn ber Kranffeeit, in 23egug auf ben geßörtett 3ußaitb bes «RervenfpßemS, bem foge= nannten fe p ß e r i f cfe e n Seibett ber grauen ; aber balb gibt fte ftcfe burefe einen Sinfatt mit ptöfjlicfeer Uebelfeit beS Magens unb Srbreefeen zu erfennen; bantt folgt wütfeenbes Kopfwefe, ©efemerzen in ben feinterett Jfeeiteit ber unteren ©liebmaßen, in ben Kniegelettfen, längs ber ©djienfeeilte, unb eine fribbelnbe Smpßnbuttg längs Ui «JtüdgtateS, mit leidjtem ©cfeüttelfroß. Das ©eßcfet wirb gerötfeet unb gefcfewol* Jen, bie Slugen treten feervor unb finb mit S3tut unterlaufen, bie SBlide werben eigentfeümlicfe glaßg, bas ©eßcfet erfeätt einen ßupiben, bumpfen, ängßlicfeeit Stus* bruef, ber nicfet leidjt vergeffen werben fantt, wenn matt ifeit einmal gefefeen. Die 3unge ift feudt uub mit weißem «Petze bebedt, nur bie ©pi|3e unb bie «Jtänber ßnb feellrotfe; fein ©tufelgang; Heiner «Puls, bisweilen faum füfelbar, verfefewinbettb; bie Haut falt. Diefe ©pmptome bauertt fedjs bis adjt ©tunbeit; ber «Patient feat nodj immer eine Smpßnbuttg ber Kälte, auefe wenn er forgfältig eingefeüttt ift unb feine Haut bem SBefüfelenben warm erfdjeint. «Racfe biefem falten ©tabium folgt eine brennenbe Hi£e mit feeftigeit ©djmerzett im unteren «jtüden unb einer Steigerung atter anbereit ©pmptome; ber Magen iß für äußeren Drud empftnblidj; bas Srbreefeen fefert von ßtit iu ßtit wieber, obgleicfe, ti nie fefer feeftig iß ober viele ©efemerzen verurfadjt; ber 3nfealt beS Magens wirb unveränbert ausgeworfen, fo wie bie ©peifeit vor vier unb zwanzig ©tunbeit genom- men worben ßnb; bieS zeigt bie völlige Sluffeebung ber 33erbauuttgöfräfte unb läßt auf einen ftfeweren Kranffjritsfatt fcfeließen. „«Jcacfe einigelt ©tunben wirb bie erbroefeene Materie geringer, nimmt eine grüne garbe unb intenßv bitteren ©efefemaef an, ba ße faß aus reiner ©alle beßefet. Die 3unge wirb je£t attmälig mit tintm gelben Pelze belegt, bie ©pi£e unb bie «Jtänber ßnb rott); ein feeftiger, ftopfenber ©djmerz 3udt burefe, bie ©cfeläfcn, bereu ©djtagabern ßarf uub ßdjtfear putßrett. Der Sdjmerz im uuteren «Jtüdett nimmt bebeutenb zu unb ift gewöfenlicfe unerträg* licfeer, als ber Kopffefemerz; 8roPc Unrufee unb ©djlafloßgfeü; Slppetitloßgfrit:.; meißens, bocfe nidjt immer, S3erßopfuttg — in biefem gatte iß ber Urin von unitatür* liefe bunfler garbe uub fparfam, bisweilen jeboefe wirb ber Urin in enormen Quati« tltäten unb von ganz fcHer garbe getaffeit; bie baut iß fetjr feeiß, troden unb gerötfeet; ber Puls iß Hein unb tjäußg, aber nidjt übermäßig fdjnett; gewötjnlidj von atfetzig bis neunjig ©djläge in ber Minute — es iß meißens ein „m a S f i r * ier Puls," bas beißt ein «Puls, ber obgleicfe nicfet ßarf, bocfe ©tärfe anzuzeigen fdjeint, ber auf bie füfelenbe bano unb ben «Beobachter ben Sinbrud madjt, ats ob er burjj etwas zurudgefealten unb verfeinbert würbe, feine volle Kraft zu entwideln. Süwellen ßnbet man tfjn voll, ßarf unb mit großer Kraft, aber nidjt fe. äußg in 376 ©unn's Haus» 21 rat. ber Minute fcfelagenb. Um biefe ßtit ßettt ßcfe ein unerfättlidfeer Durß ein, dn ©pmptom, bas wäferenb ber ganzen Kranfljeit anfeält unb ben «Patienten mebr al« alles Slnbere, quält. Mertwürbigerweifc füfelen bie Kranfen fefer wenig Kraftwlujl fo baß eine ber größten ©cfewierigfeiten bei iferer 33efeattblung barin beßeht, fie rubiq im 33ette zu erfealten. ©ie wollen feeßänbig aufßefeen unb umfeergeljen unb ver- ßdern, baß ße ganz wofel füfelen, baß ifenen burdjaus nidjts fefete. Die« ßnbet firb gerabe bei einigen ber fcfelimmßen unb fcfewiergßen gätte, bte baburefe natürlicfe m\* bebeutenb fdjlimmer werben. Diefe „fpazierengefeenben gälle" beS gelben lieber». wie man ße genannt bat, ßnb nicfet feiten. Slber aüeS Umfeerlaufen nüfjt nicht« bie Kranffeeit wirb baburefe in iferem 33er(aufe nidjt aufgefealten, ße fdjreittt reget« mäßig ©cferitt für ©dritt fort unb füfert gewöfenlid an einem feeßimmten Jage bie Slußöfung feerbel. Diefe eigentfeüinlicfee Srfcfeeinung, vermutfee lefe, feat oft btn ©laubett veranlaßt, baß «Perfonen nadj vier unb zwanzig ober aefet unb »ierjij; ©tunben von iferem erßen Srgriffenfein am gelben gieber geßorben feien, ba man ße erß fo furz tior ifeeetn Jobe att baS 33ett gefeffelt gefetjen. Die ©pmptome ftnb oft fo milbe, baß ße ganz vernacfeläfßgt werben, wäferenb fefeleunige unb zeitige 33efeanblung 33efferung fdjaffen fonnte; ober mandje Kranfe faferen in iferem unrufeigen, raßtofen 3ußanbe fort, umfeerzulaufen, unb biefe 33ernact)« läfßgung macfet viele gätte töbtliefe, bie fonß ber Heilung zugänglicfe gewefen waren. SBätjrenb ber erßen vier unb zwanzig ©tunben beS feeißen ©tabiumS tritt oft ein merflidjer «Radjlaß beS gieberS ein. Die Haut wirb füfelcr unb ber Puls natürli« efeer, aüe ©pmptome fdjeinen ßefe zu minbertt, unb es fomint fogar nicfet feiten »or, baß bie Haut feuefet von ©cfeweiß wirb. Slber bie «Jtemifßon iß nicfet »on langer Dauer unb balb feferen olle ©pmptome mit urfprünglidjer Heftigfeit witber. Dann fäfert bie Kranffeeit, ofene «Radjlaffen, itt iferem «Verläufe fort, etwa feäj« unb neunzig ©tunben lang ober bis zun S3eginne bes fünften JageS, worauf eine ploj« lidje Slenberung eintritt. Die ßxxn^e unb bie Sipper. werben troden unb mit iner bunfeln Krufte bebedt, befonbers bie Mitte ber 3unge, bie ©pit)e unb «Jlänber ber- felben fefeen wie rofeeS gleifcfe aus. Das Srbreefeen wirb feäußger, aber foßet feine Stnßrengung; bie ausgeworfene Materie befommt ein gallertartiges, fcfeleimtgeS SluSfefeen, nur feier unb ba bemettt man fdjwarze gleden ober fabettförmige Maffen barin. Das SBeiße ber Slugen nimmt eine gelblicfee gärbung att, unb bie Haut beginnt eine ätjnltcfee ©djatttrung iu geigen. Der Seib iß nicfet länger verßopft, bie Stufet' gänge ßnb bunfel uttb ßüfßg ; in manefeen gäüen fefer zafelretefe. Das 33ewuf)tfetn fängt jetü an zu fdjwinben; ber «Patient begreift nur fdjwer, was man zu ifem fpridjt, unb ftarrt einen verwirrt an, efee er antwortet. Slm feefeßen Jage (bisweilen beginnt bies ©pmptom auefe fcfeon am fünften) zeigt [id) rine beßänbige, unbezwingÜdje «Reigung in fdjlafen, mebizinifdj Coma genannt. Der Kranfe, wenn er aufgerüttelt wirb, ßarrt wilb umfeer, bas 33ewußtfetn flackri nur nocfe, fein unb wieber auf, bis es ganz erlifdjt; am Snbe beS feefeßen obet An- fang bes ßebenten JageS ßettt ßcfe bas eigetttlicfee „fdjwarze Srbreefeen" ein; ei »W eine bunfle, faffeefatiäfettlicfee Maffe, von geleeartigem ©cfeleime umgeben, von 3«t gu ßtit ausgeworfen. Dies ,,fd)warze Srbreefeen'' bauert bis zum lobt fort. S^Benn es ftcfe, einfteüt unb ber «Patient nodj Sewußtfein feat, fängt er oft zum etften Wal« feit bem Slusbrudje ber Kranffeeit an, zu aljntn, baß er in ©efafer iß. ©elfees gieber. 377 SBom fünften bis zum ßefeenteit Jage ßnbet ßd) feäußg ©djludjzen, SBtuten ber iSJaumen unb beS MunbeS, WelefeeS S3tut auf ber 3unge unb ben Sippen trodttet, unb Unterbrüdung bes UrinS. ©egen Snbe bes ßefeenteit JageS iß tiefe, bumpfe S3ewußttoßgfeit; leifes Mur- meln ; unrufeigeS Umfeerwerfen; ber Körper wirb ganz 8*lfe > fcic ®ri< fenfefeaft vottßänbig uneinig barüber ßnb, wie biefer furefetfearen Kranffeeit zu begeg* nen fei. Das gelbe gieber feat nicfets von feinen alten ©djreden verloren; es erfaßt feine Dpfer feeute in 3lew DrleanS mit berfelben Unerbittlicfefeit unb Unwiberßefe> licfefeit, als vor einem fealben Saferfeunbert in Sabir unb ©ibrattar; obgleicfe mandje Slerzte behaupten, baß fte bie wüffamßeit Mittet gefunben feaben, feiner Heftigfeit Sinbalt zu tfeuit unb ben töbttiefeen StuSgang zu verfeittbertt. Dr. «Jtuftj, ber große Befürworter ber Sattzette, ber faß bet jeber ©elegenfeeit zur Slber ließ, fagt, baß er wäferenb ber großen pfeitabelpfeier Spibemie, im 3«fe« 1793, niemals mefer ils einen unter zwanzig Patienten verloren X)aht. Sr war einer ber größten 33er fetfeter ber Sanjette bei gelbem gieber unb blieb babei, ob man itjm beißimmte ober ifen befämpfte. 3n feinem «Beriefet über bas gieber im Saljre 1794, in «pfeilabetpljta, gibt er bie ©efefeiefete von brei unb zwanzig gätten, in benen er SBtutentgietjung augewenbet. Sr foll bem Dr. Pfepßc vott «Pfettabetpfeia zum «betrage von eiittjunbert uttb fedjs unb ßebenjtg Unzen zur Slber gelaffen ijaben. Diefe fütjne nnb rtsfante Metfeobe 378 ©unn'S HauS-Sfrzt. Wirb je(ü im Sittgemeinett für unzwedmäßig gefeolten, unb leb, fealte ße in atten gäüen für zu gefäfertid» Stiles was zu itjren ©unßen gefagt werben fann iß, baß, wenn ber Patient tii ßärfer, vollblütiger Mann iß, wenn ßdj feeftiget ©djmerz in» Kopf unb «Rüden, fearter, gewattfamer «Puls uttb fonßige entjünblidje ©pmptome ßnben, tin reicfeliam Slberlaß, wäferenb ber erßen zwölf ©tunben, von unenblidjem «Jcufeen fein mag. Unter atten anberen Umßänben fealte idj bie aus bem 23lutvcrluß etitftefeenbtöefaljt für zu groß. Um in bem erßen ©tabium ber Kranffeeit ber übermäßigen Slufregung Ui ©tfa> fpßemS zu ßeuern, iß baS falte SBaffer als Douäjebab ober 33egießung angewenbet, gewöfenlicfe ein ebenfo gutes Mittel, als bü Sanzette. 33ei ber großen Hipe ber Haut, bie bieS gieber feervorruft, bem qualenben Durße, bem unerträgliden Kopfwefe unb ben ©efemerzen unb ber Smpßnblitfefeü beS Magens, fdjafft es Srletdjterung. Cb« gleid) biefe Srleidjterung bisweiten nur tfeetlmeife unb vorübergefeenb iß, follte bie« Mittel bodj fo oft als nötfeig angewenbet werben, ba fein «Radjtljeil ober feint ©t« fafer bavott zu befürdjten iß. Die geeignete ßeit für biefe falten 23egiefjunaei ifl am Snbe bes großanfattes, falls überfeaupt ein fotdjer ßattßnbet, wenn ba« ©efiefet beS Kranfen gerötfeet unb bie Haut feeiß unb troden Wirb, ein 3ußanb, ber von bie- fem gieber faß immer unzertrenttlicfe iß. Man [tx)t bett Krönte« in eine geeignete SBanite unb laffe von einiger Höfee übet ifem einen vollen, ßarfen ©trom fatten SBafferS auf feinen Kopf, feine Sajultern unb feinen nadtett Körper feinunterlaufett, bis fein ©eßcfet feteidj wirb unb ber Pul« ZU ßnfett anfängt. ©ewöfenlicfe wirb ber Kranfe fetbß feine befriebigung über bie Srteicfeterung, bie er empßnbet, ausbrüde'n unb verlangen, baß man es oft wieberfeole. 3*j \)aU nodj nie irgenb weide unangenefeme golgett bavon gefefeen; fetbß Kinber unb grontn feören balb auf, ßcfe vor ber Srfcfeütterung zu fürefeten, welcfee bas falte SBaffer juerft verurfadjt, unb fangen an, «Vergnügen baran zu ßnben. Die Cberflädje bed Körper« muß bantt troden gerieben, ber «patient zu 33ette gelegt unb gut bebedt werben, fi baß er ftcfe feefeagtitfe warm füfelt. SBenit man ben Kranfen wäferenb bes 8wjtfia< büttns ftnbet, WelefeeS gewöfenlicfe von fecfes bis aefet ©tunben bauert, mufj man ein großes 33tafenpflaßer auf bie Magengegenb legen. Dies milbert fetjr balb ba« Srbredjett. Dann gebe man zwanzig ©ran Salomel,* unb fecfes bis aefet 5tun- ben barauf eine DofiS Spfomfalz ober audj ©lauberfalz, um einen reicfelicfeen ©tufel- gang zu erzeugen. Die tarüenben Mütelfalze ftnb fetjr wertfevotle Slrzneien in biefer Kranffeeit. SBenn ber großattfatt zu lange bauert, brauefee man ein warme* Sab, bem ©enf gu^ufe^en iß, fo baß es ein reefet ßarfeS warmes ©enfbab wirb. Ztt ©cfeweiß muß man fuefeen burefe warme ©etränfe hervorzurufen. Man vergeffe nicfet, baß bei bem SluSbrüefee ber Kranffeeit ein gute« fraftiae« Slbfüljrmütet, t-em man larüenbe ©atze folgen läßt, immer zwedmäßig ifl. &n freier ©tufelgang wirb gemötjnlidj (Srteidjterung verfefeaffen. SBenn tein tajHA« ©tufelgang iß, fo fe^e man ein Klpßier von zwei Unzen Kaßor* (Ricinus) Di«» vier Unzeit Jerpetttütöt mit einer «Pinte glacfesfamentfeee vermifdjt. Dies Ätyhei * ©tatt bes dalomels fann man auefe brei ©ran PobcpbyÜm geben, bit naöj fecb« Wieberfeolen ftnb. ©etfees gieber. 379 feilte ein* bis zweimal täglicfe, gegeben werben, wenn bas Srbredjen attfeält unb ßdj bie geringße Stnbeutung feerannafeenber S3ewußtlofigfeü ober S3etäubung ßnbet. Dr. «Rott in Mobile pßegt feit meferen Saferen wäferenb bes ftebertjaften ©ta* biums Kreofot iu verfcfereiben. «Radjbem ber Seib geöffnet ift, gibt er folgenbe gflifcfeung: zwanzig Jropfen Kreofot in fecfes Unzeit Spiritus Minderen (Söfung von efßgfaurem Slmmoniof) mit foviel SUfofeot als notbwetibig ift, um bas Kreofot gut aufzulöfen; feiervon muß eine balfee Unze (ein Sßlöffel vott) atte zwei ©tunben genommen werben. Man wirb unter ben «Jtezepten eine Slnweifuitg zur «Bereitung Ui Spiritus Minderen ßnben. Derfelbe wirb als eines ber beßen Mittel angefe* feen, um bie 33reäjneigung unb bas SBürgen zu befeitigen. Kalte Umfcfeläge von Eiswaffet u. f. W. fottten wäferenb beS gieberS beftättbig auf ben Kopf gelegt uub Sie? ober Siswaffer im Muttbe getjatten werben, um ben Durß in tinbern; bocfe follte wenig bavon verfdjtudt werben, ba es von ber feödjfrett SBidjtigfrit ift, ben «jJcagen ganz rutjig zu erfeatten. SBenn bie Haut feeiß unb troden wirb, vergeffe man nidjt, ße vermittelß eines ScfewammeS mit faltem SBaffer unb Sfßg in wafdjen ; bieS wirb audj bie ©(ferner* jen tm unteren «Jtüdett ertridjtertt, von benen ber Kranfe fo viel zu leiben X)at ebenfalls werben ©tnapiStnen ober ©enfpßaßer, längs bes «JtudgrateS gelegt, Sin= berung fdjaffen. Matt fei befonbers aufmerffam barauf, ben Uebergang ber Kranf* feeit vom zweiten zum brüten ©tabium waferzuttefemen, weldjem man burefe Slnwenbung fräftiger innerer «Jüizmittet, wie «Punfctj, SBein, 3utep u. f. w. begegnen muß. Diefe ©etränfe muffen inbeffen vorßdjtig, unb nur in fleinen Quantitäten auf einmal, verabfolgt werben, bis man merft, baß ber Kraule ein befonbereS «Verlangen barttadj feat; aisbann fann man iX)m reidjlidj bavon geben, bis bie Herabftimmung bes DrganiSmuS ober bas Darnieberliegen ber SebenSfräfte befeitigt iß. «Radjbem bie «Jtufeeloßgfeü geminbert unb ber «Puls wieber fräftiger geworben iß, mufj man mit bem ©ebrauefe biefer ßimulirenben ©etränfe vorßdjtig fortfaferen unb bem Patienten gerabe fo viet bavon geben, als zur Srfealtung feiner Kräfte notfe* wenbig fefeeint. Hierauf möge man ifem Heine Quantitäten Hütjnerfuppe ober 9lußernfuppe ober anbere milbe unb leictjtverbautidje «RaferungSmittel geben unb fefeen, ob fein Magen biefetben vertragen fann; wenn er bas ©enoffene nicfet wieber auswirft, fann man zu feoffeu anfangen, baß bas „fdjwarze Srferedjen" nicfet ein* treten wirb; bocfe muß man mit bem «Jteidjen ber «Raljruug fetjr vorßdjtig zu SBerfe gefeett. SBenit bas fdjwarze Srferedjen brofet, fo pßegen fpanifdje Slerzte warme Um= fcfeläge von ©enf mit Sfßg auf ben Magen iu madjen. Da iefe viel ©elegenfeeit getjabt tjafee, biefe Kranffeeit in baoana, an ber fpatti* fefeen Küfte unb om Mütetmeere, wo ße weit unb breit tjerrfdjt, zu beobadjtett, fo will iefe feier bie gewöfenlicfee «Setjanblungsweife ber fpanifefeen Slerzte angeben, ©ie beßefet in ber «ilnwenbuug milber unb fräftigenber Sarirmittel, wie beS boppett wein« ßeinfauren Kall (Sremor Jartari), unb ©etränfen, wie Jamarinbeitwaffer, Simo* nabe, verbannte ©äuren mit Drattgetiblüttjetttfeee unb, im falten ©tabium, ©ettf= bäber. Die fpanifdjen Slerzte ßnb burdjaus gegen bie Slnwenbung von Quedßlber «nb Slberlaß. £>r. glores ju Sabü, im %aX)xt 1813, verorbitete, wenn er zuerß in bem Kranfen gerufen würbe, was gewötjnlidj bes SlbenbS ober bes «Racfets gefefeab,, ein Klpßier to« Clivenöt, warme aromatifdje, bas tjeißt gewürzte ©etränfe unb ©enfpßaßer an bie 380 ©unti'S Haus-Slrzi. güße. Den nädjßen Morgen gab er ein «pulver von zefen ©ron Salomel unb \th ©ran Saloppe mü ©erßettgrüije ober mit einer Ieicfeten ©uppe; wenn nöttjig, würbe fpäter ein Ktpßier gefegt, um bie abfuferenbe SBirfung ber «Jfltbijin p unterßüjjen. SBenn ber Patient ßcfe erbraefe unb ber Magen fefer empßnbliefe war, fo würbe ba« Salomel in mefere Dofen eingetfeeilt unb in ber ©eßalt von Pillen bem Patienten attmälig beigebrocfet, bis es gefeörig auf ben ©tufel wirfte. Die golge bavon war wöfenlid) Srleidterung, 33erufeigung, Sinberung ber örtlicfeen ©djmerzen unb ©cfeweiß. S3ci bem Heranttatjett beS britten ©tabiumS würben Sfeinin, JUetfifeftip- pett, ©erßengrü^e, ©ago mü SBein u. f. w. gegeben, um bie Kräfte bes Crgani«. mus aufrecfet in erfealten. SBenn brofeenbe Slnzridjen beS fdjwarzen Grbredjens eintraten, würben Umfcfeläge von ©enf unb Sfßg auf ben Magen gemaefet unb Klpftiere von SBaffer unb ©alz gefegt. 3dj will biefe 33emevfungen mit meinen eigenen Slnßefeten über bie Kranffeeit unb itjre 33efeatibtung fdjließen. 3dj ziefec bie franzößfdje Metfeobe ollen anberen »or; biefelbe iß fefer einfadj. S3ei bem erßen Slnfatte gebe man bem Pattenten ein warme* gußfeab mit ©enf unb inwenbig feeiße Slufgüffe, von ben granzofen ptifanen genannt; bann lege man ifen iu 33ett unb bebede ifen mü warmen Deden ober wicftle ifen in wollene Deden ein, um, wo mögliefe, ©cfeweiß feervorjurufen. 3titige« ©djwitiett iß ein feauptfädjtidjeS Mittet, um ber Kranffeeit im 33eginne (Sinfealt p tfeun; rine gute Slrznei zu biefem ßwedt iß ein Slufguß beS Eupatorium Perfolia- tum (Boneset), wovon reicfellefe getrunfen werben muß. «Racfebem baS £cfewi&« ßabium vorüber iß, gebe man eine Doßs Satomet unb 3alttarantäne*93orfeljrungett zu treffen. 33eßänbig fommen ©djiffe bireft von £avana unb anbereit piäijen aus ber Jropengegettb, wo baS gelbe gieber in Jebem Safere feerrfefet, unb wätjrenb fte ifere Sabung töfdjen, geben ße bie in iferen «Räumen eingefcfeloffette faule Suft von ßcfe, bie, mit einer warnten unb feudjten Sltmofpfeäre vermifefet, balb Slnßedung unb Job verbreitet. Sluf biefe Slrt, Vorzug* liefe, wenn nodj anbere lofate Urfadjen feinzutreten, rtüßetjctt bie fdjredlidjßen Spi* bemieit in ©labten, weldje fonß ganz frci bavon fein fönnten. 3dj will mit einigen Slnbeutungen fcfeließen, bie ben vott Kranftjeit «betroffenen J« Eefeerjtgung btenen mögen. 382 ©unn's Hflus-Slrzt. 33ei allen bösartigen glefeern fefeeint ber 33ertuß ber falzigen ober erbafte^m SBeßanbtfeeite eine Haupturfadje ber völligen 3erfefcuitg ber Sebensfäfte ju fein. ^ \)aht burd) praftifefee Srfaferung gefunben, baß überall, wo wäferenb beS erßen 2ta. biumS bie geeigneten Mittel getroffen werben, bie Drgane bes Körpers burefe falte S3äber unb Umfcfeläge vor ber übermäßigen Srregung zu fcfeü^en, unb bann, nadj« bem 33erufeigung eingetreten unb ber Körper burefe noferfeafte ©peifen geßätft iß, al« vorzüglicfeße Mebizin gewiffe ©atze, wie «Jtocfeeüefalz, fofeletifaureS «Ratron unb anbere aftive ©alje bettujjt werben — bie 33efeanblung am erfolgreidjßen Iß. «Uaaj« bem idj biefe Metbobe in SBeßinbien uttb Havana bet bett epibemtfefeen gittern jenes Klimas fo oft von ben beßen Srfofgen begleitet gefefeett, bin idj ju ber lieber- Zeugung gelangt, baß eine allgemeine Slnerfettnung unb 33efolgung berfelben bie ©terfeÜdjfeü ber gieberfrattfen iit feeißen Klimaten bebeutenb verminbern würbe. Ss fann aus ber Stfatjrung nadjgewlefen werben, baß Patienten, bie bei Slnwenbung jener falten SBafetjungen ßdj ganz felbß überlaffen werben, eine beffere Sluaficfet auf ©enefung feaben, ats bü mü 33recfemitteln, Salomel, Sttttimottlum, Dpium, Mint« ralfäuren uub anberen gewaltfamen Mitteln SSetjanbelten. Diefe Mebijinen, weil entfernt bavon, zu ttü^en, vermeferen nur bie Seiben beö Kranfen; jebenfaüd ver« mefereit fte bas Uebel, gegen welches ße angewenbet werben, unb ifenen iß großen« tfeeits bie ©djutb ber großen ©tetbtiefefett in feeißen Klimaten beizumeffen. Der Srfolg ber einfadjen Metfeobe wirb feeftätigt burefe Dr. ©eorge SBiflia« ©tebman unb anbere Slerzte in ©t. Jfeomas, ebenfo burefe Dr. ©reatrer in Jri- nibab, ber bie Dfeeraufßdjt beS Militärfeofpitals auf jener 3nfel ju einer jeit featte, als unter ben Jruppen bebeutenbe Kranffeeit feerrfdjte. Dr. ©. beridjtet, baß von breitjunbert unb vierzig gätten von gieber, bie in ber angegebenen 21tl befeanbelt würben, nicfet ein einziger töbtliefe, enbete; obgleicfe Jrinibab al« tine ber ungefunbeßen ber weftinbifcfeeit 3nfetn gilt. Mit biefen praftifefeen 23emer« fungett fei biefer ©egenßanb gefdjloffen. @nt$ünblidje$ $ i e ö e r. Dies gieber beginnt mit einem feeftigen ©djüttelfroße, bem eine ßcfe ftettg. flti- gernbe auffatteube Hi£e folgt; ber «Puls fdjlägt ßarf; es ßetten ßcfe feäußg wiebet« feferettbe ©efemerzen im Kopfe unb «Jtürfett unb bisweilen über bett ganjen Körper ein; ber «patient ift ängfttict) unb unrufeig unb«fein ©eßdjt gerötfeet; er füfelt ein Klopfen in bett ©djlafen, unerträglicfee Hlfce unb großen Dürft, ber ßcfe burefe niebi« ftitten läßt. Die 3itnge wirb mit einem weißen Pelze bebedt; ber Puls fteigt auf neunzig bis zu eintjunbert unb breißig ©efeläge in ber Minute; feefdjleunigtta ebet bebeutenb erfdjwertes Stttjmett; Uebelfeit im Magen; bie Haut iß feeiß unb troden; bie Slugen ßnb entzünbet unb fönnen baS Sicfet nidjt vertrogen; ber Urin iß fparfam, von bunfler garbe unb läßt einen rotfeen 33obenfa£ fatten; ber ©tufel iftfebroet' ßopft. ©egen Slbenb ober beS «RacfjtS tritt gewöfenlicfe rin «Radjtaß bes gieber« ein. Diefes gieber verläuft gewöfjnltd) in vierzefen Jagen unb enbet mit fogenannte« fritifdjen Siusfdjeibutigett; entweber tjefttgen ©efeweißen ober Durchfall, ober 81«' tungett, vorzügllcfe, «Rafettfetuteit, ober reidjltdjeit Urinentleeruttgen, bie ben erwafe«' ten rotten 33obertfa& b,aben. SBenn bie Kranftjeit nidjt in biefer SBeife wi *» SittzüitbltdjeS gieber. 383 Äörper entfernt wirb, verwanbelt ße [id) leidjt itt ein «Rervettßefeer uub muß nad) ben bei bem JppbuS angegebenen «Jtegettt befeanbelt werben. Die Urfadjen biefer Kranffeeit ßnb: «piö^lidjer Jemperaturwedjfet; Srfältung burd) plö^liefee Unterbrüdung beS ©cfewrißes; übermäßiger ©enuß geißiger ©etränfe; bäs Jrinfen falter gtüfßgfeiten, wenn man erfei^t iß; feeftige Seiben* fcfeaften; Slufentfealt in ber ©ottttettfei£e; äußerlicfee Stüzütibuttgett; feartnädige Seibesverßopfung; 3urüdtretben ober 3urüdtreteit von HautauSfdjIägen; unb, bei grauen, feäußg bie Unterbrüdung bes monattidett 33lutes. 33 e fe a n b l u n g.— 33el ben atten Slerzten würbe im 33egiitne biefeS, fo wie jebes anberen regelmäßigen gieberS, ber Slbertaß für unfeebingt notfewenbig gefeal* ten. Slber feeutigen JageS nimmt man nur nocfe feiten feine 3ufütcfet bazu, wenn nicfet gerabe bie Hi£e, ber Dürft unb bie Heftigfeit bes «PulfeS ungewöfenlicfe groß, ober ber Patient befonbers vollblütig, ßarf, musfulös unb babei von gefünber Kon* ftitution fein fottte. 3cfe Ijafee wäferenb einer langen «PrariS gefunben, baß hti folefeen Perfonen einige Slberläffe gteidj zu Slnfang atterbings große Srleidjterung fdjaffen; bocfe, muß ßcfe bie Menge bes entzogenen 33tuteS genau naefe ber SBirfung riefeten, bie baburefe feervorgebradjt wirb, ba ber Sine ben 33erluß einer großen Quantität ertragen fann, wäferenb ber Slnbere wenig ober gar fein überßüfßges 23tut ju verlieren feat. SBie in jeber anbere« 33eziefeung tjat ßd) aud) feieriit bie Metfeobe ber Slerzte wäfe* renb ber legten Safere fefer geättbert, unb 33Iutentziefeungen gefeören je|ü iu ben fei* tenen Mitteln. Kalte SBafcfeuttgett, inbem man bett Körper vermittelß eines ©efewammes ober ausgewunbener Jücfeer mit faltem SBaffer ober einer Mifdjuitg von SBaffer unb Sfßg abreibt, unb bazu falte Umfdjläge auf ben Kopf ßnb iit ben meißen gätten feintet cfe enb, um bte giefeerfeiije zu mäßigen unb bas Sintretett beS ©tabiumS ber Slusfcfeeibung zu beförbern, ofene baß unattgettefeme ©pmptome zu befüräjteti wären. Sä feilft nicfets, ben Körper nur wenige Slugenblide in wafdjen; man muß bamit fortfaferen, bis matt ein «Radjlaffett ber ßeberfeoften Slufreguttg zu ©tanbe bringt; fonß würbe biefetbe, fobalb man einfeätt, mü um fo größerer Heftigfeit wieberfefe* ren. SBenn ber Patient bei bem ©ebraudje beS falten SBafferS unangenehmes Stößeln empßnbet, muß mau fofort bamit auftjören. SBenn bas gieber mefere Jage gebauert feat, wenn ßcfe beßänbiger ßärfer ©cfemerz unb Stitgenommentjett bes Kopfes zeigt, ober gar Delirium, bas feeißt, bafj ber Patient nictjt reifet bei ßcfe iß — fo Ijabe ictj immer bas ©eisen von brei ober vier S3futegetn an jebe ©efeläfe von großem «Rutjen gefunben; bie Slerzte nennen bies „totale 33lutetttzietjung." 3n ben meißen gälten jebodj wirb ber Kopf erleid)* tert unb ber in biefer Kranftjeit fo fjeftige 33lutanbrang verminbert werben, wentt man auf bie ©tun unb ©djtäfen Jüdjer, bie in SBaffer unb Sfßg geträttft ßnb, legt unb bie angegebenen allgemeinen SBafcfeuttgett vornimmt. Die vorzügtidjße Slufgabe iß, bie übermäßige ©tärfe ber 3üfulation ober bes 331utumlaufs iu min* bem unb babei gleicfezeitig bie Poren ber Haut in öffnen, bie Urinerzeugung zu vermeferen unb bie SSerßopfung in entfernen, gür biefen ßwed tjabe id) Ijäußg Specacuanfea verfeferieben; es mu[} in fleinen Dofen von ein bis anbertfealfe ©ran. mit etwas 3uderwaffer ober ©prup vermifdjt, atte zwei ©tunben genommen werben. SJcan barf es Weber in ju großen Dofen geben, nocfe in lange bamit fortfaferen ba 384 ©utttt'S Haus* Slrzt. es fonß Uebelfeit feervorruft. 33orßcfetig unb in geeigneter SBeife ongewanbt, fcfelägt es Ijäußg baS gieber nieber, berufeigt bie «Rerven, entfernt bie unangenehmen Smpßnbungen unb bringt ©djlaf. Sitte erbifcenben ©acfeen, befonbers reijenbe unb beraufdjenbe ©eträttte, muffen im erßen ©tabium beS gieberS forgfältig vermieben werben. Sine Doßs fräftiger fattjartifefeer «piüen, ober beS antibiliöfen Pulvers, ober tin Pulver beßefeenb aus zwei ©ratt «Pobopfepttin unb vter ©ran Septanbrin follte mit einem Jtjeelöffel vott Sremor Jartari gegeben werben. Sine Doßs ©enna unb Spfomfalz iß gleichfalls ein gutes füfelenbeS Slbfübrmittel. Kräftige unb fäfelentc «Purgauzett erleidjtern nicfet nur ben Kopf unb ßeuern ber allgemeinen fteberfeaften Slufregung, fonbern verfeütett aud SMutanbrang nadj ber Sunge unb ber Stber, wenn man ße mit Untßdjt anwenbet. Sarüenbe Ktpßiere ßnb ebenfalls in empfefelen; ferner füfelenbe ©etränfe, nute Süftung beS KranfenzimmerS unb teictjte 33ebedung. Der Patient mujj rufeig gefeolten werben, fein ©eräufdj barf ifen ßören, unb bas 3imuter muß bunftt fein, ba bas Sidjt in biefer Kranffeeit gewöfenlicfe ben Slugen unattgettefem iß unb ba« ©eljirn angreift. Diapboretifcfee, bas feeißt fdjweißerregenbe Mittel, inbem ße bas 33Iut naaj bet Dberftädje treiben, erweifen ßcfe vom größten «Ruthen bet biefem fontinuirlitbem gieber. SBie ße zu bereiten ßnb, ßefee unter ben Rezepten; man wirb bort ©piri« tus Minbereri, biapfeoretifdje Jropfen, Dover'fcfee «pulver unb Slntimonial-Pulttt ßnben, welcfee atte eine fcfeweißtreifeenbe SBirfung tjaben. Die Doßs ßefee auf bn DoßrungS-Jabette. Das warme 33ab iß von vorzüglichem «Ruthen, um bie SBirfung biefer «JMI;inen ZU unterßü^en. 3n mandjett gätten ift es feinreiefeenb, ein warmes gußbab p nefemen unb bazu reiefelid warmen Jfeee von ©alvei, glieber, Meliffen, Gptjeu, glaajsfamen, S3otiefet ober «pennpropal zu trinfen, bem etwas verfaßte ©alt-eltr. fäure (Spiritus Nitri Dulcis) gugefe^t iß, um ©cfeweiß tjervorjurufen. Man merfe ßcfe, baß es bei jeber Slrt entzünblittjen gieberS beffer iß, bte Perfo- ration burdj einfadje Mittel feervorzufoden, ats ße auf gewaltfame SBeife ju erzwingen. SBentt biefe Metfeobe ridjtig angewenbet unb von günßiger SBirfung begleitet wirb, fo wirb bie Hifce fefer balb verminbert, bie Haut wieber weid), ber Kopf erteicfetert, bas «ptjantaßren vertjütet unb ein 3ußanb ber «Rufee unb erqmdenber ©efetummer feerfeeigefüfert. SBentt ßcb, rine foldje SBenbuttg zeigt, fo fattit man ßdjer fein, bett richtigen Sty eingeptjlagen in feaben. S3ei giebern ©cfeweiß burdj reizenbe unb erbtfcenbe fflirtw Zineit erzeugen zu wollen, ift entfdjieben fdjäbtid,. Sbenfo macfet man bit Satte fefe,timmer, wenn man bett «Patienten mit warmem 33ettzeug überlabet; bie« erbebt bie Härte unb Heftigfeit beS «PulfeS, erfajwert baS Slttjmen nocfe mefer, bringt *cw fefemerz unb Delirium tjervor unb macfet ben «Patienten fränfer, auftatt Srteidjterung ZU fdjaffen. ., 33isweifen wirb es freiliefe nötfeig, zur Slnwenbung fünßtiefeer SBärme p atemn, um ben 23iutumtauf gleichmäßig zu madjen unb ©cfjweiß z« erzeugen, ättlen» e ju viel Umftänbe maefe,t, ein warmes S3ab zu geben, fo nebme man b,eiße3i^'FB' auf bie man SBaffer nnb Sfßg gegoffen, widele fte iit glanett ober SKoUenjeug« SntzünblidjeS gieber. 385 lege ße an bie güße, zwifdjen bie 33eine, an bie ©eiteit uub unter bie Slrmfeöfelen unb bebede bett Patienten fo, baß ber Dampf nidjt entweihen fann. Dies wirb gewöfenlicfe jietnlidj fdjnett Srfcfelaffung ber Haut unb «Perspiration zur golge tjaben. Dodj muß man zu unterfcfeeiben wiffen unb biefe Mittel nicfet in gätten anwenbeit wo ßcfe, wie in fr tt erftett ©tabiett bes «Rervett* uub ©djartacfeßefeers unb audj oft in biefem gieber große unb ouffattenbe Hi£e ber Dberflädje bes Körpers ßnbet; es würbe feier nicfe ©cfeweiß feervorrufen, fonbertt bas gieber vermeferctt; in biefen gälten feabe'icfe frlte Söafdjuitgeit viel zwedmäßiger gefunben. Das erfcfewerte Sttfemen, bas wütfeenbe Kopfwefe, bie SSetäubuttg, bas Delirium u. f. w., fo feäußg im «Verlaufe biefer Kranffeeit auftretenb, ßnb ©pmptome, baß bie betreffenben Jfeeile bes DrganiSmuS befonbers angegriffen ßnb. 3n folcfeett gälten wirb ein 33lafenpßaßer auf bett befallenen Jfeeil, ober in bie «Jtätje beffelben gelegt (alfo bet 33rußbefleminungen auf bie 23ruß, bei Kopffdjmerzen in bett ^ladtn u. f. w.j, meiftenS fdjleunige Srleidjteruttg fdjaffen. 33ei Kälte ber ©liebmaßett unb ßnfenbem Pulfe ßnb ©enfpßaßer, mit Sfßg angerüfert, auf bie SBabett, bie Inneren ©cfeenfelßäcfeen, bie gußfofelett unb bteHaubflädjeit von bem größten «Rujjett, um bas ©leicfegewidjt ber 3ütulotiott feerzußetteit unb franffeafte Kottgeftioneit in tntfernen. 3n allen gätten biefeS gieberS feerrfefet eine Ueberfüttung ber 33tut* gefäfje; bie Slbertt ber Stugen ßnb rott), bas ©eßcfet gefcfewotten unb bie Slugapfet felbß oft anfdjeinenb vergrößert; bie Kongeßiott erzeugt ebenfalls ritten aufgeregten unb oft verwirrten ©eißeSzußanb. Die «ptjantaßeit folgen ßefe fdjnetler, ber Kranfe fpridjt feaßig unb unzufammenfeättgenb, feine ©timmung iß gereizt, unvernünftig unb oft feeftig unb gewalttfeätig. Hier ßnb 33tafenpßafter burdjaus notfewenbig unb feaben audj gewöfenlicfe ben Srfolg, fobalb ifere ftimulirenbe SBirfung beginnt, 33erufeigung unb ©djlaf ju erzeugen. Die milberen ©pmptome ber Kongeßiott ober bes 331utanbraitgeS laffen ßd) gewöfenlicfe burefe purgtrenbe Mittel entfernen, beren geeignete Slnwenbung nadj meiner Srfaferung ben ©ebrauefe ber 33!afenpflaßer meißens üfeerflüfßg macfet. Der ©djlaf iß bei biefem gieber gewöfenlicfe unterferoefeett, uttb aus Mangel an ber nötfeigeit «Raft entßefeen Delirien. Mandje Slerzte geben Dpium, um ©djlaf zu erzeugen; bocfe iefe tjabe gefunben, baß bieS ein fefer unßtfeeres Mittel iß, ofewofel es bisweilen günfiig wirft; wenn es nidjt berufeigt, fo ßeigert es bie Delirien. 3n fotdjen gäl- ten wirb ein mit Hopfen gefülltes Kopffiffen, ober ein Slufguß von Hopfen, getrunfen, gewöfenlicfe ben gemünfdjteit Sffeft feaben. 3n meiner Srfaferung feat ßcfe Kampfeer als eitt ganz vorzügliches Mittel bewäljrt, um ©djlaf feervorzubringett, wentt alle anberen Mittel fetjtfdjtageit. Die «Rufee, bie Veiterfeit unb felbß bte vorüfeergetjenbe Srleidjterung, bie feiner Slnwenbung folgen, macfeen ifen *u einer wirf liefe, wertbvotten Slrznei, Die gorm, in ber er gereidjt wirb, iß bie ßampfeer=Miriur ober bas Kamptjer*«Pulver. (©ietje Rezepte unb DofirungS* Jabetle.) SBenn bies gieber ben angegebenen Mitteln nictjt wtidjt unb einen tpptjusätjtt* Heben Sfearafter annimmt, fo fdjlage bü unter jenem Jüel auSeinanbergefe^te Sefeanblung eitt. SBäferenb ber ©enefung muß eine vorßdttge Diät beobadjtet werben. Sin Uebertabenbes Magens iß ßreng zu vermeiben; ttur tridjte, teictjtverbautidje unb noferfeafte ©peifen bürfen genoffen werben; man fudje bie frifdje Suft au[; madjt. 386 ©unn's Haus-Slrzt. ßdj mäßige Bewegung zu Pferbe, fofere ober gefee fpazieren, featte ßdj in angertebmef ©efettfcfeaft auf, genieße ein wenig guten SBein ober «Porter — wenn ber OTaaien ober ber Kopf es vertragen fantt — unb feüte ßdj vor atten Urfadjen, bie einen SRücf« fatt erzeugen fönnen. Söenn ber Slppetit tttefet fdjttett genug wieberfefert, ober etwa« S3erbauurtgSfcfewädje zurüdgeblieben fein foüte, wirb es notfewenbig fein, burefe bit- tere Mittel ben Magen unb bie 33erbauungsfräfte iu ßarfen ; wie man einen guten „SMttern" bereuen fann, ßefee «Jtezepte. Der ©enefenbe wirb oft, nacfebem ifen ba« gieber fcfeon verlaffen X)at, von Hußen, «Radjtfdjweißen, reizbarer unb launiger ©emütfesßimmung, einen unregelmäßigen, oft übermäßigen Slppetit geplagt. Ziti ßnb nur 3eidjen ber ©djwädje, welcfee mü bett attmälig micberfeferenben Kräften von felbß verfcfewinben. ©ute «Pflege unb aufmerffome «Jtüdßcfet auf bie S3ebürf- niffe beS Kranfen tfeun oft SBunber in feiner SBieberfeerßettuttg; wäferenb im ©egen« ttjetl 33ernad)läfßgung unb Mangel an gewöfeitlicfeett 23eqttemlldfeiten oft einen töbtlldjen StuSgang verantaffen. 3« ben leijten ©tobten bes entzünbUcfeen gieberS iß es ßdjerer uttb fdont bie Kräfte bes Kranfen ungemein, wentt man ßatt ftarfer «Purganzeit mitbe Klpftiere gibt. Sitte Hattbvott ©alz, In einer Pinte warmen SBafferS aufgelöß, vieüeidjt mit Hinjufügung von etwas MolaffeS, etttfpticfet bem 3wede ebenfo gut, als bie metften zufammengefejüett Klpßiere. SBenn ber «Dtagtn in einem fo reizbaren 3ußanbe iß, baß er feilte ©peifen bei ßcfe befeält, pßegt man gleifefebrüfee, Mild), @rü£e unb anbere noferfeafte glüfßgfeiten bem Kranfen burefe Klpßiere beizubringen; burefe bte 3utfeat oon etwas Jfeee ober fünfjefen Jropfen Saubanum verfeütet man, baß ße fofort wieber abgefeen. Ss iß vorgefommen, baß Kranfe auf biefe, freiliefe, etwas müfefame Strt, Jage, ja SBoajen lang am Seien erfealten würben, bis bie ©efunbfeeit wieberfeferte. 3n manefeen gätten biefeS gieberS ßetten ßefe, gegen bas Snbe faß beßänbige gal- lige Durcfefätte ein, bie allen Mitteln zum Jroti nictjt wetefeen, bis bas lieber jut Stttfdjeibung fommt (bie „Krtßs" eintritt). SBenn biefe Diarrfeöe nicfet übermaßig feeftig iß, iß eS nicfet nötfeig, ße burd) geroattfame Mittel zu ßopfen. Sa iß beffer burd) Klpßiere bagegen anzufämpfeit, betten man fünfzetjtt bis zwanzig Itopfei Saubanum ober einen Slufguß von geriebenem Kampefdjenfeolz jufefct. Severe« iji eines ber beßett uttb babei uttfdulbigßetw„aßriiigirettbeit" ober zufammenjiefeenben Mittel. Dofen von einem ©ran 3inffulp(jat (weißem SMtriot) ober »feijufa (efßgfaurem Stet) in ber ©eßalt von «pitteit ober in Slußöfuttg ßnb ba angebradt, wo ein etwas ßarfenbeS Mittel erforberliefe iß. Kleine ©oben von «Rfeabarber mit Magneßa ßnb oft von SBirfung, wenn anbere Mittel fefelfcfelagen. $te ^rognnfe Bei Wiener tt. Die «Progitofe bei gleberit, baS feeißt bie «DorauSfage ober Meinung über ifere« Stusgatig, welcfee ßcfe auf bie KrattfferitSerfdjrinungeti ßüfct, fann entwebet flunfttj ober ungünßtg fein. «SBenn ber Sefer aufmerffam fein will, fo wirb er in golge»' bem mandje beleferettbe SBittfe über bie Kunß ßnbeit, vorauSzufagen, wie bie Ära« ♦ feeit ßdj geßalten uttb ob ße itt Job ober ©enefung enben wirb. Xiefe Kenntnis' natürlicfe fetjr widjttg für Semanben, ber aus ber Mebizin fein ©tubium an»« • nnb feine vraftifdje ärzttidje Srfatjrung Ijat. Die «progttofe bei gtefeem. 387 3uerß einige SBinfe über bie Merfmote einer bevorßebenbett („im Körper ßedeit* fcen") Kranffee'.t. Sine bevorßefeenbe Kranfbeit läßt ßcb, vorausfagen aus bem ©eßdjtsausbtude, ber Sebensweife, bem SBecfefel in ben täglichen ©ewofeitfeeiten uttb 33efcfeäftigungett unb ber frttifefeen SebenSpertobe. SBenn man bemerfen fottte, baß eilte bisljer fdeittfear gefunbe Perfoit bteicfe uttb matt wirb, bett Slppetit uttb bie gute Saune vertiert, Unrufee unb Unbefeagert zeigt unb an ©cfeloßoßgfeit leibet, fo fantt man mit gutem ©runbe fcfeließen, baß eine Kranffeeit im Slnzuge iß. SBentt ftcfe, biefe Srfcfeeinungen attmälig entwideln unb babei bas ©eßcfet eine gelblicfee gärbung annimmt, fo ift es wafetfdjeittlicfe, baß ©todun* gen in ber Seber ßottßnbett; wenn biefe Stttzeidjett fdjnett lommen, mü gelegene* licfeen gelinbett großfdüttettt, fo brofet ein gieber; wentt bes SlbenbS zu einer beßimmten 3eü regelmäßig tin reguläres, letdjtes gieber wieberfefert, mit Slttfätteit von Hußen, fo brofet ein feeftifcfeeS gieber; ein feeftigerer großfcfeauer, bem feebeu* tenbe Hifce folgt, zeigt ben 33egiittt eines fontittuirticfeett ober erttzünblicfeett gieberS an; wentt bas ©eßcfet feoeferott) iß unb bie Slugen entzünbet ausfefeen, fo beutet bieS unverfennfear auf S3lutßodungeit unb Stnbrang naefe bem Kopfe; atte biefe ©pmp* tome entßefeen feäußg aus Uebeln, weide eine freie 3üfulation beS S31uteS burefe bie Sungen verfeinbern, fo boß ber 3ußanb biefes Organs unterfuefet werben muß, um ein Urtfeeit über bie Kranffeeit fällen iu fönnen. Diefe ©pmptome erißiren oft nebeneinottber unb fteigertt ßcfe gegenfeitig. Hefti* ger Kopffefemerz an einer beßimmten ©teile, iit unregelmäßigen 3tt,ifdjenräumett wieberfeferenb unb gewöfenlicfe burefe jebe Urfacfee, welcfee bie 3üfulation feefdjleunigt, veranlagt, pßegt anzuzeigen, baß ber freie Umlauf beS 33luteS burefe biefeS Organ an einer beßimmten ©teile gefeemmt ift; bie golge bavon äußert ßdj in Konvulßo* nen ober Krampfanfätten, bisweilen in SBatjnßtttt, feäußg itt ptöfjlidjem Job, wie bei Sipoplerie ober ©djfagfluß. Sine unnatürlidje gütte bes Magens unb beS 23audjeS iß ein ßefeeres 3eicfeett, baß Slnfeäufungen ßattßnben; burefe 23ergletefeung mit ben begleitenben ©pmptomen läjjt ßcfe entfefeeiben, ob es ©todungen in ben Singemetbett (ber Seber, Milz u. f. w.) (inb, ober Slnfammlungen bes DarminfealtS ober bloß franffeafte 33Iäfeungett. Die Sebensweife eines Meitfdjett leitet uns oft barauf, ein fommettbeS Seiben im Voraus in erfennen. «Spätes Slufbleiben wirb nur vott SBenigen ofene «Racfetfeeil ertragen; in ben Hauptfolgen gefeörett ©todungen in ben Drganett bes Unterleibs, unb wentt babei geißige ©etränfe genoffen werben, fo pflegt bie Seber afßzüt iu werben. Die ß^enbe Sebensweife beS ©eleferten fütjrt triefet ©attettatttjäufung uub 33er* ßopfung berbei, nebft bem ganzen ©efolge feppodjonbrifcfeer ©pmptome. tlebermaß itt Sffen unb Jrinfett läßt uns Kranffeeiteit bes Magetts unb in 23er- binbung bamit feäußg Seibett beS Kopfes vorausfefeeit; gewötjnlidje gereefete S3ergel* tung für Ueberlobung bes Magens ift 33ertuft beS Slppetits. 53einafee jebe Sebenslage verträgt ßctj mit ber menfefetiefeett ©efunbtjeit, wenn man nur genug frifdje Suft tjat, mäßig iß unb ßdj bie nöttjige S3eweguug madjt. Daß auf (entere 33ebingungeit nidjt genügettb geaefetet wirb, iß bie 33eranfaffuttg atter mögfidtjen Kranffeeiten, allgemeiner ©djwäcfee, ©cfywtnbfudjt u. f. w., bie man teidjl »oransfetjen unb burefe eine Slenberung iit ber Sebensweife vermeiben fantt. 388 **»*• '* üou«e9Jrjt. 33eränberte ©ewofenfeeit unb Umgebung wirb feäußg zur Quelle manniajaltlqei Kranffeeiten, bie wir oft vorfeer erfennen, unb gegen bie wir uns bisweiltn »ollfem. mett fcfeü^en fönnen. «piöljlicfee Sntfealtfamfrit nad) einer üppigen Sebensweife, unb baö ©tgrntbril bavon, ßnb feljr Ijäußg Kranffeeitsurfadjert; im erßeren gatte burefe «JRangel an ben nötfeigeit «Jleizmütefn, im zweiten gölte burefe übermäßige Srregung. Qine ß^ettbe Sebensweife, nadj einer ttjätigen, veranlaßt oft Mattigleit, ©cfewädje gebrüdte ©timmung unb Unterleibsßoduttgen; bas ©egentfeeil verurfadjt jwat auefe zuerß Mattigleit unb Srmübung, bod) fpäter vermeferteS .Uraftgefiifel unb ©tärfe. Die fritifdjen SebettSperiobeit erforbern äußerß genaue Slufmerffamfeit, wenn wit uns ein Urtferil über verfdjtebene Kranffeeiten bilben woüen. SBenn ffropfeu« löfe Seiben nicfet in ber erßen SebenSperiobe gefeeilt werben, fo iß wenig Sltwficfet auf eine Kur. Daffelbe läßt ßd von ber Spilepße (gattfudjt) unb bem St. S3cit's lanj fagen. Die fritifetje Periobe beS weiblidjen ©efcfelecfets iß efeer in bem Slufbörtn, als in bem Seginneber Katamenia (monatlicfeen Steinigung) ju feben. SBenn aud) im 33eginite eine Unterbrüdung ßattßnbet, fo füllt ßcfe bocfe frütjer ober fpäter, wenn ßcfe nicfet feeftifefee ©pmptome bazu gefetten, bas regelmäßige Unwofelfein ein. Die «Periobe beS SluffeörenS bagegen, wenn Ifer nicfet reiefellcfee unb freie 33lutungen wer« ausgefeett, läßt auf eitt weniger gefunbes Sllter fcfeließen. 3nbem wir uns eine Slnficfet über Kranffeeiten bilben, ßnben wir bie beße Selefe« rung in ber S3eobadjtung beS 33lutumlaufeS unb ber «Jtefplration; ober tvai Sltrjte unter ber animalifcfeett unb uatürlitfeen SebenStfeätigfeit verßefeen. Die baraus gezogenett ©djlüffe wollen wir in golgenbem zu erflären verfuefeen. Die SebenStfeätigfeit gibt ßcfe feauptfätfelicfe burefe ben «Puls zu erfennen. Der «Puls he[kx)t in ber abwecfefelitben 3ufammeitziefeung unb Srweiterung Ut £erjen« unb ber Slrterien (©tfelagabern). Durcfe bie Musfelfraft beS Herzens, welcfee« rote eine Strt Drudpumpe arbeitet, wirb bas S3lut burefe alle Jfeeile bes Körpers getrieben. 53ei bem güfelen beS «pulfes ift bie größte Slufmerffamfeit nötfeig, ba man leid)! getäufefet werben fantt, wenn man nidjt bamit vertraut ift; bocfe ift es nicfet fcferotr, ßdj bie nötfeige ©efdjidlidjfeit in biefer Strt ber Unterfutfeung anzueignen, wenn man unfere Slnwetfuttgeit befolgt. 3uerft alfo muß matt bei ber 33eurtfeeitung ber ©tärfe ober ber ©cfewädje Ui «Pulfes baS ©efdjledjt, bas SebenSatter unb baS Jemperament beS Patienten in S3etradjt ziefeen. S3ei grauen gefet ber «Puls fdjnetler, als bei Männern; bei Seuten von fanguinifefeem fdjnetler, als bri Seuten von melanctjolifdjem Jemperamente; in ber Sugenb fdjnetter, als im Sllter. Der «Puls ber Kinber wäferenb bes erßen SebenSjafereS iß von feunbert unb adjt bis feunbert unb zwanzig ©efeläge in ber Minute; wäferenb beS zweiten %ax)xti »cn neunzig bis feunbert unb aefet; im britten Safere »ott neunzig bis feunbert. 3?c« biefer 3eit bis zum ßebenten Safere iß wenig Unterfajieb; aletann fallt tte ©efdjwinbigfeü auf fünf unb ßebenzig; im adjteit Safere ift ße faum mefer a« fietw». jig. Kranffeeit unb anbere Urfacfeen bringen feierin große Slenberungen feer»«- «Racfe, einer vollen Mafelzeü, ober nadj ©enuß eines «Reizmittels, iß ber Pul« befcbleu- nigt, ebenfo- nadj ftarfer Bewegung ober ©emütfesaufregung. Seim 3tefeen tfi« fdjnetter, als beim ©ifcen, unb beim ©t£en fdjnetter, als beim Siegen. Die «prognofe bei giebern. 389 «Bei fepßerifd;ett Patienten fdjtägt ber «Puls mit großer ©efefewinbigfeit, aber ofene baß eine ©efabr bamit vertnüpft iß. «Bei fetten Perfonen fefeeint ber «Puls fdjwadjer in fdjtagen, weil matt ifen burcb, eine getttage feinburefe fütjlt. Dies muß matt bet Unterfudjungert itt 23erectjttuttg Ziefeen. 33ei einer mageren «Perfon fantt feltener ein Srrttjum etüftefeett, ba wir ben pulsfcfelag beutlicfe waljrnefemeit. Sin natürliefeer Puls ift von fedjSzig bis adjtzig, ober genauer gefagt, von fünf unb fedjjig bis fünf unb fieberig ©djtäge In ber «Minute. SBenit man ben «Puls füfelt, fo muß man zuerß ben ginger leife auf bte Sltterie legen, unb wenn eilt 3u?eifel eittftefet, ob ber «Puls fefewad) ift, fo brüdt man bie Slrterie mit brei ginget« ßarf iu[ammtn uub feebt bann attmälig bie beiben oberen gtnger; wenn ber Puls ßarf iß, fo wirb bei Sntfernung beS DrudeS bas S3tut fdjnett weiterfefeießen unb mit voller Kraft gegen ben unter« ginger fdjlagen; wenn ber Puls ftfewadj iß, fo wirb bie burcb, ben Drud verminberte ©tärfe nur attmälig wieberfeferett. SBenn man einen ßarfen, feßen «Puls füfelt, fo fann man es als tin 3ei *>em 3«ßanbe ber 3irfulatiott. Die «Refpiratiott ober Sltfeembewegung ift eine SebenStfeätigfeit, weldje mit bem 3uftonbe beS 33tutumlaufeS Hanb in Hanb gefet, unb von ber größten SBicfetiafo! als Merfmal, aus melcfeem man bei Kranftjeiten bas Slügemeinbeßnben bee Körpers beurtfeeiien faitn. Sitt lattgfameS, volles unb tiefes Sttfemen beutet auf Starte unb barauf, baß bie nötfeigett Sebensorgaite (Sunge, Herz u. f. w.) unverlefet ftnb; e« ifl unter allen Umftänbe« eilt tjödjft güttftigeS äeicfeeit. ©cfewaefee, leiefete unb unui< länglicfee Sltfeembewegungeit zeigen gewöfenlid ©cfewäcfee att; ein erfdjroerted,erftieftes Sltfemett beutet auf ©todungeit; ein befdjleunigteS auf franffeafte «Jteijung wicb> ger Jfeeile. Das „ftertoröfe," laute Sttfemen, weldjes fidj wie ^efenarefeen anfeört, zeiai, *4 SBewußtlofigfeü unb Drud auf bas ©efeirn vorfeanben iß; jifdjenbe unb quiefente Sltfeemgeräufcfee beuten auf Sntzünbung ber Suftröfere, mebirinifctj Jracfeea genannt; uttb bie testen Stttfüenguttgett erlöfcfeenber SebenSttjätigfeit finb von einem raffeln« ben Jone begleitet, ber von ©ctjleimanfammlung in ben Suftroegen feerrufert. Die attimalifdjert Jfeätigfeitett, bereit Sleußerungen uns in ber Prcgnofe ebet bem 23orauSerfenttett bei Kranffeeiteit uttterftü^en, ßttb: bie ©ittnestfeätigfeit (In- nung), bie Musfeltfeätigfeit uub ber ©djlaf. Heftiges Delirium (Pfeantaflrenj iß rin ©pmptom ber Sntzünbung bes ©efeirns ober feiner Häute, beutet auf ^efabt unb eine fjeftige afute Krauffeeit. Das unzufammenfeängenbe, getinbe Pfeantaft- ren, metcfeeS bei giebern von fefeteietjenbem Stjarafter vorfommt, iß fein ipmptcni großer ©efafer, außer wenn es fdjon in ben erßen ©tabien beS gieberS eintritt. SBei atten anberen Seiben iß es gefäferiiefe unb zeigt, baß bie unregelmäßige Stufte. gung von ©tfewäcfee ober Srfcfeöpfung feerrufert. SBentt eS^nadj tern Sluffeoten gieberS fortbauert, otjne baß es offenbar von feerrfefeettber ^cfewäcfee verurfaept» , bantt feat man guten ©runb, eine organifaje S3erle^ung beS ©efeirns ju »etmu pw, namentlicfe wenn bei bem «beginne beS Seibens heftige Delirien ßattgefitnbtn. aus Mangel an ©djlaf entßeb,e»be Delirium gilt nidjt für gefaferltd); Die «Prognofe hti gieber«. 391 anfealtettbe ©djtaßoßgfeit wirb gewötjttttdj vott einer fdjteidjenbett Sittzüttbuitg beS ©efeirns veranlaßt. SUtgemeine Uttrufee iß ein ©pmptom berfelbe« Slrt. «Bon ben äußeren Sinnesorganen zeigt bas Sluge bie meißen eigenttjümticfeen ©pmptome, aus benen wir ben fommenbeit Kranffeeitsverlauf erfennett mögen. SBenn ber Patient att ber 33ettbede zupft (glodenlefen) unb ftcfe einbilbet, fcfeworze glede ober Punfte zu fetjen, fo ift bies ein 3riefeen äußerfter ©cfewäcfee; eS rüljrt von einer Säfemung ber «Rejjfeaut feer, welcfee rine 33erfereüuttg beS optifcfeett ober ©efe- nerven iß. Das ©pmptom ift gefäferiid), bod) nicfet gerabe verzweifelt, ba iefe feäußg Patienten fetbß naefe Sitttretett beffelben X)abt genefen fefeen. Sin viel gefäferlicfeereS ©pmptom ift baS Doppetfefeen, WelefeeS gewöfenlicfe eines ber erßen Stitzeicfeett von £pbrocepfeatuS ober ©efeirttwafferfudt ift. SBenit bie Slugenliber zufallen unb ber Patient fte faum mit ber größten Stnßrengung bes SBittenS öffnen fann, fo tß bieS ein 3eicfeen großer ©cfewäcfee; wenn ber «Patient mit featbgeöffnetert Slugenlibertt fdjläft, fantt man auf güfettoßgfeit uttb 33etäubung fcfeließeit; es wirb bies burefe eine unregelmäßige 3ufammenziefeung ber Stugenmusfelu veranlaßt, benn bie Pupille ift unter bem Stugettlibe in bie Hötje gezogen; es iß bies ein beforgnißer» regenbeS 3eidjen. SBenn bas Sluge flar unb ttotürlicfe erftfeeitü, fantt man es für eitt fetjr günßiges 3eicfeeit fealten; aber ein unnatürtiefeer ©tanz unb rofefee, ptöfjtidje 23ewegungett bes Sluges beuten feeranttafeenbeS Delirium an. SefjüreS tritt aud) gewöfenlicfe, ein, nacfebem ber Patient einen ßarren, ftrengett S3tid, als ob er bas Sluge auf einen beßimmten ©egenßanb gefeeftet tjielte, gezeigt feat. SBenn ßdj am unteren Slugentibe, naefe ber innere« Sde bes Stuges zu, ein fdjwärzlicfees Slnfefeen zeigt, fann matt auf große ©cfewäcfee bes DrganiSmuS ftfelte* (jen. SBenn Patienten in giebern ßcfe über ©eräufefe iu ben Dfereit beflagett, feaupt* fäajlicfe bei fcfewäcfeliefeen «Jcaturen unb atten Seuten, muß man einen 3ußanb ber Srfcfeöpfung vermutfeen; wentt ßcb, baS ©eräufefe fefeou im 33egttttte bes gieberS jeigt, iß es baS 3eiefeen einer tangwierigett unb feattnädtgen, üietteidjt feeftigett Kranfe feeit. SBentt baS ©etjör unttatürlitfe fefearf ift, zeigt es große Srregung beS ©e* feirns an unb iß oft ber «Vorläufer feeftiger Delirien, ©roße ©cfewäcfee, bie ftcfe bis ju Dfenmaefeten ßeigert, bei bem Slnfatte eines gieberS, ift ein fefer fdjlimmeS 3etdjen; wenn ßcfe 3rrereben bazu gefeilt, iß bie ©efatjr groß. Sßenn ßd) am zefenten ober zwölften Jage eines gieberS ber «Patient oljne Hülfe Im 33ette aufridjten, aufrecfet ftjjett uttb von einer ©eite auf bie anbere legen fantt, ßnb feine Sütsßcfeten gut. SBenn fein ©djlaf ruljtg unb erfrifefeenb ift, iß es immer ein günßiges 3etdjen; wenit fein ©djlaf geßört ift, er oft auffäfert, feaßig fpridjt, Zufammenfcferedt, als ob ifem furdjtbare 23ißonett im Jraume erfefeienen, obgleid) er ßcfe feiner gurefet bewußt iß, fo ift es von übler S3orbebeutuitg. Slllzutiefer ©efelaf iß an ßcfe felbß eine Kranffeeit unb zeigt gewöfeitlidj, baß tin bebeutenber Drud auf bas ©efeirn ßattßnbet; bod) zur ßtit einer Krißs, bas feeißt, wenn ßdj bie günßige ober ungüttßige SBenbuitg beS gieberS etttftfeeiben foll, iß tiefer ©efelaf, mit einem Weidjen, mäßig tangfamett «Putfe unb weidjer, feuefeter baut ein günßiges 3eicfeen. «Racfe einer Krifis, ober bem SBenbepunfte bes gieberS, ift tiefer, langer unb antjaltettber ©efelaf nidt gefäfertiefe, außer wenn ßcb,, was bie Slerjte © t e r t o r nennen (ein fd)nardjenbeS ©eräufefe hti erfdjwertem Slttjtnen), ttnßettt unb ber Puls unnatürtid) unb faum fütjlbar iß. 392 ©unn's Haus-Slrzt. S3ei giebern verfdjwittbet ber Slppetit gewöfenlicfe fofort, unb bet fetftigerÄranfbül iß es nicfet gut, baß er bleibe ober zu balb wieberfefere. Die 3ungc iß ein fefer wicfetiges SlusfunftSmütei. SBenn ifere Dberßädje wcip belegt iß, iß es ein 3eidjen von gieber; wentt ße weiß unb troden iß, zeigte«tin emfttidjeres gieber an. SBäferettb baS gieber fortfdjreüet, wirb ber 33eleg zuerß bräunlicfe, bann bunfcl- braun unb oft felbß [djwaxi; bte 3unge iß babei gewöfenlicfe feart unb troden. ©o lange bie 3tänber ber3unge rein bleiben unb ifer natürlidjeS getupfte« 3lu«« fetjen befealten, iß wenig ©efafer vorfeanben; unb iefe feabe in ber Jfeat gteber in Huttbertett vott gätten unter meiner «Befeanblung einen günßigen StuSgang netjmen fefeen, felbft nacfebem bie 3uttge Jage lang bunfel, troden, braun ober fogar fcferoarj War. SBenn bie 3unge im «Verläufe beS gieberS bisweilen plö^lldj rein unb von auffattenber «Jtöttje erfdjeint, fo zeigt bies, boß bas gieber längere 3eit anfealten wirb. S3ei alten Seuten unb fdjwädjlidjett Konftitutioneit iß ber feintere Ifeeil bei 3unge oft von «Ratur fdjroär^lid) unb fann bafeer leidjt bei ber Unterfuefeung tau« fefeen. Sin ©efüfel ber ©djwere Im Magen rüfert entweber von uttverbauliefeen ©peifen feer, ober von einer Slnfeäufung zäfeen ©efeleimeS, ober vott «JWangcl an Snergie biefes DrganeS. SBenn bie «Jützbarfeü beS Magens burefe übermäßigen ©ebrauefe von «Jteizmütetn, wie bri Jrunfettbotbett, erfetjöpft ober abgeßumpft ift, fo Zeigt ßdj bieS gleicfefaüs burd) ein ©efüfel ber ©cfewere. Srbreefeen iß gleicfefom ein verbinbenbeS©pmptom zwifdjett Seiben ber «berbauung«« orgatte unb ber SluSfcfeeibungsorgane. SBettn bas Srbreefeen feeftig unb anfeal< tenb iß, otjne baß vortjer rine ©attenanfeäufung ßattgefunben, fonn man ti alt eitt ungüttßigeS 3eidjett attfefeett, bas gewöfettlicfe von franffeafter «Reizung Ui ©efeirns X)txxüX)xt. SBenn es burefe ©atte veranlaßt wirb, ift es unangenefem unb qualvoll. Slntjattenbe Diarrfeöe iß gefätjrticfe unb zeugt von ©djwädje. Sin anbere« SrfenrtuttgSzridjett iß bie 33efctjaffenferit ber «Perfpiration ober beS ©cfeweijje«. Kalte, flammige ©djweiße entßefeen aus einer vottftärtbigett Srfdjlaffung ber Haut« porett unb ßnb im «Slügemeinen bie fietjeren S3orläufer bes JobeS. SBentt ber Urin von feodjrottjer garbe iß, oljne einen 33obenfaf* abzulagern, zeigt er ein feeftiges unb waferfcfeeinlidj langwieriges gieber an. SBenn ßdj in ber erften «Periobe von giebern auf bem Urin eine Dede ober ein Slbfdjaum bilbet, feabe iefe im Slttgemeittett gefunben, baß ße langfam unb tjartnädig verlaufen. Sei galligen giebern iß b,er Urin bisweilen von grüntiefeer ober bunffer garbe, was einen 3ußanb großer gäulniß anbeutet. Sei eferonifcfeen Kranffeeiten iß totfeet Urin, ber nadj einiger 3eü einen reidjtidjen, rotfeen, ziegelßaubartigen S3obenfa|| ablagert, ein 3eid)eit großer ©djwädje. Sitt eiweißäfenlicfeer ©dtjleim im Urin iß ein Seidjen von Kranffeeiten bet 23Iafe unb feäußg ein ©pmptom von SatculuS ober Stafenßritt. Die «Ratur ber ©tufelgättge iß voit großer SBidjtigfrit, uttb ße foüten feäuftg auf' merffam unterfudjt werben, glüfßge, flaumige, wäfferige Entleerungen, mit Wenig garbe ober ©eruetj, beuten ziemlid) regelmäßig auf ein feartnädige* gieber. SBenit bie ©tufetgange im Slnfange gattig unb von befonbers ßarfem ©eßanfe im», fo X)ahtn Mandje bies für ein ungünßigeS 3eidjen gehalten; bocfe wenn bet SlbaMfl leicht unb reidjlidj erfolgt, fo iß *$ efjer ein günßiges 3eiden. Salomel »ir»- ©djartadjfteber. 393 wäferenb beS ganzen «Verlaufes bes gieberS, feäußg foldje Entleerungen verantaffen, ba eS fräftig auf bie ©attenobfonberung wirft. SBenn ber «Patient fleine, fcfeworze. pedjartige ©tütjle feat, fo zeugt bieS von ©cfewäcfee bes Darmfanals unb bes ©alten* fpftemS; bodj wenn bie ©tüljte aus fearten Srfremeitteit beftetjett uub ofene viel ©cfewierigfeit abgetjen, iß es vott guter 23ebeutung. 3cfe fealte bte Sage beS «Patienten für gefäferlid), wenn ber natürlidje ©eßefetsaus- brud verloren gegangen iß; wemt bie Stugen fefeeinbar in bie Seere ßarren; wentt feine Slntworten unzufammenfeättgenb unb fdjwer verßättblid) ßttb; wenn bie ©tßcfetSjüge zufammengebrüdt ober gefeferumpft erfcfeeinen; wenn bie3unge bei bem HerauSftredfen zittert, vott bunfler garbe unb fefer troden ift; wenn er auf bem «Rüden liegt unb verweigert, ßd) auf bie ©eite iu wenben; wenn er im S3ette nad) bem gußenbe feittuttter gleitet; wenn bie ©tiebmaßen fatt ßttb; wenn von 3eü in 3eit ein Sluffaferen ober ßuden ber «Rerven ßattßnbet; wettit er vermeinttiefee bunfle Punfte ober gtedeit von ber SBettbede entfernen will ober einen vermeintlidjen bunllen ©egenßanb weggenommen wünfefet; atte biefe ©pmptome ßnb ßeidjen großer ©cfewäcfee unb Srfcfeöpfung, uub je efeer ße ßctj bei einem gieber einfüllen, um fo größer iß bie ©efafer. ©efer günßige ©pmptome unb 93orbebeutungett eiiteS gtüdlitfeett SluSganges ber Kranftjeit ßnb folgenbe: bü ©efidjtszüge ftnb uuveränbert, ber SluSbrud uatürtidj, ber ©eiß rutjig unb ungeftört; ber ©djlaf, wenn auefe furz unb unterbroefeett, bod) erfrifdjenb, unb ber «Patient äußert felbß, er füfete, baß er gefdjlafen X)ahe; bie 3unge iß rein an bett SRänbern; ber S3aucfe Weber gefpannt, nocfe empßnbliefe gegen ben Drud mit ben gingern; ber «Patient liegt auf eine.r ober ber anberen ©eite unb tß nidjt erfeferedt ober verwirrt, wenn er vom ©djlafe erwadjt. SBenn bas gieber von Slnfang an in ber geeigneten SBeife befeanbelt würbe, fo ßnb wenige gätte, in beneit es nictjt am zefenten ober vürzefetüett Jage eine günßige Söenbung nimmt. Durcfe S3enuj3ung biefer 33emerfungen unb ber angebeutetett KranffeeitSzeictjen wirb man, bei aufmerffomer 33eobacfetung am Kranfenbette, unb inbem man atte begleitenben Umßäitbe, wie bie Konftitution, bie Sebensweife, baS Sllter bes Patien* ten, bie Heftigfeit bes SlnfatteS unb bie vorfeergefeenbe 33efeaitbluug In 33etradjt giet)t, tn ©tanb gefejü fein, ßcb, eine richtige Meinung über ben günftigen ober ungünftigen StuSgang ber Kranfljeit zu bitbeit. SBie idj fdjon bei anberen ©etegenfeeiten ausge* fprodjett: ,,-Rur biejenigen Kentttitiffe nü^en, welctje auf SBaljrtjeü gegrünbet ßnb." 3f tt $ f ib i a g $ £ r a n f h c i t c n. © dj a r l a d) f t c 6 c r. £iefe, wiffenfdjaftlicfe ©carlatina genannte, Kranffeeit zeigt ßcb,, inbem über bie ganje Dberßädje bes Körpers tin fdjarladjrottjeS, fledenförmiges Srantfeem (SluSfcfelag) ausfertefet. Die röttjtidje garbe iß nicfet unriefetig mit ber garbe ber ©efeminfbeeren verglidjen worben, als wen« bie Haut mit bem ©afte berfelben 394 ©unn'S HauS*Slrzt. feefdjmujü wäre. Der Slusfdjlag erfdjrint gewöfettllcfe zwifdjen bem zweiten att ftcfe ßen Jage unb wirb von gieber unb Hatsfdjitier jen begleitet; fein Snbe etreicbi er zwifdjen bem ßebenten unb zefenten Jage. Sit bett fdjlimmßett gormen beS ©djarladjßtberS gebt bie Sntzünbuna |B ©efcfewürbilbung unb Siterung über. Man nimmt in ber Mebijin gewöfenlicfe brei Verfcfeiebene gormen anx © c a r 1 a t i it a f i m p l e r, bas einfadje ©djatlacfepebet bei weldjem ber Hals nicfet angegriffen iß; © c a r 1 a t i n a a tt g i n o fa, wtnn bie ©djieimfeäute unb Drüfen bes HalfeS entzünbet ßnb unb ßcfe ©efdjwüre bitten• ©carlatina maligna, wenn ßcfe ©pmptome ber gäuluiß unb 3erfeJung Zeigen unb ein leicfeentjöfter ©erucfe vom Körper auSgefet. Dies lejjte ©tabium ber Kranftjeit tritt nur fefer feiten rin. Doefe Xjaht idj biefe gorm jwei ober brei Kinber in berfelben gamilie befallen fefeen; bie SBange eines biefer Kinber würbe burdj Sntzünbung unb 33ereüerung fo entßettt, als ob es burdj ein KrefeSgefdjwür »trän- laßt wäre. ©djartaefeßefeer iß vorwiegenb eine Kittberfranffeeit; erwadjfene Perfonen werben verfeättnißmäßig feiten bavon befallen, bodj wenn es gefefeiefet, nimmt bie ßranfbtil gewöfenlicfe, rinen fefewereren Sfearafter an; gtüdtldjerweife wirb ber Menfdj faft nie mefer als einmal im Seben bavon befatteit. Kinber unb «Perfonen von fdjwädjlidjer, fcfelaffer Konßitution ßnb, wie gefagt, ber Kranftjeit am meißen ausgefeilt. Die milbeße gorm iß als einfadje« 2ajar« ladjßeber überall Im Sanbe befannt; feinen «Ramen feat es von ber garbe, welcfee bie Haut üfeerziefet, bie wie feettrottjer glanett ausßeljt. MeiftenS tritt bie kranffeeit im grütjling ober Herbfte auf, wenn große Hif3e auf feeftige «Jtegengüffe folgt. ©pmptome. — Die milbeße gorm beS ©efearladjfteberS beginnt mit SJerWj beS Slppetüs, bisweilen etwas Uebelfeit beS Magens, feiten Srbreefeen; einem bum- pfen, züfeenben ©efemerz im inneren «Jtüden, längs ber ©cfeenfel unb ber Seine; gelegentlicfeem ©cfeüttelfrofte, auf welcfee balb bas gieber folgt. Die STberfläcfee Ui Körpers wirb X)eiß, obgleicfe bie güße bisweilen falt bleiben; ber Puls iß verfcfeieben von tjunbert unb fecfes bis feunbert unb zwanzig, in manefeen gätten erreidjt er feun« bert unb vierzig; ber Dürft ift fefer groß. Slm folgenben Jage, bisweilen audj fpäter, erfcfeeint ber Slusfdjlag auf ber Haut; bodj fein SluSbreefeen iß nicfet fo regel* mäßig, wie bei anbeten erantfeematifdjen Kranffeeüett; bisweilen erfdjeint er jnnft im ©eßefete, am «Raden unb oberen Jfeeile ber 23ruß; in anberen ßtxttn fangt er am unteren Jfeeile beS Körpers unb ben «dritten an; bodj gewöfenlicfe vetbteitet et fidj binnen vier unb zwanzig ober breißig ©tunben über bie ganje STberfladje Ui Körpers unb ber ©liebmaßen. Sr beftetjt aus unzähligen rotfeen pünftefeen, bte fo nafee zufammenß^eit, baß bie Haut von großen rottjen gleden bebedt fefeeint; P« füljlt ftcfe, babei raub, an, befonbers an ©teilen, wo bie garbe am feellßen ifl. t« Slusfdjlag verbreitet ßdj auf bie innere ©eite ber «Rafenlöcfeer unb bes «ffiunttJ, a«' bie Jonftüen ober fogenannten Manbeln unb auf bie ganze ©cfeleimfeaut W «Jtaefeens unb HalfeS. Studj bie 3unge iß bavott bebedt; aber gewötjnlidj ßnbet man, baß nur bie «Kan« ber unb bie ©pi^e rine Ijettrottje garbe zeigen, wäferenb bie obere giäcfet » iicfeeit SBecfefel beS ©eficfetsauSbrudeS zu beobaefeteu, bie bei bem Kranfen burefe ein- facfeeS SBafcfeen ber Haut mü faltem SBaffer fe>rvorgebradjt werben." Sn einem «Briefe Mr. Sbwin Sfeapftn'S aus ©t. Helena, ©üb-Sarolina, ber »et einigen Satjren im „Stjarleftott Mercurp" veröffenttldjt würbe, befefereibt er folgente 93et)attblungswrife bes ©djarladßeberS, bie vom beßett Srfolge fein-foft. 2t fagt: „Unter ben vier unb breißig gäüen, in benen id) Salappt verfdjrtefe, blieb bet Kranfe nidt ein eittziges Mal länger als einen Jag im S3ette." Slnweifung. „Unmittelbar, nadjbem ßdj bte erßen ©pmptome, bie vorzügllcfe, in b*U\¥txln beßeljen, einßetteit, gib eine volle Doßs Saloppe; einem Srwadjfenen fecfejifl, M»' üg, unter Umßänben felbß acfjtzig ©ran. Des SlbenbS gib einen ftarten «ufo«! von rotfeem «Pfeffer, je nadj bem Sllter unb ber Heftigfeit ber ©pmptomt, von einet Jfeeetaffe vott bis zu einer «Pinte. Slm näcfeßett Jage gib eine Heinere DofiS üalappe, etwa bie fjälfte ber vorigen, unb fatjre bes SlbenbS mit bem rotfeen Pfeffertfete |ot Die S3 tat tern. 397 Jim britten Jage, wen« bie Halsfdtjtnerzen nocfe nidjt ganz verfdjwunbeit ßnb, gib eine DofiS Spfomfalj, ©lauberfalz u. f. w., weldjes bie Kur gewöfenlidj vottenben wirb. Die Dofen muffen ßd) nadj bem Sllter bes «Patienten ricfeten." Sin anbereS einfacfees uub babei wertfevotteS Mittel iß fetter ©(feinten, beffen SBirffamfeit in ©djarfacfeßeber von atten Slerzten, bie bamit 33erfudje ongeßettt, beßätigt wirb. Meine Metfeobe iß, bett ganzen Körper mit ber inneren «Rinbe von fettem, ungefocfetem ©cfeiitten einreiben zu laffen, unb bies tägtiefe wäferenb beS galt* jen Verlaufes ber Kranffeeit zu wieberfeolen. Dies fdjafft augenblidlicfee Srteidjte* rung, fcfelägt bas gieber nieber unb bringt fofort erquidenben ©efelaf feervor. Sin neues, einfacfees Mittet ift fürzlicfe entbedt worben : rofee «Preißel* ober Kronsbeeren (Cranberries), bie ßd) in Hunberten von gätten erfolgreid) bewiefen. Das „^lew baoen «Pattabium" bradjte neuliefe einen galt zur Deffentlidjfeit, itt wetdjem burefe Slnwenbung biefes einfaefeen Mittels eine vottßanbige Kur bewirft würbe. Der Patient war eine junge Dame, beren ©eßcfet auf einer ©eite fo gefcfewotten unb entzünbet war, baß bas eine Sluge gait| gefefetoffett unb ber ©djmerz unerträgtiefe war. Ss würben wieberfeolte Umfcfeläge von fein zerßoßenen KrottS* beeren gemadjt, unb balb tjörte ber ©cfemerz auf, bie Sntzüttbuug ließ nod, unb in wenigen Jagen war bie gange Kranffeeit fpurtos verfdjwunbeit. Der gatt fam in ber gamilie eines ber «Jtebafteure beS „«Pattabium" vor. $te ©lattern. SWenfdjcn|»itfcn.—Variola (Small Pox.) Diefe Kranftjeit iß zu gut befannt, um einer genauen 33efdjreibung in feebürfett. 6ie wirb immer burefe Slnßedung verurfadjt, bas feeißt von folcfeett, bie bamit befat* len ßnb, mitgetfeeilt. Man macfet einen Unterfefeieb ^roifcrjen beit ein^etnftetjenben unb ben zufammettßießenbett «Podett (Variola discretae unb confluentes) ; bocfe iß ti biefelbe Kraittfeeit, ttur iu einem verfdjiebenen ©rabe ber ©tärfe. Die einzeln* ßefeenben Podett ßnb bie milbern; feier ßefeen bie «Pufteln vott einanber gefon* bert, ftnb weniger zafetreid) unb weniger bösartig. S3ei ben zufammenfließenben Poden laufen bie «Pußeltt, befonbers im ©eßdjte, auf ben Hänben unb Sinnen ineinanber unb bilben fpäter einen zufammentjättgettben ©djorf; biefe gorm iß natürlicfe weit gefäferlider. SBenn ber SlnßedungSßoff einmal in ben DrganiSmuS aufgenommeit iß, tann ber SluSbrud) ber Kranftjeit nicfet verfeinbert werben; bocfe fantt man ße ntilbern, ttjeits burefe fofortige Smpfung, tfeeils burefe bie geeignete Diät unb «Vorbereitung. Ss iß bafeer von SBicfetigfeit, bie vorwarnenbett ©pmptome zu fennen. Sobalb Semanb bem Sinfluffe ber Kranffeeit ober ber Möglidjfeü einer Slnßedung ausgefegt worben iß, follte bie Smpfung vorgenommeit werben, auefe bei fcfeon frütjer beimpften. SBenn bieS zeitig genug vor bem SluSferudje bes Stusfcfelages gefefeiefet. fo wirb beffen 33öSartigfeit baburd) oft geminbert werben, gerner fottte ber «Patient eine leiefete Diät beobachten, bäußg zum Slfefütjrett einnehmen unb reidjtictj ©affafraS* tfeee trinfen, um bas S3lut zu verbünneit; biefe S3orfeljruttgett werben bie Kranftjeit leidjtcr madjett. 3m Slügemeinen werben «Perfonett nur einmal bavon befallen; bod) bet »nßedungsßoff iß fetjr ßarf, unb bie Meißelt, bie bemfetfeen ausgefegt ßnb, werben 398 ©unn'S Haus-Slrzi. bavon ergriffen, wenn ße nicfet vortjer geimpft würben. Ss ßnb, wenn aucb fettem gätte, oon zweimaliger 33lattererfranfuttg vorgefommen. «Rur fein unb wiebtr fjn« bet man «Perfonen, bie für bas ©ift ganz unempfänglicfe zu fein fdjeinen. 23orwarttettbe ©pmptome. — Die «Poden beginnen mit abwccbftfnbein größein unb flügenber Hifce unb feefttgen «Rüdenfdmerzen ; ferner .Hopf« uttb £al«. Wefe, Slbneigung gegen «Bewegung, Uebelfeit unb bisweilen Srbreefeen, Durß unb 93etäubung. Die erßen KrattffeeüSerfcfeetnungen ßnb benen eines SBecfefelfitber. anfatteS etwas äfettttet). Slllmälig wirb baS gieber anfealtenber, unb am britten ober vierten Jage bridjt ber SluSfcfetag zuerß im ©eßdjte, am «Raden unb ber 53ru|l, in ©eßalt von fleinen, glöfefetffen äfettlicfeen gleden feervor ; biefe gleden werben ju Knötcfeen unb vergrößeren ftcfe wäferenb ber nädjßett vier bis fünf Jage ju umfang. reicfeen «pußetn, unb wäferenb biefer 3eit verbreitet ßcfe ber Slusfdjlag tnefet obtt weniger über bett ganzen Körper. Slm fcfelimmßen iß er immer im ©eficbtt, unb bisweilen werben bie Stugenliber fo gefcfewotten, baß bie Slugen ganz gefdjloffen ßnb unb für eine 3eü lang 33linbfeeit entftetjt. Ungefätjr am acfetett Jage tß bet Prejtfj ber Siterbitbung itt bett «Pufteltt vottenbet; unb ungefäfer am etlften Jage läfjtbie Sntzünbung nocfe, bie «pußeln ßnfeit zufammen unb vertrodnen, bann fefeuppen Pe ßcfe ah unb verfdjwittbett etwa am vlerzefenten ober fünfzefett ten Jage. «Befeanblung. — 33orauSfe£lldj wirb wobt in ben meißen hätten von Poeftr nadj bem Slrzte gefefeidt. Ss gibt inbeffen ofene ßweikl mandje alte unb audj jün- gere grauen unb nicfe>ßubirie Männer, bie rinen «podenanfaü ebenfo gut al« »lel« leidjt bie Hälfte ber Slerzte feetjanbeln föntten. Die Kranffeeit erforbert ein wenig eingretfenbe S3efeanbluitg unb mtlbe einfadje Mittet. 3m erßen ©tabium, vor bem SluSbrüefee beS StuSfcfelageS, mag man im 3wtifel frin, ob bie «Podett ober eine anbere ßeberartige Kranffeeit Im Slttjuge ßnb; bocfe in beiben gätten fottte bie 33ebanblung fo zümUd) biefelbe fein. Man gebe zuerß ein gußbab vott warmem Saugenwaffer, unb wenn Uebelfeit be« Magens vorfeanben ift, fo gibt es bagegen vietteidjt nicfets beffereS, als feäufige« ©ippen vott etwas warmem grauenmünz* ober «Pfeffermünz* Jfeee, in wetdjem ein wenig ©ateratuS aufgelöß iß. «Racfe bem gußbabe, bas mon am beßen mit einet SBafcfeung beS ganzen Körpers verbinbet, unb nadjbem bie Uebelfeit unb ba« Urbre- efeett genügettb feefdjwldjtigt iß, gebe man ein SlbfüfermUtel; tjierju iß bas antibiliöfe «Pulver (f. «Jtezepte) am geeignetften. «Radjbem ber Darmfanal burctj bie SBirfung ber Purganz gereinigt, gebe »an, wenn bie Uebelfeit uttb baS 33redjett ttlcrjt ganz aufgebort, rin mitbeS, au« Sobelia mit Specacuatüja, ober Specacuantja atteln, beftefeenbeS SSrecfemtttel mit flauen« münz*Jfeee. ©obaitn muß man feine Slufmerffamfeit auf bie Haut ridjten unb Mebifamente geben, welcfee bie Jljätigfeit berfelben gelinbe anregen, ofene ßarfen ©cfeweiß )« erzeugen. Daffetbe SBerfatjren iß wäbrenb ber ganzen Kranffeeit iu beobaajtett. Sin fefer zwedmäßigeS Mittet, wetdjeS beftänbig in furzen 3roifcfeenraumtn genommen werben foüte, ift ein Slufguß von zwei Jfeeilen Kafcenmünje (Catmp) unb einem Jljeite ©afron, welker warm in trinfen iß. Ss wirb gelinb w w Haut wirfen, bie ©äfte naefe ber Dberflädje treiben unb bie «Ratur in iferem W* tjen, bett Kranffeeitsftoff auSzufdjeiben, unterßüfcen. Um eS wtrffamer n\ xxitW fantt man ttoefe, etwas ©affafrasrinbe fjinjutfjun. Die S3lattern. 399 Äurz etje mon bett SluSbrud) erwartet, fottten zwanzig bis breißig Minuten bauernbe gußbaber in Saugenwaffer, fo warm ße ertragen werben fönnen, gegeben werben; unb man wafdje ben ganzett Körper zwei* bis breimal täglicfe bamit. «Racfebem ber Slusfdjlag erfdjienen, fann man ein* bis zweimal tägiidj mit biefen SBafdjungen fortfaferen, fo lange bis bie «Pußeln voUftänbig ßnb. Hauptfäcfetid) wofeltfeatig Iß bies S5erfaferen, weitit bie gieberfei^e groß iß. Die 3utfeat voit etwas ©aleratuS ober von gewöfenltdjer Slfdjtauge zu bem warmett SBaffer feilft bie «Poren ber baut beffer öffnen, burefe Sntfernurtg ber fettigen unb fefemürigen SBeftanbttjetle, welcfee von ber Slusbünßung zurüdbleiben. SBentt ber Kopf ßarf fdmerzt, wafdje man benfelben mit Sfßg unb SBaffer unb lege auf bte gußfofelen unb SBaben ©enfpßaßer. Um bie Sntfemung beS ©efeleimeS zu feeförbern, wetefeer ßcb, in ben Suftwegen anfammelt, unb gegen bas Halswefe gebe man bie erpeftorative Jinftur (f. «Rezepte) gelegentlidj in Jfeeelöffelbofen unb laffe eitt ©urgelwaffer von ©alvei- Slufguß, Honig unb S3orar braudjen. 3n fcfelimmen gätten, wenn ßcfe «Neigung in gäulttlß zeigt, laffe man ben «Patienten brei* bis viermal täglicfe rine fealbe Joffe vott S3ierfeefe nefemett; wenn bie Kräfte fefer gefunfen ßnb, gebe man von 3eü zu ßtit etwas Sfeittitt ober Sfeiitariitbe in Mollen ober Suttermilcfe. SBenn bie Unrufee uttb ©djtaßoßgfeit groß iß, gebe man zwei* bis breimal wäfe* renb ber vier unb zwanzig ©tunben adjt bis zetjtt ©rait bes biapfeoretifefeett «Pulvers ober wenigßens einmal bes «Racfets. SBenn ber SluSfcfelag vottßänbig IjerauS Iß, feöre man mit bem ©ebraudje beS oben angegebenen JfeeeS (Kajjenmünze, ©afratt, ©affafras) auf unb bereite ßatt beffen golgenbes: auf eine Unze ber gepulverten fdjwarzen ©cfelattgettwurzel (Macrotps Black Cohosh) gieße man eine «piitte fodjettben SBafferS unb laffe von biefem Sluf* guffe ein bis zwei Jfeeelöffel vott atte brri ©tunben warm netjmen. Ss fottte bamit wäferenb beS ganzen zweiten ©tabiumS, bas brißt bis bie «Pußeln zu trodnen beginnen fortgefatjren unb wenig anbere Mebizin banebett gegeben werben. Macrotps iß ein wiefetiges Mittet bei ben «Poden; ber «Patient fottte vor bem Srfefeeinett beS SluS* fdjlages bis zu feiner 33efferung unter bem Sinfluffe beffelben gehalten werben. 53orzüglicfe wirb baburefe ein 3urüdtreteit bes Slusfefelages »wtjinbert, ober weitit eS fcfeon ßattgefunben, wirb ber teuere wieber feervorgetrieben. Die beße gorm ber • Darreicfeung ift ber Slufguß ; bocfe wentt man [idj bie SBurzet nicfet verftfeaffett fann, fo brauefee man ftatt beffen bas fonzetürirte «Präparat M a c r o ti tt itt Dofen von einem fealben bis ju einem ganzen ©ran, brri* bis viermal tägiidj; ober man brauefee bie Jinftur in Jfeeelöffelbofen aüe brei bis vier ©tunben. Der ©tufel muß offen erfealten, bodj in feeftiges «Purgüen vermieben werben. Die beße Saranj iu biefem ßwede iß Dtivenöt, wovon zwei Sßlöffel vott vor bem ©djta* fengefeen zu nefemen ßnb, ober ein Sßlöffel vott Dlivettöl uub efeett fovtet vott bem neutratifirenben Jranf. SBentt ßdj ©pmptome von «Pneumonie zeigen, baS tjeißt wenn bie Sungeit ergriff fen fdjeinen, was bisweilen vorfommt, gebe man rin S3reen fdjlimmßen gälten, vermieben wer- ben. Sluefe wirb es bisweilen notfewenbig, bem «Patienten bie Hänbe zu tinben, bamit er fein ©eßcfet nicfet verlebe. Durdj Befolgung obigen SSerfafjrenS barf malt tjoffen, auefe in ben gefährlichen gätten ben «Patienten glüdlidj burefezubringett. S5or Slttem verloffe man ßcfe auf bie M a c r o t p S, bie in biefer Kranffeeit ein „©peeißcum" iu nennen iß. Durcfe ben ©ebraudj berfelben wirb baS gefürdjtete feeunbäre gieber, welcfee« fo oft ju einem fcfelimmen Slusgange füfert, meißens afegewenbet ober wenigßens gemilbert. Sluefe wirb bie ©enefung unb Sßübergewinnung ber Kräfte weit fdjnetler von Stat- ten geljen, wentt biefer Slrtifel reidjlidj gebraudjt worben iß. 33ei ber zufammenfließenbett gorm ber «Podett wirb ber Darmfanal bi«weilen ergriffen, unb es ßettt ßd) rine Strt faulige Diarrfeöe mit «Reigung ju S3ranb unb ßerfetiung ein. Sllsbantt gebe matt gepulverte Holzfotjle unb ©alpeter, einen ßjjlöjftl vott ber erfteren unb einen fealben Jtjeelöffel vott beS lederen, brei* bis viermal tag« liefe, gerner «Bierfeefe, fealbtaffenweife, unb* von 3eü zu 3eü eine Doßs £li»enöl mü Jerpentinöl. SBenn ber SluSfcfelag zu irgenb einer 3eü wäferenb beS zweiten ©tabium« juriief- tritt, gebe man größere unb feäußgere Dofen ber Macrotps unb bringe ben Patien- ten in rin warmes 33ob. Sluefe iß bie Jinftur bes blauer Kalmus (tri? Versicolor, Blue Flag) gut in folefeen gälten: ein Jfeeelöffel vott atte zwei bis brei ©tunben. «Berfealtungsregelit. — Der «patietü muß füfel gefeolten werben unb Stile« fo bequem als mögliefe feaben. Die Koß muß leidjt fein unb aus ©aefeen wie ©ruft SSuttermitefe unb SBaffer, MalSmefetferei unb Milcfe,, gebratenen Slepfeln, Simonabt, «Brobwaffer unb bergleidjen feeftetjen. Das 3immer muß gut gereinigt nnb gelüftet, bas Bettzeug feäußg gewedjfelt unb (Störung unb ©eräufefe möglidjfl »er- mieben werben. SBariotoiben. Dies iß nur ritte Slfeart berfelben Kranffeeit unb wirb burefe, benfelben Stnfiecntn^ ßoff, bodj in bebeutenb milberer gorm tjervorgebradjt; namenttidj, wenn burefe Smpfung bie Slnlage zu ber Kranftjeit aus bem DrganiSmuS entfernt würbe. Iit «Barfotoibett ftnb fetten gefäferlicfe unb erforbern oft fo gut als gar feine Sefeant' tung; bocfe fommen gätte vor, in benen fte ftd) ben watjren «poden näfeern. I« 23efeanblungsweife iß biefelbe, nur verb,ältnißmäßig weniger eütgreifcnb, unb m) ßd) ttaaj ber größeren ober geringere« Dringltcfefeü ber ©pmptnme ridten. SBiitbpoden. — 33lutfd)wären. 401 Sß5inb|nJifen. äBafferJnnfen. — Varicella. (Sngl. Chicken-pox.) Diefer Slusfdlag beßefet aus fleinen 33läscfeen, bie über ben ganzen Körper zer- ftreut ßnb, bocfe meißens auf bem «Jtüden, bett ©cfeulteru unb Slrmen erfefeeinen. Meißens ßttb ße glatt, burcfeßdjtig ober weißliefe unb an ber ©pitie afegeflacfet; nadj einigen Jagen werben ße gelbucfe ober ßrofeforbig. «Bisweilen ßnb bie Släsdjen von fpijjer gorm, unb ifer Snfealt bleibt wäferenb bes ganzen Verlaufes ber Krantbeit flar wie Sßaffer (in biefem gatte werben ße im Snglifcfeen Swine-pox genannt). Die Kranffeeit tritt faß nur bei Kinbern unb nur einmal im Seben auf; fie feat nidjt viel zu bebeuten unb ift nur wenig von ßeberfeaften unb anberett läßigen Srfcfeet* nungen begleitet. Slm britten ober vierten Jage planen bie 33läscfeeit unb entleeren ein wenig bide glüfßgfeit; bantt verbiefeten fie ßdj in runzelige ©efeorfe, bie faum bemerfbare «Karben feinterlaffeit. Der SluSfcfelag erfefeettü nidjt vottßänbig auf ein* mal, fonbern in meferett «Racfefdjüfeen wäferenb einiger Jage. Sr ift anßedenb. S3efeanblung. —«Jiur fefer einfadje Mittel unb etwas «Pflege ift Stiles, was nottjwenbig iß. Sin mltbeS Sarirmittel, eitt* bis zweimal täglicfe, unb reidjiidjes Jrinfen von ©Safran, Ka^enmüttze* ober ©alvei*Jfeee, warme SBafcfeungeit jeben Slbenb mit ©ateratuswaffer, um bie Poren ber Haut zu öffnen unb ber nötfeige (aäjujj vor Srfältung — iß in neun unb neunzig von tjunbert gätten genug 53efeattb* Iung. SBenn bas gieber ßarf iß ober ßcfe irgenb welcfee fefelimme ©pmptome zeigen, fcfeläge man ein 93erfatjreit äfettlidj wie bet ben Mafern, ober wie bri einem milben Baue von Poden eitt. •Blutf $ mären.—fturunf cl. Die gewöfenliefeett 33lutftfewären ober gurunfet (Boils) ßnb unfdeinbare, etttzünb* liefee, unmittelbar unter ber Haut liegenbe, ziemlid fefemerzfeafte ©efefewülfte. ©ie werben feiten größer als Jaubetteier uub feabett einen Siterfern itt ber Mitte. gurunfel fommen feauptfädjlicfe bei fonß fräftigen unb gefunben unb meißens jungen Perfonen vor. Doefe bisweilen ßnbett ße ßcfe auefe bei «Perfonett mit verborbene« Säften unb von fefewader ©efunbfeeit. Sin gurunfel fammelt immer Materie an unb bridjt frütjer ober fpäter auf unb entteert ßctj. 33efeanb lung. — 23et gurunfeln Iß feiten viel 53efeanbluitg nötfeig, außer baß man ein gutes „3ietjpßaßer" auflegt; ein «pflaßer aus «Peefe ober aus Siweiß mit «JRefel leißet Stiles, was nötfeig iß. SBentt inbeffen bie gteidzeüige Strafet ber gurunfeln fefer groß iß, fo baß man auf SSlutunreittigfettett fdjließen muß, wirb es gut fein, bie geeigneten inneren Mittet in geben. Man beginne mit riner fräftigen ijegetabilifdjen purgattz — 3. 33. ben atüifeitiöfett «pittett, iit reicfelicfeer Doßs; bantt laffe man ein* bis zweimal tägiidj zwei Jfeeelöffel vott ©djwefel unb Sremor Jartari, ju gleidfeen Jfeeileit gemifefet, itt etwas MolaffeS netjmen; bies wirb fowofel bett ©tufelgang offen fealten, als audj reinigenb auf bie ©äfte einwirfen. gerner iß 3" empfefelen, einige Jage lang einen Slufguß von ©affafras ober von ©affafraS >mb Klettenrourzel in jiemltdjer Menge in trinfen. DüS SSerfaferen wirb gewöbn- Ücfe ausreiden. 26 402 ©unn'S HauS-Slrzt. Harounfel. Der Sarbunfel (Anthrax, Furunculus Malignans) iß ein bösartiges S3(utae" fdjwür, weldjes aus einer weißfarbigen rotfeen 33ettle beftetjt, äußerß fdjmerifeaft ifl. Materie anfammelt unb eitert unb leidjt in branbige 3erfef3ttng übergtfet. tie ©efcfewulß iß oft fo groß, wie ein Hüfenerei, bisweilen viel größer, unb feat mtbn ßßetartige Deffnungen, aus benen eine bünne, fdjarfe, efelfeafte 3audje abgefonbert wirb ; in ber Mitte pßegt ein großer fdjwärzltcfeer Kern zu fein. Der gewöfenlicb|lt ©Ü3 biefer ©efdjwüre iß auf bem «Jtüden, in ber Seißengegenb, zwifdjen ben Sefeul« tern, unter ben Slrmen unb auf bem «Raden, ©ie verurfodjen natürlicfe viel ntcbt £>uaten, als gewöfenlicfee ©efdjwüre, unb ßnb meißens von Kopffefemerj, ßeberfeaften ©pmptomen, Durß, belegter ßxxna,e, üblem ©efdjmade, Slppetitloßgfeit, Mattigleit unb Unrufee begleitet, ©te treten meißens bei Perfonen auf, bie über bie «JIRiite be« SebenS feinaus ßttb, unb rüferen von etitem verborbetten unb abnormen 3uftanbehr ©äfte beS Körpers feer. SSefeanblung. — 3m erßen ©tabium, wenn bie ©efdjwulß ßdj ju bilben beginnt, lege man Jerpentinöl, mü Kodjfolz gefättigt, vermittelß batln getranftet glattett^Sappen auf; ober ein «Pßaßer, WelefeeS aus Mefel, ©alz unb Jerpentinöl bereitet iß; unb es wirb gewöfenlicfe gelingen, ße zu vertfeeilen. ©leidjjeitig nefeme man ein fräftiges fepbragoglfcfeeS SlbfüfermUtel unb forge bafür, baß ber ©tufelgang offen bleibt. Doefe wenn bie ©efcfewulß Materie zufammettztefet unb zur «Jteife fommen ju wottett fdjeint, fo beftreidje man ße mit einem Sletitnütel; faußifdje Pottafcfee, rote ße iit ben Slpotfeefen getjalten wirb, iß feierzu vietteiefet am beßen. Man äjje »er« jüglidj an ben ©teilen, wo ßefe bas ©efefewür öffnen zu wollen fefeeint, unb lege Umfcfeläge von geriebener Ulmenrittbe (Slippery Elm) auf, mit einer Slbfocfeung von 33Iättern beS wllbeit Snblgo (Baptisia Tinctoria) ober von ber «Rinbe tri ©efeworzweibe ober von SBofferpfeffer geträttft. S3or bem Slußegen beßreue man ben Umfdtog mit etwas gepulverter Sobelia. Man erneuere ben Umfdjlag jwei« ti« breimal täglicfe, inbem man jebeSmal vorfeer bas Stetjmütet anwenbet. SBenn fid) Deffnungen zeigen, fo fafere man mü bem Sle^mittet fetneitt. SBentt man ftcfe ba« vegetafeitifde Ste^mittet pulverißrt verfefeoffen fann, fo mifefee matt ein wenig bauen mit ber boppelten Menge 331utwurzelpulver unb ßreue bavon etwas in bie reff nungen, bantt lege ben Umfdjlag wieber auf. SBentt ßdj eine «Reigung nun SBranbe zeigt, ober wenn bie SBunbe groß, bösartig, ßart entjünbet unb übelriecfeenb wirb, fo wafaje man mit Holjefffg unb Mprrfeen* Jiitftur unb madje Umfcfeläge von Hefen, Holzfofefe unb Ulmenrittbe. Das Hefcmtttel foüte bei jebeStnaligem Berit* beit angewenbet werben, bis bie ©efcfewulß ein günßiges Slusfefeen befommt. Sin ausgezeiefenetes Mittel, bas gelegentlich anftatt bes angegebenen Umf*f«fl«J aufgelegt werben fann, iß fotgenbes : man mifefee eine Unze ober zwei ßflejßl »cI1 Jerpetüittöt, eitt Sigelb, einen Jfeeelöffel vott Kampfjerpulver, mit foviel ffict;tn< mefel, baß eilt bider 23rei baraus wirb, ßreiefee bieS auf ein ©tüd Justin ste: SBadjStaft unb lege es als «Pßaßer auf. Sßenn bie abgeßorbenen ©rüde abgeben werbett, fo weitbe matt bie fdjwarze Heilfalbe (ßefee «Rezepte) an unb lege gelegentln, Karrentlidj zur «Radjt, Umfdjläge auf, um bie Sntzünbung ju befeitigen. E»1 §) aws. 403 ßcfe W'.IbeS gleifdj zeigt, fo beßreue man es mit ein wenig pulverißrtem, gebrann- tem Sltaun. Ss mag femer ttotfewettbig werben, tonifctje ober ßärfettbe Mebizittett zu (x,ehen, um ben DrganiSmuS aufrecfet in erijalten, namentlicfe wenn bie Kranffeeit lange bauert. $ a to S. — $ r a nt fi ä f t a. Die $awsfranffeeü (itt ber SBiffenfcfeaft gramfeößa genannt, nad) bem franzöß* fdjen frainboise, Himbeere) iß eine Hautfronffeeit ber «Reger, weldje zuerß in ber gorm ffelner ginnen ober Pußetn an verfdjiebenen Körpertfeeilen, meiftenS im ©eßdjte, an ber ©tirne, bem Fladen unb ben Slrmen erfdjeint. Diefe «Pußeln vergrößern ßcfe attmälig unb werben fcfetüßüct) zu S3tafen von bisweilen einem fealben ßolte Durdjmeffer, bü eine bünne, weißlidje, blutwofferartige Materie ent- leeren unb bann einen ©cfeorf bilben. Die Kranfbeit iß anftedenb unb pflanzt ßcfe burefe bie 33erüferurtg ietter Materie fort; biefelbe «Perfon wirb nur einmal bavott befallen. Man glaubt, baß bie Kranffeeit aus Slfrifa ßommt unb mit ben «Regern von bort importirt worben iß. ©ie iß nicfet feäußg bei ben «Regern biefeS SanbeS, fonbern erfdjeint nur von ßtit iu 3eü auf ben «Plantagen ber füblidjßen ©taatett. Dodj iß ße fefer gewöfentid bri ben «Reger« itt Suba. Dbgleicfe fie als eine ber «Regerrace eigentümliche Kranffeeit feetradjtet wirb, fo fann fie bocfe burefe Slnßedung, burefe Serüferung mü ber giftigen Materie, weldje aus ben «Pußeln ßießt, auf SBeiße übertragen werben. • ©leidjjeitig mit ber Srfdjrinuttg beS SluSfcfelageS zeigen ßd) mefer ober weniger fonßitutionelle ©pmptome, wie umfeerziefeeitbe ©efemerzen in ben ©liebem, Kopf* fdjmerz, 9roßc Mattigleit, allgemeine ©cfewädje, Stppetittoßgfeü unb bisweilen Stößeln unb gieber. Die Periobe, wäferenb weldjer ber SluSfcfelag anfeält, ift ver* fefeieben, von wenigen SBocfeen bis zu meferen Monatett, inbem eine neue Siuflage von Pußeln erfdjeint, fo oft bie atte iu trodnen ober in verfefewittben beginnt; bis* weilen entßefeen aus ben größeren «Pußeln rotfee fdjwammige Stuswücfefe, bie rotfeen Himbeeren gleictjen unb ber Krattftjeü itjren «Ramen, grambößa, gegeben feaben. Ss fommt auefe nidjt fetten vor, baß an einem Jbeile beS Körpers eine einzelne große Pußel, von bem Umfange eines fealben DottarftüdeS unb größer, erfdjeint unb ßctj in ein efelfeaftes ©efdjwür verwanbelt, bas eine-bösartige 3<*udje abfortbert unb bie umliegcnbe gefunbe Haut angreift. Ss wirb bieS bie Mutter^SJaw genannt unb es bleibt oft nodj lange, nacfebem bie anberen «Pußeln verfdjwunbeit ßttb, zurüd; es iß bann naefe Slrt anberer bösartiger uttb iitbolenter ©efdjwüre zu feefjattbelit. 53 efe anblu ttg.—Die SJawsfranffeeü ift nidjt gefäferlicfe unb weicfet ofene ©efewierigfeit einer geeigneten 33efeanbtuitg. Um ifere Stusbreitung iu verfeüten, iß es notfewenbig, baß ber bavon befallene «Reger oon bett anberen abgefonbert unb an einen gefunben unb gut gelüfteten «pia£ gebraefet werbe. SBäferenb bes erßen ©ta* biums, wentt ber Slusfdjlag tjervorbrtdjt, muß ber ganze Körper wenigßens einmal täglicfe mit warmem Saugen* ober ©aleratuswaffer gewafdjen werben; tnnerttefe ßnb biapfeoretifefee (fdjweißtreibenbe) Slufgüffe in retefetiefeer Menge zu geben, bamit bie «Ratur itt iferem S3emütjen, ben Kranttjeüsftoff burcb, bie Haut iu entfernen, unterßüfct werbe, ßn biefem ßwtdt gebe man bie biaptjoretifefeen «Pulver (ßeb,e 404 ©unn's bausaxit. «Jtezepte) In Dofen von zwanzig ©ran breimal täglicfe, ober braudje bie Djtet'fcben «Pulver in Dofen von zefen ©ran. Der Seib muß burd) milbe Sarirmittel effen erfealten werben. Man laffe ben «Patienten einen Jag um ben anberen ein wärmt« «43ab nefemett unb eine fealbe ©tunbe lang barin bleiben. Sludj muß er ßefe rägliaj «Bewegung macfeen, aber ßefe vor Srfältung feüten. Die Diät muß leicfet fein unb feauptfädjltdj aus «Pflait3cnfoß beftefeen. ©obalb ßcfe, bie «Pußeln entwidelt feaben uttb Materie abzufonbern ober <©djorfe ju bilben beginnen, muß ber «Patient anfangen, ben „alterüenben ©prup" {\itU «Jtezepte) ober ein äfenlidjes btutrelttigenbeS Mittel zu gebraucfeen. Sine ftarfe Slbfocfeung von Klettenwurzel, ©tittingia, ©arfaparitta uttb ©affafracrinbt iß ein auSgezridjnetes «Präparat unb wirb gewöfenlicfe bem ßwede entfpreefeetr. ©tatt bei ©arfaparitta fantt man audj Monbfomen (Menifperttum, Yellow Parilla) nefemen. Die Doßs ber "Slbfodjung iß, je nocfe ber ©tärfe berfelben, eine fealbe Jfeeetajft »oO metjr ober weniger. Sluefe fann man nocfe Hvttunber* (glieber*) S3lütt)en unb Söwenzafenwurzel tjittzufügern. Sitte zwei bis brei Jage gebe man ein ßärftre« Sfbfüfermütef. SBentt ©efdjwüre zurüdbleiben—unb wie gefagt, gewöfenlicfe bleibt eines zurüd— fo muffen ße ein* bis zweimal täglicfe mit ßärfer ©eifentauge (von fpanifefeer 2eife) gewafcfeen unb mit fdjwarzer ©albe (ßefee «Jüzepte) ober einer anberen guten -peil« falbe verbunben werben. Sluefe wafcfee man ße von ßtit zu 3eit mit «Dipufeen- unb Slloe Jinftur, unb wenn ße fefer üfeetriecfeenb ßnb, füge man etwas Holjeffij) feinzu. SBenit bie Sntzünbung unb Smpßnbticfefeit groß iß, lege man bes «RaefeM einen Umfcfetag vott Ulmeitrinbe (Slippery Elm) auf. SBenn ©efdjwüre in ben gußfofeten erfcfeeinen, wie eS zuweilen ber gatt iß, fo muffen ße ßeißig mit warmem SBaffer gewafefeett uub burefe, Umfcfeläge vott Ulmenrinbe unb bergleidjen erweich! werben; wenn fie ßcfe öffnen unb Materie abfoitbem unb bie Sntzünbung beftitiat tß, feeile man ße mit ben genannten ©alben unb SBafcfemüteln unb be-feanble fi< wie anbere ©efdjwüre. Da bie Haut auf ben gußfofelen bisweilen fefer bid ift, fo fantt bie angefammette Materie oft feinen StuSweg ßnben; in biefem gälte beßreicfee man bie ©teile einige Male mit fauftifdjer Pottafdje unb lege Umfcfeläge auf, bü bte Haut zerftört unb eine Deffnung entftanben ift. Dies ift beffer, als feinein ut fdjneiben. SBenn eine Deffnung ba iß, lege man beS «Racfe. ts Umfcfeläge von Ulmen- rinbe mü Hefe auf unb bes JageS bie fdjwarze ©albe. Dies wirb ofene weitete ©djwierigfeit Heilung bewirten. & ie <&f>oleta. «Ridjts erfüllt bas Soll mit mefer Unrutje uttb gurdjt, als bas Srfdjeinen tief« töbtlidjett unb bösartigen ©eud,e, beren «Rame ben ©djwadjfeerzigen wie ben «JJhitfeigtn mit ©djreden erfüllt. „Die Stjolera !" weldje fctjredlictjen ©ebanfen, weldje ergreifenben Smpßnkunaen brängeit ßcfe uttS mit biefem SBorte auf! 33iete erinnern ftcfe bes Srfcfeeintn; ttei« Kranfbeit feier int Saljre 1832 unb beS ©cferedenS unb ber Unrufee, bie alle Jtlajfen Die Spolera. 405 bet ©efettfdaft ergriff. Diefe ©eißel, welcfee ber Slttmädjtige angewanbt tjat, fo viele Mittionen menfdjlidjer SBefen in vernicfeten, ruft uns gteidjfam warnenb iu: „©elb and) Sfer bereit." Ss gibt 3eitabfcfenüte itt ber ©efdjidjte ber «Rationen uttb Menfefeett, wenn bas 9Raß iferer ©üttbett vott iß unb ber feöcfeße «Ridjter beS SBeltotts feinen 3orn nicfet länger jurüdfealten fann. Die Peß iß gteicfefam fein ©efanbter; — fo war es in verfdjiebenen Spotfeen ber jübifdjett ©efdjidjte, fo war es fpäter bei anberen «Ratio- nen, bat er nicfet fein auSerwäfetteS 5?olf mü biefer ©träfe feeimgefuefet, unb foüten wir eine SluSttafeme macfeen uub baburd) vom gortfcfereiten in ber ©ottesfurdjt afege* fealten werben ? Dem attmäefetigeit 33ater fefelt es nid)t an Mitteln unb SBegen, feinem 3ome SluSbrud zu geben; es ßefet in feiner Hanb, uns ßrafettb zu zücfetigen, ober uns feine ©nabe in Jfeeil werben iu laffen*. ßuweilen wäfelt er Menfdjen aus, als «Jtutfee feines 3orneS. ©efeet, wie viele «üftitlionen burefe Kriege unb etjrgeijige gürßen bas Seben einbüßten; zuweilen erwäfelte er zu feinem ßwede bie «Jtatur, bie ©onne, Monb unb ©ferne, bie Srbe, ben Dcean unb bie Stemente; Stile ßnb SBerfzeuge feines ©rimmeS. geuer unb Hagel, ©dnee unb Giebel, ©türme unb braufenbe Meereswogen gefeorefeen feinen S3efefelen. ßuweilen entziefet er uns bett «Jtegett unb bie grüdjte beS 33obenS, uttb zuweilen fajidt er uns bas Srbfeeben unb ben S3fijj; aber am tjäußgßeit bett furefetbaren llnglüdsboten — «Peßilenz. Diefe Umßanbe fottten uns veranlaffen, unfere Seibenfdjaften zu unterbrüden unb unferen ©eiß iu ber 23etradjtung jenes feofeen uttb erfeabenen SBefeitS in erfeeben, weldjes von Swigfeit in Swigfeit lebt, in unbegränzter Majeftät baßefet, in ber Unenbticfefeit feiner eigenen ©djöpfung waltet, in feiner eigenen Stttmacfet regiert unb ofene Stuffeöreit bas „SBort" entfettbet, wetcfeeS Stiles erfefeafft, ertjält unb regiert. Diefe furdjtbare Peßilenz maefete, äfentiefe wie bie ©eude, ifere Srfefeeinung zuerß im Orient, unb matt fann vernünftiger SBeife nidjt mefer bezweifeln, baß biefelbe aßatifdjen UrfprungeS fri. 3m Safere 1762 wütfeete ße iit Hinboßan itt fotdjem Maße, baß ße brrißig tau* fenb «Reger unb adjt taufenb SBeiße wegraffte. Slm ©angesßuffe ßarben adjt taufenb «Pilger innerfealb aefet Jagen an biefer Kranf- feeit; Srmübung unb bie Sinwirfung ber «Racfetluft waren vietteidjt bie Haupturfacfeen ber ©terblidjfeü, ba bie nafeeliegenbett ©täbte bavott nictjt tjeimgefuefet würben. Die Sfeolera feat feboefe nicfet aufgefeört, in mefer ober weniger gefäferttdjer gorm vom Safere 1762 bis jutn 33egintte ber Spibemie im Safere 1817, gelegentliefe in Snbien ifere Srfcfeeinuttg zu macfeen. Diefe eigentfeümltcfee Krattffjrit iß lounenfeaft in iferem Sluftreten; benn fte tjat feine beßimmten förperlidjen Urfadjen, woburefe ßcfe ifer ©ifc mit ©idjerfeeit naefeweifen ließe; nur fo viel weiß matt, baß ße vorzugöweife bem Saufe ber ©tröme folgt. Sit Seffore, einem Dißrift in «8rittifdj*3nbütt, maefete bie Sfeolera itt einer fleinen, auf bem Delta bes ©anges, itafee bem SBenbefreife bes ßrebfes, feunbert unb neun unb iwaniia, Meitett norbößtiefe von Salcutta gelegenen ©tabt, am 19. Sluguß 1817 ifere Srfdfeeinung. Diefes Sanb enttjält viele ©ümpfe unb feine 33efdjaffenfeeit iß ber Umgebung von ©avannatj, im ©taate ©eorgia, fefer atjntidj; ber «Bobett iß fefer frudjtbar uub erzeugt «Reis in großer Menge. 3ur 3eit bes Srfdjeinens biefer Kranffeeit blatte gerabe bie «Jügenzeü begonnen, unb ba 406 ©unn'S HauS-Slrzt. ber «JleiS baburd) befcfeabigt würbe, fo glaubten bie Sinwobner biefeS Sanbe«, brrtn HauptnabrungSmütet ber «JteiS iß, baß bie Sfeolera baburefe entßanben fei, inbem ifer ©tufelgang, wie bieS bie Kranffeeit mit ßcfe bringt, bem «Jieiswaffer äfenlicfe war. S?on bem ©täbtcfeen Scffore nafem bie Sfeolera eine weßliefee «Jtidjtung, inbem fie Jaufenbe auf iferem SBege fortraffte, bis ße Mpmenßng, eine Sanbfcfeaft, bie vom «Srafemaputra bewäffert wirb, erreiefete, wo fie zwei 3afere wütfeete unb jefentauftnb, ftebenfeunbert unb vierzefen Meitfctjeit vemidjtete. Hierauf zeigte ße fidj in tacca, einer Sanbfdjaft nafee bem 3ufammenßuffe beS ©angeS unb beS 33rafemaputra, unb nad, einem amtlidjen S3eridjte würben in jener ©tobt in feefezefen Monaten fecfes tau- fenb brei feunbert unb fünf unb fünfzig Menfcfeen von jener Kranffeeit befallen, »on betten brri taufenb fünf feunbert unb ßeben unb adjtjig ßarben. 3n ©plfeat, einet ©labt von groanjig taufenb Sinwofenem, ßarben zefentaufenb Menfdjen. 3n bet Sanbfcfeaft «Rubbea, bie von einem «Refeenfluffe beS ©angeS, bem Hvoglp, buraj. fefenitten wirb, raffte bie Sfeolera aus einer 53evölfemg von einer Million brtifeun« bert taufenb Menfcfeen feefezefen taufenb fünffeunbert weg. 3u «Ruetore war bie Kranffeeit bei weitem nicfet fo ßreng, ba biefe ©tabt ein gefunbereS unb troefencre« Klima feat. ©ewötjntidj ßarben in Sanbßäbtdjett, befonbers in nebeligen, feuefeten unb niebrij gelegeneit ©egeitben, ber vierte Jfeeil ber Krönten. 3« Sargulpore, einer nur fünfzefett Meilen von «Ruetore entfernten ©tabt, flar« ben fünfzefett taufenb fünf feunbert unb adjtjig Menfcfeett in fünf unb feefezig lagen; feier war baS Sanb flactj unb fumpßg uub mit ßefeenben fleiiten Pfübtn befaet. Hierauf zeigte ßefe, bie Kranffeeit in 23enzaraS, wo ße fünf unb zwanzig taufenb Menfcfeen feinwegraffte. 3m ©eptember 1817 feefuefete fie Salcutta, ben Sin bet ^Regierung von 33rittifcfe*3nbien. 3« brei unb ein feolb Monaten würben fünf unb breißig taufenb ßeben feunbert unb fedjs unb breißtg Sinwofener ber Statt unb Sorftäbte von ber Sfeolera befallen, unb von biefen ßarben zwei taufenb ßeben feun« bert unb fünfzig. Man feat feeredjnet, baß fünfzig taufenb Hinbus an biefer furcht- baren Kranftjeit ßarben, wäferenb fie iferen @ö£en, genannt 3uggernaut, um £ülft anriefen, bis ber Job iferen Seiben ein Snbe madte. Die 33erwüftungen ber Kranf« feeit feielten iit Satcutta baS folgenbe Safer feinburefe an unb verbreiteten ßcfe übet bte ganze «Provinz «Bengalen. Die Sfeolera ttafem, bem Saufe bes ©angeS folgenb, eine norbweßliefee «Ricfetung an unb erreiefete enbliefe baS Hpuiolaja ©ebirge; fein fefeien ifer gortfdjritt für eine 3rit lang gefeemmt zu fein, bis fie enbliefe ficfe m ©angeS an bett «Rerfeabbaftuß warf, ittbem ße, wie gefagt, gern gluffe, «Riebe«* gen befudjr, unb erreiefete, biefem gluffe bis att bie Küfte bes arabifajen Wttxtt fol- genb, am 4. «Rovember 1818 33ombap. Sit S5ombap raffte fte zweibuttbert taufenb Menfcfeen weg, worauf ße ganj #«' boßan burefeftridj. 3u gleicfeer 3eü verbreitete ße ßdj fübtidj nad, ber Küße von fioromanbel,«« 3nfeln Seplott uub Malafta unb befente ftd, bis zum zwanztgßen ©rabe futM« ©reite aus. ©ie tjerrfdjte in ©iam, feefudjte Sbma, geißelte Kanton unb WW unb betrat feierauf bie ößttaje Küfte von Slfrifa, bei 3angjibar. 3m %ax)xt verbreitete fte ftcfe naefe «Korben, ©üben unb SBeßett; im ^omtner 1821 erteut)t n bie Küfte bes perßfdjett ©otfeS, folgte bem JigriS unb Supferat unb betrat fcierfeältniß verminbert ßcb, bie ©efatjr, von anßedenbett Kranfbeiten tjrimgefudfet zu Iverben. Die Periobe in ber ©efdjidjte Suropa'S, wetdje an folgen üngtüd- fiefeen Sreigniffen am reiefeßen war, iß bie voit 1040 bis 1496 unb zä'felt uns jwei unb breißig verfeeerenbe ©euefeett auf, bie itt 3unfdjenräumett oon unge* f% jwölf Saferen ßdj zeigten. Unb im vierzehnten Sairtjuubert, bem 3eit- öfter, in weldjem Unrutjen uttb SSerwüßungen Üjrett Ijödfeßen ©ipfel eneldjt 412 ©uittt'S Haus-Slrzt. Ijatten, würbe Suropa von vlerzefen verberbliefeen unb faß attgemein verbreite ten ©eucfeen feeimgefuefet. 3n ben nädjften zwei 3aferfeunberten befamen bit verfcfeiebenen «Kegierungett wieber ifere früfeere Macfet unb entfernten biefen aDat« meinen gludj ber Menfdjfeeit, bie ©eißel ber Jprattnel bei Herrfefeern, wie bie Urfacfee ber nieberen Unteriuurßgfeit beim SJolfe. 3m ßebenjefenten 3afert)unbtrl ßettte ßd) bü ©euefee nocfe feltener ein unb iß enbliefe ganz von bem jbiü. ßrten unb djrtßltdjen Srbtfeeite Suropa verfefewunben. Die «Jtidjtigftit biefet Slitßdjt wirb gewiffermaßett fdjon burd) bie ©efdjidjte ber Sfeolera befKituit. ^ Snbien anfangenb, X)at ße ßcfe faß über bas ganze mittlere unb füblidje Slfien »er« breitet unb itt wenigen Saferen Millionen fortgerafft, von benen bie meißen arme unwiffenbe unb gefneefetete Mettfdjen waren, weldje weber bie Madjt befamen, bet Kranffeeit aus bem SBege zu geljen, nocfe ben morattfdjen Muttj, bei bem erften Singriffe berfelben ßanbfeaft iu bleiben, unb inbem fie mit ftteäjtifdjer Burdjt einem attfefeeittettb unvermeiblicfeeit Jobe entgegenfafeeit, verlangten ße weber von ber «Regie« rung Mittel, bie Kranffeeit zu verbrängen, nocfe nafemeit ße bargebotene Hülfe an. Die ©terblicfefeit ßanb in Snbien im geraben 33ert)ättniß zur gefellfdjaftlicfecn Stel- lung ber 33ewofener; ©flaven unb gewöfenlicfee Slrbeiter In ©täbten, untergeorbnete Diener in ber Strtnee waren am feaußgßen Dpfer ber Kranffeeit; bann fam berein« geborene ©olbat, wäferenb bte Suropäer unb üjre Dfßziere feltener von ber Kranf- tjeit befallen würben. Die Slngeßettteit ber oßinbifdjen Kompagnie unb englifdje, Wie eingeborene Kaufleute, waren nur iit geringem Maße ber Kranffeeit unterworfen. 3n Sfeina fucljte ßcfe biefelbe Ifere Dpfer unter ben Seuten aus, welcfee in Stfemud unb Unmäßigfeit lebten. 3« bem wenig zivitifirten «Jtußtanb, wo erß vor furjtm bie Seibetgenfcfeaft abgefdjafft worben iß, beffen ©olbaten in ©eiß unb Sitten »er« fommen, meiß fdjlecfet genäfert uttb gefteibet unb mit Ungejiefer bebedt ßnb, unb unter benen baS Saßer ber Jrunffudtjt fefer verbreitet iß, zäfeten bü Dpfer ber Sfeo- lera nadj Hunbetttaufenbett. S3ei bem gortfcfereiten ber Kranffeeit naefe bem wtfi« licfeen, mefer züntifütett Suropa ßnben wir ifere SluSbreltung geringer unb bte* ©terbttcfeteü in golge berfelben in einem Heineren 33ertjältniffe ju ber SBeoßlftrnnj. «Polen litt weniger als «Jtußtanb, Deßerrricl) weniger als «polen, «J)reußen wenig« als Deßerreidj. Daß gewiffe «Rationen ben Singriffen ber Sfeolera mefer juganglidj ftnb, als anbere, wirb burd bas beßätigt, was wir in 33ezug auf ben verfeältni^ma"- ßigen SBerluß in ben verfdjübenett Klaffett ber ©efettfefeaft bemerft Ijaben. leitet Sormid fagt itt feiner Slbfeanbtung über bas Sluftreten ber Stjolera in labrij, baß bie Kranftjeit zuerß in bem niebrigeit, fdjmu^tgen unb mit armen 33ewofencm anae gefüllten ©tabtttjeite anßng unb in bemfelben von ©traße iu ©traßt fortfefenü inbem fte gewöfenlicfe auf bie niebriggetegenen unb überfüllten Jfeeile ifere S?enrü- ßung befdtjränfte. Maitgelfjaft gefleibete nnb unreinlidje Seute, ober foldje, bie ber JrunffuaM un» fonftigeit Slusfctjweifuttgett ergeben waren, feaben in atten Sänbern bie größte 3«bJ ber St)otera=Dpfer ausgemeefet, wätjrenb attbererfeüs bie mäßigen unb fottte leben* ben Sente gewötjnlicb, ganz verfdjont blieben, ober nur einen fcfewaajen Slnfaü an«« Zutjatten featten. Diefe Jljatfadje bezeugen faß atte Slerzte, bie biefe Kranffeeit jn ßubiren ©elegentjeit tjätten. 33et ben rufßfcfeen ©olbaten, bte ßdj efelfeaft unrrtnlut) fealten, beren Haut mandjmat mit bidem ©djtnuti bebedt iß, enbete bie Ätanfbet (lewötjntidj mit bem Jobe. Siit brrvorragenber Slrzt von MoSfau bemetlt in fei«» Die Stjolera. 413 Seridjte, baß Jrunffudjt, Steberltdjfett, fdjtedjte «Ratjrung unb perfönlicfee Uitvorßcfe> ttgfeit unßreittg vorwtrfenbe Urfadjen ber Kranfbeit feien. Dr. «Jtiedje bettad)riefen tigt uns, baß bie Kranffeeit in Sfeina ifere Dpfer gewötjnlidj unter ben in ©d)mu£ unb Unmäßigfeit lebenben 33ewofenern ausfuefet. Dr. Darbet, ein iit MoSfau anfä* fiiger franzöfifefeer Slrzt, meint, baß bie Suft in fotdjen gätten nur für bie Seute anftedenb fei, welcfee von vomfeerein burefe Slusfdjweifungen, Unverbaulidfeit unb Jrunffudjt entnervt ftnb, ober für folefee, bie an Darmfeefdjwerben unb Srtältutt» gen leiben. Sin Slrzt in SBarfdjatt fefereifet itt feinem S3eridjte an bie «Jügürung, baß bie Kranfljeit atte biejenigen verfefeonte, bie einen geregelten SebenSwattbet füferten uttb in gefunben ©tabttfeeiten wofetüett, wogegen biejenigen, beren ©efunbfeeit burefe wüßes Seben uttb Slusfefeweifuitgett gefcfewäcfet war, unfefetbar von berfelben befallen würben. Man feat naefegewiefeit, baß von tjunbert «Perfonen, bie an ber Sfeotera ßarben, neunzig geißigen ©etränfen fröfenten. Daß Unmäßigfeit für biefe Kranf« feeit empfänglicfe macfet unb ße verfcfelimmert, wirb burdt) bie Jfeatfadje bewüfen, baß, naefe bem Slbnefemeit ber ©euefee iu «Jtiga, bas Sttüretett ber «J)ßngftfeiertage eine Zeitweilige 3?ermeferung neuer Kranffeeüsfälle zur gotge tjatte, bie burefe Urtmäßigfeü unb wefentlicfee 35eränberung in ber Sebensweife feervorgerufeit würben, wie atte Unregelmäßigfeiten bie Kranffeeit feeförbem, befonbers aber ber ©ebrauefe griffiger ©etränfe; mit anberen SBorte: Stiles, was bie ©efunbtjeit im Sittgemeineit beeilt* träajtigt, beförbert biefe Kranftjeit. Urfadjen ber Sfeotera. — Die ©djreden, welcfee bie Sfeotera in iferem verberbenbringettben Srfcfeeinett erzeugt, ßttb immer nod) burefe bas ©efeeimniß, in welcfee ifer ilrfprung unb Sfearafter gefeüttt waren, verbreifältigt worben. SBie bei Vielen anberen Kranfbeiten aber, j. 33. beim gelben gieber, ben «J)oden unb bem ©cfearladjfteber verminbert ßcfe ifere verberfelidje SBirfung in bem Maße, als fte beffer öerßanben wirb unb wiffenfdjaftticfe erprobte Mittel, fie zu verfeinbern unb aufzufee* ben, angewanbt werben, ©elbß ben Urfprung biefer uufeeitvotten ©euefee feat man jejjt jiemlidj genau ermittelt, ©ie gefeört zu jener Klaffe von Kranffeeüett, bie nur in tropifäjen ©egenben entftetjett tonnten, unb bie, einmal unter bem Steauator erzeugt, ßcfe bis in fältere «Jügionett fortpflanzen, inbem ße ifere verberbltcfeen ©toffe vermittelß ber Suft verbreitet, wie ßd) baS ©ift ber Klapperfdfelange von ber SBunbe aus burdj ben ganzen Körper vertfeeitt. Ss iß wotjl befannt, baß es 3uftänbe in ber atmofpfeärifdjen Suft gibt, bie ßcfe mit bem «Ratnett peßartige 3ußänbe bezeiefenen laffen, bie ttjeits in ber Suft fetbß itjren Urfprung X)oben, tfeeils burefe bas 33erfauleit tfeiertfefeer ober pßanzlicfeer ©toffe entftetjen. Diefe Sigenfcfjaft ber Suft ift aber nicfet merlbar, ober nur tfeeilweife entwidelt, bis fte einen Menfdjen antrifft, ber geneigt iß, biefelbe aufzunehmen. DeSfealb ßnb zur Srzeugung einer ©euefee immer iwti Dinge notfewenbig, eine verpeßete Suft unb ein Körper, ber iferem Sinfluffe unter* werfen iß. Dfene Miasmen gibt es feine Stjolera; nocfe fönnen biefe fdjtedjten Dünße in einem anberen, als In einem troptfdjen Klima erzeugt werben. Da aber bie Sfeolera in Snbiett einmal üjren Urfprung genommen tjatte, fo verbreitete ße ifere Miasmen auf ben glügetn ber SBinbe nadj atten «Jücfetungeit, bis ße bie ganze Grbfugel umfreiß featte. Tax) biefes bie Strt unb SBeife war, itt wetdjer ßd) bie Kranftjeit verbreitete, beweiß bie Sänge ber 3eit, bie ße gebrauchte, nm Suropa zu burdjfdjreiten, unb buid) bie 414 ©untt's Haus-Sfrzt. fdjeiitbar launentjafteit «Kidjtungen, bü ße etnfdjlug. SBäre ße butdj Slnfkcfung verbreitet worben, fo würbe fte Snglanb efeer erreidjt feaben, als Dtutfcfelanb, otll ße burefe ©djiffe bireft von Snbien nocfe Sonbon gebraefet worben wäre. Die ßbc* lera vermieb jebod) biefen unmittelbaren SBeg, verbreitete ßdj über Sanb, folgte bem Saufe ber ©tröme unb bewegte ßdj weßtidj unb nörblidj, von ben SBinben getrieben, welcfee bett größeren Jfeeil beS 3afereS in jene «Jlidjtung wefeen. ©ie vetptfltte bii Sltmofptjäre, wofein ße fam unb vernitfetete bennodj nidt Sitte; benn niebt 3tbet war für iferen giftigen Sttfeem empfängtiefe ; aber wo ße eine Körperbefefeaffenfeeit fanb, bü Smpfängtidjfeü für ße featte, üjetlte fte berfelben fogletdj ifer ©ift mit unb raffte bas Dpfer in einem Jage fort, wenn nidjt fcfeleunige Hülfe atleifttt würbe. — SBeber «Reinlidjfeit nod) Sinfadjfeeü ber Sebensweife, nodj ©eelenrufee gewäfeten ©djuti gegen biefe bösartige Kranffeeit. ©ie warf ben Millionär, wit ben 23ettltt, ben fräftigen Slrbeiter, wie ben ©cfewäcfetlng nieber. Slber rin beljaglidjes gamilien. leben, noferfeafte ©peifen, gute Saune unb bte SSermetbung atter Slusfdjweifunaen feaben ßcfe im Durcfefefenitt als ein gutes Mittet bewäfert, ben Körper gegen biefe« anßedenbe ©ift zu fdjütien, unb, als fpäter bie Sfeolera wteber auftrat, fanb man, baß bie Kranffeeit anfefeeinenb einen Jtjeit iferer SBöSartigfelt verloren featte unb bemerfte, baß fte ifere Singriffe auf gewiffe ©egenben unb einzelne «perfonen befeferänfte. Dbgfeicfe nocfe immer eine ftferedltdje Kranffeeit, wirb fie jefct wenig« gefürefetet als frütjer, unb in ber Jb. at verminbert bie ärztllcfee SBiffenfcfeaft jebcJ 3afer ifere ©djreden. SBir muffen uns, efee biefe ©eißet uns wieber feefudjt, ber Hoffnung feingebe«, baß, geflutt auf früfeere Srfatjmngett, wir bann ber Kranffeeit wirffamere $eil« metfeoben entgegenßetten fönnen, wie zu ber 3rit, als biefelbe zuerß in ben SSerelnig- tert ©taateit erfdjün. ©pmptome ber Krattftjeit. — Die Kranffeeit fängt gewöfenlicfe mit einer 33eräoberung beS ©eßdjtsauSbrudeS, bie vott großer inneter 33eängftigung feerzurüfereit fdjeint, Uebelfeit, fneifenbem «Bauefefcfemerz, Diarrfeöe, leiefeten Ärarn« pfeit uub fet)waefeem «puls an. «Racfe einigen ©tunben bes UnwofelfeütS geigen M Die Slugen eingefallen, ber Körper wirb falt, ber «puls fefeneli, aber faum füfelbar; Dann ergreifen feeftige Krämpfe bie MuSfeln, befonbers bie ber Seine unb bes Unter« feibes; bie Haut unb «Raget werben blaurotfe, ber ©tufelgang ßatt gaüenfarbig \t retn, ßetjt wie «Reiswaffer aus. SS erfolgt nictjt in atten gälten Srbreajtn; juirei« fett fängt bie Kranffeeit mit Diarrtjöe unb Darmfeefdjwerben an, unb bet Kranfe flogt über Kälte unb Krämpfe, mit feäußgett ©tufelentleerungen. S3efeanbluttg. — «Racfebem ictj nun biefe furefetbare ©euefee von iferem W» bis zur ßtit ifereS SrfcfeeinenS itt bett «bereinigten ©taaten, fowie ifere entfernten unb unmittelbaren Urfaden befdferieben tjabe, werbe idj bie beßen Mittel jur -Per- feütung ber Kranffeeit, fowie audj zur Heilung berfelben angeben. golgenbes «Rezept, rine Mifefeung verriebener ©toffe, wirb bem feefttgßen c&m unb ber Diarrfeöe Sintjatt ttjun. Daffetbe würbe bei vielen ber feeftigßen W« angewanbt unb tjat ßets fofortige Sinberung gewäferi. 33iele Slerzte feaben ttva jroßetn Srfolg in itjrer «prariS gebraudjt. Die S tj o l e r a. 415 «Pulvetlßrter ©uajaf.......... . . \ Unze. ©eßoßene «Keifen............. j Unze. ©eßoßener 3iwmet............ | Unze. ©uter «Branntwein ............ 1 «pinte. Doßs t 33on einem Jtjeelöffel bis zu einem Sßlöffel vott, atte fealbe ©tunbe, bis Sinberung erfolgt. Hellmittel. — golgenbes «Jtezept, obgteicfe eittfadj, bellte breißig «Perfonen von ber Kranftjeit unb zeigte ßctj in jebem gatte, wo es beim S3eginit fcfemerzfeafter Sin* falle gebraucfet würbe, als unfefelbar: Kodfalz.............1 Sßtöffel vott. «Rotfeer «Pfeffer...........1 Jfeeelöffel vott. «JRifcfee in einer fealben «pinte feeißen SBafferS. ©cfewefel unb Holzfofete, in einer Mifefeung von einem Jfeeil Holzfofele zu Vier Jfeeilen ©cfewefel, tjaben ats Mittet gegen bie Stjolera fetjr guten Srfolg getjabt. Dr. Herrid, ein fe, omöopatfeiftfeer Slrzt in Stjüago, fagt: „Der Srfolg war außer* orbenttiefe; atte vortjergefeenbett Slnzeidjeit ber Krattffeeü, wie: ©efemerz, 33eflem=« mung, urtnatürtidfee «Bewegungen, leiefete Diarrfeöe u. f. w. widjett fogleidj einer einzigen Doßs von brei ober vier ©ran ©cfewefel." „3n gätten, wo [xdj entweber Krämpfe, Diarrfeöe ober Srferedjen zeigten, ober auefe aüe biefe ©pmptome ßcfe gleicfezeitig etnßettteit, featte ber ©cfewefel itt obengenannter Doßs, aüe brei ober vier ©tunben angewanbt, bie SBirfung, ben 3ußanb beS franfen fofort zu milbem unb naefe öfterem ®ehxaudje bie Slnzeiefeen ber Sfeotera gänzlicfe ju vertreiben. SBaS bie SBirffamfeit biefeS Mittels in ben testen ©tabien ßnfenber SebenStfeätigfeit betraf, fo feat man fetbß bantt befrtebigenbe «Jtefuttate erjielt. 3n z*vet ober brei berartigen gätte« wok bie SBirfung bie, baß ber «Puls z« feiner natürlicfeen ©tärfe zurüdgebrocfet, bie SBärme ber Hautoberfläcfee wieberfeer^ geßettt unb bie ßießenbe Diarrfeöe unb baS Srbreefeen gefeemmt würben. Die bisljer erjielten Srfolge feafeett uns in ber Jfeat Sitte, bie wir baS Mittel gebraucfet unb feine SBirfungen beobadfetet feaben, überzeugt, baß biefeS baS ©egengift für bie Stjolera fei, wenn überfeaupt eitt Mittet biefen «Ramen verbient." Stnem mebiztnifefeett SBerfe bes berühmten Dr. DeweeS entnefemen wir folgenbe 53emerfungen itt 33etreff beS ©ebraudtjeS vott ©cfewefel, als ein Mittel gegen bie «JRafern: „Ss wirb," fagt Dr. DeweeS, „von Dr. Jourtuaf, einem bottänbifdfeeit Slrjte, eines fonberboreit UmßottbeS erwäfent, weldjer, wenn er ßd) beßätigt, für bie ©efdjidjte ber 33efeanbtung ber Mafern äußerß itüereffant fein wirb. Sr fagt, baß ju einer 3eit, als bie Mafern epibemifefe, waren, alle Kinber, welcfee ©dwefet gegen bie Kräjje gebraudjten, von ber Kranttjeit verfdjont blieben, unb baß biejenigen, welcfee ©cfewefel gegen ben ©tidfeußen einnafemeit, ebenfalls frei bavon waren. Sütfjerbem beridjtet er, baß viele Kinber, bie mit einer Mifefeung von ©cfewefel unb Kampfeer eingerieben würben, nictjt von ben Mafern befallen würben, wätjrenb bie, welcfee biefes Mittel nictjt gebraudjten, franf würben." Der ©ebraudj von ©cfewefel als Mittel gegen bie Sfeolera, iß übrigens feine neue Sntbedung; ber «Rutjtn berfelben fefeeint Dr. Herring, einem befanntett fjomöopatfeü fdjen Slrzte in «pfeitabelpfela, zu gebüferen. 3« einem Sudje, unter bem Jitel: „bie Sfeolera unb ifere Ijomöopattjtfdje S3etjanbfuttg," fagt Dr. Humvtjreps, ber SSerfaffer: 416 ©unn's Haus* Slrzt. „Stadt) Dr. Herring'S Meinung müßte ßctj ber ©cfewefel als ein fetjr roirffames Mit- tel zur 33ert)ütung ber Sfeolera jeigen." Sin einer anberen ©teile fagt er: Cr, Herring iß ber Slnßdjt, boß ber ©cfewefel eitt wichtiges ©egettmittel fei." SBäferenb wir aber ber Homöopatfeie gebüferenbe Slnerfennung zollen, möcfeten »it Doefe bemerfen, boß ©cfewefel in großen Dofen viel wirffamer iß, ols in ben (Innen Dofen ber Homöopatfeen, unb efee man einer ober ber anberen Metfeobe SSertrauen rdjenfen will, fottte bie gepriefene SBirffamfeit bes Mittels erprobt werben. Kamptjerfpiritus...........3 Dracfemen. Saubanum (Dpium=Jinftur) ....... 3 Dracfemen. Jerpentinöl ............. 3 Dracfemen. s «Pfeffermünzöl ......♦..♦♦. 50 Jropfen. Mifefee Stiles zufammen unb fdjüttte tüctjtig vor bem ©ebrauefe. Die Doflä iji tin Jtjeelöffel vott, mit bem beßen 33rantttwettt, wetdjem man rin wenig 3ucfet juftDt. Man gebe X)albftünbtid) einen Jtjeelöffel vott, bis vier ober fünf Dofen verbrauefet ßnb unb Sinberung eintritt. Man gebe bem Kranfen warmen Seinfamenttjee unb bringe ifen burefe äußerlidj angewanbte SBärme, b. fe. burefe feeiße S3adßeine an ten güßen ober burefe Dampfbäber, tn ©cfeweiß. «Jüicfelidje Sinreibungen Ui Kürpcu mü KampberfpüüuS werben ftd) fetjr wofelttjuenb ltia,tn, wentt man gleicfejeitia, bie falte Suft abfeält. 3n Snglanb feat man mü Srfolg bas St) loroform gegen bie Sfeolera gebraucht. Mr. HÜt, ein am «Pedfeam Hvfpüal angeßettter Slrzt, fagte, er X)abe es in jefen Sauen eöibemifetjer Sfeolera mit vottftänbigem Srfolge gebraucfet, Inbem fecfes ber Kranfen völlig gefeeilt würben unb bie anberen vier ber ©enefung entgegen gingen. 3mi «Patienten ßarben; biefe waren jebod) fcfeon im lefjten Jobesfampfe, ali tiangt« wanbt würbe. Sr fagt: „Unfere gewötjntidje SkfeanblungSweife iß, ben Kranfen zwifdjen iwti warmen Deden in'S 23ett zu legen, ifem ein ©las Branntwein ni! 3uder unb ©ewürz in feeißem SBaffer zu geben, femer mit einem warmen, in eine Mifdjung vott ©eife, Kampfeer, Dpium*Jinftur unb 33ettabonna=Srtraft getaudren gtanett iu reiben, bie ganze Dberftädje bes Körpers mit ©äddjen von feeifjer Kleie ui bebeden, ben Kranfeit Sfeloroform einatfemett zu taffen unb Ifen unter bem mäßigen (Sinfluffe beffelben fo lange zu erijalten, als ßcfe bie fcfjlimmen ©pmptome erneuern, welches oft gefdjietjt, weit« bte SBirfung beS SfeloroformS nodj läßt unb ber Kranit feine 33eßnttuug wieber erlangt. Ss iß nottjwenbig, in fleinen 3wtfcfeenraumen Heine Quantitäten 33ranbp mü SBaffer iu geben; als «Raferung ©tärfemefel(Arrow- root) allein ober mit Milcfe, unb als ©etränf Mildj unb SBaffer ober ©obaroaffn mit etwas «Branntwein. Slußerbem barf ber Kranfe feine anbere Slnnei nebmtn, unb ben Stnftrengungeit ber «Jtatur, bie Kranffeeit zu bewältigen, vertrauen." Dr. ©ooblett, eitt alter unb erfahrener Militärarzt, erwäfent in einem an ben ©eneralmajor Japlor, «Präfibent ber «Bereinigten ©toaten, geriefeteten S3riefe, fol- genbe Metfeobe, weldje fidj nocfe, feiner Slusfage als fefer erfolgreich bewies. Dr. ©ooblett fagt: „SBenit ber berbe, feße Kotfe entfernt iß, fommt ba« 3tn*' waffer, unb wenige Slugenblide fpäter tritt ein ©infen ein. Dann meinte man,!« Kranfe fei außer bem 33ereidje menfdjlidjer Hülfe. „Sdj befjaupte baS ©egetüfeeit; man gebe je£t aßringirenbe (zufamtncnjieb>tfJ Mittet—fage: tin ©ran Dpium unb vier ©ran Kino atte fealbe ©tunbe. Ätnttrn Die Stjotera. 417 gebe man atte fealbe ©tunbe ungefähr einen Jtjeelöffel vott ßärfer 3immet* Jinftur. (Diefe Jinftur fottte aus ber «Jtinbe bereitet werben.) Hierauf eutfleibe matt ben Krönten, gieße faltes SBaffer über ben ganzen Körper, trodne benfelben fdfenett uttb fcfeläge ifen in Deden, bamit er fcfewi^e. Dann gebe man bem Kranfett ein wenig gut gefodjte ®rü£e von Kommet)!. Durd) bie 33erbiitbung bes falten SBafferS mit bem ©tidßoff beS Körpers etttßefet ein neutraler ©toff; bie Krämpfe vertieren ßcfe augenblidliefe, ber regelmäßige 23lutumtauf fefert zurüd unb ber Kranfe iß gefeeilt. Die falte, feudjte StuSbünßuttg ber Haut, ©cfeweiß, iß in ben fcfelimmen gätten nidjt eigenttider ©cfeweiß, fottbem rine SSerbtdjtung beS ©tidßoffs ber Suft; baS fcfeworze unb blaue SluSfefeett wirb burefe bett Drud ber Suft auf bie äußere Haut unb «JJfuSfettt verurfadjt, weldjen bie Spmpfee (bas 331utwafferj entzogen iß. „3dj fomme jefü auf ben großen Durß zu fpreefeen; biefer ift eine golge ber attge* meinen Srfcfeöpfung; mott ßnbet benfelben Umßanb bei «perfonen, bie in Jobe bluten; Sitte fefereien nadj SBaffer, unb von 3ägem tjöreu wir, baß bie Hüfdje unb anbere Jfeiere, wentt fte verwunbet ßnb, bem SBaffer zulaufen. SBaS bie Krämpfe anbelangt, fo erflären ßdj biefe leidjt burdj bie ptö^titfee Sntziefeung bes SefeettS itt golge von 33lutverluß. Mau bemerft baffelbe bri bem Ddjfett, wentt er burctj Mef* ferßiefee getobtet wirb; bort werben bie Krämpfe nicfet burefe bie Heine SBunbe verur* •'aefet, fonbern burefe ben plöijtidjett 331utvertuß. 3« folcfeett gätten gebe iefe meinen Krönten falte ©etränfe ober laffe ße SiS effen. „3m Safere 1833 veröffentlicfete id) meine „Jfeeorie unb «PrariS/' zuerß in einer ßeitung unb bann itt einem S3ucfee, tjatte balb barauf ©elegenfeeit, meine anem- pfofelenen Mittel in Slnwenbung zu bringen, unb fanb, baß fte unbebingtett Srfolg featten. Mit ber größten Hodfeadfetung zeicfeitet „31. ®. ©ooblett, „früherer Slrzt bes 7. 33er. ©t. 3nf. «Jteg." „SBasfeingtoit, 3. Mai, 1849." Dr. ©raves, einer ber feervorrageitbften englifdett Slerzte, befeauptet, boß bie Sfeolera anftedenb fei; er empßefelt bett ©ebrauefe oon 33teizuder. Sr fagt: „Man verbinbe einen ©frupel efßgfaureS 331ei (S3leizuder) mit einem ©ran Dpium, matfee zwölf «J)iHen baraus unb gebe fealbßünblicfe eine berfelben, bis bte bem «Jteiswaffer äfenlidfee 53reaj* unb ©tufelentleerung nacfeläßt. Sn attett gätten, wo Slrznei eine Möglid3 feit ber Sinberung zuließ, war biefes Mittet mit bem beßen Srfolge gefrönt. Ss [bat attmälig ber Diarfeöe unb bem Srbreefeen Sinfealt. Der S3teizuder wirb felbß bei gälten Srfolg feaben, wo atte übrigen ßopfenben Mittel fefelfcfelagen. Dr. Jfeom, Slrjt bes 86. «Regiments, empßefelt in Sfeoterafätten fetjr ben ©ebrauefe, bes 33lei* juefers mit Morpfeium. 3cfe werbe bem Sefer jetü meine SSetjanbtung ber Spolera, bereit Vorzüge bü Srfaferung geprüft feat, unb ben Srfolg berfelben in vielen fdjlimmen gätten zur 3eü, ali bie Splbemie in iferer furefetbarßen uttb verberblidßett SBeife wüttjete, mittfeeileit. £>ie (Sfeolera fann baburefe gefeeilt werben, baß man bie Seber in itjrer unauSgefe^ten, regelmäßigen Jfeätigfeit erijält unb bie abgefonberten ©toffe in berfelben SBeife burefe bie ©ebärme abfüfert. Sin gutes Mittel ift eine ftarfe Doßs Salomel in einem Sßlöffel voll 33ranntmein mit etwas 3uder.* Der ßwtd, weldjen man babei Ztx ©ebrauefe von Salomel Ui ber SBcbanbluttg biefer ftranffeett, fowie bet allen, anberen, ii 27 418 ©untt's Haus-Slrzt. im Sluge Ijat, iß, bett wäfferigett ©tufelgang in einen gattenartigen ju vertvanbeln, S3on bem Slugettblide an, wo ber ©tufelgang rin gattenartiges Stusftfeen befommt wirb ber Kranfe anfangen, ftd zu erfeolen. Die Doßs, welcfee iefe gewöfenlicfe gab war eitt Heiner Jfeeelöffel vott, ba idj mir nie bie Müfee naljm, bie ^abt ju »itaen unb nadj tin ober zwei ©tunben gebe man, wenn nötfeig, bie fealbe Quantität. 3n feinem einzigen gatte verurfadjte vorgenanntes Mittel ©peidfeelßuß. Scfe legte ©enfpßaßer an bie 33eine unb güße,unb in gätten, wo Srbreefeen fhtt« fanb, bebedte iefe ben Magen unb ben Sßaucfe mit großen ©enfpßoßern unb liefi ben Körper mit einer Mifdjung von etwas 33rantüwettt ober Sognac mit einem l'öjf«! rorfeem «Pfeffer, einer «Viertel «Pinte KompfeerfpirituS unb einem Jfeeelöffel voll ?a«. bonum tüctjtig einreiben. Durdj ein gutes Sinreiben mit biefer Mifefeung mürben bie Krämpfe balb entfernt unb bie natürlidje SBärme ber Haut wieberfeergeflelli, Man bede ben Kranfen warm zu unb gebe bemfelben, ba gewöfenlicfe großer iurfl entßefet, etwas Sis ober faltes SBaffer, ober, wenn falte Simonabe fein Srbreefeen erzeugt, etwas von biefer. Dies berufeigt ben Magen unb tfeut bem örbre« cfeen Sinfealt. SBir feetraefeten eS als eine allgemeine «Jtegel, baß bie gewöfenlicfee Tiät einet gamilie, bie ßcfe einer gleldjmäßig guten ©efunbbeit erfreut, beS Sfeoletafajtetfenl von fefer zweifelhaftem Stufen unb Wirb nocfe beute von fefer vielen unferer Slerjte aetabelt. 9U bte Sfeolera feier im ©ommer 1849 feerrfajte, featte Dr. 3. H. 3orban, ein cfleftifajer Slrjt, ki Stnctnnatt Sbolera«£ofpttal vorn 6. Sunt an, bis jur Sluffeebung beffelben, am 16. Sluguff, unlti fetner SSerwaltung unb War befanntlicfe in fetner Befeanblung ber Kranffeeit fefer glüd(ia). (h ejebraucfete fein Salomel, fonbern verließ fiefe feauptfä'cfelicfe auf innere «Jüijmittcl unb aufm SBärmeerjeugung. ©ein „Sfeoleramittel" geben wir unter ben «Jtejeptcn. ör gebrauste au|er* bem mit bem beßen Srfolge ein «Präparat, beßefeenb aus ©alz, fajroarjem «Pfeffer, Cffig unfc warmem SBaffer, in folgenbem Berfeältmß: einen gefeäuften Sßlöffel »oll @alj, einen geba'ufttti Jfeeelöffel voll fefewarjen, fetngemafeknen «Pfeffer, ungefäfer ben britten Sfeeil eine« gctecbnlttfem SBafferglafeS voll Sfßg unb feeißeS SBaffer genitgenb zur StuffüHung beS ©lafeS. Sobalb fiaj ba« ©alz aufgelöß featte unb baS «Präparat feinrctäjenb abgefüfelt war, Würbe baS ®anje bem ftwn« fen fefelud' ober löffelweife ungefäfer alle ein ober zwei Minuten gegeben unb bamit fcrwMbreit, bis SllteS eingenommen war. ©efer oft pflegten bie Kranf en eS wieber aufyubreajen j »o titf ber galt war, befamen ße eine zweite DoftS, Welcfee gewöfenlicfe im Magen blieb. taffclbe Kit« tel würbe im Safere 1850 in verfdjiebenen ©egenben ber Srbe unb immer mit aufjtwbcntltditin Srfolge gebraucfet mit bem unterfefeiebe, baß man bisweilen rotfeen, ftatt fefetoarjen «Pfeffer jufnjK- Man glaubt, baß von allen ©ubßanzen bas ©alz «ntm wirfliefeen ©egengifte ber 5b>lera m uäcfeßen fommt. Man fottte eS in ber Kranfbeit fo viel als mögliefe gebraucfeen, unb »enn rn Kranfe nicfet fefetuden fann, muß man eS in gorm eines KlpßterS geben. «Jteunjig unter b«"' bert gälten epibemtfefeer Sfeotera fönnen burefe feäufigeS Sinnefemen von ©aij, »armem 2B«P unb Sfjtg, in ben erften ©labten ber Kranffeeit, gefeeilt werben. Man fann, befonbers nacfebem man eine ober zwei Dofen beS ©aljpräparate« gegeben W rnb ber Magen rufeiger geworben iß, reijenbe Slrzneien, mit einer ßarfen Wifcfeung m w» ben Mitteln geben, jum Beifpiel: gleicfee Sfeeile (fage eine Unje von jebem) Jtampfa»»'* Savenne-Itnftur. SMen-£mftur, Kino=2:inf tur unb ftarfe SlniS-öffenj. X oft*: ein Ibwbfr. »■ atte fünf ober jebn Minuten, ober ein Sßlöffel »ott featbßünbltcfe, ober man »enbe fcf »» ben «Rejepten befeferiebene Präparat an. ßu gleicfeer 3ett fealte man ben Kranfen ™^ warm bebedt im Bette unb benufce, wo mögliefe, beifje Bacfftetne, ©teine ober getobte u» afeten an Den güßen unb an ben ©etten beS Körpers, um wo möglieb, tüten gefunben R«WJ ©cfeweiß feeworjurufen. Man bringe ben Kranfen in einen warmen ©ajtneijj, unb n ff bem teften SBege jur ©enefung. [3. ■£>• 3-1 © c o r fe u t. 419 wegen nidjt wefentlid) öeränbert werben fottte; benn es iß eine STtjatfactje, boß ritte foldje SJeränberung Itt ber täglidjen «Kaferuttg gurdjt uub 23eforgttiß erregt unb fo ©cfeaben jufügt. «Jtur ©peifen, bie als unöerbaulidfe ober bem Mageit unb ©arm* fanal als nacfetfeeilig befannt ßnb, fottte man triefet gettießeit. Sitte fottten große Slttßrengungen uttb Slusfcfeweifuitgeit atter Slrt öermeibett; ebenfo iß es fcfeäb(id), ßdj fdjledjtem, feeißem SBetter ober ber «Jcadjttuft auSjufe^en. Unb wenn ßdj bie geringßeit 9lnjeid)en unangenefemer Smpßnbung im Magett ober im Unterteibe bemetfltdj macfeen, möge man nictjt »ergeffen, baß bie SSerttacfeläfß* gung biefer ©pmptome töbtliefe werben tann. Um bie Sfeolera ju »erfeüten, iß es fefer Wicfetig, baß matt befonbere ©orgfalt auf bie SBafel ber Äleibuttg »erwenbet; biejenigen, welcfee glanett tragen, würben wofel tfeun, biefen ©ebrauefe forijufe^en, unb Slnbere, welcfee nicfet baran gewöfent ftnb. werben es fefer üorttjeittjaft ßnben, eine weiefee glanettbinbe nemlidj feß um ben Unterleib ju tragen. 8 c p t B u t, Diefe kranffeeit fdjeint in einer eigenttjümlidfeett Stttartung unb 33erberbniß ber ©äfte ober gtüfßgfeitert beS Körpers ju beßefeen, weldje jur Siterung unb ßex[e%una, ber feßen 53eßanbtfeeite füfert. U r f a cfe e n. — Sluf bem ?anbe fommt ber ©corbut Ijauptfäcfelid) ttur in itörbti* cfeen 53reitegraben, in niebrig gelegenen fumpßgen ©egenben »or, ober an «Plänen, wo fefer riel ßefeenbes SBaffer iß, uttb wirb watjrfdjrinlicfe burefe falte, feudte Suft »erurfaefet. Sr etttßefet ferner burefe ben langen unb feeftänbigen ©ebrauefe, ringefat* jenen gleifcfees unb ben Mangel an frifdjer «^flattjetttoß; besfealb fommt er fo feäußg auf ©djtffen wäferenb langer ©eereifen »or. Sr fantt auefe burefe, bie Unterbrüdung regelmäßiger SluSfdeibungen, wie jum S3eifpiel ber Menßruation, fo wie burdj feer= abjtimmenbe ©emütfesbewegungett öerurfadjt werben. Mangel an «Jüinlicfefrit, otx* borbene Suft, uttgefunbe «Raferung, Mangel an «Bewegung unb alle Umftänbe, bie ben Körper fcfewädjen unb bie ©äfte üerberben, begüttftigeit feine Sntßefeuttg. ©pmptome. — 2)ie erßen ©pmptome beßefeen gewötjntidtj in einem 3Beid}= werben, Sitern unb 331uten bes 3afenfleifd)eS, üblem Sttfemen unb bisweiten bäuß* gern «Jcafenbtuten. Sluefe ßettt ßcb nadj jeber fleinen Stnßrengung ein ©efütjt ber Mattigleit uttb Srmübung unb furjer Sttfeem ein. 33ei bem weiteren gortfcfereiten ber Kranffeeit pßegen bie ©lieber entweber anaufefewetten ober abjumagertt, unb auf ber £aut erfcfeeinen gelbtictje ober grünlidje gleden ober fduppige Slusfdjlage. £>as Eßcfet iß gewöfenlldfe bloß ober bleifarbig, ©efeließliefe fommen nocfe, anbere ©pmp* tome baju; ganten unb Slusfatten ber 3ätjne; «Blutungen üott oerfdjiebenen $ör* pertfeeilen; Ijartnädige ©efdjwüre; ben ganjett Körper bebeden bie fdfeuppigen Slusfajläge; ©djmerjen in ber 53ruß unb in bett ßttodjett; feeftifc^eS gieber; unb ber «Patient gefet unter ben Srfdjeinungett ber «Rutjr, ber SBafferfudjt ober beS 23ratt* bes ju ©runbe. %tfe a nb tu ng. — Der einalge ßdfeere SBeg, biefe kranftjeit 3U feilen, bt[ttX)t 420 ©unit'S £aus = 3frjt. in riner 33erättberuttg ober 23efeitigung ber Umßanbe, welcfee ße betutfaefete«, Die Sebensweife, ber SBofenort unb bie Mo[t bes Patienten muffen möglicfejt ter- wanbelt werben. SBenit matt glaubt, baß vieles ©tubenß^en unb feerabßimmenbe Sinfluffe bie ©cfeulb trogen, fo laffe mon ben «Patienten ßdj täglicfe ««Bewegung ig frifdjer Suft macfeen ober ßcfe eine S3efefeäftigung im greien fuefeen unb bringe ibn in eine Umgebung unb unter ©efeüfdfeaft, wo er 3erßreuung unb Srfeeiterung finben fann. SGenn bü «Kranffeeit burefe ben langen ©ebrauefe »erborbener unb gtfaljtnet «Proüißonen entftanben Iß, fo ßnb bie oorjüglicfeßen Heilmittel frifdje ©emüfe, frifcfeeS S3rob, Mild, Slpfelweitt unb «Pflatn,enfäurett. SBenn frifdje ©emüfe nicht gu feaben ßnb, fo ßnb eingemodte grüdte unb ©emüfe am beßen. ©auerfraut iji ein ausgezeichnetes Mittel. SllS ©etränt ßttb 33uttermildfe unb faure Motten gut. ©uter Sfßg, befonbers ber son Slpfelweitt bereitete, iß audj bienlidj unb follte mit ben meißen ©peifen gemifdjt werben. Stußer ber gegen baS ©runbleibeit geriefeteten Diät erforbern beren ©pmptomt uttb 3ußänbe eine befonbere 33ebanblung. ©egen bas wunbe unb eiternbe 3ab> ßeifefe braudje matt bte jufammettgefe^te Slloe* unb Mprrljett=2ütftur jum Sutifpü« len. Dber man nefeme Mprrfee, Slloe unb Safrifjen^Srtraft, je eine fealbe Unje; pulöerißre unb gieße eine STfeeetaffe toott feeißen SBafferS auf, rüljre um, unb wenn es erfaftet, tfeue eS in eine glafcfee unb füge rine fealbe «JMnte guten Sranntwein ober Sognac feinju; laffe es »ür bis fünf Jage ßefeen, gelegentliefe umfcfeüttctnt; bann feifee man es burefe ein glanetttuefe unb brauefee es jum SluSfpülen beö «Kun< bes, fowie jum ©urgeltt, breü bis oiermal täglicfe. SBentt Durcfefätte ober ruferartige Srfctjeitutttgett oorfeanben ßnb, brauefee man bas neutralißrenbe «Pulöer unb anbere biefem 3ußanbe angemeffene «Mebifamente. S3et S3erßopfung brauefee man Sarirmittel; bei SBaudjfdjmer^en warme Umfcfeläge unb Dpiumpräparate; bei S3rußbeflemmungen unb erfdtjwertem Sttfemen, 2enf< pßaßer unb frampfftittenbe, Sluswurf beförbernbe Mittel; bei ©efemerjen obet 3ufammen3iefeuttgett ber ©lieber, Slnfcfewetten ber ©elenfe u. f. w., bte Dämpfe bitterer Kräuter, reijenbe unb ermeidjenbe Sinimente unb «Jleibung. SBenn tie baut ergriffen wirb unb ßefe gleden, ©dorfe ober ©djuppen geigen, wafcfee man ben ganzen Körper einmal täglicfe mit SBaffer, weldjes mit Sfßg obet Satjfaure angedauert iß; wentt ftcfe ©efdjwüre bilben, madje man Umfdjläge oon^eß" unb Ulmenrinbe unb lege bie grüne ober eine anbere gute £eitfafbe (ßefee «Jtejepte) auf Ss wirb ferner gut fein, wenn ber «Patient täglicfe eine fealbe bis ju einet ganjen «JMttte einer Slbfocfeung oon ^tettenwur^et, Moitbfamen (Yellow Pariila), Sibifcb, Söwenjofettwurjel ober äfentietjett fäfteüerbeffernbeit «pflanaentntttetn trintt. $t eb$. Dies iß eine ber fcferedlidjßett unb, mit «Redjt, eine ber gefürcfetetßen kranffeeiten. benen bas menfdjlidje ©efdjledjt unterworfen iß; itjr gefäfjrtictjer Sfearafter erbetfdst, baß itjr fofort bei bem erßen Sluftreten burefe ärjtlidje S3efeanbtung begegnet werte, «4nb es iß baljer sott ber tjödfeßen SBidjtigfeit, bie ©pmptome, burdj vtlty fu li3 Grefes. 421 anfünbigt, gu erteniten, elje es gu fpät unb ber «patient außerhalb beS S3ereid)eS menfdfelidfeer Jpütfe iß. Der Grefes beginnt gewöfenlidj ats eine fearte ©efdjwulß, ofene Sntgünbung, unb iß Slnfangs entweber fdtjmerglos ober ber ©tjj abwecfefetttbei ßecfeenber ©djmergen. Sr ßnbet ßcfe, Ijäußger bei grauen, ats bei Männern, unb befällt bte 33rüße feäußger, als irgenb ein anbereS Organ. Mir ßnb metjre gätte beS ©ebärmutter^rebfes »orgefommen, beren einen iefe in «Rew DrleanS burdj eine glüdlidje «Operation befeitlgte. S3ei Männern pßegen bie ©efdjlecfetstferiie nidjt feiten befallen ju werben; bas .Ktnn, bie «Rafe uub bie Sippen ältlidjer «Perfonen werben feäußg befallen; bisweilen, bocfe nur itt tiereingettett gätten, ßnbet ßcfe aud) Krebs bes Magens. Der Ärebs erfdjeint fetten in ben früfeeren Sebettsfatjrett, gewöfenlicfe nicfet öor bem breißigßen Safere. SBenn oon bem Sfearafter bes ©efdjwulßes, feiner sparte, feiner Sage, Don bem Sllter bes «Patienten unb »orgüg* liefe oon bem $?erbacfete einer erbtidtjen Slnlage auf bie mögiidje Sntwidelung eines KrebfeS ju fcfeließen iß, fo fottten otjne 23ergug entfdjiebette ©djritte getfeait unb weber 3eit, nodj ©elb gefpart werben, um eine fcfetedtidje 33erßümmelung ober einen langfamen unb qualootten Job abguwenben. SBenit man ber .Kranffeeit iferen Sauf läfjt, fo werben bie bem $rebfe gunädjß liegenben Drüfen angegriffen, unb bann entßefet eitt grau ausfefeenbeS ©efefewür, weldjes bünne, efetfeafte, wäfferige Materie abfonbert unb ber ©tjj reißenber uub ßedjenber ©djmergen iß. Die «Jtänber beS ©efefewüres ßnb gewöfenlicfe, feart, serbidt unb äußerß fdjmergfeaft; bas umgebenbe gleifaj erfdjeint gegadt, wie bie 3äfette einer ©äge. Sin KrefeSgcfdjwür feat einen eigentfeümtidfe wiberwärtigen ©erud), unb wenn man einmal ein foldjeS ©efefewür gefefeert unb feilte efelfeafte Slusbünßung gerodjen feat, wirb man bie kranffeeit immer leicfet wieber erfetttten. Der Grefes eittwidelt (taj gewöfenlicfe aus ffürfeöfen ©efdjwülßen, SBargeit, «Pußeln, knoten unb öert)är= teten ©efdjwüren. Sr erfdjeint guerß als ein tjarter, unregelmäßiger Stumpen, ber ßdj unter ber baut bilbet, gewöfenlidj an bett S3rüßeit unb ber ©ebärmutter bei grauen; an ben Sippen, bem ©eßdtjte, ber 3unge, bem ©autnett, bett ipoben unb ben SBangen bei Männern, unb wenn er, was feiten üortommt, kinber befällt, fo ßnb meißens bie Stugen unb bie «Rafe ber ©{£ ber Äranftjrit. Seber körpertfeeil fann ber ©tt) bes KrebfeS fein, obgleicfe bie brüßgett Sfeeile am liebßen befallen werben. Man beadjte, wentt eine ffirrfeöfe ©efcfewulß an bett S3rüßeit »ott brennen* ben, ßedjenben ©dmergen begleitet unb bie barüber Itegenbe baut eine grautidje, blaurotfee ober grüntid) blaffe gärbung annimmt, fo iß bies ber Uebergang in ben wirfliefeen Grefes. Die ©efcfewulß fdjwtttt bisweilen gu beträdjttidjer ©röße an, bie 53rußworge ßnft etn, unb man ftefet felaurottje «Gelten in atteit «Ridjtungen ßcfe barüber feinjiefeen. SBer burefe ffroptjulöfe ober erblidtje Slnlage gu ßrebsleibett geneigt iß, fottte äußerß oorßdjtlg feitt, nidjt Heine SBargen am ©efidjte ober onbe* ren empßnbliefeen Äörpertfeeiten gu reigen, itamentlid) gu gewiffen Sefeensperioben, ba er ßcfe baburefe einett ßrebs gugieben tann. SBentt leine örtlicfee «Reigung ftatt«. fabet, fo fantt bie im Körper ßeclenbe kranlfeeit wätjrenb beS gartgett SebenS am Slusbrucfe verfeinbert werben. Äurj, efee biefe ©efdjwülße ober knoten ftd) in eilt offenes ßrefeSgefdtjwür »er* »anbellt, pßegt bie umgebenbe baut ßdj gufammengugieb, en ober faltig gu werben, unb ifere Dberßädje nimmt ein fdjmärglicfe blaues SluSfetjen an. «Racfebem ßdj eine offene, wunbe ©teile gefettbet, unb bie bünne, wäfferige, freffenbe glüfßgfeit baraus 422 ©unn's $aus*2irgt. gu rinnen anfängt, fo erfeebt ßcfe bas wilbe gleifcfe über bie Haut unb bilbtl r-fi große SluSwüdjfe ober klumpen. Die rofee Dberfläcfee blutet tjäuftg unb feat ein bösartiges Slnfefeen. ©leidfegeüig üermefert ßd ber ©cfemerg unb ber «Patient magert ah. S3ei mandjett $rebfett, ttorgüglid) bei bem 33rußfrebs, werben alle Xrüftn Ui Körpers in Mitleibenfcfeaft gegogett. Die Jpout unb bie MuSfeln, bie ben Stxtit, bis gu einer giemlicfeen Sntfernung, umgeben, werben feart, ßeif unb jufammen gefdjrumpft. Die Sldjfelbrüfen unb bü Slrme fefewetten feäußg an unb wttben fteif, unb, nacb, einiger 3eü, nimmt ber gange Körper an ber Äronffeeit Jfeeil. 3cfe habe bei biefem Seiben bisweilen einen völligen SSerluß bes SlppetitS, in anberen gätltn einen tranffeaften Heißfeunger gefeljen. 33ei manefeen Jtörperoerfaffungen ijt bet gortfdjritt beS ÄrebSübels langfam unb auf einen beßimmten «Punft befcferänft, bei anderen iß er äußerß fdjnett, unb man fattn üoit Xa$ gu Jag beofeaefeten, wie tt mit ber ©efunbtjeit abwärts geb. t. SBie gefagt, es iß öou ber feödjßen SBidjtigfeit, baß fearte unb wäfferige ©efefemülfh am Körper, üorgüglicfe am ©eßcfet unb Hälfe, in feiner SBeife gefdjnitten ober »er« ü£t werben, ba fdjon manefeer fleine fearte knoten unter ber £aut burefe «Jteijunfl ftcfe in einen Ärebs oerwanbelt feat, wäferenb er, wenn matt ifen unberüfert gelaffen featte, nie gum SluSbrudj gefommen wäre. 33ei bem «Jtaßren muß man ßcfe befonbers in Slcfet nefemen, feine morgige, fearte ©ufeßang gu »erleben. Der «RofenfrefeS, wiffenfdjaftüdj: Fungus Hematodes», nimmt »erfefeieben« ©eßalten an unb befällt atte bie Sfeeile, bie auefe ber ©i£ beS eigenttiefeen Ärebfe« ju fein pßegen. 3m «beginne iß er nur eine weide ©efeferoulft, bie ßcfe etaftifefe unb bisweilen fefer fcijmergfeaft anfüfelt. SBenit fie in Siterung übergefet, fo breitet fie ftd, in einer ber rotfeen «Jlofe äfentldjett gorm aus, erfeebt fidj bebeutenb über bie umge« benbe Dfeerßädje unb geigt eine große, blutige, fdj warn m artige Maffe. häufig fliejjl «Blut baraus, unb bas ©ange gewäfert einen efelfeaften Slnblid. Diefelben Mittel, welcfee man gegen ben eigenttiefeen Grefes anwenbet, werben audj gegen biefe 8or» gebraudt. Heilmittel. — «pftangenfoß unb eine ftreng mäßige Sebensweife fönnen siel tfeun, um ben gortfdjritt biefer kranffeeit aufjufealten. Sine ber borjüglicfefkn unb wefenttiefeftett SSeränbetungett, bie itt ber Äörperüerfaffung feeroorgebraefet m> ben fönnen, ift burefe eine SSeränberung ber «RaferungSmittel gu ergieten. Ut ©peifen unb ©etränfe, bie geeignet ftnb, einen entgünblidfeen 3uftanb gu erjeugen ober gu ttermetjren, werben auefe ben Grefes oerfcfelimmern; unb im ©egentbetl, Stiles, was Sntgüttbungett nieberfdjlagen tanit, »erbeffert audj ben 3uftanb W ßrebSgefcfewüreS. Sitte falgigen ©peifen, ©djweineßeifefe unb reijenbe Dinge jetet Slrt üerfdjlimmern bie kranffeeit. ßurg, bas Hauptgetränt foüte SBaffer, unb tu Hauptfpeifen fottten ©emüfe fein. Das gewöfenlldje Heilmittel ift bisfeet gewefen, ben Grefes burefe bas Meffer, ober in anberen SBorten, burd) eine cfeüurgifajt De- ration gu entfernen. Dies wirb bei bem Ärebfe ber Sippen, ber ßm* un6 " ©eßcfets feäußg eine $ur bewirten; bocfe bei bem ßrebs ber «8rüße nnb anUxtxJ^ ßer Drüfen ift bie ©aefee üiet fdfewieriger. Die Dperation wirb inbeffen gortfdjritt ber ßranfljeit eine 3eit lang auffealten. Man fantt nldjt gerabe Wi . baß ber Grefes ftcfe burctj 33erüferung mittfeeitt, bocfe. fottte biefelbe foriel altf W »ermieben werben — befonbers bei ber nafeett 33egieb,ung gwifdjen Sfeegatten, »e Drgan v.ltx ©ebilbe audj ergriffen fein mag. Grefes. 423 Sei ber ©tjjung ber Sltobemie ber SBiffenfdjöften iit «Paris richteten bte Herren S3aupfeietup unb Stbelbe «Jtofeoitte, gwei auSgegeicfenete Stjirurgett, an bie mebiginifcfee gafultät ein ausfüljrtideS ©cfereiben über gewiffe Slnimatculae, ober in anberen SBorte* Heine, Saufen äfenlidjfeljenbe, STtjiercfeett, welcfee fte in allen Ärefesgefdjwü* ren, bte unter ifere S3eobadfetung gefommen, gefunben featten. ©ie feobett 33erfudje über bie beßen Mittet gur 3erßörung biefer Slnimatculae ongeßettt, unb als «Jtefultat berfelben b, oben ße folgenbe Slrtifel wüffam gefunben: Branntwein, 3ob=£inftur, gefättigte Söfung tion boppeltem Quedßlber^Sblorib (Sublimat), tion ©olb*Sfetorib, tion Strfenif, »ott Äupferfalgett, tioit ©itbernürat (Höttenßein); über biefer Slrtifel ift geeignet, bie erwäfenten fleinen Jfeiercfeen itt ber 3eit »on gwangig bis breißig Minuten gu tobten, unb wentt biefelben nicfet auf foldje Slrt befeitigt werben, fo iß es unmöglicfe, biefe Ärattftjeit gu furiren. Dem «JKangel an Äentttnlß ber richtigen Mittel ift es gugufdjreibett, baß bie Heitoerfucfee gegen biefes gefäferttdje unb quattiotte Seiben fo feäußg fefelfcfelagen. Sin anbereS wertfeootteS Mittet gur Heilung bes ÄrebfeS iß fürgticfe entbedt wor* ben: Umfcfeläge tion «Preißetbeeren (ÄrottSbeeren, Cranberries) auf bas ©efefewür, fönnen bies feartnädige Seiben furiren. SBir wiffen »on metjrett gätten, in benen ber ©ebrauefe biefer S3eeren, welcfee gerquetfdjt aufgelegt werbeit, Heilung bewirft feat. Sine Dame unferer 33efatttttfdaft X)atk tintn S3rußfrefeS, ber bereits bie ©röße eines HüfenereieS erreidjt tjatte unb etwa einen 3ott tief unter ber Dfeerftädje faß; in biefem gatte war bas Seiben burefe erblictje Slnlage überfommen, unb bie Äranfe glaubte, baß ifer JobeSurtfeeit beßegelt fei; ße ließ ßefe; inbeffen Überreben, bie «preifjelbeeren gu tierfudjett, unb ßetje ba, es fealf. Ss iß jefü gwei bis brei Saljre, feitbem bie ©efcfewulß tierftfewanb, unb bis jeijt feat nocfe, feine Stnbeutung einer Sßieberfetjr ber Äranffeeü ftattgefunbeit. Die 33eereit würben in einem Mörfer gerquetfdjt, auf ein Xudj geßridjen uttb aufgelegt; biefer Umfdjlag würbe breimal tägiidj erneuert, ^n gwei ober brei £ageit würben auf ber Haut «Pußeln unb S3täs« cfeen gejogen, bie, wie bei bett «Podett, mit Materie gefüllt waren; unb biefer «Progeß wieberfeolte ßctj mefere Mal, bis ber gange Äranftjeüsßoff Ijerausgegogen war, inbem ber Krebs nad) jebem Umfcfeläge weidjer würbe unb ßcfe an Umfang tierminberte, bis er enbliefe gang tierftfewanb. Die Heilfräfte biefer 33eerett ßnb erß tfeeilweife befannt. ©ie ßnb füfelenb unb tiermögen Sntgünbuitgen gu befeitigen; man wtix), baß ße feartnädiges Halsleiben furirt feaben. SBir feobett es nie tierfuetjt, aber ftnb über* jeugr, baß ße bei 33rond)itis »ott «Ru|en fein würben. Der „SuScaloofa Dbfertier" beridjtet, baß ein Mr. S3etl, ber adjt Saljre lang att einem ÄrefeS in ber «Rafe gelitten blatte, burefe ben ©ebraudj gewöfenlitfeer «Pretßel* beeren* (ÄronSbeereit) Umfcfeläge geseilt würbe. Das Mittet iß jebenfatts fo ein* faefe unb unfdfeulbig, baß Seber, ber an ber Äraitffeeü leibet, es tierfudjen fottte. Sin anbereS Mittet gegen bas entfe^tidje Ärebsteiben würbe burefe 3ufatt entbedt. Ss feeißt, baß ein Suwelier, ber einen trebsartigen knoten an ber SBange tjatte, einige Male, als er ©olb itt ÄöntgSwaffer (Acidum Nitro-muri »ticum) aufüße, unwillfürlidt) feine bamit befeuefeteten ginger an bie tränte ©teile bradjte; er war übtrrafefet gu bemerfen, baß bie ©efd)wulß balb barauf it)x Slusfefjen tieränberte unb tn furgem »erfefewanb. M. «Jücamier, ber bie Urfacfee tiermutfeete, maefete metjre burdjaus erfolgreiche S5er= fudje mit berfelben Mifefeung; unb fo iß bem 3«faU ein neues fauftifdjes obet 424 ©unn's HauS«Slrgt. Süjjmtttet gegen JtrebS gu tierbonfen. Die Söfung, weide er onwtnbete, war ein« Unge ber ©äure gu fecfes ©ran Sblorgolb. Das tfönigswaffer fann Jeber au« jwei STfeeilen ©aljfäure unb einem Stjeil ©alpeterfäure mifdfeen. Sol. Ufferp, In De ©oto, beridjtet bem «Jübafteur ber „Sobbo ©ajttte," bap" « einen grünblicfeen SBerfud) mit einem Mittel ongeßettt tjabe, bas ifem oon einet Singeborenen empfofelett worben fei. Ss beßefet barin : nimm ein Si unb brecfee es; gieße bas SBelße ah, fo baß bas ©eibe allein in ber ©dfeale bleibt; bann tfeue ©atg feinein unb tnifdje es mit bem ©elbett, fo lange es booon aufnimmt; rüfere bieS gufammen, bis eine Slrt ©albe etttßefet; feürtiott nimm einen Sfeeil unb ßrticfee es auf ein ©tüd Heftpßaßer unb lege es auf ben Grefes, etwa gwetmal täglicfe. (Sr feat biefeS Mittel gweimat In feiner eigenett gamilie mit Srfolg angewanbt. golgenbes Mittel furirte Marp Sarrol iu SouiStiiüe, Äentudp, welcfee mtfete Safere lang am 33rußfrefeS gelitten featte. Ss war einer ber fdferedlidjßen gälte, bie id) je beofeadjtet X)aht; bie Slusbünßung ober ber ©eruefe war ber wtberwärtigfit, ben man ftcfe beiden tonnte. 3« brei Monaten war ße tiottßänbig gefeeilt. I)ie «Rafe iferer Sodjter war ebenfalls burdj biefe kranfljeit abgefreffen worben unb baf- felbe Mittel bewirfte itjre Heilung : «Jtotfee Sidenrinbe............2 Unjen. SBeiße Sicfeenrtnbe ............ 2 Unjen. ©djminfbeerenwurjel ........... 2 Unjen. «Perßmmonriitbe............2 Unjen. ©djwarjbornrtnbe (Black Haw Bark)......2 Unjen. 23rombeerenwurgel ............ 4 Unjen. ©auerfiee (Sheep Sorrel) .......... 2 Unjen. «Jtotfee «Relfenblütfee ...........2 Unjen. 3immetrinbe ......♦♦......! Unje. tfodtje biefe Slrtifel in tiier bis fünf ©attonett SBaffer gu einer ©attone ein. Seife« burefe unb füge gu jebem Quart eine Unge 53orar unb eine Unge Sltaun; wafcfee feier- mit bas ^rebsgefefewür brei* bis tiiermat täglldfe ; bereite eine ©albe aus ©ajöpfen- fett, SBacfes, einem ffetnett ©tüd Jerpentinfearg unb „©tprar ©weet ©um" (tion Liquidambar Styraciflua), um ße auf bie wunbe ©teile gu legen. golgenbes wertfetioüe Mittel feat einige ber fdjtimmßen gätte tion ßrebs gefeeilt. ©auerfiee wirb in SBaffer gefefeüttet unb einige 3eü ßefeen gelaffen, bis er burefe unb burefe geträntt iß uttb gu 33obett ßnft; biefe Maffe wirb bann als Umfdjlag benufct. Sin fo einfacfees Mittel auefe ber ©auerfiee fefeeint, fo wirb man bocfe ßnben Ui) et itt furger 3eü eine feeilfame SBirtung äußert. S3on atten Uebeln, benen bie arme Menfdjettitatur unterworfen, iß feine« fo feferedltdj, als ber ßrebs, bo er ben «Befallenen gottweife tobtet; unb id) banfe bafeer ©ott, baß iefe es in meiner Madjt tjabe, Mittet angugefeett, bie, gefeörig angewanbt, biefe ©efdjwüre getjeilt feaben, wenit atte gewötjntidjen Sltgneten fefelfcfelagen. Mittel gegen ben ÄrebS. Mr. Sfeomas Sprrett, in Miffouri, fagt, baß er ßcfe tion einem feartnadij« tfrefesteiben burdj folgenbeS Mittel befreit Xjahe: „Durcfe reiefettefeen ©ebrauefe »on «Pottafdje, aus ber Stfdje ber rotfeen Stdje bereitet, gu ©prupbtde gufammengeloit Die ©f ro pljetn. 425 unb als Umfdjlag gebraudjt; bas ©ange wirb mit einer Dede tion Sfeeer übergogen.' 3wei ober brei foldjer Umfcfeläge entfernen atte Sluswücfefe; fpäter iß es nur nöttjig bie SBunbe mit gewöfenlicfeer ©albe gugufeeilen. Sin anbereS Mittel gegen ben ÄrebS. 2)hn nefeme bie SBurgel beS fefematbläüerigen gelben SlmpferS, Yellow Dock (Rumex Crispus), foefee fte itt wetdjem SBaffer unb wafcfee bas ©efefewür mit ber Slbfocfeung, fo feeiß, wie eS ertragen werben fann ; fülle bie Höfelung gwei Minuten lang mit ber glüfßgfeit; bann fefeabe bie Maffe ber SBurgel, gerreibe ße fein, ßretdje ße auf MuSlin unb bebede jeben Xfeeil bes ©efcfewüreS bamit; tauefee ein leiitetteS 3eug in bie Slbfocfeung unb lege es über bas Muslin. Dies wieberfeole breimal wäferenb ber tiler unb gwangig ©tunben unb laffe ben «Patienten jebeSmal ein SBein* glas oott oom Ifeee, aus ber SBurgel bereitet, mü einem Drittfeeü ©lafe «Portwein unb mit Honig gefußt, trinfett. golgenbe ©albe foll atte trebsartigen uub fottßigett ©efdjwüre turirett: nimm totfee Sicfeenrinbe, weiße Sicfeenrittbe, ©dfewargbontrinbe, 33romfeeerwurget, «Perßm* monrinbe, ©dfeminfbeerwurgel, tion jebem eine boppelte Hanbtiott, unb eine Unge 3immetrinbe; tfeue bieS in fünf ©allonen SBaffer unb fodje bis gu einer fealben ©attone ein; bann feifee gut burdj; reinige ben lopf unb tfeue bie fprupartige glüfßg* feit wieber feinein; bantt füge feittgu eine fealbe Unge 33orar, eine fealbe Unge Stlauu unb bier Ungen beS ausgepreßten ©afteS tiom ©auerfiee; bantt foefee bie Mifefeung tior* fidjtig, ofene ße angubrennen, bei einem gelinben geuer gu einer biden ©albe ein unb beroafere ße an einem füfelen «pto^e auf. Diefe ©albe iß einmal tägiidj eingu* fefemieren bis ber Grefes getobtet ift; in ber 3wifdt)ettjeü muß berfelbe gut mit (caßi* lifdjer) ©eife gewafajett werben. «Radjbem ber Grefes getobtet ift, brauefee eine ©albe aus gleictjen SLfeeiten SBacfes, ©cfeöpfenfett, Serpentittfearg unb ©tprar, atte jufammengefdjmolgett. Diefe ©albe wirb bie Mux beS ÄrebfcS tiottenbett; ße iß auefe gut gegen atte Strien tjartitädiger SBunben unb ©efdjwüre. $ie Bttop^ein obet ba$ &öni#$übel (engltfid&e fiumUycit u. f» »♦) ©er «Ratnett ©froptjeln (Scrofula) iß abgeleitet tion scropha, bas ©efewettt, weil matt biefe cigentfeümÜcfee kranfbeit hei ©djmeittett beobaefetet X)abett will. Den Tanten Äöntgsüfeet erfeielt ße baburefe, baß Sbwarb, ber S3efettiter, unb anbere eng* lifefee unb frottg oft fefee Könige beaitfprudjten, ße burd) Hanbauflegen feilen gu fön- nen. Die fetzte gefrönte «Perföntidtjteit, welctje biefe Säufdjung ausübte, war bie Königin Sltttta tion Snglanb, im 3afe> 1707 ; ße erließ eine «Proflamatiott iit ben lonboner 3eitungen, in weldjer ße atte itjre ffropfe>töfen Uittertfeaneit einlub, ßd tfeter föniglidjen «Berüferung gu untergiefeen. Dies Seiben befällt feauptfädjlicfy bie ©rufen, befonbers bie beS HalfeS, unb geigt ßdj in fleinen tjartett Römern ober Äneten unter ber Haut bes Halfes unb unter bem jtitttt, wo ße längere 3eit bleiben, 426 ©untt'S HauS-Slrgt. oft Materie anfammeln unb oufbrecfeen unb in Siterung übergeben. Cft werben bie Slugentiber bation befallen, inbem ße anfcfemeüen, ßcfe rotfeen ober entgünben unb einen biden ©djleim abfonbertt, wäferenb bas Sluge felbß fcfemergfeaft unb empfinb« liefe iß. Mancfee Menfcfeen feaben eine ffropfeulöfe Slnlage ober ffropfeulöfe« $tm peroment tion iferen Sltern überfommen. Unter ben Urfadjen ber ©froptjeln fttfei bie erblidje Slnlage ofene ßröeifet obenan. Daß eine foldje Slnlage bei ßinbtrn ent« ßefet, beren 23äter baran gelitten, iß erwlefen. S3ei kinbern ßnb bie Drüfen (bei HalfeS, ber S3ruß unb bes 23audjeS) ber gewöfenlidjße ©ijj beS ffropfeulöfen Uebel«. Sei Srwadfenen leiben meißens bie Sungeit. 33ott etwa neun taufenb ffropfeulöfen kinbern, welcfee in tierfdjiebenett engliftfeen Hofpüäterit unterfudjt würben, featten mefer als gwei unb breißig «Progent feetteS Haar unb blaue Slugen. Die Haut iji troden unb feart, tion fettiger Slusbünßung, unb gibt einen efelfeaft fäuetliajen ©eruefe tion ftcfe. 33efeanblung. — ©algwafferbäber gefeören gu ben beßen Heilmitteln in biefer kranlfeeit, ebenfo bas Srinfen tion ©algwaffer, um ben ©tufelgang gelinbe offen ju erfealten. Sine oorgüglidfee Mebigin gegen ©fropfeeln beßefet aus fedjjig ©ran Sob« fali unb gwei ©ran Sob. SBie biefelbe als Mifefeung mit ©arfaporilla ju bereiten iß, ßefee itt bem Slbfefenitte über bas Sob. Das Sob feat in grantreiefe, Deutfdjlanb unb Snglanb als ein Mittel, weldjes gatjtreidje gätte tion ©fropfeeln gefeeilt, bebeu- tettbeit «Jtuf erlangt. Die näcbß beße gorm, in wetdjer biefe Mebigin gebraucfet werben fann, iß bie Sinftur; matt nefeme gwangig bis breißig Sropfen jir-el« Ut breimal täglicfe in einer Saffe tiott Sibifcfewurgel* ober ©arfaparitta*5lbfocfeung. SllS äußerlidje Sinreibung an ben ©teilen, wo bie fjarten Quoten ßjjen, brauefee matt Dpobelbof ober frifefeett «Jhtm. SBenn bies nichts feilft, oerfefeaffe man fictj ein weißes Diacfeptoit ober Srweidjungspßaßer, welches in jeber Slpotfeefe ju feaben ift, bebede bie Sfeeile bamit unb taffe es liegen, um bas weitere ©efewetten gu öerfeinbern. SBentt bie befallenen Drüfen fcfemergfeaft ober entgünbtid) werben, fo muß man manne Umfcfeläge macfeen, bis ße ßcfe erweid)en unb bü Haut weiß wirb — weldjes ein 3f*- tfeen ber «Jüife beS ©efdjwüres ift — unb bann mit einer Sangette feineinfdjncfbcn, um bie Materie feerausgutaffen. «Racfebem man biefelbe gefeörig auSgebrücft, mujj man bie SBunbe mit einer aus SBactjS unb Dlitienöl bereiteten ©albe oerbinben. S3ilben ßcfe neue klumpen, fo muffen ße in berfelben SBeife befeanbelt werben. Sfee bie ©efdjwülße fdmergljaft unb entgünbliefe werben, wafdje man ße täglicfe mefere Mate mit einer Söfung tion Sfelorfalf ober Sfelornatron. Diefe glüfftgfeitcn ftnb neue Heilmittel, wetdje eine tiorgüglicfee SBirffamfeit gur 3ertfeeilung ttäger unb fjartnädiger ©efdjwülße befreit. Sdj tjabe in meiner «prariS feit meferen Saferen gefunben, baß ein ftarfer Slufguß tiott ©arfaparlüawurgel, täglicfe »ier* bis fünfmal, in ber Doßs tioit einer SHertel bis gu einer tjalben 5>inte getrunfen, bie Jüan!' fjeü fefenetter tjeitt, als irgenb ein anbereS Mittel aus bem «pflanjenreicfee. Sine« ber widjtigßen Heilmittel bei biefem Uebel ift bie «Reinerfealtung ber Haut. Xte ©eeluft ift ob,ne 3weifet tion bem wofelttjätigften Sinßuffe, um bie ©enefung j« befdjleunigeit. Sitte SBunben feilen in ber ©eeluft beffer, als irgenbwo anbers. SS ift fe«« ritte betattnte Stjatfadje, baß Äinber, bie tiiet im greien fpielen unb utnfeerrenntn, meißens gefunb unb tion ßrattffeeü tierfdfeont bleiben. SMet «Bewegung macfet Ui gleifdj feß, bie tfnodjett X)axt unb träftigt atte gafern bes ßörperS. 23iel ©tillp&w Die ©trophein. 427 ergeugt «Rübergefdjiagenljeit, madjt gu Äranffeeitett geneigt unb erfdjtofft ben JUrper. Sin fefer nüfjlicfees äußeres Mittel gur 3ertt)eiluiig ffropfeulöfer ©efcfewülfte, ober Srweicfeung gefcfewoüener Drüfen unb ©elenfe iß fürglid) entbedt worben, weldjes man entweber als Sinreibung gebraucfet ober »ermittelft eines barin getränfteit gla* nelllappens auffegt. golgeitbeS iß feine 3ufammenfe0ung: Sob...............20 ©ran; ©ereinigtes 53ernßeinöl ......... 4 Dradfemett; ©torfer ©pirituS ........... 2 Uttgen. Söenn man bas SSernßeinöl über bas Sob gießt, fo ßnbet eine Sntgünbung obet Verbrennung ©tatt, unb wenn biefelbe vorüber ift, gießt man ben ©pirituS bagu. Da iefe tion einigen außerorbentlicfeen Auren gefeört featte, bie burefe ein tion Herrn «Jt. Songwortt) in Sincinnati angegebenes Mittet bewerfftettigt fein fottten, fo befuefete iefe biefen Herrn, ber ebenfo burefe feinen «Jütefetfeum, als burd feine SBofel* tfeätigfeit gegen bie Slrmen unb «Rotfefeibenben befannt ift unb jäferlid) Saufenbe oon Dollars gur Srfealtung bebürftiger SBittwett unb SBaifen beifteuert. Sr tfeeitte mir freunblidtjß fein Mittel gur SSeröffentlidjung mit. „Scfe erfealte," fagte Herr Songwortfe, „fefer tiiele S3riefe, iit betten id) um bas «Jtegept gur Heilung ffropfeulöfer unb fonfttger feartnädiger ©efdjwüre erfuefet werbe. Da idj baS Mittel nie Xjaht fefelfcfelagen unb faß immer eine fefeleunige Stux bewirten fefeen, fo mag burefe feine SSeröffentlicfeung iit Sferem S3ude tiiel ©uteS geftiftet werben. Ss ift nur ein Safer feer, feitbem eS für alte ©cfeaben gebraucfet worben iß. Sdj füge einen 53rüf bei, ben iefe fo eben erfealten X)abt, unb beffen S3eröffentlict)uitg ©ie oiettridfet für gut feal* ten. Das ©efefewür ober bie wunbe ©teile fottte jeben Morgen, efee man bas Mit* tel barauf tfeut, mit SBaffer unb ©eife rein gewafcfeen werben." H e i l m i 11 e t. «Rimm eine Unge ©efeeibewaffer, gieße es in eine ©djüffel unb lege gwei Äupfer** Genre (ober anbere Äupfermüngett) feinein; es wirb ßarf aufbraufen. SBenn bas «ilufbraufen worüber ift, füge gwei Ungeit reinen ßarfen Sfßg feingu. Dber man brauefee einen Sßlöffel tiott ©efeeibewaffer unb gwei Sßlöffel tiott Sfßg. Die Sente muffen borin liegen bleiben. Hiermit befeuefete bie ©efdjwüre gweimal täglicfe, »er* mittelß einer weidfeen 33ürfte ober eines SappenS. Ss wirb, uub foll aud), ©cfemerg tierurfaetjen; wenn berfelbe gu ßart iß, fo tierbünne man bie glüfßgfeit mit etwas Stegen waffer. Der Stjrige «R. Song wort fe,. Sin SSriefan Herrn «Rtcfeolas Songworttj. „ S i tt c i tt tt a t i, beit 12. Suli 1856. „©eeferter Herr! — Mit greube unb Danfbarfeü ttatjm iefe bie ©elegetüjeit wafer, ©ie oon bem wofeltfeätigen Srfolge in Äenittniß gu fe£en, bett 3fe,r Wertzolles «Jtejept gur ßur ber ©trophein hti mir getjabt tjat. Ss tjat in meinem gatte SBunber getfean; benn fefeeinbar war bas Uebel gang hoffnungslos, ba es tion einer S5errenfung bes Stnfels tior »ieten Saljren, als iefe noctj Änabe war, tjerrütjrte unb tiott Saljr gu Safer fcfelimmer würbe, bis idj gaug unb gar ben ©ebraudj meines gußeS »erloren featte unb mein SBein gur Hälfte ber Dide beS anberen Seines aufammengefeferumpff 428 © u n n ' S H a u s - Sl r g t. wor, fo boß iefe eine .ftrüde unb ein feölgerneS Sein gebraudfeen mußte. SU« taj mit Sferem «Jtegepte anfing, featte Iefe gwei laufenbe ©efdjwüre an meinem Slnftl; in gwölf Monatett feeilte bas eine gu unb nadj weiteren gwei Monaten auefe bau anbtrr. 3dj fonn jefct meinen guß gum ©efeen gebraucfeen, Inbem idj miefe nur leidjt auf einen ©tod gu ßüfcen brauefee; — feölgerneS S3rin unb Ärüde ßnb bei ©eite geworfen. Sdj füfelte, baß es meine $ßicfet war, 3fenen bieS tnitgutfeeilen, fowofel au« tiefer Danfbarfeit gegen ©ie für bie Slngabe SfereS Mittels, als audj gum 33eßen bettt bie äfenlicfee Seiben tjaben. „Sn aufrichtiger Dantbarfeit „ber Stjrige „S. S. «Porter." Sefe betjanbette ein etwa tiierjäferigeS Jttttb in SouiStiitte, Äentudp, welcfee« »on biefem Uebel befallen worben war, unb beffen «Raden tiöttig »erfrümmt war, fo bafj ber Äopf ouf ber linfett ©cfeulter rufete unb gar nidt bewegt werben fonnte; ber Jtörper litt an einer allgemeinen ©cfewäcfee. Das Mittet, weldjes in biefem gatle Heilung bewirfte, war fotgenbes : fectjjig ©ran 3obfali in tiier Ungett SBaffer aufgelöß, unb feüroon würbe bem ^inbe gefeit SBodjett lang jeben Morgen ein Sßlöffel »oll gegeben. Das Jrinb würbe tiottßäubig feergeßettt, unb ber «Raden würbe wieber gerabe. Slacfe ber Äur würbe bie Mebigin nodj längere ßtit in tleinen Dofen, als ein Sitteratio ober ©äftetierbefferungSmittet, fortgebraudjr. Die ©efunbfeeit unb Äraft be« Äin« bes nafem unter biefer S3efeanbluttg ftetig gu, bis bie ©enefung oottenbet wat. £cr ©elbompfer (Yellow Dock) wirb gleicfefatts tion feertiorragenben Slerjten für ein tiorjüglidjeS Sllteratiö gefeatten unb iß bei biefer kranffeeit als äußerß bienlidj ju empfefelen. Da feine (Sigenfdjaften befatttü genug ftnb, fo iß fein allgemeine! ©ebrauefe nidjt nur gefafertoS, fonbern audj jwedmäßig. Sr iß eine unferer wertfe- tiollßett Slrjneiett uttb wirb mit bem beßen Srfolge bri ©fropfeeln angewanbt. «JJian bereitet burdj Slbtodjung u. f. w. einen StuSgug aus ber SBurgel. £t)fcljüt$. Unter biefem Site! wollen wir bie fogenannten „getjetmen kranffeeiten" befeanbtln, weldje iit bett Quadfalberangeigen ber 3eitungett eilte fo große «Jtotte fpielen. 3utr^ iß bas primäre fpptjilitifdje ©efdtjwür, uuter bem «Rattten © cfe a n l e t befantü, gu befpredfeett. Der ©djanfer iß felbß in feiner milbeßett gorm eine fefelimme unb efelfeafte tfranf« ^eit — um fo fdjtlmmer, ba bie bation «Befallenen ßdj berfelben fdjämen unb fte ju tierb,eimlicfeen fudjen. SBentt biefe erße Srfdjeinung ber kranffeeit »ernadjlafflgt ober ftfe,letfet befeanbelt wirb, fo burefebringt baS ©ift attmälig ben gangen Ctgani«» mus unb es ßetten ßcb, bie fottßituttonetten ober fefunbären ©pmptome ein, bit»» «Recfet fo gefürchtet ßnb. 3m Saufe ber ßtit, wenn nidjts bagegen gefefeiefet, reut bte gange ©efunbfeeit untergraben, unb ber tiollßänbige «Ruin beS Menfcfeen ift Ut golge. SS iß bisweilen behauptet worben, baß biefe fctjredlicfje ©eudje als ^t«f« für bie ©djulbigen erißirt. Slber wie oft fommt es tior, baß ein Junges, tugenbfeafte ©pptjiliS. 429 ttnb engelreines SBeib — baS SBeib eines tiiettetdjt nidjt fdt)lecfe,ten, aber leidjtßn* nigen ©atten — unb unfdjutbige kinber bie Dpfer ßnb! Die kranffeeit tfeeilt ßdfe meißens burefe Slnfteduttg mit; nämlidj burdj wirftidje S3erüferuttg mit bem eigentfeümlicfeen ©iftftoffe ber ©djanfergefefewüre. ©ewötjttlidj ßnbet eine folefee Slnßedung nur wäferenb ber gefcfelecfetticfeen 33ermifd)ung mit einer baran leibenben «Perfon ©tatt. Sn iferem früfeeften ©tabium befcferänft ßefe biefe kranffeeit nur ouf bie ©efcfeledfetstfeeile unb ift im Slnfattge ein rein örtüdjeS Sei* ben; wentt ße in biefem ©tabium recfetgeitig erfonttt unb energifd) uttb gwedmäßig befeanbelt wirb, fann ifere weitere «Verbreitung, baS Uebergefeen bes ©iftßoffes in bie ©efammtgirfulatiott, tierfeutet unb ber fonßitutionetten ©ppfeilis tiorgebeugt werben. Dodj wirb bie kranffeeit nidjt immer burd) S3erüt)rung mitgetfeeilt unb iß nictjt immer im Slnfange örtlicfeer «Ratur; es gibt eine traurige SluSnafeme: wentt näm* litt) bas Äinb im Mutterleibe bie Ärauffeeü oon bett Sltern überfommt. 3« biefem gälte iß bie ©ppfeilis gteidj tion oornfeerein fonftitutionett unb feäußg unfeeilbar. Die Äronffeeit fann nicfet burd ben Sltfeem ober burefe irgenb eine ber gewöfenlicfe,en, natürlicfeen Slusfefeeibungett mitgetfeeilt werben; bocfe wirb ße auf tierfefeiebene Slrt bisweilen auf Unfefeulbige übertragen, ß. 53. wenn ßcfe Semanb mit einem Snßru* mente rijjt, an weldjem fppfeilüifdjeS ©ift iß — wie eS ©tubenten ber Mebigin, irelclje einen an ©ppfeilis »erßorbenen Äörper fegiren, leidjt pafßren fann — ober wentt Slergte ober Hebammen, bü ein fppfeilüifdjeS grauengimmer entbittben, eine fleine SBunbe an ber Hanb feaben u. bergt, mefer. Sluefe Slmmen f önnett burefe, ©äu- gen franfer Äittber ongeßedt werben. SBo eine bünne Haut ift, wie an ben Sippen, an ben 33rußwarjen u. f. w., ober wo bie gewöfenlicfee fearte Haut abgeftoßen ober oertefct tß, tann eine Uebertragung bes ©iftes ßattßnbeit. «Primäre ©pmptome. — Die erßen ©pmptome beßefeett gewöb, ntidj in ber S3ilbung tion ©cfeanfergefdjwürett, bie att bett ©efcfelecfetstfeelleit erfcfeeinen; — hti bem «JRantte an ber Sidjet ober ber 33orfeaut bes «PeuiS ; bei bem SBeibe att ben ©cfeamlefgen. Diefe ©djanfergefefewüre beginnen in ber ©eßalt Heiner, gtemlicfe unfefeeinbarer 23!äsd)ett, welcfee ßcb, balb tiergrößern, aufbrechen unb eitern, ©ie pßegen nicfet gafelreid) gu fein ; meiftenS gwei ober brei, oft nur eines ; unb ße greü fen nidjt fefenett um ßcfe. Der watjre ©djanfer ßettt eine fleine, freiSrunbe Site* rungsflädje bar, bie eine Höfetung bilbet, mit erb, ötjteit fearteit Stäitbern, entern fearten fpedigen ©runbe unb einer gäfeen, feßanflebenben Materie. Dodj gibt es audj foge=> nannte oberffäcfelitfee unb pfeagebänifdje ©dtjattfer. Die erßen tjaben aud) ertjöfete «Jtänber, aber feinen fjorten ©runb unb erfefeeitteit meißens an ber SSortjaut, biswei- fen audj weiter feerauf am «Penis. Der pfeagebänifdje ©danfer unterfefeeibet ßctj bebeutenb oon bem anberen; er iß ein um ßdfe freffenbeS ©efefewür tiott grüntiefeer ober blaurotfeer garbe, mit unregelmäßigen unb wenig ertjöfeten «Jtänbertt, tion bunf* ter garbe unb mit einem fupferrottjen Hofe umgebeit. S5isweilen beginnt er als ein fefewarger gled, ber ßd) fefenett tiergrößert unb abgeßoßen wirb unb baS ©efdjwür bloslegt. Das ptjagebänifdje @efcfe>ür iß bas fcfylimmße aller fppfeifüifcfjen ®e* fefewüre; es Iß äußerß fcfemergb" aft, greift fdjnett um ßdj unb fantt, bri 33ernadjläf= ßgung ober fdfetedfeter 33el)anbtung, bie größten «Verheerungen an ben betreffenben Sfeeifen anritfeten. Ss wirb je&t »ott ben in ber ©ppfeilis erfatjrenßett Slergten jugegeben, baß ber p$agebäntfd)e ©dtjanfer burctj bü S3etjanbfung mit £uedßlbet 430 ©unit'S Haus-Slrgt. nur titrfdjlimmcrt wirb — was atterbings feäußg auefe bei anberen gormtn tet ©pptjtlis gilt. Sin anbereS, gleiefefatts primäres ©pmptom iß ber fogenannte S3ubo. Die« ifl eine Sntjüitbung unb Sinfcbwettuttg ber Seißenbrüfcn, ober »ülmefer gewöfenlicfe nur einer. 33ei Sßernadjläfßgung ober ungeeigneter befeanblung fommt es jur (Site- rung ; bie ©efdjwulß bridjt bann tion felbß auf, ober bü angefammelte «Dealern muß burefe Sluffdtjneiben entfernt werben; bocfe wenn bet 3riten etwa« bagegen gefefeiefet, fo fann bie ©efcfewulß meißens tiertfeeilt unb befeitigt werben. Cbglricfe S3ubonen bei biefer kranffeeit etwas fefer gewöljnlidjes ßnb, ßnben ße ßdj bodj feint«« Wegs immer ein; in feltenen gätten gefeen ße bem ©efeanfer »orfeer unb feäußg blti« ben fte gonj aus. Die Äronffeeit tonn möglidfeerweife fortfdfereiten, in ben DrganiSmuS übergefeen uttb gur fonßttutionettett ©ppljilis werben, ofene auf iferem SBege 23ufeonen ober Slnfcfeweüungen ber Seißenbrüfen gu tieranlaffen. S« fann fogar tiorfommen, boß bü kranftjeit fonßitutionett wirb, ofene irgenb welcfee primäre ©pmptome, wie ©efeanfer unb S3ubo, gu geigen, unb baß bie erßen bemerfbaren ©pmptome gteidj einen fefunbären Sfearofter baben, wie ©efdjwüre im Halft, in ber «Rafe ober an bett Sippen unb fppfettitifefee HautauSfdtjtäge an verfdjiebenen Äcr« pertfeetten. Doefe folefee gälte ßttb fefer feiten. SBaS bte 3eÜ betrifft, bie gwifefeen ber Slnßedung unb ber Srfdfeeinung ber erßen ©pmptome gu liegen pßegt, fo ßnb bieS gewöfenlidj nur wenige Soge —bon brei bis neun Sagen; bocfe bisweilen, waferfcfeeinlidj in golge gewiffer fonßitutionellet Stgentfeümticfefeiten, tann ber SluSbrud) ber kranffeeit ftd) weit länger, bis ju eini- gen SBocfeen, üergögern; es ßnb fogar gätte tiorgefontmen, wo es mefer als einen Monat bauerte; bocfe in ber «Jügel ßnb bü ©danfergefdfewüre, wenn überbaupl eine Slnßedung ßottgefunbett, gwifdjen bem ßebentett unb neunten Sage »oflftän« big auSgebilbet. SBaS oben Itt 23egug auf bie teldjte Uebertragung beS fpptjÜitifdfeen ©tftßoffc« »en einer «Perfon auf bie anbere gefagt würbe, gilt aud) tion ben verfdjiebenen Aörptr« tfeeilen einer unb berfelben «Perfon. SBo bie ©efeanfermaterie mit garten Stellen, bie nicfet tion ber gewöfenliefeett btdeit Haut beflelbet ßnb, ober mit ©eferammen, SBunben u. f. w. in 33erüferung fommt, fann ße anßeden unb oft bie fajrecflicfefttn golgen feertiorbringett. Traufe fönnen bafeer nicfet gu tiorßcfetig fein unb ßcfe nicfet genug in Slcfet netjmen, bie ginger, mit weldjen fte tiiettetdjt bie leibenben Ifeeife berüfert tjaben, nidjt an bie Slugen, bie «Rafe, bie Sippen ober irgenb einen rennten gled gu bringen. Die größte ©orgfalt unb bie gewtffenfeofteße «Reinlicfefeit ift notfewenbig. ©efunbäre ©pmptome.— Die feeunbären ober f onßitutionetlen Symp- tome erfcfeeinen gewöhnlidj guerß im Hälfe unb auf ber Haut. 3u fefer feltenen gätten treten ße ofene üorfeergegangette primäre ©pmptome auf. ©ewöfenlicfe feigen ße längere ßtit, minbeßenS metjre SBodjen nad, bem urfprüngltdjett Sdjanfet; nur wenn bie kranftjeit gang unb gar tiernacfjfäfßgt ober mißfeanbelt würbe, erfcfeeinen ße fefenetter. Meißens geigen fi$ guerß ©efefe, würe im Hälfe. Dann folgt bisweilen ein retfeer, fdjuppiger SluSfcfelag, ber balb eine ßupferfarbe annimmt unb ßd) weiter »etbreuü. Die Slusfdjlagsfleden ßnb SlnfangS troden unb bie Haut fdjätt ftd) tabet ab. «« fönnen troden bleiben ober [id) in fleine Süerungsßädjen »erwanbeln, bit et« ©pptjtlis. 431 gelblicfee Moterie abfonbertt uitb, wenn ber kranffeeit ifer Sauf gelaffen wirb, attmälig über bas ©eßcfet, ben Äörper, bie Slrme unb ben Äopf ßd) verbreiten unb bem Dpfer einen wiberwärtigett unb efelfeaften Slnblid geben. SBenn ber ©iftßoff ben Hals ober bett ©aumen angreift, fo wirb bie feintere gRunbfeöfele rotfe unb entgüttbet; es bilben ßefe etternbe gleden, bie um ßcfe freffett, ben ©aumen gerßoren, wenn fie nicfet gefeeilt werben, tion bort ßcfe in bie «Rafe erftreden, bie jtnorpelfufeßang gerßoren, welcfee bie «Rofenlöcfeer trennt, was ber gtimme einen näfetnben ittattg gibt, wobei fie ritte efelfeafte Materie afefottbem. Cft bilben ßdj biefe fefunbärett fppfeilitifdjen ©efdjwüre auf ber 3unge, ber inneren Unterlippe unb bem 3afeitflrifcfee; blsweilett wirb bie obere Suftröfere unb bie ©timmrifer ergriffen, fo baß bie ©timme tfeeilweife tierlorett gefet unb ber «Patient nur nod In einem leifen glüßern fpretfeett fann. S3isweilett bilbet ßdfe in einem «Rafenloefee guerß ein ©efeorf; nadj einiger 3eü wirb hei bem ©djnaufen rine Maffe SBlut mit Materie entleert; bau« folgen äfenlicfee ©efeorfe unb Siterung, weldje attmälig ben Änocfeett bioslegt unb anfault, was eine fcfeeußtidfee Sntßettuitg ober ben SSertuft ber «Rafe naefe ßefe giefet. jtein ©ebilbe bes Körpers bleibt tiott ben golgen biefer fürcfeterlitfeen ©euefee »er* fcfeont. SBentt ßdj bie Äranffeett auf bie knoefeen wirft, fo tiergrößerit ßd bie ©elenfe unb werben fcfemergfeaft; an ber Dberßäcfee ber knoefeen bilben [xdj @e= fcfewülße ober knoten, wäferenb baS Snnere berfelben einett «Progeß ber 3erßörung untergefet unb ßefe ber fogenannte Änoefeenfraß rittßettt. Sluct) bü ©etenfbänber unb ©efeneit werben oft ber ©itj feeftiger ©dfemergen, welcfee bett brauten am ©efeta* fen »erfelnbern. Ss iß wunberbar, wie lange mandje Körper ben gottern biefer ©eißel bes MenfdfeettgefcfeleefeteS wiberßefeett fönnen; unb nicfet minber, wie fefenett Mandje unter iferen «Angriffen ßnfen. Ss iß tion ber größten SBicfetigfeit, baß feine Seit bis gu ber Slnwenbung geeigneter Mittet verloren werbe. Sßenn ber kranlfeeit ifer Sauf gelaffen unb fte nidjt in energifefeer SBeife befämpft wirb, fo wirb baS unglüdlldje Dpfer balb tiott einer «Jteifee tion Seiben feeimgefuefet werben, welcfee ben SBeg gum ©rabe begeiefenen. D.ua!tiotte ©dfemergen, tiorgüglid) bes «Radts, bleiefees, elenbes Slusfefeen; SluSfattett ber Haare; Stppetitlofigfeit, Mattigleit, Slbmagerung; «JRangel an «Ratfetrufee; feeftifdjeS gieber; attmäliger «berluß ber Musfelfraft; «Ret* gung gu anbere« kranffeeiten, bei ber geringßett SSerantaffung; beßänbigeS Un= nwfelfüfelen u. f. w.—bies ßttb bie golgen, welcfee ben ©cfeutbtgen fowofel, ats ben Unfcfeulbigen treffen fönnen. SMelfettige, praftifefee Srfaferung in ber S5efeanblung biefer kranffeeit füfert ju ber Uebergeugung, boß bie erwäfenten fonßitutionettett gotgen nicfet immer bem fppfeü Ittifefeen ©ifte allein, fonbern tiietteiefet gum britten Sfeeile uttoorßdjtiger 23efeanb* lung unb namentlicfe bem Mißbrauefee bes DuedßlberS gugufefereiben ßnb. gerner trirb burefe unmäßiges Srinfen, gefdtjlecfetlicfee Stusfefeweifungett, Srfätütttg, ©trapagen unb Srceffe ber tierfefeiebenften Slrt, wätjrenb ber Körper ßctj unter bem Sinßuffe biefer ßarfwirfenbeit Mebigin beßnbet, ber SluSbreitung ber kranftjeit nur gu feäußg Swrfcfeub geleißet. SBas ben ©ebraudj bes QuedßlberS bei ber ©pptjilis betrifft, fo muß gugegeben werben, baß unter Umßänben große 33ortb,eite bamit ergiett werben mögen; aber ber unbefonnene Mißbraudj beffelben X)at unermeßlicfees Unfeeilgeßiftet — nidt attein bon ©eitert gewötynticfeer Quadfalfeer, fonbern aud tn ben Hänbeit foldjer, bie eine 432 ©unn's Haus-Slrgt. ärgtlicbe Srgiefeung genoffen uttb bieS beffer featten wiffen feilen. Daju fommt br ©daben, ben ßefe «Patienten felbß auf eigene 33eratttwortlldfett gufügen, inbem flr feidjtgläubiger SBeife gewiffe itt bett 3ritungen attgepriefene ©ebeim- unb SOunber. mittel taufen unb ßcfe bamit gu furiren tierfudfeeu; biefe Mittel, welcfee angebllct, »öllig fearmloS ftnb unb nur aus «Pßanjenßoffcn beßeljen, enttjalten oft bie atter- feeftigß-wirfenben D.uedßlberpräparate, unb Jaufenbe ßnb burdj iferen ©ebrauefe mit Duedßlber »ergiftet unb ruinirt worben. 23et feiner anberen Äranfhrit wirb bas «Publifum in foldfeem Moßßobe burd tiottßänbig unwiffenbe Sfearlataue betro- gen, beren ungütfetige Slnjeigen in ben ©palten großer 3eÜungen unb als «Jftautr« anfdtäge in ben ©täbten parabiren unb bte tiertrauenben Unglüdlidjen in ifere niefetswürbigen «Re£e loden, wo ße um ©elb unb ©efunbfeeit geprellt werben. Ss gab rine 3rit, ba Ouedßlfeer als bas ausfdjlüßlicfee ©peeißcum für aüe tienerifefeen kranffeeiten galt unb in atten gormen unb gäüen wtrflidjer ober »tr- meintlidjer fppfeilitifcfeer Uebel, fogar bei ber einfaefeen ©ottorrfeöe, in unmäßiger Menge gegeben würbe. S3et ben «potienten würbe oft ritt foldjer ©peicfeelßup feer« tiorgebradjt, baß wäferenb beS Soges metjre «Pfunb ©peiefeel entleert würben, bafj bas gange ©eßcfet anfefewott, bie 3äfette loder würben unb bie gefdjwollene 3unge aus bem Munbe felng; weit« ber geleferte Quadfalber ober Cuedßlbermann, in beffen Hänbe ber kranfe gefottett, biefen fdferedlidjen 3ußanb feerttorgebraefet featte, war er gufrieben unb gog ben weifen ©efeluß, baß er jefjt ben Drganiömu« Ui «Patienten waferfdjeinlid) feinlänglicfe unter ben Stnfluß feines Siebting«mltttl« gebraefet X)ahe; — unb feierin tjatte er «Jtecfet; ber Sinßuß war in ber «Jtegel fo tiott« ftänbig, baß er jeittebettS nicfet wüber aufljörte, unb baß ber Äranfe, nacfebem erben ©petcfeelßuß überßanben, außer bem feäußg ungefeeilt gebliebenen fppfeilitifajen Uebel aud nocfe ben 33ortfeeil einer dferoniftfeett D.uedßlbertiergtftung genoß, bit ßcfe fpäter in Änoefeenleiben, ©elenfgefcfewulßen, HautauSfdt)lägen unb einet «Jteifee anberer kranftjeiten äußerte, ©egenwärttg ift mait tion biefer unffnntgen Metfeobe fo jlemtiefe gurüdgefommen unb beobadtet ein rationelleres SSerfafjren. Cbgleicfe Duedftlber nocfe immer als rine Strt fpegißfdeS Mittet gilt, wirb es bocfe mit 2>or< ßefet angewettber. Die Meinung ber Slergte in S3egug auf bie beße 33et)anbluna,«- weife ber ©ppfeilis ift getfeeilt. Mandje tierbammen bte Slnwenbung be« Duecffilbtr« oottftänblg; Slttbere glauben bri ber ©ppfeilis nie gaitg obne baffelbe fertig werben gu fönnen. Die SBoferfeeit liegt in ber Mitte; eS gibt gätte, bei benen biefe obet jene gorm beS D.uedfilbergebraucfeeS faum entbeferlidfe iß, um baS ©ift au« bem Körper gu treiben; wäferenb in anberen gätten, fo lange bte Äranffeett nur primär iß uub itt einigen ©djanfergefdjwüren beßefet, bie Slnwenbung einiget örtlicbet Mittel unb «Reinlid)feü leicfet bereu Heilung bewirtt, unb burefe unfcfeäblicfee innere Mebifamente bie Slufnafeme bes fppfeitülfcfeett ©iftßoffes in ben Drganismu« ser- feittbert werben fann. Die «Befeanblung ber ©ppfeilis ttjettt ßctj atfo rin in bie ber primäten unb bit tet fefunbären gorm. Sin ©djanfer iß ein ©efdjwür mit einem tierbtdten ©runbe, einer umfeferiebtnen Sntgünbung unb tion fdjwer fjeilenber S3efdjaffenfeeü. Die Sfeeile, teetebe am gewöfenlicfeften ergriffen werben, ßnb bei bem Manne bie SSorfeaut, ber Äoc? tea «Penis unb ber Sittgang gur Harnröfere unb ber SBinfet, welajett bie ßiefeel oni bem Körper bes «Penis bilbet; bei bem SBeibe bte äußeren unb inneren ©cbamürre*. ©ppfejlls. 433 bte Klitoris, bocfe itt mandjett gätten erßredett ftcfe bie ©efdjwüre felbß bis gum ©ebärmuttermunb. S3efeanblung ber primären © pp feilt s. — SBie auefe bie ©efeanfer* gefefewüre SlnfangS ausfefeen mögen, es iß immer ratfefam gu tierfuefeen, eine Umftitn* mung ber in benfelben tiorgefeenben tranffeaften Sfeätigfeit gu bewirten, weldjes burefe SBerüferung beS ©efeanfer mü ©ilberttitrat (Höttenftein) gefcfeefeett fann. Man befeßige ein ©tüd ©ilberttitrat in bem Snbe eines geberfiels, tauefee es in SBaffer unb beßreicfee bamit bie wunbe ©tette, einmal täglid ober tiott ßtit gu ßeit. Darauf tvafdje man mit bem fefemargett SBaffer (Black Wash), weldjes aus gwangig ©ran Uatomel unb jwei Ungen ßalfwaffer, gut gufammengefcfeüüett, beßefet. Dies «Prä* parat ift unter bem angegebenen englifdjen «Rainen feier in jeber Slpotfeefe gu feaben. «Jtadjbem bas ©efefewür gut bamit gereinigt iß, ßreue man etwas Salomel auf, ober gleiefee Sfeeile Salomel unb 33lutwurgel, unb bebede es mit etwas Sfearpie ober einem feinen leinenen Säppdfeen, weldjes entweber burd) einen 33erbanb ober burefe Heft- pflaßer ober burefe bie fefewarge ©albe an feiner ©tette gu fealten iß. SBenn mü bem ©ilbernitrat einige Male gefeörig geäfü worben ift, fo wirb balb eine Slrt ©efeorf abgeflogen werben, worauf man baffelbe 33erfatjren ein gweites unb brittes Mal Irieberfeolt, um ßdjer gu fein, baß ber Slnßedungsßoff gerßört iß. S3ei biefer S3e* feanbtung wirb ein gewöfenliefeer ©efeanfer in brei bis tiier Sagen gu feeilen beginnen. Sßenn Sntjünbnng unb Slnfdfewettung tiorfeattben Iß, lege matt bes «Racfets einen Untfcfelag tion Ulmenrittbe (Slippery Elm) auf. Dies iß bie äußere S3efeanblung. 3ngtt>ifcfeen muß bie Diät leicfet fein unb feauptfädjlid) aus «Pflangenfoß beßefeen. «JKan üermetbe ©dfeweineßeifefe uttb atte fetten ober fatgigen gleifcfefpetfett; ferner ©ewürje, geißige ©etränte unb Xahad uttb tierfealte ßdfe fo rufeig als mögliefe. Der ©tufelgang muß burctj bie geeigneten SlbfüfermUtel tofe erfealten werben ; feürgn eignet ßdj nicfets beffer als Blue Mass unb «pobopfepllin; etwa fecfejig ©ran Blue Mass (ober ßatt beffen breißig ©ran Salomel) unb gwangig ©ran «Pobo= pfepMn, ju gwangig «pitten tierarbeitet, oon benen eine Morgens unb SlbenbS gu nefemen iß; nadjbem ße angefangen feaben, gefeörig auf ben ©tufelgang gu Witten, iß tileüeidjt eine «Pille bes Soges genug. Dies iß ein trefffiefees antifppfeü litlfcfees Mittel unb fowofel bei ber primären, als hti ber fefunbärett gorm tion 9ht£en. Sin anbereS tiorgüglitfees Mittel, weldjes tion benett »orgegogett wirb, bie unter feinen Umßänben Quedßlber in irgenb einer ©eßalt gebrauchen wollen, iß folgenbe«: Pobopfepttin unb ©anguinarin, je gwangig ©ran, werben gu einer «pil* lenmaffe mit bem alfotjolifdjen Srtraft ber SriS (Blue Flag) tierarbeitet; man maefee gwangig bis breißig «Pillen baraus unb nefeme eine beS SlbenbS unb beS Mor- gen«, wit bie anberen. Die «Pobopfepttumwurgel, aus wetdjer bas «Pobopfepttin gewonnen wirb, iß in irgenb einer gorm ein fefer widjtiges Mittet hti biefer Äranf« H ba ße ofene 3meifel fräftige, antifppfeÜWfdje Sigenfdjaften entfeätt. Daf- felbe läßt ßcfe tion ber SriS fagen. SBenn bie Äranttjeü gteidj bei iferem erßeit Sluftreten gefeörig angegriffen unb bas feier empfofetene SSerfatjren grünblidj tierfolgt irirb, fo ßnb nur wenige Sage erforberliefe, um ben ©iftßoff gu üerniefeten unb bie Scfeanfergefcfewüre gu feeilen, unb in ber größten Meljrgafet ber gätte feat ber «Patient «ine fefunbären golgen gu befürdjten. Die Äur tann in adjt bis geb.it Sagen »oOenbet fein; nur muß ber «patient nodj minbeßens ebenfo lange einer üppigen 434 ©unn's Haus«3lrgt. Sebensweife, aller Slusfdjweifungen, ©tropagen, tjeftlger Sinßrengungen unb berglei- djen ßdj entfealten. 33efeanblung bes S3ubo. — Der 23ubo tann, wenn man min, al« tiv.t Slrt 3wifcfeenform gwifdjen ben primären unb fefunbären ©ppfeilisfpmptomen ange- fefeen werben. Sr beginnt mit ©djmergen in ber Seißengegenb, etwa« Härte unb ©efdwulß, bie ßdfe tiergrößert, bis ße ben Umfong eines Hüfettereies erreidjt; in ber ©efdjwulß wirb rin «Pulßren unb Klopfen bemerft, unb bie Haut barüber iß gerö- tfeet. Die Sefeanblung iß nicfet ganj leicfet; befonbers bei reijbaren ober ffropfeu- löfen Äottftitutionett. Die ©djttetligfeit ober Songfamfeit ber Jfur bangt fefer son ber natürlidjen itörperanlage unb ber Sebensweife beS «Patienten ab. Wtnxx man bie Siterbilbung tiertjüten will, xnux) man fefer gritig einfdfereiten; ße wirb tann feäußg burefe Slnwenbung einer tiertfeeilenben ©albe gelingen. Slm beßen füt biefen ßwtd iß tiietteidt bie Quedßlberfalbe (befannt als „graue ©albe," "BlueOint- ment"); bie 3obfalbe iß ebenfalls gut; beibe ßnb in jeber Slpotfeefe ju feaben. Man reibe gwei* bis breimal täglicfe gut bamit ein ; es mag ju empfefelen fein, beibe ©alben gu gebraucfeen; etwa abwedtjfetnb bie Quedßlberfalbe einen lag unb bie 3obfalbe ben nädjßen unb fo fort, bis bie ©efdjwulß unb ber ©djmerj weicfet. Moncfee Seute werben burctj D.uedßlber fo leicfet beeinßußt, baß bas Sinreiben bei grauen ©albe fcfeon naefe wenigen Sagen ben ©peidtjelßuß bei ifenen ergeugt; trenn ßcfe irgenb wetdje berartige ©pmptome antüitbigen: ©djwetten unb Smpßnblicfelcil ber ©peitfeetbrüfen, rin metattifefeer, fupferartiger ©efefemad im Munbe, SBunbfetil beS 3afenßrifcfeeS, tiermeferteS ©puden unb äfenlicfee «Vorläufer beS ©peidjelfluffed — fo muß ber ©ebrauefe, fowofel ber grauen ©albe als ber Blue Mass ober Ui Salomels, fofort elngeßettt unb burd Slnwenbung ber 3obfalfee unb oegetabllifcfeet SlbfüfermUtel erfejü werben. Der ©tufelgang muß gefeörig offen erfealten unb ein« bis gwelmal wödfeentlicfe eine reefet ßarfe «Purgang gegeben werben. Dodj bisweilen Iß tro£ atter Mittel ber ©djmerj, baS weitere Slnfcfewetlen bet Drüfe unb bte «Reigung gur Siterbilbung nictjt gu unterbrüden. Die« fünbtgt ßcj burefe fefearfe ßedfeenbe ©djmergen, bü tion 3eü gu 3eü burctj ben S3ubo fdjtepen unb burefe feeftiges Klopfen barin an; ber Siterungsprogeß fe,ot aisbann bereit« begon- nen, ©obatb man ßcb, bation übergeugt tjat, muß man Ifen gu btförbern unb ju befefeteunigen fudjen. tiorgüglicfe burefe warme Umfcfeläge, etwa tion 33rob unb «JHilaj, Ulmenrinbe, «Jtüfeen, Seinfamenmefel unb bergleidjen — bie fo beiß al« möglich aufgelegt unb burefe einen geeigneten Skrfeanb feßgefealten werben muffen. SBenn bie Siterbilbung »ottßänbig iß, muß ber 33ubo burefe einen weiten Sinfajnitt mit einet Sangette geöffnet unb gefeörig mit fpanifefeer ©eife auSgewafdjen werben; man fafert bann mit bett Umfajtägeit fort unb befeanble bie SBunbe, wie anbere offene ©efefewün. SSottßättbigeS «Rufeigtierb.alten iß wäb,renb beS gangen «Verlaufe« ber Äranfbett uner< läßtidj. Der «patient mag auf ber «Rotfjwenbigfeit, feinem ©efdjäfte ju folgen unb ber Unmögtidjfeü gu Haufe gu bleiben, beßetjett; bieS iß feine ©aefee. ©aefet bei SlrgteS iß es, unfeebingte «Rufee unb felbß mögticfefteS ©tittlügen auf bem «Rüden |« empfefelen ; er tann mü «Reefet tierßdjem, baß bies ber tfranffeeit brei S:iertfeetle it"f? Unannefemlicfeteit uitb ©efätjrtidjfeit rauben wirb. «Racfebem ber «Bufeo geöffnet iß, wafdje man einmal täglicfe,, außer mit »atmet ©eifettlauge, mü einer ßarten Slbfodjung tion Je einer Hanbtiofl «pobopfepflumwurjet, ©ppfejlts. 435 ccfemtnfrjeerenwurgel unb Srlswurgel aus ; am beßen gefdtjiefet bieS tiermittelß einer fleinen ©prifee. Ss iß bieS ein auSgegeidfeneteS SBafdfemütet fowotjl für 23ubonen, alö für ©danfer; ein Sßlöffel »ott berfelben Slbfodjung gwetmol tägtiefe, ober genug um bm ©tufelgang lofe gu erijalten, iß tiietteidfet eines ber ht[ttn obfüferenben unb fäftereinigenben Mittel, bie man feraudjett fantt, um bie SluSfdfeeibung beS ©ift* ßoffeS ju bewirten unb ber fonftitutionetten ©ppfeilis tiorgubeugen. Ss wirb in ben meißen fällen bie SlttWenbuttg tion Quedßlberpräparatett unb bie ©efatjr beS ©peü cfeelßuffeS unnötfeig maefeett. Des «Racfets lege man warme Umfdjläge tion Ulmett* rinbe unb bei Sage bie fdjwarge Heilfalbe auf. Sefeanblung ber fefunbärett ober fonftitutionetten © p* ptjlllS. — Die fpptjitüifdje ©äftetierberbniß entßefet itt ben meißen gätten burdj Üluffaugung ber giftigen Materie eines ©efeanfers ober 33uboS ; bafeer iß es ttotfe«' menbig biefe ©efdfewüre fo rein ats möglidtj gn fealten unb foldje Slejj= unb SBafcfe* mittel gu gebraudfeen, bü am fdjnettßen uub wirf famßen ben ©iftßoff unb bas batiott ergriffene gleifdj gerßoren. SBie bereits bemerft, geigen ßdfe bie fefunbärett ©pmp* tome gewöfenlicfe guerß im Hälfe unb Munbe uttb auf ber Haut, ©ppfeilitlfcfee Spatöentjünbung fommt bri biefer kranftjeit fefer feäußg tior unb wirb nur gu leicfet für gewöfenlicfee HalSentgüttbung gefealtett. SBentt man in. bie Munbfeöfele feinein ßefet, bemerft matt Im Hlntergrunbe ein fdjmufügeS «Jtotfe unb feie uttb ba runblictje obet fealfcntttbe gleden, bü mit einer weißtidfeen unb fefer gäfeett Slbfonberung bebedt ßnb; biefe Rieden nefemett oft bie ganje Dberßädje beiber Manbeln ein ; ße mögen längere ßtit träge bleiben, bodj früfeer ober fpäter gefeen ße in Siterung über unb bilben tiefe, unregelmäßige ©efdjwüre; in gewöfentidjett gätten iß ber ©cfemerg, bie Gntjünbung unb bie ©efcfewulß bebeutenb geringer, als bei ber gewöfenliefeett Hals* entjünbung. ©obalb ßdfe biefe gteden ober Süeruitgsßadjett jeigett, muß energifd) bagegen ein* gefdjritten unb ein weiteres Sluffaugen bes ©iftes tierfeittbert werben, inbem man fte ßeißig mit ©ilbernltrot (Höttenßein) ober taußifajer «Pottafdje beßreidjt unb äfst unb bett Hals unb bett Munb mehrmals täglicfe mit bem unten gu itenneitben ©urgelwaffer auSfpült. SBentt bie Haut ergriffen wirb — was gleictjgeitig mit ben ©efdfewürett im Hälfe ober balb barauf fein fantt, in feltenen gätten aud) unabfeättgig batiott — fo erfdjeü nen tötfelldje unb braune gleden itnb fupferfarbige ginnen, X)k unb ba an »erfdjie* benen ©teilen tierßreut; auf benfelben bilben ßctj bide ©efeorfe ober ©puppen, bie naefe einiger 3eit abfallen unb burctj anbere erfefü werben, unb fo fort, bis naefe einiger 3eit bisweilen rine SSertiefung gurüdgetaffeit wirb, aus wetefeer ßdfe eine bünne fefearfe Materie abfonbert. SBenn baS fppfeilüifdje ©ift bie Drüfen bes Häl- fe« unb MunbeS befällt, fo fdjwittt bie 3unge bisweilen fo an, baß bas ©predfeeit müfefam wirb; bie Manbeln, ber ©aumen unb bas 3äpfd)en ßttb tion ©efdfewüreit befejjt, fo baß bas ©cfeluden fdfemergfeaft unb erfdjwert unb Heiferfeit ber ©timme »eranlaßt wirb. SBenn bie kranftjeit ftcfe auf bie Slugen wirft, fo iß tjartnädtge ßntjünbung bie golge. 33iswellett ergreift bas fpptjilitifdfee ©ift tüferlügenbe Jfeeile, ©efenen, ©elenfbänber unb ßnodjentjäute, unb tierurfacfyt bann tjarte, fcfemetjfeafte ©efdjwülße ober fpptjilüifdje ßnotett. 2)ie ©efemerjett ßnb bes «Racfets am unerträglidfeßeit. SBenn bie kranffeeit unge- fcjnbert weiter gefet, fo erweidjen bie Anoden, eitern unb brodeln. 33efonberS bie 436 ©unn's HauS*3lrjt. ©cfeäbelfnodjen ßoßen oft große ©lüde ab. Die ©djienbeitte unb SlrmTnotfetn fiul oft gang oon fdjmergfeaften .Knoten bebedt, welcfee ßd tn ber 33ethriirmt wrfcblim- mern. Dann folgt allgemeine «Abmagerung; Stusfatten ber Haare; Slppetülofiateit- mangetfeafter unb unerquidlidfeer ©djlaf; beftifcfeeS gieber it. f. w. 3» ben fcfelimm- ßen gormen ber kranffeeit fefeeint eine »oüftänbige Durdfefaulung aller ©ebilbe hi Körpers, ber Haut, bes gleifdfees, ber knoefeen u. f. w. ßattjiißnben. «Räcbft btn gufammenßießenbett «Poden iß bieS bie efelfeafteße aller menfdjlidjen Jcranftjriltn. i'ei ber 33efeonblung ber ©ppfeilis iß, wie bemerft, ber innere ©ebrauefe bt« CuedfilberS nidt immer notfewenbig; bei ber fefunbären gorm iß er in »ielrn gätten nur fcfeäblicfe unb fo gümlicfe immer entbetjrtidj; namentlicfe feitbem fo niele «Pflattgenmütel entbedt worben ßnb, benen wirfllcfee antifppljilitifcfee Sigenfdjaften gutommen. Der äußerlidje ©ebraudj ift feauptfädjticfe ba, wo bie Cuedßlberprapa« rate mü bem ©iftßoff felbß in 23erüt)rung fommen, anwenbbor. Dodj ©ptldjeljlujj, ber auefe burd bas Sinreiben ber grauen ©albe feertiorgebradjt werben fann, ifl immer gu tiermeiben. 3n golgenbem wirb eine S3efeanblungSweife ber fetunbären ©ppfeilis ofene allen Cuedßlbergebraudj angegeben. © p e g i e 11 e Heilmittel. — SBentt ßdj ©efdjwüre Im Hälfe ober SKunbe gelgert, beftreidje man fie tion ßtit gu ßtit mit einem Sle^mittel unb gurgle mit einet ßarfen Slbfocfeuitg »ott Sidfeenrinbe, in weldjer etwas 33orar ober SKaun aufgrlöfttjt; beffer nodj iß eine Slbfocfeung tion ©cfeminfbeerett=, 3rlS* unb «Pobopfepflumirurjel, mü einem Sfeeelöffel tiott puloerißrtem 23orar auf jebe «Pinte; audj fann ber «J)atienl jwei* bis breimal tägtiefe einen Sßlöffel tiott bation ofene 33orar »erfdjluden. SBenit bie Haut ergriffen iß, fo reinige man fte feäußg mit ©eifenwaffer unb brauefee jweimol tägiidj baS falpeter-faljfaure 33ab; in ungefäfer gwei Cuart »ar- men SBafferS gieße man je rinen Sfeeelöffel tiott ©alpeterfäure unb coli Saljfäure unb wafcfee ben gangen Körper bamit. 33on 3eü gu 3eit wafdje man auaj mit warmem SBaffer, in WelefeeS etwas ©ateratus ober gewöfenlicfee Slfdjlauge gefcfeüt- tet iß. Snnerlid) muffen bie ßärfßen, fäfteretnigenben Mittel gebraudjt werben, unb fefer iß eine gange Sifte fotdjer, bie in ber gorm ftarfer ©prupe ober Slbfocfeungtn bem ßwede erttfpredfeen unb ben ©ebrauefe bes DuedßlberS überßüfßg madjen werben. «Pobopfepttum (May-apple), 3riS (Blue Flag), ©efeminfbeerett (Poke Berries), Äletten (Burdock), ©eiber Slmpfer (Yellow Dock), ©offofraS, ©arfaparitta, Monbfamen (Yellow Pariila), ©rtttingia (Yaw Root), «Bitterfüß (Bitter Sweet), SBotfSmilcfe (Milk Weed), SorpbaliS (Squirrel Corn). Ss ßnb bie SBurgel tt biefer «Pflangen, bie gebraucfet werben. Die näfeere SBefdjretbung biefer Mittet ßnbet man unter bem Slbfefenitte: ,*?ttl- fräftige «pftanjett." Ss ift natürlicfe nicfet nötfeig, fte Sitte gleidjeitig gu gebraucfeen; bocfe fuefee man, wenn mögtiefe, ßdj bie Mefergafel bation gu oerfdjaffen, immer mil Sinfefeluß ber 3ris-, ber ©djminfbeeren* unb ber «Pobopfepflumwurjel, unb wenn es irgenb gefet, ber ©tittingia* ober in Srmangeiung berfelben ber Älttten» unt Monbfamenwurgef. Man nefeme eine Hanb »ctt »on Jeber — nur etwa« »m»J;; ©pptjllts. 437 »on ber «pobopfepttumwurgel, weil biefelbe ein ßarfeS Slbfüljrmittet iß — unb fodje langfam in meferen ©allonen SBaffer, womögtid) «Jtegenwaffer, einige ©tunben (ang, bis matt tiier pintett ßarfe Slbfocfeung feat; bann füge matt gu jeber «pinte ein fealbeS «pfunb weißen 3uder unb foefee nocfe einmot auf, um ben 3uder beffer aufjulöfen, unb wenn es wieber abgefüfelt, füge man gu jeber «pinte eine Dracfeme 3oblall (Iodide of Potassa), boS man gutior in ein bis gwei Ungeit SBaffer aufge* löß. ©o wirb man einen tiorgüglicfeen fäftereinigettbeit ©prup erfealten. Die TcftS iß gwei bis brei Sßlöffel tiott gweü bis breimal täglid), unb wenn er gu fräftig auf ben ©tufelgang wirfen fottte, tierringere matt bü Menge fo weit, baß es nidjt mefer als gwei Sntteerungen täglid) bewirft. 3n rieten Slpotfeefen, ttametüfid) Itt ben fogenannten "Botanic Drugstores", fann man ben gufammengefe&tett ©tiüingiofprup (Compound Syrup of Stillingia) befommen, ber ein tiorgügfidjes Mittel bei biefer kranffeeit iß. SBentt er ttidjt bereits 3obfati entfeält, laffe matt es im 33erfeältniffe tioit einer Dracfeme gur «Pinte 6prup feinjutfeutt. Die ©arfaparittawurjel, in jeber Slpotfeefe gu baben, iß gleicfe* falls ein fdfeä^barer Slrtifel unb wirb feäußg in ber gorm tion ©prup unb in 35er* binbung mit Sobfali, itt bemfelben 23erijäftttiß wie oben, mit Srfolg angewenbet. Slm beßen iß es jebodj, nocfe einige anbere «Proben genannter «Pftangett bamit gu berbinben. Ss iß faum eitt 3weifel, baß bü brei Slrtifel: ©efemittfbeeren*, SriS* unb «Pobopfepttumwurgel gewtffermaßen „©peeiftea" gegen biefe kranlfeeit ßnb. Die ©tlttingia wirb gleicfefatts als ein ©peeißcum angefefeeit; namentlicfe in ben füblidjcn Staaten unter ben «Negern. 3ufammen ein «Pfunb oon ben tierfcfeiebeneit aettodneten SBurgeln iß genug für ein Cuart bis brei «Pintett bes ßärfßen ©prups. SBenn man nicfet bie «Pobopfepttumwurgel mit einfdjließt, fo wirb es nottjwenbig fein, nebenfeer abfuferenbe «piüen gu gebraucfeen, etwa folgenbe: «Pobopfepttin, ©comm»* nium unb ©ummigutt, je breißig ©ran; b,üraus maefee man mit Söwengafett* ober ©djminfbeerettWurjel=Srtraft breißig «Pillen, oon benen brri gwei* bis breimal nwajentlicfe gu nefemett ßnb. SBentt matt überfeaupt D^uedßtber bei biefer Ärattf* feeitgform gebraudfeen will, fo iß bas beße «Präparat bas einfadje (gelbe) Sobqtted« filber; breißig ©ran tjiertiott tierarbeite mait mit etwas ©efeierlittgS* (Conium Maculatum) Srtraft ober Sßilfenfraut* (Hyosciamus) Srtraft gu breißig «Pillen, bon benen eine täglicfe gu nefemett iß; gteiefegeitig inbeffen braudje man ben fäfterei* nigenben «Pßangenfprup unb bie geeigneten «Purgangen. Ss fann SBocfeen unb felbß Monate lang bauern, bis bie Äur tiottßänbig iß; bocfe muß man gewiffenfeaft bas angegebene Skrfafjrett beobadfetett, bis jebe ©pur bet kranffeeit tierfajwunben iß, unb noefe etwas länger, um tior fünftigen golgen Tiajer ju fein. Die Diät muß milb unb nidjt reigenb fein unb tjauptfädjtidj aus $f!anjenfoß beßefeen. SBentt bte knoefeen ergriffen ßnb, unb ßdj ßttotett, ©efdjwülße, ©dfemergen u. f. w. bemerftidfe macfeen, befonbers wtnn tiorfeer tiiel D.uedßlber gebraucfet worben Iß, fo nefeme ber Patient gweimat tägiidj fünf bis fecfes Sropfen ©alpeterfäure in einem ©lofe SBaffer, ober mit fooiel SBaffer, boß es gerabe ange- «fem fäuerliefe, wie £imonabe, fcfemedt. Dies ift eitt fräftiges Mittel fowofel gegen M* fWfetlitifde, als gegen bie D.uedftlbertiergiftung uttb feißet namentlich in feart« «5%n gätten bie trefßidfeßen Dienße. Sine ßarfe löfung tion ihtpferfufpfjat (Blue Vitriol) iß als ©pülwaffer gegen ©efefewüre im Munbe unb auefe gum SBafdjen ber ©cfeentel gu empfehlen. Man 438 ©unn's Hausarjt. nefeme etwa breißig ©ran auf ein bis jwei Unjen SBaffer; man fann bit ©efefeivfiu im Munbe unb Hälfe bamit tiermittelß eines ©cfewämmcfeenS ober einer geber jirei- bis breimal täglicfe betupfen. ©egen Änodfeengefefewülße braudje man. wtnn man bü graue Cutdfilbtrfalbe nicfet anwenben Witt, rin Siniment aus gleictjen Sfeeilen: Sfeloroform, 3almiaf- aeiß, Saubanum unb $ampfeer>-Sinftur. ©onorrtjöe. Diefe kranffeeit, gewötjnlidfe S r i p p e r (Clap) genannt, iß eine Sntgünbung ber ©cfeleimfeaut ber Harnröfere bei bem Manne, ober ber ©cfeleimfeaut ber Scfeeibe bei bem SBelbe, welcfee burefe einen, bem fppfeilitifcfeen tierwonbten, bocfe weniger gefäferliefeen, Slttßedungsßoff feeroorgebrodfet wirb. SBenn bie Jtranftjeit bei bem Manne auftritt, fo wirb guerß etwas Jpi^e unb 3uden in ber Harnröfere unb ein 23rennen bei bem SBafferloffen empfunben; bie «Jtänber ber Deffnung fefewetten unb rotfeen ßcfe unb balb wirb bie Slbfonberung einer büntten, weißlldjen ober feellgelben Materie bemerft, bie attmälig in Menge guitlmmt unb babei bider unb bunflet Wirb. «Bisweilen nimmt ße ein grünlidjeS unb felbß blutiges SluSfefeen an, je naefe ber Heftigfeit beS SlnfatteS. Man tann an ber garbe unb S3efdjoffenljeit ber Materie ben ©rab ber tiorfeanbetteit Sntgünbung beurtfeeilen. Häußg wirb ber 33lafenfeala empßnbliefe, was einen beßänbigen Drang gum SBafferloffen ergeugt. 3« manajtn gätten fefewittt bie 33ortjaut fo bebeutenb an, baß fte nidjt über bte Sicfeel jurücf« gefefeoben werben fann; in anberen gätten, wenn ße gurüdgegogen iß, fdjroiüt fie felnter ber Sicfeel an unb fann nicfet naefe tiorn bewegt werben; crßereS feeijjt «j)fep« m o f i S, festeres «ParapfepmofiS. SBenn nicfet bie gefeörige Sorgfalt auf «Jüintidjfeü tierwenbet wirb, fo wirb bie ©pt£e beS «Penis äußerß empfinblicb; bie Sntgünbung tarnt fefer feeftig werben; bie untere glädtje ber Harnröfere »erfeärtet ßaj unb füfelt ßcfe wie ein Drafet an; tyäußg fommen Sreftionen beS Penis »or, bei benen er ßcfe nadj unten frümmt, in golge jfiex unregelmäßigen 3ufammenjiebung ber unteren Sfeeile, was Sfeorbee genannt wirb. Diefes fefemergfeafte Sömptom ßettt ßcfe meißens gur «Kaefetgeit ein unb wirb burefe bie Settwärme feertiorgerufen. Sn geröötjnlictjen Sripperfätten erßredt ßd) bie eigentfeümltcfee Sntgünbung ber Harnröfere, aus wetdjer bie Äranffeeü beßefet, nidjt weiter als etwa jwei 3"ß m ber ©pifce; in leidjten gätten iß oft nur etwas Jpi^e unb «Brennen bet bem ffiajfer- laffen unb eine geringe «Verengerung ber «Jtöfere bemerfbar. SBenn bie geeignete ©orgfalt angewenbet wirb, fo fann bie kranffeeit tm 2aufe tion einer SBodje ober gefen Sagen befeitigt fein ; bocfe burefe SSernadjläfftgung fann ße ßdfe Monate unb fetbß Safere lang feinjiefeen, ben fogenannten Slacfetripptr, ©trifturen unb «Rierenfranfbeiten gur golge feaben; bisweilen iß bamit ein GW bes Unbefeagens in ber Seitbengegenb, ben Hoben, ber Slafe unb bem ganjen Unter- leibe »erbunben. 33ei grauen tritt bie kranffeeit gewöhnlidj milber auf unb füfert nicfet fo triebt gur Sntgünbung ber Harnwege unb «Reigung ber S3tafe. Der ©dmerj iß metftem nur gering unb tierliert ßcfe balb; ber SluSßuß getjt balb in bie Slbfonberung einet unfctjulbigeren Materie über, weldje bem weißen gluß gang äfenltdj iß. _ ^i fann feine beßimmte ßtit beS SrfdjeinenS beS StipperS naefe eru\-" Knßedung gegeben werben. 3n mattdjen gättett bleibt ber ©iftßoff 3»« Ui t:t ©ppfeMlts. 439 Sßodjeit long fefeeinbar otjne SBirfung. Dodj im Slttgemeinett geigt ßefe bie Stxanh feeit gwifdjen bem tiierten uub ßebentett Sage unb nidt fetten fdjon nacb, ben erßen rier unb jwonjig bis aefet unb tiiergig ©tunben. Die kranffeeit unterfefeeibet ßcfe oon ber eigentlicfeett ©ppfeilis, feauptfä cfe liefe burefe iferen mefer örtlicfeen Sljarafter, bodj entßefet ße immer nur burefe Slnßeduug. £>b ße tonßüutionette gotgen feinter* laffen fann, barüber ßnb bie Slttßdjtett getfeeilt. 33ei fottß gefunben «Perfonen iß meißens eine fdfenette uub ßefeere Äur mögliefe, wenn bie kranlfeeit nur bei 3eüen btfämpfi wirb. Sn tiieleit gättett wirb fte langwierig unb fcfemergfeaft, inbem ber fljatient ße gu tierfeeimtidfeett fudjt, burefe ben ©enuß griffiger unb gegoferener ©etränfe, ungeeignete Diät, Mangel an «Jütttlidfefeü unb SMgiefeung beS 33eü ftfelafeS. 33ei ber geeigneten ©orgfalt unb SSefeanbtuttg brauefet bie ^rautfeeit faum eine SBodje gu bauern; bocfe burdj Skrttacfeläfßgung bauert fie oft Monate. Sine befonbers üble golge eines langen SlnfealtenS ber Ärattffeeü beßefet in ben fogenannten ©trifturen ober Harnröfereittierengerungeit, welcfee bas SBafferloffen fcfewierig unb fcfemergfeaft macfeen; ße geigen ßcfe baburefe an, baß ber Urin, ßatt in einem freien unb ununterbroefeenen ©träfet tjerauSgufommen, ftcfe fpottet ober gieß* fannenartig ober langfam unb tropfenweife entleert wirb. Ss fantt fogar eilte bollßänbige Urintierfealtung bie golge fein. Sluefe geigelt ßcfe bisweilen SBargen an ber Sicfeel ober ber ©pi0e beö Penis. Man fantt ße tiermittelß einer ©efeeere abfneifen unb bie SBurgeln mit Hötteitßeiit betupfen. Sfee SBieberwadfefeitwirb juweilen burefe bas 33eßrrid)en mit ftarfer Sfftgfäure erfolgreidt) tierfeinbert. Die Sntjünburtg, welcfee bie ©onorrfeöe begleitet, erßredt ftcfe oft auf bie Seißenbrüfen unb bie Hoben, weldje testete bisweilen anfdjwetten unb für bie 33erüferung empßnb* liefe werben; man muß ße aisbann brei* bis tiiermal täglicfe in warmem SBaffer baben unb ein fogenantüeS ©uspenforium (Sragfeeuteldjett) anlegen, bas in jeber Slpotfeefe ju feaben iß. 23 e fe a n b l u n g. — Um bie kranlfeeit gleicfe im Slnfange abjufdjneiben, fefetage man folgenbeS 33erfaferen ein: matt tjole aus ber Slpotfeefe gwangig ©ran ©Über* nitrat (Höttenßeitt), tfeue biefelben in ein gläfcfetfeen unb gieße eine Unge SBaffer auf; bann tierfefeaffe mon ßdfe rine fleine ©las* ober Metattfpriije, unb wentt bas Slefjmittel aufgelöß iß, fprijje man etwa gwei Sfeeelöffel tiott ber Söfung in ben «J)tnis unb fealte bie glüfßgteü etwa eine Minute lang barin, inbem man bie Deffnung ber Harnröfere mit ben gingern gufammenbrüdt, bann laffe man fte fettt- auslaufen; bies gefdfeefee gwei* bis breimal täglicfe. ©teicfegeüig ober tiorfeer nefeme man ein fräftiges, füfelenbeS, fepbragogifdjeS SlbfüfermUtel; etwa brei bis tiür ©ran Pobopfepttin mit einem gefeäuften Sfeeelöffel tiott Sremor Sartari; ober eine große Doßs 33itterfolg. Dann maefee man eine ftarfe Slbfodjung tion grünem Stjee, etwa eine Unje gur «pinte SBaffer, feifee burefe unb füge je feefegig ©ran S3leiguder unb 3ütffulpfeat (White Vitriol) tjingu; bieS braudje matt am gweiten unb brüten Inge unb fpäter, wenn nötfeig, als Sinfpri^ung, ebenfo wie bie ©ilbernürat= Söfung. gerner »erfefeaffe man ßcb, eilt bis gwei Uttgett pultierißrte Subeben, unb nacfebem bas SlbfüfermUtel gewirft, nefeme man biefelben ttjeelöffetweife, breimal täglicfe, mit etwas SBaffer ober Simonabe üermifdjt. ©onß iß weiter nüfets nötfeig, «IS Sütfee unb Sntljaftfamfeü tion geißigen ©etränfen unb tiom S3eifcfelafe. S3ei Brauen iß baffelbe SSerfafjren gu beobadten, außer baß bie Sinfprifcung mit ©Über- 440 ©unn'S HauS-Strgt. nitrat nicfet angewenbet gu werben feraudjt, unb gleid) bie anbere Ctnfprtyung in brauefeen iß. SBenn «Pillen ben gepultierten Subeben tiorgegogen werben, nebme man etwa eine fealbe Unge 23alfam Sopaiba, tierbide benfelben mit etwas Magneßa unb macfet Ril- len tion geeigneter ©röße baraus, tion benen fünf bis fecfes breimal täglicfe ju nefe- men ßnb. Dber man brauefee folgenbe Mlrtur : 23atfam Sopaiba.............1 Unje; SSerfüßte ©djwefelfäure (Sweet Spirits of Nitre) . . . 1 Unge; Serpentinöt..............\ Unje; Subebenöl...............\ Unje. Mifde. Hürtion iß ein Sfeeelöffel tiott tiiermal täglicfe gu nefemen ; bie «DcMfefeung iß jebeSmal gut umjufdjüttetn. ©egen bie fdjmerjfeaften Sreftionen beö s)laa)tt, nefeme man breißig bis tiiergig Sropfen Saubanum tior bem ©djlofengefeen. Sßenn ber «Penis ftart attfcfemiltt ober entjünblicfe wirb, madje man bes «JtaajtS warme Umfdjläge ober lege naffe, falte Südjer auf. SBenn bie kranffeeit ßcfe feinjiefet, fo muffen bie ©ilbernitrat=Sinfprifeungrn ein« geßeüt werben, ba biefelben nur im Slnfange tion «Jcu£en ßnb. Doefe brauefee man anbere Sinfprifjuttgen, wie etwa bie Slbfocfeung tion grünem Sfeee, mit fünf Ui ftcfe« ©ran SSleiguder unb eben fotiiel 3inffulpfeat gur Unge; ober bas 33(ei unb ben 3inl in bemfelben 33ertjältniß in 9ügenwaffer, Äampfeerwaffer ober «Jtofenwaffer aufgelöft. Ss bieS ift, fowofel bei Männern als bri grauen rine fefer gute Sinfprtfcung. Dabei nefeme man innerlicfe folgenbeS Präparat: 33erbidten Sklfam Sopaiba........1 Dradjme; SenetianifefeeS Serpentinfearg ........ 30 ©ran ; «Pobopfepllin............ . 10 ©ran. Dies tnifdje unb reibe man gut in einem fleinen ©laSmörfer gufammen unb mifefee fotiiel, als mögliefe, «Jtfeabatberpuloer fetneitt; man madje breißig Pillen barau«, ton benen gwei ober brei gweimal tägtiefe gu nefemett finb, bis ße gefeörig auf ben ifutjl- gattg wirfen ; atsbantt nefeme man nur eine gweimal täglicfe. Dber: Sklfam Sopaiba............2 Unjen; Serfüßte ©alpeterfäure..........2 Unjen; ©üßmanbelöl............. 1 Unge; Serpentinöt .............. 1 Unje; 3ufammengefej3ten 2atienbetöl*©piritus.....\ Unje; Saubanum..............\ Unje. Mifefee. Hürtion iß eitt bis jwei Sfeeelöffel tiott brei* bis »iermal täglid) ju nefe- men unb babei reitfelidtj 2einfamett=Sfeee ober einen Slufguß »on SBollftaut unb Stoßmünge gu trinfen. golgenbes ift ein berufendes frangößfdjeS Srippermütel unb foll angeblicfe, ofene bte Hülfe anberer Mebigtnett, unfefelbar fein : Man nefeme je eine «Giertet Unge Draa^enbtut (in Slpoüjefen ju feaben), pulser»- ßrte ßoloqutntett unb pultierißrteS ©ummigutt; biefe brei Slrtifel jerreite man gufammen in einem Mörfer; bantt füge man eine «pinte fodjenben SBaffer« («■ beßen weiefeen ober «Jügettwaffers) tjinju laffe eine ©tunbe lang ßeben unb tufe« Marasmus. 441 »ott 3eit ju ßtit utn; bann füge matt je gwei Ungett tierfüßte ©alpeterfäure unb S3alfam Sopaiba feingu, riüjre wieber um, bis Stiles getjörig tiermtfdjt ift unb fütte tum ©ebraudtje auf gtafdfeen. Doßs : gwei Sfeeelöffel tiott SlbenbS unb Morgens, bis es fräftig auf ben ©tufelgang wirft; bann ein Sfeeelöffel tiott gweü bis breimol täglicfe ober genug, um bett ©tufelgang mäßig offen gu erijalten ; fortgufatjreit bis bie Jlur tiottßänbig ift. Sluefe folgenbes iß ein »orgüglicfees Mittel: Sklfam Sopaiba unb Serpentinöt, je eine fealbe Unge; tierfüßte ©alpeterfäure, eine Unge; Subebenöl, gwei Drocfemett, in einer Unje Sllfofeol aufgelöß ; Dpium=Sinftur, gwei Dracfemen; mon mifefee gut jufammen uttb nefeme in Sfeeelöffelbofen brei* bis tiiermol täglicfe, wäferenb man ben ßeib burefe ben ©ebrauefe tion «Pobopfepllitt ober füfelettbett Mittelfoljen offen feält, ©egen «Jcadjtrtpper ober Gleet, bas feeißt bett leicfetett StuSfluß, wetdjer naefe 33efeü tigung ber eigentlidtjen Sntjüitburtg bisweilen gttrüdbleibt, unb ber nicfet feiten tion ©djmerjett uttb ©cfewäcfee im «Jtüden u. f. w. begleitet iß, brauefee mon golgenbes: SßeifjeS ober oenetianifdes Serpetüinfearj mit «üfeabarberputoer gur «Pittenmoffe tier* arbeitet; man nefeme gwei «Pillen gweimol täglicfe, audj feäußger. Der 33atfam Sopaiba, ber fefer fcfelecfet fcfemedt, ift audj in fogenannten ©atarin* fapfeln ju tjaben, bie man gang tierfcfeludeu fann, ofene bett ©efefemad im Munbe m »erfpüren. Sitte ©djacfetel tiott tonn man in ber Slpotfeefe für fünf unb gwangig Sents befommen. Das Mittel fann itt jebem ©tabium ber kranffeeit gebraucfet Werben. Man ßnbet in jeber ©djacfetel eine ©ebraucfesanwelfung. SÖlaraSmuS» — $lbzefytun$. Unter Marasmus wirb tin attmäligeS Dafeiitfdjwiitbett bes ÄörperS ober feiner flelfcfeigett Sfeeile tierßanben, otjne baß ßefe beftimmte ©pmptome organifdjer ©törurt« gen jeigen, außer tierminbertem Slppetit, Slbnafeme ber Gräfte, törperlidjer unb gei* ßiger Slbfpannung unb einem bleidjett, fcfelaffett, bisweilen aufgebunfenen ©eßtfete. Selten ßnben ßcfe giefeerfptnptome, Hußen, Sltfeembefcfewerben, Diarrfeöe, Sluswurf ober fonßige tranffeafte Slbfonberungen. Der Skudj iß bisweilen gefdwotten unb ebenfo bie güße, was «Jteigung jur SBafferfucfet angeigt; ber ©tufelgang ift entweber »erftopft, ober träge, ber Urin reidjlidj unb tion trüber garbe, ber Sltfeem übelriedt)enb, unb nad jeber fleinen Slnßrengung folgt große Mattigleit ober Srfcfeöpfung ; baS lejjterc ©pmptom nimmt mit ber allgemeinen Slbmagerung gu. Nacfebem bie Äranffeeit eine 3eit lang gewäfert, iß bas ©eßcfet bisweilen feeftifd) gerötfeet, bie Haut feeiß unb troden, ber ©efelaf unrufeig ober mangelfeaft, bie ©tim= mung »erbrießlicfe, ber Puls feefcfeleunigt unb feart ober gefpannt. 53ei finben finben ßdj außerbem feäußg Singeidjen tion SBürmern, was ßctj burefe «Reiben bet 9cafe, ©djwetten ber Dberlippe, unwillfürlidjeS Sluffofereu unb 3äfjnefttirfdjett wäfe- renb bes ©cfelafes uttb anbere, gemöfettlid) burctj SBürmer »erantaßte ©pmptome äußert. — Marasmus iß ein ÄrattffeeÜSjußanb, ber gewötjnlidj nur bri tfittberit ober gang alten Seuten tiorfommt. Ss Iß oft fajmterig bie Urfadje beS Seibens anjugeben unb 442 ©unn'S HauS'Slrjt. ebenfo fcfewierig ifem afejufeelfen. Ss ßnbet ßcfe am feaußgßen in ©täbttn bei eluri jufammengebrängten 33etiölferung, unter itinbern, bie in gabrifen arbeiten, bit ürt 3eit in engen ©dfeulräumen ober fonßigen «Plänen, wo offenbar ein Mangel an frifefeer Suft iß, jubringen. Die erßen Urfadjen finb ofene 3weifei oft bem «Mangel an gefünber Suft unb «Bewegung jugufdfereiben. Doefe weldes bie befonbere Stö- rung ift, bie im DrganiSmuS ßattgefunben; weldjer Sfeeil ber menfdjltdjen «Dlafcfei- nerie feauptfädjücfe in Unorbnung geratfeen — iß tiiet fdwieriger gu beftimmen. Derfelbe 3ußanb fann aud ingoige offenbarer »orfeergefeenber kranfljeit eintreten, namentlid itt golge fdtjwädjenber Sntleerungen unb Slbfonberungen; wie bei Diarrböe, S3lutßüffen, weißem gluß, ©cfewtnbfudfet. gerner burefe Mangel an fein- länglidjer ober gefünber «Jtaferung unb, wie bereits angebeutet, burefe »erborbtnt üuß. Dft tann DpSpepße ober ungureiefeettbe SSerbouung ber ©runb fein. Die birefte Urfacfee beS Marasmus ober ber allgemeinen Slbgeferung iß ofene 3»ei« fei in gewiffen ©törungen beS fo tierwidelt unb gart gufammengefefeten Srnäfe- ruttgsfpßems gu fucfeett. ©ie fann im Magen, im Darmfanal, in ben mefenterifajen Drüfen, in ben Spmpfe* ober SluffaugungSgefäßen liegen. Slm waferfdjeinlicfeßen ifl es wofel, baß b# mefenterifefeen (©efrös*) Drüfen unmittelbar betfeeillgt ßnb. Cor« utglicfe iß bieS bei kinbern ber gatt; wenigßens feat bieS ber Seicfeenbefunb ofl gegeigt, unb man fantt borauS auf anbere gälte fcfeließen. Diefe Drüfen beßefeen aus einer «Jüitje Heiner, aber gofelreidjer Spmpbbrüfen, bie Im ©efröfe liegen unb mit bem Darmfanal in Skrbinbung ßefeen; eine iferer gunftionen iß es, ben Ueber« gang beS SfepluS, beS gubereiteten «JiaferungSfofteS, in ben Ductus thoracicu» (23rußgang) gu »ermitteln, »on wo er in ßirfutation übergefet unb fo bem Körper einverleibt wirb. Sefeanbtung. — Man fanit immer aitnefemen, baß in allen gälten »en Slbgebrung, wo feine anbere pofititie Urfadje — wie Hunger, fcfeledte «Jtaferung, ©djwinbfucfet u. f. w. — befannt ift, irgenb ein Sfeeil bes Drüfen* ober Slbfonbe- rungsfpftemS in Unorbnung ift, unb boß eine fonftitutionette 33efeanblung am «piafce iß. 33ei kinbertt, wo offenbar bie mefenterifefeen Drüfen erfranft ober mangelMr'i tfeätig ßnb, feat ßd ber gifdfelebertferon als eines ber wüffamßett unb wotjitfeätigfttn Heilmittet erwiefen; man fantt benfelben überfeaupt meißens mit Hoffnung auf günßige SBirfung anwenben. Die Doßs für gang fleine ßlttber iß ein fealbtr Ui gu einem gangen Sfeeelöffel tiott mit etwas «Buttermilcfe ober anberer Milcfe; für grö- ßere ßinber unb Srwaefefene ein Sßlöffel tiott brei* bis »iermal täglicfe. SBenn bet «Saud gefcfewotten unb empßnbliefe iß, wie eS bei «Beteiligung ber mefenterifefeen Drüfen faß immer ber gaü iß, fo reibe man etwas Sebertferan ein* bis grotimat täg- tiefe ein — befonbers bei ßinbertt — unb es wirb gut fein, etwas SBadstaft aufzu- legen unb burefe eine 33anbage gu befeftigen. Slußerbem bereite mon einen ber gegen ftropbulöfe kranffeeiten unb 33lutunreinigfeiten anempfofeienen ©prupe (f. «Jltjepte). SBentt man ßcfe nicfet atte bagu erforberlicfeen Slrtifel tierfefeaffen fann, fo brauefee man etnen Sfeeil berfelben. Sin tiorgüglidjer a 11 e r a t i ti e r unb tonifajer Sprup wir» wie folgt bereitet: Man nefeme ßtettenwurgel, ©elbampferwurgel, je gwei Hanbe »ofl; Monbfameit- wurjel, eine Hanböofl ; Äornelfirfdfeenrinbe unb «Pappetrinbe (innen «Rinbe), je eine Hanbtiott; SBacfetjolberwurgel, amerifanifdeS Sifenfraut (Vernona Fasciculataj ie eine Hanbtiott; wenn bie Sungen irgenbwie angegriffen ftnb, füge man 1« Marasmus. 443 eine H<*ubtiott «Jcarbenwurgel unb Slnbornfraut feingu; etwas ©offofraswurgel fann fetngugetfean werben, um bem ©anjett einen befferen ©efefemad in geben; man foefee Sllleö in etroa gwei ©ottonen SBaffer langfam gu etwa gwei Quart ein, feibe burd, fcfeütte 3uder feineitt unb laffe nocfe einmal auffodjen, um ben 3uder gu fdjmeljen unb einen ©prup gu madjen. Die DofiS für eine erwadfefene «Perfon ift etwa iwei Sßlöffel tiott breimal täglicfe ; jüngere «Perfonen im S3erfeältniß weniger. Die oben angegebene Monge «Pßangen iß auf etwa eine fealbe ©attone ©prup bereefenet; bocfe brauefet mon nicfet fotiiel auf einmal gu macfeen unb fann geringere Mengen in bemfelben 33erfeältniffe nefemen. Die Sigenfdjaftett biefeS ©prups ßnb fowofel traf* tigenber, als fäftereinigenber Strt, unb bas Mittel wirb ßcfe in allen gätten attgemeü ner Slbjeferung aus unbeuttiefeett Urfaefeeit als treffliefe feewäferett. Die Hautpßege barf nidjt tiernadjläfßgt werben. Man madje feäußg warme SBafefeungen, tiermittelß eines ©djwammes, mü ßart gefatgettem SBaffer, tiorgüglidtj beS SlbenbS; bie Haut ift barauf mit trodenen Süefeer« ober mit bett Häitbeit fräftig ju reiben; ein* ober gweimal wödjentlidj werbe beS Morgens, gteidj nad, bem 3lüf= ßefeen, ein talteS S3ab, am beßen ein ©turgbab, gebraucfet. Der kranfe muß tiül «Bewegung in ber freien Suft feafeen unb rine noferfeafte, fräftigenbe unb teidjtoer- baulidje Äoß genießen—nicfet gu fettes «Jtinbflrifdfe, ©cfeöpfenßeifcfe, SBilbpret u. f. w. Der ©tufelgang muß regulirt werben. Man brauefee tiott ßeit gu 3eü tarirenbe «j)illen, bie gleidfegeitig auf bie Seber uub baS Drüfettfpßem wirfen. Hürgu fönnen Die gewöfenliefeett Seberpitten bienett, tiott benen eine einmal täglicfe gu nefemen iß. Obet folgenbe: man nefeme gteiefee Sfeeile fein gepuloerte «Pobopfepttumwurgel, 53lutwurjel unb Hpbraßiswurget unb madjt mit etwas Söwenjafen=Sriraft «Pillen »on gewöfenlicfeer ©röße baraus; eine «Pille täglicfe SlbenbS tior bem ©cfelafengefeen JU nefemen. Mon fann etwa gu jeber «Pille einen fealben ©ran fpanifdjen «Pfeffer felnjufügen, um Skudfegrimmen gu tierfeüten uub bie 33erbauungSorgatte anguregen; unb wenn bie Haut troden unb träge gu fein fefeeint, wirb je ein «Viertel ©ran 3pe* tacuanfea unb gepultierter Sobeliafamen gu jeber «Pille gute Dünße tfeun. ©o jufammengefefcte «Pillen werben bie Sigenfdjaften eines fatfeartifdjen, alteratitien, biapfeoretifefeen, farminatitien unb oerbauungsbeförbernben Mittels itt ßcfe tieretni- gen. Sine Doßs tion brei ober tiier wirb als fräftiges unb ßdjeres Sibfüljrmittef trirfen. SBentt eine «Pille täglicfe ben Seib gu fefer öffnen fottte, fo gebe man ße fel- tener—einen Sag um ben anbereit, gür fleine .Kinber fönnen biefelben ©ubßangen ju einem ©prup benufct werben, bodj laffe man ben fpanifdjen «Pfeffer aus. Man fann auefe anbere Maßregeln unb Mittel tierfuefeen; bie eben angegebene iß burdjaus nicfet bie eingige ober eine unfefetbare S3efeanblungsweife. Der gifefeteber* tferan follte jeboefe in atten gätten grünbtiefe probirt werben; man wirb ifen hti befearrlicfeem ©ebraudje faß ofene Slusnaljme tion «Kuweit ßnben. SBetdje Metfeobe audj eingefefelugett werbe, ße fri immer auf eine 33erbefferung ber ©äfte unb attge* weine Kräftigung geriefetet. ©eebäber ßnb gang öorgüglidj, unb wo ße nidjt gu feaben ßnb, fudje man ße burdj Slnwenbung tion ©algwaffer gu erfefcen. «Bei anbe- ren feingufommenben ©pmptomen riefete man bie S3efeanblung barnad). Man tier- laffe ßd) ouf Sllteratitia unb Sonica, itafjrljafte Diät, ©algwafferbäbet, Bewegung *»nb (rifdje Suft. 444 ®unn'« H«us-Slrgt. %ettiud>t. Der 3ußanb beS DrganiSmuS bei ber gettfudjt fann in gewiffer S3egitfeung all bem ticrigen 3ußanbe gerabe entgcgengefetjt angefcbcn werben. Sr beftebt in einet «Neigung gu übermäßiger gettantjäufung. Sine gewiffe Menge gett ift ats 93ejtanb« tfeeil beS Körpers fowotjl für bie ©efunbtjeit erforberliefe, als für bie äufjcre Srfajti« nung wünfefeenswertfe. Doefe bie gettergeuguttg fantt fo übermäßig fein, bafj fie gur kranffeeit wirb, baß ße bie normale SebenStfeätigfeit feittbert unb bie Dauer bei Sebens abfürgt. Die gettfudjt nimmt Üjren Slnfang gewöfenlidj in einem früfeeren Sllter; meißens ungefäfer gur ßtit ber Mannfearfeit. «perfonen werben feiten, nadjbem fie tin tei« fereS Sllter, etwa bas gwangigße, ein uttb gwanjtgße 3afer erreidjt, batiott befallen; ße fommt atterbings audj bei gang alten «Perfonen tior, bocfe wirb ße bann feiten gefäferlicfe. SMswetlett beginnt ße fogar fdon in ber früfeeßett Äinbtjeit; bocfe in ber «Jüget gwifdjen bem gwölftett unb fedjgefenten 3afere. 3e fpäter tfet Slnfang ijt, um fo leidjter läßt ße ßdfe befeaitbettt unb befämpfen. Die erße 23ebtngung iß, fooiel als tnögUdj bie 3ufufer abgufdfeneiben — bas «Ma- terial, WelefeeS bas gett liefert ober aus weldjem es ergeugt wirb, gett iß tin ©runbßoff, ober genauer, eine beßimmte 3ufammenfe^ung aus immer benfelben ©rurtbftoffert (jtofelenßoff, SBafferßoff unb wenig ©auerßoff), gunädß aus «Karga- rin, ©tearitt unb Dtein; gett ober ein efeemifdtj*tierwanbter ©toff iß erforberliefe, um gett gu ergeugen. Um alfo ber «Neigung gur gettanfammlung entgegenguwirfen, wirb es ratfefam frin, bem Patienten möglidfeß atte fettigen unb öligen ©peiftn, S3utter u. f. w. tiorguentfeattett. Ss iß natürlid) unmöglidtj, Stiles ausjufajliefjen, Was im Körper in gett tierwanbelt werben fann, ba bie meißen animalifajen fowofel als tiegetabififefeen «RaferungSmittel bes Menfdjen S3eftanbtfeeile entfealten, bie ent- weber fettiger ober bem gette in dfeemifefeer Jpinftdjt nafecßefeenber Slrt finb. Doefe burefe bie ftrenge SSerbanttung atter gerabeju fettiger unb öliger ©ufeßanjen trüb wenigßettS etwas gewonnen. Die nädjßwicfetige Maßregel iß, bafür ju forgen, baß bie ©peifemaffe nut fo furge 3eü im Magen gubringe, als es ßd «tu ber ©efunbtjeit unb bem Srnäferunge- progeffe irgenb tierträgt, bamit feine ßtit gur gettergeuguttg gelaffen werbe, ©efenett« S3erbauung muß beförbert werben. Dafeer muffen bie Mafeljeiten gu früfeen lagt«- ßunbett genommett werben, efee burctj Slnßrengungett u. f. w. bie Äraft ber $er- bauuttgswerfgeuge ermattet iß. Das grüfeftüd fottte leidjt fein unb au« etrca« geröftetem 23rob uttb Stjee ober Kaffee beßefeen; nur wenn ßarfe «Bewegung der Slrbeit beabßdfetigt wirb, mag etwas mageres gteifdj genoffen werben. Das Wit« tageffett fottte gwifdtjett gwölf unb ein Ufer, >a nictjt fpäter als gwei Ufer, genommen werben, unb aus altem 33rob, gleifdj ofene gett unb ©auce, einfaefe gefoefeten 9Ra* caroni ober SMsquü, ©d)iffSjwiebad*«Pubbing unb bergleicfeen befteijen. ÖS barf nicfet bagu geturnten werben, glüfßgfeiten fealten, bie SSerbouung auf. Deetjalb fottten feine ©etränfe irgenb wetdjer Slrt, fetbß nidjt SBaffer, wätjrenb bes «Mittag- effens —unb bis gu einer ©tunbe fpäter—gen offen werben. Der Patient effe ju Mittag fo tiiel, baß er für ben Sag genug feat; feine gweite tiottftänbige «Jflafefjfit tarf getjalten werben. Des SlbenbS mag etwas parier ßwitbad unb SBafftt, ob« gettfudjt. 445 gerößetes 93rob unb Sfeee, unb tior bem ©dfelafengetjett eine Saffe ©rü£e ober etwas «Bratäpfel genoffen werben; aber feitt reguläres Slbenbbrob. Die geringße Menge SRaferung, welcfee ßcfe mit ber ©efunbfeeit bes «Patienten »erträgt, fonn nur burefe 33erfudje gefunben werben; unb wenn mon fie ermittelt feat, follte bieS Maß nicfet überfdjritten werben. SBenn eine große gettanfeäufung im Skudje ßattßnbet, wirb es gut fein, eine ßarfe, gefeörig angebraefete 53inbe gu tragen, um bie SSoucfemusfetn gu unterftü^en; biefe S3inbe werbe attmälig »erengert. Man wirb baburefe bie fcfeleppenbe Smpßn* bung in ber Senbettgegenb unb im «Jtüden, welcfee Seuten mit ßarf entwideltett, burd) gettanfeäufung tiergrößerten Singeweiben fotiiel Unbequemlicfefeit tierurfadt, tfeeil* meife befeitigen. Slud bie 31 b f o r p t i o n beö gettes wirb baburd beförbert. SBaS Mebiginen betrifft, fo finb tiietteiefet bie Sllfaliett am nüfütdjßen. Matttfee fette Seute pflegen große Maffen Sfßg ober anbere «Pfionjenfäuren ju genießen. Ss iß ein allgemein »erbreiteter ©taube, boß Sfßg ein Mittel gegen gettwerben ober gettfudjt iß. Dies iß eitt Srrttjum. Sr fann unter Umftänben eine folefee SBir- fung feaben, aber mefer burefe ^Beeinträchtigung ober 3erßörung ber SSerbauungsfrafr, als burd irgenb weldjen befonberen ober fpegiftftfeen Sinßuß auf bie gettergeugung. Sllfaliett bagegen tierwanbeln fettige unb ölige ©ubßangen in ©eife, bie efeer nüjü, als ßfeabet. ©ie tierbinbett fidj mit bem im.Magen unb Darmfanal feeßnblidjen Ueberfcfeuffe tion gett, ober einem Sfeeile bation, unb bilben ©eife, welcfee mit ben ßrfretnentett abgebt. Dafeer ift ber ©ebrauefe eines geeigneten Slitali ratfefam. Sin für biefen ßwed fefer gutes «Präparat, baS in jeber Slpotfeefe gu X)abtn ift, iß ber Liquor Potassae, weldjer aus unterfofelettfaurem Mali, Malt unb SBaffer bereitet wirb. Die Doßs, mit ber mon beginnen fonnte, würbe etwa ein tj alber Sfeeelöffel »oll in etwas SBaffer ober Milcfe, breimal täglicfe, fein; attmälig gu einem gangen unb bis ju gwei Sfeeelöffeln tiott gu ßeigern. Man nefeme es etwa eine ©tunbe nadj bem Sffen. Sn Srmangelung beS Liquor Potassse brauefee mau fdjwacfee Sauge, fofelenfaureS «Jtatron, ©aterotus uttb bergleidjen. Man tierfudje aus bem Magen eine Slrt ©eifenfabrif in Heitrem Maßßabe gu macfeen; fo boß bas gett, efee es ßtit feat, in ben DrganiSmuS überjugefeen, iit ©eife tierwanbelt unb mit anberen unnüjjen ©toffen auSgefdieben werbe. Sßas 33eweguttg betrifft, fo iß es am beßen, wenn ber «Patient jung unb fräftig iß unb fein gett ifen nicfet am ©ebraudje feiner 33eine tierfeinbert, täglicfe fo lange unb fotiiel ats mögliefe fpojieren gu laufen. 3e größer bie Slnjafel ber ©tunbeit, bie tägiidj biefer 33ef tigfeit getränft. Durcfe bie faß ä&enbe ©efeärfe beS ©efenupftabads wirb bie geuefe- tigfeit aufgetrodnet, unb bie feinen, garten «flertien, bie Drgane beS ©erud)eS, werben abgeßumpft unb faß uttempßnbtidj unb ttufcloS gemadjt. 3u biefet leicfet eingufefejnbett üble« SBirtung fommt nod) bie ttarfottfdje ober 447 ® 448 ©unn's Haus«3lrjt. betäubenbe ßraft bes Sabads, burdj welcfee nicfet aüein boS ©efeirn unb bit «Jltr»rn fonbern auefe bie Slugen befcfeabigt werben. Sin ©dnupfer iß leicfet burdj bie Slrt, wie er burefe bie «Hofe rebet, ober an einem aftfematifdjen ßi\d)en ober fonßigen unangeneljmcn ©eräufdje bei bem Sltbmen, ninb- fudjt ergeugt würbe. SBir waren mit einem Herrn befannt, ber eine atiSgejeicfentte unb feertiorragenbe ©teüung in ber SBelt einttofem, ber fidj beßänbig über ein ©efüfel ber Malte unb bes UnbefeagenS Im Mopk beflagte unb eine Maffe »ott «Dtebijinen oerfuefete, um Srlridfeterung gu ßnben; bocfe ließ er ßcfe nicfet überjeugen, bafj feine Seiben allein »om ©ebraudje bes ©dfenupftabads feerrüferten. Sr fufer tn feinet übten ©ewofenfeeit fort unb ging als Dpfer feiner 33erblenbung ju ©runbe. Die geringßen Uebel, bie mon bation erwarten fann, ßnb Slbmagerung, ©cfewädjung bes ©efeäcfetniffes unb 3erßörung bes garten ©eruefefinnes. Ss gibt manefee junge Damen, bü es für eine ©efeattbe tjalten würben, mü einem Priemefeen ober einet Sigarre im Munbe gefefeen ju werben, bie aber nidjtsbeftoweniger täglicfe unb fafl ßünbtid ©dnupftabad als „3afenpultier" benu^en. «Radjbem jeboefe baS «Jtcrtitn« fpßem län-gere 3£ü burefe bieS fcfeäblidje unb giftige «Jütjmittet erregt worben ijt, fangen bie klagen über «Jürtienfcfemäcfee an, ber Sltfeem wirb beflommen, unb es ftellt ßcfe eine Slrt SäfemuttgSjußanb ber MuSfeln rin. «Riefet feiten ift ber «Jftifjbrauaj biefes ©iftfrautes tion töbttidjen golgen begleitet. 3ebe ber verfdjiebenen gormen, itt betten biefer Slrtifel gebraudjt wirb, feat ifere nodfetfeeiligen SBirfungen. Ss ift merfwürbig, wie erßnberifcfe bie Menfcfeen gewe- fen ftnb, um eines ber beftigften ©ifte, welcfee bie «ftatur erjeugt, ftcfe in allen mag- liefen ©eßalten beijubringen unb feine betäubenbe unb tierberbtidjeÄraft ju erfahren. Die feeftigßen bpspeptifdfeen ©pmptome unb kranffeeiten ber Seber, ber Sunge, Ui Magens unb beS «JtertienfpßemS werben bei regelmäßigen Sabadfcfenupfern, dauern unb ^taudjern burefe ben Sinßuß ber Dralfäure feertiorgebraefet. Sßie 33iele bebauern oufriefetig, baß fie jemals biefeS langfam aber fiefeer wirfenbe ©ift genoffen, bafj bei mandjer Äörpertierfoffung unbebittgt töbtlidje kranffeeiten tierantaßt. könnten reit bie Dede bes ©rabes feinwegjüfeen unb fefeen, was ber Sabad gur Slbfürjung Ui menfdjliden SebenS beigetragen feat, fo würben wir barüber etßauntn, wie bet Menfdj, boS mü «Vernunft begabte Sbenbitb feines ©djöpferS, fo fpßematifcfe barauf auSgefeen fann, ßefe förperliefe unb geiftig gu ©runbe gu riefeten. «Bei bem Sabadfauen geigen ßdj bie giftigen (Sigenfdjaften gteidj im Slnfange. Itt efelfeafte ©efefemad unb bie ätjenbe «Jüijung bringen eine übermäßige Slbfonberung Der Sinflaß beS Sa6adS. 449 ber Speicfeelbrüfen Ijeröor. Die große SSermeferung biefer Slbfonbernng — in gefun* bem 3ußonbe — »or unb nadj jeber Mafelgeü uttb bie große Menge bation, welcfee wäferenb bes SffenS »erfdludt roirb, geigt ifere SBidjtigfrit für ben SSerbauungSprogeß. SBaS muß nun ber 3ußaub ber 33erbauungStfeätigfeit eines Menfcfeen fein, ber, bis er ficfe ju Sifde fefct, fein «Priemefeen im Munbe feot unb es wieber feineiitfdjübt, fobalb er ßcfe »ott ber Mafelgeü erfeebt ? Unb wentt wir bebeden, baß große Maffen tion ©petdel, bie mit biefem ©ifte gefäüigt werben, unb felbß ©tüde baoon feäußg »trfcfeludt werben, wie, frage idj nocfe einmal, muß bie SSerbauung eines folefeen SRenfcfeen feefdfeaffett fein? Slber wenn biefe Seute, biefe ©elbßoergifter, oon Untier* baulicfefelt ober anberett ^ratttfeeüen, tiorgüglicfe «Jtertienletben, befattett werben, fo benfen ße niemals baran, ben Xahad aufgugeben, fonbern gefeen, nacfebem ße ftd) eine 3ett lang gequält tjafeett, gu einem Strgte unb gießen ßdj ben Magen mit Mebü jinen »oll, um bie «ftatur tiorübergefeenb gu iferen normalen Sfeätigteiten anguregen unb biefelben auf's neue burefe Sabodtiergiftung gu gerßoren. Der öerberblicfee Sinßuß bes SabadS auf ben ©riß iß nicfet weniger feferedlicfe, als ber auf ben Möx* per. Jteine 3unge unb feine geber fann ben intetteftuettett «Jtuin befefereibett, ber baburefe »erurfadtjt wirb. SBenn Sttgel jemals über felbßgugefügte Duale« wei* nen, fo muffen ße Sferänenßröme über bas uttausfpreefelide Slenb berer tiergoffen feaben, bie ßcfe gu ©flatiett bes SafeadgebraudjeS gemadjt feaben. Die geißigen Sei* ben, weldje burefe berauftfeenbe ©etränfe tierurfadtjt werben, X)abe Id tiorfein befdjrü* ben, unb es iß fein 3roeifet, baß ber Srunf, wie es oom Seufel X)ti\)t, feine S3ereferer peinigt. Slber wenn ber an Xahad [idj 53eraufd)enbe bü ©efdjidjte feiner geißigen Cualen feeridjten wollte, fo müßte jebes füfeteitbe Herg bluten. S3ranittwein unb labad gefeen Hanb in Hanb in bem SBerfe ber 3erßörung, S3on allen Strien, biefes ©iftfraut gu gebraucfeen, iß bas «Jtauefeen am meißen Sttobe. Ss iß bies ebenfo fdjäblicfe, wenn nidt fcfeäbtidjer, als baS Mautn, tiorgüg* liefe für Seute tion gartem unb nertiöfem Semperamente. Der «Jtaud) bringt in bie unjäfeligen Suftjetten ber Sungen ein, erfei£t, reigt, wirb tiom 331ute aufgefogen unb »eranlaßt fo Äopffdjmerg, «Jceroenfdjwäcfee, Stugenleiben, 9tufeeloßgfeü, Hergffopfen u. f. w. 33isweilen wirb MxtH ber Sippen baburefe tierurfadtjt, weldjer fo feäußg eine djirurgifefee Dperation nötfeig macfet. Dft enbet ber übte Sinßuß biefes S3etäu* bungsmittets in ©emütb. Sßörungen. Die Sfeätigfeit beS Magens wirb beeinträchtigt, unb Untierbaullcfefeit, mit iferem ©efolge ungäfetiger kranffeeiten, iß bas 9üfttltat. Sei manefeen Seuten wirb bas «Jceroenfpßem fo angegriffen, baß ße abmagern, feteid) »erben unb »or ©cfewädje gittern, woju ßd) gewöfenlicfe ein franffeafter 3ußanb ber Seber gefeilt. SBenige Slrtifel wirfen tjeftiger auf bie «Jteroen, als ber Xahad; er fcfewäcfet bas ©ebädjtniß unb atte ©eißesfräfte, unb fein tierberbliefeer Sinfluß erßredt ßefe bis auf bie «Jtaajfommenfctjoft, fo baß bie kinber berer, bie ifeit gebraudfeen, oft mit ber Slnlage jum SBafenßnn unb ben »erfdfeiebenartigßen «Jtertieitfrattffeeüen auf bie SBelt fommen. SBelcfe' tin fdferediiefeer Mattgel an Slufftärung feerrfefet nod) immer in ber menfdjllden ©efeüfdjaft in S5egug auf bie franffeafteit geißigen fowofel, als förperlidjen Sinßüffe, weldje tion ben Sltern auf bie Ätnber tiererbt werben fönnen. SBir fönnen in 23egug auf biefen ©egenßanb fetjr ridjtig baS anwenben, was feäußg mit «Begug auf bie geißigen ©etränfe gefagt wirb. SBefdjes Drgan beS menfdjlidjen Körpers bebarf biefer giftigen «Jütgmütet, um in ber öottfommenßen 29 450 ©unn'S HauS-Strjt. SBeife feine gefunbe Sfeätigfeit ju tierridjten ? Mein eingigeö ! Die «Natur feat fein foldjeS Drgan gefcfeaffen, wätjrenb anbererfeits lein Drgan erißirt, beffen gefunbe Sfeätigfeit nicfet burefe ben ©ebrauefe bes Sabads geßört würbe, unb bas ßcfe nictl unwittfürlicfe bagegen ßräubte. Sabad iß ©ift für jebes Drgan, mit bem er in «Berüferttng lommt. Sinige glaube«, boß Sabad nldjt fefer fdjäblid) für ben Körper ober ben ©eiß fein fönne, weif ße Seute fennett, bie ifen oon ber Äinbfeeit bis jum feofeen Stlter gebraucfet \)aben. Diefe Strt ber ©efelußfolgerung feat Saufenbe eben fowofel In S*cjug auf bie geißigen ©etränfe, als auf ben Xahad oerblenbet. Der ©runb, wesfealb einjelne «Perfonen biefe ©ifte fefeeinbar ungeftroft genießen fönnen, iß ber, baß mandje Jtute eine konftitution tion Sifen feaben, wäferenb anbere tion gebreefetidjer, jarttr unb nertiöfer «Jtotur uub leicfet ber kranffeeit unterworfen ßnb, fo boß bie geringfle Unre« getmäßigfeit iferen DrganiSmuS beeinflußt. Man nefeme einen jungen «JDünfajtn unb gebe ifem eine fleine Menge Branntwein — was wirb bte golge fein? 3ucrfl ein 3ußanb ber Srtjeiterurtg uttb bantt bie weiteren tierberbtidjen SBirfungen bet erßett ©djritteS, bis biefer Dämon bes MenfcfeengefdlecfeteS Macfet über ifen gewinnt. Dann gebe man ifem eine fleine Menge Xahad unb beoboefete bü SBirfung: er wirb bleidj, ein falter ©cfeweiß bridjt aus, Mattigleit unb ©cfewäcfee fommen übet ifen, unb rine töbtlidje Uebelfeit geigt baS ©träuben ber «Hatur gegen biefeS ©ift an. D, bu unßdjtbarer ©eiß ber Srunffudjt uub beS Sabads! Sßenn bu feinen anbtttn «Kamen tjaß, fo wollen wir biefe Seufet nennen; benn bein «Name wirb »on 33acd)us abgeleitet, einem ber Hauptfütjrer in ©atans Heerlager. Dos Sabadraudjen unb *Mautn »erwöfetü ben ©aumen, fo boß SBaffer unb ein- fadje ©etränfe ifem nidjt jufagen uttb er nadj bem ßärferen «Reije gebrannter ©etränfe tierlangt. DeSfeatb iß eS meine aufridjtige Meinung, baß ber ©ebrauefe beS Sabads bas größte Hinberniß gegen ben gortfdrüt ber Semperengberoegnn^ bilbet, unb baß biefe gute ©aefee nie triumptjirett wirb; baß alfofeolifefee ©etränfe nie aus bem tägtiefeen ©ebrauefe fdfewinbeit werben, fo lange ber Sabad feine ©teile als Surusartifel uttb ©enußmittel befeauptet. Selber muß id) felnjufügen (aber „SBaferfeeit" iß mein Motto), baß fetbß mattdje ©eißllcfee biefer uttgefunben unb fdjmäfelidjen ©ewofenfeeit fröfenen. Mein Menfdj iß tiottfommen; nein, waferlicfe feiner. Sin äußerß aefetbarer ©eißlidjer tfeeilte mir mit, boß er oft ben labaef in ben Munb getfean unb babei geweint Xjaht, wie ein Mint), über feine elenbe Jlnecbt- fefeaft bem erbärmlichen braute gegenüber. Sängere 3eit ging bieS fo fort, unb mandje Sferätte tiergoß er über feilte ßrafttoßgfeit (unb er war einer ber testen Menfdjen, bei bem man Mangel an ©tärfe unb geßigfeit tiermutfeet featte), bis er, nadj sielen tiergeblidjen SSerfucfeett, feilte Sanbe gu bredjen, enblidj, auf ben Herrn tiertrauenb, gelobte, frei gu werben, unb er würbe frei. SBarum nicfet biefen üblen ©ewotjnfeeüett beS Srinfetts unb beS SabacfS entfagen, ba ße bocfe, ungweifetfeaft ©eiß unb Körper angreifen? Die Harmonie, welcfee tie 33orfefeung gwifdfeeit ben geiftigett unb ßttllcfeen Gräften erridjtet — bie ©tlujtete Körpers unb bie «Neigungen beS ©eißeS werben baburdj geßört — SSetnunß»« ©ewiffen werben unter bie fdjmätjlidje «Botmäßigfeit ber ©elüfte unb ^»bWI' gebraefet. Der Slntrieb gum ©uten wirb gefcfewäcfet, ber Slntrteb jum ~*'f *' geßärft. 3« birefter unb tjanbgreißicfeer «Berufung beffen, was bet £fi(fln*fl Menfdjen als täglidjes ©ebet empfohlen, werben ße baburdj in 33etfucfeung gef«? Der Sittfluß beS Sabads. 451 unb bem Uebel überliefert. Subem matt Sag für Sag nidjt „täglidjeS 33rob," fon* bem ein feittterlißigeS unb bösartiges ©ift gu ftd) nimmt, wetdjeS feinen erregenben unb läfemenben Sinßuß burdj alle SebenSnertien tierbreüet, weigert ßefe bie «Jcatut julebt, bagegen angufämpfen, unb beugt ßcfe tior feiner tierberfelidjen Madjt. Der Xahad tjat Saufenbe oon Knaben tierborfeett unb tiottftänbig ruinirt, ittbem tr eine gefäferlicfee grufereife ergeugte, bie Seibenfdjaften tior ber 3eit entwidelte, bü Änodjett erweicfete uttb fefewäcfete unb bas Stüdenmarf, bas ©efeirtt unb bas gefommte Sütoenßutbum befcfeäbigte. Sitt .ftrtafee, ber früfe ßarf gu raucfeen ober fonß über* mäßig Xahad gu genießen beginnt, wirb befatttttfidj nie ein Mann tiott Sfearafter* ftarfe unb feat gewötjnlidj eben fo wenig pfepfifdje unb musfulöfe als geißige Snergie. gür ältere Seute, bie tion «ftatur nicfet nertiöS ßnb, unb itamentlicfe für «pfelegmotifer, für biejenigen, welcfee ein faltes unb mefer als feottänbifcfees Semperament feaben, mag ber Sabad tierijältnißmäßig fearmloS fein; aber felbft für biefe iß er fcfelimmer als nu^loS. SBir möcfeten tiorgüglicfe atte Mnahtn, bie einmal etwas in ber SBelt bebeuten wollen, warnen, ßdfe tior bem Xahad, als bem fcfeänbliefefteit ©ifte, ju feüten. Sollten nicfet unfere jungen Seute, benen itjr Seben nnb itjre ©efunbfeeit lieb iß, ber wohlüberlegten unb feewäfertett Slnßefet eines alten SlrjteS, ber eine fünf unb breijjigjäferlge PrariS feinter ßdj feat, einige Slufmerffamfeit fcfeenfett? Sefe will nur nocfe feittjufügen, baß bie obigen Slngaben leine Uebertreibung entfealten, fonbern bas «Jtefuttat langer 23eobadjtung uttb Srfaferung ßnb, fo baß, wentt ßcfe ein junger «JJcenfcfe wegen Srußfdtjmergen unb bpspeptifefeer ©pmptome um ärgttidfee Hülfe an ntiefe wenbet, iefe es immer für meine «Pßtdfet tjatte, ifen gu fragen, ob er Xahad tauefee ober faue. «Ucit fefer wenigen SütSnafemett iß jeber Srunfenbolb tin Sabadfouer, ©dnupfer ober «Jtauefeer, benn bas franffeafte «Verlangen ttaefe bem tinen «Jüigmittet leitet gemöfenlicfe audfe gum ©ebraudfee bes anberett; uttb beibe gufammett gerftörett ©dferitt für ©djritt, frütjer ober fpäter, bie ©efunbtjeit in förperlidjer, geißiger unb fttt* licfeer 23ejiefeung. %et0opfen butd> Xfyee, Kaffee unb Zdbaä t>etanU%t. Profeffor SB. Parier, tion ber mebtgittifdjett gafuttät in «Jtem $orf, unterfudjte neuliefe wäferenb einer fliniftfeen SSorlefung einen Mann, ber ßcfe über Herjflopfen bcflagte. Ss wirb beridjtet, baß feitt pfepßfcfees 3etdjen irgenb einer orgonifefeett frrjfranffeeit entbedt werben fonnte, „unb wir mü\Jtn besfealb," fagte «Profeffor Dörfer, „mit jfemlidjer ©icfeerijeü fcfeließen, baß biefe gange ©törung ber Hergtfeä* tigfeit nur funftionetter «Katur iß unb auf einer Unorbnung ber SSerbauungsmerf* jeuge berufet, weldj' ledere Drgane burefe ben gu reidjtidjen ©ebraudj oon Sfeee, Kaffee uttb Sabad unb gu öiel ©tubenß^en angegriffen werben ßnb/' SBelctje ^efeanblung iß alfo angegeigt? ©ott man in tintm folcfeett gatte Mebiginen geben? «seiben Mebiginen fdjledjtc SebenSgewotjntjeiten fttrirett? «Wdfet im geringßen. 4üJ ©unn'S HouS-Slrgt. Möge ber «Patient eittfad) feinen Sabad, feinen ZX)tt unb feinen Äaffee bei £rili laffen, eine einfadje unb gefunbe Diät befolgen unb ßcfe in ftifcfeer Suft regelntä: tt SBewegung madfeen — unb er wirb balb »on felbß gefunb werben. Äurj, m,* en:« ferne bie Urfadjen ber ©törung, unb bü SBirfuug wirb ßcfe tion felbß »alicren. delirium Cremend.—^ditfettt»n^tiflnit. SUt'uljplbera.ifh.nß. Das Delirium SremenS ift ein gang eigentfeümlicfeer Jlronffeeitsjiißanb, btr in golge artfealtenber Srunfenfeeit ober feäußger 33eraufdjung burefe alfofeolifcfee©etränle eintritt. Ss beßefet in einer Slrt Srfcfeöpfung beS «ftertienfpßems, weicfet »on eigen« tfeümlicfeen geißigen ©törungen begleitet iß. Ss iß ein Seiben fo befonbertr Art, Daß es ßcfe mit feiner anberen kranffeeit tiergtriefeen läßt. Ss iß baljer leiajt ju erfennen; felbß afegefefeen bation, baß bie oorfeergefeenbe Urfacfee barauf feinbeutet. Häußg jeigt bie kranlfeeit [idj nid)t, fo lange in bem täglidfeen ©ebraudje alfofeoll- ftfeer ©etränfe fortgefoferen wirb; bocfe fobalb biefe fünftlldfeen «Jütjmittel »orentfeal« ten werben, jeigt ßcfe ber «Jtuin beS «RertienfpftemS in ber fcferedlidjßett SBeife, unb ber ungtüdlidje fronte ßntt in einett 3ußanb, beffen geißige unb fötpetltcfee Dualen ßcfe faum tiorßetten laffen. Die erßen ©pmptome beS Delirium SremenS geigen ßdfe In einer ner»öfen Unrufee unb «Jüijbarfeit, 3Ütern ber Hänbe, ©cfelaßoßgfeit bes «ftadjts ober unangtnefemen unb feferedfeaften Sräumen. Der Ironie wirb mißtrauifefe gegen feine ganje Umge- bung, felbß gegen feine beßett greunbe, fürdtenb, baß man ifem ein Unfeell gufügen wolle. Sei bem weiteren 33erlaufe unb ber tiottftänbigerett Sntwidelung beS l'eibtnJ wirb er burefe bas beßänbige ©efüfel brofeenber ©efoferett geangßigt, glaubt fid) »en ©djlangett, wilben Sfeieren, «üatten ober efetfeaftem ©ewürtn umgeben; ßefet ßcfe oon geinben unb Mörbem umringt, unb wirb Sag unb «ftadjt, im Scfelafe unb im SBocfeen tion eingebilbetett ©ajredgeftaltett tierfolgt. 3« biefem ©tabium bet kranftjeit ßnb ©etbftmorboerfudje fefer gewöfenlicfe, burefe Srtränfen, ausbeuten- ßer ©pringen ober irgenb ein fefearfeS Snftrument, baS jur bano ift. Xer Äranle muß bafeer aufmerffam bewadjt unb oft feftgebünben werben. Doefe eine weitere 33efd)reibung iß nidjt nötfetg; ba eS teiber! eine nicfet feltene unb allgemein befannte kranffeeit geworben ift. «HäfeereS über bie Urfacfee« u. f. v. Wirb ber Sefer tm-erften Sfeeile beS «ButfeeS unter bem Slbfefenitte „Srunffucfet" finben. 23 e fe a n b I u tt g. — Ss iß nicfet waferfdfeeinliefe, baß 3emanb, ber nicfet Slrjt i% es überttefemen wirb, einen ernßtidjen gatt tion Delirium SremenS gu befeanbeln. to Iß ein Seiben, bas, wenn es ftcfe einmal tiottßänbig entwidelt feat, nur fefer fcfewrr erfolg- reidj ju befeanbeln iß, unb wenn mögliefe, nur einem fefer gefdjidten Süjte ansertraut werben fottte. Dodj mag es bei biefer, wie bei anberen kranffeeiten, oft »orfommen, baß rin Slrjt niajt gleidj auf ber ©teile gu feaben iß, unb baß injwifajen notfewenttg itwas für ben franfen gefetjetjen muß. SS wirb batjer gut fein, einen Umrifc tn 23efeanblungsweife ju geben, bie in folgen gätten angebracht iß, fo baß in %Uvt\tP feeü eines Slrgtes bocfe Hülfe geleißet werben tarnt. 3uerß fri bemerft, baß nur wenig Mebigin, wenn fte nur tion ber reefeten «tt * Delirium SremenS. 453 erforbert wirb. Hfluptfädjlicfe tjat man ßd) auf Dpium unb «Branntwein, obet anbere «JJarfotifa, mit irgenb weldjen alfofeoltfdjeit «Jteigmüteln gu tierlaffen. ©ie unmittelbare Urfadje eines SlnfatteS »on Delirium SremenS iß gewöfenlicfe bas plötjlicfee Sluffeören in bem ©ebraudje geißiger ©etränfe bei Perfonen, welcfee im Uebertnaß gu trinfen gewofent waren. SBentt eS bri Perfonen tiorfommt, bie fort* wätjrenb wie gewöfenlid trinfen, ofene bie geringße 33efcferänfuitg, fo pßegt es tiom allerfcfeltmmftett Sfearafter unb gewöfenlicfe außerfeotb beS SereidjeS ber Heilfunß gu fein, ©oldfee gätte fommen faß nur tior, wenn ber Magen förmlid „ausgebrannt" unb bas ganje «Kertienfpßem totat ruinirt unb jerrüttet iß. Doefe auefe «Perfonett, melcfee »ielleidfet fein ÄranffeeitSfpmptom geigen, fo lange fte unter bem Sinßuffe iferes gewofenteit «Jütgmütets ßnb uttb täglid ifer üfetidjeS Maß ©pirituofen gu ßdj netjmen, fönnen, wentt ße plöfjticfe beffen beraubt werben, bie kranffeeit in iferer fdjlimmßett gorm befommett. Ss iß bafeer nicfet ßefeer, bei «befeanblung biefeS Sei* benS bem Patienten alfofeolifdfee ©etränfe tiottftänbig tiorguentfealten. Matt muß ifem täglicfe etwas Sranntweltt ober bergfeietjen geben unb bie Menge tiorßcfetig mit jebem läge »erminbern. Hierbei muß man ßcfe nocfe ben befonberen Umftänben beS galleS unb ben bisfeerigen ©ewofenfeeiten bes «Patienten ridjten. 3wei bis »ier Unjen ober feödjßens eine fealbe «pinte wäferenb ber tiier unb gwangig 6tunben wirb, aud in ben fdfelimmßett gälten, ausreiefeen, unb bie Menge fann täglicfe attmälig tierminbert werben, bis eine Unge genug iß. SBentt bie 33rattitt* h>eln*„«Jtatiott" fo weit als mögliefe feerabgefeiü worben iß, fann matt ße burctj bie 3utfeat »on etwas Sopenitepfeffer^Sinttur ßärfer macfeen, fo baß ber «Jteig tiermefert unb gteidgeitig ber Sfearafter bes «JüigmittetS »eränbert wirb. Sluf biefe Slrt faitn man ben Fronten attmälig bes StlfotjotgebraucfeeS entwöfenen unb nicfets ats Sapenne* Pfeffer in gorm oon Slufguß ober mit SBaffer tierbünnte Sinftur braudjett laffen. SBaS eigentlidje Mebigin betrifft, fo ift baS Hauptmütel bei Slnfätten tiott Deli* tium IremenS, um gefäfertidjeren ©pmptomett gu begegne«, bas Dpium. Der Patient muß große Dofen biefes Mittels befommett, im Skrfeättniß gu ber Heftigfeü beS gattes — größere Dofett als Semanb, ber nicfet Slrgt iß, gu geben wagen würbe. Dafeer iß es ratfefam ober tiietmefer notfewenbig, naefe einem Slrjte gu fenben. Um biefen bringlicfeßett ©pmptomett gu begegnen unb ben «Patienten ju beruhigen, gebe man eine Dpiumpitte tion etwa brei ©ran — was feeinafee ber ©röße einer Srbfe entfpreefeen würbe — mit etwas «Srantüwritt ober fonßigem atfotjolifcfjem ©etränfe; barauf fafere man fort, ßünblicfe ein ©ran Dpium gu geben, tiietteiefet brei bis tiier ©tunben lang ober nocfe länger, wentt eS notfewenbig fdjeint* Der ßwtd iß, ben «Patienten fo fdjnett als mögliefe unter ben Sinfluß tion Dpium gu bringen unb ifen einige 3eit lang unter biefem Sinfluß gu erfealten — tiietteidfet für mefere Sage. faubanum iß ebenfo gut, in mandfeer 23egüfeuttg nodj beffer, als Dpium iit ©ufe^- ßanj; matt gebe guerß fedjgig Sropfen — einen fleinen Sfeeelöffel tiott — mit etwa* Sranntweitt unb bantt atte ©tunbe bis atte brei ©tunben, je nadj ben ©pmptomen, £>ofen »on jwanjig bis breißig Sropfen, bis ber ^)atknt rüfeig Wirb. Sngwifdtjen »erbe ein Slrgt gefeolt. £pium unb 33rantttwrin (ober irgenb ein ßarfeS altotjottjaltigeS ©etränf) ßttb, »ie gefagt, bie Hauptmittet bei «Betjanbluttg eines galleS tion ©äuferwafenßnn, bis man ben Patienten über ben fayimmßett Sinfatt feinweggebraefet ober bie gefätjrlidtj* N ©pmptome befeitigt tjat. 9ludj HöoScpamuS*Srtraft 1(1 gut, weldjes eine ätjnlidje 454 ©uttn's HauS.Slrgt. SBirfung wie Dpium Ijat, nur tiiet milber iß unb nod) einen befonbttn 5ln ;;j auf bas «ftertienfpßem feat. SBenn man ßcfe H»oscpamus (33ilfenfraut) »erfcfeajfen fantt, iß es gut, baffelbe mit bem Dpium gu »erbinbett, etwa in Piüen, »on jt jirel ©ran, »on benen eine atte gwei bis brei ©tunben gu geben iß, bis bie gewünfdjte SBirfung erfolgt unb S3erufeigung eintritt. S3ei biefer Äranffeeit ßnb ber Magen unb bie Seber faß immer in Unorbnung; Wie benn überfeaupt ber gange DrganiSmuS gewiffermoßen tiergiftet iß. «Rad) tin bis gwei Sogen, wenn bas «ftertienfpßem etwas berufeigt iß unb bie fcfelinimflen ©pmptome nacfetaffen, gebe mon ein 23recfemittet, aus gleictjen Sfeeilen Sobelia unb 3pecacuatüja. Man gebe es mit einem Sfeeile beffelben geißigen ©etränfe«, bae bet Patient für gewöfetttidj genoffett feat. Matt laffe etwas warme ©etränfe ober ©rufte nacfetrinfen unb, wenn bie SBirfung tiorüber iß, gebe man etwas ©rufte ober Sltifet)« ferüfee. SBenn eS notfewenbig wirb, muß auefe wieber gu bem Dpium unb Sirannt« Wein gegriffen werben. Sine gute Metfeobe, um bas ©ift aus bem Körper gu entfernen, iß, es ausfefewifeen gu taffen. SBenn eS gu macfeen iß, laffe man ben «Pattenten gweimal wöajcntlüfe ein Dampfbab nefemen; mon gebe reidjlidj biapfeoretifefee ©etränfe unb fefeweifiirti- benbe Mebiginen (wie fte unter ben „«Jügepten" angegeben), golgenbes Präparat iß in biefem gatte tiütteidjt anbereit tiorgugiefeen: .RampfeerfpirituS, Specacuanfea- SBein ober Sinftur, Dpium-Sinftur, Sapennepfeffer-Sinftur, tierfüßte ©alpeterfäure (Sweet Spirits of Nitre), je eine Unge; man mifefee unb gebe tn Sbeelöffelbofen aüe brri ©tunben. Sluefe gebe man, fobalb als tfeunlicfe, eine fräftige Purganj, um auf bie Seber gu wirfen. Die „antibitiöfett «Pillen," ober Pillen, in benen Pobopfeöflum entfealten iß, eignen ßefe feiergu am beßen. Der ©tufel muß burefe berartige «Mittel jiemlicfe offen unb regelmäßig erfealten werben. SBenn ber ©tufel gu lofe wirb, wenbe man bas neutralißrenbe «Pultier in 33erbinbung mit ben biapfeoretifefeen «pul- »erit an. Stußer biefer «Befeanblung iß eine gute Pßege, eine milbe noferfeafte Diät unb bet mäßige ©ebrauefe fräftigenber, nertienftärfenber unb berufeigenber Mebifamente - Sfeinin, Skibrian unb HpoScpamuS mit etwas Dpium — erforberliefe. Man erlaube fleine «Rationen aifofeolifcfeer «Reigmittel, beren Menge inbeffen tiorßcfetig ju wtmti- ben iß. SBenn ber «Patient tobt, wütfeet unb ftcfe fetbß ober Slnberen gefäferlicfe ju Werben fefeeint, muß man ifen einfließen ober forgfältig bewaefeen. ©rnfpflaj.« auf ben «Raden, auf bie Hanbgetenfe, bie «Beine unb ben SBoucfe fönnen unter Umftän- ben feelfen, itt Skrbinbung mit bem Dpium unb «Branntwein bie anfänglich^ Auf- regung ju minbern. Doefe wenn ber gatt irgenbwie erttßlldj auSßefet, »erfäume man itidjt, einen Slrgt ljerbeigurufen. S>ie Wtild)ttant^eit. Dies iß eilte gattg eigeittfeümtidje kranffeeit, welcfee X)itx faß nur auf gewiffe Dißrifte bes SanbeS im SBeßett unb ©üben befdränft iß, bod auefe anbetmeitig »orfommen fann. Man nennt ße Milefefranffeeit, weil fte offenbar burefe ben ©ennj »on Mild, 33utter ober tf afe »eranlaßt wirb, bie »on MüX)tn gewonnen ßnb, mW Die Mitefefraitf^eit. 455 rinen eigentfeümlidjett ©iftßoff — fei es aus bem SBaffer ober auf ber SBaibe ber beimgefudten ©egenb — aufgenommett feaben muffen. Mandje glauben, baß es gewiffe unentbedte Kräuter ober «pflattgen ßnb, weldje ber Mildj ber MuX) fdtjäblidje Sigenfdjaften mittfeeiten; Slnbere, baß es ein mlneralifcfeeS im SBaffer entfealteneS ©ift iß; nocfe Slnbere, baß ber ©iftßoff im S3oben entfealten iß, tion wo er itt gor* men »on Dünßett aufßeigt unb ftcfe mit bem Sfeau in ber «Racfet auf bas ©ras feftt, weldjes bie Stjüre freffen. «Racfe meiner Slnßefet iß bie lefttere 33ermutfeung ber SBatjr* feeit am nädjßen; bodj bieS tß eine bloße Meinung, ba nidtS ©ewiffeS befannt iß. Dem Sinfatt ber Äranffeeit gefet bisweilen einige Sage tang ein ©efüfel ber Mot* tigfeit, Srfdjlflffung uub allgemeine ©cfewäde, S3elegtfeeit ber 3unge unb übel= riecfeenber Sltfeem tiorfeer; bocfe oft fommt er plöftlid) unb fenngeicfenet ßcfe burctj feeftiges Srbreefeen, großen Durß, 33rennett im Magen unb feartnädige SSerftopfung. Die Heil"«?, iß fefer fcfewierig unb ein töbtlidfeer StuSgang nicfets Seltenes. 33efeanblung. — Sin fdjnetteS unb entfdiebeneS 33erfaferen iß erforberlidfe, um eine Mnx gu bewerfßettigett. Die wicfetigße Slufgabe iß, bie Sfeätigfeit beS Darm* fanals feergußetten. Die Skrftopfung iß tion ber feartnädigßen Slrt, unb es bebarf ber fräftigften unb wirffamften Maßregeln, um ße gu feefeeu. 3m «Beginne iß eS am beßen, guerß ein 33red)mütet — worunter iefe Sobetia mit Specacuanfea gu tierßefeen pflege — gu geben. Dies wirb, nacfebem es gewirft, für eine 3eit lang eine 33erufeiguttg bes Magens gurüdloffen, fo baß es mögliefe wirb, abfuferenbe Mebiginett gu geben. S3ei tiielen kranftjeiten iß ein 23red}tnittet bet geeignetße SBeg, um ben Magen gur Sftufee gu bringen. SllS Slbfüfermittet ift in biefem gatte waferfefeeinlidfe bie antibiliöfe «Purgattg (ßefee «Jtejeptej mit etwas Sremor Sartari allen anbereit tiorgugiefeett. Dabei lege man ein ©enfpßaßer auf ben Magen. Sine fealbe ©tunbe, nacfebem bie «Purgang genommett, gebe matt ein klpßier, beßefeenb aus einem Sßlöffel tiott ber antibiliöfen «Purgang, eben fotiiel ©alg unb einem Sfeeelöffel tiott beS S3redjpultierS, auf weldje man etwa eine Pinte fodenben SBafferS gießt; fobalb es falt genug geworben, gebe man bas ©anje tiermittelß einer großen Älpßierfprifte unb fudje es ben «Patien* ten fo lange als mögliefe barin feefealten gu laffen. SBenn bieS innerfealb einer ©tunbe, nacfebem bie «Purgang eingenommen würbe, nictjt wirft, wieberfeole man bie Doßs unb laffe ein gweiteS Jttpßür folgen. SBenn nadj einigelt wieberfeolten 23erfucfeen biefe Mittel fefelfcfelagen — was inbeffen feiten ber gatt iß — fo gebe man jefen Sropfen Srotonöl unb wieberfeole biefe Doßs ßünblidj; gleicfegeitig reibe man etwa einen Sfeeelöffel tiott bes DeleS auf ben S3aucfe ein. S3ei biefer MxanU feeit braudt man ßcfe tior bem ©ebraudje beS SrotonöleS nidjt gu fürdjten, ba es in ben enormßen Dofeit »ertragen wirb. Sn einem gatte würbe tin ganges gläfefeefeett »ott gegeben, ofene irgenb eine fdjäbliefee SBirtung gu tjinterlaffen. Doefe meißens wirb bie antibiliöfe Purgang ober Saloppe unb ©enna mü Hülfe ber geeigneten ^Ip- ßitte ausreiefeenb fein. SBenn ber Seib einmal geöffnet iß, muß er burefe fortgefe^te Slbfüfermittet offen etfealten werben. Sllsbann made man einen 33erfucfe, ben Patienten in ©cfeweiß J« btingen. Man wenbe ein Da,- "bab, fcfeweißtreibenbe Slufgüffe, SBärmeßafdjen u. f. w. an. SBenn es gelingt, ben 'btuljl beS «Patienten gwei Sage lang offen gu fealten unb Ifen tüdjtig fdjwiften gu laffen, fo tann man itjn ats gerettet feetradteit. 456 ®unn'S Hctus-Slrgt. fSleitolit Diefe kranffeeit unterfdjeibet ßctj tion ber gewöfenliden ßofif burefe bit grefiett Heftigfeit beS SlnfatteS, bartnädigere 33erßopfung unb eine Slrt Säbmumiejufranb beS Darmfanals unb ber UnterteibSmuSleln. ©ie entßebt burefe SMcütrgiftung bei Slrbeiter«, weldje bie Dämpfe biefeS MetatteS einatfemen ober ßd »itl mit bemfel. ben befaffen; fefer feäußg iß ße bei Malern — ba tiiele garben Solei entfealten - unb wirb beSbalb audj Malerfolif (Colica Pictorum) genannt. Die kranffeeit beginnt gewöfenlicfe attmälig mit ©djmergett im Magen, bie fitfe« naefe unten in bie ©ebärme erßredett, unb in ben feeftigeren ©tabiett nad ben £ei. ten beS Unterleibes auSßrafelen unb tion Krämpfen ber MuSfeln unb bet ßingtwtibt begleitet ftnb. ©ewöfenlicfe ßnbet ßd Uebelfeit, Srbreden, Durß, 33eängftigung, fdjnetter, gufamitteitgegogener «puls, bletdeS Slusfefeen unb feartnädige SJerjüpfung. ©o wie ber ©cfemerg ßcfe ßeigert, giefeett ßcfe bie Musfein beS Unterleibe« in flneien gufammen, bie äußerß empßnblidj gegen bie SBerüferung finb; audj bie ©ebärme fdjeinen gufommengefdjnürt gu fein, ober fo geläfemt, baß nicfets feinbunfe gefet. ßs iß große ©efafer bei biefer kranffeeit, baß eine Sntjüttbung bes Darmfanal« ent- ßebt, bie leicfet in S3ranb üfeergefet unb fo ben Sob bes Patienten feerbeifufert. «Befeanblung. — Die «Befeanblung bri biefem Seiben muß äfenlicfe wie bit gegen ©ollenfolif empfofelene frin. 33or atten Dingen muß man bie 33erßopfung ju befeitigen fucfeett. SBentt Srbreden tiorfeanben iß, gebe man Mebijinen, um es ju ßitten. Dann loffe man ßarfe Purganjen uub warme Umfdjläge auf ben 23auaj folgen. Sbenfo ßnb rtarfotifefee unb frampfßittenbe Mittel angejeigt, um ben ©dmerjen unb ben Krämpfen gu begegnen. SitS ein folefeeS Mittet ift ber 6rtraf! tion'HpoScpamuS (S3itfenfraut) gwedmäßig; moefee aus gwangig ©ran fecfes 'Julien unb gebe eine atte gwei ©tunben. ©teicfegeitlg gebe mon bie antibiliöfe Purganj unD unterftüfte bie SBirfung mit abfübrenbett, reigenben unb frampfßilicnbcn &\r frieren. Man nefeme etwas antibiliöfeS «Puftier, Äocfefolg, einen Ifetelöfftl »oll Sobetia*Sinftur ober «Pultier unb gieße feeißes SBaffer auf; wenn abgefüfett, gebe man büs als Älpßier unb wieberfeole es, je nadj ber Dringlicfefeit bes gölte«, 8H«* weilen wirb eS gut fein, nodj etwas fpanifdjett «Pfeffer tjingujufügen. Man fabre mit ben warmen Umfajlägen auf bett «Baudj fort, unb wenn bie Purgan) niebt in gwei bis brei ©tunbeit wirft, gebe man Srotonöt, brei bis tiier Sropfen als tofi«, in einem Söffel tiott jtaßoröl, ober in etwas Mild unb wieberfeole, wenn nöWg, alle gwei ©tunben. Studj reibe man etwas Srotonöl auf ben 33oudj. 3"1 Uebngen feefeanble matt bie kranffeeit wie einen fdjweren galt oon ©aüentolif (ßefet biefe). «Bisweilett wirb eS gut fein, bett Patienten eine fealbe ©tunbe long in einem nw men 33abe ßften gu laffen, um bie Musfein erfcfelaffen gu macfeen unb bit tfranwe gu füllen. «Radjbem ber Seib einmal geöffnet ift, gebe man folgenbe Pillen: fo* cpamuS*Srtraft, tiiergig ©ran; Specacuanfea, gwangig ©ran; Dpium, in «pulset, gefen ©ran; «pobopfepttin, gefen ©ran; matt made gwangig Piüen batau«, fit:t eine atte brei bis tiier ©tunben. SllS 33erfeütungsmittel für biejenigen, tot.U ßd) tiül mü S3iei befaffen Ttur)«« (fl ber retdjlidjc ©ebraudj tion Sfßg gu empfehlen. ©peidjelfluß. 457 3pcid)dfluf>. — Äuec? jUOctt>erf)tftiiit<)* Speidjelßuß wirb meißens burefe ben ©ebraudj tion mebiginifdjeit Quedßlber* bräbaratett, ltamettttidt) beS Salomel unb ber Blue Mass, tierurfaefet. Sr fommt ju feäußg »or, unb gu SMefe feaben eine traurige Srfatjrung batiott, als baß er einer ausfüferlicfeen S3efefereibung beburfte; ber gange Munb ift wunb, in fcfelimmen gälten werben bie ßäX)nt lofe unb fallen aus, bie 3unge ftfewittt, es bilben ßd) ©efdjwüre im Hälfe, im 3afenßrifdje unb ber inneren ©eite ber SBangen, unb ber Speicfeet fließt in enormer Menge aus bem Munbe. S3ei ber eferonifcfeen Duedfitber* »ergiftung, bie meißens burdj ben lange fortgefe^teit ©ebraudj tiott Präparaten biefes MetatteS entßetjt, werben bie knoefeen ergriffen unb fcfemergfeaft, ber «Patient leibet am fogenannten D>uedßtber*«JttjeumattSmuS, unb es ßettt ßcfe allgemeine ©cfewäcfee unb «Abmagerung ein. «Befeanbluttg. — SBentt Semanb bett ©peidjelßuß befommt, fo muß er tior Äfletn ben ©ebraudj ber Mebiginen einftetten, bie ifen tieranlaffen tonnten, unb bann ©cfewefel mit Sremor Sartari ferauefeen. 3wei Sfeeile ©cfewefel unb ein Sfeeil ßremor Sartari, mit etwas Honig ober MolaffeS gu einem S3rei tiermifdjt, iß bie geeignetße gorm, bas Mittet gu nefemen; ein Sfeeelöffel tiott gwei* bis breimal täglicfe, ober fo tiiel, baß eine leiefete SBirfung auf ben ©tufelgang erfolgt, gerner follte man gepultierten ©cfewefel mit bett leibenben ©tetten bes Munbes in 33erüfe* rung bringen. SBenn ßdfe ©efdjwüre im 3<Ü)nßeif, mtnn ber Xtjau barauf liegt unb bie Suft feuefet iß. Die SSergiftung äußert ßcfe burefe tin fdjmerjljafteS rotfeloufortiges Slnfcfewetten, meißens beS ©eßefetes unb ber Hänbe, bocfe bisweilen audj anberer körpertfeeile. Ss erfeeben ßcfe S3(ofen ouf ber H>aut, aud benen eine bünne, gelblidje glüfßgfeit ßießt, unb ber «Patient feat große Seiben axit- gußefeen. S3iswei(en ift bie ©efcfewulß im ©eßdfete fo ßarf, boß bie Slugen baburefe gefdjloffen werben; es ßnb gätte tiorgefommen, baß bas ©eßcfet in golge beffen fcfelimmer als burefe bie Poden entßettt würbe, baß bie Slugen tfeeilweife gerßört rour« ben, unb baß felbft ber Sob eintrat. S3efeanblung. — Man fann Dlitienöl als eitt ©egenmittel gegen biefe« fowofel, als gegen bie meißen «Pßangengifte unb tfeürifdjen ©Ifte anfefeen. «Man brauefee es innerlicb, in reidjlicfeer Menge — tion einer fealben bis gu einet gangen Pinte unb mefer wäferenb beS Soges. Sn fcfelimmen gätten laffe man ben Patien- ten gwei Ungen auf einmal atte gwei ©tunben nefemen, bis eine Pinte »etbraudjt ift. ©leidjjeitig beftreidje man bie ergriffenen Sfeeile mit bem Del unb bebede ße mit feibenett ober bünnett Muslinläppdjen. Der ©tufelgang pßegt tierftopft gu fein, unb wenn bas Del Innerfealb gwölf 2tun« ben naefe ber erßen Doßs nicfet wirtt, gebe man eine Doßs beS antibitiöfen «PuberS ober ein bis gwei ©ran Pobopfepttin, mü Sremor Sartari. Man wieberfeole bas Del am nädjßen Sage, unb wenn es notfewenbig fdjeint, auefe am britten, ober fo lang, bis bie ÄranÜjeü ober bas ©cfewellen ju meidjtn beginnt. Das Del iß ein ungefäfertidjes Mittel; man fann eS faß in beliebiger Menge nefemen; ein Duart wäferenb beS SdgeS iß nicfet ju »iel; auf feinen ferlen- ben Sinßuß fann man ftcfe tierlaffett. SBenn ßcfe ©efdjwüre ober wunbe ©teilen bilben, wafcfee mon ße mit einet flatfen Söfung tion «Pottafdje. Man neb. me etwas reine «Pottafdje unb feudjte biefelbe mü «jerafee fotiiel SBaffer an, um fte utfgulöfen; feieroon tröpße man ein wenig in tu wunben ©teilen; bann tierbünne man bü Söfung mit etwas mefet SBaffer unl beßreicfee bamit tiermittelß riner Surfte ober einer geber bie gange gefdjwollenegläaje. SBenn ©efefewulft, Sntgünbung unb ©djmerg fefer groß ftnb, lege man Umfcfeläge »on geriebener Ulmenrinbe unb füßer Milcfe auf. Man fealte ben ©tufelgang off» unb gebe gelegentliefe eine Doßs beS biapfeoretifefeen «PuloerS, um auf bit £aut ji ttirfen. Dodj »erlaffe man ftd) auf bas Del. ©cfjtangettfelß. 459 lan£jmWf£. Die ©pmptome, welcfee bem SMffe eines giftigen «Jüptits — wie ber Klapper- fcfelange, ber Moccafßnfcfelange unb ber neuerbingS fo berüljmt geworbenen Tupfer* fajlange (Copperhead)—folgen, tonnen nicfet leicfet tiertannt werben unb beginnen ßcfe gewöfenlid fefer balb auf ber empfangenen 33erle^ung gu geigen, ©ie befteljen In Uebelfeit unb Srbreefeen; Slnfcfewettung, bie tion ber gebiffenett ©teile auSgefet unb ftcfe fcfenetter ober langfamer über ben gangen .Körper erßredt; tiottem, feeftigem, aufgeregtem Pttlfe; blutunterlaufenen Slugen; bisweileu 33lutungen aus ber «Rafe, bem «Bxunbe unb ben Dferen; in eriremen gälleit bridjt ein blutiger ©cfeweiß aus, ber ganje Körper fdjmerjt, unb bie Seiben ßnb fdjredlid). Dies ftnb bie ©pmptome fefetimmer gäüe; bocfe fdjeinen mandje Perfonen weit weniger Smpfänglicfefeit für Ui ©ift ju feaben. S3ei folefeen entwideln ßd bie ©pmptome weit longfomer, unb trenn ber 33iß im guße ober itt ber Hattb iß, befcferänft ftcfe bie ©efcfewulß bisweilen auf ben gebiffenett Sfeeil. Doefe ber S3iß ber giftigeren ©efetangen, wie ber gewann* ten, iß immer als gefäferlid) gu betradfeten. S3efeanblung. — Das Srße — wenn es unmittelbar nad bem S3tffe gefefee* feen fann — iß eine ftarfe ©efenur ober bergleidjen um bas S3ein ober ben Slrm (wenn, wie meißens, einer biefer Sfeeile gebiffen würbe) etwas oberfeatb ber gebiffenett Stelle ju legen unb feß gufommengubinben. Diefe Sigatur fottte eng genug fein, um baS in ben SSetten nocfe bem Hergen gurüdßrömenbe 23lut abgufperrett, unb fo bie Slufnafeme beS ©ifteS in ben ©efammtorganiSmuS gu tierfeinbertt. Dann gerquetfefee man jwei bis brei 3roiebeln, mifefee ße mit einer Hanbtiott ©alg unb lege bieS auf bie gebiffette ©tette uub bereit Umgegenb auf, nadjbem man gutior bie SBunbe mü einem fefearfen Snßrumente ober gebermeffer erweitert feat. Sluct) iß es gut eine 53ene jwifefeett ber gebiffenett ©tette unb ber Sigatur gu öffnen, um fooiel als mög* liefe »on bem »ergifteten 33Iute feinauSgulaffett. Man fann leidt einfefeen, wie wiefe* Hg bies iß. Das S3tut, weldjes burefe bie Sigatur gurüdgefealten wirb, iß natüvlidt) burefe Slbforptiott mit bem ©ifte gefäüigt worben unb würbe, fobalb es nocfe Snt* fernung ber Sigatur weiter in ben Körper ßießt, bie gange 3üfulation tiergiften. Man laffe es, wenn mögliefe, feinaus, bocfe nefeme man bie Sigatur nicfet ah, fo lange ße ber Patient ertragen fann, außer wenit man ßefet, baß bie ©efcfewulß ftcfe bereits barüber feinaus erßredt, otsbonit ift ße ttufelos. Man fofere mit ben 3n>übel* unb Saljumfdjlägen fort unb erneuere ße Ijäußg. Studj ber ©aft unb bie jerquetfdjten 23lätter bes gewöfenliefeett SBegericfeS ftnb gut. Snnerlict) gebe mon bem Patienten fo tiiel SBfeisfp, ats er trinten fann — was feeißen fott, fo tiiel, als in it)n tjtneingeljt! — SSott einem «Duart bis ju einer ©attone fottte wäferenb fecfes bis adjt ©tunben getrunfen werben. Man braudjt ßcfe nicfet ju fürefeten, bett «Patienten betrunfen gu macfeen. Man fann ifen Ui jum Hälfe mit SBfeisfp fütten unb itjtt bann in SBfeisfp fa^wimmen laffen — es wirb ifen nicfet betrunfen madjen, fo lange baS ©cfelangengift im Organismus wirft. Dies iß beinofee baS Sinjige, woju SBfeisfp gut ift. Sr ift ein wirflidjeS ©egengift gegen ©cfelangenbiffe; man wenbe ifett nur in genügenber Menge an, unb man fann ßd barauf »erlaffen. Metjre ©tunben lang foüte er wie SBaffer getrunfen unb bann in furjen 3roifdfeenräumen bamit fortgefahren werben, bis fidj ©pmptome 460 ©untt'S HauS-Slrgt. ber Srunfenfeeit geigen; bann muß bie Menge attmälig tierminbert werben, ba bie« ein 3eidjen iß, baß bie kranffeeit gu weidjen beginnt. Man fealte ben Patienten aber unter bem Sinfluffe beS SBfeiSfpS, bis man ßcfeer iß, boß alle ©efafer »orüber fei. gerner fottte ber «Patient eine Viertel Pinte Dlitienöl atte gwei Ztunben nebmen bis tiier ober fünf Dofen genommen ßnb. Ss wirb bie Mxxx befcfeleunigen unb auf ben ©tufelgang wirfen. Sluefe reibe man bie gefdjwottenen ßörperttteile mit Del ein. ©obalb ßd) bie ©efdjwulß tierliert unb bie ©efatjr tiorüber fefeeint, gebe man rine gefeörige Doßs atüibitiöfett «PultierS unb «Pobopfepttumwurgel ober PobopboDin unb laffe rine weitere Doßs Dlitienöl folgen. SBtjtsfp unb Dlitienöl jufammen bil« ben fo jiemlicfe boS gutierläfßgße Mittel gur Heilung tion ©dfelongenbiffen fowofel, als »on irgenb welcfeen Sßiffen ober ©tidfeen giftiger Reptilien unb 3nfeften. &ie *$ttnb$ttmtfc« — Hydrophofoia. Dfene wettere einleiteitbe «Bemerfungen über ben Stjarafter, bte Urfacfee unb bte ©pmptome biefer fcferedlidjett kranffeeit, wollen wir fogleidfe gur S3efpreefeung ter S5erfeütungS=uub HeilungSmütet fdbjreiten. 3eber weiß wofel, boß bie H«nb2i»utfe (SBafferfdjeu, Hydrophobie, Lyssa) eine tiott eigentfeümliefeeit Srfcfetinungen ber Sottfeeit begleitete, töbtlicfee Äraitffeeit iß, bie burdj ben 33iß eines tollen Hwnbe« obet eines anberen wafferfdjeuen Sfeieres tierantaßt wirb. 55erfeütuttgsmaßregeltt. — ©obalb man tion einem Sfeiere geblffen tvor* ben, bas man für toll feätt, wafdje man bie SBunbe mü ©almiafgeiß (Aqua Ammo- nia, in jeber Slpotfeefe gu feaben) ouf bas forgfälttgfte aus. SBentt bies nidjt glelaj gefcfeefeett fantt, inbem man tiietteidfet gu weit naefe bem ©almiafgeiß ju fajicfen bat, brauefee man ftatt beffen ßarfe Sauge ober eine ftarfe Söfung tion ©aleratus. Dann fdjneibe mait bie gange SBunbe feerauS; bas feeißt man entferne »er« mittetft eines fefearfen SnftrumentS alles gleifcfe, weldfeeS bie 33ißwunbe umgibt. Darauf laffe man gefeörig bluten, unb wenn bies nidjt tion felbß gefefeiefet, fefee man ein ©djröpfgtas auf bie SBunbe. «Jcatürlidj muß man ßdj in Slcfet nefemen, bei bem ©efeneiben feine Slrterie gu tiertetien. Sin gefefeidter Slrgt ober Sfeirurg, wenn etntt in ber Site gu tjaben iß, fottte bie Dperation tiottgiefeen. «Jcaajbem bie SBunbe ausgefefenittett iß uub eine 3ett lang gut gebtutet feat, tcaföje matt ße wieber mit ©almiafgeiß aus, ä£e fte bann mit fouftifefeer Pottafcfet (Potass» Fusa) unb lege einen Umfdjlag tion Ulmenrinbe unb Hefe auf; auf tiefe Slrt bringe man fo fefenett als möglldj Siterung tjertior, unb [aX)xt fort, bie SBunbe cnen unl eiternb gu erfealten. ©obatb als paffenb, etwa itt gwölf ©tunben, gebe man bem Patienten ein grünt« liefees «Brecfemittel aus Sobelia, Specacuanfea unb «Blutwurgel, gu gleicfeen Ibü"« gemifdjt, unb laffe ein fräftiges fjpbragogifdeS Slbfüfermittel folgen, etrca: antibilic fes Pulser, «Pobopfepttumwurgel unb Sremor Sartari gu gleictjen Ifeeilen; ober ftatt ber «Pobopbpliumwurgel neb, me man brei ©ran Pobopfepllin. Das 33rtcfemttte( unc bie «Purgang ßnb einmal wöcfeentlidj unb feäußger gu wieberfeolen, wenn bet «patient irgenb welcfee ©pmptome ber Hunbswutt) geigen fottte. • Die Hunbswutlj. 461 Dann »erfdjaffe man ßefe bie «JÜnbe ber gewöfenliefeett grauen Sfdfee unb etwas (bttjUbfraut (Scull-cap), ein Mxaut, weltfeeS in manefeen ©egenben beS SBeftenS in großer Menge wädjft, unb welcfeeS in jebem fogenannten „botanifefeett Drugßore" obev bei efleftifdjen Stergten gu feaben ift. Man nefeme gwei Sfeeile Sfcfeenrittbe unb ein Ifeeil ©dfeilbfrout unb madje eine ftarfe Slbfodung bation, tion weider bet Patient etwa eine Pinte wäferenb bes Soges, falt, gu trinfen bat. Sr mag etwa eine Giertet Pinte tiier* bis fünfmal täglid. trinfen. SBenn bas ©dfeilbfrout nidjt ju feaben iß, nefeme man bie Sfcfe enrinbe allein. Man fafere bamit »iergig Sage lang fort, wenn feine ©pmptome ber Äranffeeit erfcfeeiitett follten; alsfeantt laffe man bie S3recfemittel nur einmal in gwei SBocfeen wieberfeolen unb weniger tion bem Slufgüffe trinfen. Doefe ber ©tufelgang muß immer offen unb in lofem 3ußanbe erfealten werben. Man bulbe niemals S3erftopfung. Sarirenbe unb alteratiöt Pillen fottten täglicfe ober einen Sag um ben anberen genommen werben, etwa folgenbeS «Präparat: «Pobopfepttin, ©anguinin, Septanbrin unb Sribitt, je jwanjig ©tan ; feierauS ßnb mit Söwettgafett=Srtraft tiiergig «Pillen gu macfeen, tion benen eine täglicfe gu nefemen ift. £)ie SBunbe muß offen unb bie Siterabfonberung im ©ange erfealten werben, mäferenb ber gangen 3eit biefer 33efeanblung; fo oft bie SBunbe gufeeiten will, wenbe man bie fauftifefee «Pottafdje unb Umfcfeläge an. SBenn man genau weiß, baß ber Patient tion einem tollen Hunbe ober einem fonßigen an Hpbropfeobie leibenben Sfeiere gebiffen würbe, fo fottte mott bieS SSerfaferen wenigßens brri Monate lang fortfefjett, inbem bie Menge bes Stufguffes naefe ben erßen tiiergig Sagen attmälig bis gu einer SMertel «Pinte täglicfe tierminbert, auefe »on 3eit ju 3eü ber ©ebraud eine SBeile ausgefegt werben fann. Doefe ift ti beffer, ein Safer long täglid) eine Duart gu trinfen, als an Hunbswutlj gu ßerben. 6twa am breigefentett ober fünfgefentett Sage pßegt, wie es feeißt, unter ber 3unge bes Patienten eine Slttgofel Keiner Pußeln gu erfcfeeinen, weide eine gelblidj* luäjferige glüfßgfeit entfeoltett. Dies ift ungefäfer gu ber ßtit, wenn bie erßen ParorpSmen auftreten, unb biefe «Pußeln unter ber 3unge werben nicfet nur als gu ben »orwarnenben ©pmptomen gefeörig angefefeen, fonbern audj als bie Sräger beS SSirus ober eigentfeümlidjeit ©iftßoffes, weldjer bie kranffeeit oerurfaefet; mon glaubt bafeer, baß wenn ße geöffnet werben, fobalb ße erfcfeeinen, ober efee baS ©ift abfor* birt mirb, bie Äranffeeit tierfeutet werben fann. Man fottte bafeer tiom jwölften Jage an barnad fefeen unb ße, fobalb man ße entbedt, auffdtjneiben uub ben Munb bann mit einer ßarfen alfalifdjen Söfung oon «Pottafdje, ©ateratus, Slejjnatron ober Slntmonlaf ausfpülen. 3n wanden ©egenben feerrfefet unter ben Sanbteuten ber ©taube, baß ßcfe an ber untern ©eite ber 3unge eines tollen HunbeS etwas wie ein SBurm beßnbe, ben ße „ben SBurm in ber 3unge" nennen, unb beffen Sntfernung nicfet nur unfehlbare ■Heilung gur golge X)abt, fonbern audj für aüe fommenbe 3eü bie kranffeeit »erpte, fo oft ber Hunb audj wieber tion tollen Hunben gebiffen werbe. Der 23erfaffer erin* neu ftcfe aus feiner Sugenbjeit an gätte, in benen biefe Dperation »on ben Sigeit* ttjümern gebiffener Hunbe angebtidtj unternommen würbe uttb bie Stjiere Wirflidt) »ön ber kranffeeit frei blieben. Ss iß natürlicfe, fefer leidjt, alle berartigen, tiorläußg noaj unerwiefenen Dinge als Slberglaube u. f. w. gu tierladjett; aber matt bebenfe, »w oft es ßdj fcfeon feeßätigt Ijat, baß gewiffe 33olfSgebräucb,e uub 33olfsanßdjten in • 462 ©unn'sHauS Slrgt. 93egug auf bie Sebanblung tion kranfbeiten wenigßens etwas SBafertS entfealten unb bei genauerer 23eobaett gu laffen unb biefelben wäferenb bes S3abeS fortgufefcen. Ptofeffor Xtnfl tiom „Sctectü Sottege" in Sincinnatl empftefett ben ©almiafgeiß für biefe 8aDe gang außerorbenttidj. Matt mag bamit gteidje Sfeeile Sobeiio=Sinftur unb Sapenne« pfeffer*Sinftur öerbinben unb tiott biefer Mifefeung einen Sfeeelöffel »od aüe funt Minuteu iit etwas Slufguß tiott ©djilfefraut (Scull-cap), grauenfefeufe (Ladies Slipper) ober Sttgwer geben. SBenn ber patient nidjt aufredjt [xtptn fann, um bas «Sab gu nefemen, lege m ifen gu «Bette unb umgebe itjtt mit ferißeit ©teilten ober SBärmeßafcfeen, bte man efßggetränfte Süefeer gewidelt, fo baß auf biefe Slrt eine äußertidje W erj g wirb; babei gebe man itjm bie Mifefeung tiott ©almiafgeiß, Sobelia^unb^w -^ Matt bringe wo mögtiefe einen ßarfen ©cfe, weiß feertior; ber ©fllmla^t nit [owol)l bie Slusbünßung beförbern, als auefe, iit feefottberer SBttfe bem ©V gegenwirfett. Die Hunbswutt). 4(33 9Jcan laffe ben Patienten wenigßens tiier unb gwangig ©tunbeit fang unter bem entfcfeiebetten Sittßuß ber Sobelia, unb fo oft ßcfe 3eieränberungen in feinem Slusfrbcn folgtn — wer bat in iferen fcfelaflofen Slugen ben ßets wedjfelnben SluSbrud ber gurefet unb ber Hoffnung gefefeen unb müßte nidjt geftefeen, boß boS ©efüfel, welcfee« tiefet ©orge ju ©runbe liegt, im menfdtjlicfeen Hergen nicfet fettteSgleidjcn feot. Scfelum- merlofe, angßootte «ftädjte, Sage »oll Müfee unb «Rotfe, unb ein Seben ooll unjäfeli>r Sntbeferttngett werben tion riner Mutter gebulbig ertragen. SBenn alle« Slnbere »erloren Iß, wenn bie greunbe unb ©enoffen beiner 3ttgenb biefe »erlaffen, wenn Sroß unb Hoffnung In «Radfet tierfunfen ßnb, wentt bein «Rame gefcfeänbet iß, wenn ©djmad) unb Slenb unb Slrmuttj über biefe gefommen unb felbft bes Katers Stimme bü feferedtiefeen SBorte: „gort, bu biß mein Mino nidjt mefer!" ausgefproefeen - fetbß bann nocfe wirb bie Siebe einer tfeeuern Mutter wie eine untiergänglicfee 8cnne auf beinett trüben «Pfab leuefeten; benn biefe Siebe iß eines mit iferem Seben unb fann nidjt tior bemfelben erlöfdjen. ©ie wirb ju bir fpreefeent „bu biß mein Kinb, unb ei biefe auefe bie feartfeerjige SBelt tierßoßen mag, ob bu audj freunbloS unb mit ©efeanbe bebedt bo ßetjß, beine tfeeure Mutter fann bidj nicfet tierlaffen !" 3n ber riebe einet Mutter fann es nidjts UnaufricfetigeS geben ; ©cfeidfalswecfefel feaben feine SJlaaji über ße; ße lebt unb gebeifet nidjt weniger fräftig in ber beftfeeibenen Hütte, al« im föniglicfeen «palafte. Sfer 3Bofenfü3 iß im Mittetpunft beS Herjens, »on wo au« fie burd, atte Slemetüe ber Smpßnbung ftrömt unb mit iferem fegenSreiajen Sinfluffe atte ©ebanfett unb Hanbluttgeit belebt. SBie fann ber Mann je bie treue 3ärtlia> feit tiergelten, welcfee ifem burefe weifetiefee Siebe gu Sfeeil würbe ? 2'3as man ti» Unbeftänbigfeit ber grauen genanitt tjat, entftefet oft nur burefe bte «flacfeläffigfeil unb Sftüdftctjtötoftgfeit ber Männer; felbft in iferen erregteßen Slugenbliden-tenn fein Mettfcfe ift tiollfommen — fönnett fte letdjt burefe greunbtidjfeit beßegt irerbtn; es iß bie Pfiicfet bes Mannes, ber tion «Ratur rufeiger ift, ben reigbaren ©efüfeltnber grauen «Redjttuttg ju tragen. Man bebenfe außerbem, wie tiielen Seiben ba« weib« lidje ©efcfelecfet unterworfen iß, burdj weldje ifer «Rertienfpftem angegriffen wirb. Man erinnere ßd) alfo ber SBorte bes HeilanbeS: „3dj tierbomme bidj nicfet; gebe fein ti>:b funbige nidjt wieber \" Matt fei bulbfom gegen ße, welcfee fo »itt j" bulben feaben, unb fei nicfet fo rafefe im Skrbammen gegen biejenigen, welcfee felbfjl« naefeftefetig gegen unfere gefeter ßnb. Man bebenfe, boß jene leiefete Stregbarfeu bes ©efüfels, welcfee ber feöcfeße S3orjug beS SBeibeS iß, unb aus meldjer ifere fcfeonjten Sugentett entfpringen, auefe gugteidj itjre ©cfewäcfee iß, unb baß eS nicfet mefer aU bittig ift, bie teuere um ber eueren willen gu ertragen. ©efeurtslj Ulfe 467 ©efctttt$$ülf t. Xle © eburt s wefeen unb bie Sn t bittbtt ttg. Slm Snbe HS neunten Monats, nacfebem bie Smpfängniß ßattgefunbett, iß bte pertobe ber ©djwartgerfcfeaft tiottettbet. S3ei einigelt grauen tritt ber Slugenblid ein paar Sage frütjer, bei anberen etwas fpäter ein; bodj gewöfenlidj erfdjeint baS Mxnv in ber »ierjigftett SBodje naefe ber Smpfängniß. SBenn eine grau ber Sntbinbung nafee iß, fo leibet ße Ijäußg einige Sage öorfeer an unregelmäßigen ©efemerjen, bie man folfcfee Soeben genannt feat; biefelben unürfefeeiben ßdj »on bett eigentlidett SBefeett ber ©eburtsarbeit, inbem ifenen fein anfealtenbeS Drängen nadj unten folgt; t« ift mefer eitt fcfearfer ©djmerj, ber einige Slugenblide bauert unb bann fefenett tier* gefet; ferner ßnbet bri ben maferen SBefeett eine Slbfonberung ober ein SluSfluß aus ber ©ctjeibe (ben ©dfeamtfeeiteit) ftatt. SBenit man »ermutfeet, baß bie SBefeen fatfct) ßnb, fo wirb es gut fein, ifettett burefe, warme ©etränfe gu begegnen, burefe Slufgüffe »on Hopfen, ©alcei, Meliffen ober Mofen ober etwas Jtampfeer ttt feeißem SBaffer. SOenn bieS feinen Srfolg tjat, gebe man gwei Sfeeelöffel tiott «Paregoric=Slirir ober gwangig bis breißig Sropfen Saubanum; unb gwar fann xnan biefe Doßs, wenn notfewenbig, alle brei bis »ier ©tunben wieberfeolen. SBenn bie SBefeen in reget* mäßigen 3wifcfeenräumett wieberfeferen ober attmälig an ©tärfe gunefemett, wtnn ße »on bem ©efüfele eines fräftigen Dranges naefe unten, tion lofem ©tufetgange, feäu* ftger Steigung gum SBafferloffen unb einer feuefeten Slbfonberung aus ben ©efcfelecfets* ttjeilen begleitet ßnb, fo barf man anttefemeit, baß bie müffidje ©eburtsarbeit begonnen feat, fo langfam unb fdjwadj ße audj anfangs tior ßdj gefeen mag. Der erwäfente SluSfluß iß ijäußg rötfelidj gefärbt, unb bisweilen ßefet er wie frifcfeeS 331ut au«. SBenit ber gatt langwierig werben follte, bie SBefeen nidt ßarf genug ßnb unb wieber unregelmäßig werben, fo gebe man ein warmes gußfeab unb innerlicfe etwas feeißen Jfeee; bies wirb oft »ott guter SBirfung fein unb bie SBefeen regelmäßiget macfeen. SBenn ber Seib »erftopft iß, fo wirb eine Doßs Äaftoröl ober eine JtTpftlet »on <5alj unb SBaffer bie nötfeige Sntleeruitg bewirten unb burefe Srteidjterung beS unteren Darmfattals ben SntbittbungSprogeß begüttftigeit; bieS foüte nie tierfäumt werben, wenn ber ©tufel nicfet offen iß. «ReidjtidjeS Srinfen »on fattem SBaffer beförbert feäußg bie SBefeen unb fantt niemals fdjaben. ©obalb bie SBefeen beginnen, ßnft ber 53aucfe ein, bie Kleiber werben lofer unb bie ©ebärmutter fdjeint auf bett ©runb bes Unterleibes ßnfett gu wollen; bie S3ewe* gungen unb boS ©ewiefet bes KinbeS werben tiefer naefe unten gefüfelt, unb ber ßopf be« götus ober bes Äinbes legt ßcfe auf ben ©ebärmuttermunb unb brüdt barauf. £ie pfepßfcfeen Urfadjen, weüfee bie Stusftoßung beS götuS ober beS ÄinbeS bewir* ten, beßefeen in 3ufommettgiefeungett bes Uterus (ber ©ebärmutter) unb ber Mus* tein be« Unterleibes. Durcfe biefe «Reigung ßnbet eine fefeleimige Slbfonberung ßatt, frelüje bie Sfeeile fefelüpfrig madjt, wäferenb bie Münbung beS Uterus ßdj attmälig erwettert unb bie Deffnung mü jebem Drange größer wirb. Die in bie ©djeibe etngefüljrte unterfuefeenbe Hattb wirb eine bebeutenbe ©efdjwulß entbeden; Ijüritt tß ber Uterus entfealten. Die SBetjen nefemen nun attmälig gu, ber «Puls wirb Niet unb »otter, bas ©eßdjt iß geröttjet, ber ©djweiß fließt In Strömen, unb be« 468 ©unn'S Ha us *Slrjt. gonge Körper iß in ber äußerßen Srregung. Der «Projcß nimmt feinen Fortgang- bü SBefeen werben immer feäußger, ßärfer unb onfealtenber, bie plö^licfe naefe einer befonbers ßarfen SBefee bas grucfetwoffcr, ber Liquor Anmii, feer»orgeßürjt lomml unb baS 33ett näßt. Ss iß jefct ein längerer 3wifd)enraum gwifcfecn ben Sieben unb bie Hebamme entbedt mit bem unterfudjenben gittger eine große 9?eränbnung • fte fiibit einen großen, runben, fearten ©egenßanb unb weiß, baß bies ber Äopf be« KinbeS iß. Die SBefeen feferen wieber, bie SBöcfencrin ftefet leibenber au«, Ui ©eßcfet iß intenßti gerötfeet, bie unteren ©liebmaßen gittern; bie einjelntn Soeben bauern bebeutenb länger; ße ergreift ein Hanbtucfe, weldjes gewöfenlicfe ju biefem 3wede an ben 33ettpfoßen befeftigt wirb unb ttnterftiifet mit atter Madt ben Drang ber SBefeen, inbem ße ftöfent: „D, wann wirb bas SltteS tiorüber fein V" ß« iil unmögliefe, bie Ungebttlb unb bas Seibett biefer furdjtboren unb »erfeängnifwoDen Slugenblide iu fdjilfeern. Der Äopf beS Minhti fteigt immer tiefer in bie Schübe nieber, bis er feß gegen ben Damm (bas Perineum) preßt unb ßdj enbliefe an bei äußeren Münbung geigt. 3« manefeen gätten, namentlicfe bei ber erßen ©eburt, pflegt bas Mino einige ßtit in biefer Sage gu bleiben, efee es »oüßänbtg ausgeflogen wirb; wenn bie SBödnerin fcfeon öorfeer geboren feat, fo werben gewöfenlicfe einig« wenige SBefeen bas SBerf tiollenben. Slber in atten gätten mödjte idj btingenb ein« empfefelen : nämlicfe, ©ebulb gu feaben; matt laffe bie «Ratur ungeftört, unb fie wirb ifere Slrbeit gu Snbe bringen. Die ©efdjlecfetstfeeite foüten gut mü Del ober gett eingerieben unb fefelüpfrig gemadjt werben, ba bies bie Setben bebeutenb minbert unb bie Slnftrengungtn bet «Ratur unterftütü. SBenit bas Mint attmälig tiorwärts brängt unb bie £effnung fo weit tiergrößert, baß ber ©efeeitet beS Kopfes gefüfelt werben fann, fo iji ein Drittfeeit ber ©eburt tiottenbet; wen« es bis gu ben Dferen »orgefeferitten ift, fo beßnbet es ßdj fdon in ber ©efeeibe; wenn bie Sifeäute nodfe nidt geptafet finb, fo fann man fte je£t öffnen, bas auSßrömenbe SBaffer wirb bte ©efeeibe fcfelüpßig mattjen unb bie ©eburt beförbern. SBenn bie Sntbinbung tiorüber iß, fo boren bie ©efemergen auf, bie Mutter füfelt ßd, glüdlicfe, unb „banft ©ott" für ben plöjjlicfecn Uebergang tion ben bitterften ©dfemergen unb Seiben gu »erfeältnifmapigta 93efeagen. Die «Rafeetfcfenur muß getrennt werben, fobalb bas Mino geboren iß - ob« beffer, einige Minuten fpäter, inbem man ifem 3eit läßt, burefe Sttfemen ober ©djreien rin 3eidjen feines neuen SebenS tion ßd gu geben. 3ei bis brei Sage nodfe ber Sntbinbung muß bie SBödfenerin möglidjß rutjig gefeat* ten werben unb barf nur wenige 33efuefeer fefeen; itjre Äoß muß einfodj fein, unb ber «Stufelgang muß, wenn eS nottjwenbig iß, burefe ein getinbeS Sarirmittel, etwa Äafüröf, beförbert werben. Die Mildj fommt gewöfenlicfe am britten ober tiierten *<»ge, fann ßcfe aber aud) fcfeon am jmeitett ober erß am fünften Soge einfüllen. Um biefe 3eit iß gewöfenlicfe etwas gieber mit ßopffdjmerg, tjeißer baut unb Durß, 470 ©unn'S H<»us»3lrgt. »ortjanben. Die Sodjün — ober ber SluSfluß, weldjen bie SBörfenerttt mtfett läge lang nadj ber ©eburt beS KinbeS bat — mögen unterbrüdt fein; bied »etutfaefet (eidjteS gieber; bod) wenn bie Mildj lommt, ßettt ßcfe bie Slbfonberung ein. SBenn bie 33rüße feart werben follten, muß man fie burdj bäußge Sinrtibung mit gett ober Del gu erweidjen fuden, unb inbem man glanelltücfeer, bie in feeißt« ,ütt getaudjt werben, fo warm, wie es ertragen werben fann, oußegt. Man muß bie ©rufte anfaugen, ba baS .fttnb wäferenb ber erßen SBodje ober bis gum jetjnten läge feiten bie erße Milcfe jüfeen fann. Dft wirb ein geljler begangen uub »iel l'eibtn oerurfacfet, inbem man tierfudjt, bie Milcfe feerauSgugwingen, wenn bie 33tüftc (att, badig, fcfemergfeaft uttb empßnblidj finb, ofene fie gutior burefe fette Ginreibungen, wie oben erwäfent, ober burefe 33äljuitgen mit feeißem Sfßg, ober burefe Umfcfeläge erweiefet gu feaben. 3nbem iefe biefe 33emertungen fdjtüße, fann idj nicfet bringenb genug jeber Hebamme an'S Herg legen, bie Sßödjnerin möglidjß rufeig unb gelaffen ju erfealten unb nicfet bie «Ratur übereilen gu woüen; es tonnen baburefe tiiele unb fefer »erfefeie« bene Unfälle tierfeutet werben, grauen follten bebenfen, baß Hunberte »on lote«. fällen unb eine «Retfee ungäfeliger ^ranffeeitett burefe unnöttjige ba^t »etutfaajt »er« ben, inbem mon bie SSerridjtungen ber «Ratur nicfet gebulbig abwartet; ifere ®t\ty toffen ßcfe nidjt ungeßraft »erleben. Sine lange Srfaferung in meinem S3trufe unb itt ber ©eburtsfeülfe feat miefe übergeugt, baß ©ebulb bü Hauptargnti bti ßntbin- bungen iß. 33or einigen 3aferen ereignete es ßefe in SouiStiitte, ßentudp, baß eine £amemii lljrem erßen Mintt brei Sage lang in ben SBefeen lag unb »on gwei ber feeroorragenb« ßen Slergte jener ©tabt befeanbelt würbe. Da es fdjüu, als wolle bie ©eburt nid» gu ©tanbe fommen, fo würbe eine efeirurgifefee Dperation für nottjwenbig gefealten. Mit »teter Müfee fefcte idj es burefe, ba idfe bagu gerufen würbe, baß bie Dperation aufgefefeoben werbe, unb ßefee ba, am tiiertett Morgen würbe bie Patientin »on einem gefunben weiblicfeen Minvt entbunben, weldjes nodj jejü lebt. SBie tiiele Seben tion grauen unb kinbertt tonnten gerettet werben, wenn man gewaltfame Singriffe tiermeiben wollte! Slber bie ©udjt, boS ju erlangen, wat Ut SBelt ärjtlitfee «Berüfemtfeeit nennt, läßt Mandje, ofene bie nötfeige «Rüdßcfet auf bie gotgen für Mutter unb Mino, gu SBerfe gefeen ; anftatt abjuwarten, toai Ut «Jtatut gu geeigneter 3eit tion felbft tfeun wirb, fuefeen ße bie «Ratur gu gwingen unb geben fo bie «ßeranlaffung gur 3erßörung ber ©efunbfeeit ober fogar ju unmittelbar tobt- liefen tfonfequenjen burefe «Btuttierluß, Sntgünbung ber ©ebärmutter, Äinbcrrj. ober «Puerperalßeber, Prolapsus Uteri ober SSorfatt ber ©ebärmutter u. f. xe. Die meißen gätte tiott Umftülpung ber ©ebärmutter werben burefe unoorßcfetige« 3«"1 an ber «Rabelfefenur tierurfadtjt. Die ©efemergen unb Seiben, weide mit ber ©eburt tierbunben ßnb, erretefeen or« einen feofeen ©rab unb fealten "nicfet feiten lange an. Die Stanbfeaftigfnt»»' Ergebung, mü welcfeer biefe Dualen felbß tion ben jarteßen grauen ertragen ju wp ben pßegen, muß bie «Bewunberung unb bas tiefße Mitgefüfet beS Manne« erreg«. Ss ift offenbar, baß grauen unter ©dmerg unb tfranffeeit mefer Stanbbfl'ti^ unb ©ebulb geigen, als Männer. 3nbem bas SBeib mit freubiger Hoffnung e Slugettblide entgegettßebt, ba fte bie Mutter eines garten SBefenS werben foll, « ■ fie itjre Siebe tierfdjwenben fann, wirb l&r ©tmütfe aufrecfet erfealten, um Slnweifungett für Hebammen. 471 fcfeweren S3ebiitgungett ber «Ratur gu erfüllen. SBenige Männer fönnten burefe irgenb welcfee «Jtüdßdfet bewogen werben, ßcfe ätjnlicfeett Selben gu untergiefeen. SBie gebie= terifdj iß bafeer bie Pßidjt jebeS ©attett, freunblidj gegen bie Mutter feiner kinber ju fein unb ße in itjren Slnfedjtuttgen unb Srübfol burefe tfeeilnefemettbe Siebe auf* guridjten. Sn folcfeett Stugenblidett werben bie ebelßen ©eiten unferer menfdjtidjett «jfiatur angeregt; benit was fann es ©djörtereS geben, als unferem beßen unb X)in* gebenbften greunbe auf Srbert, einer treuen unb gärtlidjen ©ottin, Süfeesbienße gtt lüften. Do bie weiblicfee Äörpertierfoffung tion tiiel garterer ©truftur ift, unb ba ifer «Rer»engewebe namentlicfe tiiel feiner ift, als bei bem Manne, fo X)abtn fie bem entfprecfeenb eine tiiel fdfenettere Smpfänglidjfeü für Sinbrüde unb eine größere ©efdjminbigfeit beS SluSbrudeS ; beswegen ßttb ifere Manieren liebenswürbiger unb ifere ©ebonfen jarter, unb ße feaben eine lebfeaftere Smpßnbuttg, fowofel ber greube, als beS ©efemergeS. Slber wäferenb ße ßdfe biefer SSorgüge erfreuen, ßnb fte burefe biefelbe eigentfeümliefee SSauart ifereS DrganiSmuS fdjmergtidtjen unb gefäfertiefeen Skränberungen unterworfen, bie nicfet aüeitt ifere ©efuttbfeeü, fonbern auefe ifer ©emütfe beeinßuffen, unb um bereu Witten ße mit atter möglidjen Milbe uub «Racfe* ftefet beurtfeeilt werben fottten. SBäferenb einer langen «PrariS in meinem SSerufe X)abt iefe beßänbig bie Sittmir* fungen biefer Urfadjen auf bie gunftionen ber ©efdüdjtsorgone beobachtet. Sebet Ifeeil beS antmoltfcfeen DrganiSmuS wirb burefe ben Sinßuß ber Seibenfdaften ent* jünblicfeen 3ußäuben ausgefegt; bocfe feiner mefer, als bie ©ebärmutter ober ber Uterus. Slerger, gurdt, Kummer unb anbere Slffefte tierurfodjeit feäußg Unter* brüdungen beS mottatlicfeett S3lutes, bie äußerß fdwürig unb nur burefe bie tiorßcfe* tigjte unb gefefeidteße 33efeanbtung gu furiren ßnb. 3dj glaube, id X)abt feürmit genug gefagt, um meine männticfeeit Sefer gu warnen unb ße gur größten 33orßd)t beS 33enefemens gu folefeen 3eüen gu tieranlaffen ; benn bie Orauen feaben itt golge tiott kranffeeiten ber ©ebärmutter unb anberen fpäter gu erwätjnenben Uebeln, Seiben gu erbulben, weldje bü «Racfeficfet unb bas Mitgefüfel jebe« ebfen unb gefüfeltiotten HergenS itt Slnfprud) nebmen fottten. Stntoeifungen für geBammcn. Durdj bie folgenben Stnweifungen wirb jebe grau, bie gefunben Menfdjentierßanb unb gute 33eobacfetung feeßrü, in ©tanb gefegt werben, fo giemlicfe in atten gemöfert* licfeen Sntbinbungsfätten ofene Hülfe eines SlrgteS gureefet gu fommen. Die meißen Unfälle, welcfee ßcfe im Jlinbfeette ereignen, rüferen bafeer, baß matt ber «Ratur niefet 3eitläßr, ifere Slrbeit gu tiottertbeit; eine Hebamme, bie für gefdfeidt in üjrem S3erufe gelten wiß, fottte es ßdfe gur «Jügel macfeen, nie bie «Ratur gwingeit gu wollen, fonbern bie 33erricfetungen berfelben in tierßänbiger SBeife abjuwarten; bieS wirb faß in iebent gatte bett »erlangten Srfolg ßdjern. ©lüdlidjerweife iß iit allen gäüen, bie fcfenctl »on ©tatten geben, nur fefer wenig Hülfe nötfeig; unb Saufenbe würben oljne ©efafer biefe natürlidje ©cfemergenSprobe beftefeeit, weitit fie nur $enug ©ebulb unb Stanbfeaftigfeit befäßen. Sin tiorßcfetiger unb erfaferener ©eburtsfeelfer ober eine »ernünftige Hebamme bemüfet ßdj tior Slttem, ber SBöefeiterttt Vertrauen einju* ßößen unb ifere Slngß gu befdjwicfetigen, unb baburdj bie Sßaljrfcfeeinltcfefeit rine* Jlüdlidjen S5eßefeenS ber ©eburt gu tiermeferen. 472 ©unn's H au S~ Slrgt. SBentt eine Sntbinbuttg erwartet wirb, fo muß für bie geeigneten SJorftferungen Im 3immer ber SBödfenerin geforgt werben. SBenn bie Suft braußen feudt unc fübl iß, fo mag tin Heines geuer nötfeig fein. Sine Matratze iß beffer, als ein ^cberbttt ba bie gebcrn bie Hifje unb bie SluSbünßungen gurüdtjalten unb oußcrbem burefe ibt Sinßnfen bie Sage ber «Patientin wäferenb ber SBefeen unbequem macfeen. Zu 33ettgeug, uub was fonß on SBäfdje erforberliefe iß, muß gut getrodnet unb gelüftet unb, bei faltem SBetter, tiorfeer gewärmt werben; SltteS muß In 33creitfdjaft fein bamit im entfefeeibenben Slugenblide feine SSerjögerung nötljig iß. Dos 33ett muß gegen Suftjug gefefeü^t unb fo geftettt werben, baß alles noffe unb befdmufett 3tug leicfet entfernt werben fanit, bamit ber unongettefeme unb ungefttnbe ©erudj »ermic ben werbe, ber in einem warmen unb gefcfeloffenen ßimmtx fottß lelefet entßefet. Die ©eburt ßnbet gewöfenlicfe gegen Snbe beS neunten Monats ober ber neun unb breißigßen SBodje ber ©djwattgerfdjaft ßatt; ungefäfer tiier unb ein fealb 'üflonat, nacfebem bie erßen SebenSjetcfeen bes götus ober beS ungeboretten Äinbe« »erfpürl werben. Ss fommt feäußg tior, baß mefere Sage ober felbß SBocfeen tior ber öntbin- bung bie Mutter burefe gewiffe unregelmäßige, weljenartige ©dmerjen belaßtet wirb, bie mit größerer ober geringerer Heftigfeit auftreten, unb bie man falfdje SBefeen genannt feat, ba ße feine 33ewegungen gur Slusßoßung beS KinbeS verantaffen. Diefe ©dfemergen ßnb gewöfenlicfe am läßlgßen gur «Roefetgeit uttb bleiben wäferenb bes Soges oft gang fort, ©ie finb feäußg fdtjarf unb fefewer gu ertrogen; fie ftetten ßdfe in unregelmäßigen 3r°ifdjenräumen ein unb »erurfodfeen feinen Xrang unb feine 3ufammenjiefeungen ber ©ebärmuttertttusfefn; aud ßnb ße nicfet, wie bie watjren SBefeett, »on einem StuSßuß aus ben ©efdfelecfetstfeeilen begleitet. Sßenn man oermutljet, baß es falfdje SBefeen ßnb, fo fantt man warme, fdjweißtrtibenbe unb fdmerjftitlenbe ©etränfe reidjen, gum 33eifpiel Slufgüffe tion Hupfen ober ©abel ober Mofenfapfeln, ober kampfeer mit feeißem SBaffer; wenn biefe feine Srleiajterung fdjaffen, gebe man einen Sfeeelöffel tiott «Paregoric=Slirir ober gwangig bi« breißig Sropfen Saubanum unb wübertjole bie Doßs, wenn notfewenbig, alle brei bi« »ier ©tunbeit. Man feraudjt tion folefeen fdjmerjftittenben Mitteln feine ©efafer ju feefürefeten, ba ße, falls bie Stttbinbung wirffiefe beginnen fottte, efeer bie SBirfung tjaben, bie SBefeen ju reguliren unb bie ©eburt gu erleitfetem. SBetttt bie SBefeen in regelmäßigen 3rcifdjetträumen wieberfeferen, beßänbig an ©tärfe gunefemen, tion einer Smpßnbuttg beS DrudeS unb Drange« naefe unten, lofem ©tufetgange, feäußgem Drange gum SBafferloffen unb einem Slusßufft au« bet ©efeeibe begleitet ßnb, fo tann man annefemen, baß bü wirflidje ©eburt«arbeit begonnen feat, fo langfam unb fdjwad) bie SBefeen guerß audj fein mögen. Ztx erwäfente SluSfluß iß oft gefärbt unb feier unb ba ßnben ßcfe ©puren, wie »on frifebem Stute. SBentt ber gatt langwierig ober bü SBefeen wieber fdwad unb unregelma« ßig werben foüten, fo gebe man ein warmes gußbab unb reiefee innerlich, warme Slufgüffe tion «Rainfarn, ©aloei, Meliffen, glöfefraut (Pennyroyal) ober bergltitfetn, weldjes gewöfenlicfe bie wotjltfeätige SBirfung feaben wirb, bie SBefeen regelnder unb fräftiger gu maden. Durcfe eine Doßs itaßoröl ober ein Älpßier »on £o\\, (Jett unb warmem SBaffer, wirb ber untere Sfeeil beS Darmfanals entleert unb Daburcfe bie ©eburt erteicfetert unb feefefeteunigt; man foüte bieS nie »erabfäumen, wenn ber ©tufelgang nidjt frei iß. SBentt es wünfefeenswertfe erfdjeint, bie Önergie ber SBetjen gu tiermeferen, fo laffe man bie SBödfenerin rricfelicfe, folteS SBaffer trtnte«. Slnweifungett für b^^ammtn. 473 ^d) feabe Ijäußg burdfe Slnweitbung biefeS fdjäfcbaren uttb babei einfachen unb fearm* ?ofeit Mittels bie SBefeen beförbert. Da« Srgot ober Mutterfortt (Seeale Comutum) wirb feäußg gu biefem 3n>ede gebraucfet; aber eS iß ein gefäfertidjes Mebifomettt unb fottte nur in befonberen unb fcfewitrtgen gätten, unb bann nie ofene ben Statt) eines SlrjteS, gegeben werben. Ss fann bas Seben beS ÄinbeS unb oft fogar bas ber Mutter in ©efafer bringen. Der fefeeinbare ©i£ ber SBefeen ift in tierfefeübenert gätten tierfdjüben; bod) gewöfenlicfe wirb ber ©cfemerg im 33eginne ber ©eburtsorbeit im unteren Seibe empfunben unb erßredt ßcfe tion ba naefe bem «Jtüden unb naefe ben Hüften fein; im lejj* ten Stabiuin befdränft er ßdj meiftenS auf ben unterften Sfeeil bes ÄreugeS. SBenn bie ©efemergen feart uttb aitfealtettb finb unb längere 3eit ausfdjließtidj tief im Unter* leibe empfunben werben, fo feat man ©runb gu befürefeten, baß bie ©eburt lang* wierig werbe, ba in maitcfeen gätten baS Mint lange auf ben ©cfeamfnodjen rufet, efee e« in baö 33eden feinafeßeigt. SBenn mon ßdfe tierßcfeert feat, baß bie wirllictjen SBefeen im ©onge ßttb — aus ben oben angegebenen ©pmptomen, unb inbem mott ben unterfudcnbeit ginger itt bie ©eburüßette einfüfert — wirb man ßttben, baß ftcfe ber Munb ber ©ebärmutter bei jeber fommenben SBefee öffnet ober erweitert, unb baß bie S3lofe, welcfee ben götuS unb bas Oritcfetwaffer entfeätt, gu füfelen ift. Die Unterfucfeung muß gart unb tior* fiebrig gefdefecn; bie Hanb muß wofel geölt unb bie «Raget muffen forgfältig befefeuitten fein. SBenn bie ©eburt nodfe nicfet weit tiorgefet)ritten iß, wirb man ben Munb bet ©ebärmutter unb feine oftmalige Srmeüerung bei jeber SBefee füfelen. Die SBödfenerin felbß fottte burefe feeitere Unterfeattung ermutfeigt unb ifer ©eiß angenefem befdjäftigt werben; babei gebe man ifer leiefete ©peifen unb Stjee unb falte« SBaffer als ©etränf. 33or Slttem tiermetbe man bie fcfeäblüfee unb nur gu gewöfenlicfee Metfeobe, «Jüijtntttet, wie SSranntwein, Siqueure, «Punfdj u. f. w. gu geben, außer wo große (Bdjwädjt unb Mattigleit foldje Mittel nottjwenbig madjt. Die SBödjnerin foüte, wentt eS ifer irgenb bequem iß, auf ber Hufen ©eite liegen. «JJtandje jiefeen freilidj eine anbere Sage tior. Sin fdjledjter ©ebraudj, ber feäußg »on Hebammen befolgt wirb, unb ber nicfet ßarf genug »erbammt werben fonn, iß es, bie Sntbinbung bei fnieettber ©tettung ber SBödjneriit tiorjunefemen. Die beße Sage ift, wie gefagt, gewöfenlicfe auf ber linfett ©eite, wäferenb ber Dberf örper unb ber jtopf burdfe Riffen erfeöfet finb. Diefe Sage inbeffen braudfet nicfet eingenommen ju werben, bis bie ©eburtsorbeit fdjon etwas tiorangefdjritten ift unb bie SBetjen feaufig unb feeftig geworben ßnb; bis batjin erlaube iefe meinen «Patienten, aufrecfet ju fijjen ober umfeergugetjen ober bie SBefeen in jeber itjnett gufogenbett ©tettung gu »erarbeiten. Die 3eit, wann es gut fein wirb, ße gu 33ette gu legen, fann man baran erfennen, baß bü SBefeen artfeattenber werben unb bie SBödjnerin »eronlaffen, ben Sltfeem einjufealten unb mit aller Madjt nad unten gu brängett —weldjes beut* N jeigt, baß ber ©eburtsprojeß gu Snbe lommen will. S3alb barauf werben bie £äute ber 33Iafe platten unb bas gruefetwaffer ßießt ah. 3efct follte man ein .Riffen gwifdjen bie Mnke ber SBöcfenerin legen unb ifer gele= gentlid) feelfen, ßdfe auf bie Mnke aufjuridjtett, um freieren ©pietraum gu geben. Sin Hanbtudj, Safe« ober irgenb ein gwedmäßiger ©egenßanb foüte an ben Sett- Pfeßen befeßigt unb ifer in bie Hänbe gegeben werben, fo baß ße bei jeber SBefee baran liefern fann; bieS wirb ße bei iferer Slrbeit nidjt wenig utüerßüfcen, bie Snergie ber 174 ©unn's HauSargt. SBeben beförbem unb ifer bie ©djmergen leidter erträglicfe inaditi. Die güße müiTrn warm gebalten werben, ba falte güße feäußg ben gortfdjritt unb bie Energie bti SBeben beeinträdjtigen. SBenn bie legten ßarfen SBeben ben Jtopf beS ÄtnbeS aucjußoßen beginnen, fo preffe bie rectjte Hanb feß gegen ben Damm (bie ©egenb jioifcfeeii ben Wefcblediw. tfeeilen unb bem Slfter, oon ben Stergten Perineum genannt), um benfelben ju unter. ßüöett unb »or 3erreißung gu bewaljren; gleidjjeitig fudje bem Äopf bte Äinb« eine «Jlidjtuttg nadj tiorn unb oben (nocfe bein „SJenusberge" ju) ju geben. Ziti ift wirf liefe »on SBicfetigfeit, bo aus Mangel an geeigneter S3orßdjt, unb inbem man bie ©eburt beS KinbeS übereilen will, mandje fefewere Unfälle entßanben finb; in anberen SBorten, bie ©djeibe unb ber Slfter ftnb burd) Steißen bes Damme« ;u einer Deffnung geworben. ©obalb ber Äopf beS KinbeS feerauS iß, muß bie Hebamme forgfältig mit ibren gingern um ben Hals ftreifen, um fidj ju tierfidjern, boß berfelbe frei iß; ti paffirl nämlicfe bisweilen, boß ßcfe bie «Rabelfdnttr um bett Hals bes JtinbeS gemunbtn bat; itt biefem gatte muß ße biefelbe tiorfiefetig über ben Moo[ gu ßreifen fuefeen, babtt Drud auf ben Hals bes KinbeS mögliefeerweife ßarf genug werben fann, um ti ;u erwürgen. SBenn irgenb eine SBergögerung im SluStritt beS JtörperS Ut atinbt« ßattßnbet, fo muß man bie «Jlafe unb ben Munb beffelben oon ber au» ben ©efdjleefetsttjeitett flüßenben geudjtigfeit frei gu erfealten fuefeen, ba biefe fonft bei feinen erßen Slttjembemüljungeit eingefogen werben tonnte. Sluefe muß ber Äörpti bes Jtinbed, unb felbft wenn nur nocfe bie 33eine borin ßnb, nicfet ju fdjnett aus bet Mutter geriffen werben; man übertaffe bie Siucftoßung ben Verrichtungen bei «Ratur; wenn ein ju plö^licfeeS HerauSgerren ßattfinbet, fo wirb bie natürliAe Sfeätigfeit ber ©ebärmutter tieränbert, unb unregelmäßige 3"famnnn3iebungtn) bie tiott unnützen ©djmergen unb StuSfütß begleitet finb, fönnen bie Sotge fein. SBenn baS Mint nicfet unmittelbar, nodbem es geboren ift, fefereien ober orbtntlidi atfemen fottte, fo reibe man itjm ben Magen mit einem ßanellenen Sappen, befc-rije es mit faltem SBaffer, Sfßg ober 33ranntwein unb laffe ifem gelegentlid burefe 53laftn ober tiermittelß eines gäcfeerS einen Suftjug über baS ©eßdjt-ßreiefeen, um ti jum Seben gu bringe«. SBenn baS .Kinb tebensfräftig ift, wirb bieS gewöfenlicfe auerei- cfeen, um es gum Sltfemett gu bringen. Dod) wenn es einige Minuten fefeeinbar leblos fein fottte, fo tauefee man eS in warmes SBaffer, reibe es gefeörig unb Mafe feine Sungen auf, inbem man einen geberfiet ober ein Pfeifenrofer in ba« eine «Rafenlodj einfüfert unb fottß bie «Rafe unb ben Munb »erfdjließt, um bit Juftnicbi gu fefenett entweiefeen gu laffen. SBenn bie Sungen gefüüt finb, fo muß man ibm «Rafe unb Munb offneit unb bie Suft burdfe gelinbett Drud auf 33ati «Berricfetung ift, 33(ut tion ber ©ebärmutter abgufonberit uttb ben 33lutgefäßett beS götu« ober beS ungeborettett Mintei gujufüferett. ©ie ift mit Slrterien unb «Benen angefüllt unb ßefet äfenttefe wie bie Milj aus. Die «Robelfdjnur beS Mintei, welcfee gewöfen- liefe eine fealbe Site lang unb tion ber Dide eines fleinen gingers iß, gefet »on bet «ptacenta aus unb bringt in bett 33audj bes KinbeS ein. Die piocenta feat jwei Strien tion 231utgefäßett; bü einen nefemen baS 33lut tion ber Mutter auf, bie ante* ren bringen eS tion bem Minte ber Mutter gttrüd. Die «Rabelfefenur enthält jwei Slrterien unb eine S3ene. Die «Bene füfert bas ©tut tion ber Mutter bem Äinbe ju; bie beiben Slrterien leiten baS ©tut tion bem Minte gur Mutter jurüd. Diefe Slrte- rien puißren in Uefeereinßimmung mit ben Herjfcfelägen beS Mintti. Die «jMacenta feaftet wäferenb ber Sntwidelung beS KinbeS in ber ©ebärmutter feß an ber *ub< ßattg ber teueren ; bocfe nadj ber ©eburt beS ßinbes töß ße ßcfe los unb trennt ßd), jufammen mit ben Membranen ober Häuten, welctje ben götuS tior bet ©ebn« ümfcfeloffen. Diefe Membranen, bie man Sifeäute genannt, ftnb brei an ber ffl • bod feängett ße oft fo miteinanber gufammen, boß ße wie eine ouSfefeen; ße ÜW" Amnion, Sfeorion unb Decibua. Die piocenta iß runb*ertjafeen an bet ct\% weldje an ber ©ebärmutter fjafüt, unb eingebuefetet an ber anberen ©eite- iW «itnweifungen für Hebammen 47& feaftet gewöfenlicfe an bem ©runbe ber ©ebärmutter, bocfe fann ße aud, was ofl »orfemmt, on irgenb einer anberen ©teile feaften. ©ie fommt gewöfenlicfe binnen einer fealben ©tunbe naefe ber ©eburt bes KinbeS tion ber Mutter. 3« manefeen gäüen wirb fie gleidjjeitig mit bem Minte auSgeftoßen unb bie Membranen, welcfee bas ledere entfeielten, finb gerriffen. «Rad) ber ©eburt bes Minteä tritt ein (urjes «Radjtaffen ber SBefeett ein; bod) feferen ße balb wüber unb ßoßett bie «Radtj* geburt aus. «R a cfe w e fe e it. Ss ftetten ßd bei ber ©eburt brei feeßimmte Slnfatte tion SBefeen ein; bie erßen, um baS Mixxt, bie gweiten, um bie ^ladj^ebxxxt, bie brittcu, um bie in ber ©ebär* mutter angefeäuften «Blutflumpen ausgußoßen, bie ßcfe nadj Sntfernung ber «Racfe* geburt bilben, unb um bas Drgan wieber gu feiner natürlidjen ©röße gufammengu* jiefeen. Die fogenatttttett «Radwefeett beginnen nadtj Slusßoßung ber «Radjgeburt. 3n manefeen gälten ßnb ße fefer gelinbe, nameiülicfe bei ber erftett (Sntbinbung« 3n anberen gätten finb ße faß fo feeftig wie biejenigen, burefe weide bas Mint aus* gejloßen wirb, ©ewöfenlicfe tjören ße naefe tiier unb gwangig ©tunben auf, bocfe bisweilen fealten ße gwei bis brei Sage an. SBeittt irgenb ein Sfeeil ber «piocenta jurüdgeblieben ift, fo fönitett bie SBeljen bis gu beffen Sntfernung anfealten. ©ewöfenlicfe ßnb bie «Radfewefeen fearmloS, bocfe wenn fte übermäßig ßarf feitt uttb ben ©efelaf oerfdjeuden fotttett, gebe man gwangig bis fünf unb gwangig ober brrißig Jropfen Saubanum, wetajeS Stufee fdjaffen wirb. Sin Sfeeelöffel »ott «Paregoric* Slirir ober reiefeliefeeS Srinfen tion Hopfenttjee ober Mofenfapfetntfeee werben benfei* ben j^totd erfüllen. Sßenn bie ©djmergen nicfet gerabe fefer feeftig ftnb, iß bas Sau* banum ober Pategorü-Slirir überßüffig. Die «Rodjwetjen ßnb notfewenbige Sümüfeuttgett ber «Ratur, um bie ©ebärmutter jufammenjujiefeen unb wieber itt jene« 3uftattb ju bringen, ber bei nicfe>fefewange* ren grauen ju iferer ©efunbfeeit wefentlicfe ift. SBentt ße auSnetjmettb feeftig ftnb, fo jeigt bies gewöfenlidj bie ©egenwart geronnenen S3lutes an, boS erß auSgeftoßen werben muß, efee ße noefetoffen. SBenn ße mäßig ßnb, bas feeißt, nicfet feeftiger als ti naefe ber ©eburt bes KinbeS erwartet werben barf, fo ßnb ße burdjaus feeilfam, unb es fottte nidjts bagegen gettjan werben, außer baß man feeißen glanett auf ben Unterleib legt, weldjes große Sinberung geben wirb. Die «Radfewefeen wer* ben oft längere ßtit nur baburefe im ©ange erfealten, baß ber Seib tierftopft ift; in biefem gatte iß ein Sßlöffel tiott kaßoröl ein ftcfeereS unb gefaferlofeS Heilmittel. Sin ju enger «Berbanb ift feäußg bie Urfacfee gu ftarfer «Racfewefeett. 33ei ber erßen Sntbinbung werben bie VladjWeDen feiten befdjtverlidj. ©ottten ße bennod) mit übermäßiger Heftigfeit eintreten, fo gebe man nadj obiger Slnwei* fung Saubanum in etwas SBaffer. Der Slusfluß aus ber ©ebärmutter, wetdjer feäußg längere 3eit anfeält, macfet es notfeig, bie ©eburtsßette ober bie ©efefefeefetstfeeile gelegetttlid) mit warmem SBaffer |rb es gwedmäßig feitt, am Morgen beS britten Soges eine Doßs Jtaßoröl ju geben. SBentt ber Seib geöffnet iß unb bie «Patientin ßcfe wofel füblt, fo fann man ifer all« mälig eine etwas fräftigere Mo[t erlauben ; aber Süigmtttel follten nie gebraucfet werben, außer bei gong befonberer Sieranlaffung, wie gum «Beifpiel bei großer 2\\n. tigfeit ober ©cfewädje. SBenn bie obigen Slnweifungen befolgt werben, fo gibt es wenige gälte, bie nidjt regelmäßig bis gu »ottftänbiger ©enefung tierlaufen werben. Man tiergeffe nicfet, baß iväljrenb biefer gangen 3eit es nicfets Slngenefemett« unb Heilfomeres gibt als bie feäußge Slnwenbung lauwarmen SLnifferS, um bie ßrengße «Jteinticfefeü ju bewaferen. Dabei muß man jebodj fefer tiorßdjtig fein, nie ba« Seit ober bie SBäfdje ber SBödfenerin naß ju macfeen. Die Hauptgrunbfä^e, weldje man bei ber 33efeanblung tion ©eburtsfällen im ©inne iu fealten feat, ßnb bie: niemals bie «Ratur überftürjen ober jwingen ju wollen ; baS ©emütfe ber SBöcfeneritt gu berutjigen, inbem man ifer »orßellt, baß btt «Progeß, fo fdjmerjfeoft er auefe fei, bodj ein natürtidjer iß; unb int übrigen mög« liefeß auf bie Macfet ber «Ratur unb ber «Borfefeung gu tiertrauen. ©tjmptomc ober Reichen ber ©djroangcrfrtjaft. Sluf bie Smpfängniß folgen mebre wiefetige «Beränberungen im weiblicfeen Orga- nismus, unb gewöfenlicfe treten gewiffe Merfmale an »erfdjiebenen körpertfeeilen auf, bie man als 3rid)en ber ©efewangerfefeaft ober ber ftattgefeabtett Smpfängniß ange- nommen feat. Hierju gefeört tior Slttem bas Sluffeören beS monatlicfeen «Bluteü; fobann eine eigentfeümlide Stngegriffenfeeit beS Magens, bie ßcfe burd Uebelfeit be« Morgens ju erfennen gibt. Die ©djmangere fütjlt bei bem Srwacfeen gang wofel, aber fobalb fte oufßefet fommt eine Slnwonblung tion Uebelfeit unb S3recfereijung, ber fi<< weilen SBürgen unb roirf ticfeeS Srferedjen folgt. Mondfee grauen inbeffen finb gang frei bation ober leiben nur fefer wenig, wätjrenb anbere tion ber 3eü ber Smpfängniß an bis gur Sntbinbung fortwäferenb übel füfelen. 3n gwei bis brei Monaten fönnen gewiffe «Beränberungen on ben 33rüßen wafergenommen werben; biefelben fdjroellcn an unb »ergrößern ftcfe, unb es wirb ein ©teefeett unb Pridetn barin empfunben, wie hei bem «beginne ber monatfidjett «Reinigungen. 53ei manefeen grauen gefet ba« Äinbeterjeugert fo leidt »on ©tottett, baß ße wäferenb ber gonjen 3eit faum irgenb eine Unbequemiicfefeit fpürett; anbere bagegen ßnb burdjaus nicfet im ©tanke ctrcaJ im Magen gu befealten unb werben baburefe in einen 3ußanb ber äußerßtn ©cfemadi »erfe&t. S3ei manefeett grauen feäit bas Srbreefeen wätjrenb ber gangen jweittn «Periobe ber ©efewangerfefeaft ober bes größeren SfeeileS berfelben eben fowob(,a< wäferenb ber erßen «Periobe, an; bocfe bieS ift feitt gewöfenliefeeS S?orfomtnnijj. lw weife Unterbrüdung beS Urins mit bäußgem Drange jum SBafferloffen; ein 3u«n an ben äußeren ©efcfetecfetsttjritett; SSerftopfung, ©tufeljwang unb b'ärxxoxxijtittn ßnb bie Seiben, benen grauen wäferenb biefer Periobe unterworfen ju fein ttieg» Meißens wirb bas Seben bes götus etwa in ber fedjjefetüen SBocfee naa) « Smpfängttiß bemerft, unb bie Mutter beginnt jefct felbß ber leifeßen «Regungen ßtnbes bewußt ju werben. Slußer ben oben erwäfenten Seiben ßeden ßcfe jfjjt ¥*n plötüie^e ©efüljle beS Unbehagens unb leiefete ijpfterifcfee Slnfatte ein. £a« *' ©pmptome ober 3 e i dj e n ber © cfe wan g erf dj af t. 481 beginnt gu leben —was man im Sittgemetnen fo nennt — wenn ßdfe jene eigeuttjüm* licfeen Smpßnbungen bri ber ©cfewangern ßnben, welcfee man ber erßen 33eweguttg bes ÄinbeS gujufcfereiben pßegt. Die gewöfenlicfeße «Periobe biefer ©pmptome iß gegen bas Snbe bes inerten ober am SSegittne bes fünften Monats ber ©dfewanger* fcfeaft; um biefe 3eit füllt ber Uterus (ober bie ©ebärmutter) bas S3edeit, unb'inbem er ju groß für baffelbe wirb, gleitet er feinauf unb erfeebt [idj über bas Darmfell. Diefer. plöfelidje Uebergang bringt bei grauen tion garter Äörperoerfaffung unb reijbarer gafer leicfet unangenehme Smpßnbungett tjertior, befonbers itt aufrecfeter ©teltung. SBäferenb beS britten ©tabiumS ber ©efewangerfefeaft ober ber legten brei Monate, ßnbet ßcfe allgemeines Unfeefeagett, «Rutjetoßgfeit (befonbers bes «Racfets), SSerftopfung, Stnfefeweüen ber güße, ber Stufet unb ber ©efefefeefetstfeeite, Krampf in ben SBaben unb öefeenfettt, ©efewierigfeit, bas SBaffer lange angufealtett, tiarieöfes ©efewettett ber «Benen bes Unterleibes unb ber unteren ©tiebmaßett unb Hämorrfeoibalbefdfewerben. SBäferenb ber ©cfewangerfajaft tieränbert ftcfe bas Stusfeben ber 33ruftwarje unb ber umgebenbe 3irfel nimmt eine braune ober bunfle garbe an. 33ei beneit, bte blaue Slugett, garte, weiße Haut unb feette Haare tjaben, ßettt ßcfe biefe 33eränberuitg fpäter ein; bei grauen, beren Stugen, Hautfarbe unb Haare bunfet finb, erfdjeint bie bunfle gärbung ber 33rußwarje, Areola genannt, fcfeon hti bem «Beginn ber ©efewangerfefeaft. 3m britten monat, aber ttiefet efeer, fängt ber S3aucfe an, ßd) gu »ergrößern ober gu fdjweüett unb trimmt attmälig an Umfang iu, bis bie Periobe ber pulöer, .Kaßoröl ober «Rfeabarber*«piUen, weide letjrer immer gelegentliefe genommen werben fottten, entweber allein, ober mit Solocpntt) «nb ©eife. Sin Ätpßier tiott warmem ©eifenwaffer, wenn es alle paar Sage wit* «W wirb, wirb oft ausreidjenb fein; ober man gebe ©eitna unb Manna; ober nn eine beionbere Slbneigung gegen bas einnehmen tiott Mebigitteit erißirt, gebe «n etnfaefee ©odjen, wie gebratene Siepfet, geigen, getrodnete Pflaumen ober irgenb mitom ^^ ift' bCn ****** iU *eru^en uni ®«N>funflen bes Selbes gu *>« 3afenfdjmerg, über ben fet)wangere grauen fo oft tfagen, nnb ber ßd) gu jebet öl 482 © u n tt * S HauS*Slrgt. Periobe einßetten fantt, wirb fetten burefe bas SluSgletjen eines ßat)nti befeitigt, ba er feinen ©tjj in ben benachbarten ©eßctjtsneroen feat unb neuralgifdjer «Ratur iß. SBätjrenb ber ©efewangerfefeaft foüte fein ßat)n auSgegogen werben, wenn to nicfet gerabe bringenb notfewenbig wirb, fonbern ber ©cfemerg fottte burefe warme 33äfeun< gen unb Umfdläge oon Äamittett unb bergleidjen »erfdfeeuefet werben. Sltußetliefetd «Jteiben ber Äinitbadeit mit JtamptjerfpirituS ober Saubanum ober ©enfumfcfelägt ober SMafenpflaßer tjinter bie Dferen, werben Srlelcfeterung fdjaffen. Die Krämpfe in ben Seinen u. f. w. wäferenb ber ©djwangerfdjaft werben burctj ben Drud ber tiergrößerten ©ebärmutter auf bü «Rertien tieranlaßt; ße ßnb feäußg fetjr läßig, aber tion feiner ©efafer begleitet, unb es fann ifenen leidjt burdj 23etän< berung ber Sage ober Sinreibung mit Dpobelbof, ßampfeerfpirituS, feeißem «Brannt- wein mit ©alg u. f. w. abgefeolfen werben. Dft ßettt ßdfe Hergflopfen ein unbjwat meißens um bie 3rit, wentt bas Seben beS Mintti guerß empfunben wirb, tie Urfacfee bation iß gewöfenlid) Unorbnung bes Magens, unb man fantt ße befeitigen, inbem mon ber Diät bie nötfeige Slufmerffamfeit fdjenft unb mäßige Dofen »on Magneßa unb Spfomfalg, gu gleictjen Sfeeilen, gebraucfet. SMsweiieu wirb bas Hergflopfen audj burefe einen franfbaften 3ußanb ber «Rertien tieranlaßt; man nennt es bann fepßetlfd). 3« atten folefeen gätten werben jweef. mäßige Diät, «Bewegung, frifdje Suft unb berartige natürlidje ©tärfuttgsmltttl gu! ttjun, wäferenb ber ©tufelgang burdj gelinbe Mebifamente offen erfeatten wirb. Sitte aufregenben unb beunrufelgeuben Dinge fottten forgfältig tiermieben unb Ui ©emütfe ber ©efewangerett fo rufeig ats tnögudj gefeolten werben. Der ®eiße«< jußanb ber Mutter wätjrenb ber erßett ©tabiett ber ©efewangerfdaft übt ben mäaj' tigßen Sinßuß auf baS Mint für jritlebenS aus ; unb wie fo mandje eigentfeümliefe« Stjaraftergüge burefe berarttge erregenbe Urfadjen untöfefefear bem SBefen be« werben« ben Menfdjen aufgeprägt werben, fantt bet tiielett gamitütt feeofeadjtet werben. SBentt bas Hergflopfen aus nertiöfeit Urfadjen entßebt unb unbefeaglicfee Smpßn« bungett tieratttaßt, fo wirb ritt Sljeelöffei tiott 33ibergeil*Sinftur ober Slffafoetiba- Siitftur, mit einer gteiefeen Duantität gufammengefet3ten Saoeitbelfpltitu«, in etwa« SBaffer genommeit, feiten tierfefelen, Sinberung gu fdjaffen; biefe DoftS fann im «Rotfefatte bei ber SBieberfefer beS HergflopfenS wieberfeolt werben. Die Uebelfeit bes Morgens iß eines ber unangenefernften Seiben, welcfee mit bet ©djwattgerfdjaft in SSerbinbung ßefeen, unb eines berjenigen, gegen welcfee SJlebijin gewöfenlicfe nicfets auSriefeten tann. Sine Saffe Äamitlen* ober pfeffermün|liiee, bei bem Srwacfeen getruttfett, unb rufeigeS «ßertjalten bes «Patienten für eine Stürbe lang, wirb Ijäußg bte quattiotte Smpßnbuitg mittbern. Doefe fottte ftcfe biefetbe »ab» reitb bes Sages wieber elußetteit, uttb fottte bas genanttte Mittel fefelfcfelagen, i» neunte man gwei bis brei Sb,eelöffet tiott tion ber folgenben Müütr, entwebet gele- gentliefe, ober wenn bas Srbrecfeett unb bas ©obbrennett beßänbiger iß, unmtttclb« nadj jeber Matjlgeit: ©ebrannte Magneßa.........1 Dracfeme; DeftittirteS SBaffer.......♦ ♦ ♦ 6 Un3en» Slromatifcfee «Ratant)la*Sinftur ...... 6 Dradmen; ©almiafgeift............1 Dracfeme.-^ SDie Slettgßltcfeüü uttb «Riebergefdjlagentjeü unb bie ©rmütyswjtunmung, * ©pmptome ober 3 e i d e n ber ©djwangerfctjaft. 483 fefewangere grauen meljr ober weniger unterworfen ßnb, Ijättgt fetjr tiott bem allge- meinen ©efunbfeeüSgußanbe unb bem perfönUdjett Semperamente unb Sfearafter ah; bodj fönnen btefe ©timmungen fetjr tierfdfelimmert unb oft burefe, Umftänbe ober jubrtnglicfee «Perfonen feeroorgerufen werben. 3efe muß nod) einmal atten S3etfeeitig* ten brlngenb an'S Herg legen, wie widtjtig unb notfewenbig es iß, ben ©eiß fo rufeig unb feeiter, als möglid), gu erfealten, befonbers wäferenb ber erßen »ier Monate ber ©efewangerfefeaft. Sin tiorßdjtigeS uub tiernünftiges SSerfeatten in biefer S3egietjuttg wirb bett wofeltfeätigßen Sinßuß auf baS Mint unb eine gleichmäßige ©eißeSent* widelung beffelben gur golge tjaben; wäferenb bas ©egentferil hei bemfelben leicfet ein »erjagtes unb nertiöfes Semperametü unb anbere SigentfeümlidfeÜett feeröorferingt. Probe jur Stttbeduitg ber ©djwattgerfdfeaft. «JR. «Raucfee fanb, baß ber Urin fdjwattgerer grauett eine eigenttjümlictje ©ubßang tntfeält, bte, wenn man bett Urin ßefeen läßt, ßdfe abfonbert uub eilte Haut barauf bilbet. 9R. Sguifer feat, naefe tiieten angeßettten S3eobadjtungeit, biefe Sfeatfacfee beßättgt uttb naefegewiefett, baß Mi[t ein, wie biefe eigentfeümlidje ©ubßang genannt worben iß, ßcfe, regelmäßig auf ber Dberfläefee beS Urins fefewangerer grauen bilbet. «Dean muß ben Urin gwei bis fedjö Sage ßeljett laffen unb wirb bann bemerfen, baß fleine unburefeftefetige ßörperdjett tiorn ©runbe nadj ber Dberfläefee ßeigett, wo ße ßcfe attmälig tiereinigen unb gulefct eine gufammenfeängettbe ©efetdjt bilben. Diefe «JKaffe iß fo feß, baß man ße beinafee abgiefeeit faitn, inbem man ße am «Raube auf* feebt. Dies iß baS Äifteüt. Ss ift meißliefe, fcfeillernb, etwas förnig uttb fann tiief* leicfet am beßen mit ber fettigen ©ubßang tierglidjen werben, weldje auf taltge* worbenen ©uppeit fefewimmt. Durdj bas Mifroffop unterfudjt, ftetjt es wit eine gallertartige, formlofe Maffe aus; bisweilen werben fubifartige Mxo[taüt barauf wafergenommen; bodj nur wenn es fetjr lange geßanbett Ijat, unb es muß bieS als eine frembe Srfcfeeinung betrachtet werben. Das Mi[tein bleibt mefere Sage auf ber Dberfläefee; bann wirb ber Urin trübe, es töfen ßcfe Heilte, uuburcfefidjtige Maffen »on Äißeitt los, unb ßnfen auf bett ©runb unb bie Haut, bie ßctj gebübet tjatte Wirb jerßört. Der wefentlicfee Stjarafter bes Urins bei ©djwangerett wirb atfo burd) bie ©egen* i»art bes ßißein bebingr, unb bie Merfmate ber ßcfe bitbenben baut ßnb fo eigen* tfeümlicfe, baß man ßcfe nidjt barin täufdett fatttt. S3isweitett entftefet eine Haut auf ber Dberflädje bes Urins tioit «Patienten, bie an ©djwinbfucfet, Slbfceffeit ober 33ta* fenfranffeeiten leiben; aber ber Unterfdjieb beßefet barin, baß biefelbe erßenS ßdj nidjt fo fefenett bilbet, unb jweitenS, anftatt wie bas Äißem in wenigen Sagen gn »erfcfewtnben, on Dide gunimmt unb ßdj gule^t in eine fdjimmetige Maffe tierwan* «lt. Slußerbem iß bas fefeleimige Slusfetjen biefer lederen Haut tiott bem bes ßißeins t*fer merflidj »erfefeiebett; bies läßt ßcfe fdjwer befefereiben, bocfe ift biefe S3erfdtjtebent)eÜ, »enn man ße einmal feeofeaajtet, leicfet wieberguerfennett. Htm fefeeint im Uritte »on bem erßen Monate ber ©dtjwangerfcfe. aft bis gur Snt* btnbung gu erißiren. M. «Rouffeau bat es fogar in bem Uritt einiger fdjwangeren Wt erfannt. ö 184 ©uttn's Haus-Strgt. (Sttncttjcn uiüfjrcuu ber ©rbmongcrfdjaft. SBäferenb ber erßeit Monate ber ©efewangerfefeaft, »orgüglidj bet bem erßen Äinte Iß es tion SBidjtigfrit, baß fefer wenig Mebigin tion irgenb weldjer Slrt genommen Werbe, ober niemals, außer in bringlidjen gätten. ©egen bas Srbreefeen, Stfürgen ©obbrentten unb anbere ©pmptome ber Untierbauticfefeit, welcfee in ben erßen ^fona« ten gewöfenlicfe auftreten, feefdjränfe man ßdj In ber Diät, brauefee leidjte «Raferung«;. mittel, wie Mildfe, ©emüfe unb feergletcfeen. Ss Iß unjwedmäßig unb fdjäblicfe, ju SBranittwein, Dpium unb anberen «Jüijmütetn feine 3uffutfet gu nefemen, ba ße Ui Uebel nur tierfdjlimmern unb tierlättgern. 3m Slügemeinen wirb ruljiges Viegen auf bem Rüden, fobalb ßdj bie Uebelfeit beS Morgens einßettt unb Sntfealfamfeit tion allen ©peifen für einige ©tunben, bagu reicfeltcfeeS Srinfen tion faltem SBaffer, ben Slnfättett abfeelfen, unb in turgetn wirb ßdj baS Seiben verlieren. Der ©tufel« gaug muß babei burdj gebrannte Magneßa — gelegentliefe tfeeelöffelweife genommen unb mit einem ©lafe falter Simonabe b,inuntergefpült — offen erfealten werben. $ü monatltdje föcimgung ober Menftruation. Das monattide Unwofelfein, tion ben Stergten Satamenia, MenfeS ober «JRenßrua« tion genannt, iß baffelbe, was in tiolfstfeümlidjer ©pradje unter „ben «Jlegeln" »er« ßattben wirb, grauen tiorn tiiergefenten bis gum fünf unb »iergigßen ÜebenSjafere ftnb biefer Slbfonberung einmal monotlidtj unterworfen. Ss iß bie gewöfenlicfee Slnorbnung ber «Ratur unb für bie gortpflangung bes Menfdfeeitgefdfelecfets notfewen- big ; baS entleerte S31ut beträgt fünf bis fecfes Ungett, unb ber gluß feätt brei iit tiier Sage an. Die 3eit beS erßen SluftretenS ber Metiftruatton Iß bet »erfajiebenen grauen tierfefeieben unb tjättgt tioit ber Äörpertierfaffuug ob. 33or bem Grfajeintn bes 53tuteS werben ©efemergen im «Jtüden unb in ben Seinen unb ein ©efüfel bei ©cfewere in ber ©ebärmutter empfunben. Sinige grauen ßnb um biefe 3*it ftü nertiöS unb tjrjflerifct); bei anberen wirb in golge ber Süränberuttgen, bie im S31ute tiorgetjt, bas ©eßcfet gerötfeet unb ße feobett kopfwefe unb ©cfewinbel. Diefe 2w tome ßetten ßefe in größerem ober geringerem ©rabe gewöfenlicfe gur 3*it Ui Steu- moitbes eitt unb tjalten in mandeit gäüen wäbrenb ber Dauer beS erßen S3ierlelJ an. Slufregung, fowofel bes ©eißeS, als beS Körpers, tjat einen mäcfetigen Ginfluf auf bas monattiefee Uitwofetfeitt ber grauen. Monde Mäbdfeen beginnen früfetr gu menftruiren, atS anbere; bieS riefelet ßcb, nadj ben gunttionen beS Äotpeti unb ber Sebensweife. SBenn Mäbdjen in ber HauSfeoltung tfeätig ftnb unb ß4 burefe Saufen, ©pieten u. f. w. Bewegung macfeen, fo wirb bie ©efunbfeeit. Starb unb Snergie bes Körpers bebeutenb gefeofeen, unb bie gunftion beS «JRenftruircnJ getjt gefünber unb regelmäßiger tion «Statten. SBentt bie Menftruation nicht jur gefeörigen 3eit eintritt ober wenn ße in iferem «Verläufe gefeemmt wirb, naebtem«« fcfeon einmal feeßanbeit featte, fo wirb «Bewegung, frifdje Suft, SJeräucrrung t« Umgebung, SltteS, was bem ©eiße «Rufje gibt unb bie 3irfutation genügtnb ante«. um gelinben ©djweiß gu ergeugen, tiott großem «Rufcen fein, um bie natürlidje, mona • lictje Slbfonberuug fe^tiorgurufen. SBie gefagt, bie Menftruation wirb »or ip Die monatliche Steinigung. 485 erßen Srfcfeeinett gewötjnlidj burdj allgemeines Unbehagen, ©dfemergen im «Rüden unb bett Hüften, Uebelfeit beS Magens unb Mop[wet) angefünbigt. S3ei jungen Mäbdjen tierurfadjert biefe gang tteueu uub ungewofenteit Smpßnbun* gen oft große UnbefeagÜcfefeit, unb ße fottten [xdj an ifere Mutter um «Rattj wenben. Die S3rüße fdjwetten att unb werben ber ©iti unangenefemer Srnpffitbuitgen, bie ßd bis ju wirflicfeen ©cfemerjen ßeigern fönnen ; es ftettt ßcb, ©cfewere beS ßopfes ein, mit leidfeten, flopfenbeit ©cfemerjen in ben ©cfeläfett uitb bisweilen ©cfewinbel obet ein ©cfewimmen beS JtopfeS; ferner «Rüdenfdjmergett, ein ©efütjt ber Mattigleit in ben Senben unb ein Drud im Unterleibc. 53ri SSottblüttgen werben biefe ©törun* gen beö regelmäßigen 33eßnbettS getegenttidj tiott «Rafenbtutett begleitet. Der 33ufett »ergrößert ßdj, unb bie gange gigur entwidelt fidj fdjnett. «Racfebem metjr ober weni* ger derartige Smpßnbungett tiorattgegangett, pflegen, bei gefunbett grauengimmern, einige Sropfen einer rötfeticfe gefärbten, blutäfenlicfeen glüfßgfeit aus ber ©ebärmutter ju fommen unb unmittelbar Srletcfeterung gu fcfeaffen, weitit bie Menge auefe gering iß unb bas Stießen audj wenige ©tunben anfeält. Der gewöfenlicfee ©efunbfeeüs* jußanb fefert bann wieber. 3w ungefähr tiier SBodjett erfolgt wieber eilte ätjttticfee «Reibe »ott ©pmptomett, bie bieStttal tiott länger anfeattenbem gließeit unb tion einer ßärleren Slbfonberung bes 33IuteS begleitet ftnb, bie tion kfyt ah periobifefe wirb uub ftaj regelmäßig atte tiier SBocfeen einßettt unb bie Menßruation ober „bie Regeln" genannt wirb. Das (Eintreten unb ber regelmäßige gortgang biefer Slbfonberung iß bei jungen grauengimmern gur Srtjattung ber ©efunbfeeit wefenttiefe; bie SebenS* periobe iferer erßen Srfdjeittuttg iß eilte früifdje uub erfeeifdjt bie ©orgfalt unb Stuf* merlfamfeit ber Mütter. Sind »erfajiebenen ©rünbe« tann biefe ber ©ebärmutter gufommenbe guitftiott ausbleiben, obgleicfe bas Sllter, wenn ße erwartet werben muß, tiottftänbig erreidjt tß. 6s fann fein, boß, ofewofet ber SluSfluß angefangen ober einmal ßattgefunbett feat, mefere Monate feingetjen, etje er gum gweiteu Mate erfdjeint. 3n fotdjen gätten, wenn bas grauengimmer ßctj in jeber anberen 33egiefeung einer unuitterbro* efeenen guten ©efunbfeeit erfreut, iß fein ©runb gur 33eforgniß; auefe fottte fein (Eingriff in ben Sauf ber «Ratur tierfuefet ober geßattet werben, fo tange bas 3lttge< meinbeßnben gut bleibt. Slber ba biefe monatlidje Slbfonberung für bie Srtjattung ber ©efunbfeeit in biefer SebenSperiobe unerläßlidj iß, fo fantt ße nidjt tiiele Monate lang jurüdgefealten ober uuterbrüdt werben, ofene metjr ober weniger bem Sittgemein* beßnben ju fdfeaben unb tiietteidjt bie konftitution gu untergraben. SBenn biefer Sluäfluß unterbrüdt iß, in anberen SBorten, wenn bie ©ebärmutter nidjt ifere natür- licfeen gunftionen oerridfetet, fo folgt bei jungen grauengimmern oft eine iRellje »on ©pmptomen, bie gewöbnlidfe iit bem ÄtattltjeüSgußanbe ettbett, wetdjett matt b i e SSIeidjfucfet ober Stjlorofe genannt tjat. SBenn bieS ber gatt iß, fo i»irb bas Mäbdjen bleidtj ober tion einer grüntietjen S3täffe, unb bas ©eßdjt wirb mefer ober weniger aufgebunfen. ©ie fütjlt fdjwadj, ßumpf unb fdjläfrig; ifer ^agen tß in Unorbnung, was ßdj burd) faureS Stufßoßen, SStäfeungen unb gele* gentlidjes Uebelfeitt unb Srbreefeen geigt; ße leibet an Hergflopfen unb fcfelüßlid) toirb bas «Reroenfpßem afßgirt, was ßdj oft bis gu Stttfättett tiott Melandjotle ober Srübftnn ßeigert. 3fere güße unb Slnfelgelenfe fcfewetteit Ijäußg an, befonbers gegen «Racfet — ein 3eidjen ber «Reigung gur SBafferfudjt; oft ßnbet ßd) ein franf* feaftes Verlangen nadj unnatürlicfeen ©peifen, wie Setjm, treibe unb bergleidjen. 486 ©untt's H^us-Slrgt. Der ©tufelgang iß gewöfettllcfe, tierßopft, biswellett mit Selbfcfemergett; unb wenn bem abnormen 3ußanbe nicfet geßeuert wirb, fo wirb leicfet bü Sunge angegriffen unb bie ©runbloge gur ©djwinbfucfet gelegt. SMswelten wirb bas ©eßdt plöfrlla) gerötfeet, unb eS ßettt ftcfe ©cfemerg unb ein ©efüfel ber ©cfewere im Jiopfe, fowt» ©djmerg im «Jtüden unb in ber ©egenb ber ©ebärmutter ein. Diefe ©pmptome inbeffen ftnb Slngeicfeen, baß bie «Ratur ßdj bemüfet, bie Slbfonberung gu ©taute ju bringen unb fottten burefe bie geeigneten Heilmittel, wie fpäter tiorgefcferiebtn werben wirb, unterßüjü werben. SBenn bie Unterbrüdung länger anfeält, fo nimmt bie Haut gulefct rine bunfle grünlid)*gelbe garbe an ; ber Sitfeem wirb furg unb bei bet geringßen Slnßrengung befdjleuntgt, uub bei bem leicfetefteit ©djreden wirb bie größte Stufregung empfunbeit; baS ©etnütfe wirb ättgßlicfe unb tierßimmt unb fonßige fepfterifefee ©pmptome ßettett ßdfe eitt; nidt feiten folgt bann attmätige Slbmagerung, bte in ©cfewinbfudfet, SBafferfucfet unb Sob enbet. «Bisweileit werben folefee gätte gurüdgefealtener ober unterbrüdter Menßruation burefe einen urfprüngltdjen gefeter in ber Äörperbitbung ober einen franffeafttn 3ußanb ber Drgane, ber bie ©ebärmutter att ber SluSübung ber ifer gufommenben Sfeätigfeit tierfeinbert, tierattlaßt; aber in ben meißen gätten wirb man ßnben, baß Srfältung, noffe güße, feudjte Suft, Unterbrüdung ber Slusbünßung unb btrglei« cfeen, gu ber fritifefeett 3eü, weitit bie Menßruatioit im ©ange iß ober eben beginnen will,' bie Haupturfadjen bilben. SluS Mangel an geeigneter ©orgfalt ober SJorßcfet, nicfet feiten aus bloßer Unwiffenfeeit, wirb bie Menftruation burefe naffe Süße obet irgenb eine anbere Strt ber Srfältung plöfcliefe, gum Sluffeören gebradjt, fo baß ti feäußg tiorfommt, baß fte bei ber nädjßen monattiefeen «periobe »öttig unterbrücft iß. SBentt biefer 3ußanb tieritacfeläffigt wirb, fo fattit bte Unterbrüdung fortbauern, bis ßcfe bie als Sfelorofe ober «Bleiefefucfet befanttte kranffeeit tioüßänbig entwidelt feat. Diefe kranftjeit tann gu irgenb einer 3dt feerbeigefübrt werben, felbß nod' bem bie «Reinigung ober Menßruation [djon längft im ©ange unb feit 3afercn regelmäßig war; in fotdjen gälten wirb man gewöfenlicfe ßnben, baß ße »on Crfal« tung gur ungeeigneten 3ett, woburdj ber Slusßuß gefeemmt, uttb fpäterer unjwecN mäßiger S3eb,aublung b,errüfert. Saufenbe tion Menfdjettlefeen werben jäferltcfe burd) Unwiffenfeeit ober Unadjtfamfeit iit 35ejug auf biefen wtdtigen ©egenßanb elenb gemadjt! «Bisweiten fönnen tiietteidfet mefere Monate feingefeen, ofene baß ßcfe eine ©pur »on «Blut ober Slusßuß geigt uub bie allgemeine ©efunbfeeit fann babei burefe* aus nidjt ernfttiefe angegriffen fdjeinen; aber unfefelbar werben nad) langer« •» fürgerer griff foldje Dbftruttionen, wenn nidjts bagegen gefefeiefet, bet £otp«»ttt«l' funa ©ctjaben üjun uttb bett ©runb gu unheilbaren kranffeeiten fegen. «8 e fe a tt b l u n g. - gür gewötjnlidj, wenn bie Menßruation in tegelma&tgn unb gefuttber SBeife tiott ©tauen getjt, iß teilte mebigittifdje S3efeanblung ni»**«' big. SS ift eine natürlidje Sibfonberuttg, bie feiner fünftlicfeen Stngrtjc>.Mh SS ift inbeffen immer notfewenbig, wätjrenb ber «Periobe bie gehörige■ W? ** Srfältung, «Raffe u. f. w. gu beobaefetett; nnb eS mag oft ratfefam fein, bie burefe jwedmäßige, miibe Mittel in iferer Sbätigfeit gu unteren - 3«* w burdj gußbaber, bie am beßen beS SlbenbS »or bem ©cfelafengeben 8en0OTWt" ben, unb burdj baS Srinfett warmer Slufgüffe tion läutern, bie eine ™"tn'^ , rmeitßruationS*beförberttbe) SBirtung taten, als ba ßttb: Polet oberj » ^Pennyroyal), ©altiei, «Rainfarn (Tansy) u. f. w. Sind) ein Slufguß »on M Die monatliche Steinigung. 487 obr: oon bem Sb, ompfon'fcfeett ßompoßtionSputtier (ßetje unter ben «Jtegepten) iß gut. Diefe Mittel werben tjäuftg ber «Ratur nadjfeelfert unb gteicfegeüig etwaige Srfättun* gen aus bem Körper treiben. Ss lommt inbeffett tior — befonbers bei manefeen grauen — baß biefe natürlidje unb notfewettbige Slbfonberung nicfet fo leicfet tior* übetgefet, fonbern mit foldjett ©djmergen ober fo übermäßigen «Blutungen tierbunben iß, baß fie ber Periobe jebeSmal mit ber größten gurdjt entgegen feljen. Diefe Slnomalü nennt man : Dpsmettorrtjoe ober fdjwere Mettßruatiott. Ss iß bieS etnfadj, was ber «Rame befagt, eine mottatlicfee Steinigung, welcfee oon 6etfel in einer fronffeaften Sfeätigfeit beS Uterus ober ber ©ebärmutter, bie aus tierfdjte* benen SJerattlaffuttgen etttßanbeit fein mag. Sei eittigett grauen fefeeint bies mü iferer gangen Äörperoerfaffung gufammengufeängeit unb iß, wie anbere jtranffeelts* anlagen, erblid); es iß Sfeatfadje, baß in mandjett gamilien, wäferenb meferer auf= einanber folgenber ©enerationen, atte grauengimmer wäbrenb ber monatlidfeen Periobe mefer ober Weniger leiben mußten. 3n folcfeeit gätten iß ätgtlidje SSefeonbtung nottjwenbig, unb es fottte bamit tior bem Sintreten ber Mettßruatiott begonnen werben, ober wenigfteitS, fobatb ßd) bie anfünbigenbeit ©pmptome bemerftiefe madjett. Die güße fottten in warmem SBaf* fer, fo feeiß, wie es ertragen werben fann, gebabet werben; ein warmes Hüftbab, WeltfeeS man itefemett fantt, iitbem man ßctj iit eilte große SBatnte tiott SBaffer, baS fo feeiß als mögliefe fein muß, fe£t, ift nocfe beffer. Slnbere Mittel muffen gebraucfet werben, um ben ©cfemerg uttb baS Seiben wäferenb bes SlnfatteS gu milbertt. Sin fräftiges SlbfüfermUtel fottte genommen werben, fobalb ftcfe bie erßen ©pmptome jeigen. Ss fottte bies bie erße ©orge fein, golgenbes «Jüjept iß tjiergu befonbers jwedmäßig: mon netjme Slloe unb ©ummigutt, putüerißrt, tion jebem breißig ©ran; Pobopfepttin, gwangig ©ran; Sapettite, gefeit ©rait; feieraus ßnb mit (Sutnmi Slrabicum ober Söwengofett*Srtraft brrißig «Pitteit gu madjett; bie Doßs iß brei piüen. ©ewöfenlicfe wirb eine fefe, nette unb grünblicfee SBirfung auf ben ©tut) 1= gang erfolgen; außerbem tjat bieS Mittel eine« befonbers wohltätigen Sinfluß auf ben Uterus. Nacfebem bie Pillen gewüft tjaben, braudje man, um bie ©dfemergen gu ßitten, außer bem guß* unb Hüftfeabe, warme Äräuterumfcfetäge auf ben Unterleib, tion Wen, «Jtainfarn, ßa^ernnünge, Stnborit, SBafferboßen, «polet, Sßafferpfeffer, ÄfcmlÜen unb bergleidjen; ober man lege glanetttüdjer auf, weldje itt Ijeiße ^blodjungen biefer Kräuter getaudjt ßnb. SBentt man bie Kräuter nidjt bei ber $ftnb feat, fo brauefee man, als bas ttäcfeßbeße Mittet, iit tjeißes SBaffer getauebte elanetltüdjer, bie fo beiß aufgelegt werben muffen, als es irgenb ertragen wer* ben fann. fca&ei braudje man folgenbe «pitten: $ampt)erpultier nnb Macrotin, tiott jebem breiig ©ran; Specacuantja, Sapettite unb Dpium, gepultiert, tion jebem fünfgetjn ®w«; feieraus madje man breißig «Pillen mit tin wenig 23lffenfraut*Srtratt ♦ tit 488 Ounn'« Haus-Slrgt. Doß« iß eine «Pille atte gwei bis brei ©tunbeit, ober weniger oft, je naefe ben ©■'^iptomen. golgettbe Mifefeung iß ebenfalls gu empfebün: 23albtian-Sinftut, Cuputitt* (Hopfenmetjlj Sinftur unb ©efewefetätfeer, tion jebem eine Unge; Äampfetr« Eüiftur unb Saubanum, tion jebem eine fealbe Unge. Dofis, ein Ifeeelöfftl »oll ßünblicc) ober gweißünblidtj, fo lange bie ©cfemerjen feeftig ßnb. Dies fann mil tir^s warmem Äamitter.*, glieber* ober «Poleitfeee genommen werben. SBenit ber Sinfatt tiorüber iß, fo fottten wäferenb ber 3rolfcfeengeit bis gur naefeßtn $;.riobe bie geeigneten Mittel gebraucfet werben, um fo oüt als mögliefe bie ©cfewlt* iiaütt gu entfernen ober bie Heftigfeit beS folgenben SlnfatteS gu milbern. Sin guter, fräftigenber 33itter, weldjer etwas fofelenfoures Sifen entfeält, Iß ju empfefe« Lr.. golgenbes iß ein gwedmäßigeS «Jtegept: Man nefeme gemeine «Rarbenwurgel, Sautopfepttumwurget, SBottwurg, »on jebem rine Unge; 331utwurget,.©affofraSrtnbe, kamittenblumen unb 3amaicapfeffet, »on Jt'oem eine fealbe Unge, unb eine Musfotnuß; alles bieS muß puloerifirt ober wenig» {uns grob gerßoßen werben. Dann tfeue mau es iit ein ©efäß unb gieße focfetnbrt SBaffer auf, gerabe genug, um es gu bebeden, etwa eine «Pinte; bann rüfete man um, bebede es unb laffe eS bis gum ^oltwerben ßefeett; bantt tfeue man es in eine glafcfee unb füge ein Quart Mabeira*SBein uttb gwei Ungett fofelenfaure« Sifen feingu ; nadj tiier unb gwangig ©tunbeit iß es für ben ©ebrauefe fertig. DoßS: tin Ms gwei Sßlöffel tiott, breimal täglicfe. SBenn bie Mlfdjttng eine SBodje geßanbtn feat, fonn fte burefegefeifet unb ausgepreßt werben. SBenn man ßcfe etwas Patttibge« bertp («Rebfeufenbeere, Mitcfeettaj tierfefeaffett fann, fo wirb es gut fein, ein Ui jwei Ungett bation, grobgepultiert, ber Mifdjung feittgugufügett. ©leidjjeitig brauefee matt folgenbe «piüen: Mafrotin, eine Dradjme; kampfeer, Specacuanfea unb Sfeiniit, je breißig ©ran; tjüraus maefee mon fedfejig Pillen mit etwas «Bilfenfraut^Sriraft — gerabe genug, um eine «Pittenmoffe gu bilben; Doß«: eine «piüe, gweimal täglicfe, SlbenbS unb Morgens. Der ©tufelgang muß offen unb regelmäßig erfealten werben, Inbem man gttegent« liefe eine Doßs guter tiegetafeitifefeer Slbfüferpitten nimmt. Der gonge Körper fofltc täglicfe gut gewafcfeen unb gerieben werben, um bü Haut in gefunbem unb fräftigem 3uftanbe gu erfealten, ba fefer tiiel tion einer freien unb gefunben Sfeätigfeit ber SütSfeünftungSorgane abbängt. SBenit bie monatlicfee «periobe wieber feeranfommt, [o weitbe matt baS gegen Slnfatte ber Dpsmenorrfeoe empfohlene 33erfaferen, je naefe ben Umßänben metjr ober weniger energifdj, an unb befolge bantt wieber bit alt 3wifdfeenbet)attbluitg angegebene Metb,obe. Menorrljagie. 3m gatte eines übermäßigen glüßens beS monatlicfeeit S3IuteS, »on ben Slerjten Menorrhagie genannt, brauefee man, um ben Slusßuß gu feemmen ober feinen W> rafter gu tieränbern, folgenbe Mittel: man nefeme gwangig ©ran btapfeorctiicbe« kultier (ßefee unter ben «Rejeptettj mit etwa gefeit ©rait ober ber Hälfte Gaptnnt« Pfeffer uitb wieberb,oie bie Doßs atte gwei bis brei ©tunben; gfeiebgeitig trtnft man reidjlidj einen Slufguß tion 3immetrinbe ober tion 3i"tmet unb Htmbeerblattern. Sin Slufguß ober Sbee tion gleiefeen Seiten Srittiumwurgel, SaulopfepHum un ©ternwurg, eine b,albe Unge ber Mifefeung gu einer $inte foefeenben ®fl,,erJ' ebenfalls gut unb itt fätimmett gätten eines ber beßen Mittel, bas gefunben tttret Die monatlidtje SReittigtttt g. 489 fann. Sine Pinte biefeS SlufguffeS fantt im Saufe beS SageS tierferaudtjt werben, wäferenb man gleidfegeitig bie biaptjoretifefeen «Pultier mit Sapennepfeffer gebraucfet. SBenn man bie biapfeoretifdtjen «Pultier tticfet bei ber Haitb feat, nefeme man 3peca* cuanfea jefen ©ratt, Dpiumputöer fünf ©ran unb Sapenne fecfegig ©ran, mifefee gut unb tfeeile itt gefen Pultier, tion benett eittes atte gwei bis brei ©tunben, fo lange es notfewenbig erfdeint, gu netjmett iß. Sin reidtidjes Srinfen bes obenerwäfenteit (Sfeompfon'fcfeenj ÄompoßtionstfeeeS iß ebenfalls gut. Der ßwtd bes Sapenne* Pfeffers iß, boS arterielle ©pftem gu reigen uub gu erregen, unb wäferenb baS Dpium unb Specacuanfea auf bie Haut wirfen unb bie kapillar* ober flehten «Blutgefäße erweitern, treibt ber Sapennepfeffer bas SBlut nactj ber Dberfläefee uub befreit fo bie ©ebärmutter »on bem Stnbrattge beffelben. SBallwurg in füßer Milcfe gefoefet unb gelegentliefe fealbe «pintett=weife getrunfen, r ebenfalls ein gutes Mittel, um gu reidücfeer Menßruation Sinfealt gu tfeun. fein puloer, beßefeenb aus gleictjen Stjeilen ©atpeter unb Sltaun, fage einen Sfeee* löffet »on jebem, in fedjs gteidj große «Puloer getfeeilt, oon betten gwei* bis »ierßünb* liefe eines jtt nefemen ift, wirb ebenfalls empfofelen. Sluefe eine Sibfodjuttg ber 23rom* beerwurjel ift gut, fowie irgenb ein anbereS oegetafeitifdeS Slßringatts. Man fann babei falte Umfdjläge auf bett Unterleib unb bie ©efdjletfetsttjeife macfeen unb in ertre* men gätten Sinfpri^ungett in bie ©efeeibe mit faltem SBaffer ober einer fatten Sllaunlöfung macfeen. Slber es iß feiten, baß berartige fräftige Maßregeln nötfeig werben, befonbers wenn ber Patient bei guter ©efunbtjeit ober tion robußer ober vollblütiger Äörpertierfaffung iß. Slmettorrtjöe. Das feeißt feine Menorrfeöe ober uttterbrüdte Menßruation. 3n bem Slbfefenitte ber «Jüjepte werben oerfdfeiebette Mittet gegen jurüdgefealteneS ober unterbrüdteS monatliajes S31ut gefunben werben, gür atte gewöfenlidtjen gälte ausbleibenber Menßruation X)abe idj nicfets beffer gefunben, ats eine Slbfocfeung beS gewöfenliefeett Sifenfrautes (SiSerfeorb). Dies Mxaut wäcfeß faß überall unb ift bei ber Saitb* beöötferung allgemein befannt. Man nefeme eine Hanbtiott ber SBurjeltt, reinige gut, jerquetfefee unb fode einige Minuten in einem Djuart SBaffer uttb laffe tjiertion ben Patienten eine fealbe Stjeetaffe tiott brei* bis tiürmal täglicfe trinfen; es mux) bamit einige Sage tior bem erwarteten (Eintreten ber Menßruation begonnen wer* ben. 3cfe feabe bies Mittet nie fefelfcfelagen fetjen. Dber man fann eine ßarfe bittere Sinftur batiott mit 33rattntwettt, SBfeisfp ober ©itt madjett unb biefetbe in Sßlöffelbofett, brei* bis tiiermat täglid), gebrauchen. SBentt man eine Sinftur baraus bereitet, fönnen anbere gute Slrtifel bamit üerbunben werben, golgenbes iß eine ausgejeiefenete gormel: man neb, me Sifettfrautwurgel, eine gute Hanbtiott, reü nW gefeörig unb gerfefeneibe ße in fleine ©tüde ober gerquetfefee ße; Slloe eine Unge; 3immet unb Samaicapfeffer, oon jebem eilte tjatfee Uitge; eine geriebene Musfot* n«ß unb jwei Drad)men ©ofrait; guten SBtjisfp ober SSranntweitt ein Djuart; man laffe einige Sage lang fletjen unb netjme bann einen Sßlöffel tiott brei* bis »iermal tägtiefe. Dies wirb ßcfe als rin trefflidjes Mittel erweifen. Söenn bie erwartete 3eit ber Menßruatioit tjeranfommt uttb bie «Ratur ßctj gu bemäfeen fefeeint, ße gu ©tanbe gu bringen, — weldjes ßctj burd) ©pmptome wit kopfwefe, ©efemergenim Mden, in ber Senbengegenb unb in ben S3eitten, Mattigleit, 490 ©unit's Haus-Slrgt. bteicfees StuSfetjen mit getegenrlidjem plöjüidjem Srrötfeen ber SBangen, teijban ©timmung, launenfeaften Slppetit u. f. w. funbgibt — fo foüten unoerjüglicfe nod) anbere Mittet angewenbet werben: feeiße gußbaber; ©ifcen über Dämpfen »on fjeißem SBaffer ober tioit Äräuterabfodfeungen; reicfeliefeeS Srinfen menßruationebcför« bernber Slufgüffe tion Polei, 3ngwer, «Jtalnfartt ober «Jtaute, ober »on bem ifeomp. fon'fcfeen Äompoßtionspultier, mit einer gleidjen Duontität wilben 3ngwer«; bti tierßopftem Seibe muß ein fräftiges SlbfüfermUtel genommen werben,- beßefeenb a\u Slloe, ©ummigutt unb Sntenfußwurjel ober Pobopfepttin, wie es bei bet Dpa« menorrfeöe angegeben würbe. Man fann audj eine Mifefeung bes ätfeerifdjen cabina« (©abebaum*) unb Sanacetum* («Jtatnfartt*) DeleS macfeen unb baoon fünf bid jtpn Sropfen gweimal täglicfe nefemen, inbem man etwa gefen Sage »or ber 3eit, baß bie «Periobe eintreten fottte, bamit beginnt. Sljlorofe ober Sleldjfudfet. Diefe kranftjeit, welcfee aus längerer Unterbrüdung ber Menßruation entßebt, iß weiter oben itt biefem .Kapitel befdjriefeen worben, unb es bleibt nur übrig, bie geeignete ^Befeanblung angugeben. Düfelfee tritt, wie gefogt, gewöfenlidj nur bet jungen Mäbdjen auf unb fann einer Unfäfeigfeit ber «Ratur, bie Menßruation »ofl« ßänbig gur Sntwidelung gu bringen ober im ©ange gu erfealten, gugefcbricben werben, ober, was meißens ber gatt Iß, bas Mäbdjen iß in biefer iferer fritifcfeßen SebenSperiobe tiernaefeläfßgt, refpeftue uugwedmäßig befeanbelt worben. 3n gäflen biefer Strt ßnb Mebiginen, weide bie Menftruatioit ergwingen ober gewattfamefimmt« nagoga nicfet fo angebracfet, wie itt gätten geüweittger ober plö^llcfe entßanben« Unterbrüdung; wenigßens bürfen ße nicfet ben erßen unb tjauptfädfelidjen Sfeeil bet 33efeanblung ausmaefeett, fonbern erß nocfe Slnwenbung anberer, bas Slügemeinbeßn« ben tierbeffernber unb ßärfenber, Mittel ober tiereittt mü benfelben gebraucfet werben. Die ganje Äörpertierfaffung unb bas «Reroenfpßem ßnb tjier gewöfenlicfe bebeutenb gefcfewäcfet, bie fämmttidjen weifetidfeett ©efefeleefe^tSorgaite finb in Unotbnung, unb faß in allen gätten iß ein Mangel an rotfeen S3iuttfeeitcfeen In ber 3irfuiation. Sonifdje unb ftärfenbe Mittel, tiorgügtid) Sifettpräparate, ßnb feier angebracfet unb banebeit ein attgemein träftigenbeS Skrtjatten: «Bewegung, frifdje Suft unb geeig- nete «Pflege ber Haut; wentt es ßcfe macfeen läßt, fo ßnb «Reifen, SSeränbcrung Ui DrtS unb ber Umgebung befonbers öorttjeitfeaft. SMel Bewegung im greien, j. 53. ©pagiereitreiten uub täglicfee SBafcb,uttgeit beS gangen Körpers mit fräftigem Sei- ben ber Haut, ßnb oon ber fjöcfeßen SBidjtigfrit. 33ott innerlicfeen Mitteln finb fol- genbegu empfetjlen: Mprrfeeit*Siitftur, SUoe*Sittftur, 33lutwurgef*Sinftut, faljfaure Sifentinftur, je eilte Unge; mifdje unb brauefee einen Sfeeelöffel »ott breimal täglicfe. gerner folgenbe «Pillen: man netjme Sifenfufptjat (gepultiert unb ber Suft ausge- fegt, bis es weiß wirb), eine Dracfeme; Sfjittüt unb Mprrfeen, je bteißig ©tan; «pobopljpllitt, gwangig ©ran; madjt tjierauS fedfegig «Pillen mit Snjian^rrraft; Doßs: eine «Pille Morgens unb SlbenbS. SBentt bie «pitten gu ßart auf ben etub> gang wirfen fottten, fo netjme man nur eine täglidtj, ober fefce einige Sage bamit au*. «Radbem obige Sinfturen eine 3ett lang—fage gwei bis brei SBocfeen ^inlurd>"~ gebraudjt worben ftnb, mag ßatt beffett ebenfo lange fotgenbes Mitiel 8rtra8*?^ bett, unb fo abwedjfelnb: matt ttebme ©uajatfearg, tiier Ungen; P«^ 3amaicapfeffer, eine Uttge; guten SBfejsf», rine Dlnte; matt laffe es jwetitw geljtgefeurt. 491 lang ßefeen unb neben, inbem man es eitt* bis gweimal tägtiefe, umfdjüttett; bann feifee burdfe unb füge jwei Dracfemen 3obfali fjütju, bie gutior in einer Unge SBaffet aufgelöß ßnb; Doßs: ein Sfeeelöffel tiott, breimal täglicfe.. gotgenber ßärfettbe 93üter wirb nocfe gut befunbeit werbeit: matt tüfeme je eine Unje ©iadjetefdfeettrtnbe, SBitbfirfdjenrinbe, ©ettegawurjel unb «Rarbeitwurgel unb je eine fealbe Unge ^Rainfarn, Äamitteitblumen, 3amaicapfeffer unb beße Slloe (Socotrine); gerftoße alle biefe Slrtifel unb gieße eine «pinte focfeenbeit SBafferS auf unb laffe über «Racfet ßefeen; bantt tfeue SltteS gufammen in eine glafcfee unb füge ein Quart guten feottänbifcfeett ©in (©eneoer) ober guten SBfeisfp feingu. DofiS: ein fealbes SBeingloS oott breimal tägtiefe. Dies «Präparat iß »orgüglicfe nüjüidj bei biefen unb bei äfenlldjett Seibett. Matt befolge bas tion mir angegebene 33erfeal* ten, unb, wenn eS auefe Monate erforbern mag, fo wirb bocfe Heilung erfolgen. SBenn ßd ©pmptome einßettett, welcfee bas Heranttafeeit ber Menftruation angei* gen, wie Äopfwetj, Mattigleit, ©djmergen im «Jtüden unb iit ben Settbeit u. f. w., fo wirb es ongemeffen fein, Mittel gu gebraudjett, wetdje bie «Ratur utüerftüijett fönnen: warme 33äber, feeiße Umfcfeläge oon bittern Kräutern unb warme, fefeweiß* treibenbe unb menßruatiottSbeförbernbe Slufgüffe, wie ße bereits angegeben finb. $ c 1) 1 rj c fe u r t. SBenn eine ©djwangere ifer Mint tior bem ßebentett Monat nadj ber Smpfängniß, alfo »or ber «Jüife unb Sebeitsfäfeigfeit beffelben, tierliert, fo nennt man bieö Stbor- tion ober gefelgeburt. «Racfe biefer «Periobe wirb es eine grübgeburt genannt. Das Slbortiren iß immer mü ©dfemergen unb ©djwädjung tierfeunbett, außerbem, baß baS ßinb gu ©runbe gefet, unb iß oft eine fefewere Heimfudjung für bie Mutter. Ss fann gu irgenb einer 3eü ber ©efewangerfefeaft ßattftnben; aber gu beßimmtett «Perio* ben iß größere «Reigung bagu tiorfeanbeit. Matt nimmt im Slttgemeineit an, baß bieö gur 3eit ber erßeit Menßruation nadj ber Smpfängitiß, bann itt ber gwölften SBodje unb gegen ben ßebentett Monat tjitt iß. ßu attett 3riteit, welcfee ber Men* ßruationsperiobe eittfpreefeen, iß bie «Reigung bagu größer, als in ben 3wifefeengeiten. Sßenn einmal eine gefelgeburt ßattgefunben tjat, fo tritt ße gum gweiten Mate leid)* ter ein; mandje grauen ßnb fo ftarl bagu geneigt, baß ße nie über eitt gewiffes ©tabium ber ©djwattgerfd)aft bütauSfommen uttb battn regelmäßig abortiren. Die Urfacfee bagu mag in ber Äörpertierfaffung ber ©efewangerett liegen — in reigbarer Scfewäcfee, ober übermäßiger SSottblütigfeit, ober einem franffeaftett 3ußanbe ber ©ebärmutter; — ober bas Mint fantt fterben ober tiott mangelhafter Sntwidetung fein, fo baß es wie eine tierborbene gurdjt auSgeßoßen wirb. Das ©äugen, nadj* bem Smpfängitiß ßattgefunben, ift nicfet feiten eine Urfadje tion gefelgeburten. Hcf* tige kranffeeiten wäferenb ber ©efewangerfdjaft, gieber, Sntgüitbuttgetv SluSfdtjtagS* franffeeiten u. f. w. bringen faß unfefelbar eine Slusßoßung bes Snljaltes ber ©ebärmutter feertior. Slntjaltenbe Diarrfeöe unb bie SBirfungen ßarter, purgirenber Mebiginen, tiorgügltcfe folefeer, weldfee Slloe enthalten, ßnb gefäfjrlld- ©djwangere feaben jeben ©runb. ßdfe tior atten als Slfefütjrmütet angegeigteit („«patent*") £uad* falbermebiginen gu feüten, ba faß atte tiott Slloe ßnb unb äußerß nadjttjeilig fein tonnen. Sitte ungefeörige S3ewegung ober Srreguitg beS ÄörperS ober bes ©eißeS, 492 ©unn'S H aus* Slrgt. plö^ttcfee Slnßrenguttgett, fdjwereS Heben, ©pringett unb Saufen, Suiten im Slnfange ber ©djwangerfdfeaft unb gaferen in einem rüttelttben SBogen in ben legten Labien berfelben, alles bieS fantt gefelgeburt gur golge baben. Dagu fann man nocfe jebe Stnßrengung erwäfenen, bei weldjer bie Slrme über bett .Hopf erfeobcn werben muffen; Hartleibigfeit, fo baß beim ©tufele ßarfeS Drängen erforberliefe iß; über« mäßiger ©efdjledjtSgenuß uttb üppige SebenSgewofenfeeitett. Diejenigen, welcfee einmal eine gebtgeburt erlitten feaben, fottten bri folgenben ©dwangerfefeaf. ten befonbers tiorßdjtig fein, unb Sitte fottten bie Möglidjfeü eines foldjen Unfälle« bebenfe«. Die ©pmptome brotjenber gefelgeburt ßnb bei tierfdjübenen Äörper»erfaffungtn »erfefeieben. S3ei ßarfen unb tiottblütigeit grauen gefet oft ein gröfieln unb ein ßeberfeafter 3uftanb tiorfeer, unb fte empftnben ein ©efüfel ber ©cfewere im Unter« leibe. S3ei ftfewatfeen grauen ßettt ßcfe Mattigleit, ©cfewädje, ©dfelafffeeit ber S3rüße, allgemeine Sntfräftung unb ©djmerg im «Jtüden unb in ben Senben ein. Slb unb gu fommenbe SBefeett uitb blutiger Slusßuß aus ber ©efeeibe geigen, baß ber Projtß begonnen feat. SBenn bie gefelgeburt Innerfealb bes erßen ober gweiten «DünaM naefe ber Smpfängniß ßattßnbet, fo fann ße ntit fo wenig ©törung beS allgemeinen 33eßnbenS tior ftcfe gefeen, baß man ße irrtfeümticfe für bie Sßieberfetjr ber regelmäßi- gen Menftruation fealten mag; bodj meiftenS madjt ber feeftige ©djmerj unb bie Sntleerung ungewöfenlicfeer 33lutftumpen ben gatt flar. Der ©cfemerg, ber Slus« fluß unb bte ©efafer bei bem Slbortiren ßefeen im 33erfeältntffe ju ber mefer obet weniger tiorgefdferitteneit Perlobe ber ©efewangerfefeaft. Söenn eine gefelgeburt beginnt, fo werben bie SBefeen immer ßärfer unb feäußger unb featten, ebenfo wie bie Sntleerung ßüfßgen ober geronnenen 331uteS, an, bis baS D»um obet bie etße ©eftattung beS unreifen .KinbeS auSgeftoßen iß ; barauf werben ße mäßiger, Ut ße attmälig gang anffeören, unb an ©teile beS S3luteS ein farölofer SluSfluß tritt. ßd ift fefer widjttg, baß biejenigen, welcfee ben «Patienten befeanbeln, jeben abgetjenben Stumpen unterfudfeett; wenn ein fotdjer befonbers groß iß, fo muß er auSeinanber geriffelt werben, bamit man gewiß fei, ob ber 3ntjalt ber ©ebärmutter auSgeftoßen iß ober ttiefet; beim wenn eine getjlgeburt ßattßnbet, fo iß feine ©iefeerfeeit unb «Jtufee, bis fte tiollftäubig beenbigt uub Stiles, was gum götuS gefeört, entleert ift. ©obalb eine ©djwangere merft, baß eine gefelgeburt broljt, fottte fte ftcfe fofort ju IBette legen, unb gwar auf eine Matrarie, unb ßcb gong ßitt »erfealten, bia \tUi beunrufeigenbe ©pmptom werfet)wuttbett iß; biefe einfadje Maßregel, wenn ße nur fdfeleunig genug befolgt wirb, iß bisweiten feinreidjenb, um ben brofeenben Unfall abguwenbett. SBenit ßdj ein tierbädjtigeS ©efüfel beS DrudeS unb ber SSoHtjeit ein* ßettt — befonbers bei grauengimmern, bie überfeaupt tiottbtütig ßnb — fo follten adjt bis gwölf S31utegeltt att ben Slfter ober ben Damm gefegt werben; wenn gieber iß, fo fottten leicfet abfütjrenbe ©alge gegeben werben, wie gum 53eifpiel ber gewöfen- licfee 33raufetranf, aus fotjtenfaurem «Ratron unb SBeinßeittfäure ober Stttontnfaßj wenn ber Seib fetjr tierßopft iß, gebe matt eitt ©eibli^putoer unb feefötbere bie 2ßtt> lung, wenn notfewenbig, mit falten ßlpßüren. SBenn bie ©djmergen feeftig ßnb. befonbers bei fdwadfeen unb reigbaren «perfonen, fottte man gwangig bis bretßifl Sropfen Saubanum geben unb biefe Doßs nacb, einigen ©tunben wiebetfeolen, wenn bie ©pmptome ßdj nicfet beffern. 3m gatte reidj licfeen SluSßuffeS barf ber SJattent nur leidjt bebedt werben; jebe 33eweguitg muß tiermieben unb atte Sptiftn un getjlgeburt. 493 ©etränfe muffen fatt, wo mögliefe, mit SiS, genoffett werben — wentt nämlicfe bie SebenSfräfte nocfe niefet gu fetjr gefunfett ßnb. Dabei muffen Südfeer, bie in faltes ober Siswaffer getaudjt ßnb, auf ben Unterleib gelegt unb feäußg gewedfefett werben; als ©etränf eignet ßcfe tiorguglicfe rine Söfung tion Sremor Sartari ober fonßige fäuerlidfee glüfßgfeiten, bie reidjlidj genoffett werben mögen. Man fantt auefe gefeit bis fünfjefen Sropfen ber oromatifdjen, oerbünrtten ©djwefelfäure (Slirir SSitriot) In einem SBeinglafe tiott SBaffer, atte gwei bis brei ©tunbeit, geben. SBenn ftd) leiefete Dfenmadjten eiitßetteit, ift es am beßett, nicfets anbereS, als äußerlicfee Mittel, wie kampfeer, S3efprengungeit mit faltem SBaffer, Sfßg unb bergleidjen bagegen anjuwenben. Doefe wentt bie ©cfewäcfee rinen ©rab erreidt, ber bas Seben gu bebrofeen fdjeint, muß man fofort feine 3ufluefet gu ßarfen «Jüigmittettt, Wie S3ranntwein, Sogttac uttb fdweren SBeineit nefemen. Sin reicfelicfeer unb anfeat* lenber SluSftuß tierurfoefet, wentt er audj bas Seben nicfet bebrofeen fottte, eine ©cfewäcfee, gu beren 33efeitigung lange 3rit erforberliefe iß, unb bie fefeließliefe, wenn nicfet in ber geeigneten SBeife befämpft, anbere Äranffeeiten ber ©ebärmutter entwideln fann. 33ei übermäßigem 331utßuffe, ber burctj bü erwätjtüett Mittet nictjt fontrottirt wer* ben fann, gebe man anbertfeolb ©ran SSteiguder, atte gwei bis brei ©tunben, mit »erbüntttem Sfßg feinutttergufpülett; bei ftartem ©cfe, merge füge matt jebeSmal fünf biö jefeit Sropfen Saubanum bütgu. Seinene ober baumwollene Süefeer fottten in einer ßarfen Sllauntöfung ober einer Slbfocfeung tion Sldjenrinbe geträttft unb gufammengebrefet unb, gut geölt, in bie ©efeeibe eingefüfert werben, fo baß ber gange Stusweg tierßopft wirb; ober man tann auefe Sinfprijjungen itt bie ©djeibe mit ben genannten ober ßärferen aftringirenbeit fjlüfßgfeitett mocfeeit. SBäferenb biefer ßtit unb naefe jeber gefelgeburt muffen bte itorperfräfte burefe eine ßärtenbe Diät, ©uppe, gleifdjfpeifen u. f. w. aufrecfet erfealten unb «Jüigmütet, fooiel als mögliefe, tiermieben werben; in mandjett gälten mag eS inbeffett ttotfewett* big fein, wäferenb ber ©enefuttg SBein ober Matggetränfe gu erlauben, beren SBir* fung atsbann burdj ßärtenbe Mebiginen, welcfee Mineratfäuren entfealteit, gn unterßüfcen iß. Sfeinarinbe unb Sifen gelten ats bie gwedmäßigßen Mittel. 3n ben meißen gäüen, ober eigentüdj faß immer, erforbert ber ©tutjlgong bie größte Slufmerffamfeit; kaßoröl unt Älpftiere tion faltem ober lauwarmem SBaffer leißen gewöfenlidj, was gewünfetjt wirb. Sin Sfeeelöffel tiott Spfomfalg, iit einer fealben pinte falten ober etwas erwärmten SBafferS aufgelöß, mit einer 3utfeat tiott fünfjefen Sropfen ber aromottfdjen, üerbüntüen ©djwefelfäure, bilbet eine tiorjüg* liefee milbe Purgang; ße muß tior bem grub, ftüde geuommen werbeit. 3« allen Saiten, wo eine förperlidje Slnlage ober «Reigung gum Stfeortiren beßefet, muß bie größte geißige «Jtufee feewafert unb jebe gewaltfame Stnftrengung, befonbers fdjwereS Heben, »ermieben werben. 33ei ber 33efeanblung oon gefelgeburten ßnb brei ©runbfä^e im Sluge gu feefeaftett: Stßens, wenn möglict), burdj 9iuX)e, Dpiumpräparate unb bergleidjen bie ©adje 3« öerfeüten. 3»ettetts, bie ©djmergen gu ßittert, bett SSlutfluß gn mäßigen unb bie Gräfte ber Patientin tfeetts gu fttjonett, ttjellS gu uitterftü^eit. Drittens, wenn getjlgeburt ßattßnbeit muß, ber Entfernung bes DtiumS nactjgtt- 494 ©unn'S Haus*Strgt. Reifen unb bie Sntleerung bes 3nfealts ber ©ebärmutter ju beförbern. Die« fam gewöfenlicfe. rinfacfe burefe bas feäußge Srinfen falten SBafferS gefdjefeen; in fefewitri« gen gätten fantt matt, wenn eS ttotfewenbig fefeeint, baS Mutterforn anwenben. Zit Doßs iß eitt ßorfer Stufguß ober Sfeee, tion bem tin Sßlöffel tiott olle jwanjig Ui breißig Minute« gegeben wirb, bis bie gewünfdfeü SBirfung erfolgt ober fo langt ber Magen es ertragen fann. Die ©efunbfeeit fd)waitgerer grauen fottte gu atten 3eiten ber ©egenßanb gtoßtt ©orge unb 31 «tfmerffamfeit fein; ße fottten immer bebenfeit, baß, wäfetenb ße ifer erßes Mint tragen, ße burdj bie geeignete 33orßdfet unb ©orgfalt ben ©tunb füt ibre tünftige ©efunbfeeit unb bie iferer ©prößiinge legen fönnen, wäferenb burefe Waty läfßgfeit unb Untiorßcfetigfeü ße nictjt allein Ifere eigene Äörpertierfoffung untergra« ben, fonbern aud) itjren itinbern eine Slnlage gu ©cfewäcfee unb kranffeeit »ererben fönnen. Die gefelgeburt ober baS Slbortireit, weldjes atte gätte in ßdfe begreift, in benen bie Stttbittbung tior bem Snbe bes feefeßen Monats eintritt, ßnbet feiten ßatt, otjne baß tiorfeer ober gletdjgeittg ober naefefeer franffeafte Slbfonberuttgett »on S3(ut axii ber ©ebärmutter ober fogenannte 33lutßüffe ßcfe einßetten. Die gefelgeburt ßnbet feäußg am teidjteßett wäferenb ber erßen ©efewangerfefeaft, unb gwar wäfetenb ber erßen gwei Monate, ßatt; besfealb follte wäferenb biefer Periobe bie größte Sorgfalt feeobaefetet werben, ba jebe Urfacfee, welcfee entweber bas Seben bes ÄinbeS in bet ©ebärmutter gerßört, ober franftjafte unb tiorgeülge 3ufammenglefeungen tiefe« DrgattS tieraitlaßt, gur getjlgeburt füferen fann. Heftiges Hußen ober Srbreefeen, ein ©dfelag ober ein gatt ober ein gefeltrüt, ber eine gewaltfame Stnßrengung, fict oor bem galten gu fdjü^ett, ttott)weitbig madjt, alles bieS fann gefelgeburt feeroorbrin« gen, wie es ungätjtige 33eifpiele geigeit. Unb wentt biefer Unfall ßd) einmal ereignet feat, fo pßegt er, bei Mangel an SSorßefet, ßdj leicfet in berfelben Periobe ber folgen« ben ©dfewangetfdaft gu wtebertjoten. Daffelbe «Jüfultat fann burefe trgenb eine lebtjafte ©emütfesbewegung tieranlaßt werben ; gurdjt ober leibenfcfeaftlicfee Slufre- gung ober bie ©egenwart bei einem Ungtüdsfatte bringen oft ©törungen in bem S3eßnben ber ©djwangerett Ijertior, bie in gefelgeburt enben. S3ei manefeen gefunben grauengimment wieberum iß feine anbere Urfacfee angugebett, als bloße übermäßige SMfelütigfeit. Sin «Bluten tion ber ©ebärmutter iß iu fotefeem gälte oft ba« etfte ©pmptom beS StbortuS, uttb eS follte bemfelben fofort burefe bü geeignete S3efeanb« lung begegnet werben, efee es gu große gortfdjrttte macfet. Die Menge be« 33tut« tierlußes ftefet in ben meißelt gäüen im SBertjältniffe gu ber früfeen Periobe bet ©efewangerfefeaft, in ben festen Monaten ßnb bie «Blutungen feiten ßarf. 2« flW audj gätte, in betten fdwangere grauen wieberfeolt S31ut aus ber ©ebärmutttt »tt« tieren unb bod) nidjt abortiren; bod) biefe gätte ßnb fetjr feiten. 3n bett melfteit gätten folgt, wentt ßdj bei einer ©djwangerett gwifdjen bem erßen unb tiierten Monate «Blutungen etußettett, eine gefelgeburt; außer wenn bei Sin«« fluß fetjr gering iß unb man fdjteuntgß bagegen einfdjreitet. ©obalb ba« Äurt fammt ben Sifeäuten burefe bie Sufammengüfjungen ber ©ebärmutter an«gtftoß« iß, bort bas «Bluten gewöfenlidj fefenett auf.. 3n mandjen Derartigen gälten tß «3 fetjr fdjwierig nnb bisweilen unmöglidj, bie «Radjgeburt unb bü Häute ju entfernen; biefelben bleiben gurüd unb geljen erß attmälig ah, nadjbem 3erfefcung ßattgef»«' ben ; bieS öerurfadjt lang anfealtettbe, efetyafte SluSßüffe aus ber ©ebätmutttt, nn Menßruate S3tutungett. 495 »enn feine gefcfetdte SBetjanblung erfolgt, fönnen bie ernßtidfeßeit initeren Seiben ent* ftefeen, wie ©efdt)würe, MxtU u. f. w. Diejenigen, welcfee itjrer ^örperanlage nadj gum Sifeorttrett geneigt ßttb, ober betten fcfeon eine gefelgeburt pofßrt iß, follten unter atten Umftänbeit bie größte 33orßdj t beoboefeten, um ifere ©emutfesrufee gu bewotjren unb jebe feeftige Slttßrengung gu »ermeiben; ebenfo fottten atte ßarfen «purgangen, fowie ßarfe Srfei^ung, Srfältung unb bergleidjen wäferenb ber «pertobe ber ©djwattgerfdjaft tiermüben werben. SBenn bie gefelgeburt wtrftidj ßattgefunben tjat, uitb ber götus ober bas unreife $inb mit fommt bem übrigen 3nfeolte ber ©ebärmutter ausgeßoßen iß, fo fottten biefelben SSorßdfetStttaßregeln wie naefe ber regelmäßigen Sntbinbung beofeadjtet werben. Um eine brofeenbe gefelgeburt gu tierfeüten, ober bri bem Stuftreten ber erßen tier* bäcfetigeit ©pmptome, fottte ber «Patient ftcfe nieberlegen unb fo rufeig als mögliefe, tier* fealten; es barf nur leiefete «Raferung genoffen werben ; ber Seib muß gefeörig offen erfealten werben; ritte Sinfpri^ung tion breißig Sropfen Saubanum in einer fealben pinte Uimenrinbeit* (Slippery Elm) Slufguß wirb gute Dtenße tfeun. «Bei «Blutungen follte reicfelicfe falte Simonobe getrunfen werben; man lege Südfeer, bie in faltem SBaffer ober Stswaffer getränft ßttb, auf bie ©djenfef, auf bett Unterleib unb bie ©eburtsßeüe unb erneuere biefe falten Umfcfeläge beßänbig, bis bas S3lut geßittt Iß. SSertjütttitg ber getjlgeburt. Um ben SlbortuS gu tierfeüten, fottten grauen tion fefewacfeer «Ratur unb fefetaffer SThtsfelfafer »orgugsweife feße, fräftige «Raferung gu ßefe neunten uub große £}uan* titäten »on Sfeee, Kaffee unb anberen ftfemaetjett uttb wäfferigen ©etränfen tiermeiben. Ut fottten frütj fdjlafen gefeen unb frütj aufßefeen unb ßcfe feäußg S3ewegung maefeett, aber ßcfe »or Srmübung feüten. ©etegenttidj fottten ße rine fealbe «Pinte ber Stb* foefeung »on Signum SHtae (©uajaffeotg) trinfen, bie gu bereiten iß, inbem man eint Unje bes Holjes fünf Minuten lang in einem Duart SBaffer ßebet. Swllblütige unb fräftige grauen fottten eine fparfame Diät befolgen unb tjaupt* fäefelicfe Pßanjenfoß genießen; ferner muffen ße ßarfe ©etränfe, fowie Stiles tiermeiben, toai ben Äörper ju ertjitjen unb bie Duontität beS 33tuteS gu tiermeferen geeignet iß; t»enn ßdj bie brofeenbett ©pmptome eittßettett, fotttett ße eine Dracfeme gepuloertett Salpeter in einer Saffe tiott ©rü^e ober SBafferfuppe atte fünf bis fecfes ©tuttbett nefemen. 3n beiben gätten muß bie ©djwangere auf einer tjarten Matrone fdjfafen uttb füfel unb rufeig gefeolten werben. Der ©tufelgang muß burefe Pittett tion weißem SBatinuß=Srtraft ober tioit Slpocpnum (Bitter Root) offen erfeatten werben. SKcnjirttole SBluhtngcn. Sisweilen ßnbet an ©tette ber regelmäßigen monattidtjett «Reinigung eine über* jnäßig ßarfe S3lutausfd)eibung ftatt, bie ßdj bis gn wirflldfeen Süutßüffett ßeigern wnn. Diefe unregelmäßigen S3Iutungett tonnen auf tierfdtjiebene Slrt auftreten t entweber folgen ße in furgen 3wifdjenräumen aufeinanber; ober ße erfdjeinen mx gur gefeörigen 3eit, aber ßnb unnatürfidj tjeftig, nnb es ßnbett ßdfe banit nidjt ßlten klumpen geronnenen S3futeS in bem Siusflujfe; ober ße ßetten ßd) gu unge* 496 ©unn'S Haus-Slrgt. WÖtjnlicfeen Perioben, wäferenb ber ©efewangerfefeaft ober beS ©äugens, ein. (Jj feängt tjier fetjr tiiel tion ber Äörperoerfaffung ber grau unb tiom JUlma ab; xtn bei ber einen nur natürlidje Menßruation iß, würbe bei ber anberen übermäßig frin - uttb was iit einem falten Mlima übermäßig wäre, iß gang in ber Drbnung in wär< meren ©egenben. Ss gibt brei beßimmte gormen, unter benen biefeS Seiben auftritt, »on benen jebe ifere afuten fowofel, als eferonifcfeen Sigentfeümlicfefeiten feat. 33el ber erßen gor« feat ber StuSfluß feine natürlidje garbe unb 23efdjaffentjeit, aber feine «Dienge obtt Häußgfeit ift fetjr tiermetjrt. S3ei ber gweiten ift ber Slusßuß ungemein reictjlicfe unb mit klumpen geronnenen 93luteS tiermifefet. S3ei ber britten iß ber S3tuttierluß bisweiten fetjr ßarf, unb es ßnb gleicfejtitij merf liefee SSeränberungett in bem Umfange unb ber Sage ber ©ebärmutter »orfeanbtn — ein Umftanb, ber bei ben gwei erßen gormen nicfet ßattßnbet. Die erße gorm gibt ßdj burefe einen plö^lidjen Slusßuß beS 33lute« au« bet ©ebärmutter gu erfennen; ber gluß tj alt nadj furger Dauer einige ©tunben lang ober einen ober gwei Sage lang inne unb fängt bann wieber »on neuem an; unb fo mag wäferenb meferer Sage ber 33tutßuß anfangen unb wieber auffeören. 3uweilen fefert ber Slusßuß regelmäßig wieber unb t)äit bann gwei* ober breimal fo lang al* fonß an. Sluefe fommt es tior, baß feine fetjr große Menge 331ut ausßießt; allein ber glu$ ßnbet atte gwei ober brri SBocfeen ftatt, anftatt ßcfe atte tiier SBoden regelmäßig ein« gußetten. Diefe Strt ber moitatlitfeeit «Reinigung ftnbet mon bet jungen grauenjtm- mern, ia felbß bei tierfeeirotfeeteit grauen, unb in ben 3wifdenräumett feaben ße »on bem „weißen gluffe," einer befefeweriüfeen kranffeeit, gu leiben. Die gweite gorm biefeS SeibenS unterfdjeibet ßd) baburefe oott ber erßen, baß mefet «Blut gur 3eit abfließt, unb baß S3iutungeit gum S3orfdjein fommen, bie mit bn natürlicfeen Slbfonberung gemifefet ßttb. Das testete ftnbet bei grauen, bieba« brei- ßigfte Sebensjafer nodj nicfet erreidjt feaben, in ber «Regel nidjt ftatt, fonbern bei benen gwifden breißig unb tiiergig 3al)xen, namentlidj bann, wenn bie konftitution burefe tiiele ©eburten unb franffeeiten ber ©ebärmutter gefcfewäcfet worben iß. ti«l«« Seiben tömmt attmälig ; guerß madjen ein ober gwei ßtümpden ifer Srßfecinen, weüfeem Umßanbe meißens nidjt tiiel «Beacfetung gefdjenlt wirb; in ber nadßtn «Reinigungsperiobe ftetten ße ßcb, aber in größeren Quantitäten ein. Nacfebem tie« eine 3eit lang angehalten feat, wirb in ben meißen gätten ber 33erluß be« SJluttf gunefemen, unb gwar iu foidjem Maße, baß Srmattung unb ein ©efüfel ber Scfewatfee ßcfe, feemerflidj macfet unb felbft Dljnmacfeten ftd) einfüllen. , Die britte gorm biefeS SeibenS, wetdje bei weitem bie fcfelimmße iß, geigt ßd) w grauen gwifdjen tiiergig unb fünfgig Saferen gur 3eit beS StuffeörenS ber monatltcrtn «Reinigung, ©owofel bie örtlictjen, als ottgemeinett ©pmptome ftnb mefet bc|ergm*' erregenb in biefer gorm, als iit ben gwei anberen; bie ©ebärmutter W*wJj* fowobj iferer «BefefeOffenheit, als iferer Sage nadj in regeiwibrigem 3«(^lte; * grau, fei fte ßarf ober fdjwacfe, bleibt bation tierfdjont; bieS Seiben fann ™W tiottblütige, wie fdjwadje unb entnerote grauen befallen; grauen Mn m,TV fefem Semperamente fmb ifem ebenfo fefer ausgefegt, als bie »on f«Wl»w* Unregeimäßigfeit iit ber monatlichen «Reinigung, entweber ber 3«*/ ket mt i Mettftruatc Stutungett. 497 Blutes, eber ber Dauer ttacfe, nnb ber weiße gluß wätjrenb ber 3wifcfeengeit, ßnb meißens Vorläufer biefer kranffeeit. 3wanjtg ober breißig ©tunbeit öor bem Srfdjeineit ber SSlutflümpefeen ßnbet bie [Reinigung in ben meißen gälten ber «Regel naefe, ßott. Diefe Ätümpcfeen X)abtn juweilen eine bunfle garbe unb riedfeen fctjiectjt. Sinige grauen tierlieren fo tiiel S3(ut, baß große ©cfewäcfee ßcfe hei üjnett einfüllt, was gu ernfttietjer 33eforgnlß Sltt* (aß gibt. Der erße 331utßuß bauert in ber Stege! fedje bis gefeit Sage; guweilen aber feält er gwei, brei, felbß tiier SBodeit faß ofene Unterbrechung an. Das SBaf* ferlaffen iß wäferenb biefer Äranfbrit faß immer mit ©dfewürigfeit tierbuttbeit; ber Seib iß oetßopft, bie Sßfuß »ergefet, bie Haut nimmt eine blaffe garbe an, Slbfpatt* nung tritt ein, unb bie ©efunbfeeit im Slttgemeinett leibet außerorbentlid). Der Patient mag ßcfe beffern; aber ein geringer ©rab förperlicfeer ober geißiger Sinßrett* gung ober Stufregung fann leicfet einen «Jtüdfatt feerbeifüferett. Diefe Slrt ber «Blutungen rüfert »oit bett Slettberungett feer, bie im DrganiSmuS (lattftnben, fowie tion einer Ueberfüüung ber 33lutgefäße ber ©ebärmutter. Die ©pmptome itt allen Strien biefer kranlfeeit ßnb Slbfpannung, ©cfewädc unb «flcattigfeir, ©cfemergen in ben Hüften unb Senben, eine Slbneigung, ßcfe tiom ©üie gu erfeeben, ober ßcfe überfeaupt einer Slnßreitgung gu untergiefeen, «Bläffe bes ©eßd) ts, kopfwefe, eitt ©efütjt bes PocfeeitS itt bett ©cfeläfeit, eilt Ätittgett in ben Dtjren, ©cfewinbel unb ©cfewimmen bes JcopfeS, feäußg auefe ßeberfeofter 3ußanb, Stetgbar* feit unb ein geßörter 3ußanb beS Magens unb ber ©ebärme. S3ei einigen grauen iß ba« «Reroenfpßem fefer angegriffen, unb bas ©emütfe iß niebergefdjlageit. S3ei ben fcfelimmßett gätten biefer Äranffeeüsart madfeen ßcfe ©ritettfefemergett bemerfbar, bie ßcfe rings um ben unteren Sfeeil bes SSaudeS erßredett ; bie kopffdjmergett ftnb äußerß feeftig; bas geringße ©eräufefe ober irgenb ein ungewöfeitliefeer SSorfatt greift Ui «Jceroenfpßem bermaßett an, baß ßd große ©cfewäcfee unb Dtjttmadjt elnßettt; baö ©eßcfet »eränbert bett SluSbrud,; S3eine unb güße fefewetten feäußg an, wnb Slbweicfeen tritt ein. Daö 53tut erleibet in biefer Äranffeeit eine Sleitberuttg; eine SSerbünnung beffel- ben tritt ein, unb biefer Umßanb feat eine Stoftärfung bes 331utfIuffeS gur golge. 3u ben Urfadjen übermäßiger 33tutung aus ber ©ebärmutter geboren gu feäußges S3tgatten, Srfältung, übermäßige Slnftrengung, Slufregung, oftmaliges ©ebäferett, angeßrengtes Äranfenpflegett, 33ertoufdjeit warmer Kleiber mit falten, naffe güße, SBitterungswecfefel, üfeerfeeigte 3immer ober Mangel an SSorftdjt wäferenb ber monat* tiajen «Reinigung. £iefe Urfadjen feaben einett 33orfatt ber ©ebärmutter gur golge, unb nidjt feiten tritt atsbann Unfrudjtba'rfeit nnb guweilen ©eneigttjrit gu grub* ober gefeige* burt ein. Sei ber Heilung ber Men orr fe agie, bas Ijeißt gu feäußger ober gn langt anfealtenber Monotsfluß, fottte man wo tnögtidj bie Urfacfee guerß gu entfernen Nen. ©efdjiefet bies nidjt, fo fanit man nid)t auf Srfolg redjnen, felbß wen» man bie beßen Mittel onwenbet. @o lange ber blutige SluSfluß anfeält, befonbers wenn er fetjr tjeftig iß, fottte bie -Rjanfe »olißänbig rufeig ouf bem «Bette ober auf einer Matratse liegen bleiben. Die Kletbung muß lofe unb leidjt fein; bie ©etränfe fütjtenb: Simonabe, Sremor Sartari "ber Samarinben mit SBaffer, faltes SBaffer ober einige Sropfen tierbünnter aromatU 498 ©untt's Haus-Slrgt. fdjer ©djwefelfäure in einem ©las tiott SBaffer. SBenn bie Mxanft tioit fefer fcfewSAll. A)tm Möxptx iß, fo wirb ein Slufguß ober Sfeee tion 3lmmet ober anberen ©ewürjen mit großem «Rujjen gereiefet werben. SllS Hausmittel tierbünen bie SUaunmolltn eine befonbere Smpfefetung. Man bereitet biefelben, Inbem mon eine SSittttl Un;e Stlaun in einer «Pinte warmer Milcfe außöß; biefe Molfen fönnen ad libitum, ba« tjelßt nocfe «belieben, getrunfen werben. Stne Slbfocfeung tion Äampefcfeenfeelj iß ebenfalls in folefeen gätten tiielfad im ©ebraudje unb wirb für »ortreffltd gehalten. S3ei fdjwereit Slnfätteit fotttett reidtjticfee, falte Umfcfeläge auf ben Unterleib unb bie ©efctjtedjtsttjeite gemadfet werben, inbem matt baumwollene ober leinene Wappen mit faltem SBaffer ober öerbünittem Sfßg ober 33ranittwriit unb SBaffer tränlt, auf bie genannten Sfeelte legt unb fo oft ße troden werben, neue, naffe Sappen auflegt; tt muß bamit fortgefoferen werbett, bis ber Slusßuß ttadjtäßt. Dodj wenn biefe «Witte! nicfet ausreiefeen, bas 33tut gu ßitten, unb wenn bie Jtranfe tierfeeiratfeet gewefen iß ober kinber getjabt feat, fo fottte man eine ßarfe Söfung tion Sllautt in SBaffer obtt eine Slbfodfeuitg tiott Siefeenrinbe tiermittelß einer Mutterfpri^e, bie in jeber Slpot^efe für gwottgig Sente gu feobett iß, in bie ©efeeibe einfpri^en. Diefe Sinfprifeung muf, fo oft als nötfeig, wieberfeolt werben; ober man bebiene ßdj folgenben «Kittel«, weldjes ebenfo bem 3r»ede entfpridfet. Man tränte einett aus 33aumwolle ober altet Seiitwattb gebrefetett Pfropfen ober auefe ein ©tüd feinen ©efewamm mit obiger Mifefeung unb füfere bies in bte ©eburtsßette ein unb ßopfe gut gu, fo baß ber Suia* fluß bes S3IuteS tierminbert wirb. SBenn man bieS Mittel onwenbet, fo fann man es wäferenb beS SageS ober ber «Radt barin laffen, bis ber Slusßuß auffeött, obet bü Mxantt bebeutenb erteidjtert füfelt. 3ctj X)abt gefunben, boß ein ©tüd Sltaun, in berfelben SBeife in bte «Räfee ber ©ebärmuttermünbung gebraefet, bie fcfeönße SBir- fung feat unb in furger 3eit bas S51ut ftittt. Düfe Mittel fönnen ju irgenb einet 3ett wieber entfernt werben, unb ifere Slnwenbung feat nicfet bte geringße ©efafer. Die Gräfte ber Traufen fottten babet burefe eine leiefete, noferfeafte Diät aufrecht erfealten werben; unb es iß wäferenb biefer ßtit ber mäßige ©ebraudj »on Portwein, als ©tärfungSmittet, gn empfefelen. Sin SBringlaS tiott ßamittentfeee mit gebn Sropfen aromatifefeer »trbunntei ©djwefelfäure ober eben fotiiel Sifeit*Sittttur — biefe Präparate ßnb in jeber 2fpo< tfeefe gu feaben — breimal täglicfe gegeben, wirb ftcfe als eine fcfeäbbare tonifcfee obet fräftigenbe Mebigin bewäferen unb tiiel gu einer bauernbett Mux beitragen; fcjun mäßige 33eweguttg, ©pagierenfaferen, SBeränberung beS Mlimai, ©eeluft unb itt bäber ober SSerättberung ber Umgebung burefe «Reifen — wo eS ßcfe macfeen (äpt; bentt ber geiftige unb ®emütfes*3ußanb tjat ritten großen Sinßuß, um bie Sßirfnnj ber erwätjitten Mittels git unterftü^en. SBenn biefe kranffeeit beS S31utßufft« bti grauen tion feeruittergefommener ©efunbtjeit ßattßnbet, bei betten jebe SRtnge SM«' teS, bie über bie gewöfentidfee Duontität feinaus tierloren gefet, anfealtenbe ecbiracbe uttb attbere Seibett gur golge feat, fo fottten fte immer gu «Reigmitteln ober toniftbe« Mebifamenteit ifere 3ußuefet neunten. S3ei tiottbtütigen Perfonen fann man to «Blutung, wenn ße triebt gerabe gu tjeftig wirb, rufeig geb,en laffen, als eint feciliji" Srleidfeterung. SBeittt ße inbeffen fo reidfelicfe wirb, baß ein nacfetfeeiliget U«|»J auf ben ßräftegußanb bemerfbar iß, muß fofort bagegen eingefeferitten »erben; i« wentt es ein fdjwerer galt iß, wen« Maffeit flüfßgen unb klumpen geronnen Slutes entleert werben, fo muffen bü in bem Slbfdjnitte über gefelgeburt m<"> Meußruate SBIutungen. 499 nen üRlttel gur Slnwenbung fommen. grauen tion tiottbtütiger ^örpertierfaffung Witten in berartigen gättett eine leidjte, füfjlenbe Diät beobadjtett unb tfeürifdfee gpeifen gang unb gar tiermeiben ; ebenfo jebe Slrt tion «Reigmüteln. grütjes Sluf* ßefeen, Sfeätigfeit unb 33ewegung unb gefeöriges Deffneit bes ©tufelgangeS — mü einem Sfeeelöffel tiott Spfomfalg, ber jeben Morgen in einer tjalben «Pitüe SBaffer, wenn notfewenbig, mit Hlngufugung tion gefen bis fünfgeljtt Sropfett üerbüitttter ©cfewefelfäure, genommen werben muß — werben, wie man ftitbett wirb, bebeutenb jur Sinberung biefer Slnfatte übermäßiger Menßruationett beitragen. Das Sluffeören ber Mettßruatiott tritt gewötjuticl), wie bereits oben gefagt, etwa breißig Safere naefe iferem erßen Srfdfeeinett eitt; bocfe iß ber 3eitpunft bei tierfefeie* benen grauen tierfefeieben unb riefelet ßefe naefe ber förperlidjen Slnlage, ber SebenS* weife u. f. w. Diefe Periobe wirb tion ben graueit felbß immer als eilte tritifde gpodje in iferem Seben betradjtet. Mit ber Menßruation feört auefe bte gätjigfrit jur Smpfängniß auf. Sine fo widjtige 33eränberung im DrganiSmuS fantt nicfet ofene einige ©törungen bes SlttgemetnbeßnbeitS tior ßcfe gefeen. 33et manefeen grauen ßnb biefelben üerfeältnlßmäßig unbebeuteub, bei anbereit tiott Seibett uitb kranffeeit begleitet; bies ift oft bie golge entweber riner gu üppigen Sebensweife ober tion Snt* beferungen unb fearter Slrbeit. Dodj mag bies fein, wie es wolle, in atten gätten follte wäferenb biefer frttifdett ßtit genau auf bie ©efunbfeeit geactjtet unb gegen Jebeä ÄranffeeitSfpmptom fofort eingefdjritten werbett. SBie ßd) erwarten läßt, ßnb reijbare 3ußättbe beS «RertiertfpßemS, fepfterifdfee unb feppodjonbrifdje Seibett uttb eine «Jtetfee anberer Uebel wäferenb biefer'UebergaitgSgeit im Sebeit ber grauen Ijäußg. Sei fetten ober forpulentett graueit ßnbet ßctj oft «ptetljora ober 5Blutüberfüttung, woraus Äopffcfemerg, ©efelaganfätte, 53tutfpeien, Hämorrfeoiben u. f. w. entßefeett fönnen. Snbllcfe geigen ßd nidjt fetten frebsartige Seiben ber 33ruß unb ber ©ebär* mutter jum erßen Male bei bem Sluffeören ber Menßruation ober in biefer fritifefeen Spocfee. Sei Sinigen iß bas monatlldje 33tut aufangs nur an Menge tierminbert, wirb bann in feinem SBieberer fdj einen unregelmäßig unb tjört attmälig gang auf, ofene baß eine ©törung im DrgatttSmuS eintritt; aber folefee gätte ßnb feiten; feäußger wirb ber SluSfluß ptöjjlicfe fo gering, baß ©djwittbel uub ©djmerg im Mop[t, ©djwim* men »or bett Slugen unb eitt beflemmenbes ©efüfet ber S3lutüberfütte eine ßrenge Sntfealtfamfeit im Sffen unb fräftiges Stbfüferen ttottjweitbtg macfet. 3u biefem 3t»ecfe iß Spfomfalg am beßen, ba es nidjt nur als «Purgang, fonbern auefe fräftü genb auf atte Sfeeile beS Körpers wirft. 3n anberen gätten feört bie Menftruation gang ptöijtidj auf, unb nadjbem bie Unterbrüdung einige Monate angehalten, fetjrt ber Slusßuß wieber unb wirb fo übermäßig, baß er bte Mxa[t erfdjöpft unb bie Slrtwettbuttg ber erwätjtüett fatten Umfcfeläge unb aßringirenber Mittel ertjeifdtjt. Die gufammengefe^ten Soloquitttetu Pillen, bie in jeber Slpotfeefe gu tjafeeit ßnb, fönnen in fotdjen gätten otjne ©efatjr unb mit großem «Ru^ett gebraudjt werben. Ss iß unnötfeig, Ijier weiter bei bett tiietett nnb tierfdjiebenett Urfadjen biefer kranffeeit gu »erweiten. 53et mandjett grauen liegt ße in ber ganjeit förperlidjen Anlage unb fefeeint erfeltdj gu fein; beim iit gewiffen gamilien leiben meljre ©ettera* honen fetnburdfe alte welfelidfeen Mitgtieber metjr ober weniger fjefttg wäbrenb ber monatlidjen Periobe. Der ©djmerg hti biefer tfrattltjeüsform iß oft im Ijödjßen 500 ©unit's Haus* Slrgt. ©rabe intettßti ut;b gualtiott, tiorgüglid im «Jtüden üttb in ben Senben. Die« ?et. ben, ebenfo wie bas, weldjes aus Srfältungen entßefet, iß in mandjen gätten ein «JtfeeumatismuS beS MuSfelgewebeS ber ©ebärmutter unb ber benodfeborten ©ebilbe unb fann burd) biefelbe 33etjanbluttgSwetfe getjeilt werben, welcfee für rfeeumatifdjt Seiben in anberen körpertfeeilen angegeben iß. 3nbem iefe meine ^Bemerfungen über biefen widjtigen ©egenßanb fdjliejje, möaMt idj meinen Seferiniteit tiorguglicfe an'S Herg fegen, wie witfetig es für bie Heilung biefes UebelS iß, auf bie allgemeine ©efunbljeit gu acfetett unb befonbers ben 3ußanb ber SSerbauungSorgatte gu tierbeffern, bte iit bett befdjriebenett gätten oft fcfettcfliaj angegriffen ßnb. 3« ber Stjat, es gibt fein Uebet, weldjes eine ßrengere unb untr« müblicfeere Stufmerlfamfeü auf bas allgemeine Äörperbeßttben erforbert. Entfall ber ©ebärmutter. Die ©ebärmutter wirb, mebigtnifefe, Uterus genannt. Dies widfetigße aller weib- lidjen Drgane iß im S3eden gwifdjen ber Harnblafe unb bem unteren «JRaßbarm gelegen. Ss feat bie ©eßalt einer S3üne, nur baß es etwas afegeßaefet iß. (Seine Sänge iß ungefähr brei 3bttj feilte «Breite in ber Mitte gwei ßoli unb an ber «JJcun« bung einen 3ott. Der breiteße Sfeeil wirb ber gunbus ober ®ebärmutter=®runb, ber mittlere ber *53audj ober *Äörper unb ber fdjmalße ber *HalS genannt. Der guttbuS iß ber oberße Sfeeil. Die Höfelung ber ©ebärmutter Iß am Eingang fdjtnal unb tiergrößert ßcfe attmälig nacb, bem ©runbe ober bem oberen Sfeeile ju, wo ße ftcfe in einen breiedigen «Jtaum ausbefent, tioit weldjem bie faüopifdfeen «Jtöferen au«« getjen — jwet etwa brei ßott fange Kanäle, welcfee mü bett Dtiarien ober Gierßöcftn in SSerbtnbuttg ftetjen. Die tnnere Dberßäefee ber ©ebärmutter iß am gingange geruttjett, bod) am guttbuS ober ©runbe glatt. Das Drgan iß reidjlict) mit «Blut- gefäßen unb «Rertien tierfefeen unb feine SBänbe betjaltett immer biefelbe Diefe, fei ti im fefewangeren ober im jungfräulictjett 3ußanbe. Die fattopifefeett SRötjren laufen iit einer Strt faferiger grangett (bie Fimbri») aus. Die ©ebärmutter feängt tiermittetß ftarfer Sigamente am Darmfelle Ui S5edeitS; bodj biefe «Bättber werben oft, in golge allgemeiner ©cfewäcfee ober örtlicher Neigung, fcfjtaff unb verlängert nnb bantt ßnbet eine ©enfung bet Gebär- mutter ßatt. Die Seiben, benen baS Drgan uttterworfen iß, Stutfongeßtonen, Srweiterungen, ©efdjwülße, Polppen u. f. w., entftetjen metjr ober weniger burefe bie Scfewangtr- fdfeaft ober burdj örtlicfee Stttgünbuttgett; ebenfo gibt es franffeeiten bes ©ebarmnt- terfeolfeS, wogu auefe Grefes u. f. w. gefeört. Das Drgan fann nocfe atltn «Riefe' ütngen tjtn aus feiner Sage gebraefet werben, ttaefe tiorn (Slntetierßon), naefe feinten («Retrotierßott) unb nacb, unten («prolapfuS), weldjes bas tjäuftgfte iß. Der «prolapfuS ober «Borfatt (im geringeren ©rabe: ©enfung) beS Uterus tß am gewötjnlicfeßett, «adfebem bie 3clt bes ßinbergebärettS tiorüber ift, unb fommt befon- bers bei grauen tior, weldje eine ßarfe «Radjfommenfefeoft geboren feaben; »or W* bei benen, bie naefe, ber Sntbinbung ftdj nicfet getjörig gefdjont b>feen unb jn rru» aufgeßattbett fmb. Ss iß bes^atb ein b^uffgeS Selben bei armen grauen, vM eft, burdj bie Umßanbe gegwungeit, balb ttad bem SBocfeettbetre onßrengenbe »rW 23 o r f a l ♦ ber ©ebärmutter. 501 ten »erridjten muffen. Der SSorfatt entftetjt burdfe eine allgemeine Srfctjlaffung uub ©cfewäcfee ber Sfeeile, tiorguglicfe ber Sigameute ober elaßifdjen 33ättber, weldje ben Uterus an ber ifem feeftimmtett ©tette feßfealten fottett. SSorfatt ber ©ebärmutter bat feilten Urfprung feäußg im fogenannten „weißen gluß," unb fommt am meißelt bei grauen tion gartem .Körperbau unb fefewäcfelidtjet «JSerfaffung tior; bocfe fantt er ftcfe audj bei ben gefunbeßen unb tiottblütigßen ereig* nen. 3m Slnfange iß baS Seiben nur tiott einem ©efüljle beS DrudeS nad) unten begleitet, mit feeftigen 9tüdenfdjmergen, tiorguglicfe beim ©etjett unb ©tefeen, wäfe* renb bei bem Siegen Srteidfeterung eintritt. «Rad) ber «Radfetrulje ßetjt bie Traufe bes «JRorgenS gang wofel auf, aber bri ber gerlngßeit Stnßrengung ober bei bem Umfeergefeen ßettt ßd ber ©cfemerg unb Drud nad) unteit wieber eitt, unb ber weiße gtuß erfcfeeint. Dann lommen nertiöfe uub bpspeptifcfee ©pmptome, «Rübergefcfela* genfeeit, SSerßopfung unb ©djwierigfeit bei bem Urinlaffen ober tjäußges Sluffteljen bes «Racfets, um fleine Quantitäten Urin gu entleeren. Der SSorfatt ber ©ebärmutter entßefet feäußg burctj gufättige SSerle^ungen, burefe einen fefeweren galt, burefe SSerfeebett unb bergteiefeett; auefe burefe gu enges ©efettürett, burefe übermäßige Slttßrengung burctj ®et)ett ober «Jüitett uub nictjt feiten burefe Kummer unb ©orgen unb anbere Urfadjeit, welcfee bas «Rertieitfpßeit angreifen. 3dj tjabe oiele gäüe beobadfetet, in benen bas Seiben burefe Sangen in enggefdjitürten Ätei* bem tierurfadjt würbe. SBentt bie ©ebärmutter tiorfäüt, fo ßettt ßcfe gewöljnttd) ein feeftiger ©cfemerg im Unterleibe, im «Jtüden unb in ber Hüftengegenb ein, unb nicfet feiten geben bie Urinblafe unb ber Darmfanal itjren 3«tjalt tioit ßctj, oljtte baß bie Äranfe es tierfeinbern fann. SBenn ber tiorgefattene Uterus fo weit herunter gefutttett iß, baß er tior bie Sdjamfpatte feeraustritt, fo pflegt ftd) große ©d)wädtje mit Dfenmadfetett eiitgußetteit, unb bas «Rertienfpßem iß bebeutenb afßgirt. Häußg, unb befonbers wäferenb ber Scbwangerfcfeaft, wirb ber SSorfatt baburefe tierattlaßt, baß man bie Urinblafe über* mäßig »ott werben läßt, fo baß ße burctj itjren Drud ben Uterus aus feiner ©tette btängt. 3dj tjabe einen galt getanitt, wo eine Dame mefere ©tunbe« lang im Sifenbafenwageit gubringen mußte, otjne ©elegenfeeit gum SBafferloffen gu ßnbenf; bte golge war eine Slnfcfewettung ber 33lafe, burctj welctje ber Uterus emßltd) tier* tejjt würbe. Die Äranffeeiten ber ©ebärmutter fönnen [id) mit größerer ober geringerer ©cfettel* ligfeit entwideln; einige treten gang ptöjütd) mit bett tjeftigßeit ©pmptomett auf; anbere entßefeen unmertlid) unb fctjreiten tangfam fort. 3« ben meißen gätten inbeffen wirb ein ©efüfel bes Unbehagens, bes DrudeS unb ber ©cfewere in ben betreffenben Sfeeilen empfunben, baS ftcfe gelegentliefe bis gu wirftidjen, metjr ober Weniger feeftigen ©dfemergen ßeigert. Unter gewiffen Umßänben ßnbett SluSßüffe tion S3lut ober Materie ßatt. ©üt)e tjierüber bie icapüet über Mettßruatiott, weißen gtuß u. f. w. Der übrige Äörper fantt in größerem ober geringerem ©rabe in SDcttleibenfdjaft gegogen werben; franftjafte 9ülgbarfeü unb gieber fönnen entßetjen, aber feartnädiges Srferedjen ober Utttierbattlictjfeit, mit übermäßiger ttertiöfer Smpßttb* licfefeit unb Hbßerie. Sßenn ßcfe berartige ©pmptome geigen ober wen« ber ©dtjmerg ßarf iß, unb tior* jfigHcfe bei fiebert)aften 3ußänben, fottte bie ßrattfe ßcfe fofort gu 33ette begeben unb tn riner möglidjß feortjonralen 3tüdenlage, mit etwas erhobenen Hüften, liegen bleiben* 502 ©unn's Hautjargt. SBenn ber ©djmerg ßd) tiermetjrt wnb befonbers, wtnn bas giebet ßärfer wirb, fe fottten warme SBafdjungett ober Umfdläge auf ben Unterleib unb bie ©cfeamtbtile gemadjt werben; wenn bie .Kranfe fefer leibet, gebe man gwangig bis breißig Sropfen Saubanum in etwas SBaffer ober ein klpßier mit einem Sfeeelöffel »ott Saubanum. ©leicfegeüig beodfete man forgfältig ben 3ußanb beS ©tufelganges, ber nie »erßopft ober träge bleiben barf, unb gebe, wenn notfewenbig, jtaßoröl ober, bei 23ottblütigtn, Spfomfalg unb anbere füfelenbe Mittelfalge; atte «Präparate, welcfee Slloe entfealten, muffen unter biefen Umßänben ßreng tiermüben werben, jtfpßiere »on falten« SBaffer ober lauwarmem SBaffer ßnb oft fefer nüiüid). Die Diät muß naefe bet körperbefefeaffenfeeit unb bem Semperamente ber franfen regulüt werben. SBenn bie ©ebärmutter fetjr weit tiorgefatten iß, fantt es nötfeig werben, ße wiebee an ifere ©tette gu bringen, inbem man ße leife mit bem giitger nadj oben unb naefe feinten gubrüdt; bocfe biefe Dperation muß mit ber äußerßen SSorßdjt »orgenommen werben, ber ginger muß gut geölt fein, unb ber Drud muß langfam unb attmälig gefdjefeen. 3n mandjett gätten, bocfe äußerß fetten, fommt bü ganje ©ebärmutter feeraus unb bringt gwifdjen ben ©efeenfetn feeroor. ©ie fofort wteber feineinjupref- fen, fann oft fcfewierig fein, ba Sntgünbung unb Slnfcfewettung es oerfeinbern. 3n fotdjen gätten muß man 331utegel feijett uttb Siswaffer ober warme Umfcfeläge auf- legen, bis ber ©cfemerg unb bie Slnfcfewettung befeitigt iß; atsbatttt wirb ti leicfet fein, bie ©ebärmutter in ifere natürlidje Sage gurüdgubringen, inbem man ße mit wofelgeötten Hänben leife unb tiorßdjtig brüdenb tjtnrinfdjübt, wäferenb bie Ärante mü emporgegogeneit SBeinen auf bem «Jtüdeit liegt. 3n fotdjen gätten iß ber SBeißanb eines erfahrenen SlrgteS erforberliefe, ba tt nötfeig fein mag, bie S3Iafe tiermittelß eines 3nßrumenteS, weldes atatfeeter genannt wirb, gwei* bis breimal tägttefe gu entleeren; ber Seib muß burefe jtlpßiere offen erfealten werben. Die kranfe fottte in fotctjeit gätten wenigftenS eine SBocfet lang im SSette bleiben. «Racfebem bie ©ebärmutter in itjre Sage gebraefet iß, muß längere 3eit bie größte SSorßdjt beobadjtet werben, um einett 9tüdfatt gu tierfeüten. Sßenn bas Selben »on langer Dauer gewefen iß, ober bei jeber förperlidjen Stnßrengung unb «Bewegung leidjt wüberfetjrt, was Ijäußg ber galt ift, fo wirb man ben ©ebraudj falter (Sin- fpri^ungeit itt bie ©dtjeibe ober falte ©i^bäber fefer erfprießlldj ßnben. grauen, bi« bamit feefeaftet ßnb, ift fetjr gu empfefjlen, ein Unterletfes*©uSpenforium ju tragen, eine etaßifdje «Battbage mit gebertt, «Riemen unb Polßern, bie, um ben Äötptt befeßigt, bie ©ebärmutter ßütjt unb fte am ©intett ober Heruntergieiten »trfeinbert. Diefe «Banbage ift bei ben meißen efeirurgifefeen Snßrumenteitmacfeern in unferen verfdjiebenen ©täbten gu tjaben. Hauptfäcfelicfe iß biefe 33erridjtung für angegriffene unb fdjwädjlidje «perfonen »on bem größten «Ruthen; bodj wirb ße in jebem galt« Srteidjterung gewabren unb fottte ofene 33ergug befdfeafft werben. «Bei manefeen Seiben ber ©ebärmutter iß es für ben Slrgt afefotut notfewenbig, ein« Unterfuctjung tiorguneb. men, bie jwar für bas 3artgefübt äußerß peinttefe fein Mi, ber ßcfe aber bodj jebe grau tion watjrljaft reiner unb feufdjer ©eßnnung W SBiberrebe unterwerfen wirb, wtnn ifer ber Slrgt, in ben ße ifer 3Sertraueitfc|>t,MJ ßänbtg ben ßwtd unb bie «Rottjwenbtgfeit berfelben ertiärt. Ss mag feonßfl »cr^ fommen fein, baß foldje Uttterfucfeungett unitötfetger SBeife gemadjt würben, • baf ßdj ber Slrgt burdj feinen Sifer für bie SBiffenfdjaft tierleiten ließ, **m Sntgünbung ber ©ebärmutter. 503 fefer baS 3artgefüljt ber grauen, bü att biefen befonbere« kranftjeiten litten, gering ju acfeten. Ss fottte bafeer in fotdjen belifaten gätten bie Pßid)t jebeö feinfütjlenben £erjens fein, alle ©ebote garter S3efcfeeibenfe. eit uitb 3urüdt)attuitg gu beobadjten; benn Sitte mögen bebenfen, baß ifere eigenen ttjeuerften Slnge^örigeit, Mütter, ©cfeweßertt ober Södfetem äfenltdjett Seiben unterworfen fein fönnen, «Bei jebem S3orfatte ber ©ebärmutter iß ber ©ebraudj aßringiretiber Sinfprijjun* gen in bie ©efeeibe, tiermittelß einer Mutterfpri^e, als gwedmäßig gu empfefelen. Sine falt geworbene Slbfocfeung tion Sidjenrittbe bilbet eine gute Sinfprijjung, bie man nodfe ßärfer madjen fantt, inbem man etwas Sltaun barin auflöß. Man brauefee bie Sittfprtfcung gweimal tägiidj. SBenn bie ©ebärmutter, nacfebem ße in itjre Sage gurüdgebraefet iß, nictjt barin bleiben Witt, fo wirb es gut fein, ein feines ©dt)wämmefeen, etwa tion ber ©röße eines HüfenereieS, weldjes man in jeber Slpotfeefe befommen fann, in bie ©efeeibe elnjufüferen, fo baß ber ©ebärmutterfeals barauf rufeen fann. Sine fdjmale ©efenur follte an ben ©djwatttm befeßigt werben, fo baß bas anbere Snbe aus ber ©efeeibe feeraustjängt unb ber ©efewamm ein* ober gweimal tägtictj, etwa SlbenbS unb Mor- gend, feerausgegogen unb gereinigt werben tann; babei brauefee man jebeSmal, efee man ben ©efewamm wieber einfüfert, reicfelidje falte Sinfpri^ungeit tion Sidjettrütbe unb Sllaun. SBenn bas ©efewämmdfeen ßctj als gu Hein erweifett fottte, fo tierfdjäffe man ßdj ein größeres. Ss gibt audj Snßrumente gum ©tü£en bee ©ebärmutter, bie man Peffarien ober Muttergäpfdjen nennt, bie tion ©las, ©utta «Percfea ober einem anberen geeigneten Maürial gemadjt ftnb unb gewötjtttidj bei Slergteit ober Slpotfeefern gu X)ahen ßnb. Diefetfeen werbett gleichfalls in bie ©djeibe eingeführt, bamit bie ©ebärmutter barauf ruf)en fann. Dodj güfee idj bas ©dt)wämmefeen tior; febe grau fann baffelbe itt ber tiott mir angegebenen Slrt ofene weitere Hülfe gebrau* cfeen, unb wenn ße boju bie geeigneten aftringirenben Sittfpri^uttgett anwenbet, ir-elcfee bis an bie ©ebärmutter bringen muffen, fo fantt fte ftcfe in ben meißen gätten felbß furiren. ofene ftd ber Unterfucfeung ober ber S3efeanbtung eines Slrgtes unter* jtefeen gu muffen. SBenit gleidjgeüig ein etügünbtidjer 3ußanb ber ©ebärmutter erißirt, wie es Xjäuxta bis gu einem gewiffen ©rabe ber galt iß, fo muffen, je nadj ben Umßänben, nod anbere Mittet gebraudjt werben, bie in bem folgenben Slrtifel angegeben ßnb. ©ntjünbumj ber (BtMvmutttt. Die Sntgünbung ber ©ebärmutter gibt ßcb burctj einen beßänbigen brennenben ©efemerj in ber ©egenb biefeS DrganS unb tin ©efütjt beS DrudeS uitb ber ©cfewere 3« erfennen; oft erßredett ßdj ftedjenbe, fctjüßenbe ©dfemergen nad) beiben ©eiten Ui Unterleibes; bisweilen iß ber gange 33audj äußerß fdjmergtjaft unb empßnblidj u«b füfelt ftcfe feeiß unb gefpannt an. ©ewötjnfid) iß babei ber ©tufelgang tierßopft, ber Urin fpärlictj ober nnterbrüdt, bie 3unge troden nnb gefurefet unb ber «PuteJ befefeleuniflt unb aufgeregt. Sntjünbung ber ©ebärmutter fantt tieranlaßt werben butd) lange antjattettbe, Wtge «Jöeljen bei fdfewerer Stüfeinbuttg; burcb, 3urüdbteiben ber 9>tacenta ober •KAtyeburtj tuxd) piö&ftdje Unterbrüdung ber Soctjün; burd) Unterbrüdung bet 504 ©unit'« Haus-Stegr. Menßruation; burdfe äußere Verlegungen, burdfe Srlaltung; burdj ben ©tbraua) »on «peffariett unb burdfe SSorfatt ber ©ebärmutter. S3et)anblung. — Sine ber erßen Maßregeln bet ©ebärmuttcrentjünbung muß Sntleerung bes Darmfanals tiermittelß fütjlenber, tjpbragogifcfeer (bünnßüfßgj ©tüfele feertiorbringenber) Slbfüfermittet fein. Man gebe eine Iräfttge purganj, beßefeenb aus einem gefeäuften Sfeeelöffel tiott beS antibiliöfen «Puloers unb ber bop. gelten Duontität Sremor Sartari, ober aus 3alati»e unb Sremor Sartari; ober aus then fotiiel gepultierter Sutettfußwurjet, mü ober ofene 3alappe unb lüttnot Sartari; ober aus brei ©ran «PobopljptUn unb ber obigen Menge Sremor lartari. Dber man netjme bie Hälfte ber angegebenen Doßs unb wieberfeole biefelbe ßünblicfe, bis eine geljörige SBirtung erfolgt, kräftige fepbragogifcfee Purgongen ßnb bei biefer kranftjeit tiott ber größten SBidjtigfeit. SBenn ber Seib fefer »erßopft ift, fo follte man bie SBirfung biefer Mittet unterftüjjen ober wenigßens ben unteren Sfeeil Ui Darmfanals gu entleeren fuefeen, inbem man wieberfeolte .Klpßiere mit warmem SBaffer gibt, weldjem etwas ©alg unb gett unb ein wenig antibiliöfes Puloer fein« gugefügt iß; ober irgenb eine Strt oon Älpftier, um bie öerfeärteten gäfalmajfenju entfernen, efee bas SlbfüfermUtel gu Wirten beginnt, «Radjbem ber ©tutjlgong geöffnet iß, gebe man eine Doßs kaßoröl mit lerpen« tinöl, einett Sßlöffel tiott tiott bem erßerett uttb einen Sfeeelöffel »oll »on bem leiteten. ©enfpflaßer ober warme Umfcfeläge tion bitteren Kräutern fottten ouf ben Unterleib, in ber ©egenb ber ©ebärmutter, gelegt werben. Ss iß eine gute Metfeobe, erß ein großes ©enfpflaßer aufgulegen, unb ttaefebem man baffelbe, fo lange es ertragen werben fantt, barauf gelaffen, mit bett warmen 53äfeungett anjufangen. Der gemeine SBafferpfeffer ift gu biefem ßwede, wie überfeaupt bei atten Sntjünbungen ber Singeweibe beS Unterleibes, ausgegeidjnet uub fottte einen Sfeeil ber Äräutet bilben. Matt ntifdje Hopfen, SBafferpfeffer, JRainfortt, Sütbortt, Mamillen unb bergleidjen, fode ße unb tauefee glanetttüdjer in bie feriße Slbfocfeung, unb lege ße fo warm auf, als ße irgenb ertragen werben fönnen, unb erneuere bie Umfcfeläge beßänbig. ©teicfejeüig bebtene man ftcfe fotgenber Sinfpri^ung, welche »ermittelß einet Mutterfprüie in bie ©djeibe gemadjt werben muß. Matt nefeme einen gekauften Sfeeelöffel »oll Sfeforfaff unb löfe Üjn in einer Pinte falten SBafferS auf; biefe Söfung brauefee man gwei* bis breimal tägtiefe, inbem man jebeSmal mefere Sin* fpti&uitgeit mactjt. Die Quantität beS SfetorfalfeS im SSerfeältniß gum SBaffer fann attmälig bis auf bas Doppelte tiergrößert werben. Der Sfelortalf ift in jeber «potbrfe gu tjaben. Ss iß ein ausgejeidjnetes Mittet bei 33orfätten ber ©ebärmutter, wenn mefe> ober weniger Sntgünbuitg tiorfeaitbeit ift, erß einige Sage lang bie GfelorfalN löfung, bis bie Sntgünbuitg befämpft, uttb bann bie Slbfodjung ber Sicfeentinbe et* jufpri^en. , Der Seib muß burctj wieberfeolte Dofen fe^bragogtfdjer Purganjen offen erfeaite weri,ett _ irgcnb ein gutes, fräftiges, tiegetabilifdfeeS Slbfüfermittet mit ein ow iwti Sfeeelöffel tiott Sremor Sartari, wenigßetts einen Sag um ben anbeten mt t:< fe,olt; babei gebe man wettigßettS einmal tägiidj eine Doßs ßaßoröl mit Serpentin befonbers bei tjeftlger Sntjüttbung unb fatjre mü ben warmen UmfdläS« ff* «Bei großer fieberhafter Slufregung gebe man gefegentfid), etwa atte brtt «tu» . «ftpmptjomattte. 505 eine Doßs (ungefäfjr geljn ©ratt) bes blaptjoretifdtjett ober audfe bes Doöerifcfeen J)ul»erS. SBenn ber Urin unterbrüdt ober fpärtidj unb tion tjocferotljer garbe iß, fottte ber «jjatient reicfelict) Sifeifcfe* unb SBottfrautttjee trinfen; ober eine Slbfodung tion SBaffermelotten* ober tiott Jcürbtßfamen unb bagu ein* bis gweißünblidj einen Stjee* Iöffel »oll »erfaßter ©alpeterfäure (Spiritus Nitri Dulcis) mit etwas grauenmün* jentfeee. SBenn bie Äranfe aufrecfet ߣen fann, fo wirb eilt lauwarmes Hüftbab, in welcfeem ße eine fealbe ©tunbe lang jebeSmal gubringen tann, fetjr bientidt) gefun* ben werben. , SBenn man ßnben fottte, baß bie warmen Umfdjläge, nadjbem man ße eine 3eü lang »erfudjt, nicfet bie gewünfcfete Srleidfeterung fdjaffen, fo madje man ßatt beffett falte Umfcfeläge burctj Sluflegen »ott Südjern, bie in latus SBaffer getaucfet werben. 3äj \)abe gefefeen, wie in folefeen gätten burd falte Umfdjläge bie gtüdtidjßen «Jüful* täte erjielt wurbeit. Matt erneuere bie naffen Südfeer ßünblicfe ober «od) X)äußger, fo oft ße warm unb troden werben. Sferonifcfee Sntgünbung ber ©ebärmutter. S3ei ber dferotüfdjett Sntgünbuitg ber ©ebärmutter iß ein tägtidjeS warmes ©tjjfeab unb ber beßänbige ©ebrauefe beS Sibifcfe=Sb,eeS, oon welcfeem eine fealbe «Pinte tag* liefe getrunfen werben mag, gu empfefelen; babei madje man Sinfpritjuitgett mit faltem SBaffer, Iit welcfeem etwas St)lortatf aufgelöß ift — etwa ein Heiner Sfeee* löffel »oll auf eine Pinte SBaffer — unb feraucfje folgenbe «Pitten: man nefeme Macrotin, eine Dradjme; puttierißrten Äamptjer unb 3tiecacuattfea, je gwangig ©ran; feieraus madje man mit Söwengafett=Srtratt ober ©ummi Strabicümlöfung bierjtg «pitten unb netjme eine «Pille SlbenbS uub Morgens. Der ©tuljt muß burd) ben gelegenttidfeen ©ebraudj guter Sifefütjrpittett ober beS KaßorölS mit etwas Ser- pentinöt mäßig offen erijalten werben. 91 tj ut ü f) o m a n t e. Z)iti iß einfad) ein übermäßiges 33erlangett bei grauen unb Mäbdjett ttadj bem ©efcfelecfetsgenuffe, WelefeeS [xdj btS gu einem ©rabe ßeigert, baß es als kranffeeit betraefetet werben muß. Ss iß gewötjnticfe tion metjr ober weniger judenben unb brennenben ©cfemerjen an ben äußere« ©efcfeledjtsttjetlett uub in ber ©efeeibe, tion Scfemerjen in ber 331afe, mit Harngwattg unb Harntierfealtung, unb bisweiteit tion Dfenmacfeten unb tjtjfterifctjen Krämpfen begleitet. Ss fann aus verfdjiebenen Urfa* ttjen entßefeen; gum «Seifpiet gu fjäußgem S3elfcfelaf, ©ottorrfeöe unb baraus ent- (tefeenbe «Reigung ber ©efdjledtstjjette, erbifcter unb üppiger «ptjatttaße, muffiger unb fururiöfer Sebensweife, SBürmern, Onanie ober ©elbßbeftedung uttb ber* gleidjen. 23 e fe a n b t u n g. — Seiefete, tut)tenbe «Pflattgettfoß unb, wenn nott)wettbig, Saften; fufelenbe SBafcfeungen, gum «Beifpiel mit Söfungen tioit S3teiguder, Mampljtx uttb pnf, unb Umfdjläge öon faltem SBaffer auf bie ©efdjfecfe, tsttjeile unb ber reldjltdje, nntre ©ebrauefe »on Jtampfjer unb boppeltfotjlenfaurem «Ratron ftnb bie bewätjr* «N Seilmittel. Man madje tjaußg Sinfpri^ungeit tiott faltem SBaffer in bü 506 ©untt's Haus-Sltgt. ©djeibe; babe bie äußeren Sfeeile mit einer Söfung tion 33telguder — etwa eine Dracfeme nebß einer Dradjme gepultiertett JtampfeerS auf eine Pinte Stfaffet—-ab brauefee folgenbe «Pillen: man nefeme geputoerten jtampfeer, gwei Dracfemen, Speca- cuanfea, breißig ©ran ; madje baraus mit etwas 93ilfenfraut=Srtraft fedjig Pillen tion benen rine SlbenbS unb Morgens gu nefemen Iß. Dabei nefeme man tin« Ut groeimat täglicfe einen Sfeeelöffel tiott boppeltfofelenfauren «Ratrons mit etiua* SQaffer. Man fcfelafe auf einem fearten SSette. unter leidjter S3ebedung, »ermeibe wollüßigt ©ebanfen unb 33ücfeer unb madje ßcfe an irgenb eine nüfclicfee unb fefewete Slrbtit, welcfee allen Steilen beS Körpers freie «Bewegung geßottet unb ben ©eiß auf anbert Dinge lenft. äWldjgcfdjnmlft. — Phlegmasia Dolens. Diefe kranffeeit beftetjt in einem Slnfcbwettett eines ober beiber «Seine — gewöbn« tiefe; nur eines S3elneS — unb pflegt bei grauen einige Sage nadj ber Sntbinbung tiorgufommen; ober ße tann auf gefelgeburt ober feeftige Sntgüttbung Ui lltetui ober ber aitgrettgenben Drgane folgen. Die kranffeeit beginnt gewöfenlicfe mit ©djmergen in ber Seißengegenb, gu benen ßcfe mefer ober weniger gieber gefeilt; bann fängt baS Debem in ber Seißengegenb an, erßredt ßcfe attmälig auf ben Dberfajentel unb über baS gange S3ein, mit Sinfcfetuß beS gußeS, uttb nimmt immer metjr an Umfang gu, fo boß oft iit wenigen Sagen bas ©lieb bis gu fetner boppelten ©röße angefefewotten iß. Das 33ettt iß glatt, feeiß, bie Haut gefpannt, empßnbliefe unb gewöfenlicfe tion milcfewelßer ober glättgenbweißer garbe; babei feerrfefet gieber. Die kranfbeit fann ßdj in gwei SBocfeen tierlieren; aber bisweilen feält ße fünf Ut feefei SBodjen ober nocfe länger an uttb tierurfadtjt tiiel Seiben unb Slbmagerung. Die birefte Urfacfee ber Äranftjeü iß waljrfcfeeittlid) Sntgünbung bet 33enen be« 33edens, bie ßcfe ben SSenen beS 53eiiteS mittfeeilt; folefee Sntgünbung fann buraj Skrlejjung ber ©eburtsorgane bei ber Sntbinbung, burefe nadjiäfßge 33et)anblung bei ber ©eburt, burdj 3urüdbleiben ber «piocenta, burefe gu ptöljlicfee Unterbrüdung ber 331utungeit nadj einer getjlgeburt, ober, was ofene 3u>eifel feäußg bet galt iß, burefe S5erfaumniß, bie ungefunbett ©toffe unb Slusfdjeibungen balb naefe ber (Snt- binbung gu entfernen, tieranlaßt werben. Ueppige Sebensweife wäferenb ber legten «Periobe ber ©efewangerfefeaft foll eine tiorfeerettenbe Urfacfee ber kranffeeit fein. 33 e tj a n b l u n g. — Die SBefeaitblung muß X)ier, wie bei ber ©ebärmutterent^ günbung, mit eittem fräftigen, fe, pbragogifdtjen Slbfüfermittet begonnen wetben; ober wenn ber Magen empffttblicb, unb in Unorbnung iß, gebe mon guerß ein S3reajntittel aus Sobelia unb Specacuanfea (ßefe> unter ben «Regepten), unb erß, nadjbem taffelbe getjörig gewirft tjat, bie antibiliöfe «Purgang mit Sremor Sartari, ober gepnlrer» Sntenfußwurget unb Salappt, ober «poboptjpttin mit Sremor Sartari - wie beibtt ©ebärmutterentgüitbuitg angegeben — unb erfealte ben ©tufelgang butefe ben tagli- djett ober ttadfe Umßättbeit wüberljoltett ©ebrauefe berfelben Mittel, in Heineren Dofen, offen. . ©leiefegeitig gebe matt bie btapfjoretifdfeett «Pultier ober bie fdjwetßttcibenbe iwf tur, brei* bis tiiermal tägiidj, um auf bie Haut gu Wirten unb StuSbitnßung |« beförbern. Der wunbe Munb ber ©tiltettbeit. 507 Ui gefdjwottene «Bein fottte ßeißig mit einer Söfung tion ©atg in SBaffer unb Sfßfl gewafcfeen unb bisweilen feeißen ßräuterbämpfen ausgefegt werben. Sluefe brauefee man folgenbeS Siniment: man neljme Dlitienöl unb ßampfeerfptrituS, ü- jwei Unjen; Äreofot unb Saubanum, je eine Unge; nttfdje, fdjüttle gut um unb brauefee tägtiefe gweimal gur Sinreibung. ©alg mit Sfßg iß ein auSgegeidjneüS bittet unb fottte relcfelicfe, gebraucfet werben; audj »on ©alg, in Sßljisfp ober «Bratttü* rcein aufgelöß, Xjabe idj »orgüglldje Srfolge gefefeett. Sin Slufguß tion SBafferpfeffer unb ßinfenben Mamillen ift bei atten Äranffeeiteit biefer Slrt, als fd)weißtreifeettber Jfeee, befonbers gu empfeb. fen unb tantt in großer Menge getrunfen werben; man lann'nocfe «RofSmüttge feittgufügett, um audj urintreibenbe SBirtuttgeit bamit gu tier- binben. ©ie kranffeeit minbert ßdfe gewöfenlicfe unter reidj licfeen ©djwrißen unb Urinetit- (eerungett, aber »ediert ßcb, nur langfam; unb es fommt bisweilen tior, baß bte Slnfcfewettung niemals gang tierftfewinbet, uub oft bleibt eine gewiffe ©teißgfeit lange 3eit im 33etne gurüd. Die djronifcfee gorm.—SBenn bie kranftjeit cferonifcfe wirb, bas fjeißt, »enn bie Slnfcfewettung tfeeilweife gurüdbleiben fottte, fo baß bas 33ein eilt unebenes, unregelmäßiges Slusfefeen feat unb ßdj fdjlüßticfj, was Ijäußg ber galt iß, Süerßet* len unb offene ©efdjwüre bilben, fo ift am befreit folgenbeS S3erfatjren eingufdjlagett: man fealte bas 33ein täglid) über Dämpfe feeißer Äräuterabfodtjuitgen; matt madje (Einreibungen tion reigenbeit Sinimeitten uub Umfcfeläge tiott SBeigettfleie unb Ulmett* tlnbe, bie mit einer Slbfocfeung tion SBafferpfeffer unb Sictjenrinbe bereitet uub mü gepuloerter Mprrfee unb rotfeem «Pfeffer beßreut ßnb; bie wunben ©teilen tierbinbe man mit ber fefewargen ©albe (ßefee Sügepte). Sine ©albe, burefe Siufoefeung tion ßinfenben jtamittett, ©elbampferwurget uub S3itterfüßrittbe, gu gleidjen Stjriten, iit Hammelfett bereitet, ift ebenfalls gut. Dabei wa[d)t man bie ©efdjwüre mit einer Slbfocfeung »on SBafferpfeffer. $er townbe SHunb bet ©tiflenben. Z)iti iß ein Seiben, weldjes ßdj fjauptfädjfidj bei grauen wätjrenb ber «Periobe bes Säugens ßnbet; bocfe lommt es audj wäferenb ber legten Monate ber ©djwanger- fefeaft »or, unb es ßnb gätte befannt, wo es Weber mit ber ©efewangerfefeaft, nodj mit bem ©äugen in SSerbinbung gu ßetjett fdjiett. Ss beftetjt barin, baß ßcfe im Munbe tounbe, eiternbe ©teilen tion weißlidt)*grauem Slusfefeen bilben; bisweilen erßredt ti ßcfe bis in ben ©djlunb unb felbß bis in ben Magen unb Darmfanal. Sind) Ui Äinb wirb meißens bation ergriffen. Urfadjen. —Die kranftjeit etüßetjt waferfdjeinlid) in ber Siegel burd) ungwetf* mäßige 33efeanbluttg wäbrenb uub unmittelbar naefe ber Sntbinbung — inbem man Unreinigfeiten, bie aus bem DrganiSmuS tjätten getrieben werben fotlen, gurücf* bleiben unb ßcfe mit bem S3lute unb ben fonßigett ©äfteit bes Körpers tiermü ftfeen ließ. befeanblung. —Das bewaf)rteße Mittet, wetdtjes wotjl nur feiten fetjtfdjlägt, ffl feier bas 3 ob lall (lodide of Potassa). Man löfe gwei Dracfemen itt tiüe %n «Jtegenwaffer unb neunte bation eilten Sbeetöffel »ott gweimal täglid). Diefe 508 ©untt's HauS'Strgt. Quantität wirb gewötjnlidj gur Mux tjinreidjenb fein; bodj, wenn nötfetg, nefeme man biefelbe nocfe einmal. Dabei brauefee man aßrittgirenbe «Ucunbwaffer,. wie ße gegen ben SpticfetlßuJ (ßefee biefen) empfofelen würben. Dber man madje eine Slbfodjung »on Lorbeer« rinbe, Hpbroßiswurgel (Yellow Root) unb ©umadjbceren, mit ein wenig gebrann. tem «ilaun unb 23orar. SBenn Durcfefott tiorfeanben iß, was ber goß iß, wenn ßcb bie kranffeeit in ben «üflageit unb Darmfanal erßredt, fo nefeme ber Patient jirei- bis breimal tägiidj einen Sßlöffel tiott biefer Slbfodjung unb üben gweiten ober brit- ten Sag neutralißrettbeS «Puloer. SBenn bie kranffeeit wätjrenb beS ©äugenS auftritt, fo muß bas Mint fofort tnt. wöfent werben, ba es unmögtiefe iß, eine Mnx gu bewirten, fo lange gefäugt witb. SBenit bas Mint gleichfalls bie kranffeeit tjat, gebe man biefelben «DÜttel in gerin. gerer «Dünge. SBunbe »tüfle. SBunbfeeit ber «Brußwargett Wirb oft burefe bas Sragen enger Älelber ober ju feße« ©cfenüreit tieranlaßt. grauen, bie thtn Butter geworben, fottten bebenfen, baß wäferenb ber ©äugeperlobe Üjr SSrüfte tiiel größer ats gewöfenlicfe ßnb, unb ebenfo, baß burefe baS ©äugen beS ÄittbeS bie SBargeit tiiel empßnbltcfeer unb reigbarer wer< ben. Sine anbere fefer feäußge Urfacfee iß bie 33erfäumniß, bie Sßargen jebeomal nacb, bem ©äugeit gu troditeit. Die SBargeit fotttett, fo oft baS Mint »on bet S3ruf! genommen wirb, gut abgetrodnet unb mit etwas ©tärfemefe>Pul»er ober «Jflagneßa beßreut, ober mit etwas Hammeltalg beftrietjen werben. Doefe wenn ße wunb werben, gebraucfee matt eine ©albe, bie burd) SSerfoajung tion «Büterfüßrinbe mit Hammeltalg bereitet iß. Sluefe eine ©albe, bie tn berfelbe» SBeife aus gerftoßenem SBafferpfeffer unb Hammeltalg bereitet wirb, iß eine bet beßen für biefen ßwed. Severe ©albe tann ebenfalls, wenn eS gewünfajt witb, 3ttm Sluftrodnen ober ©topfen ber «Midj gebraudjt werben, inbem man bie 33# retdjlidj bamit einreibt. Das Sluftrodnen ber «JJctldj. SBentt obige 3Bafferpfeffer=©albe nictjt ausreiefeen fottte, ober wenn ße nicfet bei ber Hanb iß, fo tjabe iefe als eines ber beßen bittet gu biefem ßwtdt ben Äamp et- feifenfpiritus bewätjrt gefunben. man neunte etwa »ier Ungen ßärfer flammt« Sinftur unb füge etwa gwei Sßlöffel tiott fdfewarger ©eife tjingu ; bieS Siniment 11 febesmal tior bem ©ebrauefee gut umgufdjütteln unb brei* bis oiermai tagHU «i bie «Brüße gu reiben.. Dber man ttefjme tiier Ungen Sllfofeol unb Je eint bii.i u j itamtfer unb fpattifdje ©eife; mifefee uttb braudje itt berfelben SBeife. Sntgünbete Srüße. — Wild) fieber. 509 (gntjünbete SBrüfte. gin fefer gutes Mittel, um bie ©efcfewulß gn tierttjeilen unb ber Sntgüttbung gu begegnen, wenn beibe tticfet gu weit tiorgefdjrütett ßnb, Iß nadj meiner Srfab, rung bas Iragen eines (amerifonifcfeen) SBüfelfetts. Sin frifdje« iß am beßett; bocfe aud) ein getrodnetes iß gut, wentt man es gutior in warmem SBaffer erweidjt. man bebede bamit bie gange ßix)t, fo baß bie gteifcfefeite auf ber Haut liegt uub trage es beßänbig mefere Soge long, außer wentt bas Mint gefättgt ober bie mildj entfernt werben foll. Ss wirb bie kranffeeit burdfe ©dfewtfjen austreiben. Ss muß gang weictj unb biegfam feitt unb ber Pelg muß baran fein. Dabei reibe man gelegentliefe mit einer ©albe ein, bie burdfe bas Modjtn tion 23it* terfüßwurgel unb ©tedjapfelfelättern itt gett gu bereiten iß. ©iefee aua) ben »orijergetjenbett Slrtifet: „SButtbe 33rüße." m i l \% f t e B t r. Das «JJcÜdjßefeer beftetjt iit einer Sntgünbung unb SSertjärtung ber «JMctjbrüfen, bei weldjer bie Drüfe ober ein Sfeeil berfelben gerötfeet, fcfemergtjaft unb gefcfewotten iß; oft gefet biefelbe in Siterung über, ober es bilben ßdj ffürtjöfe ©efdjwülße, SrußfrebS u. f. w., tiorguglicfe bei ungwedmäßiger SSefeanblung. mand)t grauen werben biet leidjter »Ott bem Uebel ergriffen, als anbere. Unterbrüdung ober 3urüd= tjaltung ber «Mdj iß gewöfenlidj bie Urfacfee; bies fantt burefe Srfältung, ©djred, Kummer, bett Sob beS KinbeS ober beffen Unfätjigfeit gu faugen uub bergletdjett tier* anlaßt werben. 33efeanbtung. — Die kranfljeit tritt gewöfenlicfe, mit ©efeauer ober großan* fallen auf, benen gieberfei^e folgt. SBenn bies ber galt ift — unb überfeaupt faß immer in bem erßen ©tabium — iß es am beßen, bie S3etjaitbtung mit einem S3recfe> mittel (ftefee unter ben «Jügepten) gu beginneit unb eine ©tunbe bis gwei ©tunbeit fpäter eine Purgang folgen gu toffen. Dann, wenn man bie Siitftureit tion SBafferpfeffer, fttttfettbett ^amittett unb öd> tet. Mamillen bet ber Hanb bat ober ßdj tierfdjaffen fann, netjme mau gu gletdjett Jfeeilen baöon uttb gebe bie «Wifdfeung itt Sfeeelöffelbofett b. alfeßüttblicfe ober ßünblicfe, Ui reidjlidjer ©cfeweiß ausbriefet. SBentt man bie Stnfturen nicfet feaben fantt, maaje man ßarfe Slufgüffe tion ben genannten Kräutern, befonbers tion ben erßen beiben, unb laffe relcfelicfe. bation trinfen. Sbenfo wa[dje man bie S3rüße bamit unb lege bann ein Pflaßer tion feingeßoßenem ßampljer mit gett gemifdjt über bie gange 53ruß. — 2ßenn bie Kräuter nictjt gu X)ahen ßnb, netjme man gteidje Sljette «Branntwein (»bet SBfeüfp) nnb Sfßg, wärme bie Mifefeung nnb löfe fo tiiel, als möglicfe, ©alg barin auf unb braudje als SBafdjung; ober tauetje gtattetttüdjer Ijitteitt unb lege biefelben, fo feeiß es ertragen werben fantt, auf. Des «Racfets lege bas ßampljer* w«b füttpflaßer auf, in welcfees nocfe ein wenig fdjottifdrjer ©djnupftabad gemifdjt »erben mag. Srigenbes aufammengefetüe Siniment iß ebenfalls gn empfehle«: man tiefe; me, 510 ©unn's HauS'Slrgt. Dlitiencl tiier Ungett, löfe barin eine fealbe Unge pultierlßrten Äompfeet auf unb füge bann eine Unge Serpentinöl unb eine fealbe Unge Sreofot feingu; fcfeüttte jebe«. mal gut um uub reibe bie 33ruß gwei* bis breimal täglicfe bamit ein. ©Iticbjeitig gebe man bas biapfeoretifdfee «pultier in gwangig ©ratt=Dofen, brei- ober »ierßünbliaj um bie Slusbüußung gu beförbern. SBentt man inbeffen ßnbet, baß man burdj atte biefe «Dtittel bie ©efcfewulß nicbl tiertferilen fann, unb baß bü Siterbilbung ßcfe nicfet tierfeinbern läßt, bann muß man fuefeen, biefetbe möglicfeß fefenett gur «Jüife gu bringen, inbem man watme Umfcfeläge mit einem S3rei aus Ulmenrinbe unb Saugenwaffer, ober aus Seinfamenmefel unk einer Hopfenabfocfeung macfet; bie 3utfeat tion etwas Honigwaben wirb bie Um. fcfeläge nodfe wirffamer macfeen. man fefeiteibe bas ©efefewür nidjt auf, efee es bem Stufbredfeen nafee iß obtt man bie Materie burdfe bie Haut füfetett fantt. Ss iß tiietteiefet gewöfenlicfe am beßen, wenn man Umfcfeläge macfet, bis es tiott fetbß aufbriefet, ba bann bie SJnfammlung neuer Materie weniger waferfcfeeinlicb, iß. Sei bem Htneinfefeneiben fealte man bie ©pü3e ber Sangette ober bes Snßrumeuts nad) ber 35rußwarge gu, ba man auf tiefe Slrt efeer bie 93ertet3Uttg ber 9Jc1lcfegättge tiermeibet. «Jcacfj bem Sluslaufen ber «tteaterie fafere man mit ben Umfdfelägen fort unb wafaje bie Siterßette mit Slloe« unb «Ucprrfeen-Sittftur aus; am beßen bebient man ßcfe bagu einer Heilten ©pri£e. SBenit bie SBunbe fetjr fcfemergfeaft iß, füge man ber Slloe- unb «JJc*prrt)ett*Slttttur ein Drittel Saubanum feingu. Sine Slbfocfeung »on wittern 3nbigo uttb SBetßetdjettrtnbe iß ebenfalls gut gum Sluswafdjen. SBenn bie Gntjün. bung befeitigt iß unb bie Siterbilbung aufgebort feat, ober wenig ober gar feine Slbfonberung mefer ßattßnbet, tjrite man mit ber fefeworjen ©albe (ßefee «Jttjepte), mit «JJcutterfalfee ober irgenb einer anberett guten SBunbfalbe gu. Uebet bie S3tfeanb- tung bes 33rußfrebfeS ßebe baS Kapitel über ßrefesgefefewüre. ^uerjjeralfüuer. — tinbacttfülicr. Das puerperal« ober ßinbbettßeber iß eine Ärantyetfeform, welaje bisweilen M SOBÖctjnerinnen wenige Sage naefe ber Sntbinbung auftritt, unb gilt im Slttgemeinen für gefäbjlicfe. Ss pßegt einen entgüitblidfeett Sfearafter gu feaben unb mit Sntutn. bungsguftänbeit ber ©ebärmutter ober bes peritonäums (SBaudjfettö) tn »«in« bung gu ßefeen. ,,,. Die geroöljnlidjen ©pmptome ßttb großanfätte, auf welcfee gteberfe.be: W. tfopffdfemerg; ©pannuttg ober Siuffdjwettett beS Unterleibe« mit großer ßmpnnw teit unb tjeftigem ©efemerge; Unterbrüdung ber mildj unb gewöfenlicfe auefe unter brüdung ber Sodjieit; Uebelteit uub bisweiten Srbredfeen; Durß; »*«»«*' «mebergefdjlagenfeeit uub Ijäußg Delirien. SMsweiütt ttimmt ™J<* tpptjusartigen Stjarafter att unb iß bantt befonbers gefabriüfe. IM m« 8 am britten ober tiierten Sage nadj ber Sntbinbung auf. , ßn ben Urfadjett getjörett lang anfeattenbe, fdjwere ©efeurts»^jj^* . tion Sttßrumentett bei ber Stttbinbuttg; eitt talteS unb feudjteS SBocfeenbett^ unb ungeeignete «Betjanbtung nadj ber Sntbinbung. f< «B e tj a n b t n tt g. - tatt tion jefe,n gättett bes ^uerperalßeber« fonnte« »tn Puerperalfieber. 511 ben werben, wenn man bie SBödjnerin am nädjßett Sage ober ungefätjr tiier unb twanjtg ©tunben naefe ber Sntfeltibuttg gtünblicb, unb getjörig afefüferen ließe, ßu biefem ßrnde gibt es fein beffereS Mittel, als eine tiotte Doßs beS antibiliöfen «put- wi mit Sremor Sartari; ober eine Doßs tion etwa brei ©ran «Pobopfepllitt mit eitt bis jwei Sfeeelöffel tiott Sremor Sartari. Dies wirb bie ungefuttbett Situ)äufungett unb SluSfefeeibungen au& bem .Körper entfernen, bas S3Iut tierbüniteit unb fütjtett unb »tel bagu beitrogen, um bie Äranffeeit gu tierfeüten. SBenn bie kranffeeit gum SluSbrud) gefommen iß — uttb wenn tiiel Uebelfeit uttb Stedjreijung »orfeanbett iß, gebe man eilt S3reefemittel (ßefee mebijtnifdje «Puloer unter ben «Jügeptett), weldem, fobalb es feine SBirfung getfean, eine fräftige X)pbrago- gifefee Purgang folgen muß — etwa ein Sfeeelöffel tiott bes antibiliöfen «puttierS, ein ®ran pobopfepttin unb gwei Sfeeelöffel tiott Sremor Sartari. SBübertjole bie Doßs naefe brei ©tunbeit, wenn bie erße Doßs leine SBirtung feat. Dabei muß ber Unterleib mit warmem Saugenwaffer gewafcfeen werben, ©obalb bie Purganj gewirft feat, gebe man einen warmen, fdjweißtreibenben Stjee, gum 33eifpiel einen Stufguß oon Sitgwer, «Jtoßmünge unb SBafferpfeffer ; wenn man nodj etwas ßinfenbe Mamillen unb äefete Äamittenblumen bingu tfeut, wirb es um fo beffer fein. Die fcfeweißtreifeenbe Sinftur fottte ebenfalls unb gwar in SSerbtttbung mit ber fealben Quantität 33tutwurget-Sittf tur, in Sbeelöffelbofeit, ßünblicfe ober gwei* ßünblicfe, gegeben werben. Dabei lege man tjeiße, gefoefete Sftaisfolben ober tjeiße ßiegelßeine, in Südfeer gewidelt, um bie Traufe im S3ette tjer, wetdeS bie ©djweiß- ergeugung beförbern wirb. Umfcfeläge »ott bitteren Kräutern auf ben Unterleib werben fetjr bienlidj gefunben foerben. SBafferpfeffer unb ßinfenbe Mamillen fottten gu ben 33eßaitbttjeilen getjörett; auefe Jpopfenfelätter ßnb gut. man fodfee biefe Pflangen eine SBeile unb füge bantt eine Pinte weidfeer, fdfewarger ©eife feingu; in biefe Sftifcfeung tauefee mau glatteH- tücfeer unb lege biefelben fo feeiß auf, ats ße irgenb ertragen werben fönnen unb erneuere bie Umfcfeläge beßänbig. SBentt bie Sntgünbung unb bie ©dfemergen.unter biefer 33efeanblung nicfet oerfdjwinbett, fo madje man einett Umfdjlag tion Hopfen unb £oljfofele unb gebe titnerlidj reidjlidje Duantitäteit tion Hefe unb Mol)le. Der ©tufelgang muß burdfe getegentlicfee fleine Dofen tion «Pobopfepttin mit Sre- mor Sartari offen erfealten werben; auefe wirb es gut fein, fjitt unb wieber eine Doßs Äaßoröl mit Serpentinöt gu geben. SBenn bie 3unge ßarf belegt iß unb bas gieber anljält, bereite matt ein «Puttier aus gleidjen Sfeeilen gepuitierter 53tutwurget, Sriswurget unb ©atpeter unb gebe ba»on fünfjefen ©ran atte brei ©tunbeit. SBenn ßdj Delirium einßettt, lege matt Senfpflaßer auf ben «Kadett, bie güße uub bie inneren ©djenfelßädjett. SBetttt bie £ ftdjttg fein, bie Kraule tior Srfältuug gu fdjütieit, bamit ber SluSfcfelag nicfet juntd- trete, ©ottte bies gefdjetjen, fo laffe matt fte fofort eitt warmes 33ab nefemen unb greje Quantitäten warmer, fttjweißtreibenber Mittel trinfen, gum «Beifpiel einen ftarW bes Sfjompfott'fäett KompoßtionSputoerS, mit glieberblütfeen, ©afran u. f. ».,« eine Slbfocfeung ober Sinftur ber fdfewargen inbianifefeen ©cfeiangenwnrjtl. •» ber Slbfocfeung tann eilte tjatbe Sbeetoffe gwei- bis breiftünblid) getrunfen wer» , »on ber Sinftur brauefee man einen Sfeeelöffel »ott ßünblicfe ober jmeißunblta), Der weiße gtuß. 513 etwas warmem Kräuterttjee. Sei 23ereitüttg ber Slbfocfeung fantt man mit «fluten etwas ©offafrosrinbe feingufügen. «Kilbe S3efeanbtungsweife, Süinlitfefeit, frifdje ßuft, leiefete Diät unb bie Kranffeeit itjren natürlicfeen «Verlauf neb. mett laffen —bas iß bas ridjtige 33erfaferen. 33or Slttem fei matt auf ber Hut gegen Srfältung. SBenn bas gieber fefer fjeftig werben fottte, gebe mon bas biapfeoretifefee ober Doöer's Pulüer In jefen ©ran-Dofett, itt SSerbinbung mit einem ©ran Sfeinin gu Jeber Doßs, alle brei bis tiier ©tunbeit. SBentt ßefe ©efefewüre im muntt bilben follten, fo gebraudfee bie geeigneten «JJcunb- uttb ©urgetwaffer, bie unter bett «Jügepten ju ßnben ßnb, ober feefeanbte nadj bem 33erfaferen, weldjes an einer anberen ©tette für bie 33efeanblung beS wunbett «Dfunbes ber ©tittenbeit angegeben iß. $er toeifie $lu§. —Leucorrhea. Der weiße gluß, tnebiginifefe Fluor albus ober Seucorrtjöe genannt, iß eine franf- feafte Slbfonberung, weldje aus ber ©ebärmutter ober aus ber ©djeibe fommt, unb beßefet aus einer weißen, eiwrißäfenttdjen geudjtigfeit, bie bisweilen bünit unb bis- weilen bid iß unb nicfet feiten audfe eine buuflere, gelfelidje gärbung feat. Das Seü ben berufet auf einer eferonifefeett, fubofuten Sutgünbung ber inneren gfäcfee bet ©ebärmutter, welcfee in einem gerötbeten unb wunbett ßußanbe iß. Diefe fo gewöfenlicfee unb fo läßige grauenfrattffeeit fann hti ber tierfdjübenßett Körperanfage unb unter ben tierfdjübenßett Umftänben auftreten; gewöfenlidj.ift ße inbeffen mit einem allgemeinen ©efewäefeegußanbe tierbunben; unb gwar faß oljne Sluönafeme, wenn ße bereits lange angetjalteit feat. ' Diefer Slusßuß, ber bei tierfeeiratfeeten grauen fo Ijäußg tiorfommt, barf nidjt, toie es leib er gu gef dj etje n pflegt, tiernadjläfßgf werben; benn nicfet nur wirb bas allgemeine SBeftnben, bie Kraft uttb ©efunbfeeit beS Körpers baburefe ernßticfe beeinträchtigt, fonbern es entftefeett auefe nicfet feiten bie gefätjrttdjßen Kranf- feeiten ber ©ebärmutter burctj folefee S3ernaefeläfffgung. 33on allen Kranffeeiten, welcfee bem weiblidjen ©efdfelecfete eigentfeümtlcfe ßnb, iß Uti bie gewöfeitticfefte unb feefdjwertidj ße. «ftur wenige tierfeeiratfeete grauen entgetjen i|ren Slnfällen. man foüte bebenfen, baß bies Seiben oft nur burctj «Jtadjtäfftgfeit entßefet, uub baß bei ber mitberen gorm bes SlusßuffeS ein wenig ©orgfalt unb einige Hauemittel oft ausreidjen, um bas unangenefeme Uebel gu entfernen. Dodj toenn man es aus falfcfeer ©djam ober aus Seicfetßnit fortfdjreiten läßt, fo wirb es mit ber ßeit bie gange ©efunbfeeit untergraben unb fantt gu SBafferfucfet, ©dt)winb- fuebt unb anberen aus ©cfewäcfeung entftefeeirben töbtliefe,en Kranffeeiten füferen. S3ei manefeen grauen ßefet ber StuSfluß fo unfefeutbig aus, baß ße ifen feiner S3ead)tung für wertfe fealten, bis allgemeine ©cfewädje unb eine ernftlicbe ©törung beS S3eßnbenS erfolgt, wäferenb ße ifen burdfe «Reinlidjfeit unb geitiges Sinfdreitett triefet tjätten ent> fernen fönnen. Diefe «Jcadjtäfßgfeü tierurfadjt fjäußg Sntgünbungett ber ©ebär- mutter unb läßt bas Uebel etnwurgetn. Sei »oltblütigeit, fetten ober fleifdjlgen grauen, befonbers in ber mittlere« SebenSperiobe, ßnb bie entgüttbliefeen ©pmptome bisweilen tion größerer Heftigfett, «nb es iß ein forgfältiges SSerfabrett erforberliefe, um bü inneren Sbeite burctj ben ©ebrauefe »on warmem SBaffer ober'tattern ©algwaffer, ©ifcfeäbern uttb bergleidjen 514 ©untt'S Haus*Slrgt. gn erleidfetern. 3n otten folefeen gätten muß forgfältig auf ben ©tufeljang geacfeltl unb berfelbe burefe tufelenbe purgangen, wie Spfomfalg, ©eiblijj Pulotr u. f. ». ober talte SBofferflpßiere regulirt werben. Dabei muß man nie »ergeffen, baß ii atten gätten bü ßrengße «ftelnlidjfett gu beobaefeten iß, uttb SBofdfeungen btr Ibeife mit faltem SBaffer triefet »erfäumt werben bürfen; büß iß in ber Uat bei bem weißen gluffe bas Haupterforberniß, fowofel gur 33erfeütung, als jur Teilung. ©erabe feeraus gefagt, Mangel an «Jüittltcfefrit iß eine ber feaußgßen Urfadjen biefe« SeibenS. Die Kranffeeit erfdjeint gewöfenlicfe furg oor ober furg nadj ber monatliajtn «Periobe, unb grauen, bei weldjen bas monatlidfee 53lut befonbers ßarf gu fein t-^i, »erben teiefeter tiom weißen gluß feeimgefuefet. Sei «tt?oncfeeit iß ber Slusßuß beßan. big, bei Slnberen tritt er nur gu 3riteit auf. SBenn bie Kranffeeit lange anfeält, bringt fte nidjt nur große ©cfewäcfee, fonbent audfe Unorbnungen ber SSetbauungsor- gane uttb beS «Jceroenfpßems tjeroor. SBenn bas Seiben feeftig iß, fo iß es fij) unfefelbar mit bpspeptifdjen ©pmptomen tierfeunben. Die Haut wirb blaß, es bilben ßcfe bunfle «Jtänber unter ben Slugen, äfenltcfe wie gur 3ett bes monatllefeen Unwofel- feitts ; bü üttcusfetfraft erfdtjlafft, es ßetten ßdj feäußge ©dfemergen Im «Rüden unb in ber Seißengegenb ein, unb fortwäferenbeS Kränfetn untergräbt bte gefammte Kör* pertierfaffung. Die Seucorrfeöe ober ber weiße gluß folgt oft auf eine Sntgünbung ber ©ajleim- feäute ber ©ebärmutter unb ber ©djribe, wirb Jebodj tiietteidt nocfe feäußger burcb, Srfefetaffung unb ©cfewädfeegußänbe tieranlaßt. Die Kranffeeit fonn bafeer aus allen Urfadjen etüßetjen, wetdje entgünbttdje Sbätigfeit ober allgemeine ©cfewäcfee feewo^ bringen. Dagu gefeören utüer attberen: unregelmäßige «Dünßruatlon, (Srfältung, Mangel ait SBewegung unb an frifdjer Suft, fpätes Sluffelelfeen, aufregenbe Mtüre, ©efettfefeaft unb Uitterfealtung, ©emütfeStierßtmmungeit, laßerfeafte ©twofenfeeiten,' gu früfeeS ober gu fpätes Heiraten, erfei^enbe ©peifen unb ©etränfe, «Jteigmittel, gefcfetedjtlicfee Slufregung unb Slusfdjweifungen, ber Sinßuß falter unb nafftr SPit- teruitg, bünne gußbetteibung, SSerle^ungen bei ber Sntbinbuug, gu fearte Arbeit, bünne Kleiber unb atte Sinßuffe, welctje bie Sebensfraft bes Organismus betlnträco« tigen. Die großen ©täbte ßnb bie Hauptptä^e, wo ßcfe biefe unb anbere grauen* frattffeeitett bilbeit. Die «Pubertät ober «fleaunbarfeü wirb bort früfereif entwidelt, iit anbereit SBorteit, ber Uebergang tion ber Kinbfeeit gum 3ungfrauenalter gefet ju fefettett tioit (Statten; benit bie 33erfeättniffe bringen eine «OTenge erregenber Urfadjen mit ßcfe; bie tägtiefeett ©ewofeitfeeiten ber grauen ober tiietmefer Mäbdjen ßnb geeignet, ße gu fdjwäcfeett uttb für Srfältungen bei ber geringßen SSeronlaffung empfänglich gu madjen, woburefe eine gange «fteifee tion Kranffeeiten tierbreitet wirb. «Bei manefeen «perfonen fdjeint bie «Reigung gum weißen gluß in ber förperlicbni Slnlage gu liegen unb entftefet ob, ne 3weifet in tiieien gätten aus einer ffropb,u!cifn Dpsfraße. S3efonbere Semperamettte ßnb ebenfalls mefer bagu geneigt als antere. grauen tion nertiöfem Semperamettte —mit fetonbem ober rötfeliefeem Haar, tutet bünitett, burdjrtdjtigen Haut, unb »orgüglicfe, fotdfee, beren ©lieber bei jeber gertngeti . Stnßrengung anfefewetten, ßttb S3eifpiele baoon. Der innige 3ufammenbang k Uterusfpßems mit ben großen «Kertiencentem iß ebenfalls eine Urfadje biefer *ra < $eit, fo baß biefetbe oft burcb, plördidfeeit ©efered, Slngß unb ©orgen, ^■»•'JJ Kummer unb Seibenfdaft tieranlaßt wirb. Kurg SltteS, was anbere Jfeeue Organismus in Unorbttung bringt, fdjwäefc,t ober tranf madjt, wüft angreife» Der weiße gtuß. 515 bit ©ebärmutter, bie auf gefeeimnißtiotte unb fpmpattjetifdtje Söt fe mit jebem anberen Drgan bes Körpers in SSerfeinbuttg ßeljt. Die SBidjtigfrit biefer S3emerfungen mag baraus feeurtfeeilt werben, baß bas SSorfommen biefer Kranffeeit in itjrer fdjwe- ren gorm unb bie weiteren gotgen, welcfee ßctj getegenttidj baraus etüwideltt tonnen, oft ju falfdjem 33erbacfete moralifcfeer Unrettujett geführt unb Sntgweiungen tierur- facfet feaben, wo fein ©runb bogu war. «Jcümals fottte folcfeem ©ebanfen audfe nur für einen Slugenblid im ©eiße «Jtaum, unb nodj tiiel weniger SluSbrud in SBorten gegeben werben, wenn nicfet bie forgfättige Unterfucfeuitg uttb Stnßtfet metjr ats eines SlrjteS bagu beredtigt. 3n Haren SBorten: bas Uebel fann fälfdjlicfe mü ber ©onorrfeöe »erwedjfett werben, inbem ber Stusfluß bei feartnädigett gätten burd) feine fäuerticfee S3efct)affenfeeit, bie gelbe garbe u. f. w. fo ätjitltcfe ift, baß bisweiten fetbß ein Slrgt baburefe getäufd)t werben fann. Diefe anbere Kranffeeit feat jebod) einen mefer entgünblidfeen Sfearafter, ift »on mefer Ht&e, tiott S5rettiteit unb Stnpßnb- licfefeit bei bem SBafferlaffen begleitet, unb ber Stusfluß tjat eine bunflere gelbe garbe. (So lange ber weiße gluß bauert, iß bie gewöfenlicfee gunftion ber mottatfldjett Steinigung mefer ober weniger in Unorbnuttg; bas Uebel ßefet immer mit einem Seiben ber ©ebärmutter im 3ufamment)ange unb gefetgeburten treten leidjter ein. SBorfalt ber ©ebärmutter wirb ebenfalls feäußg burdfe bie Seucorrtjöe tieranlaßt unb tß fo feäußg bamit »erfeunben, baß es tjier erwäfent werben mux). Stußerbem, wtxxn ein 3uwacfes ber gamilie gewünfefet wirb, fo ift es nidjt waferfdjetnlidj, baß bieS Verlangen, fo lange ber Stusfluß anfeält, in Srfüttung gefet; bentt weitit bas Uebel etngewurjelt iß, fo »ediert bie ©ebärmutter attmälig itjre gufammengiefeenbe Kraft, unb ber ©amen wirb unmittelbar, gufammen mit jener tranffeaften ©dfeleimabfott- berung, entleert. Das Uebet ift, wie gefagt, tiott allgemeiner ©cfewäcfee faß unger- trennlid) unb gerßört faß ßajer bie ©efunbfeeit, wentt es längere 3eit in tjofeem ©rabe anhält; anbererfeits tonn matt es im Slitfange fefenett genug tos werben, burefe «Rufee, '«JüinUdfefeit, Diät, SBafcfeen mit faltem SBaffer, ben gelegentticfeett ©ebrauefe milber falgiger Slbfüfermittet unb burefe Sinfpritiungett iit bie ©efeeibe mit faltem ober lauwarmem SBaffer. 3m übrigen bebiene man ßcfe ber im gotgettben angegebenen «Heiltet. Heittierfaljrett. — SSor Slttem iß «Reiittidfefeit gu beobadjteit; matt wafcfee feäußg mit faltem ober lauwarmem SBaffer unb madje brei- bis tiiermat täglid) bamit ginfpri^ungeit in bie ©efeeibe tiermittelß einer 9J?utterfpri^e, bie in jeber ^otfeefe für gefen bis gwangig Sents gu tjaben iß; am beßen ftnb bie ©las- sen. 3n allen gäüen wirb eine geljörige «Jügutirung ber Diät oft ritte große S3efferung bes allgemeinen S3eftnbeitS bewirten. «Bei oollbtütigen graueit fottte bie Koß aus ©emüfen ober leidfeten unb nabrljaften ©peifen beßefeen; bei fctjtoadjtidjen ober angegriffenen grauen iß eine mefer reigeitbe Diät attgebraefet: gteifdjfpeifeit, «Port- en, «JJcalggeträttfe unb tonifcfee Mittel, welcfee bett DrganiSmuS im Sittgemeinen ßarfen. 3n allen gätten iß bie nötfeige Slufmerffamfeit auf «fiulje, mäßige S3ewe« 8»ng unb regelmäßige ©tunben beS ©djlafeS gu ridjten unb Stiles gu tiermeiben, n>as bie jträfte erfdjöpfett ober minbent föttnte. SBärme ober falte «Bäber, je nadj bem förperlidjen 3ußanbe, ßnb gn empfehlen. 3dj tjabe gefunben, baß bet «Wtauefe eines ©djauerbabes jeben borgen, worauf ber Körper jebeSmal mit einem 516 ©unn's HauS-Sfrgt. rautjen Hanbtudje gut abgurelben iß, unb babei innerlicfe ein Präparat »on (Sifen unb Rfeabarber, in ben meißen gätten bem Uebel fefenett Sinfealt getfean unb felbß äußerß fdjwädjtidjen grauen bte ©efunbtjeit wieber gegeben feat. Sine Sinfpritjung tiott grünem Sfeee feabe idj mit tiielem «Kuben »crfdjricben; biefelbe fann an ©tette ber SBaffereinfpritiungeit treten unb falt ober lauwarm gebraucfet werben, je nadjbem man eS am guträglicfeßen ßnbet. Sine Sinfprihung mit 33leiguder iß eines ber füfelenbßen aßringirenben «Kittel bei biefem Seiben unb fottte gwei- bis tiiermal täglicfe gebraucfet werben; in mtlberen gätten wirb es »on großem «Jfu^en gefunbett werben; befonbers bei tiottblütigen grauen wirb biefe 5in< fpritiung neben bem ©ebraudje ber fatten SBafefeungen unb einer gelegentlicfetn Doßs Spfomfalg bett beßen Srfolg feaben. Das 33erfeältniß ber «JDÜfcfeung iß fünf bis aefet ©ran «Bietender (mebiginifdj, Acetas Plumbi, efßgfoureS S31ei) auf brei bis tiier Sßlöffel tiott «Jügenwaffer. Sluefe, fantt mon eine wirffame öinfprifjung aus fünf bis fecfes ©ran weißen SMtrtoI (3inffulpfeot) mü berfelben Quantität «Jügenwaffer, weitem ober beßittirtem SBaffer bereiten; ebenfo aus Sllaun in bem« felbett SBertjältniffe; ferner fann man eine Slbfocfeung tion Sicfeenrinbe, »on grünem %X)tt ober tion ©attäpfeln brauefeen; atte biefe aßringirenben ©toffe werben, oiet bis fünfmal täglicfe eingefpri^t, bei regelmäßigem ©ebraudje ben Slusßuß entfernen, bem wenige grauen, »orgüglicfe foldje, bie tierfeeiratfeet ober «Dcutter geworben ßnb, gang entgefeen; benn tiott attett bem weiblidjen ©efdjlecfete eigentfeümlicfeen Kranf- beiten ift feine fo gewöfenlicfe, ats ber weiße gtuß. 3cfe tjabe bei biefer Kranffeeit Ijäußg jeben britten ober vierten Sag ein gelinbe* SSrecfemittet aus 3pecacuant)a tierfdjrieben uttb in mandjett feortnädigen gälten »on großem Tineen gefunben. Dreißig bis tiiergig Sropfen SBatfam Sopaiba, breimal täglicfe, ober jwanjig Ui breißig Sropfett Serpentittöl auf 3uder genommen, ßnb als auSgejeidjnete «Kittel bei biefem Seiben gu empfefelen; ein Sfeeelöffel tiott Sufeebenpuloer mit einem ©lafe SBaffer, gweimal tägtidj, ift ebenfalls eine tiorgüglicfee Mebigin. 3eber biefer Slttitel fattn abwedjfelttb tierfuefet werbett, ba er »on «Jht£en fein ober ßtleicfeierung. feb, offen fantt. «PrägipitirteS fofelenfaureS Sifen unb ©cfeierting-Srtraft, im Sßertjättniffe m gwangig ©rait Sifen gu einem ©ran ©efeiertittg, gweimal täglicfe längere 3flt gebraudjt, wirb fowotjl ben DrgaitiSmuS im Sittgemeinen fräftigen, als auefe tie «Jüigfearfrit ber ©ebärmutter befeitigen. ©edfeS ©ran Doöer'fcfjeS «Pultier gweimal täglid), Borgens unb SlbenbS genom- men, iß eines ber fcfeätibarften bittet, um bie gefunbe Sfeätigfeit ber ©efäße Ui Uterus wüberijerguftetten. ®rifßtfe/S Mixtur, bie itt jeber Slpotfeefe gü b,oben iß, iß ein ausgesetzte bittet gegen ben weißen gtuß. Die tierfüßte ©alpeterfäure (Spiritus Nitn Dnlcj' wirb bie befaitnün Hoffmaitit'S Sropfen, in ber Doßs tion einem Sfeeelöffel soll, nn $äußg tion großem «ttutjett. SBenit ber Slusffuß fo fdjarf iß, baß er ©cfemerg unb eine brennen* JW »»" SBafferlaffett tierurfadjt, fo iß fotgenbes eines ber fdjäfcfearßen Mittel, ba« I' wrfeb,ten wirb, unmittelbar Srleicfe,terung gu fefe,äffen. Der »eiße gluß. 517 gj?an netjme: SBerfüßte ©alpeterfäure.......... . 1 Unge. 33alfam Sopaiba.............£ Unge. ©üßmanbelöl.............. 1 Uttge. Serpentinöt......♦ ♦......i Unge. Kampfeerputoer............. 10 ©ran. «JJcan ffeue bie obigen Slrtifel in ein tiier Ungen gtäfdfedjett, fdjüttete einige SJünu ten lang gut um, unb es iß gum ©ebraudje fertig. Doßs, ein Sfeeelöffel tiott iit einem SBeingtafe »ott Ulmrinben- (Slippery Elm) Sfeee, ben man bereitet, inbem man focfeenbes SBaffer auf bie geriebene Ulmrinbe gießt unb ßefeen läßt, bis es biet Wie ©prup wirb. Sludfe bei Sntgünbung ber «JUeren, mebigittifcfe Nephritis genannt, Wirb man bieS «Utittel äußerß nüfclid) ßnbett. SBenn bie Seibenbe fefer fefemaefe iß, muß ße ßcfe ßitt tierfealten ; itt ber Stjat, ße mufj »otlßänbig «Rufee feaben. Die güße muffen forgfältig »or geuefetigfeit gefefeü^t, es mufj eine fräftigenbe Diät befolgt unb eilt gutes tottifdjeS «Urittel, wie bie falg- faure Stfenttnftur, gur ©tärfuttg beS Organismus gebraudjt werben. Die DofiS biefer Sinftur iß gwangig bis fünf uitb gwangig Sropfen in einem fealben ©lafe falten SBafferS brei- bis »iermal täglicfe. Dber man netjme guten «Portwein mit Sfeittarittbe unb braude babei folgenbe Sinfprt^ung: man madje eine ßarle Slbfocfeung »on «Jftofenföpfett unb füge gu einer Pinte biefer Slbfocfeung eine Unge SBorar. Dies iß eine »orgüglicfee Sinfpri^uttg bei biefem Seibett. Sbenfo liefert bie ßiefeenrinbe, wie fcfeon erwäfent, eine gute Sinfpri^ung. Diefe Mittel foüten lauwarm gebraudjt werben. Sluct) «Portwein fann als Sinfpri^ung feenuiü werben — jwei Sfeeile Portwein auf einen Sfeeil «Jügenwaffer ober wricljeS SBaffer. Dabei mufj ber ©tufelgang burctj «Jtodfeettefotg ober weißen SBattnuß-Srtroft, Slloe, ©eibtt$} «Puloer ober fleine Dofen Spfomfalg mäßig offen erfealten werben. 33ei großer allgemeiner ©cfewäcfee muß man, wie bemerft, bett Körper gu fräftigen fudjen, burefe ben ©ebraudj »on Sfeittitt, SBein, «JJüneratfäuren, Sifenpräparate ober natürlidje ©tafelquetten unb S3äber, bie man, wentt es ßcfe irgenb macfeen läßt, befuetjen fottte. Sogenannte ©tärfungSpßaßer, aus Harg ober ©albanum gemadjt, ober bie in amerifanifefeen Slpotfeefen unter bem «Rainen Poor Man's Plaster tierfaufteu ty^a* ftcr, auf bett unteren Sfeeil bes «JtüdenS, itt bie Hüftegegenb gelegt, ßnb tioit großem Wufcen bet biefem Selben. Die auf Seber geßrtdjenett pflaßer ftnb tiorgugietjen; bas Pflaßer muß »or bem Slufflefeett erwärmt werben, bamit eS getjörig aüfeaftet. 3aj teilt jefct meine S3efeanbluitgsweife bei biefer läßigeit uitb unter grauen faß atigemeinen Kranffeeit angeben, einer Kranffeeit, bie aus irgenb einer Strt »on Sajwäcfeung, tiorguglicfe ber ©efeurtSorgane, burctj Srfältung, «Jtaffe, ©trapagen, übermäßigen ©efdjledfetSgenuß, getjlgeburt, ©ctjwattgerfcfeaft unb ungätjlige anbere Urfacfeen entßefeen fann. S3ei meinem Slufenttjalte itt «Paris würbe idj mit einem Mittel befannt, weldjes idj feitbem in Hunberten tioit gätteit erfolgreid) angewenbet: 3lioe=Sinftur, eine Unge; faigfaure Sifen-Sittttur, gwei Dracfemen; mifdje. Die Eofis iß breißig bis tiiergig Sropfen breimal täglid) in etwas SBaffer. Dabei fprt£e man in bie ©djeibe tiermittelß einer 9flutterfpri£e gweimal tägiidj folgenbe Söfung ri«: 531eijuder, eine Dradjme; weißer SMtriot, eine Dradjme; tfeue beibeS in eine Wnte 9tegenwaffer, fdjüttete gut um unb gebraudje nad 33orfd)rift. 518 ©unn'S HauS.Slrgt. Sine anbere feöefeß fdjäjjfeare «Kebtgln, welcfee in tileten gätten bie JTranffeeit ent< fernen wirb, iß folgenbe Pille, bie in jeber Slpotfeefe gemadt werben fann: altobo- lifcfeer Subeben-Srtroft, ein Sfeeil; tierbidter S3alfam Sopaiba, gwei Jfeeile; mifcbt gut gufammen uttb madje 3r»ei= ober Dreü@ran-Ptüen borouS. Sin ober jirti biefer pitteit mögen gwei- bis breimal täglicfe genommen wetben, bis 33tfftrung erfolgt ober fo lange es ber «Kagen ertragen fann ; bodj ba mandje Perfonen leine Pitteit fdjludeit fönnett, fo mögen anßatt beffen folgenbe «Kittel gebraucfet werben: «Katt beginne mit einem gelinben Stbfüfermittel, bann brauefee man falte ober lau« warme SBafferetnfprirjungett unb nefeme folgenbe «Kifdfeung: — 33olfam (Sopaiba, ein Sfeeil; tierfüßte ©alpeterfäure, gwei Sfeeile; Serpentittöl, ein Sfeeil; Äino« Sinftur, ein Sfeeil; biefe tiier Slrtifel muffen gut gufammengemifdt unb gefajüttel! werben unb bation breißig Sropfen in einem SBeingtofe ooü «Ktldtj ober Ulmenrinbe- tfeee breimal tägtidj auf ben teeren «Kagen genommen werben. SBäferenb bes ©ebraudjes biefes «Kittels, ober furg barauf, je nadj ber apeftigfeit beS SlusßuffeS, ober wenn bie ©efunbfeeit im Slügemeinen gefcfewäcfet iß, wirb man folgenbeS Präparat atS ein ausgegetdfenetes Kräftigungsmittel ßnben, bas in furger ßeit bie Kranftjeit befeitigt, befonbers wentt man gleidfegeitig bas erwäfente ©tärfungspßaßer trägt. man nefeme Solumfeowurgel, Sngiattwurget, Kamittenblumen, gencfeelfamen, gemeine «Rarbe, ©alomonsßeget, gu gleictjen Sfeeilen; gerßoße SltteS unb giefje auf eine Unge bes «PuloerS ein Quart guten «Portwein. Hürtion fann ein fealbes SBein« glas tiott brei- ober tiiermal täglicfe genommen werben. Ss wirb »on ber wofeltyö« ttgßen SBirfuug auf ben DrganiSmuS fein. golgenbes iß ein frattgöftfefees «Kittel, bas itt «Paris gümlicfe attgemein mit be« größten Srfolg gegen biefe Kranftjeit benujü wirb : Slloe ©ocotriita-Sinftur..........2 Unjen. ©algfaure Sifen-Sinftur ..........\ Unje. SKifdje. Doßs fünf unb breißig Sropfen, breimal tägiidj, mit etwas SBaffer. golgenbe Söfung fottte tiermittelß einer «Kutterfpritie breimal täglid) in bie ©efeeibe eingefprijü werben, wät)reitb obige Sinftur gebraudjt wirb: 93teijuder.............2 Dracfemen. ©cfewefelfaures 3int..........2 Dracfemen. «Reines, weiefees SBaffer.........1 Quart. — 2»if4e. «Bei warmem SBetter iß latus 33aben befonbers gu empfefelen. golgenbe äußere «Reigmittel fönnen unter Umftänben tion großem «Rufcen fein unb fommen bett» «Betjanbluitg beS weißen gluffeS tiielfacfe in Slnwenbuttg. S3tafenpßaßet unb ftfeatfe Sinreibungen auf ben 53auaj, in bie Senbengegenb unb auf bte ©cfeenfel, auaj etw pflaßer, «Blutegel unb ©djröpfföpfe ßnb tion großem «Rufcen; babei xxxxx\) bte jau bes gangen Körpers tägtidj mehrmals fräftig gerieben werben, um ju bet gebot^ Sfeätigfeit angeregt gu werben. Doefe. ßnben biefe «Kittel feouptfäcfeticfe nur bot? ©tette. wo eine innere Sntgüttbung ober große SSoüblütigfett erißüt. 3n 8*« uttb (Snglanb iß neuerbings eine neue belferte in ber ^Mm^Lw aufgelommen, welche in furger 3eit eine SBeränberung fowofel in ber S?efcfeafpmm als ber SKettge bes SluSfluffeS t)ertiorferingt; man mifcb, e «Balfam Sobaiba nw Der weiße gluß. 519 ober 3ett unb mit etwas Dpium, bis es bie Dide tioit S5robte ig tjat, unb madje baraus ein 3äpfdjeit ober einen pfropfen, ber in bie ©dfeeibe eingeführt unb bort etwa eine fealbe ©tunbe lang gelaffen wirb; bies gefdjiefet jeben «Korgen unb jeben Slbenb. Die franjößfdjett graueit giefeen biefe Kurmetfeobe tior, ba ße rine große Slbneigung gegen ben innerlidjen ©ebraudj tion «Kebiglnett tjabett. Sitt anbereS «Kittel, weldfeeS aus granfreiefe ßammt, ift ebenfalls ein tiorgüglidtjeS «Präparat. Sitt ©frupel fcfewefelfaureS Sifen unb gwei ©frupel Slloe mü fotiiel tienetianifdtjem Ser- pentitttjarg, als ßcfe feineittmifefeett läßt, gu gwangig «Pillen tierarbeitet. Hürtion iß eine breimal täglicfe gu nefemett. Sine ber bemerfenswertfeeften Kuren in biefer Kranffeeit, bie tiietteiefet je tiortom- men, featte tefe bas SSergitügeit tiermittelß bes oben erwäfenteit frangöfifdjett «Kittels, ber Slloe- unb falgfauren Sifen-Sinftur uttb ber angegebenen Sinfpri^uttg, gu tiott- bringen. Die arme grau featte geb.tt Safere lang att bem Uebel gelitten unb war itt einem äußerß traurigen 3ußanbe; benn ber Slusßuß X)atte einen fo efeffeaften Sfearafter angenommen, baß man es bei ber bloßen Slnnäfeerung merfen fonnte; ße war fo fefewaefe, boß ße faum getjen fonnte unb fo niebergefdjlagen uttb tierßimmt, bafj fie nur mit «Küfee gu ber geringßen «stnftrengung tieranlaßt werben fonnte. 3cfe fing bamit an, eine fräftigenbe Diät tiorgufdtjreibett, ba feine innere Sntgün- bung »orfeanben war, unb gleicfegeüig ben fleißigen ©ebrauefe milber, aßringirenber Sinfprifmngett, wie iefe ße oben angegeben. 3eben «Korgen mußte ein latus Sropf- bab genommen unb ber Körper barauf fräftig abgerieben werben. Diefe 33er)anb- (ung minberte ben Stusfluß unb »erbefferte baS Slttgemeinbeßubett bebeutenb, uttb jwar in ber furgen 3eit tion einer SBocfee. Dann ließ id) mit bem ©ebraudje ber oben erwäfenten «Kifdjung »on Slloe-Sinftur unb falgfaurer Sifen-Sinftur anfangen unb benfelben eine 3dt lang regelmäßig fortfe^ett, bis ber Slusßuß tioüftättbig geftopft würbe unb bie ©efunbfeeit fo wtit b,ergeßettt war, baß ße felbft fagte, ße fitfeie fiefe »oüfornmen wofel. 3fer Körper fe£te wieber gtetfdj an, bie S3läffe ber Haut »erlor ßdj, bie ©lieber würben wieber ßarf, unb tjeüere ©timmung trat an Stelle ber «SMandjolü, unter weldjer ße fo lange gelitten. Die 33eränberung war in ber Stjat fo groß, baß ifere greunbe ße faum wiebererfanttteit, unb fte lebt jejü in ÜouiSöiÜe, Kentudp, im »ollen ©enuffe itjrer ©efunbfeeit. 3nbem id) biefen widj- tigen ©egenßanb fdfeließe, will idj nocfe tinmal meinen «Jtatfe wieberb, ölen, tior Slttem bie güjje troden unb warm gu tjalten unb burdfe geeignete Kteibuttg größelit unb Srfältung gu »ermeiben. ©efeörige befdjäftigung beS ©eißeS unb ber «KuSfetfräfte toerben bie Kur biefer Kranffeeit nidjt wenig unterßü^ett. graueit auf bem üanbe, »elaje ein tfeätiges Sebett füferen, frifdjere Suft atfemett uitb einfadjere Koft geitießeit. als ©täbterittnen, ßnb biefem Seiben weniger ausgefegt. 3artgebaute grauen, »elcfee untfeätig leben, jeben mobernen Surus genießen unb Körper unb ©riß Kfttjlaffen laffen, erfaferen bie unausbleiblicfeett gotgen, inbem bie gunftionett beS Wrpers ftcfe franffeaft »eränberit unb eine ©dfewäcfeung beS gangen DrganiSmuS ««tritt, weldje notfewenbig bie natürlidje menfdtjlidje SefeenSbauer abfürgt. Die ßegenfeitigelBegiefeung uub beßänbige SBedjfetwirfung, weldje gwifdjen bem förper- ttfeen unb bem geißigen SBefen beS «Kenfdjeit ftattßttbet, fann faum bem oberßäcfe* »elften 53eobacfeter entgetjen. ©obalb bie guttftioitett bes eilten gerßört werben, muffen bie bes anberen in Unorbnung geraden. Der fräftig ße Körperbau Wirb l«le&t »on geißigen Slufregungen unb Selben angegriffenj unb ber jtärffte ©eiß 520 ©unn's Haus-Slrgt. lann nidjt lange bem fefeäbttdjen Sinfluffe förperiidfeer ©cfewädje unb ©ebrtcfeen wiberßefeen. SBenige, fefeeint es, feaben eine ridjtige SSorßettung ba»on, wie »iele förperlidjen Uebel iferen Urfprung in geißigen 3ußänben feaben. ©elbß bet Slrjt, inbem er feine Slufmerffamfeit tiorguglicfe bem pfepßfdfeen «Kenfdfeen witmet, fann ttur gu leidt bie geißigen Urfadjen, bie einer Kranftjeit gu ©runbe liegen, überfeben, unb fc fommt es tior, baß «Patienten mit gewattfamen mebiglnifcfeen «Kitteln gtmif« featibett werben, wäferenb bie SBurgel bes Uebets tiefer in ibrer geißigen «Natur liegt, wofeitt allein geißiger 33alfam reicfeen fann. «Biete ber pfepfifcfeeit Seibett — «Kanget ait förperlidjer Snergie, Untfeätigltlt ut DrganiSmuS, «Kattigfeit unb fepßerifcfee Slnfatte — bie bei ben garten, jungen ta. men feeutigen Soges gu ßnbett ßnb, taffen ßcfe iferem Urfprung naefe auf Mangel an wofelgeübter ©eißeStfeätigfeü unb SBittenSfraft unb geeigneter, regelmäßig« Söcfdjaf- tiguitg gurüdfüferen. SBirtlidje SluSbilbung ber intetteftuettett gäfeigfeiten, gcreif« feitfeafte Uebung in ©elbftbefeerrfajung uub moralifefeer ©tärfe, Srweiterung btü geißigen ©eßcfetsfreifes burefe nü^lidje Kentüniffe — Sntwidelung ber nötfeigen Snergie, SluSbauer unb geßigfeit, um Stnftrengungen ausfealten, unöermelblicfee /Uebel ertragen unb fommenben Seibett mutfeig begegnen gu fönnen — bas finb bie Snbgwede einer gute« Srgiefeung. Die «Katfet bes ©eißeS über ben Körper ifl unermeßlidfe. «Katt werbe ßcfe biefer madjt bewußt, übe unb pßege ße unb ba« Sftefuttat wirb geiftige fowofel ats förpertiefee ©tärfe fein. Ss gibt eitt gewöfenlicfee^, rotjes ©pridjwort, weltfeeS fagt: „es iß beffer ßdj gu »erbroudfeen, als ju oerroften" - aber es liegt eine große SBaferijett barin; «Roß tiergefert fcfenetter, als ©ebrauefe. SBeffer — miüioneit «Kate beffer — iß es, feart gu arbeiten, felbß fo, baß bas Jeben baburefe tierfütgt wüb, als bie foftfeare Sebensgabe effenb unb fdjiofenb ju »trgenben unb fein anbereS 3eidjen ÜjreS SSefi^eS tion ßd) ju geben. Durcfe. Slrbeit unb gleifc in weldjer ©tettung es auefe. fein möge, erfennen wir praftifdj ben SBertfe beS feben«, feine fjotjen 3wede unb feine oülfadjen «pflidjten an. — $8on bem mnflufie be$ ®emüm *>at>tenb bet ®$m\v ejetfeftaft« Keitt 3weig ber «Kebigiit erforbert tiietteidfet mefer Slufmerffamfeit, als ber 3«M bes ©eißeS wäferenb ber ©efewangerfdaft. Ss iß bebauernswertfe, baß grauen lie- fern widrigen ©egenßattbe fo wenig «Beadtung fdenfen. Die 3eit wirb tnbeß o fommett, weitit eine Kenntniß ber ©efefce beS menfdUdfeen DrganiSmuS M vn gängiidj ttottjwettbig bei ber weibliefeeit Srgiefeuug angefeilt werben »»?• » * fab, man [xd) nadj SinberungS- unb Heilmitteln um, unb auf folefee WtWi■» » matt ßcfe ; allein bei fortfefereitenber Siüeüigenj, unb wentt ein folfcfee« «flm 1 gefunben Slnftefeten $ta* macfeen wirb; wenn bie grauen bie SBtefettgtett c: niß ber ®efe£e beS menfcfelicbett DrganiSmuS erfennen werben: bann wtre m ^ütungsmaßregetu ergreifen unb bie gingergeige ber «Ratur beadjten. Sinfluß bes ©emüttjs wätjrettb ber ©djwaitgerfcfjaft. 521 53ei ricfetiger Srfentttttiß ber pfepßfdjett unb organifdjen @efe£e brättgt ßcfe uns bie Ueberjeugung auf, baß ber ©djöpfer felbß ße angeorbitet feat; biefelben ftnb weife, unfefelbar, üben ritte feeilfame SBirfung unb ßnbett in ber förperlidjen Drga- nifation bes «Kenfcfeeit allgemeine Slnwenbuttg. Unfer SrfenttungStiermögen wirb »on biefen ©efefcen burcfebrungett, unb wir muffen es als ein ©efeeiß ber S3orfefeung anfefeen, ifenen gu gefeorcfeen. SBäferenb wir uns barauf befdjränfen, ©dju£ tior jKäffe attjuempfefelen, iKäßigfeit gu beadjten ober ßdj Bewegung gu madjen, ofene bie ©runbfä^e auseinanbergufe^ett, fo tfeun wir bieS in ber SSorauSfe^uttg, baß man ftcfe auf unfere Urtfeeilsfäfeigfeit »erläßt. SBir fe£ett babei tioraus, baß biejenigen, benen wir Seferen ertfeeiiett, Sferfurcfet unb SSorßdjt, ober ©elfeftliefee beß^eit. SBenn wir uns mit bem SBefen ber Körperwelt im Sfttgemeineit, fowie mit bem unferes DrganiSmuS inSbefonbere befannt macfeen ; wentt wir erfeniten, gu welcfeem ©ebraudje bie »erftfeiebettett Sfeeile beS mettfdjtidjett Körpers beßimmt ßnb unb woburcfe ifere gefunbe Sfeätigfeit bewirft wirb ; was bie Urfadjen etwaiger ©törun- gen ßnb, unb weldje ©dfemergen benfelben folgen; wentt wir tion bett SSerpflicfetun- gen burcfebrungett ßnb, welcfee biefe SSebingungen uns auferlegen; wentt wir ein- fefeen, baß unfer ©djöpfer bie «Befolgung ber ©efunbfeeitsregetit uns gur «Pßidjt gemadjt feat, bie wü urtgeßraft nicfet tiernacfeläfßgen fönnen: — bann werben bie S3eweggrünbe, bie pfepßfcfeen unb organifdjen ©efe^e gu beadjten, fowie bie gätjigfeü bies ju tfeun, ßcfe bebeutenb meferen. Kur baburefe, baß wir in ben «Pringipiett unterriefetet werben, tion weldjen bie golgen abfeängen, werben wir in ben ©tanb gefejjt, bie Uitüeränbertidjfeit ber «Jüfuttate ber ptjpßfcfeett uub organifdjen ©efejje gu erfennen, benfelben gu tiertrauen uub fte gu refpeftirett; uttb unfer S3eßreben, uns naefe ifenen ju riefetett, wirb alsbattit mit Srfolg gefrönt fein. «Obige 33emerfungett fottten uns oon bem feebeutettben Sinßuffe beS ©eißeS über ben Körper, fowie oon ben widjtigen Pringipiett, benen fowofel bie «Kutter, ats bas Kinb wäferenb ber ©efewangerfefeaft unterworfen iß, gefeörig üfeergeugett. Die SBirfungen ber Sinbilbungsfraft unb ber ©efüljle ber «Kutter auf bie geißi- gen Sinlagen iferer «Radjfottttnenfdjaft iß ein ©egenßanb ber feödjßen SBidjtigfrit für bie «SJcenfdjfeeit; tion ber S3efolgung ober 33ernacfeläfßgung biefeS widjtigen «ftatur- gefejjes feängt bas ©lud ober Slenb beS gamilienfreifes ab; jenes KreifeS, wetdjer bie Sßiege ber 3ärtlidjfeit unb 3uneigung iß. Das ©lud mag feine fdjönßen ®abtn über uns ousfcfeütten; «Jüüfettjum unb Kunft mögen ßd) tiereinigen, unfere SBofenung ausgufefemüden; SBiffenfdjaft unb Siteratur mögen uns gu «Kenfdjett tion ferijer 33i(bung madjen; tugenbtjafte uttb fluge Seute mögen unfere ©efettfdjaft fuefeen; bie feödßen Sferenßetten mögeit uns gu Stjeil werben: aber was nü£t alles bies, wenn unfer Haus eine ©cette fortwätjreitber Slitgft unb bemüttjigenber Krän- kung iß, »erurfadjt burdfe fdjwädjltdje, fränflidje, mißgebilbete unb geißig tierwatjr- lofte Kinber? Srß bann, weitit bas größere «Pubtifum bie SBicfetigfeit ber ©efunb- tjeitögefe^e einfefeett wirb, unb bie Seute bie Uebergeugung erlangen, baß geißige unb fittltcfee Sigenfdjaften erblidj ßnb, wirb tjäuSllcfjeS ©tüd attgemelner werben «nb ßcfe einem tiottfommneren 3ußanbe näfeerit. Daß fowofjl bie mit ben ©innen toafernefembare, als audfe bie geiftige SBelt ewigen, unwanbelbarett ©efet^en unter- Kwfen iß, iß über atten 3weifel ergaben. ©laufet man benn, baß ein fo tjodjwüfe> %r ©egenßanb, wie bie lörperlidfee unb geiftige S3efct)affenb,eit unferer Kinber, bloS tixxt ©aefee bes 3ufatts, unb ber eingige Stjeil ber ©djöpfung iß, ber tion unumßöß* 522 ©unn's H«us-3lrgt. licfeen ©efetien nictjt regiert wirb ? «Köge ber ©tauben an einen ottgütigen unb attwetfen ©cfeöpfer eine folefee Slitßcfet tierfeüten! ©einen ©efe^en muß unfebibat gefeorefet werben; ber Uebertretung folgt bte ©träfe auf bem guße nadj. S<$ fh^i gefeferiebett: „Die ©ünben ber Sltern fotten bü Kinber feetmfuefeen." Kinber erben bie geißigen Sinlagen unb bie ©emütfesßimmung mefer »om Später, als tion ber «Kutter. Die förperlidje 33efcfeaffenferit bagegen wirb tion ber «JWutttr geerbt, ober wenigßens wefentticb, tion ifer beeinßußt, wie eine forgfältige öorfefeung fattfam bargetfeon feat. Ss läßt fidj bafeer mü «Reefet anttefemen, unb aus langer praftifdjer Srfaferung weiß id) eS mit 33efttmmtfeeit, baß ein 33ater, weldjer »on ben SBirfungen geißiger ©etränfe bumm, geiftig unbefeolfen unb ßumpfßnnig geworben, ober es felbß nur wäferenb beS 3eugungSafteS iß, feinem Kinbe in größerem ober geringerem ©rabe biefe feine geißige 53erfoffung mtttfeeilt. 3ur Srläuterung mei- ner Slnßcfet will idj feier ttur einett ober gwei gätte anfüferen. 33or einigen Oabrcn featte iefe einett Herrn in SMrginün unter ärgtliefeer SSefeanblung. Derfclbe befiel« bete ein feertiorragenbes Stint unter ber Regierung, ßanb in feofeer Sldtung unb geborte, wie man fo gu fagen pßegt, gu einer ber erßen gamilien SMrginiens. ßt tiermäfelte ßcfe mit einem gräulein «p., riner Dame tion gwei unb gwanjig Saferen, welcfee nebeit großer törperlicfeer ©cfeönfeeü eine fefer fräftige Konftitution, aber feefdjränfte ©eißeSanlagen tion itjren beiben Sltern geerbt featte. 3fer ©atte mar breigefen Safere älter, als fte, uub ebenfalls mit tiortrefßidfeer ©efunbfeeit begabt; audj befaß er atte (Sigenfdjaften eines gebilbeten «Koitnes (gentleman), nur eine ausgettommett — «K ä ß t g f e i t; beim er war ein ©ewofenfeeitsfäitfer. Diefe Jet« benfdjaft featte er tion feinem SSater geerbt, ©ein unfeänbiger Durß naefe fpirituöftn «Rrigmittetn, biefer SB al) itfitttt, wie er mit «Jüdjt genannt werben tonnte, befiel ibn gewöfenlicfe atte neun «Konate, unb ber Sitttritt biefer eigentfeümlicfeen Steigung madtjte einett fefer nieberfcfelagenben Sinbrud auf feinen ©emütfeSgußonb. geflütier« geugt, baß biefe Seibenfdjaft tierberbtiefee golgen nocfe ßcfe jiefeen werbe, rief er oft aus : „SBentt mir bie gange SBelt gefeörte, iefe würbe ße gern bafeingeben, wenn inj ertöß werben fonnte tion biefer Seibenfdjaft, oon biefem frottftjaften Dürft nad) «Branntwein, — biefem ©ifte ber Hölle — aber atfe! tefe beߣe nicfet bie Äraftujm gu wiberßefeen." SSott biefem inftinftartigett Sinfatt überwältigt, nafem er feinen SSraitntweinfrug auf fein 3immer unb tranf bafelbß bis gu folcfeem Ueberma§, fcaf eubtictj eine gänglicfee Srfcfetaffuttg beS KertienfpßemS ßdj einßellte, ober bas Delirium (©äuferwab, nßittt) als golge auftrat. 3cfe fe. abe itjn oft gefefeen, wie et an biefen frampffjaften 3uduitgen litt, bis ber ©djweiß aus atten Poren trat unb bie «Ratur tion biefen fcferedlicfeen Slttfättett überwältigt würbe; wie bann ber gefefewaebte «patient, gufolge eines frompffeaften 3ußanbeS beS ©ebüns, in »öüige «Jtafttti »er* ßei. Ss war nicfets UngewöfeitlicfeeS bei Üjm, baß er, fobalb er bett SBiebtremtntt biefer ©udjt tierfpürte, felbß um bie Slnwenbung »on 3wangStnitteln naebfuctjte, um biejenigen, bie er liebte, nicfet ber ©efatjr auSgufefcen, burefe ifen btosgefteül: j« werben. Sin Suftgug, ein Sidjtftratjf, eine «Bewegung, ein Saut, ober bettln irgenb eines ©egenßanbeS tonnte üjn gu ben tjeftigfien Kontiulßonen («""^ aufregen. Dft feörte idj itjn, wie er feiner grau bie feierlidjßen S$erfprcd)ung a,ah, [xdj tiottftänbig gu beffern. SBieberb,olt fatj iefe biefen tatentootten unb guw^ gen «Kann tion bem «Bewußtfeitt feiner Uebertretungeit gu «oben gebeugt, m ^ — ttaefe feiner SBüber^erßettung ging er bab, itt, um biefelbe ©ünbe wiebet ju beg Sinfluß beS ®emütfe,s wäX)xtnt ber ©cfewattgerfctjaft. 523 Dft rief er itt biefer fcferedticfeen Kranftjeit aus : „©öttfictjer Heilanb, ttimm bie- fen Äelcfe ber Srübfol »on mir; laß micfe flfcen gu beinen güßen, unb bitbe meinen ©eiß naefe beinem ©inne. Sreibe biefen böfen ©eiß aus, ben id) nictjt überwältigen fann! D ©ott, gib mir Kraft burcb, ben ©tauben, biefe 33erfucfeuitg, biefen fdred- licfeen Hang, biefen Durß naefe «Branntwein gu befugen!" Den 33eweis für bie nacfetfeeiligen golgen biefer unitatürltcfeen Seibenfdjaft bes Sranntweintrtnfens lieferten feine brei Kinber. Das erße war fcfewadj unb fränftid); es wog bei feiner ©eburt nicfet mefer als gwei «Pfunb unb lebte nur wenige SBocfeen, Das jweite, ein «Käbctjett, war blöbßnttig tioit ©eburt an unb beßnbet ßcfe gegen- wartig in einer 3rrettattßalt. Das britte Kinb, ein ©otjn, würbe mit fünfgetjn Saferen ein ©ewofenfeeitsfäufer, wie feiu 33ater; er war ausfefeweifenb, gugettoS, ein gfla»e aller feiner S3egierben unb geißigen ©etränfen in faum gfaufelidjem ©rabe ergeben. 3cfe war bei ber ©eburt biefer brei Kinber gugegen. 3ß bieS nicfet ein ßär- fer 33eweis, baß ber 33ater feinen Kinbertt tiottftänbig feilten Sfearafter aufprägte ? «fflan betradjte bafeer biefen ©egenßanb in feinem watjren Sicfete unb erwäge, wie Diele »ortrefffidje unb liebenswurbige grauen ifere Heüerfeü unb ©efunbfeeit ein- büßten unb ifer SebenSglüd gerßört fafeen, weil fie gu fpät gewaljr würben, baß ße ftcfe mit einem Srunfenbolbe ober mit einem lafterfeaften unb auSfcfeweifenbeit «Kanne »erbunben featten. Diefe 33emerfungen füferen midj auf etnen fefer belifatett «Puttft, ben idj erwäfjnett muß, um Unfeeil gu »erfeüten, weldjes waferfd)eintiefe rin ganges Seben nidjt wieber gut macfeen fantt. SSebettfet, boß iit bem 3eüpunfte, in welcfeem itjr ben 3eugungS«> aft »oKjiefet, ber Skter oottfommenen Sinfluß auf bie grudjt feat tior itjrer 33ilbung, bie «Kutter aber ausfefetießliefe naefe berfelben. SBie wefentticb, ift es bafeer, baß fowofel ber 33ater als bie «Kutter reines ©intteS unb frei tion Safter feien, ba fte einen fo großen Sinßuß auf bie ftttlidtjen Stnlagen unb bas Semperament ungebore- ner Oefdjledjter Beßren. ©outen nidjt bafeer Sltertt, welcfee bocfe bie größte Siebe unb 3uneigung gegen Itjre Kinber ju feegen vorgeben, über bie fdjredlictjen golgen naefebenfen, welcfee bar- aus entßefeen, wenn ße iferen «Racfefornmen biefes fdjredltdje Safter, bie Srunffudjt, als Srbfdjaft feinterlaffett ? Der Sßater, welcfeer biefer ©ewotjntjeü frötjnt, fann unjweifelfeaft in »ielen gätteit feinem Kinbe eine «Reiguitg einprägen, bie, burdj irgenb einen äußeren Umßanb ober inneren Slntrieb wactjgerufen, [xd) gegen atte S3ernunftgrünbe, jo felbß gegen baS S3ewußtfein, baß itjre ^Befriebigung Unrectjt iß, empört. Obgleicfe biefe «Reigung in tiielen gätten ein uttfeegwingüdjer bana, iß, fo iß bodj bie Itjatfadje über atten ßwei[el erfeaben, baß jebes Kinb fcfeon tior feiner ©eburt eine angeerbte gäfeigfeit beS DenfenS, SBottenS unb gütjlens be[xtit, bie tiott bem Sinßuffe, ben ber ©eetengußattb ber Sltern auf baffelbe ausübte, beßimmt wirb. Dafeer iß es »on ber größten SBidjtigfrit, wätjrenb ber ©djwangerfdjaft «Jtufee bes ©emütfes gu feeofeatfetett unb SReigmütet gu tiermeiben. 3n biefem 3ußaitbe iß niajl blos bas «Rertienfpßem ungemeiit empfänglid) für äußere Sinbrüde unb Kranf- fefiten, fonbern bie geringße Slufregung beS ©emüttjs fanit audfe bem Kinbe gewiffe Sfearafterjüge mittfeeilen; unb es gibt »tele SSeifpiete, wo ein Ijeftiges unb launen- haftes «Verlangen nadj ©peife tiott ©eiten ber «Kutter, ftd) fpätertjin auefe bei bem ßlnbe jeigte. Ss ift unleugbar, baß Sinbrüde, weldje auf ben ©eetengußattb ber 524 ©untt'S HauS-Sirgt. Slrern elttwirften, itjre ©puren bei ben Kinbertt gurüdtießen, unb »ielfadje Unter- fudjungett feafeett bieS auf baS Deutlidtjße naefegewiefen. «Kit biefem ernßen ®egen« ßattbe iß jebocfe ein widfetigeS ©efeeimniß tierbunben, weldjes bem Slllwiffenbtn allein befannt iß. SBir treten feier tior baS Sltterfeeuigße, in weldjem ber Hödjfte feint Herrlidjfeit offenbart. Den ©cfeleier gu lüften, iß uns nidjt »ergönnt. Dafetr wollen wir uns in Sferfurefet tior ifem beugen unb befferer Srfenntniß tntgegtnfeo- rett. SBaS auf bem ©ebiete ber Srfdjaffung unb 3eugung bes «Kenfajen für unfn 33ertjattett tion SBiajtigfeit iß, baS iß unferem 33erßonbe feinlänglicfe geoffenbaret, obgleicfe wir nicfet jebe Srfdjeinung tiottfommett erflären fönnen. ©o »erfeält es fiefe auefe mit ber gäfeigfeit beS «Kenfctjett, befonbere ßttlidje «Reigungen unb finnllctje SBegierben auf feine «Radjfommenfdjaft fortgupßangen. Hier iß «Katcrie unb ©rifl itt einem Punfte tiereinigt, ber nadj bem eigenen Singeftäribniß ber SiMffenfdjaft außerhalb beS S3ereidjeS iferer mifroffopifdjeit Uttterfudfeungen liegt. Ss barf jebod) nicfet außer Sidjt gelaffen werben, baß bie Dreffur felbß hei einem Hunbe bem natür« licfeen Hange entgegenwirft. Dfegteict) bafeer bie Srgiebung eines menfajlidjen SBefenS beffen ßnitlictje Sriebe nictjt tiernidüt, fo fönnen biefelben bocfe, fo lange bie Kraft beS ©eißeS ungebrodjett iß, burefe feötjere 33eweggrünbe niebergefealten werben. «Rur ber tfeierifefee Sfeeit ber menfdjlicfeett «Ratur fdtjeirtt ßcfe fortzuerben. Kcitjrfetit, Srfenttttiiß unb «Jütigton ßnb feine ßnitlicfeen «Reigungen, fonbern bie 33erbejfew alles 3rrtfeums. 33toS burdj itjre Hülfe fmb wir im ©tanbe, bie Sriebe ber Statut, gu gäfemen unb gu bem retfetett 3üte gu füferen. SBer ßctj bafeer »on bem Sitten« gefefce nicfet leiten'läßt, ber bleibt feinen tfeierifefeen 3nßlitfteit gättjlicfe unterworfen unb muß bemgemäß betjanbelt werben, — nämlidj burdj Slnwenbung »on 3Mngs« mttteln unb bie 33efeitigung alles beffen, woburd) bie S3egterbe gereigt werben fonnte. ©. S. Soleribge fagte, baß bie ©efdtjicfete beS «Kenfctjett wäferenb ber neun «Konnte, bie feiner ©eburt tiorfeergefeen, waferfcfeeittlid) weit mefer 3ntereffe barbiete unb Sreigniffe tiott tiiet größerer SBidjtigfrit in ßcfe fdtjtüße, als bie ganje übtige golge« gett. ©outfeep glaubte, Soleribge Ijafee es nidjt im Srnß gemeint, als er biefen überrafdjenbett ©aij auSfprad); allein in biefen SBorten liegt eine gu tiefe Söaferfetit. Sfere 53ebeutung leudjtet ein, wenn matt ben Sittßuß in Srwägung jiefet, weldjen bie ©ewofenbeiten beS 33aterS uttb ber «Kutter auf bie Kottßitution ausüben, trelaje ßefe, im «Kutterfeibe bilbet. Dort iß bte ©runbtage atter ©efefeiefete in itjren erften Slnfängeit niebergelegt, unb ber ©ame beS 23öfett fängt bort an, Sßutgeln ju fcb>' gen unb in einem fruefetbaren S5obeit gu wudjern, fdjon lange öorfeer, efee er feine «Blätter bem Sidjte öffnet. Der S3oben anbert gwar nidjt bie «Ratur beS Samen«, aber fein Sinfluß auf bie Sntwidetuug beffelben iß bebeutenb, unb «Riemant fann es in Stbrebe ßetten, baß ber 3ußaub ber «Kutter bie urfprüngliajen Sinlagen be« KinbeS in tjofjem ©rabe beßimmt. Stiles, was ßcb, burdfe efeemifefee Operationen in Klaffen einteilen läßt, muß ftofflicfj fein; aber ©efüfel, Srfenntniß, ©ebacfetmp unb SBitte ßnben ßcfe nidjt in ber Siße über bie ©runbßoffe. SBenn bafeer ut, was iit bem «Kettfdfeen empßnbet unb wünfefet, nicfets KörperlidjeS iß, aber tennca) bie Kraft beߣt, in bem ©etjirne ber «Kutter Sinbrüde gurüdjutaffen unb ™ «Befcfeaffenfeeit uubemerfbarer Sltome in üjrem Stute fo gu »eränbern, H tiefe ein- brüde auf bie nadjfolgenben ©efcfeüefeüt übertragen werben, fo folgt baraus, W ber ©eelengußanb ber SRutter eilten mobißgirenbett Sinßuß auf bas Si flUöubt"B beffen fpätere Sntwidetuug in gewiffem ©rabe beßimmt. Ss tß In bet ZW Sin Kapitel für «Kutter. 525 wunberbare Srfdjeinuttg, baß ber SBedjfel ber ©ebanfett unb ©efütjte, ben bü Sltertt att ßcfe erfahren, auefe einen folefeen SBedjfel in itjretn Körper ergeugen, baß baburefe bte fünftigen «Reigungen iferer Kinber beeinflußt werben. Slber fo ift es in ber Sfeat. 3ebeS neue SBefen erbt gewiffe Uranlageit, bie ben ©ewofentjcüen berer entfpreefeen, »on betten es abftammt. Stuf tjanbgreiflictje SBeife wirb baburdj bie SBaferfeeit jener ernßett Drofeuug bewiefen: „Sdj will bie ©ünbeit ber 33äter X)eim* fuefeen on ben Kinbern bis in bas britte unb eierte ©lieb berer, bie mid) feaffen, unb tfeue 33armt)ergigfeü an vielen Saufenbett, bie tniefe lieben unb meine ©ebote fealten." ®ott fei es gebflrtft, wenn baS ©ute ßctj in feiner wirfenben Kraft auf Srbeit jeigt; baS S3öfe muß abßerben, baS ©ute uiemals. SBentt ©üte, ober ber ©etjor- fam bes ©laubens, ber burdj bie Siebe tfeätig iß, nicfet attmäeferig wäre, fo fonnte bie menfdfelidje ©efettfdjoft nie ber SSerfeefferung tfeeilfeaftig werben; bentt eS iß pfep- flologifdj bewiefen, baß ber Hang gu fünbigeit ober nur aus fefbftfüctjtigen eintrieben ju feanbeln, un»ermeibbor unb uttwiberftefelictj iß, wentt nidjt ber feeilige ©eift bett «JJcmfcfeen erfüllt feat. Slber bie Srfatjrung geigt auefe, baß bie Uttßttticfefrit nicfet notfewenbiger SBeife fortbauern muß. Die wafere Srteudjtuttg beS ©eiftes burctj bie ©nabe unb ©üte ©otteS gibt ber ©eete neue Kraft unb eine neue «Jücfetung. Sie fefeaut bann unter göttlicfeem Stntriebe glaubettStiott gu bem Slttmädfetigeu naefe #ülfe empor unb ßnbet biefetbe. Der «Kettfcfe, beffen Herg in Slnbetung ber Siebe »erfunfen iß unb bie ©cfeöntjeit gefefeaut feat, iu wetdjer bie Heiligfeit prangt, bie uns burefe Sferißum offenbar geworben, er ift nidjt länger ein felbßfücb, tiges SBefen, bas nur feinen «Reigungett unb Stieben Eingegeben iß; er lebt in ©ott. SltteS, mos unrein iß, iß ifem bafeer für immer »erfeaßt; bentt ber ©taube an bie göttlidje SSoHfommentjett geßattet uns weber, baS «Verbotene gu erlangen, nodj an bem SBütt- fdjenswertfeett gu tiergweifeln. Sitt eingiger ©ebanfe bewirft eine tiottßänbige Umwanblung ber ©eeie. Swiges Seben erfreut bas Herg, unb antjaltenbes ©ebet ift bas eingige ©efüfel eines afefeättgigett, aber bodj in ßd) gufriebeneit DafeinS. SBir fönnen unfer 3ül nicfet gu feod) ßeden unb unfere Hoffnung nicfet gu weit ausbefenen. Denn bie ©röße ber Skrtjeißungert ©ottes ßetjt mit feiner «Kactjt gu geben unb unferer gätjigfeit in empfangen im ridjtigeit SSertjättniß. Datjer ßnb bie Slusftcfeten eines »ertrauenben ©emüttyeS fo glängenb, wie ber Himmel, unb fo unenblicfe, wie bie Swigfeit. @m Kapitel füt SSlüttet. 53on allen Kinbertt, wetdje geboren werben, ßerben ungefätjr bie Hälfte, etje ße tin Slfter »ott fünf 3atjren erreichen. Ss wäre eilt Hob,« auf bie SBriStjeit beS Sajöpfers, wollte mott annehmen, baß bies untiermeiblidj fei. Die große ©terb- liajfeit unter Kinbertt fann burctj eine angemeffene SSeljanbluttg berfelben gum 8"fjen Sfeeile »ermieben werbett. 3ebe «Kutter, welche ÜjreS franfen KinbeS wegen J« «tnem Slrgte fcfeldt, fjegt prattifd) biefelbe «Keinung. Die unmittelbaren Urfadjen 526 ©unn's Haus-Sieg t. bes SobeS wätjrenb ber Kinbfeeit ßnb fefer gablreidj, uttb fo äußerß empftnbrid) ifl bas junge Seben, boß felbß bie geringße SSerlefcung, bie oft gang unbemerft tintiitt, nicfet feiten in wenigen «Kinuten töbtliefe wirb. Ss iß inbeffen »öllig gewijj, bafj eine größere SBaferfefeetnlicfefeÜ für bie Srfeoltung bes SebenS ber Kinber »orfeanben iß, wenn man gu biefem 33efeufe bie ttötfeige ©orgfalt onwenbet, als wenn man folefee ©orgfalt unterläßt. Ss iß bafeer bie «Pßidjt einer jeben «Kutter, ßdj feaupt« fäcfelidj über foldje Dinge gn unterriefeten, weldje bie ©efunbfeeit iferer jtinber btein« träefetigen. 3m Slttgemeitiett feanbetit «Kutter ttidjt nadj feßßefeenben ©runbfäfcen bti bet erßen «Pßege iferer Kinber. Die niebere Klaffe berfelben iß außerorbentlid) unwif. fenb, ia oft abergläubifcfe, ; ße laffen eS an ber nötfeigen «Jütnltefefelt fehlen unb aefeten nicfet auf bie tierfdjübenett Umßanbe, wetdje auf boS Sßofelbeßnben iferet Kinber einwirfett. Die tiornefemere Klaffe ber «Kutter iß tiiettetdjt nicfet fo unwiffenb, wenigfien« ßnb ße im ©tanbe, ßd um ©elb «Jtatfes gu erfeoten; aber ße überlaffen ßcfe im «Allgemeinen einer ftrafbaren ©orgloßgfeit faß in atten ©lüden, welcfee ßcfe auf bie «Pflege unb Srgiefeung itjrer Kinber begiefeen. Slnftatt ßcfe felbß bamit gu befaffen, übergeben fte biefelben gewöfenlid) «Perfonen, welcfee aus «Kattgel an Stjiefeungunb Unterriefet gu folcfeem SBeruf gänglicfe untauglid ßnb. Ss iß eine befrembenbe Srfdjeinung, baß bie erße lörperlidfee unb geißige (Srgietjung ber t)öfeeren ©täube, rinfcfeÜeßHcfe berer, weldje ßdj felbß gu ber feefferen Klaffe jafelen, beinatje gäitglicfe ben Hänben ber unwiffenbßeit grauengimmer beS SanbeS anvertraut iß. Die «Kutter, welcfee gewöfenlicfe ifere Kinber am tiortreffliefeßen unb guiljtet eigenen größten Sfere ergiefeen, bas ßnb bie grauen beS nieberen KaufmannSflante«, ber Sanbmirtfee unb ber ©efdjäftsleute, weldje einen tjinlättgltdjett ©rab gefunben «KeitfdetttierßaitbeS befreit, um ifere grauen gur Srfüttung Iferer mütttrtiefeen «Pflicfeten anjuleiten, uitb bie ßdfe felbß nictjt für gu erfeaben ijatten, um in eigener «Perfon ßcfe um ifere Kinber gu befümmern. S3ei biefer at^tungswertfeett uttb intelligenten Klaffe ber ©efettfdjaft iß bie SBofen« ßube bie «Pflanjfcfeute ber Kinbfeeit, uub burefe ben «Kunb ber Sltern werben kein empfängtiefeen ©emütfee beS KinbeS bie wicfetigßett ©runbfäfce ber ©ittlicfefett unb «jüligiott, wie auefe bie «Jügetn bes äußerett SlttßanbeS guerß eittgepßanjt. SBenit irgenb ein «Raturgefe^ gebieterifdjer iß, als eiu anbereS, fo iß ti Ut «Pßicfet, wetdje ben «Kuttern auferlegt ift, mit ängßlidfeer ©orgfalt bie jarten ©prößlinge gu pßegen unb gu ergiefeen, weldje bie gnäbige Hanb ©otteS iferer fav [xdjt atttiertraut Ijat. Dettit was foll matt fagen »on einer grau, weicfet tiefe« bei« lige Slmt rüdßcfetslos att Slnbere abgibt unb es gefdjefeen läßt, baß ifere Äinttr ent- weber einer tierfetjrten «Befjattbtuttg gum Dpfer fatten, ober boß ße aufwaefefen mit tierbüßertem ©eiße ober mit einem gefcfewäcfeten unb tierwöfenten Körper. 3« 8fl' len, wo es untiermeibtlcfe, iß, bie Kinberßube tiott ber SBot)nßube getrennt jufea Ken, ba fottten bie Kteinett itt einem luftigen Sfeeile beS HaufeS Iferen «»f«1^" X)ahen unb genauen 33erbattungSregelit uuterworfeit werben, ©o fottte »ttB"B"JVJ bas ©efehfgemaefe. tion bem 3immer, itt welkem ße ßdfe bes Soges auffealten, jjm ^ Irin uttb nictjt getjeigt werben, ausgenommen bei naßfalter unb wecfefelnbtt ~ rung, ober in gätten tion Krattttjelt. S3ei «Jcadjtgeit fottte bas ©cfelafjunmtr gezeigt werbe«, ausgenommeit bei tattern ober feucfetem SBetter. Sin Kapitel für «Kutter. 527 GS iß feödfeß nocfe. tfeeitig für bie ©efunbtjeit ber Kinber, wenn ße beS «Radts unb bei Sage itt bidfetoerfcfetoffenen, gezeigten 3immern oufgegogen werben. Die Suft wirb baburdj gu fefer erfeitjt unb werfest bie Kinber ober überfeaupt bie S5ewofener bes ßimmers in ein beßänbigeS ©cfewitibab, fo baß biefelben, wenn fie ber gewöfenliefeett Sltmofpfeäre ausgefegt werben, ßcb, gar trittst Srfältungeit gugiefeett. «Ricfets iß ber «Ratur beS KinbeS angemeffener, noctj feinem SBactjstfeum unb feiner Sntwictelung guträgliefeer, als bie «Kuttermildj. Daraus ertjellt, baß es biefe glüf- figfeit in foldjer «Kenge unb «Regelmäßigfeit erfeatten fottte, wie es bie Konftitution bes KinbeS gu feiner tiöttigen Sritäferung erforbert. SBenn bafeer bie «Kutter wegen ©cfewäcfee ober Kranffeeit burdjaus unfäfeig ift, ifer Kinb felbß gu ßitten, fo iß es notfewenbig unb tion großer SBidjtigfrit, baß ifere ©teile burefe eine gefunbe ©äug- amme erfe£t werbe. Da jebod) gwifdtjen «Kutter uub Kinb eine natürlidje SBecfefet- wirfung ßattßnbet, fo fann man tjierbei nidjt oorftdjtig genug gu SBerfe gefeen. Der Söedjfel, ben ein garüs Kinb mit einer fremben Stmme erfäfert, geigt ßdfe oft weit nadjttjeiliger für baffelbe, als wenn feine Srnätjruug felbß tioit einer fefer fcfewädtj- licfeen «JRutter fortgefe^t wirb. Ss beßefet ein gewiffeS natürtiefees 33erfeättniß gwi- fefeen ber «Kutter unb ber Konftitution beS KinbeS, weldjes ungeßört bleiben fottte, wenn nicfet feinlättglid ßarfe ©rünbe oorfeanbett ßttb, biefe SSerbittbung aufgulöfen. SBenn ein SBecfefel tiott ber «Kutter gu einer fremben Stmme burdfe aus notfewenbig erfdjeint, fo follte geljörige 3utdßd)t genommett werben auf bas Sllter beS KinbeS, auf bie ßeit, bie feit ber Sntbinbung ber Slmme tierfloffett iß, auf bas Sllter itjrer «Kilcfe unb beren Sigenfdjaften, auf itjre Konftitution, allgemeine ©efunbtjeit unb «Jteinlidjfeit. Stiles bies ßnb «Punfte, welctje nicfet üfeerfefeert werben bürfen. Die «Mcfe ber «Kutter ober ber Stmme muß jebergeit bem Stlter beS KinbeS, feinem S3ebürfniffe unb feiner 33erbauuttgsfraft aitgemeffeit fein. SBenn biefer Utnßanb bei bem SBecfefel mit einer Stmme nidt berüdßdjtigt wirb, fo erfolgt rine Störung in aßen gunftionen ber Srnäferuug. 33ei einem neugeborenen Kinbe iß bie 33er= bauungsfraft fdjwadfe unb erlangt nur nadj uub nadj mit ber fortfeferritenbett Snt- totcfelung bes SSerbauungsfpßems größere ©tärfe. Datjer iß auefe bie «Kildj ber Butter bei feiner ©eburt fefewaefe unb wäfferig unb leidjt tierbautietj. ©o wie aber bas jtinb etwa tiier ober fünf «Kottate att geworben, fo feat audj fein Körper an SBadjstfeum bebeutenb gugenommett; fein Seib ift umfangreiefeer unb feine 33er- bauungsfraft iß bebeutenb tiermefert. Slus biefem ©runbe wirb bie «Kildj ber Butter »tel ßärfer mit bem Sllter beS KinbeS, fo baß eine geringere «Kaffe berfelbe fine größere «Kenge Kaferungsftoff etttfeält, als früfeer. SBenn nun biefe Dinge nidjt in 23etrad)t gegogen werben, fo föntten fetjr fdjmerg- licfee unb ernßlidfee golgen baraus entfüfeen. SBürbe matt g. 33. ein neugeborenes ßlnb einer ©äugamme übergeben, weide fcfeon feit fedjs «Koitateit geftittt tjat, fo »ürbe ifere «Kitcfe gu uafertjaft für baffelbe fein; es fonnte biefelbe nictjt leicfet tier- bauen unb Kranffeeiten bes «KageitS unb ber ©ebärme würben baburdj tjertiorgeru- fen werben. Dber bie «Kildj würbe wegen itjrer gu großen «Ratjrijaftigfeü nnb fteijbarfeit gieberanfälle ober fonßige Steigungen tjertiorbringeit, benett bas Kinb feiner «Ratur nodfe fortwätjrenb metjr ober weniger unterworfen iß. SBürbe auf ber anberen ©eite ein Kittb tiott fedjs «Koitateit tiott einer Slmme gefäugt »erben, bie erß einen «Konat lang geßiüt X)at, fo würben bie entgegeitgefe^ten golgen 528 ©uttn's Hausargt. eintreten. Das Kinb erfeielte nicfet «Raferung genug, es würbe gang fdjwacfe wtrbrn unb fotgtidj ebenfo geneigt gu Kranffeeiten. SS iß baljer notfewenbig, biefe SBecfefelbejüfeung gwifdjen «Kutter unb Kinb fotiel als möglicfe gu erfealten, ba bieS mit ben flarßen ©efefcen ber «Ratur unb bes gefun- den «KenfcfeentierßanbeS in Uebereinßimmung ßefet. Sine fäugenbe grau bebarf feine anbere, als gewöfenlicfee, noferfeafte unb tinfatfee Koß, unb foüte ßets foldje ©peifen wäfelen, bie iferem «Kagen unb iferen ßingewei- ben 'am guträglicfeßen ßnb. ©owofet «Pßangenfoft als gleifdjfpeifen ßnb angemefen uub gefunb. SSerbinbet ße bamit gehörige SBewegung unb «Reinlidjfeit, unb erfreut fte ßcfe. einer guten ©efunbfeeit, fo iß ße für iferen 33eruf tioüfommen taugtiaj. 3ft fte bagegen fdjwäcfelicfe, fo feat fte, um bie Slbfonberung einer gefunben «JRilcfe ju ergielen, bie forgfältigße Diät gu beoboefeten. ©obalb bas Kinb bie erßen 33orbergäfene befommen tjat unb an feßere «Raferung gewöfent worben iß, fottte bie Sntwöfenung beffelben iferen Slnfang nefemen. Slllmä. lig läßt man eS weniger faugen, wäferenb mon üjm anbere «Raferung itt größerer «Kenge reiefet, bis eS enbliefe bie «Kuttermttdj nidjt ferner mefer nötfeig feat. «jMöfeluü Sntwöfenung iß feiner ©efunbbeit nadjtfeeilig. Die Sntwöfenung follte riefet früfeet ßattßnben, als mit bem acfetett ober neunten «Konate, nocfe fpäter als mit bem »ier. gefenteit ober fünfgefenten. Dies tjängt jebodj tior atten Dingen »on bem 3uftanrt ber «Kutter ab. Das Kinb fottte im Sittgemeinen bie tiier erßen 33orberjäfene feaben. «Kandjerlei Umßanbe macfeen jeboefe SluSnatjmeit nötfeig. SBenn ein Kinb »on «Ratur eine ju garte Konftitution feefifct unb tiiel burefe ßaX)ntn ober »on anberen Kranffeeiten gelitten bat, unb babei bie «Kitcfe ber «Kutter reiefetid) unb feinlangl.cfe naljrfeaft iß, fo mag baS Sntwöfeitett beS KinbeS bis über bie gewöfenlicfee 3«« fjtnauS tierfä>ben werben. 3* ber Unterfleibung triefe, t aufgettommen unb fortgeieitet wirb, ofene ein ju r..|>* «Berminberung ber Hautwärme gu ergeugen. SluS biefem ©runbe wirb b e - » auefe, im fpäteren Stlter mit bem größten 33ortijeii gebraudjt unb 8«f«**'^tfl' w Umftänbe welcfee eS tierbieten, baß berfelbe in ber Kinbfeeit unm e r n Haut getragen wirb, nidjt fetos wegfallen, fonbern eber eine Smprefelung j» I" ©uitßen ßttb. «>AAf,#Jt in ibrer Unrubt SS ift nicfet geringe ©efatjr tiorfe, anbeit, wenn Kinber bet «Racfetjett tn ü bie 23ettbedeit tioit ßcfe, trete« unb ßdj baburdj ber Kälte auSfefcen. ^nn Sin Kapitel für «Kutter. 529 bes ©djlafeS iß ifere Smpfänglidjfeü für Srfältungen größer, ba bie Kraft ber Kon* jlitution, ber Kälte gu wiberftetjen, beträdjtlidj tierminbert iß. Um bab, er bie ©efatjr, welcfee aus biefer Urfacfee entßefet, fo tiiel als mögliefe, gu entfernen, fottte ein langes «Racfetfleib »on glanett über bem baumwollenen Hembe getragen werben, was bagu bient bie natürlidje SBärme beS KinbeS gu erijalten. Hier will iefe meine «bemer- fungen fcfeließen mit einer furgen Slngabe, wie ber Kopf bes KinbS befeanbelt werben mufj, ba biefer eine Slusnafeme »on ber allgemeinen «Jügel fein ßdfe ttidj ber forgfältigen Srfealtung ber SBärme an allen übrigen Sfeeilen bes Körpers bilbet. 33ei bem ßinbe follte biefer Körpertfeeil ßets tiottfommen fütjl gefeolten werben. 3m SBinter muff er, wenn ßcfe bas Kinb im greien beßnbet, mit einer paffenben baube ober SUlii^e bebedt fein, welctje nidjt gu fdjwer nnb nictjt tion. gu biefetem (3twtht fein barf. SBofelbeßnben, aber nidjt SBärme, iß SltteS, was nöttjig iß. Sine Kopfbedung, bie ju fdjwer ober ju warm iß, feäuft gu tiiel bty* an biefem Körpertfeeile an unb begünftigt baburdj einen gu großen 331utanbrang nad) bem ©etjün, was fefer Ijäußg »orfommt, unb woburd) fowotjl jetteS garte Drgan tierlefü, als audj bü ©efabren beS 3afentnS »ermefert werben. 3m Hanfe fottte ber Kopf entweber gar nidjt ober nur mü einer Haube tion fetjr bannen ©toffen bebedt feilt. Ss iß nad) meiner «Keinung beffer, ben Kopf beS KinbeS, fobalb baffelbe gwei «Konate alt geworben, gängtid) uubebedt gu laffen. Sßenn man ben Kopf ob. ne SBebedung läßt, fo waajfeit bie Haare weit fdjnetter unb geben bem Kopfe bie nötfeige Hütte, womit bie «Ratur Üjn gewöfeitlicfe tierforgt. SBäferenb bes ©djlafeS fottten biefelben «Jügeln beobacijtet werben, beS feeißt: fobalb bas Kinb etwas älter geworben, foüte man es ofene atte Kopfbebedung fdjlafen laffen; benn iefe feabe guten ©runb gu glauben, baß tiiele Krattftjeüett bes ©efeirns in einer unpaffenben 33ebedung bes Kopfes ifere Urfadje ßitben. 3n jebem gälte fottte, wtnn man eine Haube für nöttjig feätt, eine fefer bünne gewäfelt werben. Die lörperlidfee 33efcfeaffenfeeü eines KinbeS iß fefer tierfefeieben tiott ber eines Srwadjfenen. Die nodfe in iferer SMtbung begriffenen Knodjen beS erßerett ßnb roeidj unb biegfam unb netjmen leidjt jebe gorm an, befonbers wtnn ftd) ber Körper in franffeaftem 3ußanbe beßnbet. Dafeer entßefeen bie fo gewöfett licfeen Uitregel- majjigfeiten in ber gorm, benen fein ttatürlidjer Urfprung gu ©runbe liegt, fonbern bie fiefe in einer frütjen SebenSperiobe einßetten. Die ©orgfalt, welcfee bie Srgte« feung bes KinbeS erforbert, muß baljer nadj SSerfeältttiß feiner ©djwädjlidjfelt Tiefe ßeigern. 33iel fann in biefer Hinßcfet burd) beftäubige unb anbauernbe Slufmerffamfeit erreidjt werben, unb tiiele fdjwäcfelidje unb wenig tierfpredjenbe Kinber erwuefefen unter öerßänbiger unb forgfättiger 33eljattbtuttg gum reifen Sllter unb erfreuten ßd) wäferenb iferes SebenS eines beträdjtlidjen «KaßeS tiott ©efunbtjeit unb Kraft. Sin fcfeon geformter Körper begünßigt bett ©enuß einer guten ©efunbtjeit. 3ebermann fallt bie gebieterifdje ©eßalt uttb bie reigenbe Srfdfeeinung einer perfon auf, weldje eine folefee Körperbilbung beßtjt; aber nur SBeitige fragen naefe ber Urfacfee, warum nicfet alle «Ketifdjen bamit begabt ßnb. SBenn Sftern itjre Kinber tion förperlidjen Mängeln frei fefeen wollen, wenn ße wünfdjen, baß itjre ©lieber eine gorm unb ®efialt anntfemett, weldje ßkxlidjttil, SBetoegtidjfeit unb ©tärfe anbeutet, fo muffen |ie benfelben »on iferer ©eburt an itjre Slufmerffamfeit guwenben. ©etittgt es itjnen 530 ©uitn1« Haus-Slrgt. audj nicfet immer, benfelben ben Ijöcfeßen ©rab förperiidfeer S3otttommenfeeit gu jldjtrn, fo werbett fte bocfe im Slügemeinen im ©tanbe fein, itjre förperlidje S^erfoffung btrar« tig gu tierbeffern, baß ße bie ©runbloge fünftiger ©efunbfeeit bilbet. Kinber fotlen nicfet gu frütj auf ifere güße gefüllt, fonbern tiülmebr mit bem «Rüden auf ben gußboben gelegt werben, bamit ße ifere ©lieber nad «Belieben üben fönnen. Das erßere 33erfatjren iß eine feäußge Urfadje ber «Kißgeßoltung bet unteren Wieb» maßen. 33efonbere ©orgfalt fottte barauf oerwenbet werben, baß ber «Jiüdgrat, bei bei jungen Kinbern fetjr gort iß, leine falfdje «Rtcfetuitg annimmt. Ss iß forgfältig barauf gu adjten, iit weldjer SBeife man bas Kinb, befonbers wenn es »on jarttt «Ratur ift, auf ben Slrmen ober bem ©djooße ber SBärterin ßfcen läßt. <2o lange es nicfet feittreiefeettbe Kraft beߣt, ßcfe felbß aufredjt gu fealten, foüte ifem eint paffenbe Unterftütiung gu Sfeeil werben. Saßt man es mit »orwärts geneigtem üopfc unb ©djultern unb mit feertiorßefeertbem «Jtüden gufammenfouerit, fo eignet es ficfe balb eine fcfetedjte ©ewotjnfeeü an, weldje oft gu einer SSerfrümmung beS «Rüdgrats führt. Doefe bas Hatten auf ben Slrmen ift es nidjt aüein, was foldje «Slufmerffamfeit erforbert; bie SBirfung iß nidjt weniger itadjtfeetlig, wenn man bas Kinb auf einem ©tüfele ßj3en läßt, ba es alsbatttt, wenn eS mübe geworben, jene Haltung annimmt, bü itjm für ben Slugenblid bie metße Srteidjterung gewäfert. Ss mag feier nicht unpaffenb fein, bas fo fetjr gewöfeitlidtje SSerfafereit gu erwäfenen, eitt junge« Ktnt fo unterfeatb ber Slrme aufguridjten, baß ber S3ruftfaßen tioit ben Hänben ober öuimebr »on ben giitgergelettfeit ber SBärterin gufammengebrüdt wirb. Daburcfe wirb bie «Bruftfeöfele »erengt,. ber 33ruftfnocfeen feerausgebrüdt unb bei garten Kinbern jene «Kißgeßoltung tjeroorgerufen, welcfee unter bem Kamen „Saubenbruft (pigeon breasted) befannt iß. «Rü fottten Kinber an ben Kopf gefcfelagen werben; »iele fdjltmme gätte ftnb fdjon entftanben aus biefer unnotürtiefeen SBeife, Kinber ju uiefe« tigen. 3dj erinnere miefe eines traurigeu galleS biefer Slrt, wo ein feaßiger Scfelag »on ber Hanb beS 33aterS ben Sob eines liebenswürbigen breijäferigen ÄinbeS jut ;golge featte. Das Kinb ftanb auf einem ©tufele, unb iu einem Slugenblide tti ,3ätjgorneS fcfjlug eS ber «ßater an ben Kopf, woburdj eS fopfüber auf ben 33oten ftürgte. SS befam balb 33redjanfätte unb ßarb ben näd, ßeit Sag. 3(fe fe^e ee cji an «Kuttern gefetjen, baß fte itjre Kinber auf ben Kopf fdjtugen. Diefe Slrt bet 3üdjtigung ift nicfet allein gefäbritdfe, fonbern ergeugt audfe oft Kranftjeiten W ©efeirns, welche fdjlimm enbigett mögen ober mancherlei anbere Kranffeeiten für« gange Seben tjertiorrufen fönnen. 33ier tjunbert uub füitfgig taufenb Jlinbet werben jätjrticfe in ben «Bereinigten «Staaten geboren, om benen nicfet mefer als bie V# teilt Sllter tioit ein nnb gwangig 3afe,ren erreidjt. Kinber foüten in jebem gatte att einfaefee Koß gewötjnt werben, fcfeon »om er|ten Slttfange ait. ©ie ift iferer ©efunbtjeit unb üjrem SBofetbeftnben wett jutragltdm, als bie tterfcfjübettett Sedereien, womit gärttiefer Sltern fo gern iferen Slppetit ja ßitten fuefeen, nnb ße erfpart ibnen fetjr oieten SWbruß im fpäteren Seben. ü*m itjr es eudj gur ©ewofenfeeit maefet, ben Kinbern -on Slttem baS 33eße ju geben, p mit Sebfudfeen, Konfeft unb 3uderbob,neit tiottjuöopfen; wenn ifer ifenen; ttia« _. mit faurer «Kiene gu fagen: „baS mag idj nidjt/' *ber: „baS fann ii) mefete„ , unb bann begebt nnb ibnen Singemacfetes ober >luderwaarett (Undy; r« » ^ lederen ©aumen gebt: fo fönitt itjr eudj barauf oerlaffen, baß ifetifentn,\w ©djaben jufügt, nicfet allein weil ibr es baburefe, tierfejnbnt, baß ße ßa) ie|ter Sin Kapitel für «Kutter. 531 unb roßgcr SBangett erfreuen, fonbertt audfe, weit itjr baburd) eine ber läßigßen ©ewofenfeeitett bei ifetiett auffommett laffet, bie ße bis in ifer fpätereS Seben mit ßdj nefemen. SBeit beffer tfeut ifer, wenn itjr üjnen nicfets als ©erftentrattf ober ©cfewarjbrob reiefet, bis ifer Slppetit ßdfe einfüllt unb ße ßdj mit folefeen ©peifen jufrieben geben, bie anbere «Perfonett an bemfelben Slfdje mit itjnett effen. SBenn ifer eure Kinber gewöfent, ju effen, wos man ifenen »orfelü, ofene nadj anberen Dingen ju fragen, fo werben ße unter jeber Klaffe tiort Seuten, unter bie fie fpäter* fein bas ©djidfal werfen mag, immer etwas ftnben, was iferem ©aumen gufagt. SBenn ifer ifenen bagegen an eurem eigenen Sifcfee gu murren unb gu tabeln erlaubt, fo werbett fie, wenn fie einmal baS tiätertidje Haus »erlaffen feobett, bie meifte 3eü nicfets ßnben, was ße effen fönnen, unb ifer bereitet ße auf biefe SBeife tior, boß ße bereinß »oß llttmutfe burefe bas Seben gefeen, ats bie ärgßen ©ftatiett, bie es tiietteidfet in ber SBelt gibt. £>b nun ein Kinb tion feiner «Kutter ober tion einer gemietfeeten ©äugamme gefüllt wirb, fo iß es flar, boß in ber erßen Kinbtjeit feine anbere «Raferung bie Stelle ber «Kuttermilcfe paffenb erfefjen fann. Ss iß baljer tioit SBidjtigfrit gu unterfudjen, welcfee Diät, tiorauSgefet^t baß bie «Perfon gefunb iß, ßd) für bie Srgeu* gung einer guten «Kuttermilcfe am beßett eignet, welcfee «Bewegung eine ßillenbe «Kutter feobett fottte, uttb in weldjen 3eüräumen bas Kittb bie 53ruß erijalten foll. Ulis Srwieberung auf ben erßen «Punft rattje iefe jeber grau, an einer einfachen, Icicfeten unb naferfeafteit Diät fotiiel als mögliefe feßgubaltett unb ßd) »ott ftarfge* würjten ©peifen, ©aljffeifcfe unb ©eflüget gu entfealten. Ss Ijerrfdjt rine fetjr irrige «JReinung unter bem fdjönen ©efcfetedjte, baß «pflangettnaferung tion fäugeitbett grauen getrieben werben follte. ©ie fottten jebod) im ©egentfeeile eine mäßige Portion gut gefoajüs ©emüfe beim «KittagSmafef genießen. Steife grüdjte, wenn bie grau ße ju anberen 3eüen gut »ertragen fann, werben ßd) audfe wäferenb ber Stilutngsperiobe nicfet fcfeäblidfe erweifen, tiorauSgefe^t, baß ße bes S5ormittagS genoffen werben. Da bie «Kitcfe eine glüfßgfeit ift, fo feebürfen ©äugammen eine größere «JRenge ©etränfe, als anbere grauen. Diefelben fotlen jeboctj niemals ßarf ober narfotifefe fein, fottbertt fdjwad), milb unb füfelettb. S3ei fdjroädjtidjen grauen ober bei «Deuttertt, welcfee im «Verlauf ber ©tittungsperiobe inne werben, baß itjre Äraft fefewinbet, mag Slle ober «Porter ober eine mäßige Quantität SBein am «pla£e fein. SBenn jebodj bo»on ©ebraudj gemadt wirb, fo fottten ße in 33erbinbung mit einem reiefelidjert «Kaße milber unb tierbünneitber ©etränfe angewenbet werben. 2tts folefee mögen gelten: fefewadjer Sfeee, «Kildj unb SBaffer, ©erftentrattf ober Wolfen. Dos Slbertbeffett iß eine «Kafelgeit, welcfee jebe Slmme, bie ifere «pßicfet gegen bas Kinb erfüllt, nötfeig feat; benn biejenige, welctje Üjr ©efefeäft wälj* «nb ber «Raajtjeit einer «Kagb überträgt, um baS «Verlangen beS KinbeS mit einer Saugflafcfee ober einem Söffet gu ßitten, tierbient nidjt ben Kamen einer Slmme. 3n £inßdfet auf «Bewegung fottte jebe Slmme tägiidj einen «Spaziergang madjen. 3ft fie ju fcfewadj gu gefeen, ofene tion Srmübung gu leiben, fo fottte ße aus* faferen. ©ie barf ßdj jebodj feine 33ewegung erlauben, weldje ben 33lutumlauf I" fefer befefeteunigt. Denn ba ßd) bie «Kildj aus bem 33Iute bilbet, fo iß es flar, uj ifere Slbfonberung ober 33ereitung itt bett 33ruftbrüfen nidjt getjörig tior ßd) geljen .ww »»enn bas 33tut in gu rafdjem Saufe burefe, biefelben getrieben wirb. Datjer 532 ©untt's Haus»Slrjr. fottten ßdfe Slmmen unter atten Umßänben bes SangenS unb felbß bes «Reitens ent- halten, es fei benn, baS «Pferb X)abt einen fefer leicfeten ©ang. Slus bemfelben ©runbe fottte jebe ©emütfesoufregung oermieben werben; benn es iß gang befonbers bei einer fäugenben grau notfewenbig, baß ße bie ©anftmuttj unb ©elaffenfeeit beS weiblidjen SfearafterS nidjt tierläugne. Ss läßt ßdj nicfet erwar- ten, baß ßcfe aus ber KoferungSqueüe beS KinbeS ein gefünber ©trom ergieße, wenn bos ©ift beS SlergerS bem 33ufen eingeflößt wirb unb bos Herg oon 33itterfeit uttt Seibenfdjaft fdjwiüt. Um aber biefe anmutfetge ©emütfesoerfaffung, welcfee für baJ ©ebeifeett bes KinbeS fo unerläßlid iß, bei einer «Kutter gu gewinnen, muffen beibe Sltern gufammehwirten. Denn wer fann ©leidjmütfeigftit »on einer Brau ttwar. ten, welcfee burd Haber unb ©treu gequält wirb unb nur feiten bie Srquidung bes Hergens empßnbet, welcfee im efeeltdjen Seben Stcfeluna, unb Siebe ollein gewähren fönnen? Kiefers ßefet ben «pßicfeten einer «Kutter mtfer im SBege, ols Unregelmä- ßigfeit in ber 3rit beS ©tittenS, unb iefe feefeaupte, baß es in biefer Hinficfe! feine größeren ©egenfä^e gibt, als ber 33eruf einer «Kutter unb ber eines 3agbliebfeabtrs. SBaS bie 3eit beS ©tittenS betrifft, fo ift eS wofer, boß bas Kinb an irgenb welaje ©ewofenfeeiten, welcfee bie «Kutter annefemett mag, gewöfent werben fann; aber bas Kinb, weldjes man gewöfent, gu gewiffen ©tunbeit bie 33ruß gu erfealten, wirb immer am gefünbeßen feitt. Der «Kagen wirb nicfet leidjt wegen übermäßigen Hungers überlaben ober mit Sfet erfüllt, baburdj, baß eine «Kafelgelt auf bie anbere gefeäuft wirb, um ben 33efcfeäftigungen ber «Kutter gu paffen. 3unge Kinbet erforbern öfteres ©titten, als foldje, bie im Sllter fdjon mefer »orgerüdt ßnb. Slnfang« fottte bas Kinb atte gwei ober brri ©tunben bie 33ruß erfealten. ©obalb es jebodj ein Sllter »on tiier «Konaten erreidjt feat, tonnen bie 3wifcfeenräume auf »ier ©tun- ben unb wätjrenb ber «Racfet auf fecfes ©tunben auSgebefent werben, wenn bas Jtinb gut fdjläft. gür grauen, benen ifere «pflicfet als «Kutter feeitig iß, ßnb biefe 3wi« fetjenräume tjinreidjenb, um bie nötfeige «Bewegung gu geftatten uub bie Stnntfemliaj« feiten beS gefettfdjaftlidjen Umgangs gu genießen, foweit ftcfe, eine »ernünftige 2Rutttt bemfelben tjingebett barf. SluS allem bisher ©efagteit taffen ftcfe, bie folgenben ©djlüffe feinßdjtltcfe ber erfien «Raljrung beS KinbeS giefeen: 1. Daß bie «Kuttermitdj, ba fte tioit ber Katur für bie Unterhaltung bes flinctJ bereitet wirb, jeber anberen «Raferung tiorgugtetjen iß. 2. Daß, weitit bie «Kutter gefunb iß unb bie «Kitcfe in X)tnreiefeenber «JRenge abge- fonbert wirb, baS Kinb auSfcfe, ließliefe biefe «Raferung erfeatten foüte. 3. Daß bie Diät ber «Kutter ober Slmme leidjt, naferfeaft unb reijloS fein fo«, um ritten reidjiicfeen «Borrattj gefünber «Kuttermild, gu ergielett. £a& femet tbt ©emütfe in gehöriger «Rutje gefeolten unb SltteS oermieben wetben mxx% »a« w« 33lutumlauf befdjleunigt unb ben Körper erfeifct. SS ift ein großer gefeter, Kinbern beßänbig Slrgnei gu geben, ©efer ^»^^ baraus bie ernftlidfün golgen. Slbfüferenbe «Kebiginen fotten jebergeit mit: W gegeben werben; Kaßoröl iß jeber anberen berartigen Slrgnei »orgujitfeen, U t milbeßen iß unb am wenigßeit reigeitb wirft. Die ©attln. 533 SHe <&attin. Wit übrigen übifcfeen 33erluße ßnb nur unbebeutenb im S5ergteicfee mit bem 33er* (ttfte einer ©attin. Die grau — ße füllt ritten fo großen Kaum in bem feäuSlidjen Fimmel aus; ße iß fo gefcfeäftig, fo unermüblictj in iferer Slrbeit für bie Sieben, tiott benen fte umgeben iß. S3itter iß bie Sferäne, bie auf itjren falten Seidfettam fällt. Du jtefeß an iferem ©orge unb benfß ber Skrgattgetttjrit. ©ie erfdjeint als eilt tofenfarbiger «pfab, wo bie ©onne auf lieblicfee 331umett feernieberteuefetete unb bie ©lerne glänjenb über bem Haupte feingeit. «Kit greuben tierweilt bafetbß bie ©eeie. jüine Dornen tjat beine Srittiterung an biefe feotbe ©eßalt aufguweifen, ausgenom- men bieientgen, weldje beine Hanb tiietteidfet abßdfetslos batjin tierpflangt feat. 3tj* ebles, jartfüfetettbeS Herg lügt »or bem Sluge beineS ©eißeS offen ba. Du gebenlß Iferer in iferer gangen «Kilbe, ©efeönfeeit unb HergenSreinfeeit. Slber ad)! — fte ifl bafein. Das tfeeure Haupt, weldfeeS an beinem 33ufen lag, rufet itt ßitter ginßernifj auf einem Kiffen tion Srbe. Die Hänbe, welcfee fo unermublidfe gewirtfefdjaftet feat* ten, pnb gefaltet, weiß unb falt unter ben «Pforten ber büftern ©ruft. Das Herg, beffen «pulsfdjlag ewige Siebe war, liegt gu beinen güßen. Die SStumen, welcfee ße einfl mit Säcfeeltt pflüdte, beugen ßdj nun mü Sferänett über fte unb fcfeüttelit ben Jfjau »on iferen 331ättem, bamit bas ©rütt um ifer ©rab frifd) unb fdfeön erijalten »erbe. SBie mancfeer ©atte mag bieS lefen, in ber ©ritte eines tieröbeten HaufeS. Kein lueifier Slrm legt ßdj mefer über beine ©dultern ; fein liebes Slngefidfet begegnet bir, ju bem bu aufbllden unb in bos Sluge tiott Siebe fdjauen fönnteß; feine bebenben Sippen nafeen ßcfe bir, um bir bie gärtlidtjftett ©efüljle beS HergettS guguflüßent. Sldtj, Wie traurig, wie einfam füfeleft bu! Denn ße, bie bein Herg tiereferte, iß gefefeieben. £>as fleine SBefen, beffett Heimatfe ber Sob beraubt feat, fajaut mit SSerwunberung in bein ernßes ©eßcfet; es erfeebt feine Keinen Hänbe, um beine Sferänett aufgufeal« ten unb ßnft gurüd an bie 33ruß beS SSaterS, ßdj X)albbtwut)t, baß bie gittidje, bie es einfl mit fo großer Siebe fdjüfüen, für immer geläfemt ßnb. S3ebenfe, baß nicfets auf Srben fo rein unb tjingebettb iß, als bie Siebe einer grau. SJerwunbe bafeer nictjt bas Herg, wetdtjes bid) liebt, biefe unerfdjöpflidje Quelle auf* richtiger 3ärtlicfefeit. ©e{ es ©alte ober Kinb, ©djwefter ober 33ruber, es ift überall biefelbe reine, unauslöfdjlidje glömme, biefelbe unbeßedte ©tutt) beS ©efüfels, bef- fen unleugbarer «profeirßeitt bte «Prüfung iß. ®ib ifer nur ein 3eidjen ber Siebe, ein freunblicfees SBort ober einen gärtlidjen 33üd, fei es audj unter Slrmutfe, Setrübnifj unb Sob, fo werben bie ©efütjte biefeS treuen HergenS gteidj einem Strome ßcfe ergießen, tro£ irbifcfeer geffeln ober eigennütiiger 33erbittbuitgen. Köft* Hdjtr als bie Sbelßeine ©olconbas iß bas weiblicfee Herg, uttb tjtngefeenber, als bet ©ottesbienß bes «Kufelmannes, ber nadj «Kecca wattfabrt, ift bie Siebe einer grau. & ift eine große SBonne für bie ©eete, auf bie Sreue eines SBeibeS gu tiertrauen. ©ie ift ein fanfteS Kiffen für bas Haupt, baS tion ©orgen gequält unb tion ©djmerg berüfert wirb, ©ie träufelt 33atfam ouf jebe SBunbe. ©ü iß eine untierwetftidje Mnung, eine lieblicfee 3ußudjtsftätte, wotjiit bas Herg, Wenn eS mübe iß tion Jraurigfeit, ßdj gurüdgüfet, um ßdj ben Siebfofungett unwanbelbarer Siebe bttuuge- «n. tit Srinneruncj an jeben «Beweis ber greunbfdjaft tritt tior beine ©eele/nodj 534 ©unn's Hau«-Slrgt. füfelß bu bett Drud itjrer ttjeuren falten Hanb in ben legten Slugenbliden bes Sebens, ba fte mit üößenber Stimme fagte: „Sebewofel, lebewofel!" unb wäferenb ifere £anb nocfe bie beinige feftfeielt, feingufe^te: „3dj feoffe, wir werben uns im Himmel uneberfin« ben." Der Klang biefer Slbfdiebsworü fdjlägt wie ein unauffeörlicfees Scfeo an bein £)fer, unb wie ein milber Sfeau fällt er auf bas gerfcfelagene unb betrübte H>erj. SSerlufte, bie unS fdjon lang brofeün, breden guweilen, wie eine 3iidjtigung m oben auf uns feerein, um uns an unfere «Pßicfet gegen unferen feimmlifcben 33atet gu erinnern unb unfere ©ebanfen auf jene glüdlidje unb gefegnete Heimatfe ju rieft- ten, „wo atte Sljränen getrodnet unb aller Kummer gefüllt wirb, unb wo wir unfere Sieben wüberßnben, um auf ewig mit ifenen tiereinigt gu bleiben." Ss iß Teilung in bem bitteren Ketcfee. ©ott nimmt biejenigen, welcfee wir lieben, tion unferer ©eüe, um unferen ©lauben gu ftärfen nnb unferem Hergen einguprägen, wie unßcfeer biefe« Seben iß; um uns gu uferen, auf eine fünftige SBüberoereinigung mit unftrtn Vir- bett in einer anbereit SBelt feingufdjauen, wo feine Srennung mefer fein wirb unb fein SBedjfel, ausgenommen ber, weiden unfer unouffeörlicfeer gortfdjritt jur 33od- enbung mit ßd füfert. Der ©laube iß bie toftbare SBunberfroft ber ©eete, welcfee Seib in greube oerwanbett; ober er ift tiielmefer jener reine unb feimmlifdje Sßeajfel, weldjer ben glimmer tion unferem ßerblidjen Sluge feinwegnimmt unb bie Irübfal als bas erfcfeeinen läßt, was fie eigenttiefe ift — ein Slusßuß göttlitfeer «Kilbe. «Bewafere bafeer bie Srinnerung an eine fo treue greunbin, an eine tfeeure abgetrie- bene ©attin, bereit feeilige ©egenwart, wie ein feütfreicfeer ©eiß, waferfefeeintid) jefrt über beinett uufcfeulbigeit Kinbern waefet. 33ei allen neuen unb ongtnefemen 33er- blnbungen, bie bu eingefeß, räume iferem Slnbenfen einen «ptafc in beinem fetjen ein. SSergiß nie, was fte bir gewefen iß. 33efealte ße im lieben Slnbenfen, unb tu wirß fte mü unbeßedter ©eete wüberßnben in jener glanjtiottett unb fajöntn SBelt. ©attin unb «Kutter! SBelcfee feeilige Srintieruttgen fitüpfen ftcfe an biefe SBorte! «Bor bas Sluge unferes ©eißeS tritt bas SBefen, beffen Siebe unb3untü gung bis gum legten Slugenblide bei uns auSfearrt. SBeldj' füßer Sroß liegt in ber Hoffnung, baß wir, wenn ber ©eift oon feiner irbifefeen Hütte befreit iß, biejenigen, welcfee wir auf Srbett geliebt tjätten, wieberfefeen werben in ber Heimatb ber Seligen, bereit laute greubentöne fein ßerbtidjeS Dfer je gefeört feat. Dort w:rben wir ben «Burtb ber greunbfefeaft unb Siebe erneuern ; bort werben wir bos SBjrt beS frrrn beßätigt ßnben : „Ss bat'S fein Sluge gefefeen unb tein Dfer gefeört unb iß in feine« «JKenfdjen Herg gefommen, bas ©ott bereitet feat benen, bie ifen lieben." ©age, wer nafem bir bie tfeeure ©ottin unb ©efäfertin beineS SebenS? SBare« nidjt ©ott? SBar es nidjt ber Herr, ber fte bir gegeben, unb ber ße genommen b.at? Kann er nictjt tfeun, was er will mit bem ©einen? 3ß irgenb etn Wange an SBeisbeit ober ©üte, an ©ereefetigfeit ober 33armfeergigfeit gu ßnben intern unb SBeife, w i e ©ott über bein SBeib tierfügte? Dber willß bu biefe mefet unter* werfen unter ben b,eiligen SBitten ©otteS ? Kicfet burefe e i n SBerfjeug nur wu ber Höcfeße feine ©nabenwofeltfeaten gufüferen. SBenn barum ein tfeeurer v [tintn Slntfeeil gu beiner SBobJfabri unb beinem ©lüde beigetragen feat, fo |en ^ ©ott neue «Beroeife feiner Hulb burefe eine anbere Hanb, unb eS iß ganj tn « nung, baß e r ben «Boten wäfelt, weldjer bas ©efdjenf überbringt. Dod es gibt «Kancfee, weldje es in 3»elfd jüfeen, baß bie auf Stben w^^ greunbfdjaft im Himmel »über erneuert werbe. Um folefee ntciet|cp » ■■i txv. 4 ":7D(F[£0 Die ©attin. 535 33eforgi.tffe JU befeitigen, mögen bie folgenbe«, auf bas SBort ©otteS [xdj ßü^enbeit ©rünbe feinretcfeeit. Ss läßt ßd) nicfet annefemett, baß bie Srfenntttiß ber öerflärten ^eiligen uittiottfornmeiter feitt werbe, als biefelbe gewefen war, fo lange ße nodj auf Srben lebten. Kicfet geringer, fonbern um tiieleS größer wirb bereinft unfer Sßiffen fein. SBie an greube, fo überüifft ber Himmel bie Srbe audfe an Srfeitntniß. Die gngel bes Himmels tjaben bafeer eine tlare Kenntniß tion ben geringßen ©laubigen auf Srben; ße freuen fidj itjrer 33efeferung unb werben tion StjrißuS „itjre Snget* genannt. SBenn wü baber ben Sngeltt gteidj fein roerbett, fo werben audj wir gewiß unfere nädfeßen greunbe erfenneit, welctje jene Herrticfefeit mit uuS tfeeilett. Unb obgleicfe im Himmel ©ott SltteS in Slttem tß, fo werben wir bod) audfe unfere «Küge- fdjöpfe nidjt bloS erfennen, fonbern aud) lieben unb uns iferer freuen, ©o wirb aud) ßferißus »on otten feinen 33efennern in feiner gur Herrlidfrit erfeobeneit menfcfelidjett «Jlatur erfannt unb geliebt werben, otjne babei bie Herrliefefeit feiner göttlidjen Katur ju unterfcfeeiben. Die »erfcfeiebenen ©lieber beS SeibeS Sferifti werben im Himmel in fo nafee Skrwanbtfcfeaft gu eluanber treten, baß ße etnaitber itotfewenbigerweife erfennen unb lieben werben unb nicfet gleicfegültig bleiben fönnen gegen ifere gegen» feitige ©lüdfeligfeit. Die gufünftige triumpfeirenbe»Kircfee wirb in ber ©dtjrift oft als bas Htm melr ei cfe, bie ©tabt ©ottes, bas ntut 3erufatem bejeiajnet. 3ebe biefer SSegeidnungeit faßt ben S3egriff einer ©emeinfcfeaft in ßcfe. Ss wirb einen Sfeeil ber ©lüdfeligfeit ber Heiligen bilben, baß ße tiom «Korgett unb »om Slbenb fommen unb mit Slbrabam, 3faaf unb 3afob im Himmetreicfee gu Sifdje ßjjen werben, ©ie werben bafeer jene großen Srgtiäter nidjt nur erfenneit, fonbern auefe eine feofee SBonne in bem Umgang unb in ber Unterhaltung mit benfelben ßtt- ben. Slußerbem iß bie Siebe gegen bie Heiligen, wit bie Siebe gu ©ott, eine ©nabe, welcfee nimmer täufcfet. 3a, bie 33erfeeißungeit ber Ketigioit weifen bie tjoffenbe, aber bemütfeige ©eeie auf bie 3ufunft fein, auf jene tjerrlidje Hoffnung, bie wieber- juftnbett, bte wir auf Srben liebten. SBenn wir unferen 33lid auf bie fdjwadjen 33ilber ber S3ergangenfeeit gurüdwerfen unb uns bie greube unferes Hergens in'S ©ebäcfetniß gurüdrufett, fo füfelen wir uns »eranlaßt gu fragen : „SBo weilen ße nun?" 33ott ber gangen gafelreicfeen ©djaar, mit weldjer wir bie feeiterett unb glüdlidjeit Sage ber Kinbfeeit tiertänbelteit, mü benen wir Hanb in Hanb unfere unfdjulbigen ©piele trieben, — wie SBenige begeg- nen nocfe unferem Sluge. «Kancfee würben auf iferer Sebensreife nadj anberen Him- melsßridjett, nadj fernen, fremben Sänbern gerufen ; «Kancfee ßnb gur legten Kutje« ßatte eingegangen unb fdfelummem im ©rabe; Slnbere ßnb uns fremb geworben burefe ifere abßoßenbeit unb erfatteten ©efüljle. Dodj einige wenige auserlefene Seelen weilen nodj in unferer Käfee; ße beteudjten, glelcfe ©fernen, ben Himmel unferes DafeinS; ße verbreiten über benfelben einen ßrafelenben Kräng ber greube nnb laffen Ifen ergtängett im Sidjte ber Hoffnung unb ber freubigen Srwartung. Diefe bringen wir in SSerbtnbung mit einigelt abgefdjübenett ©eitoffen unferer frü- feeren 3afere, welcfee ben «Prüfungen unb 33erfucfeungeit biefer füttbfeafteit SBelt ent- ßofeen unb eingegangen ßnb in jene glüdlidje Heimat!), wo wir ße in reiner unb feimmlicfeer «Rufee wiebergußnben X)offen, unb wo unfere ©eelen, burefe bie Sanbe tjeü liget Siebe tierbunben, in» unb für einanber feben burdfe eine lange, enbtofe Swigfeit. Ss fantt nidjt fein, baß biefe ttjeuren SBefen, beren Hergen einß für uns, wie bie «nferigen für ße gefäjlagen iaben, unb welcfee ber Sngel beS SobeS unferem Slitbltd 536 ©untt'S Haus-Slrgt. entgogeit feot, beren Kamen wotjl eine ßtit lang bei ber falten unb felbfüdfetigeu SDtll im ©ebädtniß bleiben, bann aber in bas «Keer ber SSergeffenfeeit »erßnfen — tt lantt nicfet fein, baß ße bem ©djidfale anfeeimfaüett fotten, nie mefet unferem 33!idt gu begegnen. Kein, wir feörett tiielmefer bie ©timme unferes göttlidjen Heilanbes: „SBie mid) mein SSater geliebt feat, fo liebe idj eudj." Ss gibt eine innigere ©tmein. fefeaft, als bie flücfettgett SSerbinbuttgen beS Slugenblids; es bie ©emeinfcfeaft bes ©eißeS unb Hergens. SBie fottte ©ott, ber S?ater ber Siebe, in unferen Herjen Heff. nungen rege macfeen, welcfee am ©rabe ifer Snbe ßnben? Kein, unfere Siebt bauert ewig ; benn ße rufet auf einem unerfcfeütterlicfeen ©runbe. Ktdfet bloS für bie fur;t 3eit unferer irbifdjen SBaüfaljrt fdjließeit wir ben S3unb ber Siebe; et beßefet unb bauert öütmetjr für eine Swigfeit: Der Srbe Seib ifl balb ju Snb', SBir aefe'n jum Himmel ein, SBo greunbe, bte ber Sob getrennt, Des SBieberfefe'nS ftcfe freu'tt. SBir füfelen, baß ber Sob unferer irbifdjen greunbfdjaft ein Snbe martt; allein bie greunbfdjaft Sferißi rüdt uns einen ©eferitt näfeer, wenn es gum Sterben mit uns lommt. Studj nicfet einett Slugenblid iß biefelbe unterbrocfeen. Iit Stele erfeebt ßcfe gu ifem, gu bem ©enuß feiner ©egenwart unb gu einer Slrt beS 33trfefers unb beS tübetiollen Umgangs, tiott weldjer wir jetjt nocfe feinen S3egtiff feaben. So war es einß mit Henodt). Heute nocfe „wanbelte er mü ©ott" auf Stbtn — unb morgen fcfeon wanbelte er mit ifem im Himmel. „SBir werben uns witberfeben!" Der lieblicfee ©ebanfe, baß bem fo fein werbe, erquidt uns ouf unferer «JMlgerfccaß burdfe bie büßere SBüße beS SebenS unb ermafent uns im ©titten, uns »or ber S3er« fudjung gu bewaferett unb ben tietberblidjen «Pfab bes SaßerS gu tiermeiben. ©eben- tet ber SBorte nttfereS feeitigett SrlöferS : „SBer bo glaubet an mtefe, ber wirb nimmer* mefer ßerben, fonbern baS ewige Seben feaben." Slufricfetiger ©laube an 3efum Sferiftum, ben ©ott uns gegeben, bringt bie erßen «Pulsfcfeläge eines neuen t'ebenJ in bas Herg, unb wir werben uns einer ©emeinfcfeaft erfreuen, bie wonnesoller unb entgüdenber iß, als atte greuben ber Srbe, einer ©emeinfcfeaft, bie niemals enbet, unb wo bie SSereinigung tiottgogeit wirb unter bem fdfeattenben H>attelujat) unb bem Sriumpfee banfbarer unb ewiger Siebe, — eine Skreinigung, bie nie geßört wirb burefe 3wrifel ober «Kißtrauen, fonbern mefer unb mefer an SBonne unb 3nnigfeil gewinnt unb reidj iß an ben grüdjteit nngetfeeilter, gegenfeitiger Siebe unb an fyxr Itdjteü ir ber ©egenwart ©ottes. ©cd>ftc* 2ll>fd)ttttt* inÄwluät*fefcntm 3ln meinem Herjen, an metner ffiruß, Du meine SBonne, bu meine Suft! Das ©lud iß bte 2iebt, ote Sieb' ift baS ©lüc$ 3tfe x)aV eS gefagt unb nefem'S nicfet jurüd. Hab' überglüdltcfe mt'd geftfeä'fct, 23in überglüdlttfe aber jefct. 9tur bte ba fängt, nur bte ba liebt Das Kinb, bem ße bte Kaferung gibt, Stur eine «Kutter wetfi allein, SBaS lieben feeißt unb glücfliaj fein. D, Wie bebaur' iefe bocfe ben «Kann, Der «Kurterglüd nicfet füfelen fann! Du fajauß mid) an unb laäjelß baju, Du lieber, lieber Sngel bu! Sin meinem Herjen, an metner 93ruff, Du meine SBonne, bu meine Suft. Sbamfffo. VU T>ie Qiät unb ba$ Säugen bet binbet* :fer als bie Hälfte ber Kranffeeiten, an benen Kinber leiben, werben burdfe bü unftuge S3efeanblung tieranlaßt, bie ifenen oon benen wirb, welcfee leine Sntfdjulfet* gung für ifere Unwiffenfeeit tjaben. Der Sinfluß beS ©ebirns auf bie S3erbauungS- organe iß ein unmittelbarer. SBäferenb ber Kinbtjrit, wenn baS ©efeirn, ebenfo wie anbere Drgane, ßdj in einem 3ußanbe großer Xtjatigfeit unb fcfenetter Sntwidetung beftnbet, iß eine forgfältige unb tiernünftige Diät tion ber größten SBidjtigfrit. ^eitere Jfeätigfeit, «JümÜcfefeü, trodene, reine Suft, gwedmäßige Kleibuttg unb eine geeignete Koß ßnb gur SJeförberung unb Srbaltung ber ©efunbtjeit unerläßlich n jefeanbelt uttb oufgegogen werben. Unb bocfe, wie »iele «Kutter bereiten baS 55er- oerben Iferer Kinber »or, inbem ße biefelben bri Jifdje iferen ©elüßen folgen unb ben «Kagett mit uitgwedmäßigen ©peifen überlaben laffen! SBaS guerß Kaferung betrifft, fo ift tior atten Dingen barüber fein 3»eiftl, bap bie «Kildj ber «Kutter bie beße Kaferung ift. SBorauf bie «Kutter gu aefeten bat, ift, baß ifere «Kildj audfe tion ber beßett «Befcfeaffenfeeit fei. ©ie mufj ifere eigene ©efunbfeeit burefe gwedmäßige Diät, frifdje Suft unb «Bewegung unb burefe 33en>afe- rung einer tjeüerett ©emütfesftimmung gu erijalten fuefeen. «Kander Säugling tat Krämpfe befommen, nacfebem bü ©äugenbe einen großen ©efered ober eine leiben- fdjafttidje Slufregung getjabt. Sine «Kutter mit einem reijboren ober unruhigen Jemperamente, beren «tut atte Slugenblide burdj ßoxn, Ungebulb ober unnü> 93eforgniffe itt SBattung tierfefct wirb, barf nicfet erwarten, baß bas Kinb bti ifeter «Kildj gebeifeen wirb, fonbent wirb tiiel tion bem Unwotjlfein unb bet Untufet bcjfcl- ben gu leiben fjabett. Die ©äugeube muß, fo befefeäftigt fte auefe fein mag, barau[ aefeten, bem Kinbe feine Kaljrung fo regelmäßig, als mögliefe gu geben, bamit fein «Kagen weber überlaben wirb, nocfe, gu lange leer bleibt. Das Kinb weift nuü, wie erwadjfene «perfonen, bie Kaljrung gurüd, wenn es genug feat. 6s wub anj' feören, gu fdjreüit unb gu faugen anfangen, auefe wentt eS aus einer anberen Ur|a e als Hunger, gefdjrieen fe, at; unb fpäter wirb es bann um fo mefer fefeteie«>JtnJ* übertabeiter «Kagett nod) gu bem anberen Uebel fommt, weldjes ifem linbtfeaaU« öerurfadfjte. Ueber ben entgegengefefcten geb,ter — ein Kinb gu Ian8f *un9"*! laffen — iß es triefe, t ttötfjig, etwas gu fagen. SBenn bie ßtit bet <&i»W Die Diät unb bas ©äugen ber Ktttber. 539 fommt, fo iß es tior, baß bü neue Kafjrung ber bisherigen fo äfentid) als mögliefe fein muß; bünn*ffüfßg, nicfet reigenb, mäßig warm, frifefe uub füß, unb ^t muß bem Kinbe fo gemädjlictj beigebrocfet werben, ats es bie «Kuttermttdj eingufaugen pflegte. Die erße Slbfonberung oon ber 53ruß ber «Kutter iß bie eingige Kaferung ober gftebijin, weide man In ben «Kagen beS KinbeS gelangen laffen fottte; weber ein Ifeeelöffel, nocfe beffen 3nfealt, fottte in ben «JKunb eines ©äuglings fommen. SBenn «Kutter unb Kinb gefunb ßnb, fo iß bie «Kuttermilcfe bas eingige KaferungS* mittel ©etränf unb «Kebifament, bas wäferenb ber erßen SebenSmonote erforberliefe ift; unb Kinber foüten mit nicfets Slnberem gefüttert werben, bis fte gu gafenen feegin* nen. Der «progeß beS 3<*fenenS würbe bann nicfet, wie jejü, »on fo tiielen Kranf* feeiten begleitet fein, bie weniger bem Srfdeinen ber ßät)nt, als bem SSollßopfen mit ungehöriger Kaferung unb «Kebtgitt guguftfereiben ßnb. Kinber, bie an ber S3ruß gefeolten würben unb nie einen Söffet in ben «Kunb betonten, werben gafenen, otjne »ielbabei leiben gu muffen, wenn ße tiorfeer gefunb waren; aber burefe bie gewöfett* lidje SluffütterungSmetfeobe uub baS beßänbige Sinfcfeütten tioit «Kebtjiiten werben bie ©efejje ber Kotur »erlebt, unb eS fann nicfet feblen, baß ftcfe eitt tranfljafter 3uftanb entwidelt; bieS iß bie Urfadje fo tiieler Selben ber Kinbtjeit, bie immer gefäferlidj ßnb unb feäußg töbtliefe fein mögen. 2lüerbings fonn es bei fcfewädjlicfeen unb fräntlicfeeit Kinbern tion ©eburt an nöttjig werben, fte mit bem Söffet ober ber glafcfee gu füttern, tiorguglicfe, Wenn ße aus irgenb einer Urfadje ber «Kutterbruß beraubt ßnb; unb in gäüen angeborener Uebel fann «JJcebijin erforberliefe fein. Slber bei gang fleinen Kinbern ftnb bie einfaefeften «Kittel ausreidjenb. SBentt matt ben ©tufelgang öffnen will, fo iß, wie jebe atte Kinber* frau weiß, ein ©eifengäpfefeen itt bett Hintern eine ber beßen «Kebiginen. SBenn etwas ©tärfereS ttötfeig iß, fo wirb ein wenig Dlitienöl ober Kaßoröl ober «Kantta* löfung bie gewünfefete SBirfung tjaben; untere iß bei Säuglingen tiietteiefet bas beße unb einfaefeße Sfbfüfermittel. 3e einfaefee'-e «Kebigitt unb je weniger baoott man Kinbern gibt, um fo beffer; es fann nicfet begweifelt werben, baß Hunberte tiott Kitt* bem jäferlicfe ber gubringlicfeeit ©efefeäftigfeit oon Slergtett, Stmmen unb SBartefraueit jum Dpfer fotten. «Kildj, «Kefel unb SBaffer ßnb bie natürlidje Kaferung für Kitt* ber, efee ße ßäX)nt feaben. 3fenen feie unb ba einen S3roden ober einen ©djlud tion ben ©peifen unb ©etränfen erwadjfener «Perfonen gu geben, feat fdjon mandje Kranf* feeit feeroorgebrodfet unb mandtjem Kinbe ben Job gegeben. Die meißen Kranffeeiten bei Meinen Kinbertt etüfprittgett aus bem «Kagen; beStjalb muß bie Diät unb namentlicfe bie «Kildfe auf bos©orgfältigße beadjtet werben. Ss iß ein gewÖfenlider ©ebrauefe, gleid) naefe ber ©eburt, fobalb bas Kinb gewa* \ fefeen unb gewidelt ift, fein ©dfereien burdj ©rüfje, ober, was nodj fcfelimmer iß, burefe 3uderwaffer gu ßittett. «Kau fottte Inbeffen, efee man irgenb welcfee beliebige Kaferung gibt, bebenfen, boß bas Kinb eben eine gang neue Slrt beS SebenS begonnen feat, unb baß 3eit erforberliefe iß, bis feine verfdjiebenen Drgane ßcfe ben neuen Sebürfniffen angepaßt feaben; ebenfo wie feiner ber äußeren ©inne tiottftänbig eitt* midelt ober gu Stnßrengungen fätjig fefeeint, fo fann man audj nidjt annetjmen, baß bie S5etbauungSorgane unmittelbar bereit fein werben, bie iljtten fpäter gufommenbe ^tbett ju üfeerneljmett. Slnßatt beSbalb gteidj mit güttern angufangen, fottte man *« eine SBeile an bü S3ruft ber «Kutter legen, um baburd), wie oben bemerft, bie 540 ©unn's Hau«.Slrgt. Slbfonberung ber «Kildj gu beförbern; bantt widele man es warm in gianell unb lege es gu «Bette, fo, baß feine Slugen gegen bas Sicfet gefcfeüfct ßnb; bott laffe man eS rufeig fdjlafen unb neue Kräfte fammeln. Die «Kilcfe iß bas ©eburtSrecfet beS KinbeS; bie Katur feat jenen 3nßinfttn ba« Kinb gelegt, ber es gu ber S3ruß ber «Kutter feingiebt, unb bat bie Sefetert mit gärt lidjer Siebe für bas Keugeborene befeelt; biefes fdjöne ©lieb in einer natürlicfeen Ättt fottte bafeer nie gerbrodfeen werben, fo lange es bie ©efunbfeeit ber «Kutter irgent ertaubt. 3ene Cuette ber Koferung, welcfee bie Katur felbß für bie Srbaltung be* KinbeS beßimmt feat, iß audj für feinen «Kagen am angemeffenßett. SBetdj' eitt üfeötteS S3eifpiel biefer «Kadjt ber Kotur feaben wir in bem galft jener tienetianifdjett «Kuter, bie ifer Kinb am Konbe eines SlbgrunbeS friecfeen fatj unb ifem in ber entfet^licfeßeit Slngß tiergeblid) gurief, bis ße ifem iferen entblößten Sufen geigte unb es baburdj fofort mit magnetifdjer ©ewalt aus ber Käfee ber ©efafer ;u ßdj feingog, um eS in ifere güterttbett Slrme gu fcfeließen! SBir fönnen auefe feiet Ui rüfjrenben 33eifpietS jener griedfeifefeett Jocfeter gebenfert, bü mit bem «Jiaferung«. quell ifereS fdferoellenben S5ufenS ben fdfewaden, eingeferferten SSater am Seben erfeielt unb fo bett feeiltgett SBertfe jenes natürlidjeit 33alfamS geigte, ber fogar bie jweite Kinbfeeit beS SllterS gleiefefam wiebergubelebeit tiermodfetc. SBaS olfo bie tiät bes neugeborenett KinbeS betrifft, fo toffe man wäferenb ber erßen »ier ober fünf «Monate bie «Kuttermilcfe, wenn biefelbe gefunb iß, feine eingige Kabrung fein. Die gute 33efctjaffentjeit ber «Kitcfe iß aus folgenben 33ebingungen gu erfennen: ße muß in gefeöriger «Kenge afegefonbert werben unb einen angenefemen, füfjlicfetn ©efefemad, aber ttur fefer wenig ©erudj feaben ; ifere Dide follte etwa bie »on Kufe- milcfe fein, weide geßanben unb bü ©ofene abgefdjieben bat; ße follte eint leiefete btäulicfee ©djattiruttg feaben, bocfe muffen feine ©treifen bemerftidj fein; ße muß bie Sigenfdjaft ber Koagulation, bas feeißt bes ©erinnettS, feobett, weldfeeS man burdj baS Hineintröpfelit tion etwas Sfßg erlernten tann. SBenn bie 33rüße ber «JJtuttet in ber tiierten ober fünften ©tunbe bereits «Kitcfe entfealten unb ptöfclidj ftorf anfdtjwetten fottten, fo muß man bas Kinb fofort anlegen, bamit bie 33rüße nicfet ;u feart unb gefpannt werben, weldjes bas ©äugen fdfewüriger unb fdjmergfeafter madjen Würbe. Dies früfee ©äugen gefdjietjt mefer mü Küdßdjt auf bie «JJcutttr, als auf bas Kinb; fobalb baffelbe gereinigt unb gewidelt iß, fo foüte matt es wieberfeelt an bü 23ruß legen, ob «Kilcfe ba iß ober nicfet; bentt burctj bas ©äugen wirb bie 2JHlt| balb tjertiorgebradjt werben. Sin foldjeS 33erfaferen iß uns beuttid) burefe ben attweifen Hegt: Katur, sorge- fdjrieben. Die Slbfonberung ber «Kildj in ber 33ruß ber «Kutter ßnbet feiten »et ber ©eburt bes KinbeS ßatt. Ss gibt nodfe einett anberen äußerß widrigen ©runb, westjatb ©äuglinge nidfet mit ©rütie unb bergleidjen Slrtifettt »ottgeßopft werben fotttett: SBätjrenb beS SBadjStbumS beS KinbeS im Uterus fammett ßd) in feinem Zaxxn tanal eine bunfle, gätje ©ubßang, weldje erß entfernt werben muß, efee es «Wafemnj aufnefemen fonn. Die glüfßgfeit, weldje guerß oon ben «Brüßett ber «Kutter afegefonbert wirb, W Koloftrum ; biefelbe beßtjt eigentfeümlidje, abfuferenbe Sigenfdjaften, unb ibt offen- barer natürlicfeer 3wed iß, bie «Reinigung beS Darmfanals »on bem m"0*** (tn erwäfenten fdjwarjen, gätjett ©ubßang) gu SBege gu bringen; tn golge u) Die Diät unb bas ©äugen ber Kinber. 541 Dünnflüfftgfeit eignet ße ßefe auefe, am beßen für bie ungeübte «ßerbouungsfraft beS jungen «KagettS. ©o fange bas Kinb befriebigt fefeeint unb gut fdjläft, nadjbem eS an ber 33ruß gewefen iß, ift es unnötfeig, gu irgenb weider füitßlicfeen gütterung gn greifen; bocfe, wenn bie «Kitcfeabfonberung fo lange auf ßcb, warten läßt, baß eine anbere «Kaferung erforberliefe wirb, iß es ratfefam eine ©ubßang gu geben, bereit gtüffigfeit unb 23efcfeaffettt)eit ber ttatürlidjen Kaferung beS ©äuglings, fo nafee ats mögliefe fommt. Doefe etwa eine fealbe ©tunbe, efee man mit ber fünftlldjeit gut* terung beginnt, muß an ©teile bes KoloftrumS rin getinbeS Sarirmittel gegeben merben; gum 33eifpiel ein Heiner Jfeeelöffel tiott Kaßoröl. Dann wärme man ein wenig frifefee «Kilcfe auf unb füge eitt Drittel SBaffer feingu, in weldjem einige Küm* melfamen gefoefet ßnb ; biefe, bie ©tette ber «Kuttermilcfe tiertretenbe «Kifdjung, muß nur in fleinen «Kengett auf einmal gegeben unb bamit aufgefeört werben, fobalb bie SBrüjte ber «JJhttter »ott genug ßnb, um baS Kinb gu beliebigen. gs ift merfwürbtg, ben nafeett 3ufammeitfeang gu beobacfeteit, wetdjer audj nad) ber ©eburt gwifdjen ber «Kutter unb bem Kinbe ßattßnbet; benn fo wie im Stttfattg bie «Kilcfe gang bünnßüfßg ift, fäfert ße fort in bemfelben Skrfeältniffe an «Kenge unb feften S3eftanbtfeeilen gugunefemeit, als bas Kinb größer wirb unb ßdj bie SSebürfuiffe feines Körpers ßeigern. Ss iß flar, baß bieS atte erforberliefe,e Kaferung ift; unb wenn fein Hinberniß irgenb einer Slrt »orwaltet, fottte man bis gum ßebenten ober aefeten «JKonat feine anbere geben. Dann, wenn bas Kinb gefunb iß, gewönne man es an eine «Kafetgeit täglicfe, um ben «Kagen attmälig auf ben SBecfefel tiorgubereiten, ber jur 3eit bes SittwöfettettS enbliefe ßattffnbeit muß, weldfeeS nictjt länger als bis jum neunten «Konat feinausgefefeobett werben muß ; eine längere gortfeijung beS ©äugens würbe fowofel für «Kutter, als für Kinb fcfeäbtid) fein, gür biefe erßen «JJJafelgeiten iß etwas Slrrowrootmefel als einfadj unb tierbaulict) gu empfefelen. SBenn es jiefe mit bem «Kagen tierträgt, fottte man bamit eine furge 3eit lang fort* faferen; benn, wenn bie S3erbauungSfräfte geftärft ßnb, fann man ftatt beffen etwas ßwiebad ober 33rob nefemett, in SBaffer gu S3rei »erfodfeen, gut gerbrüden unb ein wenig warme «Kildj unb 3uder feingufügett. «Jftan betrachtet gewöfenlicfe bie «Kilcfe als wenig mefer benn ein fetoßes ©etränf. Dies iß ein Srrttjum. «Kitd iß ein foliber Kaferungsartifel, ber ßcfe im 3ußanbe ber Söfung beßnbet. «Salb, nacfebem ße in ben «Kagen gelangt, gerinnt fie. grifdfee «JJliicfe entfeätt breigefen Progent feßer tierbaulidjer 23eftanfett)eite; abgerafemte «Kilcfe gefen «Progent; baS feeißt alfo erßere entfeält tiott bie Hälfte, ledere metjr als ein Drittel bes KaferungsßoffeS, weider itt magerem Kinbfleifcfe ober ©djöpfenßeifd) entfealten iß. Söenn wir bebenfen, wie widjtig es iß, biefen Slrtifel in reinem 3u* (tattb ju feaben, unb wie fetjr junge Kinber tion biefer Kaferung afefeängig ßnb, fo finb ifere ausgebefente «JSerfälfdjung unb bie Quellen, aus benen ße oft begogen wirb, ifofel geeignet, Stufmerffamfeü unb SSeforgniß gu erregen; benn bas 3eug, bas in labten unter bem £üet „reine «Kitctj" tierfauft gu werben pflegt, iß gewötjntid) eine ber nidjtswürbigßett «JJÜfdjungett, bü mait bem «JKagen eines KinbeS gumutfeen tann. %fefeen »on anberen gätfdjungen unb «Präparaten, wetdje bie reine «Kildj erfe- &en fotten, iß es eine gewöfenlidje «Kettjobe, bie Kütje mit bem Slbfatt unb ©pülidjt »on Brennereien gu füttern. S3ei biefer unnatürlidjeit 33efeanbtung werben bie S&iere franf, bie «Kildj wirb unrein unb ungefuitb, unb fo entßetjt bie Urfadje tiiele« 542 ©untt'S H«us-Slrgt. ernßlicfeer Seiben bei Kinbern. SBie »erfcfeieben iß bie «Kildj in unferen 2tabttn tjeute tion ber, an weldjer ftcfe unfere 33orfotjren erquidten ; wie »erfcfeieben »on ben- reinen unb gefunben, föftlidfeen unb un»erfälfcfeten Slrtifel, ben man auf jebem Jarm- Ijofe im Sanbe befommen fann — ber, füfel unb erfrifcfeenb, oon fettem Kaferne bebedt oft gaftfreunblicfe bem Keifenben gur Sabung gereiefet wirb. 3m untierfälfdjtett3uftanbe unb tion gefunbe», gutgefütterten Xhitxtn gtnommtn, iß «Kilcfe bas gefunbefte unb naferfeafteße ©etränf. ©eit 3afertaufenbtn macbf «Kitcfe einen widjtigen unb wertfetiotten 33eßonbtljeil beffen aus, was gum menfnMi. cfeen Unterfealte biettt; unb in mandjett Sänbern war unb iß Kufemlldj ober 3irgen- milcfe ein HauptnaferungSmittet beS 33olfeS. Da bie Katur felbß bie 3ubereüung biefer ©petfe übernommen, feat, fo fantt ße fowofel tiom rofeeßen SBilben, als »om gitiilißrteftett «Kenfdjen benujjt werben; unb feit Srfdtjaffung bes «JJünfcfeengefajltcfets bis gum feeutigeit Jage iß ße bei faß atten Kationen ber Srbe ein wiefetiget flrtittl beS tägltcfeen 33ebarfeS. Sfbet bradjte «Kildj unb bie erßen grüdfete feiner Heerben in feiner grömmigfeit bem Herrn gum Dpfer bar. Häußg werben burefe einett Diätwecfefet fogenaitnte 33läfeuttgen »eranlafjt. 8s ifl besfealb ratfefam, mit ber ©peife beS KinbeS etwas Kümmelfomen, in einem jufam- mengebunbenen ©äddjen, gu toefeen; fo einfadj biefes Heilmittel iß, iß es bod) geeignet, bie Srgeugung ber SBinbe im «Kagen unb Darmfanal gu befeitigen. SBeldjer Slrt audj bie Kaferung fein mag, es iß immer am beßen, ße bem Kinbe attmälig, gum 33eifpiel burefe ein ©äugefläfdjefeen, feeijubrittgett, bamit es nicfet ui tiiel auf einmal feinuttterfajlude unb fo ben «Kagen befdjwere; außerbem werben burefe langfameS Sinlöffeltt, ober burefe baS ©äugen, bü ©peicfeelbrüfen gebörtq gereinigt, unb ber ©peiefeel, weldjer fomit bte Kaferung in ben «Kagen begleitet trägt wefentticb, gur Skrbauung bri ; bieS iß eitt fefer wiefetiger «punft. ßs fomml feäußg tior, baß «Kutter ober SBartefrauen bett Kittbertt «Kilcfe geben, welcfee fie »en «perfonen, bie biefen Slrtifel »erfälfcfeen, getauft feaben, ober «Kilcfe »on meferen Küfeen gufammengemifefet. Dies ift »om nacfetfeeitkjßen Sinfluffe; burefe ben ©e^ brauet) fotefeer öerfalfcfjter ober unreiner «Kilcfe werben bie SebenSfräfte ber Kinbei beeinträefetigt; fte magern ab, werben blaß unb fdjwädjlüb, ; Srbreefeen, ftibenbee Darmfanals unb nicfet feiten Krämpfe unb Koitöutßonen finb bie golge; ber SBaucfe fdjwittt an, unb bie Haut wirb meljr ober weniger »on SluSfcfelag bebedt; ße werben unrufetg, ßeberfeaft, geferett immer metjr ah unb fterben als bloße ©erippe. Kinber, bie in biefer SBeife gefüttert werben unb beren ©efunbfeeit unter fotefeer 23efeanc< lung ßitft, betjaltett ifere Kafeiung fetten lange bei ßcfe unb ßnb beßänbigen Durcfe- fällen unterworfen. man wirb aus biefer nur gu richtigen ©efeitberung erfefeen, baß biefe ütfttMe beS „Slufbrittgetts" untierträgtiefe mit SBotjlbeßnbett ber Kleinen iß, unb U\) eS f« balb nottjwenbig werben wirb, nicfet nur gu mebiginifefeen «Kitteln feine 3uflud)t jn netjmett, um bie Seiben bes «KagenS, bes Darmtattats unb ber Haut ju *rf"W"j fonbern aud, einen gang anberen SBeg eingufcfelogen; weitit bie «Kuttermilcfe nid) ausreidfet, fo muß bas eittfadfeße KaferungSmittet, unb gwar in beßimmten 3»WW' räumen unb jebeSmal in fleinen «Kengen, gegeben werben. Um bie «Berbauungsorgatte itjre ©tärfe unb bas Kinb feine ©efunbfeeit »w erlangett gu taffen, foüte ein brei bis tiier «Konate altes Kinb nicfet feaupget« fünf* bis feefesmat wäferenb ber »ier unb gwangig ©tunben an bit S3ni|t g Die Diät unb bas ©äuge« berKittber. 543 werben. Ss iß außerbem wicfetig, gwifdjen bett eiitgefitett «Kafelett genügettbe 3eü uerftreicfeen ju laffen, um ber gutior genommenert Kaferung 3eü gum 33erbautwerben ju geben. 91ur bie mitbeßen unb leidjteften KaferungSmittel, wie ©ago, KeiS, lapioca, Jlrrowroot unb bergleidjen, fottten Kinbern tiom neunten «Konate bis gum Snbe beS jweiten 3afereS, wenn gewöfenlicfe bos erße 3afenert tiottettbet iß, gur Kaferung bienen. Ztx SSerfaffer feot iit ber Jfeat gefefeen, wie Kinber tion taum gwölf «Konatett, bie erfl »ier SSorbergäfette featten, ©tüde gleifct) gu beißen unb feinutüer gu ftfetiitgeit »erfuajten; wenn ber «Kutter barüber S3orfteUungen gemacfet würben, fo pflegte bie Antwort gu fein: „D, ber liebe Kleine, es madjt ifem fo tiiel Vergnügen ; er iß fo (tili babei; er feat »ier 3äfette unb es fanit ifem nicfets fcfeaben." SBenig afenett folefee unfluge «Kutter, wetdfeen Keim bes 33erberfeettS unb ber Kranffeeit ße tiietteidfet in bem armen Kinbe legen, bas fonß ifere greube unb ifer Jroß unb im fpätett Stlter ifere Stüjje featte werben tonnen. «Kon merfe ßd) bafeer bie Kegel, Kinbern fein gteifaj jum Kauen ju geben, bis bie weife Katur ße mit ben bagu ttötfeigeit SBerf* jeugen »erfefeen feat unb bie Drgane gur Slufnafeme ber ©peifen weit genug entwidelt finb, um bie «Verarbeitung unb 33erbauung getjörig beforgen gu fönnen; unb biefe 3eit iß ungefäfer im ßebenten ober aefeteit Safere, wenn bas gweite 3«feuen »otten* bet ift. 3fere Kaljrung in biefer unteren «Periobe, nämlidj tiom gweiten bis gum ßebenten Safere, follte, wie bemerft, aus leiefeten ©peifen, wie S3rob, «Kildj, Kartoffeln, natjrfeaften ©uppen unb fotdjen teicfetoerbautidjen Dingen beßefeen, bie ben Slppetit bes KinbeS fütten unb befriebigen fönnen; unb wenn ifem biefe ©peifen git ßeefgne* ter unb regelmäßiger 3eit unb in mäßigen «Kengen gegeben rtwen, fo roüt) man elngefunbes Kinb feaben, unb ber Slrgt wirb feiten ©elegenfeeit befommen, S3efuct)e ju macfeen unb Kegepte gu fcfereiben. Slm men. — Ss gibt tiiele gätte, in benen bie «Kutter tierminbert iß, ifer Kinb felbft gu fangen; fei es in golge fcfelecfeter ©efunbfeeit, fefer fcfjwäcfelidjer Körper* anläge, «Kangel an «Kilcfeobfonberung, ober anberer pfepßfdjer Urfadjen, bie eS burdjaus unmöglicfe macfeen. 3n foldfeeit gätten iß es burdaus notfewenbig, [xd) naefe einer ©äugeamme umgufefeen. Sin Kinb mit ber Hanb aufjugiefeett ober burefe bloße fünftfidje Srnätjrung gu erfealten, iß eine fefer fdfewierige Slufgabe; unb es fottte nie oerfudjt werben, wenn ti irgenb in ber «Kodjt ber Sltern liegt, ßcfe eine Slmme gu verfdjaffen. 3tt großen ©tabten iß bas Kißfo oiel größer, als auf bem Sanbe, wo es leidjt iß, frifdje unb reine «JJJildj gu befommen, unb iefe X)abt bereits bie ©efaferen angebeutet, bie ber flewöljnlicfe »on ben «Kilcfemänttern »erfaufte, unreine unb tierfälfcfete Slrtifel mit ßdj bringt. Sei bem Slusfudjen einer Stmme mödjte idj bringeitb empfeljten, auf folgenbe Stbingungen gu fefeen: eS muß eine grau fein, bie fidj tiötttg guter ©efunbljeit erfreut; ße muß einen retctjttdjen «Borratb an mildj t)ahen; ße muß tion liebeöotte: «nb freunblicfeer ©emütfesart fein, in itjren ©ewofentjelten retnlidfe uitb frei tion Unmäfjigfeit; ifer Sllter muß gwifdjen bem gmattgigften unb breißigßen Safere uttb bie 3eit iferer Sntbinbung möglicfeß übereinftimmenb mit ber 3eit ber ©eburt bes j" fäugenben KinbeS fein. Sitte fräftige uub gefunbe Slmme iß tion bem größten Nufcen für bas Kinb unb tfjeilt üjm eine fräftige Körperaitlage mit. «Kan fann J 544 ©uttn'S Haus-Slrgt. freilidj bei ber Sluswafel nidjt immer baffen, atte biefe 33ebingtingen »eteinigt ja ßnbett; aber wenigßens muß man auf ben widfetigßen «Punft adjten, bafj bit grau öottfoinmen gefunb fei. SBentt bie Slmme bas ©äugen begonnen feot unb bas Kinb nicfet redt ju gtbeiben fefeeint ober fidj ©törungen in feinem S3eßnben geigen, fo muß eine anbete Slmme genommen werben; ba baS Uebel oon ber «Kilcfe unb nidjt tion Urfadjen im Kinbe felbß feerrütjren mag. Die Katfefdjläge, weldje idj für bie fäugenbe «Kutter «übergelegt feabe, ßnben Ifere Slnwenbung audtj auf bie fäugenbe Slmme. SBenn baS Kinb ofene 33ruß oufgegogen werben foll, fo iß bie gröfjte SForfiaj! erforberliefe, unb Kinb unb Slmme muffen unter ber beftänbigen unmittelbaren 3luf- ßdjt ber «Kutter fein, ba fowofel bie Slrt, wie bie Kaferung bem Kinbe beigebracht Wirb, ats bie 33ef cfe äffe nfeeit ber letzteren, genau regulirt werben muß. Slm btjlen iß eS, ein ©äugefläfdfedjen anguwenbeit, weldjes in jeber Slpotfeefe gu Ijaben ifl. Doefe bei bein ©ebrauefe beffelben muß große Keinlicfefett beobaefetet werben; man muß es feäußg ausbrüfeen, ba ofene biefe 33orficfetSmoßregel leicfet »on ber geronnener «Kilcfe ober ber fouer geworbenen Kaferung gurüdbleibt unb bie frifcfe feineingefcfeüt« tele «Kildj »erbirbt. 3u biefen fünßtidjen Srfa^mitteltt für bte «Kuttermilcfe gefeört als eines itx beßen folgenbeS, bocfe woljlgemerft! muß bie «Kilcfe oon berfelben Kufe fein: grifefee Kufemtüfe ...........gwei Drittel, «Jtrineg ober Quettwaffer.........ein Drittel, gut 31t fußen mit rafßnirtem, weißem 3uder, ber am wenigßeti leicfet fauer oberfdjatl wirb. Die fo zubereitete «Kilcfe muß lauwarm gemadjt ober fo weit erwärmt werben, bafj ße ber Temperatur ber «Kuttermilcfe am näcfeßett fommt. SBentt es gur Slufbcnui" rung notfewenbig iß, ße aufgufodfeen, fo muß ße fo fefenett als mögliefe in faltem SBaffer afegefüfelt werben, um bie 33erbampfung nafertjafter S3eßanbtfeeilt tu wr« feüten. SS fottten bei bem güttern beS KinbeS biefelben 3wifcfeenräume, wie bei tem ©äugen att ber «Bruß, beobaefetet werbett. SBenit bas Kinb gwei feinet «Borberjäbm befommen feat, fo fann feine Kaljrung etwas feßer unb fräftiger gemaefet werben inbem man ber «Kilcfe Sirrowroot, 33rob, KeiSmefel, ©ago ober einfadje met-lige ©ubftangett feingufügt. S5ei einiger Siufmertfamfeü wirb bie Slmme leicfet feetau«- ßnben, welcfee Slrt ber Kaferung bem «Kagen bes KinbeS am meißen jufagt; »al ifem wiberßrebt, wirb feäußg wieber gum Sfeeil ausgefpieen ober »erurfaajt 33(afeun- gen unb anbere Unannefjmtidjfeiten, fobalb eS »erfdfetudt iß; wenn irgenb et»«* berart bemerft wirb, muß bü Kaferung »eränbert werben. Kleibung ber Kinber. 545 fl i e i b u n 3 bet & inb et. Mandje ber ernßltdjßen Uebel, unter benen bas «Kenfdjengefcfelcdfet gu fetten bat, laffen ftd «uf bie falfdje 33efeanblung gurüdfüferen, welcfee bie «Keiften in ber Kinb* feeit erfahren; fo fönnen auefe nicfet wenige Kranffeeiten ber ungwedmäßigen Klei* bungSmetfeobe gugefdferieben werben, weldfee Sltern unb SBärteriniten für bie ifenen (Möertrauten Kleinen gu wäfeten pßegen. Der finblidje Körper feat einett natürlidtjett SBiberwitten bagegen, eingegwängt gu roerben; ein gefuttbeS Kinb iß am liebßett in beftänbiger Jfeätigfeit unb «Bewegung; In fortwäferenber Unrufee, um gu fefeen, was um es feer »orgefet. «Kan bemerfe, welcfee innige greube ßdfe jebeSmal im ©eßdfeü eines KinbeS ausbrüdt, fo oft es aus* gegogen unb mit weider Hanb gerieben wirb; mit welcfeem Skrgnügen es ftcfe bü geffeln ber Kleibung abßreifen läßt. Ss feört fofort auf gu fdjreien; eS tädjett unb gibt bie tierfdjiebettßen 3eicfeen bes 53efeagens ; felbß wenn eS feuttgrig fein fottte, fo jeigt es burefe feine greube unb feine 33ewegungett, baß ifem bie gretfeeit nocfe liebet ifl, als bie 53ruß. «Kait widle es wüber ein, unb es wirb fofort unrubig, fein ©eftefet wirb traurig, unb fein ©djreün erneuert ßdj. «Kon fottte bebenfen, baß ber eingige ßmd ber Kleibung eines KinbeS ©efeujj gegen Kälte iß, nictjt um feinen ©liebem eine ©tüjje gu tierleifeen, wie nur gu oft angenommen wirb. 33ei bem erften Slnblid eines neugebomen KinbeS fällt 3ebem beffett ©cfewäcfee unb Hütfloßg* feit auf; uub bieS fefeeint in ben «plan ber Katur gu geboren, benn bri jebem erfefeaf* fenen SBefen beoboefeten wir baffelbe. S5on ben garten 331ättern ber auffeimeitben grüfetingöblume bis gum jungen Söwen ober Sletifeanten, burefe atte ©tufeu orgatti- fdjer SBefen, feien eS «Pflangen ober XX)kxe, fefeeint biefelbe Kegel gu feerrfefeen; ße alle beginnen »erfeältnißmäßig gart unb fdfewad unb bebürfen äußerer Hülfe, um ßd) jn entwiefettt. Slber SltteS, was ße brauefeett, feält bie Katur für ße in S3ereitfcfeoft. SBenn ©amen in ben geeigneten 23oben auSgeßreut wirb, fo brauet)t er nur bie um* gebenben Slemente, um gu Kraft unb Keife gu gelangen. Das Ktnb, weldjes »on gefunben Sltern unb gur rictjtigett 3eü geboren würbe, iß ßarf genua, um unter bem Sinfluffe gefeöriger Kaferung unb «Pßege gu wacfefeit unb gu gebeiben; bieS ßnb bie Slemente, beren es feebarf, unb fonß feraudt es nicfets. Ss iß wafer, bas neugeborene Kinb iß ein fdjwadeS ©efdjöpf; aber muß es bes* fealb in enge S3attbagen gewidelt werben, unb fann bas Singwättaen feiner ©lieb- mafjen ifem irgenb welcfee Kraft tierleifeen ? «Kan ßette ßd tior, baß rin Kinb nidjts mefer ift, als eine «Kaffe garter ©efäße, burefe weldje ungeftört gewiffe gtü'ßgfeiten rinnen muffen, um gleicfemäßig burefe ben Körper tiertfeeiÜ gu werben, unb baß bafeer biefe Kanäle »on einem weicfeeit ©toff umtjüttt ßnb, welcher ben «Bewegungen iferes 3nfea(tes nadjgibt. «Kan fann atfo begreifen, wie nadjttjeilig jeber unnatürlidje Drud einem fo garten DrganiSmuS fein muß. Ss fdjeint, als wenn SBariefrauen es für einen XX)eil iferer «pftidjt tjalten, ben Ngen Körper mit fo »iefen «Binben, S3anbagen, SBinbeln, Sappen, Säppctjett, Mern unb gfanettßreifett gu umwinben, unb SltteS auf fo fünßlicfee SBeife mit »anbern, ©djnüren unb ©tednabeltt gu befeßigen, baß man wittlicfe, über ben Srfinbungsgeiß ßaunett muß, ber barauf tierwenbet wirb, bem armett Kinbe fo tiiel »'engung unb Slenb als mögltdj gu bereiten. 35 546 ©unn'S HauS»Slrgt. Ss iß »on ber größten SBidjtigfrit, baß bie Kleibung beS KinbeS loft fei- bie Suft follte gwifdjen ber Haut unb ben Kleibern 3ugang baben, unb bie Icpteren foü- ten rine leidjte Keibung feertiorbringen. 3ebe S3ewegttng madjt bos Jtiut unbebag. liefe, unb gu feßeS Sinfcfetturen »erurfatfet oft «Kißgeßoltung, efee man bao Uebel tiermutfeet. «Kan fottte Kaum genug mit Küdßcfet auf bos beßänbige SBacfestbum laffen, bas in biefem Sllter oft mit überrofdjenber ©djnefligfeit oor ßd gcljt. Zti- fealb fottte jebe 33efeßigung nur mit 33änbern gefdjefeen; unb bei bem SMnbrn ber- felben ift bie größte SSorftdjt erforberltdj, baß mon ße nidjt gu eng gufammeiijifbf. «Kan fottte jebeSmal mit bem ginget nacfefüfelen, tiorguglicfe am Kinn unb um btn Seib, ob bie Kleibung auefe nidt gu feß ß0t. ©tednabeln foüten möglicfejl feilen gebraudjt werben. Sitte Ifeeite beS Körpers netjmen fo fefenett att Umfang ;n, baji man feäußg bie tierfdtjiebenen Jfeeile ber Kleibung genau unterfudjen follte, ba einige SBocfeen oft fdon eilten großen Unterfdjieb madjett, unb jeber Drud unb jebe Sin- gwängung ©tfereien unb Unrufee gu tieranlaffen pflegt. DeStjolb follten bleibet für Kinber fo eingeriefetet werben, baß ße ßd leicfet erweitern laffen; tiorguglicfe um ben Seib, ben Hals unb bie Sicfefettt unb ebenfo über bie 33ruß unb ben «Jiüden. 23an- bogen um ben Kopf ober enge «Kürzen, ober «fonßige S3orricfetuttgen, bit einen Drud auf baS ©efeirn ausübett fönnen, muffen ßreng tiermüben werben. «Kancfee 3äa« tion 53löbßnn, Krämpfen unb «Kißbilbung rubren tion engen «Öanbagtn feer; nicfet feiten ßnb Kinber bes Kacfets fefer unrufeig, nur weil bie Kacfetfleiber ju eng pnb. 3e leidjter ein KteibungSßüd an* uttb auSgegogeu werben fann, um fo beffer nnb angenefemer iß es für bas Kinb. Ss fottte leine anbere «Kobe geben, als bie burefe bie Küdßdjtett ber «Bequemliefefeit tiorgefeferieben wirb. Die «Kobe langer Kleiber ober Un« ürröde gwängtbie Kinber ein unb tierfeinbert bie freie Jfeätigfeit iferer ©lieber, welcfee für bett freien Umtauf beS S31uteS unb bie «Beförberung bes SBacfeStfeumS fo wefentlicfe iß. Sofe Kittel, bie tiorn gugemaa^t werben, ßnb besfealb in ben erßen «Monaten ben gürlicfeen Ködefeett tiorgugüfeett, wetdje «Kobe ßnb. Sitte überßüffig engen unb fteifen KleibungSßüde follten tiermieben werben; SltteS, was ben Körper beS Äinbe« umgibt, muß weiefj unb nadjgiebig fein, fo baß jeber empßttblicfee Xrutf auf bie «KuSfettt unb Knoefeen unb bas Durdjreiben ber Haut tiermieben wirb. Stile«, was gur Kleibung bes KinbeS getjört, muß ofene Küdßdt auf bie «JKobt fo juge- fefenittett unb genäljt werben, wie es bie Küdßdjt ouf fein SBofelbeßnben »erlangt; bie eingige« «Bebingungen ftnb: baß eS gegen ben SBecfefel ber Temperatur unb fo tiiel ats möglid gegen äußere 33erlri3ungett gefdfeüfct fei, unb baß fein Körper in einet angenetjmen SBärme erhalten werbe, um atte feine gunftionen ungtffört »ernenn gu fönnen. Sitelfeit unb «Kobe bürfen nicfet in Setradt fommen, wenn e« fi<* um bie ©efunbfeeit unb «Bequemlicfeüit bes KinbeS feonbeit. Selber benfen manche W xidjtt «Kutter aitberS,bie lieber baS Seben iferes KinbeS risfiren, als »on ber neutntn «Kobe für Kinberröddtjeit afeweidfeen würben, wetdje «Kabame Humbug fo eben «Paris empfangen. , v^Sj, SBenn wir bie Kreife ber „feinen SBelt" befudjen wollen, fo würben wir wf ben, wie geßidte ©püjen, fünftlidje Kraufen unb ßeifgeßärfteS *fineB»f"jJ' [(.[t baut bes armen KinbeS gerfrafcett uttb gerfefeeuern, wäferenb einigt wta) 9 ^ feines Körpers faß unbefleibet unb entblößt unb anbere mit *u»"*f ^ ftnb, unb wie jebe Küdßdjt auf bie «Bequemliefefeit unb ©efunbfeeit bes sau ^ Sitelfeit geopfert wirb. Stnbererfeits ßnben wir gerabe bas Snlgcgenan Kleibung ber Kinber. 547 benen welcfee btfdfeeibenere ©tettungeit im Sefeett eiititetjmett, unb beren «Ktttet es nicfet erlauben, ben ewig wecfefelnben Stttforberuitgett ber «Kobe golge gu triften; inbem ße nottjgebrungen ein einfacfees Skrfatjrett rittfdjtagen, l)ahtn ße bie ©enug* tfeuung, ifere Kinber in bem ©enuß eines ununterbrochenen SBofelfeinS unb eines fräftigen Körpers gu fefeen. Dos iß eine ber Urfadjen, wesfeatb bie Slrmen meljt mit ©efunbljeit gefegnet ßnb. wäferenb bie Keidjen fo feäußg tiott Kranffeeit feeimge* fudjt werben. Sines ber widjtigßen KleibungSßüde für fleine Kinber iß ein wridjeS gtanetttud), bas um ben 33audt) befeßigt wirb, bie fogenannte Seibbinbe, welcfee ben Unterleib unb feauptfädfelicfe bett Kabel gu unterüü^en beßimmt iß ; ebenfo unterftürü ße bie inneren Häute, »on weldjen bie Singewetbe umgeben ßnb, unb tierfeinbert eine Spannung ober ein Stufbuttfett uub Stufet)wetten beS 33aucfees. Sei bem Slnlegen biefer 23ittbe muß matt nicfet tiergeffen, baß Uttterßü^uug unb Drud jwei fefer »etfdjiebette Dittge ßttb; erßere iß widjtig für bü Srt)altung ber ©efunbfeeit, teurerer iß bie Urfacfee manefeer ernftliefeen Uebel, gum 33eifpiel bes S5ru* djes, ber nicfet feiten burdj nocfeläfßges unb gu feßeS S3inben tieranlaßt wirb. Slußer* bem wirb burefe baS 3ufammenpreffen bie Jfeätigfeit beS DarmfonalS geßört unb ©djmerg unb SJerßopfung tierurfadtjt. Die 33inbe fottte jeben Slbenb unb jeben «Korgen abgenommen unb forgfältig unb glatt wieber angelegt werben; jeben gwei* ten ober britten Jag fottte ße burefe eine reine S3ittbe erfetü werbett, ba ße letdjt naß wirb unb galten wirft unb bann nicfet gu feraudjen iß, efee matt ße gewafdjen unb gebügelt feat. 33et mandjett Kinbertt tjabe id) es notfewenbig gefunben, biefe SSinbe mefere «Oünate feinburdt) gu feraudjen, um ein Sluffefewetten beS 33aud)eS gu tjinbern, unb fdjwädjltdfee Kinber werben baburefe, hti iferen «Verfuefeen aufredtjt gu fijjen, unterftüt)t. SBas bie Sefcfeaffenfeeit ber Kleibung betrifft, welcfee ßcfe am beßett für Heine Kin* ber eignet, fo iß »ielleidfet fein anbereS 3eug für Kinberfleiber mefer im ©ebraudje unb wirfliefe gwedmäßiger, als glanett. Die tiolfstfeümüdje Slnßdjt, fo irrig ße in Bleien fünften iß, bie ßcfe auf bie S3efeattbütrtg oon Kinbertt begießen, fefeeint feier bas «Jtidjtige getroffen gu feaben. Die SJorgüge bes gtonetts tior anberen 3eugen beßefeen : erßenS, in bem ©etju^e, wlcfeen es gegen plötjlicfeett Jemperaturmedjfel gewäfert; bas Ijrißt, ba es ein „fdjiedjter SBärmeteiter" iß, fo tierfeinbert es bie fefenette Sntweidjung ber natürli* djen Sßärme »on ber DBerflädje bes Körpers, felbß wenn bie umgebenbe Jemperatur bebeutenb niebriger iß; SBotte geidjttet ßorgug gegeben werben, wo immer es ftcfe macfeen läßt. Ss gibt aud) noaj einen anberen ©runb, baß man nämlicfe ben weißen glanett imtnet »on feiner Dualität befommen fann, weldjes bisweilen — wü würben fagen: immer- wünfdjenswertfe ift." .. . a Die feauptfäefelicfeßett Kieibungsßüde, bie fogenannten Untertteiber, tmtiitir«■ aus feinem glanett gemadjt fein; «Kobe, Saune unb «BermögenSumftanbt mögen Uebrige beftiinmeit, auSgenommeit bie Sefleibung ber «43eine unb gufe. SBir ftnb übergeugt, boß, wenn mefer Slufmerffamfeit auf bie wirflidjensr nlffe ber Kinber in biefem befonberen fünfte, nämlicfe in Segug au geeigne ^ bung, tierwenbet unb ber garte DrganiSmuS immer gefeörig tior V°$h? flt gefaxt würbe, bie Seiben ber Kleinen bebeutenb »erminbert werben wuw , «Reinlidjfeit. 549 ftün »on ber langen Siße djronifdjer Uebel, welcfee ßd) in fpäterem Sllter einßettett unb bas gange Seben eünb madjett, unb welcfee ßdj barauf gurüdfübren taffett, baß in ber früfeett Kinbfeeit aus Küdßdjt auf «Kobe unb bergleidjen bie Kegeln ber ©efunbtjeit »etlefct würben. Sieinlityteit. SineS ber wldjtigßen «Kittet gur Srfeoltung unb SSeförberung ber Unbilden ©efunbfeeit iß bie Keinlicfefeit; eine ftrenge 33eobacfetung berfelben wirb mandtje Kranfbeiten, ofene ben ©ebrauefe einer einjigen Doßs «Kebigin, fern fealten. «Kan pflegt nur ju feäußg Kranffeeit als etwas »on aux)tn in ben DrganiSmuS Hereinge* tommenes ober ifem Slufgebrängtes angufeben, weldjes burefe gewaltfame «Kittel tier* trieben werbe« muß, efee man auf ©efunbfeeit reefenen faitn, unb auf WelefeeS bü blofje Sebensweife wenig ober gar feinen Sinßuß fear. Dodj Kranffeeit ift nidjts anbereS, als ein Slbweicfeen bes DrgattiSmuS oon feiner regelmäßigen Jfeätigfeit, toeldjeS gewöfenlicfe burefe Diätfefeler tierurfaefet wirb unb oft burctj tin ridjtigeS 35er* halten unb bie einfadßen «Kittet befeitigt werben fantt. Kadfe meiner «Keinung iß bie ©ewofenfeeit, Kinber für jebe fleine Unpäßltcfefeit «Kebigitten gu geben, unreefet. Das Uebel wirb in »iclett gätten tierfcfelimmert, unb tiiele Kinber werben, ßatt gefeeilt, burefe «Kebiginen gu ©runbe geriefetet, wäferenb fte burctj 33äber, einfadje Dia't unb jwedmäßige ©orgfalt feergefteüt worben wären. Da es feauptfäcfelidt) bie Haut ift, welcfee bie Körperwärme regulier, unb burdfe beren 5>ermittelung bie tierfdfeiebenen gunttionett im ©leidjgewidtjte getjatten werben, fo ifl es flar, baß ifer 3uftanb tiott ber größten SBidjtigfrit für bas Slttgemeinbeßn* ben ift unb nicfet gu forgfältig feeaefetet unb gepflegt werben fantt. Skrfdjübeite Slitßdj* ten ftnb barüber aufgefteltt worben, was bie geeignetße Jemperatur bes 33abes für ein neugeborenes Kinb fei. Kacfe meiner Slnßdt fottte nie faltes SBaffer angewett* bet werben. «Vernunft unb Srfatjruttg beleferett uns, baß es notfewenbig ©efaferen ber ernjtliäjßen Slrt mit ßdj bringt, weitit man ein neugeborenes Kinb ber Sinwir* fung eines Slementes ausfegen Witt, baS bem, in welcfeem es feine bisfeerige Srißenj jugebraefet, gerabe entgegengefe^t iß. Ss iß gegen atte Kegeln ber Katur; bentt ebenfo wie 3eit gur SMettbuttg aller Dinge, bie iferen ©efejjett unterworfen, erfor* btrliaj iß, unb wie ©inne unb ©iiebmaßen ßcfe nur attmälig gur S3raud)barfeü eitt* wideln, fo ift eS ouefe mit ben Sinßüffeit, welcfee ein Kinb abfeärten unb es gum Getragen eines falten S5abes fäfeig macfeen. Sitte Uebergänge muffen attmälig fein. Sflan laffe es erß ßefe baran gewötjnett, bie umgebenbe Suft gu atfemen; bann laffe man feinen garten DrganiSmuS ßd) foweü in bas neue Seben ßnbett, bis er innere SBärme ergeugt; bann beginne mon attmälig SBaffer gu gebraucfeeit, erß angenefem fcarm, bann lauwarm unb fo mit grabweifer 33erminberung ber Jemperatur, bis es «ngewarmtes SBaffer ertragen fann. Das Kinb follte forgfältig gereinigt unb bann, im SBinter ober bei feucfetem SBetter, tior einem geuer getjörig abgerieben wer* ben, um ben «Blutumlauf ju beförbern; bod) iß babei große borßdjt nöttjig, es ttidjt 550 ©unit's Haus*3lrgt. ber 3ugtuft auSgufefcen, woburcfe Srfältung, Saufen ber Kafe, Sntjünbuni bei Slugen unb bergleidjen entfteben tonnte. SBenn bas Kinb gefunb ift, unb bei mil. bem SBetter, tann man nad) ber erßen SBodje ober nadj gefen lagen anfangen, bii SBärme beS SBafferS gu »erminbern, bis man, wenn bas Kinb ßd babei gan; wohl- beftnter, enbtid) hti gang faltem SBaffer anlangt. Häufiges 33aben ift uiajt allein rin «Kittet ber Keinlidjfeit, fonbern es tfeeilt auefe ben «Kusfeln unb Kttotn Äraft unb Sfaßigität mit unb legt ben ©runb gu einer bauernben, gefunben SSerfajfunj beS ©eißeS fowofel, als bes Körpers. Das lalle S3ab taugt nicfets für gefunbe Kinber, iß aber um fo wofeltfeatigtt für franfe Kinber, befonbers folefee, bü mit ber englifdjen Kranffeeit befeafttt finb. Dies Uebel iß feäußg burefe latus SBaben turüt worben; es mag brei- bisuiermal wödjenttidj gebraudjt werben; ein plö^lidjes Sintaudfeen, gwelmal wieberfeolt, ip bei jebem S3abe feinreiefeenb. Ss iß am beßen, bei warmem SBetter bamit anju. fangen unb bann burefe atte SafereSgeiten fortgufaferen. SBenn bas Kinb btfonbcri fdjroädjlidj iß, fo gebraucfee man bie SSorßcfet, mit bem falten Skbe attmälig anju- fangen; wenn bie jebesmalige Srfcfeütterung gu ßarf gu feitt fefeeint, fo gtbrauaj« man ßatt beffen SBafcfeungen mit bem ©efewamme ober lauwarme ©aljmafftrbäberj untere werben eine äfenlicfee SBirfung wie ©eebäber feaben, bie befanntlicfe bei Unni< nigfeiten beS 331uüs unb ffropfeulöfer Slnlage »om größten Kuben ßnb. Kleine Kinber pßegen gewöfenlicfe wäferenb beS Sfiafcfeens unb Slnjitfetns ja fcfereün. SBenit bas ©dfereien nicfet gerabe gu feeftig iß, fo ferouefet man fidj feint ©orgen barum gu macfeen, ba es eine gefunbe Uebung für bie Sungen, bit 5timm- werfgeuge unb Sltfeemmusfeln ift; bie Katur feat es fo angeorbnet. $3el juntbmen- ben 3ab,ren, wenn anbere Uebungen an beffen ©teile treten, »erminbert fiaj bas ©eferrien. Doefe 3ärtficfefeü unb freunblicfee ©orgfalt finb unter allen Umftänben notfewenbig; benn wenn ein Kinb bei bem SBafcfeen raufe befeanbelt wirb, fo »erur« faefet ifem fdon ber bloße Slnblid beS SBafferS unb fonftiger «ßorbereitungen gurdjt nnb Seiben; bocfe wenn man ifem freunblicfe gurebet unb ßefe «Küfee mit ibm gibt,fi Wirb es bie «progebur beS SBafdjenS itt turger 3eit befeoglidj unb angtnefem ßnben. «Kan fudje es bafeer burd fdjergfeafte unb fanfte SBorte, wenn es audj nur ben Ion ber ©timme begreift, in gute Saune gu oerfe^en, unb balb wirb jebe gunfet w< fdjwinfeen, unb es wirb ßcfe baran gewöfenen, bie ©aefee als ein «Uetgnügen ;u betrachten, ©obatb bie Kinber Kraft genug feaben, ßcfe wiüfürlicfe umfeetgubemtgen, fangen fte natürlicfe an, ßdfe fortwäferenb fefemu^ig gu macfeen; ti wirb alebann wicfetig für ifere ©efunbfeeit, ße feäußg gu wafdfeen; unb bas «Bergnügen, WP babei empßnben, ober ob fte ftcfe überfeaupt baran geroöfenen, feängt ganpon »et «Kartier ah, wie ße babei befeanbelt werben. SBenit man ße auf rofee SBeuc umbet- flößt nnb unüjergerrt, ärgerlicfe wirb uub fte ofene Küdftcfet ouf ifer Siefeagen w|«J, fo werben natürliffe bie «Betnüfeungert ber «Kutter ober ber SBartefrau, fit rem 1 Ratten, burefe beßänbigeS SBeinen, ©dfereien unb SBiberßreben erfefewert wer:«- Unmittelbar nadj bem 33abe muß baS Kinb gut abgetrodnet unb in eint W SBärme gebradjt werben; wenn eS Keigung gu fdjlafen füfelt, laffe man es |flim wenn eS aitgegogen iß, erlaube man ifem «Bewegung. Kinbet muffen ntdjt nw «Kafelgeü gebabet werben, ©djwädfeticfee Kinber, welcfee boS falte »ab g • muffen glanett auf ber bloßen Haut tragen. Dbgüicfe bos warme m 1«• , ^ bei Kränkelten, angewenbet »üb, fo wirb bocfe, fowofel bas falte als ba Keine Suft. 551 dl« Heilmittet gegen HautauSfcfelöge gebraust, um bte fatgigen unb fdjarfen Stjeil- tfeen abjuwafcfeen, welcfee »on ber Slusbünßuitg gurüdbteiben. Sßenn an irgenb einer ©tette 'bie Haut tion ber Kleibung burefegefcfeeuert iß, »ttcfees bisweiten faum öermeiblicfe iß, fo iß faltes SBaffer bas beße Heilmittet; itacfe* feer fann bte wunbe ©teile mit Hammelfett eingerieben werben. Kranftjeiten werben feäußg burd) «Kangel an gefeöriger Keinlidfefeit feertiorgerufett, inbem eS »erfäumt wirb, bie 33etten uub baS «Bettgeug gu lüften u. f. w., unb nictjt fetten ftnb ©cferänfe unb ©cfeublaben bie S3et)älter fdjmufjiger ©egenßäitbe, bie entfernt werben fottten. Die Skobadfetuttg ßrenger Keinlidfefeit bri Kinbern iß nictjt nur für SBoljlbeßnbeit unb ©efunbfeeit wefentlitfe, fonbern wirb auefe mandje Doftorredfenung erfparen unb bie Konftitution ber Kinber fo befeßigen, baß ße fpäter nur wenig «Kebiginen brauetjen werben. 3ebe Strt »on KleibungSßüd foüte oor bem Slngiebeit in ber Käfee beS geuerS gelüftet unb gewärmt werben; unb namentlicfe muffen atte glanettßüde forgfältig in biefer SBeife getrodnet werben, geudjüs Seinen* ober glanettjeug, WelefeeS auf bem Körper trodnet, muß notfewenbig üble golgen ergeugen, tiorguglicfe bei fleinen Kin- bern, ba biefelben nur wenig «Bewegung feaben. Die große «Kenge reinen 3eugeS, bie bei ifenen nöttjig iß, macfet biefe S3orßcfetSmaßreget um fo wütjtiger. Steine S tt f t* Da in ben erßen SefeenSjaferen bie nerööfe Smpßnbtiefefeü tiorwiegt unb ifer Ueber* map faß bei jeber Kinberfranffeeü tint Kotte fpielt, fo iß es bei ber 33efeanbluitg tion Kinbern feöcfeß wicfetig, atte jene Umftänbe unb Sinßuffe gu beobacfeten, welcfee bas Keröenfpftem ßärfett uitb fräftigen fönnen. Unter biefen iß reine, frifdje Suft tiiel* leicfet ebenfo wicfetig, als gefunbe Kabjung. SBentt tin Mint itt ber beengten unb unreinen Suft unferer ©täbte wäferenb bes 3<üjnenS abgemagert, ober tiielleidjt burd) Sfeolera 3nfantum an ben Kanb bes ©rabes gebraefet ift, fo ift es üfeerrafdettb, gu fefeen, mit wetefeer ©djnetttgfeü es ßd) erfeolt, fobalb man es in bie reine Suft bringt. £>ieS fefeeint wirftiefe tin fpegifffdjes Heilmittet für atte ©törungen gu fein, weldje burefe bas 3afenen entßefeeit, unb bafeer empfefelen es auefe atte mebiginifefeen ©eferift* (teuer über Kinberfranffeeüett als unentfeeijrficfe unb fo giemlicfe als bas eingige «JJcebifament, bas überfeaupt erforberliefe iß. 3m Vereine mit ungeeigneter Kaferung ift unreine Suft bie Haupturfadje ber ungemeinen ©terbtidjfeü unter ben Kinbern tn unferen amerifanifefeen ©täbten. «Kan fantt büs aus ber Jfeatfatfee erfefecn, baß ein großer Jfeeil ber JobeSfätte unter bem fünften 3<ü)re hti ben Kinbern ber arme* ren Klaffen »orfommen, bie in fdjmu^igen, fdjlectjtcjetüfteten SBotjnungen gufam* «tengebrängt leben unb bie perfönlicfee Keinlidüit tiernadjläfßgeit. Sittgepfercfet in «eine Simmer, in beren «Kitte ein Kofetenofen ftetjt, auf bem alles Kodjen für ben Hausfeatt beforgt wirb; beßänbig gegwungen, eine Suft einguatfemen, bie mit atten Orten »on Unreinigfeü gefdjwängert iß, unb bie niemals orbentf idj erneuert wirb— 552 ©untt'S HautJarjt. wie fönnen bie armen Kinber ben angreifcnben «])rojeß beS 3abttens obne Sebens- gefofer beßefeen, ober, wentt ße glüdlid ba»on fommen, bie fpäteten jablrticben Kranffeeiten burdtjmacfeen, benen bas KinbeSatter* unterworfen iß. Das ©rfjroefel- wafferßoffgaS, baS burdfe Kofelenfeuer entwidelt wirb, übt einen töbtlicfeen Ginflufi auf ©efunbfeeit unb Seben ber Kinber in atten unferen großen ©täbten unb iß, nad) unferer «Keinung, eine ber Urfodjenber gunefemenben ©terblidjfeit unter biefer Klafft unferer 55e»ölferung. SBir feaben im 23ereid)e unferer eigenen Srfaferung mefere gätte gefelien, wo fidj ber Job beS KinbeS offenbar auf biefe Urfacfee gurüdfüferen ließ. 33ei einer armen gamilie, gu ber wir neulicfe gerufen würben, ba eines ber Kinber Krämpfe btfomnun featte, fanbett wir bie Suft beS SimmerS abfolut untauglitfe gum Sinatfemen, einjlg in golge biefer Urfacfee; unb jebes «Kitglieb ber aus aefet «Perfonen befttbenbtn gamilie tlogte über ©cfewäcfee, ©cfewinbel, «Kangel an Slppetit unb »erfdjiebene anbere ©pmptome, wie fie ßd unter ben Umftänben erwarten ließen. Die Sntfer- nung beS DfenS unb ein Hotsfeuer an beffen ©tette war feinreiefeenb, um ße 2ltle in furgem wieberfeergußetten. SBie wicfetig es iß, bie Kinberßuben unb ©cfelafgintmer gefeörig ju lüften, wirb nocfe immer nicfet genügettb gewürbigt. SBir geben gu, baß in golge ber fcfeltdjten S3auart unferer meißen Häufer es fetjr fcfewierig iß, im SBinter bie nötfeige SBärme- Jemperatur aufredjt gu erfealten unb bennod) für orbentltdje Süftung ju forgen; aber wenn es ßcfe nidt anberS macfeen läßt, fo fefelogen wir ben SBertfe ber frifcfeen Suft feoefe genug an, um entfefeieben gu empfefelen, baß man ße feereinlaffe, aud) wenn ße etwas Kälte mit ftcfe bringt. SefctereS iß jebenfatts bas getingett »on ben beiben Uebeln. Die Katur »erlangt, baß ber garte DrganiSmuS burefe Kaferung, Suft, Mxrnt, Sidjt, ©djlaf unb 33ewegung gepflegt unb geftärft werbe. Sßenn alle biefe SBebin- gungeit gegeben ßnb, fo werbett bie weidjett Knodjett balb feart unb bie fefewaefetn «Kusfeln feß werben; bie Slugen werben bie nötfeige Kraft gewinnen, um ju fefeen, bie Dferen um gu feörett unb bie tierfefeiebenett Jfeeile beS ©efeirns, um gu füfelen, ;u begreifen unb gu benfen, Sntfcfelüffe gu bilben unb SBittenSofte tjertiorgurufen, bis bas feütflofe Kinb ein felbftbeßimmettbeS SBefen wirb unb ouf bem SBege ift, fiefe ju einem vernünftigen «Kenfcfeen gu entwideln. SBaS bie Sltern gu ttjun feaben, ift, bafür gu forgen, baß baS Kinb auf baS reicfetidjße unb beße mit Kaferung, i'uft, SBärme, Sidjt, ©djtaf unb «Bewegung tierfefeen werbe. UeberbieS werben bie SltfemungSorgane gefunb bleiben ober erfronfen, je naefe bet Katur ber Sltmofpfeäre, weide fte einfaugen, ober, einfaefe gefproefeen, je nacfebem bte Suft rein ober unrein iß. SBenit biefe Drgane in Unorbnung geratfeen, fo wirb bas «Blut tierfdjiecfetert, in bemfelben «Berfeältniffe, ats bie Suft unrein iß. Suft, welaje feäußg eingeatmet worben iß, wirb iferes ©auerftoffs beraubt unb mit Kofelenfaure überfüllt unb Wirb auf biefe Strt gum Sttfemen untauglicfe. Dies foüte immei brau- tet unb ©orge bafür getragen werben, in 3immern, weldje »on Kinbern beirebn werben, bie tierunreiitigte Suft burdj reine unb frifdje gu erfe^en. Kinbet■jrtae» <' «Kißbefeagen burefe ©dreien unb «Berbrüßllcfefett; unb eine beßänbige Söitbertro ber oeranlaffenben Urfattjen gibt itjnen ein bieibenbes oerbrießlicfeeS SBefen; es » Ujiten bafeer burcb, bas Stttatfemen einer unreinen Sltmofpfeäre fowofel ein motat ffl . als ein pfepßfder ©cfeaben gugefügt. Da bie «Kutter ober SBärterin *W» Keine Suft. 553 (Muffen unremorfen iß, unb auefe itjre ©timmung unb itjr Kertienfpßem tion berfel* ben Urfacfee leiben muß, fo gibt es in ber Kinberßube balb nicfets als Keigbarfeit, Sterger unb 5?erbrufj, woburcfe baS natürlidje, mütürlicfee unb finblicfee ©efüfel erftidt wirb. So lange'eine folefee Unwiffenfeeit tjerrfdt, bürfen wir uns nicfet über bie «Kiß* üäuefee wunbern, bie wir beßänbig in «Begug ouf bie mebiginifde «Beljanblung Heiner ßinber beobadjten. Unter »orßcfetiger unb »ernünftiger 33efeanbtnitg wirb Kranffeeit bei Äinbern feiten töbtliefe, befonbers wenn tiorfeer bie ridjtige ©orgfalt in S3egug auf frifdje Suft, Diät, «Bewegung, Kleibung u. f. w. angewenbet würbe. Der «Ber* lauf unb bas Kefultat tion Kinberfronffeeiteit ift besfealb in großem ©rabe unter mütterlicfeer Kontrolle. SBie wicfetig iß es alfo, baß biefe Kontrolle burctj SBeisfeeit unb Srfenntniß geleitet werbe! Sßenn mon bie mongelfeafte Kaferung unb Kleibung ber Kinber ber Slrmen unb ben 3ußanb iferer SBofenungeit in Setracfet giefet, fo iß es offenbar, baß ße bü ©efunbfeeit, wetdje ße feeßfcen, nur iferem Slufentfeatte im greiett wäferenb beS JageS »erbanlen. Diefe Jfeatfadtje allein follte atte «Kutter übergeugen, wie wicfetig eS iß, für einen beßänbigen 33orratfe frifdjer unb reiner Suft in ber Kinberßube gu forgen; inbeffen iß babei bie nötfeige S?orßd)t gegen baS ptötüidje Hereinftrömen falter Suft* jüge burefe Jfeüren ober genßer anguwenben, weil fonß leidjt Srfältung, S3räune unb eine Keifee anberer Kranffeeiten bie golge fein fönnten, bie ebenfo gefäljriicfe, als bie aus «Mangel an 33entilation ober Süftung entßefeenben ftnb. Ss gibt mit S3egug auf bie «Reinigung ber ©fubenluft mandje widjtige «Punfte, bie nicfet außer Slcfet gelaffen werben bürfen, tiorguglicfe ba, wo Kinber ßnb. Dagu gefeört bie fofortige (Sntfernung atter fcfemu£igett SBäfdje unb aller übelriecfeenbett ©egenftättbe unb baS grünblidje Irodttett unb Sluslüften ber Kleiber, bes SettgeugeS u. f. w. Ss iß bieS nicfet aüeitt wefentlidtj für bü ©efunbfeeit, fonbertt tjat audfe einen großen Sinfluß auf bie «JJtorat: „Denn aus ©erneutem iß ber «Kenßfe gemaefet, Unb bie ©ewofenfeeit nennt er feine Slmme !" ©efemufcigfeit unb Unanßäitbigfeit ßnb 3mittittgSfd)weßern, unb eine Kidjtacfe* tung ber ©efeidtiefefeit unb beS 51nßanbeS ift nur gu oft ein ©eferitt gur ©letcfegül* tigfeit gegen bie Jugenb. 2lus biefen ©rünbett efeenfowoljl, als aus Küdßdjt auf bie ©efunbfeeit fottte ber «Kettfdj oon früfeefter Kinbfeeit auf an Keinltdjfcü unb Stnftanb gewöfent werben. Kinber eignen ßd) folefee ©ewotjnfeeiten an ober bleiben üjnen fremb, je nacfebem bas S3enefemen berer, mit betten ße umgefeen, nadjläfftg ober forgfältig iß. SBentt iferen perfönliefeen SBebürfttiffen eine fpßemattfefee unb tierßän* bige Slufmerffamfeit gefdfeenft wirb, fo füfelen ße balb ben Sinfluß bation, wenn ße aud) nodj nicfet im ©tanbe feitt mögen, barüber bewußte Setracfetungeit anguftetten. Gin ©efüfel bes SefeogenS unb ber ©elfeftadjtung tfeeilt ßctj ifenen auf biefe Strt unauslöfajlicfe mit; unb burd) bie «Katijt ber ©ewofenfeeit wirb ein gewiffer ©inn für Scfeidlicfefeit unb Slnßonb gu einem Jfeeil iferes SfearafterS. Ss ift in ber Jfeat eine «Jtegel, weide allgemeine Stttwettbuitg ßnbet: „3ütje ein Kinb auf bem SBege on Äranfbeiten aufgunefemen unb gu verbreiten, ©o wirb feäußg ber Jppfeus ergeugt unb tfeeilt fieb, überall mit, wo bie «Bentilatiott mangelfeaft iß; fo feat oft, in jebem 3ettalter unb in jebem Himmetsftricfee, bie Unwiffenfeeit ber ©euefee vorgearbeitet unb ibr einen «Boben gum ©ebeifeett gefdjoffen. Sin fcferedlicfeer «Borfatt feat »or furgem wieber bte ©efafer bargetfean, wetdje bie Beraubung frifdjer Suft mit ßcfe bringt, inbeni jwi unb fiebengig arme, irlänbifefee perfonen, «Kättner, grauen unb Kinber im 3*li*n,' bede eines ©teamerS gwifdjen Dublin unb Si»erpooi erßidten. SBeber ber Kar.tan, nod bie anberen Dfßgiere beS ©cfeiffeS bebaefeten, baß ße burd ©djlie&en unb dun' getn beS eingigen 3ugangeS, ben bie Suft nod bem ©djlffsraum featte, Je hfwuj S3äter, «Kutter unb Kinber ebenfo morben würben, als wenn ße biefelben « «Keer geworfen featten. Sitte ßarben binnen weniger «Kinuten unb bie n l§ Sntfcfeutbtgung für bie fefeeußliefee Jfeat war Unwiffenfeeit ober ®^ltm^ 3cfe. tonnte eine lange Keib,e »on gäüen anfüferen, bü mü tn meinet y Der ©ctjlaf ber Kinber. 555 Dorgefommen, wo Kranffeeiten elttgig uttb allein burcb, «Kangel an frifefeer Suft tier* urfaefet würben. Die ©timme ber Katur feelefert uns, boß ße feine S5erte£ung itjrer ©efe£e ßraflos bttlbet. SKleS, was bie SebenSfräfte fjerafeßimmt, macfet für Kranffeeit empfänglich, unb was bie allgemeine Snergie ber SebenStierricfetungen beförbert — »on ber Kinbfeeit Ms gum «Kannesalter — befeßigt ben DrganiSmuS unb bilbet eine ©d)u£weljr gegen aüe äußeren unb inneren ©djäblidjfeiün. $er (Sc&Iaf bet föinbet. Das «JWusfelfpßem fann nur im ©dtjlafe tiottftänbig auSrufeen. Ss iß tjauptfäcf)* liefe im ©djlafe, baß ber DrganiSmuS bes KinbeS feine Kräfte erneuert unb tier* mefert unb attmälig gu immer größeren Sinßrengungen fäfeig wirb. HcrfttleS, ber »on feinen Kiefenarbeitett auSrufeen muß, unb bas Kinb, weldjes ßcfe burefe ©pieiett ermübet feat, ßnfen gteiefemäßig* feülßos bem ©efelummer in bie Slrme; bie Katur fcfeliejjt ifere Slugenltber unb öffnet ße bes «Korgens, wentt eilt frifefeer, belebenber Hauet) burd) bie gonge ©djöpfung wtx)t. Die Hälfte unferer ßtit, tion ber Kinbfeeit jum «Kannesalter, wirb unter bem ©djattett beS JobeS feittgebradjt. Doefe ber ©efelaf gleicfet nur infofern bem Jobe, als ßd) bie ©eelentfeätigfeit gegwungen tion ben äußeren ©innen gurüdgiefet; aber ftatt baß im Jobe ber 3ufammenfeang gwi* fefeen ©eiß unb Körper gerßört wirb, wirb er im ©dtjlafe erneuert unb befeßigt, unb bie Gräfte, burefe weldfee ber Körper gu einem wittfäfeigen SBerfgeuge beS ©eißeS wirb, Werben geßärft unb erfrifefet. Die «Kenge bes ©djlafeS, weldje ein Kinb ober Srwacfefener feraudjt, riefelet ßd nocfe ber größeren ober geringeren Seidjtigfeü, mit weldjer bie erfdjöpfte Kertienfraft wieberfeergeßettt roirb, unb bieS feängt »on S3ebiit* gungen ab, bie aufjerfeatfe beS S3ereidjeS wiffenfcfeaftlicfeer gorfefeung gu liegen fdjeinen. 6s iß bemerfenswertfe, baß junge, im SBacfestfeum beßnbtide Jfeiere am meißen Scfelaf bebürfen, unb baß ber ©djlaf am gefünbeften unb fefteßen wätjrenb ber «periobe »or bem Srwoefeen bes ©etbßbewußtfeittS ift, gum 33eifpiel bei neugeborenen ßtnbern; bas Kinb überläßt ßdj bem 3nftinfte fo tiottftänbig, baß man ben ©efelaf bei ifem nicfet gu beförbern, fonbern nur ©törungen beffelben gu tierfeüten feraudjt. tförperlidjes SBefeagen ift SltteS, was erforberliefe, ift; unb bies iß burefe alle «Kittet ju erreicfeen, welcfee bie ©efunbbeit bebingen — nämlicfe ©efelaf, geeignete Diät, SBärme, Keinticfefeit unb frifdje Suft. SBäferenb ber erßen SBodjen wirb bas Kinb feiten burd) tin ©eräufdj im ©djtum* wr geßört; bies fommt baljer, baß ber ©efeörßntt ttodj triefet tiottßänbig entwidelt Iß. Die ©ewofenljeü feat einen mädjtigen Sinßuß, best)atb follte man es fotiiel als möglicfe »ermeiben, bas Kinb in ben Slrmen ober auf bem ©cfeooße einfdjlafen gu foffen; benn, wenn es ßcfe an biefe Slrt ber Sjergärtelung einmal gewötjnt tjat, wirb 'S im S3ett leicfet unrufeig werben ; man befolge bab. er »on Slnfang an bie Kegel, es »aefeufs S3ettgu legen unb es bort, unter ber gehörigen Dfetjut, tion felbß einfdjlafen 556 ©unn'« Hau««2trjt. gu taffen. Das Kinb gewötjtü ßd) baran, unb ber «Kutter wirb fpäter fefer »iel unnüjje «Küfee erfpart werben. SBenit man ein Kinb in bas 33ett ober bie SBiege legt, fo muß es befeaglicfe ringt« Widelt werben, unb gwar bürfen Hänbe unb güße nidjt entblößt feitt, ber Jtörptr muß eine gerabe Sage einitefemen, unb Kopf unb ©djultern muffen burd Kiffen etwas erfeöfet werben. SBotteite Dedett ßnb beffer als leinene Deden; bie S3tbedung muß fo eingeridjtet werben, baß genug Kaum gum freien Sttfemen bleibt, unb ba§ bas ©eßcfet nidt gu warm gefeolten wirb; auefe ift es bisweiten nottjwenbig, feine Sage gu wedfefeln, bamit nidt eingelne Körpertfeeile burefe gu langes Siegen barauf erßarren. - SBenn baS Kinb unrufeig iß ober fdjreü unb nodfe nicfet lange gefdjlafen feat, futbt man es am beßen burefe üifeS SBiegen, burefe Klopfen ouf ben Küden unb bergleidjen gu berufeigen. SBentt es gelingt, fo fann man es aus bem 33ette nefemen unb burd) ©djaufeln auf ben Slrmen berufeigen. Sin Kinb fottte niemals waefe getjaltcn wer- bett, wenn es mübe iß, in ber «Keinung, boß es bann beS KatfetS beffer fdjlafen wirb. Uefeerwadtjett tierurfadtjt allgemeine franffeafte Keigbarfeit, ©lieberfajmerjen, 33erbrießlicfefeit unb Unrufee. Ss Iß am beßen, Kinber allein fdjlafen gu laffen; bentt bie Suft eines 53etteS, in welcfeem einer ober mefere Srwaefefene fdjlafen, wirb unrein; bos Kinb fangt bte tierborbenen SluSbünßungen rin unb Iß in ©efafer tm ©djlafe erbrüdt gu werben - ein Unfall, ber ßdj frineSmegeS feiten ereignet. Die gewöfenlicfee Sage eines KinbeS foüte anitäfeernb feorigontat fein. S3ti bet perpenbifufären ober feenben ©tettung werben bie Küdenwirbel, welcfee ßcfe in einem weidjen unb biegfamen 3uftanbe beßnben unb nodj taum mefer alö Knorpel ftnb, leidt tierfeogen ober in rine edig tjertiorftefeenbe gorm gebrüdt; foldje Skrlefenngen, wenn ße nidjt fefenett gefeeilt werben, füferen gu bauernber «Kißgeßoltung. £äufig werben audj «Kißgeßaitungeit tierurfadjt, inbem bie «Butter ober SBärterin baS Kinb wäferenb beS tnorpelartigen 3ußonbeS feiner Knoefeen gu feeftig Rüttelt. Dies ip ein 3rrtfeutn, ber, ebenfo wie gu feeftiges ©efeaufetn in ber SBiege ober auf einen ©tufele, außerbem ©törungen im ©efeirn beS KinbeS tieranlaffeit fonn. SBaS bas, tiortjer fdon gerügte, beßänbige Halten bes KinbeS auf bem ©cfeooß/ betrifft, fo bringt bies aud) nocfe oft einen anberen Uefeefßanb mit ftcfe, inbem Ui SBärterin ifere Kniee auSeinanber tfeut ober öffnet uttb fo eine Höfetung in ifere» ©dooße bilbet, in weldfee bas Kinb feineinßnft, fo baß fein Küdgrat nad außer- gefrümmt Wirb; biefe Krümmung ober StuSbeugung fann burefe feäußge lieber fjolung gu einer feleibenbett «Kißbilbung werben unb bem Kinbe einen «Surfe! geben 93ei warmem SBetter eine Dede ober «Katratie auf ben 33oben gu legen unb U) Mint ftcfe barauf gur Uebung unb ©tärfung feiner ©iiebmaßen umfeerroflen gu hy [en, ift bas nütjlidße Vergnügen, baS man ifem madjen fantt. Sine «Katrant tj) bas beße «Bett für Kinber. geberbetten engen bie ©lieber fo ein, baß ße eine efi- ^afte «Bewegung berfelben unb ben gur ©efunbfeeit unerläßlidjen freien «Blutum au tierbmbertt. Sluefe tritt burefe bie beßänbige, ßarfe Slusbünßung, weldje öefcert«OT tieranlaffeit, ©djwäcfeung uub Srfdjlaffung eitt, unb bie Sungen bes M wenn es Slnlage bagu tjat, tönnett triefet ©djaben leiben. SBäferenb beS tetjw fes muß genau auf baS Kinb aufgepaßt unb bie Jemperatur bes Äorpers imi bett Umftänben geregelt werben, inbem man bie «Beileibung leidjter ober |aj Der ©efelaf ber Kinber. 557 madjt. Uebermäßige Hijje fowofel, als Kälte finb äußerß nodfetferilig für bas Kinb, unb nidjt feiten wirb wäferenb beS ©djlafeS bie S3ebedung tierfdjoben, fo baß burdfe Sntblößung bie ernftlicfeften Kranftjeiten, 33räune u. f. w. entftefeen fönnen. jtinber fönnen nie gu fange fdjlafen ; fie burdj ein ©eräufefe ober in einer plö£* licfeen SBeife gu erweden, ift burdjaus ungefeörig; inbem man plöjdid) ein felenben* beS Sidjt auf ße fatten läßt, fann man ben ©runb gu [djwadjen Slugen legen. 5Kan gebe Kinbern niemals feeraufdjenbe ©etränfe ober ©cfelaftropfett, um ße jum ©efelofen gu bringen, wenn es 'ßcfe irgenb tiermeiben läßt. «Kan laffe ifere Diät wätjrenb beS HeranwacfefenS möglicfeß rinfacfe fein; je einfadjer, um fo beffer werben fte gebeifeen. Sin fcfetaflofeS ober tierbrüßÜdjeS Kinb füllt bie ©ebulb ber »Kutter auf eine fearte «Probe; jebeS 3>erfaferen, bas bie Umftänbe erlauben, 33aben, ©äugen, «Bewegung u. f. w. fottte gu feiner 33erutjigung tierfuefet werben; aber jebe fearte unb ungeftüme befeanblung, ©djelten unb ©efelagen, ift burcfeauS uugwedmäßig. Sei bem Srgiefeett ber Kinber muß man immer bebenfen, baß bie erßen Sinbrüde fiefe unauslöfdfelid) einprägen; besfealb fudje man ße in 33egug auf Sffen unb ©efeta* fen an beftimmte ©tunben unb an ßrenge Kegelmäßigfeit gu gewöljnen. Äinber lieben »on Katur bas früfee Slufftefeen; bie «Korgenfonne erwedt ße. Diefe Keigung futfee man gu beförbern. ©ie fottten frütj gu 33ette gefdjidt unb unmittelbar nadj bem Srmadjen gu einer geeigneten ©tunbe gewafcfeen uttb angego* gen werben, ba langes SBocfeliegen beS «KorgenS ©djiafffeeü unb anbere Uebel »er* anlaßt. Die 33ewegungSfräfte beS KinbeS fottte man gewiffermaßen ßd) fetbß reguliren faffen. «Kan fottte ifem erlauben, attmälig mit Kriecfeen angufangett, was gewöfen* liefe im fedften ober ßebenten «Konat beginnt, ©roße 33orßcfet iß gu ber 3eit nötfeig, wenn es feine erßen SSerfucfee madjt, ßcfe auf ben Knieen aufguridjüit ober an einem ©tutjlbein ober Jifäjfeein in bie Höfee gu füttern, bamit es nidjt gu lange in ber ©tettung bleibe, befonbers wenn ber Körper unb ber Kopf untierljättnißmäßig groß unb fdjwer finb, ba eine S3erfrümmung beS KüdgrateS ober ber langen Knodjen ber Seine unb nidjt feiten bie fogenannte englifdfee Kranffeeit bie golge fein fann. liebermäßige btyt unb Kälte ßnb gu jeber 3eü äußerß nadjtfeeiltg für Kinber, fo baß bie Temperatur beS Körpers mit ©orgfalt gu regeln iß. Die Kinber fottten wäferenb ber ©efetafensgeit, fotiiel als mögliefe, gefonbert wer* ben, ba ifere Keigung gum ©dlafen feiten gang gleiefegeitig ift; bie Unrufee bes einen (ann leicfet bas anbere im ©djlafe ßören, unb ©dtaflofigfeit ift eine feäußge Urfacfee »on giebern. 53ei warmem SBetter wirb feäußg bas eine bie S3ebedung abwerfen, wätjrenb bas anbere »erfeältnißmäßig froftig fütjlt unb in biefem 3uftanbe für Srfäl- tung unb bie borauS entftetjenben Seiben um fo empfänglider ift. «Jtufeiger unb lange anfeottenber ©dlummer ift ein günßiges ßeidjen unb fottte wäferenb ber gangen «Periobe ber Kinbfeeit efeer beförbert als tierfeinbert werben. Doefe wenn bas Kinb im ©efetafe gudt, auffäfert unb ßcfe umfeerwirft, plö^tidj laut auffcfereit, wie tion plö^litfeem ©djrede, ober leife wimmert, fo iß bieS ein 3etdjen, baß es ßdfe nicfet wofetfeeßnbet,unb man fottte fofort bie Urfadjen gu entbeden fuefeen; es fönnen bies getjter in ber Diät ober in ber Kleibung, leiefete Sntblößung, Kolif- fajmergen u. f. w. fein, ober gu langes ©efelofen in berfelben Sage ober eine fdjledtjte 2age bes Körpers, woburcfe bie SSerridjtungen widjtiger Drgane, SSerbauung, Slttjem- Wen, 3irfuIation bes SluüS u. f. w. geßört werben. 558 ©unn'S H«us-Slrgt. 3um ©dluffe biefer 33emerfurtgen mödtett wir nocfe einmol befonbers empfefelen genau auf bie ©dfeloffleiber beS KinbeS gu odfetett, ba bies für feine ©efunbfeeit unb fein SBofelbeßnbeit burdauS unerläßlidfe iß, unb ba burdfe Kadjläfßgfeit in birfe« «punfte nur gu leidjt wunbgefcfeeuerie ©teilen, 33eulen, ©efdjwülße unb Gutjünbun- gen entftefeen, bie tiiel ©djmerg unb ©djlafloftgfeü unb fdjließlicfe gieber »eranlaffen. ©o belifot bie ©ocfee iß, muß feier bocfe auefe erwäfent werben, welcfee Hebel baraus entßefeen, wenn matt eitt Kinb, bas ßdj naß ober fdmufetg gemaefet feat, einfdjlafen unb bie gange Kadjt in biefem efelfeaften 3uftanbe liegen läßt; rcr Seblaf fann bann nidjt anberS als unerquidlid fein, unb burdj bos Sinatfemen ber ungcfunben ©erüdje muß baS S3eßnbeit bes KinbeS leiben. 3dfe Xjaht in meiner «PrariS feäufig gefunben, wie bas 33ettgeug ber SBiege fo tion Urin gefättigt unb burefejogen war, inbem man eS wieberfeolentlicfe featte trodnen uitb wieber naß werben laffen, top meine ©eruefesnertien es nicfet ausfealten fönnten; unb bas arme kleine wat gegwungen, beßänbig biefe fefeeußlide, tierpeßete Suft einjufaugen. 3dj feoffe, baß es nidjt nöttjig ift, weiter auf biefe ©odfee eingugeben ; biejenigen, welcfee itgenb welaje Küdßdjt für bie ©efunbfeeit unb baS Setjagen beS ifenen anvertrauten, feülflcfen KinbeS feaben, werben bie SBtcfetigfeit ber gewiffenfeafteßen Keinlidfefeit begreifen. Ss gibt «Kancfee, bie wätjrenb beS JageS genau auf bas Slusfefeen bes JtinbeS aefeten, aber beS Kadjts, wäferenb beS ©tfelafeS, aus KadjläfßgteÜ ßdj nicfet barum befünt« mern unb bas Kinb ©tunben lang in bem erwäfenten, efelfeaften 3ußanbe (äffen, bis ßd »erfcfeiebetie, utttiermeiblictje Uebel einfteüen. Das Kinb follte aber niebt nur, wenn man es gu 33ette legt, tiottfommeit rein nnb troden fein, fonbern aua) wäferenb bes ©dfetafes feäußg unterfudt werben, unb wenn ein SBecfefel bet Sßäfcfee unb beS S3ettgeugeS nötfeig fefeeint, follte es fofort gefdjefeen, ba es beffer tß, ßcfe biefe fleine Uttbequemticfefeü gu bereiten, als bie fcfelimmen golgen eintreten ju laffen, weldje burdt) bas ßunbenlange Siegen im ©d)mui?e ergeugt werben. SBentt baS Kinb über biefe ©törung fefereien fottte, fo reibe man ifem ben «Jtüden unb bie ©lieber mit ber offenen Hanb; bieS iß ein fefer feerutjtgenbeS unb feeilfameS «Kittel für baS Kleine, weldeS großes Vergnügen babei gu empßnben pßegt. lieber- feaupt tann tjartttädiger ©cfeloßoßgfeit unb feeftigem ©djreien feäußg butefe biefeS einfadje aber wirffame «Kittel abgefeolfen werben. (gtziefyunQ unb §Be$anMuttß bet ßinbet. eitern muffen ein gutes 33eifpiet geben unb ßcfe in ©egenwart tfetet Kinber ein« würbigen 33eneb,mens beßeißigen. Sitte jene 3eidjen ber Siebe, weldje 3unelgung erweden fönnen—tbeitnefemenbe Unterfealtung, milbeS 3ureben, freunblicfee Srmafe- nungen u. f. w. — atte «Beweife ber gürforge unb 3ärtlicfefeit muffen tn bem Umgang! mit Kinbertt bemerfiidj feitt; nur fo werben fte bafein fommen, ifere Altern als greunbe unb «Befdjüfeer, als «Vertraute unb Katb,geber unb baS Slternfean« «■ gamilicnleben als Heiligttjum gu betradjten. ©ewötjttlicb, wirb ber SSerfudj gemadjt, Kinber burdj törpertidje 3üdjtigun0en ow Srg{eb,ung uitb SBetjanbtung ber Kittber. 559 burefe äußerlidfee «Belofenuttgeit ober burdfe SBorte attein in Drbnung gu tjalten. SS gibt nocfe ein anbereS «Kittet, fie gu regieren, beffen «Kacfet unb widjtiger Sinßuß nur «u feiten begriffen wirb. 3dj meine bie menfcfelicfee ©timme. «Kan fann einem ßinb ©efeläge ertfeeilen unb biefelben mit SBorten begleiten, wetdje bie beafefidjtigte SBirfung »ollftänbig ouffeeben. Dber bie Slterit föitnen, inbem fie bas Kinb fabeln, SBorte gebraucfeen, bie an ßcfe felbß nidjt unreefet ßttb, aber in einem Jone auSge* fproajen werben, ber iferen Sinfluß gu niefete macfet. SBir berüdßdjtigen im Sittge- meinen gu wenig bie etgennjütnlicfee «Kacfet, welctje bie ©timme auf bie Kegungett ber menfcfeUcfeen ©eete ausübt. Die 33emerfung, weldje jene gute Dame über bie «prebigten ifereS «Pfarrers maefete, ift feegeiefenenb : fie war burd) eine feiner Kangel* reben gang oorgüglidfe erbaut worben unb äußerte gegen rine greunbin ben SBunfdt), baß er fie wieberfeolen möcfete; „tiietteidt," fagte bie greunbin, „läßt er ße bruden." ,Sldj," erwieberte bie Dame, „er fann fie nictjt in bem feeitigen Jone bruden laffen, in bem er ße gefeolten— mit ber milben, einbringlidjen ©timme." SBir fönnen bei bem Umgänge mit Kinbern einen Jon anfcfelagen, ber ein wiefe* tigeS Mittel ju iferer Srgietjung werben fann. «Kan rufe ßdfe bas SSitb einer gärt- lidjen «Kutter in'S ©ebätfetniß gurüd, bie tängft gur ewigeit Kutje eingegangen; man erinnert ßcfe ÜjreS fußen SäcfeelnS, itjreS freunbltdjeit SlntltjjeS unb tior Slttem itjrer liebeoollen ©timme. Ss ift ein großer ©egen für Sltern, wenn ße einen ange* netjmen SluSbrud ber ©timme beßjjen. SBoburcfe wirb bas Kinb, etje eS fpreefeett fann, in ©djlummer gewiegt? Ss ßnb nicfet bie SBorte, beren ©init es nodfe nidjt faffen fann; 33udfeftaben, ©plben unb ©äfje üben auf fein ©emütfe nodj feinen ßauber — es ift nur ber Jon, in bem fte auSgefprocfeen werben, ber an [ein Dt)r fäüt, es befriebigt unb berufeigt uttb in ©djlummer fenft. 3rgenb eine furge «Kefo* bie, wie wenig funftgereefet ße audj fei, wenn ße nur mit füßer unb gärtlicfeer ©timme gefungen wirb, feat einen magifdjett Sinßuß. Unb biefer Sinßuß befcferänft ßcfe nicfet auf bie SBiege. Kein, er flingt burefe baS gange Seben nadj unb feört ntdjt auf, fo lange bas Kinb eine Srinnerung an bas Slternfeaus im Hergen feefeält. So wicfetig es für «Kutter ift, ßcfe eines angenefemen Jones in ber Unterteilung mit iferen Kinbern gu befleißigen, fo offenbar ßnb bie Uebel, welcfee burefe raufeeS unb unfreunblicfeeS Stnfdjreien berfelben entftefeen. StuS einem liebevollen Hcrgett fommen natürlicfe liebeüolle ©efüljle. Die «Kutter, welcfee ifere gamilie in bem ©eiße waferer Siebe aufgüfeett will, muß biefe Siebe in ßdfe felbß pßegen unb entwideln, unb es wirb ifer otjne «Küfee gelingen, biefelbe in itjrer ©timme ju äußern. £ie «Kutter, weldfee iferen ©ofen tjart anrebet, gibt burd) ifer eigenes 33eifpiet feinem S3enefemen eine Sntfdjulbigung. ©ie gießt Det in bie bereits tobenben Stammen. 3m Sifer unferer «Pßicfetett uub ©efüljle faitit es uns Sitten oorfommen, baß wir ben Kinbern ungebulbig begegnen, bin unb wieber wirb mit lauter unb gereifter ©timme eine Drofeung auSgeßoßen. Dies wirb nidjt bie Seibenfctjaften bes Äinbes berufeigen, fonbern ße tiermeferen. 3eber tierbrießlidfee SluSbrud erwedt ü iljnt benfelben ©eift, aus bem er feertiorging, wätjrenb eine angenetjme ©timme fanfte ©efüfete feeroorruft. SBeldje ©emütfesneigungen wir taXjtx bei einem Kinbe J« entwideln wunfefeen, biefelben fottten wir in bem Jone, mit bem wir gu itjm Neben, ausgubrüden fuefeen. KidjtS iß wünfdjenswerttjer bri einer Jodjter, als ^rftanbesbitbung mit einem fanften ©emütfee gepaart; bie erßere tarnt fte ßd) in 560 ©untt'S Haus*Slrgt. ber ©cfeute aneignen, bocfe baS letztere wirb ifer nur burcb, bie feausliefet (Srglefeung gegeben. SBie unfdjä^bar ift es, wenn rine «Kutter, auf biefe gefeeime «JRadit bet ©timme »ertrauenb, um garte ©efüfete im 33ufen üjm Kinber gu erweden, ftd) nie erlaubt, fie in feartem unb unfreunblidjem Jone angureben. ^orgüglicfe be« SlbenbS, efee fte ßdj gur Kufee begeben, foüten ifere Hergen burefe gärttiefee SvJorte ermtirbt werben, baß fie in üjren ©djlummer unb in ifere Jräume ©ebanfen ber Viebe unb beS griebens mit feinübernefemen. «Bei ber Srgietjung tion Kinbern iß rine gleidjmäßige, feße unb rufelgt Slrt bet «Befeanblung burdjaus erforberlidj ; man barf ßdj nie ber Seibenfdjaft übetlaffcn, fonbern muß bie ßrengße ©elbftbrijerrfdjung bematjren unb fidj nur burefe ruhiges Urtferil leiten laffen. Unerbittüde unb babei bodj mitbe geßigfeit, mü weldjer in früfeeßer Äinbfeeit begonnen unb bie täglicfe ausgeübt werben muß, wirb 3ttcfet unb ©efeorfam gut golge baben unb bie Kotfewenbigfeit fpäterer 23eftrafungcn tierfeüten. Ss iß für bie Sltern bas leidjtefte unb angenefemfte unb für bie Kinber bac? wofeltfeätigße ^erfat). ren. SBenn man auf ber anberen ©eite bem SBiüen beS KinbeS naefejugeben pflegt unb feinen Saunen feinen 3ügel anlegt, wirb es balb batjin fommen, bie befriebi- gung feines SigcnffnitS als baS eingige ©lud angufefeen unb ßcfe ungliidlidj ju füfelen, wenn es nicfet fein ©tüd burefefe^ett fann. Sigenwitte unb Saunenfeaftigttit entwideln fidj nur gu fefenett, wenn fie nicfet bei 3eüen unterbrüdt werben; unbbas Kefultat ift jene fcfelimmfü atter «plagen: ein „»erwöfenüS Kinb." Dod nod einmal möcfeten wir bagegen warnen, baß bü Sltern nicfet, inbem ße ungeitige Kacfegiebigfeit tiermeiben, in ben entgegengefe^ten getjter unjeitiger ©trenge »erfatten. Denn wätjrenb fte burefe ben rinen 3rrtfeum ben Sigenßnn teS atinbes beftärfen, würben fte burefe ben anberen feine gange Srißeng »erbittern, feine bejferen Sigenfdjaften untergraben, fein ©emütb. nidjt weniger »erberben, feine SBiüenS- traft fdwäden unb ifem »ietteiefet jene geiftige Stoftigität rauben, wetdje in unferen Saferen für atte ©efdjäfte beS SebenS unentbeferliefe ift. Die Slcfetung, welcfee baS Kinb bem überlegenen Sürßanbe ber Sltern jollt, iß ein feeilfames ©efüfel, weltfeeS in bem «Berfeäitniffe gwifefeen Sltertt unb Kinbern nie fefelen fottte; es ift ebenfo writ entfernt tion ber gegwungetten Unterwurßglcit, bie burd beßänbige gurdjt tior ©träfe ergeugt wirb, als tion bem unoerfdjämten Sigen- bünfel, ber ßcfe in golge übermäßiger Kadjgiebigfeit entwidelt. SBenn gurefet tot ©träfe baS »orwügenbe ©efüfel iß, fo wirb bos Kinb faß immer tudrjd) m feeuefelerifdj —weniger barauf bebaefet, gefeter gu tiermeiben, als ße gu »erbergen, woburd) baS junge ©entütfe tiottftänbig tierborben wirb. gurdjtfame Kinber, welcfee ftreng beljattbelt werben, fönnen faum ber wr|u

u* M fotefees «Berfoferen feertiorgerufen. Um ein Kinb Wirt liefe gu beffern, »uj mefer auf geiftige, als auf förperlidje Srgieljungsmittel tiertaffen CT« ■p ^ gur Stufgabe macfeen, baS ©ute im Kinbe gu erweden, unb es bog« anx ^ eigenem Slntriebe gut gu feaubeltt. «Kan muß üjm begretßtdj macfeen,,m» ^ üble Siuffütjrung feine Sltern mebj betrübt, als ergürnt; man mufj 109 Srgiefeung utibSetjattblung ber Kinber. 561 feine gurdjt, ats an fein beffereS ©efüfel weubett. Die 3udjtruttje uttb partes ©djelten ßnb geeignet, feinen Sfearafter gu tietfdjltmmern, unb werben nur fetten überjeugenb auf feinen 33erßanb wirfen. SBir möcfeten feier unfere wofelüberlegte Meinung ausfpreefeen, baß bas «prügeln tion Kinbern, weil ße im Semen nictjt fd)nett genug fortfdfereiten, ein graufamer Srrttjum iß, ber mandje Dummföpfe unb gefäfer* lidje ©ubjefte, aber nocfe feinen ©eleferten ober großen «Kann feer»orgeferadjt tjat. SBir feoffen, baß bie Seiter unferer öffentlichen ©cfeuleu ßcfe immer einßimmiger gegen (örperliefee 3üdttgung, außer in gätten tfeatfädfelicfeen SBiberßanbeS gegen bie Sluto* rität bes Seferers, erflären werben. SBie fann man tiorausfe^en, baß ein Mnahe, ber megen fcfeledjteit SernettS feiner Seftion geprügelt würbe, ße nadjtjer beffer lernen wirb, ober baß er baburefe ben ©runb einfefeett wirb, weSfealb er überfeaupt lernen fott ? gs iß bieö ein widjtiger ©egenßanb. gltern fottten ifere Kinber nur in ©djuleit fdjiden, beren Seifer itjre «Pflicfet beffer »erftefeen, als baß ße Kinber burefe ©efeläge gum Semen bringen wollen. Um bas spublifum gu ßefeern, foüte jebeS ©ctjul=Sommittee genau barauf adjten, ob folefee Uebergrtffe ßattßnben, unb üben Seferer fummarifdj entlaffen, ber auf biefe Strt bie ©ebote beS gefunben 33erßanbeS unb ber «Kenfcfeliefefeit üerleiü. Ss ift ofene grage, baß in S3ejug auf bas ©efeulwefen tiiele Keformeit tjier gu Sanbe nottjweitbig ßnb; unb es iß erfreulid) gu fefeen, baß bie ©adje feitenS bes «PublifumS anfängt größere SBeadjtung gu ßnben. Sin feödtjß trauriger Unfall ereignete ßctj neutiefe in Kew DrleanS, in einer ber Sdjulen bes gweiten Dißrifts, wetdjer ben Job eines munteren unb intelligenten jefenjäferigen Knaben, KamenS 3afofe «PoÜjemuS, gur golge featte. Derfelbe war ©djüler in ber Slementarftaffe einer ©cfeule, bie in einem unteren ©todwerfe in üafapette ©treet gefealtett würbe. Sittes «KorgenS feielt feine Sefererin es für notfe* wettbig, ifen gu güefetigen, unb als bies nicfet bie gewünfdtjte SBirfung featte, fperrte fte ifen in eine bunfle Kammer, bie an baS ©djulgimmer grengte. 3ttgwifcfeen würbe fte naefe einer anberen Klaffe gerufen; fte ließ bie Kinber unter ber Dfetjut einer anberen jungen Dame unb ging fort, ofene an itjren fleinen ©träfling gu beuten. Zit Kammer, in welcfee man ifen gefperrt, war etwa getjn guß breit unb fünf unb gängig guß lang, unb featte eine Jtjüre an jeber ©eite, in weider ein fteineS tiier* ediges Socfe war, um Sidjt unb Suft eingutaffen. SllS bü Kammer geöffnet würbe, fanb man, boß bas arme Kinb ben Kopf burefe eines jener Söcfeer geftedt featte unb bort am Hälfe feing — bereits tobt! Ss fefeeint, baß er ein 33rett gegen bie Jfeüre geßemmt featte unb tjinaufgeflettert war, um gu tierfudjen, burefe bas Socfe gu frie* «Jen; baß jebod) bas S3rett fortgeglitten war, gerabe als er ben Kopf burdjgeßedt featte, unb er fo tjängen blieb unb erßiden mußte. Die Seljrerin, feeißt es, würbe faft wafeitftnnig, als ße erfuhr, weüt)e gotgen ifere Unttorftdfettgfeit getjabt, ein fo iungeSKinb an einem folefeen tylax)t eingufperren. Dies Sreigniß entfeält eine ßierlicfee SBarnung gegen alle berartige ©trafmettjoben. SBir glauben faum, baß ber ©ebrauefe, ©djüler burefe Sinfperren in bunfle 31mmer ober fonß einen ßnßeren kälter ju beßrafen, nodj fo allgemein, wie frütjer iß. Doefe; f ö.nnen wir uns nodj »»W ber 3eit entßnnett, ba jebeö Setjrinßitut rin foldjeS Kerferlod, tjatte; unb wie I« ben Jungen ©emütt)ern bie Sinbilbung genäfert würbe, baß jene buntleit SBinfet »on gewiffen grauentjafteit Uttgeüjümett betiötfert feien, bie über jeben fjerfatten »ftr- bcn'ber bort eingefdjloffen würbe. Die SBirfung biefer 33eb, atblung auf bie Kinber 562 ©uittt'S Hauö-Slrar. mußte burdjaus tierberfetidt) fein. Ss pßangte ifenen eine Ketgttng gu abtrgläu. bifcfeen 33orßettungett ein, bte ße fpäter, trofc alles aufgeflärten S5erßanbe«, nit wiebet tiöttig loswerben tonnten. «Kan ließ ße glauben, baß Dunfelfeeit, ßatt nur bas ©egentfeeit unb bie Slbwefenfeeü bes SidjteS gu fein, bie untiermeiblidje 33tfeaufung böfer ©eißer unb tion feinbliefeen Dämonen betiölfert fri. Kann man ßd wunbrrn, baß ber fleine 3 ober breijäferigen KinbeS für immer einprägen. Ss fönnen fo Keigungen unb reiben- fcfeaften entftefeen, bie nie wieber ausgurotten ftnb. 3um 33cifpiel: iß tt nid)! etwas ©ewöfenlidjes in Kinbern ben ©eiß ber Kacfefucfet unb bes 3äfe;ornS ju ermuntern, inbem man ße auf irgenb einen ©egenßanb losfdjlagen läßt, an bem ße ßcfe gufäüig geftoßett feaben? „Der feäßlicfee ©tufel," „ber obfefeeuliefee lifcfe," „bie eilige «Bettßeüe," muffen es entgelten, wenn ber liebe Kleine mit ber Kafe barauf gefallen ift, unb mau gibt itjm womögiidj eilten ©tod/in bie Hanb, um feine SButfe auSgutaffeu. ©o wirb oft Kadjbegierbe in baS jugenbtiefee Herg gepffangt; ein ©efüfel, Ut ßcfe nur gu leidjt weiter entwidelt unb in fpäteren Saferen oft gu bett aüerfcferedlicfeflen golgen füfert. Die Srregbarfeit bes KertienfpßemS iß in ben erßen Kinbfeeitsjaferen immer grüßet, ali im fpäteren Stlter, unb wir muffen bebenfen, baß ein gorntger S3!icf, ein lautes «Infcfereün, eilte unfreunblictje «Kiene, ober gar ein rofeer ©toß ober Scfelag in jugenblicfeeit DrganiSmuS eine foldje Srfdjütterung tierurfaefeen fann, baß eine fronj- fjafte, nertiöfe Keigbarfeit bie golge iß ; baß ferner burd feäußge SBieberfeolung fot- efeer Sinfluffe ßcfe bem Stjarafter ein ©rab tiott gurefetfamfeit mittfeeilen fann, tet ben «Kenfctjett für bas gange Seben unglüdlidfe unb untauglich macfet; ja es (ann fogar ©etjimfranffjeit baburefe entftetjen, bie, wenn auefe nicfet gleicfe töbtliefe, be* n" Saufe ber 3atjre gu @eißesfcfjwäd)e unb SBafenßnn füferen fantt. 3n anbern gälten fann feitt ßwei[el feitt, baß burdj unfiuge «Befeanblung - burefe gu große Härte, ©trenge unb güfjttoßgfeü wäferenb ber erßen Sebensjabre n ©emütb, verbittert, bie ©etbftocfetung unb jebe liefeetioüe Kegung erftieft wirb, un baß ßdj Seibenfdjaften entwideln, bie in fpäteren Satjren gur «Begefeung ber |d>n« ßen SSerferedjen leiten fönnen. Die genfer ber Kinber. 565 «San fudje Kinber nie gu erfdjreden unb gu ängßigen. SBir tjaben leinen 3wel- fei, baß burefe foldje llntiorßdjtigfeüen bie emftudjßen geißigen fowoljl, als förperli- ifeen Seiben »erurfoajt worben ßnb. 3m ©lasgow „Sonßituttonal" wirb über bas leictjtßnnige S3erfat)ren einer Sefe,- rerin beridjtet, bie unoerantworttidjer SBeife für eilt Heines S3ergefeett ein Kinb eine gtunbe lang in einen bunfeln Keüer fperrie. Das Kinb, ein «Käbdjeit, war tion gurefet überwältigt unb weinte bittertiefe; als ße SlbenbS gu iferen Sltern nadj Haufe fam, braefe ße In Jferänen aus unb ßng an gu bitten, „man fotte ße nidjt in ben Mer fperrett." Die Sltern wußten nicfet, was ße bation tjalten fottten, unb tier= fudjten ße burefe alle möglichen 33erßdjerungen gu berufeigen; aber ße blieb in biefem ßuftanbe fortwäferenber Slngß unb bradjte eine faß fdjtaflofe Kacfet gu; am näcfeßen Jage featte ße ein gieber, wäferenb beffen ße oft ausrief: „©perrt mid) nidjt in ben Mer!" 2lm üiertett Jage würbe fte gu bem berufenden Slrgte ©ir Slfttep Sooper gebraefet; fte pfeantaßrte uub wieberfeolte feäußg mit fdfewaefeem «Kurmetn ifere Sitte, ße nicfet in ben Keller gu fperren. ©ir Slftlep erfutjr tioit ben Sltern bie 53eßrafung, bie ße erfaferen unb erflärte, baß bieS bie eingige Urfadje iferer Kranffeeit fei. Sr öerfudjte fein 33eßeS bei bem Kinbe; aber nadj einer SBodje ßarb eS. Derfelfeett «Autorität entnefemen Wir folgenben gatt: ein getjnjäferigeS «Käbctjett wollte feine feftion auf bie ©djiefertafel fdjreiben unb ben ©riffel bagu anfpi^en. ©ie X)attt ifer gebermeffer im ©djulgimmer »ergeffen unb ging im Dunfeln tjin, um es gu tjolett; eine «JJcitfdjülerttt tjatte ßdj feinter bie Jfeüre tierftedt unb fprattg, als ße fam, feertior; ße befam einen furefetfearen ©efered unb flagte gteiefe barauf über Kopffcfemergen. Slm näcfeßen Jage würbe ße fo tiottftänbig taub, baß fte felbß bas lauteße ©preefeett nicfet feören fonnte. ©ir Stßlep Sooper fatj ße brei «Konate fpäter; bod) fonnte er nicfets für ße tfeun. Sin fünfgefenjätjriger Knabe würbe in bie 3rrenanßalt gu Dunbee aufgenommen, ber burefe guretjt felöbßnnig geworben war. 3« feinem gwölften Safere ging er iit einem teiefeten ©efdjäfte in bie Sefere, unb als eines JageS ein Heiner Slrtifel tiermißt würbe, würbe er mit Slnberen in tintn bunfeln Ketter elngefctjloffeit. Die Kinber ßanben alle große Slngß aus, unb auf biefe Slrt tierlor er feinen 33erßanb. Die $cf)tcr ber Ätubcr. Ss mag feier am Drte fein, barauf aufmerffam gu madjen, wie tfeöridjt unb unjwedmäßig es für Sltern ift, bie ©ewofentjeüett itjrer Kinber gum ©egenßänbe bes ©efprädjes mit fremben Seuten gu madjen. KictjtS tarnt liebtofer unb unfluger fein. SBenn man will, boß bie Kinber ßd beffern fotten, muß man ße in einem gewiffen ©rab »on ©d)u£ nefemett. SBie ttjörüfet ße auefe gefeanbelt tjafeett mögen, «tan laffe ße merfett, baß man ifenen ben SBeg ber Küdfetjr gu einem fcfeidlidjen unb guten S3enefemen offen gu tjalten wünfefet. «Kattdjer junge «Kenfdj ift gu tüd* ßdjtslofer Skrgweiftung getrieben worben, inbem er tior grembeti wegen gewiffer ®treicfee blosgeßettt würbe, bie nie außerfeotb beS gamitienfreifeS tjätten befannt »erben fotten. 2inbererfeüS iß manefeer Verirrte gur 23efferung angetrieben worben, jnbem biejenigen, weldfee er burctj feine Jtjorijeiten am meißen »erlebt tjatte, ifjtt fdjonenb befeanbelten unb feinen Kuf tior Stuberen in ©dju£ ttatjmen. Ss iß nictjt to# »on einer «Kutter, entweber bie «Borgüge iferer Kinber gu rütjmen, ober itjre 566 ©utttt'S Haus* Slrgt. getjter gu »eröffentltdjen; möge ße beibes für ßdj feefeatten unb gcwiffenfeaft barüber nadjbenfen, wie ße am beßen iferer «Pßicfet als Srgiefeerin nodfefomme — benn es iß metjr ber Sinfluß ber «Kutter, als tiütteicfet aüe anbereit fpäteren Sittßüffe gufammen genommen, was ben Stjarafter bes «Kenfdfeen bilbet. Sünbetttant^eiten. 93 e fe a n b l it it g. — Da bie meißen Kranffeeiten beS KinbeSaltetS ßcfe faß aus« fdjtüßlicfe auf ben «Kogen unb Darmfanal feefdjränfen unb gewöfenlidj burefe 3er- fefcung ber Kaferungsmütet unb demlfcfee Sinßuffe, ober burefe neroöfe Keijbarlrit jener Drgane — wie beim 3afenen — entßefeen, fo liegt bie Hauptaufgabe barin, biefen beiben Urfadjen tiorgubeugeu ; alfo erßenS, auf bie 33efd)affenljeit ber «Kilcfe unb ber ©peifen gu aefeten, unb gweitenS, burctj baS geeignete SSerfaferen unb ein- fodje «Kittel ber franffeaften Smpßnblidjfeit gu begegnen. Ss iß in ber «Jflacfet bet «Kutter ober ber SBärterin burctj forgfältige Slufmerffamfeit auf biefe «Punfte bie meißen Uebel gu tierfeüten unb ben ©ebrauefe titeler «Kebiginen uttnötfeig ;u macfeen, bie bei Kinbern fotiiel als möglid tiermieben werben fottten. ©efeörtge SJorßcfets« maßregeln in 33egug auf bie ©peifett unb ©etränfe, bie «Pflege, ben £cfeiaf, bie SBewegung u. f. w. ber Kleinen würbe bebeutenb bie ©terblidfefeit beS «Menfcfeen- gefcfeüefets üerminbem, wetdje feefantülid) am größten in ben erßen SebenSjaferen iß. Die ungäbligen JobeSfätte, welcfee burefe bas Slbweidjen tion ben ©eboten bet Statut entftefeen, fottten uns ein gingergeig fein, weldjer Slrt bie «Befeanblung ber Jtlnbet frin muß, um itjneit ©efunbbeit, Kraft unb ©ebeifeen gu fiebern. drfte Jpmobe, ober baö ßurütfbleüien beS üKcconiumS. SBätjrenb ber 3eit ber ©ctjwangerfcfeaft fammelt ßcfe attmälig im Darmfanal Ui KinbeS eine bunfelgrüne, faß fefewarge «Kaffe, welcfee bas «Kecontum ober Äinbsptaj genannt wirb. Die Katur feat ber erßen «Kitcfe ber «Kutter bie Sigenfcfeaft »erlie* feen, tiermittelß iferer larirenbett SBirfung, biefe ©ubßang gu entfernen, unb besfealb follte bas Kinb, fobalb als möglidj, ober fobalb es Suß gum ©äugen geigt, an bie «Bruß gelegt werben. SBenn bas «Kecontum längere 3eü im Darmfanal gurüdgtfeal. ten wirb, fo tonnen Koliffctjmergett unb Krämpfe bie golge fein; wenn alfo, was feiten ber gatt iß, bie «Kuttermilcfe. nidjt im ©tanbe iß, es gu entfernen, fo foüte man einige gelinbe unb einfadje «Kittel anwenben; gum «Beifpiel ein wenig 9Rolaftf ober einen Keinen Jtjeelöffel tiott Dlitienöl ober Kaßoröl, ober etwas «Kanna, obet «Kagneßa. Das 3eicfeen ber genügenben SBirfung iß, wenn bie Entleerungen tte natürlicfee garbe annehmen. Doefe, nur feiten ßnb irgenb welcfee »tarnen« erforberliefe, außer wenn bie «Kilcfe, abfottberung ber «Kutter fefer langfam »on i ten gebt. , ,: t( ©o wicfetig bie Sntferitung bes «KecottütmS iß, fo barf fte bodj mt™x*V unb einfadje «Kittel bewirft werben. Die äußerße 33orßdjt in biefer *rf* «JKunbfdjWamm. 567 nicbt gu bringenb empfotjtett werben; man bebeitte, an tintm wit büntteit gaben anfangs bas Seben b,ängt unb wü bie geringße Kacfetäfßgfrit ber eben begonnenen fljriftenj ein Snbe madjen fann, was burctj bü große ©terblidjteü ber Kinber feewte* fen wirb, man fann nictjt annefemen, baß biefe ©tcrblicfefeit im «platte ber 33orfe» feung liegt, fonbern mon muß gugebett, baß nur unfer eigenes mangelhaftes S5erfafe> ren ü S3ejug auf bie SrfeatütngS= unb S3eförberungSmittet ber ©efunbbeit fdjulb baran iß. Dies iß um fo flarer, ba wir feäußg fefeen, wie Kinber tiottfommen traf* Hg unb gefunb geboren werben unb nicfet bie geringße ©pur eines franftjaften ßuftanbes geigen, bis ße in bie Hänbe iferer «Pfleger fatten, bie burdj 33emacfeläfß* gung beS ©tufelgangeS bes KinbeS — inbem ße nidjt nadjfefeen, ob bie «Kaffe etü* leert wirb — für bie folgenben Kolitanfätte, Darmleiben, Krämpfe unb fonßigeit Uebel »erantwortliäj ßnb. DJt u n b f dj ru a m m. Die ©efewamm* ober Slpfetfeenbitbung im «Kunbe ber fleinen Kinber (Aphtha Infantum) iß etwas fetjr gewöfettltdjeS. Die Sippen, ©aumen unb bie Kadjettb, öljle werben baoon ergriffen; bie Haut berfelben ßefet ftettenweife aus, als fei ße tioit geronnener «Kilcfe bebedt; Urfacfee iß eine übermäßige ©cijärfe uub ©äure, nnb eS iß immer eine Keigung ber ©cfeleimfeaut beS «Kagens unb Darmtanais bamit tier= bunben. Meißens erfcfeeint bas Seiben in ber gweiten ober britten SBodje. Die wunben ©teilen erfcfeeinen guerß on ber Unterlippe in ber gorm tion fleinen S31äs= djen unb verbreiten ßdj tion ba über bas gange 3nnere beS «KuttbeS, weldjes tion einer weifjltden Kruße bebedt wirb. SBenit bie Kranffeeit fcfewerer ift, fo nimmt biefe Kruße eine bräunfiefee gärbung an, bas Kinb iß tierbrießlicfe unb fabbert tiiel unb bas ©äugen macfet ifem ©dfemergen; ein teidtjteS gieber ßettt ßd) ein uitb feäußg auefe ©cfelaffuefet; ber «Kagen unb Darmfanal ßnb in Unorbnuitg, unb bie ©tubt* entleerungen feaben eine grüne garbe. Die Kranftjeit nimmt nur fetten einen emß* licfeen Sfearafter an unb tiertiert ßd) gewöfentict) in adjt bis getjit Jage«. Ss ßnb nur einfadje «Kebifamente nöttjig, um ben ©tufelgang gu regutiren unb bie Katur in ber Sntfernung ber ©äure beS «JKagenS gu unterßü^en; ber Hauptpunft iß baljer, ben franftjaften 3ußattb ber Srnätjrungswege gu tierbeffern, ber bei biefem Seiben eine wefentlidje Kotle fpielt. Der «Kunbfcfewamm wirb feäußg baburdj ergeugt, baß man bas Kinb mit 53rob unb anberen für ben jungen «Kagen untaugttdjett Dingen füttert unb auf biefe Strt, wie öortjer bemerft, bie Slnorbrtuitgett ber Katur tierlejjt. Heilmittel. — S3or atten Dingen mn\^ man bie ©äure aufgubebeu fudjen, unb gwar paßt feiergu am beßen bie gebrannte «Kagneßa, wotion man einige ©ran, mit SBaffer »ermifdt, trinfen läßt. SBenn ber ©tutjlgong lofe iß, gibt man präpa- rtrte treibe. Sluf beibe biefer fäurewibrigen «Kittel muß eine Doßs Kaßoröl folgen. «$an wieberfeole bies einen Jag um ben anberen. SBenn bie geljörige SBirfung beroorgebradt unb bie fcfeorfe reigenbe «Katerie entfernt iß, fo gebe man, falls baS Ätob 33audfdmerjen unb Durdfefott tjat, bie Kreibe-«Kirtur, welctje in jeber Slpotfeefe ?u baben iß. DoppeltfofelenfaureS Katrott, in einem fdjwadjen Slufgüffe tiott Slttls ober Kafienmünge, etwa mit Htngufüguitg tiott ein bis gwei Jropfen «J>aregoric=Silrlr, »l1 ein fdjäfcbares «Kittel, um bie S3efctjaffetujeü ber Slbfoitberuugen gu tierbeffern 568 ©unn's Haus*Strgt. unb bos Kinb gu berüfeigen. S3ei bem erßen Sluftreten bes Seibens ßnb milb« fdjleimige ©odtjen, wie Söfung tion ©ummi Slrabicum, gladfesfomen=Ifeee obtt 2luf. guß tion Ulmenrinbe (Slippery Elm) befonbers nüjjlid), um bie Katut ju untet« ßüjjett unb bie ©dfemergen gu tierminbem. Diefe «Kittel, bem Kinbe mit freunbli cfeem 3ureben eingeflößt, werben feinen 3ußanb beljagllcfeer macfeen, wäferenb bie Kotur bie Heilung tioügietjt. SBentt bie Kranlfeeit beftiger iß, fo fann es bisweilen notfewenbig werben, ein gelinbeS 3pecacuanfea=33recfemittel gu geben; bocfe im 811«. meinen X)abe idj, getegentlid) wieberfeolte, Slbfüfermittel auSreicfeenb gefunben. Dabei muß ber «Kunb forgfältig mü fotgenbem ©urgetwaffer gewafcfeen werben: man nefeme ©alyei, 3foö unb ©umacfebeeren gu gleitfeen Jfeeilen ; madje eine ßatft 2lb« focfeung bation unb fuße mit Honig; gu einer fealben «pinte biefer Slbfocfeung füge man einen fealben Jfeeelöffel tiott pultierißrten 33orar; ber «Kunb muß bamit feäußg gewafcfeen werben. Sin Stufguß tion Himbeerblättern iß gleidfefatts gut bei biefem Seiben. Die Kegulirung beS ©tufetgangeS burefe leiefete «|>urgongen, wie Äaßoröl unb bas erwäfente ©urgetwaffer, ßnb bie beßen Heilmittel. 3« milben gälten pßegt ber «Kunbfdjwamm in ßeben bis adjt Jagen gu feeilen, baS feeißt, wenn bas SBafdjen unb Keinigen bes «KunbeS täglicfe tion ber SBärterin vorgenommen wirb. Sludfe größere Kinber unb felbß Srwaefefene X)ahen bisweilen oon Slpfetfeen ju leiten. Durdjfrijcuern unb äßunbljeü ber §aut. Sei fleifctjigen ober fetten Kinbern entßefeen feäußg in ben ^Beugungen ber ©elenfe, in ber Seißengegenb, gwifdjen ben Seinen, ober wo ßdj fonß Hautfalten bilben, wunbe unb entgünblide ©teilen, bie bisweiten tiiel ©cfemerg unb llnbeljagen »erur< faefeett; «Kangel an gehöriger Keinticfefeü, grobe SBinbeltt unb KleibungSßüde ßnb Ijäußg bie SSeranlaffung. Heilmittel. — SKatt wafdje bie wuitbeit ©teilen mit faltem «JBaffet unb reibe ße mefermatS tägtiefe mit frifefeer SBattratfefalfee ober frifefeer, ungefalgener ©utter ein. SBenn ße nicfet feeilen wollen, bereite man eine Söfung »on gwei ©ran 3üd' futpfeat in brei Sßlöffel tiott SBaffer ; ßarf tierbünnteS Kalfwaffer iß auefe ein gutes «Kittel. Kadjbem man bie ©tetten forgfältig gewofden, ßreue man etwas trorfenes «Puttier auf, feines «Kefel ober Kreibe, was ein fdfenetteS 3ufeeilen bewirten wirb, wenn man bie Jtjeile forgfältig tior bem Kaßwerben burd, Urin fdjüfct. 91 ot Ijer Slusfdjlag. «Bisweilen bredfeett im ©eßefete, feltener audfe an anberen Körpertfeeilen beS Kinbe« Heine rotfee «Pidel Ijertior, bie in ©ruppen gufammeußefeen unb große 3Ieden bilben. Die gewöfenticfje Urfade ift eine Ueberreigung ber Haut, inbem man ju fefearfe^ fefeungen mit «Branntwein uub bergleicrjen onwenbet ober bei bem SBafcfeen mit tf«' fenwaffer bie Haut gu b,eftig reibt. SBerm bie fefeleimige ©ubßottj, mit welcfen t Haut bes neugeborenen KinbeS bebedt iß, nidt burefe fanfteS ©«W«»" *8' unb Del tiollftäitbig gu entfernen iß, fo brauefeen bie SBärterinnen mefet tn Bamit gu fein unb fottten {ebenfalls atte fdjarfen «Kittel »ermeiben. Srbr ect) en. 569 Heilmittel.— SBäferenb biefer Slusfdjlag ßd) geigt, muß man bas Kinb befonbers forgfam tior Srfältung feüten unb ben ©tufelgang burctj milbe «Kebifa* mente, wie «Kanna, «Kagneßa ober Ktjabarberfprup, offen tjalten. SBentt ber SluS- fcfelag plöfeltd) »erfdjwinbet unb baS Kinb baoon erfranft, baß er burcb. Kälte ober «Raffe gurüdgetrieben würbe, fo bringe man es erß in ein warmes 33ab unb gebe ifem bann ein leicfetes «Brecfemittel tion 3pecacuanfea=©prup ober etwas warmen Slufguß »on «JKetiffen ober Kajjenmünge, um bie Jfeätigfeit ber Haut gu erregen unb ben SluSfcfelag wieber feerauSgutreifeen. Dber man gebe einen Jfeeelöffel tiott gebrannter SKagnefta mit etwas «Kilcfe, ober einen Jfeeelöffel tiott Kaßoröl, was gewöfenlicfe atte gflebijin iß, bie mon braucfet. SBenn bie Haut feeiß unb troden iß, wafcfee man ße feäußg mit warmem SBaffer unb gebe innerticfe warme Slufgüffe, Kamittentfeee u. f. w., um ben ©cfeweiß gu erregen. Der SluSfdjtag tierfdwinbet meißens in wenigen Jagen. Icterus ^nfontutn. ©ie ©elbfuefet ber Keugefeorenen geigt ßcfe, burcb, eine getbe gärbung ber Haut, Sdjlaffudjt, «Katttgfeü unb bisweiten Slbneigung gu fangen, ©ie tritt feiten nadj ben erßen »ier SBocfeen auf. SBie bas tiorige Seiben bauert ße nur wenige Jage unb »erliert ßdj bann. Urfadje ift gewötjittidj baS 3urüdbleiben beS «KeconiumS, worüber iefe oben gefproefeen, unb bie Heilung erfolgt meißens, inbem baffelbe burefe burefe bie purgirenbe SBirfung ber erßen «Kuttermilcfe entfernt wirb. Ss ift nur fei* ten «JJtebigin erforberliefe. Heilmittel. — SBenn bie «Kuttermilcfe nicfet auSreicfet, um ben ©tüfjl beS ßinbes gu öffnen, fo gebe man einfadje Slbfüfermittet, gum 53eifpiet etwas Kfeabarber, «Kagrtejia, Kaßoröl ober «Kanna; audj einige Jfeeelöffel tiott eines fefewaefeen Sluf* Oiiffes »on SBafferboften (Eupatorium Perfol.) brei bis tiier Jage lang, täglicfe gege* ben, werben bie Kranffeeit entfernen. «Kebiginett, welcfee ben Darmfanol erleid)tern, fdjeinen bie eingigen gu fein, bie tjier tion Kuweit ftnb. 3« ben feltenen gätten, ido gleidjjeitig Diarrfeöe ober Durdfefott iß, tann matt etwas «J)aregorü=Slirir ober ®obfrep's Gorbial feraudjett. Gr r b r c dj c n. Ss entßefet gewötjnlicfe baburefe, baß ber «Kagen bes KittbeS überlaben iß, inbem man es entweber gu tiiel faugen läßt ober es überfüttert. SBettit es bie «Kilcfe ober feine (Speifen in geronnenem 3ußanbe auSbrtdjt, fo muß man es eine 3eit lang mäßiger fein laffen unb ifem weniger Kaferung geben; ober wenn bie Kaferung gu f^er gu fein fdjeint, erfefce man ße burd) einen milberen Slrtifel. Der ©tufelgang bes Kinbes muß, wenn nöttjig, burefe rin leidtjüs Sarirmittel geöffnet werben. Heilmittel. — «Kan fann gelegenttid) einige ©ran «Kagneßa, mit Kfjafearfeer »ermifdjt, geben; wenn bieS leine Srleidfeterung fdjafft, reinige man ben «Kagen burdj etwas 3pecacuatüja=«J)uItier ober ©cttta=©prup, ober madje warme Umfdjläge ö«f ben «Kagen mit Kampb,erfpirituS nnb babe bie güße beS KinbeS in warmen« «ßaffer. 570 ©unit'S Haus «Slrgt. 9K 11 dj f dj o r f. Diefer ©dfeorf erfdeint Ijäußg auf ber ©tun unb bem oberen Jfeeile bes ®rßcfetl bei Kinbern, bie fonß fefer gefunb ßnb; bodj bleibt er feiten long unb fällt ab, tun eine Karbe ober Sntßettung ber Haut gurüdgulaffen, wenn er auefe nocfe fo lange angefealten feat. Urfacfee iß feäußg, baß bie «Kilcb, ber «Kutter gu fett iß, obtt baß Wäferenb beS ©äugenS in ber Diät Unregelmäßigfeiten begangen werbtn. Ss iß wenig mebiginlfdje 33efeatibtung erforberliefe. Heilmittel. — «Katt reinige bie befallenen Jfeeile mit fponifdjer ©eife unb lauwarmem SBaffer unb gebe innerlicfe fein unb wieber einige ©ran ©cfewefel ecu ein anbereS leicfetes Slbfütjrmütel. Der ©efeorf tierfefewinbet gewöfenlicfe »on felbß tiottftänbig, fobalb baS Kinb einige 3äfene befommt, ober wenn es entwöfent roirt. SBenit er ßd nocfe länger geigt, fo laffe man bie Kaferung leidjt unb wenig gefaljen fein unb tierbünne bie «Kilcfe rricfelid) mit SBaffer; babei muffen gelegentliefe gelinbe Sarirmittel, wie «Kanna ober Kaßoröl gegeben werben bis bas Uebel ßcfe »erlitrt. © r i n b t o * f. Dies iß ein fetjr unangenehmes Seiben, weldfeeS gewöfenlicfe bei ffropfeulöfen cüt fdjwäefelicfeen Kinbern auftritt. 3m Slnfange ift es rein örtliefeer Katur unb ba! feinen ©i£ in ben Hautbrüfen an ten Haarwurgeln ber Kopffeaut; es follte bei ßeiten befämpft werben, ba es ßctj fonß triefet über ben gangen Kopf beS KinbeS »et- breitet unb bas ©efammtbeßnben unb bie ©efunbfeeit bes Körpers beinträefetigt. Heilmittel. — Sleußerticfj brauefee man ©cfewefel, In ber fterm BOn Salbe, unb innertidj Sarirmittel, wie «Kagneßa ober Kaßoröl; mon reibe bie ©cfewefelfatbe jebeSmal nur auf einer tteinett ©tette beS Slusfefelages ein, um ifen attmälig abfett« len gu laffen. SBenn biefe ©albe nicfet bie gewünfdü SBirfung feat, fo brauefee man eine fetjr fcfewadje ©albe tion weißem Quedfitber=«J)rägipttat unb reibe biefelbe »or« ftefetig jebe Kadjt ein. Dodj muffen gätte biefer Strt, wenn fie nicfet ben angegebe- neu «Kitteln weiefeen, ber 93etjanblung eines gefetjidten SlrgteS antiertraut werben, ba es ßcb, um «Btutunreinigfeiteit uitb erbfidje KrauffeeitSantage tjanbelt. (Eljolera infantum. Diefe Kranlfeeit geigt ßcb, burcb, fertiges Srbreefeen unb «purgiren, »elcfeeS in wenigen Jagen unb oft and) in wenigen ©tunben burdfe SSernaefelafpgung tctti.a) enbeit fann. ©ie tritt am b,äußgßen iit bett «Konaten 3uli unb Sluaujt w Uebermäßige Hifce, bie ßcfe, in ber ©egenb beS «KagenS uub Darmfanafs m*»'i Hänbeit uub güßett entwidelt, iß meißens bas erße ©pmptom; bann folgt« cfeen ober Durchfall, ober beibeS gufammen, mit ©djmergen in ber JWH > «Bautfegtimmen, turgem Slüjetn, ptöfslicb^S Kaltwerben, große tf««™ ©iitfeit ber SebenSfräfte, einem fcfenetteit, Heinen unb fdwacfe,en «pui|c, » ^ Durße unb enblid) fatten ©efeweißen. 33ei gefäferiiefeen gätten fefert tte Stjolera 3nfantum.. 571 ^erwärme nie Wieber, fonbern baS Kinb wirb, naefe jeber ©tufjlentleerung, fefewacfeer unb fälter, bis ber Job eintritt. Die Sntteerungett aus bem «Kagen unb Darmfanal feeßetjen tjauptfädjtiefe aus fSatte* unb bie anberen glüfßgfeiten aus ben SerbauungSorganen ftnb entweber »on gelber ober »on grüner garbe. Das Kinb würgt ftcfe beßänbig in bem «erfudje ju breefeen unb feat babei ben feeftigßeit ©djmerg in ber «Kagengegenb. Diefe gfltnptome erfeeifdjen fofortigeS Sinfefereitett. Heilmittel. — Der Körper fottte fofort mit warmen gtaitetttüctjern bebedt werben; bann lege matt ein ©enfpßaßer auf bie «Kagengegenb, ober maefee bafeibß warme Umfcfeläge ober Einreibungen mit feeißem «Branntwein ober reigenben Sini* menten; innerlicfe gebe man einige Jfeeelöffel »ott warmem «Pfeffermüng*, 3ngwer-, 3immet= ober Kaütfartttfeee. SBenn bas Srbreefeen baburefe nidjt gefüllt wirb, laffe man fefenett eine Doßs Saubanum ober «J)aregoric=Slirir folgen. Die Doßs Sau* banum für ein Kinb »on einem «Konate fann etwa ein Jropfen fein; für ein Kinb »on brei «Konaten, gwei Jropfen; tion fecfes «Konaten, brei Jropfen; tion einem Safere, fünf Jropfen; tion ein bis brei 3at)ren, »on fünf bis adjt Jropfen. Diefe Doßs fann im Kotfefaüe atte gwei bis brei ©tunben wiebertjolt werben, bis ber «Kagen unb Dormfanol berufjigt ßnb. Häufig iß ber «Kagen fo empßnblidj, baß er leine «Kebigin bei ßdj befeält; in fot* cfeen gälten gebe man als Klpßier einen Sßlöffel tiott Seinfamenttjee ober einer anberen fajleimigen ©ubßang, etwa einer Slbfocfeung tion Ufmrinbe, gu wetdjem man febeSmal baS Doppelte ber oben angegebenen Doßs tion Saubanum feingufügt. Sßenn bie Sntteerungen feauptfädjliefe nadj unten, baS feeißt burdj ben ©tufelgang, erfolgen, fo iß es om beßen, bas Saubanum burefe ben «Kunb gu geben; bocfe wenn ße naefe oben ober burefe Srbreden erfolgen, gibt man es beffer als Klpßier. ©obalb ber «Kagen berufeigt iß, ift eine Doßs gebrannter «Kagneßa ober Kaßoröl mit etwas «pfeffermüngtfeee am tylafye. SBenn bie Kranffeeit länger anfeält, fann man ein 33lafenpflaßer auf bie «Kagengegenb legen. 33ei großer Kälte ber Haut unb großem Kraftoertuß gebe man etwas fdjwadjen SBein, ober etwas tierbünnten SBranntwein, um bie Kräfte aufrecfet gu erfealten. Da biefer Kranftjeit leicfet nad) wenigen Sagen ein Küdfott folgt, fo ift es gut, wenn ßcfe irgenb weldje brotjenbe SKngetdjen ßnben, gwei, brei Jage lang getegenttidj etwas «Paregorü=SIirir gu geben. 3<$ x)ah feäußg gätte gefefeen, wo wäferenb beS HijjeßabiumS, efee bas Srbreefeen begann, burefe ein «Sredjmütet aus Specacuanfea ober burd Keinigung bes «KagenS unb T)armfattalS, mittetft einer milben «J)urgang, ber SluSbrud) ber Kranlfeeit tiott- ßänbig tierfeutet würbe. SBenn bie Kranffeeit gu einem eferonifcfeen Darmteiben fotrb, fo wirb man bie geeignete 33et)anbtung in bem Kapitel: „bie ©ommerfranftjeit ber Kinber," finben. 3« meiner «PrariS tjabe idj mit großem Srfolg bas warme Sab angewanbt; wenn bos Kinb aus bem 23abe genommen wirb, muß man es in »arme wollene Deden bullen, um rrictjlidjen ©cfeweiß gu ergeugen; fein eingiges ©etränf foüte Siswaffer fein unb eS muß ßdj einige Jage lang, fotiiel als mögliefe, feber Kaljrung entfealten. SBenn man bieS SSerfatjren gwei bis brei Jage lang tier- folgt, wirb ßdfe gemötjntidj eine große «Kilberung atter ©pmptome einßettett. ©efet »iel fann gur SBerfeütung biefer Kranffeeit gefdjefeen, inbem man auf KegelmäßigfeÜ ber fciät unb geeignete Kleibung ber Kinber wätjrenb ber ©ommermonate adjüt. 572 ©untt'S Haus-Slrgt. ® o l i f. Dies iß eilt fefer gewöfettlidjes Selben bei Kinbern. Ss wirb Meißens burd, Ueberlobung bes «KagenS ober burctj ungwedmäßtge Sebensweife ber «Kutter, bis- weilen burefe Srfältung unb oft burefe fdfetedjte 33efdjaffenfeeit ber «Kilcfe »eranlaßt. Die Slnfatte treten ptö^licfe auf unb geigen ßdj burdfe feeftiges ©dreien, Umfeerfcfefa- gen unb ein Hittaufgüljen ber 33eine beS KinbeS; bäußg iß audj ber Urin »erbalten. S3et Kinbern, bie folefeen Slnfällen unterworfen ftnb, treten biefelben fo plönlicfe unb oft mit foldjer Heftigfeit auf, baß fofortige Hülfe gefdjafft werben muß, weil fonß leicfet Konoulfiouen entßefeen tonnten, ©äugenbe Kinber ßnb ber .Uolif befonbers ausgefegt; baS Seiben iß bisweilen fo tjefttg, baß eS ben Slusbrudfe falter 2d>irtijje tieranlaßt. Heilmittel. — «J)aregorü=Stirir iß ein giemlidfe unfefelbareS Sinberungsmitttl. Die Kinber tonnen gefen Jropfen bis gu einem Jfeeelöffel tiott baoott befommtn. Sitt fealber Jtjeelöffel tiott iß rine gute DurdjfdjntttSboßS für ein einjäferiges Kinb. SBentt bie ©dfemergen fetjr feeftig gu fein fdjeinen, gibt ein Klpßier »on etwas Kod- folg, in warmem SBaffer aufgelöß, oft fofortige Sinberung. Sin fealber Sfeeelöffel tiott Kaßoröl mit, einem fealben Jfeeelöffel tiott «Paregoric*Slüir gemifefet, pflegt mei- ßens bas Selben gu befeitigen. 3« manefeen gätten wirb etwas «Pfeffermünj*, «J>olci. ober 3ngwertfeee bie Kolif entfernen. Jrodene, tjeiße gtanetltücfeer follten auf ben «Kagen unb rine glafcfee mit feeißem SBaffer ober tjeiße ©teine itt Jücfeet gewidelt an bie güße gelegt werben. Sludfe warme 33äber ober Sinreibungen bes 5?aucfee< mit Siniment werben Srteidjterung fdjaffen. SBentt ber ©tufelgang »erßopft iß, fo iß ein leicfetes Slbfüfermittet tiott «Kattna ober Kaßoröl erforberliefe, um bie SBläfeungeit uub ben Darmüujalt gu entfernen. Stoftojifte Kafe. — ©äjnujjfen. «Kancfee Kinber ßnb teidjten fatarrfealtfcfeett Seiben ober Srtättungen unterworfen, bei benen baS Sttfemen burdfe bie Kafe bisweilen gang ober faß gang unmöglich wirb. 3n golge beffen getjt ifenen im Slugenblid, wo fie gu faugen anfangen, bte Suft aus, uub fte werfen balb ben Kopf gurüd unb fdjeinen oft faum im ©taube, wieber gu Slttjem gu fommen. Dies ift ein fo gewöfenlidjeS Seibett, baß nur bie ein- fachen «Kittet erforberliefe, ßnb, um itjm in wenigen «Kinuten abjufeelfen. Heilmittel. — «Kan reinige bie Kafenlöefe,er mit lauwarmem ®«ffK'""' bann beftreidje man bie gange äußere Kafe mit Kampfenöf, wobei man »orfufettj fein muß, nidjts batioit itt bie Stugett beS KinbeS gelangen gu laffen; tieje u» retbungen fönnen fo oft, als notfewenbig, wieberb, olt werben. Ss tß feaunger Kacfets ats bri Jag nötbig. Dber man beßreidjebie Kafenlöefeer mit ^djmal, o Dlitienöl ober Jalg, *alte ben Kopf warm unb öffne ben ©tufelgang mit tut »m Kaftoröl unb «KolaffeS gemifefet, etwa ein bis gwei Jb,eeiöffel »oll. Der ma: 11 warmen Jfe>e tion Kafcettmünge, ©altiei, «Ketiffen ober $olei unb babe Ut ö»l Seine bes KittbeS itt warmem SBaffer. Dodfe bas oben erwäfente «mm« Kampferöl l)aht id) gewöbnlid) ausreidjenb gefunben. Das 3at)nett. 673 T> a$ Rafynen. Der «JJrogeß beS 3atjitens iß bei mandjen Kinbern mit leinen ©djwierigfeiten tier* fuü'pft, bocfe bet anberen bringt es tiiel ©djmergen unb oft felbft fefelimme Ktanltjeüen mit ßdj; bie 3eit beS 3afenenS bauert gewöfenlicfe tiom fünften ober feefeßen bis gum fedjgefenten «Konat. S3ei manefeen Kinbern fommen bie erßen ß'äX)nt fcfeon mit bem britten «Konat gum Durcfebrucfe, bei anberen wieber nicfet tior bem aefeten ober gwölf* ten «Konat. SBenn bie erßen 3äfene ofene tiiel ©dfemergen fommen, fo ift bieS ein aiemlidj ftdjereö 3eidjen, baß audj bie übrigen nicfet tiiel ©cfewierigfeiten madjen werben. Dodj wenn baS 3afenen bei beißem SBetter beginnt, gur ßeit, wenn Dormleiben feerrfefeen, fo feat bas Kinb oft rine fearte ßeit. SBenn bas 3afenen im SBinter ober in bett Herbßmotiateit beginnt unb bis gum grüfeling beenbet iß, fo überßefet eS baS Kinb gewöfenlicfe mit Seidjtigfeit. SBenn bie ßät)ne burdjfereden woüen, fo entwidelt ßcfe eine Ht|3e im «Kunbe, bie bei bem ©äugen fütjlbar iß; baS Kinb läßt bett ©peiefeel aus bem «Kunbe fließen; bie Haut wirb feeiß; bas 3afenfleifdj ßefet rott) unb gefcfewotten aus unb ift empftnb* liefe bei ber S3erüt)rung. Das Kinb füfert infttnftmäßtg 5ltteS, was es erfaffen fann, nadj bem «Kunbe, um baran gu beißen unb madjt 53eweguitgeit bes Kauens mit bett Kinnbaden; bod) es berufeigt ßcfe, wenn bie «Kutter ober bie SBärterin bas 3afen* ßetfefe gelinbe reibt. Die Katur bat weife bas reidjltdje gließen bes ©peiefeets angeorbnet, um bie Sntgünbung unb Keigung ber ©aumeit gu tinbern unb ben Durß gu befcfewidjtigen ; außerbem wirb baburefe bie Sütbauung beförbert unb bie Jfeätigfeit bes DrganiSmuS tierminbert, wetdje burctj ben «J)rogeß beS 3at)ttenS ungewöfenlicfe erregt iß. Ss iß ein gewöfenlicfeer ©ebrauefe,, bem Kinbe wäferenb beS 3at)nenS ritten feartett ©egenßanb gum S3eißeti gu geben ; bod) bieS ift ungwedmäßig, ba fearte ©egenftänbe bas 3afenfleifcfe leicfet quetfrfeen unb entgünbeit fönnen. Das Süße gu biefem ßwedt iß ein ©tüd ©ummi Staftifum, etwa tion ber Dide eines ßoUtä, in ber gorm eines «Junges gefefenitten. Die Kacfegiebigfeit biefer ©ubßang tierfeinbert, baß bem 3afen* ßeifefe ©djaben gefajefee. Zai ßatjnen iß immer metjr ober weniger mit Unorbnungen bes «KagenS unb Darmfanals »erbunben. Die meifüit Kinber Ijaben Durcfefott, ofewotj 1 mandje audj Derßopft ßnb. StwaS Durchfall fann tiietteidfet nictjt tiiel fdjaben ; aber hei tjeißem SBetter iß immer bie ©efafer, baß er gu ßarf werbe; wenn er gu ßarf iß, fo barf man nur attmälig ßopfen. SBenn bas Kinb S5aucb,grimmeit tjat, wenn bie entleer* ten Stüfele eine grüntidje garbe X)ahtn, untierbaute ©peifen entfealten ober bünn unb wäfferlg ßnb, fo barf man eS als 3eidjen einer Kranlfeeit anfetjen, welcfee mebü Jinifdje S3efeanblung erforbert. Sei manefeen Kinbern tierurfadjt baS 3afenen gieber, Kötfe. e im ©eßefete, Diarrtjöe, ' «nregelmäßigfeit ober ©djwiertgfeü im SBafferloffen, ©djtaßoßgfeit ober ununter* btodjenen ©djlaf, fdjtimme Slugen, HautauSfcfeläge unb bisweilen Kontiulftonen ober kämpfe. Diefe ©pmptome ßnb inbeffen teineswegs feäußg unb ßetten ßcb bei Hunberten »on Kinbern gar nidjt ein; benn mande gafjnen fo leidjt, baß man es *eß merft, wenn bie ß'dl)nt anfangen gum SSorfcfeeltt gn fommen. Kinber tion 574 ©unit's Hau« »Slrgt. fdjwädjlidjer, neroöfer ober reigbarer Körpertierfaffung ßnb am meißen ben erwäfen- ten ©törungen unterworfen. Die üottßänbige 3afel ber erßen ß'äX)nt bes KinbeS iß gwangig, obwofel wäferenb ber erßen gwei 3ofere gewöfenlidj nur fcdgebn erfcfeeinen. Ss gibt »iet ©cbneuY gäfene in jeber Kinnlabe, tiier obere unb tiier untere. 3feren Kamen feaben ße ten iferem fcfearfen Kanbe, ber ße befäfeigt, bie ©peifen gu gerfdneiben. S« gibt »itt Sdgöfene (ober HunbSgäfene), gwei obere unb gwei untere; biefelben feaben nur eine SBurgel. Die beiben oberen nennt man Slugengäfene. Dos Kinb befommt auf jcüt ©rite gwei 33odgäfene, «Kafelgäfene ober Doppetgäfene. «Kancfee Kinbet befommen tiier S3adgäfene. «Kan nennt ße Doppelgäfene, weil ße gwei fdjarfe Känber mit einer Sinbucfetung bagwifcfeen feaben unb gwei aneinanbergefügten ©cfeneibejäfentn gtri- djett. «Kan nenttt ße audj «Kafetgäfette, weil ße bie ©peifen germafelen, nacütm biefelben burctj bie ©efeneibegäfette gefditüten ober burefe bie Sdgäfene gerrifftn worben ßnb. Die «Kafelgäfene ber unteren Kinnlabe feabett gwri SBurgein unb bie «Hab!« gäfene ber oberen Kinnlabe brei SBurgein, mü SluSnafeme ber bett Sdgäfenen junäcbß ßefeenben, welcfee nur gwei feaben. S3ei Kinbern fommen bie beiben unteren Scfenti« begäfene gewöfenlicfe guerß gum 33orfdjrin. Darauf bringen bie beiben entfpreefeen- ben oberen ©djtteibegäfette burctj bas 3afenßeifdfe. 3unädjß fommen bann bie sitt «Kafelgäfene. Die Sdgätjne unb Slugengäfene fommen gutefct gum S5orfcfeein. Sluf geeignete Kaljrung muß namentlicfe bei gafenenben Kinbern ebenfo forgfältig geoefetet werben, als auf Suft, Kleibung, «Bewegung unb Keinlicfefeit. Die Slrt, »ie biefelbe iit ben erßen Sebensjaferen gu regeln iß, würbe bereits genügenb befpre cfeen, unb wenn man bie gefeörige Slufmertfamfeit barauf wenbet, wirb bie «Befeanb- lung ber Kinber wätjrenb beS 3afjnenS fetjr rinfacfe fein unb feiten abliefe« Hülfe erforbern. H e i I m i 11 e l. — 3it gewöb,nlidfeen gätten beS 3afenenS, wenn ber «Kagen unb ber Darmfattat nicfet tiiel leiben, pßegen feine anberen «Kebifamente nöttjig ju fein, als tjin uttb wieber eine Doßs gebrannter «Kagneßa, um bie «Kagenfäute anfuu fjeben, ober etwas «Paregorü-Stirü, um baS Kinb gum ©efelofen gu bringen unb bie ©cfemergeit unb baS Süden beS 3afeitfletfdjeS gu tinbern. Sluefe ein paar lb> löffel tiott tierbünntert KalfwafferS ober präporirte Kreibe wirb bie «Kagenfaure ent- fernen. 33ei ßarfem «Baucfegrimmen foüte tioit 3eit gu 3eit etwas «Pfejfermün)<, grauettmüng* ober «Poleitfe> in tjinreiefeenber «Kenge gegeben werben, um Jüucfettatcit auf ber Haut gu ergeugen; auefe etwas fdwadjer, burdfegefeifeter 3ngroerttjec ißgut. SBenn ber ©tutjtgang in Unorbnung iß unb ßd) etwas gieber geigt, gebe man täglicfe ober eineit Jag um ben anberen eine «Kifcfeung tion Kaßoröl unb «paregoricGlinr. Sin fealber bis gu einem gangen Sßlöffel tiott Kaßoröl fann einem Kinbe gegeber, werben, nadbem baS Stlter beS 3afettenS begonnen feat, ober naefe bem neunten «Konat; bies mag als eine große Doßs erfdeüten, bod, iß ße nidt gu groß. l[« wirb ßnbett, baß es ein trefflicfeeS «Kittet iß. Der genannten «Kenge beS Ztli rüge man gwei bis brei Jropfen Saubanum ober fünf unb gwangig bis breißig Iren «paregoric=Slirir fejngu; bie Doßs beS SaubanumS ober bes SlirüS muß bei jünge- ren Kinbern tierfe. äitnißmäßig tierminbert werben. SBenn «Kagenfaure ober Ent- fall tiorb,anbett iß, muß man ßatt bes KaßorölS eineit Jfeeelöffel »ott gebtannt «Kagneßa braudtjeit. Das Sntwöfjnen ber Kinber. 575 SBenn baS 3otjnfIeifctj fe^r gefdjwottenuttb entgünbet iß, fo wirb tS gut fein, tier* mlttelß eines fdjorfen gebermefferS ober einer Sangette fleine Sinfdjttüte in baffelbe ju macben; biefe einfadje Dperation wirb große Srteidjterung fdjaffen; ße iß burdj- aus nictjt fcfemergfeaft, unb ber Uebergattg bei bem armen Kinbe tiom ©djreütt unb Seiben gu Sädjeln unb Kufee wirb balb geigen, wie nü^lidj bie Dperation war. Die 33efeanblung beS KinbeS wäferenb beS 3atjnenS iß fefer einfadj. Der ©tutjl* gang muß, wenn er nidjt lofe genug iß, mit Kaßoröl geöffnet werben. Dagu: frifdje Suft, Bewegung unb täglidfee falte 3Bafd)uttgen mit bem ©djwamme, nad) welcfeen ber Körper febesmal getjörig mit glanett troden gerieben werben muß, ba bieS «Reiben einen befonbers wofeltfeätigen Sinßuß auf bie Haut tjat. Die 23ruß follte bem Kinbe oft gereiefet werben; aber es muß nicfet fo lange baran gelaffen werben, baß es ßdj ben «Kagen überlaben fantt. Die «Kutter muß in S3egug auf ifere eigene Diät unb ©efunbfeeit befonbers forgfältig fein unb atte reigenben ©pcifeit unb ©etränfe »ermeiben. Der beßänbige ©ebrauefe tion Keigmütetit fefeabet ber SBefcfeaffenfeeit ber «Kild unb tiermefert fo in biefer fritifdjett «Periobe bie ©djwürigfri* ten beS 3afenenS. Die fcfelimmen gäüe werben baburdj tiermefert, baß bie Sltern bem Kinbe reigenbe KaferungSmittel geben, fo oft es in golge ber franftjaften Srregung, bie biefer «J)rogeß mit ßcfe bringt, fdjreit; auf biefe Strt wirb bas 3afenett oft gu einer ernfilidjen Kranffeeit. «Kan erftefet aus biefen S3emerfungen, wie fefer bie mit bem 3afenen »erbuttbeiten Seibett burefe vernünftige 33etjanblung gemilbert werben fönnen. SBenn bie «Kutter im ©taube iß, itjr Kinb allein burefe bie S3ruß gu ernätjren, fo wirb baS 3afenen bei ben meißen Kinbern ein tiertjältnißmäßig leidjter unb unge* fatjrlicfeer «Projeß fein.' Dfegteidj bas ßax)nen nntex gewiffen Umßänbeit beßänbig 33erattlaffung gu ©efunbfeeüsßöruttgett gibt, fo braudjt man bocfe, wenn ber Drga* nismus bes KinbeS gefeörig regulirt wirb, fein gurdjt baoor gu feaben. Ss iß watjr, baß wäferenb biefer «Pertobe bie S3lutgefäße bes Kopfes in größerer Jtjätigfeü unb Slufregung ßnb, ats fonß, was ßctj burefe -ftügenbe Hi£e ober größere SBärme unb SlnfcfeWeitungen gu erfennen gibt; aber felbß biefer Umßanb bringt an ßctj feine ©efatjr, wenn bos Kinb füfel gefeatten unb bem 3ußanbe bes «KagenS unb Darm* fanals bie nötfeige Slufmerffamfeit gefdjenft wirb. Sin gefünber 3ußanb biefer beiben Organe wirb bie Katur in iferem S3eßreben unterßü^eit, bie mit biefer UebergattgS* periobe »erfnüpften Uebel abguwenben ober gu überwinben. &a$ ©ttttnö^nctt bet fäinbet. £>as Sntwöfenen ber Kinber tjängt tioit gwei Küdßdjteit ah t bem 3ußaitbe unb bei ©efunbfeeit ber «Kutter ober Slmme unb bem Sllter beS KinbeS. SBenit ber 3«ßanb ber «Kutter ber Slrt iß, baß fte itjr Kinb nicfet fäugen fann, otjne ßcb, felbß »ber ifem ©cfeaben gu ttjun, fo muß baS Stttwötjneit natürlicfe fofort ßattßnbeit; boct) im Wflemeinen tritt bie geeignete 3eit bagu ungefähr im neunten ober getjnteit Renate ein, wenn bie erßen tiier 3ätjne gum 33orfdjrin gefommeit ßnb. 3n ber *K bit Sntwtdelung ber 3ätjne fann als ein SBinf ber Katur betraefetet werben, 576 ©unn'S Haus»9lrgt. Goß ber Körper beS KinbeS ü£t anbere Kaljrung erforbert; wenn ßcfe bafeer tfet Srfcfeemen tiergögert, fo fann bie Sntwöfenung in ben meißen gälten feinauSgefajp* ben werben, ba baS fpäte Srfdjeinen ber 3äfene feäußg mit einer bellfaten Jlörper. tierfaffung gufammenfeängt, weide es wünfcfeenswertlj macfet, bas Kinb länget an ber 33ruß gu tjalten. Kinber, bie mit fecfes «Konaten entwofent werben, befonbers, wenn ße nicfet fefer fräftig ßnb, werben faß unfefelbar tion ©törungen bes «Kageiu unb beS DormfanatS gu leiben feaben. SBenn bie «Kutter nidjt fcfewangtr wirb, oDer wenn feine anbere berartige Urfacfee erißirt, fo wirb bie «Kutter, ber bas 2L'obl. frin üjreS KinbeS am Hergen liegt, bas ©äugen nidjt fo frütj aufgeben. Zu Sllter, in weldjem baS Kinb entwofent werben barf, wirb alfo immer »on befonberen Umftänben abfeängeit. SllS Kegel Inbeffen fann gelten, baß, wenn «Kutter fowobj, als Kinb gefunb ßnb, bas Sntwöfenen nie frütjer, ats im neunten «Konate unb nie fpäter als im gwölften «Konate ftottßnbeit foüte. Heilmittel. — 3n atten gäüen, wenn bie 3äfene nicfet feerausfommen, fann man annefemen, baß ber DrganiSmuS nidjt im ©tanbe iß, anbere Kaferung als bie «Kuttermildj gu »ertragen. Das Sntwöfenett fottte nie ßottßnben, wätjrenb bas Kinb unter ber Stufregung beS 3afenenS leibet, ba bieS Unorbnungen bes Darm- fanafs uttb oft felbß Konoulßonen ober Krampfanfätte gur golge feaben würbe. Die geeignete «Ketfeobe, rin Kinb gu entwöfenen, iß, es attmälig »om feefeßen «Konate an barauf »orgubereiten, inbem man ifem täglicfe gweimal ober feäußg« anbere Kaferung gibt, fo baß, wenn bie Seit bes tiollftänbigen Sntwöfenen« fommt ber Uebergang Weber für bie «Kutter, nocfe für boS Kinb ein plö^lidjer ift unb beiben feinen Kacfetfeeil bringt. Ss ift in biefer «Periobe befonbers notfewenbig, fonwbl bie «Kenge, als auefe bie «Befdjaffentjett ber Katjrung gu regutiren unb lleberlabnng beS «KagenS gu tierfeüten. '33ei gutem SBetter gebe man bem Kinbe tiiel «Bewegung im greien; bieS fräftig! ben DrganiSmuS unb ßärft bie «Berbauungswerfgeuge unb fe£t baS Kinb in ben ©tanb, ofene Kadjtfjeit ben Uebergang tion ber «Kuttermilcfe gu anberer «Jcaferungui ertragen. Unb man bebenfe immer, baß es gwei Haupturfacfeen ber ©efunbfetftS' ftörungett bri Kinbern gibt: Ueberfütterung unb ungwedmäßige Kaferung. SBenn immer getjörig barauf geadfetet würbe, fo würben Kinber wenig «Kebigintn brauajen. © i e Staune, Die «Bräune ober ber Sroup (Laryngitis Coruposa, Cynanche Trachealw K) iß eine Sntgünbung ber Suftröfere. Ss iß eine gefäferlicfee unb quatöotl«iflratttwt, tion welker Kinber fetjr leidjt befallen werben, unb bie baS fdjnellße ün'*" erforbert. Die Sräune tjerrfefet am meißen bei faltem, feucfetem SBetter. jn cfeen gätten ift ifer erfteS Sluftreten piö^licfe; bodj meißens gefeen tfeirein ew j Jage lang bie ©pmptome gewötjittidjer Srfältung, nebft Heiferfeit unb nu|tevm^ «Bei bem Herannatjett ber «Bräune wirb ber Hußen raufe unb feat einen 11 gettenbeit Klang, wie bas Kräfeen eines HafeneS ober bos Seilen eine * ^ Kadj meiner «Beobachtung tritt bie Kranlfeeit gewötjnlidj bes Kacfet« auf; Die SSraune. 577 faßt, ofene gu erwacfeett, eineit ungewötjnliden Hußen tjoren, ber ßdj nadj furger Seit mefermals wüberljott, unb balb barauf wirb audj bas Sttfemen erfdjwert. 33ei bem gortfdjritt ber Kranffeeit werben bie Huftenanfätte immer qualtiotter; bas ©eßcfet wirb, gerötfeet unb ber Kopf wirb gurüdgeworfen, um Srßidung gu tiermet* ben. SllleS feängt nun tion ber fdjnellett Slnwettbung geeigneter «Drittel ah. Heilmittel. — Das 33eße, was man einem tion ber 33räune befallenen Kinbe tuerß geben fantt, iß ein 53redmittel. Sin SBeingtaS tiott 33rennöl ober gefcfemolgettes ©anfefett feat feäußg bie geeignete SBirfung, wenn fein beffereS «Kittet gur Hanb iß. !Das beße «Brecfemittel, bas einem Kinbe bei ber SBräune gegeben werben tann, ift ein gefeäufter Jfeeelöffel »ott gepultierten Sltaun, mit Honig ober «KolaffeS tiermiftfet. 3)lefe Doßs fottte atte gefen «Kinuteit gegeben werben, bis reidjlidjes Srbreefeen erfolgt. Der Sllaun wirft auf bie ©peiefeetbrüfen unb tieranlaßt ße, große «Kengen ton ©peiefeel afegufonbem. 3« mancfeeit gätten iß feine SBirfung faß gaubertjaft gewefen unb feat Kinbern, bie man im testen ©tabium ber Kranftjeit glaubte, fofor» tige Srleidtjterung gegebett. Die Sobelia*Jinftur, in Jfeeelöffelbofen, fann ebenfalls als brecfemittel otte fedjs bis adt «Kinuten gegeben werben, bis ßefe reidjlidjeS Speien einßettt. 35on ber Sobelia fann man hei ber 33räune faum guoüt geben; es ßnb gälte »orgefommen, wo bie Kranffeeit einen befonbers beforgnißerregenbeit Sfea* ratter featte, baß ein Sßlöffel tiott auf einmal gegeben würbe unb ben beßen Srfolg tjatte. ©obalb bie SBirfung beS 33recfemittels beginnt, fottte man biefelbe burd einen ßarfen Slufguß tion ©umoefebeeren unb Sorbeeren beförbern. 3« meiner «J)ra=> ris pflege idj, fobalb bie Kranffeeit erfannt ift, fefenett ein warmes S3ab gu tierorbnett ober SBafajungett beS Kopfes, beS HalfeS uub ber 33ruft mit warmem SBaffer; bann gebe iefe baS erßerwätjnte 33redjmittet unb laffe ein naffeS, ausgewunbenes Juefe um ben £afs legen, wo ber ©{0 ber Kranffeeit iß, wäferenb bie güße gewärmt unb warme Deden um ben Körper getjüttt werben, um {eben Suftgug abgutjattett unb bett Körper in ©cfeweiß gu tierfejjert. Die Umfcfeläge um ben Hals muffen tion ßeit gn 3eit, fo oft es nötfeig fefeeint, erneuert werben; ber ©tufelgang iß burdj eine «Ki* fefeung »on Kaßoröl unb «KolaffeS gefeörig offen gu erfealten. Das frütjere „«Kebt= cal 5>urnal" fagt: „Kalte Umfdjläge um ben Hals mit Siswaffer werben biefe Kranftjeit fefenett befettigen." «Kir inbeffen fdjeinen warme Umfcfeläge beffer. Sin 3)flaßer »on ©efenupftobad unb ©tfeweinefett auf bie 23ruft gelegt ift eines ber beßen bittet, um bie ©efäßttjätigfeit beS DrganiSmuS feerabguftimmeit unb ber Sntgütt* bung gu begegnen. £as «pßaßer beßefjt aus einem Jtjeelöffel tiott gelbem ©efenupftabad mit etwas ©cfemalg »ermifdfet, auf einen leinenen Sappen geftridfeen. «Bisweilen erregt es bem ßinbe große Uebelfeit unb »erurfaebt IjeftigeS Srbreefeen. SBenn bieS ber gatt iß unb bas Srbredjen gu lange anfeält, fo iß es beffer, es afegunefjmen, bis bie Uebelfeit •taajläßt. 2lts ©etränf gebe man Slufguß oon Seinfamen ober gelber Ulmenrinbe (Slippery Elm), ober anbere fefeleimige ©adjen. ©leiefee Jfeeile tioit ©citta*©prup «nb Kaftoröl, In ber Doßs tion einem Jfeeelöffel, jebe ©tunbe, ift eines ber beßett Rittet, bas je angewenbet worben iß. Ss befcfeleunigt bie Slbfonberung ber Suft* rofereunb bringt gleidgeitig eine allgemeine Srfdjtaffung beS DrganiSmuS tjertior, tnbem es ben Darmfanal entleert. Sin Jtjee aus ©enecawurget ober 331utwurgel tß ein gutes SöfungSmittel ber gät)en, fdjfeimtgett «Katerie, weide bie Jracfeea, ober " oberen SBorten bie Suftrötjre, »erßopft. Doct) fottte man fefer tiorßdjtig fein 578 ©unit's Haus.Slrgt. bie «Kebigfnen ttidfet gu fdjnett auf einanberfolgett gu laffen. SBäfetenb tat Äinb ßcfe erbriefet, fottte man Ifem nicfets anbereS geben, außer etwas ©etränf; unb ti iji immer beffer, erß ©djweiß gu ergeugen, efee man «Kebijin gum Slbfüferen gibt, ba biefe beiben SBirfungett nicfet wofel gleidfegeitig neben einanber beßefeen fönnen. Die oermeferte Jfeätigfeit beS Darmfanals bei bem Slbfüferen tierminbert ben Scfeweiß. Der gufammengefetite @citta=©prup ober „Httie=©prup," ber in Jeber Slpotfeefe ju X)ahen iß, unb ber in ieber gamilie, wo fleine Kinber ßnb, gefeolten werben foOte, wirb in biefer Kranffeeit als ein treffltdjeS «Kittel befunben werben. Die Xoßs iß ungefäfer eilt Jfeeelöffel tiott alle gefett «Kinuten, bis Srbreefeen feeroorgerufen wirb; man »ergeffe nidjt, baß bei ber S3räune bie 33recfetnittet bte widjttgße Kotte fpielen. «Kan wirb ßnben, baß im erßen ©tabium biefeS Seibens etwas Sßatte, mit warmem Kampfeerfpiritus, Sßtjisfp ober Sfßg angefeudjtet unb auf bie Kefele gelegt, einfefet nürüidjeS «Kittet iß. SBentt bie Kranffeeit weiter fortgefeferitten iß, foüte ein Um. fctjlag tioit rottjem Pfeffer, Sobelia uitb puttierißrter Ulmenrinbe, mit feeißem SBajftt angefeudfetet, auf ben Hals gelegt unb fobalb er falt wirb, erneuert werben, «flaaj Sntfernung beS UmfcfelageS reibe man ben Hals mit folgenbem, reijenbem Jini- mente ein: ©almiatgeiß..............iUnge; Jerpentinöl ...♦►♦♦♦♦.♦♦♦• i Unge; Saubanum .♦..♦♦.♦♦......£Unje; Dlitienöl........♦ ♦.....iUnje. «Kifdje gut. Dber wenn man ßd) bieö Siniment nidjt tierfdjaffen fann, matfee man warme Umfajtäge mit feeißem SBaffer ober einfadje Umfcfeläge irgenb weldjer Slrt, bie, fo tjriß es ertragen werben tann, aufgelegt, unb fobalb ße falt werben, gtwtajfell werben muffen. SS gibt brei «Kittet, bie, wenn man ße fdjteunlgß onwenbet, faß unfefelbar fofor- tige Srleicfeterung fdjaffen: ein «Brecfemittet, ein warmes Sab unb baS oben erwäfente ©djnupftabadspffaßer. Kacfebem bas Kinb im «Babe »on fünfjefen bis gu jwanjig «Kinuten gugebradjt tjat, fealte man ein warmes Safett bereit, um es fefenett abjutrod' nett, unb bann feütte man es in eine wollene Dede unb lege eS gu 23ett. Die 9RU- beruug ber qualtiotten ©pmptome, bie auf biefe «Befeanblung folgt, iß bisweilen wirfliefe überrafefeenb groß. SS wirb gum ©dfeluffe nöttjig fein, bie geeigneten «Berfe^tuttgStnittel anjugeben. Die 33räune tritt feiten im erfüll SebettSfafere beS KinbeS auf- meißens im jiret« ttn Safere unb fpäter. SBenn fie einmal ein Kinb befallen feat, fo fann ße leicfet j» irgenb einer 3eit tior bem breigefenten Sefeeitsjafere wieberfefereit. Ss ift atfc febt wicfetig, baß bie «Butter bie geeigneten 33erijütungSmaßregetn fenne. Sie^f" barin, baß man bas Kinb forgfältig tior bem Sinßuffe falten ober feuern»«« fdjüfce, befonbers im grüfeiing unb nadj tjeftigem Kegen, ober wenn M«W0"J tion einem trodenett gu einem feudfeten 3ußanbe übergebt; gu biefen: Jettenjt i _ feie 33räune am meißen. Die S3räune wirb oft baburefe feertiorgebraefet, Mf i Kinb in einem frifefegewafdjenen 3t«tmer ftt ober fpielt, wenn in bet tfantue Slnlage gu ber Kranffeeit iß. Dann fottte baS Kinb jeben «Kotgen naefe, t« if ftetjett über ben gangen Körper mit taltem SBaffer gewafdjen werben, iniw* etwas ©alg getban, unb es muß babei gut mit einem raufeen Hanbrudjt gm Krämpfe. 57S werben. £te Kleibung fottte warm unb ber Hals immer bebedt frin; bas gange 3at)r feinburcfe muß ouf ber bloßen Haut glanett getragen werben; babei ift ber ©tufelgang forgfältig regelmäßig gu erfealten. «JteuerbingS iß unfere Slufmerffamfeit auf eines ber fdjä^fearßen «Kittet in bet SBefeanblung biefer gewöfenlicfe fo gefäferlidjen Kranffeeit getenft worben; es gibt bielleicfet fein «JOüttet, boS mefer wirfltdjen SBertfe tjat, unb ber «Keinüng 33ieler ent= gegen, fann es faß in jeber beliebigen Doßs gegeben werben, ofene bem «Patienten «flacfetfeeil gu bringen. Dies iß bie S31utwurget (Sanguinaria Canadensis). Die beße gorm ber Dorreicfeung iß, ein SMertet bis gu einer fealben Unge ber feirtgepul* »erten SBurgel einige «Kinuten lang in einer fealben «JMnte tioit gleidjen Jfeeilen SBaffer unb Sfßg oufweidjen gu laffen. Die glüfßgteü foüte bantt gefußt unb, je naaj bem Sllter beS «Patienten, ein Jfeeelöffel bis ein Sßlöffel tiott atte füitfgefen ober gwangig «Kinuten gegeben werben, bis Srbreefeen feertiorgerufen wirb. SBir fügen feäußg eine gute Quantität Specacuanfea feingu, um bie SBirfung gu ertjöljett. SBenn fein Srbredjen erfolgt, fo muß bie Doßs tiermetjrt werben. ÄommlfUntett obet fötämpfe* — Eclampsia. !Die$ iß ein fefer tjäußges Seiben bei Kinbern unb tiorguglicfe wäferenb ber «Periobe Ui ßafenenS. Die Slnfatte treten oft plötjtid) unb ofene anfünbigenbe ©pmptome auf; bocfe gefeen ifenen frampffeafte ßudun^en ber Hänbe unb güße wätjrenb beS ©dtjtafes »orfeer. Ueberlobung bes «KagenS iß eine Haupturfocfee; bie meißen Äon»ulßonen bei Kittbern ßefeen mit irgenb einer franftjaften Keigung bes «KagenS ober Ui DarmfonotS in 53erbiitbuitg; wie oben erwätjttt, werben ße auefe feäußg burefe bie Smpßnbliefefeit beS 3£*t)nfleifdjeö wäferenb beS ßal)nenä tieranlaßt; in biefem gälte tritt fofort S3efferung ein, wenn ber ßaXjn burefe b.ie ifen umgebenbe #üüe bridjt, fei es, inbem man in bas 3<ü}ttfleifcfe fefeneibet ober auf anbere SBeife. SBenn bie Konoulßonen ber Kinber feartnädtg finb unb nicfet ber gewöfenliefeett S3e= tjanblung weidjen wollen, fo barf man tiermutfeen, baß bas ®et)irn entweber uitmit= telbar ober mittelbar betfeeiligt iß; eines ber traurigen Kefultate in folefeen gälten iß, baß bei beftänbiger SBieberfeolung ber Slnfatte bie gatlfudjt ober Spilepfie ßdfe entwideln unb bis in ein fpätereS SebettSalter erftreden fann. Spilepfie uub SBafen* ßnn, felbß auf SebenSgeit, ßnb oft bie golgen finblicfeer Kontiulßonen. Die Sluf* merffamfett ber «Kutter foüte oorgügtid) auf bie brofeenben ©pmptome geridjtet fein, ba etnßere golgen burefe genaue 33eobacfetung beS KörpergußaubeS unb ber 93erfeält= niffe, welcfee bie neroöfe Keigung tjertiorrufen, tierfeutet werben fönnen. Heilmittel. — «Kan wirb meiftenS fofortige Srleidfeterung fdjaffen fönnen, twnn man bei ben erßen Slngeidjen ein 23redjmütel — 3tiecacuaiü)a*©prup ober 5lntimonium=3Bein — gibt, ein warmes S3ab nehmen läßt, ©enfpflaßer auf Slrme unb «Beine legt unb ein öffnenbeS Klpßier fetü. Der ©tufelgang fottte burdj fleine Etofen «kagneßa ober Ktjabarber offen gebaltett werben. Dber man taudjt bie güße be« ÄinbtS in SBaffer, fo tjeiß es ertragen werben fann nnb lege gleidjgeütg auf ben 580 ©unn'S HauS*3lrgr. Kopf unb bie ©efelofen ein ttoffeS, latus glonetttudfe unb fprenge faltes SBaffer Ia baS ©eßcfet; bieS wirb feäußg ben Sinfatt afefefeneiben. «Kan muß nad bem ,{abn« ßeifdj fefeen, unb wenn es ßarf gefdjwotten ober etttgüubct fdjeint, feineinfdjiteibtn. 3cfe feobe gefefeen, wie bie feeftigften Kontiulßonen unmittelbar nodj biefer «Operation auftjörten. Die «BorfeeugungSmaßregetn, burdfe weldje tiiel tion ber ©djwierigfcit unb ©efabr ber Kontiulfiotten tierfeutet werben fann, beßefeen in fatten SBofcfeungen beö ganjen Körpers, nocfe welcfeeu bie Haut jebeSmal gut abgerieben werben muß, unb barin, baß man bem Kinbe frifdje Suft, «Bewegung unb bie geeignete Kaferung gibt unb feinen ©tufelgang regelt. SBenn biefe allgemeinen ©efunbljeitsmanmcn gewiffen- feaft befolgt werben, fo wirb ber DrganiSmuS bes KinbeS weniger gu franftjaftei Jfeätigfeit geneigt fein, unb bie Heüfraft ber Kotur wirb aüe Slnlage gu biefer Kranffeeit, bie etwa erißiren fottte, überwinben. @eud)fyuften. — ®tidi)uHen. Dies Seiben beginnt mit Heiferfeit unb Kiefen, äbniidj, wie bei einer gewöfenli- djen Srfältung, Kötfee beS ©efidjts, einer wäfferigen Slbfonberung »on ben Slugen unb Kafenlöcfeerit unb einem ßarfen Verlangen gu fdjlafen. Kacfe längerer ebet fürgerer griff wirb ein feuefeenber ober feettenber Jon gefeört, wenn bie Suft in bie Sun« gett wäferenb bes HufünanfattS einbringt, bie «Bebrängniß ßeigert ßcfe, ta« Kinb fdjeint gu erßiden, bis ber «ParorpSmuS enbtid), Ijäußg mit Srbreefeen, enbtt. 3n einem fpäteren ©tabium ber Kranffeeit ringt boS Kinb nadj Suft, bis tt burefe tin tiottes Sinatfemen, bem ber feutfeenbe Jon folgt, erteicfetert wirb. SBäferenb bet freien 3wifdjenräume fefeeint bas Kinb fo wofel, wie fonß gu fein; ober bie £außg. fett unb Heftigfeit ber Hußenanfätte nimmt bei bem gortfcfereiten ber Kranfljeit ju, bie im Slügemeinen fünf bis fedjö SBocfeen anfeält unb bann attmälig nadjläßt. 3* feabe mande gätte gefetjen, in benen ber Hußen fünf bis gebn «Kinuten bauerte unb fo gewaltfom war, baß bas Kinb auf baS Sleußerfte erfcfeöpft würbe unb baußg unwtttfürlicfee Sntleerung ber «Blafe unb beS DormS erfolgte. Der Slttjem bleib! oft fo lange weg, baß bas ©eßcfet, bie Sippen unb ber Hais blaurotfe werben unb bie Stugen faß aus bem Kopfe treten. Das Kinb greift feäußg nad ügenb etwa«, um ßdj baran wätjrenb bes «JJarorpsmuS gu tjolteu. Der b^tnan\aU wirb fefer «l burctj Srbrectjen abgefürgt. «Bei jebem Sinfatt pßegt eine «Kenge jäfeen, fiebrigen ©cfe,teimes in bie Höfee gu lommen, ben junge Kinber tierfefeluden unb altere Ämter auswerfen. Das Srbredfeen bringt nidjt nur ben tierfdjtudten ©efeleim betau, fonbern erfdiafft audfe bie Suftrötjre unb bie Sungen unb beförbert tie gefunbe fonberutta iferer ©dfeleimfeäute. 3m erßen ©tabium biefer Kranffeeit ober tn m <• teren gätten iß wenig ober gar fein gieber oorfeanbett; aber bei heftigeren äW* unb tiorguglicfe bei Kinbern mit fefewaefeen Sungen entwidelt ßdj oft ein ßar e nidjt feiten gefätjrtidjeS gieber. Dbgieicfe miibere gäüe fefer wenig *M« ■ erforbern, fo fütjren bodj bie fd,iimmeren gormen biefer Kranffeeit bei ungweam p K e u d) X) n ß e n. 581 Stfeanblung ober «Kwgel au ©orgfalt gu Suitgenentgünoung, SBafferfudjt uttb ©cfewinbfucfet. Der Keudjfeußen tritt epibetitifdj auf, unb feine Heftigfeit pflegt gu »erfcfeiebenett 3aferesgeiten tierfcfeiebett gu fein. Dem 33otfSgtaufeen nad) wirb er ali anßedenb betrachtet, bodj bie Slergte ßnb über biefen «punft nidjt einig ; benn er gefeordjt bem ©efe£e anberer epibemifdjer Kranffeeiten, unb feine «Kitttjeilung fann atmofpfeärifdfeen Urfadjen gugefdjrieben werben, ofene baß mon etgentlicfee Sin* ßedung angunefemen feraudjt. Daß fein Sluftreten tion einem eigentfeümticfeeit 3u= ßanbe ber Sltmofpfeäre abfeängt, iß gu offenbor, als baß es begweifett werben f önnte; unb ein gweiter Sinfatt ber Kranffeeit ereignet ßctj feöctjß feiten. SBenn bie H<*ut feudtjt unb warm, ber Slppetit gut unb ber Sluswurf uub baS Grbredjen reitfetid iß, fo wirb bie Kranffeeit gewöfenlicfe ein gutes Snbe nefemen. 3e büntter ber ausgeworfene ©cfeleim unb je größer feine «Kenge iß, um fo milber wirb ber «Berlauf ber Kranffeeit fein. SBenn bie mitbe unb einfadje gorm biefer jüanffeeit bei einem fottß gefunben Kinbe auftritt, fo fann man faß fictjer einen günftigen StuSgang erwarten. £ e i l m i 111 e 1. — Die 33eb, anblung ber Kranffeeit beßefet tjauptfäcfelid) in ber Slnwenbung tion Süedfetttittettt uitb Srpettorantien ober «Kitteln, welcfee ben ©cfeleim löfen unb feinen Sluswurf beförbern. «Kan wirb ßnbeit, baß in gewöfenlia^en gälten ein gelegetttlicfeeS 33recfemittet aus 3pecacuantja unb Sinreibung ber S3ruß mit ©änfefcfemolg ober einem anberen Sinimente bie beße «Kettjobe ber S3et)anblung iß. 6s ift fefer nötfeig, baß auf bie Kleibung unb auf bie Diät beS KinbeS geadjtet wirb; bie Diät fottte aus gang teicfeten ©peifett beßefeen, unb bas Kinb muß forg* faltig gegen atte Sinßuffe übermäßiger Hifje ober Kälte gefdjüjü werben, ©citta* ©prup unb Kaßoröl, gu gleictjen Jfeeilen, täglicfe, fo lange ber Hußen feeftig bleibt, gegeben, iß ein »orgügtidjeS «Kebtfament. Sobetia* Jinftur, entweber als 53redjmütel ober in Heineren Dofen, als SrpeftoranS, wirb waferfdjeittiid) burctj feine «Kebigin, bie bei biefer Kranffeeit im ©ebraudje iß, übertroffen; ße wirft fdtjleimtöfenb unb auswurfbeförbernb unb tieranlaßt eine grünbliefee Keinigung ber Suftwege; bie Ztfn follte je nadj ber Dringtidjfrit ber ©pmptome wiebertjott unb babei ber ©tufel* gang burefe Kaßoröl in Drbnung gefeolten werben. Um bem Kinbe ©djlaf unb «Jtufee »or ben Slnfatte« gu »erfdjaffen, ift es bisweilen nöttjig, Dotier'S «Puttier ober 9)aregortc=Stüü gu gebraudfeen. Dodj iß es am beßen, biefe «Kittet bann mit ©eitta=©tjrup ober 3pecacuantja-©prup gu tiermifefeen, bamit bie berufeigenbe unb fdjmerjßiüenbe SBirfung mit ber erpeftoratioen SBirfung tterfeunbett werbe. «Jteuerbings iß ein fetjr fefeäpares «Kittel gegen biefe Kranffeeit entbedt unb tion J)r. J. Soof in «pfeilabelpfeia warm empfofelett worben, nämlidj: bie fdjwarge Sajlangenwurgel (Macrotys Raoemosa). Dr. Soof erflört biefen Slrtifel für ben beßen unb wirffomßen tion atten. «Kefere ebenfalls auSgegeidjnete Slergte tjaben baS Mittel in »ielen gätten, unb gwar in jebem ©tabium ber Kranftjeit, angewenbet Hnb es feot nie »erfefelt, bie wotjütjätigfütt SBirfungen tjertiorgubringen, inbem eS bie geßigfeit bes HußenS mittberte, bas Sluswerfen erleidterte unb tjäußg bas Snbe *er kranffeeit gu befdfefeunigett fcfjien. Die gefättigte Jinftur iß bie gwedmäßigße bxxxx ber Darreidjung. gür ein rittjätjriges Kinb iß bie Doßs fünfgefett bis gwangig Sropfen, »{er* bis fünfmal täglicfe; für ein brei= bis tiürjäferigeS Kinb, ein t)alber bii 3« einem gangen Jtjeelöffel tiott, mit etwas 3uderwaffer. Die Jinftur wirb bereitet, inbem man auf gwei Ungett ber puttierißrten SBurgel eine «pinte SBeingeiß 582 ©unit'S Hau«» Slrgt. aufgießt. Sludj tann man bie Stbfodtjung braudjen. Düfe «Kebi;in iß in )tbn botonifefeen Slpotfeefe gu feaben. 53el ber milben unb einfacfeen farm ber Kranlbeii beßefet bie ärgtltcfee S3efeattblung mefer im 33erfeüten, als im Kttrirett, unb muß »on ©eiten ber Slngefeörigen burctj gefeörige SBadjfamfelt unb «Pflege unterftütu werben. Das Kinb muß bei foltern SBetter warm gefteibet werben, »orgüglicfe im SBinter, grüfeling unb Herbß. Die Diät muß leidjt fein, unb bas Kinb barf feinen ungün. ßlgett SBüterungSrittßüffett ausgefegt werben. Dies iß bie Hauptquelle ber ®efabi bei bem Keucfefeußen. 3n feiner einfacfeen gorm, fo wie er ßcfe om feäußgßtn unb gewöfenlicfe ßen unferer S3eobacfetung geigt, iß es eine leiefete Kranffeeit, unb bei bei geeigneten SBefeanbfuitg unb Ueberwacfeung ßdjerlidj nicfet gefäferltdt). SBenn bet ©tufelgang tierßopft iß, fo iß eine «Kifcfeung tion Kaßoröl unb «KolaffeS tin ausge« geiefeneteS «Kittel. Der ©efefemad beS DelS wirb baburefe ooütommcn »erbedt, unb bte Kinber nefemen es mit SSergnügeit in feiitreicfeenber «Dünge, fo boß ber gewünfefett 3wed erreidjt wirb. 3" mandjett gälten ift ber reidjlidje ©ebrauefe »on «Dülaffe« ofene Del feinreidenb, ben ©tufelgaug offen gu erfealten, wenn es ©tfewiertgfeittn maden fottte, bem Kinb bas Kaßoröl beigubringett. Die «Befeanblung ber Kranlfeeit in milben gäüen iß fefer einfadj, unb wenn man nur auf bie Diät aefeten will—bie aus fleinen «Kengen ber leiefeteßen ©peifen beße- feen muß, nebß einfachen ©etränfen, wie: SBaffer, S3robwaffer, Slepfelwaffer, SBaffer unb «KolaffeS, wotion nadj belieben getrunfen werben barf — unb bas Äinb forg- fältig tior Srfältung tjütet, fo wirb baS Seiben in neun gätten tion gefen ofene ben ©ebrauefe; »ott «Keblgiti ober ärgtltdfee Hülfe einen günßigen StuSgang nefemen. 953 u t m e t. Ss gibt brei Strien tion SBürmern, bie im Darmfanal gu tjaufen pßegen: bet ©putwurm, bie «Kabenwürmer ober ©pringwürmer unb ber 33anbwntm. Det ©putwurm iß tion tierfcfeiebeiter Sänge, »on gwölf bis fünfjefen 3ott. Xer SBanb- wurm fann tioit brei bis gwangig guß unb barüber lang werben. Die SÜfartben ßnb nur wenige Sinieit lang. Der ©pulwurm iß tioit weißücfeer ober bräunlitfeet garbe unb tjätt fidj tjauptfädfelidt) im Dünnbarm auf; bisweilen ßeigen biefe ®up mer bis in ben «Kagen X)inan[ unb ßnb felbß jum «Kunbe ober gur Kafe fetran«ge< fommen. ©ewötjnlidtj finb nicfet metjr ats gwei »orfeanben, bocfe feot man auefe fd)»« breißig bis tiiergig gefunben. ©ie ßnben ßcfe, nur feiten bei «perfonen bie über fw jefen 3<ü)re alt ßnb. .,, Der «Banbwurm iß abgeplattet, eineit falben ßoU ober einen ßoü *"lt unt *T aus ttngäfeltgett ©elenfen. 3dj tjabe einen biefer SBürmer gefefeen, ber eine .aig tion tjunbert guß erreidjt tjatte. Diefer SBurm feäit ßcfe. gewöfenlicfe im oberen « bes Darmfanats auf unb näfert ßcfe tion bem SfepluS, bas feeißt ber burdj ut w bauung gu reinem Katjrungsfafte »erarbeiteten ©peifen. 3utefct ßnb bie «Kabenwürmer (and) Ijäußg Slstariben genannt) ja erwp • ße ßnb feiten mtl)x als einen tjalben 3ott lang, bewegen ßdj fefer rufeig unc u SB n r m e r. 583 fidj im untern Jtjetle bes Darmfanats auf; ße ßnb tion gelblid)=weißer garbe unb frledjen feäußg aus bem Slfter. Diefe SBürmer bringen ein unerträgliches 3uden feer»or unb »eranlaffett bti Kinbertt feäußg Kontiulßonen ober Krämpfe; auefe brin* aen ße gieber, nervöfe Keigbarfeü unb mandje anbere Seiben ber Kinbbeit bertior. Durdj SSerßopfuttg, Untierbaulicfefeit, ungeeignete Diät unb franffeafte Slbfottbe* rungen ber Dormfefeleimtjaut werben bei fd/Wädjliden Kinbertt SBürmer ergeugt. Die regelmäßige SBieberfeoümg eines fräftigen Slbfüfermittels würbe es jebenfatts »erfeinbern, baß ßcfe, in ben Singewetben SBürmer anfammeln. SineS ber ©pmptome, baß SBürmer tiorijanben ßnb, iß ein gemtffeS ttagenbes, unbefeagtiefees ©efütjt in ber «Kagengegenb, bas ßd naefe bem Sffen tierminbert. Der Slppetit iß tieräitbertidtj unb lauttifct) unb ßeigert ßcfe oft bis gu förmlidjer greß* fudjt; ber 33audj iß gewöfenlicfe feart unb gefpannt, unb es ßetten ßefe Ijäußg 33auefe> fefemergen ein. Die Kinber pflegen an ber Kafe gu piden, feobett oft ben ©djtudeit, ßnb unrufeig im ©djlafe, faferen oft auf unb tnirfdjen bie ßäX)nt, uub ifer ©tufel* gang iß »erßopft. ©ie fefeen feleidtj aus, obgleicfe ßd bas ©eßcfet bisweilen plö^lict) rötfeet; bie Slugen ßnb eingefunfen unb bisweilen »on blauen Kingen umgeben; ße magern ab unb befommen leidjt Krämpfe. Dft erißirt eine befonbere franffeafte «Jtetjbarfeit beS KertienfpßemS. Das 3ätjnefntrfdjen unb ©predfeen wäbrenb bes ©ajtafes ober plöjülcfeeS ©dfereien bei bem Siufwadjen, fdjtedjter Sttbem, feäußgeS ©rimmen im Seibe unb Uebelfeit ßnb ©pmptome, bie meißens auf SBürmer fdjtteßett laffen. Die ©pulwürmer unb «Kabenmürmer ßnben ßd) meißens bei Kinbern gwifdjen ber 3eit ber Sntwöfenuttg unb ber «Kannbarfeit. Der «Sanbwurm ßnbet ßcfe »orgüglicfe bei erwaefefenett «perfonen; bocfe tjabe iefe Üjn in meiner «prariS and) bti Äinbern beobaefetet. SBir featten einmal einen galt in SouiStiitte, Kentudp, tion einem fünfgetjnjätjrü gen «JKäbctjen, bereit gatt für IjoffnuttgStoS getjaltett würbe, bis iefe, Jerpetttittöl unb Kaftoröl »erorbnete. ©ie füfelte bü SBeweguitg bes SBurmeS im «Kagen, aber er ging nicfet fort, bis ße mefere Dofen bation nnb Sotumbo=3lufguß, gum Kadjtrinfett, genommen featte; bann entteerte ße itjitt er maß brri unb gwangig guß. 3ebe Doßs beßanb aus einem tjalben Sßlöffel tiott Jerpentinöl mit tintm fealben Sßlöffel »oH Kaftoröl, SlbenbS unb «KorgeitS. Kadj ber tiierteu Doßs bradjte bie «Kebtgttt bie gewünfefete SBirfung tjeroor, unb ße war tiottfommen feergeßettt. Heilmittel. — Um SBürmer losguwerbett, ftnb gwei widjtige Dinge erforber* liefe—Slbfüfermittet unb ©tärfungSmütel; bie erßerett, um bie täftigeit ©djmarojjer* tfeiere aus bem Körper gu treiben; bie unteren, um beu ©djwädjegußattb gu feebett, ber ifer Sntßefeen begünftigt. Die Hauptaufgabe bei ber Sittferituttg tiott SBürmertt Iß, bie 93erbauungsorgane gu einer gefunben Jljätigfeit anguregeit. Ss ßnb Unorb* nungen biefer Drgane, woburd) ße feertiorgerufeit werben. Stile bitteren ©ubftangen getjören gu ben beßen «Kitteln, um SBürmer hti Kinbern gu tiertreiben. SBermutf), mit «Dülaffes tiermifdjt, tann in ber Doßs tioit einem Jfeeelöffel tiott gweimal täglid) gegeben werben. Die Doßs für einen Srwadjfenen iß anbertt)alb Jtjeeföffet öofl bon bem ©amen. Der SBermutt) gerßört bie SBürmer; Slufguß tioit «polet ober Rainfarn iß audj eine gute «Kebigin; unb ©pigelia mit ©eitna iß ein ßdfeer wirfen* Ui «Dcittel. «Bon bem leiteten fottte je eine Unge, in SBaffer geweietjt, unb ein viertel ber glüfßgteü tiier Jage tjintereinanber einmal tägiidj genommen werben. 584 ©unit's bausargt. Die beße «Kettjobe, bie ©pigelia anguwenben, iß, guerß einen ober gwei Jage »or!k S3erbauung muß burefe Keigmütel unb bittere Siqneure beförbert unb ber ©tutjtgartg offen erfeatten werben. Der gange DrgattiS* mus mufi gefräftigt werben unb gwar burefe täglidje «Bewegung in freier Suft; burctj falte 53äber, wenn es bie 3afereSgeit erlaubt; unb burefe foldje tonifd)e «Kebiginen, welcfee bie Slnfeäufung biefer ©efemarotjer tierfeinbern fönnen, atfo Sfeinarittbe, Stuf* güffe »on Sngian, SBermutfe, «Pappelwurgetrinbe, Quafßa, Sotumbo unb bergleidjen. Durcfe biefe «Kittet wirb ber DrganiSmuS bebeutenb geßärft, ber Darmfanal gu regelmäßiger Jfeätigfeit angeregt unb bas Slttgemeinbeßttbett tierfeeffert werben. 9Kump$* — $ie$enpetet. ($el)lftt<#t.) Diefe Kranffeeit beßefet in einer Sntgünbung ber «parotisbrüfett, weldje gu beiben Seiten ber unteren Ktntilabe liegen, ©ie beginnt mit meljr ober weniger gieber; balb barauf wirb eine ©efdjwulß in bem SBintel ber Kinnlabe ßdtjtbar, weldfee ßcfe attmälig auf bos ©eßcfet unb ben balä in ber Käfee ber Drüfe erßredt unb tiiele Sefdjwerben uttb ©djmerg beim Deffnen ber Kinntabe tierurfaefet. Slm inerten ober fünften läge fängt bie ©efcfewulß an ßcfe gu tierlieren. Slm feaußgßen tritt biefe Krattlfjeit in ber Kinbfeeit unb im frütjeften SebeitSalter auf. Die ©efdjwülße ober klumpen erfcfeeinen bisweilen nur an einer ©eite. Die ©efdjwülße ßnb bewegtid), feart, empßnbliefe unb fefer fcfemergljaft unb oft tion großem Umfange; ße werben in ber Jfeat bisweilen fo groß, baß ße bas ©cfeluden unb bas Sttfemen fcfewierig madjen. Sluefe anbere Drüfen beS Körpers fdjwetten bisweilen in biefer SBeife an. S3ei Bannern fommt es tior, baß ßdfe bie Hoben ebenfo »ergrößern uub etügünben. Sei grauen werben bie S3rüße tion berfelben Slrt ber Sntgünbung befatten. Der SWumps ober 3tegenj;eter iß eine burdjaus ungefätjrltdje Kranftjeit, wenn ber «Pa- tient nicfet »iel faltem ober feuchtem SBetter ausgefegt iß; bodj tann, was ßctj atter- 586 ©uitit's Haua-Slrgt. bingS fetten ereignet, bie Sntgünbuitg ßcfe plörütcfe auf bas ©efeirn, bit Hoben obti bie 33rüße werfen. SBentt unteres 33eibeS ber galt iß, fo gefeen biefe Drüfen bi«. weilen tfeeilweife in Siterung über ober bredjen auf, unb es entßefet ein fcfewierig»» unb langwieriges Seiben. Heilmittel. — 3n ben meißen gätten iß biefe Kranlfeeit mitb unb erforbert ttur gute «pflege unb ©orgfalt im SBarmfeatten unb Jrodenfealten bes Äörpert. Kinber muffen im Haufe bleiben unb ßdj rubig »erfealten, ba ftarfe Bewegung obet was fonß ben DrganiSmuS im feofeen ©rabe aufregt, eine Kranffeeit bes (i>efeirns, ber Hoben ober ber S3ruß tjeroorrufett ober gieber tieranlaffeit fann. 3n milben gätten ift fefer wenig 33efeanblung erforberliefe, wenn ba« Kinb nut warm gefealten wirb. SBenit bie ©efdjwulß fdmergfeaft iß, gebe man eine Xoß« 9a< regoric=Slirir ober ©obfrep'S Sorbial unb bringe bas Kinb burefe warme ©etränfe in ©cfeweiß, burefe «pfeffermüng-, Ka£enmüng= ober «potet-Siufguß. SBenn ber £tul)i. gang tierßopft iß, gebe man ein leicfetes Sfbfüf)rmtttet. Die ©efdwulß muß mit Dpobelbof eingerieben unb um ben Halö ein warmer glanetüSappen obet ein mol- lerter ©trumpf gebunben werben, ber nicfet abgenommen werben barf. SBenn eine «purgang nöttjig iß, gebe man etwas Spfomfalg ober Kaßoröl. Die Diät muß leicfet unb rinfacfe frin. 3it feeftigen gätten, wenn bie ©efdwulß am Hälfe »erfefewinbet unb ßefe auf bie Hoben ober bie «Brüße wirft, fo muß ein «Btafenpflaßer unter jebe« Dt)r gelegt werben, um bie ©efcfewulß gu iferem urfprünglicfeen ©ifce gutüdjubrin- gen. SBenn bie Jtjeile fefer gefcfewotten ßnb, fo werben tjeiße Umfcfeläge Srleicfete. rung fcfeaffeit, unb wenn ber ©dfjmerg unb bie ©efcfewulß befonbers ßarf ßnb, fo tarnt man ein bis gwei «Blutegel anfeilt. 3nt Slögemeltien aber feabe idj immei gefunben, baß baS Sluftegen warmer Umfcfeläge tion Kamillen ober anberen bittettn Kräutern fdjleunigß bie gewüitfcfete Sinberung fefeaffte. ®d>atlaa$ ©efeartaefeftefeer nimmt einen fetjr regelmäßigen «Verlauf, unb man tann ti eine Kranftjeit nennen, bie ßdj felbß Üjre ©rengeit ßedt. Der Slusfdjlag erfdjeint om jweiten Jage, tjält mit wenigen merftidjen 33eränberuitgen bis gum ßebentett an, »erliert ftcfe bann, unb am neunten Jage, wenn bie Heftigfeit bes gieberS ntdjt befon- bere Störungen gurüdgeloffen bat, fann ber «Patient als außer @efab,r beßnblid) bettaefetet werben. 588 ©unit'S HauS-Slrgt. ©dfearladfeßeber fann tion ben «Käfern, mit weldjen es fonß große Slefenliefeftit bat baburdfe unterfcfeieben werben, baß ber Hüften unb fonßige fcfeeinbore Stfäitung«. fpmptome fefelen; ferner burefe baS Slusfeljen ber Sruption, beren garbe feellrotbu iß, unb bü aus Heineren «pünftetjen beßefet unb am gweiten ßatt am »ierten läge ausbriefet; bonn burefe bü ©efcfewürbilbung im Hälfe unb burefe bas cplbcinifdjt Sluftreten ; bo feiten beibe Kranffeeitett gleidjgeittg „grafßren." SBetin bie «Käfern in ber Kacfefearfcfeaft feerrfdjen ober ber «patient bem anßeden. ben Sinfluffe berfelben ausgefegt war, fo fönnen wir «Käfern »ermutfeen; aber wenn bies nidt ber gatt iß, ober ber Patient fcfeon bie «Käfern getjabt feat, fo fann man otjne ©efewürigfeit bie Katur ber Kranffeeit erfennen. Ss ift tiiel barüber geßritten worben, ob bies gieber anßedenb iß. SBenn ia) naefe meiner eigenen Srfaferung unb 33eobad)tung urtfeeilen fott, bie ßcfe feineöwegee auf ein Heines ©ebiet befdjränft, fo muß iefe midj batjin erflären, baß es atlerblrige in einem gewiffen ©rabe anßedenb iß, unb iefe mödjte empfefelen, baß alle »erßänbigen «Drittel angewenbet werben, um feine StuSbreitung gu tierfeüten, inbem man bie Kranfen, fotiiet wie mögtid, tion benen, bie nocfe nicfet ba»on ergriffen waren, abfonbert. Die Kegetmäßtgfeit, mit ber bas gieber am fünften Jage, nadjbem bte «Perfon bem Sfnfteduttgsßoffe ausgefegt war, feiu Srfcfeeitteit madjt, iß für mid) einer bet ßärfftett «Beroeife für feinen anßedenben Stjarafter; bentt eine Kelfee »on Sauen wäferenb meiner langjätjrtgen «PrariS ließ mir feine anbere Slnnafeme, als baß bie Kranftjeit in biefer Slrt entßanben fei. Doefe über 33eobacfeter weiß, baß nicfet atte «perfonen für Kranffeeitsßoff empfängtiefe ßnb, unb boß wäferenb einer ba»on ergriffen wirb, ein Sinberer, ber ber Stnftedung ebenfo ausgefegt war, »erfajont blei- ben fann. Diefe Krault)eit befdjränft ßdj meißens auf bte Kinbfeeit unb 3ugenb, obgleich bie Smpfängliefeteit bafür nicfet tior bem breißigßen ober tiiergigften Safere auffeört. Doefe iß es fefer fetten, baß fte «perfonett über breißig Safere befällt unb iß bann gewöfenlicfe tmtb unb taum iemats gefäbrttcfe. Sine einmot befallene «perfon fann gum gweiten «Kate attgeßedt werben; bocfe fommt büs nur äußerß feiten »or unb iß bann jebenfatts einer gang eigentfeümlicfeen Smpfättglicfefeit ober präbi^oniren- ben Körperantage gugufefereiben. Doefe iß ber gweite Slnfaü faß ofene Sluenafeme mitber, als ber erße. Die eigentlidje Urfacfee beS ©djarlacfeßebers iß tro£ atter Uttterfudungen unbe- fattitt. SS tritt gu allen 3afe.reSgeiten auf; bocfe iß es tjäufiger bei faltem, naffen ober feudjtem SBetter. ©ein Sluftreten iß epibemifdj, unb es entßebt ofene 3»eifel burefe gewiffe atme* fpfeärifdje Sinßuffe ober SluSbüttßuttgett aus bem «Boben, beren «Befajaffcnbeit man bis bato nidjt ermittelt tjat. Heilmittet. — Sine erfolgreiche «Bet)aitblung biefer läßigen Jüannjett- biefes ©eferederts ber gamilien-iß neuerbingS iit ©eßalt eines bet etnfacb bittet entbedt worben, wetdje ber menfefelicfee ©eiß ßcfe »orßettett fann. i erfolgreiche «BetjOtibluitg iß auf baS tiottßänbigße tierfuefet unb feßgeßettt werten * ein Sommittee ber Simerifanifcfeett «Kebiginifdjeit ©efeüfdjaft, welcfee« r «Beriefet erßattet. SBir geben folgenben SluSgug aus bem 3ournale ber »£Jfc „©cartatina ober ©djariadjßeber. - Sine neue «Krib, obe in ber «Befeanblnna. ©djarladfefieber. 689 ffranffeeit würbe tior furgem »on Dr. ©cfeneemaitn in Hattnjtier tiorgefdjtagen, näm* [iaj: bie Sinreibung ber gongen Körperoberfläcfee, mit SluSnafeme beS Kopfes, mit ©ajinfenfett, «Korgens unb SlbenbS. Diefe neue Sntbedung würbe in biefem Sanbe ber arjtlicfeett Körperfcfeoft guerß burefe Dr. Hartiep SinbSip in Söoffeington Sit» »orgelegt. Dr. Sinbslp gab an, boß feine Srfaferungeit uub Srfolge mit biefem «Kittel fo bebeutenb gewefen feien, baß er es mit gutem ©ewiffen „als ein fcfeä^bareS Mittel, biefe gefürdjtete Kranffeeit gu einem günftigen Snbe gu füferen," empfefe* len fönne." 3n einem S3riefe, weiden ber 23orߣer bes SommitteeS tion «profeffor «Paul g. g»e in Slugußa, ©eorgia, empßng, beridjtete biefer auSgegeicfenete StrÜ, baß er über gwangig bis breißig. gäüe tion ©carlotina Jagebucfe gefütjrt Xjahe, in benen bie Sinreibung beS Körpers mit ©efeinfenfrit naefe Dr. SinbSlp'S «Kettjobe tiorgenommen würbe, wäferenb gleiefegeitig bie 3ob=Jinftur äußerlicfe am Hälfe gur Slnwenbung fam. Sr fagt: „«Kein 33erfaferen beßanb barin, baß id ben gangen Körper mit ber inneren Kinbe fetten, ungefodjten ©djinfetis wäferenb beS gangen «Verlaufes ber Kranftjeit einfefemieren ließ, unb baß bie 3ob=Jinftur ein*, gwei* bis breimal wäfe* renb ber »ier unb gwangig ©tunbeit eingepinfelt würbe, um ber Sntgünbung ber ©djleimtjäute beS HalfeS Sinfealt gu tfeun." Der Doftor fpridjt in ben empfefelenb* ßen SlucJbrüden »on biefen «Kitteln unb fügt feingu: „Kur ein eingiger gatt »on bert Dielen, in benen biefe S3efeanblungSweife eingefefelagen würbe, eubete töbtlidj." SQüljre ber »orgüglidjßen Slergte in S3altimore ßetten ber Sinbslp'fefeen «Kettjobe ein glänjenbeö 3eugniß aus. SBir feaben feitbem auefe gu verfdjiebenen 3eitett tion «Patienten, welcfee biefes Srperiment ber ©dfeinfeneinreibuitg tierfudjten, bie 33er= ßefeerung erfeatten, baß ßdfe fein befferer Srfolg wunfefeen laffe. Ss taufen bei uns nocfe jefjt fortwäferenb 3eugttiffe über bie vielen wunberbaren unb fefenetten Kuren ein, welcfee burefe bies einfadje «Kittel bewirft würben. 3 liefe, mit mancfeeti gamttien in ber ©tabt in beßänbigem SSerfefer waren. Zit ®efammtangofel ber Kinber, welcfee in baS SBaifeiu)aus gu «pljitabelpljta feit feiner ©rünbung aufgenommen würben, iß brei taufenb neun feutibert unb fedjs unb fünfjig; »on atten ßarben nur tiier an ben «poden, nnb bei biefen fanbett ftd> feine ©puren ber 3ntpfung. 3n ber ©tabt Kewjorf beträgt bte Slngatjt atter in bie tierfefeiebettett SBaifen« feäufer Slufgenommenen tiier taufenb neun buubert unb brei unb gwangig; unb obgleicfe bie Poden in tiier ober fünf ber Slnffalten auftraten, war es bocfe in iferer milbeßen gorm, ben Skrtoloibett, unb ße tieranlaßten feinen einzigen JobeSfatt. Gin äfenlicfees Kefultat würbe im 3uflucfetsfeaufe beobaefetet, wetcfeeS eine ©efammt* jafet »on gwei taufenb feefestjunbert unb fünf uub füfeengtg Kinber wäferenb fedjgetjtt Saferen aufnafem. Söetttt wir feiergu nodj bie 3afe,l ber Kinber reefenen, bte im Ken? SJorfer SllmofenfeauS auf Song Sslanb aufgenommen würben, fo ßnbett wir, baß wäferenb eines 3eitraumS tion feds unb breißig 3at)ren unter tiier unb gwangig taufenb gwei feunbert unb neungetjit Kinbern nur gefen JobeSfätte burctj «podenan* ßeclung »orfamen. Obgleicfe wir bie tiottftänbigeit Kefultate ber Smpfung nidjt mit Sicfeerfeeit itadjweifen tonnen, fo mögen wir uns bocfe eilten riefetigen 33egriff tioit Iferer wofeltfeätigen SBirfung madjen, inbem wir bamit bie «Berfeeerungen bergleidjen, toetefee bie Poden tior Sinfüferung ber Kutjpodenimpfung unter Kinbern anguridjten pflegten, ©elbß jugegeben, baß bies «Kittel nicfet unter atten Umßänben gegen einen Unfall ber aefeten Poden fcfeü^t, fo beraubt es biefe anftedenbe Kranffeeit bocfe iferes ©efereefens unb tierminbert bie furctjtbare ©terblidfefeit, burdj weldje ße einß gur ®eißei bes «Kenfcfeengefdjlecfets würbe — in anberen SBorten, wo fonß bie Dpfer gu Hunberten feingerafft würben, ßirfet je£t nicfet einer in Jaufenbett. „3um «beifpiel," fagt ber geleferte unb berüfemte Slrgt Dr. Valentin «Kott in Kew SJort, „wäferenb bie epibemifden Poden unb Skrioloibett neulidj tjerrfdjten, waren oon iwti feunbert «nb aefet unb »iergig gätten tion «Podett nnb SSariotoibett ein tjunbert unb fünf unb fünfjig nie geimpft worben, tion biefen ßarben fünf unb acfjtgig; tion titer uub fe<% welcfee frütjer einmal geimpft worben waren, ßarb nur einer." ©olefee Jljat- Men geigen, weldjen praftlfden SBerttj bie Smpfung tjat, unb entfernen jeben 3>»eifel barüber, baß bas «Kittel ein ©egeit für bie «Keitfdjtjeit iß. ^erStnpfßoff muß pott guter Qualität feilt; man fdjeue baljer leine «Küfe,e, ßcb. 592 ©untt'S Haus »Slrgt. reine, gefunbe «Koterie gu tierfdjaffen, nur fo fann man auf Srfolg redjncn. t)«^ Kadjläfßgfcit in biefem «Punft ßnb feäußg bie fegenSrcidjen Endungen btfl Jmpf- progeffeS ausgeblieben. Ss fommt bisweilen tior, boß in golge eines tigennjüm« liefeett KörpergußanbeS beS KinbeS ber 3mpfßoff feine Slnßedung äußert unb bie Kufepoden nicfet gum SJorfcfeein fommen. Die Srfaferung feat lange gegeigt, baß gewiffe fd)wäcfeliefee, ungefunbe Körperoerfaffungeit nicfet immer für bie Smpfung empfänglid) ßnb; bodj ßnb bies gum ©lud feltene gäüe. SiSenn ein folefeer gaQ tiorfommt, fo laffe man, nacb, einigen neuen Skrfucfeen mit frifefeer «Koterie, einige «Konate »ergeben, bis vietteidjt eine Skränberung in bem DrganiSmuS be« Kinbe« ßattgefunben, ober, in anberen SBorten, bis ftcfe feitt allgemeiner ©efunbfeelt^ußanb gebeffert, unb ntaefee bann wieber einen 33erfucfe. Ss gibt audj Perfonen, bie fo organißrt ftnb, boß ße burd bas Seben gefeen, ofene für irgenb eine Slrt »on Sfnfteduitg empfänglicfe gu fein. «Kancfee Sltern fträuben ßcfe gegen bos Smpfen, in ber «Keinung, baß baburefe bem DrganiSmuS irgenb eine Kranfbeit mitgetfeeilt wer« ben f önne, weldje in bem Körper ber Perfon, oon ber ber Smpfßoff genommen würbe, geftedt tjat. Dies iß eine tfeöricfete Sbee, ba eS unmögtiefe iß, mefer ali eine Kranffeeit auf einmal mitgutfeeilen. SBir mödjten ben Sltern gurufen: aefetet nicfet auf bie tfeöricfeten Sinwürfe, welcfee burefe Unwiffenfeeit unb 33orurtfeei( gegen eine ber nü^tiefeßen Sntbedungen erfeoben werben, fonbern laßt euer Kinb fobalb al« mögliefe, impfen. Ss ift rine fefer einfadje Dperation unb fann »on 3ebem »oügogen werben, ber gefunben «Kenfcfeentierßattb bat. SBenn ber Smpfßoff unmittelbar axxi einer «puftel genommen wirb, bas feeißt, wenn man bie creme--artige «Katerie, welcfee ßcfe in ben tünftltcfeen Poden bilbet, frifcfe benutzt, fo fann man ße »ermittetß einet Kabel in bas gleifcfe bringen. Sine fleine ©teile fonn In bem biden Itjeile ber Slußenfeite bes SlrmeS, gwifdjen ber ©efeutter unb bem Sttenbogeit, aufgefrariunbbie frifdje «Katerie mit ber ©pi£e einer Kabel ober einer Sangette eingerieben werben. Sine anbere «Kettjobe beßefet barin, bie Haut mit ber ©pitje ber Sangette aufjufeebtn unb bann ben Smpfßoff unter bie Haut gu bringen. SBenit man tiefe Seferamme ober biefen Sinfcfenitt macfet, fei man tiotßcfetig, fein «Blut feeroorgulorfen, baburefe «Bertnifcfeung mit bemfelben bie «Katerie feäußg ifere SBirffamfeit »erliert. tie «Katerie fann immer gwifefeen bem fecfefüit unb aefeten Jage naefe ber 3mpfungau« ber Puftel genommen werben. Kad) bem aefeten Jage fängt bie «Katerie an, ifere Stnßedungsfraft gu tierlieren, bis fidj rin ©cb,orf bilbet, ber alle giftigen ©genfer- ten ber frifefeeften «Katerie gu *a*en fefeeint. Der ©efeorf fällt gewöfenlicfe erß naefe acfetgefe> bis gwangig Jagen ab; man fann ifen gu irgenb einer ßtxt mit:riirai warmem SBaffer attfeudfetett unb einett «Brei baraus macfeen, gum 33eifptel auf einem ©tüde ©las, unb bann biefe ©ubßang mit ber ©pi|je einer langen Kabel obet einet Sangette, wie oben befeferiefeen, in bie Haut bringen. Kacfe bem 3mpfen fei ■» tiorfiefetig mit ber Kleibung, baß biefelbe beu Smpfßoff nicfet forttreibe for,m warte, bis letzterer troden ift; es iß nicfet nöttjig, nadj bem Smpfen ba« Ä« >< bers burd) Kleibung gu fernen. Sitt foldjer ©efeorf lann ^««.-ä«* ^J werben, inbem man ein Sod) in ein ©tüd SBadjS madjt unb tfett fetnetntfeut un SBacfeS bebedt. Dies nennt man feermetifdj tierfdloffen; unb ein W biefer Slrt aufbewafert wirb, behält Safere lang feine Sigenfdjaften wenn tfe.it in einer mäßigen Jemperatur läßt, ba fowob,! ßarfe Hi*e, als ßatle W jerfefceti. «Käfern. 593 Kadtjbent leb, mid) feemüfet, ben allgemeinen ©ebraudj beS SmpfenS bem publlfum rt'«H«l 3U *£9en' 9Iau*c ic^ m** Qi^1 JU ^a6en' m* bte^er wi^t{9e ®e9enßanb ertjeifefet. Heilmittel.— Sine innere Vetjanblung iß nacb, bem Smpfen feiten erforber- liefe, ausgenommen tiütteicfet fein unb wieber ein Jfeeelöffel tiott Kaßoröl, wenn ber Stufelgang in Unorbnung iß unb ßd) ßeberfeafte ©pmptome geigen. Die baupt* faäje iß, baß man auf ben Slrm Slcfet gibt, bamit ßcfe bte 331äscfeen ungetjinbert bil* ben fönnen, unb baß bie wunbe ©tette tior Verlegungen gefdjü^t wirb — nament* liefe »om feefeßen ober ßebenten Jage an. SBenn burctj Keibung ober irgenb eine anbere Urfacfee bie Sntgünbung unb ©efcfewulß um bie «Pußeln feerum fefer ßarf »erben follte, fo wettbe man SBofcfeungen mit taltem SBaffer an ober madje 33rob= unb SBafferumfcfeläge. Doefe am beftett iß es — wenigßens mit äußerß geringen SluSitafemen — bie golgen beS SmpfenS rufeig .iferen «Verlauf nefemen gu laffen, bis ßefe ein fearter, runber ©efeorf »on bunfler «Kafeagoniefarbe bilbet, ber gewöfenlicfe jwlfdjen bem fünfjetjitten unb gwattgigßeit Jage abfällt unb auf ber Haut eine bleu benbe, freiSrunbe Korbe gurüdläßt, bie etwas tief liegt unb mit fecfes ober adjt fiel* nen ©rübefeen gegeldnet iß. Dies ift ber ridjtige Verlauf ber Smpfung. Wtaietn* Jtfefer Kranffeeit gefet gewöfenlid) einige Jage lang ritt trodener Hußen, Helfer* feit, feäußgeS Kiefen, ein Sßäffern ber Slugen unb mefer ober weniger gieber tiorfeer, al« wenn bas Kinb ftcfe ßarf erfältet featte. Dann geigt ßcb, bas Srantfeem ober ber Üluäfttjlag, guerß im ©eßcfet uttb am Kadett unb fpäter auf bem gangen Körper. Der Slusfdjlag beßefet aus tleinen «pideln ober 23läsdjen, bü ßcfe bei bem gortfdjreü ten ber Kranftjeit in größeren gleden tion unregelmäßiger gorm gruppiren unb ßdfe taufe anfüfelen. Das gieber ßeigert ßdfe feäußg nodfe nadj bem tiottßänbigeit SluS* Grudjebes SrantfeemS; bie Slugen werben babei entgünbet, unb es ßettt ßcfe ein feef= tiger Äopffcfemerg ein. Ungefäfer am tiierten ober fünften Jage iß ber SluSfcfelag ganj feeraus; er tierliert ßcfe am aefeten Jage guerß tiom ©eßdjt unb iß in furgem faum mefer ßefetbar. SBenn ber SiuSfdjlag fortgebt, bebedt ßcfe bie Haut mit einem »eißen, mefelartigen Puttier, unb es fcfeälen ßctj auf bem gangen Körper ©djuppen «b. SBenn bie «Käfern milbe ßnb unb einen regelmäßigen Verlauf netjtneit, was fletoöfenlicfe ber gatt iß, unb wenn bas Kinb forgfältig in Slcfet genommen werben fcürbe, fo erforbert biefe Kranffeeit nur bie milbeße «Befjanbtung unb bie rinfaefeften Mittel. Desfealb ßnb bie gotgen ber «Käfern feäußg fefetimmer, als bie Kranffeeit felbß; ober beutlicfeer gefogt, fte fönnen burefe Vernacfetäfftgung unb ungwedmäßige ^ttel gu fefer fcfelimmen unb felbß gefäfertiefeen 3uftänben füferen; — gum «Beifpiel, fenn erfei^enbe ober reigenbe ©etränfe gegeben werben, „um ben SluSfcfelag tjeraus* Jutreiben," wie es feeißt. SBenn bas Kinb wäferenb beS gieberS unb beS Sutsfajta* 8« in einem feeißen 3immer mit glanett unb SBottengeug bebedt gefealten wirb, »«Mb man {fem Reißen ©rog, ©afrattttjee, ober ©djafsfafran (wie man bü 38 594 ©unn'ß Haus-Slrgt. Srfremente ober ben Dünger tion ©djofen nennt, tion weldem eine gemadjt wirb) uub bergleidjen Dinge einfdjüttet, in ber «Keinung ben Sluofcfelag )h beförbern ober am „3urüdtreten" gu tierfeinbern, fo barf man ßdj nidjt wunbtrn, wenn Sungenentgünbungen uub anbere fefelimme golgen entßefeen, bie feäußg einen töbtlidjen StuSgang netjmen. ©tatt ber untiemünftigen Slnwenbung tnntttr unb äußerer SrfeiriungSmittet, foüte gerabe bas entgegengefefcte Verfaferen eingefcfelagr« werben. H e i l m i 11 e t. — 23ei gewöfenliefeett gätten biefer Kranffeeit Iß nur wenig mrW. gtnifefee 33efeanbiung nötfeig; ober in anberen SBorten: Je einfadfeere «jflitttl man gibt, um fo beffer. Küfeienbe ©etränfe fottten nictjt nur wäferenb Ui lieber«, fonbern fo lange ber SluSfcfelag anfeält, gebraucfet werben. Dabei gebt man, Wenn es nötfeig iß, getegentlict) ein füfelenbeS Slbfüfermittet. 3n milben gaüeniß bieS bie gonge Vefeanblung. 3« ben legten ©tabien ber Kranffeeit ßnbet oft ßarfe« freiwilliges Slbfüferen ßatt, weldjes ßdfe bis gu förmlicfeer Diarrfeöe ßeigern fann; bodj feat man bieS im Slügemeinen als eine wofeltfeätige Hülfe ber Katur angufefeen, unb jebeö Sinfcfereiten bagegen, burefe ftopfenbe «Kittel unb bergleidjen, fann ben ernftlidjften Kacfetfeeit bringen unb felbft lebenSgefäferlicfee golgen feaben. Zlt Kenntniß biefer Jfeatfacfee ift tion ber größten SBidjtigfrit unb mag manajem Kinbe baS Seben retten, bas fonß riner falfdett Vebanblung gum Dpfer fallen würbe. Die VorfidjtSmaßregetn bei ben «Käfern befüfeen barin, bie Slugen »or bem l'icfete gu fdjütien unb bett Körper tior faltem 3ugmlnbe gu bewotjren, weldjer leicfet ben SluSfdlag gurüdtteifeen tonnte. Kaltes SBaffer bagegen, welttjeS eines ber beßen Heilmittel ber Katur iß, follte bem Patienten nie tiorentfealten werben; in ber Ifeat, bas gierige Verlangen bamatfe, weldeS ftcfe meiftenS geigt, iß ein gingerjeig Ui natürlicfeen SnftinfüS, ben man nicfet mißtierftetjen fann, unb beffen Kicfetbeacfetung nur baS Seiben tiermeferen unb bie Kranffeeit tierfefetimmern würbe. Die Koft muß leidjt fein ; was notfewenbig iß, um bie Kräfte beS Patienten auf- recfet gu erfealten, muß in einfaefefter 3ubereitung unb, wo mögliefe, tn flüfflger gorm, mit füfelenbett, fcfeleimigen ©etränfen gereidjt werben. Ss iß »on großem «Jtufren, gelegentliefe baS ©eßdjt, bie «Bruß, bie Slrme unb Hänbe »ermittetß eine« ^d>wam- mes ober weiefeen SappenS mit warmem SBaffer, bem etwas Sfßg gugefebt iß, abjn« wafefeeu; man wirb baburd, bie trodene Jpi^e unb baS Süden ber Haut, welcfee« bei Kacfets oft äußerß quälenb iß, befeitigen. Der berufende Dr. DeweeS in pfeitabetpfeia macfet auf ben ©ebrauefe »on iW fei als Verfeütungsmittei bei epibemifdfeen (feerrfefeenben) «Käfern aufmerffam. ttt fagt: „Sit ber ©efdjidjte unb «Befeanblung biefer Kranfbeit ift ein eigentfeumlte»« Umftanb tion großem Snterefft. 3u einer 3eit, als bie «Käfern epibemifefe waren, entgingen atte Kinber, welcfee gegen Kräfce mit ©dwefei befeanbelt würben, tet ßedung; ebenfo blieben atte Kinber, welcfee gegen ben Keucfefeußen *äWWJ rate brauefeten, tierfdjottt." gerner : „Viele Kinber, bie eine «Kifefeung »on ^| i unb Kamptjer nafemen, ober bei benen biefe «Kebifamente butd) au&cruajt bung angewenbet würben, blieben frei »on ben «Käfern, wäferenb bie fltnter, nicfet unter bem Sinfluffe biefer «Kittet waren, ergriffen würben." ^ Kinber, welcfee ber Slnßedung ausgefegt gewefen ftnb, unb *«*enfn MtleB einen Slusbrucfe ber Kranfbrit erwarten fann, muffen warm 8<»f»et ^ Sinfluffe naffer uub toller SBitterung gefcfeü&t werben. Vorgugltcfe m Das remttttrettbe gieber ber Kinber. 595 luarrn nnb troden gefeatten werben. SBir fdjließen biefen ©egenßanb mit ber 33e- merfung, baß bie «Käfern bei geeignetem Verfaferen nicfet ats eine gefäferlicfee Kranf- Mt gelten fönnen — außer wenn ße burdfe bie oben angegebenen Urfadjen »et- fcfelimmert werben, ba alsbann ßcfe ungweifelfeoft eine Keigung gu gefäferÜctjen (gntgünbungen entwidelt. ®a$ temittitenbe %iebet bet &inbet. Ziti iß ein mit gefuttfettem Kräftegußanb unb tiermeferter Keigbarteit tierbunbe- nes gieber, welcfeem fleine Kinber feäußg unterworfen ßnb, unb weldjes tiorgüglid) gern wäferenb ber testen «Konate bes ©äugenS, tior bem Sntwöfenen ober wäferenb bereit bes ßaX)neni auftritt. Das 3afeiten bringt immer etwas franffeafte Kei- jung unb Slufregung mit ßdj, bie ßefe in Slnfällen tion flügenber Hi£e, plö^licfeer «Jlötfee im ©eßcfete, Unorbnungen bes Darmfattals, Verbrießlicfefeü, Slppetitlofigfeü u. f. w, äußeren. SBenn ßdfe gu biefem 3uftanbe nod) anbere fcfeäbliaje Stttwirfun* gen gefetten, fo gefet berfelbe leicfet in ein regelmäßig anfeattenbeS gieber über, wel- ches feine beßimmten ParorpSmen unb Kemiffioneit tjat, unb bem wir bafeer biefen Kamen geben. Ss berufet wofet in allen gätten auf einer tiorfeanbenen „Srritation" ober Keigung, rüfere biefelbe nun tiom ßaXjnen ober tioit SBürmern ober »on unoerbauten KaferungSßoffeit im Darmfattat ober tioit irgenb einer anberen Irritirenben Urfadje feer. SBenn bie Kranftjeit tiottftänbig entwidett iß, fettttgetdjtiet ße ßctj burefe folgenbe ©omptome: baö Kinb iß bes KadfetS unrufeig uub feat eine feeiße, trodene Haut bis gegen «JKorgen, wenn bie Haut, namentlicfe im ©efidjte unb auf ber 33ruß, feudjt wirb. SBäferenb beS Vormittags pßegt es frei tion gieber gu fein; bocfe iß eS bleid) unb jeigt burefe feinen ©eßdjtsausbrud, baß eS nidjt wotjl füfelt. Ss nimmt nictjt ben gtwöfenlicfeen Slntfeeil an Dingen unb Perfonen, fdjeint traurig unb nieber- gefdjlagen, feat feine Suß gum ©pielen unb ift gewöfenlicfe otjne Slppetit, inbem es weniger Verlangen gu faugen geigt, als wäferenb beS gieberS. Der Puts iß befajleunigt unb brafetartig ober feart. Des KacfjmtttagS pflegen ßcfe rotfee gleden erß auf ber einen SBonge unb bann auf ber atiberen gu geigen — bie erßen Singet« ajen Ui wieberfeferenbett gieberS. Die Haut wirb nadj uub nadj wieber feeiß unb trotten, ber Puls fcfenetter unb ßärfer; bas Kinb empßnbet feäußg Uebelfeit unb erbridjt ßcfe »on 3eü gu 3eit, befonbers wenn eS faugt. Der Urin iß fparfam uub feoajrotfe unb wirb in furgen 3wifdtjenräumeit gelaffen — was oon feiner fdjarfett , Sefdjaffentjeit, bie ben Viofettfeals reigt, feerrufert. Das Kinb pflegt nun tierbrieß* \H unb unrufeig gu fein, bis bas gieber beS «KorgenS wieber nacfeläßt. Nacfebem bie Kranftjeit einige Jage gebanert, werben Ijäußg bie Sungen miter* 9%n; es ßettt ßcfe Hußen ein unb oft ein «Jtödjeln bei bem Slttjmen, was burefe ^djleimattfeaufungen in ben Suftwegen tieranlaßt wirb. Der Darmfanal iß be' 1£fer Kranftjeit immer in Unorbnung. Die Sntleerungen tjaben eine ungefunbe, innatürlidje garbe — bisweilen ßnb ße fdfemu&üj braun, bodj feäußger grünlidj, 596 ©ttttit's HauS-Slrgt. ober gemifdjt, wie Küferei, obet feettfarbig unb geronnen; ber ©erud iß fefer mibtifj. £ie Kranlfeeit tierfajlimmert ßcfe leicfet in iferem Verlaufe, bis bas Kinb wäbrenb bes größeren JtjeiteS ber ßeberfreün ßtit in einem betäubenben, fdlaffücfetigtn 3uftanbe baliegt, welcfeer auf baS Srgriffenfrin bes ©efeirns beutet. Ss ift bie« bie Hauptgefafer bei biefer Kranffeeit: baß nämlicfe boS ©efeirn ober feine Haute etgrif. fen werben. Jaufenbe tion Kinbern ßerben jäferlicfe an einer ©efeirnentgünbnng, welcfee in biefer Slrt entßefet. Ss iß gwar nicfet immer ber gatt, baß ßd ©efeirnfranffeeit entwidelt; bocfe In bei «Kefergafel ber gäüe, wenn bieS gieber längere 3eit anfeält, iß es unjwetfelfeaft, bap bos ©efeirn metjr ober weniger mitleibet; unb in tiielen gätten wirb, burefe Herten- nung beS waferen 3uftonbeS unb «Kangel an »orfeeugenbett «Koßregeltt, bie 33rtbd. ligung beS ©etjimS ober feiner Umhüllung fo ernßlicfe, baß fein Heilmittel bagegen etwas ausrictjtet. n V e fe a n b t u n g. — £>ü Kranffeeit tann, unter Umßänben, tion felbß, ofene ben ®ehxaudj oon «Kebigtnen, einen günftigen StuSgang nefemen. Dies iß ofene frage bisweilen ber gatt; alsbann »erläuft fie iit gwölf bis tiiergefen Jagen; bod) rcofel nur wenn bos Kinb tion fräftiger unb gefünber Katuranloge unb bie «Kutter jut 3eit in gutem ©efunbfeeitsgußonbe iß, unb wenn ferner baS Kinb im übrigen gut aepflegt, gut gefteibet, gut gefäugt, feäußg gefeabet, rein gefeolten unb »or allen fefeäbtidett Sittflüffett gefefeü^t wirb. SBenn bie Kranlfeeit eilten günßigen 3lu«gang nefemen will, fo nimmt bas gieber attmälig ah, bie ParorpSmen werben immer leid,- ter uub furger gegen ben Vierten bis ßebenten Jag unb bleiben gegen Snbe ber jwei- ten SBodje attmälig gang aus. Dodj iß es immer beffer, ein ßdereS unb tiorßcfetigeS Heiüerfaferen anjuwenben. 3uerft unterfuefee man baS 3afenfleifefe, unb wenn es on irgenb einen.punfte N gefcfewotten iß unb man beuttiefe ßefet, boß ein ober mefere 3a*ne burefebretfeen ,* •Ü fo »«* «an mit einer Sangette ober einem fonfttgen fdjarfe« SM etwa mit ber ©pifee eines ßarfen gebermefferS, Stnfcfettitte bis guttn 3afen n^ unter. SBo mögtiefe,, laffe man bieS »on einem Siegte ober 3emanben, ber bie .acte 'tetSrmfattat in fdfeüdbtem ßu.ante iß - wie es faß *£«»* -fo muß bie geeignete «Kebigin gegeben werben, ßu biefem 3^ede eignet J tiütteicfet nicfets befffr, als ber neutralißrenbe Jrottf. man fattii en b « »erbeffertt, inbem man bei ber Vereitung etwas Kanutten lumen wenn man bett Jranf fertig bereitet befommt, madje man eine M «^^ Kamittenblumen, tiott welcfeer man einen Jfeeil gu brei obe »te 1 en b fes gießt. SBenit man ifen felbß bereitet, füge man etwa eine feaM » btumett gu einer Unge beS neutralißreitbeit ^ultierS ^n^Z * <* tri «Pinte foefeenben SBafferS auf, laffe eine ©tunbe tefee* frife ** ^ Hiertion gebe matt ein bis jwei Jljeelöffet tiott bret* bis tite mal tl«to» Ifere Jage bamit fort, ober fo lange bis bie garbe unb 8ef4«M * „, entieerungen eine günßige Veränberung geigt **7*^*,'Ul* „nfcfeäblidj nnb fann oljne gurdjt reidjlidj gegeben werben, gerner ^ bis fünfgefett Jropfen tierfüßte ©alpeterfäure ^*^™&** > Jage lang breimal tägiidj geben, tferits um auf bü M™T* fifl„e. M »irfen, tjttfe um bas gieber gu mürbem. StwaS grauenmung.» Das remittirettbe gieber ber Kinber. 597 auggejeidjnet, um bie »erfüßte ©djwefelfäure barin gu geben unb iß an unb für ßcfe ein nnriicfeeS «Kittel bei biefer Kranffeeit. Das Kinb trinfe bation, wenn es Witt, eine fealbe laffe »ott täglicfe, fatt ober warm. Studj ein Slufguß oon Koßmünge ift gu empfefelen. Sobann iß eS notfewenbig, ßcfe tonifcfeer ober fpegißfcfe ßefeertiertrrifeettber «Kebigü nen gu bebienett. Ss iß fefer ftfewer, einem fo fleinen Kinbe Sfeinin feeigubrtitgen, Iit welcfeer Bonn man es auefe gufeereiteti ober ben ©efefemad »erbeden möge. «Kon bereite baljer folgenbe «Kifcfeung : Kornelfbfefeenbaum* (Dogwood) Kinbe unb spappelrinbe, je eine Unge; ©ewürgnelfen, Samaico-«pfeffer, «KuSfatnuß, 3immet- rinbe unb Sngwer, je eine tj albe Unge; bieS foefee man in brei pinten SBaffer lang- fam bis gu einer fealben pinte ein, feifee burefe unb fuße, fo baß eS einen angenefemen S^rup gibt. Dies iß ein tiorgüglidjes Präparat unb fann in allen giebern bei kinbern als gutes Srfa^mtttel für bas Sfeinin gelten. «Kan gebe ein bis gwei Jfeeelöffel »oll jebe ©tunbe, wäferenb beS Vormittags ober wäferenb ber fieberfreien ßeit. «Kan fafere mefere Jage lang, ober bis baS gieber tiertrieben iß, bamit fort. SBenn man Sfeinin gebraucfeen will, fo tl)ue man iwei Ungen SBaffer in eitt gtäfefe- cfeen, tropfe fünf bis fecfes Jropfen ©djwefelfäure unb fcfeütte fünf ©ran Jattnin unb jefen ©ron Sfeinin feinet«; löfe burefe Umfcfeütteln gefeörig auf. Das Janttiit iß eineö ber beßett «Kittet, um ben ©efdjmad beS StjininS gu tierbeden unb wirft außerbem aßringüettb auf beu Darmfanal. Ss ift in jeber Slpotfeefe gu feobett. SKan fann bies Präparat, je nodj bem Sllter bes KinbeS, in Dofen tion einem tjat= ben bis gu einem gongen Jfeeelöffel tiott, mit etwas ©prup, «Kildj, ober was baS Kinb am Üebften feat, geben, unb in berfelben Strt, wie baS anbere «Kittet ßünblicfe bü jweißünblid, wäferenb bas gieber nacfegelaffen, geben. «Kan fafere bamit fort, bü bas ©ange »erbraudjt iß; gebe jebod) nicfet metjr, als ein Viertel bation wäferenb foi JageS. Sine anbere gute «Kettjobe iß, ben Unterleib, ober beffer nocfe ben gangen Körper, einmal täglicfe mit einer Slbfocfeung ber Koruetfirfefeenrinbe — ober biefer unb ber «Pappelrtnbe — gu wafefeett. Die Kinbe ber 3üürefd)e iß ebenfo gut, als bie beiben anberen. Sitte biefe Ktnbett finb ftarfe, bittere unb tonifcfee «Kittet unb wirfen in biefer Slnwenbung tiermittelß ber Slfeforption ober Sluffaugung burefe bie Haut. Sine äfenlicfee «Kaßregel ift, einen Umfdjlag tion je einer Unge Stjittarinbe, Sngwer unb «Ucuslatnuß, mit einer Hanbtiott SBeigenfleie ober etwas «KaiSmefel uub feeißem SBaffer gu einem Vrei angerüfert, warm über ben gangen Unterleib gu legen unb benfelben bes Jags ober bes KadjtS über barauf gu taffen. SBenn er troden wirb, feudjte man wieber mit warmem SBaffer an. SBenn ©pmptome ber ©efeirnerfran* fung »orfeanben ßnb, was ßd burdfe eine Slrt betäubten unb fdjlaffüdjtigett 3ußanb Ui Patienten angeigt, fo muffen reigenbe Umfdjläge gemadjt werben, um als ©egen- reije unb Slbleitungsmittel tiom ©etjirn gu wirfen. «Kan mifefee bann gu obigem Umfcfeläge etwas ©enfmefel unb Sngwerpfeffer; ober man lege orbeuttiefee ©enfpßaßer ö«f ben 33aud), in ben Kaden unb auf bie güße ober bie SBaben. Ss muß euer* gifdj eingefdjritten werben, fobalb ber Kopf ergriffen fdjeint. «Kan gebe ein fräftiges Slbfüfermittet unb wieberljole baffelbe einen Jag um ben anberen; madje falte Utnfdjfäge auf ben Kopf unb wettbe wiebertjolentlicfe ©egenreige an. SllS Sibfübr- wittel eignet fidj feier befonbers boS Poboptjpttitt; fcfeon barum, weil feine große ^enge als Doßs erfaberfict) iß. «Kan netjme brei ©ran, ttjeite in fecfes Puloer 598 ©unn's Haus-Slrgt. unb gebe eines alle brei ©tunben mit etwas füßem 3»gwer ober Pfeffermünjtbn bis es wirft. Sluefe rin ßärfer Slufguß tion ©enneSblättern unb 3alappe, mit ßttmoi Jartari, in ©prupform, ift eine gute Purgang in folden gälten, rtcr, iPa« fc giemltd baffelbe iß: man nebme eine Unge ontibiliöfes Puloer (ßefee Kegepte), gitfa eine fealbe «Pinte focfeenbeS SBaffer auf, laffe es einige «Kinuten long am Tjeuet feifee burdj unb füge eine Unge Sremor Jartari unb tiier Ungen weißen 3udtr (jin;u foefee nodj einmal auf, um ben 3uder aufgulöfen, unb es iß fertig gum ©ebrauebt. Dies fann reiefefid) in Jfeeelöffelbofeit aüe gwei bis brei ©tunben gegeben werbtn, bis es grünblid wirft. Ss iß eines ber beßen unb ßdjerßen SlbfüfermUtel, bte befannt ßnb, uttb eignet ßcfe für «Perfonen jeben StlterS unb In allen Verfeältniffen. Ier 3wed beS grünblidjen SlbfüferenS bei biefer Kranffeeit, unter ben angegebenen Umftänben, iß, ben Vlutanbrang tiom Kopf obguleiten; es iß nur bann nötfeig, wenn bie Kranftjeit ßd) auf ben Kopf in werfen fdjeint; eine gute Purganj, bti 3eiten angewenbet, fann fo oft bie fcfelimmßen golgen tierfeüten. Die Hautpflege barf mittlerweile nicfet tiernacfeläfßgt werben. 3n mandjen fallen ßnb warme Väber SlbenbS unb «KorgenS unb Keibungen ber Haut, baju ber mäßige ©ebrauefe beS neutralißrenben JranfeS ober bes Kfeoborber unb «Kogneßa-oprup« nnb ber tierfüßten ©alpeterfäure, Stiles, was nott)wenbig iß. 51 n bie (Altern, Der wab,re 3r»ed ber Srgiefeung iß, ben Kinbern geißige Hülfsmittel ju geben, welcfee für bü gange Dauer bes SebenS oon Ku^en finb — gäfeigfeiten, welcfee buraj bü 3eü tiertiottfommnet, nicfet geßört werben — einen Veruf, burefe welcfeen Kranf- tjeit erträgtiefe, bie Sinfamfeit angenefem, bas Sllter eferwürbig, baS Seben wertfesoltet nnb nütüidjer uttb ber Job weniger fcferedlid) gemadjt werbe. Die erße «Beletjrung, wetdje bas Kinb burefe bas «Beifpiel ber Sltern ßcfe aneignet, feat ben ftärfßen ßinfutj auf bie Vitbung bes fünftigen SfearafterS. Sfee ber ©eift bie gefeörige Keife erlangt feat, um feibftßänbig benfen gu fönnen, hliden wir gu benen auf, welcfee bie «Ratnt gu unferen Hütern beßetlt feat, um eine «Bericfetigung ober Veftätigung unfern Siitßcfeten. Sn biefer Strt gewinnt bie eltertiefee Stutorität eine ©ewalt über ben ©eift ber Kinber, bie nie tiernlcfetet werben fann. Unb glüdlidj fönntt fiefe ut «Kenfcfe, feeit fdjä^en, wenn bas Kefultat immer bie Viibung eines ebten unb mann* Itcfeen StjarafterS wäre. Die «Betrachtung ber erßen Kinbtjeitsperiobe-tiefet grütjlingSgeit beS menfdjtldett SebenS — ift tiott tion bem garteßen 3nterejfe. SBir fottten bebenfen, baß ber DrganiSmuS beS KinbeS einer beßänbigen «Beranberung fäfeig ift; baljer ift es unfere Pfficfet unb liegt es bis gu einem gewiffen ®rabe in unferer «Kacfet, fowofel in geißiger, als in förperlicfeer «Begiefeung ifem jenen Normal- guftanb ber ©efunbtjeit mitguttjeiien, wetdjer bie «Beringung feiner fünftigen Wi • feligfeü ift. Von atten ttjöridjten unb graufamen Hanblungsweifen, beren W elterlidje Verblenbung fdjutbig machen tann, iß feine mefer gu bcflagen, aU bteje- nige Srgieb, ungsmetb, obe, weldfee aus einem gewiffen ©tolg ober aus bem eb er Sin bie Sltern. 599 SBunfcfee ber Vertiofffommnung, bem Kinbe Slufgoben ßettt, welche ßcfe, erß für bie reifere 3ugenb eignen, ober »on ber Sugenb Kenntniffe tierlongt, bie erß bem «Katt- neöatter gufommen. Ss beißt bte Vlütfeen gerreißeit unb gerßreuen, um gu ber gruajt gu gelangen; bocfe biefe grudt, wenn ße auefe, erreidjt wirb, iß unreif unb unnatürlicfe unb besfealb unfefemadfeaft. Ss iß ber SBabnßnn jenes egpptifdjeit 6fla»entreiberS, ber 3iegelßeine ofene baS bagu nötfeige «Kateriat gemadjt X)ahen wollte. SS iß eine Slußefenung gegen bie Vorfefeung, weldje, inbem fie ben «Kett- fefeen gum tiottfommenfteti oller ©efcfeöpfe madte, audfe feine gortfdjritte bis gur sollen entwidetung feiner Kräfte langfam fein läßt. Dafj Jrägfeeit bei Kinbern befämpft unb gleiß bei ifenen angeregt werben mux), »erftefet ftcfe »on felbß. Slber fann baS Herfagen ber fdjwürigßen Seftionen, bas eifrife ©tubiren im gefenten SebettSjafere, bas ©pielen fdjwiertger «Kußfftüde ,,»om 231atte" mit utiausgebilbeten gingerefeen, fantt irgenb eine ber SBunberprobuftionen, bie uns bisweilen »orgefüfert werben, einem jungen «Käbdjen bie Kofen ber SBangen eiferen, welcfee bei folefeer Srgieljung erbleicfeen mußten? Kann irgenb eine biefer frütjreifen gertigfeiten ße für ben turgen Sttfeem, ben gefdjwunbenen Slppetit, bas »erfrümmte Küdgrat, ben »erlorenen fröfelicfeen ©lang ber Slugen unb bas einßige ©efüfel ber SebenSfrifcfee, weüfeeS nicfet mefer burefe ifere Kertiett gittert, entfcfeäbigen? SBäferenb bie Snergie ber SebenSfräfte unbeeinträefetigt bleibt unb itjre Steußerungeit in ben »erfefeiebenen Organen burdjaus fearmonifdj ßnb, gefeen atte Verriet) hingen. Ui ÄorperS gefeörig unb gteiefemäßig tior ßcfe. Dies iß ber 3ußanb, ben matt ©efunbfeeit nennt. Doefe fobalb bie ©eifteStfeätigfeit übermäßig angefpaitni wirb, tritt eine 33erätiberung im gangen Organismus ein uitb es erfolgt Kranffeeit. ßu jeber 3eit bes SebenS ift übermäßige unb atujaltetibe geiftige Slnftrcnguug fäjablicfe; aber in ber Kinbfeeit unb ber früfeen Sugenb, wenn ber Sßau bes ©efeirns nodj gart unb untiottenbet ift, entßefet natürlicfe, burd) ungwedmäßige Vefeanbtung Diel leicfeter ein bleibenber Kacfetfeeil, als in fpäteren, reiferen Saferen. Sn biefer £)inftajt barf man feinen Unterfcfeieb gwifdjen bem ©efeirn unb anberen Jtjeiten beS Körperö macfeen. Dies Organ leibet ebenfo gut unter tiorgeitiger Stnftrengung, als bie Änocfeen unb «Kusfeln. ©fropfeulöfe Kinber ober folefee, bie mit ber ettglifdjett Kranftjeit befeaftet finb, pflegen bie gewöfenlidj ßeit Opfer biefer tierfrüfeten SluSbil- bung gu werben, ©ie geiefenen fitfe meiftenS burctj einen großen Kopf, geiftige grüfe- reife unb einen fleinen, fcfewädticfeett Körper aus. Slber in biefen gätten iß ber große Umfang beS ©efeirns unb ber fefenett entwidelte Verßanb nur baS Srgeugniß tinti franftjaften SBacfestfeums, unb felbß bei ber größten ©orgfalt bringt bas Kinb bie erßen SebenSjafere gewöfenlicfe tribenb unb in beftänbiger ©efatjr ernfttiefeer Kranffeeitsanfätle gu. ©tatt baß nun aber bie Sltern fudjen fottten, biefer ungel- egen ®eißeeHfeätigfeü einen Hemmfcfeutj angulegen, laffen jte ßd) nur gu oft burefe falfdje 3ärttid)feit unb burdj bie Hoffnung, rin junges ©enie in bie SBelt gefegt gn tjaben, bagu »erleiten, biefetbe burctj Unterridjt immer metjr anguregeit unD burctj ben nie fefelenben ©porn beS SobeS auf's feöcfefte angufpannen. Sine 3eit lang gefet Ui fo fort, ifere wärmßen SBünfdje fctjetnett ßdtj gu erfüllen unb ße fdjmeidjetn ßd) mit ber Slusßcfet ouf ben Jag, wenn baS junge SBunber feine Jalente »or ber SBelt feudjten laffen unb iferen Kamen mit Kutjm bebeden wirb. Slber in bemfelben «erfeältntß, als bie Jräume itjrer Sinbilbung glättgenber werben, nimmt bie wflferfajeinlidcjfeit itjrer Verwirflidfeung ah; benn bas burefe tiorgritige Ueberreignng, 600 ©uttn's Haus-Slrgt. erfdfeöpfte ©efeirn erfronft entweber ober tierttert feine ©pannfraft, unb bie SSerftan- bestrafte bleiben für bie übrige SebenSgeit fefewacfe unb feerobgcßimmt. Das »er. meintlicfee SBunberfinb wirb bann fpäter tion benen leidjt üfeerfeolt, beren weniger glängenber unb unfcfeeinbarer Slnfang ifem einen leicfeten ©leg gu »erfpredjen fcbien. SBer bas @efe£ ber natürlicfeen Kotfewenbigfeit, bos ebenfo im menfcMiajrn Organismus, als in ber übrigen SBelt waltet, gu feinem güferer nimmt, bem wirb es tior fein, baß in folefeen gätten gerabe bas entgegengefe^te Verfafercn beobaefetet werben fottte; boß anßatt bie ofenefeitt übermäßig erregbaren geißigen frifeigfeiten beS frütjreifen KinbeS angufpornett, man atte ©orgfalt auf bie SluSbilbung feine« übrigen Körpers unb feiner «Kitsfeltfeätigfeit tierwenbett unb es fo »iel als möglief) tion geißiger Vefcfeäftigung abgugütjen fuefeen fottte. ©tatt beffen wirb ti in frühen 3aferen gur ©efeute gefefeidt unb gum Semen angefeolten, wäferenb umgefefert ber gefunbe aber geiftig träge Knabe, bem etwas ©porn unb fogar 3^ang gum Semen gang gut tfeäte, gu Haufe befealten unb feiner gaultjeit üfeertaffen wirb. Gs ift bit« eilt boppelter Srrtbum, ber beiben Strien »on Kinbern fäjabet, unb ber für baö früfe« reife Kinb nidt feiten ben bleibenben Verluft feiner ©efunbljeit fowofel, alcJ feinet beneibeten geißigen Uebertegenfeeit gur golge feat. Ss fann fein 3n>elfel fein, boß Unwiffenfeeit »on ©eiten ber Sltern unb ?etjrer bie Haupturfocfee ift, welcfee eine tiorgritige unb übermäßige ©eißesausbilbung junger, »orgüglicfe fdj wä cfe lief) er unb früfereifer Kinber tieranlaßt. Dafeer iß es äujjerft notfe- wenbig, baß Sltern unb Seferer unb aüe «perfonen, benen bie Dbfeut »on Kinbern antiertraut iß, über biefen ©egenßanb aufgeftärt werben. Sdj feafee fo manefee Kin« ber, beren gäfeigfetten faß für wunberbar gefeolten würben, unter biefer falfcün SrgütjungStnetfeobe gu ©runbe getjen fefeen. Viele fterben frütj, im feefeften ober aefeten Safere, unb befealten itjre ungewötjnlidje geiftige Slufgewedtfeeit Ui nun legten Slugenblide, was ben Sltern ben ©djmerg ber Jrenuung nur um fo grojjtr madjt. ©ie gteicfeeit jenen fcfeönen S31umen, welche, faum erblüfet, erbletdjen. Slnbere waefefen auf unb erreicfeen bas «Kannesalter, ober mit fcfewäcfelidem Körpet unb gerrüttetem Kertienfpftem, unb ßnb ber Hppodfeonbrie, ber DpSpepße unb allen «Proteusformen bes KersenleibenS unterworfen. Kode) anbere biefer frütjen 2Bun> berfinber geigen im «Kanitesatter nur geringe ©eiftesfräfte unb ßnb bie bloßen wittenlofen SBertgeuge berer, welcfee in einem früljeren SebettSalter fefeeinbar feintet ibnen gurüdftanben. Dr. Sombe, in ©cfeottlattb, beridjtet über eines biefer SBunberfinber, beffen ©djidfal er tierfolgte. Die Umftänbe waren gerabe, wie bie eben befeferiebenen. Der früfjreif entmüfefte Verftanb würbe bewunbert unb burefe unfluges ?ob mit burefe tägtidje Vorffettungeit tior ben «Befucfeem, bie ßcfe einfanden, angefpotnt. «Kan legte it)m alle Strien unteri)attenber Vüdjer tior unb ließ es »on borgen« bi« SlbenbS lefen, wäferenb ©piel unb Bewegung tiemacfeläfßgt würben; man erlaubte ifem eine »otte unb reigenbe Diät unb üerwöfente feinen Slppetit burefe alle tnögliden Sederbiffen. Das Kefultat war bie ©dwäcfeuttg einer bereits fefewaefeen Äörptwer« faffung, etit fjofjet ©rab neroöfer Keigbarfeit, geftörte Verbauung, unregelmäßig« ©tutjtgang, mangelfeafte Smäferung unb fdjtüßtidr) ber Job - gerabe al« Ui Sntereffe für feine geißige grüljreife auf bie größte Höfee gebiefeeit war. SllS ein warnenbes «Beifpiel, baß bte SluSbilbung bet Äinbet ma>i übereilt werben fottte, mag biefer gatt tion Kutjen für Sltern unb Kinber fem. allgemeine S3 e tn er f un g e tt. 601 %W$emeine f8emetfungen. Sa gibt fein erfeabenereS Vilb auf Srben, als eine «Kutter, welcfee an bem Saget elnea tfeeuren KinbeS nieberfniet, iferen Kadett in liebetiotter 3ärtticfefeit tion ben (leinen Slrmen umfcfetuttgett, ober bie feine toftgen Sippen fußt, über welctje mü einem gefunben Sltfeem ber reine ©eift ber Siebe unb Unfcfeulb ausftrömt, «Kit einem ©efüljle beS ©tolgeS blidt bie «Kutter auf beffen entgüdenbe ©djöntjeit fein; aber inbem ße unoerwonbt in bas feolbe Slntliij fdjout unb ben geringften SBecfefel in ben 3ügen beobaefetet, fteigt ptöiüicfe eine büftere Stfetiung in ifer auf; itjr bunfles Sluge geigt eine innige unb unausfprecfelicfee 3ärtlicfefeü, unb ein falter ©cijauer ergreift fie bet bem ©ebonfeit, baß biefe fdjöne, X)offnungStiotte Knospe tion ber falten #anb bes JobeS feerüfert unb in iferer «J)radjt eine 33eute bes ©rabes unb ber Ver- tiefung werben fonnte. SBaS iß fo innig, fo ertjabett, fo gtüfeenb, fo rein, fo natje tierwanbt mit bem SBe- fen ber göttlidjen Siebe, als bie Siebe einer «Kutter! Ueberatt uuter ben «Kenfdjeit, loofetn wir bas Sluge wenben, gewatjren wir ben Sinßuß ber «Kutterliebe. 3« unferen SBiberwärtigfeiten unb Drangfatett, wenn Sitte, bie wir als unfere greunbe betradjtet featten, uns tierloffen, rtefetet bie tröftenbe ©timme einer «Kutter unferen gefunfenen «Kutfe auf unb befd)wid)tigt unfer geängftetes ©emütfe, inbem fte uns juflüftert, baß gulejü Stiles nodj gut gefeen werbe. Sin wie tiielen tierworfenen «Ken- fefeen unb unbanfboren Kinbern feot ßcfe gu atten 3eüen bie Siebe bes «KutürtjergenS gegen ben reuigen ©ofen bewäfert. 3ie erße Srgietjung ber Kinber, weldje tion ber «Kutter auSgefet, tjat ben ßärfßen Sinflufj auf bte Vilbutig iferes fünftigen StjarafterS. ©o lange ber Verßanb bes ßinbeä nocfe nicfet reif genug ift, für ßefe, felbft gu benfen, fefeaut es auf biejenigen, »eldje »on ber Katur gu feinen Vormünbertt gefegt ßnb, um feine Meinun- gen gu tierbeffern ober gu befraftigen. Sluf biefe SBeife gewinnt bie elterliche Autorität einen Sinßuß auf baS finblidje ©emütt), ber fpäterijitt nidjt mefer »erwiferi werben fonn. Datjer fönnen Sltern nie aufmerffam unb fleißig genug fein, bie »erfdjtebenen Stnlagen unb geißigen wie förperlidfeen Sigenttjümlicfefeiten tferer Kinber gu ßubiren. Kaum gwei Kinber tonnen gefunben werben, welcfee in «Ken gälten genau biefelbe «Befeattbluttg erforbern. Die Sigenfeeiten jebeS eingel- nen Kinbecj muffen erforfdjt werben, unb feine S3efe, anblung muß bemfelben angemef- fen fein, fo weit bied nadj eine» »orßdfetigen uub gefunben Urtbeile gefdtjetjen fann 602 ©untt's Haus-Slrgt. Denn frütj fdjon entwideln [idj feine geißigen Kräfte, unb guweilen treten fcfeon In bem «Säugling befonbere Sfearaftergüge beutliefe feertior. Das große ©efeeimniß in ber Kinberergiefeung iß, ifere Siebe ju gewinnen xxx\\ ;u erfealten. Dies ßößt Stdjtung ein unb madjt ße geneigt guin ©efeorfam. «Jlii fottte man im 3orne tior ifenen erfdjeinett. Vei ber Verlegung irgenb einer tem Kinbe befannten Verorbnung ober «Kaßreget iß eS weit beffer, es mit fanfter lir« mafenung unb 3uredfetweifung gu tierfucfeen, als ben ©tod iu gebraucfeen. ©efeot« fam, ber ßcfe auf gurefet unb nictjt auf Sichtung unb Siebe grünbet, ergeugt 3fla»en unb gerßört bie angeborene Siebenswürbigfeit in bem SBefen eines ©ofene«, einer Jodjter ober eines 3öglingS. Kaufee ©djeltworte unb feäußge ©trafen macfeen ein Kinb oft feolsßarrig, befonbers, wenn es tiott Katur einen mürrifefeen unb wibw fpenßigett Sfearafter feeߣt. SBenbe niemals förpertlcfee 3ücfetigung an, auögenont« men wegen grober Vergefeen ober auefe wegett geringer gefeter, wenn bos Äinb eigen- finnig in benfelben befearrt. Unb wenn bie Kutfee gebraucfet werben muß, fo fann man bocfe in ben meißen gätten baS Kinb burefe freunblicfees unb (iebeoolles 3urtben übergeugen, baß baS Vergeben bie ©träfe notfewenbig madjte, unb baß es eudj leib tfeut, biefelbe anwenben gu muffen. Durd ein foldjeS Verfaferen übergeugt ifer fei. neu Verftanb unb ertjaltet eudj fomit feine Sldjtung; auf feine anbere SBeife fann bieS gefdjefeen. SBenn baS Kinb tion Katur böfe iß, — benn folefee Kinber gibt ti — fo wirb es burctj ©efeläge nocfe fdjlimmer. «Kit Vorßcfet fpriefe beinen labe! übet begangene gefeter aus unb fpenbe reidfelicfees Sob für gutes Vetragen. Srinnere biefe ber wiefetigen, auf atte SllterSftufen anweisbaren Sefere, boß ber Honig bie fliegen feerbeilodt, aber nie ber Sfßg. Die ®efe£e, nacb, benen Kinber »on Slnbeginn an geleitet werben, foüten rinfacfe,, flar, »ernünftig unb feß fein. Um Slnbere gefeörig gu regieren, muß man tior allen Dingen ftcfe felbft regieren, ©orge bafür, baß bie Vorfcferiften, welcfee bu gibft, burdj bein eigenes Veifpiei ben gefeörigen «Jiacfebrucf erijalten. Um ein Kinb auf ben regten SBeg gu leiten, mußt bu fetbß ben rechten SBeg wanbeln. Kinber finb fcfeorfe Veofeacfeter. Hüte biefe »or «parteiliefefeit; burefe ße ßnb fcfeon Hunberte oon Kinbern tierborben worben. ©ie werben biefelbe balb gewafer, unb es regt ßcfe ber Keib in iferem Hergen, weldjer atte fcfeönen ©efüfele bet Siebe uub Sldjtung tiottftänbig gerßört unb Sinbrüde gurüdläßt, bie im fpäteren Seben nie gong tiergeffeit ober tierwifefet werben. Dft tjabe idj tion Kinbern, bereit ©efüfele burefe bie porteiifefee ©unß erregt wür- ben, weide ifere Sltern gegen einen Vruber ober eine ©cfe. wefter geigten, wäferenb |ie tiemacfetäfßgt würben, bie Vemerfung gefeört: „D «Kutter, bu liebft SBilfeeltn mefet, als midj." Die tiortreffliefeen Sigenfcfeaften eines KinbeS mögen eS reefetfertigen wenn Sltern ftcfe geneigt fütjtett, baffelbe als iferen Siebling gu betraefeten unb ei ten übrigen Kinbern tiorgugiefeen. Sttteitt biefeS ©efüfel foüte »orßcfetig unürbmat werben, fonß läßt eine foldje S3etiorgugung in ber gamilie tiefe Sinbrüde für ta» gange Seben gurüd, unb niebt feiten gibt ßcb baS Kinb einem Seidjtßnne fem, weiset bie Hoffnungen mütterlidjer Siebe tiemiefetet. SBenn ifer wünfefet, ta\) eure Ätne ber Jroß unb bie ©tü£e eures SebenS, ber ©totg eurer gamilie unb bte 3^c . ©efettfdaft werben, fo madfeet itjr Herg gu einem ©i£e ber grömmigfeit. u ber rettenbe Stiget, weldfeer fte burcb, baS Seben begleitet, unb wentt ifer leben* lommt, fo werben ße nodfe ber ©ebete ßcfe, erinnern, welcfee ße »onben ^c, frommen «Kutter getjört fe, atten. Sßie oft tjaben biefe ©ebete ein tnnge* V j, «Allgemeine 33emerlungett. 603 grömmigfeit gefüfert unb ßnb ber ©runbßeitt fünftiger ©röße geworben, weldje auf ©fite ßcfe grünbete. SBie wicfetig iß es bafeer, baß bie erßen Sinbrüde, wetdje ein ßinb empfängt,rein uttb gut feien; benn biefelben bauern fort unb prägen fidj bem ©ebäctjtniffe tief ein, um iu tünftigen Jagen nocfe auf bas SBobl ober SBefee bes ÜJlenfajen iferen Sinfluß gu äußern. «Präge es bem Hergen bes KinbeS tief ein, wie wicfetig es iß, ßets bie SBaferfeeit gu fagen. 3uweilen wirb bas Kinb gur Süge geneigt burefe gu feäußge unb ftrenge ©träfe, inbem es baburdj berfelben gu entgefeen fuefet. 3n anberen gäüen lernen ße burefe ifere Sltern lügen, inbem biefelben itjre Äinber burefe Verfpreefeungen täufdjett, welcfee ße nidt erfüllen. Kinber muffen fo angeleitet werben, boß ße ftcfe fefeeuen, Unredt gu tfeun, weil es rine Verlegung iferer Jjflidjt iß unb ße ßcfe baburefe ber ©träfe ausfegen. Sbenfo erwede man in ifenen bie Hoffnung auf Velofenuug, wenn ße reefet X)anbeln. güfere beine Kinber an ber £anb ber Srgietjung auf bem SBege, ben ße gefeen fotten, unb wentt ße alt ßnb, wer- ben ße ifen nicfet mefer tiertaffen. Unfer Heilanb fagt: „Söffet bie Kinbleitt gu mir fommen unb weferet ifenen nicfet; benn foldjer iß bas Keicfe ©otteS." Die «JJeriobe ber Kinbfeeit, biefe grüfelingSgeü bes menfcljtidfeett SebenS, wie iß ße fo »ott gärtlicfeer Jfeeitnatjtne, »ermifefet mit ben ©efüfelen bes «Kitleibs unb ber Hoffnung, wentt wir bas garte Kinb betradjten, itt welcfeem ftd) uns eines ber rein- flen, feeiligßen unb fcfeönßen SBerfe ber ©cfeöpfung barßettt. Doefe biefe ©efütjle treten weit in ben Htiüergrunb, wenn »erglicfeen mit ber Siebe einer «Kutter, wetdje Jebeä anbere ©efütjt übertrifft unb ber fdfeönfte Sob. n für itjre ©dfemergen unb ©efafe,- ren iß. Slüein audj biefe Siebe iß nicfet otjne «Kafel. Hoffnung unb gurdjt ßnb 3r»itttngs- fefeweftem unb wecfefeln ab, wie Sidjt unb ©dfeatten in einem SanbfcfeaftSgemälbe. Stur an einem fefewoefeen gaben feängt bas Seben bes KinbeS. Daber iß es notfe- roenbig, biefes garte ©ebilbe gu fennen; benn biefe Kenntniß wirb bie waefefame Sorgt »ermeferen, welcfee bas eingige ©efefeäft unb bie unwanbelbare ^Begleiterin einer feingebenben «Kutter ift. greube unb Seib feat ber Ijimmttfdje Vater auf unferer Sebensreife fefer weife tier- tfeeilt. 3eber ©enuß feat faß immer eine etttgegengefejüe ©orge in feinem ©efotge. 3e größer bie Suft, beßo .empffnblicfeer iß oft ber ©cfemerg. Das ßnb audj bü Srüeme ber reinen mütterlidtjen Siebe, bie balb in Sntgüden, balb in Slngß übergefet, je nacfebem ifere SluSßcfeten burctj Hoffnung erleucfetet ober burefe Vefürcfetungen tier- bunfelt werben. VefonberS ift bies ber gatt wäferenb ber früfeen Kinbtjeü iferer ©Sprößlinge, wo bereit gängtiefee Hülftoßgfeit faß feben Slugenblid in bem Seben ber Butter in Slnfprud) nimmt. Sie förperlidje Vefefeaffenfeeit beS KinbeS iß einer feeßänbigett Umbitbung fätjtg. bafeer tjaben wir es fefer feäußg in unferer ©ewalt, ben Körper fo gu formen unb gu erjietjen unb ifem jenen ©rab tion Vottfommenfeeit unb ©efunbljeit mitgutfeeilen, welcfeer *u feiner irbifdjen ©lüdfeligfeit utterläßtidj iß. ©o wirb bas göttlidje ©e- bot erfüllt, welcfeeS uns tebrt, „ein Kinb aufgugletjett in ben SBegen, bie es geljen fott, unb wenn es alt iß, wirb es biefelben nictjt tierlaffen." ®d iß bafeer mein fetjnftdjer SBunfdj, es eurem ©ebäctjtniffe einguprägen, baß kranffeeit bes Körpers audj Kranftjeit bes ©eißeS gur golge tjat, unb baß, wenn bie erften Swrfdjrtften befolgt werben unb auf bie erßen Sinbrüde, bie bas Kinb empfängt, gefeörig geadfetet wirb, bieS gu Jener geißigen unb förperlidfeen Vottlom- 604 ©unn'S Haus*Slrgt. mentjeit ungemein tiiel beiträgt, tion welcfeer bie ©efunbfeeit bes SeibeS unb bu fitt. lidfee ©djönfeeit abfeängt, unb welcfee bri tiorßcfetiger Vefeonblung auefe ber S'oitfung jener erblicfeett Keigungen tiorbeugt, mit benen bas Kinb feäußg geboren wirb. 3ttbem man biefe Slnweifungen beobaefetet, bte, wie frütjer erwäfent würbe, ton großer SBidjtigfrit ßnb, barf man nicfet »ergeffen, baß gwedmäßige Srjiefeung mit ber ©tunbe feiner ©eburt Üjren Slnfang nefemen muß. Denn mit ber ©eburt beginnt für baS Kinb ein neues Seben, unb es wirb unmittelbar bem Sinßuffe jenet äußeren Stnwüfungen ausgefegt, weldfee oft bie Urfadjen »on Kranffeeiten ßnb. Ss gibt tiütteidjt feinen ©egenßanb, ber intereffanter unb beffen Unrerfuajung uttb Veobacfetung widjtiger iß, als bie Kinberfranffeetten. Die Ketttttnifj betftlbtn, wenn ße mit einer paffenben uttb tiemünftigen Vefeonblung ber hinter »ertinigt wirb, tiermag benfelben bie größtmögliefeße Vefreiurtg »on ©cfemerg unb kranffeeit gu ßdjern. Die SebenSperioben, weide in biefem Vucfee befeaubelt werben, ßnb: bie Saug. litigspertobe, bie «periobe ber Kitibt)eit unb bas Knaben- ober «Käbdjenalter. Die ©äuglingsperiobe läßt ßcfe wieber in gwei 3eiträume abtfeeilen. Grften«: tion ber ©eburt bis gum Sintritt ber erßen 3äfene. 3weitenS: »on bem «Beginne bis gur Votlenbung beS erßen 3afenenS. Die gweite SebettSßufe, bie ber Kinbfeeit, erßredt ßcfe »on ber Vottenbung beS erßen bis gur Vottenbung beS gweiten 3almtn«. Die britte ©tufe, ober bie beS Knaben- ober «KäbcfeenotterS, erßredt ßcfe »om Peten- ten ober aefeten Saljre bis gum Sintritt ber «Kannbarfeit. 3n jeber biefer SebenSperioben ift bas Kinb befonberen Kranffeeiten unterworfen, bie jebodj tion ber elgentfeümticfeeit Sntwidetuug unb Vottfotttmenfeeit ber »erfefeitte nen Drgane unb ©inne beS Körpers abfeättgett. SS iß überaus wicfetig für bie Konftitution eines KinbeS, baß man es auf ben «pfab leitet, ber gu ©efunbfeeit unb Körperfraft füfert. SBenn ifer ben SBunfa) W, bieS gu tfeun unb ifem einen gefunben unb fräftigen Körper unb ©eiß gu geben, fi iß es nottjwenbig, tion ber früfeeften Kinbfeeit an bamit gu beginnen. Durcfe bie Kidjtbeacfetung biefer Kegel unb burdj tierfeferte Vefeonblung beim Slnfang bet Ii«. licfeen Sebens fann bte urfprünglidfee ©efunbfeeit ber Konftitution gerßört werben; bie Uebet erbtiefeer Hinfättigfeit unb ©cfewäcfee, wenn berglelcfeen »orfeanben finb, fönnen baburd, tiergrößert unb ber ©ame fünftiget Seiben unb Kranf tjeiten ausge- ftreut werben, welcfeer feiten wieber ausgerottet werben fann. Durcfe ©orgfalt unb paffenbe Vefeonblung fann bie Konßitutioit ober förperlidje Vefdaffenfeeit eine« Am- bes geftärft unb gefräftigt unb felbft fotdjen Kinbern ©efunbfeeit »eriiefeen wer en, beren fränflicfeer unb fcfewäefeiidjer Körper einen «Kangel an SebenSfrifcfee ju er en- nen gibt, ©o empfättgtiefe audj Kinber für Sinbrüde ßnb, bie entweber auj m«> ©eift ober itjren DrganiSmuS gemadjt werben, fo fonn es bocfe ntdjt begweifelt wer» ben, baß eS gafettofe gätte gibt, welcfee Sffeweidfeuitgeit unb Slusnafemen feter»on m> weifen; ja es liegt beinafee immer in unferer ©ewalt, bie ©ewofettfee.ten un m gütigen ber Kinber burefe ©orgfalt unb Slufmerffamfeit fo gu mobein ober gu , ober beutfiefeer gefproefeen, es fo gu ergiefeen, baß es einen ©rab pfepftfefeer* menfeeü unb ©elbftbetjerrfdjung erlangt, wie ße für ©efunbfeeit unb ®lutf|«i« erforberliefe, iß; beim auf uns Sitte üben ©ewotjnfeeit unb Srgte ung bebe Sinfluß. SBie ßcfe, ber Sfearafter ber Kinber burefe. Sebn unb Veifptel juerugm ; f«, wadjfen ße auf; benn es iß ein befannteS SBort: „Butter, bu feaß mir ef |i fl I • Sil lg emeine Vemertuitgeit. 605 «JJJan geßatte mir bafeer, jeber «Kutter, wetdje baS SBofel iferer Kinber mit uner- müblidjer ©orgfalt erßrebt, on'S Herg gu legen, wie wictjtig eS iß, baß ße ßdj felbß ber früfeen Unterweifung berfelben wibme unb ifenen ein gutes Veifpiel gebe. Denn iferer Seitung iß bos angettefeme ©efcfeäft anheimgegeben, bem aufbämmernbett Ver- flanbe bie erße Kiajtung gu geben unb bie Knospe unb Vlütfee gu fdjüijen, bis bie grucfet gur Keife gelangt. Söenbet barum euer Kacfebenfen auf biefen widjtigen ©e- genßanb unb blidet mit tiertrauungStiotter Srwartung unb Hoffnung ber 3ufunft entgegen, wo eure Kinber, wenn ber SBinter beS SebenS mit feinen ©djwädjeii unb ©ebrecfeficfefeiten ßcfe eitißetlt, eure fdjü^enben Sngel frin werben unb burdj ifere Siebe unb 3ärtlidjfeit eudj ben eingigen Jroß gewätjren, wenn euer SebeitStag ßd) ju feiuem Snbe neigt. (Siebente? 3t*f$itiU ÖDbiywygi^jcfcje &uwtifitxn$tu. SSSmtfcn nnb $&etlei£un$en. 'unbeit fönnen nadj ber Slrt, wie ße entßanben ßnb, eingeteilt werben im 1. © cfe n i 11 w u u b e n, bie tion einem fdjarfen, fcfeneibenbett 3nßrutneiiie, etwa einem Koßrmeffer, tjerrüferen; 2. © t i efe w u n b e n, bie mit einem gugefpinten Snßrumente, etwa einer Kabel, einem Kagel, einem SBajonette gemadjt würben; bisweilen iß eine SBunbe fowofel © cfe tt i 11- als © 11 cfe w u n b e, gum 23eifpiel, wenn fte burefe ein Doldjmeffer, weldjes fowofel fefetteibet, als ftictjt, »erurfaefet würbe; 3. S a g e r i r t e ober aufgeriffene SBunbett, bie burefe unebene ober ßumpfe ©egenftättbe entßefeen, wie burctj eine ©äge ober einen ©tein, ober burd wirfliefee« Keißett, etwa an tintm badtn; 4. D. u e t f et) w u u b e n, bei benen bie Haut nicfet bnrctjbrodjett ift, bodj bie baruuter tiegenben Jfeeile burdj feeftiges 3ufammenbrücftn »erlebt würben unb blau ober fefewarg, „blutunterlaufen" werben; 5. ©efeufwun» ben, bie burefe «piftolett-, gltntenfugetti u. f. w. entftefeen. Slußerbem fpriefetman oon tiergifteten SBunben, bie burefe ben Viß tion ©djlangen unb anbetengifti« gen Jfeieren tierurfadtjt wurbeu. Vetjaitblung tiott SBuuben. Die erße Stufgafee muß fein, namentlicfe wenn größere Vlutgefäße gerriffen wur« ben, bie V1 u t u n g g u ft i 11 e it. SBenn bie Vlutung nur leicfet iß unb (eine ©efetagaber »erlebt würbe, fo wirb X)äußg ber freie ©ebrauefe beS falten Käfer« ausreichen, ße gu füllen; ober ©alg unb SBaffer ober eine Siuflöfung »on Sllaun in SBaffer. SBenn bieS fefjlfdjlägt unb bie SBunbe offen ober oufgeriffen ift, ftreue man eine «Kenge gebranntes Sifenfulpfeat auf; mau bereitet baffelbe, inbem man etwa auf ritte glütjenbe, eifeme ©Raufet gewöfenlidfeeS trpßattirtrtes Sifenfulpfeat (Sifentiitriol, Copperas, Green Vitriol) fdjüttet, bis eS röttjttcfe wirb unb iu form- iofen ©lüden gerfättt; man pultierißre, unb es iß gum ©ebraudje fertig. & ti» «■ tiorgügtidjeS ßpptifetjes «Kittet für biefen ßwed. Kodjbem man genug ba»on aufgeftreut, um bie Dberßäefee ber SBunbe ober bie Jfeeile, »on benen bie Blutung auSgefet, bünn bamit gu bebeden, lege man ein Vüfdjei Sfearpie ober Saunt' wolle ober gufammengefaltete atte «KuSlinlappett auf unb befeßige bieS oetmttte p einer Vanbage. 606 SBunben unb Verlegungen. 607 Sßenn eine Slrterie getrennt würbe, was man baran erfenttt, baß bas Vlut tion feeurotfeer garbe ift unb ßoßweife bei jebem Hergfdjlage tjertiorfprtngt, fo gibt eS nur ein «Ucittet, bie Vlututtg gu füllen, ttämltdt) bie Slrterie gu nnterbinben. SBenn man bies nicfet tfeun tann unb baS Vlut reidjlidj feertiorßrömt, muß man fofort nad) einem Siegte fdfeiden. Doctj wenn bie SBunbe am Slrme ober am Veine iß, fann man für einige 3eit baS Herousßießeit beS arteriellen VluteS leicfet tierfeinbern, inbem man eine ©efenur feß um ben Slrm ober bas S3ein binbet unb gufammengütjt, unb »war muß bieS ebenfo wotjl obertjatb ber SBunbe, als audfe oberfealb beS SttenfeogeitS ober beS KnieeS fein. Da ber Dberarm unb ebenfo ber Dberfdjetitet nur einen eingelnen Knoefeen tjat, fo fann man burefe feßeS ©efenüren bie Slrterie genügeub jufamntenpreffen, um baS Vlut tiott bett tiefer tiegettbett Jfeeilen abgufperren. Doctj ift bieö nur ein geitweiliger Kotfeferijelf, bis djirurgifdjer Veißanb fommt. SBentt bie SBunbe att einem anberen Körpertfeeile iß, am Kumpf, Kopf ober Hälfe, uub ©efafer iß, baß ber «patient gu Jobe btute, fo bleibt nicfets übrig, als gu tierfuefeen, bie biutenbe Slrterie gu ßnben, fte gu faffen unb gu nnterbinben. «Kan fann bieö gewöfenlicfe, wenn matt ßefe bie ttötfeige «Küfee gibt unb ftd) burdj bas feertiorquettenbe 53tut nicfet erfdjreden läßt, aud ofene große ctjirurgifcfee Kenntniffe gu ©tanbe bringen. «Kan wafcfee bie SBunbe mit faltem SBaffer aus unb paffe bann genau auf, an welcfeer ©tette bas feettrotfee Vlut feeroorfpringt; tjier ift bie Slrterie, bie man entweber mit einer fleinen 3<*nge, ober in Srmangeluitg berfelben mit ben gingern faffen muß; wenn es bei bem erßen «Kate nicfet getjt, tierfucfje man wieber unb immer wieber, bis es gelingt; man giefee bann bie Slrterie forgfam ein wenig tjertior unb (afe 3emanbett einen ßarfen ©eiben- ober 3roirnSfabeit umbinben, ber taug genug fein muß, um aus ber SBunbe feerauSgufeängen, bamit er fpäter, wenn bie Slrterie abgeflogen wirb unb bie SBunbe gufeeilt, leicfet IjerauSgegogen werben fann. SBentt eine große Vene, ßott einer Slrterie, getrennt ift, fo ift bas Vlut tion bunfter, mefer blaurotfeer garbe unb ßießt in einem gteiefemäßigen ©trom feerauS. SBenn ßefe baffelbe nicfet burefe anbere «Kittet füllen läßt, fo muß ße ebenfo wie eine Slrterie unterbunben werben. Kacfebem es gelungen, bie Vtutung gu ßitten, uub itactj Sntfernung atter frember ©egenßänbe, bie in ber SBunbe gurüdgeblieben feitt mögen, wie ©plitter, ©d)mu£, ©anb unb bergteitfeett, bringe man bie Känber ber SBuube an einanber, fo baß ße wo mögliefe ofene »orijergetjenbe Siterung gufammentjrite. Dies ift hei ©dtjnittwun- ben gewöfenlicfe tnögtid). Hürgu braudfet man fogenannteS Hef tpflaßer (Ad- häsive Plaster), baS itt jeber Slpotfeefe gu X)ahen iß. «Kau fctjneibe baffelbe in Streifen »on einem Viertel 3ott bis gu einem 3ott Vreite, je nad) ber ©röße ber Sßunbe, unb long genug, um auf jeber ©eite auf ber gefunben Haut einen Hatt ju feaben, fo baß bie Känber ber SBunbe t)ütlättgtictj feß gufammengetjalten werben fönnen. Ttan bringe bann bie Känber ber SBunbe fo natje, als mögtidj an einan- ber, wärme bie «J)flafterftreifen ein wenig unb tjefte ße quer über bie SBunbe, inbem man ein wenig 3wifcfeenraum läßt, bamit bie «Katerie, bie ßcfe etwa bilben follte, fetjen befommen unb gu tjeifen beginnen wirb. SBenn es reigbar unb entgünbtiefe wirb, madfee mon nur erweiefeenbe Umfcfeläge mit Kuben ober Ulmenrinbe, bis bie Smpßnblidjfeit unb Sntgünbung nacfela . ©obann muß matt bie geeigneten ©aiben auflegen, um bos ©efefewür jufeeilenjn laffen. Sine ber beßett, bie man git biefem 3»ede brauefeen fann, iß bte grün ©albe, welcfee folgenbermaßett bereitet wirb: man nefeme Harg, ^aa)i «* ©djweinefett, je eine Unge; ©rünfpait (efßgfaureS Kupfer, Verdigns) e.ne Xmot , bie brei erßen Slrtifel werben gufammengefcfemolgen unb bann ber ®^anf. gerüfert; man mifefee gut. StwaS tion ber ©albe wirb auf ein Sappefeen tfrtf» unb gweimal täglicfe, frifcfe. aufgelegt; tiorfeer wafcfee mon *a*WW«l mit einer «Kifcfeung tion gleiefeen Jfeeilen «Kprrfeen-, Slloe* unb »luto«r»i« aus. SBenn fcfewämmtgeS ober wilbeS gleifefe erfdeint, ßreue man gepuwer« ^ würget ober gebrannten Sltaun ober Slefjfalt auf unb wafcfee tion 3«t j« 3 eütet HBttenßein-Söfung. Vei fetjr ittbolenten ©efdjwüren fann e« 0 ©efdjwüre uttb alte SBunbett. 613 aettgcntlidj ein in Höttenßein-Söfung getränfüs Säppdjen aufgulegen, inbem man bie utngebenben Jfeeile forgfältig fefeü^t; man laffe es einige ©tunben barauf unb lege bann bie ©albe auf. Durdj b:n reidjtidjen ©ebrauefe bes HöttenfteiitS in Söfung fann man bie fdfelimmßen ©efefewüre biefer Slrt leicfet guin Heilen bringen, felbß in galten, wo jebes anbere «Kittel fet)Igufcfelageu fdjeint. @« fann notfewenbig werben, bie Känber bes ©efcfewürS wieberb,otenttid) mit tau* ftifcfeer «Pottafdje ober einem ©tüd Höttenßein gu befüeidjett. Slnftatt ber grünen ©albe fonn man audj bie fefewarge (f. Kegepte) braudjen; ober abwedjfelnb, einige Jage lang bü eine unb bann bie anbere u. f. w. ßu Umfdtjlä- gen in fotdjen gätten ift eine Slbfocfeung tion wilbem 3nbigo, mit geriebener Ulmen- rinbe »erbidt, gu empfefelen. SBenn ßd Keigung gum Vranbe geigt, ßreue man gegitterte Holgfofele auf unb füge ben Umfdjlägen Hefen feingu. Das gelegetttlicfee S3eflreicfeen ber Känber beS ©efcfewürS mü einer gleiefetfeeiligen «Kifcfeung tion Vern- fteinöl, Vlutwurgel-Jinftur unb Sapennepfeffer-Jinftur iß bisweileit fetjr bünlicfe, um bie Heilung berfelben gu beförbern. 3njwifcfeen tierttadjläfßge man nicfet ben ©efammtgußaitb bes DrganiSmuS. «Jflan babe feäußg ; erfealte ben Seib offen burdfe gelinbe abfüljrettbe unb alteraritie «Mittel unb braude tion 3eü gu 3eü eine fräftige «Purgang. Vei lang attfealteit- ben, feartnädigen ©efefewüren iß es oft fetjr notfewenbig etwas gur Vtutreiniguitg gu tfeun. «Kan madje einen ©prup ober eine Slbfodjung tion ben SBurgetit ber Kletten, ©elbampferS (Yellow Dock), beS «KottbfametiS uttb beS ©affafraS, Hottuitberblü- tfeen unb SBilbfirfdfeettrtnbe. 3U jeber «pinte füge man eine Dradjme 3»bfali unb brauefee eitt SßeittgtaS tiott gwei- bis breimal tägtiefe. Das »arieöfe ober Krampfabergefefewür. Diefe Slrt ©efefewüre lommen faß nur an ben Veinen tior, gewöfenlicfe in ber üläfee be« StttfelS unb an ben SBaben. Die Venen in bem betreffenben Jbrile ßnb immer erweitert unb gefcfewotten, baljer ber Käme. 3nt übrigen fönnen bie ©e- fdjwüre irritabel ober inbolent fein, ©ie ßnb gewöfenlidj fetjr empßnblidj gegen Verüferung unb tierurfadfeen bti ber Vewegttng beS ©liebes oft große ©djmergen. «ßeinatje alle fleinen Venen in ber Umgebung leiben mit, unb bie btaurottje garbe bet wunben ©tette erßredt ßctj weit utnfjer. Das Vein iß oft bebeutettb.gefdtjwollett, nur in golge bes überfüllten 3ußanbeS ber Venen. Vefeanblung. — SBenn bas ©efdtjwür ben irritablen ober ben inbotettten Sfearafter trägt, befeanble matt eS bemgemäß. Die eingige (Stgentbümlidjfeit ber Vefeanblung, welcfee erforberliefe iß, wirb burd) ben überfüllten unb erfefetafften 3u- (tanb bet Seiten im leibenben Jfeeile bebingt. «Kon braudje bagegen aßringirenbe «nb ftärfenbe SBafdjuttgett, gum Veifpie-l eine Slbfodjung tion Sidfeenrinbe mit etwas älaun barin, ober ©attäpfel- unb Satedju-Jiiiftur. SBeitit bie ©efefewüre träge erfcfeeinen, brauefee man baneben, gum Sluswafdjeit berfelben, eine «Kifdung von Sapenne-Jinttur, «Kprrljen-Jinftur unb Vernßeütöl. 3lud) wirb es gut feilt, baS ®lieb, ein- ober gweimal täglicfe, ben Dämpfen bitterer Kräuter auSgufe&en. SS iß bte« ein »orjügficfees «Kittel. Serner iß es »on großer SBidjtigfrit einett fogenattttteit Kotttierbartb angulegen. berfelbe beßefet in einem langen ©treifen Seiitwanb, etwa iwti bis brei 3ott breit; K* «ujj lang genug fein, um ben guß unb bas Vein bis gum Knie ober oberb^Ib ber 614 ®unn'« H«us-2lrgt. ©efdwulß gu umwideln. «Kan beginne bei ben 3efe>n unb widle in bit «Runbe, ben Verbanb tmmer feßer gufammeitgüfeeitb ; gulefcr, wentt man att bie gefdwollene ©tette fommt, fo feß, als es irgenb ertragen werben fonn; bie Känber be« Sjttban- beS muffen einanber fdjuppenartig überbeden. «Kan nebme bü Vanbagt wenigen« jeben Slbenb unb jeben «Korgen ab, um bie ©efefewüre gu wafdjen unb frifcfe gu »er- binben unb, wenn nötfeig, bie Väfeungen mit feeißen Kräuterbämpfen »orguntfemtn. Dann lege man ben Verbanb, wenn es gefet, jebeSmal etwas feßer, wieber an. Durcfe bieS Verfaferen wirb bas ©efewetten unb bie Ueberfüttung ber Vltitgefäfjt »er mittbert werben, unb in einigen Jagen fönnen bie ©efefewüre fo weit fein, bafj man anfangen fann, ße gugufeeiün. Von ßtit gu 3eü mag es notfewenbig fein, warme Umfcfeläge gu macfeen. Doefe im übrigen fafere mon mit ber Vanbagt regelmäßig fort, unb wenn bie ©efdjwulß gu weiefeen beginnt, wenbe man bie geeigneten Heil« falben unb SBofcfeungen an. SBenn bie Känber bes ©efcfewürS feart finb unb nicfet feeilen wollen, madje man fleine Sinfdfenitte, lege reigenbe unb aßringirenbe «Dtittel auf unb äfce bisweilen. Das Seiben iß nidjt fetten unb tjat bisweiten fcfeon fefer lange beßanben. Doefe wenn man obiges Verfaferen forgfältig unb gebulbig befolgt, tann man barauf redj- nett, Heilung gu bewüfen. Die allgemeine Vefeanblung muß ätjnticfe,, wie bie bei anberen ©eftfe, würen empfoh- lene fein. ©er SBtank «Kan unterfefeeibet gwifdjen bem fogenannten Reißen unb falten S3tani (©angräne unb «Kortißfatton). Srfürer iß ber Uebergang gum lederen; lederet bie 3erfer3ung ober ber Job eines Körperteiles, wäferenb bü angrenjenben ober nmgebenben Jfeeile nodj gefunb ßnb. Der Vranb fann bie golge ober ber 3lu«gang einer Sntgünbung fein, wü bei Sntgünbung beS Darms ober anberer Körpertfeeile; ferner, unb gwar meißens, entftetjt er burdj SBunben, Verlegungen, Verbrennungen; ebenfo burefe Srfrieren, burefe, Drud, weiter bie 3üfuiation beS Vfute« att einet ©tette tiertjinbert; bei ber SBafferfucfet, bem ©corbut, ©efdjwüren unb betgtetefeen. ©obalb ber Vranb eintritt, feört ber ©cfemerg, wie groß et audj 8«»p* Der Kafenpotpp iß ein welcfeer SluSwucb,S ober ein fefewammartige« ®cwaaH welcfeeS ßcfe in ber Kafe bilbet unb bisweilen burefe feine ©röße bebeutenbe Vefcfemet« bett tierurfadtjt. Ss gibt eine Slrt tion «polpp, welcfee feart, gäfee unb fnotpclatttg ifc bodj biefelbe iß äußerß fetten; ber gewöfenlicfe Kafenpolpp iß weiefe, fcfewammta, tion Ijettrottjer garbe, nitempffitblidfe nnb iß mit ber inneren gläefee bet «Naß butfl) eine bünne SBurgel, gewiffermaffen einen ©tengel, tierbunbett. Sr nimmt bt«wetlen fo an Umfang gu, baß er bie eine ©eite ber Kafe gang ausfüllt unb felbft bervor- tritt. Visweiten tritt er nictjt naefe tiom b,ertior, fonbern nadj feinten unb retcj bis in bie Kadjenb,öfete, fo baß es baS ©djludeit erfdjwert. Sluefe ftt» ut*I oft an ober nimmt an Umfang gu, ber ©erudfe iß tfeeilweife ober gang mm, bas Sittjtnen burefe bie Kafe unmögfidfe, bas Hören erfdjwert unb anbere tan 9. ©pmptome geigen ^d). Kafenpotöp. 617 Vefeanblung. — 3m erßen ©tabium, wenn ber Sluswucfes nod) Hein iß, fann ber «polpp leicfet unb mit wenig ©cfemerg unb Unbequemliefefeit turirt werben. ÜRancfee Slergte ßnb bafür, fofort eine Dperation tiorgunetjtnett ober lljn tiermittelß eine« SnßrumenteS gu entfernen; bod biefe «Kettjobe tjat fetten ben gewünfdjtett (Erfolg unb iß niemals nottjwenbig, fo lang ber «polpp nicfet groß ift unb ttidfet tiiel Unbecjuemllcfefeit »erurfadjt. gür atte gewöfenliefeett gätte werben bie folgenben ©dfenupfpnloer auSreidfeen: matt neb, me gleidje Jfeeile fetngeputoerter Sorfeeerrittbe unb «pobopfepttum- (Sntenfuß-) SBurgel unb bü boppelte Quantität — ober fo tiiel wie beibe« gufommengettommen — Vlutwurget; mifefee gut unb fdjnupfe ein wenig baoon mefermals täglicfe ouf ber ©eite, wo ber «potpp ߣt. SBenit es nidjt burd) ©efenutifen auf bie ©efcfewulß gebradjt werben fann, muß es in einer anberen SBeife in bie Kafe eingefüfert werben; baS, worauf es antommt, iß, baß bas «Pultier mit ber gangen Dfeerßädje bes ©ewäcfefes in ber Kafe in Verüferung lommt, woburd) baffelbe atlmälig gerßört werben wirb. «Katt tann bieS aud) bewüfen, inbem man einen Sappen um irgenb eine Strt ©onbe ober ©täbdtjen widelt, tfett naß madjt uttb in ba« «Puloer touefet unb bann in bie Kafe fdjübt. Ss iß ferner gut, ben «Polpp, ober bie Jfeeile bo»on, bie man erreichen fantt, tiermittelß einer fleinen djirurgifetjett 3ange (Forceps) gu gerquetfdjett ober ©tüde bation abgulneifen uitb bann bas «puloer feinaufgutfeun. Dies wirb ben Sluswucfes attmälig ertöbten; er wirb guerß ftfewarg werben unb bann abfaulen. Doefe muß man barauf rednen, baß biefer SProgefj eine giemlidje 3eü erforbert, uub muß feetjarrliefe bas angegebene Verfabren fortfefjen. Sluefe geputoerte ©cfeminffeeerettwurgel ift gut unb fann entweber allein ober in 33erbinbung mit ben anberen «Pul»em gebraucfet werben. Die Vlutwurget allein wirb bas ©ewäcfes ertöbten; bodj tjabe idj eine «Kifcfeung tion gweien ober breien biefer «pulüer immer am wirffamßen gefuuben. Sßenn es »orgugietjen fein fottte, ein flüfßgeS «Präparat anguwenben — was gur Veränberung feäußg fefer gu empfefelen tß — fo gebrauche man golgenbes : gefättigte ober ßarfe Vlutwurget-Jinftur (bie mü Sfßg bereitete ift am beßen), gwei Ungen ; barin löfe mon »or bem ©ebraudje gwei Dracfemen 3tnffuttit)at (White Vitriol) auf. Hiermit befeuefete man bie ©efdjwulß mefere «Kate tägltcfe, ittbem man ein barin getränfte« ©tüd Sfearpie ober Vaumwotte in bie Kafe einfüfert, unb, bamit eS auf bem «J)oIppen liegen bleibt, bie Kafe mit Vaumwotte ober einem anberen geeigneten ©egenßänbe gußopft. Dies «Präparat ift fefer wirffam; eS fann eine SBocfee um bie anbere gebraudjt werben, wätjrenb man in ber 3wifdengeü bie genannten «Puttier an- toenbet. Sßenn, nadjbem ber «Potpp gerßört ober entfernt ift, eine wunbe ©tette ober Siterung gurüdbleibt, fo lege man eine gute Heilfalbe auf unb gebraucfee babei nocfe un 3eit gu 3eit bas «Pultier ober bie glüfßgfeit, um etwa gnrüdgeblübene ©tüdetjen be« «Potppen 3" jerßöretu 618 © u n n' s H a u s - R r g t. §8 t u <$♦ — Hemia. Sin Vrliefe beftetjt, wenn ritt Jfeeil ber SBanbung, ber bie Vaucfe- unb Untet. leibsfeöfele umfcfeließt, burefe inneren Drud, Slnfpannung ober irgenb tint anbere Urfacfee gerriffen iß, fo baß ein Jfeeil ber Singeweibe feeroortritt unb eine größere ober Heinere ©efcfewulß bilbet, welcfee unterfealb ber Haut in eine Slrt ©atf__ bem müfeertiorgebrängten Jfeeile bes «Peritoneums (Vaucfefetts) — eingtfcfeloffen ift. Slm feaußgßen fommt ber Vrud) in ber Seißengegenb tior, bocfe fann er an jeben Jfeeile beS Unterleibes ßattßnben. 3e nadj ber ©teile, wo bie 3erreißung ßattge« funben unb bü Singeweibe feertiorgetreten, fpridjt man »on einem i'eißenbrudj, Kabelbmdt), ©djamfemd), Hobenferudj u. f. w. Vei bem einfadjen ober ableitbaren Vructje tonnen bü Singeweibe leicfet in bie Vaucfefeöfele gurüdgefdoben werben, unl ifere Jfeätigteit unb normale Vefcfeaffentjeü iß nicfet wefenttiefe geßört. £ocfe rcenn ber Vrucfe ßcfe nicfet rebugiren läßt, inbem ber feeroorgetretene Ifeeil gu groß unb gefcfewotten ift unb eine Verrentung ber Vmtfeöffnung ßattgefunben feat, fönnen emßlidje 3ufätte eintreten. Sine fdjmergfeafte Sntgünbuitg beS feeroorgetrettntn JfeeileS, tioüßänbige SeibeStierßopfung, tioit Uebelfeit, Srferedjen unb feefttgem gieber begleitet, unb bisweilen Vaucfefellentgünbung, mit töbtlicfeem SluSgangt, finb Die golgen bes eingetlemmteit VrudjeS, wenn nicfet bet 3eiten Slbfeülfe wirb. 3n manefeen gäüen beS VrudjeS tritt nidjt bas Singeweibe felbß, fonbetn nut oas Dmentum ober bie Kefjfeaut tjeroor; in anberen gätten fonn es ba« Singtweibe allein, in nodj anberen beibeS fein. SBeldfeer Slrt ber 3nfealt ber ©efcfewulß iß, fann man aus folgenben «Kerfmalen erfennen: wenn es nur bie Kejjfeout iß, fo ift bie ©efcfewulß weid), fdjlaff, ungleidt), unelaßifdtj unb unempßnblid), füfelt ßefe wie ein weiefeer Jeig an, wirb leidt gufammengebrüdt unb burdfe boS Hußen be« «Patienten nictjt beeinflußt, unb wenn ße in bie Vaucfefeöfele gurüdgefcfe oben wirb, iß fein gur« geinbes ober gludenbeS ©eräufefe gu bemerfen. SBenn bie ©efcfewulß au« bem Sin- geweibe allein beßefet, iß ]te glatt, elaßifefe, leiftet bem Drud SBiberßanb, wirb bti bem Hußen beS «Patienten, ober wenn er ben Sltfeem anfeält, ßraffer, wirb leidjter gurüdgefdjofeett unb läßt bann bas erwäfente eigentfeümlidtje ©eräufefe feören. SBenn bie ©efdwulß aus beiben beftetjt, fo ftnb bie angegebenen «JJürfmale beiber, aber weniger ausgeprägt, tiorfeanbett. Sin Jfeeil ber ©efcfewulß witb claßifd) unb empßnblidj unb ber anbere weitfe, tetgartig unb unempßnblid) fein. Der Vrud) fann in golge allgemeiner ©cfewäcfee ober ungewöfenlicfeer ©röfje unb ©tfelafffeeit ber natürlidjen Deffnungen ber Vaucfefeötjte entßefeen; ferner burefe Set- ßopfung unb übermäßiges Drängen hei bem ©tutjü; gewaltfame Stnßrengung; fdjwereS Heben; ungeßümeS Keiten; tjeftigeS Hußen; burefe ©töße, gafltn unb fonßige äußere Verlegungen; bisweilen wirb er auefe burdj bie ©efewangerfw tieranlaßt. SBenn er burdfe förperlidje Stnßrengung unb Verlegung entßebt, rfa1 er plöfclicfe aufzutreten unb wirb leicfet burefe Sinffemmung gefäferlicfe. SBenn et bagegen burdfe allgemeine ©cfewäcfee unb ©cfelafffeeit ber betreffenben Ifeeiie ober natürlidje Slnlage tierurfodfet wirb, fo pflegt er ßcfe attmälig gu bilben unb \f leicfet gu rebugiren. Tkilan V tX) anb t u n g.—Die erße Slufgabe bri Vrücfe,en iß, ben bnöorgetretenenl*et feine natürliche ©tette jurüdguföüben; bie gweite, ü)n bort gu feal'»n. 3« VW Vrud). 619 Raffen namentlicfe bei ber milberen unb eüifadjett gorm, madjt bas erße gewöfetiticfe ! nia'<5d)wierigfeit; ber «patient fantt es oft felbß ttjun. «Kancfee gälte tion Hemia (l„b am Slnfang fo wenig läßtg unb unbequem, baß ße nur aus biefem ©tunbe tier* Lläffigt werben; bocfe fottte man ßcfe, immer batior feüten, ba es fdwer ift gu fagen, ob ber galt nidjt bet längerer Dauer einen ernftUdfeen unb fcfewürigen Sfearafter annimmt. 3n frifcfeen gätten fottte fofort eine Kebuftiou ober 3urüdfcfeüfeett tier* fucfet werben. Die beße Sage für ben «Patienten iß auf bem Küden, unb gwar nadj ber gefunben ©eite gu geneigt, bie Hüften muffen etwas erfeöfet fein unb bte Veine naaj bem Seibe gu in bie Höfee gegogen werben, bamit bte Vaucfjmusfeln erfdtaffen. Zam erfaßt ber «patient, ober fein Veiftanb, mit ber einen Hanb tiorßdjtig bie ©efcfewulft, bebt ße ouf unb preßt fte gelinbe gufammen, wätjrenb er mit bem 3eig* finger ber anberen Hanb bie feertiorgetretenen Jfeeile, fo weit es gefet, langfam unb allmalig burefe bie Deffnung gurüdfefeiebt; bann feält er baS 3urüdgefdfeobene mü bem ginger an feinem «pla^e unb fcfeüfet ntit bem nätfeftett ginger einen anbern Jtjeit ber ©efcfewulß feinein, unb fo abwecfefelnb mit ben beiben gingern, bis Stiles feinein* gebraefet iß. (Dies nennt man in ber Sfeirurgie „Joris.") Vei äußerlichem Sei* ftenbrudje wirb ber Drud nadj oben unb nadj außett gemadjt, baß feeißt, nadj ber oberen ©pifee bes HüftfnocfeenS, berfelben ©eite gu; bei Hüftenbrucfe nadj unten unb nacb feinten; bei Kabelfemdj in geraber Kidjtung nadj feinten. Sitte ©ewalt* famfeit muß oermieben unb bie größte Vorßdjt unb ©orgfalt bei bem Slnfaffen ber Jfeeile angewenbet werben, um ©dfemergen unb Verlegungen gu tiermeiben. Kacfebent bas 3urüdfdüben gu ©tanbe gebradjt, lommt es barauf an, bie Jfeeile an iferer ©tette feßgutjatten; bieS gefefeiefet am beßen burefe fogenannte Vmdjfeänber. Hernia iß ein Seiben, welcfeeS in baS ©ebiet ber Sfeirurgie gefeört, unb fottte in allen, außer gang geringfügigen gätten, ber Veljanblutig eines gefefeidten StrgteS unb SBunbargteS anoertrout werben. SBenn ber gatt fo leicfet iß, baß ber «patient felbß ba« «Jtebugiren ofene ©djwürigfeit »omefemen tann, fo möge er ßctj itt einer Slpotfeefe ober bei einem 3nßrumetttenmacfeer, wo eine gute Sluswafel iß, ein Vrudjbanb aus* fuefeen unb anpaffen laffen. Doefe wirb er faß immer ben Katfe einer faefetierftänbi* gen «perfon bebürfen, wie er baffelbe gu tragen Ijat. SBenn ber gatt ©djwierigfeiten macfet, wenn ber Vrudj ßcfe nidjt feidjt gurüdfefeieben läßt ober bas Jragett bes Vmcfe> kxxUi ungewöfenlidfee ©djmergen tierurfadjt, fo muß ein in biefem gaefee erfahrener Mrjt bie Vefeanblung übemefemen. SBenn ber Vrucfe ettigeflemmt iß unb ftcfe, bie oben erwäfeittett fcfelimmen ©pmp* tome (Sntgünbung, Verßopfung u. f. w.) gu geigen beginnen, fo iß feine 3rit gu tierlieren, unb es muß fofort ein Slrgt ober Dperateur tjerbelgefeolt werben. 3ur S3efeitigung ber Sntgünbuitg muffen warme Umfcfeläge auf bie ©efd>ulß gemalt »erben, unb um bie gewöfenlicfe tiortjanbene 3ufatnntengüb/uitg ber Vauctjb.öfelung gu tjeben, ftnb innerlicfee unb äußerlidfee «Kebifamente, bie eine erfdjfaffenbe SBirfung nuf bie «Kusfeln üben, erforberliefe. Um ben Darmfanal gu erteiltem, iß eine kifcfeung gleicfeer Jljeite Kaßoröl unb Dlitienöl, mit gwei bis brei Jropfen Krotonöl in jeber Doßs, am beßen. «Kan gebe bie «Kifdjuitg in Dofen tion einem Sßlöffel, unb wieberfeole atte gwei ©tunben, bis bie »erlangte SBirfung erfolgt; es iß ratfe.* fem, biefelbe burefe tarüenbe Klpßiere, gum Vrifpiel tion gefdjmotgenem gett ober »en Del, mit warmem SBaffer unb einigelt Jropfeit Krotonöl, gn beförbern. £ie Umfcfeläge fottten aus Ulmenrittbe (Slippery Elm) feeßefe>, mit Sofeetiapulöer 620 ©unn's Hau 3*31 rgt. beßreut; ße muffen warm aufgelegt unb oft erneuert werben; jebeSmal »otbea Sluflegen beßreidje man bie ©efcfewulß mit ©tramoniumfolbe, ber einige Jropfen Krotonöl betgemifdtjt ftnb. SBenn man biefeS Verfaferen wäferenb bes lagt* fort- fe£t unb bie Umfdjläge beS Kadjts barauf läßt, unb wenn ber «Patient rutjig auf bem Küden in ber geeigneten Sage, mü etwas erfeöfeten Hüften, liegen bleibt, fo Witt man oft beS «Korgens ßnben, baß bie ©efdjwulß gurüdgegongen iß. «JJJantfee Slergte ßnb in folefeen gätten fefenett mü bem «Keffer bei ber Hanb; aber blutige Operationen bei bem Vrudfee ßnb feiten erfolgreich) unb immer gefäljrlldj, unb ivcnn baS angegebene Verfaferen ridjiig befolgt wirb, niemals notfewenbig. Kadbem bie Sntgünbung ber ©efcfewulß unb bie 3ufammengiefeung, weicfet bie Sintlemmung »erurfodjt, einigermaßen befeitigt, »erfuaje man bas 3urücffajieben ber feeröorgetretenen Jfeeile in ber befdferiebenett SBeife gu feewerfftetligen obet über- laffe es bem befeanbelnben Slrgte. Darauf tierfefee man ßcfe mit einem geeigneten Vrudjfeanbe ober lege eine bem 3roede entfpredjetibe Vanbage an unb »trfealtt ßcfe rutjig, bis atte ©efafer tiorüber iß. Doefe wie gefagt, in atten ernßlidjen gälten fei man barauf feebadjt, einen wüflidt) faefetierftänbigen Veiftanb gu feaben. <&i gibt einige gätte, in benen wegen ber ©röße ber Vrucfeöffnung ober anberer Urfadjen Ui Heröortreten beS SingeweibeS nicfet tierfeinbert unb baS Kebugtren ber ©efcferculfl nicfet bewerfftetligt werben fann, felbß nicfet burefe bas Jrogen eines Vrucfebanbe«. Sltsbann muß man ein gut angepaßtes ©ufpenforium (Jragbeutelcfeen), in roeldjem bie ©efdjwulß rutjen fann, tragen. Sludfe bieS muß unter «Anleitung eines Slrjtt« gefetjetjen. Ättrjc SlfcbauMmtflcn. ©anglion ober ttefieröcin (fnorülidjter HuStoutljS), nennt man rine eigentfeümlidfee, Heilte, fadgefcfewulßige Veule, bie ßcfe oft in ben „Vinben'-' (Fasciae), natje ben gteefefen uttb ©efenen, — gewöfenlicfe an ben ©den- fen ober auf ber Dfeerßäcfee ber Hanb unb auf ber oberen ©eite bes gußeS —bittet. SS iß fotefees jeboefe ein felteneS Uebel. Die Veule entfeätt eine glüfßgfeit, bie bem Siweiß äfenlidj iß, ober meißetüljrits wie «Kildj ober Kafem auSßefet. SBie oben gefagt, bridjt ße gewöfenlicfe in ben ©elenfeit aus. Die waferfdjriitltdje Urfacfee biefer Veulen iß irgenb ein örtliajer ©cfeaben bei betreffenben JfeeileS, welcher eines geringen VrucfeS in ben „Vinben" (Fascüe) ob« ben Vebedungen ber «KuSfetit ober in ben Häutctjen, bie baS ©elenf bebeden, Jet« »orbringt, in welcfeem gatte bas ©liebwaffer entweiefet, woburd) ein ober minber mit SJlun*' mifdjt, tjertiorquittt, unb bie nadj unb nadj in tin bösartiges ©efefewut auMt.t fann. — V u n i o tt. 621 SB e fe a n b l u n g. — Die Vefeonblung in folcfeen gätten fottte barauf tjinwirfen, ba« 33ertrodnen ber glüfßgfeiten unb bas geßwerben ber umgebetibett ©ewefee gu bewerfftelligen. Um biefes gu ©tattbe gu bringen, iß golgenbes nötfeig: erßenS, eine ftarfe reigenbe, äußerlicfee Slnwenbung, wie gum Vrifpiel reigenbe ©alben; unb itoeitenS, ein feßeS 3ufammeit*preffett tiermittelß eines VerbanbeS. — Diefes Wirb für alle gewöfenlicfee unb neue gätte feinreicfe.enb fein. Sollte biefes nicfet wirfen, ober nidjt feinreicfeenb fein, fo muß ber feetjaftete Jb. eil gefcferöpft unb ein reigenbeS «pßaßer aufgelegt werben, um Siterung unb eine Strt offene SBunbe feeroorgubringen. «Kan fafere bamit ein ober gwei SBocfeen fort unb lege irgenb eine Heilfalbe auf. Das 3ufammenpreffen unb ber Verbanb fottten fortwäferenb unb gelegentliefe irgenb eine ftimutirenbe ©albe ober etwas fpanifdje «Pfeffer* unb «Kprrfeen=Jittftur angewanbt werben. SBenn biefe Vefeanblung feine S3cfferung feeroorbringt (unb foldje« wirb feiten ber gatt fein), fo laffe man bas Ueberbein burefe einen gefefeidten SBunbargt entfernen. V tt tt t o tt ifl einfaefe ein Hüfenerauge auf bem großen ßt\)en — ober um uns tedjttifdj auSgu- bruden, eine Vergrößerung unb Stügüttbung »on bem, was man in ber Slnatomie Bursa Mucosa ber großen 3ebe nennt. Die Urfacfee iß meiftenS biefelbe wie bei gewöb. ttlidjeit Hühneraugen, unb fottte man biefelbe Vefeonblung anwenben. Der beße Kart), ber gegen VunionS unb atte anberen Strien tion Hühneraugen gegeben werben fann, ift, weite ©efeutje ober ©tiefet gu tragen, ober über bem «pta£e, too fia) bas Hüfenerauge beßnbet, ein Soctj in ben ©djufe gu fcfeiteiben. «Sollte bas ftteifdj um ben „Vunion" entgünbet fein, fo erweiefee man es SlbenbS eine tjalfee ©tunbe in warmem SBaffer unb lege bann einen erwrictjetibeit Umfdjlag auf. UI* menrinbe (Slippery Elm-bark) ober Seinfamen ßnb fefer gut, um bergteidjeit Um* fcfeläge gu maefeen. 3« jeber anberen Vegietjung beljanble man es, wie ein gewöfett* Hdjeö hüfenerauge. 6 a 11 u s feeißt in ber St)irurgie eine unnatürliche Härte unb Verbidung irgenb tixiti IfeeileS bes ÄörperS — befonbers ber Haut. Ss ift eigenttidj nur eine Slrt Hühnerauge unb entftefet burefe Drud uub Keibung gegen einen tjätten ©egenftaub, »ie jum Veifpiel ben ©efeulj. — Das «Kittel ift b i e U r f a dj e g u e tt t f,e r it e tt unb biefelbe in 3ufunft gu »ermeiben. SaHus follte ebenfo betjanbelt werben, wie ein „Ueberbein," «Kan fctjäle bie tier* feartete Haut mit einem fdjarfen «Keffer ah, wo man es tann, tauefee beu betreffenben Jfeeil in warmes SBaffer, um ifen gu erweiefeen unb lege bann einen erweiefeenben Umfdjlag ober ßreiefee irgenb ein erweidjenbeS Del ober eine ©albe auf, fafere bamit fort, Ui bas Uebel befeitigt iß; mittlerweile entferne ober »ermeibe man übe Urfadje Ui Drucfes ober ber Keibung, burctj welctje es entßanb. Dber man tann itjn wie ei« gewöfenllcfees Hühnerauge beb, anbellt, inbem man itjn mit Äönigswaffer (Aqua ßegis, beßefeenb ous gwei Jtjrilett ©atpeter* unb einem Jfeeile ©algfäure) beßreicfet M barauf eine Hetlfalbe, wie gum Vrifpiel bie fdjwarge ©atbe (Black Salve) ober Mberfalfolbe (All-healing Salve), in Slnwenbung bringt. 622 ©unn's Haus»Slrgt. frembe ©ttbftnui,cn im Otjr. Ss iß am beßen, wo es ttjunlidj iß, frembe ©ubßangen aus bem Dfer »tttnitttlfl einer tleinen ©prifje ober fleittett 3flnge gw entfernen. 3m gatte 3nfeften in bas Dtjr gebrungen ßnb, fo fütte man baffelbe mit Oliotnöl wentt möglicfe mit einer fleinen ©prijje; wo folefee feboefe nidt »orfeanben ijt, giefie man bas Del feinem, ©cfematgöl (Lard Oil) ober ßüfßgeS ©änfe« ober Jrutfeatjn« fett tfeun biefelben Dienße, in Srmangelung bes DlioenölS. 3ebe gamilie follte mit einer fleinen «Ketatt* ober ©lasfprüe »erfefeen feitt. SBenn ein feßer Äörper in'S Dt)r bringt unb man feat feine paffenbe 3angt unb fann ifen ofene fotetje nictjt entfernen, fo rufe man einen Slrgt ober SBunbarjt tu Hülfe. frembe ©ufijtttnjcn unkluge. ©ottte irgenb etwas ßctj in bem Sluge ober unter ben Slugentibem feßfejjen (unb nur fleine ©egenßänbe tonnen einbringen), fo fann matt foldjeS meißentfeetU leicfet burefe ben gefeörigen ©ebrauefe ber Slugenwimpem entfernen. 3um Veifpiel, foüte ber ©egettftaitb unter bem oberen Slugenlibe fein, was gewöfenlicfe ber gall ift, fo giefee man bie SBimpem beS oberen Slugenlibes fo weit als mögliefe in bit £8be, fdjlüße bantt bos Sluge, bringe bas obere Slugenlib über bas untere, featte ti U unb bewege es einige «Kinuten mit ben gingem, ftreiefee bann mit einem reinen, wtiajen Jafcfeentudje ober etwas ber Strt an ben SBimpem bes unteren Slugenlibes feerab. Der ßwtd biefes ift, baß bie SBimpem beS uitteren Slugenlibes ben ©egtnflanb, was es nuit immer fein möge, feerauSbringeit, unb baß baS Jafdjentuefe itjn »on ben SBimpem entfernt, ©ottte ein Verfucfe ttidfet feinreiefeen, fo wieberfeole man bie S3e« tjanblung, uttb es wirb meiftentfeeils Srfolg feaben. Sßenn ßcfe ber ©egenßanb untet bem unteren Slugenlibe beßnbet, fo gebrauche man baS obere Slugenlib auf bie- fetbe SBeife. 3ft es feierburefe nidjt feerauSgubef ommen, fo wirb bas Veße fein, eine fleine Jeber, bie glugfeber eines fleinen Vogels ober einer Jaube, anguwenben. SKatt laffe burcb Semanben bas Slugenlib etwas in bie Höfee netjen, ßreiaje mit ber geber übet ben Slugapfet uub unter bas Slugenlib unb entferne fo ben ©egenßanb. 3wl Semanb, ber ©efefeid feat, fantt auf biefe SBeife foß jebe ©ubßang aus bem Sluge entfernen. Sin Heiner «pinfet tion Äameeltjaaren fann onßatt ber geber angewanbt werben. ,. SBenn fe>rte, fdjarfe ©ubßangeit unter baS Slugenlib gelangen unb am Sluge Dan- gen bleiben, fo iß es fefewer ße gu entfernen, unb es iß aisbann rätfeliaj, einen SBunbargt gu rufen, um bie Dperation »orgunebmen. ©ottte Sntgünbung entßefem, was oft ber gatt iß, fo gebroudje man falte« iL* fer ober mit faltem SBaffer befeudfetete Seinwanb unb, wenn nötfeig, Umfdjläge» Ulmenrittbe (Slippery Elm-bark), um biefelbe gu befeitigen. Das Sluge t|t e? empßnbliefe, unb will tiorßdjtig betjanbett fein; ein fefer Heiner ^W»"T gleid) Keigung unb Sntgüitbuitg tierurfaefem. ©obatb mon ausßnbet, W eine ©ubßang nicfet aus bem Sluge entfernen fann, fo nefeme man ante? gefdfeidten Slrgt gu Hülfe. grembe ©ufeßangen im Hälfe» 623 frembe Subflanjcn tut |>alfe. — niit. §M\xtxü$\u)xw nxx& f tx#KMtAtttt$. (gtflärmtg be$ tfyietiftben §Ragucttdimt$. «©er tfeierlfcfee «KognetiSmuS tjat feit metjrett 3<üjfen bie greunbe beS SBunber* baren fowofel unterfealteit, als üt Srßauneit gefegt. Die «Känner ber SBiffettfcfeaft feaben ifen als bloße SHufioit ober Jäufcfeung läefeerlicfe gu madjett gefucfet; bocfe, ßnb pe nicfetsbeßoweniger in Verlegenfeeit, wie ße feine Srütjeinungeit erfläreit fotten. Seine SBirfungen ßnb gu tjanbgreißicfe, als baß ße ßcb, läugnett ließen; bocfe jebe »ernünftige Söfung beS Kätfefels X)at ßdj bisfeer ber gorfdjung entgegen. Zxt Sfere, einen bebeutenben ©eferüt gur Sntfdfeleierung beS ©etjeimitiffeS gettjan ju feaben, gebüfert Herrn Sames Vraib, einem auSgegeidjtteteti Sfeirurgen in äJtandjeßer. SllS er in bem Sltfeetiäum bafelbß bie neueftett Srperimente «Konf. Sa* fontaine's gefefeen, faßte er ben Sntfcfetuß, wenn irgenb mögltcfe, bas gange ©pftem auf pljpfiologifdje unb anatomifcfee ©mnbfäjje gurüdgufüferen. Kadjbem er gu ber Uebergeugung gelangt, baß er biefelben Srfcfeeinuttgeti ofene petfönlidje Verüferung feerootferingen uub felbft ©ctjlaf ergeugen föntte, wäferenb er ßdj in einem anberen 3tmtner als bie in ©djlaf gu »erfeijenbe «Perfon beßnbe, fün= bigte er eine öffentlidje Vorlefuug über ben ©egenßanb an, bie er im «Kandjeßer Sltljenäum »or einem Slubitorium tion mefer als ßeben feunbert «Perfonen feiett. S3raib ßellte guerß eine gewöfenlicfee bunfle SBeinflafcfee auf ben Jtfd), bie mit einem plattirten «pfropfen tierfdjloffen war. Zit «perfon, on welcfeer bas Srperimeitt tiorgeitommeit werben fottte, würbe auf dneit (gtufel gefegt unb angewiefen, ftarr naefe bem «Pfropfen feingufetjen, otjne gu groinfern ober bie Stugen abguwenben. Der «Pfropfen war ungefäfer gwei guß tion ber «Perfon entfernt, bereit Mop[ gurüdgetefent war, fo baß er mit bem ©egenßänbe einen Sßinfel »on fünf unb tiiergig ©rab bilbete. Diefe Sage würbe ungefäfer fünf Minuten lang innegehalten, worauf ßcfe, tiefer ©efelaf einfüllte. £a$ gweite Srperiment tarn in berfelben ßtit gu ©taube. 3m britten gatte würbe eine Vanbage am Mop[ befeßigt, um einen gewöljttltdjen «Pfropfen in unbe* »eglitfeer ©tettung etwas über ber Kofenwurget gu tjalten, als ©egenßanb, auf ben !ittj bie Slugen gu feeften Ijatten, unb in uugefätjr tiier «Kinuteu würbe ©efelaf ber- »wgebracicjt. 3n biefem gatte würbe bie Unfäfjtgfeü bes «Patienten, bie Slugenliber W offnen, bargetfeon, obwoljl bas Vewußtfein feineswegs aufgefeoben war unb er int 40 625 626 ©unit's HauS-Slrgt. ©taube war, genau jebe grage gu beantworten. Das tiierte Srperiment ßfelug ft^ entweber in golge beS umgebenben ©eräufdfeeS, ober weil bie «perfon ben S3lid nicfet beßänbig genug auf ben ©egenßanb ricfetete. Das fünfte gelang, unb obwebt bit «perfon oergweifelte Sinßrengungen, bie Slugen gu öffnen, maefete, fo baß ber ganje Körper feeftig erfcfeüttert würbe, fo blieben ße bocfe wie gugeßegelt —bis 33raib ein feölgerneS Sineal aus ber Jafcfee naljm unb mü bem Snbe beffelben leife über bie beiben oberen Stugenliber feinßridj, worauf ber 3ouber gebrodelt fcfeien unb bet ©eßcfetsßnti ofene ©efewürigfeit wieberfeergeßettt wor. Diefe Srperimente geigen, baß bie betreffenben Srfdtjeinungen ofene atten tfeürifcfeen «Kognetismus ju «tanti fatnen, ba ttirgetibs eine perfönlidje Verüferung ober «Kaniputatton ßattfanb. Kacfebem Vraib fo fein «publifum übergeugt featte, boß ©dfelof ofene Daumen« bruden unb Hanbfdjwenfungett, wie «Konf. Safontaine ße attwenbe, feetootgebtaefet werben fönne, ging er gu einer Vemunfterflärung feiner Sntbedung über. Die fünßtidje «Ketbobe beS ©cfelafergeugens beßefet barin, boß ber Kectua» unb Seoator* (Sluffeebe*) «KuSfel bes StugeS burctj bie beßänbige Stnßrengung unb ba« fütrre Htnbtiden auf einen ©egenßanb unter einem fpüjen SBlnfet ermübet wirb. Unter biefen Umßänben wirb bie Srregbarfeit biefer «Kusfeln unb ebenfo We Srregbarfeit bes optifefeen ober ©efenertien erfdjöpft; es ßettt ßcfe ©cfewinbel unb ein ©efewimmen oor ben Stugen ein, unb ©efelaf iß bie golge. Ss wirb ferner S3lntan« brang nadj ben Slugen ergeugt, ber auf bie optifden unb «Kusfetneroen ber Slugen übergebt unb ßefe »on Ifenen fpmpatfeetifcfe ben nafeegetegenen Keroen, welcfee bie Sltfeem* unb 3irfulationSbewegungen fontrottiren, mittfeeilt, fo baß bit Ifeatigteit ber Sungen uub bes HergeuS fjerafegeßimmt wirb. Der gefcfewäcfete Hergfcfeiag ift unfäfeig, bas Vlut mit gehöriger ßraft nadj ber Dfeerßäcfee ju treiben, unb bafeer to Mältt. Das Vlut fammelt ßefe fotgltcfe in ber ©egenb beS Hergens an, welcfee« auf biefe Strt gereigt wirb unb, um bie ungewöfenlidje Saß gu entfernen, gelungen \% feine 3ufammengiefeungen gu »ermeferen, bamit bie ©cfewäcfee feiner Sinßrengungen burefe ifere Häuffgfeit erfe^t werbe. Ss bilben ßcfe, ßongeftionett im ©efeirn, im Mop[ unb ©eßcfet, unb es erfolgen »erfefeübene «Phänomene, bie aus ber Unregelmäßigfeit beS Vlutumlauft« in bem wictjtigßen atter Drgatte, bem ©efeirn, entftefeen muffen. Die Unfätjigfeit, baS obere Slugenlib gu erfeefeen, erflärt Vraib aus einer jetr»«. ligeit Säfemutig ber SetiatormuSfeln, in golge ber übermäßigen unb anfealttnbcn Slnftrengung berfelben im Slnfange ber Dperation. , Dies ift eine nüdjteme unb oerßänbige Slnficfet tion ben wunberbaren ttrflti- nungen beS tfeürifcfeen «Kognetismus, wie ße ein «Kann »on unjweifelfeafter wtiun. fdjafttidjer Vefäfeigung aufßettt. 3« feiner Vorrebe fagt er: „Die* beanWrn« nicfet, eine »otiftänbige unb fpßematifcfee Vefeanblung bes unermeßlicfeen Ito«« fein; bie Sibßcfet ift nur, bett Sefer gu übergeugen, baß in ber Katur et«*« fcfeäparer unb intereffanter Jfeatfacfeeit tiorfommen, bie, fo befrembenb unb ungia liefe ße auefe im erßen Slugenblide fdjeinen mögen, bodj auf SBoferfeeit bem ^ besfealb bie gebulbigfte unb eingefeenbfte Unterfucfeung erforbertt nnb »ertte Der Verfaffer fajließt fein iittereffattteS SBert mit folgenben Sorten: „Sdj Dafee nidjts bagegen, baß man atte tion mir etwa gemaefetett m i «nbeittuttgett ats unwiefetig tierwerfe, wenn man nur benanjefufe«» ^ fcü nöttjige Slufmertfamfeit fcfemft; weif idj felbß ber 3lnßcfe,t bin, bap Srfläruttg bes tfjierifcfeeit «Magnetismus. 627 umfaffenbe Jfeeorie nocfe gu frütj iß, unb weil id) glaube, baß bie Jljatfadfeen bis leftt nur fefer tfeeilweife befannt ßnb. Slber iefe benfe, wir fönnen es als erwiefen betraefeten: erßenS, baß eine «perfon unfeine anbere, felbft in ber Sntfernung, einen gewiffen Sinßuß auSguüben tiermag; jtceitenä, tax) eine «perfon Kontrolle über bie Vewegungen, Smpßnbungen, baS ©ebacfetnifj, bie ©emütfesregungett unb ben SBitten einer anberen gu erlangen tiermag, fowofel burefe Sinßüßerungen wätjrenb bes bewußten, empfängtiefeen 3ußanbeS, al« wäferenb bes magnetifdjen ©djlafeS mit unb ofene Sinßüßerungen; brütenS. bafj ber magnetifcfee ©efelaf ein eigentfeümlicfeer 3uftattb iß, ber fein befottbereS unb unterfdjiebettes Vewußtfein feat; öürtetts, baß in biefem 3ußanbe ber «Kenfcfe oft eine neue $raft ber SBafemefemung beßfü, bereu Katur unbefanitt iß, unb tiermit* telft beren er nafee unb ferne ©egenßänbe ober «Perfonen ofene ben ©ebrauefe bet äußeren ©inneswerfgeuge fefeen fann; fünftens, baß er fefer oft einen feofeen ©rab ber ©pmpatfeie mit Slnberen feeß^t, fo baß er beren ©ebanfen lefen fantt; fedjßenS, bafj er »ermittelß biefer Gräfte bes HettfefeenS unb ber ©pmpatfeie bisweilen nicfet nur gegenwärtige, fonbern audj »ergangene unb gufünftige Sreigntffe wafemetjmen unb befefereiben fann; ßefeentetis, baß er feäußg ben 3ußanb feines eigenen Körpers unb ben Sinberer fefeen unb befefereiben fann; adtettS, baß er in Vergüdung unb ßrtafe »erfallen unb beren Sintreten bisweilen genau tiorausfagen fann; neuntens, bafj jebeS biefer «pfeänomene freiwillig auftreten fann unb oft auftritt, welcfeeS mü bei ber gangen grage bie feauptfäd) liefe fte Jbatfadje gu fein fefeeint;—©omnamfeultS* mu« (Scfelafwanbeltt), Hettfefeen, ©pmpatfeie, Vergüdung, Srtafe, Unempßnblicfefeit gegen ©cfemerg, VorauSßdjt u. f. w. ßnb oft als natürlidje Vorgänge betrachtet worben; jefentens, baß nidt nur ber menfdjlictje Körper, fonbern audj gewiffe leblofe ©egenßänbe, wit Ärpftotte, «Kagnete, «JKetatte u. f. w. auf fenfttitie «Perfonen einen Sinflufj äußern, ber, foweit man weiß, bem burefe tfeierifcfeeu «Kognetismus feertior* gebraefeten tiöttig gleicfe iß; boß folcfe' ein Sinßuß wirf liefe erißirt, ba er ofene atte Vermittetung ber ©ebanten ober ber Sinbilbung wirfen unb felbft auf SBaffer unb anbere Körper übertrogen werben fann; unb enbliefe, baß wir nur burefe ein genaues Stubium bes SfeorafterS biefeS SinßuffeS, ebenfo wie wir bie SBirfungen ber Stef* trijität unb beS SicfeteS ßubiren, feoffen bürfen, Slufflärung über biefeS bunfle ©ebiet ju erlangen. Sngwifcfeen laßt uns Jfeatfadfeen beobadjtett unb fammeln; unb ob es uns nun gelingen mag, ober nicfet, biefelben auf itjre erßen Urfadjen gurüdgufüferen— bie Itjatfaefeen, weldfee ridfetig beobocfetet unb getreulidfe aufgegeidtjuet werben, bleiben unb werben bei einem weiter »orgeftferütenen 3ußanbe ber SBtffettfdjaft als ©runb* tage einer waferen unb umfaffenben Jfeeorie bienen fönnen/' SBir alte tappen gwifdjen ©eferimniffen unb SBunbem urntjer. Sine ©eete fann einen entfefeiebenen Sittßuß auf eine anbere feaben, nur burefe itjre ftitte ©egenwart, »ooon iefe manefee Veifpiele ergät)ten fonnte* Ss iß mir oft begegnet, baß, wenn id) mit einem Vefonnten gegangen bin unb irgenb ein tebfeofteS Vilb tior meinem ®eifte featte, er plö^liaj genau tion berfelben ©aefee gu fpredjett anßtig. Sdj t)abt einen Mann gefannt, ber, ofene ein SBort gu fagen, plötdict) rine gange, in feeiterem %räaj begriffene, ©efettüfjaft gum ©ajmeigeit bringen fonnte, burdj bie bloße JMt feines SBittens. 3a, er fonnte fogar einen Jon einfüferen, ber Seben unbe* Nicfe maefete, SBü Sitte tjaben etwas tion eleftrifdjeit uub magnetifdjen Gräften " wi unb fönnen, wie ber «Kagnet fetbß, eilten angietjenben ober abßoßenben 628 ©uittt'S $au4*8(rjt. Sinfluß äußern, je nadjbem wir mit etwas Verwanbtem ober Un gteidj artigem Ir Verüferung fommen. Ss iß nicfet nur mögliefe, fonbern fogar fefer wobrfcfetinlid). Häußg füfelen wü bri ber erßen Vegegnung mit einer «Perfon einen unerflärtlcfeen Sinbrud, unb eine befonbere Smpßnbung uberfommt unS; eS entßefet eine i^iebe, welcfee nie im Hergett ausgerottet werben fann, unb wir füfelen unbefeaglicfe unb unglüdlicfe, bis wir mit bem ©egenßänbe, ber uns bei bem erßen Slnblid fo geheim. ntßtiott beeinflußte, nätjer befannt werben. SBeldfee Dualen ßnb fdon burctj bie gurdjt, biefen ©egenßanb nie wübergufeben, feertiorgebradjt worben! Tai Sluge iß ber ©piegel ber ©eeie, unb bü SBirfung ber ©pmpatfeie iß ein großem «Kpßerium. SBie fdfenett beginnt bei ber Vegegnung gweier Siebenben bie magnetifebe .Kraft ß<$ ju äußern. Der Sine füfelt bie Käfee beS Slnberen. ©ie werben unwillfürlicfe ;u einanber tjingegogen, uub es bauert nicfet lange, bis ber mognetifde Sinfluß fidj feemerftiefe macfet. Vei Siebenben iß biefe magtietifdje «Kodfet üorgüglidfe ßarf unb wirft auf weite Sntfernungen tjin. 3" jüngeren Saferen X)abe idj tjäuftg fetbß biefe «Kacfet erfafe- ren; wenn idj wäferenb einfamer ©pagiergätige ein lebfeaftes Verlangtn nacb bei ©egenwart eines geliebten «KäbdjcnS empfanb, fo iß eS mir tiorgefommen, baß i<4 an ße badjte, bis ße in SBirflidfefeit mir begegnete. „Sdj füfette fo unrufeig in mei- item 3lmmer/' fagte ße bann, „baß idj nidjt anbers fonnte, als auSgugefeen unb feürfeer gu fommen." Der mädjtige Sinßuß beS ©eißeS auf ben Körper iß tiiel größer, als wir un« mögliderweife tiorftetten fönnen. Hür ein Veifpül tion ber «Kacfet ber Sinbllbung: Vudlanb, ber berüfemte ©eotoge, gab eines JageS, nacfebem er einen SKllgatoi fecirt tjatte, eine «KittagSgefeüfcfeaft, gu welcfeer er einige ber ausgejelefenetften ftx- fönen feines ßreifeS eingelaben tjatte. ©ein Haus unb otte feine CEinrirfetungen waren im beßen ©tpi unb ©efdmad. ©eine ©äße tierfommelten ßcfe. Ztx «Iit- togstifetj, mit ©täfem uub «porgettan befetjt, itafem ßdj glängettb au«; ba« «Kafel begann mit einer tiorguglicfe. en ©uppe. „SBie gefällt Sfenen biefe Suppe?" fragte ber Doftor, nacfebem er feinen eigenen Jetler geleert, einen ber berüfemteßtn &etn« fdjmeder. „SBirfticfe ausgegeidfenet," erwieberte ber Slnbere, „Sdjilbfrötmfupoe, nicfet wafer ? Sefe, frage nur, weil iefe fein grünes gett ßnbe." Der Doftor fcfeutttlte ben Mop[. „Ss fommt mir tior, als wenn fo ein bifomartiger ©efefemad babei iji, fagte ein Sinberer, „nicfet unangenefem, aber gang eigentfeümlicfe." „Sitte Stfligatore« feaben biefen ©efdmad," fagte Vudtatib, „tiorguglicfe ber Äoiman. Zai (ücmplar, welcfeeS leb b,eute «Korgen fecirte unb tion bem ©ie eben gegeffen *«*«-' L'" attgemeiner Stufrufer unter ben ©äßen erfolgte. Sitte erbleichten. St«W™ Du^enb ßanb erfdjredt tiom Jifcfee auf. ßwei ober brei rannten aus bem dt««J unb nur biejenigen, weldje ßdj eines ßarfen «KagenS erfreuten, blieben W |« J Snbe einer auSgejetefeneteit «Kafetgeü. „Da ftebt man, was Sinbtlbung W, « Vudlanb, „tjatte iefe, itjnen gefagt, eS wäre ©dilbfröten*, ober Z™*»*]™ neftfuppe, eine ©üf- ober ©algwaffer4tmpfeifeü, ober gifdjlein aus *™JX^ ©eetiogels, ße würben eS für ausgegeidjnet erflärt feobett, unb ifere 25txUnjV^ Mm nidts fdteefeter gewefen. Das iß bte «Kadjt bes Vorurtfeet S. ,**< wirf liefe ein Siüigator?" fragte eine Dame. „Sin fo guter tfatbsfopf, »ten gefunben werben tann," antwortete Vudlanb. Um Die SBiffenfdjaft beö tfeürifcfeW «Kognetismus, wenn man ti fo nenn Srttäruitg bes tferierifdjeit «JKagitetiS nus. 62S »utbe guerß burdj «KeStner im Saljre 1772 aufgebracfet. Die bafeln gehörigen Srfcfeeinungen X)aben feit furgem fo tiiel 3ntereffe erregt, boß id es für gut feielt, meinen ßefertt eine furge Vefcfereibung berfelben gu geben, fowie ber «Kittet, bie gu iferer jperoorbrtngung betrugt werben — wie gum Veifpiel Verüferett unb Veßreidjen mit ben Hauben, bas Sltifeaudfeett einer «perfon, bas giriren mit ben Slugen u. f. w. Die magnetißrte «perfon muß immer tion fcfewäcfeerer jtörperoerfaffung unb, wenn mögliefe, »on anberem ©efcfeledte fein, als bü magnetißrenbe, unb es ift unbe» bingt notfewenbig, boß ße »on feßem ©tauben an bie SBirfungen ber magnettfdje* Straft erfüllt fei. Die Srfdtjeittungen felbß beßefeen tfeeils in förperlidjen Smpßn bungen (jum Veifpiel größeln, ©efüfel ber ©cfewere, ßücfetige ©dfemergen, Veflem- mung u. f. W.j, tfeeils in »erminberter Jfeätigfeit ber äußeren ©inne, tfeeils iit Dfenmacfetett, jtoitoulßonett, ©efelaf mit tebfeafteit Jräumen, in welcfeen bie magne* tiflrte «perfon in feöfeere ©pfeären eittrüdt wirb, bie innere Drganifation beS eigenen itörperS wafernimmt, propfeegeit, Kegepte »erfefereibt, infpirirte Srleucfetung empfängt, »erftegette Vriefe, bie auf bie «Kagengegenb gelegt werben, ließ u. f. w.; — bocfe bei bem Srwacfeeit iß ße otjne alles Vewußtfein biefer Vorgänge. Die magnetißrte «perfon geigt eine mertwürbige fpmpatfeetifdje Verbinbung mit bem «JRagnetifeur unb Slbfeängigteü tion bemfelben — fcfemedt, was ße ißt, rieefet, loa« [it »or ifere Kafe feält unb fantt burdj Kümanb anbers aus bem magnetifdjen in ben normalen 3ußanb gurüdgeferadjt werben. 2ltte SBirfungen bes tfeierifefeen «Kognetismus fdjeinen ßd) auf eine ertjijüe Sitt= btlbungsfraft, eine fealb geißige, fealb ßnnlidje Srreguug unb eine franfljafte Sm» pfanglidjfett ober „©enfffetlität" gurüdfüferen gu laffen. Sßir wollen iefct einen Umriß ber «Pfeänomene beS tfeierifdjen «Kognetismus geben, »ie fie ßcfe gewöfenlicfe bei ber magnetißrenben unb magneüßrtett «perfon bemertlidfe macfeen. Der «Kagnetifeur.— Derfelbe iß gewötjnltd) nur ütfoweit im ©taube, einen ^oßtiöen Sinbrud auf bie gu magnetißrenbe «perfon ijertiorguferittgen, als er einen feöfeerett ©rab ber Snergie unb ber Sebensfraft beßjjt. DeStjalb teißen mättn= liefet «perfonen feierin gewöbnlicfe metjr, als weibtidje. SBenn ber «Kagnetifeur ber fcfewäefeere Jfeeil iß, fo ßnbet entweber feine ßefetfeare SBirfung ßatt, ober bie SBir«» fung iß umgefefert, nämlidj ber poßtitie Sinßuß geigt ßcfe bei Üjm unb ber negatitie bei ber magttetißrtett «Perfon. SBenn ber «Kagnetifeur bie Veftreicfeung eines empfänglicfeen ©ubjeftes unternimmt, fo tjat er immer eine Smpßnbung ber SBärme unb eines leifen Slusßrömens tion feinen Hänbett, tiorguglicfe tion ben gingerfpi^en. SBenn et feine Hänbe mit feibenen Hanbfdjuljett ober anberen eleftrifdjen Körpern bebedt, fo fefelt biefeS ledere ©efütjt unb feine Dperation iß frucfettoS ; leinene ober leberne Hanbfdfeufee oerfeinbem bie SBirfung nictjt. Kadtj einer gelungenen Dpera« tion empßnbet ber «Kagnetifeur ein allgemeines Unbefeagen, eine ©cfewädje in ben S3erbauung$organen unb im Slügemeinen einen Ärafttierluß, im Verfeältniffe gu bet Smpfönglidjfeit ber mognetißrtett «Perfon unb ber Dauer unb ber Häußgteü ber Ve Ndjungen. SBenn ber «Kagnetifeur, wätjrenb ber Dperation, gufammen mit feiner öubjeft, burdj eleftrifdje Körper ifotirt wirb (burefe Unterlage feibener Jüdjer u. f »0» fo ift ber Ärafttierluß geringer, bagegen ßnb bie SBirfungen ßärfer. pfeänomene bei ber ma g tt e ti f ir t eit «Perfon. — Die bei bem Bubjeft burd eine poßtioe Dperatün tjertiorgebrad)ten Srfctjeinungen ßnb boppetter 630 ©uittt's H«us*Slrgt. Slrt; entweber begiefeen ße ßdfe auf ben attgemrinett 3ußanb bes Äörpers unb M tann nicfet periobifefe ober geüwettig, fonbern bauern wäferenb ber gongtn Äut unb fönnen besfealb als bie allgemeinen SBirfungen bes «KagnettsmuS betradttt treiben; ober ße begiefeen ßdj nur auf befonbere Jfeätigfdten bes Crgantömtii?. S3cm bei erfteren Slrt ftnb 1. eine allgemeine Srwedung unb ©tärfung ber Sebendräftt in ollen Jfeeilen beS Körpers, obne bebeutenbe Slufregung, fowofel Im Ktr»en- un) «KuSfeü, als im ©efäß* unb Verbauungsfpßem unb in ben Organen bet Slbfonbe- rung unb SluSfcfeeibung; 2. eine milbe Srregung auf ber gangen Dberfläefee bei Körpers, burefe welcfee jebe örtlicfee Unregelmäßigfeit unb »ronffeofte Jfeätigfeit auf. gefeoben unb bas ©leicfegewidjt feergeßellt wirb; 3. ein Uebertragen ber erfechten Sebensfraft »on ben leibenben Drganen auf anbere; 4. eine Verminberung obn oottftänbige Unterbrüdung ber Slufregung, welcfee ben franffeaftett Keroenrei) ber- »orbringt. Der «Kagnetifeur foüte nicfet nur einen ßärferen Körper, als ba« mag. netißrte ©ubjeft feaben, fonbern auefe »ottßänbig gefunb fein. Sr muß bie Steife feiner förperlidjen Sntwidetung erreidjt feaben, bodj innerfealb bes fräftigen unb tfeätigen SebettSatterS fein. Der ©riß muß gefunb unb ßarf fein, um bte «Jletgun< gen unb Setbenfdjaften feefeetrfefeen gu fönnen, unb einen tefeenblgett ©laubtn unb feßen SBitten feaben ; nur fo fann er bie tiotlßänbige Kontrolle über biefeS Äurmitttl unb ben «Patienten erlangen. Die «Pfeänomene beS ttjierifdjen «KagnettsmuS ßnb in feds ©rabe eingeteilt wor- t>en. Du bes erßen ©rabes ßnb gewöfenlid, bie folgenben: anfangs bie Smpfln- Dung einer ßarfen ©trömung tiom Mop[t bis gu ben güßen ; bann trfeöfete Äörptr« wärme, welcfee ßcfe burcb, ben Jfeermometer meffen läßt, gerötfeetere Haut, »ermeljrte Slusbünßung unb ein ©efüfel ber Slnnefemlicfeteit unb bes VefeogenS im ganjen JtSr> per. Vei bem gweiten ©rabe ßeigert ftcfe bie SBärme, unb es fefeeint bem «patient«, als ergieße ße ßcfe tiom «Kagen aus, wü tion einem «Kittelpunfte, über ben gangen Körper. Der «puls wirb gewöfenlicfe tiotter unb ßärfer unb bas Sttfemen leidjter unb tiefer. Der «patient füfelt eine ©cfewere in ben Slugenlibern unb ein unwibet- ßefetiefees Verlangen, biefelben gu fcfeließen. SBenn er ße gefefeioffen feat, fe fdjeinen ße ifem burefe bie ftärfße ©ewalt gufammengefitüt gu fein, unb wäfetenb bei übrigen magnetifefeen SBirfitugen iß es ifem ttnmögticfe, biefelben gu öffnen. Slfle übrigen ©inne bagegen bleiben tfeätig, unb ifere Jfeätigfeit iß oft tiermefert. lernen! weiß bafeer SltteS, was um ifen feer tiorgefet, obgleid) er nidjt im ©tonbe ift ut ««• den. Slm ©dfetuffe ber magnetifefeen Dperation öffnet er bie Slugen »on fcllit, «ri mit ber Hülfe beS «KagnetifeurS, unb füfelt ßcfe, gewöfenlicfe geßatft unb »^ Hierauf bemerft ber «patient bisweiten ein glimmern unb Seudten »or ben Mp, üfenlidj, wie wieberfeoltes SBetterteucfeten, ein obwedjfelnbeS «Pride t, in ben ©r fen ber Singer unb ber ßtt)tn, tin ©efütjt ber ©cfe. were unb ber Mai:e n en • M maßen, nnangenefeme Smpftnbttttgen in ber «Kagengegenb, Uebelfeit, un ©efeaubern, Keigung gu Hußett u. f. w. ^ Die eigetttfeümiidjett 3eicben, welcfee oft ben britten ©rab^'^^ ten, tontiutfttiifcfees 3itüm, wirfliefee ^otttiulffonen fatalepttfde üb^ P tifefee Slttfätte. Diefer 3ußanb ^t««t ^wöb^li^ ßettenber ©djlaffucfet. SBüberljolteS ©äfenett, ©üedert, ^ ^"Jß w«, funbige« üjn att. Sin tiefer ©eufger folgt gewöfenlidj, wor f bü **W ^ tänbig fließen nnb ein bem ©djlafe atjnlidjer 3ujtanb beginnt, tn wea* Srttärung beS tljier if efee tt «K ag netiSmuS. 631 gjatient atter Smpftnbung unb alles VewußtfeittS beraubt fefeeint. 3m »ierten ©rabe erwadjt ber «patient, aber nidjt tiom ©djlafe, fonbern in ßd) felbß unb erlangt fein 33ewujjtfein wieber; er fennt ßdj felbß wieber, aber in tieränberter Vegiefeutig >u ben umgebenben Verfeältniffen. Die äußeren ©inne ßnb entweber gang gefdjlof- fen ober ifer Sfearafter iß »eränbert, unb nur ber innere ©inn bleibt berfelbe. Der 60'mnambule ober ©dfelafwacfee (wie mon ifen in biefem 3ußanbe nennt), tioüßän- big in fidj felbß erwedt, unterfdjeibet mit feinen äußeren Slugen nur Sicfet unb Dun« (cl unb oft felbß nidjt bieS, ofewofet in mandjett gätten bie Stugenliber geöffnet ßnb. Ztx Slugapfet iß entweber frampffeaft in bie Höfee gegogen, ober unbeweglicfe, bü gjupiüe erweitert unb ofene Smpßnbung. ©obann wirb ber ©efüfelsfintt itt eine Slrt. ©efufeüßnit »erwanbetr, fo baß ber ©omnambule tiermittelß beffelben nicfet nur bie Umriffe ber Dinge, fonbern fogar garben mit ber größten ©enautgfeit unür- fefeeiben fann. Die «Kagengegenb wirb gum «Kittelpunfte ber Smpßnbung, unb feauptfädjlicfe burefe biefe ©egenb ift ber ©eßcfetsßnit erfelü. Der ©omnambule fantt baljer »oltßänbig ridjtig bie 3eü angeben, wenn man ifem eine Utjr auf bie «Kagen- grübe feält. Durcfe wiebertjolte Uebung eignet ßcfe ber «patient biefe gäfeigfeit itt einem feöfeeren ©rabe an, unb was ifem anfangs nur uttfeeftimmt erfdjien, wirb Üjm ganj beuttidj. «perfonen erfcfeeinen ifem Hörer, als leblofe ©egenßänbe. Das Hören wirb ebenfalls in biefem 3ußatibe burefe bie «Kagengrufee tierriefetet, unb ber ©erucfesßnn wirb bisweilen fo fein, baß er bie tierfdjiebettett Veßattbtfeeite ber uifammengefefjtett Slgentiett unterfefeeibett fann. ©egenßänbe, welcfee ber ©omnam- bule im gefunben unb natürlicfeen 3ußanbe faum feeadjtet, Ijaben oft einen fetjr merflidjett unb felbß gefäferlidfeen Sinßuß auf ifen, wenn er im magnetifdjen 3ußaub ifl. X>ie Käfee eines lebenben SBefenS, weldjes ber «Patient in einer Sntfernung oon jefen gu fünfgefett ©eferitten wafenümmt, iß itjm gewöfenlicfe unangenefem. SBenn «Perfonen, bie er nicfet liebt, ifen berütjren, fo werben bie berüferten Jfeeile tatt nnb bleicfe, unb gewöfenlid) ßnb itonöuißonen bie golge. Von lefetofett ©egenßänbeit tjaben «Ketatte ben wiberwärtigßen Sinßuß. ©egen ben «Kagttet »erfeält ßefe ber Somnambule nodfe »ül empßnblidjer, als gegen anbere «Ketatte. Von Slttem, was ben «Patienten wäferenb biefer «Periobe begegnet, was er wafergenommen, gebaefet, gtfagt ober getfean feat, bleibt itjm bei bem Srwadjen entweber gar feine, ober nur eint fefer fdtjwade Srinnerung ; — bodj wenn er wieber in benfelben 3ußanb tier- fe|t wirb, fo erinnert er ßdj beuttidj an Stiles. 3m fünften ©rabe erlangt ber «Patient, burdfe fein erb, öfetes Vewußtfetn unb bie gefteigerte ©tärfe bes Slügemeingefüfels, gu jener inneren ©etbßanfdjauung, tiermit- tetfl bereit er im ©tanbe iß, felbft bie fleinßett Jb. eile feines törperlicfeen DrganiSmuS ju unterfuefeen. Mxa[t biefer genauen Äentttniß feines inneren «Kettfdjett fann ber tyüfefeenbe, wie er in biefem 3ußanb geitonitt wirb, nictjt nur ridfetig ben ©i|3 unb ben Sfearafter feiner Äranffeeü angeben, fonbern es entwidelt fidj audj in ifem gleidj- jeitig ein 3nfiinft, ber itjm bie gu feiner Heilung nötfeigen «Kittel offenbart. Slußer ben JDcdnfamentett gibt ber Hettfebenbe audj bie Slrt an, auf welcfee er magnetißrt Terben muß unb leitet fo feine eigene Mux. Diefer tiefe Sinbtid befcferänft ßcfe nid)t auf ben Hetzet)ettben allein, fonbern erßredt [idj auf «Perfonen, welcfee in mag- «etifetje Verbtnbung mit it)m gebraefet. werben, bereit Smpßnbuitgeit ßcfe Üjm unfebi- bat mittfeeilen. 3nüfcfeen bem «Kagnetifeur unb bem Hettfebenbett iß biefe ©pm- Mfeie am ßärfßen nnb merfwürbigßeit. ©e$r oft wirb nidjt nur bie Smpßnbung 632 ©unn'S Haus-Slrgt. einer im «Kagnetifeur »orijanbenen kranffeeit, fonbern bie tfranlbelt felbß bem «J5a tienten mitgetbeilt uub bauert in manefeen gäüen fort, nacfebem er gum waefeer 3ußanbe gurüdgefefert iß. ©eißige Kegungen unb ©timmungen gefeen auefe »om «Kagnetifeur auf ben Hettfefeenbeti über. Visweilen erreidjt biefe ©pmpatfeie einen folcfeett ©rab, baß ße anfeält, felbß wenn beibe Jfeeile burefe weite Sntfemungcn »on einanber getrennt ftnb. Die mognetifde Srfenntniß fann ßefe bis gu nod feöfetrem ©rabe entwideln, unb bann tjat ber Hettfefeenbe einen ebenfo Haren Sinblid in ben innertietjen fötperltefeen 3ußanb ber «perfonen, bie in magnetifdje Vejiefeung gu ifem gebradjt werben, wie in feinen eigenen; er fann ifere kranffeeit, beren «Verlauf unb fünftige Srfdjeinungett angeben unb bemgemäß bie Heilmittel »erfdreiben. Gr befeauptet, baß er bett franftjaften 3ußonb Slttberer genau, wie feinen eigenen, burefe bie «Kagengrube wofernimmt. ©eine ©praefee wirb erfeobener unb gewäfelttr, alt gewöfenlicfe, unb geidnet ftcfe. burefe geuer, ©eift unb ßtarfeeit aus. ©eine Slujfaffung iß lebfeafter unb fräftiger, fein Denfen freier unb tiefer uttb fein Urtfeell fefeneüü unb burdfebritigenber. Sr erfennt nictjt allein bas ©egenwärtige unb ben (Sinfluß äußerer Verfeäitniffe tiiel genauer, als öorfeer, fonbern bringt oud bis tn bie ent- femteßeit «perioben ber Vergaitgenfeeit. SS bilbet ßcfe eine offenbare gegenfeitige 3unetgung gwifefeen «Patienten, welche tion bemfelben «Kagnetifeur befeanbelt werben, unb befonbers, wenn ße gleiajjeitig im 3uftanbe bes Somnambulismus ftnb. Der «patient, welcfeer im fünften Snt- widelungsgrabe gur inneren Älarfeeit unb Hettftcfet gelangt iß, burdjbringt im fecfeflen ©rabe bie Dunfelfeeit ber Slußenwelt unb gelangt gu einer feöfeeren Slnfcfeauung bet gangen Katur. «Kit ungewöfentiefeer ßlarfeeit unterfdjetbet er oft bie ©efeeimniffe ber Vergaitgenfeeit, baS Sntfemte unb Unfeefannte ber ©egenwart unb bie Srelgnlffe ber 3ufunft. SBenn man ben «Patienten fragt, wie er alles bieS weiß, fo pßegt et iu antworten, baß es ifem iß, als würbe es itjm tion einer anberen «perfon mitgeteilt, ober baß er es burefe bie «Kagengrube füfelt. Sr iß immer »ottßänblg »on ber Sßafer- $eit ber auf biefe SBeife erlangten Srfenntniß übergeugt. 3n Vejug auf bie SBafel geeigneter Heilmittel ift ber Hettfefeenbe jefct weniger befcferänft, als »orfeer. 3m »or« feergefeettbem ©rabe war es nöttjig, ifen burefe »ermittelnbe Körper mit einer anberen «Perfon in Verbinbung gu fernen; aber in biefem ©rabe fonn er mit irgenb eintt ent- fernten perfon, bie er fennt, ober.für bie er ßcfe, interefßrt, in Vegiefeung treten; obet ouefe, wenn nur ber «Kagnetifeur, ober irgenb eine anbere burefe Verüferung mit bem Hettfefeenbett »erbunbene perfon, bie obwefettbe «perfon fennt unb lebfeaft an btefeise benft. Der Vlid beS Hettfefeenbett erßredt ßdj audj auf bie fünftigen ß4*™unt Verfeäitniffe Sinberer. Sr iß gu einem feöfeeren, tioüeren Seben gelangt. Der W per fdjeint innigß mit bem ©eiße tierfefemotjen uttb fearmonifefe mit ifem «reime • Die «perföntiefefeit iß allem ©robett uub ©innlicfeen entrüdt unb in einend«!^ fettem unb erfeobener ©elbftbefdjauung »erfe^t. Das ©efüfel beS förperl.efeen *. feagettS uub ber Keinfeeit ber ©eete ergeugt in ifem einen feeitern grieben, w p burefe bie ebelßen Smpßnbungen funbgibt. 3n biefem 3ußanbe, welcfeer, w Hettfeb,enbeit fagen, an bmmlifdje ©lüdfeligfeit greitgt, ftnb ße fetncS unreinen banfetts fätjig, unb felbß bie ©efeuibbeffedten fealten ftd) für ^nbfeaft. Dies ßnb bie SBunber beS ttjierifctjen «Kognetismus, »on benen unfere u, ober wenig glauben mögen. Die Slufmerffamfeit, weldjer ber ©egenßan »in « ^ *uf ßdj gegogen, iß uttfere Sntfdfeulbigung für bie Sauge biefeS mit . ©altiattismus. 633 fflrunb ben bie ©acfee gefaßt, unb bie bertiorgebradfeten SBirfungen, liefern ein auf- FaHenbeä Veifpiel »on ber «Kacfet ber Sinbilbungsfraft. Ss würbe gu tiiel Kaum Irforbern, alle bie verfdjiebenen Hantfeierungen unb Dperationen gu befefereiben, burefe welche ber «patient in magnetifefeen 3ußanb »erfefct wirb. Wrtbaitt^iHit^ Durcfe bie gabanlfdje Mxa[t ßnb eine «Kenge tierfctjiebenartiger unb überrafdjen- ber SBirfungen feeroorgebrodfet worben, beren wir bereits einige erwätjnt, unb »on benen wir in gotgenbem einen furgett Ueberblid geben wollen: Sefeießputser, Vaumwotte unb anbere entgünblide ©egenßänbe ßnb in geuet geferi worben— Holgtofelc würbe mü einer gtängenben unb fcfeöneit weißen glamme »erbrannt — SBaffer in feine elementariütjett Veßanbtfeeite gerfe^t — «Ketatte wür- ben gefajmolgen unb in geuer gefegt — ©tüddjen »on Diamant, ßofele unb ©ra- pfeit »erßücfetigt, als wenn ße »erbampft worben wären — «platina, baS fjärtefte unb feferoerfte aller «Ketatte, würbe wie SBadjS in einer Sidtflamme gum ©ctjmelgen gebraefet — ©appfeir, Quarg, «Kagneßa, Äalfßein unb bie feßeßen Srge würben utfammettgeftfemolgett. Die SBirfungen biefer Mxa[t auf ben tfeürifdjeti DrganiS- mxxi ftnb nicfet weniger auffallend SBenn ein gabanifdjer ©trom auf ein tobteS ©e- flügel ober ßanütdfeen, unmittelbar naefe bem Srtöfdjen bes SebenS, geleitet wirb, fo öerurfadjt er bie merfwürbigßen unb tjeftigften kontiulßonen im Keroen- unb «KuS- felftjfiem, als ob bie Sebensfunftionen wieber erwedt wären. Vei menfcfjtidjett Körpern feat biefer Keig naefe bem Jobe in ben «KuSfeln beS ßopfeS unb beS ©eßcfj- tti bie fcferedlicfeßen Vergerrungen unb ©rimaffen, fowie fdjnette Veweguugen ber Hänbe unb güße »eranlaßt. 3«tjlreidje Srperimente, welcfee an tobten Jtjüren nnb menfcfeticfeeit $aba»em angeßeüt würben, feaben gu bem ©efetuffe gefüfert, baß ber ©aiöaniSmuS im ©taube fei, einen feeilfamen unb energifdj en Sinßuß auf bie Jtjätigfeü erfranfter, lebenber SBefen auSguüfeen. Man bat gefunben, baß er hti Kertienleiben Muxen bewirten unb Srfeidjterutg fdjaffen fann. Sr iß nidjt allein angewenbet worben, um ben leibenbeit Sebe.^en ju feelfen, fonbern aud), um bie ©djrintobtett gum Sebeu gurüdgubringen; in atten gaüen aufgefeofeener SebenStfeätigfeit, in golge tion Verlegungen, Vergiftungen ober fonßigen Urfadjen liefert er bie ftefeerfte «probe, ob ber guitfen wirfliefe erlofctjen unb ber lob gewiß fei. Sin berüfjmter mebiginifefeer ©cferiftßetter in Veriin empftefett auf bas Slngelegentlicfeße feinen ©ebraudj bei KfeeumatismuS, Sätjmungett, neroöfe Jaubfeeit, Heiferfeit, ©eßdjtsfdjwädfee, gefcfewotteneit ©etenfen, ©efdfewüfßenber Hals* brüfen unb »erfefeiebenen anberen Seiben. «Jftan feat gefunben, baß er einen erregenben Sinfluß ttidfet allein auf bie Ker»en unb «Kusfeln, fonbern auefe auf bie SebenSfräfte felbß ausübe. Springer in 3ena bericfetet »on fünf unb »iergig «perfonen, benen er tiermittelß biefes eigenttjümltcfeen Hgens bas'©eb,ör wiebergegebeit — unb bei Vielen bation ßettte er ebenfalls ben Oeruajsßnn ber. 634 ©unit's Haus* Slrgt. ©al»oniSmuS iß femer als ein wüffames «Kittel gum ©prengen »on steinen tierwenbet werben, ßu ©laSgow unb an meferen anberen «piäjjen iß feine Ärafl mit oietem Srfolge tierfudfet worben. Vei einer ©prengung würben mefere feunbttl Jonnett tion 'Steinen in einem «JKometüe tiom gelfen losgelöß. Watt fanb, baß trodener ©anb feinreiefeenb iß, um baS für bie Sabung geboferte So cfe gu füllen, unb baß ber «progeß nidjt »on ber geringßett ©efafer begleitet iß, fo boß burefe biefe ©prengungStnetfeobe bie »ieten Unfälle, benen fonß bei bem ©prengen mit «puloer bie Slrbeiter ausgefegt waren, tiermieben werben tann. Die galoanifefee Äraft lie. fert uns unter Slnberem eine Srtlärung für bü folgenben Jljotfodjen: warum «Porter anberS unb beffer fcfemedt, wenn man ifen aus einem 3iungefäß, als wenn man ifen aus einem ©lafe ober irbenem ©efäß trinft; warum ein ftlbemer Söffel eine anbert garbe annimmt, wenn man Sier bamit Ißt; warum bie ©lieber »on Seuten bei Slmputationen burefe bie Verüferung ber 3nßmmente In frampffeafte 3udungtn geratfeen; warum reines D.uedßlber orpbirt wirb bei ber Slmalgamation mit 3inn; worum metallene ©erätfee, bie gufammengelötfeet ßnb, an ben Verbinbungüfteüen anlaufeit; warum bü Äupferbebedung »on ©efeiffen, wenn ße mit eifernen Kägeln befeßigt iß, an ben Verüferungsßetten ber beiben «Ketatte fefenett roßet. Sin allen biefen ©teilen wirb ein galtiattifefeer 3üfel gebilbef, ber biefe SBirfungen feeroor- bringt. — SBir tjahen guten ©runb gu glauben, baß in Verbiitbung mit ben Sntbecfungen, welcfee bie mobeme Sfeemie ßünblicfe gu Jage förbert, bie Gräfte biefeS gluibum« unä in ben ©taub fernen werben, bie ßünße gur Vottfommenfeeit gu bringen unb bie gefeeimeu Urfadjen ber erfeabenfteit Katurerfcfeeinungeit gu ergrünben. Der große «pfepßotoge Sfelfa gu SÜtjett befeauptet, mit Hülfe eleftrifdjen riefele« im ©taube gewefen gu fein, burefe ben menfefetidjett Körper feinburefejufefeen unb fo bit Srißettg tiefft^enber Singeweibefranffeeiteit gu entbeden. Sr ift ben «Vorgängen b« VerbauungStfeätigteü unb beS VIutumtaufs gefolgt unb feat bie Ker»en in Veroe» gung gefefeen. Dies ift bie außerorbenttiefeße Sntbedung unferes 3eitalters unb würbe, wenn ße ßcfe beßätigeit fottte, gu ben ßaunenswertfeeßen Kefultaten füferen. Sr feat ber »on ifem erfunbeneit Vorricfetutig ben Kamen „Sintferopoffop" gegeben. SS fann feine grage fein, baß bie Kertien bie Sfufgafee feflbett, ben eleftrifcfeen ©trom tion einem Jfeeile bes DrganiSmuS gum anberen gu leiten, unb bqjj fie bei normalem Äörpergußanbe ein ©letdjgewicfej beS angiefeenben Sinßuffes unter ben tierfefeiebenen Drganett aufrecfet erfealten. Das ©efeirn unb baS Küdenmarf, in weiefeen ßcfe bie gwei tierfefeiebettett Ker»enabtfe,eituiigeit, nämlidj bie Vewcgungsnet* tien unb bie Smpßnbungsneröeii, vereinigen, feaben in biefer Vegietjung eine bernet- fensmertfee Sletjitlidjfeit mit ber galttanifefeeit Vatterie unb ben bamit »etbunbenen Dräfeten. Die poßtiüen unb negativen Dräfete ber galoanifcfeen ©äule entfpredjen in itjrer Jfeätigfeit bett Keroett ber Smpßnbung unb ben Keröen ber «Bewegung, welctje beibe in ben 3enttalorganeti beS KeroenfpßemS gufammentaufen. Jebe orgauißrte ©ebilbe iß mefer ober weniger unter bem Sinßuffe bes Sleftro^agnetu- mus. Der Jorpebo ober Sitterftfctj, rin wofelbefannter Vewofener be« Ccean«, P in feinem Körper einen tiottßänbigen gal»anifcfem Slpparat, ben er «w *trt' gungswaffe gegen bie Singriffe feiner ©egner gebraucht. Doefe. felbß un"r berfelben Älaffe tebenber ©efdfeöpfe iß eine große Verfcfeübenbrit m bent w» 3ntenßtät, mit wetdjem ßd biefe Äraft bei tierfdjiebenen 3nbiöibuen auhert. ©atöantstntts. 635 gine Sntbedung würbe fürglicfe tion einem Slrgte in Kew SJort gemacht, welcfee ßieten bie ßcfe nocfe Hülfe umfefeen, Ifere ©efunbfeeit wiebergugefeen tierfpricfet. Suljer beobadjüte, baß wenn man gwei «Ketattßüde »on »erfefeiebener Strt, wie Tupfer uttb 3inn, bos eine über bas Slnbere unter bie 3unge legt unb bie beiben kröorragenben Silben ßd berüferen läßt, ein eigentfeümlicfeer metattifder ©efefemad empfunben wirb. Dies füferte gur fogenannten tiottaifefeen Sleftrigität unb gu ben aaüantfcfeen «Jungen, beren SBirffamfeit tiütteicfet manefeett meiner Sefer befannt iß. Die widjtige Sntbedung beßefet in gotgenbem : wenn ein cptinberförmiges ©tüd 3tnf am Snbe eines Vefenßiels befeßigt unb ein tbtn fotefees ©tüd Äupfer etwa fünfjefen 3ott tiefer angebracfet unb bie Verbinbung gwifefeen beiben burefe einen ZxaXjt feergeßettt wirb, fo bilbet ßcfe, wenn Semanb baS obere ©tüd mit ber redjten unb baS untere ©tüd mit ber tinfett Hanb anfaßt, ein »oltaifcfeer 3ütel, beffen SBir- tung ßcfe um fo ßärfer entwidelt, je mefer ber Vefen gebraucfet wirb. Die Hänbe muffen ofene Hanbfctjutje fein, fo baß bie Verüferung mit bem «Ketatte unmittelbar i\\ unb bie genßer bes 3ünmerS fottten geöffnet fein, um reiefeuefe frifdje Suft gugit- laffen. — X)ie Srßnbung iß uttfdjäpar für grauen, bie ßcfe aus «Kangel an einem tfeattgen geben in einem 3ußonbe ber ©dfewäde beßnben; für «Mittler tann biefelbe Vor- riefetung an einem Sirtftiel angebracfet werben. Die SBiffenfcfeaft erfeöfet attmälig bas DurcfefefenittSatter ber «Kenfcfeen. Vor einem 3aferfeunbert ftarb jäferlitfe je einer unter breißig «Perfonen ber Veüötferuttg ; jefct ift bie DurefefefenittSjafet fe einer unter fünf unb tiiergig. 3« Snglanb tjaben fiefe bie Sebensausßdfeten innerfealb feunbert Saferen faß tierboppett; unb baffelbe gilt oon bett älteren ongeßebetten Jtjeiün ber Vereinigten ©taaten. SBenn wir in ben- felben «Berfeättniffen nodfe einige Sabrfeunberte fortfefereiten, mit jeber ©eneration ui »eröotlfommneitb, inbem nidt aüein bie Sebensweife, fonbern aud, bie Äörper- »erfaffung, mit weldjer bie «Kenfcfeen auf bie SBelt fommen, ßdj beffert, fo erreicfeen wir am Snbe wieber baS golbene 3eüalter ; unb obwobl «KetfeufalemS nocfe immer feiten fein werben, fo mögen alte «Könner »on feunbert unb fünfgig, wie «parr, etwas gewöfenlides werben. 3n Hartforb, Sonnecticut, nafem ein «Kr. gowler aus «Kattsßetb in einem Hotel ein 3immer unb würbe am näajfteit «Korgen attfdjeinenb tobt burefe Vergiftung gefunben. Die gewöfjnliefeett «Kittet würben ofene Srfolg »erfudjt, bis man gur Sleftrigität griff. Vei ber erßen Verüferung bes leitenbeit Drab, teS mit ber Vruß Ui «Patienten, erfeofe er ßcfe, fanf aber balb wieber gurüd. Vei bem gweiten ©djtag erfeob er ßdfe, inbem er ein „Dfj," ausßieß, unb ßel gum gweiten «Kaie gurüd; bei ber britten Srfcfeütterung fprang er auf, inbem er ausrief: „D ©ottl" unb tonnte fe|t mit Seidjtigfeit attfredjt ßrjett. Valb barauf »erlangte er etwas gu trinfen, unb man gab ifem Jfeee unb Kaffee; in brei Viertel ©tunben Heibete er ßd) an unb fcfeien faß »ottßänbig feergeßettt. Sr tjatte ben Slbenb tiorfeer gwei Ungen Saubanum getauft unb biefelben in gwei Dofen geleert. Die neuere Kummer ber „Sonboit Sancet" entfeält eilten intereffanten Vertcfet über einen gatt in «Kibbüfer Hofpüat, beffen Kefultot wicfetig für bie ärgtlidje SBiffenfcfeaft »ar. Sin «Kann würbe fecfes ©tunben, nadjbem er eine Unge Saubanum (gteidj fedjs «nb jwanjig ©ran Dpium) tierfdfeludt, in bas Hofpüat aufgenommen. Sr war fefeein- bar leblos; bie Dfeerßädje bes Körpers war falt, bas ©eßdjt blaß unb leldjentjaft 636 ©unn'S H<»uS» Slrgt. bie Sippen blaurott), bie «Pupillen bis auf einen bloßen «punft gufommengejogen, bal SÜtjmen faum bemertlicfe, ber «Puls faum gu füfelen. Das Saubanum würbe burcb t't «Kogenpumpe entfernt; aber trofc aller Vemufeungen würbe ber «Puls immet langfamer unb fejjte bisweilen gong aus, bis man gum Sleftro=«Kognetiomu>5 feine 3ufütdjt natjitt; eine Heine Vatterie mit ©ewinbe unb 3f»tator würbe angewenbet. Sin Drofet würbe an ben Hals unb ber anbere auf bie «Kagengegenb gelegt unb eine Keifee fräftiger Srfdütterungen bem «Patienten mitgetfeeilt. Die gute StHrfung geigte ßctj fogteicfe. Die KefpirationSmuSfeln würben in lljätigfelt »erfefct, unb ba« 3werd)fett würbe träftig gufommengegogett; bü Vmß würbe »otter ausgebetjnt, bie Sltfeembewegungett gingen »ottßänbiger tior ßd, unb eine entfpredenbe Vtffttung geigte ßcfe im ©eßcfetSauSbmde. Der «puls feob ßcfe unb würbe fräftiger unb blieb feß, felbß wenn ber ©trom einige «Kinuten unürbrodjen würbe. Dies Velebunge- mittet würbe mefere ©tunben lang fortgefetü unb würbe fdtießlidfe »on Grfolg gefrönt, ©o bewäfert ber Sleftro-«JJcagnetiSmuS unter Umßänben, bie mau fenft für feoffnungslos gefeolten, feinen wofeltfeätigen unb wunberbaren Sinßuß. Ueber bie Slrt, wie bie Sntbedung bes ©at»onismuS ßattfonb, wirb golgenbei ergäfelt: im Safere 1790 ßettte ©ottionl, ein «profeffor att ber tlnioerßtät ju S3o- logtta, eine Keifee tioit Srperimentett an, um bett 3ufommenbong ber Steltrijität mit ber «KuSfettfeätigfeit bargutfeun. SineS JageS lagen einige tobte gröfcfee — bit ju einer ©uppe für feine fronte grau beßimmt waren — auf einem Jifaje in ber Stabe riner Steftrißrmafcfeitte, unb ein ©tubent amüßrte ßcfe, in ber Slbwefenfeeit ©alöani'«, bamit, einen ber grofcfefctjenfel mit «Ketattßüden gu berüferen, weldjes fon»ulprifd)e Vewegungen beffelben »erantaßte. «Kabame ©alöant, rine grau »on grofjem 33er- ßanbe, beobacfetete bieS unb tfeeilte es iferem ©emafele mit, ber in golge beffen bie «Kettjobe eiübedte, foldje «KuSfetgufammengiefeungen nadj Velieben beroorjubringen, inbem man rinfacfe gwei Dräfete tion tierfdjiebenen «Ketollen, ofene Hülfe irgenb einet Steftrißmtafdjine, benutzt. Die 3wedmäßigfeit eteftrifdjer «Kittel bei tierfefeiebenen franffeeiten iß jefct auf« atter grage. Ss ift eine erwiefene Jfeatfacfee, baß bie Steltrijität, unter ber i'eitung fompetenter Slergte, in einer großen Slngatjt »on gäüen bie glüdlicfeßen Srfctgt ju SBege gebraefet unb nicfet fetten ben «Patienten in furger griff »on einem langen ein- gemurgetten Selben befreit X)at. Vorgüglictj f)äußg ftnb grauen baburdj feergefteül worben. SBentt wir audj bie «Kadjt ber Sinbilbung in Veredfenung giefeen, welcfee befannt- lictj bei jebem neuen «Kittel eine große Kotte fpielt, fo liegen bocfe Steigniffe genug oox, welcfee bie Kürdidjfeit beS eleftrifdjen Heü»erfaferenS ungweifelfeaft bartfeut. Äürglid iß eine «pflange entbedt worben, wetdje mit berfelben unfefelbaren 9t- nauigfeit, wie bie «Kagnetnabel, nodfe bem «pole geigt. Ss iß biefe tierfefeiebenartig mobißgirte magnetifefee ^raft, weldje bei bem SBeefeitl ber Saferesgeiten bas SBanbem ber Vögel tiott einem Himmetsßricfee lm*n™tn tierurfodfet. ©ie gwingt ben SBaffertioget, beffen Srfcfeetnen wir nod bem «djmeiu bes winterlicfeen SifeS beoboefeten, feine pfabtofe Keife naefe ben nottheben w angutreten, nadj bemfelben unfeblbarett ©efe^e, weldjes ben «Kagnet naefe MV weifen läßt. Derfetbe gefjelme Sinßuß treibt Heere tion gröfefeen ans bem wn fdjiammiger ©ewäffer bertior unb 3wingt ße, wette Keifen über 2anb ju m y ©efuttbfe. eitsgußaub iit bett ©täbten. 637 I)ie ©rieftaube, beren Kotur einen gewiffen 3ufammentjang mit .rgenb einer beßimmten Sofatität erlangt feat, muß, wenn ße nacb, einem entfernten «pla£e gebraefet wirb, auf ben alten «puntt gurüdfeferen. Die Jaube, weldje naefe ber ©ünbflutfe. au« ber Slrcfee geloffen würbe, feferte naefe einer ermübenbett Keife über enblofe ©e- roäffer treulid) gurüd, bemfelben gwingenben Sinßuffe ätfeerifefe-magnetifefeer Slngte- feungsfraft folgenb. Diefe Jfeatfacfeen ßnb nicfet wunberbarer, als bie SBunber beS magnetifdjen Jelegrapfeen, welcfeer je£t in ber gangen SBelt im ©ebrauefee ift. Unb bte Beit iß nafee, wenn ber breite attantifefee Dceatt bem perfönliäjen Verfefere feine ©eferanten mefer fe£ett wirb, inbem mon galtiatii fefee Vatterien an ben gegenüberliege n- ben Ufern aufpflangt ofene bie Hülfe tierbinbenber, leitert- ber Dräfete. SS wiberfpritfet ßdfeerliefe weniger ber Vernunft unb bem gefunben SJtenfcfeenüerßanbe, bie erwäfenten organifdjen Sebensäußeruttgeit pfepßfdjen Urfactjen jujufcfereiben, als jener fafeelfeaften Mxa[t, welcfee matt Sttßintt genannt bat. — (&efunbl)eit$zuftanb in ben ^täbten* Unterfucfet« man ben Körper eines KinbeS ober Srwadjfenen naefe bem Jobe, fo ftnbet man in ber Kegel, baß ein ober mebre Drgane in einem franftjaften 3uftanbe finb; welcfee Jfeatfacfee einen Slrgt gu ber Sleußerung »eranlaßte, baß er jeben Srwadjfenen, weldjem er auf ben ©traßen tion Sonbott begegnete, als ein ©tüd feerumwanbelnbeS anatomifdjes «Kufeum betraefete. Unter neun unb tiiergig taufenb unb neun unb odjtgig «Perfonen, wetdje in Sonbott im Safere 1840 ßarben, würben jwei unb gwangig taufenb gwei tjunbert unb fünf nnb ßebengig weggerafft, efee ße Ui fünfjefente Safer erreidjt featten, unb nur gwei taufenb gwei feunbert unb ein unb oierjig ßarben an Siltersfdtjwäefee, welcfee, naefe Voerfeaa»e,S Sleußerung, bie eingige natürlidje kranffeeit bes «Keufefeettgefdled)ts iß. Slußerbem bebenfe man, baß unter ber 3afel ber efeenerwätjnteit JobeSfälle »iergefen taufenb brei feunbert uub aefet unb feefejig in golge »on «Kranffeeiten ber Sltfemungsorgane eingetreten waren; bie Haupt- urfaefee biefer franffeeiten wor bas Sinatfjmen »erborbener Suft. Sitt gutes «Kittet, fotdjen franffeeiten »orgubengett, ift, gut gelüftete SBotjtiuitgen gu tjaben, unb gwar mufj bie Suft in beftänbiger Vewegung erfeatten werben, bentt bei warmem SBetter entljält bie Suft eine große «Kenge rfeierifefeer unb pflanjüefeer ©toffe, beßefeenb aus ben Siern ber Snfuforien unb bem ©amen ber nieberen «Pflangenformen< Das ^fernen fetbß trägt »iel bagu bei, bie Suft unrein gu macfeen. Die Suft in ben Zungen »ertfeeilt ßcfe In 170,000,000 3etlen, beren Dberfläefee breißigmat größer iß, flu bie bes Äörpers; wäferenb bes Sitt)mens wirb bie Suft iferes ©auerßoffeS beraubt unb mit fdjäbttcfeer Äotjtenfäure gefdjwängert, woburcfe ße gum SBübereitt- fltfemen untouglicfe unb in SBtrHidjfeit nicfet metjr atmofptjärifdje Suft, fonbern rin glftigeö ©as iß. Sine anbere Urfadje ber Verunreinigung ber Suft iß bas Vrentten »on riefetern, Sampett unb ©osflammen; tierjetjrt bod) ein riitgettteS Sidjt fo tiiel ©auerßoff, als ein menfcfelictjes SBefen unb gwei tiiergetjnarmige Seuctjter fo tiiel, als 638 ©unn'S HauS*Slrgt. elf «Kenfdeit. Sine britte Urfacfee ber Verfcfeledjterung ber Suft iß bie «Ättebün. ßung, weide bett Sungen unb ber Haut »on «Kenfdfeen unb Jfeürtn entßtömt. Sin «Kenfcfe, ber ßcfe tiiel in ber freien Suft bewegt, atfemet mefer ©outtßoff ein, als ber, welcfeer es nldjt tfeut. 3m Slügemeinen entfeält ein gegebenes SAüimtn l'ufl (wir fönnen nur eine beßimmte «Kenge etnatfemen) aus ber freien Sltmofpfeäre mtbr ©auerßoff, als in bewofenteit «Plänen, mit SluSnafeme einiger ©tunben beö lagt« in Hodfefommer. 3e größer aber bie abfolute «Kenge beS eingeotbmetcn ©aurrfloffti iß, beßo ßärfer ßnb bie Sungen, unb ifere SBirffamfeit wirb baburefe gefeoben. Doffelbe fanit matt tion ber Haut befeaupten, welcfee mit ben Sungen gufammen« Wirft. 3e mefer ©auerßoff in einem gegebenen Volumen Suft »orbanben tß, tefto beffer erfüüt biefeS widjtige Drgan, bie Haut, feine »erfdjübenen Verridjtungen, unb um fo weniger ßnb wir geneigt, uns gu ertälten. Drittens. Sine Verridtjtung, bie ber Sunge unb ber Haut gemeinfdjaftltcfe ift, ifl bie Srgeugung tion SBärme; je mefer wir uns aber in ber freien Suft bewegen, btßg größere SBärme ergeugen biefe beiben Drgane. Jrüt ber umgefeferte gall tin, unb fealten wir uns mefer in 3lmmem, befonbers in gu ßarf gebeigten, auf, beßo wenig« SBärme ergeugen bie Sunge unb bie Haut, unb beßo empfänglidjer werben wir füt Die Sinwirfungen plö^licfeer Jemperoturwecfefet, welcfee fo oft in Srfältungen unb anbere franffeeiten ber Sungen unb anberer Drgane ausorten. «Kan fonnte tiiele anbere ©rünbe anfüferen, wesfealb unfere etttneröte 33e»öl« ferung, welcfee beßänbig, bireft ober inbireft, fo »iel leiben muß, ßcfe in freier ?uß bewegen fottte. Der große ©cfeöpfer feat biefe «Kifcfeung tion ©auerßoff unb ©tidßoff nidt umfonjl tiiergig ober fünfgtg «Keilen feod) aufgetfeürmt. ©ie wirb nidjt »erbeffert burcb unfere 3ufügung »ott itofetenfäure, fdfewefelfaurem ®aS, ßofelenmafferßoffgaä, Sajwe- felwafferftoffgos ober fonßigen ©afen, außer burefe baS gewöfenlicfee Verljälrntf »on ©auerßoff unb ©tidßoff. ©ie wirb nicfet tierbeffert burefe bie foulen ober featbfaultn Jferildjen, welcfee lebenbe ober tobte, tfeürifde ober «pflartgenförper »on ßcfe geben. Sn Kew SJorf ßarben im Safere 1845 feefegefentaufenb «Perfonen in Jolge »on SiuSgetjrung. Das „«Kebical Sourttal," weldjes ßdfe über biefe Jfeatfacfee awläft war ber «Keinung, baß faß bie Hälfte atter biefer gätte »on SluSgeferung baburd entßanben, baß man ßd unttötfeigerweife ber SBüterung ju »iel ausfegte, bie unreine tierborbene Suft »ou fdjtedjt tieittitirten ober mü Vewofenem überfüüten Ha«!»n riitatfemete, ober in gu beißen ober gu falten, ebenfalls fdfeücfet gelüfteten 3immern fefetiefe. Diefe Vetjauptung iß ofene 3»etfel rictjtig; man featte ttur nocfe für tiefe« Sanb gwei Urfadfeen feittgufügett fotten, nämlicfe baS Jragen »on gu engen 5cfenur< brüften unb büitttett ©djufeett. Sin SBamurtgen feat es nicfet gefefelt. ©eißlidfee, bte «preffe unb Sferjte feaber genug ermahnt, aber »ergebens. ©djnürbrüfte unb bünne ©efeutje nefemen wd) unter ben Srforberniffett ber tiornefemen SBelt bett erßen Kang ein, unb In rtolg« beffen gibt es Hußen, (Srfältungen unb SiuSjeferungen in «Kenge. SS iß eine überrafefeenbe Jfeatfacfee baß in biefem Sanbe nut »iet Wnen»° feunbert ein Sllter tiott fedtjgig Saferen erreicfeen; in Snglanb bagegen leben |ie «Perfonen tion feunbert bis gu jenem Sllter. 3« Snglanb ift baS Jtlima »armer w mitber, aber neblittjt unb feuefet, unb iß gang geeignet, eine ungefeeute *W Siusgeferungsfätteit b, ertiorgitrufett. Das Voll übt fo eingeengt unb fo riefet bcifan.* ©efunbfjettsgußanb in ben ©täbten. 639 Millionen üben fo ärmlicfe unb in fo etenben Hütten, baß man eigeittlidt) auf einen »iel größeren Verluß »on «Kenfcfeenlefeen tedjnen fottte, als in biefem Sanbe, Eennocfe erreicfeen in Slmerifa nur tiier aus feunbert «Kenfdjen ein Stlter tion fecfegig 3aferen, wäferenb in Snglanb ßeben jenes Stlter erreichen. Der ©runb bürfür liegt in'ber »erfttjübenett SrgiefeungSmetbobe jenes Volles; bort werben bie Srfafe- rungen ber alten Seute eferfurcfetsoott ottgefeört unb als Kegeln betrugt. Hier ^«ge- gen werben jene Srfafemttgeit wenig beacfetet, unb bie jungen Seute benfen, ße wüßten »iel mefer, als ifere Väter unb folgen nur ben Singebungen iferer eigenen Saune. Doefe muffen ße mit ber ßtit einfetjen, baß fte tfeöridjt getjanbett feaben unb ifer Seben gu frütj einbüßen. Dieburcfefcfenittticfee Höfee eines «KenfefeenatterS in Kew §Jotf iß fünf unb gwangig Safere, juweilen neun unb gwangig bis breißig, in «pbrilabelpfeia bagegen fünf unb »ierjig, fo baß bas Seben in teuerer ©tabt fünfgig «progeitt mefer SBertfe feat, als in sflew SJorf; ber Urfadjen fonnte man »iele angeben. Sine liegt in ber Vauort ber Käufer. 3n jener ©tobt, wo es «Kobe iß, im Srbgefcfeoffe gu effen, ift fetjr tiiel Slrbeit unb Slnftrengung erforberlid), befonbers für alte Seute, bie Jreppen auf- unb abjuftetgen. Ss würbe eine intereffante Vefcfeäftigung für einen «Katljematifer fein, bie 3afel ber ©tunben gu feeredjnett, welcfee bas Sluf- unb Stbßelgen ber Jreppen in Kew gjorl täglicfe erforbert, unb bie 3afet ber «Keilen gu beftimmen, weldje baburefe. tägtiefe jurüdgelegt werben. Sn «pfeitabelpfeia ßnb bie ©peifegimmer atte im erßen ©todwerfe. Die «Kobe, große unb feotje Häufet gu bauen, läßt ßcfe mit waferer SebenswetS- feeit gar nicfet tiereinboren; aber man fann nicfet »orausfefeen, wann biefe gleidtjfam auf ©teljen gebouten ©täbte in biefer Hinftcfet werben tierbeffert werben. Sine »ierte Urfadje ber tierborbenen Suft in ©täbten iß bte große «Kenge ber ßdj auflöfenben tfeierifdjen ©toffe, weiche, wenn fte lügen bleiben, ßarf ausbünßen; fowie bie ©efewürigfeit, auf weldje man flößt, bie Suft in ©täbten burdj SBtnbgug ju erfeben, in golge iferer fdjtectjteti Vauanlage unb großen SluSbefenung. ©ewiffe franffeeiten entftefeen aus «Kangel an 'frlfctjer Suft, g. V. gieber, SluS- jeferung, ©fropfeeln, Jaubfeeit unb Srfältung, biefen fruchtbaren Meinten fo tiieter anberer fefewerer Äranffeeiten. 3n Snglanb unb SBateS ßerben jäfjtlicfe ein tjunbert unb gwangig taufenb «Ken- fcfeen an ber SiuSgetjrung, unb ber größere Jfeeit tion biefen ßnb Seute, beren Vefcfeäf- tigung ße an bas 3immer binbet. 3« ber ©tabt Kew SJori ßerben ungefätjr jäferlia^ brei taufenb brei feunbert an ber SiuSgetjrung, bie biefetbe Sebensweife füferen. Sin gutes «Kittel, bie ©efunbljeit gu förbern, würbe bie Srrtefe, tung gut tientitirter Häufer fein. Mein SBofen-, ©efelaf- ober SlrfeeitSgimmer fottte weniger als ein feun- bert unb »ier unb »iergig Cuabratfuß groß unb nidjt weniger als adjt guß tjoefe fein unb fottte wenigßens ein oberes genßer unb einen offenen hantln feaben. SebeS ©ebäube, in welcfeem ©as gebrannt wirb, fottte eine Vorrichtung Ijaben, bie tier- brauefete Suft gu entfernen unb frifefee tjerfeeijufdjaffen. franffeeiten, bie burefe «Kangel an Süftung entftetjen, ßnb eine ©eißel für bie Menfdjfeeit. Die «Kenfctjett, weldje «JKitleib mit ben Jljürett tjaben, fottten nidjt »ergeffen, boß audj biefe frifdjer Suft bebürftig ftnb, obgleicfe fjüratt leiber wenig flebaefet wirb. Sei otinbern iß guweilen audfe ber Job eine golge tion gn häufigem ßleiberwedfel. 640 ©untt'S Höus-Slrgt. Die Sleftrigüät, wetdje bem Körper entßrömt, tfeeilt ßdfe ben Kleibern mit, unb lebet SBecfefel ber Äteiber entgiefet bem Körper eine gewiffe ^Kenge ber eleftrifdjen SBätme; besfealb erfcfeöpft ein feäußger jtüiberwedjfel guweilen bie eleftrifdje Äraft bes SCox> perS ; eS erfolgt kranffeeit, unb baS Mint ßirbt. Sin Herr, beffen grau bie gröfjfe 'Slufmerffamfeit auf ifere kinber tierwanbte, ße Ijäußg bobete, ifere Kleiber wtcbftlte, tierlor tiier ober fünf kinber nadj ber Keifee. Das lefcte, ein feübfder ßnabe, fajitn bemfelben ©cfeidfal entgegen git gefeen, als ber Voter enblidj einem Kodjbarn fein Seib Kagte. Diefer fagte ifem, er wolle für bas Seben feines ÄinbeS bürgen, wenn feine grau feinen Vorfcferifün folgte. Der Kacfebor gab barauf ber Dame, bie ti ftcfe gur Kegel gemadjt featte, ifer Mint feäußg gu baben unb umgufleiben, fotgenbes Katfe : „SBafcfeen fte baS Mint, fo oft ße wunfefeen, ober wedfefeln ße feine fllribn nur einmal bie SBodje." Diefer Katfe würbe befolgt, unb boS Mint blieb am Seben unb würbe ein ßärfer unb gefünber «Kann. Sine anbere Dame, bie ifer JTinb jwei< mal tägtidj bobete unb umtleibete, unb gwar aus mütterlldfeem ©tolg, »erlor ti im Sllter »on fünfgefett «Konaten aus berfelben Urfacfee. Damit will idj jebodj nicfet fagen, baß man baS Mint nicfet wafdfem fotte; man tfeue bies regelmäßig unb möglidjß oft, benn eS iß ber ©efunbfeeit guträglidfe. Sludfe entferne mon unreine« Unürgeug, nicfet aber bie äußeren Kleiber, ba, wie gefogt, ein gu feäußger SBecfefel bi» Sleftrigüät erfcb,öpft. ®ie SBruft nnb bie Sunge. Durcfe «fanget an guter Suft entßetjen Äronffeeiten; fjäuftg Iß SütSjcfentng golge bation, unb ftctjerlidj fann nicfet genug gute Suft in Sungen fein, bie in einet fleinen unb unförmtitfeen Vruß gufammengebrüdt ßnb. Die feouptfäcfelicfeßen for« beugungsmittet ber ©djwittbfudjt ftnb eine breite Vruß unb freies Sltfemen. ZU ©Üjen ober ©tetjen in gebüdter ©tettung giefet bie «Kusfeln ber Vruß gufammen unb macfet biefelbe flein. SetjüreS iß ein Jfeemo, welcfeeS Sitte berüfert, befonbers bie über Jifefeen unb Vänfen gebüdt im Haufe Slrbeitenbert. Seute in guten SSerfeältniffen, ober foldje, bie eine ßfcenbe SebenSart füferen, gebrauden gewöfenlicfe ifere Sungen fefee wenig, atfemen fefer wenig Suft ein unb befommen fo, abgelten »ott fdjledjter Supern Haltung, eine erbärmlicfe enge, Heine Vruß unb legen bie. ©runbloge jum 23erluft« itjrer ©efunbbeit unb ©djönfeeit. SltteS biefeS tarnt man »ermeiben, wenn man tem Sitfjmungsprogeß ein wenig Slufmerffamfeit fefeenft. «Kan bebenfe, taß bte rungi wie eine Vlafe eingeriefetet iß unb bis gum Doppelten ibreS gewöfenltefeen Umfang ofene jebe ©efafer ausgebefent werben fann, woburcfe ber «Kenfcfe, eine gut au«ftpen Vruß unb ©djut3 tior ber ©djwiitbfudjt erfeätt. Das eingige bagu W*™* «Kittel ift bie gewöfenlicfee Suft, bie wir etnatfemett, tiorausgefefet, baß feine: au*c Hittbemiffe, wie ©djitürmieber ober ju enge Kleiber ober eine gebudte Haltung Dbertörpers im SBege ßebm. Des «KorgenS beim Slufßefeeu follte man ein reefete ©tettung annehmen, bie Vruß feerausbrüden uub bte ^^^U bann feole man fo tief, wie möglid), Sittjem, fo baß bie gange Vtuß mit ,uft g i Die Vruß unb bie Sunge. 641 wirb. Hierauf tjatte man ben Siüjem fo lange als mögliefe an unb werfe bie Slrme naefe feinten, tjote bann wieber Sltfeem unb gelje umtjer, inbem matt bett Stttjem fo [ange als möglicfe anfeält. Das tiefe Slttjmen wieberfeole man fo oft wie mögliefe. \&t ift am beßen, vorgenannte Uebung in einem fatten 3immer tiorgunetjmeit, weil bort bie Suft fdjwerer unb bid)ter iß unb bie Vruß fräftiger ausbefenen wirb. Vei biefen Uebungen werfe man jebeSmal ben Mop[ gurüd, um baburefe ben Vrußfitodjen ju feeben, unb biege ben gangen Dberförper naefe feinten. Sluf biefe SBeife tann matt bie 33ruß taufenbmat an einem Jage ausbefenen, je ttadbem man gerabe Suß unb 3eit feat. ©efet matt aus bem 3intmer in bte falte Suft, fo feote man tief Sltljem unb fealte benfelben fo lange als möglldj an. SBenit man burd) ©traßen, auf Jßegen, in gelbem ober ©arten wanbelt ober reitet, fo fealte man ßctj tiottfommeit ttufreefet uttb übe biefe Slrt unb SBeife, bie Vruß ausgubefenen. «Kan gefee niemals gebeugt, fottbertt tjote Sltfeem fo tief, als mögtiefe, inbem matt $ate unb ßopf itt bie Höfee riefelet, uttb tjatte bann ben Sltljem möglidjß lange att. Durcfe biefe Uebung fonn man oft einem Hußen ober einer Keigung bagu fogteiaj Sinfealt tfeun; audj wäferenb bes Siegens im Vette fann man bie Vruß tiottftänbig ausbefenen. tiefet man bie Vruß auf biefe SBeife, fo wirb ße balb fefer fetegfam unb elaftifcfe werben unb bie Sunge fo oergrößem, baß ße in wenigen SBocfeen eine bop- pelte «Kenge Suft faffen fonn, wäbrenb ße äußerlidj tiott ein bis fedjs ßoU metjr im Umfreife meffen wirb. SBer nictjt Mxa[t genug beßjü, bie Vruß auf biefe SBeife gu erweitern, gebraucfee einen StttjmungSapparat, weldjer audfe fonß, ob man fdjwadj ift, ober riefet, jur SluSbefenung ber Vruß fefer bienlidj iß. Diefe Vefeanblung ber Vruß fottte man burd) bas gange Seben unaitSgefejü fort* [ejjen. SBer aus irgenb einer Urfacfee bettlägerig wirb, tjatte feine Vruß burdj tiefes Sltfeemljolen ober burefe einen Slttjtnungsapparat ßets in gefeöriger SluSbefenung unb atfeme täglicfe ein wenig frifdje Suft ein, bie er burctj Seberfdläucfee ober Vleeferöferett ober auf anbere SBeife in'S 3tmrner leitet. SBäferenb ber 3eü, baß matt bie Vruß auf biefe SBeife ausbtlbet, unb audj ttaefefeer, iß große ©orgfalt erforberlid), um bie ridjtige Haltung beigubefeolten, bamit bie Vruß nicfet wteber tierengt unb atte frü- heren 33emüfeungen öereitelt werben. Die Keget ber ©efunbbeit ift (unb Seber follte fie wofel beoboefeten), ben unteren Jfeeil ber Vruß, bie Snbett ber furgeit Kip- pen unb ben unteren Jfeeil bes VrußfnocfeetiS foweit atS mögltd) tiom Küdgrate entfernt ju fealten. Um bies ausgufüferen, muß bie Vruß gattg gerabe getjalteit unb öon ber latfle ab ßets ein wenig rüdwärts gebogen werben. Das Küdgrat iß bieg- fam, bennodj follten bie Hüftgelenfe bie «Punfte fein, att benen man ßoj tiorwärts ober rücfmärts beugt. Die ©elenfe ftnb «Pfannen- unb Äugelgelenfe unb einem Söarrel einigermaßen äfjniidj. man tann ten Dberförper bei einer Vefdjäftiguttg fo »iel »orwärts beugen, als man will, unb troribem bie Vruß, bas Küdgrat unb ben Mi bottftattbtg gerabe tjalten; bafeer fottte feine Dame beim Käben, Sefen, ©eferei- ben ober irgenb einer fonßigen Vefcfjäftigung ibren ©cfeooß als Jifdj benu^en. Viel- er lege man biefe unb atte fonßigen SlrfeeitSgegenftänbe auf eineit Jifcfe tior ßcfe bjn. Der Jifcfe fottte bis gur Slrmtjöljle reicfeen, ober bocfe fo X) od) als mögliefe, um bie Smtjl gerabe gu fealten. Sin wenig Uebung wirb biefe ©tettung tiül angenehmer erfcfeeinen laffen, als eine gebeugte Haltung, wäbrenb bie Vefdjäftiguttg auf biefe weife im SJergleidj mit ber hei gebeugter Haltung wenig ober gar nidjt ermübenb W- «uf bie eben befdferiebene SBeife wirb bas ©ewüfjt ber ©efeultem tion ber Vruß 41 (542 ©unn1« Hau«.Slrgt. fern gefeatten, was bei Hanbarbeiten eine ber Haupturfadjen ber Srmübung [f, Sluf Diefe SBeife wirb man bie Äenngeidfeen, bie gewöfenlicfe bienenben «petfonen eigen ßnb, nämlicfe ein «Paar runbe ©dfeultem unb eine ßacfee, eingefallene Vtuß, fowie auefe bü SluSgeferung tiermeiben; benn Jaufenbe tion «Kenfdjen feaben ßcfe biefe kranfljeit burdfe Vemadjläfßgung biefer widjtigen Kegeln felbß gugejogen, bcfonbete- folefee, bie fdjon burefe eine fdjwadje Katur ober burdj Srbfefeler gu biefer Äranffeeit geneigt waren; benn biefe kranffeeit iß, wü bie ©fropfeeln, erblict). Hebet bie &d)nütleibet obet engen Süitcrer, Sine ber irrigßen unb tierberbtidjßen «Koben in ber SBelt iß bas ©djnüten; ti »ergerrt bie „göttergleidje ©eßalt beS «Kenfdjen" unb tierurfodfet gefäferltde organifefee Jctattffeeiün, bie nie gefeeilt werben tonnen, unb tierfürgt fo bos Seben unb entftelll bie ©djönfeeit. Sitte Vtlber unb ©tatuen, bie uns bie Kömer unb ©rieefeen »on ber Venus, bem Sbeal weiblicfeer ©djönfeeit unb Vottfommenfeett, feinterlaffen feaben, ßetteit biefe ©öttin mit einer »otten unb runben Joitte tior, gerabe wie bte Statut bie größten «Keißerwerfe iferer Hänbe fefeafft. SBir feoffen, baß man balb tion biefer barbarifefeen «Kobe, bas fdjöne Sbenmafj beS Körpers gu entßettett, nicfets mefer feört. ©icfeerlicfe iß ber ©ebrauefe im Slbntb- men begriffen. Ss gibt gäüe, in benen bas Jragen tion ©cfenürleibern erforberlidj fein mag, um eine fdjwädjticfee Vruß uttb fcfewadfee ©lieber gu unterßüfcen; aber nitfel in einem folefeen ©rabe, wie es tiomefeme junge Damen tfeun, inbem ße ben Äörpet gu ber ©eßalt eines ©tunbenglafeS tiergerren, in ber irrigen «Keinung, ba« gäbe ifenen ein feineres Slnfefeen, ober um oon einem ©tu£er ober Korren ben merfmür* bigen SütSruf gu tiemefemen, er föitne ifere Jaitte urnfpannen. Sdj netjme feinen Slnßanb, gu befeaupte*n, baß nicfet eine tion fünfzig, ja iefe fürdfete, nicfet eine tion fünffeuttbert grauen, ßcfe lofe genug fleibet, um nicfet burd bie golgen beS 3ufammenfcfe, nürens unb ber Sittgmäitguttg gu leiben. Slngenommen, unfere Damen tjätten ßctj ßets bequem gefleibet, was würben fie bann fagen, wenn fte ßdfe gur ©träfe naefe ber jefctgen «Kobe fdjnüren müßten; obet gefegt iefe fagte, burefe biefes Sinfcfenüren begebt ifer ©elbftmotb. 3dj würbe nut bie SBaferferit fagen unb werbe feier erftären, wie eS gefefeiefet. 3fer nefemt neb« ftarfe ©tfettüre, befeßigt biefelben um bie Jaitte, fo ftraff, als ifer eS »ertragen fönttt unb laßt fte einett ober gwei Jage ftfcett; attmälig giefet ifer biefe Vänber mebr unb mebr an unb fe£t biefes fort, bis ber Körper bie ©eßalt einer ©anbufer feat. Kacfe nnb naefe wirb bie ©efunbtjeit fefewinben; ifer werbet fefewaefe unb ftfematfettrt unb fönttt baS Slrbeiten ttiefet tiertragen, werbet DpSpepße unb Seberleiben feaben unb gang befonbers mü Keroenfäwäcfee geplagt fein. SBentt auefe langsam, » fcfereüet bocfe bas SBerf bes JobeS attmälig tiorwärts, unb nadj wenigen üfona eber Saferen, fe"at ßdj ©djwinbfucfet eingenißet, unb ifer werbet eines fo letefeten * ßerben, baß man faum ben testen Sldjemgug bemerft. 3d) begweiße gar nttttt, in biefem unferen mobemen 3eitalter Jaufenbe biefe erfolgreiefee «Kettjobe (inj jn tobten, angewanbt fe.aben. 3n einem ber SabnSbericfete be* augentc. Ueber bie ©djuürletber ober engen «Kleber. 643 gteglfterS über ©efeurts- unb JobeSfätte ßnbet ßd) folgenbe ©tette: „3m Safere 1839 ßarben ein unb breißig taufenb unb neungig englifdje grauen an ber SluSgefe- tung. ©iefe große ©terblicfefeit wirb tfeeils bem eingesogenen Seben, weldes ße fuferten, tfeeils bem mobemen 3ufammenfcfenüren gugefcferieben, wetdeS bie SluSbefe- nung ber Vruß tierfeinbert." Diefem Veridte nad,, ber ©efeotttanb unb Sdattb nicfet einfcfetießt, fdjeinen jäferlicfe nictjt weniger ats ungefäfer fünfgefjtt taufenb SJcenfcfeentebett burefe einen entfefeiebenen Srrtfeum in ber Jradfet, baS Jragett »on ©cfenürleibern, geopfert gu werben. 3« ben Vereinigten ©toaten iß biefe ttjöridjte SBcobe eben fo ßarf tierbreitet, als in bem «Bereinigten jtönigreiefee, unb biefer Umftanb fügt waferfdjeinllcfe ber gewöfenliefeett Slngafel tion JobeSfätten nocfe einige taufenb gu. Meine anbere uns befannte Slrt freiwilliger Vergerrung feat auf bie ©efunbfeeit einen fo öerberfetiefeen Sittßuß, als biefe unnatürUefee ©ewotjnfeeü. Das 3ufammenbrüden bes ÄopfeS bei ben Snbianern, wie fefer es audj bas wiberwärtige Slusfefeen »ermeferen mag, iß bocfe fonß ber ©efunbfeeit nicfet ttacfetfeeiltg. Das ginengen ber grouenfüße in Sfeina fott ben fonßigen ©efunbfeeitSgußanb nicfet beeinträefetigen, obgleicfe es in ber Äitibfeeü ein reigbareS SBefen ergeugt. Sngtifdje grauen erß feaben eine «Kobe erßnben unb einfüferen muffen, bie als 3erßömngS- mittel beS SBofelbefeagenS unb beS SbenmaßeS beS Körpers am wirffamßen iß. Der ßtotd beS ©dnürenS iß berfelbe, ber bem Sinettgen ber güße ber Sbineffnnett ju ©runbe liegt: eine fdjöne ©eßalt gu erlangen. Sine enge Jaitte wirb für fdjön, elegant, für eine Vottfommenfeeit ber ©eßalt gefeolten. Die Sbee feat iljrett ©runb in einer unriefetigett Sluffoffuttg beS VegriffeS ©cfeöiitjeit unb iß eine Verlegung ber ©efefce ber Katur. Sfer Urfprung liegt in Saune unb Unwiffenfeeit. SBaferfdjein- (idj entftanb fie burefe irgenb eine moberne Hofbame, beren Jaitte iferer gorm toegen bewunbert würbe, uttb um ebenfo nett ausfefeenbe Jaulen gu tjabett, fingen aüe anberen Damen an, ßcfe otjne Küdßdt auf bie «Proportionen ober bie ©röße oer gigur gu fefenüren. Dem fei wie ifem wolle, atte grauen tion ben feöcfeften bis ju ben niebrtgftett feaben baS ©djnüren als eine «Kobe ttaefegemaefer, unb je£t fann man baffelbe als eine ottgemeine ©mfet tjinßetten, bie bie Vequemticfefeit feeeinträd* tigt unb bie ©efunbtjeit gerßört. SBeSfeatb biefe ©ewotjnfeeü fdjäblicfe iß, wirb man aus bem golgenbeit erfefeett. Zai 3nnere bes ÄörperS beßefet aus gwei übereinattber beffitblictjeit Höfelen. Sn ber oberen, Vruß genannt, beßnbet ftd) bas Herg nnb bie Sungen. Die Verricfetung Ui ßerjetts iß äfettttdfe ber einer Drudpumpe, um bas Vlut burdj bie tierfefeiebenen Kanäle bes Körpers gu treiben. Die Sungen ßnb bie Drgane gum Sttfemen; ße entfealten eine große «Kenge Heiner 3etten unb Kötjrdjen, welcfee ßcfe bri jebem Sltfeemguge mit Suft fütten. Die Höhlung ber Vruß wirb tiott ber unteren Höfelung burefe einen breiten «Kusfel, boS 3werdjfett genannt, getrennt; in ber unteren Höfelung beßnben ßdj ber «Kagen unb bie ©ebärme, untere bilben bie Smätjruttgs- organe, b. fe. folefee, bü gur Stufnafeme unb Verbauung ber Kaferung erforberliefe (inb. Unmittelbar über bem «Kagen liegt bie Seber, beren Verrichtung es ift, bie ®atle abjufottbertt. Sit biefer Hötjle liegen nod einige anbere SebenSorgatte. Diefe 8<«tje, fdjöne innere Sinricfetung, gum ßwtdt ber 3üfulation beS VtuteS, beS Sin* unb Slusatfemens ber Suft, beS SmpfangenS unb VerbauenS ber Kaljrung unb ber übrigen SSerrldfetungen beS menfcfelidtjen Selbes, ßnbet man in wunberbarer Drbnuitg ntUn einanber, fo baß fein «pläfcdett unbettufct ober leer bleibt, wäbrenb auf ber 644 ©itnn's Hau «»Slrgt. anberen ©eite audj fein nadfetfeeitiger Drud tion Stußen ßattßnbet. «JJJan fann leicfet eittfefeen, baß ein Drud bie SBirfung feaben muß, bie Drgane aus iferen gefeö. eigen Sagen gu »erbrängen unb ße gegen einanber gu preffen. Diefer Drud »ertjinbert natürlicfe bü freie Vewegung, bie Jfeätigfeit be« Herjen« Wirb gefeemmt, bie Sungen fönnen nictjt frei atfemen, bas Vlut fonn nicfet gefeeüg jirfuliren, ber «Kagen nicfet redfet tierbauen, wäferenb bie Seber unb anbert wicfetige Drgane außer Drbnung gebraefet unb atte itjre Verridjtungen geßört werben. Die fo eben turj befeferübeneit Inneren Jfeeile beS Körpers werben, wit jeber weiß, burefe ein ©eßett tiott Änodjeti gefcfeüfct. Diefes Änodfeengerüß beßefet au« bem SBübelbrine ober Küdgrat, bett ©djulter- unb Vmftfnodjett unb ben «Rippen. Sin äußerer Drud bringt gunädjß biefes gange Äitodfeenfpßem unb beffen 33etbin- bungen ans feinem natürlidjen 3ußanbe unb tierfdjiebt baffelbe. Die obeten wit bie unteren Kippen nefemen eine ßärfere Viegung ober SluSbefenung an unb bttngen fo ben Kaum für bas Herg unb bie Sungen in ber Vruß, fo wie ben ber Jeber, Ui SKagenS unb ber ©ebärme in ber Vaucfefeöfele. Durcfe, ßarteS 3ufammenfcfenüren bes SeifeeS werben bie unteren Kippen gegen bie Seber unb ben «Kagen gebrängt, unb um bem ifenen auferlegten Drude gu entgefeen, preffen biefe Drgane tfeeils nadj unten auf bie ©ebärme unb tfeeils naefe oben auf bos 3werdfefett (ober ber breite bünne «KuSfet, weider bie Vrußfeöfele tion ber Vaucfefeöfele trennt), welcfeeS feiner- fetts bas Herg unb bie Sungen beengt. Dbgteicfe bie ©djnürleiber bes Kacfet« abgt< legt werben, fo gibt bocfe ber beßänbige Drud bei Jage ben Änodjen eine bleibente Sage, bis gute£t bie,Kippen unafeättberltdj tierfdjofeen ßnb unb an ber ©teile, wo fie ßcfe runbett fottten, eine Sde bilben unb umgefefjrt ßd) runben, wo ße ftüfeet eine edige gorm tjätten. Diefe Veränberuug in ber ©eßattung ber Kippen iß bie erße unb unbebeutenbfie naefetfeeilige golge beS DrudeS. Sfer folgen anbere unb größere Verfdjiebungeit bes ßnodfeenfpßems. Slue ibrer natürliefeett Sage tierfefeofeett, brängeit bas Herg unb bte Sungen gegen bie Vruß unb ©etjulterblätter unb feemüfem ßcfe biefelbe auSgubefenen. Diefe Vemufeungen werben djetlweife burefe ben äußeren SBiberßanb aufgefeofeen, unb fo entßefeen jwei entgegen- arbeitenbe «Preffungett. Haubtuitgett gegen bie Katur beßrafen ßd) immet in iferen Purine ©djulter wirb tjotjer als bie anbere, unb bas Küdgrat witb gebogen. Sbenfo werben bie unteren Jfeeile tierfdjofeen; fetjr feäußg wirb bie eine Hälfte feo er, als bie anbere; ber gange Körper nimmt eine tiergerrte Haltung an. Der gewofen. iidje Slnfang biefer Slrt kranfljeit (Küdgrattierfrümmungj iß folgenben nad)_ en« lang antjaitenbett Drude auf bie Vruß ober ben Voudj in golge »on ,« ©djttüren fängt bie ©efunbbeit ber «Perfon an, in ^^^J^L gußanbe entfptedjenben 3eüraume afegunefemen. ^»^ e „rfadjtein Srmeicfeett ber Mnodjen, weldjes oft »onUnregelma t inU» * ridjtuttgett ber Suttgen, bes HergenS unb ber Drgane bes Uttterlet bfcgteW * unb wridfees, wenn eS nictjt in feinem gortfdjreitengefeemmt wir dne ÄrWM bes Körpers nadj ß^ güfeü Daburdj wirb ein ?*Wff"*^ *'" «, Selben unb Unglüd enbet unb oft bie Urfadje eines f"M*& *>£]»„ Hein wenig Kadjbettfen wirb bem Sefer geigen, auf weldje SBeife eine Snegu g «Jüüdgrates, naefe irgenb einer ©eite feto, fe,ertiorgerufen wirb. Ueber bie ©cfenürleifeer ober engen «Kleber. 645 Ztx obere Jfeeil ber ©cfettürtetber ober Sorfets reidjt bis bicfet unter bie Slrme nnb Ü5t ba er feinten eng gufammengegogen iß, einen ßarfen Drud auf bie ©djulürfetät- ter (Scapulae) aus. Diefe bruden wieber gegen bie Kippen unb bas Küdgrat, unb butcfe biefen Drud wirb ber freie ©ebraudj ber Slrme beelnträdfetigt. Die oerfdtjie- benartigen Verufe beS SebenS erforbem eineit tjäußgeren ©ebraudj bes redten Sttmea, als beS linfen, woburd) erßerer befäfeigt wirb, ftcfe trofj ber unnotürlicfeen Seengung, bie ifem auferlegt iß, ftcfe gtemtid) frei gu bewegen, wäferenb unterer tier* feältnifjtnäßtg wenig gebraucfet wirb. Dies iß bie Urfacfee ber Srfeöfeung ber redjten unb beö bamit »erbunbenen ©intens ber linfen ©djulter, bie man bei grauen ber mittleren unb feöfeeren ©tänbe fo feäußg antrifft. Die Ungteicfefeeit ber ©röße bei- ber ©djultern, welcfee oft fo auffattenb erfdjeint, wirb nicfet burefe eine merflicfee Ver- größerung ber redjten ©djulter tierurfodfet, ba biefe ßdj wenig ober gar ttidfet aus* befent, fonbern ße entßefet burd bie Verfleitteruttg ber Üitfen in golge bes fcfeäblüfeett Zxxxdti unb ber Sittengung, ber biefelbe unterworfen war. Der feäußgere ©ebraudj Ui redjten Slrmes unb-ber Hanb, welcfeer burefe ©ewoljnferit gang attgemein gewor- ben iß, itt Verfeinbuttg mit jenem nadfetfeeitigen Drude, ergeugt bie feäußgen Stttßel- Jungen beiber ©eiten bei jungen grauen, befonbers wenn biefelben einen garten Körperbau feaben. Durdj ben tiorfeerrfcfeenbeit ©ebraudj eiues Slrmes unb einer ©eite unb ben fdjwadjeit SBiberßanb, weider burctj bie Veengung, tieranlaßt burefe ©cfenürleifeer, bem anberen Slrm entgegengefe^t wirb, wirb, wie gefagt, bas tinte Sajuttctblatt.gegen bie Kippen gebrängt; untere ßoßen wieber gegen bas Küdgrat, weldjes auf biefe SBeife nadj ber redten ©eite tjtnausgefeogen wirb. Vei fcfewereit unb lang anfealtertbett gätten werben einige ber SBirbelfnocfeen bes KüdgraüS, gewöfenlicfe ein Jfeeil ber Küdettwübel, fowrit aus iferer Sage gebrängt, baß ße nttter bie Slnfange ber Kippen auf ber redjten ©eite getrieben werben. Diefe Kippen bil- ben einen fpiöett Sßinfel unb formiren auf biefe SBeife eine Mante, weldje bei ofeer- fläajlicfeer Unterfucfeung leicfet irrttjümlicfeerwrife für bas Hertiortreten bes wirffidjett «Jtücfgrates gefeolten werben fonnte, inbem übleres einen naefe ber redjten ©djulter auägefeucfetetett Vogen bilbet. Sit foldjett gätten gibt ber obere SBirbetfnocfeett fo »oUßänbtg nadj, baß er faß fjorigotttal gu liegen fommt; auefe bie Hüften werben aufjerft ungleichmäßig unb bie linfe mebr feertiorftetjenb, als bie reefete. Verfdü- bung ber Kippen, ©dfeultem, Vrußbeine unb Vrußfnodjeit, fowie ber Hüftfitocfeen unb Ui «JUufgrateS ßnb bie gewöfenlidtjen gotgen eines lang fortgefejüett ©ebraudjeS oon ©ttjnürmtebem. Sitte biefe Sittßettuiigeti ßnb nicfet fetjr auffattenb, Viele mögen ifere Srißettg begweifeln; benn ße werben gewötjntid) burctj bie mobemen Slngüge ben $3licfen »erborgen, inbem mit Hülfe tion SBatte baS Sbenmaß ber Katur äußerild) erfealten wirb. Kocfe anbere lörperlidfee «JKißbilbungeit ober wenigßens Unfdjönfeei- ten werben burefe bos enge ©dt)nürett tjeroorgerufen. ßn lejjteren geboren: bas Verfcfeieben ber Vruß, bas Verweilen uttb Hartwerben ber Vrußwargen uub bas »uffcfewelltn unb Kotfewerbeit bes HalfeS. 3uwei!en erreidjt biefeS rotfee Sutsfetjett fogar baS ©eßdjt unb tfeeilt ber Kafen* faüje einen unongenefem geröttjeten ©djimmer mit. Dide Veine (refp. SBabett) "tb geßfewottene güße ßnb and) Ijäußg bie gotgen biefer ©ewof)tujett. Die burdj biefe »erberblidfee «Kobe ergeugteit inneren ©törungen ßnb gu galjireidj, um ße atte I« nennen. Slus einer »on «Kr. Soulfon in feinem öotfsttjümlidtjeti SBerfe über bi« «erunftaltungen bes KüdgraüS angeführten Slufgäfelung, weldje tierfdjiebene» 646 ©unn's Haus-Strgt. mebiginifdjen Vücfeem entnommen iß, füferen wir folgenbe burdfe enges 3 rung ober Vrüdje gu befommen, ber man ßdj ebenfalls burefe bett ©ebraudj berfelben auefefet. Dtjne biefe golgen git adjten, ober aud) benfelben tro^enb, gwingt bie ÜJcutter, wie gefagt, feäußg ifer Mint, ßdj einer Singwättguttg beS DberförperS gn unterwerfen. Hat ße gwei Sodjter, bie eine ftärter als bie anbere, fo bemütjt ße ßcfe, bie (tariere burdfe einen ©dfenürapparat ebenfo fdjtanf gu macfeen, als ifere ©d)weßer. Jferänen unb Vitien werben nicfet feeadjtet, bas arme «Käbcfeen muß ftcfe fügen. SBir erinnern uns eines galleS, wo eine «Kutter itjre Sodjter feeftig fdjtug, weil fte ßd) biefem Sinengungsprogeß nicfet untergiefeen wollte. Die ©efunbbeit bes «KäbcljettS rourbe gerßört, unb ße ßarb in golge gu feßeit ©djnürens. SBaS bie ©cfeöttfeeü ber ©eftalt anbelangt, fo Xjat bie «Kefyrgafel ber grauen fiefeer gang fonberbare Sittßd)ten barüber. Die menfcfeücfee ©eßalt in it)ren tiotttommenßeit «Kobetten feat nur eine Heine Sinbudfetung oberhalb ber Hüfte unb betjnt ßefe nidjt nocfe oben uub unten gu ungefeeuren Verfeältniffett aus, ift, in einem SBorte, nicfet wie eine SBeSpe geftaltet. «Jlaaj bem »oüfommenftett befannteit motel menfefetiefeer ©djötüjeit, ber Venus tiott «JJtebici, iß bie natürlicfee weibtidje ©eßalt nicfet eng ober gufammengefdjttürt, wie man ti oft in ben feöfeeren Greifen ber ©efettfdjaft ftnbet, wo junge Damen Saitten tjaben »on weniger als fünfgefett ßoU im Umfange. SBir glauben nun, uns über bie mü bem ßarfen ©djnüreti tierbunbeneit ©efafe« ten genug ouSgelaffen gu tjaben unb fcfeließen mit ben folgenben Vemerfungen über Sorfets: Der ^totd ber Sorfets iß eütestfeetls als Utüerfleibuttg git bienen, anberenttjeils bie llmrtffe ber gigur aitgugeigett unb feertiorgub,eben, ober, wie man fagen tonnte, bem Dbetförper Slnfetjen gu geben. Diefen 3r»ed tann man jebodj, oX)nt gum ©efenürett feine 3ußud)t gu netjmeit, erreicfeen. Die Sorfets fottten aus ben weidj- ften unb befenbarßen ©toffen beftetjen unb ber «J)erfoit, bie ße trägt, genau ange« mejfen fein, fo baß feine ©tette einen gn ßarten Drud awsgiüjatten Ijat; audj fottten biefelben nte fo ßarf angegogeit werben, baß ße baS freie Sltfeemtjolen ober anmutige ©Stetlungen unb Vewegungen tierfeinbern. «JKatt fottte gur Verfertigung biefer Sorfets burdjaus fein ©tatjl ober glfdjfeeitt unb anbere barbarifetje Srßnbungen gebraucfeen, fonbern ein «Katerial auswählen, welches in Dide unb Defettbarfett ber ©röfje unb bem Sitter ber Srägerin angemeffen iß. Diefetbett tonnen mit Hülfe bon gurtet unb SBatten feinlängllct) ßeif gemadjt werben. «Paßt bann biefes Sorfet Ux «perfon genau, fo wirb es atten Slnfprüctjett genüge teiften, wenn man es ttidjt ewger fefenürt, als nottjwenbig iß, um es bequem anliegenb gu madjett. SBenn ßcfe 648 ©unn1« Haus «Slrgt. «Käbdjen ber Pubertät ttäbern, fo muß man ßd) fefer feüten, baS Sßacfestfeum bun$ ©cfenürmieber gu feinbem; ober wenn ftcfe Sinlagen gur Äorpuleng ober Unregtlmä. ßigfeit in ber mottatlicfeett periobe geigen, barf man burdjaus nidjt ben ßötptr ein- engen. SBeit entfernt bie ©eßalt gu »erfctjönem, feat ber äußere Drud gerabe bit entgegengefetite SBirtung, ba ber 3r»ang ber ©dfenürleiber ber SluSbilbung bes Äöt. perS im SBege ßefet. 3nbem bie «Kustetn gufammengebrüdt unb untfeätig gtfeolttn werben, fo befommen ße nidjt bie geljörige ©röße unb Äroft, unb eine Ilnfifrü Haltung nebß einer büttnen, ftaefeett, ungefälligen unb utteleganten Srfdjeinung ij) fefer feäußg baS Kefultot einer fo tfeöricfeten Hanblttngsweife. SBir bemerfen feiet nodj, baß, was baS Sntfatten tion Aörperfdfeönbeiten anbelangt, biefes bei grauen in gewiffem ©rabe mit bem Sltißanbe oereinbar ift. Ss gibt barin jebod eint ©renge, welcfee man nodfe unferer «Keinung nldfet über f cfe reiten fann, ofene ber öffentlidjen «Koral birefyu fdfeaben unb bas 3artgefüfel gu beteibigen. Ss gab eine 3eit, wo rine kleibung, bie atte perfönlicfeen Keige entfaltete, nur jener unglüdlicfeen «Dien* fcfeenflaffe eigen war, bie atte Vefdjeibenfeeü unb SBürbe iferes ©efcfelecfete« aufeer Slcfet ließ; aber eS iß eine traurige SBafertjeü, baß biefer Unürfcfeüb gwifcfecn ben ©efunfenen unb Slngefefeeiteit in unferen großen ©täbten nicfet mefer erißirt; benn feier ßnb bie Seiter ber «Kobe unb berufende ©cfeöiü)eiten, bie ßcb, gu ben feöcfeßen unb angefefeenßen Greifen reefenen, biejenigen, welcfee am auffattenbßen gtlltibet finb, um bie feewunbemben Vlide ber tiorübergefeenben «Kenge auf itjre lieblicfeen ©eßalten unb atte ibre förperlidjen Vorgüge gu lenfen. SBir würben obige Slnbeutungen unterlaffen feaben, 'featten wir nidjt gefeofft, U\) eine Srwäf)ttung ber üblen golgen beS ©cfenürenS gur Stbfefeoffung beffelben beitra- gen würbe. Ss feat ben unmittelbaren Sinßuß, baS ©efdjtecfet in ben Slugen bei «Käntter gu emiebrtgen, ba es ifere Sldjtung »or SBefen verringert, gu benen pe fonjl nur mit Stjrfurdt feinaufbtidett würben, unb ßdjer brauefet man bem fajönen ©efdfetedjte nicfet nod 3U fagen. baß befcfeeibeneS 3urüdfealten unb 3«tgefüt)l ju feinen größten Keigen gebort. Daß ße fo bte ©rengett überfeferittett feaben, wie wit es bebauern unb mißbilligen muffen, fdjeint nur eine golge tion Sdcfetßnn gu fein, unb wir feoffen aufriefetig, baß fie nadj Verlauf einer turgen 3eit bie ©rengen genau feeadjtett werben, welcfee gefünber «Kenfdentierßattb uub guter ©efefemad um to Ujrem ©efctjledjü eigene lieblicfee Keüujeü gegogen tjat. ßalteS unb tmfFe* 2&ettet. Der Hauptgwed ber Reibung iß ©djufc gegen A&tte; benn es iß *« fltt'*"|^ Sfjatfacfee, baß man ßdj einem ©rabe »on Mältt, bas 3«*«* tierurfadjt,.4o* wüHtdjett Kadjtbril für bie ©efuitbbrit ausfegen fann; aber «»**"£ * ©efüfe.1 tion Aalte, fei es audj fo mäßig, baß es bett «Kenfcfeen nicfet »eranl fM taoox git fdjüfcett, l)at, wenn es auefe nidjt ein fofortiges Unwob, fein.et, gtj fdjäblidjett Sinßuß, bem ber ßärfße «Kenfefe nidjt wtberftefeett tann,«"> "8 ©rnnbiage gu faß allen djronifdjett MxantX)tittn, tiorguglicfe. gum Kfeeumattsmu , ©fropbetn unb ber SluSgeferung. AalteS unb naffes SBetter. 649 Die atmofptjätifcfee Suft enttjält ßets eine foldje «Kenge SBaffer ober SBofferbünße, baß baffelbe felbß beim Harßeit SBetter unb in ber trodenßen 3at)reSgeü in großer SJcenge »orfeanben iß. Der menfcfeltctje Aörper iß bett »ereinteit Slngriffett tioit Aalte unb Käffe taum gewacfefen, befonbers wenn biefelben bireft auf bie Haut einwtrfen; besfealb iß, obgleicfe eine falte unb trodene Suft ben Aörper ßärft, eine warme unb feudjte Suft »iel unangenehmer; ober eine Vereinigung tion Aalte uttb geudjtigteit, wie im ÜJconat Kooember gewöfenlicfe feerrfefet, »erßimmt bas ©emütfe, fdjwäcfet ben Aörper, entneröt bett DrganiSmuS unb iß felbß ben ßärfßeti Seuten gefäferlicfe. Hieraus erfiefet man bie Kotfemenbigfeit, feine Aleibung nadj ben Veränberungen beS SBet* ttxi einjuridjten, wenn man gefunb bleiben unb Aranftjeüen, bie mit einer Srfäl- tung anfangen unb feäußg mit SluSgeferung enben, tiermeiben will. Die große 3atjt »on Seuten, bie oon ber SluSgeferung fortgerafft werben, iß wirfltdj feferedenerre* genb. gaß ein Viertel atter JobeSfätte, bie in ben ©terbetißen angeführt werben, finb bas Kefultot biefer fcfelimmen Aranffjeü. Diefe traurige jfeatfacfee mafettt uns madjttg, ifere Urfaden aufjufudfeeit unb gu feeobadjtett. Häußg iß ber Urfprung gu biefer kranffeeit eine einfadje Srfältung, bie itur gu oft gering gefefeä^t unb tiemaäj* lafflgt wirb, bis ße ßcfe fo eittgenütet feat, baß ße felbft ber gebiegenfteit Auuß tro£t. & gibt feine ottgemetnere ober tjäufigere Urfacfee tion Srfältungeit, als Kacfetäf* figfeit in ber SBafel ber Aleibung, befonbers beim weiblidjen ©efefeteetjt. Sßenn man ßcfe gefunb unb törperlicfe fräftig erijalten will, fo muß ber Aörper fafl ftetä in berfelben Jemperatur erfealten werben. Der gütige ©djöpfer feat uns Sinne gegeben, bie Suß unb ©cfemerg empßnben fönnen, gum Vergnügen fowofel, als ju unferem ©efeu^e. SBaS ben Aörper anbelangt, fo unterfefeeibeti biefe ©inne genau Aalte unb SBärme, unb bereu Sinwirfung tieranlaßt uns, bie Srtreme tion beiben ju »ermeiben. Slber atte unfere tüttßlicfeeti Vemufeungen, bies gu bewirten, würben ungureiefeenb fein, wenn bie Katur uns nicfet mit gewiffen Haut* uub Sun* genorganen »erfefeen featte, bie bie Sigettfdjaft feaben, faß in jeber beliebigen Xtm* peratitr ben Aörper in einer gteitfemäßigen SBärme gu erfealten. Das poröfe Haut* gewebe nämlicfe entfernt burdfe ben «J)rogeß beS ©cfewi^enS bie üfeerflüfßge Hi£e, Wäferenb bie Sungen anbererfeits SBärme ergeugen burefe bas 3erfeijeit ber armo* fpljarifdjeit Suft, woburcfe bie liniere Jemperatur bes AörperS uttter atten Umftänben in einer faß gleiefemäßigen Höfee erfealten wirb (ungefäfer aefet unb neuuglg ©rab), Zai ©djwi^en tjat nocfe einen anberen wicfetigett 3r»ed außer ber Kegulatiott ber lorperttcfeett Sßärme, nämlidj bas gortfdjoffen fotefeer ©toffe, bie für bie Srljalütttg be« Körpers weber nottjwenbig, nocfe feeilfam ßnb, nnb büfer Slusfcferibttngsprogeß ift für bie ©efunbfeeit tion fo großer SBidjtigfeit, baß wir befonbere ©orgfalt barauf »erwenben foüten, benfelben in gtetcfemäßtger Dtjätigfrit gu erfealten; benn wenn biefe (Stoffe, weldje burctj bte «J)orett ber Haut auSgeßoßen werben fottten, im Aörper jutütfbleibett, fo werben ße ßets nadjtbellige gotgen tierurfadtjen unb gefäferlidtje -Kranffeeiten ergeugen. «Kan bebenfe jeboefe, baß id) tjier nidjt tion jener fühlbaren, fiajtbaren geuefetigfeit fpredje, wetdje bie Hl0e ober förperlidje Vewegung X)ertiorruft, fonbern »on einem taum feemerfbaren ©toffe, einer Slbfonberung, weldfee beßänbig o« jebem Äörpertfeeite tior ßd) getjt, unb weldje bie unßdjtbare Slusbünßung genannt Mb. Die Haut iß bas ausbünßenbe Drgan; aber nur wenige fennen tiietteidfet bie SBidjtigfeit ber Kotte, welcfee biefelbe in Slnbetradtjt itjre* guttftlottett bei ber tfeieri* 650 ©unn's Haus» Slrgt. fefeen SebenStfjätigfeit fpielt. 3n Vegug auf teueren ©egenßanb laffen wir bie Slusfogen beS SlrgteS SBllfon (g. K. ©.), eines berufenden englifcfeen Slnatomtn, folgen. Um eine 3bee tion ber Sänge ber SlusbünßungSröferen ber gangen Dber. fläefee bes AörperS gu erfealten, glaube iefe, baß man 2,800 als bü Durdfcfenitfo. ongofel bet «J)oren auf bett Quabrargoü annefemett fann, unb folgltefe ^tbtn feunberl auf eineit Sängengott. Kun tjat ein «Kann tion gewötjnlicfeer ©röße 2,500 £uab- ratgott Dberfläefee, bafeer wäre bie 3afel ber «Poren 7,000,000 unb bie 3atjl bet 3oüe ber SlusbünßungSröferen 1,750,000, b. fe. 145,000 guß ober -18,000 SJarb*, ober faß adjt unb gwangig «Keilen, ©eiten werben wir tion Aronffeeiten befallen, fo lange biefe urtmerflicfee SütSbünßutig oon ©tauen gefet; ifere Unterbrüdung aber bringt balb ben gangen Aörper in Unorbnung. ©ie iß ein »ortjerrfefeenbe« Ärnn« geiefeen bei faß atten Aranftjeüen unb Iß bü eingige Urfadje tiieler gieber unb djro- nifdjer Uebel. Vei warmem SBetter wirb bie Sfeätigfeit ber Haut gewöfenlidj tiermefert, unb folg. liefe iß bie ©efafer, biefelbe gu unterbreefeen, tierfeältnißmäßig größer, unb bafeer ent- ßefeen fo tiiele t)ij3ige gieber, KfeeumatiSmuS, SBeefefelßeber unb anbere Aronffeeiten, beren Slnfang eine leidjte Srfältung unb beren Snbe eine unfeeilbate ©dwinbfuefet iß. Slber außer biefer SluSfefeeibungStfeätigfeit übt bie Haut, wie jebe anbete Dberflädje beS AörperS, nodfe eine einfaugenbe Sfeätigfeit aus, inbem ße »ermiU telß bagu gefeöriger ©efäße irgenb welcfee Veßanbtfeeile, mit benen ße in 33trüb> rung fommt, aufnimmt unb ben Vtutgefäßen gufüfert; außerbem iß ße ber Sifc Ui ©efüfels. Um bie SluSfctjeibung beS ©cfemeißeS gu bewüfen, iß bte Haut mit Drüfen »er« fefeen, welcfee biefelbe mit einer öligen glüfßgfeit übergiefeen, woburcfe ße für Söaffet unburdfebringHdj wirb, fo baß ber herausgetretene ©djweiß nicfet wieber in bte $ail gurüdgefeen fann. SBo biefe ölige glüfßgfeit fetjtt, wirb bie Haut burefe bie 9al< fefeeibung, bas Sitifaugen unb bas 3urüdtjatün beS ©dfeweißes balb aufgebunfen, wie bies bei ben Hänben ber SBafdfefraueit ber gatt iß, wo ber beßänbige ©ebrauefe ber ©eife biefelbe gerßört. Diefe brei Strien tion Stjätigfeit ber Haut ßnb fo eng mit einanber »erfnüpft unb tion einanber abfeängig, baß taum eine berfelben in Unorbnung gebtaefet wctbtn tann, ofene bie anbere gu ßören. SBentt man ftcfe in untfeätigem 3ußanbt obtt leicfet gefteibet ber Suft fo lange ausfegt, bis bie ©lieber ßeif unb bie Haut fübüoJ wirb, fo ttjeiten bie SlnfaugungS* unb SluSbünßungSgefäße bie Srßarrung ber ®e- füfelsnertiett unb werben ifere Dtjätigfeü nictjt efeer aufnefemen, ols bis bas ©tfuM tiottftänbig wieber fjergeßettt Iß. Diefe Vefefereibung ber gunftionen ber Haut mnf tjinreicfeeiib geigen, wie fefer in einem Alima, wie baS unferige, wo ba« SBetter |o außerorbentliefe nitbeßänbig uttb weefefelnb iß, eine befonbere Slufmerffamfeit auj bte Aleiber notfetfeut. Seber Stngug unb jebeS AleibungSßüd fottte fowofel bem R\m, als ber 3aferesgeit angemeffen fein; besfealb fottte man bei einem ptö^ltcfeen Ie* peraturwedjfet and) Steigerungen in ber Aleibung tiomefemen; ebenfo iß ftufe »•* gens unb fpät SlbenbS ein wärmerer Sittgug erforberlidjer, als wäfetenb Ui läge«. SBaS fann lädjerlidjer fein, als ber Slnblid eines garten grauengimmer* nnt ein «Paar leidjter, bünner ©djufee auf einem falten, naffen ©teinpßaßet. «ten etwas berartiges fefje, fo benfe id) bei mir felbß, baß ße auf jener ^ "f J»i • »on ber Kiematib iuxndttX)xt, unb in wenigen furgen «Konaten wirb ber m Die geeignete Vefeanblititg ber güße. 65L unb ber langfam gurüdfefjrenbe Seidfeengug ergab, ten, was bünne ©djüb, e unb bünne Aleibung getfean X)aben. Sluf bie güße fottte man befonbere Slufmerffamfeit tierwettben, unb bei fattem, feucfetem SBetter ßets bidbefofelte ©cfeufee tragen, in bie man eine bünne ©ofeü oon florf ober gitg legt. Der Aranfe ober Dpspeptiter, ober foldje Seute, bie gur SluS* leferung neigen, fottten fidjerliefe niemals bünne ©cfeufee tragen. SBie oft fefeen wir fcute mit burcfenäßten ©dfeufeen im ©cfemuti gefeen, unb wie oft fefcen ßcfe foldje Seute, wenn ße naefe Haufe fommen, an bas geuer unb laffen ifere güße trodnen, otjne »eber <5cfeufee, nocfe ©trumpfe gu wecfefeln. können wir uns bann nocfe über ben feäußgen Hußen, Heiferfeit, KfeeumatiSmuS unb Sntgünbungeit wuitbem, welcfee atte bie Kefultate biefer Sfeotfjrit ßnb? Kaffe güjje ergeugen gewöfenlicfe Aranffeeiten ber Suftröfere unb ber Suttgen, uub wo ßd) folefee Aranffeeiten geigen, iß ©efafer nabe; besfealb ermafene idj beut Sefer, wie gefunb er auefe fein mag, ßcfe gegen naffe güße gu fefeüfjett; audfe ratlje iefe ben Da* men, biefe ©cfeufee gu tragen, um ßcfe tior ben fcfelimmen golgen feuefeter ober naffet güff 3U fcfeüfeen. SBaS bie gewöfenlicfee «Kobe anbetrifft, ein «paar warmer, wollener Strümpfe mit feibenen, unb bide ©cfeufee ober ©tiefet mü büntten ©cfeufeeti gu »er* taufefeen, um ouf einem naffen ©eitenwege ein paar ©tunbeit lang einen fcfeönett guß ju geigen, fo glaube iefe, baß ein fe^bfdrjes, gefuitbeS, frifcfeeS ©eßcfet einen ange* nefemeren Sinbrnd madjt, unb baß es beffer iß, ein fotdjeS gu X)ahen, als ber «Kobe- feine ©efunbfeeit unb nidjt fetten felbß bas Seben gu opfern. & gibt feinen ©egenßanb, ber bie ©efunbtjeit näfeer berüfert, unb über weldjen ba« «J)ublifum fo fcfelecfet unterriefetet iß, als bas Srforbemiß einer gefunben 3Bob> nung, fowofel was bie Sage, als bie innere Slnricfeütttg anbetrifft. 3n atten gälten muffen wir uns befonbers gegen geudjtigfeü [djfytn, weSfeatb unfere Häufer nicfet anf niebrigen, engen $tä£ett erbaut werben fottten. Slud fottte ein Haus nicfet gn eng »on Väumett umgeben fein. Väume, in einer fleinen Sntfernung »om Haufe, pnb fowofel eine 3ierbe, ols auetj ein Vortfeeil für baffelbe; werben aber fcfeäbltdj, wenn ße fo nafee ßefeen, boß ße baS Haus überfdjatteit, ober bie Suft tierfeinbern, frei um baffelbe gu girfulüen, ober burefe bie tierfcfeübeitett 3immer gu ßrömen. Die Sltmofotjare in einem ©ebäube, welcfeeS eng mit Väunteu ober bidjtem ©traudjwer! umgeben iß, iß, ausgenommen bei gang trodenem SBetter, beßänbig feuefet, uub in golge beffen leibet audj gewöhnlidj bie ©efunbfeeit ber Vewofjner beffelben. $ie geeignete f8efyanblun$ bet $ü%e. 3eber »erßänbige «Kettfdj weiß, wie wicfetig eS iß, gefunbe güße gu feaben; feefott- Uxi biejenigen wiffen eS gu fcfeäfcett, welcfee an irgenb einem ber gafjttofett Uebel, benen biefe ©lieber unterworfen ftnb, leiben ober gelitten feaben. Doefe bie Vegie* jungen ber güße gu bem übrigen Aörper ßnb außerbem ber Slrt, baß bie ©efunbfeeit entfernter Organe, ober oülmetjr bes ©efammtorganismus, tioit ber Vetyattbütttg, Me fie erfaferen, in feiern ©rabe abtjängig iß. 3cber weiß bieS, ober fottte es 652 ©unit's Haus »Slrgt. wiffen; bennocb, pßegen gi»ilißrte «perfonen ifere güße mefer als irgenb einen anberen Aörpertfeeil gu tiemadjläfßgen obei gu mißfeanbetn. Ss bürfte bafeer am «JJla^t fein, feier einige Vemertungen barüber etngufajalten. Die güße fotttett jeben Slbenb getjörig gebabet werben, unb es würbe nicfets fcfea- ben, bas Vab beS «KorgettS gu wieberfeolen. Das bagu gebroudfete SBaffer fann falt ober lauwarm fein; bocfe für bie meißen einigermaßen gefunben Seute iß ba« falte gußbab beffer, weil bemfelben eine ftfeneüe Küdwüfung folgt, unb weil ti baju bei- trägt, ben Aörper gegen Srfältungen abgufeärten. Die feeftigße Srfältung fann bisweilen burefe biefe eine «Kaßregel furirt werben, ©elbß wenn man warmed ©eifenwaffer gur Keinigung ber güße onwenbet, wirb es gut fein, eine Vegiefjung mü faltem SBaffer unb barauf fräftiges Kerben mit einer Vürße ober einem rauben Hattbtuctj folgen gu laffen. ©algwaffer wirb oft mü tiielem Vortfeeil angewenbet, ttameittlidj naefe langer Stnßrengung ber güße. Seute, bie an ßinfenben Sufifcbwei- ßen leiben, werben nadj bem längeren ©ebraudje einer mäßlg*ßarfen Sobatöfung entfefeiebett Vefferuttg fpüreti. SBentt In irgenb einem gatte bem falten gußbabe nicfet fdjnett eine angenefeme allgemeine SBärme folgt, fo wafdje man mit circa« Vap*Kum, SBfeisfp ober fölitifcfjem SBaffer, bis ßcfe bie gewünfefete SBirtung elnjttflt. Die Käget ber 3efeen fotttett Ijäußg befdjnitten werben, aber nicfet fo futj, baß ein Sfeeil ber 3efeenfpü3en unbebedt bleibt. Sitter unter unb an ben Kägetn angefam- melte ©djmu£ muß bei bem Vaben entfernt werben. «Kan fottte überfeaupt ebenfo tiiel ©orgfalt auf bü güße, als auf bie Hänbe tierwenben; benn Keinlicfefeit iji nicfet allein ber äußeren Srfdjeinung wegen gu beoboefeten, fonbern aud), weil fte ein notfewenbiges Srforbemiß ber ©efunbfeeit unb bes SBofelbeffnbenS iß. Die gußbefleibung riefete ßcfe nadfe ber 3af)reSgeü unb bem Sßetter. 3m Sommet mag man baumwollene ober leinene ©trumpfe tragen; obgleicfe feibene unb feine wollene ebenfo füfel finb unb weniger leicfet fdjeuem. Die ©trumpfe muffen feaufig, minbeßens ebenfo feäußg als bie Hemben, gewedjfett werben; benn on ben Büßen ßnbet eine fdjnettere Slnfammluug tiott Hautausfcfeeibungen ßatt, als an irgenb einem anbeten Sfeeile beS AörperS. ©tiefein ober ©efeub, e muffen in ber gußbeugung, im „©pann," feß anfifcen, fo baß ße an ber badt nicfet auf* unb abrutfefeen; bocfe muß fo »iel Kaum gelaffen werben, baß bü ©elenfe nidjt gebrüdt unb bie ßtl)en nidt übereinanbergepreßt mx> ben. Kicfetbeacfetung biefer Kegel, unter bem Sinßuffe ber «Kobe, iß bie fruchtbare Urfadfee von Hüfeneraugen, eingewadfefeiteit Kägeln unb anberen Verunßaltungen unb Uebeln. Die ©ob, ten ber ©tüfetit ober ©dfeulje fottten etwas breiter, al« He güße fein, unb bie, welcfee man gum SluSgefem brauefet, fottten bid genug fein, um nicfet ben Unebentjeiten bes VobenS nadgugebett unb bie Aalte unb geuefetigfeit leid) burdtjgufaffen. Kamentlicb, graueit tietle&eit in biefer Vegiefeung bie ©ebote.Ui gefunben «KetifcfeentierßatibeS nur gu Ijäußg, unb Saufenbe ßnb burd bunne &U len in'S ©rab gebradt worben. Das Sinlegen innerer ©ofelen, »on gilj ober *or, gewährt ben beßen ©ctjufc, weint bie güße längere 3eü ber Käffe ober Aalte au«g • fefct fein müffett; baS Srageti oon wafferbidjten Ueberfdjufeen, außer fut gang i ßtit, iß fdjäblicfe. Diefeiben oertjinbern bie StuSbünffung ber geucfettgleU/ w ^ tion ber Haut ber güße abgefonbert wirb, unb bewüfen, baß bie ©trumpfti\t i trodenem SBetter naß werben; außerbem wirb bie Dauerb,aftigleUbe« «ebete, weldjem ße getragen werben, fdjnett gerßört. Das menfctjtictje Haar. , 653 Jeute, bie ben Sag über mit ben güßen im ©dtjuee ober SBaffer geringen, mü\Jtn be« SlbenbS, wenn ße nadj Haufe fommen, fofort bas naffe gußgeug entfernen, bü güße wafcfeen uub warm reiben unb trodene ©trumpfe unb ©cfeufee angiefeen. Die^ feibcn follten, wenn es gefet, gwei gang gleidje «paare ©djufee ober ©tiefein feaben, um biefelben abwedfefelnb, einen Sag um ben anberen gu tragen, fo baß ße immer ein ttocfenes «paar angiefeen fönnen, otjne gettöttjigt gu feilt, burefe fefenettes Srodnett Ui ?eber gu ruiniren. „Sofebeige," wie ße ©erber braudjen, fottte auf bas Seber getfean werben, fo oft es burefenäßt würbe, unb gwar wäferenb es nod) feudfet iß; eS Wirb baburd wetefe unb naefegiebig für bü güße erfeatten unb überbüs fefer tiiel bauerfeafter werben. Sßenn bie güße fefer tatt geworben ßnb, iß es beffer, ße attmälig burefe Keifeett unb gelinbe btye gu erwärmen, als ße plöjdicb, an ben feeißen Ofen ober an bas geuer ju fealten. SBenn ße erfroren ßnb, reibe man ße mit ©djnee ober taudje ße iu gang falte« SBaffer, fo baß ber Sluftbauungsprogeß metjr burdj bie innere SBärme beS SBluteS, als burefe äußere tünßlicfee Hi^e bewirft werbe. Sluf biefe Slrt fcfeüfü matt ßcfe gegen baS Slbßerben bes ©liebes unb gegen bie Sntftefeung tion großbeulen. 2JMt 23enu£ung biefeS «PrittgipS iß ber Sfeirurg im ©tanbe ein ©lieb burctj Aalte unempßnblid) gu madjett, eine Dperation baran gn tiottgiefeen nnb es bann wieber aitfgutfeauen, ofene baß irgenb welcfee fefelimme SBirfungen bes großes gurüdbleiben. Um SlHeS furg gufAtnmettgufaffeit: man folge bri ber Vefeanblung ber güße bem gefunben «Kenfcfeentierßanbe, unb obgleicfe bie gehörige ©orge berfelben täglicfe etwas «JJcütje foßet (ein widjtiger «Punft für träge Seute), fo bebenfe man, baß wenn Ätanffeeit fommt, biefelbe nocfe meljr Umßanbe macfet nnb außerbem ©djmergeit mit ßcfe bringt uub möglidfeerweife ben gangen ober tfeeitweifett Vertuß beS ©liebes gur golge feaben mag. „Sine Unge Vorßcfet iß beffer, als ein «Pfunb Aur." — &a$ tttettfc&itdbe &aav. ßein ©egeußonb ber ©djöpfung fann unferer gorfdung nnwerft) fein. SltteS enttjäft einen Aeim unbegrengter Srfenntiiiß für bett gebanfentiotteit unb Wißbegie* eigen ®eiß. ©elbß ein ringeltteS Haar geigt bei genauer Unterfucfeuttg unettblid »iel be« SBunberbaren, weldfeeS gu weiterem gorfcfjett aufforbert. Der Stnatom ßefet in bem %au eines Haares eine intereffante pfepßfdje unb ntedjanifdje Vorriefe tung. Stimmt er, gum Veifpiel, rin menfdjltcfeeS Haar, fo feeobadjtet er guerß, baß es, als jur Haut gefeörig, an ber Drgaittfatiott berfelben bis git einem gewiffen ©rabe Jfeeil feat. £ie Haut iß aus brei Sagen ober ©djtdtjten gufammengefe^t; bie erße, äußerlidfee, iß bie bornortige Spibermis, wetetje tion burdfeßcfetfger SBefdjaffentjeit unb retcfelidj mit foren »erfet)ett iß; bie gweite, barutttertiegettbe, iß baS Eete Mucosum, eine We, neuartige ©djteimljaut, in beren Betten bas «Pigment ober ber gärbeßoff abge* fofleetift, weldjer, burdfe bie Spibermis gefetjett, ber Haut itjre garbe gibt; bie brüte «nb tlefße ©djldjt iß bie Sutis — unb aus itjr entfpringt bas Haar. SebeS Haat 654 ©unn's HauS«Slrgt. wädjß aus einer 3»übel ober einem Valg, weldfeer in ber Haut ßfet unb bei einem frifcfe ausgerupften Haare mit bloßen Slugen gefefeen werben fann. 3nbem es gur Dberßädfee wäcfeß, burdjbofert eS bie ©djicfeten ber Haut in fdjräger Ktcfejung unb trägt fo gu iferer Vefeßigung anetnanber bet. 3ebes Haar bejirü aus gwei Sfeeilen, einer äußeren, feomigen Köfere unb einer inneren «Kartfubjlanj; bie erßere äfenelt in iferer Vefcfeaffenfeeit unb djemifcfeen 3ufammeitfefeung bet dpi. bermis unb iß, wie biefe, weiß unb farblos, was audfe bie garbe tccs Haare« felbß frin mag ; ber innere Sfeeil ober baS «Karl gibt bem Haare feine eigtntfeümlicfet garbe; er beftetjt aus äußerß garten ©efäßdjen, weldje eine eigentfeümlicfe gefärbte glüffgfeü entfealten. 3« biefer Jpinftctjt iß bie Slrt, wte baS Haar feine Öarbe erfeält, äfenlicfe wie bei ber Haut. 3tt ber Sfeat, es fefeeint, als wenn bie Haarröfere aus »erbiefeteter Spibermis bcß.inbt, wätjrenb ber Snfealt eine mobißgtrte gortfe^ung ber Rete Mucosum iß. 3ebeS Haar wirb tioit einem Kertien unb einem Vlutgefäße begleitet, welcfee« ty. tere bie gur Srnäferung unb gum SBacfestfeume beS Haares notfewenbigen 93eßanb« tfeeile beßänbig ablagert. Vei alten «Perfonen, wenn bü Ker»enfroft ifere gewbbn- lidje Snergie verliert, feört bie Slbfonberung beS garbeßoffeS beS Haare« auf, Ui gallige «Karl beffelben fdjrumpft gufammen unb wirb bisweilen gang abforbirt. Iit Haarröfere erfdjeint bann oon burdfeßdjtiger SBeiße. ©roueS Haor Witt bisweilen burd) plö^lüfeen ©efereden ober Aummer tierurfadjt; mandje franffeafte SJeränbe. rungett ber Hauttfeätigfeit tjaben biefetbe golge. 3n gäüen, wo ©efereden obet Aummer eine folefee Verwaitblung tjertiorbringt, wirb angenommen, bafj ber «Hers ber Haarwurgel paralpftrt, unb baburdj rine wettere Slbfonberung be« garbeßoffrt tierfeinbert wirb. gür ben Sfeemifer bietet bas Haar einen intereffanten ©egenßanb ber Slnalnfe. Vauquelin fanb, boß fcfewargeS Haar folgenbe Veßanbtfeeite entfeält: guerft eine gümlidje «Kaffe tfeierifefeer ©toffe; bantt eine Heine «Kenge weißen, btdücfetn Cele«; brittens, ein anbereS Od tion grünlicfeer garbe unb in etwas größerer Quantität; tiürtens, Sifeit — unb baß bie gorm, unter welcfeer es erißirt, unbefottnt iß; fünf« uns, einige ©puren tion «Kagtte|ta=Drpb; fedjftenß, pfeospfeorfauren Aalt; ßeben- uns, fofeteitfaureit Aolf, in geringer «Kenge; adjtens, Aiefet, in großen Cuantiia- ten; tteuttteitS unb letztens, eine bebeutenbe «Kenge ©cfewefel. gür ben Katurpfeitofopfeen unb Veobaefeter ber Sfeierweit bietet ba« genaue ©tubium biefes anfefeeinenb fo geringen SfeeileS beS tbürifefeett Drgani«mu« ein unettbiiefe weites gelb ber Vetradtung. Sr muß ben gapofen SBedjfel bet Äombt' natiottett bewunbem, ber aus brei ©runbfarben «Kittionett tion Sitten lebenberU. fen eine tierfdüben*farbige Vefleibung oerlietjen unb übern eingeinen feine beiontete ©cbattirung gegeben. , «, Die Snbitiibuatität tion Saufenbett oon Strien unb Slbarten iß in tief getenttgeiefenet, bie ßcfe fonß in einförmiger unb unentwirrbarer *™W"™ einanber tierlieren würben. Hürburdj gefeffelt, beginnt ber Veobaajter nafee ( fefeen unb tion einem allgemeinen Ueberblid auf befonbere f*W^£» fem, weldje burefe treue Urfadfeen ber Vewutiberuttg feinen gleiß unb feine atf»» ^rTmerft W, wit ber jebeömalige Sbarafür ber Haarteil^ * J^ tuffeit bes ©efd)öpfes getrau angepaßt iß - bas feibenartige Haar be« maxx Das menfctjtidje Haar, 655 tle ©tactjeln beS ©tadfeetfd)welnS, bü «JKätjtte bes Soweit, bie SBotte bes «Kerttto- unb Jtafcfemirfdfeafes; er ßubirt ße alle unb fragt [idj: wotjer biefe intereffattte SBerfcfetebenfeeit? Sr gefet bann einen ©cferitt weiter unb befrachtet ben Unterfcfeüb »wifcfeen ben Haaren ber tierfcfeiebeneit Aörpertfeelle bei bett eingelnen SBefett — wie tum S3eifpiel bie turgett Haare, bie Haare ber «Käfene unb bie Haare beS ©dfeweifes bei bem «Pferbe — unb er ßnbet, wie in jebem gatte bie Katur bie eigentfeümlicfee Sebensart unb Vefdjaffentjeü ber SBefen in Vetradjt gegogen uttb für iferen ©dju£ unb ifere Vequemlicfefeit geforgt feat. VefonberS muß ifem auffallen, baß baS Haar (in fo fcfelecfeter SBärmeleiter ober ein fo guter SBärmebefeätter iß; bentt es ift biefe ßtgenfcfeaft, welcfee es fo bewunbemswürbig gur SBttiterbeftetbutig ber Stjüre geeignet macfet. Voit Haar umfeüüt, wirb bie SBärme beS AörperS eingefcfeloffett unb »or 3erßreuung bewafert. Diefe nämltctje SBärme erfeattenbe Sigenfefeaft geigt ßcfe bei unferer fünßtidjeit, aus «Pelg unb SBottengeug, baS Ijeißt tfeierifdfeem Haar, gemadjten SBittterbefteibung. gerner muß man bie Viegfamfeü beS Haares bewunbem, weldje in feiner SBeife bie «Bewegungen beS SfeiereS, bas es befleibet, tjinbert; feine ©tärfe, fo baß es otjne bie geringße ©efafer eines VrucfeeS gereinigt werben fantt; feine Unempßnblidjfeü gegen ©djmerg; bentt wentt es tion empßnblidjer Katur wäre, fo würbe es burdj feine, jeber Verüferung ausgefegten, Sage für baS Sb,ier eine Duette beftänbiger ©cfemerjen fein. £aar feot eine Slrt «Pßangettnatur, unb ba^er fann es audj nodj nad) bem Sobe teadjfen. Ss werben Veifpiete bericfetet, baß ©arge, welcfee lange unter ber Srbe Itaren, bei ber SluSgrobung »ott »on Haaren gefunben würben, wetdje aus bem Aör* (ier itjrer tobten 3ttfeafeer gewadfett waren. Sßenn bas Haar in einem frütjett Sebettsatter ausfällt, fo iß bieS eitt 3etdtjett, baß eine Arattftjeit im DrganiSmuS erißirt ober erißirt feat; unb gwar wirb bieS nictjt feiten burefe übermäßige Sfeätigfeit bes ©efeirns, gu angeßrengtes ©tubiren, geißige Slufregung, Aummer unb ©orgen, unterbrüdte SluSteeruttgett, Vlutattbrattg nad) bem Äopfe, gieber, Sntgünbungen, DpSpepße u. [. w. tieranlaßt; gwifdjen bem «Ka* gen unb bem ©efeirn beßefet ein genauer 3ufammetü)ang, unb wir Sitte wiffen, wie Ui £aar ausfällt nacb, fdfewerer Arattffeeit, giebern tt. f. w. H a a r m i 11 e I. Sßenn bas Haar in ber geeigneten SBeife gepflegt unb ertjattett wirb, fo bilbet es eine ber fcfeönßen 3ürben, weldfee bie Katur uttS tierliefeen, nnb eS fann burctj ©org* falt unb Keinlidfefeit bis in ein giemlidj fpätes Sebettsatter iit atter feiner ©djönfeeit bewafert werben. Ss feebarf großer Slufmerffamfeit, um ben HaarwudjS gu erljatten ober wieberljer* »«IMfot, unb ber Vertuß beffelben ift oft bloßer Kadjtäfßgfeü gttgufdjreiben. Sluf ">fle gäüe fottte ber Aopf feäußg grünbttdj gewafcfeen unb bie Aopftjaut ebenfo rein, flfo irgenb ein anberer Aörpertfeeit gefealten werben. £te meißen Uebel entßefeen aus einem «Kangel an ber gehörigen Keittigung ber ^aarwurgeln; biefelbe fottte mit ©etfe unb warmem SBaffer bei tattern SBetter unb foltern SBaffer bei warmem SBetter öorgettommen werben, worauf matt bas Haar fommen uttb mit einem raufjett Hanbtuctje reiben ober mit einer Vürße bearbeiten Rafc um bie Aopffyaut gu gefünber Sbätigfeit gu reigett unb bie ©djuppett ober ben 656 ©unn's Haus*Slrgt. ©rlnb gu entfernen, welcfee bie Slusbünßung unterbrüden. SBenn bo« Haar troden geworben, fo braudje man einen bidjten Aamm, ber bie Uttreinigfeiten entfernen unb bem Haar ein glängenbes unb feibenortiges Slusfefeen geben wirb. Das Haar bebarf ebenfo wie bie Sungen ber frifcfeen Suft, unb bie SBurgein muffen gemaßfetn unb gereinigt werben, bomit jebeö eingetne baar. bie nötluge Sebensfroft unb Slaftijität feefealte. Kinbermarf, abgefodjt unb parfümier, iß tion großem Kufcen für ben HaarwudjS. Sognac ober Vranbp, auf Aupferfulpfeat (Blue Stone) gegoffen unb einige Sage ßetjen getaffen, wirb, ats Sinreibung gebraucfet, bos Haar an fallen ©teilen feertiortreiben. Die Haarfärbemittel, welcfee gewöfenlicfe, im Hanbel »orfom- men, fottten mü großer Vorßcfet gebraucfet werben, ba ße bisweilen bie nadfetfetiligßen golgen tjaben. Das „Honte Souxnal" bericfetet mefere feemerfenswertfee gäüe »on «Perfonen, weldje burdfe ben beßänbige« ©ebrauefe tion Haarfärbemitteln in Vlöbßnn tierßelen, inbem bas falpeterfaure «Ketatt, welcfeeS ße entfeielten, bte fleinen Aapiflot- gelten tiergiftete. «Kabemoifeüe «Kars, bie große ©efeaufpieierin, welcfee einft 92a- poleott begauberte, fott eines ber befanttütt Dpfer biefes «KißbraucfeeS gewefen fein. Die «Kenge unb bie garbe beS Haares ftetjt immer im Verfeältniffe gu ber Aörper* tierfaffung bes 3ttbitiibuumS, welcfeem es angehört, unb iß eines ber efearatteriftifefetn 3eicb,en beS Semperamettts. Die Srtjattung beS fräftigen SBacfestfeumS, ber gein« feeit unb beS ©langes ber Haare feängt tion bem gefunben 3ußanbe bes Aörper« im Slttgemeinett unb ber Haut inSbefonbere ah. Kocfe einem gieberonfatt ober irgenb riner feeftigen Arattffjrit gefet baS Haar maffenweife aus, unb es bebarf oft langer 3eit, efee es in feiner urfprüuglicfjen gütte wieber ergeugt wirb. Vei lang anfeal- tenbem, erfefetafftem Aörperguftattbe, ber burcb fefewaefee Verbauung »eranlajjt obet feingetjaltett unb tiott Aalte ber ©liebmaßett unb trodener, rauber Haut begleitet wirb, ift bas Haar tion fcfelecfetem SBudjfe unb fällt bet bem Vürßen unb flammen leicfet aus. Stile Urfaden, weldje bie Sfeätigfeit ber. SebenSfräfte feerabbrüden, fei« biefelben nutt törpertiefeer ober griffiger Strt: SluSfcfeweifungeti, fpätes Slufbleiben, «Kangel an ©djlaf, Stufregung, Aummer unb ©orgen feaben einen nacfetfedlig« Sinßuß auf ben Haarwucfes. Visweilen wirb baS Haar unter ber Sinwirfung einet ober ber anberen biefer Urfadjen »or ber 3eit grau, wie es bei ber unglüctlicfeen «Karie Stntoiitette, ber Aönigin oon granfreiefe, wätjrenb einer eingigen «Jtacfet ßcb ereignete. SS fommt oft tior, baß bie Urfade, welcfee ben gefunben unb üppigen SBueb« Ui Haares tierfeinbert, nur örtlicfeer Katur iß unb ßd allein ouf bie Aopftjaut befcferänft. Sine Vernadjtäffiguttg ber Keiitlicfefeit, inbem bie Slnfeäufung ber ausgebiinßeten «Katerie nidjt entfernt wirb, tierurfadjt bisweilen eine Slrt Sntgünbung unb SBunb- fjrit biefes SfjetleS; baS Haar wirb tiergottett unb gufammengeflebt unb fallt letd)t aus. SBenn man Aafelb,eit gu tiermeiben unb bie natürlidje unb fdjöne «43ebecfnng bes AopfeS, welcfee für bie äußere Srfctjrittuttg uttb Vequemlicfefeit beS «Kenfcfeen)« wichtig iß, gu ermatten wünfefet, fo wa[d)t man ben Aopf tägiidj wwitwp «w ©dfewammes mit warmem SBaffer nnb caftilifcfeet ©eife unb bürße naefefeer taM>a , bocfe, nicfet gu gewaltfam, bis es gang troden iß; bann brauefee man einen w Aamm; auf biefe Strt wirb matt atte Slnfammiungen auSgefdjwt&ter ^fl" " abgeßoßener Haut unb fottßiger Unreinigfeiten entfernen unb ben Haarwurjeiu tierfdjaffen. , r s».* iSaatei SBenn man biefe Katfe, fdjlage genau befolgt, fo wirb man atte «Kangel Ui *• Onanie ober ©elbßbefledung. 657 melcfee auf einem ungcfunben unb abnormen 3nßanbe ber Aopftjaut berufen, tiott* ßanbig befeitigen. ©obalb man mü bem SBafcfeen, Vürßen unb Aämmen fertig iß, «brauefee man folgenbe «Kütur, welcfee atte natürlidjen SütSfcfeeibungen ^erfüllt uub einen reidjlidjeren SBucfeS tioti feinem, weidjem unb glängenbem Haar fjertiorruft, welcfee« tn furger 3eit burefe fein feibenortiges Slusfefeen unb feine ©dönbeü über- tafefeen wirb: man nefeme Aaßor* (KicinuS*) Del eine «pinte, 3amaica*Kum eine fealbe «j)inte, gut umgufcfeüttetn; bas Haar iß bamit, wie angegeben, unmittelbar nadj bem obigen KeiniguitgSprogeß eingureibeit. Dies wertfeootte Kegept erfeieit ict) wäferenb meiner Keife burefe Suropa; es iß biefer «Kütur, welcfee hti ben itatienifcfjen grauen fo »iel im ©ebraudje iß, bie ©djönfeeit nnb bie feine garbe ib.res Haares juntfefereiben — bas, was ße felbß " 11 biondo Dio " nennen — eine an Supibo ober ben ©ott ber Siebe eriitnembe Srfefeeinung. ©ibt es eineit fcfeönereit Sin* blicf,alä ben eines tabettfdjwargen Haares, weldjes in wettenförmigen Soden über bie ©djultern unb ben Vufen riner ütgenbttcfeeit ©djöttljrit fällt? Helena, jeue falfdje ©djöntjeit, welcfee gang ©rieefeenlanb unb Slften unter bie SBaffen bradjte, war es, beren lieblide Soden bas Sb,ema oieler Didjter gewefen ßnb» Onanie vbet SctbftBcflecPttttg. Ss gibt eine laßertjafte, emiebrigenbe nnb fetjr tierberbtietje ©ewoljiüjett, fowoljl für ben ©eiß, als für ben Aörper fdäbtidtj, bü tion beiben ©efdjlecfetem, bocfe mel» ßen« »on bem männlidfeen, geübt wirb, uub bie ofene Venennung fein fottte. ÜJcebijinifcfee ©eferiftßetter neitneii fie Dnanie ober «Kofturbatiou; fie fottte jebod) eigentlicfe bas gefeeime Saßer genannt werben. Ss iß bies ein Safter ber »erberb* lidjßen Slrt, bem faß auSfcfelüßtidj bann gefrötjnt wirb, wenn bas irregeleitete Dpfer ber ©ewofenfeeit „einfam unb allein" ift. Ss iß unnötfeig, tjier auf eine weitere Vefcfereibung beffelben eingugetjen, inbem tiorauSgefetü wirb, baß 3eber, ber bie« ließ, leicfet begreifen wirb, was gemeint iß. Der eingige ßwtd in einem SBerfe, wie biefes, ber ©aefee überhaupt gu erwäfenett, iß ber, Sltern unb atte bteü* nigen, benen bie Dbfeut tion Ainbem obliegt, gu warnen. Diefem Saßer wirb mtXjx gefrötjnt, ats man gewötjntict) glaubt, uub iß in bem- felben ©rabe oerberbüdj, als es tierbreitet iß. «Kau fagt nidjt gn tiiel, wenn man befeauptet, boß biefe tierberbtidje ©ewotjttfeeü ber ©elbftbefieduitg bei ber Sugenb unferes Sanbes bie birefte Urfacfee tion mefer förpertiefeen unb geißigen Seiben iß, Ui) ße mefer bagu beiträgt, Aörper unb ©eiß gu gerrütten, unb metjr Slenb unb $ein feerbeifüfert, als irgenb etwas SlnbereS. %X)xt unmittelbare golge ift bie Snt» fräftung bes AörperS, ©d)wädjuttg bes VerßanbeS uub beS ©ebäcfetniffeS unb ber S3erluß ber ©elbßadjtung. ©ie fütjrt oft gu frütjer ©ebrecfeUdjfeü, bfeibenben tier» »bfen Uebeln, ©taar uub Vfütbtjrit, Sllbemtjrit unb Srrßitit. 3tjre golgen ßnb fdjlimmer, als bie ber Srunffuctjt, fdfelimmer, als atte Strien ber SütSfdjweifung, fölimnter, als irgenb ein anbereS Saßer, welcfeem 3ung uub Sitt [idj ergeben fönnen; P< beeinträchtigt baS SBotjl ber «Kettfdjtjeit itt biefer unb ber gnfünftigett SBelt; f« 42 658 ©unn'ö HauS-Slrjr. tß tierberblidfe für Aörper, ©eiß unb ©eeie unb macfet, wenn lange proftigirt, bai Dafein gur Saß unb »erbittert bas Seben. Des fealb foüten Sltern ßets auf iferer Hut fein, um itjre Ainber tior biefem fcferecf. licfeen unb tierberbenbringenbeit Saßer gu bewaferen. Die ©ewofenfeeit entßefet in ber Kegel fefer frütj im Seben, meißens gur ßtit ber «Kannbarfeit ober in bem Slltct tion gwölf bis fecfegefen Saferen. Häußg wirb in ber ©ajule bie erße Slnleitung baju gegeben, inbem bie älteren Anafeett (ober «Käbdjen) bie Jüngeren, bie ©cfeulbige« bie Unfdjulbigeit anßeden. Die 3ugenb fennt weber bie ©ünblidfefeit. nocfe bie böfen gotgen biefes SaßerS. ©ie fottte besfealb barüber belefert werben, unb (Sltern fottten ifere Ainber forgfältig überwadfeen nnb auf bie ©pmptome ober Atnnjeicfeen Slcfet geben. Diefe ßnb leidt gu erfennen. Das ©djlimmße iß, wenn Sltern »et. mutfeen ober fogar beßimmt wiffen bofs Üjr» Ainber biefes Vergebens fajulbig ßnb, ße bennoct) biefelben weber ermafeneit, nod beleferen — mögen ße biefes nun aud 3artgefüfel, ©efeam ober ©tridjgültigfeit unterlaffen, unb ebenfo wenig treffen ße «Kaßregeln, ber ©ewofenfeeit entgegenguarbeiten. Sltern ßnb oft für bie »erbtrbli« ctjen golgen, welcfee biefeS fdjredlidje Saßer mit ftcfe; bringt, mefer gu tabeln, al« bie Ainber felbß; benn wäferenb eS burdfe gwedmäßige unb gütige Vefeanblung unb Veleferung featte im Aetme erßidt werben tonnen, muß, nadbem bas i'aßtr burcb längeres gröfenen feßen guß gefaßt feat, alle Hoffnung auf Heilung aufgegeben werben. Ss ift, wie iefe fdjon gefagt X)abt, tin gefjetmeS Saßer; besfealb finb folefee, bie fidj bemfelben ergeben, gur Sinfamfeit, gum Sltteinfein geneigt unb meiben Umgang nnb ©efetlfcfeaft. «Kan wirb ße oft allein ßnben; fie ftefetett ftcfe aus bem Äreli ber ©efettfefeaft ober gamilie weg. Diefes iß eines bererßen©pmptome unb bas unfefelfearße unb gewöfenlicfeße. 3n bemfelben ©rabe, wie bie ©ewofenbeit überfeanb nimmt, werben bie Dpfer bes SaßerS fcfeeu unb blöbe uttb meiben ben Umgang mit bem anberen ©efctjtecfjt. — Diefes iß ein ferneres unb unfefelbares Aenngeicfeeit. Das ©eßcfet »ertiert feine frifdje garbe, unb es geigen ßcfe oft btäuliefee obet röttj- Itcfee gleden ober (Streifen unter ben Sütgeti, wäferenb bie Slugen felbß matt unb glangtos ftnb. Der Kon* ber Slugetttiber wirb rotfe unb wunb ober entgünbet; bet Dnaniß fann Kiemanb feß in'S Slntliti fefeen, fonbern fenft bie Slugen unb wentet ßefe tior einem feßen Vlid ah, als ob er ßd etwas VöftS bewußt wäre, tiefe« ift ein fernerer giemtiaj ßdfeerer VeweiS. Ss gibt nodfe anbere Aenngeiden bes taftin« bteiri Safters, bie leicfet »on benen ertannt werben, bie mit ber ©aefee bewanbert finb, cm fcfeon barüber getefen b, aben. Die ©efunbfeeit wirb balb feeeinträefetigt; aügenmne Aötperfdjwäcfee, Vergögerung beS SBacfestfeumS, ©cfewäcfee in ben unteren ©Itebern^ 3ittem ber Hanb, Sibitafeme beS ©ebädjtniffeS, Vergeßiicfefett, Unfafetg e. , » arbeiten ober Semen, unßeteS SBefen, fdjwacfee Slugen unb Verminberung Ut *«• »ermögens, Aopfwefe uitb ©cfeloßoßgfeit werben ßcfe, tunb geben. Dannim ■ entjünbuttg ber Slugen, Vlinbfeeit, Dummtjeü, *W^***^£**<, Iräftung, «Pottutiottett, ber Vertuß atter Snergie unb Sebfea ttgfett M IP*.« Verrüdüjeü - mit einem SBort: b,offnungSlofer Kuin fowofel beS AörperS, rext* ©rißes, tritt ein. .,. , f w t(, Siefe „k»t aufgejagte« 8.I>» KU" 04 ^"fSÄX** mutm^i tt» SäCeit. »Hein Mtf»«, •»« «l«l8' '»f'""'' f"""m ' Onanie ober ©elbßbefledung. 659 unmittelbare gotgen biefeS SaßerS ein, wätjrenb in atten gätten, nadj bem ©rabe itt Hanges, bie ©efunbfeeit im Sittgemrinett beelnträcfetigt wirb, uub bie ©eißeS* hafte mefer ober minber gefcfewäcfet werben. Vei fcfewadjen Aonßitutionen treten bie SBirfungen beS SaßerS beutlicfeer feertior, unb bie 3errüttung förperticfeer unb geißü ger ©efunbfeeit ßnbet efeer ßatt, als bei benen, bie oon Katur aus eine gefunbe unb fräftige Aörperbilbung feaben. 3ebod) teiner, wie gefunb unb fräftig er audj immer fein möge, fonn lange gegen biefeS Saßer anfämpfett, fonbern muß frütjer ober fpäter ifem unterliegen. /Doefe was fantt man bagegen ttjun ?" fragen bie feeforgtett Sltertt. „SBie tann man biefem Hebel fteuern ober es tjellen ?" Jöir antworten barauf: man fei tiorßdjtig, fei auf ber Hut unb merte auf bi. Aenttgeidtjen. ©ottte man genug wafergenommeit tjaben, um übergeugt gu fein, ober auefe nur ben leidfeteßen Verbacfet feegen, baß etwas ber Slrt tior ßdj gefee, fo nefeme man augenblidlid) «Kaßregeln, biefe ©ewofenbeit im Aetme gu erßiden. Ss iß ein fi|lidjeS Ding für Sltern, befonbers für eineit Vater, mü feinem ©ofene barüber gu fpredfeen. Sitte «Kutter f aittt teiefeter mit iferer Sodjter über bergleidjen reben; unb wenn ße irgenb Verbacfet feat, fo fottte fte — unb fotcfeeS iß ifere fjeilige sjjßicfet — ifere Xodtjter über biefe ©adje gur Kebe ßetten, ße ausfragen, um ben iraferen ©adj»erfealt ouSgußnben; unb fottte bie Vermutfeung begrünbet fein, fo madje ße auf bie ©efafer unb bie böfen golgen etufmerffam, bie unfefelbar etittre* ten muffen, wenn bie ©ewofenfeeit nicfet gleicfe unb für immer aufgegeben wirb. SBo 3urebett unb Veleferung nicfet ausreiefeen, muffen wirffame «Kaßregeln getroffen werben, um bem Saßer entgegenzuarbeiten. Sei einem ©ofene wäre es oielleidjt bas Veße, wen« bie Dienße beS gamitienarg- te« in Slnfprud) genommen würben, ©ottte ein Vater Verbacfet feegen, baß fein ©ofen fidj bem Safter ber ©elbßbeßedung ergibt, fo tfeeile er ben Vertjalt ber ©adje einem guten Slrjte mit unb gebe ben Anaben in beffen Vefeanblung. Aeitt 3artgefüfel, leine 3urüdfealtung fotttett ßcfe feitenS bes StrgteS geltenb madjen; er fottte bem irregefüferten 3ünglitige atte bie ©efereden unb Uebel, bie bie ©ewofenfeeit mit ftcfe bringt, ausmalen, unb feine SBamung uttb feiu Kattj werben nicfet oljne Srfolg bleiben. SBie idj fdjon tiorfeer gefagt tjabe, iß bas Saßer ein gefeeimeS; eS wirb nie ober feiten anbers, als Im gefeeimett betrieben, unb wirb nie im gereiften Sllter ange* nommen. SBenn nun aüe anberen «Kittet fetjlfdfelagett, fo gibt es bocfe, eines, bas bjlft, unb ju biefem muß ofene Verjug gefdjrütett werbett. ©ottte ber bem Safter ber ©elbßbefledung gröljttenbe iit bie ©dule geben — bieö iß ber Ort, unb nament- licfe ßnb es Aoßfcfeuten (Boarding Schools), wo bas Saßer meißens angenommen unb bemfelben am meißen gefrötjnt wirb, fo nefeme man üjn aus ber ©djule uub bringe ifen, fo tiiel als möglid, in ©efettfefeaft. «Kan fudje für ben «Patienten Ver- ötibernng ber Suft, Keifen unb neue ©efettfefeaft. ©ottte alles biefeS nicfet Wirten, fo febe man gu, es fo eingurieb, ten, baß ber Ditaniß niemals, weber bet Sag, nodj bei kacfet, allein fein fantt. 3dj erfettne wofet an, baß biefes «Kittel ein fcfewürigeS Wj es iß feboefe ausführbar, unb es iß tiiel beffer, atte «Küfje anguwenbett, baS Hebel ausgurotün, als ben Süngtittg ober baS «Käbdjett einem ßdfeerett Verberben entgegen gefeen gu laffen. «Kan fudje für bett «Patienten einen ©efettfefjafter tion reiferem Sllter, gehöriger Sinßdfet unb genügettbem Sinfluß, ber mit ben Umßänben 660 ©untt'S Haus* Slrgt. befannt iß, nnb bem es gur «£flid)t gemadjt werben fottte, ben «Patienten ßtt« ji beoufßdfetigen, fo baß berfelbe weber bei lag. nocfe betrat»! allein feitt fattn. Sittige «Konate foldfeer Slufßdfet unb Vefeanblung ßnb gewöfenlicfe feütreicfeenb, felbß bü fdfelimmßen gätte gu feeilen. 3efeocfe in ben meißen gätten, wenn bei 3eüen, iit ben erßen ©tobten ber Aranffeett bagegen eingefdjritten wirb, fann biefelbe burdfe fcfenette, fräftige unb tierßänbige «Kaßregeln unb befon« bers, wenn bü Hülfe eines guten StrgteS gebraucfet wirb, gcboben unb ber junge «Kann ober baS «Käbdjen gerettet werben, ofene gu folefeen äußerßen unb fcfewtt auSgufüferenben «Kitteln gu feferetten, wie idj ße oben anbeutete. Die ©adje iß fefer wicfetig unb tierbient bie ernße Veadtung atter Sltern. Siel. triefet wenige benfen ober wiffen, wie tiiete ber unglüdlidjen Vewofener unferer «Hat« renfeäufer uub Srrenanßalten biefeS fcferedlicfeeit Saßers fealber bofein gefanbt wutbtn. SBäre ber gange ©adjtierfealt befannt, fo würben Sltern fowofel, ols bie fdjulbtgcn Dpfer bes SaßerS mefer Slngß tior bemfelben feaben, als »or ber Sfeolera, ben 33(at> um ober fonßigen epibemifdjen Aranfferitett, bie mondjmol unfer Sanb feeimfueben. Sttem unb überfeaupt Stile, Sitt ober 3ung, fottten ftcfe über biefe ©aefee aufllä« ren. Srßaunen werben ße über bie fcferedlicfeen SBirfungett biefes gefeeimen Vaßert, wetdjes bie ©efunbfeeit gerrüttet, Aranffeelteit ergeugt, bie förperlidje Aroft erfajlafft: SltteS mefer ober weniger unmittelbare golgen biefer furefetbaren Quelle be« Slenb« unb beS VerberbenS. 3m Kotfefatte rotfeen wir Sitten, befonbers Sltern, einen guten, »erßänbigen uub gutierläfßgeit Slrgt über biefen ©egenßanb gu Katfee ju jic feen nnb feinen Vorfdjriften itt allen gätten, bei benen man feines Katfee« bebarf, püttftiiefe nadfegufommen. Verfuefet matt, einen Dnantßett gu feeilen, fo iß ti nötfeig, tfem genaue Vorfcferiften fetnfiefettiefe, feiner Diät gu maden, unb mefer obw weniger mebiginifefee Vefjanbluug attguwenbeit. Sleußerlicfee «Kittel ßnb feäußg notfewenbig unb gwedmäßig ; bocfe in folcfeett gätten befrage man ben Slrgt, gebe ifem ben P jur Vefeanbluttg unb folge genau feinen Slitweifungen.—Unb befonbers gögert man nicfet, wenn matt Verbacfet feat, baß ein Anabe ober ein «Käbdjen biefem »erberben- bringenben Saßer frötjiü, bie ©aefee gteidj eiitem tücfettgen Slrjte mitgutfeeilen. ®et &topi. Diefe Aranftjeit beftetjt in einer Vergrößerung ber fogenannten ©»rufe, wetdje an ber tiorberen ©eite beS HalfeS »or ber Suftröfere liegt, ©ie fommt feaupt- fäcfeticfe bei graueit unb «Käbctjett tior (b. fe.. tjier itt Stmerifa) unb iß gtrarntajt gefäferiidj, aber bisweilen fefer läßig, unb, was baS ©cfetimmße iß, für einen \*tn Hals fefer etüßettettb. «Kart fann feine beftimmte Urfacfee iferer Sntßefeung angeten, außer baß ße in mattefeett gamilien erfetldfe gn fein fefeeint. Die Aur iß fetjr fcfewierig unb langfam unb tiieüeicfet niemals gang »oUjtanc a, obwofel fjaußg feebeutenbe Vefferung ergielt worben iß. Vetjanblung.-Das Hanptmittel, auf bas matt ßdj ™W«™** 3ob. «Katt braudje es erßetts außerltd) als ©albe, etwa in folgen* ««8 Vewegnng in ber freien Suft. 661 3obfali, eine Dracfeme; 3ob, geljn ©ratt; weiße ©albe ober gereinigtes gett, anbert* balb Ungen; mon mifefee gut gufammen unb reibe ein wenig bation ein* bis gweimal Llicfe ein. SBätjrenb beS ©ebraucfeeS trage man ein gtanelltucb um ben Hals. Durcfe.baS 3ob wirb bie Haut beS HalfeS freiliefe für eine 3rit lang gefärbt; bocfe mufi matt bie Uttattitebmlidjfeit fdjon mit in bett Aauf uefemett; bentt bie ©albe leißet wirfliefe gute Dünße. ©obatb mit ben Sobeinreibungen aufgetjört wirb, »erfefewinbet bie garbe attmälig tion felbß. Dodj muß man SBocfeen lang bamit fort- faferen ober wettigßetts fo lange, bis bie obige Quantität aufgebraucht iß. SBenn Ui 3ob bie Haut wunb madjt, fo fe^e man einige Sage aus. Sutferbem wafdje man ben Hals ein- bis gweimal tägiidj mit ßartem ©algwaffer. 3nner(tcfe brauefee mon baS 3»b wie folgt: man nefeme eine Dradjme 3»bfali unb [jjfe es in etwa gwei Sßlöffel tiott SBaffer auf; bann füge man eitte Unge 3ob=Sittf- tur feingu; man beginne »on biefer «Ktfdjung mü gefeit Sropfett einmal täglicfe unb ßeigerebie Doßs täglicfe um tintn Sropfen, bis matt bei gwangig Sropfen anlangt; bann fafere man bomit fort, bis bas ©ange tierbrauefet iß. man nefeme bie Sropfen gut »erbünnt in 3uderwaffer ober bergleidjen unb trinfe SBaffer ober fefeleimige ®e- rränfe naefe, bamit ber «Kagen weniger angegriffen wirb. Slußerbem fann man täg- lich fleine Dofen tion «pobopljpttum, Vlutwurget unb 3riS nefemen; gerabe genug, um ben Seib offen gu erfeatten unb auf baS Drüfenfpßem git wirfen. «Kan fantt biefe «Kittet in Ritten-, «pultier^ ober Sinfturenform feraudjen ; am beßett ßttb wobl biefongentrirten «Präparate: «pobopbpttüt, ©attguütüt ttttb Sribiit; tiott jebem tann man einen fealben ©ratt einmal täglid) mü 3uder tiermifdjt tiefe; meit. $$en>e#nn$ in bet freien Suft «♦ f» ök Eine mäßige Vewegnng in ber freien Suft iß ein anbereS wefetttlicfees Srforbertttfj jur Veförberung unb Srtjaltung einer gnten ©efunbtjeit, ba fte bie tierfdjiebenen Slbfonberungen im DrganiSmuS beförbert. Kiemanb tarnt biefe Kegel ungeßrafl »etnaajläfßgen; eine ßtienbe Sebensweife jebod) ift für Seute, bereu Kaferuitg Ijaupt- faajlicfe aus fßangenfoß beßeljt, weniger gefäferlütj. SBirb ben Sungen burefe täg- liche Bewegung in ber freien Suft nictjt genügenb ©auerßoff gugefüfert, fo fönnen bie im Aörper »erarbeiteten ©toffe nictjt in feinreietjenber «Kenge entfernt werben, um Ui förperlidje SBotjlbeßnbeit aufredjt gu erijalten, unb bie Verbauung neuer Stoffe wirb »erfeinbert. 3n gteiajer SBeife wirb otjne Vewegung bie 3ufammengü- feungsfraft bes HergeitS unb ber großen Slrterien gefcfewäcfet; unb obgleicfe nod) immer fäfeig bas Vlut bis in bie äußerßen 3ettettgewebe gu treiben, iß es bodj nidjt ßarf ßenug, es mit ber gur ©efunbtjeit erforbertieben ©djitettigfeit umlaufen gu laffen. £ct auf biefe SBeife bie äußerßen 3ettengewebe fcfenetter gefüllt, als geleert wer- ken, fo entßefet, fowofjl in ben garten nnb widjtigen ©efäßen, aus weldjen biefelben fceßefeen, als audfe in bett großen Slbern, burdt) bie bas Vlut aus bem 3ettettgewebe ««cfe bem Hergeit ßrömt, eine Vtutfongeßiott ober ©todwng. Sine ber Haupütrfa* $en jenes franftjaften ^ußanbes, ber gewötjulictj „Uttöerbaulidjfeit" genannt wirb, 662 ©utttt'S Haus-Slrgt. iß bie ©tauung beS VluüS in ben äußerßen 3ettengewefeen unferer Drgane uub in ©efeirn, ben Sttitgen, bem Küdenmarf, bem «»tagen, bem ©onglienfpßem, bet vcbtt, ben ©ebärmen unb atten bei ber Smäferung beS AörperS bettjeiligten Crgancn. SBenn bafeer ein Aörper in gefunbem 3ußanbe eine gute «Kenge ©ouetßoff U\ angemeffener «KuSfelbewegung guläßt, fo iß bies bas beße «Kittel, bie Stenge Ui tienöfen VluüS gu tierminbem unb in Verbinbung mit einer feinreidfeenben «Kenge »on Kaferung bie Quantität beS arterieüeit VluteS gu »ergrößeren, unb je mefer ledert« uberwiegenb iß, einer beßo befferen förperlidjen unb geißigen ©efunbfeeit unb Stalle werben wir uns erfreuen. Von atten Vewegungen iß bas ©etjett bie am he[ten ausfüferfeare unb ju glticber 3eit auefe bie wirffamfte, ba fte tiiele «JKuSfeln Itt Vewegung fe^t, befonbers jeboefe bie ber unterett ©liebmaßen, bri beneit ber Vlutumlauf fdjwadjer unb unootlftänbi. ger tior ßd) gefet, inbem bie natürlidje ©djwere bem Slufßeigen bes Viutes jum Hergen entgegettwirft, welcfee aufgufeebett eine entfprecfeenbe Vewegung ber unteren ©lübmaßen, fowie ber VeugungS- unb StusbefenungSmuSfetn erforbert. Zai Se- ben ift für bie ©efunbfeeit ofene 3n>eifet bie guträglicfefte Vewegung, obgefefeen »on ber unmittelbaren unb feinesweges unwefenttiefeen SBirfung, baß es bie Sltfemung«- organe in eilte freiere unb reinere Suft bringt unb ben Aörper, wenigßens im genta- ßigten Alima, bem außerorbentlid gefunbett Sinßuffe ber ©ortnenftrafelen aue-fe&l. Der ©rab ber Veweguug muß uatürlidj mit bem Sllter, ber Vefcfeaffenfeett unb ben ©ewotjnfeeiütt jeber «Perfon übereinftimmen. Die ©tärfe ber Veweguug, wie ße in bett meißen gäüen bienlidfe iß, wirb feäußg unterfcfjärü. 3wei engtifefee «Keilen täglicfe iß bie geringße ©trede, welcfee eine mit- telmäßig gefunbe uttb ßarfe «Perfon gurüdlegen fottte. Kefemen bie Aörperfräfte gu ober ift man überfeaupt fräftig, fottten tiier «Keilen bas geringße «Kaß fein. «Kan fottte bonaefe traefeten, tiier «Keilen in ber ©tunbe gu gefeen, unb ber Aranft, bet mü einer ober eitt unb einer tjalben «Keile ßünblicfe fidj gu bewegen anfängt, fann attmälig feinen ©ang feefdjteunigett, bis er biefes 3iel erreidjt feat. Sitt fdjttrileS ©eben fetü metjr «Kusfeüt in Vewegung, als ein langfameS, unb iß bafeer auefe wirffamer. Die «KuSfeln bes KüdettS unb bes gangen Dberförper«, Ui HalfeS unb ber Slrme werben beim langfameu ©eben »erfeättnlßmäßig fefer wenig gebraudjt; man fann jebodj nidjt wofe.1 fdjnett gefeen, ofene teueren bebeutenb mitwir- fen gn laffen. 3e mefer «Kustetn iu Veweguug ßnb, beßo »ortfeeitfeafttt ift to Uebung; teueres iß ein fo natürlicfeer unb wichtiger ©runbfafc, boß feine Slnwenbung feäußge SBüberfeolung tierbient. «KuSfelbewegung iß eine unmittelbare Quelle beS Vergnügens für 3eben, w nicfet an einer franftjaften Srfefetaffung leibet. 3eber muß biefeS fcfeon empfunben b,abett. Die SBirfung beS ©ebraudjS ber wittfürlidjen VewegungSmuöleln, wenn atte Sbätigfeiten beS DrganiSmuS in regelmäßiger unb gefünber ®«Mor '"J gefeen, ift bie, baß ben ©efüfelsnertien beS betreffenben SfeeiteS ein entfcfe.e en« unb angenehmer Keig mitgeteilt wirb, unb bieS bat einen entfpteefeenbenj»ob»b •' tigen Sinßuß auf bas gefammte Kertienfpßem, trägt fomit mittelbar gur m*m feit bes «Kenfcfeen bei unb gibt feinen ©ebanfen unb Smpßnbungen eine popt Snergie unb Sebenbigfeit. , .«.^ Der «Kenfd) ßnbet ein unmittelbares Vergnügen in bem ©ebraudje fein xm Hdjen «Kusfeln, »elcfe.es nidjt nur ber Slrbeit Keig unb einförmigen Vefdjqtiguna. Vewegung in freier Suft. 663 rinen ®rab »on Vefriebigutig tierleifet, fonbern auefe nuf ben ©eiß einwirft inbem ti einem Seben, eferlidfe unb arbeitsfam gugebraefe. t, einen gewiffen ©rab ptjpßfcfeer Efunbfeeit, geißiger Araft, Slufgewedtfeeü nnb feoffnutigStiotter, feeiterer ©timmung oerleifet. SBie gebrüdt unfer ©eift aud) burd) feäuslicfeen Aummer fein mag, Vewe- gung in freier Suft oerfctjeudjt bie ©orgeit unb ©ritten; wie wiberßrebenb bie Veine auefe gewefen fein mögen, einen geiftig niebergebeugteit «Kenfcfeen gu tragen, werben ße bocfe leicfet, burefe entfprecfeenbe Vewegung gefräftigt, ifere frübere Staftigüät wie- bererlangen; wie feartnädig aud) bas ©ebädjtniß fein mag, ber ©eeie atte ifere trü- ben unb fefemergfeaften Sinbrüde immer wieber tiorgufüferen: Vewegung unb Drtweränberung fdjläfem es ein, unb ber ©efelaf bes ©ebädjtniffeS ift für ben Ungttttflicfeett ein Sag im «Parabüfe. Das Sinatfemen frifefeer Suft, bie Sinwirfung be« SölnbeS auf baS ©eßcfet ober ben Aopf iß gu einer fotdjen ßtit eine Verufeigung unb erfeolung, »on ber man ßd fetbß übergeugt tjaben muß, um es gu glauben; Deafealb foüten wir uns täglicfe iit freier Suft bewegen ; weber Herg, «Kagen, Seber, ©ebärme, Sungen, Küren, ©etjim, nocfe Haut bleiben in gefuttber Sfeätigfeit, ofene tagticfetS ©efeen unb «Befdjäftigung im greiett. SBie tiiele Seute ßnb Sage, SBocfeen unb «Düttate lang ofene Srfeolung ober Veweguug eittgefcfeioffeti ? «Kon fottte bebenfen, baß ber ©eiß, wie ber Aörper Kufee tierlangt, unb baß «Kangel an gefeö- riger Vewegung eine Keifee tion Kertietifranffeeitett unb eine langwierige Arantfeeit, nämlicfe bie Untierbaulicfefeü, ergeugt. Bewegung iß bei ber Heilung einer Aranffjeü fetjr widjttg, uttb es wäre beffer für bie «Dünfcfefeeit, wenn man ftcfe mefer Vewegung maefete unb weniger Slrgneün gebrauefete. Dfegteicfe bie Heilung tion Aranffeeiten bie Hauptbefdäftigung eines Slrjtes iß, fo wirb er ßcfe bocfe, wenn er ein eferliefeer «Kann iß unb feine Kebenmett- fefeen reefet befeanbeln will, nicfet auf biefeS allein feefefetänfen. Sr Ijat feötjere unb eblere «pßidjten ber «Kettfcfefeeit gegenüber unb muß ßcfe tiott atten egoiftifdjen Veweg- gtünben fern featten. Ss ftnb bie, bie ©runbfätie ber «J)tjpßologü uitb ©efunbfeeüs- lefere in toetibung gu bringen, um Aranffeeiten gu tierfeüten unb bie Urfadjen berfelben gu entfernen; furg, er muß eferlicfe fein unb nebß bem ©ebraudje tion möglicfeß wenig «Kebigin, Vewegung uitb «Käßigfeit empfetjün. körperliche Uebungen fmb tion ber Katur ausertefene «Kittet gur Srtjattung ber ©efunbfeeit, unb um beren Vorteile gu beweifen, werben wir anfütjren, was geübt Werben fottte, unb auf welcfee SBeife ber ßwtd erreidjt werben fantt. Der menfefettefee Aörper ift in SBirflitfefeit eine «Kafdjtne, bereit eingetne Sb, eile fo wunberbar »erfettet ßnb, baß, wenn einer leibet, atte angegriffen werben. Die Ve- wegung betrifft meiß bie Anocfeeit unb «Kusteln. Ss gibt im menfdjlidjen Aörper »ierfeunbert «Kusteln, tion benen jeber eine befonbere Sbätigfeit tjat. ©ie tjalten, tn Serbinbung mit ben ©etjnett, bie Attodjett itt itjrer Sage unb fetten biefelbe itt Bewegung. SBentt wir taufen, getjett, ft^eit ober uns büden, ben Aopf neigen, Slrme unb Seine bewegen, ober tauen, fo bewegen ßcfe eine Slngafel oon ©etenfen, bie felrt- unbfeergefeen, ßcfe öffnen unb fcfeließen, fo wie eine Sfjür ßdj in itjren Slngetn bewegt. 8* ift gang naturgemäß, baß jemetjr bie «Kusteln gebraust werben, beßo ftärfei »erben ße, natürlicfe nur bis gu einem gewiffe« ©rabe; besljatfe ftnb Hanbwerfer, Arbeiter, Sauern unb bergleidjen Seute ßärter unb muslulöfer, als folefee, bie nut Kicfeten, wenig anßretigenbett Verufsarbeiten folgen. Slußer Aräftigung ber ©Ue- 664 ©unit's Haits-Slrgt. ber tjat bie «KuSfelbewegung audj einen äußerß wofeltfeätigen Sinfluß auf ben Umtauf beS VluüS unb auf bie SltfemungSorgane. Die größeren Vlutgtfäfje liegen gewötjnlidj tief gwifdjen ben «Kusfeln; wenn alfo untere in Vewegung gefegt xotv ben, fo wirb baS Vlut mit tiiel größerer ©dfenettigfrit burefe bie Venen unb Arterien getrieben, als wenn ber Aörper in Kufee iß; bas Vlut wirb mefer gereinigt, ba bie unmerflidfee Slusbünßung beförbert wirb, weldje bem Vlute tiiele fcfeäblicfee ©tojf» entgietjt, bie es iit feinem Kunbtaufe aufgenommen feat, fo baß ein ©efüfel ber Seicfe- tigfeit unb beS grofeßntteS über Aörper unb ©eiß tierbreitet wirb. 3n ben SrtjolnngSßunben fottte matt wo mögliefe atte «Kusfeln in Vewtgnng feiert. Die meißelt Vefdjäftigungett ber ©täbter gwingen ben Slrbeiter in unnatür- lidjett ©tettungeit gu ßefeen ober gu fttjen, wobei nur wenige «Kusfeln gebraucfet wer- ben, wäferenb bie anberett tiertjältnißmäßig untfeätig ßnb. ©efeneiber, Hotjfägtt, ©cfeutjtttadjer, ©ratieure, Ufermacfeer unb öüle anbere, fowie Spinnerinnen unb 915- tjerinnett feabett entweber etwas UnbebütßidfeeS in Vegug auf Vewegungen, $3licf< u. f. w., ober fetjen bleicfe unb fränfliefe aus. ©olefee Seute leiben gewöfenlicfe an Urttierbaulicfefeit, ©djwtnbet, Aopfweb. ober Durcfefott. ©efcfeäftsleute, Sabenbefi&er, Kedjtsgetetjrte, ©driftßetter unb bergleidjen tierleben gange SBocfeen, ofene ßcfe in frifefeer Suft Vewegung gn macfeen, unb wentt ßcfe ifenen bann eine ©elegenfeeit bie- tet, fo feabett ße bie Suft bagu tierloren. ©otdje Seute leiben b,äuffg an Unoetbau- licfefeit, Verßopfung, «KagenfrefeS, Vlutßoduug uub atten bomit »erbunbenen ÄranN gelten, gür berartige Aranffeeiten gibt es aber fein anbereS «Kittet, als fo »iel als mögliefe Vewegung unb Uefemtg iit freier Suft. Ss iß eitt großer Srrttjum, bie tägtiefee VerufSarfeeit einer fotdjen Vewegung gletdjgufcfeärjett. Slrbeit jebtt Sri pflegt nur gewiffe einförmige, routinirte Vewegung gu erforbem unb wenig Slbwectj- feiung gu bieten, wäferenb fcfeon eine bloße Veränberung ber Umgebung unb bet Sufi wofelttjueub Wirft. Um bie Vewegung nocfe oortbeiltjafter gu macfeen, follte man ©eluftigungen mit berfelben tierbinben, uub besfealb iß gum Veifpiel ein botanifcfeei SütSftug aufs Sanb feinaus gugleicfe angenehm unb ßärfenb. SBenn (Sltern, Setner unb «prinjipäie biefeS befeergigeit, fo würben weniger Seute ben Slusfdjweifungen, bem Srunfe unb ber Aranffeett gum Dpfer fatten. Sumübungen unb Vtwegungtn jeber Slrt in freier Suft beförbern fowofel ©ittenreitujeit unb grofeftnti, alt ße aud) bie Sugenb beibertei ©efefeieefe, ts ftärfen unb gefunb erfealten. SBenn bie förperitebe Araft tjerabgeßimmt wirb, fo entftetjt Keigung gu Keigmitteln, bie auf bie ftttlidjen, fleißigen unb förperlidfeen Aräfte fdjäbtütj wirfeit. SBen feine «Befdjäftigung tion adjt bis adjt, ober fedjs bis fecfes Ufer feffelt, bet fe« bocfe, tior- unb tradier nodj 3e«. Sr benutze biefelbe unb bewege ßcfe In ber M, möglidjß fem tion ber ©tabt unb engen ©traßen. Die eingige Aranfbrit tiieter Saufenbe ift «Kangel an Vewegung. W«*«T»J wanft tann burdj Vewegung unb Sntfeattfamfeit einen wofelgebltbeten Aörper et». ten. SBelden Vortfeeil würben ttidjt ber Seljrlütg in ^^^^M Kitte, welcfee atte burefe. «Befdjäftigung, ©trenge ober eigene ©djlofffeett ßcfe nn« eines fleinen KaumeS bewegen, aus einer jweißünbigeit taglidjen Vewegung in freiet 'tem Meißen ©eßdfete, bett weißen Sippen unb eingefallenen Sugen **W «Kabcfeen würbe ein gweißünbiger «Korgenfpagürgang ba« wftge «wj * Die 3äfe>e. 665 tUefuntfeeit wtebergeben; audfe würbe es Vätern unb«Küttem fefer wofel anftetjen, ifere ISajter bagu ongutretben, wentt bie jungen Damen felbß biefem «Kittel fein Ver- trauen fcfeenfen. llnfere 3eit fottte folgenbermaßeit eingettjeitt feilt t aefet ©tunbeit ©efelaf, adjt ©tunben unferen Verfügungen, ©tubien unb weltlichen «Pßidjütt gewibmet uttb bie übrigen aefet ©tunben ber ©efunbbeit unb Srfeolung. Dies iß eine gute Sintfeeilung, wenn ße ausführbar iß. Der ©ebrauefe tion Han- teln iß fefer wofeltfeuenb, fowie ebenfalls bas Heben teiefeter ©ewiefete, bas Stuftjän- gen beö AörperS an ben Hänbett, bas ©cfewittgeit, Springen unb bergleidjen. tfurj, wer bu audj fein magß, «Kann ober grau, Anabe ober «Käbcfeeit, ob alt ober jung, madje bir Vewegung unb übe biefe fo gut bu fannft unb fei fo wenig als mög- lich j'u Haufe. Vewegung iß ftctjerfictj eine Sugenb unb „bie Sugenb ßnbet," wit beS ß,ajulfnaben Sefebucfe fagt, „itjren Sob,n in ftd) fetbß." &te Räfyne. SBenige fennen bie SBiefetigfeit ber 3ätjne, unb nocfe Sßenigere wiffett ße gu fcfeo- nen, Kur wenn Seute alt werben unb iferen «Kangel empßnbett, ober tion tljrem ©toefen leiben, lernen ße iferen SBertfe ridjtig fdjä^en. Ss iß betnerienswerttj, baß, wäferenb ber «Kettfdj iit feinem Seben jebeS anbere Drgan nur einmal befommt, er jwcl »erfefeiebene Auflagen tiott 3äfeneit erfeält; unb büfe Sfeatfacfee fantt mü als ein 53ewtis ber wicfetigett Kotte gelten, welcfee Üjtteit bie Katur in iferem Haushalte jngebaefet. Der «Kenfdfe feat in ber Kegel gwei nnb breißig ßät)nt, weldje mit großer geßig- feit in bte Ainnbaden gefügt ßnb; teuere werben burefe äußerß ßarfe «Kusfeln in Sewegung gefegt; bie obere uub bie untere ßat)itreitje werben wäferenb beS AauenS ber ©peifen mit bebeutenber Araft gufammettgepreßt. Sluf biefe Slrt werben bie in ben «Kunb eingeführten ©egenßänbe germatmt unb »on ber ©peiefe, etflüfßgfeü burcfe- brungett, welcfee »on ben Drüfen bes «KunbeS fließt, fobalb etwas in benfelben gebraefet wirb. Die fpätere Verbauung ber ©peifen im «Kagen tjangt fetjr batiott ab, oh ße getjö- rig jerfleinert ftnb; wenn bte ß'äl)tte ifer SBerf gut tierriefetet uttb bie ©peife iu eine welcfee «Kaffe tierwanbelt feaben, fo löß ber «Kagenfaft biefelben leidjter auf, bie Vilbung bes VluüS aus bemfelben getjt fdjnetter unb öottßänbiger tioit ©tauen unb ber Aörtier wirb beffer emäfert. «Kattde Seute, bie gute 3äfene tjaben, teiben att Untierbautidjfeit, weit ße biefelben nidjt orbentlid) gebraucfeen; unb biejenigen, welcfee feine ßäfjne feaben, leiben burctj biefen «Kangel in berfelben SBeife. Um bie 3äfene itt gutem 3ußanbe gu ertjalten, fottten ße regelmäßig beS SlbenbS unb beS «ÄotgtnS gereinigt werben. «Reinlidjfeit in biefer VegÜfeung trägt »iel git einer angenefemen perfönlidjen Srfdjeittung bei unb befreit ben Sltfeem tioit ber übetrüctjett- Uxx Velmifdjung, bie er fonß tjaben würbe. Das beße 3al)npuftier iß etwas geßo- fcne Holgfofele. Vemadfeläfßguitg ber 3ät)ne iß fo attgemein unb ber ©ebraudt) unjwedmäßiget KaferungSmittel fo gewötjulidfe, baß tierlaltnißmäßig wenige «perfo- 666 ©unn'S Haus-Slrgt. neu gang gefunbe 3äfene feaben unb Viele »onbem qualoollen „3afenwtfe" genann- ten, Seiben gefoltert werben. Diefer ©dmerg iß fo beftig, boß wir barin einen wamenben gitigergeig ber Katur erbliden fottten, bie 3Äfene weide fo widtig fut bas SBofelbeßnbett beS gangen AörperS ßnb, mit ©orgfalt gu befeanbeln. Attofot, Kelfenöl, Sllfofeol, Dpium unb anbere berartige ©ubßongen werben oft als «Jliittcl gegen ben 3afenfcfemerg gebraudjt. Slber ße madjett bas Uebel nur fdlimmer, intern fte bas ©toden beförbern unb feäußg ben ©aumen angreifen. Der beße «plan ifl, baß man baS Seiben burefe Keinliefefeit unb burefe ben ©enuß einfodfeer unb reiner KaferungStnütel gu tierfeüten fudjt. SBenn bas ©toden angefangen, iß bas beße «Kittel, bie Höfelungen mit einet «Kaffe ausgufütten, bü barin feart wirb unb fomit fünßlid) bü ©teile ber Smaille ober bes 3afenfdjmelgeS tiertritt. Die Strt gu effen iß ebenfo wie bie 3ufeereitung ber ©peifen ber Slufmerffamfeit wertfe ; wir muffen bebenfen, was gefcfjetjen muß, efee bie ©peifen ßdfe gur Slufnafeme in ben «Kagen eignen. SBeSfealb feabett wir ©efeneibegäfene unb «Kafelgäfene im «Kunbe ? Unb wesfealb tiemrfadjt ein fdjmadfeafter Viffen, ober felbß bie blofje Vorßettung eines Sederbiffens, ein gließen beS ©peidfeels, wenn ber «Kagen für bit Slufnofeme neuer Kaferung bereit ift ? SBeil bie Kotur will, baß unfere epeifta getaut werben fotten. Der ©peiefeel entfeält Veßanbtfeeite, weldje ben Verbauung«« progeß unürßü^ett; es muß ferner eine gewiffe «Kaffe Suft mit ben ©peifen »et« tnifefet werben, unb es iß eine ber widjtigen Slufgafeen bes ©peicfeels unb anbetet im «Kunbe ergeugter glüfßgtriten, burdfe ifere fefeaumige Vefcfeaffenfeeit, wäfetenb be« AauettS Suft feineingumifefeett ; jeber Viffen muß gu fleinen ©lüden germalmt unb gu riner leidjt »erfdjludbaren weidjen «Kaffe tierarbeitet werben. SBenn man eine «JKatjIgelt feaftig feinuntetfefetittgt, fo wirb ber «Kagen aller biefer Vortfeeile beraubt; eine folefee Slrt gu effen ift für ben «Kenfdjen unnatürllcfe; außer wenn ber Hunger fo ßarf iß, baß er bie Vernunft überwältigt. Haftiges Verfajluden bringt immer eine gewaltfame Keigung ber am Singange beS «KagenS gelegenen Keroen feeroor, weldje ßcfe, ba atte biefe Drgane in nafeer Verbinbung ßefeen, bem Hergen mittfeeilt uitb felbß Störungen ber ©efeirnttjätigfeü tierantoffen fann. geße ©egenflante muffen burefe Aauen getjörig gerfieinert werben, um bie Keroen ber ©peiferöfert unb bes «KagenS auf jene güidjgeüige Sfeätigfeit »orgubereiten, burefe welcfee allein bn «Progeß bes ©cfeludenS in unfcfeäblicfeer, regelmäßiger unb angenefemer SBeife oot ßcfe getjen fann. Diejenigen, weide ifere Kaferung gierig fjinunterfdjlingen, befean- beln itjren «Kagen wie eineit tefetofen unb fütjllofen Vefeälter für Uti, mi fte belieben mögen tjineittgutfeutt, unb in ibrer Site »erfcfeluden fie oft feei&t 23todtn ober glüfßgfeiten, welcfee fte nidjt otjne ©djmerg im «Kunbe befealten fönnten. 3» SBirfÜcfefeü aber iß ber «Kagen tiiel empßnblicfeer, als ber ©aumen, unb fein gefün- ber 3uftanb wirb augenbtidtiefe burctj SltteS geßört, was gu feeiß, gu falt ober ju fefearf ift, um otjne Unfeequemtidjfeü längere ßtit im «Kunbe gefeolten gu werben. SBir fottten besfealb unfere Kaferung tior bem ©abluden bebadjtfam tauen unb un« ben ©enuß gönnen, ber in bem ©efefemad unb bem Siroma ber ©peifen ^ W ftnb wir nicfet nur in ©efabr, ben «Kagen gu überlaben, efee ber Slppetit gefHut ift, fonbern audj DpSpepße itnb uugäfelige anbere Aranffeeiten gu ergeugt», »etaje au« ber geßörten Stjätigfeit bes «KagenS etttßebm Da nun, wie gefagt, gute 3afene gu einer guten Verbauung unentbefetltct, m Die ©ommertranffe,eit ber Ainber. 667 eünfowofet wie gu einer guten Slusfpracfee unb gu einem angenefemen %tt)tm, fo fcfeeue man nicfet bie «Kütje, ße rein gu erfeatten. «Kan putie ße regelmäßig mit einet fteifen 3afenbürße unb gepultierter ^otafotjfe ober Areibe, gu welcfeer etwa ber gwatu iafte Jfeeil puloerißrte «Kprrfee unb ein Hein wenig Aampfeer b, ingugefügt iß. Kacfe eber «JKafelgett foüte mau ben «Kunb gefeörig mit SBaffer aus ; beim jebe ©ubßang, bie ftcfe in Verüferung mit ben 3äf>nen jerfe^t, ergeugt «Kildjfäure unb anbere Säuren, welcfee ben 3afenf « Sages gn tierbraudfeen. Ss iß gugteictj ©etränf, Körung unb «Keb.5m -1*\ nnfetjtoar fein - nnb mag beliebig, fo oft ber «patient burßig iß, genoffen wetwn. «S ift ein ausgegeidjnetes Heilmüül bei ber Kufe>. ©er ö ftet er «K a tS. - Sitt anbereS tiorjüglidjeS «Kittel biefer W iß, ** SKeblgtnlfdtjer ©ebraudj bes Sifdjfalges. 669 fkaii gu rößen, ifen in einer Aaffeemüf>fe fein gu mafeleit unb bann mü füßer «Kildj foajen; bieö wirb bem «Patienten ats ©peife gegeben. Dber man neb, me «KaiS- webl bräune eS in einem eifemen ©efäße uttb fodfee es mit «Kilcfe. Dies iß ein gute«, gefunbeS KafjrungSmütet unb ein tiortrefflidjeS «Kebitament in atten gätten »on Diarrfeöe, Kufer uub Darmteibett, fowofel bei Ainbern, als bei Srwadjfenett. ÜJcan fantt bet biefen Aranfljettett bie Ainber fo tiiel tiott bem gerößetett «JKaiS effen laffen, als ße mögen. SDteMjittiföet ©efrraud) be$ &iföfal$e$. Da« gewöfenlidje ©alg, Sifcfefolg ober Aocfefalg — mebiginifd): fatgfaures Katron, Natron Muriaticum, Sodae murias, &c, — ßnbet ßcfe relcfelicfe in ber Katur tier- breitet unb beßfü in feiner Sinwirfung auf ben tfeierifcfeen Organismus bie matt- nigfaltigßett Sigenfdjaften. Ss wirft tonifctj, abfübrenb, wurmwibrig unb äußer- lidj reigenb; es wirb in tiielett gätten gegen Untierbauticfefeit unb gegen SBürmer gegeben; in großen Dofeit wirb es gereiefet, um Hamorrfeagien ober Vlutungett beS lagen«, ber Sungeit unb beS DarmfanatS gu ßopfen ; es wirb als tin Veßanbttjeil »on ßlpftieren, gu Väfeungen unb Umfcfelägen bei «Quetfcfeungett unb, mit SBaffer, jutetgenben Väbem gebraucfet. 3n mattden gätten tion Unorbituitgeit beS «KagenS bewirft eitt Stjeelöffel tiott Salg fiajere Heilung. 53et ben feeftigen inneren ©dfemergen, weldje man Aollt nennt, iß ein Stjeelöffel Doli ©alg in einer tjalben Saffe SBafferS aufgelöß, welcfeeS fo fdjnett als möglict) genommen werben muß, unb ein turges ©dtjlummerdjett unmittelbar barauf, eines ber wirffamften unb fcfettettften Heitmütet, bie matt fennt. Daffetbe «Kittet bringt oft «Perfonen, bie in golge eines fdjweren gattes tobt erfcfeeinen, wieber gum Seben jurücf. 53ei apopleftifdfeen ober ©djlagaitfättett fottte matt leine ßtit tierlieren, bem Aran- fen ©algwaffer eittgußößen, wenn er nodj genug Veßniutitg tjat, um gu fdtjluden; toenn nicfet, fo muß man ben Aopf mit faltem SBaffer baben, bis bie Veßnnung wieberfefert, unb bas ©alg wirb bann ben «Patienten tiottftänbig aus feiner Setfeargie erweden. 53ei Arompfanfätten fottten bie güße in warmem ©algwaffer, bem matt nodj ©enf tjinutgefügt feat, gefeabet unb bie Veitte babei fräftig gerieben werben; Halsbinbett unb enge Aleiber muffen gelöß, unb ber Aranfe muß, wentt möglid), in ein füfetes Simmer gebraefet werben. 3n gätteit feeftiger Sungenblutungen, wenn anbere «Kit- tel fefelfcfelagen, fanb Dr. Kuffe, baß gwei Sfeeelöffel tiott ©alg bas Vlut tiottftänbig (Kitten. Ss fottte troden gegeffen werben. Sei 3cujnfttjmergen roerben Umfcfeläge tiott warmem ©alg unb SBaffer auf bett leibenben Jfeeil meißens Sinberung fdjaffen. SBentt bas 3at)nfleifdj angegriffett ift, toafdje man ben «Kunb mit ©algwaffer; wenn bie ßät)nt »on SBeiitßettt bebedt M, i>ufee man ße gweimal täglicfe mit ©algwaffer. 670 ©unn'S Haus-Slrgt. Vei gefcfewottenem Hälfe wenbe man SBafdfeungen mit ©algwaffer an unb trinfe bation gweimal tägtiefe, bis Heilung erfolgt, ©algwaffer treibt SBürmer aus, wenn man eS mäßig mit ©peifen genießt unb beförbert außerbem bie Verbauung; bocfe ja tiiel ©algfleifd) iß ungefunb. ©alg ift femer bei ber Vräune ein fefer fcfeäfcfeareS unb gutierläfßgeS «Kittel. Die Doßs iß ein Stjeelöffel tiott mit einem Sßlöffel tiott Honig unb Ijäußg wieberfeolt. Dies Kegept würbe mir tiOtt bem Sferw. «Kr. giffeer, einem Vaptißenprebiger, mitge- tfeeilt, welcfeer fagt, baß es ßefeere Heitung bewirtt. Vei Aranftjeüen beS Darmfanals, befonbers Kufer, Sfeotera unb Sfeolera «Dür« bus iß ©olg eines ber beßen feefanntett «Kebifamente. 3« fotdjen gätten mufj man es mit Sfßg uttb warmem SBaffer mifdjen; unb wenn, wie bet ber Sfeolera, Uebelfeit beS «KagenS empfunben wirb, füge man einem ©lafe biefer glüfßgfeit nocfe ein bi« gwei Sfeeelöffel tiott geflogenen fdfewargen «Pfeffers t)tngu, unb biefe «kifcfeung mufl in reidjtictjer «Kenge getruntett werben. &'itr?c $(fc$ tigfeit, gu welcher bie Katur es befähigt; was eine Vermehrung ber Slnlage ju jebet Arattftjeitsform gwr golge tjat." SBeittt itt ber Aütbfeeü ober wäferenb beS SBocb,sttjumS beS AörperS bie »ruft tn einem gufammengebrüdtett 3ußattbe gefealtett wirb, fo baß bie natürlidje unb boQ| Sntwidetung ber Sungeit nidjt ßaüßnbett fann, fo wirb boS normale «etjattnji gwifdjen ben festeren unb ben anberen Organen geßört, unb ber baraus entjtejtnw ©cfeaben fantt nie wieber gang gut gemadjt werben. Studj ouf ben «Kagen barf R» AleibungSßüd bruden. grauen uttb «perfotten, bie eine ft&enbe SebenSweife fu re, muffen ßcfe tior ben Uebeln in Sidjt ttebmett, welcfee eine ß^ettbe ©tettung| tiefet m ßefe bringt. DpSpepße entftebt fe.äußg ttur baburefe, boß ber «Kagen nnb bie ben */ barten-Siitgeweibe burdj ©t*en mit tiorwärts gebeugtem Aörper onfeattenb u(a mengebrüdt werbe«. «Katt laffe ben Aörper möglidjß frei unb unbefeinbert, and) bie Vorfcferiftett ber «Kobe fagen mögen. , Die Vetleibung bes AörperS unb ber ©lieber barf nie fo eng fein, ba* w ö • ©egen ©tammeln. 671 [ation be« VluüS, fei eS audj nur in bett ftetnßett ©efäßen, baburefe getjinbert wirb -bocfe barf ße auefe nie fo lofe ober leidjt fein, baß ber Aörper nidjt tiottftänbig tior Italn unb ungüttßigett SBtttemngseütßüffett gefdjütit wäre. ^rofiöculen. ftroftbeulen, weldje gewöfenlid) nur att ben Hänben unb güßen erfcfeeiitett, ßnb bisweilen bie golge eines leicfeten SrfrierenS ber befallenen Steile; bod) fönnen ße aud) entßefeen, Inbem biefelben afewedjfetnb ßorfer Aalte unb ßärfer Hi|ü ausgefegt werben. 3« ben befallenen Stjeilen, welcfee eine blaurotfee garbe tjaben ttnb mel- ften« jiemlid) gefdfewoüeit ßnb, wirb gu 3eüett, namentlicfe hti SBüterungSweefefel unb wenn es „milber wirb," rin unerträgliefees 3uden, oft audfe ßorfer ©djmerg empfunben. Die Veuten erfdjriiteit gewöfenlid) im grüfeling ober Herbß, ober im SBinter wäferenb einer milben ttnb feudfetett SBitteruttg. Vefeanblung. — 3n leicfeten gäüen wafcfee man bie ©fetten in eist altem SBaffer ober reibe ße mit ©efenee. Sluefe Sinreibungett mit Aampfeerfpiritus unb lerpentinöl ftnb in milberen gätten gut. Doefe bas wirffamße «Kittet, bas mir befannt geworben — unb es pßegt in atten gätten gu feelfen, weit« es lange genug fortgefefjt roirb — iß Aatttncfeenfett. «Kan netjme bas gett ober ben Satg tion einem Aanitt- efeen uttb falbe bie Veule« bamit eitt- bis gweimal täglicfe getjörig ein, befonbers beS Slbenb« oor bem ©cfelafengefeen; matt begnüge ßcfe nicfet mit bloßem Sütff cfe mieten, fonbern wafcfee bie franfen Sfeeile gewiffermaßen in bem gelte, inbem man ße babei an baö geuer feälr. SBäferenb beS Sages, wenn bie Veuten am guße ßnb, trage man ein ©tücf frifefeer Aanittcfeettfeaut barauf, mit ber gleifcfefeite naefe, bem guße gu. SBenn bie ©efcfewulß groß, entgünblicfe unb fcfemergtjaft iß, madje man beS KadjtS Umfcfeläge mit faulen Slepfeln, ober mit Ulmenrittbe unb 3ngwer, ober man bebede bie Jfeeile mit warmem Seim. Slber in attett gewöfenliefeett gätteit wirb ber ©ebraudj be« Aanindjenfettes unb ber Aattittdfeeittjaut ausreiefeett. ©ie werbett getoötjntidj eine bleibcnbe Heilung gur golge feaben. Das SBafcfeen ber Sfeeile in frifefeem, fal- tem Spring- ober Vrunttenwaffer feben Slbenb tior bem meine Slnwenbung biefeS «Kittels. Vei träger Seber, aufgetriebenem Vaudje ober einer franffeofün Keijbartelt be« «KagenS iß baS Keiben bes VaucfeeS fefer gefunb. Ss iß aber nicfet genugtnb, tin fealb Dut3enb «Kate mü ber Hanb ben Vaucfe gu reiben. Der Seib, bte Seber unb Der «Kagen fottten minbeßettS fünfgefett ober gwangig «Kai täglicfe, fo gu fogen, gefne- tri werben. Die beße ©elegenfeeit feiergu bietet ftcfe übenfatts beim Slufßefetn unb 3ubettgefeeit; aber bie beße ßtit tß Stotf^jett ben «Kafetjeiten, wenn bie Speifen nocfe nicfet gang »erbaut ftnb. Suugeit uub fefewoefe gebauten Seuten iß ba« «Reiben bes gangen AörperS fefer anguempfefeten, unb eS iß fein unnüfces «Kotgen« unb Slbenbtiergtiügen, felbß für einen Srwacfefenen, bie Veine, Slrme unb ben ganjen Aörper mit einer Haut- ober Haarbürße, ober am beßen mit ber Hanb gu beatbeiten. Der Vortfeeil biefeS VerfaferenS lügt barin, baß eS ofene Hülfe getfean werben fann. Vei alten unb fdjwacfeen Seuten feingegeit iß eine «perfon gum Keiben erforberliefe. Durcfe leideres «Kittel wirb bie Sfeätigfeit atter VerbauungSorgone erfeöfet. ffiem Vewegung burefe ein unfreiwilliges ©tiüßtpen ober burefe anbere Urfadjen oerfagt ifl, bei bem fottte bas Keiben bie ©teile ber Vewegung erfe&en. Ss muß jeboefe- [djaten tfeut es triefet - fottgeferpt werbett unb fottte beS SlbenbS unb «Korgen« jebe« «Kai fünf bis gefen «Kinutett anbauem. Der «Kagen wirb baburdj in eine Srregimg tierfefct, weldje SBatme übet ten gattgett Unterleib tierbreitet, unb idj \)abt beobadjtet, baß Verßopfung burefe biefe« «Kittel obne ©efe,wierigfeit getjoben würbe. 2)a8 (Säjludjjcn. Das ©djludjett ober ©dludeit, „ben ©djlude« tjabett" (Singultus), Berufet auf eüur rampffeaftett ^ätigfeit beS 3»erdjfettS unb ^^^^. tieranlaßt werben burdj ©äure ober burdj ein* Ueberfdjuß tion ©a im «* ; Uebertabung beS «KagenS ; ittttierbautidje ©peifen; Vläb,ungen; MW ^ üt« be gleidjen. SBentt eS in gefä^rtidjen ©tabiett »on giebern u. f. ». be 9e 3ttßattbe bes «Patienten eintritt, iß es ein ungüttßiges ©pmptom unb settun gerootjnlictj töbttiefeeit StuSgang. 9itbemfeolen unb Sbenfo wie bem Herjflopfen fann bem ©djtudjgen bu cfe üefeS ** » ^ Süttjaltett bes SlttjemS Sinfealt getb,an werbett; ein Xxuttb£ neun u« ^ tett SBafferS, o^e bei bem Srinfen gu atfemen wirb es of^^^Tfdtucft, bringt 3ttder, las matt langfam im «Kunbe tierfcfemeljen laßt uttb binunterfdjiu , es faß immer gum Sluftjören. w,",fcrt aebe man &encb> SBetm es tiott Vläfe^ttttgen ober SBütbett im «tfagen^^^»ta. famen ober eitt gutes Aar mittatitium, wie: gufammeugcfefcte Slttwartsgefe:t)rte3efe>aget. 675 üntö'Sffeng unfc ©cfewefetäüjer git gleidjen Reiten gemifdjt, ein Stjeelöffel tiott alle paar «JJcinuten. SBentt tion ©ifteit, gebe matt reidjlidj Dlitienöl unb frifdje «Klldtj. Söenn oon Sntgünbung beS «KagenS ober ber ©ebärme, gebe man gwei Sfeeile Morel mit einem Sfeeile Serpentinöt in Sßtöffetbofen, aüe fealbe ober gange gtunbe, unb lege ein ©enfpßaßer auf bie «Kagengegenb unb ben Vaucfe, ober Südjer, bie in einer feeißen Slbfocfeung »ort bitteren Aräutern getränft ßnb. SBentt eS nertiöS ift ober öon ©cfewäcfee int Verlaufe tion Aranffeeiten feerrüljrt, nefeme man gletdje Jfeeile, etwa je eine fealbe Unge oon «KofcfeuS=Sinttur unb HpoScpamus^Stnftur unb gebe baoon fünfgefen bis gwangig Sropfen atte fealbe ©tunbe. Das Sittaü)mett tiott Gfetoroform iß gteidjfatts gut. Sbenfo ein Sfeeelöffel »ott Sfßg ober Sitronettfäure oon 3eit gu 3eit; ober man netjme eine Unge «pfeffermüttg-Sffeng, ebenfotiiel SBaffer unb einige Sropfen ©djwefelfäure, gerabe genug, um es angenefem fäuerlicb, gu macfeen — unb gebe bation ein bis gwei Sfeeelöffel tiott atte paar «Kinuten. 3!eußer= liefe leißen warme Umfdläge ober ©enfpßaßer gute Dienße unb ebenfo warme Väber. gintoärtS gefeljrtc geljttägel. Ziti iß eine fefer befefewertiefee ttnb oft fcfemerglicfee «plage. Die Känber obet gelten ber Kägel pßegen gerne ßcfe abwärts gu fefereit unb iu bas gleifcfj feineittgit* üjaefefen unb fo Sittgünbung uttb Siterung unb oft große ©djmergen unb Seiben ju tieranlaffen. Das beße Heilmittel, baß iefe nodfe für biefe Veüfjwerbe gefannt tjabe, iß, mit einem fcfearfjugefpi^ten 3nßrument, wit bie @pi£e eines gebermefferS, eine Slrt «Rinne in bie «Kitte bes Kogets gu fefeaben, ber Sänge naefe,,»on ber SBurgel bis jum Snbe beS KagelS. Diefelbe muß tief bis gum Seben ober fo bünn, als mait es bertragen fann, feitteittgefefeabt werben. Dies macfet ben Kaget fefewaefe „im Küden/' fo bafj er attmälig unb guletü an ben ©eiten ßd) umwenben wirb, bis bie Känber oben unb über bos gleifdj gu liegen fommen. «Kan fe^e bieS fort, fo fdjnett ats ber «Jtagel feerauswäcfeß unb btder wirb, unb eS wirb etientuett gelingen, ben Kagel in bie gefeörige gorm unb ©tettung gu bringen. Ss wirb gwedmäßig fein, Umfcfeläge aufgutegen, wenn tiiel Stttgünbung ßattßubet, fowie tjeitettbe ©albe attguwenbett. Sßenn Siterung ßattßnbet, babe man gelegetttlictj bett Sfeeil audj mü Sitoe-Stttftur, SNörrfee unb Dpium, gu gleictjen Stjeilen gemifdjt. StabreUten mtb «Äfifrreifen ber §tmt. ßinber unb wohlbeleibte «perfonen ßnb atte leidjt bem Seiben, weldjes an gewiffm Stellen bom Slbreiben unb Sibftrelfen ber Haut entßefet, unterworfett, befonbers in »armem SBetter. Sei Ainbern ßttb bie Stjeile, weldje am leicfeteßett bem SButtbreibeit ausgefegt Pub, bie inneren ©eiten ber ©cfeenfel, tjttüer bett Dtjrett nnb um ben Kadett tjerum. Sei fleifcfeigen «Perfonen itt bett Slctjfetgrufeen, ber Snnenfeite ber ©djeitfet, ben Hin* tertfeeilen uttb überall, wo Verütjrung nnb Keibung ber Stjeile ßattßnbet. ©ewöfenlicfe, wirb forgfältige Keintjaltitttg ber Sljetle mü tiettetiattifetjer ©eife uttb 676 ©nnit'S Haus «Slrgt. faltem SBaffer unb gute Sinreibung mit füßem Katjm ober ein wenig ftifcfeer Vuittr in welcfeer feitt ©alg iß, ftcfe Ijinreiefeenb erweifen. Die Sfeeile follten ebrnfaOj feäußg mit faltem SBaffer gefeabet werben. Sine Slußöfung tion gefen ©ran fdwefel. faurem 3inf, eine fealbe Dracfeme (breißig ©ran) Vorar in tiier Ungen SBoffer wirb ßd auefe als gut erweifen, wenn ein* ober gweimal ben Sog als SHafcfeung ange- wanbt. Sluefe ßreue man auf bie wunben Sfeeile ein wenig ©tärfemefel, ober gepuL oerte «Kagneßa, ober SBeigenmefel. SBenn bas tioranßefeenbe «Kittet nicfet tjtnreicfet, bebüne man ßd ber folgenben '©albe: fdjmilg gufammen gteidje Sfeeile (etwa eine Unge tion jebem) SBaHratl), frifcfeen HammelStalg, weißes SBacfeS unb Dlitienöl, feiertn ßreue langfam eine Dracfeme feingeputtierüS 3lnforpb, wäferenb es füfelt, uub rüfere es gut um. gleite bie Sfeeile ein* ober gweimal bes Sages bamit ein. Sine ©albe, baburefe gubereltet, baß mau eine Hanbtiott tion ber inneren frifcfeen Hottunberrinbe in »Ier Unun frifdje« ©efematg gelinbe foetjt, unb gwei Ungen weißes SBacfeS, iß audfe ein oortreff- ticfeeS «Kittet. Rieden unb Rinnen. ginnen im ©eßdfet, in ber «Kebigin Acne genannt, ßnb gweterlet Slrt: bie gemeine ginne, Acne Vulgaris genannt, welcfee tn fleinen, feartett, entgünbtten ginnen ober «pußeln beßefet, bie oft eitern unb oufbrecfeen. ©ie erfcfeeinen im ©eßcfet, an ©tun unb Ainn unb guweilen felbß um Koden unb Vruß Ijerum. Die anbere Varietät, Acne Rosea genannt, beßefet aus rotfeen gleden, juweilen »on brauitblauer garbe, entwidelt ßcfe fetjr langfam unb enbigt fetten, wie bie anbere Varietät, in «pußeln unb mit Siterung. Diefe Varietät ßnbet ßdj gewöfenlicfe an ber Kafe unb gibt biefem Drgane ein rotfeeS, fledigeS unb guweilen finniges Slnfefeen; ße feat auefe feäußg iferen ©i£ auf ben Vaden. Der übermäßige unb gur ©ewofenfeeit geworbene ©ebraudj fpirituöfer unb ftimu« lirenber geißiger ©etränfe unb übermäßige Vefriebigung ber Sßluß, ßnb bie gewöfeitlidfeen Urfadjen biefer Varietät; aber ße ßnb nicfet bie einjigen Urfadjenj djronifdje Sntgünbung beS «KagenS ober ber Singeweibe fonn baran fcfeulb fein, unb ift es oft; auefe mag ße tieranlaßt fein burdj groß, burdj bie ©efiefetsrofe unb tierfdjübene anbere Urfadjen. Vei ber Vefeanblung beiber, ber gleden unb ber ginnen, fottte man brelerlrt btob< aefeten : fleißig SBaffer uttb ©eife benutzen, atte ftimul.renben ©etränfe unb Sott* fen tiermeiben unb bie Singeweibe frei unb in regelmäßiger Sfeätigfeit erfealten. Dann benutze matt folgenbeS SBaffer: nimm Aqua Ammoma, Sobelta*lmJtur unb «Kprrfeen^Sinftur, tion übern eine Unje; bringe ein wenig booon j»tl< ob« breimal beS Soges auf bie ginnen unb giedett. SBenn ßdj pußeln bilben, offne ße uub laffe ben Siter feerauS unb fafere fort, bas SBaffer attguwettbett. tUx man bebüne ßcfe beS folgenben SBafferS : nimm gwei Dracfemen ©cfewefelmtlcfe (Lac. u ■ phuris), eine Dradjme Aampljerb, arg, Silfoljol unb SBaffer, oon lerierenjjw Ungett; löfe guerß ben Mampt)ex in bem Sllfofeol auf unb madje bann bie Wi|fl)«J unb wafdje bie Sfeeile mit eitt wettig batiott übe Kacfet beim 3«Wteg«HfcJj Vorarattflöfuitg, bie für Slbreibett ber Haut empfofelen würbe, mag auefe gelegen feenufct werben. © et) e i tt t o b. 677 ©djeuüob. — Asphyxia ig cfe eintob tiom Srtrtttfett. — SBenn 3emonb nur fdjetttbar ertrunfen ift, unb es iß nur bie geringße Hoffnung üjn wieberfeerguftetten, fo fottte er fogteiefe in eine (Stellung gebraefet werben, bie am he[ten baS SBaffer abßießen läßt, ober eS aus ben Sungen uttb ber Aefele treibt, ßieljt ifem bie Ateiber ab, öffne feinen «Kunb, lege ifen quer über bie Aniee, bas ©eßdjt abwärts, unb fo, boß Vruß unb «Kagen ouf ben Anken rutjen, ober lege ben Srtrunfenen über ein gaß in berfelben Sage; eine fealbe fKinute ober fo wirb genügen, bas SBaffer berauslaufen gu laffen, wenn bie Seißanbleißenbett wäferenb ber 3eü geeignete «Kittet in Slnwenbung bringen, bie Heranstreibung bes SBafferS gu befdjleunigen. Dann trodne man ben Seibenben unb fcfeläge ifen itt warme Deden unb lege ifen in ein warmes, trodneS, gut »entilirteS ßimtner; ober wenn bas SBetter warm iß unb bie ©onne fefeeint, lege mon ben Aörper in bie ©onne, baS ©eßcfet ifer gugeriefetet. Die gange Dberfläefee beS AörperS fottte nun mit trodnen Hänben oon robttßen, ßarfen «Perfonen anX)altexxt gerieben werben ; trenn ber «patient ßcfe im Vette beßnbet, fottten feriße Vadfteine, Aiefel ober glafefeen mit Ijeifjem SBaffer um ben Aörper, bie ©djettfel unb güße feerum angebracfet unb alle möglidfeen «Kittet gebraucfet werben, bie natürUdje SBärme bes AörperS tjerju* (leiten. 3U gleicfeer ßeit muffen «Kittet in Slnwenbung fommen, bie Sungen aufgu« Hafen. SKan fealte bie Kafeitlöctjer biefet gu unb laffe 3emaitb ßarf in bett «Kunb beö «Patienten felafett unb fo Suft in bie Sungen treiben; bann brüde man fanft att bem unteren Sfeeile ber Vruß, beS «KagenS unb ber Sungettgegenb, bie Suft wieber IjerauSjutreiben, bann wieberfeole man bas Sinblafett tiott Suft wieber, unb fo [tt}t man eö fort, fo lange irgenb eine Hoffnung ober Stusßcfet auf Herftellung tiorfeanben Ift. 3uweitett wenbe man bett «Patienten auf fein ©eßdjt unb laffe ben Aopf unb ben oberen Stjeil ber Vruß ein wenig nieberfeängett, fo baß, wentt nocfe irgenb SBaf* fer in bett Sungen ßd beßnbet, eS entweichen fann. Vefearrt in biefen Vemütjungett, unb ti mag eudj wiber atte Srwartung gelingen. Seute ßnb wieber in'S Seben gern* ftn worben, bie mefere ©tunben lang unter bem SBaffer waren, baburefe, baß matt bie obigen «Kittel in Slnwenbung bradjte. Sin Heiner Hanbblafebatg, wie man ifen beim geuermadjeit benutzt, fann, wenn man üjn gur Haub feat, feettuiü werben, Suft in bie Sungen gu blafett. Ss fottten gu gleidjer 3eü ftimulirenbe Sütfpriijun* gen in bie Singeweibe ober bas Kectum gefdjetjen. ©cfe ein t o b tiom Srfeättgett ober S r [tidt tt. — Stttfeme bie Ateü bung um Kaden unb Vruß; bringe ben «Patienten in eine bequeme Sage, Aopf unb harten ein wenig feoefe, unb reibe bantt ben Aörper tüctjtig mit tjrißen Sücfjem, ober mit ben nadten Hänben, fanft begiitnenb, aber mit gurtet)menber ©tärfe; gu gleicfeer 3eit laffe man, fo fefenett es gefdjetjen fantt, feeiße Vadfteine ober anbere ©teine um ben Körper feerumlegen, gwifdjen bie ©djentel, gu bett güßett uttb unter bie ©efeut* lern, unb tierfudje Sefeett uub Slttjmen burctj Slufblafen ber Suitgeit gu tieranlaffeit, gerabe wie in gätten bes Srtrinfens. ®djeintob tiom Srfrieren. — Seute ßnb wieber in'S Sebeit gebradjt »orben, nadbem ße fefeeinbar metjre Sage' gtt Sobe gefroren gewefen. Das gmed» ■nafHge Verfaferen, welcfeeS man rinjufdjtagett Ijat, wo baS Sebeit fefeeinbar burdfe Srfrieren aufgefeört X)at, ober wo 3emanb im 3ußanbe ber Srßarrung unb Unem= 678 ©unn'S HauS*Slrjt. pßitbliefefeit ßdfe beßnbet, beßefet barin, ifen forgfältig in ein faltes 3immer obet eine ©deune gu bringen unb ben gangen Aörper mefere 3"tt tief mit ©cfenee gu bebetfen, wenn man weldjen feaben fantt, fo baß nur ber «Kunb unb bie Kafenlödjet frei bleiben. «Kan lege ben Aörper fo, boß ber gefcfemolgene ©djnee leicfet ablaufen fann, unb fe fefenett berfelbe fcfemiljt, bringe man neuen ©cfenee feerbei. SBenn man feinen ©ttuc- feaben fann, bringe man bü «Perfon in Siswaffer. Sluf biefe Seife tbout ber Hex- per langfam unb attmälig, bis bü ©lieber unb jeber Ibcil bie natürlidje ©eftfemei. bigfeit gurüderfeatten. «Kan fei anfängtiefe fefer tiorßdjtig, wenn man angreift, baß man bie ©Hebmafen, bie ginger ober einen anberett Sfeeil bes AörperS nidt biegt ober gu biegen »tt« fuefet, bamit ße nicfet etwa feredfeen. ©obalb bie ©lieber gefdjmeibig wtrbtn, reibt matt ße ober ben Aörper mü ©cfenee, ober, als bas nädfeß Veße, mit Süivaffet, unb fe£e baS fort, bis bie Haut rotfe wirb. Kocfebem ber groß uberwunben, mit anberen SBorten, nadbem bie «Perfon aufgetfeaut iß, lege man ße auf ein trodenes S3ttt in ein talteS 3immer unb bebede ße mü falten glaneütüdjem unb gebe Ifer alle fünf gefen bis gwangig «Kinuten eine ßimulirenbe Sinfprijjung, als etwa eine Aampfen« Sinftur, eine Sinftur tion Sapennepfeffer, einen Sfeeelöffel tiott »on jebem in einet fealben «Pinte warme «Kilcfe unb SBaffer; auefe Aampfeer allein, in wärmet SBaffer getfean, reiefet fein ; unb fobalb ©»mptome beS gurüdfeferenben Sebens erfcfeeinen, gebe man ifer jebeSmal nod einigen «Kinuten Sinfpritjungett »on warmem Aaffte. «Jflan fei forgfältig barauf feebadfet, baß feine äußere SBärme angewanbt wirb ; man Uh felbß fein geuer im 3tntmer. Sin warmes 31rnmer würbe ben «Patienten aujjtr allem 3weifel umbringen. Sr muß feine natürlidje SBärme in einem falten S9ttte unb in einem falten 31ntmer wiebererfealten unb muß fogar mefere läge lang, nad- bem er wieber feergeßettt iß, geuer, Dfen ober ein warmes 3intmer »ermeiben, obet es mödü eine emßfeafte Arantfjrit ber Anodjen tieranlaffeit. ©djeintob tion einem galle ober ©dt) läge. — SBenn Seben fefeein« bar aufgefeört feat unb Unempftnbliefefeit burd) einen feeftigen ©cfelog ober galt ein* getreten iß, iß bas Veße, was gefdjetjen fantt, irtnerlidj ein wenig Sttnica^Iinttut gu geben, ungefäfer gefen Sropfen in einem ©las tiott SBoffer, gut gemifefet, babunj, baß man es einige «Kai tion einem ©las in ein anbereS tjitt* unb gurüdgiejjt, unb ein Sfeeelöffel tiott jebe gwei ober brei «Kinuten gibt, bis mefere Xofen genommen ftnb. «Kan babe auefe, bie Dberßäcfee, befonbers bie getroffenen Ifeeile mit bemfelben «Kittet ober mü Sllfofeol, wogu man einige wenige Sropfen Stmica-linftur getfean feat. SBenit man feine Slmica feat, gebe matt intterlid) ßimulirenbe ©etränfe, Sto. 6 Aamptjer, ober ©pirituofen, unb gebraucfee äußertidfe ßimulirenbe Salben ober Um« fdläge. ©obalb ber «patient wieber gu ftcfe fommt, gib ifem ein lebfeafteS «Purginnltttl, unb fottten anbere ©pmptome ßcfe geigen, ridfete bamad bie Vefeanblung ein. ©deintob tiom Hunger. — ®tb feäußge fleine Stnfprifcungen »on war. mer «Kilcfe in baS Kectutn, unb nad) einer tteinen Sßeite, füge ben Sinfprifcungen Hüfenerbrüfee ober Vouitton (beef-tea) fjütgu. SBenn ber «Patient gu atfemen anfängt, gib ifem einige Sropfen watme «JWcfe, aüe «Minute ober atte gwei «Kinuten, unb wenn er ju ftcfe lommt, »ermefere tiejertten bis auf einen Sfeeelöffel tiott, jebeSmal atte fünf ober geb, tt «Kinuten. So»«« Weiter gu ßcfe fommt unb naefe metjr ©petfe tierlangt, gib ibm geröflete« Stet un SBaffer, löffelweife, nnb barauf bantt rin wenig gleifajbrüfee ober Voutüo* Saufe auSgurolten. 679 einige Stopfen SBeüt. ©ib Sidjt, ü)m nicfet gn tiiel gn geben. Saß ü)it oft effen, „bet nut ein wenig jebeSmal, ober bu mödjteß fein Seben auf's ©piel fefcett. Scfeeintob tiom V l i 0. — ©djütte retcfetidfe latus SBaffer über ben Aopf, ras ©eßcfet unb ben gangen Aörper, unb fafere fort weldjes auf ben Aopf gu gießeit, unb laffe eS einige ßtit ben Aörper feütabßüßett. SBettn bas ifen nicfet in einigelt Minuten wieber belebt, grabe eine ©rube in bie Srbe oon gefeörigem Umfange, giefee ifem aüe Aleiber aus, [tt)t itjn in einer fealfeßtjettbett ©tettung feinem unb bebede ben Aörper überall, mit SluSnafeme beS ©eßcfets, mit ber frifdjen Srbe. ©obalb bie Slugen fidj gu bewegen beginnen, befdjatte bas ©eßcfet, unb wenn er frei atfe- met, lege ifen in ein feetteS, luftiges ßimmtx unb wafcfee ben Aörper mit tattern ffiajfer. ©rfeeintob von fdjäblicfeett Dämpfett unb ©afenn. f. w. — »ringe ben «Patienten an bie offene Suft, fcfeütte üjm faltes SBaffer in'S ©eßdjt unb x&tx ben Aörper, reibe ben Aörper tüctjtig uttb blafe Suft iit bie Sungen, wie es im gälte bes SrtrinfenS empfofeleit worben ift. Sdtintob tiom ©ottnenßict) (Coup de Soleil). —SBaS matt bett Somteitßicfe nennt, wirb baburefe »emrfadjt, baß mau bett Aopf gu lange 3eit bett bittften ©trafelen ber ©onne in außerorbentlid) feeißem SBetter auSfeiü, bis baS ©efeirn gu fefer erfei^t wirb, was bewirft, baß bie «Perfon ofene Veßnnung gur Srbe fallt. 5Jn folcfeett gätten bringe man bett «Patienten forgfältig an einen fdjattigen nnb füfelen Drt, gieße faltes SBaffer auf ben Aopf, anfättglid) nur ein wenig, barauf (trtgere man attmälig bie Duantüät. 3u gleicfeer 3eü reibe man ben Aörper tüctjtig mit ben Hanben unb feudfete ifen mit faltem SBaffer an; unb weitit es gefdjetjen fantt, obtt fobalb es gefdjefeen fantt, gib ifem wiebettjotte Sinfprümngett oon warmem SBaffer, worin ßimulirenbe «Kittet unb fdnettwirtenbe «Purgangmütel entfealten ßnb, um bie unteren Singeweibe gn erwärmen unb in ©ang gu bringen, wetdeS bie SBir* fung baben wirb, bas Vlut in jener Kidfetung augugiefeett unb fo bas ©efeirn gu etleicfetern. Die güße unb Veiite itt Ijeißem SBaffer baben, wirb auefe gut fei«. 2>en (Sonnenftidj ju berpten. Stute, welcfee in äußerß feeißem SBetter ber ©onne ausgefegt ftnb, muffen ben ßopf, fo »iel als möglieb,, mü taltem SBaffer feuefet featten; um bieS gn tfeun, gibt ti »ieüeidjt fein beffereS «Kittet, als ein ©djnupftud) ober eine Hanbtiott Vaumwotte im Hute beßänbig mit fattem SBaffer angufeudjten. ©obatb bieS troden unb feeiß toitb, feudfete man es wieber an. Sludfe feudjte matt gelegetttlid), weitn es paßt ben Äopf tücfetig mit faltem Baffer. Saufe auszurotten. Holt aus ber Slpotfeefe eine tjafbe Unge Aodelsfömer (Cocculus Indicus" unb tfeue ße in eine «pinte gewöfe>tidjett Vratttttweitt. ©e£e es forgfältig auf gwei ober brei Jage gur ©eite, baß ße ßd) außöfett, unb ferittge bieS auf ben Aopf bes AinbeS forj öor bem ©djfafettgetjett, bis bas Haar burdfe nnb burctj naß iß. Saß bie glüf« 680 ©unn's Haus-Slrgt. ßgfeü nicfet in bie Slugett, in bie Dtjrett ober ben «Kunb fommen, unb laß fie ni in ben Vereiefe Sinberer gelangen, benn ße iß giftig. Sin, ober gweimal an, Wanbt, wirb fte jebe ©pur tion Ungegiefer gerßoren unb fomit uns »iel Unannebi licfefeit erfparen. Die Veeren werben tiüüeidjt ge^tt Sente bie Unge fommen ©ifte unb beten (Gegenmittel. SS iß tion großer SBiefetigfeit, baß man weit), wos gu tfeun iß, wenn, wit bie« feäußg tiorfommt unb gu jeber 3eü tiorfommen fantt, ©ift genommen iß. lau. fenbe tion Seuten, bie jäferlicfe burefe Vergiftung unb anbere Urfadjen umfommen, fönnten burdfe bie fofortige Slnwenbung oon einfacfeen Slrgneiett ober ©egenmitteln gerettet werben, wenn beren orbentlictjer ©ebrauefe befannt wäre. Ss gibt nun tiiele ©egenmittri; ia bie oerfdjiebenen ©ifte erforbern »erfefeitbene ©egenmittet; tror^bem feabett wir ein einfacfees unb allgemein befonntes SRihrl, welcfeeS itt jeber HauSfeoltung gu ftnben ift unb als ©egenmittet bei irgenb einem Vergiftungsfatte an ber ©püje ber Siße tion ©egenmitteln ßefeen follte. ßs ift biejj nicfets weiter, als geftoßener ©ettffamen, ber als Vrecfemittel angewanbt wirb unb jebem anberen Vreefemittel »orgugiefeen ift, nicfet allein, weil er fofort wirft, fonbern aud), befonbers bri betäubenbeit ©iften, ftdjerer wirft. Sr muß augenblidliaj, obet fobalb bas ©ift genommen ift, in ben «Kagen gebraefet werben, bamit bas ©ift niefei abforbirt werben, ober feinen eigentfeümlicfeen giftigen Sffeft ouf ben «Kagen u.f.n». ausüben fann. Die Strt, wie er gebraucfet werben muß, iß folgenbe: man nimml eineit Sßlöffel tiott ©enf, mifcfjt ifen in ein ©las warmen SBafferS unb »erfajlucfl büS fefenett. SS wirft als ein augenblidliefees Vrecfemittel, befreit ben «Kagen »on feinem Snfeolte unb tann otjne ©efatjr in atten gätten gebraudjt werben. 3ebe gamilie fottte, wie tiiele bereits tbun, immer einen Vorratfe oon ©enf gur Hanb feaben, 3« atten gätten, wo ©ift genommen iß, es mag nun »egetabilifajen, ani« malifcfeett ober mineralifctjen UrfpruttgS feitt, ber ©enf foüte bas Srße fein, weldje* fofort angewanbt wirb, unb nadj biefem erß fottte man anbere Heilmittel, »ie fie burctj bie eigenttjümtiefee Slrt beS ©iftes angegeigt ßnb, gebraucfeen. 3cfe will jetü bie Kamen ber gemöfentidjft »orfommenben ©ifte unb beren befle ©egenmittri mittfeeilen, — foldfeer, bie fdfenett gu erfealten ßnb unb ofene ©efafer angewanbt werben fönnen. 2t r f e tt i f, etngefcfeloffen bett weißen, gelben unb rotfeen «ilrfenif, «parifer»@riin, gowler'S Stuflöfuttg unb atte Slrfenif X)attigett «Präparate. ©egettmütet: ©ib feäußg unb tiiel warmes Söaffer unb frifdje «Kilcfe; ein Sredj- mittel tioit fcfewefelfaurem 3int (weißes Vitriol), einen Sfeeelöffel »oll in ehrai warmem SBaffer getöft; gib Ijäußg gleicfee Sljeile tion rotfeem Sifenorpb unb fofelen- faurer «Kagneßa mit warmem Sßaffer; Haferfdjfeim unb Seinfomentfeee unb Ab- friere tion Haferfdjfeim unb ©tärfe. Sluefe eine «Kifcfeung oon fußet «Kilcfe, -Kall' waffer unb bem SBeißen tioit Sunt iß gut, Ijäußg angewanbt. Sifenorpbfepri** ifl bas beße ©egenmittri bei Slrfenittiergiftungett. ©ifte uttb bereit ©egenmittet. 681 Antimon. (Vredjweinßeitt.) — ©egenmittet: ©erbfaure ober eine ßarü Slbfocfeung »on grünem Sfeee ober Sieb,enrinbe; ober eine Slbfocfeung tion Sfetna* tinbe. Hier iß es nicfet nottjwenbig, ©enfputtier ober ein anbereS Vredjmittet gn «eben, well ber Vredjweinßeitt felbß tjinreidjenb Srbreefeen tierurfodfet. Um baS grbreefeen gu beförbern, gib feäußg warmes 3uderwaffer, warmen Sfeee &nb bergtet* cfeen. ©obalb bas Srbreefeen auffeört, gib einen ©ran £>pium ober breißig bis tiier* iig Sropfen Dpittm=Sinttur mit etwas warmem 3uderwaffer, unb wieberljole bieö jtoei* bis breimal atte fealbe ©tunbe. Quedfilber (Sletifublimat, tierfüßteS Duedßlber, Salomel, rotfeeS £)ued* piberorpb, 3innober u. f. w.) ©egenmittet: eine ßarfe Stußöfung tion «Potafdje in warmem SBaffer uub baS Sßeifje »on Siem; naefefeer ein Vrecfemittel tion ©enfputtier. ©päter gib Ijäußg Ui Sßeiße »on Siem, frifdje «Kilcfe, «Kefel uub SBoffer, giemtidj bid gemifefet, Sein* famentfeee, «potofefeenauflöfung ober »erbünnte Sauge. ©trrjctjnin unb Aräfeettaugeit. — ©egenmittet: ein fdjnett wirfenbeS SBretfemittel, am beßen ©enffameitpultier. 3ur felbigen 3eü uub fpäter gib gtemttd) »iel Aamptjer, gwangig ©ratt gur 3eü unb wieberfeole bieS breü bis tiürmat atte fünfjefen bis gwangig «Kinuten. Sßenn man feinen Aampfjer X)at, neb, me matt Aam* pfeer^Xtnftur ober *©püiüts. ©ib Sfetoroform. • Aleefä ure. A l e e f a I g. — ©egenmittri : gib feäußg geßoßenen Aalt mit SBaffer, ober «Kagneßa unb SBaffer ober aud) eine «Kifdjung oon Aatfwaffer unb Irgenb einem Del, welcfeeS an ber Hattb iß. ©päter gib eilt ftarfes Slbfüfermittet. Slaufäure. — ©egenmittet: es iß feiten möglieb, in gätten, wo Vtaufaure genommen iß, Hülfe gu bringen. Die ©egenmittet, welcfee angeratfeett, ßnb : Sinbringnng tion Sfelor unb »on Sifenorpb in ben «Kagen (bem «Patienten iß es nictjt mögliefe, ju fefeluden), außerbem tatte Vegießungen auf bas Küdgrat unb Slnwenbung »on Sleftrigüät. ©alpeterfäure uub ©djwefetfäure (©efeeibewaffer unb Vitriolöt). — Oegenmtttel: gib feäußg gebrannte «Kagneßa in wenig SBoffer gemifdjt, ober Aatt ober Seife unb SBaffer, audj eilt Vrecfemittel. SBentt nicfets VeffereS gur Hanb ift, gib öfters eine «Kifcfeung tion Hofgafcfee uttb füßer «Kilcfe; Sllfatieit bilben bie Hautitgegenmittef. Jtupfer. Vtauer Vitriol, ©rünfpatt u. f. w.—©egenmittet: gib feäuftg bas SBeiße tion Siern, mit wenig SBaffer gemifefet, etwa atte brei «Kinu- ten Ui SBeiße tion einem Si, bis ungefäfer ein Du^enb ober fetbß metjr genommen pnb. Sludfe Verliner Vlau, fefer ßarfen Aaffee, Sfßg, ßarfe Sffefocfeung tion Sidjett* tinbe ober Sfeinorittbe unb $otafd)enauflöfuttg iit SBaffer. ©ib öfters unb teiäjlid) füfje «Kilcfe, warmes SBaffer unb ein Vredjmittet. ©alpeterfaures ©Über, Höllen ffettt. — ©egenmittet: gib öfters eine Sluflöfung »on Aodfefalg in SBaffer uttb ttaefetjer «Kildj, Vaumöl ober Kicinusöt. 5rifalien, ä^enbe «pptafdtje (äfcettbes Aali), Slmmottiaf, fl e b r a n n t e it Aal! u. f. w. — ©egenmittet: gib Ijäußg Sfßg gu trinfen ober »ffjetabilifäje ©äuren; fpäter Srinfamentfeee, «Kitcfe, Vaumöl, gett ober bas Del »on gett. Slei, VIeiguder, «Kenttige u. f. w. — ©egenmittet: Vitterfalg, ©lauberfafa, kagneßa unb ein Vrecfemittel tiott ©enf. 682 ©uittt's Haus »21 rat. Dpium. Dpiumtinltur, «Korptjiumu. f. r».—Gegenmittel: gH fofort ein fdnett wirfenbes Vredjmittet, bann fefer ßarfen Aaffee, ßarfen Ifete, bie Sinftur tion ©ottäpfeln. SBenn ber «Patient nicfet fcfetuden fann, fo muff bie Mi- genpumpe angewanbt werben unb ber «Kagen ausgewafäjen unb gereinigt wttben bis bas SBafdjwaffer nicfet mefer nadj Dpium riecfet. Sin Vredjmittet »on fdjwrfef. faurem 3inf, (weißem Vitriol) fottte gegeben werben nnb ber Patient, »on gmel «Perfonen unterßüjü, gegwungen werben, gu geb,en unb ßdj wadj gu fealten. Slnbere betänbenbe ©ifte, atS: Bane Berries, bie gtüdte »on 3lctäa=3irten, Sferißopfefrout; Wild Parsley, Aethusa cynapium, ©arten ©leiße; Nightshade, Solanum nigrum, Kocfetfcfeatten ; Poison llemlock, Cicuta Maculata, gefledter SBafferfcfeierling ; JimsonWeed, Datura Stramonium, Uta)» apfel u. f. w.—©egenmittet: gib ein Vredjmtttel tion ©enf, reidfellcfe frifcfee «Wildj, Vaumöl unb ßarfen Aaffee; fcfeütte faltes SBaffer in'S ©eßcfet unb über bie S3rufl, Wenbe ©enfpßaßer an unb tjatte ben «Patienten fotiiel als mögliefe waefe unb undjergetjenb. ©panifdje gltegett. — ©egenmittri: große ©oben tion Vaumöl, auefe AampfeerfpüituS, fuße «Kilcfe unb Atpßiere tion ©tärfe unb SBaffer unb Aatnpfeet« waffer ober AampfeerfpüituS. ©ib Ijäußg Selnfomentfeee ju trinfen SllS eine allgemeine Kegel, gib- nadj ©iften, welctje Vredjen erregen, ©cfemerjen im «Kagen unb in ben Singeweiben unb Durchfall tierurfacfeen,Areibe,«Kagnepa, frifdje «Kildj, bas SBeiße tion Siem, Vaumöl, unb wenn biefes nicfet jur Haut ift, irgenb ein anbereS Del, gett, KicinuSöl, Seittfamenöl, Vutter, warmes SBaffer unb bergleidjen. Kacfe giftigen ©äuren gib Sllfalien, ats «potafefee, büntte Sauge, Aalfwafftr unb bergleidjen. Kadj ©iften, weldje ©djlaf, «ptjantaßren ober Kafen tierurfodfeen, gib Vrecfemit- tri, reigenbe «Kittet, als Aampfeer, ßarfen Aaffee unb tjalte ben Patienten waefe. SBenn man nicfet weiß, was gu geben iß, weit mon bie Slrt bes ©iftes nicfet fennt gibt man «Kagneßa ober Areibe,Aofete unb rotfeeS Slfenorpb itt gleidjen Ifeeilen mit warmem SBaffer gemifefet; audj tjäuftge ©aben tion Vaumöl. SS iß nicfet ju »er- geffen, baß Vaumöl ober Dlitienöl ein ©egenmittet iß gegen aüe »egetatlltfdjen unb animaiifefeen ©ifte fowofel, als audj gegen bie meißen minerallfcfeen ©ifte. ©ib es baljet Ijäußg unb itt reictjtidjen ©abett. 3Ket)tjitiifdje ©eluaa^fiutfce ober (gitttdtuttg mx mtAkhxmhn fäwwfafoux&t ^f tt meinen mebiginifdjett ©griffen tjabe iefe ofene allen Küdfealt itt jeber 53e,jie< feung bie unbebiitgte SBaferfeeit über ben feäußgeit unb unoerftänbigen ©ebrauaj bet bem «Ktneralretcfee entnommenen Sügnetmittet gefogt unb bargetfean, welcfee golgen baraus eutfpringen. Sdj fage ferner mit 3u»erßdjt, baß burefe ben ©ebraudj »on Sügneimüteitt aus bem «Pflangeitreidje — Danf ber ©üte unferes tjimmlifdfeen Ka- ters, welcfeer uns in feiner gürforge unb SBeisfeeit in unfdeinbaren «Pßanjen ttü gelbes bie unfefeätibarften Heilmittel gegeben bat — bie größten Srfolge erjiell Werben. Durcfe ben ©tolg unb bü Unwiffenfeeit tiieter Slergte, burefe Ifer gu große« $!tr« trauen gu fdjarfen Heilmitteln unb burefe itjre Verfucfee mit benfelben iß »ie!3eil unwieberbriitglid) tiertorett gegangen, unb mandje ©efunbfeeit iß gerßört rcorben. Die Herren Doftoren fottten bü widjtige SBaferfeeit befeergigen, baß ba, wo bie feei« lenben Aräfte ber Katur fefeteit, Strgneün nicfets metjr ousridten. «Praftifcfee Gt« faljmngett feaben mid übergeugt, baß es tion tiiel größerem Kurien iß, SBurgein, Kinbeit uttb Aräuter auguwenben, als mtnerattfdje Heilmittel gu gebraucfeen, nxliü ledere übertjaupt, fo tiiel als mögtid), tiermieben werben fottten. VeßänbigeS Verfdjreibeit uttb Slrgneigebeit ift tjödjß gefäferlicfe. Daß bem fo i|% fann burefe Hunberte tiott gätten gerrütteter ©efunbtjeit, wäferenb biefelbe burefe ein- fache «Kittel tjatte erfeatten werben fönnen, bewiefen werben. «Kan tjöre auf meiueit Kaffe unb gebe ber Katur ©elegenfeeit, ßcfe felbß gu fetlfen. Der ©djöpfer feat reictjfictje HülfSmittel gegeben, benn über Vaum, jebes .ftrautunb jebe Vtume tjat mebtginifcfee Sigenfctjafteit. Stnßatt natürlidje «Dcittel gur Teilung tion Aranftjeüen gu fuefeen, gebraucfeen wir unßnnigerweife unnatürtiefee unb fcfeab« liefe, auf ben Aörper eütwirfettbe ©ifte, burdfe beren ©ebrauefe. ein früfeeS Sllter un> ein geitiges ©rafe tjerfeetgefütjrt werben. 684 ober $Ümm-§*xmtMtU\k\xxt ^lldrtttbUrjel — (Sat.: Inula Helenium, Sttgl.: Elecampane).— DieS iß eine wofelbefanitte «Pßattge uub wirb in ben meißen unferer ©arten für mebiginifdjen ©ebrawdj angepßongt. Die SBurgel iß ber anwenbbare Stjeih «jJcebtg int fefee Sigenfdjaften unb ©ebraudj. — Die Sttatüwur* jel ift aromatifcfe, tjamtretbeitb unb ben Sluswurf ber Vruß beförbernb, etwas ßär* ftnb unb auf bte Sfeätigfeit ber ©ebärmutter einwirfenb. ©ie wirb meiftenS bei •eferonifcfeen Seiben ber Sunge unb beginttenber Sungenfcfewinbfucfet angewattbt; uttb In Verbinbung mit anberen «Kitteln, wie Veinwurg (Comfrey), Stratie (Spikenard), 81utt»urgel (Blood Root), fdjwarger ©djlangenwurgel (Black Cohosh) uub bergteü cfeen mefer in gorm eines ©prups gegeben. 3n «Kildj gefoefet, fott ße ritt gutes «Kittel gegen unterbrüdten «Konotsßuß fein. Die ©obe ber gepultierten SBurgel ift tiott jwanjig ©ran bis gu einer Dracfeme ober ein Sfeeelöffel tiott, bes SlufguffeS ober ber Äbfocfeung »on einer tjalben bis einer Saffe tiott. Ss fantt naefe Velüben getrunfen werben. ÜUettiS, m e t) l i g e—(Sat.: Helonias Dioica, Sttgl.: Star Root, Blazing Star, UnicornRoot, Star Grass, Colic Root, Ague Root, Crow Com). — ßigentttefe ßnb bie Helonias Dioica ttnb Aletris Farinosa gwei tierfefeiebene «pflan* jen, jebodj wirb bte eine ßets für bie anbere gefeatteit unb getauft uttb tierfauft. Sie ftnb in iferen SBirfungen ebenfalls gang gleidj, unb es fdjabet nicfets, wenn ße mit einanber »erweefefett werben. SSeibe Strien SlletriS ßnb in ben Vereinigten Staaten gang gewöfenlictj; ße wadj* fen in teiefetem, fanbigem, uttfruefetbarem Voben unb offenen SBälbern. Die meb> lige SlletriS feat eineit aufreefeten, ttadten Vlumenßiet, welcfeer gefeit bis gwangig 3ott feoaj wirb, unb welcfeer in eine Quaße tion weißen Vtumen, welcfee im 3uni unb 3«li blüfeen, ausläuft. Die Vlätter liegen bidjt auf ber Srbe, ftrafelenförmig um ben Slumenßengel, gleicfefam einen ©tem bilbenb, ßttb brei bis aefet 3ott lang uub '» iferer größten Vreite ein ßoU breit, ftnb tangenförmig, glatt, feettgrün unb immergrün. Die SBurgel, welcfeer ber ats Slrgnri gebraudfeü Sfeeil iß, iß Hein, ein Ui brei ßott lang, ungefähr tion ber gorm eines fleinen gingers, tion bunfelbrau* "er garbe unb feart, raufe utib geruttgett, tiott gapofett, fleinen, bunfeln, faferigen Gurgeln umgeben. 685 686 IKebigittlfd)e ©ewädsfunbe «Kebiginifctje Sigenfdfeaften wnb © e b r a u cfe. — Die mtblige SlletriS iß ein ausgegeictjneüs bitteres ©tärtungSmittel, ben Sluswurf btr 53ruf| beförbemb uttb feamtreibenb, unb fdjeint gang befonbers wertfeooll bei ber Vtbanb« lung weibltdfeer Aranffeeiten ober Selben ber ©ebärmutter gu fein; ebenfo äußert fie eine gang befonbere Sinwirtuug auf bie ©efdjlectjtstfeetle, fowobl männlicfeer, alt Wriblidjer «Perfonett. SBeim fte im frifdjen 3ußanbe in großen ©aben genommen Wirb, iß ße bredjenerregenb unb abfüfjrenb; aber wenn ße getrodnet iß, bann gefeen biefe Sigenfdjaften tierloren. ©ie wirb tiott Aräuterärgten als eine Slrjnet bei weibticfeeit Aranffeeiten, Wie ttnttjätigfeit ber 3eugungSwerfgeuge, befonber« bei fogenannter Vleldjfudjt (weldje tion lang unterbrüdtetn «Konatsßuß feerrufert) unb unregelmäßigem «Konatsßuß, ober fcfemergtjaftem unb übermäßigem «Konat*fIufj, unb weißem gluß attgewattbt; femer wirb ße gebraucfet, um grüfegeburten ju »er« feinbem, wofür ße, wie man fagt, ltitfefelbar fein fott. «Kan fonn ße fetnet mit Ku^en gegen ©cfewäcfeegußänbe beS AörperS als ©tärfungs* unb SBteberfeerßtlutng«. mittet gebraudjen unjD um ben Sluswurf ber Vruß gu beförbern ; bei Hußen, Hu«« getyrung uttb Sungenleibeit, bri Untierbauliefefett, Slppetttloßgfelt unb Arämpftn, welcfee tion ber ©ebarmtttter tjerrüferett ; femer bri Arafttoßgfett ober bei Untfeätig- feit ber 3eugungswertgeuge gibt ße benfelben Aroft unb Seben unb eine gefunbe Sfeätigfeit. ©ie wirb in «Pultier unb Stufguß angewanbt; bie ©abe beö «Pulset* iß in gewöfenliefeett gätten tion gefen bis breißig ©ran, breimol tägiidj; in gefa> iidjeren gätte«, wit gu ßarfem «Konatsßuß unb bergleidjen, foüte ße In ©aben »on einem fealben bis einem Sfeeelöffel »oll, in ein bisden feeißem SBoffer, ßünblicfe obet öfter gegeben werben, bis mefere ©oben genommen ftnb. Die ®abe tti Slufgüffe« ifl ttttgefätjr eine fealbe Saffe, ben Umftänbett nadj gu wieberb,olen. Die ©abe be« weingeißigeit Srtrafts ober eines fonßigen tierbidten SiuSgugeS iß jwei bi« »ier ©ran. 5Jj0C _ (Sat.: Aloe Perfoliata — Aloe Spicata, Sttgl.: Aloes). — Hefe fefeölte uitb wertfeootte «pflange (ober ©trauet)) tß im füblictjen Sffrtfa einfeeimifd), too fte in großen «Kaffett wädjß unb ben größten Stjeil bes SabreS blüfet. 3uoerfäffige Veridjte fagen, baß ungefähr füttfgig «Keilen tiom Sap ber guten Hoffnung bie 3lloe itt großen «Kaffen tiorfommt, große ©tredeit Sanb ßnb meiß gang bamit bebedt, welker Umßanb bas Sinpftangett unnöttjig madjt. ©ie wirb auefe ouf Varbaboe«, ©ocotra unb anberen Snfelit attgepflangt, wotjer es fömmt, baß wir auefe »etfcb> bene ©orten wie VarbaboeS, focotrtntfcfee u. f. w. Slloe untertreiben, unb »eil matt gefunben tjat, baß bie focotrinifefee Slloe bie beße iß, fo wirb taW«*»* atte Slloe unter bem Kamen focotrinifetje Slloe getauft unb »erlauft. Mein bie SBaferferit iß, baß atte Slloe, welcfee wir itt bett Stpotfeefett unb «Kateriatwaarenfeant. lungert ßnben, Sapifdfee Slloe iß, weide tiom füblictjen Sifrifa fommt. D i e Slrt ber Slloe, welcfee als Slrgnei gebraucfet wirb, fommt in gorm »on m ober ©ummi tior; ße iß tion bem ©afte ber «Pflanje, toeldjer aus ben elngefajniric nen Vlättem fließt, gemadjt. . Die Slloe wirb gewonnen, inbem man bie Viätter abfdfeneibet unb bi cfe t neben em anber über eilt ©efäß tjängt, wo ber ©aft beeilt ßießen fann, »•«««■"! ©aft iit große fladje Aeffel gießt uub ber ©onne ausfegt, bis er fo weit»ertamp, Ift, feaf er eine gewiffe gorm befommt, - baS fe,eißt, bis er X)axt tß. Sttebigintfcfee (Sigenfdjaften unb ©ebrauefe.- Woe w» ober «pflattjensSlrgttetmlttetleltjre. 687 gebraucfet, als irgenb rine anbere Slrgnei, nnb iß faß in jeber «patenüSlrgitei, weldje In biefem Sanbe gemadjt wirb, entfealten. ©ie iß ein aitregettbeS, eröffnenbeS, ober mit anberen SBorten, afefüferenbes Strgneimittet, befonbers wüffam auf bie unteren unb großen Singeweibe, beren Hin- unb Her* (perißaltifdje) Vewegung ße beförbert, woburcfe ße Slnfeäufungett in benfelben tierfeinbert. Durcfe ifere Sinwirfung feaupt* fädjlicfe auf bü legten SBege ber Sittgeweibe (ben «Kaßbarm) feefi^t fte ebenfalls bie Sigenfcfeaft, bie ©ebärmutter unb bie monattictje Keinigung gu reguliren. SS ift ungweifelfeoft, boß es bafeer fommt, baß burd ben «Kaßbarm eine ßcfe fortpßan* tenbe, fpmpatfeetifdje Keigung auf bie ©ebärmutter ßattßnbet. Keben attett attbe* ren Gräften, feat bie Slloe bie Sigenfdjaft, ben «Kagett gelinbe gu reigen. Desfeatfe m fie, tn fleinen ©oben genommen, ein fefer gutes «Kittel gegen fortmäferenbe baxt* letbigfeit, ober mit anberen SBorten, wenn bie Sittgeweibe tierßopft ßnb unb eilte ungeregelte Verbauung »orfeanben iß. ©ieiß ebenfalls gut in ber Vefeanblung ber fleinen «Kaßbarmwürmer (Slsfari- ben), fleine, weiße, ein Viertet ßoU tange SBürmefeett, welcfee ßd in ben legten SBegen ber Singeweibe aufbauen, gegen weide ße als ein fräftiges Slbfüfermittet angewanbt werben fottte; meißens aber wirb ße gebraucfet, um bie ©ebärmutter toieber gu orbnen unb bett «Konatsfluß feergußetten, wesfealb ße audj tu atten «Patent* Slrgneien, weide für biefe Aranffeeit berettet werben, etüfeattett iß. Die gewöfettlidje ®aU iß gefeit ©ran, aber gwei ©ratt wirfett fdjon oft als ein attgenefemeS Sifefüfer* mittel; fottte ober eine tüdjtige SBirfuug notfewenbig fein, banit barf man aucb, bis jroaitjig ©ran ßeigen. 3t)reS bitteren ©efctjmadeS wegen tfeut man gut, biefetbe in gorm »on Pillen gu geben. Sine fefer gute uttfcfeäbtictje «Pille, um beu Seib offen ju featten, macfet man aus gleictjen Sfeeiten Slloe uttb pultierißrtett Kfeabarber, benen man etwas «Pfeffemtüttgöt uub etwas tienetianifcfee ©eife gufeijt. Drei ober tiier oon biefen Pillen, tior bem ©cfelafengetjett genommen, feaben eine gute, milbe SBir- fung unb ßnb »orgüglicfe, benett gu empfefelen, welcfee an einer Hartleibigfeit leiben, Da bie Slloe aber fo fetjr auf bie legten SBege ber Singeweibe ober ben «Kaßbarm wirft, fo fotttett büfenigen, welcfee att golbener Slber (Hämorrtjoiben) leiben, ober bocfe Magen bafür tjafeett, biefelben nidjt gebraudjen. Slber in allen Aranftjeüen beö «Jlcagens, ber Seber, ber ©ebärmutter, bei unregefmäßiger Verßopfuug obet Aopfwelj iß ße ein ausgegeitfeneteS Slbfüfermittet. Zit <3abe iß »on fünf bis fünfgetjtt ©ran für erwadjfene «Perfonett uitb tiott ein biö »ier ©ran für ein Ainb. 5lltücc, Sibifdj— (Sat.: Althea Officinalis, Sttgl.: Marsh Mallow).— Diefe «pflonge iß in Suropa einfeeimifcfe, fommt aber itt tiielen Stjettett ber Vereinig- ten Staaten feäußg tior, meißens in ber Kätje oon Sümpfen ttnb naffen «Plänen, unb ße wirb öfters in ©arten angepflangt. ©ie tjat einige Sletjnliefefeit mit ber ©tocfrofe. ©ie wirb brri bis fecfes guß X)od), tjat garte, tjettrotfee Vlumett, welcfee öom 5Jult bis ©eptember erfcfeeinen, auf welctje lleitte Hülfeit ober Anöpfe folgett, »on weldjen übe einen einzelnen ©amett entfeält. Die gange $flange iß fdjtei- mi0; jebodj wirb gew öl) «liefe, nur bieSBurgel attgewanbt. «JKatt fann ße itt atten Styotfeefen befommen. ^ebiginifdje Sigenfdjaften nnb © e b r a u etj. — ©ie iß crweü f^enb, fcfeleimig, tjamtreibettb unb wirb in ber gorm tion Slbfocfeung, inbem ße einer 688 «KebiglHifdje ©ewädjsfunbe. bünnett ©dtjleim gibt, gebraucfet. (Sie iß feödjß wertbtiott in allen Reiben ber ©djleimfeäute, namentlicfe ber Sungen, Singeweibe uub» Hamwerfgeuge, obet btfon- ÖerS bei Sntgünbung ber Kieren, ber Vlafe unb ber Harnröfere. ©ie iß befonbtr« anwenbbar bei Sntgünbung ber Vlafe, beim 3urüd(jalten beS SBafferS, Harnjtrange, Vlutungen ber Hamwerfgeuge unb bei fdfemergfeaftem Sripper. Vei allen jüant« feeiütt ber Hamwerfgeuge wirb ifere SBirfung burefe 3ufa|3 tion grüner «Künjt obn gefledter «Konarbe, ober beiber tiermefert, inbem man bie jwei ober brei genannten «Kittel tiereinigt unb einen Slufguß ober Sfeee ba»on macfet. Die «illtfecemurjel fann naefe Velieben gebraucfet werben. Die Vlätter, AnoSpen unb gepulverten SBurgein geben einen auSgegeicfeneten Vreiumfcfelag bri entjünbtidjen Slnfcfewellungen, SQuetfctjutigen unb Vranbwunben unb um falten Vranb gu üertjütett. ^tmbetbdUm, oirginifdjer — (Sat.: Liquidambar Styraciflua, gngf.i Sweet Gum). — Der tiirginifcfee Slmberbaum iß eilt gewöfenlicfe großer Vaum, »tl« dtjer in atten (Staaten büfeS SanbeS gu Haufe iß; er wäcfeß meißens in feuefeten SBälbern unb ebenem, fladjem, lefemlgem Sanbe. Sr wirb gewöfenlidfe ba, t»o et wäcfeß, In Haufen unb in atten gormen, tiom fleinßen Väumden bis gum großen Vaume, gefunben. Die Kinbe iß raut), grau, ber rotfeen Ulme etwas äfenltcfe. (Sr iß ba, wo er wäcfeß, meiftenS wofetbefannt. «Kebiginifcfee Sigenfefe'afteit ttttb ©eferaud- — Die innere «Jtinbe beS VaumeS iß ber als Heilmittel gebrauefete Sfeeil unb iß ein tiortrefßldfee« jufatn« mengtefeenbeS Heilmittel bet UnterteibSfranffeeiten, befonbers bet Kufer ober rotfeer Kufer unb ber ©ommerfranffjeit ber Ainber. ©ie wirb naefe Velieben in ber gorm einer ßarfen Slbfocfeung, entweber allein, ober in Verbinbung mit anberen anwenb* bare« Slrtifettt angewanbt. «Kan fantt fie mit weißem 3uder »erfüßen, unb tin wenig frangößfefeer Vranntweiit fann feiitgugefügt werben, wenn es »orgejogenwirb; jebodj iß SBeingeiß feiten gut bei Kufer. ©ie fann itt ©aben »on einem ßflojjft bis gur Saffe tiott, im Verfeältniß gum Stlter beS Aranfeit unb gur ©tärfe ber 2lbfo< djung genommen unb naefe Umftänben wieberfeolt werben. 3Cmfcrofle — (£<ü.: Ambrosia Elatior, Sngt.: Rag Weed, Hog-weed, Roman Wormwood). — Dies iß ein in allen gelbem, an SBegen unb Heden »or« fommenbes, fetjr betannteS Uttfraut; es wirb gewöfenlicfe bis gwei guß feoefe, ifl am oberen Snbe äßig unb tjat einanber gegenüberftefeenbe, lappige Vlätter. «Kebiginifcfee Sig eit fefe af ten unb © e b r o u cfe. — Die Slmbtofit Ifl gufammengietjettb, fäulnißwibrtg; eilte Slbfocfeung ber Vlätter, beliebig getrunfen, fott eitt unfehlbares Heilmittel gegen bie Kufer fein, ©ie iß in einigen Ifeeilen to> fes SanbeS ein allgemeines Hausmittel fowobl gegen biefe Aranffeeit, als gegen Un< terfeibsfranffjeiten im Stttgemeinen, unb man fagt, baß es unfefelbar wirfe, wjn man es in einem ßarfett Sfe.ee Ijäußg trinft, bis bie Heilung eintritt. Sine ct\% burctj Aoefeen ber Vlätter iit gett ober in füßem Kaljm gemadjt, foü ein auSgejftd)- ttetes «Kittel gegen golbene Slber feilt; eine Slbfodjung iß ferner gut als ßinfprlfrnng bei weißem gluß, Kadtjtripper unb als ©urgelmittel gegen wunben Hai«. X[t Vlätter ßnb ferner fetjr gut als Vä^uttg bet frifdjen SBunbett, Verlegungen uni Sntgüttbungett. ober «pflattgett*2lrgttelmtttettef)re. 689 fflnttofer fraufer, ©elbamp fer— (Sat.: Rumex Crispus, Sttgl.: yenowDock,'sour Dock) Narrow Dock, Curled Dock). — Der fraufe Slmpfer iß eingewöfenlidjes Araut, weldjes auf ©rasplä^en, SBiefeit unb unangebautem Vo= benvotfommt; es wirb gwei bis brei guß feocfe, tjat lange, fdjtanfe Vlätter, bü an ben »ern gadtg ßnb, unb eine lange, fdjtanfe, fpinbetförmige, getblicb, e SBurgel. Die grünen Vlätter unb ©tenget ftnb fäuerlidj tion ©efefemad. kebiginifcfee Si g enf efea f te tt unb © e b r a u d). — Die SBurgel wirb a^ Slrgnei gebraudjt; ße iß tieränbemb, ftärfenb, blutreinigenb unb etwas gufam- tneiujefeenb. @ie W eitt »»Wudüs unt> juoertäfßges VeränberungSmittel itt Aör* Wtfrantfeeiten, wie Drüfettfraitftjett, tierterifefeer Aranffeeit, ©efeorf, frebsartigen Selben, 2lusfar3, Arätie, Kittgwurm uitb äfenticfeeit Hautfranffeeiten. ©ie wirb itt Slbfocfeung ober ©prup, entweber aüein, ober ntit anberen VeränberungSmitteln ange* wanbt. Die ©abe ber Slbfocfeung ober beS ©prups ift ein SBeingtas tiott, breimal täglicfe. ©ie frifdjen Vlätter gequetfefet unb in füßem Kafem, frifefeer Vutter ober gett auägefocfet, geben eine gute ©albe für Drüfengefcfewüre, ffropfeulöfe Stugen« leiben, «Kanbelonfcfewettungen, unb, wie matt fagt, tjeilt ße bie Arät^e. 5lttborn, Weißer— (Sat.: MarrubiumVulgare, Sttgl.: Hoarhound).— •5)iefe «pflange iß Ijiergulattbe fo gewöb,nlicfe unb fo befannt, baß eine nätjere Vefdjreü bung unnötfeig iß. lebtginifcfee Sig ettf cfe, aftett unb © ebrauefe. — Der weiße Slnbom Ift ftärfenb, ben Sluswurf ber Vruß feeförbemb uttb fjamtreifeertb. Sr wirb meißens in ber gorm »on ©prup bei Srfältungen, Hußen unb Arantferitett ber Sungett unb gitfemungswerfgeuge angewanbt. Sr iß ferner wirffam als Sfjee ober warmer Sluf« gufj, serfüfjt mit 3uder ober Honig, gegen Aranffeeiten ber Sunge unb um ©djweiß feertiorgurufen, in gätten tion Srfältungen unb 3nßuettga. Sr iß ebenfalls rine fcfea|bare 3lrgnei für graueit iit gätten tion uttterbrüdtem ober fefemergfeaftem «Ko* natsflu^ unb Arämpfen, welcfee oon ber ©ebärmutter berrütjren (Hysterics). Der Hufgufj, falt gebraucfet, iß eitt tiorgügticfe,eS «Kittet gegen unregetmäßige Verbauung (Dyspepsia); als foldeS iß es beffer, ifen mit ben Vtättem bes burcfewadjfetteit SBafferfeanfs (Boneset) gu tierfeinbert. Der weiße Slnbom bilbet meiftenS einen J|eit ber ©pruparten unb Slrgneien gegen Srfältungen, Hußen unb SluSgeferung. Sr ifl ein fefer nütdtdjeS Araut. Sr fann nadj «Belieben in Slufguß ober ©prup genommen werben. $hta,eltcaüntrjel, Sljertaf würget, Sngelwttrg et — (Sat.: An- gelica, Sngl.: Angelica). — Die Stngeticawurgel wädjß im füblictjen granfreiefe, roirb aber audfe feier in ©arten gegogen. «Kan ferauefet auefe wofel bett ©amen unb bie Stengel ber Pflange; bodj iß bie SBurgel bei weitem tiorgugietjen. kebiginifcfee Sigenfdjaften unb © e b r a u dj. — Die SBurgel tjat einen bitteren, beißenben ©efefemad unb eilten ßarfen, angettefemeit ©erucfe. ©ie tß aromatifet), flücfetig erregenb unb erwärmenb, weSfealb ße atte ftampft) aftett ©cfemer- jen Ui Selbes unb Vlät)ungen unb SBinbe beS «KagenS tiertreibt; bentnefe iß fte nidjt fo gut für biefen ßwed, als ber Stjee tion Aarbamomeit, SlntS ober Aümmel. £te Slngelicawurgel wirb fjauptfädjlictj ats Sljee ober Slufguß gegeben unb fanit ofette 44 690 «Kebiginifcfee ©ewädjSfunbe ©efatjr gebraudjt werben, ©ie iß ebenfalls gu empfefelen gegen neroöfe« Aopfwtfe, ©dfemergen in ber Vruß unb bem «Kagen unb gegen fdjwadje Verbauung. 3lm$ftl!ltCtt — (Sat.: Pimpinella Anisum, Sttgl.: Anise Seed). — Ditf» «Pßange wirb iit atten unferen ©arten für mebiginifden ©ebraudj angebaut unb ifl gu fefer befannt, als baß man ße näber git befefereiben brauefee. «Kebtgitttfdje (Sigenfdjaften unb ©ebraudj. — Der Slnisfamrn Iß wertfetiott bei Vefeanblung tion franffeafter Verbauung unb in Aranffeeiten Heiner Ainber. SllS Sfeee mag er gegen Vläfeungen unb Vaudfegrtmmtn attet Slrt gegeben werben. Vei franffeafter Verbauung iß bas 2lnisöl, auf 3ucftt getröpfelt, tiorgugiefeen. Situs feat einen angenefemen, aromatifefeen ©erucfe unb eilten erwärmenben, angenefemen, füßlidfeen ©efdjmad. Die Sffettj, weide burefe Slußöfen tiott einem Sfeeil beS Dels in aefet Sfeeilen SBeingeiß bereitet wirb, »irt feäußg gebraudjt, um anberen Strgneien einen angenefemen ©efefemad gu geben. Die ©abe beS DeteS Iß tion gwei bis gebn Sropfen; ber Sffeng »on ein Ui jwei Sbeeiöffet tiott. Sin Sfeee, weider gewöfenlicfe Heilten Ainbern »erobfolgt wirb, fann tiott einem Sfeee* bis gu einem Sßlöffel »oll unb ptefer beS ©amens bettitet werben, unb bieS fann matt nocfe ©efatten wiefeerijolen. Sr iß in allen Slpotfeefen gu feaben. 3lttt Ücm t$, Hunbe-, bn nbefamitle — (Sat.: Anthcmis Cotula Sngl.: May Weed).— Diefe «pflattge iß eine gu gewöfenlicfee unb allgemein brannte, als baß ße einer näfeereit Vefdjreibung beburfte. «Kebigittifcfee Sigenfdjaften unb ©ebrauefe. — Das Araut unb bte Vtumen werben als 5lrgnei gebraucfet; ße finb ftärfenb, fdjweifjtreibenb, frampfßittenb, ben «Kottatsfluß feeförbemb unb iit großen ©aben breefeenerregenb. Die Vlumen ßnb in iferen (Sigenfdjaften ben ädütt Aomitten etwas äfenliaj, nut nidt fo ßarf unb tion weniger angenefemem ©efefemad. ©ie werben meißen» in Slufguß ober Sfeee unb naefe Velieben, warm ober falt, getrunfen; ber falte 2lufgu$, in fealben Soffen ober größeren ©aben, brei- bis tiiermal täglid genommen, ift ein gutes ©tärfungsmittel unb feat öfters falte ober SBeefefelßeber gefeeilt. SBerbunben mit ben Viättem bes burdfewadfefenett SBafferfeanfs, wirft fte nodj beffer. Sin warmer Sfeee tion ben Vlumen iß gut als Vrecfemittel, inbem er bte SBirfung leiefe. ter unb ßefeerer macfet. Die «Pßange tß ebenfalls wirffam bei allen gätten »on Gr. lältungett, bei fefemergfeaftem «Konatsßuß unb wo immer man bie Haut in Jfeätigfeit gu bringen wünfefet. gemer iß ße bei frompffeaften Slnfällen »on guter SBirfung. Der Srtraft, tion ben Vlumeit unb bem Araute gemaefet, tß gut ols Hauptbcftanb» ifeeil tion «pitteit, bie gegen Aopfwefe, oerbunbett mit Uebelfeit (sick headache) ntt> tiöfe Slufregungen, falte ober SBeefefelßeber, ferner in ber ©enefung »on gtrteni, bei unürbrüdtem «Kottatsfluß, iit Verbinbung mit folefeen Slrgnetmitteln tot efee für ben betreffenben gaü anweitbbar ßttb, gebraucfet werben. Sleußerticfe, »erbunben mti bem Araute beS gefledten Anötericfe (Smart Weed) unb Hopfen, bilben ßeetn»er' jüglictjes Väfeungsmittel bei Unterleibsentgütibung, nacfebem ße gufammen etntj in SBaffer gefoefet worben ßnb unb beiß üfeergefctjtagen werben. 5lt,Dcmuim, rofenrotfeer-(Sat.: Apocynum Androsamüon^ Zn7l: Bü^Root, Milk Weed). - Das rofenrotfee Sipocpnum W einen geraben ober «Pflangen-Slrgneimitteltefe, re. 691 n iai Snbe »ergweigün ©tengel unb wirb gewöfenlicfe, brei bis tiier guß feocfe, 15er ©tengel iß oft, befonbers an ber ©eite, bie ber ©onne gugefetjrt iß, tion röttj* [icfeer garbe. Die Vlätter ßefeen einanber gegenüber, ßnb otiat, gwei bis brri 3ott lang unb glatt. Die Vlumen feängen in lofen Srauben unb ßnb »ort weißer garbe mit feeurottjem Sütflug; bie grücfete ßnb lange, bünne Hülfen, weldje paarweife bangen. Der ©tengel iß mit einer bem ban[ äfenlidjen, gäfeett Kinbe bebedt. ©o lange bie Pßanje grün iß, entfealten ber ©tengel, bie Vlätter unb SBurgel eineit gjlilajfaft, wetdjer beim Hineinf cfe neuen feerausßießt. Ss wädjß in ollen Sfeettett ber Vereinigten ©taoten unb ift unter ben Sanbleuten allgemein befannt. Die (Rinbe ber SBurgel iß ber Sfeeil ber «Pflange, ben man feraudjt. Ss ßnb an jebem ©tengel oft gwei bis brei, bisweilen aber auefe nur rine SBurgel, welcfee ßdj tief itt bie Srbe »erfettfen unb meißens länger, als ber ©tengel ßnb. Die Kinbe ber JBurjet iß fefer bid unb feat, wenn ße frifd) iß, eilten unangenehm bitteren ©e* fajmacf. kebiginifcfee Sigenfdjaften unb ©ebraudj.— Die Stpocpttum* rourjel iß fpannenb, abfüferettb, fcfewelßtrrifeenb unb in großen ©oben brecfeetterre* genb. ©ie iß ein auSgegeiefeneteS «Kittel bei Seberfranffeeiten unb, in Verbinbung mit Airfcfeen* unb «pappelrinbe, ©elbwurg (Golden Seal) unb amerifanifder ©arfa* paritte (Yellow Parilla) gu einem Vittertranf bereitet, gegen untierbaulidjfrit unb al« (StärfungStmttet nadj 3Becfefet= ober falten giebern tion großem SBertfe. Die SBurgel muß im Herbß gefammelt unb, nacfebem fte tion ber Srbe gereinigt iß, muß bie «Rinbe baöon afegefdjätt, getrodnet unb gu «puloer geßoßen werben, ©ie fann befeufä Slbfüferung unb Vlutreinigung, um auf bie Seber gu wirfen unb gleidjfatts um bie 23erbauung wieber tjergußettett, in feinem «pultier, iu ©aben tion geb.it ©ratt, jtnet* bis breimal tägiidj gegeben werben. «Jean fann aus ber Kinbe ber SBurgel einen Srtraft baburdj bereiten, baß man ße jerftojjt, mit SBaffer ousfoefet unb bie auSgefocfete gtüfßgfeit, nadjbem ße burctj ein Jua) gegoffen, gur Dide »on einem biden ©prup einfoefet, weldjen Srtraft man als» bann in gorm tion Pillen oermenbett fann. Die ©afee beS Srtrafts iß tion brei bis feefeg ©ran ein* bis gweimal tägtidj. Slpocpnitt iß ber wirffame, feargige Veßanbttjett aus ber Kinbe ber SBurgel Ui rofarotfeen StpocpttumS; es fann in benfelben gätten wie bie SBurgel angewonb1 luerbett unb feat tior biefer ben Vorgug, baß man tion bemfelben um fo Heinere ©a= ben gu nefemen nötfeig feot. Die ®aht ift tion einem fealben bis gu gwei ober brei ©ratt, je nacfebem bie SBirfung gewünfdjt wirb. 3« Hetlbgratt=®aben, ein* bis jweimal täglicfe genommen, wirft eS als ein KeinigungSmittel; ßwtu bis Dreigran* ®ak\x wirfen milbe abfüferenb. 3dj t)abt bie SBurgel tion ber größten SBirfung in ber gorm »on Vittertranf in gätteit oon Seberfranffeeit, Verftopfung ber Singe ■■ n>eibe unb geßörter Verbauung gefunben. 5l|JOCtH!Um , Hanf* — (Sat.: Apocynum Canabinum, Sngt.: Indian Hemp). Der Hattf=Slpocpnum X)at tiiele Stet)nlicfefeit mit einer anberen Slpocpnum* Slrt (Apocynum Androstemifolium, rofenrottjer Slpocpttum), tiott welcfeer er aber Ui gefeöriger Vorßdfet leidjt itttterfdüben werben fann. ©ie waefefett beibe in ber flleicfeett Slrt Voben, oft nat)e gufammeit, X)abtn beibe eine gäfee Kinbe, wie ber Hanf, «nb ebenfalls bie Hülsen beinatje gleict); ße tonnen batkr nur burdfe bie Vtättet 692 «Kebiginifctje ©ewädjafunbe uttb Vlüttjen unterfefeieben werben. Die Vlätter büfer ©ottung ßnb Iängllcfe unl fcfeorf, ober fpi£ an beiben Snben, unb fefeen tion ber unteren ©eite weiß unb wollig aus; wäferenb bie »on ber anberen ©orte ttos am äußerßen Snbe fpife finb unb runb ober ßumpf an bem, bem ©tode nädjßen, Snbe; ße ßnb nicfet fo lang, alt bie bes Hanf*3lpocpttutnS unb an beiben ©eiten glatt unb bunfelgrün. Ter Hanf-3lpocp. num feat grünlichgelbe, inwenbig etwas rofaforbene ober tiiolette Vlumen, wäfettnb bte ber anbercit Slrt weiß, etwas röttjlid) gefärbt ßnb. Die ganje Pßonjt iß eben- falls, wie bie beS rofenrotljen SlpocpttumS, mit einem mildfeigen ©afte gefüllt. Sit wäcfeß über bie gangen Vereinigten ©taaten in niebejem, naffem Sanbe unb auf SBiefen unb wirb meißens gwei guß feodj. Die SBurgel wirb gebraudjt. «Kebiginifcfee Sigenfdjaften unb ©ebrauefe. — Die SBurgel wirft feamtreibenb, abfüferenb, brecfeenerregenb unb fcfeweißtreibenb. Die gepuloerte ©ut« gel feat in iferem Slusfefeen fefer tiiel Slefenlidüit mit ber Vrecfewurgel (Ipecncuanha) unb ebenfo in iferer SBirfung als Vredjmittet, wesfeals ße audfe öfters amerifanifcbe Vrecfewurgel (American Ipecacuanha) genannt wirb, ©ie wirb feiten, faß nie alt Vredmittel angewanbt, fonbern meiftenS iferer feamtreibenben unb abfüfertnbtn SBirfung wegen bei SBafferfucfet, gegen weide ße ein tiortrefßicfeeS «Kittel iß. Sie wirft als rin waffertreibenbes SlbfüfermUtel, inbem ße reicfelicfee, wäfferige £tufel< gänge b,ertiorbringt, unb ße erfeöfet femer bie Slbfonberung ber Kteren unb ben Slb- fluß bes Urins. Slm beßen iß es, fte in biefen gätten in Sibfodjungen onguwenben. Sine Unge oon ber gepuloerten ober gröbliefe geßoßenen, getrodneten SBurgel, eine ober gwei ©tunben in einer «pinte SBoffer gefoefet, fann in gwei bis »ier tffjiöjfcl« gaben brei- bis tiietmal täglicfe gegeben werben, ©ie wirb ebenfalls in gorm »on Srtraft angewanbt. Die ®aht batiott iß brei bis fecfes ©ran, ein* bis gweimal tag« liefe. Vei SBafferfucfet muß fte mefere Sage feinburdfe genommen werben. 5lraltC, — (Sat.: Aralia Hispida, Sngl.: Dwarf Eider). — Dies iß eine Heine Strt glieber (Eider), eine Slrt ©trauefe, weldfeer ein bis gwei guß bocfe wirb. Der untere Sb,eil ift tjart unb b,olgtg, mit gofettofen, fefearfett Vorßett »erfefeen, bet obere Sfeeil ift weiefe unb trautartig. Die Veereit feängen in Vüfcfeetn unb reifen imHerfeß, fmb runb, glatt, fdjwarg, feaben brei unregelmäßig geformte^amenlötner unb finb edelerregenb unb unongenefem tion ©efefemad. Diefer Zlxaxxa) roacfejl über bie gangen mittleren unb ößlidtjett ©taaten, an Heden, SBegen unb felftgen «Plänen. «Kebigittlfdfee Sigenfdjaften uttb © e b r a u dj. - Die «Jttnbe ier «pfiange unb befonbers bie ber SBurgel iß feamtreibenb unb atterirenb unb ift fefer wüffam bei SBafferfucfet, unterbrüdtem Hamen, Vlofenßetn unb allen Setben bet Küren* unb Vlafeitorgane. ©ie wirb in Slbfodung, in ©aben »on einet fealben bis einer gangen Saffe tiott, breü bis tiiermal täglicfe gebraucfet. OlraltC, ftadjtige — (Sat.: Aralia Spinosa, Sttgl.: Toothache Tree. Prickly Eider, Southern Prickly Ash, Angelica Tree). Die jlatfeligt «Mi« j ein Heiner Vaum ober ©trauefe, welcfeer meiftenS in ben füblictjen unb fubwen t _ ©taaten wäcfeß ; er erreidjt gewöfenlicfe eine Höfee tion gefen bis jwanjig m, im ©üben wirb er bisweilen fünfgig bis fecfegig guß bod). Sr wirbst gutnjterri angepßangt. Sr tjat Heine, weiße Vtütbm, weldje tiom 3«« **• ^ttmm ober «pflangen*3trgnelmittette:t)re. 693 nnb feat «eine, fdjwärglüfee, fafttge Veerett. Die Kittbe, wetdje ber tjauptfäcfjltd) t, ,„ber «Kebigin gebroudfete SLtjeil iß, feat einen rigenttjümlidjen aromatifdjen ©erucfe, unb einen ßecfeenben, pridetnben, biüerlicfeett ©efefemad. «Oiebijinifdje Si genf et) afte tt unb © e b r a u cfe. — Die Kinbe iß aro* matifefe, onregenb, tieränbemb, fefe weiß treib enb, ben ©peiefeel feeförbemb uub in gro* §en ®aben etwas obfüferenb unb breefeenerregenb. Sfere Sigettfcfeaften fmb in tiielet Vegiefeung benen ber ftaefetigen Sfefee äfenlid; ße wirb mit großem Kutten bei ©iefet, Gfeolera, Durcfefott unb Hauttranffeeiten, in ber gorm tioit weingeiftigem SluSgug ober «pulsern, angewanbt. ©ie iß fetjr nütdiefe als ein ben ©peiefeel treifeenbeS «Kittel In folefeen Aranffeeiten, in weldjen ber «Kunb unb Hals troden ftnb, unb bei rcefeem Ha^ £>er roeittgeißige SluSgug ber Kittbe uitb Veerett fott gegen ßaX)ttwefe gut fein, wenn man ifen in bett feoblett Batjtt bringt ober im «Kunbe feält. Die mt bes wetttgeißigen SlusgugeS iß ein bis gwei Sfeeelöffel tiott, ber falt gu uetj- menben Slbfocfeung ein bis gwei ober brei Sßlöffel tiott, ber gepultiertett Kinbe jtoanjig bis breißig ©ran ober ein fealber Sfeeelöffel tiott. Siralte ßteltofe — (Sat.: Aralia Nudicaulis, Sttgl.: American Sarsa- parilla). — Die ßiettofe Strolie äljnelt itt etwas ber äßigett Slralie, feat aber größere «Blätter unb erreidjt nidjt bie Höfee berfelben. ©ie wirb ungefäfer ein bis gwei guß feotfe, feat eine große, lange, weldje, ßeifefeige unb friedjenbe SBurgel, beren man ßdj als Heilmittel bebient; ße iß tiott atomatifdjem, ßarfem, balfamifdjem ©erudj unb fipefeem, aromatifefeem ©efefemad. ©ie trägt gwei bis brei Vünbet getblidj-grüner Vlumen unb Vünbel fleiner Veeren, welcfee ben glieberbeeren etwas ätjnettt. ©ie loäcfeft in fanbigem, felßgem unb fettem Hodtanbbobeit in ben ttörbliefeett unb mittle* ten (Staaten, ©ie iß in ben weßtidjen ©tauten nidjt fefer gewöfenlicfe. «JRebijinifcfee Si g eit fd) a f t eit ttnb © e b r a w dj. — Die SBurgel iß »eranbernb unb etwas onregenb, wirb in ber gorm tion Slbfodjung unb ©prup als ein ©telloertreter für bü auSlänbifdje ©arfaparitta attgewanbt, unb wirb tion «Katt* cfeen als »öüig fo gut angefefeett. 3a mandje Slergte tjalten ße fogar für beffer. Sie iß feeilfam bei fottßitutionetten Aranffeeiten, wie gum Veifpiel Drüfen-, tienerü fdjen uttb Hautfranffeeiten unb wentt tieränbembe uub reinigenbe «Kittet noUjwettbig finb. ©ie fann entweber attein ober in Verbinbuttg mit anberett Sltteratitien gege* ben werben. Die ©afee ber Slbfodjung ober bes ©prups iß tin featbes bis gaitgeS Sßeinglas »ott, breimal täglidt). Stalte, traubige, gemeine Karbe — (Sat.: Aralia Racemosa, Sngl.: Spikenard, Spignet, Wild Liquorice).— ©ie Ijat eilten äßigen, trautarti* gen Stengel, wirb gwei bis tiier guß tjodt) unb iß gewöfenlicfe tion buntetgrüner ober rotfebrauner garbe; ber Vlattftengel iß in brei Stjeile gettjritt, welcfee gewöfenlidj brei obet mefer otiate, gadige Vlätter tragen; bie Vlumen, welcfee im 3uli erfcfeeinen, feängen in ©dirmen (Dolben) unb ßnb oon getbweißer garbe, welken Heine, rotfee, ben glieberbeeren ätjnlidje Veeren folgen. Die SBurgel, welcfee gebraudt wirb, iß meiefe, fleifdfeig, ungefäfer tion ber gorm eines «KanttSßttgerS, lang unb fpt£ gulau* fenb. ©ie wäcfeß auf fettem, lodetem Voben, bei alten, üermoberten ©tämmen. ^ebiginifcfee Sigettfcfe aftett unb ©ebraudj. — Du traubtge Stratte Ift »eranbernb, ben Sluswurf ber Vruß beförbcrnb unb ftärfenb unb wirb für X)ödß 694 «Jftebtjtntfdje ©ewädjslunbe werttjtiott gesotten bei ©dwädfee ber grauen, Hußen, SluSgeferung unb als eine ttle. berfeerßettenbe unb tieränbembe Slrgnri. ©ie wirb meiß in ber gorm »on Ssrup ober „SBeinbttterS," in ber Kegel In Verbinbung mit anberen bafein wirfenbtp Ar». neien gebraucfet. ©ie wirb für ein gutes ©urrogat ber ©arfaparitla aü ein Str. änberungStnittel in atten fonßitutlotteüert aranffeeiten unb als ein »orjüglicfert «Kittel bei SluSgeferung, Vrußlelben unb atten weiblidfeen aranffeeiten gefeolten. Sie ann in Slbfocfeung, ©prup ober „VitterS" angewanbt werben. 3lrPtt$Umr|eI — (Sat.: Arum Triphyllum, Sngl.: Indian Turnip, Wak« Robin). Diefe SBurgel wädß über bie gangen Vereinigten ©taaten in SBälbcrn uttb in feudfeten Kieberungen; in ber Sfeat fdjeint biefe «Pßange itt jebem Voben unb in jeber ©egenb fortfommen gu fönnen; jebodj in fettem Voben unb ßfeartigem ©runbe fefeeint ße am beßen gu gebeifeen. Die Slronswurgel iß bei bem Sanböolfe fo wofel befannt, baß eine näfeere Vefajreifeung unnötfeig iß. «Kebiginifcfee S igen f cfe a fte tt unb © e b r o u dj. — Die 2lronS»ur;el iß ausgegeidnet für Vrriumfdjtäge bei Drüfenfcfewettungen ; getrodnet unb gepul« oert unb mü Honig ober ©prup gemifdjt ift ße ein gutes Heilmittel gegen Hüften, .Krebs, ©dfemergen in ber Vruß. ©eputtiert, tfeeetöffelmetfe genommen, iß fie ein guoerläfßgeS «Kittel in UnterleibSträmpfen. ©ie wirb ferner als ein guoerläfflge« «Kittel bei gefäferlicfeen Kerüenßebem gebalten. Sine ©albe, bie tion ber frifcfeen SBurgel mit gett gemadfet wirb, iß, Wie man mir tierftdfeert, fefer feeilfam gegen Äc-pf« grinb. Die gewöfenlicfee ®abt beS «puberS iß gefen bis gwangig ©ron gwei« bi« breimal täglicfe; aber iefe X)aht meißens gefunben, baß bos Puloer ober bie trodene SBurgel ttofeegu nidjts wertfe iß. ©ie fottte iit ©prup gegen Srfältung, Hußen unb bergleidjen, wäferenb ße nodj frifcfe ift, burdfe SluSgüfeeit mit etwas Sfßg unb naefefee- riger «Kifcfeung mit Honig ober ©prup gubereitet werben. Slnbere Slrtifel fann man feingufügen. 3tdcfepta$, ©etbett*, SBotfSmildj— (Sat.: Asclepias Syriaca,Sngl.: Milk Weed). — Die ©eiben=SiSclepioS fommt iit ben Vereinigten ©taaten feaufig tior. ©ie wirb gwei bis tiier guß feodj, feat einen großen, glatten ©tengel, mil großen, tänglidjen Vlättem, bereit je gwei auf bem ©tengel einanber gegenübetfteben, unb großen weißtiioletten im 3uti unb Sluguß erfefeeinenben Vlumen, auf welcfee große, länglicfee Hülfen folgen, weldfee mü einer Slrt feiner Vaumwolle unb Samen, welctje benen ber Kuben äbneln, gefüllt ßttb. Die SBurgel, welcfee ber »on ber «pflanje gebrauche Sbril iß, iß groß, weiß unb gebt tief in bie Srbe. Die ganje 9>flanje — wenn frifcfe — iß tiott eines mtlefeigen, gummiartigen ©afteS. SKebigtnifdje Sige itf dfeaf ten unb © ebrauefe. — Die SButjtl biefer «Pßange wirb für eitt fetjr wirffameS tjamtreibettbeS «Kittet gefeolten unb iß ein juoef läfßges «Kittet gegen SBafferfucfet, gurüdgefealtenett Urin unb bergleidjen. ^t beförbert ferner ben «Konatsßuß unb wütt seränbemb. ©ie wüb meißen« in ab- foefeungett angewanbt, inbem ein featbes Pfunb ber gröbliefe gerßoßenen, getroefneten SBurgel mit feds Quart SBaffer gu gwei Quart elngefocfet werben, wooon eine fealte Saffe oott brei- bis tiiermal täglid, genommett werben fann. 3« 2»pfen ma8' mit SBacfetjolberbranntweiit tierbunbeit ober mit bemfelben auSgegogen werten, un gegen aufgehaltenen Harn fottte ße mit Honig tierfüßt unb mit bem Sfeee »on gm ober «Pflangett*Strgnelmtttettc$re. 695 «JJhtnje gegeben werben. «JKon muß ße falt ttetjmett. ©ie wirb ferner iit «putöern gegeben, in weldjem gatte geljit bis gwangig ©ran breimal tägtidj genommett werben; bie ®abt bes gefättfgten, weiitgeißigen SütSguges iß ritt bis gwei Sfeeelöffel tiott. Der treingeißtge SluSgug iß bie beße gorm, um ße gegen unregelmäßige« «KottatS* flufj, breimal täglid genommen, anguwettben. 2l$cletHbttürHdfeen ©efefemad unb einen angenefemen, bem Serpentinöt äfeittidjen, ©erud). SBenn er ber Suft längere 3eit ausgefcjjt n>irb bann wirb er bid, feß unb feart, äfenliaj bem Harg ober Solopfeonium. «Kebiginifcfee Sigenfdjaften unb ©ebraudj. — Det canablfajt Valfam wirft onregenb, feamtreibenb, ben Sluswurf ber Vruß beförbernb, triebt afefüferenb unb iß »on tjeilenber SBirfung. 3n großen ©oben wirft er abfüfertnb, 3nnerlicfe genommen iß er gut gegen Hußen, ben Sripper, Kadjüipper, wrtfjcr gluß, Aranffeeiten ber Hamwerfgeuge unb ©efdwüre ber Sittgeweibe. 2lcujjerlia) wenn bünn aufgeßridfeen, erweiß er ftcfe tjeilenb bri wunbett SBargen fäugenbet grauen, bri frifdjen ©efenitten, fowie alten ©efdjwürett unb SBunben. ßt bilbel gleichfalls einen weSentlicfeen 3ufa|3 gu gewiffeit Heilfolben. Die ©obe gegen ben Hußen iß fünf bis gefen Sropfen breimal täglicfe auf ein wenig 3uder; gegen ben weißen gluß, Kacfetripperunb bergleidjen jwangigbl«brei- ßig Sropfen auf biefetbe SBeife breimal tägiidj. SSalfattt, peruanifdjer — (Sngt.: Balsam of Peru). — Der peruanifefee Valfam iß eine bide, bunfelrotfee ober braune glüfßgfeit, tion ©prupsbide; er feat einen bitteriidjen, fefearfen ©efefemad unb eineit angenefemen, oromatifefeen ©erucfe. Sr iß ber feargige ©aft eines großen VaumeS, welcfeer in Peru unb anberen Ifeei- len tion ©übamerifa unter bem Kamen peruanifdjer Valfamboum (Sat.: Myro- spermum Peruiferum) befannt iß. Der Valfam fonn In atten Slpotfeefen gtfunben werben. «Kebiginifcfee (Sigenfdjaften ttnb ©ebraudj. — Der peruanifaji Valfam ift onregenb unb beförbert ben Sluswurf ber Vruß, er iß fpannenb unb ßärtenb, befonbers auf bie ©djlelmtjäute beS Körpers etnwirfenb. Sr wirb mtiftena angewanbt bei djronifdjett aranffeeiten ber Sunge, bei lang anfealtenbem Hußen, bei Sripper, Kadjtrtpper, weißem gluß unb hti tieralteten fttttgünbuttgen ber ©cfeleim* feäute beS «KagenS uitb ber Sittgeweibe. Sr wirb äußtrlid) angewanbt bei 3ßun> ben, welcfee nictjt gum tiottßänbigeit Heilen gtt bringen ßnb, fowie in gotm einet ©albe> weldje baburefe bereitet wirb, baß man ifen mit gleidjen Sfeetlenlalg jufam« menfcfemilgt, gegen Kingwurm, ©rinbfopf unb bergleidjen. Die ©afee ift »on jefen bis breißig Sropfen auf 3uder, ober er fann itt ein wenig aufgelößem atabiftfetn ©ummi, namentlidj bei Hußen unb Sungeitbefefewerbeit, mit Kufcen gegeben wttben. fSaptiüe, färbenbe, Wilber 3nbigo — (Saht BaptisiaTinetoria,Sngl.: Wild Indigo, Rattle Bush, Indigo Broom, Indigo Weed, Prairie Indigo etc.).— Dies ift ein tiorgüglidj in bett wefttidjett ©taaten ein JelnttfcfeeS Unfraut; ti trüb geroötjnltdj ungefätjr gwei guß fjodj, tjat einen großm, glatten ©tengel, welcfeer am oberen Snbe in tierfdübene Süße getfeeilt iß, fleine, abwedfelnb ftefeenbe, glatte, eiförmige, btaugrüntiefee Vlätter; bie Vlumen ßnb wriß unb wetben »on fulnen Sü-fjren, bie an ben Snbett ber Süße ßetjen, geüagett, weldjen länglicfee tfapfeln, etj bis ein unb ein fealb 3ott nnb meb> in Sänge unb uncefäbr balb fo bid, N««. Diefe enthalten ©amen, bie, wenn reif, lofe in ber Äasfel tierbftikn unb babet ratteln. Die gange pßange wirb im Herbß bunfelblau ober frfewar, Sie iit |tw gewötjttlicfe. längs ben Känbem ber wefttidjen Pratrün, um vm* awi w™* iarett Räubereien unb bergleidjen. ober «pflar.g'tt.SirgitetmtttelleSre. 697 fjjcebtgintfdtje Sigenfdjaften unb © ebr au d). — «Katt gebraudjt bie SBurgel, bie als ein »orgüglidjes fäulnißwibrigeS «Kittel angefefeen wirb, b. tj. ße »erbittet Vranb unb Slfeßerbett. ©ie ift ferner etwas gufammengiefeenb unb in gro* gen ©aben brecfeenerregenb unb abfütjrenb. ©ie wirb meiftenS itjrer fäutnißwib* riaen Sigenfdfeaften wegen äußertiefe unb Unterlid) angewanbt. Sine Slbfocfeung ber SBurgel ober beffer ber Kinbe ber SBurgel iß eitt auSgegeicfeneteS 3Bafcfe> uub ©urgelmittel bei otten Sitten tion ©efdjwüren, alten SBunben unb folcfeett SBunben, »elcfee eitte Keigung gum Vranbe ober gum Slfeßerbett feaben, ferner bei eitembem »eljem H<*ts, ©efewamm im «Kunbe unb mefeem «Kunb, welcfeer tiom ©ebrauefe bes QuecfftlberS feerrufert, oenerifdjen SBunbett unb ©efdjwüren, wefeen SBargeit unb bergleidjen* Sine ßarfe Slbfocfeung, mit gepufferter Ulmenrinbe oerbidt, bilbet einen auägegeicfeneteit Vreiumfdlag für atte ©orten branbiger unb untfeätiger, alter ©e« fdjroüre unb für abßerbenbe SBunbett. Sine Slbfodung ift ferner tjeilfam hei [tin* enbem weißen gluß unb wo immer ein fäulnißwibrigeS, reinigenbes unb feeilenbes Mittel nöttjig iß. 3nnertictj faim ße mit Kuweit itt ber gorm tiott ©prup ober Jlbfodjung in allen mit gäutniß tierbunbenen Aranffeeiten, wie itt gefäferlidfeen faulen «Jüröenffefeem, bösartigem ©cljartadjßeber, ItnterteibSentgünbung unb ber* gleidjen, angewanbt.werben. Die ®aht ber Slbfocfeung ift, je nadj Urnftänbeit, ein Sfjlöffel »oll, atte ein bis gwei ©tunben, Des weingeiftigeit SluSguges, ein Sfeee* löffel »ott; unb beS fpirituöfen Srtraftes ein bis gwei ©ran. ©ottten Uebelfeit ober unangenefeme ©pmptome ßd) geigen, bantt muffen bie ©aben tierminbert werben. üöätentraUüCtt — (%at.: Uva Ursi, Sngl.: Uva Ursi, Bearberry, Upland Cranberry). — Dies ift ein niebriger, immergrüner ©traud, weldjer im trodene« Hocfelattbe, in bem nörblidfeett Stjeile oon Suropa unb Slmerifa, tiorfommt. «Kan gebraucfet bie Vlätter, bie in allen Slpotfeefen gu feafeeit ßnb. kebiginifcfee Sigenfdjaften unb ©ebraudj. — Die Vlätter ber Saretttrauben ßnb gufammeitgietjettb, tjartüreibeitb unb etwas ftärfenb. ©ie ßnb fefer nurffam bei tieroltetem Durcfefott unb ctjronifdjer Küfer; bei Untiermögen, ben Urin ju fealten; ferner hti unregelmäßigem «JKonatsfluß, unb befonbers werben ße bei »eralteten Seiben ber Küren unb ber Hamwerfgeuge, tieroltetem Sripper, Kad)= tripper, weißem gtuß unb Untiermögeit ben Urin gu tjalten, mit anbeten SBorten, bei beßänbigem unb fjäuftgem Verlangen, ben Uriit abgulaffen, mit Kuweit ange- toanbt. ©ie werben in «Pillen ober Slbfodjung gebraucfet. Die <3aht beS «PultierS ift jtnanjig bis fecfegig ©ran; ber Slbfodjuttg, weldfee gemadjt wirb, inbem eine Unge einige «JDctnutett long in einem Quart SBaffer gefoefet wirb, eine tjalbe bis eine Saffe »oH, brei- bis tiiermat täglid). S8auutÜH)lle — (Sat.: Grossypium Herbaceum, Sngl.: Cotton Plant). — Ziti ift bie Pflonge, welcfee bie als Hanbelsartifet befatmü Vaumwotte, ber große ©tapelartifel beS ©übenS fowotjl, als attberer Stjeile ber SBelt, liefert. Die Vaum* toottenpflange ßammt, wie matt annimmt, aus Stfiett; ße wirb itt ben warmen ®e- flenben biefes SanbeS in foldfeer Slitsbetjttttitg attgepßottgt nnb iß fo attgemein befannt, baß wir eine näfjere Vefctjreibuttg für ittmüfc tjalten. Die Kinbe ber Storjel nnb ber ©amen ßnb bie Stjeile, welctje in ber Slrgneibereitung gebraudjt »erben. Ss ßnb nur wenige 3atjre tierftoffen, feitbem biefeS ©ewäctjS ben mebüj 698 «JKebiginifdje ©ewädjsfuitbe nifdfeen «Pflangen tjingugefügt worben iß, unb ifere SBirfungen ßnb beSfeatl auefe noo) nicfet attgemein befannt. «JKebiginifde Sigettfdjaften unb © e b r a u cfe. — Die Kinbe bet SBurgel wirtt auf bie ©ebärmutter ein, bas fjetßt, ße beförbert bie monatlicfee «Rtl« niguitg unb ßettt biefelbe, wenn ausgeblieben, wieber feer. «Kan feält ße ferner für wefeenbeförbemb, boS brißt, ße erteicfetert bie ©eburt beS ÄinbeS ; man fagt, U\) ße nicfet attein eben fo wüffam fri, fonbern fogar erfolgreicher wirfe, als bau iDcut. ürfom. ©ie wirb itt biefen gätten tion benen, welcfee ße angewanbt feaben, auf« feödjße gerüfemt. ©ie treibt ebenfo bie gruefet ah, unb man fagt, baß fte gu biefem 3wede tion ben ©flauen im ©üben feäußg ongewanbt würbe, ©ie wirb meißen« in Slbfoduttg angewanbt; ungefäfer tiier Ungen ber Kinbe ber SBurgel werben mit brei Putten SBaffer gu einer «Pint eingefodjt; um bie Sfeätigfeit ber ©ebärmutter ju beförbern, fottte biefe «Portion in einzelnen ©oben ben Sag feinburdfe gegeben »er- ben. Um bie SBefeen gtt beförbern, muß eine Unge ober ein balbeS SBeinglae? »od atte gwangig bis breißig «Kinutett gegeben werben, ©ie iß ebenfalls ein gute« Heilmittel gegen fefemergfeaften «Kottatsßuß. Sits ein «Kittel gegen ©törungen ber Verridjtungeit ber ©ebärmutter fottte eS täglid) ongewanbt werben, bi« bet gewünfefete Srfolg eintritt; unb bies tann oft befdjleunigt werben, inbem man KadjtS eine Doßs befeufs ber Slbfütjrung einnimmt; fage brei ober »ier «piüen, gufammengefetit aus gwei Sfeeilen Slloe unb einem Sfeeil «pobopfepttin obet «Kaiapfel* Srtraft. Den ©amen ber Vaumwotte bätt matt für eilt ßcfeereS Heilmittel bei SBecfefel* obet faltem gieber. Sine (3abt fott oft eine tiottßänbige Heilung feerfeeigefüfett feaben. Sine «pinte ©ameit wirb mit brei «pintett SBaffer gu einer «pinte eingefodjt; ein SSittttl bis eine tjalbe feiertion muß ritte ©tunbe, efee ein gieberanfott erwartet wirb, marm getrunfen werben. Dies iß gewöfenlicfe Ijtnretcfeenb ; fottte es jebodj nicfet feintet« efeenb feilt, fo muß bie Doßs toiebertjott werben. Die Vlätter ber Vaumwotlcn« pflange wirfen feamtreibenb unb tjaben ßdj gegen aranffeeiten ber Kiettn unb bet Vlafettorgatte als tjeilfam bewüfen. 3« Vegug auf baS Severe fefeeint map inbefl leine genaue kenntniß gtt tjaben. ^dttttmtj, ©efewargwurget, SB a 11 w u r g - (Sat.: Symphytum Officinale, Sngl.: Comfrey). — Die Veinwurg iß in Suropa eiitfeetmifcfe; abet fie wirb auefe für mebiginifcfeeit ©ebrauefe in unferen ©arten angebaut. @ie ift 3» belannt, als baß ße einer näheren Vefdjreibwitg beburfte. Die SBurgel wirb in bet Slrgnei gebraudjt. «Kebiginifcfee Si g enf cfe aftett u it b © e b r a u cfe. - £te Ve.ntourj iß linbemb (demuleent), ober fdjteimig, audj iß ße etwas jufammengiefeenb. ä « wirtt bauptfäcfetidj linbemb unb feeilenb auf bie ©efeieimfeäute unb t|t UW* anmenbbar bei angegriffener Sunge, wie Hußen, Aranffeeiten ber 2«W"Bfl'" (Bronchitis), Sungeitblutungen, unb im Slnfange ber Sungenfcfewinbfuöjt in Durcfe.fatt, Kufe>, weißem gluß unb anberett weiblidjen aranffeeiten. fett nad belieben als Sfeee ober ©prup genommett werben, ©ie fantt auaj tn o SBein entweber attein, ober itt Vedinbuttg mit anbeten «Kitteln, »"•»*' , (Menispermum Palmatum, Sngl.: Columbo), Slralie (Aralia Racemow^ ng.. Spikenard), Sngian (Gentiana LuV», Sngl.: Gentian) gegeben werten. obet «Pflaitgen-Strg tt eimit tellefe, re. 699 Beinwurg, gerßoßen unb gu Vretumfdfelag gemadfet, iß ein tiorgüglicfe^S «Kittet bei Ductfcfenngen, SBunben, wunbett Vrüßen unb fcfeinergfjoften Slnfcfewettuitgen. Sin ©örup aus gleidjen Sfeeilen Veinwurg, Slralü (Aralia Bacemosa, Sugt.: Spikenard) unb Sllontwurgel (Inula Helenium, Sngl.: Elecampane) iß eitt auagejeidjneüS «bittet gegen ©cfewütbfucfet, Hußeit utib attbere Seibett ber Suttge. Sünbere paffenbe Slrtifel fönnen felngugefügt werben. Settabomta, Soltfirfcfee—(Sat.: Atropa Belladonna, Sngl.: Belladonna, Deadly-Nigbtshade). — Die Vettabonna iß ein Mxaut, wetcfeeS bis brei guß Ijocfe ttirb, weicfee, friecfeenbe, ausgebreitete SBurgein feat, wotion übeS Vunb tiier bis fünf Stengel empor fcfeießen läßt, welcfee tion rötfelidj=blauer garbe unb bebedt mü feinen H^ren ß"b. Die Vlätter ßnb weicfe, eiförmig unb tiott bunfelgrüner garbe, paarweis ßefeenb uub werben om meißen gebraudt. Die Vlütfeen, welcfee im 3uni'unb3uü erfcfeeinen, ßnb tion bunfeübläulicferotfeer garbe an ben Kättbem, ben (Stengeln gu bloffer. Die «pflange iß iit Suropa einfeeimifcfe. «kebiginifcfee Sigenfcfeafteti uitb ©ebraudj. — Die Vettabonna ift ein betäubendes ©ift, unb, wentt in großen ©aben genommen, äußert ße eineit flarfen Sinfluß ouf bas ©efeirn unb bie Kertien, tierurfodfet eine Srweiterung unb eint Vergrößerung ber ©teme («Pupille) ber Slugen, woburdj baS ©etjen gefcfewädfet icirb; ergeugt ©cfewinbel, Saubfeeit, Verwirrung ber ©ebanfen, Srodenfeeit bes WxxnUi unb bes ©cfelunbeS mit Durß, ©efewierigfeü beim ©cfeluden, Uebelfeit beS Wagens unb oftmals ein 3ufammengiefeen ber Haut, äfettticfe wie bei ben «Käfern; in fefer großen ©aben macfet fte feeßnnungStoS. ©ie iß ein fefer wirffameS Slrgnei* mittet, wenn ße tiorßdjtig unb itt eiüfpreefeettbett ©oben angewanbt wirb, ©ie wirb oft in gälten »on Krämpfen, 3udungen, fogenannter fattenber kranftjeit (Spitepße), «Reröettfcfemergen, SBafenfinn, ©efetagfluß, «Pobagra, KfeeumatismuS, fcfemergfeaftem «JJconatsfluß, fcfewargem ©tor uub atten Kertienerfdüüeruugett mit größtem Vor* ffeeit angewanbt. ©ie wirb meißens gebraucfet in gorm tion Srtraft, weiden matt itt jeber Slpotfeefe tjaben fann. Die <3abe ber gepultierten Vlätter iß tioit ein bis brei®ran, bes SrtratteS tion ein fealb bis gwei ©ratt eitt* bis gweimal tägtiefe. Die ©abe mag feben Sog tiergrößert werben, bis bie boppette «Kenge mit Vorßdjt genom- men werben fonn; ße fottte aber ßets mit Vorßdjt gebraudjt, unb bie burd) Üjren ©ebrauefe »erurfodfeten ©pmptome fottten aufmerffam beobachtet werben. IBenjoe&CUim—(Sat.: Benzoin Odoriferum, Sngl.: Spiee Wood, Spicebush, Wild Allspice, Feverbush). — Dies ift eitt in ben gangett Vereinigten ©taaten feaufig »orfommenber, getoötjnlictjer unb wofelbefanttter Vuf$, welker in ber Kegel fünf bü gefen guß tjoefe wirb unb in feudfeten, fefeattigen «planen wäcfeß. Sr feat fritfe im grüfeling tjettgrünlidje Vlumeit unb im Herbß Heine Veeren, weldje, wentt reif, »ott fdjöner rotber garbe, fteifdjtg, gewürgig unb aromatifefe ßnb unb einett fear* ten Samen entfealten. Der gange ©trauefe, bas Jpolg, bie Vlätter, bie 3weige unb bie Veeren feaben rinen gewürgigen, •attgenetjmett unb aromatifdjen ©erucfe. ^ebiginifcb,e (Sigenfdjaften nnb © e b r a n cfe. — Diefe «pßange ift ftärfenb, aromotifcb,, anregenb tmb fcfeweißtreibettb uttb liefert einen ausgegeidfe* «eten unb ongenetjmen Sfeee, ber itt giebern bie baut in Sfeätigfeit bringt, bas fce'fjt ©cfeweiß'feertiormft, Unbehagen uttterbrüdt unb tübjenb uttb aufweitend) wirtt 700 «Kebtglnlfdje ©ewadjstunbe Die Kittbe unb 3weige ftnb für Slufguß ober Slbfocfeung tiorgugiefeen unb fönnen Ijäußg getrunlett werben. Die reifen Veeren, gequetfcfet in eine glafcfee getfean, mtt ein wenig Vaumöl üfeergoffen, für einige Sage in bie ©onne gefteütunb bann au«. gepreßt, bilben ritt ausgegeidfeneüs Del, weldfeeS ats Siniment bei Vetwunbungtn, Vrücfeen, ©iefet unb bergleidjen angewanbt werben tann. Sin gefättigtet, weingti« ßiger SluSgug ber Veeren. in Sfeeelöffelgaben gegeben, iß gut gegen Vläljungen. fSetbettyen—(Sat.: BerberisVulgaris, Sngl.: Bar-Berry). — Ter 53er« Jerijjenßraud) wirb tion Sanaba bis Virginien, in ben ößlidjen ©taaten, an ®t. birgen, Vergen, getfen tt. f. w. gefunben; er blüfet Im 51pril unb «Kai, uttb bie fajönen, traubenförmigen, feodjrotfeett Veeren reifen Im 3uni. Sr fommt im Cfitn fefer feäußg, im SBeßen fetten, bod) gelegentliefe auf fettem Voben tior. Ter ganje ©trauefe, felbft bie SBurgel iß feerb. Die Veeren feaben einen angenefemen fauren ©efefemad. Die Kinbe iß gelb unb bitter. «Kebiginifcfee Sigenfdfeafteit unb ©ebraudj.—Die Kinbe, gefoefet unb mit Slpfelweitt gemifefet, iß eitt tiortrefßidjes «Kittel gegen ©elbfudt. Die bee- ren entfealten rinen rotfeen, fäuerlidjen ©aft, aus weldem mon ein»wettfe»olleS unb attgenefemeS ©etränf bei ber Kufer unb bösartigen giebern, gum Verminbern ber Hifce, gum Söfdjett bes DurßeS, gur Hebung ber Gräfte unb gum Verbitten »on gäulniß bereiten fann. SllS ein wirffameS «Drittel gegen gäutniß iß es fefer empfefe- fenswertb in atten mit gäulniß tierbunbenen Aranffeeiten, wie rotfeer Kufer, mtin« bem baU unb ben Durcfefätün, welcfee baS Sppfeusßeber mit fidj bringt. Perfonen, wetdje gaulßeber, tierbunben mü ©aüenffeber featten, ßnb burefe bas Sffen »on Verbergen tiottftänbig furirt worben. Die Veeren ftnb, gu einem ©prup, 2Iufgu$ ober einer Slbfocfeung gemadfet, ein gutes «Kittel gegen Kuferen. ©ie mögen in irgenb einer gorm beliebig genommen werben. ISetufun#$t taut, canabtfdjes, glötjfrau t—(Sat.: Erigeron Ca- nadense, Sngl.: Erigeron, Fleabane, Colts-Tail, Butter-weed).—DleS tß eine gewötjnticfee, burefe bie weftlidtjen unb mittteren ©taaten attgemein befattnte, auf tiertoffenen gelbem nnb an SBegeit waefefenbe «pßange. ©ie wirb gewöfenlicfe »iet bis fedfes guß feoefe, mit äftiger trotte wnb Vüfdjeitt Heiner weißer Vlütfeen an ben Snben ber 3weige. Die Vlätter feaben, wenn gerieben, einett fefewaefeen, abet unattgenebmett ©erucfe, unb einen bitterlicfeen, gufammengiefeenben ©efefemad. Ui Mxaut tXjtilt feine Sigettfcfeaftett bem SBaffer uub SBeingeiß mtt, »ediert aber burefe Modjtn feine SBirffamfeit, ba baburefe fein ätfeertfdjeS Del »erßüdjtlgt wltb. «Kebiginifcfee Si g e ttf dfe a f ten nttb ©ebraudj.- Die Slattet uttb Vlumen ftnb bie anweisbaren Sfeeile ber «pflange; ße ßnb feamtreibenb, floricn* unb gitfammengiefeenb. ©ie wirb itt gorm tion Slufguß bet ©teiittefdwerben $arn- rufer, SBafferfucfet, Kufer, Durcfefott unb Kürenieiben mit Kufrett angewanbt. D a S c a n a b i f dj e „V e r u f u tt g s ö l" wirb burdj Deftiliatio« gewonnen man feält es für eitt wetUjtiotteS gufammengiefeenbes «Kittel, fomot>t an^eritcb - intierlidj angewanbt; äußerlidj auf Heine SBnttben, Hutenbe «o ™* r bergleidjen, um bem Vtuten Sürijalt gu tfeun; initerlidj bei 2>u^faüen ;fc4 nb «Blutungen ber Sunge,bes «KagenS ober ber Hamwerfgeuge. D«!«a»e w# *-. J öon brei bis fedjs Sropfen auf rin wenig 3uder; in gätten ber Kotfe aüe gefen Ui ober «pffangett-Strgttetmlttelletjre. 70] fünfjefen ober gwangig «Kinuten gu wieberijolen. SS iß eilt auSgegeidjneüS «Kitlef bei 8iutungen unb Slbflüffen ber ©ebärmutter. Der Stufguß ber Vlätter fann nadj »elleben genommen werben, baS feeißt, eine fealbe bis eine Söffe tiott brei* bis tiier* mal tägtidj. SS gibt gwei Slrten: baS Erigeron Philadelphicum unb Erigeron Heterophyllum; beibe ßnb in ibren Sigenfcfeaftett uttb itjrem SluSfetjett biefem Eri- geron Canadense äfenlict). SBettratttlbtttgel, «Kutterfraut* — (Sat.: Pyretbrum Partbenium, Sngl.: Fever-Few, Feather-Few). — Die «Kutterfraut^Vertramwurget iß in guropa einfeeimifcfe, wirb aber auefe in biefem Sanbe angepßangt unb bisweilen aud) t»ilb gefunben. ©ie wirb gewöfenlicfe ein bis gwei guß feod. Die Vlätter finb graugrün, bie Vtumett erfefeeinett im 3uni unb 3uti unb ßnb weiß. Die Vlätter »erben in ber Slrgnei angewanbt. gjcebtginifcfee Sigenfdjaften uttb © e b r a u cfe. — Das Mxaut ifl ein ner»enßärfenbeS «Kittel, regulüt bü Verricfetungett ber ©ebärmutter, ift wurm* treibenb unb in geringem ©rabe feam= unb fefeweißtreibenb. Ss fantt als Stufguß »arm ober fatt nocfe Velieben genommen werben. Der warme Slufguß wirb bri Srlaltung, unregelmäßigem «Konatsßuß, aufgefealtenem Harn, fepfterifefeen Mxam* »fen unb als eitt fcfeweißtrrifeenbeS «Kittel bei giebern empfofelen. Der falte Stuf* gufj ift ein ousgegeiefenetes, nertienßärtenbeS «JKittel unb unfefelbar gegen ©t. Vrit's Sang, wirft trefflidj bri jungen «Käbdjen, welcfee ber «Kannbarfeü nabe finb, ober bei benen bie monattidje Keinigung unregelmäßig ift, wotjer auefe ber ©t. Vrit's Sang rüfert. 3n otten gelinben uttb ueuett gätten tion ©t. Vrit's Saug fann man ftcfe auf bas «Kittel oertaffen. Die Qöabt bes SlufguffeS iß tioit einer fealben bis gu einer gangen pinte, in gwei bis brei Sfeeile getfeeilt, falt getrunlett. Der Slufguß, »arm ober falt genommen, fann naefe Velieben getrunfen werben, bas feeißt gwei= Ui breimal täglicfe eine Söffe »oll. 3« ©t. Veü'S Sang unb anberen mit Kertien* fcfetoätfee »erbunbenett Aranffeeiten X)aht idj es oft in Verbinbung mit ber SBurgel bes SenuSfcfeufeeS (Ladies' Slipper) unb ben Vlättem beS ©cfeitbfrautS (Scull-cap) mit großem Srfolg angewanbt. üBtlfettr'frtUt— (Sat.: Hyosciamus niger, Sngl.: Hyosciamus, Black Hen- bane). — Diefe Pßange ift iit Suropa etntjeimtfdj, bocfe wirb fte je^t audj in tiietett Jfeeilen ber nörbtidjen ©taaten witbwadjfenb gefunben; iß aber weber leidjt gu befefereiben, nocfe attgemein befannt. ©ie wirb meiftenS in gorm tion Srtraft, welcfeer in allen Slpotfeefen gu feaben iß, angewanbt. kebiginifcfee (Sigenfdjaften unb ©ebrauefe.— ©ieiß eine tiott ben fajarf*giftigen Pßongen, welcfee nur mit ber größten Vorficfet angewanbt werben barf. 3n geeigneten ©aben iß ße frampf* unb fcfemergftittenb unb wirb gereiefet, um ©ajmergen gu linbem, neroöfe Slufregung gu berufeigen, ©dlaf feertiorgurufen, Krämpfe gu ßitten unb bergleicfeen; fte ift bem Dpium bei weitem tiorgugieben, wenn SBerftopfifng ber Singeweibe tierfeinbert werben fott, ba ße efeer abfübrenb als gegen- tbeilig wirft. 3m Sittgemeinen wirft ße auf ben «Kagen beffer, als Dpium. ©ie ifl anwenbbor bei Kertienfcfemerg (Keuraligie), Kfeeumatismus, langanfealtenbem. nerööfcm Hußen, frompffeaften Srregungett ttnb reigfeareit unb etügünbeten 3ußätt» ben ber Hamwerfgeuge. Die ©afee ber gepuloerten Vlätter ift fünf bis getjn ©ratt; 702 «KeMginifdje ©ewädjsfunbe beS weingeißigeit SluSgugeS tioit breißig bis fecfegig Sropfen ober ein Ifeeeiöfftl tiott; beS weingeißigen SrirafteS tion ein bis brei ©ran, weide ©obe attmälig Ut ju gebn ©ratt erfeöfet werbett barf. iStttCtfttf? — (Sat.: Celastrus Scandens, Sngl.: Bitter Sweet). — ^itterfü§ iß ein feolgartigeS Kanfengewädjs, welcfeeS, wentt es an einem feinem SBacfeStbume günftigen Drte ßebt, breißig bis tiiergig guß b, od) ranft. Ss winbet ßcfe an Väumen, Raunen unb gelfen empor. SS wäcfeß burefe ganj Suropa unb Slmerifa auf ftuefe. tem, fettem Voben. Die SBurgel iß frieefeenb, tion fdöner, pomerangengelbet gatbt. »on ber Dide eines Daumens unb mefere Kutfeen long. Der ©tengel Iß etwa ein 3ott bid unb tion braunrotfeer garbe. Die Vlätter ßnb am unteren Snbe etwa« fpüi gulaufenb, fein gegatjnt unb laufen am oberen Snbe fefer fpifc gu. Die Vlumen, welcfee in ber erßen ober gweiten SBodje beS «KonatS 3uni blüfeen, ßnb »on grünliaj- gelber garbe unb feaben einen ßarfen ©erucfe. Die Veeren waefefen in Sraubtn unb bleiben an ben Kanten ben gangen SBinter feinburdfe; im Slnfange bes Herbjlee ßnb ße tion pomerangettgelber garbe; naefe bem erßen ober gweiten groß fpringen bie ße umgebenben jtapfeltt in brei Sfeeile auf unb frümmen ßcfe rüdwärts gufammen, woburcfe bie fdjönen tjoeferorfeett Veeren freigelegt werben. Durdfe biefe einfadje 33e- fefereibung wirb 3ebermann baS äefete Vitterfüß erfennen fönnen. Ss erißirt nocfe ein anbereS Vitterfüß, audj Kacfetfdfeattenfeolg genannt (Solanum Dulcamara), welcfee «Pßange, befonbers bie baran wadjfenbe Veere, giftige Sigettfcfeaften befi^t. SS tjat bünnere, weinarttge ©tengel, welcfee feiten länger ols ßebett bis aefet gu£ »et- ben, mit bunfetgrünen Vlättem utib purpurrotfeen traubenförmigen Vtütfeen, welcfee tiom 3uni bis Sluguft beßänbig blüfeen unb bantt fdjorlocferotfee Veeren anfeften, welcfee mefere weiße ©amen entfealten. «Kebiginifcfee Si g en f cfe a f t e tt unb © ebrauefe. — Die «Rinbt bet SBurgel beS Vitterfüß feat eineit füßliefeen, Uebelfeit erregenben ©efefemad; fie i|l fefer fräftig unb tion großem Kuweit im Sirgneifcfea^e; gleidfe tiielen anberen Pßanjen unferes SanbeS, welcfee bie Katur mit wertfeüotten Sigenfdjaften begabt bat, »er- ben ifere guten Sigenfdaftett tiott «Belügen gefannt unb gewürbigt. ©ie »trmefert atte Slbfouberungen uub SluSfcfeeibungen, befonbers bie StuSbünftungen; ße wirft angeitefem feamtreibenb unb erleidjtert ben Slbffuß beS UrinS. ©ie iß fefer wirffam gegen Seberfrouftjeiten unb gegen attgemetne ©cfewäcfee, gegen Unreinticfefeit ber Haut unb KfeeumatiSmuS. ©ie iß eine ber wirtfomßen Strgneiett gegen Drüfenfran! feeiten, ebenfalls in ^nfefewettuttgett, ©efefewüren, ©elbfuefet, «Kottigfeit unb SSerfto- pfung bei grauen. Um ße innerltdj gu uefemett, toefee ein fjalbeS Pfunb ber «Rinte bet SBurgel in tiier Quart SBaffer bis gu gwei Quart, unb nimm ein SBeingta« »oB jweü bis breimal tägiidj. ©ie fann gu einem ©prup burefe 3ufajj »on 3"«*« geformt werben, ©ie wirb oft in Verbinbung mit ©affofraS, amerifanifefeer «ar- faparitta, traufer Slmpferwurgel unb bergleidjen mefer gu einem bei wettern befferen bfutreinigenben Sranf gemadjt, als ber fo feodj gepriefene ©atfapartu«' ©prup iß. Der ©prup ift auSgegeidjttet bei Drüfenfronffeett unb allen Äranlfeetten ber Haut. m Um eine Vüterfüß=©albe gu madjen, nimm ein fe>lfeeS «Pfunb bet Kinbe *r *« iel, mifdje ße mit einem «Pfunb ©djweinefett, fodje es über getinbem:gener w? ©tunben lang uttb gieße es jum ©ebraudje burd ein Sud). Die ©ribe t|t 8 ober «pftattgett^Slrgiteimittettefe; re. 703 I «fcfewouene Vrüße, ©efdjwülße ttnb Slnfdjwettungen unb ebenfalls für golbene Slber. — SRhltÜUttiel— (Sat.: Sanguinaria Canadensis, Sngl.: Bloodroot). — Die Vlutwurget iß fo befannt,. baß fie feiner weiteren Vefcfereibung bebarf. ©ie wirb nafeegu im gangen Sanbe gefunben; wäcfeß in fettem, lofem Voben, in SBälbem, auf bem fruchtbaren Slbfeange oon Hügeln unb längs fcfeattiger Ufer, ©ie fommt fetjr früfe im grüfejafer gum Vorfdein, wirb nur wenige 3ott feocfe, feat glatte ©tengel, beren mefere gufammen auffdüßen unb große glatte Vlätter. Seber ©tengel feat nur eine fleine, weiße, gerucfelofe Vlütfee, welcfee naefe furger 3eit abblüb,t. Kur bie Sßurjel wirb in ber Slrgneibereitung gebraucfet. ©ie iß oon ber Dide eines fleinen gingers, fnollig, uneben unb meißens gwei bis brei 3ott lang, »on einer fcfeönen, orangerotfeen garbe unb fefer faftig, wetdjer ©aft biefetbe fdjöne rottje garbe feat, »efeer auefe ber Käme Vlutwurget rütjrt. Die SBurgein muffen früfe im grub, jafjr gefammelt werben, unb gwar fobalb als ber ©tengel ober bie Vlumen erfcfeeinen, ba baS obere Snbe fefer balb abßirbt unb tierfefewinbet; alsbann muffen ße tiorßdjtig gewa* fefeen uttb getrodttet werben. «jfleb ig int fefee Sigett fd) aftett nnb © ebraitdj. — Die Vlutwurget ift ein bett ©djleimauswurf beförbembes, Vlut tieränbembeS, bie monatlicfee Kemi= gung in Drbnung bringenbeS, ßärteubeS Heilmittet, ©ie wirtt fdtjmergßittenb, betäubenb, gegen gäulniß, fdjweißtreibenb, uttb iit großen ©oben iß ße ein unfefel* bares Vrecfemittel. ©ie iß ein fräftiges unb in tiielett gätte« gutierläfßgeS Heil- mittel. 3n fleinen ©aben regt ße bie Verbauungswerfgeuge an unb erfeötjt bie Jfeätigfeit ber Seber. 3« großen ©oben fcfewädt ße ben «Puls, tierminbert bie Ifeätigfeit beS HergettS unb ergeugt Uebelfeit unb Srbredjen. ©ie fottte nie in fefer großen ©oben gegeben werben. 3fere Hauptonwenbung fottte ße bei Suttgett* unb Seberleiben ßnben, wie gum Veifpiel in Sungenfcfewinbfucfet, Vrußentgünbuitg unb Sungenßeber, in feäutiger Vräune, Ärampffeußett, HalSentgüitbung, Hußen, Srfältung ber Vruß unb bergleiden mefer unb ebenfalls itt Äranffeeitett ber Seber. Sie wirft fefer gut in Verbittbung mit «Kaiapfet uttb Söwengab« gegen bie Sräg* feeit ber Seber, unb ifere SBirfung iß gang befonbers gut gegen ©elbfuefet. SllS ein Sllterati» iß ße befonbers gut bei Drüfenfranffeeit, fonßituttonetten Mxant* tjetten unb In allen gätten tion Vlutunreinigfeit, wenn eitt befonbers blutreinigen* be« uitb Unreinigfeit aus beu ©äffen abfonbembeS «Kittet nottjroenbig iß. Sin wenig »on ber feingepultiertett SBurgel, gemifdjt mü ebenfo tiiel feinem Pultier tion ber Söaajsgagelrinbe (Bayberry) ift ein auSgegeicfeneteS ©djnupfmittet gegen Mop[* wefe uttb Srfältuttgeit im Mop[e; allein unb feäußg gefdttupft iß es gu/t gegen ben Ww. 3« Puloer, auf ©cfewammgewädjfe uttb alte untfjätige ©efcfjwüre geßreut, Wirft ße als eitt 3ier3tnütet, unb bti alttn ©efefewüren gerßört ße bas fogenanitte wilbe gleifdj unb beförbert baburefe bü Heilung. Sin ßärfer SluSgug, mit SBeinefßg »on ber SBurgel gemadjt, iß oft tjinreictjenb, bett Kiitgwurm, ben ©rinb, ben ©alg* flujj unb bergleicfeen gu furiren, wentt er feäußg aufgelegt ober aufgeßrtdjen wirb. 8üt folefee ßwtdt iß es beffer, ritten ßarfen SluSgug aus ber frifdjen SBurgel gn macfeen, inbem mon biefetbe gerauetfdjt unb mit Sfßg übergießt. Sitte 3ufammeit- fe&ung »on biefem SluSguge, mit ebenfo tiiel weingeißigem SluSguge beS Sobelia* 'rautes uno bes ©üdjapfelfamenS nnb bem Dele ber otrginifctjen SBadj'feotber, gibt 704 «Kebiginifdfee ©ewädjst ttnbe tin unfehlbares SBafdjmiüel gegen ©rtnb unb Kittgwurm. — Sin beliebte« 2J?ittei gegen ben Hußen, welcfeeS ßdfe mir immer als nüjjlttfe erwlefen feat, beßefet aus gltl. cfeen Sfeeilen beS SfßgouSguges ber Vlutwurget, bes weingeißigen flusjugt« Ui SobeliafrauteS, beS weingeißigen SluSgugeS ber SBurgel bes fcfeworgen 2i>angenfrau- tes unb «Keergwübeü©prup. Die ©abe iß ein Sfeeelöffel tiott bisweilen, ober bau« ßger, je naefe Umftänben. SBenn tiiele ©djmergen unb Smpßnblidjfeit »orfeanben ftnb, [ex)e man einen gleictjen Sfeeil weingeißigen SluSgug bes Dpiums feingu, Ut feeißt, wenn tion jebem ber anberen Sfeeile eine Unge genommen wirb, füge man eine Unge mrittgeiftigett StuSgugS beS Dpiums feingu. ©djüttele es ßets gut »or bem ©e< brauefee. Dies «Kittet iß auefe gut im Slnfange tion Sungenfcfewinbfucfet, gegen Sttngenßeber uub atte kranftjeiten ber Sunge unb Suftröfere. Die Vlutwurget fantt in «puloer, weingeißigem SluSguge, Pillen ober Srtraft angewenbet werben. Das «Puloer, oerbunbeit mtt bem Puloer oon Vrecfewurjel unb Sobetia=©amen, bilbet bas beße Vredjmittet; ein Sßlöffel oott oon riefet 9)11- fdjung, in einer Saffe SBaffer gelodt, fann gwei ober breimal in 3nnfcfeenräumtn oon gefeit ober fünfgefen «Kinuten genommen unb bagu nocfe Velieben Jfeee »on Sljomfon'fdtjem ÄompoßtionSpuloer, ober amerifanifdjem Polei getrunfen werbtn. Die ©obe ber gepultierten Vlutwurget iß tioit ein bis brei ©ran ein* bis gwelmal tägtiefe, als ein reinigenbes, bie Seber anregenbeS «Kittel; bie (3abe bes weingeißigen SluSgugeS tion gwangig Sropfen bis gw einem Sfeeelöffel; bes weingeißigen 6rtraftei tioit einem fealben bis gu einem ©ran. Ss iß immer am beßen bie Vlutwurget in Verbinbung mit anberen Slrgneimittetn gu gebraucfeen; ße wirb oft als Veßanbtljeil tion «Piüen gebraucfet. © a n g u i n a r i tt iß ber auSgegogette wirffame Veßanbtfeeil biefer SBurgel; ab« idj feabe nie gefunben, boß bas ©anguinaritt trgenbwie ber SBurgel felbß, ober bem weingeißigen SluSguge berfelben tiorgugiefeen wäre. Die SBurgel felbß wtrb in fi fleinen ©oben gegeben, baß burdjaus feine Kotfewenbigfeit tiorfeanben iß, ße in »er- ftärfterer ®ahe anguwenben. Das ©anguinaritt ift ein bunfelrotfeeS «Puloer unb fann in ben meißen Slpottjeten tn Ungen-gtafcfeen getauft werben. Die ©abe ifl tion einem featfeen bis gu eittem ©ran ein* bis gweimal täglicfe. !8ottetid>ttaut — (Sat.: Borago Officinalis, Sngl.: Borage). — taJ Vorretfcfefraut wädjft meißens auf ©efeuttfeaufen unb fcfelecfetem Sanbe; es btüfet »cm Sunt bis ©eptember mit fdfeöner blauer Vlütfee. Das Vorretfcfefraut wirb in »ie- ten ©arten angepflattgt feiner fcfeönett blauen Vlume wegen, ferner, ba es aüge- mein befannt ift, baß es ein füfeünbeS ©etränf gegen gieber unb ein angtntfemt« ©ewürg gum ©alat liefert, ©efeon bett Sitten war eS als ein tiorgüglirfee« fln.net- mittet befannt; ße gaben ben ausgepreßten ©aft gegen ©djwermutt) unb anbete nettiöfe Seiben. Die Vlumen, gum Sfeee gemaefet, wirfen gang befonbers fufetenb, macfeen uns angenefem unb erfrifdjt füfelen. Die Vlätter beS «Borretfcfefrautes Wit- ten wie bie Vlumen. ,rh Webi8intf4eCtflenf*afte»it«b«e*ta«*.-M^»2 fdjweißtreibettb, fpannenb uttb ftärfenb, füfelt unb reinigt baS Vlut. Da« Krau Wirb tiorguglicfe, in granfreidj tiiel angewatibt. Der tion ben Vlumen^**■*«* gemadjte ©prup wirtt abfüfetenb unb erweidjenb unb iß ein leicfetes unb ajjew»« fdjweißtreibenbes «Kittel bei Kbmmatismus, Srfältungen unb Ärantoetttu ober «pftattgett*3trgtteimlttettef> re. 705 fiaut. Das Mxaut reinigt baS Vlut tion atteit Unreinlic^feiten; es wirb angewanbt gegen aüe bösartigen gaul- ober gledenßeber, unb man feält es für ein unfehlbares Mittel gegen Vergiftungen, Verßopfungett atter Slrt, ©elbfuefet unb Siefßim. Ss feat pefe ferner als ©urgelmütel fefer wirffam gegen ©efefewüre unb MxtU beS «Kun* be« unb beS ©cfetunbeS unb gegen Sntgünbuttg ber Halsbrüfeit unb ber Suftrötjre gejeigt. Um es als ©urgetwaffer gu gebraucfeen, maefee man bation, in Verbin* bung mit ©aloei, einen Sfeee, bem man bantt etwas Honig ober 3uder tjingufü- gen muß. 3« anberen gätten mag es als Sb.ee allein, ober in Verbinbung mit anberen ©ubßangen angewanbt werben. Ss iß faß in atten Slpotfeefen'gu tjaben. 95ted)tt)UtKl — (2<ü.: Cephaelis Ipecacuanba, Sngl.: Ipecacuanha, ge- lüijfenlicfe bloS Ipecac.).—Diefe SBurgel fommt oon einer fleinen bufdjigen «Pßange, irelcfee in Vraßlien unb anberen Steilen ©übamerifa's einfeeimifefe ift; ße wäcfeß meiftenS in fettem, feucfetem, fdjattigem Voben. Kur bie SBurgel wirb gebraudjt welcfee gepuloert unb gang in ben Slpotfeefen tiorgefunben wirb. kebiginifcfee Si g e n fcfeaften unb ©ebrauefe. — 3n großen ©abett, Ui iß, breißig bis tiiergig ©ran, iß ße breefeenerregettb; itt fleinen ©abeit, tiott brei Ui »ier ©ran otte ein bis gwei ©tunben wieberfeolt, iß ße fdjweißtreibenb unb bett Auswurf ber Vruß feeförbemb, unb in nodj Heineren ©oben iß ße ftärfenb. ©ie Ifl eine« ber beßen unb ßdjerften Vredjmittet, wetdje wir feaben. Von einem tjalben bi« m einem gangen geßriefeenen Sfeeelöffel tiott in einer fealben «pinte feeißen SBaf- fer«, jwei* bis breimal intterfealb gefeit bis gwangig «Kinuteu genommen, iß ße eilt gute«, wirffames unb bodj teidjteS Vredjmittet; jebodj als foldjeS fott ße in Verbin- bung mit gleictjen Sfeeilen bes gepultierten Sobetiafrauüs ober ©ameits, ober mit gleictjen Jfeeilen Sobelia unb Vlutwurget nocfe wirffamer fein. Slber entweber allein, ober in Verbinbung mit anberen «Kittein, ift ße immer ein ßdjereS, tnttbes unb wirf» fameS Vrecfemittel. Sei giebern unb entgünblicfeen kranftjeiten, als fefeweißtreibenbeS «Kittet ober in (leinen ©aben tion ein bis brei ©ran gegeben, iß bie Vrectjwürget fefer wirffam. Sei Sntgünbung ber Singeweibe, beS «KagenS, ober irgenb eines anberett körper- tfeeile« wirb ße in fleinen ©abeit, in Slnbetradjt ibrer fcfeweißüribenben uttb berufet- genben SBirfung wegen, als ein ausgegeidjneüs «Kittet empfofeten. 3n nodj Hei- neren ©aben »on einem Dalben bis gu einem ©ran, gwei- bis breimal täglicfe, fott Pe bei unregelmäßiger Verbauung gute SBirfung feertiorbringen, inbem ße reigenb »tili, ben Slppetit tierbeffert unb bie Verbauung erfeöfet. 3dj weiß aus Srfaferung, bafj Keine ©oben tion einem fealben ©ran unb weniger, in 3wifcfeenräumett tioit einer ©tunbe gegeben, bei Srbredjen Situ)att traten. Vei Kufer unb rottjer Kufet »üb ein Puloer, gufammengefe^t aus einem ©ran Vrectjwurgel-Putoer, einem ©ran Septanbrin, einem tjalben ©ran «pobopb, pttiit uttb einem ©edjßel ©ran «Korpfeium, atte feaj« Stunben gegeben, treffliefe; wirfen. Kadbem brei ober tiier oon biefen «pulöern genommen ßnb, follte man «pobopfepttin weglaffen unb mit bem Uebrigen fortfaferen. Der Vredjwurgelweitt, ober ber weittgeißige SluSgug ber SBurgel, wetefeett man immer in jeber Slpotfeefe tjabeit fann, iß ein tiorgügltcfeer Veßanbttjeit tiott Hußen- argneien in Verbinbung mit anberett Slrtifettt, wie ber Sittftur ber SobeÜa, ber Sfutwurgef, ber fajwargett ©dfefaitgenwttrgel (Black Cobosb), git gleidjen Stjeilen gemifdjt unb in Sb.eelöffelgaben iit turgeit 3wifa^eiträumett genommett. 45 706 «Kebiginifcfee ©e w äcb, «tu nbe SBrom&ecte, frtedjenbe — (Sat.: Eubus Trivialis, Sttgl.: Dcw Berrj Creeping Blackberry, Low Blackberry). — ©ü bat einen büntten, bornigtn ©tengel ober Kante, weldjer auf ber Srbe ober bem ©rofe ßd wlnbet unb »on brei bis fecfes guß lang wirb; bie Vlätter ßnb äfenlicfe benen ber gewöpnlidjen Vrorn- beere. Die Pßange X)at eint ber gewöfenlicfeen Vrombeere äfenlicfee große, füjje, fjf. tige unb fefer fdjöne bunfelrotfee ober fcfewarge Veere. ©ie wirb meißens auf trodt. ttem, ßeinigem, fanbigem Voben unb tierlaffenen gelbem gefunben. ©ie iß burefe fcaS gange Sanb tierbreltet. «Kebiginifcfee Sigenfdjaften nnb © e b r a u dj. — Die SBuqel ip ber als Heilmittel gebroudfete Sfeeil. ©ie iß ein auSgegeidfeneteS, gefunbe«, gufam- mengiefeenbeS unb etwas ftärfenbes «Kittel, ©ie iß in iferen Sigenfdjaften unb SBirfungen äfenlicfe ber SBurgel ber gewöfenliefeett Vrombeere unb fann gu benfelben 3meden angewenbet werben, bas feeißt bei Durcfefott unb Kufer unb allen gälten, in weldjen ßdtjere unb wirffame aßringirenbe Slrgneimütel notfewenbig ßnb. Die Stinbe ber SBurgel entfeält bie gufammettgiefeenben Sigenfajafüit, wäferenb ber feoljige Ibtil berfelben wertfeloS iß. ©ie wirb in Stbfocfeutigett ober ©prup, wie bie gewöfenlicfee Vrombeere, gebraucfet. f8tvmbeetenftta\t terfeibsfratttfjritett mit größtem Srfolge angewanbt. SllS Slbfodung fann eö ofene ©efatjr Srwadjfenett fowotjt, als kinbern bei «Kagen- unb Unterteibriranffettttn, m weltfern gufammettgübenbe «Kittel erforberlid ßnb, gegeben werben. 3fe«« ®" fdjmadeS wegen ßnb bü Veerett als Slrgnei leicfet unb angenefem. Vromteerwurget-©prup. — 3dfe ¥^ nadjfoigenb ein Kejept ;u einem tjödß wirffamen tmb angenehmen ©prup beigefügt, welcfeer »on bet »wm™""' würget, gemifefet mit anberett ©egenßättben, präparirt wirb, unb tann benui . »entt er tiorßdjtig bereitet wirb, als eitt feödjß wüffames unb «8«e*"f *"", tri kranfbeiten beS Unterleibes empfehlen, ja idj tjatte ibn für baS widfamjte vm • ober Pflangen-Sirgttetmtttetlefjre. 707 wa« je gegen biefen 3ußanb angewanbt würbe. Kimm Vromfeeerenwurgel, aefet Unjen; SBocfeSgagel- (Bayberry) Kinbe, tiier Ungett; gefledte Äranidjfdjnafeetwur» jcl (Crane's Bill), gwei Ungen; «Kprrfeen, eine Uttge; 31ntmet, gwei Ungett; gen* djelfamen, eine tjalbe Unge, unb ©ewürgnelfen, eine Uttge; fefeneibe unb ßoße SltteS fetjr gut, foefee es langfam mit fecfes £>uart SBaffer fecfes bis adt ©tunben lang, bis es gut Hälfte eingefodjt iß, bann gieße es burefe ein Sud), unb laffe es langfam bis gu einem Quart einfoefeen, ferü, wentt nodfe tjeiß, ein «pfunb weißen 3uder feingu unb gieße es, trenn ber 3uder gelöß iß, burefe eilt Sud). Srfaltet, feije ifem bantt ein fealbeS Quart frangößfdjen Vranntwein feingu. 3n atten gäüen oon Durdfefott, Vredjmfer unb Sfeolera mag ein Srwadjfener feieroott einen Sßlöffel tiott, atte fealbe, gange, jwei ober brei ©tunben, je naefe ber Heftigfrit ber aranffeeit, ttefemett; Ainber fön- nen »on ein bis gwei Stjeelöffel »ott, je nadj bem Stlter, ttefemett. SBrombeeren-Hergßärfung (Cordial, Liqueur). —■ golgenbe ange- nefeme unb gutwirfenbe Hergßärfung, befonbers für Ainber, fottte ebenfalls in jebem Haustjalte gegen Durdfatt unb' ©ommerfranffeeüett tiorrätfeig gefealtett werben: nimm ein Quart Vrombeeren, gerquetfdje ße, füge eine Unge geßoßenen 31mmet, eine fealbe Unje Kelfenpfeffer, eine featbe Unge ©ewürgnelfen unb ein fealbeS Quart SBaffer feingu, toefee es langfam ein ober gwei ©tunben lang, preffe es burctj ein Juefe, fe|je ein fealbeS Pfunb 3uder feingu, unb foefee es fo lange, bis ein fealbeS «Quart übrig geblieben ift, bann füge, wenn es erfottet iß, tin Viertel feines «KaßeS frangö- fifetjett Vranntwein feingu. Die ®aht für Ainber bation iß tin bis gwei Sfeeelöffel »oD, öfters wieberfeolt bri Durdfefott unb ©omtnerfranffeeiten. 93ltdjublätter — (Sat.: Diosma Crenata, Sngl.: Bucbu Leaves), — Dies finb bie Vlätter eines fleinen im füblictjen Sifrifa eitttjeimtfdjen ©trauefees. Die Blatter aüein werben oon biefer «Pßange gebraucfet uub ßttb in jeber Stpottjefe gn feaben. Die Veroofener beS füblictjen Slfrtfa'S macfeen burefe Deßittiren ber Vlätter mit «Jßeitt ein ©etränf baraus, welcfeeS ße Vucfeubranntwein neimen, uttb welcfeeS fie al« ein wertfeoottes «Kittel bei Unterleibs- unb Kierenfranffeeiten unb bei aranf- feeiten ber Vlafe fefer fdjä^en. Dfette 3roeifel ift es audj eilt gutes «Kittet, ba bie Vucfeublätter eines unferer beßett Slrgneimittet iit fotdjen gätten ßnb. kebiginifcfee Sigenfdjaften unb ©ebrauefe. — Die Vucfeublätter werben feauptfädfelid) wegen üjrer fearntreibenben Sigenfefeaftett gebraudjt, baS feeißt, wegen iferer »orgügtitfeen Sinwirfung auf bie Harttwerfgeuge. ©ie ßnb ebenfo etwa« onregenb uttb ftärfenb als auefe frampfftittenb. ©ie ftnb tion großem Kuweit in alten gäüen tion Sittgünbuttg unb Keigfearfeü ber Kieren, ber Vlafe unb ber Harnröfere, gegen ben ©tein unb in ben aranffeeiten, bri welefeen ein Uebermoß oon Hamfäure oorfeaitbett ift, welcfee ßcfe in bett Harnwerfgeugen oorßnbet, unb welcfee ben ©teilt nocfe ßdj gütjt. ©ie ftnb ebenfalls ba gut, wo ein gefeter entweber iit ber Slbfonberung bes UrinS, ober in ber ©djwierigfeit beS SifefaffenS beffelben oor- Men iß. Die beße gorm, bie Vucfeublätter gu gebraucfeen, ift ein Slufguß ober *$«• SKan netjme eine tjalbe bis eine Unge ber Vlätter, laffe ße mit einem fealben Cuart foajenbes SBaffer ein paar SKittutett auffodjen unb trinfe es fealbe Saffen- Mfe ben Jag über unb wieberljole büS gwei bis brei Sage, wenn ttotfe, wettbig. Die ©abe bes Weingeißigeit SluSgugeS iß oon ein bis gwei Stjeelöffel tiott, brei- bis tiier* «nal täglicfe. 708 «Kebiginifcfee ©ewäefesfunbe. (Sateftn, japattifcfee Srb e— (Sat.: Acacia Catecbu, Sngl.: Catcchn). — Das in ben Slpotfeefen befannte Satedju iß ein bunfüs ober fcfewärglidje« (Wummi ober ein tjarter, gerbreefetidjer Srtraft. «JKon crfeält es tion einein fleinen Vaume (Acacia Catecbu), welcfeer in Dßtnbün, tiorguglicfe in Hinboßon, wädß. tat Satedju iß tiöttig löslidj in feeißem SBoffer unb SBeingeiß. «Kon fonn es in allen Slpotfeefen tjaben. «Kebiginifcfee Sigenfdaften unb ©ebraudj. — (Satedju iß ein reines, fefer fräftig gufammengirijenb wirtenbeS Slrgneimittel unb wirb meißen« alt SlßringenS gebraucfet. Ss iß ein gutes Heilmittel gegen tieralteten Durdjfatt ut;b feäußge wäfferige Sntleerungen ber Sittgeweibe. ©einer fräftig gufammenjiefeenben Sigenfcfeoft wegen, wirb eS oft örtlicfe angewanbt, um bie ©efefewüre eines aptjtböfcn (fefewämmefeenartigen) wunbett «KunbeS oufgutrodnen unb baS 3äpfden im Hälfe gufammengugiefeen, wenn eS verlängert iß ober im Hälfe feerunterfeängt. dür biefe ©etegettfeeüett wirb eS am beßen in ßarfen Stuftöfungen angewanbt. Ss iß ferner empfefelenswertfe, um bas 3<üjttfteifdj gu feärten, wenn es weiefe ober fefewammig wirb; eine ßarfe Sluflöfung ober weingeißiger SluSgug tiott Soüdfeu auf alte, fcfemetjlofe, faule ©efefewüre geßridjett, feat ßcfe tion großer SBirfung gegeigt. Sin Slufgufj, in bie Kafe oufgegogen, ßopft bie Vlutungen berfelben. 3n allen gätten, wo gufam« mengiefeenbe «Kittel notfewenbig ßnb, fonn matt immer mit ©ewißfeeit auf bie erfolg« retdje SBirfung bes Satedu — in welcfeer gorm es audj fei — redfeneti. Die ©abe beS «Pultiers iß tion getjtt bis breißig ©ran, ober einen fealben Sfeeelöffel »oll, aüe ritt bis gwei ©tunben wübertjolt, je nodfe Umftänben. Die ©obe bes weingeißigen SluSgugeS iß tion einem Stjeelöffel bis gu einem Sßlöffel tiott, öfters wieberfeolt. (Satyennepfeffet, fpantfefeer Pfeffer—(Sau: Capsicum Annuum, Sngl.: Cayenne Pepper). — Der Sapennepfeffer fott in ©übamerifa einfeeimlfdj frin; er wirb in ausgebefentem «Kaßßabe in 3amaica unb anbereit weßinbifajen 3nfein gebaut, unb man ßnbet itjn ebenfalls oftmals tn ben ©arten biefe« i'anbe«. Sr wirb gewöfenlicfe, aefetgefen 3ott feod), unb bie ©doten ßnb flein unb bünn, unge« fäfer rin 3ott lang. «Kan bat eine Heinere ©orte, ungefäfer »on ber ©röße einet irirfefee, Vogetauge ober afrifanifdjer Pfeffer genannt, tion welcfeem man fagt, bap et ßärfer unb beffer als ber anbere fei. Veibe ©orten ßnb jebenfatts ßarf genug. «Kebtginifdje Sigenfdjaften unb © ebr auefe. — Xer Sapenne- Pfeffer iß eines ber reinften unb beßen atter befonnten Keigmittel (stimulante); tx ift ebenfalls ftärfenb (tonic) unb fcfeweißtreibenb (diapboretic). Ss iß fefer notb« wenbig, baß man barauf ßetjt, eineit ungefätfefeten Sapennepfeffer gu befommen, U berfelbe fefer feäußg tierfälfcfet wirb. 3n SBeßinbien, befonbers in Varbaboe« unl 3amaica, wirb er gebraucfet, bie Verbauung gu beförbern, gegen ©dwäcfee be* Wa- gens ober Seibfcfemerg (colic), ©dfemergen in ber ©ebärmutter, unregelmäßigen SR*» ttatsfhtß, ober wentt biefer gang unterbrüdt iß, gegen HalSgefcfewüre unb aüe Aranf- feeiten ber Suftröljre, ebenfalls gegen SBafferfudjt; mit Honig »ermifajt, jnn Pßaßer gemalt, legt man ifen bei ©idfet (gout), KfeeumatismuS, ©cfemerjen tn Den ©liebem, «pobagra, Slitfdjwettuitgen u. f. w. auf. Steußerlid als Sinreibung, mt ügenb einer ©orte Del gemifdjt, befonbers bem ©pedöt, unb fo warm flU e*8fr£flJB werben fann, eingerieben, iß er auSgegeidjnet gegen KfeeumatismuS. 3* babe ©urgetwaffer tion Sapenttepfeffer im ©cb, arladjßeber mit großem Srfolge angtwan • ober «pflangen*SirgtteimitteiIetjre. 709 Ct. ©tepfeenS tierßefeert, baß er it)n ebeitfatts mü bem größten Srfolge in circa tiier- feunbert gälten angewanbt tjabe. Sr fagt, baß ßd) bie ©efdjwüre in bem tjinteren Ifeeil bes «KtwtbeS balb Iferes SiterS entleert featten unb gu tjriten begannen; eine angenefeme SBärme tierbreitete ßdj über ben gangen Aörper unb bie SebenSfräfte wur* ben regenerirt. SS war auf folgenbe SBeife gubereitet: brei Sfeeelöffel tiott Sa<= pennepfeffer unb gwei Sfeeelöffel tiott itocfefalg würben mit einer fealben pinte fodjen* ben SBafferS übergoffen, burefegefeifet, unb nadj bem Durdjfrifeen würbe eine fealbe fxxxtt guter Sfßg feingugefejü. Kact) bem Srfaltett gab er einer. erwaefefenett «Per* fön »on einem fealben bis gu einem gangeit Sßlöffel tiott, atte X)albe ober jebe ©tunbe, unb er »erminberte, bie <3ahe im Verfeättniß gum Sllter. «Kan gurgele ben Hals feäußg bamit. 3ebe alte grau Im Sanbe weiß, ober fottte wiffen, baß, bei ßarfen Srfältungen, ein Sfeee tion Sapennepfeffer tin tiorgüglidfeeS Heilmittel ift. Sluefe iß ein Stjeelöffel »ott Sapennepfeffer, gemifefet mit ©prup ober Honig unb in fleinen ©aben genommen, ein »orgüglidjes «Kittet gegen Hußen; nocfe beffer ift es aber, wenn er mit gepulverter innerer Ulmenrinbe gemifefet iß. Sin fdjwadjer Sb.ee tion Sapenneofeffer iß eilt ausgegeidjttetes SBafcfemittel gegen tranfe ober etttgünbete «üugen unb fottte gweü bis breimal tägiidj angewanbt werben. Um eine Sfeätigfeit ber Haut ober ©djweiß feeroorgurufen, fottte bem Fronten oor bem ©djlafengetjen, ober wenn er fdon im Vette iß, eine Saffe oon bem Sfeee gereiefet werben, «parfln« fon, ein attgefefeener, föniglidfe=englifefeer Votanifer, weldjer tior mefer ats gweü feunbert Saferen eine Votanif tjerauSgegeben tjat, fpriefet auf bie rüfemenbße SBeife oon ben guten (Sigenfdjaften beS SapenttepfefferS. 3ct) laffe feilte eigenen SBorte über biefen ©egenßanb, fcfeon ber Sigentfeümlicfefeü ber ©djreibweife wegen, aus einem botanifefeen SBerfe tiom 3at)re 1640 feier folgen : „Sin ©frupel (welcfeer gwangig ©ran feat) biefes «PuloerS, itt eitt wenig Math* ober #üfenerfleifefebrüfee genommen, oerurfaefet einem fatten «Kagen ein außerorbent* liefeeg SBofelbefeagen, inbem es bie Verbauung förbert. Ss feuert gum Slppetit nad) jjleifdj an. Das Puloer, brei Sage lang mit Potei* (Pennyroyal) Sfeee genom- men, ßößt tobte ©eburten aus. Ss Iöft eingewurgelteit Hußen, unb — gemifefet mit Honig — auf bie mit Vräune geplagte Suftröfere angewanbt, bjlft es in einer furgen 3eit. ©emifdjt mit etwas «pect) unb Serpentin unb auf tjarte ©efdjwülße (tumors) ober Drüfen gelegt, wirb es biefelben tiertferilen. SBenn man mit einer Slbfocfeung ber ©efeoten in SBaffer ben «Kunb ausfpült, madjt es bas ßaljnwtX) auftjören unb bewafert bie 3äfene »or bem gaulett; bie Stfctje berfelben an bie 3äfene gerieben, madjt biefelben glängenb unb weiß." Ztx fpanifefee ober Sapennepfeffer iß ein tiorgüglidfeeS Heilmittet in einer «Kenge »erfdjiebener Seiben unb Aranffeeiten. 3« Vfutflüffen, befonbere tion ber ©ebär* mutter, iß er oft fetjr wirffam, in ber gorm tion Sfeee ober «pultier genommen, burefe feine anregenben Sigenfcfeafteit uttb burctj bie Keigung ben Kreislauf bes VluteS in bem gangen Körper wieber tjergußetten. 3» atten gätten tion mangelfeaftem Mxtit* lauf bes VluteS, in irgenb einem Sfeeile bes Körpers, wenn gum Veifpiel bie Srtre= mitäten falt ßnb, ober wenn ber Drang beS VluteS nad) irgenb einem Sfeeile bes Körpers gu groß iß — wirb ßdfe ber Sapennepfeffer als ein außerorbentlid) gutes Heilmittel bewätjren. 3« atten gätten von Vtutflüffeu nad) ©eburtSnotfe ober im ßinbbette iß er eitt tiorgüglidfeeS Heilmittel nnb mag entweber allein, ober in Verbtn* b«ng mit anberen «Mitteln, als tjängettbem Dreiblatt (Sat.: Trillium Pendulum, 710 «Kebiginifdje ©ewäcfesfunbe Sngl.: Beth Root) ober Slßerwurjel (Sat.: Aster Puniceus, Sngl.: Star Root) ober in ber gorm oon JcompoßtionSpuloem, in welefeen er entfealten iß, angtwanM werben. Sr iß in Verbinbung mit anberen Slrtifeln ein oorgüglides 3lrgneimittel gegen Stjolera. Sine fealbe Unge Sapennepfeffer unb eine feolbe Unge Jcodjfalg, in einer «pinte Sfßg gelöß unb eßlöffelweife gegeben, iß eitt ausgegeidnetes Mittel, um bas Vrecfeen iit ber Sfeolera unb Vredjrufer (cholera morbus) oufgufeeben, unb bat ftd) in biefen kranftjeiten ßets als baS beße «Kittet bewafert. 3n Sfeinin Pillen ober «puloern, gegen bas SBedjfel* ober falte gieber, iß es meißens am beßen, glcicbe Sfeeile, ober gwei Sfeeile Sapennepfeffer unb einen Sfeeil Sfeinin gu oerbinben, ba er ßärtenbe (tonifdje) unb anregenbe (ßimulirenbe) Sigenfdjaften bat. Ter wtingtU ßige SluSgug beS SapennepfefferS iß ein oorgüglidtjer Veßanbtfeeil in ßimulirenbcn Siitimenten (büntteit ©alben). Ss iß fefer oft gut, ifen mit anberen «ilrgneimitttln gu oerbinben, um biefelben wirtfamer gu macfeen, wie gum Veifpiel «ilbfüferung««, ©tärtungS* unb fcfeweißtreibenben «Kitteln. Sapennepfeffer wirb meiß in Slpotfeefen tn «Puloerform gefunben. Die (3ahe bes SapennepfefferS in Puloer iß oon tin Ui fünf ober fecfes ©ran; beS weingeißigen SluSgugeS oon einem fealben bis gu einem Stjeelöffel oott. Der wetngeißige SluSgug wirb gemacfet, inbem man jwei Unjen Sapennepfeffer in eine «Pinte SBeingeiß tfeut unb biefeS oiergefen Sage ausgiefeen läjjt. ©eam>tl)U$, amerif anifdjer — (Sat.: Ceanotbus Americanus, Sngl.i Red Root, New Jersey Tea). — Dies iß eine itt ben weßllcfeen Proirleen feaufig tiorfommenbe, wofel befannte «pßange. Die SBurgel iß feart, groß, feofgig, »on bun- felrottjer garbe unb tjat einen ein bis brei guß Ijofeen, bufcfeigen ©trauefe; bie Pflany wäcfeß in unfrucfetbarem Voben, befonbers in gewiffen Praüie=@egenben. Die Kinbe ber SBurgel iß tiorgugietjen, jebodj Iß bie gange SBurgel mebigintßfe. «K e b i g i tt i f cfe e S i g e tt f cfe a f t e tt unb © e b r a u dj. — ©it ift ein fdjmergßittenbes, gufammengiefeenbeS, bett Sluswurf ber Vruß feeförbernbe* «Kittel unb wirb tion Sinigett als ein guoertäfßges «Kittet im Slnfange ber ©djwinbfucfet angefefeen; ferner bei Ärampftjußeit, Sngbrüßigfeit, Halsentgünbung unb berglei- djett; fobann wirft ße als 3ufammengirijungSmittel gegen Kufer unb Durcfefott. ©ie wirb in Slbfocfeung itt ©aben tiott einem bis gwei Sbeelöffel »oll, breimal tag« lid ober öfter angewanbt. Sine ßarfe Slbfocfeung ift ferner gut als ©urgelwajftr gegen ©cfewämmdfeen, wunbett «Kunb unb bei Siterung unb wefeem «Kunb in ©dar- ladjßeber. Melone, glatte ©djitbblume — (Sat.: Cbelone Glabra, «ngl.: Balmony, Bitter Herb, Snake Head, Shell Flower, Turtle Bloom). - it« glatte etjelone wäctjß an Väcfeen, ©ebüfcfeeit unb auf SBiefen, wo es feucfet iji. «« feat faferige SBurgein, mü einer «Kenge aufrecfet ßefeenben, platten, ßumpf »ier« edigen, tion brei bis fünf guß b.ofeen, nafee ben Snben äßigen Stengeln, l« Vlätter ßnb fpijj gulaufeub, fünf bis fedjs ßoK lang, fdjarf gugefpifet unb an_ n Känbem gegafettt. Die Statten ßnb weiß, mit einem garten rofeitfatbtgen W, ße ßefeen traubenartig gufammen unb blüfeen erß fpät im Herbß. t,ie «o baben große Slebntidfefeü mit bem Mop[e einer ©dfelange. %alMxautmm I melt werbett, wen« bie pßange im Vlübm iß, unb gwar bei trodenem Stfettct, fonß leicht fdimmeiig wirb. SS muß in ber ©onne ober in warnten; u, » ober «Pftangett^Slrgtteimittetletjre. 711 Zimmern getrodnet unb an einem trodenett £)rte aufbewahrt werben, ba es fonß fajtnarj wirb. Das Sfeetonettfraut fantt man in ben meißen Slpottjefen faufen. kebiginifcfee Sigenfdjaften ntib ©ebraudj. — Das Mxaut iß außerorbentlid) bitter unb iß in Keu-Snglaitb feit langer ßtit als ein ftärfenbes unb abfüferenbeS «Kittel befannt. Ss wirb angewanbt gegen Hartleüngfeit, geßörte Verbauung, Slppetitloßgfett, allgemeine «Kattigfeü unb ©äjwäde. Ss wirb Min* bem mit »ietern Srfolg gegen SBürmer gegeben. Ss iß ein fetjr gutes «Kittet gegen üeberfranftjettm unb feebt bei ©elbfuefet bie gelbe garbe ber Haut unb Slugen wieber auf. Die ®abe iß ein geßridjetter Sfeeelöffel »ott Puloer, ober ritt Sßlöffel oott mit einer laffe fodfeenben SBafferS attgebrüfet, wäferenb bes SageS gu trinfen. 3n ber, gefeanblung ber ©elbfuefet unb wo es fonß nocfe, gebraucfet werben mag, fottte Ui $raut, gu gleictjen Sfeeilen mit «Pappetrtnbe unb ber ©elfewurgel (Golden Seal, Yellow Root) tiermifdjt, angewanbt werben. Ss iß bei ©elbfuefet, atten Strien tion Seberfranffeeit unb geßörter Verbauung ein feerrltdjes «Kittet. Ss ßärft femer ben Körper unb erfeöfet ben Slppetit. Ss fantt gweü bis breimat täglid) oon einem gejlricfeenen bis gu einem gefeäuften Stjeelöffel tiott genommen werben. @fetttattttfc — (Sat.: Cincbona Officinalis, Sngl.: Peruvian Bark). — !DteS iß bie Kinbe eines VaumeS, welcfeer in ©üfe=3lmerifa wäcfeß. Die für bett Hatibel gepuloerte Kinbe wirb naefe biefem Sanbe gefdjidt unb itt alten Slpottjefen »orrätfetg gefeolten. golgenber Utnßanb tetjrte ben ©ebraudj biefer «Pßange fennen, Sinige Väume würben oon bem SBittbe in eitlen SBafferteicfe geworfen, wo ße fo lange liegen blieben, bis bas SBaffer fo bitter warb, baß es fein «Kenfcfe trinfen mödjte. Sin in ber Käfee wofenettber «Kann featte einen fetjr ßarfen gieberanfatt unb ba fein SBaffer in ber Käfee war ttnb er oott feferedtidem Durß geplagt würbe, fafe er ßcfe gegwuttgeit, oon biefem SBaffer gu trinfen, woburcfe er tiottftänbig getjeltt Würbe. Sr tfeeilte biefen Vorfall mit unb überrebete einige greunbe, welcfee am gieber litten, baffelbe «Kittet onguwettben, unb — ßefee ba, ber Srfolg war günßig. Die «Jünbe würbe alsbantt burefe bie 3efuiteit naefe Suropa gebraefet, wo ße guerß 3efuitettrinbe genannt würbe. Der ©ebrauefe ber Sfeinorittbe würbe fomit guerß, »ie anbere Heilmittel, burd) einett 3ufatt, ober titetmeljr burd) einett SBinf ber Vor* fefeung entbedt. «Jftebf gt tttfefe e Sigenfdjaften nnb ©ebraudj. — Die roUje unb bie gelbe Sfeinorittbe ßnb bie beßett; bod) tjabe idj in meiner «PrariS ßets bie rotfee angetoanbt. ©ie wirb in Puttierform ober im SluSguge, ber mit SBein gemadjt wirb, genommen. Kicfetig angewanbt, iß fie ein ßefeeres «Kittel gegen faltes ober SBecfefel* fteber. Das Sbinin iß eitt SluSgug aus ber Stjütarütbe. Diefer SluSgug wirb jefjt meißens an ber ©tette ber Kinbe angewanbt, ba atte ©tärfe ber Kinbe in ifem tier- einigt nnb bie ®abt beffelben Heiner unb bafeer teiefeter gu nel)men iß. Die Stjttta- rinbe fowofel, wie bas Sfeittitt wüten fetjr ßärfenb gegen regelmäßig wüberfeljrettbe aranffeeiten, unb wenn es gur Heilung beS gieberS angewanbt wirb, bann fottte es in ©aben »on einem Stjeelöffel tiott, ober breißig bis fecfegig ©ran, breü bis tiier- mal tägtiefe in ein wenig SBein, Slpfelweitt ober bergleidjen genommen werben; als ein ftärfenbes unb wübertjerßettenbes totttfdjeS «Kittel iß bie gewöfettlidje ®abt tiott jeljn bis gwangig ©ran, gwei* bis breimal täglid). Das Stjtttitt, weldjes tioit bie- fem Slrtifel gemadjt wirb, wirb jetü meißens [tatt beffelben gebraudt. Ueber bte 712 «Kebiginifdje ©ewädjslunbe Slnwenbung beS SfeininS fe'fee man unter ben tierfdfeiebenen «Kitteln gegen falte« obn SBeefefelßeber u. f. w. naefe. (Sfuttttt — (Sat.: Cbininum, Sngl.: Qutnine). — Sfeinin iß ein feine«, weißes, frpßattinifcfees Puttier, welcfeeS man burd efeetnifdjes Verfoferen au« bet Sfeinarinbe gewinnt. Ss iß ein ©alg unb entfeält in einem feöfeeten «Kafjftabe aüe bie Sigenfdjaften ber Sfeinarinbe unb tann besfealb in allen gätten, wo bie «Rinbe anwenbbar iß, gebraucfet werben. SS iß ber Kinbe in ben meißen gälten, feiner fleinen ©oben wegen, tiorgugiefeen, ba bie Doßs in gewöfenliefeett gäüen nut tin Ui gwei ©ran iß; jebodj wirb es öfter in tiiel größeren ©aben gegeben. S« iß tin wofel befanttter Slrtifel, ben man in jeber Slpotfeefe befommen fann. Ss iß ba« »or« güglidjße «Kittet gegen falte ober SBeefefelßeber. «Kebiginifcfee (Sigenfdjaften unb®ebraud). — Sfeinin iß ein reines, ßarf bitteres unb fefer fräftiges ©tärfungSmittet unb wirft gegen gieber unb regelmäßig wieberfebrenbe Aranffeeiten. Ss ift ein Hauptmittel, welcfeeS jebtnfaü« am beßen gegen SBecfefel* unb gegen remittirenbeS gieber wirft, unb wirb ju beren Heilung in ausgebefentem «Kaßßabe angewanbt. Ss iß ferner bann, wenn ein ©tärfungSmittet notfewenbig ift, fefer guoerläfßg. 3n manefeen ©egenben befltbt rin Vorurtfeeit gegen bieS «Kittel unter bem Volle. SBenn eS in großen ©aben, was oft gefctjietjt, gegeben wirb, bringt es eine Singenommenfeeit bes tfopfe« unb für eine 3eü ein klingen ober ©aufen in ben Dferen feeroor, unb, wenn lange fort« gefetü, baS ferißt für SBocfeen, tiergrößert eS, fagt man, bü «Kitg unb ruft einen attgemein wofferfücfetigen ßußanfe feeröor. 3te ifl ebenfalls ein bitteres ©tärfungSmittet; man feält ße für ßärfer unb beffer, als bie amerifa- nifefee Solumbo, obgleicfe id für meinen Sfeeil bieS begweifle. ©ie iß wtrffam gegen Unoerbaulicfefeit unb fefewaefee Verbauung, bei ©enefung oon foltern gieber unb bei atten 3uftänben ber ©cfewädje unb Stttfräftung beS Körpers. ©Ie ift ebenfalls ein gutes ©tärfungSmittet in tieroltetem (djronifcfeem) Durcfefott unb in Kufer. ®ie iß ebenfalls wirtfam gegen bas Srbreden, welcfeeS tiiele grauen wäferenb bet ©djwangerfdjaft plagt, ©ü wirb fetjr Ijäußg, «oü bie amerifonifde Solumbo in Verbinbung mit anberett tonifdjen unb aromatifefeen «Kitteln in ftarlenben ,w Urs" attgewaitbt. Die ®aht beS «PuttierS iß tion geb,rt bis gwangig ©ton; be« »ein« geißigen SluSgugeS tion einem bis gwei Sfeeelöffel tiott; bes SlufguffeS ober „Sitte« »on einem fealben bis einem SBringlaS »ott, gwei* bis breimal täglid« Vomptvnie, aS p l e tti tt mb l ät terlg e - (Sat : ^J^f* nifolia, Sngl.: Sweet Fern). - DÜS iß eitt fieiner, gwei bis otet P|n ©traudj, wetdjer meißens in leidjtem, trodenem, i™^\mtn"l /@^ ©etjötse gefunben wirb. Sr ift nicfet feb,r gewöhnlidj inJen weß^iefe»©«^ Der Hauptßen9el *«t eine buntle, roftfarbige Kittbe; KW^™^ ttjer nnb bü fungeit 3^eige ßttb tion weißer garbe unb «»*««** » bebedt. Die Vlätter ßnb ungefäfer brei ßoU lang, einett batben 3o0 btett, j ober «pftattäett-Slrgneltttltt et leifer e. 71ü ßtmtg, jafelreidfe, glalt, an ber oberen ©eite giün, auf ber unteren ©eite braun unb etwa« ßoumig. SBentt matt bie «Pßange reibt ober gerauetfcfet, gibt ße einen „rotnatifcfeett, gewürgigen ©erudj tion [idj. kebiginifcfee (Sigenfdjaften unb © e b r a u cfe. — Die aSplentum* blätterige Somptonle iß gufammengiefeenb, ftärfenb unb oeränbemb. Die Vlätter unb 3»eige, wentt in Slbfodjung gebraudjt, ftnb gut gegen Durcfefott, Kufer unb ttnterleiböfranffeeit ber Ainber; ferner gegen weißen gluß, Vlutungett ooit ber (junge, auefe ßnb ße ein ©tärlungSmittri bei ber Srfjotung oon giebern. ©ie tonn In genJöfenlidjen ©oben breü bis oiermal tägiidj gegeben werben. •SobatbaBalfrtnl — (®ngl.: Balsam Copaiva ober Copaiba). — Der So* paioabalfam iß eine feettgelbe, feonigbtde gtüffigteit, welcfee wie anbere Slrten tion ißalfam gewonnen wirb, inbem Sinfdnitte in bett Sopaicabaum gemaefet unb ber au«fliefjenbe ©oft in uttürgefe^teit ©efeaten aufgefangen wirb. Ss gibt in ©üb* amerila, befonbers in Vrafilien unb SBeßinbien, oerfdjiebene Strien Sopaioabäume, (Ut.: Copaifera Jacquini, Copaifera Gluajanensis, Copaifera Oblongifolia) OUS welefeen ber Valfam gewonnen wirb. Die Väume ßnb fefer groß unb geben, wentt nadj ber Kegenjcit angebofert, iit wenigen ©tunben ungefeeure «Kaffen Valfam. 3m Slnfang iß ber Valfam bünn unb farblos, wirb aber balb bider uttb geiblidj. Sr lommt »on Vroßtien, «Karafaifeo, Sartfeagena unb ben weßinbifefeeit 3ttfeltt; aber ber »on Vraßliett gebrachte iß ber am meißett gebrauste unb beße Valfam. Sr iß in allen Slpotfeefen gu feaben. «Dcebigf ntfefee Sig enf cfe af ten ttnb © e b r a u cfe. — Der Sopaltia* balfam wirb feauptfäcfelid feiner tiorgügtidfeen waffertreibenbett Sigenfcfeaftett unb feiner (Sinwirfuttg auf bie ©djleimfeäute ber Hamwerfgeuge wegen fefer gefefeätü. Sr wirft ebenfalls onregenb imb leidt abfütjrettb. Sr ruft eine Smpßnbung ber £ü)t in ber Suftröfere unb im «Kagen tjertior, unb in großen ©aben wirft er als 9teijmittet. Sr wirb befonbers gebraucfet bei eferonifcfeen Äranffeeiüit, iit benen ©cfeleim abgefonbert wirb, wie tieroltetem Sripper, Kacfjtripper, weißem gtuß, tier« alteter Kufer, Keigbarfeit ber Vlafe unb tieralteter Sntgünbung ber Suftröfjre. Sr bilbet einen widjtigen Veßanbtfeeit itt ben gufammengefefcten Slrgneimitteln, bie man gegen Sripper anwenbet, uttb wirb meiftenS mit tierfüßtem ©alpeterätfeer, SKanbel- unb Serpentittöl gu gleictjen Sfeeilen gemifdjt, tion weider «Kifdjung breü bi« öiermal tägtiefe eilt Sfeeetöffet tiott gettommett wirb. Der Sopaitiabalfam iß feihtftg ein fefer wirffameS «Kittet gegen ben weißen gluß. Die ©abe beS VatfamS ift »on gwangig bis tiiergig Sropfen gweü bis breimal tägiidj. ©PpttS, breiblätterige — (Sat.: Coptis Trifolia, Sngl.: Golden Thread). — Dies iß ritte Heine, immergrüne «Pflange, weldje in bett fütteren Sfeeilen ber Vereinigten Staaten unb in Saitaba, gewöfentid) itt fcfeatrigeit ©ümpfen »nb nieberen SBälbem, tiorlommt. ©ie tjat eine fabenförmige, trieefeenbe SBurgel, »on fcfeöner gelber, ober golbener garbe. Die SBurgel iß in atten Siporfjefen gu liefommen. Webijtnlfdje Sigenfcfeaftett unb © e b r a u cfe. — Die SBurgel l|t ein bitteres ©tärfungSmittet, unb in itjren Stgenfefyafteit unb SBirfungett fommt Ce fefer ber ©elbwurgel gleidfe. ©ie iß gtü bri mangelhafter unb fefewacfeer Ver- 716 !Keb tgtnifdje ©ewäcfesfunfee bauung, «Kottigfeit bes Körpers, ober beim ©enefen tion giebern, ober wo fonß ßärfenbe ttnb wübertjerßettenbe Slrgneün notfewenbig ßnb. ©ie fann in wtlngtifti- gem SluSguge, in Slbfodfeung ober als „VitterS," in gewötjnlidjen ©oben gegeben werben, ©ie wirb meißens als ©urgetwaffer gegen wunben «Kunb unb Hai« mit Srfolg angewanbt. (krotonöl — (Sat.: Oleum Tiglii, Sngl.: Croton Oil). — Diefe« Tel wirb tion Dftinbieit gebraefet, wo eS tion bem ©amen beS Srotonbaumeö (Croton Tiglium) gewonnen wirb. Ss iß bas ßärfße Slbfüfermittel. Sin Sropfen trült auf ben Unterleib in tiiergig «Kinuten fefer feeftig. Ss feat einen feeißen, brennenbtn ©efefemad, äfenlicfe bem ©aft beS rotfeen Pfeffers; ein Sropfeit, ouf bie 3unge genem« men, öffnet oft fcfeon ben Seib. Ss iß eilte wertfetiotte Slrgnei unb wirb gebraucfet bei tjartnädigen Verßopfungen beS Unterleibes, bei gefäferliefeen llnterleibofrämpftn nnb in gätten, wo atte anberen «Kittel nidjt ausreidjen, eine Deffnung feeroorjuru« fen. Ss iß eine ßarfe Slrgnei unb fottte mit Vorßdjt angewanbt werben. Die <3aht iß oon eitt bis brei Sropfen auf ein wenig 3uder unb fann atte gwei ©tunben wieberijolt werben, bis SBirfung eintritt; aber iit bett meißen gätten iß eine ©abe, alfo rin Sropfen, tiöttig feinreiefeeitb. ©erabe weil bie ®abt fo flcin iß, iß e« bei gätten, wo feine großen ©oben angewanbt werben fönnen, wie g. V. bei äufjtrfln ©djtaffudjt, ©efübiloßgfeü, Verrüdtfeeit unb bergleidjen mefer, oon großem «flufeen. 3n fotdjen gällett ein Sropfen auf bie 3unge gebradjt, iß feinreidenb. ß« ifl anmenbbar in gätten, wo bie Singeweibe fefer gart unb untfeätig finb, in fcfelaffücb> tigett 3ußänben unb als waffertreifeenbeS SibfüfemttgStnittet itt SBafferfucfet. 9» wirb oft ßatt eines VlafenpßaßerS, als ein bie Haut rötfeenbeS, erregenbe« obet blafengiefeenbes «Kittet, .gebraudjt. Das einreiben einiger Sropfen iß feinreiajenb. &tclhtra — (Sat. : Corydalis Formosa, Sngl: Turkey Com). — Die« iß rine fdjöne, fleine, in fettem, tofem Voben waefefenbe Pßange, weide fefer frü&. im grüljling gum Vorfcfeein fommt uitb blüfet. ©ie wirb fecfes bis gefen 3otl feoefe, feat einett tleinen, garten Stengel unb fleine, feine Vlätter oon blaugrüner 3arbi unb runben, gwübelartigen Söurgeln, oon ber ©röße einer Srbfe. 2ln jebem Sien« gel ßnb eine bis brei ober oür biefer erbfenartigen 3wiebeln, welcfee Heine SBurgein tjaben. Diefe ßnb ber in ber Slrgnei gebraudfeü Sfeeil; ße ßnb feß, fogar feart, tion gelber garbe unb fefer bitter, ©ie muffen früfe im grüfeting, im «Kärj obet Slpril, gefammelt werben, ba bie oberen Snben fefer balb bofel werben unb »ergefeen. ©ie tjat fleine tiiolettrotfee Vlumen. «Kebigtnifdje Sigenfdjaften unb ©ebraudj. -Sie TyW ift ein fetjr ßarfeS uttb gutiertäfftgeS VeränbemngS* unb ©tärfungSmittet. £« wirb tion ben „etleftifdjett" Slergtett als eitt tiorgügticfeeS «Kittel bei »enerifefeen un anberett fonftitutionetten aranffeeiten, in benen ein fräftiges Veränberung«» un ©tärfutigsmittel nöttjig iß, gehalten. 3fere ftärfettben Sigenfcfeaften ftnb• »W' fcfeeittfidfe nidfets beffer, als bie oieler anberer «Kittel, welcfee wir beßfeen, wie Mjw , Solumbo, «pappelrinbe unb anberer bitterer ©tärfungStnittel; aber es gW Sltteratiti unb VtutreinigungSmittet bei oenerifdjen unb Drüfenfronffee ten, i»e Ifer gteidtommt. Das eingige Hinberniß gegen ben allgemeinen ®ebrfl"J ' 9)flange iß bie ©djwierigfeit, ße gu ertjaüen, ba ber obere Sfeetl fo fefeneu m ober «pftattgett*5lrgttetmitteltefjre. 717 bet, unb ba man ße nur wätjrenb einer turgen 3eÜ im erßen grüfeling feelomtnen fann. 3« golge beffen wirb nur wenig gefammelt, unb ße ift bafeer feiten in ben Slpotfeefen gu feaben. ©ie wirb in «Puloer, ©prup, Srtraft unb weingeiftigem SluS* jug angewanbt. Die ©abe bes «PuloerS iß fünf bis geljn ©ron, breimal tägtiefe ; be« weingeißigen SluSgugeS ein bis gwei Stjeelöffel oott; bes Srüafüs (ein feines flhilöer, welcfeeS Corydalia genannt wirb) oon einem fealben bis einem ©ran. 3« 6»rup wirb ße gewöfenlicfe mü anberen Slrtifeln, wie 2Balb*©ttttingia, ©affapa* riDa, «Kaiapfelwurgel unb bergleidjen, oerbunben unb in ©abett oon einem bis gwei ober brei Sßlöffel gegeben. Dtbtrttü. amertfatttfdjer — (Sat.: Cunila Mariana, Sngl.: Dittany, Mountain Dittany). — Der omerifonifefee Diptam iß eine Slrt «Künge, wetdje faß burcb bie gongen Vereinigten Staaten gefunben wirb. Sr wäcfeß gwifdjen gelfen, auf trodene« Änorren, Vergen unb auf ßeinigem ©runbe, wofeer er auefe im Sng= (ifdjett Stone-mint genannt wirb. Sr erreidjt gewöfenlicfe, eine Höfee oon gefen bis adjtgetjn ßoU, bat einen glatten, bunfetrotfeett, fdjlanfen, tjarten ©tengel mit gabt* teiefeen Steffen uub fleinen, glatten, bunfelgrünett Vlättem, bü auf ber unteren ©eite ein wenig feettbläulicfe ßnb. «Ucebijtntfdje Sigenfcfeaftett nnb ©ebrauefe. — Das Mxaut iß beral« Heilmittel gebraudfeü Sfeeil; es feot einen warmen, aromatifefeen ©efefemad unb eineit ßarfen, burefebringenben (fragrant) ©erud. Ss wirb gong befonbers gegen Srfältung, kopfwefe unb um bie Slusbünßung gu beförbern angewanbt. Ss wirb al« ein fräftigenbeS, attregenbeS, fdjweißtreibenbeS, nertienftärfenbes unb bie Ver* ridjtungen ber ©ebärmutter beförbembes «Kittel angefefeen unb wirb bei ttertiöfem flopfroefe, bei Krämpfen, weide tion ber ©ebärmutter feerrüferen (Hysteria), giebern unb »erfealtener ober unürbrüdter monatlidjer Keinigung gebraudjt. Ss fantt belie- big in warmem St)ee ober Slufguß getrunfen werben. $retfclatt — (Sat.: Trillium Latifolium, Sngl.: Bethroot). — Dies iß eine in biefem Sanbe fefer gewöfenlicfee «Pßange, weldje in fettem Hotgtatibbobeit tior* lommt. ©ie feat eilten feds bis gefen 3ott langen, glatten, titotetten ©tengel, mit brei Stättern am Snbe unb einer entweber weißen, rotfeen, titoletten, ober gefpren* feiten Vlume; bie SBurgel iß bid, lang, gerungelt uttb ber ©ittfeng* unb StroitS* würget äfenlicfe. kebiginifcfee Sigenfdjaften unb ©ebraud* — ©ie iß gufammen* jietjenb, fäulnißwibrig, ben Sluswurf ber Vruß beförbemb nnb ftärfenb. ©ie iß foertfebott bei atten Strien tion Vlutflüffen unb befonbers bei unregelmäßigem «Ko= nat«flufj unb bergleiden; ße iß ferner gut gegen Küfer, Durdfefott, Hußen, Sttg- brüftigfelt uttb Kocfetfcfeweißett. Die (3aht iß ein Sfeeetöffel tiott ber gepultierten ©urgel, öfters wieberfeolt; ber Stufguß fantt nadj Velieben gebraucfet werben. Q'bdtatme, C 0 tt ab i fefee — (Sah: Pinus Canadensis, Sttgl.: Hemlock). - £>ie$ iß ein großer in einigelt ber nörbltcfeßeit ber Vereinigten ©taaten unb Ganaba wadfenber Vaum; bie Kinbe wirb im ausgebet)uteßeit «Kaßßabe gum ©er* ben gebraudjt. Sr iß eine Sannenart. Das Sbettattnentjarg ober canabifdje «ped 'ft eine Slrt Pecfe, ober fe>rgarttger ©aft, weldjer aus biefem Vaume ßießt, gefam- 718 «Kebiginifcfee ©ewädtjsfunbe melt, burefe Soeben gereinigt wirb unb gum mebiginifden ©ebrauefe in len Hantel fommt. Das Harg iß feart, gerbredfeUdfe, oon bunfelbrauner garbe unb erwticfet ii ber bi\1>(. «Kebigt ntfctj e S ig enf cfe aftett unb ©ebraudj. — Die« Harg wirb meißens für «Pßaßer gebraucfet; gefdjmotgen unb mit einem Ifeeil gefoefetem Serpen« tin unb «Kprrfeen, tior bem Srfalten burefe Umrüferen gemifefet, gibt ti ein au«gt« jeidjneüS ©tärfungSpflaßer bei Küdettfcfemergen. Ss ift nicfet beffer, »lelleidt nicfet einmal fo gut, wie burgunbifcfeeS «pect) unb wirb für biefelben 3wede »erwanbt. Das Del (Sngl.: Hemlock Oil) iß ein wertfetiottes ätfeerifcfeeS ober fliidtige« Del, welcfeeS burefe Deßittation beS HargeS erfealten wirb. Ss ftefet wie Serpentinöt aus unb Iß wertfeoott als ein äußerlidfeeS «Kittel gegen KfeeumatismuS, feäutige Vräune, fowie in atten gätten, in benen eine reigenbe Söafcfeung erforberliefe iji. Verbunben mü anberen Delen unb glüfßgtriten bilbet es ein oorgüglidjeö einreibt. mittel für jeben gewötjntidjen ©ebraudj; bei feäutigerVräune, HalSgefcfewüren unb wetjem Hälfe ift es eine oorgügUdje Sinreibung. Ss fann ebenfalls Innerlid genommen werben, wie Serpentinöt, oon gefen bis breißig Sropfen auf ein wenig 3uder. 5ine ßarfe Slbfodjung ber Kinbe iß eine fetjr gute Sinfpri^uttg bei djronifdem weifen 3(u& unb Vorfall ber ©ebärmutter unb wirb t)äußg innerlid) gegen Durdfaü angewanbt. ^tenpteU, Otrgtnlfdjer— (Sat.: Leptandria Virginica, (Sngl.: Black Root, Speedwell). — Der titrgtnifcfee SferenpreiS iß eine Pßange, welcfee auf ben «Prärieen uttb in ben unfruefetbaren ©egenben bes SBeßenS ouf ßoefeem unb feudtem V»bett tiorfommt. Sr erreidt eine Höfee tiott gwei bis oier gnß, bat einen geraben, glatten ©tengel mit oier bis ßeben einanber gegenüberßebenben Vlättcrn, unb iß mit lange«, weißen ben ßornäferett ätjnlidjen Steferen am Snbe bes Stengels tierfefeen, woran er fowofel, wie an ber Sigentfeümlicfefeit ber Vlätter gu erfennen ift. Die SBurgel ift ber Sfeeil ber «Pßange, welcfee als Slrgnri gebraudt wirb. «Kebiginifcfee Sigenfcfeaftett ttnb ©ebrauefe. — Die SBurgel be« tiirginifcfeett SferenpreiS iß ein auftöfettbeS, abfüferenbeS unb ein ouf bie Slbfonberung ber'Seber tjtnroirfenbeö Slrgttrimtttet. ©ie iß ebenfalls fpannenb unb besfealb ein gutes Sibfüljrmütel bet SBecfefel- ober falten giebern. ©ie bewafert ßcfe bei gejlött« Verbauung unb in fleinen ©oben als abfüferenbeS unb fponnenbeS «Kittel, »orji> liefe wenn bie Seber ftarr unb untfeätig iß. Vei Durdjfätlen, unb befonbeü Ui Kufer ift fte ats eines ber beßett auflöfenben «Kittel befannt, befonbers wenn fit in atigemeffenen unb wieberfeotten ©aben gegeben wirb, ©ie foüte In fotdjen gaütn mit ein wenig Kfeabarber unb ein wenig Dpium gegeben werben. Die getroefnete SBurgel iß bet frifcfeen tiorgugiefeen, ba bie frifetje gu feeftig wirft; in ©ubßang gege- ben, fottte ße fein puitierißrt fein, unb für Stbfoefeungett in gröbliefeen Pubern gebraucfet werben. Die ©abe beS «PulöerS, um abjufüferen, iß breiftg bis feefeug ©ratt; bes Srtrafüs tioit gwei bis tiier ©ratt, in gorm tion Pitteit. Ss mag i« Stbfocfeungen, itt ©oben oon rin bis brei ober oier Sßlöffel, im Verfeoltni« ju feinet ©tärfe, gegeben unb atte brei ©tunbeit wieberfeolt werben, bis es wirft. S e p t a n b r i tt iß bas aus ber SBurgel burefe fefer ßarfen SBeingeiß autogene bunfelferaime ober fefewargbrautte Harg, welcfeeS oorrätfeig gefeolten w rt. tj eins oon ben tiorgügticfem ttnb wirtfamen «Kitteln ber fogenannten <«*'"'" «iften ©$ule. Ss fann in atten galten, wo bü SBurgel gebraucfet ju wer orjer Pflait g e n * Sir g ne i mit t eltefe r e. 719 ifleat angewenbet werben, ia es iß berfelben fogar tiorgugiefeen. Ss wirb tion benen, melcfeees gebraucfet X)abtn, ats ein Srfatjmütel ber Quedßtber* ober blauett «Kaffe namentlicfe in Seberfranftjeit angefefeett, unb feiner oöüigen llnfdäblidjfeit wegen iß ti berfelben tiorgugiebm. Sefe betraefete es bei ßranffeetteit ber Singeweibe, bei Durdfätten unb ber Kut)r gerabegu als ein uufeb,lbareS «Kittel, gür biefe ßwedt atbe iefe es in Pillen, für Srwadjfene brei ©ran Septanbrin mit einem Viertel ©rott Lefeifaurem «Korpfelum auf eine «pttte, unb laffe eS atte fecfes bis gwölf ©tunbeit wieberfeolen; gewöfenlid feeiütt gwei bis brei «Pillen irgenb einen Durchfall. Min* txxx gebe iefe gewöfenlicfe tion einem Viertel bis gu einem gangen ©ran, je nadj bem Ulter, unb bei gang Keinen kinbern fefcc iefe ßatt «Korpfelum ein paar Sropfett Sau* bannm feingu. Die (3ahe gum ßwedt bes «purgirenS iß »ott brei bis fünf ©ran; al« ein fäfteretnigettbeS «Kittel bei Seberfranffjritett ein ©ratt einmal tägiidj. SS wirb tn atten Slpotfeefen tiorrätfeig gebaltett. Wd)C, weiße — (Sat.: Quercns Alba, Sngl.: White Oak). — Die weiße Sldje iß eilt großer SBalbbaum uttb burefe bas gange Sanb wotjl befannt Die innere «Rinbe iß ber in ber Slrgitribereüuitg gebrauchte Sfeeil. «Jflebljintfdje Sigenfdjaften nttb © e b r a tt dj. — Die Kinbe ber toeifen Cicfee fowofel, wie bie ber meißen Sidjett iß ein träftig gufammengiefeeitbeS, fäulnißwibrigeS, femer etwas ftärfenbes «Kittel, ©ie wirb meißens in ber gorm »on Slbfodung ober ©prup bei Durchfall, tieratteter Kufjr, bei Vtutflüffen unb «Raajtfcfeweißen attgewanbt; femer als ©urgelmittet bei webem Hals uttb gur SBie* betfeerffettung bes SäpfcfeettS. ©obann als anregenbes, gufammengiefeeitbeS SBafctj* »affer für alte fcfemerglofe ©efefewüre uttb als gufammengütjettbe Sinfpritmitgett hti »eifern gluß unb gefunfeiter ©ebärmutter. Sin Umfdjlag, ber tion ber geputtierten «Jtinbe, gemifefet mit etwas Ulmenrinbe, gemadjt wirb, iß ein gutierläfßgeS «Kittel gegen fatten Vranb. SBenn ße für Durcfefott ober Kutjr gubereitet wirb, fottte ße mit aromatifdjen ©atfeen, wie ©ewürgnelfen, 3tmtnet, Ketfenpfeffer unb bergteidjen unb einem Ifeeil Kfeabarber ober einem anberett SröffnutigSmittel oerbunben werben, ober fte fottte gur fetbett 3eit mit eitt wenig Septanbrin ober Kicinusöt ober tteutra* tifirenbem Sorbiol gegeben werben, ba ße fonß gu gufammengiefeenb unb ßopfenb »Wen möajte. Die ©obe ber Slbfodjung ift eine Viertel bis eine fealbe Saffe oott, brei- bis feefesmol täglicfe. Sicfeenrinbe ift ein gefunbeS, reines unb fefer ttütdtdjeS jufammengiefeenbes «Kittel unb fantt itt bett meißen gätten, in welefeen aßringirenbe «Kittel notfewenbig ßnb, angewanbt werben; man muß nur oorfiefetig feitt, nidjt gu biet gu geben, ba ße fonß ben Seib gu fefer »erftopfen möcfete, namentlicfe bei ber «Rufer. £ie Verbinbung mit Kfeabarber, weißer SBattnußrinbe ober eines fonßigen milben Stbfüferimttels in ber Slbfodung wirb irgenb welctje ©tfewürigfeit biefer Slrt tierfeüten unb madt ße für atte gätte oon Unterleiböfranftjeiten werttjootter. ©tfcnljütlem, © tttr m tj u t — (Sat.: Aconitum Napellus, Sngl.: Acon- ita, Wolfs Bane, Monk's Hood). — Das Sifenfeütfeitt iß eitt narfotifdjeS ©ift, fann aber, wie tiiele anbere nartotifefee «pftaitgett, oft ats eitt fefer ttütditfees Heilmit- tel, »enn mit großer Vorßdjt nnb auf geeignete Slrt gebraucfet, angewanbt werben. Sie iß eine in Suropa eintjeimifdje uttb itt bett meißen Vlumengärten biefes SanbeS gezogene 3ierpflattge, Die «pflattje wirb »on »ier bis fünf guß feoefe, bü att ben 720 «Kebtginifdje ©ewäcfesfunbe Snben lange ©tengel, an weiden bü bunfelblouen, fetjr bübfdjen Vlumen ß&en. b'.e im «Kai unb 3uni blühen. Die SBurgel foll ber fjeilfräftigße Sfeeil fein; bocfe mirb auefe bie gange «Pßange, turg tior bem Vlüfeen, als rin fefer wirffomes Slrgneimittel angewanbt. «Kebiginifcfee (Sigenfdjaften unb © e b r a u dfe. — Das Sifenfeütlein Wirb meißens in gorm oon weingeißigem SluSgug (Tincture) ongewanbt, inbem eine Unge beS Krautes ober ber SBurgel mit fecfes Ungen tierbünntem SBeingeiß auSge- gogen wirb. Ss wirb aber ebenfalls in gorm tion Puloer ober Srtraft angewanbt. SS wirb waferfdfe ein liefe nidjt nötfeig fein, benfelben in irgenb einer gorm jt gugube« reiten, ba wir Srfafemütel in gletden ÄranffeeitSfätten genug bafür baben; follte aber bennod) je ber ©ebraudj notfewenbig fein, bann iß baffelbe itt Jeber Slpotfeefe gubereüet gu erfealten, unb gwar in ber für ben Äranfen angenefemßen gorm »on weingeißigem SluSgug. Ss wirb »ott Vielen gegen gieber unb ftarfe Sntgünbungen empfofelen, ebenfo bei Keroert* unb neuralgifcfeen Seiben, entgünblicfeem KfeeumatismuS unb ©idt SS iß oon größerer SBirfung bei ßärfer Sntgünbung unb feeftigen giebern. als in irgenb welefeen anberen Aranffeeiten. Die (3aht für eine erwadfene «Perfon tß oon fedjs bis gefeit Sropfen oon bem weingeißigen SluSguge, brei- bis oiermal tag« liefe in etwas SBaffer. Ss fottte aber nicfet länger gegeben werben, als gwei bis brei Sage, es fei beim, boß man Heinere ©oben nimmt. Ss iß ein beoorjugtes «Kittel in ber fjomöopattjifcfeen Hrilfunbe, unb wenn es bort angewanbt wirb, jeigt es flö) als ein feöcfeft wirffomes «Wütet itt gieberanfätten. Slttnäfeemb ber feomöopatfeifefeen SBeife, tbue rinen Sropfen bes weingeißigen SluSgugeS bes Sifenfeütlein in ein ge»6b> Iicfees'@laS oott reinen SBafferS unb gib booon einen Sfeeelöffel jebe ober alle jrcci ober brei ©tunben. 3n biefer SBeife gegeben, habe id eS oon ber größten SBirfung gegen fcfeleicfeenbe gieber gefefeen. «Kan erinnere ßdfe aber ßets, baß ti ein fefearf« giftiges «Kittel ift unb nie in gu großen ©oben gegeben werben fottte. (giferTjatb — (2at.: Verbena Hastata, Sngl.: Vervain, Vervine, Wild Hyssop). — Dies ift ein fefer gemöfenltcfeeS Unfraut, welcfeeS an SBegen, in trotte« nem ffartem Voben, an Heden unb in alten Singem wäcfeß. Ss feat eine Strt »on tiierfantigem ©tengel, wirb brei bis tiier guß feoefe, feat äßige ©lieber unb gegenüber« ßefeenbe, lattgenförmige, gegadte Vlätter unb fleine, feläultd>weiße Vlumen, »elfte ben gangen ©ommer blüfeen, benen lange unb bünne ©amentrobbeltt folgen. Ift Siferfearb ift leidt erfennbar, ba er eins ber gewöfenlicfe ßen Unfrauter auf SBegen unb atten feß getretenen «planen iß. . «Kebiginifcfee Sigenfcfeaftett uttb © ebrou dj. - «Kan iubra»4 bie SBurgel in ber Vereitung tion Slrgneien; ße iß ßärfenb, ****»**%J™ uttb bett «Konatsßuß beförbemb; femer etwas bredjenerregenb unb to™^T ©ie iß bas beße uub ßcfeerße befannte «Kittel, um unterboten unb gefeemmten m tall wiebirfeerguietteu1; ße fann nadj Velübett in ßorfer » ^^f werben, baS b,eißt eine fealbe Söffe unb mefer breü bis tiiernto tägtidj._~U ner ein guoeriäfßgeS ©tärfungSmittet bei faltem ober SBecfefelffeber en web er n ** fodjung ober in Verbinbung mit anberett bitteren ©tartungStnttten n *«* ober itt Srtraft, in gorm tion pitteit, genommen. Der Sriraft *t«, « W^ mit Sfjina uttb ein wenig Sapennepfeffer, tiorjugiiefee Pillen. Bie »awi ebung iß in große« ©aben breefemerregenb. Sine Slbfocfeung ber Stferfearbton, ober«pftattgett-3trgttefmitt'ellet)re. 721 mit burefe,wadfefenem SBafferljanf, fatt, in ©abeit tiott einem tjalben SBeinglaS tiott brei* bis »iermol täglicfe genommen, iß ein ausgegetdjneteS SBübertjerßettungStnütel naefe faltem ober SBeefefelßeber. ©tttenftlfl, 5K a i a p f e t — (Sat.: Podophyllum Peltatum, Sngl. x May upple, Mandrake). — Diefe «pßange wäcfeß faß überall in bett Vereinigten ©taaten auf fettem SBatbfeobett; ße wäcfeß meißettS in Haufen, unb wo ße überfeaupt tior* [ommt, iß ße in großer «Kenge »orfeanben. ©ie feat einen glatten ©tenget, ber ungefäfer gwölf bis oefetgefen 3ott feodj unb am Snbe gegabelt tß, mtt gwei ober brei großen, unregelmäßige«*Vlättem; ße feot eine große, weiße Vlume itt ber ©abel bes Stengels, welcfee gewöfenlicfe früfe im «Kai erfcfeeint, unb auf welcfee eine apfel* artige, runbe, gtatte unb, wenn reif, weiefee, flrifdjtge grudjt folgt, wetdje gelb uub ungefäfer oon ber gorm unb ©röße eines fleinen HüfenereieS, faftig, leicfet fäuertlcfe unb »on angetiefemem ©efefemade iß. ©ie wirb tion oerfdjiebenen Seuten gern gegeffen. kebiginifcfee Sigettfcfe, aftett unb ©ebraudj. — «Katt gebraucfet bie SBurgel als Slrgnei; ße iß ein ßcfeereS, fräftige« unb fefer gutierläfßge« «Kittet, »etefees wäfferige ©tufelgättge feertiorbringt. 3n ßarfen ©oben gereiefet, iß ße wirf* fam bei atten Strien tion SBafferfucfet unb innerlicfeeit ober örttidfeett Sntgünbungett, wenn immer man müttfefet, feäußge, wäfferige ©tufetgange feerüorgurufen uub auf biefe SBeife bas in bem .Körper in gu großer «Kenge tiorfeanbene SBaffer abgutaffen, bie jirfulirenben glüfßgfeiten gu tierminbem, ober wenn eitt Slbleitungsmittel, wie jum Veifpiel bei ©efeimentgürtbuttg, nöttjig fein foüte. Die gepuloerte SBurgel »urbe frütjer fefer tiiel als Slfefübrmittel gebraucfet; aber fpäter, feit ber Sinfüferuttg bes «pobopfepttin, wetdeS tion biefer SBurgel gemadjt wirb, wirb bie eigentlicfee 3Bur= jel nicfet mefer fo oiel angewanbt. Der weiefee Srtraft wirb ebenfalls oiel gebraudjt, unb in biefer gorm iß fte ein ausgegeidjneüs «Kittel, oorgügtidt) weitit matt «Piüen baraus gu macfeen wünfdt. ©ie wirb audj in weingeißigem SluSguge angewanbt 3n fleinen ©oben, weldje man mit bem SluSbrude „oeränbembe ©aben" begriffe, net, ift bie SBurgel ein auSgegeidneteS, auf bie Seber einwirfenbes «Kittet, inbem es fo»ofet bie Seber, als audj bas gange Drüfenfpftem anregt, ©ie iß ferner eitt guoer- (affiges VeränberungSmütet bei Drüfenfrattffeeitett, itt oenerifefeen itratiffeeüett, «JKerfurialfranftjeiten unb bergleidjen. Die ©abe ber geputoerten SBurgel, als ein Slbfüfermittet, iß oott breißig bis fecfe> gig ©ran, ober einem fealben bis gu einem gangen Sfeeelöffel oott, unb ße fottte immer in Verbinbung mit gefen bis fünfgefett ©ran gepuloerten ©ewürgnelfen, ober Pfeffer, ober grüner «Künge, ober fünf bis fecfes ©ran Sapennepfeffer, um Kneipen im «Ka* gen unb Uebelfeit gu oertjinbem, gegeben werben. SBenn man bie oottßänbigße »affertreibenbe SBirfung, gum Veifpiel in SBafferfucfet ober örttiefeer Sntgünbung, laben will, bann gibt man bie gepuloerte SBurgel mit gwei Steilen geputoertem weü fien SBeinßein ober Sremor Sartari. Ztx Srtraft fantt bereitet werben, inbem man eine «Partie getrodneter (bie frifefee 5B«rjel foffte nie gebraucfet werben, ba fte gu fdjarf iß) unb grob gepultierter SBur* jeln in einem Äeffel mü oerbünntem SBeingeift (baS iß Sllfofeol uttb SBaffer gu glei- ten %ilen gemifdjt) übergießt unb biefe «Kifcfeuttg oier unb gwangig ©tunben »ber länger ßefeen läßt; bantt fe£t man metjr SBaffer fjlngu unb läßt ße über einer 46 722 «Kebiglnifetje © e wädfesf unb e getinbeit bty* ein bis gwei Sage gütjett; aisbann gießt man bie Slüfßgfeit afe preßt bie SBurgel aus unb oerbunßet bie glüfßgfeit über einem langfamen Reitet, bis ße fo bid wirb, wie rine «pittenmaffe ober SittgemocfeteS, unb feewabrt ba« ©an» In ©teitttöpfen auf. Die ®abt beS SrtrafteS als SlbfüfermUtel tß fünf bis fecfes ©ran, weldjer in jroel bis brei «Pillen gemadjt werben follte, benen ein wenig Sapennepfeffer ober gepuloerte Keifen unb oütteiefet etwas Kt)aborber, ober irgenb ein ottberes anwenbbore« Pul« tier feingugefügt werben tann, bamit ber Srtraft bid genug wirb, um piüen barau« formen gu fönnen. Der ßu[a% oon Sapennepfeffer mocfet, baß ber Srtraft fcfentDet wirft, ©efer gute «Pillen für Seberleiben ßnb folgenbe: gepulverter Sobeliafamen, Vredjwurgelpuloer unb Septanbrin oon iebent gwangig ©ron, ©attguinartn unb Ca« pennepfeffer, oon Jebem gefen ©ron, unb genug «KaiapfelwurgeüSrüaft, um Pillen baraus formen gu fönnen ; bie ®abe, um als Veränberungsmittel auf bie Seber tu wirfen, iß eine «pttte feben Slbenb ober üben Sag; unb um abfüferenb gu wirfen, ift ße brei bis oier Pillen. Dies ßnb ausgegeidnete Pillen gegen Seberfranffeeiten unb geßörte Verbauung, auwenbbar itt allen gätten, in welefeen eröffnenbe ober abfufe- renbe «Kittel notfewenbig ßnb. p o b o p b P 11 i« iß ein feines, bunfelgelbes ober grüttlicfees Puloer. Ss iß bet wirffame Veßanbtfeeit ber «Kaiapfelwurgel Im fongentrirten ßußonbe. (5s iß ber ©imfoit unter ben Slrgneißoffen beS PßangenreicfeeS unb fann als ber ©tettoertreter bes Salomel betraefetet werben, fowofel als Slbfüfermittel, als aud als «Kittel gur Hri= tung ber Seber, als Sitteratio, ober wo irgenb fonß Salomel angewanbt wirb. «Ulan wirb ßnbett, boß es atte bie oortfeetltjaften SBirfungett bes QuedßlberS feat, ofene bie gefätjrlicfeen beffelben feertiorgurufen. Ss wirb in tierfefeiebenen ©aben, im SBerfjälN niß gn bett SBirfungen, welcfee man feeroorgurufen beafeßdjtigt, ebenfo tn Verbinbung mit oerfdiebenett anberen Sfrgneimittettt gegeben. Ss ift ein oortreffliefee« unb angenefemes Slrgneimittel, weil es ttur iit fleinen ©oben gegeben gu werben brauefee, unb weil es in allen gäüen, wo eröffnenbe ober abfuferenbe «Kittel notfewenbig finb, wie bei ©attenffebem, Seberleiben, Sß affer onf ommlungett, als Stlterotio gebraucfet werben barf, unb es in folcfeett gätten in fleinen ober großen ©oben mit irgenb »el* cfeeit anberen «Kitteln oerbunbeit werben fann. DiefeS «Kittet iß fowofel in biefem Vttcfee in ber Vefeattbfuitg oerfefeiebetter Aranffeeiten, als auefe fonft nebß »erfcMcbe« nen anberen efteftifefeen Strgneimitteln, wie Septanbrin, «Kacrotin, ©anguinarin, Hpbraftin u. f. w. empfohlen worben. «Kan fann es in otten Slpotfeefen, feübfcfe ausgeßattet in ©läfem, bie eine Uttge featten, befommen. Ss iß eins »on ben 5tr;nei« mittein, wetdje man immer im Haufe fealten fottte. Die <3aht beS «pobopfepttins gum Slbfüferen iß etwa gwei bis brei ©ran; allein gegeben iß es in feiner SBirfung fetjr langfam, aber tierbunben mit gleictjen Sfeeilen Sapennepfeffer wirft es in ber tjalben Seit, wenn nicfet nocfe. fdjnetter. Ss i|t immer am beßett, etwas Sapennepfeffer, ©ewürgnelfen ober Sttgwer bamit ju »erbtnben, nm Kneipen uttb Uebelfeit gu oertjüten; unb wenn man bie tiöüige waffertrei um SBirfung, gum Veifpiet bei ber SBafferfucfet ober inrterltcfeer ober örtlicfeer ttntntn- bung, wüttfefet, bann gibt matt mit ifem gugteieb, einen Sfeeetöffel »oll Gremor x. tari. SS wirft gewöb, niidfe ßefeerer unb fräftiger, wenn eS in getfeeilten ©aben, er* brei ©ran in brei gtetefee ©oben geseilt ttnb bation atte gwei ©tunben eine ge .wirb. Sit« eine »eränbernbe ober onf bie Seber eütwtrfenbe Slrgnei,fonn es tn pa.o ober Pffangett*Slrgtteimittellef)re. 723 fflrangaben tin* bis gweimal täglidfe gegeben werben, unb in fotdjen gätten iß eS baS Sefte, es mit gleicfeett Sfeeiteit Septattbritt ober ©attguinarin gu tierfetnben, unb wenn man baffelbe nocfe mit ebenfo tiiel Vrecfewurgelpultier unb Sapennepfeffer oerbinbet unb mit Söwettgafe>Sriratt gur Ptttenmaffe macfet unb «Pillen baraus formt, weldje einen fealben ©ran tion jebem entfealten, bann feat man bie beßett Pitteit gegen träge Jeber, gattenfeaften Suftanb beS AörperS, Uittierbaulidjfeit unb bergleidjen mefer. gjlan 'nimmt eine Pille täglicfe ober ritten um ben anberen Sag, unb befeufs 3ibfüb> rung brei ober oier Pillen auf einmal. SBenn man gwangig ©ran «Pobopfepttin unb jefen ©ran Sapennepfeffer gu gefen Pillen mit ein wenig ©ummifcfetrim ober wricfeem (Srtraft ber «Kaiapfelwurget macfet, bann Xjat man eins ber beßett unb wirffamften Mannten SlbfüfermUtel; eine «pitte baoon wirft in einer ©tunbe. fömtdttr W i l b e r — (Sat.: Triosteum Perfoliatum, Sngl. : Gentian). — Z'xti ift eine febr befannte, in ben meißen ber Vereinigte« ©taaten wilb, auf trode* nem, fettem Voben, in SBälbern unb an ben Känbem ooit Hafelgebüfdjeit wacfefenbe spflanje. Von einem Vünbel SBurgein fdfeießen oerfefeiebene gwei bis brei guß feofee Stengel auf. Die Vlätter lommen aus bem ©tengel unb ßefeen einattber gegen* über, fo baß es erfcfeeint, als ob ber ©tengel ße burdjftädje, äfentid) wie bei bem burcfewacfefenen SBafferijanf (Boneset). Die Vlumen ßnb rötfelicfe; bie Veeren, »etcfee am Snbe bes ©tengels wie Sraubett bidt gufommenßefeeit, ßnb groß uttb oott gelber garbe. Die SBurgel iß feettbroun, lang, runb, nad, untett fpiti gulaufenb, büfcfeelig uttb oott fdjarf bitterem ©eüfjtnad. Die SBurgel unb Veeren werben als Heilmittel gebraucfet. kebiginifcfee Sigenfdjaften unb ©ebrauefe. — Die wilbe Sngiatu würget iß ein auSgegeidjneteS „VitterS," ßärfenb unb reftaurirenb, töfenb, etwas flimulirenb unb, in großen ©aben genommett, abfüferenb. ©ie wirb meißens als „SitterS" in Verbinbung mit anberen Slrtifeln unb in ber gorm oott Srtraft unb iitten gebraucfet. ©ie iß fefer fdjä£enswertfe bei faltem ober SBecfefetfteber ; befon- bere trirft fte wieberfeerßettenb unb ftärfenb, nacfebem bas falte gieber gefeofeen iß. Sluö ben Veerett fann man ebenfalls, wenn ße mü gewöfenticfeem ober SBaefefeol* berbranntweitt auSgegogen werben, einen oorgüglicfeen „VitterS'' macfeen. Die ®ak bes SrtrafteS ift oon feefes bis gefjn ©ratt; bie «Pflange wirb übocfe feiten allein »erwanbt. ©rbbeerett — (Sat: FragariaVesca, Sngl.: Strawberry). — Die Srbfeeere ift gu wofel befannt, als baß fte einer näfeeren Vcfcfereibung beburfte. ©ie wirb auferorbetttliefe »iel angebaut unb wirb ferner burefe baS gange Sanb wtlbwacfefenb gefunben. Die gewöfenlicfee wilbe, auf allen weftlidjett «prärieen biefes SanbeS »or> fommenbe Srbbeere, iß bie oirginifdje Srbbeere; bie, welcfee in ben Vergen gefunben »irb, ift bie conabifefee. 3n mebiginifefeer Hittfid, t ßnb ße atte einanber gleicfe; bie ganje Pflange unb SBurgel werben angewanbt kebiginifcfee Sigenfdjaften n'nb © e b r a u dj. — Srbfeeerenfelät terunb SBurgein ßnb ein auSgegeidjneteS 3ufammengiefjungSmittet unb nü^lidj bei UnterleibSfronffeeiten, tiorgüglictj ber ainber. Sine ßarfe Slbfodjung fann tion ben Rättern, ober Vlätüm unb SBurgetn gemadjt uub feäußg getrunfen werben; ober man fann einen ©prup ober Hergßärfung (Cordial) entweber tion bem braute allein, 724 «Kebiginifcfee ©emädjsfunbe eber iit Verbinbung mit anberen Slrtifeln, wie 3lmmet, ©ewürgnelfen, Kelftnpftf. fer, Vrombeerwurgel unb berglelajen macfeen. Die SBurgein, fagt man, fmb feamtreibenb. Die Veere tß eine febr belifate grudjt unb für 3ebermann gefunb. «Kan fagt, baß fte gut gegen ©tetnfranffeeit fei unb baß ber ©aft bie featten 2lu« fdjribungen an ben 3äfenen, welcfee SBeinßeitt genannt werben, ofene ben 3äbnen ju fdfeaben, außöfe uub wegfdjoffe. @fdf)e, ßa cfe lig e — (Sat.: Xanthoxylum Fraxineum, Sngl.: Prickly Ash), — Die ßacfelige Sfdje iß ein Heiner, fünfgefett bis breißig guß feöfeer, in ben nötbli« cfeen, mittleren unb weftlidfeen ©taaten feäußg tiorfommenber Voum. Tic Veeren, wenn reif, ßnb flein, fdfewarg unb In iferer gorm ben ©ewürgnelfen äfenlid; ße ftnb tion Ijeißem, ßecfeenbem unb bem «Pfeffer äfentidfeen ©efcfemade unb entfealten tin Cel, welcfeeS ifenett einen ßarfen, angenefemen, ben Sitronen äfettlicfeen ©etucfe »tt- leifet. Die Kinbe feeߣt ebenfalls einen ßecfeenb fdjarfen, Reißen unb oromatifcfetn ©efefemad. «Kebiginifcfee Sigenfcfeaftett uub © e fe r o u cfe. — Die Kinbe unb bie Veeren werben angewanbt; ße finb onregenb, ftärfenb, tieränbernb unb gufammen« gübenb. Die Veeren ßnb ferner winbtreibenb unb frampfßittenb unb fdjeinen befon- bers auf bie ©cfeteimfeäute beS AörperS einguwirfen. DeSfealfe feat ßcfe ein gefällig« ter meingeißiger SluSgug ber Veeren als ein auSgegeidjneteS «Kittet bei Sfeolera unb anberen Aranffeeiten beS Unterleibs feerauSgeßettt; fte werbett ober ßets in Serbin« bung mit anberen Slrtifeln, wie ©ewürgnelfen, ßimmet, Äompfeer, ©uajaffearj, «Kprrfeen u. f. w. gebraucfet Die Kinbe ber SBurgel fowofel, wie bie Veeren »er« ben als eilt tiorgüglicfees «Kittel gegen rljeumatifcfee Uebel in ber gorm »on „Vitterü," bos feeißt mit Vranntwein auSgegogen, in Verbinbung mit ©uaiaffearg, ber SBurgel ber gemeinen ÄermeSbeere unb ber fdjwargen ©dtcmgenwurgel, empfofelen. Sie finb ebenfalls ein auSgegeidjneteS ©tärfungSmittet, befonbers für bie, welcfee ßcfe »om gieber erfeotett. 3rt allen gätteit, wo ein onregenb tieränbembes «Kittel notfewenbig iß, wirb man ßnben, baß bie ßacfelige Sfdje entweber mit anberen «Kitteln, obet allein oon großem SBertfe iß. ©ie erwärmt unb belebt ben «Kagen, ßärft bie S?er- bauungsorgane, öffnet bie ©dfeweißporen, beförbert bie HautouSbünßung unb regu» lüt bie ßüfulation. gür biefe ßwede uub gur Vereitung eines ßärfenben unb anregettben „VitterS" wäcfeß feilt beffereS «Kittel itt unferen SBäibern. Der »ein» geißige SluSgug ber Veeren iß ein auSgegeidjneteS «Kittel für llnterfeibsfrämpfe, ©dfemergen im «Kagen unb im Seibe, Diarrfeöe, KfeeumatismuS, falte Hänbe unb güße unb was fonß oon einer trägen 3üfutation Ijerrüferert mag. Die ®abt Ui PulüerS ber Veerett ober ber Kinbe ber SBurgel iß gebn bis breißig ©ran brei- Ui tiiermal tägtidj; bie beS weingeiftigett SluSgugeS iß ein bis gwei Sfeeelöffel »oH, in gewöfenliefeett ©oben gu gebraudjett. %atnttautmutJel, Sotjatttttswurget — (Sat.:AspidiumFilixMas, Sngl.: Male Fern). — Das gamfrau't iß eine tion ben befonberen Pßongen, rrelcfee feinen ©tengel, fonbern nur einige lange feberartige Vlätter ober 3weige tjaben, welcfee tion ber SBurgel aufßeigen unb ein bis brei guß feodfe werben, ßa »acbjj meißens in fdjattigen Sannenwätbem, in ben attantiftfeen ©taaten, oon Kew 2)ori riS gu ben Sarolinas. Die SBurgel, bie man als Heilmittel gebraucfet, mu$ fefer ober Pflattgett^Slrgneimittelletjre. 725 borfidjtig geüodnet unb nad, bem Srodnen fogteid) gepuloert unb in gut oerfdjtoffetten glafefeen auffeewafert werben, fonß wirb ße ifere guten Sigenfcfeaftett oerlieren. Ss erißirt ein ätfeerifdjeS Del, welcfeeS burdfe Deftittation mit Sietfeer ertjalten wirb, unb itt biefer gorm wirb biefeS Heilmittet üjü aud meißens angewanbt Diefes Del fann man gewöfenlicfe in ben Slpotfeefen befommen. «Kebiginifcfee Sigenfcfeaftett uttb ©ebraudj. — ©ie wirb btoS ali ein wurmwibriges «Kittel angewanbt, unb gwar nur gegen Vanbwurm. — «jftan fagt, ße fei bas beße «Kittet, welcfeeS je gegen ben Vanbwurm angewenbet wor* ben iß. Die Slrt, bos Del ber gamfrautwurgel iu fotdjen gätten anguwenben, iß gwölf Ui fünfgefen Sropfen beS SlbenbS in ein wenig oerfüßtem ©düim ober ©prup, unb biefelbe <3abe iß am folgenben «Korgen wieberb ott gu geben, ßwei ober brei ©tunben nacb ber gweiten ©obe gibt man ein Slbfüfermittet oon KicittuSöl ober ein anbereS »irffameS SlbfüfermUtel, unb wenn ber SBurm tobt iß, wirb er, ofene im geringftett un= angettefeme ©efüfele gu feinterlaffett, afegefeen. Sollten bie ©aben feine SBirfung tjaben, fo fann matt biefelben in oergrößertem «Kaße wieberfeolen. Die (3ahe bes «PuloerS ift ungefäfer gwei Stjeelöffel oott unb iß auf biefelbe SBeife wie baS Del gu geben. ^endjelfantCtt — (Sat: Feniculum Vulgare, Sngt.: Fennel Seed). — Die genttjelpflange erreidjt eine Hötje oon gwei bis oier guß unb wirb in unferett Mü* efeengärten gegogett. Die ©amen werben fowofel in ber Slrgneibereitung, als oon ßueferbädertt unb Äöcfeen gebraucfet Ss wirb eine anbere ©orte gendfeel in biefem Sanbe gegogett, weider fuße genefeel (Sweet Fennel) genannt wirb; er ift bem gewöfenliefeett gencfeel fefer äfenlicfe, nur baß er füßer unb angenehmer iß. «Kebiginifcfee Sigenfcfeaftett ttttb ©eferaud.— Der gencfeelfame feat einen ßarfen angeitefemeit ©erucfe, einen warmen, füßlicfeen, aromatifdjeit ©e* fefemad unb ift ein «Kittel gegen Vläfeungen unb onregenb. Sr wirb in ber Slrgnei gegen SBinbfolif, Vaucfegrimmen unb bergleidjen, meiftenS bei kinbertt, aitgewanbt. Sr rotrb ebenfalls mit anberen Slrgneütt oerbuttbett, um ße angenebmer gu maden. Sr »irb meiftenS in Slufguß ober warmem Sfeee aitgewanbt Die ®abt ber gepnü oertett ©amen ift oon gefen bis breißig ©ran. JtttßCvljut — (Sat.: Digitalis Purpurea, Sitgt.: Digitalis, Fox G-love). — Ztx gingerfeut iß eine fdjöne, gwei bis oier guß fjofee Pßange mit fdjönett, blauro«- tfeett Vlumen am Mop[e. Der gingerfeut iß in ben füblictjen Sfeelten Suropa'S einfeeimifaj, wirb aber audj in ©ärteit in biefem Sanbe gegogen. kebiginifcfee Sigenfcfeaftett uitb © e b r a u dt). — Sit großen ©a* ben iß ber gingerfeut ein irritirenbes, betäubenbeS ©ift, welcfeeS feäußg Vredjen, (tarfes Slbfüferen, äußerße ©djwäcfee, tangfamett uttb fdjwadjen «puls, SBatjofiim, 3ucfungen unb Sob feerbeifüljrt Sr muß mit größter Vorßdjt gebraucfet werben. 3n mäßigen ©aben, bie geeignet ßnb, ben Körper unter feinen Sinßuß gu brin* ßen, »ermefert er ben Stbgang beS SBafferS, oermittbert bie Sfeätigfeit bes HergenS bi« gu fünfgig ©dfelägen in ber «Kinute, tmb ber 3ußattb, bett er feerbeifüfert, iß meißens mit ©cfetafloßgfeit, gelittber Uebelfeit, bitmpfem ©djmerg im Mop[e uttb bis« »eilen ©cfewinbel, Verwirrung ber ©ebanfen nttb Vtöbigfeü ber Slugen oerbunben. 2Bentt biefe 3ußänbe eintreten fottten, bann fottte bie Slrgnei auf einige Sage aus- ßefe^t werben. 726 «Kebiginifdfee ©ewäcfesfunbe Der gittgertjut wirb in ©ubßang, b. fe. in gepulverten Vlättem ober in weingeifftgtn SluSguge gegeben. Die (3abt bes «PuloerS iß ein bis brei ©ron; bes weingeißigen SluSgugeS oon gefen bis fünfgetjn Sropfen. Die ©oben bes PuloerS, wie bie Ui weingeißigen SluSgugeS tonnen gwei* bis breimol täglidfe gereidt unb jeben lag tin wenig erfeöfet werben, bis ber «Patient unter bett Sinßuß ber SBirfung bes ginget« feuts gebradt iß. Sr iß ein fdtjmergßittenbes, feamtreibenbeS «Kittel unb leißet gute Dienße bei Vruftwafferfudfet, oerbunben mit aranffeeiten bes Hertens unb bei Küren, in welefeen gätten er feäußg angewanbt wirb. Sr wirb ebenfalls bei Herg« Hopfen, bri gefäferliden entgünblidjen giebern, SBafenßnn, fatteuber aranffeeit unb frampffeafter Sngbrüßigteit gebraucfet. Sr muß immer mtt großer S?orfidt gebraucfet unb atte feine SBirfungett muffen genau beobadjtet werben, unb wenn irgenb feine giftigen SBirfungett erfcfeeinen, fottte man gu geben aufljören. SBenn ju große (Sa- hen beS gingerfeuts oerabfolgt worben ßnb, ober wenn er gu fefer feerabßimmenb gewirft feat, muß man (nacfebem man ein Vredjmittet gegeben feot, um etwaiges nocfe im «Kagen Vorfeanbene gu entfernen) SBein, Vranntwein unb anbere ßimulirenbe «Kittel reiden uttb ©enfpflaßer auf ben Vaucfe, bie Hanbgeüttfe unb Slnfel legen. ffliebet — (Sat: Sambucus Canadensis, Sngl.: Eider). —Dies iß bet gewöbnlide unb attgemein befannte glüber, welcfeer über baS gonge Sanb »erbreitel iß; er wäcfeß in ©ebüfefeen, auf oben «Plänen, alten gelbem, on Heden unb »irb fecfes, aefet bis gefeit guß tjodj, blüfet im «Kai unb Sunt mit fleinen, weifjen, Ui gange obere Snbe beS VufcfeeS bebedenben, ßarf unb angenefem rieefeenben Vlumen. Die grücfete ober Veeren ßnb flein, fetjr gafelreidj, feängen in großen Vünbeln, finb faftig, füßlicfe, etwas tjerbe unb, wenn reif, oon bunfelrotfeer ober fdwarjer garbe. Der ©tomm iß gegliebert, entfeält eine große «Kenge fdjmammigen «KarfeS unb »irb oft als Köfere Im Slngapfen oon 3uderbäumen gebraucfet, unb bie Knaben benufeen ifen gu Änattbücfefett. «Kebiginifcfee Sigenfcfeaftett unb © e b r a u dfe. — Die Vlumen, Veeren, bie innere. Kinbe beS ©tammes unb ber SBurgel werben atte in ber Slrgneibe» reitung angewanbt unb tfeun in ben oerfcfeübenßen Aranffeeiten gute Dienße. Sin Slufguß ber Vlumen, warm genommen, iß fcfeweißtreibenb unb muVßimulirenb; falt genommen, iß er feamtreibenb, alterirenb unb blutreinigenb. Ser Sfeee »on giieberblumen iß gut für Ainber bei atten Unorbungeit bes Unterleibes unb ber Je- ber unb bei SluSfcfetagSfranfferiten, Kofe unb bergleidjen. Der ©oft ber Vetren, gur Dide oon ©prup eingebampft unb in ©oben oon einem bis gwei Sßlöffel »oü wieberfeott gegeben, wirft ats ein ßcfeereS Deffnungsmittet unb reinigt bie Säfte; in großen ©aben iß er eitt gutes Sibfüljrmittel. Die Vlumen bilben einen »iefetigen Veßanbtfeeil einer ber beßen Strien oon fäfteroerbeffembem ©prup gur Heilung »on oenerifefeett, Drüfen-, SluSfdjlagS- unb anberen fonßüutionetten aranffeeiten. Die innere Kinbe iß feamtreibenb unb etwas abfüferenb. Set SluSgug, wenn mit faurem SBein ober Stpfelefßg gemaefet, iß ein gutes Sirgnelmittel in ben tneijten gätten oott SBafferfudjt Der SluSgug tann in ©oben oon ein bis gwei Ungen, brei' bis oiermal täglicfe genommen werben, worauf ertieränbernb unb feamtreibenb »ir«. Die SBurgel ober Kinbe fann auefe für gleidfee 3roede mit SBaefefeotberbranntwein axxi> gegogen werbe«. Sine auSgegeicfenete ©albe für Vranbwunben unb ©efeotf »r Itmodjt, wenn matt bie frifdje innere Kinbe mit gett fodjt; wenn man bann noc? ober pffattgett=3irgttetmtttetlefe>e. 727 et»a« SBad^ uttb Harg gufefct, fo erfjäft man eine gute ©atbe für ©Quitte, SBtttt- bett unb ©efefewüre. ^ttHiettfctmlj, VettttSfdjutj — (Sat.: Cypripedium Pubescens, Sngl.: Ladies' Slipper, American Valerian, Nervine, Moccasin Flower, Urnbel). — &i eriftiren oerfefeiebene ©orten VenuSfefeufe uub meiß alle befreit äfenlicfee mebigü nifefee Sigenfcfeaftett; gwei oon biefen Strien, bie eine mit gelben Vlumen unb bü anbere mit weißen unb rofa ober rotfeen Vlumen, werben am meißen gebraucfet. Z)tx VenuSfefeufe wäcfeß in ben meißen ©taaten, in fettem, fanbigem Voben, meü ftenö auf Vergen unb Stbfeängen, an glüffen unb in fetten, fefeattigen SBälbem. gr wirb oon einem bis gwei guß feoefe, feat brei bis tiier 3ott lange unb gwei bis brei ßoll breite Vlätter; fte ftetjen abwedfelnb unb ßnb burefe eine Slrt ©efeeibe am ©ten* gel befeßigt. Die Vlumen ßnb groß, feübfct) ausfefeenb unb in ber gorm gteidj 3«* biatterfefeufeen (moccasons), entweber tion blaßgelber, ober weißer garbe mit rotfeen ober »iotetten gleden. Die SBurgein ftnb in Vünbeln, faferig, frumm unb ungefähr »on ber Dide tion SBeigenßrob,. Die SBurgel iß ber als Slrgnei gebraudfeü Sfeeil. kebiginifcfee Sigenfcfeaftett unb ©ebrauefe. — ©ie ift nertiett* ftärfenb, frampfßittenb, etwas ftärfenb unb fdjweißtreifeenb. ©ie iß wertbtiott in allen gäüen oon iteroöfer Keigbarfeit, ^opfweb,, Krämpfen, welcfee ooit ber ©ebär- mutter feerrüferen (Hysteria), fottenber Aranffeeit, Kutjeloftgfeit unb wo immer ein fidjeres unb neroenftärfenbes «Kittel notfewenbig ift. ©ie wirb oft in gefätjrtidjen neroöfen kranftjeiten in Verbinbung mit ©efeilbfraut angewanbt, ba bie 3ufam* ntenfejjung fräftiger, als neroenßärfenbes utib frampfftittenbes «Kittel wirft Die SBenuöfcfeufewurgel wirb oiel in gorm oon Slufguß gebraucfet; feoefe fantt fie audj in Srtraft unb weingeißigem SluSgug angewanbt werben. Die ®aht bes alfotjolifcfeen ßrtraftes iß oon fünf bis geljn ©ratt; bie bes weingeißigen SluSgugeS oon gwei bis oier Stjeelöffel oott; bie beS «PuloerS ungefäfer ein Sfeeelöffel oott, in ein wenig Mutertfeee ober warmem SBaffer. Der Slufguß wirb bereitet, inbem matt eine Unje ber gepuloertett SBurgel itt einer «pinte foefeenbett SBafferS gütjen läßt; bie ®ah baoon iß eilte tjalbe bis eine Saffe oott, atte ein bis gwei ©tunbeit ober öfter, je nadj ben ©pmptomen. ©ie iß ein oortreffltcfeeS Srfa^mütel für ben frem* ben ober europäifefeett Vatbriatt nnb in bett meißen gätten ifem gang gteidj. ©ie »irb in otten Slpotfeefen oorrätbjg gefunben. ©fltjel, SBadjSgagel— (Sat. : Myrica Cerifera, Sngl.: Bayberry, Candleberry, Wax Myrtle). — Der SBadjSgagel iß eitt itt Slmerita einfeeimifdjer ©trauet), weldjer gwifdjen Keu=Snglanb unb Souißana oorfommt Sr wädjß fowofej auf trodenem, als naffem Voben, auf alten gelbem unb ßeinigeit Vergen. Sr erreidjt, fe nadj bem Voben ttnb Mlima, oerfdjübene Hötjen; in Souißana wädjß er gu ber £b> »on geljn bis gwölf guß; in «Kaffadjufetts, wo ex fefer fjäuffg tß, erreidjt er jebodj nur bie Höfee »on tiier bis fünf guß. 3 tiottßen aller «Pßangett, fowotjl Slmerifa'S, als Suropa'S. «Kan ertjält tion einem Sufttjel ber Veeren biefer «Pßange etwa tiier «pfunb SBacfeS, weldfeeS unter bem Ka- men ©agelwacfes befannt Iß. Diefes SBacfeS wirb gn tierfdjübetten 3wedeit tierwanbt, Inbem mon baraus Kaßrfrife, Kadjtticfeter, ©iegettad, ©cfeufewtdjfe unb, mit Salg Bemifcfet, bie fdjönften, llarßett, babei angenefjm rüdjenbe Sicfeter bereitet Dei 728 «Kebigintfdje © e w ä dfeslunb e ©tengel beS ©aget iß mit einer grauen, namentlicfe am Snbe bes Stengels, bttfn Kinbe bebedt. Die Vlätter ßnb fdjmal, am unteren Snbe fpifc gutaufenb, an ber ©pifje etwas gegäfent, unten giemliefe glatt unb feaben feargige «Punfte. Sr blüfet im «Kai unb trägt fleine Veeren, weide an 3weigen entweber eingeln, obet itt Stauben feängen, unb im Slnfang grün ßnb, bonn grau unb im Herbß gang weiß werben. Die SBurgel muß im grütjjafer ober ©pätfeerbß gefammelt, tion ber Srbe gereinigt unb mit einem Klopfer gefcfelagen werben, um bie Kinbe abgulöfen. Sie Kinbe mufj gut geüodnet werben, ba ße ber Sfeeil iß, welcfeer im Slrgnelfcfeajj oerwanbt wirb. ©ie fonn itt atten Slpotfeefen in «Puloerform gefunben werben. «Kebiginifcfee Sigenfcfeaftett unb ©ebraud- — Die Kinbe bti SBurgel iß ein auSgegeidjneteS «Kittel gegen eiürnbe Dmfengefdjwure, inbem man biefetbe puloerißrt, mit Kegenwaffer gum Vrei fodjt, biefen auffegt unb bann eine ßarfe Slbfodjung madt uttb biefelbe in bie ©efefewüre einfpri^t. Ter Vreiumfdjlag wirb oerbeffert, wenn matt ifem etwas puloerifirte Ulmenrittbe feingufügt, woburcfe berfelbe mefer 3ufammenfeang befommt. Sine Slbfodjung ber Kinbe wirft ebenfalls gut gegen alte SBunbett. 3n ben ößlidjen ©taaten wirb bie Kinbe ouefe gtgen ©dfearlacfeßeber mit großem Srfol/ angewanbt; ebenfalls als ©urgelwoffer bei Hai«« wefe, WelefeeS mit ©efdjwüren ' erbunbeit iß; femer fagt matt, boß, wenn riefetig angewanbt, ße nütdidj gege -. jebe Ärantfeeit fei. SBenn ße in großen ©aben genommen wirb, wirft fie narfotifdj ober mit anberen SBorten betäubenb; trenn bet «Kagen fefer unrein iß, mag ße als Vredjmittet gebraucfet werben, ©ie iß ebenfalls tiermöge iferer gufammengiefeenben Sigettfcfeaften wirffam gegen Diarrfeöe, Stufet u. f. w. Sine Slbfodjung, tfeeetoffenwetfe, breimal täglicfe genommen, geigt fiefe tn folefeen gätten erfolgretdj. Die ®aht iß gewöfenlicfe ein Sßlöffel oott, auagefoajt in einer Saffe oott SBaffer unb oerfüßt mtt 3uder. Die ©ogelrinbe ift ein Haupt« beßanbttjeil bes fefer gefdjä&ten Stjomfoit'fc^eit ^ompoßtioitSpuloerS. (&aUäpfel — (Satt Gallae, Sttgl.: Nut Galls). — DleS ßnb fleine Vätte oon bunfelbläulidjem ober bleifarbigem SfuSfetjen, weldje an einem fleinen ©trauefee ober Vufdje in ben wärmeren ©egenben SißenS waefefett. Der wiffenfcfeaftlicfee tatet* nifde Korne biefes ©traucfeeS iß Quercus Infectoria, baS feeißt, geßoefeene ober »er- giftete Sidje. Durcfe bie Sinwirtung, welcfee ber ©tiefe eines 3nfefteS ouf bit garten, grünen 3weige feeroorruft, auf bie es fein Si nieberlegt, entßefeett bie ©attäpfel. Die ©attäpfel werben in biefeS Sanb oon ben Häfen beS «KittetmeereS eingeführt unb werben in ben meißett Stpottjeten oorrätfeig gefealten. 3d) t)abt otele äfenlicfee Vätte att bett Vlätüm unb fungeit Slefteit Heiner Sicfebäume tn biefem Sanbe gefc tjett unb fetje ooraus, baß ße auf biefelbe SBeife entftanben ßttb. «Kebigintfdje Sigenfdjaften unb ©ebraud. - Die ©aüapfel wirfen ßarf gufammengüfe>nb unb fönnen überall bann, wenn gufommenjitfeenbe «Kittel ttodjwenbig ßttb, mit Vorttjeil angewanbt werben, befonbers bei »eraitetem Durcfefott uub Vlutflüffen. ©ie werben in Slufguß unb weingeißigem WW gebraucfet. gür ainber gegen Utüertelbsfrattffeeiten angewartbt, fann man pe in «Kilcfe foefeen. Sitt Slufguß oon ©attapfefn, mü ein wenig Sllaun gelofi, Ift tut tiorgüglidjeS Sinfpritimittel gegen Sripper, weißen gluß, Kacfetripper, ©«»" ©ebärmutter, webm «Kunb in golge tion ©peicfeelßuß unb bergleidjen mrtr. ö MS brei ©attäpfel ßnb genug, um einen ßarfen Slufguß gu madjen. Die » obet «pflaitgett-Slrgtieimittellebre. 729 »wel bis riet Sßlöffel tiott; bü (3aht beS weingeißtgeit Slusgugs iß tiott gwangig jropfen bis gu einem Sfeeelöffel. ©änfeftlf?. wurmtreibe über — (Sat: Chenopodium Antbelminti- cum, Sngl.: Jerusalem Oak). — Diefe «Pflange wirb ein bis brei guß tjocfe unb »irb nafeegu in atten Sfeeilen ber Vereinigten ©taaten in oben «Plänen, bei alten ©ebäuben unb an SBegen wilbwadjfenb gefunben. ©ie wirb bisweiten in ©arten al« ein «JDüttet gegen SBürmer angebaut Der ©änfefuß blüfet wäferenb bes 3uli unb Sluguß unb trägt eine ungefeeure «Kenge grimlidj*ferauner ©amen, weldeit Ifeeil ber «Pßange man als Slrgnei gebraudt, unb welcfee, wenn reif, im Herbß gefammelt werben fottten. Die gange «Pflange, befonbers ber ©amen, feat eine« ftarfen, unangenefemen ©erucfe unb ©efefemad, weldfeer tion einem, in ifer enttjalte* nen, flüdjtigen Dele feerrufert, welcfeeS in «Kenge itt bem ©amen tiorfeanbett iß. Ziti Del ift in allen Slpottjefen unter bem Kamen SBurmfamenöl ober ©änfefußöt (Oil of Chenopodium) gu feaben. kebiginifcfee Sigenfcfeaftett unb ©ebrauefe. — Dies iß tin fdjajjenswertljes, fefer ßefeeres unb gtttierläffiges SBurmmütel. Der ©änfefuß iß ebenfalls frampfftittenb. Sr ift werttjoott gegen jebe Strt oon SBürmem. Du Samen muffen geputoert unb mit fo oiel Honig ober ©prup gemifdjt werben, baß Pe eine bide Satwerge bilben; alsbanit muß ben kinbern baoott Slbeitbs uttb «Kor* genä tfeeelöffelweife einige Sage lang gegeben werben, worauf man ifenen eine ®aht «Jticinuaöl ober ein anbereS SlbfüfermUtel reiefet Heutgutage wirb meiftenS bas Del gereiefet, ba es ebenfo gut unb ongenefemer ift Die (3aht beffelben ift brei ober oier Ui jefen Sropfen mit ein wenig 3uder ober ©prup, ©cfeleim ober «Kilcfe, brei ober »ier Jage lang, Slbeitbs uttb üKorgens gu reidjen, worauf man baim ebenfalls, wie bet bem oben ongefüferteu Verfaferen, eine wirffame Slbfuferung reiefet Sin fefer« gutes SBurmmittel fann gemadjt werben, wenn matt SBurmfamenöl unb Serpentinöt, »on jebem einen Sfeeelöffel oott, mit aefet Sfeeelöffeln oon Kicittusöl mifefet unb baoott, nacfebem man wofel umgefcfeüttelt feat, brei* bis tiiermal täglidfe einen Sfeee* liiffel »oll nimmt Dies iß eins ber beßen SBurmmütel unb wirft gu gleidjer ßtii tjinreicfeenb auf bie Singeweibe. Waultberüt, Hornfrant — (Sat.: Gaultheria Proeumbens, Sngl.: Wintergreen, Mountain Tea, Partridge-berry, Deer-berry, Pipsissewa). — DieS ifl eine fleine, ßroudjortige, immergrüne «Pßange. ©ie wirb nur itt bergigen ©egen* ben gefunben, auf trodenem, unfruchtbarem Sanbe unb in fanbigeit ©egenben. Sie feat eine frieefeenbe SBurgel, aus welcfeer einige bünne, röttjlidtje, wenige ßoU Ijotje «Stengel feerüorfdjüßen, weldje am Sttbe eitt Vüttbel Vlätter unb einige weiß* tiaje Sturnen, benen fleine fdjartadjrotb e Veeren folgen, tjaben. kebigintfdje Sigenfdjaften unb © e b r a u d). — Die Vlätter gebraucfet man; ße finb aromatifet), gufammengiefeenb, feamtreibenb, ben «Konats* H beförbernb unb anregettb. ©ie werben itt Slufguß ober Sfeee bei oeraltetem Durchfall unb Küfer, bei aufgehaltenem Urin uitb unterbrüdtem «Kottatsfluß ange* toanbt. «Kan gebraucfet bie ©autttjeria tjauptfädjlidt) in ber Vereüung eines ätfee* rifdjen Deles, burdfe Deßittatioit beS Krautes, wetdfeeS fetjr oiel gum SBürgett tion ©sparten, «Küturen ttttb mebigittifcfeeit 3ufammenfe£uttgett gebraucfet wirb. Den MW Ui Krautes fantt man ttad) Veliebett trinfen. 730 «Kebiginifcfee © e w ä cfe, S f u nbe dieluümrjel— (Sat. : Hydrastis Canadensis, Sngl. : Golden Soal, Yello* Root, Yellow Puccoon). — Das obere Snbe biefer «pflange ßefet bem tti ©tnfrna fefer äfenlicfe ; ße erreidjt ungefäfer biefelbe Höfee; ber ©tengel iß ein wenig gröfjer, oon bunfelgrüinr garbe uttb gabelförmig. «KeißenS feat jeber 3weig am oberen Snbe gwri bis brei raufee, bunfelgrüne Vlätter mit einer weißen Vlume in ber «Kitte, ntb[t einer rotfeen Veere, äfenlicfe ber rotfeen Himbeere, weldje eine Slngafel fleiner ©amen entfeält. Die SBurgel, welcfee ber als Slrgnei gebraudte Jfeeil ifl ift frumm, rungelig, raufe unb fnorrig, fealb fo bid als ein fleiner ginger, inwenbig oon fdjöner, gelber garbe unb einem ßarfen, aber attgettefem bitteren ©efefemad. ©ie wirb in fettem, fdattigem Voben unb auf ben Slbfeängen oon Hügeln burefe bit gangen mittleren unb weßliefeett ©taaten gefunben. «Kebiginifdje (Sigenfdjaften unb ©ebrauefe. — Die ©elbwutjtl iß ein reines unb auSgegeidjneteS ©tärlungSmittri. ©ie gefeört ju ben wertfeooÜ- ßen «Pffongen*Slrgneimittetn. ©ie ift nidjt attein ein fräftiges Gtärfitngs* uim SBüberfeerftettuitgSmittet, fonbern ße übt audj einen gong befonbers guten Sinflujj auf bie ©djteimtjäute aus; femer iß ße gong tiorguglicfe gegen ©efewämmefeen (Aphtbae) unb anbere itranfferitett beS «Kuttbes, gegen ©efefewüre bes «Kagtna nnb ber Singeweibe unb gegen dronlftfee Untierbaulidfefeit. 3« Vetbinbung mit anberen gufammengiefeenben «Kitteln, wie Vrombeerenwurgel, Äronidfefcfenabelrcur« gel (Geranium Root) unb bergleidfeen bilbet fie rin gang tiorgüglidfeeS «Kittel bei tieroltetem Durdfefott unb Kufer. Sin wüber erfalteter Slufguß oon berfelben ift ein »orgüglideS SBafdjmütel für fronte Slugen, für ©dfenitte unb SBunben. Sine ßarfe Slbfocfeung ber ©etbwurgel, in Verbinbung mit ber Ärantdjfdnabelrourjel, bilbet rine auSgegeicfenete Sinfprifmng bei bem weißen gluß ber grauen unb iji ebenfalls gut bei Sripper unb Kacfetripper. SllS ein ßärtenbeS unb wieberfeerftetten« bes «Kittel fottte es bei ber ©enefung tion ©allen*, SBecfefel* unb tppfeusartigem gieber, bei Srägfeeit ber Seber, unregelmäßiger Verbauung (Dyspepsia) unb in atten gätten, wo eine gut feerßettenbe Slrgnei notfewenbig iß, angewanbt werben. Die ^>aht beS «PutüerS iß tion gefen bis gwangig ©ran, ein* bis gweimal täglicfe; beS weingeißigen SluSgugeS rin bis gwei Sfeeelöffel tiott, unb in „VitterS" fann fie naefe Velieben, in Verbinbung mü anberen bitteren ©tärfungsmitteln, genommen werben. H p b r a ft i tt iß ber ausgegogeite wirffame Veßanbtfeeil ber SBurgel. 2s fann faß in atten Slpottjefen in ber gorm eines feinen frpßattinifcfeen «PuloerS getauft werben. Die ©abe beffelben iß ein bis gwei ©ran. Ss wirb meiß für benfelben ßwtd, wie bie SBurgel, tiorguglicfe in Verbinbung mit Sfeinin, gegen ©allen* (Bilious) unb SBecfefel* ober tatte gieber, ober mit Septanbrin in veralteter «Jtufet angewanbt (VH IfrtllUtt — (Sat.: Gelseminum Sempervirens, Sngl.: Jessamine, Yel- low Jessamine, Woodbine, Wild Jessamine). — Diefe «Pßange fommt in ben füblictjen ©taaten fetjr feäußg tior. ©ie iß ein flettembeS Kanfettgemäcfe«, welcfee« ßcfe, fefer üppig über 3äune, Hedett, ©träudfee unb was ße fonß immer erreicfeen fann, winbet, wirft oftmals baburefe biefeten, angenefemen ©ajatten, unb »ennjie blütjt, erfüllt fte bie Suft weit umljer mit einem ßarfen, angenefemen ©erucfe. sn Wäcfeß wilb, Wirb jebod) febr tjäufig itjrer <5d)önX)tit, tyre« ßarfen, angenefemen ober «pftattgett*3trgttetmtttetlel)re. 731 ©erucfes unb bes ©cfeottens wegen, welefeen ße wirft, in ©arten angebaut Die Slütfeen ßnb gelb unb erfcfeeinen fefer früfe in bett grüfeiingSmoitaten. kebiginifcfee Sigenfcfeaftett unb © ebr au cfe. — «Kan gebraudjt bie ffiurgel, bie im weingeißigen SluSguge angewanbt wirb, ©ie wirb als ein tior* nialicfees Mittel gegen gieber empfofeten; femer iß ße eins ber beßen fjerafeßimmen* ben unb frampfwibrigen Slrgneimittet, welcfee wir feaben. Viele Slergte tjalten ße für bas beße unb guoerläfßgße «Kittel gegen gieber irgenb welcfeer Slrt, welcfeeS je entbedt worben ift, als ba ßnb : anfealtenbeS, ©attenßeber, SBecfefel* ober folteS gieber, bösartiges Keroenßeber ober irgenb eine anbere Slrt oon gieber, welcfee ße meifteita innerfealb fecfes bis oier unb gwangig ©tunben feeilt. ©ie regulirt bie 3irfulatiott, ruft ©cfeweiß feeroor unb bembigt neroöfe Slufregung; ja ße fefeeint in ber Ifeat bett gangett Organismus gu feinem natürlidjen 3ußanb gurüdgufüferett unb eine gefunbe Sbätigfeit atter Slbfoitberungen gu beförbern, ofene babei Uebelfeit Ui «Wagens, ober Durdjfatt, ober irgenb einen anberett fcfelimmen 3ußanb — es fei bentt, baß ße iit gu großen ©aben gegeben würbe, woburd) fie gu ftarfe Srfcfeloffuttg feeroorruft — gu ergeugen. ©ie fann in irgenb einem 3ußanbe einer Aranffeeit unb wäferenb ober naefe irgenb einer Vetjanbluttg gegeben werben. Sfere gewöfenlicfee SBirfung ift allgemeines Herabftimmen, ja guweileu totale Srfcfetaffung, Doppelfefeen unb felbß bie Unmöglicfefeit, für einige 3eü bie Slugen gu öffnen; aber atte biefe SBirfungen werben balb oergefeen; ber kranfe wirb ßdj erfrifdjt fütjien unb frei oon gieber unb ©dfemergen fein. Die nin »erfeunbett werben; biefes ift gang befonbers bei ben ^genannten rüdfeferenben (remittent), SBecfefel- ober fatten giebern notfewenbig, ba biefelben fonß wübetfefe> ren möcfeten. 3wei ober brei mäßig große ©aben ftnb gewöfenlidj feinreidjettb. Der weingeißige SluSgug ber ©elfamin wirb tiorguglicfe, gegen gieber gebraucfet, ift aber tion ebenfo guter SBirtung bei neroöfem Äopfweij, Sungenfratttfeeit, weü fjem gluß, ©t. Vrit's Saug, 3otjitwefe unb atten nertiöfett Slufregungett unb Srregt- tjeiten, ber «Kunbflemme, welcfeer 3ußanb wiffenfdjaftlicfe SetanuS genannt wirb. 3« biefen letzteren gwei gätten fowotjt, wie in allen gätten tion Trümpfen unb 3ufam* mengtet)«! ber «Kusfeln, fantt man ßd) auf benfelben ats unfefelbar tierlaffen, wenn er bis gum Sintritt tiöttiger Herabftimmung gegeben wirb. Vorßdjt muß jebodj immer angewanbt werben, baß nidjt gu tiiel ober gu lange gegeben wirb, ba ein 3ui»eitgefeen in biefer Hinßdjt große ©efafer nadj ßdj giefjt SBenn man gu weit gegangen fein fottte, muffen anregenbe ©adjett, wie grattgferantüwetn, Kummer 6 unb bergleidjen, öfter gegeben werben. Der weingeißige SluSgug iß in atten Slpo- tfeefen gu tjaben. ©etbüt^nelfen — (Sat.: Caryopbyllus, Sngl. ; Cloves). — Die ©ewürg* nelfen ßnb bie nicfet tiottßänblg entwideltett Vlüttjett eines itt Dßinbieit uub anbe- ten feeißen ©egenben öortommenbeit fdjönen, immergrünen VaumeS (Eugenia Ca- 732 «Kebiginifcfee ©ewäcfesfunbe ryophyllata), wetdjer bie Höfee tiott fünfgefen bis gwangig guß erreidjt. Die Vlü- tfeenfttospett werben wäferenb ber Herbßmonoü, betior ße gur Sntwidelung fommen, gefommelt unb im ©djatten tiorßdjtig geüodnet. Die Keifen entfealten ein feötfefl aromattfdjeS, ätfeerifdjeS Del, ebenfo Sannin unb ein feorgigeS ©ummi, welcfeeS fie wertfeoott unb angenebm gufammengiefeenb macfet. «Keb igiiti f dj e Sigenfdfeoften unb © e b r a u dj. — Tie ©ewürj. nelfen wirfen anregenb unb aromotifcfe^ufammettgiefeenb unb ßnb ein gutes 'Kittel, um Uebelfeit, Vredjen unb Sßinbträmpfe gu unterbrüden unb bie Vertauuua, i»ie« berfeergußetten; femer wirfen fte gufammengiefeenb ; audfe ßnb ße febr wertfeooll alt ein Veßanbtfeeil tion «Kitteln gegen Durcfefott unb Kufer. Sin wenig gepuloerte ©ewürgnelfen ober ein wenig Del berfelben wirb oft anberen Slrgneien gugefeör, um Vaudjgrimmen ober Uebelfeit gu oerfeinbem. Die ©abe bes «puloerS iß oon jefen bis gwangig ©ran, bes Dels oon einem bis fünf Sropfen. (BinienO. — (Sat: Panax Quinquefolium, Sngl.: Ginseng). — Der ®in- feng feat rine bide, weiße, fnottlge, faftige SBurgel, oon einem bis brei 3oll lang, meißens ftnb gwei bis brei SBurgein an einem ©tengel, mit Kungeln, welcfee benfel- ben umgeben unb einigelt fleinen gafem. ©ie feat einen eigentfeümticfeen, angentfe« men, füßlidjen, fcfewadj*bitteren, aromatifcfeen ©efefemad. Der ©tengel wirb tinen guß feoefe, iß glatt, runb, oon röttjlidj-grüner garbe unb iß om Snbe in btei futje Sleße getfeeilt, weldfee jeber brei bis fünf Vlätter feaben ; in ber «Kitte ber Sleße ift ber mit einer fleinen, weißen Vlume oerfefeene Vlütfeenftiel, nebß einer großen, rotfeen Veere. Sr wirb in ben meißen ber Vereinigten ©taaten auf fettem, fefeat« tigern Vobett gefunben. «Kebiginifcfee Sigenfcfeaftett unb © e b r a u dfe. — Der ©infeng iß ein milbmeroenftärfenbeS, etwas anregenbeS unb bamtretbenbes «Kittel unb fann entweber in «puloer, Slbfocfeung ober weingeißigem SluSguge gebraudt werben. Slm gewöfenlicfeften Wirb er in „VitterS," iit Verbinbung mit anberen «Kitteln, ange wanbt. Sr iß fetjr tüüdidj bei Keroettfdwäefee, fefewacfeer Verbouung unb Slppetit« loßgfeit, als ein magenßärfettbeS unb wieberfeerßeüenbes «Kittet. Sr wirb ata ein fetjr wertfeoottes Slrgneimittel für ßttiber attgefefeen unb wirb femer gegen ßngbtiw ßigfeit (Asthma), ©lieberläfemung (Palsy) unb alle Keroenfrattffeelten febr empfeh- len. Die <3aht beS «puloerS iß oon einem bis gwei Sfeeelöffel oott in ein wenig tierfüßte«, tjeißett SBafferS; bie ber Slbfodjung iß »on einer Viertel bis gu einer feal« bett Saffe gwei= bis breimal tägiidj. (Buaiafyatt — Ot: Guajaci Resina, Sngl.: Gum Guaiac). - Sie« ift ein ©ummifearg, ober ber feße ©aft beS ©uafacumbaumeS (Guajacum Officinale), weldfeer in SBeftinbieit, befonbers auf Hapti unb 3amaifa, wäcfeß. Sr wirb in ben Slpottjefen in feartett, fefewargen, ober bunfelgrünlicfeen ©tüden, ober großen Äucfetn gefunben; er iß gerbreefeiiefe, leidjt gu puloerlßren unb oöttig losliefe in SBctngetft. «ÜRebi3inifcbe Sigenfcfeaftett unb ©ebraudj. - Tai ©uajafbaq iß anregettb, oerättbemb uitb t)amtreibenb unb iß ein ootgüglides «Kittel gegen KfemmatiSmuS. gemer iß eS itt Verbinbung mit anberen ©toffen ein »otjugltajt bittet gegen Spolera. Ss iß ein fe>ißeS SlnregungSmittet, äfenlicfe bem Sapenne- Pfeffer; öffnet bie «Poren ber Haut, treibt ben Urin unb erwärmt im StUgemetne* ober «Pflangett = 2lrgtteimitt lletjre. 733 bett Körper. Ss wirb meißens in weittgeißiger Söfung, in ©oben tion einem bis brei ober »ier Sfeeelöffel tiott, gwri* bis breimal täglicfe genommen, ©egen Kt)eu* matismus nimmt man es am beßett in gorm tion „VitterS," wie folgt: nimm eint Unje geputoerteS ©ummi, eine Unge Äermesbeerwurgel (Poke Root) unb eine Unge fdjwarge ©cfetangeitwurgel (Black Cohosh), giefee bies mit einem D.uort guten ßornbranntwetn aus unb nimm bation rine gewöfenlicfee (3aht, brei* bis tiiermat täglicfe. Dies iß eins ber beßett «Kittet gegen eferonifefeen KfeeumatismuS. Di ®ak Ui «puloerS iß oou fünf bis gwangig ©ran. (V) tust litt, arabifdjeS — (Sat.: Acacia Arabica, Sngl.: Gum Arabic). - Slrabifdje Slfogie iß ber Käme eines fleinen VaumeS, welcfeer in Slrabien unb anberen Ifeeilen SißenS einfeeimifcfe iß, unb oon wetdjem bas ©ummi erfealten wirb, luelcfees in alten Slpotfeefen unter bem Kamen arabifdjeS ©ummi feilgeboten wirb. ßs quillt aus ber Kinbe unb ben Süßen bes VaumeS feeroor, ift oon weißer ober feeügelber garbe unb oerfeärtet batb, wenn es ber Suft ausgefegt wirb. Die beße ©orte ©ummi ift flar ober feettgetfelid), feart unb gerferedjlicfe, fealb burcfeßefetig unb wirb in bett Slpotfeefen In fleinen ©tüden oon üerfdübetter ©röße oorgefuubett. Ss iß losliefe in faltem unb warmem SBaffer, am ftfenettßen In warmem, unb bilbet einen ©cfeleim, ber je nadj ber Quantität, bie man gebraucfet, mefer ober minber bicf iß. kebiginifcfee Sigenfcfe aftett unb ©e b r audj.—SlrabifdjeS ©ummi ift ein näferenbeS, ein unfcfeäblicfees uttb auSgegeidjneteS SinberungSmtttel; eS iß feeit* fam, trenn bie ©cfeleimfeäute ber Sittgeweibe unb ber Hamwege gereigt uub eittgünbet finb. gerner iß es gut hei Hußen, Kaufefeeit im Hals unb aranffeeiten ber Suft* röfere. Ss iß befonbers wofeltfeuenb bei reigbarem unb entgünblicfeem 3ußanbe ber «Jtntjr unb bei Sittgüitbung ber Vlafe, Harnftrenge, bei Sripper unb ©tüfetgwang. Ss mufj iu ©cfeleim unb fann naefe Velieben genommen werben. Sine ober gwei Unjen ©ummi muffen in eine «pinte foefeenbett SBafferS getfean unb öfters gerüfert »erben, bis es gelöß iß, uub man fann es bann nad) Velieben falt nefemett. Der ©cfeleim wirb oft mit anberen, namentlicfe Hußen=3lrgneün, gemifefet unb wirb öfters bei ber Vereitung oott «pitteit gebraudjt, bamit biefelben fearter unb beffer jufammcnfeängeit. (Bummtgutt — (Sat.: Gummi Gambogia, Sttgl.: Gamboge). — Das ©ummigutt iß ein feorgigeS (3ummi, feart, gerbreefeltd unb oon tiefgelber ober Drongenfarbe. Das ©ummigutt iß ber gur Vlütfeegeit aus bem mit Sinfcfenitteit tierfefeenen ceptonifdjeit (Hebradendron Gambogioides) ober ßamifefeett (Garcinia Cochinchinensis) ©uttiboume feerouSfließenbe ©oft, welcfeer Ott ber Suft tierfeärtet. Ss fann in atten Slpotfeefen gefunbett werben. ^ebtjinifdje Sigenfcfeaftett unb ©ebrauefe,. — Ss iß eilt ßarf irirfenbes, waffertreibettbeS Slbfüfermittet. Durcfe feine fefer fcfeorfe SBirfung ergeugt es Uebelfeit, Kneipen im Seibe uub X)äußge wäfferige ©tufetgange, weSfealb es aud feaufig gegen SBafferfudjt angewanbt wirb. Ss wirb feiten attein angewanbt, ba es ut ßarf unb feeftig wirft Verbunben mit anberett Stbfüfermittetn, wie Slloe, «pobo- Göttin, Vttterapfel unb bergleidjen, wirb feine SBirfung tierminbert. Die (^abt W »on gwei bis fedjs ©ran in «Pultier ober «Pitteit. 734 «Kebigintfdje ©e wäd) stu nbe ©ttn&crmattlt, © u n b e 1 r e b e — (Sat.: Clcchoma Ilcderacea, Sngl., Ground Ivy). — Der ©unbermonn iß ein niebrigeS, friedfeenbes Ärout, in Sutopa unb ben Vereinigten ©taaten feäußg oorfommenb, unb wirb meißens an fdattigtn «piäjjen, an b^den, in Dbßgarten, an ben Känbern feudfeter SBiefen unb bisweilen in ©arten gefunben. Die Vlumen ßnb btäulicfe=purpurfarbig. «Kebiginifcfee (Sigenfdjaften unb ©ebrauefe. — «JJcan gebraudjt bie Vlätter ; ße feaben unatigenefemett ©erucfe unb etwas bltterlidj aromartfdtn 0)e. fefemad. Das Mxaut wirb als ein ßarfenbeS, oeränbembeS, bomtreibenbe«, fcirie als rin Vrußmittel angefefeen ; auefe fott es oon relnigenber unb feeilenbet SBirfung fein. Ss wirb in Sfeee ober Slufguß angewanbt unb wirb bei Aranffeeiten bet Sunge unb Kieren empfofelen ; femer bri Sngbrüßigfeit (Asthma), ©elbfuefet, $u« ßen unb als Vlutreiniger. «Kan fagt ferner, baß eS gut fei bei Siterung ber Kieren unb bei Vleifolif. Die ®abt beS SlufguffeS iß eine fealbe bis eine laffe »cD gweü bis breimal täglicfe. SpdbnCtttrttUllt — (Sat.: Amaranthus Hypochondriacus, Sngl.: Ama- ranth). — Die «Pßange wirb in Vlumengärten als eine 3ürpßanje gegogen; bie Vlumen ßnb oon purpurroter garbe, in gorm eines HatjitenfammeS. «Kebiginifcfee Sigenfcfeaftett uttb ©ebrauefe. — Der Hofenenfamtn iß feiner gufommengiefeettben Sigenfcfeaft wegen ein fdfeä^boreS «Kittet tn gewiffen aranffeeiten. Die Vlätter werben tfeeilweife in gorm eines ßarfen SlufguffeS ange- wanbt. Sr iß gu empfefelen bei Durcfefalt, rotfeer Kufer, befonbers aber ifl et als fefer wtrffam befunben worben bei Vtutflüffen, wie bet übermäßiger unb fefemergfeafter monatlider Keinigung. 3n folcfeett gätten foüte man Ifen in gorm eines ßarfen StjeeS in gehöriger «Kenge gebraudfeen, $atttie$el, btüfeettber, Äornelflrfefeettfeaum — (Sat.: Comus Florida, Sngl.: Dogwood). — Dies iß ein fleiner, feäuffg oorfommenbtr unb, wenn er blüfet, fetjr fcfeöner Vaum, welcfeer burefe bie gangen Vereinigten Staaten befannt Iß. Der Vaum wirb meißens gwölf bis gwangig guß feod ; bas Hol) ifl bittet unb fetjr tjart Die Vlumen, welcfee früfe Im grüfeling ober um bie 3eit, trenn bas SBetfcfefom gepfiangt wirb, erfcfeeinen, ßnb rein weiß unb geben bem Saume ein fefer fcfeöneS SiuSfefjen. Der btütjenbe Hartriegel wäcfeß auf bem Hocfelanbe unb ift überall fefer befannt. «Kebiginifcfee Sigenfcfeaftett unb © e b r a u dfe. — Die «Rinbe be« VaumeS unb ber SBurget ift ber am meißen gebrauefete Sfeeil uttb iß ein ausgeKiaV netes, ftärfenbes unb gufammengiefeenbeS «Kittel, ©ie iß bas beße einfeeimifebe tonifde «Kittet unb bas beße Srfa^mittel für Sfeinin unb bie Sfeinarinbe, trclcbü Wir feaben, inbem ße in iferen Sigenfcfeaftett unb iferer ©üte ber Sfeina ftfef nabe fommt Die Vlumen werben bisweilen als ein gelinbes, ßarfenbeS «Kittel, »cr< mglidj bei «JKattigfeit ber grauen, angewanbt Die Kinbe ber SBurgel iß ber bei VaumeS üorgugirijen ; unb bie beße SBeife, ße ats ©tärfungS* ober Fiebermittel ;u gebrauchen, iß in ber gorm oott Srtraft, inbem man bie Kinbe mit SBaffer ouefeftt unb bas SluSgefoctjte bis gu einem biden, ßeifen Srtraft einbampft. Ss fann bann ,u Ritten, unter Hingufüguug fotdjer Slrtifel, weldje als bie beßen erfdjetnen, w Sfeinin, ©aticin, Höbraßiit, Sapetmepfeffer unb bergleidjen mefer, geformt »er* ober «pftattgett*3lrgttetmittellet)re. 73ü Zit ®abt ber gepuloerten Kinbe iß ein tjalfeer bis gu einem Stjeelöffel oott, beö Sr= trafts »on fünf bis gefen ©ran unb fann als «Kittel gegen SBedjfeü ober latus gieber, brei- bis fecfeSmat täglicfe, wieberfeolt werben. Die Kinbe wirb, in Verfein= bung mit anberen Slrtifeln, oft als „VitterS" gebraucfet, ebenfo bie Vtumeu unb Seeren. faatttieaelt fjeltrotfeer — (Sat: Cornus Sericea, Sngl.: RoseWillow, Swarap Dogwood, Red Willow). — Dies iß eitt Vufcfe ober ©trauefe, weider an fleinen glüffen, in nieberen, feucfeten «plätten uttb Didicfetett in alten Sfeeilen ber SSereittigten ©taaten oorfommt ©eine Höfee iß oon feds bis gefeit guß ; bie ißlatter ßnb feettgrün, einanber gegenüberftefeenb; bie Kinbe beS Stengels iß oon bunfetgrüner ober bräunltcb>ütotetter garbe; bie Vlumeit ßnb tlein unb oon gelb* iceifjer garbe, auf welcfee Vünbel fleiner, blauer Veeren folgen. «Jftebtgitti fefee Sigenfcfeaftett unb ©ebrauefe. — Die Kinbe ber SBurgel unb beS ©tengets iß ber Sfeeil, ben matt gebraucfet; ße iß ftärfenb unb ttnai gufammengiefeenb unb in iferen Sigenfcfeaftett bem gemeine« Hartriegel fefer äfenlicfe. ©ie wirb für ein fefer gutes fpannenbes, ftärfenbes unb gufammengüfeen* Ui Slrjneimittel gefealtett unb fann itt Slufguß, Slbfocfeung ober weingeißigem SluS* juge unb in gorm oon „VitterS" angewanbt werben, ©ie fott ferner ein auSgegetdj* xxttti «Kittet gegen bie Uebelfeit unb bas Srbreden fefewangerer graueit feitt. ©ie ift ebenfalls eitt gutes fäulnißwibrigeS SBafcfemittel für faule unb freffenbe ©e* fdjmüre. $at$ — (Sat: Resina, Sttgl.: Rosin). — Dies iß ein gewöfetttiefeer unb wofetbefannter Slrtifel. Harg iß ber Küdßaitb, welcfeer bei ber Deftittation beS Ser* |>entinölS oon bem Serpentin gurüdbleibt. Sr ift feart, gerferedfetiefe, oott butifel» gelber garbe, in ber Hi0e triefet fefemelgbar unb ift in atten Slpotfeefen gu feaben. «kebiginifcfee (Sigenfdjaften unb ®e brau cfe. — Das Harg wirb borjügtidj gu «pflaftem unb ©alben im Sirgneifcfeatj oerwanbt; gu «Pflaftertt feiner fiebrigen, gufammenfealtetiben unb güfeenben Sigenfdjaften wegen; in ©alben, tkifroeife berfelben Sigenfcfeaftett wegen, tfeeilweife um biefelben gu oerbiden unb ju feärten. Ss wirb fetten innertiefe angewanbt; jebod) gepuloert unb mit gleidjen Jfeeilen gepuloertem, weißem 3uder gemifefet unb gelegentliefe bei fealben Sfeeelöffeln genommen, ift eS fefer gut für Keig* unb ©toßfeußen (Hacking Cough). Das Sinatfemen beS Dampfes ober KaucfeeS, welcfeer oon oerferenttenbem Harg auffteigt, ift, t»ie man fagt, ebenfalls gut gegen Sntgünbung ber Suftrötjrenäfte, ©djmmbfuctjt unb anbere Aranffeeiten ber Sungen. ^afcThmrjel', canabifdje — (Sat. : Asarum Canadense, Sttgl.: Wild Ginger, Colt's Foot, Indian G-inger). — Die canabifdje Hafelwurgel feat breite, runbe, blaßgrüne Vlätter, bie brei bis oier ßott im Durefemeffer meffen unb bem §uflattig äfentidj ßnb; ße tjat furge ©tiele, tauge, frieefeenbe, gelbe, geglieberte Gurgeln, fealb fo bid, als ein Heiner ginger, welcfee einen ßarfen, fettigen, ange* "efemen, aromotifdfeen, ingwerartigen ©erud) unb einen leidjt bitteren, aromatifdjen ©efdfemacf feaben. ©ie ift in bett meißelt ©taatett gattg gewöfenfid), wäcfeß in fet- tem, lofem Voben, in Dididjten, auf Hügelabfeängen, bei atten Häufern attb an frefett. Die SBurgel iß ber Stjeil. ben man gebraudfeü 736 «Kebiginifcfee ©ewadjSfunbe «Kebtginifdje Sigenfdjaften unb®ebraucfe. — ©ieiff onregenb fcfeweißtreibenb, ben SluSwurf ber Vruß unb ben «Konatsßuß beförbcrnb. Z\t Wirb als Slufguß ober Sbee, als rin fcfeweißtrcifeenbeS «Kittel, bei (Srfältungen, unterbrüdtem «Konatsßuß, Molit unb Sungenleiben angewanbt. Diefe SOur« gel ift ein fetjr fräftiges, menßmationSbeförbembeS «Kittel, unb wenn ße als ßarfe Slbfocfeung in großen Dofen gebraudt Wirb, fann früfegdtige Kieberfunft (Mortui bie golge fein; bocfe ift ße nicfet gefäferlicfe, wenn man ße in mäßigen ©oben in Slufguß gebraucfet. ©ie fann immerfein bann angewenbet werben, wentt ein gutet fdjweißtreitenber Sljee notfewenbig iß, entweber attein, ober in Vetbinbung mit itotttpoßtionsputoer ober mit anberett fcfewrißtreibenben ©odfeen. Die ®ak Ui «PuloerS ift ein fealber Sfeeelöffel oott ; beS weingeißigen SluSgugeS iß ein bis gmei Sfeeelöffel oott; beS SlufguffeS eine fealbe bis eine Saffe oott, ober mefer. Speibeibeete— (Sat.: Vaccinium Myrtillus, Sngl.: Whortleberry, Iluckle* berry). — Die Heibelbeere fommt in ben nörblicfeen ©taaten unb nötbliden Ifeei- len ber mittleren unb weßliden ©taaten oor. Die Veere iß eine fcfentacffeafte grudjt, fcfemedt äfenlicfe wie bie Vrombeere unb wirb als Slrgnei ongewanbt. 6« gibt üerfcfeübene Strien Heibelbeeren; bie blaue unb fdfewarge ßnb bie gewöfenlicfeflen. ©ie beßjjen atte biefelben Sigenfcfeaftett. «Kebigittif cfe e (Sigenfdjaften unb © e fe r a u cfe. — «Kan bebient fidj ber SBurgel, bie feamtreibenb unb gufammengiefeenb iß. Sine Slbfocfeung berfelben fß ein gutes gufammettgiefeenbeS «Kittet bei Durcfefott unb tlnterleibsfranffeeiten; ft«- wirb gerabe fo wie bie Vrombeerenwurgel angewanbt; ße tß ferner gut alt ©urget* unb SBafefemittel gegen wefeen Hals unb «Kunb unb atte trägen ©efefewüre. Die SBurgein unb Veeren, gequetftfet unb mit feottänbifcfeetn SBacfefeolberbranntmtin auSgegogen, ftnb ein gutes fearntreibenbes «Kittel, weldjes bet Vlafenßein unb SBafferfudt Srteidjterung gewäfert; biefer SluSgug muß feäußg getrunfen werben, eber wenigßens fo oft, als «Kagen unb Mop[ baoott ©ertragen fann. Felonie — (Sat: Liatris Spicata, Sttgl.: Devil's Bit, Button Snakeroot, Back-ache Root unb Gay-feather). — Diefe «pßange fommt auf ben «prairteen Ui SBeftenS in «Kenge oor. ©ie feat eine gwiefelige SBurgel, ungefäfer oon ber Xicfe einer SBattnuß in ber ©efeate, iß fdfewammig unb oon ftorf terpentinartigem ©erucfe unb ©efefemad. Der ©tengel iß gerabe, wirb gwei bis oier guß feoefe unb feat gegen bas Snbe ungätjtige VtütfeettfnoSpett, ooit einem tjalben bis brei Viertel 3oll int Durefemeffer, aus weldjen bie fleinen, fdjönen, rotfeen ober bunfel-blaurotfeen Vlü* ttjen im Sluguß unb ©eptember tjeroorfdjießen. 2D« SBurgel iß ber in ber Slrgnei gebroudfete Stjeil ber «Pßange. «Kebiginifcfee Sigenfcfeaftett unb ©ebrauefe. — Die SBurjtln ßnb tjamtreibenb, etwas ßärfenb unb auf bie ©ebärmutter einwirfenb. «Sie ftnb fefer wirffam bei Aranffeeiten ber Kieren unb ©dfemergen im Küden, bafeer im Gng< tiftfeen ber Käme Back-ache Root. ©ie barf Ijäußg unb in «Kenge in «Übfccfeung ober ßarfem Sljee getrunfen werben unb wirb als ein gutes «Kittel gegen Kaajtrtp« per, cferonifcfeeit weißen gtuß unb alle Aranffeeiten ber Kieren angefefeen. X« ®ahe ber Slbfodjung iß eine fe>lfee Saffe oott breü bis oiermal tägiidj. 3« einigen Steilen beS SanbeS wirb ße als ein gang oorgüglidjes Heilmittel gegen ©cfelangenbtj ober «pffattgett^Slrgneimittettetjre. 737 gefealten, in weldem gatte bie frifdfee SBurgel geqttetfdjt, mit SBaffer angefeuchtet unb auf bie SBunbe gelegt wirb, wäferenb ber ©ebiffene beliebig oiel oon ber ßarfen Slbfodjung trinft Die SBurgel gibt ifere SBirffamfeit an SBeingeiß ab, unb in gäl* [ett »on Kieren« unb ©ebärmutterfranffeeit unb Seiben ber Hamwerfgeuge fantt ße fefer wofel in gorm oon weingeißigem SluSguge unb ßartem „VitterS" — mü SBacb= fjolberbratttttweitt bereitet — genommen werben. Sfrettaefpann, gemeiner — (Sat.: Leonurus Cardiaca, Sngl.: Mother wort). — Diefe «Pßange wäcfeß in üieten Sfeeilett biefeS SanbeS, meißens an SBegett, in ben Sden oon 3äunen unb bei alten ©ebäuben, ©djeunen unb bergleicfeen. ©ie »irb meißens gwei bis brei guß Xjodj, wäcfeß in ber Kegel in Vünbetn, wie ber »eife Slnbom, unb ftefet ifem etwas äfenlid), feat aber größere unb bunflere Vlätter. kebiginifcfee Sigenfcfeaftett unb ©ebrauefe. — Die Vlätter finb ber am meißelt geferautfete Sfeeil; ße ßnb ein üorgügticfeeS neroenßärfenbeS, ben «Dünatsßuß feeförbernbes unb frampfßittenbes «Kittet, ©ie fönnen naefe Ve= lieben in warmem Slufguß angewanbt werben, oorgüglicfe in allen weibliden Mxant* feeiten, wie unterbrodjener Äinbbettretntgung (Lochia) ; unterbrüdtem «Konatsßuß, »elctjer »on Srfältung feerrufert; ferner bri .Krämpfen, weldje oon ber ©ebärmutter feerrütjren (Hysteria) ; bei allen neroöfen Slufregungett ber grauen, Unrufee unb Unvermögen gu fdjlafen, fowie bei Keroenfcfemergen, Krämpfen unb Keroenßebertt. Der gemeine Herggefponn iß fefer nüjdidt), um bett «Konatsfütß, welcfeer in golge uon ptöjjlider Srfältung gurüdgefealten würbe, wiebergubringen. Die Traufe fottte feäußg »on bem warmen Sfeee trinfen, ifere güße in warmem SBaffer feaben unb bann nt 53ett gefeen. SBenn in folefeen gälten bem Sfeee ein wenig 3ngwer gugefejü wirb. fo »irb er baburefe angenefemer, unb bie SBirfung wirb unterftüiü. Zit SBurgel fott in Slbfodjung ein gutes fearntreibenbes «Kittet feitt. Der Srtraft ifl ein gutes, neroenßärfenbeS unb ben «Konatsßuß beförbembes «Kittel. Die ®abt iß brei bis fecfes ©ratt gweimal täglicfe, in ber gorm oon «pitteit genommen. Spinibeeve — (Sat.: Rubus Strigosus, Sngl.: Raspberry). — Die rottje Himbeere ift überall im gangen Sanbe angutreffen ; ße wädjß wilb, wie bie Vrom* beere, att Heden, in alten gelbern, in offenen «Plänen, in SBälbem unb wirb eben« falls »iel in ©arten angebaut, ©ie trägt eine fefer wofetfefemedenbe grudjt ober Seere unb iß fo wofel befannt, baß ße feiner näfeerett Vefcfereibung bebarf. 2Kebtgitttft$e Sigenfcfeaftett uttb © e b r a u cfe. — Die Vlätter finb ber in ber «Kebigin gebrauchte Sfeeil, unb bie ber rotfeen Himbeere werben für bie befien gefealten. ©ie ßnb eins ber guoertäffigßen, gufammengiefeenben «Kittel unb treuen in Slbfocfeung ober ßarfem Sfeee, bei Durdfefott, namentlicfe bei ber ©ommer* ftanffeeit ber Ainber, angewanbt. Sin ftarfer Sfeee oon Himbeerenblättem, beliebig getrunfen, iß ein oorgüglicfeeS «Kittet hei fcb,mergfeaftem unb unregelmäßigem «Ko* "atäfhtfj unb um bie ©djmergen wäferenb ber ©eburt gu tinbern. Diefe Veere iß ein nidjt fefer ßarfeS, aber fetjr gefunbeS unb guoerläfßges, oßringirenbes «Kittet, befonbers bei Durcfefott uitb Uttürleibsfranffeeiten ber ainber. Sin Sljee iß eben- M« 9«t, um bomit atte SBunbett, ©efefe, würe, ©efe. orfe unb gefdjunbene eber rofee M reigbare ©tettett git waf«fe,ett wttb gu reinigen, 47 738 «Kebiginifcfee © e w ä cfe, Slu nb e £>l>l;rVblc — (?<ü: Carbo Ligni, Sngl.: Charcoal). — Die Holgfofele iß in gewiffen gäüen ein fdfeä^bares Slrgneimitül. Ss fottte bie Äofete oon feortem Holje wü Sfcfeen, Sidjen u. f. w., gu mebiginifdfeem ©ebraudje üoirgegogen werben. 8ie wirb meißens gepuloert in ben Slpotfeefen oorrätfelg gefealten. «Kebiginifcfee Sigenfdaften unb © ebr a u cfe. — ©ie iß ßatl abforbirenb, wirft gegen gäulniß unb tß ein fefer wertfeooües «Kittel bei Verbauun^ befdjwerben (Dyspepsia) unb befonberS in gätten oon ßinfenbem 2ltfeem. Sie iß gang befonbers wertfeüotl bei cferonifcfeer ober „fauler" Kufer unb in allen gätten oon «Kortißfation (abßerbenber Sfeätigfeit) beS Unterleibes. Die ©abt Ut «PuloerS iß oon ein bis gwei ober brei Sfeeelöffel oott in ein wenig SBaffer, je nad) Umftänben mefer ober weniger oft gu wieberfeolen. Vei ©äure bes «KagenS, faurtm Stufßoßen, Verßopfung beS Unterleibes unb in Uebelfeit unb Srbreefeen feferoangerer grauen wirb man einen fealben bis einen gangen Sfeeelöffel oott, ein* bis grötimal täglicfe gegebett, feödjß wofettljuenb ßnben. Das «Puloer iß ebenfalls gut entrcebet äußerlidj aufgeftreut, ober mit Vreiumfdjlägen oerbunben, auf faule unb freffenb« ©efefewüre angewanbt. Die Holgfofele iß ebenfalls ein gutes 3<*fenput»er, unb ali foldjeS fann fie entweber aüein, ober in Verbinbung mit gleidjen Ifeeilen Sfeinapultci ober Veildjenwurgeü«Puloer angewanbt werben. Diefe «Kifcfeung, mit etwas £onuj oerbunben, iß eine ber beßen 3afenpaßen. SBenn man mit ein wenig feieroon täglicfe bie 3ätjne reibt, fo werben bie 3äfene weiß unb bas 3<*fenfleifdfe wirb in gefunbem 3ußanb erijalten werben. Stopfen — (?<ü.: Humulus Lupulus, Sngl.: Hops). — Die Hopfenpflanje ober SBinbe iß fetjr befannt ©ie wirb metjr ober weniger in aüen Jfeeilen Ui SanbeS angebaut. «Kebigiitif cfe, e St gett f $ afte tt unb ©ebraudj. — Der Hopfen iß ßärfenb, berufeigenb unb neroenftärfenb; wenn äußertiefe angewanbt, linbert er bie ©djmergen. Sr wirb oft für Väfeungett gebraudjt, baS feeißt, er wirb in SBaffer ober Sfßg gefoefet, eutweber allein, ober mit bitteren Kräutern gemifdjt, unb fo »arm, ats es oertragen werben fonn, auf beu «Kagen, Unterleib, ober auf anbere Ifeeile beS Körpers gelegt, um innere ©djmergen unb Sntjünbungen ju feefeen; für foldje 3wede ift er ausgegeiefenet gut. Sin ßiffen, mit Hopfen geßopft, foü ©efelaf beroir- fen, wenn atte anberen «Kittel fefelfcfelagen. Der weingeißige Stusgug be« Hopfen« ober beS SuputinS (weldjer bas feine, gelbe, förnige «puloer iß unb gwifdjen ben Vlätüm ober ©dfeatett beS HopfenfopfeS fifct) iß ein auSgegeidjneteS fdjmerjftiüenü« «Kittel, welcfeeS in oieleit gällett bem Dpium bei weitem oorgugiefeen iß, unb »irb gegen bie SBetjen nadj ber ©eburt eines Mintei fefer empfofelen; ferner ifl et gut bei ©cfelaßoßgfeit, neroöfer Uttrufee, Veängßigung, ©äuferwafenftnn unb ber« gleictjen, writ er ofene ©efafer in jeber ©abe genommen werben barf, ofene U\) er ben «Kagen oerbirbt, ober ben Unterleib oerßopft. Sin ßorfer Ifeee ober Stufguß (ann anßatt beS weingeißigen SluSgugeS angewanbt werben. Der weingeißige txxi\uj bes Hopfens ober SuputinS fantt in ©aben oon gwei bis oier ober fünf Ifeftlcnti »ott, ber Sfeee tann in gewöljniidjer «Kenge gegeben werben. %Dpfenbüe, oirgtnifcfee-(Sat: Ostrya Virginic>,*f>1™ Wood); - Dies iß ein Heines, in ben meißen ber Vereinigten ©taaten feaupg - ober «pflangett = 3lrgiteimitteiteljre. 739 fommenteS Väumcfeen, weldjes gewötjnlidj fünf unb gwangig bis oiergig guß feodj »irb. Ss feot eine bünne, graue Kinbe unb feartes, weißes Holg. Die jungen Säume werben oft gu Sreibßödett für Ddfett unb ats ©langen gum gifcfeen benutjt Sie wacfefen gewöfenlicfe auf Slbfeängen oon Hügeln längs Heiner gluffe. kebiginifcfee Sigenfcfeaftett ttnb ©ebraitcfe. — Der innere Jfeeil bes Holjes, weldfeeS oon buntelgrauer ober röttjttctjer garbe iß, wirb als Heil* mittel gebraudjt. Ss fott rin ftärfenbes unb alterirenbes «Kittel gegen periobifaje Aranffeeiten fein, unb oon einigen wirb es als ein unfefelbareS «Kittel gegen SBedj« fei* ober faltes gieber empfofelett. gemer fott es gut gegen Drüfenfranffeeü unb geftörte Verbauung fein. Ss wirb in ßorfer Slbfodung angewanbt; biefelbe wirb bereitet, inbem ber innere Sbeit beS HolgeS itt ©pändjen gefcfenüten unb giemlidfe lange gefoefet wirb. Die ®aht iß ungefäfer eine fealbe Saffe breimal t«glid). 3cfe bin übergeugt, baß mon burd Slusfodtjen bes inneren Sfeeiles bes HolgeS unb burcb, SBerbampfett ber glüfßgfeit einen Srtraft bereiten fonnte, wetdjer hti falten ober SBecfefefftefeern in gorm oon «Pillen feeitfam fein würbe. ^tUtbSjatJtt* a mer ifa tt if efeer — (Sat: Erythronium Americanum, Sngl.: Dogtooth Violet, Yellow Snow-drop, Snake-Leaf, Rattlesnake Violet, Adder-Tongue). —Der HunbSgofen iß eine Heine «Pßange, welcfee bas erße Safer nur ein, fpäter nur gwei glatte, langenförmige, fünf ober fecfes 3ott lange unb mit bunfelrotfeen gleden oerfetjene Vlätter feat, weldfeeS ber «Pßange ein eigentfeümlicfees Jluäfefeett gibt. 3roifcfeeit bett gwei Vtättem erfeebt ßcfe ein ©tettgel, ber einige 3ott tjoefe iß, on weldjem eine eingelrte gelbe, itidenbe Vlume erfdjeint. Die SBurgel iß jwtebelig, äußerlidfe mit einer lofen baut umgebeu, aus berem unteren Sfeeile eine Sünjafel fleiner, faferiger SBurgein feerauSwadjfen. Die «Pßange fommt iit ben mitt* leren unb weftlidfeeit ©taateit feäußg oor unb erfcfeeint geitig im grübjafer. kebiginifcfee Sigenfdjaften wttb ©ebraudj. — Die SBurgein unb Vlätter werben als Heilmittel gebraucfet unb meißens als Vreiumfcfelag über Drüfengefajmüre gelegt. Der HunbSgatjtt iß erweiefeenb unb Siterung beförbernb unb fefeeint befonbers gegen Drüfengefdjwüre ein äußertiefees Heilmittet gu fein. Zit frifdfee Sßurget unb bie frifcfeen Vlätter, ober bie SBurgel attein, in füßem Kafem ober «Mdfe gefoefet uttb über bie ©efdwüre, weide gewöfenlid) am Hälfe unb anberett Jfeeilen bes Körpers in gätten oon Drüfenfranffeeü unb gfeefeten ausbredett, gelegt, fotten biefelben fdjnetler feeilen, als irgenb ein anberer Umfdjlag. Die frifcfeen «Blätter, jerquetfefet unb auf SBunben gelegt, ßnb ebenfalls t)rilfam. Sine 3lbfo= djung bes HunbSgafettS fann gu gleicfeer ßeit getrunfen werben. 3« großen ©oben toirft er gelinbe emetifdj (breefeenerregenb). 3alappc — (Sat.: Ipomcea Jalap, Sngl.: Jalap). — Die Saloppe Wirb »netfienö in ben Slpotfeefen in «puloerform oorrätfeig gehalten. Diefes Heilmittel iß bie gepuloerte SBurgel einer «Pßange ober richtiger eines KanfengewädfeS, welcfeeS in «Jflerifo wilb wädjß, oorgüglicfe in Vera Srug unb natje ber ©tabt £alapa, wofeer fluefe bet Käme fommt. kebiginifcfee Sigenfdjaften nnb ©ebraudj.— Die 3 !an« gebraucfet werben, wentt gufammettgübmbe ©aefeen notfewenbig ßnb. S« t|t I") nüöltdj bei Durefefatt, Kufer, Vlutfluß oon ber ©ebärmutter unb bei weißemi »»■ , ferner ift es gut gu Sittfprir3Uttgett bet weißem gluß uttb als ©urgelwoffet■ bemenem baU nnb «Kunb. Ss wirb meißeitS als Sittftur gebraust ober mtt anberenj paraten aufgelöß unb bet Durdfefott unb Slbweidfeen angewanbt Sstfte«in unb ttttfdjäbtidjes 3ufammengietjungsmittel unb fantt mit anbeten ^« ue>. Unterleibsfrattfljeiütt gebraudjt werbe«. Die ©abe beS «puloerS iß jefen bt« »retp t ©ratt, bie ber Sittftur eilt bis gwei Sfeeetöffel oott. ober «Pflangett*3trgtteimitteltet)re. 749 (iivfdjeutHtnm, Oirgtnifefeer — (Sat: Prunus Virginiana, Sttgl.: Wild Uherry). — D>er oirginifefee jtirfdtjenfeaum wirb in großen bau[en übet bie gangen Vereinigten ©taaten angetroffen unb iß gu befannt, als baß er riner näheren Betreibung beburfte. üJJebtginifcfee Sigettf dt) a f t e n unb ©ebrauefe. — Die Kinbe, welcfee al« Slrgneimittel gebraucfet wirb, iß ßärfenb, leicfet gufammengiefeenb, feerutjt- genb unb beförbert ben Sluswurf ber Vruß. ©ie iß ein auSgegeidjneteS ftärfenbes SBitterS," fefer wertfeoott in Verbinbung mit anberen «Kitteln, wie «pappetrinbe, Snjian unb bergleicfeen, um wieberfeerßettenbe „VitterS" gu bereiten, ©ie ift femer in Verbinbung mit gufammengiefeenben «Kitteln gut bei UnterieifeSfranftjeiten; unb mit «Kitteln, bie ben SluSwurf ber Vruß beförbern, iß ße gut bei Sungettleiben. ©ie follte nictjt gefodt werben, ba ße baburefe einen Sfeeil iferer guten Sigenfcfeaftett einbüjjt. Sin Stufguß fann gemaefet werben, inbem man eine Unge ber gepuloerteit Kittbe mit einer pinte fodjenben SBafferS übergießt; unb wenn man bies über Kadjt jiefeen läßt, iß es gum ©ebraudj fertig, unb man fann alsbunn einen ©prup baraus macfeen. Die Kinbe wirb meiftenS ats Veftanbtfeeit »on „VitterS" gebraucfet ©owofet bie ©obe bes SlufguffeS, als bie beS „VitterS" iß ein IjalbeS bis eitt SBein* glac? »oll, breimat täglicfe. $Ub' 2dbt tailt — (Sat: Gralium Aparine, Sngl.: Cleavers). — DaS ßtebsßabfraut iß eine feine, garte, fefewaefee, faftige «Pßange, bie in ben meißen Stjeiten be«SanbeS feäußg oorfommt. Kadj ber Vefcfereibung allein iß es fdjwer, ße gu erlernte«. ßä ifl »ielleidfet mefer unter bem Kamen ©änfegraS (Goose-grass) befannt. SS feat einen langen, büttiteit, ßdfe frümmenben ©tengel, ber gewötjnlidj tjatb fo tang iji, wieber eines SBeigenfealmeS, wirb gwei bis oier ober fünf guß tjodj unb ift mit »ielenßweigenunb feinen, fcfemalen Vlättern oerfetjett. Ss wäcfeß auf fettem Vobeit unb an feudfeten ptäjjett, in ©ebüfdtjen, an Hedeit, oft irgenb einen ©egenßanb umwinbenb, welcfeer In feiner Käfee iß. Ss feat nur fleine SBurgein, bie aus tjaar*- bünnen, bunfelröttjlicfeert gofern feeftefeett. Die Vlätter unb ©tenget ßnb feettgrün* liefe unb füfelen ßcfe raufe uub feaarig an. Ss tjat fleine weiße Vlumen, welcfee oom 3«ni bis ©eptember blüfeen. Ss gibt oiete »erfefeiebene Strien oon Sabfraut; »on einigen ftnb bie Vlätter fefetanf uub bünn, wäferenb anbere grobe, größere unb feäußg bunflere grüne Vlätter Ijaben. ©ie atte beßtjett ungefäfer biefelbe Sigenfcfeaft kebiginifcfee (Sigenfdjaften unb © e b r a tt cfe. — Das Äteb-Sab* traut iß als ein fefer wertfeootteS, füfetenbeS, tjamtreibenbeS «Kittet befannt unb wirb gegen bie meißen Aranffeeiten ber Hamwerfgeuge empfotjlen. Vei 3urüdt)altimg ober Unterbrüdung bes SBafferS iß es ein ausgegrid)neteS «Kittel; ebenfo bri Snt jünbung ber Kiereit unb Vlafe; ferner iß es bann, wenit Urinlaffen ein brennenbes ®efüfel oerurfadfet, unb hei Sripper eines unferer he[ten Heitmütet. «Katt fagt fer= «er, bafj es ben ©tein in ber Vlafe löfe unb überfeaupt ausgegeiefenet gegen ©tein* franffeeiten fei. Das gange Mxaut wirb in ber Slrgneiberettuttg aitgewanbt Ss fjibt feine wirfenben Sigenfdjaften an talteS ober warmes SBaffer ah unb fottte immer im Slufguß genommen werben. «Kan fantt eS nadj Velieben trinfen. Das Mleh* hUxaxxt muß nie gefoefet werbett, ba es baburefe feine guten Sigenfdjaften üerlürt. ®ine Unge bes üodenen Krautes mit einer «pinte todjenben SBafferS übergoffett, laffe ma" l»el ©tunben ßetjen uttb trinfe »on riner tjalben bis gu einer «pinte falt wäbrenb 750 «Kebiginifcfee ©ewädfesfunbe bes Sages (mefer ober weniger feäußg, fe nad) ben ©pmptomen). Sin Slufguß vor gleidjen Sfeeilen ßlefe=Sabfraut unb gtüberblunten iß ein gutes ©etränf in ©cbar« tacfeßefeer, Vlattem unb atten SluSfdjlagSfranffeeiten; mon fagt, baß ein falter"«uf. guß oon Äieb-Sabfraut, breimal tägiidj getrunfen unb mit bemfelben bie betreffenben Sferile gewafcfeen, atte gleden ber Haut wegnefeme, baß man aber mefere «Konate bamit fortfaferen muffe. &Utte — (Sat: Arctium Lappa, Sngl.: Burdock). — Diefe «pßanje {f] gu befannt burdj ifere Äletten obfc .Köpfe, welcfee ßd an ben Kleibern feßfeängtn, a\i baß ße einer näfeeren Vefdtjrelbung beburfte. Die ©amen, weldfee ebenfo wie bie SBurgein angewanbt werben, werben Im Sluguß unb ©eptember reif. Sie jtlette Wirb gwei ober brei guß feoefe, feat große Vlätter unb purpurrote Vlumen unb wädjß in großen «Kengen feaufenweife auf SBeiben, atten gelbem, an ben SBegen, in bet Käfee alter ©ebäube unb in feudfeten «planen unb iß 3ebermattn feinreidfeenb befannt. «Kebiginifcfee Sigenfcfeaftett unb ©ebraud. — Die SButjtt unb ber ©amen werben in gorm oon Sfeee angewanbt «Kan foefet nämlicfe jwei Unjen mit aefet uttb üierjig Ungett (brri «pinten) SBafferS bis gu gwei unb breißig Unjen (gwei Pintett) ein, läßt ben Sfeee erfalten unb trinft ifen innerfealb gwei lagen. Der Sljee wirft namenttidj gut auf bie Kieren unb gegen baS 3urüdfealten Ut Urins. Die Älette iß ferner auefe fetjr wirffam bei SBafferfucfet, Kfeeumatiömu« unb atten Hautfranffeeiten, SBunbett atter Slrt, namenttidj ben SBunben unb ©efdjnm» ren, weiefee In golge oenerifdtjer Aranftjeüen entßefeeit. 3m Slttgemeitten reinigt fie bas Vlut oott irgenb weldjen Veimifcfeungett. Äletteitwurgel, ©arfaparitla unb Vitterfüß, oon jebem gwei Uitgeit, gut gufammengefodjt, fo baß es eine ßarfe Slbfocfeung ober Sfeee bilbet, unb für längere ßtit falt getrunfen, wirft alö ein »or« güglicfees blutremtgettbeS «Kittel. Sbenfo tann man aus biefen brei ©egenftänben einen »orgüglidjen, blutreinigenbeit ©prup bereiten» Die Vlätter, gerßofjen über bie güße unb ©tim gelegt, feabett ßd) ßets fefer nüjüicfe In giebern gegeilt. Sie Vlätter, gufammengerottt unb mit feeißem Sfßg getränft, auf fcfeinergfeafte Steilen beS .Körpers gelegt, ergeigen ßcfe ßets oott guter SBirfung. golgenben aua bet Älettenwurget bereiteten ©prup tjabe iefe gegen Drüfen unb anbere erbliaje Aranf- feeiten ßets fefer wirffam gefunben. «Kan nefeme ein featbes Pfunb oon ber getrod« neun unb gefdjntttenen SBurgel, fodje ße mit oier Quart SBaffer, bis ein Cuart geblieben ift, gieße es burefe ein Sud) unb löfe In ber glüfßgfeit, wäfetenb ße nocfe warm iß, ein Pfunb weißen 3uder. Kadj bem Srfalten füge bann ein fealbe^ Quart guten SBadfeb. otberbrantttwein feingu. Von biefem ©prup nefeme man, »on einem Sßlöffel bis gu einem SBringlaS oott, mefere «Kaie tägtiefe. SBäferenb warmen SBetterS bewahre man ttjtt att einem füfelen Orte. Die beße 2frt, bie SBurjel ju trodnen, iß, ße mitten burd gtt getfdjneiben, unb gwar oon einem Viertel bi« ju einem tjalben 3ott Dide. Die Vlätter fönnen geüodnet unb aufbewafert trerben, ofene baß ße irgenb etwas »on iferer SBirffamfeit oerlieren. 3ll lange Vlätter unb fleine purpurfarbene Vlumen. Ss iß ein febr gewöfenlicfeeS, »on 3cbcr- mann gefaimteS .Kraut Ss Ijat eilten außerorbentlid) feeißen, fdjarfen unb pfeffer« artigen ©efdjmad. «Kebiginifcfee Sigenfdjaften ttnb ©ebraud. — Der gtßedte ßitöteridj ift attregenb, fäulnißwibrig, fefeweißtreibenb, feamtreibenb, beförbert ben «Konatsßuß unb ift eine wertfeootte Slrgnei. Sin ftarfer weingeißiger 2luSjug Ut Krautes wirft äußerß wofelttjätig bei unterbrüdtem «Konatsßuß, in ©oben »on ein bis gwei Sfeeelöffel oott, breimal täglicfe ; ober ber weingeißige Srtraft mag in OJaben oon brei bis oier ©ratt gegeben werben. Sin falter Slufguß beS -Krautes iß mit Srfolg bei Vlafenßeitt unb ebenfalls bei Seiben ber Kieren unb ber Vlafe angetraut! worben; unb ein falter Slufguß biefes Krautes unb ber SBeigenfleie foll, wenn feäußg getrunlett, ein auSgegeicfeneüS «Kittel für UnürleibSfranffeeit fein. Set geßedte Änöteridfe, mit Hopfen unb anberen bitteren Kräutern oerbunben, macfet »orgüglicfe.e Väfeungeit bet UttterleibSeittjünbungeit, feeiß über ben Seib gelegt; eine ßarfe Slbfocfeung iß gut, um faule unb branbige ©efefewüre unb Sfeeile, bie im «Begriffe ßnb, abgußerben, bamit gu wafden; ebenfo fann mon bafür ben weingti- ßigen SluSgug, oerbunbett mü «Kprrfeen^Sinftur, bagu oerwenben. Sie frifcfeen Vlätter beS gefledten Jmötericfe imb ber Huttbe^Slntfe^emiS (May-weed), gequetftt uitb mit Serpentittöl angefeuefetet, ergeugett itt furger 3eit VläSdfeen unb fönnen mit Srfolg in gefäljrlidjett Sittgünbungeit beS «KagenS unb ber Singeweibe ange« wanbt werben. ©owofet ber weingeißige SluSgug, als ber Srtraft beS gefledten Jtnötertcfe fotJU oon bem frifcfeen braute gemadjt- werben, ba baffelbe burd) 3ltter oiel oon feinet ©tärfe oerlürt; Ht£e unb ßoefeett fdabeit üjm ebenfalls. Um einen Slufguß \u madjen, fottte feeißeS SBaffer auf bas .Kraut gegoffen werben, unb es muß fo lange einweihen, bis baS SBoffer falt iß. Ss gibt eine Strt oon ßnöteriefe, nämlicfe Polj- gonum Arifolium, weldje oiel feöfeer als ber gefledte wirb; gewöfenlicfe wirb er brei bis »ier guß fe>dtj unb ßefet bem gefledten fefer ätjntid). Sr wäcfeß auf fettem, naffem Voben. Sin falter Stufguß biefer Strt ift ein fefer fräftiges unb guoerläfjige« tjarntreibenbes «Kittel bri SBafferfucfet, Vlafenfüin unb allen Seiben ber Harnroerf« jeuge; er fantt Ijäußg getrunfen werben, »on einer Pinte bis gu einem Quart tagitaj. ^Olo^ttintett - (engl.: Colocynth). - Dies iß bügruefet eines to tengewäcfefes (Cucumus Colocynthus), welkes, äfe, nlicfe wie bie «Kelone obet QJurie, lättglidj iß. ©ie Wirb bisweilen bittere ©urfe (Sngl.: Bitter Cucumber) unb Vitterapfel (Sngl.: Bitter Apple) genannt Die grudjt iß burcfefcfentttl.cfe »on ber ©röße eines ©ranatapfets ober einer Drange unb, wentt retr, oon gelb hebet garbe. ©ie iß in ber Surfet, bem weßliefeen Slßett unb einem Stjeile »on afnta emfeeimifd). Der innere ober marfige Sfeeil wirb als Slrgnei gebraudjt nnb »in in allen Stpotb,etett in trodenem Sußanbe, ober in einem feinen, graueni puwei;a « getroffen; ße iß »on hellgrauer garbe, fdjwammtg unb oon ber ©tont w Hühnereies. ober «pflangett = Slrgtteimittetleb,re. 753 ^ebiginif^e Sigettfctjafteit unb ©ebrauefe. — Die .Kotoquüt* ten ßnb ein ßarf waffertreifeenbes Slbfüfermittet; ße rufen feäußge wäfferige Stütee* rungen ber Stngeweibe feeroor. ©ie »erurfadjen ßarfeS Vaucfegrimmen, unb in große« ©aben, ober gu lange anfeattenb genommen, »eranlaffen ße Sntgünbung ber fdjtei* mtgen Vefleibung ber Sittgeweibe unb fefemergfeafte blutige ©tufetgange. ©ie fottten bafeer mit anberen «Kitteln, wie g. V. gepuloerteu ©ewürgnelfen, ober bem Del ber* ftlben, ober Pfeffermüngöl, um oor Vaucfegrimmen gu bewaferen, gegeben werben; ferner foüten ße mit einer Stußöfung oon arabifefeem ©ummi ober innerer Ulmen* tinbe oerbunben werben, um bie t)eftige SBirfung auf ben fcfeleimigett Uebergug oer ßingeweibe abgufealten. jtofoquinten ßnb ein wertfeootteS Slrgneimitül unb eins ber beßen Slbfüfermittet [n gäüen »on SBafferfudjt, ba es feauptfädjlidj bagu biettt, bie wäfferigen Veßattb* tfeeile gu entfernen, ©ie ßnb ebenfalls, oorgüglicfe wenn ße mit ein wenig «Pobopfept* (in ober «Kaiapfetwurget oerbunben werben, ein ßctjereS Slbfüfermittet. 3n gätten oon Vlutanbrang (congestion) nadj bem ©et)Im gewähren ße burdj itjre gegenwir* (enbe Äraft eine ßdjere uub fcfeitette Hülfe, ©ie ßnb ebenfotts gut, bie Seber gu erregen, fowofel bei Vlutanbrang gegen biefelbe, als in gätten von Srßarrung ber* fetten, ©ie werbett tjauptfätfeliefe gebraucfet hei „pafßoer" SBafferfucfet, Seiben beS ©etjirnö unb bei Untfeättgfeit ber Seber unb ber Verbauungsorgaite. ©ie tonnen in alten gätten, wo ßarfe Slbfüferungen notfewenbig ßnb, gebraucfet werben. Die ®aU Ui PuloerS iß oon fünf bis jetjn ©ratt, bie beS SrtrafteS unb gufammenge* festen SrtrafteS oon brei bis fedjs ©ran. ÄPtatlenttMViel — (Sat.: Pterospora Andromeda, Sngl.: Dragons' Claw, Crawley, Pine-drops, Fever Root). — Dies iß eine eigentfeümtiefee «Pflange, Welcfee in gorm unb Srfdjeittuttg oiel Slefenlidtjfeit mit ber oirginifdjen ©ommerwurg (Beech-drops) tjat ©ie wirb oon aefet bis gwangig ßotl bocfe unb feat feine Vlät* ier; bie Vlumen ftnb blaßgelb ober rötfelicfe*wetß. Der ©tengel ftefet gerabe auf* reefet, iß bunfetbrautt ober oiolett unb bebedt mit einer Slrt furger, anfeättgettber SBolle unb einigen ©djuppen, welcfee bie ©tette ber Vlätter oertreten. Die SBurgel ifl Hein unb oon bunfler garbe, äfenlicfe ben güßen einer Henne, ©ie wäd)[t in bett bergigen ©egenbett ber nörbtidjen ©taatett uttb Sanaba's, auf unfrudfetbarem Hodj* lanb, auf ftajtettfeewadjfetten Vergen unb feortem Sefemfeoben. kebiginifcfee Sigenfcfeaftett unb ©ebrauefe. — Die .Korallen* lourget iß eine ber beßen befannten fdweißtreibenben Slrgneiett iit attett gätten oon fcfeleictjenben, faulen unb entgünblicfeeit giebern. ©ie beförbert Slusbünßuitg ber Haut, ofette bie Htfce bes Körpers ober bett ©djlag bes HergenS gu oermeferen; ße iß, wie gefagt, ein berub. tgenbes, [djweißtreibenbes, aber nidjt aufregenbeS «Kittet. Die Gurgel iß nicfet im Ueberfluß »orfeanben, überall rar, namentlicfe in ben meßlidjen ©taaten feiten. «Katt ßnbet ße am meißen in ben „efteftifefeen Slpotfeefen" oon Sincinnati unb ©t. SouiS. ©ie iß fetjr wertfeoott in allen niebrigen ©tabien ber gieber als ein fütjtenbeS, nidjt aufregenbeS, aber fräftig*fd)weißtreibenbes «Kit* tel. Sie ®abe iß gwangig bis breißig ©ran ber gepuloertett SBurgel, in warmem Gaffer oberÄat3enmüngett)ee atte ein bis gwei ©ümbett gegeben, ©ie iß ebenfalls bei 9foa)wefeen, bei erfefewertem «Kottatsfluß unb bergüfefe, en gu empfefelen, in weldfeen Satten fie tnit3Blefenrautett*©tammfetatt fBlue Coh<\tb) oerbunbm werben fottte» 48 754 «Kebi gini fdfee ® ewadfesf u nbe ÄOtictltbcC — (%at.: Coriandrum Sativum, Sngl.: Coriander Seed), — Der Äorlanber iß rine fleine, einjährige «Pßange; er wirb gewöfenlidj ein bü gmti guß Ijoctj unb wirb meißens in ©arten biefes SanbeS angepßanü. Sr iß in 3ta- lütt unb bem füblictjen Suropa einfeeimifdfe. Sr blüfet im 3uni, unb ber Samen reift im Sluguß. SBeim bie grüne, frifdfee «Pßange gerieben ober gerquetfdt wirb, gibt fte einen unaitgeitefemeit ©erucfe oon ßdj; aber ber trodene ©amen iß fefer mofelric« djenb unb tjat rinen angenefemeit ©efdjmad. «Kebtginifdfee Sigenfdjaften nnb ©ebraudj. — Kur bie ©amen ßnb im ©ebrauefe. ©ie finb onregenb, aromattfd) unb rin «Kittet gegen Vläfeungen. ©ie werben meißens gebraucfet, um ben ©efefemad anberer Slrgnelen gu beden obtt gu »erfeeffem. ©ie werben »on Vielen gebraucfet, gleifcfe gu würgen, unb ßnb befon- bers gut in SBürßen. Die (3abt ift »on gwangig bis »iergig ©ran ober ein Jfeee« löffel oott bes weingeißigen SluSgugeS. Äräljcuatttteit — (Sat: Nux Yomica). — Dies ßnb bü ©amen eine« VaumeS (Strychnos Nux Voinica), welcfeer in Dßinbien eittfeeimifefe iß. Die ßräfeettaugett ßnb oon bräunlicfeer garbe, feart, ttafeegu flactj, runb unb ungefäfer oon ber ©röße wnb gorm gewöfenttdfeer Kodfnöpfe; im Snglifdjen werben ße, »eil fte gum «Vergiften ber Hunbe feäußg oerwanbt werben, auefe Dog-buttons genannt. Diefe fowofel, wie ber aus ifenen bereitete Srtraft, fönnen immer in ben Slpotfeefen gefunben werben. «Kebiginifcfee Sigenfcfeaftett nttb ©ebraudj. — Die ßräfetn« äugen ftnb ein ßarfeS uttb töbtlidfeeS ©ift, wetm in großen ©aben genommen; bafeer fottten fte ßets mit größter Vorßcfet angewanbt unb nie anberS, ats unter ber Stnweifung eines StrgteS genommen werben. SluS ben iträfeenaugen wirb eine« bet töbtlicfeßen ©ifte, bas ©trpefenin, berettet 3« gu großen ©oben ergeugen fie Krämpfe, ©djeintob uub wülltcfeen Job. ©elbß iit fleinen ©aben ergeugen ße Ui' weilett nnangetietjme ©pmptome, wie g. V. allgemeine «Kottigfeit, 3ittern in ben ©liebern, Iricfjte ©teiffeeit in ben «Kusteln, «Kagenbrentten, 3ufommengiefeen be« HalfeS unb ber Vruß, Hemmung beS Urins, leicfetes 3uden ber «Kusfeln, Äopf« fdjmerg, ©cfewinbel ober Singettommenfeeit unb bergleidjen. Die MxaijtnauQtn müffeit, gleicfeoiei in weider gorm man ße nimmt, in fefer fiel« »ten ©aben genommen werben; bantt wirfen biefelben neroenßärfenb. Sie werben neißettS in ber Vefeanblung oon ©cfelagfiuß unb ©füberläfemung angewanbt. Sie »erben bei attgemritter unb örttidjer ©Üeberiäfemung gebraudjt unb ßnb befonbers legen Sätjatung ber Vlafe gu empfefelen. gemer werben ße oott einigen gegen Veits £ang, SBafeirfftm unb Keroenreißett empfofeien; ebenfo gegen geßöttt $tx> tauung, anbaltenbe Verftopfung, KfeeumatismuS, oerattete Kufer unb eferonifefee Sntgünbung ber «Kilg. Die ®abt ber gepuloerten Äräfeenaugen iß für eine trt»aid)ndbel, geftedter — (Sat.: Geranium Maculatum, Sngl.: Geranium, Cranesbill, Crowfoot, Alum Root). — Der gefledte Äranicfefefenabel »irb »on gefeit bis fünfgefett 3ott feoefe; er wäcfeß meiftenS in fettem Voben, in ©ebü* fefeen unb fdfeattigeit Plänen, an Ufern oon Vädjen uttb auf Slbfeängeit oott Hügeln. gr feat einen fcfelanten, ßcfe winbettben, glatten ©tengel unb Vünbel oon gwei bis brei ober oier gottigen Vlätüm am oberen Snbe. Die Vtumen ßnb groß unb pur* putrotfe unb blüfeen »om Slpril bis Sunt Die SBurgel, welcfee »als Heilmittel gebraucfet wirb, ift bid, raufe unb tnorrig, »on brauner garbe unb feat einen fäuer* licfeen unb fefer aßrittgiretiben ©efdjmad; ße giefet ben «Kunb gufammen, wie Sltaun. kebiginifcfee (Sigenfdjaften unb ©ebrauefe. — Die SBurgel Ui gefledten .KranicfefcfeitafeetS iß ein ßarf gufammengiefeenbeS «Kittet unb iß eins oon ben 9lrgneimitteltt, welcfee ßets mü ©iefeerfeeit angewanbt werben fönnen. ©ie ifl ein fcfeäfcenSwertfeeS «Kittet hti Durcfefott, Kufer, ©ommerfranffeeit ber Ainber, ober Äinberdjolera unb in atten gätten, In welcfeett gufammengüfeenbe «Kittel notfe* toenbig ftnb. Sine ßarfe Slbfocfeung iß ein ausgegeidneüs ©urgelwaffer in gälten oon Scfewämmcfeeit im «Kunbe unb Siterung beS HalfeS ; fte ift ebenfalls »on großem Kuweit; um alte, träge ©efefewüre gu wafdjen. Um fie gegen Kuljr ober ©ttrcfefatl anguwenbeit, gebe man ße in Slbfodjung, entweber attein, ober in Verbinbung mit anberett gufammengiefeenbett «Kitteln; man tann ße ferner auefe in «JJulöer in ©aben oon gefen bis breißig ©ran geben. Die Slbfocfeung fantt itt Viertel bis fealben Joffe«, öfters ben Jag über wieberb, olt, gegeben werben, gür Älnber wirb es bas Veße fein, bie SBurgel fo lange in «Kilcfe gu todfeen, bis atte SBirfung in berfelben aufgenommen ift unb bantt biefelbe mit 3uder gu »erfüßen ; nocfe wirffamer fann bie «Kifcfeung burd3ufaj3 oon «Kusfatnuß, ©ewürgnelfen unb ßimmet werben. Stuf biefe SBeife ertjält man ein oorgügticfeeS «Kittel gegen bie ©ommerfranffeeit ber «Kinber, weldjes nadj Velieben genommen werben barf. Ämt^rmtt — (Sat: Erechthites Hieracifolius, Sngl.: Fire-Weed).— Zai ßreujfraut iß eilt in mandjett «piätien gang gewöfenlicfeeS, ranfenbes Unfraut, toeldjeä über bie gangen nörblidjett unb weftlidjen ©taaten, in naffen unb offenen halbem, iit .Klärungen ttttb befonbers in Voben, auf weldjem es gebrannt feat, »orfommt. Ss feat einen großen, raufeen, weiden ©tengel, gwei bis fünf ober fecfes Ruf} feoefe; große, unregelmäßig geformte, feettgrüne Vlätter uub weiße Vlumen. Ss ifl im Snglifdjen gewöfenlicfe, unter bem Kamen geuerfraut (Fire-Weed) befannt, was bafeer fommt, boß bas .Kraut am meißen auf folefeen «planen ooriommt, auf welefeen ein geuer ffattgefunben tjat, g. V. wo Haufen »ott Keißg »erbratmt würben u. f. w. Die Dftonje feat eineit eigentfeümlicfeen, ßarfen nnb ttttattgenefjtnett ©erucfe unb fdjt»ad)=bltteren, unattgeitetjmett ©efefemad. ^ebiginifdfee Si g en f dj af t e it nnb ©ebrand). — Die gange $Nje, »orgügiidj eber bie Vlätter, werben itt ber Slrgnei angewanbt. Das taij- 756 «K e b i g t n i f dj e ©ewädjsfunbe fraut wirft oeränbemb, reinigenb, ßärfenb wnb in großen ©oben ehtas 6recfetn« erregenb unb obfüferenb. Ss wirb für fefer nüfcltdj bei allen Seiben ber Sdleim« feäute bes «KagenS, ber Singeweibe, ber Sungen unb ber Hamwerfgeuge gefealten. SS iß eitt empfefelenswertfees «Kittel gegen Kufer, Sfeolera, Vrecferubr (cholera morbus) unb bie ©ommerfronffeeiten ber Ainber. 2llS rin Veränberung«« unb Keinigungsmittel bes gangeit AörperS iß es feauptfädjtitfe ein »orgüglides vKütt( in gätten »on Hautfranffeeiten, ©efefewüren, ginneit (Pimples), wunbem SKunbe fäugenber ainber, Kofe, Drüfenfranffeeiteit, böfen Slugen unb allen anberen Uebeln, bie »ott Unrrinigfriütt beS VluteS ober beS Körpers überfeaupt feerrüferen. SS wirb in Stufguß, weingeißigem SluSguge ober In ber gorm oon „VitterS" in mäßigen ©aben, gwei* bis breimal täglicfe, fage ein bis gwei Sßlöffel oott, je naefe Umßänben, angewanbt Die <3abe bes Äreugfrautöts, welcfeeS burefe Deßittatton gewonnen wirb, iß brti bis fecfes Jropfen gweimal täglicfe. Das ßreugfraut iß übenfatts ber HauptbeßanN tferil oon „.Kennebp's «Kebical DiScooerp," einer Slrgnei, welcfee Jefct ßarf im ®t. brauefe iß. fätCUXftaut — (2at: Senecio Gracilis, Sngl.: Liferoot, FemaleRegulator, Squaw Weed). — DiefeS .Kraut iß fefer rar unb nicfet aügemein befannt. & Wirb meißens an glüffen unb Väcfeen, an fetßgen unb feotjen Ufern gefunben unb Wirb ein bis gwei guß feoefe. Ss iß fdjwer, es fo gu befefereiben, boß es naefe ber 33e- fdfereibung erfoimt werben tonnte. Stber man fonn es In jeber „botonifefeen 2lpo« rfeefe" taufen. Das Mxaut unb bie SBurgel gebraucfet man als Heilmittel. m et ig i ni f efee Sig enf cfe aft eit unb © e b r o u cfe. — Diefes flraut fefeeint einen gang befonberen Sinßuß auf bie weibttefem ©efcfelecfetSorgane ju feaben, unb gwar in einem folefeen ©rabe, baß es im Snglifcfeen ben Kamen Female Regu- lator erfeatten feat. Sit feiner füfelfearen SBirfung iß eS feamtreibenb, ßärfenb, fcfeweißtreifeenb unb beförbert ben Sluswurf ber Vruß; es ift am wertfeoollften In feiner Birfung auf bie ©ebärmutter, unb in biefer Vegiefeung wirb es auefe am meißen gebraucfet. 3n allen gätten »on unterbrüdtem ober gurüdgefealtenem 3Jü< natsfluß iß es feödjß empfefetenswertb, entWeber attein, ober in Verbinbung mit Hafelwurg ober Verbenawurgei, iit Jfeee ober Slufguß genommen. 3n gäüen »on fdjmergfeaftem ober gu ftarfem «Konatsßuß unb in Vtutfluß oon ber ©ebärmutter ift es in Verbinbung mit 3immetrinbe unb Himbeerenblätter, reicfeltcfe tn SlufguJ genommen, ebenfalls außerorbentlidj wertfeoott. SllS b>mtreibenbeS «Kittel wirb es ßets mit größtem Srfolg bei Hamßrenge unb Viafenffein in Verbinbung nnt anberett fearntreibenben «Kitteln angewanbt; in kranfbeiten ber Sunge, befonbere bei grauen, wenn biefelben mefer ober weniger oon unregelmäßigem «^onatcjiuMer. rüferen, ift es ein auSgegeidjneteS «Kittet. 3n ber Vefeonblung aller »«tM«J» aranffeeiten wirb bas Äreugfrout »on Sitten, welcfee es ongewonb feaben 1 « ber beßen befantuen «Kittel angefefem. Die ©abe beS SlufguffeS ober ber 5lbfo ^ Maiden-hair). - Dies iß eine febr garte gamart, weidj gewo ftnhfl<* fünfgetjn Soll feoefe Wirb, ©ie bat einen bünnett, glatten, fdjworjen ^teng ober «Pflangett*Slrgneimittelteb/re. 757 (leine farnartige Vlätter. Der fußförmige .Krüfffam wirb in ben meißen ber Ver- einigten ©tauten fetjr feäußg in fdjattigen SBälbem unb fettem, feudjtem Voben angetroffen. SKebijinifdtje Sigenfdjaftett unb ©ebraucb,. — Die Vlättet werben gebraucfet; ße ßnb ftärfenb, beförbern ben Sluswurf ber Vruß, ßnb füfelenb unb etwas gufammengiefeenb. ©ie werben in Xljtt ober Stbfocfeuitg angewanbt unb werben »on oielen 5tergten als rin auSgegeidjneteS, füfelenbes ©etränf in giebern tntpfofelen; ebenfalls bei Hußen, Srtältungen, Heiferfeit, Sngbrüftigfeit, ©eiten* ftedjett unb Kofe. ©ie tonnen nad) Velieben in Slbfodfeung ober ©prup getrunfen werben. anheben — (Sat: Piper Cubeba, Sngl.: Cubebs). — Die .Kubeben, Welcfee in allen Slpotfeefen oorrätfeig gefealten werben, ßnb bie Veeren ober grüdü einer ßcfe winbenben ober ftettemben Pflange, welcfee in ben SBälbem ber oßinbifefeen 3nfeln wilb wäcfeß. ©ie werbett aud Saoapfeffer (Java Peppers) genannt. Die «Beeren werben gefommelt, efee ße reifen, unb, wenn getrodnet, finb ße »on fefewarger garbe unb oon ber ©röße beS gewöfenliefeett fdtjwargen «Pfeffers. «Kan ßnbet bie ßubeben in ben Slpotfeefen meiß geputoert oorrätfeig. «Jftebiginifdje Sigenfefe af tett unb ©ebrauefe. — Die .Kubeben ßttb ein öorjügtidjes feamtreibenbes «Kittel; ße ßnb milb^anregenb, wirfen gegen Vfä* feungen unb beförbern ben Sluswurf ber Vruß. ©ie wirfen befonbers auf bie ©cfeleimfeäute unb tfeun fdt)leimigen 5lusflüffen, befonbers ber Hamwerfgeuge, Sin* fealt. DeStjalb ßnb ße ein oorgüglicfees Heilmittel gegen ben Sripper uub Kacfetrip* per unb ftnb femer mit bem größten Srfolg gegen weißen gluß angewanbt worben, Sie mäßigen fefenett bie Sntgünbung unb ben Slusßuß beim Sripper, unb in ben meißen gälten feeilen ße benfetfeeit fcfenetter, als irgenb eine anbere Slrgnei. ©ie äußern, wie man fagen fann, eine burefebringenbe Sinwirfung auf bie meißen .Kon* [Htutionen, oorgüglidt) wenn ße im Slnfattge ober ber afuten gorm biefer Aranffeeit angewanbt werben. Die wafemetjmbaren SBirfungen biefes Heilmittels ßnb burctj* aus milber Katur, unb, inbem es ben Urin »ermefert, tfeeilt es bemfelben feinen eigenen ©erud) faum mit SluS meiner eigenen Srfaferung in ber Vefeanblung biefer Aranffeeit, fann idj bie beßen 3eugniffe gu ©unften biefes Heilmittels aus* ftetten. 3cfe will gerabe nicfet behaupten unb erwarten, baß es jeben gatt feeilt, attein aus ben oielen Verfuefeen, welcfee iefe bamit gemaefet t)ahe, X)abe idj gefefeen, bafj biefes «Kittet größeres Vertrauen oerbient, ats irgenb ein anberes, welcfeeS gegen obige aranffeeit angewanbt .wirb. 3n einigen gätten Xjaht iefe mid) genötfeigt gefe- feen, Äubeben mit .Kopatüabalfam gu mifdjen; idj »erfeferieb einen Sfeeelöffel oott »on jebem, gemifefet, breimal täglicfe ; es war aber btos iit fefer fefewürigen gätten. Sin Sfeeelöffel oott ber gepuloertett .Kufeeben, breimal tägtidj itt einem ©lafe ooll Sßaffer, iß gewöfenlid feinreiefeenb hei biefer .Kranffeeit; gu gleicfeer ßtit fottte aber ber Seib mit Vitterfaig offen gefealten unb Kufee unb eine ßrenge unb füfe* lenbe Diät beobaefetet werben. Kur in einzelnen gätten oemrfaefeen bie Äubeben ßrröttjen beS ©eßdjteS, brenttenbe Hü3e in ben Hänben unb gußfoblen unb greifen flopf unb «Kagen mefer ober weniger an. SBetm bieS ber galt iß, bann oerminbere W> bie (^abe gur Hälfte. Diefe Slrgnei fottte immer in einem fealben ©lafe SBaffet gut umgerüfert, fo baß es gut gemifdjt iß, gegeben werben. «Kan wirb ßnben, tax) 758 «Kebiginifcfee © e w d cfe, S f u nbe falter Seütfamentfeee, wäb,renb beS SageS getrunfen, große Hülfe bei bet Vefeanblung ber aranffeeit leißet Vei Kadfetripper unb weißem gluß ber grauen wirb man ßnben, baß Äubeben, mit faltem Ulmenrlnbentfeee genommen, oon größtem Stufen ßnb. 3tt ben Slpotfeefen wirb auefe ein jmfeebenöl ooträtljtg gefeolten, weide« mon anftatt beS PuloerS anwenben fann. Die ©obe booon iß oon fünfgefen bis breijjig Sropfen, breimal täglid) in ein wenig ©prup ober gäfeent ©oft gertter feat man inen .Kubebeneriraft, wetder in ber gorm oon Pillen meißens mit gleictjen Jfeeilen »erfeärtetem .Kopatoabalfam angewanbt wirb, wooon gwei bis brei Pillen breimal täglicfe gegeben werben. Sin btsdjen Pobopfepttin ober gepuloerte «Kaiapfetmurjcl mit ben «piüen oerbunben, iß feinreidjenb, um eine leiefete Ceffnung bes Selbes feer« oorgurufen, uub wirb beim Sripper beffer wirfen. &lll)fräfe£ — (2at: Mucuna Prurieus, Sngl.: Cowhage, Cow-itch). — Diefe Pflange iß in ben warmen Sänbern, feauptfäajticfe auf ben weßittbifcfeen 3nfcln, einfeeimifefe. ©ie ift eine flettembe «Pßange, welcfee ßcfe um Väume, Vüfde unb was ße nur immer erreidjen fann winbet. ©ie trägt lange, fcfelante Hülfen, unb bie Vorften ober Haare, weiefee an benfelben woajfen, finb ber Stjeil bet Pflange, welcfeer im 3frgneif«*en oermenbet. Die ö)ab » ©amen in puloer iß »on gwangig ©ran bis gur Dracfeme, beS DelS oen gwe w grijtt Srupfett auf 3uder, ü ttaefe bem Sllter beS «Patienten; für fäugenbe mux n Jropfen, in eitt wenig «Kuttermilcfe,. ober «pffattgett*3trgttetmlttelle^re. 759 $tttbi$famen — (%at.: Cucurbita Pepo, Sngl.: Pumpkin Seed), — ©owofel .Kürbis, als .KürbiSfamen ßttb gtt wotjl befannt, als baß ße einer näfeeren Sefcfereibung bebürften. «Kebiginifcfee Stgenfctjaften unb ©ebraudj. — itürbisfamett ßnb ein auSgegeidjneteS fdjleimiges, feamtreibenbes «Kittel, itt ber SBüfuitg bem ©amen ber SBaffermetonen fefer äfettlicfe. ©ie föimen beliebig in Slufguß ober Sfeee bei jTranffeeitett ber Hamwerfgeuge uitb Unterleibsentgünbung angewanbt werben. Sie finb gut bei gefeemmtem Urinfluß, Sntgünbung ber Vlafe unb werben in fol* cfeen gätten ebenfo wie bie «Kelonenfamett angewatibt $UrfttmeHJUr;$eI — (Sat.: Curcuma Longa, Sngl.: Turmeric). — Die jcurfumewurgel, welcfee man in ben Slpotfeefen ßnbet, iß gewöfenlicfe in gorm eines gelben PuloerS. ©ie iß bie SBurgel einer «Pflange, welcfee in Dftinbien unb Sfeina »ädß. «Kebiginifcfee Sigenfcfeaftett uttb ©ebrauefe. — ©ie iß ein aro* matifdj*onregenbeS, febodtj wenig gebrauchtes Slrgneimitül unb bunt ttur gum gar- ben »on ©alben. Scbcvtvaut, breitappigeS — (Sat.: Hepatica Triloba, Sngl.: Liver- wort, Liverleaf, Trefoil). — Dies iß eine Heine «Pflange, welctje ein breitappigeS Slatt an übern ©tengel feat. Der ©tengel wirb fecfes bis aefet 3ott X)odj. ©ie iß eine in allen ©taaten gewöfenlicfee «pflange. ©ie wäd)[t in SBälbem, meißens auf ben Slbfeängen »on Hügeln, gewötjnlidj auf ber ©übfeite. ©ie blüfet fetjr frütj im grüfeling, entweber im «JKärg, ober im Slpril, mit »iolettweißer Vtüttje. Die gange pflange wirb als Slrgnei angewanbt «kebiginifcfee Sigenfcfeaftett nttb ©ebraudj. — ©ie iß ftärfenb, linbemb unb etwas gufammengiefeeitb tmb wirb itt gorm »on Slufguß ober ©prup, bei Sungenleiben, begitmenber ©dfewitibfucfet, Seberleibeit, Vlutungett »ort ber Sunge, Hußen unb bergleidjen, angewanbt ©ie feat bei Sungettleibeit, in Verbin* bung mitSfeeer, in ber gorm »ott ©prup unter bem Kamen Dr. KogerS' "Liverwort and Tar" einigen Kuf erlangt, ©ie iß ein unfdjäbtictjeS Mxant unb fantt nad) Ve- lieben in Stufguß gebraudjt werben. Setnfamcn , g l a dt) S — (Sat.: Linum Usitatissimum, Sngl.: Flax- Seed). — Der gtaefes iß eitt gtt betatmüs Mxaut, ats baß er einer weiteren Ve* fefereibung beburfte. «kebiginifcfee Sigenfdjaften uttb ©ebraudj. — Der gtaefesfamen iß ein aitsgegeidfeneteS SinberungS* unb SrweidtjungSmittel unb wirb fowofel inner* liefe, als Slufguß ober ©cfeleim, als aud) äußerlidj, als Vreiumfdtag angewanbt. Jfeee ober ©cfeleim oon Seiitfamen, innerlid) genommen, iß außerorbentlid) nü^tid» in atten Sntgünbitngett ber Hamwerfgeuge, gegen Hußen unb Sungenleibeit, hti ber Dpfenterfe ober Kutjr. Dos Verfeättniß ift gewötjnlidj eine Unge bes ©amens- gu einer unb einer fealben «pinte fodjenben SBafferS; matt laffe bies ein bis gwei ©tunben in einem Sopfe gietjen uub trinfe biefe Quantität wätjrenb beS SageS. £>er Sfeee fonn burctj 3ufafj »on 3uder unb Sitroneitfaft, ober etwas Sitronett* fcfenle, angenetjm gemadjt werben. Seinfamenmeljl, mit SBaffer ober «Kilcfe gefodjt, 760 «Kebiginifdje ©ewäcfe, «funb. bilbet einett ausgegeidtjnet guten Vreiumfdjlog in atten gätten oon gefäferliefeer «Int« günbung unb entgunbeten SBunben unb ©efdwüren; es fann entweber allein, obtt mü ein wenig Äommefel ober gepulverter Ulmenrinbe (Slippery Elm-bark) ange wanbt werben. Das Sein* ober gladfesfamenöl iß ein fefer gutes ©urrogat für Kicinudöl, ba ti milber in feiner SBirfung iß. «Kan fagt, es fei ein oorgüglidjes «Kittel gegen got- bene Slber (pües), itt ©abeit »on eitt bis gwei Ungen, gweimal täglid wäbrenb meferer SBodben gegeben. Verbunben mit .Kalfwaffer iß es ein fefer gutes «Kittel bei Vranb wunben unb ©efeorf. £etenbaumt a m e r t f a n i f et) e r — (Sat.: Larix Americana, Sngl.: Tamarac, Black Larcb, American Larch, Hackmetack). — DüS tß ein fcblan« fer unb fdöner Vaum, welcfeer burctj bie gongen nörblidjen unb norbweßliefeen ©taaten in ©ümpfen unb niebrigen, naffen piätien ooriommt. Sr iß ba, i»o et wäcfeß, fo wofel befannt, baß er einer weiteren Veüfereibung nicfet bebarf. Srgefeött ju ben Sannenortett. «Kebiginifcfee Sigenfcfeaftett unb ©ebraudj. — Die Kinbe roirb gebraucfet; ße iß ßärtenb, feamtreibenb unb »eränbemb unb wirb in Slbfocfeung ober „VitterS" gegen Seberfranftjeit, KfeeumatiSmnS, ©elbfuefet unb DurcfefaD empfofelen. ©ie ift eine »Qrgügticfee 3ugafee iu wieberfeerßettenben „VitterS;" in gätten »on SBafferfucfet, oerbunben mit SBacfefeolberbeeren, grüner «Künge unb Slie- berrinbe unb mit SBaajfeolberferatmtwein auSgegogen, iß ße ein »orgüglide« Heil- mittel, ©ie muß feäußg in gewöfenliefeett ©oben entweber in Slbfocfeung, wtingti. ßigem SluSgug, ober als „VitterS" angewanbt werben. «Kan fonn ße tn ben meißen Slpottjefen faufen, Sobelia, Sarbinat —(Sat: Lobelia Cardinalis, Sngl.: Blue Cardinal Flower, Blue Lobelia, Higbbelia). — Dies iß eine in ben weßtiefeen unb füblt« cfeen ©taaten feäußg »orfommenbe «Pßange; ße wirb gwei bis brei guß feoefe; feat große, naefe bem oberen Snbe gu ßdfe »erfleinembe, Vlätter; baS SnbebeS ©tengels iß mit fetaß*blauen Vlumen bidjt beferü. Die SBurgein, welcfee ber Sfeeil ber Pßange ßnb, ben man gebraucfet, ßnb weiß, faferig unb gwei bis fecfes 3oÜ lang. De ganje Pßange, wenn nocfe frifcfe, iß »oll »on milefeigem ©aft. «Kebiginifcfee Sigenfcfeaftett unb © e b r o u cfe. — Diefe Sitt So« betia wirb ttidfet »iel als Slrgnei angewanbt. «Kon fagt, bie SBurgein feien fearn« treibenb, ein. «Kittel gegen SBürmer unb gegen Krämpfe, ner»enßärfenb unb in gro- ßen ©abeit leidfet bredfeenerregenb unb abfüferenb. ©ie wirb mit Srfolg in SBaffer^ fudjt angewanbt, ebenfalls bei Durcfefott uttb Kufer unb ols SBurmmtttel. Vit ©abe ber geputoerteu SBurgel iß oon einem fe,alben bis gu einem Sfeeelöffel »ofl, brei« bis oiermal täglidfe. ©ie fantt in Slufguß ober Slbfocfeung angewanbt wetben. Sobelia, ©ppfe. ili S*-(Sat: Lobelia Sypbilitica, Sngl.: LobelU^- namensis, Red Lobelia).-Diefe Slrt ber Sobelia ftefet ber Sarbtnat 8*WuW afettlid), mit Stusnafeme ber Vlumen, welcfee groß unb »on fefeöner blafrotfeer»« finb. ©ie iß auf ben weftinbifden 3ttfettt einfeeimifd) unb btüfet oon 3anu t gebruar bis fpät im ©ommer. ©ie wirb ebenfalls in oielen Sfeeilen ber Vereinigte« ober pflattgen*3lrg tt et mit teilet re. 761 Staaten witbwadfefeitb, gewötjntid) itt niebriggetegenen SBälbem unb üodenen ®e- genben gefunben. «Kebiginifcfee Sigenfcfeaftett unb ©ebraudj. — Die SBurgel »irb als Slrgnei angewanbt; ße wirb oon benen, wetdje ße gebraucfet babeit unb mit iferen Sigenfcfeaftett befannt ßnb, als ein fetjr fräftiges unb guoerläfßges Silterati» (SeränberungSmittel) bei ber Vetjanbluitg »ott .Krebs, Drüfenfranf feeit uitb oenerifcfeet Aranffeeit (sypbilis) — wotjer auefe ber Korne ©ppfettis*Sobelia fommt — empfotj* len. 3« foldjen Jtranftjeiten wie biefe, wirb ße in ßarfen Slbfodjungen angewanbt; ber Patient feat tägiidj eine Pinte bis gu eittem £)uart gu trinfen. ©inb ©efdjwüre »orfeanben, fo ßnb biefelben bamit gu wafdjen. ©ie wirb fetjr empfofetett gegen SruftfrebS ber grauen; bie Slbfocfeung ber SBurgel muß tägiidj getrunfen werben; n»a ein SBeingtas oott brei* bis oiermat. Sütf bie Vruß ober bett -Krebs muß ein Jmfttjlag »on gleidjen Sfeeilen gepulverter Ulmenrinbe unb ber gepulverten SBurgel (ober Vlätter), mit einer Slbfocfeung ber SBurgel gemifefet, gelegt werben. Diefer Umfdjlag muß, ausgenommen wenn er erneuert wirb, beßänbig barauf gefealten »erben; JebeSmal, wenn ber Umfdjtag frifcfe aufgelegt wirb, muß ber MxtH mit ber »armen Slbfocfeung afegewafdjen werben. ©egen ©efefewüre, SBunben, Sntgünbungett unb atten Seiben, bei benen ©efafer ifl, bafj falter Vranb ßdj einßettt, empßefelt man biefe Pßange als eines ber beßett unb guöerläfßgßen Heilmittel, ©ie wirb ferner gegen SBafferfudjt empfofeten. Ss fefeeint, baß bie Snbianer ße lange als ein Heilmittel für Dmfengefdjwure, .KrefeS unb »eitetifdje Aranffeeit, woburcfe ifere wunberootte SBirfung guerß befannt tnurbe, gebraudjt feaben. ©ie iß nicfet fefer gewöfenlicfe in ben weftlidtjett ©taatett. unb es fann möglidfeerweife mit ©cfewierigfeiten oerbunben fein, ße gu erlangen. Qobelienttaut — (Sat: Lobelia Inflata, Sngl.: Lobelia, Indian Tobacco, Wild Tobacco, Emetic Weed, Colic Weed, Eye Bright etc.). — Dies iß eine burefe bos gonge Sonb feäußg »orfommenbe «Pflange, welche ein bis gwei guß feoefe ftrirb; ber ©tengel iß feaarig, bie Vlätter ßnb foifc gulaufenb, auf beiben ©eiten feaarig unb ausgegafeut; bie Vlumen ßnb blaß*biau, oereingett auf bett 3roeigett nnb bett oberen Sfeeilen bes Stengels ßefeenb; ße blüfeen »om 3uti bis fpät im Herbft. Sluf bie Vlütfeen folgen fleine Hülfen ober eine Slrt eiförmiger, feobter ®efäfjbe iefe es tn »crf*ie ober «Pflanaen*Slrgtteimittetle|re. 763 benen gälten oon feäuttger Vräune mü großem Vornjett angewanbt" Dr. «Samuel Ifeompfon fagt, baß er eine grau, welcfee fecfes «Konate nicfet im ©tanbe gewefett ei im Vette gu lügen, mit gutem weingeißigem SluSgug ber Sobelia turirt X)abt. 3aj »eiß, boß ber ätfeeriftfee, weingeißige SluSgug ber Sobetia in meiner Äunbfcfeaft «nj außerorbentlid) gut in oielen gätten »on Sngbrüßigfeit gewirft tjat. 3tt ben 'Ipotfeefen werben gwei ©orten SluSguge oorrättjig gehalten, ber weingeißige nnb Ux ätfeerifd'toeingeißige. «Jlcebiginifefee Sigenfcfeaftett unb ©ebrattd). — Die Sobelia iß brecfeenerregenb, erfdfelaffenb, bett Sluswurf ber Vruß beförbemb, frampffttttenb unb berufeigenb. 3n fleineit ©abeit ift fte efelerregenb; ße ruft eine Slrt Vrennett .Kribbeln unb unangenefemeS ©efübt in bem Hälfe feeroor; wenn bie ©abeit »er* gröfjert ober attmälig geßeigert werbe«, »erurfacfet fte Srfdjtaffuitg beS «Kustet* foftemS, fefewacfeen Puls ©djweiß unb — für einige ßeit — aärulide Srftfelaffung. 3n feinreidjenben ©oben, fage gwangig bis breißig ©ran Ott gepui»erien ©amett ober Vlätter, ift ße ein fdjnetteS, ßcfeeres unb fefer wirffameS Vrecfemittel, welcfeem jetoötjnlidj Srfefeloffung beS Körpers uitb oft mefer ober weniger oöttige Srmattung folgt; aber ©efatjr iß nicfet babei, inbem es meißens bett .Kranfett iit eineit fußen 5äjlaf »erlernt, woraus er nadj furger ßeit fefer erfrifdjt wieber erwadjt unb nicfet feiten mit bem SBunfdje, etwas gu effen 1 Die Sobelia iß ungweifettjaft baS beße, wirffamfte unb fiefeerße atter feefanntett Vrecfemittel. Vei fcfemergfeoftem ©eitettftecfeett ift ße eitt wunberbareS Heilmittel, ©ie fottte bei folefeen ©elegenfeeiten im Slnfange für eine ßeit lang in geseilten ©abeit gegeben werben, bis ber gange .Körper attmälig unter iferen Sinfluß gebraefet ift; alsbanit iit größeren ©oben, um Vredjen unb Srfcfelaffung tjetootgurufen. 3nt Slnfattge iß es Ui Veße, fte mü Sapennepfeffer gu verbinben. Ss iß ein guter plan, gwei Sfeeile bes weingeißigen SluSgugeS ber Sobelia mit einem Ifeeil „Kummer 6" (ober weingeißigen SluSgug bes SapennepfefferS) gn mifdjen unb baoott Sfeeelöffelgaben itt eilt wenig warmem amerifanifden 3fop, ßafcenmünge ober ©aloeitfeee gu geben. Dies wirb ben Organismus fefer balb ber abßimmen; wenn eS alle gefen bis fünfgefett «Kinutett gegebett wirb, wirb bieS «Kittel bie 3irfuIatioit beS VluteS gtridjmäßig madjen unb febr balb bas fcfelimmße ©eiten* ftedjen befeitigen. Die Sobelia iß oon Vielen als rin »orgüglicfeeS «Kittel gegen ©cfelangettfeiß empfofe* len worben. ©ie wirb in weingeißigem SluSguge in Heilten ®ahtn gegeben, bie gerabe feinreiefeen, um bett Äraitfen fortmäferenb übet gu erijaltett, uttb bamit iß mefere Sage ober fo lange fortgufaferen, bis bie ©efatjr »orüber ift 3« berfelben ßtit follte bie SBunbe ßets mit bem weütgeiftigen SluSguge ber Sobelia naß gefealten, ober Ui frifdje .Kraut, gequetfdjt unb angefeuefetet, aufgelegt werben, gerner ift fie ein »orgüglicfeeS «Kittel bei Hunbswutlj (hydrophobia). Verfdjiebene gälte ßttb burcb öftere ©oben,, nacfebem Kaferei unb .Krämpfe eingetreten waren, gefeeilt worben. Siefee in biefem Vucfee bie Vefeattbümg oon Huubswutb, (hydrophobia). 211$ ein ben Sluswurf ber Vruß beförbernbes «Kittet wirb bie Sobetia immer »on großer SBirfung gefunben werben, ttnb matt fottte biefetbe gn folcfeem ßwtdt mit Allen Hußenargneieit oerbinben. 211s Vrecfemittel mag ße attein gebraucfet, ober gur Hälfte mit Vrecfewurgetputoer oerbunben werben, ober audj gu gleidjen Sfe>ilett mit Vlutwurget unb Vrecfewurgel; 764 kebiginifcfee ©ewädjafunfee entweber bas Mxaut, ober ber ©amen fönnen gebraucfet werben. «Kon fdüttct tinen gefeäuften Sfeeelöffel beS «PuloerS in eine Saffe ober Heine ©dfeüffel, übergießt bie« mit riner tjalben Pinte feeißen — jebod tttdjt fodjenben — SBafferS, ba bie SBirfung burd) todjenbeS SBaffer gerßört werben mödfete, ttnb nacfebem biefes fünfgefen bi« gwangig «Kinuten geftanben feat, iß es gum ©ebraudje fertig. Ss mag bann gu tjatbett Soffen, in Sunfdenräutnen oon fünf bis gefen «Kinuten mit amerifantfajtm 3fop ober .KompoßtionSttjee, ober irgenb einem anberen .Kräutertfeee gegeben werben. Ss iß feljr gut, wenn ber «Patient, efee er anfängt ben Sobetiatfeee ju trinfen, feäußg warmen .Kräutertfeee, um ben «Kagen für bas Vredmittel oorgubereiten, trtnft. Ztx ©ebroucfe ber Sobelia fottte fortgefe^t werben, bis ber Patient gwei= bis breimal gebrocfeett feat, wonacfe ein büimer «Ketjlbrei (gruel) gegeffen, ober mefer kräutertfeee getrunfett werben foüte. Der weingeißige SluSgug fantt aud) als Vredmittel angewanbt werben, unb gwar Wirb bieS baS Veße für Ainber fein. Sr fann oerfüßt unb gong fdjmadfeaft gemadjt Werben. Die ©obe beS weingeißigen SluSgugeS für erwocfefene Perfonen als Vrecfe- mittel iß ein bis gwei Sßlöffel oott, fo oft wieberfeolt, wü oorljer angegeben, unb für Ainber ungefätjr ein Sfeeetöffel oott, wobei immer warmer Sfeee naaj Velieben gebraudjt werben fann. 3n plöjdtdjeit «Unfällen »on tjäutiger Vräune lommt nicfets bem weingeiftigen SluSguge ber Sobelia, in ©oben »on gefen bis gwangig Sropfen bis gu einem Ifeeelöjfel »ott gegeben, gteidj. Dies fottte fo oft wieberfeolt werben, bis Sinberung ober flar- feS Vredjen eintritt. Den weingeißigen SluSgug tann man in ©prup ober £onig geben. Der Hals ober bie Vruß fönnen ebenfalls mit bem weingeißigen 21uc»juge ober mit Serpentinöt gewafdjen werben. Der weingeißige SluSgug ber Sobelia als ein, bloS ben SluSwurf ber Vruß beför- bernbes, «Kittel gegen Hußen unb bergleidjen angewanbt, fann erwaefefenett Perfonen »on einem fealben bis gu einem gangen Stjeelöffel gegeben werben; bocfe follte iefe benfen, baß ein tjalber Stjeelöffel »ott bie (3aht iß, welcfee Perfonen, ofene baoon übet gu werben, nefemen fönnen; gefen Sropfen fdjon ergeugen bei eingelnen «Perfonen Uebelfeit. 3n Sngbrüßigfeit gibt es, wie iefe öorfeer gefagt feabe, fein «Kittel, wel- cfeeS itjr gleicfe fommt SBeim ber welttgeißige SluSgug angewanbt wetben foü, bann gebe man einen Stjeelöffel »ott in ein SBeinglaS »ott SBoffer unb wieberfeole biefe ©abe wäbrenb beS SlnfatteS atte tj albe ©tunbe bis Uebelfeit ober Vrecfeen ergeugt iß. & iß flar, baß bie SBirtfamfeit biefeS Mittels fefer erb. öfet unb ßefeerer gemaefet trüb burefe; feine SBirfung Uebelfeit gu ergeugen. 3« einigen Bußänben »on fdjroerem Sitfjem ergeugt es ebenfalls wofeltljätige SBirfung, otjne Uebelfeit ober Vrecfeen ju erregen ; aber wenn Uebelfeit ftcfe einßettt, obne baß ber Srfolg ein genügenber fein fottte, fo fottte man betmodj bie ©aben nicfet unterbreefeen, fonbern {ebenfalls riefe!- ben fo lange fortfefcen, bis Srbrecfeett uub in golge beffen SBofetfein eintritt. «Kan braudt nicfet bie geringße gurdjt cor einer töbtiiefeen SBirfung biefes «Kittel« ju feigen; es fantt besfealb in allen gätten »on unterbrüdtem Sltfeem ober anfefeetnenber Srßidung, befonbers wenn ber Suftanb fpaSmobifdfe iß, ofette gurefet fo lange geretajt werben, bis »ölligeS Srbredjen fjer»orgerufen unb bie gewünfefete Heilung erlangt t| Die Vlätter unb ©amett ber Sobelia entfealten bie wirffamen Sigettfajafttn un »edieren einen Sfeeil iferer SBirfung, wentt man ße ber Suft ausfegt. Xerijalb lo- ten ße iit buttfetit Dianen aufbewahrt werben. SBenit baS Äraut jum abtaue, ot»er Pftangett*Slrgtteimittellefe,re. 765 aetnünfcfet werben fottte, bann fottte es im 3uli ober Sluguß, efee bie Vlätter anfan* «en abjubleicfeen, gefommelt unb in luftigen .Kammern, nacfebem bie ©tengel »ott ben SBurgein forgfältig befreit ßnb, bünn gum Srodnett ausgeßreut werben. Die Üuft muß am Sage burefe bie .Kammer gelaffen, in ber Kacfet aber, wenn bie Sttmo* Märe feudjt iß, abgefefetoffen werben. Um bie ©amen gu erfealten, fottte bü «Pflange nicfet efeer gefommelt werben, als bis bie Vlätter gelblicfe gu werben anfangen, wel* jsti meiftenS Snbe Sluguß ober in ber erßen SBodje beS ©eptember ßattßnbet Kacfebem bas .Kraut geüodnet iß, fdjüttete man ben ©amen »on ben Hülfen unb (äffe ße burdfe ein ©üb laufen, bamit ße »ott ben Hülfen unb.©djmu£ befreit werben. Vereitungs weif e beS weingeißi ge tt SluSgugeS: trimm »ott bett gepuderten Vlättem ein Viertel «Pfunb; nimm SBaffer unb ßärfßen SBeingeiß, »on jebem ein Quart, unb laffe baS ©ange in einer gut »erforften glafcfee gefeit Sage jitfeen. Sereitungsweife beS weilt geißig eit StitSgwgeS ber ©am ett: nimm »on ben gepulverten ©amen ein Viertel «Pfunb; »on ßärfßem SBeingeiß unb SBaffer Je ein Quart, unb laffe gefen Sage giefeen. Vereitungsweife bes weingeißigen SlnSgugeS beS frifcfe ett Krautes: fammte bas .Kraut, wentt es in Vlütfee iß, efee bie Vlätter »erblei* cfeen, gerquetfefee es in einem «Körfer, bis es gum Vrei geworben iß; fe^e genug gjcalaga=, «Kabeüa* ober Satawbawein ^feingu, bamit SltteS bebedt iß; laffe es geljn läge lang ausgiefeen uttb preffe es aus. Um Vrecfeen gu ergeugen, ift bie ®ahe für erwaefefene «perfonen ein Sßlöffel oott, »elcfee in warmem Sljee gegeben unb atte gwangig bis breißig «Kinuten wieberfeolt »erben fottte, bis ber «Kagen gefeörig gereinigt iß. Die ®ahe für ein gwei Safere altes ßtnb iß ein fealber bis ein Sfeeetöffel oott, wie oben wieberfeolt, unb gwei Sfeee* löffel »ott für eins oon get)tt bis gwölf Saferen. SötoemaTjn —-(Sat.: Leontodon Taraxacum, Sngl.: Dandelion). — Der Söwengatjn iß eitt in allen Sfeeilen beS SanbeS auf gelbem, SBüfett unb in Höfen an SBegen, Ufern oon Väcfeen unb ait Vergen waefefenbeS, wofelbefannüs .Kraut Sr iß eine früfee grüfejaljrSpffange unb bleibt ben gangen ©ommer unb Herbß fein* burefe grün. Die jungen Vlätter werben als ©alat gebraucfet unb ßnb ats fotefeer angettefem unb gefunb. Die Vlumen ßnb »ott fdjöner, gelber garbe unb ßetjen in einem .Kopfe, oon einem 3ott im Durefemeffer, auf einem glatten, runben, feett* farbigen, feoblen ©tettget, »on ber gorm ttnb Sänge eines ©änfefiels, gufammen. Der Vlumenßengel erfeebt ßdj aus ber «Kitte ber Vlätter unb erreidjt eine Höfee »on aefet bis gefen 3oÜ. Stile Sfeeile beS .Krautes entfjalten, fo lange ße frifcfe ftnb, einen bitterlicfeen, mildjigen ©aft, wetdjer äfenlicfe bem beS ©alaüs (lettuce) iß. Die SSurjet iß ber als Slrgneimittet geferaudjte Sfeeil unb iß fpinbelförmig, äfenlicfe ber 3>ajlinaf, oft äßig, »on braungelber garbe; ße iß »ott einem tjalfeett 3ott bis brei Viertel 3ott bid unb fecfes bis gefen ober gwölf 3otl lang. Mebigittifcfe, e S i g eit f cfe a f te tt unb © eb r auefe. — Die Söwengafeit* toutjel iß alterüenb, waffertreibettb, abfütjrettb unb etwas ßärfenb. ©ie »erliert burefe bas Srodnett oiel oon itjrer Mxa[t. ©ie wirb meißens in gorm oott Srtraft gebraucfet, welcfeer ttotürtidt) »ort ber frifdjen SBurgel gemadjt werben fottte. Die Gurgel wirb bisweilen in Verbütbima, mit anberett »eränbemben wnb ßarfenben 766 «Keblglnifde ©ewädjsfunbe «JKitteltt gerbauctjt, um alterirenbe unb betergirenbe ©pruparten uub 9bfotfeungrn unb „VitterS" baraus gu macfeen, befonbers wo es wünfdettSwertfe iß, baß bie tfrutti auf bie Seber unb Kieren wüten fott. Der Söwengafen fefeeint befonbers als ein angenebmes, anregenbes «Kittel auf bü Seber einguwirfen unb iß besfealb feöcfeß fdfeä^enswertlj bei Srägfeeit unb Untfeätigfeit berfelben, bri ßongcßionen gegen bie- felbe unb befonbers — wofür er auefe regelmäßig gebraudjt wirb — bet eferonifcfeen Seberleiben. 3« fotdjen gätten iß ber Srtraft oorgugiefeen; man fann benfelben entweber in ben Slpotfeeten tjaben, ober man fann ifen felbß ous ber frifden SBurjel macfeen, inbem man eine Partie gerquetfdfet unb bann langfam fodett läßt, bis fte auSgefoefet iß, wonadfe matt ifen burdjgüßt unb bei longfamem geuer »erbampft, bi« ber Srtratt bid unb wetd) wirb. Sine Slbfocfeung ber SBurgel, in Quantitäten »on einer fealben bis gu einer Pinte tägtiefe genommen, iß ein gutes «Kittel bet SBaffer- fudjt, .Kranffeeiten ber Kieren unb ber Haut. Die ®ahe bes SrtrafteS tß »on fünf bis gwangig ©ran ein* bis gweimal täglicfe. Der Srtraft iß fefer gut, um mit anbt« reu ßärfer wirfenbett «Kitteln Seberpitten baraus gu bereiten; wie folgenbermaßen; «Pobopfepttin gwangig ©ran, Septanbrin otergtg ©ran, Söwenjafen=Srtraft — eine genügenbe «Kenge, um bamit eine «ptttenmaffe gu madjen, aus weldfeer man »ierjig «Piüen formt Die (3aht in gätten »on Sefeerfranffeeü, Unoerbaulicfefett, Hartleibig. teit u. f. w. iß eine «pitte ein* ober gwelmal täglid). Sine 3ugabe »on jwanjig ©ratt Vrecfewurgel ober gepuloertem Sobetiafamett ober ©anguittarttt macfet bie «Ki. fdjung ttodfe beffer. SmtftCltf'rattt, »trgtttifdjeS — (Sat: Pulmonaria Virginica, Sngl.: Lungwort, Cowslip). — Dies iß eine in ben Vereinigten ©Staaten gong gewöfenlicfee Pßange. 3ferer ©djönfeeit unb namenttid Iferer fdfeönen blauen Vlumen wegen, irirb ße öfters in ben ©ärteit gegogett. ©ie wirb gewöfenlidj fünfjefen bis jwanjig 3ott feodj. «Kebiginifcfee Sigenfcfeaftett unb ©ebrauefe. — Die Stattet gebraudt man; ße ßttb fefeleimig, linbemb unb etwas aßringirenb. ©ie wetbeu in gorm oon Slufguß bei Sungenfranffeetten, befonbers Vlutungen ber Sungen unb ebenfalls als SinberimgStnütel bei ber Kuljr angewanbt. WtaOjnolie, großblumige — (Sat.: Magnolia Grandiflora, ßngl. J Magnolia Tree). — Unter ben gatjlreicfeeit Väumen, weldfee bie omerifanifden Jßäfttt gieren, iß biefer, feines ßatttietjen SlusfefeenS, fetnes VtätterreidjtfeumS, feinet ®ro$- arttgfeit unb ©djöntjeit, ats audfe beS liebtiefeen ©erudeS feiner Vlumen roegen, ber fdfeöttße. Sr iß ein großer Vaum, mit buntein, immergrünen «Blättern; im grütjling iß er mit großen, fcfeönett weißen Vlumen gefdjmüdt, weide einen ßarfen, angenrijmett ©ernaj oon ßefe geben, welcfeer bte Suft meilenweit erfüllt 6t fömmt in bem nieberen Sanbe unb ©ümpfen ber fübtiefeett ©taaten feäußg »or. «Kebiginifcfee (Sigenfdjaften nttb © e b r a u cfe. - Die Kinbe ber SBurgel wirb gebraucfet uttb wirb als ein wertfeootteS aromotifefees ©tärfungamittcl angefefeett. ©ie wirb oft iit ber gorm »ott „VitterS," fowofel ols ein wieberfeetfttU lenbes «Kittel, als auefe. als Heilmittel gegen SBecfefel* ober falte« gieber angewanbt Von Sittigeit wirb ße als ebenfo gnt, wie bie Sfeinorittbe angefefeen; attein iefe feege ßweifel über biefe Slnßdfet ©ie ift eilt auSgegeidjneteS ßarfenbeS „VittetS/ uni ober «Pftattgett^Sirgttetmftteltetjre. 767 unjroeifelfeoft fetjr wertfeoott bei geßörter Verbauuttg, eitt SrtjolungS* unb ©tär- lungSmittri oon nriasmatifcfeen giebern unb wenn ein milb*attregettbes ©tärfungs- mittel uötfeig iß. ©ie wirb iit ber gorm oon „VitterS" ober Slbfodfeuugett itt getööfenlicfeen ©oben, gwei* bis breimal täglicfe,, attgewanbt 5j£amul _ (Sat.: Manna, Sttgl.: Manna). — «Kaima iß Der feße ©aft, eine Rxt 3uder, oon füßem unb angenefemem ©efdjmade, weldfeer »on einem fleinen Saume, ber in einigen füblictjen Sänbern Suropa'S, befonbers in Salabrien ttttb ©(eilten, wäcfeß, fommt. Der Vaum iß unter bem Kamen «Kaima*Sfde (Sat: Ornus Europa, Sngl.: Flowering Ash) betonttt. «Katma Wirb in allen Slpotfje* len in ber gorm oon weidfeem, gudertantartigem ©ummi gefunben. kebiginifcfee Sigenfcfeaftett unb ©ebrauefe. — Das «Kanna iß triefet unb angenefem öffnenb, baS feeißt es iß ein getmbes Slbfüfermittel, ttnb wirb meiß, feines angenefemen ©efdfemadeS wegen, für ainber gebraudjt; ferner »on fefewattgeren grauen, weldje Slnlage gu Hämorrfeoibett (piles) Ijafeett. Ss wirb ebenfalls oft mit anbeten Strgneimittetn, befonbers SBurmmitteln, »erbunbett, um biefelben fefemad* feafter ju macfeen. Ainber fönnen baffelbe als 3uder effen. Die ®ahe beS Slbfüfer* mittels ift für erwadfene Perfonen ein bis gwei Ungett, für Ainber »on einer Dradjme bi« ju einer tjalben Unge. SftamtStreit, SBaffer* — (Sat: Eryngium Aquaticum, Sngl.: Com Snake Root). — Der 3Boffer*«JKatmStreu iß eine gewöljntidje Pßange ber «prärieen ber weftlicfeen ©taaten; wirb gwei bis brei guß feod) unb ßetjt jungem «Kais fetjr äfenlicfe, nur boß er rin feßereS unb gäfeeres Vlatt tjat unb mefer fetaugrimtiefe aus* flefet. Der ©tengel iß nafee ber ©pit3e in gwei ober brei Sleße gettjeitt, weldje große »eife Vfüttjenbätie tragen. Die Vlätter finb tang, wie bie beS .KomS, unb feaben fajarfe ©pi£ett längs ber Känber. ©ie ßnb nadj biefer Vefctjreibutig leicfet gn erfennen. Die SBurgel iß gwiebetartig, immerwäferenb uub nur eilt bis gwei 3ott lang; ße »ergebt ober »erfautt am Vobett, wätjrenb aus ben ©eiün gatjlreicfee ffeine 3t»eig= ober gaferwurgeln auswaefefett. kebiginifcfee Sigenfcfeaftett unb © e b r a u d). — Die SBurgel iß ber Ifeeil ber Pflange, ben man iit ber Slrgiteibereituttg gebraudjt; ße iß ats ein fefer toirffatttes feamtreibeitbes, ben SluSwurf ber Vruß beförbernbes unb anregettbeS Slrgneimittel gtt empfetjütt. ©ie ift ebenfalls gegen ben ©djlangenbiß, befonbers gegen ben ber Prärü*.Ktapperfctjlange gu empfefelen. 3u biefem ßwede muß bie frifdje SBurgel, gequetfdjt unb mit SBaffer angefeuefetet, wiebertjolt auf bie SBunbe gelegt uitb in berfelben 3eü baoon eilt Slufguß ober Sfeee iit gehöriger «Kettge getrutt* fen treuen. Der Slufguß oott ber SBurgel fott ebenfalls gut gegen SBafferfudjt unb Steinfronffeeit feitt, itt weldfeett gälten »on bem Sfeee beliebig »iel, entweber talt ober fearm, gwei bis brei Sage lang getrunfen werben barf, worauf atsbatm ßärtenbe »Sitters," wie bie oon Sotumbowurget, «pappelrlnbe, .Kirfdjenrinbe tmb bergleidjen mefer, einige Sage lang getrunfen werben fottten, unb matt fottte abweefefetnb ü» fortfahren, bis bie Heilung ergielt ift. Wteetitoiebel — (Sat. x Scilla Maritima, Sngl.: Squill). — Dies iß eine eiflentfeümtidje Pßange, eine Slrt 3wübel, welche ttjeils über, tb,eits unter bem Voben 768 «Kebigintfdje ©ewädjsfunbe wädjß. SluS ber 3roüfeel ßeigen naefe unten bie SBurgein, nadj oben bie Vlätter unb ein, gwei bis brei guß feöfeer, Vlumenßeitget. ©ie wädjß wilb on ber flüßt bei mittettättbifcfeen «KeereS unb in einigen Sfeeilen «Portugals unb granfreiajs, wo fit ßdj ßets an ber ©eefüße feält Die 3r»iebel iß ber in ber Slrgneibereitung gebrauefete Sfeeil unb ift in atten Slpottjefen gu feaben. «Kebiginifcfee Sigenfcfeaftett unb ©ebrauefe. — Die «Kcetgroit- bei iß, in geeignetett mebiginifdjen ©aben, feamtreibenb,' ben Sluswurf ber S^rufl beförbernb unb fcfemergßiüenb; aber in größeren ©aben iß ße ein reigenbec- Vrcaj« unb Slbfüfermittet, unb in gu großen ©aben iß ße ein üritirenbeS ©ift, weiefee« Sntgünbung ber Singeweibe unb ber Hamwerfgeuge feeroorruft. ©ie wirb a\xt- fdjtüßticfe itjrer feamtreibenben unb ben Sluswurf ber Vruß beförbernben Sigenfcfeaf« tett wegen bei SBafferfucfet, Seiben ber Kieren, Sntgünbung ber Sungen, Sngbrüßig- teit, SiuSgetjrung unb Hußen gebraucfet, unb itjrer berufeigenben SBirfung wegen ip ße gut, um bei gu großer Sfeätigfeit bes Herjens bett Puls tjeruntergußimmen. ©ie Wirb in ber Kegel als ©prup ober «Keergwiebelefßg, welcfee beibe Slrtifel man in allen Slpotfeefen tjaben fann, angewanbt, unb gwar gewöfenlid in Verbinbung mit anberett Slrtifeln. ©teiefee Stjeile Vreefewurgelwein, weirtgeißiger SluSgug ber So- belia, SfßgauSjug ber Vlutwurget unb «Keergwicbelfprup madjen ein oorgüglicfec« Hußenmittel, welcfeeS xnan in Sfeeelöffelgaben fo oft nefemen fottte, als notfewenbig iß. Die ®ahe ber «Keergwübel itt «puloer, als fe am treib enbeS ober ben Slueioutf ber Vruß beförbernbes «Kittel, iß ein bis gwei ©ran; biebeS ©prups ober Sfßg« tin bis gwei Sfeeelöffel. SSletfietrbUt-t— (Satt Heracleum Lanatum, Sttgl.: Cow-Parsnip, Master- wort, Wild Angelica). — Dies iß rin .Kraut, welcfeeS auf-SBiefen, att Heden unb auf naffem, fettem Voben gefunben wirb. Ss erreidjt eine Höfee »on brei bis fünf guß. Die «Keifterwurg feat rinen fjotjten ©tengel, weider mit einer Slrt giaum bebedt unb am Snbe in 3weige geUjeilt iß; biefe 3weige tragen in Dolben, ba« tjeißt fefeirmförmig ftefeenbe Vünbel, weiße Vlumen. Die Vlätter ßnb groß, feaarig unb ausgegadt Die SBurgel iß immerwäferenb, groß, fpinbetförmig unb, trenn nod) frifcfe, tjat ße einen ßarfen unb angenehmen ©erucfe. «Kebigttttfcfee Si g e tt f cfe, a f t e tt uub © e b r a tt dj. — Die SBurjel unb ber ©amen werben gebraucfet unb ßnb frampfftiüetib (antispasmodic), roirfen gegen Vtäfeungett (carminative), beförbern ben Sluswurf ber Vruß (expectorant) unb finb ein wenig onregenb (stimulant). Die ©amen werbett gebraucfet in ber gorm »on Slufguß, bei SBinbfrämpfett (flatulent colic), um beu SBinb aus bem «Kagen gu treiben, unb bei «Kangel an Verbauung (dyspepsia ober indigestion), mit einem SBorte, fie ßnb ein angenefemeS, aromatifcfeeS, anregenbeS «Kagenmittel. Sine ßarle Slbfodfeung ber üodenen SBurget, täglicfe mefere SBocfeen lang genommen, feat ßd) fefer wirffam gegen bie fattenbe kranftjeit gegeigt. Die gepuloerte SBurgel, in ©ab« oott ein bis gwei Sfeeelöffel »ott täglicfe gegeben, ift bei biefer aranffeeit erfolgtet« gewefen. ©ie iß fowofel als Slbfocfeung, als auefe. in Puloer ein gutes «Kittel gegen ©iieberläfemung (palsy), Sngbrüßigfeit (asthma) unb fefemergfeoften fmliJuJ (dysmenorlioea). Die SBurgel muß geüodnet werben, etje ße gebraucfet wirb, ße im frifdjen 3«jtanbe giftig iß. ober «pflattgett^Slrgtteimittelle^re. 769 Wielitfe — (Sat: Melissa Officinalis, Sngl.: Balm). — «Keliffe iß eine (tarf* unb angenefem*riectjenbe «Pßange, welctje aus Suropa ßammt ttttb in Slmerifa »iel Itt ben ©ärteit gegogett wirb, ©ie feiübt im 3utti, muß aber ritte furge ßtit, efee ße gur Vlütfee fommt, gefommelt unb att fcfeattigett Drten geüodnet werben. «KebigittifefeeSigenfcfeaften unb ©ebrauefe. — Die «Keliffe iß ein fdjwetßtreifeenbeS, frampfßittenbes unb füfetenbes «Kittel, unb man fantt bafeer einen angettefemett, tüfelenbeit Sfeee für gieberfranfe aus ifer bereiten, »on welcfeem naefe Velieben getrunfen werben barf. Der Sljee iß ebenfalls gut bei fdjmergljaftem SRonatsfluß. ÜOiotjU — (Sat.: Papaver Somniferum, Sngl.: Poppy).—liefen Slrtitel, ben gewöfenliefeett weißen «Kofen, werbe iefe uuter D p i tt m näfeer befefereibett, welcfeeS, lote unten bemerft, oom «Kofett gemact)t wirb. Der «Kotjit wirb mefer »ber weniger in unferen ©arten angebaut; mefer, beute iefe, als 3ürpftange, als feiner mebigmifcfeeit Sigenfdjaften wegen. Sr iß eine wertfeootte «Pflange unb fantt in ber gorm oon Slbfocfeung ober Slufguß in oielen gätten anßatt bes Dpium angewanbt werben, ba er biefelben betäubenbett (Sigenfdjaften, wenn audj in einem geringeren ©rabe, wie Ui Dpium, fceßjjt Die Vlätter, ©tenget unb «Köpfe entfealten atte biefelben Sigenfdjaften. Vreiumfcfeläge, mit einer Slbfodjung biefer «Pflange gemadjt, ßnb auSgegeidjnet, um ©dfemergen gu tinbern, unb wirfen als ein berufeigenbeS «Kittel hti ©efdtjwüren, fefemer^feaften Slttfcfewettungett unb Sittgünbungett. Sin Slufguß ober Jfeee »on ben Vlätüm, Vlütfeen ober «Köpfen fann in mäßigen ©oben bei fdjmerg= feaftem «Konatsßuß, «Krämpfen, welcfee »on ber ©ebärmutter feerrütjren, Durcfefott, Vredferufer, neroöfem .Kopfmet), Keroenfdjmergen, ßal)n* unb Dferenfdjmergen, neroöfem Hußen unb in irgenb wtldjtn gätten, wo Dpium, weingeiftlger SluSgug oon Dpium, ober gefamptjerter weingeiftlger SluSgug beS Dpium angewanbt wirb, gebraucfet werben. 5jebe gamilie fottte für foldje 3roede eine Partie «Kotjnfelättet unb Äöpfe fammeln. Wtobte, gelbe Kübe (Sat.: Daucus Carota, Sttgl.: Carrot). — Dies ifl bie gewöfenlidje gelbe Kübe, welcfee gum ©ebrauefe für ben Haustjalt gepflangt wirb, ©ie ift eine fpinbelförmige, bunfetorangengelbe SBurgel. ©ie iß gu befannt, tili baß ße einer näfeeren Vefdjrribung beburfte. SDcebtgtntfdje Sigenfcfeaftett unb © eb r aud). — Die SBurgein unb ber ©amen werben in ber Slrgnei angewanbt. Die «Köfere, auf einer Keibe jerrieben, mit foefeenbem SBaffer bebedt unb mit «KaiSmefet (com meal) oerbidt, gibt einen fefer guten Vrriumfctjtag gegen atte fdjmergfeaftett ©efdjwülße, (tumors) Serien (swellings) unb fefemergtofe unb faule ©efdwüre. Die ©amen ber ^%e ßnb ßarf feamtreibenb unb werben »on einigelt bei SBafferfucfet, ©tein unb veralteten Seiben ber Kieren fefer empfohlen, ©ie fönnen — naefe Velieben — in ber gorm »on Sljee ober Slufguß, etwa »on einer tjalben bis gu einer gangen Saffe, brei* Ui »iermat täglid), getrunlett werben. Sin öfterer beliebiger ©ebraudj bes ^feuffes iß ebenfalls gut gegen Harnßrenge, ober ben Drang, ben Urin gu ent- faren, weüfeer »on gn großen ©abeit fpanifefeer gtiegen fowotjl, wie »ott anberen Urfactjen entßetjt. gür innertidjen ©ebraudj tjält man inbeß bie SBurgein nnb ©amen ber wilben «Kötjre für wirffamer. 49 770 «Kebiginlfdfee ©ewäcfesluitbe Wiofyte, gemeine ober wilbe— (Sat.: Daucus Carota, Sngl., Wild Carrot). — Die wilbe «Kötjre iß in Suropa, Korbaßen unb Korbamerlfa ein« feeimifcfe. ©ie ift ber ©ortenmöfere faß gang äfenlidfe, nur baß bte lefeteie butaj Slnpßangitng für ben «Küdjengebraudj oerebelt worben iß. Die wilbe «Köfere wirb gwei bis brei guß tjodj, lommt auf alten oertaffeneit gelbem uttb on Seitenwegen »or. ©ie iß, wie oben bemerft, ber ©artenmöbre äfenlicfe, nur länger unb bitnner. ©ie feat einen füß aromatiftfeen ©efefemad. Die ©amen ßnb oon bunfetbtaunet garbe, ooal, fladj an einer unb runb erfeafeen (convex) an ber entgegengefefeten ©eite, mit einer Slrt borßiger Haare an ber runb-erfeabenen ©eite. ©ie feaben einen warmen, ßedfeenben unb büterlldjett ©efdmad unb aromatifdjen ©erucfe. «Kebiginifcfee Sigenfcfeaftett ttnb ©ebrauefe. — ©owofelbieSBurgein, als bü ©amen werben als ein gutes IjamtrribenbeS «Kittel angewanbt; aber bie ©amen ßnb am wirffamßen. Die ©amett werbett im Slufguß gebraudt unb fotttett gerßoßen unb In foefeenbem SBaffer auSgegogen, nidjt gefoefet werben, ba Ui Modjtn ifere «Kraft gerßört. Die ©abe bes SlufguffeS iß oon einer fealben bü ju einer gangen Saffe »ott, brri* bis »termal täglicfe — bri ©tein, SBafferfucfet, Stieren« leiben, Sntgünbungen ber Vlafe, Harnßrenge unb bergleidjen mefer. SOR omirbe, geftedte, Koßmünge — (Sat.: Monarda Punctata, Sngl.: Horsemint). — Dies iß rin fefer feefantüeS unb angenefem riedenbeS .Kraut, welcfeei über bas gange Sanb in fettem, trodenem Vobett, att Heden, in SBälbem, fowie ben Prairtett bes SBeßenS angetroffen wirb. Ss erreidjt gewöfenlicfe eine Höfee »on ein bis brei guß. «Kebiginifcfee Sigenfdjaften uttb ©ebraudj. — Die Stattet uub Vlütfeen werben gebraucfet unb ßnb ein auSgegetdjtteteS feamtreifeenbeS «Kittel; ße ßnb fcfeweißtretbenb, ein «Kittel gegen Vläfeungen unb gegen Srbreefeen. Sin Slufguß ober ßorfer Sbee beS «Krautes iß außerorbenttid) nü^lldj bei unterbrücfttm »bet gurüdgefealtenem Urin, bei ©tein unb «Kranffeeiten ber Kieren unb iß ferner gut, Uebelfeit unb Srbredjen aufgufjeben. Ss iß femer ein gutes fcfeweißtrelbrnbc« ttnb bie mottattlcfee Kelnigung beförbernbes «Kittet, fowie wirffam gegen fctjmerjfeafte monatliche Keinigititg. Ss tann beliebig getrunfen werben; aüein man follte ti warm netjmeti. Ss gibt ein ätfeerifdjeS Det, weldjes burefe Deßiüation tti Stxaxxtti gewonnen wirb, weldfeeS man in jeber Slpotfeefe baben fann, unb welcfeeS für biefelben gätte, wie ber Slufguß, angewanbt wirb. Die ®abt iß oon gefeit MS breifjig Sropfen. Ss ift ferner gut gur Sinreibung ber Kierengegenb, wenn biefeS Drgan ftcfe in franftjaftem 3uß<*nbe beßnbet. Wtonbfame, canabifetjer — (Sat: Menispermum Canadense, Sngl.: Yellow Pariila, Sarsaparilla, Vine-maple, Moonseed). — Der canabifdje fflctuv famen iß eine gtatte, flettembe Kanfe, tjatb fo bid wit ber ftetne ging« unb jnwtf bis fünfgrijtt guß fang, ©ie wlnbet ßdfe um Junge Väumcfeen unb ©träuaje, feat glatte, bunfetgrüne, ttafeegtt ruitbe Vlätter ttnb eine lange, t)olgige unb feeflgelbe, fefer Gittere SBurgel. ©ie wädjß in fettem Saitbe, lofem Voben unb iß burefe bie ganjen Bereinigten ©taaten gang gewöfjttltdt). . «Kebiginifcfee Sigenfd) aftett unb © e b r a u cfe,. - 3Me ©nrj«, weldfee man gebraudfet, iß ßärlettb, alterirenb, Darntretbenb unb Iffntnb nnb tn |»« oXtx «pffattgett*3irgnetmtttetletjre. 77i »rofjeit ©oben abfüljrenb uttb brecfeenerregenb. ©ie iß eitt auSgegeidjneteS öffnettbeS, bitter^ßärfenbeS unb »eränbembeS «Kittel, nü^lictj iit attett gätten, in welefeen ein alterirenbeS unb wieberfeerßettenbeS «Kittel itotfeweitbig wirb, ©ie iß gut hei ©rufen* unb Hautfranffeeiten, bei fottßitutionetter ©pptjilis, KfeeumatismuS unb gRerfurialfranffeeiteit uttb bergleidjen als ein Sitteratio; ferner iß ße ein tottifcfeeS jßieberfeerßeüungSmitüt bei geftörter Verbauung, allgemeiner ©cfewäcfee unb bet ber ©enefung oon faltett ober SBedfefelffebem. ©ie fann in ber gorm »on „Vtrere," Jlbfocfeuitg ober ©prup angewanbt unb fottte mit allen alterirenben ©prup* arten oerbunben werben. Die (Babe ber Slbfocfeung ober beS ©prups iß oon einem fealben bis gu einem SBeinglas »ott, brei* bis »iermat täglid); bie bes SrtrafteS brei Ui fecfes ©ran unb bte beS weingeißigen SluSgugeS ein bis gwei Sßlöffel »ott. SJibttDtrppa, einblumige — (Sat: Monotropa Uniflora, Sttgl.: Ice Plant). — Dies iß eine fefer rigetüfeümlidje Pflange, weldfee feiten angetroffen wirb, obfdjon man fagt, baß ße über bie meißen weßlidjen unb mittteren ©taaten fowofel, al« auefe bte öftliefeen waefefe. ©ie feat rinen tleineit, Haren, weißen ©tengel, »on brei bis adjt 3ott tjodfe, mit ein paar weißen, fealb=burd)ßcfetigen Vlätüm am oberen Sttbe unb einer großen, weißen Vtume. ©ie wäcfeß in fettem, fdfeattigem Voben, bet alten, »erfaulten ©lammen unb alten Vaumwurgetn. Die ganje Pßange iß rein meiß unb fo gart unb faftig, baß, wenn man ße ein wettig gerieben ober in ber Hanb gefealten feat, ße fo weiefe wirb, baß ße wie SiS gu fdjmelgen fdjeint. Die SBurgel iß ber als Slrgnei geferauefete Sfeeil uttb fottte Im ©eptember gefammett uttb, wenn troden, itt feß oerfcfeloffetteit glafdjett aufbewahrt werbe«, ba ße fonß ifere Äraft »erltert. Kebiginifcfee Stgettfcfeaftett ttttb ©ebrauefe. — ©ie iß neroen- ftärfenb unb frampf* uttb fdjmergßittenb. ©ie ift immer für ein großes Heilmittel bei fallenber «Krattffjeit, ttametütid) ber .Kinber, angefetjen worben, gu welcfeem ßwed Petit Puloer, in ©oben »ort einem fealben bis gu einem Stjeelöffel »ott, gweimal tag* (id), im Verfeättniß gum Sllter, in ein wenig amerifanifefeem 3fop (Pennyroyal) ober anberem «Kräutertfeee genommett wirb, ©ie wirb ferner für ein feerubjgenbes unb fctjtceifjtreibenbes «Kittet bei SBecfefel* ober falten giebern gehalten unb ift fetjr wertfe* «oK bei neroöfer Keigbarfeit, ©dfemergen unb Stufregung, in wetdjeit gäüen ße ßatt Dpium gegeben werben fantt. ©ü iß mit großem Srfolg bei Vergudungen (con- vulsions), «Krämpfe«, gattfuefet unb in Veitstang gegeben worben; baljer feat ße auefe int Sngtifcfeen bie Kornett Fit Plant uub Convulsion Ptoot erb. atten. Ss ift fein 3n>etfel, baß bie eittblumige «Konotropa eine fefer wertfeootte «Pflattge ift; allein ße ifl ju feiten, a'c baß ße oon allgemeinem Kuweit fein fonnte. Die (3abt iß »on einem Ifllben bis gu einem Stjeelöffel »ott/ gwei* bis breimal tägtidj. 5JibP$, iS 1 ä ttbif dj e S — (Sat.: Cetraria Islandica, Sttgl.: Iceland Moss). — Dies iß eine Heine «pflange, weldje nur ein bis gwei 3ott feod) wirb, eine Art «Moos, oott grauer ober tjettbrautter garbe. ©ie iß auf 3stattb uttb eittigett ber nörblidjeren, tatteren ©egenbett Suropa'S eitttjeimtfdt). «Katt fann ße immer in tyotyefen erfealten. kebigintfdje Sigenfdjaften unb © e b r a u dt). — Sslättbifdcjes SDcooa iß ßärfenb, linbemb, fowie nätjrritb. SllS littbembes nnb berttt)tgettbeS 772 «Kebiginifde ©e w ä cfe S r u nfe e «Kittel wirb es bei Hußen, Seiben ber Suftröfere unb ©djwinbfucfet gegeben; unb bet gefuntertem «Körpergußonb iß es ein wcrtfeootteS, naferenbes «Kittel. Sc obl> tfeuenb. ©ie ift entweber allein, ober in Verbinbung mit Pferbemünje, Slltbte, SBottfraut unb bergleicfeeit, weitit ße Ijäußg itt Slufguß, warm ober falt, getrunfen wirb, eitt »orgüglicfeeS feamtreibenbeS «Kittet unb febr wirffam gegen Seiben bet Kieren, unterbrüdten ober bretmenben Urin. Sin ftarfer meingeißiger «ÄuSgug Ui grünen «Krautes, in feottättbifdjem SBadjfeotberbranntwein angefertigt, iß ebenfall« ein auSgegeidjneteS tjamtretfeenbes «Kittet bei unterbrüdtem unb gurüdgefealtcnem Urin. Untfeätigfeit ber Kierett, Vtafenßein unb bergleidjen, in weldjen gätten ti in ©oben oott einem SBeinglafe oott, brei* bis oiermol tägtidj, genommen werben fann. Sin Sfeee oon bem Araute fottte bantt gu gleicfeer 3eü getrunfen werben. Das Del ber grünen «Künge, weldjes burefe Deftittatioit bes frifcfeen Krautes gewonnen wirb, ift ebenfalls ein gutes fjamtreifeenbes, ferner anregenbeS unb frampf. ftittenbeS «Kittel; bie ®aht iß oott fünf bis getjtt Sropfen. mu$Utnn% - (S^.: Nux Myristica, Sttgt.: Nutmeg). - Die «flu*. fotnuß iß ein fefer befannter Slrtifel, weldjer in allen Slpotfeefen unb «JKatetia n,aa< renfeanblungen gu ßnben iß. ©ie iß ber *ern ber grudt eines in SBefttutnu unb anberen warmen ©egenben angebaute« VaumeS, welcfeer bü Hofee »»« F*Wi bis breißig guß erreiefet unb «KuSfatbaum (Myristica Mo.schata) genannt »in. Die Slußenfeite ober ©efeate ber Kuß iß unter bem Kamen «Kusfotbiutfee tn aue "ä; ,.,«(*.(..«..»••»"•*•-**ä Iß ein aromatifdes SinreguttgS* unb «Kagtitßärfungsmittet unb wirb oft mtt an»er ober «pflattgen-Slrgtteimittellefjre. 773 Mitteln bei Durcfefott unb Kutjr, befonbers in gorm »on ©prup unb bergteü ajen, angewanbt. ©ie wirb femer fefer feäußg gum SBürgen »ort ©peifett unb ®e* tränten für ßranfe unb ©enefenbe angewanbt unb iß fefer angenetjm »on ©efefemad. Die «Kusfotnuß unb bie «KuSfatblüttje fotten bis gu einem gewiffen ©rabe ttarfo* ttfefee Sigenfcfeaftett beß^ett unb fottten bafeer in feinen größeren ©aben als gwangig Ui breißig ©ratt gur 3eit genommen werben. SJtuttetfotn — (Sat.: Seeale Cornutura, Sngl.: Ergot, Blasted Rye).— Zai «Kutterforn wirb in ben Slpotfeefen in «Körnern oorrätfeig gefealten. Ss ift oott bunfetbrauner garbe, iß feart unb fpröbe, oon einem tjalben bis gu einem ßott lang unb feat ungefäfer einen Viertel 3°tt im Durefemeffer. Ss fann gu irgenb einer ßtit Im £erbjt in «Komfelbem gefunben werben. «jJlebijtnifcfee Sigenfdjaften unb ©ebraudj. — Sstßetn träft* geä SBefeen beförbernbes unb abtreibenbes «Kittet ttttb fottte nie anberS als im »or= geftferittettett ©tabium ber SBefeen gegeben werben, wo es bann attgewattbt wirb, um bie ©ebärmutter bei bem Slusftoßen bes «KinbeS gu unterßüjjen, ober tiactj ber ©eburt, um bie Kacfegefeurt ausgußoßen. SBentt bie SBetjett fcfeon angefangen feaben, unb wenn teilt emßlicfees, örtlicfeeS Hinberniß gur Sntbinbung, feine «Kißge* ftaltung beS VedenS ber «Kutter, leine uttredjte Sage beS .KinbeS erißirt, nttb bie einjige Urfadje eines langfamen VorattfcfereitenS ber ©eburtsorbeit barin beßefet, bafj bie ©ebärmutter untfeätig iß unb ßd «iefet femreidjenb gufammeugiefet, fann «Kutterforn mit ©iefeerfeeit gegeben werben. Slber man fottte es mit Vorficfet geben, unb ber Slrgt ober bie Hebamme fottten erß gewiß fein, baß feilte örtliefeen Htnber= niffe »orfeanben ftnb, etje ße gu feinem ©ebraude fdreiten, benn es wirft gewöfenlicfe fajnelt unb fräftig. Kacfe ber ©eburt, wenn bie Kacfegeburt uiefet »on felbß fommt, Die ©ebärmutter nictjt im ©taube gu feitt fefeeint, biefelbe ausgußoßen, unb »orgüg* liefe, trenn Vlutßuß »orfeanben iß, barf es ebenfalls gegeben werben, unb meiftenS toirb ti bann mit Ku^en angewanbt. Die Slrt, es gu geben, iß wie folgt: ein ober gwei Sfeeelöffel »ott bes gepuloerten «JJhttterfoms werbett in eine Saffe »ott foefeenben SBafferS getfean, gut gerüfert, unb,. nacfebem bieS gefen bis fünfgetjtt «Kittuten gegogett, gibt matt oon bem SluSguge atte jefen «Minuten einen Sßlöffel »ott, bis bie SBefeen feeroorgerufen ßnb unb bie nötfeige SBirtnng ergeugt iß; ober eine ®aht oon fünfgefen bis gwangig ©ran, in feeißem SBaffer auSgegogen, fantt auf einmal gegeben werben. Diefes «Kittel wirtt fefer fcfettett, gewötjnlidj in getjn bis fünfget)tt «Kittuteit. Zai «Dcutterfom iß eilt gutes «Kittel gegen Durdjfatt, Kufer, Kadjtripper, weißen Sluf), «Krämpfe, weldje »on ber ©ebärmutter feerrütjrett unb »erfcfeiebene anbere Aranffeeiten; aber es fottte nie oott fefewattgerett grauen, ©ebäferenben auSgenom- men, genommen werben, ba es grüfegeburt gu irgenb einer ßtit ber ©efewangerfefeaft, namentlicfe bei wieberfeottem ©ebraudj, ober wenn matt es in ©abeit »ott einem bis Jt»ei Jfeeelöffel nimmt, tjertiormft Zai m u 111 x t o r n ö l wirb »om «Kutterforn gewonnen, iß jetü attgemein im ©ebrauefe unb fann bti benfelben ©elegentjriten aitgewanbt werben. Die ®ahe iß »'» Jtoaitjig bis breißig Sropfen, in warmem «Kräutertfeee gereiefet unb auf biefelbe ^eife, wie ber Slufguß bes «Kutterforns wiebertjolt, bis bie gewünfdjte SBirfung 6et»orgerufen iß. 774 «Kebiginifcfee ©ewädjstunbe SDtyrtljem — (Sctt.: Balsamodendron Mvnhae, Sngl.: Gum Myrrh). - Die «Kprrfee iß ein ©ummifearg. WelcfeeS oon Dftinbien gu uns fommt unb »on einem fleinen bufdfeartigen Vaumt, weldjer in ben- Sänbern um bas rotbe iW-cr wäcfeß, gewonnen wirb. Ss iß »on rötfelid)*gelber garbe, bart unb fpröbe, »on leicfetbüterem ©efefemad unb »on ßarfetn, angenefemem, balfamifdfeem ©etucfet. «Kebiginifdje Sigenfcfeaftett unb © e b r a u d. — Ss iß ßärfrnb, beförbert bie monatlicfee Keinigung, wirft fräftig gegen gäulniß, aud iß es fowofel ein ßimulirenbeS, als auefe ben Sluswurf ber Vruß beförbernbes Heilmittel. Co iß ein »orgüglicfeeS «Kittel in gaut unb bösartigen giebern unb ätjnliden 3"ßänben beS «Körpers unb in atten gäüen, in benen falter Vranb brofet. Ss iß ebenfalls tin wertfeootteS tonifdjeS, emmenagogifdjeS «Kittel, befonbers bei Vleicfefucfet, eine «Krantfeeit, welcfee bri jungen grauengimmern »ortommt, wenn ber «Konataflufj unregelmäßig ßattßnbet, ober gang auffeört 3u folden gätten wirb es gewöfenlid) mü anberen Slrgneimütetn, wie Slloe, fobünfaurem Sifenorpb (Sifenroft) ober bet Weingeißigen falgfauren Sifenlöfung (Muriated Tincture of Iron) »etbunbtn. Slber es ift audj gut, wenn es allein gegeben wirb. «Keißens wirb es in weingeißi- gem SluSguge gegeben, weldfeer gemadjt wirb, inbem mon gwei bis oier Ungen «Dipr« rfeen gerßößt unb mit einem Quart SBeingeiß auSgübt Die ®ahe iß ein bis brei Sfeeelöffel oott, breimal täglicfe. Die ©abe beS Puloer« iß gefen bis gwangig ©ran. «Kprrfeett bilben ben Hauptbeßonbtfeell ber berüfemttn Slrgnei „Kummer 6." ©ie werben ebenfalls als Veßanbtfeeile oon gieberpiüen »er« wanbt Sfere äußerlidfee Slnwenbung iß bei atten fefewammigen unb branbigen 3«' ftänben beS gleifdfees, bei blutettbem 3afenßeifcfe, ©djwämtndjen im «Kunbe, freffen- ben ©efdjwüren unb bei SBunben unb Verlegungen, wenn falter Vranb brofet, gu empfefelen. «Kan fottte fte in fotdjen gätten als SBafdmittel, ober als Veßanbtbtil oon Vreiumfcfetägen gebraucfeen. Der weingeißige SluSgug oon «Kprrfeen unb Slloe ift eines ber beßen äußertidjett «Kittel, bie es gibt, um frifdje ©djnitte unb SBunben gu feeilen. 3£et£ettpfefFer — (&».: Myrtus Pimento, Sngl.: Allspice). —Der Kel- fenpfeffer ift ein faß in jeber gamilie geferaucfeteS ©ewürg. Sr iß bie Veere eine« in SKerifo, 3amaüa unb anberett Sfeeilen ber weftinbifden Snfeltt unb inSübantttifa einfeeimifefeen VaumeS. Der Vaum iß immergrün unb erreidjt bie Höfee »on jwan- gig bis breißig guß. Der meiße Kelfenpfeffer, weldjer feier gebraucfet wirb, fommt oon Samaica. Die Veeren werben furg oor ber Keife gefommelt, geüodnet unb, in .Kißen ober ©ädeit »erpadt, »erfattbt. Der ©erucfe unb ©efefemad beS Kelfenpfejfet* fcfeeineit bü »ott 3immet, «KuSfatttuß unb ©ewürgnelfen in ßcfe 3U »eretniaen, wofeer er audj in maitdeit ©egenben Deutfdfelanbs Slüetfeanbgewürg (Sngl.: au- ^uTuir^eSigettfe^aften uttb © e b r a u cfe, -Der Kelfenpfeffer feat einen mäßig warmen unb fefer angmefemett ©erud) unb Iß fowofel ufam menjiefeenb unb aromatifd), als audj gelinbe onregenb. Sr ^rb meißen« gegen Diarrfeöe unb itt ber ©ommetfranffent bei «Kinbern angewanbt, wöbet et tnö» »on Sfeee ober ©prup gegeben werben mag. gerner bilbet er einen 3.et l e«r d fammenfe^ung, weldje in oielen Sfeeilen beS SanbeS mit großem Srtotgge« ** efemergett ober ©ommerfranttjeit angewanbt nnb wetdje folgenbermaßen gemadji ober «pff attgen^Slrgttetmittelleb, re. 775 »irb: matt neb; me Keltenpfeffer wttb 3tntmet, »ott übern gwei Sßlöffel »oti, ®e* ttürgnetfett nnb weiße Sidenrinbe, »on übern einen Sßlöffel. »ott, gerßoße Stiles unb laffe es in attberttjatb «ptttütt fodenbett SBafferS gut ausgietjen ttnb gieße es burefe tin lud), füge ber abgelaufenen glüfßgfeit »ier Ungett 3uder ijingu nnb bringe es bü gum «Koefeen, um beu 3uder gu fdjtnelgett. SBentt bann erfaltet, fe^e man bem ©prup guten grangbrantttweitt bingu, uttb gwar tjatb fo oiel »ou unterem, als oom erfteren, bem «Kaße nocfe, tmb er iß fertig gum ©ebrauefe. Diefeit ©prup gebe matt oott einem Sfeeelöffel oott bis gu gwei Sßlöffettt »ott, je nadj bem Sllter beS «Pa- tienten, fatt, unb biefe ®abt fantt, ü nad) ben ©pmptomett, »ott bret bis fecfesmal täglicfe Wteberljolt werben. Steffel — (Sftt: Urtica Dioica, Sngl.: Nettle). — Die Keffel Wirb ßets für ein ttujüofeS unb läßiges Untraut gefealten; Jebod) iß ße eine uüjjlidje, tjril* fräftige Pßange, uttb ifere guten Sigenfcfeaftett fottten beffer befannt fein. «JJcebigiitifcfee Sig e tt f cfe a f t e tt unb © eb r audj. — Die Keffel iß utfammengüfeenb, ßärfenb unb feamtreibenb. Sine Slbfodfeung ber SBurgel iß hti Durajfatt, Kubr, in allen Unterletbsfranffjeüen tmb bei Vlutflüffen »ort ber Sunge unb anberer Drgane feljr wirtfam. Sine ßarfe Slbfodung ber Keffelwurgel, ber «Jttnbe ber wilben «Kirfdje tmb ber Vrombeerettwurgel, gu einem ©prup gemadjt, iß ein fefer wcrtfeootteS «Kittel für UnterteibSbefcfe werben fo wotjl ber «Kinber, als ermadjfener Perfonen. Sine Slbfocfeung ber SBurgel iß ebenfalls eines ber beßett «Kittel gegen Vlutungen ber Harnwerfgeuge. Die ©amen unb Vtumeit ber Keffel, mit SBein ober SBeingeiß ansgegogett, in Sfeeelöffelgabett bret ober »tertna! täglid) gegeben, fotten ein auSgegeiefeueteS «Kittet gegen latus ober SBeefefelßeber frin. 3»ölf bis fünfgetjn ©amenfömer, breimal täglidfe genommen, werbe« als ei« »or* jüglicfeeS -Kittet für «Kropf getjalte«. Sin Slufguß ber Vlätter iß ein »orgüglicfeeS Mittel gegen Vtutung ber Suttgett tmb beS «KagettS; ber ausgepreßte ©aft ber fri* fefeen Vlätter, in Sljeetöffetgafeett gegeben, iß fogar nodj beffer. 3£te$tbtttjr grütte—(Sat: Veratrum Viride, Sttgl.: Veratrum, Ame- rican Hellebore, Indian Poke, Itch Weed). — Die grüne Küßwitrg Wäcfeß itt Dielen Sfeeilen ber Vereinigten ©taaten, gewöbttltd) itt ©ümpfett, nieberem, [eudj* tem ©runbe unb an ben Ufern »ort gtüffett; ße wirb brei bis fünf gitß fjoefe tmb tjat gtlblid)=grüite Vlumen, weldfee »om mai bis 3uti blütjen. Die SBurgel iß ber Jfeeil, ben matt gebraudjt, unb wirb in ber gorm »ott weingeißigem SluSgug unb Srtraft, weldfeeit matt in atten Slpottjefen Ijaben fann, angewanbt. SWebiginif cfe e Sige itf dt) af teit nnb ©eferanefe. — Die fdjwarge Dtiefjwurg iß ein betäitbenbeS unb fefearfeS Vredjmittet, wentt in großen ©oben genommen,- aber als Slrgnei, b. tj. in fleinen ©aben genommen, iß ße ein fräftt ge«, bas Vlut feerüfeigeitbes «Kittet, b. tj. fte feerutjigt bie Sf)ätigfeü beS HergenS «nb feäuffg bie bes «pulfeS, ße beförbert ben Sluswurf ber Vruß, iß fdjweißtreibenb, »eränbernb unb neroenffärfettb. ©ie wirb bei «Kraitftjritett bes HergeitS, wie bt)ptx* tropfeia (Vergrößemng bes HergenS), beßänbigem Hergflopfen, KtjeumatiSmnS, Sitt- jünbung unb anberett «Kranftjeitett feueS wicfetigett DrgattS, wetttt immer eine gu ßrofe Sfeätigfeit ober Slufregung ßattßnbet, angewanbt gerner iß ße ein wtxtp UM SrpectorottS, fowie ein fdjwrißtreibettbeS unb neroenßärfettbes «Kittel; fernet 776 «Kebiginifdje ©e wäcb, stunb e 4 Iß ße »orirefflicfe bei Sungenfranftjriten, djronifcfeem ©eitenßedjen, in fcfemergfeaft« örtlidfeen unb entgünblicfeen Aranffeeiten, bri frampfbaftem Seiben, nervöfer Keig. barf eit, Veitstang, fattenber «Kranffeeit, Sungenßeber unb bergleidjen. Tai btßt «Präparat, welcfeeS aus ber grünen Küßwurg gemadjt wirb, iß bie fogenannte „Kor- woob'S Sincture;"- bie (Bäht booon iß ungefäfer gefen Sropfett, brei* bis »iernta! täglicfe, unb barf jeben Sag um einen ober gwei Sropfen erfeöfet werben, bis bie bop. pelte «Kenge genommen wirb, ober bis Uebelfeit tjeroorgerufen, ober bis bet Pul« bis auf fedjgig ©efeläge in ber «Kinute b,eruntergefommett iß. ©ottte eine übergroße (Bäht gegeben unb fottten unangenefeme 3ußänbe in golge beffen eingetreten fein, fo wirb ein öfteres Kefemen oon frangößfefeem Vranntwein mit breißig bis »iergig Sropfen Saubanum (weingeißigem SluSguge bes Dpiums) Srleidfeterung gewäferen unb ifere SBirfung wieber auftjeben. Die „Korwoob's Sincture" wirb meißens bei Hergteibett unb in gätten einer gu großen Slufregung bes VluteS angewanbt; in folefeen gätten iß ße ein tjöcfeß guoerläfßges Slrgneimitül. ©efer guoerläfßg iß ße bei Simgenentgünbung ober Sungenßeber. Die ©abe beS PuloerS iß oon brei bis fedjfl ©ran, — beS weingeißigen SluSgugeS gefen Sropfen, aüe brei bis fecfes ©tunbeit gu ttefemeit unb attmälig bis gu gwangig Sropfen gu ßeigern, ober mefer, wenn es nötfeig iß, — beS fpirituöfett SrtrafteS, ein fealber ©ratt, gu ßeigern bis gu tintm ober gwei ©ran. $i\)mpl)äe, wofjtrtecfeenbe— (Sat.: Nympheea Odorata, Sngl.: White Pond Lily). — Die wofelrüdfeenbe Kpmptjäe wäcfeß in Seiden; ba, l»o man ße ßnbet, iß ße ßets in großer «Kenge j fie Ijat große, runbe, bunfelgrüne Vlätter, welcfee auf bem SBaffer fefewimmen unb große, weiße Vlumen. Die SBur- gel gebraucfet man; ße iß groß, oft fo bid, wie ein «KannSarm, unb wäcfeß Im ©djfamme ober im ©runbe bes SeicfeeS. «Kebiginifcfee Sigenfdjaften nnb ©ebrauefe. — ©ie iß 3ufam- mengiefeettb, linbemb unb etwas fdjmergßittenb; unb man fagt, baß ße witffam gegen Drüfenfranffeeiten fei. ©ie wirb intterlicfe iit Stufguß gegen DurdjfaU, wei- fen gluß, Drüfentrantfeeü uitb Suttgeitieibeit angewanbt; äußerlidj wirb ße in gorm »on Vreiumfcfelag auf SBunben, ©efcfewülße, Stnfdwettungeit, Drüfenge- fdjwüre unb bergteidjen gelegt Der Slufguß iß femer gut als SBafcfe* unb ©utgel- mittet, für wetjen uub eitemben «Kunb ttnb Hals, für foule ©efefewüre unb al« Sinfprürnng bei weißem gluß. Die (Babt beS SlufguffeS ift eine b,albe bis eine laffe »ott bret bis »iermal täglicfe. &fatttiemtig, Seberf leiten ober ©tein wttrgelfraut—(Sat.: Agrimonia Eupatoria, Sngl.: Agrimony ober Stickwort). — Dbermennig ift eine in Suropa uttb Slmerifa eintjrimifcfee pßange. Sr wäcfeß an üodenen, fonntgen ©tetten, Wirb ein bis gwei guß boeb,, ljat grobe, eingefcfemttetie, feaarige V atter. Die Vlütfeen ftnb gelb, ßefeen auf ber ©pitje eines langen ©tengels, untj* IjW" ujnen borßige Kletten, welcfee ßcfe att bie «Kleiber feängen unb oft tn großer mn In ber SBotte ber ©djafe gefunben werben. , «Kebigittifcfe,e Sigenfdjaften unb © ebr aud-- £« *»V • mefer aber nodj bie Vlätter werben ats Slrgnei gebraudjt. Die Vlätter w den %mi atfammengüfemb unb etwas tottifdj. ©ü werben in gorm oon Sfeee, ob ober «pftattgett*3trgtuimltteltetjre. 777 Slbfocfeung bei Seibfcfemergen uub giebern unb in ber gorm »ott „VitterS/' oerbun- ben mit anberen tonifcfeen Vittem, gegen attgemeine ©cfewäcfee angewatibt ©ie ßnb ebenfalls gegen Drüfentranffeeüen, ©teittbefcfewerbeit, ©cfearfeod uub ©elbfudjt 8tt@7be.CSr tann ofene ©efatjr in Slufguß, Slbfocfeuttg ober „VitterS" gegeben wer» werben. Sr iß gewöhnlidj in alten «Ktäutetfeanblungett (botanical drug stores) ju feaben. Öötum - (£<»♦ unb e«9L: Opium). — Dpium iß ber »erbidte ©aft bes »eifien «ÖcofjnS (Papaver Somniferum). Der «Kofen wirb in unferen ©arten in mefer ober weniger ausgebefentem «Kaßftafee fulti»trt unb iß ben meißen Vewotjnern biefe« SanbeS befannt Sr feat weiße Vlütfeen, welefeen eine bie ©amen entfealüttfee Äapfet folgt. Die gange Pßange enttjätt eineit milcfeartigen ©aft, welcfeer, wenn er feart geworben iß, baS Dpium bilbet, wie es in ben Slpottjefen »orrätfeig gefealten wirb. Das Dpium, wie es im Hattbel »orfommt, wirb meiftenS »ott ber Sürfei uub ben benacfebarten Sänbern, wo ber «Kofen in großen «Kaffen gegogen wirb, importirt «Kebiginifcfee Si g enf cfe, afte tt unb © e b r a tt dfe. — Dpium iß eitt ftarfe« VetäubungSmittel, femer ift es fdmerg- unb frampfftittenb unb fdjweißtreü bettb; wäferenb es gleidfegeitig bie Sfeätigfeit ber Singeweibe unb bie Slbfonberungen ber ©cfeleimtjaute feemmt dritte Slrgnei ift bis je^t entbedt worben, wetdje bem Dühtm im Sinbem ober ©titten »on ©cfemerg ober im Veförbem »ott ©djlaf gteicfe> fommt. ©eine fcfemergftittenben Sigenfcfeaftett rüferett »ott einem in üjm entfeatte* nen ©egenßänbe, bem «Korpfeium, ber. Sin ©ratt Dpium, itmerlicfe genommen, oerurfacfet ©emutfesrufee, ber «Kottigfeit unb ©cfetäftigfeü folgt. Der «puls wirb langfamer, »otter unb leifer; atte Slbfonberungett werben im erßen ©rabe »emtin* bert, bie Vewegung ber Singeweibe wirb aufgehalten; »ermeferter Durß ftettt ßcfe ein, unb ber «Kunb wirb troden. Die Hi£e beS «Körpers wirb erfeöfet, unb bie ©inne werben ftumpf. 3m Verlauf »ott brei bis »ier ©tunbeit tritt Slusbünßung ober Scferaetfj feeroor. Die narfotifdtje SBirfung einer (Babt Dpium bauert meiftenS ungefäfer aefet ©tunben; eine »ottftänbige (Bäht barf mit ©iderfeeit nictjt öfters als breimal in oier unb gwangig ©tunbett gegeben werben. 3n gätten »on großen Sajmerjen unb Seiben fann es öfters ttttb in größeren ©aben gegeben werben, als in anberen gätten. 3« gu großen ©oben »erurfacb, t es einen apopleftifcfeett 3uftaub unb lob. Die mittlere ©abe beS Dpiums ift tin ©ratt iit gorm einer «Pille. Ss toirb oft in ©oben »ott brei ©ratt gegeben; aber foldfee (Bahtn fotttett ttur bann gegeben werben, wenn bie ©dfemergett fefer tjeftig ftnb. Das Dpium wirft auf »er- fcfeiebene «Körper fefer »erfdjiebett. Sluf einige Perfotteit bat ein X)alber ©ratt fo»iei Sitt- fluf, wie ein ober ein unb ein X)alber ©ratt auf anbere. 3n meiß atten Aranffeeiten, roetcfee mit ©djmergen, Selben nnb ©djiaßoßgfeit »erbunbett ßnb, wirb Dpium, wein* geifliger SluSgug beS DpiumS (Laudanum) unb gefampfjerter weingeißiger DpiumauS- jug (Paregoric) angewanbt Vei Kufer, Durdjfatt, Vrecferub> (cholera morbus) Saucfefrämpfen, fattenber kranftjeit, «Kunbflemme, Krämpfen, H»pocfeonbrie, Via fenftein, Sngbrüßigfeit, SluSgeferung, SBunbett, Vrüdjett, Verrenfuitgett, ßatjnwtt), "tie douloureux" unb bei ©efatjr einer grub,geburt iß Dpium in ber einen ober ber anberen gorm ßets »on großem Kuweit. Ss Wirb metjr in weingeißigem SluS- }«geunb gefamptjertem weingeißigem SluSguge als itt irgettb einer anberen gorm 778 «Kebigintfdje ©ewädjsfunbe angewanbt; Jebod) wirb eS aud) fefer feäußg oon Slergün in «Puloer ober Ptfltn unb In ber gorm oon «Korptjium oerfdjrieben. Die Dpium^Sinftur (Sat.: Tinctura Opii, Sngl.: Laudanuni) tt>irb gemadjt, inbem ritte Unje Dpium in ©tüde gefdjnittett unb mit einer Pinte SBein- geiß ober »erbunntem Sllfofeol übergoffen wirb. Die ©obe ber Sinftur iß für erwadjfene «Perfonen »on breißig bis fecfegig Sropfen unb fantt gwei* bis breimal im Saufe »on »ier unb gwangig ©tunben wieberfeolt werben. Sin Sbcelöffcl »oD ifl rine große (Bäht uttb barf uur bei großen ©dfemergen ober im größten Kotfefatle angewanbt werben. Die gewöfenlicfee ©abe für ein «Kinb oon ein bis brei Saferen ift brei bis ßeben Sropfen; für ein «Kinb oon fedS «Konaten gwei bis brei ober »ier Sropfen. Sin Sropfen fann einem .Kinbe oon einem «Konat gereiefet wetben. ©etampfeerter wein geißiger DpiumauSgug (Paregoric) iß ein ntitbereS Dpiumpräparot in Verbinbung mit anberen Slrtifeln. Ss wirb auf fol- genbe SBeife bereitet: man trimmt eine tjalbe Dradjme Dpium, eine fealbe Dradjmt Vengoefäure, breißig Sropfett Slnisöi, gwangig ©ran Äamptjer unb übergltfjt Ui ©ange mit einer Pinte SBeingeiß, ober gleictjen Sfeeilen Slltofeol unb SBoffer, läfjt ti gwei SBocfeen ßefeen unb gieljen, inbem man es öfters fcfeüttelt unb bonn burcfegiefjt unb burd Papier ßltrirt. Die (Bähe für .Kinber unter brei Saferen iß »on fünf Ml gwangig Sropfen; über brri Saferen, »on gwangig Sropfen bis gum Sfeeelöffel »oll; für erwadjfene «Perfonen ein Sßlöffel »oll. Dies iß ein angenefemeS, berufeigenbe« unb frampfftitlenbeS «Kittel. Diefe «Präparate tonnen immer unb in atten Slpotfet* fett »orrätfeig gefunben werben. «Korpfelum iß ein ßarf fongentrirür SluSgug bes Dpiums. Ss iß ein feine«, weißes «puloer. Die ©abe für einen Srwadjfenen iß »on einem ©eefeßel bis 3U einem Drittel ©ran; ein Viertel ©ratt iß ritte »otte «Kittelgabe. Perfonen, welcfee ftcfe att ben ©ebrauefe beffelben gewöfjnt, ttaefebem ße es mefere Soge ober SBocfeen lang genommen feaben, fönnen einett gangen ©ran nefemett; aber mefer ats ein Drittel ©ratt fottte nie »ott einer «perfon, welcfee nicfet baran gewöfent iß, auf einmal genom- men werben, unb felbß biefe Quantität nur bei großen ©efemergen, wie Keroenßfemtr« gen (neuralgia), 3atjttwefe tmb bergleidjen. «Kinbern fottte mon es nie geben, ba man fonß ©efafer läuft, ifenett gu »iel gu reidjeit. Ss gibt »erfdübetie Präparate, in betten «Korprjlum einen Veßanbttjeil bilbet, wo»on bas fefewefelfoure «Korpfelum bas gebräudjlidjße iß. Ss iß eins »on bett «Kitteln, weldjes in ber Slrgttelmitteüefete (Materia Medica) feineSgleicfeen nidjt tjat; es iß ein fdjiteüwüfenbeS «Kittel, i»eN ctjes in atteit gälten oon großen ©efemergen unmittelbare Hülfe gewäfett. &tan*enid>alen - (®ngl.: Orange Peel). - Dies iß bie äußere Scfeale ber fefer befaimtett uttb aitgenefemett grucfe,t eines fleinen immetgrunen üaxxmti (Citrus Aurantium), welcfeer itt bett wärmeren ©egenben ber Vereinigten Staaten «nb in anberen warmen Sänbern wäcfeß. Drangen werben [tt)x feäußg in Üouißana unb anberett ©taaten beS ©otfes angebaut unb werben in großen «Kaffen te tt«w «nb anf bett weffinbifefeen Snfetn gegogett. Die beßen lommen »on Stellten tn Stallen unb ©eoitta itt ©paitien. PrMMB( «Kebtgittifdje Sigenfdjaften unb © efer aud). - Sie C«£" »aten ßnb ein miibeS, bitteres, tonifcfe.eS «Kittel ttttb Wirten onregenb auf bt «er bauungsorgatte. ©ie werben meißens in ber gorm »on „VitterS" unb bann «net|ünJ ober «pflattgen=Slrgttetmittellet)re. 779 In Verbinbung mit anbereit ©adjett, um ße fdjmadljafter git madjen, gebraudjt Ztx Saft ber reifen Drangen iß fetjr erfrifdjenb unb oft fetjr nütdidj für «Kraule, befonberö für foldje, weldje an giebern leiben. Der Drangenfaft iß nictjt nur imfcfeäblicl), fonbern fogar rvotjltbätig für «Kranfe, befonbers wentt er »on benfelben getnnnfcfet wirb. tyappel, weißlictje, «Keccafealfam, Valfambaum — (Sat: i>opulus Candicans, Sttgt.: Balm of Gilead — Die Weißlidje «pappet iß eilt fteü ner, in ben nörbltdjen (Staaten gur 3ür gepflangter Vaum. Sr ift iit Sanaba uub bem nörbtidfeett Suropa gu Haufe. Sr erreidjt gewöfenlidj eine Hbfee »on fünfgetjn Ui gwangig guß, wirb febocfe bisweiten bebeutenb feöfeer. Der als Slrgnei gebraudjte Sfeeil ßnb bie «Knospen, welcfee mü einem ßarfen balfamifefeen ©ummi angefüllt ßttb; fte feabett einen bittertidj=fdjarfen ©efdjmad unb einen ßarfen ttttb angenefemen ©erucfe. «jJcebtgtntfdje Sigenfcfeaftett unb ©ebrauefe. — Die «Knospen ber meifjlidjen Pappel ßttb erpeftorirenb, ferner feamtrribenb, etwas aitregenb unb ftärfenb. ©ie ßnb oon großem Kuvert bei Hußen, «Kranffeeiten ber Sunge, ber Kieren unb ber Hamwerfgeuge. gerner feaben ße ßcfe fefer feeilfam gegen KfeeumatismuS, ©lorbut unb beim weißen gluß gegeigt Die Strt ße anguwenbeit iß folgenbe: matt übergießt eine ober gwei Ungett ber gerftoßeiteit «Knospe« mit einem fealbett D,uart SBeingeiß unb läßt ße eine ober gwei SBocfeen ßefeen. Die (Bäht biefeS weingeißigen fegugeö iß oon eittem Sljee* bis gu einem Sßlöffel »ott, brei* bis »iermal täglicfe. Durcfe 3ufafj oon Honig gu biefem weingeißigen SluSguge, ttwa tin Drittel ber Quantität bes unteren, bilbet man ein auSgegeicfeneteS «Kittet gegen ben Hußen. Rappel, ßitttx* — (Sat.: Populus Tremuloides, Sngt.: Quaking Asp, Aspen, Silver Poplar, White Poplar). — Die 3üterpappel iß eitt Heiner, fcfelan* fer, geraber f8aum, ber breißig bis fünfgig gnß feod wirb. Sr wäcfeß in ben tiörb* licfeen unb weßlttfeett ©taaten uttb itt Satiaba, gewöfenlidj in Haitteit unb in nittt* ren, ebenen ober feucfeten ©rünbeit, an ben Kättbem »on Prärieen unb bergleiefeeit. Die äußere Kinbe beS VaumeS iß glatt, »on grauer garbe, bisweiten ttatjegtt weiß; bie Vlätter, weldje immerfort gittern, wentt nur bas leifeße Süftctjen WtXjt, felbß toenn augenfdjeinlidj fein Süftctjen bemertbar ift, ßnb auf ber oberen ©eite grün uub auf ber unteren ©eite ßlberfarbig. ©ie w'äd)[t fetjr Ijäußg an bem ©aume ber weß* licfeen Prärieen, befonbers ba, wo ber Voben niebrig unb flad) iß. üUübiginifefee Sigenfcfeaftett uttb ©ebrauefe. — Die innere Kinbe ber 3itterpappet iß eines unferer beßett ©tärfungSmittet, mü anberett SBorten, fie iß ein auSgegeicfeneteS giebermittel, fetjr tüüütefe iit attett gätte« »on falten obet Sßecfefet unb ©attenßefeern uttb wetm ein gutes ©tärtungSmittel unb ein gegen periobifdje «Kranftjeiten wirtenbeS Slrgneimitül notfewenbig iß. ©ie wirb meißens in ber gorm »on „VitterS" nnb gewöt)nlidtj in Verbinbung mit anberen Slrtifeln, wie ber «Jtinbe bes rimbblätterigen Hartriegel (Dogwood-bark), wilber «Kirfcfeettrittbe, Sngian, Solumbowurgel uttb bergteidtjeit aitgewanbt ©ie fantt ebenfalls beliebig tn Slufguß ober Slbfodfeuttg nnb in «Put»er angewattbt werben. Die (Babt ber gepul* »erten Kinbe iß ttwa tin Sljeetöffel »ott, »on gwet bis fedfesmat täglidfe, unb in Ritters" mag ße beliebig als ein SBtebertjerßettungSmittel bei ©ct)wäd>, Slppetit 780 «Kebigtnlf d)t ©ewädj «funb e loßgfeit, fefewacfeer Verbauuttg, unregelmäßiger Verbauung (dyspepsia), oerolttttm Durcfefott unb bei ©enefung »on Herbßfteberrt angewanbt werben. SJJed), burgunbtfdjes— (Sngl.: Burgundy Pitch). — Dies iß Per feße ©aft ober Serpentin, welcfeer oon ber norwegifefeett Sonne (Sat.: Abtes Excvl.su, Sngt: Norway Spruce Fir) fommt Der Vaum iß eine im nörblidjen Suropa uitb Slßett embeimtfdtje Sannenart, welcfee oftmals bie Höfee oon gweifeunbttt gufj erreidjt Das burgunbifdfee «Pect), wie wir es iit ben Slpotfeefen ßnben, iß »on bun« lelgetber garbe, feart unb fpröbe, »on angenefemem, bem Serpentin äfenlidem ©efdmade unb ßartfealfamifdjem ©eruefee. «Kan behauptet, boß feiten ein reiner Slrtifel in biefem Sanbe gefunben werbe. granfiitceufe iß ber feargige Slusßuß, welcfeer aus biefem Vaume fommt unb «Klumpen bilbet, wie man eS an «Kirfdjen- unb Pßrßdfebäumen ßebt. granfincenfe ift unßreüig ber ©toff, »on welcfeem in ber Vibel fdfeott, als »on einem foßbaten ©ummi, gefprodjen wirb. Sr wirb tjauptfädjticfe feines angetteljmen ©erudjeS wegen gefefeä^t, welefeen er beim Verbrennen ergeugt «Kebiginifcfee Sigenfefeaften unb ©ebrauefe.— Das burgunbifefee «Pect) wirb meißens als Pßaßer, ober als rin Veßanbtfeeil oon Pßaßem gebraucfet. Ss eignet ßd oorgüglidfe bei ©cfewäcfee im fRüden gu einem ßarfenben Pßaßer, auefe erweiß es ßcfe ebenfalls tjeilfam bei ©efemergen im Siügemeiitett, tfeeumatifefeer «ilnfcfewel« lung ber ©lieber unb ©efemergen in ber Vruß. Vei «Krampffeußen ber «Kinber iß es fefer gwedmäßtg, ein Pßaßer über Vruß unb «Kagen gu legen. Um ein Pßaßer gu macfeen, fdjmelge man baS «peefe, bis es büfftüffig wirb; gieße es ouf bünnes, weiefee« Seber unb ftreidfee es büim unb glatt mit einem «Keffer aus. Um guten Kuöen »on bem Pßaßer gu erlangen, madje man eS feinreiefeenb groß, um bie Vruß, ben Küden, ben «Kagen, ben Unterleib, bie ©eite ober einen anberen leibenben Sfeeil »öttig bamit bebeden gu fönnen. Sin fleittes «Pedfepftaßer ift oon geringem Kufcen. «Kan läfjt bas «pflaßer metjre Sage tjintereinattber, ober fo lange ߣen, bis es oott felbß abfällt. 9&etetfilie — (Sat.: Apium Petroselinum, Sngl.: Parsley). — Dies iß bie gewöfenlicfee ©ortenpeterßlie, eitt feines, aromatifcfeeS Mxaut, weldfeeS für «Küefeenge« brauet) in allen ©arten angebaut wirb. «Kebiginifcfee Stgenfdjaftett ttnb ©ebraudj.— Die Petetftlie iß eines ber beßen tjarntrribettben «Kittet bei allgemeiner SBafferfucfet, bei gefeemm- tem Urinfluß unb bei Hamßrenge. ©ie wirb in -Slufguß ober Sfeee — etne laffe breimal täglicfe, — angewanbt. Die ©amen werben für benfelben ßtotd unb ali «Kittel gegen Vläljungen gebraucfet, ßnb aber nicfet fo feamtreibenb, wie bie SBurjel. Sine ©albe, »on ben Vlätüm unb ©amen gemadjt, fott, wenn auf ben .Kopf gerie- ben, ein guoerläfßges «Kittel gegen Saufe unb alle Strien »on Ungegiefer fein; man fagt audj, baß bie gepuloerten Vlätter unb ©amen, wenn man fte auf ben Äccf ßreut, biefelbe SBirfung ttjäten. SBetttt matt bie gequetfdjten Vlätter ber Peterftlie mit «KampfeerfpirituS anfeudjtet unb über bie Vruß legt, fo wirb bie «Kit* troden, falls büS nott)wenbig feitt fottte. Ss gibt ebenfalls rin Del »on ber Peterftlie, »el« tfees ein gwteS, tjamtreibettbeS «Kittel ift unb gegen SBafferfucfet unb Ärantfeetten oer Kieren nnb Hamwerfgeuge, in ©abeit »ott brei bis feajs Sropfen, gweimal tag« liefe gegeben wirb. ober «pffattgett-Strgttetmlttettetjre. 781 9töffer, f dfe W a r g e r — (Sat.: Piper Nigrum, Sngl.: Black Pepper). — Ter fcfeworge Pfeffer iß bie grucfet einer Kante ober friecfeenben «Pßange, wetdje in Cftinbien wäcfeß unb auf ©umatra, 3a»a, Vomeo, bett ^feiltppinen unb anberen benachbarten Snfeltt gebaut wirb. Ttx in ben Vereinigten ©taaten »erbraucfe> fcfewarge «Pfeffer fommt gewöfenlid »cm ©umatra unb iß ein fo allgemein befanttter ©egenßaitb, baß er einer näfjerett S5efajreibung nidt bebarf. «Kebiginifcfee Sigenfcfeaftett wttb ©ebraitcfe. — Der fcfe.warge Pfeffer wirft onregenb, ßärfenb unb gufammengiefeenb. ©eine ßraft wirb burd) SBaffer tfeeilweife, burd) SBeingeiß gang auSgegogen, unb er fantt anßatt Sa* öttinepfeffer, wenn berfelbe nidjt gur Hanb iß, angewanbt werben, ©egen Vtätjun- gen, tlttoerbaulidjfeü unb Uebelfeit, ober in «Krattffjeiten beS «KagenS tjat ßcfe bet fcfewarge Pfeffer ßets ats ein fefer wirffameS Slrgneimitül bewiefen. Sbenfo wirb er bei äßecfefet ober faltem gieber mü Srfolg angewanbt. Sin Sfeeelöffel oott gepuloerten sjjfeffer, burd getinbeS Äocfeen gu einer Saffe Sfeee gemadjt, fantt mit großem Vortfeeil gegen ben ermottenben Durcfefott gegeben werben, welcfeer bisweilen mit ©cfeartacfe unb Jppfeus oerbunben iß; bie (Bäht mag bann, wetttt nötfeig, nadj gwei ©tunbeit hueberfeolt werben. 3füßen ©efdmod; wenn ße geüodnet iß, bantt gefeen biefe narfotifdfeen Sigenfdjaften gum Sfeeil oetloren. ©te tß fange ßtit als ein fdjmerg* tmb frampfftittenbes «Kittel in oerfefeiebenen neroöfen Seiben, wie fattenber «Kranffeeit unb anberen «ParorpSmen, im Veitstang unb Äeucfe« feußen angewanbt worben. gür ben «Keucfefeußen wirb es für'S Veße gefealten, fie itt Verbinbtmg mit ber fdjwargen ©djtattgettwwtgel (Black Cohosh) in gorm »en ©prup angwwenbett. Die «pßitgßrofenwurgel wirb meißens in Slufguß angewanbt, inbem man eilte Unge ber gröbliefe gepuloertett ober gerquetfden SButgtt auf einer «pinte foefeenbett SBafferS oerwenbet Die (Babt iß »on einer Dtittel bis gu einet falben Saffe »ott, fereü bis »iermal tägtiefe ; bie (Bäht ber geputoerten SBurgel tj ein Sfeeelöffel »ott breimal täglicfe., itt Sfe, orea ober Veitstattg. ©ie würbe fcfeon bei bett Sitte« als eitt »orgüglicfeeS «Kittel gegen «Krämpfe ober gaflfudj angeftben. ober «Pftangett-Strgttelmlttetletjre. 783 Wtüfybaum — (2at.: Amygdalus Persica, Sttgl.: Peach Tree). — Der pßrßctjfeaum fott aus «perften ßammen; er wirb itt biefem Saitbe in auSgebefjtttem SMafjftabe angebaut unb iß gn belannt, als baß er einer näfeeren Vefdfereibung beburfte» Die Vlätter, bie Mtxnt utib bie Kinbe ber SBurgel werben in ber Slrgtteü Bereitung angewanbt «jfleb ig int fefee Stgettfdjaftett nnb ©ebrauefe. — Die Stjeile biefer Pßange ßnb ßärfenb, tjamtreifeettb, feepaüfcfe, alterirenb, fcfemergßittenb unb etwas abfütjrettb. Sin ßarteS „VitterS," »on ben Vlätüm ttttb bett Kinben ber Sßurjel gemocfet unb in mäßigen ©aben bret= bis »iermal täglicfe genommen, ift eins ber beßen «Kittel, welcfeeS iefe fe gegen ©elbfuefet angewanbt X)aht; es iß ferner ein gute« „VitterS" bei atten «Krantfeeüett ber Seber tmb geßörter Verbauung. Sin ftarfer Slufguß ober Sfeee ber Vlätter in Sßlöffelgafeen, otte ©tunbeit ober öfters gegeben, iß fefer wofeltfeuenb bei Stttgüttbuttg ber Sittgeweibe unb beS «KagenS; gn gleicfeer ßeit fottten Väfeungen »on ben Vlätüm etttweber allein, ober mit Hopfen, ober anberett bitteren .Kräutern gefoefet, äußerlieb, angewanbt werben tmb gwar fo feeifj, alö moit es »ertragen fantt. Die «Kerne werben bisweilen bei ©pruparten ober fogettannten „Hergßärtungett" gegen Durcfefott, Kufer nnb bergleidjen mit auSge* jeiajnetem Srfolge angewanbt ©ie werben ebenfalls in Sinftur gebraust, inbem jiuei Ungen gerßoßener «Kerne in einer «pinte frangößfcfeett grangbraimtweiitS ausge- jogett werben. Die (Babe iß ein Stjeelöffel »ott, breü bis fecfesmal täglid, uub iß gut als ©tärfuttgsmittel in SBedjfetßebern, bei geßörter Verbauuttg, weißem gtuß unb allgemeiner ©cfewäcfee. Die «pßrßdjfeme, gepuloert unb mit Vrombeeren gemifefet unb mit etwas 3immet, ©ewürgitelfen tmb Keffenpfeffer gu einer Hergßärtung (cor- dial) gemadjt, ßnb eine anSgegeidfettete Slrgnei gegen ©ommertranffeeit ber «Ktttber fowofel, als audj für atte Uttterteibsfrattffeeiten Srwadjfeiter uub ainber. ^ptcnttlle, c a tt ab i fefee— (Sat.: Potentilla Canadensis, Sttgl. t Five- Finger, Cinque-Foil). — Die «poteittitte iß eitt friedeitbeS ober rottfenbeS Mxaut, »on gwölf bis odtgefen 3ott lang, günf Vlätter ßefeen immer in einem Vünbel Sufammen (baljer im Snglifdjeit ber Käme Fife-Finger). Ss wäcfeß gewöfeitlicfe auf Sötefen, an bett Kättbem »ott Ufern unb an SBegen; eS fetüfet »on grüfelittgsattfang bi« jum Herbß mü gelber Vlume. Die SBurgel iß ber als Heilmittet gebrauefete Jfeeil; ße iß »ott bitterem, gitfammengteljettbem ©efdjmade. «JJtebtgtntfdje Sigenfcfeaftett unb © ebratt d). — ©ie wirb als ein tonifefees, gufammengüijettbeS «Kittet gefdjätjt uttb iß »orgüglicfe wirffam gegen Kacfet fcfetrelfj, femer gegen gu ßarfe «Kottatsflüffe, hti ©ebärmutterbtutflüffett, Kufer unb bergleidjen. ©ie fann nadj Velieben genommen werben, entweber itt SBaffer, ober in «Kildj gefoefet Stts Stfefocfeung iß ße gum ©urgent gwedmäßig bei eiternbem, wunbem «Kunbe nnb Hals unb als SBafcfemitte! für fctjwammtges, blu< tenbes 3arjnßelfdj. ^otÜoS, fiittlettber — (Sat: Ictodes Foetida, Sttgl.t Skunk Cabbage). ~ Dies iß eilt wudjernbes, ttttaitgeneljm rüdjenbeS Mxaut, welcfeeS in »erfcfeübeiten Ifeeilen bes SanbeS, in niebrigett, naffett «pläfcett tmb ©ümpfett wadfefeitb, gefunben »irb. Ss b,at große, buntelgrüne Vlätter otjtte ©üttgel; eine Slngatjl Vlätter fom* «en aus berfelben SBurgel unb bilben baburefe etwas, was einem «Kofelfopf ätjnlid) 784 «Keblginifcfe, e ©ewätfesfunbe ßetjt Der ßinfenbe «potfeos tjat eine große, weiefee SBurgel, bie oon gafel»etcfe«ii Heineren SBurgein umgeben iß, weiefee oon ber Haupttourgel ouSgefeen. «Kebiginifde Si g e n fdj af t en unb ©ebraudj. — Die SBurgel wirb gebraucfet unb ift ein wertfeüotteS, ben Sluswurf ber Vruß beförbernbes unb frampf ßtttettbeS «Kittel, ©ie ift fefer wertfeoott bri Hußen, Sngbrüßigfeit, SluSgeferung unb atten Sungenleiben; ferner als ein frampfwibriges «Kittel bei Sonoulßonen, fepfh- rifefeen Seiben, Jteutfetjuften unb bri allen frompffeaften Slnfällen. Slls frompfßillen« beS «Kittet fantt bie gepuloerte SBurgel in ©oben »on breißig ©ran bis gu einem Sfeeelöffel oott gegeben unb je naefe Umßänben wieberfeolt, ober in Sinftur, in ©a. ben »on einem bis gwei ober brei Sfeeelöffel gegeben werben. SllS ein Srpecürand fantt ße in tleinen (Baben gegeben werben, entweber itt Puloer, in Sinftur ober in ©prup, unb es iß gewöfenlicfe bas Veße, ße mit anberen, ben «Auswurf bet Vtufl feeförbembett «Kitteln git oerbinben. SBenn bie Sinftur ober ber ©prup gemaefet wirb, fottte bie frifdje SBurgel angewanbt werben, ba ße bei langem Slufbewaferen unb baburefe, baß ße ber Suft ausgefegt wirb, ifere SBirfung »erliert. Dte gepul- oerte SBurgel fottte in buntem ober bebedten glafefeen, wofel »erforft, aufbewafert werben. ^telett, breiblätterige — (Sat.: Ptelia Trifoliata, Sngl.: Ptelia, Wafer-Ash, Swamp Dogwood). — Dies iß eitt Heiner Vufcfe ober ©trauefe, welcfeer gewöfenlicfe fecfes bis gebn guß feod) wirb. Sr wäcfeß gewöfenlid In fumpßgen, in naffen ober in fdfeattigen «Plänen, an Känberit »on ©ümpfett, im Sießonb (bottoms) unb bergleidjen. Die grudjt ober ber ©ame feat nafeegu bü gorm riner gewöfenli- efeett Oblate, iß ungefäfer brei Viertel ßoU im Durdjmeffer, fefer bünn, mit einer Slrt Kanb, ber ringsherum eingefefenitten ift. «Kebiginifcfee Sigenfcfeaftett witb ©ebraudj. — Die Kinbe bei SBurgel ift ber Sfeeit, ben matt gebraucfet; ße ift eines unferer beßen elnfeeimifcfeen ©tärfungSmittet ©ie wirb in tattert ober SBecfefelßebem unb bo, wo ©tärfunge?« mittet nottjwenbig ßnb, angewanbt. «Kan feält fie femer, wenn mit Vranntwein auSgegogen, für ein guoerläfßges «Kittel bri Sngbrüßigfeit, in welcfeem gälte ße in ©aben »on ein bis gwei Sfeeelöffel oott, mefere «Kaie bes Sages gegeben wirb. Slber meiftenS wirb ße als ©tärlungSmittri in ©cfeüttetßefeem, falten ober SBecfefelßebem, entweber in ber gorm »on „VitterS" in Verbinbung mit anberen bitteren Kinben nnb SBurgein, ober attein gebraucfet; ße fann audj in «Puloer ober Srtraft ange- wanbt werben. Die (Bähe beS «PuloerS iß gwangig bis breißig ©ran brei* bis fecb> mal täglicfe ; bie beS weingeißigen SluSgugeS ein bis gwei Sfeeelöffel »ott unb bie beS SrtrafteS brei bis feajs ©ratt. £iuttffiettl)0l}, V i 11 e r t) o lg — (Sat.: PicrcenaExcelsa, Sngl.: Quassia). Der Cuafßenljotgbaum iß ein großer Voum unb in 3amaüa unb einigen Ifeeilen ©übamerüVs einfeeimifdj. Das außerorbentlidt) bittere Holg iß ber itt ber Slrgnei angewattbte Sfeeit beS VaumeS. Ss wirb meißens in atten Slpotfeefen biefe« San- beS in fleinen Vlöden ober ©pätteit oorrätfeig gehalten; es iß »on fetltgtlbet garbe, oljne ©eruet) ober ©efefemad, iß aber oon einem reinen, aufjerorbent« lieb, bitteren ©efdjmade. «Kan tjat audj JetÜ in ben Slpotfeefen eine Slrt Vecfecr, weiefee aus bem Quafßetüjolg gemadjt ßttb unb «Cuafßabecfeer genannt wetben. 3« ober «PffattgettsSlrgtteimtttelte'fere. 785 Hefen Vecfeem wirb SBaffer, wenn es ein paar «Kinuten barin geßanben tjat, ganj bitter, unb es iß eigentfeümticfe, baß bü bem Holge tnttewofettenbe bittere ©ubßottg fidj nicfet oerliert. Der ©ebrauefe ber £)uafßafeecfeer iß für ©enefenbe, für bpspep* tifefee unb entnerote Perfonett außerorbenttiefe wofeltfeuenb. «Kebiginifcfee Sigenfcfeaftett unb ©ebrauefe. — Das £>uafßa= $olj iß ßärfenb unb wurmwibrig unb wirb bei DpSpepße, allgemeiner Sntfräftung unb ©cfewädfee unb wäferenb ber Srfeoümg »on fatten unb ©attenßebern als tjeilfam empfofelen. Ss wirb meiftenS in Slufguß angewanbt, welcfeer bereitet wirb, inbem man eine Unge bes gerafpelten CuafßenfeolgeS mit einem Stuart talten SBafferS über* gießt unb gwölf ©tunbeit lang ßefeen läßt. Die (Bähe beffelben ift etwa eine tjalbe Saffe »ott breimal tägtiefe, wätjrenb welcfeer 3eü man bas Quafßenfeolg im SBaffer liegen läßt. «Kan fantt bem Stufguß ein Hein wenig Sngwerwurgel, ©ewürgnelfen, ßitronenfefeaten unb bergleidjen fetngufügeu, um benfelben fdjmadfeafter gu macfeen. Die ®abe ber Sinftur beS £uafßenfeofgeS iß ein bis gwei Sfeeetöffel »ott, bie bes grtrafteS »on ein bis brei ©ratt. 9?ainfattt — (Sah : Tanacetum Vulgare, Sttgt.: Tansy). — Kaittfam iß tin gewöfenlicfeeS, in Suropa eüttjetmtfcfeeS ©artenfraut, wetctjeS itt biefem Sanbe oiel angebaut wirb. kebiginifcfee Sigenfdjaften unb ©ebrauefe. — Kaittfam iß fctjtoeifjtreifeenb, ben tKonatsfluß beförbemb, ßärfenb unb wurmabtreibenb. 3tt »armem Sfeee ober Stufguß gegeben, beförbert er bie Hautausbünßung unb bringt gefeemmten «Konatsßuß gurüd. Sr iß ferner ein gutes «Kittet gegen SBürmer, jebodj für biefen 3r»ed wirb bas Del mebr angewanbt. Kaittfam ift eitt gutes fub* tonifefees unb mogenßärfenbes «Kittet; er ßärft bie Verbauung unb erfeöfet bie «Kräfte Ui Körpers im Sittgemeinen. Sr wirb ferner ats „VitterS" gebraudjt unb bilbet einen Veßanbttjetl »erfdübetter werrtjootter «Kifcfeungen, welcfee als ©tärfungs* unb Jßieberljerfteüungsmittel bienen. Sr ift ferner fefer tjeilfam in Väfeungen, wenn er »arm ouf Slnfdjwettungen ober Sntgünbungen, unb wenn er bei fefemergfeaftem SKonatsßuß auf ben Unterleib gelegt wirb. Das Kainfarnöl iß ein »ott bem Kainfarn gewonnenes, ätfeerifdjeS Del, irtldjes ein gutes SBurm= unb ein ß-arfes emmenagogifefees «Kittel iß*; aber es fottte nie »on fdjwangeren grauen genommen werben, ba es fefer gefäferlicfe; iß unb grütjge» Gurten feeroorruft Die (Bähe als SBurmmütel iß »on gwei bis fecfes Sropfen, auf ein lüettig 3"der; um ben «Kottatsfluß gu beförbern, fünf bis gefen Sropfen breimal täglicfe. Ss fonn für biefen 3roed mit gleictjen Stjeilen ©a»iite unb Del bes ante» rifanifdfeen 3fop »erfeuttbett werbett. $ii\tanl)ian)nt$el — (?at: Krameria Triandria, Sngl.: Rbatany). — ®iti iß ein fleiner ©trauefe, welcfeer in ben Vergen »on «peru unb waferfdjeinÜd) auefe in anberett Stjeilen ©übamerifa'S wädjß; bie SBurget, welcfee man in ber Slrg* neibereitung gebraucfet, fantt eben fowofel wie ber Srtraft in atten Slpottjefen gefun- ben werben. Sttebigittifdje Slgeitfct) aftett uitb © e b r a u dj. — Die Katan- bjatrurgel iß ein fräftiges 3ufammengütjungs* uub etwas ßarfenbeS «Kittet, ©ie tottb in Slufguß, weingeißigem SluSguge (Sinttur), Srtraft uub in fulotx aitgewanbt, 50 786 «Kebiginifcfee ©ew ädt) «lu nbe unb gwar ba, wo ßartgufammengiefeenbe «Kittet notfewenbig ßnb; wie jum Veifpiel bei ben »erfdjübenen Vlutßüffen »on tnnereit Drganen, bei cferonifcfeer Diarrfeöe, attgureidjlidem «Konatsßuß, Kacfetfcfeweißen unb bri unfreiwilligem Slbßuß Ut UrinS. Der weingeißige SluSgug (Sinftur) iß ferner gut gegen fcfewammigeö, blu- tenbeS 3ab. ttfleifdt). Die ©obe beS «putoerS iß gefen bis gwangig Wran; bie Ui weingeiftigeit SluSgugeS eilt bis brei ober »ier Sfeeelöffel oott, je naefe Umßänben; bie ®aht bes SlufguffeS iß eine fealbe bis eine gange Söffe oott unb bü bes Srttaftc« fünf bis gefen ©ran. gjjaufe — (£at.. Ruta Graveolena, Sngl.: Rue). — DieS iß bie mofelbe« fotmte ©ortenraute, rin fefer bitteres Mxaut, welcfeeS in unferen ©arten iferer mebi- jinifcfeeit Sigenfcfeaftett wegen fefer feäußg angebaut wirb, ©ie iß eine ßtattdartigt «Pßange; ber untere Sfeeil beS ©tengels ift feolgig, wäferenb ber obere Sfeeil traut- artig iß; ße iß immergrün, mit äßiger «Krone unb wirb ein bis gwei guß feoefe. Sie feat eineit äußerß unangenefemen, bitteren ©efefemad. «Kebigintfdje Sigenfdjaften unb ©ebraudj. — Die Kaute roirb als ein fräftiges, emmenogogifcfeeS, wurmabtreibenbeS unb IrampfßiflenbtJ «Kittet angefefeeit. Die Vlätter werben gebraucfet; bie (Babe bes PuloerS tß jefen bis gwangig ©ran; bie beS DelS »on gwei bis fedjs Sropfen; bie ber Slbfodung oon eilt bis gwei Ungen. fflhäbatbet — (%at.: Rbeum Palmatum, Sngl.: Rbubarb). — DieS ifl Die SBurgel riner in Stjina, Kußtattb, ber Surfet uttb anbereit Sfeeilen ber SBelt fultioirten «pflattge, bie itt attett Slpotfeefen als eine H^uptargnei gefunben werben fann. Die beße ©orte bes KfeabarberS lommt »ott ber Surfet unb iß gewöfenlicfe Im rofeen 3ußanbe; jebodj ßnbet man itjn gewöfenlicfe in ber gorm eines feinen, Dunfelgetfeen «puloerS. «Kebiginifcfee Sigenfcfeaftett nnb ©ebr au dj. — Die Kfeabarber iß ein mitbeS Slbfüfermittet unb jugteid etwas gufammengiefeettb unb ftärfenb. frir «Kranffeeiten »on grauen, «Kinbern unb atten garten- «perfonen Iß ße ein »orgüglideö Slbfüfjrmittet. ©ie iß ebenfalls atten anberen Slbfüfermitteln bei Kufer unb Xiar- rfeoe; iferer ßarfenben unb gufammengirijenben Sigenfcfeaftett wegen, »orgujiefeen. ©ie bilbet einen Sfeeil beS fefer befantuen „Dr. Veacfe'S Keutratigtng Sorbtal/' eine« ber beßen «Kittet für Kufer unb Unterteibsfranffeeitett ber Ainber; ferner ber neu- tralißrenben «puloer (Neutralizing Powders). Verbunben mit Septanbrin ober fefeweißtreibenbem «puloer (DooeriS «puloer) iß ße ein »orgüglicfeeS «Kittel bei Stufet nnb Durcfefott, wenn fte in geseilten ober «einen ©oben, ober in folefeen fleinen ©aben wieberb,olt gegeben wirb, welcfee gerabe feinretebmb ßnb, um milbe auf ben Unterleib einjuwirfen. Die (Bäht bes KfeabarberS, als ein purgtrmittel, tß »on breißig bis fecfegig ©ran, ober »ott eiitem tjalben bis einem Sfeeelöffel »ott; wenn ße in ©abeit »ott fünf bis gefen ©ran, gweü bis breimal täglicfe., gegeben wirb, wirft |te als ein ftärfenbes unb leicfet eröffneitbeS «Kittel. meinum - (*at: Oleum Ricini, Sttgl.: CastorOi \^«*£ Del, welcfeeS »oit ben ©amen ober ben Voltten eines tjotjen Araute« (**» Communis) fommt. Die ©amen ßnb befannt unter bem Kamen KlcinuS'-öopncn ober «Pflattjen-Slrjtteimittefletjre. 787 Ü wirb in biefem Sanbe fünf bis adjt guß feod) ; wäljrenb es, wie man fagt, in manefeen Sänbern, wie Dftinbien unb einigen Sfeeilen oon Stfrifa, bie Höfee oon breifjig bis olergig guß erreiefet Die «pßange iß in 3nbün einfeeimifefe, wirb jebodj in biefem Sanbe fefer feäußg angebaut KicinuSöt iß itt atten Slpottjefen gu Ijaben unb ift gu befannt, als baß es einer weiteren Vefcfereibung beburfte. «Kebiginifcfee Sigenfcfeaftett unb ©ebrauefe. — KicinuSöt ift ein einfacfees, milbeS aber ftefeeres Slbfüfermittet uub tann Perfonett jeben SllterS unb in jebem 3ußonbe gegeben werben. Ss iß ein fefer fdäfcbares «purgirmittel; wegen ber «Kilbe feiner SBirfung iß es angemeffen für «Kinber, garte grauen, befonbers wäferenb ber ©dwangerfefeaft unb bei gewiflen «KranftjeüSgußänben, in weldjen angreifenbe ober ftärfere Slrgneimitül gefäfertidj fein würben, wie g. V. bei golbener Stber (pües), Vrüdjen (rupture), Stttgüttbungen beS Unterleibes unb »orgefdjritte* ntn3ußänben »on Durcfefatt, Kufer unb bergleiden. Die (Babt für erwadjfene perfonen ift ein bis gwei ober brei Sßlöffel »ott ; für ein .Kinb »on einem bis gwei Jfeeelöffel oott. Drei Sfeeile KicinuSöl unb ein Sfeeil Serpentinöl, in Sßföffet gaben atte brei bis fecfes ©tunben gegeben, ift ein auSgegeiefeitetes «Kittel gegen «Jtufer (dysentery ober bloody tlux). ■Ringelblume, ©otbblnme, Sobtenblume — (Sat.: Calendula Officinalis, Sttgl.: Marygold). — Dies ift bie wegen ibrer fcfeönett, gelben Vlu* men in ben meißen ©arten angepftattgte Kingetblume. SKebigitti f cfe e Sigenfdjaften unb ©ebraudj. — ©owofet bie Slätter, ats auefe bie Vlumen ber «Pßange werben gebraudjt unb gwar in ber gorm »on Sinftur (weingeißigem SluSgug), weldje bri frifefeem ©djnitt, gleidjwie bie Slntica*Stnftur bei Duetfdjwunbett, angewanbt wirb. Der weingeißige SluSgug irirb bereitet, inbem man eine glafde mit gröbliefe gerftoßenen frifefeett Vlättern unb Slumen ber Kirtgelblume füllt unb bann bie glafdje mit oerbünntem SBeingeiß, b. fe. gleicfeett Sfeeilen ftärfften SBeingeiß (Sllfofeol) unb SBaffer, ober mit Vrannt wein, wetdtjer gu ein Drittel feiner «Kenge mit SBaffer »erbünnt tß, auffüllt, unb baS ©ange gwei SBocfeen lang ftefeeit läßt Vei atten frifcfeen gleifcfe'wunben benu^e man biefen SluSgug, mit SBaffer »erbünnt, gu Umfefelägen; man nimmt g. V. ein ©las SBaffer, gießt einen Sßlöffel »oll bes weingeißigen SluSgugeS ber Kingelfetume feinem unb legt einen, mit biefer glüffigfeit getränfün, Sappen auf. Sr iß fefer wertfeoott bei ajirurgifefeen Dperationett. Der franfe Sfeeil muß mefere Sage bamit naß gefeal- ten werben. Sr ift ein »orgüglicfeeS feomöopattfefeeS Heilmittel in foüben gätten. Den weingeißigen SluSgug unb bie Vlumen fantt man in atten Slpotfeefen feaben. Ztx weingeißige SluSgug ift ferner tjeilfam, wenn man itjn auf atte ©efefewüre anmenbet. . StttterföPtn, g e I b = — (Sat: Delphinum Consolida, Sngl.: Larkspur). — £er gelb^Kitterfportt iß itt Suropa eiitfeeimifefe, wirb jebodj in biefem Sanbe fomofet wilb angetroffen, als audfe in ben ©arten ats 3ürpflange angebaut. Sr wirb ein bis gwei guß tjodj, bat purpurfarbene ober fdjöne blaue Vlumen, wetdje im^uni ober 3uti erfdjeinen. Die Vlumen, Vlätter unb ©amen werben als Slrgnei ange* »aitbt. kebiginifcfee Sigenfdjaften unb ©ebrauefe,. — Der 5elb=Kitter- 788 «Keblginifdje ©ewätfesfurtfee fporn iß feamtreibenb, ben «Konatsßuß beförbemb, wurmofetreibenb unb wirft gegen bas Vrecfeen. Die guten Sigenfdjaften biefer «Pßange ßnb nodj nidjt febr befannt. Der weingeißige SluSgug ber ©amen wirb mit großem Srfolg bei Vlafenßein, fowie als SBurmmütel, angewanbt; ferner in gätten oon Vrußbefiemmung (asthma) unb SBafferfucfet Der weingeißige SluSgug wirb gemadjt, inbem eine Unje ber gepuloerten ©amen in einer tjalben Pinte IBeingeift ober oerbunntem Sllfofeol einigt Sage lang auSgegogen wirb; bie (Babt ift gefen Iropfen breimof täglicfe, uttb man muß biefelbe attmälig bis auf gwangig Sropfen »ermeferen. Sin fleineS Vünbel Vlumen, ober ungefäfer eine fealbe Unge Vlätter unb Vfumen,in- einer Pinte foden- ben SBafferS auSgegogen unb in fealben Saffengaben in furgen 3>ri|'djctträumen ober atte fealbe ©tunbe genommen, fott ein redjt gutes «Drittel bei Vredferufer (chol.T;. morbus) unb in allen gätten »on Vrecfeen unb Slbfüferen fein, inbem baburefe bem Vrecfeen unb ber Uebelfeit Sinfealt getfean unb ein rufeiger unb angenefemer 3uft,utb feerbeigefüfert wirb. SBenn mon mit bem weingeißigen SluSguge ber ©amen ben «Kopf wäfcfet, fo tobtet baS bü Saufe, wie man fagt. S^ofcttUa, 21 c O C i e tt * — (Sat. : Robinia Pseudo-Acacia, Sngl. : Black Locust). — Diefer Vaum iß burefe bie weftlicfeen unb füblictjen ©taaten fefer wofel befannt unb feiner ©döntjeü unb feines guten VaufeolgeS wegen, ferner aud al« ein guter ©dattenbaum, wirb er febr feäußg angepftangt «Kebiginifde Sigenfdafteit unb ©ebrauefe. — Sr feat breefeen- erregenbe unb abfuferenbe Sigenfdaften; bie Kinbe ber SBurgel wirft in fleinen ©aben fpannenb. Die Vlätter fönnen als ein guter ©tefJoertreter für beffere Vredmittel benutzt werben. Ungefäfer eine fleine Hanbooll ober etne fealbe Unje ber Vlätter, einige «Kinuten in einer fealben pinte SBaffer gelinbe gefoefet unbbaoon eine fealbe Saffe atte gefen bis fünfjefen «Kinuten getrunfen, wirft als ein fefer ßdereS unb fräftiges Vrecfemittel unb »ertritt tjinreictjenb bie ©teile bes Vobelien- frautes unb ber Vrecfewurgel. Die Kinbe ber SBurgel wirb gewötjnlicfe als Slbfüfer- mUtel gebraucfet Sine fealbe Unge »ott ber Kittbe ber SBurgel, gefoefet mit einer Pinte SBaffer, bis ern Drittel übrig bleibt, unb in ©aben »on einem bis gwei Stef- fel »oll SlbenbS unb «KorgenS gegeben, iß rin wirffomes Slbfüfermittet, äfenlicfe bet Kinbe ber weißen SBattnuß. Sin ßorfer weingeißiger SluSgug ber Vlätter ift ein gutes Vrecfemittel in wieberfeotten ©abett oon einem Sßlöffel »oü aüe fünf bis jebn «Kinuten, bis SBirfung erfolgt, gegeben. Ss oerftefet fidj oon felbft, baß, gleich- jeitig mit bem Sinnefemen anberer Vrecfemittel, ber kranfe Sfeee oon burdwaefefenem SBofferfeanf, Polet, ©aloei ober «KompoßtionSpuloer trinfen fottte. 0Jofetl — (Sat: Rosa .Centifolia, Sttgl.: Rose, Hundred-leaved Rose). - Dies firti bie gewöfenliefeett Kofeit, bie itt allen ©arten unb in atten Ifeeilen ber SBelt iferes pracfetootteit Slusfefeens unb iferes fößliden ©erucfeeS wegett ongepßanjt werben. SS gibt »erfcfeiebene ©orten Kofen ; jebodj bie gewöfenlicfee rofenfarbene, ober feunbertbtätterige Kofe wirb als Slrgnei am meißen angewanbt. 3Jtebi3inifdje Sigenfdjaften u nb © e b r a u cfe. - xieJBlumen' blätter werben als Slrgnei gebraucfet. ©ie ßnb leicfet gufommengietjcnb unb ftarfe«. «Kan bebient ßcfe; iferer Ijauptfädjtid, nm Kofenmaffer baraus gu be,titttrertun* J»j fenfonferoe, ferner um ein fefer toßfeares Del, boS Kofenöl, welcfeeS gu SBofelgeruaje» »erwanbt wirb, baraus gtt bereiten. ober *Pjlattgen*3lrgnetmitteiletjte. 789 «Rofenwoffer wirb bereitet, inbem ad)t «Pfunb frifdje Kofenfelätter mit gwei ©atto- iten SBaffer übergoffett unb eine ©attone baoon afebeftittirt wirb. Ss iß in jeber Slpotfeefe gu tjaben unb wirb meißens gu Slugenwaffertt, ober anberen Strien »on SBafdjroaffer, jebocfe metjr feines ©erudjeS wegen, ols gu anberen 3r»eden »erwanbt «Jüfenfonfeft wirb bereitet, inbem eine Unge gepul»erter Kofenblätter mit gwei Ungen Kofenwaffri: x)eix) gemifefet wirb unb baim mit ßeben Ungen weißen 3uder unb gwei Ungett gereinigten Honig in einem marmornen «Körfer gufammengeßoßen wirb, bis «ilües wofel gemifefet iß. Das Kofenfonfeft wirb meifteitS gebraucfet, um mit anberen ©oefeen eine «Pittenmaffe gu formen. «Kan fann es in allen. Slpotfeefen laufen. ©acH'baum, ©e»ebaum — (Sat: Juniperus Sabina, Sngl.: Savin).— Ziti iß eilt immergrüner ©trauet) ober fleiner ^Baum, eint Sebemart, welcfee »ott fjjcfes bis fünfgefen guß feoefe wirb unb in Suropa eintjeimifefe iß, jebocfe in Sanaba unb einigen Sfeeiten ber nörbtidjen ©taateit wilb wädjß. Die fleinen tjaarigen SBlätter unb Snbett ber Slefte werben als «Kebigin gebraucfet. SWeb ig i tttf dje Sigenfcfeaftett unb ©ebrauefe. — ©eoebaum iß ein ben «Konatsßuß beförbernbes unb abtreibenbes «Kittel; ferner ift er feamtrei* benb, fdjweißtreibeitb unb wurmabtreibenb. Sr wirb meißens angewanbt, um bie monatlicfee Keinigung wieber feergußeüen. Vorficfet muß hei bem ©ebraudj, nament liefe bes DeleS, welcfeeS meißens angewanbt wirb, beobaefetet werben, ba es bei großen ©oben uttb gu lange fortgefefüer Slnwenbung letdjt Sntgünbung bes «KagenS unb ber (Singeweibe feeroorruft. Dos ©eoebaumöt iß ein ätfeerifdjeS Del, weldfeeS burctj bie Deßittatioit ber 3t»eige bes ©eoebaumeS gewonnen wirb, ©einer fleineit ©abeit wegen wirb ti jejjt am meißen angewanbt Die gewöfenlidje (Bähe beS Dels bei unterbrüdtem «Kottatsfluß ift fecfes Sropfett auf ein wenig 3uder, gwei* bis breimal täglicfe. Ss fann auefe mit Kamfarn* unb amerifanifefeem «Poleiöl für benfelben 3roed »erbunbett unb in ©aben oon fünf bis gefeit Sropfen gweimal tägtidj genommen werben. Das ©eoebaumöt wirb feäußg gum Stbtreiben ber grudjt in ©abeit »on gefen bis fünfgefen Sropfen, gwei* bis breimal täglid) angewanbt unb ift eins ber ftdtjerßen SDUttet für biefen ßwed; aber wenn es gu lange fortgefe^t wirb, fantt es leicfet Sntgünbung bes «KagenS unb ber Singeweibe feeroorrufen. Die (Babe ber Vlätter in Puloerform iß »on fünf bis getjn ©ran, breimal tägtiefe ; bie (Babe bes SlufguffeS ber Vlätter unb 3wetge iß »on ein bis gwei Ungett. gemer wirb es oft mit mart lanbifefeer ©pigelienwurgel uub ©eimeSblättertt gegen SBürmer angewanbt. Safran — (Sat.: Crocus Sativus, Sngt.: Saffron). — Der ©afran ift eine »ofelbefonnte ©artenblume, wtldjt in ben ©arten biefes SanbeS tfeeilweife als 3ierpßange, ttjeilwrife ttjrer mebtginifdjett Sigenfcfeaftett wegen angebaut wirb. Die Slunten, welcfee man gebraust, ßnb oon wunberfdjötter tief*gelber ober Drangen* fatbe. SKebtgtttifdje Si g ett f cfe afte it unb ©ebrandt). — Der ©afran iß fötoeißtretfeenb unb ben «Kottatsfluß beförbemb uttb wirb meiß für «Kinber in ber foxm »on Sfeee ober Slufguß angewanbt, wm bie Hauptttjätigfeit gu beförbern unb int bei Vlattern, «JKaferit imb bergleidjen eine »otte Sntwidelung bes Slusfefelages 790 «Kebtglntfo^e © ewäd) sfu nbe juwege gu bttngen. gemer wirb er gebraucfet gegen franffeafte monatlicfee Kelni- gung, Vleidjfucfet, Krämpfe, weide »on ber ©ebärmutter feerrüferen (hyateria) unb fo roeiter. Sr bilbet einen Veßanbtfeeil oon „Veodj's ©uborißc Trope." Sr fonn beliebig in warmem Slufguß aitgewanbt werben; in Jinftur (weingeißigem Sfutfjuii) in ©aben oon einem bis gwei ober brei Sfeeelöffel oott. Sr iß in allen Slpotfeefen ut feaben. 3art,P — (Sat: Sago Palm, Sngl.: Sago). — ©ogo iß eine Sitt gtobeS, Förniges «Puloer ober ©tärfe, welctje »on bem «Karle ber ©ogo=«Palme (Sagusltum- phii), welcfee in ©umotra, «Katacca unb auf ben benodfebarten 3ttfeltt wäcfeß, gemadjt wirb. «Kan ßnbet ben ©ago in allen Slpotfeefen unb «Katerialwaorenfeonb- lungen (©rocerieS) biefes SanbeS. «Kebiginifcfee Sigenfcfeaftett ttnb ©ebrauefe. — ©ago tß ein naferfeafteS SinberungStnütel unb wirb fefer »iel gur Vereüung oon Pubbingen »er« wanbt; er iß ein fefer nüfdidjer unb angenefemer Slrtifel für .Kranfe, wenn er in ber gorm »on Vrei ober «Pubbing gubereitet wirb. Sr wirb auf biefelbe SBeife wie Sapioca angewanbt. ©ago muß fo lange gefoefet werben, bis er gong unb gor erwekfet ift. Sin ober gwei Sßlöffel »ott ©ago, tn einer «Pinte SBaffer ober «Kitcfe gefoefet, ift feinretdjenb unb fann mit 3uder »erfüßt unb mü «Kusfatnuß, 3intmet obei anberen angenetjm*aromatifdjen ©adjen, wie SBeiit ober bergleidjen, fdmarftjaft gemadjt werben. Sr ift ein auSgegeidjneteS, naferfeafteS, unfdjäblidcS Kaferung«« mittel für .Kranfe, ©cfewädfeticfee unb ©enefenbe, auefe «Kinber effen ifen gern. Sr iß bri UnterleibSfranffeetten befonbers empfefelenswertfe. 3n Dswego, Kew*p)orf, unb nafee Dttawa, StttnoiS wirb ein Slrtifel oon «JTcaia- ßärfe bereitet, welcfeer „Som goob" genannt wirb. Ss ift bieS eine Slrt grober ©tärfe, weide man für Pubbinge unb Kaferung für «Kranfe für beffer als 8aa,o unb Sapioca feält, ba genannter Slrtifel fowofel fefemadtjafter, als naferfeafter iß. 3alöCt — (2«t.: Salvia Officinalis, Sngl.: Sage). — Die ©aloei iß ein wofelbefanntes, mofelriedjenbeS, aromatifdjes Mxaut, welcfeeS in atten unferen «ftücfeen« gärten angebaut wirb, ©ie ift gu wotjl befannt, als baß ße einer näfeeren Vefajrei- bung beburfte. «Kebiginifcfee Sigenfcfeaftett unb ©ebrauefe. — Die Vlättet werben als Slrgnei gebraucfet} neben bem großen SBertfe, welefeen fte alsÜüdenfraut feaben, finb ße eines unferer wertfeöottftett unb guoerläfßgßen Slrjneimittel. 3ie follten oiel feäußger angewanbt werben, als es ber gatt ift, unb bies würbe ouefe gefcb> feen, wenn ifere guten Sigenfcfeaftett mefer befannt wären, ©aloei iß eins unferer beßen fefeweißtreibenben «Kittel; ße ruft eine Sfeätigfeit ber Haut feeroor, ofeneben DrganiSmuS im Slttgemeinen gu ftimuliren; ße beförbert audj ben Auswurf ber Vruß, ift gufammengiefeenb unb etwas ßärfenb (tonifefe). Sin warmer Itjee »on ©aloei, beliebig getrunfen, ift ein auSgegeicfeneteS «Kittel für Srfältungen, unter- brüdte HautauSbünßung, Hufteit unb ein füfetenbes unb fefeweißtreibenbes ©etrant bei giebern. ©ie ift ferner fefer empfefelenswertfe bei wetjem Hals unb Vraunt, wobei ein ftarfer Stufguß genommen unb ber Hals ebenfalls tjäuftg bamit gegurgelt werben muß; bei gefäferlider Vräune unb wefeem Hals im ©cfearladßeber unb ber- $lexd)en, follte eine Hanb »ott ©aloei in ©dfemalg ausgetoefet unb, wenn fem- ober «pflangett*Slrgneimtttellefe, re. 791 teicfeenb folt, itt Stjeelöffel* bis Sßtöffetgabett gelegentlich b. tj. brei bis »iermal tagtiefe, gegeben werben, ©ie wirft in foldjett gälten faß ats ein ßdjeres «Kittel. 3u gleicfeer ßeit fottte man ben Kaden unb ben Hals bamit wafdjen; uitb ttod beffer wirft bas «Kittel, wenn man befeufs äußerliefeer Slnwenbung etwas ©aß> haiöl feütgufügt 3n atteit gälleit »on eitembem, wtl)tm baU unb «Kunb ift ©al- le! eitt »orgüglicfeeS «Kittet; in folefeen gätten fottte fte mü Sfßg auSgegogen unb ein wenig Honig, Sllaun unb Vorar fotttett b,ingugefügt werben ; bie Hlngufugung »on ein wenig ©etbwurget unb ©umadjbeeren ober Kinbe madjt ße nocfe wirffamer. Die oben befeferiebene «Kifdjung mag alsbann beliebig als ©urgelmittel benufct unb »on 3eit gu 3eit fann etwas baoott feiituntergefefeludt werben. SBenn Seute Im erßen ©tabium »ieler «Krantfjeiten, befonbers gieber, »or bem ©djlofengefeen reefet oft warmen ©oloeüfeee trinfen, bann gu Vett gefeen unb ßdj tüdjtig einwidetn unb einige gewärmte ©teine in'S Vett legen wollten, worauf ße tüctjtig fdjwitiett Würben, unb wenn ße bann nod) — wenn nottjwenbig — ein gutes pflangltcfeeS Slbfüfermittet netjmett, fo würben ße baburefe bie meißelt «Krattlfeeitett im «Keime etfttden unb ßdj baburefe lange «Kranffeeitett, »iele Unfoßen, »iefe gefäljrlicfee tmb unangenefeme golgen erfparen. 3ebe gamilie follte eine gute «parte ©al»ei im Haufe fealten. (§antÜel — (Sat: Sanicula Marilandica, Sngl.: Sanicle, Black-Snake Koot, Iudian Sanicle). — Der ©attifel ift eine itt bett nörbtiefeen ttnb mittleren ©taaten, in Kieberungett, bie »ott Vädtjen burefefefenitten werben, unb fettem, nieberem Hocfe* (anbe unb Didicfetett oorfommenbe «pßange. Sr wirb oon einem bis gwei guß fjoct), feat einen glatten, gefurdten ©tiel unb fünf quirlförmig ßeljenbe Vlätter, bie auf langen, fefetanfen ©tengeln ßcfe beßnben, fowie einige wenige weiße ober feeltgelb* liefee Vlumen; bie SBurgein ftnb flein, faferig unb fefewarg. «Kebigini fefee Sigenfcfeaftett unb © e b r a u cfe. — Der ©anifel ifl neroenftärfenb, femer leicfet gufammengiefeenb, fdjweißtreibenb unb fcfemergftittenb. Mi tin neroenßärfenbeS «Kittel iß er ber Vatbriatt* unb VenuSfcfeufewurgel fefer äfenlicfe. Sr wirb »ott bem Saitbüolfe in »ieleit «plä^ett ats eitt «Kittet gegen wefeen ^aü, feäutige unb anbere Vräune unb gegen faltes ober SBeefefelßeber angewanbt; er wirb ebenfalls gegen Veits Sang fowotjt, als gegen »erfefeübene anbere Kernen* franffeeiten empfoljfett. «Katt fagt ferner, er fei ferilfam bei Kufer, weißem gtuß unb Vlutßüffen. Sr wirb metßenS in Slbfocfeung ober ßarfem Sfeee in ©oben »on fealben Soffen, brei* bis üiermaf tägiidj, gebraudt; bü (Babt ber geouloerten SBurgel iß oott einer tjalben bis gu einer Dracfeme. Sr wirb bei ben 3nbiattem als eitt «Kittel gegen ©efelangettfeiß angewanbt, bei welcfeer ©elegenfeeit er feäußg in Sifeto* ttjung genommett wirb nnb bie SBunbe unb bie gefdwotteneit Stjeile gu berfelben 3eit bomit gewafcfeen werben. Der Sljee, feäußg getrunfen, ift ein guoerläfßges «Mittel bei atteit gewötjnticfeeit giebern. ©atfapatiürt — (2«t: Smilax Officinalis, Sttgl.: Sarsaparilla). — Die ©arfaparitta ift ein ßraucfeartigeS, früdjettbeS KanfeitgewäcfeS, wetd;eS in «Kerito, ©übamertfa unb anberen Sfeeilen ber SBelt wilb waefefettb gefuubett wirb. Ss gibt »erfcfeiebene Strien ©arfaparitta. Diejenige ©orte, welcfee oon Honburas fommt, toirb für bie beße gefeattett unb wirb itt biefem Sanbe am meißen gebraudjt. Die Burjel iß ber anwenbbare Sfeeil nnb fann itt allen Slpotfeefen gefawft werben. 792 SJlebiginif dt) e © e w ä d) S f unb e «Kebiginifcfee Stgenfdjaften ttttb ©ebraud- — Die ©aifapa* rittawurgel wirb für ein wettt)»otteS Sllüratlo gefealten, inbem ße bas Vlut unb ben DrganiSmuS im Sittgemeinen reinigt, ofene babei einen bemerfbaren Sinßuß auf bit Slbfonberungen ober Stjätigfeiten beS «Körpers gu äußern, ©ie iß ein woblbcfann- ÜS «Kittel als Stlteratio; jebocfe iß es febr gweifelfeoft, ob ße beffer iß, als einige unferer eigenen «Pßangenmtttet, wie «Kletünwurgel, 3Bolb=Stillingia uttb canabifdje «Konbfamenwurgel (Yellow Pariila), ©ie wirb in ber gorm oon Slbfocfeung ober in ©pruporten, meißens in Verbinbung mü anberett Sllteratioen, bei tonßitutic nettett «Kranffeeiten, wie »enetifcfeer «Kranffeeit im gweiten ©rabe, ©fropfeeln, glei- ten, Hautfranffeeiten, KfeeumatismuS, bei unreinem Vlut unb bei allen franftjaften 3ußänben beS Körpers angewanbt. Die (Babt ber Slbfodung ober bes ©prups tß »on einem tjalben bis einem SBeinglas oott, gwei* bis breimal täglicfe. tfee Unge bes trodenett «Krautes auf eine «pinte foefeenben SBafferS. Veim ©ebrauefe gegen neroöfe unb fpaSmobifcfee Seibett iß eS gut, es mü gleictjen Sfeeilen ber grauenfdjufe* tourgel gu oerbinben. Vei giebern fatm es mit fdjwrißtreifeenben «Kräutern, wie ßa|senmünge, ©aloei, amerifanifajem 3fop u. f. w. »erbunben werben. Den Sluf* 0u$ fantt man entweber falt, ober warm trinfen. Sin Slufguß »on feitenbfubm* tem ©efeilbfraut mit «Kutterfraut, Vrombeerwurgetfraut (Fever-Few) unb Venus* fajufe, gu gieiefeett Stjeilen gemifefet, iß ein auSgegeicfeneteS «Kittet für Veüstang, t»enn booon ungefähr eilte «pinte täglicfe, genommen wnb bas Srinfen mefeje Sage 796 «Kebiginifdfee © e w ä cfe, slunbe fortgefetü wirb, ober fo lange als notfewenbig iß, um bie «Kur gu pottenben. Tai feitenblüfeenbe ©efeilbfraut wirb oon «Kancfeen für ein ßdercs Witte! gegen Raffet- fcfeeu ober ben Viß totter Hunbe gefealten bei welcfeem 3ußonbe es feäußg in ftarfttn Slufguß getrunfeit werben follte. Ss tß in atten Slpotfeefen gu tyaben. utn#ettttmr$el, fefewarge, fefewarges SB angenfr au t —(Sat.: Macrotys Racemosa, Sngl.: Black Cohosh, Black Snake Root, Sfanrt,Ctt}tMr:cI, »irginifdtje — (Sat: Aristolochia Serpentaria, Sngl.: Virginia Snake-Root). — Virginifcfee ©cfelongenwurgel iß ein deines «Kraut ober eine fleine Pßange, welcfee in fettem, fdjatttgem Voben wäcfeß unb überall in ben Vereinigten ©taaten oorfpmmt ©ie wirb gefen bis gwangig 3°tt feoefe, feat einen büntieit, gegtieberten ©tengel, »on bunfetrottjer • garbe nocfe bem Voben gu, bat abwecfefelnb ßefjenbe, länglidfee, lattgenförmige Vlätter, welcfee ungefäfer brei 3o0 lang unb einen 3ott breit unb »on feellgrüner garbe ßnb. Die Vlumen ßnb »on bunfelbrauner garbe, gätj unb waefefett auf furgett ©tengeln, welcfee »on bet SButjel ausgetjen, fo baß ße meißens biefet auf bem Voben liegen unb bisweilen unter ten Vlätüm »erßedt fmb. Die SBurgel iß Heilt, faferlg, bunfelbraun, bat einen ßarfen, aromatifdjett unb attgenetjtnen ©eruetj unb einen warmen, bltterlicfeett unb ßeefeenben ©efdmad. ©ie wirb leicfet burefe itjren ingwerartigett, aromatifefeen ©erucfe erfannt. «Kebiginlfdje Sigenfdjaften nttb © e b r a u et). — Die SBurjel ui fcer als «Kebigin gebraudfeü Stjeil unb iß ein anregenbes, fcfewrißtretbettbe«, featn- rver pff angett*3lrgtteimittelletjre. 797 iretbenbeS unb ftärfenbes «Kittet, ©ie wirb meißens in warmem Slufguß ober Sfeee aU ein kfeweißtretbenbes «Kittet angewanbt, befonbers bei giebern unb StuSfdjlagS* franffeeiten, wie «Käfern, Vlattern unb bergleidjen. Sin falter Stufguß iß gut bei fcfemerer Verbauung unb iß ein wieberfeerftettenbeS ©tärfungSmittel bei ber ©ene* funa, »on anftedenben giebern; femer iß ße gut in ber gorm »ott „VitterS" in Ver* funbung mit anberen bitteren ©tärfungSmittetn. Die (Bäht beS PuloerS iß gefen bis jroangig ©ron breimol täglicfe; ber Sinftur (beS weingeißigen SluSgugeS) ein bis jtvei Sfeeelöffel oott. Der Slufguß fann feäußg unb gwar warm, um &d)weiß b,er* »oriubrittgett, unb falt, um gu ßarfen, getrunfett werben. ©dmccüall, pftaumenblätter iger, ©cfe wargbortt — (Sat: Vibur- nUm Prunifolium, Sngl.: Black Haw). — Dies iß ein Heiner, bufcfeiger Voum, »elcfeer fünfgefen bis fünf unb gwangig guß feoefe, wirb unb in faß allen ©taaten bet Union oorfommt Sr trägt Heine, wenn reif, glängenb*fctjwarge Veeren, »on angenefemem ©efefemade, welctje in Vünbeln »ort ben Steigen feerabfeängen. SBeim Sffen ber Veeren fottten bie «Kerne forgfältig »ermieben werben, ba biefelben Verftopfung oerurfaefeen. Der Vaum iß gu wofel befannt, als baß er einer näfeeren Vefdjreibung beburfte. Webiginifde Sigenfdjaften unb ©ebraudj. — Die Kinbe bet SBurgel wirb als Slrgneimitül gebraucfet. ©ie wirft onregenb, gufammengiefeettb, »trbeffert bie ©äfte, ift feamtreibenb unb wirb meiß iit Slbfocfeung ober ftarfem Jfeee angewanbt. SllS ein anregettbeS, gufammengiefeenbes «Kittet iß fie befonbers empfefelenswertb bei oeraltetem Durdfatt unb langwieriger Kufer. ©ie iß mit S^ett ba anwenbbar, wo eine grüfegeburt brofet; namentlicfe, ift ße feeitfam für grauen, weldfee gu grüfegeburten geneigt finb. ©ie fefeeint befonbers onregenb auf bie ©ebärmutter einguwirfen. 3« gäüen, wo grüfegeburt ftattgefunben feat/ ober bodj bie ©efafer bafür »ottjanbert ift, follten ein ober gwei Sßlöffel »ott, je naefe ber Starte ber Slbfocfeung ber Kinbe ber pflaumenblätterigen ©djneebattwurget, gwri* bi* breimal täglicfe genommett werben. «Kandje grauen ftnb gu gewiffen 3eiten ber ©efettjangerfdjaft gu grüfegeburten geneigt, befonbers wäferenb bes britten unb »ier* ten «Konatd. SBo biefeS ber gatt fein fottte,- wirb matt gut tfeuu, bie Slbfocfeung einige SBocfeen oor unb ein paar SBocfeen nadj ber ßtit ber erwarteten grüfegeburt ober felbft wäferenb ber gangen ©efewangerfefeaft gn gebraucfeen. Die Slbfocfeung luirft ebenfalls gegen bie fogenatmten Kacfewefeen. gemer feat ßctj bie Kinbe Wirt* fam gegen Hergflopfen gegeigt Die ©abe ber Slbfocfeung ift etwa gwei Sßlöffel »oll, breimal täglicfe; bie ber Sinftur ein bis gwei Sfeeelöffel »od; nnb bie bes «PuloerS jttanjtg bis breißig ©ran ober ein fealber Sfeeetöffel. Die Slbfocfeung ober ber Sluf* 8«fj iß ßets oorgugüfjen. fy&tofeli taut, marptättbifcfeeS — (Sat.: Scrophularia Marilandica, ßngt.: Carpenter's Square). — Das ©djrofetfraut iß ein gewöfentidjeS Unfraut roeldjeö faß im ganjen SBeften ooriommt uttb brri bis fünf guß fjodj wirb; es wädj[l an SBegen, in »ertaffenen gelbern unb offenen SBälbem u. f. w. Ss feat einen auf* redjten »ieredigen ©tengel mit ©liebern, aus weldjen gab, Ireiefee 3weige ber»orfdjüßett, toelcfee mit bem ©tengel betnafje einen reefetett SBinfet bilben. Die Vlätter fließen «tfbem alfo geformtett SBittfel t)er»or. Die Vlumeu ßnb »on grimlidj*»toüttet farbe. Die Pßange fantt triebt an bem »ieredigen ©üngel erfannt werben. 798 «Kebigintfdje ©ewätfestunbe «Kebigintfdje Si g e tt f djaf ten unb ©ebraudj. —Die SButjel unt Vlätter ßnb brauchbar. Sitt Slufguß ober Sfeee oon ber SBurgel iß ein ausgejticfe. netes «Kittet gegen unregelmäßigen unb fcfemergfeaften «Konatsßuß. ©ie wirb eben. falls mit großem Srfolg für bie Keinigung ber «Kinbbetterinnen, wenn biefelbe gu fdjnett aufborte, gebraudjt, baS ferißt ber notfewenbigen Vlutentleeruttg, weldje naefe ber ©eburt beS «KinbeS ßattßnbet 3n atten folefeen gätten follte oon bem flufgujft tüdtjtig getrunfen werben. Die SBurgel iß feamtreibenb, alterirenb unb frampfßiffenb unb wirb in JOaffer. fudjt, Drüfenfranf feeiten (©fropfeeln), bei Seberfronffeeiün, in «Kranffeeiten ber Haut unb atten Unorbnungen beS DrüfenfpßemS im Slügemeinen für wirffam gefealten. ©egen SBafferfucfet fottte ße in gorm oon Sfeee ober Stufguß, als ein Sllteratl» follte ße bei Drüfen* unb anberen fonßitutionetten «Kranffeeiten in ber gorm oon ©ptup, meißens in Verbinbung mit anberett bie ©äfte oerbefiemben «Kitteln, gebtauajj werben. Die Vlätter, entweber frifcfe, ober gerquetfefet, ober, wenn ße troden ßnb, in warmem SBaffer erweiefet, ßnb feeilfam, wenn ße ouf SBunbett, Quetftfeungen unb atte ©efdjwüre gelegt werben; man fann ebenfalls rine auSgegeidjnete Heitfalbt gegen aüe Strien oon ©efdjwüren aus ifenen madjen, inbem man ße in ©djwtincfttt ober frifefeer Vutter mit etwas SBadjs foefet ^>eneaatDUt^el — (Sat.: Polygala Senega, Sngl.: Seneca Snakeroot). — Diefe «Pßange ober biefer ©trauefe wäcfeß In oerfdtjtebenen Sfeeilen biefes SanbeS. ©ie iß nur Heilt, trumm uttb ßrauefeartig, wirb getjtt bis fünfgefen 3»tt feoefe, feat fcfeöne feettgrüne, ein bis gwei 3"H lange tmb einen fealben bis Dreiviertel ßtU breite Vlätter. ©ie feat nur wenige Heine, weiße Vlütfeen, weldje gwifdjen 3uni unb Sluguß feerausfommen. ©ie wirb meißens in ben füblictjen unb toeft« licfeen ©taaten gefunben. Die SBurgel, welcfee man als Slrgnei gebraudjt, iß gewöfenlicfe gwei bis brei 3"tt lang, oon einem Viertel bis gu einem fealben 3"fl im Durefemeffer, läuft naefe bem Snbe fpij} gu unb iß oon unregelmäßiger gorm. KingS um bie SBurgel beßnbet ftd eine Strt »ort geringeltem Höder, äfenlicfe wie bei ber ©infettgwurgel. Die frifdfee SBurgel feat einen eigentfeümlidfeen, efelfeaften Be- rnde) unb einett etwas füßtidjen, fcfeleimigett ©efefemad. SBenit matt ße itt ben «Kunb nimmt, fo folgt balb ein ßedfeettber, fcfearfer ©efdjmad, unb ein oermetjrter gluß beS ©peidfeels tritt ein. Der mittlere Sfeeil ber SBurgel ift feart unb feolgig. «Kebigittifdje (Sigenfdjaften unb ©ebrauefe. — Die Senega- würget iß ein anregenbes, bett SluSwurf ber Vruß beförbernbes, waffertreibenbe* «Kittet; ferner iß ße emmeitagogifd) imb in großen ©abeit bredfeenerregtnb unb obfüferenb. ©ie wirb meiftenS angewanbt, weil ße ben Sluswurf ber Vruß bei §xx> ßen, Srfältungen uttb SuttgeitfrattHjetten beförbert. ©ie wirb femer bei tjäutiger Vräune, Sngbrüßigfeit unb ctjronifdjer VrondjitiS für tjeilfam gefealten. gertter iß ße gut in Verbinbuitg mit anberett emmenagogifdjen «Kitteln bei unterbrüdrem «JJconatsftttß. ©ie iß ferner mit Kuweit iit gäüett oon ctjronifdjer «SBafferfucfet m der gorm »on Slbfodfeung angewanbt worben; eine Unge ber geüodneten SBntjtl wirb mit einem Quart SBaffer bis gu einer Pinte eingefodjt unb bann in S§foffel> gaben atte ©tunbe gegeben, bis SltteS genommen iß; wenn nötfeig, wüb »otbet ritt Vredfemittel gereiefet Die ©enegawurget iß riner ber Hauptbeßanbtfeeile Ui ober «pflangett*Slrgtteimittetteb,re. 799 betüfemten „Hüe ©prups," eines fetjr beliebten «Kittels gegen fjäutige Vräune. Die ®abe beS SlufguffeS iß ein fealbeS bis ein ganges SBeinglas »ott ; bie ber Sittf* tur ein bis brei ober »ier Sfeeelöffel »ott unb bü beS «PuloerS »on getjtt bis brei* £ig ©ran. Stettf, weißer unb fdfewarger — (Sat.: Sinapis Alba unb Nigra, Sngl.: Mustard). — Ss gibt in biefem Sanbe gwei Strien »on ©enf, ber weiße unb ber fdjrcarge. Der efattt/ tttbifdjer—(Sat.: Sesamum Indicum, Sngl.: Benne Leaves). Der ©efom iß eine «Pßange DßinbietiS, wirb aber audfe in ben füblidjen Vereinig. ten ©taaten in ©arten gebaut Sr wirb »on gwei bis oier guß Ijodfe. «Kebiginifcfee Sigenfdjaften unb ©ebraudj. — Die Vlätter Ut ©efam, weldfee attein tn ber Slrgneibereitung gebraucfet werben, entfealten fdfjleimige, gummiartige Veftanbtfeeile. «Kit SBaffer übergoffen, geben ße einen angenefemen, nafertjaften, feeilenben ©cfeleim, welcfeer bri Unterteibsfranffeetten oortrefßidfe wirft. 3u biefem 3r»ed tfeut man gwei bis brei frifdje Vlätter in ein featbes Cuart falten SBafferS, unb, nacfebem biefe «Kifcfeung furge 3eü geftanben X)at, iß ße jum ©ebrauefe fertig. Der ©efeleim, weldjer ßcfe auf biefe SBeife bilbet, ift ein unfctjäbliefeeS «Kittel, welcfeeS naefe Velieben genommen werben barf. 3m ©üben werben bie ©efamblättei oft gegen ©ommerfranffeeit ber Ainber, Durdjfatt, Kufer unb anbere berartige «Hranf> tjeüen ange"wanbt Der ©efam wirb auf's wärmße oon ben attgefefeenßen Sltrjten empfofeten. 3dj Xjaht ifen überall auf ben weßinbifefeen 3nfeln unb in allen warmen Sänbern bei UnterleibSfranfljeiten anwenbeit fefeen. gür Saufenbe ßnb biefe Vlätter wofeltfeatig gewefen, unb leb, fantt ße ats ein feötfeß fdjäi3ettswertfees «Kittel in ben obengenannten «Kranftjeiten, bie ben «Kinbern namentlicfe im ©ommer fo gefäfer- liefe werben, empfefelen, Sluefe Srwadjfenen werben fie in atten UnterleibSfranffeeiten »on großem Kuweit feitt. «Kinber trinfen bas SBaffer, in weldjem bie ©efamblättet eingeweiefet werben, ob. ne nur ben geringßen unangenefemen ©efdjmad ober ©erucfe gu etübeden. Der ©efam wäcfeß in ben ©arten beS ©ärtnerS SBitfon in fiouis« »ille, «Kentudp, unb fann in irgenb einem Sfeeile ber Vereinigten ©taaten ange- pßattgt werben. Diefer tjödjft wertfeöotten Pßange fottte, iferer »ieten guten (Eigen- fcfeaften wegen, befonbere Slufmerffamfeit gefefeenft werben. ^ilplyie, b ur cfe wadj[[tnt — (Sat: Silphium Perfoliatum, Sngl.: Indian Cup Plant, Itagged Cup). — Diefe «Pßange wirb burefe bie gongen roeft* licfeen ©taaten gefunben. ©ie wäcfeß auf fettem, fladfeem Uferlanbe (bottom lands;, feot einen großen, glatten tantigen ©tengel, ber »on brri bis fecfes guß feod wirb. Die Vlätter ftnb groß, aefet bis gwölf 3ott lang unb »ier bis fecfes 3ott breit; |ie wadjfen paarweife unb gwar fo, baß ße bie gorm eines VedjerS bilben, bafeer aud) im Snglifdfeeit ber Käme Ragged Cup. Die Vlumen ßnb gelb, wadjfen um eine tun* feifarbige ©efeeibe, ätjnlidj einer Keinen ©onnenblume. Diefe Pßange wirb juroet« Jen Wild Sun-flower genannt, namenttidj btejenige Slrt ber Sttptjie (Silphium No. 1—Aloe—Page 791. «Joe—©eite 686. No. 2—Aconits— Page 789. Sifenfeütlein, Sturmfeut—©tut 719. No. 8—Aknica—Page 793. »ofoerlei—©eite 827. No. 4—Batberuy—Page 799. l-<2tite 727. No. 5—Belladonna—Page 800. SeÖaoonntt, SoDfüftrje—©eite 699. No. 6—Beth Boot—Page 90t. fturj&lotürige8 fcrciblott-» 717, No. 7—Black Cohosh—Page 804. No. 8—Blue Cohosh—Page 813. @rJlann.entiMr$cl, ftfetoorjc—©eite 796. 2Büfettrauten»@tammMaü—©eite 824. No. 9—Bitter Root—Page 802. HjiMUnunt, rofenrottjcr—©citc 690. No. 10—Bitter Sweet—Page 803. »iticrfü,)—©eite 702. No. H—Black Root—Page 807. 8tr|iniftfeer ß$reuj>rei$—©eite 718- No. i2~BLV0KBERRY—Page 809. S8rombcerenf!ro«tfe—©eite 706. No. 13—Blood Boot—Page 811 »lutiourjel—eette 703. No. ±&—Blue Fla 0—Page 814. ÖafotMS, blauer—©etfe ?U. No. 17- -Wild CATUi/jr-—P/ige 823. IKöfere, füUit Äu&e—©«*« ,rj. No. 14—BAKBii»:?»—Parw? 7tW $KScr»$en--©eile 7l*> No. 16—Boshsbt—Page 815. 25affetf>ofl, buftfewutfefener-sciit 817. No. 18—Catki.»—Page 823. ött^enjnfinje. Beweine—©ei* 747. No. 19—Bürdook—Page 817. «feite—©eüe 760. No. 20—Centaurt—Page 826. ©Sitente—©eile 713. No. 21—üäamoxtls—¥%«5« 826. ÄtiftiEe—©eite 744. No. 22—Cottcw Plant—Page 885. gJanmöioße—©eite 697. No. 23- Crcton Oil—Page 837. grotonöl—©ctte 716. No.. 24—CüBEBs^-Page 887. «tttBeöen-eeite 757, No. 26—Coloctnth—Page 831. No. 26—Colombo (American)—Page 832. ftofotiuutten—©eite 752. «mer«. CoItttitiotnu«el--©e(te,713. No. 27-—Catenne Pepper—Page 824. No. 28—CoixrncüM—Page 880. gatjcnnefcfcffer—©eite 708. Seitlefe, gerlifljeitiofe—©eilt 828. Na 20—Com fret—Page \ »eintourj—©eite 698. No. 80— Conto*—Pag« 838. €St$ierli»fl-©tttt 794. No. 31—Dandeliov—Page 839. fiötoenjatjn—©ettc 765. No 32—Digitalis—Page 841. SMngerljul—©eite 725, No. 33—Elder—Page 843. No. 34—ERiGERON-r-Page 845. glicier—©ette 726. »erttfunglfroat, conabiftt)e$-^©ette 700. No. 35—Gamboge—Page 848. No. 36—Geranium—Page 860. ©umntirtntt—©eite 733. «ftrimit$fd}nafiel, ßefletfter—©fite 755. No. 87—Gisskng—Page 851. ®tnfeng—©eite 732. No. 39—Grape-vine—Page 853. SBein—©eite 820. No. 88—Golden Seai—Page 862. ©elbtourjel—©eue 73a No. 40—Groün» Iyy—Pago 856. ©unJücrmann, ©nnbelreSe—©ritt 734. No. 41—Hoabhoükd—Page 86a No. 42—Hobskhint- Page 869. «obnro, toei§er-©eite 689. ©ejleitte Konarte, «o§tnnaj<-@w 770. No. 43—Hyosciamus—Page 860. Silfenrro?ti—©rite 701. No. 44—Indian Atlrow—Page 861. ©ttnfeltotljcr <^J)is3)eil&a«!!B"©ettc 803. No. 45—Inman TuRHiP—Page 863. Kronemnrscl—©eite 694. No. 47—Jalap—Page 8( 3nfcltöe- ©efte 739, No. 46—Ipecacuanha—Page Srettjtourjel—©eite 705. No. 48—Jerusalem Oak—Page 866. ©8nfcfM&-©Hre 729. No. 49—Lady's Slipper—Page 868r No. 50—Laurel—Page 869. SBenuSfdjulji, grraucnfdjut)—©eite 727. «ftalntte, orcitbliittcrige—©eüt 743. No. 51—Liverwort—Page 871. Sebcrlraut, BreilnJungcS—©eite 759. No. 52—I.ohelia—Page 871. Jiobclienfraut—Seite 761. No. 63—Lobelia, Blue—Pnge 876, 6ortinttl»öo6elie—©eitt 760. N0. 54_Marsh-Mallow—Page 878. Wtr)ee, ««W-Srite6R7. Ne. 55—May Apple—Page 879. Gntenfnfc, fDtaiapkt—<$titt 721. No. 57—Milk Weed—Page 882. tyocljnnm, rofenrotljcr—©ttte 690. ii?§^W No. 56—May Weed—Page 881. »nttjemis, #unfcc*r fjnn&cfomiu'e—©eite 690. No. 68—Mustard—Page 884. ©enf, toeifjet un}) ft^innrjer—©eite 799. No. 69—Opium—Page 887. Onhmt—©fite 777. No. 60—Pennyroyal—Page 890. 3foJi, tttncrifnnifdjer—©Seite 742. No. 61— Pkpperäint—Page 890. $felfertnünj—©eite 781. No. 62—Plantain—Page 892. Sßcgerig, grojjer—©tut 819. No. 63—Pleurisy Root—Page 893. No. 64—Prickly Ash—Page ÄStlcJiiaS, Ittnflige, ©^töolbcntoutj—©eite 695. «fdje, ftadjUge—©ritt 724. No. 65—Pins Root—-Page 892. SjngeltentoUTjel— ©tue 803. No. 66—Poke Root—Page ftetraesbeeren, gemeine—©ritt 747. N0- 67—Rhubarb—Pnge 901. 8HHiliar&cr-©eit? 786. No. 68—Rose Willow—Page 902. #ortriegcl, fitUxoti)tv—<&titt 735. No. 69—SABeAFARiLLA—Page 9QG, Sarfttyttrißa—©eite 791. jf0. 70—Sassa*ra&—Page 906. Saffnfrnä—©rite 792. No.71—Skneca Snake Root—Page 90& ©enegoaurjel—©x»t< 798. No. 72~-~:.5;5raA™~-Page 908. ■ Bsun^Uttrv—^^ 789. No. 73—Skull Cap—Page 910. No. 74—Skunk Cabrage—rage 910. ©tfctlMraut, feitenblürjenbe«—©rite 795 gtotfas, fünren&er—Sritc 783. No. 75—Slippery Elm—Page tttmbautn—©eite 812. No. 76—£olomoh'b Seal—Page 012. •Smtlotine, frcnWge—©ritt 801. No. 77—Giant Solomox's -Seal—Page 912. Riefen Sutilorine—©eite 801. No. 78—Si>earmitt—Page 913. Ottünjc, grüne -6citt 772. No. 79—Sarsaparilla, AmerkaK— Page 906. No. 80—Star Root—Page 914. Sarfojittriütt, nmcrifanefetje—©eite 791. SllerriS, mehlige—©eite 685. No. 81—Stramonium—Page 916. Stedjanfel—©eitt 805. No. 82—Su mach—Page 918. ©urnndj, glättet—©ette 807. No. 83—Vervaix—Page 927. diferfjart—©eite 720. No. 84—Virginia Snake Root—Page 928, ©djlongentpurjcl, trirgintfdjc—©ette 796. Na 85—Valerian —Page 925. JBattrion—©eite 695. No. 87—Wateb Plantain—Page 92a Sßegeridj, Dtrjfänittger—©eite 819. No. 86—Veratrum—Page 926. Ätefetourj, gtünf—©eüe 775. No. 8£>—>Vh1TE PöND L) LY—PdgC 929. Pljjntpljäc, toobJricti)en&e—Seite 776. No. 89—Wild Indigo—Page 981. ®a$tiÜe, färbenöe—©rite 696. No. 90—Wild Ipecacuasha—Pnge 932 ©olfömUcb,, »reditturael—Suif bai. ober $flangen*2lrgnetmtttetle$re. 801 Gummiferum, Sngl.: Rosin-weed); welche auf allen weftltdjen tyxaixittn wädj[t. Die SBurgel ifl ber feetlfräftige Sfeeil; fie ifl groß, raufe unb frumm unb feat einen Warfen, ftarf^argigen, Gitteren @efd)tnad unb ©erucfe,. Der ©tengel ber Slrt ber Sonnenblumen, welcfee man in ben $rairteeit ftnbet, gibt, trenn er eingefd)nitten ober gebrocfeen wirb, eine Slrt »on feargtgem ©ummi »on ftcfe., welcfeeS »on feeiter Sltnbra* garbe nnb »on flarl bitterem ©efcfe. ntad ifl. SDiefeö ©umntirjarg wirb oft gefammelt, um ti inm Manen ju »erwenben, gleicfewte feurgunbtftfeeS tyed) ober SienenwacfeS. gjjebijt ntf d) e Sigenfdjaften unb (Bthxaudj. — Die SBurgel ift ftärfenb, feamtreibenb unb alterirenb. ©ie wirb »on bieten alö ein auSgegeid)= neteä Mittel gegen 3Bed)felftefeer in gorm »on Slbfodjung ober ftarfem Slufgufi ange* »anbt. man fyält fie ferner für ein gutes Mittel bei innerlichen Verlegungen, . Seberleiben nnb aU ein Sllterati» unb SBieberfeerftettungStmttel. 3n flarlem 3luf= gup, tjäuftg genommen, foll fte ein »orgüglicfeeS Mittel gegen »ergrößerte mili fein. Zit mebigintfcfeen Sigenfcfeaften beiber Slrten ©itpfeie ftnb feeinafee biefelben. Die ©abe ber Slbfocfeung ifl ein bis iwti SBetnglaS »ott, gwei* bis breimal täglicfe. Die spflanje wirb ebenfalls als „Sitters" angewanbt. ^{atnittPttUtttt — (%at.: Convolvulus Scammonia, Sngl. t Scammony). — Ziti ift eine in ©»rien einfeeimifcfee pflange unb lommt am meiflen auf ber Serglette, it>elcfee ftcfe üon Slntiodjten naefe bem Sibanon feinjiefet, ober ^aläftina, »or. «Kürg* lidj t)at man entbedt, bafj biefe wertfe»otle pflange auefe. in biefem Sanbe, unb gwar in Un wefttiefeen Jfeeilen ber ©taaten 9cew 5Jorf unb Dfeto, wilb wäcfefl; ja man nimmt an, tax) fte tuxd) ben ganjen SBejlen »orlommt. Die SBurgel ifl ber Stjeil, irelcfeer »erwanbt wirb. kebiginifcfee Sigenfdjaften unb ©ebrauefe. — Dies ifl ein toertrjöotfeS $urgati» unb fann mit Siftaiapfel, welkes im Sanbe als Slbfüfermtttel i)inreid)enb befannt ifl, »erglicfeen werben, liefet in Segug auf Slusfefeen, fonbern ^infiefettiefe. it>rer SBirfung auf bie Singeweibe ift biefe pflange bem Sftaiapfel äfenlicfe., unb wenn man [tX)x ftarf afegufüljren wünfefet, bann mifefee man fte mtt Sftaiapfel. Seuten, bie an 93erftopfung leiben, ifl biefes Mittel fefer anguratljen. Ss bringt bie Üe&er, wenn untätig, in Jfeätigfeit unb gibt ber £aut, wenn gelblicfe, eine beffere 3arbe; es ift ferner »orgüglicfe für SBafferfüdjtige unb für^inber, welcfee gefcfewotten ausfefeen, welche Strt beS SluSfefeenS Sßürmer angeigt. Ss ift nottjwenbig, anbere Mittel mit©famtnonium gu »erbinben, um «ftneipen gu »erfeüten, wie g. S. «ftorian= berfamen, ober eint «fttetntgfeit 3ngwer, ober ©ewürgnelfen, »orgüglicl) wenn es Äinbern gegeben wirb. Die (Bäht beS puloerS ifl aefet bis gwangig ©ran, welches |irei* bis breimal täglid) gegeben werben fann. ©fammonium lann in allen Sipo* tiefen in gorm eines feinen $ul»erS gefunben werben. «müaeme, traubige, ©alomon's ©iegel — (Sat.: Convallaria Racemosa, Sngl.: Solomon's Seal). — Die traubige ©milacine wirb ein bis brei Pf) |ocfe, l)at einen frummen ober gebogenen ©tengel, welcfeer Umftanb ifer ein togenförmiges Slnfeljen gibt. Die Slätter ftnb brei bis fedjs 3off. lang, abweefe. fetnb HtxiD, ben ©tengel umfaffenb, länglicfe/ unb gugefpi^t, bem unteren Snbe bes Stengels gu größer, bem oberen Snbe gu fleiner werbenb; bie Slumen pnb flein, JumliaVweifj unb Rängen unter ben Slättern; bie Seeren -finb fclafjrotl},, meifjj unb 51 802 Mebigtntf dj e © e w a dj 8 f u nb e purpurfarbig gefledt Ss ertfu'rt eine anbere Slrt, beren Seeren, wenn reif, bunfel« blau ober fdjwarg finb. Die traubige ©tntlactne wäcfefl auf frucfetbaren Jpügelab« Rängen, Ufern unb an Sänbern »on SBiefen. Die SBurgel, welcfee ber feeilrräftigt Xt)til ift, ifl weicfe, etwas fd)leimig unb »on füßetn, leibitterem ©efefemad. S3eibt Slrten ftnb in iferen mebiginifdjen Sigenfdjaften gleicfe. Mebigtnifdje Sigenfdjaften unb ©ebrauefe. — Die SBurjel ift fdjleimig=tonifcfe, mtlb=aftringtrenb, fefer tjetlenb unb wiebcrljerftetlenb. ©ic ifl fetjr wertfeoott gegen ©cfewädje ber grauen unb bei weiblicfeen Aranffeeiten, wie bei weißem gluß unb fdjmergljafter Menftruation. gerner ifl fie gut hei Sungenlciben, bet erreg» barem 3uftanbe bes Magens unb ber Singeweibe, bei golbener Slber unb allgemeiner ©djwädje. ©ie fann in Slbfocfeung, ©»rup, ober als Sorbial oft gebraucfet werben. Sei SraftpelaS (3tofe, 9tottjlauf), bei Vergiftung mit fogenanntem wilbem Söeitt unb auefe bei anberen #autfranltjetten fott eine Slbfocfeung ber SBurgel, wenn fie tjäuftg getrunlen wirb unb bie franfen ©teüen bamit gewafdjen werben, eine balbige jpeilung feerbeifütjren. Sommer tutir J, »trgintfdje — (Sat.: Epiphegus Virginianus, Sngl.: Beech Drops, Cancer Root). — Die ©otnmerwurg ift eine eigentfeümlicfee pflange, wenn fte überfeaupt fo genannt werben fann. ©ie ftefet metjr wie ein ©efewammge- wäd)S, als wie eine pflange aus. ©ie wirb unter Sudjenbäumen waefeftnb gefunben, fefeeinbar aus ber SBurgel biefeS Saumes auffefeießenb. ©ie lommt tn ©tengeln »on fecfes bis fünfgefen ßott £öfee feeraus unb tfeeilt fiefe bann in gablreicfee ßweige, welcfee ftatt ber Slätter nur einige gerftreut flefeenbe ©efeuppen baben, bte bie ©teile »on Slättern gu »ertreten fefeeinen. Die gange pflange ift »on bunfel* gelblicfeer ober hellbrauner garbe unb fiefet einem abgeftorbenen Säumefeen äbnlicfe. Die SBurgel ifl gwiebelartig, »on berfelben garbe wie ber ©tengel, mit einem Sünbel furger, trummer SBurgelfafern am untern Snbe. kebiginifcfee Sigenfcfeaften unb ©ebraudj. — Die gange fflarqt wirb als Slrgnei gebraudjt. ©ie ifl aßringirenb unb feat einen fefewaefe*bitteren, unangenefemen ©efefemad. ©ie wirb »on Sielen als ein Mittel gegen 9tub,r, ebenfo als ein ©urgelmittel für kranftjeiten beS MunbeS, in Serbinbttng mit anberen jitfammengtefjenbett Mitteln gebraucfet. ©ie fann innerlid) in gorm »on lljee obet in spulüer, in (Bähen »on gefen bis gwangig ©ran, gegeben werben, ©ie wirb oft in $ul»er auf alte unb faule ©efefewüre geftreut unb wirb »on Manefeen, wenn fte als $ul»er gebraucfet ober wenn aus bemfelben mit anberen Mitteln eine ©albe gemaefet wtrb, als ein unfefelfeares Mittel gegen Grefes angefefeen. Sin ftarfer lljtt, oon ber ©otnmerwurg gemaefet, ifl ein auSgegeicfeneteS SBafcfemittel für alte ©efdjwüre unb «ftrebs. Sonnenblume — (%at.: Helianthus Annuus, Sngl.: Sunflower). — Xie« ifl bie gewöfenlicfee unb wofe.lbefannte ©onnenblume, weldje in unferen ©arten ibm fdjönen feettgelben Slumen wegen als 3ierpflanje gegogen wirb, ^ie wirb gewöfen- iictj fecfes bis aefet guß tjoctj, feat einen großen, geraben ©tengel, große Slätter un> eine große Slumenfdjeifee, weldje am 3ftanbe mit gelben Slumen umgeben ifl. tit\t ©efeeibe ifl oft adjt bis gefen 3oll im Durdjmeffer unb ifl mit ben ©amen gefüllt, bie, wenn fte reif finb, »on bunlet*»toletter ober fdjwarger garbe unb ungefäljr fo gtoj »ic 3toggenförner finb'. ober «Pflangen-Slrgneimlttelletyre. 803 kebiginifcfee Sigenfdjaften unb ©ebraudj. — Die ©amen ftnb ter tjeilfräftige Stjeil; fie ftnb feamtreibenb, erpeltorirenb unb ftnb mit »ielem Srfolg in Aranffeeiten ber Sungen, wie Ruften, Srondjitis unb SiuSgetjrung, ange- wanbt worben; ferner als ein fearntreibenbeS Mittel bei «kranftjeiten ber Vieren unb ber hamwerfgeuge. ©ie werben in Slbfodjung ober ©»rup, entweber allein, ober mit anberen wirffamen Mitteln in gewöfenlidjen ©aben angewanbt. &piaelienn}Ut$el — (%at.: Spigelia Marilandica, Sngl.: Pink Root, Carolina Pink). — Die ©pigelie ifl eine in ben Sereinigten ©taaten, »orgüglicfe in ben füblictjen atlantifcfeen ©taaten, wilb wacfefenbe, einfeeimifdje pflange. ©ie wirb in ber Sftegel gwölf bis adjtgefen 3^11 feodj, feat einen aufregten, purpurfarbenen ©tengel, einanber gegenüberftefeenbe Slätter unb Slumen, bie wie helfen geformt, auf ber äußeren ©eite oon fdjöner rotfeer garbe unb auf ber inneren ©eite gelbucfe pnb. ©ie feat fafertge, büfdjelige SBurgein. kebiginifcfee Sigenfcfeaften unb ©ebraudj. — Die SBurgel ift ber tjeilfräftige Stjeil unb ifl in atten Slpotfeefen gu feaben. ©ie wirb als ein rcerttwolles unb fefer ftdjereS SBumtmittel angefefeen unb wirb meiftenS für biefen 3roecf gebraucfet. ©ie ift, »orgüglicfe in großen ©aben, etwas betäubenb unb ruft unangenefeme ©pmptome feeroor, wenn fte allein gebraucfet wirb, wie ©cfewinbel, Sßlöbigfeit ber Slugen, leiefete «Krämpfe, ßwinttxn ber Stugenliber unb ßudunQtn. W)tx alle biefe 3uf*änbe finben nidjt ftatt, wenn fte in Serbinbung mit anberen Sbfütjrmttteln, wie g. S. ©ennesblätter, gegeben werben. SBer erinnert fidj nidjt aus ben Jagen ber kinbfeeit beS Mittels „©ennesblätter unb ©pigelienwurgel ?" Die gewöfenlicfe fte Slrt, biefeS Mittel gegen SBürmer anguwenben, ifl wie folgt: ©pigelienwurgel eine fealbe Unge; ©ennesblätter unb Manna, »on jebem gwei ©radjmen; mifefee unb laffe mit einer $inte fodjenben SBafferS gtetjen. Die (Babt baoon ift eine bis gwei Ungen, gweimal täglicfe. Die (Babt ber gepulöerten SBurgel ift für ein Mint »oit fünf bis gwangig ©ran, im Serfeältniß gum Sllter; für Srwaefe- fene oon einem bis gwei Stjeelöffel »ott, gweimal täglicfe. Stttttbelfräum — (Sat.: Euonymus Atropurpureus, Sngl.: Indian Arrow ober Wahoo, White Dogwood, Bitter Ash, Burning Bush). — Dies ifl ein großer ©trauet) ober Sufcfe, welcfeer gewöfenlidj eine Jpötje »on gefen bis fünfgefen guß erreidjt unb beffen ©tamm in ber pfleget gwei bis brei 3ott im Durefemeffer mißt; er t>at eine glatte, feettgraue 9iinbe, welcfee mit biden, unregelmäßigen, weißen gleden gleidjfam befäet ifl. üftadj bem oberen Snbe gu feat er gafelreicfee ßweia,e, bie meiftenS mit bem ©tamm einen redjten SBinfel bilben. Die jungen Slefte ftnb fefer gart unb »on bunlelgrüner garbe. Die Slumen ftnb Hein, auf ber 3nnenfeite bunletrotfe- braun, auf ber äußeren ©eite grünlicfe; es folgt benfelben eine edige £üife, weldje fieb, im £erfeft öffnet unb eine fdjöne, feuerrottje Seere ober gruefet gum Sorfcfeeiu bringt, geltere gibt bem gangen oberen Sfeeile bes SufcfeeS ein fcfeönes Slnfefeen. Daö boli ift bauertjaft, feft, weidj unb »on rein weißer garbe. Die SBurgel, ober eigentlicfe bie 9linbe ber SBurgel, ift feeilfräftig. Der ©pinbelbaum wädjft in fettem, feudjtem £olglanb unb ntebriggelegenem Soben. 3J?ebigtnlfdje Sigenfdjaften unb ©ebraudj. -■- Die 9tinbe bet JBurgel ift ein ftdjereS Sarirmittel unb Sltterati»; femer ift fie ftärfenb, tjamtret- 804 Mebiginifcfee ©ewädjsfunbe benb unb erpeltorirenb. ©ie fann in Slufguß, Srtralt, ©prup ober als „Sllter«' gebraudjt werben, ©ie ift ein auSgegeidjneteS SBiebertjerßetlungSmittel in SBedjfeN unb ©aüenftebem, gieberfdjauem, geftörter Serbauung (dyspepsia) unb gefdjmädj« tem DrganiSmuS; ferner bei trägem 3uftanbe ber Seber, Serftopfung ber (iingeweitt, SBafferfucfet unb Sungenleiben. Die (Bähe ber Sinftur ift »on gwei bis »ier Stjee- löffel »ott, breimal täglicfe ; beS $ul»erS gwangig bis breißig ©ran, unb als „Gittere' fann fte in gewötjnlidjen ©aben nadj Selieben genommen werben. Spinnengewebe — (Sat.: Tela Araneae, Sngl.: Cobweb, Spider's web). Dies ift bas gewöfenlidje ©pinnengewebe »on ber fdjwargen ©pinne, weldje itjt (Bewehe in «Kellern unb anberen buntten $lä£en.ausfpannt. Mebiginifcfee Sigenfdjaften unb ©ebraudj. — Man fagt, baß ©pinnengewebe wirtfam gegen gieber fei; eS ift ebenfalls fdjmerg* unb fratnpfftil' lenb. Man fagt femer, es befiele bie wunber»otte Sigenfcfeaft, tränfliefee 9tttjbarfti! ju befdjwidjtigen unb geiftige unb förperlidje Slufregung gu füllen. 3dj habt tjäufia, gefunben, baß es einen feöcfeft angenehmen 3uPanb »on geiftiger unb förperlidjet SRufee feer»orrief. Ss wirb in ©aben »on brei bis fünf ©ran in ber gorm »ott Ritten gegeben, unb bei faltem gieber unb gieberfefeauer follte eine $ttle jebe ©tunbe ben. Sag über gegeben werben. Man fagt, es X)ahe bie feartnädigften gälte »on SBecfefel« ober faltem gieber, wenn jebes anbere Mittel fefelfdjlug, furirt. Ss ift ebenfalls ein gutes Mittel bei ©cfetaflofigfeit, Sngbrüftigfeit, fe»fterifcfeen Krämpfen, frampffeaften ßuduna,tn unb nerööfer Slufregung. Sptinattaut — (Sat. : Impatiens Pallida, Sngl.: Celandine, Touch-me- not). — Dies ift eine garte, faftige pflange, welcfee meiftenS in fettem, najfem 23oben wäcfeft unb eine btyt »on gwei bis »ier guß erreidjt; fie feat gafelreicfee Slefte unb ©lieber, aus welefeen ßwtiQt feerausfommen. Der ©tengel ift wäfferig unb burdj« fiefetig unb ift »oll ©aft. Die Slumen finb feaubenartig, »on feetlgetber garbe, mit ounflen, orangengetben gleden, weldjen fleine hülfen folgen, bie, wenn man fte berüfert ober ein wenig brüdt, auffpringen unb in ©tüde fliegen, wobei ße Ibje ©amen naefe allen 9tidjtungen fein auSftreuen! Dafeer ber Warne: „9tüt;r'*miaV nidjt=an" (Touch-me-not). Mebiginifcfee Sigenfcfeaften unb © ebr au dj. — Das ©prina/ fraut wirb für ein gutes Mittet bei ©elbfuefet gefealten unb ift ebenfalls ein gute« tjamtreibenbes Mittel bei SBafferfucfet, in weldjer Äranffjeit es in Slbfodjung feaufig getrunfen werben barf. Der ©aft ber grünen pflange wirb gegen gledjten, 9iing.« wurm, SBargen unb gum Steinigen alter unb fauler ©efdjwüre gebraucfet. Sine Slbfocfeung bes «Krautes, äußerlidj angewanbt, foll gut gegen Stingwurm, ©algfM unb bergleidjen fein; auefe fann man es, in füßer Milcfe gefoefet, als Sreiumfdjlaa, anwenben. Statice, carolinifcfee, ©rasneife- (Sat.: Statice Caroliniana, Sngl. : Marsh Rosemary, Sea Lavender). — Dies ift eine fogenannte ©eepflanje, b. fe. fte wäcfeft nur in ©eewafferfümpfen, längs ber ©eefüfte. ©ie t)at eine große, fleifcfeige SBurgel, weldje feeilfräftig ift. Der ©tengel wirb ein bis gwei guß bodj; bie Slumen pnb »on feläultdjer Purpurfarbe unb fommen fpät im Sommei jura 85orfdjein. ober ^flangen^Slrgneimittelletjre. 805 kebiginifcfee Sigenfdjaften unb ©ebraudj. — ©ie ift ein traf* tiaeS, auSgegeidjneteS, aftrtngirenbes unb tonifdjes Mittet. Da, wo fte befannt ift, wirb ße fefer feäußg unb mit größtem Srfolg »on bem Solle beiDurdjfatt unb Unter* (eibäfranftjeiten in ber gorm »on Slbfodjung, weldje burdj «Kodjen ber SBurgel feeret* tet wirb, angewanbt. Die Slbfocfeung wirb ebenfalls gum Sinfpri^en bei Sripper, weißem gluß, Sftadjtripper unb gefuntener ©ebärmutter unb als SBafdjmittel für alte ©efdjwüre unb ©urgetwaffer für wefeen Munb unb .fcals angewanbt. ©ie ifl febr nüjjlidj in allen gätten, in weldjen gufammengietjenbe Mittel nottjwenbig ftnb, unb fann beliebig gebraucfet werben. ©tecbilpfcl — (Sat.: Datura Stramonium, Sngl.: Stramonium, Jimson Weed, Jamestown Weed, Thorn Apple). — Der ©tedjapfel ift ein gewöfenlicfeeS, üppig wacfefenbes, fefer unangenefemeS, übelriedjenbes Unfraut, welcfeeS an »ielen Drten in großen Maffen, gewöfenlicfe um ©cfeeunen, »or garmfeäufem, an SBegen unb in Sauplä^en unb gelbem, weldje burefe £austfeiere feftgetreten ftnb, »orfommt, ®r ift ju gewöfenlicfe, als baß er einer näfeeren Sefdjreibung beburfte. Sr ijat einen Diden, glatten ©tengel, ift gewöfenlicfe brei* bis »ier guß feodj; feat große, bide, grüne Slätter unb eine lange, weiße, in'S Siotette fdjeinenbe, trompetenförmige SJlütlje. Sr trägt einen großen, bomigen Slpfel ober eine Äapfel, »ott »on fdjwar* jen, edigen ©amen; bie .Kapfei fpringt im Jperbft auf. 9Jc e b t g i n i f dj e Sigenfdjaften unb ©ebraudj. — Der ©tedjapfel Ift ein f)flangengifr, unb wenn er in großen (Bähen genommen wirb, ift er gefäfer* (idj. Sr ergeugt außerorbentlidjen Dürft, Srferedjen, SBürgen, Srodenfeeit im (>alfe, Dfenmacfet, Slinbfeeit, Delirium (©etpeSüerwirrung), 3itorn in ben ©Iie= Dem, ßrftarrung unb bisweilen ©üeberläfemung, «Krämpfe unb Sob. 3u mäßigen ©aben ruft er bisweilen einige biefer ©»mptome in milberer gorm feeröor, wie ßopfroefe, ©cfewinbel ober Singenommentjeit, ©djwädje ber ©efefraft, Serwirrung ber ©ebanfen unb eine Slrt Srunfenfeeit. Sr wirb oft unb mit Sortfeeil Patt Dpium ba angewanbt, wo Dpium gerabe baS Sntgegengefe^te ergielen würbe, inbem er fdjmerg* unb frampfftittenb wirft. Sr »erftopft bie Singeweibe nidjt unb ift fcfeon Uii)alb bem Dpium »orgugiefeen. Sr tp gegen 9ier»enfcfemerg unb rtjeumatifefee Seiben gebraucfet worben; feat pefe aber befonbers bei fattenber Aranffeeit, SBatjnpnn, geringem ©rabe beS Hafens, befonbers ©äuferwatjnpnn, bewafert; femer bei gefährlicher Magen* unb UnterteibSentgünbung, unb, in Serbinbung mit Sfeinin, Ijat er ftcfe fetjr wirffam gegen faltes gieber, welcfeeS »on feeftigem «Kopfwetj unb anberen feeftigen ©efemergen begleitet wirb, gegeigt. Sr tp femer außerorbentlid) wirffam bei gefäferlictjer Unterbrüdung beS Monatspuffes befunben worben. St wirb gewöfenlidj in gorm »on Srtraft angewanbt, weldjen man unter bem tarnen „Srtraft ©tramonium" in atten Slpotfeefen Ijaben fann. Die (Babt beffelben ifl ein M« jwei ©ran. Die (Babt ber Sinftur (weldje gemadjt wirb, inbem gwei Ungen bes gequetfdjten ©amens mit einer «pinte SBeingeip (Sllfofeol) auSgegogen werben), lf! »on fünf bis gwangig Sropfen unb fann attmälig bis gu breißig erfeöfet werben. ttt ©amen Pnb als eines ber bepen Mittel, um SlbortuS ober gefelgeburt gu »er* anbern, befannt. gür biefen ßwtd muffen, wie man fagt, peben gange, reife ©a* •"tn auf einmal genommen unb bie (Bäht muß fo lange alle fecfes ober gwölf ©tun* tot forrgefefct werben, aU bie gefährlichen ©»mptome anbauern. 806 Mebiginifdje ©ewädjslunbe Sleußerlid) angewanbt, tp ©tedjapfel ein wertfeüotteS Mittel. Sin Srehttnfcfelaj oon ben frifdjen Slättem, ober, wenn troden, mit warmem SBaffer eingeweichter Slätter, ber über ben Unterleib gelegt wirb, ip bei Sntgünbung bes Magens, btt Singeweibe unb bei Saudjfetl* ober Unterleibsentgünbung ein »ortrefpidjts Mittel. Sr ift femer gut bei Sntjünbung unb ©djmergen ber Slafe, welcfee »on geljemmtem Urin feerrüferen; femer ip er fefer gu»erläfpg bei gefäferiicfeen, fcfemergfeaften 2ln« djweüungen, KfeeumatismuS, fcfemergtjaften SBunben, gefcfewodenen unb fdjmerj* tjaften Srüpen ber grauen, entgunbeten Slugenlibem u. f. w. Sine ©albe, bit Durcfe «ftocfeen ber frifcfeen Slätter in gett gemaefet wirb, ip auSgegeidjnet gegen gol- Dene Slber (pües), für entgünbete Srüpe unb atte fcfemergtjaften ©efdjwüre unb Sin« fdjwellungen. Sine gefättigte, b. fe. parle Sinftur ber ©amen, mit gleidjen ifeeilen Der Sobelia=Sinttur, Sfpg*Sinftur, ber Slutwurgel unb Sebemöl gemifefet, ip ein $u»erläfßgeS Heilmittel für gleiten, wenn man biefelbe öfters, etwa brei-- bis der- mal tägiidj, anwenbet. StiUinQia, SB alb* — (Sat.: Stillingia Sylvatica, Sngl.: Stillingia, Y«iwroot, Silver-leaf, Queen's Delight, Cock-up-Hat). — Die 3Balb*©tltltngia ip in ben füblictjen ©taaten einfeeimifefe; fte wäcfep im gicfetenlanbe unb leidjtem, fanbigem Soben, »on ben SarolinaS bis gum Mifpfftppi. ©ie wirb gwei bis »iet guß feodj. Die Slätter ftefeen abwedjfelnb, ftnb längllcfe unb auf ber unteren ©eite ftlberfarbig; bie Slumen ftnb gelb, auf einer Sletjre ftefeenb, unb blütjen »om Slpttl bis 3uli. Der ©tengel unb bie Slätter geben, wenn man ße rt£t, einen mildjtgen ©aft »on pdj. Die SBurgel, welcfee ber feeitfräftige Sfeeil ift, tp äfenlicfe ber $aßi- nat, äußerlidj oon gelblidj*brauner garbe unb fefer feart; innerlidj ip pe gelblid) unb weidj. ©ie feat, wenn nocfe frifcfe;, einen bitteren, fdjarfen ©efefemad unb einen eigentfeümtidjen, öligen ©erudj. Mebiginifcfee Sigenfdjaften unb © ebr auefe. — Die $Balb*2til< lingia ip ein fefer fräftiges unb wertfe»otteS Sllterati», inbem fte einen außerorbent* licfeen Sinfluß auf atte Slbfonberungen ausübt; unb pe wirb wofel »on feinem anbe« ren befannten pflanglicfeen Slrgneimittel ats foldjeS übertroffen, ©ie iß fernet eröffnenb unb in großen ©aben breefeenerregenb unb abfüferenb. ©ie iß ein auS- gegeicfeneteS Mittel bei atten lonpitutionetten Aranffeeiten, wie Drüfenfranftjeiten, »enerifefeer Aranffeeit im gweiten ©rabe, bei Jpautfranltjeiten unb eferonifefeem Sebtt« leiben, ©ie wirb in Sinftur unb Slbfocfeung, aber am gewötjnlicfepen in ber gorm »on ©»rup angewanbt, unb in legerem gatte meiftenS in Serbinbung mit anberen 2llterati»en, wie «ftletrenwurgel, Slmpferwurgel, eanabifefeer Monbfamenwutgel, £ai< fafras unb bergleidjen. Den gufammengefe^ten ©tittingiaforup fann man in aüen Sbotfeefen feaben. ©ie wirb auefe in gorm »on Srtraft angewanbt. Die ©abe ber Sinftur ip ein bis gwei Sfeeelöffel »oll, brei* bis »iermal täglicfe; bie ber Slbfodjung unb bes ©»rups »on einem tjalben bis gu einem SBeinglaS »oll unb bie bes »ein- geiftigen SrtrafteS ein bis gwei ober brei ©ran. Stint aiant, SeufelSbred— (Sat.: Ferula Assafcetida, Sngl.: As safeetida). — Dies ip ber wirffampe »on allen pinfenben Margen. Sr wirb »on bem in Werften einfedmifefeen pinfenben ©tedenfraut gewonnen. Das Mebifament ober Harg tp ber eingebidte ©aft, welefeen man baburdj gewinnt, baß man bte mt\)x> ober $ftattgen*Slr3nelmttteltet)re. 807 fStjrige, parte SBurgel anfeofert unb ben tjerauslaufenbett ©aft an ber ©onne ein* ttodnett läßt, gleicfe wie es mit ber Slloe gefefeiefet. Der ©tinfafant wirb leidjt burefe feinen, ben 3wiebeln äfettlicfeen, pinfenben ©etudj ertannt. Die befte ©orte ift rein, »on b!aß*rotfeer garbe uttb ift mit gatjtreidjen weißen gleden gefprentelt. 9Jcebtginifdje Sigenfcfeaften unb © e fe r a u cfe. — Der ©tinfafant ift ein feöcfep wertljtiottes Slrgneimittel, befoubers bei Mutterfrämpfen, Sauefefräm* »fen unb neroöfen Slufregungen. Sr beförbert ben Sluswurf ber Sruft, wirft gegen Krämpfe, orbnet bie Stjätigfeit ber ©ebärmutter uttb wirft auregenb auf bie Wer* »en. SBenn er gegen Krämpfe gebraucfet wirb, follte er in weittgeiftiger Sluftöfung (Jinftur) gegeben werben, unb gwar ein bis gwei Stjeelöffel »ott als eine (Babe für eine erwadjfene perfon. 3n anberen gätten wirb er am heften in gorm »on Ritten gegeben. Die (Babt ip »ott fünf bis geljn ©ran uttb bisweilen metjr. (gtorftofe — (Sat.: Althea Rosea, Sngl.: Hollyhock). — Dies tp eine Jjiuftg in ©arten unb um Käufer angebaute, fdjöne, prädjtige 3ierpftange, weldje »ier bis fecfes guß tjoefe wirb, ©ie Ijat fetjr fdjöne, große, rottje, »iolette ober rofa* rotlje Slumen. gjcebiginifdje Sigenf cfe. aften unb © e b r a u cfe. — Die Slumen unb üßurjeln werben gebraudjt. ©ie ftnb erweidjertb, fefeieimig unb tjamtreifeetib. Die öiumen pnb etwas gufammengiefeenb, unb ein Sfeee »on benfelben, mit 9lofenbtättern »erbunben, ip feeilfam in gäüen »on weißem gluß unb barf naefe Selieben getrunfen sterben. Die frifcfeen Slumen ber ©todrofe, itt einem eifemen Mörfer gerquetfefet, mit 3uder, etwas gepuloertem Sobeliafamen, ©ewürgttelten, Sapennepfeffer, SlniS* [amen unb gepulverter Ulmenrinbe gemifefet uttb gu einer biden $ape geformt, tp eines ber feittftett 3uderfonfefte für Ruften unb bergleidjen unb barf, gerabe wie fcnßenjuder, nad; Selieben gegeffen werben. (Sine Slbfocfeung ber ©todrofenwurgel ip eitt auSgegeidjneteS, tittbernbeS, feam* ireibenbes Mittel, weldjes nadj belieben in atten gätten »on Sntgünbung ber baxn* tuerfgeuge aitgewanbt werben tann, unb ip ber Slltfeeewurgel fefer äfenlicfe. ©untrtd), glatter — (Sat.: Rhus Grlabrum, Sngl.: Sumach, Smooth Sumach, Upland Sumach). — Der glatte ©umadj ip ein ©trauefe ober Sufefe, ber oon fünf bis getjit guß feoclj wirb uitb gafelreicfee, unregelmäßig geformte Slejte feat. Sr bat eine glatte, buttfelgraue ober röttjüefee Sttnbe, langenförmige Slätter, welcfee auf ber oberen ©eite grün unb auf ber unteren ©eite plberfarbig, ungefäfer brei 3otl lang unb einen 3ott breit ftnb. 3m £erbp werben bie Slätter gewöfenlicfe fcfeon bunfelrotb. Die Slütfeen ftnb grünlicfe>rotfe, pefeen auf Sleferen, auf welcfee lange Sünbel tjarter, rotfeer Seeren folgen, welcfee mit einer Slrt »on furgem, rotfeem glaum bebedt pnb. Die Seeren ftnb fauer unb gufammengietjenb uitb fefer angenefem »on ©efdjmacf. Ss gibt »erfcfeiebene Sirten »ott ©umaefe, »on benen eiitige giftig ftnb; aber ber glatte ©umaefe fann leicfet burctj bie garbe unb ©äure ber Seeren, welche in fegeiförmigen Sünbeln gufammenpefeen, erfannt werben. SBenn bie grünen »er gebrocfeen werben, quittt eine Slrt Milcfefaft feerauS, unb eine Slrt ©ummi quillt ebenfatts aus ben ©liebern unb ©tengeln, wenn biefelben gebrochen ober jefefenitten werben. Der ©umaefe wirb in einigen ©egenben fetjr »iel gum Slttfertt* 808 Mebijinifdje ©ettäd) tt unbe gen »on «ftraljtten gebraudjt, um bie ßudtxat)oxnh'änmt bamit angugapfen, unb iß bafeer atten Sltjornguderfabrifanten beS Sorbens wie bes SBePenS wotjl belannt. Mebiginifcfee Sigenfcfeaften unb © c b r a u dj. — Die Stinbe Ui ©umadj (bie ber SBurgel ip oorgugiefeen) ip apringirenb, fäulnißwibrig unb ßärfenb; bie Seeren ftnb gufammengiefjenb, erfrifdjenb, antifeptifefe unb feamtreibenb. Sine Slbfocfeung fowofel ber 9tinben, als auefe ber Seeren ip ein auSgegeicfeneteS SBafdj» obet ©urgelmittet für ©djwämmdjen im Munbe unb wefeen £alS, für weldjen ßwtd ße gewöfenlidj mit etwas ©elbwurgel ober anberen gufammengiefeenben Mitteln unb ein wenig Sltaun ober Sorar »erfeunben werbett. Sine Slbfodjung bet 9linbe bei SBurjel ip pets mit 9tu0en bei DutefefaU, 9iufer, weißem gluß, feeftifefeem gieber unb Sftadjtfcfeweißen angewanbt worben. Die gepuloerte 9linbe ber SBurgel, gemifefet mit ein wenig gepul»erter Ulmenrinbe, bilbet einen auSgegeidjneten Sreiumfdjlag jur £et< lung alter freffenber ©efefewüre. Sine ©albe, bie burefe «Koefeen ber Stinbe ber SBur« gel in gett gemadjt wirb, tp gut für ©rinbfopf unb hämorrtjoiben. Sine ßarfe Slbfocfeung ber Sftinbe ber SBurgel, mit gleidjen Sfeeilen weißer Sicfeenrinbe, iß eint »orgüglicfee Sinfprtjjung beim ©inten ber ©ebärmutter, weißem gluß, unb ße iß gleidjfattS ein gutes SBafdjtmttel für faule unb träge ©efefewüre. Sin Slufguß bet Seerett ift gut gegen ben unfreiwilligen Slbfluß beS UrinS bet UnterteibSfranfljttten unb als ein füfelenber Sranf bei gieber. Sluefe ip er »on anßerorbentlicfeem ülufeen bei wefeem £als uttb Munb, fowofel bei £alSgefdjwüren, wie bei ©pelcfeelßuß, wel- ker »on D,uedftlber feerrufert, wte audj bei gewöfenltcfeem wefeem Munbe. Die Slb- fodjung ober ber Slufguß beS ©umaefe fann in gewötjntidjen ©aben, »on ein bis btei ober »ier Ungen, einige Mate beS Sages genommen werben. Süffiol$WUttel — (Sat.: Glycyrrhiza, Sngl.: Liquorice). — Die ©üß- feolgpflange ift im fübiitfeen Suropa unb Slßett etnljeimifcfe. Die SBurjel ip ber feetl' fräftige Sfeeil unb ift in atten Slpotfeefen gu befommen. Sntweber bie SBurgel, obet ber Srtraft, welcfeer teuerer ebenfo gut, in manefeen gätten nodj beffer ip, wirb ange« wanbt. ©ie feat einen eigentfeümlicfeen, attgenefemett füßlicfeen, bemulgirenben ©e- fefemad, unb Ainber effen fte gang befonbers gem. Mebigitiifctje Sigenfcfeaften unb © ebrauefe. — ©üßfeotg iß lin* bernb, beit Sluswurf ber Srup feeförbemb ; es wirb fetjr »iel in £ußen, Seiben bet Sungen unb ber Suftröferenäfte fowofel, als auefe iit kranfbeiten ber ©5et)leimfeaute ber Sittgeweibe uub ber hamwerfgeuge angewanbt. Ss wirb meiftenS in 23erbin« bung mit anbete« Slrgneien gegeben, ba es benfelben nicfet attein einen fußen unb angettefemen ©efömad ertfedlt, fonbern auefe ifere SBirfung ertjötjt. Sine Slbfocfeung ber SBurgel fann entweber aüeitt gebraucfet, ober mit anberen Slrgneien oerbunben werben; ber Srtraft, iit warmem SBaffer aufgelöp, lelflet gang biefelben Xienße. Der Srtraft, als «ftanbisguder gebraudjt, Hubert beit £upen unb fefeleimige Sntgün- buitg ber Sunge unb fann naefe Selieben genommen werben. $amatUt*>im — (Sat.: Tamarindus Indiea, Sngl.: Tamarind9). - Die Satnarinbett ftnb bie grudjt eines großen Saumes, weldjer itt Slrabien, Sgflpttn unb Dp* unb SBepinbien wäcfep. ©ie werbett naefe biefem Sanbe als Singemacfete« ßebraefet unb in allen Slpotferien unb ©roceries (Materialwaarentjanbiungen) feti< geboten. ober $flattjett«Slrgneimittelle:t)re. 809 gftebigtntfdje Sigenfdjaften unb ©ebrauefe. — Die Satna- tinben pnb eröffnenb, bas feeißt mitbe afefüferenb, erfrifefeenb unb füfelenb. ©ie tuerben mefer als füfelenbeS ©etränf bei giebern, als für irgenb einen anberen ßwtd int ßranfengtmmer gebraudjt. Sine Duantität Samarinben, mit SBaffer auSgego- gen, bilbet ein erfrifdjenbeS unb angenefemes ©etränf für «ftranfe, bie att giebern unb bergleidjen leiben, ober für biejenigen, weldje ftcfe »on giebern erfeolen; gugleidj galten fte ben Seib in offenem 3"ß«ttbe. Sin Slufguß ber Samarinben ip ebenfatts jtoedmäßig, um pariere SlbfütjrungSmittel, wie ©ennesblätter unb bergleidjen, barin ju geben. $atUtt!t — (Sat.: Acidum Tannicum, Sngl.: Tannin, Tannie Acid). — Dies iß ein feines, tjettgelblidjes, nafeegu weißliefees $ul»er, weldjes man burd) djemifdjen Progeß »on ©alläpfeln, welcfee auf einer Sicfeenforte (Quercus Infectoria) toactjfen, erfeält. Ss wotjnt ifer biefelbe aßringirenbe «Kraft inne, welctje in ber gietjenrinbe entfealten i[t. Ss tp in allen Slpotfeefen gu feaben. kebiginifcfee Sigenfdjaften unb ©ebraudj. — Sannin tp ein reines, fefer fräftiges gufammengiefeenbes Mittel; es ift fefer nü^lidj bei Durcfefall, djronifcfeer 9tutjr, Sluten ber ©ebärmutter unb anberen Stutflüffen unb ein gutes jufammengietjenbeS SinfpritjungSmlttelfeei weißem gluß, Sripper, -Kacfetripper u. f. w. S$ iß ein fetjr wertfe»otleS aßringirenbes Mittel, aber man muß nictjt gu »iel batton geben, ba fonß leidjt gu große Serßopfung eintreten fann. Ss ip gwedmäßig ein wenig kfeabarber, pobopfepttin ober Septanbrin mit ifem gu »erbinben, ober es mit „üleutraltging tyowttx," ober „Sorbial" bei UnterleibSfranftjeiten, befonbers bei Slufer ju geben. Die (Babt bes SanninS ift ein fealber bis brei ober »ier ©ran. Ss löp fidj leidjt in SBaffer auf unb barf mit irgenb einer Slbfocfeung ober irgenb einem flüfftgen Präparat gegen Durchfall unb Aranffeeiten bes Unterleibes gegeben werben günf ober fedjs ©ran, in einer Unge SBaffer gelöp, ip ein auSgegeidjneteS SBafdj* ober ©urgetmtttel für wefeen unb eitemben Munb unb baU, ftarfen ©peidjelfluß, faule ©efdjwüre unb bergleidjen. 3efen ®xan, mit einer Unge gett gemifefet, maetjen eine gute ©albe für wunbe SBargen, ©djinbungen (ber baut) unb bergleidjen. Stlßtoca — (Sat.: Janipha Manihot, Sngl.: Tapioca). — Sapioca, wie et in ben Slpotfeefen unb Säben gefunben wirb, ift eine grobe ©tärfe, in «Körnern »on Srbfengröße, unb wirb »on ber SBurgel eines ©traudjeS gemaefet, welcfeer in SBep* inbien unb ©übamerifa wädjP unb Saffaöapraudj genannt wirb. Das Sapioca* ntetjl löp pdj leicfet in fodjenbem SBaffer auf unb bilbet eine burdjftcfetige ©alterte, bie feinen ©efefemad Ijat. kebiginifcfee Sigenfcfe.aften unb ©ebraudj. — Sapioca ip lin* bernb, nätjrenb unb bilbet eine leiefete, angenefeme unb naljrtjafte ©peife für «Kranfe. Sr iß ferner ein gutes «ftaljmttgSmittel für ainber, weiefee entwofent werben. Sr toirb ferner fetjr »iel für ^ubbingarten gebraudjt. Sr wirb gubereitet, inbem Heine Quantitäten in SBaffer ober Mildj gefodjt unb mit 3itronenfaft, 3uder, Musfatnwß unb bergleidjen gewürgt werben. Sttpentin, g e f o dj t e r — (Sngl.: White Turpentine). — Dies ip eine Nge ©ubpang, »on weißllctjer garbe, ber fepe ©aft, welker »on einer Santtenart 81C Mebiginifdje ©ewäcfesfunbe (Pinus Palustris) gewonnen wirb. Sr ip in allen Slpottjefen gu feaben. Sr iß meipens feart, ober nur in geringem ©rabe weicfe unb nacfegiebig; wirb Ijärter, trenn er ber Suft ausgefegt wirb unb tann in Slllofeol ober ©piritus leidjt aufgelöß werben. Mebiginifcfee Si gen f dj a f t en unb © ebrau cfe. — ©eine Sigen- fdjaften finb ungefaljr biefelben, als bie ber anberen lerpentinarten; er ip onregenb, tjamtreibenb, wurmabtreibenb, fäulnißwibrig unb in großen ©aben abfütjrtnb. ßr Wirb innerlidj in (Bahtn »on gwangig ©ran bis gu einer Dracfeme, bei Wierenleiben, 9tüdenfd}mergen, kranftjeiten ber hamwerfgeuge, ^adjtripper, weißem gluß, SRI)'"« matismus, Siterung ber Singeweibe, unterbrüdtem Monatsfluß uttb bergleidjen angewanbt. Sleußerlidj wirb er als ein ßarfenbeS pflaßer, In Verbinbung mit anberen Slrtifeln unb als ein Sepanbtfeeil »erfdjiebener ^flafler unb Laiben, gebraudjt. Retpentin, »enetianifdjer — (Sat.: Terebinthina Veneta, Sngl.: Venice Turpentine). — Dies ip eine bide, fiebrige glüfßgfeit, ungefäfer oon ber Dide beS £onigS, fealbburdjpcfetig, »on feettgelber ober fcfewaclj*grünlicfeer gatbe. ©ie tjat einen parfen, terpentinäfenlidjen ©erudj unb einen warmen, bitterlichen ©efdjmad. Der Serpentin wirb »on einer Sannenart, bie man Abies Larix, ober Larix Europea nennt, gewonnen. Ss gibt einen Slrtifel »on brauner ober bunflet garbe, welcfeer als »enetianifdjer Serpentin »erlauft wirb. Dies ip ein unedjter, fabrigirter Slrtifel unb follte nicfet gebraudjt werben. Mebiginifcfee Sigenfcfeaften unb ©ebrauefe. — Sripin fetner SBirfung bem Serpentinöt fetjr äfenlicfe. Sr ip anregenb, feamtreibenb unb wirft träftig auf bie Jpammerfgeuge; er wirb bei ^Jcadjtripper, Sripper, weißem gluß unb bergleidjen gebraudjt; ferner wirb er in ©alben, feiner feeilenben Sigenfcfeaften wegen, angewanbt. Sunerltdj genommen, iß bie (Bäht ein bis gwei Sfeeelöffel »oll. XetpentinÖl — (Sat.: Oleum Terebinthina, Sngl.: Turpentine, Spirits of Turpentine). — Ss wirb »on ben Sannen, bie in ben füblictjen ©taaten wadjfen, gewonnen, inbem es »on bem Serpentin, weldjes aus biefen Säumen ßteßt, beßillirt wirb. Serpentinöl ober *fpiritus ftnb bloS »erfcfeiebene Tanten für biefelbe ©adje. Mebiginifdje Sigenfcfeaften unb ©e b r auefe. — Serpentinöl iß ein irritirenbeS unb anregenbeS feamtreibenbeS Mittel, ferner iß es wurmabtreibenb unb obfüferenb. 3n großen ©aben wirft es auf ben Seib; aber nocfe ßärfer wirft es auf bie Vieren unb hamwerfgeuge. 3n ©aben »on gwangig bis breißig Sropfen wirft es ftarl auf bie Vieren, inbem es einen parfen Urinfluß »erurfaefet. Ss iß fefer gut, um SBürmer gu »ertreiben, unb fann gu biefem 3wede Äinbern, in ©oben »on einem fealben bis gu einem Stjeelöffel »ott, in ©»rup gegeben werben, ^ur gewöfjnlidjen wtt)tn £als, tn »on Srlaltung tjerrütjrt, werben gwangig bis breißig Sropfen, auf ein wenig 3uder genommen unb langfam »erfcfeludt, mit -sidjerbnt eine Mux bewirten. Diefe (Babt tann tin* ober gweimal täglicfe wieberfeolt werben. Sei ftutjr ip ein Sljeelöffel »ott Serpentinöl mit einem Sßlöffel oott Sticinuäol gemifefet unb ein* bis gweimal täglicfe genommen, in »ielen Säuen feinreiefeenb, bte Aranffeeit aufguferten. SS wirb immer fe.eiifam gefunben werben. Serpentinöl tß ein »länger Seftanbtfe, eit atter inneren Heilmittel gegen Sripper unb Mtrtpper. ober «Pflattgett*2tr3tteitntttellefjre. 8H ßtt gefeemmtem Urtnftuß bewirft es meipens fcfenette Teilung. Ss burdjbringt fefet fdjnell ben gangen Organismus. Sei Slutungen aus ben Sungen ftnb fünfgetjn bis gwangig Sropfen, auf ßudex, »on »orgüglicfe guter SBirfung gewefen. Ss iß ferner innerlict) mit großem Srfolg bei djronifdjem RfeeumatiSmuS angewanbt wor* ben, nnb fein äußerlicfeer ©ebrauefe. tp feeilfam bei Slnfcfewettungen. Serpentinöl bilbet einen »orgüglicfeen Sepanbtfeeil bei Sinimenten. 3dj rettete einft baS Seben eines MäbdjenS in SouiSttitte, welcfeeS an SBürmern tobtfranf bamieberlag, inbem $ i^r Serpentinöl unb 9ticinuSöt, »on jebem einen Sßlöffel »ott, gab, unb baburdj fiebenjig SBürmer »on ifer abtrieb! Serpentinöl ip befannttidj eines ber nü^tictjpett Heilmittel unb fottte besfealb immer im Jpaufe gehalten werben. Die gewöfenlidje ©abe ip ein Sropfen für jebeS Saljr bes SllterS einer perfon, auf ein wenig ßuder; eS fann jebodj audj in (Babtn oon tintm Sljeelöffel »ott bis gu einem ober jtoet Sßlöffel »ott gegeben »erben. Stallttan — (Sat.: Thymus Vulgaris, Sngl.: Thyme). — Der gewöfenlicfee ©artentfepmion iß ein aromatifefees, prauefeartiges «Kraut unb im Slügemeinen fein* reidjenb befannt. gjcebiginlfcfje Sigenfcfeaften unb ©ebrauefe. —Die Slätter ftnb ber (jeilfräftlge Sfeeil; fte ftnb ftärfenb, fcfeweißtreibenb, emmenagogifdj, trampfpittenb unb ein Mittel gegen Släfeungen. Sfe»mian wirb in Slufguß, falt, ats ein ©tär* fungSmittel bei geftörter Serbauung, fcfewacfyem Magen unb bei ber Srfeolung »on giebern unb anberen erfdjöpfenben kranftjeiten angewanbt; unb warm, bei fdjmerjfeaftem unb unterbrüdtem Monatsfluß, tjößertfdjen Krämpfen, SBinbträmpfen, Srfältungen, «Kopfwelj unb um ©cfe. weiß feeroorgumfen. Sr fann feäußg getrunfen »erben. Das Sfe»mianöf ip, äußerlidj angewanbt, fe^ilfam gegen fteroenf efemergen, 3tljeu* matismus, fcfe.mergfeaften ©efewettungen unt ßaX)nwtl)x, es fann unterliefe, in ®a* ben »on jwei bis gefen ober fünfgefen Sropfen, auf ein wenig 3uder, in atten gäüen, iro fonß ber Slufguß angewanbt wirb, gebraucfet werben. $plttfcalfam _ (Sngl.: Balsam of Tolu). — Der Solubalfam wirb »on einem Saume, bem Solubaume (Sat.: Myrospermum Toluiferum), welker in ©übamerifa einfeeimifefe ip, gewonnen, unb welcfeer berjenigen Saumart, »on wel* 4jer ber peru»ianifdje Salfam fommt, äfenlidj fein fott. Dfene 3roeifet gehört er gu berfelben ©attung. Der Salfam wirb gewonnen, inbem man Sinfefenitte in ben Saum macfet — wie bei bem 3uderbaum — unb ben Ijerausfließenben ©aft in «Kef* fei laufen läßt, in welefeen man itjn feart werben läßt. Sr iß »on gelblicfe*rotfeer obet brauner garbe, »on füßlidjem, fd)arfem, angenehmem ©efdjmad, »on fefer parfem ©e* ruefe unb gewöfenlicfe. »eidj unb gät). SBenn er aber alt unb ber Suft »iel ausgefegt »irb, bann »irb er fe.art unb fpröbe »ie Jparg. Durcfe. Mautn wirb er weidj, unb in ber £Ü3e fdjtnilgt er »ottftänbig. Sr ip »oüftänbig losliefe in SBeingeift, Sletfjer unb ät|erifcfe.en Delen. Sr »irb in atten Slpotljefett rein, in Sinftur unb in ©örup »or* rattjig getjalten. 2Jcebiginifcfe.e Sigenf cfe, af ten unb ©ebrauefe. — Der Solubalfam iß tin berufeigenbes Srpectorans, etwas pärtenb unb anregenb, Ijetlfam bei djxonU fdjem Mataxxt) ober Srlaltung unb £ußen ober atten eferonifcfeen ober lang anfealten« 812 Mebiginifdje © e »äcfe «Tu nb e ben Seiben ber Sungen, Sntgünbung ber Suftrötjrenäpe unb bergleidjen. Jn folcben gätten ip feine SBirtung ber beS ^erubalfamS fefer äfenlid); er fann patt beffelben angewanbt werben; feines angenefemen ©erudjes wegen ip er »orgugieben. Der ©prup ober bie Sinftur'beS SolubatfamS wirb oft apupenargneien gttgefefct, woburcfe biefelben angenetjmer unb oft wirffamer werben. SBenn er mit anberen Mebifa- menten, wie bem weingeiftigen SluSguge ber Slutwurgel, bes Sobeliafrautts, er« fefewargen SBangenfrauteS unb mit Meergwiebelfprup gemifefet wirb, bann nimmt man gleicfee Sfeeile »on jebem, fage eine Unge. Die ©abe beS Salfams allein iß »on geljn bis gwangig ©ran; bodj wirb er feiten attein angewanbt. &ulpenfcattin < gemeiner — (Sat.: Liriodendron Tulipifera, Sngl.: Poplar). — Der Sulpenbaum tp in ber Siegel ein fetjr feöfeer, geraber, feerrtietjer Saum, welcfeer in ausgebefentem Maßftabe gu Saufeolg »erwanbt wirb. Sr wirb bisweiten weißer, bisweilen gelber Sulpenbaum genannt unb iß fowofel einer bet fcfeönpen, als nüijlidjften Säume ber amerifanifdjen SBälber. Sr wädjp in ben meiften ber Sereinigten ©taaten. Mebiginifcfee Sigenfcfeaften unb ©ebrauefe. — Die «Rinbe bet SBurgel ift ber tjeilfräftige Sfeeil. ©ie ip ein auSgegeidjneteS bitteres unb aromati« fdjeS ©tärfungSmittet, nütiiidj bei SBedjfelßebem unb als ein SBieberljerpeUungs- mittel bei allgemeiner «Körperfdjwädje. Ss eriptrt, fo »iel iefe weiß, feine SBurjel ober 9ttnbe, weldje wertfeooüer iß, als biefe, unb wäferenb einer langjährigen Srfab- rung feat pe ftcfe mir als eines ber gu»erläfPgpen Heilmittel erwiefen. ©ie fann in jebem 3uftanbe gegeben »erben, um ben aügemeinen ©efunbfeeitSgupanb wieberijer- gupeüen. Sefe. t)abe fte beffer als Stjinartnbe gefunben, unb wenn pe gu gleichen Stjeilen in Serfeinbung mit «Kitfcfeenrtnbe unb gloriba*£artriegelrinbe (Dogwood- bark), welefeen — nacfebem bie binben ausgefodjt Pub— etwas frangößfdjer Srannt« »ein ober anberer guter Sranntwein feingugefügt worben ip, angewanbt wirb, fo wirb fte ftd) pets als ein juoeriäfpgeS unb fcfeneü*feeilenbes Mittel bei gieberfdjauer, SBeefefelßeber, SBürmern, fe^pertfefeen Krämpfen bewäferen. Sei fefewerer 23er» bauung ip bieS, im £inblid auf feine ßärtenbe unb anregenbe Sigenfcfeaft, eine fetjr guoerläfftge Slrgnei. Man fann, entweber mit SBeingeift, ober mit SBein einen guten „Sitters" aus ber «ftinbe madjett. Die (Bäht bes $ul»erS ber 9tinbe ift oon einer fealben bis gu gwei Dradjmen. Der Slufguß ober bie Slbfodjung wirb oon einer rei- ben Unge bes «PuloerS gu einer «Ptnte focfeenbeit SBafferS gemadjt. 3il Utile — (Sat.: Vanilla Aromatica, Sngl.: Vanilla). — Die Saniüebofeue iß bie gruefet ober «Kapfel eines Hettemben, prauefeartigen «RanfengewäcfefeS, welcfeeS in gelsfpalten, an Saumftämmen unb bergieiefeen in Merifo, ©übamerifa unb SBeßinbien wäcfeft. Die Saniüebofeue, wie pe in ben Säben gefunben wirb, tp »on bunfelbrauner garbe, fünf bis aefet 3ott lang unb ungefäfer ein Drittel 3oti im Durefemeffer, »on angenehmem ©erucfe unb wirb oft, iferes SBofelgemdjeS »egen, Jinfturen, ©alben, ©»ruparten unb ©efrorenem beigegeben. «Dcebigtntfdje Sigenfcfeaften unb ©ebrauefe. — Sanitte ip aro* matifcfe=anregenb unb »irb bisweilen in (Bähen »on aefet bis gefen ©ran, in niebrigen ©raben oon giebern, fepfterifefeen «Krämpfen unb um bie 3eugungsfraft gu erregen, ober 5« ertjöfjen, auf welcfee fte einen gang befonbem Sinfluß auSguüben fefeeint, ange- wanbt. ©ie fann in Slufguß, nämlicfe, eine XjaXbe Unge ber gepuloerten Sofene gu einer «Pinte fodjenben SBafferS, in ©oben »on gwei bis brei Sßlöffel »ott, breimal tägiidj, genommen werben, ©ie wirb feiten als Slrgneimittel angewanbt. SJetlC^Ctt — (Sat.: Viola Pedata, Sngl.: Violet, Bird's Foot Violet).— Ziti iß bas gewöhnliche Seilten. Ss tp eine Heine «Pflange otjne ©tengel, mit ofriappenförmlgen ober nafeegu runben Slättem, auf fdjtanfen gwei bis brei 3ott langen ©rieten; bie Slumen pnb blau ober bunfeloblett unb erfcbeinen gewöfe. nlicfe frii$ im mal. Mxaut unb SBurgel ßnb feeilfräftig. 814 Mebiginifdje ©ewädjsf unb e MebiginifdjeSigeitfcfeaftett unb ©ebrauefe. — Das 9?eildjtn wirft fdjletmtg, alterirenb, tjamtreibenb uttb gelinbe eröffnenb. Ss wirb in Sun- genfranftjeiten, £upen, SluSgeferung unb bergleidjen unb in «Kranfljetten ber «Rieren unb £amwertgeuge, wenn fefeleimige, feamtreibenbe Mittel notfewenbig ßnb, ange- »anbt. Man fagt, baS Seilcfeen fei ein fräftiges Heilmittel bei »enerifefeer Aranffeeit, unb es foüte in Serbinbttng mit anberen Mitteln, wie ©ttüingia, Diclpttawutjel unb bergleidjeit in ©prup angewanbt werben. $&eild)enn>Ut$el — (Sat.: Iris Florentina, Sngl.: Orris Root). — Die« tß eine fdjöne, reine, weiße SBurgel, weldje in ben meiften Slpotfeefen gu feaben iß. ©ie iß eine iit Suropa eittfeeimifefee Äalmusart, welcfee öfters in ben ©arten biefe« SanbeS angebaut wirb, ©ie ßnbet fefer wenig Slnwenbung als Slrgnei, wirb aber »iel gu 3afenpul»er unb gur Serfeefferuttg bes SltfeemS angewanbt. Die SBurjel fantt für biefett ßwtd efeeitfaüö getaut werben, ©ie bepfet einen etgentfeümlidjtn milben unb fetjr angenefemeit ©erudj. fßetnonie — (Sat.: Vernona Fasciculata, Sttgl.: Iron Weed). — Ziti ip eitt gewöfenlicfeeS, fefer befattnteS «Kraut, welcfeeS feäußg iit ben wepiicfeeit ©taaten, in nieberem, fettem £oljlanbe Unb «Prairteen, meipettS an Ufern »on Seiefeen, an Sädjen uub in itaffem Sanbe »orfommt. Ss Ijat einen geraben, brei bis fecfes obet adjt guß fjoljen ©tengel »on bunfetrotljer garbe, grobe Slätter unb iß mit fdjönen purpurfarbenen Slumen am Snbe bes ©tengels, weldje nocfe. fpät im ^erfefle bleiben, »erfefeen. Mebigittifcfe Sigeitfefeaftett uitb © e b r a u cfe.. — Die SBurjel Ip bitter, ftärfenb, »eränbemb uttb eröffnenb, befonbers nütjtidj in weiblidjen «Kranf* tjeiten, wie g. S. bei unterbrüdtem MottatSfluß, fefemergfeafter monatlicfeer «Reini- gung ober weißem gluß. Man tjält fte femer für wirffam gegen gieberfdjauer, SBecfefel* uub ©aüenpeber. SllS ein Sltterati» ip pe befonbers empfefelenswertfe gegen Drüfenfranffjeit, Jpautfranftjeitett unb fonpitutioneüe ©ppfeilis. ©ie wirb in Slbfodjung ober Sinftur angewanbt unb fann, tn Serbinbung mit anberen Slrtifeln, als ein aiterirenber ©prup, namentlidj bei »enerifdjen Aranftjeüen, gebraucfet wer* Den. Die (Babt ber Slbfocfeung ip ein fealbeS SBeinglas, ober metjr; ber Sinftur gwei bis brei Sfeeelöffel »oü, mefere Mal bes SageS. Sine Slbfocfeung ber Slätter foü ein gutes ©urgetmittet gegen franfen £als fein. Die SBurjel wirb in einigen Stjelten beS SanbeS oft in Serbinbung mit anberen SBurgein unb «Rinben, ibtet mebijintfcfeeit Sigenfdjaften wegen, ben »erfefeiebenen Slrten »on £auSbler augefügt. S8$a$l)0lbetbeeten — (Sat.: Juniperus Communis, Sngl.: Jumper Berries). — Dies ftnb bie Seeren eines immergrünen ©traucfeeS ober 5öu|aje«, welcfeer in Suropa etttfjeimifctj ip, aber auefe, in einigen Stjeilen biefeS SanbeS »ot- fommt. SBenit bie Seeren troden pnb, ßnb fte etwas fefewarg, gerangelt unb unge- fähr »on ber ©röße einer Srbfe. ©ie fönnen in aüen Slpotfeefen getauft werben. Mebiginifdje Sig e nfdj af t ett unb © e b r a u d). - Die Seere unb bas »on ben Seerett gewonnene Del werben angewanbt unb ftnb eintreiben , flimulirenb uttb ein Mittel gegen Stauungen. Die Seeren werben meipenS tn ser- binbung mit anberett Mitteln in Slufguß ober „Sitter*" gebraudjt, entweber ober«Pftattgett*3lrgttetmtttetlet)re. 815 biefelben mtt)x tjamtreibenb gu madjett, ober um bie SBirfung anberer fräftiger bturetifdier Slrgneimittel gu mäßigen. SllS tjamtreifeenbes Mittel »irb bas Del meißens gebraudjt, unb baffelbe »irb namentlictj als fefer wirffam bei ber SBaffer* fudjt angefefeen; ferner fowofel in Stafenleiben, als in anberen «Kranffeeiten, wie: Sforbut, £autfranffeeiten, unb, in Serbinbung mit Sopaioaöl unb Subeben, bei Sripper, weißem gluß unb bergleidjen. Die (Babt bes Dels iß »on brei bis fecfes Jropfen, in ©cfeleim, SBeingeiß ober «pfeffermüngtfeee genommen. SSSalbtebc, brafilianifdje — (Sat.: Pareira Brava, Stigl.: Velvet Leaf), _ Dies ifl eilte flettembe «Jtefee, welcfee bisweilen fetjr groß wirb, inbem pe mit itjren 3weigen unb Slättem bie größten Säume bebedt. ©ie ip in ©übamerifa unb SBeßinbien einfeeimifcfe. Die SBurgel ip ber tjeilfräftige Sfeeil unb iß, ebenfo wie ber Srtraft, in ben Slpotfeefen gu tjaben. «Dl eb i g i n t f dj e Sigenfcfeaften unb ©ebrauefe. — ©ieip tjamtrei- benb, eröffnenb unb pärfenb. ©ie wirb bei eferonifcfeen Seiben ber «Rieren uitb baxn* »erfjeuge, befonbers bei Sntgünbung biefer Drgane, angewanbt. ©ie tp fernet feeilfam in Slafenpein, SBafferfucfet unb weißem gluß. Die (Bäht beS SlufguffeS ift »on einer Siertel bis gu einer tjalben Saffe oott, breimal täglicfe; bie beS flüfftgen SrtrafteS (welcfeeS bie he[tt SBeife tp, pe gu gebrauefeen) ein bis gwei Sfeeelöffel »oll; bie beS fefien SrtrafteS »on fünf bis getjn ©ran. ÜESallltufl, Weiße — (Sat.: Juglans Cinerea, Sttgl.: Butternut). — Der »eife SBaünußbaum ip ein großer, gewöfenlicfe. auf fettem Uferlanbe uttb an glüffen unb Sädjen wadjfenber Saum. Sr ift gu Befannt, als baß er einer näheren Sefctjreibung beburfte. Die innere «Rinbe ip feeilfräftig; pe ip ein auSgegeidjneteS, mitbes SlbfütjruttgStnittet unb wirft wofeltfeatig auf ben Seib. SBäferenb bes 9te»o* futionS* ober UnabfeängigfeitSfriegeS »urbe fte fefer »iel »on ben Militärärgten als Surrogat für attbere Slbfüfermittet angewanbt. Man madje burd) Slusfodjen ber Stinbe, Durcfegießen ber glüfpgfeit unb Serbampfen berfelben einen Srtraft, welefeen man mit Maiapfetwurgel, SBadjSgagel, Stpocpnum ober audj mit Mefel gu «Piüen macfeen fann. Um afegufütjrett, ttefeme matt brei bis »ier gewöfenlidj große «Piüen; gegen einfadje £artleiblgfeit unb geftörte Serbauung ein bis gwei «piüen täglicfe. Diefe Ritten Pub eines ber ßdjerpen uttb bepen Slbfütjtmtttet, welcfee bis jefct befannt ßnb. SSaflttttfibamw — (Sat.: Juglans Nigra, Sngl.: Black Walnut). —Der SBaünußbaum iß ein fetjr befannter unb nürilic^er Saum, weldjer burdj aüe mittle* ren unb wepiicfeen (Staattn gefunben »irb. Sr ip gu fetjr befannt, als baß er einer näijeren Sefcfereibung beburfte. Mebiginifdje Sigenfdjaften unb © e h x a n d). — Die mebigitti* fefeen Sigenfdjaften biefeS Saumes pnb nidjt aügemein befannt, aber pe werben feodj flefdjäijt oon benjenigett, »eldje fte erprobt feaben; bie grünen Slätter unb bie frifefee «Ruß ßnb ber tjeilfräftige Stjeil. Sin Slufguß ober parier ©prup »ott beit grünen Slättem ip als etn »orgügttdjes Heilmittel gegen Drüfenfrattffeeiten befannt, unb ti fdjeint, baß bies bie fjauptfädjltctje Slnwenbuitg tp, »eldje ße bis jefct gefunben Men. Dr. «Regrter, ein tjerttorragettber frattgöpfdjer Slrgt, »etdjer bie SBaünuß- 816 Mebiginifcfee ©ewädjSfunbe blötter feit gefen Saljren gegen Drüfenfranlfeeiten angewanbt bat, fpridjt ftfct rüfemenb »on ben SBirfungen berfelben. Sitte £anb»oü gefcfenittener grüner SKitttt wirb in einer «pinte SBoffer gelinbe gefodjt unb naefe bem Durcfegteßen mit weißem 3uder oerfüßt ober gum ©prup gemaefet. Sine erwadjfene «Perfon foüte ein Drittel biefer Menge jeben Sag nefemen. Sr bilbet ein angenetjmeS aromatifdjeS „Sitters," unb man fagt, baß er nie ttadjttjeiltge golgen X)abt. Die feeilfamen SBitfungen biefes Mittels geigen pdj niemals plöfcltefe; feöcfepens naefe gwangig lagen wetben oiefelfeen wafernefembar; aber burefe fortgefetjten ©ebrauefe, fagt Dr. «Regrier, wirb eine «Kur ftefeer feeroorgerufen. Ss beförbert bie 3nfulatton unb bie berbauung unb wirft belebenb auf bie Serricfetungen beS Körpers. Man fagt, baß biefe« Mittel auf bie Slutwaffergefäße einwirfe; femer baß unter feinem Sinßuffe bie MuSfeln feßer werben unb bie Haut ein fcfeöneres unb frifefeeres Slusfefeen befommt. Die trodenen Slätter fönnen wäferenb beS SBinterS gebraucfet werben, allein ein ©prup, »on ben frifcfeen Slättem bereitet, tp aromatifefeer unb wirft beffer. (Sine ©albe, »on einer parfen Slbfocfeung ber SBaünußblätter gemaefet unb mit ©djmalj unb einigen Sropfen Sergamotöl gemifdjt, iß ein »orgüglicfeeS Mittet für atte ©efefewüre. Sine ftarfe Slbfodjung ber Slätter ip »orgüglicfe gum SBafdjen berfelben. Da SBaünußblätter in Slmerifa genug gu feaben ftnb unb ber ©ebraudj berfelben burdjaus unfcfeäblicfe iß, überbieS fo außerorbenttidj »iel Drüfenfranftjeiten öoriom- men, fo foüte man wenigßens einen Serfucfe mit biefem Heilmittel anpeilen. SBenn man bas Mittel »orftefetig onwenbet, fo wirb man gewiß guten «Rufcen baoon jiefeen. Ss ip unfere Meinung, baß jebeS Sanb biejenigen SebenS- unb Slrjneimittel feer»or* bringt, welcfee ben bort lebenben Sinwofenem am meipen jttfagen; es wate bafeer bie «Pflicfet ber Slergte, bie Sigenfcfeaften biefer Mittel gu unterfuefeen unb nadjjufor- fdjen, wie man fte erlangen fann. Sine gefättigte Sinftur ber grünen SBaünüffe ip »on »erfefeiebenen Slergten gegen Unterleibs* unb Magenkrämpfe mit Srfolg angewanbt worben. Die Sinftur wirb gemaefet, inbem man bie frifcfeen SBaünüffe, efee fie ijart werben, tn ©tüde jerfdjnet- bet, biefelben in ein ©efäß legt unb mit Sranntwein ober oerbunntem SBeingeiß übergießt, bis bie glüfßgfeit etwa einen 3oü über ben «Rüffen ftefet, worauf man ße eine ober gwei SBocfeen lang ftefeen läßt; »on biefer glüffigfeit läßt man einen Ui jwei Sfeeelöffel »oü aüe fealbe ©tunbe nefemen, bis bie ©efemergen nacfelaffen. ©oüte eine folefee Sinttur nidjt »orfeanben fein, fo »ertritt audj eine ftarfe Slbfodjung bie ©tcüe berfelben. Die Sinftur, wenn äußerlidj ongewanbt, ip ebenfalls ein cor- jügiiefees Mittel gegen «Ringwurm unb glecfeten; ja, pe ip in ben meipen gätten, bei fortgefefctem ©ebrauefe, ein gang pcfeereS Mittet. SSSafFerfcoft, aromatifdjer — (Sat.: Eupatorium Aromaticum, ßngl.s White Snakc-root). — Der aromatifetje SBafferbop wirb gewöfenlicfe. einen bi« gwei guß feodj; er fe.at einett taufem ©tengel, ift am oberen Snbe äftig, bat brei bi« »ier 3oü lange unb ungefäfer fealb fo breite, einanber gegenüberpefeenbe, ianjenfot« mige, glatte Slätter. Sr feat weiße, im Sluguß unb ©eptember erfefeeinenbe »tut*«, weldje einen angenefemen, aromatifefeen ©erucfe beftan. Die SBurgel, weldje bet betlfräftige Sfeeil ip, fe. at ebenfaüs einen angenefemen aromatifefeen ©erucfe unb leicfet. bitterlicfeett ©efdjmad; pe beftetjt aus einem Sünbel fleiner, faferiger SBurgein. Mebiginifdje Stgettfdjaften unb ©ebraud). - ©ie tß fcfeweißtre.benb, ober «Pflattgett = 2trgneimtttetle1jre. 817 ben Sluswurf ber Srup feeförbemb unb frampfpiüenb unb wirb in parfem lljtt ober Slufguß gegen gieber angewanbt. ©ie ip gang befonbers nü^licfe bei gaul* unb «Reroenpebem unb in gäüen »on ©djiaflopgfeit. ©ie wirb femer bei ©ei* tenßecfeen, Sungenßebem, fepperifefeen «Krämpfen unb Slafenpein mit «Ru£en ange« »anbt. ©ie fann Ijäußg in Slufguß ober Slbfodjung genommen unb entweber aüein, ober in SJerbinbung mit anberen fdjweißtretbenben Mitteln gegeben werben. 28affct&pft, purpurfarbener, SBiefenfönigin — (Sat.: Eupa- torium Purpureum, Sngl.: Queen of the Meadow, Gravel Boot, Trumpet Weed). Dies Mxaut wädjß in ben meipen ößttdjen, mittleren unb wepiicfeen ©taaten, gewöfen* lidj in niebrig gelegenen SBiefen, fumppgen «Plänen unb offenem, naffem Soben. gs wirb ungefäfer »ier bis fünf guß feoefe, feat einen bunfelgrünen, purpurfarbenen ©tengel, mit »ioletten «Jungen um jebes ©elent. Die Slätter lommen in SBtrteln, bie öon brei bis fecfes um ben ©tengel pefeen unb fecfes bis aefet 3oÜ »on einanber entfernt ßnb, feerauS. ©egen bas Snbe gertfeeilt ftcfe ber ©tengel in »erfcfeiebene ßtoeige, an beren Snbe wieber bie Slumen in Süfdjeln p£en. Die Slumen ftnb »on tjell*oiolettrotfeer garbe, fpielen aber iit »erfcfeiebene garben, felbp in'S SBeißlidje, unb feaben bie gorm »on fleinen Srompeten ober «Jtöferen; pe erfdjeinen im Slugup. Dies Mxaut tjat etwas Slefenlidjfeit mit burdjmadjfenem SBaflerfeanf (Boneset) unb gehört audj gu berfellen klaffe. üRebigiitifdje Si ge tt f dj af t e tt unb ©ebrauefe. — Die SBurgel tp ber tjeilfräftige Stjeil unb wirb »on ben fogenannten «Kräuterärgten für ein »erttj* DotleS fearntreibenbeS Mittel gefealten; es ip ferner etwas pärfenb, onregenb unb gufammengiefeenb. ©ie wirb als ein »ertfe»oües Heilmittel bei SBafferfucfet, Slafen* (lein unb «Kranftjeiten ber «Jcieren unb ber Hamwerfgeuge ongefefeen. ©ie wirb gercötjnlidj in Slbfocfeung angewanbt, bas feeißt, inbem brei ober »ier Ungen ber ger* auetfefeten SBurgel in brei bis »ier «Ptnten SBaffer gefoefet unb »on biefer Slbfocfeung eine tjalbe bis gu einer Saffe tioü, brei* bis »iermal täglicfe, gegeben »erben. Supurpurin ip ber »ott ber purpurfarbenen SBafferboftwurgel gewonnene, fonjentrtrte, feargige Srtraft, welefeen man in aüen eftefttfefeen unb »ieüeidjt audj in anberen Slpotfeefen feaben fann. Ss ip tin partes unb fefer guoerläfftges, feamtrei* benbes «JRittel, befonbers in SBaflerfudjt unb Aranffeeiten ber «Rieren, in Hamprenge unb bergieiefeen. Ss »irb in gorm »ott «Piüen, in ©aben »on brei ©ran, etwa alle brei bis fedjs ©tunben gegeben. aßafTetJwnf, burefewa^fener, SBalbboft, SBafferbopen, Mx'ä* b,enwurgelfraut — (Sat.: Eupatorium Perfoliatum, Sttgl.: Boneset).— Der burdjwocfefeite SBoprfeonf ip über ben gangen SBepen unb audj wofel über bas ganje Sanb »erbreitet; er »äcfep auf SBiefen, fumpßgem Soben, an Ufern »on glüf- fen unb in niebrigett, feudjten SBälbem unb «Prairlen. Sr »irb gwei bis »ier guß ijodj unb ip burdj bie etgenttjümlidje gorm feiner Slätter leidjt gu erfenneit; biefet- &en ßetjen freugweife, »ätjrenb ber ©tengel mitten burdj pe tjlnburcfe gu gefeen Weint, als burdjpädje er biefetfeett. SBenn er blüt)t, tjat er eine große, feufdjtgc frone unb »eiße Slüttjett. Sr ip gu gut befannt, als baß er einer näheren Sefctjreibung beburfte. STebtjtntfdje Sigenfdjaften unb ©ebraudj. — Der burdj»ad)fette 52 818 Mebiginifdje ©ew ad) Sfu nbe SBafferfeanf wirft pärfenb, bredjenerregenb, fcfeweißtreifeenb unb leijjt abfütjrenb. Sr ip eine feödjp wertfeooüe «Pßange unb fann besfealb als Heilmittel nicfet leicfet gu feodj gefcfeajjt werben. Sr ip ein »orgüglicfeeS Mittel in SBecfefel* unb ©aücnßebetn, fowie in «Kranftjeiten ber Seber unb ber Sungen unb in Dpspeppe. Das Srinfen einer Saffe Sfeee »on bem burcfewacfefenen SBafferfeanf »or bem «Refemen eines Sredj. mittels wirb bas Sredjen erleidjtem. DeSfealb ip es fefer gwedmäßig, wenn man eine Saffe »on biefem Sfeee bei anpedenben, ©aüen* unb falten giebern trinfen läßt, efee man bas Sredjmittet reiefet. Sei geporter Serbouung unb als belebenbe obet pärfenbe Slrgnei foüte brei* bis »iermal täglicfe eine tjalbe Saffe bes Sfeee« falt genommen werben. Der warme Sfeee, in fleinen ©aben unb oft wieberfeolt genom- men, wirtt fcfeweißtreifeenb, wäferenb er in großen ©aben, öfters wieberfeolt, Sredjen erregt. SBenn ber Sljee falt genommen wirb, iß er pärfenb, »erletfet ben 23erbau* ungswerfgeugen ©pannfraft unb wirft gegen SBedjfel* ober falte gieber. SBenn et falt in größeren ©aben genommen wirb, bann wirft er obfüferenb. Der burdjwadj« fene SBafferfeanf iß eines ber bepen gieberfeeilmittel, weldje in biefem Sanbe wadjfen. Sei fortgefetjtem ©ebrauefe wirb er faft jeben gaü »on gewöfenlidjem SBecfefel* unb SppfeuSßefeer feeilen. Das «Kraut wirb meipetts in Stjee ober Slufguß, entweber falt ober warm, je nadj ber SBirfung, bie man feeroorrufen will, angewanbt; aber es wirb anefe in gorm »on Srtraft, welcfeer bereitet wirb, inbem man eine große Quantität Slätter ausfoefet unb baS SluSgefoefete »erbampfen läßt, bis ein bider ©prup ent- Pefet, gebraudjt; ober inbem man aus ber frifcfeen «Pflange ben ©aft auspreßt unb biefen einfoefet. Die gefättigte Sinftur wirb auf folgenbe SBeife angefertigt: man gerquetfefet bie frifcfeen Slätter, übergießt fte mit Sllfofeol ober SBfeisfp, läßt bie« ein paar Sage ßefeen, bann burefe langfame Hifje »erbampfen; albann feitje man burefe, bis bie angefüferte Dide erreidjt Ift. Diefe tefcte Sereitungsweife ift wofel bie beße. Der Srtraft ip nüfctidj, um gieberpiüen aus ifem in Serbinbung mit anberen Slrti- feln, wie Sfeinin, Srecfewurjel, rotfeem «Pfeffer u. f. w. gu macfeen. SluSgejeidjnete «Piüen gegen SBedjfel* ober faltes gieber fönnen wie folgt bereitet werben: nimm gwölf ©ran Sfeinin, fecfes ©ran fpanifdjen «Pfeffer, fecfes ©ran Srecfewurgel unb brei ©ran puloeriprtes Dpium; madje feieraus mit fo »iel Srtraft bes burcfewacfe- fenen SBafferfeanfS, als ttötfetg ip, eine «piÜenmaffe, bereite baraus adjtjetjn bi« gwangig «Piüen unb laffe baoon eine erwadjfene «Perfon aüe gwei ©tunben gwei bi« brei «piüen nefemen; Äittbem gebe matt, natürlicfe nadj bem Sllter, weniger. ©owofel bas «Kraut, wie ber Srtraft Pub in aüeit Slpotfeefen gu feaben. X&atfetmelonenfamen — (Sat.: Cucurbita Citrullus, Sngl.: Melon Seed, Water-melon Seed). — Die SBaffermelonenfamen werben oft als Slrjnei angewanbt. Mebiginifcfee Si g enfefe. afte tt unb © e fe r a u cfe. — Die SBaffer- meloitettfameit ftnb ein milbes, fcfeleimigeS unb pari fearntreibenbeS Mittel; ein Sfeee baoon ip gut geg*n gefeemmteit Urlnfluß, Hamprenge unb aüe Seiben ber Ham- werfgeuge, wenn ein milbes, aber burdjgreifenbeS, IjamtreibenbeS Mittel notbwtn- big tp. Die ©amen muffen gerpoßen unb mit toefeenbem SBaffer auSgegogen »erben; ber Sfeee fann beliebig geturnten »erbe«, ©ie ßnb fetner gut bei Unterleibsentjünbung unb gieber. ßürbtSfamen (Sat.: Cucurbita Pepo, Sttgl. t Pumpkin Seed) ip tbenfafl« ober «Pftangen*3lrgneimitteltet)re. 819 fearntretbenb unb in feiner SBirtung bem SBaffermelonenfamen gang ätjnlid); er wirb audj für biefelben «Kranffeeiten unb auf biefelbe SBeife angewanbt. Das «Kürbisfamenöl, weldjes matt ooit beit «Kürbtsfamett ertjält, fott ein burefegreifenbeS, tjamtreibenbes Mittet gegen Hamprenge, brennenben Urin, gegen Jtipper unb aüe fpaSmobifcfeen Aranffeeiten ber Hamwerfgeuge fein. Die tur, burd) Serfcfeiebenfe.eit beS SobenS unb beS ßllmas werben gafetreiefee horten ober «Pfl attgen-Slrgtteimtttelleljre. 821 cctt Iraufeen ergeugt, welche fe^r »erfcfeieben in gorm, garbe unb ©efefemad pnb unb oon welefeen mannigfaltige SBeinarten gemacht werben. Siele SBeinarten welcfee oon Suropa in biefeS Sanb eingeführt werben, ßnb mit «Pfiangen* unb Mine* ralgiften fo »erfälfdjt, baß es in biefem Sanbe fdjwer ift, reine SBeine gu erfealten, ti fei benn, baß fie für eigenen ©ebrauefe eingeführt worben ftnb. Dies abfefeeu* tidje ©efdjäft ber SBeinoerfälfefeung tp in Suropa unb ben Sereinigten ©taaten ein fo einträglidjes geworben, baß »iele Seute ifere Slufmerffamfeit bemfelben guwenben. kebiginifcfee Sigenfdjaften unb ©ebrauefe. — Die Slätter unb fleinen Sweige tjaben einen aßringirenben ©efefemad unb pnb gut gegen Durcfefaü unb anbere .Kranfljeiten, welcfee füfelenbe, gufammengieljettbe ober feinbenbe Slrg* neien, welcfee in Slbfocfeungen gegeben werben fönnen, »erlangen. Der ©aft ber SBeinrebe foü feeitfam gegen aranffeeiten ber Slafe, wie ©tein u. f. ». fein, unb man fagt, er fei ferner ein »orgüglicfeeS Mittel für fdjwacfee Slugen. 3n Segug feierauf fann iefe nur fagen, baß er fetjr empfofelen wirb, ba idj ifen fetfep nie »erfudjt feabe. Slüein idj fefee bie SBeinrebe als eins ber bepen Heilmittel gegen SBafferfudjt an. 3«fe feeilte eine Dame in SouiS»iüe, «Kentudö (grau S—) »on biefer Mxant* feeit, beren gaü als ein feoffnungslofer angefefeen würbe, ©ie war fedjsmal afege- japf't worben, unb feefes unb gwangig ©aüonen SBaffer, ungefäfer »ier bis fecfes ©allonen jur 3eit, »urben ifer abgelaffen. «Profeffor ©roß, Dr. «Ridjarbfon unb anbere Slergte »on großem «Ruf, wie «Profeffor Sobb, Dr. «Knigfet unb «Profejfoi Üfletgs oon «pfeitabelpfeia, waren in biefem gaüe gu «Ratfee gegogen worben. 3u biefer 3eit würbe iefe aufgeforbert, biefen gaü gu befeanbeln. Ss waren offen» bar gerabe fünf ©aüonen SBaffer in bem Unterieibe, unb eS war nur nocfe mit ber größten SSorpcfet mögtiefe, bie «Krönte ofene ©efafer umguwenben. «Racfe brei Mona* ten roar baS SBaffer »oüpänbig fort, unb bie ©efunbfeeit ber «Kranlen war »oüftän* big wieber feergefteüt. Diefe außerorbentlicfee unb fdjneüe Heilung »urbe burefe eins ber einfadjpen «Raturfeeilmittel be»erfpeüigt, nämlicfe. burefe bie SBeinrebe, in Serbinbung mit Dampfbäbem. 3u biefem ßwede würben bie SBeinreben »orftdjttg ju Stfcfee gebrannt, unb eS »urbe brei* bis »iermal täglicfe ein gefeäufter Sfeeelöffel »oE baoon, gemifefet mit einem SBeinglafe »oü Mabetra*3Bein, gereiefet. Dampf* bäber würben babei aüe »ier unb gwangig ©tunben einmal angewanbt. Satawba* tsein würbe ebenfo gut, wtnn nicfet nocfe beffer fein. Z e r S a u b e S SB e i tt e s. — Ss ip in ben legten Saferen in ben »eptiefeen Staaten, namentlidj in Dfeio, «Kentudp unb Miffouri, »iel Slufmerffamfeit auf ben Man unb bie Sereitung beS SBeineS »er»anbt »orben. Der Srfolg war äußerp günßig. Die 3eit wirb audj nicfet fern fein, wenn ber SBeinfeau burefe. bie gangen tocßlldjen ©taaten aügemein unb ein proßtafetes ©efdjäft für biefelben fein wirb. Ss gibt in beit «Bereinigten ©taaten nocfe feine große Serfcfeiebenljeit »on Srau* ben; bodj baben »ir eilte Ijödjß »ertfeooüe ©orte, bie Satawfea. Die Sfeatfadje, baß bie «Reben biefer SBeinforte fo außerorbentlicfe fräftig wocfefen, baß bie Srouben unb ber baoon gewonnene SBein fo »ortreffiiefe fmb, ip mir ein genügenber Seweis, baß fein anbereS Sanb im ©tanbe fein »irb, biefe ©orte mit gleicfeem Srfolg gu tut* tisiren, unb iefe bin übergeugt, baß bie 3cit fommeit »irb, in »elcfeer bie datawha* traube SimeruYs oljne «Jtioalen baßetjt. Die Quantität SBein, welcfee »on einem Slder gewonnen werben fann, ip brei- H« fünfbunbert ©aüonen, »etdjes meiner Slnpcfet naefe, eine Durdjfdjnittsfdjä&ung 822 Mebiginifcfee ©ewädjslunbe ip. Der SBertfe beS SatawbaweinS ip nun ein Doüar unb fünfgig Sente bie Wal- lone; aber bie ©aüone nur gu einem Doüar angefdjlagcn, bringt ben Srtrag eine« Saferes auf »ierfeunbert DoüarS »on einem Slder; unb »on biefer ©timme nun ctnfeunbert unb fünfgig DoüarS als Slrbeitslofen afegeredjnet (was nocfe »iel gu feoefe iß, ba ein Mann redjt gut im ©tanbe ip, einen Slder gu bearbeiten), bleibt ein rei- ner ©ewinn »on gweifeunbert unb fünfgig DoüarS »om Slder. Diefe ©nmme iß gleiefe ben 3infen eines «Kapitals oon gwei taufenb fünf feunbert DoüarS, wenn man biefelben gu gefen «Progent redjnet. Ss gibt pdjerlictj fein «Probuft ber Srbe, welcfeeS pdj eines gleidjen SrfolgeS rufe- men fann, unb bafeer fommt es auefe, baß jeber beutfefee Sinwanberer, welcfeer ©tlb feat, pdj ein ©tüd Sanb gu faufen, baffelbe in einen SBeinberg »erwanbelt unb baburdj wofelfeafeenb wtrb. gap jebe ©orte Sanb eignet pdj gum Slnbau ber SBeinrebe, unb biefer lltnßanb aüein foüte gur «Kultur berfelben ermuntern. 3eber, weldjer eine garm ober «Plan- tage feeßjjt, ober wenn es audj nur ein Heines ©tüd Sanb tp, foüte ein «piätjdjen für ben Slnbau ber «Jteben bepimmen. SBenn er einen gled Sanb feat, welcfeer ber- gig ober für anbere ßwede wertfeloS tp, fo foüte er ifen gum SBeinbau benufcen, unb er wirb ßnben, baß er im Serfeältniß gu feiner ©röße ber wertfeooüße Sfeeil feine« SanbeS fein wirb. Ss gibt »erfcfeiebene Hanbbüdjer unb Heine SBerfe, weldje über bie «Kultur be« SBeineS gefdjneben worben ftnb, wie «Jtümelin'S Vine^Dresser's Manual; the Ame- rican Grape Grower's Guide, by Chorlton; Slüen'S Practical Treatise on the Culture of the Grape, unb mefere anbere, »on weldjem jebes fetnreidjenb iß, um irgenb einen garmer ober ©ärtner gu einem tüdjtigen SBeinbauer unb SBctnfabri- fanten gu madjen. Das beße SBerf für beit SBepen jebocfe, weldjes über biefen ©egenftanb gefeferiefeett worbett tp, ifk ein Heines Sucfe, weldjesoon ben Herren Sudja- nan unb Songwortfe über bie ßudjt beS SBeineS unb ber Srbbeeren unb bie Berei- tung beS SBeineS in Sincinnatt »eröffentlicfet würbe. Diefes Sucfe feanbelt ebenfall« »on bem Slnbau ber Srbbeeren unb ip fefer wofel geeignet für bie Sebürfniffe ber 23t< wofener ber wefttidjen ©taaten. Srgenb eins »on biefen SBerfcfeen fann man in Sincinnati gu bem billigen «preife »on fünf unb ftebengig Sents bis gu einem Dollar faufen. Sifte ber amerifanifdjen «Reben. — DieSatawba pefet in bei Sipe oben an, unb gwar mit «Reefet, ba pe fowofel für SBetnfeereirung, als gum Sffen bie befte ift. ©eit Saferen fcfeon ift biefelbe in ber «Räfee oon Sincinnati in au«ge- befentem Maßftabe angebaut worben, unb es werben »on ifer große Quantitäten SBein gemaefet, welcfeer ben beften weißen SBeinen Suropa'S gleicfefommt. 3m 3afere 1847 tnadjte Herr Songwortfe. fedjs taufenb unb Herr Müüer »ier taufenb glafefeen Sfeampagner unb gwar »on einer Dualität, weldje gwölf DoüarS per Dufeenb wertb war. Die Sieht ift über bie gangen Sereinigten ©taaten füblicfe »on ^Itto 2>rf »erbreitet unb wirb mit Srfolg audj au ben Ufern beS Hubfon angebaut. Die 3 f a b e 11 a ip beffer befannt unb wirb in ausgebefenterem Maßßabe ange- baut, als aüe anberett SBeittarten biefeS SanbeS. ©ie »erträgt SBinb unb SBetter, tft fräftig unb außerorbentlicfe ergiebig; einjelne SBeinpöde ergeben oft jefen Sufdjel Srouben. ©ie macfet einen ausgegeidjnetett SBein, weldjer, wenn er ein wenig alt ift. bem bepen Mabeira gleiefe fommt. ober «Pflaitgen*2lrg tteimtttetteljre. 823 ©ie 31 Ier attb er* «Rebe. — Diefe wirb In Sincinnati bie Saprebe, in Se* m 3nbiana, bie «Konpantia*«Rebe, in §Jorf, «pennfploanien, Mabeira*«Rebe unb in gtuffetng, ^ew §)orf, bie ©cupifiü*Musfatel genannt, ©ie ip gu feart unb fiel* fcfeig jum Sffen, liefert jebocfe. einen guten rotfeen SBein. 3n Sincinnati wirb itjm nur ber Satawfea »on beit SBeiitbauem »orgejogett. Die Slfinburg wirb »on Sielen gum Sifcfegeferaudj fetjr gefaxt, ©ie iß ofene gleifcfe, füß unb »on angenehmem Slroma. Die Sraube ip flein, aber bie «Rebe iß fefer ergiebig. Die S1 a n b * ober «po»ell*Sraube äfenelt im Slroma unb 3lusfefe.en ber europäifcfeen StjaffetaStraube. ©ie trägt fefer wenig, foüte jebodj iferer guten Sigen* fcfeaften wegen in aüeit SBeiitgärteit eilten «ptafc ßnben, ba bie Sraube in peiitemeit Jöpfen ßcfe für ben SBintergeferauct) gut tjält. ©ie muß pets fo gepflaugt werben, bafj ße ber SBärme ausgefegt tp. Die D fe i o ober Songwortfe'S Dtjto ip eine auSgegetcfenete Sraube für ben «Racfetifcfe, aber Hein unb ftefet ber Sipnburg fe^r äfe>Iicfe; fte ift nicfet fleifefeig unb feat fefer große, oft füttfgefeit 3oü lange Sraubenbünbel. ©ie wirb fefer frütj reif unb trägt fefer »oü. «Rorton's Sirgittia ©eebltng tp im SluSfeljett unb in Hinpcfet auf bie ®röße ber grudjt ber Dfeio unb Sipnburg äfenlidj. ©ie iß fefer ergiebig, fowotjl im ©arten, als im SBeinfeerg unb ip fetjr »erttjooü im ©üben, »o »iele ©orten in ber naffen SafereSgeit faulen. Die M if f o ur i wirb bei Sincinnati angebaut, unb eS wirb »on tfer ein SBein gemaefet, welcfeer bem Mabeira fefer äfenlicfe ip. ©ie trägt aber nicfet fefer »iel. Die Senoir iß eine auSgegeidjnete Sraube gum Sffen; ße ift naefe Downing tr-ertfeooüer, als irgenb eine anbere einfeeimifefee Sraubenart. 3fe> Sßacfestfeum iß bas einer fremben Sraube; aber fte ip ergiebig, wirb-gut reif unb wäcfep fo feoefe naefe «Rorben, als «Rewfeurg. Die w e i ß e © c u p p e r tt o tt g ip bie Sraube bes ©übettS, welcfee »on Sirgt* nien bis ©eorgia wilb wäcfep. ©ie ip »ott atttn anberen Srouben burefe ifere Hei* nen Slätter, weldje feiten über gwei ober brei 3»tf »"it werben, gu erfennen. 3m Süben trägt fte erpaunlidj »iel; eittSBeinßod feat einfeunbert unb fünfgig ©aüonen SBein in einer ©aifon geliefert, ©eit »ieieit Saferen wirb »on biefer Sraube eitt ausgejeiefeneter SBeitt gemaefet. ©ibnep SBeüer »on «Rorbcaroiina »erftefeert uns, baß bie beße Dualität, weldje in einem Safere »on tiefen Srouben gemaefet würbe, mit brei DoüarS bie ©aüoue begafe.lt worben fei. Die ©cuppemong fann nur im ©üben gebeifem, ba pe gu gart für ben «Rorbett tp. SlüeS feerüdftdjtlgenb, ftnb wir ber Sinficfet, baß bie brei erPgenonnten SBeinarten bie wertfeooüpen biefeS SanbeS finb, nämlicfe. bie datawha, 3fabeüa unb Silerattber. äßetttttttfc — (Sat.: Artemisia Absinthium, Sttgl.: Wormwood). — Der Söermutfe ip ein, in unferen ©arten angebautes, fefer bitteres unb »on ©efefemad unangenefemes, aber in »ieieit gäüeit ein gutes Heilmittel. Das Mxaut ip ber bell- fräftige Sfeeil. , ^ „~ .<. äRebljitttfdje Sig e tt fdj a f te tt uttb ©ebrauefe. - Der SBermutfe, iß anregenb pärfenb unb wurmabtreibenb. Sr ifl gut gegen SBürmer, unb tn maßt* gen ©aben beförbert er ben Slppetit, ftärft bie Serbauungswerfgeuge unb ben gangen 824 Mebiginifcfe. e ©ewädjSfunbe .Körper. Srwirb bei geporter Serbouung, SBeefefelßeber, unterbrüdtem Monatsßuß unb cferonifdjem Durcfefaü angewanbt. Die (Babt ber gepuloerten Slätter tp jefen bi« gwangig ©ran, beS SlufguffeS ein tjatbeS bis ein SBeinglas »oü gwei* bis bretmai täglid). %&ieientauten:Stammblatt (Sat.: Caulophyllum Thalictroides, Sngl.: Blue Cohosh, Blueberry, Pappoose Root). — Diefe «Pßange erreidjt eine Höfee »on gwei bis brei guß, tfeeilt pdj naljt am Snbe in gwei bis brei 3welge, mit mei- penS brei Slättem an jebem berfelben; in ber Mitte biefer 3Weige fdjicßt ein furjer ©tengel empor, weldjer bie Slumen trägt, naefe beren Slbblüfeen Süttbel blauer, fefewarjer Seeren »on ber ©röße einer großen Srbfe gum Sorfdjein fommen, welcfee fearten ©amen in pdj bergen, ©ie wädjp in offenen ober fogenannten Untermal- bern, auf fettem Soben unb wirb an »ielen Drten burdj ben gangen SBcßen gefun- ben. Die SBurgel, weldje ber Sfeeil ber «Pßange iß, ber gebraudjt wirb, ip oon feetl- brauner, im 3nnereit gelber garbe, feart, Hein, tjödertg unb faferig. Der 3tcttgel ber «Pflange pefet gerabe aufrecfet unb ip glatt. Mebiginifcfee Sigenfcfeaften unb ©ebrauefe. — Dies iß ein bei ben 3nbianem fefer feoefe geadjtetes Slrgneimittet, inbem bie grauen es als ein SBe- feen beförbernbes Mittel anwenben. Man fagt, boß bie 3nbianerinnen gwei bi« brei SBodjen »or ber gu erwartenben «Rieberfunft einen Sfeee ba»on trinfen, welcfeer ifenen bie ©eburt bann um ein SebeutenbeS erteicfetert. Ss tjat ftcfe auefe gur ©enüge bei unferen weißen grauen als ein fetjr wertfeooüer ©egenßanb in biefer Hinßdjt bewiefen. Ss wirb »on »ielen Seuten als ein auSgegeicfeneteS frampfftitienbes «Mit- tel angefefeen, nämlicfe gegen «Krämpfe im Slllgemeinen, «Konouiponen unb neroöfe Seiben, befonbers ber grauen, wätjrenb ber ©efewangerfefeaft, bei Mutterfrämpfen unb aüen «Kranffeeiten, welcfee »on ber ©ebärmutter feerrüferen. Ss ip ebenfalls ju empfefelen in .Kolif, befonbers Saucfefrämpfen, in Spileppe, inSrecferufer, namentlicfe wenn «Krämpfe bamit »erbunben pnb, in übermäßiger unb fefemergfeafter monatlidjet «Reinigung, bei Sntgünbung ber ©ebärmutter, bei unterbrüdtem Monatsßuß unb bei SBürmem ber .Kinber. Ss ip feamtreibenb, auf bie ©ebärmutter wtrfenb unb frampjpiüenb unb fann fap iit jeber mäßigen (Babt mit «Ruthen gegeben wetben. Ss wirb meipenS in gorm eines parfen SlufguffeS ober SfeeeS angewanbt, inbem eine Unge ber gepoßenen SBurgel mit fecfegeljn Ungen (einer «pinte) SBaffer gefoefet wirb. Die (Babt baoon ift bann »on einer fealben bis gu einer gangen laffe ooll, mefere Male täglicfe;. Ss ip in aüen «Kräuterfeanbtungen unb oft auefe in anberen Slpotfeefen gang ober geputoert gu feaben. Sin wenig feier»on, mit eben fooiel ©elb- »urget abgelocht unb mit Honig »erfüßt, ip ein auSgegeicfeneteS ©urgelmittel bet »unbem unb eitembem Munb unb Hals. Sine Sinftur fann gemaefet werben, inbem man gwei Ungen ber gepuloerten SBurgel mit einer «Pinte SBeingeiß über- gie§t unb gwei SBocfeen lang flehen läßt; bodj wirb biefelbe auf biefe Slrt feiten angewanbt. Die (Babt ber Sinftur ift ein bis gwei Sfeeetöffel »oü. «Riefet« iß für eine grau wäferenb ber SBetjen woljltfeätiger unb »erfefeafft ifer bei ber Sntbinbung größere Srteidjterung, als ein Sljee »on biefer SBurgel, weldjen ße ofene ©efafer naefe Selieben trinfen barf. S a u t c p fe, p 11 i it ip ber wirffame, fe. argige Sfeeil ber SBurgel beS Söiefenrautcn- ©tammilatts ; es iß ein t)eügrau*gelbeS «puloer unb wirb in alltn Slpotfeefen tn ©läfern »on einer Unge »erlauft. Die (Bäht ip »on einem bis brei ©ran. ober «pftangett*3lrgrtetmtttellet)re. 825 äSitttetttttitt— (Sat. : Mitchella Repens, Sngl,: Checkerberry, Partridge- btrry, Winter-Clover, Squaw-Vine). — Der SBintergrütt ip ein immergrünes gtanfengewäcfes, welcfeeS auf ber Srbe fortfriedjt unb meipenS in Matten ober Set* ten jufammenpefet. Sr wäcfep meipenS in fdjattigen SBäibern uub in aüen Slrten »on Soben. Die Slätter pnb Hein, pefeen einanber gegenüber, pnb runb unb fefeen bem Älee äfenlicfe ; bie Slumen ftnb weiß, bisweilen rötfetidj. Sr feat Heine, tjett* rotfee Seeren, weldje troden unb »oü fearter ©amen ftnb. Die Slätter uub bie SBeeren erfealten pdj ben SBinter Ijinburdj. «JReblglnt fefee Sigeitfctjaftett uitb ©ebraudj. — Die gange sjjflange feat mebiginifcfee Sigenfcfeaftett, aber bie «Jtanfe wirb tjauptfäcfelid) gebraucfet. Sie iß feamtreibenb, gufammengietjenb unb SBefeen beförbemb (parturient). Man fagt, baß eine Slbfocfeung, Ijäußg unb »iel gebraucfet, SBafferfucfet feeile. ©ie »irb oon Sielen als ein »orgüglidjeS Mittel gegen Durcfefaü, «Jtutjr unb gefeemmten Urin* fluß empfofelen. Sin Sfeee ober bie Slbfocfeung ber Seeren foü ein »orgüglidjeS Mittel gegen Durcfefaü fein. Sei grauen fdjeint biefe «Pflange eine befonbere SBir* fung auf bie ©ebärmutter gu äußern, unb fte »irb bestjatfe gegen bie »erfcfeiebenen aranffeeiten berfelben empfofelen. Unter »erfcfeiebenen 3nbianerpämmen wirb pe als ein gang befonbers gutes Mittel in «KinbeSttötljett angefefeen. Dr. ©mitfe fpridjt ftcfe in feinem „Sotanical «ptjppciatt" (.Kräuterargte) folgenbermaßen aus : „Dies ijt eine unfdjäpare «Pflange für fcfewangere grauen. 3dj »urbe guerft mit bem ©ebraudje berfelben burefe einen 3nbianerftamm im »eftlicfeett Sfeeile bes ©taateS Sto gjorf befannt gemadjt. Die grauen tränten bie Slbfocfeung biefer «Pflange gwei bi« brei SBocfeen »or ber «Rieberfunft, fowie wäferenb berfelben, unb es war bem ©e* brauefee berfelben gugufdjreiben, baß biefeS im Slügemeinen fo gefürefetete Sreigniß fo leicfet unb ftefeer hei ifenen »orüberging." %$$itteln)intetbeete — (Sat.: Prinos Verticillatus, Sngl.: Black Alder, Winterberry). — SS ip bieS eitt Heiner, etwa fünf bis fedjS guß feöfeer ©trauefe, ber unregelmäßig geformt ip unb beffen Holg mit einer blau*grauen «Jtinbe bebedt iß. Sr blüfet im Monat 3uni mit »eißer Slütlje unb befommt aisbann erbfen* große, feeürottje Seereit, welcfee bett gangen Herfep unb SBinter tjängett bleiben. Der ©trauet) wäcfep ouf ben Ufern »on fumppgen glüffen unb Seidjett, itt ©ümpfett unb moraßigen SBäibern burdj bie gangen Sereinigten ©taaten. Die ÜRinbe bes ©ten* gel« fowofel, wie ber SBurgel wirb als Strgneimittel angewanbt. «Dcebigintfdje Sigenfdjaften unb © e fe r a u dj. — Die «Rinbe toirft alterirenb unb etwas gufammengietjenb unb tonifefe. ©ie wirb »on manefeen ßräuterärgten gegen Seberfranffjeit, ©elbfuefet, Durcfe; faü, talteS gieber unb gefcfewäcfe> ten 3ußanb beS AörperS fetjr empfofelen. Sin Slufguß ober Sljee biefer «Rinbe mit gleicfeen Sfeeilen ber ©elbwurgel (Golden Seal) falt getrunfen, tjat ßcfe. fetjr wirffam gegen geftörte Serbouung gegeigt. Ungefaljr eine tjalbe Unge »on jebem fottte in einem fealben Duart SBaffer leidjt gefoefet unb ba»on ein Heines SBeingtaS »oü, gwei* bi« breimal täglicfe getrunfen »erben. Sine parte Slbfocfeung ber «Rinbe, äußertiefe angewanbt, ift ein gutes Mittel gegen faule uttb freffenbe ©efdjwüre. Die Slbfocfeung, ntit gepuloerter Ulmenrinbe gu einem Srei gemaefet, gibt einen guten Umfcfelag für berartige ©efefewüre. Da pe ein gutes Sltterati» ip, »irb ße auefe. oft mit auberen Mitteln, wie ©arfaparitta, «Klettenwurgel, ©affafrasrtnbe »erbunben, um baraus 826 Mebiginifcfee ©ewädjafunbe einen felutreinigenbeit ©prup gu bereiten. Son ber Slbfodjung ber SBirtelwinttr- beerenrinbe gibt man ungefäfer ein SBeinglaS »oü brei* bis »iermal tägiidj; oon bem «Pul»er ber «Jtinbe gibt man »ott einem X)alhtn bis gu einem gangen Xx)tt» löffel »oü. 3Solf$flt$ — (Sat.: Lycopus Virginicus, Sngl.: Bügle Weed, Sweet Bügle, Water Bügle, Bügle Wort, Water Hoarhound). — Der SBolfsfuß wäcfeß au glüffett, Sädjen, in ©ümpfett u. f. w. Sr blüfet im 3uli unb Slugup unb iß im ©eptember reif. Mebiginifdje Sigenfdjaften unb ©ebraudj. — ©o lange bei SBolfSfuß frifdj ip, feat er einen eigenttjümlid) fealfamifdjen, terpentinartigen ©erud) unb einen bitterlicfeen, unangenefemen ©efefemad. Die Slätter unb ber ©tengel werben als Heilmittel angewanbt. Sr wirft gufammengiefeenb, ftärfenb unb beru- ljigenb. ,Sr wirb gewöfenlidj als Slufguß ober Sfeee gebraudjt unb feat ßcfe, wenn anbere Mittet fefelfcfelugeit, bei Sungenblutungen, Slutungen bes Magens obet bet Singe»eibe, in übermäßigem Urinfluß als feeilfam bewiefen. Der Sfeee baoon fann nadj Selieben getrunfen werben, unb man foüte ifen falt netjmen. 2Soif $mild), Srecfewurget*— (Sat.: Euphorbia Ipecacuanha, Sngl.: Wild Ipecacuanha, American Ipecac, Spurge). — Die SredjWurget*SBolfSmtld) ip eine in ben füblicfeen, mittleren unb weptidjen ©taaten einfeetmifefee «Pflange, welcfee in fefeattigen SBäibern unb trodenem, fanbigem Soben »äefep. ©ie wäcfeß gewöfenlicfe in tiefen Sünbeln, iß nur wenige 3ott Ijocfe, mit Keinen einen bi« jwei 3ott langen unb einen fealben bis Dreioiertet 3oü breiten, ge'genüberpefeenben, glat- ten uub länglicfeen, ooaleit Slättem. Die SBurjel, welcfee ber feeilfräftlge Jfeeil iß, ip lang, unregelmäßig geformt unb erßredt ßefe oft mefere guß in ben Soben feinein. Mebiginifdje Sigenfcfeaftett unb ©ebraudj.— ©ie iß fdjwtijj- treibenb, tjamtreibenb, erpeltorirenb, emmenagogifefe unb breefeenerregenb. Sie wirb mit Srfolg bei SBafferfucfet unb bei unterbrüdtem Monatsfluß angewanbt. Die (Babt bes «PuloerS ift »on gefeit bis fünfgefen ©ran, brei* bis »iermal tägiidj, bei SBafferfudjt unb als emmenagogifefees Mittel; als fcfeweißtreibenbeS unb ben Aus- wurf ber Sruß beförbernbes Mittel ip bie (Bäht »on brei bis fecfes ©ran, brei* bi« feefesmai täglicfe. Man fagt, fie fei ein fcfeneües unb ftefeeres Mittel bei ©alienfolif, in ©aben »on gefen bis fünfgefen ©ran, aüe fealbe ©tunbe wieberfeolt, bis bit ©efemergen nadjlaffen. Sggodftaut — (Sat.: Verbascum Thapsus, Sngl.: Mullein). — Da« SBoti- fraut tp eine gewöfenlicfee, fefer feefaititte «Pflattje, welche über bas gan3e Sanb auf alten gelbem, hügeligen SBeibeplä^en, an SBegen unb in neugeflärtem $oljlanK »orfommt. Ss feat einen aufrecfet pefeenben brei bis fedjS guß feofeen ©tengel unb am Snbe beffelben eine Sieb« mit gelten Siütfem unb fefe.r große, weidje, fammet- artige Slätter. ...... Mebiginifdje Sig enf dfe af teit unb © eb r a u dj. -D ie »latw uub Slumeit werbett attgewanbt unb ßnb linbemb, feamtreibenb unb fcfemerjftiueno. Sin Slufguß ober eine Slbfodjung ber Slätter ip gut bei aranffeeiten ber Harnwetl- jeuge, befrnberS bei Sntgünbungen ber Slafe unb ber «Rieren unb gegen Srtpptt ober «pflangen = 2lrgtteitnlttetle$re. 827 unb weißen gluß; ferner gegen SRutjr, gegen Hupen unb Stutungen aus ber Sunge. Sei SRut)r unb Unterleibsfranffeeiten foüten bie Slätter in füßer Mildj gefoefet unb angenefemer im ©efefemad burefe ßu[at} »ott aromatifefeen ©aefeen, wie 3immet, ©e- trürgttelfen unb bergleidjen, gemadjt unb mit 3uder »erfüßt werben. Die Slätter finb ferner gut in ber gorm »on Umfcfelägett ober Säfeungen, auf alte SBunben unb ©efefewüre unb um ben Hals bei bösartigem, wefeem Hals uttb «Kefelfucfet (mumps) gelegt. SBenn bie Slumen in eine glafcfee geftedt werben, uub wenn biefelbe fefl jugeforft unb einige Sage ber ©onne ausgefegt wirb, fo liefern fte ein Del, weldjes fcfemerjßitlenb bei peifen ©elenfen, gufammengegogenen ©eljnen, rfeeumatifefeen Sitt* fdjtoellungen unb bergieiefeen ip. Sin Sfeee »ott SBoüblättem unb ben Slättem ber gefledten Monarbe (Horsemint) wirft »ortrefflidj bei Aranffeeiten ber «Rieren unb follte in Menge getrunfen werben. S&olvetlei — (Sat.: Arnica Montana, Sngl.: Arnica, Leopard's Bane). Der SBoloerlei ip eine ttwa tintn guß tjofee «Pßange, weldje meip in ben Sergen bes nörblicfeen Suropa'S gefuubett »irb, unb ip für manefee ßwtdt eitteS ber »orgüg- licfeßen Heilmittel, »eldje »ir tjafeett. Die Slumeu »erben am meiften gebraucfet. 9Ran bereitet baoon eine Sinftur, inbem man g»ei Ungen berfelben mit einer «pinte Jllfofeol übergießt unb biefe Mifefeung »iergefen Sage lang peljeit läßt. Slmica tp giftig, weStjalfe man es nie itt großen ©aben anwenben follte. «JRebiginifcfee Stg e tt fdj a f tett uitb © e b r a u cfe. — Diefe «pflattge wirb meißens äußerlidj angewanbt, unb gwar bei Seuten, Duetfdjungen, Serren- fungen unb in berartigen gälten. Die 3Bol»erleiblumen ftnb ebenfalls ein Haupt* mittel in berHomöopattjie, unb bie befte SBirfung erfeätt man »ott ifetteti, wenn man pe in fefer geringer Menge anwenbet, mit anberen SBorten, in »erbunntem 3aPanbe. 3n allen gälten »oti Duetfcfeungen ober foitftigeit Serler^ungen mifefee etwa einen Sfeeelöffel oott »on ber Sinftur ber SBoloerleiblumen mit feefegefen Ungen (einer «Pinte) SBaffer, taudje baumwollene Sappen ober Sinbeit feinein, lege fte über bie »erlebten ©teilen unb fealte pe feeftättbig mit bem Slmicawaffer feuefet. Man wirb pitbeit, baß bies bas Defte Mittel iit folgen gätteit ift, was mait je angewanbt feat. 3n gätten oon innerlicfeen Serlerjungen gebe man bem «Kraulen gleicfegettig gwei ober brei Sro* pfen ber Sinftur in eitt »enig SBaffer uub »ieberfeole bie (Babt atte gwei bis brei ©tunben fo lange, als es nötfeig fefeeint. Die Sinftur ber SBolüerleiblumen follte in jebem Haufe »orrättjig fein, uttb jeber «Jteifenbe fottte ein ©läscfeen »ott ba»on mit ßcfe. füferen. ßtX)n Sropfett ber Sinftur, mit einer Unge SBeingeiß gemifdjt, ip ein auSgegeidjneteS Mittel gegen rfeeumatifefee ©djmergen in bett ©liebem unb gegen ©cfemerjen ber güße unb gußgelenfe, »eldje burdj anfealtenbeS ©efeeit etttpaitbett Pnb. Die SBoIoerleiblumett finb ebenfalls gegen anbere «Kranffeeiten gu empfehlen; Jebod) wirfen fte nirgenbs fo ftdjer, als bei frifdjeit gieifdj* unb anbeten SBunben. Die Slumen unb bie Sinftur berfelben ftnb in jeber Slpotfeefe gu feaben. $jamttmrtcl ~~ (?at*: Dioscorea Villosa> ®n9*-: Yam Root> Conc Root> Wild Yam). — Dies ifl eine in biefem Sottbe gong gewöfjttlidje Slrt Hetterttber Ranfe, weldje iit bett fübüdjeit ©taaten maffenweife wädjp. Die Slätter ftnb unge- fafer brei bis »ier 3ott lang unb ungefäfer fealb fo breit, ooal unb meipenS einanber 8egenüberßet)enb. Die Slumen ßnb fefej Hein, t)ettgelbtidj*grün unb erfdjeinen im 828 Mebiginifdje ©ewäcfesfunbe 3uni unb 3uli. Die SBurgel iß ber tjeilfräftige Sfeeil, unb man lann pe in allen Slpottjefen tjafeett. Mebigiitifdje Sigenfcfeaften unb © ebra u dj. — Die Gurgel iß trampfpittenb, fdjwetßtreibenb, erpeltorirenb unb wirb für ein oorgüglidjes unb ßefee« res Mittel gegen ©atten* unb Magenfrämpfe geljalten. ©ie tann in Slbfodjung in (Bähen »on einer fealben bis gu einer Saffe »ott, atte fealbe ober jebe ©tunbe gegeben »erben, bis bie ©djmergen nadjlaffen. Sine Unge ber gepuloerten SBurgel fann in einem Duart foefeenben SBafferS auSgegogen »erben, ©ie iß »ofel bas beße Mittel gegen Magenfrämpfe. Die Sinftur »irb bisweilen gebraucfet; bie (Bähe berfelben ip »on einem tjalben bis gu einem gangen Sfeeelöffel »oü. $aubetfttau c t f tt n g, toit ju fammeln unb zubereiten ftnb. «Jt i n b e n. Die «Jttnben werben gefommelt, wenn pcfe ber ©aft in ben Säumen ober ©träu- djett gu bewege« anfängt, fo baß bie «Jtinbe leicfet abgefcfeält werben fann. «Radjbem man bte äußere raufee «Jtinbe afegefcfeabt feat, fcfeneibet man bie «Jtinbe in bünne ©treifen unb trodnet pe an einem trodenen, luftigen, fdjattigen Drte. «Racfe bem Srodnen bewafert matt fte für gamiliett* ober HauSgebroucfe in gut oerfcfeloffenen ©efäßeit att trodenen Drten auf. SB u r g e l it. Die SBurgein einjäferiger «Pflaitgen müffeit im Herfep, nadjbem bie Slätter abgt* Porbeit ftnb, bie ber gweijäferigen «ppangen im grüfejafer, efee ber ©aft in bet «Pflange aufpeigt, gefommelt, »om ©djmujj gereinigt, wenn biefelben bid pnb, gerfleinert unb »ie bie «Jlinben getrodnet unb aufbewafert »erben. ©amen. Die ©amen muffen, »enn ße »öllig reif pnb, im ©djatten, wie bie «ülnben, getrodnet unb an einem troditeit Drte aufbewafert werben. Slumen. Die Slumen muffen in trodeitem SBetter unb »ollreif gefommelt unb ebenfo an trodenen, fdjattigen «Plänen bünit auSgepreut, getrodnet unb in bunflen, gutoer- fdjloffettett ©efäßeit aufbewafert werben. Mebiginifdje «Pflattgen. Diefe fottten in ber Siütfeegeit gefommelt unb forgfältig im ©djatten gettodnel »erben; bodj fottte man pe gu irgenb einer 3*tt fammeln, efee ber groß fommt. S r t r a f t e. Um »irffame ober mebiginifdje Sigenfcfeaften einer «ppange gu erlangen, muß man biefelbe gerpampfen, unb bann gieße man eine «Kleinigteit Sllfofeol barauf. 2Ran preffe bett ©aft aus ber gerquetfefeten «Pflange, fefce ifen ber ©onne aus, bis et fo bid, wie Honig »irb, unb bewafere ifen in tuftbiefet oerfcfeloffenen Söpfen. Umfcfelag .. 831 Sfeeeaufgüffe. Jlufgüffe »erben bereitet, inbem man eine Hanbooü ber «Kräuter mit einer «Piute focfeenben SBafferS übergießt unb eine Sierteipunbe gum ßitXjen pefeett läßt. Man follte biefelben »arm trinfen, um Hauttfeätigfeit feeroorgumfett. Aalt trinfe man brei* bis »iermal täglicfe eineit »otteit ©cfelud baoon, ober »ie ber Slrgt »erorbnet. Slfefocfeuttgett. Slbfocfeungeu fönnen auf biefelbe SBeife gemaefet werben, ttur baß bie ©tärfe burefe anfealtenbes «Kocfeen, anpatt bloßes ßitXjtn, auSgegogen werben fottte. U nt f dl il ö e. Umfcfeläge werben gu »erfcfeiebeneit 3tt>^cfen angewanbt. Sinige pnb füfetenb, anbere pimulireub; einige ftnb gertfeeilenb, anbere rufen Siteruttg feeroor, wäferenb toteber anbere erwetdjenb wirfett. ©ie werben gebraudjt, um pe äußerlidj aufgu* legen, muffen weiefe unb breiig fein, fotttett warm ober lauwarm angewanbt unb bürfen nie troden werben, efee man pe gewedjfett ober erneuert feat. Srobutttfcfelage. «Rimm bie «Krumen »on altem Srobe, gieße fodjettbeS SBaffer barüber, foefee uub tüfere um, bis fte weiefe ßttb; nimm bies »om geuer unb füge ein wenig ©djweinefett ober Dlioenöl, um ben Umfcfelag gefefemeibig gu madjen, feingu. Maismefelumfcfetäge. Mifefee fünf Sßlöffel »ott MaiSmefel mit einem Sßlöffel »oll «Jtoggenmefel unb lajfe es burefe bie ginger in fodjenbeS SBoffer unter beftänbigem «Jtütjren laufen, unb füge ein wenig Del feingu, »ie bei ben Srobumfdjlägen. Stepfetumfdjläge. Slepfel, gefdjält, ausgelernt unb gut gefoefet, gu einem Srei gekämpft, macfeen einen guten Umfcfelag. Hopfenumfcfeläge. ßoefee eine Hanb»oü Hopfen »entge Minuten in einem bebedten ©efäß in einer 9)inte SBaffer unb brüde ben ©aft aus. ©ejje biefe giüfpgfeit »ieber aufs geuet unb oerbtde fte mit MaiSmefel; füge ein »enig ©cfemalg feingu, »enn fte falt »irb. ©tärfeumfdjtag. ©tärfe wirb burdj fodjenbeS SBaffer gu einem Srei gemaefet unb, wenn afegefüfelt, ritfere etwas ©djmalg ober Del feinein. Umfcfelag »on Ulmenrittbe. Stimm gepuloerte Ulmenrittbe, gieße SBaffer barüber, bis pe fteif wirb, unb barnaefe foefee einige Minuten. Dies muß »arm aufgelegt »erben. 832 U m f cfe l o g e. Hefe- (Yeast) U m f cfe l a g. «Rtmm ein «pfunb SBeigenmefel unb eine fealbe «Pinte Hefe, ßette bies über ein gelln- bes geuer, unb wenn es alsbonn anfängt oufgugefeen, bonn lege ben Umfcfelag warm auf. ©enfumfcfetag. «Rimm gleidje Sfeeile ©enfmefel unb Seinfamen, ober SBeigenmefel, madje mit SBaffer gu einem biden Srei unb füge, um bas Slnfleben gu »ermeiben, etn wenig Del ober ©cfemalg feingu. ©ewürgumfcfetag. 3immet, «Reifenpfeffer, ©ewürgnelfen unb 3ngwer, »on jebem gfetdje Jfeeile gepulvert, mifefee mit Honig ober ©prup. Sllauttumfdjtag. Sfeue baS SBeiße »on gwei Siem in eine ©djüffel, nimm gwifcfeen ben Daumen unb 3eigeßnger ein ©tüd Silaun unb fdjlage bas Siweiß bamit, bis es geronnen iß. Dies muß, in Seinwottb eingewidelt, aufgelegt werben, jebocfe fo, baß gwifcfeen bet Haut unb bem Umfcfelag nur eine Sage Seinwanb ift. Serfdjiebenartige Umfcfeläge. Der befte Umfcfelag für gewöfenlidje ©elegenfeeiteit fantt aus Srob, in «JRildj gefoefet, gemaefet werben. Srauner ßudtx unb ©eife geben einen guten Umfcfelag ober eine gute ©albe für Seuten. Sier Ungen gepuloerte weiße Silienwurgel, eitt «Pfunb geigen unb »ier Unjen Mais* ober Sofettenmefet, mit fo »iel SBaffer getoefet, baß bie Mifefeung gerabe bebedt wirb, iß ein ausgegeidjneter Umfcfelag für eitembe ©efefewüre unb Sin« fefewettungen. gür .Krebsarten unb laufenbe ©efefewüre tp eine geriebene, gang weiefe g«focfe(e Möfere (Carrot) »ortreffltdj. ©ototblötter, gut gefoefet, geben eineit Umfcfelag, ber feeftigen ©cfemerg erlt^tert. Sin Umfcfelag »on Seinfamett ober «Kamtttettblumen, mit ben ©ptfcen bes W*x> mutfes gefoefet, ip gang »ortrefftidj gegen Sntgünbungen. 2$ er tl> t> eile ©teMjtntfdje ©tifdjmtgen unb anbete nü^li^t Sftejeftte, m{t Wnn>eiiun#, wie fte $u beteiten unb' $u #ebtau$>en K ib. SI tt 11 b 11 i ö f e Mebigin. «Rimm »ier Ungen gepuloerte Saloppe, aefet Ungen feitt*gcpul»erte ©enneSbWtter, eine Unje gepuloerte ©ewürjttetfeit, mifefee gut unb pebe es burefe ein feines ^tefe. Sitte biefe ©aefeen muffen oon ber beften ©orte fein. Diefes tp eines ber bepen unb ftefeerpen befannten Slbfüfermittet. Ss wirft idjneü unb jiefet feine gefäferiicfeen golgen naefe ftcfe. Ss barf in atten gätten «Pcrfoneit febeS Sllters, welcfee ein Slbfüfermittet nötfeig feaben, gegeben werben. 2)ie (Babe für Srwaefefene ip »on einer bis gwei Dracfemen, ober »on einen- geßri* efeetten bis gu einem gefeäuften Sfeeelöffel »ott, in ein wenig »armem SBetiJer gu geben, welcfeeS »erfüßt werben fann, unb bem nocfe ein wenig granjferanntwetn unb geriebene MuSfatnuß ober bergieiefeen, um fte fefemadfeafter gu macfeen, gugefügt »erben fann. «Kinber »on fecfes bis gwölf Saferen follten fealb fo »iel uitb folefee unter fecfes Saferen ein Drittel ober weniger, je naefe bem Sllter, nefemett. SBenn es fcfenetl wirfen fott, bantt füge wenige ©ran Sapennepfeffer unb ein ober gwei Sfeee- löffel öoü Sremor Sartari feingu. 3n atten gäüen »on SBafferfucfet, Sntgünbungen unb ßongefttonen muß Sremor Sartari feittgugefügt werben, weit er feäußge wäffe* rige Sntleerungeit feer»orruft uub baburefe bie wäfferigeu Slbfoitberungen aus bem ßörper entfernt. Diefe Slbfuferung fann in folefeen gäüen burefe ßu[a% »ou gleicfeett , Sfeeilen gepuloerter «pobopfepttumwurgel ober, wenn bas «pobopfepttin »orgegogett ttttb, burefe 3ufat3 »ou gwei bis brei ©ratt beffelben gu jeber (Bähe, für einen ßtmadjfenett, »erbeffert werbe«. «Reutraltfirenbes «pul» er. IRimm »on bem bepen gepuloerten «Rfeabarber unb ©aleratus (boppett fofelenfau- res Mi), »ort jebem eine Unge; gepuloerte 3>feffetmüngfelätter, eine fealbe Uttge; mifefee unb laffe es burefe ein feines ©iefe taufen. 834 2Bertfe»oIle m.biginifcfee Mifdjungen. Die ©obe in «Pul»er ip für einen Srwadjfenen »on gefen ober fünfgefen ©ran bid gu einem Sfeeelöffel »ott, mefere Mal beS Soges wieberfeolt. SBenn es aüe ©tunben gegeben wirb, pnb gefen bis gwangig ©ran auf einmal feinreicfeenb. Ss wirb für «Jtufer, Durcfefaü unb ©ommerfronffeeiten angewanbt, unb eS ip meipenS gwedmäßig, es mit ein wenig biapfeoretifdjem «Puloer, fage fünf bis fecfes ©ran gu jeber ©abe, ju oerbinben. SineS meiner SieblingSregepte bei «JUtfer ip: neutralißrenbes «Puloer, gwangig ©ran; biapfeoretifdjeS «Pul»er, fünf ©ran; Septanbrin, ein ©ran; in jwei ©tunben einmal ju geben, bis fecfes ober aefet Dofen genommen ßnb. SBenn man es in flüfftger gorm, ober in ©prup, weldjes bas Seße für «Ktnber iß, gu geben wünfefet, nimm einen gefeäuften Sßlöffel »oll ber Mifefeung, füge eine fealbe «Pinte fodjenbeS SBaffer feingu, laffe es einige Minuten gelinbe toefeen unb, wenn falt, gieße burefe unb fuße mit weißem 3«der; gieb tn Dofen »on einem Ifeee* bis ju einem Sßlöffel »ott, jebe fealbe ober gonje ©tunbe, je nadj ber Dringlicfefeit Ui galleS ju wieberfeolen. Dies ift eins ber bepen befannten «Präparate für «Jtufer, Durcfefaü, ©ommerfranl« feeit ber Ainber unb bergieiefeen. Sebe gamilie foüte einen Sorratfe baoon an Hanb feaben, oorgüglicfe wäferenb ber 3eit, in welcfeer ©ommerfronffeeiten feerrfefeen. Sllterirenbe ober Seberpuloer. «Rimm «pobopfepüin unb ©anguinaritt, »on jebem gefen ©ran; Septanbrin, jwan* gig ©ran; weißen 3uder, »iergig ©ran; gerreibe ober gerßoße bas ©anje in einem fleinen Mörfer, tfeeile es in gwangig «Puloer unb nimm Morgens unb SlbenbS ein«; wenn biefelben gu ßarf afefüferen, bann nimm eins tägiidj. © e b r a u cfe. — SS ip wertfeoott bei Seberleiben, Srägfeeit ber Seber unb als ein Süteratl», um auf bie Slbfonberungen beS «Körpers im Sittgemeinen gu wirfen. Ss »ertritt »ottpänbig bie ©tette ber blauen «Pillen unb ip unfcfeäbÜtfe. «Kompofitionsputüer (Composition Powder). «Rimm ein «Pfunb SBacfesgagetrinbe, ein fealbeS «Pfunb guten 3ngwer, je eine Unje Sapennepfeffer unb ©ewürgnelfen, puloeripre SlüeS fefer fein unb mifefee es gut. „ .. © e fe r a u cfe. — Man maefee einen Sfeee unb trinfe ba»on beliebig im Serfeäftmn »on einem großen Sßlöffel »ott auf eine «pinte focfeenben SBafferS; man fann ibn auefe mit 3uder »erfüßen unb Milcfe feingufefcen. Der Sfeee iß feeilfam bei Srfal* hingen unb weutt man Hauttfeätigfeit feer»orgurufen wünfefet. gerner iß er gut, wenn matt ifen »or Siitttefemett eines SredjmittetS nimmt, um ben Körper barauf »orgubereiten ; unb wo immer ein biapfeoretifefeer ober fefeweißtreibenber Sfeee notb= wenbig ift. Dies ift baS urfprünglicfee Sfeomfon'fcfee «KompofitionSpuloet. DiapfeoretifdjeS ober f dj W ei ß tr eib ettb es «pu loer. «Rimm gepuloertes Dpium, breißig ©ratt, ober eine fealbe Dracfeme; gepuloerten kampfeer gwei Dracfemen; Specacuanfea, eine Dracfeme; Sremor Sartari, eine fea be Unge; mifefee unb gerreibe es gut in einem Mörfer. Die (Babt iß gefen ©ran du Mebiginifcfee Mifcfeungen. 835 ein fealber Sfeeelöffel »ott, atte brei bis »ier ©tunben. Ss ip ein guoerläfßges fcfeweißtreibettbeS «Pul»er, gut bei giebern, «Jtufer unb wo immer fdjmergpiüenbe unb fcfeweißtreibenbe ©adjen nötfeig ftnb. SBenn es atte gwei bis brei ©tunben gegeben wirb unb man bamit eine 3eit lang fortfäfert, foüte man eS in ©aben »on fünf bis jefen ©ran nefemen. Ss wirtt mtlb auf bie Haut, unb, ofene bie Ht£e beS «Körpers ju erfeöfeen, beförbert es ben ©cfeweiß. Srecfepultter. gür aüe gewöfenliefeett gäüe ip ein «Pul»er »on gleidjeit Sfeeileit geput»erten Sobe* HafrauteS ober *©ameitS unb Specacuanfea tjinreidjenb. Sn einigen gätten, feefon* bers wenn bie Sungen angegriffen ftnb, wie bei Sungenentgünbung, ip es am bepen, ti nodj mit etwas Slutwurjel gu »erbinben. ©o gum Seifpiel: nimm gepuloerten Jobeliafamen unb Specacuanfea, »on jebem gwei Ungen, pul»erifirte Slutwurgel, eine Unge unb mifefee. ©ebraudj. — Sn jebem gatte, wenn man ein Srecfemittet gu geben wünfefet, nefeme man einen gefeäuften Sßlöffel »oll ber Mifefeung, übergieße ße mit einer «pinte feeißen SBafferS (jebodj nicfet fo feeiß, baß fte oerbrüfet), rüfere unb laffe eS wenige Minuten jiefeen ; nacfebem alsbann ber «Kraule pdj burefe Srinfen »on einer «JJinte ober mefer beS SlufguffeS beS «KompoptionSputoerS, beS amerifanifefeen Sfop ober burdjwadjfenen 3Bafferboft*Sfeee »orbereitet feat, gib ben Slufguß bes Sreefemit* telS in fealben Soffen gur 3«r, aüe gwei bis brei Minuten, bis SltteS genommett ip, ober bis er gwei* ober breimal tüdjtig gebrocfeen feat. SBenn eine «Portion nicfet fein* reidjenb bredjenerregenb wirfen foüte, bereite eine anbere unb gib in größeren Dofen, Ms es wirft. 3wifcfeen jebem Srbreefeen follte ein wenig Sfeee getrunfen werben, unb wenn es »orüber ift, fottte ber «Patient etwas ©cfeleim genießen unb eine ober jmei ©tunben ftcfe rufeig »erfealten. 3ufammengefe£te, gewürgfeafte Magenpärfuttg. «Rimm «Pappelrinbe, SBadjSgagelrinbe, ©elbwurget, »on jebem »ier Ungen ; So- lumbo* unb Hanfapocpnumwurget, oon jebem gwei Unjen; ©ewürgnelfen unb Sngwer, oon jebem eine Unje; Sapennepfeffer, eine fealbe Unje; puloerifire alles biefes fein, mifefee es, fefcc aefetgefen unb eine fealbe Unge feingepul»erten 3uder feinju unb laffe bas ©ange burefe ein feines ©ieb laufen. Die (Bähe ift ein Sfeeelöffel »ott in ein wenig warmen ober falten SBafferS, ober ein wenig SBein, ober fonft etwas. Dies ift eine ausgegeiefenete Magenftärfung für fefewaefeen Magen, geftörte Serbouung, Slppetitlofigfeit, allgemeine ©cfewäcfee unb toenn ein ftärfenbes unb reßaurirenbes „Sitter«" erforberliefe ip. Die« ip eine angenefeme Magenftärfuug. Seber* uitb atterirettbe «pul»er. «Rimm fein puloerißrte blaue «Katmusmurget, Slutwurgel, Maiapfelwurget, ®elfe> tourgel unb Hanfapocpnum, »on jebem gleicfee Sfeeile, etwa eine X)albe Unge, unb laffe es burefe ein feines ©iefe laufen. Die (Bäht als eilt Silteratt» uub feepatifefees Mittel ip »ott gwei bis fünf ©ran, j»ei* bis breimal täglid). 836 Mebiginifcfee Mifdjungen. «Put»er gegen bie «Jtufer. «Rimm gepuloerte Ulmenrinbe, «Jlfeabarber unb Holgfofele, »on jebem eine fealbi Unge; fejje einen Sßlöffel »oü gewöfenlicfeeS ©alg unb bas ©eibe »on einem Si feingu ; reibe ba« ©ange in einem Mörfer gut gufammen, bis es troden, fein puloe« rtftrt unb gut gemifefet iß. Die (Bähe baoon ip ein Sfeeelöffel »oü, brei* bis fedjSmal täglicfe, je nocfe Um- ßänben, in ein wenig SBaffer ober MolaffeS. Ss tp fefer tjeilfam bei «Jlufer unb Durcfefaü unb feeilt fap immer. SlntifeptifcfeeS «Puloer. «Rtmm je eine fealbe Unge ©cfewefel, Sllaun unb ©djießpulper, puloerißre unb reibe es in einem Mörfer gut gufammen. Die (Bähe tp fünfgefen bis gwangig ©ran, ober ein Drittel bis ein fealber Jfeee- löffel »oü, jebe ©tunbe ober aüe gwei ©tunben bei Sntgünbung bes Unterleibes obet irgenb einer innerliefeett Sntgünbuitg, bei welcfeer Sranb brofet. Dies foü ein ganj »orgüglidjeS Mittel fein. gür «Ktttbercfeolera. «Rimm weißen 3uder, arabtfdjen ©ummi, präpartrte «Krelbe, oon jebem üiet Dracfemen, «Kino gwei Dracfemen; mifefee unb puloeripre SlüeS gut. Die (Bähe ift je naefe bem Sllter fünf bis gefen ©ran brei* bis fecfeSmal tägiidj. Dies Mittel ip gut gegen ßinberdjolera unb bie ©ommerfranffeeit ber ßinber. Sitt attbere« Mittel für benfelben 3wed. «Rimm Septanbrin unb ©eraitin, »on jebem gefeit ©ran; weißen 3uder, jwanjig ©ran; gerreibe SlüeS fefer gut in einem Marmor* ober ©lasmörfer unb tfeeile es in gwangig «puloer. Sinem Mintt über gwei Safere gibt man breimal täglicfe ein «Puloer, unter biefem Sllter ein fealbe« «puloer. Ss ift gut bei «Jtufer, rotfeer «Jlufer unb gewöfenliefeett Unterleibsfranffeeiten. SBenn man fein ©eranin feaben fann, bann nimmt man biefelbe Menge entweber »on «Kino ober Satecfeu. Hupenpuloer. «Rimm gewöfenlicfeeS Harg (Solopfeonium) unb weißen 3uder, oon jebem eine Unge, arabifefeen ©ummi unb Solubalfam, »on jebem eine fealbe Unje; maefee SltteS gu einem feinen «pul»er unb gerreibe eS in einem Mörfer. Die (Bähe ift »on einem fealben bi« einem Sfeeelöffel »oü, mtt einem ©cfelud SBaffer, brei* bi« »iermal tägiidj unb »or bem ©efetafengefeen gu nefemen. Dies iß ein« ber bepen Hußettmittei. Sluefe tp e« gut bei Slutungeit au« ben Sungen. gieberpul»er. «Rimm feiu gepuloerte Mprrfeeu, Slutwurgel unb Sobeliafamen ober »"*»«; gel, »on jebem eine fealbe Unge; Mampl)tx unb ©atpeter, »on jebem 3»el©ra*»«i, putoerifire, mifefee, gerreibe e« gut in einem Mörfer unb bewafere es in einer glafcfee gum ©ebrauefe auf. Mebiginifcfee Mifdjungen. 837 Die (Babt ip brei bis fünf ©ron, jebe ©tunbe ober alle g»ei »äferenb be« gieberS. Ss ip gut, um Slufregung gu befcfewlcfetigen, auf bie Haut gu »irten uub bie SluSbünpung gu beförbern. gerner tp es ein gutes erpettorirenbeS «Puloer bei #ußen, bei Srlaltung, Sungenentgünbung unb bei erfdjwertem Sttfemen. «Puloer für Sngbrüpigfeit (Sipfema). «Rimm ©cfewefel, eine unb eine fealbe Unge; Sremor Sartari unb gepulverte ©en* nesblätter, »on jebem eine Unge; gepuloerten Slnisfamen, eine feolbe Unge; mifefee gut. Die (Babt tp ein Sfeeelöffel »ott itt einem ober gwei Sßlöffel »ott ©prup »or bem ©cfelafengefeen unb, wenn nötfeig, banit uub wann wäferenb beS Sages. Man fagt, es Wirte auSgegeidjnet gut. «Pillen gegen falte« gieber. «Rimm Sfeinin unb Slloe, »ou jebem gwangig ©ran; «Piperitt, «Jtfeafearber, Dotter'« «jJuloer unb Sapennepfeffer, »on jebem gefen ©ran; mifefee, pulöeripre unb madjt baraus mit ein wenig arabifdjem ©ummifefeieim ober Srtraft »on Sngian, ober burcfewadjfenem SBafferboP, gwangig «Pillen. 3n ber ßefeerfreiett 3£U ip eine «Pille atte ©tunbe gu nefemen, bis gwölf «Pillen genommen ßnb ; ber «Jteft ip bann am britten, ober an bemjenigen Sage gu ttefemett, an welcfeem ber .Kranfe gefunb ift. Ss ip bie« ein fefer gute« Mittel gegen falte« gieber. Sin anbere« Mittel für'bettfelfeett ßwtd. «Rimm gwölf ©ratt Sfeinin, je fecfes ©ran Srecfewurgel unb Sapennepfeffer, gepul* »ertes Dpium brei ©ran; madje baraus mit präjtpinrtem Sfeina*Srtraft gwölf «ptt* len; ober wenn biefer nictjt gu feaben ip, nimm entweber Srtraft ber «JÜnbett be« blüfeenben Hartriegel, ober burcfewadjfenen SBafferboft in feinreidjenber Duontität, um eine «Piüenmaffe baraus macfeen gu fönnen. 3wei bis brei «Pillen fmb alle gwei bis brei ©tunben gu nefemen, ober man nefeme alle ©tunbe eine «Pille wäferenb beS fieberfreien Sage«, bis atte genommen ßnb. US iß bies ein fefer pefeere« unb wirffame« Mittet gegen falte* gieber. Sin anbere« Mittel für benfelben ßwtd. «Rimm gwangig ©ran gepul»erte Mprrfee, je gefen ©ratt ©allein unb «Piperin, fe fünf ©ran Septanbrin unb Srecfewurgel, ntaefee barau« g»angig «Pillen, ent»eber mit bem Srtraft »om blüfeenben Hartriegel, burefewaefefenen SBafferboft ober oonSn* jian ober irgenb einem anberen ftärfenbett Srtraft; »ie bie »origett gu gebraucfeen. Sltttibiliöfe unb abfuferenbe «Pillen. «Rimm Slloe unb ©ummigutt, »on jebem g»ei Dradjmeit; «Koloqutnten unb «Rfea- 6ar6er, oon jebem jene Dradjme; madje barau« mit Matapfelwurgel* ober SBattttuß* Srtraft eine «pittenmaffe unb forme barau« eiufeuubert unb g»angig «Piüen. Die ® £« fralbe $inte Honig; foefee brei ©tunbeit gelinbe unb, »enn falt, fefee eine pm» Mebiginifcfee Mifcfeungen. 855 Srauersfeefe feingu. Saß fecfes unb breißig ©tunben ftefeen unb füüe auf glafefeen. Die (Babe ip ein bi« gwei Sßlöffel »ott brei* fei« »iermal täglicfe. Diefe Mifefeung iß fefer nüfelicfe gegen Slu«geferung unb anbere Sungenleibeit, welcfee »ott Hupen begleitet ftnb. gür feäutige Sräune. ©efeneibe 3wiefeeln in bünne ©efeeifeen; ftreue barauf braunen 3uder unb laffe ifen fefemeigen. Sin Sfeeelöffel feieröon wirb unmittelbare Hülfe bringen. Setebenbe Sropfen. «Rimm Sajeput*, ©ewürgttelfett* unb Slnisöt, »on jebem eine fealbe Unge; Parten SBeingeift, gwei Ungen; mifefee unb fcfeüttele gut. Die (Bäht ift »on gefeit Sropfett bis einem fealfeett Sfeeelöffel »ott. Diefe Mifefeung ift gut bei ©allen*, Magen* unb Sßinbfrämpfen, ©efemergen in bem Magen unb ben Singeweiben, «Jteißen, «Krämpfen unb bergieiefeen. gür ben ©tidfeu.pen. «Rimm Honig, fuße« Del unb Sfpg, gleicfee Sfeeile »ott jebem; foefee einige Mi* nuten gang gelinbe, bann fütte bie Mifefeung auf glafefeen. x Die (Babt ift ein Sfeee- töffel »ott, fo oft »ie nötfeig. S« ift gut, um Haften gu uttterbrüdeit. Sin anbere« Mittet für benfelbett ßwtd. IRimm eine Dracfeme «Pottafcfee; fünfgefen ©ran gepuloerte Socfeenitte; eine fealbe Unje weißen 3uder unb »ier Ungen SBaffer; mifefee. Die (Babt für .Kinber ift ein Sfeeelöffel »ott, aüe brei bi« »ier ©tunben. Sin anbere« Mittel. «Rimm gerßoßene Hafelwurg (Wild Ginger-Root) g»ei Ungett; parfen SBeingeiß (Sllfofeol) unb SBaffer, »on jebem eine fealbe «Pinte; foefee Slüe« eine Siertel ©tunbe lang über gelinbem geuer; bann fefee, wäferenb e« nocfe feeiß ip, breißig ©ran gepuloerte Socfeenitte, ein fealbe« «Pfunb weißen 3uder unb brei Dracfemen «pottafcfee feinju; laffe e« ftefeen, bi« e« falt ift, gieße e« burefe unb preffe e« au«, unb fefee jwei Unjen Specacuanfeaweiit feingu. Die (Bäht ift ein bi« gwei Sfeeelöffel »ott, je nadj bem Sllter unb naefe Umpänben gu wieberfeolen. Die« ift ba« bepe Mittel für©tid- feußen, welcfee« idj je angewanbt feafee. Slrgnei gegen SBürmer. SRimm gwei Dracfemen SBurmfamenöl (Wormseed); «Rainfarn unb Serpentittöt, bon jebem eine Dracfeme; DÜoeti* uub «Ricinusöl, »oit jebem gwei Ungett; mifefee unb fcfeüttele jebergeit »or bem ©ebrauefe gut. Die ©obe ip ein bi« gwei Sfeeelöffel ooli, je naefe bem Stlter, breimal tägtiefe. Diefe Mifefeung lommt ber beften SBumn örjnei gleiefe. 856 Mebiginifcfee Mifdjungen. 3uderwerf gegen SBürmer. Madje eine ßarfe Slbfocfeung »on gwei Sfeeilen ©al»ei unb einem Sfeeil SButnt« famen, gieße burefe unb fefee 3«der genug feingu, um «Kant baraus macfeen gu fön« nen; foefee ein, bi« ber ßudtx fömt; bann rotte in ©taugen auf unb laffe bie «fttn« ber ba»oit effen. Matt fagt, bie« Mittel fei unfefelbar. SBurmargnei. «Jcimm Mprrfee unb Slloe, »on jebem eine Unge; ©afran*, ©aloei* unb «Jlain« famblätter, oon jebem eine fealbe Unge; übergieße mit einer «pinte frongößfcfeen Sronntwein, laffe gwei SBocfeen ßefeen, unb gib .Kinbern einmal in ber SBocfee bis einmal im Monat, einen Sfeeelöffel oott baoon, al« eine «Präoentio gegen SBürmer. ©ie werben, fo lange fte biefes nefemen, nidjt oon SBürmern geplagt werben. „® o t b e it t" S r o p f e tt. «Rimm fecfes Ungen parfen SBeingeiP; gwei Ungett ©cfewefelätfeer; Sitronen* unb Slni«öl, »on jebem eine Dracfeme unb Saubanum eine fealbe Unge. Die ©abe iß ein bi« brei ober »ier Sfeeelöffel »ott. S« ip ein au«gegetdjneteS frampfßiüenbes Mittel unb ip gut gegen «Jteißen ber MuSfeln unb ©efenen. Slusgegetefenete« Haarmittel. «Rimm gwei Draefemett Sengoefearg; »ier Ungen «Ricinu«öl unb ein Duart SBein« geifl; fcfeüttele tücfetig unb fefee Saoenbet* unb Sergamottöl, »on jebem eine Dracfeme; ©ewürgnelfen*, «Rosmarin*, Sitronen* unb «pomerangen*Sffenj, oon jebem breißig Sropfen; ©panifcfefliegen*Sinftur, eine fealbe Unje feinju. ©cfeüttele ßets gut burdjeinanber, um bie Delarten gu gerfefeen. Ss iß bies ein auSgegeicfeneteS unb gut rieefeenbes Mittel, um ba« Haar weiefe gu macfeen, feinen Sßacfestfeum gu beför- dern unb es »or bem Slusfaüen unb ©rauwerben gu bewaferen. SBieberfeerpettungSmittet für Haare. !Rlmm gwei Dracfemeu prägipitirten ©cfewefel; etne Dracfeme Slelguder; «Rofen« waffer aefet Ungen; mifefee. Die« iß „©eneral Smigg«" 9tejept unb bie SaßS oon Söoob'S feerüfemtem „Hair «Refforatioe." S« gibt grau geworbenen Haaren bie urfprünglicfee garbe wieber unb macfet ba« Haar auf fafel geworbenen ßopfen wteber »aefefen. SBäfdje bett Mop[ mit ein »enig biefer glüffigfeit, ein* bl« gweimal täglicfe. Mittel, um ba« SBadjfen ber Haare gu beförbern unb ba« «Kafelwerben gu »erfeüten. «Rimm »ier Ungen «Rlcinu«öl, aefet Uugen guten 3amaifa «Rum, breißig Ircpfen Sa»enbelöl unb gefen Sropfen «Rofenöl; reibe ben Mop[ bamit oon 3eit gu ßtit ein, fdjüt^ele bie glafcfee gut »or bem ©ebrauefe. Mebiginifcfee Mifcfeungeit. 857 «Kirfefe*HergPärfuttg (Cordial). Wixsxm wilbe «Kirfcfeenrinbe unb «Pappelwurgelrinbe, »on jebem eine Hanb »ott; Foefee bie« langfam eine ober gwei ©tunbeit lang in einem Duart «Jtegenwaffer, gieße burefe unb fefee gwei «Pfunb weißen 3nder, »ier Ungen fein gepuloerte «pprpcfefeme unb fealb fo »iel, wie bie übrige glüfpgfeit ausmaefet, guten frangöfifdjeu Staunt* mein fetngn. Srtnge es bis gum «Kodjen uub rüfere um, um ben 3«der gu fcfemel* gen. Die ®abe ift ein fealbeS SBeinglaS »ott, brei* fei« fecfesmal täglicfe, für «Kinber weniger. S« ip gut bei Durcfefaü, «Jlufer unb aüen Unterleib«ieibeit. S« ip bie« ein auSge^icfeTieteS tonifefe*aPringirenbe« Mittet. Srombeerett*Hergpärfuttg. Das fol^fitVe Stegept, um biefe Hergftärfung gu macfeen, ip in oielen gamilien mefere Safere ntit bem größten Srfolg angewanbt worben» Man fagt, es fei eins ber wirffampen Mittel für ©ommertranffeeit. Sit atteit Strien oon Uitterleibsfranf* feeiten, wie pe in warmem SBetter »orfommen, feat es ftcfe »om größten «Rufeen gtjeigt, unb jebe gamilie foüte es be«featfe »orrätfeig fealten. 3u jwei Duart reifen Srombeeren füge folgenbe ©acfeeit: eilt «Pfuttb wetßeit 3uder; Musfatnuß, ßimmet, ©ewürgnelfen unb «Reifenpfeffer, »on jebem eine fealbe Unje. «Kodje alle« biefes eine furge 3eit unb, wenn falt, gieße burefe unb fefee eine pinte guten frongöpfcfeen Sronntwein feingu. Diefe Mifefeung wirb oon einem Sfeeelöffel bi« gu einem SBeingla« »ott, je naefe bem Sllter be« «Kraulen, in geeigneten ßwtfcfeenräumen gegeben, bi« Sefferung eintritt. Sauge gegen unregelmäßige Serbouung (Dyspepsia). «Rimm eine «Pinte Stfcfee »on weißem SBattnußfeolg, brei bi« »ier Ungen «Ruß unb jtoei Duart focfeenben SBafferS, gieße bie Mifefeung in eitt geeignete« ©efäß, rüfere fte um unb laffe pe über «Radjt Pefeett; bann gieße fte tlar ah unt füüe fte auf glafefeen. Die (Babe ift eine fealbe Saffe »oü, breimol täglicfe, unb wenn fte gu ffarf iß, bann »erbünne fte mit SBaffer, fei« pe fdjmadfeaft ip. ©ie ip ein pefeere« Heil* mittel für geftörte Serbauuug. ©efewarge« 3Bafcfe»affer. «Jcimm »ier Uitgeit «Katf»affer uitb eine Dracfeme Salomel; mifefee. Die« wirb als SBafcfemittet für faule unb träge ©efefewüre, »enerifefee SBuubett unb bergieiefeen angewanbt. Die« ip ein ausgegeiefenete« SBafcfewaffer hei SBunben, in golge »on Durcfereiten. SBafcfemittet für bie «Kräfee. «JUmm eine Unge fcfewefelfaure« «Kali; eine «Pinte SBaffer uub eine fealbe Unge ©(ferne* felfäure; mifefee. Man wafcfee bett »on ber «Kranffeeit angegriffenen Sfeeil gweimal taglidj mit biefem SBaffer, nacfebem man bie Sfeeile gut mit ©eifenwaffer gewafdjen feat. SBedjfele bie «Kleiber oft unb fealte bie Sfeeile fo rein al« mögliefe. Dil« SBaffer feeilt fefenett. 858 Mebiginifdje Mifcfeungen. «Jtotfee Sropfen. «Rimm eine fealbe Unge ©uajof*Sinftur; gwei Dradjmen Gubebenol; eine Unje Sopai»abalfam; gwei Dracfemen Saubanum unb eine fealbe Unge jufommengefebten SaöenbelfpirituS; mifefee. Die (Babe tp ein Sfeeelöffel »ott, brei» bis »iermal täg- licfe. Dies ift ein fefer wirffame« Mittel für Sripper, «Rodjtripper unb weißen gluß unb ip gut bei «Rierenleiben. $r eib e * Mt fdj u n g. «Jcimm gwei Unjen feingepulüerte «Kreibe; je eine Unje weißen 3uder unb gepuloer- ten arabifdjen ©ummi unb aefet Ungen feeißes SBaffer; mifefee unb rüfere bies in einem Marmor*Mörfer, baß e« äfenlicfe einer Milcfe wirb; bann fefee eine Unge Satedju* Sinftur unb eine t)albe Unge Saubanum feingu. Die (Babe iß ein bis gwei Sßlöffel »ott, atte jwei bis brei ©tunbeit. S« Wirft gegen ©äure unb als ein gufammen« giefeenbes Mittel bei Durcfefatt. ©ebrannter gr a ng br aitittw ein für Durdjfalf. «Jcimm eine fealbe «pinte grangbranntwein unb rüfere mit einem feelnafee rotfegtü« feenben ©cfeüreifen um, nacfebem man ifem gu»or eine fealbe Saffe »ott weißen 3udet gugefefet tjat. Die (Babt ip ein bis gwei Sßlöffel »ott, brei* bis »iermal täglicfe. ©ebrannter «Rfeabarber für Durefefall. SS iff »on «Rufeen, ben SBertfe bes gebrannten «RfeafearberS in Durcfefatt gu fen- nen. Sr iff bei ben Durcfefätten, welcfee in ben tefeten ©tabien »on Slusjtferung eintreten, feeilfamer, als «Kreibearjnet, Dpium, ober fonp ein in folefeen gätten ange« wanbtes Slrgneimittel. Sr ift feit mefer al« gwangig Saferen, mit bemfelben guten Srfolg, bei Durcfefatt angewanbt worben. «Racfe ein bis gwei ©oben ßnb bie ©cfemerjen fefenett befeitigt unb bie Singeweibe wieber in iferem natürlicfeen 3uftanbe. Die (Babt ip oon gefen bis gwangig ©ran, brei« bis fecfesmal täglicfe. Man bereitet ifen, inbem man bas «Rfeabarberpuloer unter fortwäljrenbem Umrüferen in einer eifernen «Pfanne brennt, bi« er beinafee fefewarg ift; bann füllt man e« auf glafefeen unb »erforft biefelben. ©eröpeter Stets für Durefefall. «Röpe eine fealbe «pinte «Reis, bi« er ferauit wirb, bann foefee ifen wie gewöfenlicfe in Milcfe unb iß ifen langfam. Sr wirb ben Durcfefatt in wenigen ©tunben popfen. ©ebrannter «Reis, gemafeien unb in Milcfe gefoefet, ift ebenfaüs gut. ©alg unb Sffig für Durefefall. «Rimm ein Siertel ©ta« »ott guten Slpfeleffig, einen gefeäuften Sßlöffel w« tfodjfalg, genug feeiße« SBaffer, um ba« ©las gu füllen. SBenn bas ^alg 0tio|t iß, bann gibt man »on ber Mifcfeuttg, fo warm, als es »ertragen werben fann, Mebiginifcfee Mifcfeungett. 859 einen Sfeeelöffel, bis einett Sßlöffel oott, je nadj bem Sllter, atte fünf bis jefeu Mtnu* ten, bis bie ganje Portion genommen ift; einem .Kinbe gibt man bie Hälfte. SBenn baffelbe ausgebrocfeen »erben fottte, muß man biefelbe Duontität wieber geben, unb follte ber Durcfefatt in fecfes ober aefet ©tunben nicfet geßopft fein, bann muß e« ebenfaÜS wieberfeolt werben. Ss ip ein au«gejeicfenetes, angenefeme« Heilmittel, »eicfeeS leicfet feerjußetten ip. Sei Uebelfeit, Sfeolera ober Sredjrufer, fefee man einen bis jwei gefeäuften Sfeeelöffel ooü gemafelenen, fefewargen «Pfeffer feinju. «Rie* manb braudjt mit biefem Mittel bie Sfeolera gu fürdjten. Ss tann feäußg gegeben »erben. Dr. Sorban'S Sfeotera*Mebigin. «Rimm ©uajaffearg, ffaefelige Sfdjen* (Prickly Ash) Seeren (ober boppelt fo oiel SBurjelrinbe), ©ewürgnelfen unb ßimmtt, oon jebem gwei Ungett; «Kampfeer unb «JRprrfeen, »on jebem eine Unge; «Kino eine fealbe Unge; madje SlüeS gu einem groben Puloer unb füge ein Duart grangbranntwein feingu. Saffe bie Mifefeung jefen bis »iergefen Sage ftefeen, fcfeüttele gwei* bis breimal täglicfe, bamit pdj bie Se* jlanbtfeeile nicfet gu feft auf ben Soben fefeen, bann gieße burefe unb preffe aus; nimm aisbann Stnis* unb «Pfeffermüngöl, »on jebem gwei Dracfemen unb »ier Ungen Jllfofeol; mifefee bie Delforten unb ben Sllfofeol gut in einer glafcfee, unb fefee fobann bie glüfßgfeit ber erperen Mifefeung feingu. Die (Babe ip ein bis gwei Sfeeelöffel »ott, atte fünf, gefen, fünfgefen ober breißig «Kinuten, je naefe ber ©efäferlicfefeit ber Aranffeeit. 3n ber Sfeolera fottte es feäupg gegeben werben; wenn aber Uebelfeit unb Srbreefeen »orfeanben ip, bann ftnb fleine ©aben oorjujiefeen; man gibt einen Sfeeelöffel »ott, atte fünf Minuten, fei« bem fefelimmßen 3npanbe Sinfealt getfean ift; bonn gibt man e« feltener. S« fottte immer attein, triefet mit anberen Slrtifeln gemifefet, gegeben werben. Sei gewöfen* tiefeem Durcfefatt ein bi« gwei Sfeeelöffel »oll, ftüubliefe genommen, wirb feinreidjenb fein. S« ift ferner ein ausgegeiefenete« Mittel für «Kolif, ©efemergen im Magen unb Seine unb berufeigt ben Magen fefenett, wenn Srbreefeen pdj eingeftetlt feat ober Uebel* leit oorfeanben ift. Ss fottte per« im Haufe gefealten werben. SBenn e« fofort gebraucfet werben fott, fann e« in einer ©tunbe ober fcfenetter gemadjt werben, inbem man ßarfen SBeingeift, ftatt grangbranntwein nimmt uttb Sitte« in einem un»erfort* ten ßeinernen «Kruge foefet, welefeen man in einen «Keffet »ott focfeenben SBaffer« ftettt unb öfter« fcfeüttelt uub aufrüfert. 3ufammengefefete©eifeneittreibung. iRinim »enetianifcfee ©eife, ©affafra«öt, «Kampfeer, ©almiaffpiritu« unb Serpen* tinöl, oon jebem eine Unge, unb SBeingeiß gwei Ungen; mifefee es. S« iff bie« eine gute Sinreibung für gefdjwottene Drüfen, entgünbete Manbeln, »efeen Hai«- Munt, «Kefelfucfet uub entgünbete Srüfte ber grauen. Sinreibung für «RfeeumatiSmu«. Stimm oier Unjen SBeingeiP; .Kampfeer, Hemlodöl, Sebernöl unb Serpentinöt, »on iebem eine fealbe Unge; mifefee. Sraucfee e« feäupg bei «Rfeeumati«mu«, ©efemergen, gefefettollenen ©elenfe«, Serreitfungen u. f. ». 860 Mebijlitifcfee Mifdjftngen. 3ufammengefetiteS Mprrfeen*Siniment. «Rtinm gwei Ungen gepuloerte Mprrfee; eine Unje Hemlodöl; Sapennepfeffer, «Kam« pfeer unb Doffenöl, oon jebem eine fealbe Unje; parfen SBeingeip, eine pinte; mifefee. S« ip bie« ein wertfeootteS, ftimulirenbes Siniment, gut gegen fletfe ©elenfe, jufam« mengejogene ©efenen unb In allen gäüen, wenn ein anregenbeS Siniment notfewen- big tp. SS tanit ebenfaÜS innerlicfe tfeeelöffelweife für ©efemergen, «Kotif, Durcfefaü, unb bergieiefeen genommen werben. Harntreibeitbe« Siniment.. «Rimm SBacfefeolberöl, €:tl ber gefledten Monarbe (Horsemint) unb »on ber grü- nen Münge (Spearmint), »on jebem eine Unge unb ffärtpen SBeingeip, brei Unjen; mifefee. S« ip gut, ben Rüden unb in ber ©egenb ber «Rieren bamit einzureiben, wenn biefe Drgane entgünbet ober untfeätig ftnb. Siniment für ©elenf rfeeu ma ti «m u«. «Rimm Seinfamenöt, Sebemöl uub SemPetitöl, oon jebem eine Unge; eine fealbe Unge .Kampfeer, weldjer in einer fealben Unge Dlioenöl burdj «Jteiben im Mörfet gelöp ift, nacfebem man bem «Kampfeer einige Sropfen Slllofeol, um ifen gu pulse. ripreit, feingugefefet feat; Serpentinöl unb Saubanum, pon jebem eine fealbe Unje. Mifefee; fcfeüttele gut unb reibe bamit gut ein. S« ip bie« eins ber bepen befann ten Sinreibungen für «JtfeeumatismuS. „SlleftifcfeeS" Siniment. «Rimm ©almiafgeip, Serpentinöl, Dlioenöl, «KampfeerfpirltuS unb Saubanum, »on jebem gleicfee Sfeeile. Die« ift ein wertfeoolle« Siniment bei allen feeftigen ©cfemerjen. Salifornia Siniment. «Rimm Dpobelbof, Serpentinöt, Del »on brauner Dope (Oil Origanum) unb ©teinöi, »on jebem gwei Ungen; kampfeer unb rotfeen «Pfeffer, oon jebem eine fealbe Unge; ©almiafgeip, eine Uuge; parfen SBeingeip, ein Duart. Dies tp gut gegen atte feeftigen ©efemergen, «Rfeeumatismu«, Serrenfungen unb Sinfcfewettungen. ßs ip gut für Menfcfeen unb Sfeiere. „3ertfeetlenbeS" Siniment. «Rimm ©almiafgeip, Holgefpg, Del »on brauner Dope, Serpentinöl unb ©üßöl, »on jebem eine Unge. Sfteibe e« auf atte Sirten »on fearten unb trägen ©efcfewüißen, Slnfammtungen unb fearten Slitfcfewettungen, um biefelben gu §ertfeeilen; ferner auf auf fcfewielige Sergrößerungen ber «Knoefeen. Sraucfee e« feäußg. «Rer» en*Sittimettt. «Rimm ©affafra«öi, Sapennepfeffer*Sinftur, ©almiafgeip, amerifanifdjeS %\wl, Hemlodöl unb Saubanutr, »on jebem eine fealbe Unge. Mifefee, fcfeüttele gut unb Mebiginifcfee Mifcfeungen. 861 ftttJi bie Mifefeung auf glafefeen. ©ie ip fefer nüfelicfe bei feeftigen ©efemergen, «Reu* raujle, Äopfmefe, Krämpfen, ßat)nwet), «Pobagra, «Jtfeeumati«mu«, wefeem H«l«, eitt- jünbeten Srüpen unb atten Slrten »on «Reröenfcfemergett. Stmica^Sinreibung. «Rimm eine Dracfeme3lrnica*Sinftur unb »ier Ungen Sllfofeol; mifefee unb fdjüttete gut. Die« ip eine auSgejeicfenete Sinreibung für ©efemergen in ben güßen unb ©liebern, weiefee »om ©efeen feerrüfereit; für atte frifcfeen Serrenfungen, Seulen unb Quetfcfeungen; für ©elenfrfeeumati«mu« unb «Pobagrafefemergen. Heilmittel für eine gteifdjgefcfewutp (Wen), «JRan macfee eine parle Sauge »on ©eefalg, inbem man ©alg, fo»iet al« möglidj, In feeißem SBaffer auflöff; tautfee ein gwei* bi« breifaefe gufammengelegte« ©tüd glaneü falt in ba« ©algwaffer, lege es über bie gleifdjgefdjwulß unb fealte fte beftan* big, Sag unb «Racfet, naß bamit, bis Siterung ftattftnbet, banit lege Umfcfeläge bar- auf befeufs ber Heilung. Man fagt, bies Mittel fei wirffam. SBafcfemittet für ©efearbod. «Rimm Slloe unb Safrifeen*Srtraft, »on jebem eine fealbe Unge; Mprrfee, eine llnje; puloeripre SltteS uub tfeue es iu eine «Pinte grangbranntwein. Saffe bie« oier Jage ftefeen unb au«giefeen, bann gieße e« burefe, ober pltrire eö unb fütte e« auf glafefeen. SBäfdje unb reibe ba« 3afenfletfctj breimal tägtiefe feiermit. S« iß ein ßefeeres Mittel. Um SBargen gu entfernen. «Rimm gleicfee Sfeeile ©almtaf, Sapennepfeffer unb Slutwurgel, Sitte« fetngepul* beit; mifefee unb macfee barau« mit etwa« gufammengefefemoigenem SBacfe« unb Salg ein «Pflafier. Sinbe ein «Pflafter feieroon auf bie SBarge. Um bie SBarge muß guerp, um baS ße umgebenbe gleifdj gu fdjoneit, eilt Heftpflaßer mit einem barin bepnbli* Socfee gelegt werben, welcfee« gerabe groß genug ift, um bie SBarge feerauSftefeen gu laffen; bann überlegt man bie SBarge mit obigem «pflafter. S« ip gut, bie SBargen guerft ein wenig gu fcfeneibett, ober gu peefeen unb pe gelegentliefe mit Höttenfteitt, ober ©alpeterfäure gu betupfe«. Mau erneuere ba« «Pflafter täglicfe einmal, bi« bie Sßccrje oerfdjwunben ober abgeporfeeit ifl, bann feeile mit guter Hetlfalbe. gür SBargen unb Hnfeneraugeit. Die «Rinbe ber gewöfenliefeett SBeibe, gu Stfcfee gebrannt, gemifefet mit parfetn SfPg "nb auf ben betreffenben Sfeeil gelegt, »ertreibt SBargen, Hüfencraugeu unb anbere Nwüdjfe. 862 Mebiginifcfee Mi f tfeun gen. Sin anbere« Mittet für benfelben ßwed. «Rimm eine Unge gewöfenlicfee ©oba, löfe pe in einer «pinte SBaffer, unb wafcfee bie SBarjen unb bie Sfeeile, wo biefelben pfeen, breimal täglicfe bamit. Man fagt, es fei bie« ein ßcfeeres Mittet. Um gettflede au«guwafdjen. «Jcimm gwei Ungen SBeingeip, gwei Ungen Urin unb eine Unje ©almiafgeiß; mifefee; macfee eineit wollenen Sappen bamit naß unb reibe ben gled, bis bas gett feerauS iß. Dies iß baS befte belannte Mittel, um 3eug unb «Kleiber »on gett unb anberen gleden gu reinigen. g l e cfe t e n * (Tetter) ©albe. «Rimm »ier Ungett frifefee Sutter; eine Unje »enetianifefeett Serpentin; eine Unje rotfeeS Duedplberpräjipitat. ©djtnitj bie Sutter unb ben Serpentin jufammen, unb wäferenb bieS nocfe warm ip, rüfere baS «Präjipität barunter unb mifefee gut. «Jtetfee einmal täglicfe ein wenig baoon ein. Ss ift gut für gleefete, «Kräfee unb aüe Hautausfcfeläge. Snbiaitifcfee alht für gotbene Slber. «Rimm ungefäfer eine Saffe »ott ©efeweinefett, tfeue es in ein ßacfeeS jlnnernes ©e* faß; nimm gwei platte ©tangen Slei unb reibe bas gett mit ben ßaefeen ©eiten ber ©langen, bi« e« fefewarg ober »on bunfler Sleifarbe wirb. Dann brenne gleidje Sfeeile Mautabad (Cavendish) unb alte« ©djufeleber gufammen In einem eiferntn ©efäß, bi« ba« ©ange »erfofelt iff; pul»eripre e« unb mifdje e« mit bem gett, bis es eine bide ©albe wirb. Sraudje es ein* bis gweimal tägtiefe als ©albe für bie gol« bene Slber (piles). ©ie feeilt uufefelbar. Hämorrfeoiben* (golbene Slber*) ©albe. «Jcimm ©tecfeapfelfraut unb Slätter »ou «Kafeetimütige, beibeS gefdjnitten, oon jebem eine Hanb»ott; gwei bis brei 3wiebeln unb ungefäfer gwei Ungen gefefenittenen Xahad; übergieße ba« ©ange mit Sronntwein unb laffe eö brei Sage ftefeen; bann fefee eine «pinte gett, weldje« au« altem, rangigem ©ped gelaffen worben ip, feinju, unb foefee e« über gelinbem geuer, bi« ber Sronntwein oerbampft ip; bann gieße burefe unb preffe au«. Die« ift eine au«gejeiefettete ©albe in allen gäüen oon gol« bener Slber, femer ip pe gut al« Sertfeeilung«mtttel 'für fearte Slnfcfeweüungen, ©e« fdjwüre unb ©efdjwülpe. ©teefe apfelf albe. «Jcimm irgenb eine Menge ©teefeapfetblätter, quetfefee pe unb foefee pe langfam jwr» fei« brei ©tunben lang itt gett, fefee eine «Kletnigfett Salg, ober, für ben ©ebrauefe im ©ommer, SBacfeS feingu, um pe feft gu macfeen; gieße burefe unb preffe aus. nee ip eine gute ©albe gum Sertfeeilen »on Slnfcfewettungen, ©efefewülßen unb berglei- Mebiginifcfee Mifcfeungen. 863 cfeen. ©ie ip ferner eitte gute ©albe für golbene Slber. SBenit man biefer ©albe, trenn pe falt ip, etwa« feingepuloerten Xahad ober fcfeottifefeen ©cfenupftobod (Scotch snuff) feingufügt unb gut mtftfet, fo wirb fie nocfe feeilfamer für golbene giber. SBenn bie golbene Slber felutettb tp, ober ein Sorbringen be« Darmes ftatt* ßnbet, bann füge jeber Unge biefer ©albe eine ober gwei Dracfemen Sannitt feingu unb mifefee gut, um pe gufammengiefeenb gu macfeen. «Jtoßtapattiett*©albe. 5Rimm ein fealbe« Dufeenb reife «Jtoßfapanten, fcfeäfe, quetfdje unb foefee pe gelinbe in einer fealben pinte gett, eine bi« gwei ©tunben lang. Die« ip eitt »orgüglidje« «JRittel für golbene Slber. 3er tfeeilung« falbe. «Rimm Sitterfüßwurgelrinbe, «Kerme«feeerwrftjet (Poke-Koot), fraufe Slmpfer* (Yellow Dock) SBurjel unb ©tedjapfelfetätter, oon jebem eine Hanböott, gerfefenit* ten; bebede bie« mit Sllfofeol, ober Sratintwein, unb laffe es brei Sage pefeett. Dann fefje eine Pinte gett feingu unb foefee es eine bis gwei ©tunben long gelinbe; bann gieße burefe unb preffe aus; fefee eine Uttge »eitetianifefeen Serpentin feingu unb foefee toieber, bamit atter ©pirituS »erbampfe. Dies ift eine gute ©albe, um ©efcfewütpe, ©efefewüre unb Sinfcfewettungen gu gertfeeilen. gür Srattbwuttben uub Serferüfeuttg. «Rimm »ier Ungen fuße« Del, gwei Ungen burgunbifdje« «Pectj unb eine Unge SBacfeS; fcfemilg bieS in einem irbenen ©efäße über bem geuer unb mifefee gut. Sßenn es falt iß, tfeue es in einen Sopf unb fealte bie Suft ah. Diefe Mifefeung loirb gebraucfet, inbem man pe büitn auf Seinen* ober Saumwottengeug ftreiefet unb über bie Sranbwunbe legt; öffne bie Sronbwunbe mit einer «Rabet, bamit bas SBaffer feerauslaufe, wenn folefee« »orfeonbeit tp, uub fofere mit bem Sinreiben fort, bis Heilung erfolgt. «JRan feat gefunben, baß SBeigenmefel ein »orgüglidje« Mittel für Sranbwunben iß. man muß baffelbe fo aufftreuen, baß bie SBunbe »öllig bomit bebedt ip; e« fcfeüfet ben »erlefeten Sfeeil »or ber Suft, ba ber 3utritt berfelben eine Haupturfocfee beö ©efemerge« ip. S« giefet ferner bie Hifee au«. Die SBunbe fann audj unmit* telfear »or Slnmenbuttg be« Mefel« mit einer Mifefeung von gleiefeett Sfeeilen «Kalf* loaffer unb Seinöt ober ©üßöl mit einer geber beftriefeen werben. gerner ip baö Sepreicfeen mit rofeem ober gereinigtem Honig gut; e« linbert bie ©efemergen in fefer furger 3eit, unb bie SBunbe wirb fefenett gufeeiien» ©ewöfenlicfeer 3uderfeau«fprup tp ebenfatt« fefer gut, wentt matt feinen Honig faben fantt. 3tofee, geriebene «Kartoffeln mit füßem ober Setnöl unb einigen Sro* pfen Serpentinöt gemifdjt, ift ebenfatt« gut. SBentt bie Sranbwunben groß unb gefäferlicfe pnb, bann fottte ber Seriefete ein woffertreibeiibe« Slbfüfermittet nefemett, »m ben Seib offen gu fealten. Die antibiliöfe Mebigin, ober irgenb weiefee afefüfe- 864 Mebiginifcfee Mtftfeungen. renbe «pitteit, mit einem Sfeeelöffel »ott Sremor Sartari, ßnb entfprecfeenb; ober eini (Babe ©aij. $reib ef atb e. — Mifefee präpartrte «Kreibe, fein puloeriprt, mit gett, fo baß bie Mifefeung eine bide ©albe bilbet. ©ebraudje pe auf Sranbwunben. Man fagt, pe fei ein »orgüglicfeeS Mittet. gür benfelben 3 ro c d • «Rimm eine Duontität frifefee« gett unb mifefee es mtt geputoertem «Jiuß — unge- fäfer einen Sßlöffel oott «Jiuß gu einer Unje gett — unb lege bieS auf. Dies iß eine« ber beßen Mittel für Sranbwunben, weltfeeS gemaefet werben fann. «Rer»e. itfalfee. «Rimm gwei Unjett Sitterfüßwurjelrinbe; SBermutfetrout unb «Kamittenblumen, »on jebem eine Unje; laffe bie« mit ©piritus brei Sage lang auflöfen, fefee ein fealbeS «pfunb gett unb etwa jwei Unjen Hammeltalg feinju unb laffe bie Mifefeung eine bi« gwei ©tunben lang gelinbe foefeen; bann gieße burefe, preffe aus, unb wenn aisbann ber ©piritus nocfe nidjt alle »erbampft ip, foefee nocfe einmal. SBenn bie Mifefeung nafeeju falt ip, fefee eine Unje gepulverten «Kampfeer feinju. DiefeS ip eine auSge« jeiefenete ©albe für fcfemerjfeafte ©efefewüre, Slnfefewettungen, Duetfcfeungen, unb ße tp befonbers gut für entgünbete Srüfte ber grauen, wunbe Sruftwargen unb um bi« Milcfe aufjutroduen. gür g l e cfe t e (Ringworm). Die glecfete ifl ein Slusfdjlag, welcfeer frumme Stniett, meiften« .Kreife bilbet, nnb welcfeer judt, wenn er gerieben wirb, ober wenn ber Aörper warm tp. Mittel gegen b ie fe l be. — «Rimm Sabadsblätter unb foefee biefelben gut; bann fefee Sfpg unb ftarfe Sauge gu ber glüffigfeit. SBafcfee ben SluSfcfelag ofl feiermit, unb er wirb gewiß gefeeilt werben. Das (Einreiben mit «Rictnusöt, mefere Mal täglicfe, fott ein pdjereS Mittel gegen glecfete fein. glecfete fantt in bett meipeit gätten baburefe gefeeilt werben, baß manringS um ben SluSfcfelag mit einer «Jcabel bie Haut rifet. Die glecfete wirb bie fo gefeilbete Sinie nicfet überfcfereiteit. gür «Ragelgefcfewüre ober SBurm am ginger. Hatte ben gtttger ober franfen Sfeeil in parle Sauge, fo feeiß als man es ertragen fann, eine fealbe ©tunbe gur 3eit, gwei* bis breimal täglicfe, unb lege ein Pßaßer »on ©alg, ©eife unb Serpentinöl auf. DiefeS wirb „gertfeetlen," wenn eS frufe genug aufgelegt wirb, ©ottte ftcfe ein Mop[ bilben, fo öffne baS ©efefewür, macfee Umfcfeläge »on Sauge unb gepuloerter Ulmenrinbe unb feeile eS mit einer guten ©albe gu, ober wafcfee ben franfen Sfeeil mit feeißer Stfcfee unb SBaffer. Sege eine ©albe auf, bie »on einem Sigelb, gefen Sropfen Serpentinöl, ein flein wenig fearter ©eife, einem Sfeeelöffel »oü gebranntem ©alg unb eben fo »iel MaiSmefel gemaefet ip. Die« Mittel feeilt ßet«, wenn e« bei ßtittn angewanbt wirb. Mebiginifcfee Mifcfeungett. 865 «Rimm ein »enig »enetianifcfeeit Serpentin, »erbide ifen mit SBeigenmefel unb lege fcies als Dünne« «pflaPer auf. Dber: Sege ein «PflaPer »oit gleiefeeit Sfeeilen ©eife unb braunem 3nder auf. Dber: Sin «ppaffer »ort (©cfeufemadjer*) «Pedj, »elcfeeS fefer tjeilfam tp. Dber: Sin «Pffaper »on Honig unb SBeigenmefel ip ebenfatt« gut. SS wirb aud) gut fein, ein gutes Slbfüfermittet gu geben. Seberpilten. iRimm gleidje Sfeeile Maiapfetwurgel unb Slutwurgel unb eine feinreidjenbe 5Renge Söwengafen*Srtraft, um eiue «Pittenmaffe gu madjen; fefee einige Sropfen «Pfeffermüngöl feingu unb madje baraus «Pitteit oott gewöfenlicfeer ©röße. Die ©abe baoon iß beim ©djlafettgefeett unb Morgens »or bem grüfeßüd jebeSmal brei «Pillen. gs iß bies ein auSgegeidjueteS Mittel gegen Seberfranffeeitett unb ffittt gewöfenlicfe Die ©cfemerjen in ber ©eite unb ben ©djultern. S« wirft »ortrefffidj in «Rieren* franffeeiten unb ©elbfudjt. Sin reigenbe« «Pflaper fottte über ben angegriffenen Jfeeil gelegt werben, unb Heilung wirb ßdjerlidj" in wenigen Sagen eintreten. ©ewöfenticfee Hetlfalbe. «Rimm baxi unb gelbe« SBaefe«, »on jebem gwei Ungett; Dlioenöl, aefet Ungen; fcfemilg gufammen unb rüfere bie«, fei« e« talt ip. Die« tp eine gute Heilfalfee für aüe gewöfenlicfeen SBunbett. / ©djwarge ober Utti»erfatfalbe. 6efee ber »orfeergefeenbett ©albe, wäferenb fte bem «Kodjpunft nafee ip, »ier Ungen Mennig unter fortmäferenbem «Rüferen feingu, unb, weitit feetitafee falt, füge unter llmrüferen gwei Dracfemeit gepuloerten «Kampfeer feingu. Die« ip unter atten Umßänben eine »orgüglidje Heilfolbe. SBacfe«gageIfatfee. «Rimm jwei Ungen 3Badj«gagelwaefe«; je eine Unge weißen Serpentin unb Dlioenöl; fcfemilg e« unter Umrüferen gufammen. Diefe ©albe ip fefer feeilfam bei Drüfen* gefefewüren. ©rüne ©albe. «Rimm Harg unb gelbe« SBacfeö, »on jebem eine Unge; Hammeltalg (ober ©efewet* nefett),ungefäfer »ier Ungen; fcfemilg e« gufammen; rufet* eine Dracfeme gepuloerten ©rünfpan feinem unb mifefee gut. Diefe ©albe ift fefer nüfetiefe für alte SBunben, ©efefewüre, «Krefe«, Drüfengefcfewüre, ©efenitt* unb anbere SBunbett. S« tp bie« eine ber bepen befanitten ©alben. ©albe für ©rittblopf. SRimm gwei Dracfemen ©cfewefel; eine Dracfeme weißen Sitrtol unb einen ober jtoel Sfeeelöffel »oll («Kamin*) Stuß von »erbrottutem Holg; mifefee mit ungefäfer 55 866 Mebiginifcfee Mifcfeungen. einer Unge ©cfeweinefett. ©cfetteibe bie Haare bes «Kittbe« furg ab, wafdje ben Äopf gut mit »enetiattifdjer ©eife unb warmem SBaffer unb reibe ben «Kopf täglicfe ein- ober gweimal mit biefer ©albe ein; wafcfee ober jebeSmal guoor ben «Kopf mit btm genannten ©eifenwaffer. Sitte anbere ©albe, bie in einigen Sfeeilen biefeS SanbeS für biefen ßwtd fefer feäußg gebraucfet wirb, wirb »on jungem, grünem Joggen gemaefet, ben man oom gelbe nimmt, efee bie Sleferen feerauS pnb, unb »on bem man eine Hanbooü nimmt unb ifen in füßem «Jtafem foefet. Der «Kopf wirb bamit gwei* bis breimal täglicfe eingerieben, nacfebem man tfett jebeömal, wie oben angegeben, »orfeer gereinigt bat. S« iß beffer, ben «Kopf ffet« bebedt gu fealten, wenn er mit ©albe eingerieben iß. Sin wenig »on ber glecfetenfalbe fann »on3elt gu 3elt ebenfaüs angewanbt wetben. 3 o b f a I b e. «Rimm gwanjig ©ran Sob; »iergig ©ratt 3obfali unb eine Unje einfadje SBacfeS« falbe ober gett; reibe SlüeS gut in einem Mörfer gufammen, bis eS aufgelöß unb gut gemifefet ip. Diefe ©albe wirb für ben «Kropf, für Drüfen* unb Manbelan« fefewettungen unb «-©efdjwüipe unb weben Hals, In golge oon Sinnefemeu oon Dued« plber, gebraudjt. ©ie muß gweimal täglicfe angewanbt werben. Heilmittel für «Reröenfrattffeetten. Sefe Witt feier einige 9tegepte geben, welcfee ftcfe in »ielen ner»öfen Seiben als fefet nüfelicfe erwlefen feaben, unb welcfee fefer eittfaefe unb meipenS in irgenb einer Sipo« tfeefe gu feabett ftnb: Um allgemeine neroöfe Slufregung gu pillen unb bas «Reroenfppem, namentlicfe bei garten grauen, gu parfen, nimm eine Unge Salbrian*Sinftur, eine fealbe Unje ©djmefelätfeer, eine fealbe Unge gufammengefefeten Saoenbelweingeip unb eine Unje «Kampfeermeingeift; tnifdje. Die (Bäht ift ein bis gwei Sfeeelöffel »ott, aüe jwei bis brei ©tunbett. Sei großer neroöfer ©cfewäcfee, »erbunbeit mit Dfenmacfet ober Slnlage jur Dfenmacfet, itmo mau ßnbett, baß folgenbe 3ufammenfefeung fefenette unb gute Hülfe leißet, unb fottte bafeer »on Seuten, welcfee auf biefe SBeife leiben, oorrätfeig gefealten werben. «Jcimm Salbriait* unb Sibergeil*Sinftur unb «Kampfeergeiß, »on jebem eine Unje; Slmmoniafweiitgeift unb jufammengefefetett Sooenbeiweingeiß, oon jebem eine fealbe Unge; mifefee unb nimm einen bis brei Sfeeelöffel »oll aüe gefen bis fünfgefen «Minu- ten bis einmal atte gwei bi« brei ©tunben, je nadj ben ©pmptomett. Sei allgemeiner «Reroenfcfewäcfee, »erbunben mit Un»erbaulicfefeit, Magenfäure, 3tufeeloftgfeit unb Unöermögen «Racfet« gut gu fdjlafen, wirb man golgenbes fefet nüfelicfe pnbett: «Rimm Salbriatt* unb Hopfen*Sinttur, oou jebem eine Unge; pottafefeetöfung eine fealbe Unge; mifefee unb nimm einen ober gwei Sfeeelöffel »oü, breimal täglicfe. gür 3afenwefe. «Rimm gwei Dracfemen gepuloerten Sllaun unb eine Unge ©atpetetätfeerweingelft; mifefee unb löfe biefe« unb bringe etwa« ba»on an ben 3afen, unb, wenn er feofel ip, Mebiginifcfee Mifcfeungeit. 867 In benfelben. SBenbe e« feäupg an. S« wirb bem feeftigpeit 3afenwefe iit furger ßeit Sinfealt tfeun. Dber pede in ben 3afen eine «Pille, gemadjt au« «Kampfeer unb Dpium. ©tede ©aumwotte ober SB»üe in bie Dferen, un* gwar fo feft al« möglidj, an ber ©eite, mo ber fcfemergenbe 3afen ip. Diefe« Mittel feeilt faft immer innerfealb »ier unb jmangig ©tunben. gropfdjmergen. SBenn eine Hanb ober ein guß ober irgenb ein anberer Sfeeil be« AörperS erfroren ober oom grop angegriffett iff, wenbe man weber etwas SBarmeS nodj etwas ©timu* lirenbeS an; eben fo wenig bringe man ben «Patienten bem geuer nafee ober gu plöfeliefe in ein warmes 3immer. Das Sepe ip, ben erfrorenen Sfeeil mit ©cfenee ju reiben unb bieS Serfaferen eine 3eit lang fortgufefeen. SBenit man feilten ©cfenee feaben fann, bann babe man beit Sfeeil iit Siswaffer, welcfee« ba« näefeftbepe Mittel iß. Matt oermeibe, eine feeftige ©egenwirfung feeroorgumfen, gleicfeoiei, ob blo« ein ©lieb ober ber ganje Körper »om grop angegriffen ift. «Racfebem ber angegrif* fene Sfeeil bie natürliche SBärme unb ba« Seben wieber erlangt feat, fealte beit Patienten eine 3eit lang an einem füfelen ptafee, — einem falten Seit in einem falten 3immer — unb fafere mit ben Umfefeiägen oon faltem SBaffer eine ßeit lang fort. SBenn Sranb ftattßnben fottte, muß man ba« abgeporbene gleifcfe fidj ablöfen laffen; unb ber Sfeeil muß befeanbelt werben, wie unter bem Slrtifel „Sranb" »orge* fcferieben worben ift. ©iefee ferner, »egen »eiterer Sefeanblung, ben Slrtifel „grop* beulen" nadj. S a u b fe e i t. SBenn einmal bie gäfeigfeit be« Hören« gänjlidj »erloreit gegangen ip, fo ip e« feiten ber gatt, baß biefelbe »ieberfeergefteüt werben lann; ja. felbft momentane Saub* feeit fann fdjwer gefeeilt, bod) fantt fte oft geinilbert werben. Momentane Saubfeeit rüfert fefer feäußg »on Slnfeäufung unb Serfeärtung be« fogenannten Dferenfefemalje« feer, fann aber meiften« burefe eintröpfeln folcfeer giüfpgfeiten itt bo« Dfer, welcfee erweiefeeti, auflöfett uub auefe ftimuliren, befeitigt werben. 3u biefem ßwede werben folgenbe Mittel al« bie beften empfofelen: «Rimm eine Unje ©djwefelätfeer unb füge eine Dradjme gepuloerte«, fofelenfoure« Slmmottium feinju; laß biefe« befeuf« Sluftöfung1 einige Sage ftefeen. SBenn ftcfe nicfet Sitte« auflöp, gieße bie glüffigfeit forgfältig »on bem Sobenfafee ah, unb »on biefer glüffigfeit tröpfele einmal täglicfe brei bis fecfes Sropfen in ba« Dfer. Der Patient foüte wäferenb be« StntröpfelnS bett «Kopf auf bie entgegettgefefete ©eite fegen unb ifen einige Minuten liegen laffen, bamit bie glüffigfeit einbringen fann. Diefe Mifefeung wirb fefer empfofelen, unb hei fortgefefetem ©ebrouefee fott pe fofl Immer tfeeilweife Saubfeeit furiren ober bocfe Wenigpens bebeutenb beffern. Sin anbere« Mittel: nimm eine Uttge reines Dlioenöl; Sobelia* unb Sapenne* Pfeffer*Sinftur, »on jebem eine fealbe Unge; mifefee unb tröpfele aus einem warmen Jfeeelöffel »ier bi« feefe« Sropfen gweimal täglicfe in bo« Dfer , nacfebem matt ba« gfäfcfecfeen »or bem ©ebrauefe gefcfeüttelt feat. Diefe« tinbembe, erweiefeenbe unb utregenbe Mittel wirb in atten ge»öfenlicfeeit gätten bem ßwedt oöttig entfpreefeen, 868 Mebiginifcfee Mtfcfeungen. Das gett »on SBetfcfefeüfenem fott nodj beffer al« Dlioenöl fein unb fann in biefet 3ufammenfefeuug ftatt Dlioenöl angewanbt werben. Da« folgenbe Mittel, weldje« lange gefeeim gefealten würbe, fott ba unfefelbat fein wo e« überfeaupt mögliefe ip, eine Heilung gu bewerfftettigert: «Jctmm einen gewöfenliefeett Slat, entferne bie Haut unb Singewetbe, feänge ifen oor bem geuer auf unb laffe bas Del in eine «Pfanne ober ein ©efäß tröpfeln; wenn Sitte« fetneingetröpfelt, fütte ba« Del in glafefeen unb feleroon tröpfele ein* bis gweimal täglicfe fünf bi« fedj« Sropfen au« einem warmen Sfeeelöffel In bas Dljr. 3d) X)abt »iel »on ber SBirffamfeit biefes Mittels gefeört unb gweiße nicfet, baß es gut iß. Sdj glaube, e« tp nie »orfeer. »eröffentliefet worben. 3dj erfeielt bas ©efeeimniß mit einiger ©djwierigfeit »on einem alten «Reger. gür peife ©etenfe. Die ©etenfe werben bisweilen peif, meipenS in golge ber unridjtigen Sefeanbfung bes ©elenfrfeeumatiSmuS. ©oldje gätte »erlangen linbembe unb ftimulirenbe Sin« retfeungen, für weldje ßwtdt folgenbe empfofelen pnb: «Rimm gwei Ungen «Klauenfett; Seinfamenöl, Hemlodöl, Sebemöl, Sofeelta*$inf» tur, Sapennepfeffer=Sitiftur unb Defefengatte, ttoit jebem eine Unge; unb Sllfofeol, »ier Ungen; mifefee, fcfeüttele gut »or bem ©ebrauefe unb reibe bie ©lieber gwei« bii breimal täglid) tücfetig bamit ein. Ss ip bieS eine ausgegeiefenete Sinreibung für gufammettgegogene ©efenett, Peife ©elenfe unb «JtfeeumatismuS, »erbunben mit Slnfcfewettung. Sin anbereS: nimm ungefäfer eine fealbe «Pinte Singelwürmer («Jtegenwürmer), tfeue pe in eine ©lasflafcfee, fefee ©affafrasöl unb Serpentinöl, oon jebem eine Unje, unb gwei Sßlöffel »ott ©alg feingu unb laffe gwei bis brei Sage in ber ©onne ßefeen, ober bii fte gelöft ftnb. Dber, wenn bie ©onne nicfet fefeeint, fo löfe fie tn gelinber Hifee beim geuer, bann gieße bie Mifefeung burefe glanett, um ben ©efemufe gu befel« tlgeit, unb füüe pe jum ©ebrauefe auf glafefeen.' Diefe Sinreibung, gweimal tägtiefe anfeolteitb gebraucfet, wirb bie ©teiffeeit irgenb eines ©liebes, wenn biefelbe über« feaupt feeitbar ip, feeilen. Das peife ©elenf follte über einem Dampfbabe »on bitteren «Kräutern täglicfe ein« mal gefealten, ober eine feeiße Säfeung »on bitteren «Kräutern fottte SlbenbS aufge* bunben werben, gu weldjem ßwede «Kräuter, wie Hopfen, «Rainfarn, Äafeenmünje, weißer Slnbom, gefledter «Krtöteridj, ©tecfeapfetfelätter unb bergieiefeen angewanbt werben fottten. Sin Umfcfelag »ott SBeijeitfieie, mit einer Slbfocfeung »on bitteten «Kräutern gemaefet unb feeiß aufgelegt, ip ebenfatts fefer gut unb foüte gelegentliefe «Racfets angewattbt werbe«. Der «Kranfe fottte ferner innerlicfe ein gutes Mittel gegen «RfeeumotiSmu« nefemett, fo wie pe unter biefer Ueberfcferift empfofelen ßnb, unb fottte pefe bemüfeen, ba« ©elenf fo oiel al« mögtiefe gu gebraucfeen. SS iß auefe reefet gut, gelegentliefe eitt warme« Sab gu nefemen. ©ommerfproffen. ©ommerfproffen ßnb gelbbraune gleden auf ber Haut, meiffenS auf ben auSge« fefeten Sfeeilen be« Körper«, al«: bem ©epefete, «Raden, Hänben unb Slrmen. ©U Mebiginifcfee Mifcfeungen. 869 lommen meipen« bei «Perfonen »on feeüer garbe unb rotfeem Haare »or. ©ie rüferen wofel mefer »on einer Unorbnung ber Seber, al« oon irgettb einer anberen Urfacfee feer; bisweilen auefe, bei grauen, »on ber Unregetmäßigfeit beS Monatsfluffe«. Der ©onne au«gefefet fein, »ermefert biefelben ebenfoü«. ©ie ftnb meiften« fefer fcfewierig, oft gar nidjt fortgufefeoffen. «Verfcfeiebene SBafcfemittet werben für bie gortfefeaffung ber ©ommerfproffen gebraucfet, unter weldjen folgenbe wofel bie bepen pnb: «Rimm »ier Ungett «Jtofenmaffer, gwei Draefemen gepuloerten Sorar; mifefee unb löfe bie« unb wafcfee, bie betreffenben Sfeeile gweimal täglicfe mit etn wenig »on biefer Jöfung. «Jtegettwaffer fann auefe ftatt bes «JtofettwafferS attgewatibt »erben. golgenbes SBafdjwaffer iff wofel nodj beffer: nimm eine Unge Ddjfengaüe; boppelt* fofelenfaures «Kali, Sorar unb ©uajaf, gepuloert, »on jebem eine fealbe Unge; Sllfofeol unb «Jtofen* ober «Jtegettwaffer, »ott jebem eine fealbe «Pittte; mifefee, fcfeüttle bie Mifefeung gelegentliefe unb laffe pe gefen Sage ftefeen. Sraucfee fte als SBafdj* mittel, gweimal täglicfe. Sine Sluflöfung »on einer fealben Uitge Sitroneitfäure, in einer Pinte «Jtofen* ober «Jtegettwaffer, ift ebenfatt« gut. So wirb auf biefelbe SBeife toie bie anberen gebraucfet. Ss wirb gut fein, auf bie Seber gu aefeten, inbem man täglicfe ebenfatt« bie Seber* piüen ober *«Puloer nimmt, unb, wenn bie monatliefeeit Serridjtuttgett geftört fein foüten, bann muß man ebenfoü« biefe wieber $u reguliren fuefeen. Sermeibe be» Sonne gu fefer au«gefefet gu fein. taktisch* Wwthxütm. begeht, Sltjiteien $efyöti# einzugeben nnb etniutneücit. «41-ngenotnmen, bie Dop« ((Babt) für einen Srwacfefeneit fei fedjjig ©ron ober eine Dracfeme, fo würbe bie ©obe: für ein «Klub unter einem 3afere nur 5 ©ran; " " jwei Saferen " 8 " " " brei " " 10 " " » »ier " " 15 " " " peben " " 20 " " brelgefen" " 30 " " ^ " gwangig " " 40 " für eine «Perfon über ein unb gwangig Safere bie ooüe (Babt »on 60 ©ran fein, für eine «Perfon »on fünf unb pebengig Saferen aber bie umgefeferte Drbnung Wieber eintreten. Strjneien ju meffen, onftott ju wiegen. Sine Dracfeme irgenb einer ©ubpang, welcfee ungefäfer bem ©ewiefete beS SBafferS entfpriefet, ip fooiel als ein Sfeeelöffel, geßrtcfeett »oü. Sier Sfeeelöffel pnb gleiefe einem Sßlöffel »oÜ, ober einer fealben Unge; gwei Sßlöffel »oü gleiefe einer Unje u. f. w. Demfelbeu «Pringip gemäß entfpriefet ein Drittel Sfeeelöffel einem ©frupel ober gwangig ©ran im ©ewidjt. Die Sirgneigafee für einen Srwadjfenen mögen, feinßdjtlidj beS SllterS beS ^a- titnttn, wit folgt regulirt werben: 3wei Drittel ber »oüeit ©abe für eine «Perfon »on »iergefen bis feefejefen 3at)xtn; gin Halb " " " ^btn bis gefen 3aferen; Sin Drittel " " " »Ier bis fecfes 3aferen; Sin Siertel " " " brei Saferen; Sin Slefetet " " " tintm 3afere. SRofe ber ^lüffigfeiten. Sin Sßlöffel »oü etitfeätt eine fealbe Unge; Sine «Pinte " fedjgefen Ungen; Sine Saffe " »ier Ungen ; Sin SBeinglaS " gwei Ungen; Sin Sfeeelöffel " fedjgig Sropfen; Sin Sßlöffel " »ier Sfeeelöffel. «praftifcfee S o r fefer iften. 871 SRafjftoo für trodene Slrtifel. Sin Sßlöffel »ott entfeält »Ier Dracfemen ober eine fealbe Uttge; Sitt Sfeeelöffel »ott entfeält eine Dracfeme ober fecfegig ©ran. 3lruicta,akn. ©ie folgenben «Regeln ftnb für Slrgiteigaben im Slttgemeinen geferäucfettcfe: SBenn bie (Bäht für eine «perfon im mittleren Sllter fecfegig ©ran ip, bann iff bi« ®abe für eine «perfon »on »iergefen bi« ein unb gwangig Saferen »iergig ©ran. gür eine Perfon »on ftebeit bi« »iergefen Saferen breißig ©ratt. gür eine Perfon »on »ier bi« ftebeit Saferen gwangig ©ron. gür eilt Mint von »ier Saferen fünfgefen ©ran. gür ein «Kinb »on brei Saferen gefen ©ran. gür ein .Kinb »oit gwei Saferen aefet ©ran. gür ein «Kinb »on einem Safere fünf ©ran, ober ein 3wötftel fooiel, al« für eilte Perfon mittleren Sllter«. grauen bebürfen im Sittgemeinen eine Heinere ©abe al« Männer, in Sinfeetracfel ber 33erfefeiebettfeeit im «Körperbau unb ber ©tärte. SlrjnetgoBen für Ainber. SllS allgemein gebräuefelicfe mag angenommen werben, baß, Wenn bie ©abe für eine erwadjfene «Perfon ein Sfeeelöffel »ott irgettb einer glüffigfeit ip, feafb fo »iel einem «Kittbe »on pefeett Saferen, ein Siertel fo »iel einem «Kinbe »on brei bis fünf Saferen, ein Slcfetel fo »iel einem «Kittbe »ott einem bi« brei Saferen, unb ein ©ecfe- jefentet einem «Kittbe unter etitem Safere gegeben werben fann. 3n bemfelben Serfeältttiß fann man «Kinbern Slrgneien in «Putüerform eingeben; bocfe gibt eö auefe 3lu«nafemeit biefer «Regel, »on betten einige feier folgen: Salomel wirb erwaefefenett «perfonen al« Slbfüferung«mittel, in ©oben »ott gefen ©ran, einem .Kinbe »on weniger al« einem Safere aber, in ©abeit »on brei ©ran gegeben, wo« alfo in Stnfeetracfet obiger «Regel eine »iel gu große (Babe fein würbe; ebenfo tp e« auefe mit fefemergpittenbett Slrgneien, al« Saubanum, $aregortc, Säte- man's Sropfen u. f. »., welcfee nur mit großer Sorpefet angewanbt »erben fottten. Saubanum für eine erwacfefene «Perfon . . ♦ 20—30 Sropfen; gür eilt «Klub, eilt 3afer alt......2—3 Sropfett; ja felbft »ier ober fünf Sropfett, totnn ber ©cfemerg fefer groß iji. ßaßoröt ip eilt anbere« Seifpiel. ©ie gewöfenlicfee (Bäht für eine erwacfefene «Perfon ifl eine Unge, ober gwei Sßlöf- fel ooü; für eitt Mint, gwei Safere alt, eine fealbe Uttge, ober eitt Sßlöffel »ott; füe ein Mint unter einem Safere eilte Siertel Unge, ober gwei Sfeeelöffel »ott. 872 «praftlfdje S orf dj r i f t en. Die Slrgneigafeen fottten Petö abgewogen ober afegemeffen, nie aber naefe ©utbün- fett genommett werben. S« iff immer ratfefam in jeber gamilie ein gemarftes ©las« maß für glüfpgfeiten, welcfeeS Sropfen, Dracfemen unb Ungen angibt, gu feaben; ein folefee« fann iu irgenb einer Slpotfeefe für 25 Sente getauft werben. ©eefegig Sropfen entfpredjen uisgefäfer einer Dracfeme; eilt gewöfenliefeer Sfeeelöf- fel »ott ip gleidjbebeutenb einer Dracfeme unb ein Sßlöffel »ott einer fealben Unje. Sin ©afe Slpotfeefergewicfete fottte ebenfatts, gum Slbwiegen »on «Pul»em, »orfeanben fein; pe fopen nur fünfgig Sente unb pnb im Sanb, wo fertige Slrgneien nidjt gu feabett pnb, fefer nüfelicfe. Salomel. — Dbglelcfe wir getegentlidj über Salomel fowofel, al« über anbere Duedplberpräparate—Blue Pill —bei Sefeonblung »oit «Kranffeeiteit unb Slnferti« gung von Slrgneiett gefproefeen feabett, fo fönnen wir bodj beren ©ebrauefe, wenig« Pens beren inneren ©ebrauefe unter feinen Umpänben empfefelen. Sntbedungen unb Srfaferung ber tefeten Safere feabett feinreicfeeitb gegeigt, baß wir in bem Pßanjenreicfe «Kräuter, SBurgein, «Jttnbett, überfeaupt feinretdjenbe Mittel für atte Aranffeeiten feaben, benen ber Menfdj unterworfen ip. Diefe Mittet wirfen bebeutenb beffer, al« Duedptber ober irgenb anbere mineralifefee «Präparate, uub babei pnb ße frei »ou irgenb fcfeäbliefeen SBirfungen. gifte öon Stränden unb beten (Baben für et\vaurbam'S Sinftur...... Sfetnartnben - Sinftur, jufammen»") gefegte.............................J Sfeinin, fcfewefelfaureS (Sulphatei of Quinine...................../ Sfetraota, 5lufgufj oon.................. Sfeiraijta» Sinftur........................ Sfetr^ta-Sraut'Srtratt................ Socum.................................... Soloquintenertraft,jufammengefe6ter Soloquintenpttlen, »tfammengefefcte.. Soloquintenputoer....................... Solumbopuloer........................... Solumbo=Sinftur........................ Sonfeft, aromattfcfeeS................... Sopawabalfam........................... Sornel, Srtraft oom runben Statt.... urjel=Sinftur, jufammen=) gefegte.............................) gfclSfürbiS- (Elaterium) Srtraft..... gfftg, befttlltrter.......................... Jenajelfamen........................... gingerfeut- (Fox Glove) frautpul- ) »er, (gebraucfee forgfältig)......$ gtfiajte, Manbeln....................... geigen, getrocfnete........... Pflaumen...................... Samarinben................... ©albanfearj (Galbanum)............ ©alläpfet................................. ©ahnet (Calamine)................... (Stotttanber (Germander)............. ©artenmeliffe (Balm).................. ©artenrauten* (Rue) Srtraft......... ©artenrautenpuloer..................... ©lauberfalj............................. ©tftrourgeI= (Contrayerva) puloer- ®tft»urjetpulüer,jufammengefel3teS.. ©infeng................................... ©uajafgummt-......................... ©uajafgummt'Stnftur................. ©uajafgummt, flücfetige Sinftur »on ©uajaffeolj............................... ©uajaffeoljabfocfeung................... ©uajaffeoIj-Srtraft..................... ©ummi, arabifdjer..................... ©ummigutt (£arj)..................... ©rünfpan (Verdigris)................ $arj, gelbes......................;.....: £tbeome (Pennyroyal, American) fcirfcfefeorn, (Hartahorn) gebrannter Sigenfcfeaften. tontfcfe............................... tontfcfe................................ milb abfüferenb, alterirenb........ feeftig abfüferenb................... balfamifcfe........................... balfamifcfe........................... frampfftillenb....................... als ©albe........................... ftimult'renb u. Seibfdjmerj ftiKenb ftimult'renb unb 9cer»en ftärfenb fcfewetßfreibenb u. fcfemerjPtUenb jufammenjiefeenb.................. milbernb............................. (tonifdj unb auf bte ©ebär» > ( mutter wirfenb...............$ tonifefe............................... tontfcfe............................... tontfcfe................................ tonifefe................................ tontfcfe unb larirenb................ tonifefe................................ tonifefe................................ magenpärfenb...................... magenpärfenb...................... Parf abfüferenb..................... erfrifefeenb unb antifeptifefe........ aromatifefe.......................... waffertreibenb..................... linbemb.............................. abfüferenb........................... abfüferenb........................... abfüferenb........................... abfüferenb........................... jufammenjteljenb (aftringtrenb).. als Salbe oberSBafefemittet...... tontfcfe................................ fcferoeifjtreibenb u. neröenpärfenb auf bte ©ebärmutter rotrfenb.... auf bie ©ebärmutter wtrfenb.... abfüferenb........................... fcbwetfjtreibenb.................... j fcfeweifjtreibenb unb jufam-1 L menjiefeenb................../ tonifefe................................ ftimulirenb unb fcfeweijjtreibenb.. ftimulirenb.......................... fttmultrenb unb fcfeweifjtreibeub.. fcfemeifjtreibenb..................... fcfewetfjtretbenb..................... fcfewetfjtreibenb..................... milbernb............................. Parf abfüferenb..................... feeftig brecfeenerregenb.............. roaffertretbenb....................... auf bte ©ebärmutter Wtrfenb..... jufammenjiefeenb.................. © tt b e n. 5 bis 8 ©ran. 2 bis 3 Sbeelöffel. 1 bis 4 Dracfemen. 1 Sropfen. 15 bis 25 ©ran. 2 bis 3 Sfeeelöffel »oll. 2 bis 5 ©ran. f 3 MS 4 ©ran ju 1 Unj« \ ©cfeweinefett, als Sfeee. 10 bis 20 ©ran. 10 bis 40 ©ran. h bis 1 Dracfeme. 5 bis 20 ©ran. 5 bis 20 ©ran. 2 bis 10 ©ran. 10 bis 30 Sropfen. 2 bis 10 ©ran. 2 Sfeeelöffel tioH 10 bis 40 ©ran. 1 bis 3 Unjen. 10 bis 30 ©ran. 1 bis 2 Dracfemen. I bis h ©ran 2 bis 16 Dracfemen. 20 bis 60 ©ran. h bis 3 ©ran. ^caefe Selieben. 10 bis 30 ©ran. 10 bis 20 ©ran. 15 bis 60 ©ran. als Sfeee. 10 bis 20 ©ran. 20 bis 40 ©ran. h bis 2 Unjen. 20 bis 40 ©ran. 30 bis 40 ©ran. 20 bis 30 ©ran. 5 bis 15 ©ran. 30 bis 60 Sropfen. 1 bis 3 Dracfemen. 10 bis 30 ©ran. $ 3 Dracfemen auf 1 $mte l SBaffer, 1 «pinte tägl. 10 bis 20 ©ran. 15 bis 60 ©ran. 2 bis 5 ©ran. 1 bis 2 ©ran. 3 bis 20 ©ran. als Sfeee. 20 bis 40 ©ratt. 876 Sifte »on Signeten unb beren ©aben. 91 a m e n. «fMrfcfetjorngeift.......................... «£>irfcfebornfalj............................ £ioe©9rup.............................. £offmann'S Sropfen.................... £oltunberbeeren (Eider) unb innere \ SRinbe............................./ «fjotutttbcrblumen........................ £oljfofele (Charcoal)................... ßopfen.................................... «f>opfen»Stnftur.......................... «fmflattig (Colt's Foot)................ Imrfeam'S jufamm. Sfeina=Sinftur... |)i)ffopfraut=Srtraft..................... £>9ffopfraut=©auerbonig (Oxymel i of Hedge Hyssop............/ Qngwerpulöer........................... Jngwer.................................... 3ngwerfjrup............................. 3ngwer = Sinftur........................ 3ng»er, (Ginger lozenges)«erjucfert 3i,r.:rc 3tinbe«2lbfocfeung.............. 3pecacuanfeapuloer..................... 3pecacuanfeawein........................ 3alappe, alfalifdjer Srtraft............ 3alappe*Srtraft.......................... 3alappepul»er........................... 3alappe=Sinftur......................... Salappe unb Salomel.................. 3ameSpulöer............................. 3apanifcfee Srbe (Terra Japonica).. 3ob= (Iodine) Sinftur................. 3ofeanniSfraut........................... ^arbobenebiftenfraut.................. Sali, reines fofelenfaureS (Salt of l Tartar)...........................J Sialiumcijan (Cyanuret of Potas-1 sium)............................./ Salfwaffer................................ Kermes' mineral...................... Sino-Sinftur........................... S i g e tt f et) a f t e n ßlettenwurjel......................... Stnoblaucfe* (Garlic) helfen....... Srappwurjel-(Madder) Srtraft... Srappwurjelpuloer................... ÄrebSfcfeeeren (Crabs Claws), prä* "I partrte............................./ Äreibe, präparirte....................... kreofot.................................... Streujbeeren (Buck-Th n-n-Bov.-es) Sreujbeerenferup........................ Jhibpaftinaf (Opoponax).............. Jutrfumawurjtl (Turmeric)......... ßactucarium=Stnftur ......... ..... Saubanum (Dptum*Sinfrur)......... üaoenbelfpmtuS (Lavender)......... ea»enbelfpirituS, jufammengefeöter... Setnöl..................................... Seinfamen........................... Liehen ash, gefärbte, gemafelen. Siniment, Sajeputb't», pefetigeS- £obeIiafraut«Srtraf t................ Pimulirenb. ... ftärfenb........ fefeleimlb'fenb.. frampfftillenb. abfüferenb..... ©abe n. auf bie ©ebärmutter wirfenb.... magenftärfenb...................... berufeigenb.............;............ magenftärfenb...................... fcfeleimlöfenb...,.................... magenftärfenb....................... beruljigenb........................... berufeigenb unb fcfeletmlöicitb..... ftimulirenb.......................... üeibfdjmerj ftillenb................. Seibfcfemerj ftiüenb................. ftimulirenb.......................... ftimulirenb.......................... roaffertretbenb....................... brecfeenerregenb unb fcfeleimlöfenb brecfeenerregenb..................... abfüferenb........................... abfüferenb........................... abfüferenb........................... abfüferenb........................... abfüferenb........................... fdjweifjtretbenb..................... jufammenjiefeenb.................. alterirenb............................ fcfeweifjtreibenb..................... tonifefe unb brecfeenerre!jenb...... abfüferenb........................... ©albe............................... erfrifefeenb........................... fcfeweifjtreibenb u. roaffertretbenb jufammenjiefeenb.................. c, abfüferenb, fcfetteifjtreibenb, \ \ Waffertrcibenb............../ fcfeleimlöfenb......................... tomfdb-abfüfertnb.................. tontfeij................................ jufammenjiefeenb..........■• — jufammenjiefeenb............... fräftig jufammenjiefeenb....... abfüferenb........................ abfüferenb........................ auf bte ©ebärmutter wtrfenb. fttmultrenb unb aromattfefe..... fcfemerjftillenb................... jajmerjiftillenb.................• fttmultrenb....................... £erjftärfung.................... milbernb......................... milbernb linbemb. ftimuliren 20 bis 40 Iropfen. 10 bis 20 ©ran. i bis 1 S&lörfcl soll 30 bis 40 Jropfen. 1 Unje auöjujiefeen. als Ibee. 1 Sfüöffcl »ott. als Sljee. 1 bis 3 Dracfemen. als Sfeee. 2 bis 4 Dracfemen. 3 bis 5 ©ran. 2 bis 3 Sfeeelöffel »ol 20 bis 60 ©ran. 5 bis 20 ©ran. 1 bis 4 Drachmen. 1 bis 2 Dracfemen. 3 bis 4 ©tüd. 4 bis 10 Unjen täglicfe. 20 bis 30 ©ran. 4 bis 8 Dracfemen. 10 bis 15 ©ran. 5 bis 20 ©ran. 20 bis 30 ©ran. 2 bis 4 Dracfemen. 10 ©ran »on jebem, 3 bis 6 ©ran. 20 bis 40 ©ran. 10 bis 20 Sropfett. 20 bis 60 ©ran. 10 bis 60 ©ran. 10 bis 30 ©ran. f 3 bis 4 ©ran auf 1 Tinjt l ©cfeweinefett. 4 bis 8 Urnen. i bis li ©ran. 2 bis 3 Dracfemen. ©tjrup ober Sfeee. 10 bis 20 ©ran. 20 bis 60 ©ran. 15 bis 20 ©ran. 10 bis 15 ©ran. 1 bis 4 Sropfen. 20 Seeren. 1 bis 2 Dracfemen. 10 bis 30 ©ran. 20 bis 60 ©ran. 10 bis 40 Sropfen. 10 bis 30 Sropfen. '1 bis 2 Dracfemen. 30 bis 80 Sropfen. \ bis 1 Unje. f 1 Unje auf 1 Quart 3Baf' \ fer, beliebig ut nefemen. 10 bis 40 ©ran. frampfftiambuntfcfeletmliJfenb... 11 ©tan. 21 ft e öon 21 r 3 n e i e n unb beren ® a fe e tt. 877 Samen. 2obeliafraut=©auerfeonig............. 2obeliafraut=Stnftur.................. Hobel tafraut»Sinf tur, ätfeerifcfee..... Ob'ffelfraut, (Scurvey Grass), auS= gepreßter ©aft.................. gorbeeren (Bay-Berry)............... Öb'wenjafen, ausgepreßter ©aft........ Shtpultn«Stnftur......................... gjjagnefta, gebrannte.................. iKagnefia, jufammengefeßte........... Manbelöl................................. 3Jcanna.................................... SJlaftir.................................... JKcerjtoiebel- (Squills) Sffig......... gj?eerjnriebeleffig......................... SJceerjtuiebel, frifefee..................... SJceerjhnebet, getrocfneteS puloer öon SJcerrjWiebelfauerfeonig................. SJceerjtüiebelfjjrup, jufammengefe£ter rönbereruSfpirituS..................... röjtelpuber.............................. SDloljnfopfftjrup (Syrup of Poppies) SWofenfopf», Weißer, Srtraft............ SRoftbuS.'................................. 27tofcfeuSfamen=Stnfwr................. KuSfatWfitfee (Mace).................. SÄuSfatnug.............................. SJcuSfatnußfpirituS..................... ÜJJÜnje, grüne (Spearmint).......... iDtyrrfeenemulfion (©amenmilcfe)..... 2Jtyrrfeengummi......................... SJtyrrfeenpuloer........................... 2Jc9rrfeen«Xtnftur........................ Patron, fofelenfaureS.................. Patron, prä'parirteS..................... SUieflDurj (Hellebore), fcfewarje, . (Srtraft öon....................... ftiefjtmirjel, fcfewarje Sinftur......... öbermcnnig (Agrimony)............ Dlioenöl.................................. Dpium.................................... Dpium entfealtenbeS Sonfeft.......... Dpium, nicfet narfotifcfeeS.............. Dpium-Stnftur......................... Dpium=Stnftur, fampfeerfealtige...... Dpium=Stnftur, Sffigfäure fealtenbe- SParegoric................................ JSedj burgunbifcfeeS..................... ?5erubalfam.............................. jJfeffermünj=Sffenj...................... 9>feffermünjbl............................ Hfciltuurjelmefel......................... Pen, Slloe fealtige.................... Rillen, blaue............................. fttbei, ftinfenber (SBurjel)........... SMjipitat, rotfeeS.....................\ «Mjipitat, Weißes...................../ öuerfftlber,füßeS (Calomel)......... Quecffilber, füßeS....................... Dueeffilberpillen........................ Duecfftlber, faljinirteS.................. Cuecffilber unb treibe.................. Sigenfcfeaften. frampfftillenb unb fcfeleimlöfenb.. frampfftillenb unb fcfeleimlöfenb.. frampfftillenb unb fcfeleimlöfenb... gegen ©forbut..................... brecfeenerregenb unb alterirenb... Waffertretbenb....................... magenftärfenb...................... ©äure abforbirenb.................' ©äure abforbirenb................. milbernb............................. abfüferenb........................... Släfeungen jertfeeilenb............ Waffertreibenb..................... brecfeenerregenb..................... Waffertreibenb....................... Waffertreibenb....................... Waffertreibenb....................... fcfeleimlöfenb........................ fcfeweißtreibcnb..................... tonifefe................................ fcfemerjftißenb...................... fcfemerjftillenb....................... frampfftillenb....................... neroenftärfenb...................... ber ©äure wiberftefeenb............ magenftärfenb...................... Släfeungen jertfeeilenb............ ftimulirenb unb Sorbial........... fcfeleimlöfenb unb abfüferenb...... fcfeleimlöfenb........................ abfüferenb..»....................... abfüferenb........................... Stlteratio............................. Sitteratio............................. auf bie ©ebärmutter wirfenb.... auf bie ©ebärmutter Wtrfenb.... tonifefe unb larirenb................ milbernb unb abfüferenb.......... narfotifefe............................ narfotifefe............................ fcfeinerjftillenb....................... fcfemerjftitlenb....................... fcfemerj» unb frampfftillenb...... fcfemerjftillenb...................... fcfemerjftillenb....................... ( auSgejeicfenet für fflafter ge= \ X gen ©cfemerjen............../ ftimulirenb.......................... Släfeungen jertfeeilenb............ ftimulirenb.......................... tonifefe............................... abfüferenb........................... alterirenb............................ frampfftillenb....................... äußerlicfe als ©albe............... abfüferenb........................... alterirenb............................ alterirenb............................ alterirenb........................... •Älterari», gegen ©opfetliS......... ©aben. 1 bis 3 Sfeeelöffel »ott. 40 bis 60 Sropfen. 40 bis 60 Sropfen. 1 bis 4 Unjen. 1 bis 3 Unjen. 1 bis 2 Sbeelöffel ooO. 20 bis 40 ©ran. 20 bis 40 ©ran. i bis 1 Unje. 3 bis 6 Dracfemen, 10 bis 30 ©ran. 10 bis 50 Sropfett. \ bis 1 Unje. 5 bis 15 ©ran. 1 bü 3 ©ran. h bis 1 Dradfeme. 4 bis 1 Sßlöffel. 1 bis 8 DraCfemen. 20 bis 60 ©ran. i bis 4 Dracfemen. 1 bü 5 ©ran. 5 bis 10 ©ran. 2 bis 3 Söffet »oH. 10 bis 20 ©ran. 6 bis 30 ©ran. 4 bis 6 Dracfemen. 10 bis 40 ©ran. 2 bis 3 Sßlöffel ooU. 10 bis 60 ©ran. 5 bis 10 ©ran. 1 Ui 2 Dracfemen, 20 bü 40 ©ran. 5 bis 10 ©ran. 3 bis 10 ©ran. 20 bis 60 ©ran. als Slufguß ober Sfeee. h bis 1 Unje. h bis 2 ©ran. 1 bis 2 ©ran. 20 bis 30 Sropfen. 10 bis 30 Sropfen. 1 bis 2 Dracfemen. 20 biS 40 Sropfen. 1 bis 2 Dracfemen. 5 bis 10 Sropfen. 4 bis 6 Sropfen. 1 bis 3 Sropfen. als Srei. ■ 10 bis 30 ©ran. 6 bis 12 ©ran. h Dracfeme, 3mal täglicfe, 10 bis 20 ©ran, 1 bis 5 ©ran. 6 bis 12 ©ran. h bis 2 ©ran. 10 bis 30 ©ran. 878 Sifle von Slrj ne le n unb beren ©aben. 91 a m e n. Stgenfefeaf ten. ©aben. Quedfilberfubltinat.................... QuaffieHfeolj............................ D.uafj"ienfeolj=Sinftur.................. Quittenfernfcfeleim (Quince Seeds' Mucilage........................ Stainfamfraut «JticinuSöt (Castor Oil)............... SticinuSöl, faltauSgepreßteS............ Sifeabarber, bittere Sinftur............ kfeabarber mit 3ngwer »erjudert..... 9tfeabarberpul»er........................ 9 men ift............................ ©alpeterfpirituS, füßer.................. ©atjfäure (mit SBaffer »erbünnt)... ©antelfeolj (Red Saunters).......... ©affafraStjolj............................ ©arfapartllenwurjetpuloer............. ©arf aparillenwur jeWHbf oefeung...... ©arfaparillenwurjel ■= Slbfocfeung, "I jufammengefeljte................/ Sauerampfer» (Sorrel) ©aft, ge= 1 reinigt............................./ ©cammonium........................... ©cammonium=2atwerge............... ©cfeierlingSfraut= (Hemlock) Srtraft ©cfetertingSfrautputoer.................. enwunel............... ........ Stlteratio, gegen ©»pfeiiis. tonifefe........................ tonifefe........................ milbernb..................... f aromatifrfe'bitter, für monat-"» X Itcfee Reinigung ber grauen J abfüferenb..................... abfüferenb..................... magenftärfenb................ magenftärfenb................. abfüferenb..................... abfüferenb unb carminati».. abfüferenb..................... tonifefe.......................... magenftärfenb................ tontfcfe......................... tonifefe unb Sorbiale. abfüferenb........................... jufammenjiefeenb (aftrtngirenb). gegen Ruften. auf bie ©ebärmutter wirfenb.... auf bie ©ebärmutter wirfenb.... auf bte ©ebärmutter wirfenb». £erjftärfung....................... ftimulirenb......................... ftimulirenb......................... Waffertreibenb...................... gegen gieber....................... tonifefe unb alterirenb- ©cfelangenwurje ©cfelangenwurjel»Sinftur........ ©cfeötlfraut (Celandine)........ ©efewamm, gebrannter........... ©cferoarjbeeren (Blackberries) ©cfewefel........................... ©ctjwefelätfeer..................... ©cferoefel <= Quedfilber, fcfewarjeS l (iEthiop'smineral).........../ ©rfewefelfäure=Slirir, (Elixir of t Vitriolic Acid). ............../ ©cbwefetfäure, »erbünnte............... ©cfewefelfpießglanj (Crude Anti-o mony)............................../ ■«ötignettefalj............................. waffertreibenb....................... alterirenb.......................... jufammenjiefeenb................ fcfeweißtreibenb unb alterirenb.. alterirenb.......................... alterirenb unb fcfeweißtreibenb.. alterirenb unb fcfeweißtreibenb.. gegen ©forbut.................. ftarf abfüferenb.................. abfütjrenb........................ berufeigenb, milbernb............ berufeigenb, milbernb........... fcfeweißtreibenb.................. fcfeweißtreibenb.................. gegen SBafferfucfet............... gegen Serftopfung.............. jufammenjiefeenb............... abfüferenb unb biapfeoretifefe... frampfftttlenb................... Sltteratt» unb gegen SBürmer. magenftärfenb • magenftärfenb. gegen gieber... abfüferenb...... i bis 1 («ran. 4 WS 30 ©ran. 30 bis 60 Jropfen. naefe Selieben. f 1 Unje auf 1 ytntt foefeen- \ beS SBoffer; 1 SBein l glas »oll 3mal täglicfe. h bis 3 Unjen. geringere Quantität, 2 bis 3 Dracfemen. 2 bk5 3 Wal täglicfe. 10 bis 40 ©ran. 4 bis 6 Dracfemen. 6 bis 12 Dracfemen. 10 bis 40 ©ran. 2 bis 4 Dracfemen. 2 bis 4 Dracfemen. 2 bis 3 Dracfemen. 2 ©frupel bis 1 Unje. 1 bis 8 Unjen. 1 bis 2 Dracfemen. als Sfeee. 10 bis 30 ©ran. 10 bis 30 ©ran. 5 bis 20 ©ran. 10 bis 30 ©ran. 20 bis 40 Sropfen. 10 bis 30 ©ran. 5 bis 20 ©ran. 10 bis 30 Sr., 3mal tägl. 20 bis 40 Sropfen. 10 bis 30 Sropfen. h bis 1 Drachme. 20 bis 60 («ran. 20 bis 40 ©ran. 4 bis 16 Unjen täglicfe. 4 bis 16 Unjen täglicfe. 2 bis 4 Unjen. 5 bis 20 ©ran. 20®ranbiS2Iracbmen 2 bis 3 ©ran. 2 bis 3 ©ran. 20 bis 40 ©ran. 1 bis 2 Iracfemen. i bis 1 Xracijme. 20 ©ran bisl Iracbmt. 1 Saffe »oaftarfenIb.ee. 20 ©ran bis 1 Iracbme. 30 bis 60 Stopfen. 8 bis 10 ©ran. 10 bis 12 Sr. in SBaffier- 8 bis 15 Sropfen. 10 ©ran bis 1 Vxaajmt. 2 ©frupel bis 1 Unje. gifte oon Slrj n e l e n unb beren ©afeett. 879 91 a tn e n. ©etbetbaftrtnbe (Mezereon)........ ©enffamen (Mustard Seed)....... ©ennesblätter......................... ©enneSblätterabf ocfeung.............. ©enneSbtätter--Srtraft................ ©enneSbltftterlatwerge................ ©enneSblätter=Sinftur............... (©pantfcfee gliegen-Sinf tur........... ©picjjglanjor»b, Weißer (Antimon- ial powder)..................... ©tafelputocr (Filings of Steel).... ©tafelwetu............................. ©tafe>Sinftur, faljfaure............. ©teinöl (Petroleum)................ ©tinfafant............................. ©torar.................................. ©torcfefcfenabel (Crane's Bill)..... ©Üßfeolj (Liquorice)................ ©üßr>lj»Srtraft...................... Sabarfs-Srtraft....................... Jaufenbfüße............................ Saufenbgülbenfraut (Centaury).. Jerpentinöl............................■ Serpentin, Dfeio=..................... Serpentin, »enettanifdfeer............ leufelsbred........................... Sfeeer.................................. Sfeeerroaffer........................... Solufyrup................................. Solu-Stuftur............................ Sormentidwurjelpulöer................. Ulmenrinbe.............................. öetldienf^rup........................... SBeildienwurjel (Iris Florentine), \ florentinifcüe.'..................../ Sßttriol, blauer........................... SirriolfpmtuS, füßer.................... Citrtol, weißer......■.................... ißitriol, Weißer........................... 33itri»l*@lt'rir............................ SJßacfefeolberbeerenöl................... 5öacl)feolberbeerenpulüer................ Sigenfcfeaften. SMtMtrj (Comfrey).................. SBaHratfe (Spermaceti)............... 9Batlnuß=Srtraft........................ SBaffer, beftiairteS...................... Watertrefoil............................ SBeinaloe................................. SBeinftetnlauge (Lixivium of Tar- ■» tar).............................../ SBeinftein (Cream of Tartar), prä= "» parirter..............................J SBermutfe (Wormwood), auSge=l preßter ©aft »on SBermutfeconfeft......................... 2Bcrmuu>Srtraft................•• •••••• SBiefenfafranforup (Meadow Saff-j ron)............................../ ÜBtttelwinterbeere (Seere ob.SBurjel) fpeicfeeltreibenb..................... ftimulirenb unb brecfeenerregenb. abfüferenb........................... abfüferenb........................... abfüferenb........................... abfüferenb........................... abfüferenb unb magenftärfenb.... Waffertreibenb..................."•• gegen gieber..................... tontfcfe unb emmenagogifcfe.... tonifefe............................. tonifefe............................ frampfftillenb.................... frampfftillenb................... jufammenjiefeenb............... aftrtngirenb...................... milbernb.......................... milbernb.......................... fdjmerjfttllenb.................... fcfeleimlöfenb..................... tontfcfe............................. Waffertreibenb.................<•• waffertreibenb.................... waffertreibenb.................... frampfftillenb.................... lungenfeeilenb................•••■ lungenfeeilenb.................... fcfeleimlöfenb........................ ftärfenb.............................. jufammenjiefeenb................. fcfeleimig............................. leicfet abfüferenb..................... fcfeleimlöfenb unb brecfeenerregenb aben. brecfeenerregenb............. tonifefe....................... tonifefe........................ fcfenell brecfeenerregenb..... tonifefe........................ waffertreibenb............... waffertreibenb............... milbernb..................... milbernb..................... fcfeleimlöfenb............... milbernb..................... getinb abfüferenb.......... als Sinfüllung gebraudjt. gegen ©forbut............. abfüferenb................... ben ©tein jermalmenb. erfrtfcfeenb unb abfüferenb......... tontfcfe unb gegen SBürmer....... (magenftärfenb unb gegen) l SBürmer.................../ tontfcfe................................ waffertreibenb....................... tontfcfe unb aftrttigtrenb............ lauf 1 «pinte SBaffer 2 X Dracfemen. 1 Dracfeme bis 1 Unje. 20 bis 40 ©ran. h bis 3 Unjen. 10 bis 30 ©ran. h bis 6 Dracfemen. i bis 2 Unjen. 10 bis 30 Sropfett. 3 bis 6 ©ran. 5 bis 20 ©ran. 3 bis 6 Dracfemen. 10 bis 20 Sropfen. 10 bis 30 ©ran. 5 bis 15 ©ran. 10 bis 30 ©ran. 20 bis 30 ©ran. h bis 1 Dracfeme. 1 bis 4 Dracfemen. 2 bis 4 ©ran. 20 ©ran bis 2 Dracfenurt, als Sfeee. 15 bis 20 Sropfen. 10 bis 15 ©ran. 10 bis 15 ©ran. 5 bis 15 ©ran. 5 bis 20 ©ran. 1 ^Jinte täglicfe. 2 Sfeeelöffel »oll. 30 bis 60 Sropfett. 10 bis 20 Draefemen. als Sfeee. 1 bis 2 Dracfemen. 10 bis 30 ©ran. 1 bis 3 ©ratt. 15 bis 30 Sropfen. 2 bis 5 ©ran. 20 bis 60 ©ran. 15 bis 20 Sr. in SBaffer, 2 bis 10 Sropfen. 20 bis 60 ©ran. 20 bis 60 ©ran. 20 bis 60 ©ran. als ©»rup. 20 bis 60 ©ratt. 10 bis 30 ©ran, h bis 4 Unjen. I bis 1 Dracfeme. I bis 1 Unje. 15 bis 40 Sropfen. 2 bis 16 Dracfemen. h bis 1 Uttje. 1 bis 2 Dracfemen 10 bis 30 ©ran. f 1 Dracfeme ju ftetgern bis l ju 1 Unje. als Slufguß ober Sbte. 880 Stfte öon SUjnelett unb beren ©aben. dornen. Sigenfcfeaften. antifeptifefe.......................... milb narfotifefe..................... fttUenb unb waffertreibenb....... frampfftillenb unb fcfeleimlöfenb Waffertreibenb...................... berufeigenb......................... berufeigenb ........................ ftimulirenb........................ abfüferenb......................... ftimulirenb........................ magenftärfenb.................... jufammenjiefeenb................ magenftärfenb.................... magenftärfenb..................... tonifefe unb frampfftillenb....... für ©alben........................ für ©albe ober SBafcfeung....... wurmabtreibenb.................. alterirenb......................... magenftärfenb.................... ftaff waffertreibenb............... ©aben. SBismutfeorob........................... SBolfSfuß................................., 3eitlofen- (Colchicum) ©amen» \ Srtraft............................J 3eitlofenfamen=©auerfeonig (Oxy- \ mel of Colchicum)............/ 3etttofenfamcn=Sinftur, alfalifefee.... äeitlofenfamentoeirt..................... Reitlofenfamenwein, alfalifefe.......... 3immet=Sffenj........................... Aimmetlatwerge......................... Rimmetöl................................. 3immetpul»er........................... 3immet=Sinftur..,..................... 3itttmct, Weißer (Canella alva), ) kultier............................$ 3immeK weißer, Sinftur............. 3tnfblumen.............................. 3infor»b, unreines..................... 3inffpatfe (Calamine of Zinc)...... Rinnpuloer............................... Rinnober................................. 3ittwerwurjel (Zedoary)............. 3wiebeln, ausgepreßter ©aft......... / 5 ©ran 2mal täglicfe in l Sbre. 1 Unje Almut auf 1 ^Jinte focfeenben SBafferS. 1 ©ran. 2 Sfeeelöffel »oll. 1 Sfeeelöffel »oK. 20 bis 60 'I ropfen. 1 2feeelöncl »oll. 3 bis 10 Sropfen. 1 bis 8 Dradjmen, 1 bis 3 Sropfen. 5 bis 10 ©ran. 3 bis 4 Dracfemen. 4 bis 8 ©ran. 1 bis 2 Sfeeetöffel »oD. 3 bis 10 ©ran. 20 bis 40 ©ran. i bis 2 ©ran. 10 bis 40 ©ran. i bis 2 Unjen. ZabeUen für $Xtznei$aben* Die folgenben Sabeüen für Slrjneigaben ftnb im SWgemeinen gebräucfelicfe unb follten immer befolg. werben, natürlicfeerweife mit Serüdficfetigung ber konftitution unb beS ÄranffeeitSjuftanbeS it» fa- tCSine perfon, »ierjefett bis jwanjig Safere alt, mag jwei Drittel ber ©abe für einen Srwacfefenen "^"sine perfon, 9-14 Safer alt, ein halb; eine perfon, 2-4 Safer alt, ein ©edjfiel 5 « /' '6-9 " ein Drittel; " " 1-2 " etn 3ebntt ; // // 4—6 " ein Siertel; " " unter einem Safer ein3rcolfteL Die ©aben für grauen fottten im Siagemeinen fleiner, als bie für «üeänner fein. ^otfeelertjetoufete. Sin ffutib feat jwölf Unjen; eine Dracfeme feat brei ©Irupel Sine Unje feat aefet Dracfemen; eine ©frupel feat jwanjig ©ran. giiiffirjleitStnttfj. Sine «Pinte entfeält feefe jefen Unjen 5 Sine Unje entfeält aefet Dracfemen; Sin Sßlöffel »oll feat ungefäfer eine tjalbe Unje; Sin Sfeeelöffel feält ungefäfer ein Siertel eines Sßloffels 5 ©ecfejig Sropfen gefeen ungefäfer auf einen XfeeeloffeU gjtebijintfdje Setzen. 3wanjig ©ran macfeen einen ©frupel, ßj; Drei ©frupel .ober fecfejig ©ran eine Dracfeme, &); Slcfet Dracfemen ober 480 ©ran eine Unje, gj obet oj. 3wb'lf Unjen ein $funb. 3f it t) iano gu fpielen »erftefet;, aber es ift beffer, gu wiffen, wie man feine ©efunbfeeit bewaferen unb, wenn fte oerloren gegangen, wie man fie wieber gewinnen fann. Ss ift gut, mit ber SBiffenfcfeaft ber Silten »ertraut gu fein, uub Jpomer'S Sliabe uttb Ofar'S Kommentare in ben Driginalfpracfeen lefen gu lönttett; aber es ifl weit beffer, wenn giner ftcfe felbft, bie ©efefce unferer pfeifet)ett Srlfteug unb bie Segieljun* gen, welche wir gu ben Dingen um uns Ijer etnnefemen, rennt. 3m gegenwärtigen 3ujtanbe ber giölliftrtett ©efeUfcfeaft mit tfemt mottn, iferem SuruS, iljren Saftern unb ben »erfcfeiebenen Slrten bes «KotfeenS — welcfeeS SlüeS meljt ober weniger ©ieefetX)nm unb Sob gur golge Ijat, unb umgeben auf allen ©eiten, iv« 080 ® 884 Sinleitenbe 23 e m e r f u n g e n. Wir es ftnb, »on ber SSerfucfeung unb Iferen taufenberlei Sodungen - ifl es beinafee unmoglidj, burdj baS Seben gu fommen unb fidj nur einigermaßen beS ©enuffes bet ©efunbfeeit gu erfreuen, ofene eine grünblidje Srfenntniß ber ©efefce beS Sebens unti ber ©trafen, welcfee ©ott ouf beren S3ertefjung gefegt feat. Ss wirb fein 3weig beS menfcfeUcfeen Sßiffen« meljr »ernadjläffigt, als biefer. Doefe es fdjeint, baß wir in biefer 23egiefeung bie Sflorgenrötfee einer befferen 3ufunft begrüßen. 53üdjer über Slnatomie, 9)feöftologie unb Jptjgiene (©efunbfeeitslefere) finb für gamilien unb für ©cfeuleu gefdjriefeen worben, unb (öblidje Slnftrengungen werben gemadjt, bie Waffen mit ber nüjjlicfeften ber SSeleferungen gu »erfefeen. Das $ubli« tum begreift enbliefe bie SBicfetigfeit biefeS ©egenflanbeS; beim es ifl eine in bie Slugen fatlenbe Sfeatfadje, baß ©terbtidjfeit unb ©ieefetfeum im rafefeen SBadjfen begriffen ftnb, baß jebeS fommenbe ©efcfelecfet »erweicfelidjter, fränflidjer unb eine fürgere SebenSbauer feat, als bas »orangegangene. Gs ift eine feferedenerregente Sfeatfadje, baß bie mittlere SebenSbauer beS kenfcfeen gegenwärtig in biefem Sanbe unb in anberen Sänbern, bie auf einer feofeen ©tufe ber 31»ilifation ftefeen, beinafee ober »öttig ein SMertet weniger beträgt, als es »or ein* ober gweifeunbert 3aferen ber gaü war. SBofeer lommt baS ? Ss muß biefer Sntartung eine Urfacfee ju ©runbe liegen. 3fl es nicfet feofee 3eir, biefe Urfacfee feerauSguftnben, unb Mittel gu finben, fie wegguräumen ? man feat guweilen gefagt, baß bie Seute fpäterer ©efdjtecfeter weifer feien unb lürgere 3eir leben, als ifere 23orfaferen, als ob bas Severe notfe» wenbigeS SRefultat beS Srfterert wäre. SBir werben in gewiffen ©aefeen weifer, iefe gebe bas gu — weifer unb gewanbter, Mittel unb SBege auSguflügeln, gur Srgeu« gung »on Aranffeeit unb Sob. 3n folefeen Dingen fefereiten wir fort. Slüein wir macfeen feinen gleidjmäßigen gortfdjritt in ber Kenntniß, welcfee bas eingige 9tabifalmittet gegen biefe Uebel ifl. SBäferenb bie Urfadjen ber Kranfljeit, welcfee »on unferen ©ewofenfeeiten unb unferer lururiöfen Sebensweife feerrüferen, im rafefeen SBacfestfeum ftcfe feeftnben, feat man bie SCtittet, Seben unb ©efunbfeeit gu bewaferen, faft gänglicfe überfefeen. Dafeer bie fcferedenerregenbe Sntartung beS menfdjlictjen ©efcfelecfets unb bie ßunat)mt bet ©terblicfefeit unb Kranffeeit. Die eingige Jpoffnung ber Srrettung liegt in einer praftifefeen Kenntniß unferer felbft als organifefees SBefen — eine grünblidje 33e- fanntfefeaft mit ben @efe£en ber ©efunbfeeit unb ben Urfadjen, welcfee Kranffeeit unb frühzeitigen Sob »etantaffen. $t)»fiologie unb £rjgiene foüten in aüen unferen ©cfeulen gelefert werben ; laßt jebe gamilie fiefe mit praftifefeen SBerfen über biefe ©egenfiänbe »erfefeen, laßt 3ung unb Sllt biefelben fleißig flubiren unb »erfuefet ben SBaferfeeiten, bie fte leferen, gemäß gu leben. Dann wirb SluSftcfet ftcfe eröffnen, bie pfetjfifclje Sntartung beS ©efcfelecfets gu feemmen, unb wir fönnen auf eine 9Utdfefer gu bem ©efunbfeeitsguftanbe Ijoffen, ben man genoß, als unfere ©roßntütter Heine SDcäbcfeen waren, wo»on wir lefen, wo»on aber bie ©roßfinber wenig wiffen. Sine Kenntniß ber Slnatomie ifl nidjt fo wicfetig, ausgenommen für ben aus« übenben SBunbargt; bocfe ift eine Kenntniß ber SIemente biefer SBiffenfcfeaft notfe- wenbig mit bem ©tubium ber «pfesfiologie »erbunben, unb man lann fie nicfet ent. beijren. Demnacfe werbe idj eine gebrängte Darfteüung ber Slnatomie beS menfcfe> licfeen Körpers geben. Daritacfe. wirb bie «pfepftologie ober bte gunftionen beS onimalifdjen Sebens fpegieü bargefleüt unb mit praftifdjen 33emerfungen überJppgiene ober bie ©efefce ber ©efunbfeeit begleitet werben. ^ tt a t 0 m x t Organe unb <&intbeilun$ be$ ®otpet$. Der menfcfelicfee Körper ifl gufammengefe^t aus Knoten, kusfeln, ©cfelag* (SCrte- rien) unb 231utabern (S3enen), 9ter»en unb Stugeweiben ober inneren Drganen. 3um 23efeuf ber Darfteüung tfeeilt man ifen ein in: Kopf ©tamm obet «Rumpf unb ©lieb maßen (ober Srtremitäten); bet ©tamm gerfäüt wiebet in S3rufl unb Unterleib, unb bie ©liebmaßen gerfaüen in bie oberen (Slrme) unb unteren (23eine) ober Dber- unb Unterertremitäteu. ®a$ &no$>enfyftem* Die Knoefeen ftnb bie \)ärtefteit unb biefeteften (folibeflen) Sfeeile unb bilben gleiefe* fam bas ©efteü unb gunbament gur Slnlage unb Unterftü^ung ber SBeicfetfeeile 5 fie geben bem Körper gorm unb Sbenmaß unb ftefeen ber Bewegung unb Drtööer- änberung (Bewegung »on einem Drte gum anberen) »or. ©inb aüe Knoefeen in iferer natürlicfeen Drbnung gufammengefügt, fo bilben fte ein ©feiet (©erippe). Der gorm naefe gerfaüen bie Knoefeen in a) runbe, welcfee gewöfenlicfe röferenförmig (inb unb im 3nnem eine apöfele feaben, bie mit einer marfartigen ©ubftang auSge* füllt ift. £ier»on ftnb jebocfe bie Snben ober ©elenfe (auefe ©elenfenben genannt) ausgenommen, bie gewöfenlicfe eine Slrt Kopf bilben, »on gleicfefam ne^werfartigem, wacfesfefeeibenäfeniicfeem Baue; b) flache, Wie bie Knoefeen beS ©cfeäbels unb ©efeui* terblattes, bie aus gwei bünnen Safein ober platten beftefeen, welcfee biefelbe Slrt Wetswerf gwifdjen fiefe tjaben (wie bie runben ober ftöferenfnoefeen in ben Söfefen). ©leidj atten anberen Körpertfeeilen (ftägel unb £aare ausgenommen), pnb bie Anoden mit Blutgefäßen unb 9ler»ett »erfefeen, befreit aber im gefuubeu 3uftanbe irenig ober gar feine Sfteigempfängfictjteit (©enftbilität), wäferenb fie im 3uftanbe ber Sntgünbung außerorbentlicfe. empftnblicfe unb fcfemergfeaft werben, ©ie ftnb mit einer fefer feften, bünnen, enganliegenben Saut übergogen, bie man Knocfeenfeaut (Periosteum), am ©cfeäbel fpegieü ©cfeäbelfeaut (Pericramum) nennt. Die 3afel ber Knoefeen bes menfcfeUcfeen Körpers beträgt mit Sinfcfeluß ber 3afene jwei feunbert unb »iergig, guweilen fogar gwei feunbert unb aefet unb »iergig, wenn nämlicfe. bie fogenantttett ©efamfnodjen (Sinfenfnodjen) in ben Daumen unb großen 3efeen »orfeanben fmb. Daüoit fommen ouf ben Kopf (gwei unb breißig 3afene ein- gerechnet) brei unb fedjgig, auf ben ©tamm brei unb fünfgig, ouf bie Dfeererrreml* taten ober Slrme »ier unb fecfejig unb ouf bie unteren ©liebmaßen (Beine) fecfegig, 886 Slnatomie, $$ ö fi olog ie unb ©efunblj ei Uregcln. Die Mnodjen beftefeen aus erbigem (mineralifcfeem, unorganlfcfeem) unb tbicrifcfeem (animalifcfeem,organifcfeem) ©toffe. 3ener iftfeauptfäcfelicfe pfeospfeorfaurer unb fofelenfaurer Kall unb »erleifet ifenen ifere Didjttgfeit unb ©tärfe, biefer »orwal« tenb ©aüert, welcfee ifere Sebensfraft (33ita(ität) bebingt unb ju große 23rüdjigicit »ertjütet. DiefeS läßt ftcfe burefe, folgenbe einfadje Berfucfee (Svperimente) naefewei- fen. Durcfe gefen bis fünfgefen Minuten langes Salciniren (b. fe. Brennen eine») Knocfeens in einem feeüen geuer) wirb ber tfeierifdje ©toff, bte ©aüert, gerftört un* es bleibt bloS ber erbige Beftanbtfeeil (Kalf) gurüd. Der Knoefeen liefet je|jt weiß anf unb ift brucfeig. Sntgtefet man bagegen bem Knoefeen feinen Kalfgefealt unb bleibt bie ©aüert aüeitt gurüd, was gefefeiefet, wenn man einen fleinen Knodjen einige läge in »erbünnter ©algfäure (g. B. einen Sfeeil mit fünf bis fedjs Sfeeilen Gaffer) liegen läßt, fo befeält berfelbe feine gorm un»eränbert, ift aber fo weiefe, baß man ifen naefe jeber 3tidjhmg fein biegen fann. 3m finblicfeen Sllter, wenn bie Knoefeen weict) finb, entfealten fie biefe beiben Beftanbtfeeile in giemlidj gleicfeem Skrtjältniß, wäferenb bei Srwadjfenen ber erbige Beftanbtfeeil bebeutenb »orwiegt unb im Sllter in folcfeem ©rabe, baß bie Knoefeen fefer leicfet feredjett. 3u ber fogenannten engl!» fefeen Kranftjeit (ober 3n>eiwuefes, boppette ©lieber — 91 a cfe i 11 s) pnb bie erbigen Sfeeile mefer ober weniger abforbirt (burefe. Sluffaugung entfernt) unb barum bie Knoefeen weiefe unb biegfam. SluS bem Blute gebilbet, wie aüe übrigen Körpertfeeile, pnb Pe guerp Knorpel unb bloS mit weißem Blute ober Srjmpfee »erfefeen, befommen aber naefe unb naefe rotfeeS Blut, wenn bie watjre Knoefeenbilbung (ossification) burefe Slblagerung »on pfeospfeorfourem unb fofelenfaurem Kalf in bem Knorpel beginnt. Diefer Vorgang fängt an gewiffen fünften, bie man BerfnödjerungSpunfte nennt, gewöfenlicfe im Sfttttelpunfte ber Knoefeen, an unb fetjt ftcfe aümälig uacfe ber Dberfläefee unb ben Snben fein fort. SBenn bie Berfnöefeerung »oüenbet ift, geljen anbermeitige aümälige unb bepänbige Beränberungen in ben Knodjen »or fiefe, wie ifer SBacfestfeum unb bie fcfeon erwäfente fortfefereitenbe 3unafe/me beS erbigen (Kalf) unb Slfenafeme beS tfeierifefeen BeftanbtfeeileS (©aüert). Diejenigen Knoefeen, welcfee ©elenfe bilben, wie bie ber Slrme unb Beine, ftnb an beu Sinigungspunften entfpredjenb geformt, inbem ber eine gewötjnlidj conüer ober runb unb ber anbere conca» ober auSgetjöfelt ip, fo baß pe feübfefe jufammenpaffen. Sluefe pnb pe an biefen ©teüen fefemammig unb porös (löcfeerig), was fte elaftifcfeer macfet, unb mit einer Knorpeüage übergogen, bie wie ®ummi*©pringfebern wirft unb feeftige Reibungen unb Srfefeütterungen »ertjütet ober afefdjwäcfet. Sitt jebem ©elenfe, bie beiben ©elenfföpfe umgebenb, bepnbet pefe eine baut, weiefee eine geuefe- tigfeit afefonbert, bie man ©snoota ober ©elenffcfemiere nennt (bie baut feeißt ©r,no»tal* b.i. ©etenffcfemierljaut) unb bereit Beftimmung ip, bie ©elenfe, bie Cber- fläefeeit ber ©elenfföpfe ber Knoefeen unb bie ©efenen fcfelüpfrtg gu erfealten, fo baß bie Bewegungen leicfet, fanft unb ofene Sfteifeung »or pefe gefeen. Kamen ber norjüglttfefien ftnotfeen. , Die Knoten bes Kopfes werben in © dj ä b e U, D X) x* unb © e f i dj t i f n od,> c n eingettjeilt. Der ©cfeäbel bepetjt aus adjt »erfcfeiebenen, burefe unebene, ben Sagt* jafenen etwas äljttlidj? känber, bie mon 9cät)te ober ©uturen nennt, Bereinigten Slnotomte, «pifeöftologfe unb ©efunbtyeitsregeln* 887 flacfeen Knoctjett, bereit äußere Sofel fefl unb pbrös (foferig), bie innere Ijort unb fpröbe ip unb baljer and) bie gläferne (tabula vitrea) genannt wirb» Diefe 3ufammenfej3Uttg aus mtX)xtn Kodjen, fowie bie Befdjaffenljett ber Kttodjen felfeft, bie gepigfeit unb 9cadjglefetgfett ber äußeren Safel unb bie gwifcfeen feeibe etngefdjo- bene fcfewommige Sflaffe (Diploe genannt) u. f. w. Pub feljr weife barauf Berechnet, bas im ©djäbel eingefdjloffene ©efjtrtt »or ©djabett »ort äußeren Stttwirfungen (gaü, ©djlag, Srfcfeütterung u. f. w.) gu fdjü^en. Ss gibt »teüeldjt feine SBiffen- fcfeaft ober 3nfammenpeüung »on Sljatjadjen itt ber SBelt, weldje fo »tele uttb ent- fefetebene Beweife »on ber Söelsljeit unb ben Sifepdjten bes ©djöpfers liefert, als bie Slnatomie beS ntenfdjlidjett Körpers. ftojiffno cfeen, (©iefee ©feiet, gigur 1 unb 2.) 1. ©ttrnfeein (os frontis) — weldjes ben »orberen Xl)til bes Kopfes ober ben SSorberfopf bilbet. 2. ©djettel* ober ©eitenbeine (ossa bregmatis ober parietalia) — eins auf jeber ©eite. ©ie reidjett »om SBirfeel (»oit ber Mop[X)'öt)t) bis nalje an bie Dfjrett, 3. üftafenfeetne (ossa nasalia ober nasi). 4. binttxt)auptfeein (os occipitis, occiput) — ber Ijtnterpe uttb untere %l)til Ui Kopfes. 5. ©djläfenfeettt (os temporis) — eins an jeber ©eite, unter bem ©djettelfeetne. Ss bilbet bie befanttte ©cfefäfe, unb bos äußere Dljr ip tljm angeheftet, Slußerbem Ijafeett wir ttodj boS Keilbein* (os spbenoideum) unb bie ©iefefeeine, (ossa ethmoidea), welche im ©runbe beS ©cfeäbels tjtttter ber 9la[t liegen nnb in biefer platte nidjt bargepettt werben föimeit. Dos Keilbein bilbet einen Sljetl beS Sobens ber ©djäbeltjöljle unb Ijat gopofe Deffnungen ober Södjer, burefe, weldje Statt unb Blutgefäße ^tnburefege^en, 6. 3ocfe> ober SBongenbein (os zygomaticum ober malare) — eins on Jeber ©eite. 7. Kinnloben ober Dfeer* unb Unterfieferfnoc^en (ossa maxillaria, [feepetyenb In] maxilla superior unb inferior). Slußer ben angeführten Knocfe; eit gibt es ttodj einige Heinere, bie ttidjt erwähnt gn »erben brauefeen. Änotfecn teS SHumpfcS. ©er 3htmpf erpredt pefe; »om £mtert)aupte bis gn bem unterpett Stelle bes Becterta (©efäßes) unb gerfällt int 1) Die SBlrfeelfäule — olle SBirbelbeine, bas Kreug- unb ©teißbeiit; 2) bie Knodjen ber Bruprippen unb Brupbein; 3) in bie efgentlicfeett Knochen beS BedenS (ossa coxarum). Die SBirbelfäule (columna vertebralis) bepeljt ouS »ier unb gwongig SBtrfeeloet* nen, woöon bie pefeett erfren (oDerften) Jpalswtrfeel (9) (vertebra colli), bie folgen- * @o genannt, weil es in bet ©cfeäbelfeb'fele eingeteilt liegt. 888 Slnatomie, 9>l)öftologle unb ©efunbfe^tUregeln. ben gwölf Brup- ober Stüdenwlrbel (x) (vertebrae dorsales) unb bie unteren fünf ©audj* ober Senbenwirbel (14) (vertebrae lumbales) genannt werben. SebeS SBlrfeelfeein ip ein feefonberer, mit ben ongrengenben burdj Knorpel »erbun- bener Knodjen »on etgentfjümlldjer ©epalt, jebodj ben SBirbeln ber gewöfenlidjen Siliere, mitbenett 3ebermann »orauSfetjltdj befannt tp, fo äfenlicfe, baß eine Befdjrei- bung unnötljlg ip. 3ebeS SBirbelbeiit Ijat ein Socfy (foramen pro medulla spinali) • de Söetjer otter SBirbelbetne gufommen bilben einen Kanal, ber für bie Slufnafeme beS Stüdenmarfs (medulla spinalis) bepimmt ip nnb StüdenmorfSfanal (canalii pro medulla spinali) tjelßt. Dos Kreugbein (16) ober feeilige Bein* (os sacrum), on beffen unteres Snbe pefe bos © t e i \}* ober Kufufsbein (os coccygis) ferjt, weldfeeS bie SBirbelfäule ober bas Stüdgrat riacfe unten fdjließt. Da'S Brupbein (sternum) (12) feepeljt beim Kinbe aus aefet ©tüden, beim Srwacfe- feitett jebodj nur aus brei, bie burdj eine 3wifcfeenloge »on Knorpel »ereinigt pnb nnb onfcfeeinenb e i n ©angeS bilben. Ss »erfnödjert »tel fpäter, als bie Stippen, unb jene brei Stjeile pnb eben Knorpeipüde, welcfee naefe; unb nadj in Knoefeen pefe »erwanbeln bis ouf bie erwähnten 3nufdjenlagen. Die Slippen (13) (costae) werben eingeteilt in waljre unb falfdje (costae vera et spuriae). SBoljre nennt man bie peben oberen, welcfee nadj »om pdj b i r e f t an baS Brupfeettt (mittels eines fnorpeligen SnbeS) anfeilen; falfdje ober unäefete feeißen bie fünf unteren Stippe«, welcfee pdj burefe Kuorpel mit ben unteren, waferen Stippen »erbiitbeit. Scacfe Ijtttten Pub pe otte an bie SBirbelfäule angeheftet. Die Bedenfnodjen ober ungenanitteit Knoefeen (15) (ossa coxarum ober innomi- nata) ht[ttX)tn aus nur e t tt e m ungeteilten Knodjen auf jeber ©eite, ben man ober ber befferen Ueberpdjt wegen mit brei »erfdjtebenen Scamen belegt unb ben brei Berfnödjenmgspunftett, bie man beim ausgetragenen Kinbe tjier pnbet, entfprecfeenb afetfeetlt. ©o nennt mon ben oberen Sfeeil, ber bie apüfte bilbet unb pdj naefe feinten gum Kreugbein erpredt, bos Darmbein (os ileum), ben unteren, auf welcfeem ber Körper beim ©tfjen xnX)t, bas ©tjjfeein (osischii) unb ben mittleren unb »orberen Stjeil bes BedettS, ber aus ber Berbinbuttg beiber Bedenfnocfeen bepefet, ©djamfeettt (os pubis). Der »oit tiefen Knodjen unb — bem Kreug* unb Steiß- bein nad) Ijtttten — etngefdjlofjene innere Staunt tjeißt bie Bedenfeöfele; pe felbfl bilben boS Beden, on weldjem pdj gu beiben ©eiteit unb etwas nadj unten je eine Bertiefung (©elettfpfantte, acetabulum, genannt) für bie Slufnaljme beS ©cfeenfelS (Beines) bepnbet. ftnoetjen ber oberen (frtremitäten. Dte Slrmfnodjett gerfotteit iit bie ber © cfe u 11 e r (©cljlüffelbein unb ©efeulter« 6latt), beS DfeerarmS (bumerus), beS Unterarms (Süenbogenfnoefeen unb ©peldje) unb ber b ant, weldjer ber Step ber nadjfolgenben Knoefeen angefeört. ©djlüf feifee in (10) (clavicula). — Ss »erbinbet pefe mit bem Bruftbein naefe innett uttb mit bem ©cfe,ulterblott an ber ©cfeulterfeöfee nadj außen unb fealt ben JKrnt in geljöriger Jpölje unb Sntferttung »on ber Brup. Dos ©djulterblatt (11) (scapula) ip ein breiediger, bünner, flauet * ©» «mannt, weil bie Slltrn es bei ibten Cpfern barbraefetm. Slnatomie, «p feöflolo gte unb © efunblj eitsregeln. 889 Srigur 1. 1- orberanficfet beS mettfcfe- 3- licfeen ©felets. 27 «s 2/ \Z' \5, n- 23 .14- *5i -26 26, *- 890 Slnatomie, $X)x)[ioloQle unb ©efuitbfeeitsregeln. gigur 2. 4' St ü da nf iefet beS menfcfe« liefe ett ©felets. Slnatomie, «pijttfiologle unb ©efuubljeitSregeltt. 891 knoefeen, ber feinter unb unter ber ©djulter an ben Stippen liegt unb außer bem cgcfelüffelfeein in einer tiefer liegenben, flacfeen ©elenlfeöfele ben Dberorm aufnimmt. Der Dberormfnocfeen (bumerus) (17). Die © p e i cfe e (18) (radius) brefet pefe mit ber bant, liegt on ber oberen Seite beS Unterarms unb gefet nacb) bem Daumen fein, wofelbft pe fidj mit ben Kno* cfeen ber Jpanb »erfeinbet unb bas Jpanbgelenf bilben feilft. Der Süenbogenfnocfeen (ulna) (19) liegt an ber unteren ©eite beS BorberormS, gefet nadj bem fleinen ginger X)in unb bilbet ben Sttenfeogeit unb mit bem Dberarm* fnoefeen baS Süenbogengelenf. Sin Üjn [efyen pefe bie ausfeilt, weldje ben Borber* arm beugen. Die baut gerfäüt in brei XX)eih: Jpanbwurgel (carpus), SOtittelfjanb (metacar- pus) unb gingerglieber (phalanges). Die apaubwurgelfnocfeett (ossa carpi) (20) pitb oefet ait ttx"ßat)l, Hein, etcjetttfeümlidj gepaltet, in gwei Steifeen georbnet unb fo fefl gufammen »erbunben, baß pe nur eine geringe Bewegung erlauben. Die 9JMttelfeattbfttocfeett (21) (ossa metacarpi), fünf an ber ßat)l unb größer als bie »origen, bilben bie glädje (innere ©eite) ber Jpanb unb netjmett bie oberflen $fealangen auf. Die spfealangen ober gingetfnodjen bepeljen (mit SluSttaljme beS Daumens, ber nur jwei feat) aus brei Steifeen »on langen, runben Knodjen, bie brei ©elenfe unb eben fo »iele gingerglieber bilben. finorrjen ber unteren (Srtrentitäten. Die Knodjen beS Beines tfeeilt mon ah in bie beS ©cfeetifets ober Dberfdjenfels («aefeenfelbein unb Kniefefeeibe), bes Unterfcfeenfets (©(feien* uttb SBobenbein) unb bie bes gußeS (Kno^ett ber gußwurgel, bes SJtittelfußeS unb ber ßet)en). Das ©cfeenfelbein (23) (femur ober os femoris) ip ber größte Knodjen beS ©felets unb trägt bas gange Körpergewicht unb bas, was ber Körper trägt. Die Kniefefeeibe (24) (patella) liegt an bem »orberen unteren ©tüd beS ©djenfel* beins, ip mit bem ©djienbein burefe ein parfeS Banb (uacfe. unten) »erbunben, iraferenb an iferem oberen 'Stanbe bie ©efene ber ben Unterfdjenfef predenben 9ftuS= fein pdj befeftigt, unb wirft wie eine Stoüe beim ©treden beS ©liebes. Das ©cfeienbeiit (26) (tibia) ip eitt langer, ediger (giemlidj breiediger) Knodjen unb läuft an beit Snben bid aus. Das SBobenbein (25) (fibula) ip »iel bünner, als boS ©djtettbeitt, mit welctjetn ti an beiben Snben feft »erfeuttbeit ip. Die gußwurgel (tarsus) feefteljt ouS Peben Knodjeit, bie mit Slusnoljme beS ßnö cfe elbeins (talus ober astragalus), ouf welkem bas ©cfeienbein rufet, wo biefes ben inneren Knödjel bilbet, unb bes gerfenfeelnS (27) (calcaneus ober os calcis), bas am feiitterpett unb unterpen Stjeile beS gußeS liegt, fo fep mit einan- ber »erbunben pnb, baß pe nur wenig Bewegung gulaffen. Der SOtittelfuß (29) (metatarsus) fe; at — entfpredjenb ber Sfltittelljattb — fünf ßnoefeen. Die ©lieber ober ^alangen ber Bereit (30) etttfprectjen gleidjfotts ben gleidjno- migen Knochen ber £attb (ber ginger) fowojjl on gorm, als an Bafel — »iergetjtt. 892 Slnatomie, ^Ijü fiologie unb ©efunbrjeitSregeln. Die ©elenfe bilben einen intereffanten Körpertfeeil; in iferer Bilbitng jett;if Slfled »on SBeiSfeeit unb ber genauepen Stüdpcfetnofeme auf bie ©icfeerfeeit uttb Seidjtigfeit ber Bewegung ber fo mit einanber »erbunbenen Ifeelle. ©ie pnb aus Knorvein, ©elenftjäuten (©»no»ialmembranen) unb Bänbern (Sigamettten) gebilbet. $ie $äl)nt. Die 3äfene pjjen iit bett beiben Kinnlaben ober bem Dber* unb Unterfiefer, befe« Pigt im Siloeotar* ober 3afenfeöfelenranbe (processus alveolaris). 3eber3afen perft in einer apöfele ober Bertiefung, bie man alveolus* (3afenfeö(jte) nennt, wie ein eingetriebener Keil, ©ie unterfdjeiben ftcfe »on ben übrigen Knoefeen in itjrer 3ufam» menfejmng unb im Sßacfestfeum nnb feeilen ttidjt wieber gufammen, wenn fie breefeen. man unterfefeeibet am ßal)nt bie Krone (corona) ober ben freiliegenben Ifeeil, ber mit einer fearten unb feljr glatten 9Jtaffe übergogen tp, bie man bas Smail ober bie ©lafur nennt, — unb bie SB ur g el (radix), welcfee in ber Kinnlabe unb »om 3afenfieifdj bebedt liegt. Diefe befletjt aus Knotfeenfubpang unb befifct ernätjrenbe ©efäße unb Steroen, welcfee letjte ben 3afenfcfemerg »erurfadjen. Die erpen 3äfene, b. fe. bie, welcfee bei Kinbern bis gum Snbe beS gweiten ScbenSjafereS feer»orbrecfeen, feeißen 9flilcfejätjne (dentes lactantes ober infantiles), pnb gwangig an ßaljl unb gefeen gewöfenlicfe um bas pebente Sebensjafer ober etwas fpäter »erloren, um ben bleibenben (ober »ieimefer nicfet mefer erfe^t werbenben) $>larj gu madjen, mobott bie legten ober fpäteften um bas gwangigpe Sebensjafer burdjbredjen unb bafeer SöetS* feeitSgäfene (dentes sapientiae) genannt werben. Die übrigen aefet unb gwanjig 3äfene tfeeilt man ein in: © cfeneibegöfene (dentes incisores), bie »ier mittleren unb »orberen, oben unb unten (8); Slugen« ober apunbsgäfene (dentes canini obet cuspidati), einer unb gwar ber näcfepe an jeber ©eite ber ©djtteibejäfene (4) unb Baden* ober ©todgäfene (dentes molares), on jeber ©eite »ier nädjp ben Slugen» gafenen, im ©angen alfo feefegefen. Die ©efeneibe,* Slugen*, bie gwei erpen Baden* unb bte SBeisfeeitSgäfene (alfo »ier unb gwangig 3äfene) Ijaben jeber nur eine SBurgel, »on ben übrigen aefet Badengäfenen Ijabett bie beS UnterfieferS gwei unb bit beS DberfieferS brei SBurgein. ßnorjiel (cartilago). Der Knorpel iji eine glatte, miidjweiße, fealfeburcfepdjttge, eiaftifefee Subfianj unb unterfdjeibet ftcfe, in ben bleibenbeit (permanens) unb »erfnöcfeernben (oscescens). Diefer ip ber natürlicfe.e Slnfang aüer Knoefeen; jener erfcfeeint lebenslang als Knorpel, wenn er nicfet in golge »on Kranffeeit »erfnöcfeert, wie bie Knorpel ber Stugenliber, Stafe, Dferen, Suftröfere, Stippen u. f. w. Knorpel verbinben Knoefeen mit einanber unb bebeden bie Snben berjenigen, weldje pefe auf einanber bewegen, wie in ben ©elenfen; bünne Knorpeüagen, ungefäfer ein fecfegefentel 3oü bid, befin> * DiefeS ip baS SkrfletneruttgSWort »on alveus, welcfeeS einen ©raben ober überfeaupt ttnegw m Vertiefung bebeutft. Slnatomie, «pijöftologieunb ©efunbljeitsregelrt. 893 ben ftcfe audj gwifdjen beit ©elenfen ober SBirbeln beS StüdgratS. ©ie erteidjtern baS Beugen bes StüdenS unb »ertfeeilen unb minbern ben ©top beim ©efeen, Saufen unb ©pringett, inbem pe eine Slrt Kiffen (^elfter) bilben. Knorpel pnbet pefe in aüen ©elenfen, an ben Snben ber Knoefeen, bie baburefe »erlängert werben, unb on ben Stippen, beren Borbertfeeil auSfcfeließlict) aus Knorpel feepet)t. 33 anb er (ligamenta). Stgamente pnb parle, weiße, faferige (pbröfe) ©tränge ober Bänber, weldje unter anberm Knoefeen in ben ©elenfen mit einanber »erbinben unb an iferen gjlajjen featten. ©ie fmb »on »erfefeiebener Breite unb guweilen fo in einanber gewebt, baß pe breite Sager bilben, welcfee bie ©elenfe gänglicfe umftfelteßen, wie ein Seutel. 3n biefem gaüe nennt man pe Kapfel=Sigamente (ligamentum capsulare) unb pe feaben nebentjer ben ßwed, baS Sntweiefeen ber ©elenffefemiere (©tjnoöia) ju »erfeüten, welcfee bie Jfeeile fefelüpfrig maefet. ©o ift baS ©cfeultergelenf »on einem Kapfelbanbe umgeben. Sluefe innere Drgane, wie Seber, Sftilg ©ebärmutter u. f. w., werben burefe Bänber gefealten. ©leiefe ben Knocfeeit befielen fie im gefun* ben 3uftanbe wenig Steigempfänglicfefeit (©enpbilität), werben ober oußerorbentlidj fcbmerjtjaft, wenn pe ftcfe entgünben. § ä utt (membranae). baute ober Sftemferanen pnb bünne, mefer ober weniger ausgebreitete Drgane, roelcfee tfeeils bie Jpöfelen beS Körpers austreiben unb anbere Drgane übergiefeen, tfeeils mandje berfelben gufammenfetien feelfen. Berfcfeieben naefe Slnfefeen, ©efüge unb 23erndjtung, fönnen pe aüe füglicfe unter brei Klaffen gebraefet werben : 1) ©eröfe (einen wäfferigen Dunft afefonbernbe) apäute (membranae serosae) pnb ireiß, glatt, etwas glängenb unb feeftänbig feuefet gefealten burefe eine wäfferige (feröfe) SluSbünpung. ©efeirn, Sungen, Sftagen, ©ebärme unb anbere Brup= unb Saucfeeingeweibe finb mit einer feröfen baut übergogen, unb bie Bruft* unb Baudj* feöfele ift bamit auSgefleibet. 3n ber Bruftfeöfele nennt man pe Stippenfett (pleura) unb bie Sntgünbung berfelben ^teurepe (pleuresia) ; in ber UnterleifeSfeöfele Ijeirjt pe 23aucfefell (peritonaeum) unb ols Jpütte beS £irnS ©pinnwebenfeaut (araebnoi- dea*). 3m entgunbeten 3uftanbe werben bie feröfen £äute rotfe, inbem ifere @e* fä jje pefe mit Blut anfüüen, unb »erwadjfen leicfet mit beit eingefcfeloffenen Drgonen, fo baß bie Sungen an bie Stippen uub bie Singeweibe an bie innere glädje ber 33aung unb Srfdjlaffung bie »erfcfeiebenen ffle-- wegungen, beren ber Körper fäfjig ip. Sfere ßaX)l beträgt über fünffeunbert unb bie meipen ftnb paarig (b. t). auf jeber ©eite bepnbet ftcfe einer). Die MuSfeln pnb aus fleinen gaferbünbeln, bie man fascieuli (Bünbelcfeen) nennt, unb jebe biefer gafern wieber aus gilamenten ober gäben gufammengefefct unb in ein bünnes, gettigeS ©ewefee eingefüllt. Biele Wusfeln laufen an einem ober an beiben Sitbeit iit eitte ©eljne ouS, b. i eine weiße, fearte, fefte, fefer parle, unelaptfcfee ©ubpang — burefe, weldje bie Snben ber WuSfeln pdj an ben Knodjen feefefttgen. 3uweilen breiten pdj ©efjiten an itjren SlntjeftungSpunfteit aus, was matt fascia (Binbe) ober aponeurosis, Slponeurofe nennt: eine folofee gaStie wirb Slnatomie, «p$ öfiol ogie nnb ©efunbl)etUregeltt. 895 an matteten ©teilen redjt bid unb bient bett unterliegenbett Jfe>ilett aum ©djufe, wie in ber £anbflödje unb gußfotjle. Sin ben Slrmen unb Beinen liegen bie Sftusfeln um bie Knodjen Ijerunt unb bie* nen ju Ujrer Belleibung unb iferem ©djufee, fowie pe auefe für einige ©elenfe bie öorgügltdjPe ©rufee pnb. Slm Stumpfe (©ramme) pnb pe ausgebreitet, um Jpöt)len etngufdjileßett unb eine ©djufemauer gu bilben, weiefee innerem Drude unb ber SluSbefenung bes Körpers nadjgtfet. Stadj ©epalt unb Slnorbnung (Sogerung) ber gaferit lann matt bie Wusfeltt eintfeeilen in longe, longitubiuette — bie att jebem Snbe in eine ©etjtte ober gleefefe auslaufen — in prafelen* ober fädjerförmige, wo bie gofern fächerförmig nocfe einem tenbinöfen (fetjnlgeit) fünfte fein gufommenloufen (con»ergiren) — unb fcfeließlidj in folefee, wo bie ©etjtte, patt am Snbpunfte gu liegen, in einer geroben ginie mitten burefe bie SJcusfelfufepang läuft, fo baß bie SEJtuSfelfafem unter einem fefetefen Sßinfel in bie ©etjtte hineinlaufen, unb gwar entweber »on beiben ©eiten — was man einen gefeberten (pennatus) — ober nur »on einer ©eite t)er — was man tintn tjalfegefebertett (semipennatus) SDTuSfel nennt. Die meipen kusfeln fmb mit tljreit Snben an Knoefeen befepigt, unb ber mittlere Sfeeil bleibt frei. Die SttttjeftungSpette, bie (»on bem SSJiuSfel) wenig ober gor nicfet bewegt wirb, gu welcfeer feilt »telmeljr ber SJcusfel ben anberett Jfe; eil giefet, an irelcfeem baS anbere SJtuSfelenbe befepigt ip, nennt man beit Urfprung (fepett sputtft); bie lefeterwöfente, bie beweglicfee, gu ber erjten Eingebogene ©tette, fjelßt bie 3nfertion beS SJtuSfetS (fein feeweglidjer $unft). Die t)auptfäefelidjPeu Bewe* gungsmusfeln bes DfeerarmS g. B. ftnb eitterfeits am ©cfeulterblatt befepigt — bas nennt man iferen Urfpruug — unb anbererfeits an »erfefetebenett ©tetten bes Dber* armbetnS (humerus) ; — bieS feeißt itjre 3ttfertioit. Die »orgüglicfepen MuSfeln, irelcfee bie unteren Srtremitäten bewegen, tjaben iferen fepen $unft, itjrett Urf prun g an ben Bedenfnodjen, unb U)ren feewegltctjett 9>unft, iljre Snfertion att beit Knocrjen beS Beines. Der Uefeerftdjtlidjfett wegen fantt matt bie kusfeln, gerabe wie bie Kttocfeett, ein* tfeetleit in 1. bie beS Kopfes unb Badens ; 2. bie beS Stumpfes ; 3. bie ber oberen unb 4. bie ber unteren Srtremitäten. 3n Stüdpdjt itjrer Sinorbtumg (Soge) fonn man fagen, fte bilben gwei Sager, eitt ofeerffädjiidj es unb ein tiefes, wiewofel an manefeen ©teilen ntefjr, als gwei Sager pnb. ©o pnb g. B. axn müden fedjs Sager über einanber, um bie »erfcfeiebenen unb fompligirten (gufammengefefeten, »erwidel* ten) Bewegungen bes Stüdgrotö, Scadetts, Uttterleibes, ber Slrme unb Brup feer* »orgubringen. ©ämmtlidje Bewegungeit bes Körpers unb feiner »erfcfeiebenen Jfeeile werben burefe, bie kusfeln feewerfftettigt; bie Knocljett bienen in ben meipen galten nur als bie Jpefeel ber Bewegung. Diejenigen Sttusfein, welche ein ©lieb beugen, netmt man Beuger ober Beugemus* fein, gleroren (flexores) ; bie, weldje es preden, Reißen ©treder ober ©tredmus* lein, Srtenforen (extensores) ; biefe liegen am Dfeerfdjenfel unb an bett Dberertre* mitäten ouf ber Hinteren, am Unter fdj enf el bagegen ouf ber »orberen ©eite; jene, bie gleroren, feepnbett pdj am Dfeerfefeettfel nnb an ttn Dberertremitatett »ortt nnb am Unterfdjenfel tjttttett. Die £auptflafppf atiott ber «Dlusleln ip bie in W111 f ü r l i dj e nnb nnwilh l fi r l i d) t. SBittfürlidje ausfeilt p«b biejettigen, beren J$atigfelt unferem SB«- 896 Slnatomie, $$»flologleunb©efunbljeitsregeln. len unterworfen ip, »on unferem SBitten (unferer SBiüfür) bebingt unb geleitel Wirb, fomit bem Sinfluß unfereS ©efeirns untergeben ip, wie g. B. bie mudltln, woburcfe wir bie Slrme, Beine bewegen, ben SJtunb öffnen, ober fcfeließen it. f. w. Unwittfürlicfee nennen wir biejenigen, ouf weldje unfer SBiüe unb unfer ©efeirn lei- nen Sinfluß feaben: bafein gefeört bas aperg, ber SDtagen unb gefommte Darmfanal, welcfeer ftcfe in einer Peten, ber fogenatmten wurmförmigen Bewegung bepnbet. Sinige SOtusfeln wirfen fowofel wiüfürlidj, als unwiüfürlidj, wie bas 3fo«djfetl unb anbere StefptrationS* (Sltfeem*) SDtuSteln. Diefe pefeen iferer Berrtdjtung lag unb Stacfe't, im wadjtn unb fcfelafenben 3uP<*nbe »or, wir mögen woüen ober nicfet; — aüein wir tonnen nadj SBiüfür für eine ßtit ifere Jfeätigfeit rofdjer, ober lang« famer macfeen. Die MuSfeln peljen uuter bem Sinfluß unb ber Seitung ber Steroen. Kontrafti* lität (bie 3ufammengiefeungsfäfeigfeit ber SCftuSfeln) tp eine ber SOtuSfelfafer ange« borene Sigenfcfeaft; baburefe »ertürgt ftcfe ifere ©ubpang, wie ein ©tüd geberfearg (gummi elasticum), wenn ber geeignete Steig einwirft, unb erfdjlofft wieber gu iferer natürlicfeen Sänge, wenn ber Steig (Stimulus) entfernt wirb. Diefer Steig (Stimulus) ip bas SteroenagenS, bie Ster»entfeättgfeit, bie ouf bie kusfeln etwas äfenlicfe wie ©oloaniSmuS ober Sleftrigüät wirft. Die reißenbe ©djnettigfeit, mit ber bie wiüfürliefeen kusfeln wirfen, ip waferfeaft erpaunlidj unb geigt ftcfe g. B. bei fcfeneU lern ©preefeen, ober ©pielen eines mufifalifdjen 3nPrumenteS. Ss feat kenfcfeen gegeben, bie iit einer Minute fünfgefen feunbert BucfePafeen beutlicfe ausfpreefeen fönnten, was boppelt fo »iele SJtuSfelaftionen in einer Minute nötfeig macfet, als ©»Iben in jenen entfealten pnb. SBir »erbartfen es ber Kontraftion ber kusfeln, (ber Kunftausbrud für bie SOtusfel^ufammengiefeungSfäfeigfeit tp etgentlidj „3rri- tabilität") unb bem wunberbaren (Sinfluffe beS SBiüenS über bie SStusfetti, baß wii im ©tanbe fmb, unferem Berufe gu folgen. Die fdjiefen Bauefemusfelu (mueuli obliqui abdominis) enbett in eine breite, perlweiße gafeie (Binbe) ober Slponeurofe, weldje ben »orberen unb mittleren Ifeeil bes Unterleibes »oüpänbig bebedt, wäferenb bie Dorfal* ober Stüdenmitsfeln feinten ftcfe gü einer ©efenenmaffe »ereinigen, bie pefe, ausbreitet unb an bas Kreujbein unb ben feinteren Jfeeil bes StanbeS beS apüftbeineS (crista ossis ilei) fe£t. Sin ben aponbwurgeln unb Knödjetn pnb bie langen ©efenen ber SJtuSfeln mit parfen Bän- bern, bie man ringförmige ober Stingbänber nennt, eng unb fefl unten angebwnben. Ungeachtet üjrer großen Slngafel t)ahen atte Sftusfeln Stamen, lateinifcfee Stauten*, wooon einige lang unb fdjwer gu befealten pnb. Diefe Stamen tjafeen gewöfenlicfe Begug auf ben Sfearatter, ober bie Berrtdjtung ber kusfeln, betten pe beigelegt pnb, ober auf bie ©tette (©egenb), wo pe liegen, fo baß, wenn wtr tateinifefe fo gut »erpänbett, wie unfere ©praetje, wir ouS bem Stamen fofort etwas »on ifetem allgemeinen Sfearafter u. f. w. erfenneit würben. Ss wäre then fo ttu&tos, in einem SBerfe, wie biefes, bie Stamen aller SJtusfeln, iferen Urfprung unb ifere 3nfertion angugefeen, als es fdjwer fein würbe, baoon einen richtigen Begriff feeigubringen. Ss ip gut unb genügt, gu wiffen, baß wir kusfeln Ijaben, unb Ujren allgemeinen Sfearafter unb Stützen gu »erpetjen ; es ip ttoefe. widjtiger, gu wiffen, wie wir unfere * SDcatufee Stamen pnb aus bem ©rieefeifefeen etttlefettt. Slttatomie, $X) »flologie uitb ®ef unblje its regeln. 897 gjtusfeln gu befeanbeltt, wie wir pe angemeffen gn entwideln unb iit einem gefunben 3upanbe gu erfealten feaben Die beigegebenett platten werben, fo gut es auf Rapier gefdjetjen fonn, einen Segriff »on bem Sfearofter, Slusfefeen unb ber ©epalt ber SOtuSfetn geben, ©ie pellen bloS bie oberpädjlidjett ober äußeren SJtuSfelit bar, bie unmittelbar unter bet £aut liegen. Unter biefen bepnben pdj nodj eine, ober gwei unb an einigen ©teilen mefere Sagen anberer SJtuäfelit. Diejenigen, welcfee in ben Slbbilbuttgeit gefetjen werben fönnen, fmb numerirt unb itjre Slamett unb Berridjtungen itt bett folgenben Tabellen angegeben. Konten ber twrjüglicfjfien ÜWugfeln unb ifere SC erriefe tun gen. gtg. 3. —grontanpefet ber «PtuSfeln. 1. Occipito-frontalis, ©nrtttjlntertjauptmusfel — bie Slugenbraunen gu t)eben unb bie Kopffeaut gu bewegen. 2. Orbicularis palpebrarum, StingmuSfel ber Slugenliber — bie Slugettliber gn fcfeließen. 3. Levator labii superioris — Sluffeefeer ber Dberlippe. 4. Zygomaticus major, 5. Zygom. minor, großer ober Heiner 3odjs ober SBan» gentnusfel — bie SJtunbwinfel aufgufeeben. 6. Masseter anterior (»on bem griedjifdjett SBorte " massaomai," lauen), ber ÄaumuSfel — gieljt beit Uttterfiefer an ben oberen. 7. Orbicularis oris, StingmuSfel beS SftunbeS — bett SJtunb gn fdjlleßen unb ju rungeln. 8. Depressor labii inferioris, Scieberbrüder ber Unterlippe — bie Untertippe Ijer- (tbjugietjen. 9. Platysma myoiodes, ober latissimus colli (feeibe SBörter feebeuten baffelbe, nämlicfe; einen breiten Sflusfel). Diefer unb 6, gig. 4, beugen ben Stadeit »orwärts. 10. Deltoides, DeltamuSfel* — ben Slrm aufgufeeben. 11, Pectoralis major, großer Brupmusfel — bie ©djultern »orwärtS, nodj ber SBrup feingugiel)en. 12. Latissimus dorst, hxtitt[ttx Stüdettmusfel — bett Slrm rüd* nnb ahwäxti gu giefeen. 14. Biceps braccbi, ber gweiföppge Slrmmusfet — ben Slrm am Sttenfeogen gu beugen. 15. Triceps, ber breiföppge SJtuSfel — ben Borberarm gn preden. 16. Supinator longus, langer Stüdbeuger — brefjt bie £anb auf ben Stüden ; bodj bient er audj als pronator, um bie £anb ouf bie glädje gu bretjen, fo baß ber Stüden oben liegt. 18. Flexor carpi radialis longus, langer Jpattbgelettffeeuger ber ©peidje (radius), Hegt att ber Daumenfeite unb tp feepitnntt, bie Jpanb gu beugen, b. X). naefe bem Un- terarm nad) »om tjingugieljen. *©eformt,wie ber arteefeifefee 23u#afee Delta (A). 57 898 Slnatomie, $§öfiologte unb ©efunbtjeitSregeln. 19. Flexor communis digitorum — gemeinfamer gittgerbeuger. 20. Ligamentum annulare, Stingbanb — ein partes Banb, um bie SStuSleln unt ©efenen fefl an iferem tylafyt gu fealten. 21. Fascia palmaris, Binbe ber £onbflädje — ein feljntgeS (Btwtbe gum ©djujje ber barunter liegenben Drgane. 22. Obliquus extemus abdominis, äußerer fdjräger BaucfemuSfel — bie Unter« leibseingeweibe gu unterpüfcen. 26. Psoas major, großer Senbenmusfel. 27. Abductor longus, langer Slbgte« feer (SluSfpreiger). 28. Sartorius, ©djneibermusfel — beugen bie unteren ©lieb- maßen nadj ben apüftgelenfett l)itt. Die ©cfeneibermusfeln beweripettigen ba« Uebereinanberfcfelagen ber Beine. 29. Kectus femoris, geraber ©djenfetmuSfel. 30. Vastus externus, unb 31. Vastus internus, äußerer unb innerer plumper SJtuSfel—biefe brei ertenbiren obet Preden bas Bein uub Knie. 32. Die ©efeue ber Kniefdjeibe. 33. Gastrocnemius, boudjiger SBobenmuSfel — ben guß 3U preden, b. fe. nad) feinten gu gieljen. 34. Tibialis anticus, »orberer ©djienbeinmusfel — ben guß am Knödjel gu beugen. 35. ©eljueti beS gemeinfamen gingerprederS (tendo extensoris digitorum com- munis) — bie ßtt)tn gu preden. ftütfanfidjt ber SMuSfeln. (gigur 4.) 3. 2ftusfel»ereintgung — ben Kopf rüdwärts gu gießen. 4. Splenius (capitis unb S. colli)* — ben Stoden rüdwärts gu gieljen unb ben Kopfgu brefeen. 5. Masseter, KaumuSfel — bie Kinnlaben gu fdjließen. 6. Sternocleidomastoideus, »on feinen SintjeftungSpunften am BruP* (sternum), ©djlüffelbein unb 3i^enfortfati (processus mastoideus), (b. i. ber Knodjen untnit« ttlbax feinter bem Dljre notje bem Dtjrläppcfeen) fo genannt — ben Kopf »orwarts ju gietjeit. 3tt ber Jljlerfeeilfunbe nennt man Ujn Kopftiider. 7. Trapezius, rautenförmiger «OtuSfet — bie ©djulter ouf- unb rüdwärts ju gießen. 8. Deltoides, DeltomuSfel — bie ©djulter gu fefeen. 10. Triceps, ber breiföppge s3tuSfel — ben Borberorm gu preden. 13. ©efeni« ger Jfeeil beS JrteepS. 14. Borberer Staub beS JricepS. 15. Supinator radii longus — bie baut ouf ben Stüden gu bretjen. 17. 22. Extensor digitorum communis, gemeinfamer gingerpreder — bie gin* ger gu ertenbiren ober gu preden. * ©ebilbet »on bem griecfeifcfeen SBorte splenion, Serbarü), • «otomie, 5)ööflo(ogie unb ®efunbt)eitSregeltt. 899 Sfiflnr 3. • ■- 2S& SJorberanftcfet ber WuSftl«. 73 900 Snatomle, «Pönologie unb ®efunb$etUregeli. Siflur 4. SucfanftcBt bet SRuSfeli. Slnatomie, ft)vflologte unb ©efunbfe; ettsregeln, 901 18. Extensor ossis metacarpi pollicis — bett 3ftitteU)attbmoc6ett beS Daumen« gu preden. 19. ©eine ©etytte. 20. eüenbogenfortfati bes Sttenoogenfeelns (ulna) unb Slnfefcung beS breilityftgeti 2JtuSfelS (triceps). 21. Extensor carpi ulnaris, £aubgelenfpreder ber ulna — bie Jpanb gu flreefen. 24. Latissimus dorsi — ben Slrm rüd« un> ofewärtS gu gieljen. 25. ©ein feljttl- ger Urfprung. 26. Obliquus extemus — bie (Singeweibe (beS BaudjeS) gu unterpü^en. 27. Gluteus medius, mittlerer ©efaßmusfel — ben ©djenfel ein* unb auswart« gu rotten. 28. Gluteus maximus, größter ©efaßmusfel —ben ©djenfel rüdwärts gu gießen. 29. Biceps flexor cruris, ber gweitöppge Beuger beS ©djenfels — bos Bein gu ptftiren ober gu beugen. 30. Semitendinosus, Ijalfefeijtttger SStuSfet — bos Beugen gu unterpüt^ett. 31. 32. Gastrocnemius (internus unb extemus) — ben guß gu preden (wobei bte gerfe nadj bem Uttterfefeeitfel fein itt bie £öfee gegogett wirb). 33. Tendo Acbillis, SidjitteSfeljtte — bie parfe ©etjtte, bie p^ an baS gerfen- beitt fefet. SBecifefei »on (Bthxand) unb Shuje ift bos große ©efefe ber ©efunbljeit unb @ntwicfe- (ung bes gJtusfetf»pemS. Die kusfeln fottten fo gebraucfet werben, baß iljre ©röße unb Kraft ber on pe gepellten Slnforberung entfprecfeett. „Durcfe ©cfemiebeu wirb man ein ©cfemieb," fagt ein frangöpfctjeS ©pricfe. wort, welcfeeS unferem „Uebung macfet ben SJteiper," gleicfefommt. Jpäuftger ©ebraudj ber SJtuSfeln — jebodj regulirt unb gewiffe ©rengen nicfet üfeerfefejettenb, bentt „attguoiel ip ungefunb" — bebingt eine pariere (Sntwidelung ber giberit (gafertt) unb folglidj ber 3ufammengieljutigsfraft bes SStuSfeln, wätjrenb wir bei wenig angeprengten MuSfeln baS (Sntgegengefefete fmben. Sluf Stutje mu% Bewegung folgen, unb biefe muß lange genug fortgefe&t werben, bamit @rnäfjrung unb Srfafe ber SJtuSfeln pottpnbeit fantt, onberenfatts fte fleiner an Umfang unb fdjwadjer an Kraft werben. Dagegen fottte bie 9JtuSfelfeewe= gung auefe nie bis gur (Srmübung ober erfdjöpfung getrieben werben. SBenn es wüttfcfeettSwertfe ift, bos SJtuSfelfoftem gu entwideln ober gu parfen, fo fottte man mit mäßiger Uebung anfangen unb pe attmälig »erpärfen, fowie bas ©»petn es »ertragen form. Steibeit (griftioiteit) ber kusfeln (b. tj. fo parfes Steiben, baß es auf bie unter berapaut liegenbett Jfeeile wirft) tp fefe> wofelttjuenb; es befdjlennigt bett Srnäfe> rungsprogeß unb bett Srfafc ber erfctjöpftett Ster»ettfraft. Der gange Körper fottte täglicfe eitt* bis gweimal gerieben (frottirt, ober »ielmefer mafprt ober gefnetet) wer« beit. 3eber, ber förperliefe ober geipig arbeitet, jeber £err unb jebe Dame, bie bem Slrbeiterpanbe triefet attgetjörett, aber leidjt gu arbeiten, Bequemliefefeit unb eines anmutfeigett Slusfefj enS ftcfe gu erfreuen wünfdjen, fotttett Ujrett Körper »on Kopf fei« (fuß täglid) gweimal gleichmäßig reiben. Die regelmäßige Uefeuttg ber kusfeln follte unter geeigneten geifiigen Sinwir- 902 Slnatomie, 9>§öfiologte unb © efunblj ei t« regeln. fungen »orgenommen werben, ©eip unb Körper pe'feen in itjren Sinflüffen in SBecfe« felwirfung gu einanber; ber ©eip feot bebeutenben Ginflug auf eine wofeltfeuenbe «Dtusfelbewegung, wätjrenb Untfeätigfeit bes SJtuslulorfopem« Songeweile unb ©tumpffeeit bes BerponbeS ergeugt, bte burefe. nidjts ols SJtusfelübung befeitigt wer- ben fönnen. mit tintm SBorte, angemeffene unb »erpänbige Bewegung erregt feei« tere Smppnfeungen, Klarfeeit beS BerponbeS unb eine Glapigität ber ©timmung, weldje läfPge SJtenfdjen niemals fennen, wäferenb anbererfelts eine feeilfame SJtu«. felbewegung einett lebljoften Berponb, eine feeitere ©timmung, gefunbe Staferung, genug reine unb füfele Suft, lofe, warme Kleibung bei faltem unb lofe, füfele Klei- bung bei warmem SBetter erforbert. .Organe fc$ Äm*laufe£. £erg. Da« aperg ip ein feljr parfer (fogenonnter X) o X) l e r) SJtusfel, ber bas Blut burefe bie Slrterien (©djtogobertt) gu jebem Jfeeile bes Körper« treibt ober pumpt. Sin ©epolt gleicfet es etwa« einem umgetel)rten Kegel unb liegt in ber Brup (bem Brup* fopen), ein wenig linls »om Bruftbeiit, mit feinem unteren Snbe, bas man ©ptjje (apex) nennt, auf bem fefenigen Jtjetle be« ßwtxdj[tttti (diaphragma) rufeenb, ungefähr brei 3ott »om Brupbein ob in bem 3wifefeenroume gwifdjen ber fünften unb fedjpen Stippe tinferfeit«. Do« aperg ip umgeben »on einem parfen, feäutigen ©ode — apergbeutel (pericardium) genannt — ber e« fdjüfet unb an feinem redjten 3)ta0e fepfeält. (5« liegt in ber Brup in fdjräger Stidjtung unb ip fafl gänglidj »on ben Soppett be« linfen Sungenflügefs bebedt. ©ein ©ewiefet bei Srwadjfenen beträgt adjt hii geljn Ungen; beim SJtantte ungefähr eine Unge metjr, al« beim SBeibe. S« entfeält »ier apötjlen, Wo»oit gwei Borfeöfe ober Sltrien (atria) unb gwei apetg« fammern ober Bentrifel (ventriculi) feeißen, bie burdj eine ber Sänge nadj feinab» laufenbe, »on »om nadj tjinteit geridjtetete ©djeibewanb (septum) bas aperg in gtt>ei von einanber getrennte ©eiten, in bie Itttte unb reefete apergfeälfte tfeeiten, beren jebe ani tintm Bort)ofe (Borfammer — atrium) wnb einer apergfammer (ventricu- lus) feepetjt. Sluf biefe SBeife ip ba« aperg gewiffermaßen ein boppelteS Drgan, gleid) ben Sungeit, unb man fpridjt »on einem linfen unb einem redjten aperjen (ftatt apergljälften), gleidjwie man ben redjten unb linfen Sungenpügel redjte unb linfe Sunge nennt. Die Borljöfe ober Borfammern liegen nadj oben, bie Kammern dber Bentrifel unmittelbar borunter. Da bie redjte apergfeälfte ober bas reefete Jperg metjr nadj »om (ber Brup) unb bie linfe metjr naefe, feinten (bem Stüden) gu gelefert ip, fo wirb jene (bie redjte) audj bie »orbere unb biefe (bie linfe) aud) bie feintere £ergljätfte genannt. Slu« ben Bentrifeln (apergfammern) entfpringen bie beiben Btutgefäßftämme, weldje ba« Blut »om apergett wegführen (unb biefe nennt man Slrterien ober ©djlagabem); iit bie Sttrieit ober Borfeöfe münben bagegen biejent* gen Blutgefäßpäntme, weldje »on allen Drgonen be« Körper« ba« Blut gum Jpergtn jurüdfüljrett (unb biefe nennt mon Benen ober Blutobern). %tnt Slrterien pa mm. .ßttb l.*ie Slorta (aorta), welche im linfen ober Hinteren Bentrifel entfpringt unb Slnatomie, 3>$jpfl ologie unb © efunbtjeit «regelit. 903 burd) galjttofe Slepe unb ßwtiQt ba« tjettrotlje, fauerpofffealtige, ernäfjnmgsfäfyige 8lut allen Drgonen unb Jfeeilen be« Körper« gufüfert, unb 2. bie Arteria pulmo- nalis ober Sungenorterie, weldje aus ber redjten ober »orberen apergfammer entfpringt unb baS gur Smäferung untouglidj geworbene, fotjlenpofffeatttge, bunfelrotfee Blut beit Sungen gufüfert, weldje burdj bos Sltfemen (SltfemungSprogeß) baffelbe wieber in feeilrotfees, fauerpofffealtiges Blut umwanbeln. Die Benen, welcfee ba« Blut gum apergen gurüdfüferen, pnb : 1. Die Venae pulmonales (Sungenblutabem), welcfee in meferen (gwei bis »ier) ©tärnnten tjettrotljeS (burefe ben SltfemungSprogeß mit ©auer* poff »erbunbeneS) Blut au« ben Sungen gum linfen ober tjinteren Borfeof be« apergen« füferen, unb 2. bie Venae cavae, ober apofelobem (eine untere ober oufPeigenbe unb eine obere ober obpeigenbe), welche bunfelrotfeeS Blut (welcfeeS ben Körper bereits aenäfert tjat unb nun nicfet mefer emätjrungSfätjig ip) in bett redjtett ober »orberen 'Borfeof be« apergen« beförbern. Slnficfet be« bergen«. ${g, 5. __ Ra, rechter Borljof; Rv, redjte apergfammer; La, linier Borfjof; Lv, linfe apergfammer; A, Slorta unb itjr Bogen; B, Slorta, feinafepelgenb in ben Unter» leib; C, reefete Unterfcfjlüffelfeetn»ene (vena subclavia dextra), »om regten Slrm feer- fommenb ; D, linfe Unterfcfelüffelbein»ene (vena subclavia sinistra), »om linfen Slrm feerfommenb; biefe beiben »ereinigett pdj unb feeißen bonn obere ober feerobfteigenbe £ofel»ene (vena cava superior ober descendens); E, untere ober aufjteigenbe bot)U 904 Slnatomie, $tj»fiologie uttb ©e fu nbljeit« regeln. »ene (vena cava inferior ober ascendens), bie baS Blut »on ben unteren Crtretni' täten gum apergen gurüdfüfert; F, ^fortaber (vena portarum), bie bos Blut bet Därme, SJtitg unb Seber bem apergen gufüfert; H, ungenannte ©cfelogober (arteria innominata), ber erpe »on ber Slorta abgefeenbe apauptap, welcfee pefe tfeeilt in: K, reefete Karotis (Kopffdjlagaber, carotis dextra), unb I, redjte Unterfdjlüffelbein« arterie (arteria subclava dextra), bie gum redjten Slrme gefet; M, linfe Karotis (carotis sinistra), bte in einem fnöcfeernen Kanal ber apalswirbel längs ber linfen (wie bie reefete Karotis längs ber redjten) ©eite beS apolfes in bett Kopf, gum ©e« fetrn gel)t; N, linfe Unterfdjlüffelfeem=©djlagaber (feinlaufenb unter bem ©cfelüf« felbein Ott jeber ©eite feer) (arteria subclavia sinistra), bie gum linfen Sltm gefet; P, Sungenfcfelagober (arteria pulmonalis), bie aus ber redjten apergfammer ent« fpringt unb pdj in gwei Slrme tfeeilt, woson einer in bie redjte Sunge unb ber anbert (feinter ben Bogen ber Slorta tretenb) in bie linfe Sunge gefet; 00, Sungen»enen (venae pulmonales) füferen baS Blut aus ben Sungen gum apergen gurüd. ©ie münben im Unten Borfeof, öon wo bas (feettrotfee) Blut burefe eine gwifcfeen ifem unb bem Borljofe feepnbliefee Deffnung (ostium venosum ventriculi) in bie linfe apergfammer tritt, weldje ifererfeits baffelbe in bie Slorta unb mitteip biefer unb iferer Bergweigungen burctj ben gangen Körper pumpt.* Die Borfammem feaben eine feläulidje garbe, unb ifere SBänbe pnb bünner unb fdjwadjer, ol« bie ber Bentrifel. ©ie bieneit wie eine Slrt Steferooir ober Befeältet be« Blutes, fowie es ous ben Benen fommt. Die apergfammern feaben bidere SBänbe, als bie Borfeöfe, weil pe mefer Kraft gebraucfeen, ba« Blut aus ben Slrterien unb burefe biefelben gu treiben, unb bie SBänbe beS linfen BentrifelS pnb pärfer, als bie beS reefe« ten, weil er größere Kraft brauefet, ba er bas Blut gu allen Jfeeilen beS Körpers treibt, wäferenb ber linfe Bentrifel eS bloS ber Sunge gufüfert. 3ebe apergfeöfele feält unge« fäfer gwei Ungen Blut. Die Jfeätigfeit bes apergenS feepetjt in feiner 3ufammenglefe/ung unb (Erweiterung, unb biefe wieberfeolen fidj, fo unglaublidj es erfcfeeinen mag, bei einer gefunben, erwaefefenen perfon über feunbert taufenb SJtal in »ier unb gwangig ©tunben. Der aperjbeutel (bas pericardium), in weldjem bas aperg ftetft, fonbert an feiner Inneren glädje eine wäfferige glüfpgfeit ab, weldje bie äußere glädje beS apergen« fdjlüpfrig ertjält unb baburefe Steibungen (griftionen) gwifcfeen beiben oerfeütet. 3*» Kranftjeiten pnbet feier guweilen eine Slblogerung »on SBaffer patt; baS ip, was man apergbeutelwafferfudjt nennt. Die waljre Berridjtung bes apergen« war nidjt bottpänbig befannt, bis aparöeij ben Kreislauf beS Blute« entbedte, unb wenn audj $>lato eine giemtidj rationelle 3bee ba»on gefeabt gu feaben fefeeint, fo war bod) bte gängige Slnpcfet, baß bas Blut tn benfelben ©efäßen (Slrterien) fein* unb wieberpröme, »om apergen gu ben Drganen u. f. w. unb von biefen gum apergen gurüdgefüljrt werbe. apor»e» entbedte ben K r e i S t a u f unb letjrte, baß eine Steifee »on ©efäßen (Slrterien) baS Blut »om apergen weg naefe; allen Jfeeilen beS Körpers füferen, baß beren Srttäferung burefe bie a 11 e r f e i tt p e tt Snben ber Slrterien (apaorgefäße) beforgt wirb, welcfee bann eint *Die Pfeile beuten ben Sauf beS SBIuteS (bfe Stiefetung) in ben Slrterien unb Sßentn an. Slnatomie, ^tjöflologleunb ©e f ttttb fjeitsregeltt. 905 Bogenförmige Dretjung macfeeit unb — in äfenlictjer SBeife mit ottberett gufammen* ntünbenb unb pefe »ergrößernb, wie bie Slrterien per) »ergweigten unb »erfleinerten, — bas Blut gum apergen gurüdfüferen. Diefe rüdfeferenben ©efäße, bie anbere Jteifee ober ©attung ber Blutgefäße, Reißen Benen. Slrterien unb Benen peljen fomit itt ununterferodjener Berbinbuug unb bilben gufammen mit bem apergen einen überall tn ftcfe gefdjloffenen Krei«. Sie Slrterien. ©ie Pub parte, etapifefee, tjäutige Stöferen, bereit Urfprung unb Berridjtung fc^on angegeben pnb. 3fere apäute pnb bie äußere ober 3ettenfeaut, bie mittlere ober mm* felfeaut unb bie innere apaut. Die 3ettfeaut (tunica cellularis) tp [t[t, [taxt unb elapifctj, wiberpetjt bem Slnbronge be« Blutes »om apergen unb erfeält bas ©efäß in feiner Sage; bie SJtusfelfeaut (tunica muscularis) bepefet ous gelblittVwelßen gofern unb ip bider aber nicfet fo pari, als bie 3ettfeaut, weil ifere (ber SJtuSfeltjaut) ga* fern fafl girfelförmig, aber nicfet ber Sänge beS ©efäßes naefe taufen; bie innere Sage enbliefe bepefet aus einer bünnen feröfen apaut, welcfee bie innere gtäcbje glatt txX)äl\ unb fo bem Blute leisten Durdjfluß gepattet. Sigur 6. gigur 6. —Da« Slrterienföpem: 1. Slnfang ber Slorta, wo pe baS £erj »erläßt. 2. Sogen ber Slorta. 3. ÄarottS (£alSarterie). , 4. (Scfelä'fenarterte (arteria temporalis). 5. Unterfcfeluffelbetttarterte (arteria subclavia). 6. Slcfefelfeb'felettarterie (arteria axillaris). 7. 9lrtnarterie (arteria bracchialis). 8, ©oeiefeenarterie (arteria radialis), woran man ben «Puls fütjlt. 9. gflenbogenarterte (arteria ulnaris). 10. SBeicfeenarterte (arteria iliaca). 11. ©cfeenfelarterte (arteria femoralis) 12. SBabenarterie (arteria tibialis). 13. ©efeienbetttarterte (arteria peronealis). S^=> Sitte biefe Slrterien, »on 3. an, pnb paarweife »orfeanben, b. fe. an jeber ©eite ober jeber ffirrremftot eine. Da« arterielle ©Vit ein. 906 Slnatomie, $ljö fiol ogle unb © efu nb$ ei t «r ege l n. Die Slrterien pnb gletdj ben pe feeglettenben Benen unb Steroen in ©djeiben »on lofer, gettiger Jertur (©ewebe) gefeüttt, weldje pe »on ben angrengenben Jfeeilen fepartren. Sitte größeren Slrterien liegen in ber Jiefe, um bei Unfällen »or Befdjäbigung gefdjü^t gu fein; wäferenb bie Benen, beren Berletiung nicfet »on fo ernpilcfeen golgen begleitet ip, gewötjnlidj ber Dfeerpädjebes Körpers nafee Hegen, oftmals unmittelbar unter ber apaut, wie auf bem apanbrüden unb ber apanbwurgel. Die Slorta, weiefee otten Jfeeilen bes Körper« reine« (feellrotfee«, oroblrte«) Blut gufüfert, entfpringt im linfen Bentrifel, peigt gegen ba« linfe ©cfelüffelbeln in bie apötje, bilbet einen Bogen, inbem pe pefe nadj feinten unb Unfs brefet unb peigt feinter bem apergen tjinab läng« ber SBirbelfäule. Sluf biefem SBege tritt Pe burefe ba« 3wercfefett, gibt gatjtreidje Slepe, weldje pdj, gleiefe ben 3»eigen eines Baumes, immet meljr tfeeilen, an otte inneren Drgane unb Jfeeile ab unb fpoltet pdj im unteren Jfeeile be« Beden« in gwei apouptgweige, einen für jebe« Bein, bie ifererfeit« wieber bepänbig Steifer abgeben, bis bas ©ange mit ben fogenannten Kapiüar* ober apoor« gefäßen enbet; bas pnb fo fleine Blutgefäße, baß pe ofene apülfe be« SJtifroffop« nidjt beutlidj gefefeen werben tonnen. Born feödjpen Jfeeile be« Bogen« ber Slorta gefeen brei apouptäpe ah: 1. arteria anonyma, ungenannte ©djiagober, liegt om weltepen ttoefe reefets unb fpaltet pefe balb (ungefäfer In gleicfeer böt)t mit bem ©djtüffetfeein) in gwei 3^eige, wooon bet äußerpe — arteria subclavia dextra, reefete Unterfdjlüffelbetrtarrerie — gum redjten Slrm unb ber innere — arteria carotis dextra — on ber redjten ©eite bes apalfeS feiitauf gum ©efeirn gefet; 2. arteria carotis sinistra, ber mittlere ber brei ©tämme Peigt an ber linfen ©eite beS apalfeS feinauf gum ©efeirn; 3. arteria subclavia sinistra gefet gum linfen Slrm. 3ebe biefer Slrterien tfeeilt pdj wieber in gafetloje 3welge, welcfee fdjließtidj als Kapillar* ober apoorgefäße enbigen. Die Sungenarterie (arteria pulmonalis) fängt »or bem Urfprung ber Slorta im redjten (ober »orberen) Bentrifel on, peigt feferäg aufwärts gu ber unteren glädje be« Bogen« ber Slorta, tfeeilt pdj baim in gwei Slepe, woooit einer unter bem Bogen weg gur redjten, ber anbere gur linfen Sunge getjt. Dieft »eräpelit pdj feiner unV feiner in ber ©truftur (bem Bau) ber Sungett unb enbeit mit ben apaargefäßen, weldje etn feine« Stejjwerf um bie Suftgetten bllbeit unb mit bett feinflen Slnfangen ber Suttgett»eitett in Berbtnbung pet)en. Sie SJenen. Benen ober Blutabem rteimt matt biejenigen ©efäße, bie bas Blut gum apergen jnrüdfütjren. man tfeeilt ben gangen Kreislauf bes Blute« in gwei Jfeeile, wooon man einen ben großen ober Körper», ben anbern ben fleinen ober SungenfretS« lauf nennt. Do nur bas ©ange einen Kreis bilbet, fo ip es unrlcfetlg »ott jwei Kreisläufen gu fpredjen, patt »on einem großen unb fleinen Slbfdjttitt beS Kreis« laufes. SBir feaben bereit« gefetjen, baß man ebenfo »on einem redjten unb linfen apergen, »ott einer redjten unb linfen Sunge fpridjt. Die Benen be« KörperfreiS« laufe« fütjrett ba« mtttetp ber Slrterien gu »erfdjiebenen ©eweben be« Körpers gelei- tete unb baburdj bunfelrotfe>fofjlenpofffealttg geworbene Blut gum (redjten) Jpetgen gurüd; bie Benen be« 2ungenfrei«laufe« bagegen nehmen gerabe biefe« Blut Slnatomie, $X)»ftologte unb ® efu ttbfe; eit«regcltt. 907 nuf, nadjbein e« itt bett Sungen burdj bett Slttjmung«progeß »om Ko'felenpoff befreit unb bafür mit ©auerpoff gefdjwangert worben; bie Sungenoenen enthalten tjell* rotfeeS (fauerpofftjaltiges, or»birteS) Blut unb ergießen baffelbe in beit linfen Bor* feof, »on wo e« in bie linfe apergfammer unb in bie Slorta gelangt. Kapillargefäße. — Beoor wir mit ben Benen weiter »orangetjen, tp e« angemeffen, »on beit Kapittargefäßen gu fpredjen, bie ein Berbinbung«glieb gwifdjen ben Slrterien unb Benen bilben, inbem pe bo« Blut oon jenen oufnefemen unb biefen überliefern, ©ie Pnb über ben gongen Körper »erbreitet unb pellen eilt gange« Stefc* werf bar, fo baß man nicfet bie feinfie Stabelfpitie in bie apaut ober irgenb einen Jfeeil beS gletfdjeS pedjen foittt, otjne pe gu »erwunben unb eine Blutung gu »eranloffen. Diefe fleinen ©efäße nennt man Kapillar« ober apaargefäße (»ott capillus, apoar), weil fte fo flein pnb; aber ein apoar, fagt STcogeitbie, tp im Bergleicfe gu biefen ©efäßen eitt großer Sölinber (Stunbfäule); man fotm pe ttur mit apülfe be« Ber* größerungSglofe« fefeen. ©ine« ber djarafteripifdjen 3cffortaberfretSlauf. Slußer ifenen gibt es nodj gwei Sungenoenen, welcfee »on ben gafellofen apaargefä* ßeit in ber ©ubpang ber Sunge iferen Slnfang nefemen unb bas Blut jener, nacfebem e« gereinigt worben, gum linfen Borfe,of be« apergen« gurüdfüferen. Slefpitationfr obet $ltX)mnna,§otatane. Sungen. Die Slttjmungsorgane feepetjeit aus ben Sungen (pulmones), ber Sufttöfete (tracbea) mit Sinfdjluß be« KetjlfopfS (larynx), ben Suftröt>renäpen (bronchii) unb ben Suftgetteu, welcfee lernte ungäfelige fleine, gefcfe,loffene, feJlnbe ©ädefeen an ben Snben ber Brondjiolröferen (Stöferett ber Suftröferenoeräpelungen) ßnb. 3wercfefett, Stippen unb mefere SDtuSfetn unteren beit SltfemungSprogeß. Die Sungen ftnb weiefee, fefewammige Körper, welcfee bie Bruftfeöfete (Xfeorar) einnehmen, gu beiben ©eitert beS apergettS liegen unb mittels ber Suftröfere am Jpalfe befeftigt ftnb. ©ie bepefeen aus gwei Jfeeilen, rechte unb linfe Sunge genannt, welcfee burefe; eine bünne, feiutige ©arbine, 9Jtebiapinum ober «NttteifeH genannt, »on eiitattber getretmt pnb. Diefe ©arbine reicht »om Stüdgrat bis gum Brupbein ober ©ternum unb tfjeilt bie Brup in gwei apöfeien. Die ©epolt ber Sunge, al« ein ©anges, entfpriefet ber ber BruPfeöfe.le Pe ip runb ober fon»er an beit Stippen unb $o*l ober conco» om Sergen unb 3»erdjfett. Jfert garbe ip graulidjroUj, wirb aber im Sllter bläulidjrotfe. Die fdjon befdjrieben. große fe ö (trachea) fteigt »or ber ©petferötjre ober bem Oesophagus tjerafe unb fann beuttidj unmittelbar unter ber £aut gefüfelt werben, ©erabe feinter bem ofeerflen Jfeeile be« Brupbein« tfeeilt fte ftcfe in gwei Slepe, bie ntetjrgenatmten bronchi (Brottdjen), bie, jeber auf feiner ©eite, gu ben Sungen geljen, ffererfelt« in ungäfelbare, immer Heiner werbenbe Stötjrett, bie Brottdjieit (bronchii), ftcfe sjeräfleln unb gutetit al« gefdjloffette, felittbe ©äddjeit eitben unb Suftgetten geitoimt werben. ©iefe 3etten pnb Hein, [tX)v bünn unb flehen itt freier Berbinbung mit einanber. Die apaut, weldje biefe 3etten bilbet (b. i. bie bie innere glädje be« Kefelfopfe«, ber Suftröfere unb ber gangen Sunge ausfleibenbe ©djleimtjaut) unb bie burdj bie gefammten Suftwege geljt, fott einen glädjenraum »on ttatjegu 22,000 Duabratgott feaben. Daraus folgt, baß bie Sungen eine große Duontität Suft faffen fönnen, fo baß bei jeber Stefpiration etwa »iergig Kubifgott Suft ein* unb eben fo »iel au«. geatfemet wirb, Slngenommen nun, baß wir gwangigmal in ber Minute attjmen, »a« ungefähr gutreffenb ip, fo pofpren ocfe.t ^uttbert Kufeifgott Suft bie Sunge in jeber Minute, wo« für eine ©tunbe 48,000 uitb für ben Jag (»ier unb gwanjta, ©tunben) 1,152,000 Kufeifgott beträgt. 910 Slnatomie, 5>fe,»fiologie unb ©e f unbfe; eiUregeln. Der Sltfe,mung«progeß ip für ben ffeterifdjen Jpau«fe>lt »on ber fe;öcfepen SBtdjtig« feit; bie Sungen- fmb bie große SBertpatt, wo ba« Blut gereinigt unb für bie 3ir« fulation brouefebor gemaefet wirb, um fowot/l bie Smäferung gu beforgen, als bie ttjierifdje SBärme gu ergeugen. Die Suftwege unb 3etten pnb mit einer garten, bünnen ©djleimfeout ausgeflei- bet, weldje gu ßtittn ber ©i$ »erfcfeiebener Kranffeeiten wirb, wie Sroup, Sipfema (Kurgattjmigfeit), Brondjiti« (Sntgünbung ber Brondjien ober feineren Beräpelun« gen ber Suftrötjre innerfealb ber Sungen), 3nPuenga ober ©rippe, blauer apupen (ober Keudj*, ©tidfeupen) u. f. w. ©ie (bie ©cfeleimfeaut) beforgt aber audj bie Slbforption (Sluffaugung) unb nimmt bie giftigen Sigenfdjaften be« Jabafraudjes, bie Dünpe »on geifiigen ©etränfen unb anberen flüchtigen ©toffen auf, weldje oft fefer nodjtfeeitige SBirfungen äußern. Diefer SlfeforptionSfäfelgfeit wegen ßnb Sin« atrjmungen (3nfealationen) argiteilicfeer Dämpfe (wie Sfelorbämpfe, 3obbämpfe, fünptidje ©eeluft u. f. w.) bie wttffampett SJtittet gegen Sungenfranffeeiten. 3 In er (fefelt (dlaphragma). Do« 3n?ercr)fetl tp eine bünne, musfulöfe ©efeeibewanb, gwifdjen Brup* unb Baucferjöfele, gefet quer burdj unb ip mit feinem Stonbe an bem Stüdgrat, bett unte« reit Stippen auf jeber ©eite unb »om om Brupfeeitt befepigt. Ss trennt bie Sltfe« mung«* (Stefpiration«*) »on ben BerbouungSorgonen (DigepionSorgane), ober »ielmefer £erg unb Sungen »on SJtagett, Seber, SOtilg u. f. w. unb peigt in bie Brup* Ijöfele feinouf in ©eftalt eine« Bogen«, auf beffen oberer (fon»erer) glädje bie Sun« gen rutjen, wäferenb SJtagen unb Seber pdj in feine apöfelung on ber unteren glädje feineiitlegen. Die ©peiferöfere, etje pe gum SJtagen gelangt unb »erfdjiebene anbete widjtige Siötjren, wie bie Slorta unb bie auffteigenbe apofe.t»ene, burdjboferen ba« 3wercfefett. S« ip ber apauptfaftor, bie apauptfraft gur aperpellung unb Unterfeal* tung be« Stefpiratiott«progeffe«. 3ebeSmal, wenn wir attjmen, gtefet pefe baS ßwtxa)» fett gufammen, wobei es pdj fo fenft, baß ber Bogen pefe iit eine ebene glädje »er« wanbelt unb SJtogen unb Seber mit ftcfe. tjittabpößt. Daburdj wirb bie Brußfeöfele erweitert; bie Sungen, welcfee auf ber oberen gläefee be« 3werefefett« liegen, folgen biefem beim apittobpeigen, befeneit pdj au« unb ergeugen baburefe einen leeren Staunt iit üjrem Snneren, weldjer fofort mit Suft ausgefüllt wirb, bie bi« in bie SuftgeÜen bringt. Diefe« nennt man 3nfpiration ober Stnattjmung. Unmittelbar feierauf erfdjlofft ba« 3werdjfett (fall« biefe« nldjt wittfürfiefe. »ergögert wirb, Wie beim Sin« fealten be« Sltfeem«), fefeitettt mit bett uitterwärt« angehefteten Drganen in bie bb'M, unb nimmt wieber feine Bogengepalt on, wobei ber Brupfapen »erengt unb untet Komprefpon (3ufommenbrüdung) ber Sungen bie in ifenen enthaltene Suft aus* gepoßen wirb. Diefe« Ijeißt Srfpiration ober SluSaUjmung. Srweiterung bei BrupfopeuS ip alfo mit Sitt*, Berettgerung beffelben mit SluSotfemen »erbunben; bei jenem giefet ftcfe. ba« 3wercftfett gufammen unb peigt mit ben unterliegenben Dr» gonett fo tief itt bie Baucfe.fe.ofe.le feinafe, boß bie gewölbte glädje pefe in eine ebene »erwanbelt; bei biefem wirb ba« Swercfejett fcfelaff unb peigt in bie Jpöfee. Ber« fcfe>bene Stippen* unb anbere 9Jtu«feln Reifen bett Brupfapen erweitem unb »eren« gen unb uuterpüfcett folglidfe ba« Sltfe>ett, ba« auf bem ©runbfafje bes Blafefealg« feerufe; t, »e«fe. alfe man aud) bie Sungen »ergleidj«weife Blafefeälge nennt. Stttatontte, $1)»fiologie unb ©efunbl)eit«re0eltt. 911 £>ia,efkion$= obet f8etbauun$$ot$ane. Die feauptfäcfelicr;Pett Drgane ber Berbauung pnb SJtagen, ©ebärme, Seber unb einige Heinere Drüfen, bie om geeigneten Drte betradjtet werben fotten. SJtunb, 3äfene, Statfeen, ©cfetunb ($fear»itr), ©peiferöfere (Defopfeagus), SJtiicfegefäße unb BruPgang (duetus thoracicus) werben guweilen auefe gu ben BerbouungSorganen gereefenet. SJtunb unb 3äfeue bebürfen feiner Befcfereibung ; ber Stacfeen ip einfaefe tit apöfele feinter bem SJtunbe unb ber 3ungenwurgel, bie gemeinfome apöfele, wo fowofel Suft* ols ©peiferöfere iferen Sltifong nefemett (mittetp ©cfelunb unb Kefel* fopfes). Die ©peiferöfere unb ifer Slnfang, ber ©cfelunb («ptjaronr), bilben eine große feautige Stöfere, burefe welcfee bie ©peifen »om SJtunbe bis gum SJtagen gelangen. Bon ben SJttldjgefäßen, bem SJtilcfe* ober Brupgattge u. f. w. wirb fpäter bie Stebe fein. Ut a o e n. Der SJtagen tp ein häutiger ©od ober Beutel, in weldjen bie ©peifen nadj bem ©cfelingen gelangen, um »erbaut gu werben. Sr liegt »orgugsweife in ber linfen ©eite bes oberen JfeeileS ber Baucfefeöfele unmittelbar unter unb in Berbinbung mit bem 3werdjfett unb erpredt pdj »on ber linfen gur redjten ©eite. Der linfe XXjtil bes SJtagenS, ber fogenannte blinbe la0 nidjt oerlaffen fann. Der ©rimmbarm fängt om Blinbbarm an, läuft läng« ber redjten ©eite auf. wärt« nadj ber Seber tjln, brefet pdj bafelfep, gefet »ott ber redjten nadj ber linfen ©eite unmittelbar unter bem SJtagen' unb oberfealb ber bünnen ©ebärme unb bilbet fo ben fogenatmteit Bogen be« Kolons. Dann brefet er pdj wieberum, peigt längs ber linfen ©ette ber Baudjrjöfele tjerab unb eubet bem Blinbbarm gegenüber mit einer Slrt boppelter Sur»e (Bogenlinie), weldje »on iferer Sletjnlidjfett mit bem Budjpafeen S, flexura sigmoidea, ober S Ronianum (S=förmige Biegung, ober römf* fcfees S) genannt wirb. Sine gortfejmng feieroott unb bas untere Snbe ber ©e« bärme ip ber SJtapbarm, ber ungefäfer aefet 3ott lang ip. £a$ £>tüfeni$ftem. Drüfen pnb weidje, fleifefeige, organifdj gebilbete Jfeeile, weldje Slrterien, Benen unb Steroeu Ijafeeit unb bepimmt fmb, einen befonberen ©aft aus bem Blute abgufott« bem, ber für einige ber »erfdjiebeneit Körper»errld)tungen notfewenbig ip, ober aus bem Körper auSgefdjieben werben muß. Die Drüfen pnb fetjr »erfcfeieben »on einanber, fowofel on ©röße, als ©epalt, ats audj an Stjarafter ber glüfpgfeiten, weldje pe obfonbem. Die größte Drüfe ip bie Seber, weldje bie ©alle obfonbert. Sludj bie weiblidje Bruft, welcfee SJtilcfe abfonbert, unb bie Stieren gefeören gu ben Drüfen. ©djlettnbrüfen. — ©ie bilben eine gatjlreidje Klaffe, pnb fefer flein, befie- len aus fleinen, burctj eine eigentfeümlicfee apaut gebildeten Beuteln unb öffnen pefe mit fleinen ©äugen, burefe welcfee pe iferen Snfealt entleeren, ©ie pnb über alle ©cfeleinujäute ausgebreitet, »on ben äußeren Deffnungen ber Stafe unb ben Sippen an burdj ben gongen Sitt)mung«* unb Berbouungsapporat bis gu ben Suftgellen ber Sungen unb gum Snbe be« SJtaftbarmS (orificium ani, Slfter) über bte innere gläefee ber baxn* unb ©efdjledjtsorgane unb bereiten eine befonbere Slrt glüfpgfeit, ber biefe Jtjeile fdjlüpfrig madjt unb bie man ©efeieim nennt. Die Jalgbrüfen (glandulär sebaeeae) pnb beit ©djleimbrüfen im Baue äfenlid), foubern ober eine ölige ober fettige glüfpgfeit ob, welcfee ben Jalg ober ben fettige» Jtjeil beS Körper« bilben. Bon ©peta>lbrüfeit (glandulae salivales), fo genannt, weil pe ben ©peiefeel (saliva) afefottbem, gibt e« brei «Paare. Die »orgüglicfe. Pen unter ifenen pnb bie 9)atottben (parotides) ober Dtjrfpetdjelbrüfett, weldje auf jeber ©eite unmittelbar t)tuter bem SBinfel be« Unterfiefer« gwifdjen biefem unb bem Dfere liegen, ©ie *ffnen pdj burefe einen ©ang (duetus utenonianuß genannt) an ber inneren ©eite Slnatom e, $tj»fiologteunb©efuttbt)eitSregeltt. 915 ber SBangen unb liefern ben feauptfäcfelidjpeit Betrog ©peidjet, ber bogu bient, bie ©peifen wäferenb ber SJtopifation (be« Kauen«) angufeucfetett unb bie erpe djemifdje SBeranberung einzuleiten, woburcfe bie Slnimalifatioit (Berwanbluug iit tfeierifefeen ©toff) ber StaferungSmittel angebafent wirb. Diefe Drüfen pnb ber ©ijj be« 2JtumpS. Das nädjpe tyaax pnb bie ©ufemartttar= ober Unterfieferbrüfen an ber Inneren ober feinteren ©eite bes UnterfieferS, weiefee pefe burefe einen ©ang (duetus whartonianus) an jeber ©eite bes 3ungeitfeänbcfeenS (frenulum) im SJtunbe öffnen. Dann fcfetteßltefe fommen bie Sublingual* ober Untergungenbrüfen, welcfee unter ber ßnnge, nafee an iferem feinteren Jfeeile, liegen unb burefe »erfcfeiebene ©äuge (ber apauptauSfüferungSgong feeißt duetus bartholianus, ber Pefe mit bem duetus whar- tonianus »ereinigt, bie Stebengänge, bie pdj ebenfatts neben bem 3ungenbänbdjen öffnen, feeißen duetus Bivini*) iferen 3nfealt in ben SJtunb ergießen. Die Somptjbrüfen (lijmpfeatifdjen Drüfen) fdjeittett feinen anbereit ßwed gu X)aben, als beit, bie lötnpfeatifdjen ober Sötttpfegefäße aufgunefemen unb burefegulaffen, um bie in ifenen entfealtene Sötnpfee burefe ifer längeres Berweilen unb burefe mittelbare Skfpülung »on arteriellem Blute biefem, b. fe. ber Blutbilbung (apämatofe), näfeer ju bringen, ©ie Xjaben feine SluSfüferungSgänge, liegen ober fefer gafetreidj über ben gangen Körper »erbreitet, bie größten unb befannteftett in ben Seiften (©djam* gegenb), Sldjfelfeötjlen unb gu ben ©eiten bes StodenS. Seijtere fdjwettett bei ffropfeu* löfen Slffeftionen oft an unb bilben große ©efefewüipe unb guweilen ©efdjwüre. Sludfe bie Drüfen ber Slefefelfeöfele unb ©djamleipe erfrattfen guweilen. SBir gefeen nun gu beu größeren Drüfen über. ßefier. Die Seber tjat eine feraunrottje garbe unb wiegt bei gefunben, erwaefefenett $erfo* nen gegen »Ier $funb. ©Je liegt im oberen Jfeeile ber Baucfefeöfele, feauptfädjltefe an ber reiferen ©eite unter ben Stippeit unb wirb in gwei apauptlappen, ben reefeten unb linfen, eingeteilt. 3fere obere gläefee ift conüer (gewölbt) unb entfpriefet ber Slusfeöfelung be« 3werefefells, an weldjem fte burdj mefere Sigamente (Bänber) befe- pigt ip; ifere untere gläefee tp conca» ober auSgefeöfelt unb pefet in Berfembung mit bem SJtagen unb 3wölfpngerbarm. 3fer redjter Sappen tp befonbers bid unb maffettfeaft unb legt ftcfe fanft über ben SJtagen. 3n einigen Kranffeeiten oergrößert unb »erfeärtet ftcfe bie Seber uub fann, unter ben Stippen feeröorragenb, »om an ber reefetett unb guweilen fogar an ber Unten Seite be« Unterleibes gefütjlt werben, ©ie fann ober auefe »om 3werefefett Ijerafegebrüdt fterben unb eine Bergrößerung pmuliren (ben Slnfcfeein einer Bergrößerung ifeafeen), ofene felbp erfronft gu fein, in Kranffeeiten ber Bruft, wie SBafferfucfet. SJtateriett icirb pe in iferer Jertur (Bau) burefe Kranffeeitsprogeffe »eränbert, inbem pe in man* cfeen gälten gang weiefe, in anberett feljr feart unb feft unb in einigen gätten »ertjält* nißmäßig fefer groß wirb uub gwangig bis breißig «Pfunb wiegt. ©ie ip mit Steroen, Blut* unb auffougenben ©efäßen »erfeljen unb beforgt bie ©efretion (Slbfonberuttg) ber ©atte, welche bei ber Berbauung eine bebeutenbe Stolle fpielt. * Diefer, wie bie pfeerett Statuen t Whartonianus, Bartholinianus, pnb »on ben Warnt* iflftt Gntberfer entlefent. 916 Slnatomie, ^IjOfiologie unb ©efunbt)eitSregeln. Die ©allenblafe, weldje gur Seber getjört unb on ber unteren ©eite Ifere« recfeten Sappen« p0t, ip ein feäutiger Beutel ober Befealter, ber groß genug ip, eine bis gwei Ungen ©atte onfgunefemen. ©ie bient als eine Slrt ©peicfeer, um btn ©attenüberfefeuß außer ber BerbauungSgeit aufgubewaferen. Die in ber Seber bereitete ©aüe wirb burdj ungäfelige fleine Stöferen, bie butdj bie gange Seberfubpong geljen unb fcfeließliefe an ber unteren gläefee biefe« Drgan« gu einem großen ©tamme, duetus hepaticus ober Sebergang genannt, pefe »ereinigen, ausgefüfert, unb gwar entweber bireft in ben 3wölfpngerbarm, ober In bie ©allen« fetafe. Bon biefer nämlicfe füfert ebenfatts ein ©ang, duetus cysticus ober Blafen« gang genannt, in ben 3wölfpttgerbarm, unb ber SJtedjaniSmuS ip ber Slrt, baß bie ©atte, je naefe Umpättben unb Bebürfniß, aus Seber unb ©ottenblafe in ben 3wölf= pngerbarm ober aus ber Seber in bie ©allenblafe (unb nidjt in ben 3wötfßngerbarm) gelangen fatm. Seber* unb Blafengang münben nämlidj gufammen unb bilben nadj iferem 3ufammeutritt einen gemeinfdjafttitfeen ©ang, duetus choledochus, gatte« füfjrettber ©ang genannt, ber pefe lin 3wölfpngerbarm, ungefäfer »ter bis fünf 3olI feinter bem SJtagenausgange ober Pförtner (pylorus) öffnet. Sllle brei ©äng« bilbeit eine Slrt SJpplon (Y)* unb betommen naefe Umpänbeit eine folefee Stiefetung gu einanber, baß bie ©alle bireft aus 2 naefe 3 fließt, wäferenb 1 gufommengebrüdt unb gefefeloffen ip, boß pe ober ouefe. ebenfo bireft »on 2 nadj 1 (in bte ©allenblafe) gefeen fann, wäferenb bann 3 bem 3utritt ber ©atte entrüdt ip, Stieren. Die Stieren (ouf jeber ©eite eine) pnb bunfelrotfe unb In ber gorm (©epalt) einer gewiffen Slrt Bofette gleiefe, bie ols Siletenfeofene befannt ip. ©ie pnb fünf bi« fecfes 3ott lang, brei bi« oier 3oll breit unb liegen an jeber ©eite ber SBirbel« faule im feinteren unb oberen Jfeeile ber Bautfefeötjle. 3fere obere apätfte breitet ftcfe über bie gwei unteren (falfdjen) Stippen aus, unb ifer oberes Snbe berüfert bie untere ©eite beS 3wercfe. felis; bafeer ber ©cfemerg beim Sttfemen, wenn bie Stiere* entgünbet pnb. 3fere Bepimmung tp bie Slbfonberung beS £am«, ber ftcfe in fleinen Stöferen fam melt unb in ba« fogenannte Scierenbeden — eine apöfele im SJtittelpunfte ber Stieren — pefe ergießt, »on wo er in bie ©änge (Stöferen), bie man Ureteren ober aparnleiter nennt, gelangt (an jeber Stiere einer), weldje in bie apamfelafe eintnünben. Diefe liegt im unteren Jtjeüe ber Baucfefeöfele unb ift ber Befealter beS Urins, welcfeer bort fo lange gurüdgeljalten Wirb, bis bie SluSleerung (aparnloffen) »or pefe gefet. gjuig. Die SJtilg ip ein weldfeer, [djwammiger Körper »ott bunfelrotljer garbe unb liegt über unb »or ber linfen Stiere, unmittelbar an ber linfen ©eite bes SJtagenS, mit welkem fie burefe, Heine Blutgefäße unb bie 3ettfe out »erbunben ip. ©ie pefet eben« *1 duotus cysticus; 2 duetus hepaticum ; 3 duetua choledochus, bet im 3tt>öIfpnfltTbonn münbet, Slnatomie, gjtjoftologle unb ©efunbfe; eitSregeln. 917 fatt« mit bem 3werdjfell an beffen unterem Snbe nafee ber SBirbelfäule in Berfeitt- bung unb ift ber gorm nadj abweidjenb, aber im Slttgemeiiteit etwa »ier 3ott lang, brei 3ott breit unb gwei 3ott bid. 3uweilen »ergrößert pe pefe fe^r unb fann baim tiitf« »om SJtagen unter ben Stippen gefufe.lt werben. Die« ereignet ftcfe feäupg in Steroen* unb eingewurgelten Söecfefelpebem (fogenontttett falten giebern). ©ie feat »iele Blutgefäße, aber feinen StuSfütjrungsgang unb ifere eigentlicfee gunttion ip nodj nict)t befatmt. man feat p« Skleren ofene üble golgen auSgefdjnitten. spanfreaS. Das $anfrea« ober bie Baudjfpeiefeelbrüfe, bei Jtjlereu al« ba« sweet-bread befannt, ip auefe ein brüpger Körper »ott felaßrotfeer garbe unb an ©epolt ber ßunQt eine« apunbe« äfenlicfe. ©ie liegt quer über ber SBirbelfäule, unmittelbar feinter bem SJtagen unb pefet an üjrem fefemoteren Snbe in Berbinbuug mit ber SJtitg. S« X)at eine« SluSfüferuttgSgang, ber pefe iit Berbinbung mit bem ©attengange (duetus choledochus) »on ber Seber im 3mölfpngerbarm öffnet unb duetus pancreaticus ober wirsungianus feeißt. Die Boudjfpeicfeetbrüfe fonbert ben fogenannten panfrea* tifefeen ©aft ah, eint bem ©peiefeel etwa« äfenlid) fefeenbe glüfpgfeit, unb ergießt iX)n tn ben 3wölfpngerbarm (duodenum) gum ßwtd ber Berbauung. Sluf fäugenbe ©efäße (vasa absorbentia). Die ouffaugenben ©efäße pnb fleine, garte, burcfefcfeeineitbe Stöljren, bie pdj an (ebem Jfeeile be« Körpers »orfmben unb in Stüdpefet auf bie glüfpgfeiten, meiere pe entfealten, SJtilcfe;* ober Spmpfjgefäße genannt werben. Die SJtitdjgefäße öffnen pefe an ber inneren glädje ber ©ebärme unb faugen ben fogenannten Stylus ober SMdjfaft auf, eine mildjäfettlicfee glüffigfeit, welcfee pe in ben fegenaimteit „Brupgang" (duetus thoracicus) füferen, ber feinerfeit« feinen 3nfealt (ben SJttldjfafr) in bie vena subclavia (Uitterfefelüffelbeinober) ber linfen ©eite ergießt, bem Blute alfo bireft feeimifdjt. Die SJtitcfegefäße ftnb ein widjtige« ©»Pem, beim burdj fte wirb ber Sljötu« ober emäfejenbe Jfeeil ber StaljrungSmittel »on bem emäfjrungsuttfäijigett getrennt, um bos Blut gu ergangen, um Blut gu werben. Die tpmpljatifdjett ©efäße entfpringeit »ott jebem Jtjeile bes Körpers unb enttjol- ten eine weiße, burefepeferige glüfpgfeit, bie man S»mpfee nennt. 3ufommen mit ben SJtitdjgefäßeit modjeit pe bo« fogenannte obforbirenbe ©9pem au«, ©ie Pub außerorbentlicfe. flein uub gort, fo baß man pe mit bloßen Slugen niefet fefeeit fann, gefeen burefe; bie fogenonnten l»mpfeotifefe.en Drüfett unb münben in ©emeinfdjaft mit ben SJtildjgefäßen im BruPgonge (duetus thoracicus). Die Sptttpfegefäße nefemen von »erfdjiebetteit apöfelen unb Jfeeileit be« Körper« glüfpgfeiten auf unb bringen pe in ben Kreislauf, unb es ip bafeer leicfet »orauSgu* fernen, boß pe oft bie Sntftetjung »on SBofferfutfeten »erfeüten. man fonnte pe mit tiner'@attung gieriger (gefräßiger) Jbiere »ergießen, bie bereit pnb, SltteS, was Ifenen in beit SBeg (SBurf) fommt, aufgunefemeit unb fortgufüferen. Statürlicfe faun »on feiner Sluswoljl beffen, was gut unb gefunb ip, bie Stebe fein, ba alle gunftio* 918 Slnatomie, 3>tj » ft o l og ie unb ©ef unb tjeit« r eg et n. nen be« DrganiSmuS naefe; feppefeenben natürlicfeen ©efejjeu »or pcfe gefeen, wobei bie betreffenben Drgane blinbe SBerfgeuge ofene ©elfepbepimmung unb Urtfeeil Pub fonbern fte abforbiren (faugett auf) fcfeäblicfee unb giftige ©ubpongen gerabe fo gut Wie bie naferfeaftepen. Ss ip befannt, baß Sinreiburtgeit »ott D.uedplberfalbe itt bie apaut eben fo gut ©peidjelfluß »erurfadjen tonnen, als Duedplber innerlicfe genommen. Krotonöl, in bett Unterleib eingerieben, erregt guweilen Slbweicfeen; unb Slrfenif auf Krefesgefcfewüre unb Dpium auf Branbpetten angewenbet, pnb in genü- genber SJtenge abforbirt worben, um ben Patienten gu »ergiftert. SluSgetretene« Blut unter ber apaut ober ben Stägeln wirb burdj biefe fleinen ©efäße fortgefdjafft. 3fer ©efdjäft fdjeint baS allgemeiner Stüjjlicfefeit gu feiu, ba pe abgenutzten obet abgeporbenen ©toff ober ungefunbe Slblagerungen In irgenb einem Jfeeile bes Kör- pers oufnefemen unb wegfüferen. SBruftgang (dnetus thoracicus). Der duetus thoracicus, ber al« ber ©tamm ber auffaugenben ©efäße feetradjtet werben fann, bo er bie abforbirenbett ©efäße »on faft jebem Jfeeile be« Körpers — mtt Sittfdjtuß ber SJtilcfegefäße natürlicfe — aufnimmt, ip, ofewofel Hein, ba er nur bie Dide eines geberfiels im Durefemeffer feat, ein fefer wldjtiges Drgan in bet menfefeliefeen Drganifation. Sr fängt am unteren unb feinteren Jfeeile ber Bauefe« feöfele an, gefet längs ber SBirbelfäule neben ber Slorta aufwärts bis gum unteren Jfeeile bes StadenS ber linfen ©eite, ober bem fedjften apolswirbel gegenüber, biegt pcfe bann plötilid) ab* unb »orwarts unb gefet gerabe unter bem linfen ©cfelüffelbein in bie linfe vena subclavia. Sr ergießt feinen 3nfea(t, ben StjoluS (SJtitcfefaft), in ben ©trom be« »enöfen Blute«, ba« bireft gum apergen gefet. &a$ Sfletoenfyftem. Dos Ster»enf»pem bepefet ou« bem ©efeirn, bem Stüdenmorf unb ben »ott ifenen abgetjenben Steroen. 2)08 ©efeirn. Da« ©efeirn ip ber ©itj ber ner»öfen Smppnbung unb be« Berpanbe«. Ss liegt im ©djäbel unb gerfättt in gwei Jfeeile, bie man cerebrum unb cerebellum ober große« unb fleine« ©efeirn nennt. 3ene« liegt »or unb über ben Dferen, biefeS (baS Heine ©efeirn) unter benfelben unb im feinteren Jfe. eile be« ©cfeäbels. Das ©efeirn iP in gwei apemifpfeären (Sotfefugeln), bie redjte unb linfe, burefe eine Kluft obet ©palte getfeeilt, bie »on oben on bi« fajl ober gang 3»elbrtttel feiner Dide abwärts gefet unb in welcfee ein Jfeeil ber fearten apimfeaut (dura mater) pdj feineinftfelagt unb eine ©efeeibewanb gwifcfeen ben apemifpfeären bilbet. Diefen Jfeeil ber fearten apimfeaut nennt man falx cerebri ober apimptfeel. Sitt ber unteren glaefee (©runb' fjäcfee) tp ba« ©efeirn in brei Sappen, ben »orberen, mittleren unb feinteren, getfeeilt. Die beiben apemifpfeären fmb burefe. ein bidjtes Sager querlaufenber gafern »erbun« ben, ba« man corpus callosum (fdjwieligen Körper) nennt. Slnatomie, $X) feftol o gie ttttb ©efunbtjeit« regeln. 919 Do« ©efeirn iP »ott brei bauten umgeben, ber dura mater ober t;orten apim* feaut, ber arachnoidea ober ©pinnewefeenfeaut unb ber pia mater ober weidjen apimfeaut. Die dura mater übergiefet bie innere glädje be« ©cfeäbels unb tp, wie ifer Stame angeigt, eine parle, fepe SJtemferane (apaut) »on feeiter, plberäfenlicfeer garbe. Sluf pe folgt bie ©pinnemebentjaut (arachnoidea), bie feröfe baut be« ©efeirn«, bte, gleiefe atttn feröfen SJtembronen, boppelt, bennoefe aber fefer bünn unb gart ip. Die pia mater (weiefee apirnbjout) ip eine weiefe. e, gefäßreiefee apaut, welcfee bie gange Dberfläefee bes ©efeirn« unmittelbar übergiefet unb pdj in [eint SBitt* bungen (gyri) fyineinfenfr. 3fe)re gafelreidjen Blutgefäße fütjren bem apim Stat)* rung gu. Die ©ubpang beS ©etjirn« bepefet nicfet, wie guweilen angenommen worben, ausfcfeließlicfe au« einer weißen, pulpöfen (weiefeeit, fleifcfetgett) SJtaffe, fonbern feot ein met)r ober weniger faferige« ©efüge unb gwei »erfcfeiebene garben, bie weiße unb graue. Sluf ber oberen unb äußeren gläefee be« apim« pefe)t man ttaefe; Sntfernung ber apirnfeäute wellenförmige SBinbuttgen, weiefee fleine runbe Srtjafeenfeeiten feilbett unb gyri genannt werben. SBenn man biefe burdjftfeneibet, inbem man mit einem fefearfett SJteffer eine Portion be« oberen Jfeeile« be« ©efeirn« feorigontal abträgt, fo pefet man eine weiße ©ubpang (SJtaffe) im SJtittelpunfte eine« jeben gyrus, wätjrenb bie äußere Portion in ber Dide »on einem tjalben bis gu einem gangen 3oU ein afdjgraueS Slusfefeen geigt. Diefe nennt man bie graue ober Kor* tifal* ober Stinbenfubpong, jene bie weiße ober SJtebuttor* ober SJtarffubpang. 3nt 3ntiem be« ©efeirn« bepnben pefe mefere apöfelen,* wooon bie beiben größten pefe; »on »om naefe feinten faft burdj ba« gange ©efeirn erpreden unb ©eitenoentrifel (=Kam* mern), ventriculi laterales, genannt werben. 3n biefe apöfele wirb »Ott ben fleinen Blutgefäßen ber pe auSfleibenben apaut guweilen ein Srguß üoit ©erum ober SBoffer abgelagert, b. tj. innere apirnwafferfudjt ergeugt. Das fleine ©efeirn (cerebellum) tp ungefäfer ben pefeettteit Jtjeil fo groß, wie bo« große (cerebrum) uttb, gleidj biefem, aus weißer unb grauer ©ubpang gufammen* gefejjt; biefem ttidjt gleidj ober bilbet bie weiße ©ubpang ben größeren Jfeeil unb ip feier (im cerebellum) fo georbnet, baß, wenn matt es »ertifal (»on obett nodj unten Ijiit) burefefdjneiber, pe einen Baum mit ©tamm unb 3*oetgen barpettt. man nennt biefe« audj eineit Baum, unb gwar SebenSbaum (arbor vitae). Dos fleine ©efeirn liegt unter bem feittterett Sappe« bes großen, »on biefem burdj eine Berlän* gerung ber tjarten apimtjaut getrennt, bie man X)kx tentorium cerebelli (3elt be« fleinett ©efeirns) nennt. Slm ©runbe be« ©efeirn« p£t eine Slrt Knolle, etwa« größer al« ber Daumen eine« SJtaimes; ba« ift baö »erlängerte Stüdenmorf, bie medulla oblongata, gufom* mengefe^t ou« brei mit einanber »ereretnigten paaren fleiner Körper (bie gort* fetjung ber ©träuge be« Stüdenmorf«), genouttt: 1. corpora pyramidalia, ober pötamibenförmige Körper (liegen in ber SJtitte neben einanber unb gefeen nocfe »om gur Barolbrüde, pons varolii, am ©runbe be« großen ©et)im«) ; 2. corpora oliva- ria, ober olioeitförmige Körper (liegen gu beiben ©eiten ber erfteren nocfe außen); unb 3. corpora restiformia (pridförmige Körper) ober crura medullae oblongataa *9Jtan nennt [xe, Wie im bergen, Bentrifel, unb gäfett beren »ier, nämlicfe j gwei ©eiten*, bet brüte unb »terte Bentrifel, ventriculus tertius «nb quartus. 920 Slnatomie, $fe»flologie unb ©efunbfe eiUregeln. ad cerebellum, bie neben ben olioenförmigen Körpern an ber feinteren ©eite be« »erlängerten SJtarfe« liegen unb bie Berbinbung gwifcfeen biefem unb bem fleinen ©efeirn bilben. Da« verlängerte Stüdenmorf ip einfaefe ber Slnfang ober »ielmefet bie SBurgel be« Hemen ©efeirn« unb ba« Snbe be« Stüdenmorf« ober beffen inner- halb ber ©djäbeltjöfele liegenber Jfeeil. Da« ©etjirn ip ber ©runb, worauf bie ^Phrenologie aufgefüfert worben ip, unb itt ber Jfeat feängt fowoljl ber pttlidje unb geiftige, wie ber leiblicfee (pfeppfdje) Gfea- rafter »ott ber Befefeaffenfeeit feine« ©efüge« (Jertur) unb »on ber »erfeältnißmäßi« gen ©epalt uub Sittwidelung feiner »erfcfeiebenen Drgane unb SBinbungen ab. Stüdenmorf, medulla spinalis. Die SBirbelfäule, bie aus bett SBirbeln ober ben Knoefeen beS StüdgratS jufam* mengefejjt ip, entfeält ba« Stüdenmorf mit feinen apäuten unb bie SBurgein bet ©pinal* ober Stüdenmarfsneroen. Das Stüdenmorf füllt, geljüttt in biefelben apäute, wie bos ©etjirn, ben gangen Kattal ber SBirbelfäule aus , »om oberften apalswirbel bis feinob gum gweiten Seit« benwirbel gerabe unter bem Kreuge, wo es (mit einem runben Jfeeile) fomifdj enbel unb neben biefem Snbe eine Stetfee Steroenbünbel, welcfee eine SJtenge gäben bilben, feeroortreten, was man cauda equina, ^ferbefefeweif, nennt. Ss ift bem ©efeirn ät)nlidj in feinem ©efüge (©truftur), runb unb »on »erfdjiebener Dide, befonbers an ttn hexten ©teilen angefdjwotten, wo bie Steroen für bie oberen unb unteren ©liebmaßeit abgefeen. Sluf beiben gläefeen (ber »orberen unb feinteren) läuft in ber SJtittettinie eine feine Sinie ober gurefee feerofe — sulcus anterior unb posterior ober fissura mediana anterior ober posterior — bie boS Stüdenmorf in gwei ©äulen gu trennen fefeeint. Sluf jeber ©eite pnb, wieberum burefe feine gurdjen angebeutet, brei »erfcfeiebene ©rrärtge, ein »orberer, feitlicfeer unb fetnterer, wooon ber »orbere bie Bewegung, ber feintere bie Smppnbung »ermitteln unb ber mittlere bei ben gunftionen (Bewegung unb Smppnbung) »orftefeen fott. St er ö ett. Die Ster»en pnb gotjlreidje lange, runbe, weiße, folibe (fepe) «Strange unb gäben, Welctje tfeeils »on bem ©efeirn unb Stüdenmorf entfpringen, tfeeils felbppänbig erfcfeeinen unb mit ben eben genannten Drganen nur wenig gufammenfeängen. ©ie gerfaüen bemnadj in gwei apauptfofteme: 1. bas ber ©efeirn* unb StüdenmarfSner* »en imb 2. ba« ®anglieitf»pem. Sitte Steroen ber erpen Klaffe »ereinigen pdj auf's ©enauepe mit bem ©efeirn unb Stüdenmorf, wäferenb boS ©atiglienföftem tfeeils au« ©eflecfeten uub Knoten unb tfeeils aus Seitern bepefet, weldje eine Berfeiitbung mit bem ©etjirn uub Stüdenmorf unterbauen, bie inbeffen fo gering ift, baß bie Ster»en biefer gweiten Klaffe gewiffermaßen ifolirt baftefeen unb für pdj leben, ofene ben Sinfluß be« ©efeirn« bebeutenb gu »erfpüren. ©ie (bie ©anglietmeröen) die- nen feauptfäefelidj ber Smäljrung unb »erbreiten pdj »orgüglicfe in beu Drganen ber Baucfe* unb Brufttjöfjle. Die Steroen oerbinben pdj »ielfadj mit einanber unb bilben burdj ifere gafelreidjen äußerpen Snben ein fo au«gebreitete« Stefcwerf, baß man feine ©teile be« Körpers Slnatomie, $X)oflolo gie unb ©efunbfjeit«r egeltt. 921 (baaxt unb Stägel ausgenommen) mit ber feinpen Stabel »erleben fann, oljne einen ober mefere 3weige berfelben gu »erwunben unb ©cfemerg gu erregen. Die großen Sigenfcfeaften beS SteroenfoftemS finb feine gätjigfeit, Sinbrüde auf- junetjmeit, feine ©abe, gu benfen unb gu füfelen, unb feine Kraft, bie musfulöfe «Stafdjine in Bewegung gu fernen ; mit anberen SBorten, baS 5ter»enf»ftem bep£t ba« Vermögen ber Smppnbung, Bewegung unb be« Denfen«. Die Steroen, al« ber peripfeerifcfee (nocfe bem Umfange fein ausgebreitete) Jtjeil beS SteroenfjpemS, beffett 3entraltr)eii (SJtittelpunft) ba« ©efeirn unb Stüdenmarf fmb, bienen als Sei* tuttgSorgane, weldje bie empfangenen Sinbrüde ben 3entraltfeeilen güfütjren. Diefe Sinbrüde fommen jebocfe erft im apim gum Bewußtfein, unb »om Apim ou« werben bie bewußten Sinbrüde gu ben »erfcfeiebenen «prooingen be« Körper« gurüd* geleitet unb feier bie bort ertfeeitten Befefele ouSgefüfert. Die Steroen finb gewiffer* maßen bie Jelegrapfeenbräfete, welcfee bie empfangenen Depefefeen feitt unb feer beriefe* ten. Dfene Berbinbung mit bem ©efeirn fönnen pe nicfet wirfen. SBenn g. B. ein Smppnbungsner» burefefefenittett ift, fo »erliert ber Jfeeil, gu bem er gefet, fofort fein Smppnbungsoermögeu, weil ber 3ufammenfeang gwifdjen itjm unb bem ©efeirn aufgefeofeen ip ; wenn ein motioer (Bewegung«*) Ster» burefefefenittett ift, fo »erliert aus bemfelben ©runbe ber Jfeeil, gu bem er gefet, fein Bewegungs»ermögen. Slcfet tann ein Sinbrud auf bo« Sluge, ©cfeall einen Sinbrud auf ba« Dfer, irgenb'ein ©egenftanb einen Sinbrud auf bie Jap- (güfe» Steroen madjtxxx, aber biefer Sin* brud muß erp burefe bie 5ter»en feinburefe gum ©efeirn gefüfert werben, efee eine (bewußte) Smppnbung entftefet. SBenit burefe einen ©cfeäbelferucfe ba« ©efekn gebrüdt (fomprimirt) wirb, fo ift atte« Bewußtfein unb ©efüfel aufgetjoben, bi« ber Drud entfernt ip. Sitte Drgane be« Körper« pnb mit Sceroen »erfefeen, um fie gu ber SluSfüferung iferer Berridjtungen gu feefäfeigen. Der SJtagen würbe auffeören gu »erbauen, ba« aperg gu fdjlagen, b. fe.. bie Stnäferuttgsfiüfpgfeit, ba« Blut würbe feinem Jfeeile beS Körper« mefer gugefüfert werben, wenn bie Steroen jener Drgane burefefefenittett worben wären. Dfene biefe gefeeimnißootten ©tränge, biefe eleftri- fefeett Dräfete, welcfee otte Jfeeile beS Körpers mit bem ©efeirn »erbinben, würben mir weber fefeen, feören, fcfemedeit fönnen, nod) irgenb eine pnnlicfee SBafernefemung feaben, ja wir würben nicfet leben fönnen. SJtan fanit bie Steroen einteilen in emppnblicfee unb emppnbungölofe, wittfürlicfee unb unwittfürlicfee. Die erpen füferen ben Jfeeilen, gu benen pe gefeen, Smppnbun- gen gu, wie bie Sceröen ber baut; bie gweiten, wie bie ©epefets* unb ©efeömeroeit, errege« feinen ©cfemerg, wenn pe burefefefenittett werben, gleiefe bem ©efeirn ; jebocfe wirfen Sicfet unb ©cfeall auf fte ein. Die wittfürlicfeett Ster»en befeerrfefeen bie witt- fürlicfee SJtuSfelbewegung (©eben, Jongen, £änbearfeeit); bie unwillfürlicfeen (b. i. bas ©angiieitfopem) ftefeen nicfet unter bem Sinfluß be« SBitten« (Berbauung, Blut* bereitung unb Blutgirfulotion, gum größten Jfeeil auefe ba« Sitfemungsgefdjäft) unb arbeiten bafeer auefe ofene Unterlaß im SBadjett uub im ©efejafett. Sternen beS ©cljirns. S« gibt gwölf Steroenpaare, weiefee »om ©efeirn afegefeett unb meipen« atte burefe Deffnungen, welcfee pcfe. am ©runbe be« ©cfeäbels bePnben, oit« bemfelben austreten, 3fere Stamen «itb bie Slrt ber Slu«breitung pnb wie folgt: 922 Slnatomie, $$pfiologie unb ©efunbfeettaregeln. 1. tyaax. Nervus olfactorius, ©erucfesner», »erbreitet pcfe über bie Sdjielmfeaul ber Stafe. 2. $aar. Nervus opticus, ©efener». Breitet pcfe an ber ©efe* ober Stefefeaut (retina) be« Sluge« ou«. 3. spaar. Nervus oculomotorius, Slugenbeweger; getjt gu ben SJtuSfeln bes SlugeS. 4. $aar. Nervus patheticus, emppnbung«fäljtger Ster»; gefet auefe gu ben Slugenmusfeln. 5. ^aar. Nervus trigeminus (breitfeeiliger Ster») ; gefet in brei Siepen aus bet ©djäbelfeötjle gum ©epdjte, gu ben Kiefern, 3äfenen, bem SJtunbe, Borberfopfe unb ber Stafe. 6. $aar. Nervus abducens, abgieljenber Ster». Der fleinfte atter ©efelrnner« »en ; gefet gu bem SJtusfet, ber ben Slugapfet nadj außen giefe. t. 7. $aar. Nervus facialis ober communicans faciei (auefe portio dura paria auditorii genannt), ©epdjtsner». Berbreitet pcfe über bie SJtuSfeln bes ©epdjte«, ba« äußere Dfer unb gibt aud) einige fleine Slefte an bie inneren ©efeörorgane ab. 8. §)aar. Nervus auditorius ober acusticus, ©efeömer». Sitt fenfitioer Ster»; r)at blo« für ©djattftrafelen Smpfänglicfefeit. 9. $aar. Nervus glossopharyngeus, 3un9cnfc^lunb)nerü. ©etjt gur ©cfeleim* r)out ber ßunQe, bes ©efelunbes unb gu ben Drüfen beS SJtunbeS. 10, tyaax. Nervus vagus ober pneumogastricus, feerumfdj weifenber ober Sun* gen=SJtagenner». ©efeidt S^S6 3U *>er Sunge, Suftröfere, bem SJtagen, $ancreas, ber Seber, SJtilg unb ben ©ebärmen. 11. tyaax. Nervus hypoglossus, Unterguugenner» ; ip motioer (Bewegungs») Ster» ber 3unaA 3U ^eren SJtuSfeln er gefet. 12. $aar. Nervus accessorius Willisii ober spinalis accessorius (nodj Sfe. Bell SBittis) feinjutretenber Ster», »erbinbet pcfe ttaefe feinem SluStrttt aus bem foramei. jugulare (3ocfelocfe) mit ben Sleften beS 9. unb 10. «Paares, bie gum ^fearoiu (©cfelunbe) gefeen nnb gefet gum musculus cucullaris ober trapezius (pefee gigur 4, Sto. 7). Konn bo« Sttfemen unterpüt^eit. SRüdenmarfSneröeti. Die »om Stüdenmorf entfpringenbeit Steroen pnb in etn unb breißig paaren georbnet. Seber Ster» feat gwei SBurgein, eine »om »orberen Stüdenmarfsftrangt fommenbe, welcfee bie feewegenbe, unb eine »om tjmteren ©trange afegetjenbe, welcfee bie emppnbenbe SBurgel ift. 3ebe feintere SBurgel fefewittt furg naefe iferem Urfprunge unb, nacfebem pe aus ber dura mater feerouSgetreten, gu einem fogenannteit ©ang« lion (ganglion) an, b. i. eine Slrt fleiner Knollen, vereinigt pcfe bann fofort mit ber »orberen SBurgel gu bem ©pinalneroen, welcfeer au« einem foramen intervertebrale ' (3wifcfeeit*SBirbettocfe, b. fe. Deffnung, welcfee gwei SBirbel gwifdjen pdj laffen) an jeber ©eite feeroortritt uub bann pdj mefer unb meljr »eräftelt, bt« bie legten ßwtiQt Pcfe auf Den (Bewehen ber »erfcfeiebenen Drgane, gu benen pe gefeen, »erlieren. Die erpen aefet $aare tjeißen nervi cervicales (Ser»ifal* ober apalSneroen), bie nädjpen gwölf nervi dorsales (Dorfal* ober Stüdennertien), bie folgenben fünf nervi lumbales (Senbetmewett) uub bie legten fedj« $aore nervi sacrales (©afrafc Slitatomie, «pfioftologie unb ®efunbfeeit«regetn. 923 ober Kreugneroen) ; Stomen, bie »on ben Knoefeen u. f. w. ou« ober gwifdjen benen biefe Steroen feer»ortreten, enttetjnt pnb unb im opeologifdjen Jljeile biefer Slfetjattb* lung (fiefee ©eite 887) »ergticfeeit werben mögen. Die »ier unteren Ser»ifalner»en unb ber obere Dorfalner» »ereinigen pcfe; gu einem 'Jter»engepecfet, ba« man plexus bracchialis (Slrmgefledjt) neimt, unb ou« welcfeem feefe,« Steroen feer»orgefeen, bie pet) itt bett SJtuSfeln unb ber baut ber Dberertremttö* ten »ergweigen. Der le^te Brupner» unb bie fünf Senbenner»en bilben ein ätjttltdjes ©eftedjt, bos Jienbengeflecfet (plexus lumbalis), ous weldjem ebenfatts fecfes Steroen feer»orgetjen, bie pcfe in ben SJtuSfeln unb ber apaut ber unteren ©liebmaßen ausbreiten. 3ngleicfeeit »ereinigen pcfe. bie »ier oberen ©afral* ober Kreugneroen gu bem Kreugrter»en=©efled)te, plexus sacralis, weldjer fünf Ster»en gu ben, SJtuSfeln unb ber apaut ber apüfte unb gu ben unteren Srtremitäten fefeidt. Der große fompatfeifdje Ster» (nervus sympathicus maximus) X)at [tintn Stamen »on beit gafelreicfeen Berbinbungen, bie er mit »erfcfeiebenen Jtjeiten beS Körper« etttgefet. SBo er anfängt unb wo er enbet, ip fdj wer gu fagen, unb wir laffen es batjin gepellt fein, ob, naefe unferem Berfaffer, feine Berbinbuug mit einigen Sleften beS fünf* ten unb feefepen «Paare«, ober bo« ©onnengefledjt (plexus solaris), ober irgenb welcfee Partie al« Slnfang unjD Urfpmttg gu betraefeten fei. SJtan pnbet ben fompa* tfeifcfeeit Steroen läng« ber gongen SBirbelfäule, am apolfe unb im Kopfe unb fann ifen bemnaefe einteilen in : pars cephalica (Kopfttjeil), pars cervicalis (apotstfyeit), pars thoracica (Bruptfeeil), pars lumbalis (Senbentfeeil) unb pars sacralis (Kreug* tfeeil). Sr pefet in Berbinbung mit einigen ©efeimneroen, wie wir fdjon erwäfent, unb mit atten StüdenmarfSneroen uub fefeidt auefe 3*oeige gu otten Bruft* unb llttterteibS*Sittgeweiberu Sr bilbet baS fogenannte ©anglienfopem, b. fe. er bilbet »orgugsweife oiele Steroenfnoten, Slttfdjwettungen, bie mon ganglia tjetßt. Die 3weige biefe« Steroen begleiten bie Slrterien, welcfee bie oerfefeiebenen Unter* letbsorgane »erforgen, unb bilben plexus (©efledjte) um pe feerum, bie »on ber Jpauptarterie itjren Stamen entletjtten ; baljer pnben wir einen plexus mesentericus, hepaticus, splenicus u. f. W. (b. X)* ©eftedjt um bie arteria mesenterica, hepatica, Bplenica u. f. w.). Sitte innereit Drgane beS Kopfe«, apalfeS unb Stumpfes befom* men Slepe »on ifem. Der fömpattjerifdje Ster» wirb feetradjtet ols ber Ster» b e« organifdjen Seben«, als berjenige, ber ben Borp£ füfert hti ber Smäferung, Slbfonberung unb 3irfulation be« Blute«, ber onbererfeit« eine Kommunifotion (eineit Bertefer) gwifdjen ben »erfcfeiebenen Jfeeilen be« Körper« uuterfeält unb ba« Binbeglieb gwifdjen bem ©efeirn unb ben Singeweiben be« Unterleibe« bilbet. hgwtojjw C§t%xt vmx g>tbm Am §Umäxt\x) und ($t$m&Mtm$tfa. 3llmukmt einmal »or Pcfe gelje, ober ftd) »ottenbe. Sltteiit wir X)ahtn barüber nidjt« ©ewiffe«. S« ip woferfefeeinlicfe, baß pe in gewiffen gätten, gum Beifpiel bei gefunben, rüferigen Kin* bem, iit oiel geringerer 3eit ftattpnbet, wäferenb fte in anberen, gum Beifpiel bei Betagten ober bei trägen, forpulenten ober unttjätigett Srwacfefenett wofel gwei obet breimal pefeett Safere erforbem mag. Dfe nun ber «Progeß peben Safere ober peben* mal peben Safere battre, bie fortwätjrettbe Sifeitu&uttg, wie bie Keftänbige Smeuerung be« Körper« ip eine wofelfeegrünbere Sefere ber spfe^pologle. Sfee wir gum Kapitel »on ber Smäfernng felbp übergefjen, laßt un« gunäcfep fefeen, wo« aus jenen abgenutzten unb unbrauchbaren Jfeeilen wirb; beim es tp gwedmäßig, baß pcfe ein Seber barüber unterrichte. Der Körper wirb nicfet abge- nutzt unb oerfättt nicfet an ber bloßen Slußenfeite. SBäre ba« ber gatt, fo würben bie oerfottenen Jtjeile pcfe, abreiben tmb oerloren getjett — bie« wäre ein fefer einfa- cher $rogeß. Slber, wie wir fcfeon bemerft feaben, gefet biefer Berfatt »on Jfeeilcfeen in iebent Jfeeile nnb (Btwtht be« Körper« oor pdj, innerlicfe, wie äußerlidj. Slun tp ti * 924 » Slnatomie, 3>tj»f i oto gi e ttttb © efunbl) ei t «reg eitt. 925 flar, boß bie bebenflicfepen golgeit eintreten fönnten, wäre nidjt eine weife Borrtcfe* tung getroffen gur gortfcfeaffung ber uubraucfeboren Jljeite aus bem Körper. ©ie pnb nidjt allein oon feinem ferneren Stufen, fonbern muffen, wenn pe beibe* fealten bleiben, als frember ©toff wirfen uub SreHation, gieber unb Sntgünbung »erurfadjeit, jo pe fönnten »ietteicfet ben gangen DrganiSmuS in gäulniß »erfefjen unb »ergiftett. Sltteitt e« pnb bie nötfeigen Slnorbnungen bagegen getroffen. Ueber ben gangen Körper unb überall burefe benfelben pnben pcfe eine Slngafel Heiner ©e* faße »ertfeeilt, beren SJtüttbungeu pcfe auf ber iimeren Dberfläefee aller £öfeluttgen, Stöferen unb SJtembranen (apäutcfeen) öffnen, unb bie unauffeörticfe jeben tobten Jfeeil unb alle fremben ©toffe, beren pe per) bemäefetigen tonnen, auffangen unb afefüferen. jJJtan nennt pe SlbforptionS* ober SinfaugungSgefäße, unb pe finb an ber geeigneten (Stelle befeferieben worbeit. Der größere Jfeeil berfelben eröffnet pdj in bie Blutge* fäße unb ergießt bafeer feilten Snfealt ber in gäulniß übergegangenen unb »er* braudjten SJtaterie in bas Blut. SluS bem Blute wirb ein Jfeeil berfelben burefe bie Stieren ausgefefeieben uttb getjt bireft aus bem Körper fort. Sinige« wirb in bie gingeweibe abgeleitet nnb gefet auf biefe SBeife ah. Bei weitem ber größere Jfeeil Jebocfe wirb burefe bie $oren ber apaut, gugleid) mit ber 9>erfpiration (bem ©djweiße) ausgepoßen. Sine freie unb gefunbe Jljätigfeit bes SlfeforptionsfopetttS ip bafeer fefer wefentlid) für ben ©efunbfeeitsguftanb bes Körper«. SBenn bie Stieren iferen Slntfeeil am Stuswurfspoffe nidjt ausfefeeiben, fo bleibt er im Blute, wirb in beffett Saufe mit feerumgefüfert unb »ertfeeilt pdj auf atte Jfeeile bes DrganiSmuS, fo baß er eine Duette »on Srritation, eitt ©ift, wirb unb pcfe in ginnen, ©efdjwüren unb feartnädigen Slusfcfelägen auf ber baut geigt, ober er wirft pefe auefe wofel auf bie Sungen unb füfert gur SluSgeferung. Bor Slttem ip es wicfetig, baß ber Slusweg burd) bie baut, woburdj bie größere SJtaffe biefer unnüx) geworbenen Jfeeildjen gu gefeen feat, fortwäferenb in einem geeigneten unb gefunben 3»Panbe erfealten werbe. Diefer Jfeeil beS ©egenpanbe« fommt jebocfe unter ba« Kapitel »om ©cfeweiße unb ber SluSattjmung unb wirb am betreffenben Drte Srwäfenung pnben. Stacfebem wir gefefeen feabett, baß unfer Körper pdj fortwäferenb obnutjt, unb wie bie tobten Jfeeile fortgefdjofft werben, fommen wir bireft gur Betrocfetung ber Srnäfe* rung ober Unterfeattung be« Körper«; benn e« muß un« einleucfeten, baß, wenn wir beßänbig Sltome unferes Körper« »erlieren, audj Borfeferungett getroffen fein muffen, neue Jfeeildjen gu befefeaffen, bie ifere ©teile einnefemen, ober wir muffen mit ber 3eit gn bloßen ©erippen werben, ober gänglicfe bafeinfdjwiitben. Um ba« ridjtige SSerfeältniß gwifdjen ber Slbnu^ung unb bem Srfarj ber Körperttjeilcfeen git hewaX)* reit, unb bamit bie ©efunbfeeit erfealten bleibe, muffen wir »on einer ober ber anberen Quelle ebenfo bepänbig neue Jfeeile erhalten, ol« wir bie alten oerlieren. Unb in ber Ktnbljett unb Sugenb, wäbrenb ber Körper im SBadjSttjutn ip, muß ber Srfarj augenfdjeinlidj größer fein, al« ber Berluß. SBoljer fommt nun biefer ßu[d)u\} ? 926 Slnatomie, f>$ 9 f io l ogie unb ©ef u nbfeeit« regeln. &te (^rmilmtttß. Smätjrung tp bie Smeuerung ber ©toffe, au« weldjen bie »erfcfeiebenen Jfeeile beS Körper« gufammengefejjt pnb. Der Blutumlauf, bie Berbauung unb bie Slus« büupung pnb bte brei großen SJtotoren in biefem SebenSprogeffe. Das Blut jebodj ip bie unmittelbare Duette ber Smäferung. SlüeS, was »on näferenber Befcfeaffen« feeit tp, fei es für Knoefeen, SJtuSfeln, Steroen, Bänber ober fonpiges ©ewebe, muß erft in Blut oerwanbelt, ober in biefe glüfpgfeit einoerleibt werben, elje es für ben beabpefetigten Berbraudj oerwenbet werben fann; benn ber Staferungsprojeß ip ein« faefe eine Slrt ©efretion (Slusfdjeibung), burefe welcfee ©tofftfeeile »om Blute abge* fonbert unb mit wunberbarer ©enauigteit bem befonberen (Bewebe gugefüfert werben, für welcfeeS pe tauglidj pnb. Die näferenbett ©efäße, weldje biefe Jfeeile neuen ©toffe« aus bem Blute ousfdjeiben, fönnen betraefetet werben als Im ©egenfajje mit benen ber Slbforption (Sinfaugung): wäferenb bie einen mit munberootter ©enauig« feit bas tfeierlfdje ©ebilbe aufbauen unb erneuern, pnb bie anberen emPg befdjäftigt gleicfefam mit bem Stieberreißen unb ber SBegfdjaffung beS alten SJtatertals. Diefer $rogeß ber Smäferung ober ber Slusfdjeibung oon neuem SJtateriale aus bem Blute unb ber Berwenbung für bie ©ebilbe: wie Knodjen, SJtuSfeln, Bänber u. f. w. gefefeiefet burefe bie Berrtdjtung ooit wingigen ©efäßen, ben fleinften Im Drga* nismus — fo flein, baß pe nur mit apülfe eines parfen SJtifroffopS entbedt werben fönnen. Dies pnb bie fleinften ber Kapittarien (apaargefäße). SBie bas Blut feinen Umlauf oottenbet, fo wäfelen unb fdjeiben bie näferenben apaargefäße bie Jfeeile aus, welcfee ber Statur beS ©ebilbeS äljnlicfe pnb, unb bie anberen Jfeeile gefeen weiter, fo baß jebeS (Bewebe gerabe biejenigen ©runbpoffe auffaugt uttb für feinen ©ebroucfe oerwenbet, welcfee es für feine Sripeng bebarf; ober mit anberen SBorten: fowie ber Sebensprom jegltdjemDrgane pefe nätjerr, füfelen bie betreffenben Jfeeile beffen Slngiefeungsfroft — gefeordjen ifer — »erlaffen ben ©trom — mifdjen pdj unter bie ©ubpang feine« (BewebeS — unb »erwanbeln pdj in bie ifenen eigen« Statur, ©o gietjt benn ber Knoefeen burefe. feine apaargefäße aus bem Blute ben ©toff an pefe, ber ftcfe eignet Knodjen gu bilben, unb ber SJtusfel wieberum bas, wel* djeS pdj für SJtuSfelbilbung eignet, unb fo gefet es burefe alle bie »erfcfeiebenen (Bewtbt be« Körper« feinburefe. S« »erpetjt pefe, baß bie gange Smäferung gu guter letit aus ber Staferung pammt, bte wir effen, unb baß pe bemnaefe ben $rogeß ber Berbauuug in pdj fdjlleßt; aber ba«, wo« uumittelbor beit Körper fdjafft, Üjn entwidelt, erfeäit unb erneuert — ba« ip bo« Blut. Do bem fo ip, fo wollen wir guerp »on biefer glüfpgfeit unb iferem Umlaufe reben; bomodj wirb e« notfewenbig fein gu fragen, wofeer unb wie ba« Blut felbp ernäfert wirb, was un« wieber einett ©eferitt rüdwärt« füferen wirb ju ber Berbauung unb Slfftmilation (Slneignung) ber ©peifen, fo baß bie Crbnung, weldje gemeiniglidj »on benen innegehalten wirb, bie über biefen ©egenßanb fdjrei- ben, tyter wmgefetjrt ip. Slnatomie, *pt)»fi ol ogf e uttb ©efunb^elUregeln. 927 $a0 Blut. Da« Blut tp bie glüfpgfeit, welcfee in bem apergen, ben Slrterien (©djlagabem), Haargefäßen unb Benen (Blutobem) läuft. 3n beit ©djlagabem ip es »ott feett- rotfeer ober tjettfcfearlaeferottjer gärbung, wätjrenb es in ben Btutobern (auSgenom* men benen, welcfee »on ben Sungen gum apergen füferen) »on einer bunfelrotfeen obet «Purpurfarbe tp. Die SJtenge be« Blutes tm Körper eines Srwadjfenen wirb auf fünf unb gwangig bis breißig *Pfuttb gefdjäfjt. ©eine SBärme ip im ©efunbfeeits* jupanbe etwa feunbert ©rab gaferenfeeit. Sn einigen Kranffeeiten, ols im ©djar* lad)* unb in anberen giebern, peigt es fünf ober gefen ©rab feöfeer; wätjrenb es in anberett, gum Beifpiel ber Sfeolera, gwangig bis breißig ©rab barunter ip. Da« Blut ip bie wtdjtigPe glüfpgfeit im Körper; benn es ip nidjt attein ber eingige (Stoff, aus wetdjem atte Jfeeile bes Körpers bereitet werben, fonbern es liefert bie »erfcfeiebeneit Slbfonberungen, als bie ©atte, ben Brupbrüfenfaft, ben ©peiefeel u. f. w. uttb ip bie Duette ber tfeierifefeen SBärme, inbem es SBärme burefe ben gangen Dr- ganiSmuS »erbreitet unb bie Jemperatur bes Körper«, unter bem mannigfaltigen SBecfefel »on api^e unb Kälte, auf gleicfeer b'ot)t erljätr. Das Blut entfeält eine unenblicfee Slngafel Heiner, rotfeer Kügetefeen, wetdje man nur burdj bas SJtifroffop unterfefeeiben fann, unb wetdje feinen färbenben ©toff eitt* fealten, ober »tetmefer bilben. SBenn man Blut bem Körper entgiefet uitb baffelbe pefeett läßt, fo fdjeibet es pdj itt gwei Jfeeile, wooon ber eine fefl unb »on gottertar* tiger Didjtigfeit ip unb crassamentum (geronnene« Blut) feeißt. Diefer entfeält bie Blutfügeldjen. Der anbere Jfeeil tp eine wäfferige, burefepefetige glüfpgfeit »on matt*getber gärbung unb feeißt serum (Blutwaffer). Da« ©erum fott, Im gefun* ben 3uPanbe be« Körpers, eitt »otte« günftet be« Blute« ausmadjen. Sn Kranf* feeiten wäcfep gemeiniglidj ba« Berfeältniß beS ©erumS; es pnbet bemnaefe eine Slfe* nafeme ber ©efunbtjeit unb ber nätjrenben Sigenfcfeaftett be« Blutes patt, ba bo« ©e* tum ber wäfferige Jfeeil beffelben i[t unb waferfefeeitilicfe nur als auftöfenbe glüfpgfeit für frembe ©ubpangen bient unb ols SJtittel, worin bie Blutfügelefeen fcfewlmmen. SBentt man ben Blutfucfeen (baS geronnene Blut) wäfefet, fo »erfdjwtnbet bie fär* benbe SJtaffe, unb es bleibt eine weißtiefee ©ufeftang gurüd, bie mon gibrin (gafer* poff) nennt, weldje« ber apauptpoff ip, von bem bte SJtuSfelu unb watjrfcfeelnlldj nodj anbere Jfeeile be« Körper« gebilbet werben. @o wtdjtig ift ba« Blut für bie ©efunbfeeit, ia felbp bie Sripeng unfere« Körper«, baß man bei beit SHten fagte: „Da« Blut be« Körper« ip ba« Sebeit beffelben." Db b^e« burefeau« ober nur tfeeilweife wafer ip, fo oiel ip gewiß, boß wir, felbp eine furge ©tunbe lang, nidjt leben fönnen ofene biefe wunberfeare glüfpgfeit. 2>er Slutuntlauf. SBie fonberbar e« aud) fdjeinen mag, e« ip nur ein wettig über gweUjunbert 3afe>e feer, baß ber Umlauf be« Blute« entbedt würbe. Die Sntbeduttg würbe, wit bem Sefer watjrfdjelnlictj befannt ip, »on eittem au«gegeid)neten englifcfeen Slrgte, SBittiam Jparoe», gemadjt. ©o parf tp bie SJtadjt be« Borurttjetl« unb fo fdjwer tp e«, »orgefoßte SJteinungen *ufjugefeett, boß er, anftatt oon feinen 5)rofefpott«geitoffett gelobt gu »erben, für 928 Slnatomie, $t)öflofogte «nb ©efunbfe>tt«regeln. biefe glängenbe unb wicfetige Sntbedung »on ifenen feeftig »erfolgt würbe — in fol« djetn ©rabe, baß er, wie man fagt, ftcfe genötfeigt fafe, pcfe in einen obfcuren Sßinfel Sonbon« gurüdgugiefeen,unb baß er gulejjt beinafee feine gange gratis »erlor. apume bemerft in feiner ©efcfeicfete »on Snglanb, baß tein europaifcfeer Slrgt, ber gur ßtit ber Sntbedung »iergig 3afere alt war, aparoe»'« Sefere »om Blutumlauf audj nur onnafem. SBo ift jebocfe je£t ber Slrgt, wo ip jetit eine perfon, bie überfeaupt Sin« fprucfe auf Bilbuug macfet, bie pe feegweifette? Keine Sefere ber $fe»ßotogie ip beffet begrünbet ober allgemeiner erfannt, al« bie »om Blutumlattfe. — Das aperg ip, wie Wir gefefeen feaben, ein Doppelorgan, bas gwei ©eiten ober Slbtfeeilungett feat; in ieber berfelben bepnben pcfe gwei apöfelungeit, bie eine ber Borfeof, bie anbere bie apergfammer'genannt. Durcfe bie SJtusfularfontraftion (3ufammengiefeung) unb Dilatation (SluSbefenung) beS apergen«, woburcfe afewecfefelnb eine Berengerung unb eine Srweiterung biefer apöfeten entftefet, wirb baS Blut guerp aus bem Borfeof in bie apergfammem unb fobann »on ben Kammern in bie Slrterien (©djlagabem) getrieben. Die Dilatation ber Kammern wirb bie Diapole beS apergenS genannt unb bie Kontraftion bie ©»pole. Bei ber Beitreibung be« Blutumlaufe« fann ber reefete Bortjof als geeigneter Slusgangspunftbetracfetet werben, ba er bie apöfelung tp, welcfee bo« Blut »on ben Blutabem aus atten Jfeeilen beS Körpers empfängt, nacfebem es ben Umlauf gemaefet feat. SJtit biefem Bortjof pnb bie beiben großen Blutabem (bie obere unb untere vena cava) »erfnüpft unb entloben in benfelben iferen 3nfeolt an »enöfem Blute, welcfeeS nun »on bunfetrotfeer, beinafee fefewarger garbe unb welcfeeS untauglicfe für bte Smäferung unb baS Sßacfestfeum beS Körper« tp, fei« e« in ber großen SBerf* parte ber Sungen pcfe erneuert unb gereinigt feat. Bon biefem recfeten Borfeof aus Wirb ba« Blut mitteip beffen Kontraftion burefe eine Deffnung in bie reefete aperg« famtner getrieben, welcfee unmittelbar barunter liegt. Die reefete apergfammer fott* trafeirt pcfe nun ifererfeit« unb treibt bas Blut in bie Sungeitarterien unb burctj bie« felbe unb ifere Bergweigungen nadj ben Sungen. 3m Snneren biefer Kammer liegen bie fogenannten valvulaj trieuspidales (breigegadten Kloppen), welcfee bei bem Sin« fließen beS Blutes »om Borfeofe pcfe fcfeließen unb fo bas Blut »om 3urücffließen ober Untieferen naefe bem Borfeofe afetjalten, wenn bie apergfammer pcfe gufammengiefet. Sine äfenlicfee Borfeferung ip in ber Sungenarterie »orfeanben, nämlicfe bie fogenann> ten fealbmonbförmigen Klappen, welcfee bas Blut am 3urüdtreten in bie apergfammer tjittbem, wenn pe ftcfe erweitert ober bilatirt. Sit ben Sungen erfäfert bas Blut feine Umwanblung. Ss wirb tjier, fo gu fagen, orogenirt unb becorboniprt, b. X). mit ©auerpoff gefefewängert unb »om Kofelenpoff entbunbeit, unb baburefe »on einem bunfeln Purpur in ein apoeferotfe »erwanbeit unb ausgerüftet für einen neueu Umlauf unb für bie »erfcfeiebenen ßwedt ber Sr* näferung. Diefer SBecfefel wirb fjeroorgeferaefet burefe bie atmofpfeärifefee Suft, bte beim Sttfemen in bie Sungen aufgenommen wirb. Die Sungenarterien tfeeilen unb »ergweigen ftcfe. in ungätjlige Slefte, welche pefe naefe. atten Jfeülen ber Sunge fein »er* breiten unb ftcfe. enbliefe in bie wingigen Jpaarröfjrdjen »erlieren. Diefe fleinen ©e* fäße umgeben bie Suftjeüen ber Sungett, inbem fie eine Slrt Steierl um biefelben bilben, fo baß, wenn bie Suft in bie Sungen aufgenommen wirb unb biefe ßttltn bamit gefüllt ftnb, ein efeemifefeer $rogeß gwifcfeen bem Blute uub ber Suft patt« ftnbet. Die 3etten uttb bie apaarröferc^ett fmb fo fefer bünn, boß ber ©auerpoff STtiatomie, 5)fe;»fiologie unb ©efu nb X) ti t« r eg el tt. 929 burefe biefelbeu au« ber Suft entweiefe. t unb pcfe mit ben rotfeen Kügetcfeen »ereinigt, ober mit bem Sifen be« Blutes, unb rotljeS Sifenorob bilbet; wäferenb gu gleicfeet ßeit ber Kofetenftoff, weldjen bas Blut iu feinem Umlaufe burdj ben Körper oufge« nommen feat, unb weldjer bemfelben eine bunffere gärbung gibt, entweber »om ©auerpoff »erbronnt wirb, ober burefe bie Sufrgetten entweidjt unb mit bem apaudje jugleicfe heraustritt, ber »on ben Sungen auSgepoßen wirb, ©o wirb bas Blut gereinigt unb für ben ©ebrauefe Ijergeridjtet. Ss ip nun »ott feodjrotfeer garbe. Bon ben apaarröferdjen ber Suftgetteu gefet ba« Blut nun über in bie feinen Snbe* ber Benen, welcfee pcfe; mit ifenen auf biefelbe SBeife »ereinigen, wie bie Slrterien, unb »on ba iit bie beiben Sungen»enen, welcfee es bireft in bie linfe Borfammer feeför* bem. Diefe Borfammer giefet pefe aisbann gufammen unb treibt bos Blut wleber in bie linfe apergfammer. 3n biefer Kammer bepnben pcfe bie fogenannten SJtitral* »aloen (Klappen »on ber gorm einer SJtitra, b. i. BifdjofSmüfce), weldje bas Blut »on ber Untiefer in ben Bortjof abfealten. Die linfe apergfammer fontrafeirt pdj al«* bann unb treibt bo« Blut in bie große Slorta, mittelft weldjer, fammt beren gat)lret*< cfeen Sleften unb 3toeigen, e« naefe atten Jfeeilen be« Körper« »erbreitet wirb. S« beßnbet pcfe aud) innerfealb be« SJtunbe« ber Slorta eine Klappe, bie fealbmonbfSr* mige Klappe, wetdje bo« Blut feinbert, in bie Kammern gurüdguftießen. Der llnterfefeieb gwifcfeen beit guuftiotten (Berricfetungeit) ber Suugenarterie unb ber Slorta bepefet barin, baß bie erpere »on ber redjten apergfammer auSgetjt unb nur unreines Blut bett Sungen gufütjrt, bomit es gereinigt werbe, bie anbere ober mit ber linfen apergfammer »erbunben ip nnb reine« Blut an otte Jtjeile be« Körper« »ertfeeilt, bie Sungen eingefefeloffen. Die Slorta fenbet ifere Slepe nadj bem Kopfe, bem Stoden, bett Singeweibett unb ben oberen unb unteren Srtremitäten, welcfee pcfe weiter in ungätjlige Heinere Slepe tfeeiten unb wieber ttjeilen, bie pdj auf ben Knoefeen, SRuSfeln, ber apaut unb in jebem Jtjeile beS Körpers »ergweigen, bis pe pcfe enbliefe in ben Heinen'apaargefäßeit »erlieren, gerabe wie bie äußerften Snben ber Sungenorterien. SebeS ©ewebe be« Körpers tp »ott oon biefen apoargefäßen, weldje bas oerbinbenbe ©lieb gwifdjen btn Slrterien unb beit Benen (ben ©cfelag* unb ben Blutabem) bilben. SBätjrenb ba« Blut burdj biefelben läuft, gefefeiefet e«, baß feine notjrljafteit Sigenfcfeaften »on einer Slttjaljl nocfe fleinerer ©efäße, welcfee pcfe barin öffnen, unb bie näferenben apaarge* faße genannt werben, aufgenommett unb ben »erfcfeiebenen Jfeeilen be« Körper« afpmilirt werben. Sluf biefe SBeife wirb ba« Blut ergeugt, um ben Drgoni«mu« gu ernähren, gu erijalten tmb gu »erforgeu. Sluf biefe SBeife wirb ba« SBaefeStljum bes Körpers bewirft unb jebe« neue Jfeeileifeen gewonnen, xxm ber fortwäfe>ettbeu Slbnu^ung, bie in bett oerfefeiebenen ©ewebeit pattpnbet, gu begegnen. 59 930 Slnatomie, 3>$ öftologie unb ©efunbfeeit« regelt Stgnr 10. Ctine bilblicfee Slnficfet bes Blutumlaitfe« in bett Sungen unb in bem DrganiSmuS. 1. Stedjter Bortjof. 2. Steefete Kammer. 3. Sungenarterie. 4. unb 5. Sinft nnb redjte Slepe, bie nadj ben Sungen gefeen. 6, 6. Kapittargefäße ber Sungen. 7. unb 8. Sungenoenen; Stüdfeljr be« Blute« nadj bem linfen Botfeof. 9. Slnfet Bortjof. 19. Sinfe apergfammer. 11, 20. Slorta. 12, 13, 13. Sluf* unb abfiel- genbe 3*oetge ber Slorta. 14,14. Kapittargefäße, iit welcfee bie Slrterien enbigen unb oon welefeen bie Bettelt entfpringett. 15, 16. Sluf* unb abpeigenbe vena cava. BST Die Pfeile geigen bett Sauf be« Blute«. Staefebem ba« Blut feine ttätjrenben Sigenfcfeaften aufgegeben unb ebenfall« »Iel »on feinem Drogen (©ouerftoff) »erlernt tjat, tp e« wieber fo weit, um gum apergen ntrüdgefdjidt git werben unb »on bo gu ben Sungen, bomit e« »on neuem geteiltigt unb erneuert werbe. S« ip burdj ben Berlup att ©atterpoff unb bie ©egenwatt »on Koljlenpoff wieber gong bunfel geworben. Bon ben apaargefäßen gefet es bafeet über in bie Snben ber Benen unb wirb oon ba oon atten Jfeeilen feer in bie größeren Benett gefommelt, weldje otte gule^t iu bie beiben großen Slepe, bie auf* unb bie abpeigenbe vena cava ftcfe enbigen, oon weldjer e« in ben redjten Bortjof prömt, unb mm Bereit ip, auf ber Bafen fortzugeben, bie wir foefeen befdjrteben fe, aben. Die« i\) ber Umtauf be« Blute«. Slnatomie, 9)tj»ftologte unb ©efunbtjeit«regeltt. 931 Die bewegenbe Kraft, weldje bo« Blut burefe bie Slbem treibt, ip bie Kontraftion be« apergenS ober feiner Kammern. Diefe Kraft ober itjre SBirfung ip bis gu ben äußerpen Snben ber Slrterien fpürbar; benn was wir ben $ul« nennen, ba« ip nicfet« SlnbereS, als bie Bewegung ober bie SBeile in ber Slber — ber S'npuls, oer* anlaßt burctj ba« ©djtagen ober bie Kontraftion be« apergen«. Die Kammern be« apergen« tontratjtren pefe, ober ber $uts fdjlägt, ungefäfer pebengig SJtal in ber «Stinute hei tintm Srwadjfenen, bei Kinbern »iel öfter unb im feofeen Sllter weniger als ba«. Das aperg fott, wie mon annimmt, bei jebem ©cfelage gwei Ungen Blut In bie Slorta treiben; wenn e« fidj nun an pebengig SJtal in ber SJctnute gufammen* giefet, fo würbe es IjöefepeuS nur etwa brei SJtinuten netjmen, bis atte« Blut im Kör* per burefe ba« aperg fließt unb feinen Kreislauf »otlenbet. Die Kraft, welcfee bo« Blut gum apergen burdj bie Benen gurüdferingt, ip nidjt fo gut befannt. man weiß barüber in ber Jfeat nicfets ©ewiffes. SBir wiffen, baß eS auf biefe SBeife gurüdgebrodjt wirb, unb bie Statur feat bafeer einen feinreiefeenben ©runb, bas gu tfeun — unb baS ip ungefäfer Stile«, was wir barüber wiffen. S« Pnb oon ben $feopologen »erfcfeiebene Jfeeorien barüber aufgeftellt worbett, »ott benen lefe bie »on einem tteroöfett unb eleftrifcfeeu Sinfluffe unb bie SJtuSfularfontroftion ber Seiten felbft ol« bie waferfcfeeinlidjfte betradjte. Da bas Blut ba« SJtittet ip, woburcfe jeber Jtjeit be« Körper« feine Statjrung erfeält, unb ba biefe Statjrung aus bem Blute gegogen wirb, wätjrenb e« burd) bie winjigen ©efäße on ben äußerpen Snben ber Slrterien gel)t, fo fottte offenbar, wenn matt ©efunbfeeit unb Körperftärfe »erlangt, eine »olle unb freie Bertfeeiluug biefer glüfpgfeit naefe allen Jtjeilen ftattpnbett. Um biefes gu ergielen, ip tin gwedmäßiger ©rab täglicfeer Uebung nötfeig. Die apaut fottte rein unb feinreicfeetib warm erfeat* ten werben, fo baß bie Kapittorien, ber apautfläcfee gunäcfep, nidjt burefe grop ober Äälte pcfe fcfeließen ober füllen, fohft mödjte bas Blut pdj ouf innere Jtjeile fongen* trirett uttb ©cfewädje unb Kranffeeit bo« Stefultat fein. 3p nun ber Körper mit gutem, reicfelicfeem unb gefunbem Blute »erfefeen, fo ip es gunäcfep weiter »on SBicfettg* feit, baß ber Umlauf gleicfemäßig fei, baß es nämlidj gleidj unb gwedmäßig über alle Jljeite beS Körper« »erbreitet werbe. 3nt gatte eine« ungleiefemäßigen Blutum* laufe« — (bie Srtremitäten falt, befonber« bie güße — apaut feteidj ober blaß, unb anbere in foldjett gätten pattpnbenbe ©omptome) — »erlaffe man pcfe ouf SBafdjutt* gen be« Körper«, warme ober falte Bäber, Steibung on ber Dberfläefee unb »iel Be* wegung im greien, um ba« ©leidjgewidjt wieberfeergupetteu unb bie ©efunbfeeit jurüdgufermgen. SJtan wirb pnben, baß bie« beffer ift, al« atte Slrgiteleit unb 5>atentmebiginen im gangen Sanbe. $Setbaunn$* Dbgleidj ba« Blnt, wie wir gefefeeit tjaben, ber unmittelbare Bermittter ber Grttäferung tp, woburd) ber Körper in atten feilten Jtjetlen erfealten unb entwidelt irirb, fo Wirb bocfe ba« Blut felbp mit atten Slementett ber Stauung erp aus bet 932 2lno tomie, 9>t) o fi o l og ie unb ©efunbfeei «regeln. ©peife, bie wir effen, gewonnen. Diefe Umwanblung oon frembartigen ©ubpan« gen — nämlicfe bas, was wir effen unb trinfen — in bie Körpermaterie tp eine bet flußerorbentlicfePen Staturerfdjeinungen unb ip in feofeem ©rabe unfereS ©tubium« würbig, als ein feödjp intereffanter unb nü^lidjer ©egenpanb. SBenn wir bebenfen, wie mannigfaltig bie ©egenftänbe ber Statjrung ftnb, unb wie unäfenlicfe bie meipen berfelben bem Blute pnb, fo fefeeint eS faum mögliefe, baß ein folefeer SBecfefel »or pcfe geljen tonne. Dennod) ftnbet berfelbe tägiidj in unferem Körper patt, obfdjun wir uns beffen nicfet bewußt pnb. Dbgleid) wir nicfet »ertraut pnb mit ben fpcgiellen SJtitteln, woburcfe bie Statur biefe ober irgenb weiefee anbere gunftion bewirft, fo fönnen wir bod) bie Drgane begeicfenen, bie babei in Slnwenbung fommen, unb bie »erfcfeiebenen Beränberungen, wetdje bie Staferung in jebem eingeltten erfäfert. gangen wir bafeer mit ber ©peife ouf bem Jifcfe. e an, unb folgen wir berfelben »on ber 3eit an, in welcfeer pe in ben SJtunb genommen wirb, unb bemerfen wir aüe 5>rogejfe unb SBecfefel, welcfee pe burefemaefet, bis pe enbliefe in baS Blut unb ba« SJtateriat beS Körpers »erwonbelt wirb. Der erfte $rogeß ber Berbauung ip ba« 3erfauen, welcfeeS im Kauen unb 3er« malmen ber Staferung bepefet, bie fo für bie Slufnafeme in ben SJtagen »orbereitet Wirb. Der Slft beS 3erfauenS ift fo wofel befannt, baß er weiter feiner Befcfereibung bebarf; e« genügt, gu erwätjnen, baß er wefentlict) »on einer glüfpgfeit unterpüjjt wirb, bie saliva ober ©peiefeel feeißt, unb bie »ott gewiffen guoor befdjriebenen Drga« neu auSgeftfeieben wirb, bie man ©peidjelbrüfen nennt. ©obalb bie ©peife in ben SJtunb aufgenommen wirb unb ber Slft bes 3erfauens anfängt—befonbers, wentt es trodene ©peife ip, beginnen biefe Drüfen biefe glüf- pgfeit auSgufefeeiben unb mittelft iferer fleinen ©änge in ben SJtunb gu ergießen, welcfee glüfpgfeit nun bogu bient, bie ©peife angufeudjten, unb weiefee bagu beiträgt, pe in einen 3uPonb gu »erfe^en, in welcfeem fie geeignet ip, in bem SJtagen aufge- nommen gu werben. Der ©peiefeel, glaubt man, feilft beim ^rogeffe ber Berbauung, auefe nacfebem bie ©peife fdjon in ben SJtagen gefommen ip. Der näcfefte Sitt naefe bem 3erfauen ift baS Berfcfelingen ber ©peife; eS ip ber« felbe audj gu gut befannt, um fpegiett feefeferiefeen werben gu muffen. Ss ip jebocfe paffenb, tjier gu bemerfen, baß bie ©peife gut gerfaut unb gefeörig mit ©peiefeel bemäffert werben fottte, efee man pe »erfcfelingr. Die ©ewofenfeeit, glüfpgfeiten, wie Jfeee, Kaffee ober felbp SBaffer wäferenb beS Sffens eingunefemen, ift feinesweg« eine gute. 3e weniger glüfpgfeiten irgenb einer Slrt wir bei unferen SJtatjlgeiten gu uns nefemen, tt[to beffer. Siner ber ©rünbe ift ber: weil bie glüfpgleit, welcfee man mit ber ©peife in ben SJtunb nimmt, bas gließen beS ©peicfeels feinbert. Der ©peiefeel ip eine Borfe:t)mng ber Statur, bie ©peifen angufeuefeten; ober wenn ber SJtunb fcfeon »ott SBaffer ober einer anberett frembartigen glüfpgfeit ip, fo wirb ber ©peiefeel pcfe nicfet einftellett. SJtuß man einmal ©etränfe bei ber SJtafelgett ju ftcfe netjmen, fo fottte eS gefdjefeen, wenn feine ©peife im SJtunbe ip — nacfebem fte gerfaut unb »erfcfelungen ift; ober, was nodj beffer ip, ttaefe gefealtener SJtafeljeit. •5s gibt nocfe; anbere unb gwar ernpliefee Sinwürfe gegen ben ©ebraudj »on glüf pgfeiteit bei unferen SJtafelgeiten, welcfee wir weiter unten angeben wollen. Berwanbluttg in St)»mu« (©peifebrei). — Balb nacfebem bie ©peife in ben SJtagen gelangt, welcfee« mittelft eine« ©djlautfee« ober einer Stöfere gefdjiefet, Slnatomie, fl) »fiologte unb © efuitbfj eitsregetit. 933 bie ber Defopfeagus feetßt, unterliegt pe bem erpen Jfeeile bes «ProgefJeS ber Ber* bauung, inbem pe in eine gleichartige feolbflüfPge SJtaffe, in einen grauen Brei [idj umwonbelt, ber SfeomuS feeißt. Der »orfeergefeenbe «Progeß beS 3erfauens unb SSerfdjlingen« ip nur »orbereitenb. Der SJtagen nämlicfe ip, wie wir gefefeen feaben, eine Slrt Jafcfee ober Beutet, mit parfen SJtusfelwänben, weldje burefe Ujr abweefefelnbeS Kontrafeiren unb Dilatiren bie germalmte ©peife in beftänbiger Bewegung erfealten — pe »on einer ©eite gur anbern fcfeütteln unb fo pe feiner unb feiner macfeen unb mefer unb mefer unter einanber mifdjen. Das wicfetigpe SJtebium (SJtittel) jebocfe, welcfeeS bie ©peife in SfeomuS »erwan* beit, ip eine befonbere glüfpgfeit, bie befannt ip unter bem Stamen bes SJtagen* faftes, wetdjer »on ben inneren SBänben ober ber fütternbeit SJtembran bes SJtagens ausgefonbert wirb. Diefe glüfpgfeit feep£t eine merfwürbige SiuflöfungSfraft unb wirft auf bie gewötjnltdjen StaferuugSmittel mit größter ©efenelligfeit. ©ie ip fo fräftig, felbp außerhalb be« Körpers, baß etwa« baoon in eine glafcfee getfean, ein ©tüd gleifdj g. B. ober anbere ©peife, bie man feineinfeält, fap ebenfo gut auftöp ober »erbaut, als oh es im SJtagen wäre. Der SJtagenfaft ip wefettttidj »erfcfeieben, je naefe ber Befcfeaffenfeeit ber Staferung, wooon bas Jtjier pefe näfert. ©o »ermag er bei fräuterfreffenben Jfeieren, bie gäitglicfe »on Begetabilien (fangen) leben, wie bas ©djaf ober bie Mut), tein gleifdj aufgulöfen; aber bei ben SJtenfcfeen unb benjenigen Jfeieren, bie ttjierifcfee unb «Pflattgennaferung gn pdj nefemen, wirft er gieiefemäßig auf bie animalifdje wie bie »egetabilifdje Staferung. Sine gewiß feit* fame Sigenfcfeaft biefer glüfpgfeit ip es jebocfe, baß pe auf feine ©ubpang gu wirfen »ermag, bie Seben unb Sebensfäfeigfeit feep£t; bafeer fefeabet fte ber Belleibung beS Wagens unb ber Sittgeweibe nicfet, mit welefeen pe in Berüferung fommt; unb bafeer pnben wir oft, baß SBürmer uubefcfeäbigt im SJtagen unb in ben Singeweiben leben. Slber fobalb biefelben Perben, werben pe burefe ben SJtagenfaft aufgelöft ober »er- baut. Balb naefe bem Jobe gerftört ber SJtagenfaft auefe bie Belleibung bes SJtagen«. Das natürlicfee Slusfefeen be« SJtagenfafte« ip baS einer feeilen, farblofen glüfpgfeit, »on geringer Klebrigfeit unb »on fäuerlidjem ©efefemad. SBenn bie ©peife gefeörig »erbaut ober in SfeomuS »erwanbeit ift, gefet pe von bem SJtagen mittelp be« «PoloruS (Pförtner) in ben 3wölfpngerbarm, wo fte ben $rogeß ber Sfeolipfation erfäfert. ßitte Sigentfeümliefefeit beS «Pförtners, welcfeer er feinen Stamen oerbonft, ip e«, baß er nicfet erlaubeu will, bie ©peife burefegulaffen, ofene baß pe guoor gefeörig cfeomip* girt ober »om SJtagenfaft aufgelöft ip. Sitten unoerbauten SJtaffen, oölfpngerbarm nun tritt bie ©peife ober ber Stjomu«, wo« pe nunmefer ip, mit gwei anberen glüfpg* feiten gufammen, ber ©alle unb bem panfreotifcfeen ©aft (Boucfefpeicfeel). Die ©aüe ift eine bunfelgrüne, bittere unb alfalinifdje glüffigfeit, wäferenb ber panfrea* tifefee ©aft bem ©peiefeel einigermaßen gleicfet. Diefe giüfftgfeiten werben burefe fefemaie Stöferen unb ©änge, welcfee »on ben Drganen fommen, bie pe obfonbem ^ ber Seber unb bem panfrea« — in ben 3wölfßngerbarm geleitet, wie e« in bet Slnatomie biefer Drgane »ottpänbig auSeinanbergefe^t ip. Stoefebem ber Sfeömu« mit biefen glüfpgfeiten gemifefet worben, fängt berfelbe fofort an, per, itt gwei unter* 934 Slnatomie, $X) ofi olo gie unb © efunbfeeitSregeln. fcfeiebene Jfeeile iu fonbern, »on benen ber eine ber Sfeplu«, ober ber näferenbe Jbtll, ip, unb ber anbere ber ausgefdjiebene, weldjer mittelft ber Singeweibe we^gefefeafl wirb. Der Sfeolus ip eine weiße, milcfeartlge glüfpgfeit. SluSgenommen in garbe, gleicfet er jebocfe bem Blute beinafee in jeber Sigentfeümlicfefeit unb wirb besfealb auefe weißes Blut genannt. Sr ip in ber Jfeat Blut unb wartet nur ouf bie gär« bung, um als foldjeS im $rogeß beS Umlaufe« unb ber Smäferung aufgutreten. Stfeforptioit beS Sfeolus. — Der nicfet noferfeafte Jfeeil ber ©peife wirb, wie idj gefagt t)aht, burdj bie Singeweibe fortgefdjafft. Der Sfeolus aber wirb »on einer uuenblidjen Slngafel Heiner ©efäße ober Stöferen obforbirt ober aufgenommen, welcfee an ber inneren Dberfläefee be« 3wölfpngerbarm« unb beS bünnen Darms ßcfe öffnen, unb bie man SJtilcfegefäße nennt, unb wirb mittelft berfelben in ben tfeoracl« fefeen Kanal gefüfert unb afegefejjr, ber aus einer langen Stöfere bepefet »on ber ©röße einer geberfpule, ober taum fo groß, weiefee feinter bem SJtagen unb bem apergen feiitaufläuft unb in ber Stäfee beS StadettS pdj in bie fubclaoifcfee Bene an tintm fünfte unter ber linfen clavicula (©djlüffelbein) ergießt. Durdj biefe gefet ber Sfeolus unb wirb fo mit bem Benenblute gemifdjt, mit weldjem er bireft gum apergen unb »on r-a gu ben Sungen gefet, wo bie Sinwirfung ber Suft ober bes ©auerßoffes ber Suft ifen rötfeet unb in rotfeeS Blut »erwanbelt. Bon ben Sungen gefet er wiebet gum apergen gurüd mitteip ber Sungenblutabern unb wirb gugleidj mit ber Blut* maffe mittelft ber Slrterien naefe atten Jfeeilen beS Körpers gefüfert, fotefeer gepalt ben DrganiSmuS näferenb unb fräftigertb unb fortwäferenb ben Slfegattg erfetjenb, ber Pattpnbet, fowie ebenfalls SJtateriat für ben.Körper liefemb wäferenb feines SBacfeS* tfeums. Sluf folefee SBeife erfealten wir atte Staferung unb ©tärfe, welcfee wir aus unferer ©peife giefeett; jeber Jfeeil unferes Körpers wirb auf biefe SBeife bereitet: bie ©peife, welcfee wir effen, Blut gefeettb, unb baS Blut feinerfeits bie fefteren Jfeeile bereitenb. SBie wunberbar! SBentt wir bebenfen, baß bas ©tüd Brob ober bie Kartoffel, welcfee wir im Begriffe ftefeen gu eflen, um unferen apunger gu befriedigen, itt wenigen ©tunbeit in rotfees Blut ftcfe oerwonbelt, bos burefe unfere Benen unb Slrterien fließt, unb baß es, waferfdjetnlidj efee wir un« beS SJtorgens oon unferem ©djtummer unb unferen Jräumen erfeeben, fcfeon einen Jfeeil lebenben gteifdjes an unferem Körper bilbet —fo wirb eine folefee Umwanblung wenig geringer, als ein SBunber, erfcfeeinen. SBeitere Bemerfungen über bie Berbauung. Die Slbforption bes Sfeolus pnbet oorgüglidj oom 3wö(fpngerborm unb bem erpen Jfeeile bes SeerbarmS ftatt, ben matt jejunum nennt, weniger oon bem gweiten Jtjeile, bem ileum, unb nocfe weniger, wenn über!)aupt, oon ben großen ©ebärmen. Die SJtilcfegefäße fangen auf ber inneren Dberfläefee ber ©ebärme an unb gefeen, wie wir bei ber Befcfereibung ber ©efäße gefefeen feaben, burefe gewiffe fleine Körper* djett, bie mefenterifefee Drüfen Reißen, oon benen mon annimmt, baß pe einen gewiffen Sinfluß auf ben Sfeolus ausüben, wäferenb berfelbe tjinburdj gefet. Die SJtilcfegefäße enbeit atte itt bem unteren Snbe beS tfeoracifdjen Kanals, wo eine Slrt Srweiterung jene« ©efäße« pdj bepnbet, bie ba« reeeptaculum (Befealter) be« Sfeolu« tjeißt. Die 3eit, welche erforbert wirb, bomit bie Berbauung pottpnbf, t>. i., bomit bit Slnatomie, $X)oflologle nnb ©efitttbfe; eitSregeln. 935 ©peife pd) in Stjomu« oerwanble, bereit, au« bem SJtageit iit beit 3roölfptigetbarm übergugefeen, tp »erfcfeieben, je uacfe ber Befdjaffentjeit ber ©peife, unb tjängt »on ber 3artfeett ber gibei ah, auf welcfee ber SJtagenfaft wirfen fott, fowie aud) oon bem genügenden ober ungenügenbeit ßextauen berfelben, et)e pe in beit SJtagen tritt. SJtan feat burd) Berfucfee gefunben, baß Stet«, ©ago, Katbounen, rotje Sier, eittge* fodjte ©ctjweiitSfüße, geröpetes Söilbpret unb einige anbere ©egenpäitbe eine ©tunbe ober anbertfealb erforbem, um »erbaut gu werben, wäferenb einige gleifdj for ten, wie gebratenes Stinbfleifcfe (beefsteak), frifefeeS geferotenes ©efeweittefleifcfe unb ©cfeöpfen* fleifctj ungefaljr brei ©tunben, unb Katbfleifd), gebratenes Stinbfteifcl), ©atgpfd), gefalgenes ©cfewetnefleifdj, apausgeflüget, wie apüfener ober Snten, beinafee ober »öttlg »ier ©tunben tjafeen muffen. SBeiße Stuben, Kartoffeln, rott)e Stuben, SJtoferrüben, SBeigen* unb Kombrob, grünes Korn unb Slpfelflöße erforbem ungefäfer brei ©tun* ben uub gefdjmolgene Butter unb alter Käfe beinafee »ier ©tunben. ©efocfeter Kofel »ier unb eine X)albe ©tunbe unb gebratene« frifdje« ©djweinefleiftfe fünf ©tun* ben. Stabiesdjen, eingemoefete ©urfen unb rofee 3wiebeln »oit fedjs gu gwölf ©tun* ben unb guweileu länger. Delige ©ubpangen, wie Stinber* unb apommel«talg, ber fettige Jtjeil ber ©uppen unb gett überfeaupt werben mit großer ©efewierigfeit »erbaut. Die mittlere ßeit für bie Berbauung einer SJtotjlgeit ip unter gewöfenlldjen Umpänbeit ungefaljr brei unb eine tjalbe ©tunbe. SBenn wir unter ber 3eit Ijäupg trinfen, befonbers Si«waffer, fo wirb pe »ier ©tunbeit unb länger erforbem. SJtäßige Uebung uacfe ber SJtotjlgeit ertjöfet bie Jemperatur be« SJtagen« unb t)ilft jur Berbauung. Dennod) ift e« am beften, unmittelbar nadj bem Sffen einer Ijerg* feaften SJtaljlgeit ein fealbe« ©tünbdjen au«gurutjett. Ueber bn« Srinfen nnttjrenb ber SKofelgeit unb bie flüffigen StnferungSntitttel. SBein, geiftige ©etränfe, SBoffer, Jfeee, Kaffee unb anbere glüfpgfeiten werben »om SJtogenfafte nicfet angegriffett unb baljer auefe nictjt »erbaut. Sitte glüfpgfeiten muffen au« bem SJtagen fommen — wo« meipenS burdj Slfeforptton gefefeiefet— efee bie Berbauung beginnt. Demnacfe ip tjier ein anberer widjtiger ©runb, warum glüfpgfeiten nictjt mit ber ©peife gugteicfe, ober bodj Wenigpens nur fpärtidj fottten eingenommen werben, ©ie oergögern nur bie Berbauung. Die ©ewofenfeeit, bei ben SJtafelgeiten ©uppe gu effen, ift feine gute. Ss ip beffer, ©uppen gättglicfe gu »ermeiben, wenn matt woljt ip unb eine ootle SJtafjtgeit gu effen gebeult. Der Wäfferige Jfeeil berfelben muß gänglict) obforbirt unb au« bem SJtagen gefcfe.afft wer- ben, efee bie Berbauung oor pcfe. geifeen fann. ©uppen, wie wir pe in ben ©apfeäu* fern unb ©peifefeäufem pnben, enthalten gubem gewötjnlidj reigenbe ©ewürge, weldje bie ©cfeleimfeaut be« SJtagen« erregen unb einen fünptldjett, oft fefer oermeljrten Slppetit ergeugen unb baburdj un« oeronlaffen, gu oiel gu effen. Der SJtagen fottte nie burefe fünpllcfee Steigmittel, wie Pfeffer, ©enf unb bergleidjen erregt werben, in ber Slbpdfet, ben Slppetit gu oermetjren. Slppetit ip ba« befte Stelgmittel unb weiß om bepen gu beurteilen, wann wir effen fottten unb wann nictjt. Ss tp feilt Sinwanb gegen bie SBafjrljeit biefer Sefere, wenn man meint, baß mtd) gefunb unb naljrfeaft fei, unb baß Slergte ©uppen unb Brüfem für bie Kran- fen unb Steconoalescenten empfefelett. Srpiicfe, ift oöttig acfetglg $rogent ber bepen 936 Slnatomie, $$»ftologie unb ©e f unbfe. elUregel n. SJtitct) SBaffer. Die« muß obforbirt unb au« bem SJtagen gefdjafft werben. Da« Uefertge, ber natjrfeafte Jfeeil berfelben, wirb bann in eine Slrt Kurbel oerwanbell unb ip feine glüfpgfeit mefer, fonbern ein fealbfeper Körper. Der SJtagenfaft fann nun barauf wirfen unb pe in SfeomuS oerwanbelit. Slber In Betreff ber Slüfclldj« leit ber SJtitd) al« ©peife, über bie 3afere ber Kinbfeeit felnau«, walten genug 3weifel ob. SBo« bie Stüfjlidjfeit oon Brüfeen unb apoferfdjleim für Snoaliben betrifft, fo läßt fte ftd) nur nad) folgenben ©mnbfätjen rechtfertigen, ©emeittlglictj pnbet In folefeen gälten, befonber« bei SteconoaleScenteit oon giebern ober anberen afuten Kranffeeiten ein ungefunber, guweilen tin förmltctjer apelßfeunger patt, ber gewöfen* Itd) ©odjen förbert, welcfee gattg ungwedmäßig pnb, wie ©djwelttefleifcfe, Kofel, Keife, foure ©urfen, gleifcfepapeten unb bergleidjen. Um nun bem Slppetite gtt wiüfaferett, fo weit wir ofene Stacfetljetl für ben Patienten bürfen, unb gu gleicfeer 3eit bem feungrigen SJtagen etwa« gu geben, womit er Pcfe feefefeäftigen föntte, uttb ifen, fo ju fagen, auf ein paar ©tunben »on ©efetimmerem cfegutjalten, geben wir ifem eine Portion apaferfcfeleim ober eine fdjmadje ©uppe, welcfee, bei attebem, ifem nur wenig Staferung gewäbrt—nicfet genug, um irgenbwelefe.cn ©cfeaben gu tfeun. Der SJtagen fcrauefet in folcfeem gaüe etwa«, ba« ifen füllt unb etwa« ou«befent; aber wir wür= ben, tfeäten wir e« mit parier ©peife, fofort bie ©efunbfeeit unfere« Patienten, wenn nidjt fein Seben felbp tu ©efafer bringen. Unter biefer Sitmafeme allein fann bet gewöfenlicfee Brauefe, ben Kranfen ©uppen gu geben, gerechtfertigt werben. 3n »ielen gätten jebocfe, »ietteidjt felbp itt ben meipen, würbe eine Kleinigteit fefter ©peife — ein ©tud Brob ober etwa« gefodjter Stet« — »iel beffer fein. Sin anberer ©runb, warum wätjrenb ber SJtafelgeit feine ©etränfe foüten genom* men werben, ip ber, baß pe gemeiniglicfe feine Staferung entfealten unb bafeer nicfets gur Befriebigung bes Slppetit« beipeuem, obgleid) fte ben SJtagen fütten uttb aus* befenett. SBir effen gemeiniglidj ebenfo oiel ©peife, wentt wir barüber ein SJtaß SBaffer ober Kaffee fefelürfen, als wir würben, wenn wir nicfets tränfen; unb wentt wir SBein ober Bier ober pimulirenbe ©etränfe feraudjen, fo pnb wir geneigt, mefer gu effen, weil biefelben ben Slppetit erregen. Die golge ift, baß unfer SJtagen burdj (Sffen unb Jrinfen fo auSgebefent wirb, baß es unbequem wirb, unb baß, wenn wit bie ©ewotjntjeit fefttjalten, es pdjerlidj gu antjattertber Kranffeeit biefes Drgans fommen muß. SJtetjr gälte »on Unöerbaulidjfeit unb »on einem »erborbenen SJtagen fmb auf biefe SBeife »erattlaßt werben, ols bie Seute meinen. Bermeibet glüfpg* leit fo »iel al« mögiiefe, wäferenb ifer effet. Bebenfet baß, wie ber ©peidjet, wenn glüfpgfeit pdj im SJtunbe feepnbet, fo audj ber SJtagenfaft nidjt pießen wirb, ober baß, wenn er fließt, er bodj fo »erbünnt werben wirb, baß er nicfet auf bie ©peife einwirfeit fann. Sefe X)ahe einige fefer feartnädige gälte »on Unöerbaulidjfeit bloS mitteip Sntfeoltung oom ©ebraudje »on ©etränfen atter Slrt wäferenb ber SJtafeljeitett erfolgreidj Ijeilen fefeen. Snsbefonbere jebocfe fottten wir baS Jrinfen wäferenb beS SJtittogeffen« unterlaffen, beim bann effen wir gemeiniglicfe. am feergfeaftepen. SBenn lt)r »om Jrinfen beim grüfepüd unb Slbenbbrob nicfet gong abpefeen föimt, fo laßt e« wenigPen« beim SJtittogeffen, ber apauptmafelgeit, unb mittbepen« brei ©tunben lang nadjtjer, wenn U)r nur im geringpen an Unöerbaulidjfeit leibet. Kalte« SBoffer, befonber« Si«waffer wäferenb ber SJtafelgeit gu trinfen, ip nidjt gut. ß« erfüllet ben SJtagen unb oergögert bie Slbforption eben fowo'fel al« bie Berbauung — Slnatomie, ubbmgett uttb Kucfeen gefealten werben. Slber eS ip beffer, aüe berartigen (Beb'ddt gänglicfe gu oermeiben. S« ip eine folfcfee Slnpdjt unter ben Sanbleuten, baß pe bie (Ernte feinburdj, wäferenb ber langen, Reißen Jage, nicfet fertig werben fönnen, ofene etwa« in ber 3wifcfeengeit gu effen. ©ie werben bie api^e unb Slnprengung ber Srntegeit oiel beffer ertrogen, ot>ne ben Smbiß, ben fte in ber Siegel um oier Ufer gu pcfe nefemen. Diefer Smbiß fdjabet, weil man ben SJtagen überlabet unb baburefe, baß er benfelben unoorbereitet für ba« Slbenbbrob madjt. SBenn itjr eine gute ©efunbfeeit unb lange« Seben fdjafct, fo meibet alles Sffen außer euren regel* mäßigen SJtafelgeiten — jeben „©efeein oon Uebel" biefer Slrt — ob es „Suncfees," Slupern, Slepfel, Drangen, „Sänbie," ober was fonp es fei, oiel ober wenig, benn felbft bos fleinfte Jfeeildjen — eine Brobfrupe ober ein SJtunb oott Slepfel — fetjt bie gange BerbauungSmafcfelne in Jfeätigfeit. Stcgelmäßigfeit im Sffen. Sine anbere fetjr widjtige Siegel in Begug auf's Sffen tp Stegelmäßigfeit. SBir fottten ein ©efetj barau« macfeen, unfere SJtatjtgeiten gu regelmäßigen ©tunbeit gu fealten; unb gelegentliefe eine SJtafelgeit wegfallen laffen, ip beffer, ol« oon biefer Siegel obguweicfeen. S« mag feier ol« allgemeine« ©efeti angeführt werben — mtt oktttidjt einer gelegentlichen Slu«nafeme, wie e« SluSnafemen »on otten Stegein gibt — baß perfonen, welcfee regelmäßig üjre Sßpunbeit tjalten, om gefünbepen unb im Sllter am munteren, am Xefel>afteften unb oott jugenblidjen ©emürfje« ftnb. 940 Slnatomie, $tj »ftologte unb ©efunbfe ett«r egeln. SBir Pnb in einem tjofeen ©rabe ©efdjöpfe ber ©ewoljnfeelt, fönnen un« feelnabt on jebe Sffen«punbe gewöfenen unb fönnen bafeer eben fo gut Stegelmäfjigfcit als Unregelmäßigfeit beoboefeten. Die ©ewofenfeeit be« unregelmäßigen Sjfens wäcfep oft mit uns oon ber Kinbfeeit auf. Unglüdliefeerweife für menfdjlidje ©efunbfeeit unb ©lud, werben bie jungen Seute nur gu oft in Begug auf biefe Slngelegenfeeit burdj Srgiefeung bepimmt. ßu oft wirb in ber Kinbfeeit ber ©runb gelegt gu einet gemitteten ©efunbfeeit unb einem elenbett Dafein, burefe gärtlicfee ober unwelfe Stadjpdjt ber Sltern. Unb mandje« Kinb ip überbem burdj ©ommer* unb aperbp« franffeeiten bafeingerafft worben, bas featte gerettet werben fönnen, wäre e« weniger üerfeätfdjett, ober wäre e« ridjtig geleitet worben in feinen ©ewofenfeeitett im Sffen. SJtancfeeS Kinb ip oon feiner SJtutter gu Jobe gefüttert worben. Der ^feilofopfe Sode Ijat gefagt: „wenn ein Kinb Sffen förbert, gu einer anbereit 3eit, als bie bet regelmäßigen SJtafelgeiten, fottte man ifem einfaefe Brob geben — feine feinen ©e* bade, feine Delifateffen, fonbern nur einfacfees Brob. Denn wenn baS Kinb wirf* lief) feungrig ip, fo wirb einfacfees Brob gar tjerrlld) fefemeden; wenn es nidjt feung- rig ip, fo laffet es otjne Brob gefeen, bis es feungrig ip." Das ip ein guter Statt). Slber es ip nodj beffer, ifem außer ben SJtafetgetrert burdjaus nidjts gu geben. Diefe follten, oerpefet pdj, feäupger fein, als für größere perfonen ; ober pe foüten gn regelmäßig fePgefejjten 3eüen pattpnben. Sdj weiß, eS tp fdjwer, ein Kinb ridjtig gu ergiefeen, unb nocfe ftfewerer ip eS für uns felbp, gwedmäßige ©ewofenfeeitett ein* gutjalren ; aber Stegelmäßigfeit gu beoboefeten, ob wir gweimal, breimal ober öfter ben Jag effen, ip fcfewierig, unb ip gewiß unferer emftlicfepen Sprengungen wertfe. 8n fdjnetle« Gffen. Sin fetjr gewötjnlidjer Berpoß gegen bie ©efe£e ber ©efunbfeeit ip baS gu fdjneüe Sffen. Ss taugt beinafee eben fo wenig, als gu oiel effen; beim es läuft beinafee ouf baffelbe feinaus. Seute rüfemen pcfe guweilen, baß pe eine regelmäßige SJtafelgeit in fünf ober fecfes SJtinuten einnehmen fönnen. Dies tp in ber Jfeat nicfet effen — itt bem eigentlichen ©inne beS SBorteS. Seberman weiß, baß, wenn wir fefenett effen, wir unfere ©peife nicfet gefeörig fauen fönnen, unb wenn eS in unferer Statur ein @efe0 gibt, baß fcfearfer in feinen gorberungen ip, als irgenb ein anbereS, unb beffen Bertejmng, fet es frütjer ober fpäter, unoermeiblicfe eine prenge ©träfe auf bem guße folgen muß, fo ift es baS, weiefee« erforbert, baß unfere ©peife wotjl gefaut fein muß, etje pe in ben SJtagen gelangt. SBie iefe bei bem $rogeß ber Berbauung gefagt X)abe, muß bie ©peife, nacfebem pe in ben SJtagen tritt, pcfe in eine breiige, weiefee SJtaffe oerwanbeln, bie matt Sfe»muS nennt, welcfee« mitteip ber auflöfenben Sigenfdjaften be« SJtagettfafte« unb bet bepänbigen SJtuSfeltfeätigfeit beS SJtagen« gefefeiefet. Diefe Berwanblung muß ooüpänbig fein; e« müffeit feine Klumpen bleiben obet große ©lüde, felbp nicfet eiitmal Heine — fonbern Slüe« muß eine fealbflüfßge SJtaffe werben, efee e« in ben 3wölfpngerbarm fommeit fann, um barau« Sfeplu« gu berei« ten. ©eljt ifer ttiefet, wie oiel SJtülje Üjr eurem SJtagen erfparen tonnt, wenn ifet eure ©peife gut laut, unb wie oiel itjr iljm gefeen fönttt, wenn itjr e« »erfäumt ? Der SJtagen, wie fdjon öfter gefagt, bebarf ber Stufee nad) feiner Slrbeit; abet 81 tt o t o m i e, 9> $ ö f i o l o g i e u n b © e f u n b lj e i t« r e g e l n. 941 wenn er an einem gäfeen ©tüde beefsteak in einem fort gerren unb goufett muß, ober an meferen, ober an einer falten Kartoffel ober »ieüeicfet an einer großen ©ur* fenfcfenitte — »on bem Slugenblid an, wo ifer euer SJtittogeffen fejnuntergefcfelungett feabt, bis gum Slbenbeffen fein — fefet ifer ba nicfet, baß ifem feine 3eit gur Stulje bleiben wirb ? Unb fortgerren wirb er gewiß fo lange, bis bas le£te ©tüd, ba« ifer »erfcfelungen fegfet, pefe in Sfeotnu« oerwanbelt hat, ober bi« er gänglicfe erfcfeöpft ip ober pcfe franf gemaefet feat burefe feeroorgeferaefete Sntgünbung. S« muß bafeer flar fein, baß bie ©ewofenfeeit, bie Kop fealbgefaut, ober weniger beim tjalfe gefaut, feinunter gu fefetuden, wie e« oon benen gefefeiefet, bie fdjnett effen, eine fefer fefelecfete. ip. Sin anberer wiefetiger Sinwurf gegen fefenette« Sffen ip ber, baß bie Staferung mit bem ©peidjet nicfet gefeörig gemifefet unb angefeuefetet wirb — baß ba« in ber Jfeat überfeaupt faum gefefeiefet. Der ©peiefeel fängt mefet an gu fließen, ober audj nur pcfe abgufonbem, feeoor wir bie ©peife gu fauen beginnen, unb er fäfert fort, gu fließen, fo lange wir fortfaferen, gu fauen. Slber wenn bie ©peife ungefaut feinuntergefcfeludt wirb, fo wirb nur wenig ober fein ©peidjet bamit feinuntergefeen, unb bodj tp ber ©peidjet pdjerlicfe in bebeutenbem ©rabe wefentlicfe für eine gefunbe unb gefeörige Berbauung. Die ©peife mit SBaffer unb anberen ©etränfen angufeuefeten unb nieberguwafdjen, taugt nidjt. S« wirb bie ©aefee nur ärger macfeen, benn e« wirb bie Berbauung »erjögern, baburefe., baß e« ben SJtagenfaft feinbert, m fließen, ober baburefe, boß es ifen »erbünnt, wenn er fließt. Ss tp feine SBeife fo gut, als bie SBeife, bie ber Statur eigen ip. Die 3äfene fmb un« gegeben worben, bie ©peifett git mofelen unb bie ©peiefeelbrüfen biefelben angufeuefeten, unb wir fottten baoon ©ebrauefe macfeen. Slnpatt fünf ober feefe« SJtinuten, fottten wir nie weniger, al« breißig SJtinuten auf eine »otte SJtafelgeit »erwenbeu, wenn bie ßeit uns überfeaupt gu ©ebote ftefet; unb eS ift beffer, befonber« beim SJtittagmafele, über breißig SJti* nuten, als barunter gu geljen. Slber ob ifer langfam ober fefenett effet, eine lange ober eine furge 3eit, wenig ober »iel, feefealtet immer ba« Sine »or Slugen — faut eure ©peife wotjl, efe^ ifer pe in ben SJtagen gelangen laßt. SBentt Üjr bas tfeut, wirb es eudj mefer gum ©egen gereiefeen, werbet itjr nidjt fo leidjt gu »iel effen unb eine bebeutenb beffere ©efunbljeit genießen. £a$ Vlfymen obet bie $ieipitation. Bei ber Befdjrelfeung ber Sungeit unb bes Blutumlaufe« i[t wotjl genug gefogt worben um eine giemlicfe riefetige Sbee »on bem Sltfemungsprogeffe gu geben unb »on ber wichtigen Begiefe^ng, bie berfelbe auf bie Smäfemug ausübt, wegeit feine« Sinfluffe« auf« Blut. Sinige befonbere Bemerfungett über biefen ©egenponb mögen inbeß nictjt am unreefetett Drte feitt, ba er einer ber wefentlicfe. Pen ^rogeffe ber Sefeen«öfottomie tp, ofe^e welefeen wir eben fo wenig leben fönnten, al« ofe,ne bo« Blut Sin Seber weiß, baß wir oljne Slrmen nidjt eripiren fönnen, baß, wtnn ans irgenb einer Urfacfee unfer Slrmen plö&Iicfe. ftoeft, wir fogleicfe, perfeen. 942 Slnatomie, ^tjoflologie unb ©efunbfeeit«regeln. Slber iefe fürcfete, e« ip nicfet fo allgemein feefaimt, worum bem fo ip unb was für ein Berfeältniß bie Suft, welcfee wir in unfere Sungen einatfemen, gu unferem oni- malifdjett Seben einnimmt. T)aS wirb nutt au«etttanbergefefet werben. Stotfetnenbiglctt be« Sttfemen«. Die Stefpiratlon ober ba« Sttfemen gefefeiefet au« gwei öerfdjiebenen 3t»eden: erfl- licfe unb feauptfädjliefe, um ba« Blut gu reinigen; unb gweiten«, attimalifcfee SBärme fjeroorguferingen. Die Drgane, bie beim Sttfemen befdjäftigt pnb, ftnb bie Sungen, bie Suftröfere unb bte Suftgetten ber Sungen. Unb wenn man bie Berwonblung be« Blutes einfdjließt, müffeit bie ©djlagabem, Benen unb apaargefäße ber Sungen feingugefügt werben. Slußerbem, wenn wir ben medjanifdjett Slft bes Sttfemen« mit einfefeließen, fo muffen bas 3werdjfett unb gewiffe Brupmusfeln audj in Stecfenung gebraefet werben. Die Steinigung be« Blute« tp unerläßlidj, in ber Jfeat fo unerläßlidj, baß Job rafdj eintreten müßte, würbe e« unoeränbert bleiben. Das »enöfe Blut ip »oller ©ift, weldjes e« wäferenb be« Umlaufe« burefe ben Körper an pcfe gegogen feat, unb biefes ©ift fann nur baburefe entfernt werben, boß es mit ber otfemofpfeärifcfeen Suft in Berüferung gebradjt wirb, weltfeeS in ben Sungen burefe ben $rogeß be« SltfemenfeotenS gefefeiefet. Diefe« ©ift tp Kofelenfäure unb rüfert feer »on ber 33er* felnbung »on Kofele mit ©auerpoff, gwei ©toffe, bie eine merfwürbige Berwanbtfefeaft ju einanber feaben, wenn fte ftcfe in bem Körper bepnben. Kofetenftoff, wie iefe guoor bemerft tjabe, wirb au« ber ©peife gewonnen; er tp gleicher Statur mit ber apolg* fofete unb ip an pcfe. felbp gang ebenfo unfcfeäblitfe, al« bie apolgfofele; aber wenn et P gen. 3« Betreff einer befonberen Befcfereibung biefeS SJtittelS, pefee beffen Slnato* mie. Durdj feine Kontraftion brüdt eS bie Singeweibe be« Unterleibes, bie unmit= telbar barunter liegen, unb baburdj erweitert pefe ber BruPraum in jener SUcfetung unb geftattet bett Sungen, baburdj pdj auSgubetjnen, boß pe berfelben folgen. ©leidjgeitig fontrofeiren pefe bie SJtuSfeln ber Stippen unb giefeen pcfe aufwärts unb naefe außen. 3nbem bie Bruft fo erweitert ip, abwärts burefe ba« ßwerdjfett, gur ©eite burdj bie SJtu«feIn ber Stippen, unb bie Sungen nun $ia£ feaben, pdj gu Preden unb ausgubefenen, weldje« pe wirfliefe tfeun — bilbet ftet) ein leerer Staunt, unb bie Suft ftrömt eiu burefe bie Jradjea ober Suftröfere unb bie Bronefeien unb füllt bie Suftgetten an; gerabe naefe bemfelben ©efetie, wonaefe bie Suft in irgenb einen leeren Stautn einftrömt unb ifen füllt. Dies feeißt bas Sinatfemen. man fcfeäfjt bie gange SluSbefenung biefer Suftröferen unb ßetten iit beit Sungen eines Stwadjfeneit auf gwangig taufenb Duabratgott, ober auf mefer ol« gwangigmal bte Dberpäcfee bes gangen Körpers; unb man nimmt an, baß bie SJtenge ber in biefel* ben aufgenommenen unb »on benfelben ausgeftoßenen Suft — angenommen, wir attjmen gwangigmal in ber SJtinute unb fütten jebeSmal bie Sungen — beinafee »ier taufenb ©aüonen betragen muß. Slber wir attjmen nicfet immer einen »ollen 3ug ein — feiten fo »ott, alö wir foüten. Biele Seute fefeaben itjrer ©efunbtjeit baburefe, baß pe pcfe angewöfenen, gu wenig Suft einguatfemen, unb einige Damen untergra* ben pe baburefe, baß fte ifere Brup fefenüren, fo baß fie, wenn fie audj woüten, nidjt mefer als fealb fo »iel einatfemen fönnen, als fie foüten. Ss würbe »iel Hüger, weil »iel weniger nadjtfeeilig, feitt, wenn fie ifere güße gufammenpreffeit woüten, wie bie efeinepfefeen Damen eS tfeun, anftatt ifere Sungen. SBenn wir bie Suft einatfemen unb bie Sungen aufblafen, fo feeißt bas ben Sltfeem eingießen; ober tas ßieXjen, »te matt ftefet, gefefeiefet »on bem 3werefefeüe unb ben SJtuSfeln gwifcfeen ben Stippen, welcfee bie Bruftfeöfele erweitern, unb bie Suft felbft bringt feinein unb füüt bie Sungen an. SBenn bie Suft feinläng* liefe lange in ben Sungen geblieben ift, um ba« Blut gu reinigen, fo laffen bie SJtuS= fein naefe, bie Stippen biegen pcfe ein, ober preffen auf bie ©eiten ber Sungen, ba« 3werdjfett feebt pefe, oon bem SJtagen unb ber Seber unb einigen Baudjmusfeln gebrüdt, wieber aufwärt«, unb fo werben bie Sungen gufommengepreßt unb bie Suft wirb auSgeftoßen ober feinausgetrieben. Die Sluspoßung ber Suft »on ben Sungen, ober bie Sntfettbung bes SltljemS, wirb bas .SluS att) men genannt. Unb ben gangen $rogeß — beS Sin- unb SluSatfe. mens, ober bes Singte* feens unb be« SluSftoßen« ber Suft — nennt man bie Stefpiration ober ba« Sltfemen. Beranberung be« Blute« unb ber ßuft. SJtau wirb bie SBeife, in weldjer ba« Blut gereinigt wirb, beffer »erpefeen, wenn man ben SBedjfel feeadjtet, weldjen baffelbe, fo wie bie Suft, erfäfert, wenn pe mit einanber in Berüferung fommett. Ungefäfer ein günftel ber otmofpfeärifcfeen Suft ip ©ouerftoff — bo« Uefertge ©tiefftoff. SBenn man jebocfe bie Suft unterfuefet — wie pe ou« ben Sungen fommt — ben Sirljem nämlicfe — fo wirb man pnben, baß ber größere Jtjeil be« ©auerpoffe« »erfefewunbeit ift, unb ba« ein anbere« ©o« — 944 Slnatomie, $1) »f t o l ogie unb © e funb fe ei t« rege In. Kofelenfäure — feine ©teüe eingenommen feat. Die« neue ©as, wie wir gefagt tjaben, wirb gebilbet burd) bie Bereinigung beS ©auerftoffes aus ber Suft mit bem Koljlenpoffe im Blute. Das »enöfe Blut, weldjes mit Kofeletippff parf gefdjioän« gert ip, weldjer bemfelben bie buufle garbe gibt, wirb mitteip ber Sungcnorterien nad) ben Sungen gefüfert unb gefet »on benfelben über in bie apaarröfercfeen, welcfee bie Suftgeüen umgeben unb, wie bereits gefagt, ein feines Ste^werf bilben. apier ip es, wo bas Blut mit ber Suft in Berüferung gebraefet wirb — ober ifer fo nafee fommt, baß bie SBirfung biefelbe ip. Die Suft beßnbet pefe in ben 3eüen, bas Blut auffeits baoon in ben mingigen apaarröfercfeen, beren SBänbe fo bünn unb porös pnb, baß ber ©auerpoff au« ber Suft eutweiefet, pdj mit bem Blute »ereint, beffen Kofetenpoff oerbrennt, bie Kofelenfäure frei madjt, bie aus bem Berbrennungs» progeffe feeroorgefet, unb bie burctj bie ßetten entmeiefet, bie ©teüe bes ©auerpoffes in ber Suft einnimmt unb mit berfelben aus ben Sungen auSgepoßen wirb, ©o üerättbert pefe bas Blut — orpbirt, wie man eS guweilen feegeiefenet feat; unb gu gletdjer 3eit anbert pefe auefe bie Suft ober ber Sltljem. Das eine wirb rein — bas anbere unrein. Unb biefer $rogeß gefet bepänbig »or pcfe; jebeSmal, wenn wir ein* otfemen, ober einen frifcfeen Borratfe an Suft gu uns netjmen, wirb auefe ein frifefeer Borratfe oon oenöfem Blute in bie apaarröfercfeen, um bie 3eüen feerum, getrieben, bo bie früfeere Portion gereinigt ip, wirb in bie Sungenoenen gefanbt unb mitteip berfelben bem apergen für aüfeitige Berbreitung gugefüfert. Sine widjtige SBirfung biefeS SBecfefelS auf bas Blut ip, baß es »on einem bun« fein Purpur gu einer feeürotfeen garbe umfefelägt. Dies wirb tfeeilweife »erurfaefet burefe bie 3erPörung ber Kofele unb Kofelenfäure im Blute, wie es feefcferleben würbe, unb tfeeilweife burefe bie Bereinigung bes ©auerpoffes mit bem Sifen im Blute. Daß es einen gewiffen Slntfeeil an Sifen im Blute gibt, baran ift fein 3weifel. Ss ift reidjtidj bewiefen burefe efeemifefee Slnalofe Verlegung). Xie rotfeen Kügetcfeen bes Blutes finb gum großen Jfeeile aus biefem SJtineral gufam« mettgefejjt, unb burefe Bereinigung oon ©auerftoff mit benfelben, werben pe, wenig* ftenö iu gewiffem ©rabe, gu einem rotfeen Sifenoröbe. SBicfetigfeit einer freien Bentilntion (ßüftttng). SJton nimmt an, boß ein Snbioibuum oon mittlerer ©röße ungefäfer oiergig tau* fenb Kubiffuß ©auerftoff aüe oier uub gwangig ©tunbeit bebarf, um bas Sltfemeti in ber fo eben angegebenen SBeife im ©ange gu erfealten. Ungefäfer »ier günftel baoon ober ein wenig mefer, wirb »erbraudjt, utn bie Kofele im Blute gu »erbrennen, unb »erwanbett pcfe. in Kofjlenfäure; bas Uebrige wirb gebraucfet, bem Blute feine garbe unb bie gefeörige SBirfung gu geben. SluS biefer einfacfeen Jfeatfacfee unb wenn man erwägt, baß ungefäfer nur ein günftel ber Suft ©auerftoff ip, fann ein 3eber pcfe eine giemlict) genaue Sbee madjen »on ber Duontität frifdjer Suft, bie in einer gewiffen 3eit in öffentlichen ©älen unb on Drten, bie eine große Slngofel BolfeS enthalten, nörfjig ip. Unb wenn man bie anbere einfache Jfeatfacfee »or Slugen feat, baß ungefäfer ein günftel Der Suft ober be« Sltfeem«, ber unferen Sungen entweiefet- wen» fte auefe rein war, al« fie eintrat — Kofelenfäure ip unb wenig ober feinen ©auerpoff enttjält, fo fantt man pcfe eine Sbee »ott ber SBicfetigfeit unb Stotfewenbig« feit einer burdfegreifenben Süftung madjen. ©eiten jebocfe wirb biefer ©egenponb Slnatomie, «Ploftologieunb ©efunbljeit« regeln. 945 fo beacfetet, wit e« pd) getjört; in ber Jfeat feabett wir gute ©rünbe, gu glauben, boß beffen SBidjtigfeit wenig erfonttt wirb. SBir fefeen oft metjre feunbert perfonen in einem Staunte gufammengepfropft, in weldjeit nicfet mefer Suft gelangen fann, al« für ein Biertel ber Slngaljl nöttjig Ip, nnb bie golge ip, baß pe balb Sitte pefe unfee- feaglicfe unb beflommen füfelen, unb Biete berfelben leiben fpäter nodj fdjlimmer; unb bodj fmb pdj SBenige ber Urfadje bewußt. Bor Slüem ober ip e« üoit SBidjtig* feit, boß unfere ©efetafgimmer gut oentilirt fein fottten. SJtan fantt biefem ©egen* paitbe faum gu oiel Slufmerffamfeit fdjenfen; bodj tt)ut e« mir leib, fagen gu muffen, baß man im Slttgemeiiteit fefer wenig barauf acfetet. Benjamin gronflin fagt un« irgenbwo, baß e« von SJtetfeufalem aufgegeidjnet fei — obgleicfe er un« nictjt fagt, an weldjer ©tette — baß, al« er fünffeunbert Saljre alt war, ifem ber Sngel be« jperm erfcfeienen fei unb ifem gefogt X)abe, er fotte aufPefeen unb pdj ein apau« bauen, bentt er fotte nodj fünffeunbert Safere länger leben. „SBenn idj nur fünffeunbert 3at)re nocfe leben fott," fagte SJtetfeufalem, „fo ip e« unnötfeig, mir ein apau« gn bauen; idj werbe wnterm freien aptmmel fdjlafen, wie idj e« geitfeer gewotjnt bin." Z)it Stujjaitwenbung i% baß bo« ©efelofen im greien ober ba, wo er ottgeit genug reine, frifefee Suft featte, ber ©runb feine« langen Seben« war. S« ip bie« ein guter SBinf, unb wir fottten ifen in Begug auf bie Slnrid)tung unferer ©djlafgim* mer beadjten. $l)tetifd)e SSätitte* SBir wotteit je£t »erfuefeeit, bie Duette ber ttjlerifdjen SBärme gu erflären u.vb bie Slrt unb SBeife, wie pe ergeugt wirb. Sefe fage, wir wollen e« »erfudjen, beim bie spfepßologen ftimmen in Begug ouf biefen ©egenponb nidjt überein. Daß es tfeie* rifdje SBärme gibt, unb boß ber menfdjliefee DrganiSmuS in pdj felbft bie SJtacfet unb gafeigfeit befttit, biefe SBärme gu ergeugen unb pe ben Umftänben unb Bebingungen gemäß gu regutiren, bo« wiffen wir; aber bie befonbere Slrt unb SBeife, wie bie« gefefeiefet, fefeeint mir bocfe, nicfet fo wofel erfannt gu fein, al« einige anbere Berriefetun* gen be« tfeierifdjen Seben«. Unbelebte Körper werben in Begug auf SBärme uub Kälte »ort ber Jemperatur beeinflußt, welche fie umgibt, unb »on anberen Körpern, mit wel* tfeen pe in Berüferung ftefeen. ©o tp e« jebocfe nicfet mit bem SJtenfcfeen. Sr befiel einen ©rab »ort SBärme, bie itjm eigen ift, unobfeöngig »on ber Jemperatur, in welcfeer er lebt, unb er tp im ©taube biefe SBärme beinafee auf bemfelben ©rabe gu allen Safe* resgeiten unb in atten Klimaten gu erijalten, gleicfeoiet ob bie umgebenbe Suft warm ober falt ip. Da« SBärmemaß be« menfdj liefe, en Körper« ip ungefäfer tjunbert ©rab gaferenfeeit. S« weicfet feiten im 3uftanbe ber ©efunbfeeit baoon ob; ober flcfdjiefet es, fo ip e« nur gering. Die Berfcfeiebenljett tp watjrfctjeintid) gwifcfeen aefet unb neungig unb tjunbert unb gwei ©rab. 3ctj 'feabe gefagt, baß bie ^feopofogen nictjt otte in Begug auf bie Srgeugung bet SBärme üfeereinpimmen. Die« ift jebocfe nur iu einem gewiffen ©rabe ber gaü. «Be unfere bepen ©djrtftpetter über biefen ©egeitpanb Pimmen barin überein, boß bie Sunge bie apauptweripatt be« Drgantsmu« gur aperoorbrlngung ber SBärme ip, 60 946 Slnatomie, $f)»fiologle unb ©ejunbl) eit«re gel n. unb baß pe burefe bie efeemifefee Sinwirfung ber atmofpbärtfdjen Suft ouf b*s Blul bewirft wirb; ober, genauer gefagt, burefe bie Bereinigung bes ©auerpoffes ber Suft mit bem Kofelenftoffe Im Blute. Sinige jebodj feefeaupten üfeerbem, baß eine bepän* bige Bereinigung oon ©auerpoff unb Kofelenpoff, unb folglldj eitte SBärmcergeu- gung in ben wingigen apaarröfercfeen burefe ben gangen DrganiSmuS feinburefe »or Pcfe gefee, welcfeeS beim auefe ftjeilweife bett SBedjfel ber garbe bes Blutes »ott feettrotfe gu purpurrotfe, ober »om arteriellen gum »enöfen Blute erflärt. Dies »erfeält pdj oietteiefet fo. Sin« ip gewiß: eine Bereinigung oon ©auerpoff unb Kofelenpoff fauit nirgenb« pattpnben, weber im DrganiSmu«, nocfe in ber freien Suft, ofette eine Berbrennung unb folgliefe, SBärme gu oerurfaefeen. SBas wir geuer nennen, ober bo« Brennen oon Kofele unb apolg ober onberer brennbaren ©toffe, ip nidjt« mefer nodj weniger, alö bie fdjnelle Bereinigung oon ©auerftoff in ber Suft mit bem Kofe- lenpoff in ber oerbrennenben ©ubpang. Die Bereinigung, weiefee Im menfcfeUcfeen DrganiSmu« pattpnbet, gwifcfeen bem ©auerpoff unb bem Kofelenpoff, ip nicfet fo fefenett — fo intenpo, als wenn es in ber offenen Suft, in ber Srfcfeeinung »on geuer, pattpnbet; ober fo weit pe patt feot, ip pe wefentlidj baffelbe unb bringt baffelbe Srgebnlß — SB ä r m e — feeroor. SBoferfdjeinliefe ip genug gefagt worben, um ben 5)rogeß beS Sttfemenö unb ben SBedjfel beS Blutes in ben Sungen gu erflären, um eine 3bee gu geben oon ber Slrt unb SBeife, wie SBärme im Körper ergeugt wirb. Sefe X)aht gefagt, baß ber ©auerpoff aus ber Suft, welcfee wir atfemen, entweiefee, wäferenb pe pdj In ben 3etten bepnbet unb pdj mit bem Kofelenpoff im Blute, wäfe- renb es burdj bie apaarröferefeen gefet, weldje biefe 3eüen umgeben, »ereinigt; unb baß bie Bereinigung biefer beiben ©toffe eine Slrt Berbrennung ergeugt, welcfee bas Blut reinigt, ober »on feinem Ueberfluffe an Kotjteitpoff befreit. 3n anberen Sßor* ten : ber ©auerftoff brennt ben Kofelenpoff ouf. Die Statur ip fefer fparfam, unb berfelbe 5)rogeß, woburcfe bos Blut gereinigt wirb, feat einen boppelten ßwed. Das eingige SJtittel, ben Kofelenpoff im Blute los gu werben (welcfeeS auf bie eine ober anbere SBeife gefdjetjeit muß), ip ifen gu »erbrennen. Um bieS gu tfeun, muß er mit bem ©auerpoff in Berüferung gebraefet werben ; benn ofene biefes im Ijöcfeften ©rabe nü^liefee ©a« fann nirgenb« Berbrennung ftottpnben; unb bie« fann, fdjeint es, in einem feöfeeren SJtaße nur in ben Sungen gefcfeefeett uub in ber Slrt, wie es fcfeon befeferieben ip. Slttein, wie ebenfatts fdjon frütjer gefagt, fann eine Bereinigung bes ©auerpoffes unb beS Kofelenpoffe«, ober eine Berbrennung, weber innerfealb nocfe oußerfealb be« Körpers ftartfmben, ofene SBärme feeroorgubringen. Slber ber leben* bige DrganiSmuS erforbert SBärme. Sr muß ungefäfer auf bemfelben ©rabe ber Jemperatur erfealten werben, ober ba« Blut würbe bid werben unb ftoden uttb tie gange SJtafdjmerie bes DrganiSmuS würbe balb auffeören gu arbeiten. Da baS Blut burdj jeben Jfeeil be« DrganiSmu« fließt— beftänbig — gu jebem Jfeeile fein» gefet unb »on jebem fommt, fo fantt e« fein beffere« SJtittel geben — in ber Xfeat fein fo gute« — ben gangen DrgantSmn« unb atte feine Jfeeile gu wärmen unb auf beit erforberliefe en Jemperaturgrab gu erijalten, al« ba« Blut gu erwärmen. SBelcfe1 ein erhobener ©ebanfe! SBaS für eine weife Stnorbmmg! Da« Blut wärmen unb bo« Blut beu Körper wärmen laffen ! Unb berfelbe «Progeß, welcfeer ba« Blut reinigt, wärmt e«; biefelbe Berbrennung, welche beffen Kofelenpoff entfernt unb jer* Port — welcfee« gefdjefjeit muß unb auf feine anbere SBeife gefcfeefeett fann — erwärmt audj — al« natürlidje golge — ba« Blut, unb bringt e« auf ben gefeörf« Slnatomie, $tj» f iolcgi e «unb © ef u nbtjelt«reg ein. 947 gen ©rab ber Jemperatur. Unb burdfe ben fd)netten unb bepänbigen Umlauf be« Blute« Wirb biefe Jemperatur burdj beit gangen Drgani«mu« oerbreitet unb in bemfelben erfealten. Sßetefee SBeiStjeü, fowofel in Begug auf Drbiumg, al« auf ©parfamfeit entfaltet pdj feier! SllS Beweis, boß SBärme in ben Sungen ergeugt wirb, unb boß bie« in ber ange- gebenen SBeife gefefeiefet, feaben wir nur bie Jfeatfacfee ongufüferen, boß ber Körper warnt wirb unb feine SBärme burcb Bewegung unb anbere SJtittel, welcfee un« fdmel* Ier attjmen macfeen, gunimmt. Sil« einen Beweis biefer Jfeatfacfee, laffe man irgenb 3emanb, anpatt eine aponbarfeeit »orjunefemen, ftcfe itt einem falten 3immer nieber* fe^en ober nieberlegen unb eine tjalbe ©tunbe lang fcfenetter unb »otter atfemen, unb baS Srgebniß wirb fein, baß er gong warm, oietteiefet unfeefeagttd) warm pdj füfelen wirb. Biele oen uns tfeun bie« in falten SBinternäcfeten, otjne wofel jemal« an ten (Bxunt gu benfen, nur um warm gu werben in einem falten Bette. Kalte Suft ip biefeter unb entfeält folglidj mefer ©auerpoff ouf ben Kubifgott, ol« warme Suft; unb barum trägt bie falte Suft, mit welcfeer wir umgeben fein mögen, unb welcfee wir atfemen, burefe ifere Kälte wirfliefe bagu hei, bie oermeferte Körperwärme t)er»or* jubriiigen, welcfee in foltern SBetter erforbert wirb. Sine perfon, bie an einem fal* ten Jage bei einem großen geuer ftiü ft^t, wirb oft gang falt ftcfe füfelen, wäferenb eine anbere, welcfee munter im greien pcfe feerumbewegt, pefe gang warm füfelen wirb. Z)ie eine fuefet »ergeben« äußerlicfee SBärme ongugiefeen, wäferenb bie anbere burd) Bewegung, unb baburefe oermeferte« Sttfemen, pe innerlicfe Ijeroorferingt. Dbgleid) ttjierifcfee SBärme ungweifelfeaft feauptfäefeticfe in ben Sungen ergeugt wirb, fo wirb pe bodj waferfefeeinlicfe nidjt atte bafelfep ergeugt. Sin Jfeeil beö ©auerpoffes, weldjer burefe bie Suftgetten in baö Blut gefet — oieüeicfet ein günftel — »ereinigt pefe, anpatt »om Köljlenftoff »erjefert gu werben, wie fcfeon bemerft, mit bem Sifen ober ben rotfeen Blutfügeldjen, welcfee« biefer glüffigfeit ifere feette rotfee garbe gibt. Diefer Jtjeit gefet in ben ottgemeinen Kreislauf über, unb wäferenb bas Blut burefe bie £aarrötjrdjen, befonbers in ber apaut unb nafee ber Dberfläefee beS Körpers getjt, pnbet, wie man annimmt, eine Bereinigung »on ©auerftoff unb Kofelenpoff ftatt, wobei mefer ober weniger apirie ftcfe entwidelt. SBir wiffen, baß bos Blut fein feeurotfe.es Slusfefeen oertiert, unb baß biefer SBedjfel in ben apaorgefäßen Pattpnbet, wo e« au« arterieüem in »enöfe« Blut pcfe »erwanbelt. ©onaefe mut) e« feinen ©auerftoff feergeben, unb ber »emünftigfte ©efetuß fefeeint gu fein, baß berfelbe »erwanbt wirb, um ben Kofetenftoff, ben er feier trifft, gu oergeferen. Sinige Ijaben gemeint, baß bie tfeierifefee SBärme in gewiffem ©rabe bem Steroen* einpuffe gu »erbanfen ift. SBenn wir unter Ster»eneinfluß bie Sleftrigüät be« Dr* gaitismuö oerftefjen, fo mag e« in gewiffem SJtaße watjr fein. S« mag fein, baß bie Sleftrigüät bi« gu einem gewiffen ©rabe SBärme ergeugt; »ietteiefet bient fie, wie ein gunfe bagu, um bas geuer gu günben; benn wir wiffen, baß ©auerftoff unb Kofelenpoff nicfet »on pcfe felbft pcfe entgünben, baß pe nicfet anfangen wollen gu brennen, mit onberen SBorten, baß pe pcfe nicfet »ereinigen im Berbrennungöprogeffe, ofene erp erregt ober entloben gu werben burefe einen gunfen, wotjer biefer auefe. fom* men möge. Sleftrigüät tfeut bas. Unb es ift mögtiefe, baß ein beftänbiger gluß »on Sleftrigüät, baß gunfen nötfeig pnb, um bie Berbrennung fortgufetsen. geuer brennt weber im SBaffer nocfe in einer anberen glüfpgfeit; bodj gefdjiefet bie« Brennen be« Kofelenftoffe« im Blute, weldje« eine wäfferige glüfpgfeit ift, 948 Slnatomie. $tj»fiologieunb ©efunbfeeitsregeln. Könnte e« nictjt fein, baß bie tfeierifcfee Sleftrigüät, biefe« fonberbare geuer, biefe Berbrennung »on Kofelenpoff unb ©auerpoff im Blute im ©ange erbält? SBenn wir gugefeen, baß ba« SteroenfoPem bie Duette ber Slefrigität fei, unb baß bie Ster« »en ifere Seiler feien, nur bann fönnen wir fagen, baß bie tfeierifcfee SBärme »on ben Steroen beeinflußt wirb. si Im p t p 11 d tt. Bei ber Befdjreibuttg be« $rogeffe« ber Berbauung featte id) ©elegenfeeit »on ber Slbforption be« Sljolu« au« bem 3wölfpngerbarm unb ben bünnen Därmen gu fpre* cfeen, ebenfo auefe »on ber Jfeatfacfee, baß atte glüfpgfeiten, bie in bett SJtagen auf* genommen werben, obforbirt werben müßten, efee bie Berbauung pattfänbe. Xiefe ^rogeffe gefeen mittelft gewiffer ©efäße, bie bagu bepimmt pnb, »or pcfe, bie man SJtitcfe* ober lompfeartfdje ©efäße nennt, unb bie fdjon befefertebert worben pnb. Ss gibt jebod) nodj einen anbeten Stbforptionsprogeß, ber im gangen DrganiSmuS »or pefe gefet, unb in Begug auf benfelben wirb es gwedmäßig fein, etwas gu fagen. Unter ber Slbforption »erpefet man bie Sntfernung, bas Sinfougen unb Slufnetj* meit »oit irgenb einem ©toffe, weldjer mü bem Körper ober irgenb einem Jfeeile bef* felben in Berüferung fommt, fei es auf ber Dfeerpädje ber Sungen, ober im SJtagen unb in ben Singeweibeit, weltfeeS gefefeiefet burefe bie fogenannten Slbforbenten, wln« gige ©efäße, bie burefe ben gangen DrganiSmu« »erfereitet pnb, unb welcfee gleidjfam Wie eine Brut feungriger, raubgieriger, Heiner Jfeierdjen tjanbeln. ©ie faugen SlüeS auf, was ifenen in ben SBeg lommt, wenn pe fönnen, ob es fcfeäblicfe ober wofeltfeatig, giftig ober gefunb fei; unb bo pe iferen Snfealt gerabegu in bie Benen ergießen, fo wirb bas Blut, »erftefet pefe, auf biefe SBeife »ergiftet uub Kranffeeit unb nicfet feiten Job ift bie golge. ©epütjt auf biefes $ringip ber Slbforption, wenbet man oft SJtebiginen ouf ber Dberfläefee bes Körpers on, wenn pe nicfet innerlicfe genommen werben fönnen. Sn folefeen gätten wirb bie Dfeertjaut guerp burefe. Blafenpflaper entfernt, ba fonp bie Slbforption nicfet fo fefenett pattpnbet. Doefe wiffen wir, baß ße in gewiffem ©rabe felbp ofene Sntfernung ber Dberfeaut ftattfeat. Dies wirb bewiefen burefe bie Jfeatfacfee, baß Durp burefe. Baben be« Körper« in SBaffer »erminbert werben fann, unb baß man fogar apunger bi« gu einem gewiffen ©rabe burefe Slnwenbung »on noferfeaften glüfpgfeiten an ber Dberfläefee piüen fann. ©djiffer wiffen bies unb laffen pcfe, in gäüen außerorbentliefeen DurfteS unb SJtongels an frifefeem SBaffer, in bas SJteerwaffer nieber, woburcfe bas Blut mittelft beS eingefogenen ober burefe bie baut abforbirten SBafferS feintänglicfe »erbünnt wirb, um brennenben Dürft bebeu* tenb gu piüen. Slber im Slügemeinen pnbet bie Slbforption burefe bie Cberfeaut nicfet in einem merftidjen ©rabe ftatt uub waferfefeeinlicfe. nur, wie beim Baben, wo ber Körper lange genug im SBaffer bleiben fonn, um bie Dfeertjaut tjlnretcrjenb gu erroei« eben, bamit ein Sinbringeit ermöglicht wirb, bie fonp nicfet ftattpnben fonnte. Sit galten oon ©efenittwunben unb Slfefcfeaben ber apaut follte man febr »orßcfetig feiu, ntdjt mit giftigen ©ubpanjen in Berüferung gu fommen. Srnpiidje gäüe »on Slnatomie, 9>r) »ft ologie uub ©e fit itb tj ei t « r eg el tt. 949 Bergiftung, ja Job pnb ouf biefe SBeife eingetreten, ©tubenten ber SJtebigin wer* ben guweilen baburdj oergiftet, baß fie pcfe ftfeneiben, wäferenb pe tobte Körper ger* gliebern, unb bann unb wann begegnet berfelbe Unfall Seuten, wenn pe tobte Jtjiete abfeäuten. 3n gäulniß übergegangene« gleifdj ift ©ift, unb wenn biefe« ©ift, wie gering bie Duontität audj fei, in Berüferung mit irgenb einem Jfeeile be« Körper«, »on weldjem bie Dfeerljaut entfernt ip, ober mit einem ©djnitt ober einer SBunbe gebraefet wirb, fo wirb e« fogteiefe »on ben abforbirenben ©efäßen aufgenommen unb in'« Blut gefüfert, unb ba« Snbiüibuum ip »ergiftet, ©otefee ©ifte pnb gewöfenlicfe töbtliefe. Stoefe biefem $ringip wirft bas ©ift ber ©djlangen unb anberer giftigen friecfeenbeit Jfeiere. Begetabilifcfee unb minerolifcfee ©ifte wirfen ouf biefelbe SBeife. SJtan fann nicfet gu forgfom in Begug feierauf fein. Das feouptfäefetiefefte SJtebium aber, burefe welcfee« frembe ©toffe unb Slgentiett »on bem Organismus obforbirt werben, fmb bie Sungen. Berfefeiebene ©ifte, Dämpfe uttb anbere fcfeäblicfee ©toffe unb ©afe, wetdje in ber Suft fefewefeen, werben beim Sttfemen in bie Sungen aufgenommen unb mitteip ber Slbforption in bas Blut unb beu Körper im Slllgemeinen eingeführt. Die Slbforption burdj bie Sungen ift fefer fefenett unb fräftig. S« ift eine wofelbefannte Jfeatfacfee unb wieberfeolt burefe Srpe* rtmente' bewiefen worben, baß wenn Seute einige SJtinuten lang bie Dämpfe beö Serpentin« atfemen, e« in bem Blute unb ben anberen glüfpgfeiten be« Körpers in fefer furger 3eü uaefefeer entbedt werben fann. Der Dampf ber Bl«ufäure bringt beinafee augenblidiicfeen Job, wenn er in bie Sungen etngeatfemet wirb. Sluf bie* felbe SBeife ttjeitett pcfe onpedenbe Kranftjeiten mit, wie bie Blattern. Die« erflärt ben Urfprung oon fo »ielen Kranffeeiten, beren Urfadjen nicfet fo leicfet erfannt wer* ben, unb wirb un« auefe geigen, warum unb wie e« fommt, baß fo »iele Kranffeeiten in Käufern pcfe pnben, bie »on »ielen Seuten feewofent werben, fowie in ©täbten unb ©traßen, in benen wenig reine Suft girfulirt, unb wo man Mott) unb ©djmufc unb »erwefenbe ©egenpänbe pdj auffeäufen läßt. Sluefe wirb c« bie gieber unb SBecfe* felftefeer neuer Sauber unb fumppger ©egenben erflären. Die SJtolaria ober ba« @umpfmia«ma, weldje« »on ben SJtoräpen in feeißem SBetter aufpeigt unb »on »er* wefenben »egetabiiifdjen ©toffeit, fefewängert bie Suft, wirb mit bem Sltfeem gugleicfe in bie Sungen aufgenommen, »on bem Blute obforbirt unb oerbreitet pdj burd) ben DrganiSmuS, bi« e« pcfe in folefeer SJtenge anfeäuft, baß e« falte« gieber ober anbere gieber, ober irgenb eine anbere Kranffeeit ergeugt. Diefe miosmotifdjen ©ifte unb töbttidjen ©afe fönnen SBodjen, felbft SJtonote lang im Körper bleiben, efee pe ifere SBirfung offenbaren; unb baljer fommt es, boß manefee Kranffeeiten anberenUrfo* cfeen, ober irgenb einer unbefaimtett Urfacfee gugefeferiebett werben, welcfee benfelben aüeitt gur ©djulb fotten. SBenn wir wunfefeen, nit« einer guten ©efunbbeit gu erfreuen, fo muffen wir lernen, bie geinbe ber ©efunbfeeit gu meiben. SBir muffen reine Suft fuefeen unb, in ben fjeißeit 3atjre«geüen wettigPen«, morapige Dertlidjfeiten unb fotfeige ©traßen unb ©täbte »ermeiben. SBenn wir aber bie feanbgreiflldjPeit ©efunbfeeit«regetit außer Slcfet fetien unb franf werben, fo fottten wir bie ©cfeulb nicfet einer weifen Bor* fefeung feeimeffen ober eilt graufame« ©djidfal anflogen, fonbern unfere eigene Unwiffentjeit unb Unbefonttettfeeü erfennen, weil wir @efe£e »erlernen, bie wir »er* ßefeen unb beneit wir gefeordjen fottten. SBenn nictjt bie ©ifte, welcfee in ber Suft, bie wir atfemen ftcfe. feepnbeit, bie Suftgetten ber Sungett burefebringen unb in bo« 9o0 Slnatomie, $l)öftotogle unb ©efunb fe, ei t« r egcl n. Blut bringen fönnten, bann würbe auefe ber ©auerpoff ber Suft bie« nidjt fönnen, unb ba« Blut fonnte fomit nidjt oon feinem Kofelenpoffe gereinigt, es tonnte tii tfeierifcfee SBärme nidjt ergeugt werben, unb wir würben balb in golge oon unrei- nem Blute ober oon ber Sinwirtung ber Kälte Perben. ©o ebenfall«, wenn bie abforbirenben ©efäße ber apout unb anbere ©teilen bie giftigen ©toffe, mit benen pe in Berüferung fommen, nidjt oufnefemen unb in ba« Blut füferen würben, bann fönnten pe audj in gleicfeer SBeife nicfet bett Slbgang unb bie ungefunbe SJtaterie be« Körpers entfernen, unb berfelbe würbe balb in gäulniß übergefeen unb auf bie fdjredliefepe SBeife pdj auflöfen. Sitte biefe gunftionen unb ©efefce, benen unfere pfeopfcfee Statur unterworfen ip, feaben bie weifepen ßwede — pnb in ber Jfeat wefenttid) für unfere Sripeng, unb eS ip unfere feeilige $flidjt, nnS mit benfelben befannt gu macfeen. Sitte @efe£e ber Statur, ob pfeopfcfe ober organifcfe, ftefeen unbeugfam feft, unb ifere Beriefjung ober Stiefetberüdfiefetigung wirb pcfeerlicfe ange« meffene ©träfe nocfe pdj giefeen. ©ie feaben feine Stacfepcfet für Beweggrünbe ober Unwiffenfeeit, fonbern wirfen ouf Sitte gleidj, feien fte weife ober unwiffenb. Vßetfpitation — 3iu$büufhmtfe bi« fünf Slcfetel oon Slüem, wo« wir effen unb trinfen, burd) biefe $oren ol« SluSbünpung baoongefet. Sitte ^feoßologen pimmen barin über« eitt, baß oon gwangig bis oiergig Ungen an ©toff— breißig Ungen im Durdjfdjnttt — jebe oier unb gwangig ©tunben burefe bie apaut eines gefunben erwaefefenen 3nbl« »ibuumS baoongefet. Sin großer Jheil biefes SluSbünpungspoffes bepefet aus ben »er* wepeit unb Sluswurfsftoffen bes Körpers, weldje burdj bie Slbforptionsgefäße in ben Blutumlauf gebrungen finb unb burdj bie ©efemeißbrüfen baoon ausgefefeieben werben. SBie wir an einem anberen Drte angefüfert tjaben, bringt bie beftänbige Slbnujjung be« SJtaterial« ber oerfefeiebenen (Bewebe be« Körper« eine große SJtenge untauglidjen ©toffe« gufammen, welcfeer gänglicfe ober beinafee gänglicfe aus bem Blute unb bem Körper auf biefe SBeife ausgefefeieben wirb. Slußer bem oerbrouefeten SJtaterial be« Körper« gibt eS oft anbere irritirenbe unb giftige ©toffe, weldje nur burdj bie SluSbünpung ou« bem Körper entfernt werben fönnen. Sdj tjabe fdjon an bem geeigneten Drte au«einanbergefejjt, welefeen Sauf Sitte«, was In ben SJtagen fommt, in feinem Durcfegange burdj ben Körper nimmt. glüfpgfeiten werben obforbirt unb gefeen bireft in ba« Blut über, gepe Körper werben ber Berbauung unterworfen unb gefeen bann in ben 3toölfpngerbarm unb in bie Sittgeweibe, oott wo Sitte«, wos in einen fealbflüfftgen 3uP<*>ü> »erfejjt werben fann, in ©eftalt be« Sfeolus burefe bie SJtilcfegefäße unb ben tfeoracifdjen ©ang in ba« Blut übergeführt wirb. SBenn bafeer giftige ©ubpangen in ben SJtagen fom* men, fo werben pe, wenn nidjt burd) Srbreefeen (»erurfadjt burefe ba« ©ift felbp, ober mitteip etwo«, ba« bagegen eingenommen wirb) ober burefe fünpiidje SJtittel entfernt, in ba« Blut unb bamit in ben DrganiSmuS treten: nämlidj burdj bie SlbforptionS* ober bie SJtitefegefäße. gepe, wie flüfftge ©ifte fommen fonactj gewöfen- licfe burefe ben SJtunb unb ben SJtagen in ben Körper, wäferenb giftige Dünpe, SJtiaSmen unb gasartige ©toffe burefe bie Sungen mitteip ber Slbforption bireft in bas Blut geljen, wie guoor auseinanbergefelü worben ip. Ss ip gu »ermutfeen, baß jeben Jag mefer ober weniger ©ift burefe bas eine ober anbere SJtebium in ben Kör- per aufgenommen wirb. S« »ergeljt wafjrfdjeinücfe nicfet ein Jag ober eine Staefet, baß wir mit ber Suft, bie wir atfemen, nidjt mefer ober weniger Unreinigfeiten ein- giefeen. Sn ©täbten unb in mandjett Dipriften auf bem Sanbe,, befonber« in war- mem SBetter, bilben pdj immer metjr ober weniger tfeierifcfee unb »egetabilifdje Slu«bünpungen, unb giftige ©afe werben ber Suft mitgetfeeilt. Unb wir fönnen nicfet gweifeln, baß wir oft reigenbe unb giftige ©ubpangen mit unferer ©peife in ben SJtagen oufnefemen, unferer SJtebiginen nicfet gu gebenfen. Sitte folefee fcfeäblidjen Slgentieu fönnen, nacfebem pe einmal in ben Blutumlauf getreten, nur burefe bie bewunberungswertfeen SluöfüferungSgänge bes Blutes, bie SluSbünpungSgänge, au« bem Körper fortgefefeafft werben. Durdj biefe feewunberungswürbige Borfeferung ber Statur werben bie glüfpgfeiten gereinigt, unb frembartiger ©toff wirb aus bem Körper entfernt, fonp würbe ©djwädje, ©iedjttjum unb allgemeine Unorbnung ber 2cben«mafd)ine rafdj erfolgen. Slnatomie, $ tjoftologte nitb ©efuttbljeitöregeltt. 953 Sin anberer Stufen be« Slu«bünpung«progeffe« bepefet barin, bie Jemperatur be« Körper« gu reguliren. SBie wir gegeigt feaben, wirb SBärme im DrganiSmu« mit- teip einer Slrt Berbrennung ergeugt, bie aus ber Bereinigung oon ©auerpoff unb Kofelenpoff erfolgt. Da biefe Berbrennung feinreiefeenb ip, in bem fälteften SBetter bie SBärme be« Körper« auf ungefäfer feunbert ©rab gu erfeatten, fo tp e« flar, baß, gäbe e« nidjt eine Borfeferung gur Sntmeidjung berfelben im gatte eine« UeberfdjuffeS, fo würbe es uns im ©ommer gu warm fein; in ber Jfeat würbe es uns attegeü gu warm fein, unb wir würben balb oon ferennenbem gieber aufgegefert werben. Sine große Duontität oon SBärme entwetd) t aus bem Körper mitteip ber SluSbünpung, inbem pe burefe bie $oreit ber apaut mit berfelben fortgefet; in ber Jfeat ip bieS ifer natürlicher Slusweg, uitb pe entweidjt um fo fdjnetter, als pe im Uebermoß oorfean* ben ip, wenn bie SluSbünpungSorgane pdj in gefuubem 3uPoren oerftopft. Slber eine« ber beften apeilmittel in gieberonfätten ift bie feobropatfeifdje Befeanblung ober ein naffe« Judj. Da« falte SBaffer obforbirt bie SBärme auf ber Dberfläefee, erfefetafft bte baut, öffnet bie Sporen, reigt bie apautbrüfen unb bewirft $erfpiration fcfenetter, pdjerer unb »iel- leidjt beffer, als irgenb ein anbereS befannteS SJtittel. SBieberfeolteS Sinfefelagen In ein faltes, naffe« Judj, welcfee« jebe«mal eine ©tunbe bi« gu anbertfeolb ©tunben bauern foüte, furirt oft bie fdjtimmpen gäüe be« gewötjnlicfeen gieber«, unb biefeS SJtittel ip gugteidj ein einfadje«, bo e« bie aperftettung einer gefunben Jfeätigfeit ber Drgane ber SluSbünpung ergielt. 3m gieber, fagte idj, ift bie apaut fe; eiß unb troden, unb es gibt feine SluSbünpung. Saßt un« nuit für einen Slugenblid bie Urfacfee all1 biefer Stoffe unb ©törung in'« Sluge faffen. Sin tjauptfäcfetidjer Stufjen ber SluSbünftung ip bie Sluswerfung abge« nufüer unb ungefunber ©toffe unb giftiger ©ubpangen. Stun laßt eine ©todung ber SluSbünpung, gleiefyotel ou« weldjer Urfadje, eintreten, unb was wirb bie golge fein ? SBenn pe nur gering ip, fo mögeu unaitgenefeme ©efüfele folgen, Kopf« fefemerg, apupen »ietteidjt, ober e« fonn 3afenfdjmerg fein, ober StfeeumatiömuS mtt einer trodenen apout unb meljr ober weniger pefeerifefeen ©pmptomen. Da baS apinbemiß jebod) nidjt fefer groß ip, fo mag bie Statur es in einem ober gwei Jagen überwinben unb SltteS in feinem normalen 3uftanb wiebertjerftetten. Saßt uns fetjen, was erfolgt, wenn bie ©todung »ottftänbig ip unb einige 3eü long anfeält. SrP wirb otte »erborbene unb abgenutzte SJtaterie im Körper gurüdbefealten unb burd) ba« Blut jebem Jljeite be« Körper« mitgetfeeilt. Unb biefe fdjäblidjen ©toffe »er- metjren pdj fortwäferenb. Balb beginnen pe al« irritirenbe« ©ift gu wirfen. Die ©afte »erberfeen; bie SJcu«felpbem werbe« gereigt; bantt tritt allgemeine Sntgün- Slnatomie, $§ ofiolo gie unb ©efunbljeit« regeln. 955 bung ein. Dabei oermefert ftcfe bie Körperwärme, wetdje gleicfefom eingefperrt ip, unb mon lonu leicfet fefeen, wie fealb wir ein gieber tjaben fönnen. 3n folefeen gäüen mag bie Unterbrüdung ber SluSbünftung bie primäre ober apaupturfoefee ber Kranffeeit fein; benn ber gurüdgefe. ottene Stusmurfsftoff beS Körper« Wirb pcfe fealb als eine feinreiefeenbe näefefte ober erregenbe Urfocfye eine« faulen unb bösartigen gieberS, felbft oon ber otterfcfelimmften Slrt, feerauöftetten. SBenn bie Unterbrüdung anfeattenb unb oottpänbig ip, fann bie Kranffeeit ben Jopu« oon bem annefemeit, weldjes man bepänbig es gieber nennt, in weldjem gatte es leidjt mefer ober weniger bösartig in feinem Stjarafter ip. ©ottte e« jebocfe; bie gorm be« SBecfefelpeber« annehmen, bann wirb oon 3eü gu 3eü ein Scacfetaffen unb SluSbünftung eintreten, wäferenb welcfeer 3eü eine'feinreiefeenbe SJtenge auSgenü^ten ©toffe« aus bem Körper entfernt werben fann, fo baß es oerfeütet wirb, baß bie Kranffeeit ben Sfearofter ber gäulniß onnimmmt. Diefe SluSbünftung — in ber 3wifcfeengeü — ip nicfet ein natürlicfeer unb gefünber $rogeß, obgleicfe er waferfefeeittlicfe ben Körper oott oielet fdjöblicfeen SJtaterie befreit, fonbern ip efeer bie SBirfung oon ©cfewäcfee unb bie Srfcfeiaffung, welcfee naefe. ber Slufregung, bie burefe. bas gieber entftonben ift, folgt. Slber weiter: in gewiffen ©egenben unb gu gewiffen SatjreSgeüen, befonber« in feeißem SBetter, ip bie Suft meljr ober weniger mü SJtataria angefüllt, unb oietteidjt mit onberen giftigen ©ofen. ©efetjt, ber SluSbünftungSprogeß würbe gu folefeen 3eüen unterferoefeen ober oufgefeoben, bann werben alle fcfeäbliefe.eit ©toffe, bie mit- telft ber Sungen obforbirt werben, in bem Körper gurüdgetjalten, unb bie waferfetjein* Iicfee golge wirb falte« gieber feilt. Du wirft fragen: tjaben wir nie bo« falte gieber, es fei benn, boß bie SluSbünpung unterbrodjett ift ? 3$ beule bocfe. Slber waferfefeetnlidj wirft in ben meiften gätten wenigften« bie Unterbreefeung ber SluS- bünpung als unmittelbare Urfacfee feiner Sntwidelung. Die Slbforption ber Sun- gen ober bie Sinfaugung oon ©afen mittelft berfelfeeit ip bebeutenb ; unb e« gibt ofene 3weifel ßeiten in ftorf oerpefteten ©egenben, wenn ber Körper mefer ©ift auf* nimmt, als bie baut ausbünften fann, in welcfeem gatte, wenn Semanb längere 3eit in ber oerpefteten ©egenb bleibt, baS ©ift pefe anfeäuft unb bie Kranffeeit ftcfe entwidelt, troti Slüem, was bie Statur tfeun fann, bie« gu »ertjütett. Die« gilt mefer oon Seuten, bei welefeen bie Stefpirationöfäfeigfeü fcfe.wacfe ip, ober beren apaut in einem ungefunben 3uftanbe fiefe bepnbet. Sn folefeen gätten, wenn ber Körper fcfeon im Uebermoß mit bem giefeergift angefüttt tp, fann eine plö^iicfee apemmung be« natürlicfe. eit unb eingigen ^rogeffe«, meldjeHfem einen 31u«weg gewäfert — mag ße-einfaefe feerrüferen oon naffen güßen, »om ©üien im Suftguge, »om 31u«gefet3tfein ber Stacfetiuft, oom Slufentfealt in einem falten, feucfeten 3immer unb oon irgenb foup etwa«, ba« Unterbrüduttg ber ^erfpirattoit oerurfoefet — fofort bie Kranffeeit entwideln SBentt bie Seute gehörig unb »erftänbigerweife auf biefe gunftion be« Körper«, biefen wicfetige« Srfeolter ber ©efunbtjeit, aefeten wottten, bann würben fte feiten bo« falte gieber befommett uub fönnten auefe manche attbere Kranffeeiten »ermeiben. SJtan ftnbet feiten Semanb, ber ba« falte gieber feat, beffen $erfpiration«f»pem in einem tfeätigen, gefunben 3nftanbe pcfe. bepnbet - in anberen SBorten, ber reia> SiL^a« falte gieber tp triefet bie eittgige Befcfemerbe, bie oott gehemmter Slu«bün- ftuttg |errüfe.rt. S« gibt mandje anbere Kranfbeiten, weldje oft burd) bie Unter- 956 Slnatomie, ^Ijoftologle unb ©efu nbfe; elt«regeln. brüdung biefer gunftion enrpetjen — g. B. Durdfott, rotfee Stufer, Stfeeumotismus Kongeftion unb Sntgünbuitg innerer Drgone, Slu«geferung unb Kronffeeiten bet Sungen unb ber Kefele, Steurolgie unb bergieiefeen, je nadjbem ber DrganiSmu« Steigung für bie eine ober bie anbere Kranffeeit jeweilig tjaben mag. Die apaut fottte immer, wo möglidj, in gefunbem 3upanbe erfealten wetben, unb fobalb wir baljer entbeden, baß ou« irgenb welcfeer Urfacfee ifere gunftionen itt Un- orbnung gefommen ober ausgefegt pnb, fottten wir feine ßtit oerlieren, gu ben geeigneten SJtitteln unfere 3nfludjt gu netjmen, bie nottjwenbig fmb, bas apinberniß gu überwinben unb gu befeitigen, unb eine freie, gefunbe Jtjätigfeü feeroorgurufen. Seute aefeten guweilen üerfdjiebene Jage, ia eine gange SBodje nicfet barauf, baß bie ^erfpiration unterbrüdt tp; eben fo wenig ttjun pe etwas, wenn ©omptome eines gieberonfottes, ober einer anberen Kranffeeit, pdj geigen. 3fere unangetiefemen ©efütjle fagen ifenen, boß pe nicfet wofel pnb ; pe füfelen, baß pe burdjaus nidjt fefewitjeit, ober bodj nur fetjr wenig ; itjre apout ip meiftenS troden unb raufe, »iel* leicfet ftettt ftcfe »on 3eÜ gu 3"! ein Sinfatt oon apt^e eilt — bis pe enbliefe ber Kranffeeit erliegen, apätten pe im Slnfange, ober wätjrenb ber erpen ©tabiett bes Uebels, »on einfachen SJiüteln ©ebrauefe gemaefet, als ein naffes Betttucfe, ein Dampfbab, ober eineit guten fünptidjett ©djweiß mittelft warmen JfeeeS feeroorge* rufeu, in feartnädigen gätten ein S o b e 1 i a*Bred)mütel angewanbt, fo würben pe pdj eine lange Kranfljeit unb oietteiefet eine lange Doftor=Steetjnung erfpart feoben. S« gefet nidjt« barüber, bie 3eü in folefeen gätten nicfet gu »erpaffen. Bebenft, baß ba« ©ift, welcfee« bie aperbftfteber uub ba« falte gieber unfere« SBeftenS ergeugt, burd) bie Sungen in ben Körper fommt unb burefe bie ^orett ber apaut feerausfom* men muß, wenn es überfeaupt tjerausfommt. SBenn man biefen Slusweg nur auf furge 3*it »erftopft, fo wirb faltes gieber, SBeefefelßeber ober irgenb eine anbere Kranffeeit, für weiefee gur3eü Steigung »ortjanben ift, folgen, apolte bie SluSgäng« ber apaut offen, unb bu wirft bir beine ©efunbtjeit bewahren. SSaben aU Wtittel bet ©efunMjeit. SBir Ijaben gefefeen, wie widjtig r*icfe(idje SluSbüupung in Begug ouf bie ©efunb-- Ijeü ip. ßu ben SJtitteln, bie om beften borouf bereefenet finb, biefe gunftion gu beförbern, ift tjäupgeö Baben gu redjnen. Stemlidjfeü be« Körper« ip eine bet nottjwenbigen Bebingungen ber ©efunbfeeit, weil pe für einen gefunben 3upanb ber apout unb folglidj oudj ber SluSbünpungSorgone wefentlicfe ip. JäglicfeeS Baben gu otten 3eüen be« Safere«, iit einer ober ber anberen gorm, muß bringenb empfofelen werben ; allein wätjrenb be« warmen SBetter« fottte man e« gang befon- ber« preng beobaetjten. Da« SBaffer mag warm, fatt ober lau fein, je naefe ber 3eü, ober wie Semanb e« »orgiefet. Slber al« ottgemeine Siegel fottte ba« SJtorgen* bab attgeit falt ober füfel fein ; wätjrenb bo« warme unb laue Bab Slbenb« »orgugie- ben ip — abgenommen in außerorbentlid) tjeißem SBetter, wo ba« eine ober ba« anbere gebraudjt werben lann. Da« ©djwammoab. — ^n allen gewötjnlidjen gätten fann ba« ©djwamtnbab Slnatomie, $t)»flologie unb ©efunbljeit«regeln. 957 wegen feiner Sinfadjfeeit empfofelen werben, unb weil man eS pdj leidjt gu allen 3eüen unb an allen Drteit »erfdjafftn fantt. S« feeftefet einfadj barin, ben Körper aüentfealben mit einem ©cfewamme ober Judje ober audj mü ber bloßen apanb gu wafcfeeit, bann gu trodnen unb bie Dfeerflädje mit einem aponbtudje tüctjtig gu reiben. Steibung auf ber apaut tp ein wefenttidjer Jfeeil be« ^rogeffeö uub fottte beim SBafdjen fowofel, als nadjtjer beim Jrodnen ber Dberfläefee grünblid) ongewanbt werben. Ss ip auefe nottjwenbig, baß man umnittelbar nadj bem Slngietjen pcfe in ber freien Suft auf furge 3eü Bewegung macfee, wenn bie Umftänbe e« nur irgenb gepatten. Stiemonb, außer fefer fefewadjen Seuten, fottte man ertauben, unmittel* ' bar naefe bem Baben gu Bette gu gefeen. Die Bewegung fann entweber ouf bem 3immer ober broußen, wenn ba« SBetter günftig ift, gefdjefeen, wie e« einem am bepen paßt. Kalte Stbwafdjungen biefer Slrt fmb für otte perfonen angemeffen, wie auefe iljre Konftitution befefeaffen fein möge, ©ie pnb wofeltfeatig für grauen, Kinber, Seute »on feofeem Sitter, ober folefee, bie eine fdjwadje ©efunbfeeit unb fdjwadje Konftitution feaben. ©ie fräftigen ben Körper, geben ber apout unb ben Drganen ber SluSbün* pung ©pannfraft, beförbern bie SluSfcfeeibuitgeit unb Slbfonberungen, bewirten gleicfemäßigen Umlauf be« Blute« unb befreien un« »on örttidjen Kongeptonett (Blutanbrong). SJtottcfee fdjwadje Konftitutiott ift »e-rfeältnißmäßig gefunb unb ßarf geworben burefe fortgefefcten ©ebrauefe berfelben. ©ie fe. oben audj eineit wotjl- tfeueitbeit Sinfluß ouf ©eip unb Berpanb. 3n faltem SBetter mag man ba« 3immer, in wetdjem ba« Baben »or pdj getjt, für fränftiefee unb fdjwäefeliefee perfonen ein wenig erwärmen, um bie ©efafer ber Srfältung gu oerfeüten; attein für Seute, bie feinreidjenb gefunb pnb, um bie Dpe* ration fefenett burefegumaefeen, unb bie foglcidj naefefeer pcfe bewegen fönnen, foüte bie« nicfet gefdjefeen. 3m Slügemeinen ift ein faltes 3immer einem warmen »orgu* giefeeit, unb jebenfatts bann, wen« bie perfon unmittelbar aus bem 3immer in bie freie Suft tritt. Da« ©efeauerbab. — SBenn e« pcfe ttjun läßt, tp ba« ©cfe ouerbob eine »or- trefpiefee ©aefee — »erpefet pcfe, wenn gefeörige Steibung unb Uebung barauf folgt. Der SJtorgen ip waferfcfeeinUcfe bie bepe 3eü, e« gu nefemen. S« ift nötfeig, b, ß man einen Kaften ober einen Slpparot, ber auSbrüdlidj für ben ßwed gemadjt ip, feabe. Die meiften meiner Sefer werben fdjon wiffen, wie ein fotefeer Slpparatuö gemaefet werben fottte. Ss ip genügettb, feier gu fagen, baß er wefentlicfe ou« einer Sittridjtung bepefet, woburcfe. mon ba« SBaffer in »ielen ©trömen gu berfelben 3eü auf ben Körper fallen läßt, unb pe ip bepo beffer, je größer bie gläefee tp, worauf ße faüen. ©ewöfenlicfe. pnb biefe Bäber fo gebaut, baß bie ©trafelen fettfreefet fal- len unb nur ben Kopf unb bie ©cfeultem treffen. Slber guweilen feaben pe bleierne Stöferen, bie an ber inneren ©eite be« Kapen« pefe bepnben, ungefäfer wie ber ©eferaubengang einer SDeftiUirgeratt)fct)aft, welcfee burdjlöcfeert finb, burefe weldje bo« SBaffer tjorigontal feeroorfpringt, fo baß e« ben Körper von allen ©eiteit trifft, wäferenb e« auf ben Kopf unb bie ©djultern »ott oben feerafe fällt. Diefe Stnorb* nung ip, »erpefet pcfe, bie ootipänbigere; ober bie gewöfenlicfee Sinricfe.tung ip Xjin* reiefeenb.' Der Kaften fottte groß genug fein, boß man aufrecfet barin peljen fann, unb baß bocfe. -nocfe. ba« SBoffer einer ober gwei guß ouf ben Kopf fe.erabfättt, Sluf bem oberen Snbe beö Kapen« ntaj eine große 3itmfd)ale ober ei« ©efäß pefe>n, 958 Slnatomie, $fe»fiotogte unb ©efunbt)eit«regeln. beffen Boben mit fleinen Södjem »erfefeen tp. apier Ijinein fottte bo« SBaffer aue eiuem Simer »on einem ©etjülfen gegeffen, ober es fottte aus einem Befealter »on oben feineingeleitet werben. Das Bab bepefet aus bem, was ber Stome aiibeutet — aus einem ©efeauerbabe; eS genügt, bieS in irgenb einer SBeife feergupeüen. SBo feine befferen SJtittel gur apattb Pub, genügt es, baß 3emanb auf einem ©tutjle pefet obtr fo plagirt ip, baß bas SBaffer auf ben Babenben mit einer gewöfenficfeen ©ießfanne, Weiefee bie ©teüe einer »oüfommenen SJtafcfeine fetjr gut »ertritt, gegoffen wirb. Die SBofeltfeat beS ©djauerbobeS beftetjt feauptfäcfelicfe in bem SlnpraO unb ber borouf erfolgenben Stüdwirfung, welcfee es auf bas SteroenfoPem unb auf bie baut* orgone ausübt, woburdj ifere Jfeätigfeit erfeöfet, bie 31b* unb Slusfonberung geför- bert unb bie gonge Sebenstfeätigteit mefer ober weniger untcrpüfct wirb. Um ben »ollen Stuijen aus bem Babe gu giefeen, muß baö SBaffer falt fein. Sine fealbe SJti* nute biö eine ober gwei SJtinuten, je nadj ber ©röße unb Kraft ber ©trömdjen, iß lange genug im ©efeauerbabe. Kinber unb fdjwädjlicfee perfonen fottten an ba« falte SBaffer biefer Bäber baburefe gewöfent werben, baß pe guerp laue« ober ein wenig füfele« SBaffer nefemen unb e« attmälig mit tälterem »ertaufdjen, bis fie im ©tanbe pnb, e« bei ber fälteften Jemperatur au«gut)alten. Der Slpparatu« gu einem ©efeauerbabe fann, al« etwa« Bortrefpicfee«, jeber ga- milie empfofelen werben. S« ift nicfet nur ein Srfeolter ber ©efunbfeeit, fonbern e« ip ebenfatt« wertfeoott al« apeilmiitet bei ber Befeanblung monefeer Kranffeeiten. Da« »olle Bab. — Die« bepefet in bem Sintoucfeen be« gongen Körper« in SBaffer. gür biefen ßwed ip ein ßubex, gaß ober eine Babewanne notfewenbig, wetdje« atte« groß genug fein fottte, um ben gangen Körper oufgunefemen, unb geräumig genug, um greifeeit ber Bewegung gu gepotten. Da« SBaffer fann warm, lau ober falt feitt, beit Umftänben gemäß. Slbenb« fottte e« lau ober warm fein; unb man fann eine fealbe ©tunbe im Babe »erweilen. SBenn man falte« SBaffer braudjt, fo ip e« notfewenbig, ben Körper baburdj bagu »orgubereiten, boß mon ben Kopf uitb Stoden mit faltem SBaffer wäfdjt, unb bann bie ©djultern unb bie Brup. Die« in ber Jfeat ip gwedmäßig in aüen gäüen, wo Man in faltem SBaffer babet. Sin gu großer Drang bes Blutes nadj bem Kopfe unb nocfe widjtigen inneren Drganen wirb »ertjütet, wenn taS SBaffer mit ber gan- gen Dberfläefee be« Körper« in Berüferung fommt. SJton foüte nur furge 3eü in einem falten, »otten Babe bleiben. Die plöijlicfee Berüferung ber Kälte mit ber Dberfläefee treibt ba« Blut »on ben Heilten apaarröfer- cfeen ber apaut in bie größeren Blutgefäße, unb wenn man gu lange im falten SBaf- fer bleibt, wirb bas Blut nottjwenbig uacfe. mneren Drganen gufammenprömen, unb bieö wirb uoefetfeeiiige golgeit nadj pdj gieljeir. Die Sänge ber Bobegeit follte pcfe nodj ber Kälte beö SBafferS itnb bem 3upanbe ber perfon, bie babet, riefeten. Bon einer fjalfeeit SJtittute gu einer ober gwei SJtinuten wirb lang genug fein. Sine SJti* nute mag als mittlere 3eü betrachtet werben, unb wenn baö SBoffer fefer falt ip, genügt eine fealbe SJtinute. SBäferenb be« Babe« fottte man auefe, fo »iel man fann, bie ©lieber rüfjren unb pcfe felbft mit ber apanb reiben, ober mit einer Babebürße, ober fottte Semanb tjaben, ber e« für un« tfeut. ©obalb man ba« Bab »erläßt, follte man fefenett bett gangen Körper trodneit unb bann mit einem groben apanb- tuefee ober einer Bürpe tüctjtig reiben, um bie Steoftion gu beförbern. Ss ift am nepen, bo« Steibeit felbp gu tfeuit, ba e« bem gangen Körper Bewegung »erfdjafft. Slnatomie, «ptj o f t o lo g ie unb ©ef unbljev t«r egettt. 959 Stadj bem Slngietjen fottte man pdj im greien, wenn bie Umpänbe e« guloffeu, bewegen. Da« falte Bob tp wotjttfeätig in otten gätten, wo eine pariere Steaftion nöttjig ip, wo bie Körperwärme ungteicfe unb eine gleiefemäßige Bertljeilung berfelben notfewenbig tp; wo bie Drgane ber Slusfdjeibung gefräftigt werben muffen; wo ber Umlauf be« Blute« nadj ber Dberflädje gu beförbert werbeit fottte, um »erborbene SJtaterie au« bem Körper gu fefeeiben, unb wo bie baut in einem ungefunben ßu* panbe pcfe bepnbet. S« muß jebocfe, »ermieben werben bei Kongeftionen uub Snt- günbuitgett widjtiger innerer Drgane, hti atten Kranffeeiten ber Brup, bei Slffeftto* nett be« ©efeirn«, wenn eilt Slnbrang be« Blute« nodj bem Kopfe pattpnbet, bei »ottblütigen Seuten unb wenn eine feeftige Slufregung ober Srfdjütterung pdj leidjt nacfetljeilig erweifen würbe. Sn atten folefeen gätten fottte man ba« warme ober bas laue Bob anwenben, unb bie« fann nicfet nur mü ©idjertjeü, fonbern oft mit großem Bortfeeile gefdjetjen. Slußer obengenannten gibt e« oerfefeiebene anbere Slrten oon Bäbern, bie »orgug«* weife örtlidj ongewanbt werben, al« ba« Kopfbob, bas gußfeab, bas ©üifeab unb bergieiefeen, bie otte unter gewiffen Umpänben feöefep nü^tiefe pnb. Slber ba meine Bemerfungen ben ©ebraudj unb bie wofeltfeätigen SBirfungett feäußger Sibwafefeun* gen unb oftmaligen Baben« bartfeun fotten, um ouseinanber gu feiert, nocfe welcfeem springip bie äußerlicfee Slnwenbung beS SBafferS wirft, unb um bie Stotfemenbigfett uttb SBiefetigfeit berfelben bem Sefer onguempfefelen, fo ift es nictjt nöttjig, boß iefe iit eine betaittirte Befefereifeung ber »erfcfeiebenen Slrten »on Bäbern eingebe. Die brei Slrten, »on benen iefe gefproefeen tjabe, fefeließeit bie übrigen in pefe. ©ie alle wirfen mefer ober weniger nadj bemfelben $rtngipe, unb wenn fie in ber Befeanblung »on Kranffeeiten gebraudjt werben, bie »on örttiefeem Sfearofter pnb, fo foüte bie Slnwen- bung bes SBafferS audj örtüefe fein, unb umgefefert, wenn bie Kranffeeit allgemein tp, bann fottte ber gange Körper gefeabet werben. SBaS eine au«gebefeutere Sibtjanblung über ba« Baben betrifft unb ben ©ebraudj be« SBaffer« al« Heilmittel, fo »erweifen wir unfere Sefer ouf irgenb ein SBerf über „apobropatljie ober SBaffertjettfunbe," in weldjem berfelbe eine »otte Befefereifeung ber »erfcfeiebenen Slrten von Bäbern unb ber Slnwenbung be« SBaffer« mü befonberen Slnweifungen gur Befeanblung ber »erfcfeiebenen Kranftjeiten pnben wirb. Bei Slnwenbuug bes falten SBaffer« erinnere man pdj allemal baran, boß bo« Srpe unb SBidjtigPe tp — eine gute Steaftion, wie man e« nennt, tjeroorgubrmgen. Diefer 3uftanb äußert pdj burdj eine wadjfenbe apeiterfeü unb burdj ein fanfte« ©tüfeen ber Dberflädje be« Körper«. Um biefe« Srgebniß feer»orgubringen, muß ba« SBaffer falt fein, man muß ofene 3ögerung gu SBerfe gefeen, unb bie Steibung muß, wie es ber befonbere gatt erforbert, gefeörig ouögefüfert werben. SBenn bas falte'SBoffer guerp mü ber Haut in Berührung fommt, treibt es gewöfenlidj ba« Blut »on ben Jpaarröfe. refeengefäßen ttaefe bem SJtitteipunft be« Körper« gurüd. Slber bie« follte nur für ben Slugenblid ber gatt fein. Da« Blut foüte fefenett naefe. ber Dberfläefee gurüdfetjren tmb fottte eine 3unofjme an Ster»en* unb Umiauf«tfeätigfeü mit ftd) bringen, ©ottte ba« falte Bab bei atten Bemühungen eine blaffe apaut, UnluP unb ©cfelofffeeü unb meljr ober weniger gröpeln nadj pdj gieljen, pefet nicfet gu erwarten, baß e« oon Stufen tp, unb fottte eiugefteUt werben. 3« folgen gäüen, bie feltett fmb, wirb e« am feepett fein, laue« SBaffer anftatt füfele« SBaffer gu 960 Slnatomie, «p$ of iolog ie unb © ef unbfeeitsrege l n. gebrauchen, unb naefe unb nad) ben Kältegrab gu ertjöfeen, bi« bie Konpitution ßd) fo gebeffert fear, baß bo« fältefte SBaffer gebraucfet werben fann unb bte erwünfefete Steaftion tjinterläßt, wo« feöcfepen« nadj einigen SBocfeen Der gatt fein wirb. Snblidj, um ben oottett Stufen oom Baben irgenb einer Slrt unb oft überfeaupt irgenb weldjen Sturjett gu giefeen, ip e« notfewenbig, ein gewiffe« ©oßem babei ju befolgen. Sinige Seute fefeeinen gu glauben, pe fönnten ofene Unterfefeieb in warmem ober faltem SBaffer feabett unb gu irgenb einer Jageögeü, bie ifenen bequem ip. Da« tp ein Srrttjum. gür SJtanefeen würbe ein folet)' plaitlofe« Berfaferen metjr üble, als gute gotgen tjaben. gür bie SJteipen ip oietteiefet unmittelbar nad) bem Slufpcfeen be« SJtorgen« bie befte ßtit, um ein falte« ©efewamm* ober ©efeauerbab gu nefemen. Slber e« gibt Sinige, befonber« »iele grauengimmer, beren Konpitution gu fdjwadj ip, bie« gu tfeun. De« SJtorgen« ip ber DrganiSmu« in mattem unb weniger tfeä- tigem 3uponbe unb ip ttidjt fo gut im ©tanbe, eine gute Steaftion gu bewirten. Seute »on gorter Konpitution ober fefewacfeer ©efunbfeeit würben bafeer beffer tfeun, ba« Baben bi« gur SJtitte be« Bormittag« oufgufefeieben, gu welcfeer 3eü ber Körper gewöfenlidj am fräfttgften ip. Die Befolgung biefe« Statfee« feat oft gute grüdjte getragen. Da« Baben, wie atte anberen Berridjtungen be« Körper«, ip gewiffen ©efefcen unterworfen, unb e« ip unfere $pid)t, biefe ©efejje gu Pubiren unb ifenen gu gefeordjen. <&anitäU-3$otfn ber Bernunft unb SBiffenfdjaft ent- fpreefeenben Kranfenpflege ip nocfe nicfet reefet erfannt worben; benn fonp würben wir mefer Bücfeer Xjahen, bie biefen ©egenftanb befeanbeln, unb im ©angen mefer Slufmerffamteit auf eilte ©aefee geriet) tet fefeen, bie beinafee ober oielmefer gang fo Wicfetig ip, wie bie SBiffenfcfeaft ber SJtebigin felbp. Sin großer Jfeeil berjenigen Reiben, welcfee ber Kranfe erbulbet, unb bie gewöfenlicfe ol« nötfeige ©omptome (Sin* jetefeen) ber Kranffeeit betroefetet werben, follten, wenn bie SBaferfeeit befannt wäre, riefetiger ©pmptome ber ftfefeefeten Kranfenpflege genannt werben, benn ße pnb nur golgen ber Unwiffenfeeit auf ©eiten berjenigen, benen bie unmittelbare «Pflege *er Kranfen obliegt. Die haupturfocfee, ber Urquell aller pfeoßfcfeen Uebel itt ber SBelt, aller Kranffeeiten, ©efemergen unb Seiben ip bie Unfenntniß ber ®efe£e be« Sebens unb ber ©efunbfeeit. Darüber feerrfefet fein 3weifel mefer. (Sine Kranfbeit ip nur bie golge einer Uebertretung ber @efe£e ber ©efunbfeeit. Kranf* feelten pnb Slnprengungen ber Statur, um gewiffe Unorbnungen iu bem DrganiS- muS ober in Jfeeilen beffelben, wetdje burefe Uefeertretungen ber Stoturgefetie feeroor* gerufen würben, gu überwältigen unb gu entfernen. Die Seiben be« Kranfen fönnen fefer gemitbert, aber auefe fet)r »ermefert werben burefe Umftänbe unb Berfeältniffe. ©ie Statur, feemüijt, bie Kranffeeit auSgupoßen unb ben DrganiSmu« wieber in feine regelrechte Sage gu bringen, feat oft weniger gegen bie Kranffeeit felbp, al« gegen bie Unwiffenfeeit ber Kranfenpfleger unb bie ungünftigen Umgebungen be« Kranfen gu ßreiten. Sin Jopfeusfraufer, gum Beifpiel, würbe pcfe beffer bepnben unb »iel waferfdjettttidjer genefen in einem reinen, gut gelüfteten 3immer, weiefee« eine gefunbe Sage fear, als in einem engen, fefemutpigen Staunte, wo reine, frifefee Suft feinen 3utritt feat. Die« muß bocfe Seber gugefeen. Unb bocfe,! SBie fetten wirb an folefee ©aefeten gebaefet unb nocfe feltener barnaefe gefe.anbelt »on ©eiten berjenigen, welefeen bie Pflege ber Kranfen übertragen ip! Biele Seiben ber Krönten ftnb unnötfeig ; pe finb nicfet bie itotferoenbtgen golgen ber Kranffeeit fonbern bie SBirfungen anberer Urfoefeen, äußerer Umftänbe, furg bie Sraefeniffe ber Unwiffenfeeit unb ©orgiofigfeit ber Kranfenpfleger unb SBärter. Da« Stint eine« Krantenwärter« ip ein fefer wicfetige«, beinafee ebenfo wicfetig unb ein gong fo »erantworttiefee«, al« ba« eine« Slrgte«. Der gewöfenlicfee Begriff »on betiDbiiegenfeeiten eine« Krantenwärter« ip ber, baß feine 3>flicferen ßefe nicfet weiter erßreden al« bie SJtebifamente ber Slnweifung gemäß eingugeben, bie Umfcfeläge, Mafter unb Berbänbe angulegen, bett Kraulen aufguriefetett unb it)m aufguwarten. Die* tp jeboefe nur ein Heiner Jfeeil »on ben wixtlidjen Obliegenheiten eine« Kran- 964 Kranfenpflege. fenwärter«. Sinige ©ewanbtfeeit in ber Kranfenpflege unb rein medjanifdje Sitt«. Übung ber spflidjten eine« KronfenwärterS fann pdj auefe eine perfon aneignen, bie auf einer fefer befefeeibeneu ©tufe ber Bilbung pefet; aber ber Beruf eines Krönten* Pflegers erforbert oiel mefer, als ba«. Sine ousgebefente proftifdje Kenntniß ber ©eferie ber ©efunbtjeit foüte bem Kranfenppeger gur ©eite pefeen, ober in anberen SBorten, eine Kenntniß ber tjofeen SBidjtigfeü ber Steinlidjfeit, beS ridjtigen SBätme* grabe«, ber Süftung, be« Sicfete«, geeigneter Staferungömittel (unb wann unb wie biefelben gegeben werben follen) unb einer SJtenge anberer ©acfeen oott größerer unb geringerer Bebeutung. Diejenigen, weldje für alle« bieS forgen follten, es ober aus Unwiffenfeeit unterlaffen, pnb oft fdjutb an ben größten Seiben be« Kranfen; ja oft erfolgt fogar ber Job aus SJtangel an frifdjer Suft, gu großer ober gu geringer SBärme, Unfoubcrfeit beS 3im»rterS, beS Bettes unb beS Krönten felbß, Unmäßig* feit im Sffen unb Jrinfen, ober aus bem 3»fammentreffen meferer biefer Umftänbe. Slud) fommen berartige gälte oiel öfter in ^Hoatfeäufern unb unter bem Sonbootfe, als in öffentlidjen £ofpitälern oor, unb folgen, wie idj fdjon gefagt X)abe, nur aus ber Unwiffenfeeit ber Kronfenwärter ober ber greunbe bes Kranfen, bie feine Pflege übernommen tjafeeit. Diefe festeren pnb es namentlicfe, bie bas Kranfengimmer oft gu feeiß madjen unb ben Kranfen burdj Bitten unb ©djmeidjeteien bewegen, gu oft gu oiel gu effen. Die wicfetige gunftion ber Kranfenpflege wirb fowotjl burefe bte Statur ber ©adje, als auefe naefe allgemein feerrfefeenben Slnpdjten ben grauen gugemiefett, benn man fcfct allgemein »orauS, baß eine grau, wenn pe nicfet fcfeon eine gute Kranfenpße= gerin ift, bodj fefer leidjt eine folefee werben fann. Dies ift ein großer Srrttjum. 3m Slllgemeinen warten bte grauen bie Kranfen beffer ob, als bie SJtänner; fte pnb »on Statur beffer bagu geeignet, unb pe fönnen bei entfpreefeenber Beleferung gute Kranfenpflegerinnen werben; allein wenn man bebenft, wie gänglicfe biefe ©aefee, biefe Kunp, bis je£t »ernaefetäffigt, wie wenig Slufmerffamfeit ifer fowotjl oom $ublifum im Slllgemeinen, als oon ben ©ebilbeten insbefottbere beige* legt worben tp, fo wirb man gugeben muffen, baß ba« SBefentlicfee einer guten Kranfenpflege nur oon fefer SBenigen »erpanben wirb. Die Kranffeeit (ober wo« wir von ber Kranftjeit fefeen unb fennen — bie ©pmp* tome) ift ein Kampf ber Statur gegen irgenb welefeen ftörenben Sinfluß auf ben Kör* per; aber bie Slrt unb SBeife ber Kranfenpflege, wie man pe allgemein »erftefet unb (tusübt, fefeeint efeer berechnet, biefen Kampf ber Statur gu feinbern, al« benfelben gu unrerftül3ett. Die ©efefce ber ©efunbtjeit, welcfee bei ber Kunp, Kranfe gu pflegen, gefannt unb angewenbet werben foüten, werben aber ebenfo wenig in Begug auf bie ©efunben, al« auf bie Kranfen »erpanben unb feeobadjtet, unb eben biefe Bernacfetäfpgung obet Uebertretung ber ©efc^e, bie bocfe; ba« Seben unb bie ©efunbljeit bebingen, fönnen ©törungen unb gefätjrlictje golgen fowotjl für bie erfteren, als für bie lederen naefe pdj giefeen, wenn gleiefe bie golgen nictjt immer augenfdjeintiefe gefaferbringettb pnb. Unb alle« biefe« folgt au« ber Unwiffenfeeit, ober, wenn nidjt au« ber Unwiffenfeeit, fo oodj ou« ber ©orgloftgfeit ber Sltern, Pfleger unb berjenigen, welcfee für ©efunbe unb Kranfe gu forgen tjaben. Kr onfenpflege. 965 Bentilotion ober Stiftung. — Steine ßuft. SBenn iefe gefragt würbe, was bie erße Siegel fei, bie bei einer guten Kranfenpflege beobaefetet werben muffe, fo würbe iefe fagen: „©efeet gu, boß bie Suft, weldje ber Krönte atfemet, wo mögltdj fo rein fei, wie bie Suft oußerfealb be« 3immer«, jebodj ofene beit Kranfen gu ertälren." Die« ip eine« ber wefentlidjften unb wiefetigpen Dinge, bie man gu beadjten feot. Steine Suft ift fcfeon für bie ©efunben feöcfep nötfeig, um fo nottjwenbiger ift e« für biejenigen, weldje burefe Kranffeeit gefcfewäcfet finb, baß pe reine, frifefee Suft atfemen, wenn wir wünfdjen, baß fte bie Kranffeeit überwinben unb gefunb wer* ben fotlen. SBenn man ein «ftranfengtmmer lüften will, fo muß man wofel barauf odjten, oon wo bie Suft fommt, weldje eingelaffen werben foll. SJtan follte niemal« bie Suft au« einer ©tube einlaffen, wetdje Jage ober gar SBocfeen lang oorljer gefefetoffen gefealten würbe, unb audj nicfet au« ber £ausftur, bie felbft feiten ober nie gut gelüf* tet wirb. Sbenfo wenig follte bie Suft au« einem fdjmur3igen Staunte, au« einem bumpfen, leeren 3immer, ou« ber Kücfee ober au« Kellerräumen lommen: man follte pcfe »telmefer feemüfeen, bie reine £immetstuft in'« Kranfengimmer etttgutaffen. Seere 3immer werbe« oft SBodjen uub SJtottate lang »erfcfeloffen gefealten, Jfe. ürett, genper, Kamine unbsanbere Deffnungen, uub bann auf einmal benutzt, um Kinber barin eingufcfeläfern ober Kranfe bort unterzubringen, ofene boß man bebenft, baß es nötfeig ift, ein folefee« 3immer erp orbentliefe, gu lüften, ©o etwa« follte nie gefefeeljett, benn eö ift burefeau« fcfeäbtidj. Sbenfo wenig follte ein Kranfengimmer in ein foldje« 3immer füferen ober baraus gelüftet werben. Um bie Suft rein gu fealten, muß pe girfuliren. Bewegung ift ber Suft ebenfo nötfeig, wie bem SBaffer, unb oertjinbert, baß pe bumppg, ungefunb ober wofel gor mit giftigen Dünpen gefdjwängert werbe. Singefcfeloffene Suft fann, wie pefeenbeö SBaffer, bie Urfadje »on Kranffeeit, ia be« Jobe« werben. Darum lüftet niemal« bie Kranfenpube aus einem leereit, unbewofenten 3tmmer, welcfee« eine 3eit long oerfdjloffen war, bringt weber Kranfe, nodj Kinber, überhaupt Stiemonb feinem, efee frifdje Suft eingelaffen unb wo möglidj ein geuer barin gemaefet worben ift. Sin offene« Kamin in einem 3immer ip fefer bem Dfen »orgugiefjen. Sitte 3im* mer follten Kamine feaben, wenn audj ttur aus ©efuubfeeitsrüdpdjten. Sluefe. follte bas Komin nie gefcfetoffeit werben. Biele Seute fdjließen, fobalb ber grüfeling fommt, bie Kamine im „$artor," SBofejt* unb in jebem onberen 3immer, wo ein geuer nicfet notfewenbig ip. Die« ift jebocfe. ein fdjlecfete« $ringip. Sin Komin follte nie gefefetoffen werben, benn e« tp, gleichet ob geuer barin brennt ober nicfet, ein aus* aegeidjnerer Bentilator, ein ßua.lodj, burefe. welcfee« alle unreine Suft entweiefeen fonn. SBenn man nun ba« genper ein wenig öffnet, g. B. oben, baburefe, baß man ben oberen Jfeeil ein wenig fe.erafegiefe.t, ober wo ba« nicfet gefefeefeen fann, eine ber oberen ©efeeifeen feerau«ttimmt uub bann ein gute« geuer im Komin unterfeolt, fo entftefet ein Ruo welcfeer ba« 3immer per« feinreiefeenb mit frifefeer Suft erfüllt. SJtan barf nicfet fürefeten baß ber Kraale ftcfe unter biefen Umftänben leidjt erfäiten föttne, »orauLefefet natürlicfe, baß er im Bette unb mit ben nötigen Deden, ber Safere«- »eit uub ber Jemperotur angemeffen, »erfefeen ip. SJtan barf nie fürefeten, baß bet Kranfe 3u oiel frifdje Suft befomme, wenn er nur im Bette unb mit beit nötigen 966 Kranfenpflege. Kleibuug«- unb Bettpüden oerfefeen ip; jo e« ip fogar beffer, ben Kranfett tunjHidj gu erwärmen, baburefe, baß man einen feeißen ©tein, feeiße Sifen, SBärmepafcfeen u. f. w. an feine güße unb feinen Körper legt, als bas 3immer fortmäferenb gefcfetof' fen gu fealten, aus gurdjt, ber Kranfe fönne pdj erfälten. Die 3eit, in weldjer ber Kranfe am meipen geneigt ip, pdj gu erfälten, in weldjer man itjn forgfältig »or 3"glnft wnb falten ©tuben fdjüfcen muß, iß bie, wenn et jum erpenmole bas warme Bett »erläßt. Der Körper iß bann fetjr geneigt, pefe gu erfälten, ober mit anberen SBorten : bie Jronspiration wirb bann leidjt unterbrüdt. 3ft nämlidj ber Körper burefe ein langes Kranfenlager gefcfewäcfet, bte baut burefe ftarfe« ©djwi^en erfcfelafft, unb Pub bie Sporen geöffnet, fo ip ber patient in einem 3uPattbe, baß ein plö^licfeer Suftweefefel ober ein 3ugwinb, ja felbß bte leifefte Be- rüferung mit falter Suft, ifem eine plöjjlidje, feeftige unb gefaferoolle Srfältung gugie* tjen fann. Die größte Borßdjt ip alfo bei biefem erpen SlufPefeen be« Patienten nötfeig, bamit e« nidjt etwa gu unpaffenber ßtit gefefeiefet, unb bie Suft im 3iwmer follte ben recfeten SBärmegrab t)aben. SBurbe in bem 3imnter 3ug gemadjt, wäfe- renb ber Kranfe im Bette war — wo« mit ber größten ©icfeerfeeit gefefeefeen fonnte — fo muffen nun, wenn er aufßefet, genfter nnb Jfeüren forgfältig gefefetoffen wer* ben, wenigPen« für eine 3eit lang. SBenn ber patient überfeaupt gur Srfältung geneigt ift, fo ip bie« gewöfenlidj in ben erpen SJtinuten feine« Sluffein« ber galt, barum gerabe fann man bann nicfet »orpdjtig genug fein. Befonber« follte bem Kranfen nie erlaubt werben aufgußefeen, wenn er eben gefdjwifct feat, ober pdj nod) unter bem Sinfluffe fdjmetßtreifeenber unb erfcfelaffenber Slrgneien bepnbet. 3n bie* fem gaüe würbe ein 3tmmer, weldje« tjtnlänglidj warm unb geeignet für ben Kran* fett war, fo lange er gu Bette lag, ifem, bei plörjlidjem Slufftctjen gefäferlicfe werben, weil eö aisbann gu falt ober gu gugig für ifen ift. Die« ip eine ©aefee »on bet größten SBicfetigfeit unb foüte nie »on benen, bie für ben Kranfen gn forgen fabelt, »ergeffen ober überfefeen werben. Jemperotur. — 2Börtne. Die Jemperotur ober ber riefetig* SBä^njegrob in einem Kranfengimmer iß eine ©adje »on ber feödjßen SBicfetigfeit. S« iit wefentlicfe, baß wir reine, frifdje Suft feobeu ; bei foltern SBetter aber ift biefe Suft falt, barum muffen wir barauf fefeen, baß, inbem wir ba« Sine gewinnen, wir bo« nicfet überfefeen unb »ernacfeläfpgen, weldjes gunäefeft ba« SBicfetigpe ip. SBir bürfen ein 3immer ntdjt gu talt macfeen, benn ba« ip ber ©efuttbfeeit unb ber Beljaglicfefeit beS Kranfen feitiberlidj. Stefeme man boS ©efeti an, baß, inbem mon bie Jemperatur beS Kranfengimmer« regelt unb für bie geeignete Süftung forgt, e« fo gefdjefeen muß, baß ben Kranfen nicfet friere. SJtan fefeeint ollgemein attgutiefemeit, baß bie Suft in einem 3immer, wenn man ßt fo rein feaben will, wie bie Suft außerhalb, ße audj notfewenbtgerweife ebenfo falt fein muß. Die« ip ein großer Srrtfeitm. Sin 3immer fann bi« gu irgenb einem beliebigen ©rabe erwärmt unb bod) gut gelüftet unb mit einer gefunben Sltmofpfeäre erfüllt fein. Um gu wiffeu, weldjer SBärmegrab einem Kranfengimmer angemeffen fei, muß man bie Sefeen«fraft be« Kranfen, feine ©tärfe, feine Körperwärme unb feine gä* l)ta.reit, ber Kälte gu wiberpefeen, ober ße gu ertragen, itt Sinfdjlag bringen. Dodj Kranlettpflege. 967 Wirb man pnben, baß olle« biefe« gn oerfcfeiebeiten Jage«geiteit audj fetjr »erfcfeieben ip, ba« feeißt bie SebenSfräfte be« Kranfen, feine förperticfee SBärme unb bie Kraft, etwa« ©ertragen gu tonnen, ßeigern ftd) in ber gweiten Hälfte be« Jage« fo, baß ein patient, wetdjer oielleidjt SJtorgen« unb Bormittag« ©cfewädje unb Kälte empfanb, Stacfemittag« unb Slbenb« in bemfelben Simm^ ünb bei bemfelben SBärmegrab unbetjaglicfe warm unb beflommen füljlt. Die« mag baljer fommen, baß bie Jemperotur im Slllgemeinen Stacfemittag« wärmer wirb, al« fte SJtorgen« ip, feauptfädjtid) aber muß man e« ber Jfeatfacfee gufdjreifeen, baß bie Kranfen felbß Stacfemittag« oiel metjr Sebensfraft, SBärme unb ©tärfe feaben, al« Bortnit* tags. Darum barf mon wofel Stacfemittag« bie geitfter öffnen, aber niemals Bor* mittags oor eilf ober gwölf Ufer. bkx mödjte iefe bemerfen, baß es fowofel paffenb ol« wünfefeenswerttj iß, bie gen* ßer eine« Kranfengimmer« f o einguridjten, baß ber Kranfe, wenn er erß oufftefeen unb feerumgefeeu barf, pe audj mit Seidjtigfeit felbp öffnen unb fcfeließen fann. S« iß Jfeatfacfee, boß ein Kranfengimmer feiten gut gelüftet unb gefeörig erwärmt ip, efee bie« gefefeiefet; benn ber Kranfe weiß gewöfenlicfe; am bepen, was er feraudjt, ob Suft, SBärme ober Slbfüfelung ; bo bie Statur immer ber befte unb pdjerße Statfegeber [^ — Sines ber größten Uebel ber biefet oerfcfeloffenen 3intmer, in weldjett bie Stift nidjt gtrfuliren fattn, ip bie«, baß ber Kranfe genötfeigt iß, biefelbe Suft (ober »iel* mefer feinen eigenen Slttjetn), immer auf« neue einguatfemen, woburd) biefelbe natürlid) atlmälig unrein wirb. Der ©auerpoff in ber Sltmofptjäre tp e«, weldjer bie gange Statur belebt; er ip barum bie wafere S e b e n «1 u f t, weil er bo« Blut, mit weldjem er in Berüferung fommt, fobalb er in bie Sungen eingeattjmet wirb, reinigt unb erneuert. ©o oft nun biefelbe eingeatfemet wirb, gibt fte etwa« oon itjrem ©auerpoff an bo« Blut ah, wirb alfo fefer balb be« größten Jfeeile« iferer belebenben Kraft beraubt unb unbraudjbar gur ferneren Srfeoltung be« Seben«, eben weil fte burefe öfteres SluS* uttb wieber Sinatfjmen unrein geworben iß. Ss fommt monefemal oor, baß ein Kranfengimmer nur baburdj erwärmt wirb, baß ber Kranfe bie Suft mehrmals ein* unb ausatfemet. Die« faun freiliefe gefdjefeen, wenn ba« 3immer biefet »erfefeloffen iß unb alle frifdje Suft Abgehalten wirb; aber ein folefee« Berfofereit tp unb bleibt eine ßrafbare StadjläfpgfeU. ©otefee Suft ift nicfet nur gum Sirfemen untauglicfe, fonbern pe tp tt)atfädjücfe giftig, unb bie Uttwiffettljeit unb StadjläfpgfeU berjenigen, bie ben Kranfen in eine Sage bringen, in weldjer er genötfeigt ip, gegen fo ungün* Pige Umftänbe angufämpfen — Umftänbe, weldje nidjt nur bie ©enefung »ergögern, fonbern gerabegu ba« Seben in ©efafer bringen — fann nicfet preng genug gefabelt werben. Könnten bie Seute pdj nur burdj eigene Slnfdjauung »on bem einfluffe üfeergeugen, beu ba« Siitatfemeit unreiner Suft auf ben gongen Körper auöübt, gteidj* »iel, ob bei ©efunben ober Kranfen, fte würben gewiß oiel meljr Slufmerffamfeit auf bas'geljörige Süften itjrer 3immer, oornämüdj ber ©djlafgimmer, oerwenben. Tlan fagt, ber SJtenfdj gietje pdj metjr ©efeaben gu, wätjrettb er fdjtafe uub unreine Suft atfeme, als wäferenb er wadje; wie wicfetig ip e« bafeer, bie Suft in unferen ©djlaf* gimmerit auefe wäfeunb ber Staefet fo rein al« mögliefe, gu fehlten. Ss würbe beffer fein tin wenig Kälte gn leiben unb frifefee Suft gu feaben, al« iit einem biefet oer* fefeioffettett 3immer gu fcfelofen, in welcfeem bie Suft burefe. unfer eigene« Sin* unb 3lu«atfemen erwärmt wirb. 3ß nun frifefee Suft fcfeon für © e f u n b e wünfefeen«- toertfe wie notfe. wettbig ift fte erß für Kraute 1 — SBentt nuu aber tin Kranfenjim* 968 Kranfenpflege. mer wofereub ber Stadt nidjt gelüftet werben fann — wo« mantfemal ber Sali ip — fo follte bie« gleidj SJtorgen« gefcfeefeett. SJtan getje nur einmal früfe SJtorgen« in ein gefdjloffene« ßimmtx, in weldjem gwei ober brei perfonen gefdjlafen feaben, gleiefeoiel ob pe gefunb ober franf pnb, unb man wirb eine Suft pnben, bie nicfet gefunb unb angenefem ip. Die« fommt »on bem wieberfeotten Sin* unb Slusatfe* men berfelben Suft, mit anberen SBorten: aus SJtongel on Bentilation. SJtan feieil ein foldjeS Stornier bidjt unb ließ feine Suft feinein, ou« gurdjt, e« fönne gu falt werben. Kranfe ftnb gewötjnlidj SJtorgen« gegen Kälte emppnbtidjer, ol« Slbenb«. SBie idj fdjon gefagt t)abt, finb bie SebenSfräfte SJtorgen« oiel geringer, als gu anberen Jageögeiten, StacfemittagS aber unb SlbenbS pnb pe oiel feöfeer. SBenn ber Kranfe SlbenbS pebert unb feeiße b'äntt unb güfje feat, fo tarnt man pcfeer fein, baß er SJtor* gen« falt unb froftig füfelen wixt. Stun ift es ©ebrauefe bei ben Kranfenwärtem, boß pe be« SlbenbS gußwärmer, fowie feeiße ©leine, feeiße Sifen unb SBärmeßafcfeen in'S Bett bes Kranfen legen, be« SJtorgen« jebodj nicfet« oon biefem Slllem beforgen, weil pe entweber bann nicfet 3eit l)abtn, ober eö nicfet für ber SJtüfee wertfe fealten. Unb bocfe follte e« gerabe umgefefert fein ; benn äußerlidje, fünfttldje Srwärmung iß bem Kranfen SJtorgen« oiel nötfeiger, al« Slbenb«. Doefe e« pnb nocfe mandje anbere Dinge, außer frifdjer Suft unb SBärme, bie in einem Kranfengimmer nicfet überfefeen werben bürfen. Stile«, wo« au«bünßet, bient bagu, bie Suft, welcfee bocfe ber Kranfe atfemen foll, unrein unb fdjäbiidj gu madjen. Darum follte in einer Kranfenftube triefet« gebulbet werben, wo« ou«bünftet ober feuefet ip. Der Dunß oon naffen Jücfeern, KteibungSpüden unb anberen ©adjen, bie gum Jrodnen aufgefeängt pnb, üerfeinbet pcfe natürlicfe mit ber Suft, weldje bet Kraule atfemen foll; aber baran benft Stiemanb ! — Sine ber oHerfcfelirnrnften ©e* wofenfeeiten ift aber bie, baß bos Stacfetgefcfeirr mir feinem 3nr)alte unter bas Bett gepellt wirb. Dft ip es gwar bebedt, meiftenS jebodj, wenn es nur Urin entfeält, läßt mon es ©tunben long offen ßefeen, fo boß bie untere ©eite bes Bettes unb ber SJtatraije feuefet unb baS gange 3i»nmer mit giftiger SluSbünpung erfüllt wirb. Sin foldjeö ©efäß follte nie, leinen Slugenblid im 3tmmer bleiben, felbp wenn es nicfets al« Urin entfeält, oljne feft gugebedt gu frin, unb bann follte e« fo fdjnetl als mög* liefe ausgeleert unb gut gereinigt werben. Dies ip eine Siegel, bte weber bei Staefet nod) bei Jage eine Slbweicfeung geftatttt. — Das Slusleeren unb Steinigen barf ebenfalls nicfet im 3intmer, fonbern muß braußen im Jpofe ober im SBaffer*„Slofet" gefefeefeen. Die ©ewoljnljeit, einen Simer in'« ßimmtx gu bringen unb bafeinein bie Stadjttöpfe au«guleeren, iß afefdjeutidj unb follte weber oon ©efunben nod) »on Kranfen gebulbet werben. Unter feinen Umpänben ober barf fo etwa« im Kran- fengimmer gefdjetjen; mon fantt barin nidjt forgfältig genug fein. Bor allen Stäudjerungen unb »or ber Slnwenbung aller luftreinigenben Präparate in einem Kranfengimmer würbe idj ebenfall« gu warnen feobett. Der eingige Stufen, ben folefee ©adjen bringen, ip ber, boß pe einen parfen ©erudj »erbreiten unb fo bie Seute gwingen, Jfeüren unb genper gu öffnen, bomit frifefee Suft tjereinfomme. Sluf biefe SBeife mögen pe monefemat ©ute« ßiften. Damit nun 3eber weiß, wo« unter „Stäudjerungen" »erpanben wirb, will idj tjier bemerfen, baß bie Seute oft gebern, ©cfewefel, Kolopfeonium, Jtjeer, ©rüddjen atte« Seber, Kaffee, ©ummi, Kampfeer unb bergleidjen mefer »erferenttett, um baburefe, bie Suft im Kranfengimmer gu »erän« Kr ant e «pflege. 969 bem. „Suftreinigenbe «Präparate," al« K.'lf, Sfeforfatf, Bitriol, Kamptjerfpiritu« unb anbere werben ebenfatt« oft benutzt, um fcfelecfetc ©erücfee gu oertretben unb ber Suft ben ungefuuben, anftecfenben Sinfluß gu benefemen. Sllle biefe Dinge mögen man cfe. mal gut tfeun (obgleich iefe nodj fefer baran gweifle), baß fte ober fetjr oft ©djabett tfeun, weiß iefe gewiß. 3wor macfeen ße, wegen ifere« afefcfeeulicfeen ©eru* dje«, e« oft nötfeig bie genper gu öffnen unb bringen alfo auf biefe SBeife einigen Stufen; allein e« wäre fefer gu wunfefeen, boß Kranfenwärter uub überfeaupt alle biejenigen, welcfee Kranfe gu pflegen feaben, pefe baoon übergeugten, baß frifefee Suft ben Kranfett fefer guträgliefe unb e« bafeer notfewenbig iß, baö 3immer gu lüften, otjne erp burefe folefee SJtittel bagu getrieben gu werben. 3um ©tfetuffe be« Kapitels über biefen ©egenponb mödjte iefe e« meinen Sefern, jebem Kranfenwärter unb überfeaupt Sitten, bie irgenbwie bei ber Kranfenpflege beseitigt pnb, nocfe einmal redjt naefebrüdlid) an'« £erg legen, baß gute Bentita* tion mit reiner, frifdjer Suft, ein richtiger SBärmegrab — niefet gu »iel, auefe nicfet gu wenig, fonbern geregelt nadj bem 3uftanbe unb ben Bebürfniffen be« Kranfen — StetttÜcfefeit unb ba« gernfealten aller fcfeäbliefeen Dünfte, giftigen ©afe unb ftfelecfe* ten ©erücfee wefentlidje Bebingungen unb notfewenbige Slnforberungen einer guten Kranfenpflege ftnb. Um in ein 3immer burdj baö genper frifdje Suft eingutoffen unb gleidjgejtig bie Suft gu reinigen unb »on fdjäbtidjett Dünfteit gu befreien, tp eö nidjt feinreidjenb, nur eiu untere« genper gu öffnen. Die« würbe genügen, um frifefee Suft tjerein* aber nidjt, um »erborbene Suft feinau« gu taffen. Damit bie« Severe ober gefdje- feen unb eine gefeörige Bentilation pattpnben fönne, follte man auefe ben oberen Jfeeil be« genfter« ein wenig feerafelaffen, ober, wo bo« nicfet mögliefe ip, oben eine ©efeeibe t)erau«nefemen. SBenn bann bie reine, frifefee Suft gu bem unteren genper feereinprömt, wirb bie unreine Suft in bem 3immer (ba fte wärmer unb barum leidjter ift) in bie £öfee unb gu ber oberen Deffnung beö genperö feinauögetrieben unb mit ifer alle unreinen Dünpe, ©afe u. f. w. Diefe SJtaßreget follte nie »ergeffen werben, wenn man eilt 3immer lüften will. Dodj ber widjtigße unb notfeweitbigpe ©runb, warum aüe SJtenfdjen, gefunbe fowotjl, ol« franfe, frifdje, reine Suft attjmen fotlen, ip, wie idj fcfeon gefagt tjabe, ber, boß e« ber ©auerpoff (Drogen) in ber Suft ip, welcfeer ba« Blut reinigt, belebt, in gefunbem 3upanbe erfeätt unb bie gortbauer be« Seben« bewirft. „3n bem Blute ip bo« Seben." Diefe Jfeatfacfee wor fcfeon gu SJtofeö' 3eiten fo befannt, wie pe je£t ip ; aber eö war nicfet befannt, w i e ober w a r tt m baö Sebeit in bem Blute ift, wie baö Blut gereinigt werben fann unb wie e« nicfet nur ba« Seben erfeält, fonbern burefe alle Jfeeile be« DrganiSmu« girfulirt unb bem gangen Körper eigentlich Seben gibt. S« war bamal« nicfet fo befannt, wie e« itx}t ip, baß, obgleid) ba« „Seben iit bem Blute" tp, e« bodj erp wieber bie Suft tp, bie wir einatfemen, welcfee bem Blute baö Seben gibt unb eö erfeält, unb baß ofe.ne biefe Sebenöfraft, welcfee wir burefe unfere Sungett aus ber Suft in unö aufnehmen, ofene bo« Drogen (©auerßoff), welcfee« wir einatmen, ofene biefe« Seben fpenbenbe $ringip, ba« Blut nicfet im ©taube wäre, unfer Seben auefe. nur eine eingige ©tunbe gn erholten. - gBettn ein SJtettfcfe, fcfelecfere Suft otfemet, bie feiu Drogen (©auerpoff) mefer entfeält, weit pe fcfeon mefe.r wie einmal ein* unb auögeat^met würbe (g. B. in überfüllten Stäutnen ober in fleinen, engen 3immern, bie leine Bentilation feaben), ober wenn 970 Kronfenpflege. ba« Bertjältniß be« Drogen« gu ber Suft au« irgenb einer Urfacfee oerringert würbe, ober wenn pdj eine plötitidje Srfältung auf bie Sungen warf, ober wenn bie Suft. gellen ber Sungen mit ©cfeleim unb bergieiefeen angefüllt pnb, wie in Sungenentjün* bung, Sungen* ober SBinterpeber unb anberen Kranffeeiten, welcfee bie Sungen angreifen, fo baß bem Blute nicfet feinreiefeenb Drpgen (©auerpoff) gugefüfert wer- ben fann, fo tp allemal bie golge, baß baö Blut unrein wirb, aller Sebensfraft entbefert, unb baß ber SJtenfcfe fefer waferfdjeinlidj irgenb ein topfeöfeö gieber befommt. SBie oft gefeen nicfet Sungenßeber, SBinterpeber unb überfeaupt Kranf- tjeiten, welcfee bie Sungen angreifen, in ben Jppfeus über? Unb wie oft ßamtnen nidjt tppfeöfe gieber, ©djiffößeber, Sagerpeber unb bergleidjen, bie alle benfelben Urfprung unb Sfearofter feaben, btoö bafeer, baß bie SJtenfdjett pdj in überfüllten Staunten aufhielten, ober in enge bumpfe 3eUen gefperrt waren, wieg. B. in ©djiffs* fammern, in bie 3elte ber ©olbaten ober in überfüllte militärifefee ©efängniffe, unb alle biefe Kranftjeiten liefern ben Beweis, baß ein SJtangel an frifdjer Suft bie £aupturfadje ber Kranffeeit war. Daö Blut erforbert einen gewiffen feeßänbigen 3"fn, wenn wir ©otte« ©ebote nlcfjt beadjten. Sr legte un« gewiffe ©efefce Kronlettpflege. 971 auf, unb wir glauben, boß biefe ©efejje bie feepett pnb, bie gegeben werben fönnten Datum fotlen wir un« auefe bemütjen, pe gu oerftefeen unb unfer Seben mit ttjnen in Sinflong gu bringen, ©tatt beffen aber übertreten wir pe, unb wenn wir bann unter ben gotgen leiben, flogen wir bie Borfefeung oit. Slber bie Borfeljung fann unfertwegen feine SBunber tfeun, fo baß wir ber natürlicfeen ©träfe für unfere Ber* gefeungen üfeertjoben würben. Unfere Unwiffenfeeit fann un« nicfet entfctjulbigen. Die @efe$e be« Seben« unb ber ©efunbfeeit pnb fo bepimmt, wie bie ©efetje ber ©djwerfraft; fte räumen ber Dummfeeit nicfets ein. SBenn wir pe alfo übertreten, gteidjüiel, ob mit Bewußtfein ober ou« Unwiffenfeeit, fo werben wir bie golgen gu tragen Ijaben. SBatjrfdjeüttidj werben bie ©efeije ber ©efunbfeeit eben fo oft übertreten, ober eben fo wenig in Betracfet gegogen bei ber Sage, ber Sinridjtung unb Bauart ber SBofett* feättfer, ol« iu aüeit anberen gällen. Käufer, weldje gum Stuijen ber Kranfen gebaut werben, wie g. B. £ofpitäter, Kranfen* unb Snoaltbenfeäufer, foüten bodj natürlicfe nadj ben beften Stegein ber ©efunbljeitötefere eingerichtet unb mit Sltlem »erfefeen werben, was ber ©efunbfeeit ber Sinwofener ttur irgettb günftig fein fann. Dies gefefeiefet jebod) nidjt immer, ja id) fürefete faft, eö gefefeiefet fefer feiten. Slber ba idj nur für biejenigen fdjreifee (©efunbe fowofel, alö Kranfe), welcfee $ri»atfeäu* fer bewofenen, will id) bas, woö pcfe über ^ofpitäler unb berartige öffentliche Sin* Palten fagen ließe, für eine fpätere ©elegenfeeit »erfcfeieben, ober einer anberen geber überlaffen. Diefeö Bucfe ip mefer gum Stufen be« Singetnen unb ber gamilien, befonber« berer, bie auf bem Sanbe unb in tleinen ©täbten, al« für bie, weldje in große« ©täbten wofenen, gefeferiefeett worben. Sn großen ©täbten, wo ber Boben tfeeuer ip, jeber guß unb ßott iit Slnfdjlag gebraefet wirb, unb bie Käufer fo bidjt wit möglidj gufammengebaut werben, fonn natürUd) Semanb, ber ein bans bauen läßt, nidjt Stile« fo tjaben, wie er e« wofel mödjte, fonbern mnß pdj einrichten, fo gut e« pcfe then tfeun läßt. Slber auf bem Sanbe ober in fleinen ©täbten unb Dör* fern iß bie« nicfet ber gaff. Da foutt Seber fein bans anlegen unb einriefeten, wie er nur wünfdjt, fogar was bie Sage betrifft, unb fann pcfe oller ber Bortfeeile »er* pefeern, weldje Suft, ©onnenfdjein, Sidjt unb eine gefunbe Sage nur gewäferen fön* nen. — Sin SBofenfjau« foffte fo eingeridjtet fein, baß e« gu ollen ßtikn tjinlänglidj frifdje Suft, Sidjt unb ©onnetifdjein fe. at. Slußerbem foüte e« fo gelegen feitt, baß eine Drainage, b. lj. ein Stfeleiten be« SBaffer«, leidjt gu feewerfßetUgen Iji, fo baß erforberlidjenfaff« ber Keffer fowotjl, ol« bie gange Umgebung, troden gelegt werben fonnte. Diefer $unft ip ein fetjr widjtiger. — Studj reine« SBaffer ift für bie ©e* funbfeeit oott ber tjödjpen SBicfetigfeit, -efeettfo Wie bie äußerße Steinlicfefeit einen wefenttiefeen Jtjeil ber ©efunbfeeüöpftege ouömadjt: Steinlicfefeit ber perfon, be« jpaufe«, be« 3itnmer« unb ber gangen Umgebung, ©efer oiel SBaffer ip gur Srfjal* tung biefer Steinlidjfeit notfjwettbig. Slber bie Sigenfdjaften be« SBaffer« fofften audj geprüft werben. SBaffer Ift gum Seben notfewenbig; barnm foffte e« für Seben »on ber tjödjpen SBidjtigfeü fein, pdj gute«, reine« SBaffer für ben täglidjen ©e* brauet) gu »erfdjaffen. Do« beße SBaffer, wenn e« tttdjt weidje« Queffwaffer ift, Meifet immer reine« Stegenwaffer, ba« itt gute Sipernen geleitet ip. Sebe« bans follte eine gute Stperne feaben. Die Srfaferung tjat fjinlänglidj bewiefen, boß wätj- renb ber Stjolera in biefem Sanbe alle biejenigen, weldje Gtpernenwaffer (ober Stegen« 972 Kranfenpflege. waffer, weldfee« iit Sipernen geleitet war) tranfen, oon biefer fdjredlidjen Seuefee üerfefeont blieben, wäferenb fte onbererfeit« in ©egenben, in weldjen fearte«, falffeol« tige« SBaffer getrunfen würbe, in fdjredlidj oerfeeerenber SBeife auftrat. Steines, weiefee« ober ©anbpeinwaffer — gleictjotel, ob aus Brunnen ober Quel- len — ip faft ebenfo gut, al« Sipernen* unb Stegenwaffer, nicfet nur wäferenb ber Stjolera, fonbern gu allen 3eiten unb gu allen 3weden. Slber man gefee nur einmal auf ba« Sanb unb fefee, wo« für SBoffer bicSeute bort trinfen! SJtandjmat aus Brunnen ober einer Slrt Quelle, fefer oft ober aus ^fütjen, Jeicfeen unb unreinen Böcfeen — unb man feraudjt pdj nicfet gu wunbern, baß ße fortwäferenb mefer ober weniger Kranffeeit in iferen gamilien feaben. Ss ip wirflidj gum Srpaunen, wie wenig Slufmerffamfeit einer fo rJefetigen ©adje, wie bodj gutes, reines SBaffer ip, »on »ielen Seilten in allen Jfeeilen bes SanbeS gefdjenlt wirb. Das Jrinfen fefeteefeten, unreinen SBafferS ift natürlicfe »iel fctjäblidjer unb füfert fdjlimmere golgen nad) pdj, als bie Bettufcung beffelben gn onberen 3*oeden. ©ebrauefet man es g. B. gum Kocfeen, fo ip es weniger fcfeäblicfe, weil e« ba, eben burefe ba« Kocfeen, eine Beranberung erleibet unb »on feinen fcfeäb* lidjeit Sigenfcfeaftett, wenigPen« gum Jfeeil, befreit wirb. Slber e« ip unb bleibt bod) immer ein gefäfjrlidje« Srpertment, fdjlecfere« SBaffer gu benutzen, unb foüte fo oiel alö möglidj oermieben werben. Die Sipernen fofften fo gebaut fein, baß bie Deffnung berfelben ber frifcfeen Suft freien ßuiua, geßattet. Die« fann fo feewerfpefligt werben, baß eilte Slrt ©djornßein über ben Stonb ber Sißerne, etwa ein guß tjoefe, erbaut wirb, welcfeer bann mit einem Stejje oon Sifenbrafet, bos jebodj in einem Stafemen gut befeßigt fein follte, gugebedt wirb. Studj fann man einen feöfgernen Brunnenfapen barüber fejjett. Sluf biefe SBeife fann es oermieben werben, baß bas SBaffer fefeleefet riedje, was ofl ber gaff iß, wenn bie Siperne feft gugebedt ift. Sebe Stfterne foüte einmal im ^at)x, wenn wenig SBaffer barin ip, gereinigt werben. Bei bem Bauen ber Käufer foüte man [ttts bafür forgen, bie 3tntmer, bie glut uub bie genper fo einguriefeten, baß bie frifefee Suft bireft in jebe« 3intmer ober jeben Staum ßrömen fantt. Die« fann jeber Boumeiper fetjr leicfet fo madjen, wenn ber £au«etgentfeümer itjm nur feinen SBunfdj au«fprid)t. — S« ip natürlicfe nicfet meine Slfepdjt, gu fagen, wit bie« gefdjetjen fönne, nocfe mödjte iefe irgenb welcfee Stegein über ba« Bauen ber Käufer geben; nur woüte idj bie SBicfetigfeit einer guten Ben* tilation, über bie idj fdjon oben gefproefeen X)abt, wieberfeolt tjeroorfeefeen. SBenn bie Seute itjre ©efunbfeeit erfealten ober biefelbe wieber erlangen woüen, nadjbem pe ruinirt war, fo muffen pe pdj mit gewiffen ©efeijen be« Seben« unb ber ©efunbfeeit belannt madjen unb bemgemäß leben. Suft unb SBoffer pnb aber wefentlicfe gum Seben, unb »on iferer Steittfeett tjängt ber ©rab ber ©efunbtjeit, beffen wir unö im Seben erfreuen, ja bo« Seben felbp, ab. Sidjt tp efeenfaü« gur Srfealtuug ber ©efunbljeit nottjwenbig. Sin bunfle« Jpaucf ip aud) gewiß aüemal ein ungefunbe« bans. Sin Kranfengimmer foüte niemal« bunfel fein, e« fei benn, baß e« bunfel gefealten werben muß, einer Slugenfrantfeeit wegen, ober au« irgenb einem äfenlidjen ©runbe. Die Kranfen fönnen in einem bunfelit 3immer nidjt genefen. Darum follte beim Bau ber Käufer barauf gefefeen »erben, baß neben ber frifdjen Suft audj tjinreidjenb Sidjt in jebem 3immer fei. 6« ip nldjt nötljig, baß bie ©onne in jebe« 3immer fdjeint, aber e« ip nötfeig, Kranfenpflege. 973 fcaß pe ouf ba« £au« fcfeeine. Ss muß wenigpeus bie SJtöglidjfeit ba fein, baß ba« leibe £immelslicfet in jebeS3tmmer beS Kaufes bringen fann, gleiefeoiel, ob ©efunbe ooer Kranfe barin pnb. Ss ip fefer wicfetig, baß ein 3imnter, welcfeeS »ieÜeicfet nur beS Stadjts gum ©djlafen, fonß aber gar nidjt gebraudjt wirb, bennod) ben Jag über offen unb feeü fein foüte. Sidjt ip ber ©efunbtjeit nidjt nur bieuliefe, fonbern fogar feödjp notfewenbig. Die« fann man fo reefet fetjen, wenn man eine pflange on einen bunfeln Drt bringt. Diefetbe'mag nodj fo »iel Suft unb SBaffer tjaben, fo wirb fie bennod) weif, fafel unb franf werben unb nadj unb nadj obfterben. Sin 3immer, wetdje« immer buttfel ip, fann unter feinen Umßänben gefunb fein (Dun* felfeeit ruft im ©egentfeeil Kranffeeit feeroor) unb foüte barum weber bewofent, nocfe foüte barin gefdjlafen, am wenigPen ober foüte eö gu einem Kranfengimmmer beitu^t werben. Kranfenwärter unb Slffe, weldje für Kranfe gu forgen feaben, foüten barum für feeüe ©tuben forgen, wenn pe wunfefeen, baß itjr patient pdj fdjnett erfeolen foff. Da« Slbleiten beö SBafferö ouö ben'Käufern ip eine fefer widjtige ©adje, unb bocfe—wie- wenig Seute benfen baran! Sn ben ©täbten ip ber SJtangel einer guten Drainage oft ein unerträgliefeeö Uebel unb ber ©runb gu »ielen Kranffeeiten, wäfe* renb auf bem Sanbe unb in fleinen ©täbten, wo bocfe jeber Sanbmann ober £>auö* Vprjer bas Slbleiten beS SBafferö »on feinem ©runb unb Boben gang nocfe; eigenem befaffen beforgen fann unb barum auefe für bie golgen »erantwortlicfe ip, bie eine pleifee Bernacfeläfpgung mit pdj bringt —biefer wicfetigett ©aefee fap gar feine Sluf* nerffamfeit gefdjenlt wirb, ia, wir befeaupten, baß feödjß feiten baran gebadjt wirb. iBenn pcfe bas SBoffer in $fü£en unb Söefeern ringö um bas bans anfammelt, fo lißt man eö ba ftefeen, faul werben unb SJtonate lang ungefunbe, »ieÜeicfet fogar ,iftige Dünße tterfereiten, biö eö enbliefe »on felbft ouötrodnet. SBenn bie Keüer feuefet pnb ober ftcfe SBaffer borin fammelt, fo pefet man baö für etwas an, bas nicfet ju änbem ip, unb baö man barum ertragen muß. Unb wenn biefe Seute nun falte, biliöfe ober topfeöfe gieber tjaben, wunbern fie pefe, wie baö gugetjt unb warum baö fo fein muß! So foüte im gangen Umfreiö ber SBofenung fein pefeenbeö SBaffer gebulbet werben, ba biefeS, wenn es in gäulniß übergefet, nur bie Suft mit peparti* gen, giftigen, ia fogar töbttiefeen Dünften erfüfft. Sticfet einmal geuefetigfeit foffte man im £aufe ober in ber Stäfee beffelben bulben. 3 ober ©djwetnepaü bem ipaufe fo nafee, boß ber üble ©erucfe nicfet nur eine Unannetjmlicfefeit iß, fonbern gur pdjern Dueüe von Kranffeeiten wirb. Slber idj wiff nidjt auf Singelnljeiten eingefeen. Sdj woüte nur gu »erftefeen geben, baß Steinlidjfeit eben fo nöttjig ift, außerhalb alö initertjalfe beö Kaufes; baß bie ©efunbljeit nur oon ber Srfüüung biefer Bebingung abljängt, unb baß bie Seute, wenn fie ifere ©efunbtjeit, fo weit es in iferer SJtadjt ftefet, reetjt genießen wollen, bie ©efetie ber Steinlicfefeit beadjten muffen, nidjt nur an itjrer perfon, nidjt nur in iferen 3immern, fottbertt fo weit U)r eigener ©runb unb Boben reidjt. Sllfo: »iel frifdje, reine Suft, weldje in alle 3in:mer bringen fann, genug Sidjt, reines SBaffer unb trodener, reiner gußboben — ba« ßnb bie wefentlidfepen Bebingungen gut Kranf ettpflege. 975 (Spaltung ber ©efunbfeeit in atten ^rioatfeaufern fowotjl, al« in äffen ©ebauben überfeaupt, in weldjen SJtenfcfeen wofenen foffen. Die« pnb bie Bebingungen, bie bie Statur »orgefdjrieben tjat, uttb wenn wir Pe nicfet erfüllen, muffen wir bie golgen auf un« nefemen. Slufmerffamfeit ouf ßleinißfeiten. Sine« ber widjtigpen ©efeeimniffe in ber Kunp, Kranfe gut gu »erpflegen, feepetjt barin, baß ßdj bie Slufmertfamfeit ber Kranfenwärter audj bi« in'« Kleine unb Kleinße erprede; boß Stile« fo eittgeridjtet werbe, baß aud) bie attfdjeinenb unbe* beutenbpen uttb unwidjtigßen Borfdjriften unb Slnorbnungen pünftlidj befolgt wer* ben, auefe felbp bann, wenn ber Kranfenpfleger nicfet in ber Krattfenßufee ip. gort* wätjrenb fann natürtict) ein Kranfenwärter nicfet bo fein, unb e« ip biefeS auefe gar nicfet notfewenbig, wenn er nur bie Borpcfet feat, SlffeS fo einguricfeten, baß bas Stiefe- tige audj in feiner Slbwefenfeeit geftfeetje. Der gute, gewiffettfeafte, benfenbe Kran* fenppeger wirb an alle« Stötfeige benfen, unb, wenn er abwefenb fein muß, wie e« oft ber gaff iß, wirb er »orfeer foldje Slnorbnungen treffen, baß bem Kranfen burdj feine Slbwefenfeeit fein ©djaben erwaefefe. SBir fönnen natürlicfe in einem SBerfe wie biefe« nidjt Berfealtungömoßregeln für aüe »orfommenben gälte geben, fonbern muffen uns barauf befcferänfen, an ein paar Beifpielen gu geigen, was wir meinen. Der Sefer mag bann ben ©egeitpanb weiter »erfolgen, um gu fefeen, wie unb wo er unferen feier gegebenen Statt) am bepen anwenben fann. Stefemen wir an, ber Kranfenwärter getjt gum Slbenbeffen. Sr feat aber »ergeffen, ber perfon, bie jetjt feine ©teile oertrttt, bie nöttjigen Bertjat* rungömaßregeltt gu ertfeeilen. Stuu fommt ein Bote mit einer Staefericfer, bie ber Kranfe unter feinen Umßänben featte wiffen foffen, fei es ein Brief, fei eö eine münbtiefee Botfefeaft. Slber nadjbem ber Bote fo geräufdjooff wie mögliefe eingetre* tett ip, riefelet er feine Botfefeaft ouö unb »erfeijt ben Kranfen baburefe in bie größte Slufregung, ber nun bie gange Stadjt barüber grübelt ober pdj grämt, unb — was folgt? Die ©enefung iß um fo unb fo »iele Jage tjtnauögefefeoben. — Dieö ip bfoö ein Beifpiel. Du^enbe »on folefeen gälten fönnen aber leidjt aus berfelben Urfadje, ober beffer, au« berfelben StadjläfpgfeU »orfommett, nur, weil ber Kranfen* Wärter nidjt bie Borpcfet featte, feinen (Stellvertreter getjörig gu tnßruiren. Sin anberer gaff: e« fommt Semanb aus Srrttjum in1« Kranfengimmer, weif bie Jfeür offen war. Bieüeicfet ift e« bie SBafdjfrau, bie unreine SBäfdje gufammen fudjt, ober e« ip eine frembe SBafdjfrau, bie feereingepoltert fommt unb ein foldje« ©eräufefe macfet, baß ber Kranfe, ber »ieÜeicfet eben eingefdjlummert war, aufgewedt unb fo erfdjredt unb aufgeregt wirb, baß er bie gange Stadjt fein Sluge mefer fcfeließen fantt. Der Patient felbß beitft »ieÜeicfet nidjt oiel baoon unb mag pcfe wotjl auefe im Slugen* blide nicfet gerabe fcfelimmer bepnben; affein alle folctje ©adjen feabett fefelimme gol* ejeit frütjer ober fpäter unb netjmen mancfemal ein fetjr gefäferlicfee« Snbe. — Der Kranfenwärter »ergaß eben bafür gu forgen, baß ber Kranfe aud) wätjrenb feiner Sfbwefentjeit fo gut feewoefet unb »erpflegt werbe, als ob er felbß ba wäre. Sr »er* gaß, feinen ©tefföertreter batjin gu inpruiren, baß ber Kranfe gefdjü&t werben muffe gegen folefee SJtöglicfefeiten, wie g. B., baß frembe SBafdjfrauen irrttjümtidjer SBeife in'« 3immer poltern, ober baß unangenehme Stacferidjten bem Kranfen auf unpaffenbe SBeife üfeerferaebt werben, ober baß gwei bi« brei fdjwa^tjafre Stadjbarit ftd) beut 976 Kranfeitpflege. Kranfeit aufbrängen — unb oiele anbere gäffe unb SJtögtidjfctten biefer Slrt, bti »orlommen fönnen, wätjrenb ber SBärter gu irgenb einer SJtafelgeit ober überljaupt ouf längere 3eit abwefenb war. SBäre ein guter Kranfenwärter bagewefcn, fo Würbe er fogteidj gewußt feaben, was in einem fotdjen goffe gu ttjun fei; er würbe alle ©törungen unb fefelimmen golgen »erfeinbert unb feinen ©teü»ertreter fo unter« wiefen feaben, baß Slffe« fo gemadjt worben wäre, als wäre er felbß ba. Das SltleS gefeört gu ben spflidjten eines Kranfenpfleger« ober beffen, ber bie Slnorbnuiigen in einer Krattfeitßube trifft; unb ein guter Kranfenpfleger, ber wirflidj fein ©efdjäft »erftefet, wirb barauf adjten, baß bie« SlffeS befolgt werbe. Das ip es, was wir meinen, wenn wir »on ber Slufmertfamfeit in Kteinigfeiten fpredjen. Sin Krartfer follte nie überrafcfet werben, unb bei richtiger Borforge fann ba« aud) nicfet gefefeefeen. Ss ift nicfet genug, baß ber Kranfenwärter, ober biejenigen, bie pcfe befonbers um ben Kranfen bemütjen, »erftefeen, was Stedjt unb Unredjt ip, fonbern audj bie Dienerfdjaft bes Kaufes unb Sebermanit fonp foüte angemeffen unterrichtet werben, fo baß pe, wenn einmal ber Kranfenwärter nicfet ba ift, nicfet einen unangenefemen Befucfe einlaffen unb ben angenefemen wegfefeiden; baß pe nidjt eine Stadjridjr, fei es ein Brief ober eine münblidje Botfdjaft, »oreilig über- bringen unb naefe Umftänben gurüdfealren; baß fie nicfet genper ober Jfeüren öffnen, bie in ungefunbe, bumpfe unb fdjmujjige 3immer füferen ober in unreine Slofets unb SBanbfdjränfe, itt neuangepriefeene 3inimer, in unbewofente, moberige Stäume u. f. w., wenn pe bas 3inittter lüften wollten, ©olefee ©adjen fommen nur gu oft »or, wenn ber Kranfenwärter »on gadj »ergeffen feat, feine etwaigen ©teü»ertreter poffenb gu unterridjten. Der lluge, umpefetige Kranfenwärter wirb immer bafür forgen, baß pe wiffen, was pe gu tfeun feaben, benn bas ift ebenfo feine $ßidjt, als ben Kranfen aufmerffam gu pflegen unb für alle feine Bebürfniffe gu forgen. Ss fommt oft »or unb ift auefe gang natürlicfe, baß ein Kranfenppeger für längere 3eit auSgefeen muß. Sn biefem gaüe muß er erft mit bem Kranfen fpredjen, ifem fagen, wie lange er fortbleiben werbe, wann er wieber gurüd gu fein gebenft u. f. w., gleiefeoiel ob er lange ausbleiben wiü ober nicfet. Sr foüte pcfe nie »on bem Kran- fen fortfcfeleicfeen, nodj auefe länger abwefenb fein, als er einmal gefagt tjat. Sr foüte nicfet fagen, er würbe in einigen SJtinuten gurüd fein unb bann ben gangen Jag ober bie gange Staefet fortbleiben. Singft, Beforgniß, ©efenfuefet, Ungewißfeeit, Snttäufcfeung — »or aüen biefen muß ber Kranfe gefefeüt^t werben; ebenfo barf er nie getäufdjt, überrafcfet, erfdjredt werben u. f. w.; benn bas tattit ifem mefer fcfea* ben, al« irgenb welcfee lörperlidfee Sinßrengung. S« fann ein Stüdfaü pattfinben, ber ben Kranfen nicfet nur Jage, fonbern SBodjen lang an1« Bett feffelt, ja wofel gar fein Seben gefäferbet. SBer ba« Slmt eine« Kranfenppeger« feefieibet, bie« tjeißt bie Sinricfetung unb Sei* tung eine« Kranfengimmer« übernommen feat, ber feat nicfet nur bie ^"liefet, alle erforberlidjen SJtaßregeln felbft auögufüferen, fonbern auefe barnadj gu fefeen, tax) ße oon aüeit Slnberen auögefüfert werben; gu fefeen, baß Sciemanb, Weber au« Unwif* feitfeeit, nodj mit Sifeficfet, eö »erfeinbert ober »erfäumt, baß irgenb eine Borfcferift pünftliefe unb pcfeer befolgt werbe. S« ift nidjt nötfeig, Sllle« felbp gu tfeun, nocfe weniger ift e« nötfeig, fo unb fo »iele perfonen ongupeüen, bie Slüe« in Slüem tfeun foffen. fonbern es ift nur nötfeig, fidj gu »ergewiffern, baß jebe perfon bie ^lieferen »üttltlicfe, erfülle, bie ife,r aufgetragen würben. Kranlenpftege. 977 Dies ip bie feödjpe Bebeutung, weldje man bem SBorte „Kranfenpflege" beilegen fann, unb alle biejenigen, welcfee baö Slmt eineö Kranfettpflegerö (fei eö bie Pflege einer einzelnen perfon, fei eö meferer, wie in £ofpttätern) übernommen feaben, fofften pcfe bemütjen, eö in biefem ©inne aufgufaffen. Doefe gefefeiefet bieö gewöfenlicfe oiel weniger oon perfonen, bie einen einzelnen Kraulen pflegen, alö oon folefeen, bie für »iele gu forgen feaben. Sine franfe perfon Wirb oft »oit brei biö »ier SBärtertt weniger gut gepflegt, alö ein fealb Dujjenb Krauler »ott einem einzelnen guten SBar* ter, unb gwar auö bem ©runbe, weil itnt nidjts von ber ridjtigen Krattfenpßege »er* ßefeen. S« wirb tjeutgutage fo fefer oft über bieDienenben geflagt, id) glaube, e« wäre rtdjtiger, wenn über bieBefefelenbett getlogt würbe. SBie man Stufee fealten lann. ©eräufefe tp immer ein großer geinb ber Kraulen, mancfjmal aber fogar bie Ur- facfee fefer übler golgen. Slber eö iß unmoglidj, alles unb jebeö ©eräufefe gu »ermei* ben; bodj follte bie« fooiel ol« mögliefe gefdjefeen. Dodj mödjte idj gleiefe gu Slnfang bemerfen, baß ba«, wo« mon fefer ridjtig unitötfeige« ©eräufdj in uub neben bem Kranfengimmer nennen fann, »iel fdjäblidjer tp, ol« ba«, was fidj nun einmal nidjt »ermeiben läßt. Sa! ba« unnöttjige ©eräufdj ix} es, was «cfeaben tfeut! Darum foff unb muß e« »ermieben werben, unb — barüber wiff id) jejjt f&redjen. Ss iß merfwürbig, wie ein Krauler ba« gewöfenlidje ©eräufdj in ber Stäfee be« £aufeö »ertragen fann, g. B. ben Särm auf ber ©traße, ba« gofereit ber SBagett unb bergleidjen metjr, ia wot)l gar bas Slrbeiten ber £anbwerfer in irgenb einem Jfeeile beS Jpaufe« unb SlefenlidjeS, baS im Saufe ber täglidjen ©efdjäfte nidjt »er* mieben werben fonn. Dagegen bas ©preefeen im anßoßenben 31ntmer, bas Knar- ren ber ©djufje, baS foltern ber Kinber auf ber ipauöflur, ober wofel gar baö glüpern im genen 3immer fantt itjn fo aufregen unb pören, baß er pdj Jage lang nidjt baoo^ .ttjolett fann. SBa« alfo ba« ©eräufdj felbp betrifft, fo tp es gerabe bas muu uge, oermeiblicfee, ungewofente ©eräufdj, ba« fcfeäbticfe iß; biefe Jfeatfacfee feebe iefe; ,*ä) einmal nadjbrüdlict) feeroor. SJtöge pdj ber Kranfenwärter, ber Slrgt, ober irgtnb Semanb, ber für Kranfe gu forgen feat, nur einmal baoon übergeugen, unb e« wirb ifenen leicfet fein, ba« SJtittel bagegen gu pnben. SP ein ©eräufdj alfo unnötfeig unb barum fdjäbliefe, fo fann unb muß es »erfeinbert werben. Ss fommt offerbing« audj »or, baß Kronfe, befonber« in fofcfeeit gaffen, wo ba« ©efeirn angegriffen ip unb ber Kranfe pdj unter bem «Sinfluffe gewiffer SJtebifamente, al« Stjinin unb Dpium bepnbet, burefe; alle« unb jebe« ©eräufefe angegriffen werben. Da« ©eljör ip bann fo gefdjärft unb ba« ©efeirn unb ba« gange SteroenfoPem pnb fo emppnblicfe, baß bem Kranfen jebe« ©eräufdj unongenefem unb natürlicfe. audj mefer ober weniger fcfeäblltfe iß. Slber in offen gewöljnlidjen gälten tp eö ba« unnö* tfeige, außergewöljniidje unb unbebeuteube ©eräufefe, weldje« ben Kranfen ärgert, ßört ober unangenetjm berührt. Stodj ein«. Sine Unterhaltung, wetdje Slngß, Befürchtungen ober Srwartungen in bem ©emütfee be« Kranfeit erregt, fann bie fcfeäblicfe.pen golgen tjeroorrufen. SBenn gum Beifpiel bie Slergte mit einanber feeratfe. fdjlagen, gum Kranfenwärter ober ju SJtitgliebern ber gamilie fpredjen, unb gwar außerhalb ber Kronfenpube, aber 62 978 Kranfenpflege. bod) fo, baß ber Kranfe bie Unterfeaitung feört, ofene ße jebodj »erpefeen gu fott- nen — fo tp bie« ba« ©cfeltmmpe, ©raufampe unb ©ebanfenlofepe, wo« nur gefcfee* l)en tann. Slergte foüten bie« wiffen. Slber leiber ip ba« nictjt immer ber gaü; ober wenn pe e« wiffen, fo ftnb fte bod) gu feergto«, um oucfe nur baran gu benfen. Der Kranfe weiß ober glaubt (wo« baffelbe iß), baß über itjn unb feinen 3ußanb gefprocfeen wirb, unb wenn feine Kranlfeeit fcfelitnm ip, fo wirb er glauben, baß er fdjon fo fdjlimm fei, baß man fürdjtet, ifen wiffen gu laffen, wie e« mit ifem ßefee. Da« tp graufam unb tjöcfep gefäferltdj. Sbenfo ift audj baö glüpern (ein fefer gewötjnltdjer ©ebrauefe im Kranfengimmer) »on Uebel. Sin greunb ober »ieÜeicfet mefere fommen, um gu erfaferen, wie bet Kranfe pcfe bepnbet; bocfe auö gurdjt, ifen gu pören, inbem pe benfen, er fefelafe — ober nicfet wünfefeenb, baß er ifere Bemerfungen über bte SJtöglidjfett feiner ©ene* fung feören foü, fangen pe mit bem Kranfenwärter ober anberen anwefenben perfo- nen eine püpernbe Unterfeaitung an. Sin Krantenwärter, ber baö audj nur einen Slugenblid erlaubt, ip feineö Berufe« unwürbtg. Kein glüpern foüte im Kranfen- gimmer erlaubt werben, e« fei benn, baß ber Kranfe ein Kinb iß, weldje« nocfe nicfets »on bem »erpefet, was gefprocfeen wirb. S« foüte in ©egenwart be« Kranfen burdjau« nidjt« gefprocfeen werben, wo« er nictjt feören barf, aud) nidjt fo, baß er e« ntdjt »erßefeen fann, ja felbp in ben onpoßenben Stäumeu foüte nicfet« gefprocfeen werben, wo« ber Kranfe nicfet wiffen barf. 3eber benfenbe Kranfenpßeger, ober wer fonß für eineit Kranfert gu forgen feot, wirb bie« »erpefeen unb audj bie ©rünbe, bie midj gu biefen Bemerfnngen »eranlaffen unb foüte ftcfe barnaefe ridjten. — Sin Krauler, weldjer eine leife Unterfeaitung im Stefeengimmer, ober leife« glüpern im eigenen 3intmer feört, wirb benfen, boß eö entweber ifen felbß betrifft, ober baß e« etwas fei, was man ifen nidjt wiffen laffen wiü, weil es »ieÜeicfet aufregenb ober nie* berbrüdenb auf ifen wirfen fönne, furg etwas, baö man fürdjtet, ifem gu fagen. Dies wirb er benfen, man mag gefprodjen Ijaben, wooon man wiü. Die SBirfung feieroon wirb natürlicfe eine oiel fcfelimmere fein, als wenn er SlüeS gefeört featte. Ueberfeaupt pnb aüe« glüpern unb leife ©predjen in einem Kranfengimmer unb alle anfdjetuenben Bemüfeungen, ©eräufefe gu oermeiben — wäferenb man bocfe untia* türltdjeS unb ungernöljnltdjeö ©eräufefe madjt — für ben Kranfen unangenefemer uub pörenber, als natürtidjeö ©predjen unb ©etjett. Das Staufdjeu eines feibenen ©ewanbeS, bo« Klingeln ber ©djlüffel, ba« Knarren ber ©djufee, bie« Sltle« ip für ben Kranfen unerträglicher, al« irgenb ein »iel lautere« ©eräufefe. spiöfjlidjeö, taute«, ungewöfeitlidje« ©eräufefe muß man natürlid) fooiel wie mög* liefe oermeiben. Sin Kranfer foüte gum Beifpiel niemal« burdj ©eräufdj au« fei* nem ©djlafe erwedt werben, weber mit Slbßcfet, nod) burd) 3ufafl; bie« ip eine jpauptregel für Kranfenpßeger. SBenn ein Kranfer au« feinem ©djlafe erwedt Wirb, unb befonbers wenn bie« plö^liefe burd) laute« ©etöfe gefefeiefet, fo wirb er watjrfdjeinlid) ben Jag ober bie Stadjt nidjt metjr fdjlafeit fönnen. Befonber« follte mau bafür forgen, baß er nie im er ßett ©djlummer geftört werbe; feat er fcfeon gwei ober brei ©tunben gefdjlafen, fo fann eö ntdjt mefer fo oiel fefeaben. S« ip eine merl* würbige Jfeatfacfee, bie man pdj aber fetjr leidjt erflären fantt, boß, wenn ein Kranfer aufgewedt wirb, ber fcfeott gwei bi« brei ©tunben gefcfelafen tjatte, er bocfe woferfcfeeln* lidt) balb wieber einfdjtäft unb beffer fdjläft al« wenn er ou« feinem erpen ©djlummer gewedt würbe, ober nocfe, nidjt eine ooffe ©tunbe gefdjlafen trotte. Sllfo »erttert ein Kranfettpflege. 979 Kranfer ber gu früfe gewedt wirb, nidjt nur feinen ©djlaf, fonbern aitdj bie gä'feig* feit wieber einfdjlafen gu fönnen. Sin gefünber SJtenfdj, ber bei Jage fdjläft, fann Stadjt« ttidjt fcfelofen. Stidjt fo bei Kranfen, fonbern ba« gerabe ©egentfeeil. 3e mefer pe fdjtafeit, bepo mefer unb beffer fönuett pe fefelofeit. Darum, wenn ein Kranfer fdjläft, foffte er gerabe wäferenb feine« erpen ©djlafe« gegen Stile« gefcfeügt werben, was ifen plöfjltd) unongenefem aufweden fonnte; tjat er bereits gwei ober brei ©tunbeit gefdjtafen, fo madjt es nicfet fo oiel aus. Sin guter Kranfenwärter wirb barum barauf aefeten, baß feine Jfeüren geworfen werben, baß Jfeüren unb genßer beim ©cfeließen nidjt fnorren, boß lärmenbe Kinbet fern gefealten werben, unb boß fein ©eräufefe irgenb weldjer Slrt bie Stufee beS Kran* fengimmerS ober ber Stebenräume unterbredje. Der gefunbe SJtenfcfeenoerßanb wirb feier, wie in allen onberen Begietjungeit gum Kronfen ba« Stedjte treffen. (gntfdjtebentjett. — ^ünftliajfeit. Kürge, Sntfcfeiebeitfeeit unb 9)üttfttidjfeit pnb im Umgange mit Kranfen »on bet feöcfepen SBicfetigfeit. SBa« für Befürcfetungen unb 3*oeifel man aud) immer feegen mag, bem Kranfen bürfen pe nicfet mitgetfeeilt, ia l nidjt einmal burdj 3eidjeu »er- ratfeen werben. „Saßt bie ©ewißfeeit furg unb entfdjieben au«gebrüdt fein — eure 3weifel feefealtet für euefe felbß." ©olefee Seute, weiefee ifere ©ebanfen, 3*oeifet unb Befürcfetungen niefet für pdj befealten fönnen, fonbern pdj burdj ifere SJtienen, Blide unb Slntworten »erratfeeit, fofften nie bei Kraulen fein. SBentt man baran gweifelt, baß ber Kranfe genefen werbe, fo barf man bie« ja nidjt gegen itjn au«- fpreefeen unb ebenfo wenig e« burdj irgenb etwa«, was man fagt unb tfeut, anbeu« ten. SJtait muß uie gögernb, ou«weicfeenb ober unentfefeieben auftreten, benn ber Krönte feält ba« fogteidj für ein ungünftiges 3eiefeen unb beult, man t)ahe nur nictjt ben SJtutfe, itjtt wiffen gu laffen, wie e« mit ifem ßefee. Dem Kranfeit foffte nie ©runb gu Bermutfeungen irgenb einer Slrt gegeben werben, fonbern wo« gefagt ober getfean werben muß, gleicfeoiel, ob e« günftig ober ungünftig für ifen tp, ba« muß furg unb bepimmt gefagt ober getfeatt werben, ofene Doppelpnn, fonbern fo, baß auefe jebe SJtiene mit ben SBorten üfeereinßimmt. Uitentfcfetoffeitfeelt ip ba«, wo« aüe Patienten fürdjten, unb pe ertragen oon ifereit SBärterit alle« Slnbere lieber, al« bie«. SBer ein Kranfengimmer betritt ober pdj baraus entfernt, foffte bie« fefenett tfeun; nicfet plö^ticfe unb geräufcfeooff — aber auefe nictjt gögernb. Der Kranfe foff nie- mals fetjnfüdjttg barauf warten, boß man gefee ober fomme. „Kürge unb Bepimmt* feeit, fowofel in Bewegungen, al« in SBorten, fefeiden pd) für ba« Kranfengimmer/ Slber ja aud) wieber nicfet geräufcfeüoffe Site! Diefen Statt) mögen ftcfe fowofel Kranfenwärter, alö audj Befudjenbe merfeit. SBie oft gögern bie Befuder nocfe, nacfebem pe aufgepanbeit pnb, um gu gefeen, bleiben entweber am Bette be« Kran- fett, ober an ber Jfeüre pefeett unb fpredjen entweber gum SBärter, ober gu gamilien* gliebern, ober wofel gar gum Kranfen felbp — immer im Begriff gu gefeen unb fommen bodj nidjt fort. Die« ift für ben Kronfen tjöcfjp unongenefem unb notürlicfe barum aud) nadjtfeetltg. spüttfttidjfeit oon ©eiten be« Kranfenwärter« in Slüem, was er gu rljutt X)at, tp »on außerper SBicfetigfeit. SBenit eilt Kranfer feinen SBärter erp immer erinnern 980 Kranfettpflege. muß, wann es 3eit ip, SJtebigin eingunetjmen, fo fonnte er auefe ofene Kranfenwär. ter fertig werben. Der Kranfe foffte für nicfets gu forgen unb an nt*t« gu benfen feaben, fonbern burefe bie «pünftliefefeit feines «Pfleger« gu ber Uebergeugung fommen, baß SlüeS ridjtig unb pünftlidj beforgt wirb, audj otjne, baß er felbp pdj barum gu fümmern brauefet. ©o foüte eS mit feinem Sffen unb mit allem Slnberen fein. Der Kranfe foüte nie bie Smppnbung feaben, als fei er oernacfeläfpgt, ober baß feine Be* bürfniffe »ergeffen worben feien. SBie oft fommt es »or, baß ein Kranfer fragt s „SP es nicfet 3eit, baß idj wieber ein puloer nefeme ?" ober irgenb etwas anbereS, Was eö immer fei, unb ber Kranfenwärter antwortet: „D gewiß ! iefe »ergoß eö, unb es iß nun fcfeon eine fealbe ©tunbe über bie 3eü." — ©o etwas fommt oft »or, unb bodj ip es fefer tabelnswertfe, groufom unb unreefet unb fann ben Kranfen in wirflidje, unabwenbbare ©efafer bringen, gang abgefefeen baoon, baß er aües 33er- trauen gu feinen Negern »erliert. Darum follte man ouf jeben gaü wenigßens bie SJtebigin püttlrticfe unb gewiffenfeaft, ben Slnweifungen be« Slrgte« gemäß, ein- geben. SBenn ein Kranfenpfleger ou«gefet, fo foüte er erp bem Kranfen fagen, wte lange er weggubleiben gebenfe, unb bann auefe pünfttiefe gurüd fein. ^üttftlitfefeit, «pünft* licfefeit in ollen Dingen, in Kleinigfeiten fowofel, al« in widjtigen ©adjen ! Der Kranfe wirb bann fealb Bertrauen faffen, wirb immer rufeig fein, weil er fütjlt, baß er in guten ipänben ip, unb baß für ifen auf« Befte geforgt wirb. Sr wirb bann nicfet fürefeten, bie ßeit gum Sinnefemen gu »erfcfelafett, ober fonp etwas Slefenlicfee«. ^ünftlidjfeit ip barum eine ber notfewenbigPen Sigenfcfeaften eine« Kranfenwärter«. — SBer gu einem Kronfen fpridjt ober pcfe mit Üjm unterfeält, foüte immer fo pefeen, boß ber Krönte ifen reefet gerabe »or Slugen feat unb nicfet erß feinen Kopf naefe ifem umgubrefeen brauefet. Unmiüfürticfe blidt Seber ben on, mit bem er fpridjt, ober wünfefet eö wenigPen« gu tfeun. Dfegteld) e« nun für ben Kranfen mandjmal fcfemergfeaft fein mag, feinen Kopf gu brefeen, fo wirb er e« bennoefe tfeun, um bie perfon audj fefeen gu fönnen, mit ber er fprtdjt. Die« foüte man nie gefdjefeen laffen. SBer mit einer franfen perfon eine längere Unterfeaitung fütjrt, fei e« über ©e- ftfeäftsfaefeen, fei es über irgenb einen anberen ©egenftanb, ber ben Kranfen ittter* efprt, ber foüte pcfe pets nieberfetjeit unb gwar fo, baß ber Kranfe ifen bequem fefeen fann. Bliebe er ftefeen, fo würbe ber Kraule unauffeörlicfe feine Slugen nadj ifem aufgufeeben feaben, was beinafee fo fdjtimm ip, als wenn er immer feinen Kopf gu wenben featte. UeberbieS würbe es ausfefeen, ols ob man in großer Site wäre unb nur fo fdjneü wie möglicfe weggufommen wünfefee. — SBenit ber Kranfe felbp bie Unterfeaitung gewüufdjt tjat, um etwas gu »erlangen, ober eine SJtittfeeitutig gn madjen, ober pdj gu gerpreuen — fo foüte man rutjig bei ifem pjjeit, itjm Slufmerf- famfeit fdenfen, SlüeS, was er gu fagen tjat, in reiflidje Srwägung giefeen — unb bann fortgefeen, fo wie ber ©egenponb afegeljanbett ip. — Stidjts madjt ben Kran- fen ungebulbiger, als wenn man »erlangt, baß er nodj einmal wieberfeolen folie, was er uns eben forgfältig auöeinanbergefeijt tjat. ©oldje gragen, wie: „SBaS fagten ©ie bodj ?" u. f. w., beweifeit nur ben gänglldjen SJtangel an Slufmerffam- feit »on ©eiten bes ßut)'6xexS unb pnb fdjon bem ©efunben wiberwärtig, um wit »iel unangenefemer unb fdjäblldjer muffen Pe erß bem Kronfen fein. Kranfenpflege. 981 $ie SBicfetigfeit ber Slbwecfefelung. Stur wenige perfonen — mit 3lu«nafeme ber alten, erfaferenen Krottfenppeger — fefeett ein, wie nöttjig Slbwecfefelung für bie Kranfen iß, befonber« für folefee, bie lange an ba« Bett gefeffett pnb. SBir meinen Slbwecfefelung ber Umgebung, bet ©egenftänbe, auf bie be« Kranfen Slugen geridjtet finb, bie »erfcfeiebene ©teüung feine« Bette« unb be« anberen £au«ratfe« in bem ßimmex unb Slbwecfefelung in bem, wo« ifem Unterfeaitung gewäfert, als ©tafelßicfee, ©emälbe, Blumen u. f. w. SJtan wirb oft pnben, baß es für ben Krönten ober ©enefenben eine wafere SBofel- tfeat ip, wenn er aus einem 3iintner itt bas anbere gebraefet werben fann. Sbenfo fönnen pefe bie ©efunben faum eine Borfteüung booon macfeen, wetdje wofeltfeättge SBirfung »erfefeiebenartige fdjöne ©egenftänbe, namentlicfe prädjtige garben, ouf Kranfe ausüben, bie lange bie ©leidförmigfeit unb Sinfamfeit be« Kranfengimmer« gu erbulben feaben. SBenn ber Kranfe uacfe Slbwecfefelung »erlangt, nadj irgettb einer fleinen Beranberung biefe« ober jene« ©egenftanbes, ber uns »on feiner Be* beutung erfdjeint, g. B. wenn er münfdt, baß ba« Bett an eineit anberen $lajj ober an'« genper gerüdt werbe, baß fein Kopf eine anbere Sage befomme, baß ifem bie« ober jene« gereidjt werbe — fo pnb wir fefer geneigt, gu fagen : er tjat ©riüen, uub befeanbeln ifen mit ©leiefegültigfeit unb Seicfetfertigfett. Sltlerbing« feaben .bie Kronfen ba«, was wir „©riüen" nennen, ober eben biefe ©riüen pnb oft bie wiefetigftett unb pdjerfteu £inbeutungen auf baS, beffeu fte wirf* liefe bebürfen, unb wo«, wie geringfügig e« un« audj immer fdjetnett mag, bocfe fefer ju iferer ©enefung beitragen fann. S« wäre barum fefer wünfcfeen«wertt), baß äffe Kranfenwärter unb Pfleger beffer auf biefe fogenannten ©riüen aefeten unb üjnen mefer Slufmerffamfeit fefeeufett mödjteit, al« e« bi« jeijt gefdjefeen iß. 3*oar »ertan* gen bie Krönten oft gu effen, wo« pe nidjt Xjahen bürfen, unb was ifenen »erweigert werben muß, aber eine Beranberung iferer Sage, ober etwa« Slngenefeme« für ba« Sluge, wirb ifenen »on wefentlicfeem Stufen fei«. Die ©timme ber Statur — gewöfenlidj ein ßdjerer Statfegefeer — foüte barum wofel feeadjtet werben. SJtiß Scigfetingate, bie in iferem Bucfee über Kranfenppege biefen ©egenßanb auefe beljanbelt, fagt: „Sdj t)aht es an gieberfranfen gefefeen — unb felbft empfunben, als iefe barnieber lag — boß manefeeS fdjwere Seiben baburdj entftefet, baß ber Kranfe nidjt im ©taube ip, gum genßer IjinauS gu bliden, felbp wtnn es fonp nicfets gu fefeen gibt, al« eine Baumgruppe. Sdj werbe nie »ergeffen, wie Kranfe über ein ©träußefeen buntfarbiger Blumen entgüdt waren, unb erinnere midj, au« meiner eigenen Kranffeeit, boß, al« mir ein ©trauß gelbblumen gefefeenft würbe, meine ©enefung »on bem Slugettblide on »iel fcfenetter »ott parte« ging. Die Seute fagen: fo etwa« wirft nur auf ben ©eip. Dem iß ober nicfet fo. Die SBirfung äußert pdj audj auf ben Körper. SBir wiffen gwar fetjr wenig über bie Slrt unb SBeife, wie wir burdj gorm, garben unb Sidjt berütjrt werben, baß biefe aber eine feeilfame SBirfung auf ben Kbrper au«üben, ba« wiffen wir gewiß. Berftfeiebettfeett ber gormen unb bie «praefet ber gorben an ©egenftänben, bie bem Kranfen geboten werben, pnb barum pefeere SJtittel gu feiner ©enefung." Statürtid) bürfen aber weber ber ©eip, nodj bie Slugen babei ongeprengt werben. Die gebotene Slbwecfefelung muß langfam unb auf ongenefeme Slrt fommen. SBenn man jitm Beifpiel einem Kranfen eine SJtenge Kupferpidje tjinter einanber geigen 982 Kronfeitpflege. woffte, fo würbe itidjt nur bie wofeltfeätige SBirfung oerloren geljen, fonbern e« fonnte fogor wlrflidjer ©djaben oerurfacfet werben ; benn man fann barauf wetten, baß ber ©eip mübe uub oerwirrt unb ber Kranfe gleidjgültig, fdjwadj, peberfeaft aufgeregt ober fogar fränfer wirb, ©ibt man ifem aber e i n Bilb, ober tjängt e« fo ouf, baß ber Kranfe e« fefeen fann, immer jeben Jag ein anbere«, fo wirb bie SBirfung feieroon eine ongenefeme unb wofeltfeätige fein. SJtan barf nicfet fürefeten, ©träudjer, $flangeit ober obgefdjnittene Blumen in ein Kranfengimmer gu bringen, wenngteidj Kranfenwärter unb Slergte ou« einer gewif fen „geleferten Unwiffenfeeit" bie SJteinung »erfereiten, ol« feien folefee ©acfeeit fdjäb- lid), weil pe fofeleitfaure« ®a« au«bünpeit. Stotürlicfe, wenn man ein 3imwer, Wie ein ®ewäd)«feau«, mit Blumen unb Spangen onfüüen woffte, fo fönttte eine fefelimme SBirfung booon entpefeen. Slber ba« gefefeiefet bocfe wofel nicfet. Slußerbem feauefeen bie ^flattgeit fofelenfaure« ©a« nur Staefet« au«, unb wenn ße nun auefe Staefet« im Kranfengimmer blieben (was übrigen« gar nicfet nötfeig ift), fo würbe bie Quantität be« genannten ©afe«, bie eine giemlicfe große pflange ober ein ©trauß Blumen au«feauefet, nicfet einmal feinreiefeen, um eine gliege gu tobten. SBa« nun gar afegefdjntttene Blumeu betrifft, fo iß bie SBirfung »on biefeit'ba« gerabe ©egen* tfeeil »on bem, was man feefürefetet. SBenn pe nämlicfe in einem ©lafe ober einer Bafe mit SBaffer pefeen, wo« immer gefefeefeen foffte, fo »ergeferen pe fogar ba« fofe- lenfaure ®as, gerfetien bas SBaffer unb preuen Drogen (©auerpoff) aus, was fefer gur ©efunbfeeit beiträgt. Sinige Blumen pnb gwar nidjt gefunb. ©o g. B. bie Sitie, burdj beren Duft, wie man fagt, baö SteroenfoPem angegriffen wirb, ebenfo wie oon 3aömtn unb anberen. Sluefe barf man wofel oorauSfefcen, baß Stiemanb ©tedjapfel (Jimson Blossoms, Stramonium) ober ätjittitfee Blumen mit unangenefemem, ben Kopf ein- nehmendem ©erücfee in ein Kranfengimmer bringen wirb, wenn biefelben auefe nocfe fo fdjöne garben feaben. Slber bie Stofe, bie Steife, baö ©eranium unb äfenlicfee Blumen, pnb fowofel iferes wofeltfeätigen, angenefemen Duftes, als auefe iferer ©djönfeeit unb garfeenpraefet wegen, »on fefer wofeltfeätiger SBirfung. Blumen mit fdjönen garben pnb bie empfefelenswertfeeften. Unter ben garben ip wofel rotfe bie bepe; blau bagegen fdjeint ben Kranfeit uitangenefem gu fein. ©efunbe Seute ppegen metjrmalö am Jage mit iferer Slrbeit unb ben ©egenpänben Iferer Betracfetung obguwecfefeln, ben armen bettlägerigen Kronfen faffen pe aber Jag für Jag in bemfelben 3immer liegen, wo er ben Blid nur immer wieber auf biefelben fafelen SBänbe rtdjten muß, ofene irgenb eine Beränberuug ber ©egenßänbe um ifen feerum, ofene irgenb etwas, bos feinen ©ebanfen Slbweefefelung gewäferen Unxxtt! — Sfeenfowetüg wie Semanb fein Bein bewegen fantt, wenn es gebrocfeen ip, ebenfowenig fanit ein Kranfer ouf anbere ©ebanfen fommen, wenn man ifem nicfet baburefe gu Jpütfe fommt, baß man bie ifett umgebeubett ©egenßänbe weefefeit. — Diefe Bernaefeläfßgung ber Bebürfniffe bes ©eipe« bei ben Kranfeit ip eine ipaupturfaefee iferer Seiben. ©efuitbe Seute pnb nur gu geneigt, folefee ©adjen gang ju überfefeen ; fte fetjetten bafür im ©egentt)eil beit Kraalen „retgfear unb »erbrleß- Itcfe," fagen „er wiffe nidjt, wo« er wolle," nodj „was ifem gut fei," „er fofle mefer ©elbpbefeerrfdjung geigen," foffe „peinlidje ©ebattfett unb tfeöridjte SBünfcfee »etbatt- nett," welcfee „bocfe nur feine Kranftjeit oerfdjtimmern" u. f. w. Slffe biefe unb ht)nlid)t Stebensartett geugen aber ttur oon großer UnwiffenfjeU ober araufontet Kranfettpflege. 985 ©teldjgülttgfetr, unb perfonen, bie fo fpredjen fönne«, eigne« ßdj nidjt gn Kran- fenwärtern. — Beinatje jeber Kranfe, ber pdj nur einigermaßen gut benimmt, übt gewiß jebe ©tunbe unb jeben Jag mefer ©elfeßbefeerrfefeung, ol« neun unter gefen ©efunben, unb mefer, al« Semanb beurtfeeilen fonn, ber nodj nidjt felbp franf war. Stefemen wir an, e« bliebe Semanb bie gange Staefet fetnburdj auf, aber anpatt ifem in ber 3eit eine Jap Jljee ober SJtorgen« feinen Kaffee gu geben, fagt man ifem, er folle pefe feefeerrfdjen unb nidjt folefeen Befeürfniffen Staum gefeett. SBa« würbe biefer fagen ? gür be« Kranfen Sffen unb Jrinfen mag wofel geforgt fein, aber e« ip nicfet junger, wo« tfett ftört, e« ip bie ©efenfutfet nadj geifiiger©peife. Da« Steroenfoßem ip außer Drbnung unb ber ©eip bebarf 3erftreuung. Diefer 3upanb be« geiftigen SeibenS, ber Sangeweile, ber SJtübigfeit be« Körper« unb ber ©eeie fonn fefer gemilbert werben, wenn matt bem Kranfen fdjöne Slnpcfeteit »er* fdjafft, für eine ongenefeme Slbwecfefeluna ber ifen umgebenben ©egenftänbe forgt unb ifen Ijüfefctje ©adjen fefeen läßt. — SBie oft erfefenen bie Kranfen ben fommett* ben Jag ! Die« ip gewöfenlid) niefets, als ber SBunfdj nadj Jageölidjt, bie Srin- nerung an bie ßtx[txtuuna,, wetdje bie Berfdjiebenfeeit ber ©egenpättbe, auf weldje baS Sluge pel, bem ermübetett ©eifte gewäfert tjat. SBaS für eine ongenefeme unb »ernünftige Slbwecfefelung gewäfert eö bem Patienten, wenn er im ©taube ift, ein wenig gu priden, gu ttätjett, gu fdjreifeett, ober irgenb eine anbere leidjte Slrbeit gu »erriefeten. Daö erweitert ba« ©emüttj unb ftärft gu gleidjer 3eit ben Körper. man bebenfe nur, baß ber ©efunbe berartige Slbwedjfelung unb nodj mandje anbere in Begug auf Befdjäftigung tjat, bie ber Krönte nidjt feaben barf, uub feemüfje pd) barum, ifem äffe nur möglidjen angettetjmen 3"ß™nungen gtt »erfdjaffett, bie er, ofene pdj gu fdjaben, genießen barf. Staferung für Kranfe. Sine ber erpen ^flidjten, bie einem guten Kranfenwärter obliegen, ip bie ©orge für ridjtige Diät be« Kranfett. Sr muß wiffen, welcfee Slrt ©peife ber Kranfe genie- ßen barf, muß pe tjerfeeifdjoffen, muß für bie ridjtige 3ubreitung forgen unb pe bem Kranfen gur redjten ßtit geben. Seiber tjerrfdjt in biefer Begiefeuug nodj bie größte Unwiffentjeit, fowotjl unter Kranfenpflegem oott «Profefpon, al« unter bem $ufelifum überfeaupt. Der gewötjnlidj pe Srrttjum, welcfeem ber Slrgt in feiner $rart« oft begegnet, iß bie Sbee (wetdje namenttidj auf bem Sanbe oorgufeerrfdjen fefeeint), baß Semanb, ber franf wirb, mit allen mögticljeit ©adjen gum Sffen unb gum Jrfnfeit »erfefeen werben muß. SBie oft fommt e« oor, baß, wenn ber Slrgt bett Kraulen unterfudjt, ifem SJtebigin oerfdjrieben unb alles Stötfetge »erorbnet tjat, bie beforgte SJtutter, ober ©djweßer ober fonp irgenb Semanb gleidj nadjtjer fragt: „SBo« foff er effen, Dof- tor ?" „SBaö barf er effen ?" „SBie oft unb warnt barf er effen ?" „SBirb eö ifem fdfeoben, wenn er bie« ober jene« ißt ?" — unb »erfcfeiebene grogen biefer Slrt, bie olle Bewerfen, baß bie Seute pdj meljr um be« Kranfett Sffett unb Jrinfen, als um bie ridjtige Beraferetdjung ber SJtebigin ober bie Befolgung anberer, widjtiger Stegein ber Kranfenpflege fümmern. — Die« ip ein großer Srrtfjum, ber oft©djoben tfeut; allein er muß oergeben werbe«, ba er au« ben reinßen unb bepen ©efüfelen entpefe,t. 3ebermann weiß, baß Sffen unb Jrinlett gttm Sebett «ort)wenbig ip, barum iß eö 984 Kranfengimmer. wol)\ notürlicfe; angunefemen, baß bie Kranfen aud) effen muffen. SBenn nun abtx Semanb franf wirb, fann unb foff er nidjt bie gewöfentidje Staferung ber ©efunben genießen; bafeer entpefet woX)l ber ängpiidje SBunfdj feiner greunbe gu wiffen, wo« er effen fönne unb bürfe. — S« ip burcfeau« reefet unb wütifdjen«wertfe (ja fogar bie feödjpe unb Widjtigpe 9>pid)t), baß Kranfenwärter unb olle, bie Kranfe gu pßegen feabett, pdj audj betnüfeen, gu erfaferen, wo« für Staferung für ben Patienten paßt, wie pe gubereitet werben muß unb wann pe ifem gegeben werben barf. 3dj fage burdjau« nidjt« feiergegen, fonbern empfefete eö im ©egentfeeil al« eine ©aefee ber feöcfeften SBicfetigfeit; nur warne iefe oor aller Uebertreibung uttb gu großer Slengß* lidjfeit unb namentlidj »or ber falfcfeeit Slnßdjr, baß ber Kranfe gleidj effen fülle unb immer effen muffe, als ob er bet »oller ©efunbfeeit wäre. Ss nefemen mefer Kranfe ©efeaben (unb tierlieren folglid) audj iferer mefere bas Seben) burdj gu »ieles Sffen unb unpaffenbe Staferung, als burefe Sntfealtfamfett unb gu weniges Sffett. S« ßirbt feiten Semanb au« SJtangel an Staferung. ©o ttwas paffirt feöcfepen« in SJtilitärfeofpitälern, auf bem © cfe ladjtf eibe, in fdjledjt eingeridjteten Kranfenfeäufern unb unter ber oüerärmften Klaffe ber Beoölferuttg unferer großer ©täbte. — 3war ift e« Jfeatfacfee, baß Kranfe inmitten be« größten Ueberfluffe« oft SJtangel leiben, weil bie Unwiffenfeeit iferer Berpfleger fo groß ip, boß pe nicfet einmal wiffen, was ber Kranfe X)ahtn barf, wie es gubereitet werben muß unb wann unb wie es ifem gereidjt werben fann. Unb ip eö nicfet Unwiffeirtjeit, fo ip eö ©orglopgfeit, Stadj- läfpgfeU unb ©leidjgüitigfeit. Slber wie gefagt, eö pirbt Keiner au« SJtangel an ©peife, bagegen netjmen Biele großen ©cfeaben, wenn pe im gieber ober bei anberen afuten Kranffeeiten gu oiel genießen. „Saßt ba« gieber barben, aber füttert ben ©djnupfen," fagt ein alte« ©priefewort, unb eö ift oiel SBaferfeeit barin, namentlidj was baö Darben anbetrifft. SBenn midj bie Slngefeörigeit eineö Kranfen fragen: „wann unb was barf er effen?" fo antworte idj gewöfenlidj: „wann unb wo« er will." — Stötfeigt bocfe nie eineit Kranfen gum Sffen unb fe^t ifem nie oiel Berfefe. iebene« »or; er wirb fcfeon am bepen wiffen, wann er Staferung bebarf; fein Slppetit wirb ftcfe fdjon »on felbft ein- Pellen. SBenn er naefe etwa« gang Befonberem Slppetit feot unb barum bittet, fo fonn man annefemen, baß eö ifem nictjt fdjaben, fonbern gut tfeun wirb. Dodj giefet bie gefunbe Bernunft babei gu Statfee. Die Kop be« Kranfen muß einfadj, nafer- feoft unb leidjt »erbaulicfe fein ; feat ba«, was er feaben will, biefe Sigenfcfeaften nicfet, fo gebt e« ifem auefe nicfet. bäht ifer ernftliefee 3*oeifel, ob itjm biefe« ober jene« audj guträglidj fei, fo feoltet e« lieber gurüd. 3m anberen gaffe gebt ifem, wo« er wünfefet, nur »ergeßt nicfet, baß ein Kranfer wenig Staferung brauefet. — Diefe Sie- gel gilt für alle afuten Kronffeeiten, al« gieber, Sntgünbungen, Diarrtjöe u. f. w. Bei eferonifcfeen Seiben aber, ba« tjeißt bei Kranftjeiten »on langer Dauer, bei benen wenig ober gar fein gieber »orfeanben iß, muß bie ©peife ein wenig »eränbert wer- ben, benn ba ip leiefete, mäßige, einfadje Mo[i nidjt eben notfewenbig. — SBenn 3** manb erfronft, gum Beifpiel am gieber ober irgenb einer anberen atuten Kranffeeit, fo tjat er in ben erpen paar Jagen feiten ba« Bebürfniß nad) ©peife, unb biefes iß ebenfo natüriidj, al« SJtäßigfeit bem Krauten guträglidj ip. ©et)r noferfeafte, fdjwer oerboulicfee Kop würbe bann unfeebiitgt fcfeäblicfe feilt, unb überfeaupt jebe ©peife metjr fdjaben al« nü£en. Sn fotdjen gälten unb gu fotdjen 3eüen foüte ber Kronfe nie gum Sffen genötfeigt werben, nametttlid) wenn er felbp fein Bebürfniß nad) Kranfettpftege. 985 Staferung luttbgifet. Sfem bauit ©peife aufgugwittgen, wäre $öct)P fcfeäblicfe. unb groufom, felbp wentt eö aus reiner Siebe unb ©orge für fein SBoljl gefcfeäfee; benn in neun gäüen unter gefen würbe eö nur bie Kranffeeit »erfefetimmern. Bei Slnfäl* len »on gieber ober afuten Kranftjeiten ber Singeweibe, fönnen eine biö gwei Ungen Staferungspoff — befonbers animalifdje — wetdje bem Kranfett aufgegwungen wer* ben, bloS weil man benft, er muffe bodj etwas genießen, bemfelben meljr fdjaben, als roenit er brei Jage lang gar nicfetö genießt; benn in mattefeett gätten oon afuten Kranffeeiten ip eö mtrffidj baö beße SJtittel, baö Seben beö Patienten gu retten, wenn matt ifen brei Jage ober audj länger ofene atte Staferung läßt. — Sn atten gälten »on afuten Kranffeeiten fei alfo Sieget, bem «Patienten niematö Staferung gu reicfeen, wenn er pe nictjt felbp wünfefet. bat er Slppetit, fo gebe man ifem baö, was er feaben möcfete, wenn — eö ifem nicfet fefeabet. Diefe« Severe attemat wiffen gu fönnen, erforbert otterbing« einige Kenntniß unb ridjtige« Urtfeeil auf ©eiten be« Kranfen* roärter«, bocfe nicfet mefer, al« man von atten Krankenwärtern unb benen, bie für Kraute gu forgen tjahen, mit Steefet »erlangen barf. S« ip wafer unb fann nicfet geleugnet werben, baß Kranfe oft inmitten beö Ueber* ßuffes SJtangel an Staferung leiben, fetos weil ifere Pfleger unwiffetib unb nadjläfpg ßnb unb Weber eine ©peife ridjtig gubereiten fönnen, nodj bie reefete Seit unb bie Strt unb SBeife fennen, fte bem Kranfen gu reicfeen. Ss erforbert oft gefunbeS Ur- tfeeil unb ©efcfeidlicfefeit, bem Kranfen eine ongenefeme, wofeifefemedenbe, guträgÜdje ©peife bereiten gu tonnen; gu wiffen, oon welcfeer Slrt pe fein muffe, ob fep ober ßüfpg, ob »egetabilifdj ober antmalifdj; gu wiffen, gu welcfeer JageSgeit, ob SJtorgenS, SJtittagS ober Slbenb« eine gewiffe ©peife ant bepen fefemeden wirb, unb gu wiffen, in weldjen Duantitäten unb ouf welcfee SBeife pe bem Kraulen gereiefet werben fantt. Dies Sitte« »orljer, wie eilte «Profefpott gu erlernen unb in allen »orfommenben gäf* len angumenbett, iff natürlicfe unmoglidj; ottein ber benfenbe, oufmerffame Kran* fenwärter, ber gewöfjntidje Borfenntniffe feat — unb biefe fottte er feaben — wirb balb alle« Stötfeige lernen, fowofel burefe pete Berfucfee, al« auefe burefe bie größte Slufmerffamfeit auf bie Sage, ben ©efefemad, bie Sigenttjümlictjfeüen, Steiguitgett unb Slbneigungen be« Kranfeit. Denjenigen, bie fdjon lange front waren, ip e« oft rein unmögfidj, be« SJtorgett« fepe ©peifen gu genießen. SBenn üjnen auefe fonft nicfet« geboten würbe, weber SJtittag« nodj Stacfemittag«, fo würben fte bennoefe nicfet im ©tanbe fein, fepe Stafe.* rung gu pdj gu nefemen, weil pe burefe atujalrenbes gaßen fdjon gu [et)x erfdjöpft r{nb. _ gilt unwiffenber Kranfenwärter nun, ber feinen «Patienten JagS guoor eine feergfjafte SJtittagSmatjtgeit genießen fatj, barf ftcfe. barum nicfet wunbern, biefelben ©peifen am SJtorgen oerfefemäfet gu fefeen, unb fott ja nicfet glauben, ber Kraule X)aht Sauueit unb muffe gegwungen werben, gu effen, was ba ip. ©cfewäcfee Kranfe Rofeen gewöfenlidj beS Stodjts gieber unb pnb barum SJtorgen« fefewacfeer Rofeen eine trodene 3unge, ©cfewierigfeiten beim ©cfeluden, eine fefemaefe. Berbauung unb wenig ober gar feinen Slppetit. Unter folefeen Umftänben fönnen fte feine fepe ©peife genießen, wofe.1 aber irgenb eine flüfpge Staferung gu fiefe. netj* mett al« gteifcfebrüfe.e, warme SJtitdj in SBoffer, füßeit Jfeee, £üfetterfuppe uub ber* o eicfeeit • erp wenig, bann etwa« mefer, bi« pe SJtittag« im ©tanbe ftnb, eine gute uub Parle SJtafelgeit gtt ftcfe git ttetjmeit. Unwiffenbe Kranfenwärter nun fönnen ntdjt begreifen, warum ü)r patient ttidfet eine Staferung ebenfo gut be« SJtorgen« ooi 986 Kranfenpflege. eltf Ufe>, al« be« Stadjmittag« oon gwei fei« pefeett Ufer genießen fann, unb forglofe, gleichgültige Pfleger fragen entweber gar nidjt, ober fdjeuen bie SJtüfee, bie p^ffenbe ©peife gu feerdtett unb ße bem Kranfen gu redjter 3eit unb in redjter SBeife augu* bieten. Sin anberer gatt. Sin Kranfenwärter feat Sluftrag, bem Kronfen aüe brei bi« »ier ©tunben eine Joffe »off irgenb einer Staferung gu geben; aber ber patient fann pe nicfet genießen, fein SJtagen nimmt pe nidjt an. — SBaS ip nun gu tbun? Der bettfenbe SBärter wirb gteidj Statt) wiffen, ober wenigPenS probiren, wie es pdj tfeun läßt. Sr wirb pe in fleinen «Portionen unb fürjeren Raufen geben, gum Bei- fpiel olle getjn bi« fünfgefen SJtinuten einen Sßlöffel »off, unb wenn ba« nodj nidjt genügt, nur immer einen Jfeeelöffel »off, bi« ber SJtagen ein wenig gefräftigt iß unb metjr »ertragen fann. Die Slbpcfet be« Slrgte« war, ben Kranfen alle brei bi« »ier ©tunben eine Joffe »off Staferung'spoff genießen gu laffen. Kann berfelbe pe nidjt ouf einmal nefemett, fo gebe mau pe ifem in foldjen «Portionen, baß er ße »ertragen fann unb ridjte es babei fo ein, baß bie Joffe nad) brei bis »ier ©tunben geleert fei. S« unterliegt feinem 3*»eifel, baß mandjer Kranfe in golge ber Unwiffenfeeit unb bes SJtangel« an Sinpdt feiner «Pfleger ptrfet, oft nur in golge biefer anfefeeinenb unbebeutenben Berfäumniffe, unb gwar gefefeiefet bie« öfter in «prloatfamilien als in öffentlidjen £ofpitä!em. Sbenfo iff «pünfttiefefeit beim Berafereidjen ber Staferung »on ber äußerßen SBicfe- tigfeit, ja bos Seben felbp fann ba »on wenigen SJtinuteu obfeängen. Sin Söffet »off StaferungSßoff, ber gur recfeten 3eit gereiefet wirb, fann ben SluSfcfelag geben, wenn ber Kranfe fcfeon gwifdjen Job wnb Seben fdjwebt, nnb fo fein Seben retten, wäferenb es »teffeidjt nadj gefen bis fünfgefen SJtinuten fdjon gu fpät gewefen wäre. Das Seben feängt oft feucfeftäfeltdj o*n wenigen SJtinuteu ab, unb es gilt fowofel »on ber Staferung, al« »on ber SJtebigin ober einer efeirurgifefeen Dperation, baß eine Kleinigfett — gur recfeten 3^it angewenbet — be« «Patienten Seben retten fann. SBenn barum ein Kranfer fefer fdjwadt) ip unb nur wenig Staferung gur 3eit genie- ßen fann, gebe man itjm biefe unter Beobacfetung ber größten ©orgfalt. Sin wirflidj guter Kranfenpfleger actjtet genau auf bie ©tunben, warnt feitt «pa- tient Staferung gu pdj nehmen mag. Sr mertt pcfe, wanit berfelbe om fd)wäcfepen iß unb ridjtet ba« Beraferetdjen ber Staferung fo ein, baß biefer * _ gür Kranfe, bie fiefe fcfeon wuub gelegen feaben, tp eine frifdje, lofe geßopfte 63 994 Kranfenpflege. ©rrofematratje iit einem leinenen Uefeerguge, mit einem einfadjen Betttudje bat übet, bie be[te Unterlage; unter feinen Umpänben bürfen pe auf biden woüenen, obet ©teppbeden liegen. Snbiarubberbetten mit SBaffer gefüüt, bie neuerbing« eingeführt Worben pnb, bürften für bettlägerige Kranfe bie gwedbienlidpen fein. Die biden, fcfeweren ©teppbeden eignen ßd) aber ebenfo wenig gum 3ubeden be« Kranfen, ba fte wegen iferer Didjttgfeit weber bie frifdje Suft, nocfe bie Slusbün« Pungen«be« Kranfen feinburdfe laffen. ©ie fealten bie feudfeten Dämpfe in fict> gurüd unb werben auf biefe SBeife feöcfep ungefunb uub gefäferlicfe. Uefeerbieö finb pe für einen fdjwadjen Kronfen oud) gu fdjwer. Die t>efte Bebedung für Kranfe bleibt immer eine reine, leidjte, bü«ne woüene Dede, weldje aüe geuefetigfeit unb Dünpe gut ableitet, ©oüte eine folefee Dede nidjt feinreiefeenb fein, möge man gwei ber- felben, ober auefe eine leiefete poröfe Ueberbede nefemen, aber jo leine unburdjbring* liefeeit, luftbidjteit Dedett. Ss iß beffer, ben «Patienten gu füfel Hegen gu laffen, al« ifen gu fefer mit Deden gu beloben. Sin anberer Srrtfeum, ober beffer gefagt, ein anbere« Uebel iff ba«, baß be« Kranfen Kopf gu feod auf »ielen Kiffen liegt. SBenn ber Kranfe »erftänbig unb gureefenungSfäfeig ip, fo laffe man itjn felbß entfdjeiben, wie er om feequempeu liegt. Dodj immer fann man pdj barauf nicfet »erlaffen. Ss iff fcfeon manrfjer ©cfeaben baburefe gefefeefeen, baß ber Kranfe gu feodj gelegen hat, weil baburdj ber Kopf »orwarts auf bie Bruß gebrüdt unb fo bas Sttfemen erfdjwert wirb. Der Kranfe foü gwar fo bequem als mögliefe liegen, muß aber ßets frei attj- men fönnen; barum barf ber Kopf unter feinen Umßänben gu fjod) liegen. Oteinlicfefett. Sdj tjafee »ieüeidjt fdjon genug über bie Steinlicfefeit gefagt, ats iefe über gefunbe SBofenuttgen ttnb bereit Umgebung fpradj; aüein ber ©egenßanb ip für ©efunbe, ®enefenbe unb Kranfe »on foldjer SBicfetigfeit, baß idj mir erlaube, bie Slufmerffam- feit metner Sefer. nod) einmal barauf feiugulenfen. Steinlicfefeit ber Umgebung be« Kranfengimmer«, be« JpaufeS unb aües beffen, was baran unb barum ift, ip fowofel für bie Srtjattung ber ©efunbfeeit, als auefe gur fcfeneüen ©enefung ber Kranfen burdjaus notfewenbig. Sbenfo ip aber audj perfönlicfee Steinlidjfeit, Steinlicfefeit be« Kranfeit felbp, »on ber äußerpen SBidjtigfeit. Sticfet genug, baß ba« Bett, bas 3immer unb SlüeS, was an baS 3inimer unb bas bans ßößt, »oüfommen rein ober bodj wenigßens fo rein ol« möglid) gefeolten werben, audj ber Kranfe fetbß muß rein fein. Damit Witt iefe fagen, baß ber Körper, bie baut, bie gange «perfon be« Kran- fen burdj öftere Slbwafdjungen unb Bäber fo gereinigt werben muß, baß bie «Poren offen bleiben unb bie baut in einem gefunben 3«Panbe erfealten werbe. Su einem anberen Jljeite biefeS BudjeS t)abe id) in ber Stbtjanblung über „Baber* einige nütilidje ttnb praftifefee Slnweifungen über tiefen ©egenßanb gegeben. SBer jemals felbß ©elegentjeit featte, pdj gu übergeugen, wie ei« warnte« ober lauwarme« Bab auf einen ®enefenben ober Kranfen (beffen 3uffanb ein Bab erlaubt) wirft, Wie ber «Patient neu belebt wirb, beffer auspefet unb pdj felbp audj beffer fütjlt — ber wirb gugeben muffen, baß biefe öfteren Bäber unb SBafdjungen für ben Kranfen eine watjre SBotjtttjat ßttb. Darum foüte jeber Kranfe ein- ober gweimal bie SBodje über ben gangen Körper gewafcfeen werben. Statürlid) muß ba« SBaffer, befonber« für [d)wad)t Kranf' K r o »f e tt f o p. 995 warm ober lauwarm unb womöglid) weidje« Stegenwoffer feilt. Sluct) iff e« gut in bem SBoffer ein wenig ©aleratu« (fotjlenfaure «pottafdje) aufgutöfen ober etwa« Sauge feingugufügen, bamit e« alfalifdj (lougettfalgig) werbe. Die« bient bogu, bie fiebrigen unb fettigen Jfeeile, welcfee ou« ben «Poren ber baut auögefdjwifjt werbe« leidjter gu entfernen, ©eife gebraucfee man reidjtitfe, fie fcfeabet nicfet. — Stoefebem ber Kranfe gefeörig gebabet ober gewafcfeen worben ip, trodne unb reibe man bie Dberpädje ber baut mit trodenen Jpanbtücfeern. Diefe letztere Dperation ip fefer wicfetig ; benn pe bringt eine Steaftion feeroor, treibt ba« Blut nadj ber Dberflädje ber baut unt bewirft fo eine freie unb gteicfemäßige 3irfuIation beffelben. SBenn ein Kräuter eö oertragen fann, fo wirb ftcfe audj ein falte« Bab ober eine SBafdjung mit faltem SBaffer, namentlidj in giefeeranfätten, alö fefer angenefem unb wofeltfeatig erweifen, natürlicfe aber muffe bie Slbreibung ntit trodenen Jücfeern um fo fräftiger burdjgefüfert werben. Um gu »ermeiben, baß ber «Patient, namentlicfe wenn er fefer fdjwaefe ip, pefe babei erfälte, wäre eö wofel baö Befte, nur einen fleinen Jtjeil ber Bettbede aufgufeeben unb audj nur einen fleinen Jfeeil beö Körperö abguwafcfeen unb tücfetig obgureiben. Sn biefer SBeife fätjrt man bann fort biö ber gonge Körper »ottftänbig gereinigt ip. SJtein letzte« unb nadjbrüdttcfepe« SBort über biefen ©egenponb ip nod) einmal, baß Steinlicfefeit, allgemeine wie förperlidje, nidjt attein gur guten Kranfenpflege, fonbern oucfe gur Srtjattung ber ©efunbtjeit bie erße unb wefentlidjfte Bebingung ift. $te$epte $ur $$eteitun# von fötantentoft. Bouillon. gür fetjr fdjwacfee «Patienten unb in gäüen, wo man felbp fcfewacfee gteifdjferüfee für gu ftarf tjält, feebient mon pcfe ber fogenannten Bouiüou. Diefelbe wirb fefer üfeerfdjä^t al« ein biätetifdjer ober naferfeafter ©egenffanb, ba er nur fefer wenig Staferung enthalten fann, unb ba ein «Patient in ber Jfeat fefer fdjwaefe fein muß, ber nicfet etwa« ftärfere« oertragen fann; nicfet«bepoweniger gibt e« gäffe, in wel- efeen er ba« Befte fein mag unb baö Slüeinige, was pdj geben läßt. Sr läßt fidj begefdjnen atö bie möglidjß fcfewäcfepe gorm oon gtelfdjbrüfee unb wirb gubereitet, wie folgt: nimm etwa ein feaibeö «pfunb frifefeeö, magereö Sunbfteifcfe, fdjiteibe e« in bünne ©djeifeen, tfeue biefelben in eilt fleine« ©efäß ober ©efeale, gieße barüber ein tjatfeeö Duart foefeenbeö SBaffer unb taffe e« eine feolbe ©tunbe lang am geuer ßefeen unb giefeen, aber nidjt peben. ©ieße fobann bie Brüfee afe unb preffe ben ©aft ein wenig aus bem gteifdje, fe£e ein wenig ©atg Ijingu unb gib biefe« ©etränf bem «Patienten, ber Berorbnung gemäß. SJtan foffte e« mäßig warm nnb gemeinig* llä) in geringer Quantität geben, ba ein «patienr, ber nicfet etwa« pariere« netjmeit fann, al« Bouillon, aud) ntdjt im ©taube fein wirb, »iel auf einmal baoon ju genießen. 996 Kr anf enf o ß. £üfenerpa«abe (£ ü-fe« e rfu ppe). Kocfje ein junge«, ausgeworfenes £ut)n in gwei Duart SBaffer feeitialje gor; nimm es fobann IjerauS, löfe bie baut »on ber Brup unb fdjneibe bie Bruß obet bos weiße gleifdj ob, wenn eS feinreiefeenb afegefüfelt iß. 3erfdjneitc es in fleine ©tüdefeen, tfeue biefelben in einen SJtörfer, ober ein fonpiges parfes ©efäß unb ger« Poße unb germalme pe gu einem Jeige, unter ßufafy oon einer Kleinigfeit ber Brüfee, in weldjer e« gefoefet war. Berfe^e biefe« gefeörig mit ©alg unb ein wenig 3itro* nenfefeale. Koefee biefe« fobann gu ber gewünfefeten Dide, unter £ingufüguttg »on genug SBaffer — langfam, einige SJtinuteu lang. S« follte ungefäfer »on ber Kon- ßPettg einer bünnen SJtefelfuppe fein, ober feinreiefeenb bünit, um e« gu fcfelürfen obet mit bem Söffet gu effen. SBenn e« gum Jeige »erarbeitet ip unb e« ift gu oiel, um auf einmal, ober in einem Jage »erbrauefet gu werben, fo fann man baffelbe in einem Krüglein ober einem anberen paffenben ©efäße wegßeüen unb baoon nadj Bebürf- niß gebraucfeen. bat man «Ponabe baraus bereitet, fo fann man ein wenig geröftete Brobfruße feittgitfügen, wenn ber «Patient pe nefemen barf; audj mag man pe baburefe »erbeffern, baß man irgenb einen mefetigen Slrtifel, wie SteiS, ©erße, grobes SJtefel unb bergleiden feingufügt unb getjörig foefet. SS iß bieS ein fefer natjrljafter Slrti- fel, ber einen großen ©efealt ou Staferung«poff in einem fleinen Umfange bepfct. jpüfenerferüfee. man fonn pe »on einem jungen Jputjn madjett, weldje« man nadjfeer für bie ga- milie baburefe guriefetet, baß man baffelbe eine 3eü lang ßebet, efee man es für ben Jifcfe gubereitet unb fobann bie Brüfee auffeebt. Slm beßen jebod) »erfäfert man, um jpüfenerferüfee gu madjen, wenn man ein giemlidj alte« Jpufett nimmt unb eS gugeijen foefet unb falgt. SJtanmaefeebie Brütje burdj Jpingufügung »on SBaffer feinlänglidj fdjwacfe unb bünn, fdäume unb feifee pe, wenn pe gar ift. man tann fie in einem paffenben ©efäße (weldeö nicfet oon SJtetaü fein foüte) wegfteüen unb täglicfe fooiel baoon gebraucfeen, als ber «patient erforbert, inbem man ein wenig baoon nimmt unb wärmt unb, wenn eö nötfeig ift, pe »erbünnt, ober inbem man etwa anbere ©adjen tjingutfeut, wie geröfteteö Brob, gefodjten SteiS unb bergleidjen. jpommelbrütje. Sluf ein «Pfunb mageres £ammelfleifdj (man fdjneibe aüeS gett ab) gebraucfee ein Duart SBaffer unb ein wenig ©alg, mit einigen Brobrinben, locfee es langfam ein paar ©tunben long unb fdjäume fobann bie ölige ©ubftang »or bem ©ebraudje forgfältig ah. Srtraft »on Sti ttbflei f dfe. So ip bieö ein fefer natjrtjöfter Slrtifel unb bürfte mit großem Stufen pcfe anweit ben laffen. Sr wirb von «profeffor Siebig fefer empfofelen. Stimm ein ober gwei «pfunb gutes, frifefees, faftigeö Sttnbfletfdj, gerfeade eö, nadjbem aüe £aut unb alles gett weggefdjnitten, in feine ©tüdcfeen, wie Sßurftfteifcfe; tfeue es in ein paffenbe« (eiferneö ober irbene«) ©efäß, mifdje bamit ungefäfer eine gleidje SJtenge SBaffer, Kr auf enf o p. 99'/ namlid) ein tjalbe« Duart SBaffer gu einem «pfunb gleifdj, fejje e« an ben Dfen ober an eine anbere ©teüe in ber Stäfee be« geuerö, wo e« fefer langfam feeiß wirb, unb rüfere e« bann unb wann um. So foüte gwei ober brei ©tunben lang fo ftetjen, efee man e« ben ©iebepunft erreicfeen, ja nur gelinbe focfeen läßt; bornad foüte man e« etwa fünfgetjn SJtinuten lang gelinbe focfeen unb bann ein wenig mefer SBoffer, wofel fealb fo »iel alö anfäitgücfe feingugetfean war, nadjgießen. SJtan »erfetje eö audj »or bem Kocfeen mit ber gefeörigen SJtenge ©alg. Stoefebem eö nun gefodjt feat, laffe man eö feinreidjenb afefütjlen, gieße bo« ©ange ah unb feifee e« burefe ein ftarfe« leinene« Juefe unb brüde baffelbe gut auö. man laffe eö in einer «Pfanne ober ©cfeüffet petjen unb fcfeäume aüe getttfeeitdjett unb fonpigen ©ubpangen, bie etwo auf ber Dberflädje pcfe fammeln, ah. Stoefebem es gepanben, bis ber ©aij auf bem Boben ift unb mon eö wofel abgefefeäumt feat, gieße man eö la«gfam ob unb feije eö, in einer glafcfee ober einem ©efäß, gut »erfcfeloffen, bei ©eite. man nefeme ein wenig ba»on gur 3eit, füge feinreiefeenb SBaffer feingu, wärine es auf unb macfee fo ©uppe, Brüfee, ober, baburefe, baß man nocfe metjr SBaffer feingufügt, Bouiüon baoon. Dies tp ein fetjr widjtigeö «Präparar. Kalbsfußbrüfec. Stimm gwei Kalböfüße, gut gubereitet, fpolte fte unb fdjneibe oüeö gett afe, fejjc ungefäfer ein Biertel «pfunb magereö gteifefe (Kalb* ober Stinbfieifdj) feingu, foefee in reitfetidjem SBaffer, etroa brei ober »ier Duart, longfam unb metjre ©tunben lang auf brei «Pinien ein. Sngwifefeen tfeue man eine Krufte SBeißbrob, etwa eine baut groß, genug ©alg unb, wenn man Witt, bie apälfte »on einer Sitronenfcfeale feingu. SBenn baö ®ange tjinreidjenb gefoefet worben ift — biö bie güße nnb Sitte« oott* fommen weid) unb gu ©atterte geworben ift — laß bie Brüfee ftetjen, fcfeäume unb feifee pe burefe, wornadt) pe gum ©ebroucfe fertig ift. SBenn bie Brüfee gu parf ober gu bid ip, fann man fte bind) ipittgufügung oon SBaffer oerbünnen. SJtetjlfuppeit gu bereiten. Der gewötjntidjpe SJtetjlferei wirb oon Kornmefel (SJtoiö), SBoffer unb ein wenig ©alg gemadjt. Stimm etwa gwei Sßlöffel ooü geßefeteö Kornmefel, rüfere eö in einer Jfeeetaffe falte« SBaffer, fcfeläge ober rüfere e«, bamit e« ftd) wofel mifefee, ttjue e« fobann in einen Stapf ober fonpige« ®erätfe, fe£e ein fealbe« ober brei Biertel Duart SBoffer tjingu ttnb foefee eö longfam eine fealbe ©tunbe lang, man braudjt bloö ©aij feiugugutfeun, ober ein wenig Butter unb3uder, ober eineö oon beiben, ober audj ein wenig SJtildj, wie man eö wünfdjt. Der einfadje SJtaiöferei wirb jebodj im SlUge* meinen oorgegogen. b afer f d) leim, Wirb gerabe Wit ber Kornmetjlbret gemadjt: rüfere itämtidj eineit Sßlöffel »o« feinen Jpafermetjl« in ein tjalbe« Duart SBaffer, foefee e«, unter fortwäe)renbem Um- rühren, unb würge bie Jpaferfuppe nadj ®efatten. 998 K r a tt f e-n f o ß. ©erpettfuppe. Kocfee ungefaljr »ier Ungen «Perlgraupen, ober ungefäfer eine Jfeeetaffe »off, in brei Duart SBoffer bi« auf ein Duart ein, feifee burefe unb gieße gurüd in ben ©up* pennapf ober Keffel, reibe ein wenig 3immet feinein, wenn bu wiüp, »erfüße, füge eine fealbe bi« brei Biertel «pinte frifdje SJtildj fe.ingu, wärme pe unb gebraucfee pe, oie bie Umpänbe e« oerlongen. SJtefelfttppe. — Sitte fefer fdjmadt)afte ©peife. Stüfere einen Sßlöffel ooü SJtefel forgfältig in einer Biertel «pinte SBaffer; mifefee gut, fo baß feine Klümpcfeen bleiben. Dann fefce eine ©aucenpfanne auf ba« geuer mit etwa einer «pinte frifefeer, füßer SJtilcfe, unb wenn fte foefet, rüfere ba« SJtefel unb SBaffer aümälig unb langfam feinein; füge genug ßudex feingu, um bie SJtifdjung füß gu macfeen; foefee unb rüfere bie SJtifcfeung etwa fünfgefen SJtinuten lang. Die« iß eine äußerß fefemadfeafte unb noferfeafte ©peife; ße iß gwedmäßig für fdjmacfee «Patienten unb für Kinber. Stofinenfuppe. S« ip eine fefer gute SJtetfeobe, wenn man irgenb eine Slrt Suppe bereitet, ifer guweilen bie Kraft unb ben ©efdjmad oon Stopnen gu geben, was folgenbermaßen gefdjefeen fonn: foefee ein fealbe« «pfunb Stopnen in einem Duart SBaffer unb SJtilcfe, gu gleidjen Jfeeilen, eine fealbe ©tunbe lang; feifee unb preffe aus unb gieße bte glüfpgfeit gurüd in ben ©uppennapf unb rüfere ben Slrtifel feinein, womit man bte ©uppe oerbidt: ©erßenmefel, Kornmefel ober SBeigenmefel, unb foefee Üjn einige SJtinuten lang. Die Stopnen macfeen bie ©uppe feinreiefeenb füß. SJtan foüte fein ©alg feineintfeun, ober ein wenig 3immet ober bergieiefeen. SBenn «Patienten Sier gern effen ober biefelben ifenen nicfet wiberßefeen (wie e« bei SJtotiefeeit ber gaü iß), barf man ba« ®elfee oon einem Si in ein wenig SJtildj fdjlagen unb in bie ©uppe rüferen, einige SJtinuten efee pe fertig ip. Die« macfet bie ©peife oiel natjrfeafter unb ip, faü« e« ber «Patient gern Ijat unb e« oertragen fonn, eine gute 3utt)at. ®efoc$te« SJtefjl. gür fleine Kinber, welctje on Durcfefaü ober an Slbweidjen leiben, fann fein beffere« Staferungömittei ober nüijlidjere« Heilmittel feergeßeüt werben, al« folgenbe«: fcfeütte gwei Jfeeelöffel SBetgenmefjt in groben Kattun, binbe baffelbe unb fodje bte« adjt bi« gefen ©tunben ; nimm ba« Judj tjinweg unb bie Krufte, weldje pdj um ba« SJtefel gefegt tjat, unb reibe ben inneren Jtjeil, wenn er al« ©peife gebraudjt wirb, in toefeenbe SJtildj bi« gur Konpfteng oon bünner ©tärfe unb fuße mit weißem 3uder. Brobpanabe. Stimm eine ©djnitte gut geröpete« Brob, fodje e« in einem tjatfeeit Duart SBaffer einige SJtinuten taug mit einer Kleinigfeit 3immet reibe fobann ein wenig SJtu«* K r a tt f e tt t o ft. 999 tatnuß fernem, fe^e [tt)x wenig Butter Ijingu (ungefäfet gwei Sßlöffel ooff Branitt- wein, Sturtt ober guten 3Bfei«f», um bie SJtifcfeung pärfer gu madjen, wenn ber «Patient feine Steigung gum gieber feot) unb ßxxdtx genug, um e« fdjmadfeaft gu madjett. (SBeitt mag anftatt be« Branntwein« genommen werben in boppetter SJtenge.) S« ip bieS ein fefer ongenefeme« ®eriefet, unb man fonn booon nad) ©efaffen trinfen. De« ©efdjmade« wegen mag man, wenn matt Witt, 3itroitett* fdfeale tjingufügett. Sinfadje Brobfttppe. Stimm bie Dfeerfrupe eine« Saibe« SBeigettbrob — je trodeuer unb fjärter, bepo beffer — gerfdjneibe ober gerbrödle e« in fleine ©tüdcfeen; tt)ue e« in einen Stopf mit einem D.uart SBaffer, einem ©tüd Butter oon ber ©röße einer SBoffnuß; foefee e« langfam fünfgefen ober gwangig SJtinuten lang, bann unb wann e« umrüferenb ober fcfelagenb, bi« ba« Brob burdj unb burdj gemifdjt iß, oerfeije e« mit ein wenig ©alg unb trage bie ©uppe auf. Brobgallerte. ©djneibe ba« SBeldje eine« fleinen Saibe« Brob in bünne ©dfeeiben ttttb röße fie leidjt brautt auf beiben ©eiten, fodje e« bann gelinb in einem Duart SBaffer, bi« ba« ©ange eine ©alterte wirb; fefje eine Kleinigfeit 31tronenfdjafe feingu, feifee burdj unb tfeue 3nder feinein. SJton mag ein wenig SBein fetnguttjun, wenn ber Kranfe e« wünfefet unb fein gieber feat. Sitt fetjr betifote«, fdjmadfeafte« unb nofer- feafte« ©eridjt für Kranfe. Sine ttaljrfeafte ©alterte. Stimm «Perlgerffe, Stet« ttttb ©ago, ungefaljr gwei Ungen oon jebem, fodje langfam in brei Duart SBoffer bi« auf ein Duart eilt; nimm baooit eilte Jfeeetaffe (mefer ober weniger, je nadj Umftäitben) in eitt wenig SJtitdj, warm, SJtorgen«, SJtittag« unb Slbenb«. S« ip ein »ortrefpidje« ®erid)t. ®ele'e »ort irtättbifefeem SJtoo«. Der bittere ©efefemad be« SJtoofe« fottte baburefe au«gegogeit werben, boß man e« einige SJtinuten lang in lottern SBaffer pefeett läßt, itnb bann fottte e« gweimal gewafdjen werben. Stuf eine Unge SJtoo« brauefet man gwei Duart SBaffer unb etwa« 3immetrinbe. SJtan fodje e« gu einer biden ©alterte, feifee e« burefe uub Würge e« itadj ®efdjtnad mit gutem SBein unb weißem 3uder. SBenn e« für fealbt* gett ©ebraudj beftimmt ift, fottte man 3ttrottettfaft patt be« SBeine« anwenben. Diefe ®etee tp fetjr belifot unb fein. Strroritt-—Blanc Mange (weiße ©alterte). Stimm eine Jtjeetaffe »oll Slrrorttt auf eitt tjalbe« D«ort SJtildj; toefee bie SJtildj nterp mit gwölf füßett ttttb feefe« bitterett gedämpften SJtanbelit, fetlje bie SJtifdjttttcj 1000 K r o n f e u f o ß. burd) unb fuße ße mtt weißem 3uder; tfeue bie Slrrorut tn ein ©efäß unb gieße bie SJtildj, fodjenb Ijeiß, langfam unb attmälig, unter Umrüferen feinein. Dann gieße ba« ®ange in ba« ®efäß gurüd, in wetdjem bie SJtilcfe gefoefet würbe, unb foefee einige SJtinuten lang unter Umrüferen. SBiü man bie Blanc Mango in einer ©efeate ober fonßigen gorm abbrüdett, fo taudje man ba« ®efäß, womit man abguformen wünfefet, in falte« SBaffer uub tfeue fobann bie Slrrorut feinem. SBenn fie afegefüfelt iß, wirb pe leidjt au« ber gorm fommen. SBenn man pe für Kranfe bereitet, ip bies nidjt nöttjig. ®ieße bas ®ange in tin ®efäß unb fe£e es gum Slbfüfeten fort. S« ip ein leidjtes, ttttfdjäblidjeö unb mäßig nafertjafteö ®eridjt. SBeinmolfeti. Stimm eine ^}uaxt frifefee SJtilcfe unb fealb fo oiel SBaffer unb tfeue bie« in einen ©aucennapf ober fonpige« ®efäß, fteüe e« über ein geuer unb füge, wenn e« gu fodjen beginnt, ein feolbe« Duart fauren SBein feingu, fode nun langfam, etwa fünfgefen SJtinuten lang, wäferenb welcfeer 3eit ber Duarf ober Käfe gerinnt; nimm ifen mit einem Söffet fort unb gieße, wenn ber Duarf entfernt ift, bie SJtolfen in ein ®efäß, unb pe ftnb für ben ©ebrauefe fertig, ©ie pnb gut für fdjwacfee «Patienten unb werben t)äupg oon Stergten empfofelen. ©enfmolfen. Kocfee ungefaljr gwei Ungen gemofelenen ©enf itt einem Duart frifdjer SJtildj unb in einem fealben Duart SBoffer fünfgefen ober gwangig SJtinuten lang, ober bi« bie geronnene SJtildj pdj oon ben SJtolfen fdjeibet; feifee fobann bie glüffigfeit unb bewafere pe ouf. Die« ip ein fefer angenefemer unb nütiliefeer, ftimulirenber SJtol* fentraitf — e« ip bie« bie angenefernfte Slrt, wie ©enf gebraucfet werben fann. Sr ip in manefeen gätten ben SBeinmolfen »orgugietjen. Stwo eine Jfeeetaffe »oü, gefußt mit ßudex, follte täglicfe brei* ober »iermal genommen werben. Sr ift gut in otten gätten »on fctjleidjenbem gieber, wie im J p p fe u «f i e b e r, al« ein fefeweiß- treibenber ©timutant unb in gätten, in weldjen ein attgenetjmer, milber ©timulatit nöttjig ip. Stlauttmolfeit, Kodje ungefaljr einen geßridjenen Sßlöffel »ott puloeriprteu Sllaun in einer «pinte frifdjer SJtildj, bis pe gerinnt; feifee burdj unb brüde bie SJtolfen au«. Die« ift ein apringirenber (gufammengtetjenfeer) SJtoIfetttraitf unb fann mit Stufen in allen gälten gebraudjt werben, in benen ein aftringirenbe« SJtittel erforberliefe ift, wie beim Durcfe- faü, unb befonber« in gäüen »on ©ebärmutter* unb anberen Blutffüffeu unb in ber £arnrutjr. Die Dofe ift ein fealber Jt)eelöffet »ott brei* ober »iermal be« Jage«, ober metjr, wenn ber SJtagen e« »erträgt. St e g e p t e. 1001 ©tütjwetn ooit «Portwein. Koefee ein wenig Steifenpfeffer in einer «pinte SBaffer, um ben gefeörigen ©efefemad gu erfealten; füge fobann eine gleitfee SJtenge «Portwein feingu unb ein wenig 3nder unb foefee bie SJtifdjung einige SJtinuten unb reiefee pe bem Kranfen mit geröpetew Brobe ober einem onberen paffenben ©egenßänbe, ben er gern genießt, ©lüfewetn oon Satawfea ober faurem SBein. Stimm eine «Pinte fauren SBein, eine feolbe «Pinte SBaffer unb einen Sßlöffel »ott Steifenpfeffer; foefee bie SJtifdjung gelinb einige SJtinuten lang; ingwifefeen tfeue ba« ®etfee oon gwei Siem, gut gu ©efeaum gefcfelagen, wäferenb beö Kocfeenö feingu, fowie ein wenig ßudtx, unt, wenn man will, etwas 31mmet unb 3itronenfd)ate. So tp bieö ein fetjr angenefemer unb gar ftärfenber Jranf. Srfrtfdjenber Jranf in giebern. Stimm oier Ungen Jomarinben, oier Ungen Stopnen unb foefee pe in ungefaljr brei Duart SBaffer longfam fünfgefen ober gwangig SJtinuten, ober bi« bo« SBoffer bei- nahe auf ein Biertel eingefodjt ift; bann feifee bie SJtifdjung, wätjrenb pe feeiß ift, in ein ®efäß uub füge ein wenig 3itronenfcfeaIe feingu. SJtan trinfe bie glüfpgfeit, wenn pe falt tp, unb oerfüße, wenn mon bieö wünfefet. Jomarinben, «Pflaumen, Korintfeen (frtfdj ober getrodnet ober in ®ete'e), SJtooö- beeren (Cranberries) mit Stopnen in warmem ober faltem SBaffer geweiefet, ober gefodjt, geben ein oortrefftidjeö ©etränf für Krönte, namentlidj gieberpotienteit, Stpfelmaffer. SJtait fdjneibe ein paar giemlid) große faure Slepfel in bünne ©efeeifeen, gieße ein Duart foefeenbe« SBaffer barüber; laffe gwei ober brei ©tunben ftefeen unb feifee bann burdj, unb macfee e«, wenn mon wiü, füß. Sluefe gerößete Slepfel mögen gu bemfelben 3*oede gebraudjt werben. Die« macfet ein milbe« unb fetjr angenetjme« ©etränf unb mag naefe; ®efatten getrunfeu werben. $te$epte jttt f8eteitun$ von <&peüe für $leionvale$$enten {(Beneienbe) unb %inbete. Bronne« (®ratjam) Brob wirb oon nitgebeutettem, frifdj gemofelenem SBeigenmefel gebaden. Stimm lauwar- me« SBaffer, um ba« SJtefel gu wäfferit wnb gebraudje Jpefen unb ©alg wie für SBei« genbrob. Knete SJtefel tjtnein, um eö fteif gu modfeen, loß e« eine bi« gwei ©tunben fetjen, fei« eö aufgegangen ip, nnb bade eö fobann gu Broben »on mäßiger ®röße. Sß ift bie« ba« ht[tt Brob für Seute, bie gu £arrleUMgfeit geneigt pnb, ober bie im ©eringpett an Unoerb aulidfefeit leiben. 1002 91 e 3 e p t e. Ungefäuerte (©raljam) ßwitbadt gu baden. Stimm ungebeutelte« (©rafeam) SJtefel, oom bepen SBinterweigen gewonnen, fest- em wenig ©alg feingu unb rüfere mit einem Söffet, genug SBaffer unb fuße SJtilcfe feingufügenb, um e« fo bid wie Stapffucfeen (Cupcake) gu macfeen, bann thut es in fleine 3inngefäße unb bade es in einem Badofen, ber fo feeiß ip, baß bie 3>»iebäde in fünfgefen ober gwangig SJtinuten burd unb burdj gar pnb. Diefe Kucfeen pnb oortrefflidj für Seute, bie an Unoerbautidfeit leiben, unb Pnb, warm gegeffen, fo unfdjäbtidj, wie bie Kortoffeln. Brobpubbing. Stimm ungefäfer ein fealbeS «Pfunb Brobfrume unb ein Biertel Duart frifdje SJtildj, gieße bie SJtildj feeiß über bas Brob unb laffe eine fealbe ©tunbe lang guge- bedt ßefeen; bann fcfeläge bas ©eibe »on gwei Siem gu ©cfeaum unb tfeue es gum Brobe, reibe ein wenig SJtuSfatennuß feerein, »erfetje es mit ©aij unb genug 3uder, um es, wenn man will, angenefem füß gu maden; mifefee SlüeS gut unb binbe e« in einen leinenen ober baumwoüenen ad, unt fodje es eine fealbe ober brei Biertel ©tunben in SBaffer. Dann nefeme man e« feerau«, lege e« auf einen Jeüer unb gieße etwa« gefdjmolgene Butter barüber unb fefer wenig SBein ober Branntwein fetneitt, unb mon ftreue, wenn man wiü, etwa« weißen 3nder barauf. Kartoffelpubbing. Stimm ein fealbe« «Pfunb getocfete Kartoffeln, gwei Sier, ba« ©eibe unb baö SBeiße, gwei Sßlöffel »oü Butter, ein Biertel Duart frifdje SJtildj, ben ©aft »on einer 3itrone unb ein wenig ©alg unb fdjlage SlüeS wofel; füge 3«der bes SBofel- gefdjmadeS fealber feingu unb hadt — entweber mit einer Kruße ober nidjt, wie man e« am liefeßen tjat. f8etf$>iebene ffle^epte* SBertfjtiotte« ©efjelmntß. Der unangenehme, burd) «Perfpiration t)er»orgeferadjte ®erudj iß feäupg eine Dueüe »on Unannefemlicfefeit für Sperren unb Damen, »on benen einige bemfelben in bem ®rabe ausgefegt pnb, wie e« bti iferen SJtitgefdjöpfen »on bunfler garbe ber gaü ip. Sticfet« ift einfadjer, ol« bie Sntfernung biefe« ®erucfee«, mit geringeren Kopen unb weit erfolgreicher, alö burefe Slnwenbung »on fo fopbaren ©alben unb «Parfümerien, alö gebraucfet werbeu. SJtan feat nicfetö weiter nötfeig, als pdj gufatn- mengefetjten Slmmonioffpiritu« gu oerfdjaffen unb baoon gwei Sßlöffel ooü in ein SBofdjbeden gu fdjütten. Da« SBafdjen be« • ©epcfet«, ber Jpänbe, ber Slrme unb ber Sinnt)ofelen madjt bie baut fo rein, frifdj unb gefdjmeibig, alö einer nur immer wünfdjen mag. Da biefe« SBoffer ooüfotnmen unfdjäbiidj unb fefer biüig iff, fo empfefelen wir e« unferen Sefern auf bie Stutorität eine« unferer erfaferenßen Slergte tyin. Stegepte. 1003 Snfeften awf bett Baume« in » e rn i dt) t e tt. Sine Sluflöfung »o« SBaüratfefeife wirb bie gafetreictjen Snfeften gehören, weldje Bäume unb ©träudje feeimfudjen. Söfe bie ©eife in warmem SBaffer auf unb macfee bos ©eifenwaffer »on mittlerer ©tärfe unb fprenfle bamit bos Saub »ermittelß einer ©prifce. Dies ©pecipcum ip eiu gewiffer Job für Staupen, gliegen unb baS £eer »on Snfeften, bie boS Saub onfreffen. Der gtieberbufdj ein ©djujjmtttel wiber Snfeften. Ss ip Bieten nidjt befannt, baß ber gemeine gtieber unferes Sanbe« ein gute« ©djuijmittet wiber bie Berfeeerung oon Snfeften ift. SBenn man nur barauf aefeten Witt, wirb man pnben, baß SBürmer unb Snfeften ben gtieber nie feerüferen. Diefe Jfeatfacfee gab Slntoß gu Srperimenten eine« SnglänberS im Safere 1694, unb berfelbe tfeeilte bas Stefultat feiner Srperimente in einem So«bo«er SJtagogine mit. Der 3ufatt entgog feine Srpnbung ber Bergeffenfeeit, unb ein Kentudier Sorrefponbent tfeeilte »or einigen Saferen bem „Dollar Stewspaper" eine Slbfcferift mit über bie praftifefeen Stefultate, wie pe »on bem englifcfeen Sntbeder angefüfert ftnb, baß bie Blätter bes gliebers, über Kofel, ®urfen, ©quaffees unb anbere «ppangen, bie ber SSernidjtung »on Snfeften auögefetjt pnb, gepreut, biefelben erfotgreiefe fcfeü^en. Die «Pflaumen unb anbere grüdjte, bie »on ber Berwüftung ber Snfeften leiben, fönnen baburdj gerettet werben, baß man Büfdjet »ott glieberblätterit auf bie 3*oeige legt unb burdj ba« Saubwerf ber Bäume ftedt. Tomato Catchup («p i t a tt t e © a tt c e). Die „Sotumbu« ©un" (®eorgio) gibt folgenbe« al« baö befte Stegept gur Berei- tung »on Tomato Catchup. ßn tintm fealben ©djeffet gefdjälte Jomatoe« tfeue tin Duart guten Sfpg, ein «pfunb ©alg, ein Biertel «pfunb fdjwargen «Pfeffer, eine Unge afrifanifefeen Sapenne, ein Biertel «Pfunb Steifenpfeffer, eine Unge ©ewürg- nelfen, brei Büdjfen ©enf, gwangig Knofelaucfeflofeen, feefe« gute 3roiebeln, gwei «Pfunb braunen 3nder unb eine £attb»ott «pprpdjbtätter. Kode biefe SJtaffe brei ©tunben lang unter bepänbigem Umrüferen, bamit pe nidjt anbrenne. SBenn pe falt ip, feitje man burd) ein feine« ©ieb ober grobe« Judj unb fütte auf glafefeen für gufünftigen ©ebraudj. Diefe ©auce wirb burefe'« Sllter gewinnen unb wirb felbp auf bem Jobtenbette nocfe Slppetit ergeugen. SJtüden lo«gitwerbeit. Sin Sorrefponbent ber „Dee (©. S.) Jime«" tfeeilt biefem Sournale ein Stegept mit, um ein 3immer oon SJtüdett (SJtu«fitce«) gu• befreien. Sr fagt: „Sefe X)abt golgenbes oerfuefet unb ßttbe, boß e« wie ein ßauhtx wirft: uimm ein ©tüd Käm- pfer, ungefaljr ein Drittel fo groß, al« ein Si, uub oerbuupe e« über einer Sampe ober einem Sicfete, bodj odjte barauf, baß er pd) nicfet entgunbe; ber Stauet) wirb ba« 3imtner anfüllen unb bie SJtüdett X)inans treiben." 1004 Sie jep te. SBie man bie SBangen lo« wirb. SBangen fönnen feeiße« Silautiwaffer nicfet »ertragen ; Sllaun fefeeint für ße in V^ Jfeat in jeber gorm töbtliefe gu wirfen. Stimm etwa gwei «Pfunb Sllaun, puloerißr« ifen, je feiner, bepo beffer, unb löfe ibn in ungefäfer »ier Duart pebenbem SBaffer auf; fealte ba« SBaffer feeiß, bis aller Sllaun aufgelöß ift; bann trage e« mit einer Bürpe feeiß auf jebe guge unb ©palte ber Bestelle, be« gußbobens, ber 3immereinfaf- fung unb an feben Drt, »on bem mon »ermutfeet, baß er al« ©ammelplari ber SBangen bient; eine gewöfenlidje ©pri£e iß ein »ortrefpidje« Sttftrument, ba« SBaffer auf bie Bettpelle aufzutragen, man wenbe eö fo feeiß alö mögliefe an. Braudjt eö reidjlidj unb ifer werbet fdjwerlidj in berfelben Satjreögeit wieber »ott SBangen geplagt werben. SBeißt bie Dede reidjtid) mit Sltaun, ber in ber Jündje oufgelöp ip, unb baö herabfallen ber SBangen ouf euer Bett wirb gu Snbe fein. Katfwaffer guin SBeißen »on Stebengebäuben. „Sdj mödjte gem wiffen, wie man eine Jündje bereitet, bie gugleid) bauertjaft un» gut ip unb gebe midj ber Hoffnung fein, baß biefe Stnfrage »on Sfenen ober 3feren gofelrelefee« Sorrefponbente« beantwortet werbe. Sdj X)ahe einen ßaun, ber ungefäfer einen Slder Sanb einfdjließt, ein ©ebäube für mein geberoiefe unb eine fleine ©djeune gu weißen unb featte gern, baß Sitteö per) gut auönimmt, unb baß bie Jündje über* bem eine geraume ßtit fealte." D. ©etfeart, SBiüiomöport, «Pennfptoanien, 1859, Stimm eingoß unb löfcfee barin einen tjalben©efeeffel frifdjen Kalf forgfältig mit faltem SBaffer. güüe fobann bas gaß gwei Drittel »oü SBaffer unb füge einen ©deffet fepbraulifefeen Kalf ober SBaffermortet feingu. Söfe eö ouf in SBaffer unb ttjue brei «Pfunb weißen Bitriol feingu unb rüfere baö ©ange um, bamit es pefe burefe unb burd) gu einer SJtaffe »ereinige. Die Jündje foüte vbte Konpfteng »on bünner Detfarbe Ijaben unb fann mit einer SBeißwafdj- ober anberen Bürpe aufgetragen wer- ben. Die garbe ift eine bleicfee ©teinfarbe, beinafee weiß. SBünfcfet man ße ftrofe- farben gu feaben, fo feije man gelben Defeer feingu, gwei «Pfunb puloeriprt; will man pe erbfarben feaben, fo netjme mon oier «Pfunb ungebrannten Umber feinju. Sine anbere gute Jündje wirb folgenbermaßen gemadjt: löfcfee Kalf mit feeißem SBaffer in einer Jonne, um ben Dampf feftgufjalten. SBenit er oufgelöp unb in einem featbßüfpgen 3"ß<*nbe pcfe bepnbet, taffe man itjn burd) ein feines ©ieb gefeen. SJton nefeme fecfes Duart oon biefem Kalf unb ein Duart reines ©teinfalg auf jebe oier Duart SBaffer. — Das ©alg muß burefe; Kodjen oufgelöp unb bie Uttreinigfei- ten muffen afegefdjäumt werben, ßu gwangig Duart oon biefem ®emifdje »on ©alg unb Kalf füge man ein «Pfunb Sltaun, ein fealbe« «Pfunb Kupferoitriol, brei Biertel «Pfunb «Pottafdje (biefe letztere muß attmälig feingugefetit werben), »ier Duart feinen ©anb ober tjarre £>otgafdje. SJtan füge gärfeeftoffe feingu, wie pe einem gefaüen. Sitt Korrefponbent beö „Sountro ®entlemon" gibt ba« folgenbe Stegept: ein ©djeffet ungetöfdjten Katf, gwei-Duart ©alg, brei «pfunb putoeriprten Sltaun, brei «Pfunb ©aleratu«. SJtifefje unb tfeue bie SJtifdjung in ein bidjte« gaß, oben offen. SBenn ber Kalf gong frifcfe ip, brauefee man falte« SBaffer; wenn er nidjt gang frifd) ift, gebroudfee man tjeißeö SBoffer. SJtan rütjre fortwäferenb um beim Söfcfeen unb füge fooiet SBaffer fejngu, baß er itiemat« troden wirb. SBentt bie £ifce ifen troden St e g e p t e. 1005 macfev, fo wirb er Humpig unb muß mit SBaffer nidjt übergoffen werben, bomit bo« Söfden nidjt auffeört. Stüfere ifen wofef »om Boben auf. SBenn ber «progeß beenbet ip, fann er fo bid, wie SJtefetbrei fein. SBenn pe mit einer Bürfte aufgetrogen wer- ben fott, gib ber SJtifdjung bie Konpfteng »on Jündje — ungefäfer bie Dide »on SJtildjfafene. Jrage bie erfte Sage fefer forgfältig ouf unb füüe jebe ©palte ober 3wifefeenroum gwifcfeen ben Bodpeinen ober in ben Brettern, gür Ijölgerne 3äune iß ein boppelter Slnpridj biefe« ©toffe« genug. SBer eine anbere garbe al« weiß feaben Witt, tann naefe ©efoüeit gärfeepoff feingufetjen. — Siural Stew gjorfer. gür Bodpeittfeäu)er. gür beu gweiten Slnßriefe füge mon gu ben erpgenannten ©toffen gwölf «pfunb gefdjmotgenen Jalg unb mifefee es, wie guoor. Diefer Slnftriefe läßt ba« SBoffer nicfet burefe — iß glängenber unb ftefet länger rein aus als garbe, ou cfe; bewahrt er ben SJtörtel gwifcfeen ben Badfteinen beffer, als Delfarbe. ®tängetibe Jüttdje. Biele fjafeett ooit ber briüonteit ©tudtündje am Dpenbe ber SBofenung beö $räp* benten in SBaffeington gehört. £ier ift baö Stegept eö gu madjen, oerfeeffert, wie Berfude bewiefen feaben. SJtan nefeme einen fealben ©djeffet feinen, ungelöfcfeten Kalf, löfcfee itjn in focfeen* • bem SBaffer, Ijatte itjn wäferenb biefeö «Progeffeö bebedt, bamit ber Dampf gurüdbleibe. SJtan feifee bie glüfpgfeit burefe ein feines ©ieb ober Durdfdjlag unb fejje einen Biertel ©djeffet reines ©atg feingu, boö guoor in warmem SBaffer gut oufgelöp würbe; brei «Pfunb gemafelenen SteiS, weldjen man gu einem bünnen Jeige foefet unb fodjenb fjeiß feineinrüfert; ein Ijalfeeö «Pfunb puloeriprte fpanifdje Kreibe unb ein «Pfunb reinen Seim, weider guüor burefe gutes Slufweicfeen unb baburefe, boß er in einem fleinen Keffel, ber innerhalb eines großen, mit SBaffer angefüüten, ftd) befanb, einem langfomen geuer ausgefegt war, aufgelöft würbe, güge gwangig Duart tjeißeö SBaffer gu ber gangen SJtifdjung, rütjre gut um unb laffe pe einige Jage guge* oedt ftetjen, um pe »or Unreinlicfefeit gu fdjü^en. SJton fagt, baß ein fealbeS Duart biefer SJtifdjung eine Duabratoarb bedt, wenn fie gefeörig mit einer Bürfte aufgetra* gen wirb, ©ie ift ebenfo gut wie Delfarbe für ipolg, Badfteine ober Baufteine unb ift wofelfeiler. ©ie feetjält iferen ©lang otele Safere lang. StidjtS Derartiges ip bamit gu oergteiefeen, weber für bie innere nocfe für bie äußere ©eite ber SJtauern. gärfeepoff irgenb einer Strt mag man tjineintfeun. ©ponifefeeö Braun tjineingerüfert, gibt Stotfe ober «pinf, je nad; ber SJtenge, bie mon tjineinttjut. Sin matter Slnftriefe baoon ift fefer feübfdj für bie innere ©eite ber SBänbe. getnpuloeriprter gewöfenliefeer Sefern, gut gemifefet mit fpanifefeem Braun, efee mon itjn in bie SJtifdjung rütjrt, gibt eine Silocforbe. Sampenruß, in mäßiger Duontität, gibt eine ©dieferfarfee, bie für Stußenwänbe fetjr paffenb ift. Sampenruß unb fpanifefeeö Braun gufommengemifdjt, gibt eine rötfelide ©teinforbe. ®elber Ddjer tjineingerüfert, gibt eine gelbe Jüncfee, ober Sferom reiefet weiter unb gibt eine garbe, bie gewöfenlidj für Ijüfefdj gehalten wirb. Sn aüen biefen gäüen wirb natürltd) bie Jiefe ber ©djattirung »ou ber SJtenge be« 1006 Stegepte. gebrauchten gärbepoffe« bepimmt werben. S« ip fdjwer eine «Reget aufgupeüen, weil ber ®efdjmad fo fefer oerfdjieben ip; am bepen würbe eö fein, bie oerfdjiebenen gorben auf einer ©djinbel gu oerfudfeen unb biefelben trodnen gu laffen. SJtan fagt baß man ®rün ttidfet mit Kalf mifdjen muffe. Der Kalf gerpört bie garbe, unb bie garbe feat einen oerberbtidjen Sinfluß auf bie Jündje unb oerurfadfet, baß biefelbe ftcfe abfcfeält. SBenn eine größere SJtenge alö gwangig Duart gebraucfet wirb, foüte man biefelben Berfeältniffe feeibefeatten. Die #aare fcfewarj gn färben. Stimm ein ©tüd ungelöfdjtett Kall oott guter Dualität, putoerißre ifen baburdj, baß bu SBaffer barauf gießeß, bonn mifefee bamit eine Duontität Bleiglätte (lith- arge); ein Biertel bi« ein Drittel fooiei Bietglätte als Kalf ba ip. SJtaefee bies gu gu einem feinen «Pul»er unb laffe es burefe ein feines ©ieb gefeen. Dann feat man, wa« unter bem Stamen " Unique Powder " gu einem feofeen «Preife »erlauft wirb, unb was »ieüeidjt nur einen Sent toftet, ba Bleiglätte biüig unb in jeber Slpotfeefe ober jebem garbelaben gu Ijaben ip. Jfeue eine feinreiefeenbe SJtenge biefe« «Puloer« in einen Stapf ober ein ©cfeälcfeen unb [ex)e fetnreidenb feeiße« SBaffer feingu, fo baß Pcfe ein Jeig, fo bid, wie bide ©afene bilbet; rüfere um unb mifefee gut; fobann »or bem 3rtbettegefeen fefemiere man »on biefem Jeige in^s baax, in ben Bart, ober was man fonp färben wiü, mifefee tfeit gut mit ben paaren, was man am bepen tfeun fann, inbem man ba« baax in bünne Sogen tfeeilt unb itjn bis gur SBurgel über bas gange baax tjttteinmifdjt. SBenn man auf biefe SBeife bas Jpaar »oüfommen bebedt feot, lege mott braune« ober gewöfenlicfeeS «Podpapier barüber, ba« feuefet ober naß gemadjt iff, binbe barüber ein Jafcfeentucfe, fe£e eine «Jtadjtmüjje auf, bie Slüe« bebedt, unb gefee gu Bett. Slm SJtorgen reibe unb tämme man ba« «Puloer, weide« nun troden tp* feerau«, wafdje ba« Jpaar gut mit ©eife unb warmem SBaffer, bann trodne man e« unb fdjmiere ein wenig £aaröl barauf, wenn man Sediere« tfeun wiü. Die« iff ein wenig urnftänblidt); aüein e« iß ein« ber Deften, pdjerfteit unb bouer- tjaftepen apaarfärbung«mittel, bie man fennt, unb burdjou« unfdjäblid). Sft ba« baax nidjt fdjwarg genug, ober irgenb ein Jtjeil beffelben nicfet feinrei- efeenb gefärbt, fo wenbe man bie« SJtittel ben näcfepeit Slbenb auf« neue an. Da« SJtittel färbt graue« baax ooüfommen fefewarg, ober, wenn man e« nur leidjt auf- trägt unb weniger Bleiglätte feingufejjt, färbt e« baffelbe braun, unb e« oeränbert rotfee«, rötfeliefee« unb feeüe« baax ebenfaü«. Da« baax bleibt fdjwarg bi« e« wie- ber länger wädjff, unb bann muß, oerßetjt pdj, ba« garben wieberfeolt werben, wenn man bie garbe gu befealten wünfefet. Da« «Puloer fann in einer gfafdje ober einem bidfeten ©efäße, fo lange man wiü, aufbewahrt unb jebergeit gebraucfet werben. Wmttöht&M vm $xm&xvMmx. Bern er fung. — Die meißen ber in biefem Bucfee gebrauefetett grembwörter, gu benen natür- u'cfeerwetfe auefe bie wiffenfcfeaftHefe*mebtjtntfajen Sluöbrücfe gefeb'ren, finb an ber betreffenben ©teile erflärt werben. Diejenigen grembwörter, Welcfee fiefe feäußg in biefem Söerfe wieberfeolen unb nicfet jebeSmal an bem Drte, an welcfeem fie gebraucfet worben pnb, erläutert würben, fowie biejenigen, benen bie ©rflärung überfeaupt nicfet feingugefügt worben ift, feaben in bem nadjfolgenben Berjeiefentjfe eine ©tette gefunben. SDtancfee ber naefeßefeenb aufgefüferten grembwörter, Wie gum Beifpiel Bouillon, Diät, Jalettt, Segat, $rogefj, laffen eine wettere Ueberfet3ung ju, als tjtcr angegeben; eS pnb biefelben nur in bem ©inne feier erflärt Worben, in welcfeem pe in biefem SBerfe angewenbet würben. Berfcfet'ebene SBörter, wie jum Beifpiel Dpium, $aregortc, SJtorpfeium, £»braftin, «Pobopfepttin, ©anguinaritt, Slpocömn, Supulin ftnb im Jert auSfüferltcfe erflärt unb bafeer nicfet nocfe einmal feiet aufgefüfert worben. Die ©eiten, auf welefeen pcfe bte betreffenbe grflärung biefer unb anberer SluS« brücfe bepnbet, »ie in naefeftefeenbem Berjeicfemffe nicfet etttfealten finb, wirb ber Sefer mit Hülfe be« allgemeinen SnfealtSöerjetcfetttffeö leicfet pnben fönnen. SBörter, welcfee man unter bem Bucfeftaben ober ©elbgöjje. «Dtanie, ter SBafenftnn, bie Stafcrei, SButfe, ©ucfet. «JJtargartnfäure, bie «Perlfäure, Jaigfäure. «JO? ä r 19 r e r, Blutgeuge, ©laubenSfeelb. «JJtateria mebica, bie Hetlmittettefere. SJtaterie, ©toff, Snfeatt. «JJtarime, ber ©runbfalj ober BeptmmungSgrunb, felbßgewäfelte BerfealtungSregel. «St e cfe a n i f cfe, feanbwerfsmäßig, gur ©ewofenfeeit geworben; gebanfenloS. SJt e b i f a m e n t, Slrgnei» ober Heilmittel. «JJtebtgtnirett, Slrgnei gebraucfeen, argneien. «JJtembrane, baS Häutdjen, bie garte Haut. SJt ett ßr u a t i o tt, bte monatlicfee Steinigung, ber SJtottatSßuß. SJt er für, Ouedßlber. SJterfurtalmittel, Duedplbermütel. SJt e t a 11 i f cfe, SJtetall ober Srg entfealtenb. «JJt e t fe o b e, bte BerfaferuugSart, Seferart, SeferWetfe, ber Sefergang. SJt i a S m a, in ber Suft »erbreiteter Kranffeeits= ober ©eucfeenpoff, bösartige SluSbünpung; m ia S« matifcfe, folefeen ©top entfealtenb ober baburefe entßanben. «JJtifroffopifcfe, nur burefe'S BergrößerungSglaS Wafemefembar, «JJt tr tur, bte SJttfcfeung; ber SJtifcfetranf. «JJtobel, Borbtlb, SJtufterbtlb. SJt o b t f i f a t i o it, bie Slbänberung, Sinfcferänfung, SJtilberung; ttäfeere BePimmuttg. «JJt o l o cfe, ein ©ööe ber Slmmoniter unb SJtoabtter. «JJt o n o m a tt i e, ber SBafenfinn, welcfeer pcfe auf eine eingelne pre 3bee grüntet; bie Saune, Orille. SJt o r a l i f cfe, fittlicfe, tugenbtjaft, fittlicfe gut. «JJt o r a l i t ä t, bie ©ütltcfefett; bie fittlicfee ©üte. SJt ott», ber Beweggrund BeftimmungSgrunb. «JJt otor, ber Beweger. «JJt otto, ber Denf= ober ©innfpruefe, SBafelfprucfe. SJt» r i a b e, ein 3efentaufenb; SSJt»rtaben (uneigentlicfe) eine ungä'felbare SJtenge, eine Unjafel. «JEJt p P e r i u m, ®efeetmntß, ©efeetmlefere. St a r f o t i f a-, BetäubungS--ober StnfefeläferungSmütel. «Jtarf otifefe, betäubenb, einfcfeläfernb. «Jtatrott, ein feuerbeftänbige« mtneralifcfeeS Saugenfalg. «Jteuralgie, ber Stersenfcfemerg. Steutralifir ett, »ie etgentfeümlicfeert Sigenfcfeaften gweier Körper burefe Berbinbung berfelben in einem gewiffen Berfeältniß auffeebeit. Stormal, »orfeferiftsmäßig, mufterfeaft. Ö Daf e, frucfetbare, bewäfferte ©egenben, mitten in ben großen ©anbwüpen SlfrtVS, gleicfefam 3n« fein im ©anbmeere. D b f c u r, bunfel, unbeutlicfe, unflar. Db e, Hoefegefang, Hocfelieb. Debem, örtlicfee SBaffergefcfewuip. Dl ein, ber im Jalg u. f. w. entfealtene Deipoff. Dperation, bas Heitöerfaferen ber SBunbärgte; bie SBirfung, Benieferung, baS SSrrfafemt, Bergeidjtttß »ott gremb Wörtern. 1013 D per t reit, Wuttbärgtltct) arbeiten ober etwas »errtcfetctt, um eine Heilung gu bewirf en, fcfeneibett, ßedjett u. f. w. D r a f e l, bei bett alten ©rteefeen ber angebltcfee ©ötterfprudfe. Drgan, bas SBertgeug, ©innwerfgeug, ©pracfewerfgeug; bte ©timme; ber eingelne Jfeeil ber Jfeter= unb «PPangenförper. Drganifatiott, bte innere Sinrtcfetung, ©Iteberbtlbung, ber ©lieberba«; ber 3ufammetttjang ber ©lieber eine« ©angen. D r g a n i f cfe, bte Drgane betreffenb; mit Drganen »erfefeen; belebt; ttötttg etugeridjtet, gebilbet. DrganiSmuS, ber innere, belebenbe 3ufammenfeang; bie Stnr iefe tung, ©eftaltung; ber ®lie berbau; ber orgatttfefee Körper. DPeologtfcfe, bte Knocfeenleferebetreffenb. Dralfäwre, ©auerfleefäure. Dr 9 b u t, ein mit einer geringen SJtenge »on ©auerpoff »erbunbener Körper. Drp b u l i r e tt, bis gum 3ußanbe beS Drybuls (f. b.) mit ©auerßoff »erbittben. «partfreaSbrufen, Brußbrüfen, fUarabirett, prangen, prunfen. «P a r a 19 f t r t, geläfemt; entfräftet. «paregorifum, baS ftfemergPtllenbe Slrgnetmtttel, befänftigenbe «JJttttel. «Parfümerte-SBaaren, Wofelriecfeettbe SBaarett. «ParorpSmuS, ber feeftige Sinfatt einer Kranffeeit. «Patient, ber Seibenbe, Kranfe. «Penis, baS männltcfee ©lieb. «periob e, ber 3eitabfcfenitt, 3«traum; bte monatlicfee Steinigung. «Periobifefe, gu beßimmten 3eüen wieberfeferenb, Wecfefelnb, umlaufen». «JJerpenbifulär, fenfreefet, lotferecfet. «Perfpiration, bte Slusbünßung. «Pfeagebänifcfe, um pcfe freffenb, ä£enb. «pfeänomett, Srfefeeinung, befonber« Sufterfcfeetnuttg, Staturbegebettfeett; Sreigniß; auefe eine ©eltfamfett, ein SBunber. «pfeantafiren, mit feinen ©ebanfen feerumirren, pcfe lebfeaften BorßeÜungen überlaffen, Srfefeei« nungen feaben, ©epefete fefeen. «PfearpngittS, Stttgüttbung beS ©cfeluitbfopfeS. «P fe il o f o p fe, SBeifer, Begriffs» ober Bernunftforfcfeer, Dettfer, Berttunftleferer. «P fe l e g m a t i f e r, ein ©cfeletmblüttger, Unempßnbltdfeer unb Jräger. «Phlegmonös, blutgefefewürarttg. «Pfepf i o l o g i e, bte Staturlefere, Staturlefere ber Jfetere unb «Pßangen; Staturlefere beS menfcfelicfeen Körpers; bie Sefere »om Seben. «pfepfifefe, natürlicfe, ßnnltcfe, förperliefe. «p l e u r e f i e, ber entgünblicfee ©ettenfefemerg. «Poettfcfe, biefetertfefe. «potpp, gletfcfegewäcfes, g. B. im Hergen, Stafenpolpp; Btelfuß, Btetarm. Porös, löcfeertg, »oll Heiner Deffnungen. Portion, Slntfeeil, ©ebüfer; ©petfengabe. Pofttiü, feß, pcfeer; fepgefe^t. «p o t a f f a, bte Pottafcfee (rofeeS fofelenfaure« Kali), baS Saugettfalg. «präbtSpofition, Slnlage (gu Kranffeeiten), P r a i r i e, große SBtefettßädjen ober ©raSebenett in Storbamerifa. «Präparat, baS bereitete Slrgneimtttel. «prariS, SlnSübuttg, Slnwenbung (einer SBiffenfcfeaft)x Srfaferung; Kunbfcfeaft eine« Slrjte«. «prägipitat, Stteberfcfelag. «primär, urfprüttgltcfe. 1014 Berjetd)niß»on grembwörter n. Prittgfp, ber ©runb ober Urgrunb, bte ©runburfacfee; ©runbloge, ©runbregtl, ©runblebrc Profitabel, gewittnbrt'ngenb, etnträgltcfe. P r o ß a t a, bte Borßefeerbrüfe am obern Jfeeile ber Harnröfere. «P r o t e p, ber SBiberfprucfe, bte Stnrebe, ber StecfetSöorbefeatt. Proteus, in ber Sllcfeemte baS Duedfilber, weit es bte »erfcfetebenßen gormen annimmt: ein ®e- ftaltwecfesler. P r o g e b u r, baS Berfaferen, bte BerfaferungSart. 9 r o 3 e ß, bas Berfaferen, bte BerfaferungSart; ber Hergang, SntWidclungSgang. Pubertät, «JJtannbarfett, ©efcfelecfetSretfe. P u If a tt o n, baS ©cfelagen, Klopfen be« HergenS. Punftion, ber ©Hefe. P u r g a n g, Slbfuferung, Steinigung«* ober Slbfüfermittet. Puft ein, Bläsefeen in ber Haut, Hifcbläscfeen, Stterbiattern. P it ft u l ö S, pnntg, etterblattertg. Putrib, faul, »erfault. Dualität, bte Sigenfcfeaft, Befcfeaffenfeeit. Duantität, bte «Stenge, ©röße, Slngafel. «Je Uta tion, ein abgeheilte« «JJtaß, UnterfealtungSmaß. St a t i o n e 11, »erttüttfttg, »ernunftmäßtg. Siectum, ber SJtapbarm. Stebugiren, gurücffüferen, wteberfeerßetten; »errtngern, »ermtnbertt; »erwanbeln, außb'fen. St e f o r m, Umformung, Umbilbung, Umänberuttg. St e g u 11 r u n g, Bertcfettgung, Drbnung, gepfet^ung. Steftifigirett, eine abgegogene glüffigfeit burefe abermalige« Slbgtefeen nocfe mefer reinigen obei läutern. St e l i g i o n, ©otteSlefere; ©ottesfurdjt. St e m t f f i o n, bte Stacfeficfet, «Stilberung. St e p 1111 e tt, frieefeenbe Jfetere, Krtecfetfetere, SBürmer. St e p a u r i r e tt, Wieber feerftetten, auffrifefeen; ßarfen, erfeolen. Ste ge p t, bte Borfcfertft gur 3ubereitung, g. B. einer befonbern Slrgttetöorfcfertft ober 23erfcfereibuita. St e gi p i r e tt, oufnefemen, annefemen. Stfeeumatismu«, ba« ©lieberretßen, ber ©lieberßuß. St fe p t fe m t f cfe, abgemeffett, »erSmäßig. St i» a l, Stebenbufeler, «JJtttbewerber. Stobup, parf, fräftig. St it i tt, ber Berfall, ©turg, Untergang, ba« Berberbett, bie S-rrüttung, 3erßÖrnng. © ©aifon, bte 3afereSgett. © a f r a m e tt t (in engerer Bebeutung) ba« feeilige Slbenbmafel. ©efittibär, abhängig, untergeorbnet; nacfefolgenb. © e b a t i» a, berufeigenbe Heilmittel. © e b i m e n t, ber Bobenfaö. © e n f 11 i», empßnbliefe, emppnbungSfäfetg. ©epariren, trennen, fefeetben. © er öS, blutwäfferig, bem Blutwaffer äfenlicfe. © e r u m, ber wäfferige ©toff. ©erum fongutttt«, ba« Blutwaffer* © e g i r e n, gerlegen, gergltebern, öffnen (tobte Körper). ©feiet, ba« ©erippe, Ktiocfeengebäwbe, Beraeidfettiß oon grembwörtern. lOlfi © f 11 r fe ö S, rjartgcfcfewoüett, fnotenbeultg, »erfeärtet. © f r v pfe el, Drüfengefcfewuip, HalSgefcfewulß. © f r o p fe u l ö «, brüfenfranf. © o gt a l, gefetlfcfeaftltcfe, bte ©efettfefeaft betreffenb. © p e g i e 11, eingeht, befonbers, genau, befttmmt. © p e gi f t f u m, ba« pcfeere Heilmittel (gegen eine beptmmte Kranffeeit), Stgenmittel. ©pegtftfcfe, in ber (Sigentfeümlicfefeit gegrünbet, etgentfeümltcfe; »erfeältntßmäßig. © p fe ä r e, ©eßcfets» ober StnficfetSfretS; SBirfungSfretS. © p i r i t u ö S, geipig, feurig, parf (»on ©etränfen). ©tabium, bte BerlaufSgett (einer Kranffeeit); ber 3eitraum. © t e a r t n, ber eigentfeümltcfee JalgPoff. ©timulirenbe SJtittel, Steigmtttel. © t o r a x ober ©tprar, ba« ©ummifearg »om ©torarbaum. ©trif tur, 3ufammengtefeuttg, Berenguttg eine« natürlicfeen Kanals, g. B. beS Darmfanals, unb befonbers ber Harnröfere. ©truftur, bte 3ufammenfügung; (Sinricfetung, Slnorbttuitg. ©tubium, Sifer, Jrteb, Bemüfeung; inbefottbere gleiß, SemPeiß, Sifer, attfeattettbeS Staefebeit- fett, gorfcfeung. ©tpptifcfe, ftopfenb, btutpittenb, gufammengiefeettb. ©ubafut, nicfet fefer feiftig, mäßig feifttg, fealb fetfttg. ©ubßang, baS SBefen, ber ©toff, btr Hauptbepanb, Hauptinfealt, wefetttHcfee Snfealt. S u b ß 11 u t, ein ©telfoertreter. © ulp fe a te, fcfewefelfaure ©alge. ©urrogat, ©tett»ertretungS= ober Srfajjmittel. ©pmpatfeetifdfe, müemppnbenb; gefeetmwtrfenb; gefeeimfräfttg. ©pmpatfeie, bie gleicfee Smppnbung, ba« SJcttgefüfel, bte ©eelen»erwanbtfcfeaft; gefeeime Sta- turfraft. © p m p a t fe i f cfe, mttletbenb, in SBecfefelwtrfung pefeenb. ©pmptom, ba« 3eiefeen, KranffeeitSfetutgeicfeeit. ©pmptomatifcfe, bte ©pmptome betreffenb. ©ppfeilis, bte Suftfeucfee, »enerifcfee Kranffeeit. ©ppem, ba« gwedmäßig gufammengefeftte ©ange; bieSeferform; Drbnung unb 3ufammenfeang. Jaille, ber ©cfenitt eines KleibeS; bte SeibeSgepalt. Jalent, ttatürltefee Slnlage, gäfetgfett. Jemperatur, ber «SBärmegrab ber Suft. J e p a m e n t, ber legte SBitten, Srbfafeung, Srb»erfeferetbung. Jetanifcfe, ftarrfücfettg, parrframppcfet. J fe e m a, Hauptfaß, Hauptgebanfen einer Stebe. Jfeeoretifcfe, befcfeauenb, erfenntltcfe, wiffenfcfeaftltcfe. Jfeeorie, wiffenfcfeaftlicfee Kenntniß, Srfenntntßtefere, Sefere, BorßettungSart. Jinftur, eitt SluSgug, mit »erfefeiebenen glüffigfeüm (SBaffer, SBein, SBeingeip, Sietfeer, Simmo- ntafttquor) bereitet; ein geißiger KräuterauSgug. Jonifcfe, fpatmenb, pärfenb. JranSfptra Hott, bie SluSbünpung. J r a it m a t if cfe, SBunben betreffenb, mit SBunben feefeaftet. J r o »i f cfe, gu ben SBenbefreifen gefeörenb. Juberfel, franffeafter Knoten in »erfcfeiebenen Drganen beS menfcfeltcfeen Korper«, befonber« tn ben Sungett. J « b e r f u l ö «, fnotig, fnotttg, gefcfewotten. Jppit«, SJtuperform, ©runbgepalt. J p r a n tt, ©ebieter, ©ewaltfeerrfcfeer. 1016 Bergeic^niß oon grembwörtern. tt Uterus, bte ©ebärmutter. 93 Barte öS, frampfabrtg. Bar ie tat, Berfcfetebenfeeit, SJtanntgfatttgfett; »erfcfeiebette Slrt, Slbart. Begetabiltfdfe, ppangenarttg, gu ben Pflangen gefeörig. B e n e, bte Blutaber, welcfee baS Blut gum Hergen füfert. Ben er i f cfe, mit ber SuPfeucfee befeaftet, angeftedt. Bentilation, baS Süften, bie SluSlüftung, Suftreintgung. Bitriol, ein metaHtfcfeeS ©alg, ©dfewefelfäure in Berbinbung mit «JJtetattfalfcn, befonber« »oh Kupfer, Sifen, 3tnf imb Kobalt, bafeer Kupfer»Stfen»ttrtol. B o I u m e tt, ber förperltcfee Umfang ober Snfealt, «JJtaffe eine« Körpers. 3 3 e tt t n e r, ein ©ewicfet »on feunbert bis feunbert unb gefeit Pfunb. 3 e p fe 9 r, fanfter SBep» ober Slbcnbwütb. 3 i r f u l a t i o tt, ber Umlauf, Kreislauf (beS Blute«), 31r fu l fr e it, umlaufen, freifen, freislaufen. 31»11 i f t r t gepttet, gepttigt, »erfemert. § \x\xM#vtxsüic1ti\xi$$. Bemerfttttg. — SJttt SluSnafeme ber englifcfeen Benennungen ber Pftangen ip ttacfefolgenbeS Bergeicfentß naefe ben Hauptwörtern (©ubpanttoen) alpfeabettfcfe georbnet Worben. SJtan fucfee bafeer baSjentge, wai man in biefem Berjetcfenijfe gu pnben wünfefet, unter bem Hauptworte, nicfet abet unter bem Slbjefti» (Beiwort), falls ein folcfeeS mit bemfelben »erbunben fein fottte. Sllfo g, 23. „ara- bifcfees ©ummi" wolle man unter © nacfefetjen, ttidfet aber unter bem Bucfeßaben 21. SBaS unter bem BucfePaben S nicfet gu pnben ift, fucfee man unter K ober ß unb umgefefert. ©ette SSorrebe....................................... 3 Borrebe be« Berfaffer«............ 5 (Einleitung................................. 7 2lbfüferpttten................................838, 840 Slbfocfeung ber inneren Stinbe................. 876 2lbfoefeungen; Bereitung berfelben........... 831 Slbnu^ung unb Srfat3 ber Körpertfeeile...... 924 2!bforpttott....................................... 948 2lbftretfen ber Haut............................ 675 2!bgeferuttg....................................... 441 Acacia Arabica............................... 733 Acacia catechu................................ 708 Achillea millefolium........................ 794 Acidum tannicum........................... 809 Acne............................................. 676 Aconite.......................................... 719 Aconitum napellus........................... 719 Acorus calamus............................... 744 Adder-tongue................................. 739 Adiantum pedatum.......................... 756 Aethusa cynapium........................... 682 African colombo.............................. 714 Agrimonia eupatoria........................ 776 Agrimony..................................... 776 Ague-root....................................... 685 2tft, meefeanifcfeer, be« Sltfemen«............... 943 2llantwurgel...................................... 685 Sllatttwurgelpulöer.............................. 873 Sllatttwurgelfprup............................... 873 Sllaun.............................................873 Sllaunmotfett...................................1000 Sllauttpuwer................................ 873 Seit« 2«etrtS, mefeltge.................................. 685 2lleranber-Stebe................................. 823 »Halfen......................................... 681 2llfot)ol»crgtftung............................... 452 Allium sativum............................... 751 Allspice......................................... 774 Slloe............................................... 686 Aloe perfoliata................................ 686 Aloe spicata................................... 686 2iloe=Jtnftur................................... 873 Slloe Jinftur gufammengefefete.........•...... 873 Slloe, focotrtntfcfee............................... 873 Slloe mit weißem 3mtmet.................... 873 Aloes............................................ 686 Alpinia cardamomum...................... 746 Althea officinalis............................. 687 Altbea rosea................................... 807 Slltfeee............................................. (387 Alum-root....................................... 755 Amaranth...................................... 734 Amarantbus hypochondriacus............ 734 Slmber, präpartrter............................. 873 Slmberöl, reftipgtrteS........................... 873 Slmberbaum, öirgtntfcfeer...................... 688 Ambrosia elatior.............................. 688 Simbrope......................................... 688 2lmenorrfeöe..................................... 489 American colombo........................... 713 American hellebore......................... 775 American ipecac.............................. 826 American larcb............................. 760 American sarsaparilla....................... 693 American valerian........................... 727 Slmmen.......................................... 543 1017 1018 3ntjaltS»ergetdjnlfj. ©eitt Simmomaf..................................... 681 Slmmontafgummi............................. 873 Slmpfer........................................... 873 Slmpfer, gelber................................... 873 Slmpfer, fraufer................................. 689 Amygdalus Persica.......................... 783 Anasarca........................................ 280 Slnatomie......................................... 885 Slnbom, Weißer................................. 689 Angelica....................................... 689 Angelica-tree.................................. 692 Slngeltfafamen................................... 873 SIngeltfawurgel............................689, 873 Angina pectoris.............................. 254 Slmsfamen.................................690, 873 2lnisfamenÖl................................... 873 Anise-seed...................................... 690 Anthemis cotula.............................. 690 SintfeemtS, Hunbe».............................. 690 Anthemis nobilis............................. 745 Slnttmon.......................................... 681 Slnttmontum, rofees............................ 873 Sinttfepttca bei S3ranb.......................... 615 Slnwetfungen, dtururgifctje..................... 606 2lmt>etfungen für Hebammen.................. 471 Slpfelwaffer........................................1001 Apium petroselinum........................ 780 2lpocpntn......................................... 691 Apocynum androssemifolium............. 690 Apocynum cannabinum................... 691 2lpocpnum, Hanf*.............................. 691 2ipoc»num, rofenrotfecr........................ 690 Sipoplerie......................................... 291 Slralie............................................. 692 Aralia hispida... ............................. 692 Aralia nudicaulis............................. 693 Aralia racemosa....*.......................... 693 Aralia spinosa................................. G92 Kralie, pacfeltge................................. 692 Slralie, jKeUofe................................... 693 Slralie, traubtge................................. 693 Arctium lappa................................. 750 Aristolochia serpentaria................... 796 Arnica.......................................... 827 2lrntca=Sinreünmg.............................. 861 Arnica montana.............................. 827 2lrottSWurget..................................... 694 Slrrorut.....................................782,873 Slrrorut blatte mange.......................... 999 Arrow-root.................................... 782 «rfentf...........................................680 Slrten ber StaferungSmtttel für Kranfe...... 987 €ttN Artemisia absinthium...................... 82.'1 Slrterien.......................................... 905 Arum triphyllum............................ {)\)\ Slrgnei, fäurctilgenbe........................... 851 Slrgneigaben..................................... 871 Slrgnetgabtn für Kinber........................ 871 Slrgneien gu meffen, anPatt gu wiegen..?.... 870 Asarum Canadense.......................... 735 Ascites.......................................... 280 SlScleptaS, fnottt'ge.............................. 695 2l«cleptaS, ©eiben-............................. 694 Asclepias Syriaca............................ 694 Asclepias tuberosa........................... 695 Aspen............................................ 779 Aspidium Filix Mas........................ 724 Slftfema........................................... 334 Slffafoettba.................................806, 873 2ltfeembewegung................................. 390 2ltfemen, bas....................................941 2ltfemungSorgane.............................. 908 2ltfemungSWerfgeuge, Kranffeeiten ber........ 226 2ltmofpfeäre, 23efcfeaffent)eit berfelbett wäfe- renb ber Sfeolera........................... 409 Atropa belladonna........................... 699 2lufguß, fcfemergftillenber...................... 852 Slufmerffamfeit auf Kleintgfeiten im Kran- fengimmer ................................. 975 Slufftefeen, früfee«............................... 143 Slugen, ffropfeulöfe fefelimme.................. 289 Slugenentgünbung............................... 288 Stugenentjünbung, cferonifcfee.................. 288 Slugenwaffer..................................... 288 Slugenwaffer (brei Stejepte)...................854 SluSbünpung.................................... 950 2luSrenfungen................................... 610 SluSfcfelag, rotfeer, bei Kinbertt............... 568 2luSfcfelagSfranffeeiten.......................... 393 SluPernfcfealen, präparirte..................... 873 SluSgeferung..................................... 242 SluSgeferung, für................................ 846 Back-ache-root................................ 736 SSacon'S SJtutter................................. 33 23aben als SJtittel ber ©efunbfeeit............ 956 23äber, falte...................................... 158 «Bäber, warme................................... 163 23albrtan......................................... 695 23albrianwurgel.................................873 Balm............................................. 769 Balm of Gilead.............................. 779 Balmony....................................... 710 Snlja Itsoeraeidfettif. 1019 ©ehe Btltt . 779 ........ 743 , 874 SSilfenfraut.............................. ........ 701 • 774 ........ 873 . 695 ........ 813 . 696 ........ 803 33alfam, peruötantfcfeer....................... . 696 ........ 710 811 23üterfeolg............................... ........ 784 53alfam gur Srleidfeterung für ©ebärenbe.. 852 ........ 690 . 715 23ttterfalg................................ ........ 873 . 740 SBitterfüfj................................. ..702, 873 893 ........ 702 682 ........ 825 696 ........ 706 . 696 ........ 796 . 700 ........ 797 697 ........ 701 873 ........ 760 873 ........ 788 281 ........ 781 697 ........ 718 727 ...791, 796 697 ........ 265 33ebtngungen unb Srfealtung ber ©efunbfeeit 137 ........ 815 802 ........ 819 698 ........ 823 . 699 ........ 673 699 ........ 257 . 14 ........ 672 33emerfungett, allgemeine, über Kinber..... . 601 23lafenftettt; ©prup für benfelbett... ........ 846 23emerfungett, etnlettettbe, über Slnatomt > ........ 773 883 flattern.................................. ........ 397 873 ........873 800 ........ 873 699 ........ 681 873 ........ 685 873 SSlet....................................... ........ 681 . 699 S3letcfefucfet............................... ...485, 490 700 SBletfol«................................. ........456 . 700 ........ 873 873 873 ........ 746 öertramwurgel, «JJtutterfraut-................ 701 ........ 703 S3erufungSfraut, canabtfcfeeS................. . 700 ........ 824 7(10 ........ 760 717 96 ........ 824 SSetracfetungen über Seben unb SJtoral..... ........ 744 991 609 ........ 795 661 33ewegung«organe; Kranffeeiten berfelben... 270 23lutett aus ben Sungen; SJtittel gegen baf- 873 873 1020 3itljall«»ergeldjttlp. Btltt e 1 A 826 ....... 826 .............. 710 ....... 621 ............ 710 NNwöShNT;rtJoiS^«-«HNQooNONTH^o«otDNNNNnmTHLOfflminfflinpp QOOONNNQOQONNNNCONNNCONNCßCOQOOONNNNNN.QDQDOOQONNNNNONNNNNQONN N 00 (T N 3 S a a o 3 3 .O *«— ».- «w «• « i^ j-. :— 3 i-> ia *» .5 'S ^ 3 3 3 3^000 S B B - o o ..SS 3 3 3 3 3 Ti >=> >=> Seh >"> o .c3 :ö =2 g - •~ s 's» B -2 <" "75 *^ irr t « e O 3 g S 'ö c S S ö § 3 g *^ » ü tn 1« öS e3 3 3 S££ ^ 1> t- * JO " g S g'&g B !=5 ^ X "-1 rf o n ig® 00OOO00000OO0JO00OOOOO 3 .2 |3 c c3 c 03 Q 0 0 Q O 0 !2> ss) ü SS) u u ■§ g ^ 03 O 9 ö J, t5 •- «o S f-" CJ 7 2x2^ Bis o D l (8 k « t== --; PH yj "- ,B ,_ OJ rf £ * n > p« faß d, g 3 3 oooSSoobbb o -b ^ -« P CO g » .5 3 W „ o o **- 4 io ü «4h g 3 m y> P P o «u o o o >=> *=> OOOOOOOOOOOOUUOU^^J-.^f-iS-.Hf-.JS»-' üDQööÖöOOODÜÜOOOOÖÖÜOÖOOötSQ ün to m in ■S\S er. «» £ >> .2 ^ er; '3 £ a üb ^3 3 3 ;S -^ 'S 9 R S -^ <= b (^ 03 g ü 03 OJ Oj ^ £ A J3- , 5t © r^ ß 03 03 Uüööoüb)bo >W JO jQ jQ JO JQ 3 3 3 3 3 e G <3 « -~ a «• 3 t— .S 3 B " «T«N 1-* 3» ,<33 52 'S" .5 53 H sa ^ a « a ü ,0 n ^1». «> ■& -^ ■& s •&■ g g fe PS Ö ? 9 c 3 5 ;s ^ a "Sog 3 3 3 .3 3 _3 .« .3 .3 .g .= ^S~ j3 >S- Ja jb- >S- >S- ■^ 55- -B >rs- rO ^S- .c ja >o .ü .- 3 > CT1 oj B a a -g c jh = a .2 .a > kl. 3 3 5 -B .G 'Z £t O O 3 o O r^3 o o o o ^a r-= ö 03 H M! ö ü o o 3.3.3ri--aoooooooo ÜOOOOOOOC^ÜOÜÖ 1022 3nlj alt«t>ergeidjnifj. Cucurbita citrullus........................... 818 Cucurbita pepo.-............................ 759 Cunila mariana............................... 717 Curcuma longa.............................. 759 Curled dock.................................... 689 Cutting almond............................... 742 ßvanetfett........................................ 875 Gijanfaitum...................................... 875 Cypripedium pubescens..................... 727 Dandelion....................................... 765 Darmentgünbuttg............................... 188 Darmöorfall.................................... 209 Datura stramonium....................682, 805 Daucus carota............................769, 770 Deadly nigbtshade........................... 699 Deer-berry..................................... 729 Delirium Jremen«............................. 452 Delphinum consolida........................ 787 Devil's bit...................................... 736 Dew-berry...................................... 706 Diabetes......................................... 261 Dtarrfeb'e......................................... 190 Diät unb ©äugen ber Ätttber............... 537 Dtätöorfeferiften................................. 214 Dtchjtra........................................... 716 Digitalis......................................... 725 Digitalis purpurea........................... 725 Dillfamen....................................... 875 Dioscorea villosa............................. 827 Diosma crenata............................... 707 Dipfetfeerie....................................... 231 Diptam.......................................... 875 Diptam, amerifantfcfeer........................ 717 Dittany.......................................... 717 Dogtootb violet............................... 739 Dogwood....................................... 734 Docer'« $ulöer................................. 875 Dracfeenblut..............-....................... 875 Dragon'sclaw................................. 753 Dreiblatt......................................... 717 Driifettfejtem.................................... 914 DuwfefaU......................................... 190 Durefefefeeuertt uttb SBunbfeett ber £aut bei Äinbertt.................................... 568 Dwarf eider.................................... 692 Dijfenterie....................................... 194 D9«menorrfeöe..................................487 D9«pepfte..............•..........................177 Dtj«pepfte, Mittel gegen biefelbe.............. 672 «BtU« @ Ebeltanne, canabtfcfee.......................... 717 Efeemänner, an................................ 116 Eferenpret«, »irgintfcber....................... 718 Eibt'fcfe......................................687, 875 Etcfee, roetfje.................................... 719 Eiferjucfet........................................ 70 EmbtlbungSfraft, kacfet ber.................. 17 Einbilbungöfraft, SBirfung auf ein unge« bortte« Ätnb............................... 21 Einfluß be« ©emütfe« roäferenb ber ©efefean- gerfcfeaft.................................... 520 Etnflufj be« ©etfte« auf ben Körper......... 36 Einfluffe, geiftige, auf Ätnber.,............... 562 Einleitung gur mebtgtntfcfeen ©eroäcfegfunbe 68i Einreibung für Scfeeumattemu«............... 859 Etnroirfungen fcfeäbltcfeer ©toffe unb Ver- giftungen................................... 447 Sifen............................................. 875 Etfenroft.......................................... 875 Etfenfalmtaf..................................... 875 Stfenttnftur, falgfaure.......................... 875 Etfenroetnfietn................................... 875 Etfenfeütletn..................................... 719 Etfenor^bfetjbrat................................. 680 Etferfearb......................................... 720 Eider............................................. 726 Elecampane.................................... 685 Elixir proprietatis........................... 875 Eli,enburg=9eebe................................. 823 Eltern, an bte.................................... 598 Emetic weed................................... 761 Sngeltmtrgel...................................... 689 Etttenfufj......................................... 721 Entfcfetebenfecit im kranfengimmer........... 979 Entroöfenen ber Ätnber....................... 575 Engtan, rotlber................................... 723 Engtanrourgel.................................... 875 Engianabfoefeuttg................................ 875 Ettgtan=£rtraft.................................. 875 Enjtan=Jinftur................................. 875 Epipbegus Virginianus..................... 802 Spilepfie.......................................... 340 Equisetum hiemale........................... 793 Erbrecfeen ber ßtrtber........................... 569 Erbbeeren........................................ 723 Erbe, japanifcfee.............T.............708, 876 Ergot............................................ 773 Erigeron..........................,............. 700 Erigeron Canadense........................ 700 Erigeron heteropbyllum................... 701 3ttfe>lt«»er3eicfeni£. 1023 ©eitt Erigeron Philadelphicum.................. 701 Erfältungett unb Ruften....................... 226 Erfranfungen, allgemeine, unb Ärattffeeiten mit 23luh>erberbmj?........................ 351 Ernäferuug, bte.................................. 926 Srnäferung^roerfgeuge, Äranffeeitett ber...... 173 Sröfttte'« Butter................................ 34 Srftttfen......................................... 623 Eryngium aquaticum........................ 767 Etttfipela«........................................ 263 Enpftpela«, pfelegmanö'fe........................ 265 Sdjftpela«, traumattfcfee........................ 265 Erythronium Americanum................ 739 Srgiefeung unb Sefeanblung ber ainber...... 558 Efcfee, ftacfeltge................................... 724 fffefefürbtjj....................................... 875 Effen, ju fcfeneUe«............................... 940 Effen, aufjer ben 9Jcafel$eüen.................. 938 Essential saltof bark........................ 873 Efftg, befttHtrter................................. 875 Euonymus atropurpureus.................. 803 Eupatorium aromaticum................... 816 Eupatorium perfoliatum................... 817 Eupatorium purpureum.................... 817 Euphorbia ipecacuanha..................... 826 Eupurpurin...................................... 817 Ertraft »ort 3cmbfletffe......................... "6 Eyebright..................................... 761 gatlfucfet......................................... 340 garnfrautrourgel................................. 724 gaulfteber........................................ 366 Feather-few.................................... 701 gefeler ber Ätnber.............................. 565 getjlgeburt....................................... 491 gefelgeburt, 23erfeütung berfelben............. 495 Female regulator............................. 756 gencfeelfamen...............................725, 875 Feniculum vulgare........................... 725 Fennel-seed.................................... 725 Ferula assafoetida............................ 806 gettfletfe au«guroafdjen......................... 862 gettfucfet.......................................... 444 Feverbush..................................... 699 Fever-few....................................... 701 Fever-root...................................... 75o gieber............................................ 351 gieber, entgünblicfee«........................... 382 gieber, gaftrtfcfee«............................... 360 gieber, gelbe«.................................... 372 fjteber, intertttittirenbe«........................ 353 ©ett« gieber, ^Jrognofe bei benfelben............... 386 gieber, remttttrenbe«........................... 359 gieber, ba« remttttrenbe ber Ainber........... 595 gieber, fdfeletcfeenbe«............................. 366 gieber, fymptomattfcfeeg........................ 352 gieber, hjpfeu«äfenltcfee«........................ 372 giebermtttel...................................... 846 gteberpuber..................................... 836 gteberfvmptome................................. 353 giebertropfm (groet Mittel)................... 846 gingerfeut...................................725, 875 ginnen........................................... 676 Five finger..................................... 783 glacfe«............................................. 759 glacfe«famenb'l..................................... 760 Fkx-seed....................................... 759 Fleabane........................................ 700 glecfeten........................................... 266 glecfetenfalbe..................................... 862 glecfen............................................ 676 glecffieber......................................... 366 gletfcfe, nulbe«................................... 610 glteber............................................ 726 glteberbufcfe, ber, ein ©cfeuijmtttel rotber 3n» feften.......................................1003 gliegen, fpantfcfee................................ 682 glöfefraut......................................... 700 gluß, roetger.................................... 513 goroler'« 5iuflöfung............................. 680 Fox glove....................................... 725 Fragaria vesca..........................'...... 723 gramböfta....................................... 403 granftncenfe..................................... 780 grangbranntroetn für Durcfefaü............... 858 Frasera Carolinensis........................ 713 grauenfranffeetten.............................. 464 grauenfcfeufe..................................... 727 grembrobrter.....................................1007 greube............................................ 71 greuben unb Seiben ber Erinnerung......... 120 grtefelfteber...................................... 512 groftbeulen....................................... 671 groftfcfemergen.................................... 867 gurcfet............................................. 54 gurcfet »or btm Jobe........................... 124 gurunfel.......................................... 401 güße, geeignete 33efeanblung berfelbett...... 651 ©agel............................................ 727 ©albanfearg....................................875 Galium aparine.............................. 749 1024 3nfe; alt«»ergeidjnt&. ©eftt eUtfe...................................... 460 1026 3n$ait«»eraeld)nl0. ©ette Hunb«routt), Sefeatrblung berfelbett.......... 462 Himb«gafen, amertfanifefeer.................... 739 Huftenargnet..................................... 844 Huftenargnet', Imbernbe........................ 844 Hufienptllen...................................... 841 Hufienpulöer.................................... 836 Hujienforup...................................... 844 Huftenfyrup, (groet 9tegeptt)................... 845 Huften=Jtnftur.................................. 845 Hurfeam'« Sfeina* Jinftur..................... 876 Höbrafttn......................................... 730 Hydrastis Canadensis........................ 730 Hydrocephalus................................ 293 Hydrophobia.................................. 460 Hydrothorax................................... 280 Hyosciamus.................................... 701 Hyosciamus niger............................ 701 Hypericum perforatum..................... 741 Höpocfeonbrte.................................... 348 Hyssop.......................................... 742 HöffopfrauMSrtraft..............................876 HöffopfrauMSauerfeontg,...................... 876 Hyssopus ofjicinalis.......................... 742 Hofierte........................................... 346 3 Jalap............................................. 739 Saloppe.......................................... 739 Salappe in ©cbarlaebfieber......'.............. 396 Salappe, alfaltfcfeer Srtraft..................... 876 3alappe=Srtraft................................. 876 Salappepulöer.................................... 876 Salappe-Jtnftur................................. 876 Salappeuttb Salomel.......................... 876 3ame«pulöcr.................................... 876 Jamestown weed.............................. 805 Janipha manihot............................. 809 3aöapfeffer....................................... 757 Ice plant....................................... 771 Iceland moss..............*..................... 771 Icterus infantum (©elbfuefet ber flteuge- bornen).................................... 569 Ictodes feetida................................. 783 Jeffereonia diphylla.......................... 740 3efferfonte, groetblätterige...................... 740 Jerusalem oak................................. 729 Jessamine....................................... 730 Jimson-weed..............................682, 805 3mmerblume, »ielföpfige....................... 740 Impatiens pallida............................. 804 Smpfung........................................ 590 Indian arrow.................................. 803 e*«ti Indian cup-plant............................ goo Indian ginger................................. 735 Indian hemp ...............,................. ß(jj Indian poke.................................... 775 Indian sanicle................................. 791 Indian tabaeco................................ 761 Indian turnip................................. (594 Indigo broom................................. 696 Indigo weed................................... 696 3nbtgo, trüber.................................. 696 3nfluenga......................................... 227 3ugroer........................................... 711 Sngroerpulöer....................................876 3ngfcerf9rup................................741, 876 3ugroer-Jinftur................................. 876 3ngroer, öerguefert.............................. 876 Sngroerbter....................................... 741 3nfealatton«apparate bei ©efetotttbfuefet...... 253 Snfeften auf ben Säumen gu öerniefetett...l003 Inula helenium............................... 685 3obfaIbe.......................................... 866 Sobtmftur........................................876 3ofeannt«fraut..............................741, 876 Sofeanntewurgel.................................724 Specacuanfea..................................... 705 Specacuanfeapulöer..............................876 3pecacuanfearoem...............................876 Ipomaea jalapa................................ 739 Sribitt............................................. 744 3rt«............................................... 744 Iris florentina................................. 814 Iris versicolor................................. 744 Iron weed....................................... 814 Iron wood.......................... ........... 738 SfabelMRebe.................................... 822 Sfop............................................... 742 3fop, amerifantfefeer............................ 742 Itch weed....................................... 775 Juglans cinerea............................... 815 Juglans nigra................................. 815 3ungfernfraut, gangblättertge«............... 742 Süngltnge, an................................... 132 Juniper-berries................................ 814 Juniperus communis........................ 814 Juniperus sabina.............................. 789 Äalbfußbrüfee.................................... 997 Mi, fofelenfaure«..............................876 Mtumcttait..................................... 876 Mf, gebrannter................................ ^81 Mfroaffer..................................681, 876 3ttfe;alt«öcracicfettif. 1027 ©ette ©ette Äalfroafjer gum SBefßctt »ott SJlebettgebäu . 425 .1004 . 579 . 743 topf, Aranffeeiten beffelben................... . 289 . 743 Kopffatarrfe..................................... . 227 . 744 887 . 744 294 . 874 . 297 . 874 . .302 . 874 . 304 . 874 . «300 . 745 . .301 . 745 298 . 907 Kopffcfemerg, entgünbltcfeer unb rfeeumatt Kapitel, ein, für Mütter....................... . 525 301 . 746 29f , 876 29.S 1002 609 . 343 753 . 747 7.54 Kefelfucfet......................................... . 585 734 . 876 , 754 . 747 817 . .580 613 . 510 579 . 537 .Krämpfe, Jinftur gegen biefelben........... 847 Ktttberfranffeetten, erfte periobe berfelbett.. . 566 755 . 748 961 . 876 961 . 857 Kranffeeit, englifcfee........................279 425 . 749 173 . 483 Aranffeeiten ber Seber unb ©allenroege..... 217 Kleb4!abfraut................................... . 749 itrapprourgel-Srtraft........................... 876 Kleefalg.......................................... . 681 876 . 681 Krä£e............................................ 269 . 545 Kreb«............................................. 420 Klette............................................ . 750 876 . 876 .Kretbe, präpartrte............................... 876 . 751 858 876 Kretbefalbe....................................... 864 Knocfeett be« Stumpfe«........................ 887 876 888 876 . 891 876 . 610 Kreugfraut..................................755, 756 885 Kronsbeeren, ©ebrauefe berfelben in ©cfear* 892 397 751 660 679 756 199 757 Mit ber ainber................................ 572 758 752 876 8.34 758 358 67 1028 3nfealt«öergeldjttifj. ©eite fiupfcr.......................................... 681 Kürbisfamcn...............................759, 818 Kurfumerourgel.............................759, 876 ß Sactucarium=Jinftur........................... 876 Ladies' slipper................................. 727 Säfemung......................................... 331 Lambkill....................................... 743 Larix Americana............................. 760 Larkspur....................................... 787 Laudanum.................................778, 876 Sauge gegen unregelmäßige SSerbauung..... 857 Laurel........................................... 743 Laurus cinnamomum........................ 829 Laurus Sassafras.............................. 792 Saufe au«gurotten............................. 679 Saöenbelfptrttu«................................. 876 Seben«=Sltrir.................................... 848 Seber.............................................. 915 Seberfletten....................................... 776 Seberfraut, brettappige«........................ 759 Seberleiben....................................... 217 Seberpul»er.................................834, 835 Seberpitten...................................... 865 See'S Rillen gegen ©aßenbefcferoerbett....... 839 Setbe«öerftopfung................................ 198 Seibenfcfeaften unb Neigungen................ 36 Seinöl............................................. 876 Setnfamen..................................759, 876 Seinfamenb'l...................................... 760 Senotr=Jraube................................... 823 Leonurus cardiaca........................... 737 Leontodon taraxacum....................... 765 Leopard's bane.............. ................. 827 Leptandria Virginica........................ 718 Septanbrin....................................... 718 Sercfeenbaum, amertfamfcfeer.................. 760 Setfeargie.......................................... 293 Leucorrhcea.................................... 513 Liatris spicata................................. 736 Liehen ash..................................... 876 Siebe, Einfluß ber.............................. 39 Liferoot......................................... 756 Siniment, fearntretbenbe«...................... 860 Siniment, eflefttfcfee«............................860 Siniment, pefetige«, »on Sajeputbl.......... 876 Siniment, gertfeeilcnbe«......................... 860 Siniment für ©elenfrfeeumati«mu«.......... 860 Linum usitatissimum........................ 759 Liquidambar styraeiflua.................... 688 Liquor.......................................... 707 Liquonce..................................... 808 Liriodendron tulipifera.................... 812 Stfie »on Slrgneiett............................. 873 Liverleaf....................................... 759 Liverwort...................................... 759 Lobelia....................................760, 761 Lobelia cardinalis........................... 760 Lobelia inflata................................. 761 Lobelia Surinamensis....................... 760 Lobelia syphilitica........................... 760 Sobeliafraut...................................... 761 SobeliafrauMSrtraft............................ 876 Sobeliafraut=©auerfeontg...................... 877 SobeIiafraut*Jinftur........................... 877 Söffelfraut, ©aft beffelben..................... 877 Sorbeeren......................................... 877 Low blackberry.............................. 706 Sb'trengafen....................................... 765 Sb'roengafen, ©aft beffelben.....................877 Suft, reine....................................•• 551 Süftung, aBtcbttgfett berfelben................. 944 Süftung be« Kranfengimmer«................. 965 Sungen............................................ 908 Sungenblutungen............................... 240 Sungenentgünbung.............................. 237 Sungenfraut, »irginifefee«...................... 766 Supultn------.................................. 738 Lungwort....................................... 766 Lycopus Virginicus.......................... 826 SOI SSJcacrotin......................................... 796 Macrotys racemosa........................... 796 Mad-dog weed................................. 795 Mad-stone....................................... 463 hagelt.......................................... 911 Sftagettblutungen................................ 175 3Jeagenentgünbung.............................. 173 9Jtagenfcferoäcfee; «Kittel gegen biefelbe...... 672 S^agenftärfung, gufammengefefcte, geroürg- feafte........................................ 835 3Jcagnefta....................................681, 877 kagnetifeur..................................... 629 gjeagnettemu«, Erftärung be« tfeierifefeen.... 625 Magnolia grandiflora........................ 766 Magnolia tree................................. 766 ÜJcagnolte, großblumige........................ 766 SSJcatapfel......................................... 721 Maiden-hair.................................... 756 Male fern....................................... 724 ajcalerfoltf....................................... 456 Man-in-the-ground........................... 820 3ttfealt«»ergeldjttifj. 1029 ©eit« «Kanbelb'l......................................... 877 Mandrake....................................... 721 Manna................................._........ 767 «cantta..............................-----767, 877 9Jeanna=Sfcbe.................................... 767 2Jtotm«tren, SBaffer-........................... 767 Maranta arundinacea....................... 782 9Dcara«mu«..................................... 441 Marrubium vulgare.......................... 689 Marsh mallow................................. 687 Marsh rosemary.............................. 804 Marygold....................................... 787 gjcafem........................................... 593 SSflaß ber glüfftgfetten........................... 870 ODtaßfiab für trodene Slrtifel................... 871 SJcaftbarmfiftel................................... 211 Masterwort.................................... 768 Mastix............ ................~........... 877 Mayapple....................................... 721 May-weed...................................... 690 5tfecca-33alfam.................................. 779 SSJcebigtn, antibiliöfe............................ 833 gtfeergtoiebel.................................767, 877 SKeergnuebelefftg................................. 877 3P?eerjt»tebelpuI»er.............................. 877 Hfteergrotebelfauerfeom'g........................ 877 UJceergrotebelförup............................... 877 Sflefel, gefocfete«.................................. 998 Stfefelfuppe....................................... 998 SSftefelfuppe gu bereiten.......................... 997 gjeetfterrourg.......... ........................... 768 2JWattcfeolte.................................•„•• 348 Melissa officinalis............................. 769 keliffe............................................ 769 Melon-seed..................................... 818 aJcenge ber ©peifen............................. 216 Menispermum Canadense.................. 770 SDcenm'ge.......................................... 681 gfjcenorrfeagte...............................488, 497 ÜJcenfcfeenpoden................................. 397 gjcenftruatton.................................... 484 5J?enftruatton, fcferoere.......................... 487 Mentha piperita.............................. 781 Mentha viridis................................. 772 Migräne............... .......................... 295 mid)x Sluftrodnen berfelbett................. 508 Wttcfefteber....................................... 509 iMcfegefcfenutlft.................................. 506 «Wilcfefranffeett................................... 454 9Jctlefefcfeorf...................................... 570 Milfoil.......................................... 794 Milk weed.............. ......................... 694 ©eite 9Jttlg.............................................. 916 SSJcilgentgünbung.................................225 9)cmbereru«fpmtu«.............................. 877 ÜÜJtfcfeungen, mebiginifcfee....................... 833 SD?iffouri*Jraube................................ 823 2J?iftelpul»er...................................... 877 Mitchella repens.............................. 825 Mittel, gufammengtefeenbe«, für bte ©ebär» mutter....................................... 851 Mittel, um ba« Kafelroerben gu »erfeüten... 856 bittet für ben roetßen gluß................... 853 Moccasin flower............................... 727 «Dcofen............................................. 769 9Jcobnfopff»rup.................................. 877 2MmfopfSrtraft............................... 877 köfere............................................ 769 ■ücb'fere, gemeine................................. 770 köfere, roilbe.................................... 770 Monarda punctata........................... 770 5Jconarbe, gefledte.............................. 770 5J?onat«fluß, für unterbrüdten (groei die* gepte)...................................848, 849 5Jconbfame, canabtfcfeer........................ 770 Monk's hood................................... 719 Monotropa uniflora.......................... 771 5J?onotropa, einblumtge........................ 771 Moonseed....................................... 770 gj?oo«, islänbifcfee«.............................. 771 SDcorpfeium.................................682, 778 gjcorttftfattott.................................... 614 9J?ofcfeu«.......................................... 877 9Jcofcfeus3famen*Jütftur........................ 877 Motherwort.................................... 737 3D?otto »on SSürger.............................. 39 Mountain dittany............................ 717 Mountain tea........................,......... 729 Sauden lo«guroerben............................1003 Mncuna pruriens............................. 758 50htÜem.......................................... 826 Mumps.......................................... 585 5J?unb, rounber, ber ©tttlenben............... 507 SSJcunbfcferoamm (ber Kinber)................. 567 SJcünge, grüne..............................772, 877 5J?u«fatblütfee.................................... 877 5Jeu«fatnuß.................................772, 877 5D?u«fatnußfpirttu«............................. 877 MuSfeln.......................................... 894 5Jcu«feln, bte »orgügltäjfien uttb ifere 35er- rtefetuttgen..................................897 Mustard......................................... 799 ÜJcutter, bte....................................... 101 gjcutterfortt....................................... 773 1030 SnfealUfcergetdjttifj. ©eite SJcutterfomöl.................................... 773 Myrica cerifera............................... 727 Myrospermum Peruiferum................ 696 myrxijen......................................... 774 aJ?»rrfeen=Emulfton............................. 877 TOjrrfeengummt................................. 877 SRörrfeenpuIöer.................................. 877 90?»nfeen=Jtnftur.............................. 877 SSftttrrfeen-Jinftur, gufammengefetjte......... 847 2Rttrrfeen=Stniment, gufammengefefcte«...... 860 Myrtus pimento.............................. 774 SJlacfegeburt....................................... 478 9?acfetripper....................................... 441 3?acfetfct)atten..................................... 682 9?acfetfcfeattenfeoIg................................ 702 9cacfetfcferoeiße; Mittel gegen biefelben...... 840 Racferoefeen....................................... 479 kaferung für Kranfe........................... 983 RaferungSmittel, flüfftge........................ 935 9carbe, gemeine...............,................ 693 Narrow dock.................................. 689 9cafe, »erffopfte (ber Kinber).................. 572 Rafenbluten..................................... 673 9cafenpol»p...........................8........... 616 9catron........................................... 877 9?elfenpfeffer..................................... 774 Nepeta catara................................. 747 Nephretic plant............................... 742 9ceröcn........................................... 920 9ter»enfteber..................................... 366 5Jler»enfranffeeitett............................... 307 SWeröenletben................................... 307 SReroenfalbe...................................... 864 9leröenfcferoäcfee.................................. 328 Stauen be« ©efeirn«............................ 921 9cer»enföftem.................................... 918 Nervine......................................... 727 fteffel............................................. 775 Sffeffelfucfet....................................... 268 Nettle............................................ 775 Neuralgie........................................ 321 Neutralizing cordial........................ 851 New Jersey tea.............................. 710 «Kieren............................................ 916 9lterenentgünbung.............................. 256 Rteßrourg, grüne................................ 775 9tteßrourg*Ertraft............................... 877 ftießtourg-Jinftur.............................. 877 Nightshade.................................... 682 flifetttt......................................... 310 ^elti Horton'« 3Strgtnta-©et3ltng.................... 823 9totferoenbigfeit beö Sltfemen«................. 942 Plummer 6, »erbefferte......................... 8J7 Nut galls....................................... 728 Nutmeg......................................... 77 Rubelt ber SluSbünftung....................... 951 Nux myristica................................. 772 Nux vomica.................................... 754 Nymphaea odorata........................... 776 9?ömpfeäe, roofelrtecfeenbe....................... 776 SJtömpfeomante.................................. 505 © Dbermenntg................................776, 877 Dfeto=Jraube.................................... 823 Dfenmacfet........................................ 330 Dfercnentgünbung..../.......................... 287 Dferenfcfemergen................................. 287 Del ber grünen SJcunge........................ 772 Old field balsam.............................. 740 Oleum ricini................................... 786 Oleum tiglii.................................... 716 Dlioenöl..........................................877 Dnanie........................................... 657 Dpium...............................682, 777, 877 Dpium entfealtenbe« Konfeft.................. 877 Dpium, mefet narfottfefee«...................... 877 Dpium-Jtnftur.....................(i82, 77«, 877 Dptum=Jinftur, Kampfeer fealtenb........... 877 Dptum=Jinftur, Sffigfäure fealtenb.......... 877 Orange peel.................................... 778 Drangenfdjalen................................ 778 Drgane unb Sintfeetlung be« Körper«....... 885 Drgane be« Kreisläufe«........................ 902 Orris-root....................................... 814 Ostrya Virginica............................. 738 Oxalis strieta................................... 793 Panax quinquefolium....................... 732 gjanfrea«......................................... 917 Papaver somniferum........................ 769 Rappel, roeißtiefee................................ 779 JJappel, ßitttx-.................................. 779 Pappoose-root................................. 824 3>aral»fe.......................................... 331 JJaraplegie....................................... 331 Paregoric.................................778, 877 Pareira brava................................. 815 3>areft«............................................ 331 Parsley.......................................... 780 Parthenium integrifolium.................. 742 3nt)alt«öergeicljtttj3. 1031 ©ette Partridge-berry..........................729, 825 Peach tree...................................... 783 $ecfe, burgunbtfcfees........................780, 877 Pennyroyal.................................... 742 Peonia omcinalis.............................. 782 Peony-root..................................... 782 Peppermint.................................... 781 Peripneumonia................................ 240 gjerubalfam...................................... 877 Peruvian bark................................. 711 g5etecfeial=j»pfeus...........................:... 366 peterftlie.......................................... 780 «Pfeffer, fcferoarger................................ 781 «Pfeffer, fpamfcfeer............................... 708 «Pfeffermüng...................................... 781 spfeffermüng-Sffeng.............................. 877 «Pfeffermüngöl................................... 877 Pfeffer«, 33äber »on............................ 167 3>fetli»urg......................................... 782 JJfeilwurgelmefel................................. 877 ^ftngftrofe....................................... 782 ?>ftrftcfebaum..................................... 783 9Jflangen*3IrgnetmttteI, Sfnroetfung, rote bte* felben gu fammeln unb guguberetten pnb.......................................... 830 35fIangett=SlrgneimtttetIet)re..................... 683 JPfeänomene bei einer magnettftrten perfon... 629 5Pfe9JtoIogte....................................... 924 Phytolacca decandra.................«...... 747 «Pfestolaccüt....................................... 748 Picrsena excelsa............................... 784 Pigeon-berry................................... 747 Plen, Slloe fealttge.............................877 Rillen, blaue..................................... 877 Rillen, bte auf bte Seber wirfen............... 838 spiHen gegen ben roeißen gluß................ 843 Ritten, abfuferenbe.............................. 837 Rillen, abfuferenbe unb antibiliöfe............ 838 Rillen, antibiliöfe............................... 837 Ritten gegen DöSpepffe (öter9cegepte)...838, 839 Rillen gegen Sngbrüfttgfeit.................... 841 pllen für bie fallenbe Kranffeeit.............. 843 Rillen gegen H?ftene........................... 843 Rillen gegen Kopfroefe, roelcfee« mit Uebelfeit »erbunben ift.............................. 840 5>tßert gegen 9lfeeumatt«mu« (groet 9tegepte) 841 Ritten gegen bte^cufer.......................... 840 gjiaen für cferonifcfee 23roncfetttS............... 844 «Pillen für ^eröettfcfemerjen.................. 844 Spillen ifür fcfemergfeaften kottatsfluß (groei ftegepte)..............................842, 843 «Pitteit emmenagogifcfee (fteben9fiegepte)841, 842 ©eit« Rillen, feöbragogtfcfee........................... 838 ÜJMen gegen falte« gieber (brei 9cegepte).... 837 Rillen, neröenftärfenbe......................... 843 Rillen, frampfftiüenbe, gegen Kopfteefe...... 840 Pimpinella anisum........................... 690 Pine drops..................................... 753 Pink-root....................................... 803 Pinus Canadensis........................... 717 Piper cubeba................................... 757 Piper nigrum................................. 781 Pipsissewa...................................... 729 Plantago cordata.............................. 819 Plantago major............................... 819 Plantain......................................... 819 Pleurisy root.................................. 695 Pleuritis.......•................................. 234 Pneumonie, hjpfeöfe............................. 239 5Jneumot»pfeu«.................................. 239 $obagra......................................... 275 $obopfe»ttm...................................... 722 Podophyllum peltatum..................... 721 Poison hemlock..........................682, 794 Poison parsley................................. 794 Poke-root....................................... 747 Polygala Senega............................. 798 Polygonum punctatum..................... 751 Poplar........................................... 812 Poppy........................................... 769 Populus candicans........................... 779 Populus tremuloides........................ 779 Potentilla Canadensis........................ 783 9JotenttÜe, canabtfcfee........................... 783 «potfeo«, fttnfenber..........................783, 877 pottafcfee, äfcenbe................................ 681 sporoel^Jraube.................................. 823 Prairie indigo................................. 696 «Präzipitat........................................ 877 «Preißelbeeren4tmfcfetäge in Krebs............ 423 Prickly ash.................................... 724 Prickly eider................................... 692 Prinos verticillatus.......................... 825 «Prognofe bei giebern........................... 386 Prunus Virginiana........................... 749 Stelen, bretblättertge........................... 784 Ptelia............................................ 784 Ptelia trifoliata................................ 784 Pterospora andromeda...................... 753 Puerperalfieber................................. 510 Pulmonaria Virginica....................... 766 «PulSfcfelag; Unterfuefeung beffelben.......... 388 «puloer, antifepttfefees........................... 836 «pul»erfür Engbrüfttgfett...................... 83< 1032 3nfectlt«üerjeidjrti0. ©eite ©eit» ....... 836 Reiben be« 5Jcagen« unb be« 23aucfee« ..... 674 ....... 836 ..... 484 ..834, 835 ....... 833 ....... 834 Ret«, geröfteter, für Durefefall......... ...... 858 ....... 759 «Pünftlicfefett im Kranfengimmer....... ....... 979 ..... 41 ....... 701 ....... 177 Regcpte gur Sereitung »on Kranfenfoft ..... 995 » ...... 833 .....1002 ....... 779 Regepte gur 23ereitung »on ©peife für ©e- Quantität ber ©peifen................. ....... 937 nefenbe.................. .....1001 ....... 784 ...... 786 ....... 784 ...... 878 Quafftenfeoiyjtnftur................... 784 878 ..... 878 ....... 878 ..... 878 ..681, 877 ...... 878 ....... 877 kfeabarber, gebrannter, fit - Durefefall. ...... 858 ....... 877 ...... 786 Quecfftlber unb Kreibe.................. ....... 877 ...... 270 ....... 878 272, 854 Duecffilberöergtftung.................... ....... 457 ..... 786 ....... 817 ..... 807 ....... 806 786, 878 ....... 719 Ringelblume................ ..... 787 ....... 609 ..... 787 ....... 712 ...... 788 ....... 878 Robinia pseudo-acacia... RocfeeÜefalg................... ..... 788 ..... 878 0t ..... 088 ....... 688 ..... 788' ....... 800 Rofe.......................... ..... 263 Rainfarn.................................. ....... 785 ..... 735 ....... 878 Rofen......................... ..... 788 ....... 785 ..... 878 ....... 737 Rofenfonfeft................. 789, 878 ....... 785 ..... 789 ....... 878 ..... 735 Ratanfeiarourgel*Jinftur................ ....... 878 ..... 998 Ratfefcfeläge in 23egug auf Kleibung.. ....... 670 ..... 878 Ratfefcfeläge für Un»erfeetratfeete....... ....... 96 ..... 863 ....... 696 ....... 739 ...... 770 Rotfeiauf............:........ ...... 263 ....... 796 ....... 786 ....... 760 ...... 769 Raute...................................... ..... 73V ...... 706 ....... 710 ..... 706 ....... 735 Regelmäßtgfeit im Sffen............... ...... 939 ...... 922 Siegeln, Slrgneien gefeörig etngugebe ...... 7% ....... 870 Rufee im Kranfengimmer. 3nfealt«öergeictjttifj. 1033 ©eite Stufer............................................. 194 Rufertropfen..................................... 851 Rumex crispus................................ 689 Rush............................................. 793 Ruta graveolens.............................. 786 <& Sabbatia angularis........................... 713 ©abebaum.................................789, 878 ©abebaum* Ertraft............................. 878 ©afran........................................... 789 ©afranblumen.................................. 878 Sage.............................................. 790 ©ago............................................. 790 Sago palm...................................... 790 ©t. SlntontuS' geuer........................... 263 St. John's wort................................ 741 ©albe für ©rinbfopf........................... 865 ©albe, grüne.................................... 865 ©albe, fcferoarge................................. 865 ©albe für Ragelgefcferoüre ober SBurm am gtnger....................................... 864 ©albe für glecfete............................... 864 ©alben für SSranbrounben unb 2Serbrü= feung..................................863, 864 ©albe, inbtattifcfee, für golbene Slber......... 862 Salicine.......................................... 820 Salix nigra..................................... 819 ©almtaf.......................................... 878 ©almtafgetff.................................... 878 ©alomonS ©tegel.............................. 801 ©alpeterpulüer................................... 878 ©alpeter, gereinigter............................ 878 ©alpeterfäure..............................681, 878 ©alpeterfpirituS.................................878 ©al»ei............................................ 790 Salvia officinalis.............................. 790 ©alg unb Sfftg für Durcfefatt................. 858 ©algfluß.......................................... 266 ©algfäure........................................ 878 Sambucus Canadensis....................... 726 Sanguinaria Canadensis..................... 703 ©anguinaritt.................................... 704 Sanicle.......................................... 791 ©anitätS-SSorfcfertften.......................... 960 ©arttfel.......................................... 791 ©antelfeolg....................................... 878 ©arfaparitta................................770, 791 ©arfapartttenrourgel.......................... 878 ©arfaparittettpulöer........................... 878 ©arfaparitte^Sfbfocfeuttg...................... 878 ©affafra«....................♦.................. 792 ©eft« ©affafrasöl................................... 792 ©affafraSfeolg.................................... 878 Sassafras........................................ 792 ©aturei, ©arten».............................. 792 Saturejahortensis............................. 792 Sauerampfer........................'............ 878 ©auerfiee, ftraffer.............................. 793 ©äuferroafenftnn................................ 452 Savin.............M.............................. 789 Scabies.......................................... 269 Scammony...................................... 801 Scarlatina anginosa.......................... 394 Scarlatina maligna........................... 394 Scarlatina simplex........................... 394 ©cfeacfetelfealm................................... 793 ©cfeafgarbe....................................... 794 ©efeanfer....................................428, 432 ©cfearlacfefteber.............................393, 586 ©cfearlacfefieber, neue «JJietfeobe in ber 23e= feanblung beffelben........................ 588 ©cfeeiberoaffer.................................... 681 ©cfeeintob »om junger........................ 678 ©cfeeintob »om ©onnenfttcfe.................. 679 ©djeintob »on einem gatte ober ©efeläge... 678 ©cfeeintob »ott fcfeäbltcfeen Dämpfen ober ©afen....................................... 679 ©cfeeintob »om 23ltfc............................ 679 ©djeintob »om Erfrieren. ...i................. 677 ©cfeeintob »om Erfeangen ober Srjtiden.... 677 ©cfeeintob »om Srtrtnfett...................... 677 ©cfeierltng....................................... 794 ©cfeierlingSfraut=Srtraft....................... 878 ©cfeierlingSfrautpul»er.........................878 ©cfeießbaumrootle, aufgelöjie.................. 795 ©cfeiffsfieber..................................... 366 ©cfeilbblume, glatte............................ 710 ©efeilbfraut, feitenblüfeenbeS.................. 795 ©efeitter1« «Kutter............................... 33 ©efeinfen in ©cfearlacfefteber................... 397 ©djlaf............................................ 147 ©efelaf ber Kinber.............................. 555 ©djlagfluß....................................... 291 ©cfelangenbiß.................................... 459 ©cfelangenrourjel................................ 878 ©cfelangenrourgeUJinftur..................... 878 ©cfelangenrourgel, fcferoarge..................... 796 ©cfelangenrourgel, »irginifefee.................. 796 ©cfelucfegen....................................... 674 ©efeluß ber Slbfeanblungen über bte Setbett- fefeaften..................................... 87 ©efemtnfbeere.................................... 747 ©efeneebatt, pflaumenblättertger............... 797 1034 3n$alt«r.ergeldjttif}. ©ette ©cfemttroutiben................................. 606 ©dfenupfen....................................... 227 ©cfenupfen ber Kinber......................... 572 ©cfenürleiber ober enge 9D?ieber............... 642 ©cfeöllfraut....................................... 878 ©cferofetfraut, marölänbifcfee«................ 797 ©cfeußrounbett................................... 609 ©cferoalbenrourg.............'.................... 695 ©cferoamm, gebrannter........................ 878 ©eferoangerfcfeaft, ©»mptome ober ßeia)tn berfelben....................................480 ©eferoangerfcfeaft, Srbreefeen roäferenb berfel- ben.......................................... 484 ©eferoangerfcfeaft, «Proben gur Sntbedung berfelben.................................... 483 ©cferoargbeeren................................... 878 ©eferoargbortt.................................... 797 ©cferoargrourgel.................................. 698 ©cferoefel.......................................... 878 ©cferoefelätfeer.................................... 878 ©cferoefelquedftlber.............................. 878 ©eferoefelfäure-Slirtr........................... 878 ©cferoefelfäure, »erbünttte...................... 878 ©cferoefelfäure................................... 681 ©cferoefelfpteßglang.............................. 878 ©cferoeiß.......................................... 950 ©cferoeiß al« Srfenttuttg«geicfeett............... 392 ©cferoertel, »ielfarbt'ger......................... 744 ©dferoertlilie...................................... 744 ©eferotnbel....................................... 329 ©cferoinbfucfet.................................... 242 ©cferoinbfucfet $ SJtittel gegen bie ©cferoinb» fucfet......................................... 248 Sciatica.......................................... 327 Scilla maritima................................ 767 Scoke............................................. 747 ©ir SBalter ©cott'« «Kutter.................. 34 Scrophularia Marilandica.................. 797 Scull-cap....................................... 795 ©cuppernong=Jraube.......................... 823 Scutellaria lateriflora........................ 795 Sea lavender................................... 804 Seeale cornutum.............................. 773 ©et gütig uttb freunblidj...................... 84 ©etbelbafirinbe.................................. 879 ©ttfeneinretbuitg, gufammengefe^te......... 859 ©etgnettcfalg.................................... 878 ©elbftbefleduttg................................. 657 Seneca snakeroot.............................. 798 Senecio gracilis............................... 756 ©ettegarourgel.................................... 798 ©enf, roetßer unb feferoarger................... 799 «eltr ©enfmolfen..................................... looo ©enffamen....................................... 879 ©enffamen, al« ©egengift..................... 680 Senna............................................ 799 ©ennesblätter..............................799, 879 ©enne«blätter=Slbfocfeuttg..................... 879 ©enne«blätter-Srtraft......................... 879 ©enneSblätter-Satroerge........................ 879 ©ennesblätter-Jinftur......................... 879 ©ennesblätter=3iufguß, gufammengefeijter.. 852 ©efam, inbifefeer................................ 800 Sesamum Indicum........................... 800 ©eöebaum....................................... 789 ©e»ebaumöl..................................... 789 Sheep's laurel................................. 743 Sheep sorrel.................................... 793 Shell flower.................................... 710 ©feeriban, grau granjisfa..................... 33 ©über, falpeterfaure«........................... 681 ©ilpfete, bureferoaefefene......................... 800 Silphium perfoliatum...................... 800 Silver-leaf...................................... 806 Silver poplar................................... 779 Sinapis alba unb nigra..................... 799 ©tnneSroerfgeuge, Kranffeeiten ber........... 287 ©fammonium..............................801, 878 ©fammonium=Satroerge.......................878 ©feiet, menfcfeltcfee«........................889, 890 ©forbut.......................................... 419 ©fropfeeln....................................... 425 Skunk cabbage................................ 783 Slippery elm................................... 812 Smart-weed................................... 751 ©mitacine, traubige............................ 801 Smilax officinalis.............................. 791 Smooth sumach............................... 807 Snake head..................................... 710 Snake-leaf...................................... 739 Snapping hazelnut........................... 828 ©obbrennen...................................... 176 Solanum dulcamara......................... 702 Solanum nigrum............................. 682 Solomon's seal................................ 801 ©ommerfranffeetten ber Kinber............... 667 ©ommerfproffen................................ 868 ©ommerrourg, »irginifefee..................... 802 Sonnenblume.................................. 802 ©onnenfttefe gu »erfetnbertt..................... 679 Sourdock...................................... 689 Southern prickly ash........................ 692 Spearmint....................................... 772 ©pttcfeelfluß........,........................... 457 Sttljalt«» ergetdjnl jjj. 1035 ©dte ©ett« ........... 718 ...... 719 ©peifen, bte »on DöSpepttfcfeen »ermteben ...... 622 ............ 215 ©ubftangen, frembe, im #alfe......... ...... 623 ............. 699 ©ubftangen, frembe, in ber Suftröfere. ....... 624 ............. 699 ....... 623 ............ 804 ....... 622 ............ 879 ...... 807 ............ 803 ...... 807 ............ 803 ...... 792 ............ 693 ...... 802 ............ 693 ©üßfeolg.................................. ....... 879 ............ 803 ....... 879 ............ 743 ...... 808 ............ 804 .735, 784 ............ 828 ...... 826 ............ 804 ...... 714 ............ 826 ...... 688 ............ 796 ...... 740 ............ 825 ...... 698 ............ 756 ...... 428 Squill............................... ............ 767 ...... 435 ............ 879 ...... 435 ............ 879 ...... 436 ............ 879 ...... 760 ...... 852 ............ 685 ...... 853 ............ 685 ...... 853 ............ 345 X ........... 804 ............ 804 Jabad-Srtraft............................ ...... 447 .......682, 805 879 ............ 862 ...... 760 ............ 260 ...... 808 ............ 879 ...... 808 ...... 808 ............ 608 ...... 785 ............ 580 ...... 809 ©tidfeuften, brei Regepte für benfelben...... 855 ...... 809 ............ 776 Tansy..................................... ...... 785 ............ 806 ....... 809 ............ 806 ....... 867 ............ 806 ...... 879 ...... 879 ............ 249 ..... 804 ...... 314 ............ 879 ...... 314 ............ 879 ...... 314 ...... 314 ............ 609 ............ 805 ...... 314 ............ 723 ............ 392 1036 3ttfcalt«r.ergelcifenlf}. ©eite e«n« . 879 .100S , 879 716 . 810 . 759 . 809 345 . 710 . 740 . 845 , 879 Jfeeeaufgü|)e, ^Bereitung berfelben........... . 831 • 372 . 879 . 36fi . 879 854 U 689 . 620 Jfeomfon'S «Kutter............................ 34 805 . 812 . 879 Thyme................... ...................... 811 811 Umbel.............i.............................. . 812 . 727 811 . 831 321 . 81 778 6Kr> 847 865 Jinftur »on fpanifefeen gliegen.............. 879 177 Jtfcfefalg........................................... 669 697 669 807 787 392 Joüfirfcfee....................................... 699 Urfacfee ner»öfer Kranffeeiten................. ,307 463 951 811 775 879 697 JoIu=Jinftur................................... 879 1003 h 879 736 692 695 804 695 19 Vanilla......................................... 813 1001 813 Trefoil.......................................... 759 SSanitte.......................................... 813 Trillium latifolium........................... 717 935 3()7 Jrinfen, ba«, roäferenb ber «Kafelgeit........ 813 723 S79 438 S3eilcfeenrourgeI..............................814 879 Jropfen, gufammengiefeenbe (groet Regepte) 850 338 Jropfen gur 23eförberung be« «Ronatöflu- 815 ße« (groet «Kittel)........................ 848 906 Jropfen, welcfee ben StuSrourf ber S3ruft be= 810 847 727 855 33eränberung be« 33luteS unb ber Suft..... 943 856 775 858 775 817 477 88 H'* 113 720 812 23erbaultcfefeit »erfcfeiebener RaferungSmitte [ 214 277 931 3ttfealt«t,e rgeidjnirj. 1037 ©eite ©eit« ...... 911 SBaffer, Slnroenbung »on faltem, iit ©cfear ...... 814 . 396 ...... 814 SBaffer, beftiltirteS............................. . 879 ...... 616 SBafferboff, aromatifcfeer....................... . 816 SSerföfenltdjfeit............................. ...... 73 SBafferboftett.................................... 817 ...... 616 817 93erftopfuttg, «Kittel gegen biefelbe...... ...... 672 . 817 ..... 329 SBafferfolf....................................... . 17 ...... 720 SBafferpfeffer................................... 81 ...... 720 . 751 ...... 64 . 401 ...... 797 SBafferfcfeeu..................................... . 460 ...... 770 . 682 ...... 813 SBafferfucfet...................................... . 280 ...... 813 . 826 ...... 796 826 ...... 820 . 818 «ßitriol, blauer.......................681, 873 879 . 751 ...... 879 . 819 ...... 879 . 727 ...... 879 . 353 «ßitrtotöl.................................... ..... 681 SBecfefelfteber, bösartige....................... . 358 SBecfefelfieber, gattenabfüferenbe« «Kittel für SB . 846 . 819 ...... 814 SBegericfe, feergförmiger........................ . 819 ...... 879 . 819 ...... 879 SBein............................................ . 820 ...... 879 SBein-Slloe...................................... . 879 ...... 879 .1000 ...... 727 . 879 ...... 865 . 879 ...... 784 . 8W . 879 ...... 694 SBermutb>Sonfeft............................. . 879 3Bermuu>Srtraft.............................. . 879 SBalbrebe, brafiltantfcfee.................. ...... 815 . 648 SQ3atlnuß»Srtraft.......................... ...... 879 . 740 ...... 815 . 803 ...... 815 . 719 . 776 698, 879 . 779 ......1004 . 695 ...... 796 . 816 ...... 945 809 ...... 861 . 736 SBargen unb ^üfeneraugen, «Kittel gur 23er= . 981 tretbung berfelben (groei Regepte) .861, 862 . 9,53 . 856 ...... 857 . 817 . 824 1038 3ttfe ctltßöe r g e i cfe tt l g. ©eite eetK ......... 699 % ......... 749 ......... 768 ......... 770 ....... 827 ........ 827 ......... 735 ........ 806 ......... 720 ........ 403 ......... 820 ........ 689 ........ 730 ........ 730 ......... 696 ........ 770 ......... 826 ' ......... 730 ......... 693 ........ 730 ......... 820 ........ 739 ........ 682 ......... 820 3 ......... 761 ......... 827 ...665, 892 ......... 820 Safenen................................. ......... 573 ......... 401 3afenroefe, «Kittel für baffelbe........ ......... 866 ......... 825 ......... 828 ......... 828 3«tlofe.................................. ......... 675 ......... 825 ........ 828 ......... 729 ......... 880 SBtrtelrointerbeere..................... ......... 825 ...825, 879 ......... 880 ......... 880 ......... 880 ......... 880 ......... 828 ......... 894 SBoblttfeätigfett......................... ......... 78 ......... 863 ......... 970 ......... 719 ......... 829 SBolfSfuß............................... ...826, 880 ......... 880 SBolfSmilcfe.............................. ......... 694 ......... 880 SBolfsmilefe, SBrecferourgel............. ......... 826 SBottfraut............................... ......... 826 ......... 827 ......... 730 ......... 823 608 ......... 880 ......... 880 ......... 741 ......... 880 ......... 880 ......... 606 ......... 606 ......... 880 ......... 880 ......... 610 675 ......... 880 ......... 56 ......... 856 SBürmer (bti Kinbertt)............... ......... 582 3unge, bie, al« SiuSftinftSmittel.... ......... 392 SBürmer, Slrgnei gegen biefelbe«... ......... 855 ......... 279 X ......... 724 3roiebäde, ungefäuerte gu baden... ........1002 9Uteott)pitt In tet Sronllin Zppe fyountxp, fftnriunati, O. 5 .»' ' -' '.-IIA » -' i / NATIONAL LIBRARY OF MEDICINE NLfl GDlGSb5S S .> vv «~ v-.'S \v - ::M\\ ni ■lüfwaniiHiMi*!..... 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