Beitrag zur Kenntniss des Blutfarbstoffs. W Von Felix. iVawroeki ln Warichau. Den Angaben W. Preyer’s (s. diese Ztschr. 1867. No. 17 und 18) habe ich einige Worte beizufügen, die, wie ich hoffe, die Be- obachtungen des genannten Forschers erklären und mit den meinigen (s. diese Ztschr. 1867. No. 12 und 13) in Einklang bringen werden. Das nach Zusatz von Cyankalium zu Hämoglobinlösungen von Preyer beobachtete breite Absorptionsband gehört nicht, wie Preyer 1. c. pag. 260 sagt, dem KaCy-Hb (Cyankalium-Hämoglobin) an, son- dern der Verbindung des Cyankalium mit Hämatin, die Hoppe-Sey- LER in seinem Handbuche der phys.- und path.-ehern. Analyse 1865. p. 167 erwähnt. Cyankalium wirkt langsam in der Kälte auf das Hämoglobin ein, schnell beim Erwärmen; wenn man aber die Hämo- globinlösung durch Kali causticum (oder auf andere Weise) vor- her zersetzt hatte, tritt nach Zusatz von Cyankalium das breite Ab- sorptionsband in der Kälte sofort auf. Am schönsten gelingt der Versuch mit einer alkalischen Lösung reinen Hämatins; die Lösung nimmt nach dem Hinzufügen des Cyankaliums eine dunklere (röthere) Farbe an und zeigt ein breites Absorptionsband, das, wie Preyer richtig hervorhebt 1. c. pag. 259: „dem des sauerstofffreien Hämo- globins zum Verwechseln ähnlich aber etwas dem Violett genä- hert“ ist. Schwefelammonium ruft in dieser Cyankalium-Hämatinlösung die von mir beschriebenen zwei: „Schwefelammonium-Hämatinstreifen“ hervor. Schwefelkalium der Laboratorien wirkt ganz so wie Schwefel- ammonium auf Hämatinlösungen ein; ich habe in meiner früheren Notiz nur Schwefelammonium erwähnt, da dasselbe seinen Zweck: „als Reagens auf Hämatin zu dienen“ vollständig erfüllt. Preyer sagt 1. c. pag. 275: „Die mit Schwefelammonium zersetzten Hämo- globinlösungen coaguliren aber beim Erwärmen.“ Diesem Nachtheil des Scbwefelammoniums, den ich unberücksichtigt gelassen habe, kann man aber durch Kali causticum leicht Vorbeugen. — Das Schwefelkalium (Schwefelleber) der Apotheken, das Preyer ange- wendet hatte, möchte ich, abgesehen davon, dass es kein reines Prä- parat von constanter Zusammensetzung ist, schon deshalb nicht an- empfehlen, da dasselbe in der Regel viel Schwefel mechanisch bei- gemengt enthält, wodurch die spectroscopische Untersuchung getrübt wird. Da meine Untersuchungen noch nicht so weit gediehen sind, um etwas Bestimmtes über die Constitution der Cyan- und Schwefel- verbindung des Hämatins aussprechen zu können, so bitte ich den Leser, die von mir angewandten Ausdrücke: „Schwefelammonium- Hämatin, Cyankalium-Hämatin“, lediglich als vorläufige Benennungen betrachten zu wollen, Warschau, den 12. Juli 1867. Sep.-Abdr. a. d. Centralblatt f. d. med. Wissensch. 1867. No. 35. Druck von H. S. Hermann, in Berlin.