Ueber den Einfluss der Milchsäure aut das Endocardiimi. Ina n g ural- Dissertation, welche mit Bewilligung der Hochverordnelen Medicinisdien Facultät an der Kaiserlichen Universität zu Dorpat zur Erlangung3 . • des Doctorgrades JF ö f f e n 11 i cb v e r t h e i d/gen wird Cornelius Rauch. Dorpat, 1860. Druck von Scliiiimiaiins Wittwe u. C. Mattieseu. I in p r i in a t ii 1 lmec dissertatio, ea tarnen conditione, nt sitnulac typis fuerit excusa, numerus exeinplorinn lege praesciiptus tradatui rollegio ad libros explorandos ronstituto. Dorpati Livonoruin, d, XXI in. Maji a. MDCCCLX. jy? 125. (L. S.) Dr. R. IIuclihei in , med. ord. h. t. Decanus. Seinem Freunde und Vetter mEMDMramM cand. theol. der Verfasser. Vorwort. Vor einem Decennium zurück gab es eine Zeit, in der man die Milchsäure eine sehr grosse Rolle in der Oeconomie thierischer Organismen spielen liess1); sollte doch diese Säure die Einverleibung gewisser Arten von Nährstoffen in den thierischen Körper ver- mitteln, und eines der hauptsächlichsten Lösungs- und Transportmittel vieler für den Organismus wichtiger Substanzen vorstellen, so besonders der Phosphate, denen man geradezu einen positiven Einfluss auf die Bildung der Gewebe und Organe zuschrieb 2). Etwa in derselben Zeit gewann die Milchsäure auch eine grössere pathologische Bedeutung; Prout stellte die Hypothese auf, dass die verhinderte Milchsäureausschei- dung durch die Haut die Ursache des Rheumatismus sei. Der Autor erfreute sich mit seiner Hypothese unter sei- nen Landsleuten grossen Beifalls, so dass Todd3) sich zum Ausspruch veranlasst fühlte: „Ich nehme keinen Anstand zu behaupten, dass Niemand, weder von der lebenden, noch von früheren Generationen, mehr dazu 1) Lehmann, Lelnbuch der phys. Chemie. 1850. Bd. I. p. 109. 2) Lehmann, Lehrbuch der phys. Chemie. 1852. Bd. III. p. 238. 3) R. B. Todd, Vorlesungen über Gicht und Rlieum. Herausgegeb. v. Behrend. 1844. p. 86. beigetragen hat, eine gesunde und rationelle Pathologie zu begründen, als Dr. Pr out.“ Im Laufe der Zeit nun lernte man den physiolo- gischen Werth der Milchsäure4) näher und besser kennen; die pathologische Bedeutung blieb aber in Hypothesen behandelt. Die Prout’sehe Theorie fand mehr und mehr unter den englischen Aerzten Anhänger (so unter Anderen Füller), in Deutschland aber konnte sie keinen rechten Boden finden. Hier prüfte man die Hypothese nicht, sondern begnügte sich damit „sie der Prüfung durch Untersuchungen für fähig“ zu erklären 5). Da trat nun auch Richardson, derselben Theorie huldigend, mit einer ganz neuen Entdeckung der Wirksamkeit dieser wichtigen Säure auf: die Milch- säure sollte nicht allein Ursache von Rheumatismus sein, sondern auch Herzentzündung bewirken. Diese Entdeckung musste doch die Beachtung der deutschen Gelehrten erwecken; man schritt zur experimentellen Prüfung, gelangte aber zu keinem bestimmenden Re- sultate, wodurch denn die Frage über die Milchsäu- reeinwirkung auf das Herz in der Schwebe bleiben musste. Durch die Vorträge des Herrn Prof. Dr. Samson von Himmelstiern über physikalische Diagnostik der Krankheiten der Brustorgane besonders zum Stu- dium der Herzkrankheiten angeregt, nahm ich mit Freuden den Vorschlag dieses hochgeschätzten Lehrers 4) Lehmann, Handb. der phys. Chemie. 1859. p. 61. 5) Virchow, Handb. der spec. I’ath, und Therap. Bd. 1. p. 484. 7 auf, die Wirkung einiger Säuren insbesondere der Milchsäure, auf das Herz zu untersuchen, und auf experimentellem Wege die Richardson’schen Anga- ben zu prüfen. Ich schritt zu den unten mitgetheilten Experimenten, musste jedoch, von dem mir vorschwe- benden Plane abstehend, mich allein auf die Statuirung der Wirksamkeit der Milchsäure beschränken und die begonnene Untersuchung anderer Säuren aufgeben, da sich eine weitere Erlangung des nothwendigen leben- den Materials zu den Experimenten nicht bewerkstel- ligen Hess. Bei Untersuchungen, die nächst Anderem auch eine physikalische Exploration der Brust erfordern, ist es höchst wünschens werth, die Versuchsobjecte in der nächsten Nähe zu haben, um sie so häufig als möglich beobachten und besichtigen zu können. Die ersten Versuche stellte ich daher in meiner Wohnung an; war aber bald gezwungen sie in der hiesigen Veteri- näranstalt, in der mich Prof. Dr. Br au eil durch seine freundliche und liberale Unterstützung zu vielem Dank verpflichtet hat, zu erneuern. Wenn daher in der Schilderung der Auskultationserscheinungen ein ge- nauerer, nach Stunden bestimmter Verfolg, was beson- ders in den ersten Fällen wünschenswert!! gewesen wäre, vermisst wird, so ist das diesem Umstande der selteneren Gelegenheit, die operirten Thiere zu besich- tigen, zuzuschreiben. Schliesslich ist es mir eine angenehme Pflicht, meinen vollsten Dank hier abzustatten sowohl dem 8 Herrn Prof. Pr. Samson von Himmelstiern für freundlichen Rath und Beistand in meiner Abhandlung', als auch dem Herrn Docenten Dr. A. Böttcher für seine vielfachen Bemühungen, mich auf dem Felde microscopischer Pathologie bekannter zu machen, wie auch für die bereitwillige Unterstützung, die er mir bei den mieroscopischen Untersuchungen gewährte. I. Kapitel. Richardson’s Untersuchungen über die Milchsäure, nebst den in Göttingen angestellten Untersuchungen. Als R i ch a r cl so n seine zahlreichen Untersuchungen Uber die Ursache der Blutgerinnung anstellte, und unter Anderem auch den Einfluss verschiedener chemischer Agentien auf das Gerinnen des frischgelassenen Blutes prüfte, wandte er auch verschiedene Säuren und zwar vorzüglich solche an, die bereits im thierischen Organis- mus vorgefunden werden, wie z. B. Harnsäure, Ilippur- säure, Milchsäure. Aus seinen gefundenen Resultaten die hohe Bedeutung der Alkalinität des Blutes erkennend, setzte der englische Gelehrte seine Experimente foit, und begann nun auch den Einfluss verschiedener Säuren auf den thierischen Organismus selbst zu erforschen, was ihn zur Entdeckung einer eigenthümlichen Wirkungsweise der Milchsäure führte. Das Referat dieser ersten Experimente über die Wirkung der freien Milchsäure auf den Organismus befin- det sich in dem dritten Abschnitte des sogenannten Ap- pendix zu dem Werk über die Blutcoagulation6). Da mir letzteres Werk nicht zugänglich gewesen, so will ich die über die Milchsäure handelnde Stelle dem vortreffli- chen Auszug7) entnehmen, den Professor Boedcker 6) The cause of the coagulation of the blood; being the Astley Cooper prize-essay for 1856, ,with additionel observations and experiments and an appendix, showing the bearings of the subject on practical medecine and pathology. By Benjamin Ward Richardson. Lon- don 1858. 7) llenle und Pfeufer, Zeitschrift für ration. Med. 1859. III. R. V. B. p. 108, 10 aus dem englischen Werke giebt, „Die ersten Versuche führten zu folgenden Schlüssen: Milchsäure im Ueberschusse im Körper ruft eine Klasse von Symptomen hervor, die sich hauptsächlich an die fibro-serösen Gewebe knüpfen, und im Wesentlichen die Symptome der acut-rheumatischen Entzündung sind. Die AfFectionen verschwanden, wenn man dem Organismus Zeit liess, das Gift aus dem Körper auszustossen; sie kehr- ten wieder, wenn eine neue Injeclion gemacht wurde. Es wurde bald das eine, bald das andere Gelenk, bald das Herz afficirt. Während man bei rheumatischer Endocar- ditis in der Regel nur die linke Herzkammer afficirt fin- det, zeigten sich bei diesen Versuchen meistens beide Herzkammern afficirt. Diese Verschiedenheit glaubt Verfasser auf die Weise erklären zu können, dass in der natürlich entwickelten Krankheit die von einer Seite her zugeführte Milchsäure beim Eintritte in das Herz nur dort einseitig Fibrinaus- scheidung bewirke, während in diesen Versuchen die in- jicirte Milchsäure nach allen Seiten hin in die Gewebe re- sorbirt und dem Blute von entgegengesetzten Seilen mit- getheilt wäre, so dass auch in beiden Herzkammern Fi- brinausscheidung erfolgten.“ Nach Veröffentlichung dieser Arbeit Uber die Blut- coagulation führte Richardson die Untersuchungen über die specielle Wirkung der Milchsäue auf das Herz fort, deren Resultate er in einer neuen Abhandlung niederlegte, die sich in the british and foreign medico-chirurgical re- view. Vol. XXIII. Jan.—Aprii 1859, unter dem Titel findet „An experimental inquiry on Endocarditis, by the synthetical rnethod. By B. W. Richardson. Da bisher meines Wissens wieder ein Auszug noch eine Verdeutschung des englischen Artikels staltgefunden, andrerseits die Verbreitung ausserdeutseher Bücher in den weiten ärztlichen Kreisen nur eine geringe ist, se erachte ich es für nothwendig, in Kürze die Richardson’sche Abhandlung über den Einfluss der Milchsäure auf das Endocardium mitzutheilen, um sodann, des englischen Au- tors Resultate mit meinen vergleichend, dem Leser ein 11 abgerundetes, vollkommenes Bild dieser Untersuchungen bieten zu können. Nachdem der Autor sich zunächst gegen die An- nahme verwehrt, dass seine Schrift eine besondere pa- thologische Theorie zu repräsentiren beabsichtige, son- dern als Zweck seiner Arbeit, bisher unbekannte That- sachen zu allgemeiner Kenntniss zu bringen angiebt, lässt er sich über die synthetische und analytische Methode, Krankheiten zu studiren, aus, und geht dann zur Milthei- lung über die künstliche Provocation der Endocardi- tis über. Letztere geschehe am besten durch Injcction von Milchsäure in die Peritonealhöhle der zur Untersu- chung verwandten Thiere. Die Vortheile dieser Methode seien: 1) die Operation sei leicht auszuführen und den Thieren fast schmerzlos; 2) die saure Solution werde leicht vom Peritoneum resorbirt, wenn die Thiere einige Stun- den vor und nach der Operation nichts Flüssiges erhalten; 3) die in reichlich verdünnter Lösung in die Circulation geführte Säure bringe eine so bestimmte Wirkung her- vor, dass die Symptome von Tag zu Tag beobachtet wer- den könnten; 4) die Operation sei mit keiner plötzlichen Gefahr verbunden, und wiederholt an demselben Thiere anwendbar. Die Versuche, die in 16 Fällen auch nicht ein ein- ziges Mal misslangen, stellte Richard so n an Katzen und Hunden, zuletzt auch an einem Kaninchen an; als Injeetionsmasse benutzte er eine Unze einer 10 procenti- gen Milchsäurelösung. In den ersten Stunden nach der Injection nahm Richardson an den operirten Thieren bis auf eine rapide Herzaction keine Veränderung wahr. Nach 6 Stunden traten gewöhnliche Fiebererscheinungen auf, zeitweilig eintretende Frostschauer, hohe Ilaultempe- ratur, gesteigerter Durst, allgemeine Schwäche; Schmerz und grosse Unruhe bei Berührung der Muskeln. Deutliche Zeichen einer Herz-Affection erfolgten ungefähr 12 Stun- den nach der Injection; sehr frequente (hurried) Respi- ration, kurzer, trockener Husten, entschieden unangenehme Empfindung in der Brust, fortwährend rapide, unregel- mässige und hüpfende (bounding) Herzaction. Diese Symptome verschwanden, wenn das Thier eine reichliche Roth- und Urinentleerung hatte, welcher Umstand die Wiederholung der Injection erforderte. Bei wiederholter Injection oder bei fortdauernder Wirkung der ersten trat eine Veränderung der Herztöne ein, und zwar zuerst auf der rechten, allmälig dann auf der linken Seite (was sich leicht bei der Brustbildung des Hundes wahrnehmen Hesse). Diese Veränderung bestand in einem .allmäligen Verschwinden des ei sten und Hervortreten eines eigentümlich scharfen oder ac- cenluirten zweiten Tones. Nach Beobachtung des Autors dauerte dieser Zustand über 24 Stunden, in einem Fall über 2 Tage, während welcher Zeit nur der zweite Ton wahrnehmbar war. Im Laufe der Zeit trat dann an Stelle des ersten Tones ein sanftes, musicalisches Schnurren (gentle and musical purr), welches zuletzt in ein lautes eigenthümliches, deutlich markirtes systolisches Geräusch überging (loud and well-marked systolic bruit), das in einem Falle fünf Wochen wahrnehmbar war. In einem Falle beobachtete Richardson neben den endocardialen Symptomen deutliche Schmerzen in den Gliedern und Ge- lenken, die selten einen Tag über in demselben Gliede blieben, sondern wechselten, und dabei alle Bewegung lähmten. In den Gelenken dieses Thieres, das mehrere Wochen nach Verschwinden der acuten Symptome umkam, fand sich keine Abnormität. Die Veränderungen am Herzen mit ihren äusseren Symptomen theilt der Verfasser in vier Stadien. I. Stad. Die Herzaction einfach aufgeregt; die Herztöne normal. Die Atrioventricular- wie Semilunarklappen bei der Seclion nicht geschwellt; doch ist ihre endocardiale Ober- fläche durchweg von glänzend rother Farbe; sogar die sonst blassen Ränder oder Säume (flaps) der Klappen sind von rosenrother Färbung (pinkish hue); die Mem- branen zeigen durchweg ein zottiges oder sammtartiges Ansehen, sind reichlich mit Körnchen oder Knötchen (beads) besetzt. — Diese Veränderungen treten sehr bald nach der Injection ein; die endocardiale Oberfläche der Klappen erscheint schon injicirt, sobald als die Säure das Herz passirt ist. Diese Gefäss-Injection der Klappen konnte Richardson in einem Falle schon nach 1, in 2 Fallen nach 2, meist aber innerhalb 6 Stunden wahrneh- men. II. Stad. Der erste Herzton ist verschwunden, der zweite accentuirt. Die Atrioventricularklappen geschwellt, ödematös infiltrirt. Auf wiederholte Nadelstiche collabirt die Klappe, indem eine klare, weisse lymphatische Flüs- sigkeit hervorquillt. III. Stad. Der erste Herzton ist durch ein schwa- ches Schnurren (faint purr) ersetzt. Die Geschwulst der Klappe hält an. Die rothe Farbe und der ödematöse Zu- stand nehmen ab. Unter der endocardialen Oberfläche der Klappe ist eine Blässe wie von geronnener Lymphe sichtbar; durch Nadelstiche kann kein Exsudat nachgewie- sen werden. Die Bewegung der Klappe ist beschränkt. Die Körnchen (beads), die gewöhnlich den Rand der Klappe besetzen und aus den ödematösen Prominenzen des frü- hesten Stadiums entspringen, sind ziemlich hart, und bie- ten gewisse Aehnlichkeit mit Perlen dar (are pearly king). IV. Stad. Ein systolisches Geräusch (murmur) statt des Tones. Die Klappen sind geschrumpft, noch geschwellt und unnachgiebig, doch haben sie eine unvollkommene Bewegung wiedererlangt. Die ausserordentlich festen Knötchen tragen nicht wenig zu dem lauten Schall (loud- ness) und musikalischen Charakter des systolischen Ge- räusches bei. Diese Veränderungen sind nur auf eine oder beide venösen Klappen beschränkt. An den Semilunarklappen hat der Autor nur eine unbedeutende, zu keiner Zeit die Function behindernde, Anschwellung beobachtet. Aus seinen Experimenten zieht der Verfasser nun fol- gende Schlussfolgerungen: 1) die Gegenwart von Milchsäure im Blute ruft En- docarditis hervor. 2) die Milchsäure kann nicht im Blute exisliren, ohne eine endocardiale Affection zu bewirken. Andere Säuren anlangend, so müssten einige der Milchsäure analoge Sauren, zu Folge des Gesetzes, wel- ches sie analoge chemische Resultate im Körper hervor- zubringen befähigt — auch analoge Symptome und ana- loge pathologische Veränderungen im Körper hervorrufen; die Experimente ergäben auch, dass die Essigsäure, wel- che der Milchsäure am nächsten stehe, nach Injection in die Venen, ebenfalls einige der allgemeinen Symptome, wie sic sich bei der Milchsäure zeigen, auch eine Stö- rung der Action des Herzens, hervorrufe; die eigentlichen Herzsymptome fehlten jedoch. Der Verfasser erwähnt darauf mit kurzen Worten des Zusammenhanges einer Säure im Blut mit der Endo- carditis in den Fällen, wo letztere sich mit Rheumatismus verbindet. Auf dem Wege der Synthesis lasse sich ein Beweis für diesen Zusammenhang geben; der analytische Beweis aber fehle. Bei acutem Rheumatismus hätte man in den Excreten des Kranken die Säure gefunden. Diese müsse auch durchaus aus dem Blute abgeselzt sein; im rheumatischen Blute selbst aber die Säure aufzufinden, sei noch nicht gelungen, aber aus dem Grunde, weil man die Säure an einem falschen Orte gesucht hätte. Auf die Herzaffection zurückgehend, macht R i ch a r d s o n darauf aufmerksam, dass die Semilunarklappen und die Intima (li- ning coats) der Gcfässe in der Regel von den Verände- rungen, welche die venösen Klappen betreffen, verschont bleiben. Der Grund dieses Umstandes läge vielleicht in einer noch unbekannten histologischen Verschiedenheit der Klappen. Hieraus folge, dass ein besonderes Gift, das im Blute sich vorfindet und alle Gewebe des Organismus durchtränkt, auf ein gewisses speciciles Gewebe oder ein specielles Organ seinen krankmachenden Einfluss ausüben könne. Der Verfasser geht darauf auf den Unterschied der künstlich hervorgerufenen (induced), die rechte Herzlnilfle zuerst und vorzüglich befallenden, Endocarditis und der spontan entstehenden (sponlaneous), auf der linken Herz- seite auftretenden, Endocarditis ein. Der Unterschied werde allein durch die Wege bedingt, auf welchen das Gift mit der Herzwand in Berührung trete. Bei der inducirlen Endocarditis gelange die Giftsiiure mittelst Resorption in die Venen, darauf in’s Herz, wo es ihre Wirkung aus- übe, und erleide dann im Pulmonalkreislauf einen Verlust, woraus sich die viel schwächere Wirkung auf das Endo- cardium des linken Herzens herleite. Bei der spontanen, rheumatischen Endocarditis entstehe die Giftsäure als Pro- dukt der Respiration im kleinen Kreislauf, komme mit der linken Herzwandung in Berührung, und verliere im Kör- perkreislauf ihre giftigen Eigenschaften, weshalb das rechte Herz frei von der Aftection bleibe. In beiden Fäl- len jedoch geschehe die Wirkung durch directen Contact der Säure mit der endocardialen Fläche, was Richard- son aus Folgendem schliesst: Es giebt 2 Wege, auf wel- chen die durch ein producirtes Gift hervorgebrachten Ver- änderungen entstehen könnten, nehmlich durch directen Contact des Giftes mit der freien Oberfläche der afficirten Theile, sodann durch Betheiligung der Ernährungsgefässe (nutritive vessel) und veränderte Ernährung der afficir- ten Theile. In letzterem Fall müssten beide Herzhälften gleichmässig verändert sein; bei der rheumatischen Endo- carditis ist aber in der Regel die linke, bei der inducir- ten die rechte Herzhälfte die Krankheitslocalität. In der alleinigen Betheiligung des linken Herzens und Vernichtung des Giftstoffes im Körperkreisläufe liege auch die Ursache, weshalb man bei der Analyse im rheumati- schen Blute keine Säure fand, da nur das venöse allein untersucht sei. Kurz wiederholend nimmt nun R i ch a r d- son folgenden Process bei der künstlichen Endocarditis an: 1) Einfache Vascularisation der Oberfläche, 2) Elfu- sion von Lymphe in das subseröse Gewebe, 3) Coagula- tion der ergossenen Flüssigkeit, 4) Resorption oder wei- tere Veränderung derselben in ein neues abnormes Ge- webe. Den Ursprung der Körnchen oder Knötchen (beads) am Rande der Klappen aus Fibrinniederschlägen verwirft er, leitet ihn aber aus der Exsudation der plastischen Flüs- sigkeit ab. Die Theorie der Fibrinniederschläge auf die Klappen veranlassen den Verfasser kurz auf den vermuth- lichen Connex zwischen einer Säure im Blut und dem Fi- brin zurückzukommen; obwohl er Anhänger der Ansicht Füllers ist, nach welchem Autor die Biutalkalien das Fjbrin in Lösung erhallen, und somit Fibrinniederschlüge eintreten müssen, wenn Süuren im Blute (Rheumat.) auf- treten — so überzeugt er sich doch durch die Experi- mente, dass die dem frischgelassenen Blute zugesetzte Milchsäure, wie ein feuerbeständiges (fixed) Alcali sich verhalte. R i ch a r d s o n schliesst nun seine Arbeit, indem er das „der Wahrheit am nächsten Liegende“ Uber die spontane, rheumatische Endocarditis in 6 Sätzen zusam- menslellt: 1) Der analytische wie synthetische Augenschein deutet darauf hin, dass die Ursache der Erkrankung in der Gegenwart eines sauren Giftes von der Eigenschaft der Milchsäure liege. Ein vollständiger Beweis in analy- tischer Hinsicht könne bis jetzt noch nicht gegeben werden. 2) Der synthetische Augenschein überzeugt uns, dass das Gift, welches die. Erkrankung hervorrufe, direct auf die freie Oberfläche der endocardialen Membran wirke; kurz als locales Irritans wirke. 3) Der synthetische wie analytische Augenschein lei- tet uns zum Endresultat, dass das Gift, welches die spon- tane Endocarditis hervorrufe, im Lungenkreislauf entstehe und im Körperkreislauf zerstört werde. 4) Die Reihenfolge der Erscheinungen bei der En- docarditis ist die nämliche, wie bei anderen Entzündun- gen; die Knötchen entstehen durch Exsudation. 5) Ein im Blute circulirendes und durch alle Gewebe streichendes Gift kann sich ein Gewebe zur besonderen Offenbarung seiner giftigen Wirkungen erwählen. 6) Während die Gegenwart eines specifischen, sau- ren Giftes im Blute die specifische Affection des Endo- cardium erklärt, ist die Erklärung anderer, den rheuma- tischen Anfall begleitender, Erscheinungen in einer all- gemein entstehenden Ursache zu suchen. — Zur Aufklä- rung letzterer bedarf es aber neuer mühevoller Unter- suchungen über die Fundamentalfrage: die „Oxygenalion“ Ihierischer Körper in Gesundheit und Krankheit, 17 Die Untersuchungen Richardson’s Uber den Ein- fluss der Milchsäure auf das Endocardium mussten noth- wendiger Weise gewisse Zweifel erregen, da des ge- lehrten Engländers frühere Arbeiten manche falsche Auf- fassung experimenteller Thatsachen in sich geschlossen hatten, und mit Recht angegriffen worden waren. Man nahm daher in Göttingen die Untersuchungen über Milch- säure wieder auf, ohne ,,so genügende Resultate zu er- langen, wie es Richardson’s Angaben erwarten Hes- sen“. Der darüber handelnde Artikel findet sich in den Göttingischen gelehrten Anzeigen 8). Der Verfasser des- selben, Herr A. W., verwarf die R i c h a rdsonsehe In- jeclionsmethode mittelst eines Troikars, weil dieselbe mit Darmverletzungen verbunden wäre, und wandte den Schnitt durch die Bauchdecken an; Injectionen in die Venen gelangen ihm ebensowenig9), wie dem engli- schen Experimentator. Einem kräftigen Hunde injicirte A. W. viermal steigende Mengen einer Milchsäuresolution (1,5 grm. Ac. lact. auf 30 grm. Aq. (lest., 3 grm. auf 50 grm. und 5 grm. auf 25 grm. Aq). Nach jeder In- jection nahm die Pulsfrequenz zu, wurde die Herzaction unregelmässig; doch bald erholte sich das Thier, ohne dass sich Symptome einer Endocardilis einstellten. Nach der vierten Injection traten Fiebererscheinungen auf, Schmerz bei Koth- und Urinentleerung, und als das Thier umkam, fand sich bei der Seclion eine hochgradige Peri- tonitis mit Verklebung aller Baucheingeweide untereinan- der und mit den Bauchdecken, im Herzen aber nicht die geringste Abnormität. Während der ganzen Versuchs- zeit war weder eine Schmerzhaftigkeit noch Anschwel- lung der Gelenke wahrgenommen. Bei Kaninchen, denen A. W. Milehsäurcsolutionen von verschiedenem procenti- gem Gehalt der Säure (0,25 grm., 1 grm., 3 grm. auf 30 grm. Aq.) in die Bauchhöhle injicirte, und die leider gleich oder wenige Stunden nach der Injection umkamen, fanden sich im Herzen dunkle, derbe Gerinnsel, ferner 8) üöuinglsche geleinte Anzeigen, 1859, 1C8 Stück, p. 1GGS /T. 9) Das. p. 1672. 18 ödemalöse Anschwellung der Sehnenfäden und des freien Randes der Tricuspidalis. Eine auffallende Veränderung fand A. W. an einem allen Kaninchen. Bei diesem war die erste Injection missglückt, nicht minder die zweite, bei der in Folge einer Darmverletzung ein Tlieil der in- jicirten Flüssigkeit durch den After wieder herauslrat; einen Tag nach der dritten ging das Thier zu Grunde. In der Bauchhöhle fand sich frische Peritonitis, im Herzen derbe Blutcoagula mit ausgeschiedenem Fibrin. Die Sehnen- fäden der Tricuspidalis waren fast alle wie ödematös infiltrirt, stark glänzend, besonders mit der Loupe be- trachtet durchscheinend glänzend; der freie Rand der Klappe wie sulzig anzusehen; das Endocardium des Vor- hofs wie injicirt, mattglänzend; an der Mitralis waren nur einzelne Andeutungen derselben Veränderungen wahr- nehmbar; die Arterienklappen unverändert. In Bezug auf die Erzeugung der Endocarditis durch Milchsäure wagt nun A. W. nicht seine Resultate den Rieh a r d s o n s chen als negative entgegenzustellen, gleich- wol glaubt er, dieselben könnten die anderweitig erho- benen Zweifel gegen Richardson's Arbeiten verstär- ken. Die Möglichkeit der Entstehung der Endocarditis indess zugebend, empfiehlt er zu weiteren Experimenten, weil, wenn sich Richardson’s Angaben bewahrheite- ten „die Pathologie ein bequemes Mittel gewinnen würde, die Krankeiten der inneren Auskleidung des Herzens zu studiren “. Diese Mittheilungen glaubte ich machen zu müssen, um manchem Leser einen selbstständigen Vergleich aller Untersuchungen über vorliegenden Gegenstand zu ermög- lichen, und um die Mittel zu bieten, sich selbst über eine bisher unzweifelhaft zu wenig berücksichtigte Entdeckung ein sicheres Urtheil zu bilden. Wenn aber in der Dar- stellung obiger experimenteller Thatsachen, eine gewisse Schwerfälligkeit unverkennbar ist, so beruht dieser Um- stand auf dem Bestreben, so genau als möglich den eng- lischen Text wiederzugeben, um nicht Missverständnisse hineinzuziehen, die dem englischen Autor fremd gewesen. II. Kapitel. Eigene Untersuchungen über die Wirkung der Milch- säure. Die ersten an Katzen angeslellten Versuche über- zeugten mich alsbald von der Untauglichkeit dieser Thiere zu den von mir beabsichtigten Experimenten. — Abge- sehen von der, immer noch zu beseitigenden Schwierig- keit, die diese Thiere durch ihr üusserst unruhiges Ver- halten bei der Operation machten, so dass mehr Vor- kehrungen zu ihrer Fesselung nothwendig waren — liess sich auch kaum eine genaue Auskultation der Herzgegend anstellen, da einerseits das Herz, bei seiner geringen Grösse, fast ganz mit dem Pecloralende des Stetoscops bedeckt wurde, und so die Pcrcepüon aller Töne ver- schmelzen musste, anderseits das, diesen Thieren eigen- thümliche, durch die Angst verstärkte, Schnurren die Ge- hörswahrnehmung behinderte. — Ungleich besser eigne- ten sich Hunde für die Auskultation, die ich denn auch ausschliesslich zu meinen Untersuchungen verwandte. — Ich werde weiter unten auf die Auskultation derselben zurückkommen. Vor dem Beginn der Versuche fand ich es für noth- wendig, der Auskultation wegen die Herzlage kennen zu lernen. Zu dem Behuf tödtete ich zwei Hunde. An den Herzen derselben, die mir später auch zum Vergleich mit den Herzen von operirten Thieren dienten, fand sich nicht die geringste Abnormität. Die Herzlage bei Hunden entspricht gewissermaassen der des Menschen; einen Unterschied bedingt der rudi- mentäre, ein paar Linien breite, zwischen die recht- und linkseitigen Rippenknorpel sich einschaltende, Sternalgral, in Folge welchen Baues die Rippenknorpel unter ziem- lich spitzen Winkeln in des Körpers Mittellinie zusammen- stossen. Was demnach vom Herzen beim Menschen ge- rade hinter dem Sternum gelegen ist, liegt bei diesen Thieren auf der rechten Seile des erwähnten Grats. 20 Die Quantität der angewandten Milchsäure war in allen Fallen meist eine gleiche. Zwar habe ich anfäng- lich 1,5 grm. Acid. lact. auf 30 grm. Aq. dest. bei einer Katze ohne den geringsten Erfolg, später auch 3—5 grm. auf 30—50 grm. Aq. dest. angewandt bei zweien Katzen und Hunden. Leider ist mir der Erfolg dieser Jnjectio- nen unbekannt geblieben, da es diesen Thieren gelang, sich durch die Flucht ihrer Haft zu entziehen, ich ihrer aber nicht mehr habhaft werden konnte, was mich ver- anlasste, anderen Ortes meine Experimente zu erneuern. In allen unten mitgctheilten Fällen habe ich eine Lösung von 48 gr. concentr. Milchsäure auf 432 gr. dest. Was- sers benutzt, In den meisten Fällen gelang es mir, diese ganze Quantität zu injiciren, die wenigen Tropfen abge- rechnet, die in der Injectionsspritze nachblieben. Wo eine geringere Quantität dem Körper des Thieres ein- verleibt wurde, habe ich es vermerkt. Die Injectionsart anlangend, so habe ich mich nicht von dem Ausspruche Herrn A. W’s überzeugen können, „dass bei Benutzung eines Troikars trotz aller Vorsicht eine Darmverletzung kaum zu vermeiden wäre.“ Da aber die Möglichkeit einer Darmverletzung bei dieser Methode immer geboten ist, so zog ich die von A. W. vorge- schlagene, mittelst des Bauchschnitls in der linea alba oder an den Seiten des m. recli vor. Ein paar Suturen genügten, um die Hautwunde zu schliessen; das Perito- neum wurde durch den Stiel eines feinen Skalpells durcli- stossen; von der eingesprilzlen Flüssigkeit ging selten etwas durch heftige Contraclionen der Bauchmuskeln ver- loren. Gleich gut gelangen mir drei Injeetionen in die V. jugul., die kaum mehr Zeit in Anspruch nahmen, als der Bauchschnilt, Das Technische will ich in aller Kürze andeuten. Die Vene wurde durch einen 1—2 Zoll langen Haut- schnitt blossgelegt und von dem, sie mit der Carotis verbindenden Zellgewebe in einer Strecke von einem Zoll entblösst; hierauf wurden ein paar Ligalurfäden unter ihr durchgezogen, ohne aber über ihr zugeknüpft zu werden. In einen, in die Vene gemachten Schlitz wurde darauf die bereitgehaltene Injeclionsspritze ein- geführt, die mit einer feinen gebogenen Ansalzröhre ver- sehen war. Da der Strom des Bluts in der Vene nicht behindert war, so musste stets eine gewisse Blulmenge, die aber in keinem Falle bedeutend war, austreten, wel- cher Umstand jedoch den Luftzutritt verhinderte. Nach- dem die bestimmte Masse injicirt war, wurde die Vene unterbunden, und die Hautwunde durch ein paar Suturen geschlossen. Von dieser Methode stand ich aber ab, da bei der vierten Injection trotz angewandter Vorsicht das Thier augenblicklich durch Eintritt von Luft in das Blutgefäss verendete, und mir schon der Verlust Eines Thiers bei der geringen Anzahl, die ich erlangen konnte, zur Fort- setzung der Experimente nachtheilig war. Da die allgemeinen Symptome, die die Thicre nach der Injection darboten, bei den meisten dieselben waren, und die geringen Unterschiede von keinem Belang fin- den Zweck der Untersuchung sind, so will ich sic hier kurz voraus schildern, um nicht bei jedem Fall dasselbe wiederholen zu müssen. Bald nach der Operation stieg die Pulsfrequenz von 70—85 Schlägen auf 100—130; die Respiration wurde beschleunigt, die Temperatur der Thierc nahm zu; bei einzelnen Thieren traten zeitweise Frostschauer ein; in einem Falle gleich nach der Injection starkes Erbrechen. Der Durst war gesteigert, ein Ver- langen nach Futter äusserte sich nicht, obwohl die Thiere an dem Tage der Operation bis zur Injeclionszeit keine Nahrung erhielten. Die Thiere lagen still zusammenge- kauert, verhielten sich äussersl ruhig, selbst die sonst bissigen, leicht zum Zorne erregbaren liessen einen hohen Grad von Duldsamkeit gewahren; jede Bewegung war äusserst träge, und schien sehr gescheut zu werden. Dieser Zustand besserte sich meist schon am zweiten und dritten Tage. In den meisten Fällen war der Appe- tit, die Lebendigkeit und Munterkeit am dritten Tage schon zurückgekehrt; ja ein abgerichteter Hund führte am dritten Tage ziemlich munter seine geringen Kunst- slückchen aus. Eine Anschwellung und Schmerzhaftig- 22 keit der Gelenke ist mir in keinem Falle /ui Beobachtung gekommen. Inden» ich nun an die Schilderung der einzelnen Versuche gehe, muss ich vorher bemerken, dass ich weiter unten nur den anatomischen Befund des Herzens verzeichnen werde; wo sich aber aufs Herz influeseirende Veränderungen anderer Organe finden, werde ich dessen erwähnen. I. Ex peri mc n t. Kleiner, äussersl bissiger, c. 1 Jahr alter Hund. In- jection von § Unze einer 10procenligen Milchsäurelösung in die rechte Jugularvene. Tödtung nach 8 Stunden mittelst des Nackenstichs. Nach der Injection lebhafte Fiebererscheinungen, aber kein Hüsteln, kein Erbrechen. Bei Bewegung des Kopfes Schmerzäusserungen. Die Herzaction sehr lebhaft, bisweilen stürmisch, unregel- mässig, indem auf mehrere, schnell auf einander folgende, Herzstösse, ein paar langsamere folgen. Bei jedem Herz- slosse empfinden die auf die Flanken gelegten Hände eine beträchtliche Erschütterung des Thorax. Herztöne laut, mit eigentümlichem Klange, der Aehnlichkeit mit dem Metallklang darbot. Systolischer Ton der Unregel- mässigkeit in der Herzaktion wegen nicht vom diastoli- schen zu unterscheiden. Section bei noch warmem Ca- daver. Unterhalb der Venenligatur zum Herzen hin ein frisches, an einer Stelle adhärentes Gerinnsel; oberhalb der Ligatur kein Gerinnsel; die Mündung einer kleinen Vene ein paar Linien von der Ligatur entfernt. Die Lungen collabiren bei Ocfl'nung des Thorax, sind von normaler Beschaffenheit, rnüssig blutreich. Unter dem Pleuraüberzuge kleine, weissliche Pünktchen, die unter dem Microscop Körnchenhaufen und Körnchenzellcn zeigen. Im normalen Herzbeutel c. Drachme gelblichen Serum’s. Seröser Ueberzug und Muskulatur des Herzens normal. Rechtes Herz. Vorhof und Ventrikel mässig ange- füllt mit dunkelgefärbten, kirschrolhen Blutgerinnseln, die 23 siel) auch in der Art. pulmonalis finden. Das Endocar- dium des Vorhofs äusserst zart, glatt, glanzend, blass- röthlich. Die zur innern Kammeiwand sehende Fläche des hinlern Tricuspidalzipfels, besonders am freien Rande, mit einer Menge halbclurchsichliger, in sehr geringem Grade prominirender, mit der Pincelte leicht wegzustrei- fender Pünktchen besetzt, wodurch der Zipfel, besonders bei Betrachtung mit der Loupe, ein rauhes, granulirtes Ansehen erhält. Der Zipfel selbst milchig getrübt, succu- lent; auch an den Sehnenfäden desselben äusserst kleine, punktförmige Erhabenheiten. Der vordere Zipfel ausser einem gewissen Grade von Succulenz normal. Der in- nere Zipfel enthält am Rande einen ganzen Wulst von gallertartiger Beschaffenheit, der mit einer Erhabenheit von der Grösse einer kleinen Erbse endet. Letztere er- scheint höckerig und stark bläulich gefärbt. Beim Durch- schnitt dieser c. 1 —2 Linien im Durchmesser fassenden Erhabenheit quillt ein Tröpfchen frischen ungeronnenen Blutes hervor. Der Zipfel succulent. geschwellt, getrübt, und vom Randwulste aus mit grauweisslichen gallertigen Knötchen besetzt. Die Sehnenfäden an ihren Ansatz- punkten an dem Zipfel geschwellt. Die zum Vorhof sehende Fläche der Tricuspidalis durchweg glatt. Das Endocardium des Ventrikels zart, glänzend, von glatter Oberfläche,lässt die braunrölhliche Muskulatur deutlich durch- schimmern. Die Pulmonalklappe geschwellt, opak getrübt. Linkes Herz. In der Höhlung eine geringe Blul- quanlität; feine Gerinnsel zwischen den Sehnenfäden; Aorta leer. Das Endocardium des Vorhofs grauweiss- licher Färbung, mässig verdickt, glatt und glänzend. Beide Mitralzipfel geschwellt, getrübt; am Rande des vorderen ein Anflug von zarten, durchscheinenden, weiss- lichen, weichen Pünktchen. Schnenfäden bei stark ent- wickelten Papillarmuskeln ebenfalls stark entwickelt. Der vordere Zipfel ebenfalls mit zarten, unbedeutend über die Ventrikelfläche prominirenden Knötchen besetzt. Das Endocardium des Ventrikels normal. Semilunares Aortac mässig verdickt, undurchsichtig, getrübt, mit stark aus- geprägten Nodulis Arantii, Unter dem Microscop erkennt man bei einem Durch- schnitt aus dem Randwulste der Tricuspidalis ein faseri- ges Gefüge mit deutlichen, grossen Bindegewebskörper- chen, die, in einer hyalinen, durch Essigsäure gerinnbaren, Zwischensubstanz eingebettet, verschiedene Grösse und Form haben, bald spindelförmig, bald sternförmig mit mehreren gleich breiten, bald mit ungleich breiten Aus- läufern. In den meisten Zellen ein ziemlich grosser Kern mit einem deutlichen Kernkörperchen; in einigen Zel- len auch zwei Kerne; das fibröse Gewebe Uberwiegt die homogene Intercellularsubstanz. Das Epithel zeigt sich über dem Wulste erhalten. Dasselbe microscopische Bild bot auch die gallertige Verdickung des Modulus Arantii einer Semilunaris Aortae dar; die feinen Punkt- massen bestanden aus denselben gallertigen Massen, in einem Durchschnitte aus einer Semilunarklappe der arleria pulmonalis erscheinen die Bindegewebsbalken von grös- serer Breite und Homogenität. II. Experiment. Mittelgrosse, kräftige Hündin. | Unze einer iOpro- centigen Milchsäurelösung in die rechte Jugularis Vor- mittags um 10 Uhr injicirt. Tödtung nach 48 Stunden durch Nackenstich. 8 Uhr Abends massige Fiebererschei- nungen; Niedergeschlagenheit und Traurigkeit. Herzaction mässig beschleunigt, unregelmässig. Herztöne laut, aber nicht rein. Tags darauf Nachlass der Fiebererscheinun- gen; Herzaction während der Auskultation beschleunig- ter, unregelmässiger, als wenn das Thier frei stand. Ein Ton an der Herzspitze verdoppelt oder gespalten, in den kurzen Zeiträumen, wo einige langsamere Contractionen erfolgten, durch Vergleichung mit dem Cruralpuls (der am besten während des Auscultirens zu fühlenden Arterie) als der systoliche zu erkennen. Section. Wundränder des Halses verklebt; Throm- bus in der unterbundenen Vene. Die Lunge ziemlich blutreich, col abirt bei Oeflnung des Thorax. Der Herz- beutel unverändert, enthält in seiner Höhlung c. eine Dr. hellen Serums. Das Herz schlaff; Muskulatur normal; mässige Feltablagerung in den Furchen. Rechtes Herz. Das Endocardium im Vorhof und Ven- trikel normal. Innerer Tricuspidalzipfel stark geschwellt, milchig getrübt, mit gewulstetem Rande und höckrigen, gallertigen Erhabenheiten auf der zum Ventrikel sehen- den Fläche. An den Chorden äusserst zarte, halbdurch- scheinende, äusserst gering vorragende Knötchen. Vor- derer und hinterer Zipfel mit weniger gewulstetem Rande; die Ventrikelflächen, wie mit feinem Sande bestreut, durch zarte Punktmassen rauh. Die Pulmonalklappc äusserst zart, durchscheinend, ungetrübt. Linkes Herz. Das Endocardium des Vorhofs weiss- lich gefärbt, glatt, glänzend, dicker, als in den übrigen Herzablheilungen, im Ventrikel äusserst glänzend und fein, so dass die Muskelschicht röthlich durchschimmert. Vor- derer Mitralzipfel milchig getrübt, geschwellt, mit ver- dicktem Rande;, gallertige Erhabenheiten zwischen den Ansatzpunkten der Sehnenfäden prominirend, hie und da mit einander verschmelzend; am hinlern Zipfel geringere Schwellung und Succulenz; leichter Anflug von Rauhig- keiten auf der Ventrikelfläche. Sehnenfäden verdickt, von weisslicherer Färbung, als gewöhnlich. Semilunares Aortae milchig getrübt, Noduli Ar. stark entwickelt, bedeutend prominirend; der hintere Zipfel rauh, durch geringe pro- minirende weissliche Puncte. Ein Schnitt aus dem Wulste der Tricuspidafis liess auch hier eine weiche, sehr gallertige Masse gewahren, die mit der grössten Leichtigkeit auseinandergezogen, fast selbst zerfallend, unter dem Microscop eine homogene, durchsichtige, von zarten Fibrillen durchzogene Intercel- lularsubstanz, und in dieser massenhaft eingelagerle, leicht isolirbare Bindegewebszellen erkennen liess. Meist wa- ren die Zellen spindelförmig; auch rundlich, und stern- förmig, und mit einem oder zweien Kernen und deut- lichen Kernkörperchen. Die Grösse der Zellen sehr ver- schieden; in einigen Zellen Hessen sich vier Kerne wahr- nehmen mit ebenso viel Ausläufern. Einzelne Zellen hin- gen mittelst langer, breiter Ausläufer mit einander zu- 26 sammen. Dasselbe Bild beim Durchschnitt durch ein Knötchen der Mitralis. Ein feiner Längsschnitt aus ei- nem Sehnenläden der Mitralis zeigt unter dem Micro- scop ein gleichförmiges, fibröses Ansehen, das allmählig sich insofern verändert, als die Fasern an einzelnen Stel- len an Dicke zunehmend, grössere Zellen mit deutlicher Kernlheilung erkennen lassen. Mehr in der Richtung zum Ansatzpunkt des Sehnenfadens treten die Zellen zahlrei- cher auf, ja bilden Zellenhaufen in hyaliner Intercellular- substanz. In dem gequollenen Nodulus Arantii ebenfalls Wucherung junger Bindegewcbskörperchen. III. Experiment. Ein 2 — 3 Jahr aller kleiner Hund. Injeclion einer Unze Milchsäurelösung in die Peritonealhöhle mittelst Bauch- schnitles an der äussern Seite des m. recti sin. Tödlung nach 4 Tagen mittelst Strangulation. Fiebererscheinungen, Unlust zur Bewegung, aufge- regte Herzaction, am 2ten Tage nach der Injection mehr oder weniger schwindend. Beim Äuskultiren die Herz- action sehr unregelmössig; Töne an der Herzspitze un- verändert, erscheinen am dritten Tage dumpf, der systo- lische unrein zugleich; ein Geräusch lässt sich nicht er- kennen. Section. Die Suturen an der Schnittwunde bereits ausgeeitert; die Wundränder der äussern Haut wulstig, klaffend. Von der Bauchhöhle aus betrachtet, deutet ein kleiner röthlicher Fleck die Perforationsstelle des Perito- neums an, die völlig verwachsen ist. Von Peritonitis keine Spur. Brustorgane von glatter Pleura überzogen; an einzelnen Stellen unter der Lungenpleura kleine, steck- nadelkopfgrosse rothe Punkte (Capillarapoplexie in Folge der Strangulation). Die grossen Gefässe von Blut stro- tzend. Herzbeutel normal. Grösse des Herzens gering, der geringen Grösse des Thiers entsprechend. In der Kreisfurche des Herzens massige Fettablage- rung. Beide Vorhöfe wie auch der rechte Ventrikel frisch geronnenen Blutes voll, im linken Ventrikel nur wenig dunkelgeronnenes Blut, Muskulatur derb, rotlibräunlicher Farbe. Rechtes Herz. Das Endocardium des Atriums und Ventrikels von röthlicher Farbe, glatt, glanzend. Vorde- rer und hinterer Tricuspidalzipfel unverändert; innerer Zipfel geschwellt, succulent, weisslich getrübt; Sehnenfä- den ungewöhnlich dünn. Die rechte semilunaris pulm. opak getrübt; an den beiden andern nichts Abnormes. Linkes Herz. Das Endocardium des linken Vorhofs, besonders in der Nähe der Atrioventricularöffnung von weisslicher Farbe. Beide Milralzipfel geschwellt, succu- lent, mit verdicktem Rande, an dem kleine mohnkorngrosse, grauweisslich, durchscheinende, gallertige Knötchen sitzen; die sonstige Ventrikelfläche durch einen geringen Beleg rauh, wie mit feinem Sande bestreut. Die Chorden et- was verdickt. Aortenklappen geschwellt, succulent, opak getrübt. Die gallertigen Verdickungen der Mitralis aus Schlcimgcwche mit jungen massenhaften Bindegewebskör- perchen bestehend; an der Tricuspidalis Auflockerung des Gewebes mit beginnender Zellentheilung, Zellenwucherung. IV. Experiment. Mittelgrosser, c. 3—4 Jahr alter Jagdhund, etwas trüge in der Bewegung, Herztöne nicht so rein hörbar, wie in den übrigen Fallen. Injektion einer Unze Milch- säurelösung. Tod am 4. Tage. Einige Stunden nach der Injektion die lebhaftesten Fiebererscheinungen; sehr auf- geregte, unregelmässige, beschleunigte Herzcontractionen; bedeutende Erschütterung des ganzen Thorax bei jedem Herzstosse ; Temperatur stark erhöht; grösste Unlust zur Bewegung. Keine Veränderung in den Herztönen wahr- nehmbar. Am folgenden Tage diese Erscheinungen an- haltend; bei der Auskultation bisweilen ein blasendes Ge- räusch wahrnehmbar; systolischer und diastolischer Ton nicht zu unterscheiden bei unregelmässigem, beschleunig- tem Pulse. Am dritten Tage Auskultation kaum möglich anzustellen. Das Thier liegt in einem Winkel zusammen- gekauert, und giebt bei der geringsten Bewegung und Be- 28 rührung die lebhaftesten Schmerzäusserungen kund. Am Morgen des vierten Tages nach der Injektion war es umgekommen. Section. Eine im höchsten Grade stark entwickelte Peritonitis; das Netz durch Anlagerung an die Perfora- tionswunde mit dem Bauchfell auf einer kleinen, sehr be- schränkten Stelle verwachsen. Das ganze Mesenterium, das viscerale, wie parietale Blatt des Peritoneums dun- kelroth, matt, glanzlos, mit bedeutender Capillarinjection. Diese lebhafte Rölhung findet sich am serösen Ucbcrzug aller Bauchorgane bis in das Becken hinab. In der Pe- ritonealhöhle selbst c. 2 Pfund einer serös blutigen Flüs- sigkeit angesammelt, Pleura pulm. wie cost. mit massiger Capillarinjeclion; Pericardium ebenfalls mässig geröthet; in der Höhlung eine geringe Menge gelblichen Serums. Herzmuskulatur äusserst derb, fest und dick, von hellerer Färbung als gewöhnlich beim Hunde. Herzhöhlen mit schwärzlichem oder dunkelkirschrothem, unvollkommen geronnenem Blute angefüllt. Rechtes Herz. Das Endocardium des Vorhofs glatt, glänzend, blassrother Färbung, in der zum hinteren Tri- cuspidalzipfel sich hinziehenden Region mit einer sehnigen weisslichen Partie von der Grösse eines Silberfünfers. Innerer Tricuspidalzipfel stark geschwellt und verdickt, am freien Rande mit höckrigen, linsengrossen Unebenheiten von gallertiger Consistcnz und saftigem Ansehen besetzt. Zum Limbus hin verschwinden diese Granula, und die an den Limbus selbst stossende Partie zeigt eine weissgelb- liche Zacke. — Die beiden anderen Zipfel ebenfalls ver- dickt, getrübt, fest, auf dem gewulsteten Rande ein paar linsengrosse gallertartige Erhabenheiten. Sehnenfäden sehr dünn, aber elastisch. Pulmonalklappen mässig ge- schwellt, opak getrübt, derb; die Substanz um den unge- mein stark entwickelten Nodulus Ar. von gallertartiger Be- schaffenheit. Linkes Herz. Das Endocardium des Vorhofs von weisslicher oder bleigrauer Färbung, stark verdickt, sonst glatt und glänzend; das des Ventrikels nicht so verdickt, unter den Anheftungsrändern der Aortenklappe befindet sich ein 20 Kop. grosser Sehnenfleck. Im Uebrigen ist die Auskleidung glatt, rein, lässt die Muskulatur röthlich durchschimmern. Bicuspidalis mit stark prominirenden, hie und da konisch geformten, 2—3 Linien in die Yen- trikelhöhle hineinragenden, knorplig anzufühlenden, Er- habenheiten-besetzt, die besonders am freien Rande stark sind. Zwischen den Ansatzpunkten der Sehnenfäden zeigen sich ausser den knorplig anzufühlenden, noch einige succulente, gallertige Knötchen, denen an der Tri- cuspidalis gleich. Hinterer Zipfel zunächst dem Limbus mit dreieckigem, weissgelblichem Sehnenfleck. Sehnenfäden stark gewulstet. Aortenklappen dicker, gequollener, als die der Pulmonalis, getrübt, ziemlich derben Gefüges. Die zum Gefässlumen sehende Fläche mässig rauh durch kleine, zarte, durchscheinende, gallertige Knötchen. Noduli ge- schwellt, gallertartig aufgetrieben. Die gallertartig aufge- triebenen Stellen, wie in den andern Fällen, aus Schleim- gewebe mit zahlreichen jungen Bindegewebskörperchen bestehend. Die knorplig anzufühlenden enthalten ein derbes fibröses Gewebe. Y. Experiment. Aeusserst muntere, massig grosse, 18 Monate alle Pudelhündin, die einige Wochen vorher ein Junges ge- worfen. Eine Unze Milchsäurelösung mittelst Schnittes in der linea alba oberhalb des Nabels injicirt. Tödtung am G. Tage durch Nackenstich. Am 2. Tage vollständige Erholung, muntere Bewe- gung. Töne an der Herzspitze normal; Herzcontraction unregelmässig, während des Auskultirens lebhafter. Am dritten Tage Oedem der rechtseitigen Brustdrüsen, das am fünften schwindet. Während des Auscultirens bei lebhaftem Pulse und unregelmässiger Herzcontraction nur ein Ton an der Herzspitze hörbar, aber nicht zu unter- scheiden ob systolischer oder diastolischer. Am vierten Tage während der Exspiration, wo das Herz sich lang- samer contrahirle, ein schwaches blasendes Geräusch zu hören, sonst nur ein Ton. Dieses Verhältniss bis zum Tode. Section. Bauchwunde geschlossen; von der Peri- 30 tönealhöhle gesehen, neben der Perforationsslelle einige kleine Ecchymosen. Peritoneum normal, in der Höhle geringe Quantität Serums. In den Herzfurchen reichliche Fettablagerung. Das Herz nicht entsprechend der Grösse des Thieres, kleiner; Muskulatur schlaff, blasser, rölhlich- brauner Farbe. In der rechten Herzhöhle sehr wenig Blut; fast gar keines in der linken. Rechtes Herz. Das Endocardium des Vorhofs nor-" mal, nur die dem inneren Tricuspidalzipfel angrenzende Partie von weisslicher matter' Färbung und grösserer Dicke. Vorderer und hinterer Tricuspidalzipfel getrübt, verdickt, zwischen den Ansatzpunkten der Sehnenfäden und am Rande kleine, durchscheinende, weisslichgraue Knötchen, die an einigen Stellen des Randes zu kleinen Wülsten zusammengeflossen sind. Durch die ganze Breite der Ventrikelfläche ziehen sich molmkorngrosse, gallertige, mattweisse Erhabenheiten hin. Innerer Tri- cuspidalzipfel stark verdickt, weisslich getrübt, am Rande besonders stark gewulslet; besonders stark hervortre- tende, gallertige, durchscheinende Hervorragungen an den Ansatzpunkten der Sehnenfäden, welche, sehr dünn, eben- falls mit kleinen zarten Knötchen besetzt sind. Das En- docardium des Ventrikels, wie die Papillar-Muskeln nor- mal. Die Klappen der Pulmonalis succulent, weisslich getrübt, von rauhem Aussehen durch äusserst kleine, we- nig prominirende Knötchen auf der zur Gefässwand ge- richteten Fläche. Linkes Herz. Das Endocardium des Vorhofs malt, weissröthlich ; das des Ventrikels glatt, glänzend, röthlich- braun durch die durchschimmernde Muskulatur. Vorderer Bicuspidalzipfel trüb, opak, verdickt, besonders am Rande. In des letzteren Mitte ein grauweissliches, matt durch- scheinendes, gallertiges Knötchen von der Grösse eines Linsenkornes, von welchem ein ganzer Knötchenzug am Rande zu dem am Septum ventr. gelegenen Winkel hin- zieht. Die zum Ventrikel sehende Fläche durchweg rauh, uneben. Hinterer Zipfel längs dem ganzen freien Rande mit einem bedeutend prominirenden c. i Linie breiten Zuge von zusammengeflossenen Knötchen versehen. Die- 31 ser Wulst ist ziemlich scharf von dem übrigen Theile der Klappe, der dünn, durchsichtig, glashell, ohne Knötchen erscheint, abgegrenzt. Die Sehnenfäden stark verdünnt, Die Aortenklappen succulent, getrübt, geschwellt. An dem hinteren Zipfel derselben ein äusserst stark entwickelter Nodulus, von dem aus schnabelförmig nach beiden Rich- tungen am Rande sich Haufen von sehr kleinen, gallerti- gen Knötchen hinziehn. Unter dem Microscop in den aufgetriebenen Stellen spindelförmige, sternförmige, theils isolirte, theils zusam- mengereihte junge Bindegewebskürperchen mit einem und mehreren Kernen und Kernkörperchen, in einer homoge- nen, durchscheinenden, auf Essigsäurezusatz fadenförmig gerinnenden Zwischensubstanz eingebettet. VI. Experiment. Mittelgrosser c. 4—5 Jahr alter Hund. Eine Unze Milchsäurelösung mittelst Schnittes in der linea alha in die Peritonealhöhle injicirt. Tödlung nach 8 Tagen mit- telst Einblasen von Luft in die linke V. jugul. Gleich nach der Injection Steigerung der Pulsfrequenz von 84 auf 96; zeitweise Schüttelfröste, beschleunigte Respirationsthätigkeit; trotz bissiger Natur stilles und ge- duldsames Verhalten. Nach 7 Stunden Pulsfrequenz 110; stark beschleunigte Herzaction. Herzcontractionen unre- gelmässig, bei längerem Auskultiren eine Art von Rhyth- mus zu erkennen, indem auf 2—3 langsamere Schläge während der Expirationszeit 3 — 4 schnellere Gontractio- nen während der Inspirationszeit folgen. Töne an der Herzspitze normal. Grosse Trägheit in der Bewegung, nach Nahrung kein Verlangen. Am dritten Tage hatte sich das Thier erholt; Bewegung lebendiger. Ilerzbewe- gung bis zum Tode unregelmässig; Pulsfrequenz 90, stieg während des Auscultirens. An der Herzspitze und in der Gegend des rechten Ventrikels ein systolischer Ton nur während der obenerwähnten langsameren Contraclio- nen schwach hörbar; diastolischer Ton accentuirt. Vom 4. Tage an nur der diastolische deutlich, stark hörbar. Section. Keine Zeichen peritonealer AfTcclion; ge- ringe Verklebung des grossen Netzes mit der Wunde, die kaum eine freie Beweglichkeit desselben behindert haben konnte. In den Unterleibsorganen starke venöse Gefässüberfüllung. Lungen stark pigmentirt, fast normal. Pericardium normal; in der Höhlung sehr geringe Quan- tität seröser Flüssigkeit. Das Herz zusammengezogen, derb, an seiner Oberfläche und nur über dem rechten Ventrikel langst der Querscheidewand mit einem Fettüber- zuge versehen. Muskulatur von braunrother Färbung. Rechtes Herz. Das Endocardium des Vorhofs und Ventrikels glatt, dünn, hin und wieder etwas getrübt; vorderer und hinterer Tricuspidalzipfel vorzüglich am Rande verdickt, wo Stecknadelkopf- bis linsengrosse Gra- nula, die an mehreren Stellen zusammenfliessen, grössere verdickte Partien darstellen. Das der Herzscheidewand anliegende Segel aber ist vom Rande bis zur Basis durch- weg in eine weiche gallertige, grauweissiiehe, durch- schnittlich eine Linie dicke Masse verwandelt, an welcher man bei genauer Betrachtung gegen die Ventrikelhöhle hin vorragend, etwa linsengrosse kuglige Erhabenheiten wahrnimmt, durch deren Zusammenfliessen die geschwol- lene Parlie entstanden ist. Die gegen den Vorhof ge- wandte Oberfläche ist gleichmüssig glatt, und gewinnt beim Durchscheinen der unteren Fläche ein ähnliches An- sehen wie diese. Die Sehnenfäden dünn und fein. Das ganze Gewebe äusserst zerreisslich, so dass man durch einen geringen Zug mit der Pincelte dasselbe zu trennen und zu spalten im Stande ist. Die Pulmonalklappen ver- dickt, trübe, leicht zerreisslich, besonders um die Noduli von gallertigem Ansehen. Linkes Herz. Das Endocardium des Vorhofs ver- dickt, trübe; das des Ventrikels ebenfalls sehr trübe, dick, in grossen Fetzen mit der Pincelte leicht abziehbar; die Muskulatur unter demselben stark geröthet, ins Livide spielend, besonders an einer 10 Silberkopeken breiten Stelle an der hinlern Wand. Die Mitralis am Rande stark gallertig aufgetrieben, dadurch körnig erscheinend, weiterhin zum Limbus hin trübe, ohne aufgetrieben zu sein. Die Sehnenfüden ziemlich dick. Die Aortenklappen gleichfalls geschwellt, namentlich die Noduli Ar. von trü- bem Ansehen. Die microscopische Untersuchung liess Folgendes erkennen: an allen angeführten gallertig aufgelriebenen Stellen der Klappen eine in fasriger Substanz eingelagerte zahlreiche Masse von meist spindelförmigen, aber auch sternförmigen Bindegewebskörperchen, die bei der Prä- paralion sich mit der grössten Leichtigkeit isolircn liessen, und mit weit zu verfolgenden Ausläufern versehen wa- ren. Ihr Kern meist oval, mit zweien, auch dreien Kern- körperchen. In manchen Fällen mehrere Kerne und Ausläufer in einer Zelle, in anderen reihten sich mehrere spindelförmige Zellen rosenkranzähnlich an einander, und konnten auch in isolirtem Zustande in dieser Weise ge- sehen werden. Diese Veränderung war ganz auffallend an dem innern Tricuspidalzipfel, woselbst die Zellen in Masse beim Präpariren frei hervortraten. Zwischen den Zellen eine weiche schleimige Inlercellularsubslanz. Die Anwesenheit von Zellen auch in den verdickten, gequol- lenen Stellen der Mitralis und den Semilunarklappen nach- weisbar. Das Epithel ist über allen verdickten Stellen wohlerhallen. Das Endocardium der Ventrikelwand zeigt weniger deutlich'zellige Elemente, ist meist faserig und von trüber Beschaffenheit. VII. E x p e r i m e n t. Grosser kräftiger Hasenhund. Injection einer Lösung von 45 gr. Acid. lact. auf 435 gr. Aq. dest. Tödtung am 11. Tage durch einen Schlag auf den Kopf. Nach der Injection dieselben allgemeinen Erscheinungen, wie in den vorhergehenden Fällen. Die Herzaction beschleunigt, un- regelmässig. Am dritten Tage das Thier wieder munter. Herztöne normal. Vom 4. bis zum 11. Tage an der Herzspitze ein schwaches hauchendes oder blasendes Geräusch neben dem systolischen Ton; der zweite Ton normal. Auch hier während des Auskultirens eine leb- haftere Herzbewegung. Section. Die Wunde in den Bauchdeeken vollstün- dig und gut geschlossen, ohne irgend eine Verwachsung mit dem Netze. Peritoneum normal; an den Unterleibs- organen nichts Besonderes; Lungen normal. Pericardium unverändert, eine sehr geringe Quantität Serums in der Höhlung. Herzoberfläche glatt, glänzend; im Sulcus trans- versus eine geringe Fettansammlung. Muskulatur von derbem festem Gefüge, braunröthlicher Farbe. Im Her- zen Blutgerinnsel mit massenhafter Ansammlung von Lymphkörperchen. Rechtes Herz. Das Endocardium des Vorhofs von mattgrauer Färbung, fest an die Muskulatur anhaftend, bedeutend verdickt (c. \ Millm., soviel bei Betrachtung mittelst der Loupe ermessen werden kann). Das Endo- cardium des Ventrikels dünn, glatt, glänzend, ungetrübt. Tricuspidalis succulent, geschwellt, mit kleinen weichen gallertigen Körnchen besetzt, die am innern Zipfel zumal, den Rand stark verdickend, sehr sichtbar in die Ventri- kelhöhle hineinragen. Dieser Zipfel ist ungewöhnlich lang; bei Betrachtung nach 6 Stunden hat er Aehnlich- keit mit einem rothen fleischigen Lappen. Sehnenfäden sehr dünn. Die Pulmonalklappen sehr opak getrübt, am Rande mässig geschwellt. Linkes Herz. Das Endocardium des Vorhofs von ähnlich mattgrauer Färbung wie im rechten, aber gerin- gerer Dicke; das des Ventrikels glatt, glänzend, mit durch- scheinender Muskulatur. Bicuspidalis geschwellt, aber von festem, schwer zerreisslichem Gefüge; Ansatzpunkte der Chorden treten als deutliche Höcker hervor, zwischen ihnen kleine gallertige Knötchen eingestreut. Aorten- klappe gesclnvellt, getrübt, Noduli stark hervorragend; am Rande gallertige Knötchen. Die gallertigen Verdickungen boten dasselbe micro- scopische Bild, wie wir es in den frühem Fällen bereits geschildert. Das Endocardium zeigte keine Zellenbildung, war auch nicht aufgelockert, sondern von stark fibröser Structur. VIII. Experiment. Einer mittelgrossen, äusserst bissigen Hündin inji- eilte ich nach gemachtem Schnitt in der linea alba ober- halb des Nabels eine Unze einer 10procentigen Milshsäu- relösung, von der aber durch äusserst heftige Bewegun- gen des Thieres wahrend der Injection 2—3 Drachmen verloren gingen. Am 2. Tage hatte sich das Thier voll- ständig erholt, Auch hier war die Herzaction unregel- mässig und lebhaft, wenn das Thier auskultirt wurde; stand es ruhig und frei da, war der Puls der art, crural. nicht so unregelmässig, in der Frequenz auch geringer. Die Herztöne blieben rein, normal. 15 Tage später inji- eilte ich c. drei Drachmen derselben Milchsäurelösung in die rechte Jugularvene. 32 Tage nach der zweiten In- jection Tödtung durch Nackenstich. Die Fiebererscheinungen nach der zweiten Injection mässig; am 2. Tage hatte das Thier sich ziemlich erholt; die Bewegung des Kopfes und der vordem Extremitäten schien längere Zeit hindurch schmerzhaft zu sein. Die Töne an der Herzspitze am Tage nach der Jugularinjection auffallend laut, fast metallisch klingend, die Herzaction stark, unregelmässig. Zwischen dem 6. und 8. Tage er- schienen die Herztöne mehr dumpf, schwach; der systo- lische Ton deutlich gespalten. Von der zweiten Woche an konnte ich den Verlauf der Auscultationserscheinungen nicht mehr deutlich verfolgen, da sich bei diesem Thiere Zitterkrämpfe einslelllen, sobald es zum Zweck der Aus- cultation die Rückenlage einnehmen und gehalten werden musste. In den geringen Zeiträumen, wo jeglicher Anfall etwas nachliess, konnte nur ein Ton vernommen werden; ob systolisch, ob diastolisch konnte bei höchst unregel- mässigem, oft nicht fühlbarem Cruralpulse nicht entschieden werden; wenn der Zitteranfall das Thier überkam, konnte ich gar Nichts hören. In der Hoffnung, dass dieser Zu- stand sich gebe, liess ich das Thier ein paar Wochen am Leben. Kurz vor dem Tode auskultirte ich halbstündlich in zwei Absätzen, ohne zu einer präcisen Perception der Herztöne gelangen zu können. Bald war ein Geräusch wahrzunehmen, bald nicht; der eiste Ton war vor dem zweiten verlängert, ob er aber gespalten, oder ob neben ihm ein Geräusch bestand, konnte ich nicht entscheiden, 36 da das nach sehr kurzer Pause wieder eintretende Zittern die Auscultation unterbrach. Section. In der unterbundenen Vene ein fester organisirter Thrombus; in den Lungen und Unterleibsor- ganen keine Anomalie zu bemerken. Herzbeutel unver- ändert; die Höhlung ohne Serumansammlung; Herzmusku- latur derb, fest, rothbraun; in der Lüngsfurche massige Fettablagerung. Rechtes Herz. Das Endocardium des Vorhofs und Ventrikels glatt, glanzend, leicht von der Muskelschicht abziehbar. Innerer Tricuspidalzipfel verdickt, mit aufge- worfenem, gewulstetem Rande; zur Basis hin an einzelnen Stellen weissgelbliche Flecke. Die zum Ventrikel gekehrte Fläche mit ziemlich harten höckerigen Hervorragungen. Vorderer und hinterer Zipfel verdickt, undurchsichtig; an einzelnen Stellen stark hervortretende feste Knötchen. Sehnenfäden stark entwickelt. Pulmonalklappen normal, nur die rechte gering getrübt. Linkes Herz. Das Endocardium wie rechts beschaf- fen. Mitralis verdickt, am Rande mit höckrigen, ziemlich festen, derben Knötchen. Unter der Lunge lässt sich auf der Ventrikelfläche eine ganze Zone von gelblich durch- schimmernden netzförmigen Hervorragungen erkennen. An den Sehnenfäden finden sich feste Blutgerinnsel, die nur auf stärkeren Zug sich lösen. Einzelne Sehnenfäden, be- sonders an ihren Ursprungsstellen an der Klappe gelblich gefärbt. Die Aortenklappe trübe, undurchsichtig, verdickt. An dem hinteren Zipfel ein hervorragender gelblicher Wulst. An dem Anfangstheil der Aorta und den drei Klappensinusitäten die Intima unregelmässig, höckerförmig hervorgewulstet, wodurch die Klappenbucht bedeutend verengt erscheint. Die Intima der Aorta sonst normal. Ein Durchschnitt durch eines der erwähnten Knöt- chen zeigte unter dem Microscop Bindegewebszellen in stark fibrösem Stroma; zur Spitze der Höckerchen findet sich sehr massig eine weiche, schleimige Intercellularsub- stanz. In dem Stroma finden sich äusserst kleine zahl- reiche aneinandergereihte, auch einige grössere zusam- mengeflossene Fetttröpfchen; auch in einzelnen Zellen sind Fetttröpfchen wahrnehmbar. Diese Fettbiidung an allen hervorragenden Stellen, wie auch in den getrübten Par- tieen der Mitralis. Ein Durchschnitt durch die hervor- ragenden Stellen an den Sinusiläten der Aorta lässt die Inlima intact, die lunica media aber fettig entartet er- scheinen. III. Kapitel. Resultate, die aus obigen Experimenten gewonnen werden, Vergleich derselben mit den Richardsonschen und Bedeutung für die Aetiologie der Herzkrankheiten Vergleichen wir das Ergebniss aller dieser Unter- suchungen, so linden wir eine Gruppe von Erscheinun- gen, die allen 8 Fallen gemeinsam ist, und die wir da- her unbedingt auch als Folgewirkung der allen Füllen gemeinsamen ursächlichen Einwirkung, der injicirten Milchsäure, zuschreiben dürfen. Fassen wir die Symptome, die sich auf das Herz selbst beziehen, zusammen, so tritt uns in allen Füllen eine unregelmässige, lebhafte, ja bis- weilen stürmische Herzaction, ferner eine Veränderung der Herztöne entgegen; zw'ei Momente, die auf eine Herz- affection schlossen lassen. Es fragt sich nun, wie weit die Milchsäure, wie weit vielleicht anderweitige Ursachen diese HerzafFection bedingt haben? Der traumatische Eingriff ist so gering gewesen, dass die auf ihn bezüg- lichen Fiebererscheinungen bald nachliesscn; seihst nach Verschwinden des fieberhaften Zustandes blichen obige Zeichen einer HerzafFection. Die Frage, ob die Milch- säure diese AfFeclion bewirkt, lässt sich nur durch die Untersuchung über die entzündliche oder nervöse Natur dieser HerzafFection entscheiden. Diese Entscheidung aber dürfte ohne Berücksichtigung der pathologisch-anatomi- schen Veränderungen schwer fallen; die grosse Unruhe, Angst des Thieres während der Auskultation kommt hier nehmlich in grossen Betracht. — Ich habe zwei mir an- gehörige Hunde vor dem Beginn meiner Experimente regelmässig täglich auskultirt. Der eine liess die Auskul- 38 tation willig geschehen und keine Aufregung gewahren; beim anderen trat trotz Streicheins und Beruhigens regel- mässig eine gewisse Uurulie und Aengstlichkeil ein, wenn er die ungewohnte Rückenlage zum Zweck besseren Auskultirens einnehmen, und seines Slräubens wegen gehalten werden musste. Die Action des Herzens wurde lebhafter, bisweilen unregelmässig; bei bedeutender Auf- regung des Thieres glaubte ich einige Mal auch ein schnell vorübergehendes Geräusch wahrzunehmen. Wie viel mehr können solche Erscheinungen an Thieren auf- treten, die schon einmal in der verhängnisvollen Rücken- lage operirt waren! Wenn man die Hände an die Flan- ken der operirten Thiere, während sie ruhig dastanden, legte, so konnte eine lebhafte und unregelmässige Herz- contraction nicht in dem Grade wahrgenommen werden, als in dem Falle, wenn das Thier in der Rückenlage ge- halten werden musste. Die Angst des Thieres sprach sich oft deutlich in dem Auftreten von Zittern aus. wel- ches dermassen heftig werden konnte, dass jede Aus- kultationswahrnehmung fast unmöglich wurde. Diese Er- scheinung mag vielleicht nicht nur einen jungen Anfänger in der physikalischen Diagnostik, sondern auch den er- fahrenen Geübten in Verlegenheit setzen. Ja ich glaube, aus obigem Umstande Hesse sich auch die geringere, be- schränktere Anwendung der Auskultation in der Veleri- närnnedicin herleiten, — ist ja in der Aufgeregtheit der Thiere die Möglichkeit zu Täuschungen gegeben! Gleichwohl bleibt aber die Auskultation, trotz der möglichen Täuschungen, die obgevvaltet haben können, auch in meinen Experimenten immer schätzbar. Die in bestimmten Zeiträumen wechselnden und in diesen Zeit- räumen sich gleichblcibendcn Auskultationserscheinungen können, durch den anatomischen Befund unterstützt, die Annahme einer entzündlichen Affection des Herzens recht- fertigen. Im anatomischen Befund fallen uns die gallertartigen Verdickungen des Endocardiums der Klappen insbesondere auf. Dass sie Producte einer Entzündung sind, darauf weist schon das Fehlen derselben bei gesunden Herzen lim; dass sie ferner Producte einer parenchymatösen Ent- zündung sind, wie sie Virchow10) trefflich geschildert, liegt klar auf der Hand. Ich will naher auf die Entste- hung dieser gallertigen Verdickungen (Knötchen, Perlchen u. s. w. genannt) eingehen. Bevor Virchow durch vielfache, sorgsame For- schungen über die Natur der Bindegcwebssubstanzcn seine jetzt zur Geltung gekommene Theorie der continuirlichen Entwickelung der Gewebe aus einander — aufstelllc, musste natürlich die Entstehung dieser gallertigen Ver- dickungen der Herzklappen der gerade herrschenden Theo- rie gemäss gedacht werden. Denn wie Luschka11) sich ausdrückt, „sind die Angaben der meisten Schriftstel- ler über die durch den Entzündungsprocess bedingten Ver- änderungen der inneren Herzhaut augenscheinlich mehr aus Vorstellungen, denn aus einer wirklichen Naturbeob- achtung hervorgegangen.“ Als das Endocardium noch für eine Art serösen Gewebes (Bichat) angesehen wurde, liess man es Uber seine innere Oberfläche in die von ihm ausgekleidele Höhle bei Entzündungen ein Exsudat setzen; Luschka, Rokitansky sehen in den gallertigen Ver- dickungen einen Blaslemerguss; Andere, wie der von Rieh, citirte Füller, sahen sie als Niederschläge aus dem Blute an, gegen welche Ansicht schon Hope auf- trat, der nachwiess 12), dass die innerste Membran in den meisten Fällen über die Verdickungen abgeschält werden könne. Virchow brachte in diese Angelegen- heit ein helleres Licht. Wenn diese gallertigen Ver- dickungen durch eine Exsudation, wie sie oben Ri- chardson annimmt, oder auch durch Niederschläge aus dem Blute (Füller) entständen, so müsste einerseits die gallertige Masse amorph sein, anderseits sich Epithel unter derselben finden. Das Epithel zeigte sich wohl- erhalten in unsern Untersuchungen; die Gallertmasscn be- 10) Virchow, gesammelte Abhandlungen. 1856. p. 512. 11) Virchow und Reinhardt, Archiv für path. Anat., Phys. und clin. Med. 1852. IV. Bd. p. 184. 12) J. Hope, Krankheiten des Herzens und der grossen Gefässe, Uebers. von Becker. 1833. p. 254. standen aber aus verschiedenartigen Zellen in einer schleimigen Intercellularsubstanz, in welches Schleimgewebe sich die Faserzüge des Endocardiums hineinzogen; an den Grenzpunkten dieses Gewebes fand sich im normalen Bindegewebe Zellen- und Zellenkerntheilung. So haben wir von Anfang an kein Exsudat, sondern eine Gewebs- umgestallung, eine degenerative Gewebswucherung vor- handener Elemente. Virchow’s Untersuchungen über die Entstehung dieser gallertigen Massen der Klap- pen weisen sowohl die Annahme eines exsudativen Vor- ganges, als auch die eines Auflagerungsprocesses voll- ständig zurück 1 3). Die Entstehung aber derselben ist, wie es sich aus den Untersuchungen des genannten aus- gezeichneten Forschers ergiebt, folgende: das Entzün- dungsirritament veranlasst eine veränderte Stoffaufnahme und Stoflabgabe des Klappengewebes. Die bindegewe- bige Grundsubstanz schwillt an, quillt auf; die Bindege- webskörperchen vergrössern sich nach allen Durchmes- sern; ihre Zellenkerne vergrössern sich ebenfalls, werden fein granulirt, theilen sich endlich, und man sieht so Uebergünge von anfangs ovalen oder linsenförmig ein- fachen zu mehr rundlichen mehrfachen, die zu zwei oder mehr bei einander liegen (vier z. B , Fall II ). Nach der Kerntheilung tritt auch Theilung der Zellen ein, wodurch eben die Zellenwucherung zu Stande kam. Neben die- ser blossen Hyperplasie findet sich aber auch eine ge- wisse Heteroplasie, indem die Grundsubslanz wie ihre Zellen in Folge der entzündlichen Ernährungsverhältnisse mehr Material anfnehmen, und dieses in einen dem Schleim- stoff ähnlichen Stoff umwandeln, der eben die gallertige Consistenz der Verdickung bedingt. Die weitere Entwickelung ist bei dieser gallertigen Form meist die fettige Metamorphose, wie wir sie irn Exp. VIII haben. Die hyaline Intercellularsubstanz ver- dichtet sich, die Bindegewebskörper werden kleiner, in ihnen lagern sich neben den Kernen sehr kleine Fettkörn- 13) Vircliow, gesamui, Abhaudl. 1856. p. 509 flf. chen an, die zahlreicher werden, die ganze Zelle erfüllen, und nach aussen treten können. Diese gallertigen Verdickungen finden sich bereits 8 Stunden nach der Einbringung der Milchsäure; sie finden sich in allen 8 Fällen, je nach den Zeiträumen verschieden ausgebildet. In den ersten Experimenten sind sie gering, in den späteren haben sie eine bedeu- tende Grösse, so dass die Function der Klappe behindert schien (Exp. V.). Welcher anderen Ursache könnten sie zugeschrieben werden, als der Einwirkung der Milchsäure? Eine bestimmte Anzahl von gesunden Thieren erhält eine bestimmte Quantität Milchsäure mittelst geringer körper- licher Verletzung; bei allen tritt eine Veränderung im Rhythmus des Herzens, bei allen Veränderung in den Auskultationserscheinungen, bei allen gleiche anato- mische Veränderung ein! Herr A. W. in Göltingen 14) erzählt von einer frischen Endocarditis an einem Hunde, dem aus beiden Hemisphären kleine Stücke durch Tre- panwunden ausgeschnitten waren, und der ein halbes Jahr darauf nach mehrtägiger Fütterung mit ausschliess- licher Fleischkost getödtet wurde. Die Tricuspidalis wie Mitralis waren bedeutend verdickt, gallertig aufgetrieben und boten unter dem Microscop dasselbe Bild, wie die Gallertmassen in unsern Experimenten. Dieser Fall wird von A. W. mit der Bemerkung mitgetheilt, dass die- ser zufällige Befund beweisen könne, wie leicht man Täuschungen bei noch so exacten Experimenten an Thie- ren ausgesetzt sei.“ Dieser Beweis ist mir nicht ein- leuchtend; dieser zufällige Befund beweist nur, dass man aus einem Falle keinen sicheren Schluss ziehen könne. Hieran anschliessend, will ich ebenfalls einen zufäl- ligen Befund mittheilen. An einem vierwochenalten, in seinen Bewegungen sehr ungelenkigen Hunde, an welchem ich die Herzlage näher sludiren wollte, fand sich ebenfalls eine sehr frische Endocarditis. Die Mitralis am Rande verdickt, gewulstet; gallertige grauweissliche Knötchen vom Rande bis zur Mitte der Klappe, wodurch letztere in zwei stark 14) a. a. 0. von einander abstechende Hälften getheilt war. Die erste geschwellt, verdickt, trübe, die an den Lrmbus grenzende sehr dünn, durchsichtig, glänzend. Sehnenfäden stark durchscheinend, äusserst dünn, von nicht so sehnigem, silberglänzendem Ansehen wie bei einem erwachsenen Hunde. Die arteriellen Klappen sind äusserst durchsich- tig, die noduli nicht abgegrenzt, sondern durch seitliche Ausläufer mit dem Rande verschmelzend; Tricuspidalis nur in geringem Grade verändert, nur der innere Zipfel beträchtlich verdickt, gewulstet und succulent. Was beweist nun dieser Fall ? Dass bei sehr jungen Hunden bereits Klappenanomalien Vorkommen, oder die Klappe sich noch nicht vollständig entwickelt hat, dass demnach Experimente an solchen nicht anzustellen sind. Wenn einer grösseren Anzahl von Hunden Milch- säure in den Körper gebracht wird, und dieselben Klap- penveränderungen bei allen eintreten, und daraus das Re- sultat gezogen wird, dass die Milchsäure die Ursache der Veränderungen sei — kann in diesem Falle auch eine Täuschung stattfinden, oder ist etwa das Auftreten der Endocarditis in allen Fällen eine Zufälligkeit? Ich glaube nicht. Die Frage über die Art der Einwirkung der Milch- säure auf das Endocardium lässt aus meinen Experimen- ten keine Entscheidung oder Beantwortung ziehen; blos- ses Raisonnement aber bewegt sich auf dem Felde der Hypothesen. Richardson nimmt, wie oben erwähnt, 2 Wege der Einwirkung eines schädlichen Stofles auf das Herz an: einmal durch directen Contact mit der freien inneren Oberfläche, dann durch Betheiligung der Ernäh- rungsgefässe und veränderte Ernährung des afficiiten Theils. In letzterem Falle müssten beide Herzhälften gleichmässig verändert sein; da nach seiner Beobachtung vorzüglich die rechte Herzhälfte erkrankte, so nimmt er die Wirkung durch freien Contact an. Diesen Grund kön- nen wir nicht gelten lassen, denn mit Ausnahme des in- neren Tricuspidalzipfels halten die venösen Klappen in ihren Veränderungen gleichen Schritt; ja im Experiment III ist das linke Herz stärker afficirt Was ist denn auch 43 mit der Annahme eines directen Contaets der Säure‘mit dem Endocardium gewonnen? die Wirkung bleibt trotz des klaren Begriffs unklar. Eine Vorstellung ist möglich, wenn ein besonderer Einfluss der Saure auf das Epithel stattfände; dass von Epithel entblösste Stellen der inne- ren Gefässoberfläche leichter erkranken, ist ausgemacht. In allen 8 Fällen aber weisst das Microscop das Vorhan- densein des Epithels nach. Die Lösung der Frage, warum vorzugsweise die Membran der Klappen von der entzündlichen Affection getroffen werde, — wird vielleicht in den mechanischen wie histologischen Verhältnissen derselben zu finden sein. Dass die Klappen bei statthabender Endocarditis zuerst erkranken, ist eine längst gewonnene Thatsache. Darüber sagt Virchow15) Folgendes: „Auch am Herzen sind es, gleichwie an den Arterien, die engen Stellen, welche der Erkrankung am häufigsten unterliegen, und unter diesen wiederum diejenigen, welche der Reibung und Spannung am meisten ausgesetzt sind. Am ersten leiden gewöhnlich die Ostien, und an diesen wieder die Schliessungslinien der Klappen, also diejenigen Theile, welche bei dem Klappenschlusse sich gegeneinan- der legen, und dadurch der gegenseitigen Reibung am meisten ausgesetzt sind. So erklärt es sich, dass die hauptsächlichste Erkrankung jedesmal auf der dem Blutstrome zugewandten Klappenseite 1) stattfindet, und nicht sowohl am freien Rande, sondern bei den arte- riellen Klappen unterhalb oder bei den Atrioventrikular- klappen oberhalb desselben. Mit am frühesten leiden ge- wöhnlich die Noduli Arantii, welche der Reibung am mei- sten unterliegen. Unter den Klappentbeilen ist es vor- wiegend der vordere Zipfel der Mitralis, der durch seine Befestigung an der Aortenmündung die grösste Spannung zu erleiden hat. In zweiter Reihe die Chorden, beson- ders in der Gegend, wo ihre Theilung in dickere und 15) a. a. 0. p. 508. Aninerk. 1. Das Endocardium der Klappen ist an der dem Blutstrome zugewandten Fläche dünner und schmächtiger. Donders Phys. 1859» ps 37. 4 dünnere Fäden stattfindet; in dritter die Oberfläche des linken und rechten Vorhofs, dann des linken und zuletzt des rechten Ventrikels.“ In dieser grösseren Disposition 2) der Klappen zur Erkrankung liegt nun die Ursache, dass wir in unseren Experimenten vorzugsweise die Klappen afficirt finden; die Milchsäure hatte aber auch eine Wir- kung auf das Endocardium der Höhlen. (Vergl. Exp. VI.) Die obige Reihenfolge der Erkrankung findet sich in ähn- lichem Verhältniss auch in unseren Experimenten; doch stellt sich hier als eine Eigenthümlichkeit heraus, dass der in- nere Tricuspidalzipfel stets die stärkste und bedeutendste Veränderung zeigt, und erst nächst ihm der vordere Mi- tralzipfel verändert ist. Herr Koro II, stellvertretender Prosector der hiesigen Veterinäranstalt hat bei Sectionen an Hunden ebenfalls die Beobachtung gemacht, dass der innere Tricuspidalzipfel häufig allein, oder in stärkerem Maasse als die übrigen Klappentheile verändert gewesen. Der Grund liegt vielleicht in der Stellung dieses Zipfels zur Art. Pulmonalis, wodurch er einen grösseren Blutdruck und eine grössere Zerrung zu erleiden hat, als die ande- ren Zipfel. Dass dieses Verhältniss eine Eigenthümlich- keil in dem Klappenapparate des Hundeherzens ist, glaube ich aber nicht; dass man es bisher nicht hervorgehoben, mag daran liegen, dass so hochgradige acute Schwellun- gen, wie ich sie auf experimentellem Wege an Hunden erzeugt, beim Menschen zu verhällnissmässig seltenen Sectionsbefunden gehören. Auch ist es nicht allzulange her, dass man überhaupt angefangen hat, diejenigen Klap- penveränderungen, die nicht gerade eine Insufficienz oder eine Stenose des Ostiums bedingten, einer genaueren Auf- All merk. 2. VV. Stokes macht auf die Verschiedenheit der Umwandlung des pleuritischen Exsudats aufmerksam, je nachdem die seröse Mem- bran mit rother Muskelsubstanz oder fibrösem Gewebe in Berührung sei. Aus der Analogie der Verhältnisse des Herzens, wo das Endo- cardium in der Höhle mit Muskelsubstanz, an den Klappen aber mit fibrösem Gewebe in Berührung stehe, könnte seiner Ansicht nach viel- leicht die Veränderung an den Klappen erklärt werden. W. Stokes Krankh. des Herzens und der Aorta. Uebers. von Lindwurm. Würz- burg 1855. p. 86. Kürschner, und in neuester Zeit besonders Jeseph haben aber in den venösen Klappen eine Muskulatur nach- gewiesen. Virchow, Archiv für palhol. Anatomie. 1858. Bd. XIV. p. 259. merksamkeit zu würdigen. Als Beleg dessen will ich einen Ausspruch Virchow’s anführen, der in seinen ge- sammelten Abhandlungen S. 509 sagt: „Rokitansky ist fast der einzige Schriftsteller, der sich ausführlich mit diesem Zustande 18) — den gallertigen Verdickungen der Klappen — beschäftigt, ohne jedoch ihn zu erledigen. Sonderbarer Weise beobachtete er die gallertige Substanz nur an den Klappen des linken Herzens, da sie doch an den Klappen des rechten Herzens, wenn gleich in geringerer Ausdehnung, fast noch häufiger ist, und selbst schon beim Fötus vorkommt.“ Das Vorkommen dieser gallertigen Veränderungen an den Klappen beider Hälften ist seltener beobachtet worden, als das der knorpligen oder verkalkten; in Be- zug auf letztere, glaube ich, rührt denn auch die seit frü- her Zeit gemachte Erfahrung her, dass überhaupt die linke Herzhälfte früher erkranke als die rechte. Eine ge- nügende Erklärung zu geben, hat man sich bis zur letz- ten Zeit bemüht. Nach Gorvisart sollte der Grund in einem mehr fibrösen Bau der linken Klappe liegen, kraft dessen sie empfänglicher für Veränderungen werde. L u s ch- ic a17) und Donders erwähnen keines histologischen Unterschiedes zwischen den link- und rechtseitigen Klap- pen. Nach Joseph, der das Neueste über die Klappen geliefert, unterscheiden sich die venösen Klappen nur durch ihr verschiedenes Grössenverhältniss von einander18). Nach Bert in sollte die Verschiedenheit des arteriellen und venösen Blutes den Grund abgeben; Hope glaubt die Ur- sache des leichten Erkrankens der linken Klappe in der grösseren energischeren Action der linken Kammer sehen zu dürfen, da letztere auch eine grössere Anstrengung der Klappe bedingt. Dieser Ansicht neigt sich auch V i r- chow zu. Ich glaube, dass man#ein grösseres Gewicht, als es bisher geschehen, auf die stärkere Entwickelung 16) Rokitansky, patli. Anatomie I. p. 493. 17) Luschka über das Endocani. in Virchow’s und Reinhavdt’s Archiv. 1852. IV. Bd. 18) Virchow’s Archiv. 1858. Bd, XIV. p. 267. der Papillarmuskeln im linken Ventrikel zu legen habe, durch deren kräftigere Contractionen eine stärkere Spannung und Zerrung der Klappe beim systolischen Schluss hervorge- bracht wird. Möglicher Weise mag auch die Verschie- denheit der Direction der venösen Klappen von Einfluss sein, worauf L. Joseph aufmerksam macht19). — Die Erfahrung der früheren Affection des linken Herzens lässt sich in unseren Experimenten, wie gesagt, nicht geltend machen; aber auch eine stärkere Betheiligung des rechten vor dem linken Herzen an den Veränderungen ist eben- falls nicht ersichtlich, daher können wir der im Ganzen willkürlichen Ansicht Richardsons, dass die Milchsäure im Pulmonalkreislauf einen Verlust erleide — nicht bei- pflichten; für uns fällt auch der von ihm aufgestellte Un- terschied zwischen der spontanen, rheumatischen und der inducirten Endocarditis fort. Dass der englische Autor an den Semilunarklappen nur eine unbedeutende Anschwel- lung bemerkt haben will, nimmt uns Wunder, da sich an ihnen, wenn gleich in geringem Grade, bisweilen aber recht auflallend , (Exp. V, VII.) derselbe entzündliche Process entwickelt zeigte. Nach Besprechung dieser Verhältnisse, wollen wir näher auf einen Vergleich mit den Ri cha rdson sehen Ansichten eingehen. Ri cha rdson theilt die Veränderungen der Klappen nach der lnjection in vier Stadien, die ich nicht in der Weise habe, auffinden können. Im ersten Stadium des Autors habe ich zwar die reichlichen Körnchen oder Knöt- chen (beads) wahrgenommen, die angegebene glänzend- rothe Färbung des Endocardiums sowie die blassröthliche Färbung der Klappe aber nicht beobachten können. Ich bin sehr geneigt zu glauben, dass letztere Todeserschei- nungen sind, da der nach dem Tode sich schnell auflö- sende Blutfarbstoff die Klappen wie die Sehnenfäden sehr 19) Joseph sag! nelunlnli (a. o. 0, p. 250): Während sich die Chonlae tendineae der vaivula trieuspidalis au die Warzenmuskeln ihrer Seile anbeflen und so daher der Klappe eine gerade Richtung nach abwärts erlheilen, heften sich die Sehnenfibrillen der Mitralis an die linke freie Wand des Ventrikels ; dadurch erhält die Klappe die Richtung nach aussen und links. frühzeitig durchtrankt. Ich habe das Herz der Thiere stets bei noch warmem Cadaver, kaum ein paar Minuten nach erfolgtem Tode untersucht, und nie eine röthliche Färbung wahrgenommen; nach einer Stunde schon hatte sich die milchig getrübte Klappe geröthet, welche Röthung nach mehreren Stunden so bedeutend, war, dass die Klappe das Ansehen eines rothen Fleischlappens darbot. Die gallertig durchscheinenden Knötchen färbten sich natürlich ebensobald röthlich. Die Injectionsröthe mag Richard- son um so eher mit der Imbibitionsröthe als Leichener- scheinung verwechselt haben, als er, seiner Exsudalions- theorie gemäss, einer Gefässüberfüllung einen beträchtli- chen Antheil an dem Zustandekommen der Entzündung zuschreiben musste. Es sind ja auch trotz Luschka’s Behauptung weder von K ö 11 i k e r noch von Ge r 1 a ch an den Klappen Gefässe nachgewiesen worden. — Im zweiten Stadium fand Ri ch a r d so n Geschwulst und Oedem der Atrioventrikularklappen, Erguss einer lymphatischen Flüssigkeit, die bei Verletzung der Kiappenmembran her- ausquoll ; eine microscopische Untersuchung dieser lym- phatischen Flüssigkeit hat R i ch a rd s o n nicht angestellt, Ob letztere nicht der Gallertmasse gleichkommt, die eben- falls bei Verletzung der Klappen mittelst Nadelstichen heraustrat? Das dritte und vierte Stadium fällt mit dem Befunde zusammen, den wir in Fall VIII mitgetheilt. Ue- brigens mag Richardson mit der Statuirung verschie- dener Stadien nicht ganz Unrecht haben, da er noch ein- mal so viel Untersuchungen angestellt, als ich. Auf die Ein- theilung in Stadien kommt es im Ganzen nicht viel an; sie sind nur in Bezug auf die Auskultation von Wichtig- keit, und hier, glaube ich, ist der englische Autor etwas zu weit gegangen. Es ist eine anerkannte Thatsache, dass die pathologisch-anatomischen Veränderungen nicht mit der Veränderung der Auskultation gleichen Schritt halten. Es kommen an den Klappen oft beträchtlich här- tere Ablagerungen vor, ohne dass dadurch ein Geräusch entsteht; bisweilen hört man nur bei einer gewissen Stärke der Herzaction ein Geräusch, bisweilen bei geschwächter; bald ist eine Veränderung in der Auskultation wahrzu- 48 nehmen, wenn das Herz unregelmassig, bald, wenn es regelmassig und langsamer schlagt. Wie ist nun ein so con- stantes Verhältnis in den Auskultationserscheinungen, wie sie Rieh, in seinen 16 Fällen beobachtet haben will, mög- lich ? Mir ist es nicht gelungen eine solche Uebereinstimmung der Auskultationserscheinungen zu finden, dass gewisse Stadien aufgestellt werden könnten. Es liegt nicht im Zwecke dieser Schrift, die Ursachen und das Zustandekommen der verschiedenen Auskultations- wahrnehmungen in unseren Versuchen, wodurch z. B. die Spaltung eines Herzlones (Exp.II) bedingt, was die Herz- töne klangvoller gemacht (Exp. I, VIII), zu erörtern und zu erklären. Nur ein langgeübter, erfahrener Diagnostiker ver- mag mit Vortheil sich auf die Discussion über das in mehr- facher Beziehung dunkle Gebiet der Auskultation einzulassen. Die Bemerkung aber können wir nicht zurückdrängen, dass die Thatsache der Milchsäureeinwirkung auf das Herz von hohem Vortheil für die Auskultation ist, in sofern sie ein Mittel bietet, zu jeder Zeit die Auskultationsverände- rungen mit pathologisch-anatomischen Veränderungen zu vergleichen. Und in dieser Beziehung ist eine weitere Fortsetzung unserer Versuche höchst wünschenswerth. So viel hinsichtlich des Vergleiches mit den Richard- so rischen Angaben. Die in Göttingen angestellten Ver- suche haben, nach des Referenten Meinung, zu keinem Resultate geführt. Vergleicht man sie mit den Richard- son’schen und den meinigen, so dürfte doch ein Schluss aus ihnen gezogen werden können. Bei einem Kanin- chen . erschienen die Sehnenfäden und der freie Rand der Tricusp. leicht ödemalös geschwellt, bei einem anderen waren die Sehnenfäden der Tricuspidalis fast alle wie ödemalös infiltrirt; der freie Rand der Klappe wie sulzig, und an der Mitralis einzelne Andeutungen derselben Veränderung; das Endocardium des rechten Vorhofs wie injicirt, matt glänzend. — Der Refer. hat in der That Recht, aus diesen Fällen keine Schlüsse zu wagen; gleichwol erscheinen diese Veränderungen, wenn aus anderen Expe- rimenten die Wirkung der Milchsäure erwiesen ist, un- verkennbar ebenfalls als durch Milchsäure bedingt. Die Zahl der Versuche ist in dem Referat auch nicht ange- geben. Das Misslingen der Injectionen dürfte dem Um- stande zugeschrieben werden, dass einerseits nicht die von Rieh, angegebene Quantität der Milchsäure benutzt wurde, andrerseits die Versuche an ungeeigneten Thie- ren wie Kaninchen angestellt wurden, die vielleicht zu sensibel sind, eine Injection zu überstehen. Dass aber die Injectionen nicht mit gehöriger Vorsicht ausgeführt sind, möchten wir nicht annehmen, obwohl die wieder- holten Injectionen an einem und demselben Thiere (v. S. 18) dafür sprechen könnten. Der Uebersicht wegen will ich, die aus den ange- stelllen Experimenten zu ziehenden Resultate kurz zusam- menfassend, folgende Sätze aufslellen : 1) Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Milch- säure eine Einwirkung auf das Endocardium und vorzüg- lich auf das der Klappe ausübe. 2) Die Art und Weise dieser Einwirkung lasst sich nicht beweisend darthun. 3) Die durch die Milchsäure oder ihre Zersetzungs- producte bewirkten Veränderungen an den Herzklappen haben denselben Verlauf, wie bei parenchymatösen Ent- zündungen. Die gallertigen Knötchen und Verdickungen entstehen durch Bildung eines Schleimgewebes und Wu- cherung vorhandener Bindegewebselemente. Nachdem die Erzeugung von Endocarditis durch einen grösseren Gehalt an Milchsäure, wie ich glaube, sicher dargethan ist, will ich zum Schluss noch die Frage besprechen, ob diese Thatsache mehr Licht auf die Ent- stehung von Herzentzündungen und Klappenfehler beim Menschen werfen könne? Die Beantwortung dieser Frage kann nicht mit Ent- schiedenheit bejahend ausfallen, so lange eine so bedeu- tende Verwirrung in der Theorie der Milchsäurebildung im Körper und Ausscheidung durch die Excretionsorgane herrscht. Die Milchsäure bewirkt eine Herzaffeetion, die Milch- säure wird unter Umständen im Körper sehr reichlich gebildet — das sind die Anfangs- und Endglieder einer Kette, deren Mittelglieder uns unbekannt sind. Nach Lehmann findet sich constant Milchsäure als Umwandlungsprodukt eines Theiles der eingeführten Koh- lenhydrate im Darmkanal, im Chylus; constant findet sich die Säure sowohl in glatten als quergestreiften Muskeln (vielleicht als Zersetzungsprodukt des Inosit), daher auch nothwendig in der Lymphe, denn nur auf diesem Wege könnte nach Lehmann20) die grosse Menge der in den Muskeln gebildeten Säure fortgeschafft werden. Freie Milchsäure hat man auch in einigen drüsigen Organen wie Milz, Leber, Pancreas entdeckt, Müller hat sie sogar im Gehirn gefunden21). Meist wird die Säure schnell aus dem Blute ausgeschieden, und ist daher nicht nachzuweisen; abnormer Weise aber kann sie 'sich dermassen anhäufen, dass sie der chemischen Analyse zugänglich wird. So fand sie Scherer22) bei seiner Analyse neben Amei- sensäure, Essigsäure im leucämischen Blute und bei Puerperalfieber. Wöhler23) fand, dass organische Säuren, wenn sie in reichlicher Menge in das Blut gelangten, unzersetzt durch den Körper hindurchgingen und mit dem Harn ausgeschieden wurden. Kletzinky 24) konnte die Milch- säure im Harn nicht bestimmt nach weisen, obwohl er zu jedem Versuche 5 grm. zu sich nahm; (dagegen fand er eine Vermehrung der Gesammtphosphate um das Doppelte per Tag). Thenard, Berzelius wollten Milchsäure im Schweisse gefunden haben; Funke, Stark und Schot- 20) Lehmann, Lehrb. d. phys. Chemie. 1850. Bd. I. p. 100. 21) Lehmann, Handb. d. phys. Chemie. 1859. p. 60. 22) Verhandl. d. phys -med. Gesellsch. zu Wiirzburg. Bd. If. p. 323 u. Bd. VII. p 123. 23) Buch he im, Arzueiuiitlellehre 1850. p. 185. 24) Kletzinky: lieber die Veränderung des Harns nach Milchsäure- Genuss, in Beziehung auf den Phosphorsäuregehalt desselben. 1853. Holler's Archiv p. 54. 51 tin 2o) entdeckten sie nicht, Favre26) wollte sie wieder- um nachgewiesen haben. Verschiedene Autoren fanden sie im normalen Speichel; Lehmann nur im Speichel eines an Diabetes mellitus Leidenden. So haben wir gar keine Thatsachen, die uns eine genaue Aufklärung über Bestellen der Milchsäure im Blute und Ausscheidung der- selben verschaffen könnten. In Bezug auf das Herz ist die Vermehrung des Milch- säuregehalts im Blute bei einem Zustande, der entschie- den mit einer Herzaffection zusammenhängt, streng wis- senschaftlich nicht nachgewiesen worden; andrerseits hat man wieder bei Zuständen, in denen eine Steigerung des Milchsäuregehalts des Blutes höchst wahrscheinlich, ja nachgewiesen 2r) ist, noch nicht besonders häufig Endo- carditis entstehen sehen. Es ist eine ausgemachte Thatsache, dass der Rheu- matismus, besonders der acute Gelenkrheumatismus in gewissem Connex mit den Herzentzündungen stehe. Das Verdienst,-diese Beobachtung mit allem Nachdruck 28) hervorgehoben zu haben, gebührt Bouillaud, obwohl die erste Beobachtung darüber von D. Pitcairn im Jahre 1788 mitgetheilt ist29). Bouillaud glaubte jedoch, dass die Endocarditis gleich- zeitig mit dem Rheumatismus durch Erkältung erzeugt werde. Von England aus verbreitete sich darauf die Theorie, dass die Milchsäure die Ursache des Rheumatis- mus sei. Dieser von Pr out, Todd, Williams, Füller gehuldigten Theorie schloss sich auch Richardson an. Nach diesen Gelehrten sollte die Milchsäure ein Zer- setzungsprodukt der Muskeln (Williams30) sein oder 25J üonclers, Physiol. 1859. p. 442. 26) 1b. p. 444. 27) Lehmann, Lehib. der phys. Chemie, p. 105. Bd I. 28) B oui [lau d, Traite clinique des maladies du coeur. Paris 1855. Tom. I. p. 472. 29) Kreysig, Krankh. des Herzens. 1817. III. Th. p. 257. 30) Williams: Uelier die palhol. Zustände des Blutes bei Bheum. und Gicht. Aus des Verfassers Principles uf medicine. London 1843, in Frorieps Notizen Nr. 656. bei Schwäche des Magens (Todd31) abnormer Weise gebildet werden, und, sicli im Blute ansammelnd, entzünd- liche Affectionen hervorrufen, wenn die Haut als haupt- sächlichstes Ausscheidungsorgan für die Milchsäure, durch Erkältung geschwächt, nicht gehörig functionire. Wie weit sich diese Theorie der Milchsäurebildting bei Rheumatismus bewahrheitet, ist bis in die neueste Zeit nicht entschieden worden. So sagt Eisen mann 3a): „Wir wollen nicht mit Füller über Milchsäure als rheu- matischen KrankheitsstotF rechten, hätten aber nicht ge- glaubt, dass die Milchsäure sich so different gegen den menschlichen Organismus verhalte, um solche (rheum.) Zufälle verursachen zu können, namentlich in so kleinen Quantitäten, da sie noch nicht im Blute nachgewiesen wurde. Auch will uns nicht einleuchten, dass die im Blute angesammelte Milchsäure den Menschen ganz ge- sund lassen, aber 5 Minuten nach einer Verkühlung plötz- lich bei dem Einen Gesichtslähmung, bei dem Anderen lchias verursachen könne“. Mit solchen Bemerkungen begnügte man sich, ohne an die Prüfung der Thalsachen selbst zu schreiten. Sollte in der That bei Rheumatis- mus die Milchsäure im Ucberschuss im Körper gebildet werden, so wäre der Zusammenhang mit Endocarditis klar dargethan; leider aber nicht der mit Pericarditis, und nach Stokes hat das Herz bei rheumatischen Fiebern eine grössere Disposition zu Pericarditis als zu Endocar- ditis33); ein Verhältnis, das auch Bamberger angiebt. Liebig, L eh mann haben nachgewiesen, dass durch grössere Muskelanslrengungen eine reichliche Pro- duktion von Milchsäure statthat; bei stärkeren Muskel- anstrengungen entstehen ganz dieselben Erscheinungen wie bei Rheumatismus durch Erkältung. Das giebl immer noch keinen Beweis für statthabende Milchsäurebildung 31) Todd, Vorlesungen über Gicht und Rheum. Deutsch von Behrend. Leipzig 1843. 3?) Canstatl’s Jahresb. 1852. Bd. IV. p. 115. 33) W. Stokes, Krankh. d. Herzens und d. Aorta. Uebers. v. Lind- wurm, 1855. p. 91. 53 bei Rheumatismus. Liesse sich dieser Beweis geben, so hätte die Aetiologie der Herzfehler einen wichtigen Schritt gewonnen. Wenden wir uns jetzt zu den Zuständen, in denen eine Vermehrung der Milchsäure im Blute ziemlich sicher angenommen werden darf, so tritt uns besonders der chronische Magenkatarrh (darunter verstand wo! auch Todd seine Magenschwäche) entgegen, in welchem die Nahrungsmittel abnorm zersetzt werden, und zwar so, dass Milchsäure, Buttersäure u. A. gebildet werden. Auch bei Rhachitis und Osleomalacie hat man eine reichliche Bildung dieser Säure beobachtet. Aeltere Autoren84) führen als besondere Ursache der Herzentzündung die scrophulöse, scorbulische, bleichsüchtige Dyskrasie an; dies sind auch Zustände, die mehr oder weniger mit einer mangelhaften Assimilation verbunden sind, und aller- dings durch vermehrte Milchsäurebildung den Grund zu Herzaffectionen abgeben könnten. Indessen lässt man in der neuesten Zeit nur den Rheumatismus in gewissem Zusammenhänge mit Herzerkrankungen. Eine bestimmte Beobachtung über den Einfluss obiger Krankheiten auf das Herz hat man noch nicht gemacht, daher es wün- schenswerth sein dürfte, bei Herzkranken nach solchen, vielleicht früher dagewesenen Zuständen zu forschen. So kann die Entdeckung der Thatsache, dass die Milchsäure eine Erkrankung des Herzens veranlasst, für die Aetiologie der Herzkrankheiten noch nicht zu ihrer vollen Bedeutung kommen, wenn auch immer ein wesent- licher Schritt zur Erkenntniss gemacht worden ist. Noch bleibt ein Feld für Hypothesen und Vermuthungen frei. Hoffentlich wird die nächste Zeit durch sorgsame Prüfung, durch weiteren experimentellen Verfolg mehr Licht alif die Entstehung der Krankheiten des Organs werfen, an das die Alten des Menschen Höchstes, die Seele, gebunden dachten. Mit vollem Recht sagt der alte Kreysig: „die Krankheit des Herzens ist eine traurige 34) Testa, Krankh. d. Heizens. Uebers. von Sprengel. Halle 1813. I. Th. p. 47; Kreysig, Krankh. d. Herzens. 1815. Bd. II p. 160. Puchelt de carditide infantum, Lips. 1824. p. 28. Krankheit, welche die Kraft des Körpers erschöpft, und die des Geistes niederbeugt, jede Freude in ihrer Quelle zerstört und den Kranken mit dem unerschöpflichen Ge- fühle seines augenblicklichen Todes quält“. Hier gerade, bei den Herzkrankheiten, kann eine auf genauere aetio- logische Kenntniss sich stutzende Prophylaxis Frucht und Segen schaffen; hier gerade ist die Ermittelung der Ae- tiologie von sehr grossem wichtigem Interesse. Und in- soweit, als diese kleine Schrift einer gefundenen Ursache von Herzentzündungen Bestätigung zu verschaffen sucht, hoffe ich, werde sie nicht allen Werthes haar sein. Tlieses. 1) In vitiis valvularum organicis structura musculorum cordis prognosi ac therapiae majoris moraenti est, quam vitia valvularum ipsa. 2) Nomen Endocarditidis haud certum est 3) Etiam Omnibus sensibus nullum corpus externum percipere possumus. 4) Remedia non exstant. 5) Myopia acquisita pendet de vi elastica lentis de- minuta. 6) Insufficienlia cellularum sanguinis una est. ex causis mortis proximis.