Die Therapie der Acne disseminata. Von Dr. LOUIS HEITZMANN, Arzt am Deutschen Dispensary, NEW YORK. Ars der ,, Medicinischen Monatsschrift“, September, 1889. Die Therapie (1er Acne disseminata.*) Yon Dr. Louis Heitzmann, Arzt am Deutschen Dispensary, New York. Krankheiten, für deren Heilung fortwährend neue Mittel angepriesen werden, sind stets schwer zu heilen, oder auch unheilbar. Unheilbar im Sinne einer medicamentösen Behandlung, denn Niemand wird sich darüber täuschen, dass selbst die schwersten Krankheitsformen durch Naturheilung gut werden können, und bringt der Zufall eine gewisse Anzahl solcher Fälle zur Beobachtung eines Arztes der überdies für dieses oder jenes Heilmittel eine gewisse Vorliebe hat, so ist es nur menschlich, dass er die Heilung seinen Mitteln zuschreibt. Am schlagendsten wird dies durch die bei Lungentuberculose oder Rachendiphtherie anempfohlenen Mittel demonstrirt, wo die wissen- schaftliche Grundlage schon so weit verwerthet worden ist, dass man bei ersterer die Bacillen durch heisse Luft backt oder röstet, bei letzterer mittelst Kochsalz einpökelt. Nicht ganz so schlimm steht die Sache bei der Acne, trotzdem wir zugeben müssen, dass die Zahl der augepriesenen Mittel schon jetzt Legion ist, und oft sehen wir in Fachblättern Empfehlungen neuer Heilmittel, die ohne specielle Indicationen zur Behandlung der Acne empfohlen werden. Begegnet man nun einem Fall, der keiner be- kannten Methode weichen will, so versucht man selbstverständlich eine nach der anderen dieser neu angepriesenen Methoden, was jedesmal auf einem gelinden Verzweiflungszustand im Gemütlie des Arztes hin- weist, der in der Regel ungebessert bleibt, wenn auch die neuen Mittel keine Besserung des Leidens zu Stande bringen. Den Höhepunkt der Verzweiflung hat jedenfalls einer unserer amerikanischen Specialisten erreicht, der kürzlich erklärte, dass alle Recepte zur localen Behandlung der Acne nicht einmal das Papier wertli seien, auf dem sie geschrieben werden. Dieser Herr will die ganze locale Behandlung auf Massage beschränken, wozu er selbstverständlich neue Instrumente ersonnen hat. Nicht selten wird einem Specialisten von einem allgemeinen Practiker die Frage vorgelegt: Was ist das Beste bei Acne? Dass •) Vortrag, gehalten in der Deutschen Medicinischen Gesellschaft von New York, am 9. September 1889. 2 diese Frage nicht so leicht zu beantworten ist, wird Jedem klar, der sich die Pathologie der Krankheit in das Gedäclitniss ruft. Je nach dem vorwiegenden Symptomencomplex erfordert die Acne sehr verschiedene Behandlungsweisen. Selbst in den Händen des erfahrensten Haut- arztes kann aber jede Behandlung im Stiche lassen, und zwar lässt sich die Anzahl solcher unheilbarer Fälle auf ungefähr 5 Procent stellen, wo zwar zeitweilige Besserung erzielt wird, die Krankheit aber nach einigen Monaten stets wiederkehrt. Der Specialist tröstet sich dann mit dem Gedanken, dass der Patient seine Anweisungen nicht genau befolgt hat, oder auch mit dem unserer therapeutischen Ohnmacht. Auch bei Eczem steht die Sache nicht besser; hier gibt es etwa 4 Procent rebellischer oder unheilbarer Fälle, die von dem einen Specialisten zu dem andern wandern und nicht geheilt werden, bis einmal ein allge- meiner Practiker ein neues Mittel verschreibt, selbstverständlich ge- wöhnlich ein innerliches, worauf die Krankheit verschwindet. Dass auch hartnäckige Krankheiten manchmal heilen, wenn man nichts thut, kümmert dann weder den Patienten noch den Arzt, welch’ letzterer eine grosse Genugthuung darin hat, mehr zu verstehen als alle Specialisten. Die Acne disseminata, von welcher ich spreche, ist unbestreitbar eine Krankheit der Talgdrüsen und der Pubertät. Man trifft zwar frühreife Kinder bis herunter zu 10 oder sogar 8 Jahren, bei welchen dieselbe auf- tritt, aber diese sind verhältnissmässig sehr selten und sind eben frühreif. Wir haben keine directe Vorstellung über den Einfluss der Pubertät auf dieses Leiden. Wie sollen wir uns vorstellen, dass die Entwickelung des Genitalapparates, Acne im Gesichte, auf der Brust und am Rücken hervorruft? Wir helfen uns da mit der Bezeichnung Reflexneurose. Könnte der Beweis geliefert werden, dass das Leiden im Wesentlichen auf einer Atonie der Musculi arrectores pilorum beruht, dann wären wir dem Verständnisse der Krankheit beträchtlich näher gerückt. Die fächerförmig ausgebreiteten Arrectores pilorum haben augenscheinlich die Hauptfunction, den Inhalt der Talgdrüsen, dadurch dass letztere gegen die betreffende Haarwurzel gedrückt werden, in die Haartaschen zu entleeren. Sind nun diese Muskel unthätig, so sammelt sich der Schmeer in den Drüsen an und erzeugt zunächst Pröpfe, Comedonen, die wieder mit Pigmentköpfchen geziert sind, und zum Ueberfluss Milben enthalten. Die Frage, ob die schwarzbraune Farbe des Comedo- .kopfes, wirklich, wie Unna vor mehreren Jahren behauptete, durch Pigment, Ultramarin, erzeugt wird, oder nicht hauptsächlich auf iSchmutz zurückzuführen ist, ist noch nicht entschieden Dringt um ■diese Pröpfe Staphylococcus pyogenes ein, so wird dieses bei einer ohnedies bestehenden mechanischen Reizung Eiterung hervoi rufen. Die einfache Papel kommt dann auf Rechnung der mechanischen, die Pustel auf Rechnung der mikrobischen Reizung. All das ist leider nur Hypothese, und die therapeutischen Versuche mittelst Electricität die Arrectores zur Contraction zu reizen und die Acne somit auf elec- irischem Wege zu heilen, haben sich bisher als fruchtlos erwiesen. 3 Mit den zwei Standpunkten einer mechanischen Reizung einerseits, und einer mikrobisehen andererseits sind auch die wesentlichen Momente zur Heilung des Leidens gegeben. Gelingt es uns die Schmeer- pröpfe zu entfernen, dünn ist die Quelle der mechanischen Reizung ver- stopft, damit ist auch die einer Infection durch Mikroben verschlossen, und wenn schon Pusteln vorhanden sind, und wir im Stande sind durch antipamsitäre Mittel die Eiterung zu beheben, so haben wir wenigstens vom theoretischen Standpunkte aus eine rationelle Heilmethode ge- wonnen, die, wie es die klinische Erfahrung lehrt, in der Mehrheit der Fftlle zum Ziele führen wird. So einfach steht die Sache aber leider nicht, denn abgesehen von der geschlechtlichen Aufregung gibt es noch eine Anzahl causaler Schäd- lichkeiten zur Begünstigung des Ausbruches von Acneknötchen und Pusteln. In Bezug auf ersteren Punkte gilt die Regel, dass bald nach erfolgter Verehelichung, also bei legitimer Befriedigung des Geschlechts- triebes, Patienten beiderlei Geschlechtes von der Acne befreit werden. Ich sage ausdrücklich legitime Befriedigung, denn weder Masturbation noch der Cultus der Venus vulgivaga ist heilsam für die Acne; Im Gegentheil werden solche Reizungen das Leiden gewöhnlich nur ver- schlimmern. Manche Aerzte betrachten die geschlechtliche Sphäre als die ausschliessliche Quelle der Acne und empfehlen folgerichtig Sonden- einführung in die Urethra beim Manne und heisse Vaginaldouohen bei Mädchen. Ich selbst kann über diese Methode keine Aussagen machen und würde mich hüten dieselbe in Anwendung zu bringen. Ein anderer Vorschlag ist, auf die Vermuthung eines Uterinleidens hin, allen mit Acne behafteten Mädchen Ergot als Fluidextract innerlich in grossen Dosen zu verabreichen. Dsisselbe Mittel wurde auch bei Männern anempfohlen. Zahlreiche Versuche haben gelehrt, dass Secale, allein angewendot, keinen Nutzen bringt, aber allerdings in manchen Fällen die locale Behandlung wesentlich unterstützt. Welche Fälle sich für diese Behandlung eignen, lässt sich von vornherein nicht bestimmen, und da die Erfolge doch sehr gering waren, wurde auch dieses Mittel wieder aufgegeben. Bisweilen trifft man auch verheirathete Frauen die mit Acne behaftet sind und dann ist meist ein Gebärmutterleiden in Verbindung mit dem Hautleiden. Solche Frauen sind gewöhnlich steril, oder, falls sie gravid werden, verliert sich die Acne um nach erfolgter Entbindung wieder aufzutreten. Es ist behauptet w’orden, dass alle, oder doch mindestens ein grosser Theil der an Acne leidenden Patienten, Dyspeptiker sind, doch ist diese Behauptung schon lange wieder als unrichtig bewiesen. Dagegen kann nicht bezweifelt werden, dass gewisse Nahrungs- und Genussmittel das Auftreten der Krankheit begünstigen oder schon vorhandene Acne ver- schlechtern. In erster Reihe zählen hier alle Sorten Käse, ferner Gewürze aller Art, nicht aber Salz. Wie sollen wir uns vorstellen, dass ein Stückchen in den Magen gebrachter Käse sich nach 24 Stunden zu einem prachtvollen Acneknoten kristallisirt ? Es werden wohl nicht die Acnebacillon sein die das thun, sondern wahrscheinlich scharfe Stoffe 4 der Fettsäuregruppe, die, im Wege der Blutcirculation eine schon vorhandene Reizung vermehren. Salz ist unschädlich; trotzdem gibt es Menschen die keine Salzgurke ungestraft essen können, wenn sie überhaupt zu Acne disponirt sind. Dass Butter, Kaffee oder Thee eine ungünstige Wirkung haben sollen, davon konnte ich mich nie über- zeugen, auch herrscht im amerikanischen Publikum ein eigenthümliches Yorurtheil gegen den Genuss von Buchweizenkuchen sowohl bei Acne als auch bei Eczem, aber ganz ohne Grund. Yon den Genussmitteln sind Alcoholica, zumal der schwereren Sorte, entschiedene Entzündungs- erreger. Bier kann in mässigen Quantitäten ohne Schaden genossen werden, ebenso leichte Weine, dagegen sind stark alcoholhaltige Weine und andere Getränke wie Branntwein entschiedene Acneerzeuger. Als therapeutische Maassregel ergibt sich aus dem Gesagten, dass man jedem mit Acne behafteten Patienten, Käse, Gurken und schwere Alco- holica selbst in den kleinsten Quantitäten von vornherein verbieten soll. Weiss der Patient von anderen ihm schädlichen Nahrungsmitteln, so wird er klug genug sein, dieselben zu lassen. Stuhlverstopfung ist bei einer Disposition zu Acne entschieden von Uebel und ist es sehr wichtig für eine regelmässige Darmentleerung zu sorgen. Dies erklärt auch, warum Schwefel, innerlich genommen, sich unter den Laien eines grossen Rufes für Verschönerung der Haut erfreut. Bekanntlich hat Calx sulphurata, innerlich verabreicht, noch bis vor Kurzem warme Vertheidiger in der Behandlung der Acne sowie der Furunkel gefunden, und wird auch jetzt noch von vielen Aerzten in jedem Falle verordnet. Yon der grössten Wichtigkeit ist die locale Behandlung der Acne. Um erfolgreich zu arbeiten, wird es gut sein sich drei Grade oder Formen der Krankheit in das Gedächtniss zu prägen, über welche schon der erste Blick Aufschluss ertheilt. Erstens: Die Acne ist mit Seborrhoe complicirt. Zweitens: Die Comedonen sind klein und nicht zahlreich und die Acne vorwiegend von papulösen Charakter mit nur wenigen und kleinen Pusteln. Drittem: Die Acne ist vorwiegend pustulös, jede Pustel mit hartem Infiltrate umgeben und die Comedonen zahlreich und tief sitzend. Bei der ersten Form ist die Seborrhoe durch den fettigen Glanz des Gesichtes, zumal der Nase, sofort diagnosticirbar. Die Nase ist dann in der Regel plump, und die Falten der Nasenflügel gegen den Nasenkörper sind undeutlich ausgeprägt oder fehlen ganz. Wenn hierzu noch eine sanfte Röthung kommt, wie das so häufig der Fall ist, besonders nach dem Genüsse von heissen Kaffee oder dem Einflüsse kalter Witterung, so ist das genügend um jedes Gesicht zu verunstalten. In diesen Fällen sind gewöhnlich die Schmeerpröpfe klein, weich und leicht ausdrückbar, jedoch zahlreich, insbesondere an der Nasenspitze und den Nasenflügeln. Ein gelinder Druck mit den Fingernägeln genügt um die Anwesenheit der weichen Schmeerpröpfe zu constatiren. Ausserdem belehrt uns das alte Experiment von Hebra über dessen Anwesenheit, indem man ein 5 reines, weissos Taschentuch kräftig über die Haut zieht und sofort den Fettfleck daran erkennt. Diese Form ist fast ausnahmslos mit Sebor- rhoea capitis complicirt, wie sich durch starke Schuppenbildung, durch Fehlen des Glanzes der Kopfhaare und durch frühes Ausfallen derselben äussert. Diese als Acne seborrhoica bezeiehnete Form weicht fast immer einer localen Behandlung mit Schwefel, in Form der Kalkschwefelleber, Solutio Vlemingkx genannt. Das Mittel wurde von einem belgischen Arzte, Vlemingkx, zuerst gegen Seabies empfohlen, und lange Zeit dafür mit grossem Erfolge angewendet, bis es der von Kaposi eingeführten Behandlung mit (j. Naphthol weichen musste. Obwohl schon seit Langem als eines der Mittel gegen Acne des Kückens und der Brust, nicht aber gegen solche des Gesichtes, angewendet, wurde es erst vor ungefähr zehn Jahren gegen Acne im Allgemeinen, speciell aber gegen Gesichtsacne von C. Heitzmann eingeführt. Die Lösung wird bereitet indem man 10 Gramm Calx viva, 20 Gramm Sulphur praecipitatum mit 200 Gramm Wasser in einem Glasgefäss kocht, bis die Masse zu 120 Gramm verdampft ist; hierauf wird flltrirt. Sie ist dunkelgelbbraun und riecht sehr unangenehm, docli ist es mir noch nie vorgekommen, dass Patienten die Lösung aus diesem Grunde ablehnen, besonders da dieselbe, wenn einmal auf die Haut gebracht, nicht mehr riecht. Die Anwendungsweise ist folgende : Man nimmt eine leere Flasche von derselben Grösse, in welcher die Lösung enthalten ist (120 Grm.), und giesst in dieselbe einen Esslöffel (Tlieil) voll von der Originalflüssigkeit. Dazu darf man keinen Silberlöffel nehmen der durch den Schwefel ver- dorben würde, sondern Holz, Horn, Glas oder irgend ein ähnliches Maass. Darauf giesst man 10 gleiche Theilo Wasser. Diese Mischung sollte, wegen des unangenehmen Geruches, bei offenem Fenster statt- linden. Mit dieser verdünnten Lösung tränkt Patient Abends vor dem Schlafengehen einen groben, weissen Flannellappen, und wäscht sich das Gesicht ohne Kraftanwendung eine oder mehrere Minuten lang bis leichtes Brennen eintritt. Das Mittel bleibt über Nacht auf der Haut, und wird am nächsten Morgen mit irgend einer guten Natronseife abge- waschen. Wer besondere Vorliebe für Salicyl, Theer oder andere medi- camentöee Seifen hat, mag diese immerhin anwenden, grossen Nutzen darf er jedoch nicht davon erwarten. Je nachdem die Haut mehr oder weniger empfindlich ist, kann man mit einer etwas schwächeren oder stärkeren Lösung anfangen. Jeden Abend bevor das Mittel eingerieben wird, müssen die Schmeerpröpfe mit beiden Daumennägeln, welche man mit dem Taschentuch umwickelt, schonend ausgedrückt werden. Allo Wochen, oder auch, besonders bei Männern, alle Halbwochen, wird die Mischung verstärkt, indem man einen halben Theil, respective Esslöffel voll weniger Wasser nimmt. Hat man mit 1 zu 10 angefangen, so folgt 1 zu 9J, 1 zu 9, 1 zu 8£ u. s. w. In der Regel ist Heilung erzielt, wenn man zu einer Mischung von 1 zu 5 Wasser angelangt ist, und nur in schwereren Fällen wird es nöthig die Lösung noch stärker anzuwenden, und kann man, nach mehrmonatlichem Gebrauch, eine Resistenz der 6 Haut selbst für die reine Solutio Vlemingkx erzielen, welche, wollte man damit beginnen, eine starke Verbrennung erzeugen würde, wie man bis- weilen erlebt, wenn ungebildete Patienten die Angaben des Arztes übersehen. Dauernder Schaden wird aber selbst dadurch nicht gethan. Dieses Mittel hat sich in einer sehr grossen Zahl von Fällen bewährt, in dem sowohl die Acne, wie auch die Seborrhoe dauernd geheilt wurden. Wenn bei empfindlicher Haut oder bei zu kräftigem Reiben am nächsten Morgen Röthung und Spannung der Haut eintritt, muss man mit der Lösung mehrere Tage aussetzen und an dessen Stelle einfach Cold Cream, das officinelle Unguentum Aquae Rosae, einstreichen lassen, bis die Abschuppung vorüber ist. Sind des Morgens die Schuppen zu zahlreich, ohne dass Röthung vorhanden wäre, dann wird sofort nach dem Waschen und Abtrocknen des Gesichtes irgend ein Fett, am Besten wegen seines Wachsgehaltes, Cold Cream, in dünner Lage eingestrichen, indem man das überflüssige Fett mit dem Handtuche entfernt. Soll Abends das Mittel wieder gebraucht werden, so muss das Gesicht selbst- verständlich vorher mit Wasser und Seife gewaschen werden, um die Fettlage zu entfernen, und die Lösung unmittelbar mit der Haut in Berührung zu bringen. Viele amerikanische Specialisten benutzen ausschliesslich eine Lösung von Kalium Sulphuratum und Zincum Sulphuricum, R Kali. Sulphurat., Zinc. Sulphurici -7-1 Grm. 4,0, Aquae Rosae 120,0. Dieses aa. Mittel ist allerdings angenehmer als die Solutio Vlemingkx und genügt in leichten Fällen vollkommen. In schwereren Formen indessen hat es sich keineswegs bewährt. Schwefelseife allein ist selbst in leichteren Fällen von keinen sehr grossen Nutzen, auch eignen sich die Schwefel- verbindungen des Kali, wenn allein angewendet, nicht zur Behand- lung. Zu erwähnen wäre noch eine 6 bis 10-procentige Schwefelsalbe, welche über Nacht auf der Haut gelassen, bisweilen sehr gute Dienste leistet. Als zweite Form der Acne habe ich jene bezeichnet, bei welcher die Comedonen klein, hart, oder stark verlängert beim Ausdrücken sich schlangenartig winden, und die Acne hauptsächlich einen papulösen Charakter aufweist, die sogenannte Acne papulosa. Pusteln sind in diesem Falle nur wenig und gewöhnlich nicht von starkem Infiltrate umgeben ; selbst harte, stark vorspringende Knoten vereitern in der Regel nicht. Diese Form ist von der ersteren augenscheinlich nur dadurch verschieden, dass das Secret der Talgdrüsen ein derberes, vorwiegend Stearin- und margarinhaltiges ist, während im ersteren Falle dasselbe vorwiegend oleinhaltig scheint. Solche derbe Pröpfe dürften der Entwickelung des Staphylococcus pyogenes keinen günsti- gen Boden liefern, daher die verhältnissmässig seltene Vereiterung. Kommt es einmal zur Vereiterung, dann bleiben in der Regel seichte Narben zurück, während in Folge der chronischen Entzündung der Haut, dieselbe hyperplastisch, derb wird, und in schweren und Jahre lang dauernden Fällen beträchtliche Verunstaltung des Gesichtes ver- ursacht. 7 Diese Form, besonders wenn sie schon Jahre lang angedauert hat, ist bei Weitem schwieriger zu heilen als die rein seborrhoische; indessen darf man bei genauer Durchführung der therapeutischen Maussregeln nach Monate langer Behandlung wohl in jedem Falle dauernde Heilung versprechen. Die Aufgabo ist eine zweifache: Erstens muss man durch leichte Reizung die derben Schmeerpröpfe erweichen, und zweitens durch künstlich hervorgerufene Entzündung das entzündliche Inllltrat der Haut zum Schwinden bringen. In leichteren Fällen genügt hierzu gewöhnliche Castil Seife, deren Schaum mittelst eines groben Handtuches Abends kräftig eingerieben wird, im eingetrockneten Zu- stande die Nacht über liegen bleibt, und am nächsten Morgen wieder mit Seifo und Wasser weggewaschen wird. Man kann den Seifen- schaum mit feingesiebtem Seesand mischen, um auch mechanische Reizung zu erzielen, oder man benutzt Marmor- oder Sandseifen, welche schon in der Fabrik mit Marmor oder Sand gemengt sind. Die Ichthyolseife kann ebenfalls in manchen Fällen gute Dienste leisten, obwohl dieses so stark angepriesene Mittel noch öfter gänzlich im Stiche lässt. Leichte Fälle, wo die Comedonen nicht tief im Derma sitzen, bedürfen nicht einmal des Ausquetschens derselben, da durch die mechanische Entfernung des harten Comedokopfes der freie Aus- tritt der Talgmassen ermöglicht wird. Schwerere Fälle, in welchen die C unedonen zu einer beträchtlichen Verlängerung der Drüsenaus- führungsgänge geführt haben, erfordern stets ein täglich wiederholtes Ausquetschen vor Anwendung der medicamentösen Mittel. Das Aus- quetschen geschieht entweder mit beiden Daumennägeln, die vorher selbstverständlich sorgfältig gereinigt werden müssen, oder noch besser mit dem Ohrlöffel oder der Cürette, welche hart am Comedo eingedrückt wird und diesen hebelartig emporhebt. Diese Manipulation wird von jedem Patienten leicht erlernt. Die Cürette ist dem Uhrschlüssel oder anderen sogenannten Comedoquetschern weitaus vorzuziehen, indem letztere fast niemals den Comedo in seiner ganzen Länge aus dem Canale heben, während die Cürette dies bei geringer Uebung mit der- selben leicht ermöglicht. Das Instrument, mit welchem das Aus- quotschen am leichtesten und besten geschieht, und welches die Haut von allen mir bekannten Instrumenten, bei nur einiger Uebung, am wenigsten reizt, ist ein kleiner, stumpfer, an den Enden abgerundeter Löffel, etwas grösser als ein gewöhnlicher Ohrlöffel. Die grösseren Cürotten, welche manche Specialisten gebrauchen, reizen die Haut zu stark und können von den Patienten nicht selbst gebraucht werden. Nicht selten quillt bei der Entfernung eines Comedos ein kleiner Bluttropfen hervor, was indessen bei der unmittelbar darauf folgenden antiseptischen Behandlung ohne Bedeutung bloibt. Selbst völlig ent- leerte Talgdrüsentaschen füllen sich wiederholt mit Schmeerpröpfen, doch wird man fast jedesmal die Beobachtung machen können, dass jeder folgende Propf kürzer und weicher ist, bis nach wiederholter Entleerung der Canal der Talgdrüsen obliterirt oder zu normalem Umfange reducirt wird. 8 Nach dem Ausquetschen müssen jeden Abend Einreibungen mit Kaliseife, der sogenannten grünen oder Schmierseife oder deren Lösungen mittelst eines groben weissen Flannellappens vorgenommen werden. Eine sehr gute Lösung ist die folgende: R Sapon. Virid. Germ. Grm. 30,0, Alcohol. fort. 60,0, Aquae Com. 90,0, Spirit. Lavandul. 15,0, welche über Nacht liegen bleibt und am nächsten Morgen mit Wasser und Natronseife abgewaschen wird. Diese Behandlung wird so lange fortgesetzt, bis deutliche Rötliung und Spannung der Haut eintritt, was bisweilen schon nach wenigen Tagen, bisweilen aber erst nach mehreren Wochen der Fall ist. Ein solcher Beizungszustand der Haut ist erwünscht, weil er zur Erweichung der Comedonen führt und deren Entfernung namhaft erleichtert, und weil andererseits eine Lösung der Infiltrate im Derma nur durch künstlich hervorgerufene Entzündung möglich wird. Sobald dieses Stadium erreicht ist, benutzt man einfache Salben, am besten Cold Cream, um den Abschuppungs- process möglichst wenig sichtbar zu machen. Nach eingetretener Buhe wird je nach Bedarf die Einreibung der Seifenlösung wiederholt, oder ist es gelungen die Mehrzahl der Comedonen zu entfernen, dann schreitet man zur Behandlung mit Solutio Vlemingkx, genau in der oben angegebenen Weise. Die schwersten Fälle der papulösen Acne erfordern auch die kräftigsten localen Heilmittel. Zu diesen gehört unbestreitbar Lassar’s Naphthol- oder Schälpaste : R ß. Naphthol. Grm. 10,0, Sulphur. praec. 50,0, Yaselin. (Lanolin), Sapon. Virid. 25,0. Mit dieser Paste kann in wenigen Tagen eine beträchtliche Entzündung mit darauf folgender Ab- schuppung erzielt werden, ohne dass man unangenehme Neben- wirkungen zu besorgen hätte, wenn man mit der Anwendung des Mittels im richtigen Momente inne hält. Die Paste wird des Abends einge- strichen, und je nach der Empfindlichkeit der Haut, 15 bis 30 Minuten liegen gelassen, hierauf sofort mit einem in Olivenöl getauchten Baumwollbauschen entfernt, und das Gesicht mit Seife und Wasser gewaschen. Sobald am nächsten Morgen sich intensive Röthung und Spannung der Gesichtshaut bemerkbar machen, welches oft schon nach der zweiten Application der Fall ist, obwohl manchmal erst nach der vierten oder fünften, muss das Mittel ausgesetzt werden bis die Ab- schuppung vollendet ist. Zum Verbergen der Schuppen dient Cold Cream, und eventuell noch irgend ein unschuldiges Gesichtspulver. Ein zweiter selbst dritter Cyklus der Pastenbehandlung kann in schweren Fällen nöthig sein. Als kräftiges Schälmittel wurde in neuester Zeit auch eine 10% Resorcinpaste empfohlen und leistet ganz gute Dienste. Auch eine Paste bestehend aus 3% Besorcin und 6% Schwefel, kann in nicht sehr schweren Formen mit Erfolg angewendet werden. Die Pastenbehandlungen haben den Vortheil, dass sie die Talgpröpfe rasch erweichen und deren Entfernung namhaft erleichtern. Sind sämmtliche Pröpfe, oder doch die Mehrzahl derselben ausgequetscht, wozu jeder Patient selbst hilfreiche Hand leisten muss, dann greift man 9 zur Behandlung mit Solutio Vlemingkx um die Pigmentflecke der Haut zu entfernen und flache Narben zu ebnen. Bei der dritten Form der Acne, wo wir derbe, im Centrum vereiternde Infiltrate in grösserer Anzahl vorlinden, der sogenannten Acne indurata, puxtulma, ist dio erste Aufgabe zunächst sämmtliche Abscesse zu ent- leeren. Dies geschieht bei kleineren Abscessen am einfachsten mit den beiden Daumennägeln, nach vorausgegangener sorgfältiger Iteinigung der Hände. Derbe Knoten, zumal tiefsitzende müssen jedoch entweder mittelst eines Spitzbistouris oder der von Hebra angegebenen Stichel- nadel, deren Querleiste ein tieferes Eindringen der Spitze verhütet, der Reihe nach eröffnet werden, worauf der Inhalt, welcher gewöhnlich aus flüssiger, mit Eiter gemengter Schmeermasse besteht, ausgedrückt wird. Dieselbe Behandlung erfordern kleine Talgcysten, deren Inhalt noch nicht »«»eitert ist. Die Blutung wird augenblicklich mit in Liquor ferri sesquichloruti getauchter, entfetteter Baumwolle gestillt, und hat man eine Cyste eröffnet, so soll man die Innenwand derselben mit ln Liquor ferri getauchten, zugespitzten Zündhölzchen oder Holzsonden kauteri- siren. Diese Aetzung ist unbedingt nöthig, um einerseits die Mikroben, andererseits die Epithel Auskleidung an der Innenfläche der Cyste zu zerstören. Niemals habe ich nach dieser Anwendung Erysipel oder selbst nur reactive Entzündung am Operationsherde beobachtet. Man muss sich indessen hüten, die Eisenlösung anzuwenden wenn gleichzeitig Solutio Ylemingkx gebraucht wird, indem dann durch Bildung von Schwefeleisen hässliche, schwarze Flecke entstehen, die freilich keine weitere Bedeutung haben. Unmittelbar nach Eröffnung der kleinen Abscesse oder selbst nach Ausquetschung von Comedonen, wird es gut sein in die Haut eineö\ige Carbollösung mittelst entfetteter Baumwolle einzureiben, und zwar bei irgend einer Form der Acne. Dadurch werden nicht nur Infectionen verhütet, sondern auch eino intensive vorübergehende Röthung der Haut erzeugt, welche die durch das Ausquetselien der Comedonen her- vorgobrächte Röthung verbirgt und deren Verschwinden beschleunigt. Letztere Indication wird allerdings auch durch sofortige Waschungen mit heissem Wasser erfüllt, jedoch gebe ich der Carbollösung wegen ihrer keimtödtenden Eigenschaft den Vorzug. Zur Behandlung dieser Form der Acne eignet sich insbesondere die Salicylsäuro in 300' alcoholischer Lösung, R Acid. salicyl. Grm. 3,6, Alcohol. fort. 120,0. Zuerst lässt man zu einem Theil dieser Lösung drei Theile Wasser hinzufügen, mit welcher Mischung sich Patient täglich vor dem Schlafengehen das Gesicht mit einem Flannellappen einreibt. Nach einigen Tagen wird die Lösung verstärkt, indem man einen Theil des Medieainentes mit 2£ Wasser mengt, hierauf 1 zu 2 bis sio endlich rein angewendet wird. Diese Lösung wirkt sowohl durch iliro antiparasitäro wie auch schuppenbildende oder epidermislösende Eigenschaft, indem sie gleichzeitig das Erweichen der Talgpröpfe be- schleunigt. Das Mittel lässt sich zur Abwechselung mit anderen bei irgend einer Form der Acne verwerthen. Die 3% Lösung eignet sich 10 ebenfalls vorzüglich um neue auf tauchende Papeln rasch zum Ver- schwinden zu bringen und deren Vereiterung zu verhüten, indem ein zu einer Spitze zusammengerollter Flannellappen in dieselbe eingetaucht und kräftig auf die Papel eingerieben wird. Man erreicht das auch durch locale Anwendung der Solutio Vlemingkx 1 zu 2 oder 1 zu 1 Wasser, oder Lassar’s Schälpaste direct auf die Papel eingerieben. Niemals habe ich nöthig gehabt den scharfen Löffel zur Entleerung der Acneknoten zu benützen, und würde mich scheuen zu diesem In- strumente zu greifen, da dessen Anwendung eine Narbe folgen muss, was wir doch streng verhüten sollten. Die feine Stichelnadel hinterlässt keine Narbe, und Narben die durch den Vereiterungsprocess selbst erzeugt werden, lassen sich eben nicht verhüten. Diese Narben sind bisweilen selbst nach kleinen Pusteln besonders bei Mädchen mit soge- nannter scrof ulöser Diathese unvermeidlich, aber auch bei den kräftigsten Männern nach tief in das Derma greifender Abscessbildung. Sol. Vlemingkx, Spiritus saponatus kalinus und Lassar’s Schälpaste eignen sich sämmtlich zur Behandlung der Acne indurata. Nach Heilung der schwereren Formen der Acne bleiben, wie schon oben erwähnt, häufig zwei störende Folgen zurück, nämlich Pigment- flecke und Narben der Gesichtshaut. Erstere pflegen ganz allmählig von selbst zu verschwinden, doch kann man deren Entfernung wesent- lich beschleunigen, wenn man auf dieselben täglich eine minimale Quantität der folgenden Salbe mit dem kleinen Finger einstreichen lässt: R Mercur. ammon. muriat. Grm. 3,75, Magist. bismuth. 3,5, Ungt. glycerin. 30,0. Narben bessern sich wohl auch mit zunehmendem Alter, doch lassen sich dieselben durch auf Monate ausgedehnte An- wendung mit Vlemingkx (1 zu 5, 1 zu 4,1 zu 3 u. s. w.) abflachen. Eine andere Methode besteht darin, dem Patienten Monate lang das feinste Oleum ricini in 0,3 Grm. Dosen bis auf 2 Gramm täglich nehmen zu lassen, ein Mittel, welches von L. D. Bulkley in die dermatologische Praxis eingeführt wurde. Wenn der Patient das Oel verdaut, was allerdings nicht jedesmal der Fall ist, so pflegt sich nach einiger Zeit eine Fettschicht im subcutanen Gewebe der Haut abzulagern, und die dadurch bedingte Prallheit der Haut führt zum Verschwinden der Narben. Obwohl in keiner directen Beziehung mit den beschriebenen Formen der Acne, will ich noch ganz flüchtig die Acne varioliformis anführen, bei welcher sich in der Gesichts- oder Kopfhaut mehr oder weniger gruppenförmig geordnete Knötchen oder Pusteln ohne namhafte Infiltrate und ohne Comedonenbildung, zeigen. Diese Form, obgleich selten, ist desshalb von Interesse, weil sie in ihrem klinischen Bilde und selbst in ihrem Ausgange mit narbiger Einziehung, Syphilis Vor- täuschen kann. Merkwürdig ist, dass diese Form durch eine 6% weisse Praecipitätsalbe in der Regel rasch zur Heilung gebracht werden kann, während dieselbe bei allen anderen Acneformen im Stiche lässt. Diese letzte Form kommt vorwiegend bei Personen beiderlei Ge- schlechtes im mittleren Alter zur Beobachtung, ohne dass wir ihren Zusammenhang mit Syphilis nachzuweisen im Stande wären. 11 Bol Patienten mit schlaffer, dünner Gesichtshaut wird die Behand- lung irgend einer Form der Acne disseminata durch Massage der Haut begünstigt. Die Massage besorgt der Patient selbst, indem er vor Anwendung der medicamentösen Stoffe jeden Quadratzoll seiner Ge- sichtshaut zwickt und knetet, bis Röthung der Haut eingetreten ist. Hierzu sind eigens construirte Instrumente völlig überflüssig. In solchen Fällen folgt der Massage eine ausgiebige Waschung mit 3 bis Carbollösung. Ist der Patient von der Acne befreit, so muss man ihm dringend anrathen, sein Gesicht jede Woche einmal sorgfältig zu inspiciren und jeden Comedo, sobald sich derselbe nur sehen lässt, sofort zu ent- fernen. Da der Comedo das Grundübel der Acne ist, so ist es begreif- lich, dass dessen Bildung mit der grössten Sorgfalt verhindert werden muss. Wenn trotzdem jedem Dennatologen eine geringe Anzahl von Fällen vorkommt, welche jeder Behandlung trotzen, so geht es ihm eben nicht besser, wie dem allgemeinen Practiker oder irgend einem anderen Specialisten.